98 I. Buch. Production und Konsumtion. ist für die kleinen Unternehmungen günstig. Andere Erfindungen der Neuzeit gereichen ihnen aber zum Nachtheil, und es hat gegenwärtig nicht den An schein, als ob der gewaltige Umschwung, welcher dem fabrikmäßigen Betrieb im ganzen das Uebergewicht verschaffte, eine rückläufige Bewegung erfahren würde. Was insbesondere den Handel anlangt, so werden wahrscheinlich die kleinen Geschäfte noch mehr als bisher großen Unternehmlingen Platz machen müssen. Bezüglich der Landwirtschaft läßt sich, wie die Dinge heute liegen, keine Boraussage darüber machen, was die Oberhand behalten wird: die Groß betriebe init rein kapitalistischer Betriebsweise, welche nur einen möglichst großen Geldertrag herauszuschlagen sucht, oder social gesunde und wirtschaftlich er giebige Formen des Großgrundbesitzes, oder endlich — was das Wünschens- wertheste ist — eine Vertheilung des zu landwirtschaftlichen Zwecken ver wendeten Grund iinb Bodens, die neben einer bedeutenden Anzahl großer Güter und großer agricultureller Unternehmungen auch eine beträchtliche Menge bäuerlicher Besitzungen verschiedenen Umfangs iinb ganz kleiner Anwesen (Ar beiterhäuser mit einem Stück Land, Garten u. s. w.) bestehen läßt. Es wird von verschiedenen Uinständen abhängen, welche Form des land wirtschaftlichen Betriebes die Oberhand behält. Je nachdem man staatlicher- seits für die landwirtschaftlichen Interessen Sorge trägt, und vor allem, je nachdem in den verschiedenen Schichten der ländlichen Bevölkerung der Geist der Treue gegen die Ueberlieferung, verbunden mit einem offenen Auge für die nothwendigen technischen Umgestaltungen im Geiste der modernen wissen schaftlichen Fortschritte, je nachdem namentlich in der Mitte der Großgrund besitzer wie der Bauern wahrhaft religiös-sittlicher Ernst und eine damit im engsten Zusammenhange stehende Vorliebe für ein ruhiges, arbeitsfreudiges, bis zu einem gewissen Grade einfaches Leben herrschend sein werden', wird sich eine vortheilhafte, social gesunde agrarische Organisation erhalten oder neu herausbilden. Auf den hohen Werth einer wirksamen Gestaltung des land wirtschaftlichen Genossenschaftswesens, ohne welche an eine solche Organisation nicht gedacht werden kann, ist bereits im vorigen Kapitel hingewiesen worden. Auf andere wirksame staatliche Maßregeln wird im 11. Kap. des III. Buches einzugehen sein. Die Hauptsache bleibt aber immer die Erhaltung des treu religiösen Sinnes, welcher die Erfahrungen einer gewissenhaften, die Autorität achtenden Vorzeit hochhält. Vermöge dieses Sinnes haben die ländlichen Bevölkerungskreise schon in so manchen Fällen die Schwierigkeiten, welche aus ungeeigneten Gesetzen fiir ihre naturgemäße Organisation erwuchsen, und überhaupt Zeiten schwerster Krisen überwunden. Er ist und bleibt eine unerläßliche Vorbedingung des Wohles der Landwirte wie aller übrigen Bevölkerungsklaffen. Ist er ge-