433 11. Kap. Trügerische Lösungen wirtschaftlicher Schwierigkeiten. thums und die Abschaffung der gesetzlich geschützten Ehe an, und seine An hänger hegen die Hoffnung, daß die Menschen einst in freien Gruppen zu sammen leben und zusammen arbeiten und so ein Ideal genossenschaftlicher Gleich heit, wahrer Freiheit und echter Brüderlichkeit verwirklichen werden! Socialistisch sind übrigens nicht nur alle die Maßregeln, welche unmittel bar auf die Einführung des Socialismus ausgehen, sondern auch diejenigen, welche die Privatinitiative so weit einschränken, daß sie wesentliche Functionen des Privateigenthums unterbinden oder gänzlich unmöglich machen. Wie leicht kann es geschehen, daß man auf diesem Wege zur vollen Anwendung des socialistischen Systems gelangt! Wir brauchen hier den Socialismus nicht zu widerlegen. Das ist schon km 6. Kapitel dieses Buches, welches die Berechtigung des Reichthums nach weist, zur Genüge geschehen. Wir haben dort mit Berufung auf das Natur gesetz und auf die Lehren der geoffenbarten Religion den Nachweis erbracht, daß die Ungleichheit der Vermögensverhältniffe eine Vorbedingung der Civili sation ist und zu materiellem und moralischem Wohlbefinden führt. An dieser stelle wollen wir nur noch auf eine Thatsache Hinweisen. Der Socialismus 'st seiner Wesenheit nach antireligiös. Mögen gewisse Socialisten gegen den offen ausgesprochenen Atheismus vieler zu ihrer Partei gehörigen Schriftsteller Ver wahrung einlegen, soviel sie wollen; mögen sie immer wieder behaupten, es sei die Aeußerung solcher Ideen ein entschuldbarer Protest gegen die heuchlerische Frömmigkeit gewisser Leute, welche sich die Reichthümer und Annehmlichkeiten des ^rdenlebens trefflich zu nutze zu machen wisse, während sie die zu den niedern blassen gehörigen Leute mit einem Hinweis auf die himmlischen Freuden abspeise; wögen sie endlich auch laut verkünden, daß sie die Heiligkeit und die Unversehrt st des Familienlebens mit Nichten antasten, sondern die Freiheit in religiösen "ad sittlichen Dingen vollständig zu wahren gewillt seien — das alles ändert nichts an der Thatsache, daß ihre gesamte Lehre auf einer Verherrlichung des Materiellen Wohlbefindens und der irdischen Glückseligkeit als der einzig noth wendigen Güter beruht, und daß gemäß dieser Lehre in der richtigen Ver keilung dieser Güter die einzige große Voraussetzung für das Ende von "aster und Elend zu suchen ist. Wer sich zu dieser Lehre bekennt, läugnet die christlichen Lehren von der Erbsünde, von der natürlichen Ungleichheit der verschiedenen Menschen, vom ^ligiösen Charakter der Ehe und der Familie. Gelangte das socialistische Ideal der Concentrirung der gesamten Güter- kwoduction in den Händen des Staates wirklich zur Ausführung, so würde wan unvermeidlich zur Verfolgung des Christenthums schreiten und eine un trügliche politische Tyrannei walten lassen, die nur durch Betrügereien und kstechungen erträglicher gemacht werden würde. Auch für das christliche DevaS.Kämpfk, BolkSwirtschastslehre. 28