94 I. Buch. Production und Cousumtion. Productionsmittel zu behandeln und eine ursprünglich und hauptsächlich nicht auf die Production gerichtete Thätigkeit zugleich als productive zu verwenden. Dahin gehört die Verwendung des Wohnhauses als Werkstatt, der gleichzeitige Gebrauch des Küchenfeuers und der häuslichen Beleuchtungsmittel zur Be friedigung der persönlichen Bedürfnisse und zu gewerblichen Zwecken, die Be- nutzung der Zusammenkünfte von Familiengliedern, Freunden und Nach- barn zu nutzbringender Arbeit. So ist es und war es namentlich früher Brauch, unter heiterem Gespräch das Obst zu ernten, oder z. B. in deutschen Landen mit dem Schlachten des im Laufe des Jahres gemästeten Schweins ein Familienfest zu verbinden, indem gute Freunde bei der Verarbeitung des Fleisches helfen und dann behaglich zusammen schmausen, oder im sogen. Heim garten unserer Alpenländer, d. h. bei ben winterlichen Abendzusammenkünften der Nachbarn, unter Gesang und Spiel oder dem Erzählen von alten Ge schichten und Sagen oder unter andern Annehmlichkeiten fleißig zu spinnen, Holzschnitzereien anzufertigen, Körbe zu flechten u. s. w. Was aber ins besondere die Landwirtschaft anbelangt, so spart man — oder sollte dies wenig stens — beim Kleinbetriebe beträchtlich dadurch, daß man den Dünger unent geltlich zur Verfügung hat, Pferde und Wagen gar nicht oder fast nicht benöthigt und kostspielige Bewässerungsanlagen mehr oder minder entbehren kann. In China weiß man sich alle diese Vortheile trefflich zu nutze zu machen. Es ist demnach die Frage, welche Grenzen des Betriebsumfangs die vortheilhaftesten sind, eine sehr verwickelte, und um dieselbe entscheiden zu können, muß man alle die zahlreichen Besonderheiten in Betracht ziehen, wie sie sich aus der Verschiedenheit der Gegenden, der Beschaffenheit der betreffenden Arbeiten, dem Charakter und den Fähigkeiten der Menschen u. s. w. ergeben. Leider kann man nicht behaupten, daß bei Aenderungen des Betriebsumfanges stets das Vortheilhaftere an Stelle des minder Vor theilhaften trete. Die Aufrechterhaltung oder die Neueinführung eines be stimmteil Betriebsmaßstabes kann aus höchst unerfreulichen Ursachen statt finden. Es kann geschehen, daß die kleinen Landwirtschaften durch große Betriebe ersetzt werden, nicht um einen größern Ertrag zu erzielen, sondern um gewiffen Leuten einen größern Antheil an dem geringern Ertrage zu sichern. Die Aufsaugung des kleinen Grundbesitzes durch deu großen infolge hoher Steuerlasten, Wucherzinsen und Vernachlässigung eines tüchtigen, be sonders auch die Landwirtschaft berücksichtigenden Volksunterrichts, wie sie sich vielfach in Italien vollzog, hat nicht immer zu einem erträglichen, zum Theil sogar in socialer und in wirtschaftlicher Hinsicht vortheilhaften Halb pachtverhältniß geführt, sondern ist in der Lombardei und namentlich in Sicilien eine Quelle der Verarmung elender Unterpächter geworden; unter