sehr  vereinzelt  zu  finden  sind.  Auf  wirtschaftlichem  Gebiete  sind  also
erst  recht  Reformen  notwendig.
Die  Vertretung  der  Interessen  des  Fischergewerbes  läßt  auch  viel
zu  wünschen  übrig.  Die  Handelskammern,  in  deren  Bezirken  die  Fischindustrie ­
  oder  der  Fischhandel  dominieren,  beschäftigen  sich  auch,  wie  ihre
Berichte  beweisen,  mit  Fischerei-Interessen,  aber  doch  nur  so  weit,  als
der  Handel  dabei  beteiligt  ist,  und  —  dabei  kommen  die  Fischer  zu  kurz.
Soll  sich  das  Fischereigewerbe  heben,  so  muß  ein  Organ  mit  obrigkeitlichen ­
  Befugnissen  geschaffen  werden.  Wie  das  Handwerk  in  vergangenen
Zeiten  durch  Innungen  zur  Blüte  gekommen  ist,  so  kann  das  Fischereigewerbe ­
  auch  nur  durch  gesetzlich  anerkannte  und  privilegierte  Einrichtungen
in  Flor  kommen.  Wir  haben  nun  allerdings  im  Binnenlande  ja  Fischer-Innungen,
  auch  wohl  vereinzelt  an  der  Küste.  Ob  die  Einrichtungen
dieser  Innungen  mustergiltig  sind,  kann  ich  nicht  beurteilen.  Meines
Erachtens  wird  allenthalben  das  Genossenschaftsprinzip  zu  wenig  berücksichtigt. ­
  Die  große  Zahl  der  Küstenfischer  aber  hat  überhaupt  kein  Organ,
das  sie  vertritt  und  das  amtlich  anerkannt  wäre.  In  der  Organisation
des  Fischereigewerbes  findet  sich  also  auch  manches  zu  reformieren.
Noch  auf  einen  anderen  Punkt  möchte  ich  die  Aufmerksamkeit  der
Leser  richten.  Der  Bildungsgang  der  Fischer  ist  im  allgemeinen  ein
derartiger,  daß  er  dringend  der  Reform  bedarf.  Wie  viele  Fischer  vermögen ­
  es,  Geschäftsbücher  regelrecht  zu  führen  und  so  einen  Überblick
über  ihre  Geschäfte  zu  gewinnen?  Es  sind  herzlich  wenig.  Sehr  viele
aber  dürften  es  sein,  die  es  schon  oft  mit  Schmerz  empfunden  haben,
daß  sie  nicht  soviel  gelernt  haben,  um  ihre  Korrespondenz  selbständig
führen  zu  können.  Hier  thut  Abhilfe  dringend  not.  Erinnern  wir  uns
eines  Wortes  von  Schiller:  „Das  ist's  ja,  was  den  Menschen  zieret,
und  dazu  ward  ihm  der  Verstand,  daß  er  im  tiefsten  Herzen  spüret,  was
er  erschafft  mit  seiner  Hand."  Die  Fischer  vermögen  sich  über  das
Warum?  ihres  Thuns  in  ihrem  Berufe  nicht  immer  Rechenschaft  zu
geben.  Sie  vermögen  nicht  immer  das  richtige  Wirtschaftssystem  zu  erkennen, ­
  weil  die  allermeisten  nicht  gelernt  haben,  die  Natur  zu  betrachten,
weil  sie  in  den  allerseltensten  Fällen  eine  Naturanschauung  haben,  die
mit  der  Wissenschaft  in  Einklang  zu  bringen  ist.  —  Der  Ausschuß  des
Deutschen  Fischerei-Vereins  hat  in  den  Textausgaben  des  Fischerei-Gesetzes ­
  auf  der  Rückseite  des  Titelblattes  folgendes  drucken  lassen:  „Der
Fischerei-Frevel,  namentlich  das  Fangen  während  der  Schonzeit  und  das
Zerstören  der  Fischbrut,  haben  in  vielen  Teilen  Deutschlands  so  überhand