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        <title>Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621</title>
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3S mstituts für Weitwirts 
der Universität Kiel 
Biblio 
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        Schrägen 
(1er 
Gilden und Aemter 
der Stadt Riga bis 1621.
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Schrägen 
der 
Gilden und Aemter 
der Stadt Riga bis 1621. 
Herausgegeben 
von der 
Gesellschaft für Geschichte und Alterthumskunde 
der Ostseeprovinzen Russlands. 
Bearbeitet 
von 
Wilhelm Stieda und Constantin Mettig. 
nït 
Rig^a. 
Buchdruckerei von W. F. Häcker. 
1896.
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Gedruckt auf Verfügen der Gesellschaft für Geschichte und Alterthumskunde 
der Ostseeprovinzen Russlands. 
Riga, den 28. Mai 1896. 
Präsident: H. Baron Bruiningk.
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        •) Sitzungsberichte der gelehrten estnischen Gesellschaft 1882, S. 21. 
Vorwort. 
Durch die unter Anleitung von Professor Gustav 
Schmoller seit Ostern 1874 in Strassburg getriebenen ge 
werbegeschichtlichen Studien angeregt und durch seine 1876 
veröffentlichte Habilitationsschrift über die Entstehung des 
deutschen Zunftwesens mit der Zunftgeschichte vertraut ge 
macht, kam Stieda auf den Gedanken, eine Zunft- und 
Gewerbegeschichte von Liv-, Est- und Kurland abzufassen. 
Während eines Ferienaufenthaltes in Riga im Herbste 1877 
stellte er zu diesem Zwecke die ersten Forschungen im Raths 
archiv zu Riga an, wobei er sich der entgegenkommenden 
Unterstützung von Seiten des Bürgermeisters Böthführ erfreute. 
Seit er dann im Februar 1878 ein Lehramt an der Universität 
Dorpat übernommen hatte, konnte er bald dem projectirten 
Unternehmen mehr Zeit zu wenden und begann die mühselige 
Arbeit des Sammelns der Schrägen, die in städtischen Archiven 
und Bibliotheken, sowie vor allen Dingen in den Laden der 
Handwerksämter, die zu erschliessen besondere Schwierig 
keiten hatte, aufbewahrt wurden. Bis zum Ende des Jahres 
1881 war er mit dieser Arbeit so weit gediehen, dass er auf 
der Jahresversammlung der gelehrten estnischen Gesellschaft 
zu Dorpat am 18. Januar 1882 einen Vortrag über das von 
ihm herauszugebende baltische Schragenbuch halten konnte ^). 
In diesem Vortrage, der bald darauf in der „Rigaschen
        <pb n="8" />
        IV 
Vorwort. 
Zeitung“ vollständig zum Abdrucke gelangte und von hier 
aus auch in die anderen Organe der Provinzialpresse über 
ging, entwickelte er seinen Plan dahin, dass die Schrägen 
der Ämter in den Städten Riga, Reval, Dorpat und Mitau 
veröffentlicht und in Verbindung mit dieser Urkundensamm 
lung der Versuch einer Darstellung der Geschichte des Ge- 
werbefleisses von Liv-, Est- und Kurland unternommen werden 
sollte. Die Sammlung sollte beim Jahre i6üo abbrechen und 
die Herausgabe der Schrägen des 17. und 18. Jahrhunderts, 
sowie die Fortsetzung der geschichtlichen Darstellung bis zur 
Einführung der Gewerbefreiheit einem anderen Bande Vorbe 
halten bleiben, dessen Fertigstellung von dem Interesse ab- 
hängig gemacht wurde, das man dem ersten Bande schenken 
würde. Schliesslich wurde, um die städtischen Korporationen, 
die schon so viel für die Förderung der vaterländischen Ge 
schichtsforschung gethan hatten, nicht auf’s Neue in Anspruch 
zu nehmen, zur Subscnption auf das Werk aufgefordert. 
Die Subscription ergab in den nächsten Monaten nach 
Abdruck des Vortrags in der ,,Rigaschen Zeitung“ und der als 
Inserat ergangenen Aufforderung zur .Subscription 28 Pränume- 
ranten in Riga und 18 in Dorpat. Es war in höchstem 
Grade zweifelhaft, ob es möglich gewesen wäre, auf dieser 
Grundlage den Druck des kostspieligen Buches beginnen zu 
können. Verhängnissvoller wurde aber der Umstand, dass 
Stieda im Juni 1882 nach Berlin übersiedelte und, von Berufs 
geschäften in Ansj)ruch genommen, keine Möglichkeit sah, 
das begonnene Werk durch Sammlung weiteren Materials, 
Collationirung der in seinem Besitz befindlichen Abschriften, 
Ausarbeitung einzelner Partien der Darstellung zunächst wenig 
stens druckfertig zu machen.
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        Vorwort. 
V 
Erst im Herbste 1885 konnte Stieda zum Besuche wieder 
in Rijra weilen und hier wie in Reval nach Schraten Umschau 
halten. Bei dieser Geleg^enheit versuchte er Mettijr für die 
gemeinsame Herausgabe des Schragenbuches zu gewinnen. 
Mettig hatte in der Zwischenzeit seine ,, Beiträge zur Ge 
schichte der Rigaschen veröffentlicht und hatte 
Stieda in dessen Zwecken insoweit gefördert, als er ihm neue 
zuverlässige Abschriften nach den ältesten Handschriften der 
bereits im liv-, est- und curländischen Urkundenbuche abge 
druckten Schrägen besorgte. Mettig war nicht abgeneigt auf 
den Vorschlag einzugehen, und so entstand in gemeinsamer 
Arbeit der beiden Unterzeichneten das Buch, das sie heute 
vorlegen können. 
Man kam überein, dass es rathsam sei, die Sammlung 
der Schrägen auf Riga zu beschränken und über das fahr 
1621 nicht hinauszugreifen. Der Grund, warum dieses Jahr 
gewählt wurde als Abschluss, ist in der Einleitung zur Schragen- 
sammlung auseinandergesetzt. Dagegen sollte die Darstellung 
der Urkundensammlung vorausgehen und den Versuch wagen, 
die Geschichte des Zunftwesens in Riga von der ältesten Zeit 
bis auf die Gegenwart zu liefern. Wohl musste man sich 
.sagen, dass die weitere Sichtung des Materials und Forschung 
über die Zustände des 17. und 18. Jahrhunderts die auf 
Grundlage des heute bekannten Stoffes abzufassende geschicht 
liche Darstellung an manchen Punkten zurechtzustellen haben 
werde. Aber, da sich schlechterdings nicht absehen Hess, ob 
die Herausgabe eines zweiten, die spätere Zeit behandelnden 
Bandes dereinst möglich sein werde, so sollte wenigstens ein 
derartiger, vorläufig orientirender Versuch, die ganze Ent 
wickelung an sich vorüberziehen zu lassen, auch wenn dieser
        <pb n="10" />
        VT 
Vorwort 
in seinen letzten Abschnitten nicht auf ganz sicheren Füssen 
stünde, nicht unterbleiben. Im Übrigen einigten sich die 
Herausgeber darin, dass in der Darstellung soweit als mög 
lich der gewerblichen Zustände auch von Reval und Dorpat 
gedacht werden sollte und dass man sich nicht auf die Heraus 
gabe der Schrägen der Handwerksämter beschränken wollte, 
sondern auch die Schrägen der in dem öffentlichen Leben 
Rigas eine so grosse Rolle spielenden Gilden mit in den Kreis 
der Betrachtung ziehen müsste. Auf diese Weise durfte man 
hoffen, ein über dieses wichtige Gebiet der städtischen Ge 
schichte vollständig Auskunft gebendes Werk zu schaffen, das 
sowohl zur Fortsetzung der wissenschaftlichen Arbeit als auch 
zur Belehrung über diese interessante Partie der Vergangen 
heit dienen könnte. 
ln die Arbeit theilten sich nun die beiden Unterzeichneten 
wie folgt : Mettig übernahm die von Stieda begonnene Samm- 
lung zu vervollständigen, auch die von diesem gemachten 
Abschriften zu collationiren sowie nach einheitlichen Editions 
grundsätzen zu redigiren. Ferner entfiel auf seinen 1 heil die 
Abfassung der Einleitung zum zweiten I heil, die zur Orientirung 
über die Principien der Edition und den Charakter der Hand 
schriften dienen soll, dann die Aufstellung des Glossars und 
der Register. Stieda verjiflichtete sich dagegen zur Nieder 
schrift der Darstellung. Diese wurde von Mettig im Manu 
skripte durchgelesen und an einigen Stellen nach Rücksprache 
mit ihm geändert. Besonders die Abschnitte über die ICnt- 
stehung der Ämter und die Bedeutung der Kreyge’schen Sera 
sind erst nach wiederholter Überlegung und Berathung mit 
Mettig in der jetzigen Fassung von Stieda niedergeschrieben 
worden. Die Abschnitte über das Brauerei wesen nach 1428
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        Vorwort. 
Vil 
unci über die Gilde der Schwarzenhäupter in Ri^a entstammten 
ausschliesslich Mettigs Feder; an der Darstellung^ der Zeit nach 
1621, die ausserhalb der Grenzen seiner Specialforschung 
liegt, hat Mettig keinen Antheil mehr genommen. 
Es mag im Übrigen schwierig sein, Fernerstehenden 
völlig klar zu machen, was der eine und der andere der 
beiden Unterzeichneten geleistet hat, und es lässt sich auch 
bei dem regen Hriefwechsel zwischen beiden sowie dem mehr 
fachen mündlichen Gedankenaustausche, besonders in den Jahren 
1888, 1890 und 1893, kaum das geistige Eigenthum eines 
jeden ganz streng auseinanderhalten. Den beiden Unterzeichne 
ten scheint es aber auf eine genaue Abwägung in dieser Rich 
tung auch gar nicht anzukommen. Sie betrachten das Buch, 
das sie in treuer Anhänglichkeit an ihre Heimath und in der 
Hoffnung, ihren Landsleuten damit einen Dienst zu erweisen, 
unternommen haben, als ihr gemeinsames Werk und sind 
beide bereit für die Unvollkommenheiten, die sich möglicher 
weise an dieser oder jener Stelle finden sollten, einzustehen. 
vSie hoffen aber angesichts der grossen Schwierigkeiten, die 
es zu überwinden galt, auf die Nachsicht ihrer Leser. 
Es hat eine lange Reihe von Jahren gedauert, bis die 
Unterzeichneten das Werk soweit zu fördern vermocht haben, 
dass es heute druckfertig vorgelegt werden kann. Krankheit, 
I rauerfälle, Berufsarbeiten, die nicht aufgeschoben werden 
konnten, schienen gelegentlich unüberwindbare Hindernisse 
zu bilden und verzögerten die Fertigstellung. Nachdem glück 
licherweise alle diese Umstände geschwunden waren, lag die 
Hauptschwierigkeit in der Bestreitung der Druckkosten. Die 
beiden Unterzeichneten waren leider nicht in der Lage neben 
den Opfern an Zeit und Geld, (lie sie im Interesse der Sache
        <pb n="12" />
        VIII 
Vorwort. 
hei der Ausarbeitung gebracht hatten, auch das Vmanzielle 
Risico zu übernehmen, und ein Buchhändler wollte sich zu 
diesem Schritte auf eigene Verantwortung ebenfalls nicht ver 
stehen. In dieser Verlegenheit wandten sich die Unterzeichne 
ten an die Gesellschaft für Geschichte und Alterthumskunde 
in Riga, bei deren Directorium sie die grösste Bereitwilligkeit 
und verständnissvolles Entgegenkommen fanden. Es gereicht 
ihnen zur angenehmsten Pflicht, dem Präsidenten der genannten 
Gesellschaft dem Herrn Ik'iron H. von Bru ini ngk und den 
Mitgliedern des Directoriums für ihre gütige Unterstützung und 
der Gesellschaft selbst für die Herausgabe des Druckwerkes 
ihren Dank auszudrücken. Für die ihrer Arbeit durch Rath und 
That zu Theil gewordene Förderung haben sie noch folgenden 
Herren zu danken: dem Herrn 'Anton Buchholtz, dem 
Herrn Stadtarchivar zu Riga Dr. Ph. Schwartz, dem Herrn 
Dr. A. Bergen grün, ehemaligen Bibliothekar der Gesell 
schaft für Geschichte und Alterthumskunde, dem Herrn Vice- 
consul A. Larsson in Riga und dem Herrn Bibliothekar 
Dr. H. O. Wieselgren an der Königlichen Bibliothek zu 
Stockholm. 
Riga, im Mai t8c)6. 
W. Stieda in Rostock. 
C. iVLettig in Riga.
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        r Tl 11 a 11. 
I. Then. 
Geschichte des Gewerbes in Riga. 
Übersicht über die gewerbegeschichtliche Literatur Rigas 
1. Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
Strassennamen: Schuhmacherstrasse, Kaufstrasse, Schmiedestrasse, Krä 
merstrasse, Küter-, Schneider-, Scherer-Strasse. Schusterpforte. Küter- 
pforte. Schusterbrücke. — Stätten des Gewerbebetriebes: 
Mühlen, Brauhäuser, Kuthaus, Gerbehäuser, Kalkresen, Kalkofen, Ziegel 
hütte, Bauhof, Lastadie, Keeperbahn, Pfeffermühle, Talgschmelze, Oel- 
mühle, Pulvermühle, Badestuben, Apotheken. — Verkaufsplätze: der 
Markt, die Buden, Hopfenhaus, Brodscharren, Fleischscharren, Fisch 
halle, Butterhaus, Kohlenmarkt. — Einrichtungen des Handels: 
Talg-, Wachs-, Flachsspeicher (Persehuser), Theer-, Aschen- und Herings- 
wrake (Therebane, Wrackhof), Münze, Waage, Zollbude. — Vor- 
richtungen für den Verkehr: Bierstuben, Weinkeller, Gasthäuser 
2. Die Gewerbetreibenden. 
Gewerbestatistik Rigas nach den Libri redituum und den Erbebüchern. — 
Gewerbestatistik Rigas und Revals im 13. und 14. Jahrhunderte. - Ver 
gleich mit Stralsund, Kiel, Hamburg, Lül&gt;eck, Frankfurt a./M. und Nürn 
berg. — Gewerbestatistik Rigas im 15. und IG. Jahrhunderte. — Ver 
gleich mit Lübeck und Danzig. — Ausländische Handwerker in Riga 
und Reval. — Gewerbetreibende Frauen 
3. Die Organisation der Gewerbetreibenden in 
Ämtern. 
Die Verbände des 13. Jahrhunderts in Reval und Hapsal. - Die Gilden. 
— Die Gilde des Heiligen Kreuzes. — Die ältesten Ämter Rigas. 
Die Brüderschaft der Bierträger. — Die Gilde der Schwarzen Häupter. 
— Der Kreygesche Schrägen. - Die ältesten Ämter Revals. — Die 
Gesellenbrüderschaften. — Die Stellung der Ämter im städtischen Leben 
Seit« 
3-5 
6-32 
32-84 
85- 100
        <pb n="14" />
        X 
Inhale 
4. Die Verfassung der Ämter im vierzehnten 
Jahrhunderte. 
Entlehnung der Amtsrollen. — Lehrzeit. — Gesellenwesen. — Bedingungen 
für die Gewinnung des Meisterrechts. — Regelung der Arbeits 
ordnung. — Vorstand des Amts. — Versammlungen, Morgensprache, 
Gerichtsbarkeit. — Aufsicht über die Arbeit der Amtsmitglieder. — 
Geringe Fürsorge für die Producenten selbst. — Gesellige Seite der 
Ämter. — Kirchlichen Zwecken dienende Einrichtungen. — Gesellen 
brüderschaften 
5. Der Aufschwung der Handwerksämter im 
16. Jahrhunderte. 
Die Fortbildung des Handwerkerrechts. — Die Ämter des 15. und 1(5. Jahr 
hunderts in Riga. — Die Verbindung undeutscher Gewerbetreibender. 
— Die Ämter des 15. und 16. Jahrhunderts in Reval und Dorpat. — 
Die Quelle der livländischen Schrägen. — Die Verfassung der 
Ämter: Lehrlingswesen, Gesellenzeit, Wanderzwang, Bedingungen 
lür die Erlangung des Meisterrechts, Geschlossenheit der Ämter, 
Ausschliesslichkeit des Zunftbetriebes und Verfolgung der Bönhasen, 
Festsetzung der Arbeitsgrenzen verwandter Gewerbearten. — Das 
1 reiben und Leben der Gesellen. — Das Amt der Leineweber von 
1458 und 1544 bis 1588. — Die Amtshäuser. — Der Wohlstand der 
Handwerker und ihre Stellung zum Kaufmannsstande. — Die Grosse 
und die Kleine Gilde und die politische Stellung der Handwerksämter 
in Riga, Reval und Dorpat 
6. Der Verfall der Ämter im siebzehnten Jahr 
hunderte und die Reformbestrebungen. 
Zahl der Ämter in Riga und Dorpat. — Charakteristik der Verfassung im 
Handwerk der Leineweber. — Reformbestrebungen von 1661. — Die 
schwedische Gewerbeordnung von 16611 
7. Die gewerblichen Zustände im achtzehnten 
Jahrhunderte. 
Die St. Johannis-Gilde in Riga. — Ihre Älterleute seit 161‘2. — Be 
theiligung der Handwerker am städtischen Regiment. — Die Ämter 
in Riga, Reval, Dorpat. — Missstände in Riga. — Missstände in 
Dorpat. — Die Einführung von Zünften in Russland durch Peter den 
Grossen. — Die Stellung Catharinas II. zu den Ämtern in Riga . 
8. Das Ende des Zunftwesens. 
Die Verordnung vom 27. Juni 1819. — Das Reichsrathsgutachten vom 
19. Juli 1841. — Das Revaler Reglement vom 13. Juni 1844. — Die 
kleinen Ämter und concessionirten Innungen in Riga. — Die all 
gemeinen Schrägen in Riga von 1856—61. — Das Handels- und 
Gewerbesteuer-Reglement von 1865. — Die Bestrebungen von 1874 
bis 1875. — Das Amtsmeister-Statut von 1817. — Die Regeln über die 
Prüfungen und Aufnahme von Amtsmeistern vom 25. September 1891 
Seite 
11X1-110 
111-151 
1.52-195 
196-213 
213-222
        <pb n="15" />
        Inhalt. 
XI 
Seite 
II. Theil. 
Schrägen * und Verordnungen. 
Einleitung zum zweiten Thcile 225—232 
1. Arbeiter und Losträger, Schrägen vom .30. December 1535 . , . 233 —235 
2. Bäckerknechte, Schrägen vom Jahre 1235 235 — 2.39 
3. Bäcker und Brauer, Rathsverordnung vom Jahre 1384 2.39 
4. Bäcker, Schrägen vom Jahre 1.392 239—242 
5. Bäcker und Brauer, Rathsverordnung vom Jahre 1412 242 
6. Bäcker, Schrägen vom 29. Septeml)er 1487 242—244 
7. Bäcker, Instruktion an die Marktvögte vom Jahre 1551 244 
3. Bäcker, Rathsverordnung aus dem 16. Jahrhundert 245 
9. Bäcker, B rod taxe, Amtsentscheidung vom 31 December 1619. . . 245—246 
10. Bäcker, Brodtaxe aus dem Anfänge des 17 Jahrhunderts .... 246 —247 
11. Barbiere, Schrägen aus der Zeit vom 30 Mai - 6 Juni 1494. . . 248—252 
12. Bierträger, Schrägen vom 8. oder 15. Juli 1466 252—256 
13. Bierträger, Schrägen vom 30. December 1535 256—257 
14. Bierträger, Rathsverordnung vom 21. Januar und vom 1.—6. März 1576 257—258 
15. Bierträger, Ordnung vom 17. April 1607 258—260 
16. Böttcher, Schrägen vom 9. August 1375 260—26.3 
17. Böttcher, Schrägen vom 8. Juli 1581 264- 268 
18. Böttcher, Vorschläge betreffs Änderung der Amtsköste vom Jahre 1621 268 —270 
19. Brauer, Bäcker, Knochenhauer und Schuhmacher, Entscheidung des 
Erzbischofs Jasper und des OM. Wolter von Plettenberg vom 
28. Februar 1510 . . ' 270—274 
20. Fischer, Schrägen aus den Jahren 1403 (?) (Ergänzungen 1581, 1606) 275—278 
21. Fuhrleute, Schrägen vom 3. Juni 1605 278—281 
22. Gerber und Schuhmacher, Rathsverordnung ums Jahr 1280 . . . 282 
23. Glaser, Amtsentscheidung vom Jahre 1539 282—283 
24. Glaser, Schrägen vom 2. August 1541 283—288 
25. Glaser, Amtsentscheidung vom Jahre 1542 289 
26. Glaser-Gesellen, Schrägen vom 24. Juni 1542 289— 291 
27. Glaser, Amtsentscheidung vom Jahre 1549 (1552) .... 292 
28. Glaser, Amtsentscheidung vom 29. August 156:1 292—293 
29. Glaser, Amtsentscheidung vom 29. März 1581 29.3—294 
.10. Goldschmiede, Schrägen vom 25 Januar 1:160 294 297 
31. Goldschmiede, Amtsentscheidung vom Jahre 1479 298 
32. Goldschmiede, Schrägen vom 23. Juni 1542 (vergl. Berichtigungen 
und Zusätze) 298—308 
* Besonders in Rücksicht auf den Umstand, dass verschiedne Schrägen den 
Charakter einer Gilde und den eines Amts in sich vereinigen, und auch behufs be 
quemerer Übersicht hat man, von einer Trennung der Statuten der Gilden von den 
der Ämter Abstand nehmend, die Schrägen und Verordnungen beider Genossen 
schaften in alphabetischer Reihenfolge abdrucken und verzeichnen .müssen.
        <pb n="16" />
        XTI Inhalt. 
Seite 
33. Goldschmiede, Schrägen vom 22. November 1561 309 —310 
34. (Goldschmiede, Schrägen vom 26 April 15H2 310—312 
35. Die Grosse Gilde, Schrägen vom Jahre 1354 312 — 324 
36. Die Grosse Gilde, Schrägen vom Jahre 1610 324—325 
37. Die Grosse Gilde, Fastnachtsordnung vom Jahre 1613 326—335 
38. Die Grosse Gilde, Verordnung vom Jahre 1613 über die Abstimmung 336 — 337 
39. Gürtler und Brezmacher, Schrägen vom 29. Mai 1512 338—343 
40. Gürtler, Supplik der gemeinen Wandschneider und Krämer um das 
Jahr 1578 843 
41. Gürtler, Supplik der Wandschneider und Krämer aus dem letzten * 
Viertel des 16. Jahrhunderts 844 
42. Hanfschwinger, Entscheidung des Amtsgerichts vom 14. Mai 1593 . 344—345 
43. Hanfschwinger und Ligger, Entscheidung des Amtsgerichts vom 
18. August 1598 845—346 
44. Hanfspinner, Schrägen vom 30. Juli 1436 846—348 
45. Hutmacher, Schrägen vom 6. März 1595 348—356 
46. Kleinschmiede-Gesellen, Schrägen vom 4. April 1615 857—365 
47. Die Kleine Gilde, Gilde der Stube zu Soest (St. Johannisgilde), 
Schrägen vom 18. November 1352 365 — 366 
48. Knochenhauer, Polizeiordnung vom 9. December 1502 .... 366 
49. Knochenhauer, Vorschlag der Weideherren vom Jahre 1556 . . . 366—367 
50. Knochenhauer, Klage über Aufkäuferei vom Jahre 1572 .... 367 
51. Krämer (Russische), Polizeiordnung vom 9. December 1502 . . 867 
52. Krämer (Russische), Schrägen vom 5. April 1522 867—369 
53. Krämer (Deutsche und llndeutschel, Rathsentscheidung vom 9. No 
vember 1569 ;k)9 372 
54. Krämer (Deutsche und Undeutsche), Rathsentscheidung vom 19. Oc 
tober 1573 372—374 
55. Gilde des Heiligen Kreuzes und der Dreifaltigkeit (des heiligen 
Geistes), Schrägen vom 18. November 1252 374—378 
56. Kürschner, Schrägen vom 29 September 1397 378 882 
57. Kürschner, Amtsentscheidung vom 24 Juni 1415 882 
58. Kürschner, Schrägen vom 4. März 1513 388 
59. Kürschner, Rathsentscheidung vom 10. August 1562 384—385 
60. Kürschner, Rathsentscheidung vom 13. Juli 1570 385 — 887 
61. 62. Kürschner und russische Pelzhändler, Rathsentscheidung vom 
18. December 1575 und 22. März 1577 387 
63. Kürschner und russische Pelzhändler, Rathsentscheidung vom 17. 
Februar 1576 388 
64. Kürschner und russische Pelzhändler, Rathsentscheidung vom 24 
Februar 1580 388 
65. Kürschner und russische Pelzhändler, Rathsentscheidung vom 5. März 
389 
66. Kürschner, Schrägen vom 22. August 1588 389 - 392 
67. Kürschner, Amtsbeliebung aus dem 17 Jahrhundert 392 — 393 
68. Lakenscherer, Schrägen vom 11. November 1383 394— 395
        <pb n="17" />
        Inhalt. 
XIII 
Seite 
69. Leineweber, Schrägen vom Jahre 1458 395 — 399 
70. Leineweber, Schrägen vom 25. oder 26. Februar 1544 400 — 403 
71. Leineweber, Rathsentscheidung vom Jahre 1552 403 
72. Leineweber, Entscheidung des Amtsgerichts vom 14. Juni 1588 , 404—405 
73. Leineweber, Vergleich zwischen den Webern zu Riga und Mitau 
vom 21. Februar 1608 405 —406 
74. Ligger, Schrägen vom 8. September 1463 407—411 
75. Ligger, Taxe vom 16. April 1616 412 — 413 
76. Ligger, Entscheidung des Amtsgerichts vom 10. Februar 1621 . . 413 
77. Losträger, Schrägen vom 19. April 1450 414— 417 
78. Losträger und Ligger, Rathsentscheidung aus dem 16. Jahrhunderte 418 — 421 
79. Maurer, Rathsverordnung vom Jahre 1376 422 
80. Maurer (Kreygesche Gilde), Schrägen vom 18. December 1390. . 422—426 
81. Maurer, Rathsverordnung vom 27. Juli 1459 427 
82. Maurer, Schrägen vom 15. November 1546 428— 432 
83. Sattler, Schrägen vom 17. Mai 1619 433 - 425 
84. Scheidenmacher, Entscheidung der Amtsherren, 28. Februar 1572 436 — 437 
85. Schlachter und Müller, Raths Verordnung vom 19 September 1584 437— 439 
86. Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und Uhrmacher - Gesellen, 
Schrägen vom 13 August 1581 oder vom 25. Februar 1583 . 440— 447 
87. Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und Uhrmacher - Meister, 
Schrägen vom 29. September 1593 448 — 455 
88. Schmiede, Schrägen vom 16. Oktober 1382 456—460 
89. Schmiedegesellen, Schrägen vom 1 November 1399 460— 463 
90. Schmiede, Amtsentscheidungen aus den Jahren 1426—1530 . . . 463—471 
91. Schmiede, Schrägen vom 26. September 1578 471—478 
92. Schneider, Schrägen aus dem Ende des 14. Jahrhunderts .... 478-481 
93. Schneider, Schrägen vom 30. April 1492 482—488 
94 u. .&gt;5. Schneider, Entscheidungen des Erzbischofs Wilhelm und des 
Königs Stephan vom 15. August 1554 und vom 30. April 1582 488—491 
96. Schneider, Rathsentscheidung vom 16. März 1574 491—493 
97. Schneider, Entscheidung der Amtsherren vom 3. April 1576 . . . 493-494 
98. Schneider, Schrägen aus dem 10. Jahrhundert 494-502 
99. Schneider-Gesellen, Schrägen vom 26. Juli 1600 502— 507 
100. Schnitzer, Schrägen vom 21. December 1536 507—515 
101. Schnitzer, Schrägen vom 2. August 1541 515 - 522 
102. Schnitzer, Rathsentscheidung vom 20. Februar 1575 523- 528 
103. Schuhmacher, Schrägen aus dem Ende des 14. Jahrhunderts . . . 528 — 532 
104. Schuhmacher-Gesellen, Schrägen vom December 1414 und aus dem 
Jahre 1480 532 -537 
105. Schuhmacher, Privileg, zwischen 1488 und 1493 537—538 
106. Schuhmacher, Schrägen vom 24. Mai 1615 538— 544 
107. Undeutsche Schuhmacher, Schrägen vom 19. Mai 1615 545—546 
108. Schuster, Amtsgerichtsentscheidung vom 12. Mai 1621 547— 548 
109. Schützen, Schrägen vom 28. Februar bis 15. April 1408 .... 548 - 549
        <pb n="18" />
        XIV 
Inhalt. 
Seite 
110. Schwarzhäupter, Schrägen vom Jahre 1416 549—554 
111. Schwarzhäupter, Schrägen vom 15. December 1477 555—559 
112. Schwarzhäupter, Fastnachtsordnung aus dem Ende des 15. oder An 
fang des 16. Jahrhunderts 559—579 
113. Schwarzhäupter, Fastnachtsordnung aus dem Jahre 1510 .... 579—623 
114. Schwarzhäupter, Schrägen vom 4. März 1531 624 
115. Sehwarzhäupter, Fastnachtsordnung c. 1576 625—630 
116. Schwarzhäupter, Ordnung für die die lübische Bank auf dem Hause 
der Schwarzen Häupter benutzenden Schiffer vom 20. December 
1592 630-6:12 
117. Schwarzhäupter, Schrägen vom 3. Januar 1594 633 — 638 
118. Schwarzhäupter, Spielleute-Ordnung vom 18. September 1598 . . 638—639 
119. Schwarzhäupter, Wahlordnung c. 1600 639—645 
120. Schwarzhäupter, Schafferordnung aus dem 17. Jahrhundert . . . 645—650 
121. Sämischgerber, Schrägen vom 9 Mai 1579 650—655 
122. Stadtdiener, Schrägen vom 24. Juli 1415 655 — 660 
123. Tafelgilde, Schrägen zwischen 21. Februar und 7. April 1425 . . 660- 663 
124. Tischler, Bemühungen zur Erlangung eines Schragens vom Jahre 
lo35 - 41 664 — 665 
125. 1 ischler, Bemühungen zur Erlangung eines Schragens vom Jahre 1542 665 — 666 
126. Weinträger, Stadtrecht aus dem 13. Jahrhundert 667 
127. Zimmerleute und Maurer, Rathsverordnung aus dem Jahre 1376 . 667 
128. Zimmerleute und Maurer, Raths Verordnung aus dem 16. Jahrhundert 667 
129. Zimmerleute, Rathsverordnung, aus dem Jahre 1412 668 
Anhang. 
I. Vereinzelte auf das Gildewesen und das Handwerk im 
Allgemeinen bezügliche Verordnungen. 
1. Bischof Albert verordnet, dass ohne des Bischofs Genehmigung keine 
Gilde errichtet werden soll. April bis August 1211 669 
2. Bestimmungen über die Ausübung des Bürgerrechts durch Hand 
werker. Von 1227—1230 669 
3. Bestimmungen betreffs des Bürgerrechts der Handwerker c. 13(H&gt; . 669 
4. Verpfändungsrecht der Handwerker um das Jahr 1270 670 
5. Bestimmungen betreffs der Ubervortheilung des Publikums durch 
Handwerker vom Jahre 1376 670 
6. Normirung der Zahlungen zur Ablösung der Amtsköste aus dem 
16. Jahrhunderte 670—671 
7. Bestimmungen betreffs der Kleidung, des Handels, der Brauerei und 
der Beobachtung der Schrägen vom Jahre 1502 671—672 
8. Klage über die Bönhasen vom Jahre 1571 672 
9. Verfügung betreffs der Bönhasen und des Gewerbebetriebes vom 
23. Januar 1585 672
        <pb n="19" />
        Inhalt. 
XV 
Seite 
10. Verfügung betreffs der Bönhasen vom 20. August 1589 672 
11. Reformirte Kost- und Kleiderordnung vom Jahre 1593 673—675 
12. Bestimmungen über den Gewerbebetrieb auf dem Schlosse und in der 
Vorburg vom 31. Mai 1593 675-676 
13. Bestimmungen über den Gewerbebetrieb auf dem Schlosse und in der 
Vorburg vom 21. Januar 1597 676—677 
14. Verfügung betreffs der Bönhasen und des Gewerbebetriebes vom 
29. April 1604 677 
11. Aktenstücke zur Geschichte der Reformation der 
rigischen Handwerksämter. 
A. Beschwerden über die hohen Eintrittsgelder vom 16. November 1661 678—679 
B. Aussagen über die Höhe der Zahlungen zur Amtsköste und der Ein 
kaufsgelder vom 24. Oktober 1663 679 - 681 
C. Entwurf einer Rathsverordnung vom 24. August 1668, betreffend die 
Missstände im Handwerke und deren Abhilfe 681—684 
D. Entwurf einer Raths Verordnung, betreffend die Erlangung des Meister 
rechts (zwischen 1642-1683?) 684-687 
E. Entwurf eines Projects zur Reform des Zunftwesens, verfasst zwischen 
1679—1688 688—709 
^'ossar 711—744 
Ortsregister 745—749 
Personenregister 750 758
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        <pb n="21" />
        I. Theil. 
Geschichte des Gewerbes in Riga.
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        Übersicht über die gewerbegeschichtliche 
Litteratur Rigas. 
I. Abhandlungen und Bücher. 
V. Bulmerincq, Baltische Schrägen; Baltische Monatsschrift 6, 
S. I — 48. 
G. Berkholz, Bemerkungen zu dem Kreygeschen Schrägen; Sitzungs- 
ber. d. Ges. für Gesch. u. Alterthumsk. der Ostseeprov. 
Russl. 1884. S. 29. 
Bunge, Die Stadt Riga im 13. und 14. Jahrhundert. Leipzig 1878, 
S. 138 —141. 
J. V. Keussler, Beiträge zur Verfassungs- und Finanzgeschichte der 
Stadt Riga. Riga 1873. 
C. Mettig, Zur Geschichte der Rigaschen Gewerbe im 13. und 
14. Jahrhundert. Riga 1883. 
Uber Alterthümer des Glaseramts; Sitzungsberichte 1887, 
S. 38. 
Uber die Willkommensschilder der Rigaschen Handwerks 
ämter; Sitzungsber. 1887, S. 92. 
Uber ein Notizbuch des Rigaschen Maureramts ; Sitzungsber. 
188^^ S. 4. 
Über die Kreygesche Schra; Sitzungsber. 1882 u. 83, S. ii, 28. 
Der Kreygesche Schrägen; Sitzungsber. 1885, S. 44. 
Uber die in Riga vom 13.—15. Jahrhundert vorkommenden 
Beiter; Sitzungsber. 1886, S. 60, 62. 
— Uber die aus dem Mittelalter stammende revalschen Steuer 
verzeichnisse; Sitzungsber. 82, 84. 
— Das älteste Amtsbuch der Schmiede zu Riga und der Schrägen 
derselben von 1578. Riga 1890. 
— Die Vogelfänger in Riga. Rig. Stadtblätter 1885, Nr. 6. 
— Die gewerbegeschichtliche Ausstellung in der St. Johannis 
gilde. Rig. Zeitung 1887, Nr. 88 u. 89. 
l*
        <pb n="24" />
        4 
Übersicht über die gewerbegeschichtl. Litteratur Rigas. 
C. Mettig, Gewerbegeschichtliches im ältesten Witschopbuch d. Stadt 
Reval; Sitzungsber. 89, S. 42. 
— Die Rechnungsbücher der Rathsdiener; Sitzungsber. 1890, 
S. 21. 
— Das Zweitälteste Erbebuch d. Stadt Reval; Sitzungsber.9(), S.83. 
— Die Bücher der Rigaschen Hierträgergilde; Sitzungsberichte 
1890, S. 120. 
— Vorlage eines silbernen Bechers der Töpfergesellen aus dem 
Jahre 1699; Sitzungsber. 1891, S. 30, 59. 
— Gewerbegeschichtliches im drittältesten Erbebuch der Stadt 
Reval; Rig. Stadtblätter Nr. 26 u. 27. 
^ — Die Schwarzenhäupter in Riga; Ztg. f. Sadt u. Land, Nr. 99. 
— Uber die Beziehungen Dorpats zu Riga hinsichtlich der 
gewerblichen Verhältnisse; Sitzungsberichte 1892, S. 9. 
— Uber die im Besitz des rigaschen Fischeramts befindlichen 
Schriftdenkmäler und Pokale; Sitzungsber. 1892, S. 40. 
— Uber die Nationalitäts- und Gewerbeverhältnisse in der Bier 
trägergilde zu Riga; Rigasche Stadtblätter 1892, Nr. 40, 
41, 42. 
— Zur Topographie Rigas im 15. Jahrhundert; Sitzungsber. 
1892, S. 75. 
— Zur Geschichte der rigaschen Gewerbe im 15. Jahrhundert; 
Sitzungsber. S. 92. 
— Romele; Sitzungsber. 1893, S. 15. 
— Ülier das Schützengildenbuch der kleinen Gilde zu Riga; 
Sitzungsber. 1893, S. 53. 
— líber den ältesten Schrägen der kleinen (dlde zu Riga; 
Rigasche Stadtblätter 1893, Nr. 24. 
— Uber ein in der Lade der (Basergesellen auf bewahrtes Buch; 
Sitzungsber. 93, S. 63. 
W. V. Gutzeit, Zur alten l erminologie des Kürschnergewerbes in 
Riga und Reval; Sitzungsber. 1882 u. 83, S. 44. 
— Die Beiter im alten Riga; Sitzungsber. 1882 u. 83, S. 46. 
— Uber die Kreygesche Urkunde; Sitzungsber. 1884, S. 13, 20, 55. 
L. Napiersky, Über C. Mettig’s (beschichte der rigaschen (bewerbe; 
Sitzungsber. 1882 u. 83, S. 83. 
— Über die Kreygesche Urkunde; Sitzungsber. 1885, S. 29, 30. 
W. Neumann, (Bundriss einer (beschichte der bildenden Künste 
und des Kunstgewerbes in Liv-, Est- und Kurland; 
Reval 1887.
        <pb n="25" />
        Übersicht über die gewerbejicschichtl. l.itteratur Rigas. 
5 
V. Richter, Das Zunftwesen der Ostseeprovinzen; Inland 1857. 
Wilh. Stieda, Die Medicinal-Verfassung Rigas im Mittelalter; 
Rigasche Zeitung 1880, Nr. 28 u. 34. 
— Ein haitisches Schragenbuch; Rigasche Zeitung 1882, Nr. i8u. 21. 
— Aus dem Leben des Rigaer Goldschmiedeamts; Baltische 
Monatsschrift, Hd. 35. 
— Aus einem alten Amtsbuche der Goldschmiede zu Riga; 
Rigasche Stadtblätter 1888, Nr. 26. 
— Wie man in Alt-Riga Kannen goss; Mittheilungen aus d. 
Gebiete d. Erb. Liv-, Est- u. Kurlands 14, S. 222. 
Anonym, Das Haus der St. Johannisgilde in Riga; Riga 1887. 
3 H., S. 80. 
— Katalog d. gewerbegeschichtlichen Ausstellung, veranstaltet 
von der St. Johannisgilde in Riga; Riga 1887. 68 S., 8®. 
II. Quellenwerke. 
Bunge-Hildebrand, Liv-, Est- und Curländisches Urkundenbuch; 
Bd. I—g. Abgekürzt als L.-E.-C. Urk. citirt. 
J. G. L. v. Napiersky, Die libri redituum der Stadt Riga*; Leipzig 
1881. 
— Die Erbebücher der Stadt Riga, 1384—1579*; Eiga 1888. 
H. Hildebrand, Das Rigische Schuldbuch, 1286—1332 ; St. Peters 
burg 1872. 
1 
2 
Das erste umfasst die Jahre 1334—44; 
" zweite „ 
" dritte „ „ 
Das erste geht von 
„ zweite .. 
„ 1349—1406; 
„ 1488- 1574. 
1384—1482; 
1493-1579-
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        1. Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
Strassennamen: Schuhmacherstrasse, Kaufstrasse, Schmiedestrasse, Krämer 
strasse, Kütcr-, Schneider-, Scherer-Strasse. Schusterpforte. Küterpforte. Schuster 
brücke. - Stätten des Gewerbebetriebes : Mühlen, Brauhäuser, Kuthaus, Gerberhäuser, 
Kalkrcsen, Kalkofen, Ziegelhütte, Bauhof, Lastadie, Keeperbahn, Pffeffermühle, 
Talgschmelze, Oelmühle, Pulvermühle, Badestuben, Apotheken. — Verkaufsplätze: 
Markt, Buden, Hopfenhaus, Brodscharren, Fleischscharren, Fischhalle, Butter 
haus, Kohlenmarkt. — Einrichtungen des Handels : Talg-, Wachs-, Flachsspeicher, 
(Persehuser), Theer-, Aschen- und Häringswrake, (Therebane, Wrackhof), Münze, 
Waage, Zollbude. — Vorrichtungen für den Verkehr: Bierstuben, Weinkeller, 
Gasthäuser. 
Wie in älteren Zeiten überall, so huldigt man auch in Riga 
der Gewohnheit, Gewerbetreibenden einer und derselben Art die 
gleiche Strasse zur Niederlassung anzuweisen. Diese Anordnung 
mag im Wesentlichen auf eine doppelte Ursache zurückzuführen 
sein. Einmal wird sie hofrechtlichen Ursprungs und damit durch 
alle die Gründe polizeilicher oder ökonomischer Natur bedingt 
sein, die eine Trennung der Gewerbetreibenden für wünschenswert 
erklären lassen. Dazu gehören Feuersgefahr, gewisse Unannehm 
lichkeiten in der Ausübung des Gewerbes, wie Geräusch, hässlicher 
Geruch u. a., Gebundensein an bestimmte Oertlichkeiten, z. H. Wasser 
u. s. w. Mitunter mochte auch die obrigkeitliche Beaufsichtigung der 
Handwerker leichter durchführbar erscheinen, wenn die zu einer Hand- 
tierung Gehörenden in nächster Nähe von einander sich aufhielten. 
Andererseits aber ist die Localisierung des Verkehrs eine im Inter 
esse besserer Erhebbarkeit der Verkaufsabgaben sich vollziehende 
Abweichung von der älteren Vorschrift, dass aller Handel nur auf 
dem Markte vor sich gehen durfte. In den abgeschlossenen Hand 
werkerstrassen durfte nur mit Gegenständen eines bestimmten Ge 
werbes gehandelt werden; es war somit das teloneum bequem zu 
berechnen und einzutreiben b Gleichzeitig begünstigte diese Maass 
regel die Bewegung zu grösserer Handelsfreiheit. 
* R. Mayer, Zoll, Kaufmannschaft u. Markt zwischen Rhein und Loire in „Ger 
manistische Abhandlungen z. 70. Geburtstag Konr. von Maurer,“ S. 412, 413.
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        Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
7 
In Riga mag namentlich der letztere Beweggrund sich geltend 
gemacht haben genug, dass sich Strassennamen finden, die von den 
Benennungen Gewerbetreibender abzuleiten sind. Bereits im drei 
zehnten Jahrhundert ist eine Schumacherstrasse (platea sutoruin) 
und eine Kaufstrasse (kopstrate, lat. platea mercatoruni) d. h. 
Kaufleutestrasse nachweisbar b In der letzteren erkennt man 
unschwer die heutige Kaufstrasse, und die erstere wird uns später 
auch als Schuhstrasse (schustrate, schostrate) namhaft gemacht. 
Ausser diesen gab es noch eine Schmiedestrasse (platea fabrorum) 
eine Krämerstrasse (platea mstitoriim), eine Kuterstrasse (Kuter so 
viel wie Wurstmacher oder Fleischer), eine Schneiderstrasse (platea 
sartoriim) und eine Schererstrasse (platea rasorum). Dagegen 
ist die in der ersten Hälfte des i6. Jahrhunderts auftauchende Be 
nennung „ Weverstrate“ * nicht von den Webern abzuleiten, sondern 
als eine Verstümmelung des Wortes „Beverstrate^‘ d. h. Biberstrasse 
anzusehen. Wenn nicht mehr Strassen als die wenigen aufge 
führten nach Handwerken benannt erscheinen, so wird das darauf 
zurückgeführt werden können, dass andere Gewerbe nicht zahlreich 
genug vertreten waren, um der Strasse, die sie bewohnten, ihren 
Stempel aufzudrücken. Die eine oder andere Bezeichnung kann 
auch in Vergessenheit gerathen sein, wie z. B. die im vierzehnten 
Jahrhundert vorkommende Schneiderstrasse * in späterer Zeit ihren 
Namen geändert haben muss. Jedenfalls ist es wahrscheinlich, dass 
die in den Strassennamen zum Vorschein kommenden Gewerbe 
die ältesten der Stadt gewesen sind. 
Die Bezeichnung einzelner Thore nach einem Handwerke, wie die 
Schusterpforte (porta sutorum) und die Kuterpforte (porta fartoriiiu 
videlicet kuterporten, porta mactatorum) kann daher rühren, dass 
sie die gleichnamigen Strassen abschlossen. Doch will in Betracht 
gezogen sein, dass die genannten Gewerbetreibenden — in Reval 
auch die Badstüber - des Wassers benötigt, in der Nähe des Wassers 
bestimmte gewerbliche Anstalten, wie Gerbekammer, Schlachthaus 
tt- s. w., benutzten, so dass die Benennung der Pforten davon 
abgeleitet sein kann. Vielleicht wurde endlich maassgebend, dass 
den genannten Gewerbetreibenden, die sicherlich viele Anhänger 
zählten, die Bewachung dieser Pforten anvertraut war. Auch eine 
* Urkundenbuch 3, Nr. 1044 b, § 37 u. 65. 
* Napiersky, Rrbebücher II, Nr. 818. 
* Napiersky, Rrbeb. I, Nr. 14.
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        8 
Alt-Kifjas íícwerhlichcs Leben. 
Schusterbrücke (pons siitorum) wird erwähnt wohl in nächster 
Nähe der Pforte gleichen Namens. 
Ähnlich stösst man in dem Reval des vierzehnten Jahrhunderts 
auf eine Schmiede-, Schneider-, Krämer- und Schuhstrasse, wie auf 
eine Hadstüberpforte (Porta bahteatoruni)'^. 
Ohne Zweifel war die Anordnung, alle Handwerker der gleichen 
Art in eine Strasse zu verweisen, nie streng durchgeführt und 
überhaupt das gewerbliche Leben nicht auf bestimmte Gegenden 
beschränkt. An verschiedenen Stellen innerhalb der Stadt, theil- 
weise auch ausserhalb, aber noch zum Weichbilde gehörig, zeigen 
sich Gebäude, die zu gewerblichen Zwecken dienten. 
Mühlen gab es vor der Stadt, auf dem Holm, vor der Sand 
pforte, vor dem Schlosse und vor der Weberpforte. Sie wurden 
grösstentheils, bis auf eine Wassermühle und bis auf eine, deren 
Motor, wie^ aus der Bezeichnung ,^perdcinole^^ oder „rosinole^^ 
ersichtlich, die Pferdekraft war, vom Winde getrieben. Die Ross 
mühlen schliessen in der Entwickelung bekanntlich an die Hand 
mühlen an; seit Ciceros Zeit kamen die Wassermühlen, seit dem 
9. Jahrhundert die Windmühlen auf, und zwar zuerst die unvoll 
kommenen deutschen. Die sogenannten holländischen Windmühlen 
gehören erst der Mitte des sechszehnten Jahrhunderts an®. 
Die Zahl der älteren rigischen Mühlen festzustellen, macht 
Schwierigkeiten, weil einige der unter verschiedenen Namen vor 
kommenden identisch sind. Sicher lassen sich von 1382 bis 1482 
auseinanderhalten die Sandmühle, die Windmühle auf dem Rige- 
holm, die Pferdemühle, die Bruder Bertholdsmühle, dem Erzbischof 
gehörig, die Domherrenmühle, dem Domkapitel gehörig, und eine 
wie es scheint auf Kosten der Stadt errichtete Sägemühle (zage- 
inölle), im Ganzen mithin sechs. Sie scheinen bis auf die letztere 
Getreidemühlen gewesen zu sein und gehörten, abgesehen von den 
beiden in geistlichen Händen befindlichen, der Stadt, die für ihre 
Erhaltung zu sorgen hatte und sie zu verpachten pflegte. Ob Mühlen 
und wieviele im Privatbesitz waren, entzieht sich unserer Kenntniss. 
Die Sägemühle erscheint insofern als ein besonders bemerkens- 
werthes Institut, als nach allgemeiner Annahme sich diese Etablisse 
ments meist erst seit dem 16. Jahrhundert (in Norwegen, Holstein, 
1 Napiersky, Erbeb. I, Nr. 17. 
2 Arbusow, Das älteste Wittschopbuch cl. Stadt Reval. E. v. Nottbeck, Das 
Zweitälteste Erbebuch der Stadt Reval. 1888-i8qo. 
® Roscher, Ansichten der Volkswirthschaft. 1878. II, S. 180.
        <pb n="29" />
        Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
9 
Holland) nachweisen lassen; in Riga bediente man sich nach den 
Inscriptionen der Kämmereirechnungen ihrer bereits in den Jahren 
1422-24 1. 
In Reval sind während des vierzehnten Jahrhunderts acht Mühlen 
nachweisbar, von denen zwei in städtischem, eine in geistlichem, 
vier in Privatbesitz waren; bei einer lässt sich das Eigenthums- 
verhältniss nicht feststellen*. 
In Hamburg erscheinen seit dem dreizehnten Jahrhundert bis 
zum Beginn des sechszehnten nur zwei Mühlen in städtischem Besitz. 
Sie waren regelmässig verpachtet und mit ihrer Verwaltung zwei 
Mühlenherren betraut, die ihre eigenen Rechnungsbücher führten\ 
In Lübeck war das Interesse von jeher auf die Wassermühlen 
gelenkt, die seit 1182 als vorhanden erwähnt werden^. 
Gleichfalls der Befriedigung des Nahrungsbedürfnisses dienten 
(he Brauhäuser. Das erste derartige wird 1453 im Privatbesitz 
namhaft gemacht; im sechszehnten Jahrhundert werden sie wieder 
holt erwähnt \ Ursprünglich hatten alle städtischen Bürger das 
Recht Bier in ihren Häusern zu brauen, zunächst für den eigenen 
Bedarf, in der Folge auch zum Verkauf. Das älteste rigische Stadt 
recht, um 1225 für Estlands Städte niedergeschrieben, kennt bereits 
die Bierbrauerei behufs Verkauf, denn es sieht Strafe für den 
Gebrauch falschen Maasses vor®. In der Bursprake von 1384 ist 
den Undeutschen, die in der Stadt keinen eigenen Besitz haben, das 
Hierbrauen verboten, und in der Bursprake wird allen Undeutschen 
das Brauen und Verzapfen von Bier untersagt. Es wird zugleich 
in der letzteren das Recht zum Bierbrauen auf die ansässigen Bürger 
beschränkt. Mit der Zeit verweigerte man den Handwerkern das 
Recht des Bierbrauens. Man weiss, dass diese Anordnung in den 
Jahren 1427 und 1428 die Veranlassung zu grosser Unzufriedenheit 
und Aufregung in den Kreisen der Bürgerschaft wurde’, die ihr 
spater noch wiederholt beanstandetes Recht schliesslich doch be 
hauptete. Nach der alten Brauereiordnung v. J. 1476 war es wieder 
allen in der Stadt besitzlichen deutschen Bürgern beider Gilde- 
’ Mettig, Zur l'opographie Rigas im 15. Jahrhundert. Sifzungsl)cr. d. Gcscllsch. für 
Gesch. u. Alterth. d. Ostseeprovinzen 1892, S. 79. 
Arbusow, a. a. O. ; Nottbeck a. a. O. 
® Koppmann, Kämmereirechnungen der Stadt Hamburg. i.S. LXXIII. 3. S. LXVI. 
^ W. Dittmer, Die LObeckischen Wassermühlen im 13. Jahrhund. Lübeck 1857. 
^ biapiersky, a. a. O. l)ietet Relegstellen o. D. bruwehuse. 
® L,. R. C. Urk. I, Nr. 77 § 45. 
’ L. E. C. Urk. 3, Nr. 1213, § 42; 4, Nr. 1922, § 67; 7, Nr. 666.
        <pb n="30" />
        IO 
Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
Stuben, cl. h. Kaufleuten und Handwerkern, gestattet gegen Zah 
lung der Accise Bier zu brauen. Zeitweilig (i6ii u. 1622) wurde 
dieses Recht auch auf weitere Kreise ausgedehnt. Erst nach Be 
gründung der Brauereicompagnie v. J. 1671 kann man in gewissem 
Sinne von einer Brauerzunft reden. Zu diesem Verbände gehörten 
Mitglieder der grossen und kleinen Gilde. Streitigkeiten im Schoosse 
der Compagnie führten eine königliche Entscheidung v. J. 1675 
herbei, welche bestimmte, dass nur Wittwen, vaterlose Kinder der 
früheren Angehörigen beider Gilden, wie auch verarmte Mitglieder 
derselben zur Brauereicompagnie gehören sollten; somit war die 
selbe in ein Verpflegungsinstitut für Bedürftige der grossen und 
kleinen Gilde umgewandelt und hat als solche bis zum Jahre 1859 
bestanden b In den übrigen Hansestädten war die Entwickelung eine 
derartige, dass sich mit der Zeit für bestimmte Häuser das alleinige 
Recht zum Brauen herausbildete. Dafür hatte man in Hamburg 
die Bezeichnung „Brauerben“; bei einer sehr ansehnlichen Aus 
fuhr von Bier gab es dort bereits im Jahre 1376 nicht weniger 
als 457 Brauer*. Wie gross die Zahl der Brauhäuser Lübecks 
in älterer Zeit war, ist unbekannt\ Doch kann man aus dem 
Umstande, dass seit 1363 von einem Amte der Brauer die Rede 
ist, auf eine immerhin nicht unerhebliche Anzahl dieser Gewerbe 
treibenden schliessen. Auch hier zeigte sich das Bestreben die 
Brauerei mehr und mehr zu einer gewerbsmässigen zu machen 
und das Hausbrauen ganz abzuschafifen. In Lüneburg herrschte 
zu Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts offenbar noch vielfach 
die Gewohnheit unter den Einwohnern ihr Bier selbst zu brauen, 
denn ausdrücklich wird jedem Bürger der Ankauf von Malz ge 
stattet. Bis zum Ende des Jahrhunderts aber „so sick dat bru- 
werk hyr in der stad von dage to dage vormeret'^^, hat sich die 
Meinung über die Zulässigkeit des nicht gewerbsmässigen Betriebs 
soweit geändert, dass alle Handwerker, die neben ihrem Berufe 
der Bierbrauerei obliegen, aufgefordert werden, sich für die eine 
oder die andere Thätigkeit zu entscheiden und nicht mehr beide 
zu vereinigen. Unter 10 namentlich genannten lassen nur zwei die 
Bierbrauerei fallen und bleiben bei ihrem angestammten Berufe; 
die anderen werden officiell Bierbrauer. Aber die Einwohnerschaft 
1 Nach C. Mettigs Auszügen aus rigischen Archivalien. 
2 Koppmann, a. a. O. i S. XXXIV. 
3 W. Stieda, Studien z. Ciewerbegeschichte Lübecks 4. Bierbrauerei. Mitthei 
lungen des Vereins für Lübeckische Geschichte 1887, S. 36—63.
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        Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
11 
Hess sich ihr altes Recht, Hier zu brauen, nur ungern nehmen und 
noch 1519, als es längst ein Amt berufsmässiger Bierbrauer gab, 
klagte man darüber, dass vielfach insgeheim gebraut werde „ttichi 
aliene in huesen, sunder ok y7t kellereit tind boden^^. 
I^as Kuthaus, auch Haus der Wurstmacher (domus fartoriim) 
genannt, ausserhalb der Stadt belegen, war das Schlachthaus. Das 
\ ieh wurde im Kuthause geschlachtet und das Fleisch in den 
Scharren verkauft. Das erstere Geschäft besorgten die Küter, das 
letztere die Knochenhauer. Im Aufträge des Knochenhauers schlach 
teten die Küter und weideten das Vieh aus, wobei in der Regel 
die Eingeweide ihnen gegen einen bestimmten Preis überlassen 
wurden. Ein eigenes Amt bildeten sie nicht, sondern standen im 
Dienste der Knochenhauer, wenn auch vermuthlich in freierer Stellung 
als die sonstigen Gesellen. Dass sie in Riga gleichzeitig als Wurst 
macher auftreten, deutet auf eine gewisse Selbständigkeit. Im Kut 
hause, das zum städtischen Eigenthum gehörte, befand sich ein 
Kessel mit einem Raumgehalte von drei Tonnen. Aus seiner Über 
lassung an die Gewerbetreibenden zog die Stadt im 15. Jahrhunderte 
eine Einnahme von drei Mark jährlich, später von 10 Mark, die in 
halbjährlichen Terminen zu entrichten waren. Ob für die Benutzung 
•íes Schlachthauses ein Zwang bestand, bleibe dahingestellt. In 
Lübeck z. B. hatten die Knochenhauer das Recht ein oder zwei 
Schafe wöchentlich in ihren eigenen Behausungen schlachten zu 
dürfen, doch nur für den eigenen Bedarf. Das Fleisch, das sie ver 
kaufen wollten, musste im Kuthause geschlachtet sein. Auf diese 
Weise gewinnt die Vorstellung Raum, dass auf diesem gleichzeitig 
mne Art Fleischschau stattfand. In Reval war dies sicher der 
Hall. Hier, sowie in Lübeck und Hamburg, lassen sich Kuthäuser 
nachweisen, in letzterem sogar zwei*. 
Der Herstellung dep Leders dienten die Cierberhäuser, von 
denen vier namhaft gemacht werden: eins vor der Schalpforte, 
eins vor der Sandpforte, das (ierberhaus der Schuhmacher und 
das der Beiter. Die beiden letzteren lagen bei einander am Rige- 
flüsschen ^na der sandtpforten'*' und man darf alle drei in nicht 
grosser Entfernung von einander vermuthen, wohl alle das ihnen 
* Hodemann, Die älteren Zunfturkunden der Stadt Lüneburg, 1883. S. 42 — 53. 
. * Wehrmann, Die älteren Lübeckischen Zunftrollen. 2. Aull., S. 267 ; Kopp- 
mann a. a. O. i, S. XLII. O. Rüdiger, Hamburgs Schlachterei, Hamburger Nach 
richten 1891 Nr. 223 — 225, G. Adler, Die Fleisch-Teuerungspolitik der deutschen 
Städte 1893; K, Nübling, Ulm’s Fleischerei wesen im Mittelalter 1894.
        <pb n="32" />
        I 
12 
Alt-Kij^as gewerbliches Leben. 
unentbehrliche Wasser aus dem Rigefluss entnehmend, während 
das vor der vSchalpforte belegene auf die Düna angewiesen gewesen 
sein muss. Die Lage des Gerberhauses vor der Sandpforte war 
„zur linken Hand, wenn man zum Th ore hinausgeht, gleich am 
Thurm“. Demnach scheint es mit den gleichfalls in jener Gegend 
befindlichen Gerberhäusern der Schuhmacher und Reiter nicht iden 
tisch. Dieses, sowie das vor der Schalpforte belegene, die beide 
als „gher/mss“ schlechthin oder als „doums cerdonnnd^ bezeichnet 
werden, können die für die Lohgerber bestimmten Baulichkeiten 
gewesen sein. Das Gerberhaus der Beiter stand gleichzeitig den 
Schuhmachern offen, obwohl diese ausserdem ihr eigenes Haus 
besassen. Es heisst aber in einer Inscription von 1493 ausdrücklich 
.^dat beiter ger/ms imde der schouiaker gerhus hehben imde mögen 
briikeii de schomaker des jares beyde vor 8 morc^‘‘ h Vermuth- 
lich waren die Gerberhäuser gleichzeitig Lohmühlen, die sonst gar 
nicht erwähnt werden, kaum aber wie in Hamburg''die Stätte, wo 
Leder verkauft wurde. Aus der inneren Einrichtung sind die 
Kessel hervorzuheben, die von erheblicher Grösse waren, im Hause 
vor der Schalpforte drei Bonnen, im Gerberhaus der Schuhmacher 
2 Tonnen Inhalt fassten. Die Gebäude gehörten der Stadt und 
waren theils an die genannten Ämter, theils an Einzelne verpachtet, 
die alsdann als Vertreter des Amts angesehen wurden. Die Pacht 
zinse unterlagen im Laufe der Jahre mehrfachen Veränderungen 
mit der unverkennbaren Tendenz zu einer Steigerung. Für das 
Gerberhaus vor der Schalpforte sind 1334—1344 4V2 Mark zu zahlen*, 
und dieser Betrag scheint bis 1377 (^l^r gleiche geblieben zu sein. 
Dann wird er auf 6 Mark erhöht. Übrigens lauten die beiden auf 
dieses Jahr sich beziehenden Beiträge abweichend, der eine auf 4'/%, 
der andere auf 6 Mark*. Um 1484 zahlte Jacob Jacobson, dem es 
verpachtet worden war, 16 Mark'* und zu Anfang des 16. Jahr 
hunderts warf das mittlerweile wie es scheint in einen kräftigen 
Mauerbau verwandelte Haus 20 Mark jährlich ah’*. — Die Beiter 
entrichteten für ihr Gerberhaus im 14. Jahrhundert nur i Mark 
jährlich, wurden gegen Ende desselben auf 2 Mark und zu Beginn 
des 16. Jahrhunderts auf 4 Mark gesteigert®. — Über die Höhe 
* Napiersky, libri redituum III, S. 233. 
2 Napiersky, lib. red. I, 292; II, 32. 
3 Napiersky, a. a. O. II, 148 und 672. 
4 Napiersky, a. a. O. III, 234. 
3 Napiersky, a. a. Oi III, 229. 
&lt;■' Napiersky, a. a. O. I, 103; II, 310; II, 542; III, 232.
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        Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
13 
des von den Schuhmachern tür die Benutzung des Gerberhauses 
gezahlten Beträge kann man kein klares Bild gewinnen. Die 
i Schuster sollen im vierzehnten Jahrhundert 2 Mark jährlich zahlen 
aber nach Einträgen in dasselbe Liber redituum zahlt jeder von 
ihnen 18 Ore, bzw. V2 Mark*. Bezieht sich diese Angabe auf das 
selbe Gerberhaus — es wird als das Haus „trans Rygam^ oder 
„ultra Rigam^ bezeichnet — so können nur 4 oder 5 Schuhmacher 
es benutzt haben, was nicht gerade sehr wahrscheinlich ist. Im 
Jahre 1404 einigt das Schusteramt sich mit den Stadtkämmerern 
für das Gerberhaus, das vor der Sandpforte lag (retro fornacem 
ceme7iti m oppositum stupe arefie)^^ auf einen Jahreszins von 
3 Mark, und es wird wohl dasselbe Gebäude gemeint sein — der scho- 
Utaker gerküss by der Righe na der sandtporteti — wenn sie sich im 
Beginne des sechszehnten Jahrhunderts zu 8 Mark Jahreszins ver 
stehen müssen Dagegen muss es ein anderes Gerberhaus gewesen 
sein — wenn auch „vor der santporteti^ belegen — das 1509 an 
Heinrich Wyneke und seine Ehefrau für 20 Mark verpachtet wird*. — 
Von einer Abgabe der Gerber selbst ist überall nicht die Rede. 
Bür das Bauwesen waren die Kalkresen, die Kalköfen und 
^'Ggelhütten bestimmt. Ein Kalkresen war ein zum Behuf des 
Kalkbrennens schichtweise aufgesetzter Rost von Kalksteinen und 
Holz. Sie kommen aber nur in älterer Zeit mehrfach innerhalb 
der Stadt vor. So findet sich in der Mitte des vierzehnten Jahr 
hunderts einer in der Schmiedestrasse, ein zweiter bei der St. Petri 
kirche in der „hinkende scroders strate“, ein dritter in nicht näher 
bestimmbarer Oertlichkeit®. Nach 1349 wird nur noch ein Mal ein 
Grundstück mit diesem Namen genannt ^ und später kommt die 
Bezeichnung gar nicht mehr vor. Kalköfen werden bereits 1226, 
als Wilhelm, Bischof von Modena, die (Grenzen der rigischen Stadt- 
itiark bestimmt, erwähnt®, und vor dem Jahre 1330 besass die Stadt 
^&gt;nen solchen Ofen in der (hegend des jetzigen Schlosses®. Auch 
später, 1386 und 1404, blieben die Kalköfen städtische Anstalten, 
^ Napiersky, a. a. O. II, 101. 
* Napiersky II, 210 u. 491. ' 
® Napiersky II, 605. 
^ Napiersky III, 233. ' \ 
* Napiersky III, 267. 
*’ Napiersky, Lib. red. s. D. Kalcrese. 
Napiersky, a. a. O. II, 338. 
® L.-R.-C. Urk. I, Nr. 78. 
•* Bunge, Stadt Riga S. 193.
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        H 
Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
deren Einnahmen nur leider einstweilen nirgends nachgewiesen sind. 
Am Ausgange des vierzehnten Jahrhunderts besass die Stadt zwei, 
einen vor der Kalkpforte und den zweiten vor der Sandpforte. 
Die hier thätigen Kalkbrenner, deren Zahl kaum sehr gross gewesen 
sein kann, wird man als im städtischen Dienste befindliche Personen 
ansehen müssen, falls sie nicht selbständige Pächter waren, worüber 
sich keine Nachrichten erhalten zu haben scheinen. Im i6. Jahr 
hundert lässt die Stadt den Kalk auf ihre Kosten bereiten und 
treibt mit diesem Produkt einen nicht unbedeutenden Handel 
Ziegel wurden in Riga offenbar schon früh gebrannt; jedenfalls 
werden Brennereien 1226 erwähnt, indem der Bischof Wilhelm 
von Modena entschied, dass es innerhalb der Stadtmark sowohl 
Geistlichen als Laien frei stünde Ziegel zu brennen. Indess wird 
von Ziegelhütten, die Privatpersonen angelegt hätten, nichts ge 
meldet. Das städtische Ziegelhaus fdomus lateratontm) ausserhalb 
der Stadt, dicht neben dem Holme, wurde 1338 an einen gewissen 
Petrus auf 10 Jahre gegen eine jährliche Ablieferung von 8000 Ziegeln 
verpachtet^. Zu seiner Verwaltung waren zwei Rathsmitglieder, 
die sogen. Ziegelherren ausersehen, und die nothwendigen bau 
lichen Reparaturen wurden aus der Kämmereikasse bestritten \ 
Eine zweite Ziegelhütte war im Besitze des Ordens; sie wird uns 
1436 als des „Ordms tegelhus by des hHesskumpthurshore'’^ ge 
nannt^. Ähnlich findet sich in Hamburg ein Kalkhaus im Besitze 
der Stadt, die sich den Handel mit Kalk Vorbehalten hat und eine 
kleine Einnahme daraus zieht ^ Auch Ziegelhäuser kommen dort 
1293 in das Eigenthum der Stadt und scheinen von bedeutend 
grösserem Umfange als in Riga gewesen zu sein, da eines derselben 
gegen eine jährliche Leistung von icxxx) Ziegelsteinen und kxxx) 
Dachpfannen verpachtet war*'. Ein Bauhof, d. h. ein Platz zur 
\'^erarbeitung des Holzes zu Balken, Ständern, Dielen u. dgl., auf 
den man in Hamburg schon im dreizehnten Jahrhundert stösst \ 
zeigt sich in Riga erst 1569. Er befand sich an der Düna auf der 
^ Mettigs handschriftliche Auszüge aus den rigischen Käinmercirechnungen 
V. 1555 u. 1556. 
* Napiersky, Lib. red. I, 194. 
3 L.-R.-C. Urk. 4, Nr. 1954, S. 867. 
4 Napiersky, Erbeb. I, 718. 
3 Koppmann, a. a. O. i S. LXVII. 
6 Koppmann, a. a. O. i S. LXXXIV. 
7 Koppmann, a. a. O. 1 S. LXIV.
        <pb n="35" />
        Alt Rigas gewerbliches Leben. 
15 
Lastadie Die curia lignorum civitatis, die gegen Ende des 
vierzehnten Jahrhunderts vorkommt *, kann freilich schon diesen 
Zwecken gedient haben. Denn einen städtischen Holzhof, auf dem 
Brennholz zum Verkauf kam, gab es in jener Zeit wohl kaum. 
Unter der Lastadie begriff man sowohl den Platz, auf dem Schiffe 
gebaut wurden, — Schiffszimmerwerft — als auch einen Platz zum 
Einnehmen oder Löschen des Ballasts*. Welche Bedeutung sie in 
Eiga hatte, lässt sich nicht sagen. Sie stellt sich als ein an der 
Düna befindlicher Platz dar, auf dem verschiedene dem Handel 
dienende Baulichkeiten vorhanden waren und an den sich Gärten 
schlossen. Lastadien im Sinne von Schiffswerften gab es in Elbing^ 
und Lübeck" gleichfalls, während man in Hamburg diesen Ausdruck 
nicht kannte. Der Schiffbauerbrook daselbst wird in einer latei 
nischen Urkunde als j,paltis, ubi 7iaves constrMM7ttur“ bezeichnet®. 
In Elbing unterschied man übrigens eine Schiffslastadie und eine 
T heerlastadie, letztere soviel wie Theerhof oder Theerplatz, d. h. 
fier Ort, wo Theer feilgeboten wurde. 
Ini Zusammenhänge mit der Lastadie stand die Reeperbahn, 
sofern auf ihr u. A. das den Schiffen unentbehrliche Tauwerk her 
gestellt wurde. Sie wird zuerst im Ausgange des vierzehnten Jahr 
hunderts genannt. Damals befand sie sich hinter dem Marstalle, 
etwa in der heutigen Marstallstrasse, und brachte der Stadt ursprüng 
lich fünf, später sechs Ferdinge jährlicher Pacht ein. Seit dem Ende 
fies fünfzehnten Jahrhunderts, wenn nicht schon früher, war sie 
verlegt. Im zweiten Erbebuch wird sie als in der Nähe der Kalk 
brücke, am Rising, am Kälbergraben u. s. w. befindlich angegeben. 
Natürlich hatte sie eine ansehnliche Länge, so dass zu ihrer Bestim- 
'^ftug mehrere Punkte gewählt werden konnten. Vermuthlich 
erstreckte sie sich von der Kalkbrücke bei der Kalkpforte nach 
techts und links. Da in späterer Zeit städtische Einnahmen aus 
nicht nachweisbar sind, ist sie möglicherweise in den Besitz des 
’ Napiersky, Rrbeb. II, 1458. 
* Napiersky, Lib. red. II, 589. 
Lie Bezeichnung des Ballasts selbst als „Lastadie“, wie in Wismar, mag damit 
Zusammenhängen. Die Wismarsche Bürgersprachen von 1345, 1347, :34* gebieten: 
Muod nullus proiceat lastadien in portum sub pena corj)oris et reriim suarum, d. h. 
ällast durfte nicht in den Hafen, in das Fahrwasser geworfen werden. Meklen- 
“•■gisches Urkundenbuch 9, 10, Nr. 6524, 6762, 6851. 
I Appen, Rlbinger Antiquitäten, S. 217. 
* Wehrmann, a. a. O., S. 405. 
® Koppmann, a. a., 1. S. LXXVIIl.
        <pb n="36" />
        i6 
Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
Amts oder einzelner Reepschläger übergegangen. Sie war Privat 
besitz in Hamburg\ Gemeindeeigenthum in Elbing*; wenigstens 
fielen an letzterem Orte der Stadt jährlich 7 Mark Zins zu. Bekannt 
lich waren auf der Reeperbahn die Reepschläger oder Seiler thätig, 
die den Rohstoff — Hanf und Flachs — als einen einheimischen . 
bequem zur Hand hatten und Dank seiner Güte, sowie ihrer eigenen 
Leistungsfähigkeit Erzeugnisse herstellten, die in der ganzen 
hanseatischen Welt bekannt und angesehen waren*. 
Eine ausserhalb der Stadt belegene Pfeffer müh le (peper- 
mole) wird 1348 und später genannt. Das gleiche Institut lässt 
sich schon 1308 in Rostock nachweisen^. Dagegen scheinen eine 
gleichfalls ausserhalb der Stadt belegene Talgschmelze und eine 
beim Kalkofen an der Kalkpforte belegene üelmühle (o lie li 
móle) erst dem sechszehnten Jahrhundert anzugehören. In anderen 
Seestädten des Hansebundes weiss ich diese gewerblichen Anstalten 
nicht nachzuweisen, was bei der Talgschmelze allerdings kaum 
auffallend erscheint. 
Im 16. Jahrhundert tritt uns auch eine Pulvcrmühle entgegen*. 
Zu den gewerblichen Anstalten im weiteren Sinne sind die 
Badstuben zu rechnen. Schon am Ende des dreizehnten Jahr 
hunderts existiren in Riga öffentliche auf Kosten der Stadt unter 
haltene Badeanstalten. In alten Kämmereirechnungen werden drei 
genannt, nämlich der Rosestoven, der Santstoven und das grosse I 
Bad vor der Schalpforte, zu denen sich später die des Herrn Johann 
Papen, die stupa Reynekini und die stupa Blomen gesellten. Sie 
waren alle von der Stadt verpachtet, die z. B. aus dem Rosen- 
stoven im sechszehnten Jahrhundert jährlich 30 Mark bezog*. Indess '* 
war das Baden im Mittelalter eine so weit verbreitete Gewohnheit, j 
dass auch Privatpersonen in ihren Häusern sich Badestuben ein 
richten zu lassen pflegten. Auf dem I^ande war das allgemein 
üblich. Erzählt doch Rüssow, dass während der Meisterschaft 
Conrad von Jockes im Jahre 1315 in Livland eine grosse Hungers- 
noth ausbrach, unter deren Druck etliche Eltern ihre Kinder schlach- r 
1 Koppmann, a. a. O., i. S. XLVI. 
2 Toppen, a. a. O., S. 216. 
* W. Stieda, Hansische Vereinbarungen über städtisches Gewerbe in „Hansische 
Geschichtsbl“. Jahrg. 1886, S. 149—151. 
4 Mecklenb. Urkb. 5 Nr. 3261. 
* Mettigs handschriftliche Auszüge aus den rigischen Kämmereirechnungen 
V. 1555 u. 1556. 
*&gt; Mettig, Zur Gesch. d. Rig. (bewerbe, S. 16.
        <pb n="37" />
        2 
Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
17 
teten, andere „aus Ermangelung des Brodts ihre Kinder in heisse 
Had stub en geschlossen haben, dass sie darin ersticken mussten.“ 
Daher führen die Erbebücher seit 1394 verschiedene Badestuben 
Hei einzelnen Besitzlichkeiten an, die allerdings, da sie nicht Jeder 
mann zugänglich waren, als gewerbliche Anstalten nicht angesehen 
werden können. 
Die öffentlichen Badestuben, die von der Bevölkerung regel 
mässig wie Kirche und Markt besucht zu werden pflegten, standen 
unter dem besonderen Schutz des Gerichts. Man strafte ihre 
Schändung streng, den in einer Badestube vollzogenen Diebstahl, 
wenn er über den Werth eines Loths Silber hinausging, mit dem 
Tode. Trotz der grossen Wichtigkeit,, die man mithin den Bade 
anstalten beilegte, standen die in ihnen beschäftigten Personen in 
üblem Rufe. Vermuthlich wollten, weil die Badestuben als Stätten 
üer Unsittlichkeit in Verruf geriethen, nur übelbeleumundete Per 
sonen sich zu ihrer Übernahme entschliessen, und so entwickelte 
sich der Begriff der „Unehrlichkeit“ dieses Berufs, die es unmög 
lich machte seine Vertreter oder Kinder seiner Mitglieder in die 
Eigentlichen Handwerksämter aufgenommen zu sehen. In Riga 
schloss beispielsweise die 1252 gestiftete Bruderschaft des heiligen 
Kreuzes Badstüber und Badstüberinnen von der Aufnahme aus, ja 
üas Statut gestattete nicht einmal ihre Einführung als Gäste auf 
den gewöhnlichen Zusammenkünften. 
Kndlich sei der Apotheken Erwähnung gethan. Bekanntlich 
zeigen sich die ersten derartigen Anstalten in deutschen Städten 
in der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts b Im folgenden 
Jahrhundert gehören sie nicht mehr zu den Seltenheiten, und so 
kann man auch in Riga aus dem Kämmereibuch von 1339^ wie 
aus den Kämmereirechnungen von 1405 u. 1406, wo noch die Stadt 
I^ür die Bude des Apothekers zu sorgen hatte®, auf eine im Cha 
rakter der Zeit ordnungsmässig eingerichtete Apotheke schliessen. 
Sicher kann die am Markte, in der Nähe der Zollbude, belegene 
■Apotheke im Jahre 1537 nachgewiesen werden, und dreizehn Jahre 
spater wird uns auch der Namen eines Apothekers gemeldet. 
Johannes Szander kauft sich 1550 ein Haus in der Kaufstrasse, das 
unter seinen Nebengebäuden auch ein Brauhaus hatte^ und pachtete 
* ( arl Frederking, Geschichte der Pharmacie, S. i.t. 
^ Mettig, Zur Gesch d. Rig. Gewerl)c, S. 14. 
® L.-R.-C. IJrk. 4, Nr. 1954, S. H67. 
* Napiersky, Rrheii. II, 1056.
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        i8 
Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
1557 einen städtischen Garten an der Neupforte gegen einen Jahres 
zins von 2 Mark. Offenbar war die Pachtsumme so niedrig angesetzt, 
nicht nur in Anerkennung der guten Dienste, die er der Einwohner 
schaft erwiesen hatte, sondern auch im Hinblick auf den Nutzen, den 
der Garten für die Apotheke versprach (also dal he dcnsulvigen hy 
dem ampt der apoteken gebruckeii mach) Seinem muthmaass- 
lichen Nachfolger in der Apotheke, seinem Sohne Sylvester, wurde 
die Pachtung desselben Gartens gleichfalls in Aussicht gestellt. 
In Hamburg soll die Rathsapotheke schon 1264 bestanden 
haben, trat wahrscheinlich aber erst 1314 in’s Leben. Sie unter 
stand der Beaufsichtigung zweier Rathmannen, die als ^^krudeheren'''^ 
(domini specierum) bezeichnet werden. Dieselben statteten seit 
1376 regelmässig Bericht über ihre Befunde ab In Rostock kommt 
ein Apotheker seit 1262 vor^, doch ist es fraglich, ob darunter 
ein Apotheker in heutigem Sinne verstanden werden kann. Da 
gegen wird in Wismar eine „alte Apotheke“ (apotheca antiqua) 
1336 angeführtund in Lübeck stammt die Apotheke ebenfalls aus 
dem vierzehnten Jahrhundert®, wurde zur Stadtapotheke aber erst 
1412. In Reval errichteten mehrere Mitglieder des Rathes im 
Jahre 1422 auf ihre Kosten eine Apotheke, die indess schon nach 
wenigen Jahren in den Besitz des Raths übergingt. 
Vollzog sich in den genannten Gebäuden ein Th eil der gewerb 
lichen Thätigkeit, die sich überhaupt in Alt-Riga regte, so gab es 
neben ihnen andere Stätten, an denen das gewerbliche Leben nicht 
minder lebhaft pulsirte — diejenigen nämlich, an denen der \ er 
kauf der hergestellten Erzeugnisse vor sich ging. Die mittelalter 
liche Gewerbepolizei suchte dem verzehrenden Publikum den Ein 
kauf der ihm nothwendigen Gegenstände thunlichst zu erleichtern 
und hatte zu diesem Zwecke den Gewerbetreibenden mit ge 
wissen Ausnahmen angesagt ihre Producte ausschliesslich an be 
stimmten Orten in der Stadt feilzubieten. Auf diese Weise war 
Jedermann Gelegenheit gegeben, indem er die sämmtliche vorhan- 
* Napiersky, Lib. red. III, 288. 
^ Koppmann, a. a. O. i, S. LXIII. 
3 Mecklenburg. Urkb. 2, Nr. 954. 
* Mecklenburg. Urkb. 8, Nr. 5637. 
5 A. Sartori, Lübecks Apothekerwesen von 1284—1854. Neue Lübeckische 
Blätter 1855, S. 221, 234. Apotheken sind 1412 und 1433 nachgewiesen im Lü- 
beckischen Urkb. 5, Nr. 435, 7, Nr. 547. 
G J. W. Dchio, Mittheil, über die Medicinal Verhältnisse Alt-Revals in Beiträge 4,
        <pb n="39" />
        2* 
Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
19 
dene Waare vor sich hatte, sich das Preiswürdigste auszusuchen, 
iur den Gewerbetreibenden aber mochte in den gemeinschaftlichen 
Verkaufsplätzen ein Anreiz zu wohlfeilerer Production bei gleicher 
^üte liegen, um über die mitwerbenden Genossen den Sieg davon 
tragen zu können. Für die Stadt selbst hatte die Anordnung 
fiskalische Bedeutung \ sofern die Gewerbetreibenden für die Be 
nutzung der Plätze, Stände,' Hallen, Läden u. s. w. regelmässige 
Abgaben zu zahlen hatten. In der Regel unterschied man die 
Verkaufsstätten nach den Gewerben und kannte so Brod- und 
Fleischbänke, Tuch- und Goldschmiedebuden, Schusterhallen und 
dergl. m*. 
Hen Mittelpunkt des geschäftlichen Treibens bildete der Markt, 
auf den für gewöhnlich die Waaren, die vom Lande zum Verkauf 
•n die Stadt kamen, insbesondere Lebensmittel, gebracht wurden. 
Loch stand es dem Landmanne frei seine Erzeugnisse auch hau 
sierend in den Strassen auszubieten oder in einem bestimmten 
Hause (Bude oder Herberge) seinen Verkaufsstand zu eröffnen. 
Ausgeschlossen vom Markte blieben grundsätzlich Holz und Heringe*. 
Lemnach dürfte die Heringsstrasse (heringkstrate), die zwar nicht 
früher als 1550 genannt wird \ aber wohl älteren Datums war, die 
jenige Stätte gewesen sein, in der der Heringshandel betrieben 
wurde. In ihr befand sich 1563 die Waage*, und da unter dieser doch 
nur die öffentliche Einrichtung verstanden werden kann, bei der 
Jedermann gegen eine kleine Gebühr das Gewicht ihm gehöriger 
Gegenstände oder solcher, die er kaufen wollte, feststellen lassen 
konnte, so muss die Heringsstrasse in der Nähe des Marktes zu 
suchen sein. 
■^uf dem Markte selbst befanden sich die für den Verkauf 
gewisser gewerblicher Erzeugnisse bestimmten Buden, die man 
sich als Vorbauten an den auf dem Markte stehenden Häusern, 
^Fer doch als feste verschliessbare Räumlichkeiten vorzustellen 
h‘'tben wird. Mehrfach mögen sie auch in den unteren Räumen 
grösserer Gebäude sich befunden haben, etwa in der Art, wie noch 
heute sich die Reiferbuden im Schwarzhäupterhause erhalten haben. 
Über die Einkünfte der Stadt 
Urk. 3, Nr. 1088. 
Stieda, Rnstehung des deutschen 
* Hunge, a. a. (), S. 128-129. 
&lt; Napiersky, Erheb. II, 1049. 
* Napiersky, Erbeb. II, 1306. 
Reval in dieser Hinsicht vergl. L.-E.-C. 
Zunftwesens, S. loi.
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        20 
Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
Ursprünglich werden diese Huden auch die Werkstätten gewesen 
sein, wie denn z. H. in Lübeck für die Goldschmiede die Vorschrift 
galt, dass nur in den Buden gearbeitet werden durfte. Nur in 
dieser Bude durfte der Goldschmied seine Esse haben oder andere 
Vorrichtungen zum Schmelzen, Brennen oder Scheiden. Versuchte 
jemand sich in seinem Hause oder Hofe eine Werkstätte einzurichten, 
so ist ihm „solche Werckstäie sofort durch obrigkeitliche Veran- 
staltimg von deuten Bedienteti des Bauhofes abgebrochen worde7i'‘ h 
So mag auch in Riga, wenn wir die Beiter wiederholt Localitäten am 
Markte miethen oder 1350 einen Schwertfeger die Eckbude beim 
Rathhause auf 2 Jahre pachten sehen \ daran gedacht werden, dass 
sie gleichzeitig hier ihre gewerbliche Thätigkeit ausübten. Möglicher 
weise galt dies auch für die Goldschmiedebuden,® während die 
Russischen Kramboden^, die 1497 neu erbaut wurden, d. h. Buden, 
in denen Waaren russischer Herkunft feilgeboten wurden, und 
Wandtboden®, d. h. Verkaufsstellen zum Ausschnitt von Tüchern, 
sich als Verkaufsstätten unzweifelhaft erkennen lassen. 
Vielleicht war auch das Hopfenhaus (hoppe^ihus), das in 
einer Kämmereirechnung von 1405—6 genannt ist® und vermuthlich 
das Gebäude war, in dem aller Hopfen aufgespeichert werden 
musste und von dem aus er verkauft wurde, auf dem Markte. 
In der von dem Marktplatz, wo heute das Rathhaus steht, zur 
Düna führenden Schalpfortenstrasse, der heutigen Schalstrasse, waren 
mindestens seit 1495, vermuthlich schon seit längerer Zeit, die Brod- 
scharren oder Brodbänke. Wie in dem Bäckerschragen von 
1392 erwähnt \ waren sie ursprünglich für den Verkauf von Brod 
und Backwaaren überhaupt bestimmt, scheinen aber später für 
Weiss- und Grobbrod getrennt worden zu sein. Wenigstens werden 
1549 ein Kiepenbecker Schrangen, d. h. ein Schrangen zum Ver 
kaufe von Roggen- oder Grobbrot, und ein Weggeschrangen, 
d. h. eine Verkaufsstätte für Wecken, Weissbrod oder Weizenbrod, 
unterschieden. In welcher Entfernung von einander sich beide 
befanden, lässt sich nicht feststellen. 
1 Th. Hach, Zur Geschichte der Lühecki.schen Goldschmiedekunst, S. 6, 12. 
2 Mettig, Zur Gesch. d. Rig. Gewerbe, S. 17, 70. 
® Stieda, Aus dem Leben des Rigaer Goldschmiedeamts. Halt. Monatsschr. 35, 
S. 131. Art. 12. d. Sera von 1360. 
•1 Napiersky, Lib. red. III, 6i. 
® Napiersky, Erbeb. II, 1424. 
® L.-E.-C, Urk. 4, Nr. 1954, S. 870. 
Art. II, 17, 19.
        <pb n="41" />
        Alt-KJgas gewerbliches Leben. 
21 
Wie mir scheint, hat man sich unter dem Schrangen eine 
zusammenhängende Doppelreihe von Verkaufsständen vorzustellen, 
von denen die eine nach dem Markte, die andere nach der Düna 
zu offen war, wobei ich allerdings nicht die heutige Enge der 
Schalstrasse im Auge habe. Wenigstens lassen die in einer In 
scription von 1348^ enthaltenen Worte ,,Dominus Marschalc con- 
duxit terciani partein domus super brotscharneii, que est juxta 
feile strain viciniorein Dune“ darauf schliessen, dass in dem 
Schrangen Fensteröffnung^ nach verschiedenen Seiten vorhanden 
waren. Doch ist es auch möglich, dass die Schrangen im Viereck 
standen, so dass in der Mitte ein freier Raum blieb. Auf diese Ver- 
muthung führt der Umstand, dass gelegentlich die Mitte der Hrot- 
scharren (medium van den brotschernen)'^ auf 10 Jahr gegen ein 
Loth Silber jährlich verpachtet wurde. Vermuthlich war das ganze 
Gebäude, um Verkäufer und Waare vor der Unbill der Witterung zu 
schützen, überdacht und die Aussenseite nicht völlig offen, sondern 
mit aufzuklappenden Läden oder Schiebefenstern versehen. Die ein 
zelnen Verkaufsstände scheinen keine besondere Benennung geführt 
zu haben. Denn der Ausdruck ,,bodain in macellis pistorum“^ ist 
wohl nur als nähere Bezeichnung einer bei den Brodbänken befind 
lichen Bude anzusehen, so wie die ,',m acie brotscharnen”^ genannte 
Hude eine an der Spitze derselben befindliche Bude zu sein scheint. 
Nur als eine Ortsbezeichnung kann doch auch der ,,stabulum in 
macellis pistorum“^ aufgefasst werden. 
Die von den Bäckern zu zahlende Abgabe, 1349 auf 32 Ore 
jährlich pro Kopf, später auf 48 Ore angesetzt, sehe ich als Ver 
gütung für Benutzung des Schrangens an. Sie musste in halb 
jährlichen Terminen von jedem Meister entrichtet werden. Interessant 
dass im Schrangen nicht der Meister hantierte, sondern in der 
Hegel der Gehilfe zur Bedienung des Publikums bestimmt war. 
Nur ausnahmsweise durfte der Meister die Rolle des Verkäufers 
übernehmen, falls nämlich der Brodvorrath auszugehen drohte und 
Geselle zur Ergänzung desselben nach Hause geschickt werden 
musstet Damit die Gesellen nicht auf den Gedanken kämen die 
Napiersky, Lib. red. II, 260. 
** Napiersky, Lib. red. II, 262. 
^ Napiersky, Lib. red. II, 668. 
^ Napiersky, Lib. red. II, 138. 
^ Napiersky, Lib. red. II, 674. 
® Schra von 1392, Art. 11.
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        22 
Alt-Kigas gewerbliches Leben. 
nicht durch den Verkauf in Anspruch genommene Zeit unange 
messen auszufüllen und überhaupt ihr Geschäft nicht vernach 
lässigten, war ihnen das Würfelspiel im Schrangen ausdrücklich 
verboten h 
In ziemlicher Entfernung von den Brodbänken standen die 
Eleischscharren (de vleschscharne, macella, macella carnifictim), 
die Stätten, auf denen der Fleisch verkauf ausschliesslich vor sich 
gehen musste. Schon 1330 an einer bestimmten, wenn auch nicht 
näher anzugebenden Stelle aufgeschlagen *, waren sie später in der 
Schuhstrasse (der heutigen Scheunenstrasse), in der Nähe der 
Münze und des heiligen Geisthofes oder ungefähr in der Gegend, 
wo wir sie auch heute noch, wenn auch nicht in ununterbrochener 
Reihe finden. Mit dem Markte waren sie durch eine Nebenstrasse 
verbunden, die keinen besonderen Namen hatte, sondern als die 
zu den Fleischscharren führende Strasse (platea qua itur de forp 
ad macellum; strate, so man na den flesschrangen geyt*^) bezeichnet 
wird (die heutige Münzgasse). In ihrer äusseren Ausstattung werden 
die Fleischbänke kaum von den Brodbänken abgewichen sein. Die 
einzelnen Verkaufsstellen nannte man „Lede“. Wieviele es gab, 
ist nicht bekannt. Auch hier wird die von den Fleischern an die 
Stadt zu entrichtende Abgabe — im vierzehnten Jahrhundert jeder 
jährlich eine Mark, im folgenden jährlich zwei Mark* — auf die 
Erlaubniss in den Scharren ihre Erzeugnisse feilbieten zu dürfen, 
bezogen werden müssen. 
Die Fischhalle (boda piscmm), die uns gegen den Ausgang 
des vierzehnten Jahrhunderts genannt wird®, kann die zum Verkauf 
frischer Fische ausersehene Stätte gewesen sein, wenngleich eine 
darauf hinzielende obrigkeitliche Verfügung sich nicht nach weisen 
lässt. Da der Verkauf frischer Fische nach der Bursprake auf 
den Markt beschränkt blieb, so muss die Boda piscium auch dort 
gesucht werden. 
Das im Ellernbruch befindliche Butt er haus (hcreditas dicta 
dat buterhus) mag ursprünglich ein für den Handel mit Butter oder 
anderen Fettwaaren bestimmtes Gebäude gewesen sein. Um das 
1 Schra von 1392 Art. 19. 
^ L.-E.-C. Urk. 2, Nr. 744. 
3 Napiersky, Erheb. I, 8o&lt;), 1031; II, 837. 
4 Napiersky, Erbeb. I, 256; II, 21. 
5 Napiersky, Lib. red. II, 146; III, 145. 
6 Napiersky, Lib. red. II, 568, 603, 666.
        <pb n="43" />
        Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
23 
Jahr i4(xj war es jedenfalls seiner einstigen Bestimmung entfremdet, 
denn die Stadt verkaufte es an einen Privatmann 
Dagegen hat der Kohlenmarkt (fortim carbomim, dat kal- 
niarket, kolmarket), die Stätte, auf der die für den Haushalt und 
viele Gewerbe unentbehrlichen Kohlen lagerten und zum Verkaufe 
kamen, seine ursprüngliche Bedeutung lange beibehalten. Er wird 
von 1393—1338 mehrmals genannt und scheint vor der Mündung 
der grossen Sandstrasse in die Jacobsstrasse gesucht werden zu 
sollen*. Das am Kohlenmarkt befindliche Haus, das einen Aus 
gang nach der Schlossstrasse hat * verträgt sich mit dieser Annahme 
ganz gut. Die (platea carbo7ium) kann eine der 
vom Markte aus abführenden Strassen gewesen sein. 
Sind wir mit den letzten Betrachtungen bereits in das Ciebiet des 
Handels eingetreten, so mehren sich gegen den Ausgang des fünf 
zehnten Jahrhunderts die Anzeichen dafür, dass neben dem Klein 
handel, dem die charakterisirten Anstalten zu dienen ausersehen 
'varen, auch der Grosshandel rege sich entwickelte. Die uns zwischen 
1488 und 1374 genannten Talg-, Wachs- und Flachs Speicher 
(icillichpeysehuss, wassperscher, flassperseJms)^ sind augenscheinlich 
niit dem Aussenhandel in diesen Gegenständen in Zusammenhang 
zu bringen. Sie befanden sich alle vor der Schalpforte oder an 
fier Düna. Ob wir in ihnen städtische Anstalten zu erkennen haben, 
denen etwa eine Wrake der Waare unmittelbar vor ihrer Ver 
schiffung stattfand, oder Privatgebäude, die zur Aufbewahrung der 
(betreffenden Gegenstände bis zu ihrer Versendung dienten, kann 
hicht entschieden werden. Die Flachs- und Hanfwrake wurde in 
(^jga erst 1328 eingeführt\ und es wäre nicht ganz ausgeschlossen, 
dass damit die Erbauung des Flachsspeichers zusammenhing. 
t, Wassperscher** an eine Anstalt zur (Gewinnung von Wachs 
durch Auspressen des Honigs aus den Waben zu denken, wie 
Napiersky will“, scheint mir gesucht. Gegen den Transport der 
Honigwaben aus der Umgegend bis zu diesem gewerblichen 
Etablissement erheben sich Bedenken. Dagegen hat bei dem schon 
' Napiersky, Llb. red. II, 505, 644, 145. 
* Napiersky, Erbeb, s. v. Kohlenmarkt. Bunge, a. a. O., S. 68. 
* Napiersky, Erbeb. II, 1228. 
Napiersky, Erbeb. I, 227. 
Die hiervon handelnden Urkunden siehe im Regest bei Hildebrand Mélanges 
Kusses 4, S. 781. 
® Libri red. S. 224.
        <pb n="44" />
        24 
Alt-Kigas gewerblichem Leben. 
seit dem dreizehnten Jahrhundert lebhaften Wachshandel Rigas* ein 
Gebäude zum Stapeln des zur Verschiffung bestimmten Wachses 
grosse Wahrscheinlichkeit für sich. 
Fersehuser, d. h. Speicher schlechthin ohne nähere Angabe, 
werden im Besitze von Privatpersonen in den Erbebüchern seit 
1436 wiederholt erwähnt. Gleichfalls rein privaten Charakters sind 
die Holzhöfe {-Holthofe, holtrume), Stätten, an denen Holz gelagert 
wurde, und die nach den Erbebüchern mehrfach ihre Besitzer 
wechseln. 
Die 1490 und 1492 genannten Teer- und Aschenwrake* 
wird vermuthlich in bestimmten Gebäuden vorgenommen worden 
sein. Im Jahre 1516 begegnet uns zum ersten Male eine Herings- 
wrake ®. Die Therebane oder der Teer platz auf der Lastadie, 
die allerdings erst 1540 und 1549 erwähnt wird^, kann der Platz 
gewesen sein, auf dem die Theerwrake vor sich ging. Wenigstens 
ist Napierskys Ableitung des Wortes therebane von tyera oder 
tere, d. h. Packen oder Ballen, wie sie namentlich beim Tuchhandel 
üblich waren, und seine Erklärung der Therebane als eines freien 
Platzes für Waarenballen nicht ganz einwandsfrei. Aus der Natur 
der Tuchballen ergiebt sich die Nothwendigkeit eines besonderen 
Stapelplatzes so wenig, als es wahrscheinlich ist, dass sie unter 
freiem Himmel ausgepackt wurden. In der Rathsentscheidung über 
die Arbeitsgrenzen der Ligger und Lastträger lautet Art. 17: Item 
van einer last theers, ivelcket nicht geforet ivarci van der bane 
in de schiinen, to schlaende twe Schillinge u. s. w. Auch hieraus 
ergiebt sich die Richtigkeit der Auffassung der Therebane als 
eines Platzes zur Verpackung, Stapelung, Wrake etc. des Theers. 
Über das Alter der genannten Wraken kann nichts bestimmt 
werden. Indess lässt sich, da der mittelalterlichen Auffassung eine 
bis ins Kleinste sich erstreckende Beaufsichtigung der privaten 
gewerblichen und commerziellen Thätigkeit nicht widersprach, 
glauben, dass die Einrichtung schon früh ins Leben trat. Der 
Aschenhandel Rigas war im dreizehnten Jahrhundert schon ein 
ansehnlicher. Wird doch z. B. 1275 eine Schiffsladung Asche, die 
1 Stieda, Revaler Zollbücher, S. CXllI. 
** Napiersky, Lib. red. Ill, 176, 177. 
Mettig, Sitzungsbericht der (iesell.schaft f. Geschichte u. Alterthumskunde, 
Dünaztg. 1804, Nr. 64. 
1 Napiersky, Erbeb. II, 857, 1036.
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        Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
25 
einem rigischen Kaufmanne gehörte, in England erwähnt’. Hei so 
weit ausgedehnten Verbindungen mochte man von der Überzeugung 
ausgehen, dass für einen dauernd erfolgreichen Absatz nach Aussen 
eine Kontrole der zu verschiffenden Waare unentbehrlich war. 
Sie bot Gewähr für die gleichmässige Güte des Products und den 
Absendern die Hoffnung, die einmal eroberte günstige Stellung 
nicht zu verlieren. Nichts beweist die weite Verbreitung der Ansicht 
von der Richtigkeit dieser Wrake besser, als dass allmählig immer 
mehr Waaren in ihren Bereich hineingezogen wurden. In dem 
Maasse vermuthlich als der Handel mit einzelnen Waaren sich ent 
wickelte, wurde er der Kontrole unterworfen, wie das Beispiel vom 
Plachs und Hanf zeigt. Auch fiscalisch wurde die Wrake bedeutend. 
Oie Aschenwrake ergab 1492 130 Mark*, 1549 aber nicht weniger 
als 13000 Mark und die Teerwrake brachte in dem letztgenannten 
Jahre 3(x) Mark®. Auf die allmählige Ausdehnung der Wrake wird 
fiie Errichtung des Wrackhofes oder Wrackhauses zurückzu 
führen sein, von dem man 1514 zuerst erfährt^. Dieser Wrackhof 
befand sich an der Düna, von der Lastadie durch einen Holzraum 
getrennt, gegenüber einem „Ord toschen beiden bruggen, als man 
nniine den kalvergraveti geit^. 
Dienten alle diese Anstalten der Ausfuhr, so erscheint in einem 
Salzkeller (soltrum) 1542®, in der Nähe der Fleischscharren, eine 
Einfuhr nutzbar gemachte Anlage. Gewiss gab es mehrere 
solcher Keller in der Stadt. 
Oür Handel und Gewerbe gemeinsam, für Gross- und Klein 
handel, waren die Münze, die Waage und die Zollbude bestimmt. 
Oie Münze {de munie, de muni he hove, der sind, eines erbarcn 
yadts muntkusse) befand sich in der Kalkstrasse’ und erstreckte 
Sich nach hinten bis in die jetzige grosse Münzgasse. Als einen 
zeitweiligen Inhaber lernen wir Diderik Meteler, den Jungen, 
Gnnen, der das Gebäude 1498 für 18 Mark jährlich miethet®. An 
seine Stelle trat 1503 Wilm Munter, der 25 Mark jährlich bezahlen 
Höhlbauin, Hansisches Urkb. i, Nr. 1179. 
g Napiersky, Lib. red. Ill, 177. 
Böthführ, Jürgen und Caspar Padels Tagebücher in Mittheilungen a. d. livl. 
,3, S. 333. 
^ Napiersky, Erbeb. II, 286. 
® Napiersky, Erbeb. II, 701, 780. 
Napiersky, Erbeb. II, 879. 
Napiersky, Erbeb. I, 877; II, 39, 54 u. s. w. Lib. red. III, 8. 
® Napiersky, Lib. red. III, 143.
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        « 
26 
Alt-Rigas gewerbliches Lehen. 
muss’. Dagegen wird dem Münzmeister Wolfgang Nothaft, der 
über den hohen Silberpreis und den geringen Verdienst gar be 
weglich zu klagen weiss, Amt und Haus auf 5 Jahre gegen jährliche 
Entrichtung eines ungarischen Guldens „to ivortyiise“ überlassend 
Ein kleineres Nebengebäude der Münze, als Wohnhaus bezeichnet, 
wurde 1513 an Hans Kolthof und dessen Ehefrau auf Lebenszeit 
vermiethet 
Die Lage der Stadtwaage lässt sich trotz ihrer öftern Er 
wähnung in den Erbebüchern nicht bestimmen. Nach einer schon 
erwähnten Inscription wäre sie in der Heringsstrasse zu suchen. 
Jedenfalls liegt es nahe sie sich unweit des Marktes zu denken, 
auf dem ja die meiste Veranlassung zu ihrer Benutzung geboten 
wurde. Jedermann hatte das Recht gegen Entrichtung einer kleinen 
Gebühr die Leistungen der Waage in Anspruch zu nehmen. Sie 
war verpachtet und warf einen sehr reichlichen Ertrag ab. Dietrich 
Giere, dem sie 1487 auf 20 Jahre für 520 Mark jährlich verpachtet 
wurde, übernahm sie noch vor Ablauf seines Contracts 1498 auf 
Lebenszeit unter den gleichen Bedingungen. Er hatte sich der 
Stadt dienstwillig erwiesen, indem er eine städtische Obligation im 
Betrage von 250 Mark, für die ihm ein Steinhaus nebst Keller und 
Boden hinter der Waage verpfändet worden war, ausgeliefert hatte In 
Hamburg war die Stadtwaage im vierzehnten Jahrhundert für einige 
20 Pfund jährlich, im fünfzehnten Jahrhundert aber für 120 Pfund 
jährlich verpachtet ^ In Elbing aber, wo sie gleichfalls verpachtet 
war, warf sie 1404—1414 durchschnittlich 44 Mark preussisch 
d. h. etwa 26 Mark rig. ab. 
Die am Markt befindliche Zollbude, vermuthlich in den unteren 
Räumen des Rathhauses untergebracht, in den Erbebüchern 1496 
zuerst erwähnt, könnte ihrem Namen nach kaum etwas anderes 
gewesen sein als die Kasse, an der die für Aus- oder Einfuhr zu 
entrichtenden Abgaben zu zahlen waren. Indess gehörte die Zoll 
freiheit zu den wesentlichen Rechten der rigischen Bürger\ und 
jene Bude kann daher nichts anderes vereinnahmt haben als das 
’ Napiersky, Lib. red. III, 64. 
2 Napiersky, Lib. red. III, 214. Über seine Nachfolger Gerth Schreiber und 
Thomas Ramme vergl. Baltische Monatsschrift 35, S. 118. 
3 Napiersky, Lib. red. III, 8, 20; Erbeb. II, 415. 
•1 Napiersky, Lib. red. III, 54. 
5 Koppmann, a. a. O. i S. LXXXII; 3 S. LXXV. 
ß Toppen, a, a. O, S. 53. 
7 Bunge, a. a. O., S. 87. ,
        <pb n="47" />
        Alt-Kigas gewerbliches Leben. 
27 
vom Hansebunde gelegentlich vereinbarte Pfundgeld und die Zölle, 
die etwaige fremde Kaufleute zahlten. Vielleicht aber nahm die 
Zollbude als Finanzbehörde überhaupt auch andere Geschäfte wahr, 
etwa die Vereinnahmung der Accise. Eine Inscription des „Libri 
redituum“ macht eine ,,olde tolbode“ namhaft b Zwei Zollbuden 
werden kaum gleichzeitig in Benutzung gewesen sein, also wird 
damit wohl nur auf eine ältere, nicht mehr benutzte Localität hin 
gewiesen worden sein. 
Zu den gewerblichen Anstalten im weiteren Sinne gehören 
endlich Hier- und Weinstuben, sowie Gasthäuser zur Beher 
bergung von Fremden. Von ersteren wird uns zwar nichts ge 
meldet, doch wird man die in den umgearbeiteten rigischen Sta 
tuten erwähnten „Thavcrnen*‘, die die Leute zu besuchen pflegten, 
um ,,tho drinckende“^^ wohl als solche ansehen können. Auch 
darf man daraus, dass sie in anderen Hansestädten häufig genug 
angetroffen werden, schliessen, dass sie in Riga nicht fehlten. 
Wenn in Hamburg\ Rostock^, Wismar^, Elbing’’, Reval® kroegere, 
catipones, tabernarii, tabematores, bierzappere sich nachweisen 
lassen, so kann man leicht glauben, dass auch in Riga die Betriebs 
statten dieser Gewerbetreibenden anzutreffen waren. Ein Wein 
haus und Weinkeller (vinariuni, vinatoriuiu, celarium vino- 
*'uin) wird seit 1335 ®ft erwähnt. Der Keller wird mehrfach aus 
drücklich als städtischer Besitz bezeichnet: des stades wynkellere, 
'^^nanunt civitatis, des rades winkeller; er befand sich in der Kauf 
strasse, sich bis zur Schmiedestrasse (der heutigen Rosenstrasse) 
erstreckend^. Er diente sowohl zum Lagern derjenigen Weine, die 
die Stadtverwaltung für ihren Bedarf brauchte, als auch zum Wein 
ausschank, den die Stadt verpachtet hatte. Johannes Doleator 
erwirbt dieses Recht im Jahre 1335 für iV* Mark jährlich®. Später 
Napiersky, Die Quellen des Rigischen Stadtrechts 1876, S. 188, 9. 
® Koppmann, a. a. O., i, S. XLIV. 
Mecklenb. Urkb. Bd. 12. Sachreg., s. v. taberna und tabernator. 
^ Toeppen, a. a. O., S. 223. 
® Mettig, Das Zweitälteste Erbebuch der Stadt Reval in Sitzungsberichte der 
esellsch. fur Gesch u. Alterthk. der Ostseeprov. 1890, S. 91. 
’ Napiersky, Erbeb. I, 131,383; Lib. red. I, 127, 243; Bunge, a. a. O., S. i6o. 
® Mettig, a. a. O, S. 18, sieht in J. Doleator einen für das Weinhaus arbeitenden 
öttcher, der in der Kaufstrasse ein Haus miethete, um nicht allzuweit von dem 
. seiner 1 hätigkeit und seinem Geschäft zu sein. Indess scheint es mir richtiger 
M Inscription (Lib. red. I, 127, 243) „Doleator de vinatorio ad 6 annos 1V2 mr. 
ichaelis solvit", den Nachdruck auf „de vinatorio“ als demjenigen Gegenstände, 
ñr den er Miethe zahlt, zu legen.
        <pb n="48" />
        28 
Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
ZU Beginn des sechszehnten Jahrhunderts warf die Pacht bedeutend 
mehr ab. ^ Denn ,,des rades iviiikcller“ wurde für i8 Mark, seit 1522 
für 20 Mark jährlich verpachtet. Die Pächter in dieser Periode 
waren nach einander Herr Johann Camphussen, Certh Symons, 
Peter von Meheym (1517—1522) und Goswyn Dyckmann k Der 
Weinkeller verzapfte übrigens Vauch Meth; wenigstens wird 1394 
und 1428 für ihn Honig eingekauft k An dem Weinhause befanden 
sich Huden®, die getrennt vermiethet wurden. 
Ein zweiter Weinkeller ist im Hause der Schwarzenhäupter- 
gesellschaft nachweisbar: „linder dem nigen /mss to der ivage 
worth“^. Auch er gehörte der Stadt, und seine Anlegung ent 
sprach wohl dem gesteigerten Hedürfniss einer vermehrten Bevöl 
kerung nach Wein. Er wurde zu Beginn des sechszehnten Jahr 
hunderts an Johann van Vechten für 20 Mark verpachtet; später 
übernahm ihn Gerth Symons, der gleichzeitig den ersten Weinkeller 
bewirthschaftete, und dessen Nachfolger wurde Hans Spenghusen 
der Junge, der aber 1522 24 Mark Pacht entrichten musste. Zu 
diesem Keller gehörte eine Bude, die Spenghusen gleichfalls miethete, 
so dass sich daraus vielleicht die höhere Pacht erklärt. 
In Riga hatte der Rath nicht, wie es in Hamburg®, Lübeck®, 
Wismar’ und Elbing* der Fall war, aus dem Weinschank ein Mo 
nopol gemacht. Vielmehr zeigen uns die im vierzehnten Jahrhundert 
erhobenen Abgaben von je einem Passe Wein, die sich zweifellos 
auf den Ausschank beziehen (si per stopas venditur)^^ dass Jedem 
nach Belieben freistand, natürlich unter der Voraussetzung, dass 
die obrigkeitliche Erlaubniss eingeholt war, einen Weinhandel zu 
eröffnen. Der Rath wird demnach zunächst für den eigenen Bedarf 
an Wein, wie er durch Ehrengeschenke an durchreisende Fremde, 
Festgaben u. s. w. veranlasst war, sein Lager ins Leben gerufen 
haben. In dem Glauben, dass die unter seiner Verwaltung stehenden 
Weine die private Konkurrenz aushalten könnten, wird der Aus- 
1 Napiersky, Lib. red. III, 87, 99. 
2 L.-E.-C. Urk. 4, Nr. 1593, Art. 2, 5. 
3 Napiersky, Lib. red. II, 79, 117, 160. 
4 Napiersky, Lib. red. III, 65. 
® Koppmann, a. a. O., 1 S. LXX. 
ß Wehrmann, der lübeckische Rathsweinkeller in Zeitschr. d. Ver. f. lübeck. 
Gesch. 2, S. 75—128. 
’ Crull, in Mecklenb. Jahrb. 33, S. 53. 
* Toeppen, a. a. O., S. 203. 
Napiersky, Lib. red. II, 462.
        <pb n="49" />
        Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
29 
Schank damit verbunden worden sein, der zuerst vielleicht in eigener 
Regie geführt, später verpachtet wurde. Jedenfalls Hessen sich 
Privatpersonen nicht selten Wein in ihre eigenen Keller legen. 
Anders wäre es nicht nöthig gewesen, durch eine Taxe den Lohn 
der Weinträger zu regeln *. Wenn man es für zweckmässig erachtete, 
1 rägern vorzuschreiben, wieviel sie für den I ransport einer 
Pipe oder eines Fasses verlangen durften, so muss die Gewohnheit, 
Sich den Wein für den Hausgebrauch direct zu verschreiben, eine 
weit verbreitete gewesen sein. Dass die Einwohner den Wein in 
grossen Gebinden von 5 und 8 Ohmen oder mehr aus dem Raths 
keller bezogen, und die Taxe der Weinträger für die Beförderung 
des Weins aus dem Rathskeller in die Privathäuser galt, scheint 
ausgeschlossen. Weinkeller, bezw. Weinhäuser, werden daher auch 
zu Beginn des 16. Jahrhunderts mehrfach namhaft gemacht, bestanden 
äher gewiss schon früher. Dahin gehören Hans Konings Wein 
keller in der Kalkstrasse 1573* und Reynhold Germans Weinhaus 
Aiu Markte, das 1518 auf Hans Diderik überging. Nach dessen 
Pode kaufte die Wittwe des Herrn Berthold Fredericks es im 
Juhre is¡22 und überliess es vierzehn Jahre später Bartold Frederick, 
vermuthlich ihrem Sohne®. 
•Lasthäuser im heutigen Sinne wird man nicht erwarten in 
Alt-Kigii zu finden. Indess musste natürlich in irgend einer Weise 
die Unterbringung durchreisender oder anreisender Fremder 
gesorgt sein. Es fehlt noch ganz an einer Untersuchung über die 
j Wickelung dieses wichtigen Zweiges des \^erkehrs in Deutsch- 
•^ud . Soweit urkundliche Nachrichten in dieser Beziehung Auskunft 
geben, kann die Entstehung dieser Anstalten auf mehrfache (Gründe 
zurückgeführt werden. 
Pür arme, zunächst vielleicht nur kranke, in der Folge jeden- 
^lls auch gesunde Personen sorgte die Mildthätigkeit. Als die 
^ erbergerin der ,.elenden Gäste” (Fremden) und Pilgrime wurde 
^ heilige (jertrud angesehen, und ihr zu Ehren errichtete man aus 
privaten Mitteln Fremdenherbergen. So wurde in Lübeck im letzten 
Urittel des vierzehnten Jahrhunderts das (iertrudengasthaus hinter 
dem Heiligengeistspital eröffnet\ und von dem an der Spitze 
^ Napiersky, Lib. red. II, 463. 
g Napiersky, Erbeb. II, 1547, ibob 
^ l'^^piersky. Erbeb. II, 364, 1147, 1427. 
Ih. V. Liebenau, Das Gasthof- und Wirthshauswesen d. Schweiz. Zürich i8qi. 
Mantels in Hansische Geschichtsbl. 1872, S. 143 — 144.
        <pb n="50" />
        3" 
Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
Stehenden „Gastmester^', bezw. dem Hause selbst, ist wiederholt 
die Rede. Wenn wir im Jahre 1413 einen frommen Bürger dem | 
Gasthause eine Jahresrente von zwei Mark vermachen sehen „ad 
usum peregrinoruni qui ad hospitaudiun in hospitali retro sa7tctuin 
spirituni colliguntur“ so kann man sich denken, dass dieses Legat 
kein vereinzelter Fall geblieben sein wird. Auf diese Wurzel weist 
in Riga die 1435 errichtete Herberge für obdachlose Reisende 
„welche Jiusz sali numeer genöniet iverdcn der elendeti gasthusz“, 
gleichzeitig ein Krankenhaus^. Aus Barmherzigkeit „also dat se 
uni nottroftiger armen personen willen, der in deszen suivent tiden 
vele in groter kranckheit und swarem hummer und armode binne^i 
Rige iveren, de sich sulven Glicht helpen honden, up dat den barm- 
hertichlihen to hulpe gehonien worde”, rief der Rath die Anstalt j 
ins Leben, und bestimmte in der für ihre Verwaltung erlassenen 
Ordnung, dass man ,,in dit husz sali entfangen arme seche elende 
personen, de des not hebben”, und ,,och herbergen arme elende 
gesunde personen de nacht, alze de erst binnen de stad homen 
und anders nene herberge en hebben“. Dieses Gasthaus befand 
sich am Johanniskirchhof in einem von dem Rathsherrn Curd Visch 
erbauten Hause. Es gewährte den sich meldenden gesunden Per 
sonen in der Regel aber nur für eine Nacht Unterkunft, kann also 
etwa mit dem modernen Nachtasyl auf eine Stufe gestellt werden. 
Für bemittelte Reisende musste selbstverständlich in anderer 
Weise gesorgt werden. Anreisende Handwerksgesellen fanden, 
wenn sie nicht gleich in des Meisters Hause einkehrten, in den 
Zunftherbergen eine Unterkunft. Kaufleute konnten zunächst auf 
ein Nachtlager bei Geschäftsfreunden rechnen, waren sie indess 
in der Stadt fremd, so werden sie sich an diejenigen Einwohner 
gewandt haben, die ihre Sprache verstanden, mit den kaufmännischen 
Verhältnissen bekannt waren und von denen sie Hilfe bei Ab 
wickelung ihrer Geschäfte erwarten konnten. Solche Personen j 
waren theils die Dolmetscher, theils die Makler, jene Kaufleute, | 
die wir für die Vermittelung des Verkehrs zwischen Einheimischen 
und Fremden ausdrücklich privilegirt finden. So erscheint in Brügge 
das Maklergewerbe seit Anfang des vierzehnten Jahrhunderts in 
holge des gerade damals enorm anwachsenden Fremdenzuflusses 
mit dem Gewerbe der Fremdenherbergung eng verknüpft. Zahl 
reiche Bürger, als „hosteliers“ oder „ostelliers“ nach ihrem Hause 
1 Lübeckisches Urkb. 5, Nr. 255, 456; 7, Nr. 710; S, 511. 
2 Livl. Urkb. 8, Nr. 1029.
        <pb n="51" />
        Alt-Rigas gewerbliches Leben. 
31 
flem ,,hostel“ bezeichnet, widmeten sich diesem Geschäfte und 
erscheinen seit 1303 sämmtlich als Mitglieder der Maklerzunft 
vermuthlich nicht erst durch eine neuerliche Verschmelzung, sondern 
ganz natürlich begründeter Zusammengehörigkeit. Offenbar sind 
•T&gt;it der Zeit aus diesen Privathäusern, deren Inhaber anfangs rein 
kaufmännische Interessen verfolgten und die Herbergirung nebenher 
"Mitnahmen, die berufsmässigen Gasthäuser geworden, in denen alles 
ohne Ausnahme einzukehren berechtigt war. Noch im fünfzehnten 
Jahrhundert erscheinen in Brügge angesehene Makler als Wirthe 
der sich zeitweilig dort auf haltenden Kaufleute. Aber gleichzeitig 
treffen wir unter besonderem Namen wie heute selbständige Her 
bergen, deren ausschliesslicher Zweck die Aufnahme von Fremden 
war. In Antwerpen z. B. schliessen die Aelterleute des hansischen 
Kaufmanns mit dem Gastwirthe Steven von Oerie 1438 einen Vertrag 
ab, dass er in ,,sijn herberge, geheeten de Gans“ ein Zimmer mit 
zwei Betten für einen bestimmten Preis ihnen bei jedem Markt zur 
erfügung halten will*. In Hildesheim lässt sich 1405 ein Gast- 
^taus zur Sonne (in der herberghe to der Sunneti) nachweisen *, 
ttnd in Lübeck finden wir in der ersten Hälfte des fünfzehnten 
Jahrhunderts bereits mehrere (Gasthäuser, wie das „zur goldenen 
Krone“ (ad aureain coronain) das „zum Jäger“ (torn Jegere, ad 
'^^natorein), das „zum weissen Ross“ (torn wüten perde), das „zu 
’^i^n drei Schilden“ (to den dren Schilden)^. In einigen derselben 
’ttag Wohl noch die Krug- und Schankwirthschaft überwogen haben, 
p^^r es zeigt sich doch der unverkennbare Beginn einer neuen 
j'ttWickelung. In Riga erwähnt das Stadtrecht von 1270 an zwei 
‘ en der Personen, die „lüde“, d. h. Leute, beherbergten. Man 
^cnnt sie ausdrücklich „Wirthe“ und erleichtert ihnen den Verkehr 
giliren (Gästen. So genügt z. B. ihr Schwur, um den (iast zur 
^ahlurig seiner Schuld zu veranlassen®. Ebenso werden in den 
Wagen nicht selten Krüge, d. h. wohl Herbergen oder Schank- 
atten, erwähnt. Häuser mit besonderem Namen lassen sich nicht 
|iachWeisen, wohl aber ein ähnliches städtisches Institut, das viel- 
^ ^ gorade wegen des Mangels an ersteren ins Leben gerufen 
g Pappenheim, Kommissionär und Dolmetscher in Zeitschr. f. Handelsrecht 29, 
Khrenberg, Makler, Hostellers u. Börse in Brügge in Zeitschr. f. Handels- 
30, S. , 66. 
3 *'ül)eckisches Urkb. 7, Nr. 771. 
^ t)öbner, Hildesheimer Urkundenb. 3, Nr. 212. 
3 ^"^*&gt;Pckisches Urkb. 6, Nr. 511; 7, Nr. 626. 
^äpierky, Quellen des Kig. Stadtrechts 1476, S. 89, 118.
        <pb n="52" />
        32 
Alt-Rigas gewerbliches Leben. ' 
worden oder möglicherweise für vornehmere Reisende bestimmt I 
war, nämlich die Stadtherberge in der Marstallstrasse (des stades 
herberghe). Sie kommt in den Erbebüchern von 1473 1543 wieder 
holt vor, und wie sie in der Regel benutzt sein wird, ergiebt sich '} 
aus dem Reisebericht einer hansischen Gesandtschaft vom Jahre 
1603 Lübecker, auf der Rückreise von Moskau, Riga berührend, 
stiegen „m eines Erbarn Raths daselbst Gasthauss” ab und wurden 
aufs freundlichste aufgenommen. Einige Rathsherren verschmähten 
nicht den fremden Gästen in der Herberge ihre Aufwartung zu 
machen „tmd ilmen gute gesel- tind freundtschajjt” zu leisten. 
Ebenso wird „dass Gasthauss zti Riga” 1607 einem französischen 
Lieutenant zeitweilig zum Aufenthalt angewiesen, der mit 32 Sol 
daten von den Schweden zu den Rigischen überging*. Wie es 
scheint, wurde im Laufe der Jahre das (kisthaus verlegt, denn das 
1602 als in der Sandstrasse befindliche Gasthaus® wird, eben weil 
es so als „Gasthaus“ schlechthin bezeichnet ist, wohl als die 
öffentliche Herberge im Stadtbesitz angesehen werden können. 
2. Die Gewerbetreibenden. 
Gewerbestatistik Rigas nach den Libri redituum und den Krbebüchern. — Ge 
werbestatistik Rigas und Revals im 13. und 14. Jahrhundert. — Vergleich mit 
Stralsund, Kiel, Hamburg, Lübeck, Frankfurt a./M. und Nürnberg. — Gewerbesta 
tistik Rigas im 15. und 16. Jahrhundert. — Vergleich mit Lübeck und Danzig. 
Ausländische Handwerker in Riga und Reval. — Gewerbetreibende Frauen. 
Auf einem derartig zubereiteten Hoden, wie wir ihn eben ge 
schildert haben, finden sich natürlich schon früh Personen, die 
berufsmässig mit der Umformung von Rohstoffen beschäftigt sind 
oder in Dienstleistungen für Handel und Verkehr ihren Unterhalt 
zu erwerben suchen. Es hat keinen Sinn feststellen zu wollen, 
welche Gewerbetreibenden die ersten in Riga waren, da der Zufall 
in der Aufbewahrung hierauf bezüglicher Nachrichten seine Hand 
1 Schicker, Reisebericht der hans. Gesandtschaft etc. in Hansisch. Geschichtsbl. 
t888, S. 55. 
2 Hodeckers Chronik ed. Napiersky, S. 30. 
3 Bodeckers Chronik ed. Napiersky, S. 14.
        <pb n="53" />
        3 
Die Gewerbetreibenden. 
33 
niit im Spiele haben wird. Wohl aber hat es Bedeutung für einen 
längeren Zeitraum zu ermitteln, welche Gewerbetreibenden über 
haupt Vorkommen, um ermessen zu können, wie weit die gewerb- 
hche 1 hätigkeit im Allgemeinen entwickelt war. Die Gefahr, dass 
durch das Schweigen der Überlieferung hierbei ein undeutliches 
^ild entsteht, indem manche muthmasslich vorhandene Handwerke 
nicht nachweisbar sind, ist zwar nicht ganz ausgeschlossen, aber 
nicht gross. Denn die Vielheit der für eine derartige Aufstellung 
2U benutzenden Duellen bietet einigermaassen Gewähr, dass erheb 
liche Gewerbe nicht ausgelassen sind. 
Auf eine vollständige Gruppirung der ganzen Bevölkerung nach 
ihrem Berufe muss verzichtet werden, ja nicht einmal über die Zahl der 
Gewerbetreibenden im engeren Sinne, die Zahl der Meister in den ein 
zelnen Ämtern und die von ihnen beschäftigten Gesellen und Lehrlinge 
kunn Auskunft ertheilt werden. Untersuchungen, wie sie beispiels 
weise Bücher in seinem gediegenen Werke über die Bevölkerung 
von Frankfurt a. M. im 14. und 15. Jahrhundert angestellt hat’, lassen 
Sich mit dem für Riga vorhandenen Material nicht ausführen. Wir 
"Bussen uns auf den Nachweis beschränken, welche (bewerbe in der 
älteren Zeit überhaupt in Riga vertreten gewesen zu sein scheinen. 
Kin zu solchem Zwecke brauchbares Material bieten zweifellos 
rigische Schuldbuch, die Libri redituum und die Erbebücher, 
indem aus den in ihnen genannten Persönlichkeiten die Handwerker 
l^^ch den ein Gewerbe anzeigenden Beinamen ermittelt werden 
j ‘^nen’'). Wann der Prozess der Bildung von Familiennamen 
^ Sinnt und beendet ist, harrt zur Zeit noch genauerer Feststellung. 
nanfechtbar erscheint einstweilen nur; dass bis gegen Ende des 
^lerzehnten Jahrhunderts die Handwerker durchweg noch keine 
^nmilienn^rfjgp führen und weit bis ins 15. Jahrhundert hinein diese 
^Wohnheit beibehalten. Das Gewerbe, dem sie obliegen, dient 
ihrer näheren Bezeichnung, und es lässt sich daher aus Angaben, 
^ Henneke Gerwer oder Thomas Goltsmet mit Sicherheit auf 
iUcn Gerber, bezw. einen Goldschmied, schliessen. Nur vereinzelt 
^^ht in den genannten Quellen neben dem Beinamen das Gewerbe, 
etwa Johannes de I arbato, stupenator, oder Reyneke Stock, 
^^hannes Monik, rasor u. s. w. In manchen Fällen mag 
erdings, wie bei Pistor, Faber, Textor, der Beruf, den das Wort an- 
^ Tübingen 1886. 
Personenbezeichnung im Mittelalter vergl. Bücher, Die 
erung v. Frankfurt a./M. i, S. 22 ff.
        <pb n="54" />
        34 
Die Gewerbetreibenden. 
deutet, nicht mehr von dem Träger des Namens geübt worden sein, 
sondern den des Vaters vielleicht bezeichnen. Aber abgesehen davon, 
dass diese Fälle in älterer Zeit nicht gerade sehr häufig sein werden, so 
beeinträchtigen sie die weiter unten gegebenen Aufstellungen auch 
keineswegs. Denn der fragliche Beruf ist dann jedenfalls einmal in Riga 
ausgeübt worden, und darauf kommt es an. Alles dies bezieht sich 
jedoch nur auf das Schuldbuch, die Libri redituum, 1334- 1406, und 
das erste Erbebuch, 1384—1482; für die Zeit der Abfassung des dritten 
Theiles der Libri redituum, 1488—1574, und des zweiten Erbebuches, 
1493—1579, hört die Möglichkeit das Material in der angegebenen 
Weise zu benutzen auf. Es häufen sich die Fälle, bei denen der Bei 
name von der Angabe des (Gewerbes, dem der Genannte angehört, 
begleitet ist, wie Albert Kremer, de wantscherer; Jacob Nyemann, 
knokenhouwer u. s. w. Die Wahrscheinlichkeit aber, dass der das 
Gewerbe wiedergebende Name vom Vater auch auf den dasselbe nicht 
mehr ausübenden Sohn übergegangen ist, wird eine grössere. Will 
man also die Verschiebungen, wie sie im gewerblichen Leben von 
Jahrhundert zu Jahrhundert eintreten, festhalten und verfolgen, so kann 
man für die Periode von 1488 an nur diejenigen Fälle wählen, in 
denen der Betrieb eines Gewerbes durch den Zusatz desselben zum 
Familiennamen über jeden Zweifel hinausgerückt ist. Der besseren 
Übersichtlichkeit halber sind die verschiedenen Gewerbe zu (Gruppen 
zusammengefasst worden, in der Weise wie die deutsche Berufs 
und (Gewerbestatistik in mustergiltiger Form durchgeiührt hat. In 
den Grup])en sind die Originalbezeichnungen beibehalten, und nur 
bei den weniger bekannten Ausdrücken ist eine Übersetzung in 
Klammern beigefügt worden. Die zweite in den (Quellen sich vor 
findende lateinische oder niederdeutsche Bezeichnung und die Vari 
anten derselben sind nur das erste Mal angeführt und wurden später 
nicht wiederholt. Im Übrigen versteht es sich von selbst, dass nicht 
das ganze systematische Verzeichniss der Gewerbe der Jetztzeit für 
das Mittelalter in Frage kommt. Auf der anderen Seite erscheint 
es im Sinne des Mittelalters nicht unrichtig den Arzt und Rechts 
anwalt gleichfalls zu den Gewerbetreibenden zu rechnen. 
I. Übersicht der Gewerbe in Riga nach dem Schuldbuch, 
1286—1352'. 
I. Landwirthschaftliche (Gewerbe. 
1. Campanator (Landmann). 
2. Piscator (Fischer). 
3. Vinkeler (Vogelfänger). 
1 Herrn. Hildebrand, Das Rigischc Schuldbuch. St. I’etersb. 1872.
        <pb n="55" />
        3 
Die Gewerbetreibenden. 
35 
2. Industrie der Steine und Erden. 
1. Lapicida (Steinhauer). 
2. Ollifex (Töpfer). 
3. Metallverarbeitung. 
1. Aurifaber (Goldschmied). 
2. Cleinsmit (Schlosser). 
3- Clipifex (Schildmacher). 
4" Cuprifaber (Kupferschmied). 
5" Faber cultellorum (Messerschmied). 
6. Gladiator (Schwertfeger). 
7* Mischingesslegere (Messingschläger). 
8. Netler (Nadler). 
9- Sagittarius (Pfleilschmied). 
ÍÜ. Sarewort (Harnischmacher). 
4. Instrumente, Apparate. 
1. Navifex (Schiffsbauer). 
5. Leuchtstoffe, Fette, Öle. 
1* Olegenslegere (Ölschläger). 
6. Textilindustrie. 
Kasor pannorum, scherere ( l uchscherer). 
2. Kepere (Seiler). 
3- Kubea textrix, rubeus textor (\\ eber von rothen Stoffen). 
4- Textor (Weber). 
7. Leder. ‘ 
Heiter, Helther, belterus (Lederarbeiter). 
2- Cerdo, gerwere (Gerber). 
8. Holz, Horn u. s. w. 
Doleator (Böttcher). 
9. Nahrungs- und Genussmittel. 
C arnifex, knokenhower (Knochenhauer). 
2- Molendinarius (Müller). 
3- Histor (Häcker).
        <pb n="56" />
        36 
Die Gewerbetreibenden. 
IO. Bekleidung und Reinigung. 
1. Pellifex (Kürschner). 
2. Sartor (Schneider). 
3. Stupenator (Badstüber). 
4. Sutor cum nare, sutor (Schuhmacher). 
5. Tonsor (Barbier). 
II. Baugewerbe. 
1. Carpentarius (Zimmermann). 
2. Vitricus (Glaser). 
12. Handel und Verkehr. 
1. Auriga, vorman (Fuhrmann). 
2. Campsor, camptrix (Wechsler). 
3. Copman. 
4. Cremer, institor, institrix. 
5. Penesticus (Höker). 
6. Portitor (Träger). 
7. Segeler. 
13. Beherbergung, Ertjuickung. 
1. Cocus (Koch). 
2. Wiman, winman (Inhaber einer Schenke). 
14. Verschiedenes. 
1. Crudener (Apotheker). 
2. Cyrurgicus (Wundarzt). 
3. Medicus (Arzt). 
4. Rethor, rether, vorsprake (Rechtsanwalt). 
5. Scriptor (Schreiber). 
II. Übersicht der Gewerbe in Riga nach den Libri redituum. 
/. Lih. red. 1334—44. | II. Lib. red. ]J4(^—140Ó. , III. Lih. red. 1488—i$'j4. 
I. Landwirthschaftliche Gewerbe. 
I. Honichstiger. 
1. Auceps (Vogel 
fänger). 
2. Vischer. 
2. Industrie der Steine und Erden. 
1. Lapicida. 
2. Ollifex. 
1. Calcberner (Kalk 
brenner). 
2. 1 hegeller, l'egeler 
(Ziegelbrenner).
        <pb n="57" />
        Die Gewerbetreibenden 
/. Lib. red. 
3- 
G Aurifaber. Í 
2- Clensmed. ! 
3* I'aber (Schmied). ¡ 
4- Gropengiter (Gra- j 
pengiesser). | 
5- Missincmekere j 
(Messingfabrikant). ! 
II. Lib. red. i34p~).fo6. 
Metal Iverarbeitur 
1. Acufex (Nadler). 
2. Argentifusor, 
Testberner, Zul- 
verberner (Silber 
schmelzer). 
3. Hekerworter 
(Beckenschläger). 
4. Coppersieger 
(Kupferschläger). 
5. Cuprifaber. 
6. (Gladiator. 
7. Goltsmet. 
8. Gropengiter. 
9. Harnschmaker, 
Harnaschmaker. 
10. Ketelmeker. 
11. Klockengiter 
(Glockengiesser). 
12. Flatensleger(Ver- 
fertiger v. Platen 
und vVañenhand- 
schuhen). 
13. Smet. 
37 
I III. Lib. red. 1488—4. 
g- 
1. Kannengheter. 
2. Kiensmith. 
3. Koppersmydt. 
¡ 4. Mestmaker 
i (Messerschmied). 
5. Swertfeger. 
4. Instrumente, Apparate. 
I. Armborster,Arm 
borstirer (Arm 
brustmacher). 
5. Leuchtstoffe, bette, Oele. 
¡.^pkeweschersche 
V uchwäscherin). 
T'extor. 
6. Textilindustrie. 
1. Hannepspynner 
(Hanfspinner). 
2. Kalander 
(Walker). 
3. Reper, Reepsle 
ger. 
4. Vlassslegher 
(Flachsschläger). 
5. Wever. 
1. Reper. 
2. Wantscherer 
(Tuchscherer).
        <pb n="58" />
        Die Gewerbetreibenden. 
38 
I. Lib. red. 1243—44- 
1. Belter, Belterus 
2. Cerdo. 
1. Doleator,Doliator. 
I II. Lib. red. 124^—1406. 
7. Leder. 
I I. Belter. 
2. Gerwer. 
I 3. Remenslegher. 
4. Tesschener 
i (Taschenmacher). 
8. Holz, Horn. 
1. Bernstendreger, 
Bernstendreyger 
(Drechsler, bes. in 
I Bernstein). 
2. Doleator. 
3. Glotzeraekersche, 
(Pantoffelmacherin. 
; 4. Kystenmaker. 
I 5. Patynenmaker 
1 (HolzschuhmacherV 
' 6. Zager (Säger). 
I Ill. I Ab. red. 1488—4. 
j I. Belter. 
, 2. vSadelmaker 
I (Sattler). 
i I. Bodeker. 
! 2. Patinenmaker. 
9. Nahrungs- und Genussmittel. 
1. Carnifex, Kuthus. ; i. Bruwer, Gruter 
2. Molendinator,Mol- : (Bierbrauer), 
ner. 2. Carnifex. 
3. Pistor. : 3. Fartor (Wurst 
macher). 
' 4. Molendinator, 
Wintmolner. 
' 5. Pistor. 
6. Pultifex (Grütz- 
macher). 
1. Kleypenbecker 
(Grobbrodbäcker). 
2. Knokenhower. 
! 3. Kueter 
(Schlachter). 
IO. Bekleidung und Reinigung. 
I. Barbitonsor (Bart 
scherer). 
I. Barbitonsor Rasor, 1 1. Barberer. 
Scherer. | 
1 Über die Beiter als Lederarbeiter vergl. Mettig, Sitzungsber. 18S6. Die dort 
entwickelte Ansicht kann auch noch durch das Vorkommen eines Amts der Rältarc 
in Stockholm gestützt werden, dessen Schrägen, m. W. der einzige, der von diesem 
Gewerbe sich erhalten hat, vom Jahre 1437 ist. Klemming erklärt Hältare als 
Sattler. Klemming, Samlingar utgifna af Svenska Kornskrift-Sällskapet. Skra-Ord- 
ningar. Stockholm 1856. S. 1 — ii.
        <pb n="59" />
        Die Gewerbetreibenden. 
39 
I. Lib. red. /jj./ 
Sartor. 
3* Stupenator, Stupa- 
nator, Stubanator. 
4- Sutor. 
Auriga. 
2- Campsor, Wessler. 
3- Copman, Coop- 
Copmanne 
sche. 
4- Institor. 
5* I^cnesticus. 
13. Beh 
Cocus, Koc, Coke. 
II. Lib. red. ij4ç—1406. 
2. Korsenwerchter, 
Korsenwerter, Pel- 
lifex (Kürschner). 
3. Sartor, Scroder. 
4. Stupenator. 
5. Sutor, Schomaker. 
II. Baugewerbe. 
1. Brugger 
(Pflasterer). 
2. Carpentator, Tym- 
mermann. 
3. Murmeister. 
Handel und Verke 
1. Auriga. 
2. Coggeman, Xau- 
clerus (Schiffer). 
3. Copman, Coup 
mann, Mercator. 
4. Dregher. 
5. Kalcdregher 
(Kalkträger). 
6. Klederzellersche 
iKleiderhändlerin). 
7. Kremer. 
8. Penesticus. 
9. Weinträger. 
IO. Wessler. 
erbergung und Erqi 
I. Cocus. 
III. Lib. red. 1488—j^j4. 
1. Melre (Maler). 
2. Murmeyster. 
3. Tymmermann. 
r. 
1. Dreger (Träger). 
2. Koelhoker (Kohl- 
u.Gemüsehändler). 
3. Ruscher Kremer 
(Krämer mit Waa- 
ren russ. Herkunft). 
ickung. 
14. 
Advocatus. 
I^rolocutor, Vor- 
sprake, Fürsprech. 
Verschiedene Ber 
1. Advocatus. 
2. Apoteker, Crude- 
nerus. 
3. Fistulator(Pfeifer). 
4. Prolocutor. 
5. Seri ver, Schriber 
(Schreiber). 
i fe. 
I. Apotecker. 
I 2. Bademome, Bade- 
modersche (Hebe- 
amme).
        <pb n="60" />
        40 
Die Gewerbetreibenden. 
III. Übersicht der Gewerbe in 
/. Erbebuch (t^Sß—¡48^). 
1. Land wir th sch 
1. Gerdener (Gärtner). 
2. Hoppener (Hopfenpflanzer). 
3. Vischer. 
2. Industrie der 
1. Ollifex. 
2. Stenworter, stenhower, 
lapicidarias. 
3. Metallv 
1. Beckerworter, bekerwerte, 
bekerwerter. 
2. Cleensniyd, kleynsmet, 
parvifaber. 
3. Coppersieger. 
4. Coppersmyt. 
5. (ioltsmet. 
6. (iroifsmet. 
7. Gropengeiter. 
8. Harnaschmaker. 
9. Kannengeter, cantrifex. 
10. Klockengiter, clokkengeiter 
11. MestWörter, metzeworter, 
mestwerte, cultellifex. 
12. Platensleger. 
13. vScharremeker, strigilarius 
(Striegelmacher). 
14. Smet. 
15. Sulversmet. 
16. Swertfeger. 
17. Testberner. 
18. Vlaschensleger (Flaschner). 
4. I n s t r u m ( 
I. Armboster, armborsterer, 
balistarius. 
5. Leuchtstt 
I. Oylesleger, oleysleger. 
ga nach den Erbebüchern. 
IL Erbebuch (14^3—&lt;S74)- 
iche Gewerbe. 
Steine und Erden. 
rarbeitung. 
1. Goltsmed. 
2. Gropengeter. 
3. Kannengeter. 
4. Klensmed. 
5. Koppersleger. 
6. Koppersmed. 
7. Smed. 
8. Swertfeger. 
nte, Apparate. 
I. Hussengeter (Anfertiger von 
I Geschützen, Kanonen u. s. w ) 
ffe, Fette, Oele.
        <pb n="61" />
        Die Gewerbetreibenden. 
4: 
/. Erbebuch (13^^—1483). 
II. Erbebuch (1493—&gt;374). 
I. 
2. 
6. 
Henpspynner, hannep- 
spynner. 
Lynenwever, linitextor. 
T extilindustrie. 
I. Wantscherer. 
3- Reeppsleger. 
4- Walkenmole (Walker). 
5* Wantscherer. 
Kelter. 
!^°(^Gler (Heutelmacher, 
^ aschner). 
3- Gerwer. 
4* Sedeler. 
5» Thomsleger (Verfertiger von 
lenien zum Pferdegeschirr). 
1. Sadelmaker. 
2. Semischgerer (Verfertiger 
von sämischem Leder). 
8. Holz. Hör 
ï- Kodeker. 
Glossenmakersche (Pantoffel 
verfertigerin). 
^ j^^(^ernostermaker (Drechsler, 
es. Verfertiger von Rosen 
kränzen). 
^ ^^ytker, snytteker (Tischler). 
9. Nahrungs- 
(Decker. 
2- Kruwer. 
3 ^ortemaker (Grützmacher). 
(;^°kenhouwer, knakenho- 
5- f^ukenhecker. 
' J^^ther, slachter. 
8 ^^^^^(^ker, losbeckersche. 
• Joiner, Wintmolner. 
1. Boddeker. 
2. Sniddeker. 
nd Genussmittel. 
1. Becker. 
2. Kleypenbecker. 
3. Knakenhouwer. , , 
j 4. Weggebecker. 
5. Wynberner (Branntwein- 
I brenner). 
I- Huetwalker. 
^orsworter. 
Bartor. 
4- Scherer. 
5* Sutor. 
Bekleidung und Reinigung. 
1. Halberer. 
2. Korssener, kortz.eweder. 
3. Schomaker. 
4. Snieder, Schröder.
        <pb n="62" />
        42 
Die Gewerbetreibenden. 
/. Eybcbuch (1385—1483). I II- Erbebuch (i49J-&gt;S7-II- 
II. Baugewe 
1. Glaseworter, glazemaker. i. 
2. Meier. 2. 
3. Murmeister, murator, murer. 3. 
4. vSteenbrugger, brugger. 
5. Tymmermann. 
rb e. 
Glaseworter. 
Meier. 
Murmeister. 
12. Handel un 
1. Beerdregher. 
2. Hoker, Höker. 
3. Nauclerus, schipper. 
4. Rostockerfar, Rostkervar. , 
5. Varman. 
d Verkehr. 
1. Beerdreger. 
3. Losdreger (Sack-, 
Salzträger). 
2. Russche kremer. 
I. Coke. 
13. Beherbergung, Erquickung. 
insbes. 
14. Verschiedene Berufsarten. 
1. Cirologus, cyrurgicus. i. Aptecker. 
2. Crudenerus. 
3. Notarius. 
4. Scryver. 
5. Vorsprake. 
Es erhellt aus diesen Aufstellungen, dass in der zweiten 
Hälfte des 13. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des vier 
zehnten hinein nach dem Schuldbuche 49, in der ersten Hälfte 
des 14. Jahrhunderts nach den Eibri redituum 29 verschiedene 
Gewerbearten, in der zweiten Hälfte desselben Jahrhunderts 63 und 
im 15., bezw. 16. nur 23 nachweisbar sind. Auf (%rundlage der 
Erbebücher lassen sich im 14., bezw. 13- Jahrhundert 68 verschie 
dene Benennungen und im 15., bezw. 16. Jahrhundert 30 ausein 
anderhalten. Wie unvollkommen auch immer die angewandte 
Methode erscheinen mag und wie unzulänglich das benutzte Material 
sei, so wird man doch nicht in Abrede stellen können, dass in den 
gefundenen Zahlen sich die allmählige Entwickelung Rigas und 
die Entfaltung der gewerblichen I hätigkeit seiner Einwohner wieder 
spiegelt, ln dem Verhältnisse des muthmaasslichen Anwachsens 
der Bevölkerung wird das Bedürfniss nach gewerblichen Erzeugnissen 
und Leistungen sich vergrössert und eine Arbeitstheilung sich voll 
zogen haben, die neue, bisher noch nicht bekannte Vertreter des
        <pb n="63" />
        Die Gewerbetreibenden. 
43 
Handwerks auf der Bühne erscheinen lässt. Wenn das dritte Liber 
tedituum und das zweite Erbebuch diesen Fortschritt unterbrochen 
erscheinen lassen, sofern sie eine kleinere Zahl verschiedener 
Gewerbearten nach weisen, so ist an die auseinandergesetzte Ver 
schiedenheit der Bearbeitung zu erinnern, die das Hervortreten einer 
geringeren Zahl von Gewerbearten bedingt. 
Lurch einige andere Nachrichten, wie sie sich in Mettigs gewerbe 
geschichtlichen Untersuchungen, in dem liv-, est- und curländischen 
Hrkundenbuche, sowie in den Schrägen der verschiedenen Ämter 
finden, kann die Ülrersicht über die in Riga vorhandenen (iewerbe- 
arten vervollständigt werden. Dies ist in der Übersicht 4 geschehen, 
indem gleichzeitig eine für Reval in ähnlicher W eise aus den älteren 
Stadtbüchern gewonnene Aufstellung, behufs Vergleichs beider 
(fie Seite gestellt ist. Wir beschränken uns hierbei zu 
nächst auf das dreizehnte und vierzehnte Jahrhundert und legen für 
^iga die Angaben des Schuldbuches und der beiden ersten Libri 
redituum, für Reval die Angaben der beiden ältesten Stadtbücher, 
^Wie des drittältesten Stadtbuches bis zum Jahre i4tx) zu (Grunde. 
Daten für Riga reichen bis in das Jahr 1406. Wenn auf diese 
^ise nicht genau ein volles Jahrhundert zur Darstellung gelangt, 
(las doch den Werth dieser Übersicht nicht beein 
trächtigen. 
IV. Übersicht der Gewerbe in Riga und Reval 
im 13. und 14. Jahrhundert. 
Reval. 
I. Landwirthscha ft liehe Gewerbe. 
I. Vischer. 
Honichstiger 
2- Vischer. 
^inkeler. 
Galcberner. 
Gapicicla. 
3* Gllifex. 
4- Thegeller. 
Industrie der Steine und Erden. 
1. Ollifex. 
2. Steinwerter, lapicida, frattor 
lapidum. 
''Cho tteval vergl. Mcttig, Gewerbrpeschichtliches aus Hem ältesten Witt- 
Stadt Reval in Sit/ungsherichte der (iesellsch. f. Ciesch. u. s. w. 1889, 
Hätt Das Zweitälteste Erhebuch der Stadt Reval in Rigasche Stadt- 
vo^ I 1*90, Nr. 38, 39; die schon genannten Stadtbücher selbst In den Ausgaben 
'*®ow und von Nottbeck.
        <pb n="64" />
        44 
Die Gewerbetreilienden. 
Riga. Reval 
. Met allverarbeit unir. 
1. Heckerworter. 
2. Cleensmyd. 
3. Coppersieger. 
4. Cuprifaber. 
5. Gladiator. 
6. Goltsmet. 
7. Groffsmet. 
8. Gropengiter. 
9. Harnschmaker. 
10. Ketelmeker. 
11. Klockengiter. 
12. Mestworter. 
13. Missinkmekere, mischinges- 
slegere. 
14. Nadler. 
15. Platensleger. 
16. Sagittarius. 
17. Schildmacher. 
18. Smet. 
19. Sulverberner. 
1. Cultellifex (Messerschmied). 
2. Gladiator. 
3. Goltsmed. 
4. (iropengeter, ollifusor. 
5. Kannengeter. 
6. Klensmit. 
7. Klockengeeter. 
8. Koppersleger. 
9. Koppersmed. 
10. Missinemekere, meynsint- 
meker. 
11. Monetarias, Münzer. 
12. Platenslegher. 
13. Sagittarius. 
14. Sigillator (Stempel 
schneider). 
15. Smet. 
16. Sulversmyt, argentifaber. 
17. Sulverbernere. 
18. Tliorifex, Harnischmacher. 
4. Instrumente, Apparate. 
1. Armborster. 
2. Currifex. 
3. Navifex. 
5. Leuchtstoffe, Öle. 
I. Olegenslegere. I 
6. Textilindustrie. 
1. Dokewessersche. j i. Pannitonsor ( 1 uchscherer) 
2. Henpspynner. ! 
3. Kalander, Walkemole, 
4. Lakenscherer, rasor pan- 
norum. ; 
5. Reepsleger. ^
        <pb n="65" />
        Die Gewerbetreibenden. 
45 
6. 
7- 
8. 
1. 
2. 
3. 
4- 
I. 
2. 
3- 
4- 
5- 
6. 
/• 
1. 
2. 
3. 
4- 
5. 
6. 
/• 
1. 
2. 
3. 
4. 
5- 
Riga. 
Ruheus textor, rúbea 
textrix. 
Vlasssleger. 
Wever, textor. 
7. L 
Reiter. 
Gerwer. 
Remensleger. 
T äschner. 
8. Holz, H 
Ranthower, Rentschneider 
i V erferti^er der für die I on- 
bestimmten Reife). 
Rernsteindreger. 
l^oleator. 
^lotzemekersche. 
^ystenmaker. 
Ratynenmaker. 
^^ger (Säger). 
9. Xahrungs- ui 
R**uwer. 
^nokenhower. 
Meiner. 
Ristor. 
Rultifex. 
^oggenknedter. 
urstmacher, kueter. 
10. Bekleidung 
Rartscherer, rasor, tonsor. 
^^senwerchter. 
^chomaker. 
Rcroder. 
^tupenator. 
Reval. 
der. 
1. Beiter. 
2. Corifex, cortifex (Gerber). 
3. Gürteier, Ghordeler. 
4. Remenslegher. 
5. Sedeler, cellator, sellator. 
orn u. s. w. 
1. Bodeker, dolifex. 
2. Kistenmaker. 
d Genussmittel. 
1. Becker. 
2. Bruwer. 
3. Carnifex. 
4. Molner. 
und Reinigung. 
1. Bastover. 
2. Hodwalker (Hutwalker), 
vilter. 
4. Kürsener, kursenwerter. 
5. Rasor, scherer. 
3. Schroder. 
6. Sutor.
        <pb n="66" />
        46 
Die Gewerbetreibenden. 
1. 
2. 
3- 
4- 
1. 
2. 
3- 
4- 
5- 
6. 
7- 
8. 
9- 
10. 
11. 
12. 
13' 
1. 
2. 
Riga. 
Brugger. 
Glaser. 
Murmeister. 
Timmermann. 
Reval. 
II. Baugewerbe. 
I I. Brucker. 
2. G lase wert er. 
12. Handel und Verkehr. 
I. Hoker. 
2. Kremer. 
3. Scheper, nauclerus, nauta. 
4. Vorman. 
5. Wantsnider ( B uchhändler). 
Bierträger. 
Coggeman. 
Copmann. 
Dregher, portitor. 
Kalcdregher. 
Klederzellersche. 
Kremer. 1 
Penesticus. ! 
vSegeler. 1 
Vector, ductor, oblator ' 
(Wasserführer). 
Vorman. j 
Weinträger. 
Wessler. 
13. Beherbergung und Erquickung. 
Cocus. j I. Caupo (Gastwirth). 
Winmann. ! 2. Koke. 
14. V 
I. Advocatus. 
,2. Apoteker. 
3. Bläser. 
4. Cyrurgicus, Arst. 
5. Fiedler. 
6. Hebamme, obstetrix. 
7. Pfeiffer. 
8. Scriver. 
9. Trompeter. 
10. Vorsprake, rethor. 
erschiedene Berufe. 
1. Aderlater, fleobothomatris 
I (Adeilasserin). 
2. Advocatus. 
3. Arzt, mcdicus. 
4. Prolocutor. 
5. Scrivere. 
Es kann diese Übersicht bei der Lückenhaftigkeit des Material- 
nicht die Bedeutung haben, den Nachweis einer in Riga reicheren , 
Arbeitsgliederung und gewerblichen Entwickelung als in Reva |
        <pb n="67" />
        Die Gewerbetreibenden. 
47 
erbracht zu sehen. Freilich zeigen sich in allen Gruppen mit Aus 
nahme der zehnten in Reval weniger verschiedene Gewerbearten 
äls in Riga. Aber da in Reval einige Gewerbe verkommen, die 
Sich in Riga nicht zeigen, so wird man den Vergleich mehr dahin 
^uffassen können, dass er zur Vervollständigung des Nachweises 
dient, wie weit überhaupt die gewerbliche Thätigkeit der Einwohner 
in den livländischen Städten jener Tage ausgedehnt war. 
(diejenigen Gewerbe, die in Reval ausgeübt wurden, aber in 
i^i&amp;n einstweilen sich nicht feststellen lassen, sind: der Silber 
schmied, der Stempelschneider, der Kannengiesser, der Münzer, 
der (lürtler, der Sattler, der Hutwalker, der Aderlasser, der Wand 
schneider und der Gastwirth. Es ist im höchsten Grade wahr 
scheinlich, dass, mit Ausnahme etwa des Stempelschneiders, diese 
ewerbe und Berufe in Riga ebenfalls zu finden waren, ja es ist 
laicht unmöglich, dass sie unter anderer Benennung in der Übersicht 
^rcits enthalten sind. Silber- und Goldschmied, Kannen- und Grapen- 
gicsser, Gürtler und Täschner sind (Gewerbetreibende, die leicht 
einander verwechselt werden können. — Ein vollständigeres 
eil über die Bedeutung der gewerblichen (Gliederung und Arbeits 
ich' ^ (^ign gewinnt man durch Vergleich mit deutschen Städten. 
wähle zu diesem Zwecke einmal einige Hansestädte und zwar 
Urid' ^iralsund und Kiel, und weiter zwei grössere, Hamburg 
^ Lübeck, sowie zwei süddeutsche Städte, Frankfurt a./M. und 
rnberg. Auf welche Quellen sich die Übersichten stützen, ist 
^ Einzelnen Falle angegeben; sie haben zum Theil in ähnlicher 
^*se aus den Stadtbüchern gewonnen werden müssen, wie für 
‘g'i und Reval. 
Übersicht der Gewerbe in Stralsund' und KieH 
im 13. und 14. Jahrhundert. 
^traisund. Kid. 
I. Landwirthscha ft liehe (Gewerbe. 
I. Hortulanus. 
gherdiner- 
"^''tulanus, hortulana, 
ortolanus. 
2. Venator, Jäger. 
Hai 
Aufp 
nansis h ^^^*^*** "ach O. Franke, Das Verfestunj^sbuch der Stadt Stralsund, 
'^"■idisch^ Bd. i. Halle 1875. F. Fabricius, Das älteste Stral- 
der ^'^dtbuch. Berlin 1872. Insbesondere vergl. S. 244, das alphabet. Register 
â Ahnungen nach Stand und Gewerbe, bearbeitet von Bürgermeister Franke. 
^ S^’^^cllt nach P. Hasse, Kieler Stadtbuch aus d. Jahr. 1264—128g. Kiel 1875.
        <pb n="68" />
        48 
Die Gewerbetreibenden. 
Stralsund. Kiel. 
3. Valkener, valkenersche. 
4. V'ischer. 
5. Vogheler (Vogelfänger). 
2. Industrie der Steine und Erden. 
1. Lapicida. i- Lapicida. 
2. Servus laterificine, taghel- 2. Lutifiger, iigellator( 1 öpfer). 
mester (Ziegelbrenner^ 
3. Metallverarbeitung. 
1. Acufex. 1 I. Cultarius faber. 
2. Ankerslagher (Anker- | 2. baber. 
Schmied). 
3. Cultellifex. j 
4. Cuprarius, cuprifaber. j 
5. Faber. j 
6. Goldsmit. ; 
7. Gropengeter, fusor ollarum. 
8. Helmslegher. 
9. Hoofslager, Huffslager (Huf 
schmied). 
10. Kannemaker. 
11. Ketelbotere (Kesselflicker). 
12. Klensmit. 
13. Negheler. 
14. Platenslagher. | 
15. Rotifex (Radmacher). , 
16. Schilthower, clippeator. 1 
17. Swertsliper, swertfeger. 
18. Thorifex. 
4. Instrumente, Apparate. 
1. Rotmaker, botmeker. — 
2. Kahnmacher, cymbifex. 
5. Leuchtstoffe, Fette, Öle. 
1. Asschenberner. i. Colner. 
2. Koler, carbonarius, carbo- 2. Fusor candelarum (Kerzen* 
nator. gieser).
        <pb n="69" />
        Die Gewerbetreibenden. 
49 
4 
ON Ol 
Stralsund. 
6. Textilindustrie. 
I anicida (Wolischläget). 
2- 1 anicida, vlasberner (P'lachs- 
krecher). 
3- Reper, funitex. 
4- Textrix. 
• Varwer. 
• Wullenferwer. 
/• ^ ullenwever, textor laneo- 
rum. 
I. Textor. 
Kiel. 
Seither. | 
^udelsnider, bursarius. 
3- Gerwere, sardo. 
4- l^ergamentator, permenta- 
pertmentarius (Perga- 
nientmacher). 
5* Qui facit vaginas (Scheide- | 
niacher). ^ ' 
Rernensnider, coriarius, cor- ! 
nator, corrigicidius, corri- : 
gicida. ^ I 
7- Sellator. 
^itgherwere, witcherewere, 
atutor. 
er. 
1. Loghere, sardo. 
2. Sardo ruflfus, (Rothgerber, 
d. h. etwa Korduanbereiter?). 
8. Hol 
jäherer, bacrarius, crate- 
rator. 
I^odeker, bodikarius. 
4 . ^^®P‘sta (Pantoffelmacher). 
nbrifactor (Siebmacher). 
6 tornator. 
• Holtmakenige (Holzhacker). 
cistifex, qui 
g cistas. 
macher^'^^^’' (^^senkranz- 
^chteinaker, lucernarius. 
, Horn. 
1. Craterator (Bechermacher). 
2. Dolifex.
        <pb n="70" />
        50 
Die Gewerbetreibenden. 
Stralsund. 
10. Sager, sagersche, sarrator, 
serrator. 
11. Spillendreghere (Spindel 
drechsler). 
9. Nahrungs- und 
1. Beker, bekgermeister. | 
2. Hruwer, braxator. 1 
3. Cokenbekere. 
4. Fartor, mactator. 
5. Oruttemaker, grutmaker. 
6. Knokenhower. 1 
7. Kuter. 
8. Lutikebeker(?) 
9. Meiner. 
10. Sconebeker (Schönbäcker). 
10. Bekleidung u 
1. Bartscherer, barbirasor, 
minutor. 
2. Buntmaker. 
3. Hodwelker, pileator, pil- 
learius. 
4. Peltzer. 
5. Renovator vestium (Flick- i 
schneider). 
6. Schroder. ! 
7. Schuster. ' 
8. Stupenator, stubanatorius. 
9. Sutor antiquus, dictus olt- 
butere (Flickschuster). 
Kiel. 
Genussmittel. 
1. Alleciator(Häringswäscher). 
2. Garnifex. 
3. Cutere. 
4. Feinbäcker, pistor albus. 
5. Fertor, fartor. 
6. Molendinarius, molendi- 
naria. 
7. Pistor longus (Cirobbäcker)- 
8. Pistor, pistrix. 
nd Reinigung. j 
1. Pellifex. 
2. Sartor. 
3. Stuparius, stuparia. 
4. Sutor. 
5. Sutor albus(Weissschuster?) 
6. Sutor parvus (Kleinschuster, 
etwa Flickschuster). 
II. Baugewer 
I. Bruggeman, bruggemekere, i. 
steenbrugger. 
be. 
Carpentarius. 
2. Decker, tector. 
3. Fossor putei (Brunnen 
gräber).
        <pb n="71" />
        Die Gewerbetreibenden. 
51 
4* 
Stra/sund. Kiel. 
4- ^»lasemaker, vitriator. 
5- i^ymmerman. 
12. Handel 
ï- Auriga. 
Cremere. 
3- Copman. 
4- Emptor cinerum (Aschen- 
Händler). 
5- Gerulus, traductor (Fähr 
mann). 
6. phesepluckeresce ((iänse- 
nokerin). 
?• Hoke, hake, hakeman, 
Hokesche, mango, 
^^Itdregher (Holzträger). 
9- Hoydregher (Heuträger?). 
^Hdekoper (Häutehändler). 
Einenstrekere (Leinwand- 
messer?). 
Mulleres veteres vestes ven- 
^ entes (Kleiderhändlerin). 
3* ^Mlarius, vendens ollas et 
caldaria, caldaria vendens 
lEesselhändler). 
^4* ^ crdekoper(l*ferdehändler). 
^5- 1 ortitor, fertor, vector. 
Qui vendit ferrum (Eisen- 
kramer). 
^ ^^h^Per, schij)man, zeeman, 
vehficator. 
j ‘^Peesnidere (Speckhändler). 
^ lineum pannum 
2o ^ {^'"^^Hdhändler). 
2 ^ Echselre (Fischhändler). 
^Htsnidere, pannicida. 
(Wasser- 
23. Wesselere. 
nd Verkehr. 
1. Auriga. 
2. Heker, penestica, hoker. 
3. Institor, institrix. 
- 4. Salzträger, saltman. 
5. Scoteman,velificator, Segler. 
6. Vector aqua (Wasserführer). 
7. Wiltcopere (Wildhändler.)
        <pb n="72" />
        52 
Die Gewerbetreibenden. 
Stralsund. 
24. Winscrodere {Weinträger, 
Weinschröter). 
Kiel. 
13. Beherbergung, Erquickung. 
1. Cocus. 
2. Garbrater, assator. 
3. Propinator, tabernarius, ta- 
I. Cocemeister, magister co- j 
quinarii. 
2. Croger. 
bernator, tabernatrix, kro- 
ghere (Schenke). 
14. Verschiedene Berufsarten. 
1. Aderlater. 
2. Advocatus. 
1. Scriptor. 
2. Tubarius. 
3. Arzt, phisicus. ! 
4. Crudener. ! 
5. loculator. j 
6. Lusor. ' 
7. Scriver. 
Von beiden in der 5. Übersicht aufgeführten Städten zeigt Kiel 
eine geringere, Stralsund eine reichere Entwickelung des gewerb 
lichen Lebens als Riga und Reval. Der Nachweis für Kiel ruht auf 
einer verhältnissmässig engen Grundlage, indem nur Nachrichten 
des dreizehnten Jahrhunderts zur Verfügung standen. Man kann 
sich daher nicht wundern, dass gewisse Gewerbegruppen, wie die 
Metallverarbeitung oder Textilindustrie so leer ausfallen, und im 
Ganzen nur 39 verschiedene Benennungen zum \ orschein kommen. 
Trotzdem sind unter diesen mehrere Gewerbe vertreten, die in Rig^ 
fehlen, die aber gleichzeitig von weitreichender Theilung der Arbeit 
Zeugniss ablegen. Wenn Kieler Gewerbe, wie Gärtner, Jägci", 
Köhler in Riga fehlen, so ist das vermuthlich auf Zufall zurückzu 
führen. Dagegen ist es charakteristisch, dass in Riga (»ewerbe 
treibende, wie der Kerzengiesser und der Bechermacher, det 
Häringswäscher und der Wildhändler nicht Vorkommen, die 
Bäckerei noch nicht in Grob- und Feinbäckerei, die Schuhmacherei 
nicht in Neu- und Alt-Schuhmacherei, oder gar Weissschusterei 
auseinanderfällt, die Träger nicht in speciellen Zweigen als Salz 
träger u. s. w. auseinandergehalten werden. I heils werden die 
gewerblichen Verrichtungen, wie Kerzengiessen und Häring!* 
waschen im Hause vorgenommen worden sein, theils war die 
gewerbliche Entwickelung noch nicht so weit gediehen, dass wi^^
        <pb n="73" />
        Die Gewerbetreibenden. 
53 
i^äckern und Schustern Specialitäten unterschieden wurden. Der 
^ine Bäcker oder Schuster leistete eben Verschiedenes. Mehrfach 
endlich der Mangel der eigenen gewerblichen Production durch 
-in Uhr von Industrieerzeugnissen aus den anderen Hansestädten 
ergänzt worden sein, wenn auch nicht erkennbar ist, wie weit der- 
selbe in Wirklichkeit gereicht hat. 
Sehr lebhaft erscheint die gewerbliche Thätigkeit der Bevöl 
kerung Stralsunds. Bedauerlicher Weise lassen die Nachrichten 
^^er die \ olkszahl älterer Zeiten uns durchaus im Stich. Wir 
"wissen daher nicht, ob Stralsund eine grössere oder kleinere Stadt, 
^^ch damaligem Maasse gemessen, war. Gegen 1378 war Stralsund 
ine blühende Handelstadt geworden, deren Ausfuhr von Jahr zu 
!■ stieg, Rostocks und Revals Aussenhandel weit übertraf, hinter 
Hamburger nicht viel zurückblieb und nur von Lübeck in den 
chatten gestellt wurde'. Vermuth lieh war schon in der Periode, 
ns der unsere der Übersicht zu Grunde gelegten Quellen stammen, 
kommerzielle Thätigkeit der Stralsunder sehr rege. Remerkens- 
in k® jedenfalls, dass die Gruppe Handel und Verkehr weder 
• ^n^nurg noch in Lübeck so viele Besonderheiten aufweist, wie 
Stralsund. 
VI. 
Übersicht der Gewerbe in Hamburg* und Lübeck* 
im 14. Jahrhundert. 
Hamburg. Lübeck. 
^yskere. 
Landwirthschaftliche Gewerbe. 
1. Falkener, falconarius. 
2. Fischer. 
3. Hoppener. 
4. Ortulanus (Gärtner). 
5. Vogheler. 
2. Industrie der Steine und Erden. 
1. Speghelmeker, spegheler. 
2. Stenhower. 
t Kevaler Zollbücher, S. LVII. 
, I)le^5 ^“Ppmanri, Kämmereirechnungen der Stadt Hamburg. Bd. 1; Rüdi- 
HamK Hamburgischen Zunftrollen. Hamburg 1875; Laurent, Zeitschr. 
» u, 1, s. .4. 
ger 
Wgk *47 
LübeeW: . *^”*^**11, Urkundenbuch der Stadt Lübeck. Bd. i—4. Ders., Die älteren 
- 
"'atrikeln. ' 
Zunftrollen. 8. Aufl. 1875; Mantels, Beiträge zur lübisch-hansischen 
Jena 1881. S. 8c) u. ff.: Ober die beiden ältesten Lübeckischen Bürger-
        <pb n="74" />
        1 
54 
Die Gewerbetreibenden. 
fiamhurg. 
2. Lathomus (Ziegeler). 
3. Stenwerthere, stenhovvere, 
stenhickere. ! 
3. Metallvera 
1. Apengeter. I 
2. Clocgeter. 
3. Cuprifaher. i 
4. Faber. 
5. Flaschenclreiere (Zinn 
arbeiter). 
6. Gladiator. 
7. Goltsmed. 
8. Gropengeter. 
9. Helmslegher. 
10. Hofslagher. 
11. Kannengeter, amphorarum 
fusor. 
12. Ketellapper (Kesselflicker). 
13. Klensmed. 
14. Masermacke, cultellarius. 
15. Missingsleger, auricalci- 
faber. 
16. Neteier. 
17. Flatensleglier, platenmaker, 
18. Sperwarius, hastifex (.Speer 
macher). 
19. Thorifex. 
4. Instrument 
1. Armbrust mach er. 
2. Rademaker. , 
t Sarwerter, auch Saarworchte genannt 
('hronik der Feuerarbeiter, S. 75, und ). i. 
d. hist. Ver. f. d. Niederrhein. 48, S. 172 
Lübeck. 
3. Torfsteker (1'orfgräber). 
rbeitung. I 
1. Apengeter. 
2. Hressemaker, fibulator 
(Spangenmacher). 
3. Clipeator, clipificus (Schild- 
mâcher). 
4. Faber. 
5. Gladiator. 
6. Goltschmed. 
7. Goltsleger. 
8. Gropengeter, fusor. 
9. Helmsleger, galeator. 
10. Hofsleger. 
11. Kannengheter, kannen- 
maker, tingheter. 
12. Klensmet. 
13. Messerschmied. 
14. Missingslagher. 
15. Neteier. 
16. Negeler. 
17. Flatensleglier. 
18. Ringulre, vingermaker 
(Ringmacher). 
19. Sarwerter '. 
20. Sulverberner. 
21. Torifex. 
22. Trusalifex (I)olchmacher). 
e, Apparate. 
1. Orlogifex (Uhrmacher). 
2. Fluchmeker (Fflugmacher)- 
3. Rademeker. 
, sind Harnisch,nacher. Vergl. Berlepsch' ¡ 
Merlo, Die Sarworter in Köln. Ann^ i
        <pb n="75" />
        Die Gewerbetreibenden. 
55 
Hamburg. Lübeck. 
5. Leuchtstoffe, Fette, Öle. 
G Kertzen^heter, candelator. 
1. Kersengheter, candelifex. 
2. Köler. 
6. Textilindustrie. 
ï* Lanifex. 
’ Luiifex de lato panno 
^einenweber von br 
Stücken). 
^ van smalen w 
U^einenweber von sehn 
Stücken). 
4- Lynenwever, linifex. 
5- Keepslegher. 
l'extor. 
/• ^ andbereder, pannirasor. 
^ andfärber. 
1. Harmeker(Haartuchmacher). 
2. Hennepspinner. 
3. Kemmer. 
4. Lineus textor. 
5. Reper. 
6. Salunmaker (Verfertiger 
wollener Decken). 
7. Verwer, colorator. 
8. Walger (Walker). 
9. Wantscherer, scherer. 
10. Wever. 
11. Wullenwewer. 
7. Leder. 
^udelmaker, bursarius. 
2. Gerwer. 
3* ^ergamentmacher, permin- 
pergamentarius. 
4- |^^*i^ensleger, remensnider, 
orrigiator, in cisor corri- 
sjarum, (¡ui incidit corri 
gias. 
5- ¡&lt;otloscher,(Verfe, 
&lt;^them Leder). 
• ^a^eler, sellutor, 
7- ^ aschenmaker. 
• ^hoomsleger, tho 
v^aumschläger). 
ly^hsticker, Z( 
von 
schirren). 
^’tgerwer, coriar 
1. Hudelmaker, porsler, bursi- 
fex. 
2. Kordewaner. 
3. Loder, lore (Lohgerber). 
4. Perminter, ¡lergamentator. 
5. Remensnider, remenslegher, 
corricida. 
6. Sellator. 
7. Taschenmaker. 
8. Witgerwer, erchwerker, 
cerdo albus, albus lore.
        <pb n="76" />
        1 
5^ 
Die Gewerbetreil)endcn. 
Hamòuyg. 
8. Holz, H 
1. Bentsnider (Verfertiger der 
für die Tonnen bestimmten 
Reife). 
2. Bekemaker, Bechermacher. 
3. Bodeker. 
4. Büttenmacher (Kleinbött 
cher). 
5. Dreyer. 
6. Eimermacher. 
7. Kistenmaker. 
8. Konthormaker. 
9. Kymere (Verfertiger von 
Kufen). 
10. Luchtenmaker. 
11. Paternostermaker. 
12. Patynenmaker. 
13. vSchachtsnider, stakensnider 
(Verfertiger v. runden über 
all gleich dicken Stangen). 
14. vSchniddeker, snitger. 
15. Stolmaker. 
9. Nah rungs- u 
1. Avenaticus (Cirützmacher). 
2. Becker. 
3. Bruer. 
4. Fartor. 
5. Fischweicher. 
6. Grobbäcker. 
7. HaringhWäscher. 
8. Knokenhower. 
9. Kokenbecker (losbäcker). 
10. Kuter. 
11. Pasteydenbecker. 
Lübeck. 
)rn u. s. w. 
1. Bussendreier. 
2. Becherer, craterat or. 
3. Beldesnider (Bildschnitzer). 
4. Bodeker. 
5. Boltendreier. 
6. Dreyer. 
7. Kistenmaker. 
8. Leuchtenmacher, lucernifex. 
9. Paternostermaker. 
IO. Ringdreier. 
I II. Sagher. 
I 12. Schachtsnider. 
i 13. vSevenmeker (Siebmacher). 
I 14. Spillendreier (Spindel 
drechsler). 
15. Stolmeker. 
nd Genussmittel. 
1. Becker. 
2. Brötchenbäcker (etwa Weg' 
genbäcker), pistor pastillo- 
rum. 
3. Brauer. 
4. Fartor. 
5. Haverbecker. 
I 6. Harincwescher, lator alle' 
j ci um. 
7. Knochenhauer, mactator. 
8. Kuchenbecker, tortulator. 
9. Kuter. 
10. Molendinarius. 
11. Oblatenbecker. 
I 12. Pultifex. 
j 13. Ulenbäcker (Figuren 
bäcker?).
        <pb n="77" />
        Die Gewerbetreibenden. 
57 
flamhityg. 
IO. Bekleidung 
I* Barberer. 
2- Bathstover, stupator. 
3- Buntfutterer (Buntwerker). 
4- Hutwalker. 
5‘ ^ylser, pelliciator. 
Bchomaker. 
7- Schroder. 
Lübeck. 
und Reinigung. 
2. Badstover. 
2. Buntmaker (Kürschner). 
3. Craghenmeker. 
4. Cyrothecarius (Handschuh 
macher). 
5. Oltboter (Flickschuster). 
6. Pelzer, pelliparius. 
7. Schomaker. 
8. Scroder. 
9. Solemeker (Pantoffel 
macher). 
IO. Vilter,hltrarius(Hutmacher). 
Blyclecker. 
Hecker. 
3- Hlazewerther, vitrarius, 
trifex. 
4’ Hemtheker (lehmdecker). 
5- Maler, pictor. 
Murlude. 
7* Stenbrugger. 
^'nimermann. 
II. Baugewerbe. 
I. Brugger, brucgemaker. 
Glaser, fenestrarius. 
Schilder, pictor, 
Stendecker. 
Tymmermann. 
VI- 
1. 
2. 
3. 
4. 
5- 
6. 
/• 
8. 
9. 
i(). 
u. 
12. 
‘3. 
12. Handel 
(^otterstoter (Butterhändler). 
Hozehoken((iänsehändlerin) 
^^ken, höker, haken. 
Gramer. 
Hubeckervaar. 
Makeler. 
(^reatores de Flandren, 
^reatores de Anglia, 
plunder (bierspunder). 
^Peesnider. 
Tormann. 
^anthsnider. 
und V 
1. 
2. 
I 
I 
: 4. 
5- 
6. 
7- 
8. 
IO. 
11. 
12. 
erkehr. 
Bottersteker(Butterhändler). 
Carbonista, carbonator 
(Kohlenmesser und -träger). 
Dreger. 
Fuhrmann, vector, 
(irawantsnider. 
Holtkoper (Holzhändler). 
Honredregher. 
Höker. 
Iserenmenger, stalkoper, 
stalmenger (Eisen- u. Stahl 
händler). 
Karneschuver, carrener, 
(Kärrner). 
Kaufmann. 
Ketelboter, ketelbute (Kes 
selhändler oder -flicker).
        <pb n="78" />
        58 
Die Gewerbeitreibenden. 
Lübeck. 
Hamhurfr. 
13. Krämer. 
14. Lakensnicler, pannicida 
(Tuchhändler). 
I 15. Lowentsnider,lowentkoper, 
I incisor linei (Leinwand- 
, händler). 
16. Mekeler. 
17. Perdekoper, emptor eijuo- 
rum. 
18. Scheper. 
19. Santforer. 
20. Specsnider. 
21. Watertogher. 
22. Wessler, wesler. 
13. Beherbergung 
1. (iarbrater, assator. 
2. Kroeger, caupo,tabernarius. 
und Ertjuickung. 
1. Garbrater. 
2. Koc, cokenmester. 
3. Kröger. 
14. 
1. Advocatus. 
2. Apotheker. 
3. Arzt. 
4. Hasuner (Posaunenbläser). 
5. Gaukler. 
6. Hystrio (Spielmann). 
7. Leetspreker (Liedsprecher). 
8. Lusor in luta (Lauten 
schläger). 
9. Lusor in cytharis (Zither 
spieler). 
IO. Nebulo (Schauspieler). 
Pfeiffer. 
Verschiedene Herufsarter. 
1. Advocatus, causidicus. 
2. Apothecarius. 
; 3. Arzt. 
4. Notarius. 
5. Prolocutor. 
6. Scriver. 
7. Veddeler. 
11 
12. Tromper, tubator (Trom 
peter). 
Tympanator (Pauken 
schläger). 
Veddeler, Fiedler. 
Wenden wir uns nun den Städten zu, über deren Ciewerbe d 
6. Übersicht Auskunft ertheilt, so entspricht es dem soeben charak 
terisirten Verhältniss zwischen den drei Städten, dass in Hamburg 
13 
14
        <pb n="79" />
        Die Gewerbetreibenden. 
59 
-Gitschr. f. Hamburg. Gesch. I, 1 
47- 
nahezu die gleiche Zahl von Gewerbearten und in Lübeck etwas 
mehr wie in Stralsund erscheint, demgemäss also beide Städte in 
ihrer gewerblichen Entwickelung Riga weit zurücklassen. Unter 
einander weichen beide Städte darin von einander ab, dass Lübeck 
in den Gewerbegruppen Handel und Verkehr, Nahrungs- und Genuss- 
mittel- und Textil-Industrie eine grössere Verschiedenartigkeit als 
Hamburg aufweist, während dieses wiederum in der Lederindustrie 
ünd in den Baugewerben durch mehr Specialitäten einen Vorsprung 
zn haben scheint. Im Grunde sind die Abweichungen wenig erheb- 
und da sich manches Mal unter verschiedenen Namen dasselbe 
Hewerbe verstecken mag, wird man glauben dürfen, dass das 
Niveau beider Städte hinsichtlich ihrer gewerblichen Thätigkeit 
das gleiche gewesen ist. Über die Zahl der zu jedem Gewerbe 
gehörenden Gewerbthätigen ist leider aus Lübeck nichts bekannt; 
Hamburg hat man eine Angabe aus dem Jahre 1376, die sich 
^^^er die Besetztheit dreissig verschiedener Zünfte verbreitet *. Doch 
""egen Mangels an vergleichbarem Material aus den anderen 
soll 
Ha 
(isestädten darauf nicht eingegangen werden. 
Riga gegenüber prägt sich deutlich aus, dass die hamburgisch- 
^l^ische Industrie auf einer älteren Kultur beruht. Es fehlen in 
^•ga diejenigen Industriezweige, die sich bei entwickelterer Arbeits- 
|heilung von dem Hauptstamme selbständig abzulösen pflegen, für 
eren Gedeihen aber eine grössere, in stetiger Zunahme begriffene 
^'ölkerung die nothwendige Voraussetzung ist. Fast in jeder 
. ’'^Ppe sind die hauptsächlichsten Gewerbe in Riga so gut wie 
Hamburg und Lübeck vertreten; dagegen sucht man vergeblich 
^len Besonderheiten, wie sie die lebhafte Nachfrage in Kultur- 
p^^tren entstehen lässt. In der rigischen Metallverarbeitung, einer 
^'l'uppe, ^\[f. uriter allen aufgeführten der hamburgisch-lübischen 
*^üerung am meisten gleichkommt, fehlen gleichwohl der Helm- 
Hger, der Speermacher, der Dolchmacher, der Apengeter, der 
^'Oldschlägt 
Illstt 
^er, der Ring- und der Broschenmacher. Die Gruppe 
trumente und Apparate kennt in Riga wohl einen Wagen- 
aber keinen Rad- oder Pflugmacher, geschweige denn einen 
^ '■mâcher. Der Textilindustrie fehlt der Färber; dafür aber hat 
^ üem Hachsbrecher eine Specialität, die mit der heimathlichen 
Pflanze zusammenhängt. Ganz besonders zurückge- 
erscheinen die Gruppen Leder, Holz und Horn, sowie die
        <pb n="80" />
        Die Gewerbetreibenden. 
6&lt;) 
Nahrungs- und Genussmittelindustrie. In letzterer fehlen zwar die 
Höker nicht, aber von allen Kuchen-, Pasteten-, Brötchen-, Hafer-, 
Ulen- und Oblatenbäckern in Lübeck und Hamburg zeigt sich keine 
Spun Auch an Häringswäschern und Stocklischweichern mangelt 
es in Riga. Leder, zu dem der Rohstoff in genügender Menge im 
Lande vorhanden ist, wird zwar vom (ierber hergestellt, indess ist fur 
die verschiedenen Handwerker, die es verarbeiten können, als Zaum 
verfertiger, Sattler, Verzierer von Pferdegeschirren der Hoden noch j 
nicht geeignet. Auch weiss man von der Bereitung feinerer Leder- ; 
arten, wie sie der Rotloscher, Korduaner und W'eissgerber machen, 
noch nichts. Das Gleiche gilt für die Holz-, Horn u. s. w. ver- 
arbeitende Industrie, die den Rohstoff in Riga aus erster Hand i 
haben konnte. Der Drechsler mit seinen Angehörigen, als Bolzen-, ; 
Büchsen-, Spindel- und Ringdrechslern, ist nicht vorhanden und der , 
Rosenkranzdrechsler (Bernsteindrechsler) muss sie alle ersetzen. 
Statt des Bechermachers, Kleinböttchers, K y mers, Eimermachers, 
d. h. des Böttchers mit seinen Unterarten, kennt man in Riga nur 
den Böttcher und den Banthower schlechthin. Der Sieb-, der 
Schreibpult-, der Leuchter-, der Stuhlmacher — sie sind noch nicht 
geboren - und vom Kunsttischler (suiddeker) und Bildschnitzer ist 
keine Rede. Die Glotzenmacherin, d. h. die Verfertigerin von Uber- j 
schuhen (glotzen, franz. galoches) aus Kork und Leder', die in | 
dieser Periode sich nur in Riga nachweisen lässt, wenn nicht der 
Stralsunder „calopisla^‘ ein Gewerbetreibender derselben Art war, 
wird man kaum als eine Specialität Rigas in Anspruch nehmen 
können, zumal sie im folgenden Jahrhunderte sowohl in Lübeck als , 
in Danzig Vorkommen. In den Bekleidungsgewerben weiss man | 
sich in Riga noch ohne Hut- und Handschuhmacher, ohne Kraghen- i 
und Pantoffelmacher (solemeker) einzurichten, wenn auch die Gegen- | 
stände, die diese Gewerbetreibenden anfertigten, nicht unbekannt 
gewesen sein werden. Auch im Bauwesen scheint die Kunst nod 
nicht weit gediehen, denn einen berufsmässigen Dachdecker, ge 
schweige denn einen Blei-, Lehm- oder Steindecker trifft man nicht 
an, sowenig wie den Maler, der Häuser zu verzieren und Schilder 
kunstvoll anzufertigen verstand. Unter diesen Umständen ist eS 
wenigstens erfreulich zu erfahren, dass man auf Strassen pilaster, 
hoffentlich auf gutes, Gewicht legte und Pflasterer (brngger) 'tt 
Nahrung setzte. Im Handel müssen der rigische Höker, Kop 
1 Koppmann, Die Mannstracht der Hamliurger iin Mittelalter in ^Aus Hamburg 
Vergangenheit“. Erste Folge, S. 253.
        <pb n="81" />
        Die Gewerbetreibenden. 
6l 
und Krämer Ersatz bieten für die verschiedenen Makler, 
Eisenkrämer, Tuch- und Leinwandhändler, Hutter- und Speckver 
käufer; Cjänse- und Pferde-, Holz- und Kesselhändler, sowie Sand- 
lahrer mag es aber auch in Riga gegeben haben, trotzdem sie sich 
nicht nachweisen lassen. So macht in allen Beziehungen das Riga 
I cs vierzehnten Jahrhunderts den Eindruck, den Hamburg und 
u eck vielleicht zwei Jahrhunderte früher gemacht haben würden, 
k. einige Jahrzehnte nach ihrer Gründung. 
Übersicht der Gewerbe in Nürnberg' und Frankfurt a. M.* 
im 14. Jahrhundert. 
Nürnberg 1363. Frankfurt a. M. 138^. 
Visch 
er. 
Üemantpolirer 
Hafner. 
3- Spigier. 
4- St 
cinmetzen. 
1. Landwirthschaftliehe Gewerbe. 
1. Fisscher. 
2. Fogeier. 
3. Gertener. 
4. Krebisser. 
5. Wingarter. 
2. Industrie der Steine und Erden. 
1. Hefener, Töpfer, Häfner. 
2. Steynbrecher, steyngrober, 
steynmeczen. 
3. Zygeler. 
^eckenschmied. 
Rizzer, Sporer, Stegraifer. 
Hrotsmit. 
^ingerhuter. 
Hschner, Flaschenschmid. 
'"Umwerker. 
O [^'«'^kengiesser. 
, Silherprobirer. 
y- taoits 
3. Metallverarbeitung. 
1. Beyngewender. 
2. Doppengiesser. 
3. Felehauwer. 
4. Glockingiesser. 
5. Goltsmyde. 
6. Goltslegir. 
7. Greber (Graveur). 
8. Hauben- u. Helmsmyd. 
9. Hufsmyd. 
10. Kammensmyd (Verfertiger 
von Weberkämmen). 
11. Kannengiesser. 
j 12. Kesseler. 
J. Baaej ^^^*^*'* nach Hegel, Chroniken der deutschen Städte. II, S. 105 flf. und 
U' Börnbergs Handel im Mittelalter in 38. Jahresbericht des histor. Ver. f. 
&amp; Aufp”! "^“Ksb. 187, u. 72, S. 95. 
18*6 ®''tellt nach Bücher, Die Bevölkerung von Frankfurt a. M. Tübingen 
• S. ,4, ff. 
&gt;mit. 
!'’• I^^mmerschmied. 
• Hauben- u. Helmschmied. 
Hufsmh.
        <pb n="82" />
        62 
Die Gewerbetreibenden. 
Nürnberg 13^3- 
13. Kezzler. 
14. Klingensmit. 
15. Kupferschmied. 
16. Messerer, cultellarii. 
17. Messingsmit, -Schlager. 
18. Nadler. 
19. Nagler. 
20. Pantberaiter. 
21. Pfannensmit. 
22. Plainer (Plattharnischmacher) 
23. Plechhantschuer. 
24. Reuzzenslozzer. 
25. Saarwürhter, salwürker. 
26. Silberschmelzer. 
27. Sleiffer, Schleiffer. 
28. Spengler (Hlechschmied). 
29. Swertfeger. 
30. Zigensmit, Flachsmit,Knopf- 
smit. 
31. Zinngiezzer, Kanelgiezzer. 
4. Instrumente 
2. Saitenmacher. 
I. Wagner. 
Frankfurt a. M. &gt;3^7- 
13. Koppersmyd. 
14. Messersmyd. 
15. Messerbereider. 
16. Nelsmyd, Nagelschmied, 
Neller, Nadler. 
17. Pannensmyd. 
18. Pletener (Plattharnisch 
macher). 
' 19. Pylstycker. 
¡ 20. Sarwerter. 
21. Scherensmyd. 
22. vScholnmecher (Schalen 
macher). 
23. Smyd. 
' 24. Slisser. 
25. Spengeler. 
I 26. Sporer. 
27. Swertfeger. 
Apparate. 
1. Hlaesbelger(Blasbalgmacher) 
2. Pluger (Pflugmacher). 
3. Uwirglocker (Grossuhr 
macher). 
Oeler. 
5. Leuchtstoffe, Fette, Öle. 
I. Koler. 
6. Te 
1. Handbereiter. 
2. Bortenmacher. 
3. Loder (Wollenweber). 
4. Sailer. 
5. Spansetzer oder Tuchbe 
reiter. 
6. Tuchmacher. 
7. Tuchscherer, tuchkarter. 
8. Verber. 
2. Kyrczenmecher. 
3. Oleyer. 
lustrie. 
1. Deckelecher (Decklaken 
macher). 
2. Duchscherer. 
3. Ferwer. 
4. Hollenwobir (Schleierweben 
5. Ivemmer. 
6. Lynenweber. 
7. Muczenscherer. 
8. Seyler.
        <pb n="83" />
        Die Gewerbetreibenden. 
63 
Nürnberg tjtfj. 
9' Wollenschlager. 
7. Lede 
Gürtler. 
Irher (Weissgerber). 
3’ ^^i'tcnn]acher(f. Webereien) 
4- Ledrer (Rothgerber). 
5* l^apiermüller. 
Pentier. 
7* Riemenschneider. 
Satler. 
9- Taschner. 
8. Holz, H 
Paternosterer. 
2- Pütner. 
3- Schreiner (Tischler). 
Fleischer. " 
Pecken. 
3- ^einstecher. 
Frankfurt a. M. i^Sy. 
9. Spuler. 
10. Weber. 
11. Welker. 
12. Wollenslegir. 
13. Zauwer. 
, Papier. 
1. Budeler. 
2. Deschenmecher. 
3. Gurteier. 
4. Kommeder, Komudmecher 
(Kummetmacher). 
5. Lower. 
6. Rymenschnider. 
7. Sedeler. 
8. Wisgerwer. 
orn u. s. w. 
1. Bender. 
2. Besemer (Besenbinder). 
3. Dresseier. 
4. Flechtmecher. 
5. Holtschuwer (Holzschuh 
macher). 
6. Holczhauwer. 
7. Kistener. 
8. Korber (Kerber). 
9. Kyper. 
10. Leistmecher. 
j II. Oskurber. 
j 12. Seger. 
j 13. Sibber (Siebmacher). 
I 14. Wener, Waner. 
id Genussmittel. 
1. Becker. 
2. Bierbruwer. 
3. Lebekucher, leckucher. 
4. Meczeler. 
5. Molner. 
6. Winsticher (Weinküfer).
        <pb n="84" />
        64 
Die Gewerbetreibenden. 
Nüniberg 1363. 
IO. Bekleidung 
1. Hantschuer. 
2. Hüter. 
3. Kürsner. 
4. Schneider. 
5. Schuster, colciator. 
6. Schuhflicker, Reuzzen. 
7. Seidennäher. 
8. Weisshandschuher. 
II. Bau 
1. Glaser. 
2. Moler. 
3. Zimmerleute, carpentarii. 
12. Handel 
1. Angiesser. 
2. Aufdinger. 
3. Brodhüter. 
4. Gewantschneider, Mentler. 
5. Häringschauer. 
6. Honigmesser. 
7. Hopfenmesser. 
8. Kalkmesser. 
9. Käufel. 
10. Kornmesser. 
11. Safranschauer. 
12. Salzfüller. 
FraukfuH a. M. 
und Reinigung. 
1. Beder. 
2. Hendeschuwer. 
3. Kursener. 
I 4. Russen. 
c. Sidennewer. 
I 
I 6. Scherer (Bartscherer). 
' 7. Schuwemecher, schach- 
i werten. 
8. Snyder. 
9. Weschir. 
^ewerbe. 
i I. I )ecker. | 
I 2. Gleser. | 
i 3. Grebener (Grabenmacher). 
; 4. Kleuber. 
I 5. Meier. 
I 6. Murer. 
7. Opperknechte (Bauhand 
werker). 
8. Schilder. 
9. Steyndecker. 
10. Wegemacher. 
' II. Zymmerlude. 
und Verkehr. 
¡ I. Dubenduscher. | 
2. Eyermenger (Eierhändler). | 
3. Elesser (Flösser). 
4. Hering-undirkauffere. I 
5. Hunermenger. i 
6. Haumenger (Heuhändler). 
I 7. Kerner. j 
' 8. Kolnmesser. ^ 
9. Kremer. 
10. Leuffer. 
11. Motter, medder. ' 
¡ 12. Mylbir.
        <pb n="85" />
        5 
Die Gewerbetreibenden. 
^5 
Nürnberg 1^63. 
^3- Steineicher \ 
H- i'uchstreicher. 
‘5- Unterkäufel. 
*6. Visirer. 
^7- Wehsler. 
Weineicher. 
‘9- Weinmesser. 
20. Weinrufer. 
Wollenschauer. 
22. Ziegelschauer. 
13- Beherbergung 
Frankfurt a. M. /já’7. 
13. Obser. 
14. Rosduscher. 
15. Sagdreger (Sackträger). 
16. Schifflude. 
17. Selczer. 
18. Senyffmenger. 
19. Stangendreger (Stangenträ- 
ger, eine Art Dienstleute). 
20. Ulner. 
21. Underkauffer an der Wollin. 
22. Winknecht. 
23. Winschroder. 
und Erquickung. 
1. Koche. 
2. Schencke. 
3. Winwirde. 
4. Wirt. 
14. Verschiedene Berufsarten. 
1. Aptekir, kruder. 
2. Drummer (Trommler). 
3. Erczte. 
4. Fiddeler. 
5. Biffer. 
6. Procurator. 
7. Quynterner. 
8. Schriber. 
Yß Besseren Erkenntniss norddeutscher Eigenart diene das 
Werb ^*^**'^ in Nürnberg und Frankfurt vorkommenden Ge- 
Brankf ^ ídlen den vorstehend untersuchten Städten zeigt 
Heval ^ ^ ^i^ stärkste Mannigfaltigkeit. In Kiel sind 39, in 
Burg Nürnberg 96, in Riga 90, in Stralsund 113, in Ham- 
Eübeck 129, in Frankfurt a. M. 137 verschiedene Ge- 
jahr erkennbar. Erwägt man nun, dass Bücher für das 
berA^L^ ^ Bevölkerung Frankfurts auf 7689 bis 8855 Personen 
'^'"Gchnet* 
» so bekommt man von der Cirösse der anderen Städte 
O. , 
Charakters sind „Nadelbeinmacher“ und „Planirer“
        <pb n="86" />
        66 
Die Gewerbetreibenden. 
nur eine geringe Meinung, wenn auch bei der Mangelhaftigkeit der 
Quellen nicht ausgeschlossen bleibt, dass in den norddeutschen 
Städten die Gewerberegister in Wirklichkeit reichhaltiger ausge 
fallen sind. Dass beispielsweise Nürnberg in seiner gewerblichen Ent 
wickelung derartig hinter Frankfurt a. M. z.urückgestanden haben 
sollte, ist ganz unwahrscheinlich und nur aus der Dürftigkeit der 
bisher kundgewordenen Forschung zu erklären. Recht charakte 
ristische Unterschiede zwischen Nord- und Süddeutschland wollen 
sich übrigens aus den Verzeichnissen nicht ergeben. Frankfurt 
scheint Lübeck, bezw. Hamburg vorausgeeilt zu sein in der Metall 
verarbeitung, der Textilindustrie und den Haugewerben. Wenigstens 
sind in diesen Gewerbegruppen mehr Specialitäten nachweisbar. 
Doch bleibt es immer misslich bei derartigem Material bestimmte 
Unterschiede sicher behaupten zu wollen. Im Ganzen rufen beide 
Verzeichnisse den Eindruck hervor, als ob in Lübeck-Hamburg 
einerseits und Frankfurt-Nürnberg andererseits die Industrie D 
Umfang und Arbeitstheilung ziemlich die gleiche Physiognomie 
aufgewiesen hätte. Etwas anderes ist es mit der numerischen Ver 
tretung und der Leistungsfähigkeit, für deren Vergleichung uns 
kein Material zur Verfügung steht. 
Weit unzuverlässiger erscheint das über Rigas Gewerbe 
15. und 16. Jahrhundert aufzustellende Verzeichniss, obwohl zu den 
genannten Quellen noch die Hücher der Hierträgergilde, die jüngeren 
Kämmereirechnungen und das älteste Rentebuch ‘ kommen, auS 
denen ebenfalls verschiedene (iewerbe-Hezeichnungen sich ergeben- 
Während man im 14. Jahrhundert 92 verschiedene (xewerbearten 
nachweisen kann, lassen sich im 15. 142, aber im 16. nur 103 erkennen- 
Eine rückläufige Hewegung in der Ausbildung der gewerbliche^ 
Thätigkeit ist nicht wahrscheinlich. Vielmehr wird sich der scheid' 
bare Rückgang aus der Verschiedenheit des Materials erklären, 
auf dem die beiden Verzeichnisse aufgebaut sind. Aus einer \ 
gleichung der im 15. Jahrhundert gegenüber dem vorhergehendeil 
fehlenden Gewerbe, Übersicht IV, wird sich am besten ergeben, 
ob ein Fort- oder Rückschritt anzunehmen ist. Die (Gruppe tlef 
landwirthschaftlichen Gewerbe hat den Vogelfänger und den Honich' 
Stieger eingebüsst, was nicht unwahrscheinlich ist. Kalk konnt^ 
Riga nicht entbehren und musste die zu seiner Herstellnnf, 
1 Mettigs handschriftliche Auszüge aus den jüngeren Kammereirechnung«|j 
V. 1405—73, 1514—16 u. 1555 U. 1556 und dein ältesten Kentehuch v. 1453 
u. a. m. sind herangezogen worden.
        <pb n="87" />
        Die Gewerbetreibenden. 
67 
^i^enden Stätten, wenn auch vielleicht nicht mehr in der Stadt 
^st, so doch in unmittelbarer Nähe haben. 
ni. Übersicht der Gewerbe in Riga im 15. und 16. Jahrhundert. 
ts- Jahrhundert. ¡6. Jahrhundert. 
I. La ndwirth Schaft liehe Gewerbe. 
Lrescher, dorscher. 
bischer. 
3- Lärtner. 
4- Kuhhirt, Viehhüter, koheerd, 
(lueckherdesche. 
5- Stoder (Heaufsichtiger einer 
^^ferdekoppel). 
1. Fischer. 
2. Hoppenbauer. 
2. Industrie der 
Kalkbrenner, kalcmengher. 
Kehmgräber. 
3- Stensnider. 
4- ^tenbreker. 
^ l^j^nkrugger (Strassen- 
P«asterer). 
Töpfer. 
^ ^i^gelmeister, thegelknecht. 
^•^gelbrenner, tegelstriker. 
Steine und Erden. 
I I. Kalkofenmann. 
2. Kalkschläger. 
3. Stenhower. 
4. Ziegelbrenner. 
3. Metallv 
^ ^ckenschläger. 
^^aschenschläger. 
^ J^j^^^^engiesser, clokenho- 
4 Goldschmied. 
^ Grapengiesser. 
Grobschmied. 
^ ^Hrnischmacher. 
Kannengiesser. 
jj ^pferschmied. 
^^Pforschläger. 
j ^sserschmied. 
I4 \ '^^^"^oister. 
• ^agelschmied. 
^attenschläger. 
rarbeitung. 
1. (Goldschmied. 
2. (Grapengiesser. 
3. (Grobschmied. 
4. Kannengiesser. 
5. Kupferschläger. 
6. Kupferschmied. 
7. Messerschmied. 
8. Metall-, Erz-, Zinn-Giesser. 
9. Münzer, munstmester, 
Münzergeselle. 
10. Rotgiesser. 
11. Schmied. 
12. Schlosser. 
13. Schwert leger. 
14. Seiermacher. 
15. Sporenmacher.
        <pb n="88" />
        68 
Die Gewerl etreibenden. 
Jahrhundert. 
16. Schmied. 
17. Schwertfeger. 
18. Silberschmied. 
19. Silberschmelzer. 
20. Striegelmacher. 
4. Instrumeni 
1. Armbrustmacher. 
2. Bordingbauer, bordingbu- 
wer'. 
3. Radmacher. 
4. Wagenbauer, scherremeker. 
5. Zeigersteller, (ilockensteller 
(Uhrmacher). 
5. Leuchtstoffe, Fe 
1. Aschenbrenner. 
2. Ellernköhler, ellernbrenner, 
elderberner. 
3. Köhler, kolenberner. 
4. Ölschläger. 
6. 1' e X t i 1 
1. Flachsschläger. 
2. Hanfspinner. 
3. Hanfschläger. 
4. Leineweber. 
5. Reepschläger (Seiler). 
6. Tuchscherer. 
7. Weber. 
7. L 
1. Beiter. 
2. Beutelmacher. 
3. derber. 
4. Riemenschläger. 
1 Hordingh bock 1422. Alterthuinsf. 
- Veting ist nach Zeitschr. d. Vcrf. H 
wagen mit Korbgeflecht. 
í6. Jahrhundert. 
16. Stahldreher. 
e, Apparate. 
1. Armbrustmacher. 
2. Büchsenmacher, Büchsen- 
giesser. 
3. Radmacher. 
4. vSänftemacher,vetinkmaker*. 
5. Stellmacher, stellemaker. 
6. Uhrmacher. 
te, Öle, ehern. Ind. 
1. Lichtzieher, lichtmaker. 
2. Seifensieder, sepensider. 
industrie. | 
1. Hanfschwinger. | 
2. Leineweber. | 
3. Reepschläger. |j 
4. Tuchmacher, döcker. |] 
5. Tuchscherer. |j 
6. Weber. | 
eder. 
1. Beiter. 
2. (jordel- und Breesmacher. 
3. Sattler. 
4. Scheidenmacher. 
(ies. in Riga. 
amburg. Gesel. &lt;&gt;, S. 510 ein leichter Jagd-
        <pb n="89" />
        Die Gewerbetreibenden. 
6q 
/j. Jahrhunciert. 
5- rhoinslegher. 
8. Holz, 
1- Bechermacher. 
2- Böttcher. 
3- Glossenmekersche. 
4- Holzgeschirrverfertiger, 
spanmaker. 
5- Holzhauer. 
Kistenmacher. 
7- Baternostermacher. 
^äger, holtsager. 
9- Sägemüller. 
Schnitzer, Tischler. 
9. Nahrungs- u 
Bäcker. 
2‘ Branntweinbrenner. 
3- Brauer. 
4- (^rützmacher. 
5' Knochenhauer. 
Kuchenbäcker. 
/• Losbäcker. 
Müller. 
9* Samtbäcker. 
Schlachter. 
Weggebecker. 
IO. Bekleidung 
Badstüber. 
Barbier. 
3’ Blickschneider,oldschrödere 
4* Hutmacher. 
3- Kürschner. 
Mützenmacher, kogelmaker. 
7- Schneider. 
^Hiuhmacher. 
i6. Jahrhundert. 
5. Semischleder-Verfertiger. 
6. Taschenmacher. 
orn u. s. w. 
1. Böttcher. 
2. Drechsler. 
3. Kistenmacher. 
4. Kunthormacher. 
5. Pattinenmacher. 
6. Schnitzer. 
7. Säger. 
d (ienussmittel. 
1. Bäcker. 
2. Branntweinbrenner. 
3. Brauer. 
4. Kleypenbäcker. 
5. Knochenhauer. 
6. Müller. 
7. Schlachter. 
8. Weissbäcker, fytebecker. 
9. Weggenbäcker. 
und Reinigung. 
1. Barbier, bader. 
2. Kürschner, pelsmaker, kor- 
sewerst. 
3. Schneider. 
4. Schuhmacher. 
5. Wäscherin, weschersche.
        <pb n="90" />
        70 
Die Gewerbetreibenden. 
y. Jahrhundert. id. Jahrhundert. 
II. Kaugewerbe. 
1. Baumeister. 
2. Bleidecker. 
3. Dachdecker. 
4. Glaser. 
5. Grabenzieher, grawer. 
6. Maler. 
7. Maurer. 
8. Pflasterer. 
9. Zimmermann. 
12. Handel 
1. Arbeitsmann, Ligger. 
2. Aschenwraker. 
3. Bierträger. 
4. Briefträger, brefdreger, 
loper. 
5. Bordingmester. 
6. Dolmetscher, tolk. 
7. Fuhrmann. 
8. Gewürzhändler. 
9. Grasführer, grasvorer. 
10. Holzwächter, holtweker'. 
11. Höker. 
12. Kalk führer, kalcvorer. 
13. Kaufbreselle, mercatorum 
knecht. 
14. Kaufmann. 
15. Krämer. 
16. Lastwagenführer, Wagen 
driver. 
17. Messer, striker. 
18. Salzträger. 
19. Schiffer. 
20. Stallknecht. 
21. Stein führer, stenvorer. 
22. Thurmwächter. 
1. Glaser. 
2. Maler. 
3. Maurer. 
4. Pflasterer. 
5. Zimmermann. 
nd Verkehr. 
1. Aschen wraker. 
2. Balkenwinder. 
3. Bierträger. 
4. Fährmann (Übersetzer), 
overseder, Fuhrknecht. 
5. P'uhrmann. 
6. Gemüsehändler. 
7. Häringwraker. 
8. Kaufmann. 
9. Krämer, Krämerjunge. 
10. Ligger. 
11. Loddienkerl. 
12. Marstaller. 
13. Russischer Krämer. 
14. Salzträger. 
15. Schiffer. 
16. Stallknecht. 
17. Träger. 
18. Undeutscher Krämer. 
&gt; Kämincreibuch d. Scliwarzcnhäupter 1420.
        <pb n="91" />
        Die Gewerbetreibenden. 
71 
15. Jahrhundert. 
23- Träger. 
24- Wächter, portmester. 
25. Wäger. 
26. Zollgehülfe, tolknecht. 
13. Beherbergung 
G (larkoch, grapenbrader. 
2. Koch. 
3- Krüger. 1 
4- Weinhändler. 
14. Verschiedene 
Abtrittreiniger, drekvinder, | 
miistwreger, racker. ' 
2- Advocat. j 
3- Apotheker. | 
4- Arzt, Wundarzt. j 
5* Hüchsenschütz, bussen- j 
Schutte. 1 
h echter, schermer. ! 
7* Glockenläuter, klokener. ! 
8- Herold. 
9- Hovemeister. 
Landknecht, Diener des | 
Landvogts. ¡ 
*G Liedsprecher, Schauspieler, | 
|^?^^^rischläger, Trommler, i 
büngener, bungner. 
LT Losaunenbläser. 
H- Scharfrichter. 
*5- Schreiber. 
Schützenmeister, schütten- 
mester. 
D- Seiltänzer,Springer,tumeler. 
Spielmann,spelman,Pfeiffer, 
Pyper. 
^9- Stadtdiener. 
1Ó. Jahrhundert. 
1. Stadtkoch, Rathskoch. 
2. Weinhändler. 
3. Weinschenk 
Berufsarten. 
1. Apotheker. 
2. Arzt, Pockenarzt. 
3. Büchsenmeister, buzen- 
mester. 
4. Büchsenschütze u. Arkelei- 
meister. 
5. Hausschliesser. 
6. Hebeamme. 
7. Landknecht, Diener des 
Landvogts. 
8. Spielmann. 
9. Schafferin, schaffersche. 
10. Thurmbläser. 
11. Todtengräber,dodengrever- 
sehe. 
12. Unterschreiber. 
13. Wachtknecht, Wächter. 
14. Wallmeister. 
2«- Vorsprake. 
ln der (iruppe der Metallverarbeitung sind verschwunden: der 
^(^sselmacher, Messingmacher, Nadler, Pfeilschmied und Schild- 
"^^^iher, dagegen hinzugekommen : der Flaschenschläger, Nagel 
Schmied, Münzmeister, Silberschmied, Striegelmacher und Kannen-
        <pb n="92" />
        72 
Die Gewerbetreibenden. 
giesser. In der Textilindustrie fehlen der Walker, die Tuchwäscherin, 
der Rothweber, in der Gruppe Leder der Täscher, in der Gruppe 
Holz der Bentschnider, in der Gruppe Nahrungs- und (ienussmittel 
der Roggenknedter, in Handel und Verkehr der Wasserführer, der 
Segeler, die Altkleiderhändlerin, der Weinträger und der Wechsler, 
endlich in der Sammelgruppe der verschiedenen Berufsarten die 
Hebamme, der Fiedler und Trompeter. Lediglich Veränderungen 
in der Bezeichnung scheinen vorzuliegen in der vierten (»ruppe, 
in der sich der Schiffszimmermann in einen Bordingbauer, in der 
achten Gruppe, in der der Bernsteindreher sich in den Paternoster 
macher, und in der neunten Gru|)pe, in der der Wurstmacher sich 
in den Schlachter verwandelt hat. Völlig neue (iewerbearten aber 
treten entgegen im Rademacher und lîhrmacher, im Aschenbrenner, 
Köhler und Ellernköhler, im Hanfschläger und Leinweber, im Beutel 
macher und Thomschläger, im Bechermacher, Spann mach er und 
Holzhauer, im Branntweinbrenner und den verschiedenen Arten 
von Bäckern: Kuchen-, Los-, Samt-, Weggen-Bäcker, im Flick 
schneider, Hut- und Mützenmacher, im Baumeister, Blei- und Dach 
decker, Grabenzieher und Maler, im Ligger, Aschenwraker, Brief 
träger, Bordingmeister, Dolmetscher, (irasführer, Holzwächter, Last 
wagenführer, Messer, Salzträger, Steinführer, Thurmwächter, Wächter, 
Wäger, Zollgehilfe und endlich in der Sammelgruppe verschie 
dene Berufsarten, die eine ganze Reihe von Bezeichnungen zum 
ersten Male aufweist. Es erhellt hieraus unverkennbar, dass 
mit wenigen Ausnahmen die im 14. Jahrhundert erkennbaren 
Gewerbe im folgenden nicht untergegangen sein werden, sondern 
ausgeübt wurden, auch wenn wir von ihrem Dasein keine Kunde 
haben. Ohne Hebamme, Wechsler und I rödlerin kann man sich 
das Riga des 15. Jahrhunderts schlechterdings nicht vorstellen. 
Bei anderen Gewerben mag allerdings eine \ eränderung dem Cha 
rakter der Zeit gemäss vor sich gegangen sein, wie z. B. der Pfeil 
schmied und Schildmacher in Folge der Erfindung des Pulvers 
unnöthig werden, der Kistenmacher durch den Tischler ersetzt wird. 
Wenn auf diese Weise keinenfalls eine Verschlechterung des (îewerbe- 
Wesens in Riga während des 15. Jahrhunderts angenommen werden 
muss, so wird man eine solche auch nicht für das folgende zu 
befürchten haben, für welches unser Verzeichniss weniger (%ewerbu 
aufweist. Vielmehr zeigt dieses in einigen ganz neu auftretenden 
Gewerben gleichfalls das rastlose, wenn auch in bescheidenen 
Grenzen sich haltende Vorwärtsstreben der Bevölkerung. Zu diesen
        <pb n="93" />
        Dif Gewerbetreibenden. 
wählen der Sporenmacher, der Rotgiesser, der Sänftemacher, der 
Büchsenmacher, der Seifensieder, der Verfertiger von sämischem 
Leder, der (iürdel- und Schnallenmacher, der Kleypen- und der 
eisshäcker u. s. w., unverkennbare Anzeichen des rege weiter 
pulsirenden gewerblichen Lebens. 
IX. Übersicht der Gewerbe in Lübeck*, Danzig* und Reval® 
im 15. Jahrhundert. 
Lübeck. I ' Dansig. j Reval. 
I. Landwirthaftliche Gewerbe. 
*• bischer. i. Fischer, Seuner. i. Hoppener. 
2* Gherdener. | I 
3- Hoppener. ' 
4- Hünerjäger. 
2. Industrie der Steine und Erden. 
^ten werter. 
2* Ziegelbrenner. 
*• Apengeter. 
2- Hekerworter. 
3* Goldschläger. 
4- Goltsmed. 
5- Gropengeiter. 
Harnschmaker. 
7- Helmsleger. 
^gGsegelgraver, 
^tempelschneider 
blannengeiter. 
***. Kupferschläger. 
**• Kupferschmied. 
*2. Messerschmied. 
3‘ Messingsieger. 
[. Lutifiguli (Töpfer). 
1. Stenwerter. 
2. Teghelslegher. 
Metallv erarbeitu ng. 
1. Ankerschmied. i. Hekerwert. 
2. Flaschenschmied. 
3. Glockengiesser. 
4. (ioldschmied. 
5. Grapengiesser. 
6. (jrobschmied. 
7. Hufschmid. 
8. Kannengiesser, 
9. Kleinschmied. 
10. Kupferschmied. 
11. Kurschmied (?). 
12. Messerschmied. 
13. Nadelschmied. 
2. Clokkengeter, 
3. Gholtsmed. 
4. (iropengeter. 
5. Kannengeter. 
6. Kleensmed. 
7. Klempner. 
8. Kopperslegher. 
9. Koppersmit. 
10. Mesworter. 
11. Munter, munte- 
mester. 
12. Negeler. 
13. Flatensleger. 
14. Nagelschmied, 
Irw,* ^"(gestellt nach der obenangegebenen Litteratur und den Bänden 5 8 des 
^“"«enbuchs. 
Aufgestellt nach Th. Hirsch, Handels- und Gewerbegeschicht Danzigs. 
1858. 
' Nach Rüg. V. N Ott beck, Das drittälteste Rrl.ebuch der Stadt Reval. Reval 
•ewò k nur die Inscriptionen seit ,400 berücksichtigt. Vergleiche Mettig, 
8q, '?fK'‘schichtliches im drittältesten Erbebuch der Stadt Reval. Rig. Stadtbl. 
eichn- *’• u- 37. Livl. U.-B., Bd. q. Reg. Mettig, Revalsche Steuerver- 
ilem ersten Viertel des 15. Jahrh. Sitzungsber. der Gesellsch. für 
**• n. Alterth. 1886, S. 84.
        <pb n="94" />
        lo VO 
74 
Die Gewerbetreibenden. 
Lübeck. 
14. Neteier. 
15. Pfannenschmied. 
16. Pilsticker. 
17. Platensleger. 
18. Schmied. 
19. Swertveger. 
20. Wandscheeren- 
schleifer. 
Danzig. 
15. Pangretzer 
(Panzerschmied). 
16. Plattner. 
17. Ruszschlosser. 
18. Schmied. 
19. Schwertfeger 
20. Schiffschmied. 
21. Sporer. 
22. Zinngiesser. 
Reval. 
14. Smit. 
15. Sulversmed. 
16. Swertveger. 
Ap parate. 
I. Armborsterer. 
4- 
1. Armborsterer. 
2. Rademaker. 
3. Schififszimmer- 
mann. 
Instrumente, 
i I. Carpentarius na- 
vium (vSchififszim- 
mermann). 
2. Currifex. 
: 3. Rotifex. 
4. Schirrmacher (?). 
2. Rademaker. 
3. Schiflfsbaumeister 
5- 
1. üliesleger. 
2. Kerzengeter. 
Leuchtstoffe, Fette, Öle. 
I. Wachsschmelzer. 1 i. Oleissleger. 
2. Koler. 
1. Bortemakers. 
2. Hredelynewevere 
3. Haremaker, Haar 
deckenmacher. 
4. Koltenmaker.Hett- 
deckenmacher. 
. Lynewevere. 
. Reejislegher. 
7. Sallunenmaker. 
8. Smalelynewevere 
9. Wandscherer. 
10. Wantfarver. 
11. Wollenwever. 
1. Budelmaker. 
2. Lohgerber, lorre. 
3. Papiermüller. 
4. Permenterer. 
5. Remensnider. 
6. Textilindustrie. 
1 I. Lanifex. 
! 2. Linifex. 
: 3. Rothfärber. 
4. Röper (Reep- 
i Schläger), 
i 5. 1 extor. 
I 6. Tuchscherer. 
7. Züchner. 
7. Leder. 
1. Beutler. 
2. Cingulator 
((iürtler). 
3. (ierber. 
4. Pergamenator. 
1. Leineweber. 
2. Reepschläger. 
3. vSpynner. 
1. Budeler. 
2. Jerwer. 
3. Korsnewerter. 
4. Remensleger. 
5. Zedeler.
        <pb n="95" />
        Die Gewerbetreibenden. 
75 
Lübeck. 
6. Rotlosscher. 
7" Sadelmaker. 
8. Taschenmakere. 
9- Witgerwer. 
8. 
I* Hoddeker. i 
2- Dreyer. 
3* Dlotseninakere, | 
4- Kistenmaker. I 
5* Kunthormaker. 
Ranelenmaker. I 
7* Raternostermaker ; 
^chachtsnider. 
^ )^°rPcirnakere 
(Würfelmacher). 
9. Nah 
Meckere. 
2- Brauer. 
3- Gortemaker. 
4- Heringweschere. I 
5* Knokenhauwere. | 
G Kuthere. I 
7. Müller. 
i asteydenhecker. 
9- Semer (Honigsei- I 
raer). ^ ! 
Stockvisch- ! 
wekere. 
Dansig. 
5. Corrigiator 
(Riemer). 
6. Lorifex (Sattler). 
Holz, Horn u. s. w. 
1. Cistifex. 
2. Doleator. 
3. Laternifex. 
(Laternenmacher, 
Leuchtenmacher). 
4. Mensator (Tisch 
ler). 
5. Paternoster 
macher. 
6. Torneator. 
7. Trippenmacher, 
Korkmacher, co- | 
lapifices, (Pantof- l 
felmacher). 
ungs- und Genuss 
1. Bierbrauer. 
2. Fartor. 
3. Fastbäcker. 
4. Fleischer. 
5. Losz-od. Plisken- ' 
bäcker. 1 
6. Mälzer. 
7. Methbrauer. 
8. Müller. 
9. Schopenbrauer, 
Schoppenbrauer. 
Reval. 
1. Bodeker. 
2. Kystenmaker. 
littel. 
1. Becker. 
2. Bruwer. 
3. Cihruter. 
4. Haferbeke 
(Bäcker von Ha 
ferbrot ?). 
5. Knockenhower. 
6. Kockenbecker. 
7. Küther. 
8. Molner. 
9. Nyebecker. 
IO. vSwartebecker. 
IO. Bekleidung und Reinigung. 
Bader, bastavere. 
Buntmakere. 
3* Barbere. 
4' Dotvilter. 
1. Altbusser (Flick- 1 i. Barberer. 
schuster). 2. Pellifex. 
2. Bader, balneator. I ^ Scherer. 
3. Bundmacher. ^ Schomeker
        <pb n="96" />
        76 
Die (Tewerbetreibenden. 
Lübeck. 
5- scrodere. 
6. Olde scrodere 
(Flickschneider). 
7. Oldeschomakere 
(Flickschuster). 
8. Pelser. 
9. Schomaker. 
IO. vSchrodere. 
Danzig. 
4. Barbier. 
5. Hosenmacher. 
6. Hüter, pileator. 
7. Kürschner. 
8. Schroter. 
9. Schuhmacher. 
5- 
1. Hruggemaker. 
2. Deckere. 
3. Glaser. 
4. Maler. 
5. Maurer. ‘ 
6. Stenbrucker. 
7. Zimmermann. 
II. Baugewerbe. 
1. Carpentator. 
2. Maler. 
3. Maurer. 
I. 
2. 
3- 
12. Handel und Verkehr. 
1. Botterhoken. 
2. Dregher. 
3. Fuhrmann, vor- 
lude. 
4. Heringmekeler. 
5. Holtkoper (Holz 
händler). 
6. Hopjienmekeler. 
7. Hüdeköper, 
Häutekäufer. 
8. Ketelboter. 
9. Kolhoken. 
10. Kornmekeler. 
11. Kremer. 
12. Landveringe, 
Hausierer. 
13. Louwantsnider. 
14. Louwentstryker. 
15. Mekeler van dem 
osterschen gude. 
1. Bierträger. i. 
2. (ieiseler (\leh- 2. 
händler). , ^ 
3. Hoke, hokynne. ^ 
4. Krämer. ' - 
1 I 
5. Sacktrager. 1 
6. Salzträger. | 6. 
7. Träger, portator, | 7. 
bajolus. I y 
i 
i 
I IO. 
Rex'a/. 
Schroder. 
Meelre. 
(ilazewerter. 
Tymmermann. 
Briefbote. 
Kopman. 
Kremer. 
Munderick. 
Overscherer, 
(Tuchhändler). 
Perdekoper. 
Scheper. 
Vorman. 
Wantsnider. 
Weger.
        <pb n="97" />
        Die Gewerbetreibenden. 
77 
Lübeck. 
•6, Olcieclederseller. 
*7- i^erdemekeler. 
Schiffer. 
^9- Stekenitzvare, 
stekensevarer. 
Stalmenger 
(Eisenkrämer), 
^antsnyder. 
22. Wechsler. 
23- Watervorer. 
Danzig. 
Reval. 
1. 
2. 
13- 
^arhrader. 
Beherbergung 
I. Koch. 
Hospes ((iast- 
wirth). 
und 
Hrtjuickung. 
j I. Kok. 
2. Winmann. 
/ 
1. 
2. 
3- 
4- 
14. Verschiedene 
Apotheker. 
Arzt. 
Berufsarten. 
Í ravcnmakere (?) 
Veddeler. 
1. Apotheker. 
2. Arzt, doctor in 
medicinis. 
3. Schreiber. 
4. Speielude. 
1. Abteker. 
2. Bussenschutte. 
3. Gildeknecht. 
4. Posaunenbläser. 
5. vSchryver. 
6. Stadtpfeiffer. 
7. Stadtdiener. 
8. d'olner. 
9. Wundenarzt. 
^um Vergleich der gewerblichen Zustände Rigas im 15. Jahr- 
ändert haben wir drei Ostseestädte gewählt, das so zu sagen 
^^nachbarte Reval und die entfernteren Städte Danzig und Lübeck. 
^Beziehungen dieser vier Städte zu einander während der Hansezeit 
^•nd bekannt, und eine gewisse Übereinstimmung der Entwickelung 
^nzunehmen, liegt daher nahe genug. Merkwürdiger Weise können 
für Lübeck in dieser Periode weniger (iewerbearten als in der 
^vorhergehenden nachgewiesen werden: 116 gegen 129; in Danzig 
‘Oiien sich 82, in Reval 73, in Riga dagegen 142 verschiedene C'^ewerbe- 
Manche Ausdrücke, die verschiedene (bewerbe anzudeuten 
scheinen, bedeuten eben oft dasselbe, und schliesslich ist die Über- 
crung der Hauptgewerbe mit ihren mannigfachen Spielarten keine 
Pilose. Mit dem lübischen Verzeichn iss stimmt das rigische
        <pb n="98" />
        1 
i 
78 
Die Gewerbetreibenden. 
besser überein als mit dem Danziger, dem es weiter vorausgeeilt | 
erscheint. Stellt man aber die in Riga gegenüber Lübeck und | 
Danzig fehlenden (bewerbe fest, so muss man sich an die oben 
bei dem Vergleiche der rigischen (bewerbe in den verschiedenen 
Jahrhunderten gemachten Bemerkungen erinnern. Einige der I 
fehlenden Gewerbe lassen sich unbedingt als vorhanden annehmen, ¡ 
auch wenn sie nicht nachweisbar sind; von der Mehrzahl aber | 
allerdings wird man zugeben müssen, dass sie in dem weniger 
entwickelten Riga noch nicht sich gezeigt haben können. Zu 
den ersteren gehören: der Schiffs- bezw. Ankerschmied, der 
Wachsschmelzer, der Breit- und Schmalweber, der Sattler und 
Gürtler, der Drechsler, der Flickschuster, der Viehhändler, der 
Makler und mehrere andere der in der Gruppe Handel und 
Verkehr aufgeführten Persönlichkeiten. Dagegen scheint mir 
Vieles dafür zu sprechen, dass die nachstehend genannten (be 
werbe, die in Lübeck oder Danzig im 15. Jahrhundert Vorkommen, 
in Riga noch nicht geübt wurden. Diese sind in der Metall 
verarbeitung: der Apengeter, Goldschläger, Wandscheerenschleifer, ; 
Pfannenschmied, Stempelschneider, Pilsticker und Helmschläger; | 
in der Industrie der Leuchtstoffe der Kerzengiesser; in der Textil 
industrie: der Borten-, Haardecken-, Sallunen-, Koltenmacher (bezW- 
Züchner), der Wand- und Rothfärber; in der Leder- und Papier 
industrie: der Pergamentmacher und Papiermüller, der Rothloscher 
und Weissgerber; in der Holz-, Horn- u. s. w. Industrie: der Würfel-, 
Panelen- und Leuchtenmacher; in der Nahrungs- und Genussmittel 
industrie: der Honigseimer und die verschiedenen Arten der Brauer, 
der Häringswäscher und Stocklisch weicher, der Pastetenbäcker; 
in der Bekleidungsindustrie: der Buntwerker und der Hosenmacher, 
endlich im Handel und Verkehr der Louwentstryker, die verschie- • 
denen Arten von Mäklern, der Kesselhändler. ' 
ln den höher entwickelten Cîewerbsarten steht Riga hinter 
Lübeck und Danzig, wie der Vergleich ergiebt, zurück, indess 
weist die rigische (irewerbethätigkeit auf dem Gebiete der Verar 
beitung und Beschaffung der Rohprodukte eine grössere Mannig' 
faltigkeit auf. Wir heben hier von den in Lübeck und Danzig i0 
15. Jahrhundert nicht vorkommenden (Gewerbetreibenden als charak 
teristisch folgende hervor: Steinhauer, Steinbrecher, Steinpflasterer, 
Köhler, Erlenköhler, Aschenbrenner, Elachsschläger, Hanfschwinger, 
Hanfspinner (Seiler), Beiter, Säger und Sägemüller, Spannmacher, ¡ 
Glossenmacher, Branntweinbrenner, Grabenzieher, Salz- und Bier-
        <pb n="99" />
        Die Gewerbetreibenden. 
79 
träger, Gras-, Stein- und Kalkführer, Wagentreiber, Zeigersteller, 
‘^«Iherschmelzer u. a. m. 
bei der Riga und Reval in gewisser Hinsicht weit vorausge- 
cilten gewerblichen Entwickelung deutscher Städte liegt die An 
nahme, dass ein starker Strom einwandernder Handwerker sich 
nach Livland ergoss, nahe. Vermuthlich wird gerade aus den 
^ansestädten ein lebhafter Zuzug stattgefunden haben. Wenn 
^'Gdemin von Litthauen im Jahre 1323 an die Städte Lübeck, 
Rostock, Stralsund, Greifswald, Stettin und die Gothländer die 
Aufforderung ergehen lässt, Kaufleute und Handwerker zur Über 
siedelung in sein Land zu bewegen *, so ist man versucht zu glauben, 
||nss der W eg für die Gewerbetreibenden nichts Abschreckendes 
^ te, und dass falls es zu den Fahrten nach Wilna oder Now 
gorod kam, gewiss Manche es vorzogen, unterwegs in Riga oder 
oval, wo sie deutsche Kultur vorfanden, zu bleiben. Die Stärke 
I OS Zuzugs ermitteln zu wollen, wäre ein vergebliches Beginnen, 
udess verhilft uns der Umstand, dass in einigen Fällen dem Ruf- 
^ärnen die Angabe der Heimath zugesellt wurde, zu einigem Anhalt 
^ ur. Welche Städte insbesondere ihren etwaigen Überschuss nach 
Jgit oder Reval abzugeben pflegten. Leider sind das Schuldbuch, 
^ ^0 Libri redituum und die Erbebücher in dieser Beziehung sehr 
ergiebig. Aus dem ersten erfährt man von der Einwanderung 
^•nes Bäckers Bertold aus Bremen und eines Bäckers Conrad aus 
Gothland, und aus den beiden ersten Lib. red., dass aus Lübeck je 
Bäcker, Steinhauer und Schmied stammten*, während das erste 
ebuch einen Hinweis auf eine Einwanderung aus Mecklenburg 
^ enthalten scheint. Wenigstens glaube ich, dass man die drei 
' ^"^or: Nicolaus Mekelenborch, alias Kuthus; Bernhard Crakow, 
J ""(1 Yasper Karouw, ein glazemaker \ mit Mecklenburg, bezw. 
Städtchen Krakow und Karow dieses Landes in Zusammenhang 
^A&gt;ngen darf. Oh dJe ¡m zweiten Erbebuche eingetragenen Namen: 
'rjck Bremer, de korssenwerter, und Jacob Meylan, de kannen- 
^^^or, auf die Städte Bremen und Mailand hindeuten, wird unent- 
^ 'Oden bleiben müssen Dass auch im Lande selbst Hin- und 
^ Abänderungen (Gewerbetreibender vorkamen, erweisen die Ein- 
'"‘^go in das Schuldbuch und in das zweite Lib. red. Das erstere 
2 ^--C. Urk. a, Nr. 6qo; Mecklenb. Urkb. 7, Nr. 4445. 
3 a. a. O. I, 5a, 28a; II, 281. 
4 a, a. O. I, 375, 441, 1000. 
‘^apiersky, a. a. O. II, 494, 570.
        <pb n="100" />
        Die Gewerbetreibenden. 
8() 
weist nach einen Thidericus de Hapesale, sutor, Johannes de Dobe- | 
lene, ollifex, Jordanus de Revalia, sartor, Hildebrandus de Koken- : 
husen, pistar, Lambertus de Wenda, sutor. Das letztere nennt uns den 
Johannes de Í arbato, stupeiiator., und Johannes de Tarbato, sutor^. \ 
Deutlicher sprechen die Namen der Revaler Erbebücher für | 
die regelmässige Einwanderung auswärtiger Gewerbetreibender. 
Auf eine Einwanderung aus Deutschland und zwar auf: 
1. Bremen weist hin Johannes de Bremen, sutor. 
2. Braunschweig weist hin Hinricus Brunswik, sutor. 
3. Friedland in Mecklenburg weist hin Johannes Vredelant, 
4. Gransow bei Oliva, Westpr. od. Gransee i. d. Mark Brandenb. 
weist hin Johannes Gransoghe, sartor. 
5. Kiel weist hin Thymmo vamme Kyle, de Kylone, sutor. 
6. Lübeck weist hin Johannes de Lybek, cuprifaber. 
„ „ „ Johannes de Lybeke, peuesticus. 
„ „ „ Hennekinus de Lybeke, peuesticus. 
7. Lüneburg „ „ Meynekinus Luneborge, sartor. 
8. Münster in Westfalen weist hin Nicolaus von Münster, sartor. 
9. Preussen weist hin Nicolaus Pruze, pistar. 
10. den Rhein „ „ Lopekinus Renensis, peuesticus. 
11. Thüringen „ „ Thidekinus /'aber. 
12. Wittenberg oder Wittenburg in Meckl. weist hin Hermannus 
Wittenborgh, pistar. 
13. Westfalen weist hin Johannes Westfal, sutor. | 
14. Rüthen in Westfalen, Rüden, weist hin Johannes de Ryden, 
sutor. 
15. Greifenberg in Hinterpommern weist hin Johannes (Greifen- 
bergh, aurijaber. 
16. Rodenberg bei Schönberg in Mecklenb. weist hin Johannes 
Rodenborch, sutor. 
17. Nummen, westf. Kreis Minden, weist hin Johannes de Nummen, 
sartor. , 
18. Haverloh, Haverlaan, hannöv. Amt Liebenberg, weist hin Hinri 
cus Haverlant, caruifex. 
19. Aerzen, Artzen, hannöv. Amt Hameln, weist hin (ierhardus de 
Arsteri, Arsthe, sutor. 
Auf Dänemark führen die Namen Steffanus Densche, sartofi 
und Bernardus de Calmaria, cuprifaber. Endlich scheint man auch 
auf eine aus Holland und Flandern vor sich gegangene Ein 
wanderung schliessen zu dürfen, wenn man die Namen liest : 
1. Albertus (ironing, iustitor\ 
2. Nicolaus Gronink, aurifaber, d. h. aus Cironingen in Holland! 
&gt; Napiersky, a. a, O. II, 352, 403.
        <pb n="101" />
        6 
Die Gewerbetreibenden. 
8i 
3- Johannes Flaminch, pelli/ex; 
4- Hey no de Arnem, sutor^ d. h, aus Arnhem im holländischen 
(ieldernland; 
5- hredericus de Casselm, d. h. aus Cassele nö das S. Omer. 
(ehern, flandrisch). 
Hie wenigen Angaben werden immerhin belegen, dass gewöhn- 
heitsmässig deutsche Gewerbetreibende nach Riga und Reval sich 
Wandten. Eine Vorschrift zum Wandern, ein Wanderzwang, wie 
*hn das Zunftwesen späterer Zeit kannte, ist freilich im vierzehnten 
Jahrhundert nicht nachzuweisen. Vielmehr stossen wir in manchen 
Handwerken auf ein Wander verbot, um die Kenntniss von der 
^^worbenen Geschicklichkeit nicht in die Welt hinaustragen zu 
s^hen und dadurch überall Konkurrenten erwachsen zu lassen, 
‘^o z. H. bei den lübeckischen Bernsteindrehern und insbe 
sondere in Nürnberg, bei der Metallverarbeitung, die hier stark ver 
treten war und zum Theil die Produktion für den grossen Markt 
^onopolisirte h Gleichwohl hat man in mehreren Handwerksta 
tuten des vierzehnten Jahrhunderts Vorschriften über die Behandlung 
zureisender oder abreisender Knechte, die es beweisen, dass das 
andern der Gesellen schon damals nicht selten war. Im fünfzehnten 
Jahrhundert häufen sich die Verfügungen betreffs der wandernden 
'Gsellen, und ist ein Zwang zum Wandern, wenn auch nicht allge- 
so doch vielfach ausgesprochen *. Lag somit in den deutschen 
Zurichtungen selbst ein Anlass zum Wandern, und ergriff der 
^^tn bei Zunahme der Bevölkerung die Gewinnung des 
" ^•sterrechts in der Heimath erschwert wurde, gerne die Gelegenheit, 
an Orten niederzulassen, die erst im wirthschaftlichen Auf 
schwung begriffen waren, so verfehlte man in Livland ausserdem 
t*&gt;cht in gewissen Fällen Gewerbetreibende direct zu berufen, wenn 
'tzan ihrer bedurfte und ihre Geschicklichkeit im Lande eingebürgert 
sehen wünschte. Der Komtur von Fellin verschrieb sich 1424 
Preussen einen Aderlasser*, und wenn statt des erbetenen sich 
^®gar zwei einstellten, so ist es ein Beweis für die Bereitwilligkeit 
J^uerj^gjge nach Livland überzusiedeln. Um dieselbe Zeit, 1425, 
g ' ^‘^Ueda, Lühische Bernsteindreher in Mitth. d. Ver. f. Lübeck. Gesch, 1886, 
Cq Schönlank, Zur Geschichte altnürnbergischen Gesellenwesens in 
g Jahrbüchern für Nationalökonomie N. F. 19, S. 60a. 
deuts deutsche Handwerk, S. 345 ff- Schanz, Zur Geschichte der 
in Gesellen.Verbände, S. 10. Ders., Zur Gesch. der Gesellenwanderungen 
a "fads Jahrbücher 38, S. 313 u. 343. Bücher, a. a. O. I, 154. 
• h.. C. Urk. 7, Nr. 76.
        <pb n="102" />
        82 
Die Gewerbetreibenden. 
Hess Reval aus Greifswald einen Giesser, Hans Karle, kommen, | 
der sein Gewerbe gut verstanden haben muss, da der Vermittler 
ihm nachrühmt, dass er „unmaten kostlik luerk ghezeen, dat he 
ghoten unde maket hefV'^. Beim Bau der St. Petrikirche in Riga | 
in den Jahren 1408—9 war Meister Johann Rumeschottel aus Rostock j 
thätig, den der Rath durch Vermittelung eines gewissen Johann 1 
Peterssen zu Rostock gewann „tho murende sunte Peters kerkert“ 1 
Als Reisegeld „do he van Rostecke qwam” wurden ihm zwei Mark 
bewilligt. Im Jahre 1436 langte in Reval ein Ziegelstreicher an, den ; 
der Ordensmeister aus Deutschland verschrieben hatte in der Absicht 
ihn nach Narva zu schicken, wo er eine Ziegelei anlegen sollte®. 
Selbst Posaunenbläser und Notare besorgte man sich aus Deutsch 
land \ und der Münzmeister Wolfgang Nothaft Hess 1528 Gesellen 
„hir int tajid der mtmthe halven kanten“^. Der Rothgiesser Hans 
Meyer bewog 1588 einen Gesellen in Lübeck seinen dortigen Meister 
zu verlassen und zu ihm nach Riga überzusiedeln®, und den ersten 1 
Buchdrucker, Nicolaus Mollyn, Hess der rigische Rath gleichfalls 
aus Deutschland in demselben Jahre kommen 
Für Livland musste dieser unaufhörliche Zufluss die grösste 1 
Bedeutung haben. Die neuen Ankömmlinge brachten die Fort- ’ 
schritte der sich erweiternden Technik mit, sie halfen unbekannte 
Gewerbezweige einbürgern und unterstützten jedenfalls die Be- 
Ziehungen zwischen dem Mutterlande und seinen Kolonien. Ereig 
neten sich auch bisweilen VerdriessHchkeiten, wie sie der Revaler 
Rath 1544 mit dem aus Lübeck stammenden Schmiedemeister l'homas 
Burmeister erfuhr®, so war im Allgemeinen das Ergebniss gewiss 
ein zufriedenstellendes. Dank diesem Verkehr, der in späterer 
Zeit noch zunahm, hat Rigas Gewerbewesen sich stets im Einklang 
mit den Errungenschaften der westlichen Schwesterstädte zu halten 
vermocht. Wie viele dieser Fremdlinge dauernd im Lande blieben, 
das „Livland“ in ein „Blivland“ verwandelnd, wie Balthasar RüssoW 
’ L. E. C. Urk. 7, Nr. 391. 
2 Girgensohn, Zur Baugeschichte der Petrikirche in Riga in Mitth. a. 
livl. Gesch. 14, S. 184, 188, 189. 
L. E. C. Urk. 9, Nr. 92. 
* L. E. C. Urk. 8, Nr. 643; 7, Nr. 577. 
5 Napiersky, Lib. red. Ill, 214. 
c 'I'h. Hach, Über Rigasche Erzgiesser in Mitth. des Ver. f. lüi). Gesch. •' 
S. 138. 
7 Buchholtz, Geschichte der Buchdruckerkunst in Riga, S. 17. 
* Stieda, Einige Aktenstücke zur Gesch. des Revaler Gewerbewesens i'” ^ 
16. Jahrh, in Beiträge z. Kunde E. L. K. 4, 8. 119, 122.
        <pb n="103" />
        6* 
Die Gewerbetreibenden. 
83 
bemerkt, und wie viele nach gewisser Zeit wiederum zurückwan- 
^Grten, entzieht sich vollständig jeder Feststellung. Eine Rückwan 
derung fand jedenfalls statt, da man z. B. im Rathe deutscher Städte 
mitunter Mitglieder livländischen Ursprungs entdeckt. In Lübecks 
^äth z. H. sassen bereits im vierzehnten Jahrhundert aus Riga, 
^eval und Dorpat gebürtige Männer *. Natürlich wird es schwieriger 
bei einfachen Männern aus dem Volke ihren Ursprung festzuhalten, 
^tid so kann ich auch nur einen Fall einer Rückwanderung nach- 
y eisen: 1424 ist ein Paternostermacher, Martin von der Rige, in 
I^übeck thätig*. 
Eine letzte hierher gehörende Frage betrifft das Geschlecht der 
ewerbetreibenden. Es fragt sich, ob in Alt-Riga Frauen selbständig 
Einern gewerblichen Berufe obzuliegen pflegten. 
Grundsätzlich war, wenigstens bis zum Jahre 1300, die Frau 
t^mht von der gewerblichen Arbeit, nicht einmal von der Theil- 
^jthme an der Zunft ausgeschlossen. Gelegentlich werden uns Frauen 
s Mitglieder einer Zunft namhaft gemacht, und es haben sich 
^tatuten erhalten, in denen ausdrücklich die Mitarbeiterschaft der 
fiiu als zulässig erachtet wird*. Später jedoch änderte sich dieses 
Grhältniss, und die allmählig in vollkommener Weise ausgebildete 
unftorganisation hatte für die Frau keinen Platz mehr. Die Zünfte 
''^ären nicht ausschliesslich gewerbliche Verbände, sondern über- 
^hmen als Unterabtheilungen der (Gemeinde gleichzeitig gewisse 
^Gchtliche, politische, militärische und administrative Functionen, 
•ese Vermochten die Frauen nicht wahrzunehmen und sich daher 
icht den Zutritt zu den Zünften offen zu erhalten. Allerdings 
t die Frau nicht ganz ohne jede gewerbliche Beschäftigung; 
wird nicht als gleichberechtigt mit den männlichen Hilfs- 
Giften der Zunft angesehen. Sie wird in ihrer eigenen Behausung 
^Gschäftigt ; sie ist als Gehilfin des ihr verwandten Meisters thätig; 
erscheint fast nie berechtigt ein (bewerbe ordnungsmässig 
\V oder es gar als selbständige Meisterin auszuüben. 
sie als Wittwe das (jeschäft des verstorbenen Mannes fort- 
lu^^^^ konnte das nur mit Hilfe eines in normalem Entwicke- 
"gsgange ausgebildeten Gesellen geschehen. 
4, S. 
^^rehmer, Bciträ&gt;re zur Lübeck. Gesch. in Zeitschr. ti. Ver. für lübeck. Gesch. 
132. 
I'übeckisches Urkb. 6, Nr: 586. 
^beda, Entstehung des deutschen Zunftwesens, S. 116 u. 117.
        <pb n="104" />
        84 
Die Gewerbetreibenden. 
Wollen wir nun wissen, in welchen Gewerben die Frauenarbeit 
vorzugsweise Verwendung fand, so bietet sich dazu kein anderes 
Material als die in den für die Herstellung der vorhergehenden 
Übersichten benutzten Quellen enthaltenen ausdrücklichen Hezeich- 
nungen weiblicher Gewerbetreibenden. Dabei bleibt es zweifelhaft, 
ob mit der Benennung die selbständige Ausübung des betreffenden 
Gewerbes durch eine weibliche Arbeiterin oder nur die Ehefrau 
eines bestimmten Gewerbetreibenden gemeint ist. 
Alle Anzeichen sprechen nun dafür, dass die Frau in Riga ver 
hält nissmässig selten als Konkurrentin des Mannes in der gewerb 
lichen Arbeit aufgetreten ist. Abgesehen von ihrer Thätigkeit als 
Hebeamme, findet man sie im 14. Jahrhundert nur als Rothweberin, 
Tuchwäscherin und Altkleiderhändlerin, im 15. Jahrhundert als 
Anfertigerin der aus Kork und Leder bestehenden Überschuhe, der 
sogen. Cilotzen, namhaft gemacht, ln Reval ist im 14. Jahrhundert 
die einzige Gewerbetreibende eine Aderlasserin, d. h. wohl die 
Frau eines Inhabers einer Badstube, die sich wie ihr Mann aufs 
Schröpfen verstand. Etwas lebhafter tritt die Frau in Kiel hervor. 
Man trifft sie im Bäcker- und im Müllergewerbe, in der Badstüberei, 
sowie als Hökerin und Krämerin. In Stralsund reichte ihre Thätig- 
keit noch weiter. Sie ist Gänse- und Kleiderhändlerin, Hökerin und 
Gastwirthin, (iärtnerin und Hopfenbauerin, sowie Weberin, ja sie 
tritt hier sogar in zwei für ihr (Geschlecht doch kaum geeigneten 
Berufsarten auf — als Falknerin und als Sägerin. In Lübeck und 
Hamburg wiederum erscheint sie sehr selten, in ersterer vStadt 
als Hökerin und Krämerin, in letzterer als Gänsehändlerin und 
Hökerin. Für das 15. Jahrhundert versagen unsere Quellen 
gänzlich und sind weder in Lübeck, Hamburg oder Danzig (Gewer 
betreibende weiblichen (Geschlechts nachweisbar. Es ist also ein 
ausserordentlich beschränktes Feld, auf dem die h rauenarbeit zur 
(Geltung kommt.
        <pb n="105" />
        Die Organisation der Gewerbetreibenden in Ämtern. 
«5 
3- Die Organisation der Gewerbetreibenden 
in Ämtern. 
Die Verbände des 13. Jahrhunderts in Reval und Hapsal. — Die Gilden. — 
‘e Gilde des Heiligen Kreuzes. — Die ältesten Ämter Rigas. — Die Bruderschaft 
Bierträger. — Die Gilde der Schwarzen Häupter. Der Kreygesche Schrägen. 
Die ältesten Ämter Revals. — Die Gesellenbruderschaften. — Die Stellung 
Ämter im städtischen Leben. 
Am Ausgange des dreizehnten Jahrhunderts treten ähnlich wie 
^'^ädten Deutschlands, auch in den grösseren livländischen 
^ in Riga, Reval und Hapsal \'erbände von Handwerkern 
Freilich haben sich Amtsrollen, die sogen. Schrägen, aus 
dieser Zeit nicht erhalten; die ältesten derartigen Stücke, die 
Unzweideutig die Existenz von Handwerker-Zünften, in Livland, 
"le m den Hansestädten Ämter genannt, belegen, stammen aus der 
eiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts. Indess lässt sich aus 
anderen Rechtsdokumenten, aus Stadtrechten und sonstigen auf 
S^kommenen Urkunden der Nachweis erbringen, dass wenig 
später nach der Entstehung der Zünfte in Deutschland, in vielleicht 
achähmender Anlehnung an dortige Einrichtungen, ihre Bildung 
uch in den livländischen Städten anhebt. In Reval kann nach dem 
(rechte die Existenz von Handwerksämtern gar nicht bezweifelt 
^Grden. Schon im Jahre 1248 gestattete der Dänenkönig Erich IV 
Stadt Reval den (Gebrauch des lübeckischen Stadtrechts und 
^ Jahre 1284 R*ng die Belehnung rechtsgiltig vor sich'. Mehrere 
' Gl dieses fast wörtlich übernommenen Stadtrechtes wenden ihre 
j '(iGrksamkeit der Regelung gewerblicher Angelegenheiten zu. 
Artikel 202 ist von ,,inesfcre)i der l)eckere'‘ die Rede; Artikel 
^53 beschäftigt sich mit den Schmieden, Artikel 142 mit den 
G neidern, Artikel 193 mit der Anfertigung gewerblicher Arbeit 
'Gr laupt (von valschetne werke und gude). \ or Allem aber wird 
34- Artikel den Ämtern das Recht der Abhaltung von Morgen- 
^prachen zugestanden. Unter der Morgensprache verstand man die 
de Zwischenräumen zu veranstaltende Versammlung 
Handwerker, auf der, meistens unter Aufsicht zweier Raths- 
^^glieder, der sogen. Morgensprachsherren, die Angelegenheiten 
Handwerks berathen wurden „nmme der Stadt stützen zu 
^ Auch die gewerbliche Rechtsprechung, sei es, dass sie 
'^G’nigkeiten zwischen Meister und (Gesellen oder Verletzungen 
'"'SC, Dip Ouellpii des Keväler Stadtrechts 2, S. 90.
        <pb n="106" />
        nie Organisation der (Gewerbetreibenden in Ämtern. 
der Statuten betraf, spielte sich zum Theil hier ab. Den (geschwo 
renen und Meistern, die die Versammlung einzuberufen und zu leiten 
hatten, wurde nun im Stadtrecht eingesciiärft, ihre Aufgabe in ge 
wohnter Ordnung zu lösen. Anders drohte ihnen eine Strafe von 
drei Mark Silbers und Verbannung aus der Stadt. Da m der Regel 
die Erlaubniss zur Abhaltung von Morgensprachen, die Einräumung 
einer Art von Gerichtsbarkeit über die Genossen eine Folge des auf- 
blühenden Gedeihens der Innungen zu sein pflegte, so ist es nicht 
unwahrscheinlich, dass die ersten Ämter bereits vor der Annahme 
des lübischen Rechts errichtet waren. Freilich wurden alle diese 
auf das Gewerbe sich beziehenden Bestimmungen mit dem ganzen 
lübischen Rechte entlehnt. Hätten sich indess die revalschen Zu 
stände mit den lübischen nicht gedeckt, so wäre vermuthlich 
nicht unterlassen worden jenes entsprechend zu ändern. 
Tn Hapsal, dessen Recht aus dem rigischen Stadtrecht ge- ,, 
schöpft wurde', gab es im Jahre 1294 ein Weberamt. Die dortigen 
Weber erhielten nach Artikel 69 des Stadtrechts die Begünstigung, 
zwei Meister oder zwei Oberste unter sich wählen zu dürfen Je 
den ratluden nutte syn tind dein ample even kamen“. Die Auf 
gabe dieser Männer bestand in der Beaufsichtigung der Arbeit 
ihrer Genossen, die rechtes Maass aufweisen und gediegen ausfallen j 
sollte. Andere Handwerksämter werden namentlich nicht genannt, j 
wohl aber ist in dem ersten Artikel die Anordnung getroffen, ^ 
keinen zu einem Amte zuzulassen, „he hebbe denn de geselschup 
der amptlude envorvenn“. Wie mir scheint, kann diese Bestimmung 
nicht anders verstanden werden, als dass Niemand das Recht zur 
Ausübung eines Gewerbes erlangen konnte, bevor er sich der 
Genossenschaft, die für dasselbe vorhanden war, angeschlossen hatte. 
Darin scheint aber ein Beweis für das allgemeine Vorkommen von 
Handwerkszünften in jener Stadt zu liegen. Dass das Recht des 
Weberamts besonders geregelt wurde, mag in vorgefallenen Strei 
tigkeiten über die Wahlen seine Veraidassung haben. 
Bestanden in Reval und Hapsal Ämter, so wird man sie für 
Riga, der sehr viel bedeutenderen Stadt, gleichfalls in Anspruch 
nehmen können, auch wenn sie nicht direkt nachweisbar sind. Die 
Rathsentscheidung aus dem Jahre 1280^, die die (lerber und Schuh 
mâcher in Riga betrifft, spricht zwar nicht von einer Korporation 
1 Napiersky, Die Quellen des Rigischen Stadtrechts, S. 15—49- 
2 L. E. C. Urk. I, Nr. 471.
        <pb n="107" />
        Die Organisation der Gewerbetreibenden in Ämtern. 
' 87 
derselben, aber es ist in hohem Grade wahrscheinlich, dass zu jener 
Zeit beide Handwerke ein Amt bildeten. Die Thatsache, dass alsdann 
zwei verschiedene Gewerbe in einer Korporation vereinigt gewesen 
"'dren, kann nicht befremden. Es sind eben verwandte Gewerbe, 
die sich zusammengethan haben und die in einer Zeit geringer 
Entfaltung gewerblichen Lebens noch nicht Mitglieder genug zur 
Bildung eigener Ämter aufweisen mochten. Ähnlich findet man 
dreizehnten Jahrhundert in Nürnberg die Schwarz-, Schön- und 
Waidfärber, in Stendal, Basel, Berlin die Weber und Tuchmacher 
einer Zunft’. In München gehörten in derselben Zeit Tuch 
scherer und Schneider zu einer Zunft, und die Zunft der sogen, 
^pinnwetter zu Basel umfasste Maurer, Gypser, Zimmerleute, Fass 
binder, Wagner und Wannenmacher. 
l^ie Entstehung der Ämter wird doch wohl auf freie Vereinigung 
^urückzuführen sein. Die aus deutschen Städten, von Wisby oder 
Dänemark ein wandernden Handwerker werden dem Gebrauch 
ihrer Heimath gemäss die dort beobachtete Gewohnheit in die 
Eremde übertragen haben, die Obrigkeit aber, die die Aufsicht 
fiber den Markt und den Handel mit gewerblichen Erzeugnissen 
Eihrte, begünstigte diesen Zusammenschluss eher, als dass sie ihn 
binderte. Ausserdem aber hat offenbar in Riga das Ciildewesen 
^inen weitreichenden, wenn auch im Einzelnen nicht nachweisbaren 
Einfluss auf die Errichtung von Korporationen mit gewerblichem 
Charakter ausgeübt. 
Gilden sind die durch Rechte und Pflichten verbundenen Brüder- 
schaften,yFa/gxw7/(7/ff, die an bestimmten Jahrestagen festliche Trink- 
gelage abhielten. Die ältesten bekannten sind die altfränkischen, 
in den Reichsgesetzen und kirchlichen \ erordnungen des 8. 
_ 9* J'thrhundert verboten werden. In den aus heidnischer Zeit 
überkommenen gottesdienstlichen T rinkgelagen wurzelnd, weisen 
doch von vornherein auch sittliche und religiöse Elemente auf, 
’ndem sie ihre Mitglieder zu gegenseitiger Hilfeleistung brüderlich 
jneinanderschliessen*. So erscheinen als die Zwecke, die sie ver- 
^%Gn, die gegenseitige ITntcrstützung der Brüder und Schwestern 
•n Nothfällen, die Betheiligung an den Leichenbegängnissen ver- 
^orbener Mitglieder, die Unterhaltung brennender Lichter auf den 
^^^ären in Kapellen und Kirchen, Veranstaltung von Seelenmessen 
JÜJ^rstorl^ Mitglieder u. a. m. Ihre Mitglieder aber rekru- 
g Entstehung des Zunftwesens, S. 119« 
Städte und Gilden i, S. i, 5&gt;
        <pb n="108" />
        88 
Die Organisation der Gewerbetreibenden in Ämtern. 
tirten sich aus verschiedenen Ständen; Geistliche und Adlige, 
Handwerker und Kaufleute, sowie Personen beiderlei Geschlechts 
finden wir in ihnen vereinigt. Ihre Organisation ist die einer 
selbständigen Korporation mit gewählten Vorstehern, Alterleuten, 
Stuhlbrüdern, Gardemännern und anderen Beamten. Sie geben 
sich ihre Statuten und Gesetze selbst, stehen aber unter den öffent 
lichen Gerichten des Landes- und Stadtherren b 
Von solchen Gilden erfährt man in Riga zuerst in der Mitte 
des dreizehnten Jahrhunderts. Das älteste erhaltene Statut stammt 
aus dem Jahre 1252. Es ist der Schrägen der Gilde oder Bruder 
schaft des heiligen Kreuzes und der heiligen Dreifaltigkeit in Riga, die 
„zur Ehre des heiligen Geistes und zum Heile der Seele“ gestiftet 
wurdet Über alle Artikel dieses Statuts hatte der Rath seine oberste 
Hand. Die richterliche Gewalt des Vogtes, sowie die obrigkeitliche 
des Raths war für diese Gilde bindend. Sie konnte nur geringfügige 
Vergehen ahnden, alle grösseren bestrafte der Vogt. Neben ihr 
bestanden andere Brüderschaften, deren Statuten sich leider nicht 
erhalten haben: die heilige Bluts-, die Olavs-, die Nicolaus-, die 
Marien-Magdalenen-, die Pfeifer-, die Antonius-, die Gertrudis-, 
die Loet-Gilde und die Gilde unserer Lieben Frauen. 
In Reval ist die älteste Gilde, von der man weiss, die Heilige 
Leichnamsgilde. Ihr Statut, von wesentlich kirchlichem Charakter, 
indess doch auch mit Betonung der leiblichen W ohlfahrt der Mit 
glieder, stammt aus dem Ende des dreizehnten Jahrhunderts V Wenig 
später, aber mit mehr weltlicher Haltung, bildete sich die Kanuti* 
gilde^. Ist deren auf uns gekommenes Statut auch erst am Ende 
des fünfzehnten Jahrhunderts aufgezeichnet, so hat Pappenheim es 
doch in hohem Grade wahrscheinlich zu machen gewusst, dass es 
in seinem älteren Theile bereits gegen entstand b Es ist 
bemerkenswerth, dass Schiffer, Handwerker und Kaufleute ursprüng 
lich Mitglieder dieser Gilde waren. Nur Nichtdeutsche blieben aus 
geschlossen. Eine dritte Gilde ist endlich die Olavsgilde; sic 
1 Hegel, a. a. O. i, S. 243. 
2 L. E. C. Urk. 2, Nr. 262. Die Gilde des heiligen Kreuzes und der heiligt" 
Dreifaltigkeit, in der A. v. Bulmerincq eine Vereinigung zweier Bruderschaften erblickt. 
Hess wohl 1252 ihren alten, in lateinischer Sprache abgefassten Schrägen ins Deutsche 
übertragen und nannte sich vielleicht von jetzt ab: Gilde zum heiligen (leist. Def 
Kürze wegen wird hier diese älteste Gilde „Heilig-Kreuz-Gilde'' genannt. 
» L. E. C. Urk. I, Nr. 593. 
4 L. E. C. Urk. 4, Nr. 1519. 
5 Die altdänischen Schutzgilden, S. 171 —173.
        <pb n="109" />
        Hie Organisation der Gewerbetreibenden in Ämter. 
89 
kommt in Eintragungen des Stadtbuches von Reval mehrfach in 
den Jahren 1341 —1330 vor’. 
Diese rigischen und revalschen Gilden sind nach dänischem 
luster errichtet. Das Statut der Heilig - Kreuz - Bruderschaft vom 
Xovbr. 1252 fällt in eine Zeit, die den ältesten dänischen Gilde- 
ordnungen nicht fern liegt. Es betont noch mehr als das älteste 
panische Statut, das der König Knutsgilde zu Flensburg, etwa aus 
Zeit von 1182 —1202, den religiösen Zweck der Vereinigung, 
eine einzelnen Artikel aber sind fast durchgängig übereinstimmend, 
6nn auch nicht gerade im Wortlaut, mit den Bestimmungen der 
Päteren dänischen Ordnungen der Gilden zu Store Hedinge, zu 
ollehave und Malmö aus der Mitte und der zweiten Hälfte des 
’’eizehnten Jahrhunderts*. Die Statuten wiederum der Revaler 
^ nutsgilde stimmen zum Theil wörtlich mit denen der Malmöer 
ilde überein und auch die Statuten der Heiligen Leichnamsgilde 
’nd aus den dänischen (iildeordnungen geschöpft, besonders aus 
ältesten von Flensburg und Odense*. 
Auf solche Gilden wird es sich beziehen, wenn Bischof Albert 
le nach livländischen Häfen handelnden Kauf- 
^ Ute bestimmt, dass sie ohne seine (Genehmigung keine (Gilde 
» noch der Jurisdiction des Vogtes, der über alle Gilden zu 
bilden 
•chten hatte, sich entziehen durften^. Diese (Gilden waren noch 
^bt nach Berufen ihrer Mitglieder abgeschlossen. Wenn es auch 
^kommt, dass gewisse Kategorien von Handwerkern ausge- 
^ Gossen blieben, z. B. aus der Heilig-Kreuz-Gilde in Riga die 
^ ^ber und Badstüber*, so mag das in örtlichen Verhältnissen oder 
allgemeinen Anrüchigkeit dieser Handtierungen gelegen haben. 
^ hat nun den Anschein, als ob durch Auflösung der Heilig- 
lu Riga zur Bildung von Handwerkergenossenschaften 
Ämtern erst recht der Anstoss gegeben wurde. Am Abend 
usabethtages des Jahres 1352, d. h. an demselben Tage, an 
hundert Jahre vorher die Heilig-Kreuz-Gilde gestiftet worden 
bildete sich nämlich die sogen. Kleine (Gilde. Die Stube von 
lat^^*^- ^^hin das Vereinshaus der Handwerker, liess ihr in 
^’Uischer Sprache vorhandenes Statut ins Deutsche übertragen® 
* Heo-ffi Keussler, a. a. O., S. 17. 
"ürditrp, u,*’. ^ O. I, S. 240 übersetzt das niederdeutsche „bastover“ merk- 
Hg Weise mit .Bastard“. 
Theil Nr. 41. in dieser Weise sind die in 2 Theile abgedruckten 
" bezeichnet.
        <pb n="110" />
        \ 
gçy Die Organisation der Ge\ver»)etreibendcn in Ämtern. 
und erklärte sich vermuthlich officiell als den Mittelpunkt aller 
Handwerksämter. Eine derartige Zusammenfassung war in den 
westfälischen Städten Dortmund, Münster und Soest üblich» und 
es liegt nahe, dass man in Riga, wo man über diese Zustände 
genau unterrichtet sein musste, in dem Maasse als die Handwerks 
ämter sich während des dreizehnten Jahrhunderts entwickelt hatten, 
eine ähnliche Organisation für zweckmässig hielt. Vielleicht wollte 
man auch dem (Gedanken Ausdruck verleihen, dass es für Hand 
werker nur eine Gilde gab und die Begründung zahlreicher ein 
zelner Genossenschaften einschränken. 
Welchen Beweggrund immer die Handwerker für ihr \'orgehen 
gehabt haben mochten, zwei Jahre später, im Jahre 1354, schufen 
auch die Kaufleute einen derartigen Mittelpunkt für ihre Berufs 
angehörigen, der den Gegensatz zur bereits bestehenden Hand 
werker-Vereinigung deutlich bekundete, indem er Handwerker von 
der Aufnahme grundsätzlich ausschloss. Das Vorbild für diese 
Kaufmannsgilde scheint nicht in der in englischen oder m manchen 
deutschen Städten, wie (iöttingen, Höxter, Köln, nachgewiesenen 
Kaufmannsgilde gesucht werden zu sollen. Jene Gilden hatten ein 
Handelsmonopol, das ausschliessliche Recht die Kaufmannschaft zu 
betreiben 2. In Höxter z. B. wurden zwei Gruppen von Kaufmann 
schaft unterschieden. Die eine hatte das Recht des Gewandschnittes, 
die andere den Handel mit Leinenwaaren und Holzasche». Von 
alledem ist in der rigischen Kaufmannsgilde keine Spur. Sie 
bietet vielmehr das Beispiel der gewöhnlichen Gildeverfassung m 
dem oben charakterisirten Sinne. Es handelt sich nicht um die 
Pflege von Erwerbsinteressen, sondern um Regeln für die Pflege 
der Geselligkeit, des wohlanständigen Zusammenlebens, der Trink 
gelage, der Begräbnisse und des Seelenheils. Der Schrägen der I 
neuen Vereinigung ist wesentlich unter Zugrundelegung des Schrägen 
der Heilig-Kreuz-Gilde abgefasst und stimmt in vielen Punkten 
wörtlich mit ihm überein. Auf diese Weise scheint die rigische 
Kaufmannsgilde eine ähnliche Einrichtung geworden zu sein, wie 
die im (iebiete der Hanse üblichen Genossenschaften von Kauf 
leuten im Auslande. Die Sachsengilde zu Lund vom Jahre 1264. 
die Genossenschaft der deutschen Kaufleute zu Einbogen v ont 
Jahre 1329 u. a. m. können dafür als Beispiel angezogen werden, 
ii 
t Hegel, a. a. O. 2, S. 361—388. 
2 Hegel, a. a. O. 2, S. 511, 512. 
3 Hegel, a. a. O. 2, S. 394, 395.
        <pb n="111" />
        Die Organisation der Gewerbetreibenden in Ämtern. 
91 
Wenn sie auch nicht unmittelbar als Muster gedient haben werden 
Ein Unterschied zeigt sich übrigens darin, dass in jenen Genossen 
schaften immer nur die im Auslande weilenden Hanseaten vereinigt 
erscheinen, während in der Rigaer Kaufmannsgilde von vornherein 
Eremde und Einheimische — borger unde ghasi — verbunden 
Sind. Hei dem steten Zuzuge aus deutschen Städten, dessen Riga 
Sich erfreute, waren die „borger^‘ keine anderen als die vor wenigen 
Jahren oder Jahrzehnten Eingewanderten, die in der neuen Heimath 
Bürgerschaft erworben hatten, und die „ghäste“ in erster Linie 
diesen nachfolgenden Verwandten, Bekannte und Freunde. 
Der Schrägen der kleinen (îilde von 1352 hat sich leider nur 
einem Bruchstück erhalten- und es geht aus diesem nicht mit 
Sicherheit hervor, dass auch er grösstentheils identisch mit dem 
eh ragen der Heilig-Kreuz-Ciilde war, wie der Schrägen der zwei 
Jahre später errichteten Kaufleute-Kompagnie. Indess machen 
'jichrere Umstände es wahrscheinlich, dass die Heilig-Kreuz-Ciilde 
^ IC Urform war, aus der sich die berufsmässig abgeschlossenen Ver 
einigungen herausschälten. In dem erhaltenen Bruchstück ent- 
c en der Altermann von Münster und der Ältermann von Soest 
^nsammen den Mitgliedern der neugegründeten (olde ihren Gruss, 
^ine gewisse Zusammengehörigkeit der beiden Stuben von 
allster und Soest nicht in Abrede gestellt werden kann. Ferner 
^folgt die Übertragung des ebenfalls wie der Schrägen der Heilig- 
ceuz-Ciilde ursprünglich in lateinischer Sprache abgefassten Statuts 
^ ^em gleichen Tage, an dem vor uxj Jahren die Heilig-Kreuz- 
e eröffnet worden war. Es erscheint als ein Akt der Pietät, 
Etiftungstag der Muttergilde auch als Gründungstag der Tochter- 
bilde anzunehmen. Endlich ist der Schrägen der Kaufleute-Kom- 
P^gnie wesentlich identisch mit dem der Heilig-Kreuz-Gilde^ 
Hiernach gewinnt es einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit, 
^ ^Be Entwickelung die folgende gewesen sein kann. Die Heilig- 
^az-(,ilde umfasste zunächst alle Berufe ohne Unterschied mit 
p^r Wenigen Ausnahmen: Kaufleute, Handwerker, (Geistliche, Ritter, 
1^^^"^" Beiderlei Geschlechts. Eine Bedeutung für das Verfassungs- 
der Stadt wird sie ursprünglich nicht gehabt, sondern nach 
heT ' ‘^ler kirchlichen Brüderschaften vorzugsweise das Seelen- 
_^]^jj^^^2^^itglieder ins Auge gefasst haben. Aus Gründen, die 
1 Begel, a. a. O. ,, S. 227. 
3 II. Theil Nr. 41. 
Mettig in Rigasche Stadtblätter 1893, Nr. 24.
        <pb n="112" />
        92 
Die Organisation der Gewerbetreibenden in Ämtern. 
sich unserer Kenntniss entziehen und die etwa, wie oben ausein 
andergesetzt, gelegen haben könnten, kamen zuerst die Handwerker 
darauf auszuscheiden und unter Betonung mehr ihrer Erwerbsinter 
essen einen vorzugsweise weltlichen Zwecken dienenden Mittelpunkt 
zu schaffen. Die Gruppirung der Gesellschaft nach den Stuben von 
Münster und Soest innerhalb der Heilig-Kreuz-Gilde mag die Vor 
stufe dieser Entwickelung gewesen sein; uns kann sie zugleich als An 
haltspunkt zur Heurtheilung der Einflüsse, denen die Bewegung unter 
lag, dienen. Die Kauf leute vollendeten alsdann zwei Jahre später 
den Process, indem sie durch selbständige Gründung einer eigenen 
Kompagnie die alte Heilig-Kreuz-Gilde sprengten. Behielt diese Neu 
gründung auch zunächst den Charakter der Muttergilde bei, so bekam 
sie doch bald einen politischen Inhalt und so werden sich seit 1352 
die beiden die Bürgerschaft repräsentirenden Korporationen neben 
dem Rathe, dessen Entstehung und Ausbildung von dieser Bewegung 
unabhängig war, allmählig zur sogenannten grossen und kleinen 
Gilde entwickelt haben. 
Dass die Bildung von Handwerksämtern im dreizehnten Jahr 
hundert bereits weit gediehen war, ist kaum glaublich. Wenn 
Bunge für diese Zeit annimmt \ dass Niemand ein Handwerk in 
der Stadt treiben durfte, der die (Gesellschaft der Amtleute nicht 
erworben, d. h. ein Mitglied des betreffenden Amts geworden war, 
so scheint mir das verfrüht. Es widerspricht unseren Vorstellungen 
über die Unfertigkeit dieser Epoche zu glauben, dass der Zunft 
zwang damals herrschte, zumal er in Deutschland in dieser Zeit 
keineswegs überall vorkam', und in dänischen Städten ebenfalls 
eine kaum beschränkte Gewerbefreiheit bestand». Selbst im vier 
zehnten Jahrhundert lassen sich in deutschen Städten Gewerbe 
nachweisen, die nicht zu einer zünftigen Organisation gelangt sind'. 
Vermuthlich war man am Ende des dreizehnten Jahrhunderts m 
Riga kaum erst über den Versuch sich in verschiedenen Korpora 
tionen zu organisiren herausgekommen, und wenn der Zunftzwang 
wirklich zum Gesetze erhoben worden war, so nahm man es mit 
seiner Durchführung gewiss nicht genau. 
Es haben sich denn auch in Riga Statuten bestehender Hand 
werksämter erst aus der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts 
1 Die Stadt Riga, S. 139. 
2 Stieda, Enstehung des Zunftwesens, S. 85. 
S Hegel, a. a. O. i, S. 203. * 
» Bücher, a. a. O. 1, S. 129.
        <pb n="113" />
        Die Organisation der Gewerbetreibenden in Ämtern. 
93 
erhalten und wohlverstanden alle aus der Zeit nach 1352, d. h. 
nach dem Zeitpunkte der Konstitution der kleinen Gilde. Auch 
fliese sind nicht im Original auf uns gekommen, sondern nur in 
zeitgenössischen Kopieen, worüber das Nähere in der der Schragen- 
sammlung vorausgehenden Einleitung gesagt ist. Nach diesen 
Zeugnis^mj^Lb ^ 
' im Jahre 1360 ein Amt 
” w ^375 *) M 
” w ^375 n M 
*» « ^3^^ # n 
** M *3^3 « n 
« n 1392 « 
» ♦&gt; ^397 « w 
der Goldschmiede; 
„ Schuhmacher; 
„ Böttcher; 
„ Schmiede; 
„ Lakenscherer; 
„ Bäcker; 
„ Kürschner. 
Hauptsächlich sind es mithin die für die Befriedigung unent- 
l^ehrlicher Lebensbedürfnisse sorgenden Gewerke, die zunftmässig 
f^Jganisirt erscheinen. An sie mögen sich die anderen in der Uber- 
sicht 3 verzeichneten (gewerbetreibenden angeschlossen haben. Ob 
inzigen waren, bleibe dahingestellt. Wenn man 
immte Metallverarbeitung mit Ausnahme der 
einem Verband vereinigt vorstellen kann, so 
es doch auffällig, dass (lewerbe wie die der Knochenhauer und 
l^äter, der Zimmerleute und Maurer, der Weber und Walker, noch 
^•cht korporationsmässig auftreten. 
Hine besondere Stellung beansprucht die Bruderschaft der Bier- 
^räger, deren Schrägen von 1386 in einer Abschrift des fünfzehnten 
Jahrhunderts auf uns gekommen ist. Sie kann als ein eigentliches 
nicht angesehen werden. Vielmehr weist sie den Charakter 
^•ner geistlichen Bruderschaft oder Gilde in dem oben erwähnten 
‘^inne auf. I,n fünften Kapitel wird noch von ihr die Rede sein. 
Hier nur so viel, dass sie Ähnlichkeit zeigt mit der Marien- oder 
* ’■ager-C'dhie in Flensburg (convivium hcatae Mariae sive fcrtovum 
®^er latorum) '. Es handelt sich hier wieder um die Pflege gemein 
samer (Geselligkeit und Regelung wohlanständigen Betragens von 
‘^rsönlichkeiten, die man vielleicht anfänglich für zu unterge- 
fand, um sie in anderen Gilden zuzulassen. 
lese 7 Ämter die e 
^rh auch die gesi 
poldschmiederei in 
Gleichen Charakters waren die grosse (jilde und die Kom- 
1 ^knie der Schwarzen Häupter in Riga. 
a. a. o. ,, s. 20«. 
I
        <pb n="114" />
        I 
94 
Die Organisation 
der Gewerbetreibenden in Ämtern. 
Mitglieder der grossen Gilde haben dann auch die Taielgil^j 
im Jahre 1425 zur Unterstützung der Armen gestiftet. Als Entgelt 1 
für die übernommenen Zahlungen werden zum Seelenheile der 
Mitglieder Messen gelesen und Gebete verrichtet. Das gesellige 
Moment ist keineswegs ausgeschlossen; einmal im Jahre wenigstens 
versamrneln sich (leni Scliragen gemäss (he Zugehörigren der(.,l(ie 
zu einem gemeinsamen Mahle. In nachreformatorischer Zeit, wo mit 
dem Auf hören der kirchlichen Gebräuche in der Gilde eine Änderung 
des Charakters eintreten musste, wurden und werden bis auf den 
heutigen Tag die Zinsen der angesammelten Kapitalien zur Unter 
stützung Hilfsbedürftiger angewandt; somit könnte man die Tafel- 
gilde als die älteste Unterstützungskasse Rigas bezeichnen. 
Die Kompagnie der Schwarzen Häupter gehörte zur Kate- : 
gorie jener zahlreichen Hrüderschaften des Mittekdter^ die aus I 
dem Bedürfnisse gleichartiger Elemente der städtischen Gesellscha t 
nach Befriedigung ihrer religiösen und gesellschaftlichen Interessen i 
hervorgregarijgen sind. In dieser C^ikle abier traten die rel^rRisen ¡ 
Übungen den geselligen Unternehmungen gegenüber mehr in den 
Hintergrund, eine Erscheinung, die der Natur der Verbindung voll 
kommen entsprach, da die Mitglieder grösstentheils aus den jungen , 
Kaufleuten, dann aus Schiffern und Goldschmieden heryorgingen- 
Die Gilde der Schwarzen Häupter vereinigte demnach in sich die | 
männliche Jugend der wohlhabendsten Klasse der GesellschaÜ, ^ 
man könnte sagen der rigischen Aristokratie. Wie überall in ' 
ähnlichen Verhältnissen, so bildeten auch hier den Mittelpunkt des 
Lebens die Freuden und Lustbarkeiten, deshalb machten auch den j 
wichtigsten Gegenstand ihrer Interessen die Trinkgelage und hast- 
nachtvergnügungen, die Schützen- und Maigrafenfeste, aus. Ihren , 
Namen erhielten die Schwarzen Häupter nach ihrem Schutzpatron, 
dem heiligen Mauritius, jenem christlichen Mohren, der den Märtyrer- 
tod starb und als Beschützer der strebsamen Jugend verehrt wiO • 
Einen militärischen Charakter, wie wiederholt behauptet worden 
ist, haben die Schwarzen Häupter nicht besessen, wenngleich diC , 
Mitglieder in Zeiten der Noth, wo die Stadt von Feinden bedroht 
war, Kriegsleistungen auf sich nahmen und durch 1 apferkeit sich 
hervorthaten. Die Ausübung militärischer Obliegenheiten war eine 
Bethätigung ihrer Bürgerpflicht, der alle männlichen Einwohner 
nachkommen mussten. Den Schwarzen Häuptern, den lebensfrohen 
und unternehmungslustigen jungen Leuten in Riga, konnte eine 
derartige Verpflichtung nur erwünscht sein; gewährte sie doch
        <pb n="115" />
        Die Organisation der Gewerbetreibenden in Ämtern. 
95 
ihrem Verlangen, in der Gesellschaft etwas vorzustellen und zu 
bedeuten — einem Wunsch, der in allen Zeiten der Jugend anhaftete 
Und anhaften wird — vollkommenes (Genügen. Die Kompagnie 
Schwarzen Häupter existirt noch heute als geselliger \ erein 
unverehelichter Kaufleute, der zugleich auch Wohlthätigkeitszwecke 
verfolgt. In ihrem Besitze befindet sich noch ein sehr altes originelles 
Haus, das älteste Profangebäude in Riga, das seit dem 15. Jahr 
hundert geraume Zeit der Artushof genannt wurde; auch ist ihr 
Silberschatz berühmt, der so manche Stücke von hervorragendem 
^unstwerthe aufweist b 
besondere Aufmerksamkeit verdient der Kreygesche Schrägen 
von 1390 über dessen Bedeutung die Meinungen getheilt sind, 
^uld hat man in der von Herrn Dietrich Kreyge begründeten 
^onipagnie eine Vereinigung sämmtlicher Handwerksämter gesehen, 
uus der sich später die kleine Gilde gebildet haben soll, bald einen 
Gesellen sämmtlicher Cîewerke umfassenden Verein und schliess- 
^*ch hat diejenige Ansicht die Oberhand gewonnen, die in ihr einen 
^ Grband des Maurerhandwerks erblickt b Allerding hat der Kreyge- 
sche Schrägen keinen nachweisbaren Zusammenhang mit dem 
Schrägen des Maureramts von 1456. Aber es ist diese Auffassung 
"ohl auch rticht dahin zu verstehen, dass es sich um die Begründung 
^iner Kompagnie von allen Maurern oder Steinmetzen in der Stadt 
bändelte. Vielmehr wird es darauf angekommen sein, eine engere 
^^tbindung unter den bei dem Bau eines einzelnen bestimmten 
Hebäudes betheiligten Werkleuten zu erzielen. Mag es um den Bau 
Ordensschlosses oder des Schwarzhäupterhauses sich gehandelt 
haben, Herr Kreyge als der Baumeister wird gewünscht haben, 
unter seiner Leitung thätigen zahlreichen Personen in eine 
^*^gere genossenschaftliche Beziehung zu einander zu bringen. Man 
''»•'iucht nicht zu denken, dass er eine förmliche Bauhütte gestiftet 
Zu dieser Annahme fehlt es in dem Statute an jeder Bezug- 
^‘^bme auf das Handwerk, wie es in den freilich späteren Steinmetz- 
l^auhüttenordnungen üblich warb Wir wissen auch nicht, ob es 
Neunen, Das mittelalterliche Riga, S. 54 ff-i C. v. Löwis of Menar, 
® städtische Profanarchitektur in Riga, Reval und Narva, S. 7, Taf. Ill; Anton 
chholz, Goldschmiedearbeiten in Livland, Estland und Kurland, S. 12 - .6, 
VH^xilI. 
g II. 1 heil Nr. 
Mettifr, in Sitzungsberichte 1885, S. 44. 
•iauh"Die Bauhütte des Mittelalters, Nürnb. 1844, und Jänner, Die 
iiben des deutschen Mittelalters, Leipzig 1876.
        <pb n="116" />
        ^ Die Organisation der Gewerbetreibenden in Ämtern. 
auf eine dauernde Schöpfung abgesehen war, der man Zutrauen 
konnte von nun ab überhaupt die Ausführung grösserer Profan- 
bauten oder gar von Kirchen in die Hand zu nehmen. Aber ver- 
muthlich sollte unter den, wohl grösstentheils aus deutschen Städten 
zu diesem Werke herübergekommenen Meistern eine stärkere 
gesellschaftliche Verbindung hergestellt werden. Deutsche un 
Undeutsche, letztere vielleicht als Handlanger oder eigentliche , 
Maurer, werden zu dem betreffenden Bau vereinigt worden sein. 
das Bedürfniss eines näheren Zusammenschlusses und so entstan 
nach der Weise der Zeit diese Gilde mit vorzugsweise gesell 
schaftlichem Charakter. Fragen des Gewerbes werden kaum au' 
geworfen. Nur die Artikel 3, 14, 16 streifen solche und regeln sic 
in allgemeinem Interesse, wenn auch nicht ganz ohne eigennützigen 
Beigeschmack. Art. würde, wenn wir ihn richtig verstehen, , 
bedeuten, dass keiner, der fremd nach Riga käme, eine Steinmetz* 
oder Maurerarbeit selbständig übernehmen sollte, ehe er ein Jaif 
in der Stadt sich aufgehalten hatte. Man wird daran gedacht haben, 
dass es für den Neuling zweckmässiger sei sich eine Zeit lang mit 
den Verhältnissen, insbesondere auch den klimatischen Bedingungen, 
vertraut zu machen, ehe er einen Bau selbständig ausführte. Fr 
mochte erst Proben seiner Leistungsfähigkeit als Arbeiter ablegen-" 
dat wi denne seeii, wat sin handelmge mach 7vesen - bevor man ili^ 
die Leitung eines Baues überliess. Dabei mag immerhin der Wunsch- 
die Konkurrenz ein wenig einzudämmen, ihre Rolle gespielt haben- 
Die Artikel 14 und 16 aber fassen das Lehrlingswesen in die Augen, 
indem sie die Anordnung treffen, dass keiner undeutsche Lehrjungen 
und keiner 2 Lehrjungen annehmen sollte — leicht erklärliche Bestim 
mungen, um die Überfüllung des Berufs zu verhindern. Alle übrigen 
Anordnungen sind lediglich gesellschaftlicher Natur, wozu auch d.e 
in den Art. 15 und 30 ausgesprochene Regelung des Lehrlings 
Wesens zu rechnen sein dürfte. Es kann vielleicht befremden, da-sS 
in einem vorzugsweise gesellschaftliche Zwecke verfolgenden Statu 
gewerbliche Fragen überhaupt gestreift wurden. Doch erwäge man, 
dass der Bau, zu dessen Ausführung man sich zusammenfand, längt^n^ 
Zeit, vielleicht ein Jahrzehnt in Anspruch nahm, dass in dieser 2^ 
der Tod und andere Umstände Lücken in die Reihe der W er ' 
meister reissen konnten und demnach Zu- und Abzug unvermeidliu ’ 
war. Da empfahlen sich denn die erwähnten Regeln zum Schutz«^ 
der eigenen Interessen gleichsam von selbst.
        <pb n="117" />
        Die Organisation der Gewerbetreibenden in Ämtern. 
97 
7 
Weniger Amtsschragen haben sich bis jetzt für Reval aus dem 
*4- Jahrhundert auffinden lassen. Man kennt die Schrägen der 
Goldschmiede von 1393, der Knochenhauer von 1394, der Zimmer 
leute aus dem Ende des Jahrhunderts. Ganz gewiss wird man aber 
äuch hier an das Bestehen anderer Verbände denken dürfen. Wenn 
^le Knochenhauer zünftig waren, so waren die Bäcker es sicherlich 
ebenfalls und gab es ein Amt der Goldschmiede, so konnte eine 
Verbindung der Metallarbeiter überhaupt nicht gefehlt haben. 
Und nicht nur die selbständigen Meister schlossen Verbin 
dungen, fast gleichzeitig erscheinen auch Bruderschaften der Gesellen, 
dem Ende des vierzehnten Jahrhunderts stammt die Kompagnie 
Schmiedeknechte in Reval* und von 1399 die der Schmiede 
gesellen in Riga \ beide zu Ehren des heiligen Kreuzes mit Vorzugs 
preise kirchlichem Charakter errichtet. Ebenfalls gut beglaubigt ist die 
l^ruderschaft der Bäckerknechte in Riga, deren Schrägen möglicher- 
)reise schon in der ersten Hälfte der vierzehnten Jahrhunderts, 
jedenfalls vor 1373 aufgezeichnet worden ist®. Ob dagegen die 
_ hneider- und Schustergesellen auch bereits in dieser Periode 
^*ne Bruderschaft organisirt hatten^, bleibe dahingestellt. Jeden- 
standen diese ältesten (îesellenbruderschaften Rigas nicht 
jP Bewusstem Gegensatz zu den Meisterverbänden, wie das in 
deutschen Städten oft der Fall war^ Sie waren nicht gegründet, 
hochmüthige und drückende Behandlung der dienenden 
^seilen durch die privilegirten Meister zu beseitigen oder die sich 
f*t\vickelnde Bevorzugung der Angehörigen zünftiger hamilien zu 
‘^**imen, nicht um einen starken Schutz gegen die Willkür Mächti- 
^^'■er sich zu schaffen, sondern lediglich einem religiösen Bedürf- 
entsprungen. Es waren Vereine zur Wahrung des Seelen- 
^'^ds _ gestichteit is tho salicheit erer seelen, unde 7imme leß- 
endracht des ¿evendes - der Genossen, die ihre gestorbenen 
' ‘^Slieder gemeinsam zu Grabe trugen und für sie Seelenmessen 
^Granstalteten, die Erkrankten unterstützten und den Lebenden in 
|;egelmässig veranstalteten Zusammenkünften geselliger Natur gleich- 
^ ihr Recht werden Hessen. W^enn wir diese \ erbände, die 
Ül^^Jmjh^hnten Jahrhundert nachweisbar waren, nunmehr 
g zur Kunde Est-, Liv- und Kurlands 1, S. 374- 
¡J ■ Drk. 4, Nr. 7405; S. unten II. Theil Nr. 81. 
Geschichte d. Kig. Gewerbe, S. 98- loi. S. unten II. Theil Nr. 2. 
I Dichter, Inland, S 
der 
^ hierzu das ausgezeichnete Werk von Georg Schanz, Zur Geschichte 
^Ischen (.esellenverbände. Leipzig 1877.
        <pb n="118" />
        Oie Organisation der Gewerbetreibenden in Ämtern. 
nach Gewerben abgeschlossen finden, so haben wir dann einen 
Beweis mehr für die allmählige Entfaltung des Gewerbewesens, das 
in einzelnen Zweigen eine namhafte Schaar von Vertretern gehabt 
haben muss. . , , , , 
Seltsamer Weise lassen sich derartige beruflich abgeschlossen 
Brüderschaften in anderen Hansestädten garnicht nachweisen. In 
Lübeck kommen zwar geistliche Brüderschaften vor, aber vor dem ■ 
Jahre 1339 scheint keine bestanden zu haben*. Die auf uns gekom 
menen Statuten der von armen Priestern und Schullehrern an c er , 
Jacobi-Kirche errichteten Brüderschaft rühren aus dem Jahre i339’ 
die der Leichnamsbrüderschaft aus den Jahren 1393—99. 
Heilig-Kreuz-Brüderschaft von 1420, der Antoniusbruderschaft von 
1436 her*. Alle diese Vereinigungen nahmen Mitglieder ohne 
Unterschied des Berufs auf und selbst die 1382 von den Gold 
schmieden zu Ehren des Leichnams Christi gegründete Bruder 
Schaft beschränkte sich nicht auf Amtsgenossen». Dass die C.esel e 
der Ämter eigene Brüderschaften stifteten und damit Kassen z 
Unterstützungen in Krankheitsfällen verbanden, lasst sich erst m* 
I c. Jahrhundert wahrnehmen. So die von den (resellen des Ma er 
und Glaseramtes 1473 errichtete Brüderschaft zu Ehren des heilige^ ¡ 
Laicas und che igK) von cien Schmiechsgesehen gregrünclete klruder , 
Schaft^ Auch die St. Marien-Brüderschaft der Schuhknechte 
Burg, die heilige Leichnams-Brüderschaft der Mühlenknechte zum 
Dom und die St. Thomas-Brüderschaft der Brauerknechte zur Burg - 
alle in Lübeck, werden der gleichen Zeit entstammen. Die St. VincenZ 
Brüderschaft der Brauerknechte in Hamburg wurde ebenfalls er 
1447 errichtet«. Dagegen eröffneten in Stendal (in der Altmar 
schon 1372 Kürschnergesellen eine Krankenkasse’ und su 
deutschen Städten kommen derartige kirchliche (jesellenbriu 
schäften überhaupt sehr zeitig vor». ' ' 
Ebenso haben wir, allerdings ganz vereinzelt, eine Brudersch&lt; 
der Bäckergesellen vom Jahre 1403 in Kopenhagen, die mit GeiiÇ 
migung des Raths und Erlaubniss der Älterleute und Brüder cl 
1 Wehrmann, Zunftrollen, S. 150* 2. Aufl. 
2 Lübeckisches Urkb. 3, Nr. 93; 4, Nr. 690; 6, Nr. 301; 7. Nr. 692. 
3 Wehrmann, a. a. O., S. 151. 
4 Wehrmann, a. a. ()., S. 154. 
5 Gründliche Nachricht von Lübeck, S. 208. 
t&gt; Staphorst, Hamburgische Kirchengesch. 3, S. 2 4. 
7 Riedel, Cod. dipl. Brandenburgensis 1, 15, S. 176- 
8 Schanz, a. a. O., S. 69 ff.
        <pb n="119" />
        7 
nie Organisation der Gewerbetreibenden in Ämtern. 
99 
äckergilcie zu Ehren der Heiligen und der Jungfrau Marie gestiftet 
Wurde und in üblicher Weise religiöse Angelegenheiten unter 
(^rücksichtigung ihrer besonderen gewerblichen Verhältnisse 
vertrat 
^ Alle die genannten fiandwerksämter hatten vor ihrer Errichtung 
Genehmigung des Käthes einholen müssen. Entweder ertheilte 
Kath den Schrägen oder das von den Handwerkern selbst auf- 
^Gsetzte Statut wurde vom Rathe bestätigt. Die Eingangsworte 
^^st jeder Sera deuten auf dieses Abhängigkeitsverhältniss hin. 
^^gemäss wurden auch Erweiterungen und Zusätze nur mit Zu 
stimmung (vulbord) des Rathes vorgenommen. Über die Aus- 
tting der Statuten hatte der Rath gleichfalls zu wachen; er 
ftsandte aus seiner Mitte Männer, die als „bysittere van des ge- 
rades wegen“ an den Amtsversammlungen der Handwerker 
. nehmen mussten. Diese Rathsmitglieder, später als Amts- 
^ t'en bezeichnet, waren es, die gemeinsam mit den Älterleuten 
}j ^ auch die Gewerbepolizei handhabten. Sie wurden ferner 
Streitigkeiten der Genossen unter einander gehört und nur 
Überlegung mit ihnen entschied der Ältermann. Endlich 
‘eiten sie einen 1 heil der Strafgelder, der natürlich an die Raths- 
abzuführen war. 
l^^ndwerksämter befanden sich demnach ganz unter der 
^Jtmässigkeit des Raths, und an der Stadtverwaltung nahmen sie 
die^ ^ Antheil. Erst seit dem fünfzehnten Jahrhundert wurden 
he^ ^^'^"^^werker zur Herathung allgemeiner städtischer Fragen 
‘ingezogen, was allmählig immer häufiger Vorkommen mochte. 
^ Ordnung gewerblicher Angelegenheiten, soweit in der Hürger- 
l^ uh^^^ Markt- und Handelspolizei geregelt wurde, hatte der 
g , ^‘dlleicht frühzeitig das Gutachten der gewerblichen Genossen- 
de ^‘"geholt, wenn er auch keineswegs immer im Interesse 
Werker vorging, wie z. H. bei der Regulirung des Rrau- 
Hierin mag die Veranlassung zu immer regelmässigerer 
der Befragung gelegen haben, bis schliesslich die 
^ Ämtern zusammen gebildete sogen, kleine Gilde als Gegen 
ais ^^gen die Vereinigung der Kaufleute, die grosse Gilde, 
:dlm"T^^ Körperschaft in das städtische Gemeinwesen eintrat. Diese 
am' ' Krstarkung des Ansehens und die Erlangung des Rechts 
politischen Regimenté sich betheiligen zu dürfen, die in deutschen 
' He 
a. 
(b I, S. 223.
        <pb n="120" />
        Die Organisation der Gewerbetreibenden in Ämtern. 
Städten mehrfach mit Unruhen und Revolutionen, Blutvergiessen 
und Todtschlag, verknüpft war', vollzog sich m Riga fast unmerk 
lich und ohne jeden Kampf, Erst spät, als die Handwerker mU 
der beschränkten Theilnahme, die man ihnen zugestanden hat , 
nicht zufrieden waren, sondern in ausgedehntester Weise an de 
gesummten Finanzverwaltung Antheil zu haben wünschten, kam e 
zn einer Revolution - im Jahre .584, m der Zeit der sogen. Ka- 
lenderunruhen. 
Die Verfassung der Ämter im vierzehnten 
Jahrhundert. 
mimmm 
Einrichtungen. — Gesellenbrüderschaften. 
Die Verfassung der rigisclien Handwerksamter, wie sie auS 
den Schrägen uns entgegentritt, stimmt in allen wesentlichen 1 unkte 
mit derjenigen überein, wie sie in den Hansestädten jener /eit ga • 
im Grunde ist dies selbstverständlich, denn sowie die neugegru 
deten Städte ihr Recht sich aus dem Mutterlande holten, so lente 
auch che aUgerneinen gesellschaftlichen Zustände daselbst ihnen 
Vorbild und es ist im höchsten Grade wahrscheinlich, dass 
Statuten der dortigen Handwerksämter bei der Abfassung 
hiesigen Schrägen als Muster dienten, falls man nicht einfac i v 
zog sm vohstänchgr zu copiren. Rreihch Hsst sich das nur in eine^ 
einzigen Falle nachweisen. Die rigischen (,oldschmiede nam 
haben 1360 das für ihre Amtsgenossen in Lübeck Kältende Re 
fast ohne Abänderung angenommen. In der Zunftrolle der uie 
sehen Goldschmiede von 1492 finden sich alle Artikel des rigisc 
Goldschmiedeschragens wfirtlich, und man kann daher mit 
letzteren Hilfe die erstere, die verloren gegangen ist, wieder i 
stellen 2. Ebenso entlehnte das Goldschmiedsamt zu Wismar s 
Statut aus Lübeck, das als Vorort der Hanse durch eine 
gewerbliche Entwickelung, wie wir gesehen haben, ausgezeici 
1 Mäscher, Das deutsche Gewerbewesen, S. &gt;(.7 u. ff. Schmoller, Strassburg* 
Zeit der Zuiiftkänipfe 1875. 
2 Mettig, Gesch. d. Kig. Gewerbe, S. 27.
        <pb n="121" />
        Die Verfassung der Ämter im vierzehnten Jahrhundert. 
lOI 
und es Hessen sich Beispiele von ähnlichem Austausch zwischen 
anderen Städten häufen*. Ob Lübeck auch für die anderen Ämter 
niaassgebend wurde, kann nicht mit Sicherheit bestimmt werden. 
Es wäre ja denkbar, dass z. B. Hamburg, wo im Jahre 1375, zu 
derselben Zeit also, in welcher in Riga drei Ämter errichtet wurden, 
ebenfalls mehrere Ämter neue „Settinge^ erhielten, oder dass 
l^anzig und Königsberg um Übersendung von Statuten ersucht 
"'Urden. l)ie gelegentliche Übereinstimmung in Lübecker oder 
Hamburger Statuten mit den rigischen oder revalschen Schrägen 
*'^icht nicht aus, um zu einem festen Urtheile zu kommen. Für 
Königsberg aber und Danzig mangelt es zur Zeit noch an dem 
Erforderlichen Vergleichsmaterial. 
Vergegenwärtigen wir uns nun die Grundzüge der V^erfassung. 
Has Handwerk musste bei einem vollberechtigten Mitgliede des 
■^uits, dem Meister, erlernt werden. Die zu diesem Zwecke ange- 
'^ontmenen Lehrlinge, Lehrjungen oder Jahrjungen genannt, durften 
"Eder von unehelicher (ieburt noch von un deutscher Abstammung 
Sie mussten vom Meister dem Amte vorgestellt werden, bei 
"Eicher Feierlichkeit eine Tonne Bier seitens des Aufgenommenen 
liefern war. Die Zahl der Lehrlinge, die jeder Meister zur Zeit 
^uweisen durfte, war in der Regel auf einen beschränkt. Die Dauer 
Kehrzeit aber scheint von besonderer Übereinkunft abgehangen 
haben, und nur bei den Böttchern war sie auf zwei bis vier 
angesetzt. Nach Ablauf der Lehrjahre war der Meister befugt 
Kehrling noch zwei Jahr lang,^ nunmehr gegen Löhnung, in 
^Ejnen Diensten zu behalten. Entlief der Lehrling vor Beendigung 
^Einer vertragsmässigen Lehrzeit, so durfte kein Meister ohne Ein- 
’Ihgung des früheren Lehrherrn ihn beschäftigen, 
j Nach beendeten Lehrjahren wurde der Lehrling von seinem 
-Ehrherrn zum Knechte oder Gesellen befördert und konnte sich 
beliebig bei irgend einem Meister gegen Lohn verdingen, 
musste er auf der einmal erwählten Werkstätte mindestens 
halbes Jahr bleiben; auch waren die Termine, zu denen die 
^‘ster mit ihren Gesellen wechseln konnten, bestimmt. Nur zwei. 
ihr J^hre, zu Ostern und Michaelis, entliessen die Meister 
^^^‘^lEn oder nahmen neue an. Ja die von auswärts ein- 
Enden (Gesellen, die in Riga Beschäftigung suchten, mussten 
2 Amt der Goldschmiede zu Wismar, S. 55. 
in Baltische Monatsschrift 35, S. 25.
        <pb n="122" />
        1 
Die Verfassung der Ämter im vierzehnten Jahrhundert. 
erst eine zwei- bis dreitägige l&gt;rol&gt;er.eit durci,machen und sich dann, ' 
wenigstens bei den Böttchern, auf ein ganzes Jahr verpflichten. E.n 
Vertragsbrüchiger Gesell, der sich mit seinem Meister, den er bos- 
willig verlassen, nicht verglichen hatte, durfte nicht wie er je- ^ 
schäftigt wenlen. Auch sah man darauf, dass die Meister sich ihre 
Gesellen nicht gegenseitig abspänstig machten. 
Die Zahl der (iesellen, die jeder Meister beschäftigen durfte, 
war in der Regel nicht beschränkt. Nur bei den Schuhmachern 
findet sie sich auf höchstens vier angesetzt. ^Ebensowenig war der 
den Gesellen zu zahlende Lohn normirt, sondern scheint es im 
Anschluss an Herkommen und (iewohnheit der freien Übereinkunft 
überlassen gewesen zu sein seine Höhe festzustellen. Ausnahrns- 
weise ist bei den Kürschnern der Jahreslohn auf vier Mark Rig- 
angesetzt (Art. .6 der Schra). Seine ganze Leistungsfähigkeit 
musste der Gesell natürlich dem Meister zur Verfügung stellen, 
doch wurde bei einigen Ämtern ihm gestattet innerhalb gewisser 
Grenzen für eigene Rechnung thätig sein zu dürfen. So war den 
Kürschnergesellen erlaubt jährlich 4 Stücke aus selbst angescliafften ^ 
Fellen anfertigen zu dürfen, die sie aber alsdann dem Meister zum 
Tagespreise überlassen mussten. Die Böttcher wiederum hatten 
ihren Gesellen das Recht eingeräumt, jährlich drei 1 onnen fur sic 
selbst hauen zu dürfen. Dagegen war es den Schuhmachergesei en 
ausdrücklich verboten Schuhe auf eigene Rechnung zu verkaufen. 
Die Meister hielten ihre Gesellen im Allgemeinen streng. Erheb 
liche Strafen standen auf unentscliuldigten Versäumnissen der Arbeit, 
auf Nachtschwärmen und ähnlichen Vergehen. Für gewohnlicn 
wurden Abzüge am Lohn gemacht, doch konnten auch Haftstral 
und selbst Ausschluss aus dem Amte verhängt werden. Aus e ^ 
Gesellen wurde mit der Zeit ein Meister, — ein Siilfhere, wie 
z. H. in der Rolle der Goldschmiede von 1360 heisst, d. h. ein selbstaO 
diger Handwerksmann. Ehe er aber so weit kam, musste manche 
Hedingung erfüllt sein. Mindestens ein Jahr lang musste der (ieselle- 
der das Amt heischte, bei einem rigischen Meister in Arbeit gestandet 
haben. Sodann war ein gegebenes, in den Schrägen meist gena 
bezeichnetes Meisterstück zur Zufriedenheit des Amts anzufertige 
Auch musste der Bewerber den Nachweis liefern, dass er das erfo ^ 
derliche Handwerkszeug, einen Harnisch und eine gewisse Sumt 
Geldes, deren Höhe zwischen zwei und acht Mark Rig. schwankt ’ 
zu eigen besass. War allen diesen Anforderungen vollkommc 
(Genüge geschehen, so wurde der (iesell zum Meister förmlich aU
        <pb n="123" />
        Die Verfassung der Ämter im vierzehnten Jahrhundert. 
103 
genommen und musste dem Amte eine „köste'^ geben, d. h. ein 
Meisteressen veranstalten, auf dem eine Tonne Hier ausgetrunken 
Wurde, und die Bewirthung sich in bescheidenen Grenzen hielt. So 
verlangten beispielsweise die Schmiede „enen gude drogen Schinken 
^^nd tiüe gude hraden^ (Art. 7 der Sera). Alle diese Bedingungen 
galten für Einheimische wie für Fremde in gleicher Weise und nur 
^^ei den Schuhmachern erfuhren die Kinder der Amtsbrüder die 
^^günstigung, dass sie „dat werk vri hebben'’''. Dagegen mussten 
eine Amtstochter heirathenden Schuster in der Hauptsache 
alles thun „geüik den andern, wo vorscreven steit^. Wenn die 
Fremden die erforderlichen Nachweise über ihre eheliche Geburt, 
ihren guten Léumund, ihren früheren Wohnort beigebracht hatten, 
stand ihrer Bewerbung um die Meisterschaft nichts entgegen, 
l^ie Erlangung des Bürgerrechts, entweder vor der Bewerbung um 
^as Amt oder unmittelbar darnach, war selbstverständlich. 
Mit der Aufnahme in das Amt trat der junge Meister in eine 
l^est geregelte Arbeitsordnung ein. Er konnte sich in seiner Thä- 
^igkeit nicht frei bewegen, sondern musste sich gemäss-den in 
^^ri Schrägen aufgestellten Verordnungen verhalten. Eine Über 
tretung dersAben brachte ihn sofort zu seinen Amtsbrüdern in eine 
schiefe Stellung, wobei er in der Regel den Kürzeren zog. Das 
duldete keine Eigenmächtigkeiten und verhängte bei Ent- 
^evkung von Fehltritten Strafen. Diese aber waren um so eher 
"^tiglich, als nach den verschiedensten Richtungen die zu befolgenden 
F orschriften sich erstreckten. Den zur Verarbeitung eingekauften 
l^ohstoff musste der Einzelne auf Wunsch mit den (ienossen theilen 
ttnd sich überdies vorsehen, beim Ankäufe in der Bewilligung der 
Preise nicht über die gewohnte Norm hinauszugreifen. An den 
Vorabenden der Sonn- und Feiertage durfte nach dem Läuten der 
^ ^sjierglocke nicht mehr gearbeitet werden ; an Sonn- und Feiertagen 
^^llist aber die Ausstellung von Gewerbsprodukten im Schaufenster 
(^ynde/age) nicht zu früh erfolgen und gearbeitet überhaupt nicht 
'Werden. Soweit es möglich war, musste die angefertigte Waare 
dem Stempel des Broducenten versehen sein, der für ver- 
orbene Waare Ersatz zu leisten gezwungen werden konnte und 
^Granlasst wurde seine Kunden schnell zu bedienen. So wie z. B. 
^ Schneider innerhalb spätestens vierzehn lagen die ihnen über- 
^g^ne Arbeit erledigt haben mussten. Dem Amte und den Ge- 
ssen gegenüber übernahm der neue Meister die \ erpflichtung 
den \ ersammlungen und Leichenbegängnissen regelmässig zu
        <pb n="124" />
        Die Verfassung der Ämter im vierzehnten Jahrhundert. 
erscheinen, seinen Kollegen keine üble Nachrede zu machen und 
sich in ihrem Kreise mit Anstand zu benehmen, die Rolle des Boten 
zu spielen, die Zusammenkünfte anzuzeigen, die Lichter anzustecken 
und wieder aufzuheben, kurz eben alles zu thun, was ihm der Älter 
mann im Interesse der Gesammtheit auftragen wurde. 
Den Vorstand des Amts bildete ein Ältermann und zwei Bei 
sitzer, die auf zwei Jahre gewählt wurden, während für die Amts 
dauer des ersteren kein Termin angegeben ist. Der Ältermann 
(oldcrinan) vertrat das Amt nach aussen, dem Rathe und wohl auch 
dem Publikum gegenüber, wenn es nothwendig war. Er hatte die 
regelmässigen Zusammenkünfte anzuordnen, auf ihnen für Ordnung 
zu sorgen und die Verhandlungen zu leiten. Die Versammlungen 
fanden entweder ein Mal im Jahre, zu Pfingsten oder zu Johannis, 
oder zwei Mal jährlich, zu Ostern und zu Michaelis, statt. Sofern 
nicht mindestens die Hälfte der Amtsbrüder erschienen war, galt 
die Versammlung für beschlussunfähig. Was auf diesen Zusammen 
künften erörtert zu werden pflegte, ist in den Schrägen nicht eigent 
lich gesagt und es ist auch nicht ganz klar, inwieweit die Ver 
sammlungen mit geschäftlichem Charakter und die rein geselliger 
Natur auseinander zu halten sind. Die zu ihrer Bezeichnung gewählten 
Ausdrücke sind ,,Steven^^ und „Drünke\ und nur bei den Gold 
schmieden ist von „Morgensprake^^ die Rede, wobei überdies 
zwischen der „sunderäken morgensprake^' und der „gemefieu 
morgensprake^‘ ein unverständlicher Unterschied gemacht wird 
(Art. 6 der Sera). Das Wahrscheinlichste ist, dass an den „Steven^' 
sich der „Drunk^ anschloss, d. h. nach Beendigung der ernsten 
Arbeit der Geselligkeit ihr Recht wurde. 
Auf dem „Steven“ oder der „Morgensprake“ wird alles, was 
das Interesse des Gewerbes anging, verhandelt worden sein. Die 
Prüfung der Legitimationspapiere, die Aufnahme der Lehrlinge, 
die Freisprechung des jungen Mannes nach beendeter Lehrzeit, die 
Begutachtung des Meisterstücks, alles dies wird vermuthlich im 
Beisein des ganzen Amts erledigt worden sein. Auch wurden hier 
sicherlich die Klagen über mangelhafte gewerbliche Leistungen 
vorgebracht und vor allen Dingen die Streitigkeiten der (genossen 
unter einander beglichen. In dieser Beziehung verhalten sich die 
Schrägen leider schweigsam, und nur in denen der Bäcker, der 
Schuhmacher und der Schmiede ist die gewerbliche (jerichtsbarkcH 
überhaupt geregelt, während der Schrägen der Kürschner in einem 
späteren Zusatz von 1415 auf die Frage eingeht. Doch wird man
        <pb n="125" />
        Die Verfassung der Ämter im vierzehnten Jahrhundert. 
:o5 
" ohl von diesen Hestimmungen aus, in Verbindung mit der Regelung 
fieser Angelegenheit in anderen Hansestädten* auf die Organisation 
Allgemeinen schliessen dürfen. Hiernach hätte der Ältermann 
Aufgabe gehabt bei vorfallenden Streitigkeiten der Genossen 
**nter einander sie auszusöhnen (Art. 14 des Schusterschragens) und 
''"ifd keine Klage vor das gewöhnliche Gericht gebracht worden 
ehe der Ausgleich versucht war. Ausdrücklich verhängen die 
Schmiede über den Genossen eine Strafe, der bei Misshelligkeiten 
Kollegen „umme sinen dolen muet lepe vor den voged und 
‘^(^^smade dat recht, dat de rad der meineft cumpanie geven heft^^ 
V rt. 11 (Jgr Sera). Galjen sich die Parteien nicht zufrieden, so 
die Morgensprache oder der Steven, die überhaupt das Forum 
vor dem alle Vergehungen gegen die Zunftstatuten, die Strei 
tigkeiten unter den Meistern und die der Meister und Gesellen ent 
schieden wurden bis auf die Criminalfälle fsunder blaw und blud) 
^ i't- 22 der Schmiedeschra) die zweite Instanz gewesen sein. Die 
cnzen der der Morgensprache zustehenden Rechtssprechung sind 
*** den Amtsrollen meist nicht erkenntlich; dass sie fliessende ge- 
y^sen sind, ist kaum anzunehmen. Wie man die Morgensprache 
Jahrhundert ansah, wissen wir aus der Rolle der Lüneburger 
cimiede von 1554, und offenbar wird die dort geschilderte He- 
utung ihr schon früher innegewohnt haben. Die bedeutsame 
^ ^ blautet in hochdeutscher Übertragung*: „Es ist keine geringe 
^.^^de. Recht und Herrlichkeit, dass dies löbliche Amt gleichwie 
andern Hauptämter und sonst alle bewährten und vom ehr- 
Rath bestätigten Ämter mit der Morgensprache und dem 
•■gensprachesrechte begnadigt ist, denn die Morgensprache, in 
^ Ehrlicher und alter Weise gehegt, ist wie ein gehegtes Unter- 
^^richt, darin die Werkmeister nach Kraft und Inhalt ihres zu 
daz geschworenen Eides als Richter, Schiedsleute und 
sind von dem ehrbaren Rath gesetzt und bestätigt 
welcher Macht sie auch in allen gehegten Morgensprachen 
11 damit sie richten Amt und Amtsbrüder, Gesellen und Lehr- 
so^h' allein, was ihre Amtsarbeiten und Werke betrifft, 
auch Dienstlohn, Versäumniss, Hader, Zwist, Unlust, 
^^^erei, Mundschlag, Hegiessen mit Hier, Bedrohungen, Unge- 
Scheltworte, Zusagen, Gelöbnisse, Verträge, Kauf, Verkauf, 
* R Gewcrbegprichi, S. 12—37. 
Gniann, Die älteren Zunfturkunden der Stadt Lüneburg, S. XXXI u. XXXII.
        <pb n="126" />
        io6 
Die Verfassung dem Ämter im vierzehnten Jahrhundert. 
Wiederkauf, Geldschulden, Hausmiethe u. a. Ausgenommen sind 
aber: Braun- und Blauschlagen, Blutrunst und alle anderen Sachen, 
die an Haut und Haar, auch an Hals und Hand gehen, wo von 
dem Gerichte Strafen und Brüche kommen sollen; dieses alles ist 
dem ehrbaren Rathe und Niedergericht als der hohen Obrigkeit 
jederzeit Vorbehalten.“ 
Der Ältermann, oder wie er bei den Schneidern und Schmieden 
genannt wurde, der Werkmeister, hatte endlich die Aufsicht über 
die Arbeit der Genossen. Das Amt achtete streng darauf, dass 
nur gute und allen billigen Anforderungen genügende Arbeit ge 
liefert wurde und die Kunden vor Übervortheilung gesichert 
erschienen. Demgemäss musste, entweder auf specielle Ansage 
der Obrigkeit oder in gewissen von vornherein bestimmten Zeit 
räumen, der Ältermann einen Umgang durch alle Werkstätten machen 
und sich von der Rechtschaffenheit der Arbeit überzeugen. Woraut 
er insbesondere seine Aufmerksamkeit richten sollte, ist häufig m 
den Schrägen selbst gesagt. Vor allen Dingen musste das zu ver 
arbeitende Material tadellos sein. In Gold- oder Silbersachen z. 
durfte nicht mehr als 'A, Kupfer enthalten sein. Aber da aus gutem 
Stoffe auch schlechte Produkte hervorgehen können, so wurde'die 
Güte der fertigen Waare gleichfalls geprüft. Schuhe durften z. 
ohne vorhergegangene Besichtigung durch den Altermann gar 
nicht feilgeboten werden, und ob die Tonnen den vorschrifts- 
mässigen Rauminhalt wirklich aufwiesen, davon musste der Alter 
mann der Böttcher sich überzeugen. Offenbar hatte der Altermann 
auch zu kontroliren, ob in den Bällen, wo eine Stempelung vor- 
geschrieben war, die Marke in der That angebracht war. 
Wie aus dem Vorstehenden ersichtlich, war die Ordnung c er 
gewerblichen Zustände eine zweckmässige und überlegte. In festen, 
durch das (besetz vorgeschriebenen Porinen, die wesentlich urc 
die Rücksiciit auf die Konsumenten dictirt zu sein scheinen, beweg 
sich die ganze gewerbliche Production. Den Konsumenten voll' 
kommen zu befriedigen ist das Ziel, das die damalige (bewerbe- 
Politik ins Auge fasst. Daher die ängstliche Überwachung def 
gewerblichen Thätigkeit, die Vorschriften über die (iüte des Ro ' 
Stoffes, die Kontrole über das fertige Product, die Verpflichtung 
zur Anbringung einer Marke. Auch das Meisterstück ist ursprunghc 
vermuthlich im Interesse des Publikums eingeführt. Die Gewer e 
treibenden scheuen sich l'ersönlichkeiten in das Amt aufzunehmen, 
über deren Leistungsfähigkeit sie nicht genau unterrichtet sin -
        <pb n="127" />
        Die Verfassung der Ämter im vierzehnten Jahrhundert. 
IO: 
wünschen eine Art Gewähr für deren (ieschicklichkeit und 
verlangen daher diesen Fähigkeits-Nachweis, der in der wenig 
anstrengenden Art, in der er anfangs auftritt, nichts Gehässiges 
erkennen lässt. 
Gegenüber diesen zum Theil einschneidenden und strengen 
^ktassregeln ist es auffällig wahrzunehmen, dass ein Interesse für 
^^iv IVoducenten selbst kaum sich zeigt. Die Fürsorge für diese 
könnte nur in dem übrigens in den Schrägen gar nicht einmal 
ausgesprochenen Zunftzwange erscheinen. Man wird für das vier 
zehnte Jahrhundert wohl annehmen dürfen, dass alle ein Gewerbe 
ausübenden Personen sich dem Amte, das für ihren Beruf vor 
handen war, anschliessen mussten, und dass nur ausnahmsweise die 
Arbeit unzünftiger Handwerker zugelassen war. Tn dem Zunft 
zwange lag ein Versuch die Einkommensvertheilung reguliren zu 
"ollen. Man garantirte allen Amtsbrüdern das Absatzgebiet in 
Stadt und liess sie alle unter den gleichen Bedingungen, wie 
^cra sie vorschreibt, thätig sein. Man ging in Riga noch nicht 
Weit den den Gesellen zu zahlenden Lohn statutenmässig festzu- 
^^tzen oder die Zahl der von dem einzelnen Meister zu beschäf- 
^’Senden (lehilfen zu beschränken; Aber augenscheinlich kam hier 
Herkommen zu Hilfe, und indem eben alle sich den im Amte 
geltenden Arbeitsgewohnheiten unterwarfen, war für alle das gleiche 
iveau, auf dem sie ihre Thätigkeit entwickeln konnten, gegeben, 
^türlich blieb es trotzdem individueller (Geschicklichkeit möglich 
^*ch hervorzuthun. Grössere Talente konnten in der gleichen 
^ ^ ^itszeit und mit den gleichen Mitteln mehr leisten als w eniger 
^gubte Personen. Daher stachen einige Männer aus der Masse 
^rvor und gelangten vor Anderen zu Reichthum und Ansehen. 
Waren wohl die berufenen Persönlichkeiten für die Vertrauens 
stellung eines Ältermanns oder Werkmeisters. Aber sicherlich 
*"en unter den Angehörigen eines und desselben Berufs nicht 
S^'elle, durch den grösseren Kapitalbesitz bedingte Gegensätze 
wie in der Gegenwart. 
l^ebhaft entwickelt erscheint schon in der älteren Zeit der 
^nif (Igr Standesehre. Der Handwerker hat ein Bewusstsein 
tt dem, was er leistet und was er der Stadt werth ist. Er will 
^^kr als ein Handwerksmann sein, aber darauf ist er stolz 
stellt deshalb gewisse im Geiste seiner Zeit liegende Anfor- 
,^^ngen an die in die (Genossenschaft Aufzunehmenden: eine 
•'^he (jeburt und deutsche Herkunft. Muss man vom vorur-
        <pb n="128" />
        Die Verfassung der Ämter im vierzehnten Jahrhundert. 
i 
theilsfreien modernen Standpunkt diese Bedingungen auch der 
Engherzigkeit zeihen, so waren sie für ihre Zeit doch am Platz. 
Das Hereindrängen der roheren einheimischen und slavischen Be 
völkerung hätte vielleicht den guten Ruf geschädigt, die technische 
Entwickelung beeinträchtigt, und über den Makel, den leichtfertige 
Eltern ihrem Kinde aufdrückten, kam man im Mittelalter nicht 
hinaus. 
Von den Auswüchsen der späteren Zeit erscheint demnach die 
Zunftverfassung im vierzehnten Jahrhundert noch ganz frei. Es 
zeigt sich noch keine Spur von dem drückenden (iewerbemonopol, 
das in der Festsetzung der Mitgliederzahl eines Amts sich offenbart, 
von einer übermässig ausgedehnten Lehrzeit, von einem Wander 
zwange, von übertriebenen Forderungen hinsichtlich des Meister 
stücks, der Meistergelder oder des Meisteressens. Wohin man sein 
Auge wenden mag, es zeigen sich die Ämter in Riga und Reval 
nur in günstiger Beleuchtung. 
Aber nicht nur in wirthschaftlicher Beziehung wirkten die V er- 
liände wohlthätig, sie erfassen in dem Gewerlismanne auch die rein 
menschliche Seite und sorgen für eine nachhaltige und anregende 
Pflege seiner gesellschaftlichen und kirchlichen Interessen. V on 
Zeit zu Zeit wurden zur Näherung der Genossen untereinander ge 
sellige Zusammenkünfte veranstaltet, die wohl nicht ausschliessht i 
als 'Prinkgelage“ anzusehen sind, wie aus ihrer Bezeichnung a s 
„Drünke“ geschlossen werden könnte. Der Rath ging in Riga 
hierin den Korporationen mit gutem Beispiele voran. Viermal im 
fahre, zu Fastnacht, zu Pfingsten, zu Martini und zu Weihnachten, 
veranstaltete er auf dem Rathhause Festlichkeiten und gab ausser 
dem „in den mendeu“, d. i. in der Woche nach Michaelis, wahr 
scheinlich bei Gelegenheit der Rathswahl, eine Schmauserei oder 
Koste. Auch die Kompagnie der Kauf leute arrangirte regelmassig 
Feste, auf denen Spiel, Tanz und Trunk zu ihrem Rechte kamen- 
Der Tanz blieb bei diesen nicht einmal auf das Festlokal beschran 
sondern man konnte auf dem Markte und den Strassen den fröhlichen 
Zug der „Reihespringenden“ wahrnehmen. Ebenso veranlassten 
die religiösen Gilden oder Brüderschaften regelmässige „Drunke . 
auf denen jedes Mitglied zu erscheinen nicht nur berechtigt, sondern 
sogar verpflichtet war. Die Handwerksämter huldigten mithin nur 
einem weit verbreiteten Gebrauche, wenn sie gleichfalls darauf Ge 
wicht legten, nach der schweren Arbeit sich zu fröhlicher Fei« 
zusammenzufinden. Auf diesen Zusammenkünften versammelt sie
        <pb n="129" />
        Die Verfassung der Ämter im vierzehnten Jahrhundert. 
109 
clie Gesellschaft zu bestimmter Stunde und geht auseinander, sobald 
Altermann Urlaub giebt. Alle Vortrünke und Nachtrünke 
Waren verboten. Wer ohne genügende Entschuldigung ausblieb, 
niusste gleichwohl seine Zeche zahlen oder eine Geldstrafe erlegen, 
^äste konnten eingeführt werden, doch mussten sie der Gesell 
schaft würdig sein, und haftete derjenige, der sie einführte, für sie. 
^b auch die Frauen regelmässig herangezogen wurden, ist nicht 
ganz sicher. Während des Gelages wurde eine gewisse Ordnung 
beobachtet und auf Anstand gesehen. Dolche (stekemest) und 
ändere Waffen mussten vor dem Eintritt in den Festsaal abgelegt 
Werden. Das Würfelspiel war an solchen Tagen verpönt. Wer 
Sein Bier verschüttete, mehr als man mit dem Fusse verdecken 
konnte, wurde in Strafe genommen. Die Organisation der Feste 
''^är besonders gewählten Gerdeluden oder Schaffern über- 
tragen, und Niemand durfte die Wahl zu diesem Amte ablehnen. 
Kosten werden unter alle Anwesenden vertheilt worden sein; 
^onst hätten wenigstens die Schuhmacher den in Ehren alt ge 
wordenen Genossen nicht ,,vrie drunke, wan dat zverk tosamende 
in Aussicht stellen können (Art. 26 der Sera). Hei den 
Schmieden werden die Schaffer ausdrücklich mit der Einkassirung des 
»Gngelt“, und zwar spätestens bis zum nächsten Steven, beauftragt. 
Was endlich die kirchliche Seite anlangt, so versteht sie sich 
bei den mittelalterlichen Genossenschaften und dem glaubensstarken 
^inne der damaligen Bevölkerung ganz von selbst. Sie zeigt sich 
‘Järin, dass die meisten Ämter in den Kirchen «eigene Altäre oder 
Sär Kapellen hatten, dass sie Strafen in Wachs erhoben, das zu 
auf den Altären brennenden oder bei feierlichen Gelegenheiten 
giibrauchten Lichtern verwandt wurde, dass sie ein eigenes Leichen- 
Sargtuch (boldyk) besassen, das bei der Bestattung eines 
^erstorbenen (Genossen benutzt wurde und dass sie regelmässig 
•bre Todten gemeinsam zur Ruhe brachten. Fast alle Schrägen 
sprechen die V erpflichtung aus, dem V erstorbenen das letzte (leleit 
Reben (dat liik to der kerken to dregende) und dehnen sie ge- 
I^Rentlich auch auf Frauen und Kinder der Amtsbrüder aus (Bäcker, 
Hirschner). Die in Wachs zu verbüssenden Strafen werden aus- 
^^^ücklich „/ö unsen lichten^^ oder „to dem heiligen leichname^^ 
^boben, und einzelne Ämter erweisen ihren religiösen Sinn ausser- 
^ äuf ganz besondere Weise. So gaben die Schuhmacher regel- 
Jl^ässig nach der Pfingstversammlung dem Prediger an der St. Petri- 
‘rche 3 euer dechtnisse und to tröste den seien, de ut
        <pb n="130" />
        I IO 
Die Verfassung der Ämter im vierzehnten Jahrhundert. 
(Art. 24). Kürschner aber ver- 
anstalteten nach Beendigung der Versammlung „alse de drunke 
gedrmiken sin, e7ie begenknisse mit euer vigilien^‘ und am anderen 
Tage eine Seelenmesse /ß «Z 
bruderscop sterven und ver stowen sind^'. Alle Mitglieder der 
Bruderschaft, Männer und Frauen, mussten bei dieser Gelegenheit 
erscheinen, widrigenfalls ihnen Strafe drohte. 
Besondere kirchliche Bruderschaften, die berufsmässig abge 
schlossen waren, wie die der Gesellen, scheinen die Amtsmeister 
nicht begründet zu haben. Doch deutet der in einzelnen Amts- 
schrägen gebrauchte Ausdruck „broderschop^‘ und die Betheiligung 
der Frauen an den kirchlichen Angelegenheiten darauf hin, dass 
innerhalb des Amts eine besondere Abtheilung oder Kasse für 
diese Zwecke bestand. 
Für die Unterstützung verarmter oder erkrankter (ienossen gab | 
es ebenfalls keine Einrichtungen. Entweder ist der Fall, dass eine | 
Unterstützung nothwendig wurde, selten vorgekommen, oder man 
verfuhr dem Herkommen gemäss. Nur in einem Schrägen, nämlich 
dem der Schuhmacher, ist der Betrag, der vermögenslosen Brüdern 
in Krankheitsfällen zu Theil werden konnte, festgesetzt. Er belief 
sich auf je 6 Ör, die indess nur drei Mal gezahlt wurden. Was 
nachher aus dem armen Kranken wurde, ist nicht gesagt, so dass 
man auf die Annahme kommt, dass die Genossen ihn der offent- | 
liehen Mildthätigkeit anheimfallen Hessen. i 
Die Organisation der (iesellenbruderschaften war der der ¡ 
Ämter und Gilden nachgebildet. Indess zwangen die (Gesellen 
Niemanden sich ihnen anzuschliessen, sondern überliessen den Bei 
tritt dem freien Willen des Einzelnen. Sie wählten einen Ältermann 
und Beisitzer und litten nicht, dass die Wahl abgelehnt wurde, j 
Zu den jährlich zwei Mal veranstalteten Steven musste Jeder 
erscheinen bei Strafe eines Markpfundes Wachses. In den Ver- ^ 
Sammlungen musste es mit Anstand hergehen, Stöcke z. B. durften 
nicht mitgenommen, mit Würfeln durfte nicht gespielt werden. Auf 
Einführung nicht ebenbürtiger Gäste standen Strafen. Sie sorgten 
für ihre erkrankten oder gefangenen (genossen, begleiteten die 
Leichen verstorbener Brüder zu ihrer letzten Ruhestätte und Hessen , 
für die ausser Landes Gestorbenen Messen lesen.
        <pb n="131" />
        Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
111 
5. Der Aufschwung der Handwerksämter 
im 16. Jahrhundert. 
Die Fortbildung des Handwerkerrechts. — Die Ämter des 15. und 16. Jahr 
hunderts in Riga. — Die Verbindungen undeutscher Gewerbetreibender. — Die 
Ämter des 15. und 16. Jahrhunderts in Reval und Dorpat. — Die Quelle der livländi- 
®chen Schrägen. — Die Verfassung der Ämter: Lehrlingswesen, Gesellenzeit, Wander- 
zwang, Bedingungen für die Erlangung des Meisterrechts, Geschlossenheit der Ämter, 
Äusschliesslichkeit des Zunftbetriebs und Verfolgung der Bönhasen, Festsetzung der 
Ärbeitsgrenzen verwandter Gewerbearten. — Das Treiben und Leben der Gesellen. 
Das Amt der Leinenweber von 1458 und 1544 bis 1588. — Die Amtshäuser. — 
er Wohlstand der Handwerker und ihre Stellung zum Kaufmannsstande. — 
grosse und die kleine Gilde und die politische Stellung der Handwerks- 
^^'ter in Riga, Reval und Dorpat. 
Recht, das die Handwerker nach ihren Schrägen zur Richt 
schnur ihrer Thätigkeit wählen mussten, änderte sich im Laufe der 
Jähre. Wenn auch in seinen (jrundzügen unveränderlich, wurde es 
^Dch den Bedürfnissen der Zeit gemäss ausgebaut, erweitert, zurecht- 
gGstutzt. Streitigkeiten hinsichtlich des geltenden, nicht aufgezeich- 
'^^ten Herkommens boten Veranlassung zu Zusätzen; Neuerungen, die 
in der Verfassung anderer Ämter der Heimathstadt oder fremder 
Städte kennen lernte, führten zu Verbesserungen. So muss man 
das (lewerberecht jener Zeit im beständigen Fluss begriffen 
'"^'■stellen. Man wollte nicht Normen aufgestellt haben, die ewige 
^‘Itigkeit beans])ruchten, sondern erwog auf den regelmässigen 
^^fsammlungen die Interessen des (lewerbes und einigte sich zu 
^Schlüssen, die sein (Gedeihen zu garantiren schienen. Oft kam 
dabei nur auf eirte Verschärfung oder eine Wiederholung vor- 
^Bdener Bestimmungen heraus ; auch wurden, namentlich in späterer 
manche der getroffenen Änderungen durch den Eigennutz der 
Monopol besitzenden Meister beeinflusst, aber man wird nicht 
Abrede stellen können, dass in Allem das lebendige (lefühl von 
^’othwendigkeit einer Erneuerung und Vervollständigung ihrer 
«Zungen herrschte. Eine förmliche Redaction des ganzen 
*^^cluss: 
St 
fand nur selten statt, manches Mal in Jahrhunderten gar 
cht, aber man trug die Beschlüsse in die Protokoll- und Amts- 
Bcher ein und nahm sie von hier aus gelegentlich in die neuen 
^ ^'■agen hinüber. Alle Abänderungen unterlagen der Zustimmung 
^'«hes. Sämmtliche Willküren oder Behebungen (wilkorej 
Jl'^sste.n, wenn sie bindende Kraft erhalten sollten, der Obrigkeit 
^l^^^*'brcitet worden sein. Wie es scheint geschah das durch die 
^ "^mtsherren verordneten Rathsmitglieder, die möglicherweise
        <pb n="132" />
        I 12 
Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
J 
I r'r'i ffifíTO'if H ^ 
■ ■■ 
das Recht hatten, schon von sich aus im Namen des Raths, den sie , 
vertraten, die Amtsbeliebungen anzuerkennen oder zurückzuweisen. 
In dieser Weise sieht man z. B. die Kürschner im Jahre i4^5 
„wzY eine 
Ergänzung zu ihrem Schrägen von 1397 in Betreff der (Gerichts 
barkeit des Amts aufstellen, und dass es sich hierbei nicht um das 
vereinzelte Vorgehen eines Amts oder den vereinzelten Beschluss , 
eines Handwerks handelt, beweist uns das kürzlich ans Licht g^ 
kommene Amtsbuch der Schmiede b Hier findet man einé ganze 
Reihe von derartig getroffenen Bestimmungen, die freilich nicht 
durchweg datirt sind, aber jedenfalls aus dem Zeitraum von zwei 
Jahrhunderten stammen und den beständig regen Sinn für die 
Weiterentwickelung des Rechts bekunden. Die Eintragungeij 
erstrecken sich auf die verschiedenen (Gebiete des Zunftlebens un 
sind von ungleichem Werthe. Sie nehmen Bezug auf die sittliche 
Führung der (Genossen, auf die kirchlichen Verhältnisse so gut ab 
auf die gewerblichen. Man trifft Anordnungen über das Verhält' 
niss der Meister zu (Gesellen und Lehrjungen, über die Meister- . 
stücke, den Kohleneinkauf, die Eingriffe in die Arbeitsgebiete ver 
wandter Handtierungen, das Verhalten zu den Kunden (smedegast) 
u. dgl. m. Ähnliche Fortbildungen des Handwerkerrechts beob 
achtet man bei den (xlasern und (joldschmieden. 
Im fünfzehnten Jahrhundert mehren sich die Nachrichten voH 
bestehenden Ämtern und sind mehr Schrägen als im vorhergehendet\^ 
vorhanden, sei es, dass einige Ämter sich neu constituir! haIrN ¡ 
oder nur ihre schon länger beobachteten Rechtsgewohnheiten auL, &gt; 
zeichnen lassen. Neu erscheinen in Riga die Schrägen: 
der Fischer von 1403I 
„ Stadtdiener „ 1415! 
„ Hanfspinner „ 143^; 
„ Salz- oder Loosträger „ 1450; 
,1 oder Arbeitsleute „ 145* ; 
„ Leinen Weber „ 145^1 
„ Maurer „ &gt;459! 
„ Samtbäcker « 
„ Barbiere „ 1494- 
Erneuerungen ihrer Statuten erhielten die Bierträger im Jabi* 
1466 und die Schneider im Jahre 1492. Unter Zuzählung fiel i’^ 
vorigen Jahrhundert nachgewiesenen 9 Korjiorationen hätte m*!' 
1 Herausgegeben von C. Mettig. Kiga i8yo.
        <pb n="133" />
        Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
II3 
demnach für das 15. Jahrhundert schon 18 im Ganzen anzunehmen. 
Indess sind nicht alle diese Korporationen von gleicher Bedeutung, 
*^Jcht alle als Handwerksämter, ja nicht einmal alle als gewerbliche 
Korporationen zu bezeichnen. 'Als eigentliche Handwerksämter 
lassen sich nur 12 namhaft machen, nämlich das Amt der Schneider, 
Schuster, Böttcher, Lakenscherer, Schmiede, Bäcker, Samtbäcker, 
Kürschner, Hanfspinner, Maurer, Leineweber und Barbiere. Sie 
eisen uns, dass die Neigung zur Bildung derartiger Verbände 
^llmählig weitere Wellen gezogen und schon ziemlich um sich 
S^gnffen hatte. Der Fortschritt der Industrie, die theils wegen 
Ausfuhr, theils wegen des gewachsenen örtlichen Bedürfnisses 
^^hr Hände beschäftigte und in manchem Berufe zu grösserer Arbeits- 
^heilung geführt worden war, mag mehrfach dazu Veranlassung 
S^boten haben. Noch immer aber fehlt die Organisation nam- 
ter (gewerbetreibender, wie z. B. die der Lichtzieher, der Knochen- 
Zimmerleute, der Gerber und Sattler, der Müller, der 
^ Opfer, der Hutmacher u. a. Das eine oder andere dieser Gewerbe 
*^nte in einem der bereits bestehenden Ämter untergebracht 
Scheinen, wie z. B. die Zimmerleute bei den Maurern. Doch 
^'vähnt der Schrägen der letzteren diese Verbindung mit keinem 
Vertreter der Gewerbszweige, für die uns Schrägen 
sicher nachgewiesen sind, so lässt sich nur annehmen, dass 
^ dieselben nicht zahlreich genug besetzt waren, um eigene 
bilden zu können, oder ihre Schrägen verloren gegangen sind. 
Kine besondere Stellung nimmt das Amt der Goldschmiede 
de * dieses nicht zu der Vereinigung aller Handwerksämter, 
Johannesgilde, gehörte, sondern seinen Anschluss an die 
k^n. grosse (jilde gefunden hatte. Es bleibe auf sich beruhen, 
‘OSes zu erklären ist. Offenbar sah man die Goldschmiede 
^ gewöhnliche Handwerker, sondern als Künstler an. Viel 
st ft- Huch die Kostbarkeit des von ihnen verarbeiteten Roh- 
^ oder der grössere Reichthum ihrer Mitglieder dazu bei, 
Sch^*'- Ansehen zu verleihen. Immer bleibt freilich das (iold- 
'Odeamt eine gewerbliche Korporation, so dass wir im Ganzen 
.'v\ -Ämtern sprechen dürfen. 
vSt ^hlt dieser gewerbliche Charakter der Verbindung der 
( lener. Sie ist eine geistliche Bruderschaft und ist im Schrägen 
als „eue kumpañie to der ehre nnde werdicheit der 
^*^^^den junkfrowen Marien, geheten de gilde unser leven 
"^en. ‘ gjg wurde nicht zur Förderung irdischer Zwecke in’s
        <pb n="134" />
        Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
Leben gerufen, sondern zur Ehre Gottes und zum Heile der Seele 
gestiftet. Ihre Sorge war hauptsächlich darauf gerichtet, die See e 
ihrer Mitglieder nach ihrem Tode zu befreien. Man strebte die 
Seele aus dem Fegefeuer zu erretten, indem man Vigilien und Memo- 
rien veranstaltete. Ferner aber trug diese Genossenschaft ihre ver 
storbenen Mitglieder feierlich zu Grabe, sorgte insbesondere für eine 
anständige Beerdigung aller in Armuth und ohne Bekannte in Rig» 
verstorbenen Personen und unterstützte verarmte Genossen. 
Gilde leistete also dieselben Dienste, wie heute eine Todtenlade o er 
Hilfskasse. Im Übrigen suchte sie ihre Mitglieder auch ausserha 
des Kreises derjenigen Berufsgenossen, die der Gilde ursprunghc 
ihren Namen verliehen. Sie zählte Rathsherren, Geistliche un 
Magister zu ihren Angehörigen und verschloss sich wohl Niemandem 
grundsätzlich, mit Ausnahme allerdings der Weber und Badstuber 
Diese durften nicht einmal als Gäste auf den regelmässig abge' 
haltenen Versammlungen eingeführt, geschweige denn aufgenominer 
werden. Nach der Reformation änderte sich der Charakter ^ 
Gilde, insofern sie nun nicht mehr allen Einwohnern offen stan ’ 
sondern auf die Diener des Raths beschränkt blieb. Sie wur ^ 
zur Kranken- und Sterbekasse der Rathsdiener oder Ministerial 
und hat als solche bis in unsere Tage bestanden b 
Der gleichen Art sind wenigstens zunächst di« Genossenschaft^ 
der Bierträger, der Losträger und der Ligger gewesen. Sie nennet 
sich Gilden oder Kompagnieen und sind geistliche Bruderschaft^'^ r 
mit den oben geschilderten Zwecken. Die (olde der Lostrager ^ 
„in de ehre des hilligen licham nnses heren Jesu Christi^‘, die Gi 
ehr L^n^^ 
hannes Baptisten, de unses heren Godes doper was“ gestiftet, 
ihren Mitgliedern gehören Personen männlichen und weiblic ^ 
Geschlechts b Die Gilden der Losträger und der Ligger schein^ 
nur auf eine bestimmte Klasse von Erwerbsthätigen berechnet g 
wesen zu sein. In der Gilde der Bierträger findet man jedoch a^^ 
Berufsarten, Geistliche und Rathsherren vereinigt. Den Hauptsto 
aber werden sicher die Angehörigen des Berufs gebildet habe ' 
nach dem die Verbindung benannt ist. 
^ 
1 Vergl. Stieda, „Ein mittelalterliches Beerdigungs-Comptoir in Riga“ in « 
Zeitung für Stadt und Land“ 1878, und Mettig,.Die Rechnungsbücher der K 
diener in Sitzungsber. d. Ges. f. Gesch. u. Alterth. d. Ostseepr. 1890. f, 
2 Mettig, Die Bücher der Rigaschen Bierträgergilde in Sitzungsber. d. 
Gesch. u. Alterth. d. Ostseepr. 1890.
        <pb n="135" />
        8* 
Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
II5 
In diesen Kompagnieen erscheinen die den kaufmännischen 
Erwerb unterstützenden Personen, die sogen. Hilfsgewerbe des 
Handels. Die Träger und Arbeitsleute in ihren verschiedenen Ab 
stufungen, wie sie zum Transport der Waaren durch die Stadt, 
^uni Be- und Entladen der Schiffe erforderlich waren, finden wir 
hier vereinigt, und der Nutzen, den diese Vereinigung geprüfter 
ttnd geübter Arbeiter dem Handel bot, wurde Veranlassung, dass' 
^^r Rath sie später gleichfalls in Ämter verwandelte. Es ist ein 
^t)ch nicht genügend erklärter, aber auch an anderen Orten beob 
achteter Vorgang, dass gerade diese Träger-Verbände im engsten 
^rischluss an das kirchliche Leben zuerst als Bruderschaften orga? 
tiisirt waren, während bei den Handwerkszünften nur vereinzelte 
Schwache Spuren auf einen solchen Ursprung deuten \ Mit den 
^^gentlichen Handwerksämtern hatten diese Träger-Ämter in Ein- 
*’*chtungen und Bräuchen manche Verwandtschaft. Man gebrauchte 
bekannten Ausdruck, vielleicht um durch Anknüpfung an etwas 
^^tehendes die neue Vorschrift annehmbarer zu machen. Die 
Entscheidenden Vorrechte der Handwerksämter, nämlich Ge 
schlossenheit des Verbandes und die Zulassung nur nach vor- 
gängig(.j^ Beweise der Fähigkeit, fehlen freilich diesen Ämtern. 
*E Zahl ihrer Mitglieder war m. W. nie beschränkt und konnte es 
^*cht sein, weil das Bedürfhiss des Handels eine je mehr und mehr 
^nehmende Zahl und jedenfalls eine grosse Zahl derartiger Per 
sonen forderte. Die zu erfüllende Bedingung für die Aufnahme, 
i.*^mlich 4jährige Arbeit als „Husknechi'^ oder „Dage/öner“, gehört 
^st einer späteren Zeit an und war genau genommen keine auf 
fi Oficr Zurückdrängüng berechnete Bedingung. Endlich 
j En wir zweien dieser Ämter, nämlich den Bierträgern und den 
j^^strägern, eine öffentliche Pflicht auferlegt*, nämlich beim Aus- 
Feuerschäden die Löscharbeiten zu übernehmen. Ja von 
de^ hören wir, dass ihnen sogar ursprünglich die Rolle 
Nachrichters zugemuthet war. Der Artikel 17 des Schragens 
de (lor offenbar ein späterer Zusatz ist, spricht die Befreiung 
von diesen Diensten aus. Wie man darauf gekommen 
und Loosträger zum Feuerlöschdienst zu bestimmen, lässt 
Uicht enträthseln. Man kann nur daraufhinweisen, dass schon 
StU(i- Die St. Laurentius-Bruderschaft der Träger in Stettin in Baltische 
Tv^’ ^^7- 359- 
Zei, Stieda, „Das Feuerlöschwesen im mittelalterlichen Riga“ in „Neue 
^ ftr Stadt und Land“ 1878, Nr. 301 u. 302.
        <pb n="136" />
        1 
Der Aufschwung der Handwerksämter im t6. Jahrhundert. 
116 
das Augsburger Stadtrecht von 1276 der Zunft der Weinträger 
und allen Trägern überhaupt die Verpflichtung auf bürdete löschen 
zu helfen, wenn ein Feuer ausbrach. In Stettin, wo jedem neu 
sich niederlassenden Handwerksmeister auferlegt ward einen ledernen 
Eimer zu besitzen, d. h. also an den Löscharbeiten theilzunehmen, 
übernahm die Trägergilde doch für ihre Mitglieder die Verpflichtung 
ihnen in Feuersgefahr beizustehen und schloss sogar deshalb be 
sondere Verträge abh In Strassburg dagegen war es noch in der 
Mitte des 16. Jahrhunderts die Regel, dass alle Handwerker sich an 
den Löscharbeiten betheiligten ^ In Riga aber sind derartige Ver 
pflichtungen in den eigentlichen Handwerksschragen nicht ausge 
sprochen. 
Wie dem immer gewesen sein mag, man wird aus dem ge 
sagten den Schluss ziehen dürfen, dass unter „Ämter“ nicht durch 
weg das Gleiche zu verstehen war. Eigentliche Handwerksämter 
gab es am Ende des 15. Jahrhunderts nicht mehr als 13. 
Im 16. Jahrhundert kommen neu hinzu die Schrägen der 
russischen Krämer, Gordell- und Hreesmacher im Jahre 15 t"’ 
Tischler v 
Glaser » ^5411 
. 1577’ 
„ 1579' 
« 1595' 
„ 1595' 
,, 1595- 
Scheidemacher 
Sämischgerer^ (Sämischleder-Gerber) . 
Schlosser, Sporen-, Büchsen- und Uhrmacher 
Hanfschwinger 
Hutmacher 
Mehrere andere Ämter aber lassen Ihre Statuten aut’s N^u^ 
bestätigen oder vervollständigen, so das Amt 
der Kürschner in den Jahren 1513 15^*' 
„ Goldschmiede im Jahre 1542, 
„ Leineweber „ „ 1544, 
„ Maurer „ „ 1546, 
„ Schmiede „ „ 1578, 
„ Böttcher „ „1581. 
Demnach lassen sich wenigstens 21 verschiedene Ämter für 1 ^ 
Ausgang des 16. Jahrhunderts nachweisen. Vermuthungen darü 1 
anzustellen, ob es mehr Ämter gegeben haben könnte, von den^ 
1 Blümcke, a. a. O. S 281, 283. 
2 Schmoller, Strassburger 'l'ucher- und Weberzunft, 1879, S. 193. 
3 Sollte der in Bodeckers Chronik ed. Napiersky, S. 88 vorkoinmende 
scherer“ nicht ein „Semischgerer“ sein? 
if'
        <pb n="137" />
        ^ 5i Nr- 2405. 
Her Aufschwiing^ der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. IIj 
Spuren sich völlig verloren hätten, erscheint bei dem heutigen 
tande der Forschung müssig. 
' Von den Gesellen wird uns aus zwei Jahrhunderten wenig 
Jin e. Die uns erhaltene Nachricht vom Ausbruche einer Arbeits 
einstellung seitens der Maurergesellen in Neu-Pernau ' steht ver 
einzelt da. Jene Niederlegung der Arbeit erfolgte nicht aus Unzu- 
^ iGdenheit der Gesellen mit ihren Verhältnissen, sondern weil sie 
ei" Rohheit eines Genossen nicht Zusehen mochten und mit ihm, 
S eich ein Schiedsgericht eine Versöhnung angestrebt hatte, 
pi^^t länger zusammen arbeiten wollten. Die Thatsache, dass der 
^i'nauer Rath nach Reval schrieb, wohin die Strikenden sich ge- 
(^Gm Ersuchen an den Rath die Säumigen zu 
i’fer Pflicht zurückzuführen und dem betroffenen Meister zu seinem 
c te zu verhelfen, beweist, dass die Obrigkeit damals noch die 
^ ^Sellen ziemlich in ihrer Hand zu haben hoffen konnte. Von 
orschaften der (lesellen werden uns nur drei namhaft gemächt, 
Qj^i ^'ivon erst am Ausgange des sechszehnten Jahrhunderts. Die 
g ^^^rgesellen hatten eine Verbindung seit 1542, die Tischlerge- 
seit 1575, (lio Schlosser-, Sporen-, Büchsen- und Uhrmacher- 
^ ollen Seit 1581. Die letztere bestand längere Zeit, zwar mit 
j *^^^idss der Meister, aber ohne (Genehmigung des Raths, die erst 
593 oingeholt wurde. 
zue ist, dass gegen Ende des 16. Jahrhunderts 
die Verbindungen undeutscher oder, wie man sie später 
g , oinheimischer Gewerbetreibender auftauchen. Es wurde 
çj j ^ darauf hingewiesen, dass Knaben „undeutscher Abkunft“, 
de ^^^^(^ischen, zunächst wohl weniger russischen Ursprungs in 
An^tern keine Aufnahme fanden und somit ursprünglich darauf 
de ^^ar den erforderlichen Nachwuchs aus den eingewan- 
^^^'^‘'Chen Handwerksfamilien zu erhalten, beziehungsweise 
^ durch ferneren Zuzug aus dem Auslande zu ergänzen. Indess 
Q ^ das auf die Dauer Schwierigkeiten gehabt haben, bei gewissen 
auch eine unverkennbare Neigung oder bestimmte 
^ der Einheimischen dazu geführt haben, ihnen den Zutritt 
T . Ämtern nicht zu verweigern. So finden sich die Ämter der 
Weber und der Kürschner sowohl von Deutschen als Un 
de 
°dor „Lieffländern“ (d. h. 
von 
doch wohl Letten) besetzt. 
dem Verzeichniss derjenigen Mitglieder, die dem Amte
        <pb n="138" />
        1 
Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
118 
(Jer Licineweber Oeschenke gemacht haben, das dem Schrägen 
von 1458 angereiht ist, tauchen Namen auf, die zweifellos lettischen 
Ursprungs sind, wie Andres Silite, Hans Pebalge, Slunta, Hinrick 
Nabage. In dem Schrägen aber von 1544 werden (Art. 2) undeutsche 
ausdrücklich zur Erwerbung der Mitgliedschaft zugelassen und nur 
Litthauer und Esten blieben ausgeschlossen (Art. 24). Deutsche 
und Letten sind, wie es scheint, vollkommen gleichberechtigte Mit 
glieder des Amts gewesen. Nur bei einer Bestimmung zeigt sich 
eine übrigens ganz unverständliche Verschiedenheit. Für gewöhn 
lich sollte nämlich der Geselle bei eigener Beköstigung nicht mehr 
als die Hälfte des vom Meister mit dem Kunden. vereinbarten 
Lohnes beanspruchen; die deutschen Meister aber konnten oder 
mussten dem Gesellen zwei Drittel versprechen und nur ein Drittel 
für sich behalten (Art. 9). Das am Schlüsse des Schragens folgende 
Brüder-Verzeichniss weist grösstentheils unverkennbar lettische 
Namen auf, wie Jane Badyn, Peter Suntzel, Andres Bullitz, Hinrick 
Irbe, Michel Siele, Hans Stippe, Jacob Pante u. s. w. Auf die 
Dauer scheinen in diesem Amte die Letten die Oberhand gewonnen \ 
zu haben. Der Schrägen von 1625, dem ein Verzeichniss der 
Ältesten und Würdenträger angereiht ist, erweist, dass damalSi 
wenn Deutsche überhaupt im Amte vertreten waren, die sämiut' 
liehen Vertrauensposten sich gleichwohl in den Händen der Letten 
befanden. Michell Platohn, Jürgen Rauding, Berent Putning, Jürgen 
Koybe, Martin Backit u. s. w. sind ganz zweifellos lettische Namen- 
Der einzige Namen, bei dem man zweifeln kann, ist der des Dirick 
Schilling. Dieses Übergewicht der Letten bewirkte, dass 
5 deutsche Meister, „welche sich seithero als Meister zu dem hiesige'’ ' 
einheimischen Leinweber-Amte gehalten“ ein „teutsches Leinweber* 
und Tücher-Amt“ errichteten. 
Zwischen den deutschen Mitgliedern und den lettischen schein' 
in einzelnen Ämtern allmählig ein gewisser Gegensatz erwachsen 
zu sein. Es ist nicht klar, worauf dieser eigentlich beruht hn'’ 
aber jedenfalls ersieht man aus einer Rathsentscheidung von 
für die Kürschner, dass bei diesen der eine Theil den andern „v^rj 
achtete“. Der Rath versöhnte die Streitenden mit einander u” 
offenbar, um das Ansehen des Amtes zu heben, bestimmte 
dass unfreie Letten nicht in dasselbe aufgenommen werden könnte” 
Vielleiclit war es auch der Wunsch der Kürschner selbst, 
ausgeschlossen blieben. Indess wurde diese Verordnung öo”
        <pb n="139" />
        Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
II9 
lange aufrecht erhalten. Man fand, „dass solcher pmict gar zu 
i^sireuge gesetzet sey und dergestalt seine gestrenge hinfüro nicht 
^ehr haben solle^^ und gestattete wieder die Annahme von „jungens 
‘ilhiey iifi lande von bauersleuten geboren^ zu Lehrlingen. Nur 
'Musste der Knabe jedenfalls ehelicher Geburt sein. 
Ob solche Konflikte in anderen Gewerben sich wiederholten, 
^ntzieht sich unserer Kenntniss. Vielleicht war der Zwist in einem 
'GWerbe wie die Kürschnerei, bei dem die mit der Pelzbereitung 
Gsonders vertrauten Russen das Deutschthum gleichfalls hart be- 
haben mochten, mehr hervorgetreten. Die Polizeiordnung 
1502 enthält das Verbot \ dass „imdeutsche russische kremer^^ 
^•id andere „undeutsche Amtleute“^ keine deutsche Jungen in Arbeit 
*^^hmen sollten. Doch beruhte der Unterschied zwischen deutschen 
^'^d Undeutschen Krämern nicht auf der Nationalität der Gewerbe- 
^^^ibenden, sondern auf der der Käufer. Nach der Rathsentscheidung 
dämlich von 1569 handelten die „teutschen kremer^^ vorzugsweise 
Waaren, die für den deutschen Theil der Bevölkerung berechnet 
die „unteutschen^ dagegen mit Artikeln, die die einhei- 
^*sche Landbevölkerung zu kaufen pflegte. Wie dem immer ge- 
^ ^sen Sein mag, so mochte sich bei gelegentlich stärkerer Betonung 
Gegensatzes zwischen Deutschen und Undeutschen allmählig 
. zweckmässig heraussteilen, die Letten und Undeutschen 
besonderen Ämtern zu vereinigen. Als das erste derartig orga- 
tritt uns 1582 das der „unteutschen Schneider“ entgegen. 
^ folgenden Jahrhundert mehrt sich die Zahl dieser Ämter, doch 
^ten es stets nur wenige Gewerbe, die diese Doppelorganisation 
a H diesen Verbindungen undeutscher Handwerker gab es 
^ *^0, die, wie ich glaube, von vornherein nur Personen lettischer 
y ^'^nalität umfasst haben werden. Das waren die Ämter der dem 
^Honenden Hilfsberufe, wie Bierträger, Salzträger, Ligger 
(Iç ^^^Gchwinger. Auch möchte ich annehmen, dass die Ämter 
ischer und der Hanfspinner ausschliesslich von Letten besetzt 
sind. Diese Ämter sind zum Theil sehr alt, und lassen 
p f^oreits im fünfzehnten Jahrhundert nachweisen. Dass sie nur 
^üch lottischen Ursprunges aufnehmen, wird nirgends erwähnt. 
Wiri ^'ohl die lettische Nationalität nicht eigentlich Bedingung. 
aber werden sich Deutsche kaum oder nur in geringer 
‘ Mo 
num. Uv. ant. IV, S. CCLV.
        <pb n="140" />
        120 
Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
Zahl in ihnen gefunden haben. Unter den Hierträgern finden wir 
im Jahre 1470 einen Undeutschen, der keine liegenden Gründe be- | 
sitzen durfte \ und gerade bei ihnen kann man in ihren erhaltenen j 
Rechnungsbüchern verfolgen, wie das lettische Element in dieser ] 
ursprünglich geistlichen Bruderschaft mehr und mehr in den Vorder 
grund tritt. Schon am Ausgange des 15. Jahrhunderts finden sich 
Namen, wie Hans Kodders, Anneke Lepekaysche, Katerine 
Panckaysche, Hans Putnyn, Peter Puttul und ähnliche, deren Ur- ' 
Sprung nicht zweifelhaft sein kann 2, neben deutschen, wie Claus ! 
Glaseworter, Andreas Koldreger, Merten Dalhuse, Clawes Frunt 
und anderen. Im Jahre 1517 erscheint ein Clavvyn Karress als Alter- 
mann, und 1521 ein Clawes Pawas in der gleichen Eigenschaft. Ii^ 
Jahre 1537 aber kommt unter den bei der Wahl eines neuen Pre 
digers, der das Hruderbuch in Ordnung zu halten hat, aufgeführten 
17 Namen, vermuthlich der damaligen Mitglieder des eigentlichen 
Trägeramts, nicht ein einziger deutscher vor 3. 
In Reval lassen sich vom 15. bis zum 16. Jahrhundert nicht sO 
viele Ämter nachweisen wie in Riga. Es haben sich Schrägen 
erhalten, beziehungsweise bis jetzt gefunden der Ämter 
der Steinhauer von 1402 und 1459, 
Schneider 
Schmiede 
Schuhmacher 
Kürschner 
Fuhrleute 
Bäcker 
Böttcher 
Bierträger 
1413 
1415 
1416 
1425 
H35i 
1438, 
1443, 
145^, 
14^3, 
1459. 
1481, 
1453, 
„ Sattler, Püstenmacher und Gürtler von 14591 
„ Hanfspinner von 1452. 
Das Goldschmiedeamt liess sich seinen Schrägen im Jahre i45«^ 
erneuern. Demnach hätten wir, wenn wir von den Verbänden 
1 L. E. C. Urk. 8, Nr. 376. 
2 Metdg, Über die Nationalitätsverhältnisse etc. Rig. Stadlbl. 1892, S. 315 
323-326, 331 335- e 
B Die Namen lauten: Hans Trilikums, ys olderman; Härmen Küpper; J ^ 
Zaijnis; Tönnis Bress; Matz Suttis; Marten Mennige; Hans Stirne, starast ((^^ 
Ältester); Tönnis Widusche; Jan Stengip; Andres Zarnings; Hans Lathis; J 
Dumpis; Bartelmess Luth; Peter Zelskalles; Matz Ouwegalw, Wilhelm Sta 
Matz Bire. Nach Auszügen aus dem im Archiv der alterthumsforschenden Gesc 
Schaft aufbewahrten Originale.
        <pb n="141" />
        Der Aufschwung der HandwerksSmter im i6. Jahrhundert. 
I2I 
1509. 
1515 und 1556, 
1527. 
1537. 
.uhrleute und Hierträger als Nichthandwerker absehen, unter Zu- 
^chnung der am Ende des 14. Jahrhunderts nachgewiesenen, am 
n e des 15. Jahrhunderts 12 Handwerksämter gegen ebensoviele 
Riga anzunehmen. 
Zu diesen kommen im Laufe des sechszehnten Jahrhunderts 
•nz.u die Schrägen der Ämter 
‘ier Mündriche von 1506, 1521, 1531, 1547, 
” Maler, Tischler, Glaser und Kunthormaker von 1513 u. 1536, 
” Träger von 1529. 
Eine Bestätigung oder Erneuerung erfahren die Schrägen der 
der Zimmerleute im Jahre 1308, 
„ Knochenhauer „ 
„ Böttcher „ 
„ Bäcker „ 
n Goldschmiede „ 
„ Schuhmacher „ „ 1336, 
„ Kürschner „ „ 1333. 
sind lassen sich, da Mündriche und Träger nicht zu rechnen 
als ' Ausgang des sechszehnten Jahrhunderts nicht mehr 
*3 Ämter 1 namhaft machen gegen 21 in Riga. 
^as Handwerk in Dorpat, das während der Zeit, als diese 
y ^ Hansebunde angehörte, gewiss einen erheblichen Umfang 
®lud alle Nachrichten verloren gegangen. Dorpat war auf 
l^esuchten Handelsstrasse von Reval nach Nowgorod eine 
Station und mehrfach legen die in der Ausgabe der Hanse- 
eingedruckten Urkunden Zeugniss ab von den aus Dorpat 
^iehu^^'^ nach Brügge im Westen erstreckenden Handelsbe- 
’iie wissen nichts über die Menge "der Einwohner und 
y^^^se der Stadt in jener Zeit. Aber wenn wir erfahren, dass 
^ensetagen, auf denen Vertreter der livländischen Städte 
Au Dorpat nicht zu fehlen pflegt, dass es sich bei den am 
^"1^' J^lnrhunderts gegen Norwegen und Dänemark 
çjç ’‘ten Feindseligkeiten an der Deckung der Kriegskosten mit 
l¡v]..^^^í^®^ betrage betheiligt, wie Riga und Reval, dass es auf den 
^^^^^^schen Städtetagen eine wesentliche Rolle spielt*, so wird es 
des Herrn Staatsraths E. v. Nottbeck in Reval und 
Sowie (jç verschiedenen' in Revaler Archiven aufbewahrten Schragenbüchern, 
^*ndw . Kevaler Stadtarchiv vorhandenen Originalen der Schrägen mehrerer 
^®rksämter. 
®*''&gt;h. Hollander, Livl. Städtetage. 1888.
        <pb n="142" />
        122 Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. I 
gestattet sein anzunehmen, dass seine kommerzielle und gewerbliche 
Bedeutung hinter der der beiden genannten Städte Riga und Reva | 
nicht viel zurückblieb. Waren aber in diesen die Handwerker in Ämter 
organisirt, so werden diese Verbindungen in Dorpat kaum gefehlt 
haben. Die für den Bedarf der durchreisenden Kaufleute sorgenden, 
sowie die im Zusammenhänge mit einzelnen von hier aus besonders 
schwunghaft betriebenen Handelszweigen, z. B. dem Vertrieb von Pelz- 
werk, stehenden Gewerbe werden gewiss zahlreich vertreten ge\N esen 
sein. Aber keine Kunde von ihnen hat sich erhalten, und erst die 
Schrägen einiger Ämter vom Ende des sechszehnten Jahrhunderts 
sind in Abschriften auf uns gekommen. Dahin gehören die Ämter 
der Leinenweber aus dem Jahre 1580, 
Grob- und Kleinschmiede, Kronengiesser und Messer 
schmiede aus dem Jahre 1588, 
„ Schuster aus dem Jahre 1588. 
Nur in dem Schrägen des erstgenannten Amts heisst es, dass 
er Je novo“ ertheilt worden. Bei den anderen fehlt jede Beziehung 
auf eine ältere Vergangenheit. Dass neben diesen Gewerben noc 
andere in Dorpat vorhanden waren und dass es ihren Angehörigen 
materiell gut ging, ist aus Rüssows Chronik bekannt, wovon 
unten mehr. . 
Sehr wichtig wäre es natürlich, sich darüber klar werden zu kon 
neu, an welche Muster sich die Inländischen Schrägen angelehnt haben- 
Es versteht sich von selbst, dass weder der Rath noch che . Han 
werker daran gedacht haben, das zu erlassende oder von den Handwer' 
kern gewünschte Recht neu auszuarbeiten. Vielmehr pflegte man sie ^ 
an den Rath der grösseren deutschen Städte zu wenden, um von do ^ 
her Rechtsbelehrung zu erbitten oder, was vermuthlich das häutigen^ 
war, die Handwerker erbaten sich von den Genossen irgend eine 
Stadt die Abschrift der für ihr Amt geltenden Gesetze aus*. \ ^ 
durch sie sich dabei leiten Hessen, ob sie in die nachstgelegen 
Stadt schrieben oder dahin, wo ihr Each einen besonderen ^ 
genoss, oder dahin, von wo der eine oder andere stammte oder 
er Ereunde und Bekannte hatte, — das muss dahingestellt h^^i ) 
Die erhaltene Kopie wird dann kaum wörtlich benutzt, sonde 
den örtlichen Gewohnheiten gemäss umgearbeitet worden sein. A ^ 
diese Weise ist es aber heute sehr schwierig die Verwandtscha 
oder den einheitlichen Ursprung zweier Schrägen nachzuweisc 
1 Schoelers Schragenbuch, Handschrift im Besitze von i’rofessor Stieda in Rosto 
2 Stieda, Aus d. Leben d. Rigaer Goldschni., Bait. M. 35, S. 25.
        <pb n="143" />
        Her Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
123 
ine gewisse Übereinstimmung verstand sich bei der allgemeinen 
•Annahme der Grundzüge der Zunftverfassung von selbst. 
Es liegt für die livländischen Städte nahe zu glauben, dass 
sich im Bedarfsfälle in der Regel nach Lübeck gewandt haben 
um Kenntniss des dortigen Zunftrechts zu erlangen. Lübeck 
"är der \ orort der Hanse und durch rege gewerbliche Entwickelung 
f^sgezeichnet, so dass der Wunsch verständlich erscheint, die hier 
^ der grösseren Stadt gemachten Erfahrungen verwerthen zu können. 
^ ^ Lübeck werden wohl auch die anderen Hansestädte ausge- 
haben, doch haben wir, wie überhaupt über diese Beleh- 
^^gen, nur wenig Nachrichten darüber. Dass aus Lübeck im vier- 
^ nten Jahrhundert die rigischen Goldschmiede ihren Schrägen 
^Ogen, wurde schon erwähnt. Dem Vorgehen der Gold- 
chmiede sind gewiss andere Ämter gefolgt, wenn sich das auch 
^ Einzelnen nicht mehr nachweisen lässt. Sicheres erfahren wir 
die Benutzung lübischer Vorlagen erst aus dem Beginn des 
od Jahre 1513 holten sich nämlich die Schnitzer 
Tischler in Reval ihren Schrägen aus Lübeck und dieser ging 
^ ^Gr Folge — 1336 — nach Riga über, wo die Tischler „von an 
in Wehrten Stadt Riga biss IS3S ohne Regimeftt gelebet 
Q ein Jeder nach eigenem Gefallen vor sich gearbeidet, auch 
Hellen nnd Jungen gehalten hätte, Er inögte das Handwerk recht 
¿ohabt haben oder nicht.^^ In Lübeck gab es während 
ein Jahrhunderts ein Amt der Tischler noch nicht, wohl aber 
der Kunthor- und Fanelenmaker (i. e. Snyddeker) und 
der Kistenmaker. Aus der Vereinigung dieser beiden 
entstand 1620 das Amt der Tischler’. In Reval gründeten 
'töy J^hre 1513 j^de meierund glasseiverters und snitkers, kün- 
Eoll^^^^^^ zusammen ein Amt und werden sich vermuthlich die 
jç der beiden oben genannten Ämter aus Lübeck haben 
^ ’’’men lassen. Zwar hat der uns erhaltene, seiner Zeit vom 
^^er Rathe bestätigte Schrägen von 1513 weder mit dem der 
I von 1472, noch dem der Kistenmaker von 1558 in 
^ ^^sgesprochen deutliche Übereinstimmung, aber da eine Ein* 
freT^^^ das alte Meisterbuch des rigischen Tischleramts, das 
çjj.« ersten Drittel des 18. Jahrhunderts angelegt wurde, aus* 
besagt, dass das y^Revalsche Ambt Ihre Schrägen mit 
^en Kosten von Lübeck geholet gehabt, so hat man, denke ich. 
' Wehr 
mann, Lübeck. Zunftrollen, S. 294.
        <pb n="144" />
        L 
124 
Der Aufschwungs der Handwerksämtcr im i6. Jahrhundert. 
keinen (irund es zu bezweifeln. Als nun die rigischen Tischler g 
falls Neigung zur Errichtung eines Amts verriethen, bemühten 
unter Anerbietung von Geld brieflich von Reval aus die Abschri 
Schragens zu erlangen. Im dortigen Tischleramte war man so 
bereit dazu, verlangte aber, dass einer der Rigenser persònh^’’ 
Schrägen holen käme. So reiste denn der Meister Peter 
1536 zu Schlitten nach Reval und holte sich die Kopie, deren 
fort 
ilich den 
Rauen 
Wort 
laut denn auch nach mehrjährigen Verhandlungen mit dem 
sehen Rathe von diesem als „Schrägen“ bestätigt wurdet 
Einen gewiss nicht oft betretenen Weg schlugen flio 
mâcher in Riga 1595 ein, um zu einem Schrägen zu 
Sie beriefen nämlich Vertreter der Hutmacher-Ämter aus 
Hamburg, Wismar, Rostock und Mölln nach Riga und 
von diesen den Schrägen aufsetzen, dessen Bestätigung sie 
alsdann vom Rathe erbaten. Warum gerade die genannten^^^^_^^^ 
ausgewählt waren, lässt sich heute nicht mehr erklären. ^ 
itefl' 
ist 
tef 
dlllL VVcllcix, 
waren auch die Hutmacher-Ämter anderer Städte aufg 
worden mitzuwirken, unterliessen aber dem Rufe Folge 
Das Datum der Rollen -der Hutmacher in Wismar und 
nicht bekannt. Jedenfalls bestanden in diesen Städten (he 
schon längere Zeit vor 1574, aus welchem Jahre uns ein 
samer in Lübeck von Vertretern der Hutmacherzünfte m ^ 
Hamburg, Lüneburg, Wismar, Rostock und Mölln über jgf 
machergesellen aufl)ewahrt ist®. In Stettin bestand ein &gt; ^ 
Hutmacher seit 1533», in Rostock ein Amt der Hutfilter 
der Hutstaffirer seit 1603^ in Hamburg ein Amt der « ¿ie 
seit dem 14. Jahrhundert, der Hutstaffirer seit ' ¡¡cM' 
Rollen der Hamburger Gewerbetreibenden sind verö 
Doch lässt sich weder aus ihnen noch aus den handschn^^ 
in Rostock eine in die Augen springende Übereinstimtn^ 
dem rigischen Schrägen, der uns erst in einer i&lt;x) Jan*' ‘ 
Redaction aufbewahrt ist, erkennen. 
Haben wir in den vorstehend erzählten Fällen sichere jgii 
punkte für den Ursprung der Schrägen, so mag schliesslio i 
yOH 
1 Nach einer Eintragung im Meisterbuch der rigischen Tisc 
abgedr. „Rigaer Tageblatt“ 1891, Nr. 243. S- ^ 
2 Rüdiger, Ältere Hamburgische Handwerksgcsellcndocuraente. 
3 Blümcke, Die Handwerkszünfte Stettins. 1884, S. 25. 
4 Rollenbücher im Stadtarchiv zu Rostock. Ropl^ 
5 Rüdiger, Die ältesten Hamburgischen Zunftrollen, S. iio 
Hamburger Kämmereirechnungen, Bd. 1. 
.5&lt;"
        <pb n="145" />
        St 
Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
:25 
In Gesellenschaften eine Vermuthung ausgesprochen sein. 
Glaser erhaltenen aus dem i6. Jahrhundert, dem der 
i^selie ^iGr Schlosser, ist nämlich beständig von „Örten- 
Dieser Ausdruck aber ist verdorben aus „Irten- 
Geselle^ pflegte man in Süddeutschland die Vorstände der 
Soviel benennen. „Yrte^‘ oder bedeutet 
Mittel ^^irthshaus oder Zechgelage und da die Herberge den 
^'^('stand^^ ^ reibens der Gesellen bildete, so werden die den 
Sein 1 '"(^präsentirenden Gesellen darnach benannt worden 
kannte man den Ausdruck nur in Süddeutschland, 
Sprach Norden von Altgesellen oder Büchsenmeistern 
^^^tsch ^ möchte man hier an eine Entlehnung aus einer süd- 
Sewerhe^ etwa Nürnberg, denken, wo gerade das Schlosser- 
Mit sehr entwickelte und hochstehende Handtierung war. 
^eutiçj, ^ gedruckten Statuten, wie z. B. dem der Nürnberger 
Au» :53", (1er Schreinergesellen von 1573', oder 
N^ürschnerknechte* ist zwar mehr als die im Wesen 
^ann j^'gung hegende X’erwandtschaft nicht nachweisbar. Doch 
^^'■ände ^"tlehnung auf Umwegen erfolgt und dadurch manche 
ung 2u erklären sein. 
Untej- 
^Isch(.q Q ^'^^(^(ler entlehnten wieder die Handwerker der livlän- 
'^aler und^^^^ Schrägen. So verschafften sich die dörptschen 
Jahre 1549 für 40 Mark von dem rigischen 
nahm^*^^ I^opie des dortigen Amtsschragens, und im Jahre 
(lörptsche Schmiedeamt fast alle Artikel des rigi- 
^ '^K^ns von 1578 mit nur geringen Änderungen an®. 
^^dert. ly der Ämter blieb in ihren Grundzügen unver- 
^^Ister vorgezeichnete Laufbahn vom Lehrling bis zum 
(lurchmessen, die vorgeschriebene Ordnung in der 
^ eräusserung gewerblicher Gegenstände einge- 
^ I^’ur ereigneten sich innerhalb der vorgesehenen 
Verschiebungen und Veränderungen, wie bereits 
sie ijj. ''^*'(*^- Die Vervollständigung des geltenden Rechts, 
^^rag^^ ^ uachzuweisen, fehlt leider das Material, indem 
klicher Handwerksämter aus dem 15. Jahrhundert nur 
I 
Î 
* M 
irx * c (^Gschichte altnürnbergischen Gesellenwesens. Hildebr. Jahrb. 
(^^schichte der deutschen Gesellen verbände. 1876, S. 267. 
•'gsber. d. Ges. f. Gesch. u. Alterth. d. Ostseepr. 1892, S. 9. 
Sit,
        <pb n="146" />
        120 
Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
ganz vereinzelt auf uns gekommen sind und ebensowenig 
bûcher, ausser dem der Schmiede, uns zugänglich gemacht sin 
Die Schrägen des i6. Jahrhunderts lassen eine ausgefühd^^^ 
auf breiter Grundlage beruhende Verfassung erkennen, die^ ^ 
doch ganz deutlich schon die Keime späterer Entartung a 
Beginnen wir mit dem Lehrlingswesen, so erscheint die Lehrz 
nunmehr, von der zweiten Hälfte des sechszehnten jahrhuo 
ufwe&gt;s‘' 
ei( 
deft* 
an etwa gerechnet, eine nach Jahren fest angesetzte, wenn 
noch keine übermässige ist. Die Hanfspinner verlangen i43 
zwei Jahr (Art. 7), die Schneider dagegen bestimmen 1492 die 
noch nicht. Erst eine hochdeutsche Übertragung dieses Schräg 
die also jedenfalls späterer Zeit entstammt, fordert eine Le 
von mindestens zwei Jahren (Art. 13). Eine dreijährige Le 
haben die Sämischleder-Bereiter (Art. 19) und die Gürtler 
Breesmacher (Art. i), eine vierjährige die Böttcher (Art. ‘ÿVge 
Glaser und Tischler (Art. i), die Maurer (Art. 6), eine sechsj 
die Scheidemacher. Dem Beginn der Lehrzeit geht eine 
Wochen dauernde Probezeit voraus, die dazu dienen soll die 
keit und Neigung des jungen Menschen für den erwählten 
zweig zu erkennen. So wenigstens bei den Cilasern und Sc 
Sporen-, Büchsen- und Uhrmachern. 
An die absolvirte Lehrzeit knüpfte sich die Bedingtf^^^^ 
demselben Meister eine gewisse Zeit als Geselle — Halbkne 
den Maurern — zu dienen. Diese Zeit war bei den Han sP 
auf ein Jahr, bei den Böttchern auf zwei Jahre, bei den Mauf^ 
vier Jahre festgesetzt. Eine solche Bestimmung konnte nur 
haben, den Meister entschädigen zu wollen für die Mühe, 
die* 
Unterweisung des Lehrlings bereitet hatte; im Interesse des 
seilen wird sie nicht immer gewesen sein, da der Meister m 
Ealle am Lohne drücken konnte. Daher schreiben die H^n 
auch vor, dass derselbe Lohn, wie er den anderen 
komme, gezahlt werde, während die Maurer es der Verei' 
- - . . 1 -"ült " 
zwischen Meister und Gesellen überlassen, wieviel geza 
soll, und nur einen Maximalbetrag bestimmen 
Die Vorschrift des Wanderns findet sich nur bei den 
(Art. I von 1578) und den Sämischleder-Bereitern (Art. 
Man sollte meinen, dass diese Einrichtung, die mittlerweile if* 
land ganz allgemein eingeführt worden war, bei den ¿i- 
Handwerkern wegen ihrer Entlegenheit von den Mittelpt^*^ 
Gewerbefleisses grösseren Beifall gehabt hätte. \ eriuuth 
¿gl)"
        <pb n="147" />
        ^ Gesellen, der Sitte gemäss, auch ohne dazu ge- 
^ " zu sein. 
eine g^% Bedingungen erledigt, und hatte der junge Mann 
kommen % Geselle gearbeitet, so war die Zeit herange- 
Bier aber zur Ablegung der Meisterprüfung meldete. 
^úne weitere Neuerung entgegen, als der 
Bnem rig¡s%'^ man die Meldung nannte, eine gewisse Dienstzeit bei 
Sämischl^" Meister vorausgehen musste. Die Schmiede (Art. i) 
•^^hr, Hereiter (Art. 20) fordern für diesen Zweck ein 
(Art. "^^chmiede 1-2 Jahr (Art. 23), die Kürschner zwei 
^^hneide^’ /{’ Leineweber (Art. 3), die Schlosser (Art. i) und 
’^^nnte sie s ^ drei Jahr. Während dieser Zeit — man 
^^ken ujjçj Bas Muthjahr — musste der Geselle sich tadellos 
Sah ^ Meister keinen Anlass zur Unzufriedenheit geben, 
den örtlich Anordnung zunächst auf Auswärtige ab, die 
^Ur selbsr ^ ^Behältnissen vertraut werden sollten, ehe man 
ior:» an ¡gen Ausübung des Gewerbes zuliess. Bei den in 
Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
127 
Folge "^^^^'^*^Bten Gesellen erfüllte sie sich ja von selbst, 
den unbe "mrde allerdings die Massregel zu einem Mittel, 
^ kalten, Myomen Konkurrenten thunlichst lange vom Halse 
'"^yitts. 0(içj. Meisterstück und die hierbei zu zahlenden 
^ ^Lhtliei^ i^ Bistergelder hielten sich, soweit aus den Schrägen 
^ ^ Mark Schranken. Die zu zahlende Summe 
3 Bei den Schneidern, 1492; 
4'/% 
5 
6 
I2 
2(j 
Hanfschwingern, 1593; 
Sämischleder-Bereitern, 1577; 
Leinenwebern, 1544; 
Ciürtel- und Breesmachern, 1512; 
Maurern, 1546; 
Glasern, 1541; 
Am ^iBSen Be” •• ” ” Böttchern, 1581. 
^^d den^^T^^"' wahrscheinlich nach dem Ansehen der 
kam ^ "'^^^^^knittlichen Einkommen seiner Mitglieder 
Vs^ JahrZ Meisteressen, dessen Veranstaltung im 
^^"Bhe Zwistigkeit verschuldet haben mag, so 
bestij^ allen Schrägen das Maass der Speisen und 
dass^^^j Lie Hanfspinner begnügen sich 1436 
^ ^ Br neu Aufzunehmende eine einfache Mahlzeit, 
Unken und Brod nebst einer Tonne Bier „und
        <pb n="148" />
        128 
Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
nicht mer' herrichte und bewilligen den ärmeren Genossen, die 
von auswärts kommen, ein halbes Jahr Zeit für die \ eranstaltung 
dieses Essens, um sich mittlerweile soviel zu verdienen, als zur 
Bestreitung der Unkosten nöthig war h Rin Eintrittsgeld aber 
verlangten sie überhaupt nicht. Und bei den Samtbäckern wiederum, 
1487, ist das Maximum der bei der Gewinnung des Amts ent 
stehenden Kosten, also offenbar Meisteressen mit Einschluss der 
haaren Beträge, auf 10 Mark rig. bestimmt ^ Hiergegen erscheint 
die bei den Glasern angesetzte „Köste^^, bei der auch die weib 
lichen Angehörigen der Amtsbrüder zugegen waren, und bei der 
Alles vom Besten (kost imd beer soll U7istraßyck syii) sein musste, 
schon üppig. Sie war nämlich fixirt auf 2 Tonnen guten Bieres, 
2 Hammelbraten, einen Schinken, eine Zunge, 2 Mettwürste, Brod 
und Reis mit Zubehör ». Wenn es dann 1581 bei den Böttchern 
heisst ßer meister wird, und seine aniptkoste auszurichten bedacht 
ist, der soll Glicht iner zu geben schuldig sein als....“*, so 
erscheint die nun folgende Begrenzung des Mahls als ein Kom* | 
promiss, zwischen dem Maass billiger Anforderungen und den 
wiederholt vorgekommenen oder zur Gewohnheit gewordenen 
Überschreitungen. Auf wieviel die „Koste“ in baarem Gelde zU 
veranschlagen war, entzieht sich der Beurtheilung, und nur der 
Schrägen der Schlosser von 1593 bietet dazu einen Anhalt, indem 
er „eins vor alle, darin die amptköste mit soll gerechnet werden‘^ 
fünfzehn Thaler vom neuen Meister verlangt ^ d. h. den Thaler zU 
6 Mark gerechnet — 90 Mark; gerade hierzu aber hat eine andere 
Hand, die indess vermuthlich doch erst dem folgenden Jahrhundert 
angehört, bemerkt, dass man 15 Thaler geben und die Amtsköste 
ausserdem veranstalten müsse, sowie am Ende eine kaum über 
triebene Berechnung sämmtlicher Unkosten aufgestellt. Unter ihnen | 
erscheint das Meisteressen mit 24 Thaler angesetzt. Gehört dieses 
Verzeichniss wohl schon in die Zeit des Verfalls, so belehrt uns i 
die „Ordnung von den Ambtkosten“^ aus dem Ende des sechs 
zehnten Jahrhunderts, dass man auf der schiefen Ebene immerlut^ 
ziemlich weit hinabgeglitten war. Die dort nachgewiesenen Beträgt^ 
1 S. unten II. Theil Nr. 39, Art. 13, 14. 
2 S. unten II. Theil Nr. 6, Art. 8. 
3 S. unten II. Theil Nr. 21, Art. 6. 
4 S. unten II. Theil Nr. 15, Art. 8. 
5 S. unten II. Theil Nr. 7Q, Art. 2. 
6 Anhang Nr. 6.
        <pb n="149" />
        Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
129 
aufzubringen wird unter Umständen für die Gewerbetreibenden 
aicht leicht gewesen sein. 
Verhängnissvoller als die Höhe dieser Beträge, über deren 
drückende Wirkung sich ein entschiedenes Urtheil nicht gewinnen 
lässt, war der Umstand, dass die Ämter anfingen sich zu geschlos 
senen auszubilden. Man setzte die Zahl der Meisterstellen fest und 
Hess keinen Gesellen zur Prüfung oder Anfertigung des Meister 
stückes zu, ehe durch Tod oder Abgang eine Lücke eingetreten 
"^ar. Diejenigen Gewerbetreibenden, die in Riga zuerst diesen 
Schritt thaten, scheinen die Samtbäcker gewesen zu sein. In dem 
Schrägen von 1487 wird ihre Zahl auf 16 beschränkt. Es folgen 
^1^ Goldschmiede, indem sie 1542 sich auswirken, dass es ihrer 
ttur 12 Meister sein sollen, und die Leineweber, die 1544 30 Meister 
^tilassen. Über diese Zahl weit hinaus greift der Schrägen 
tier Hanfschwinger, für welche die Obrigkeit die Zahl der Mit- 
SHeder iggj auf 132 ansetzt. Doch haben wir es hier nicht mit 
filler gewerblichen, sondern, wie erwähnt, commerziellen Zwecken 
dienenden Korporation zu thun. Es liegt auf der Hand, wie wenig 
*tu Interesse der Gesammtheit eine derartige Beschränkung der 
‘^eisterstellen war. Sie war von dem vernünftigen Wunsche ein- 
Scgeben, eine Überproduktion nicht aufkommen und jederzeit das 
^agebot mit dem Begehr in Übereinstimmung sein zu lassen. Alle 
Hglieder der Zunft sollten ein genügendes, wenn möglich reich- 
^hes Einkommen haben, um den Stand als einen ansehnlichen auf 
tier Höhe zu halten. Aber dahinter lauerte, begleitet von dem Un- 
^erinögen, die richtige dem Bedürfniss entsprechende Zahl zu finden, 
Eigennutz, der sich auf Kosten Anderer zu bereichern suchte 
^tl alle jüngeren Mitbewerber gerne zurückschob. Es war ein 
^**8«cbliches Beginnen bei einer für gewöhnlich anwachsenden Be- 
'j^lkerung die Zahl der Meisterstellen feststellen zu wollen, die für 
'vechselnde, in der Regel sich vermehrende Nachfrage aus- 
^^Hig zu sorgen vermochte. Auf der anderen Seite wurde die 
^SHchkeit des Erwerbes für das Individuum in einer W^eise be- 
kränkt, die seiner Existenzberechtigung geradezu Hohn sprach. 
. ^f^lnzelne fähige und geschickte Handwerker wurde längere Zeit 
^Iner unselbständigen, die freie Entfaltung seiner Kräfte lähmenden 
^ ^llung festgehalten, lediglich weil die das Vorrecht besitzenden 
'^nossen dasselbe nur mit Wenigen zu theilen geneigt waren. Es 
auf der Hand, dass die Gesammtheit unter dieser Einrichtung 
die gewerbliche Entwickelung gehemmt wurde und weder so
        <pb n="150" />
        Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
130 
gut noch so viel producirt wurde, als dem jederzeitigen Bedürfniss 
entsprach. 
Unverkennbar geht somit die Tendenz der Zunftgesetze dahin, 
allmählig strenger zu werden, und es wird schliesslich der zünft- 
lerische Betrieb der allein zugelassene. Schon in der vom Erz 
bischöfe Michael und dem Ordensmeister Plettenberg erzielten Ver 
einigung zwischen dem R.ath und der kleinen Gilde wird der 
Grundsatz ausgesprochen, dass zur Betreibung „bürgerlicher Nahrung“ 
nur Gildenbrüder berechtigt seien h Die Polizeiordnung von 1502 
_i5()3 regelt dann die Ausschliesslichkeit zünftlerischen Betriebes; 
sie weist die Amtsherren an, die Handwerker in ihren Privilegien zu 
schützen und dieser Auffassung gemäss werden in den Schrägen 
des sechszehnten Jahrhunderts wiederholt Bestimmungen aufge 
nommen, die den Privilegirten das Recht einräumen, die „Bönhasen'', 
d. h. diejenigen, die ohne Mitglied eiries Amts zu sein, einem Ge 
werbebetriebe oblagen, zu verfolgen. Die Böttcher pflegten ,,so 
nicht amptsgerechtigkeit gethaft^^, sie den Amtsherren anzuzeigen, 
die dann zu bestimmen hatten, wie die Unglücklichen gerichtlich 
zu belangen waren (Art. 22), und die Glaser hatten vom Rathe die 
Zusicherung, dass „Niemand sollunsem ampie to vorfange arbeideii^- 
Der Rath musste die Übelthäter bestrafen, im Wiederholungsfälle 
die Strafe verdoppeln und mit Ausweisung aus der Stadt drohen 
(Art. 21). Ähnlich fallen die Anordnungen bei den Kürschnern 
(Art. 4 d. Sehr. v. 1588), den Schlossern (Art. 12), den Schmieden 
(Art. 22) und den Schneidern (Art. 40 d. Sehr. v. 1492) aus. Bei 
den letzteren insbesondere hat die vielleicht dem Ende des sechs- 
zehnten Jahrhunderts entstammende hochdeutsche Übersetzung àie 
Verfolgung der Bönhasen genau geregelt (Art. 32 u. 36). Wenn 
es erlaubt ist von den Revaler Zuständen auf die rigischen ^ 
schliessen, so wurden die Bönhasen regelmässig in gewissen Zeit 
räumen aufgesucht. „Anno (1^)18 den is marty hefft unse smedc 
ampt ere boenhaseit beseen^^ heisst es in einer Aufzeichnung Be 
Revaler Schmiede, die nicht weniger als 25 Bönhasen, oder W* 
sie einmal genannt werden „Broddiebe“ aufweist ^ Letztere Be 
Zeichnung ist natürlich nur vom Standpunkte der Amtsmeister zri 
verstehen, die sich durch die Ausübung des Gewerbes seitens Bef 
1 Keussler, a. a. O., S. 35. 
2 Monum. Liv. antiq. IV, S. CCLVII. 
3 Beiträge z. Kunde E. L. K. 4, S. 113.
        <pb n="151" />
        9* 
Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
131 
^ichtzünftigen in ihren wohlerworbenen Privilegien beeinträchtigt 
glaubten. Dass in Riga die Goldschmiede unbarmherzig gegen 
diejenigen vorgingen, die unbefugt, ohne die Meisterschaft erworben 
haben, die Goldschmiedekunst betrieben, ist durch anderweitige 
Untersuchungen festgestellt*. Die armen Bönhasen wurden mit 
Hilfe des Wachtmeisters, der seinen Vortheil dabei fand, aufge- 
stobert, wiederholt eingesperrt und gerichtliches Urtheil über sie 
äiisgewirkt. In Reval entwickeln 1591 die Schneider einen voll 
ständigen Feldzugsplan gegen ihre nichtzünftigen Genossen und 
Erbitten seine Genehmigung vom Rathe. Mit Hilfe städtischer 
^olizeibeamten sollten die Winkelschneider eingefangen, ihre Werk- 
^^uge, wie Scheere, Wachs, Zwirn weggenommen, sie selbst in die 
Wohnung des Ältermanns geführt und gerichtlich abgeurtheilt 
Werden l 
Mit diesem sich in der hässlichen Bönhasenjagd kundthuenden 
ygoismus hängt auch der Versuch zusammen, den Arbeitskreis eines 
J^’ien Amts genau begrenzen und jeden Wettbewerb verwandter 
^mter, der die Einnahmen der Einzelnen schmälern musste, aus- 
^^hliessen zu wollen. Zunächst ging man seitens des Raths gegen 
Handwerker selbst vor, indem man, um den Brauern ihren 
rvverb zu sichern, den ersteren das Brauen untersagte. Aber als 
*427 dieses Verbot erging, stiess seine Ausführung auf so heftigen 
•Verstand, dass es zu Michaelis 1428 wieder aufgehoben werden 
'Müsste». Doch setzte der Rath seinen Willen später durch, und in 
Polizeiordnung von 1502—3 ist die strenge Scheidung des 
^(ciebes der Brauerei, sowie des Handels von dem der Hand- 
'''erke festgestellt ^auf dass Einer sich vor dem A7idern bergen 
^ge^'^. War hierbei mehr die Trennung des Kaufmanns- und des 
^*idWerkerstandes beabsichtigt, denn die Brauer als „Grossindu- 
^trielleu ^u dem ersteren, so wandten die Gewerbetreibenden 
später gegen einander und bemühten sich ihr Arbeitsgebiet 
Übergriffen Anderer zu sichern. So stellen die Samtbäcker 
die Brodsorten fest, die sie gegenüber den „gemencn beckern^^ 
*^echt haben anzufertigen; so wird von Raths wegen den Gürtel- 
l^^^bern und russischen Krämern 1569, den Liggern und den Los- 
^gern in demselben Jahre, den Scheidemachern und Gürtlern 1377, 
ihrer Thätigkeit bestimmt. Die Schmiede aber nehmen 
g ^iieda, Bait. Monatsschr. 35, S. 143. 
g z. Kunde R. L. K. 4, S. 117- 
K. C. Urk. 7, Nr. 066.
        <pb n="152" />
        1 
Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
132 
15781 ausdrücklich in ihren Schrägen die Bestimmung auf, dass 
keiner ,,dem a7iderenn mn sein gelernetes ha^idtwerck fallenn, 
Sicherlich mussten die Schwierigkeiten, jedem Gewerbe seine 
Grenzen zu ziehen, mit der Zeit wachsen, und zeigt sich hier eine 
der hauptsächlichsten Ursachen des Verfalles. 
Alle diese Bestimmungen verfehlten nicht auf das Verhältniss 
von Meister und Gesellen Einfluss zu gewinnen. Wenn es im 
Allgemeinen schwieriger wurde Meister zu werden und den Meistern 
selbst ihre Existenz nicht ganz leicht gemacht war, so verstand es 
sich von selbst, dass für Viele der Gesellenstand von ewiger Dauer 
wurde. Nicht Wenige mussten darauf Verzicht leisten, überhaupt 
je an das erträumte Ziel zu gelangen. Die auf diese Weise an 
Jahren älteren Gesellen aber erhoben alsdann grössere Ansprüche, 
wurden unbotmässig, fühlten sich in ihrem besonderen (iesellen- 
stande und stritten mit den Meistern über die ihnen einzuräumenden 
Rechte. Von Zerwürfnissen zwischen Meistern und (Gesellen legt be 
züglich der Schneider ^ die Rathsentscheidung von 1574 Zeugniss ab, 
die die Arbeitsbedingungen für die Gesellen in einigen wesentlichen 
Punkten regelt. Die Rathsentscheidung von 1575 bezüglich der 
Tischler ® organisirt das Arbeitsverhältniss der Gesellen vollständig 
und gewährt gleichzeitig einen Einblick in das innere Eeben der 
Gesellenverbindungen, während der Schrägen der Schlosserge- | 
seilen von 1581 ein förmliches Statut ist. In Allem zeigt sich 
eine feste Ordnung des Gesellenwesens, das bei einigen Zugeständ 
nissen doch eine unverkennbare Abhängigkeit von den Meistern 
verräth. Ist es gestattet von der bei den drei genannten Hand 
werkern sich zeigenden Organisation auf die Verfassung im All 
gemeinen zu schliessen, so wären die nachstehenden (jrundzügc 
etwa die maassgebenden gewesen. 
Die Gesellen bildeten eine Bruderschaft mit dem Zwecke ihre 
Interessen wahrnehmen zu wollen. Bei den Schlossern scheinen 
auch die Lehrjungen zugezogen worden zu sein, was indess kaujn 
allgemeine Regel gewesen sein dürfte. Ihren Vorstand bildeten 
2 Altgesellen oder Oertengesellen; die letztere Bezeichnung ist von 
dem süddeutschen Irte, d. h. so viel wie Wirthsstube, abzuleiten- 
vSie hatten die Schlüssel zur Lade und zur Büchse und führten 
1 S. unten 11. Theil Nr. 83, Art. 19. 
2 S. unten II. Theil Nr. 88. 
3 S. unten II. Theil Nr. 94.
        <pb n="153" />
        Der Aufschwungs der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
133 
offenbar das (iesellenbuch. Alle vier Wochen versammelte man 
Sich und veranstaltete eine „Umfrage“, ob die Gesellen gegen ein 
ander was vorzubringen hätten. Nach Ausgleichung der Streitig 
keiten, falls diese vorgekommen waren, blieb man beim Trünke 
zusammen, zu dessen Bestreitung Jeder alle 4 Wochen einen kleinen 
Beitrag beisteuerte; bei den Schlossergesellen 4 rig. Schillinge, 
^^iese, sowie die für Übertretung der Statuten oder sonst zu zah 
lenden Brüche und Strafgelder flössen in eine gemeinsame Kasse — 
Büchse. Bei den „Schenken“ und Zusammenkünften wurde auf 
■Zustand und gesittetes Betragen gesehen ; über das, was auf ihnen 
sich ereignete, vierteljährlich den Meistern Rechenschaft abgelegt, 
■^us der Büchse wurden auch die Unterstützungen in Krankheits 
fällen gezahlt. Doch hatte bei den Schneidern der Meister die 
^ orpflJchtung übernommen für die erkrankten Gesellen zu sorgen, 
sei denn, dass sie durch eigene Verschuldung sich die Krankheit 
^ogezogen hatten. 
Kam nun ein Geselle nach Riga, so musste er im Kruge oder 
^or Amtsherberge absteigen, wo die Oertengesellen täglich vor- 
^ptachen, um sich nach den Fremdlingen zu erkundigen. Er wurde 
einem Trünke bewillkommnet und sein Namen in das Gesellen- 
kuch eingetragen, wofür er eine Kleinigkeit zu zahlen hatte, dann 
^GrschafFte man ihm eine Stelle, und die beiden Oertengesellen 
leiteten den Fremden in die Werkstätte, die er gewählt hatte, 
^oi den Tischlern wenigstens gab der Meister bei dieser Gelegenheit 
5 Kannen Bier zum Besten, ln der Ausübung der übernommenen 
^»■fieit war den Gesellen treue Pflichterfüllung an’s Herz gelegt, 
^^or Arbeitstag dauerte bei den Tischlern von 5 Ehr Morgens bis 
^ Ehr Abends; bei den Schlossern von 4 Uhr Morgens bis 7 Uhr 
^kends; bei den Schneidern wird nur die Zeit des Aufstehens und 
^^hlafengehens bestimmt, ersteres zu 5 Uhr im Sommer wie im 
foter, letzteres zu 9 Uhr Abends. Die wirkliche Arbeitszeit wird 
Abrechnung der Pausen und Mahlzeiten kaum 11 Stunden 
^kerschritten haben, wenn auch bei den Schlossern nominell der 
^'■keitstag 15 Stunden umfasste. Nach Feierabend durften die 
^Sellen für sich arbeiten, was insbesondere bei den Schlossern 
Senau geregelt war. Der Sonntag scheint nach den Vorgängen 
den Schneidern ihnen nicht völlig frei gegeben gewesen zu 
Ein Wechsel der Werkstätte stand dem Gesellen natürlich 
^loch durfte er nur des Sonntags austreten und an demselben 
nach einer neuen Stelle sich umsehen. Andernfalls musste
        <pb n="154" />
        134 
Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
er eine ganze Woche lang die Arbeit zur Strafe aussetzen (Art. 23 
d. Sehr. d. Schlossergesellen). 
Jede Unterbrechung der Arbeit an den Wochentagen, das 
Feiern blauer Montage, war streng untersagt. Doch war den 
Schlossergesellen alle Vierteljahr ein freier Montag eingeräumt 
(Art. 24). Endlich hatten wenigstens die Schlossergesellen sich 
dazu verstehen müssen ihr Siegel in die Hände der Amtsherren 
abzuliefern und durften nur mit deren Vorwissen einen Briefwechsel 
mit den Kollegen in anderen Städten führen. Vermuthlich werden 
sich dieser Maassregel alle Gesellenverbindungen haben unter 
werfen müssen, wenn auch die Tischlergesellen sich 1575 noch das 
Recht anmaassten denjenigen, der die Statuten übertreten hatte, 
,^aufzutreibe7i, soweit als man kan^^, d. h. ihm überall wo er hin- 
käme, die Möglichkeit, Beschäftigung zu erhalten, abzuschneiden. 
Es wird hiernach kaum in Abrede zu stellen sein, dass bei 
aller Vortrefflichkeit und vollendeten Abgeschlossenheit der Orga 
nisation schon manche Einrichtung sich zeigte, die für die weitere 
Entwickelung verhängnissvoll wurde und schliesslich zum Sturz der 
ganzen Verfassung führte. Vielleicht lassen sich die vorstehend 
angedeuteten und charakterisirten Veränderungen am besten 
erfassen, wenn man die Schrägen eines und desselben Gewerbes 
aus den beiden Jahrhunderten mit einander vergleicht. Nur die 
Leineweber bieten mit ihren Schrägen von 1458 und 1544, bezW- 
1588 die Möglichkeit dazu. 
Die Leineweberei war eines der wenigen Gewerbe, das sowohl 
den Männern als auch den Frauen offen stand. Letztere konnten 
selbständig, auf eigene Rechnung, und als Ciehilfinnen eines Meisters 
thätig sein. Man unterschied „de suster, de dar arbeydet up stk 
sulvest^^ und „de kuinpensche, de dar arbeydet inyt des tuey 
Sters tuge^^. 
Der für die Weberei geltende Schrägen von 145^ lässt ein^ 
ursprünglich geistliche Genossenschaft erkennen, die zu einer welt 
lichen, Erwerbsinteressen vertretenden Korporation herausgewachsen 
ist. Sämmtliche Mitglieder des Gewerbes, männliche und weibliche, 
haben eine „selschop m de ere m des hilgen lichuames^^ errichtet, 
und eine Willkür (wilkore) aufgesetzt, mit der sie vor den Rath 
treten, um ihre Bestätigung, bezw. Verwandlung in einen Schrägen 
bittend. Dass diese in der That erfolgt sei, ist in der Urkunde 
nicht angegeben, doch heisst es am Schlüsse, dass alle „ere reddt 
lie key t ui gegev eu iu dat auipt'-', wobei ein Kathsherr, dessen Name*’
        <pb n="155" />
        Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
nicht genannt wird, anwesend gewesen wäre. Auch beziehen sich 
Leineweber in dem späteren Schrägen von 1544 darauf, dass 
’hr Amt mit yiCynent gewÖ7tlicken schrageti^ vom Rathe bereits 
ausgestattet sei. Mithin wird man wohl das ältere Statut als zu 
^ccht bestehend ansehen dürfen. Jedenfalls enthält es ein eigen 
artiges Gemisch von Bestimmungen, die sich auf die Organisation 
Handwerks und solchen, die sich auf die Regelung der ge- 
selligerj Zusammenkünfte beziehen. Alle Anordnungen gehen bunt 
(durcheinander, und man gewinnt keinen festen Eindruck, welche 
(der beiden Richtungen den Hauptton angiebt. 
d)ie gewerblichen Zustände erscheinen noch in sehr einfachen 
hormen. Eine fest bestimmte Lehrzeit ist nicht vorgesehen, und 
Werden an den Lehrling keine anderen Anforderungen gestellt, 
^ds dass er bei Antritt der Lehre eine halbe Mark in die 
ddüchse giebt. 
d)er Geselle nimmt eine freiere, dem Meister fast ebenbürtige 
Stellung ein. Mit den (Gesellen zusammen haben die „¿hmeinvevere 
^^^T'achtichlikeii overe7igedyege7t‘'‘^ die Statuten und nach keiner 
d^ichtung ist ein drückendes Abhängigkeitsverhältniss derselben 
Meister angedeutet. Nur muss der zugewanderte (leselle eines 
^uten Rufes geniessen; dringen ungünstige Nachrichten über ihn 
Riga, so muss er das Amt verlassen. Im Übrigen hatte er 
^^ini Eintritte ein Pfund Wachs zu liefern. 
d^ür das weitere Aufrücken des (Gesellen in die Meisterschaft 
"^ur nur die (iewinnung der Bürgerschaft und die Veranstaltung 
^’Uer Mahlzeit erforderlich, die aus 2 1 onnen Bier, einem Grapen- 
du'uten, einem Schinken, und Brod nach Bedarf bestand. Die 1 hä- 
’ßdceit des Meisters selbst bewegte sich dann in vorgeschriebenen 
d^’^Gnzen. Keiner sollte den Andern in der Ausübung seines Gewerbes 
^^ören, Keiner versuchen dem Andern seine Gesellen oder Lehr- 
abspänstig zu machen. Vor allen Dingen aber durfte er nur 
^*^^n Lehrling zur Zeit haben und nicht mehr als vier Stühle in 
bringen. 
Ausführlicher sind die den socialen Einrichtungen gewidmeten 
^"Ordnungen. Alle Mitglieder müssen sich zu vierteljährlichen 
¡^l^gaben von je 2 Schillingen verstehen und ausserdem am Fron- 
d^hnamstage ein Pfund Wachs liefern. Das Wachs müssen auch 
Gesellen in gleicher Menge geben, während die Lehrlinge die 
älfte bringen. Sicherlich wurde das Wachs zur Anfertigung der 
der Kirche beim Gottesdienste erforderlichen laichte benutzt. In
        <pb n="156" />
        1 
Í 
1^6 Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
einem sehr eingehenden Sittenkodex ist alsdann der Verkehr auf 
den Zusammenkünften geregelt. Man soll die Versammlung nicht 
versäumen, nicht baarfuss oder „nacktschenkelig“ erscheinen, sich 
nicht gegenseitig schimpfen, kein Bier verschütten, sich gegen 
den Leiter der Versammlung nicht auflehnen u. drgl. m. Wesent 
licher als alles dies aber war die Krankenunterstützung, die 
indess bei Besserung der materiellen Lage zurückgezahlt worden , 
zu sein scheint, da sie nur auf ein Pfand hin gewährt wurde, und 
die gemeinsame Bestattung Verstorbener. Auch den ausserhalb 
Landes gestorbenen Meistern und Gesellen wurden, wenn sie in 
Erfüllung ihrer Pflichten in ein frühes Grab gesunken waren, die | 
letzten Ehren nicht verweigert. 
Die Genossenschaft scheint keine kleine gewesen zu sein. Em 
an den Schrägen sich anschliessendes Verzeichniss von Geschenken, 
„in tmse ampth to vorbeteringe mises ampies in de ehre des hilgen 
tichams“ weist 21 Mitglieder nach, darunter 5 weiblichen Ge 
schlechts. Doch werden kaum alle Mitglieder ihre Freigiebigkeit 
bewiesen haben. 
Gegenüber diesen Zuständen lässt uns der Schrägen von 1544 
in erhebliche Änderungen Einblick nehmen. Seltsamer Weise geht 
auch hier die Initiative zur Umarbeitung des Statuts wieder von den 
Webern selbst aus, die Sorge trugen, dass ihr Amt nicht in Verfall 
gerathen und gar verachtet werden könnte. Aber der Rath wat 
nicht ohne Weiteres bereit den neuen Entwurf zu bestätigen, und 
wiederholt mussten die Leineweber den Amtsherren ihr Gesuch 
vortragen, ehe es genehmigt wurde. 
In Bezug auf das Lehr lings wesen zeigt die neue Verfassung 
noch immer keine fest bestimmte Lehrzeit. Aber die Annahme 
eines Lehrlings ist nicht mehr Privatangelegenheit, sondern Sache 
des Amts, das von ihr benachrichtigt werden muss. Der Lehrling 
hatte hierbei eine Mark rig. und nach Beendigung der Lehrzeh 
eine Tonne Bier zu spenden. 
Für das Gesellenwesen ist charakteristisch, dass der zuwaU' 
dernde Geselle, wenn er Arbeit gefunden hat, 12 Schillinge in die 
Amtsbüchse geben muss. Die Gesellen haben nicht mehr freie 
Beköstigung beim Meister, sondern müssen für sich selbst sorgeh- 
Der ihnen bewilligte Arbeitslohn beträgt die Hälfte von deih 
seitens des Meisters mit dem Kunden vereinbarten Betrage. 
die längste Zeit im Amte beschäftigt gewesen war, besass di^ 
meiste Anwartschaft auf eine freie Stelle.
        <pb n="157" />
        Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
137 
Mittlerweile nämlich war das Amt zu einem geschlossenen ge 
worden und die zulässige Zahl der Meister im Maximum auf 30 
beschränkt. Dem entsprechend sind die Bedingungen, unter denen die 
Meisterschaft erlangt werden kann, wesentlich verschärft. Zu den 
bisherigen sind hinzugekommen echte Geburt, dreimalige Eschung, 
^ine Wartezeit von mindestens drei Jahren, eine Geldzahlung von 
5 Mark rig. und Anfertigung eines Meisterstücks. Das Meisteressen 
w^ird üppiger verlangt, indem es aus einem Schinken, zwei Stücken 
"^rockenfleisches, einem halben Ochsen, 2 Mettwürsten, Brod für 
^ine Mark und drei Tonnen Bier bestehen muss. Überdies wird 
nicht jede Meldung ohne Weiteres berücksichtigt. Wer an anderen 
^rten schon selbständig gewesen und Frau und Kinder hatte. 
Wurde unbarmherzig zurückgewiesen, selbst wenn er alle Bedingungen 
erfüllen versprach, und sogar nicht näher auseinandergesetzte 
Ursachen, z. B. „wenn er des ainptes nicht werdich were'‘\ können 
S^gen die Annahme geltend gemacht werden. In allen diesen 
^Unkten waren Söhne von Amtsgenossen begünstigt, sie hatten 
die Hälfte „von des handtwercks gerechticheit^'’ zu leisten. 
Hemerkenswerth ist, dass allerdings lettische Mitglieder, aber 
^^ine litthauischen und estnischen zugelassen wurden. Der Lette, 
auch ein Undeutscher, fühlte sich nunmehr so solidarisch mit 
^ent Deutschen, dass er gemeinsam mit diesem gegen das Ein- 
bringen fremder, dem Gewerbe wesen nicht zuträglicher Elemente 
®*ch auflehnte. 
In der Ausübung seines Arbeitsrechtes erscheint der Meister 
1544 viel beschränkter. Keiner darf seinen Absatz ausserhalb 
suchen; weder seine Gesellen darf der Meister auf s Land 
schicken, noch sich selbst dahin begeben. Dabei durften nur drei 
^ñhle in Gang gesetzt werden (gegen vier im vorhergehenden 
jMirhundert) : „eine vor sick, eine vor einen gesellen U7id eine vor 
Jungen^. Offenbar befürchtete man das Entstehen einer Art 
J^'iternehmer, die nur Andere für sich hätten arbeiten lassen. Die 
cistung selbst wird einer genauen Kontrole unterworfen, indem 
vier Wochen ein dazu Verordneter umgeht, das Maass in der 
Um sich zu überzeugen, dass die Leinwand tadellos in vor- 
^cschriebener Breite von V4 angefertigt wird. 
f^ür den Verkehr untereinander gelten die früheren Bestim- 
dass man sich freundlich begegnen und sich das Hilfs- 
csonal nicht gegenseitig abspänstig machen solle. Bei ausge- 
'■^chenen Misshelligkeiten darf die Genugthuung nicht zuerst beim
        <pb n="158" />
        Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
Vogt gesucht werden, sondern man ist verpflichtet sich an den 
Ältermann zu wenden, und nur wenn diesem die friedliche Aus 
söhnung nicht gelingt, ist der Recurs an die Amtsherren gestattet. 
Der Wittwe eines gestorbenen Genossen wird das Recht einge 
räumt den Betrieb fortsetzen zu dürfen, so lange bis sie sich auf s 
Neue etwa vermählt. 
Hinter diesen Bestimmungen tritt die Regelung der geselligen 
Beziehungen auf den Zusammenkünften zurück. Mit der Reformation 
haben die geistlichen Genossenschaften ihre Bedeutung verloren, 
und die Versammlungen, von denen nunmehr die Rede ist, und die 
Keiner versäumen darf, werden lediglich zur Verhandlung gewerb 
licher Interessenfragen gedient haben. Festgehalten ist die Unter 
stützung verarmter und erkrankter (Genossen. Alle vier Wochen 
wird eine Büchse umgetragen, in die jeder Meister und Geselle 
einen Schilling legen soll, ,,darmede sul 7Hen im falle, so einer not' 
dürftig werde^ demstilven to hulpe kome^i''''. 
So erscheint denn zwischen den beiden Schrägen ein geradezu 
greifbarer Unterschied. Das Riga von 145^ zeigt ein wesentlich 
anderes (Besicht als das von 1544. ln dem Riga des fünfzehnten 
Jahrhunderts verdiente man reichlich und lebte becjuem. jeder 
hatte ein genügendes Einkommen und Raum genug sich zu bewegen- 
Keiner sah scheel auf den Anderen, und die der Produktion gezo 
genen Grenzen waren weit bemessen. Hundert Jahre später macht 
sich eine entgegengesetzte Strömung geltend. Offenbar hat trotz 
Zunahme der Bevölkerung, die man annehmen, wenn auch nicht 
beweisen kann, die gleichmässige Fortentwickelung des Gewerbe 
wesens durch Krieg und sonstige Unruhen gelitten. Somit wünscht 
man die Produktion zu verringern, um die Preise halten zu können, 
die Zahl der Bewerber einzuengen und durch verschiedenes öko 
nomisch-technisches Detail die Absatzfähigkeit der Erzeugnisse zti 
verbessern. Augenansehnlich ist das Fortkommen des Einzelnen 
erschwert; der Zutritt zum Amte ist nicht so leicht wie früher un^ 
die Ausübung des Gewerbes bleibt einer kleinen Zahl privilegirtef 
Meister Vorbehalten. 
Theilweise können diese (àrundsâtze nur gebilligt werden, 
sie im Interesse des Publikums lagen, theilweise aber offenbaren 
sie die Selbstsucht der Handwerker, die in folgenden Jahrhunderten 
noch üppigere Blüthen trieb. Diesen Charakter trägt auch 
Genehmigung, die der Rath der von den Leinewebern erbetenen 
Veränderung ihres Schragens am 14. Juni 1588 ertheilte. Es zeig*
        <pb n="159" />
        Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
139 
Sich ein ernsthaftes Streben der Handwerker den an sie zu stellenden 
Anforderungen gerecht zu werden, aber sie vergessen die Wahrung 
•hrer eigenen Interessen nicht. Es soll nicht versäumt werden das 
Meisterstück von dem zum Eintritt in das Amt sich meldenden 
Gesellen zu fordern. Die „mutliwilligen“ Montage der Gesellen 
Werden thunlichst beseitigt. Jeder verj'ubelte Arbeitstag bedingt 
^*ne Strafe von 6 Ferdingen. Die eingesammelten Monatsbeiträge 
tollen ,^dem amte zum besten^ auf bewahrt, die Gelegenheit zum 
Prunke nicht mehr so häufig wahrgenommen werden. Auch 
''"ii’d ein Missbrauch abgestellt, der sich wunderlich genug aus- 
•^immt. Bei Klagen nämlich der Konsumenten über die Weber 
niussten diese für zu geringes Gewicht oder ungenügende Güte 
Leinwand Geldstrafen zahlen. Das scheint nun in der Art 
S^schehen zu sein, dass Alle für Einen einstanden, und die betreffende 
^umme aus der gemeinschaftlichen Kasse genommen wurde. Fortan 
das verboten, und jeder sollte den Schaden, den er verursacht 
^^tte, aus eigener Tasche decken. 
Trotz dieser Schattenseiten, die die Verfassung allmählig auf- 
standen die Handwerker gerade während dieser Periode un- 
^''^eifelhaft auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit. Sie waren behäbig, 
•hre Ämter zahlreich besetzt und angesehen. Mehrere derselben 
^^^chten es zu eigenem Immobilienbesitz, viele von ihnen hatten 
^Gmde Baulichkeiten belieben. Ein Haus der Knochenhauer, belegen 
^ ^er Rederstrasse, und doch wohl als ein Amtshaus, in dem sie ihre 
^rsammlungen abzuhalten pflegten, zu verstehen, wird seit i434 
*^fchgewiesen h Ob es identisch mit den „twe klene olde huse“, 
die Knochenhauer im Jahre 1531 verkauften*, bleibe dahinge- 
'^Hlt. Ein „Hms, dat den goltsmeden tohort'^ kommt i453 vor*, 
gerade das Amt der Goldschmiede verlieb wiederholt Geld 
Häuser in der Stadt\ Die Häuser beider genannten Ämter 
^fanden sich in der Nähe der St. Jakobikirche*. Die Schneider 
^•■•iauten sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein Amtshaus *, zu 
^ssen Kosten jeder neu eintretende Meister 10 Mark zu geben 
'"^'■pflichtet war; dasselbe lag in der Nähe der St. Johanniskirche’. 
Napiersky, Erbeb. I, &lt;&gt;983, 1046; II, 237. 
Napiersky, Erbeb. II, 626. 
Napiersky, Erbeb. I, 895. 
^ Stieda, Halt. Monatsschr. 35, S. 125. 
i^unge, Stadt Riga, S. 162. 
** S. unten II. Thcil Nr. 85. Hoclid. Übers, d. Schragens v. 1402, Art. g. 
Napiersky, Erbeb. II, 1465.
        <pb n="160" />
        140 
Der Aufschwung der Handwerksämter im 16. Jahrhundert. 
Auch das Schuhmacheramt besass im fünfzehnten Jahrhundert, 
wahrscheinlich schon früher, kleine Häuser in der Schuhstrasse, 
dem Fleischscharren gegenüber Auch die Hier- und die Losträger 
besassen eigene Häuser, die in der Schweinestrasse, nur durch ein 
Gebäude von einander getrennt, sich befanden*. Die ersteren Hessen 
das ihrige im Jahre 1516 mit einem Kostenaufwand von 38 Mark* 
umbauen und scheinen überdies noch andere Häuser besessen zu 
haben. Wenigstens kassirten sie 1515 35 Mark (Miethe?) von dem 
sogen, grauen Hause auf dem Petrifriedhofe ein‘‘. Wegen eines 
ihrer Häuser hatten die Hierträger später einen Process mit Nico 
laus Holste, der im Jahre 1529 zu ihren Gunsten entschieden wurde*, 
und verbauten im folgenden Jahre abermals eine Summe von 
20 Mark und einigen Ferdingen, die sie durch den Verkauf eines 
Agnus Dei gelöst hatten 
Deutlicher als diese spärlichen Nachrichten beweisen die in den 
dreissiger und vierziger Jahren des sechszehnten Jahrhunderts m 
den livländischen Städten ausgebrochenen Streitigkeiten zwischen 
Kaufleuten und Handwerkern der letzteren Reichthum oder Wohl 
habenheit. Die Rüssowsche Chronik^ berichtet uns, dass sie sich 
über ihren Stand zu erheben, es den Kaufleuten und dem Adel i" 
Luxus und Pracht gleich zu thun und ihre geschäftlichen Heziehungen 
auszudehnen suchten. Wenn man es als den (Grundsatz des Meisters 
Walter von Plettenberg verkünden hört, auf die Handwerksämter 
ein wachsames Auge haben und Sorge tragen zu wollen, dass sie 
nicht zu grossen Einfluss im staatlichen und bürgerlichen Leben 
gewönnen, so kann man sich leicht denken, dass Übergriffe vor 
gekommen waren oder drohten. Namentlich wetteiferten die Han^l 
werker-Frauen und -Töchter in der Kleidung mit den Frauen ans 
dem Kaufmannsstande, was denn nicht verfehlte Missfallen hervor 
1 Bunge, a. a. ü., S. 162. 
2 Napiersky, Erbeb. II, 45, 247, 377 u. s. w. 
3 Aus cl. Bruderbuch der Bierträger: Item int yar- i^t6 utf^egeven 
to bmven dat ¡ms yn der szvyftstrat unde vor was ande vor nyge glese to makendt 
4 Item int yar lgtg do gaf uns Henrick W^a/kcmoüe und syn vrouwe 
gg mark Kighes to rente van dem granen hits uppe santé Peters kerckhave, 
uns plach to hören. ^ 
5 Item ynt yar igsy do geven wy ut mark vor den iri/, den wy erlang^ ^ 
van dent ersamen rade to Ryge up dis hüss, da Nico/aus Hoisten umme spf' 
und zvy beholden recht. 
R Hem ynt yar iggo do vorko/ten zvy der Karppeske eyn agnus dei * 
20 mark und 6 ferdinge ; und dat zvart hyr yn dissent ¡tuse vorbnwet. 
7 Ausgabe von Fabst, S. 67, 6i&lt;.
        <pb n="161" />
        Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
141 
Zurufen. In Dorpat wurde dadurch gelegentlich ein grosser Skandal 
Veranlasst. Eines Kürschners Töchterlein, das gleich der Tochter 
eines Kaufmanns geschmückt, zur Kirche ging, wurde im Aufträge 
^es Raths von einigen Stadtknechten ergriffen und „ihres Schmuckes 
v^or aller Welt beraubet und beschämt“. Zur Beilegung derartiger 
Zwistigkeiten ordnete Meister von Plettenberg einige Adlige ab, 
denen es in der That gelang ein friedliches Einvernehmen herzu- 
^^Gllen. Jedoch nur äusserlich, denn, wie Küssow bemerkt, „so ist der 
^^te (iroll bei denen vom Adel und den Bürgern und bei den Kauf- 
^^uten und Handwerkern allewege geblieben und hat sich täglich 
vermehrt, bis dass der grosse Weihe über sie alle geflogen hat“. 
^^ei den Schilderungen, die Küssow von der Üppigkeit der 
^ochzeitsfeiern und Kindtaufen entwirft, ist zwar nur von Adeligen 
^J*d Kaufleuten, nicht auch von Handwerkern die Rede. Aber 
^’cherlich standen diese in ihrer Art den (Genannten nicht nach, 
^nd wenn Küssow sagt': „die Bürger und die Kaufleute in den 
‘Städten haben sich des Überflusses, der Hoffahrt, Pracht und 
^^ahlerei auch nicht wenig befleissigt“, so wird er dabei an die 
Handwerker gleichfalls gedacht haben, die ja zu den Bürgersleuten 
S^hören. Aus seinen Worten: „wenn Mancher das Silber und 
^old haben möchte, was eines gemeinen Bürgers Frau und Tochter 
'*1 der Zeit auf der Hochzeit getragen hat, so könnte er einen 
^'^mlichen Handel und Wandel damit wohl führen und sich sammt 
^^&gt;nem Weibe und Kinde billigermaassen damit wohl ernähren“, 
'''■'■d man entnehmen dürfen, dass in gewissen Handwerkerkreisen 
Wohlstand ein grosser war und ihnen jenen getadelten Prunk 
ermöglichte. Die behäbige Lage des Handwerkerstandes führte 
Einzelnen darauf, es auch in geschäftlicher Beziehung den Kauf- 
euten gleich zu thun, was diese ihnen selbstverständlich gewehrt 
'^'ssen wollten. Ein Handwerksmann sollte in Reval weder in 
ill'll Hafen noch vor der Pforte etwas kaufen dürfen und über- 
mit einem fremden und reisenden Kaufmanne keinen Verkehr 
j^^‘^gen. So bestimmte eine Verordnung, der die (iewerbetrei- 
^'^den sich nicht fügen wollten, während in den maassgebenden 
^reisen man durchaus nicht geneigt war den Handwerkern den 
/^trieb von kaufmännischen (ieschäften zuzugestehen, denn „ein 
Solde und muste sich io vor allen dingen ahn siner vocation 
^^tigen laten^‘. Bei diesen auf einander prallenden Gegensätzen 
ïï^^te man in Reval nichts besseres zu thun als sich nach Lübeck 
a. O., S. 80, 81.
        <pb n="162" />
        142 
Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
ZU wenden, dessen Einrichtungen den Livländern so oft als nach- 
ahmenswerthe vorschwebten, um zu erkunden, ob den dortigen 
Handwerksämtern das Recht zustehe Handel zu treiben. Das hierauf 
bezügliche Schreiben des Revaler Raths datirt vom 17. Juli 1545'' 
die Antwort des Lübecker Raths liegt einstweilen nicht vor. Wie 
sie indess ausgefallen sein wird, kann man sich denken. Abgesehen 
von vereinzelten Fällen, ist der Cirundsatz, dass Handwerk und 
Handel getrennt seien, in Lübeck immer anerkannt und aufrecht 
erhalten worden, so dass es den Handwerkern nicht zustand einen 
andern Handel zu treiben als den, der eine nothwendige Folge 
ihres (Gewerbes war Ihre Handelsbefugnisse beschränkten sich j 
darauf, dass sie Arbeitsmaterial einkaufen und die verfertigten 
Gegenstände verkaufen durften. An diesen (Grundsätzen hat man 
auch in Livland festgehalten, und so lange die Zunftverfassung 
herrschte, konnte ein Handwerker nicht zugleich Kaufmann sein- 
Endlich ist diese Periode diejenige, in der die Handwerksämter 1 
je mehr und mehr Einfluss auf die Stadtverwaltung auszuüben | 
beginnen. Riga war als Handelsstadt gegründet worden» und ver 
dankte sein Aufblühen und Erstarken der Entwickelung der bürger 
lichen (Gewerbe. Das Übergewicht der Handel und (Gewerbe trei 
benden Bürger über die anderen sowohl an Zahl als an Reichthum 
wuchs immer mehr, und so bereitete sich denn ganz allmählich der 
Übergang zu der eigenthümlichen (Gilde-Verfassung vor. 
Diese besteht in der grossen Gilde oder der Vereinigung der 
Kaufleute und der kleinen oder St. Johannis-(Gilde als dem Mittel 
punkt der verschiedenen Handwerksämter. Nicht alle Ämter g^' 
hörten zur kleinen oder St. Johannis-Gilde. Das (Goldschmiede 
gewerbe war in der grossen Gilde vertreten. Die Korporationen 
der Hilfsgewerbe des Handels, wie Bierträger, Salzträger, Ligge'"’ 
Hanfschwinger zählten wohl so wenig zur kleinen (lilde als dm 
späteren undeutschen Ämter. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts 
scheint die Idee aufgetaucht zu sein die letzteren ebenfalls in dcU 
Verband der kleinen (Gilde einzureihen. Der Entwurf einer Polizze 
Ordnung der königlichen Stadt Riga vom Jahre 1674 nennt Fischet*' 
Bier- und Salzträger, Ligger u. s. w. unter den aufzunehmendett 
Ämtern^. Doch ist daraus nichts geworden. Das Amt der Stadt 
t Stieda, Beiträge z. Kunde E. L. K. 4, S. 123. 
2 Wehrmann, a. a. O., S. 104. 
3 Keussler, a. a. O., S. 27. 
4 Matthias Gosiers Collectaneenbuch in der rig. Stadtbibliothek.
        <pb n="163" />
        Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. | 
Wiener aber bestand für sich ohne Anschluss an eine der beiden 
bilden. 
Wie schon oben gezeigt worden ist, stand der kleinen Gilde 
oder der Stube zu Soest die grosse (iilde oder die Stube zu Münster 
S^genüber. Beide Stuben werden zuerst im Jahre 1330 erwähnt'. 
Stube de Monasterio, die bald schlechthin die „(iildestube“, 
hald die grosse Gildestube genannt ist, war das Versammlungshaus 
^or grossen oder Kaufmannsgilde. Dagegen macht das zweite 
red. 1353 die stupa de Sosato und 1373 den parvus gilde- 
^(oven namhaft, überlässt es aber dem Scharfsinne der Epigonen 
ergründen, wann diese beiden Bezeichnungen identisch wurden, 
kleine oder Johannisgilde in Riga hat ein ähnliches Recht 
"'0 jenes Privileg der vereinigten 17 Handwerkergilden in Münster, 
Instanz für Entscheidung von Streitigkeiten der Handwerker 
sein, nie aufzuweisen gehabt. Sofern die Handwerker sich 
•^icht vor dem Forum der Älterleute ihres Amts einigen konnten, 
Musste das Amtsgericht an gerufen werden, dessen Entstehungsjahr 
^"ar auch nicht feststeht, das aber als Einrichtung, wenn auch 
^"ter anderm Namen, seit alters her bestanden haben muss. In 
^^val ist es bereits im 14. Jahrhundert die Wedde, die die gewerb- 
^'che Rechtsprechung ausübt. 
enn man sich nun vergegenwärtigen will, wie die beiden 
"Stuben von Münster und Soest allmählig zu ihrer Bedeutung heran* 
"Achsen, so muss an die Organisation des städtischen \ erfassungs- 
^^ons angeknüpft werden. Wie überall, so lag auch in Riga die 
S^nze Regierung der Stadt in den Händen des Raths, der erst- 
wahrscheinlich von der (iesammtheit der Bürger erwählt, 
Päter sich selbst ergänzte und, wie immer die passive Wahlfähigkeit 
^^Wesen sein mag, Handwerker jedenfalls von der Aufnahme aus- 
'-hloss. Verwaltete nun der Rath das Vermögen der Stadt, sorgte 
[ ^ör Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit, normirte er 
nur einzelne Rechtsverhältnisse durch Beschlüsse, sogen, 
'llküren, sondern liess auch ganze Rechtskörper, Stadtrechte 
^^1 Hurspraken ausgeben, kurz, hatte er eine sehr stelbständige 
' ^^llungj so war er doch in vielen Beziehungen an die Mitwirkung 
ihm zur Seite stehenden Stadtgemeinde gebunden*. Schied 
sich auch in ältester Zeit keineswegs nach Korporationen, 
g ßunge, a. a. O., S. 161. 
f^unge, a. a. O., S. 77—89.
        <pb n="164" />
        1 
Der Aufschwung der Handwerksämter im i6, Jahrhundert. 
144 
die dem Rathe nöthigenfalls Auskunft geben konnten, so steht 
doch nichts der Annahme entgegen, dass in dem Maasse als Handels- 
und Gewerbe-Angelegenheiten an Bedeutung gewannen, der Rath 
einzelne durch Fähigkeiten ausgezeichnete Vertreter derselben zu 
Berathungen über kommunale, wirthschaftliche und politische Fragen 
heranzog h Die in den Ämtern Ehrenposten, wie Ältermann oder 
Beisitzer, bekleidenden Persönlichkeiten, die also das Vertrauen der 
Genossenschaften besassen, waren für solche Unterredungen sehr 
geeignet, und dass sie ihrerseits in schwierigen Fällen, in denen 
ein Ausweg nicht sofort gefunden wurde, Versammlungen ihrer 
Amtsgenossen zusammenriefen, konnte der Rath nicht verhindern. 
Möglicherweise hat er es sogar begünstigt, da ihm daran liegen 
musste in wichtigen Angelegenheiten, bei neuen Steuern u. dergl. m- 
sich des Einverständnisses der Bürger vergewissern zu können. 
Aus dieser durch die Umstände gebotenen Heranziehung der Älter 
leute und Ältesten wurde im Laufe der Jahre die Regel. Was 
ursprünglich den Ämtern blos zugestanden war, nämlich sich über 
städtische Angelegenheiten äussern zu dürfen, beanspruchten sie 
demnächst als ihr Recht. Es erwuchs die Auffassung, dass es ein 
Recht der Ämter sei, eine Vertretung durch ihre Älterleute zU 
haben, und so wurde vielleicht aus Zweckmässigkeitsgründen, um 
nicht mehrere Versammlungen einzelner Ämter veranstalten zU 
müssen, es üblich die aus Repräsentanten der Ämter gebildete Ver 
bindung der kleinen Gilde regelmässig zu befragen. 
Belege für eine Heranziehung der Älterleute zur Berathung 
allgemeiner städtischer Fragen finden sich schon im fünfzehnten 
Jahrhundert. Der kirchholmsche Vertrag, durch den Riga unter 
die Botmässigkeit des Ordensmeisters sowie des Erzbischofs gerieth, 
ist von 6 Mitgliedern des Rathes und je 3 Vertretern der beid^*^ 
Gilden unterzeichnet. Damals war mithin der UmbildungsprocesS 
schon vollzogen. Dass dieser an die beiden Stuben anknüph^’ 
mag in deren hohem Alter und Ansehen gelegen haben. Vielleic^^^ 
zog der Rath zunächst nur Vertreter der Mitglieder dieser .Stuben 
zu, und wenn es auf diese Weise vortheilhaft wurde zu einer 
beiden Stuben zu gehören, so mochte mit der Zeit die DopP^^ 
mitgliedschaft ihre Schattenseiten haben. Da beschränkte man sie^^ 
denn darauf, dass die Älterleute der Ämter blos die Mitgliedschaft 
erwarben und so den Zusammenhang herstellten. Möglicherwm^^ 
1 Keussler, Beiträge zur Verfassungsgesch. Rigas, S. 27 fl.
        <pb n="165" />
        10 
Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
^urde das anfangs gar nicht einmal gerne gesehen. Denn wir finden 
^ manchen Schrägen, so bei den Schneidern 1492 (Art. 8), den 
^^chmieden 1578 (Art. 12), den Sämischleder-Bereitern 1581 (Art. 8), 
Amtsbrüdern zur Pflicht gemacht auch die ^^kmnpanie des 
gildesioveit'^‘z\x ^^yN\nnç.n. Wie langsam dieser Process vor 
*ch gegangen sein muss, beweist der Umstand, dass noch im Anfänge 
sechszehnten Jahrhunderts die Stellung der Gilden rechtlich 
cht geregelt war und ihre korporative Geschlossenheit als kommu- 
p. ^ Körperschaften wenig feststand. Zur Abstimmung über die 
•iführung einer neuen Polizeiordnung in den Jahren 1502 und 
Wurden nicht etwa die beiden Gilden als solche eingeladen, 
*^fîern der Rath liess die Bürger einzeln auf’s Rathhaus bescheiden 
dort ihre Zustimmung, bezw. Ablehnung zu Protokoll nehmen, 
’^^ss nahm der kommunal-politische Einfluss der (bilden auf den 
(loch immer zu. Bald wurden die Älterleute in den Rath 
und um ihre Meinung gefragt \ bald richteten sie von sich 
^ ^ orstellungen an ihn und forderten ihn auf Maassregeln im 
li ^l^'" Stadt zu ergreifen. Schreiben, die die Stadt in öffent- 
st Angelegenheiten erhielt, wurden bisweilen in den Gilde- 
(le ^'Grlesen, Streitigkeiten zwischen Rath und Bürgerschaft über 
^ Landbesitz durch eine gemischte Kommission geschlichtet, 
schon bei der Verwaltung einzelner Kassen und Institute 
^Scheinen die Gilden betheiligt. Bei der Stiftung des heiligen 
^^’stes, die ungenügend verwaltet worden war und zu mancher 
^^Zufriedenheit Veranlassung geboten hatte, wurde 1554 neben dem 
^ Unterer ein Bürger mit der Administration betraut. Für die 
(1er Wallbauten aber im Jahre 1537 wurde ein Aus- 
zwei Rathsherren, den beiden Alterleuten der (bilden 
^ Bürgern ernannt, die den Bau fördern und die „von Stadt- 
einfliessenden Summen in das Rechnungsbuch 
sie sollten. Kurz das Ansehen der (olden erstarkte und liess 
^l^ni Käthe stets bedrohlicher erscheinen. 
Qj] ährend des ganzen sechszehnten Jahrhunderts strebten die 
hild vom Rathe als die alleinberechtigten, die Gemeinde 
Alt kommunal politischen Körperschaften anerkannt zu werden*. 
y^^*^*^^‘hiner und Älteste sollten nicht als Vertreter der Bürgerschaft 
Käthe zu den Berathungen hinzugezogen werden, sondern als 
Î '«.S7, S. ,44. 
Keussler, a. a. O., S. 37 ff.
        <pb n="166" />
        1^6 Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
Vertreter der Gilden, deren Wünsche sie vorher durch eine Ver 
sammlung in Erfahrung zu bringen suchten. Gleichzeitig wollten sie 
auch an der städtischen Verwaltung im engeren Sinne, namentlich 
an der gesammten Finanzverwaltung durch von ihnen delegirte 
Vertrauenspersonen theilnehmen. 
Oie Finanzverwaltung liess der Rath durch den Stadtkämmerer 
und die Landvögte ausüben. Sie mussten die hauj)tsächlichsten 
Einnahmen, nämlich die Einkünfte aus dem bedeutenden Grund 
besitz der Stadt, die Renten von ausgeliehenen Kapitalien, die 
Ergebnisse gewisser Regale u. s. w. buchen. Auch Schoss un 
Accise gehörten hierher, die indess den Charakter ausserordent 
lieber Einnahmen trugen und wieder aufhörten, sobald der Zweck 
erloschen war, dessentwegen ihre Erhebung angeordnet worden 
war. Für solche Anordnung bedurfte es stets der Zustimmung der 
Gemeinde, bezw. ihrer Vertreter. In dieser Beziehung brachte 
nun der Vertrag vom 3. April 1559 zwischen Rath und (bilden den 
letzteren einen neuen Sieg. Er gewährte ihnen und damit de 
Bürgerschaft die volle (Beichberechtigung mit dem Rathe an der 
Verwaltung der städtischen Finanzen, insbesondere der Steuern- 
Über diese Errungenschaft war man in den Kreisen der (.ewerljc 
treibenden sehr erfreut, und die Älterleute verfehlten nicht von 
nun ab ihre Nachfolger im Amte zu ermahnen ihr Augenmer 
besonders auf das Steuerbuch zu richten. 
Ihren Höhepunkt erreichte die Macht der Bürgerschaft währen 
des unseligen Kalenderstreites, der mehrere Mitglieder des Rnth^» 
auf das Blutgerüst brachte und seine Gewalt auf’s Äusserste he 
schränkte. Die Abtretung zweier Kirchen an die Katholiken, dn^ 
hin ichtung eines Jesuitenkollegiums, sowie die durch königlich ^ 
Befehl erfolgte Einführung des gregorianischen Kalenders 
Jahre 1582 boten den äusseren Anlass. Oer innere Grund 
tiefer'. Seit nämlich König Stephan Bathory im Jahre 1581 t 
Unterwerfungsurkunde Rigas unterzeichnet hatte, also Riga wied*^ 
unter einer Oberherrschaft stand, hatte der Rath einen Halt geg*^’’ 
das Andrängen der (bilden. Oie Führer der Bürgerpartei deutet^ 
nun die erwähnten Neuerungen als eine Wiedereinführung ^ 
Katholicismus, die der von der polnischen Regierung erkau 
Rath billige. Oie Gefährdung der reinen Lehre war das Schlag 
wort, das die Gemüt her entfesselte und die Masse wider den Fa 
in Bewegung zu setzen wusste. 
1 Keussler, a. a. O , S. 61 ft.
        <pb n="167" />
        10* 
Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
147 
Öiese Unruhen fanden in dem Vertrage vom 23. Januar 1585, 
den die Bürgerschaft dem Rathe aufdrängte, ein Ende. Beschrän 
kung der katholischen Kirche, Beibehaltung des alten Kalenders, 
^ Teilnahme der Gemeinde an allen Wahlen, an der Verwaltung 
der Stadtgüter und Stadtämter, wie Kämmerei, Waage, Mühlen 
waren die Errungenschaften. Die richterliche Gewalt blieb 
dem Rathe unversehrt, seine obrigkeitliche dagegen wurde be 
deutend geschmälert und die als oberste kommunale Verwaltungs- 
kÖrj)erschaft vollständig untergraben. Daneben benutzte die sieg- 
’’^iche Bürgerschaft die Gelegenheit ihre ausschliesslichen Nahrungs- 
Rechte zu sichern. Der Rath musste versprechen ernstlich für die 
Beseitigung aller (gewerbetreibenden ausserhalb der Ämter (Bön- 
kasen) Sorge tragen zu wollen. Denjenigen, welchen die Auf- 
^ahme in das Amt abgeschlagen worden war oder die sich gar 
R*'cht darum beworben hatten, wurde die Ausübung des betreffenden 
^^ewerbes ganz untersagt. Seinerseits erklärte der Rath den Hand 
werkern mehr auf die Finger sehen zu wollen. Zur Abstellung 
„allerhand Betrüglichkeit bey dem Biermaasse, dem Brodte und 
^aderen Dingen“ sollte ein Ausschuss ernannt werden. Auch 
Wurden die Handwerker ermahnt in ihren Lohn- und Freisforde- 
Wagen für Leistungen und Erzeugnisse die Billigkeit nicht ausser 
^cht zu lassen. 
i-^iese Ordnung der X'^erhältnisse war jedoch nicht von langer 
^aer. Ju Folge des thätigen Einschreitens der polnischen Regie- 
die Kommissäre mit einer Militärmacht nach Riga entsandte, 
W^aRden im Jahre 1589 die Unruhen beendet und die alte Ordnung der 
wieder hergestellt. Ein neuer \'ertrag, nach dem 1'age des 
^Schlusses „Severinsvertrag“ genannt, schmälerte die den (iilden 
^clion vor der Revolution zustehenden Rechte. Namentlich wies 
Bath die .^ntheilnahme an der gesammten städtischen Finanz- 
^“■^hschaft nunmehr zurück. Die Beschränkung des Rechtes zur 
Wsübung eines bürgerlichen (Gewerbes für diejenigen Fersonen, die 
^kt (jildebrüder waren, wurde nicht wiederholt, dagegen das\ erbot 
Bönhaserei in den Vertrag aulgenommen. Von nun ab konnte 
grosse Masse, die Bürgerschaft, nur indirekt auf die Ordnung 
kommunalen Angelegenheiten Einfluss ausüben, indem sie 
'^‘^'alich Vertreter wählte, denen aber nur die bereits vor 1585 zu- 
^^^tandenen Rechte übertragen waren. Überdies war das Wahl- 
‘k-r Bürgerschaft beschränkt, denn sie musste dem Rathe 
Kandidaten vorstellen, aus denen dieser den Vertreter wählte.
        <pb n="168" />
        148 
Der Aufschwung der Handwerksämter im 16. Jahrhundert. 
Die Gilden dagegen wählten ihre Älterleute und Bürgervertreter 
frei ohne jede Einmischung des Raths h 
Die so beliebten Beschränkungen liessen nicht einmal die Frei 
heiten zu, die man vor 1585 genossen hatte, und obwohl man 
dem Vergleiche zustimmte, war man in Bürgerkreisen keineswegs 
mit ihm zufrieden. Vielmehr trug man unverholenes Missver 
gnügen zur Schau, so dass der Rath auf’s neue einzulenken sich 
gemüssigt sah. Er verstand sich im Jahre 1592 zu einer Reorgani 
sation der Vertretung der Gemeinde bei der Steuerverwaltung in 
der Art, dass alle Einkünfte der Stadt von einem Ausschuss ver 
waltet werden sollten, der aus einem Bürgermeister, einem Raths 
herrn, einem Ältermann nebst 2 Ältesten der grossen Gilde und 
einem Ältermann der kleinen Gilde zusammengesetzt war. 
Indess vermochte dieses Zugeständniss die Unzufriedenheit und 
Erbitterung gegen den Rath nicht völlig aufzuheben. Nur mühsam 
konnte eine offene Auflehnung gegen den Rath unterdrückt werden, 
der seinerseits nicht aufhörte seine Macht zu immer weiteren Be 
schränkungen der Rechte der Bürgerschaft zu missbrauchen. Auf 
der Fastnachtsversammlung der grossen Gilde im Jahre 1604 er 
reichte der Unwille den höchsten Grad. Die Bürgerschaft weigerte 
sich den Ältermann, wie es seit dem Severinschen Vertrage üblich 
geworden war, von dem Ausschuss der Bürgervertreter ernennen 
zu lassen, sondern wollte ihn selbst „aus dem ganzen Corpus der 
Gemeine“ wählen. Ferner aber wurde eine einheitliche Finanz' 
Verwaltung gefordert. Die bisherige Kastenverwaltung sollte mi( 
der Stadtkämmerei zu einem Ganzen verschmolzen werden und 
man drohte mit einer Klage beim Könige, falls der Rath sich 
nicht füge. 
Aber der Rath fügte sich und es kam zu dem Vertrage vom 
2g. April 1604, der endlich die Wünsche der Bürgerschaft, für dm 
sie ein halbes Jahrhundert gekämjift hatte, erfüllte. Den GildcU 
war fortan die volle Antheilnahme an der gesummten städtische^ 
und finanziellen Verwaltung gesichert. (Gemeinsam mit dem Rathe 
sollen Älterleute und Älteste, an Zahl nicht mehr als 63, der Stad* 
Geschicke entscheiden und wenn Dinge zur Erledigung käiueU» 
aus denen der Stadt besondere Vortheile oder Nachtheile cut 
springen konnten, sollte die Bürgerschaft sic auf ihren Gildestubm’ 
vorher in Erwägung ziehen. Wegen der Finanzverwaltung alm*^ 
1 Keussler, a. a. O., S. 71 ff.; Bergmann, Historische Schriften II, aqi.
        <pb n="169" />
        Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
'vurcle beschlossen, dass alle Stadteinkünfte, woher sie immer 
stammten, in einen Mittelpunkt — den Unterkasten oder die 
Kämmerei, zusammenströmen sollten. Diese wurde dann einem 
Ausschüsse anvertraut, der aus einem Bürgermeister, und zwar 
l^emjenigen, der zuletzt das „Wort" geführt hatte, den beiden Älter- 
^uten und je einem Ältesten beider Gilden bestand. Den Ämtern 
^urde die Erhaltung ihrer Schrägen und Freiheiten zugesichert. 
usübung gewerblicher Thätigkeit ausserhalb der Ämter sollte nicht 
Vorkommen und Personen, die dieses Vergehens wegen der Obrigkeit 
^gezeigt wurden (Bönhasen), wollte man unnachsichtlich verfolgen. 
Handwerker ihrerseits mussten versprechen die Einwohner 
schaft nicht mit unbilligem Werklohne beschweren zu wollen h 
Hber die Stellung der Gewerbetreibenden in anderen liv- und 
cstländischen Städten ist man leider wenig unterrichtet. 
in Reval kam es durch die Umsicht und Festigkeit der schwe- 
*schen Regierung nicht zu ähnlich heftigen Auftritten wie in Riga, 
c Unfalls stieg auch hier die Bedeutung der Ämter und war die 
•nvvohnerschaft, die sich mit Handel und Gewerbe befasste, in 
bilden gruppirt, die sogen, grosse und kleine. Die Bezeichnung 
"S^^osse Gilde“ kam gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts auf, 
es scheint kaum bezweifelt werden zu können, dass sie aus 
•Oem Verbände der Kaufleute, der sogen. Kindergilde, sich ent- 
•ckelte. Die kleine Gilde erwuchs aus zwei geistlichen Genossen 
schaften, den beiden Gilden des heil. Kanut und des heil. Olaus, 
^ Urkundlich bereits 1329 und 1340 nachweisbar sind. V on diesen 
(he Kanutigilde als die vornehmere; sie umfasste die Hand 
werker und vermuthlich die Krämer, während in der Olaigilde 
chen den eigentlichen Handwerkern die Arbeitsleute, wie Mün- 
‘^he, Bierträger u. s. w., vereinigt waren. Die grosse Gilde 
Schloss Jeden, der um Lohn diente, von der Aufnahme aus, und 
^'^uutigilde beschloss im Jahre 1508 keine Undeutschen zu 
S^udi^rn aufzunehmen, die also wahrscheinlich in der Olaigilde 
Stützpunkt fanden. Die Vereinigung der Kanuti- und Olai- 
^ c erfolgte erst im Jahre 1698 auf Verfügung der schwedischen 
^^gierung, und erst seit dieser Zeit bestand die Repräsentation der 
^^clt aus den 3 Faktoren; Rath, grosse und Kanuti- oder kleine 
bis zum Jahre 1878, in welchem die drei Institutionen ihre 
htische Bedeutung verloren *. 
g Reüssier, a. a. O., S. 80 ff. ; Bergmann, a. a. O. II, 3(j8. 
E- V. Nottbeck, Die alten Schrägen Her grossen Gilde zu Reval. 1885, S. 12 — 13.
        <pb n="170" />
        JEJO Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. 
Wie nun die Handwerkerämter in Reval allmälig die KanutJ- 
gikle als ihren Mittelpunkt an/.usehen sich gewöhnten — seit 1475 
officiell — und diese wiederum Einfluss auf die Leitung der städti 
schen Angelegenheit gewann, bedarf noch durchaus einer auf 
klärenden Untersuchung. Nottbeck sagt hierüber': „ln allen An 
gelegenheiten, welche das Interesse und die Administration des 
städtischen Gemeinwesens betrafen, sofern dieselben nicht der 
blossen Exekutivgewalt des Raths unterlagen, war dieser seit jeher 
an die Zustimmung der grossen und der beiden kleinen Gilden des 
heiligen Kanut und heiligen Glaus gebunden und musste von ihnen 
auch eine gewisse Art der Kontrole hinsichtlich der Verwendung 
der städtischen Einanzmittel hinnehmen. Diese Kontrole wurde 
später durch die Hinzuziehung von Gilde-Deputirten in die dem 
Rathe untergeordneten Verwaltungsbehörden zu einer direkten 
Mitverwaltung erhöht, ln Handelssachen — und diese spielten m 
der alten Hansastadt keine geringe Rolle — redete die grosse 
Gilde das Hauptwort, in ('.eldbewilligungsfragen kam ihr \'otum 
als dasjenige der reichsten Korporation besonders in Betracht- 
Bei der städtischen Vertheidigung nahmen die Coldegenossen eine 
hervorragende Stellung ein, indem sie im Mittelalter neben dem 
Rath und den Schwarzenhäuptern offenbar das Hauptgros der 
Reiterei bildeten und mit ihrem (befolge eine ansehnliche Mannschaft 
stellen konnten. Auch wurden mit Ausnahme des Oberkommaf- 
(leurs (Oberst), welcher Rathsglied war, die Befehlshaber, nament 
lich die Hauptleute (Stadtkapitaine), aus der grossen Gilde gewählt- 
Es machte sich der Vorrang der grossen (olde vor den beiden 
kleinen schon äusserlich geltend, indem seit ältester Zeit der Altei" 
mann der grossen Gilde auch Namens der beiden kleinen Cdlden, 
also im Namen der ganzen Stadtgemeine, vor dem Rathe das Wort 
führte und zu gemeinsamen Berathungen die \ er(reter der beidr’" 
kleinen (olden auf der grossen (dldestube versammelte und diesel' 
Versammlungen präsidirte.“ 
Es scheint hiernach, als ob den Handwerkern Revals von selbst 
in den Schooss fiel, was die rigischen erst in jahrzehntelange" 
Kämpfen erreichten. Rathsfähig sind übrigens auch in Reval rl'^ 
Handwerker nie gewesen. Bemerkenswerth ist es jedenfalls ti" 
lässt die oben angedeutete Entstehung der St. Johannis- oder kleine 
(olde in Riga in neuer Beleuchtung erscheinen, dass die kle'"^ 
1 a. a. O., S. 13.
        <pb n="171" />
        Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert. i ^ i 
^ilde in Reval aus einer ursprüng^lich geistlichen Genossenschaft, 
die Handwerker ohne Unterschied des Berufs zu ihren Mitgliedern 
wählte, hervorging. 
Sehr lebhafte Scenen spielten sich im letzten Drittel des sechs- 
^^hnten Jahrhunderts in Dorpat ab. Hier brachen im Jahre 1582 
Streitigkeiten zwischen dem Rath und der Bürgerschaft deshalb 
weil die letztere die Kosten zu einer Gesandtschaft an den 
^dnig nur unter der Bedingung hergeben wollte, dass ausser den 
^^iden Rathsgliedern auch ein Abgeordneter der Bürgerschaft mit- 
S^he, über die Stadtausgaben Rechnung abgelegt werde und Dele- 
S'rte der (olden an der Krhebung der Stadteinkünfte I heil nähmen. 
Rath bewilligte dieses Verlangen in der I hat nach kurzem 
^Widerstände, und auch später auftauchende Meinungsverschieden 
heiten gelang es bald wieder beizulegen. König Sigismund Ill 
^^hrn im Jahre 1590 der dörptschen Bürgerschaft alle politische 
^ Tätigkeit und übertrug sie auf einen sogen. 20^*’ Ausschuss, der 
Rathe zu ernennen war. Bei dieser Anordnung beruhigte sich 
^her die Bürgerschaft keineswegs, und nach der Eroberung Dorpats 
durch die Schweden scheint die alte Verfassung wieder hergestellt 
"Orden zu sein. Wenigstens ist von dem 20^^ Ausschüsse nicht 
^ehr die Rede’. 
Auch in Dorpat gliederte sich die Einwohnerschaft in eine 
R^osse und eine kleine Gilde; jene erhielt im 14- Jahrhundert ihre 
ragen \ diese wird vermuthlich um dieselbe Zeit entstanden sein. 
'"^Gss fehlen uns über sie alle Nachrichten, ln den Kriegsunruhen 
sechszehnten Jahrhunderts gingen die Schrägen verloren, und 
Vom 2. März 1647 datirt die neue Ordnung der grossen Gilde, 
übrigens wie das vorhergehende Statut in Anlehnung an den 
^^’^hragen der grossen (olde in Riga, von welchem man „mit 
^^ossen Unkosten eine Co/&gt;ey“ hatte anfertigen lassen, verfasst 
''■Orden war. Der Schrägen der kleinen (olde, die auch Antonien- 
Sdde genannt wurde, stammt vom 3. April 1647, ohne dass die 
Orl.igrg der er sich richtet, erkenntlich gemacht ist . 
Zur Geschichte Dorpats in „Neuer Dorpater Kalender 1H66 u. 1867 
V * Anton Buchholtz verdanke ich die Mitlheilung, dass sich im Hildebrandschen 
®^hlasse eine Abschrift der Schrägen der grossen Gilde in Dorpat v. |. 1327 oder 
2 ^ ^‘Phnde. Die Vorlage, eine fehlerhafte Kopie des 16. Jahrhunderts, entdeckte 
^^*rand im Keichsarchiv zu Stockholm. Livonica Conv. 34^- 
Abschriften beider Schrägen in m. Besitz.
        <pb n="172" />
        152 
Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformhestrebungen. 
6. Der Verfall der Ämter im siebzehnten Jahrhundert 
und die Reformbestrebungen. 
Zahl der Ämter in Riga, Reval und Dorpat. — Charakteristik der Ver 
fassung im Handwerke der Leineweber. — Die Reformbestrebungen von 1661. — 
Die schwedische Gewerbeordnung von 1669. 
Nach den angreifenden und aufregenden Kämpfen des sechs 
zehnten Jahrhunderts folgt eine friedlichere Epoche. Leider aber 
wird diese von den Handwerkern nicht nützlich angewandt zur 
Reform etwaig bemerklich gewordener Mängel, sondern immer 
krasser und deutlicher offenbarte sich die Selbstsucht, die dahin 
strebte den Betrieb eines Gewerbes für Mitglieder der Ämter aus 
schliesslich vorzubehalten, den Zutritt zu diesen Ämtern aber ausser 
ordentlich erschwerte. Leider ist man über die wirthschaftlichen 
Zustände während des siebzehnten Jahrhunderts so gut wie gar 
nicht unterrichtet. Sowohl die Nyenstädtsche Chronik, die freilich 
nur bis 1609 reicht und die neu erschlossene Hodeckersche Chronik, 
die den Zeitraum von 1593 bis 1638 umfasst, sind in dieser Hinsicht 
ausserordentlich dürftig und beschränken sich auf die Hervorhebung 
der mehr oder weniger wichtigen politischen Ereignisse. Sicher 
scheint soviel zu sein, dass nach dem vierundzwanzigjährigen Ver 
nichtungskriege, der in Livland von 1558—1582 wüthete und mit 
einem neuen Verfassungsgesetze endete, eine blühende Gegend lO 
eine Wüstenei verwandelt worden war. Die Wälder waren theil- 
weise vernichtet, ohne dass man daran dachte das gewonnene Land 
unter den Pflug zu bringen, aus Wiesen waren Moräste, aus Eelderu 
öde Haidestrecken geworden. Eine Hungers noth hatte die unglück 
liche Provinz im Jahre 1602 heimgesucht und ihr schreckliche 
Wunden geschlagen. Nach den über sie erhaltenen Schilderungen 
muss in der That das Elend ein weitreichendes und einschneidendes, 
dessen Folgen nur langsam sich verwischen Hessen, gewesen sein* 
Im Jahre 1613 lagen, wie die Kirchenvisitationsprotokolle aus- 
weisen, fast alle Kirchen verfallen und unbrauchbar da, waren die 
Pfarren unbesetzt. Von 22 Kirchen im Stifte l)or|)at waren 7 noch 
brauchbar. Fellin hatte von 6(X) Bauern 20 übrig, Nitau von 
nur 40; in Arrol und Wollust (jetzt Heiligensee) stand Wald 
I Vergl. Nyenstädts Chronik, S. 112 114; Rodeckers Chronik ed. Napiorskyi 
S. 8—13; Schicker, a. a. O.
        <pb n="173" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
Hofesfeldern*. Treffend hat Viktor Hehn die Zerstörung, die 
dem Jahre 1558 über Livland hereingebrochen, mit den Ver 
wüstungen verglichen, deren Schauplatz Vorderasien zur Zeit der 
^ongolenzüge gewesen, wo eine uralte Kultur bis auf die letzte 
^pur ausgerottet worden, um nie wieder zu erstehen. Nach dem 
^^(^richt eines Chronisten war um das Jahr 1582 zwischen Pernau 
Dorpat keine einzige menschliche Wohnung übriggeblieben! 
•'^uf dem Lande herrschte allgemeine Hettelhaftigkeit. Güter, die 
Sich in einem verhältnissmässig erträglichen Zustande befanden. 
Wurden wegen Mangel an Arbeitskräften und Betriebskapital für 
pottpreise verpachtet: Kawwast (heute etwa 200,000 Thlr. wertli) 
Wurde für 7 Gulden, Pastorat Karolen für 5 Gulden verpachtet. Der 
uuerliche Pächter war ebenso wie der Knecht, der im direkten 
ofdienst des adligen Grundherrn stand, zum willenlosen Sklaven 
crabgesunken, derer gar nicht zu gedenken, die als Bauernknechte, 
Badstüber und Lostreiber, ein elendes Dasein fristeten. Der Edel- 
^unn War unumschränkter Gebieter über des Bauern Person und 
*Scnthum und zugleich der alleinige Richter seiner Unterthanen *. 
Hatten die polnischen Könige wenig Neigung und Geschick 
gezeigt des Landes Wohlfahrt zu fördern, so war es erklärlich, 
l^ss die 1621 vollzogene Staatsveränderung von den Livländern 
^ ^ ^*'lösung aus schweren Banden aufgefasst wurde. Die Gleichheit 
Religion und der geordnete Zustand Schwedens verhiessen der 
•leuen Provinz eine glückliche Zukunft. In der That offenbarte 
^las schwedische Regiment bei der Ausgestaltung des Gerichts- 
'l'^sens, der Neuordnung des Kirchenwesens, der Katastrirung des 
^'hen Landes und der Errichtung höherer Schul- und Bildungs- 
j Waren im Jahre 1601 die Anträge Karls IX. auf Prei 
sung der livländischen Bauern und auf ihre Zulassung zu Schulen 
bürgerlichen Handwerken von den Deputirten der livländischen 
^ ^Grschaft abgelehnt worden, so ging nun die schwedische Regie- 
d einer Sicherheit und Energie vor, die keinen W iderspruch 
P nnd für das Land sehr wohlthätig wirkte. Mit Recht betont 
j. dass die Arbeit der schwedischen Regierung Liv- und Est- 
vor dem Geschicke des Versinkens in vollständige Barbarei 
hat. Allmälig besserten sich auch die Zustände. Die 1630 
8 Löwis, über die ehemalige Verbreitung der Eichen in Liv- und Ehstland, 
Vergl. auch die Rückblicke auf die wirthschaftl. Entwickelung d. 
^Prov. im Rig-açj. Tageblatt 1891, Nr. 80, 81, 82. 
^•ckardt, Livland im 18. Jahrhundert, S. 77, 7*1
        <pb n="174" />
        154 
Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
begonnene Güterrevision stellte bis zum Jahre 1637 in Livland 
2871 Haken» fest, und die im nächsten Jahre ihre Thätigkeit eröff 
nende Revisionskommission ermittelte bis zum Jahre 1641 deren 
4343* Allerdings erhoben sich gegen diese Aufstellung so zahl 
reiche ritterschaftliche Reklamationen, dass die für die unmündige 
Königin Christine fungirende vormundschaftliche Regierung ihre 
Berechtigung anerkennen und Abhilfe versprechen musste*. 4&gt;otz- 
dem wird sich nicht in Abrede stellen lassen, dass der schärferen 
Vermessung die Vorstellung seither sich herausstellender grösserer 
Wohlhabenheit zu Grunde gelegen haben muss. Nach Durch 
führung der Reduktion von 1680 wurden denn auch 6236 Haken 
festgestellt. Immerhin war Livland noch weit entfernt von den 
früheren befriedigenden Verhältnissen. Der Reisende Strauss fand 
im Jahre 1668 von Riga bis Wolmar einen zusammenhängenden 
Wald und Morast, in dem sich nur hier und da einzelne Bauern 
angebaut hatten, und ebenso öde schildert 1673 der Reisende Brand 
das Land, da er von Riga bis Neuhausen nur drei Landkirchen sah. 
Besser als das platte Land, wo namentlich der Adel durch die 
Güterreduktion zu leiden hatte, entwickelten sich die Städte, wenig' 
stens die grösseren. Die städtischen Obrigkeiten hatten volle 
Ursache mit den Maassnahmen der Regierung zufrieden zu sein, 
die ihre Privilegien mehrte und ihr Selbstverwaltungs- und (iesetz- 
gebungsrecht sich ungestört erweitern liess. Die Regierung ver 
mied alle gewaltsamen Eingriffe in die inneren Verhältnisse uf 
gestattete den städtischen Ständen das Verfassungs- und (»erichts 
wesen selbständig bis ins Einzelne zu ordnen. Im Jahre 1660 wurde 
Riga zur zweiten Stadt der schwedischen Monarchie ernannt un 
den Mitgliedern seines Rathes der Adel verliehen. Riga erwarh 
eine ansehnliche Vergrösserung seines (Grundbesitzes, verwaltet^ 
seine Kirchen und Schulen selbständig, bildete seine auf das Zusatz 
menwirken des Raths und der beiden (Gilden gegründete Verfassung 
in gedeihlicher Weise weiter aus und nahm einen entschiedenen 
Aufschwung. Dorpat wurde durch die Eröffnung der Universität 
und des Holgerichts wesentlich gefördert, Bernau gewann in Eolg^ 
des lebhaften Handels, der sich zwischen Schweden und Livlan» 
anbahnte. Nur die kleineren Städte, wie hellin, Wenden, Wolninf' 
1 Rin Flächenmaass zu i So Tonnen Randes à i4,(xxi (,).-Rilen. Näheres 
Eckardt, a. a. O., S. 79—80. 
2 Eckardt, a. a. O., S. 83 ff.
        <pb n="175" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
155 
gediehen, obwohl ihre Verfassungsverhältnisse sich nach dem Muster 
^igas richteten, weniger 
In gewerblicher Beziehung hatte die schwedische Bestätigung 
^er städtischen Privilegien vorgesehen, dass zur Beförderung der 
Handwerke nicht allein diejenigen, so bereits mit Amtsgerechtigkeit 
^nd Schrägen versehen, bei dem Cîebrauche derselben zu schützen 
'^ären, sondern auch die übrigen Handwerke gleichergestalt mit nütz- 
^•chen Schrägen und guten Ordnungen zu versehen seien und alle 
Ilöhnhaserei und Fuscherei abgeschafft werde. Daher steht das 
D* Jahrhundert unter der Herrschaft eines übermässig sich aus- 
^(^hnenden Zunftzwanges. Wie die nachstehenden Verzeichnisse 
Ausweisen, nimmt die gewerbliche Thätigkeit gegen das sechszehnte 
Jahrhundert zu. Es haben sich aus dem 17. Jahrhundert die Schrägen 
Ip^gender, in den früheren Jahrhunderten noch nicht nachgewiesener 
^•^ter in Riga erhalten : 
1619: Sattler; 
1625: Fuhrleute; 
1630: Buchbinder; 
1633' Rademacher oder Stellmacher; 
1637: Drechsler; 
1638: Kunstmahler; 
1641: Töpfer; 
1645: Zinn- und Kannengiesser; 
1648: Schwarz- und Weissriemer; 
1665: Reepschläger; 
1668: Vier (iewerbe (Nadler, Kupferschmiede, Glocken- 
giesser, (iürtler); 
1682: Klempner und Blechschläger; 
1685: Müller; 
1685: Seidenstricker und Knopfmacher; 
1685: Loosbecker; 
1688: Corduanbereiter; 
1688: Knochenhauer; 
i6(;3: Büchsenschäfter; 
1699: Posementenmacher. 
^ . I^Inter der Annahme, dass die Ämter, von deren Bestand wir 
"^her erfuhren, sich weiterhin erhalten haben, würden zu den 
Korporationen am Ende des sechszehnten Jahrhunderts die eben 
gemachten, mit Ausnahme der huhrleute, 18 hinzukommen, 
Rckardt, a. a. O., S. 71 u. 73.
        <pb n="176" />
        1^6 Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
SO dass im Ganzen 39 Handwerksämter existirt haben mögen. 
Für gewöhnlich hat die fortschreitende Arbeitstheilung eine weitere 
Zerlegung der Ämter bedingt; aus den bisherigen Verbänden 
scheiden einzelne Gewerbezweige aus, weil sie sich zahlreich genug 
glauben ein eigenes Amt bilden zu können, so etwa bei den Loos- 
bäckern, bei den Riemern und den Klempnern. Andererseits kommen 
ganz neue Industrieen auf, die dem Zuge der Zeit folgend, sogleich 
korporativ auftreten, wie etwa Corduanbereiter, Seidenstricker und 
Posamentenmacher. Endlich finden sich auch Berufe, die bisher 
von jeder genossenschaftlichen Organisation absehend, nunmehr 
auch der weitverbreiteten Sitte huldigen, wie Fischer, Knochen- 
hauer, Müller, Fuhrleute, wofern nicht das eine oder andere dieser 
Gewerbe bereits korporativ gegliedert war, ohne dass die Kunde 
davon uns aufbewahrt ist. Seltener scheint es vorgekommen zU 
sein, dass vorhandene Ämter sich vereinigten, wie das 1696 bei 
den Liggern und Hanfschwingern, 1694 bei den Sattlern und Rie 
mern der Fall war. Als Specialitäten, deren Vertreter meistens 
wohl in den vorhandenen Ämtern untergebracht gewesen sein 
werden, erscheinen nach der Bodeckerschen Chronik ' ein Hutstafhi", 
ein Steinhauer, ein Leuchtenmacher, ein Strohschneider und ein 
Instrumentist. Ich nehme an, dass unter letzterem nicht ein Musiker, 
sondern ein Instrumentenmacher zu verstehen ist. 
Erneuerungen schon vorhandener Schrägen blieben selbstver 
ständlich nicht aus. Sie zeigen sich in der chronologischen Reihe 
der Bestätigung bei folgenden Ämtern: 
1615 bei den Schuhmachern; 
1625 „ „ Leinewebern; 
1626 „ „ Balbieren; 
1638 „ „ Hutmachern; 
1640 und 1694 bei den Maurern ; 
1642 bei den Kleinschmieden; 
1667 „ „ Semischgerern, Handschuhmachern, Beutlern, 
1667 „ „ Bäckern; 
1668 „ „ (jrob-, Messer-, Kupferschmieden, Schwert' 
fegern und Krongiessern; 
1688 „ „ Zinn- und Kanngiessern; 
1694 „ „ Sattlern und Riemern; 
1696 „ „ Liggern und Hanfschwingern; 
1699 „ „ Gürtlern. 
1 ed. Napiersky, S. 87—96.
        <pb n="177" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
157 
Eine bemerkenswerthe Vermehrung erfahren in dieser Zeit die 
^Grbindungen der undeutschen oder einheimischen Gewerbetrei 
benden. Zu dem bisher bekannten Amt der Schneider, dessen 
Schrägen 1635 abermals bestätigt wird, kommen: 
1615 das Amt der unteutschen Schuster; 
1665 n n Grobschmiede; 
1680 „ „ „ einheimischen Zimmerleute. 
^^er Schrägen der einheimischen Schuhmacher wird im Jahre 
auf’: 
erst 
s Neue bestätigt. Rin Amt der Zimmerleute lässt sich 
im folgenden Jahrhunderte nach weisen; vermuthlich waren die 
- ••II luigennen janrnuncierte nacnweisen; vermuinucn waicn uic 
^intrnerleute mit den Maurern oder den Tischlern vereinigt, und 
Gebeinen die Undeutschen zuerst auf den Gedanken gekommen zu 
ein eigenes Amt zu gründen. Später hat sich die Anzahl der 
^"deutschen Ämter offenbar noch vermehrt. In Brotzes vermischten 
^briften ' wird sie auf 20 angegeben. Die bezüglichen Gewerbe sind: 
Schneider; 
Schuster; 
Weber; 
Maurer; 
Zimmerleute; 
firobschmiede; 
huhrleute; 
Säger; 
Li 
gger; 
12 
13 
14 
*5 
16 
17 
18 
19 
20. 
Bierträger; 
Fischer; 
Vogelfänger; 
Übersetzer ; 
Loddienkerle; 
Schiffsarbeiter; 
Bierbrauer; 
Taglöhner, hier Nas- 
siencker genannt; 
Schlachter. 
Saltzträger; 
Hanfschwinger; 
^ on den Gesellenschaften des 17* Jahrhunderts hat sich weniger 
j Jinde erhalten. Jedenfalls aber erfährt man von viel mehr Ver- 
^ *^dungen als aus der früheren Zeit. Die Schrägen haben sich 
beiten bei den (iesellenschaften : 
der Schneider von 1600; 
i öpfer 
Böttcher 
Buchbinder 
Cirobschmiede 
Rademacher 
1647; 
1648; 
1655: 
1660; 
1683; 
Weis- und Loosbäcker von 1Ö91, resp. 1693, 
w Schuster von 1699. 
S^adthibliotliek Nr. 2226, S. 21.
        <pb n="178" />
        158 
Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
Doch hat die gewerbegeschichtliche Ausstellung erwiesen, dass 
ausser den genannten, wenn auch die Schrägen oder deren Ab 
schriften verloren gegangen sind, zweifellos noch bei nachstehenden 
Handwerken (iesellenschaften bereits im 17. Jahrhundert bestanden 
haben, nämlich: 
bei den Drechslern; 
„ „ Fleischern ; 
„ „ Glasern ; 
„ „ Handschuhmachern ; 
„ „ Sattlern. 
Aus den Willkommen, Bechern, Löffeln, Laden u. s. w., die 
mit Jahreszahlen versehen sind, kurz dem Inventare, das die ein 
zelnen Verbindungen ausgestellt hatten, lässt es sich mit Sicher 
heit entnehmen k 
Auf ziemlich dieselben Handtierungen stösst man in Reval- 
Doch treten hier nicht alle (bewerbe, die in Riga Vorkommen, auf: 
wenigstens ist nichts von ihrer korporativen (Gliederung bekannt- 
Reval eigenthümlich ist das Amt der Mündriche, das schon seit 
dem vorigen Jahrhunderte bestand, eine Verbindung der Besitzer 
und Führer von Lichterfahrzeugen, die zum Beladen und Entladen 
grösserer auf der Rhede ankernder Schiffe bestimmt waren. Ks 
haben sich die Schrägen, bezw. Abschriften von folgenden, 
früherer Zeit noch nicht bekannten Ämtern erhalten: 
1624: Leineweber; 
1632: Rad- und Stellmacher; 
1637: Maler; 
1643: Töpfer; 
1650: Drechsler: 
1650: Kupferschmiede; 
1651: (Glaser; 
1651: Tischler; 
1657: Corduaner; 
1662: Riemer; 
1665: Knopf- und Fosamentenmacher; 
1665: (Grob- und Hufschmiede; 
1668: Kleinschmiede; 
1668: Semischmacher und Nestler; 
1685: (Gürtler. 
1 Katalog der gewerbegeschichtlichen Ausstellung in der St. Johannisgiht® 
Riga. 1887.
        <pb n="179" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
159 
In gleicher Weise wie im vorigen Jahrhundert zeigt sich mithin 
^^•e Ähnlichkeit der gewerblichen Entwickelung Revals mit der 
^'Sas, denn auch hier treten wie in Riga die \ erbindungen der 
Töpfer, der Drechsler, der Corduaner, der Knopfmacher, der Rade- 
^acher zuerst im 17. Jahrhundert auf. Zusammen mit den 17 
bereits bekannten Ämtern würde Reval in dieser Zeit nicht mehr 
28 Ämter gehabt haben gegen die 39, die in Riga nachgewiesen 
^(^rden konnten. 
Von den schon bestehenden und im Laufe des 17. Jahrhunderts 
errichteten Ämtern Hessen ihre Schrägen abermals bestätigen, 
öezw. mit gewissen V eränderungen erneuern : 
1635: die Goldschmiede; 
1645: „ Mündriche; 
1654, 1662: die Maler; 
1665; Knochenhauer; 
1665: „ Schneider; 
1665: „ Kürschner; 
1663: „ Schuhmacher; 
1668: „ Häcker; 
i668: „ ¡Opfer; 
1668: „ Sattler; 
if)68: „ Kupferschmiede; 
1683, 1691 : die Maurer und Steinhauer. 
Bruderschaften der (Gesellen werden ohne Zweifel in Reval 
^^enfalls existirt haben. Doch sind uns Schrägen, bezw. Abschriften 
T^fselben, nicht zu Gesicht gekommen. 
Über Dorpat sind wir aus dieser Periode besser als in der von 
^^rgehenden unterrichtet. Es bestanden nachweislich die Ämter der 
Knochenhauer seit 1613; 
Gold- und Silberarbeiter „ 1640; 
Tischler « ^083, 
Häcker » ‘Ö93; 
Hutmacher w 1694. 
Nur von (lein Sehnigen des erstgenannten Amts hat sich keine 
^“'"le erhalten, von den ührlgen haheii wir die Absehriften in 
^''oelers Sammlung. Einzelne dieser Äinler Hessen sich im kaufe 
siehzehnten Jahrhunderts ihre Privilegien neu bestätigen, andere 
den, vorigen Jahrhunderte uns bekannt gewordene suchten 
nach. So werden abermals anerkannt die Schrägen der 
Leineweber 1Ò34;
        <pb n="180" />
        i6o 
Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
Grob- und Kleinschmiede 1688; 
Gold- und Silberarbeiter 1677 und 1690; 
Knochenhauer 1694; 
Tischler 169g. 
Ähnlich wie in Riga schreitet man dann auch in Dorpat zur 
Errichtung „undeutscher“ Ämter. Die Anwesenheit zahlreicher 
Angehöriger der estnischen Nation, mit denen die vielfach aus 
Deutschland stammenden Gewerbetreibenden sich wohl nicht recht 
befreunden konnten, führten darauf. So bestand seit dem 12. Marz 
1684 das Amt der Fuhrleute und seit 1685, Jan. 21, das Amt der 
undeutschen Fischführer. Nur von dem ersteren hat sich eine 
Abschrift des Schragens erhalten ; von dem letzteren ist eine aus 
dem Ende des 18. Jahrhunderts stammende Redaction bekannt, the 
möglicherweise keine sehr erheblichen Änderungen gegen die ältere 
Fassung enthält. Zwischen den Angehörigen verschiedener Ge 
werbe blieben, auch wenn sie zu demselben Amte gehörten, Rei 
bereien nicht aus. Schon jetzt erwies sich der Nahrungsspielraum 
als viel zu eng, und es erfolgten bei verwandten Gewerben Übergriffe 
in die einem anderen Handwerke durch den Schrägen speciell zu- 
gewiesene Arbeitssphäre. So sah sich der Rath 1691 genöthig* 
einen Streit zwischen Schmieden und Schlossern unter Berufung 
auf eine frühere Entscheidung durch abermalige genaue Begrenzung 
der jedem Handwerke zustehenden Arbeiten zu entscheiden, ßf 
verfügte, dass „die grobe schivarzc ArbcH, worzti keilte Feile 
brauchet und gewichtsiveise gearbeitet 7üird, item Carossefi&gt;^ 
Schlitten und Glocken Beschlag, zvie auch Zerhauung des Eisens 
den Grobschmieden zustände, hingegen die Kleinschmiede ein Recht 
hätten auf „allerhandt Art Schlösser, Fenster, Thiircn, BeckeHj 
und anderszvo nöthig und Schlosser-Arbeit sein mag, uñe deiiH 
auch am Schlitten der verzinnte Beschlag ganz allcinJ^ 
Auf den Inhalt dieser Schrägen kann einstweilen noch nicH 
eingegangen werden. Es muss späterer Zukunft Vorbehalten bleil^m 
zu entscheiden, ob eine Veröffentlichung auch der Schrägen voH 
1621 an möglich sein wird. Sie ist noch für keine deutsche Stii^l^ 
versucht und böte für die Gewerbegeschichte des Interessanten uni 
Lehrreichen genug. Es w äre aber verkehrt, so lange eine dcrartig‘^ 
Sammlung nicht vorliegt, ein zuverlässiges Bild von der Verfassung 
entwerfen zu wollen. Nur an der Schilderung der Verhältnisse i*^ 
einem Amte sei auf die Tendenz, welche die Entwickelung nimmt'
        <pb n="181" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 161 
hingewiesen, nämlich an dem Amte der Leineweber, das wir bereits 
•nt vorigen Abschnitte eingehender betrachteten. Freilich ist es ein 
^•nt, das insofern nicht als typisch angesehen werden kann, als 
h^eutsche und Undeutsche zugleich seine Mitglieder bildeten, aber 
S^wiss darf man annehmen, dass die Ideen, die die Verfassung 
Handwerksämter überhaupt beherrschten, hier nicht minder 
zur Geltung gekommen waren. 
Hein äusserlich betrachtet, zeigt sich bereits ein Unterschied 
^wischen den Zuständen, wie sie der Schrägen von i544) und denen, 
''^•e sie der Schrägen von 1625 erkennen lässt. Ersterer stellt in 
^7 Artikeln alle Hauptpunkte fest, dieser hat erst in 108 Artikeln 
^^Hs Erforderliche zum Ausdruck gebracht. An die Stelle der 
•‘‘icision ist langathmige Breite getreten. 
Has Lehrlings wesen ist nunmehr in einem besonderen Abschnitte 
u 7 Artikeln (27—32) eingehend geregelt. Nur wer echt und recht 
geboren ist, kann hoffen in’s Amt aufgenommen zu werden (Art. 27) 
^ud muss 4, mindestens 3 Jahr dienen, ln Beisein des Ältermanns, 
^er Beisitzer und des Zunftschreibers wird der junge im Amts 
gerichte vorgestellt, vermuthlich um dem abzuschliessenden Lehr 
ertrage grösseren Nachdruck zu verleihen. Dabei muss er Bürgen 
^^ellen, dem Amte 2 Mark entrichten — früher i Mark und nach 
e^ndigung der Lehrzeit, worüber ihm vom Amtsgerichte ein 
^^riftlicher Ausweis wird, eine Tonne Bier nebst 3 Mark früher 
jjur die Tonne Bier - liefern. Bei vorkommendem Lehrlingsvertrag- 
*^Uche, über den früher nichts bestimmt war, kann der junge Mensch 
"^^ngsweise zurückgebracht werden und muss dann seine Lehrzeit 
Neuem beginnen. Kehrt der Entlaufene von selbst gutwillig 
'^ück, so verfällt er in eine vom Amte unter Einverständniss jedoch 
Amtsherrn zu bestimmende Strafe, und hat sich der Lehrling 
'^eit in Sicherheit gebracht, dass man seiner nicht habhaft 
kann, so müssen die Bürgen für den durch ihn verursachten 
aufkommen. 
Grosse Aufmerksamkeit ist dem (iesellenwesen gewidmet 
P • 34-43). Vor Mariä (ieburt, d. h. den 8. September, darf kein 
auf die Wanderschaft gehen oder seinen Meister wechseln. 
, Hesell, der eine neue Stelle antritt, muss U/* Mark, ein von 
^Änderschaft kommender 2 Mark und alle Gesellen müssen 
''""'Wöchentlich I Ferding „J« 
in die Lade legen. Ob es sich hierbei um eine besondere 
11
        <pb n="182" />
        i62 Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
Brüderschaft handelt, geht aus dem Wortlaute des Artikels (37) 
nicht hervor. Ihre Vertretung hatten sie in der Persönlichkeit des 
Altgesellen, der von Meistern und Gesellen zusammen erwählt 
wurde (Art. 2). Ein von auswärts verschriebener (Gesell muss zu 
nächst auch wirklich in die Werkstatt des Meisters eintreten, dem 
er sich zugesagt hat. Ein Gesell aber, der in Riga ausgelernt hat 
und sich nicht auf die Wanderschaft begeben will, zu der man 
mithin nicht gezwungen wurde, war verpflichtet seine Kräfte noch 
für weitere zwei Jahre seinem Lehrmeister zu widmen. Entzog cf 
sich dieser Verpflichtung heimlich, so konnte er zwangsweise zurück- 
gebracht, ja sogar zu 20 Mark Strafe verurtheilt werden. Will' 
kürliche Unterbrechung der Arbeit, insbesondere das Feiern des 
blauen Montages wurde mit 2 Mark bedroht. Ein Gesell, der 
Amtes nicht würdig were oder des Amtsgerechtigkeit nicht gethan 
hette'', blieb ohne Beschäftigung. Dagegen nahm man die sogen- 
,,Gescholtenen^'' in Schutz, indem verfügt wurde, dass das dem 
Beschuldigten zur Last gelegte Vergehen auch wirklich nachgewiesen 
werden musste. Der Arbeitslohn der Gesellen blieb merkwürdiger 
Weise unverändert. Bei Selbstbeköstigung hatte der Gesell auf 
die Hälfte des Verdienstes, d. h. wohl der von dem Kunden mit 
dem Meister vereinbarten Summe, bei Beköstigung durch den 
Meister auf den vierten Pfennig und bei Beschäftigung in den 
Bürgerhäusern auf den dritten Pfennig Anspruch. Der schon oben 
berührte Unterschied zwischen Deutschen und Undeutschen bheh 
bestehen. 
Nicht geringe Schwierigkeiten hatte der Geselle zu überwinden, 
der sich zur Erlangung des Meisterrechts entschloss. I )ie Art. 
bis 26 enthalten die hierbei zu erfüllenden Bedingungen. Es blid’ 
dabei, dass derjenige, der am längsten in Riga gearbeitet hatte, 
die meiste Anwartschaft auf einen vakant werdenden Platz hatte 
(Art. 24). Aber wenn nunmehr auch die Zahl der Meisterstelle*^ 
auf 60, von früher 30, erweitert worden war und daneben eine 
unbeschränkte Zahl sogenannter Halbmeister, die nur i oder höchsten^ 
2 Webstühle in Bewegung setzen durften, zugelassen war, so 
der Zugang zu diesen nichts weniger als leicht. Dass der si^ 
Meldende echt und recht geboren, eines ehrlichen Herkommen^' 
Lebens und Wandels war, verstand sich von selbst, war ^ui^ 
Überflüsse indess besonders hervorgehoben. Er durfte nur inu^*^ 
halb des städtischen Weichbildes, nicht „ausser Stadtgrund“, seiu^ 
Wohnsitz aufschlagen und musste den gewöhnlichen Huldigung
        <pb n="183" />
        11* 
Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
163 
Eid geleistet haben. Besondere Vorsicht musste er bei der Wahl 
seiner Lebensgefährtin an den Tag legen. Seine zukünftige Ehe- 
S^ttin musste eine ehrliche, echte und untadelhafte Person sein, 
Und er fuhr am besten, wenn er sie aus den Kreisen der dem 
■^uite bereits angehörenden Mitglieder wählte. Er hatte dann nur 
uothig, vorausgesetzt, dass seine Lehrzeit schon anderthalb Jahr 
hinter ihm lag, ein halbes Jahr bei einem rigischen Meister als 
Gesell zu arbeiten, bevor er sein Gesuch um die Meisterschaft 
^utreichen konnte, während er sonst unweigerlich drei Jahre lang 
Gesell bei einem rigischen Meister thätig gewesen sein musste, 
^^en Söhnen von rigischen Leinewebermeistern wurde vermuthlich, 
Wenn es auch nicht ausdrücklich ausgesprochen ist, die erwähnte 
^ ^rgünstigung gleichfalls zu Theil. Nach erfolgter Meldung wurde 
Meisterstück angefertigt, auf das der Ältermann besonders Acht 
geben verpflichtet war. Ihm und den Beisitzern drohte eine 
^^trafe von 30 Mark, wenn sie die Abforderung des Meisterstücks 
^^rsäumen und Jemanden ohne Meisterstück einsitzen lassen würden, 
orin dasselbe bestand, ist seltsamer Weise nicht angegeben. Es 
nur bestimmt, dass der Bewerber sein Werkzeug bereit halten 
^en Kamm, der 60 Gänge auf 7 Quartier Breite haben musste, 
Selber zu beschlagen hatte (Art. 24, 25, 26). Endlich waren gewisse 
'Junten zu zahlen, wobei man auseinanderhielt, ob der Bewerber 
drei, zwei oder einem Webstuhle thätig zu sein wünschte, d. h. 
^so das ganze Meisterrecht erlangen oder sich mit einer Halb- 
l^^isterstelle begnügen wollte. Die Gebühren stellten sich in 
halle wie folgt: 
Recht auf Betrieb Recht auf Betrieb 
zweier Webstühle. eines Webstuhls. 
Halbmeisterstellen. 
Eei (1er I 
Ëschung. I 
^ei Abliefe-) 
'■^ng des Mei 
sterstücks. j 
^ei der Auf- i 
t^ahnie. { 
Volles Meisterrecht, 
d. h. Recht auf 
Betrieb dreier Web 
stühle. 
1 Thlr. dem Amts 
herrn. 
15 Mark dem Älter 
manne und den 
Ältesten. 
IO „anstat des 
biers u. anderen 
Unkosten“. 
20 Thlr. und eine 
Tonne Bier. 
6 Mark der Kirchen 
ordnung. 
9 Mark „sue Bier"'. 
6 Mark. 
80 Mark. 
6 Mark der Kirchen 
ordnung. 
6 Mark den Ältesten. 
4 Mark. 
40 Mark. 
^ (^t^mnach kostet die Erlangung des vollen Meisterrechts 
^51 Mark, den Thaler zu 6 Mark gerechnet, und i Tonne Bier, 
^es Halbmeisterrechts bei 2 Webstühlen loi Mark, bei einem
        <pb n="184" />
        ,64 Der Verfall der Ämter im ,7. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
Webstuhle 56 Mark. Von den sub 3 aufgeführten Geldern erhielt die 
Stadt die Hälfte. Wer aus einer Halbmeisterstelle etwa naci 
Maassgabe der eintretenden Vakanzen aufrückte, musste die ent 
sprechenden Beträge zuzahlen. Söhne der Meister und (he Manner 
von Meisterstöchtern hatten nur die Hälfte der iälhgen Gebu r, 
sowie einen Thaler an die Kirchenordnung zu leisten. Die 1 onne 
Bier aber mussten auch sie liefern. Der Leinewebergesell, der 
eine Meisterswittwe heirathete, genoss den Vorzug den sub 3 
erwähnten Betrag auf 15 Thlr. herabgemindert zu sehen, tm Übrigen 
musste er alles leisten, wie es für Fremde vorgesehen war. Dass 
Meisterssöhne oder Männer von Meisterstöchtern sich mit Hal&gt; 
meisterstellen begnügen würden, ist wohl nicht anzunehmen, un 
war daher für diesen Fall im Statut nichts vorgesehen. 
War ein Geselle glücklich Meister geworden, hatte er di 
Klippe des Meisterstücks ohne Anstoss umschifft und die crforder^ 
liehen Summen willig gezahlt, so war er in seiner selbständige 
Thätigkeit kaum mehr beschränkt als früher. Nach wie vor wa 
der Betrieb von nur 3 Webstühlen gestattet, und nur unter beson 
deren Umständen war, jedoch mit Kinverständniss des Amtsherrn, 
die Aufstellung eines vierten möglich. Diese Umstände waren- 
1) wenn der Betreffende „ans gewissen behiudermigen nicht a 
Wege und zugleich^ die 4 Stühle in Bewegung setzen wurde. 
2) wenn sämmtliche Mitglieder und Wittwen die 3 ihnen zug 
standenen Stühle bereits im Gange hätten oder 3) der eine odc 
die andere auf Betrieb der 3 Stühle Verzicht geleistet hätte (Art. 7^ 
Im Ganzen waltete eben doch die entschiedene Neigung vor d 
Gleichheit unter den Amtsbrüdern nicht zu beeinträchtigen. Gleic 
falls eine alte Verordnung war es, dass Niemand Beschaftigui 
auf dem platten Lande aufsuchen oder seinen Gesellen zu dies 
Zwecke dahin aussenden dürfe. Aber man sah ferner neuerding 
darauf, dass Keiner dem Andern die schon bestellte oder begönne 
Arbeit entzöge, wie denn z. B. „ansgeschoren arbett“ nur &lt; a 
übernommen werden durfte, wenn der erste Meister die Lei.stu S 
nicht rechtzeitig fertig stellen konnte (Art. 75)- Wie früher here 
erfolgte allmonatlich der Umgang des Altermanns nebst Heisi 
und Kämmerer behufs Prüfung der Arbeit (Art. 84). Indess ^ 
noch weiter dafür gesorgt, dass die Kunden zu ihrem Rechte kain ^ 
indem die Weber für Schaden, der durch Versäummss erw-u 
oder für verdorbene Arbeit einstehen mussten (Art. 76, 85), 
wurde ihnen eingeschärft, den Kunden mit dem Arbeitslöhne nu
        <pb n="185" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebung’en. 
Übervortheilen, das ihnen anvertraute (iarn nicht zu vertauschen, 
auch nicht bereits erfolgte Bestellungen rückgängig zu machen, 
''"eil von anderer Seite höherer Lohn in Aussicht gestellt wurde 
(Art. 80, 81, 77), oder zu kurze Leinwand zu liefern (Art. 82), 
Idagegen ist es eine offenbare Vergünstigung, die ein Zeichen 
kommenden Zeit ist, dass die Weber nicht nur auf Kunden- 
^'■•&gt;eit beschränkt bleiben, sondern auch auf Vorrath arbeiten dürfen. 
Jndess wird dies doch nur in beschränktem Maasse vorgesehen, 
Ladern der Weber nur sein eigenes Garn, d. h. wohl nicht nur das 
ihm gesponnene, sondern das in seinem Besitze befindliche, für 
den Verkauf verarbeiten durfte und überdies seine Absicht beim 
Anitsherrn anzeigen musste (Art. 78). Vermuthlich wollte man das 
S^wohnheitsmässige Arbeiten der Weber für Kaufleute vermeiden, 
es wird als eine weitere Vergünstigung anzusehen sein, dass 
Rath die Verfolgung der Bönhasen versprach. Mit diesem 
Ausdrucke bezeichnete man bekanntlich diejenigen, die ohne das 
Amt vorschriftsmässig gewonnen zu haben, das betreffende Gewerbe 
auszuüben suchten. Sie bereiteten natürlich den Amtsmeistern, die 
schweren Unkosten das Recht zur Ausübung des Gewerbes 
Gelangt hatten und unter bestimmten Bedingungen thätig sein 
^ussten, eine empfindliche Konkurrenz. Daher strebte man von 
^iten der Privilegirten darnach sie zu entfernen und verfolgte sie 
s Äusserste. Schon im sechszehnten Jahrhundert war das all- 
S^uiein üblich gewesen, wie sich aus der näher bekannten Geschichte 
^’*^7-elner Gewerbe ergiebt '. Jetzt wo die Zeiten drückten, der Kin- 
'^itie Um so schwerer zur Meisterstelle kam, wurde von vornherein 
^^’sprochen, dass die Störer „durch alle inügbchen Aiittel abge- 
loerdcft sollten, inmaassen dau auf gebürlie lies hr sue heil 
^ -^nttherren fuor sich, auch so es die noht erfordert, mit ^u- 
Stadt und landgerichtshülfe wieder dieselben mit starker 
^^fition ruerdeib‘. Nur eigenmächtiges Vergreifen der (»ewerbe- 
^ ^'^)enden oder ihrer Älterleute an den unglücklichen Bönhasen 
Vermieden werden (Art. 97—99)- 
i^as Recht der Meisterswittwe war gleichfalls neu geregelt, 
‘bekannt, war ihr die Vergünstigung eingeräumt, so lange 
sich nicht ausserhalb des Amts auf’s Neue verheirathet hatte, 
-..^^^schäft des verstorbenen Mannes fortsetzen zu dürfen. Sie 
U ' Vergl. Stieda, „Aus dem Leben des rigaschen Goldschmiedeamts“ in Kalt. 
S. 143, u. Derselbe, „Einige Aktenstücke zur Gesch. des Revaler 
"erbewesens im 16. Jahrh.“ in Beiträge z. Kunde E. L. K. 4, S, 113.
        <pb n="186" />
        166 Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
hatte ferner den ersten Anspruch auf Gesellen, die wandernd nach 
Riga kamen oder in Riga schon anwesend ihre Stelle wechseln 
wollten, wenigstens unter gewöhnlichen Verhältnissen. Hatte irgend 
ein Meister einen Gesellen besonders nöthig, so musste die Wittwe 
zurückstehen. Unter den Wittwen selbst wurde die ärmste bei der 
Zuweisung von Arbeitskräften zuerst berücksichtigt. Lehrlinge 
durfte eine Wittwe für gewöhnlich nicht annehmen, es sei denn, 
dass sie einen geschickten Gesellen in ihrer Werkstätte hatte, der 
genügende Gewähr für Ausbildung von Lehrlingen bot. Hatte aber 
der verstorbene Meister gerade begonnen einen Lehrjungen zu unter 
richten, so sollte derselbe bei der Wittwe bleiben, und von einem 
anderen Meister oder Gesellen die Unterweisung beendet werden. 
In praxi wird diese Regulirung wohl davon abhängig gewesen sein, 
wie weit die Ausbildung des Lehrlings bei dem Verstorbenen vor 
geschritten war, denn sonst hätte doch für den unglücklichen Jungen 
leicht ein höchst unerquickliches Verhältniss sich herausstellen 
können. Der Wittwe mit Rath und That beizustehen, ihr bei Va 
kanzen brauchbare Gesellen zuzuführen und auf ihre unmündigen 
Kinder zu achten, war die Pflicht des Ältermanns und seiner 
Beisitzer (Art. 44—50). 
Waren schon in den vorstehend auseinandergesetzten Bestim 
mungen manche ganz neu, andere früher nur im Keime vorhanden, 
gegenwärtig erst entwickelt, so zeigt sich bei den nun folgenden 
das Amt in einer durchweg neuen Beleuchtung. Das Amt, dessen 
Mitgliederzahl sich ja erheblich vergrössert hatte, verfügte über 
eine verhältnissmässig grosse Zahl von Beamten. Ausser dem 
schon in früherer Periode bekannten Ältermann und seinen beiden 
Beisitzern, gab es einen Kämmerer (cheminer), wohl eine Ar^ 
Kassenvorsteher, einen Schreiber, einen Aufseher über die Waff«^*^ 
(der kriegsgczvehr Aufsichter) und vier Rottmeister, im (lanz^^ 
IO Beamten. Nach erfolgter Wahl mussten die Namen dem Am^^ 
gerichte mitgetheilt werden, das sich die Bestätigung der Vertrauens 
personen Vorbehalten hatte. Es war hierbei vorgesehen, um 
gemischten Charakter des Verbandes gerecht zu werden, 
Deutsche und Undeutsche abwechselnd zum Posten des Ältermnnn 
und der Beisitzer herangezogen werden sollten (Art. 7). Bei 
anderen Stellungen wurde diese Vorsicht nicht beachtet, vermn^^ 
lieh, weil auf sie weniger Gewicht gelegt wurde. Theilweise 
diesen Männern eine kleine Entschädigung für ihre Müh wait 
zugesprochen. Der Ältermann erhielt jährlich 18 Mark, ein 1
        <pb n="187" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 167 
Schuhe und ein Paar Pantoffeln für seine Frau; jeder Beisitzer 
^ Mark und ein Paar Schuhe, der Kämmerer ein Paar Schuhe, der 
Schreiber 20 Mark und ein Paar Schuhe (Art. 108). Der letztere 
hatte wohl am meisten zu thun, denn er musste die eingehenden 
Strafgelder, Beiträge u. s. w. „alles ordentlich und richtig mit 
^(^nennung der Person, Zeit und Ursache verzeichnet^ (Art. 107). 
^^ie Mittel zu diesen Ausgaben wurden aus der Lade genommen, 
mit drei Schlüsseln, von denen der Ältermann, der Amtsherr 
Und der Kämmerer je einen hatten, wohl verwahrt in dem Hause 
Ältermanns aufgehoben wurde (Art. 108). In ihr flössen die 
h^inkaufsgelder, Strafgebühren und anderen Gefälle zusammen. 
Von hier aus ihren Weg entweder in die Stadtkasse zu nehmen 
®^cr zum Besten des Amts verwandt zu werden. Das Amt hatte 
^cr Stadt gegenüber verschiedene fiskalische Verpflichtungen über- 
||ommen. Es zahlte i) jährlich 30 Mark für die den Webern auf dem 
•schmarkte eingeräumten Verkaufsplätze (Art. 79); 2) vierteljährlich 
den gebührenden Schoss, nämlich 40 Mark (Art. 89); 3) jährlich 
Martini 24 Mark zur Unterhaltung der Kirchen und Prediger 
(des götlichen Wortes und des ehrwürdigen Ministern augspur- 
i^cher confession) (Art. 88). An der Aufbringung der beiden ersten 
Ultimen waren Meister, wie es scheint, in der Weise betheiligt, dass 
Jeder den gleichen Theil leistete. Doch waren sämmtliche Beamte 
|venigstens von der Entrichtung des Schosses befreit (Art. 89). Zur 
eckung der sub 3 erwähnten Summen wurde monatlich von jedem 
eister i Ferding erhoben, wie oben bei den Gesellen angeführt 
^Urde. Da aber hierbei mehr sich ergab als der für die Kirchen- 
®teuer erforderliche Betrag, so wurde der Überschuss „zu steuwr 
S^ftrechlichcn und verarmten ihres mittels und anderen noth- 
^^^^digkeUenU gebraucht. Die Wahlen der genannten Vertrauens- 
I^crsonen wurde alle zwei Jahr auf der am dritten Pfingsttage veran- 
®ddteten Versammlung vorgenommen (Art. i). Derartige Zusammen- 
konnten so oft als es nothwendig schien, berufen werden, 
'^^ssten aber vorher dem Amtsherrn angezeigt sein. Für gewöhnlich 
nur zwei, höchstens drei Versammlungen jährlich abgehalten 
^^^den, zu Fastnacht, zu Pfingsten und am 8. September (Mariä 
Zu ihnen wurden Meister und Gesellen entboten, und jeder 
verpflichtet dem Rufe Folge zu leisten. Wer keine triftigen 
'•^^schuldigungsgründe für seine Abwesenheit anzuführen wusste, 
eine Strafe von 8 Groschen. Die Versammlung selbst, wenig- 
die vorschriftmässige halbjährliche, wurde mit Verlesung des
        <pb n="188" />
        l68 Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u die Reformbestrebungen. 
Schragens durch den Ältermann eröffnet. Bei jedem Artikel wurden 
dann die seit der letzten Versammlung in Bezug auf ihn vorge- 
kommenen Übertretungen und Ausschreitungen mitgetheilt und 
über die Schuldigen die Strafe verhängt. Wichtigere Angelegen 
heiten, ohne dass indess ihr Charakter im Schrägen angegeben ist, 
blieben der Entscheidung des Amtsherrn Vorbehalten (Art. 59)- 
Hiernach kamen dann alle Differenzen und sonstigen Reibungen 
zwischen den Genossen zur Sprache, die soweit als möglich güt 
lich beigelegt oder mit Strafen gesühnt wurden. Wer sich dein 
Urtheile des Amts nicht fügen wollte, hatte die Möglichkeit sein 
Recht vor dem Amtsherrn zu suchen, sowie auch alle Kriminal 
sachen (Blut und Blaw, wie auch Schult und a7tdere Sachefi, so 
nicht wegen des Amtes und ihres Schragens herrühre7t) und 
Schuldsachen von vornherein der Kompetenz des Vogtes unter 
standen. Die Strafgebühren wurden entweder gleich bezahlt oder 
durch den sogen. Umlaufer, wohl der jüngste Meister, einkassirt. 
Sie wurden in eine besondere Büchse gethan, zu der der Älter 
mann allein den Schlüssel hatte. An die Erledigung der geschäft 
lichen Angelegenheiten knüpfte sich dann das Gelage, ob eine 
feierliche Mahlzeit oder ein einfacher Biertrunk, ergiebt sich aus dein 
Schrägen nicht. Während der Dauer der Versammlung den An 
stand zu wahren, keinen Genossen zu beleidigen, dem Ältermann 
Ehrerbietung zu bezeugen u. s. w., verstand sich von selbst 
(Art. 51—70)’. 
Indess nicht nur nach innen erfreute das Amt sich einer stram 
meren Organisation; auch sein Auftreten nach aussen war fester 
geregelt. Neben den fiskalischen Leistungen, deren schon gedacht 
wurde, lagen dem Amte auch kriegerische Pflichten ob. Es hatte 
von jeher seine Mitglieder bewaffnet zur Vertheidigung der Festung 
und zum Ausrücken ins Feld stellen müssen, und wir wissen, dass 
die jungen Handwerksmeister und Gesellen so gut ihren Mann 
standen als die Berufsmilitärs, denen nur zu oft der schöne Muth, 
den die Verfechtung einer guten Sache verleiht, fehlte. 
Schrägen von 1625 hebt ausdrücklich hervor, dass bei der jüngste’’ 
Belagerung — es kann wohl nur die schwedische von 
gemeint sein — das Amt der Weber ebenfalls seine Tapferkeh 
erwiesen hätte, „auch Í7i jÜ7tgster Belageru7ig sich wie rcchi 
1 Eine anschauliche SchUderung derartiger Zusammenkünfte bietet 1 h. Schraíí ^ 
in „Eine Morgensprache und Höge des Reepschläger-Amtes zu Hamburg im Jahre id* 
in „Aus Hamburgs Vergangenheit“, ed. K. Koppmann. i. Folge, S. 149 183.
        <pb n="189" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
169 
^^haffetten leuten gebuehret kegen den damahligen feind gewehret, 
"Vorüber dan nicht weinig gesprmigen U7td vernichtet worden^ 
90). Bisher war nun angeordnet gewesen, dass das Amt 
eine Reihe von Musketen anzuschaflfen und seine Mitglieder 
ihnen auszurüsten hatte. Jetzt wurde verfügt, dass Jeder 
fiir sein Kriegsgewehr selbst sorgen sollte, und nur den Ärmeren, 
ii^ nicht selbst im Stande waren sich eine Waffe anzu- 
^chaffen, diese vom Amte gestellt werden sollte. Das ganze Amt 
'vurde in 4 Rotten getheilt, an deren Spitze je ein Rottmeister 
^^nnd, der sämmtliche Mitglieder im Gebrauche der Waffen unter- 
'^^isen und militärisch schulen sollte. Über alle führte ein mili 
tärisch besonders veranlagter Genosse, „der kriegsgewehr Auf 
dichter“, die Kontrole und hatte namentlich darauf zu achten, dass 
^i^ Waffen gut im Stande gehalten wurden. Jährlich zu Johannis 
l^nd eine Parade (Musterung) mit Übungen statt, bei der ein von 
Stadt dazu verordneter Feldherr sich überzeugte, ob die 
^ridWerker mit den Musketen, langen Röhren und Pieken gut 
^*^^tigehen wüssten. Für den hierbei an den Tag gelegten Eifer 
rhielten sie 2 Tonnen Hier, die eine von den Musterherren, 
andere vom Amtsgerichte. Wurden sie aber ausserhalb der 
J»tdt dem Feinde entgegengeführt, d. h. vermuthlich zu einem 
^klzuge gebraucht, so versprach der Rath einen Sold (Art. 97). 
y ^Gben der Bereitwilligkeit sich in Zeiten der Kriegsgefahr zur 
erfugung zu stellen, mussten die Mitglieder auch bei Feuerschäden 
' ^ Dienste anbieten und wöchentlich die Feuerwachen beziehen 
96). 
Noch mehr als schon im Schrägen von 1544 ist die Regelung 
gesellschaftlichen Beziehung zurückgetreten. Von Tänzen und 
. ^^^^rkeiten, von Schmäusen und fröhlichen Vereinigungen, ist 
die Rede, und die Zeit war in der That wenig dazu angethan 
dergleichen zu denken. Die Bestimmung, dass Nothleidenden 
. ^ ^Drien geholfen werden sollte, wurde schon erwähnt, indem 
I'heil der Monatsgelder (Art. 87) zu diesem Zwecke ausersehen 
Auch blieb es dabei, dass an den Beerdigungen eines 
g '^^smitgliedes oder dessen Angehörigen sich Alle betheiligen 
Der Sarg wurde von den Genossen getragen, und die 
s¡ folgten als Leidtragende (Art. kx)—102). Doch machten 
hier die Schrecken der 1621—22 überstandenen Pest oder 
L2!!^¡^Gj^gel^nd. Denn es wurde bestimmt, dass für den Fall des 
Bodeckers Chronik, ed. Napiersky, S. 86 - 93.
        <pb n="190" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
170 
Ausbruches derartiger Krankheiten, die anstecken und der Umge 
bung Gefahr bringen könnten, 8 Personen zum Pflegen der Patienten 
und zum fragen der Leichen ein für alle Mal bestimmt werden 
sollten, diesen aber alsdann eine Entschädigung zu Theil würde. 
Auch sah man den Ankauf eines „abgelegenen“ Häuschens vor, 
um derartige Erkrankte isoliren zu können (Art. 103—106). 
Man sieht aus dieser gedrängten Charakteristik der Verfassung, 
dass die der ganzen Organisation zu Grunde liegenden (Gedanken 
nicht verloren gegangen waren, man vielmehr sich angelegen sein 
Hess durch sorgfältigere und eindringendere Regelung aller Ver 
hältnisse grössere Gewähr für die Zufriedenheit Aller mit de 
Handwerkern zu erlangen. Die städtische Obrigkeit zog vont 
Gewerbebetriebe erhebliche Vortheile. Der städtische Säckel 
füllte sich mit den Abgaben, die die Ämter zahlten; die Unter 
haltung der Kirchen und Prediger wurde durch deren Beisteuern 
erleichtert; die Ämter waren es, die junge rüstige Mannschaft, 
gelegentlich gegen Sold, in Kriegszeiten stellten und bei dr 
henden Gefahren, wie Eeuersbrünsten, zur Hand waren. 
dies Alles zu erhalten, durfte man die Ämter sich nicht selbst 
überlassen, sondern musste sie stets im Auge behalten. Der 
überwachte ihre Sitzungen durch die Amtsherren; er behielt sid 
die Entscheidung über Streitigkeiten in zweiter Instanz und bei 
gewissen Angelegenheiten von vornherein vor, und er sorgte, dass 
ihre Leistungen die Bevölkerung befriedigten. Dafür garantirte er den 
Handwerkern das ausschliessliche Recht zum Betriebe des erwählten 
Zweiges. Die Gewerbetreibenden selbst, die wohl wussten, dasS 
es einer steten Beaufsichtigung bedarf, um Säumigkeit und Nac ' 
lässigkeit nicht auf kommen zu lassen, waren mit der Kontrole zu 
frieden. Sie wachten selbst über die Handwerksehre und zogen 
die Übertreter vorhandener Bestimmungen zunächst vor ihr poruni' 
sie suchten sich durch Lehr- und Gesellenzeit und Meisterstück 
vergewissern, dass die sich dem Amte anschliessenden Cienos ^ 
auf der Höhe der Zeit standen und allen Ansprüchen genüge^ 
könnten ; sie überraschten den Meister bei der Arbeit in sei 
Werkstätte; sie brachten den Jüngeren Männern Zucht und gi* ^ 
Ordnung bei, indem sie sie zu gegenseitigem kameradschaftlich^^ 
Verhalten und zur Achtung der selbst gewählten VertrauenspersoH^ 
anleiteten, für Ärmere und Erkrankte, für Wittwen und Wai 
sorgten und allen auf ihrem letzten Ciange das Ehrengeleit gab 
Sie ihrerseits forderten dafür nur, dass man sie ungestört •
        <pb n="191" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
171 
besitze des schwer errungenen Betriebes Hess und Keinem ge 
stattete ausserhalb ihrer Ordnung das Gewerbe zu üben. 
Oass alle diese Bestimmungen in weitläufigster Fassung ge 
geben werden, die unvortheilhaft gegen die frühere Kürze abstach, 
im Charakter der Zeit und kann ihren Urhebern nicht ver- 
‘^acht werden. Wenn man auf den guten Zweck sah, den sie ver- 
^Igten, und des sittlichen Ernstes eingedenk war, der sie durch 
leuchtete, so war man wohl im Stande mit ihrer stellenweise 
ermüdenden Weitschweifigkeit sich abzufinden. Freilich kam es 
ganz auf die Art der Handhabung der mitunter strengen Regeln 
I^ie in dieser Richtung dem Schlosserschragen beigefügten 
buchst charakteristischen Randbemerkungen, die doch wohl der 
Ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstammen mögen, lassen 
erkennen, dass es nicht überall zum Besten bestellt war. Aber 
^l^gesehen davon, kann man sich schon deshalb mit der Ordnung 
*^icht Versöhnen, weil sie an einigen Stellen wider alle Vernunft 
'^erstiess. Die übermässig ausgedehnte Lehr- und Gesellenzeit, die 
^ohen Eintrittsgelder, die unbarmherzige Verfolgung der Nicht- 
Gvorrechteten waren Schattenseiten, die schwer auf das gewerb- 
Leben fielen, ln dem Maasse als die ersteren Anordnungen 
^^sgedehnt wurden, musste die Böhnhaserei zunehmen, weil die 
^^ute nicht mehr im Stande waren, den gestellten Anforderungen 
y genügen und es versuchten so gut oder so schlecht es ging 
durchzuschlagen. Wenn man es für unmöglich hielt jene 
erabzusetzen oder zu mildern, so hätte man wenigstens nachsich- 
’ger gegen die Unglücklichen sein müssen, die von redlichem 
^^•■eben erfüllt, sich kümmerlich genug ihren Unterhalt verdienten, 
egoistisches Streben der Amtsgenossen sich wie nur immer mög 
lich 
h 
gogen die Aufnahme neuer Meister zu sträuben und dieselbe 
^'^uszuschieben, sowie strenge Behandlung aller derer, die dem 
sich nicht anschliessen konnten oder mochten — das war 
^ Signatur der damaligen gewerblichen Verhältnisse. 
So eifersüchtig wie die (Gewerbetreibenden in Riga auf die 
/Haltung ihrer ausschliesslichen Nahrungsrechte waren, benahm 
auch die Bürgerschaft in Dorpat. Hier suchte man den Un- 
^^tschen den Betrieb von Gewerben zu erschweren. Der Rath 
^^^tattete denselben im Jahre 1608 nur unter der Bedingung die 
^^^sübung eines Gewerbes, insbesondere die Bereitung von (Ge- 
dass sie den Bürgereid ablegten. Aber noch am Ausgange 
Jahrhunderts — 1684 — forderten die Knochenhauer, dass man
        <pb n="192" />
        172 Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrehungen. 
Undeutschen nicht zum Betriebe zulasse, und den Leinewebern 
wurde 1682 verboten Bauerknaben in die Lehre zu nehmen. Uber 
die Berechtigung zur Bierbrauerei stritten sich die grosse und die 
kleine Gilde. Der Rath hatte das Bierbrauen im Jahre 1601 einigen 
Handwerksämtern gestattet, und diese betrachteten es so sehr als 
Erwerbsquelle, dass sie zwanzig Jahre später erklärten ohne das 
Braurecht nicht bestehen zu können, weil die nicht auszurotten e 
Bönhaserei ihre Einnahmen schmälere. Diese scheint in Dorpat 
ganz besonders geblüht zu haben und wird durch das augenfällige 
Bestreben der Handwerker nach möglichster Abgeschlossenheit 
auch erklärlich. Im Jahre 1634 wurde das Amt der Leineweber 
auf 24 Meister beschränkt, 1640 das der Goldschmiede auf 6. Den 
Schuhmachern wurde 1674 verboten mehr als je 3 Gesellen un 
2 Lehrlinge zu halten - kurz man trachtete die Konkurrenz soweit 
man es durchsetzen konnte, einzuschränken. Dabei wurde der 
Bedarf der Bevölkerung an Gewerbsprodukten nicht in aus 
reichender Weise befriedigt, und die gewerblichen Erzeugnisse unt 
Leistungen stiegen im Preise. Der Adel in nächster Nähe der 
Stadt auf dem Lande klagte wiederholt, namentlich über Schu ' 
mâcher und Schneider, so dass diese 1635 ermahnt werden mussten 
ihre Kunden nicht zu überfordern. Auch Knochenhauer und Bäcker 
Hessen zu wünschen übrig und wurden 1677 angewiesen besseres 
Fleisch und Brot zu liefern. Aber diese Verordnungen fruchteten 
nicht viel, und die Klagen erneuerten sich in den Jahren i68o-B2- 
So kann man sich denn nicht wundern, dass um diese 
bereits Vorschläge zu vernünftigen Reformen laut werden. || 
Deutschland war mittlerweile vor und nach dem dreissigjährige'^ 
Kriege der Verfall des Zunftwesens so klar zu d'age getreten, das 
einzelne Stimmen schon die gänzliche Aufhebung der Zünfte 
fürwortetenh ln München hatte im Jahre 1615 der Hofrath beai^ 
tragt das ganze Zunftwesen aufzuheben, weil es verderblich 
ohne Nutzen sei und ganz unnöthigen Aufwand verursache, bu 
hatte man einstweilen nicht mehr für möglich gehalten als ‘ ^ 
Anordnung die Zunftmissbräuche abzuschaffen, ln Bremen' 
1624 im Rathe die Frage angeregt worden, die Ämter aufzulöse ’ 
und wenn auch die liberale Partei, die diesen Vorschlag anreg 
mit ihm nicht durchdrang, so ergiebt sich doch aus den für 
I Mäscher, Das deutsche Ciewerhewesen, S. 349. 
- Böhmert, Beiträge zur Geschichte des Zunftwesens, S. 33, 117.
        <pb n="193" />
        1/3 
Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
Neustadt später erlassenen Anordnungen, dass der Rath sich all- 
niälig zu anderer Auffassung in der Gewerbepolitik bekannte. 
Ausdrücklich erklärte er 1643: „dass die ti7ipfehlbare erfahrang 
^^zeuge, dass wenn die Coimnercia Glicht gehenimet oder ht ge- 
"^tsse gleichsam Monopolische Schratiketi eingeschlossen, sondern 
f^anc und frey gelassen werdeti, dass sie desto mehr florireti utid 
^^^^tehmen^‘^, Demgemäss liess man sogen. Freimeister zu, bemühte 
Sich die Amtsmahlzeiten sowie andere Missbräuche abzustellen und 
Suchte auf diese Weise in das alte System Bresche zu schiessen. 
Frankfurt a. M. benutzte man den nach dem hettkrämer Vincenz 
^^ttmilch benannten, von den Handwerkern angezettelten Aufstand, 
die Herrschaft der patrizischen Geschlechter zu brechen beab 
sichtigte, dazu, um die Zünfte aufzuheben. Das kaiserliche Kom- 
*^issiüns-Dekret von 1616 erklärte die Zünfte, unbeschadet ihrer 
^hre und der hergebrachten Gewohnheiten der Handwerker, iür 
Aufgehoben, verbot ihre ferneren Zusammenkünfte, entzog ihnen 
Strafbefugniss und verfügte, dass (gesellen und Lehrlinge 
*^icht mehr beim Handwerke, sondern beim Rathsschreiber einge 
schrieben und freigesprochen werden sollten \ ln Freussen hatte 
Grosse Kurfürst als er 1640 zur Regierung kam, zunächst den 
hnften ihre Privilegien bestätigt, dann aber in dem Brandenburger 
-Andtagsrecesse von 1633 Veranlassung genommen die Handwerker- 
cdiältnisse neu zu regeln. Der Recess sicherte den Zünften zu, 
^ss man sie bei allen ihren auf „Zucht und Lhrbarkeit" abzielenden 
^Stimmungen belassen wolle. Aber gleichzeitig erklärte er in der 
j^'ssbräuchlichen Ausübung der Gerichtsbarkeit und bezüglich der 
^^*^^habung ihrer Vorrechte über die Zulassung ihnen auf die 
sehen zu wollen. P'remde Handwerker, die ihre Hand- 
Çcung rechtmässig erlernt hatten, sollten z. B. nicht zurückge- 
^'^sen und bei Ablieferung des Meisterstücks und Veranstaltung 
^s Meisteressens nicht übervortheilt werden. Handwerker sollten 
dem Lande sich niederzulassen wohl befugt sein; die Zahl der 
/"^‘•icweber, Schmiede und Schneider sollte nicht gegen früher be- 
die Verfolgung von Bönhasen nicht ohne obrigkeitliches 
' Hücher, Die Bevölkerung von Frankfurt a. M., l üb. 1H86, i, S. 7g. Derselbe, 
^ ^"kfurtg^ Buchbinder-Ünlnungen vom 16. bis zum 19. Jahrh., Tüb. i«88, S. ii. 
'Ikan, Das Frankfurter Gewerberecht von 1617 7’&gt; ^ Ab. 1890, 
, . * M. Meyer, Geschichte der preusstschen Handwerkerpolitik, Minden 1884. 
Ku,""'’’ 49, 5Ö. Stieda, Gewerbliche Zustande in Freussen zur Zeit des ('.rossen 
^'■steii in Freuss, jahrb. 54, S. 509 — 5 ' ' -
        <pb n="194" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
Vorwissen vorgenommen werden. Diese und ähnliche Vorschriften 
gingen auch in den Landtagsrecess für die Neumark aus demselben 
Jahre, in den Special-Revers für die Städte der Neumark vom 
29. Aug. desselben Jahres und in das Edikt vom 4. Juli 1659 über. 
Die geschlossenen Innungen, die heimlichen Preisverabredungem 
der Ausschluss ganzer Klassen der Bevölkerung von der Auf 
nahme in die Zunft — diese und ähnliche Reformen — werden 
hier angestrebt. 
Auch von Seiten des Reichs arbeitete man damals an der 
Abstellung der Handwerksmissbräuche. Die Ansicht, dass eine 
Regelung des Handwerkswesens von Reichswegen erfolgen müsse, 
fand bereits in den Wahlkapitulationen von 1661 Ausdruck- 
So fassten denn im November 1666 die Reichsstände auf Anre 
gung Strassburgs, Regensburgs und Nördlingens ein Konklusu 
über die „bey de7ten Hatidiverkerti e7itstehende7t Insole^itten 
gegen die ordentlichen Obrigkeiten bezeigenden Widerspenstigkeiteft' 
des Inhalts, dass ^^endlich mit bestem I^leiss da/ufi noch ferfter 
laboriren, dainit deuten wider die Reichsko7îstitutio7îen U7td gemeint 
Polizeyordnmig so7iderbar de anno 1^48 und de aitno lys? 
risse7ien UftordnMigen U7id schädliche^i Atifstehen, Schmähung^'^ 
und andern unzulässigen Exzesse^P durch gesammte Verfügung 
des Reichs gesteuert würde. Einstweilen blieb freilich diese An 
regung ohne Erfolg, und erst im April 1667 wurde, durch Öster 
reich veranlasst, welches fürchtete, der Reichstag könne sich nU 
Dingen befassen, die ihm unbetjuem wären, beschlossen demnäch 
über einige Punkte des Polizeiwesens zu berathen, unter deneO 
die Einrichtung der Zünfte und Abschaffung der Missbräuche si 
befand. Im Juli 1669 kamen diese Fragen zur Verhandlung, 
denen der Vertreter Kur-Brandenburgs sich für nichts (geringer 
als Aufhebung der Zünfte aussprach. Diese Forderung 
meisten Staaten offenbar zu radikal und, ohne diese principia 
Seite überhaupt zu diskutiren, beschloss man fürs erste noch me 
Material von den Städten einzusammeln, welcher Art die gerügt^|^ 
Missstände des Zunftwesens eigentlich wären. Diese Beric^|^ 
erstattung zog sich bis zum Mai 1671 hin, und die Berathung^^ 
wurden erst wieder aufgenommen, als am 16. Mai genannten J'tk 
die Reichsdiktatur dem Reichstage einen ,,unvorgreifflichen 
übermittelte, was wegen Abstellung der Handwerker-Missbräu 
in künftigen Reichsabschied zu bringen sei. Jetzt häufte sich ^ 
Zahl derer, welche die Beseitigung der Zünfte für die zwc&lt;^
        <pb n="195" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
175 
^lässigste Maassregel erklärten. Der Kurfürst von Brandenburg 
liess daran erinnern, dass er schon 1669 die Aufhebung derselben 
Angeregt habe; der Vertreter von Hraunschweig-Celle sprach sich 
gleichfalls dahin aus, dass sein Fürst „wenig auf die Zünfte hielte“. 
Und der Vertreter von Braunschweig-Calenberg war mit der Ab 
schaffung einverstanden, wenn sie im ganzen Reiche vorgenommen 
^ürde. Kurz fast die ganze weltliche Fürstenbank stimmte dem 
l^randenburgischen Vorschläge zu, dessen Ausführung zunächst 
allerdings unterblieb. Die Ansicht, die das Wesentliche der Zunft- 
^•urichtung festhalten und nur die Missbräuche beschneiden wollte, 
l^chielt die Oberhand. Um den letzteren Zweck zu erreichen, wurden 
l^ctwährend Projekte ausgearbeitet. Aus dem ^^unvorgreifflicheti 
und dem Gutachten von 1667 wurde ein neues Akten- 
^'^ück komponirt. Die Reichsdiktatur lieferte „Additiones“, das 
^^rfürsten-Kollegium „Monita“ zum ersteren, und alles zusammen 
^Dnöglichte die Vereinbarung eines neuen Projekts: „was Ui den 
tí gen Reichs-Abschied wegen derer bey den Handiverkern ein- 
^^^ssenen Alissbräuche zu bri7igen seyn möchte'^. Dieses bildete 
|llc Hauptunterlage des Reichsgutachtens vom 3. März 1672, das 
^Ider nur wenig Beachtung fand. Immerhin ergingen in Preussen, 
Seine Grundsätze gestützt, die Edikte vom 3. November 1686, 
^ai 1688 und 13. Juli 1688 zur Abhilfe der verschiedenen Mängel 
Zunft Verfassung, und in Hessen erliess Landgraf Karl eine all- 
Scmeine Zunftordnung, die bestrebt war, die vornehmsten Miss- 
’^^Uche aufzuheben*. 
Regte es sich auf diese Weise längere Zeit in Deutschland auf 
Gebiete der gewerblichen Gesetzgebung, so ist es erklärlich, 
j man in Riga, wo man stets die Vorgänge des Mutter- 
mit Interesse verfolgte, und wo vermuthlich ebenfalls Miss- 
l*^rnung über die bestehenden Zustände herrschte, nicht zurück- 
^•ben wollte. Die bevorrechteten Handwerker klagten über die 
^nkurrenz Unzünftiger, und diese beklagten sich über den Umfang 
, ^ der Niederlassung zu erfüllenden Bedingungen. Bäcker 
darüber, dass jungen Kaufleuten und Wittwen gestattet 
^^*'de Brot zu backen und in den Häusern zu verkaufen. Die 
"^^neider wiesen daraufhin, dass ihrer 20 wären, obgleich 10 die 
Stadt versorgen könnten. Nun wären aber ausserdem noch 
ha,./ ^«-yer, a. a. O. i, S. 73 ff. Stieda, a. a. O., S. 5&gt;4, sowie dessen Ab- 
S, «Zunftwesen“ im Handwörterbuche der Staatswissenschaften. Band 6, 
*—890. Mäscher, a. a. O., S. 357 —359*
        <pb n="196" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh u. die Reformbestrebungen. 
176 
42 Bönhasen da, die in ihre Thätigkeit eingriffen. Der Rath seiner 
seits blieb gegenüber solchen Klagen nicht müssig. Schon am 
19. April 1620 hatte eine Verordnung die Veranstaltung von 
Meisteressen und sonstigen Mahlzeiten zu beschränken gesucht- 
Die Amtsherren waren angewiesen worden die Einkaufsgelder un 
anderen Summen zum Ankäufe von Getreide für die Zeit der Noth 
zu brauchen. Indess, obwohl die Verordnung am 14. Februar 1623 
wiederholt worden war, hatte man mit ihr nicht mehr erreicht, als 
dass Frauen und Kinder von diesen Festlichkeiten ferngehalten 
wurden. Die von den jungen Meistern beim Amtsantritte gefor 
derten Gebühren waren und blieben erhebliche. Nun trug man 
sich, noch ehe der deutsche Reichstag sich zu seinem (Gutachten 
aufgerafft hatte, noch ehe Brandenburg und Hessen mit ihren um 
fangreichen Neuordnungen hervorgekommen waren, in Riga m't 
weitgehenden Plänen zur allgemeinen Änderung der Zunftverfassung- 
Ein allerdings undatirtes Aktenstück im Rathsarchiv, betitelt 
formation in den Rigischen Handwerkszünften“ giebt über das 
Vorhaben Auskunft. Dasselbe besteht aus einem umfangreichen 
Memoire über die Verfassung des Handwerks und deren Mänge ’ 
zwei Entwürfen von Rathsverordnungen und zwei Protoko 
Abschriften, welche letzteren die Datirung des Planes ermöglichen- 
Der Rath hatte nämlich zur Feststellung der Missbräuche eine Ad 
Encónete angeordnet. Er liess am 24. Oktober und 16. November 
1661 verschiedene Handwerker auf das Rathhaus fordern, wo die 
Amtsherren Melchior Dreiling und Peter von Schivelbein sie ver 
hörten und ihre Aussagen aufschreiben liessen. Die Schneide^ 
Böttcher, Barbiere, Riemer, Tischler, Maler und Fuhrleute sin^ 
diejenigen, von deren Vertretern die Zeugnisse aufbewahrt sm^' 
Ob mehr Handwerker als die genannten vernommen wurden, blc'b^ 
dahingestellt. Wir wissen so wenig über diese Emiuele als ub^^ 
den Urheber des Gutachtens. Das vielfach durchstrichene, ^0' 
einer Hand geschriebene Manuskrijit ruft den Eindruck eines 
Wurfes hervor, der möglicherweise zu einer Berathung gar nR ’ 
gekommen ist. Es liegt nahe als Urheber einen der Männer 
sehen, die als Amtsherren vielfach (Gelegenheit hatten in das Cictri^^^^ 
der Handwerkerwelt Einblick zu nehmen, und es scheint mit 
ausgeschlossen an Melchior von Dreiling selbst zu denken, der ‘ 
Vertrauen der schwedischen Regierung genoss und mehrfach 
städtischen Angelegenheiten in Stockholm gewesen w,ir. \ icH * 
ging die Anregung zur Reform gerade von schwedischer Seite ’
        <pb n="197" />
        12 
Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u, die Reformbestrebung-en. 
77 
schon in den Zeiten Gustav Adolfs die Schädlichkeit des 
Zunftwesens anerkannt worden war. 
Das Hauptaugenmerk war in der Enquête, wie es scheint, auf 
Feststellung der Höhe der von einem jungen Meister zu be 
zahlenden Eintrittsgelder gerichtet. Man wollte sich seitens des 
^aths darüber vergewissern, was es einem jungen Handwerksmanne 
^oste das Amt zu erlangen. Leicht erklärlich sahen die Handwerker 
nicht gerne in dieser Weise ausgeforscht zu werden. Obwohl 
ihrem Gewissen und bürgerlichen Eide aufgefordert, ihre An- 
gaben zu máchen, gaben sie ihre Mittheilungen nur zögernd zu 
^otokoll und widersprachen sich wohl auch. Von den drei be- 
^^agten Schneidermeistern erklärte der eine allerdings sämmtliche in 
^tracht kommende Ausgaben in einem Büchlein verzeichnet zu 
^aben, aber er hatte dieses nicht mitgebracht. Unter den Böttchern 
^ber gab der eine Meister zu, dass bei Besichtigung des Meister- 
^^ucks die Veranstaltung zweier Mahlzeiten üblich sei, was diese 
eigentlich kosten, könne er nicht wissen, ein anderer aber 
Schätzte „nach scharfer Inquisition“ die gesammten Unkosten auf 
^•cht Weniger als 80 Rthlr. Kurz man scheint, wohl in der nicht 
gegründeten Befürchtung, dass der Rath sicherlich Ermässigun- 
anordnen würde, mit der Sprache nicht recht herausgewollt 
haben. 
Immerhin ergiebt sich aus dieser Enquete die unumstössliche 
atsache, dass der Eintritt in das Amt mit der Bezahlung erheb- 
^ Gr Geldsummen verknüpft war. Den Schrägen lässt sich dieses 
.^^hältniss nicht genau entnehmen, weil der Geldwerth der z. B. in 
' vorgeschriebenen Mahlzeiten, die der neue Meister veranstalten 
^^sste, nicht angegeben ist. Stammt die von uns im Anhänge I, 
b mitgetheilte Aufzeichnung über die Höhe der Amtskosten in 
That aus dem 16. Jahrhunderte, so waren die Summen aller- 
zu Ungunsten der Neueintretenden beträchtlich in die Höhe 
?^^hnellt. Ausdrücklich heisst es in jener Ordnung, dass alle 
"kosten zusammen fäü amptskosten in alles) angegeben seien, 
'varen aber gestiegen bei den Böttchern von 8 auf 73—81 Rthlr., 
^en Schneidern auf 40—50, bei den Barbieren von 20 auf 61, 
' '^en Tischlern von 9 auf 56 Rthlr. u. s. w. Diese für kapital- 
bei 
^^kvvache Gewerbetreibende gewiss erheblichen Summen setzten sich 
folgenden einzelnen Posten zusammen. Es waren zu zahlen z
        <pb n="198" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
1. Bei der ersten Eschung . . 
2. Bei der Aufweisung des 
Meisterstücks eine Art Ent 
schädigung an Ältermann 
und Älteste 
3. Busse für Unvollkommen 
heiten des Meisterstücks . . 
4. Mahlzeiten 
5. Einkaufsgelder 
6. Kirchenordnungsgelder . . . 
7. Messgelder 
Summe 
Böttcher. 
Rthlr. 
3—4 
3—10 
45 
22 
73-81 
Maler. Schneider. 
Rthlr. I Rthlr. 
g Ein Schrecken- 
' bergen 
14 
40 
59 
2—3 
40 
40-50 
1. Bei der ersten Eschung . . 
2. Bei der Aufweisung des 
Meisterstücks eine Art Ent 
schädigung an Ältermann 
und Älteste 
3. Busse für Unvollkommen 
heiten des Meisterstücks . . 
4. Mahlzeiten 
5. Einkaufsgelder 
6. Kirchenordnungsgelder . . . 
7. Messgelder 
Summe 
Barbiere. 
Tischler. 
Riemer. 
7 
40 
7 
6-: 
15 
7 
30 
61 
56 
40 
46 — 47 
Bei den Malern erhielt überdies der Oberamtsherr das Meiste^' 
stück als Geschenk, während sonst vielleicht der Meister hoffet 
konnte durch glücklichen Verkauf einer technisch vollendeten Arbeit 
einigermaassen seine Unkosten gedeckt zu sehen. Mit dieser tech 
nischen Vollendung mochte es aber auch nicht mehr weit her sein» 
wenn von vornherein eine Busse für Ausgleichung kleiner 
gelhaftigkeiten am Meisterstück angesetzt war. Entweder fielen 
alle Leistungen regelmässig so schlecht aus, dass eine Str^ 
nothwendig erschien, oder man nahm missbräuchlich Fehler an, 
keine vorhanden waren, nur um dem Bewerber eine recht groSS
        <pb n="199" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u, die Reformbestrebungen. i yg 
^umme Geldes unter einem leidlichen Vorwände abnehmen zu 
können. Übrigens scheinen die vorstehend genannten Beträge 
•lur Minimalangaben zu sein, denn wie in dem Entwürfe der Raths- 
Verordnung sub C gesagt ist, waren die Unkosten bei einzelnen 
-^rntern bis auf 100 und mehr Rthlr. gestiegen. 
Neben den hohen Eintrittsgeldern wurde zweitens als Übel- 
stand die lange Dauer der sogen. Muth- oder Eindienungszeit an- 
S^sehen. Es war die Periode, die jeder Geselle, der sich zur 
Erlangung des Meisterrechts meldete, bei einem rigischen Meister 
^'^gebracht haben musste. Sie war auf 2, 3 und mehr Jahre ange- 
®^tzt. Drittens drückte die Geschlossenheit der Ämter, eine Ein- 
'"Achtung, bei welcher nur eine bestimmte Anzahl Meister zugelassen 
und jeder neu sich Meldende auf eine Vakanz warten musste, 
^ke Seinem Gesuch Gehör geschenkt werden konnte. In diesen 
Umständen lag es vornehmlich begründet, dass während die 
grosse Gilde zunahm, die kleine Gilde nicht erheblich wachsen 
"^llte. Die Verbesserungsvorschläge mussten sich demnach zu- 
'^ächst auf diese Punkte richten. Der Verfasser des sub A mitge- 
^keilten Gutachtens thut dies in ausführlicher Weise und hat eine 
General-Zunft-Ordnung ausgearbeitet, wenngleich dieselbe auch 
krineswegs in der vorstehenden Gestalt zur \ eröfifentlichung be- 
^^immt gewesen sein dürfte. Leider hat sich der zweite 1 heil des 
^^nuskripts nicht erhalten, doch sind jedenfalls die Hauptpunkte 
Reformation schon im ersten Theile behandelt. Die beiden 
^twürfe zu den Rathsverordnungen fassen sich ungleich kürzer 
^nd regeln eigentlich nur die Eintrittsbedingu'igen. Alle drei 
^chriftstücke sind sich darin einig, dass das Zunftwesen erhalten 
^^^iben müsse und es nur auf Abstellung der Missbräuche ankommen 
Zu einer radikalen das Bestehen der Ämter angreifenden 
^^assregel hat man sich damals in Riga noch nicht aufzuschwingen 
^^rmocht. Der Verfasser des Gutachtens A spricht sich dahin aus, 
die JzV? aTzg 
^^neiner Ehrbarkeit, der Jungen-Lehre, der Gesellen Gebühr und 
^^rken hoch nöthig“. Die Verordnung C aber hält es nicht 
Unzeitgemäss neue Schrägen zu errichten. Denjenigen Hand- 
^^^'kern, die in Riga noch kein Amt bilden, sondern sich zu Ämtern 
ändern Städten halten, erbietet sich der Rath eigene Artikel zu 
12*
        <pb n="200" />
        17- Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
i8o 
Der Verfall der Ämter im 
gewähren (Art. 9). Sofern es hierbei darauf abgesehen war eine 
Richtschnur für das Handwerk aufzustellen, in Bestimmungen und ' 
Gesetzen eine Art moderner Gewerbeordnung zu geben, liesse 
sich gegen diesen Standpunkt nichts einwenden. Aber beim Erlasse 
neuer Schrägen war mehr die Privilegirung und die Verleihung 
ausschliesslicher Rechte an bestimmte Gewerbetreibende in s Auge 
gefasst. Wenn auch der Zugang zur Korporation erleichtert wurde, 
so blieb doch die Zugehörigkeit zu ihr die erste Bedingung für 
die Ausübung des Gewerbes, Manchem aber mochte es schwer 
fallen die für den Eintritt gestellten Bedingungen zu erfüllen. 
Indess stand nun einmal die Ansicht fest, dass ohne Amt das 
Handwerk nicht gedeihen könne, und der Verfasser des Gutachtens 
wagte so wenig an ihr zu rütteln, dass er die Einrichtung der 
„Freimeister“, d. h. der Handwerker, die ohne zum Anschlüsse an 
die Korporation gezwungen zu sein, ihrem Gewerbe nachgehen 
konnten, einzuschränken vorschlug. Die vorhandenen Freimeister 
sollten nun veranlasst werden in die reorganisirten Ämter einzu 
treten, ihnen jedenfalls aber, wenn das schlechterdings unmöglich 
war, das Halten von Gesellen und Lehrlingen untersagt werden , 
(Cap. ultim.). 
Die Grundzüge aber der reformirten Verfassung, wie sie das 
Gutachten wünschte, waren diese. 
Ein Knabe, der Lehrling in irgend einem Amte werden wollte, 
musste von dem Meister, den er sich gewählt, auf dem Amtsgerichte 
gemeldet werden. Hierfür waren 2 Rthlr. zu entrichten. Den ^ 
Jungen ausserdem in’s Amtsbuch eintragen zu lassen stand dem 
Amte frei, doch durfte bei dieser Gelegenheit nicht mehr als i Rthk- 
verlangt werden. Nach beendeter Lehrzeit wurde der Knabe \ t) 
dem Amtsgerichte freigesprochen, wofür eine Gebühr von 2 Rthlm- 
zu entrichten war, und es stand dem Amte wiederum frei auch seiner 
seits den Lehrling loszusprechen, wofür es indess auch hier nicht 
mehr als i Rthlr. beanspruchen durfte. Armen Jungen musste der 
Meister die 6 Rthlr. vorschiessen, konnte dann aber darauf Anspruch 
erheben, dass der neue Gesell so lange gegen halben Lohn 
ihm diente bis die Schuld getilgt war. Meisterssöhne, die sich dem 
Handwerke widmeten, sollten von den der Stadt als Gottes- un 
Schutzpfennig zugedachten 4 Rthlrn. nicht befreit sein. 
Wesentlich erleichtert war der Eintritt in s Amt. Die sogci^ | 
Eindienungszeit durfte höchstens zwei Jahre betragen und Niemen 
auf eine Vakanz zu warten brauchen. Mit Ausnahme des Barbier
        <pb n="201" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen 181 
Amtes gab es keine geschlossenen Ämter mit beschränkter Mit- 
gliederzahl mehr. Jeder, der seinen Geburts- und Lehrbrief auf- 
Weisen konnte und die vorgeschriebenen sonstigen Bedingungen 
Erfüllte, musste angenommen werden. Zu diesen gehörte das 
Meisterstück und das Eintrittsgeld. An dem ersteren wurde nichts 
geändert. Für das letztere wurden die Ämter in 4 Klassen getheilt, 
Von denen jede mit einer bestimmten Summe angesetzt wurde, 
^ie halb der Stadt, halb dem Handwerke zu Gute kam. Die erste 
blasse mit 30 Thlrn. bildeten Goldschmiede, Barbiere und Knochen- 
^auer, ^^allermaassen dieselbe oh7ie jenige besondere Beschwerde so- 
ihane Summefi tragen könneft''^. Für diese Gewerbe war eine 
Ausnahmestellung ersehen; nur wenige reihte man in diese 
^^asse ein, und von ihrem Eintrittsgelde sollte nur ein Drittel in 
^*0 Amtslade gelangen, zwei Drittel der Stadt zufliessen. Die 
nächste Klasse zahlte 20 Rthlr. und die hierher gehörenden Ämter 
'Verden als die „Principal- und ersten“ bezeichnet. Es waren 
Kürschner, Drechsler, Kannengiesser, deutsche Schneider, deutsche 
Schuhmacher, Grobschmiede, Beutler, Kleinschmiede, Sattler, 1 öpfer, 
"^’schier, Gürtler, Böttcher, Semischledergerber, Glaser, Reep- 
^chläger, Weiss- oder Festbäcker, Loosbäcker und Rademacher. 
M^citer wurden in diese Klasse eingereiht folgende Gewerbe, die 
aber, wie das Gutachten bemerkt, in Riga bisher noch keine Amts- 
'^'^ganisation hatten, nämlich Steinmetze, Pfefferküchler, Posamenten- 
*^acher, Knopfmacher, Hutstaffirer, Corduanbereiter, Perrücken- 
'^^cher, Uhrmacher, Färber, KunstpfeifTer, Ledertauwer, Nagel- 
schmiede, Feilenhauer und Bader. Zur dritten Klasse mit 10 Thlrn. 
'^^chneten Fuhrleute, undeutsche Schneider, undeutsche Schuster, 
^cutsche und undeutsche Maurer, deutsche und undeutsche Zimmer- 
Endlich war eine vierte Klasse aus den Korporationen ge- 
worden, die weniger leistungsfähig in materieller Beziehung, 
•^cine eigentlichen Gewerbe repräsentirten. Sie zahlten 5-6 Thlr.; 
/varen die Ämter der Ligger, Salzträger, Hanfschwinger, Bier- 
*^äger, Säger, Fischer und Übersetzer (Bootsleute). 
Gegenüber den früheren Sätzen war somit eine ganz wesent- 
Ermässigung geplant. Als die normale Klasse war die zweite 
gedacht; zu ihr gehörten die meisten Ämter und die anderen 
^*^^sen, sowohl nach oben als nach unten, bildeten nur Ausnahmen, 
einer besonders grossen Leistungsfähigkeit, sowie einer äugen- 
geringen gerecht zu werden. Übrigens scheint der Verfasser 
""'"ht vollkommen unterrichtet über die in Riga vorhandenen Ämter
        <pb n="202" />
        i82 
Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
gewesen zu sein, da von den älteren die der Gerber, der Weber, 
der Stadtdiener, von den neueren die der Buchbinder und der Hut 
macher fehlen. 
Indess nicht nur die von dem jungen Meister zu zahlenden 
Abgaben bedurften der Regelung, auch die dem ganzen Amte als 
solchen obliegenden finanziellen Verpflichtungen erheischten drin 
gend eine Änderung, hier aber in dem Sinne einer Erhöhung, 
soweit man urtheilen kann. Zur Unterhaltung der Kirchen und 
Vertheidigungsanlagen hatten die Ämter stets willig beigesteuert, 
aber wie es scheint ganz ungleich und nicht im Einklang mit ihrer 
Leistungsfähigkeit. Nun wurden die Beträge festgesetzt für die i 
erste Klasse auf 8 Thlr. jährlich, für die zweite auf 6, für die dritte 
auf 4, die vierte auf 2 Thlr. (Kap. 4). Die Gesellenschaften aber 
der verschiedenen Ämter sollten je 4 Thlr. zur „Kirchenordnung 
und gemeinem Schutzwesen“ zahlen. Nicht genug damit, wurden 
die Handwerker auch persönlich zum Kriegsdienste herangezogen 
(Kap. 6). Mit der unverkennbaren Tendenz des Gutachtens, den 
Handwerkern die Ausübung ihres Gewerbes zu erleichtern, scheint 
zwar die Auferlegung militärischer Dienstleistungen im Widerspruch 
zu stehen. Indess die Stadt war seit Jahren von Kriegen heim- 
gesucht gewesen und die Bevölkerung daran gewöhnt worden sich 
selbst zu vertheidigen. Abgesehen von der Unzuverlässigkeit von 
Söldnern mochten auch die Mittel fehlen solche Männer in grösserer 
Anzahl gewappnet zu erhalten. Wir haben bereits bei den Leine 
webern gesehen, wie diese militärische Organisation angeordne 
war. In diesem Sinne war auch das sechste Kapitel der Refor 
mation gehalten. Jeder Meister sollte für sich, seinen Gesellen, 
seinen Lehrjungen die Musketen anschaffen, die Quartierherren 
darüber Aufsicht führen, die Handwerker einexerciren und sich 1 
üben lassen (dH fvcycv ufzug uud solcHiier Schtesstäg), jedes Am 
eine gewisse Anzahl Pulvertonnen auf die Pulverthürme der Stadt 
liefern u. s. w. 
Für die auf diese Weise zu leistenden Zahlungen und sonstigen 
Ausgaben konnte das Amt sich Deckung zu schaffen suchen 
durch: i) eine monatlich oder vierteljährlich zu erhebende Beisteuer, 
2) den sogen. Pfennig, eine ausserordentliche je nach Bedürfnis 
aufzuerlegende Abgabe; 3) die Strafgelder, sei es dass diese b®^ 
Verspätungen zu den Zusammenkünften, bei dem Ausbleiben nn 
Begräbnissen oder bei Streitigkeiten der Genossen unter einandÇ 
gefallen waren (Kap. 5). Hierbei wurde dann den Ämtern an
        <pb n="203" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
183 
Herz gelegt zur Vermeidung aller unnöthigen Unkosten das lästige 
Und weitläufige Prozessiren zu unterlassen. 
Endlich beschäftigte sich das Gutachten mit Erwägung der 
jenigen Maassregeln, die erlassen werden müssten, um die Aus- 
Ehrung der Reformation zu sichern. Man hielt die Veröffentlichung 
^Gr ganzen neuen Verordnung und eines besonderen an die deutschen 
Gesellen sich wendenden Plakats für nothwendig. Man erkannte 
dass man nur durch Zuzug aus Deutschland bestehen konnte 
^nd wollte demgemäss den jungen Leuten mittheilen, dass die 
Niederlassung als Meister in Riga nicht mehr so kostspielig wie 
früher sei. Daher wurde ein förmlicher Entwurf des Inhalts dieses 
^iakats, das natürlich nur die uns schon bekannten Thatsachen 
^ufweist, aufgesetzt (Kap. 7). Weiter aber sollte unter dem Vor 
sitze des Oberamtsherrn aus Amtsmeistern und Inspektoren der 
Nirchenordnung ein Ausschuss (consilium) gebildet werden, der 
^frrteljährlich drei Tage Sitzungen halten und die Ämter beauf 
sichtigen musste. Jedes Amt sollte ihm vierteljährlich eine Sta 
tistik der neu aufgenommenen und der freigesprochenen Lehrlinge, 
die Meisterschaft fordernden Gesellen und der seit einem bezw. 
®^it zwei Jahren bereits thätigen Meister vorlegen. Die Rollen 
Sollten vom Amtsnotar in Bücher abgeschrieben werden und 
Schliesslich wurden Älterleute und Beisitzer ermahnt ihre Pflicht 
thun. 
Lässt sich diesem Gutachten nachrühmen, dass es mit entschie 
denem Wohlwollen die Verhältnisse der Handwerker behandelnd, 
ihre Niederlassung zu erleichtern bestrebt ist, ohne die städtischen 
Eteressen, insbesondere den städtischen Seckel zu beeinträchtigen, 
gehen die beiden anderen Entwürfe in dieser Richtung noch 
y^iter. Bedeutend kürzer gehalten, fassen sie nur den einen Punkt 
Auge, auf alle thunliche Weise den jungen Gesellen die Nieder- 
^^ssung als Meister zu ermöglichen, ohne grossen Aufwand an 
^^arem Gelde und Überwindung weitläufiger Bestimmungen. 
. Der Entwurf B regelt die Bedingungen, unter denen ein Gesell 
Higa Meister werden konnte, wie folgt. Er verlangt einen Geburts- 
Lehrbrief, eine a-gjährige Wanderschaft oder Gesellenzeit, 
der ein Jahr in Riga bei einem dortigen Meister zugebracht 
musste, und die Anfertigung eines Meisterstücks. Bei der 
Meldung musste ein Thaler entrichtet und dann das Meisterstück, 
ein leicht verkäuflicher Gegenstand sein sollte, innerhalb dreier 
^^nate angefertigt werden. Die während der Dauer der Arbeit
        <pb n="204" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
184 
üblichen mit Schmausen und Trünken verknüpften Beschauungen 
des Meisterstücks seitens der Älterleute und Beisitzer fielen weg, 
und an Bussen für kleinere Fehler eines abgelieferten Stücks waren 
höchstens 4 Thlr. gestattet. 
Ein augenfällig untaugliches Meisterstück sollte nicht ange 
nommen, vielmehr der Bewerber in diesem Falle auf ein Jahr 
zurückgewiesen werden. War das Stück gut ausgefallen und ange 
nommen worden, so mussten die Gewinnung der Bürgerschaft und 
die Bezahlung von 21 Thlrn. Eintrittsgeldern sich daran schliessen- 
Die Vergünstigungen, die den Meisterssöhnen und Ehemännern 
von Meisterstöchtern früher zugestanden waren, wurden darauf 
beschränkt, dass sie nur die Hälfte der vorgesehenen Summen 
entrichten hatten, sonst aber den anderen gleichgestellt waren. 
Ausdrücklich wurden schliesslich Personen, die bereits in einer 
anderen Stadt Meister gewesen waren, in Riga auf's Neue zur 
Niederlassung zugelassen. „ IVan nun^‘ so schloss der Entwurf 
siegesgewiss, ,jdieses einem jeden Händwevk wtvd ku7idgetha7i 
öffentlich m Druck gegeben werden, ist Í77t Ge7ñ7igsten 7iicht stt 
zweifehl, dass die Stadt hi etzliche7i Jahre7i auge7ischei7ilich ZU' 
7iehme7i werde. So7iste7t wird dieselbe wie vor etzliche7i 100 JahreU 
klem sein und verbleibeii und ist eben dies das Mittel wordurch 
wir allerha7id Handwerker a7i U7is ziehe7i und die Stadt gross 
machen, auch wolfeile Arbeit habe7i kÖ7men, de7i die willige uiii 
fleissige de7i U7ifleissige7t das Brod aus dem Munde nehnieU, 
wie wir der Exe7npel itzo scho7i m der Stadt habe7i, ivordur&lt;^^ 
Ma7icher so viel 7nehr, sofer7t er 7iicht darbe7i U7id verderbe^ 
will, de7t Müssiggang U7td Sau/erey ei7izustelle7i rvird verursach^ 
werden.“ 
Lahmer, wenn auch in der Ansetzung der Eintrittsgelder noch 
tiefer hinabgehend, ist der Entwurf C gehalten. Er führt die vor' 
handenen Übelstände auf eingerissene religiöse Verwahrlosung 
und gewisse Mängel der Gewerbeverfassung zurück. In ersterc*" 
Beziehung soll durch Verbot des Formelwerks, bei dem Gottc^ 
Namen oft unnützlich geführt wird, und der Zusammenkünfte ehe 
Abhülfe erstrebt werden; in letzterer Beziehung wird die 
schlossenheit der Ämter aufgehoben und werden die Bedingungen^’ 
unter denen die Meisterschaft erlangt werden kann, ermässi^*-' 
Die Eindienungszeit soll höchstens i V2 Jahr betragen, die Eintrid^ 
gelder in allen Ämtern, ausgenommen das der Barbiere, wo 
auf 24 Thlr. fixirt wurde, nicht über 18 Thaler hinausgehen.
        <pb n="205" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
185 
Alle diese Anregungen verliefen leider im Sande. Bis jetzt 
^äben sich keine Spuren finden lassen, dass die Projekte einer 
Ernsthaften Diskussion unterzogen wurden, wenn es aber geschah, 
konnte man sich jedenfalls nicht so weit einigen, dass die Ent 
würfe Gesetzeskraft erhielten. Es blieb alles noch lange beim 
^^^En, und selbst die 1669 erlassene allgemeine schwedische Ge 
werbeordnung war nicht im Stande für Riga einen Wandel zu schaffen. 
In Schweden bestanden \ wie es scheint nach dem Vorgänge 
^isbys, seit Ende des 15. Jahrhunderts in einzelnen Städten und 
einzelnen Gewerben Zünfte, die sich allmählig immer mehr 
^nsbreiteten und wie überall die Neigung zeigten sich die aus- 
^Ehliessliche Befugniss zum Gewerbebetrieb beizulegen. Jedoch ist 
zu einer das Land völlig beherrschenden zünftlerischen Organi- 
^ätion der Handwerke niemals gekommen, und nur in Stockholm 
^Egierten die Zünfte unbedingt ^ Gustav Wasa begünstigte sie und 
Wünschte ausdrücklich ihre Entstehung, und Karl IX. war ihr noch 
grosserer Gönner, insofern er das Landhandwerk zu Gunsten des 
^^^dtischen einschränkte und die Zünfte vielfach zu geschlossenen 
l^^chte. Gustav Adolf, der sich die Beförderung der Gewerbe und 
Bergwerkswesens besonders angelegen sein liess^ fühlte sich 
^*Eht Veranlasst an diesen Grundsätzen zu rütteln. Er bestätigte 
*^EUe Zünfte und bemühte sich gleichfalls den Betrieb von Hand- 
Erken auf die Städte zu beschränken. Indess fand dieses Be- 
^Ji'Eben in der Natur des Landes und in dem althergebrachten 
^rrechte des Adels* sich Handwerker aller Art zu eigenem Bedarf 
seinen Gütern halten zu können, entschiedene Hindernisse. 
‘Elleicht hätte dieser hervorragende Herrscher, wenn er länger 
^^^bt hätte, seine Ansichten in diesem Punkte noch geändert, 
^'ligstens bekannte sich sein kluger Kanzler Oxenstierna später 
Einer Auffassung, die insbesondere in die Schädlichkeit der 
^^chlossenen Ämter Einblick verrieth. In einem am 8. October 
_[^2^^^Frankfurt an den Reichsschatzmeister gerichteten Schreiben 
3 S ^ ^abenius in Schönbergs Handbuch der politischen Ökonomie. 2. Aufl. 
' 502 und die dort genannte schwedische Litteratur; ausserdem Nordström, 
Hie den svenska samhälls författningens historia, Helsingf. 1839. 1, S. 322 ff. 
mming, skräordningar Stockholm 1856 und H. Hildebrand in Historiskt Bibliotek, 
Silfverstolpe III. 
bundin och Strindberg, Gamla Stockholm. Stockh. 1882. Kap. XI. „Gillen 
^ Geijer, Geschichte Schwedens. 3, S. 58—66. 
Ghr. Naumann, Sveriges Statsförfattnings-rätt. Stockh. 1879. S. 240.
        <pb n="206" />
        I 
jg5 Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
sagt er am Schlüsse: „dieweil auch die Städte davon sich nicht 
mehren, dass ein, zwei oder drei Kaufleute allein das Gewerb 
haben und Handelschaft treiben, sondern ihre Zunahme besteht in 
Mehrung der Leute und im Concurse, von dem aus der Vortheil 
sich auf alle Mitglieder einer Stadt erstreckt; weshalb auch der 
grösste Theil der amtlichen Zünfte und ihre strengen leges auf 
gehoben werden sollten“ K Indess wich seine Nachfolgerin, die 
Königin Christine, nicht von dem bisher eingeschlagenen Wege 
ab und verbot 1646 den Handwerksbetrieb seitens Unzünftiger auf 
dem Lande. In Livland, wo diese Verordnung am 20. August 
gleichfalls in Kraft treten sollte, fühlte sich der Adel, der unter 
seinen Leibeigenen viele Handwerker besass, so getroffen, dass er 
Alles daran setzte die Ausführung der Bestimmung zu vereiteln, 
was ihm auch in der That gelang. 
Die Unzufriedenheit des Adels mit dieser den strengen Zunft 
geist athmenden Gewerbeverfassung veranlasste die schon erwähnte 
allgemeine Zunftordnung, die einheitlich für das ganze Land in' 
liberalen Sinne das Gewerbe zu regeln unternahm. Am 8. Jnl' 
1664 überreichte der Adel dem Könige oder vielmehr der vormund 
schaftlichen Regierung eine ausführliche Beschwerde, die 
36 Punkten die Abstellung gewisser näher beleuchteter Missständ^ 
erbat. Im neunten Paragraphen wird hier über die Handwerker 
geklagt, die zu hohe Preise forderten und dadurch eine täglich 
wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung hervorriefen. 
müsste somit einerseits darauf gesehen werden, dass sie die ihnen 
gesetzten Taxen richtig einhielten. Andererseits wünschte de«" 
Adel die Aufhebung der geschlossenen Zünfte wohl in der Vor 
aussetzung, dass bei grösserer Konkurrenz die Preise den Leistungen 
besser entsprechen würden. Weitere Übelstände werden in de 
Eingabe nicht erörtert ^ 
Auf diese Beschwerde erfolgte im September desselben Jahre® 
die königliche Resolution, dass man die Missbräuche in Erwägt0^ 
ziehen, die hohen Preise nach Möglichkeit herabsetzen wolle un 
die Vorlage einer General-Skra-Ordnung sich Vorbehalte». Offenbar 
kreuzten sich die Wünsche des Adels mit den Absichten der 
gierung. Hätte es sich nur um die Abstellung der beiden ang^ 
1 Geijer, Geschichte Schwedens. 3, S. 271. 
2 Sveriges Ridderskaps och Adels Riksdags-Protokoll. 9. Theil, utg. af Sev 
Bergh. Stockh. 1891. S. 143, 364. 
3 Stiernmann, Alla Riksdagars och mötens Besluth. 2, S. 1480.
        <pb n="207" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen, 
ftihrten Punkte gehandelt, so wäre am Ende der Erlass einer ganz 
^^uen Ordnung nicht erforderlich gewesen. Aber eine einheitliche 
Ordnung der Gewerbe gab es in Schweden überhaupt noch nicht, 
'^•^d so war wohl von der Regierung schon selbst daran gedacht 
Worden eine Verschmelzung der verschiedenen Statuten der ein- 
^^Inen Zünfte unter Durchführung gewisser nothwendig erachteter 
formen vorzunehmen. Daher war schon am 18. Juli 1664 der 
* terschaft der Entwurf einer Skraordnung zugegangen \ über den 
‘^se am 23. Juli Beschluss fasste. Man war der Ansicht, dass 
^ besten sei alle Zünfte zu beseitigen, und zog es vor die Reso- 
lon der Regierung auf diesen Punkt der Beschwerde abzuwarten ^ 
lut 
Zu 
^iner Diskussion über die Vorlage scheint es garnicht gekommen 
Sein». 
Zunächst scheint die Sache damit als abgemacht angesehen 
Orden zu sein. Wenigstens ist in den Protokollen von 1664 nicht 
^^Ijr die Rede von ihr, und auch die Regierung zögerte mit der 
^ dllung ihres Versprechens. Erst 4 Jahr später wurde das Thema 
s Neue angeregt, insofern die Bürger auf dem Reichstage von 
ln ihren Beschwerden (besvär § XIV) die Forderung auf- 
^j^llten, dass die schon 1664 vom Könige in Aussicht gestellte 
ra-Ordnung endlich veröffentlicht werden möchte. Die Regierung 
^""Sprach hierauf, dass sie die Ordnung sobald wie möglich publi- 
werdet Auch in der Ritterschaft war 1668 abermals von 
Ordnung die Rede. Am 22. August lag der Entwurf vor — 
l^Ieibt unentschieden ob in derselben Gestalt wie vor 4 Jahren — 
man nur wenig änderte. Man lobte ihn und stimmte ihm 
, »önskandes att det iu förr, iu hellre mätte i verkställighet 
Dngas«5 
So konnte denn nun, nachdem von Seiten der übrigen Stände 
^uch der Entwurf gebilligt worden war, im Reichsrat he die 
j^^^odlung aufgenommen werden. Dies geschah am 19. Febr. 
l^us über diese Sitzung vorhandene Protokoll fällt sehr kurz 
Zunftordnung wurde verlesen und mit Ausnahme einiger 
köni I Ridderskaps u. s. w. 9, S. 145- Nicht ganz klar ist es, wie die 
Mhr^' vom Septbr. 1664 sich den Erlass einer Skra-Ordnung vorbehielt, 
Scha?”^ Regierung schon am 18. Juli eine darauf bezügliche Vorlage der Ritter- 
Unterbreitet hatte. 
3 ^^^"ges Ridderskaps 9, S. 405. 
4 ^^"Kes Ridderskaps 9, S. 150, 163. 
5 *‘‘ernmann, a. a. O. 2, S. 1542. 
^ef. Mittheilung des Herrn Archivars Dr. S. Bergh in Stockholm.
        <pb n="208" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
188 
Punkte, die der anwesende Staatssekretär auf's Neue in Erwägung 
zu ziehen versprach, vollständig gebilligt h Unter dem i. März 
1669 ist sie dann an die Öffentlichkeit getreten ^ 
Aus zehn Hauptartikeln, von denen jeder in eine Reihe von 
Paragraphen zerfällt, bestehend, beruht sie auf folgenden Grund 
sätzen. 
Das Handwerk war in Zünften organisirt, die unter den He- 
nennungen Ämter, Gilden, Brüderschaften und Societäten in 
Leben traten (I, i). Ausserhalb derselben wurde keine Au^ 
Übung irgend einer gewerblichen Thätigkeit gestattet (X, 21) un 
der Bönhase, abgesehen von einzelnen nicht näher bezeichneten 
Fällen, in denen er sich mit dem Amte abgefunden hatte, verfolgt* 
Nur war vorgesehen, dass mindestens drei Mitglieder im Amte sein 
mussten, während eine Maximalziffer nicht angesetzt war. U 
bisherige Geschlossenheit der Ämter hörte ausdrücklich auf (I, 
Auf den einstigen Eintritt in die Zunft bereitete eine Lehrzeit 
vor, die mindestens drei Jahre dauern musste und höchstens fünf Jahr^ 
betragen durfte (IV, 3). Zu dieser wurde der Knabe nach VorweiS 
seines Geburtsbriefes vor dem Amte angenommen und ihr git*^ 
eine zweimonatliche Probezeit voraus (IV, 1—2). Hatte er 
Unglück seinen Lehrmeister vor Ablauf der Lehrzeit durch 
Tod zu verlieren, so musste er bei dessen Wittwe die vereinbartet^ 
Jahre aushalten (IV, 4). Bürgen zu stellen für seine Führung 
während der Lehrzeit konnte ihm erlassen werden (IV, i). Nac 
beendeter Lehrzeit wurde der junge Mann in der Quartalsvet^ 
Sammlung des Amts losgesprochen und hatte bei dieser Gelegenhel 
2—3 Thaler an das Amt, 6 Mark Silbermünze an die Gesellenlaij^' 
I Thaler Schreibgebühr für das ihm ausgefertigte Lehrzeugn«^^ 
und einen halben Thaler zu Gunsten der Armen zu zahlen. 
er zu arm für diese Ausgaben, so musste der Lehrmeister sie 
schiessen, hatte aber dann Ansprüche darauf, dass der junge (»ese 
noch ein Jahr lang bei ihm arbeite (IV, 5). 
Für den jungen Gesellen bestand kein Wanderzwang. 
er freiwillig in die Fremde, so musste er sich einen Pass aussteUß^ 
1 Reichsraths-Protokolle de 1669. S. 40. Reichs-Archiv in Stockholm: 
löstes Skrââordningen som commercie collegium proiecterat hade, och bief ** 
gillad undantogandes nägra mónita, som wid uplösandet här ock där giordes 
Secretaren of Staten Olivecranz tog ad notam och i brüdden pà conceptet anteken 
2 Deutsch gedruckt in Lieffländische Landesordnungen, herausg. von 
Riga 1707. S. 143 — 182; sowie G. J. v. Buddenbrook, Sammlung der Gese 
welche das heutige livl. Landrecht betreffen. 2. Th. Mitau u. Riga 1802
        <pb n="209" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
Nässen und dafür der Lade einen halben Thaler Schreibgebühr 
zahlen (VIII, 10). Die auf der Wanderschaft in schwedische Städte 
kommenden Gesellen mussten sich beim Ältermann melden, von 
^em ihnen Arbeit vermittelt wurde. Konnten sie keine Beschäf 
tigung finden, so wurde ihnen auf den Weg ein Zehrpfennig ge- 
Soben. Hatte ein Meister sich einen Gesellen von auswärts ver 
schrieben und ihn auf seine Kosten kommen lassen, so war dieser 
'^^^rpflichtet, mindestens ein halbes Jahr bei ihm zu dienen. Die. 
'Csellen sollten unter sich keine Zusammenkünfte veranstalten, es 
denn, dass zwei ihrer Meister anwesend waren (V, 1—4). 
Sie waren angehalten regelmässig zu arbeiten, keine Arbeit 
ohne Wissen des Meisters anzunehmen und diesem für jeden Schaden 
'Verantwortlich (VIII, 1—3). Mit der ihnen vom Meister verab 
reichten Kost sollten sie zufrieden sein, ausser dem Hause des 
Leisters nicht schlafen (VIII, 7 u. 8). 
Platte der Knabe das Handwerk redlich und wohl gelernt und war 
Geselle drei Jahre lang thätig gewesen, so konnte er sich zur 
^^^ugung der Meisterwürde melden (VI, i). Die Absolvirung einer 
^gen. Muthzeit konnte von ihm nur in besonderen Fällen, bei grosser 
^gond oder geringer Erfahrung, gefordert werden (VI, 2). Bei dem 
csuche um die Meisterwürde waren i—3 Thlr. an das Amt und ein 
^ ker 1 haler zum Besten der Armen zu bezahlen. Dann übertrug 
ihm die Anfertigung des Meisterstücks, das in einer bestimmten 
^juem Ausschüsse, bestehend aus einem Mitgliede des Raths, 
Ältermanne und seinen Beisitzern, zur Begutachtung vorgelegt 
'^^^clen musste. Hierbei hatte der Bewerber 6 Mark an das Amt 
2 Mark zum Besten der Armen zu entrichten. Fiel die Prüfung 
. ^ Zufriedenheit aus, so musste er abermals und zwar 10 Thlr. 
Lade, 5 I'hlr. den Meistern Verzehrung U7ui Gastgebott“ 
im anderen Falle wurde er abgewiesen und musste noch 
Zeit lang als Geselle arbeiten. Eine Verbüssung von Fehlern 
j ^ Mängeln am Stück durch (%eld war nicht gestattet (111, 4 S)* 
^'*anzen kostete mithin die Erlangung des Meisterrechts 16'/: 
Thlr. und 8 Mark. Die Söhne der Meister und die Ehe- 
Q I^Uer Von Meisterstöchtern erlangten das Amt für die Hälfte der 
au . (VI, 7) und noch leichter war es für Jemand, der bereits 
''^ärts Meister gewesen war, die Mitgliedschaft zu erlangen. Er 
s^^^ke nur 6 Thlr. und brauchte nicht zum zweiten Male ein Meister- 
Schi^ ^•izufertigen (VI, 10). An die erfolgte Annahme zum Meister 
sich die Gewinnung der Bürgerschaft auf dem Rathhause (VI, 6).
        <pb n="210" />
        igo 
Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh u, die Reformbestrebungen. 
Für die Ausübung des Handwerks durch die Meister galt dann 
eine Reihe von Regeln, die theils darauf abzielten keine Unordnung 
und Unzufriedenheit unter den Gewerbetreibenden selbst au ■ 
kommen zu lassen, theils dem Publikum jeden Anlass zu Be 
schwerden zu nehmen beabsichtigten. So soll kein Meister den 
andern aus der einmal übernommenen Arbeit zu verdrängen 
suchen, keiner den andern beim Einkauf des Rohstoffes überbieten 
.(VII, I u. 3), keiner dem andern die so nöthigen Gesellen ab 
späiistig machen (VIII, 12). Den Gesellen sollen die Meister rechten 
Lohn zahlen (VIII, 4), die Lehrlinge nicht unsanft behandeln, sie 
nicht grundlos vor Beendigung der Lehrzeit verjagen, sie wirklich 
in gewerblicher Arbeit unterweisen und nicht zu viel mit Neben 
dingen beschäftigen (IX, 2, 3, 4)- I" Annahme der Lehrlinge war 
der Meister nicht auf eine bestimmte Zahl beschränkt, doch wur ^ 
ihm zur Pflicht gemacht neben ihnen auch (Gesellen in seiner 
Werkstatt zu beschäftigen und sie vorzugsweise aus den Ein 
heimischen zu nehmen (IX, i). Sonntagsarbeit war verboten 
Nach der anderen Richtung verlangten die Anordnungen, dass 
das Erzeugniss, soweit es seine Natur gestattet, mit dem Stemp 
seines Verfertigers versehen werde (VII, 4), dass die Meister sic 
an die Taxen halten, keine alte Arbeit für eine neue ausgebem 
keine Verfälschung sich zu Schulden kommen lassen und keine 
Verwechslung des ihnen anvertrauten Rohstoffes vornehmen sollte«' 
(X, 25-29). Erfüllte der Meister alle diese Vorschriften treu, 
konnte ihn nichts an der Ausübung seines Berufs hindern; ja eS 
stand seiner Wittwe bei seinem Ableben das Recht zu den Betrie 
fortzusetzen, „so lange sie Wittwe bleibet und sich ehrlich verhak 
(X, 13). _ 
Begab sich der Meister zeitweilig in „Herrendienst“, d. h. wo ’ 
wenn er sich den adligen Grossgrundbesitzern auf dem Lande 
eine gewisse Zeit zur Verfügung stellte, so konnte er dufC^ 
Weiterzahlung der Quartalsabgaben und bürgerlichen Auflag^^ 
sich seine Amtsmitgliedschaft erhalten (X, 14). Auch verlor er dufC^ 
Wegzug an einen anderen Ort, um sein Gewerbe dort auszuübc^ 
nicht die Mitgliedschaft für immer, sondern konnte jederzeit na 
seiner Rückkehr dieselbe wieder geltend machen, wenn er 5 | ' 
an die Lade bezahlt hatte (X, 15). Dagegen zog VerurtheiW j 
wegen grober Missethaten den Verlust der Amtszugehörigkeit na_^ 
sich, und nur die Gnade des Königs konnte in solchen Fällen
        <pb n="211" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
Strafe mildern. Gewöhnliche Amtsvergehen wurden mit der Be- 
^^hlung der Strafen als verbüsst und ausgeglichen angesehen (X, 17). 
den Pflichten des Meisters gehörte auch der Besuch der 
Amte regelmässig, doch höchstens viermal im Jahre veran 
stalteten Zusammenkünfte. Indess war es möglich bei anhängig 
S^machten Klagen das Amt auch ad hoc zusammenzuberufen (X, i). 
^tif diesen musste ein Mitglied des Raths anwesend sein und ein 
t^tar oder Stadtbedienter das Protokoll führen, das in der Lade 
^ttfgehoben wurde (I, 4, 5, 7). Auf einer derselben gelangte der 
chragen einmal jährlich zur Verlesung (I, 6), und hier wurden 
^ttgenscheinlich alle das Amt oder Gewerbe angehenden Ange- 
S^nheiten zur Sprache gebracht. Das hier zu beobachtende Be- 
^hmen ist Gegenstand mehrerer Bestimmungen im zehnten Artikel. 
‘ssbrauch des Eides wird im Zusammenhänge mit den Landes- 
^^setzen untersagt (X, 18). Niemand darf gegen den Amtsbruder 
^^freundlich auftreten (X, 6, 7), keiner die Versammlung ohne 
^ ^tibniss des Ältermannes verlassen (X, 8), keiner in Waffen 
^ Scheinen, vor offener Lade Unruhe erregen oder sich in V er- 
^*^tllungen einmischen (X, ii, 10,9). Die zur Sprache gebrachten 
^^^’gelegenheiten sollten nicht weiter erzählt werden, (X, 5) und 
Erlittene Strafen sollte keiner sich beschweren (X, 12). 
^^er Versammlung präsidirt der Ältermann, dem zwei Beisitzer 
^^gesellt sind (II, i). Keiner kann sich der Annahme dieser Ehren- 
zu denen man auf Lebenszeit gewählt wird, entziehen (II, 2, 5). 
g ^ItGrmann, als die Spitze der ganzen Korporation, hat An- 
auf ehrerbietige Haltung der Genossen ihm gegenüber 
auch wird ihm nebst den Beisitzern ein nicht näher be- 
^.||^mter Vorzug in der Lehrlingshaltung oder Gesellen-Aufdingung 
p^^räumt (II, 4). Dem Altermanne wird an’s Herz gelegt seine 
ha gehöriger Weise wahrzunehmen und z. B. den Bön- 
^ •licht durch die Finger zu sehen (II, 3). Seine Gerichts- 
über die Genossen aber ist nur eine beschränkte und 
2^. sich nur auf die Entscheidung „kleiner und schlechter 
^^‘^tigkeiten. Seine ausführende Hand ist der jüngste Amts- 
der alles, was ihm der Ältermann von Amtswegen gebietet, 
"luss (II, 8). 
iq Y ^Itermann ist es auch, der den einen der drei Schlüssel 
irj ^•'ivahrung hat, die zur Lade gehören; die anderen zwei sind 
•! Händen der beiden Beisitzer, oder wenn mehr als zwei da 
’ Besitze der beiden ältesten. Die Lade enthält das Geld,
        <pb n="212" />
        JÇ2 Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
das Siegel, den Schrägen und sonstige Privilegien des Amts und 
wird, sofern das Amt ein eigenes Gilde- oder Amtshaus hat, in 
diesem aufbewahrt (III, i). Die in ihr zusammenfliessenden Straf 
gelder, sowie Quartalsabgaben sollen ordentlich, im Interesse und 
Nutzen des Amts verwandt werden; über ihre Verwaltung, sowie 
die der sonstigen Einkünfte haben Ältermann und Beisitzer jährlich 
am I. Mai Bericht abzustatten. 
Auch die Pflege des kameradschaftlichen Geistes wird nicht 
vergessen. Redliche verarmte Meister haben Anspruch auf Unter 
stützung aus Amtsmitteln; ihnen wie ihren Frauen kann auch ein 
Begräbniss auf Kosten des Amts bewilligt werden (X, 16). Aut 
Beerdigungen von Leichen der Amtsbrüder oder deren Familien 
angehörigen zu erscheinen war eines jeden Genossen Pflicht (X, 2o)- 
Wie sich aus dieser Darstellung ergiebt, beruhte die schwedische 
Gewerbeordnung vollständig auf den in der deutschen Zunftver 
fassung hervortretenden Gedanken, nur dass man die ganze E 
richtung von den seither bei ihr zu Tage getretenen Mängeln ^u 
reinigen bestrebt war. Man hielt an der Nothwendigkeit der Lehr 
zeit, Gesellenzeit, Zugehörigkeit zum Amte als Vorbedingung 
die Ausübung des Betriebs u. s. w. fest, aber man suchte 
Niederlassung zu erleichtern, man setzte die an das Amt zu zahlenden 
Gelder thunlichst niedrig an, man gestattete die Etablirung voU 
Meistern, die an anderen Orten bereits ansässig waren, man hie 
die Hin- und Herbewegung der Amtsmeister für zulässig und ver 
schaffte dem Grundsätze der freien Konkurrenz durch die Aufhebung 
der Geschlossenheit der Ämter Eingang. Mit dem rigischen Ent^ 
wurf von i66i lässt sich keine andere Verwandtschaft nachweis^^^ 
als dass die eben damals zur Abstellung der Missbräuche übern^ 
vorgebrachten Reform Vorschläge bei beiden wiederkehren. In^e 
essant bleibt es, dass die schwedische Zunftordnung drei Jnhr^ 
vor dem deutschen Reichsgutachten veröffentlicht wurde; 
es mochte freilich auch leichter sein in einem Staate, dessen m _ 
strielle Entwickelung keine sehr hohe war, mit den Gewerbetr^^ 
benden fertig zu werden, als in Deutschland, wo man kaum ho ^ 
konnte die Widerspänstigkeit einer zahlreichen Klasse von E‘^^ 
wohnern zu brechen, die sich zur Vertheidigung immer auf e' 
Jahrhunderte alte Verfassung beriefen. 
Übrigens kam nun auch in Schweden alles auf die 
habung an; leider aber ist nicht bekannt, ob die Klagen 
stummten und die neue Verfassung sich bewährte. Das Komui®
        <pb n="213" />
        Her Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u die Reformbestrebungen. 
Kollegium in Stockholm führte die Aufsicht über die Handwerke, 
'^nd Bürgermeister und Rath wurden angewiesen die Schrägen der 
yorhandenen Ämter mit den Bestimmungen der neuen Ordnung 
I" Einklang zu bringen. Es blieben also die bisherigen Schrägen 
Kraft, und die Ordnung kann nur den Zweck gehabt haben eine 
allgemeine Richtschnur für das, was mindestens oder höchstens in 
Rahmen eines Specialstatuts kommen sollte, sein zu wollen. 
Wirklich ist in der Zunftordnung auch manche Lücke enthalten, 
^^1 d^r auf die Ausfüllung im Specialschragen gerechnet zu sein 
Scheint. So z. B. bei der Anordnung des Meisterstücks und der 
^^uer, innerhalb deren dasselbe fertig gemacht werden musste, 
^^1 der Erwähnung des Vorzugs, der Ältermann und Beisitzern 
änderen Meistern eingeräumt werden sollte, bei der Ansetzung 
zu zahlenden Quartalsabgaben, deren Höhe unbestimmt ge- 
l^lleben ist u. s. w. Wenn auch noch andere Lücken in der Zunft- 
^^dnung klaffen, z. B. nichts über den Lehrlings- oder Gesellen- 
^^rtragsbruch bemerkt ist oder der Gesellenbrüderschaften keine 
Erwähnung geschieht, so mag das damit Zusammenhängen, dass 
^Issstände in dieser Richtung nicht vorgekommen waren. 
^b nun in Riga von der Verwirklichung der eigenen Entwürfe 
^l^gesehen wurde, weil man sich auf Einführung der schwedischen 
^^dnung auch in Liv- und Estland glaubte gefasst machen zu sollen, 
eine offene Frage bleiben. Merkwürdig ist es, dass unter 
livländischen Juristen Unklarheit darüber geherrscht hat, ob 
schwedische Ordnung Landesrecht geworden ist oder nicht, 
ist sowohl in die am Anfänge des vorigen Jahrhunderts vom 
^chhändler Matthias Nöller — 1707 — herausgegebene Sammlung 
»Lieffländischen Landesordnungen“ aufgenommen worden, als 
. in die 1777 in Reval veröffentlichte „Auswahl der wichtigsten 
Herzogthum Ehstland noch jetzt geltenden königlich schwedi- 
^^n Verordnungen“. Oer verdiente Herausgeber der „Sammlung 
Gesetzen, welche das heutige livländische Landrecht ausmachen , 
^(idenbrock, meinte 1802, dass die Ordnung von 1669 Rieht- 
^^hnur nur für die Handwerker auf dem platten Lande gewesen 
Indess hat der Dorpater Professor Hetzel später nachge- 
dass diese Ordnung in Livland niemals zur Nachachtung 
^^^licirt worden sei und daher als ein Gesetz nicht angesehen 
* ßröckers Jahrbuch für Rechtsgelehrte in Russland. 2, S. 85. Vergl. auch 
Livländische Jahrbücher d. a. 1669, ij 4*- 
13
        <pb n="214" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
194 
werden könne, das formell in Livland jemals Kraft gehabt hatte. 
Dass uns von keiner Revision der Schrägen rigischer Ämter 
gemeldet wird, scheint diese Ausführungen zu unterstützen. Wohl 
werden mehrere Ämter nach 1669 in Riga neu geschaffen; eine 
Bestätigung der Schrägen schon vorhandener Ämter aber erfolgt 
nur vier Mal, auch erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts und hat 
somit wohl in anderer Veranlassung seinen Grund. Die schwedische 
Regierung selbst wünschte, wie aus der im Anhänge mitgetheilteo 
Entscheidung von 1681 hervorgeht, dass die Ordnung dem Magistrat 
^^zum Richisclmtir^^ diene, „worauff der Magistrat bey allerhand 
vorfalletiden Quaestionen reflectiren sollest ti7id sich sorveitt denen- 
70id gleichstehe^i sollen^^. 
Bleibt es somit unklar, ob die schwedische Regierung beab 
sichtigte mit ihrer allgemeinen Skra-Ordnung auch die liv- und 
estländische Handwerks-Verfassung umgestalten zu wollen, so hat 
sie doch wiederholt Gelegenheit gehabt in die Ordnung der gewerb 
lichen Verhältnisse einzugreifen. 
In den mit der schwedischen Regierung nach der Eroberung 
abgeschlossenen \'erträgen ist, soweit wir wissen, von den Hand 
werkern nicht besonders die Rede. Ohne Zweifel wurde mit der 
Bestätigung der bestehenden Rechte und Privilegien auch das 
Zunftwesen aufrecht zu erhalten versprochen. Dass der Rath dieses 
\’’ersprechen ernst nahm und bemüht war die städtischen Hand 
werker zu schützen, ersieht man aus den Beschwerden, die er nu 
Jahre 1637 über die Konkurrenz von Gewerbetreibenden im Schloss^ 
und in der Vorburg der Regierung vorstellig machte. Man muss 
das Schriftstück im Einzelnen lesen, um zu ermessen, wie klägb^^j^ 
der Zunftgeist sich geberdete. Man versteht es nicht mehr, wie aU 
den Wettbewerb dieser vereinzelten Schuster, Altflicker, BäckcH 
Böttcher, Zimmerleute u. s. w. oder das Bierbrauen und BrotbackeH 
seitens eines Lieutenants solches Gewicht gelegt werden konnt^' 
dass man die städtischen Gewerbe durch sie für bedroht hieb- 
Alle jene Handwerker sollten nur für das Bedürfhiss der Schloss 
bewohner, nicht auch für die der städtischen Einwohner sorget' 
Vielleicht war die Regierung bereit diese Klagen abzustellen, vie 
leicht war sie gar nicht in der Lage den so leicht erklärliche*^ 
Übergriffen der Schlosshandwerker in die Gerechtsame der stäih* 
sehen Amtsmeister zu wehren. Mit der einmaligen Beschwer*^^ 
von 1637 war die Verhandlung über dieses Thema noch oich
        <pb n="215" />
        Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen. 
195 
Erschöpft, und noch 1662, als eine Gesandtschaft in Stockholm 
allerlei Klagen vorbrachte, wurde auch die Konkurrenz der Schloss 
handwerker berührt. In ihrer Antwort vom 22. October des ge- 
'kannten Jahres erklärte sich die Regierung bereit Missbrauche in 
Gnaden abschaffen zu wollen, aber sie verlangte gleichzeitig vom 
^’gischen Rathe, dass er seinen Handwerkern, insbesondere Knochen 
hauern, Bäckern und Brauern, Taxordnungen geben möge. Offen 
bar lag also das Geheimniss der ausdauernden Konkurrenz der 
^hlosshandwerker in ihren billigeren Leistungen. 
Später scheint der Eifer des Raths die Ämter bei ihren Vor- 
^chten zu erhalten nachgelassen zu haben, und es muss hier zu 
onflikten gekommen sein, von denen aber leider nichts bekannt 
st. Wenigstens wandte sich im Jahre 1681 die St. Johannis-Gilde 
^’*'ckt an den König in Stockholm und bat um seine Entscheidung. 
Gegenstand des Streits geht aus der königlichen Resolution 
Om April 1681 nicht klar hervor. Es scheint sich um die 
^oderlassung einiger Meister gehandelt zu haben, die der Rath 
S^stattet hatte und die die Handwerker nicht wünschten. Die 
^gierung stellte sich auf den Standpunkt des Raths und verwies 
^ störrischen Handwerker zur Ruhe. 
Den \ orurtheilen derselben trat sie auch sonst mehrfach ent- 
E Sie gestattete, dass ehemalige Soldaten und Diener von 
^^elleuten, die für den Bedarf ihrer Herrschaft thätig waren, das 
^^dwerk ausüben konnten, ohne zünftig werden zu müssen. Auch 
..y^bot ein Erlass des Generalgouverneurs vom 4. April 1688 die 
^^flüssigen Kosten bei der Aufnahme in’s Amt als Meister. 
^Sogen handelte es sich wieder um ein Zugeständniss, als der 
Dndische Generalgouverneur Delagardie am ig- Septbr. 1691 
die Bönhaserei zu Felde zog, eine Verordnung, die ihrem 
^^^riellen Inhalte nach gewiss auch in Riga gehandhabt wurde.
        <pb n="216" />
        igó 
Die gewerblichen Zustände im i8. Jahrhundert. 
1 Eckaidt, Livland im 18. Jahrhundert. 1, S. 452. 
7. Die gewerblichen Zustände im achtzehnten 
Jahrhundert. 
Die St. Johannis-Gilde in Riga. — Ihre Älterleute seit 1612. - Betheiligung 
der Handwerker am städtischen Regiment. — Die Ämter in Riga, Reval, Dorpa 
— Missstände in Riga. — Missstände in Dorpat. - Die Einführung von Zün 
in Russland durch Peter den Grossen. — Die Stellung Catharina II. zu 
Ämtern in Riga. 
So blieb denn einstweilen alles beim Alten, und auch das nun 
kommende Jahrhundert unter russischer Herrschaft wies keine nam 
haften Veränderungen der Gewerbeverfassung auf. Erfreute sic 
während der ersten siebzig Jahre des achtzehnten Jahrhunderts m 
rigische Stadtverfassung eines unveränderten, nirgend beeinträch 
tigten Fortbestandes h so galt das gleiche für die Ordnung ® 
Handwerkerverhältnisse. Nur der Unterschied machte sich gelten 
dass während man mit der ersteren alle Ursache hatte zufrie en 
zu sein, in der letzteren sich viele Unzuträglichkeiten eingeschlichen 
hatten, die seit lange gebieterisch Abstellung forderten. 
Wie schon aus den vorhergehenden Schilderungen bekannt, 
bildeten sämmtliche deutsche Handwerker die sogen, kleine oder 
St. Johannis-Gilde. Nur die Uhrmacher und Goldschmiede gehörten 
als Künstler der grossen Gilde an. Die Verfassung der kkitm^ 
Gilde war dieselbe wie in den Ämtern. Die Aufnahme m 
Korporation knüpfte sich an den Nachweis der ehelichen Geburt, 
evangelischer Konfession, deutscher Herkunft, der ordnungsmässige 
Erlernung des Gewerbes u. s. w. Den Vorstand bildeten ein Alt« ^ 
mann und zwei Beisitzer und die sogen. Ältestenbank wurde aU 
gewählten Vertretern der einzelnen zur Gilde gehörenden Ämtern- 
vermuthlich in erster Linie deren Ältermänner oder Beisitze - 
zusammengesetzt. ^ 
Die Lage der kleinen Gildestube ist sehr wahrscheinlich an 
derjenigen Stätte zu suchen, auf der sie sich heute befindet. 
Angabe, dass sie sich in oder nahe der „hinkende scroder strate^ 
befunden hätte, mag noch angeführt werden. Auch wissen 
aus den ältesten Aufzeichnungen der kleinen Gilde, dass zu 
des vierzehnten Jahrhunderts bereits langwährende Streitigkeit^^ 
mit den Nachbarn der Gilde, den Franziskanern zu St. Kathariu
        <pb n="217" />
        Die gewerblichen Zustände im i8. Jahrhundert. 
197 
^eren Kloster auf dem Boden des heutigen Steuerverwaltungs 
gebäudes gestanden hat, stattgefunden haben. Auch deutet die 
^ei Gelegenheit der erwähnten Verhandlungen von 1427—28 
’über das Braurecht zwischen den Gilden und dem Rathe in 
einer Aufzeichnung gebrauchte Wendung: ^Dyt wart en also 
^^igebracht hir over in den a7ideren stoven“ darauf, dass die 
kleine Gilde in der Nähe der grossen, vermuthlich ihr gegenüber 
sich befand b 
Die Versammlungen der Gilde wurden in einem eigenen Hause 
^kgehalten, das an der Stelle sich befand, wo heute der von 
1864—66 vollendete Neubau steht. Das alte Gildenhaus, dessen 
^chon oben Erwähnung geschah, war im Laufe des 17. Jahrhun 
derts vernachlässigt und verwahrlost worden, so dass am Ende 
desselben — 1694 — ein umfassender Ausbau nothwendig wurde. 
Welcher Weise dieser ausgeführt wurde, belehrt uns eine alte 
^ildeaufzeichnung aus dem genannten Jahre. In ihr heisst es: 
^^ennoch haben die oben gemeldete Aelter J^eut Glicht ufiterlaszen 
^^nnen, desz Hauszes sich an zu 7iehmen U7id dasz selbe zu bauen 
^^id beszern a7tge/ange7t, I71 dem sie zu erst dasz gantze Dack her 
gC7iohme7t, die verfallente Spare7i auszgebeszert 7i7td ga7itz von 
^^Ue7i belattet, wie Nett gesim77ies U7td alles, wasz obe7i zu 7nache7t, 
^^^fertige7i lasze7t, Negst de77t dasz ga7itze Hausz U7nbher beworffen 
auszgebeszert, Inwendig de7t 7nittelste7i Keller, so ga7ttz ei7ige- 
^^Ucke7¿ geweszen, von Neuen 7nit Stei7ien auszgeivolbet worde7i, 
^^’^gleichen de7t Kuche7t U7id Vorhausz Keller, so ga7itz untauglich 
^^d U7iineglich lenger stehe7i kön7te7t, dieselben auffbrechen und 
Neuen vo7i Stein gewolbeten Keller wieder machen lassen 
heloffen setzen laszen und dabey eine Neue Karner gemacht, 
^^^171 die Speiszen auffgegehe7i werde7i. Woru7iter auch ei7i ge- 
^^sz(iie7ier ei7ie7i Neue7i auffga7igk gemacht“^. Zu diesen um- 
.^^senden Reparaturen kamen noch die Anbringung eines Gitters 
*¡1 der Hauptstube, neuer Hausthüren, Kellerthüren, Hofspforten, 
Aufrichtung eines neuen Giebels und eines neuen Thors 
gehauenen Steinen, „Jo Arf/- 
' Das Haus der St. Johannisgilde. S. 4- Rißrasche Stadtblätter 1832. S. 380. 
Das Haus der St. Johannisgilde. Riga 1887. S. 4—5*
        <pb n="218" />
        198 
Die gewerblichen Zustände im 18. Jahrhundert. 
löblichen Aemptern zîigehorett und ihre Zusammenkunfft darauß 
haben, zum Zihr tind Immerwehrender gedechtnisz ist gemacht 
worden^'. Die beiden Männer, die um das Zustandekommen dieses 
Baues sich sehr verdient gemacht hatten, waren Marius Röber und 
Hans Gösche. Etwa fünfzig Jahre nach diesem kostspieligen Um 
bau des Gildenhauses wurde im Jahre 1743 die Brautkammer der 
Gilde abgerissen und im nächsten Jahre neu erbaut. Dann aber 
vergingen Jahrzehnte, ohne dass an dem Hause grössere Repara 
turen vorgenommen worden, vielleicht weil seine Räume den Bedürf 
nissen genügten, vielleicht weil die Mittel versagten. 
Die Namen der Männer, die an der Spitze der Gilde als Alter 
leute standen, sind uns seit dem Beginne des 17. Jahrhunderts, 
wenn auch in keiner ganz stetig fortlaufenden Reihe, erhalten. Sie 
wurden auf 2 Jahre gewählt und schieden in der älteren Zeit auch 
wirklich nach Verlauf dieser Zeit aus, oft, um später einem Rufe 
an die Spitze zu treten auf’s Neue zu folgen. Seit dem letzten 
Viertel des 17. Jahrhunderts bürgerte sich entweder eine Wahl aU 
längere Zeit ein oder es wurde eine Wiederwahl des Abtretenden 
unmittelbar im Anschlüsse an die eben abgelaufene Periode üblich- 
Seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts sind wir auch über dns 
Gewerbe, das der jeweilige Ältermann ausübte, unterrichtet. 
Namen dieser Männer, die wir in dem nachstehenden Verzeichnis^ 
der Vollständigkeit halber bis auf die Gegenwart verfolgen, sin 
Rotger Saleborch; 
Heinrich Struberg; 
Gideon Ritter; 
1543 
1610 — 12 
1612—21 
1621 
1621—26 ? 
1627—29 Carsten Gercken; 
1629—31 Cord Russchelosch; 
1631—33 Michel Baur; 
1633—35 Carsten (îercken; 
1635—37 Hans Welsch; 
1637—39 Michel Baur; 
1639—43 Hans Welsch; 
1643-45 ? 
1645—49 Hans Rösel; 
1649—51 Carsten Gercken; 
1651—53 Hans Welsch; 
1653—55 Hans Bartels;
        <pb n="219" />
        Die gewerblichen Zustände im i8. Jahrhundert. 
199 
1655—57 ? 
1657—59 Hans Bartels; 
1659—61 ? 
1661—63 Hans Bartels; 
1663—65 Hans Frieben; 
1665 — 67 Hans Bartels; 
1667—69 Hans Frieben; 
1669—71 Hans Bartels ; 
1671 — 77 Hans Weber; 
1677—83 Gerhard von Bio, Glaser; 
1683-91 Hans Gosche ; 
1691—99 Marius Röber; 
1699 — 1711 Christian Frobrig; 
1711 —18 Andreas Grantzau; 
1718 — 32 ? 
1732—42 Christian Kluge, Kupferschmied; 
1742—58 Johann Christoph Kleeberg, Fleischer; 
1758 — 66 Johann Jacob Frölich, Drechsler; 
1767—70 Christoph Wilhelm Trost, Sattler; 
1770 — 75 Christoph Gerhard Peetzen, Schneider; 
1775-87 Jacob Heinrich Beck, Huf- und Waffenschmied; 
1787—1801 Johann Friedrich Lübbe, Bäcker; 
1801—17 Franz Carl Dorndorff, Bäcker; 
1817 — 25 Martin David Bambam, Schneider; 
1825—30 Martin Christoph Schmidt, Reepschläger; 
1830—46 Johann Jacob Wiesemann, Schneider, 
1847-61 Johann Christian Friedrich Meinhardt, Fleischer; 
1861—81 Wilhelm Jacob Taube, Nadler. 
seit 1881 Friedrich Brunstermann, Posamentirer. 
Mit Ausnahme des Ältermanns Marius Röber, gerade des 
^^^nes, der sich um die Gilde mehr als andere verdient gemacht 
sind von den vorstehend genannten die Ölbildnisse im Gebäude 
Johannisgilde auf bewahrt 
. Am städtischen Regiment waren die Handwerker nach wie vor 
^^^üigt. Allerdings waren die Mitglieder der St. Johannis-Gilde 
zum Rathe wählbar, aber sie waren betheiligt an der Ver- 
J^^ltung des Kassa-Kollegiums, des Quartier-Kollegiums, des Waisen- 
der Stadtweide, der Handlungs- und Diskonto-Kasse und 
Haus der St. Johannisgilde. S. 20. 
1
        <pb n="220" />
        200 
Die gewerblichen Zustände im i8. Jahrhundert. 
einer Reihe anderer Institute, als: Kirchen, Schulen, Kranken 
häusern, milden Stiftungen u. s. w. * Abgesehen von diesen Ver 
trauensposten war die gesellschaftliche Stellung der Handwerker 
noch immer eine wenig angesehene. Noch in den sechsziger und 
siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden auf dem Rath 
hause die Handwerker mit „Ihr“ angeredet und selbst das Leichen 
lied, das dem verstorbenen Rathsmitgliede in’s Grab nachge 
sungen wurde, war von dem bei anderen bürgerlichen Beerdigungen 
üblichen verschieden ^ 
Es wird dies damit Zusammenhängen, dass Riga, obwohl die erste 
Stadt Livlands, doch in seinen äusseren und inneren Verhältnissen 
beschränkt und vielfach ärmlich erscheint Demgemäss machte die 
Entwickelung des Gewerbewesens auch nur geringe Fortschritte. 
Allerdings wird die Errichtung fünf neuer Ämter gemeldet: 
1731 das der deutschen Maurer; 
1732 „ „ „ Zimmerleute und Baumeister; 
1738 „ „ Perruquiers; 
1748 „ „ Stuhlmacher; 
1765 „ „ teutschen Leineweber. 
Überlegt man, das von den im Laufe des achtzehnten Jahrhun 
derts neu errichteten Ämter zwei, die der deutschen Maurer und Leine 
weber, längst vorhanden waren, indem sie nur eine Trennung des 
bisherigen Amts in eine deutsche und eine undeutsche Hälfte dar 
stellten, so kommt man zu einer Gesammtzahl von 43 Ämtern- 
Nicht recht ersichtlich ist das Verhältniss bei den Zimmerleuten, 
da von deren Amt jetzt zum ersten Mal die Rede ist. Der Nach 
druck, mit dem der deutsche Charakter betont wird, zeigt den 
Gegensatz zu dem seit 1680 bestehenden Amte der undeutschen 
Zimmerleute. Höchst wahrscheinlich bestand das Amt der Zimmc*"' 
leute schon lange, und hat sich nur der Schrägen aus älterer Zeh 
nicht erhalten. In der Erklärung, die die kleine Gilde am 24. AugnS* 
1700 zu Ungunsten Patkuls abgab, sind nur 29 Ämter genannt, 
im Jahre 1766 aber (siehe weiter unten) waren 42 deutsche Hant^' 
Werksämter vorhanden. 
Neubestätigungen erfuhren die Schrägen der 
Schlosser, Sporen- und Büchsenmacher . . 1702; 
Glaser 1713; 
1 Rckardt, a. a. O. i, S. 457, 458. 
ü Eckardt, a. a. O. i, S. 460. 
3 Eckardt, a. a. O. i, S. 464.
        <pb n="221" />
        Die gewerblichen Zustände im i8. Jahrhundert. 
201 
Zinn- und Kannengiesser lyiç; 
Tischler 1729; 
Roth- und Lohegerber i7335 
Fleisch- und Knochenhauer 1737; 
Böttcher 1741; 
Sattler und Riemer 17^2; 
Barbiere iy6^. 
Das Amt der Ligger erhielt eine Bestätigung seines Schragens 
^ Jahre 1740, und von den undeutschen Ämtern Hessen das der 
^obschmiede 1724 und das der Schneider 1727 sich ihre Schrägen 
^önfirmiren. 
Über die Besetztheit der Ämter lässt sich ein Anhaltspunkt 
^Gr erwähnten Erklärung der St. Johannisgilde vom Jahre 1700 
S^winnen. Bei jedem Amte haben nämlich eine Reihe von Per- 
ihre Namen unterzeichnet, vermuthlich doch alle Meister, die 
gehörten. Lässt man diese Annahme gelten, so erhält man 
^Agende Zahlen. 
Es 
waren Meister im Amte der 
deutsch. Schuhmacher 
Schneider 
3- Böttcher 
F Enochenhauer . 
Tischler 
Fastbecker . . . . 
Eieinschmiede . . . 
Kürschner 
^ ^yFipr- und Messer 
schmiede, Schwert (e- 
^ Krongiesser . . 
^utmacher 
^ciss- und Sämisch- 
12 f "‘^er 
Müller 
'^-chsie; : : ; : : 
Sattler und Riemer . 
50- 
40. 
28. 
26. 
16. 
15- 
15* 
12. 
II. 
8. 
8. 
8. 
7- 
15. Huf-u.Waffenschmiede 7. 
16. Glaser 7. 
j 17. Losbecker 7. 
18. Knopfmacher ... 6. 
19. Reepschläger ... 6. 
20. Stell- und Rademacher 5. 
21. Handschuhmacher . . 5. 
22. Zinngiesser .... 5. 
23. Anker- und Nagel 
schmiede 4. 
j 24. Töpfer 4. 
j 25. deutschen Maurer . . 3. 
26. Schäffter(?) .... 3. 
27. Posamentirer ... 3. 
I 28. Mahler 3. 
j 29. Klempner 2. 
^^nz allgemein verbreitet sind die (xesellenverbindungen in 
Periode, die vermuthlich bei allen Ämtern üblich waren, 
^uch nicht mehr für alle die Schrägen nachweisbar sind. 
^*erbei charakteristisch, dass Bestätigungen der Gesellen- 
‘‘^gen gar nicht vorgekommen zu sein scheinen. Vermuthlich
        <pb n="222" />
        202 
Die gewerblichen Zustände im i8. Jahrhundert. 
waren die Gesellen froh, wenn ihre Statuten überhaupt einmal die 
obrigkeitliche Genehmigung erfahren hatten, und hüteten sie sich 
durch Gesuche um Bestätigung die öffentliche Aufmerksamkeit aut 
sich zu lenken. Verfolgt wie sie, wenigstens in Deutschland, waren, 
werden sie auch kaum das Bedürfniss gespürt haben ihre über 
kommenen Statuten zu ändern. Es haben sich die Schrägen erhalten 
bei den Gesellenschaften der 
Sattler von 1715; 
Maurer „ 173 G 
Reepschläger „ 173^5 
Roth- oder Lohgerber „ 1733; 
Maler „ 1739: 
Barbiere „ i749! 
Goldschmiede „ 1763; 
Leineweber „ 1765. 
Ausserdem lässt sich, wie schon im vorigen Jahrhunderte, aO 
den erhaltenen Willkommen, Bechern, Tellern und anderen Ge" 
räthen, das Vorhandensein folgender Gesellenverbindungen an* 
nehmen : 
. der Müller; 
„ Knopfmacher und Posamentirer; 
„ Kupferschmiede ; 
„ Anker-, Zeug-, Nagelschmiede; 
„ Stuhlmacher; 
„ Zimmerleute. 
Ja es kann sogar eine Verbindung der Gesellen eines undent 
sehen Amts, nämlich der Schuhmacher von 1707, nachgewjese*^ 
werden, das einzige bis jetzt bekannt gewordene Beispiel eine^ 
derartigen Verbandes. 
Wie sich die Ämter in dieser Periode in Reval gestalten, e” 
zieht sich unserer Kenntniss. Das für die frühere Zeit benutz^ 
Schragenbuch wurde in schwedischer Zeit angelegt und entha 
als späteren Eintrag aus dem 18. Jahrhunderte nur die Schrägt 
der Lohgerber von 1734. 
Über Dorpat sind wir zum Theil durch die fleissigen 
Zeichnungen des verdienstvollen Gadebusch, zum 1 heil durch ^ 
werthvolle Abschriftensammlung der wohl kaum mehr erhalte^^^ 
Originalschragen, die C. Schöler in Dorpat veranstaltet hat *, bes 
1 Durch Kauf 1880 in meinen Besitz übergegangen.
        <pb n="223" />
        Die gewerblichen Zustände im i8. Jahrhundert. 
203 
Unterrichtet. Dorpat macht im Ganzen während des vorigen Jahr 
hunderts den Eindruck einer zurückbleibenden Stadt. Gegen den 
"Ausgang der zwanziger Jahre starb das Geschlecht der Männer 
die den Wiederaufbau der Stadt in’s Werk gesetzt hatten, 
l^nd in den nun folgenden Jahrzehnten herrschte bei bitterer Armuth 
(^ler Bevölkerung nur der eine egoistische Gedanke vor, wie 
sich der Konkurrenz erwehrend, sich die „bürgerliche Nahrung“ 
^"geschmälert erhalten könne. Kleinliche Händel und Eifersüchte 
leien machen sich in allen Kreisen der Gesellschaft geltend, 
^•"gends findet sich auch nur bei den leitenden Personen im Stadt- 
^egimente eine Spur von Verständniss für die wahre Lage und die 
Wirklichen Bedürfnisse des Landes. Wenn sich noch Geld in der 
^Wtkasse befindet, so wird es für Bestätigung von Privilegien 
Processe verausgabt*. Eine Feuersbrunst, die 1763 über die 
^^dt hereinbrach, vernichtete die Keime eines eben sich regenden 
^hlstandes, und so weist die Stadt 1765 nur 400, 1769 nicht mehr 
570 Häuser auf, unter welchen 152 am nördlichen Embachufer, 
^40 Hütten der Vorstädte waren. Die in diesen lebende Bevöl- 
^ ^rung belief sich auf 3cxxj, 1774 angeblich 3300 Einwohner. So 
^"gsam wuchs die Stadt, dass zwischen 1719 und 1782 in der 
grossen Gilde nur 2^8, in der kleinen Gilde 415 Bürger Aufnahme 
fanden 2. 
. dieser Sachlage ist es bemerkenswerth, dass das gewerb- 
Leben nicht völlig rostete, sondern neue Ämter entstanden 
die vorhandenen sich ihre Privilegien bestätigen Hessen. Ohne 
i^de Gewähr, dass das nachstehende Verzeichniss ein vollständiges 
da eine die Schölersche Sammlung ergänzende Quelle uns nicht 
^kannt ist, sei hier mitgetheilt, von welchen im Laufe des vorigen 
^^"hunderts, wie es scheint, neu errichteten Ämtern sich die 
^^"ägen erhalten haben. Es sind: 
die Sattler 1732; 
„ teutschen Weber 1733; 
„ Töpfer 1730; 
M Huf-, Grob- und Waffenschmiede 17545 
w Drechsler 1760; 
M Maler 1768 ; 
deutschen Maurer 1768 ; 
2 Rckardt, a. a. O. S. 163, 179. 
^ckardt, a. a. O. S. 513-
        <pb n="224" />
        204 
Die gewerblichen Zustände im i8. Jahrhundert. 
die Kürschner 1771; 
„ Loh- und Rothgerber 1774. 
Unter den uns bereits bekannten Ämtern erfahren eine Bestä 
tigung ihrer Schrägen, bezw. erhalten Zusätze zu denselben: 
die Tischler 17^35 
„ Leineweber 1724; 
„ Gold- und Silberarbeiter 1742; 
„ Grob- und Kleinschmiede 1745; 
„ Schneider 1774! 
„ deutschen Maurer 1776; 
„ Schuster 1776. 
Von Verbindungen der Gesellen erfahren wir wenig. Da di 
Ämter, wie weiter unten gezeigt werden soll, durchschnittlich a 
wenige Meister hatten, so wird im Ganzen auch die Zahl der Ge 
seilen eine kleine gewesen sein, und wird sich daher kein Bedürfm 
zur Errichtung eines sich selbständig gegen die Meister abschhessen^ 
den Verbandes gezeigt haben. Es lassen sich Gesellen-Rollen nuf 
nachweisen bei den 
Sattlern 1732; 
Töpfern 1730; 
Hutmachern 1762. ^ 
Noch geringere Spuren haben sich von den undeutschen Amter^ 
erhalten. Da es „deutsche Maurer“ und „deutsche Weber“ 
werden nothwendigerweise auch Ämter derselben Art von 
sehen errichtet anzunehmen sein. Indess hat sich deren Schräg ^ 
nicht erhalten. Wir wissen nur, dass das Amt der undeutsche^ 
Fischführer 1775 sich seinen Schrägen neu bestätigen lässt, 
die undeutschen Fischer oder Wadenkerle 1778 einen eigene 
Schrägen erhalten. Nach den Eingangsworten dieses l’^ivi 
scheint es sich hierbei auch nur um die Wiederbelebung eines bere»^^ 
länger bestehenden Amtes gehandelt zu haben, denn es wird 
hingewiesen, dass das Amt der Fischer in neueren Zeiten mit 
Amte der undeutschen Fischführer sich verbunden hätte und, ^ 
hieraus Unordnung sich ergeben hätte, der Rath es für seine A^ 
Pflicht gehalten habe die „vorigen alten Fischordnungen“ zu u ^ 
sehen und zu prüfen. Es wird demnach der ältere Schrägen, 
viele andere, verloren gegangen sein. ^ 
Alle diese Handwerksämter standen in Riga wie schon im vorig 
Jahrhundert zum Theil unter dem Drucke mangelnden Erwe 
Die grossen Kosten, die der Eintritt in das Amt bedang, stürz
        <pb n="225" />
        Die gewerblichen Zustände im i8. Jahrhundert. 
205 
jungen Meister beim Beginne seines Geschäfts vielfach in 
Schulden, aus denen er sich bei ungenügendem Verdienste nur 
^^ngsam, oft wohl gar nicht herausarbeitete. Daher offenbart sich 
den Handwerkern unverhüllt die Selbstsucht, die Jeden, dessen 
Ansprüche auf den betreffenden Erwerb nicht in derselben Weise 
die der Amtsmeister begründet erscheinen, fernzuhalten sich 
*^^niüht und sogar zum Kriege der verschiedenen Ämter gegen 
einander über streitige Arbeitsbefugnisse führt. Ein Beispiel mag 
^iese Verhältnisse charakterisiren. 
Es wurde schon erwähnt, dass die deutschen Leineweber sich 
^765 von dem Amte der Weber, das auf diese Weise zu einem 
^^^11 Undeutschen wurde, trennte. Fünf Meister gründeten ein neues 
dessen Ordnung in einem Schrägen von 102 Artikeln bestand, 
'^ährend für die gewiss auch nicht zahlreiche Gesellenschaft eine 
^^oliß lind Schraagen, nach ivelchen sowohl die Äieistern gege^i 
Geselleu als atich die Gesellest gegen die Meistern und gegen- 
ander sich zu verhalten und zu richteti haben sollen^ von 
^ Artikeln als ausreichend erachtet wurde. Schon zwei Jahre später 
l^^cht das deutsche Amt — am 29. März iy6y — beim Rathe das 
^such ein das „einheimische Weberamt“ aufzuheben, „weil solches 
^^t viele Bauren annimmt, die nicht mal ihrer Schrägen gemäss 
^^^rjjet noch viel weniger unsere, daher wir sie nicht anders als 
^^chere erkennen können“. Die deutschen Meister klagen, wie 
^hwer es ihnen falle sich zu ernähren und die bürgerlichen Lasten 
^ ^cagen. Die Übersetzer, Fischer, Wracker und andere Undeutsche 
^^chten ihnen grosse Konkurrenz und ernährten sich reichlich von 
Handtierung. Der Adel verstärke diesen Wettbewerb, indem 
Y von seinen Erbbauern angefertigte Waare nach Riga zum 
^^kauf sende, sowie auch die Polen durch Import von Leinwand 
^ Eonkurrenten aufträten. Beides wünschten sie untersagt und 
^.^chten schliesslich, „wenn künftig durch obige nützliche Ver- 
^^^rung unser Amt angewachsen und stärker iverden sollte , um 
j, ^ Erlaubniss zur Eröffnung einer Leinwandbude nach, in der sie 
Waare feilbieten könnten. Um diese dann eine gehörige 
^;:'ksamkeit entfalten zu lassen, müsste die Einfuhr ausländischer 
und Züchner-Arbeit ganz verboten werden. 
Vielleicht lagen bei den anderen Ämtern die Zustände nicht 
so schlimm oder that sich das Verlangen nach Ausschluss 
Konkurrenz nicht so grell wie hier kund. Unter der gewerb- 
Thätigkeit, die der Adel durch seine Erbbauern auf seinen
        <pb n="226" />
        i 
2o6 
Die gewerblichen Zustände im i8. Jahrhundert. 
Gütern ausüben Hess, litten sicherlich viele städtischen Gewerbe. 
In den meisten Schrägen war den deutschen Handwerkern verboten 
Erbbauern in die Lehre zu nehmen, damit diese ihnen nicht die 
Vortheile ihrer Profession absähen. Aber doch fand man nac 
Hupels Versicherung in jedem Kirchspiele die noth wendigsten 
Professionisten in Thätigkeit, ohne sich dem Amte der nächsten 
Stadt angeschlossen zu haben, und wenn es auch kaum Rege 
gewesen sein dürfte, dass der Adel die Erzeugnisse dieser Han ' 
werker verkaufte, sondern diese vielmehr nur zu eigenem Hedare 
wird haben arbeiten lassen, so entzog er die Bestellungen doch den 
städtischen Gewerbetreibenden und schmälerte mithin deren Ver 
dienst. Dass von diesen ländlichen Handwerkern nicht wenige sich m 
die Städte begaben und hier eine im Stillen geübte, aber gewis-'î 
nicht erfolglose Konkurrenz gegen die Amtsmeister aufnahmen, hegt 
auf der Hand. So allgemein wurde darüber geklagt, dass die 
gierung nicht umhin konnte auf diese Beschwerden Rücksicht 
nehmen und drei Patente — am 4. März 1764, am 17. Februar 17^5’ 
am 28. Oktober 1775 — gegen die auf der Pfuscherei ertapptet^ 
Bönhasen ausgeben liess ^ 
Wie sehr das Publikum litt unter Verhältnissen, bei dene* 
jeder Handwerker ängstlich darauf sah, dass er die ihm zustehen ^ 
Arbeit auch wirklich übertragen bekam, kann man sich vorstelleH- 
Man konnte eben keine Arbeit im Ganzen fortgeben, sond^^ 
musste sie nach der Reihe zu den Handwerkern hinbringen, ‘ 
die betreffenden Theile derselben anzufertigen berechtigt ^vareHj^ 
Ein charakteristisches Beispiel in dieser Richtung liefert ein 
uns gekommener Ausgabebeleg vom Jahre 1705 über ein klej ^ 
noch vorhandenes Etui, das für drei silberne Nadeln, die der Ahe^ 
mann Hermann Harms der Ältestenbank grosser Gilde zum 
brauche bei der Dockmannswahl verehrt hatte, bestellt worden 
An dem Etui hatten gearbeitet: ein Bildhauer, der das Käste 
aus Holz anfertigte, ein Handschuhmacher, der das ihm ubergebei^^ 
Leder bearbeitete und färbte, ein Buchbinder, der das Kaste 
mit Leder überzog und vergoldete, und ein Uhrmacher, der 
beiden Haken und Stifte aus Messing anbrachte 
Ebenso trübe sah es in Dorpat aus. Ein I heil der Ämter 
geschlossen, d. h. auf eine gewisse Anzahl Meister beschränkt, 
1 Bröcker, Jahrb. für Rechtsgelehrte. 3, S. 6g. 
2 Nach einer Mittheil, des Herrn Ältesten Rob. Jaksch in Rigaer lag 
1891, Nr. 242.
        <pb n="227" />
        Die gewerblichen Zustände im i8. Jahrhundert. 
207 
Sehr niedrig, den Verhältnissen der Stadt angemessen gegriffen 
So sollten im Amte der Goldschmiede und der Töpfer nicht 
^^hr als je 6 Meister gleichzeitig, bei den Malern nur 4 Meister 
^^in. Auch da, wo nach dem Schrägen das Amt kein geschlossenes 
®ind es nur wenige Handwerker, die sich zur Aufrichtung eines 
^^ts zusammenfinden. Das Amt der deutschen Weber wird 1735 
^on drei Meistern, ebenso das Amt der Sattler 1732, das der 
^pfer 1750 und das der Maler 1768 errichtet. Das Tischleramt 
^ird 1723, nachdem „es durch Kriegsjahre und Gefangenschaft 
lesiger Einwohner gänzlich zerfallen war“, von 4 Meistern wieder 
^""Öffnet, von denen aber der eine in St. Petersburg wohnt und 
Ehren-Ältermann spielt. Die Lohgerber sind ihrer, als sie 
'774 
zusammentreten, auch nicht mehr als vier; die Kürschner 
771 ihrer 5, die Schneider 1727 ihrer 8. Die deutschen Maurer 
^^ten 1768 ein Amt aus drei Meistern und sechs Gesellen. Aber 
^^^st diese wenigen waren in Nahrungssorgen und suchten sich 
^^Senseitig so viel wie möglich den Verdienst abzujagen. 
Sattler und Schneider geriethen über die Grenzen ihrer Hand- 
^^^ksbefugnisse in einen weitläuftigen Jahre lang dauernden Rechts- 
^Odel Einen zwischen dem Schmiedeamte und den „Vorstädter- 
Sauernschmieden“ entbrannten Streit musste der Rath 1759 
^774 wiederholt, weil die Parteien sich augenscheinlich nicht 
^^l'uhigten, dahin entscheiden, dass „die Bauernschmiede sich aller 
^ ^®ser- und Kleinschmiede-Arbeit, Beschlagen der Kutschen oder 
^^er Wagen und Geschirre der Deutschen zu enthalten und 
®ich 
^ blos mit der groben und schlechten Arbeit vor die Un- 
ätschen begnügen zu lassen“ hätten*. Über die Art, wie das 
^ "'(^hleramt diejenigen, die Meister werden wollten, „gar sehr“ 
Werte, führte der Oberamtsherr Diederich Schoef selbst im 
g ^lage und setzte es angesichts einer am 25. Juni 1775 statt- 
^•^ten Feuersbrunst, welche die Stadt arg verwüstet hatte, so 
^'iederaufbauung mehr Tischler erforderlich waren, durch, 
&lt;^7ewinnung des Meisterrechts erleichtert wurde ». Indess 
das Amt die ihm zu Theil gewordene Weisung ein 
j^^'sterstück von der Beschaffenheit zu fordern, „das leicht einen 
fände und nach seinem wahren Werthe bezahlet werde“, 
dass der Rath im December des genannten Jahres noch 
1 y ^ 
jj Gesch. Dorpats in Neuer Dorpater Kalender 1866 u. 67. 
3 ^^°elers Schragenbuch, S. q6, 
^choeler, S. 206-207.
        <pb n="228" />
        20g Die gewerblichen Zustände im i8. Jahrhundert. 
Á 
einmal einzuschreiten und die übertriebenen Anforderungen der 
Handwerker auf ein zulässiges Maass zurückzuführen sich veran 
lasst sah h Eigensinnig, wie die Tischler waren, beruhigten sie 
sich bei dieser zweckmässigen Regelung nicht, sondern wandten 
sich beschwerdeführend an den Generalgouverneur, von dem sie 
freilich nichts als eine die Entscheidung des Dorpater Raths bestä 
tigende Resolution erzielten % Gegen die rigischen, revalschen 
und narwaschen Knochenhauer wollten die dörptschen das Monopo 
des Viehkaufs im Dorpater Kreise behaupten. Dann verklage^ 
die Bäcker einen Koch, der Torten gebacken hat, und die grosse 
Gilde processirt mit dem Rathe darüber, ob die Buchbinder, 
übrigens kein Amt gebildet zu haben scheinen, oder deren Schräge: 
sich nicht erhalten hat®, zur grossen oder zur kleinen Gilde g^ 
hören. Auch mit den Kaufleuten geriethen die Handwerker anein 
ander, da diese ihnen den Bezug der Rohstoffe von auswärts nich^ 
zugestehen wollten. So verklagten im Jahre 173^ Kaufleute d 
Hutmacher Vogel, weil er sich Vitriol von auswärts hatte kommen 
lassen. Doch entschied die Gouvernements-Regierung zu Gunsten 
der Handwerker. Eine rein formale Amtsangelegenheit beschäftigt® 
im Jahre 1745 die Schneider, die mit ihren Gesellen einen lang^ 
wierigen Process darüber begannen, ob diese schuldig wären ‘ 
bei der Meisterlade sitzenden Meister abzuholen. Ein Schlosset' 
der es gewagt hatte einen undeutschen Jungen in die Lehre 
nehmen, gerieth mit seinem Amte in einen weitläufigen Rec|^^ 
handel, der endlich durch einen Vergleich geschlichtet wurde. 
Schmiede verlangten von einem Kleinuhrmacher, dass er bei ihn^^ 
das Meisterrecht gewinnen sollte“*. Kurz diese Reibungen 
Streitigkeiten rissen nicht ab. 
Bei alledem hatten diese eigennützigen Bestrebungen fur ^ 
Kläger und Beschwerdeführer nur selten ein erfreuliches Ergebms^| 
Der kleinliche Geist, der dem Anderen den mageren Verdien 
nicht gönnte, der auf Erlangung von Privilegien und Monopo^^ 
bedacht war, der seine beste Zeit in Processen und Händeln 
geudete, bewirkte doch nicht, dass der Wohlstand der Handwer' 
1 Schoeler, S. 218—222. 
2 Schoeler, S. 222 — 224. 
3 Schoelers Sammlung hat nur einen aus dem Jahre 1818, in welchem 
von einem älteren gesagt ist. 
4 Dorpater Kalender 1866 u. 67. Inland 1857, S. 162.
        <pb n="229" />
        Die gewerblichen Zustände im i8. Jahrhundert. 209 
sichtlich hob. Nur in einzelnen Fällen hören wir, dass das 
Monopol wirklich einigen Reichthum hervorbrachte. Ein Kupfer 
schmied, der im Jahre 1740 das Recht zum ausschliesslichen Betriebe 
seines Gewerbes erhielt, gegen das Versprechen Niemanden mit 
dem Preise seiner Erzeugnisse zu übervortheilen, hinterliess bei 
Seinem Tode ein Vermögen von 20,000 Rbln. Das war dann auch 
so überraschend, dass das Reichsjustizkolleg seinen Erben, denen 
^'■sprünglich Fortsetzung des Geschäfts hatte zugestanden werden 
Sollen, das Privileg nicht allein verlieh, sondern dieselbe Berech- 
^*SUng einem gewissen Christoph Wegener zugestand h 
^ie mangelhaft somit die Verhältnisse des Handwerks das 
S^nze vorige Jahrhundert hindurch sich zeigten, so darf man die 
Seiten der Zünfte doch auch nicht verkennen. Auf eine 
Sowisse Zucht und Ordnung arbeiteten sie sicherlich hin, und wenn 
nicht gerade als Träger des Fortschritts in technischer Beziehung 
^*^Sesehen werden konnten, so mochten sie immerhin als Bewah- 
’■^'■innen der überkommenen Geschicklichkeiten und Fertigkeiten 
Dies zusammen mit ihrer ruhmvollen Vergangenheit mochte 
Herrscher wie Peter den Grossen auf den Gedanken bringen 
^ose gewerblichen Korporationen auch in Russland einbürgern zu 
Sollen. Hatte er sie in Riga und Reval studirt, hatte er sie auf 
^•Oen ausländischen Reisen kennen lernen — genug, die Verfassung 
^hien ihm trotz der Mängel, die gerade im i/- Jahrhundert und 
^ Seiner Zeit hervorgetreten waren, so bemerkenswerth, dass er 
^"chloss sie in sein Reich zu verpflanzen. Der Glaube an die 
J^^hlthätige Wirkung der Zünfte war damals noch ein weit ver- 
"""'teter. Die vielen Missbräuche, die Reichsabschiede, Reichs- 
^'^tachten und Reichspolizeiordnungen seit dem zweiten Viertel 
, Sechszehnten Jahrhunderts in Deutschland zu beseitigen sich 
^’^ühten, waren dem russischen Zaaren offenbar nicht bekannt ge- 
Orden, oder wenn er von ihnen gehört hatte, so hielt er sie für 
^Vollkommenheiten, wie sie jeder menschlichen Einrichtung an- 
^l^ten und deren er Herr werden zu können hoffte. Auch zeit- 
f^'össische russische Schriftsteller, wie z. B. Krishanitsch und 
^"soschkow, hatten sich dahin vernehmen lassen, dass es wünschens- 
sei zur Hebung der Industrie die westeuropäische Zunft- 
¡"'■^^ssung in Russland einzuführen. Namentlich der letztere weist 
.^^^^^l^Schrift über Armuth und Reichthum darauf hin, dass die 
Neuer Dorpater Kalender 1866 u. 67. 
14
        <pb n="230" />
        210 
Die gewerblichen Zustände im 18. Jahrhundert. 
russischen Handwerker nie etwas Rechtes lernten, weil es keine 
Bestimmungen gebe, welche die jungen Leute zur Einhaltung einer 
gewissen Lehrzeit bei einem Meister anhielten. Dieser Mange 
führe zu geringwerthigen Leistungen. Nur eine straffe Organisation, 
welche schlechte Arbeit bestrafe oder z. B. den seinem Meister 
davonlaufenden Gesellen unter die Soldaten stecke, könne dem 
russischen Handwerke zu Ansehen und Vermögen verhelfend 
Waren derartige Ansichten bereits in der Bevölkerung 
breitet, so musste dem Zaaren die Durchführung seines Planes um 
so leichter erscheinen. Aber er war im Einzelnen doch so wenig 
unterrichtet, dass er einem mit den westeuropäischen Verhältnissen 
vertrauten Kaufmanne, Ssolowjew, die Ausarbeitung eines Mémoires 
über die ausländischen Zünfte auftrug, doch vermuthlich in der 
Absicht sich selbst darüber belehren zu lassen. So ordnete denn 
der Ukas vom 15. December 1720 die Errichtung von Zünften an- 
Höchst wahrscheinlich hing die ganze Neuerung mit des Zaaren 
Bemühungen zur Einführung einer Städteordnung zusammen, a s 
deren Ideal ihm die mittelalterliche Verfassung der deutschen Städte, 
die das Aufblühen der Gewerbe augenscheinlich so sehr begünstigt 
hatte, vorschwebte. Diese Städteordnung, wie sie am vollkommen 
sten in den am 16. Januar 1721 bestätigten Reglements des Haupt 
magistrats in St. Petersburg sich zeigt, theilte die EinwohnerschaD 
abgesehen von Adel, Geistlichkeit und Staatsbeamten, in 2 Haup^ 
abtheilungen : i) die regulären Bürger und 2) die Arbeiter un^ 
Tagelöhner. Die ersteren zerfielen wiederum in zwei Gilden, vo 
denen die erste die Banquiers, Grosshändler, Schiffsrheder, Go ^ 
schmiede, Maler und Verfertiger von Heiligenbildern, Ärzte 
Apotheker umfasste, während zur zweiten die Kleinhändler, Schan^'^ 
wirthe und namentlich die Handwerker gehörten. Jede diese 
Gilden wählte Vertreter, die neben dem Magistrate Sitz hatte^ 
Die Handwerker ihrerseits waren in Zünfte (uexn) gegliedert, 
nach ihrem Gewerbe, an deren Spitze Ältermänner standen. DieS«^ 
Bestimmungen, die im Wesentlichen darauf abzielten, den Sta 
bewohnern, wie namentlich den Handwerkern, die Bedeu 
eines besondern mit Rechten ausgerüsteten Standes zu verlei 
folgten im Jahre 1722 verschiedene Verordnungen, die den Aus 
der Gewerbeverfassung bezweckten, andererseits jedoch nur Wi ^ 
holungen scheinen, die vielleicht nöthig wurden, weil die Neueru g 
1 Brückner, Iwan Possoschkow. Leipzig 1878. S. 307 ff.
        <pb n="231" />
        Die gewerblichen Zustände im i8. Jahrhundert. 
211 
nicht Überall Beifall fanden. Der wesentlichste Ukas ist der vom 
^7- April genannten Jahres, der das Wesen und die Bedeutung der 
Handwerker-Korporationen näher bestimmte. Die Zunft sollte jeden 
Handwerker, gleichviel ob In- oder Ausländer, Bürger oder Nicht- 
bürger, auch Bauern mit Entlassungsscheinen von ihrer Herrschaft 
oder deren Verwaltern aufnehmen, und zwar für immer oder zeit- 
''^eilig. Aus den Meistern wurden die Ältesten oder ^^Alderleute^^ 
&amp;owählt, welche die sämmtliche Arbeit zu besichtigen und zu 
stempeln hatten, ehe dieselbe zum Verkaufe gelangte, und alle 
Untauglichen Erzeugnisse zerbrechen sollten. Den Ältesten, die 
^tWas Unbrauchbares stempeln würden, drohte die Verschickung 
die Galeere. Der Älteste war es auch, der die Aufnahme 
^‘Oes neuen (ienossen bewirkte und den sich meldenden Hand- 
J'^orkern bei erwiesener Tüchtigkeit den Meisterbrief ausfertigte, 
as Meisterrecht berechtigte zur Haltung einer beliebigen Zahl 
osellen oder Lehrlinge gegen den Nachweis, dass dieselben keine 
^*^tlaufenen Leibeigenen seien. Die Lehrzeit sollte nicht kürzer 
sieben Jahr dauern und mit einer Prüfung, sowie mit der Aus- 
^^llung eines Lehrzeugnisses, abschliessen. 
Unverkennbar lehnt sich diese Reform Peters des Grossen in 
*^on (»rundzügen an die westeuropäische Zunftverfassung an. 
ih 
de 
l'en gröbste Missbräuche vermieden wurden. Aber in die vor- 
Soschriebene Form nun die Handwerker hineinzuzwängen hatte 
Schwierigkeiten. Zwar Hess es der Zaar an Ermahnungen 
Errichtung der Zünfte und zum Beitritte nicht fehlen, aber sie 
’■ächteten wenig. Dem Reglement über die Zünfte folgten am 
^nd 31. Juli zwei weitere Befehle, dass alle Bauern ohne Aus- 
bnie, sowie die verabschiedeten Dragoner, Soldaten und Matrosen, 
sie in den Städten ein Handwerk zu treiben anfmgen, den 
alten zugeschrieben werden sollten. Später, am 4* Oktober, 
»^ging die Mahnung an alle Gewerbetreibenden, die bisher ver- 
hatten sich beim Magistrat zu melden und die Erklärung 
y. ^a.s von ihnen ausgeübte Geschäft abzugeben, dieser Pflicht 
zum IO. Oktober nachkommen zu wollen, widrigenfalls ihnen 
Strafe von 10 Rbln. auferlegt und das Recht zum Betriebe 
^ Handwerks entzogen werden würde. Dem Oberpräsidenten 
^ Magistrats und dessen Gehilfen drohte ein gleichzeitiger Ukas 
dem Zuchthause, wenn die Einführung der Zunftverfassung 
^ binnen fünf, spätestens sechs Monaten, erfolgt sein würde, 
indess die Wirklichkeit blieb weit hinter den Absichten des 
14*
        <pb n="232" />
        212 
Die gewerblichen Zustände im i8. Jahrhundert. 
grossen Reformators zurück'. Es ist bekannt, dass das Handwerk 
in den nächsten Jahrzehnten kein lebhafteres Tempo in seinen 
Fortschritten anschlug. Noch einmal versuchte Katharina 
der sicherlich nicht populären Einrichtung neues Leben einw- 
hauchen. Sie liess durch das Reichsjustizkollegium in St. Peters^ 
bürg Abschriften der Schrägen rigischer Ämter einfordern un 
erhielt 1766 die Kopien von 42 Schrägen: 37 dur deutschen Amtet, 
5 der undeutschen Ämter, nämlich der Schuster, Grobschmiede, 
Zimmerleute, Schneider und Leineweber. Die Frucht dieser ^ 
dien liess lange auf sich warten. Aber sie erschien endlich in der 
in die Städteordnung von 1785 aufgenommenen allgemeinen Han ' 
werker-Ordnung, die in 117 Artikeln das Gewerberecht feststellte. 
Auf ihren Inhalt einzugehen, liegt ausserhalb des Rahmens dies 
Arbeit«. Sie betont mit Nachdruck die „Zunft“, zu deren Restan 
fünf Meister erforderlich waren, aber sie erkennt gleichzeitig ein 
Arbeitsrecht der Unzünftigen an. Gemäss den hier vorgetragenet| 
Grundsätzen sollten die Schrägen der einzelnen Ämter geänder 
werden, und es scheint, als ob damals nicht wenige Anordnunge 
und Gewohnheiten zu Missbräuchen ausgeartet waren, die sowo 
die Ämter als das Publikum beschwerten. In einem Gutachten, 
das der stellvertretende livländische Gouvernements-Prokuren 
Bergmann, von der Statthalterschafts-Regierung dazu aufgeforde , 
über die Städteordnung von 1785 abgab, wird eine ganze Re&gt; 
von Reformpunkten aufgeführt. Dahin gehören z. B., dass 
Russen, Letten und Esten bei den deutschen Ämtern als Lehrling 
zugelassen würden, dass hiesige Landeskinder bei Annahme 
Gesellen vor wandernden Ausländern bevorzugt würden, dass aU 
uneheliche Kinder zum Handwerke, begabte Gesellen zur Erlangu^ ^ 
der Meisterschaft zugelassen würden, dass die Ämter nicht au 
gewisse Zahl von Meistern beschränkt sein sollten, die Zah 
Gesellen, die jeder Meister halten dürfe, frei sein möge u. a. m.® 
es somit darauf abgesehen, das Monopol der Amtsmeister zu breche^| 
die Zunft wohl als eine empfehlungswerthe Einrichtung hinzuste e ’ 
1 Vergl. für das Vorstehende: Erman, Zur Geschichte der Handwerke^^^ 
Russland im Archiv f. d. wissenschaftliche Kunde Russlands III, 
W. Stieda, Die Entwickelung der russischen Gewerbeverfassung in der Nordi 
Rundschau 1, S. 486 ff. 
2 Einiges bei Bienemann, Die Statthalterschaftszeit in Liv- und E 
S. 233, 240, 241. 
s Bienemann, a. a. O., S. 241.
        <pb n="233" />
        Das Ende des Zunftwesens. 
213 
neben ihr aber auch anderen Gewerbetreibenden Berechtigung zuzu 
gestehen, so hatte doch auch diese Maassregel kein Glück, „Nie haben 
^&gt;e Zünfte“, bemerkt ein solcher Kenner der russischen Geschichte, 
Professor Alexander Brückner, „in Russland eine irgend 
^'■hebliche Bedeutung erlangt, in gewissem Sinne bestanden sie nur 
'Nominell“. Es fehlten eben alle die Voraussetzungen, die in den Nie 
derlanden, in Frankreich, Deutschland u. s. w. den Verbänden der ein- 
^^chen Handwerksleute jene grossartige Bedeutung verliehen, die die 
beschichte an ihnen anerkennen muss. Immerhin bleibt es bemerkens- 
"^erth, dass ein Versuch zu ihrer Einführung gemacht wurde, und 
dass dieser sich zum Theil auf die altbewährten, aus Deutschland 
^Vernommenen Einrichtungen in Livland und Estland stützte. 
8. Das Ende des Zunftwesens. 
^ Die Verordnung vom 27. Juni 1819. — Das Reichsrathsgutachten vom 
Juli 1841. _ Dag Revaler Reglement vom 13. Juni 1844. — Die kleinen Ämter 
koncessionirten Innungen in Riga. — Die allgemeinen Schrägen in Riga 
1856-bl. _ Das Handels- und Gewerbesteuer-Reglement von 1865. — Die 
^Strebungen von 1874—75. — Das Amtsmeister-Statut von 1877. — Die Regeln 
die Prüfungen und Aufnahme von Amtsmeistern vom 25. September 1891. 
flatte die Handwerkerordnung Katharinas 11. in liberalem Sinne 
die Anerkennung der unzünftigen Handwerker gewirkt, so 
man an diesem Grundsätze auch weiter fest. Zwei Verord- 
|^*^&amp;en der livländischen Gouvernements-Regierung aus den Jahren 
*7 Und 1818 verschafften ihm weiter Raum'. Unzünftigen war 
eines Gewerbes nicht verwehrt, nur mussten sie allein, 
g Gehilfen und Lehrlinge arbeiten. War damit viel geschehen, 
^ tuusste man sich doch selbst sagen, dass es hierbei sein Be- 
^.^'^den nicht haben konnte, ln Deutschland hatte man, seit Türgot 
‘^ Aufhebung der Zünfte im Jahre 1776, wenn auch nur vorüber- 
durchgesetzt hatte und noch mehr seit die französische 
^^^olution mit einem kühnen Federstrich die ganze ehrwürdige 
''^'^ichtung plötzlich beseitigte, nicht mehr aufgehört die Frage 
'^»■örtern, ob es sich empfehle das Zunftwesen aufzuheben, ln 
^^l^^^^^nm^chern, sowie in periodischen Zeitschriften jener Tage 
* Bulmerincq, Baltische Schrägen in Bait. Monatsschr. 6, S. 10.
        <pb n="234" />
        214 
Das Ende des Zunftwesens. 
wurde über Nutzen oder Schaden, Beibehaltung oder Aufhebung 
der Zünfte eifrig gestritten. Auch des berühmten Schotten Adam 
Smith Ansichten über die Freiheit der Arbeit, die eben angefangen 
hatten in Deutschland die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, ver 
fehlten ihre Wirkung nicht. Das Recht zu arbeiten, seine Kräfte 
zu verwerthen, um sich zu ernähren, diese Freiheit der Arbeit, 
lehrte Adam Smith, sei das erste natürlichste angeborene Rec 
der Menschen. Wenn der eine gehindert werde zu arbeiten, was 
ihm gut dünke, so würden die Anderen gehindert den fur sic 
arbeiten zu lassen, der ihnen gefällt. Die freie Arbeit sei es allem, 
die am besten und nachhaltigsten alle Bedürfnisse befriedige, 
sie möglichst ergiebig zu machen, sei die vorzüglichste Aufga e 
der Volkswirthschaft. In den Staaten des linken Rheinufers fan en 
diese Gedanken zuerst Verwirklichung, denn hier verstand mit de 
französischen Oberhoheit die Gewerbefreiheit sich von selbst. 
Preussen hob man seit 1806 einleitend zuerst für einige Gewerb 
den Zunftzwang auf und verkündete dann in der Geschats 
instruktion vom 26. December 1808 die leitenden Grundsätze 
die Reform des Gewerbewesens, um so vorbereitet am 2. Novembe 
1810 das Edikt über die Gewerbefreiheit erlassen zu können* 
Dasselbe machte die Befugniss zur Ausübung eines Gewerbes alle* 
von der Entrichtung der Gewerbesteuer abhängig. Es beseitigte a ^ 
Vorrechte, die bis dahin den Zünften und Innungen oder einzelne^ 
Privatpersonen zugestanden hatten, bezw. mit dem Besitze vo^n 
Grundstücken verbunden gewesen waren. Fortan galt der Grun 
satz, dass Jedermann, der einen Gewerbeschein gelöst hat &gt; 
sein Gewerbe betreiben konnte, und dass dieser Gewerbesche^ 
Niemandem versagt werden konnte, der einen rechtlichen Leben 
wandel geführt hatte. ^ 
Es wäre wunderbar gewesen, wenn man in Riga, wo 1 
nicht weniger über die Mängel der Zünfte zu klagen hatte, diese 
Vorgängen gegenüber theilnahmlos geblieben wäre. Die 
Wendigkeit von Reformen schien unabweislich, doch getraute sie^ 
die Inländische Gouvernements-Regierung nicht diese von sich » 
vorzunehmen, sondern wünschte sie im Einverständniss mit 
Gewerbetreibenden selbst durchzuführen. Zu diesem Zwecke e 
warf sie ein Reglement mit neuen Vorschlägen und sandte 
den Magistraten der inländischen Kreis- und Landstädte 
dem Ersuchen, es unter Hinzuziehung des Ältermanns der k 
Gilde und eines Amtsmeisters jeder Zunft begutachten zu wollen.
        <pb n="235" />
        Das Ende des Zunftwesens. 
215 
^ouvernements-Regierung wünschte festzustellen, „ob und unter 
"eichen näheren Bestimmungen die im gedachten Reglement ent 
haltenen Vorschriften für diese Städte in Anwendung zu bringen 
"'^ären“. Das Krgebniss dieser Umfrage war die am 27. Juni 1819 
erlassene Verordnung, die zwar freiheitliche Grundsätze zur Geltung 
brachte, aber sich doch ganz im Rahmen der bisherigen Zunftver- 
fassung hielt. 
Alle geschlossenen Ämter hörten nun auf. Nur das Amt der 
^old- und Silberarbeiter machte in Dorpat und Pernau eine Aus 
nahme; in ersterer Stadt war die Zahl der Meister auf 8, in letzterer 
^nf 3 beschränkt! (§ i). Die Ausübung eines Gewerbes durch 
b^nzünftige war zugelassen. Nach den Bestimmungen der Hand- 
"^Grksordnung von 1785 stand ihnen das Recht zu sich für ihre 
^^rson und ohne Hülfe durch jede Arbeit ihren Unterhalt zu 
^•■Werben. Den Amtsmeistern Vorbehalten blieben die Schlosser- 
ntbeit „zur Vorbeugung der sonst entstehenden Unsicherheit und 
Handwerke, die ohne Hilfe eines Werkkundigen nicht aus 
S^übt werden können. Ohne sie im Einzelnen aufzuzählen, verwies 
^an auf frühere Vorschriften, die sie bereits ausgeschlossen hatten 
Io). Handwerksbetrieb auf dem Lande war gestattet, ohne dass 
Betreffenden inkorporirte Meister einer Stadt werden mussten, 
^udess war diesen Personen die Verfertigung auch nur der „minde 
Arbeit in der Stadt untersagt (§ 9)* 
Im Übrigen waren die Anordnungen des Zunftwesens beibe 
^ben. Eine Lehrzeit musste durchgemacht werden, und der Lehr 
^^»•sche, der sich „eigenbeliebig“ vor Beendigung derselben vom 
feister entfernte, wurde gerichtlich verfolgt, sowie zu seinem 
feister zurückgebracht (§ 5). Ebenso hielt man am Wanderzwange 
Für Zimmerleute, Tischler, Maurer und Schlosser wurde die 
^anderzeit auf zwei Jahre, für alle übrigen Gewerbe auf drei Jahre 
^•^Sesetzt (§ 7). Für die so ausgebildeten Gesellen bestand die 
/'cht sich bei dem für ihr (;ewerbe bestehenden Amt um das 
^eisterrecht zu bewerben. Es war nicht gestattet, dass „zünftig 
^!*^gelernte Bursche und Gesellen, sie mögen verheirathet sein oder 
unter irgend einem Vorwände oder Bedingung sich auf ihre 
Hand setzen und arbeiten“ (§ 6). Aber wenn auf dmse 
r''" Zunftzwang bestand, so war doch Vorkehrung getroffen 
'''"^Niederlassung zu erleichtern. Alle freien unbescholtenenLeute 
In Riga gehörte dieses Amt bekanntlich zur grossen G’ 
1
        <pb n="236" />
        2i6 
Das Ende des Zunftwesens. 
christlicher Religion waren zugelassen (§ 3). Die Muthzeit, d. h. 
die Probezeit, „während welcher der Geselle, der Meister zu werden 
gesonnen ist, ehe er zur Verfertigung des Meisterstücks zugelassen 
wird, bei einem der Amtsmeister mitarbeiten muss“, wurde aufge 
hoben. Nur bei den Töpfern, Zimmerleuten, Tischlern, Maurern 
und Schlossern wurde sie aufrecht erhalten, durfte aber höchstens 
ein Jahr betragen (§ 2). Das anzufertigende Meisterstück sollte 
einfach und zeitgemäss sein, „damit die Veräusserung desselben 
erleichtert und gesichert sei“. Bei Übergabe desselben sollte nur 
eine einfache Bewirthung, kein „Traktament“ erfolgen. Die Strafen, 
die für kleinere Mängel zu zahlen waren, durften höchsten 10 Rbl- 
betragen. Die der Amtslade zu entrichtenden Beträge, sowie die 
der Krone bei dieser Gelegenheit zukommenden Abgaben wurden 
genau festgesetzt, schwankten freilich immerhin zwischen 10 und 
100 Rbl. Die ersteren konnten innerhalb zweier Jahre, die letzteren 
mussten sogleich bezahlt werden (§ 2). 
Die Reform bewegte sich mithin auf der Bahn, die man ^n 
anderen Orten schon lange, in Russland seit der Städteordnung 
Katharinas II. eingeschlagen hatte. Man konnte sich von der Jahr 
hunderte alten Einrichtung nicht trennen, sich nicht zu dem Ge 
danken aufschwingen, dass der Zeitpunkt für die Freiheit de 
Arbeit gekommen sei, sondern hielt es für zweckmässiger die 
Missstände, über die allgemein geklagt wurde, zu beseitigen, 
der Hoffnung, dass die geläuterte Institution nur Gutes wirke^^ 
würde. Aber so wenig das Flicken eines alten Kleidungsstücke^ 
dieses auf die Dauer erhält, so wenig vermochten die Reforme^ 
den lautgewordenen Ansprüchen zu genügen. Immer wieder erhöbe^ 
sich Beschwerden über den Eintritt in die kleine (lilde und di^ 
Ämter. Die Gewerbetreibenden zeigten geringe Neigung die Laste*’ 
auf sich zu nehmen und dem innerhalb der Zunft vorherrschende*’ 
Arbeitszwange sich zu fügen. Die Ämter ihrerseits aber scheine 
es trotz der neuen obrigkeitlichen Verordnungen an dem nöthig^'^ 
Entgegenkommen fehlen gelassen und an manchen älteren Besti*” 
mungen festgehalten zu haben, die die Gesellen vom Anschluss^ 
abschreckten. 
So wurde schon nach wenig mehr als zwei Jahrzehnten 
Zusammenhänge mit einer neuen Regelung der Erwerbung 
Bürgerrechts und des Eintritts in die grosse Gilde ein Reichsrat^^ 
gutachten nöthig, das am 19. Juli 1841 die allerhöchste Gen 
migung erhielt. Dasselbe fühlt sich zwar auch noch nicht zu eit*
        <pb n="237" />
        Das Ende des Zunftwesens. 
217 
durchgreifenden Änderung der Zustände veranlasst, aber es ist 
^uimerhin von liberalerem Geiste angeweht und bemüht sich die 
^ucht des Zunftwesens zu brechen. Nach wie vor können in die 
Johannis-Gilde nur solche Handwerker angenommen werden, 
einer der in Riga bestehenden Zünfte als Meister angehören, 
■^her zu diesen Zünften steht allen zum christlichen Glauben sich 
^^kennenden und einem freien Stande angehörenden Handwerkern 
¡^gehindert der Zutritt frei, und es darf bei der Zulassung von 
cistern ein Unterschied zwischen ledigen und verheiratheten 
^^Hlen nicht gemacht werden. Die Probearbeit, d. h. das Meister- 
^ück, die beim Eintritte verlangt wird, soll einfacher Art sein, und 
sogen. Muthen wird endgiltig aufgehoben. Nur für Petschaft- 
^^echer, Zimmerleute, Steinmetze, Schlosser und Wagenbauer wird 
«Wegen der besonderen Wichtigkeit dieser Handwerke“ aufrecht 
halten. Die Lehrlinge werden verpflichtet die vereinbarte Zahl 
Juhren beim Meister zu bleiben, aber es wird ihnen freigestellt 
Ablauf dieser Zeit sich einem anderen Lebensberufe zuzu- 
^^den. Dem Streben der Handwerker neue Zünfte zu eröffnen 
nicht entgegengetreten. Mit Bestätigung der Gouvernements- 
^gierung können neue errichtet werden, doch soll jede Zunft aus 
••^destens 5 Meistern bestehen. Im Übrigen sind die besonderen 
der Zünfte gewahrt, indem es ihren Vorschriften überlassen 
^ibt, wieviel Gesellen und Lehrjungen jeder Meister halten darf. 
^ nd geggj^ die Übergriffe der Gesellen werden die Meister durch 
^ ^uch 1819 bereits ausgesprochene Anordnung geschützt, dass 
j letzteren Kontrakte und Abrechnungen zur Ausführung 
welcher zu ihrem Handwerke gehörigen Arbeiten abzu- 
*^ssen berechtigt sein sollen. 
r Starrer hielt man in Reval an der Einrichtung des Zunftwesens 
Ëin am 13. Juni 1844 erlassenes Reglement des Raths für 
j ‘f Handwerksämter fasste nur die Regulirung des Zunftwesens 
^tige, die aber völlig im patriarchalischen Sinne angestrebt 
g . * J^dem Handwerksmeister wurde zur Gewissenspflicht gemacht 
Lehrlinge gütig und väterlich im Kreise seiner Familie zu 
und sie überhaupt so zu behandeln, wie ein Jeder wünschen 
dass sein eigenes Kind in fremden Häusern gehalten werden 
besonders sollte darauf geachtet werden, dass die Lehr- 
^ «Trinkhäuser, liederliche Häuser und Gesellschaften jeder Art, 
V 'tiögen einen Namen oder Vowand haben, welchen sie wollen,“ 
Harte Körjierstrafen, zuerst durch den Lehrherrn, im
        <pb n="238" />
        2i8 
Das Ende des Zunftwesens. 
1 Inland 1857, Nr. 9 u. 10. 
Wiederholungsfälle durch Unteroffiziere in der Rathswache waren 
den Übertretern angedroht. Welche Kleidungsstücke, wieviel und 
von welcher Art, der Lehrherr dem jungen Burschen geben sollte, 
durfte das Amt bestimmen, und nur in Ausnahmefällen wurde es 
den Angehörigen des Lehrlings oder anderen Personen, die sich 
für ihn interessirten, gestattet für seine Bekleidung zu sorgen- 
Endlich wurde darauf Gewicht gelegt, dass jeder bei einem Meister 
eintretende Lehrling oder Geselle seine Legitimation ordnungS' 
massig führe und den Nachweis über die Zahlung der ihm aU 
erlegten Kronsabgaben liefern könne. Die ganze Verordnung, 
vielleicht mit Ausnahme des letzten Punktes, dessen Regelung von 
der Regierung nahe gelegt sein mochte, zeigt von der traurigo*^ 
Unfähigkeit der mit Überwachung des Gewerbewesens betrauten 
Obrigkeit den Zeitgeist zu begreifen und in Bahnen einzulenken, 
deren Betreten einen wirklichen Fortschritt bekundet hätte. 
In Riga vermochte das erwähnte Reichsrathsgutachten auc 
nicht dauernde Zufriedenheit zu schaffen. Die Zahl der unzünftig^^ 
Handwerker war hier schon eine sehr grosse geworden, uot 
ihnen viele Russen und zwar häufig bei Gewerbebetrieben, ' 
denen Gehilfen unerlässlich waren. Daher genügte jene schoß 
1785 eingeräumte und 1819 wiederholte Freiheit ein Handlet 
für sich allein betreiben zu dürfen, ohne Anschluss bei 
bestehenden Amt suchen zu müssen, nicht mehr. Man war da 
auf den Gedanken gekommen die sogen, kleinen Ämter oder koß 
cessionirten Innungen zu bilden, deren Gewerbebefugnisse 
sehr beschränkte waren. Nach und nach waren derart bis zu 
50er Jahren entstanden die 4 kleinen Ämter der Schuhmach^ ’ 
Stellmacher, Tischler und Stuhlmacher, Schmiede sowie die ko ^ 
cessionirten Innungen der Schneider, Schmiede, Maurer, Töp 
Zimmerleute, Sattler, Maler, Knochenhauer und Seiler. Alle 
Verbände waren theils durch Senatsukase, theils durch Besti^^ 
mungen der Generalgouverneure errichtet. Vielfach hatte maO 
sie besondere Schrägen ausarbeiten lassen. In ihnen fanden sich 
den 50er Jahren vereinigt 283 Meister oder selbständige Geweß 
treibende und 450 Gehilfen und Lehrlinge, im Ganzen also 7^^ 
Personen. Dagegen weisen gleichzeitig die 36 „grossen Äo: 
796 Meister, 1244 Gesellen und 954 Lehrlinge, im Ganzen ^ 
Personen auf*.
        <pb n="239" />
        Das Ende des Zunftwesens. 
219 
g Die kleinzünftigen Gewerbetreibenden gehörten nicht zur 
Johannis-Gilde. Sie genossen nicht die gleichen Rechte wie 
Angehörige, sondern wurden dem simplen Bürger- oder 
^^beiter-Oklad zugerechnet. Sie übten die gröberen und einfacheren 
^^Werbe aus, und ihre Erzeugnisse kamen vorzugsweise den unteren 
^ssen der Bevölkerung zu Nutzen. Ihre Zahl war beschränkt, 
^^Wie die der ihnen zugestandenen Hilfspersonen. Sie konnten 
den Ort ihres Betriebes nicht frei wählen, sondern waren 
^ die Vorstädte angewiesen. Auch war ihnen manche schwierige 
gar nicht oder nur unter der bezahlten Aufsicht des gleich- 
^^^igen grossen Amts vorzunehmen gestattet. So hatte mithin 
ß ^ ^^fthgedanke mit seinen die freie Erwerbsthätigkeit einengenden 
^^Schränkungen auch in die neuen, zur Lockerung der Fesseln 
^^stimmten Einrichtungen hineingegriffen und Zustände geschaffen, 
1 denen sich weder die Gewerbetreibenden noch die Bevölkerung 
^glich fühlten. Das Handwerk steckte tief in den Banden des 
^Wesens, aber die meisten seiner Einrichtungen waren nicht 
p ^ Sicherungs-, sondern ein Behinderungsmittel gewerblichen 
^^^tschritts &gt;. Der Lehrling und der Geselle blieben zur Erlernung 
Dandwerks an eine bestimmte Reihe von Jahren gebunden. 
Au des Meisterrechts, d. h. des Rechts zur selbständigen 
» ^^og des Gewerbes, war nur möglich durch eine Prüfung vor 
^^iduen, die als zukünftige Konkurrenten keineswegs immer 
und unparteiisch urtheilten. War endlich der Geselle 
Ziele gelangt, so hinderten den jungen Meister verschiedene 
^ Schränkende Bestimmungen. Er war zur Ausübung des Hand- 
Per ^ einem Orte, nur mit einer gewissen Zahl von Hilfs- 
sonen, häufig nur innerhalb sehr enger Grenzen, Arbeiten zu 
^^^'""ehmen berechtigt. Die Bevölkerung auf der anderen Seite 
^ "^erte sich über mangelhafte Leistungen, hohe Preise und 
Un ^ y^Pünktlichkeit in der Ablieferung bestellter Arbeiten. So 
Dgen die Zustände in der Mitte unseres Jahrhunderts. 
. ^ W enige werden sich wohl damals schon gesagt haben, dass 
US 
^Uis 
^icht mehr lange fortgehen könne. Wenn aber einstweilen 
^uis • Alten blieb, so darf man nicht vergessen, dass das 
Deutschlands, das man vor Augen hatte, zu Neuerungen 
^¡n kein Vertrauen erweckte. Erst 1849 war in Preussen 
^cmlicher Rückschritt geschehen, eine den Wünschen der 
Öulm 
®rincq in Bait. Monatsschr. 7, S. 10.
        <pb n="240" />
        220 
Das Ende des Zunftwesens. 
Handwerker nach Rückkehr zu den alten Zuständen sehr entgegen^ 
kommende reaktionäre Verordnung erlassen worden. Aber ein 
wesentliche Verbesserung der Zustände war nicht erzielt worde^, 
ja die Handwerker waren für die ihnen gebotenen Wohlthaten s 
wenig reif gewesen, dass sie für die Bildung von Gewerberathe | 
und Gewerbegerichten gar kein Verständniss zeigten. j 
Eine Umbildung des Zunftwesens in zeitgemässem Sinne stre t i 
die allgemeinen Schrägen an, die 1856—1861 erlassen wur e | 
Bürgermeister und Rath der Stadt Riga gaben am 28. Septem 
1856 und am 7. März i860 einen Schrägen für die Gewerksmeist ’ 
am II. Mai i860 einen Schrägen für die Handwerkslehrlinge I 
am 5. Juni 1861 einen Schrägen für die Handwerksgesellen. 
neuen Verordnungen stellen eine Art Codification der bisher 
den verschiedenen Schrägen den einzelnen Ämtern eingeraum 
Rechte dar. Von den gröberen Auswüchsen der statutariscn^^ 
Zunftgesetzgebung hielten sie sich frei. Ein Gesell z. B., der n ^ 
volle drei Jahre bei Meistern seines Gewerbes gearbeitet, aber 
Gelegenheit gefunden hatte sich in seinem Fache tüchtige 
nische Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen, konnte nach u 
standener Prüfung und mit Genehmigung des Amtsgerichts, imm 
hin Meister werden. Auch wurde, um missbräuchliche Forderung 
zu verhüten, die Höhe der bei Erlangung des Meisterrechts 
erlegenden Abgaben festgesetzt. Aber es war und blieb nun 
ein wunderliches Beginnen die Arbeitsgebiete der zünftigen 
werke und der sogen, zunftverwandten Gewerke (als Mechani 
Optiker, Lithographen u. s. w.) genau feststellen zu wollen. j 
wies man den einzelnen Gewerben die Grenzen des allgem^^^^ I 
Arbeitsgebiets, des besonderen Arbeitsgebiets und etwaiger iSe ^ 
arbeiten, theils bestimmte man für verwandte Gewerbe, wm 
Sattler, Tapezirer und Handschuhmacher das Arbeitsgebiet, 
ihnen allen gemeinsam, und daneben dasjenige, das jeder 1 
allein kultiviren konnte. Bedenkt man, dass gerade die Begre j 
der gegenseitigen Arbeitsbefugnisse der einzelnen Zünfte eS 
die von jeher viel böses Blut erregte und bei der sich 
wickelnden Technik das Zunftwesen unmöglich erscheinen 
so muss man erstaunen, dass der rigische Rath den Mut 
zehn Jahre bevor die Gewerbefreiheit in Deutschland en 
durchgeführt wurde, noch derartige Beschränkungen geset 
machen und glaubte sie aufrecht erhalten zu können. 
Es würde an dieser Stelle zu weit führen auf den Inha
        <pb n="241" />
        Das Ende des Zunftwesens. 
221 
^änialigen Gesetzgebung im Einzelnen einzugehen. In seinem Auf- 
®^tze über baltische Schrägen hat Bulmerincq eine erschöpfende 
zugleich kritische Darstellung desselben gegeben \ 
Wenige Jahre später begann in St. Petersburg die Gewerbe- 
^ommission ihre Arbeiten, die zu dem Erlasse des Handels- und 
Gewerbesteuer - Reglement vom 9. Februar 1865 führte. Durch 
^tent vom 4. Juli 1866 wurde es auch in den Ostseeprovinzen 
G'^geführt*, und damit war dem Zunftwesen das Grab gegraben. 
J^^ermann, der die im Gesetz vorgesehenen Abgaben entrichten 
^^llte, konnte einen Gewerbebetrieb eröffnen. Diese Abgaben 
^standen in der Lösung i) allgemeiner Handels-, bezw. Gewerbe- 
^'^heine und 2) besonderer Billets zu Handels-, bezw. Gewerbe- 
^"stalten. Die Ämter oder Zünfte wurden nicht eigentlich aufge- 
aber es wurde eben „auch den nicht in die Zünfte einge- 
^^riebenen Personen ohne Unterschied der Konfession, Berufsart 
des Standes der freie Betrieb von Handwerken jeder Art und 
die 
zu 
Errichtung von Gewerbeanstalten gestattet, und können die 
^ fünften verzeichneten Personen, w enn sie es wünschen, aus 
Unbehindert austreten und sich mit Handwerken beschäftigen“, 
sind auch die Ämter bis auf den heutigen Tag bestehen 
^^klieben, aber sie haben das ausschliessliche Recht auf Ausübung 
Gew'erbe, für die sie errichtet waren, eingebüsst. 
-ine Schwierigkeit zeigte sich bei der Ausführung des neuen 
^ ^i^nients darin, dass nicht genau festgesetzt worden w ar, welche 
çj. ^^^^niungen der bisherigen Schrägen nunmehr als beseitigt zu 
^i^ten seien. Daher bat unter dem y. Aug. 1874 das Amts- 
den Rath ihn mit Instruktionen für die Beurtheilung gewerb 
[j . '-^*1 IVrtlll lilil IlllL IliSlI UlS.tlV./M'-** , o o 
. ^Verhältnisse zu versehen. Daraufhin ernannte der Rath 
çi ••«Iiiiioac i,u vctaciicii. 
^ Kommission, die die Schrägen einer Revision unterziehen 
Noch bevor aber diese Zeit gehabt hatte dem Rathe Bericht 
ging am 17. März 1875 ein Gesuch der St. Johannis- 
^in mit Vorschlägen zur Hebung der seit 1866 zu Tage ge- 
Missstände in den Gewerbeverhältnissen. Wenig später. 
1^^ ^7- Aug. desselben Jahres, wurde dem Rathe eine Petition des 
jççj Und Zimmerer-Amts unterbreitet, in der gebeten wurde bei 
\y ^ Eaugesuche einen rigischen Amtsmeister als verantwortlichen 
^'■^uieister zu fordern. 
2 ^onatsschr. 6, S. 11 ff. 
72 der Sammlung der Patente der Livländischen Gouvernements-Regierung.
        <pb n="242" />
        1 Livländ. Gouv.-Ztg. 1891, Nr. 106. 
222 
Das Ende des Zunftwesens. 
Was die St. Johannis-Gilde aber begehrte, war Folgendes. 
1) sollte die Ausreichung der Gewerbescheine von einer vorgan* 
gigen Koncession des Amtsgerichts abhängig gemacht werden, 
2) sollte das Prüfungswesen auf alle Handwerker ausgede n 
werden; 3) sollten die Amtsmeister das ausschliessliche Privie^ 
Lehrlinge zu halten, bekommen; 4) wünschte man den Gese e 
verboten zu sehen, was ihnen jetzt auf Grund der Gewerbefrei e 
zusteht, jede Art gewerblicher Arbeit, sowohl einzeln als genie 
schaftlich, übernehmen zu können; 5) sollten endlich dem Am 
gerichte sachverständige Beisitzer aus der Zahl der Gewerbetr 
benden beigesellt werden. Über alle diese Punkte trat der » ^ 
am 29. Oktober 1876 in Diskussion und lehnte sie alle ab. ^ ^ 
wurden jetzt in dem Amtsmeister-Statut von 1877 diejenigen P^[^ 
graphen der Schrägen, die durch das Gewerbesteuer-Gesetz hi^^ 
fällig geworden waren, namhaft gemacht. Dieses Statut ist 
neue Regeln über die Prüfung und Aufnahme von Meistern 
25. September 1891 ersetzt worden \ aber diese haben 
an der Stellung der Zünfte nichts zu ändern vermocht. Die 
bestehen noch immer, aber nicht mehr als Zwangsverbände, 
können Niemanden mehr wie früher an der Ausübung se 
Gewerbes hindern.
        <pb n="243" />
        II. Theil. 
Schrägen und Verordnungen.
        <pb n="244" />
        í.' «y 
■ í^e»í-o» 
die Sï. jnhAnmS'Cikir aber h-or«h, 
-'diu- die Ausreichm-K di r iir-ivri hr^cm i 
:! Koncr-don dev AmT^.^crx hcs ^ - 
- das y&gt;uJu.ig’^u-i--irs u-r. 'dl.' ■ 
3'» ‘dr-ii die An;tsi;iok' r di! 
^ c'- &gt;’’ IT-'^'tet'i, bl k O) &lt;X:ll .., ^ 
verhi&gt;rea zu stdn ii, ih" ' ''■* - 
zusu-ht, jf:dc Art «ft'wer“ r' 
schädlich, ubrrr.ehrnr ' ■ 
g^cnchîc sachverstîi:.''!;, 'r 
be*f' n d'" 
arc -■&gt;■', * 
lourde; 
fmfíT .TI 
.. : '.&gt;li 
■y-V% 
tUs.« 
cm 
•U't 
.nßsnunbioiaV bnu naaßiripi
        <pb n="245" />
        15 
Einleitung zum zweiten Theile. 
Die mir von W. Stiecla im Jahre 1891 zur Bearbeitung behuis 
eitler Publikation übergebene Sammlung von rigischen Hand- 
" erkerschragen von 1280—1595 init einem aus Archivalien gewerb- 
Seschichtlichen Inhalts des 17. Jahrhunderts bestehenden Anhänge 
^^thiek im (ianzen 41 Nummern. Alle Schrägen und Aktenstücke 
'^i^ser Sammlung sind mit ihren \ orlagen kollationirt, nach der 
^*^ten angegebenen Editionsmethode korrigirt und mit den erfor- 
^^Bichen literarischen Bemerkungen versehen worden. Einzelne 
^ücke habe ich getheilt, andere wieder durch Abschriften von 
und korrekteren Vorlagen ersetzt. Die ganze Sammlung 
durch Aufnahme neuer Schrägen und Verordnungen mehr als 
^fdreifacht worden. Die Nummern der von mir der Sammlung 
^I^V'^erleibten Stücke sind unten in der Anmerkung angegeben . 
'^sichtlich der Ergänzungen muss ich bemerken, dass aus vielen 
*^dnden eine Erweiterung der zeitlichen Cjrenze und die Aufnahme 
^^ddeschragen geboten erschien. Das 16. Jahrhundert, bis zu 
Zeit Stiedas Sammlung reicht, bietet allerdings in der Re- 
'^'''^ation einen passenden Abschluss, indem es einerseits im Hand- 
^■^kerstande einschneidende Veränderungen in den (Gebräuchen, 
ökonomischen Einrichtungen und gesetzlichen Normen u. s. w. 
^^^^i^ährte und andererseits den Höhepunkt der Blüthe des Hand 
^^»"kerstandes bezeichnet. Nach dieser Epoche tritt der Verfall 
Um nun sowohl die den Niedergang charakterisirenden 
. ^'•'ägeti der Forschung zugänglich zu machen, als auch die im 
, mitgetheilten Aktenstücke aus der Zeit der Reform- 
^"'^'»•ebungen des 17. Jahrhunderts in einen kontinuirhchen Zu- 
.^.•^"^enhang mit der ganzen Sammlung zu bringen, erschien es 
p'*' zweckmässig, die Zeitgrenze weiter zu rücken, und zwar als 
^Punkt der Schragensammlung das Jahr 1621, den Beginn der 
S 68 '«-23. 25-3«. 33-38. 44 49. 
Anha„’ 73. 76-79. 81, 83, 86-yo, 92. 93. 97. 
S I—12. 
53-56. 59-62, 64, 
104-116, 118—124,
        <pb n="246" />
        220 
Einleitung zum zweiten Theile. 
schwedischen Herrschaft in Livland, zu bestimmen. In diesem 
Sch ragenbuche treten uns somit alle Epochen der Entwickelung 
des rigischen Handwerks, also die Zeit der Entstehung der Zünfte, 
die ihrer Hlüthe und ihres Verfalls entgegen: Besonders an den 
Schrägen aus dem 17. Jahrhundert sind schon alle Anzeichen des 
Verfalles wahrnehmbar; die Statuten der Handwerker erscheinen 
im höchsten Grade einer Reform bedürftig. Schon kurz vor d 
schwedischen Herrschaft in Livland beginnen die Bestrebungen 
durch Reformen den schreiendsten Übelständen im Schoosse des 
rigischen Gewerbewesens Abhilfe zu schaffen. Ein Jahr vor der 
Eroberung Rigas durch Gustav Adolf sehen wir schon den rigischen 
Rath nach dieser Seite hin energische Schritte durch den Erlass 
gegen die übertriebenen Forderungen zur Ausrüstung der Amts- 
koste thun. Der Abschluss unseres Schragenbuches fällt also m'^ 
dem Ausgange der drückenden polnischen Herrschaft und dem 
Beginne des schwedischen Regimentes zusammen, mit dem auc 
für den Handwerkerstand eine neue Epoche anhebt. 
Mit der schwedischen Herrschaft beginnt eine bessere 
Die neue Regierung wandte ihre Fürsorge allen Gebieten zu, 
dass auch der Handwerkerstand nicht unberücksichtigt blieb. ^ 
Zur allseitigen Beleuchtung des Wesens und Lebens des Han 
Werks sind neben den Amtsschragen auch die Statuten der Gesell^ 
verbände unserer Sammlung einverleibt worden; lehnen diese siC 
doch eng an die Statuten der ältesten Gilden oder geistlich^*’ 
Brüderschaften, aus denen im Gegensätze zu manchen Gebict^^ 
so z. B. zu Lübeck, hier die Zünfte erwuchsen. Wildas ^ 
hinsichtlich der Priorität der geistlichen Brüderschaften vor ^ 
Zünften finden auch in den rigischen Schrägen einen Stützpun 
Im Hinblicke nun auf den Umstand, dass die Gilden typisch 
die Ausbildung der Handwerkerzünfte eingewirkt und einen 
tigen Faktor im gesellschaftlichen Leben der Bürger im mittelah^^ 
liehen Riga ausmachten, erschien es mir nicht unrichtig den Schräg 
sämmtlicher Gilden, somit auch den von K;iufleuten gebildet^j^^ 
Aufnahme zu gewähren. Der Sammlung sind ferner zur V^rv^^ 
ständigung des gewerb- und zunftgeschichtlichen Materials 
schiedene Entscheidungen und Verordnungen des Raths, 
beliebungen, Ergänzungen und Erweiterungen der Amts- 
Gildeschragen, darunter die mehr für die Kulturgeschichte 
vollen, umfangreichen Fastnachtsordnungen u. m. a. einvct 
worden.
        <pb n="247" />
        Einleitung zum zweiten Theile. 
227 
Ich war also bestrebt alles, was sich auf dem Gebiete der 
Gesetzgebung über Handwerk und Gildewesen bezieht, aufzunehmen. 
Unberücksichtigt mussten aber Handel und Hrauereiwesen bleiben. 
Ihe Herstellung von Bier und Meth war geraume Zeit ein Privi 
legium aller Bürger* und nahm somit eine exceptionelle Stellung 
indem sie eben in der uns interessirenden Epoche keineswegs 
ausschliessliche Recht eines Amtes oder einer bestimmten 
Genossenschaft bildete. Erst 1671, nach Organisation der Brauerei- 
^ouipagnie, lässt sich in diesem Sinne von einem Gewerbe der 
Brauerei reden. Hinsichtlich der Gilden wäre noch zu bemerken, 
^ass die verschiedenen Vicareienstiftungen, resp. Bestätigungen 
^^«■selben (der Schmiede v. J. 1440, der Bierträger v. J. 1473 und 
*506, der Losträger v. J. 1460 und 1464 und der Schwarzen Häupter 
J- 1487 und 1513), die als Fixirungen von Geschäftsvorgängen 
ausserhalb des Rahmens unserer Aufgabe stehend zu bezeichnen 
und eigentlich mehr dem Liv-, Est- und Curländischen Urkunden- 
^Uche zufallen, keine Aufnahme haben finden können. 
\\'as nun die Methode der Edition betrifft, so muss bemerkt 
''’erden, dass auch ich gleich den Editoren der meisten Quellen- 
[^'*I&gt;likationen zur livländischen (beschichte als Norm die bei der 
Verausgabe der Hanserecesse beobachteten Grundsätze im Auge 
^^halten habe. Vor allen Dingen machte ich mir zur Aufgabe 
'e niöglichst treue Wiedergabe der \ orlagen. Gewisse Ab 
stellungen von den Originalen erforderten selbstverständlich die 
'^aassgebenden Prnicipien der Herausgabe: Alle Wörter am Anfänge, 
einem Punkte, die Namen und die von Namen abgeleiteten 
^jektiva sind gross gedruckt worden, d. h. sie haben grosse 
j. ''^augsbuchstaben erhalten. Da von der Einführung einer einheit- 
tien Orthographie Abstand genommen werden musste, so ist auch 
Grucke die Schreibweise der Schriftstücke bis zum Ende des 
■ Jahrhunderts vollständig genau wiedergegeben, jedoch mit der 
^ '^snahme, dass das vokale v eine Verwandlung in u erfahren hat, 
^ dass für i, wo es erforderlich war, das j gesetzt ist. Die 
von Konsonanten und das nicht selten auftretende 
^'^tinungs.h, wie noch einige andere, von manchen Editoren als 
beseitigende Inkonsequenzen bezeichneten Eigenthümlichkeiten 
^^talterlicher Schreibweise sind beibehalten worden. Nicht ange- 
einer Reihe von Nachrichten aus den Jahren 
'541 erfahren wir, dass man den Handwerkern 
^•'holt entziehen wollte. Vergl. oben S. 9 und 10. 
1427, 1428, 1468, 1502—1503, 
das Recht des Bierbrauens 
15*
        <pb n="248" />
        228 
Einleitung zum zweiten Theile. 
nommen ist für sz die für diesen Doppelkonsonanten ohne ganz 
triftigen Grund für die Publikationen mittelalterlicher Urkunden 
eingeführte neue Type ß. Diese Editionsmethode hat aber bei 
der Publikation von Schriftstücken des 17. Jahrhunderts eine geringe 
Abänderung erfahren. Da sich die Orthographie dieses Zeitraumes 
bezüglich der Schreibweise der Anfangsbuchstaben von Substan 
tiven schon zu einem gewissen System durchgearbeitet hatte, so 
musste die Kennzeichnung der Hauptwörter durch grosse Anfangs 
buchstaben konsequent durchgeführt werden. An Stelle der will' 
kürlichen Interpunktion früherer Jahrhunderte ist eine knappe, den 
Hauptregeln der modernen Satztheilung entsprechende Zeichen 
setzung getreten, und zur bequemeren Orientirung sind die ein 
zelnen Schragenartikel, wo sie noch nicht beziffert waren, numerirt 
worden, die Vorgefundene Numeration hat beim betreffenden 
Schrägen einen Hinweis erfahren. 
Die zur Publikation gelangten Schrägen lagen mir theils m 
Originalen, theils in älteren Abschriften vor. Zur Erklärung dessen, 
was ich Original nenne, mögen hier einige erläuternde Bemerkungen 
Platz finden. Die in den Amtsladen vorhanden gewesenen oder 
noch zur Zeit vorhandenen, meist auf Pergament geschriebenen 
Schrägen zähle ich zur Kategorie der Original-Urkunden, obgleich 
man darunter eigentlich nur die von der Obrigkeit mit Unterschrift 
und Siegel versehenen schriftlich fixirten Bestimmungen versteht- 
Alle auf uns gekommenen älteren Schragenabfassungen vom O' 
bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts entbehren indess aller die l't" 
künden als officielles Instrument charakterisirenden Momente, W&gt;c 
besonders des Siegels und der Unterschrift; erst in viel spätere^ 
Zeit treten die Schrägen in formeller Ausstattung uns entgegci^' 
Man nahm vermuthlich Abstand von der Unterzeichnung und Unter 
Siegelung, weil die Schrägen ursprünglich wohl nicht von dent 
Rathe verliehen, sondern von den Ämtern dem Rathe zur Bestn 
tigung vorgelegt wurden, ln der älteren Zeit hat sich die Best 
tigung ohne schriftliche Formalität an der unterbreiteten Urkunde 
vollzogen. Die Sanktionirung der erlassenen (besetze und best» 
tigten Schrägen bestand wohl darin, dass erstere am schwarze 
Brette am Rathhause, dem sogenannten Schrägen, angeschla^^ 
oder auch durch die Bursprake oder bei Verlesung der Burspraft 
den Bürgern mitgetheilt, letztere im Stadt-Schragenbuche C)d 
Denkelbuche verzeichnet wurden. Von der dem Rathe vorgelegt*^ 
Schragenabfassung, nach der sich das betreffende Amt schon gerauH
        <pb n="249" />
        Einleitung zum zweiten Theile. 
229 
2eit gerichtet hatte, wurde nun eine Kopie genommen, so dass 
vollem Rechte die Vorlagen die Bezeichnung Originale verdienen, 
Und dieselben haben auch stets in den Augen ihrer Besitzer den 
Charakter eines Originals an sich getragen. Als Stütze obiger 
■Zunahmen bieten sich so manche Anhaltspunkte. 
VV as die Abschriftensammlungen anbetrifft, so sind folgende 
Schragenbücher der Stadt Riga benutzt worden: 
0 Oath schrägen unnd olde renthebock im rigischen Stadt 
archiv. (Stadt-Arch, in Riga.) 
2) Schragenbuch der Stadt Riga im Besitze der Gesellschaft für 
Geschichte und Alterthumskunde. (Schragenb. d. Gesellsch. 
f. Gesch. u. Alterth. in Riga.) 
6) ^ Schragenbücher aus dem Archiv des Kämmereigerichts, 
jetzt im Stadtarchiv. (Stadt-Arch. in Riga, Nr. 498—501.) 
7) Schragenbuch der Bibliothek der livländischen Ritterschaft. 
(Livland. Ritterschafts-Arch.) 
Schragenbuch der Stadtbibliothek. (Stadt-Bibliothek in Riga.) 
9) Schragenbuch des dim. Bürgermeisters Ed. Hollander in Riga. 
^ on diesen 9 Schragenbüchern besitzen die beiden ersten das 
Ochste Alter und boten unserer Schragensammlung eine reiche 
Usbeute, während die übrigen nur geringe Beiträge darzubringen 
Stande waren und meist nur zum Vergleiche herangezogen 
''Urden. 
Oas Schrägen- und olde Rentebock ist im 15. Jahrhundert, das 
j^chragenbuch der Stadt Riga im 16. Jahrhundert angelegt worden. 
von den im Stadtarchiv auf bewahrten Schragenbüchern 
1^%/' 49X) dürfte in seinem ersten 1 heile dem 17. Jahrhundert ange- 
Die übrigen drei sind jünger und werden ihre Entstehung 
und 19. Jahrhunderte gefunden haben. Sie alle aber tragen 
'^^hr oder weniger den Charakter officieller Dokumente an sich, und 
^lieil von ihnen wird auch ehemals in dem Kämmereigerichte 
j '*ur Eigenschaft oflicieller Stadtschragenbücher zur (jrundlage 
Hegelung des Handwerkbetriebes und des Zunftlebens gedient 
Von den 6 ersten Schragenbüchern lässt sich die officielle 
^'^'■'verthung durch den Umstand erweisen, dass sie dem Stadt- 
ungehört haben und noch angehören. Die beiden ältesten 
^'^ira^enbücher, die sich als reichhaltige Fundgrube darboten, 
'^*cnen es, näher ins Auge gefasst zu werden, 
p *Lath schrägen unnd olde renthebock, 28 cm. hoch, 21 cm. breit, 
'’^unient, in gepresstem Eedereinbande, mit eingeschlagenen
        <pb n="250" />
        Einleitung zum zweiten Theile. 
trothischen Verzierungen und einem Messingverschlusse, enthalt auf 
den ersten Hlättern von S. ^ bis S.//die ältesten Schrägen der 
Schmiede, Goldschmiede, Kürschner, Schuhmacher, Böttcher, 
Schneider und Schmiedegesellen. Der Kodex gehört dem neueren 
Rathsarchiv an, das heute einen Theil des im Rathhause ver 
bliebenen Stadtarchivs bildet. . 
Das zweite in Leder gebundene Schragenbuch trägt den 1 ite • 
„Schragenbuch der Stadt Riga“ und ist 32 cm. hoch, 20 cm. brei 
und enthält 170 Blätter aus älterer Zeit und 23 Blätter als Anhang, 
die einer späteren Zeit entstammen. Auf dem Vorderdeckel he n c 
sich die mit ('joldbuchstaben gepresste Aufschrift: „SCHRA 
BUCH DER STADTT RIGA“. Diese Umschrift ist von einei 
mit einer Krone oben abgeschlossenen, vergoldeten Blätterkranze, 
über den sich zwei gekrönte Doppeladler befinden, umgeben; unte 
dem Kranze, zwischen je 3 Kronen, ist eine Themis angebra^n - 
Das aus späterer Zeit stammende Titelblatt tragt folgende 
Schrift: „Schragenbuch oder Ordnüngen ünnd Gesetze aller Enip^^ 
Innüngen unnd Zünfften dieser konniglichen Stadtt Riga“ und 
Motto: „Ein gutter Meister macht ein Ding recht und gutt, a 
wer einen Humpler dinget, dem geht nicht wohl und wirdsz ve 
derben. Sprüche Salomonis 26. cap., vers 10.“ 
Zwei Aufzeichnungen auf einem dem Schrägen vorgebunden 
Blatte tragen Nachrichten über die Bedeutung und Schicksale dies ^ , 
Schragenbuches aus den Jahren 1588 und 1720; sie lauten folgende 
maassen: ^ 
i) „Dusse ampthschragenn hebbe ich Everth Huszman ‘ als 
enem e’rbaren wollwisen rade vorordenthen un wirdigenn ampt 
hern tho hope samlen und en dut bock vorvathenn latenn, dar 
tho ider tidt up vorbringende clage der empter mhan sich D 
ersoenn und tho richtenn hefít; so sich welche schrägen mher 
den offrigen emptheren wurden bofinden, de ich dan dorch d' ^ 1 
nachforschunge nicht hebbe bekomen können, sodane kunnen 
by vortekent werdenn. Anno 13^^ • 
2) „Anno 1720, Mense l'el.r. hat ein Enckel ins vierte Glied v» 
ob mit eigener HantI getlachten wolseeligen Herren 
herren, nachdem tleszen Dochter Elisabeth Hussmann den H« 
Über-Vogdt H. Johann v. Schnitzen ' zur Ehe gehabt um 
1 Böthführ, Die Rigische Rathslinie, Nr. 508. f 
2 Ibid. Nr. 550. t '^'7-
        <pb n="251" />
        Einleitung zum zweiten Theilc. 
231 
derselben den vormahligen Herren Ober-Ambtherren Kberhardt 
Von Schültzen deszen Sohn nach der Hand Oberambtherr 
H. Michael von Schültzen®, aber Johann von Schnitzen , itziger 
Zeit Oberambt'Herr, gezeugt, dieses Buch, also nach 132 Jahren, 
^bermahlen aufs ney, indem es in seinem vorigen Bande bey der 
Cantzeley gantz abgenutzet und zerriszen gewesen, hinwiederumb 
durch ein Ney-Bandt renoviren lafezen.“ 
Nach der ersten Aufzeichnung habe im Jahre 1588 der Amts 
herr Ewert Husmann die im Besitze der einzelnen Ämter befindlichen 
Schrägen sammeln und aufzeichnen lassen, um auf Grundlage der 
selben die auf das Handwerk bezüglichen Klagen entscheiden zu 
können. Aus dieser Inscription lässt sich auch entnehmen, dass das 
^ke Schragenbuch oder Denkelbuch, in das die Schrägen Wort für 
^ort, wie wir das aus dem Schrägen der Bierträger v. J. 1466, Art. 17 
'vissen, verzeichnet zu werden pflegten, abhanden gekommen war. 
Husmanns Schragenbuch habe dann, wie die zweite Aufzeichnung 
besagt, bis 1720 in der Rathskanzellei, also 132 Jahre, dem angegebenen 
Zwecke gedient und sei dann von einem Nachkommen des Stifters 
dieser Sammlung, dem Oberamtherrn Johann von Schnitzen, da 
Buch in Folge langdauernden Gebrauches in der Kanzellei 
abgenutzt und schadhaft geworden, in den Einband gebracht, der 
dasselbe heute noch umschliesst. 
Den Anhang zu den rigischen Amts- und Gilde- ciragen 
bilden vereinzelte auf das Gildewesen und das Handwerk im 
gemeinen sich beziehende Verordnungen und, wie schon bemerkt, 
einige Aktenstücke des 17. Jahrhunderts, die für die Periode er 
^^formbestrebungen charakteristisch sind. 
Dem Schragenbuche sind beigefügt ein niederdeutsches Glossar 
^nd ein Personen- und Ortsregister. Aus dem Glossar sind aus 
geschlossen : erstens alle Zusammensetzungen, wenn die einze neu 
l'heile im Wörterverzeichniss Vorkommen, und zweitens a e im 
blochdeutschen gleichlautenden Bezeichnungen, wobei le o 
g'-aphie, der Umlaut und die Vertauschung der harten mit den 
'^"ichen und gehauchten Konsonanten und umgekehrt keine Beruck- 
'!(:btigung erfuhren. Was die orthographischen Vananten betrifFt, 
muss bemerkt werden, dass nur die gebräuchliche od^ eine 
""'Iginelle Schreibweise berücksichtigt ist. Um auch den ,m Nieder- 
* Büthführ, Die Kigische Kathslinie, Nr. 5*^- ^ 
® ibid. Nr. 635 f. i6y8. 
* Ibid. Nr. ÒÒ2. f 1746.
        <pb n="252" />
        “ 
2^2 Einleitung zum zweiten Theile. 
deutschen Ungeübten die Benutzung des Schragenbuches zu erleich 
tern und zugleich eine praktische Verwendung desselben in Hand 
werkerkreisen, in denen sich die Zünfte und die Erinnerung an 
eine glänzende Vergangenheit derselben bis auf den heutigen lag 
erhalten haben, bequem zu machen, sind einige mehr oder weniger 
fremdklingende Deklinations- und Verbalformen in die alphabetische 
Reihenfolge des Glossars aufgenommen. 
Die literarischen Hilfsmittel reichten nicht überall aus, und es 
mussten mitunter Zweifel und Vermuthungen ausgesprochen werden- 
Alle bisher unbekannten Wörter wie auch die Bezeichnungen mü 
abweichender, zweifelhafter oder unerklärt gebliebener Bedeutung 
sind mit Belegstellen versehen worden. Das sprachliche Materia 
gegenüber dem Wörterschatze der Hamburger und Lübecker 
Schrägen weist manches Eigenartige auf und dürfte die Beachtung 
der Sprachforschung verdienen. Zur Erklärung der Bedeutungen 
wurden folgende Werke herangezogen: Schillers und Lübbeiis 
mittelniederdeutsches Wörterbuch, i88i ; mittelniederdeutsches 
Handwörterbuch von Aug. Lübben und Chr. W alter, 1888, 
Glossare zu den älteren lübeckischen Zunftrollen von C. Wehrmann, 
1872, zu den ältesten hamburgischen Zunftrollen und Brüderschafts- 
Statuten von Dr. O. Rüdiger, 1878, zu dem Liv-, Est- und Curian- 
dischen Urkundenbuche, Bd. 4 und Bd. 5; Korrespondenzblatt des 
Vereins für niederdeutsche Sprachforschung, 1876-1889; Wörter 
schätz der deutschen Sprache Livlands von W. v. Gutzeit, 1859—1^9^' 
C. Mettig.
        <pb n="253" />
        1. Arbeiter und Losträger. 
Schrägen vom 30. December 1535* 
Schragenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga (Bl. 113—115)" Vergl. 
“'erträgerschragen von 1535, der fast wörtlich mit diesem übereinstimmt und nur 
Unbedeutende Abweichungen aufweist. 
^^dnüng wie sich die arbeider unnd loesdregere in feürszeiten 
schicken unnd verhalten sollen. 
Item dit isz de ordinancie, welker ein erbar raedt vor güdt 
^tigesehen unnd bevvagen helft unnd schrifftlick avergegeven hefFt 
oldermanne van den arbeydesluden und sinen bysittern, wo 
sick holden unnd schicken scholen na bovele dusser ordinancie 
olderman tho olderman, van brodern tho brodern so, unnd 
j^^nner dat Godt enen ideren vorsterven lett uth dussen 70' ge- 
broderen edder olderludenn, so sali me enen andern older- 
Wedder kesen, de sali kesen sine bysitters, dem olderman sali 
avergeven dusse ordinancye, de sali he jarlickes laten s&gt;nen 
''^(l^ren vorlesen. Weret, dat dar welcke broder verstorben 
unnd welke nyge in de stede angenommen werden, dem 
me dusse ordinancye vorlesen, up dat ein itler sick hyrna weth 
*^'^i*ten by sinem broke, who hirna folgende wert \an jharen tho 
tho welcher ordinancye ein erbar rath helft laten schriftlich 
"'^^•'geven dorch de beiden kemerers alse, dorch her Troclus Klocken 
'""'I Herr Hcnedictus Wilken, den se jarlickes sollen rekenschop 
em unde eren nhakomelinck, van kemerers tho kemerers, 
tV’elcker retschoj) hyr in dusser ordeninge utgedrucket stejtt, 
I dat dusse ordeninge nicht möge vergeten werden. Dyt aver 
^"S^ven den arbeidesluden in dem jare unses Heren na dem 
[^"«ten tall in der gebörtt Christi unses Heren den donnerdach 
dem nygen jare (30. December) int jahr i535‘ 
0 Item so unnd wenner, dat (jodt alfkere, dat sick in der 
mne unlust erstünde, dat de klocke geschlagen worde, dat 
up^mnde, dat Gaxt a^ke^:, so soHen de vorbemrden 
ll^J^^^tádeslutie sarnr)t eren, oldermanne th()r stundt sick begeven 
Schrägen der Bierträger ist keine Anzahl angegeben.
        <pb n="254" />
        234 
Arbeiter und Losträger. 
by sodan fuer mit erer were, als en hir gedan is, mit 6 ledderen 
unde 2 haken \ 12 emmers, dat sollen se iarlikes den kemerers 
boschedt unnd rede van doen, wo vor verhaelt, up dat sodan dinge 
in vorrade mögen blyven, des sali dejenne verplichtet syn, de 
sodan fuer avergeitt, dat Godt affkere, de sali geven dussen 
arbeidesluden vor ere truwe leszkinge unnd reddinge 4* tunnen 
beers. So dusse arbeideslude, de aldar ersten weren mit erer wer ^ 
tho redden unnd tho leszken, so sollen se hebbenn 5 tunnen 
beers, up dat ein jederman mach lust krigen und hebben de erste 
tho wesen sodanem ungerade vorthokamen. 
2) So den dejenne, dem sodan fuer avergienge, en nicht ver 
mochte sodan beer tho gevende, so sollen em de beiden negst 
nabers tho hulpe kamen, ein ider mit i tunne börsz, up dat ^ 
lude ere gerechtigkeit mögen krygen. Des sollen de arbeitest ^ 
hyrwedder vor verplichtett syn, sodanem ungerade tho leszkeft 
unnd tho reddende by erem brocke 1 fe(rding). 
3) So ock woll van dussen arbeydesluden were, de dar nic ^ 
en were, edder dorch beer edder fuelheit vorsumede, so sall^^^ 
olderman sampt sinen bisittern en upsent darup hebben, de ^ 
nicht gewest sindt, darvan tho entfangen 1 fe(rding) tho brokege 
So se ock geven broke tho geven hebben, so fern se nicht kraiW^ 
syn gewest, sali se de kemerer woll (juesten laten, up dat dar 
ander andencke wackerich tho werden. Des schall de kemer 
ein truwelick upsent hebben, dat nemandt unrecht geschuet. 
4) So dusse arbeideslude van eren ledderen offte emmers '' 
verloren offte syck Stelen leten, sollen se semptlick betoleti, 
dat se sodan dinge tho vorschyne holden unnd jarlickes dar keo 
boscheidt van doen. 
5) Item dyt is de ordeninge, de avergegeven is den arbey 
luden, darnha mach syck ein ider weten tho richten, so sO 
cleS' 
,lleC 
ock gene huszknechte in ere gilde nehmen offte vor ere bro 
holden, se hebben den dem borgern 4 jahr gedent. 
6)4 Item des sali ein ider verplichtet syn tho dem fure 
kamen mit syner wehre alse enem byle. 
der^ 
1 Die Bierträger erscheinen mit 4 Haken. 
^ Die Bierträger erhalten 3 Tonnen. 
3 Die Bierträger erhalten nur 4 Tonnen. 
4 Dieser Artikel fehlt im Bierträger-Schragen.
        <pb n="255" />
        Bäckerknechte. 
235 
7) Item des sail sick gen Unduetsche, he sy fruwe edder man, 
^^geven by sodan fuer tho leszken edder redden unnd sail den 
ändern ruem geven, de dar geordnet sindt, unnd sine deverye nicht 
g^hruken, edder en raeth will en straffen laten. 
2. Bäckerknechte. 
Schrägen vom Jahre 1235. 
Bibliothek d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Sonntags Convolut: 
"Riga, Gewerbe u. Industrie“, Heft aus 6 Folioseiten, fehlerhafte Kopie. Abg. Rig. 
^‘^fltbl. ,848, S. 51-54, 60-62, 66-68; 1882, S. 394-397: C. Mettig: Zur 
^Schichte der Rigaschen Gewerbe im 13. u. 14. Jahrh. S. 98 101. 
In (jhodes nahmen, amen. Nach der boorth unses Heren im 
^^35' jaar, an deme ersten jare des erliken byschop Nicolaus to 
^yghe, do men hadde begrepen de molen des stightes over der 
^bne an de ere Ghodes unde der heylyhen juncfruwen Marien, de 
^^ttowen dat vornemen unde quemen mit einemene groten heere 
tnolen wedder to brekende, des worden de edlenden becker- 
J^Beghte gheeschet von deme stighte an de ere Ghodes unde der 
JBncfruwen fvrahe* Marien, to reddende de molen von den hei* 
’^^nen; des weren se bereide unde loveden ein® ghelovede einer 
''’ghen broderschap an de ere Ghodes unde siner heilighen moder 
^tien unde reddenden de molen des stightes vor den hey denen, 
dat dar teyne dooth bleven mertelers wise an Ghode dorch 
[^(^htlicheit; des blef dar levendich Tideman, semelbecker, Hans, 
^^ge becker, Henneke, wittekop, Hinrich Helmstedte, Meinecke 
Johan Pulke, Hinrich Stoltenberch unde sumelicke andere 
^Bser vorewaren. Dese weren de ersten begripere desser dragh&lt; 
disses ghildes unser leiven vrowen. 
0 Also dat wi und unse nakomlinghe to allen ty den willen und 
'"holen bereide wesen mit unseme wapene dach unde naght, wanne 
gheeschet werden, an der stunde to vorlatende dat werk ute 
Wen) henden to reddende de molen vor der heidenschop, bereide 
l&gt;looth to ghetende, dar dorch Ghoth unde unser leiven 
ere, unde dat wader to rümende van deme oversten see, 
^ ‘ *&gt;ie Jahreszahl ist unrichtig, da Nikolaus schon 1231 gestorben war. 
fehlt im Abdrucke in den Rig. Stadtbl. 1848, S. 5^' 
fehlt ini Abdrucke in den Rig. Stadtbl. 1848, S. 5^- 
In der Vorlage wird wohl scragh gestanden haben.
        <pb n="256" />
        236 
Bäckerknechte. 
so wanne me unss tosegeht von deme stighte ghenen geistlike 
broderschap uppe des stightes kost unde unse doden to beghrande 
unde de bigrafth unde de klogken alle unss fri to lüdende an Ghode. 
2) De daghtnisse unser brodere, de vorstorven sin, de schok j 
wy laten beghan an Ghode in deme dorne des manendaghes an 
deme meneden, des sunnendaghe avendes to settende veer Hg 
unde einen baldigb, ghespreth, mit vigilien vor ein loot pennig « 
der kosterighe to gevende unde des manendaghe morgheti 
neghen myszen. 
3) To einer illiker missen schal tovoren offeren unser süstere j 
en einen artoch unde ein light, darna ein illiker broder ofifte süster 
einen Lübeschen pennigh offeren Ghode to den neghen missen, 
dat Ghode en allen ghenedich si. 
4) So wellik broder offte süster dar nicht kumet to der 
ofte to der misse offte nicht en offeret, deme beneme eme süke- 
daghe, de schal beteren, also dicke, eine marck wasses. 
5) So wanne der brodere ein stervet, so scholen de andern 
brodere und süstere binnen der Stadt to male körnen to sin 
bigrafth bi einer marck wasses unde scholen ene beghan laten 
eren lighten unde boldigh unde mit veer missen in siner kerspe 
kerken, dar schal ein illick broder to offeren einen Rygisch^ 
pennigh unde bringhen dat lyck vort do deine dorne mether pr|^^ 
cessen und med den heren uth deme dorne, dar schal met 
mit neghen missen unde offeren to en illiken missen ein illiker brote 
einen Libeschen pennigh. ^ 
6) Vortmer so wellik broder sterveth buthen der Stadt 
thveen milen weghes, so schal men ene halen unde beghan, 
lyik, also hir vore beschreven steyt. 
7) De mene broderschaj) schal kesen de olderlüde, so " 
de meste partye dar to kesed, de schal sin, unde wo dicke 
weygheret, also menghe sees mark wasses schal he gheven. 
8) De olderlüde scholen kesen de gherdelüde, und wo t 
dar en to gheeschet wert unde des weygheret, also dicke sch« 
gheven dree marck wasses. 
9) Th u y ge an deme jahre, to w y nach ten unde to P) 
scholen de brodere tosamene drinken, dar scholen körnen .j 
brodere, de binnen thwen milen besethen sin, bi veer Öhr 
ene sy, dat id ene beneme merkelik heren booth ofte süket g 
öfte krancheit.
        <pb n="257" />
        Bäckerknechte 
237 
K)) Dess Scholen de gherdelüde vore seen umme guth beer 
^nde umme ene bequeme stede to drinkende nach rade der older- 
^ude, de scholen den broderen dat to eenbeden. 
n) So wanne de brodere to somene körnen in dat drenke, 
scholen de olderlüde vorbeden de wapene unde râpent unde 
unstür unde ungemak unde untemelicheit, sonder met tüghten to 
^^inckende by eer marck wasses; dess scholen erer warn eh men de 
^^henken unde de gherdelüde mit tught. 
*2) V ortmehr so wo dighe der brodere we hindert ofte nicht 
^orsahm en is den olderlühden, so wen se sitten by der tafelen, 
^^so menneghe marck wasses schall he gheven, we se brekt teghen 
olderman, wan he sit in der taflen, de schal beteren ilke sin 
p^nt Wasses und men jeglicken bisitter en punt wasses und eme 
J^gHcken broder en marck wasses. 
^3) VVer beer ghüt, dat he des nicht bedecken kan mit sinen 
de beteret eine marck wasses. 
H) We möghet den weert ofte sin gesinde, dar wi drincken, 
^ ^Gtert ein half Lyvesch punt wasses. 
*5) W ellich broder den anderen mishandelet an worden ofte 
^ bladen, de schall dat betern nach der meynen brodere willen. 
*6) \\ g döbelet boven einen artich, 
eine marck wasses. 
dat sy vor dat sy, de 
. 17) Dem seken armen brodere schal en gywelker broder tho 
^Pe komen mit enemcke artich, eines, thwige ofte drje, so wann 
1 de alderlüde toseghet by ens marck wasses, sücket he over 
Pusher an siner armode, so schall me eme gheven uthe der büssen 
halven verding; deyt es eme lengher noth, so schall men 
lenen enes ofte thwige einen halven verdink; wereth eme over 
^'vich sücke, so scholen de brodere eme bidden de provende 
^lenie hylghen gheeste dorch (»hod, ofte se möghen, ofte to 
spitHle. 
g \\ ellik broder ghevanghen wert van den he)^denen, deyt es 
sÜi^ *^^hoeff, so schall eme gheven de broderschap ein schippunt 
to siner losinghe, is des vortmeher beheoth ', me schchal eme 
^t'hippurij soltes lenen dar to. 
Hat 
I 
wohl behovth gestanden.
        <pb n="258" />
        238 
Bäckerknechte. 
19) So wellik broder synen broke nach der schraa nicht wil 
beteren, den schall me vorwysen ut der bröderschap unde nicht 
wedder untfaanhn, en betert drevolth. 
20) Unde weme de olderlüde untfaan an de bröderschap ti 
rade unde volborth der broderen, de schall gheven vyff artyghe 
natogande, he se broder ofte suster. 
21) Steen ‘ so sindt de bröder degenwordig geworden, 
illik broder schal sinen Godespennig gheben in de büssen, 
schal loven Ghode unde siner leven möder Marien, also hier steht 
an desser schraa to holdende desse vore bescrevende dingh, 
scholen stede unde vast bliven, also wy see beloveth hebben dorc 
Ghod, und unse nakomelinghe scholen see Ionen to holdende. 
22) Wanne see untfangen werden, so scholen die olderlü 
laten en desse schraa lesen beschadeliken vor all den broder 
an deme drenke, amen. 
23) Na Godes boort M. 300 undt 73 Jahres sindt in doss^n 
gylde geghen Inkel Keghel, Urtye, uxor 1 iderici Havenstrid 
uxor Nicolai institoris Kacherne^. 
24) Wittlick sy den geghenwordighen unde den nakomelingheO, 
dat wie hebben herr Gerlagh Resen in de bröderschap untfangei’ 
nach volbort all unser broder in also dancker ^ aght. 
25) Wann unser ein broder ofte süster stervet, so schal 
viyff missen, viyf vigilien halden, des gheven wi eme alle 
fry unde alle sine drenke (juit. 
26) Weten schall men ok, dat me nyne Undüdesche knap^^ 
an disse edlende bröderschap entfaien schall, sunder erlicke 1 )üdesc 
knechte, de der helpen konen bakken veyrleye brodt. 
27) Witlich si den geghenvordighen unde den nakomelinglj^^ 
dat wi herren Diederich Wiensteen in den bröderscap entfang 
hebben, also ane her Cierlach Rese^ is untfanghen, also eme 
donde. 
28) Wetlik sy alle den brudern, dat Nicolaus Wittenburch 
Jacob Seghefrit und Nicolaus Missener unde Eberke Westvale, 
dy tu eyme male brüder sint worden. 
tho 
de 
• Hat wohl üem gestanden. 
rUnP 
,if‘! 
2 In dem Abdrucke in den Stadtbl. v. 1848 sind die Namen meist corn^^ 
in der hochdeutschen Übersetzung von Brotze steht Kachermann statt Kach ' 
9 In Brotzes Übersetzung: „in also daner aght soll heissen auf diese 
4 ln dem Abdrucke in den Rig. Stadtbl. v. 1848 steht IViesi.
        <pb n="259" />
        Bäcker und Brauer. 
239 
29) Witlich sy den menen brodern, de in deseme gylde sind, 
'vellik broder brecht, de schall in dem halven jahre bringen 
broke uppe de tafelen de(n) olderlüde(n) penninghe eller ' pant, 
■^us der bestbäcker Amtslade*. 
3. Bäcker und Brauer. 
Rathsverordnung vom Jahre 1384. 
'^'loquium factum a Dnis Cons. Anno Dni 1384 in festo Michaelis. L. Na- 
y* Quellen des Rigischen Stadtrechts. S. 210. 59. 
ïtem but de rat to backende unde to bruwende na der tid. 
4. Bäcker. 
Schrägen vom Jahre 1392. 
Schragenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Bl. 19—20. 
Der becker schrägen. 
^^ades nahmen, amen, unnd in den jharen der gebüertt des- 
th ^usendt drehündert twe unnd negentich hebbe wy beck ere 
í^iga mit wittschop, volbordt und rathe unserer herren der 
^^rmeistere unde des gantzen rades tho Riga eine schräge 
und gesatt umme redelicheit willen under uns in unserm 
unde in unser cumpanie tho holdende. 
"ill ^bo dem ersten so welck man ein becker tho Riga werden 
1)^ ’ schall ein bederve man sin, unberüchtet binnen landes und 
bindes, dar he syne handeling und tho holdent gehatt helft. 
^ 2) Item so schall he de borgerschop tho Riga vor deme rade 
"e H unse ampt und in de cumpanie tho gestedet 
Vor ^ schall mit willen nah dohn, alse ein ander gutt man 
helft. Ock so schall he hebben achte marck Rigisz 
gehles, ungelehnet und ungeborget. 
'líírlç ^ so schall he in des werckmeisters oven backen ver- 
^ bfott, alse semmel, weggen, schonroggen und spisebrott, 
n,çn he an dessen verschreven saken rechtferdich gefunden, 
Schall en in unse ampt entlaen. 
^®‘zter Satz von anderer Hand, vielleicht von der Sonntags, geschrieben.
        <pb n="260" />
        240 
Bäcker. 
4) Vortmehr so schall de thokommende man sine kosten doen, 
alse thwe maltydt in jegenwerdicheit des bysitters uth deme ra 
unde he schall hirtho geven ene tunnen bers, desse maltydt sc 
he doen, alse idt temelick sy und siner ehre möglich dune 
wesen, ock so schall he geven acht erenpennige tho den ba 
und todtenlichten tho hülpe. 
5) Vortmehr so welch man in unse cumpanie wesende sie 
bewyven will, de sehe dar tho, dat he sich nicht verneddere » 
ein wyff tho nemmende, alse ovel berüchtet, unecht edder undut^ 
gebaren, und neme der man der welch ein tho wyve, de sc | 
der cumpanie unnd des ampts entberen. 
6) Vortmehr so wanner de werckmeistere in sacken des amp^^ ^ 
der cumpanie leth thoseggen umme thosanien thokommende, 
schall malck kommen unvertögert, de dat vorsumede, de sc 
beteren thwe artige. 
7) Vortmehr wehr idt, datt ein man in unser cumpanie wesen^_^ 
einen kop dingete by der Düne offte up dem marcket, und dar^^^ 
ander von unser cumpanie thoqueme, de mach deme gu e 
kope also nah wesen, will he alse, de dar dinget all ungeweg^^,^ | 
dat weigerdt, de schall beteren ene tunnen bers in de cumP‘ 
tho drinckende. j 
8) Item wer idt, dat man, wiff edder kindt uth unser cump 
störve, dar schall beide, man und wiff, thor bygrafft hommen 
erer ein, alse se dartho vorbadet syn, und versömeden se^^^^ 
alle beide, so schall de man beteren ein erepennig', idt sy ' 
dat he redlicke notsake bewisen möge, dat he edder syn wih | 
kommen möchte. 
9) Item so wanner de alderlüde van dem rade gesattet | 
up den brodescharve' umme tho besehende unde tho bestrafe 
dat in unsem ampte unredelick is/, welck man sie in I 
gewerve straffet edder miszhandelt, de schall beteren en hs/.(|&gt; 
was/ dem hylügen lycham», und vellet ock also, dat 
hylgen lycham umme de statt dragen scholde, de dartho m 
queme, de scholde beteren ein marck pundt wasses. 
1 Im Schragenbuche Nr. 499: orfh. 
2 Muss hrodeschame heissen. 4^ 
3 Der Schlusssatz des Artikels fehlt in der Abschrift im Schragenbucn 
im Stadtarchiv.
        <pb n="261" />
        Bäcker. 
241 
10) Vortmehr so schall men g’even den werckknapen 
thome halven jahre, deme roggenkneder 5 feeding Rigisch thom 
^^^ven jahr, und wer idt, dat jemandt mehr geve, den hier vor- 
schreven isz, de schall beteren dem hyllgen lycham V,* livespundt 
und der cumpanye ene tonne bers. 
11) Item so schall nemandt enen knecht sprecken tho vorne 
denst den zwen weken vor paschen und zwen wecken vor 
Michaelistage, und wer idt, dat jemandt hieren baven dede, de 
^^hall beteren dem hyllgen lycham 2 marckpundt wasses und der 
^'^fBpanie eine tunnen bers. 
^2) Vortmehr so welck knecht des nachts buten schlapet sines 
^•Ten werck und arbeitt thoversümende, deme schall men aff- 
^^lahn der nacht twe artige und des tages enen schilling. 
^3) Item so welck knap tho bytyden orloflf nempt, denen schall 
^Biandt van unserm ampte in syn arbeide nemmen by beterung 
tunnen bers der cumpanie und 2 marckpund wasses dem 
¡J&gt;'%en lycham, idt sy denne, dat sick de knechte mit sinem 
güttliken vorleket hebbe. 
H) Item welck man eme knapen mehr gifft tho wynkope den 
artige», de schall beteren der cumpanie ene tonne beers; ock 
schall nen selffer by synem brode stahn im scharve^ enem 
tho vorfange lenger denn dat syn knecht oifte gesinde 
brodes tho husz halen mach by ener marck'^ wasses. 
^5) Item so welck man in dessen vorschreven artickeln und 
hrockhamig gefunden werdet und sinen brocke mit willen 
uthgeven will unde eines pandes weigert, de schall sinen brock 
^‘'aldt beteren, unde were idt ock, dat jemandt uth unserm ampte 
, ^cn brodtscharve^ cjueme und vunde de knechte d.ir dobbelen, 
"(:hal| de dobbelers beide vor den vaget« bringen und lathen 
des vagds: orlove in den torn selten, dar dre tage waiter 
i&gt;rott tho ethende, eer menn se uthlatet. 
^ im Schrajrenb. Nr. 49&lt;). 
g i‘i‘i. / Lisspfund. 
^ ^^rdiittfre im Srhrapenh. Nr. 490. 
r, 
g P/und im Schragrnh. Nr. 499 
^ ii'id. füf. Amht. 
Amht. 
16
        <pb n="262" />
        242 
Bäcker und Brauer. 
16) Uncle wer iclt ock, dat manck uns in unser cumpanie unser 
en den andern mit worten-miszhandelte unnd vorsprecke, dat m&lt;ic 
man under uns in redelicheit verglicken ane blauw und bloet, unce 
dat deine rechten thogehöret, dat schall men vor den voget bringen- 
17) Jedoch beholden deme rade tho Riga de overste handt m 
dessen artickeln vorgeschreven b 
5. Bäcker und Brauer. 
Rathsverordnung vom Jahre 1412. 
De Bursprake des jares unses heren dusent veerhundert twelve. L. Napier^*^^’ 
Die Quellen des Rigischen Stadtrechts. S. 221, 82 u. 83, S. 222, 83. 
Vortmer so bud dee rad den beckern uncle bruwern, dat see 
backen unde bruwen na der tycl. 
Item bud dee rad enem ysliken beckere, dee dar weghe bacK^^^ 
wil, de sol so Schoneroggen uncle spysebrod by dem wetenbro 
hebben und recleliken na de tyd by 10 mrc. 
6. Bäcker. 
Schrägen vom 29. September 1487. 
Schragenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Bl. 21 u. 22. 
Der becker schrägen. 
Anno Domini tusendt veerhundert in deme soven unnd acht^^^ 
tigste jahre up dat feste sancti Michaelis archangeli (29. Septem 
ist dorch bede der samptbecker nah bevehle, fulbordt und 
vunge des ersamen rades tho Rige dorch de ersame herren 1 
Metelen,2 ^etse Sulcken» tho den tyden der vorbow^ statt kemm^^^ 
uthgesettet und gegeven den ergenanten samptbeckern dusse 
bestemede schräge. 
1 Eine hochdeutsche Übersetzung dieses Schragens (im Schragenb. 
im Rig. Stadtarchiv) ist von dem „Ambt Herr Ludwig Hintelmann D. 
gest. 1643) unterschrieben, woraus hervorgeht, dass der älteste Bäckerschrag 
ganz geringen Abänderungen noch im Anfänge des 17. Jahrhunderts tieltung gc^ 
2 Böthführ, Die Rigische Raihslinie, Nr. 375. 
3 Ibid. Nr. 38g. 
4 Wird wohl in der Vorlage vorbenomet gestanden haben.
        <pb n="263" />
        Bäcker. 
243 
O Int erste mögen de brodere des ampts der samptbecker uth 
kesen enen olderman edder werckmeister eres ampts, deme 
temelicken dingen schölen gehorsam!) sein, de schall und 
^äch dat ampte dorch den jüngsten broder tho hope eschen lathen, 
vaken idt isz van nöden. 
2) Ock so schall de olderman edder werckmeister tho der 
tyüt wesende nah sinem högesten undt utersten flite darnach wesen, 
de brödere gutt brodt van wichten und nach der tydt backen 
y Verlust des gudes. 
j 3) Item welck man, de de begehret edder eschet des ampte 
^'""(lerschop, de sali syn und wesen ein borger tho Rige edder 
^ borgerschop winnen; ere schall ehne de olderman vor einen 
^^der nicht entfangen sunder volbort des kemers. 
4) Vortmer welck samptbecker an der milden und guden tydt 
backet tho vorkopende, schall ock by Verlust der broder- 
an den leven und duren Jahren backen nah vorlope der tydt 
5) Item welck man, de de eschet, wervet edder begehret des 
^^8a|ken/| amptes, gilde oder broderschop, de mach de vor sick 
^yne huszfrowen mit thwen marckpundt wasses unde mit einer 
^^^n beers winnen und lathen sick van dem olderman entfangen, 
^^^n Und syner huszfrowen namen dorch den stattschriver hier- 
disz bock teckenen. 
De jüngste broder des ampts schall dat ampt vorbaden 
dtoseggen tho der vigilie und seelmisse, so lange he dorch 
nigen broder werde verloset. 
7) h ordermehr offte de olderman edder werckmeister jennich 
^*'^cken hedde up syne brodere, de broder up eme dar scholen 
^tede söcken vor den cemmern tho entscheidende. 
,1 Ock so schölen se nemanden höger beschwehren in winning 
^tnpts, denn so ydt nah befehle des ersamen raths isz uthge- 
^vt l)y marken, so vaken dat klacht overkumpt. 
9. Item ock so schall nernandt fack’brott backen buten erem 
vorkoj)ende, würde dar jemandt under bogrepen, de schall 
vorbrocken dat brodt und der statt vor den kemmern 
* ^Unverständlich. 
IC*
        <pb n="264" />
        244 
Bäcker. 
10) Fürdermehr schall en jeder man offte broder des ampts 
nen brott backen tho vorfanp^e den gemeinen beckern alse 
Schonroggen, greven brodt etc. edder ander brott, dar dat amp 
der becker van oldings her sy mede privilegieret, uthgenamen í ^ 
beiden hogen feste paschen und weihenachten, pingstens, Michae is 
nicht uthbenommen alles. 
11) Sunder klepen, huszback, semmeln, overschneden bro^ 
mögen se nah uthwising der tydt wol backen tho vorkopende t lO 
dages tyden. 
12) Vortmer so schall ein iszlick broder des Jahrs tho stedegek 
geven 2 marck, up paschen und Michaelis uththogevende. 
13) Ock so schall de olderman nemanden baven den tal 
16 becker in ehre ampt brodt tho backende empfangen. 
14) Des schall fürder der Stadt vorbog' kemmerer mechtig 
und wesen den thal tho högende und sydende. 
I tj) Vorgeschrevene hierinne entholdene brocke schall allcw R 
de hallve deel darvon e. erb. rade heemfallen.* 
Bäcker, 1510. 
s. Brauer, Bäcker, Knochenhauer und Schuhmacher v. i5“’- 
7. Bäcker. 
Instruktion an die Marktvogte vom Jahre 1551. 
Das Buch ' der Ältermänner Grosser Gilde in Riga. Monum. Livon. 
Bd. 4, S. 68 — 69. 
Hath se scollen eyn fflitich upseenth hebben up dath 
unde by der Dune, dat dar nene fforkopeiye mit ffischcn 
allcrleye vitalie gesche, unde dath jenigen, so ffissche edder • 
vitalie vorkopen, dat nicht to duer, sunder ffor billik gelth ' 
kopen, unde de bekcrs dat broth vor de werde backen etc. 
1 Wird wohl in der Vorlage vorbenomct oder Ähnliches gestanden haben- 
2 Letzter Satz ist ein Zusatz von anderer Hand.
        <pb n="265" />
        Bäcker. 
245 
8. Bäcker. 
Rathsverordnung aus dem 16. Jahrhunderte. 
Kigische Burs[)rake aus dem Anfänge des i6. Jahrhunderts. L. Napiersky, 
Quellen des Rigischen Stadtrechts, S. 235, 75- 
Vorthmer buth de radt, ein iwelick becker, de wegge backen, 
Sali semmelen, schonroggen unnd spisebrodt by dem weten 
^^^de hebbenn unnd sali redelikenn backenn by 10 marcken. 
9. Bäcker. 
Brodtaxe, Amtsgerichtsentscheidung vom 31* December 1619. 
Stadtarchiv zu Riga, Amtsgerichts-Protokolle von 1619-1623, in Pergament 
S'^bundener Folioband, S. 4. ^ , 
Eodem 
der ehrenvest und hochweiser Herr Johan Böddeker , Amptherr, 
Heckern alhie nachfolgende taxam sezen und aufrichten lassen, 
^^ftnug welche sie jeziger (Gelegenheit nach mit dem Backen ver 
fahr 
‘'■en sollen. 
W 
Roggenbrot t. 
an cler Loflf Roggen 9 Mark Rij 
ten thuet, soll ein 2 (jr(oschen) 1 
^gen : . . . . • 
dsch 
irott 
8 Mark 
7 Mark 
6 Mark, 120 Loth ist 
5 Mark 
4 Mark 
3 Mark 
2 Mark 
jj Weitze nbrott. 
M^eitzen 13 Mark gelten wird 
y ' So. Wegke 5 Loth i (.). 
12 Mark 
" Mark 
^üe 
4e 
^Ue 
^Ue 
^üe 
Mark 
y Mark 
8 Mark 
7 Mark 
6 Mark 
Pfund. 
2 
2 
3 
3 
4 
5 
7 
11 
Lott. Quentin. 
16 
26 
6 
24 
16 
20 
16 
8 
5 
5 
6 
6 
7 
8 
9 
11 
3‘/7 
1 
2»/4 
«/ll 
3V6 
2 Vs 
2 Vs 
3 
I Vs 
^'»thführ, Die Rigische Rathslinie, Ni. 53°-
        <pb n="266" />
        246 
Bäcker. 
Da der Loff Weitzen 25 Mark 
wirdt, soll I so. Wejrk wegen . 
Zue 24 Mark 
Zue 23 Mark 
Zue 22 Mark 
Zue 21 Mark 
Zue 20 Mark 
Zue 19 Mark 
Zue 18 Mark 
Zue 17 Mark 
gelten 
I Pfund, y 
Lott. 
Quenti*’- 
3 
320/23 
0^2« 
I 
I '•ViO 
2V19 
0V16 
10. Bäcker. 
Brodtaxe aus dem Anfänge des 17. Jahrhunderts. 
Schragenb. Nr. 499, S. 127 u. 128. 
Einkauff. 
II 
Zue 
Mark 
Kigisch. 
3 
4 
5 
6 
7 
8 
9 
10 
Roggenbrodt-Rechnung, wann 
der Loofzu 4 Marek eingekaufft, 
(It w&lt; 
/egen 
kann ein Groschenbrod 
2 Pfund. 
den Loff kann i Groschenbrodt wegen 
Gewichte. 
I'lunü. I Lotli. 1 yur'it"'- 
Zue 
IV2 
2V2 
3V2 
4V2 
5V2 
6\'2 
Folget da man vor den Loof eine 
halbe Marek oder geringer gebe 
21 
19 
10 
4 
28 
25 
10 
6 
9 
24 
14 
iVs 
V3 
2"/? 
iVo 
l'/3 
5/&lt;) 
2'/" 
Vl3
        <pb n="267" />
        Bäcker. 
247 
Einkaufï. 
Gewichte. 
Zuf 
Zue 
Zue 
Mark. 
Rigiach. 
7V2 
8V2 
9V2 
I0V2 
4 
5 
6 
7 
8 
9 
10 
11 
12 
3V2 
4'/2 
5V2 
6V2 
7V2 
8V2 
9V2 
H)V2 
I1V2 
I2V2 
den Loff kann i Groschenbrodt wegen 
i Weitzenbroclt* Rechnung, wann 
ein Loof gut LiefFländisch 
Weitzen zu 7 Marek Rigisch ein- 
gekaufft wird, kann ein Schil- 
fingswecke gebacken werden 
auf fünff Loth. 
kann die Gewichte eines Schillings sein 
« « n " V n 
Item da man vor den Loof 
V2 Marek mehr oder weniger 
geben würde, 
kann die Gewichte sein 
l’l'nud. Loth. 
7 
30 
27 
24 
IO 
7 
6 
5 
4 
4 
3 
3 
3 
Unuütiu. 
Vl5 
Vl7 
l’V21 
3 
3 Vs 
IV2 
3V9 
2 
Vn 
3V3 
3V9 
iVii 
v? 
2 *,'3 
V2 
*/3 
I Vs 
*/i3 
3V5 
mchrer Urkund und Wahrheit hab ichs mit meiner Hand 
^^rschrieben und mit des Amts Hittschaft bekräftiget. 
(L. S.) 
^ Ainj 
' i^'ithführ, nie Rigische Rathslinie, Nr. 547- + “’‘^3- 
Ludwig Hintelmann I). 
Ampt-Hcrr&gt;.
        <pb n="268" />
        248 
Barbiere. 
11. Barbiere. 
Schrägen aus der Zeit vom 30. Mai — 6. Juni 1494- 
Schrägen!). H. Gcseilsch. f. Gesch. u. Altcrth. in Riga, Bl. 15—18. 
Der balbirer schrägen. ' 
In deine nahmen der üngescheiden hilligen drevoldicheit, amen- 
Nach dem male nen vvesent der handtwercklicken kunste ahne 
övinge unnd erfarenheit sonder gude ordinantzie na gelegenheit 
der lande unnd lüde in erbarheit bevestlich unnd stanthaftig mag 
syn, idt sy denne sodans under horsam underdanicheitt mit dwange 
werde bewaret, hebben hierumme de meister des handtwerckes 
der halberer in den jharen unsers herenn Christi dusent veerhunded 
veer unde negentich in der octaven des hilligen lychams (v. 30. 
bis z. 6. Juni) den ersamen sittenden rath der Stadt Rige denstlicken 
angefallen mit vertellinge veler unschicklicheit, gebreke, versume 
nisse unnd schedtlicheit ock varlicheit lyves unnd der seele, 
alle vorthokamende hebbe wy borgermeistere unnd rathmanne 
baven geschreven Stadt Rige, aise verwesere des gemeinen besten, 
alle dusse gebreken tho herten genomen unnd den genanten 
meistern eine schräge in dusse nageschrevene wyse, up de 
vele miszhellicheit, versumenisse unde schaden in thokamen^R*^ 
tyden verhütet mochten blyven unnd affgestellet werden, ovcran^í^ 
wordet, gegeven und approbiret mit allen nafolgenden articulen, 
peenen unde broken, de helfifte an unser Stadt müren, de an^^ 
helffte dem helen gantzen ampte tho erbawen, uj) de mede se s&gt;e 
undermalckander deste bet in guder verforderinge unnd angen^n’ 
frundtschop unnd ehre entjegengan, hebben und holden mit ere 
gesellen, unqde se sick desto uprichtiger mit ehren patiente^’ 
bevvy sen. 
i)^ Tho dem ersten Cade tho lave unnd ene sonderlige eln^^ 
eren hilligen patronen Cosmo unnd Domiano, die sie vor t)gen 
eren arstedyen sch ölen hebben, den se uth ereme fry en willen 
all deine gelde, dat sie mit arstedie verdenen, den teinden jjeiinmg 
vorwilkoret hebben tho gevende unnd vor alle nakomelinge ^ 
belevet, unnd ein idtlick meister alle billige sondage einen schillR^ 
&gt; Randbemerkung im Schrägen!), d. Gesellsch. f. Gesch. ». Altcrth. in 
Dieser Schrägen ist Anno 1626 corrigirt und auszgegeben. 
- Die Artikel waren im Schrägen!), d. (iescllsch. f. (îesch. u. Alterth. &gt;n 
von einer späteren Hand numerirt worden. 
Rif®
        <pb n="269" />
        Barbiere. 
249 
unnd ein jeder knecht einen penninck in de lade thor ehr Gades 
lofF Gades tho sterckende scholen geven, unnd tho dusser laden 
^^holen umb min verdechtnisse willen dre schlotele wesen, den 
^&gt;nen sali hebben de olderman, den andern die jüngste broder, 
drudden ein van den handtwerckes, den se dar fellich 
kennen. . 
2) Item thom anderen male scholen unde mögen se uth sick 
^^sen einen olderman, den so gekoren olderman sollen binnen 
maente by vyflf marck deme ersamen rade praesentiren unnd 
ene bestedigen van deme rade unnd dar sick ertögende der 
^^^dt cemmerer, deme vort underrichtinge van des rades wegen 
®nde Werden, wo se sick hebben unde holden scholen. 
3) Item dussem so van en gekaren unnd van deme ersamen 
^de bestetigeden olderman scholen de brodere unnd meistere des 
^^pts der halberer in allen temeliken, erlicken unnd hoveschen 
^Sen horsam syn by verlust unnd entberinge des ampts edder 
marck peen und dvt ampt nicht tho brukende, er sodan broke 
^ ^rst uthgerichtet. 
. 4) Item mag ock sodan gekaren olderman, so vaken und wenner 
ly noden is, die meistere laten tho hope eschen unnd vor- 
don by 3 sch., unde de jüngste broder sal so lange dat ampt 
^kaden unnd gehorsam syn deme olderman beth unde so lange 
junger na em kompt by dren marcken. 
th burder mher sali ein jeder meyster syn fülle harnisch hebben 
^ Einern lyve unde de borgerschop erst winnen er dat ampt by 
marcken. 
t;(l ^^^m so unnd wenner na deme willen Gades welck broder 
th knecht offte kindt van dissem jamérdale schedede, 
der Vigilien unnd seelemissen sollen beide meistere unnd frowe 
Un mit eren knechten by ein liszpundt wasses erschienen, 
tíre ^ jüngste meister sali verbaden frawen unnd manne mit 
knechten by sodaner peene, als vor beröret. 
kinnd sodan Cîodt dorch sinen propheten gesprakenn helft, 
^ dage van der einen vesper bett tho der andern tho 
ende, ock dat unredlicke wakent gemyndert werde, unnd alle 
ere tyde mögen entfangen unde hebben, so scholen de vor- 
, ■ (1er Vorlage: ß für schilling; wo sich im Text diese Münzbezeichnung 
fand, ist die Abbreviatur aufgelöst worden; ein gleiches Verfahren 
Abkürzung m. (mrc.) für Mark beobachtet.
        <pb n="270" />
        250 
Barbiere. 
geschrcvene meistere unnd ere knechte van sunte Mychäelis tage 
weilte tho paschen des hilligen avendes nha negen nemandei 
scheren, idt were dan redlicke entschuldinge offte notsacke, is 
en unbenommen, unnd so se hyr entjegen deden, scholen se dat 
beteren mit dem gelde, dat se buten tydts verdenen. 
8) Unnd weret sake, dat welcken nachtgengers desz spad« 
scherendes geweigert wurde, dar se sick plegen laten tho scherend^' 
unnd wurde denne ein anderwert geschoren, de sollen darvof 
beteren ein liszpundt wasses, so vaken dat geschütt. 
9) Unnd weilln de kunst, wanheit unde erfarenheit inbring^^ 
dat wetent aller minschen, darumme sollen de olderman unnd ‘ 
meistere nemandt in dat ampt staden unde laten, eer he ke 
bewesen sodan meisterstucke, alse dem ampte behoren, und 
folgend sy ein gutt geruchte unnd teyn marck in de busse un 
eine redelicke koste. 
10) Item ock sollen se nicht baven ein jhar buten dat sacr» 
ment des billigen echtens ' bliven, de sin egen mester wesen ’ 
idt were den sacke, dat se ein tüchtig lèvent furden by ver^^ 
des ampts. 
11) So scholen und mögen ock der verstorven meister frouW 
jar und dach dat ampt uthholden na eres mannes dode. 
12) Item vortmehr schall nemandt des andern knecht anspreckt:|| 
umme denst, ehe hy synem meister dar thovorn umme gesproc 
hebbe sunder argelist sick entlegende mit synem ede by 10 
ck' 
13) Item de gesellen sollen ock buten der meister medeweten 
unnd fulborth niemandt heimlick verbinden by 5 marck. 
14) Ock schall noch ein meister noch ein knecht eines 
meisters schergast beden offte tehen in ere hüser, würde jciB^ 
darmede beschlahn, de sali dat verbeteren mit i liszpundt 
15) Item würde ock ein meister kranck, de nenen kn 
:cH* 
(k 
hadde, so schollen eme de andere meistere tho hülpe kommen, 
dat beste don können sonder schaden by en liszpundt wasses- 
16) Fürder schall nen meister sich alleine jennigen 
b)' 
patienten underwinden offte lidt affnemmen, all were idt ock 
nöden, besundern he sali darvan den oldesten meister einen 
nemmen; so idt hier enbaven anders befunden würde, und de kr^n^^ 
clavan störve, und ene nicht hadde lathen mit kerckerecht ' 
1 Wird lichams heissen müssen.
        <pb n="271" />
        Barbiere. 
251 
'^'^hren, dat scholde de meisten vorboten sunder bescheninge mit 
^^ynen marck Kigisz. 
17) Item so y dt sick vaken gehöret, dat ein patient an sinem 
^^¡ster miszdünckendt kricht und will einen andern arsten oder 
'feister versöcken, welcher meisten dartho geeschet würde, dem 
Schall nicht tehmen des andern bandt affthonemmende, sondern se 
semptliche dat werck besehen, und isset sacke, dat de erste 
^^ister siner kunst unnd dingen recht gedan helft nah der kandt- 
der meisten, so schall de erste darby bliven. 
^8) Und weret sake, dat he versümlick und sinen dingen de 
^ünst andrapendt nicht recht gedan hedde, denne schall he lyden, 
ein ander affnemme und verwahre den patienten bey tey n marck. 
^9) Item so idt sich vaken gehöret, datt de dar gesundt ge- 
''"^tden oder geheilet syn, vaken klagen, dat de meisten oifte arsten 
Vele van en hebben willen, und over lang so befunden werdt, 
sollen erkennen der statt kemmerer mit den oldesten me) - 
dat se sodan verhören und metigen, und dar sollen sick de 
meisten und de patiente, an nögen lathen. 
2t)) Item sollen ock nemandt hemelicken vorbinden, de de 
^^^gen isz, sunder se vorwittliken idt ersten deine vagedt by 
marcken. 
21) Item schölen ock neen geldt thovorn upnemmen edder 
^'^tfangen by Verlust des empfangenen geldes in de büssen; sollen 
des rades arsten den ersten bandt nach older gewanheit folgen 
offte einen fending darfür by i marck. ' 
22) Item wenner de rade und statt reisevolck tho water edder 
^ande uthfertiget, danne so schall dat ampt einen negeafftigcn 
Pillen mit allerhandt tüge up sin handtwerck denende mede 
^den. Und der herren arst soll darup sehen, datt deme so 
. 23) find wenn idt ock in allen thokommenden tagen \ .in nöden, 
ein van den meistern welck handttüch bederffte, des he nichten 
^^ede einen andern tho lehnende oder tho verkopende, sali 
*^einandt w eigern by dren marcken. 
^ 24) Item welck deme oldermann in redeliken sacken, den he 
^^^ott deytt, nicht horsamb isz, sali y dt beteren mit i marck. 
(len letzten Satz ist von der Hand, welche die Artikel numerirte, die 
gesetzt worden.
        <pb n="272" />
        252 
Bierträger. 
25) Sollen ock under malckander sick nicht verachten, övel- 
sprechen edder flocken by dren marck|en|. 
26) Item sollen ock kein blutt noch winter noch sommer 
den renstein störten edder geten by i marck. 
27) Item sollen ock mit flite sick vorsehen, dat se nencn 
menschjen] scheren eder verbinden, dar men den spital wiszlich 
inne vormedende, in besonder sollen sodanen melden, dat se ^ 
richtet werden, dar se henne sollen. 
28) Item behelt und verwahret de rath de helffte alles diisse 
vorgeschrevenen bröckes tho der statt müren, und den soll 
gekorne olderman alle jahr up Michaeli sunder argelist und 
sinem ede der Stadt cemmerer averantworten und upbringen, 
ander helffte isz en gegündt und vorlovet vam rade, dat sollen 
armen lüden mede tho hülpe kommen tho arstedie mit alle ik*^ 
fulborth unnd rade und in thokommenden tyden de ehre 
darmede tho sockende, stichtende nnd tho buwende, wo idt ^ 
allerbest düncket. 
29) Idt schollen ock und mögen de meistere de ingiffte düss 
schra werckstede holden, dusse fryheit brücken, dar de noch 
willen (iodes vorstorven syn, so sollen düsser fryheitt nicht me 
gebrucken als vohr. 
30) Behelt der ersame rath thorn lesten de överste handt düi’Se 
gegenwertige schrägen tho vorbeterende, högende, versidende 
dem ersten, middelsten wenthe thom lesten, so vaken idt van not 
werdt syn. 
12. Bierträger. 
Schrägen vom 8. oder 15. Juli 1466. 
Schrägen!), d. (iescllsch. f. Gcsch. u. Alterth. in Riga, Bl. 59—62. 
In (iades namen, amen, unnd in den Jahren Christi unses hej^^^ 
siner gehört dusent verhündert unnd im soss unnd sostigsten 
am dingstage negest vor sunte Margreten dage der billigen 
frowen (8. od. 15. Juli?) do hebben de ersamen vorsichtigen 
heren borgermeistere unnd rathmanne der stadtt Rige uppe 
uns broderen des ampts der beerdregere binnen Rige um me 
flitigen, demodigen bede willen unse olde schraa, de gegeven ^ 
geschreven was in den jaren Christi unsers heren siner gebort du'
        <pb n="273" />
        Bierträger. 
253 
*^^*'^hunclert sesz unde achtentigk uppe vastelavendt (i. 6. März), 
^^meschrivcn laten, vorbet eren unde vernien vor uns unde alle 
^nse nakomelinge in thokamenden ewigen tiden umme reddelicheit 
''■lien under uns tho hebbende in unsem ampte. 
1) Tho dem ersten so soll nemandt unsem ampte tho vor- 
Iftnge jenigerley gespundet beer dregen, ock nenerley wyne up- 
^'^hroden edder frommet beer indregen, he en hebbe den ersten 
cumpanie gewonnen unnd sy ein fullbroder in unsem ampte, 
weret, dat et jenich loeszdreger edder ander loeszman droege 
sick sodanes underwunne, den sali men vor den voget bringen, 
sali uns bystant unde hulpe doen, dat wy by unser reddelicheit 
2) Vortmehr weret, dat jenich gudt knape unser cumpanie 
^Serende were, de schall ersten de borgerschop winnen, isset, dat 
^ nen borger tho Rige is, ock sali he unse cumpanye eschen 
Unsem oldermanne, und is he ein gudt knape, so sali en de 
Iderman unde de gantze cumpanie entfaen. 
3) Item so schall dejen ne, de in unse ampt unnd cumpanye 
nadoen, alse ein ander vorgedan helft unde geven sesz 
'^hillinge in to gande tho unsen lichten tho hulpe unde schall 
denne ock geven viff marck der cumpanie, de mit den hui 
l^^fen gan. 
4) Item so woll in unser cumpanie tho oldermanne gekoren 
de schall dat mit willen doen, unde weret, dat he dar w edder 
I ^^ken Wolde, so scholde he beteren twe marckj)unt waszes tho 
1 lichten also vakene, also he darwedder sprechet, unde de tho 
)shtcrn gekoren wert, de schall dat ock mit willen don sonder 
'^'klersprekent, elfte he schall dat desgeliken, so hyr vorge- 
'^’reven steit, der cumpanie betern mit twen marckpundt wasz. 
, . 5) Item so wenner de cumpanie Sonderlings thosamende 
"■^iicken will, so sali de olderman dartho kesen twe manne de 
tho vorhegende, und wenner dar uthgedruncken is, vor 
oldermanne reddelike rekenschop darvan tho donde by einer 
"""'^kwaszes. 
. Item weret, dat jemandt van unser cumpanie unse druncke 
.homode vorschmade unde tho deine beere nicht körnen en wolde, 
^ gemeinen cumpanie gehofft were, de scholde sine halve 
Jncke betalen, unde wolde he dat wedderspreken, so scholde he 
dnem andern brodere vull betalen, idt en were denne, dat
        <pb n="274" />
        254 
Bierträger. 
he des van olders wegen effte von armodes wegen nicht en ver 
mochte, so schall en de cumpanie mit den druncken ehren. 
7) Item weret, dat jenige twedracht edder schelinge manck 
iipstunde, dat doch Godt verbede, de twedracht möge wy under 
uns mit vulbort der herren, uth deme rade dartho gesath, frundt 
licken verlicken sunder blaw unde blöt, dat schal men vor den 
vaget wysen, unde de schal dat richtenn. 
8) Item weret, dat jemandt van unser cumpanie unsen older 
man effte sine bisitter edder jenigen unser brodere mishandelde 
mit unhoveschen worden edder in tornen mode mit bere begothe- 
de scholde dat betern van des oldermans wegen mit dren marcke^ 
waszes, van des bisitters wegen mit 2 marcken waszes unde va&gt;i 
des broders wegen mit einer marck waszes, jedoch so mochte 
sake so groet wesen, he moste dat höger beteren; ock so sa 
nymandes in unser cumpanie sitten vor enen olderman, noch darth 
gekoren werden, he sy denne unse vulbroder unde sy ein be 
dreger, unde de bysittere sollen ock sin beerdregere, und den okl^r 
man sollen de beerdregere under sick sulvest kesen, de en dartb^ 
nutte unde becjueme duncket wesen, anders sali sick neman 
des underwinnen. . 
9) Item weret, dat jemandt in unser cumpanie vorkrenke 
unnd nicht en hedde, dar he van levede, so schall em unse old^^’'^ 
man van der cumpanie wegen mit 4 oren tho hulpe körnen, un 
de sali he wedder betalen, wenner sines dinges beter wert. 
10) Item wenner wy unse cumpanie holden unde drinkcu, 
sali nemandts van unsen broderen in der cumpanie, dewdu 
druncke wharen, by sick dregen jenigerley genezen, bazelen e( ‘ 
andere stekemesse bi einem halven lispundt waszes. 
II. Vortmehr so sollen wy na diesser tidt nicht mher 
fangen in unse cumpanie to brodere und sustere unerlike, l&gt;uru 
tede lude, ock nene apenbare lose wyve, unnde weret, dat jeniuu 
van unsen brodern effte susteren sodanen vorschreven in uu 
gilde tho gaste bede, de sali beteren der cumpanie 2 marck(l&gt;^'^ 
nt' 
ch' 
,(lts 
gef 
wasz tho unsen lichten. 
12) Item weret, dat jenich broder in unser cumpanie sick 
digen effte unredelyken sick bewisede edder andere unlitup 
dinge vorneme, dar he brokehaftig umme worde, und he 
unser cumpanie darumme nicht wolde verdregen effte vcrh^ 
de sali in nener andern cumpanie vor broder entfangen
        <pb n="275" />
        Bierträger. 
255 
dat he sick mit unser cumpanie gantz verlickett unde ver- 
hem. 
^3) Vortmehr wenner de olderman orlofif hefft gegeven des 
^^endes und van der tafelen is upgestan mit sinen bysittern, so 
Schall ein juwelick broder unde suster tho husz gan. De den ne 
""Olde nha besittende bliven deme olderman unnd den bisittern tho 
"^'■^vell unde tho verdrete, de scholde beteren i marckpundt 
^^szes, unnd wenner de olderman verkündiget de Steven tho holden, 
sali ein juwelick, de in de cumpanie behoret, personlicken jegen- 
"•irdig körnen, unde de de stevene versumede edder darna cjueme, 
de Steven geholden edder de schraa gelesen were effte ock 
der steven ginge sonder des oldermans orloff, de schall beteren 
^ cumpanie ene marck waszes. 
H) Item so wenner dat jemandts in unser cumpanie vorstervet, 
man effte wyff, dar sali de gemeine cumpanie tho der vigilie 
tho der bygraff körnen unde sal sick also darby bewysen, 
he begerende were, dat em na gescheen solde; unde de dar 
en kumpt, de sal beteren eine marck waszes tho unsen lichten. 
*5) Item so schall dejenne, de lest in unse cumpanie entfangen 
de cumpanie verbaden, also vaken aise des behoeff is, wanner 
olderman thosecht edder thoseggen lett; und de schall 
de hchte bewaren unt entfengen by einer marck waszes, unde 
^ bott versitt, de sali ock gebroken hebben ene marck waszes. 
(j. Item weret sake, dat jenich fuer in der stadt upstunde, 
^udt verbede, edder sust ock grot water worde, dar solle wy 
Un dem ersten tho komen mit exen, spannen unde lopen 
je ul sulkem tuge, dar men mede redden mach. Und efite 
andere unsture edder uploep in der stadt geschege, dar 
Un 1^ hel])en, keren unde truwelicken uns darinne bewysen, 
dit versumede, de schall betern der cumpanie 2 marck 
'Cs Und deine rade i marck ohne alle beschoninge. 
i, '7) Vortmehr so hebben de erstschreven heren borgermeistere 
’■^^hnianne der stadt Riga, unse leven heren, vor sick unnd alle 
f " ‘^akomelinge dorch sonderlike gunst, leve frundtschop unde 
Uli ^ vorschreven brodern des amptes der beerdregere unde 
(Iç ^’isen nakomelingen binnen Rige gnadichliken versorget unde 
(If- '’^^cinelyken, unreynigen amjites guetliken vertegen unde vor 
1,/^"' also wanner dat vorordelde lude unde miszdedere van dem 
thom dode gerichtet und geciuelet sollen werden, dat sy
        <pb n="276" />
        Bierträger. 
256 
an welkerley pyne unde dodes, dat dat sy, dar sollen wy 
dregere noch alle unse nakomelinge, de in unsem ampte sin, 
nenerley hulpe tho doen unde ock nene handt dartho ansetten, 
des se uns allen gentzliken hebben vordregen to ewigen tyden 
unde deger fry vorlaten, also dat wy des seker unde fast, ste 
enthaven unde entschlagen syn sollen, alse dat de vorschreven 
borgermeistere unnd rathmanne der stadt Rige, unse leven he ^ 
thor ewigen dechtnisse unde thor urkunde der warheit dusscr 
unser schraa starken unnd vasten bevestinge hebben laten antel^J 
unde beschriven in ere denckelboke in dem verteynden bin e, 
darinne dusse unse schraa von worden tho worden beschreve 
steit. Dit is gescheen im dage unde jare vorgeschreven. Uppe^^^ 
tidt was ick, Hermannus Helewegh, stadtschriver tho Rige \ ^ 
betuge ick mit miner egenen handt, unde uppe de tidt weren ol ^ 
mans der beerdregere Kersten Bullezabake, Merten Rugien 
Merten Sennet, bysittere. 
13. Bierträger. 
Schrägen vom 30. December 1535* ^ 
Schragenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Bl. 58b-59- 
Schrägen stimmt fast wörtlich mit dem Schrägen der Arbeiter und Lnstrügpr^^^^ ^ 
31. December 1535 überein. Die Varianten sind zum Schrägen Nr. i angcg«"^ ¡g, 
Der dem Bierträgerschragen sich anschliessende Zusatz vom 14. August ».S3 
unten abgedruckt. 
Item idt hefft sick in deme jare dusent etc. und in dem 35^^^ 
begeven, dat de beerdregere twist up dem nien huse des be^^^ 
halven tho dregende geh at hebben und nicht mher dan twc j 
ninge van der tonnen gehat, is derhalven de twist hengelecht, 
de erbarn kemerer van wegen eines erbarn rades darin 
umme mherer twedracht tho vormidende unde den beerdr h 
bevolen, se solden vordan einen schillingk nemen van der to 
und sodane bewillinge in der beerdreger bocke den beerdr 
bevolen tho schrivende unnd sodant went tom anderen jahr 
holden, hefft sick derhalven des andern jares in deme 36sten 
dat se ere cumpanie unnd gilde geholden unnd gedruncko 
1 Böthführ, Die Rigische Rathslinie, Nr. 379. 
2 In der Einleitung daselbst treten uns als Kämmerer die Rathsherren 
Klocke und Benedictus Wilken entgegen. Vergl. Böthführ, Die Rigische R 
Nr. 443 und 453.
        <pb n="277" />
        Bierträger. 
257 
^'■Uetwyge (15. August?), unde ere schrivent tho der tidt gewesen 
predicante Johan von Ecken \ gebeden in jegenwardicheit siner 
'^Gdeliulpers, Herr Jurgen Gudow und her Steffen Dump, dat he 
"^olcle sodan bevel anschriven, gedachte Johan van Ecken nicht 
doende ane beveel des kemerers; hebben sick derhalven de 
^^derlude beflitiget, tho der tidt gewesen. Andres Simonies, klock- 
Jacob Kusze, olderman etc., van eren bröderen an den 
urbaren kemeren gesant unnd desse sake vorgegeven; des hefft 
erbar kemerer, ock to der tidt gewesen, Patroclus Klocke * sinen 
^^Her Asmus up dem kuethove tho en geschicket und aldar, dar 
drunken in der gilde in erem huse, deme upgedachten predi- 
^^nten sine werve upgedecket, de kemmerer hedde bevalen, men 
^olde anschriven, dat de beerdregere einen schillingk solden nhemen 
deme nien huse vor eine beertonne tho dregende, unnd ock 
^^ftmer sali nymandts van den loeszdregern der berivinge halven 
^ wines in keinem wege bekümmern, sodan bevell van den 
Ç ^ren ergemeltem kemerer ingenomen unnd angetekent in erem 
de 
erb 
^^'■boke, van einem erbaren unnd wysen rade gegeven altidt in 
eumpanie eres amptes geholden werden, welches geschehen 
*^d geschreven des mandages vor kruetwyginge (14. August) in 
upgedachten jahre anno dusent etc. und in dem sosz und 
'•'^■’¡gesten». 
14. Bierträger. 
^^thsVerordnung vom 21. Januar und 1.—6. März 1576. 
Schrägen!), d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Bl. 62 h-ó). 
1^ _^b’t nabeschreven van gebade unnd hete des erliken rades wart 
gesath in sünte Agneten dage der billigen jünckfrowen 
Jänuar)*. 
^tem weret, dat jemandts van unsen amptbröderen, de en 
^^""Gger is, de sali by uns im ampte bliven, schedede de ock 
zu St. Jacob c. 1543. Vergl. C. A. Berkholz, Beiträge zur Geschichte 
^When und Prediger Rigas, S. 99. 
^ùthfûhr, Die Rigische Rathslinie, Nr. 443- 
//,&gt; Schrägen!), d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga heisst es darauf: 
yo/£-ci nun der beerdregers rechte schräge unnd ordnunge (v. J. 1466). 
"lYp Überschrift vom 21. Januar mit dem Nachfolgenden schliesst sich 
U. ^ dem Schrägen vom 15. Juli ,466 im Schragenb. d. Gesellsch. f. fiesch. 
in Riga an. 
17
        <pb n="278" />
        258 
Bierträger. 
van uns unde worde en loesdreger, de sali des enen amptes sO 
woll enberen als des andern unde sali sinen hui per affleggen uiK 
neuer glide mher werdich syn. 
2) Anno 76 up fastelavendt (i.— 6. März) hebben de senipdic 
beerdregere sich beklaget, dat sie mit die 2V2 marck nicht uH 
können körnen, so hebben olderlude und oldesten up ihre bei« 
gelavet 5 marck, wen de fastelavendt geholden wert, darmit will‘d” 
wy thofreden syn nu unde tho ewigen tyden und nicht w)te&gt;' 
anholden umb forbeterung edder tho verhogende. 
3) Anno 1576 sindt olderlüde und oldesten der cümpanie 
van dem groten gildestaven und der swarten hoeveden oldesten 
mit den gemeinen beerdregern avereinkommen, dat men hinfor 
nu und tho allen tyden van ider tonne börsz in tho dragen^ 
geven soll 3 sch., idt sy wytt elfte nha by der handt. 
Noch hebben sick de olderlude unde oldesten der schwarte^ 
hoeveden ingelaten up der gemeinen beerdreger bidden 
begeren dat de schwarten hoeveden en geven sollen alle jhar, 
de fastelavendt geholden werdt, 5 marck, dar se susz lange ^ 
nun 2V2 marck gehatt hebben. Des hebben de beerdregere ^ 
jegen gelavet den schwarten hoeveden unvertoegert ere b^er 
ere cümpanie edder geselschop tho dragen, so vaken als men 
bedarven und begeren is van nu aff tho allen tyden unverhoeger 
15. Bierträger. 
Ordnung vom 17. April 1607. ^ 
Bibliothek d. Gesellsch. f. Gesch. u. Altcrth. in Riga. Pergamentblatt 5* 
hoch, 30 cm. breit. 
Ordnung der Bierdreger beim Kran und Weinen. 
1) i Erstlich sollen die Bierdreger nichts auff oder niederWin^ 
es sey dann dem Kranschreiber angemeldett. 
2) Zum Andern sollen sie, da es die Zeit erfoddert, so j 
Arbeiter halten, damit der frembde Man am Kran gefoddert, 
die Weine mügen eingefuhret werdenn. ^ 
3) Sollen sie keine Weine ausz oder einführen, es 
dan mit des Wein-Visirers Wissen, oder es sey der Zeddel 
Ober- oder Unter-Kasten davon bey gebracht. 
1 Die Numeration der Artikel fand sich vor.
        <pb n="279" />
        Bierträger. 
259 
4) r)as sie keine Weine bey Stucken oder Ahmen aus einem 
Heller in den andern bringen sollen, ehe und bevohr solches dem 
^cin-Visirer, von wehme und wer es wieder empfenget, angeczeiget 
^nd von ihme darauf? ein Beweis nehme. 
5) Da sie bey Dage oder Nacht jemandes ausserhalb ihrem 
^ olcke bei dem Weinn arbeitenn findenn wurden, sollen sie es 
anmelden, damit der Stadt zum Vorfange keinn Unterschleiflf 
geschehe. 
Da jemandt unter denn Hierdregernn solche Ordnung, wie 
obgedacht, übertreten und dem verordentem Krann-Schreiber 
ntid Wein-Visirer in diesem nicht gehorsamb sein würden, sollen 
^nreh Hinsetzung des Thorens gezuchtiget und in ernstliche (jelt- 
^bafife daneben vorfallen sein. 
Volget was sie dajegen wiederumb beim Kran und Weinen 
Arbeitslolinn nehmen und haben sollenn: 
Erstlich beim Kran: 
Vor einn Stuckfas 
Vor eine Tholast 
Vor eine Pipe 
Vor einn Uxt 
Vor eine Ahme 
2um Ander vom Kran in den Keller: 
Vor einn Stuckfas 
Vor eine Tholast 
Vor eine Pipe 
Vor einn Uxt 
Vor eine Ahme 
Sch Dritten ausz einem Keller in der 
^epffen oder führen lassen, wie dan :i 
Düna: 
Vor ein Stuckfas 
Vor eine Tholast 
Vor eine Pipe 
Vor einn Uxt 
Vor eine Ahme 
Uh I ^""1« nuhn einer oder mehr von denselben über diesen 1 axt 
, , ^^•‘dnunjr nehmen, und man solches erfahren würde, sol en sie 
»J'-Ikh sein, das übrige (ieUlt wieder gegeben, die Arbeit vor- 
Kethan habenn und, wie vorgedacht, gestraffet wer,len, unnd 
17* 
1 Mrc. 
27 Sch. 
18 Sch. 
9 Sch. 
9 Sch. 
4 Mrc. 
2 Mrc. 18 Sch. 
2 Mrc. 
1 Mrc. 
18 Sch. 
andern, wan sie selber 
ich aus dem Keller an 
IO Mrc. 
5 Mrc. 
4 Mrc. 
2 Mrc. 
I Mrc.
        <pb n="280" />
        Böttcher. 
260 
damit diese Ordnung desto krefftiger ihre Wirckung erlange, haben 
die ehrnvesten, achtharn und wolweisen Herr Frantz Ney stet , 
Bürgermeister und Ober-Wein-Herr, Herr Johan Böddecker ' 
Ober-Cemmerer und Kranher, mir, unten genanten oifnenn 
schwornen Notarium, Wein-Visirer und Kranschreibern solches 
zuvorzeichnen anbefohlenn und davon den Bierdregern einen Aus 
zugk, welcher in ihren Schragenn magk einvorleibet werdenn, mitz^ 
theilenn. Actum Riga denn Siebenzehenden Aprilis nach Crist' 
Jehsu unsers einigen Erlösers Geburt im ein tausennt sechshunded 
und siebenden Jhare. 
16. Böttcher. 
Schrägen vom 9. August 1375. 
Stadt-Arch. in Riga. Schrägen u. olde Rentheb., S. x—cc. Abg. Moni"” 
Livon. antiq., Bd. 4, S. CCCXV-CCCXVII u. Liv-, Est- und Curländ. Urkb., ßd- 
Nr. 1522. 
Der bodeker schraa. 
In Godes namen, amen. Wente dee hilge gest spreket 
dorch 
vati 
de 
den Propheten heren Davite, aldus umme dat, dat du etest 
deine arbeyde dyner hande, hir umme schal tu salich syn, un 
alle gud schal dy bescheen, hir umme boret sik van rechte, 
en jewelik mynsche, dee salich wil werden, dat hee dee rechtich^' 
vure in alle synen werken, wente Got sulven heft gespre&gt;^^|^’ 
salich sunt dee, dede hungeren unde dorsten na der rechtich^’^ 
wente see scholen werden gesadiget, hir umme so is cumpuß) 
van deme bodekwerke des enes geworden myt vulbord der 
erbarei' 
heren van deme rade, dat see hebben ene settynge under ef» 
ereme werke, also dat enem jewelken lijk unde recht schee, 
eres arbeydes unde workes begere. 
deß 
i) So hebbe wi to deme ersten male dat van bode uu 
sC 
nett 
heren van deme rade, dat wi scholen maken ene jewelke tun ^ 
van twe unde negentich stopen, dee halven tunnen van 46 
dat verdendel van 23 stopen; we dyt werk mynner maket, 
dat dee heren hebben gesät, unde also mannich ende, alse hec^^^ 
luttik maket an der tunnen, also mennyge teyn schillynge s 
hee beteren der cumpanye uppe gnade. 
t Böthführ, Die Rigische Rathslinie, Nr. 516. 
2 Ibid. Nr. 530.
        <pb n="281" />
        Böttcher. 
261 
2) Item we van dessen vorsprokcn tunnen dee groter maket 
'^eer wen enes slopes, dee schal men tosían, darto schal hee leven 
der werkmestere mynne. 
3) Item schal dat spynt hynnen under den mydden wenden, 
dat boven ud, so schal hee beteren uppe deme vute twe artige 
^nde also mennich spynd, alse an der tunnen udgeyt, alse mennyge 
artige schal hee den werkmesteren antworden sunder wedder- 
^Ptekent pennykge oft pant, unde we dar weddersprekt, dee schal 
S^hroken hebben der meynen kumpanye, unde dee wedderwort 
^®gen so unbescheden wesen, dee werkmestere scholen see bryngen 
den rad, dat hee dat dar betere myt enem groten, des hee 
*^^Voren nicht beteren wolde myt enem denen. 
4) Item so schal en jewelik mesterman syn eygene merkiseren 
unde schal al syne werk merken, unde also mennich stucke 
I'^^rkes ud synen huse kumpht ungemerket, also mennegen schil- 
schal hee geven der cumpanye. 
5) Item oft hir we kome van buten to, dee sik wil vormeden, 
Schal wesen myt enem meystermanne twe dage ofte dree. 
Welk mesterman ene medet, dee schal ene meden to enem 
^^^czen jare, myn nicht. 
Item schal emant deme anderen synen knecht untmeden 
^y'^ntn der tiid, dat dee knecht enem anderen denst heft gelovet, 
^ ^at deyt, dee schal der cumpanye beteren enen verdyngh. 
7) Item entgynge wene syn knecht ud synem denste mjt 
gelde, unde were van erne en jar myn ofte meer, unde 
^ ^aie hee weder unde begerde des sulven heren denst, den 
^ ^olde Weder entfan dorch guder lude bede willen, dat hee em 
^on möge afvordenen unde syn geld, dat hee erne schuldich was. 
^ Item entgynge erne dee suive knecht anderwerx e, so en 
ok van unsem ample nemant untfán by ener lialven mark, 
^ Schal dee suive knecht maken 3 tunnen uppe des werk- 
^ werkstede; synt dee tunnen unstraflek, so schal hee des 
bruken, synt see over straflek, hee sal ed heileren . 
Item so we synes suives wil werden, wo hee sy unberuchtet, 
schal dat werk syn unvorsecht, unde hee schal dat werk 
erne jare eschen, unde syn holt schal also droge syn 
' ^ gud, dat hee erne jewelken möge mede vul dñn, unde boven 
^uss beteren heissen.
        <pb n="282" />
        202 
Böttcher. 
syn towc unde syne vareiulc have schal hee hebben twe 
Kig. un vorborget by synen sworenen eden vor den heren, dat s) 
an gelde ofte an holte edder an anderer ware, ok schal dee sul'^ 
der cumpanye geven ene tunnen beres, ok wen hee in dat 
treden wil, so schal dee suive tovoren treden uppe des 
mesters delen unde schal maken 3 stucke Werkes, alse lur 
genge unde geve, unde synt see unstraflik, so schal hee dciiti 
also lange denen, wente hee dat werk bet lere. 
10) Item begere wi des, dat nemant schal Undudschen 
to jarjungen. 
11) Item we enen Dudeschen jungen entfeyd to jaren, 
schal ene entfangen to 4 jaren, unde 2 jar schal hee myt 
bliven, ofte syn here wil umme Ion, alse hee erne kan afvord^^"^^^' 
unde dee suive junge schal der cumpanye geven ene tunnen bereSi 
unde vormag es dee junge nicht, syn here schal see vor eine n 
geven, unde dee junge schal see eme affvordenen, wanne syne 4 
leer jar ute syn. 
12) Item schal en jewelek werk man körnen to der cumpnn) 
wen men ene ladet by 2 artogen, unde lethe hee id dorch 
dolen mfid, hee schal geven der cumpanye Va ferdyngh, nn‘ 
wolde hee des halven verdynges nicht geven, dee werkmeste^^ 
scholent clagen deme rade, dat hee dar demie betere na ^ 
heren willen. 
13) Item werdet weme ene olde tunne bracht to maken ’ 
dar hee enen bodem schal insetten, jiroft hee, dat see to hn 
sy, hee schal dar enes anhowen unde spreken, see en doge 
to here, men to anderem dyngen behuff, mfit hee see wol nink 
14) Item welk man ud der cumpanye gynge myt doleni nu»^^ 
ofte myd (juaden worden, dee schal der cumpanye beteren 
15) Item ofte van deme ampte we breke tegen dee cumpn'V^^ 
dee sake mögen also grot syn, hee schal wesen buten der ^ 
panye jar unde dach, wente dat hee sik vorliket wedder dee : 
panye, id ensy an des rades mynne unde vulbord. 
de 
16) Item we mank uns holt koft van vloten ofte ud schep 
dee schal et der cumpanye mededelen, deyt hee des nicht n' 
vorhelet dat, hee schal beteren enen verdyngh. 
17) Item en schal nemant holt kopen men uppe deme 
markede, unde kofte hee dar durer den de settynge der 
cH
        <pb n="283" />
        Böttcher. 
263 
Panye tosecht, dee schal beteren der cumpanye V2 punt w asses 
ande \/g tunnen l)eres. 
18) Item we gelt wil uddün uppe holt, dee schal dar over 
fernen twe man ud unsen werke, we des aver nicht en dede, dee 
Achill des geldes (juyd gan, dat hee heit udgedan, unde de mene 
^ünipanye schal treden an dat holt. 
19) Item begere wy des, dat dee, de enen banthower holdet, 
en schal ene nicht laten don, men dat hee syne bende howe 
ande syne holt barde unde starke, so we des nicht en dede, dee 
^ahal beteren i Lives punt wasses unde ene tunne beres. 
20) Item so scholen dee heren ute deme rade, unse bysittere 
'^an des gemenen rades wegen, de hellte van dessen vorbenomeden 
^^token gantzliken upboren unde entfan. 
^escreven is desse settynge na Godes bort dusent jar dre 
*^^adert jar in deme vifundesoventegesten jare an sunte Laurencius- 
^'ende (9, August), 
21) De brudere syn des ens geworden m) d \ ulbord derberen, 
"ede enen bruder vorsprekt in deme ampte, dee schal beteren 
^ tnark wasses, dede enen olderman vorsprekt, dee schal dubbelden 
^»■oke geven, des geliken oft de olderman enen bruder vorsprekt, 
broke des geliike. 
22) C)k so mach jewelik werkman twe leerjungen tosetten 
nicht meer by enem Lives punt wasses, dyt is myt vulbord 
Sescheen der erbaren radheren, alse her Johan van Lynden* unde 
Johan Woynghusen ®, erer bisittere. 
23) Ok so en sal neen werkman synen knecht upjjet lant senden 
^ •'irbeyden tegens des am|)tes vulbort unde redeich eit y vor 
des aniptes unde den knecht nicht to holden; (hssc sa e 
J“"' ok myt vulbort der radheren gescheen, alse her Johans van 
')""kn umle her Johan W'oynghiisen, des aniptes bisiteren . 
Im Original : vorbcnn. 
^ böthführ. Die Kigische Rathslinie, Nr- 27^- 
^ sind die J leuten Al.schni.ic oder Absä,re auch «emach,; 
'St (1er Text uno tenore geschrieben.
        <pb n="284" />
        264 
Böttcher. 
17. Böttcher. 
Schrägen vom 8. Juli 1581. 
Schrägen!), d. Gesellsch. f. Gesch. u. Altcrth. in Riga, Bl. 93 96. 
Der boddeker schrägen. 
Kündt unnd offenbar sey menniglichen demnach eur erhar 
rath von olderman unnd eltisten des boddekersliandtwercks bittlid' 
ersucht unnd angelanget, sintemall ihr alter schräge ihnen von 
vielen jharen von ihren Vorfahren gegeben, nach itziger zeit unnd 
gelegenheit nhumehr nicht gerichtet, ihnen die gunst zu erzeig^^'^’ 
dann it derselbe corrigiret unnd nach notturft und erheischung jeg^n' 
wertiger leuffte geendert und gebessert werdenn mochte, worinn^n 
ihnen ein erbar rath der pilligkeit nach zu wilfharen erachtet unnd 
vorermelte alte schräge durch ihre verordnete amptherrn, alsz di^ 
achtbarnn unnd wolweysen herrn Nielas Ficken* unnd herrn 
gern zur Horsten*, endern unnd von ne wen bestettigen lassen, 
massen wie folget. 
1) ® Fürs erste soll eine igliche tonne, so im ampte gemacld 
wirdt, halten zwey unnd neuntzigk stöpe, die halbe tonne secl&gt;^ 
unnd viertzigk stöpe, ein vierteill aber drey und zwantzigk stöp^’ 
wer diese stucke eins oder mher ringer machen wurde, soH 
poen vier marck verfallen sein; wer sie aber über einen sto 
grösser machen wurde, soll im amj)te dafür gebuerlichen al)tG*k 
zu thun schuldig sein. 
2) Item wan der elterman mit eines erbarn raths massen 
ampt umbgehet, unnd einem jeden angesagt wirdt im ampto 
erscheinen, unnd derselbe sich nicht einstellet, der soll verbrochen'* 
habenn drey marck. 
3) Item so einer an den tonnen bruchfelligk befunden 
mit einem S])inte, vom spuntloche an bis zum ende hinausz, 
soll eine marck verbrochen haben, unnd der sich darwider nO 
lehnet, soll dafür abtragk zu thun schuldig sein. 
4) Da auch der muthwill so grosz, das er deshalb pilligh ' 
die amptherrn zu bringen unnd die straffe zu derselben erken^**^ 
stellen. 
* Böthführ, Die Kigische Rathslinin, Nr. 489. 
2 Ibid., Nr. 510. 
" Die Zahlen, welche von anderer Hand sind, gehen in der Vorlage nur bis Ar*'
        <pb n="285" />
        Böttcher. 
265 
5) iJes soll ein jeder nieister sein eigen merckeisen haben, wor- 
er alles, was er machet, Zeichen unnd mercken soll, unnd so 
darüber etwas ungernercket aus seinem hause gekommen be- 
schlagen wirdt, so ofTt soll er der cumpanie dafür einen ferding 
ablegenn. 
b) Item entginge einem sein knecht ^ aus seinem dienste mit 
^^inem gelde unnd were von ihm ein jhar min oder mehr unnd 
'lueme hernach wieder unnd begerte desselben vorigenn meisters 
^»enste, so magk er aufif vorbitte gutter leute angenommen 
^^tden, doch dergestalt, das er ihme seing eldt, welches er 
^^huldig geblieben, abverdiene. 
7) Endtgienge aber derselbige knecht* zum andern mall, so 
' sich niemandt des ampts verdristen ihn wieder anzunhemen 
zu empfangen bey poen eins alten talers. 
Item wer meister werden will unnd siner gebuert und lebens 
^"^beruchtiget ist, dem soll das ampt nicht geweigert werden, unnd 
dasselbe eschenn binnen jhar unnd tagk unnd alsdan dem 
^Pte einen halben taler auflflegen. 
^ 9) Item der meister wirdt unnd seine amptkoste auszurichtenn 
^dacht ist, der soll nicht mher zu geben schuldigk sein alsz eine 
bier, zwo schincken, zwen gebratensz unnd sonst ein gericht 
. oder fleisch, darneben und darzu soviell brodts als nötigk 
Zu cíeme zwantzigk marck an gelde darzu, worvonn zehen 
^ ^*^ck einem erbarn rathe heimfallen, die andere zehenn marck 
ampte bleibenn sollen*. 
Des soll der so also meister werden will, sein meisterstucke 
^^hen, alsz drey tonnen des handtwercks gebrauch nach, die da 
^^dt Sein, so aber gebrech oder mangell darann gefunden wurde, 
^ ^ vom ampte bruchfelligk erkandt werdenn unnd soll fol- 
jJ!*^dts sein ampt recht unnd besser lernen oder soll sich deshalb 
den amptherrnn unnd dem ampte vertragenn. 
^ ^0 Item wirdt einem eine tonne gebracht dieselbe zu machen 
^ ^inen boden darein zu setzen, befindet er, das er zu klein sey, 
daraus keinesweges eine biertonnen widermachen, zu sonst 
^^bueff aber magk er dieselbe woll bessernn. 
Von anderer Hand darüber geschrieben: Gesell. 
4o, Rande ist von anderer Hand bemerkt worden: dieser Artikel ist 
^3, d. /^. Februarii corrigiret.
        <pb n="286" />
        206 
Böttcher. 
12) Item so iemandt wider das ampt sich verbrechen wurde, 
unnd die sache sehr wichtigk wehre, soll es den ampthern kundt" 
gethan, unnd auff derselben erkentnusz magk der Verbrecher 
jhar unnd tagk von der cumpanie abgewiesen werden, bis er sieh 
mit den ampthern und cumpanie vertragen, auch soll kein meister 
einen knecht binnen landes zu arbeiten verschicken ohne des 
gantzen ampts volbort bey verbörung des ampts. 
12) Wen einer im anipte verstorben unnd soll zur erden 
stetigt werden, der alsdan zur beigrafft sich nicht findet unnd doch 
gesandt ist, soll eine marck verhöret haben. 
13) Item so ein meister einen jungen annimbt, der sol vier juh*" 
lernen unnd zwei jhar bei demselben meister arbeiten vor einC^ 
gesellen. 
14) So auch ein gesell aus Teütschlandt in’s landt kerne, dC 
soll erstlich bei einem meister ein jharlangk vor einen gesellcfj 
arbeiten, so er ferner gedencket alhier meister zu werden unn 
alsdan des ampts wille machen, wie die vorigen vermuge diesc^ 
itzigen schragens vor ihm gethan haben. 
15) Item so eine tonne zu klein gemacht were, die soll 
in stucken schlagen unnd soll einem erbarn rathe und dem 
in poen zwo marck verfallenn sein. 
16) So aber eine tonne zu gros ist, so soll man einen stu 
entzwey hawen unnd einen andern rechten staff wider einsetzc*^’ 
der zu masse ist, unnd soll der Verbrecher eine marck darfur 
straffe geben. 
17) Item es soll keiner dem andern seine gesellen oder junfí^ 
abspannen hinter seinem wissen unnd willen, uund so es erfuc^^^ 
wirdt, soll der meister drey marck unnd der geselle zwo inuf*- 
verbrochen haben. 
18) Auch soll kein meister dem andern einen gesellen 
mieden, ehe dan seine jharzeit umb ist, oder der meister soll ' 
bortt haben drey marck und der geselle 2 marck. 
19) ' Item so ein gesell dem meister nicht lenger dienen 
oder der meister ihnen nicht lenger behalten will, sol einer ‘ 
andernn ein vierteill jhares vor der zeitt auffsagen, so aber sc)lc 
von beiden parten nicht geschege, soll der so bruchfelligk befu'i 
wirt, drei marck verhöret haben. 
* Von anderer Hand 21.
        <pb n="287" />
        Böttcher. 
267 
20) Item SO sich ein meister wurde in unserm ampte befreien 
einer person, die beruchtiget were, oder wurde beruchtiget 
^•ind sich des nicht entlegen konte, der soll des anipts verfallen sein. 
21) Imgleichen so ein meister eine persone nheme, welche 
'Onerhalb gebuerender zeit oder sonst zu fro queme, so soll 
das ampt unnd die bruderschaft meiden, es mochte dan ge- 
^^helien durch vorbitte, das sie sich mit den amptherrn unnd dem 
^^pte vertragen mochte. 
22) ' Item so etwa in dem boddekerampte bönhasen vorhanden 
''^^en unnd hetten nicht amptsgerechtigkeit gethan soll solches dem 
^^ptherrn kundt gethan unnd nach verhör unnd erkentnus der- 
^^Iben, ob die besuchung zuzulassen oder nicht, uhrlaub von ihren 
gebetenn unnd genommen werden. 
^3) Wan auch ein ampt mit den eltisten zusammen ist, unnd 
oder mher der amptbrueder sich mit wörten oder wercken 
^^thwilligk anstellen unnd unlust anregen wurde, soll dem amjjte 
marck verhöret haben. 
24) Begebe sich auch, das einer mit frevell 
dem ampte gienge, ohne des eltermans wissen 
Sechs marck verbrochen haben. 
oder muthwillig 
und willen, der 
^5) Gleichergestalt so ein geselle von seinem meister freventlich 
“""'1 muthwilligk scheiden thette, derselbe soll in straffe eines 
talers verfallen sein. 
Da sichs auch zutragen wurde, das ein Undeutscher holtz 
kauffe bringen unnd geldt daruff begeren wurde, so soll derselbe 
lister, dem solch holtz angebotten wirdt, es den andern brüdern 
unnd kundt thun, das ein jeder bruder sein geldt mit zu- 
angesehen, das wer mit zuleget, auch mit zu teilen haben wirdt. 
j 27) Ferner soll dem handtwercke der boddeker gentzlich ver- 
^ sein jemanden zu gestatten sich in das amjjt ohne wissen 
^ulasz der amptherrn einzukeuffen. 
j Letzlich soll einem jeden meister ernstlich auferlegt unnd 
sein, seine tonnen unnd was er sonsten arbeitet, vor die 
l '^Kkeit also zu geben, das darüber einem erbarnn rathe oder 
(1¡*^. ^^'B^kernn keine klage komme, unnd wisse sich ein jeder 
^^^Is fur sch ade nn zu hueten. 
1 
anderer Hand 
19.
        <pb n="288" />
        268 
Böttcher. 
29) Unnd was also von obgeschriebenen brachen eingesamblet 
wirclt, darvon soll allewege der halbe teill einem erbarnn rathe 
heimfallen, die ander helflfte dem ampte bleiben, unnd soll davon 
allzeit nach ausgangk zweyer jharen, wan nhemblich ein newer 
elterman gekoren ist, stracks darnach den amptherrn richtige 
rechnung gethan werden. 
30) Zum beschlus will in allen obgeschriebenen punctenn unnd 
artickeln ein erbar rath die oberste handt behaltenn, dieselben 
jederzeit, so offt es nötigk unnd behueff, zu endernn, zu verniheren 
unnd zu mindern. Acta sunt haec 8. julii anno 1581. 
Joannes Tastius' secretarius 
manu propria subscripsi. 
18. Böttcher. 
Vorschläge betreffs Änderung der Amtskoste v. J. 1621. 
(Auszug aus einem Briefe des Rathsherrn Niclasz Barneke an Bürgcrmeis^^ 
Johann Ulrich (Riga) den 14. Februar 1623. Original, Papierfoliobogen, Wasser 
Zeichen: im bekrönten Schilde ein R.; briefsch. Siegel, im Stadtarchiv (äusscf 
Rathsarchiv) V, 2 Lemsaliensia, Depenbrocks Erben abf^ekau/tes Jus über ein 
Landes. Adresse: Herrn Johan Ulrich Bürgermeistergrosgünstigen Herrn Gefah*^*^ 
dienstlich.) 
Salutem et officia 
Magnifica dne. proconsul, confrater abservande. 
ln der Böddecher Schrägen de anno 1581 lautet der neun 
Articul, dasz ein antrettender Meister eine Ambtköste auszricht^^ 
dabeneben 20 Mark (worvon 10 Mark einem erb. Rathe heimfall®* ^ 
dem Ambte erlegen soll; dem zufolge ist die Ambtköste biszhef® 
cle 
von jedem ausgerichtet, und allen, auszer dem jüngsten, weit 
Übel' 
50 Thaler zumahl in diesen letzten theuren Jahren gekostet. 1^®*^ 
nach aber e. e. Rath etwa vor i'/a Jahr die Verordnung getM**' 
das an stat der Ambtköste ein genandtes Geldt nebst den 
kauifgeldern bei allen Ämbtern soll eingebracht und dafür \ 
an Korn geschaffet werden; als habe ich zusambt dem 
Johan Schröter* kurtz verschienen Tagen mit dem Ambte 
Böddecher folgende Meinung, jedoch auf Ratification e. e. Ha ^ 
berahmet; nemblich das hinfüro die Ambtköste gäntzlich sO 
abgeschaffet sein, und anstat derselben vom jungen Meister 
Í Böthführ, Die Rigische Rathslinie, Nr. 514. 
2 Ibid., Nr. 553. 
3 Ibid., Nr. 557.
        <pb n="289" />
        Böttcher. 
269 
Ambte 12 j baler eingelieffert werden, und weiln selbiges Ambt 
'*1 jüngst verfloszenen Jahren durch unterschiedtliche algemeine 
^uartalzulage etwa eine Summ von 200 Thalern eingesamblet 
dafür allerhandt Sachen an Todtendecke, Trinck- und ander 
Geschirr etc. dem Ambte zum besten gekauffet, darzu dan die 
^ünfftige junge Meister nichts conferiret, als sollen sie dafür und 
sie zugleich mit den vorigen schweren Unkosten ^ 
Anibtköste nunmehr ins meiste verschonet an stat der * 
^^hnten 20 Mark hinfüro ein jeder 20 Thaler, einbring ’ 
^arvon einem erb. Rathe die Helffte, nemblich 10 Thaler, zugewandt 
^^rden sollen, die andere Helffte der 10 Fhaler soll ^ des 
Anibts Elterman zusambt seinen Beisitzern nebst den vorgemeldten 
Thalern wegen abgeschaffter Ambtköste an Korn und nach 
l^^legenheit an Holtze dem Ambte zum besten an wenden und jähr- 
bei den * Amptherrn verrechnen. Uberdasz soll auch ein 
junger Meister der Kirchenordnung zu gute 2 Thaler beim 
Eintritt einlieifern, wodurch also die vorige grosze Verschwendung 
^%ehoben, das Ambt an stat der Ambtköste und 10 Mark nun- 
’^ehr 22 Thaler e. e. Rath auch an stat 10 Mark hinfüro 10 Thaler, 
. ^uch die Kirchenordnung 2 Thaler, so offt ein newer Meister 
^ l^öddecher Ambt eintritt, zu heben hat. 
^ei solcher Gelegenheit haben wir auch noch der Kirchenordnung 
Sute, welche vom gemeldtem Ambte jährlich mehr nicht den 
^ ^'irk gehabt, bedungen das es hinforth alle Jahr 30 Mark zu geben 
*^^®lobet und sich darzu, wiewol nicht ohn Schwerheit verpflichtet. 
Ob nun einem e. Rath diese unsere Wolmeinung gefallen 
^^hte oder in einem und anderm Punct zu endern bedacht were, 
. *chs zu deszelben hohen Discretion und reifflichen Bedencken, 
^^Grmercke ich inmittelst wol, da irgendt das Ambt sein 1 heill 
^ ^*'Von mit haben soll (als in puncto der 20 1 haler Einkauffgelde), 
2 ungeneigt, obbestimbte Summe lieber zu verhöhen dan zu 
‘^üern, damit ja nicht so leicht ohn sonderbahr Entgeltnis die 
Meistere ins Ambt einspringen und also beszere Conditiones, 
sie die Alten haben mugen. Wan nun desfals e. e. Raths 
/^'^cation oder Schlusz erfolget, als seind wir des Vorhabens, der 
und Kirchenordnung bestes bei anderen Ämbtern gleichfals 
'^iel müglich, und diese ytzige allerseits grosze Ungelegenheit 
Original am Rande abgerissen. 
* Gegenwart folgt, beide Worte sind aber ausgestrichen.
        <pb n="290" />
        Brauer, Bäcker, Knochenhauer und Schuhmacher. 
270 
tragen will, zu befördern. Sölten auch in einem oder dem andern 
Ambte universaliter oder in individuo particular (wie wol glaublich) 
Excessen empfunden werden, dieselben bitten wir unsz specihcc 
notificiren zu laszen, alsdan gebhürlichs Einsehen und Enderung 
pro (jualitati delicti ac deliniiuentis facúltate geschehen soll; Ssonsten 
uns als Menschen unmüglich, alle und jede handele zu errathen 
und unwiszende Dinge zu justificiren, si quidem nec ecclesia 
occultis judicat. 
(Das Eolgende berührt eine andere Sache). 
Stelle es zu ew. Magnif. und e. e. Raths beszern Nachdencken 
mit Ritte wegen der Röddecher Sache mir zeitigen Rescheidt von^ 
erb. Rathe auszen Rrothocoll zukommen zu laszen und geneigt 
bleiben. Datum den 14. Eebruar anno 1623. 
Ew. Magnif. dienstwilliger Niclasz Rarneke'. 
m. p. 
19. Brauer, Bäcker, Knochenhauer und 
Schuhmacher. 
Entscheidung des Erzb. Jasper und des OM. Wolter v. Plettenberg 
vom 28. Februar 1510. 
Archiv der Kleinen Gilde in Riga, Foliohand, in gepresstem Leder. Aufschüt^ 
Der kleinen Guide Schrägen, Privilegien et Ordnungen 1721, Nr. 13, S. 22 
Copie aus dem 18. Jahrh ; Ahg. E. hochdeutsche Übersetzung in d. Kig. 
1832, S. 394-98, 402-4; Vergl. ibid. S. 419-23. 
Wy Jasparus van Gadesz und desz Römischen stols gníRl^‘ 
der hyligen kercken to Riga ertzbischop und wy broder \Volt^*^ 
van Plettenberge, meister tho Ly ff lande Deitsches ordens, bekenn^' 
und betuigen apenbahr vor jedermänniglick, dat in dato deses brev 
na manigfoldigen, vlitigen vorgedanen ermanungen und ansecong 
unser leven getruwen börgermeistern und rahtmannen initsad 
den brodern beyder gildestaven unser beyder hern Stadt Rig't 
weliker twist und twedrechtichheit lialven so lange tydt beth ^ ^ 
to tuschen beyden vorbenömeden parten gerastet, dessulvigen :tlh) 
to Wenden na unser beyder gedanen verschrievinge vor uns/ 
sehen syn, und ein jewelick van de vorbestemmede beiden 
syn gebreck, anliggen und schelunge eröpent und entdecket 
düszer nageschreven wysze; namptlick: 
i) Int erste angande dat bruwwerck in unser Stadt Riga 
rC' 
meldt, dar sick de raht und bröder des groten gildestaven 
saiaf^' 
1 Böthführ, Die kigische Rathslinie, Nr. 556.
        <pb n="291" />
        Brauer, Bäcker, Knochenhauer und Schuhmacher. 
2/1 
jegen de broder des klenen gildestaven don beklagen, wo desul- 
broder des klenen gildestaven im negst vergangenen jahr, man- 
na letare (19. März), binnen Riga vor dem rade darsülvest in 
S^genwardicheit des Herren huisscomturs mit den brodern des groten 
g'^destavens aver eingekamen und ingegan syn sollen, dat na der- 
sulvigen tydt neemand beereder mede bruwen solde, he wehre dan 
broder in beyden gildestaven, und ein besitter eines amptes, na 
'vermöge und inholde unser bey der Herren vorgedaner afifspracke. 
2) 1 om andern mahle, dat ein jewelick, de dar beer edder mede 
•■^Wen und nit spunden will, de solde nicht macht hebben syn beer 
mede by kannen buten buses to vertappen by der poene, 
'^tup gesät, mit mehr puncten und articulen dat bruwwerck belan- 
hier na nith gedruckt und vermeldet. 
3) Tom drüdden mahle, dat gesette der knakenhouwerambt 
•^^iangend. 
4) Tom Verden mahle, dat schomakerhandtwerck und ere gesette 
^'^^repende etc. 
5) 1 Om vefften mahle, de ordnunge und schucklicheit des becker- 
’^^ts. Darentegen sick de broder des klenen gildestaven behelpen 
sprecken, se sodan vorgerörte articule nicht belehvet edder be- 
^^^^ordet besunder allewege wedderstrevig und sick dar entgegen 
^ hebben, in vaster menunge bey der Kerckholmischen vor- 
j. Und vorgerördem affsj/racke to blieven. Na vlitiger verhö- 
jj ^^eyder upgemelter j)arte rede und wedderrede, ock gründt- 
^ Uvertrachtunge und notturfftiger bewegunge aller upgemelter 
Ucte befunden und anmercken, dat under itzt genanten part ennicht 
^ Butter und drechlicker sy, dan leve, eindracht und fründt- 
^ Ock vermehrunge des gemeinen besten, dar \vy dan na 
l_^'‘schunge der rede und billigheit halven hier gegenwardig in 
Und macht dusses unses versegelden breves uithsprecken 
''Uste geholden hebben willen düsze nageschrevenn gesette. 
tl'i urste, so soll nemand beer edder mede bruwen, he S) 
^¡n ^^roder edder süster in beyden gildestaven edder besitter 
^ umptes na vermöge unsers vor gedahnen aifsprockes. 
(j(j ^ t)m amlern male, dat nemands, he sy we he w olle, na 
1)(&gt; ^uge, dem dar to bruwen und uitspunden verlövet is, 
^ ^^Ider mede buten buses by kannen vertappen soll by der 
h(.j ^ brocke van dem rahde dar aver gesät, und van vasz 
tQ •&gt;esonder war ein jewelick bynnen buses vertappen will 
^Uturfft siner und siner gaste und derjennen, de to em kamen.
        <pb n="292" />
        272 
Brauer, Bäcker, Knochenhauer und Schuhmacher. 
soll he mächtig syn to donde, und soll nemand vortan na düssen 
dagen meer hruwen dan tor wecken eyns und elven seckc tor 
tydt by dem brocke vorgerörth, und des rahdes dener sollen sK' 
des bruens gäntzlich affdon und entholden. 
3) Tom drüdden mahle, sollen sick de knakenhouwer in diisze'" 
nageschreven wiese und nicht anders verhohlen, nomptlick 
erste, soll neyn knakenhouwer binnen seinem husze sülvest, 
sonder up dem küterhave den küter schlachten laten, und dar per 
sönlick jegenwardig sin, und sal gantz gutt, gesund und ghene 
queck wesen, und sollen alle vleschdage up ehren laden vlesc 
tho kope hebben, und to jewelicken lade sollen se alle vleschdage 
schlachten eyn rind und nicht mehr, eth wehre dan in nohtsackea. 
also, wanner die schepe ankomen und der gelycken, und sollej^ 
doch to voren den ambtherrn vorwitlicken und kund don, ria 
ein jewelick knakenhouwer soll in seinem lade personlicken staO' 
und nenen jungen, undeutschen knecht elfte huiszfrauwen dat flese 
verkopen Iahten. Und dat se schlachten laten des sonnavea^’ 
sollen se des dingstages nicht to kope hebben, und dat se schlaf 
ten des dinxtages, sollen se nicht des donnerstages to kope hebb^a, 
und dat se schlachten des donnerstages, sollen se up den 
folgenden sondag nicht to kope hebben, und also van 
tyden durch dat gantze Jahre, unde so sunderlick by sommerd^^ 
edder heten tyden, alsz dat vlesch verderlflick isz, und mit 
(juecke to kopen, sollen se sick holden und richten na der 
sprake. Ock sollen se dat geschlachtete vlesch in sodanen kop^ 
geven na verlope der tyde des Jahres, wente vor Jahres, 
und wynters tyden in düssen dingen nicht gelick geachtet wer 
dea- 
rea’ 
des 
ite 
doch sollen de amptherren van dem rahde, dar to gesettet, by ee 
eeden hyr eyn getrewe und vlietich upseent to hebben unde 
sorgen dregen. Und soll nemand in der knackenhouweraiaP^^ 
wesen, he hebbe dan tom ersten de börgeschop gewunneU 
börgerrechte, und den kop der ochsen edder kohtungen, seha 
und lammes hauede sollen die werckherren selten und ordcnea^^ 
4) Tom verden male, dat schomackerampt belangende W&gt; 
wy vorbenömenden beiden herren it darmede also geholden h^ 
dat se vortan er handtwerck also fordern und donen, -ggcr 
eerer nemands beklagen darve, wente man nigerlege klagte r 
handtwercker halven to velen tyden an unsz gelanget sy 
sollen vorth eyn paar mansscho mit dubbelden salen vor ^ 
und mit einsichtigen salen vor achte Schillinge geven, un‘
        <pb n="293" />
        Brauer, Bäcker, Knochenhauer und Schuhmacher. 
273 
paar jungenscho mit einfachtigen salen vor sösze und mit dobbel- 
salen vor negen Schillinge, und ein schlicht paar huszknechte- 
scho vor acht Schillinge, we se gröter hebben will, betale se na 
gröte, ock sollen se geven ein paar manspantoffeln vor twelflf 
^^hillingg^ aber frawenpantoffeln, schlicht und recht, sullen se geven 
paar vor einen ferding, und ein paar frauwenpantofifeln, mit 
^^Idschnüren geschmücket, sollen se nicht durer geven den eine 
hal 
marck. Ock sollen de ambtherren kinder und kleiner Jungen 
Setten na der werde. Ock sull neen schomackerknecht seyn 
^^vnstherr werden 
. wv-iucii in der schomackerambte, he hebbe dan van 
^^ste de börgerschop na börger rechte erövert unde gewunnen 
neen schomacker in der stadt Riga dat ambt driven, se sy 
erst in dat ambt entfangen. Würde imands van een in düsser 
^'"dnunge und gesette bröckfallig befunden edder beschlagen, de 
^em rahte und ambte verfallen sin dre marck Rigisch, wert he 
. dren mahlen hirinnen begrepen, sali he des ambtes ein 
^ l^ng missen, et sy danne, da wy beyden herren vorgenömbt 
gnade bewiesen willen. Des hebben wy beyden herren ein- 
^ ^^iglicken deszen ambte to frommen und profite ingesat und 
^^^n in krafft deses breves, dat neen kopman frömbde scho edder 
^ *^^offeln binnen unser stadt Riga verkopen sali. W y setten ock 
^ ^^denen hir jegenwardig, dat vortan de becker binnen unser 
Higa, de weyte sy wol vele edder dure de wol vele der 
to bate, den wegge von trelff lohden swar maken und 
"'^ege to backen verpflichtet syn sollen. Worde jemand van 
q ^ ^iGrinne vorsümelick gefunden, sali sines amptes entbracken 
Unser beyder herren erkändtlicke straffe vorfallen S) n. Ock 
Ij^r *^^uiandt van frömbden gesellen, de neen börgergelt hebben, 
S^*‘nähringe driven und handelen na older herkumpt. 
(lese vorgeschrevene puñete und arfikele willen wy vor 
in beyden herren allenthalven undt van jedermänniglicken 
Stadt Riga stede, vest und unverbracken geholden hebben, 
(¡q jemand dar entegen donde edder handlen würde mit wor- 
Hq , wercken, hemelick effte apenbahr, de sali in unser penn 
tq straffe (angesehen wy nicht alle wege eres hadders und kyves 
hqq^l'^^^hlichten gewarden können) vorfallen syn, doch in unseren 
Ha ^^uholden alle desze vorgeschreven puñete und artikele, 
Uq . ^^tvandelinge der tydt und jahre, so vaken unsz dat belevet 
Van 1 . ,I _ ........ro fr» 
to 
nöden to synde gutt düncket, to verwandelende to edder 
Setten. 
Des in orkunden und meerer bevestinge und tüch- 
18
        <pb n="294" />
        274 
Bressmacher, Büchsenmacher-Gesellen, Büchsenmacher. 
müsse (1er Wahrheit hebben wy up gemelten beyden herren unö« 
imgesegele rechtes wetens clon hangen benedeien an (lesen bree , 
gegeven und geschreven isz to Wenden am donrdage ^ 
sondage reminiscere (28. Febr.) na Christi unsers erren gcho 
veffteyn hundert und teyen jahr. 
( 
L. S. pens 
archiepiscopi, 
) 
( 
L. S. pens 
Heermeisters 
) 
Dasz diese Copia in fleiszeger Conferiung mit dem w»’'' 
Original demselben van Wort zu Wort in allen gleichlautend 
befunden worden, solches bezeuge ich der Warheit zu Steur 
Krafft meines eigenhencligen Nahmensunterschrifft und vorgech 
ten Notariatsiegels von den H. H. Elterleuten der kleinen O“ ^ 
Hans Hartelss und Hans 1-rieben darumb Ampts wegen ersuc 
Im Jahr nach Christi Geburt 1665 den 3. Juny. 
Stephanus DerenthalK 
Notarius publicus, manu propris- 
(L. S.) 
Bressmacher. 
Schrägen vom Jahre 1512. 
s. Gürtler und Bressmacher vom Jahre 1512. 
Büchsenmacher-Gesellen. 
Schrägen vom Jahre 1581. 
s. Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und Uhrmacher-Gese 
vom Jahre 1581. 
Büchsenmacher. 
Schrägen vom Jahre 1593- 
s. Schlosser, Sporer, Büchsenmacher und l'hrmacher vom Jahm 
(59)'
        <pb n="295" />
        Fischer. 
275 
20. Fischer. 
Schrägen aus den Jahren i403(.''), 1581, 1606. 
Schragenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga» hl. ii8b 120. 2. Ab- 
in d. Lade des Fischeramts, Pergamentheft, 29 cm. hoch, 20 cm. breit, aus 
ty. Jahrh. Abg. Liv-, Est- und Curländ. Urkb., Bd. 4, Nr. 1524* 
Der fischer schrägen. 
inn denn nahmenn unses herrenn Jesu Christi, amen. Mit der 
*^^cht unses herren Jesu Christi, wenn wy stahnn vor dem strengen 
•chte Gades unde antworde schollen geven vor dat gude unnde 
l^ade, dat unse sündige licham hegahn heft, alse dat grote richte 
dem jüngsten dage aver uns geith, wen sick hemmel unde erde 
^^heiden schall, und unse licham sick' vullenkahmlicken apenbahret 
dat hogeste richte Gades. Hierumme gy leven brödere* 
^Bcket an dat voregesprakene strenge richte Gades bet, amen, 
hebben wy in de eere des billigen crützes eine löfifliche broder- 
und ene gilde begundt, de erst upgenahmen unde bestediget 
^ den visschers, alse von den bedervenn lüden ^ Asacke, Lickalle 
ude Naykume®, upe dat alle unse seelen woll bewahret synn, so 
wy desze broderschop begundt by uns unde by unseren 
"^^lahren® unde laven stede unde faste tho holdende, alse hierna 
^^schreven steidt. 
I)' Tho dem« mahle oft ein broder" stervet over vyflf mylen 
^ schlogen werth edder verdrincket'®, denn schall me halen aver 
"lylen by des glides willköhr, helft he nicht, dat me ene mach 
bringen, so schall me nehmen so vele van dem kemmerer, 
Ule ene suverlicken mach tho grove bringen, 
y dat aver sake, dat " dar ein broder by isz, de schall eme also 
Uti ^ unnde wesen beholpenn, dat he kahme tho der Kige, 
^ Uehmen denne wedder van dem kemmerer. 
L der 2. Abschrift steht: suwerlick und statt sick. 
• s. w. 
^ U)id. folgt von. 
j. o/derluden. 
Q ^facke, Lykase und Nayküm. 
j U)id. V'^orf hären. 
g ^'ie Numeration der Artikel fand sich vor. 
Il&gt;id. ersten. 
10 de verreiset iss tho fischen und syn brodt tho erwerwen. 
t, ***l‘l- folgt so he nichtes hejft. 
Il&gt;i&lt;l. folgt dar. 
lö*
        <pb n="296" />
        2/6 
Fischer. 
2) Fortmehr weret sake, dat ein broder worde fangenn, d^rn 
scholen de brödere menlicken tho hulpe kahmen mit einem sac^^ 
soltis, unde weret, dat he wedder (|ueme, so schall he fry heb 
de druncke dat erste jhar K 
3) Vortmehr ein iszlick schall by dee Steven wesen by sosz 
marckpundt wasses, de da sindt up twe mylen nah. ^ 
4) Vortmehr also ofte, alse men kündiget tho der missen* 
kohmende, de dar nicht en kumpt, de schall beteren eine 
wasses; ock wen ein broder doet isz, van unsen bröderen m 
uth der Stadt tho teilende by sösz marckpundt wasses». 
5) Vortmehr de tho bygrafft nicht en kumbt, de schall betet 
idt 
eine marck^ waszes. 
6) Vortmehr dat licht, dat dar isz in der capeile, dat 
wy schuldig tho beterende in de ere unser leven vrouwen un 
des billigen crutzes. 
y)5 Vortmehr we den olderman övel® handelt mit 
edder mit wercken, de schall beteren ein liszpundt waszes 
oldermanne’, den bysittern ein halffpundt waszes, we den kem^^^ 
rer vortörnet, ein halff pundt waszes, we de gerdelude vortor 
de schall beteren einen ferdingk». 
8) Vortmehr we der druncke also vele tho sick nimbt, 
y dt weddergifft binnen der dörntzen, de schall betern eine 
waszes, in deme huse ein halff marckpundt, in deme have^^ 
ferdingk up gnade. We up der straten weddergifft, dat ge» 
syne eigene eere. 
9) We einen becker steldt, de schall den becker be 
dartho der kumpany empehren 
10) Welck broder" eine versamlinge makede jegen de ta 
„nnrl nnrecht wehre, de scholde beteren dem oldermanne 
1 In der 2. Abschrift folgt in der gylden. 
2 Ibid, kercken. r 
3 Ihid. der letzte Satz von ock fehlt hier. Im Schragenb. d. Gesellscti. 
u. Altert, in Riga ist auch vor diesen Satz die Ziffer 5 ge.setzt. 
4 Ibid, marckpundt. Der Satz von ock folgt jetzt. 
5 Ibid, dieser Artikel folgt nach Artikel 4. 
ü Ibid, wer wedder dem oldcnnan handelt. 
7 Ibid, fehlt. 
8 Ibid, der Satz we de gerdelude u. s, w fehlt hier. 
9 Ibid, marckpundt. 
19 Ibid, enthcren. 
11 Ibid, briider fehlt.
        <pb n="297" />
        Fischer. 277 
dem bysitter eine halve march, juwelicken broder einen 
Mingk. 
11) Vortmehr were dar jemandt, de den anderen schölde schalck 
offte bove edder den anderen bloth eilte blauw schloge, dat helft 
vaget tho richtende. 
12) Vortmehr were dar jemandt, dede sick vordretlicken teerde 
^nde Wolde sick nicht underwysen lathen mit guden worden, den 
men under dat kuwen setten, bett so lange, dat he borgen 
settet. 
^3) Vortmehr were dar jemandt, dede sulffander queme vor 
taflfele, dede schellinge hadden, dejenne, de schuldt heft, sali 
^^Sen settenn. 
H)’ Vortmehr so sindt wy plichtigk dat altar des hilligen 
J^^tzes tho holdende in de eere des hilligen crutzes und ein jowelck 
^^^der Sick dar by tho bewysende alse he will, dat eme dat billige 
tho hulpe kahmen schall. 
^5) Vortmehr were dar jemandt von unsen broderen, dede 
'^'^temelicke dingk bedrewe, alse* dat he Scheldt edder anders was, 
vaken he ydt dede, schall he beteren eine marck waszes. 
Vortmehr were dar jemandt, de beveydet wehre, dat he 
uth der cumpanye nicht gähn dorffte, deme schall de older 
twe uth den broderen met dohn, de en beleiden bet in S} n husz. 
*7) Vortmehr wen de schrae gelesen isz, so schall de alder 
, ^pstahn unde fragen den broderen, wer* se de schräge ock 
willen, alse se geschreven isz, weret, dat dar jemandt wehre, 
sch^ schrahe nicht^ vullendede unde nicht holden wolde, de 
^ dar buten der cumpanye blyven. 
Vortmehr weret, dat ein van unsen broderen sjnn w)ff 
unde he ene andere wedder nehme, dar sch.dl he vor 
^'ve schilling in tho gahnde. 
^9) Vortmehr we unse broder werden will, de schall geven 
firdingk in tho gahnde. 
Kamk K. HussmansHand: 
g thor kerckenordnunf^e geven. 
g 2. Abschrift: dabe¡ fui! (spei}). 
ein VI brödcre. 
5 I&gt;)i(i. öft. 
nicht holden wolde.
        <pb n="298" />
        2/8 
Fuhrleute. 
20) Desse broderschop bede wy stede un de f aste tho holdcnd^ 
einem iszlicken broder, aise he rede will gevenn tho deme* jungst^^” 
dage, wen sick seele unde ly ff schall scheelen. Darenbaven behekl*^ 
de ehrwerdige rath deszer Stadt de overste handt. 
21) Item so schölen wy de stewen holden des mandages 0^ 
unser fruwen dage*. 
Diesse schra ist van wordt to worden uth dem rechten oldesten 
original copieret und affgeschrewen im jar na der saligen gebetie 
dieden gebort unsers herren unde heilandes Jesu Christi (hisen^ 
vifhundert ein unde achtentich; und sind domáis olderman 
oldesten gewesen disse folgende menner: Michel Rodtsith, okk^ 
man, Laurentz Boye, Sogis, Jacob Pirxtinckx, klockmans, Jac^ 
Klinck, Thomas Schran, Martin Schrab und Michel Werschei, be)’ 
starosten des amptes. ^ 
Anno 1606 ist diese schra in diesem bocke geschrewen, 
sind domáis olderman unde oldesten gewesen: Casper Boye, 
man, Peter Dippens, Sogis, Klawing Raussis, klockman, 
Dotting, kemmerer und Thomas Packeihuse, Pawel Biggul ao 
Otto Weggis. ^ 
Diese schra ist eine alte schra, wen sie ist gegeven, ka 
man nicht uth den olden monumentis haben, dieweil sie gantz ' ^ 
mokiert sein gewesen, awer uth den olden verzeichenissen hn 
man, das ein gil de geholden sy anno Christi 1403. 
21. Fuhrleute. 
Schrägen vom 3. Juni 1605. 
Scliragenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, RI. 154 —156. 
Der Fuhrleute Schragenn. 
Eins erbarn Raths der Stat Riga jetziger Zeitt veror^^^ 
Amptherren Cerhardt Maneke undt Dietrich Rigeman uhrki"^^^^^ 
hiemit für allermänniglich, in Sonderheit denehn daran 
das auff unterthänigs Suppliciren der sämptlichen jetzijg^^ 
wesende Unteutschen Fuhrleute ein erbahr, hochweiser Bath 
1 In der 2. Abschrift ; am statt tho deute. | 
2 Die folgenden Inscriptionen sind der oben cilirten Abschrift (•" 
des Fischeramtes) entlehnt, wo sie sicli unmittelbar dem Schrägen anschli&lt;’®‘ 
wie den Schrägen hat dieselbe Hand des 17. Jahrhunderts geschrieben.
        <pb n="299" />
        Fuhrleute. 
279 
bewegen laszen, demselbigen eine Amptzunfft-vSchragen oder ge- 
^chloszene Gilde und Brüderschafft zu gönnen, zu geben undt zu 
^^("leihen, inniaszenn wier ihnen dan dieselb hiemit und krafft dieses 
gönnen undt verleihen folgender Gestalt undt also: 
0 Das hinfuehro niemandt unterstehen soll zu fürwercken, er 
dan das Ambt bei Elterleuten, Eltisten und Beisitzern gefürdert 
erwiesenn, das er alhie in Riga einem Bürger sieben Jahre 
fuer einen jungen oder Knecht getreuwlich undt erbahrlich 
S^ienet. Wan solcher Beweis dem Elterman, Eltisten undt Bei- 
'^'^zern dagethan, so soll die Eschung angenommen und derselb, so 
^ ^mpt fördert, zehen Thaler ins Ambt zuentrichten schüldigk 
worvon der Elterman die Helffte als 5 Thaler also baldt dem 
Zeit wesenden Amptherren getrewlich entrichten sol bey 
^^*'hlust seiner Eltermanschafft, die andere Helffte soll in des 
Lade gelegt und dem Ambte und Brüderschafft zu gutt an 
orns Vorrath angewandt aber keines weges verschwendet oder 
^^[Praszet werden, undt sol der Elterman sambt den Eltisten undt 
^^'Sitzeren jährlich uff sanct Martini den Ambtherren von solchenn 
^^»■rath richtige Rechenschafft undt Bescheidt zuleisten schüldig 
i&gt;ei Strafe 10 Pfund Wachs. 
^ Des Sol ein jeglicher neuw ahntretender Bruder, wann er das 
^ '^Pt gefurdert undt den Einkauff der zehen Thaler entrichtet, 
Ampte eine Tonne Bier und einen Schincken sambt so viel 
als dazue nöttigk, zur Ambtkost zu entrichten schüldigk sein, 
^ darüber mit fernem undt mehrern Unkosten keins wegs 
^^^schweret werden, inmaszen dan uff Umbfrage der Amptherren 
jüngsten Brüdere vor den Ambtherren bey ihrem Eide sich 
"'aierklehren undt auff den Fal der Verbrechung eine nahm- 
Straffe zuerlegen schüldig sein sollen. 
\j. ^um Andern, so soll das gantze Ambt jährlich auff sanct 
ZUq Unterhaltung des heiligen Evangelii undt Wortes (lOttcs 
Blechen Ordnung zuentrichten schüldigk sein zehen Marek. 
^er Dritten, mügen Elterleute, Eheste und Beysitzere sambt 
llrüderschafft uff sanct Martinitagk jährlich ihre Gilde undt 
Zusamenkunfft halten, undt sollen daselbst alle (,ebreche 
^nibts der Brüderschafft fuergetragen undt angezeigt, von 
^ auch was müglich undt gebuehrlich verabscheidet, was aber 
^'^ütigkeit an die Ambtherrn verschoben werden. Es so 
üle (lilde nicht über zwee Tage erstrecket werden, undt sollen
        <pb n="300" />
        28o 
Fuhrleute. 
(lie jüngsten Brüder den Eltisten aufwarten und sich allerseits sit- 
sahm, gebührlich und redlich verhakten. 
4) Zum Vierten, sollen keine frembde Fuhrleute, insonderheit 
die Ehesten wie bies dahero misbreuchlich geschehen, ohne Fuhre 
oder Ladung anhero kommen zue dero Meinung, das sie 
Laden oder dem Ambt die Nahrung abschricken wollen, besonder 
der seine Ladung anhero brenget undt der Rechung oder der 
Värrätherey, wie leider bis dahero in viel Wege gespüeret worden, 
nicht verdechtigk ist, der magk alhie wol wiederumb laden, 
dan die unseren anderswo dergleichen Freiheit wieder haben sollen 
5) Zum Fünfften, mügen die Hrüdere dieser Gilde für Freinbden 
den Vorzugk haben, von den Ausheimischen, so von der W dn» 
oder anders wohero kommen, wegen Ställen oder Räder zu kauffen, 
jedoch der Freiheit unsere Bürgere undt Einwohnere der Sta‘ 
Riga zue ihr keinem Vorfangk. 
6) Zum Sechsten, soll kein Fuhrman dem andern nach gedungen^ 
undt geschloszener Fuhr Unterkauff thuen bei zehen Marek, so 
das geschiehet. 
7) Zum Siebenden, wan ein ehrbahr Rath der Fuhrleute nött% 
hat und auff Befehlig des Herrn Stadt-Chemmers oder Ampthccttt 
der Elterman solchs denn gemeinen Brüdern kundt thuen les^^t, 
so sollen sie dem Elterman gehorsamen bei Verlust 5 Marek. 
8) Zum Achten, sollen die Henflfschwingere, Liggers, 
gere, Fohrleute und andere, so sich in der Fuhrleute Gilde 
eingekaufft, auszerhalb ihrer eigenen Hauses Notturift den 
leuten zue Vörfangk keine Pferde kauffen bei Verbörung ^ 
Pferde, jedoch uff Frkentnis der Ambtherren. 
9) Zum Neunden, sollen die jungen Brudere den eltisten 
horsamb sein, und die chisten sollen ihnen auch mitt aller 
fuergehen. ^ 
10) Zum Zehenden, würde auch ihr einer aus dieser Gilde 
Alter oder andere Zufelle in Ahrmut gerathenn, so sollen H ^ 
die andern Gildenbrüder aus ihrer Lade oder sonst zue 
kommen. 
ii) Zum, Eliften wan auch ein Gildenbruder oder 
Schwester oder ihre Kinder sterben undt 
iret 
zue Erden bcstet'^^^ 
werden, so sollen allen Gildenbrüdere und Schwestere, di^ ^ 
undt stehen können, der Leiche folgen bey drey Marek Stra
        <pb n="301" />
        Fuhrleute. 
281 
*2) Zum Zwölfiften, wen ein Knecht, der seinem Herrn ehrliche 
jahr lang gedienet, eines Gildenbruders Tochter oder Witwe 
Ehe gedencket zu nehmen, so sol er des siebenden Dienst- 
erlaszen werden unndt über dreiszigk Marek sambt dem 
und anderen obgedachten Victualien dem Anibt nichtes zu 
S^ben schuldigk sein, des sol der Rath die Heißte von denn 
•"^iszigk Marcken haben. 
^3) Zum Dreyzehenden: Die Elterleute sollen alle zwe Jahre 
|"^bgekohren werden, undt wan die Alten abgehen, sollen sie in 
wahrt der Eltisten und Keisitzere den Ambherrn Rechnung 
^buen schuldigk sein bei funflftzigk Marek. 
H) Zum Vierzehenden: Ein Fuhrjunge oder Knecht, der einem 
^^ucler dieser Gilde sechs Jahr lang gedienet, mag ebenmäszigk 
^ geschriebener Gestalt, als wan er einem Bürger in der Stadt 
^^(lienet, zum Ambt fuer einen vollenkommenen Bruder befördert 
•"den, Wan er thuet, was andere fuer ihme gethan. 
^ .. bS) Zum Funffzehenden: Wer mit einhelliger Bewilliegung der 
^ ^derschafft zum Elterman gekohren wirdt, des sol sich deszen 
^‘^bt wegern bey drey Marek, undt magk der Elterman sambt 
jij ^bisten undt Beysietzern an stath der Verstorbenen andere 
^ und Beisitzere auch den Umbleuffer, welcher zu jeder Zeit 
jüngste Gildebruder sein soll, erwehlenn. 
^ fö) Zum Sechzehenden sollen fuer und für nebenst einem Elter- 
Eltisten und zwe Beisitzere sein undt bleiben, und sol 
ji. diesem Schragenn der Freyheit unser Bürgerschafft mit dem 
^^''^^i'cken nichtes benommen, und einem erbahren Rath diesen 
hai zu mindern, zu mehren und gar abzuthuen vorbe- 
sein. 
bihrkundt mit unsers Obernsecretarii Handt unterschrieben, 
u^ben den dritten Junii Anno Domini tausendt sechs- 
und fön ff.
        <pb n="302" />
        282 
Gerber und Schuhmacher. Glaser. 
22. Gerber und Schuhmacher. 
Rathsverordnung ums Jahr 1280. 
Stadt-Arch. in Ri^a, Der älteste Codex des umgcarbeiteten rigischen Stad* 
rechts, Perjjamentband mit Richenholzdeckeln, die mit Leder überzogen sind, 33 ^ 
hoch, 23 cm. breit. Hl. 57 b. Abg. Monum. Livon. antiq. Hd 4, S. CCCIV—CC 
u. Livl-, Est- und Curländ. Urkb. Bd. I, Nr. 471. 
Dit is (lat recht der gerwere und schomekere. 
1) Nein gerwere sal leder vorkopen, dat men binnen dere 
worken schal, et ne si drovge, mer buten der stad mach he 
kopen na siner nut, drovge oder nat. 
2) Vortmer en schal nein schomekere mer gern, den he selves 
Vorwerken mach. 
3) Und ne sal nen leder vorcoupen bi gantzen hüden '. 
4) Oc (jueme hir leder in de stat, dat mit birkeme lo 
were, des ne sal men hir nicht werken h 
5) Oc en schal men nicht gern mit birkeme loe und nirn g^^ 
sunder in des stades gerhus. 
6) Swe disser rechte yenich breke, de schal dat beteren ^ 
(Iren marken penninghe, alse dicke, alse he breket. 
23. Glaser. 
Amtsentscheidung vom Jahre 1539. 
Lade des Glaseramts in Riga. Mit nachfolgender Aufzeichnung beginnt das A 
buch der Glaser, in gepresstem Leder mit einer Messingschliesse, 21 cm. hoch, 
breit. Das 1 ist in einer schönen Initiale, welche W. Neumann im „Mid^ 
liehen Riga“ reproducirt hat, dargestellt. ^ 
ln dem jar 1539 sint wy glasemakers samtlyken 
ghekomen, dat wy dem erbaren rade anlangen wolden, dat sc 
unse ghebreke wandelen wolden, der wy den ne welle haddef 
dat mall, wente dar vas nen gheselle, de synen mester ly^k 
recht dede, so hebben se twe ghekaren, de eme de sake 
dryven scholden an dem erbaren rade myt namen Jacop 
Herenth Helms; wy bey den hebben dar na ghelo])en twe jar 
van den eyn tho den anderen unde etlyke mall tho tá*) 
1 Dieser Artikel ist ein späterer Zusatz.
        <pb n="303" />
        Glaser. 
283 
Shevest, er wy yd erlangen konclen; wecken by wecken, ja dach 
y dagen, myt grôtter moeyge unde geltspyldynge vente int jar 
^541, do erlange de wy yd noch ersten de mesters myt namen, 
^ tlo weren na older: Hans Tydeman, Jacop Stenwedder, Lam- 
Lyppe, Jacop Branth, Herent Helms, Peter Wente, so sint wy 
olderluden ghebleven, Jacop Branth unde Berenth Helms, 
bysytter, so is yd also belevet, dat men alle twe jar ennen 
bysitter kesen schall, unde de olde bysitter schall olderman 
God geve, dat wy unde unse nakoemelynge so truvelyken 
^ffer holden, als wy yd vervorven hebben unde myt groetten 
Amen et amen. 
dar 
^•ytte. 
24. 
Glaser. 
Schrägen vom 2. August 1541. 
Schrafrcnb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Bl. 88-91. 
Der glaser schragenn. 
g Allen ünnd itzlichen den gegen wertigen und thokümpftigen 
^ bündt unnd apenbare tho ewiger der saken gedechtnüs. ISach- 
^nd alszdenne diese Stadt Rige van erster eh rer plantinge 
da^i*^ ^'^^^winge van jahren tho jaren bet an diesen gegenwertigen 
^ich^ gnaden des Almechtigen an volck unnd gudern merck- 
^^^genomen ock noch daglikes, so woll an handtwercksluden 
- ^ ^°pluden, wasset und thonimptt und aver etlike van den 
bandtwercksludenn, sonderlich de glaser, sich gegen uns, 
unnd rathmannen obgemelter Stadt Rige, beklagt 
'vo en in eh rer neringe und berginge kein geringe aftoch, 
schade geschehe, ock dat se schwerlick gesellen 
1^0 '^^Ick Up er amj)t unnd handtwerck bekamen und beholden 
^ck gar weinigk gehors by densulvigen hebben, uth den 
(j^dç se glichst den andern emptern mit schrägen und 
wornha se sick richten und allerley gebreke up crem 
^'i^lerholden mögen, nicht bewedmet, vorsorget unnd vcr- 
derhalven se sick up unser ratification unnd verwilli- 
hçi^^^ ^'^((cr malckander nachfolgender schräge und ordeninge 
unnd vereiniget und uns de in rathsversamblung praesen- 
Sç gantz dienstlickem und flitigem bidden en desulvige, so 
^'^’■gestalt und also gefellich were, tho conftrmiren unnd 
^*gcn und se darmede tho begaven, dewile wy denne solche
        <pb n="304" />
        Glaser. 
284 
ere bede up reden und billigkeit vermerckt, ock dat ahne ord 
ninge up erden nichts in de lengede bestendig syn kan, synd« 
wy so vele deste welferiger gewesen, solcker ehrer instendigcn 
und flytigen bede stede tho geven unnd hebben der halven den 
ersamen und vorsichtigen herrn Patroclus Klocken und herrn 
Johan thorn Berge, unsen geleveden radesfrunden, nu thor ty( 
verordneten amptheren, upgelecht unnd bevalen, de vorberor 
schräge, settinge und ordeninge na aller notturft tho besichtig^^^ 
und, so idt van noden, tho corrigiren unnd nach unser Stadt 
legenheit tho stellen und uns darnach desulvige ock tho besichtige*^’ 
averantworden solden; dem se denne mit ermstem flyte ab 
nhagekamen sick, darmede bekummertt und de gemelte schräge 
und ordeninge na aller notturft, inmaten wo hyrunden geschreveo, 
schriftlich gestalt und uns desulvige in raths versammelinge aver 
levert, welcke wy na verlesinge up keinen unreden befunden tin 
derhalven up der gemelten gläser velfeldiges und flitigesz ansok^n 
und bidden desulvige dergestalt uth kraft unses ordentliken g^ 
waldts approbiret, confirmiret unnd bestetigtt, approbiren, con 
miren und bestedigen, ock desulvige hiermit wircklich unnd wesc^ 
lieh, also dat de gestimbte glaser und alle ere nhakomelinge sic^ 
der henfurder in erem ampte gebruken und allenthalven tlac 
richten und holden sollen und mögen, doch vorbeholdtlich, " 
uns als der ordentlichen overicheit und dem rechten tho rieht 
gebort, ock dat wy in dieser schräge, glicks wo in allen 
die overste handt, macht und gewählt willen hebben, desulvigt^ 
gelegenheit tho verenderen und darin tho doen und tho 
(Geschehen am andern dage des owstmaentes (2. August) n« 
na Christi unsers erlösers und heylandes gebort dusent vyffhun ^ 
unnd ein und viertigsten. 
Hiernha volgct nü de vorgerörde schräge der glaser und 
sick de in erem ampte schicken, richten unnd holden sollen • 
i) Int erste, de dar unse ampt leren will, de sali veer jnrc 
I) int erste, uc utti v... -- ^ 
der lere wesen unnd dan den oldisten meistern entfangen wer 
und 
unnd sali veer weken kör hebben, blifft he denne by deine j 
so sali he int amt geven i marck Rigisch und sali echte 
rechte gebaren syn. 
1 Verjel. Rinleitung zum Schnidekerschr. v. 154t, die mit der der Gl*- 
wörtlich übereinstimmt. 
fas‘
        <pb n="305" />
        Glaser. 
285 
2) Item wen desiilvige lerejiinge eine nacht buten sines meistens 
schlepe ahne willen sines meistens offt meisteninnen, de by 
ampte bliflft, sali upt nye in de lehne gan, idt wene denne 
^onch ehaflfte nothsake geschehen; venlepe he ock, so sali he den- 
S^icken doen und geven int ampt ock noch eine manck. 
3) Item welcken geselle meisten will wenden, de sali twe jhane 
einem meisten gedenet hebben, im dnudden jane so sali he 
^schenn von den oldesten und geven dem ampte eine tunne beens 
^Hnd einen Schinken, wennen dat dnudde jahn umb is, so sali he 
letst eschen und geven wo vonhen. 
4) Item den sal he maken ein stucke wenkes tho den meysten 
^^Sgende edden enkentnis. 
5) Item danna sali he sine echtebniefe ock sine denstbnieflfe 
^^Ogen, won he letztt gedenet hefft in andenn steden und ehn he 
^^•ine in dat ampt entgangen went, sali he thovonn von eynem 
^tbann nade de bongenschop winnen und danna de cumpanie und 
hannisch, wapen und wehne hebben tho sinem lyve. 
6) Item wen he dith gedan hefft und in dat ampt entfangen 
so sali he sine ampteskoste doen bei de meistenn und fnowen, 
^st unnd been sali unstnaflick syn, und schall geven twe tonnen 
^^^es beens; item twe bötlinge, einen schinkenn, eine tunge mit 
''en metwonsten unnd von ene manck bnodt und njsz tho twen 
ock so vele knudes, alse dan tho von noden is. 
7) Ock sollen die jennigen, so unse ampt begenen, sick nicht 
^^rendenn edden bewifen, se hebben denne thovonne des amjites 
^^*^^chtigkeit gedaen na venmoge und inholdt diesen jegenwendi 
schnage. 
Oemgelicken sollen dejennen, so in dit ampt entfangen 
^t'den, wennen se ene wenckstuck thögen, in de busse geven 
manck tho Cades ebne und dem pnedigstole und oven ein 
Jan danna noch sesz manck tho des amptes beste. 
9) Item niemandts sali unses amptes wendich wesen, de eine 
'-htbane pensone tho ehe nimmet. 
Item welck geselle, de de mit einen wedewen edden mit 
amptes meistens dochten fonthkompt, de danff de dnye jhan, 
^ ^^itV’en geschneven, nicht denen, sondenn de esche tho twen 
'■''«n vor dem ampte und geve glicks den andern, alse de gedaen 
^^•&gt;en.
        <pb n="306" />
        2*6 
Glaser. 
11) Item eines meisters sohne mag des ock geneten und geven 
na gewonnheit. 
12) ‘ Item ock sail men eine busse maken, de sali alle maeiit^ 
ummegan, dar sali ein jeder meister inleggen drie Schillinge, 
geselle einen schillingk tho hulpe den armen unsers amptes, ere 
noth darmede tho stoppende und tho dempende, wo sick dat he 
geven muchte, dar sali de olderman einen schloteil tho hebhen 
und ein geselle, de dartho gefellig is, mit der bussen sali umbgaeo 
de jüngste meister unnd der oldeste geselle. 
13) Item welck geselle up syn eigen handt gearbeydet he 
offte thom halven dele mit einem meyster, de sali unses ampt^^ 
verfallen syn und nergendts nicht tho fordernde noch ehn 
einen gesellen, de by den sulvigen gearbeidet helft, sines sub^ 
tho werdenn, unnd de meister, de also mit einem gesellen 
halven offt fordeile gearbeidet helft, sali geven den heren 
marck sulvers und dem anipte eine tonne beers. 
14) Item ock sali de eine dem andern nicht van sinem arbei ^ 
drengen, sonder de man, de dar macken leth, hebbe den er. 
dem meister upgesecht unde betalt by broke den heren dre in* 
sulvers unde dem ampte eine tonne beers. 
15) Item jederman sali maken gütt werck sowoll binnen a s^ 
bäten, dat sy glasewerck offte mallwerck, isset dar klage averkon 1^^ 
unnd wandelbar is, dat sali men bringen vor unse herren 
sali dejenne, so strafflich gefunden, in der herren broke ver a^^^ 
syn und sali darbeneven den brodern darfor böten und nia ' 
dat gudt, dat wandelbar is. 
16) Item vor juwelck wandelbar stucke sali men weddeii unS^ 
heren sesz ferdinge und dem ampte drie ferdinge. 
17) Item nein glasewarter sali tafelen setten vor de 
li()b’ 
sonder alle logen syn gelödet, unnd van iderer ungelodeden 
fogen sali men tho broke geven veer Schillinge unnd van ^ 
lögenfogen thwe Schillinge. 
18) Item de mahler sollen nen thwistgoldt vor fyngoldt ' 
arbeiden, soferne idt tochlick is by broke twe marck s 
unsen heren und den brödern eine tonne beers. 
19) Item so sali nein maler brunert sulver offt twistgol 
syner werckstede senden, sonder dat sy verwisset, sofern 
als" 
1 Vergl. Schnidekerschr. v. J. 1541, Art. ii.
        <pb n="307" />
        Glaser. 
287 
idt haven eine halve marck gekostet habe; wurde dar well 
^^Gr beschlagen, so sali he wedden unsen heren so mennig stucke, 
vaken sesz ferdinge und den brödern dre ferdinge. 
20) Item ock en schall de eine den andern nicht befronen, eher 
de sake vor dem ampte verklaget helft, können de alsdenne 
Sake nicht verlyken, so mögen se dat recht broken, de broke 
dem ampte, so wytt alse idt amptes sake is. 
21) Item wen dat ampt tho hope is, so sali de ene den andern 
•^•cht schandtflecken noch uproer offte twist maken by broke den 
^^^en sesz ferdinge und dem ampte eine tonne beers na gelegen- 
heit der saken, io gröter, io mher brockesz. 
22) Item niemandt sali unsem ampte tho vorfange arbeiden, 
darover beschlagen werdt, de sali van unsen herenn gestrafft 
de broke van en genomen werden, unnd so he dar avermals 
‘'^schlagen wert, sali em sodansz verbaden werden by vermidinge 
Stadt und dartho de vorige broke dubbelt van em genomen 
"'^rden. 
23) Item henfurder sali nen meister sich verdr) sten einen 
gesellen by sick tho holden, de de ruchtbar is, van quader nha- 
^ge Und upschrivinge by broke dre marck sulvers den heren und 
^ ^mpte eine tonne beersz. 
^4) Item offt ein geselle sinem meister entginge und bleve 
^ Schuldigk, den sali unnd mach men verschriven denstlosz und 
einen unredelicken gesellen, van steden tho steden, als dat 
belevinge is by der see. 
^5) Item nein geselle sali hüten sines mey sters liuse arbey den, 
idt sy des meisters wille, dar he by denet offte de meister, 
^ thostedet, einem andern entgegen dede, de sali dat verboten 
l'*' twen marcken sulvers unsen heren und dem ampte eme 
^•^ne beers. 
, 26) Item nein geselle sali heimlick beergeldt verdenen, sonder 
^ '*oe dat witlick sinem meister offt mcisterinnen oft de geselle, 
f^" .&lt;larvor boten, so vaken alse dat geschuet, unsen heren sosr 
und dem ampte dre ferdinge. 
27)' Item offt ein geselle einen werckeldach macket, und is 
dach in .lersulvigen weken, so sali men em den hdhgen 
'&lt;^Jj^j^ffreken mit dem mandage an sinem lohne. 
Schnidekerschr. v. J. 154*1
        <pb n="308" />
        288 
Glaser. 
28) ' Item offt ein ¡unge eclder geselle vor dem sterflfte uth 
thoge so lange, als he uth is, sali he na und glickewoll sine volle 
uthdenen. 
29) Item offt ein Geselle wedderqueme, de thovorn 
meisten mit Unwillen entgangen were, den sali niemandts thosetteOi 
sonder he make ersten willenn den heren i marck sulvers 
dem ampte i tonne beers. 
30) Item ock sali de eine dem andern syne gesellen nicht 
spehnen offt affmeden eher verteyn^ dage vor paschen offt 
teyn^ dage vor Michaelis, alsdenne sindt de meisten by einan ^ 
und bespreken sick der gesellen halven, und (jueme men in er a 
ringe, dat dar woll an gebraken hadde, de sali unsen herrn beter 
dre lott sulvers und dem ampte eine tonne beers. 
31) Item wenner de olderlude dat ampt verbaden offt wen 
hebben willen, de sollen kamen by twen marckpunt wasses. 
se 
Sill 
32) 3 Item welck man, de jüngste in unsem ampte is, de ^ 
schenken unde dat ampt verbaden so lange, dat he verloset "'C 
und ein ander na em kumpt 
33) 4 Jtem alle dejennen, de unse amptbröder sindt unnd s* 
dek 
cle 
nicht willen richten na dieser schräge, uns van dem erbarcn ^ 
gegeven, und kieff odder verdrett offt parthien makeden, w'cl 
de idt weren, den sali men mit ehren knechten dat ampt verl^ct 
und sollen gebraken hebben teyn marck sonder gnade und 
denne noddyckwoll mit dem ampte verdragen in frundtschop ^ 
mit recht, und hierby und over sollen wesen die beiden ampd^ 
uth dem rade, up dat nymandt unrecht geschehe. 
34) Item des sollen wy de meister de glasewarter denjcn'^^^ 
de unser in unserm ampte bederff hebben, berieff doen unnd 
licheit schaffen und niemandt baven gebtire avernemen eddcr 
schweren by verboringe dieser unser schräge. 
1 Vergl. Schnidekerschr. v. J. 1541, Art. 23. 
2 Im Schragenb. Nr. 499; 10 Tage. 
3 Il)id. Art. 26, 28. 
■* Ibid. Art. 28, 32.
        <pb n="309" />
        Glaser. 
289 
25. Glaser. 
Amtsentscheidung vom Jahre 1542. 
Aus dem Amtsbuche der Glaser, Bl. 142. Vergl. Nr. 23. Vorangeht aufdergegen- 
"berliegcnden Seite die Inscription: „Dit boeck is dar men de jungen eren namen 
'•'schryflt, de men int ampt wyll nemen in de lere unde geven, wo na vormeldet.“ 
Initiale D ist von Neumann im „Mittelalterlichen Riga“ abgebildet. 
1^0 men schrefft dusent unde wyfFhündert unde twe unde 
^Grtych jar na Chrystüs ghebortte sint wy mesters samtlycken 
^nsz ghevorden, so en mester ennen jungen annemen wyll in de 
de schall annomen verden vor den ganssen ampte, unde ven 
4 Wecken umme sint na utwysynge des schragensz, so schall 
junge geven int ampt en marck Ryges unde en hälfe tünne 
unde en schynken unde so veile brodes dar tho, gh)fft he 
dat steyt an den jungen, dat is em fryg, vormach he yd, so 
en mester were, de dat versümede unde lete dat verslyperen, 
de 4 wecken vorbygengen, unde he des nycht en dede, de 
^^hall verbroecken hebben eynnen hornegülden so mannyge broecke, 
sy (len, dat he verloeff hebbe van dem oldermanne unde synnen 
*^&gt;'sytter unde nome den sin ghebreck, worumrae he des nycht 
kan dorch rey sent ofFte wo syk des begeven mochte. 
26. Glaser-Gesellen. 
Schrägen vom 24. Juni 1542* 
des Glaseramts in Riga, Pergamentrolle, 166V* cm. lang, 8'/2 cm. breit. 
Inn (fades namen, amenn. 
0 Wy mester und gesellenn des gantzcnn amptes der glase 
'^'^rter synnt samptlyckenn ens geworden in dem jar dusent vyft 
und twe und vertych u,&gt; suntc Johannes baptistenn &lt;l.ige 
Juni) ene busse .anthorychten Gade to lave unnd dat tile 
&gt;ndeel jars dar myt umme togande, und de mester schal dar 
'J" kggenn soess pennlnge Rygess und de gesel veer pennynge 
und so hyr jemandt entgegen stunde, so vaken schal he 
fIn de busse eynenn ferdynck, dat men den myt vulbórt der 
Oyster und der gesellenn vorstrecken den noetdruflftigen. 
I Vortmer schnellen de meisten alle twe jar enen schaflfer 
van den mesteren dyt gelt to sammelen, des gelycken 
„ck de gesellenn eynen Schaffer kesen, den de gesellen 
19
        <pb n="310" />
        Glaser. 
290 
ciar ghevellych to Icennenn, dusse scholen to hoepe uitime 
und sammelen dat gelt, wo beschrevenn. 
3) Vortmer'schollen to der bussen wesenn twe sloete, de ent 
anders aise de ander, den enen schollen hebben de meister un 
den ander schal hebben der gesellennschaifer, und dat reg) 
schal men den oldermann bryngen ofte idt saecke were, dat 
der gesellen schaffer wanderen wolde ofifte syck voranderen, sz 
schal de schaffer de gesellen to hoepe vorbadenn up ene lechlyk^ 
Steele und kesen samptlycken enen, de ene dar gevellych to is 
syne stede, und dar schal denne ider geselle syn by broeckc ^n 
markpunt wasses, und den sal de oldes schaffer reckenschop tlocu 
vor den olderman und synen bysytter, den sal kamen de n)^ 
schaffer und entffangen den sloetel to der bussen. 
4) Vortmer schollen de schaffer alle twe jar rekenschop 
vor den olderman und synen bysytter, und de rekenschop 
men sehr y ven n up enen zeddel und leggen den inn de bussen, unu 
dat alle twe jar to veränderen, szo vacken dar reckenschop sch''^’ 
und de busse sal de olderman hebbenn in bewarynge, ock sal 
dar regyster, dar der meyster und der ghesellen namen inne stae»!' 
dar men dyt gelt mede sammelt, by de rekenschop bryngen, 
dat men dar utrekenen mach. Ifft hyr ciueme eynn flfreml’t 
seile wanderen in eynes mesters huse und arbeydede verteyn 
und wolde den wanderen, de schal syn tytgelt geven, ofte 
mester schal so vele inholden van syn loen, aise syck dat be i’P 
5) Vortmer ofte hyr jenich kranck worde in unsem ainr|^^ 
dorch Cades vorhencknysse und were so arm, dat he sus n) 
vormuchte syck to erholden, so scholen ene de schaffers utth 
bussen vorleggen myt der mester unnd der gesellen wyllen, 
so lange se seen werden, offte idt to levende und tho stervuu^^ 
syck neget; stervet he, so schollen de schaffers hebben upsec^t^^^ 
lie 
de 
. ^ de 
schal he idt vordenen und ock sen to, dar he betalynge ^ 
busse vorschaffe, sunderlyge de kranck worde syner egen ^ 
halvenn, wo syck dat muchte begevenn dorch unified) u 
wegenn den sulfften schal men weygeren und nycht gevenn» 
6) Vortmer schal men unse gelt hegen und to rade 
ififte idt Godt geve, dat under jarenn wes voroveren muchteii. 
cht 
der 
bet 
:le 
dem synem, dat se dar betalinge uthkrygen, wes dar dan 
sal umme Cades wyllenn alletyt nagegeven syn, overst blyiP^ 
by dem levende und kumpt myt Cades hulpe tor beteryng«
        <pb n="311" />
        19* 
Glaser. 
291 
^^lychen noetcluriiftigen vorstreckenn inn de ere Gades buten dem 
^mpte offte bynnen dem ampte na wyse und gestalt, wo syck des 
^Oclragenn muchte. 
7) Vortmer sal eyn ider geselle, de umme syne weckeloen 
^^net, syne rechte tydt holden, alse de gebruck oldelinges by der 
gewesen is, ock schal nen geselle synen mester by nach|t| 
^í^pener tydt gene averlast don buten tydes, so alse de gebruck 
S^Wesen is oldelinges, und szo dar enbaven geschege baven ge- 
so schal men den gesellen straffen na dem schrägen. 
8) Vortmer ifft hyr eyn geselle were offte queme, dede eyn 
n^at geruchte up syck hadde oifte breve na quemenn, deme 
^^holen de schaffers dat arbeyt dale legen bet tor tyt, he syck 
^^tschuldyget, und de geselle, de by em arbeydet und wet sodant, 
schal men unwerdych holdenn gelyck denn saecke woldenn. 
9) Vortmer schal nen geselle hemlycken beergelt vordenen in 
^^•les anderen mesters huse offte sus woer, wo syck des muchte 
^^•;oerenn, sunder he dho dat wytlyck synem mester oifte syner 
^^isterynnenn, so de meisterynne dar macht aver helft offte de 
geselle sal dar vorboetenn h 
Vortmer wer idt saecke, dat de gesellen wat to doende 
^dclenn van der bussenn wegenn, so schal de jungeste geselle, de 
nyest ut der lere gekomen is, de schal de gesellenn to hope 
^^rl^aden by broecke, so he des nycht doen wolde enes ferdynges, 
alle de vorgeschrevene broecke solen in de bussen, und welker 
¡^^ister offte geselle dussen vorbenomeden artykelenn wreve- 
entgq^m ^unde, dat sulfke sdml by dem schragenn 
to rychtennde, unnd de gemeltenn artickelen synt myt vul- 
sampt meisteren und gesellenn des gantzen amptes also 
und wyllenn dar myt ernsten stede, vaste unnd unvor- 
‘■^tickenn de also geholdenn hebbenn. Got geve uns syne 
^acle, amen. 
' Im Origina, Ibl^t eine lrel(/stelle etwa von dem Umfange eine, Artikels. 
¥' 
[:• 0.
        <pb n="312" />
        292 
Glaser. 
27. Glaser. 
Amtsentscheidung vom Jahre 1549 (1552). 
Amtsbuch der Glaser, Bl. 63. Vergl. Nr. 23. 
Inth jar 1549 ys vor unsz ersehenen de erszame 1 honnyÇ® 
Plochfóth van wegen der Dorptschen meyster der maler 
glaszewerder unde unsz angelangeth umme eyne utheopya 
unszes amptes schragenn, dar he den erenth halven myt unsz 
gehandelt hefift, alsze nomelych umme 40 mrc. Kygesz, dar w&gt; 
den hehben eyne utheopya upgegeven van wegen erer alle; 
suive hebbe wy szo vorrychtet alszo besclietlyck, szo sze demsub 
alsze de utheopya vormeldet, nyeht na gedeneken tho kamen, un 
holden y dt, wo wyth' hyr tho Ryga holden, nomelyeh nene 
dutsehe jungen tho lerenn offte gesellen tho forderen, szo ydt 
were, dat dem szo gesehege, szo wylle wy meyster tho Ryg^ 
nene nyeht vorforderen, wo unsz den oek ys belaveth worden 
erenth wegen, alsze nomelyeh wy olderlude Cordth Haffman, ^ 
Brandt van wegen unszer amptbroeder, unde hebben dyth su ' 
gelth van eme entfangen unde unszen amptbroederen dar rekC’ 
sehop van gedan, anno 52. Jo(?)doeh noeh olderlude gebleven- 
28. Glaser. 
Amtsentscheidung vom 29. August 1563. 
Amtsbuch der Glaser, Bl. 64 b. Vergl. Nr. 23. 
Int jar eyn duszenth fynffhundert 63, des sondages nha ^ 
telmey (29. August), syndt wy meysters alle samptlyek bv 
ander gewesth unde vele beredynge gehat unde fast allevy 
gemaketh, alszo dath wy leyder Ciades van dage tho dagc 
durynge hebben unde krygen szowol an glasze alsze ahn 
unde leyder, an allen dyngen, dar w\vor 10 offte 12 jaren 
de wage glaszes gekofft ume 30 offte 35 mrc., y g vor hen 
wol vor 18 y a vor 20 offte 23 mrc., dar mothe wy itzund 
60 wol 65 offte 66 mrc. vorgeveven, i mrc. myn offte 
wegen hebbe wy meysther alle, alsze nomelych: Hynryck Sloc 
Herendt Helmes, Laverens Hoppenfoerer, Jochym Becker unsz 
1 wyth = wy ?
        <pb n="313" />
        Glaser. 
293 
^llych bewvllyg uncle entsluthen unde ock behantstreckt, eyn yder 
syner ehre, dat van unsz vorbenomeden meysters keyner kan 
^ffte mach rynger maken alsze 4 mrc. de elle hlamsz glasz unde 
elle Heszens glas vor 2 mrc., de Flainesche ruthe yn tho selten 
4 sch., de Heszche ruthe vor 2 sch., dat ferkante stuck Flamsz 
6 sch., der spolen i vor 3 sch., de Heszenschen ferkanten 
3 Sch., de s])olen 2 sch. Dar uns tho duszer tydt de grothe du- 
unde nodt tho vororsaketh liefFt, ym falle averst, dat wy 
Gelangen unszes amples yn thokamen tyden mochten oftte konden 
^etterenn inkôp offte better tydt krygen, unde alszo dan wylle wy 
^nsz yn aller byllycheyt gerne myt der betalynge tho forderen 
Semetych wetthen tho vorholden yegen yderman, dyt szo fasthe 
unvorbrócklych tho holden na unszer egen wylkor unde 
^^'idtstreckyng unde nycht averthotreden, hebbe wy alle sampt- 
J&gt;ck gewyllyget eynen bestemden brocke dar up gesetthet, nome- 
ych unszerenn heren 4 daler unde dem ample 2 daler, szo fake 
y^t avertreden werth; des tho merer orkunde der warheyt, dat 
älszo gesehen y s, hebbe wy meysters, wo vorbenomet, dusze 
^"^yllynge eyn yder mydt syner egenen handt underschreven : 
Hynryck Sloetthel proprye manum. 
Berenth Helms propry manum. 
Laverns Hoppenffôr myt egner hant. 
Joch y m Becker mith egenner hanth. 
Fredryk Reppe myt egenner hanth. 
Bernndth Schloethell myn egen hant. 
Frantz Boleke min eigen hanth. 
Atntsl 
29. Glaser. 
Amtsentscheidung vom 29. März 1581. 
••■‘«sDuch der Glaser, Hl. 69b u. 70. Vergl. Nr- 23- 
Ikm int jar eyn duszent fyffhundert 8i, den 29. Martzyus, 
' wy meysthers aile sen.ptlych by eyn ander gewesth unde 
'ynge geha. un,le allerleey bewach geinaketh, a szo da,h wy 
» Gades van dage tho dage grotter duryng heb ben '"„le 
%er krygen; ailes, wath wy tho unszem ampt nodych hebiten,
        <pb n="314" />
        294 
Goldschmiede. 
alsze ahn glasze, ahn bly, aim tyn, clat yclt alles cluhbelth durer &gt; ’ 
dar men vor dyszer tydt hefft de wage glaszes gehofft vor 30 oftte 
40, offte 50 mrc., dat ys, (iodt betterth, nu tho dyszer tydt ux) 
HO offte 120 mrc., dem gelyken dat Flamsche glasz, dar men vorhtn 
den korff gudt Flams glasz kofftte vor 6 offte 7 daler, dat y* 
(iodt betterth, 14 offte 15 daler, der wegen hebbe wy meyster^ 
semjjtlych alle unsz beredet, de wyle unsz de hoch dryngen^ 
noth dar tho vororszaketh, szofern eyn yderman wyl eynem yder«^*^ 
gelyck unde recht dhonnde, szo hebbe wy eyndrechtlyck 
umme ock gestemmeth unde gewyllyget, dat van unsz keyner 
arbeydt kan rynger maken alsze de eile Flamsz glasz 8 mrc., ‘ 
Flamsche rutte 8 sch., de eile Heszensz glasz 4 mrc., eyn olt fynster 
yn nytbly vor de eile 2 mrc., de Heszche rutte 4 sch., e) 
olde rutte 2 sch., vor eyn Flamsz cruszwerckstuck 8 sch., vor e&gt;| 
lyste offte spole Flamsz 6 sch., eyn Heszensz ferkantstuck 5 
eyn spole 4 sch. Dyt vorgeschreven alles hebben wy me) stet 
samptlych gewyllyget unde ock behantstrecketh, alsze nainl) 
Hynryck Schlottel, Jochym Hecker, Frederych Heppe, 
Schlottel, Frantz Holleke, Hans Schuhte; dyt szo stede unde 
tho holdende unde nycht averthotreden, hebbe wy alle gewylb^^^^^ 
semptlyck eynen bestendygen broeke dar up gesetteth, nomb 
unszen amptheren 4 daler unde dem ampte 2 daler, szo fake ) 
avertreden werth. Tho orkund der warheyt, wo vor geschre ^ 
vormeldet, hebbe wy samptlyck dyt semplych underschreve 
Ich Hynryck Schlottel myn egen handt. 
30. Goldschmiede. 
Schrägen vom 25. Januar 1360. 
Dat schraken unnd olde rentliehock S. f—i, Vcrgl. Einleitung S. 22&lt;&gt; 
zweite alte Abschrift (11) befindet sich im Anhänge des alten rigischen Sta 
(Stadt-Arch.), l’ergamentblatt 30 cm. hoch, 20 cm. breit. Der tInterschiet J 
Schreibweise besteht im Wesentlichen darin, dass zu t und g ein h tritt, sta 
weilen y, statt s fast immer z, statt ampt immer ammet gesetzt wird. Von den 
Varianten sind die wichtigeren als Anmerkungen zum Text angegeben. Abg. ^ 
Livon. antiq. Rd. 4, S. CCCVII —CCCIX. u. Eiv-, Est- u. Gurländ. Urkb. 
Nr. ghy. Die Numeration, die sich vorfand, rührt von anderer Hand her. 
C. Mettig, Zur (iesch. d. Rigaschen Gewerbe im 13. u. 14. Jahrh. S. 27. 
Der goltsmede schraa. 
Universis, presentium noticiam habituris, procónsules et 
lescivitatis Rigensis salutem in domino et rei geste agnoscere
        <pb n="315" />
        Goldschmiede. 
295 
’ K: 
folgt van. 
Tätern. Recongnoscimus presentibus publice protestantes, nos auri- 
^bris, nobiscum in civitate Rigensi conimorantibus, ad ipsorum 
'^Gtjuisicionem seu peticionern diligentem, constitucionem, sermone 
^ heutonico infrascriptam, donasse ac tribuisse, secundum tjuam se 
Sebent regere et sui artificii opus facere et exercere sub omni jure, 
^ciam ascripto et adiecto. 
1) To deine ersten, sal en jewelk goltsmid maken unde arbeyden 
Rud golt unde sulver, also dat dat negede deel des goldes mach 
'^’^sen copper, men we dat wil beter hebben, unde we en dat ant 
^itrdet, deme motet see dat wol maken. 
2) Vort scholen see nenen makeden steen an golt setten unde 
^cen golt myt tynne loden, unde weret, dat golt edder sulver gud 
unde mochte met an deme ampte der goltsmede updrix en 
^nde wandelbar beweisen, so sal met an twe stucke breken, unde 
*^^^gene, dee dat gemaket hevet, dee sal dat vvedden den hcren 
rades to Rige. 
3) \'ortmer wellik goltsmyd güldene werk edder sulverne werk 
^akeden luden, dat hee dat wiste tovoren, dat see dat vor open 
''^•ben, dee sal dat den heren des rades wedden. 
4) Vortmer wellich wil werden sulfhere des ammetes der golt- 
dee sal hebben sos mark lodiges sulvers, de eme aliene 
tohoren, dat sal witlich wesen twen mannen, dee vry besetene 
hebben, dee solen vor eine loven veer wekene umme, weret, 
hee bynnen den veer vekenen toge wech unde vorlete syn 
'^^rk, dee twe man, dee vor ene lovet hadden, ««"j" 
Sude erst vuldun den radheren, eft hee en wat sc u &lt; ic 
sullen see gelden golt unde sulver den luden, dee dat eme 
|^:bben antwardlt, bhft dar denne wat erver, dat sal men geklen 
menen schuldeneren. 
. 5) Vortmer wanne een goltsmyd enen Icrejungen entfeyt to 
dee see dar to, dat hee sy echte boren van vader unde 
''^ber, xvente clee radheren hebbet dat also genchtet (lat meen, (ice 
mrnãsm 
nicht, so sal hee &lt;lat den heren des rades wed.len.
        <pb n="316" />
        296 
Goldschmiede. 
6) Vortmer wanne en kn echt wil wesen sulfhere, clee sal an 
cierne ampte der goltsmede en jar tovoren denen, eer hee esche 
unde bidde dat ampt, dee bede sal nicht wesen in der sunderken 
morgensprake der goltsmede, men see sal wesen an der gemeiien 
morgensj)rake to eyner beschedenen tiid, also to sunte Johannes 
dage to myddensomere (24. Juni). 
7) Vortmer toge en knecht weeh unde were en gans Jar van 
dennen, wan dee knecht wedder queme, dee solde jummer en 
jar tovoren denen an deme ampte der goltsmede, eer hee dat 
ampt esche edder bidde. Were ok, dat en knecht weehtoge unde 
were vandannen en half jar, wanne hee denne wedder kumpt, 
sal hee jummer en half jar tovoren an deme ampte denen, eer hee 
dat ampt esche edder bidde. 
8) Vortmer we sulfhere wille werden, dee sal maken en gulden 
vyngeryn myt vynsteren unde ene Engelsche brazen unde ene 
hanttruwebrazen, geblackmalet, unde eynen byworp myt snielte* 
desse denode sal hee wisen den mesteren unde den olderluden 
des ammetes. 
9) Vortmer we lest wert sulfhere an deme anímete der golt 
smede, dee sal tosamende laden al dee goltsmede, wanne see des 
behuff hebben also lange, dat een na em kumpth, dee sulfhere werdu- 
10) Vortmer we arbeydet des hilgen dages, dee sal den heren 
des rades wedden en half punt pennynge, behalven, dat were als^)' 
dat erne grot macht darane lege, so solde hee nochten gan 
twen* mesteren des ampt es edder soldet synen näheren openbaren, 
dat hee myt den mochte betugen dee warheit. 
11) Vortmer we des anderen knecht wunne eer tilden, dec sal 
den heren des rades 3 mark sulvers wedden. 
12) Vortmer wellik knecht lenede ute synes heren buden cuc^^ 
anderen goltsmede synes heren tow, dar men mede arbeydet, 
des syn here nichten wiste edder tegen synen willen, dee knech^ 
sal des aniptes entberen. 
13) Vortmer van wat goltsmede clage wert vor den mester^^ 
des amptes umme golt edder umme sulver, de sal vul dtin bynfi^’*^ 
verteyn nachten ; deyt hee des nicht, so sal hee wedden den her(^|^ 
des rades dre mark sulvers unde sal dar to des amptes en ha 
jar enberen. 
1 B : statt twen steht den.
        <pb n="317" />
        Goldschmiede. 
297 
h) Vortmer we syn werk to den dren tilden velschet, also 
ici wandelbar is, dee sal des amptes enberen, behalven dee 
des rades willen ene* schonen. 
*5) Vortmer wellich knecht, dee sick twen heren vormedet, 
dewile, dat* dee tyd wäret, dat hee sik en vormedet hevet, 
lange sal hee des amptes enberen, behalven id were, dat ene 
heren des rades wolden vorschonen, unde hee dat in der 
^)nne der goltsmede mochte hebben. 
*6) Vortmer dee cledersellerschen, dee vorkopet güldene werk 
dder sulverne, dat den goltsmeden nicht tohort, dee solen dat 
wisen den mesteren des amptes, eer see dat vorkopet, weret, 
see des nicht deden, see solden wedden den heren des rades 
mark sulvers. 
*7) Vortmer® dat dar brokaftich worde an den stucken vorscjre- 
unde see nicht beide, also dat vore is gescreven, de sal 
^^den den heren des rades dre marck sulvers. 
An allen stucken vorsc] reven j ^ sunt dee heren des rades 
^^-htich to dunde unde to laten, alse dat eren willen best behaget 
nutte dunket. 
Omnium premissorum evidenciam pleniorem nostre civitatis 
*^tetum presentibus est appensum. Datum et actum anno Do- 
*** *360® ipso die conversionis beati*’ Pauli apostoli ^ (25. Januar). 
^ : eme. 
: fehlt dai. 
* ß: We. 
g • "vorgcscrevcn. 
g Original: m-^ ccc sexagc 
^^*üti fehlt bei Hunge.
        <pb n="318" />
        298 
Goldschmiede. 
31. Goldschmiede. 
Amtsentscheidung vom Jahre 1479* 
Lade des Goldschmiedeamts in Riga, aus dem ältesten Amtsbuche, 
29 cm. hoch, 22 cm. breit, bestehend aus 196 blättern, von denen die erst ^ 
verloren sind. Das Amtsbuch beginnt mit dem Jahre 1642, jedoch ^ 
selbst zerstreut ältere Nachrichten aus dem 15. u. 16. Jahrh. Nachfolgende . c 
bestimmungen sind die ältesten Aufzeichnungen des Amtsbuchs. Bl. 214 ). 
1) Item so sy wy goltsmede to Rige samelicken overean g 
men, wen wy vorhodeth werden in det ammeth, it sy, wen it s&gt;, ^ 
de nicht enkomth und biddet ock keyn orlof, de sal gebra 
3 sch. sunder genode, unde de jungeste sal en licht oppst 
also vro, alsz de stunde kommet, und wen dat licht utgebrant 
de nicht komth, de lege so eyn eyn (mrc?) ut. 
2) Item vorthmer so sy wy ock eynsz geworden, wen ^ 
hopp syn in dem ammete edder in anderen frolicken dagen, 1 
wen it sy, edder wor it sy, de dor denne en mesz utteet en 
den anderen in ernesten mode, he sy meyster edder gese 
sal gebracken en lispunth wasses sunde genode. 
3) Item noch sy wy eynsz geworden, de en jungen entphan^^^ 
in de lere, de sal en vorsocken achte wecken und sal denne 
vor dat ammeeth und sal en inschriven kitten; isz dat sacke, 
he dat nicht en daeth, he sal gebracken hebben 3 marckpü 
wasch. Anno Domini 1479. 
32. Goldschmiede. 
Schrägen vom 23. Juni 1542. ^ 
Schragcnb. d. Gcsellsch. f. Gesch. u. Altcrth. in Riga. Bl. 1-6. D*« ^ jei 
ten sind nach dem Transsumpt v. J. 1561 (H) und nach einer in der ^b- 
Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. aufbewahrten, wohl älteren aber lückenha in 
Schrift des Schragens v. j. 1542 angegeben (C). Letztere Copie heUme 
einem kleinen deckellosen Büchlein mit Goldschnitt, dem einige Seiten 
fehlen. Art. 31 u der Schluss sind von anderer Hand. Vergl. J. Girg 
Sitzungsb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, 1880, S. 125 u. 121. 
Der goldtschmiede schrägen. 
Widtlick sy einem idtlicken wattherley standes, condition 
werdicheiden, de syn geistlich, edder weldtlich, de dissen schräg 
anhoren edder lesen, dat wy borgermestere unnd rathmanne^^^^^^^ 
Stadt Riga uth sunderlicker gunst und flitiger bede den ' 
1 C : raehnamic.
        <pb n="319" />
        r 
Goldschmiede. 
299 
Solcitschmeden * tho Riga wanende gegündt unnd gegeven hebben 
^^sse nahfolgende beschrevene gesette unnd ordeninge, wo se 
®ick in ereni ampte schicken und allenthalven holden solen und 
^ho ewiger de sacke gedechtnisse mit allem rechte tho gebrucken, 
^ho fordern und mit rechte ernstlich darover^ tho holdende. 
0 Item* dit schall de vornembste artickel sein^ in dessem 
Schrägen, dat in unser Stadt Riga vordan nicht mehr dan twölff* 
Soldtschmedt in einem beschlaten® ampte sein sollen und sick nen 
^^Idtschmede sich vordresten tho befrien one^ der amptherren, 
Van einem erbaren rade dartho gesettet syn, und des older- 
'^^ans Und der oldesten vulbordt unnd willen by Verlust* des amp- 
Und alle borgerlicke naringe®, und schall sick darinn vorsehen, 
^at die 10 persone sy van ehrlicken framen Dütschen, unberüchteten 
^^'len echt und recht gebarn, dat sie" beide gildstaven werdich". 
averst ein were, de dessen artickel avertrede und nicht heldt, 
Schall sampt der person gar uth unserm ampte gescheden syn •. 
2) Item " wen van dessen vorbenomeden twelff goldtschmeden 
stervet, so schall de oldeste geselle, de alhier by enem goldt 
'"hmede up dem allerlengsten gearbeidet helft und sick ehrlicken 
fromlicken geh olden und sine bortbreve, lehrbreve und denst 
^^Ve genochsam bewisen kan, dat he van ehrlicken, framen, 1 )üd 
^hen, unberüchteten lüden echt und recht gebaren s), vor allen 
^dern gesellen vort gestadet werden und den vortgangk hebben. 
3) Item ein jeder goldtschmidt binnen Rig^ schall gudt goldt 
sülver arbeiden, also nah der prove tho vertem loden, wo 
tin 2 KoNhsmedcn, überall golthsmed od. goUhsmtt statt goldtschmed. 
t ^ : daruam. 
demnach. 
, ^ C : sin. 
^ : beslalen. 
^ : ahne. 
vor/ust: überall d. Vorsilbe vor statt vcr. 
* fterin^e, 
u 
framen steht an anderer Stelle. 
^ : nnberuchteden. Der Umlaut fehlt immer. 
den drei letzten Zeilen ist 
16 
späterer Hand hinzugefügt: wird nicht 
^ • und des in keinem wegc zugemessen habenn. 
: Unnd.
        <pb n="320" />
        Goldschmiede. 
3CX) 
tho Cölln und Lübeck gearbeidet werdt, und allant, wat man macket 
und einem frembden manne schmöltet und man teikenen kan, 
schal de olderman mit unsem eines erbaren raths tecken un ^ 
goldtschmedes tecken semptlich teickenen, und nen geselle noc 
schmelten oder teikenen ahne synes herren willen. 
4) Item idt schall ock nen goldtschmidt sick verdnsten 
ringer goldt tho arbeiden alse Rinisch goldt, und idt schall binne.^ 
ock’ nicht geringer gemacket werden alse buten, ock nen g 
darinne versettet werden den edelgesteine; so hierover einer 
schlagen würde, edder einem goldtschmede sodans thon han( 
cjueme, so schall de goldtschmede dat sulvige dem olderman 
averantworden, unnd^ des schall de olderman dat gemakete tu 
in stücken schiahn. 
5) Item wer sodan tüch gemacket» helft, schall brecken 
rade eine marck lodich sülvers und dem ampte ock eine, e 
men schall em ein halif jhar de boden thodoen so lange, dat 
eines erbaren raths und des ampts willen darvor gemacket he 
ock schall sich alhier in disser statt neniandt verdristen, 
oder sülver tho schmelten, besonder schall idt einem goldtsc 
schmelten und teickenen lathen, so idt darbaven* sunderlec 
einem goldtschmede vorgebracht worde«, schall de goldtsc 
dat sülver dem oldermann overanthworden, unnd sali verhöret 
de helffte dem rathe, de ander’ in ampt. 
6) Item so» ein goldtschmidt seine arbeit vorfelschet o er 
gering gmacket hedde, idt were an goldt edder an sülver, a ^ 
dat idt eines erbaren raths tecken nicht liden konte, so scha ^ 
oldermann dat gemackete tüch in stücken schiahn und desü 
de idt gemacket helft, schall davon brecken thom ersten 
einem erbaren rathe unnd dem ampte eine marck lödich su v 
7) Item» so he thom andern mahle daraver beschlagen wu«*^^ 
schall he’» brecken twe marck lödich sülvers und so he t’ 
1 n : fehlt. 
2 B: fehlt. 
3 B : Und der es gemachet hatt. 
4 B : darenbaven. 
5 B : stunden teken! 
6 B: so. 
7 B: helffte. 
8 B: Item so es sake xoehre das. 
3 B : Unnd. 
10 B : he, sonst immer er.
        <pb n="321" />
        Goldschmiede. 
301 
^riidden mahle beschlagen worde, so schall he des amptes gar 
^Gefallen sin, idt were den, dat ein erbar rath ene verschonen 
"^ölde oder dat he eines erbaren raths unnd des amptes willen 
^arvor mackede, dat dat ampt mit ^ thofreden were. 
8) Item so* jennigem goldtschmede etwas (¡neme tko kope, 
tho wegende oder tho schattende, idt were an goldt oder sülver, 
^ar de goldtschmidt ein miszdünckendt anne hedde, datt mag he 
beleih eines erbaren raths fry* anholden und dem olderman 
^^Grantwerden, de schall idt in bewahring hebben jahr unnd dach, 
so dar nemandt* in der tydt also jahr und dach die schyn 
bewysz hedde«, dat y dt cm thotiueme, so schall de older- 
dat sulver eder goldt in der goldtschmede laden legen, und 
schall verhört sin de helflfte dem rade und de ander helffte 
^mpt. 
9) Item over welchen goldtschmidt klage geschütt \ or dem 
""l^l^rmanne des ampts umme goldt edder sülver, dat he van lüden 
^'^Pfangen hedde, de schall vernögen unnd bethalen binnen vertein 
so he datt nichten deit, schall he brechen einem erbaren 
und dem ampte eine halve march lõdich sülver, de mach he 
mit twelff marchen und schall ein halflf jhar des amptes ent- 
so vaken klage darover geschütt. 
10) Item welck gokitschmiedt tho' einem oldermanne gekoren* 
den .amptes ,teste tho weten, de schall alle maentc san.pt 
""'h einem ummeg.ahn und ein flitich upsehendt hehlten l.&gt; sintm 
"k 'lat gudt goldt unntl sülver gcarbeidet werde Ity deme einen 
»Ol also Ity dem andern, und dat dar nemandt mnc tho kort ge 
^Itehc®, ock sch.all sick kein" frcmitder" verdnsten E« ' " 
'"'er ,ho verkttpcn, (hat ein anderwegen gentacket tsr, 1 sy 
* : folgt cm. 
: es Sache wehre das. 
" fehlt. 
folgt desse/hif^c. 
folgt kquetMC. 
brechic. ' 
tho sonst zu. 
Rekuren. 
geschec. 
kein fehlt, 
ß; fromhder. 
: vordristen.
        <pb n="322" />
        Goldschmiede. 
302 
buten ‘ landes edder binnen Landes, besondern he schall idt ersten 
probiren ^ lathen von den werckmeisters. 
11) Item^ so y dt denn^ anders befunden worde edder nicht 
so gutt were gelick, we idt alhier gearbeidet werdt, so sehn 
idt int ampt averantwordtet ^ werden, des schall de oldermann 
gegenwerdicheit der andern alle dat gemackede tüch in stucken 
schiahn ß und in des ampts lade legen, und soll verbörett’ syn ^ 
helffte einem erbaren rathe und de ander helffte int ampt, ydt 
denne, dat se nah rechte ere unschuldt bewiesen können, dat 
sodane böse sülver uth keinem vorsatte hebben macken lathen 
erem rechten * darin tho verhörten. 
12) Item des schall de olderman veer jahr by der olderrnan 
schop bliven, und wen ne de vier jahr umme syn, mach he affkesen 
und doen dem ampte reckenschop, denne mögen se under si 
einen andern kesen, de dem ampte drechlich ^ sy des amptes beste- 
tho wetende. 
13) Item würde*® ein goldtschmiedt kranck und verkrenckctl^| 
idt were woranne, dat idt were, also dat he syne boden suh c-^ 
nicht vorstahn könte, so mach desulvige goldtschmiedt 
dem olderman ** tho erkennen geven oder tho erkennen 
lathen und bidden, dat sc ehme semptlich behülplich sin 
dat he möchte einen guden gesellen in syne boden bekamen, ^ 
eme syne bode in siner kranckheit möchte vorstahn, datsüh*^ 
scholen eme de golttschmede gönnen 
14) Item ock scholen se’® mittler tydt, dat de goldtschin*^ 
kranck isz, ein ilitich upsehent up den gesellen hebben, dat h^^^ 
gutt goldt und sülver arbeide glich einem andern goldtschmc 
I H : baussen ? 
^ C: probenen. 
3 B : Und. 
4 B : fehlt. 
3 C: overantwordet. 
•&gt; C : slaen. 
7 C: vorbort. 
* B: negsten; ebenso C. 
3 B: trewlich. 
m C: worde. 
II B : folgt : und dem ampi 
12 C : gunnen. 
13 B : der ganze Satz fehlt und folgt und. 
11 B; geselle.
        <pb n="323" />
        Goldschmiede. 
3»3 
Und 
wes he* vcrdent*, scholl alleine® gelden sinem herrén, des 
'Schall de olderman mit em* eins werden umb dat lohn nah gelegen- 
syner arbeidt und sines dites, und schall de geselle dem older- 
*^^nne reckenschop doen van syner arbeit, wenn de olderman dat 
em begeren isz, und so de geselle nicht dede, wo sick des 
^Ghöret, so mag eme de olderman vorlöff geven und setten einen 
änderen in seine^ stede, so vaken** idt van nöden deitt. 
*5) Item welck goldtschmiedt in dessem ampte gesunds und 
^1*0 j)asse isz, also dat he tho wege und do Stege geith, und 
oldermanne düncket, dat he tho passe', desulvige® schall 
yue bode sulvest vorstahn und mit keinem gesellen in siner boden 
*^^*'schoppie edder heimlich verdacht macken, so jegen dat ampt 
rnöchte, also dat de geselle egen kopenschop mit goldt edder 
j ^*'&gt; perlen edder eddelgesteinen ® hedde edder ock eigen schaj)pe , 
oder reckensböcke beide und sinem herren ein genant geldt 
an geve edder syn lierre em ein ungewöhnlich ** lohn geve. 
Item welck goldtschmiedt sick hieran vorsehe, dem mach 
^ ^^(^lerman dat ampt verbieten*® und em de bode thodoen, und 
mit keiner geringen strafe darvan kamen unnd dartho dat 
ein jahr entberen, ydt sy dan, dat ein erbar rath darinne 
^^•■schonen vvolde, also dat he eines erbaren raths unnd des ampts 
*^larvor mackete. 
. V) Item wenn *^ ein goldtschmede vorstörve und eine elicke 
.^^%frauw nahlethe, de schall men fredsam und rowsam Sitten lathen 
n Hering jahr und tach, unnd wenn jahr und dach \orby isz 
g ^^Gs mannes dode, so mach de olderman de wedefrow an 
und mit er underreding hebben, so hier ein ehrlick, fram, 
‘ : gesel/e. 
vorwervet das. 
] C: 
dem gcsef/cn. 
^ ^ * fachenn. 
y ^b folgt: goldtschmicdtl. 
y folgt: sey. 
10 
• scappe. 
^tngewonilick. 
fohlt. 
f'* l’orbedcn. 
^b pg sake dass.
        <pb n="324" />
        304 
Goldschmiede. 
unberuchtiget geselle were, dar se sin und gemöthe^ tho bette, 
se hy dem ampte hliven wolde, und de * ock doen wolde, wesz 
ander vorgedan hedde, und dar ein gantz ampt mit thofreden wehr^' 
desülvige geselle mach mit der frowen vorgestadet werden. 
18) Item 3 were idt^ averst® sacke, dat sick de frouwe mit cinei^ 
gesellen vorknüppede, und de geselle des ampts nicht werdich 
so scholen se beide des ampts nicht tho geneten hebben ; so o 
eine wedefrow sick vertruwede mit einem gesellen mit medtwet^ 
und willen des ampts und se sick in der frie nicht thon elite'’ 
hehlen, so solen se beide uth dem ampte gescheden syn und 
nicht tho geneten hebben; so ock eine wedefrow were, de sick '’j 
eres mannes dode nicht dechte tho vorendern, desülvige sch-'i . 
wenn jahr und dach vorby isz, sick des ampts entkohlen 
19) Item idt schall ock alhier kein geselle in keiner ^tide^^ 
morgenspracke vortgestadet werden, dat ampt tho eschen, ' 
up’ St. Johannis baptistae vordem gantzen ampt, wenn se sempt 1 ^ 
by ein ander syn und dar syne bortbreve, lehrbreve und den 
breve ertogen, wenn se den nu semptlich damit thofreden 
und em dat ampt thoseggen, so sali he macken syn mcisterstuc^^^ 
alse nemblicken ® ver stücke werckes, einen wolgemackeden g'’*^ , 
ringk mit einem edlen steine und ein segel, darinne geschncdej’^ 
schiltt unnd heim, einen geschmeltedensülvern byworp und e' 
bretze, handt in hand, de schall geblackmalt sin. 
20) Item " desse vorbenomedenstücke schall he macken 
des oldermans bode, unnd’® wenn he’“’ se’® rede gemacket heffb 
1 C: ^cnochie. 
2 C: fehlt. 
3 C: fehlt. 
4 C: fehlt. 
3 C : overst. 
« Von s])ñtcrer Hand : vide unsre addifatnenfa. 
1 C : sánete, — C : sunte. 
C: nontliken. 
3 C: gesneden. 
C : gcsmolteden. 
“ C: fehlt. 
12 C : vorgcmclte. 
13 C: fehlt. 
14 C : auch he. 
13 C : statt sc steht : denne diese vorbenumten stucke.
        <pb n="325" />
        Goldschmiede. 
305 
Schall he sinen amptbrüeclern * eine herlicke unstrefflicke amptkoste 
nah oldem gebrucke in des oldermans huse unnd dartho 
^^den beide amptherren unnd sine amptbrödere alle* und aldar 
Meisterstück upwisen vor dem gantzen ampte und by sinen 
^hren und wahren Worten erholden, dat he idt sülvest gemacket 
hebbe, und wenn se denn semptlick mit em tofreden sin, und dat 
Meisterstücke unstraflflich isz, schall idt* bliven in des ampts be- 
^^hring bett he idt inlöse mit einer marck lödich sülver nah 
gebrucke. 
21) Item des ock desülvige junge goldtschmiedt, wen eme de 
Jî^^erman gebüt, denn schall he^ de andern goldtschmede sempt- 
‘‘''h vorbaden bett so lange, dat dar einer wedder vortgestattet 
l^'^^dt, de schall denn ock doen, alse desulvige vorige gedaen 
unnd* so der olderman vorbott dede und begerde sine ampt- 
^'■uedere alle beinander neven eme des ampts beste tho weten 
tho socken, so*® scholen se dar alle erschinen 
^2) Item ^ so dar danne* einer manck en were und sick baven 
^"kühr holde und mit vorsatte frevelmodigen uthbleve oder* sick 
^twieder settede und dem olderman sodans vorbades kein gehör 
volgen doen wolde tho dren tyden, demsulvigen goldt- 
^^hmede Solen se de boden thodoen und em datt ampt und de 
^^sellen vorbeden ein halff jahr lang, idt were denne, dat ein 
rath sampt dem ampte siner vorschonen woltte, dat he es 
Und des amptes willen darfür mackete. 
^3) Item welck gesell alliier gedencket sin egen tho werden 
^ hieH^ emim gWu^zhme^ j^r mW dm:h gWen^ heñt, 
esulvigg,, schall in vorrade syn sösz marck lödich sulvers, de eme 
/ '"^st thokamen, die schall he vorborgen dem ampte mit thwen 
^^ttenen'2 börgen, de egen und erve binnen Riga hebben jahr um 
‘ C: 
Mt: 
^ B: 
'B: 
® B: 
Mt: 
Mt: 
® B: 
&gt;0 B: 
B: 
ll,or «mptkostc «icM höher ö/s 5 fhö/er A ö/U,,,. 
Statt idi: de dat /athen. 
denn schall he fehlt. 
statt unnd steht: Item so es sache wehre, os. 
tl. Worte zwischen den Sternen {* fehlen. 
fehlt. 
fehlt. 
unnd. 
unnd statt edder. 
folgt freselle. 
hestelenn. 
2B
        <pb n="326" />
        Goldschmiede. 
3()6 
dach, unnd so^ desülvige goldtschmidt goldt edder sülver van 
luden empfangen hedde und konde nicht bethalen, so scholen 
borge desulvigen vernögen und thofreden stellen. 
24) Item 2 so ock ein geselle van hir töge\ de de gedachte 
hir sin egen tho werden, de tydt, de he^ van hir were, schall he 
in dem denste nicht tho genetten hebben, isz he van hir ein ha 
jahr, so schall he wedderumb denen ein halff jahr, isz he van h&gt; 
ein hei jahr, schall he jahr und dach wedderumb upt nye arbeiten 
und® denen. ..^ 
25) Item welck geselle alhier denet by dessem ampte, 
he im denste isz, schall he keine eigene kopenschop hebben noc 
mit edelgesteinen \ perlen, golde edder sülver noch mit jenmgerle)’ 
so weder dat ampt syn möchte, wer idt* sacke, dat sin 
danes von ehm verneme, schall he idt dem oldermanne und 
ampt kundt thun® by vorböring eine marck lödich sülvers 
helffte dem rade und de ander helfifte intt ampt, so mach 
olderman den gesellen vor sick nemmen und em dat vorbeflet^ ’ 
so he idt dann nicht underwegen leth ", schall he by uns in kein^ 
wege gefordert werden**. 
26) Item alle*» goldtschmede, se sin meister edder gesellen, ^ 
buten landes edder binnen landes butten desser statt edder *“* hin** ^ 
desser*» edder in andern orden egen hertt offte egen rock 
den hedde edder wyff und kindt gehatt hedde und darnah hicr*^^ 
kerne, de schall noch vor meister edder gesellen hier denen et 
angenomen werden. 
27) Item*® so ock ein geselle in unse statt queme, de ^ 
geve binnen landts edder butten landts gearbeidet hedde by e*** 
1 n : WÛ. 
2 H: fehlt. 
3 H: vorzcgc statt van hir iögc. 
■1 li: auch he. 
3 H: auch he. 
ü H: arbeiden und fehlt. 
7 C : edelgestcnte. 
8 B: folgt denn. 
9 C: don. 
10 B : folgt unnd. 
u B: folgt so. 
12 B: folgt auch unsres ampts nichts sugenissen hahenn. 
13 B: alte. 
14 B : folgt hier. 
15 B: fehlt. 
i&lt;&gt; B : fehlt.
        <pb n="327" />
        Goldschmiede. 
307 
^Grüchteten goldtschmiede, de unsers ampts nicht werdich were, 
Schall hier keinem goldtschmede lenger denen* denn vertein 
he bewyse denn sine unschuldt nah rechte, und^ so ein ge- 
Selle hir3 arbeit forderde by twen goldtschmeden, so schall he 
ärheiden by deme, dar he^ erst arbeit by gefordert helft, so** hier- 
^Ver klag geschege vor dem oldermannc, scholen se beide brecken, 
goldtschmidt einen daler und« de geselle einen halven daler. 
28) Item idt ^ schall ock nen goldtschmidt mehr holden alse 
gesellen unnd dre jungen, idt » dat se sick denne under sick 
^*der darumme vertragen, und so ein^ goldtschmiedt einen jungen 
** de lehre nimpt, de schall thosehen, dat de junge van ehrlicken, 
Düdschen unberüchtigen lüden van vader unnd moder echt 
'^**d recht gebaren sy, wente keinem’® unechten” schall hier’* ge- 
J^det werden dat ampt tho lehren’®, darvor schall he’^ gewisse 
hebben und den jungen nicht ringer annemmen denn vyff jahr. 
29) Item’® so de junge in sodaner bestembden tydt, wo de'® 
j|*^ge borgen darfur helft, de vor em gelavet, sinem herren wick- 
^^’g wordc, so scholen de borgen dem goldtschmede de kost 
^^halen und den schaden entrichten, wesz de goldtschmidt mit 
?^^te aver en bewisen kan, würde ein goldtschmidt dessen artickel 
’^ht holden, so schall he darvor brecken einem erbaren rathe und 
ampte eine halve marck ” lödich’® sülver, de mach he" lösen 
^^thwelff marcken, so vaken als se*® sick darinnen versüth. 
’ H 
* R 
® R 
’ R 
® R 
® R 
7 R 
« R 
® R 
10 jj 
” R 
’* R 
13 ß 
14 ^ 
15 jj 
10 jj 
R 
18 ,J 
19 ,5 
20 ,j 
àcy keinem f![o/lsch miede nicht tenger dienen. 
fehlt. 
othier. 
steht he. 
folg-t aber. 
fehlt. 
htem idt fehlt. 
cj sey denn statt idt. 
item we/ch statt nnd so ein. 
folgt der. 
folgt iS. 
(ithier. 
oder des zu genothenn. 
statt he steht hier sehenn das er. 
nnnd. 
folgt borgenn vor ihn ge/obet habenn wicha/ßg 
fehlt. 
todigs. 
steht auch he. 
einer. 
20*
        <pb n="328" />
        3o8 
Goldschmiede. 
30) Item SO ^ jennich goldtschmiedt^ alhier in unser statt 
were, he were, Gott geve, meister eclcler geselle», und dem older- 
manne neven dem oldesten in dessen vorgeschreven artickeln nah 
uthwising desser schrägen kein gehör gegeven hedde edder geven 
wolde, also dat dar klage aver geschege vor den amptherren, d^ 
schall van einem erbaren rath nah uthwising desser schrägen 
ernstlich gestraffet werden. 
31) In allen vorgeschrevenen artickeln will sick ein erbar rat^ 
de overste handt und macht vorbeholten hebben, desülvigen na 
gelegenheit der tydt tho verändern, tho verbeteren, tho corrigir^*^ 
und nicht tho verminneren, tho doen und tho laten, als en kes 
behaget^ und so» nütte düncket®. 
Geschehen und vollendet am aven dt Joannis baptistae (23- 
anno Domini 1542 ^ und isz desse schräge dorch de ersamen nn 
vorsichtigen herren Patroclus Klocken und her Johann Spenckhus 
null tor tydt verordnete® amptherren, uth befelch® eines erbarm 
Raths den gedachten goldtschmeden averantwordet mit ernstliche*^ 
befehle sich allenthalven darnah tho richten und tho holden. 
Und ich Johan Geistier und zur Zeitt obgemelts eines erbaue ^ 
raths oberster secretarius, Trierschs Stiffts clerick, von bäpstlie^ 
und keiserlicher macht offenbarer Schreiber, habe diese** schräge^ 
ausz geheiss und befelch eines** erbarn raths und beider vorgemc 
amptherren mit eigener handt geschrieben und uff der goldtschi^*^ ^ 
underschrieben mit meinem namen und zunamen, welches ich hic 
öffentlich bekenne. Anno et die ut supra*». 
1 H: wer cs sache dath, statt so. 
2 B : folgt edder geselle. 
3 B: Der Satz von he were bis geselle fehlt. 
4 B : duncket. 
5 B: fehlt. 
B : behaget. 
7 B : Tausenlh ftniß'hunderlh unnd twe und veriigstenn. 
N B : ardente. Böthführ, Die Rigische Rathslinie, Nr. 443 u. 461. 
3 C : befele. 
10 Im Original steht Grisler. 
" B : folgt gegenwärtige. 
12 B : mergestiniptes. 
13 B : statt ut supra steht etc.
        <pb n="329" />
        Goldschmiede. 
309 
33. Goldschmiede. 
Schrägen vom 22. November 1561. 
Stadt-Archiv in Riga, Bestätigungs-Urkunde des Schragens der rig. Goldschmiede 
^ J' *542 durch König Sigismund August v. 22. Nov. 1561, bestehend aus 4 Perga- 
'^^ntblättern, 37 cm. hoch, 29 cm. breit. Das Siegel von I itthauen, an einer weiss- 
^^'dcnen Schnur, aus rothem Wachse in gelb wächserner Umrahmung, misst im Durch- 
"^^sser 12 cm. . Dieses Dokument beansprucht insofern auch ein besonderes Interesse, 
es sich als die älteste der bekannten urkundenmässigen Originalausfertigungen 
Uns überlieferten Schrägen darstellt. 
Sigismunclus Augustus, Dei gratia rex Poloniae, magnus dux 
^Rhuaniae, Russiae, Prussiae, M^sovdae, Samogitiae Livoniaetjue 
^Gt., dominus et haeres, significamus praesentibus literis nostris 
^biversis et singulis, tjuorum interest, exhibitas esse nobis per con- 
^'^iarios nostros certas literas. Germánico sermone in pergameno 
^^nptas, sub titulo proconsulis et consulum totius(|ue senatus civi- 
^^tis Rigensis per tjuendam Joannem (?risler \ supremum ejus urbis 
^^^retarium, ex Trevirensi diócesi oriundum, utracjue authoritate 
^Postolica et imperiali notarium publicum, subscriptas, continentes 
(juasdam ordinationes seu instituta aurifabrorum Rigensium 
'^^iiistjue pro parte tribus seu communitatis aurifabrorum ejusdem 
^•'^¡tatis Rigensis humiliter et obnixe supplicatum existit, (juatenus 
et omnia, in illis contenta, authoritate nostra regia confirmare, 
^Pprobare et ratificare dignaremur, cjuarum cjuidem literarum tenor 
Verbo ad verbum se(|uitur et est talis: Ps folgt der Schrägen 
Jahre 1542*. 
l^ie Schlussformel lautet: 
^os itacjue, Sigismundus Augustus, rex Poloniae et magnus 
Pithuaniae praefatus praeinsertas literas et omnia, in illis 
^Intenta, tancjuam eas, (juae publicae utilitati non adversentur necjue 
^ ^*'^^torum usibus dérogent, sed ad tuendum et conser\ andum 
*^^^inem plurimum faciant, in omnibus earundem literarum punctis, 
'^y^ulis, articulis et conditionibus confirmandas, approbandas et 
l^^^'ficandas esse duximus, prout confirmamus, approbamus et rati- 
^^nius per hasce praesentes, decernentes eas robur debitae firmi 
obtinere debere. Harum testimonio literarum (juibus in fidem 
^^^Gmissorum segillum nostrum est subappensum. Datae \ ilnae 
' In einer Abschrift des Goldschmiedeamts steht Geisler. 
Un . ^ Rine hochdeutsche Übersetzung mit geringen Anklängen an das Nie er eutsc e 
q ^ einigen Abweichungen von der Abschrift im Schragenb. d. Gescllsch. Í. Gosch. 
■ ^'(^rth. in Riga. Die wichtigeren Varianten sind als Kussnoten zum Text angegeben.
        <pb n="330" />
        310 
Goldschmiede. 
vigésima secunda mensis novembris anno Domini millesimo quiO' 
gentesimo sexagésimo primo, regni vero nostri trigésimo secundo- 
Sigismundus Augustus, 
Rex Lith. 
Nicolaus (Radziwil 
Palatinus Vilnen. et Cancellarius st.)‘ 
34. Goldschmiede. 
Schrägen vom,26. April 1582. 
Lade der Goldschmiede in Riga, Papierheft in Folio. 
Stephanus, Dei gratia rex Poloniae, magnus dux Litthuam»*^’ 
Russiae, Prussiae, Masoviae, Samogitiae, Livoniae et cet., princeps 
Transilvaniae, significamus praesentibus litteris nostris, cjuoruin 
interest, universis et singulis, harum noticiam habituris, exhibit^^ 
esse nobis nomine seniorum totiuscjue fraternitatis ac contubernio 
aurifabrorum civitatis nostrae Rigensis litteras pergameneas, 
serenissimum Sigismundum Augustum, regem Poloniae, praede 
cessorem nostrum, confirmatas manuque propria ejusdem subscriptor^ 
et sigillo in zona cericea mag ni ducatus Litthuaniae appenso, comían 
nitas, sanas, salvas et integras omnisque suspicionis nota carentes, 
continentes in se certos articulos ad bonum ordinem et regimeor 
eorundem aurificum pertinentes, supplicaruntque nobis humilité^ 
iidem aurifices, ut easdem litteras omniaque, in illis contenta, unadire 
et articulos nunc ratione accipiendi laboris aurifabrorum in continent* 
civitatis Rigensis: extra fraternitatem praefatorum civilium degentin*^ 
additos, ex superioritate et authoritate nostra regia approbate, 
ratificare et confirmare dignaremur. Quarum cjuidem litterarn* 
tenor de verbo ad verbum (Germánico idiomate sequitur estque ta 
Es folgt nun der in der Bestätigung Sigismunds Aug^^^. 
enthaltene Schrägen vom Jahre 1542 mit Einschaltung von 
neuen Artikeln und der Schlussformel: 
§ 13 (12) ^ Item damit nuhn solch vorgehende artickel wegen &lt;■ 
1 Die zwischen Klammern stehenden Worte sind einer alten Abschrift 
Lade des Goldschmiedeamts entnommen; im Original kann man die bctrefl^'* 
Worte kaum erkennen, da sie vom Moder fast verwischt sind. 
ä Die beiden in der Amtslade der Goldschmiede aufbewahrten Abschrift^" 
Schragens v. J. 1582 weichen von einander in der Numerirung der 
Art. 13 (12) des von König Stephan von Polen bestätigten Schragens 
dem Artikel 18 des Schragens v. J. 1542.
        <pb n="331" />
        Goldschmiede. 
3" 
^Grlaszenen wittfrauen in seine wirde nicht magk erhalten werden, 
haben dieselbe unsere königl. mayestät aus sonderlicher 
^^gnadung folgenden artickel befreyhett und hin zusetzen laszen, 
"^^Ich von Worten zu Worten also lautendt, dasz wo von diesen 
^2 obgedachten goldtschmiedten einer stirbt und Hese eine ehliche 
frau nach, dieselbe soll die zeit ihres lebens ihres seligen mannes 
geniesen dasz amt unverhinderlich zu gebrauchen und zu gen- 
^i^sen haben, jedoch so sie sich in ihrem wittwenstande ehrlich 
^^thalten würde, da sie sich aber wiederumb befreyen wolte, soll 
einen erlichen gesellen nemen, dar ein ampt mit zufrieden, und 
es auch wirdigk nach laut unsren schrägen und sein meister- 
sambt allen gerechtigkeiten, wie ein ander vor ihm gethan, 
und vollenbringen»; so aber eine stete durch tödtlichen ab- 
losz würde und keine widtfrau nachbliebe, so soll sofern 
^•nes goldschmiedes sohn binnen unser Stadt in unserm ambte 
gebohern [oder gleichfalsz eines goltschmiedesz tochter in unsrem 
^l^pt geboren]* diesellige stete zu genieszen haben, jedoch so ferne 
sich ordentlicher weise befreyen und nach amtsgebrauch unvor 
^^iszlich verhalten und alles, wie sichs eignet und gebüret, \er 
*^*chtet wird nach laut unsers schragens und ambts gerechtigkeit 
20 (iy)4. Es soll sich niemand verdreuszen binnen oder buten 
Stadt Riga zu setzen heimlich oder öffentlich das goldschmide 
zu brauchen, ausbenommen die zwolff goldschmide, so binnen 
in einem beschlossenn ambt sein; sofern aber einer binnen 
Stadt darüber beschlagen würde, sol ihm alles genommen 
'^»■den, und die helfte einem erbaren rade und die ander helfte 
ampt verfallen sein. So jemand aus“ der Stadt beschlagen 
^^de sol gleichfalsz alles dasjenige, so bey ihm gefunden wire 
■ * in der dem Goldschmiedeamte gehörenden jüngeren Abschrift des Schragens 
. ■ '5*2 lautet der Schlusssatz folgendermassen: „So aber eine sc 
msmmm 
haben." 
Die 
zZisIhen Klammern stehenden Worte befinden sich in einer Abschrift 
^i'Psten Schragenbuches der Stadt Riga. 
' I« der jüngere» Abschrift des Schragens v. J. .5«: sieht: ^usserkaH.
        <pb n="332" />
        Grosse Gilde. 
312 
an Silber, gold und werckzeige, alles verhöret sein, die helfte konigj- 
mayestät und die ander helfte dem ambte unvorfenglich der konig • 
may estât \ wie gewöhnlich ahn kayser und kunig hoffe. Oie ander 
aber, die auf ihr eigne handt dem hoffe nachziehen oder sonsten 
herrngoldschmide auf zwo meile weges nicht gelitten, sondern tl*^^ 
wir die frey verjagen und zu vertreiben macht haben, auf dasz einigk^^ 
in unsern ampt und al verfelschung der arbeit von silber und gold sO 
wohl binnen als buten der Stadt, so viel mügliche, muge verhütet werden- 
Nos itaque, Stephanus rex praenominatus, supplication! hujus 
modi bonigne annuentes, litteras praeinsertas ommiaque earn 
contenta in omnibus punctis, clausulis, articulis et conditionÜ^^ 
atque hos additos articulos approbandos, ratificandos et con 
mandos esse duximus approbamusque, ratificamus et coniirniain 
praesentibus litteris nostris decernentes eas, si et in quantum .1^ 
cummuni non dérogent, vim et robur debitae firmitatis obtin 
debere. In cujus rei fidem et testimonium praesentes manu nostr 
subscripsimus et sigilla nostra regni et magni ducatus Litthuai 
appendere jussimus. . ^ 
Datum Rigae die vigésima sexta niensis Aprilis anno milles^ 
quingentésimo octogésimo secundo, regni vero nostri anno se- 
Stephanus rex. 
Jacobus Prawenczki st- 
35. Die Grosse Gilde. 
Schrägen vom Jahre 1354* ^ 
Arch. d. Gr. Gilde in Ripa, I’erjramenthcft, 22 cm. hoch, 17 cm. breit, 
mit 23 Linien versehenen Hlättern bestehend, von denen 5'/^ unbeschrieben ^ 
Die inneren Seiten der mit Leder überzogenen Ilolzdeckel sind mit je 
lateinischen Aufzeichnungen beschriebenen rergamentblatte beklebt. Auf der ^ 
vSclte des Pergamentheftes, fast auf der Mitte der Seite, steht vermerkt: 
in den fastelavcndU 1856 mrc. 20.Der älteste Theil des Schragens 
zum 53. Art. inch Die Numeration stammt aus der Zeit nach dem .1^'’^^’. 
resp. 1613. Vergl. Monum. Livon. antiip Bd. 4, S. CXCVl. Nachher 
Numeration wegen Theilung des 31. Art. vom 32. Art. an corrigirt worden. ^ 
meisten Artikeln des älteren Theiles und nur bei einigen der späteren 
kurze Inhaltsangaben von einer späteren Hand beigefügt, die beim Abdruik 
Berücksichtigung erfahren haben. Abg. Monum. Livon. antiq. Bd. 4, S. GL 
exev u. Liv-, Est- und Curläiid. Urkb. Bd. 2, Nr. 950. 
1 In der Jüngern Abschrift des Schragens v. J. 15X2 
folgt: Hoff-Croldschf* 
■d(-
        <pb n="333" />
        Grosse Gilde. 
3:3 
In Godes namen, amen. Up dat de werck desser jeghenwor- 
^'Rhen tit nichten werden versumet van der krancken ghedecht- 
^isse der lude, so plecht men se mit breven unde mit schrift tho 
^^vv'aren, hir umme witlik sy alle denghenen, de nu sint unde noch 
körnende sint, dat in den jaren unses Herren dusent drehundert 
^ncle in deme verendefichichsten jare de mene kumpanie, beyde gast 
'inde borgher, van den kopluoden * des tho rade worden sint in der 
tho der Ryghe, dat desseme huse unde desser kumpanie enen 
^^men ghegheven hebben, also den hof der kumpanie van den 
^*^pluden*; de mene kumpanie mit gichtighen munde desse schra 
desse broke, de hir navolghet, ghevulbort hebben der en- 
^*'ächt unde ghemakes willen unde anders nene. 
0 I ho deme ersten male, so wanner eyn der kumpanie beghert, 
Seal men entfan mit vulbort der menen kumpanie, unde de seal 
^^cven eyne halve marc sulvers, des scholen körnen vif ore tho 
eilenden luden tho bestatende. 
2) Veret oc also, dat hir eyn man den anderen inbringen wolde, 
Seal körnen sulfderde vor de olderlude en inthowervende, unde 
^ ^0 Scholen anders nicht van eme weten den van eme echten 
Van eyneme ghuden knapen; unde weret, dat he ejn besproken 
unechte knape were, unde se ene hir inbringen wolden mit 
'^^rsate, de scolden betheren eyn gewelik en Lyvesch pnnt wasses, 
des nicht tho latende. Vortmer were hir gemch man, de 
quades van eme vuoste» unde dat vorsveghe, de dat dar na 
^ppen Wolde, de schal betheren twe Lyvesche punt wasses un e 
tho latende. 
3) Vortmer so en seal neyn man eynen gast bidden tho dnn- 
hee en wete, dat hee eyn ghut knape si, bi eme halven 
Aschen punde wasses 
4) Veret och also, dat eyn man eynen viant hadde in desser 
''^nunie unde but sik de man tho betheringe, men seal ene entfan 
"" ^ur neghesten stevene, moghen se sik under des voy en 
unde ghut, moghen se nicht deghene, dar brake an is, de sca 
kuinpanie enberen. 
^chra^en 1610; foljjt : der grossen GUdestuben. 
Pas o Sicht iin Original ül)er «lern u- 
^chrajçen 1610: die Anj^abe des Strafgeldes ich
        <pb n="334" />
        1 IJas o steht im Original über dem u. 
Grosse Gilde. 
314 
5) Vortmer so sint se des tho rade worden, dat men nenen 
ammetman edder hantworden na desser tit noch misseprester 
entfan seal. ^ 
6) Och so sint se tho rade worden, dat men nenen Lndudis 
entfan seal dor ghemakes willen. 
7) Vortmer en gewelich man, de dar eynen gast inbringet, 
seal gheven vor en ses kubesche penninge. 
8) Vortmer so se eyn gewelich man dar tho, dat hee also 
danighen gast mit sich inbringe, dat hee siner nicht in schaden kotn 
9) So wanne de olderman spreket, so seal men lust gheven, 
so we des nicht en doyt, de seal betheren eyne marc wasses. 
10) So wanne de olderman eyne stevene budet, so en seal 
man ut der kumpanie gan, id en si mit orlove des oldermano^^^ 
gheyt hee aver ut sunder orlof, hee seal betheren eyne ^ 
sulvers. . . jgjt- 
11) So we deine oldermanne unghemak doyt eite sinen 
teres, de seal betheren eyne marc sulvers, also dicke alse 
breket. 
12) So welik man, de de klocken ludet sunder hete gifte sun 
orlof des oldermannes, de seal betheren eyne marc wasses. 
13) So wanne de olderman eyne stevene kundighet, so 
man, de vorsumet de benuomede* stevene, de seal beteren 
marc wasses, id en si, dat hee sich redeliken untsegge moghe 
sake weghene. 
14) Veret och, dat eyn twist upstunde in der kumpanie,^^^^ 
God nicht en wille, unde de olderman dor des willen eyne 
kundighede, so welich man dor hoverdigheyt willen de 
vorsmat unde dar utgheyt, de seal beteren eyn half Lyvesch 
wasses. . 
15) Vortmer weret, dat geneghe twidracht worde in der 
nie, de twidracht seal men hir inne vorliken, unde weret, dat 
also homodich were, dat hee de kumpanie vorlichtighen wok % 
de sulven sake nicht vorliken laten wolde na ghuder lude segen 
rade, unde were, dat also dat hee vor den raat edder vor de \ 
ghinge, also danich ghelt, als hee deme rade edder den 
betheren scholde, also danich ghelt scholde hee betheren 
panie, unde des nicht tho latende; weret, dat hee sik dar
        <pb n="335" />
        Grosse Gilde. 
315 
Setten Wolde, so scholde hee def kumpanie enberen unde noch 
clat ghelt utthogevende; were dat och also, dat en ut unser 
^^rnpanie ene dartho helde edder anherdede mit rade, mit dade. 
^^ch men ene des vorwinnen mit twen mannen ut der kumpanie, 
Seal betheren eyne marc sulvers. 
t6) So wellik man deme anderen mit tornighen mode quade 
ghift, als Schalk edder des ghelikes, de seal betheren eyne 
marc sulvers. 
^7) Is id och, dat de ene den anderen def heet edder des 
lihelikes^ dat an sine ere gheyt unde an sine vuore \ de seal beteren 
Lyvesche punt wasses. 
*8) So wellik man den anderen sleyt binnen der kumpanie, 
^ Seal betheren eyn schippunt honighes unde eyneme geweliken 
^*^dere eynen verdingk. 
^9) Vortmer we den anderen sleyt uppe der strate, dewile 
de drenke waren, de schal beteren der kumpanie eyne marc 
, Vere dat also, dat genich man claghede vor der tafel, des 
nicht Volbringen mochte, de seal betheren eyn half Lyvesch 
Wasses. 
, ^0 Vere och dat, dat genich man dobelde binnen desser 
^^panie, de seal betheren eyn half Lyvesch punt wasses. 
^2) Veret ok, dat genich man den anderen bespottede in 
mode, dewile dat de drenke wareden, de seal betheren 
half Lyvesch punt wasses, nichtes nicht tho latende. 
^3) Veret, dat eyn man upstunde unde ghinge mit eyneme beker 
g ^ho der anderen bank edder sette hee den beker bi sich d«ile, 
den schenken hebben mochte, de seal betheren twe artich. 
::4)Weret,datutunserkumpanieeynvanderzequemeedder 
weghe in de kumpanie vor deme talpennmge, de seal 
eme anderen; is id ok, dat hee dama inkompt, so seal 
^^ode unde uns willekome wesen. 
) Weret ok, dat genich man van unser kumpanie ir m er 
^^i'e tho den tyden, wanne unse drunke waren, unce ce 
' vormede, de seal beteren eyn half Lyvesch punt wasses, 
dat et eme beneme herenbot edder sukedaghe ofte armot, 
hewisen moghe vor der menen kumpanie. 
o steht im Original über dein u.
        <pb n="336" />
        I 
Grosse Gilde. 
26) Veret ok, dat genich man ut unser kumpanie vorarmede, 
de en darf der kumpanie tho den drenken nicht schuen, des hee 
eyn ghut knape sik 
27) Vortmer so en seal nen knecht stan bynnen der dore ^ 
eyner marc wasses. 
28) Veret ok, dat gennich man spreke in des olderinanne^ 
wort, wanne dat hee spreke, de seal beteren ver marc wasses. 
ghelikes an sinen bisitters, so wanner dat se in der tafelen si ^ 
29) Vortmer so en seal men nene kannen utsenden noch sc 
men nene vordrenke noch nadrenke hebben noch wesen mer, 
dat de tit is, dat men upsluot*, so kome de junge mit deme o 
unde de olde mit deme jungen. 
30) Weret, dat en dans upghenomen worde tho speiende, 
we dar intret, de seal des speles volghen bi eneme halven h) 
sehen punt wasses, id ene si, dat hee id wedderspreke in 
ersten ummegange vor deme oldermanne k 
31) Vortmer so wanner dat se körnet up dat market, so sch 
se nicht mer dan dre dust tho hope don, id ene s y mit 
oldermannes unde der wisesten; dar umme so se eyn gewehk m 
wo dat hee in den dans trede. 
32) Vortmer weret, dat genicli man also homodich 
des oldermannes bodes tho ghuder wis nicht achten wolde, de sc 
beteren eyn half Lyvesche punt wasses. . 
33) Vortmer wellik man, de tho schenken ghekoren 
seal sulven schenken bi ver marc wasses edder he seal et he 
mit orlove des oldermannes. jg 
34) Veret, dat genich man were, de mit wapene hit 
kumpanie c^ueme efte ene samelinge niakede van binnen 
edder van buten inwordes, de seal beteren eyn schippunt 
unde der kumpanie to enberende. ^g 
35) Vortmer so en schal nen man eynen gast bidden^^^^^^ 
kumpanie, de umme Ion denet by eyneme halven 
punt wasses. 
1 Am Rande von späterer Hand: arm broder darß nicht bruchiH- 
2 Das o steht im Original über dem u. 
3 Schrägen vom Jahre i6io: hin/.iigefügt der Schlusssatz von Art. 33- 
sehe ein jeder, wie er in den Tancz tritt.
        <pb n="337" />
        Grosse Gilde. 
317 
36) vSo wellik man, de enen gast bringet, de seal dat den 
Sherdeluden witlik don, unde deyt hee des nicht, hee schal beteren 
marc wasses; unde betalet hee nicht vor sinen gast des anderen 
^^ghes, so schal hee beteren twevolt. 
37) So wellik man eyn licht van deme borne nemet sunder 
eje schal betheren ene marc wasses; doyt dat eyn knecht, 
here seal vor eme beteren. 
38) So wellik man enen beker an tornighen mode tobrecket, 
Schal beteren eyn half Lyvesch punt wasses. 
39) So wellik man den anderen mit eme beker medes gifte 
^tes ghuot * vor sin antlat an tornighen mode, de schal beteren 
schippunt honighes. 
40) Weret, dat eyn man de olderlude lieh ^ nedderworpe up 
erden, de schal beteren eyn half Lyvesch punt wasses. 
41) Weret, dat eyn man breke unde vor sinen broke en pant 
^^tede, dat pant, dat schal men holden tho deme neghesten drenke, 
loset hee des nicht to deme neghesten drenke, so schal men 
. P^nt verkopen unde (unde) ® dar van den broke beteren, unde 
^ ^^r wat enbovene, dat seal hebben de ghene, des dat pant 
is. 
^ 42) Vere dat also, dat eyn man ejueme ut unser kumpanie, den 
gheplaghet hadde, dat sin ghut nat were worden, deme schal 
untwiken also lange, went hee dat sine berichtet hevet, unde 
Schal hee den liof rumen. 
43) So wanner eyn olderman ghekoren wert unde wedder- 
hee dat, hee seal beteren eyn schippunt honighes, unde 
""^^ilerspreket hee dat tho deme anderen male, so seal hee gheven 
half schippunt honighes, unde wedderspreket hee dat tho 
derden male, hee seal betheren eyn schippunt wasses, unde 
^ ghelikes by allen ammeten. 
. 44) So we den gherdeluden unlust deyt binnen des, dat de 
,'^"'•lude Sitten, gifte na des, dat de olderlude upghestan sint, de 
t^yn Lyvesch punt wasses; breket och eyn gast, de wert 
^^etheren vor ene. 
45) Vortmer so seal men nenen schenken kesen, id en si mit 
gherdelude bi eneme halven Lyveschen punt wasses. 
bas o steht im Original über dem u. 
* fiir licht. 
im Original ausgestrichen.
        <pb n="338" />
        3i8 
Grosse Gilde. 
46) Veret, clat genich man sin mest vustede in ernsten mode 
up enen man binnen deine hove, unde wert id besen, hee so 
beteren eyn half shippunt wasses, unde tut hee et ut, hee scii 
beteren eyn heyl schippunt wasses h 
47) So we dar ghut ut eneme beker also vele, dat hee m 
eneme vote bedecken nicht ene mack, de seal hetheren twe artic i- 
48) Vortmer weret, dat spellude worden ghewunen tho der 
hant der ghemenen kumpanie, de en seal nen man dar utnemeO 
sunder orlof des oldermannes unde der wisesten bi eme halve 
Lyveschen punt wasses. 
49) Vortmer tho deme vastelavende, wanner dat eyn dans 
kumpt in de kumpanie van buten tho, dar seal nenian inspring^’^’ 
unde wan se sitten, so seal neman vor en stan noch neman schenken' 
hee en si ghekoren edder ghebeten by ver marc wasses. 
50) Vortmer were, dat genich man brokehaft worde in dessjj^ 
kumpanie, dat broke wert were buten den broken, de hir bescrc'^^ 
stan, so seal men hir utsenden ver ghude man, de eme sinen bro^^^ 
vinden, dar na seal hee leven in der olderlude mynne unde 
wisesten unde der ghemenen kumpanie. 
(51)^, ® Vortmer wan de broder de drunke betalet hebben, 
scolen de kemerer nemen ses ore pennige, dar scolen se ^ 
mede kopen unde gheven dat brot vor de leve Godes, unscs lo' 
h eren Jesu Cristi, alle den ghenen tho gnaden unde to trost , 
de dar Icvendich sin unde dot sint ute desser kumpanie. 
(52)^ So wenne de drenke ghedrunken sint na elikenic 
drenk^ 
def 
de 
des neghesten daghes seal men des avendes de ver licht m 
kerken untfengen unde dar enbinnen dat boldic spreden, 
seal vigilie singen unde des morghens vif selemisse vor al de g 
de vor desser kumpanie vorstorven sin Gode tho love unde 
eren unde erer sele tho ghnaden; dar seal eyn gewelich m* 
körnen bi euer marc wasses unde don unsen vor varen nls« 
also hee wolde, dat men eme dede na sineme dode. 
1 Schrägen v. 1610: der Art. 46 falsch verstanden; er lautet: 
auch SU, das einer mutwillig mit seinem Mist tind Unßate einen andei tt ^ 
Hoffe verunreinigte, wer dt es besehen, so sollen gehen ein halb Schiff 
und zeugt et ess aus, er soll geben ein gansz Schiff'pfundt Wachs." 
2 Die Paragraphen (51)—(53) sind im Original durchstrichen und unnumc 
3 Am Rande von späterer Hand: dit is gewest, und wart nicht met 
4 Am Rande von späterer Hand: dit iS aff.
        <pb n="339" />
        Grosse Gilde. 
3:9 
(53)* Vortmer so sint se des to rade worden, dat men eme 
S^Welikeme eilenden like, dat jeghenwordich is to sunte Peter 
to sunte Jacob, ene misse seal laten don an Godes ere; oc 
®ynes geweliken jares na aller sele daghe^ so seal men teyn misse 
^•tigen laten gyfte lesen al den seien to tröste unde to gnaden. 
50 (54) Ok so seal men alle desse vorbenomeden broke holden 
der lotghilde (?) dor ghemakes willen.® 
(55)^ Vortmer so wanne dat de olderlude sitten in der tafelen, 
seal nyn man drinken in synem hoyken bi twen artichen. 
52) (56) Oe so we hir nicht en is, wan dat men de schra be- 
Spinnet tho lesende, de seal beteren eyne marc wasses. 
53) (57) Vortmer so sint des de menen brodere overen ghe- 
^^nien unde sind des tho rade gheworden, dat men de lichte maken 
laten umme penninge ghuden luden, de dat konen unde de 
Wert tho voghet, unde dar en seal nen kost wesen; unde de 
g^^rdelude, de scolen sik dar mede nichtes nicht beweren bi deme 
*^^ke, den de kumpanie dar up vindet. 
(58)® So welk man in unser cumpanie sik vorneddert, alse een 
to nemende, de schal der cumpanye untberen. 
54) (59) Vortmer so welk broder in unser cumpany e enen andern 
cumpanye to bringende inwerven wil, de seal jrsten selfderde 
'■^iler vor den olderman unde sine bisitters körnen ter tafelen 
nemens raed unde enen.xMTa«n, eer he dentokonxmden 
utbringet bi enem Lives pund wasses®. 
55) (60) So welk broder to schenkende gekoren "crt, 
to rechter tytl konien, vran de klocke (Ire sknt, uncle bringen 
^'!tte dwelen mede to den bekeren tho drogende unde doen. 
Cm boret to donde bi vif mark pund wasses 
Aiti Rande von späterer Hand: flV/ iS dot. 
2. Novbr. 
. Schrajn v. .6,„: Art. Auch volUn aUe dUse vcri^lU P«nct^&gt; «nd 
' vHUn fesUgHch gehalM 
Original durchstrichen ist, wie auch Art 54 -"&lt;1 .55 
schrie 
„ .. .ve.w. ..ekenti 
^ ^^oene i iJsp/undt Wachss. 
TM . “S'-“ »• 4-VIl. , 
mekrer Einigkeit willen festigHch gehalten wer e 
g Griginal unnumerirt 
tiiesc Inscription, die im
        <pb n="340" />
        320 
Grosse Gilde. 
56) (61) ‘ Anno Domini düsent 500 und 34 den 20. dach novem 
bris is de gemene kompanie ens gewordenn, wo dat fortmehr na 
dissen dagenn de olderman, wan he to guder wis vorbot 
hefift, eyn halff stündeglas upsetten sali, unde wan dat stündeg as 
uthgelopenn is, de dar nha kumpt, sali an süment 6 schillinch np 
leggenn; were ith och sake, dat genich men so homödich 
de des oldermans bades tho guder wis nicht achtenn wolde, ^ 
sali eyn halff lispunt wasses beterenn, id so dann, alszo dat eme 
beneme herennboth edder sukedage, dat he bewisen möghe. ^ 
57) (62)* Anno dusent vyfhundert unde twe unde vertich ^ 
sunavendes na pinxsten is de gemeyne kümpanie ens geworden, 
wenner de olderman to guder wys vorboth gedaen hefift, tver 
gennych man so hochmodich were, de des oldermans gebades 
güder wis nicht achten wolde, de schal eyn Riges ferdinckstuc ^ 
betteren, id sy den, also dat en beneme herengeboet edder 
dage, dat he bewysen möge », so vake alse ein ider in brocke v» 
58) (63)4 Anno düsenth vifhünderth einunthiefitich den se ^ 
tenden Januarius is de gemnne kümpennie ens gewordenn unn^^ 
bewilligeth, wie nha düsenn tiden uthblifth, wen dar vorbodth 
de sal brecken to jeder tidth ein schrickenborger, is ncht^^ 
Schillinge Riges, unnde den brocken sollen forderenn de 
brodder to jedder tidth wesende midth sampt deme knechtte " 
dieser tidt sali geholdenn werdenn; werth sacke, dat jemandtz 
homodich were unnde des nicht don wolde, da schall uha ir* 
düses contracktz unde bewilliwngh to jeder tidth ein schip^^^^^ 
wases betternn, unde werdt zacke, dat jemandes sick weder ( ^ 
contrackt unnde bewilghüngh strüen worde unde des alderm^^^^ 
unde gemeinner kümpennie gebodth nicht achten wolde, ' 
unser broderschoph nicht werdich sin unnde van unser kümp^ 
henforder blifen unde uthgedan sali werdenn. 
59) (64)^ Ock is de kumpanie des to rade worden 
olderlude to donde hebben buthen den drencken ghuder 
wene se dar to laden, de sullen dar to körnen by einem vcr« " 
id sy also, dat dat em beneme herenbot oder sukedaghe, 
bewisen moghe. 
1 Art. 56 ist von einer dritten Hand. 
2 Art. 57 ist von einer vierten Hand. 
3 Die folgenden Worte sind von einer fremden Hand. 
4 Art. 58 ist von einer fünften Hand. 
0 Diese und die folgenden Artikel sind von einer sechsten 1 land
        <pb n="341" />
        21 
Grosse Gilde. 
321 
60) (65) Ock is de kumpanie des to rade worden, dat welk 
de bynnen der dooren ^ steit, den siillen die gherdelude vor 
tafelen brengen, de knecht sal betheren 6 ore, unde weret, dat 
gherdelude den knecht nicht vor de tafelen brachten, so 
^^Men de gherdelude malk betheren 6 ore, unde des nicht to 
latende*. 
hl) (66) Ock is de kumpanie des to rade worden, dat nyn 
'^‘^^ghedrencke edder nadrencke wesen (sen) ne sal by einem 
i'Ves punt wasses, un de wanne de olderman orlof ghevet, so sal 
jewelic man ghan unde nicht natosittende noch gheste to bid- 
^tide by einem Lyves punt wasses; vortmer nynen schencken in 
kelre to ghande by eyme Lyves punt wasses unde einen 
^Ppen to lopende unde enerleye beer to drinckene dem jungen 
dem olden. 
hz) (67) Vortmer is de kumpanie des to rade worden, weret, 
ymant den anderen blut wunde ut unser kumpanie, dewile 
ghedrencke wäret, de sal sinen broke beteren unde der 
^tnpanie dar to unberen^ 
hß) (68) Vortmer is de kumpanie des to rade worden, ofte 
man brokaftich worde, den broke sal he betheren in der 
^'ene vor der ghemeynen kumpanie. 
^4) (6y)4 Anno düsent vif hünderth negen undth foftich denn 
^stelavendt heben alderlüde unnde elstenn bewilligeth, wie nha 
l^ser tidt in de bencke gekoren werdth unde nicht bi der tafel 
f gewesen is, de schollen ein jeder in sünderheidth der küm- 
, ein half dosin rein tinnen glese gegeven ahnne wedder- 
("-^ckendth. 
^5) (70)5 Vortmer so is des de kompenye ens ghevurden, 
man to sprekende heft vor der tafelen, de mach dar vor- 
I sulfdertle unde spreken syn vurt sulven by enen halven 
^^Punt wasses. 
^ (71) Vortmer so is des de kumpanye ens ghevurden, dat 
J^mmmde bi ck k^ien sah he ^er^ghrn-d^mm 
id en sy en cdclernian, de der kumpanye veHich were. 
g zweite o steht im Original über dem ersten &lt;?• 
j ^^bragen v. 1610; die den gherdeluden angedrohte 
. ^^bragen v. 1610: soll seine Straffe geben nach 
^Pattic. 
Strafe fehlt. 
Erkentnus der ganesen 
4 
5 
^^iese Inscription ist wieder von der fünften Hand, 
•bese und die folgenden Inscriptionen sind von 
&lt;*11. 
einer siebenten Hand ge-
        <pb n="342" />
        Grosse Gilde, 
322 
67) (72) Vortmer so is des de kumpanye ens ghevurden, sj 
welk man, dede broder is in den rechten drunken, de sal ok bro er 
werden in den lòtdrunken. ^ 
^Item weret ok, dat jementen wif neme van unsen broder^^^ 
de schal gheven ene tunne beres idder de werde van ener tun 
beres dar mede der drunke vrig. 
68) (73) Vortmer so is des de kumpanye ens ghevurde^ 
wellik man, dede wert ghekoren to meygreven, de sal 
ammetlude kesen in dem velde behalver|n| de schafFer, descha 
kesen in deme g(l)ildestovene myt vulbort des oldermannes 
syner wysesten; ok en schal de meygreve nene vorkost dun,^^^ 
syner rechten kost; weret sake, dat he vorkoste dede, also va^^ 
alse he dat deyt, so schal he beteren ene mark Ryghes, un 
nicht to latende. 
69) (74) Vortmer so is des de kumpanye ens ghevurde(|| 
wamme den meygreven kesen schal in dem velde, so en 
me nemende in den köre esschen, he en si broder in deme g • 
stovene unde mede utgereden.» 
70) (75) Vortmer so is de kumpenye ens ghevurden, velk 
de vor enen olderman steyt, dene en schal me vor nencn «u 
greven kesen, de wile he vor olderman steyt. 
71) (76) Vortmer so is de kumpanye ens ghevurden, 
schal kesen de bysittere unde de kemeres und gherdelude &gt; 
vulbort der oldesten. 
4Vortmer so is des de kumpanye ens ghevurden, dat 
hilghen kerstes daghe nicht drinken en schal, unde latet ^ 
sch olden umme der hochtiit wyllen. 
72) (77)0 Vortmer so is de kümpenye ens geworden, 
schütten schullen ver daghe drinken, den ene dach na deme 
sunder, were id sake, dat de meydach (jveme in der sch^ 
drunke, so scholen de schütten deme meygreven entwyk^n 
enen dach, wente id is syn hogeste dach. 
1 Schrägen v. 1610: Lösstmnck. 
2 Diese Inscription ist durchstrichen. ^ 
3 Die Worte unde mede íit¡&gt;eredcn sind von anderer Hand geschrie 
4 Diese Inscription ist durchstrichen. 
ö Diese Inscription ist von einer achten Hand geschrieben.
        <pb n="343" />
        Grosse Gilde. 
323 
73) (78)* Anno Domini düsent vifhündertnegen unde sostich 
olderlüde unde oldesten ens geworden, dat nen broder sal 
^^genamen werden, sunder idt sal ein ider sin gebortbref den 
^^(lerman an der tafel laten averantwerden, edder dorch twe güde 
laten averantwerden », als den so sollen de breve in der 
^^nier wol dorchgelesen werden, daran ein ider sin böschet ge- 
S^ven werdenn. 
74) (79)* Anno 1610 fastelabendt ist disse grote companie der 
^^^ten gilde einis geworden, wan der olderman vorbodt deit tho 
|^&gt;iliker wise, dat ein jeder sali erschienen by verböring 6 farding 
^(^ontinenti afthofordern oder tho panden, idt behindere ehm dan 
^hiifte, de sali he bewisen; wem ock sonsten etwes vorhinderliches 
^^rfelt, de sali sich by dem olderman entschuldigen oder ehr sali 
^ bewilligte straefFe erleggen, welche averst des oldermans ver- 
moetwillich vorachten, dehnen sali thom andern mael an- 
^^kündiget werden, wen verbodt geschuet tho kamen b) twe lis- 
Wals, und dat thogeven und nicht natholaten, so he nicht 
Kamen de den nicht, sali solchen thom drüdden mahl 
l'Sekündiget werden by 5 lispündt wasses, dat afthofordern soll 
'”^bt underlaten werden. Würden sich dennoch etlike hierjegen 
'^^Gthwillich ertögen und dith alles vorachten, solchen sali thom 
mael angesecht werden by verlüst der brüderschaft und 
^ ^Gstaven freyheiten, und sali aver solche moethwillige Steven 
^^bolden werden. 
. 77) (82) Der knecht mit den pandtbrüdern sali ein stündeglafs 
Wer ein veerendeel na negen schiegen kümbt, der sali 12 
!.. 78) (83) Wegen der küchenbrüder hebben de brüder mit eher 
I ^ Und oldesten sich vereiniget, wer na disser tydt twe Jahr im 
^•■gerstande geseten und umb de broderschop sich nicht beworven, 
sah angemehlet v^rden, dat se in den «"sum vorsthanden 
de broderschop gewmnen by pöen ein kdfT sdnppundt 
versitten se dat, so sallen se solches unnahlessig g:e:ven und 
^^Igende steven de bröderschop gewinnen by poen ein sc ip- 
vendtten se solclces thom drü(lden niael, so sali ebnen 
i^kündiget werden, de bröderschaft tho gewinnen by ver ust 
J Inscription ist von einer neunten Hand gesc ne 
j ^•^hrajçen v. 1Ò10: der Satz von „edder“ an fehlt, 
biese und die folgenden Inscriptionen sind von einer ze 
Hand geschrieben. 
21*
        <pb n="344" />
        324 
Grosse Gilde. 
wicht und wage und aller bröderliken freiheiten, hörgerliken nahrung^ 
vermöge statüti, welckes besagt, dat nemandt borgernahrung àoe 
sali, he sy den ein broder der beiden gilde. 
36. Die Grosse Gilde. 
Schrägen vom Jahre I610. 
Arch. d. Grossen Gilde in Riga, Folioband in gepresstem Lederdeckel 
zwei Messingschliessen, Schrägen Nr. 88. Auf Bl. 4—15 folgt nach der „g 
druckten Einleitung (Bl. 2 u. 3) der Schrägen von 1354 in hochdeutscher :er 
und mit einigen Abänderungen, die als Fussnoten zum Schrägen vom Ja r 
angegeben sind. Die Inhaltsangaben der einzelnen Artikel sind mit * ^ . gn- 
an den Rand geschrieben. Eine spätere Abschrift im Stadt-Arch.; Gi e 
Sachen I, 9- . , Tebud 
Anno der minderen Zhall nach der gnadenreichen 
unsers Herrnn Heilandes und Selichmachers Jesu Christi 1610 
der Her Alterman Antonius Frölich nach altem löblichem Gebra^^^ 
einen StöeEen auff der grossen Cdldestuben ankündigen 
mit Bewilligung Elterleutte und Eltisten sampt der gäntzen erD_^^ 
Brüderscham, und nachdem das menschliche (Geschlecht jecz 
der leczten kalten und veralten Welt ann Schwachen des 
und der (Gedechtnus vielmehr unterworffen ist, wie man mn vi 
Historien findet, als für langen Jahren nicht gewesen, auch 
Menschen Alter sich nicht weit erstrecket, auff das alsz í er 
Mensche vonn dem andern hören, lernen und erfahren möc 
inn ihren (Gedechtnussen haben, propagiren und vortseczen, 
fur Ciebreuche fur undencklichen Jahren hero bey dieser lo ’ 
Companey der grossen (Gildestuben im (Gebrauch gewesen 
weiln nichts verschrieben, dahero dann grosser Mangel gesp 
unter Elterleutten und Eltisten, die jetziger Zeit gelebet, 
sachen, wie angeczogen und dann auch, das der eine nact 
andern durch den zeitlichen Todt wird weggeraffet, alsz 
schier umb die Wissenschafft der wolhero gebrachten 
(Gebreuchen dieser (Gildestuben gekommen und auch künfftig k ps 
solte, darum!) man hochnötig erachtet, das men dieselbigen in 
verfassen und inn diesem Buche verschreiben lassen, welch 
durch viele M^ege ist behindert worden, bisz das ich, An 
Frölich, Anno 1613 leider andermählig in der Altermanscha 
habe müssen ziehen lassen, da ich dan bey dieser auch 
. 
1 In allen dem Schragenbiiche Nr. 88 entlehnten Stücken ist auflallen* 
statt /r fast immer cs geschrieben.
        <pb n="345" />
        Grosse Gilde. 
325 
Anderer grosser Alühe den Nachkommen zur Gedechtnus dieses 
wollen insz Werck richten auff Anhalten der sembtlichen 
^^b'sten, und soll fur erst der Gildestuben Schrägen inn diesz Buch 
•nsz Keine geseczet und ausz dem westphälischen 1 eutschen inn 
^^sere jiztge Sprache transferiret und übergeseczet werden, damit 
jederman deutlich verstentlich lesen und verstehen müge. 
Zum andern weiln dieser Schräge fur undencklichen Jahren inn 
dem Papismo und Aberglauben gemachet ist, darin dan eczliche 
^inötige auch ergerliche Puncta, das dieselbe daraus mügen ge- 
^sen und ubergangen werden. 
Zum dritten so habs auch darzumahl mit unserer Stadtpolicey 
viel andere Gelegenheit gehabt wie jeczo, dann die Companey 
newen Hauses daszmahl mit unser Gildestuben also vermischet 
^'^"■esen, das Burger und Gesellen durch einander gelebet, das 
Unterscheit unter den Kauffleuten, so Burger oder Gesellen 
S^tvesen, ist gehalten worden, welches aber zu dieser jczigen Zeitt 
®'^^"&lt;lert und inn unterscheidenne Stende verfasset worden und 
vann einander geschieden seint, also das man jecz auff unser 
'Mestuben keimandt zum Bruder annimbt, er sey dan ein Burger 
mitt einer Frawen wonhafft. 
^um vierden so sollen auch alle andere (.ebreuche und Cere 
’"""icn, so bey der Gildestuben gehalten, hierin verfasset werden, 
J"'! man umb dieselbe nicht kommen müge, sondern das die 
.^Ijltkommen sich daraus zuersehen haben, wenn .Stoeffen und 
"^^ncke gehalten werden, auch wie man sich bey den Ceremonien, 
“'Voll vor als im Vastelavendt und hernacher verhalten soll, fer 
fV und barmherczige Gott, von dem alle gute Ordnung zu unsz 
""""en, wolle gnediglich nach seiner mihlen Barmhercz.gke.tt 
"■'"il'en, das diese löbliche Bruderschafft inn dem Esse, w.e s.e 
liei,e Vorfahren angeordnet, bleiben auch von uns und 
Nachkommen immer muge vorige,dlanczet werden, dam.t 
firbarkeit und gut Vertrawen inn der Furchte Gottes immer 
und vorth wachsen muge, bisz wir entliehen m.t den s,taten 
^kommen der Brüderschafft, die uns Christus erworben the,1- 
, wer,len und wir auch sie dafür Gott, den ewigen V alter. 
Christum, unsern .Seiichmacher, mit den heiligen Geiste, allen 
heiligen EngHn und Auszerwehlten f.ottes, ewig o &gt;en um 
tilgen, amen.
        <pb n="346" />
        326 
Grosse Gilde. 
37. Die Grosse Gilde. 
Fastnachtsordnung vom Jahre 1613. 
Arch. d. Grossen Gilde, Folioband in gepresstem Leder mit zwei 
schliessen, Schrägen Nr. «8. Bl. 16-26. Eine spätere Abschrift im Stadt-A 
Gildcstuben-Sachen I, 9. 
Inn Gottes Nahmen, amen. 
Seint der grossen Gildestuben Cjebreuche und Cerenion^^^ 
welche von altershero bey uns im Gebrauche gehalten, inn nac 
folgende Puncta verfasset worden: 
1. Erstlich ist diese Companei und Hoff von Münster ein^^ 
geworden, das niemandt inn den I runcken vonn diesem 
vonn Münster auff den Hoff von Soste gehen soll, es sey &gt; 
dan vom Altermanne erlaubet. 
2. Es soll je und allewege die Burgerschafft zum Weimgst^|| 
sieben Wochen fur Vastelabendt auff unsern Gildestuben 
gefurdert werden sich zubereden, ob man im Vastelabende I 
halten wolle oder nicht, und wann so man sich beredet, un 
ann der Docken einsz sein, so überstimmen die von der Do 
die Elterleute und Eltisten; seint sie aber zweistimmig, so sttm 
man drumb, und geben alszdan die meiste Stimme das Rechtt- 
3. Wann Truncke zu halten gewilligt worden seint, so *0^^^^ 
kunfftig gehalten werden, wie es fur diesem ist gehalten 
nemblich, dasz sich Alterleute und alle die alten Eltisten^^^^_ 
reden, wie es mit dem Bierbrawen solle gehalten werden, 
wenn Gerdesmennere so viel vorhanden, welche inn die 
gekoren und sich eingedienet haben, und eim jeden nach 
Vermugen aufferlegt wird, ¡der sich eingedienet, dem komme 
onera nicht so schwer ann als dem andern | wie man 
Mahll zum Exempel haben kan, einer von den Gerdesleuten ) ‘ 
zwey Brawelse Bier, dann ihrer drey, ein jeder ein Brawelse,^, ^ 
Chemmerer *fur dis Mahll nvey*\ wann es eingeprufet ist, so 
es von Elterleuten und Eltisten geseczet, wie sie es einseczcn^_^^^ 
zu Rechnung bringen sollen, welches dan mit ihrem Vortei 
geschehen kan. 
1 Die zwischen Sternen stehenden Worte sind von späterer Hand an 
an Stelle einiger im Text durch starke Streichung ganz unleserlich 
Worte beschrieben.
        <pb n="347" />
        Grosse Gilde. 
327 
4* Wann aber so viel Gerdesleute nicht verbanden, welche die 
^ästerey inn der Kammer fur Vastelabendt auszrichten, als zwey 
^^er mehr, welchen dan fur diessmahll das Hrawen auiferlegt 
^Grden kan, so soll es hinfort also gehalten werden, das fur allen 
^^ingen die Männere, so die (lästerey auszrichten, verbanden sein, 
müssen beide Chemmerere das gancze Hier brawen oder brawen 
^^ssen; wann aber mehr Gerdersleute verbanden, wie vorhin gedacht, 
^^Iche die Gästerey inn der Kammer auszrichten können, es sey 
oder zwey, denselben wirtt man je und allewege altem Gebrauche 
ein oder zwey Hrauwelse Biers zubrawen aufferlegen, nach 
die Personen qualificiret sein. 
5* So hatt man sich auch vereinigett, das die Gästerey, so offt 
^*^selbe kan gehalten werden, so woll fur dieszmahll als inn 
^önfiftigen, des Dingstages fur dem Vastelabendt inn der Braut- 
Jammer solle geschehen, und seint fur dieszmahll welche die 
/Gsterey auszrichten, unsere Gerdesmännere, Andreas Dassel* und 
^^¡nholt Beyer», welche die Geste selbst des vorigen Tages 
müssen und die Unkosten ertragen, welche darauff gehen, 
^^sserhalb des Biers. Man soll auch iczo so woll m kunfftigen 
nicht mehr als drey (Berichte oder Essen aufftragen lassen; 
^^raten inn Vässer sollen kleiner gehawen werden, damit es 
Erbarkeit gemesz und nicht zum Uberflusz gereichen müge 
P Verwilligung der Straffe, welche je und alle Wege bei Elter- 
und Eltisten stehet, wen inn diesem ein Übertritt geschieht, 
soll auch keine Botter oder Käse auffgetragen werden.] 
, Nach dem Essen thut der H. Alterman die Dancksagung 
2^^'' *ier Kltisten einer, der ann des H. Altermans Stelle ist; es 
^sz aber allewege das Handtwasschen furher gehen. 
7- Man get,raucht auch kein Scheihenltrott, sondern lellore. 
Nach der Dancksagung traget man auff Eisern Kuchen, gell, 
"eisse, sonst keine andere noch einiges Cieback mehr, son ern 
“nd 
'■‘»•luuij 
j "’an sie haben kan, Epffell, Hirn und Nüsse; dieselbe seint nach 
den Gerdesleutten, welche die Gästerey ausznehten werden, 
'ket. 
S»- So werden gebeten die sembtliche Hernn des Kahts und 
H. Secretarius; ausr dem ehrwürdigen Ministerio (he beulen 
! t .63s. Vcrsl. Monu,,,. I.lvon. an,i„., Bd. 4, S. cfCXXVB O v ..assC, Die 
Dassel in Riga, Deutscher Herold, V 
^ *(&gt;38. Vcrgl. Monuni. Livon. antiíj-i "t’
        <pb n="348" />
        328 
Grosse Gilde. 
H. Pastores; ausz der Schulen der Rector, Conrector und Cantor, 
die sembtliche H. Elterleute und Eltisten. 
10. Die Gerdesmennere mügen ein jeder auff denselben tagk 
vonn ihren Freunden nicht über drey bitten, weiln sie nicht können 
geseczet werden. 
11. Wenn aber keine Trüncke gehalten werden, und Gerdes 
leute verbanden, müssen dieselbe darumb nicht still siezen, sond 
auff Behebung der Elterleute und Eltisten die Gästerey auszrichten 
nebst dem Bier auff ihren Unkosten, oder aber ann derselben Ste J 
dem Gildestuben zum Besten sich mit ein Stück Geldes abfm ^n 
12. Im Fall aber Altersleute und Eltisten keine Gerdeszleut^ 
haben, so stehet es bey ihnen, durch den Chemmerer drey 
vier Tonne Bier einzulegen und zwey Gerichte dabey zu 
damit sie Gildestubengebreuche unterhalten, Rechnunge einnehm^ ^ 
Richtigkeit machen und hinter ihnen lassen mügen, welches 
alle Vastelabendt geschehen soll. 
13. Wenn Trüncke gehalten werden, so wirt das Bier 9 od^ 
IO Tage fur Vastelabendt in der Brautkammer eingeschmcc 
worzu der Chemmerer auff Befehlig der Elterleute ein oder 
(Berichte schaffen musz, und wird alszdann angeordnet und 
Chemmerer anbefohlen, wie das Bier im Vastelabendt lauffen 
geschencket werden soll, welche Unkostung der Chemmerer ‘ 
die allgemeine Trunckunkostung berechnet. ^ 
14. Wenn man Trüncke heit, so soll der wortführende'' 
Alterman selbstander mit seiner Antecessoren oder der 
einem am Sonnabendt bitten die Hernn des gantzen Rahts, 
Herrn des ehrwirdigen Ministerii, die H. Collegen der Schulen, 
Hern Doctores Medicinae und Juris auch sonsten ander hohe 
sonen und Officianten. 
15. Wirtt den Eltisten durch den Knecht angesage 
folgenden Sontages darnach, welcher ist der Sontag f^r 
Vastelabendt, das sie nach altem (lebrauch erscheinen 
Glocke 9 Steven zu halten und sich über alle Puncta zu bered 
woll der ganczen Bürgerschaft. 
t 
16. Des Sonnabents oder Sontages fur dem Vastela 
der wortführender Bürgermeister auff Anhalten der 
„n«prm Gildestuben Knechte einen Diener mit den KüchenbrU
        <pb n="349" />
        Grosse Gilde. 
329 
^ ^*^fhalten. 
^iizurnelden, das sie Brüder werden bey Verlust Wicht, Wage und 
burg(;rnahrung auch bey Böen, wie im Schrägen enthalten. 
17. Menn hatt hiebevor des Montages im \ astelabendt einen 
‘'Schreiber erkohren nach altem Gebrauche, welcher des Mitwochens 
^ber den ganczenn Gildestuben au ff seinen Unkosten hatt speisen 
müssen, welches dann manchem inn die acht auch neunhundert 
*^ärck zu stehende kommen; wann men aber dieser unser Stadt 
•czigj^n Zustandt und Ungelegenheitt ansiehet, da man durch den 
^^•^gWehrenden schwedischen Krieg verarmet, alsz hat man ^ ann 
''Pfeile des einen zwey Schreibere durch Elterleute und Eltisten 
^rwehlet, bei dehnen es noch stehet und bleibet, damit die Un- 
*^osten desto leichter auff sie ankommen möchten. Es soll aber 
'^'^szfals der Chemmerer den Elterleuten und Eltisten vier Personen 
'^O'-schlagen, ausz welchen durch die meisten Stimme zwey erkohren 
'"^rden, und wann dieselbe erwehlet, so soll der Gildestuben Knecht 
®^Hes 2 oder 3 Wochen fur dem Vastelabendt durch ein Zettel 
Schreibern wissen lassen, das sie zu solchem Ampt erwehlet 
das sie sich darzu schicken des Mitwochens im Vasteiabende 
speisen, doch nicht zum Überflusz sondern zur Notturfft. |Da 
aber einer dessen verweigern wurde, so sollen die Chemmerer 
Cükhesmben speisen, und der sichs irerweigeM:, scdl jsolche 
’ikosten tragen und beczalen bey der Böen, so im c ragen 
"’"’alten. I 
’8- So werden alle Vastelabendt Steven gehalten, es gesche en 
"Cke oder nicht. Die Emitter werden verseczet, "«r -J rage 
^ gelesen.' Und folget, das des Montags Elterleute und Eltisten 
'ln die Kammer finden und Beredung halten, wte t le .mpter 
=«et, (lerdesleutte, Beysiczere und Chemmerer erwehlet und 
' die Beredung geschehen, so gehen Eherleute und Elttsten 
’ausz, seczen sich ann ihre gewöhnliche Stelle em Vater unser 
y lang, so Ist der Tisch bekleidet, die Dichter semt angezundet, 
■uan ausztrittt darnach gehet der Her Alterman s.czen mit se.nen 
’kzern ann den Tisch so stehen 4 "er jüngsten Eltisten fur 
u; dann finget der H. Alterman an, repetiret und wiederholet 
ur von ,1er ganczen erbarn Cemeine zum .Vltermanne erweh et 
■ und wasz tingefehr furgelautfen, thutt die Dancksagung dabe-
        <pb n="350" />
        33» 
Grosse Gilde. 
neben, das der liebe Gott Elterleute und Eltisten so woll alsz auch 
die gancze erbare Gemeine in zimblichem Eriede, Ruhe und 
Stande das verschienen Jahr mitt gutter Gesundtheitt und 
stendtnus mit unser Stadt Obrigkeitt hatt zubringen lassen, un 
dieselbige, die nach Gottes Willen ausz diesem Mitteil genommen, 
denselben wolte Gott die ewige Gemeinschafft verleihen, 
Lebendigen nach seinem väterlichen Willen erhalten, bisz sie selig^'^^ 
nachfolgen, wenn sie ihren Sticken erreichet wünschende, un 
streichet solches nach seinem Vermügen und (jaben ausz am Besten 
so er vermag, saget damit sein Ambt auff, bittende, ein erb. gerne 
Hurgerschafft wolte ihm die Beschweer des Altermansstandes h 
nehmen, er hette gethan, wasz inn seinem Vermügen gewesen, 
sein Gewissen gefreyet, das ein ander ann seine Stelle mocht^ 
erwehlet werden, dem (iott mehr Verstandes verleihet und lU 
hohem Gaben gezieret hette, dem gemeinen Nütz zu dienen. 
19. Es ermanet auch der Her Alterman nach seinem Vermüg^” 
ein jeden zu der Brüderschafft, dieselbige anzunehmen und zu BegercU 
ausz vielen Umbstenden, welche je und allwege furfallen, furnemB 
aber umb der Gildestuben willen, dasz dieselbe nicht unterkomUj^ 
das auch ein jeder sich und die Seinigen betrachte, Gott wo^^ 
einen jeden gesegenen; wann aber hernacher die Noth entstun ’ 
das er oder die Seinigen der Taffeigilde geniessen müge, 
furnemblich auff die Bruderschafft geordnet ist, so (ge)gereichet aU 
die Annehmung der Brüderschafft zur Verbesserung der 
Giffte, dieselben, welche Kirchen und Schneien dienen, zu uu^^ 
halten, so viel die Fundation der milden Giffte vermagk. 
diesem fehret der H. Alterman forth, wie hernach folgert. 
20. So lest man den Schrägen durch der jüngsten 
einen lesen; wenn das geschehen, so fehret er weiter, ksset 
Glogke ziehen und ruffet : „Wer zu klagen hat, der klage zum urf . 
Mahle.“ 
21. Zum andern Mahle wird die Glogke geczogen, so 
der H. Alterman: „Wer zu klagen hat, der klage.“ 
22. Zum dritten Mahle wirdt die Glogke geczogen und a 
geruffen: „Wer zu klagen hatt, der klage.“ 
Da sich dan eczliche finden, welche klagen, so wird (Bese ^ 
Klage eingenommen und von Elterleuten auch Eltisten ff*'*^* j^gfi 
alszbald sie inn die Kammer tretten; hatt man aber fur den 
keine Zeitt, so wird es bisz morgen oder übermorgen versehe
        <pb n="351" />
        Grosse Gilde. 
331 
23. Lest der H. Alterman die Glogke leuten, rufifet ab. » Ich 
gebiete zu hören ! Wir haben Heisiczer zu thuen, da kiesen wir zu fur 
^‘eszmahl Henning Bertramb, das ist, der furm Jahre von der 
^hemmerey abgetretten ist, und Jurgen Henckendorff , der nun 
Von der Chemmerey abtretten wird. Diese Beisiczere siezen künfftigen 
^nd nicht diesen Vastelabendt, also soll es hiemit fur und fur ge 
^^Iten werden.“ 
24. Wird die Glogke gezogen und abgeruffen: „Wir haben 
^Wey Chemmerer zu thuen, dazu kiesen wir“ et cet. und nennet die 
l'ersonen, das ist der Unterchemmerer und der ihme inn der Banck 
der Ordnung und Session folgett. 
25. Wird die Glogke gezogen und abgeruffen: „Wir haben so 
'¡^iGerdesleutte zu thuen“, und saget dabeyausz den Numens und 
^^vnach die Personen, so viel man jedes Mahll kiesen kan. 
26. Wird abermahl die Glocke geleutett: „Wir haben zwey 
^chensleute zu thuen“, und nennet die 1 ersonen. 
^ 27- „Wir haben zwey Schreiber zu thuen“; die vorher gekoren 
*^^int, Werden alszdan abgeruffen. 
, 28. So werden der Jüngsten Brüder zwey gekoren so die 
^^chsten zum Keller sein sollen und gute Achtung darauff geben, 
werden alle Abent dieselbe abgelöset und andere inn ihre 
erwehlett. 
rlrey mitt ihren Dwelen erscheinen und nicht aus 
l'oen, so inn dem Schrägen enthalten; die Dwelen 
"""kh hinauffgebracht werden, ehe die Herrn ankommen. 
Inland 1844, S. 39 u. 62ft. 
1
        <pb n="352" />
        332 
Grosse Gilde. 
junge Eltisten und lasset bitten, das sie zu Elterleuten, EltisteO 
und erb. Gemein auff den (dldestuben kommen wollen; zu 
Hern des ehrwirdigen Ministerii und Collagen der Schneien schicket 
man inn die Kirchen bey der Schneien und lest sie ebenmessig 
bitten, sie kommen aber gemeiniglich zusammen. 
33. Wann die Hernn hinnauff kommen, so stehen Elterlettte 
und Eltisten fur der Gildestuben Thüer auff einer Rege zu 
rechtem Handt, der H. Alterman im Worte am ersten, und also 
nach der Ordnung empfangen die Hernn und heissen sie wilkorniuc 
mit dem gebräuchlichem Handtgeben; Elterleute und Eltisten bleih^*’ 
stehen, 4 der verordenten Jüngsten mit 4 Kartissen’ inn ihf^^ 
Händen brennende tragen, 2 stehen fur der Thüer, auff einer 
Seiten, und 2 gehen fur dem Bürgermeister her bisz ann die Ste^ 
da sie sich seczen, darnach gehen sie mit den Kartissen ' inu 
Kammer und erlosschen sie; die andern, so fur der Thüer stehen. 
wenn die Hern alle hinnauff gangen, gehen dieselbe ebenmessig ni 
den brennenden Kartissen’ nach der Kammer und erlesschen s 
daselbst. 
34. Wann sich die Hernn geseczet, so seczen sich auch 
leute und Eltisten ann ihren Ortt entlengst der Seiten ann 
Brautkammer bisz oben hinauflf. 
35. Stehen 4 Schencken zuerst für den Hernn, sobald 
ihnen haben zugetruncken und hinunten abtretten, so folgen ' 
Eltisten von unten auff, diese werden verwechselt nach Beredu ^ 
der Elterleute und Eltisten, wan sie sehen, das es Zeit ist. Earna^^_^ 
nimbt man woll 6 Personen, welche den Hern zutrincken, so 
die 
der 
on 
H. aber siezen, so ist der H. Alterman mit 5 oder 6 Personen 
leezte. Es sollen auch die obgedachte Schencken und Eltisten ' ^ 
den Unteutschen, so das Bier auffholen, die Gläser nehmen 
den Hernn überreichen, auch von denselben die ledige ^ 
wiederum!) empfangen und dehnen inn die Handt geben, 
das Bier auffholen, damit es ihnen nicht zur (Grobheit mügc 
gedeutet werden. 
36. Wen die Hernn wegkgehen, so seczet sich der Her 
man mit seinen Beisiczern, so kommen die Schencken und 
ihnen zu. Darnach kommen 4 Eltisten und trincken dem 
1 Muss Tartissen heissen.
        <pb n="353" />
        Grosse Gilde. 
333 
^^nne und den Beisiczern auch zu mit den kleinen selbem Bechern, 
^^nn die vorbey sein und trinchen weiter, so kommen andere 
^^dsten fur den Alterman stehen, bisz die Becher umbgangen und 
den Tisch gelegt seint, so schicket der Alterman der Eltisten 
ann die siezende Elterleute und Eltisten, lest sie fragen, was 
äbruffen solle; wen derselbe wiederkombt, lest er die Glogke 
^*^hen und spricht: „Wer einen Gast hat, der pfelge sein und trincke 
einen Vollen zu und mache ihme einen guten Mögen, damit 
alle gutes Mögen.“ 
37- Zum andern Mahle gehen die selberne Becher umb, wann 
J^jeselbe wiederumb auff den Tisch gelegt werden, so schicket der 
Alterman, wie vorgedacht, lest fragen, darnach lest er die 
^^logke lernen und spricht: „Ich gebiete zuhören! Mier stehen die 
^^lichen Mern Schencken, welche den gantzen 1 agk geschencket 
ihren Dingen gnug gethan haben und wollen andere ann ihre 
erwehlen. Darzu kiesen wir“ und rufft ein jeder Schencke 
seinen ab mit Nahmen; denselben Schencken sagt der Knecht 
Morgens frue ann, das sie ihre Dwele hinanuff bringen und sich 
i^^^sönlich einstellen kegen die Glocke lo. 
38. Zum dritten Mahle gehen die selberne Becher umbher, 
sie nun umbgangen von den Schencken und Eltisten, so 
sie auff den Tisch gelegt, so thut der Mer Alterman aber- 
*^=^^1 wie vorhin, schicket 'einen der Eltisten ab und lest fragen, 
"’^sz er abruffen solle, und lest wiederumb die Glogke ziehen und 
ab: „Ich gebiete zuhören,“ und spricht darauff: „Es ist Zeitt 
Hause zugehen, kommet morgen wieder, man soH ewer 
''sser pflegen.“ Damit stehet der Mer Alterman auff und gehet 
seine Stelle siezen mit seinen Beisiczern, so treuen die Schenc 'en 
&gt;hn, lüstet ihm den mit seinen Eltisten zu trincken, das stehet 
amdl dem Adurmanne Mxmmes^g er 
''' halt, 4 voller G^ise Bier lest auffholen und dimck^ damit 
Schemcken ab, dmsdbc nehmen sm fur heb ann und mugen 
^^^an ihre Dvvden abnehmen und wcgkg:chen oder sie rnugen 
gMien und udndten, wores ihnen geliebet;so mmbt dieser 
'*K «in Ende. 
39. 
Desz Dingstages pflegen Elterleute und Elt.sten Vor- 
wlederuntblnn L Kammer zu kommen, und so steh eczl,che 
Hruder zu wer,len, die lassen sich einwerben .lurch zwecn 
'"""er, so werden sie eingefurdert, ihr Del,urtshr,eff verlesen und
        <pb n="354" />
        334 
Grosse Gilde. 
also fur Brüder angenommen. Wenn das geschehen, so kommen 
Elterleute und Eltisten ausz der Kammer ungefehr die Glogke 
oder 3 Nachmittage, so seczet sich der Her Alterman mit seinen 
Heisiczern ann die Taffell, dann tretten die Schencken mit \iei* 
jungen Eltisten fur sie und trincken ihnen zu, und wird mit diesetn 
Zutrincken mit denn selbem Bechern gehalten, wie vorhin erwehn^^ 
worden. Welche Brüder sein, die werden angenommen mit folgen^ ^ 
Ceremonien: Erstlichen wird abgeruffen: „Wer einen Gast hat, 
trincke ihm einen Vollen zu und mache ihm einen guten Högcn, 
damit seit alle gutes Mögen.“ ^ 
40. Wenn die Becher zum andern Màhle umbgangen und aU ^ 
den Tisch gelegt, so wird abermals abgeruifen : „Ich gebiete zuhoren^ 
Hier seint ehrliche Männer, die wollen unsere Bruder werden,“^^^^ 
nennet sie bei Nahmen et cet. „Wollet ihr sie hän, so wollen wir 
empfän.“ Darnach kommen dieselbe Brüder fur den H. Alterm^^ 
bieten ihme die Handt, so wünschet er ihnen (ilück mit seinc^ 
Beisiczern; darauff müssen sie allen Eltisten die Handt geben, 
seint aber zwey der jüngsten Eltisten bestellet, die reichen 
den grossen Wilkommen, den musz ein jeder ausztrincken 
41. Zum dritten Mahle gehen die silberne Becher wieder u* 
mil 
lab 
wie zuvor; wan dieselbe auflf den Tisch gelegt, so fraget aberm ^ 
der H. Alterman, wasz er abruffen soll; wann er Bescheit 
lasset er die Glogke ziehen und spricht: „Ich gebiete zuhören 
ist Zeitt zur Mahlzeit zugehen, kombt darnach wieder, man 
ewer besser pflegen.“ 
42. Nach dem Essen ungefehr umb 8 oder 9 Uhr, so 
sich der Her Alterman aber mit seinen Beisiczern und heit dm ' 
beschriebene Ceremonien, als : 
i) „Wer einen Gast hatt, der trincke ihm einen Vollen 
mache ihme einen guten Mögen.“ 
2) Werden die Schencken abgeruffen nach den vörigen 
monien. 
43. 3) Fur den Keller zwey junge Bruder abgeruffen. 
4) „Es ist Zeitt nach Hause zugehen, kombt morgen Wi^ 
man soll euwer besser pflegen.“ 
44. Des Mitwochens im Vastelabendt heit man ebenm 
vörigen Gebrauch, wann Brüder verbanden seint; so keine 
handen, seczett sich der Her Alterman gegen die Glogke 
vorhin specificiret. Nach dem Essen ebenmessig also.
        <pb n="355" />
        Grosse Gilde. 
335 
45- Es musz auch nicht vergessen werden, das ann diesem 
Mitwochen Abendt nach Essens die Rechenmeistere fur den H. 
■Sherman gefurdert werden, oder der H. Alterman mit seinen Hei- 
^'Czern * lasset ihnen ansagen, das sie mit denn Chemmerern die 
^^chnung machen, was verzehret sey. Wenn das geschehen mit 
^orrigirung der Elterleute, so wird dasselbe auch diesen Abendt 
'%eruifen, wieviel Schillinge verzehret, und das ein jeder zahle, 
^ann nun die Rechenszleute das Ihre gethan, die Rechnung 
nichtig ist, so senden die Heubter ihnen die grossen Glaser zu 
'^oll zur Dancksagung fur dem Abruffen. 
46. Desz Donnersztages werden die Salczträgere durch zveen 
jungen Eltisten auff den Gildestuben geholet; denselben wird 
^^fgeseczet Hering, Stockfisch, und werden nach dem Alten 
^"^^ctiret, von den Schencken zugetruncken, die zeigen ihnen die 
und geben ihnen ein volles Glasz inn die Handt, dasz müssen 
ausztrincken und reitzen sie ann zu trincken, die Glase müssen 
nicht seczen, sondern inn den Händen halten, wie sie dann diesz 
Ms ihre eigen Eltisten haben mit weissen Stöcken, welche solche 
^^reuche unterhalten. 
_ 47. Wann die Salczträgere wegkgangen, so werden den 
^Itisten die übrige Brocken, so noch vorhanden, furgeseczet, folgig 
umb 8 Uhr gehet der Her Alterman abermaln siezen mit 
Heisiczern an den Tisch, alszdann halten die Schencken und 
den vöngen Gebramzh. Wann che sábeme Bed^r umb 
lasset der H. Alterman die Glogke ziehen und ruffet ab: 
einen (iast hat, der trincke ihm einen Vollen zu, damit seiet 
Mle fro. Hier ist genug, hie bleibet genug, vonn hinnen nicht zu 
^^^¡den, dasz Bier sey ausz* 
Bey i(X) Schiifpfundt Wachs, 
Bey i(X) Schiifpfundt Hachs, 
Bey KXJ Schiifpfundt 1 heer. 
Bey i(X) Schiifpfundt Schmer, 
Bey 100 Last Maltz, 
Bey i(X) Last Salz, 
Bey locj Last Habers tro, 
' Damit seit alle fro. ^ 
Gott gebe uns ein gutes Jahr darzu. 
A. Finis. 
S^schrielxMi.
        <pb n="356" />
        336 
Grosse Gilde. 
38. Die Grosse Gilde. 
Verordnungen vom Jahre 1613 über die Abstimmung. 
Arch. d. Grossen Gilde, Folioband in gepresstem Leder mit zwei 
Stad'- 
schliessen, Schrägen Nr. 88, Bl. 27 und 28. Die Inhaltsangaben der einzelnen Ar« 
sind mit rother Tinte an den Rand geschrieben. Eine spätere Abschrift im 
Arch. : Gildestuben-Sachen I, 69. 
Ausserhalb den Steven in gemeinen Stadt Rathschlägen auff 
Gildestuben werden nachfolgende (lebreuche gehalten. 
1. Der Alterman soll sich je und allewege richten nach 
Schrägen mit dem Verbott zu (zildestuben, das fur 9 Uhren ^ 
mittage er selbst mit den Eltisten da sey und die jüngsten 1 
bruder auch dabeneben, und seczen das Stundeglasz; wer nach 9 
kombt, soll Inhalt des Schragens 2 Groschen erlegen. 
2. Die Bürger, so nicht kommen, sollen gepfendet 
Brüder und Kuchenbruder, Inhalt des Schragens. 
3. Elterleut und Eltisten mügen warten bisz halbweg 
alszdann tritt der wortfuhrender Alterman mit seinen Eltisten auS' 
seiner gewönlichen Stelle, klopffet ann, das die Burgerschafft 
trede, und hebet alszdan ann zu proponiren, worüber man 
bereden soll. 'Es kombt zu Zeiten auch woll, das ein erb. 
eczliche ihres Mittels hinnauff sendet und lasse proponiren; wann 
geschiehtt, so rejietiret der Alterman nach der Hernn Abtritt 
eingewante Proposition und erklehret es, worum!) dasselbe 
schehen sey. Wann das verrichtet, so tretten die Bruder ann 
Docken, die Küchenbrüder aber inn den Hoff oder Küchen, 
Elterleut und Eltisten inn die Kammer, bereden sich über die 
ponirte Puncta. Wann die Beredung gehalten ist ann der Doc 
so furdern die Bruder 2 Eltisten ausz der Kammer, welche benen 
werden vom Alterman*. 
4. Nach genugsahmer Beredung der Elterleut und 
tretten dieselbe ausz der Kammer und seczen sich ann ihre 
au ff dem (iildestuben, die beide benante Eltisten treden ann 
Docken, wen sie vom Hernn Altermanne eingenommen, '^as 
ann die Docken tragen sollen. 
die 
sie 
1 An den Rand ist geschrieben : Karner an“. 
ä Die I,eitlen letzten Worte sind später hinzugeschrieben worden.
        <pb n="357" />
        22 
Grosse Gilde. 
337 
5' Dann fragen die Dockenmännere und sprechen: „Liebe 
Eltisten, wann sich die Hernn Literleut und Eltisten über des 
''^ortführenden Altermans Proposition beredet hetten, das wollen 
den Hern der HruderschafFt entdecken, das Unsere wollen wir 
hierjegen ihnen auch nicht verhalten.“ 
6. Wann nun also der eine dem andern Bericht gethan, so 
^^Gtten die beiden Eltisten mit den Dockenmännern fur den H. 
^Iterman und die sembtliche Eltisten und referiren, was die Hrüdere 
einen jeden Punct sich beredet und einzubringen beschlossen 
inn Anhörung der Dockenmänner, so dabey stehen, und 
ganczen Gemeine. 
7- Der Alterman musz zu allen Zeiten auch der Küchenbruder 
Meinung abfürdern; inn Anmerckung, dasz dieselbe so viel gilt, 
einsz Bruders Meinung inn gemeinen Rahtschlägen; sonsten 
der Altermanszwähll gilt Mann für Mann ebenmessig, wenn 
% Wey ich ist in einer Meinung, das man stimmet, gelten allen 
' dnimen gleich, Mann für Mann, nach dem Alten. 
8. Es ist aber inn Acht zunehmen, wan die Meinung derer 
der Docken der Elterleut und Eltisten Meinung uberwigt, wann 
'^^elbe inn billichen Rationibus bestehet, so müssen die Elterleute 
Eltisten der Bruder Meinung folgen. 
9« Wann dann der Bruder und Küchenbrüder Meinung vom 
^^trnanne ist eingenommen, so spricht der H. Alterman, es soll 
einem erbarnn Rahte fleissig furgetragen werden, damit 
'^Iden sie von einander. 
Io. Wenn man von der (7ildestuben gehet, so schic et c er 
" Alterman nach dem andern, und thun ihnen von beiden 
kundt, dasz sich beide Gildestuben beredet haben; ist es 
^^en bdd^^:ksnadi d^woM^^nmd«UHemn 
•■germeister und begeren, das Elterleut und Eltisfen fur den 
mugen verstauet werden; wenn solches nachgegeben, und ehe 
" f^Lir den Raht tritt, so referiret der kleine Stube der grossen, 
"'geschlossen, und vergleichen sich beide eine einhellige Meinung 
'^»)ringen, welche dann alle Zeit der H. Alterman vonn der 
Stuben einem erbarn Rahte referiren thutt, und seint also 
ilie Gebreuche der Gildestuben. 
Ach (iott all unser Thun regier. 
Das es gereich zu deiner Ehr.
        <pb n="358" />
        338 
Gürtler und Brezmacher. 
39. Gürtler und Brezmacher. 
Schrägen vom 29. Mai 1512. 
Schragenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Bl. 80 — 84. 
dieser Schrägen in der Überschrift und in der Einleitung die russischen Kräia^ 
namhaft macht, so ist er doch ausschliesslich für die Gürtler und Brezmacher 
Der Schrägen der russischen Krämer wiederum schliesst sich in fortlaufea 
Paragraphirung diesem an und enthält einige Artikel, die eine Zusammengehörig ^ 
der russischen Krämer, Gürtler und Brezmacher unter einander erkennen lassen. 
Der Reüssischen kremer, gordell- unnd breeszmacher schräge^' 
In Gades namen, amen. Int jahr dusent viflfliündert twollT 
pingestavende (29. Mai) uth bovell eines ersamen rades to 
hebben de ersamen Herren Carsten Pünnickhusen und her 
Meteler, de thor tidt kemerers na bogeren der Ruschen kremef*^^ 
gordel- unnd breesmacher eine schräge unnd gesette ene und 
cümpanien des amptes denende gegeven unnd die mit articü^^ 
unnd puncten tho dersülvigen beste unnd framen befestiget, 
machte gedelet unnd geholden, so hierna volget. 
1.1 Wer et sacke, dat einer gorder- edder breesmacker-^'^l^ 
leren wolde, de schall by enen meister 3 jhar umb idt ampt 
unnd ein jhar darna umb lohn demsulvigen meister, soferne he 
(lat 
frame, unberuchtet, bederve knecht, echt unnd recht, geboren 
2. So dessulvigen knechts lehrjare uthe syn und denne 
Jahr darna umb lohn gedenet helft, mach he arbeiden vor ein 
knecht in gemeltem ampte vollenkamen. 
3. Averst so ein knecht van buten int^ueme offt welk in nn^^^ 
ampte vor einen vollenkamen knecht gedienet unnd sin 
leret hedde, dechte sines sulvest tho werdende umb sick 
tho nerende bogerende beide vorgeschreven am;)t offte ein 
beiden, begeret he beide, so schall he 6 unstraifelicke stucke wefC 
alsz 3 gordell unnd 3 missings tuch in des werckmeisters 
macken, thom gordellmacker ampt i frowenngordell, i 
gordell mit pargamente dorchgestickett unnd i soszschillingsß^ 
mit peckedrade genedet; thom b|r|eeszmacker ampte ein 
breesze vam 4 loden, eine brede breesze vann 2 loden 
hoch van V2 lode; iszet he sodane stucke werckes unstrn 
personlicken maken kann, schall eh me mit willenn unnd 
1 Die Numeration rührt von derselben 1 land her.
        <pb n="359" />
        Gürtler und Brezmacher. 
339 
gemenen brödere fürder tho arbeidende unnd tho bruckende 
^^dent unnd gegen nt werden n, so he se ock nicht maken kann, 
Schall he by enen mester, so lange he se macken leret, denen 
^dder des ampts verfallen sin, dartho schall he hir thor stede ein 
jhär denen unnd darna dat werck eschenn tho der negesten stevene 
in dem jhare, ock schall he hebben 3 marck unnd i fr. Rigisch 
ungelehndenn unnd ungeborgedenn geldes, sin harnisch tho 
live unnd schall mit deme werckmeister unnd bisittere 
^^^ptlick vor die kemerers ghan unnd winnen die borgerschop 
Sein recht don als ein ander vorgedan helft. 
4- Item so knechte van buten quemen begerende tho arbeidende, 
Scholen tho des werckmeisters husz gähn, de schall denne de 
^^dernn meisters verbaden und den knechten meisters schaffenn. 
5- Neu knecht in den vorgeschreven ampten schall tho vor- 
sines meisters umb beergeldt binnen des meisters tiden ar 
sonder wen he sinem meister nicht mher tho arbeidende 
^^^olden werdt, unnd mit sinem verloeife. 
6. Weret welck knecht buten tides vann sinem meister uth 
ampte entlepe unnd na der tidt in der Stadt beschlagen 
offte wedder tho arbeidende tho einem andernn queme, de 
Sick by nenem meister enttholden, he hebbe erstenn smem 
'"^'■'gen, dar he by gedent helft, gestillet unnd in frundtschop van 
geschedenn, des schall he darentbaven vor dem ungehorsam 
^ ‘T-mpte brekenn i tunne bers unnd i marck Rigisch. 
7* De knechte scholenn alle werckeldage eren meisters tho 
gehoMenn sem ; ist sacke, dat se in ItHcken dage^rn 
freyenn willen versumelick sin ane eres meisters ver o te, 
(le meister vor enen jtnvelcken dach van erem kihn affsch an 
des schcden (ie knechte ock unses amptes boeme, u]) des 
licharnmes dach, ake v/aentlick unimedragenn liy i 
"^^^Punt wasses. 
. So ein gorder- oflfte breeszmaker enen jungenn thor leer 
densulvigen niafrk he em rnaentt langk umme th()vorsokende 
hoMenn, so (íenne darna denn jungen dechte vordan tho 
^^^^»ende, schaH he dat ersten deni tvercknudster votaviuhd^en 
^ ere an^pdiock tekenen laten, soferne Wt nicht geschuet 
den jungen darbaven ane des .erckmeisters v^etent beide, 
: dem an^pte, so vaken idt g^eschuet, 6 marckpunt .vaszes 
"^^^en hebben. 
22*
        <pb n="360" />
        34« 
Gürtler und Brezmacher. 
9. Ein junge, de in der leer sinem meister nicht horsam were 
edder eme entlepe in ein ander stede, den schall de meister ! 
verloff eines ersamen rades na gelegenheit der sake vorfordernn- 
10. Neen gordell- elfte breeszemaker schall bruken de Rusche 
kremerye, dan he hebbe idt erstenn van den gemenen brodern 
verworven unnd dartho van den beidenn kemerers verlenth. 
11. Ock schall nemandt des andern sinen knecht binnen «de^ 
entwendenn, dan he sy van sinem meister gentzlickenn gesche e ¡ 
unnd hebbe mit eme gereckent by 6 marckpunt wasses tho 
lichtenn. g2- 
12. Item neen Ruszche kremer schall des gordell- offte or 
maker knechte entspenen offte tho setten tho arbeidende, he''* 
binnen edder buten der Stadt. , 
13. De breeszemackers scholenn, wenner se ehre amptt win 
tho unsen lichtenn geven 6 marck Rigisch, den gemenen b 
des amptes eine tunne beer und ein schinckenn thovorenn mi 
andern, weth sick ein jeder na amptes wise tho richtende. 
hörlick is. , . ^ gjdef 
14. Welcke man in unsem ampte thom werckmeister 
oldermann van den gemenen brödern gekarenn werdt, de sc 
Sick mit willen dartho geven unnd dar nicht weddersprecken 
6 marckpuntt wasses tho unsen lichtenn, so vakenn idt 
ock offt einer thom bisitter oder sust tho enem andern geborlw 
ampte der cumpanie denende gekarenn wurde, unnd dar e^^^J 
sede nicht tho holdende, schall tho unsen lichtenn, so vaken 
geweigert werdt, 3 marckpunt wasses gebrakenn hebbenn. 
15. Des scholenn de gemenen brodere des gemelten 
alle (Ire jhar eindrechtlickenn kesenn enen oldermann offte 
meister, unnd desulvige schall kesenn 2 bisittere, eme drechhc 
16. Dem oldermann also gekarenn, scholenn de gci 
brödere in borliken vornemende gehorsam synn, overst hc 
nicht up noch affsettenn, sonder mit der bisittere unnd der an 
oldesten brödere willen. 
SICH UI eC 
17. Weret ock sacke, euer denn oldermann, werckmeist ^ 
bysittere verspreke elfte mishandelde, so vakenn idt du 
elfte dre uppet hogeste gehöret wurde, schall 2 marckpunc t 
gebraken hebbenn, unnd de en solkent verfolginge unn&lt; 
handelinge hörenn und den oldesten nicht vermelden schO 
gelyker peene verfallen synn sunder beschoninge.
        <pb n="361" />
        Gürtler und Brezmacher. 
341 
:8. Baven all schall de werckmeister alle maent ens umme 
unnd boseen dat gudt unnd arbeit der andern brödernn, 
idt unstrafiflick unnd rechtferdig sy; so by enein wandelbare 
Unnd straflflick gutt befunden wurde, schall de werckmeister tho 
nhemen unnd dat gudt jegenwerdigk tho brekenn, dartho 
snil degenne, dar en sulckent by befunden werdtt, 6 marckpunt 
''^usses tho denn lichtenn gebrakenn hebbenn, so vakenn idt ge- 
^uhen werdt. 
^9- Item wenn de olderman offte werckmeister de gordell- 
'^Und breeszemaker verbaden leth tho erlangende dat gemene beste 
amptes und datt bott tho rechtenn tydenn, als wo baven mit 
^uiem w illenn ane jennige temelicke entschuldigunge vorsittenn 
des nicht en achten, schall de werckmester ene vorbedenn 
Wegen eres amptes se nicht en schlach mher schlann thom 
^'"^tenn, thom andernn unnd thom druddenn male, sonder se bebbenn 
^^Gs ampts halfenn gestillet unnd vernöget; so darentbaven ener 
Wedder ene verunwilligede unnd wrevelick an eme beide, 
^all g liszpunt wasses denn herenn unnd deme ampte gebrakenn 
^"bbenn. 
Des schall de jüngste broder edder de laest in unse ampt 
"^^Plangenn werdt, geholdenn sin, de anderen brodere uth bevehll 
oldermans effte werckmeisters, wenn er des behoif unnd van 
is, tho v^orbadende unnd de lichte tho entfengende und be 
Uren(j(. went thor tidt ein ander int amptt kumpt, so vakenn idt 
^"^^^rsprakenn werdt unnd nicht vollentagenn, tho beteren ein 
^•^ukpunclt wasses tho denn lichtenn; weret ener verbadett wurde 
,7^* nicht en c,ueme sunder redelicke entschuldinge unnd orsake 
^ ^nem marckpunt waszes. 
Wanneer de brödere der cumj)anie ere druncke holdenn 
so schall de werckmeister offte oldermann kesen 2 mans/ 
'^^olenn schaffen des, dat tho denn druncken nott unnd behcdf 
'^(Ischolenn darna reckenn.wesdarverteret sy, sunder wedder- 
^^^nt malck by ein marckpundt waszes. 
. So ener mit (lerne andernn twedrachtig wurde offte schelde- 
malck anderen geven, de schall men bringen tho der nege- 
''lenn fe ’ . handehmre 
stevene unnd darvan nenerley vereninge elfte hanclehnge 
, 1 A'^rtnn crr-»- 
rj- Ullllil llcirVclIl * j . - 
" sonder voll.ordt unnd medewetent der herenn, ( e dartho ge- 
^ynn von. rade, uthgena.nen blaw unnd blott, schall nten den. 
verwittlickenn.
        <pb n="362" />
        \ 
342 
Gürtler und Brezmacher. 
23. Item weret, dat jemandt uth unser companie vorstorve als 
man, wyff offte kindt, so schall ein jeder beide bröder unnd suster 
dersulvigenn companien tho der vigilien unnd seelemiszenn kämet 
by en marckpunt wasses, de dar nicht en kumpt ane redelick ent 
schuldinge unnd orsake. 
24. Offte ener frowen ere mann afstorve unnd na lanckhei^ 
der tidt enen andernn man wedder neme, de sick des werck 
unnd ampts nicht verstünde unnd konde, de schall des amp^^ 
enthaven sin unnd entberen; darentbaven schall sodan verstorvene 
wedewe i jhar na eres mans dode dat suive ampt bruckenn 
older herkumpft alsz wantlick is in allen andern ampten. 
25. Wenn dar vorbade uth bevell des oldermans den 
bröderen thom bestenn gescheen, schall ein ider tho der stun^^ 
unnd tidt idt geschuet geholdenn sin tho kamende, des schall 
ein stuck waslicht enes lodes langk upgestekenn werdenn, und ^ 
he denne, dewyle idt brendt, nicht en kumptt, de schall i 
brecken; ock so jemandt noch binnen der sulvestenn stunde 
lichtt angestecken is sonder redelicke orsake edder entschuldin ^ 
nicht en queme, de schall ein marckpunt wasses tho den lichte 
gebrackenn hebbenn. 
26. Item so ein den andern in drunkenn edder dar de brod ^ 
umme dat gemene beste tho erlangende thosamende kamen, 
unnd dregen heett edder sust mit andern unerlickenn stucken 
worden bojegent, de schall, so vaken idt gehöret werdt, 2 mar 
punt wasses sonder jennige beschonninge gebraken hebben 
den lichten. 
27. Isset welch under uns twistich wurden unnd umme wec 
bC' 
sick tho schedende in frundtschop dat ampt tho vorbadend 
gereden, er idt verbodt geschuet unnd geitt, schall ein 
V2 marck Rigisch in dat ampt leggen, wen denne dar de 
verbadet werden, recht in sinen sackenn und vernemende 
und gerichtet werdt, dem schall me sin ingelegt geleit \ve 
behänden unnd handtrekenn, unnd de dar unrecht unde 
falsch' 
geachtet unde geholdenn wert, schall sin geldt intt ampt th 
lichten vorbortt sin. 
de'' 
1 Am Rande von derselben Hand: nagelatcne.
        <pb n="363" />
        Gürtler. 
343 
28. Item alle dusse na- unnd vorgeschreven puñete unnd 
^'■tickell schall de olderman mit sampt sinen bisittern und gemenen 
^rodernn des amptes tho dem gemenen beste plichtigk sein tho 
holdende und dar nichtt entjegen doen; werett sacke, de olderman 
sinen bisitternn se so nicht en holden, als den scholen se den 
beiden amptherrn und deme ampt malck en lispunt wasses gebraken 
hebbenn, de beiden kemerers Va lispunt wasses und de derde man 
^ ferd[ingj. 
29* In bomeltem allen helft ein ersame radt der Stadt Rige de 
^'^erste handt dusse wobaven berorden puñete in gemeltem ampte 
^ho vorminnerende edder tho vormehrende, so vakenn idt van 
Abelen wurde sinde. 
40. Gürtler. 
Supplik der gemeinen Wandschneider und Krämer 
um das Jahr 1578. 
R Bibliothek der Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga. Der Krämer Compagnie 
7^ N. A., in Leder gebundener Folioband, Bl. .4 u. .5. Die Copey vender 
NachRdgender Artikel ist emAiis- 
^ der Copie und ist im Original durchstrichen. 
2um funfften nachdem die gurdtler kramer sein wollen zu 
""^^ren und ahll unsern nachkommenden ewigen Verderb, da sie 
"'"'h z,wey gute empter haben und sich reichlichen, wann sie 
von ernehren und ausz einem schilling wol viere machen 
neu uiiki rtuoi. , 
öu ist unser untertheniglichs hielten und jegeren, t as ein 
radt die gurdtlers dahin halten wolle, dasz sie sich genügen 
an den gurdtlen, bressens, spungenn, schlingels unnd ringen, 
^0 - _i oiiiT liiinrlprtlev' 
•ban 
¡^chl 
»ic selber bearbeiten und machen wol baldt auff hundert ey 
"'b so man ander gudt, cs scy, wasz cs woll, bey einem le- 
das esz verboerdt sein muge.
        <pb n="364" />
        344 
Gürtler. Hanfschwinger. 
41. Gürtler. 
Supplik der Wandschneider und Krämer aus dem letzten Viertel 
des 16. Jahrhunderts. 
Bibliothek d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, der Krämer Co’»^ 
pagnic Buch N. A., in Leder gebundener Folioband, Bl. 16 u. 17. Entwurf zu 
Supplik. Nachfolgende Artikel sind ein Auszug aus der Copie. Im Eingänge he'^^ 
es, dass die Beschwerdepunkte schon früher dem Weddeher her Fetter Schoet 
(Bürgerm, schon 1579, vergl. Böthführ, Die Rigische Rathslinie Nr. 493) überge 
wären. Abg. z. T. Rigasche Stadtbl. 1832, S. 119. 
11 (7). Item dewy le de gordeler dat oversessche kramgutt, 
doch inn Duettsclilandt gemaket is und so idt under dem schio^ 
des unduettschen gudes foeren, wedder dusse Stadt bursprake un 
der stoeven fry Heiden tho unsem und aller nakoemelinge vordarv^' 
So begere wy, dat kein gordeler noch unduettscher moege 
tho kope hebben alse de gordels, bresens, slingels, bendekeO 
ringe, de se midt eren egen handen maken, na ludt erer olil®^ 
schräge und dat wy kramers moegen tho kope hebben was unse^ 
kram denstlich ist, utbenamen gordels, bresens, slingels, bendekeU ' 
ringe, de in Lifflandt gemaket werden, dar begere wy en keine'i 
indranck in tho donde sunder alles, wes z.uer she und sandt kump 
dat begere wy tho kope tho hebben na ludt der gylstavenn P^ 
vilegien und friheidenn. 
2 (7). Item das die gurtlers nicht über irem alden schrag^^ 
thuen niegen sunndern ires (schragens inn olden artikln)* sych k 
mess holden nach verme . g ires olden schragens. 
42. Hanfschwinger. 
Entscheidung des Amtsgerichts vom 14. Mai 1593- 
Schrägen!), d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Bl. 135, von des - 
herrn Everth Huszmans Hand. 
Hanffsch winger. j 
Anno 1593 denn 14 may haben die ehrentveste achtbaren 
wollwisen hern Everhardt Hauszman® und (lerhardtt Maneken“* 
Stadt verordnete ambtheren aus gantz erheblichen uhrsachen 
in allwege auff ratification eines hoichweisen radths zu 
henft'schwingen gewisse personen verordnett und zu der 
1 Art. I ist in der Vorlage durchgestrichen. 
2 Die zwischen Klammern stehenden Worte sind ausgestrichen. 
3 Böthführ, Die Rigische Rathslinie, Nr. 508. 
1 Ibid. Nr. 518.
        <pb n="365" />
        Hanfschwinger und Ligger. 
345 
^^stenn mit einher geringen erkantnus bestetigt volgender gestalltt 
also, das sie idermennichlichen vor billiche behlonunge fliesich 
^""keiten und bie dem gute getrewlich handeln auch nirgendts 
in der stadt bothmessicheit whonen sollen bey ernster 
auch nach gestalten sachen Verlust des ampbtes. Im 
^^leichen sollen disse ambtbrüdere in allen fewers- auch 
^^ssersnothen, so Ga(l)tt verhüten wolte, sich vor deme 
'‘^thfise unausblieblich einstellen und eines hoich weisen 
befehlich getrewlich verrichten by straffe vhon idernn 
^ ^rc.und seint hieauff zu sollicher arbeit anfengklich inngeschriebenn 
hundert und funff undt zwantzich personen, auch darnach noch 
^'hen menern und darfon obgeschriebener masse entffangen ein 
ändert zwei und dreisich mark. Actum uth supra. 
Otto Kanne, secretarius.^ 
Affschrifft der henpswingers 
Item idt ist dussen luiden vorgundtt von enhem itlichen, so 
Iti ehre gilde nemen 3 mrc. und nicht mher und der henschop 
thom ingangk thor erkantnus. 
43. Hanfschwinger und Ligger. 
Entscheidung des Amtsgerichts vom 18. August 1598. 
d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga. Bl- i35N «P^tere Eintragung. 
18 augustus anno 1598. Vid. protocollum. s, 
Her Otto Kanne' undt her Frantz Ciraff,* beide amptherrn, gg. 
petzet die liggere contra henpffschwingere praemissis contro- 
hath e. e. amptgericht veraltscheidet, dasz die schwingere sich 
''gger arbeit auch bey der asche undt teerwrake mit ab- und 
der asclien und teersz, imgleichenn der Reuszischen wahren 
|¡" ''em bereiten desz henffsz und flachsz und wasz ihnen den 
liP'-n sonst fur altersz fur sich allein zustendigk gentzheh ent- 
sollen; dajegen aber soll esz den henifschwingern hin- 
hP^femb zugelassen und frey sein, wan sie nichts zu schwingen 
dasz sie hanff und flachsz bereiben auch nebenst der polowa 
a '"fuhren den I.ittawsche flacksz auch so in säecken nach 
” ’'ehiffen gefuhret wur.lt, in die sacke zu stecken und zu und 
j h'ahführ. Die Kijrischc KathsHnie, Nr. 5z''* 
Nr. sav.
        <pb n="366" />
        Hanfspinner. 
346 
von der wage an die schiffe zu fuhren, auch der Lettischen paur ^ 
fuder von der sandtpforten dahero an die wage und wieder 
Zufuhren, und sollen sich also beede parte in ihren schrenken vc 
halten und kein theill über vor erwentes dem andern keinen ein ra 
thun. Actum ut supra. Joannes Meier.» 
44. Hanfspinner. 
Schrägen vom 30. Juli 1436. 
Schragenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Altcrth. in Riga. Bl. 9» 99! ^ ^ 
Liv-, Est- und Curländ. Urkb. Bd. 9, Nr. 79. 
Der hennipspinner schrägen. 
In nomine Domini, amen. In den jharen nach der 
dessulven dusent verhundert unnd in dem soss und jg 
jhare, des mandages na sunte Jacobi dage, des billigen ^ 
(30. Juli), umme redlicheit willen, dem gemeinen nutte woll 
kamende, so geven wy borgermeistere unnd rathmanne der s 
Riga den hennipspinnern in unser Stadt Riga ebne schräge, 
naschreven artickull in sich holdende. 
1) Int erste offt jennich hennipspinner mit vorsate 
fuchtenn wedder, darvan dat garen mochte verfulen und 
de sali deine ampte beteren i ferdingk, so vaken alsz dat gesc 
2) Item wee dat ampt nicht en kan und begeret dat tho 
de sali thwe jhar hebben, darbinnen he dat 1ère, unde 
jhar sali he sinem heren umb alsolick Ihoen denen, als 
enem andern haben mochte, isset dat idt sin here vann ein 
3) Item so soll nemandt enen knecht tho wercke sett 
en sy mit frundtschop van sinem heren gescheden by end 
punt wasses tho brekende und the beterendc. 
4) Item offt jennich man wolde towe slaen, de soll 
makenn veer stucke Werkes, als sick dat gehöret; kan )^g 
nicht, als recht ist, so sali he dat erst lehren; underwu, 
Sick des aver, unnd sin werck wurde gewraket, de sali des &lt; 
unnd sali dat beteren mit enem halven lispunt wasz, ^ 
freventlich vhort arbeidede. 
1 Böthführ, Die Rigische Rathslinie, Nr. 515.
        <pb n="367" />
        Hanfspinner. 
347 
5) Item so soll nemandt touwe slan, idt en sy, dat he desz 
rades ¡seren hebbe. 
6) Item so en sali nemandt ein stucke garen slaen, schwerer 
^nd groter maken, den van twen liszpunden by twen marckpunt 
waszes. 
7) Item ofFt jennich man hennip van enem borger offte cum- 
Panie entfenge unnd den vorkofte, also dat he eme sin garen nicht 
'Ledder leverde, so vaken alse dar we mede befunden wert, de 
®^ll beteren deme ampte i mrc. 
Item welck man beruchtiget wurde, dat eme an sine ehre 
und des nicht wedderstaen konte in reddelichen saken, de 
sali sich des ampts nicht gebruken. 
Item so en soll nemandt knechte holden in dussem ampte 
arbeiden, de des ampts sich unwirdig gemaket helft edder de 
amptes selven nicht kan. 
Item so en sali nemandt in dussem ampte wesende anders 
spinnen den unsern borgeren und denjennen, de borger- 
^^»"(¡chtigkeit tho brukende werden thogelaten, by verboringe 
amptes. 
Item alle dejennen, de in dussem ampte arbeiden willen, 
^ Sollen thovorne, ehr se arbeiden, de borgerschop winnen. 
*2) Item welck man duth ampt kan unnd under der stadt in 
landtgerichte beseten is, de mach des mede gebruken und 
^^•ane arbeiden. 
:3) Item welck man sin sulvest werden will, de sin ampt woll 
sali man entfangen, und he sali der cumpanie geven i tonne 
^hnen schincken und vor i ferdingk brott unnd nicht mher. 
H) Item (¡neme ener hir van buten, de dit ampt künde unde 
des und doch nicht en vermochte der cumpanie dusse 
atgeschr ’ , fi»» Har nicht mede ire- 
'jcs umi iiocn iiiuiiL tu 
'^»cnrevene koste tho donde, up dat he dar nicht mede ge- 
"''&lt;='■1 wurtle, so soll man em in dat ampt empfangen, und he 
Ich '1 _ .1..* ti« «r&lt;-&lt;s vorwerve. dar 
»» uikic, SU soll man cm m ---1 
des ein halff jhar gebruken, up dat he wes vorwer\e, car 
cumpanie, wenner dat halve jhar ummegekommen ist e usse 
^^schrevene koste vermöge aifthodoende und tho o en, 
beschedtlichen, dat he de borgerschop gewinne, ehr he 
' tho arbeiden. 
:5) Item van alle dussen artickeln dusser vorgeschreven schräge 
wy borgemeisUT und nuhmanne ehq^menten smdt 
^ns de oversten handt vor, dusse vorgeschreven schräge t o
        <pb n="368" />
        Hutmacher. 
348 
sielende, tho holende odder tho veranderende, wan uns nutte duncket, 
unnd wen dat dem gemenen nutte even kumpt. 
Per me . . . notarium Rigensern. 
16) Item so mach ein iszlich hennipspynner keine towen sl:i 
also dat groteste nicht hoger dan van negen draden wesen 
by enem liszpunt waszes, also vaken dat geschuet. 
17) Item wenner de olderman ebne Steven verkündigt, dar sa 
ein iszlick broder thokamen by enem markpunt waszes. 
18) Alle broke van dusser vorgeschreven schräge sollen ha 
dem rade und halff der gemeinen cumpanie dussesz ampts 
fallenn sein. 
45. Hutmacher. 
Schrägen vom 6. März 159 5- 
Ob' 
Schülers dörptsches Schragenbuch (S. 255-269), im Besitz W. Stic 
wohl dieser Schrägen am 20. Febr. r6Q4 für die dörptschen Hutmacher &gt; 
war und deutliche Spuren dieser Zeit wie auch lokale Bestimmungen 
er doch in unserer Sammlung Aufnahme gefunden, da, wie es aus der 
hervorgeht, das rigische Hutmacher-Amt seine Artikel und Rollen, wie 
6. März 1595 in Riga von den Abgeordneten der Hutmacher zu Stettin, ^ 
Wismar, Rostock und Möllen vereinbart waren, den dörptschen Hutmachern u ’ ,¡ch 
hatten und der Schrägen der rigischen Hutmaches v. J. 1638 mit ihm fast 
übereinstimmt. ^ 
Wir Walther Wittwe, David Grimm, Hans Haan, als 
Zeit verordneter Alter-Leute und ganzes Amt des Hutmacher- 
Werks der königlichen Stadt Riga Urkund und bekennen 
vor jedermänniglichen Amts. g 
Nachdem auf fleiszige Anforder- und Ersuchung, 
ehrliebenden Amtsgenossen Lorentz Leneker und David Sc 
beide besitzliche Bürger und Huthmacher der königlichen ^ 
Dorpat, vor sich und ihre Mitmeister daselbsten eine Amt-Lnc 
zurichten und zu ertheilen, zu dem Ende auch des 
Handwerks - (Gewohnheit, mit uns als benachbarten einzu^ 
und zu halten gäntzlich entschlossen wären; wenn denn 
in Ansehung der Billigkeit solch ihr Anersuchung um ihre 
Hutmacher Wohlfahrt und Nahrung Willen festzusetzen, 
ihren Jungen und (Gesellen in aller Ehrbarkeit aufzunehine_i_^^^^ 
zu befördern, mit Euge nicht entsagen noch abschlagen
        <pb n="369" />
        Hutmacher. 
349 
^^ninach nun und zu Bekräftigung auch Erhaltung Handwerks- 
^ewohnheit, damit desto mehr gute Correspondence, Disciplin und 
^'nigkeit mit den unsrigen hinwiederum mit den ihrigen halten, 
gehen und verleihen wir ihnen allerseits unsere Articull und 
immaszen sie Anno 1595 den 6ten Martii von der ehrbaren 
henamentlich Stettin, Hamburg, Wismar, Rostock und 
^iöllen Abgesandten des Hutmacher-Amts allhier berahmet und 
bliebet worden, folgendergestalt und also: 
Voji des Amts Bestellung der Alteyleute Reisen. 
I- Obwohl das Amt vor diesmal von Augustin Hennemann, 
"^fenz Leneker, Hans Hennemann, Albrecht Wilhelm Zemsch, 
^^vid Schneider, Martin Andres Hindrich Peter Gau, Daniel Storll 
^Setzet, ist denselben zugelassen, hinführo sich zu mehren, zu 
und einhalten den Articuln zu Folge zu leben. 
2. Nachdem auch Augustin Hennemann der älteste Meister dieses 
allhier ist, soll derselbe seines Alters und Wohlverhaltens 
als auf Recommendation des Rigaischen Amts, welches für 
und den vereinigten Werksgenossen die Handwerks-Gewohn- 
mit den unsern zu halten verpflichtet, nun und zuerst zum 
^^ermann des hiesigen Amts auf zween Jahre gesetzet und be- 
sein. 
. 3- Dieselbe als wohl succedirende Alterleute, welche die Amts 
^'■^der hinforder alle zween Jahre auf Johanni kiesen mögen, sollen 
guten Gewiszen dem Amte wohl fürstehen und dessen Bestes 
&lt;5 L dem soll das Amt eine eigene Lade mit 3 Schlü^eln ver 
haben, darin sie ihres Amts Schrägen, Articull, Einkünfte 
Rechnung verwahren können. 
. 5. Das soll der zu jeder Zeit gekoren dieses Amtes Ältermann 
^^en und die beiden Beisitzer ein Jeglicher einen Schlüsse zu 
Laden haben. 
I 
fl 
^ fi-Wer ^um Aeltennann gekoren wird, der soll sich innerhall, 
l ^Vn dem Amtsherren praesentiren, von demselben sich con- 
hen lassen bei Poen 26 Mrk. 
7- Solchen .u jeder Zeit contirmirten Aeltermann sollen der Amts- 
^ und .Schwestern, jnng und alt, in allen des Amts hdhgen 
gehorsamen; wer sich desren weygert, soll in des m s 
Strafe auf 20 Mrk verfallen sein.
        <pb n="370" />
        35« 
Hutmacher. 
8. Alle zwistige und irrige Sachen, welche sowohl zwischen «n 
Meistern als Gesellen vorfallen, sollen erstlich vor das Amt gebrijc ^ 
werden; kann solche das Amt nicht ausgleichen, alsdann ha 
die Amtsherren es zu richten. 
9. Würde auch Jemand das Amt verachten und die Sache o t ^ 
Noth vor die Amtsherren bringen, der soll nach Beschaffern^^ 
der Sachen von dem Amtsherren in doppelter Strafe genom^e 
Von der Zusammenkunft des Amtes. ^ 
10. Es mag das Amt alle Quartal ihre Zusammenkunft halten 
in solcher ein jeder sich ehrbarlich und frömlich bezeugen 
Poen 3 Mrk, so oft einer dawider handeln wird. ^ 
11. Zu den Verbödungen soll der jüngste Meister im Amte sic^ 
gebrauchen lassen bei Poen 12 Mrk, welcher sich dessen we«ge 
wird. , 3en 
12. Wer sonsten das Amt ausserhalb den Quartalen ver 
läszt, der soll zuerst dem Aeltermann i Mrk entrichten, und ^e 
ein Fremder ein Amt fordern läszt giebt 8 Mrk. 
13. Welcher vom Amte verboden wird und nicht erscheint, 
soll 2 Mrk in der Laden erlegen oder er habe dann dessen 
mäszige Entschuldigung; der aber zu spät und langsam ko 
soll 1 Mrk zur Strafe entrichten. ^ 
14. In der nuartalischen Zusammenkunft soll zu Beförderung 
Amts Nothdurft und Spendirung auf Kranke und unvermog^ 
Amtsgenossen ein jeder Meister 2 Mrk in der Lade entrichten- 
15. Hätte einer in den Quartalen was zu beklagen, der 
Verbodgeld geben; soll auch bei Zusammenkunft des 
den andern mit Scheit oder andern groben, ehrenrührigen V 
begegnen bei Strafe 2 Mrk.; vermeist (?) sich einer selbst be, 
ehrlichen Namen und kann die Ursache nicht erweisen, 
doppelter Strafe verfallen, (irobe Injurien, imgleichen 
Blut, gehöret vors Stadt-Gericht und nach Beschaffenheit der b« 
vor das Landgericht. 
Vom FAntritt und Einkatif im Amte. 
16. Es soll keiner hie im Amte eingenommen werden, er .g, 
der augsburgischen Confession gemäsz und habe vier Jah 
doch salva dispensatione der Amtsherren, auf das Handle 
wandert und auch In dieser Stadt zum wenigsten ein Jahr fur 
Gesellen bei einem redlichen Meister gearbeitet.
        <pb n="371" />
        Hutmacher. 
351 
der 
17* Imgleichen soll der, welcher sich hie setzen will, zuvor seinen 
^^schwornen Geburts- und Lehrbrief aufzuzeigen haben. 
18. Item er soll in den Quartalen vor offener Lade die gebührliche 
3 Eschungen thun, und bei der ersten Eschung 15 Mrk. in der 
und 6 Mrk. zu Gottes Ehren in der Kirchen Ordnung 
^^gshurgischen Confession entrichten. 
19. Wenn ihnen das Amt zugesaget ist, so soll er vor uns dem 
^the die Bürgerschaft gewinnen. 
2&lt;). Er soll sich aber mit keiner berüchtigten Person verheirathen, 
d^*nit sie beiderseits des Amts nicht verlustig werden. 
2t- Hefreyet sich aber ein Gesell auszer dem Amte und nicht mit 
"'"GS Meisters Tochter, so soll er die zween Jahre bei einem Meister 
^^sarbeiten, sein Meisterstück machen und dem Amte 3CX) Mrk. erlegen. 
22. Ein Gesell, welcher eines Meisters Tochter oder Wittwe freiet, 
^ ist der Dienstjahre entbunden; er soll das Meisterstück machen 
170 Mrk. im Amte geben. 
, 23. Eines hiesigen Meisters Sohn ist zwar der Dienstjahre ent 
^'^den, aber der Wanderzeit nicht befreiet, er soll auch das 
^tsterstück gleich andern machen. 
^4- Sonsten einer Wittwen Sohn, welchen sie Noth halber nicht 
^i^Ghren konnte, soll der Wanderjahre verschonet sein. 
. ^5- Ein fremder Meister dieses Handwerks, welcher anders wo 
^igen Feuer oder Rauch gehalten, kann hie nicht aufgenommen 
'Werden. 
26. Derselbe, welcher allhie Meister werden will, soll sein Meister- 
machen in des Altermanns Hause, benehmthchen 4 Stuc ' 
einen caninen Filtz, einen feinen polnischen, einen gemeinen 
und einen hei,vollen Filu. Wenn etwa das Me.ster- 
."'k wanden,ttr erkennt, soll der Ceselle es besser zu machen 
^""khtet sein; da es aber vor gut geacht und angesehen, soll 
u: ^=«ellc dem Amte, wie oben in, Articul verrechnet, yx. 
&gt; sehen; davon soll der Altermann ,5 Mrk. zu gen.eszen haben, 
„r '"''er aber soll die Hälfte zur .Stadt und die andere Ha te zu 
u* '\mtes Festen in der Laden verrechnet und dem (.esell t em 
y ""'eerk nicht mehr als eine kleine Collation, d,e n.cht hoher 
J'efCx, bis 7„ Mrk. belaufen möge, wenn das Me.sterstuck be- 
t r thun schuldig sein. Das verrichtete Me.sterstuck aber 
obgedachten Altermann bleiben zu deszen eigenen 1 rollt 
H 
^sten zu gebrauchen.
        <pb n="372" />
        352 
Hutmacher. 
l^ûu eines jeglichen im Amte Verhalten. 
27. Es soll keiner allhie Filtze machen oder formen, er sei denn 
in diesem Amte und ein geschworner Bürger dieser Stadt 
Verlust der Stücke und 60 Mrk. Strafe. 
28. Ein Meister dieses Werks soll keine Filtze oder Hüte von 
den 
llressmeistern oder Hollundern’ kaufen, viel weniger mit ^ 
verstutzen bei Strafe kk) Mrk., so oft einer darüber beschlng^^ 
wird, wovon der Stadt die Hälfte, die andere Hälfte dem AmteJ^ 
geben; was aber redlicher Meister auf dieser Sckeinb^ Arbeit 
langet, ist dem Meister frei, von demselben zu kaufen. 
29. Weile die Cuhrländer unsere Hutmacher nicht wollen 
ihnen ihre Märkte zu besuchen, so soll ihnen hinderwiederum • 
Filtze anhero zu bringen noch zu vetkaufen, nicht befuget sein- 
30. Die hiesigen Meister aber sollen zu Veräusserung 
eigenen Hand gemachten Filtze und Hüte eine eigene offene ^ 
halten. 
51. Es sollen auch die Riemer» keine Hüte in ihren lauden fu^ 
die hier in der Stadt können gemacht werden, laut könig 
Resolution. 
32. Es mögen auch die hiesigen Meister dieses Werks ihre 
und Waaren, gleich das in andern Ortern gebräuchlich, mit 
und Schlungen^ aufs Beste hin können ausstoffiren und zu bert» 
33. Auch soll einer des andern Gesinde nicht abspenstig 
bei Strafe 36 Mrk. 
34. Ein Meister oder Wittwe mag zween (Gesellen halten, 
dritten aber nur 14 Tage lang nur bei Strafe 6 Mrk. 
Von Gesellen. 
de'” 
35. Wenn ein Geselle gewandert kommt, soll derselbe b^' 
Meister er eingekehret, sofern er einen oder keinen hat, um 
gewartet werden; bedanket aber der Meister den (ieselleU' 
der Ciescll dem Altermann, wofern er einen oder keinen hat,^ 
gewartet werden; bedanket aber der Altermann ihn auch, 
nach Nothdurft gewarten werden. 
1 Im Schraten der rig. Hutmachcr v. 163K steht: Dorfmeister u. 
2 II,id. Schenken-Arbeit. 
3 Ihid. Krämer. 
4 Ihid. Schiengen. 
iV-
        <pb n="373" />
        Hutmacher. 
353 
36. * Sollte etwan ein Gesell gewandert kommen und hätte 
^•nen ^ Frachtbrief und wandert bei einem Meister ein, von dem 
’’^cht der Frachtbrief lautet, und sollte ihn etwan verfehlen, der soll 
^ ^rk. erlegen und soll bei denselbigen Meister in Arbeit gebracht 
^^("den, von dem der Frachtbrief lautet. Und sollte ein Meister 
^‘nen Frachtbrief ausschicken ohne unten gesetzten Altermanns 
und Pittschaft, dasselbe soll nicht vor gütig gehalten werden, 
nach Nothdurft gewartet werden. 
37- Wurde auch ein Meister einen eingewanderten Gesellen, 
den Abend Arbeit Zusagen und darauf Unkoste thun, der Gesell 
des andern Tages von dem Meister wieder Urlaub nehmen, 
^^niselben soll nicht geschenket auch kein Gruss befohlen, weniger, 
^crin er nochmals wiederkommt, angenommen werden, er habe 
zuerst 10 Mrk. Strafe gegeben. 
38. Ein wandernd kommend Gesell sich der Arbeit nicht ver 
l^^&amp;ern, |die| ihme sein Meister vorleget, oder er soll allhier noch 
Städten, mit welchen diese Handwerks Gewohnheit gehalten 
nämlich Lübeck, Hamburg, Wismar, Rostock, Stetin nicht 
^^fordert werden. 
39. Das |I)en| Arbeits-Lohn belanget soll einem jeden Gesellen 
einen Filtz zum Tagewerk gegeben werden . . 10 Groschen, 
zween fein Filtz zum Tagewerk . . • 
drei 
IO 
IO 
IO 
IO 
IO 
vier 
fünf gemeine 
sechs „ 
^I)er mehr gemachet, die der Meister vor gut erkenne , so 
'^och advenant mehr Lohn haben und empfangen. 
der 
40. Welcher Cesell einen untüchtigen Filtz machet oder einen 
/" verbrennt, soll denselben bezahlen; welcher sich dawieder setzet, 
soll in obgedachten Städten beim Amt nicht gefort er 
'Verden, 
Ein Clesell soll von Baumwoll oder alten Filtzen kein Trink- 
l.en, dem allen, was ihnen der Kaufmann zum I nnkgeld 
ei Strafe 6 Mrk. 
, A.N in Folge Hessen weist Hie Numeration 
^ser Artikel fehlt im Schrägen v. J. 165 , druckten Schragens auf. 
eine Differenz von eins zur Numeration
        <pb n="374" />
        354 
Hutmacher. 
42. Die Gesellen sollen des Abends zu 10 Schlägen in ih 
Meister Häuser sein bei Strafe 2 Mrk. 
43. Es sollen die Gesellen in der Woche nicht mehr feiern 
den Montag bei Strafe 2 Mrk. 
44. Einen wandernd kommenden Gesellen sollen die bührer 
6 Schlägen aus des Meisters Hause holen bei Strafe 2 Mrk. 
45. Ein (Resell aber, der gewandert kommt und geschenkt 
soll derselbe, der ihm schenkt, 2 Mrk. mit ihnen zu vertrin^'^^^ 
schuldig sein. 1st aber, dass derselbe nicht trinken wollte, so s 
er ein Mrk. im Beutel ihnen geben. 
46. Es sollen die Gesellen unter sich unter 6 Mrk. einander nich^ 
strafen, alle andere Sachen aber, so höher sein, gehören an 
Amt oder nach Beschaffenheit an die Amtherren bei Strafe 3 
47. Welcher Gesell aufseine eigene Hand Filtze machet und 
kauft, soll 30 Mrk. Strafe geben, davon 15 Mrk. dem Amt-Her:^^^ 
die andern 15 Mrk. dem Amte anfallen, und welcher Meister 
gestattet oder verschweiget, der soll gleiche Strafe entrichten 
48. Welchen Gesellen Meldung befohlen wird, soll er solj^ 
•wenn er in der Stadt kommt, nicht verschweigen; im Fall so^ 
geschehen, und er worin gemisshandelt hätte, alsdann soll derse 
Meister den Gesellen zur Stund enturlauben und von sich 
lassen oder vor Meister und Gesellen sich richtig abfindeii. ^ 
49. Werden Gesellen, welche in vorgemeldten Städten arb^^^ 
sonderlich, wenn ihnen dieser Schrägen vorgelesen wird, sich 
selben zuwider setzen und einen Aufstand machen, davon 
und darnach wieder kommen, die sollen nicht gefordert 
noch ihnen Arbeit gestattet werden, sie hätten denn zuvor 3‘^ 
Strafe im Amte gegeben und entrichtet. 
Von Jtingcn. ^j| 
50. Ein Meister, der einen Lehr-Jungen an nehmen 
zuvor eigentlich wissen, dass er echt und recht gut deutscher 
geboren und seinen (îeburtsbrief haben könne bei Strafe 1 
die^^ 
51. Wenn ein Meister einen Jungen aufdinget und in 
nimmet, soll der Junge vier Jahre zu lernen verpflichtet sei* ' 
wenn der junge eingeschrieben wird, dem Aeltermann 2 Mt 
ganzen Amte aber 4 Mrk. zu geben schuldig sein.
        <pb n="375" />
        Hutmacher. 
355 
52. Sollte ein Jung aus der Lehre laufen und in 14 1 agen nicht 
^iederkehren, sondern länger ausbleiben und dann erst wieder- 
^Ornmen, so soll er aufs neue lernen; kehret er aber nicht inner- 
halb Tagen wieder zu seinen Meister, alsdann mag er ohne 
^Geling ferner auslernen. 
Vo7i Wittwen. 
53- Eine Wittwe mag das Trauerjahr über das Werk treiben, 
"^ozu ihr der Amts-Altermann, mit Gesind und Rath beförderlich 
soll. 
54- Keine Wittwe mag Jungen zu lehren annehmen, sondern 
sie mit tauglichen Gesellen versehen, alsdann mag der bei 
Mann eingetretene und halb ausgedienter Junge weiter ver 
^^Giben und das Werk wohl fassen. 
55. Eine Wittwe oder sonsten Amts-Schwester soll sich mit 
^^jnen Hohnhasen oder des Amts nicht würdig sich beheurathen 
Verlust des Amtes. 
Li;« 
56. Würde ein Meister dieses Amtes mit Krankheit behaftet 
hätte kein Völker, die sein Werk fortsetzen mögten, so sollen 
^ ‘■he andern mit Gesellen beförderlich sein. 
, 5?. Wenn aucli ein (ieselle dieses Amts krank würde und hatte 
""hts zu verzehren, den oder dieselben sollen von der Gesehen 
mi, Wartung und allerhand Nothdurft versehen werden Ins 
'krer Gesundheit. 
5«. Wenn auch durch Hülfe des Allmächtigen der Kranke ge- 
I soll er die auf ihnen spendirte Kosten von seinem W ochen- 
wieder zahlen und in die Lade entrichten. 
Vom liegräbniss. 
■ Wenn einer aus diesem Amte verstorben er sei Meister 
ht erheblich sich entschuldigen wird könn 
hei IO Mrk. 
23*
        <pb n="376" />
        1 
I 
356 
Johannisgilde. 
Z/n// Beschl/tss. 
61. Welcher Meister dieses Amtes in obgeschriebenen Articula 
sich versündigen, denen zuwider setzen und dennoch sich 
strafen lassen oder solche erlegen wollte, der soll im Amte we&gt;t^ 
nicht gelitten werden. 
62. Damit auch dies Amt der Hutmacher in guten Aufnehnie*’ 
kommen möge, so soll es desto williger jährlichen zur Ehre Do 
und der Kirchen Ordnung augsburgischer Confession durch 
Amtes jeder Zeit wesende Aelterleute 30 Mrk. entrichten und 
gegen jedesmal von den Kirchen - Ordnungs - Herrn - Inspecte 
quittiren lassen. 
63. Von den eingehobenen Strafgeldern und Meister-Gelde'"^ 
soll der worthabende Altermann vor unsern Amte richtige Rechnun^ 
thun, und solches soll geschehen alle 2 Jahre auf Michaelis, 
er die Altermannschaft übergiebt. 
64. Des behalten wir uns in allen die Oberhand bevor, 
Schrägen, so oft es von nöthen thut, zu mehren, und zu verbessert 
Zu lirkund der Wahrheit haben wir Alterleute und Meister 
meldt unseres Amtes Insiegel an diesen Brief und ertheilte ^ 
gerechtigkeit nicht allein wissentlich anhängen lassen, sondern 
unser Namen zur Zeugniss und Gewissheit mit untersetzet und t 
den abgefertigten Lorentz Lencker und David Schneider mitgeg^ 
haben. 
Geschehen den 2osten Februarii nach Christi unseres Herr 
Geburt. Im 1694. Jahre. 
Walter Wittwe Altermann. 
David Grimm. 
Hans Haan. 
(L. s.) Johann Stodahl. 
Diedrich Brockhausen. 
Michael Wigand. 
Johann Becker. 
Johannisgilde, 1352, 
s. Kleine Gilde, 1352.
        <pb n="377" />
        Kaufmannsgilde. Kleinschmiede-Gesellen. 
357 
Kaufmannsgilde, 
s. Grosse Gilde. 
46, Kleinschmiede-Gesellen. 
Schrägen vom 4. April 1615. 
Stadt-Arch. zu Riga, Schragenbuch Nr. 498, S.440 —457- Vergl. Einleitung S. 229. 
Kundt und zu wiszen allen und jeden, so daran gelegen, dasz 
sämbtliche unterbeschriebene Meister im Nahmen der hexligen 
^^Gyfaltigkeit, Amen. Anno ein tausend sechs hundert fünfF zehen 
4. Aprilis die Irrung und Miszverständnisz, so biszhero mit 
^"^ern Gesellen wegen unsers Handtwercks Gewohnheit mit Re- 
''■'^ligung und Zuthun des ehrenvesten, achtbahren, hochweisen, 
Ochgelehrten Herren Ludwich Hintelmann,* G. \ • H., jetzo von 
erbahren, hochweisen Raht verordneten Ambtherren folgender 
_ Estait gäntzlich unter uns verglichen und auflfgehoben, welches 
feister und Gesellen mit Handtstreckung dem Ambtherren hmforder 
Und unwiederrufflich zu halten angelobet. Jochim Debuz von 
jf^^n Hrandenburgk, jetzo im Ambt Eltermann, Michael Senken, 
Meyer, Renedix Steinkuhl, Osewaldt Heim, Hans Köhler, 
(iiese. 
0 Erstlich sollen die Gesellen und Jünger einen öffentlichen 
oder V’^aters Hausz haben und sich dermaszen \ erhalten, da 
^ der Krug-Vater und Mutter mit ihnen zufrieden seyn. 
, 2) Zum Andern wann ein frembder Gesell oder Jünger alhier 
^'ga gewandert köhme, der soll aufif die Herberge einziehen 
"‘cht in das Meisters Hausz, es wäre dann Sache, dasz der 
. 3) Zum Dritten wann ein frembder Gesell oder Jünger in desz 
Hausz gewandert kombt, soll er den Vater bitten um einen 
das er zu einem Meister in sein Hausz sende, dar das 
. ^Gnambt ist, dasz die Örtengesellen zu ihm kommen so en 
'^'^fhalb Standes Zeit; im Fall die Örtengesellen über eine Stun e 
&gt;kl^iben thäten und der frembder angekommener Geselldaruber 
so sollen die örtengesellen in der sämbtlichen Gesellen 
Straffe verfallen seyn. 
* ßöthnihr. Die Rigische Rathslinie, Nr. 547-
        <pb n="378" />
        358 
Kleinschiniede-Gesellen. 
4) Zum Vierten wan ein gemachter Gesell alhier gewandert 
kähme, soll er auff die Herberge einkehren und schicken nach dem 
Altgesellen; seynd aber gemachte Gesellen alhier vorhanden, kao 
er nach dieselbige schicken und ihm laszen umb Arbeit urnbschauem 
so weit alsz dasz Handtwerck redlich ist; so manchen Meiste 
vorbey, so manches Wochlohn zu Straffe und solch Wochlohm 
was er zu Lohn hat, und sollen sowohl Gesellen alsz Jünger a ^ 
nach der Steige umb Arbeit umbgeschauet werden, dasz bei welc le 
Meister der letztere ist eingebracht worden, bey dem, der ihm 
wieder an fangen; eines Meisters Sohn aber stehet frey bey 
Vater einzuschicken wie auch selben, der alhier gelernet. 
seinem Lehrmeister, wo es ihm beliebt. 
5) Zum Fünfften wann ein Gesell oder Jünger gewanded 
komt, das er umbschicket und Arbeit findet; ist er ein Gesell, 
soll ihm umb 8 Frd. Bier geschencket werden, ein Jünger aber 
4 Frd. und darmit ins Meisters Hausz oder zum 1 hör hinaU ^ 
auch wird denen Gesellen und Jüngern zugelaszen dreymahl um 
schicken, sie nehmen Abscheid oder bekommen. 
6) Zum Sechsten sollen die Gesellen und Jünger einen Mm^^ 
Taffel auf ihrer Herberge haben, damit sich die Örtengesellen ^ 
Jünger wiszen darnach zu richten. 
7) Zum Siebenden so ein Geselle umbschicket und Ar m ^ 
findet und bisz auff die fülle Schencke arbeitet, so soll er mit 
Schencke geschencket werden nach Inhalt unsers Handtwerck^^^^ 
wohnheit; so es aber kähme, dasz derselbige Gesell ein ^ 
Jahres Zeit nicht auszarbeiten würde, soll ihme auch mit v 
Schencke nicht geschencket werden. ^ 
8) Zum Achten sollen die Gesellen und Jünger alle vier W 
zusammen kommen, in der Stund, in welchen sie \erbott ^^er 
da denn die Altgesellen ihr Lade auffschlüszen sollen un( 
Stundglasz auff dem fisch setzen; nach Auszlauifung einer \ m 
stunden, wer alsdan an kommen würde, der soll zu Straff 
4 Ferd., es were den, dasz er in seines Meisters (Geschäften 
verhindert worden, und ers erweisen kan; wann auch sich 
dasz ein Meister seinen Gesellen benöhtiget wäre und er 
Schenck kommen könte, wan er sein Aufleggeld abgebe, 
Straff enthoben seyn. 
9) Zum Neunten wann die Gesellen und Jünger /.iisa 
kommen, sollen die Örtgesellen drey öffentliche Hmbfrage 
mm^ 
thum
        <pb n="379" />
        Kleinschmiede-Gesellen. 
359 
dieweil die Lade offen stehet; im Fall einer mit den andern wasz 
thun hätte, dasz den Handtwerck zuwiedern wäre, der klage 
^'eweilen die Lade offen stihet, und welcher dasz verschweigen 
"ürde und darnach offenbahren thäte, soll in doppelter Straffe 
^^tfallen seyn. 
lo) Zum Zehenden wann ihrer zwene mit einander fur der 
etwas zu thun hätten und sie eldar von Gesellen und Junger 
Kestraffet werden der Sache gemesze und sie darüber von ('Csel en 
Jünger mit trotzigem (iemühte weichhafftig würden une 
"¡cht wollen straffen laszen und über die Thürschwellen hinausz 
so soll er Gesellen und Jünger ein Wochlohn zu . tra 
'^"••fallen seyn, und zu verstehen ein solch Wochlohn, was selbige 
^^sell zu Lohn hat. Tritt er aber wieder herein, so ist er in 
^^Ppelter Straffe verfallen. 
11) Zum Elfften so ihrer zwee für der Lad etwas zu t un 
und einer den andern liegen straffete, er sey Gesell o er 
der soll in 8 Ferd. Straffe verfallen seyn. 
12) Zum Zwölfften so ein frembder (iesell oder ^ 
^^ndert kommt, der soll auff dasz Erste 4 Woc ° 
einschreiben in der (Gesellen Buch. Ein Gesell gie^ 1 - 
^"^hreibegeldt 8 Ferd., ein Jünger aber giebt 4 F^rd. 
, 13) Zum Dreyzehnden so die Gesellen und Jünger zusammen 
^^Umen auf dasz Vierwochengeboht, so soll ein je J g 
Lade Indien .Au^kggelclt 4 Fenk, ein gemaditerGeseHgnd^ 
Î##:# 
ohne alle Gnade, was er zu Lohn hat.
        <pb n="380" />
        Kleinschmiede-Gesellen. 
360 
und geschehen ist, damit manniches Unheil vorgebauet werde, 
es Sache were, das einer darüber beschlagen würde, der solche ob- 
gemeldte Gewehr bey sich verhalten würde, der soll ohne alle 
Gnade ein Wochlohn verfallen seyn. 
16) Zum Sechtzehnden soll keiner bey der Gesellen Schencke 
mehr Hier verspilden alsz er mit einer Han dt bedecken kan, 
aber darüber beschlagen würde, so soll derselbige in vier herd- 
Straffe verfallen seyn. 
17) Zum Siebenzehnden soll kein Gesell oder Jünger mehf 
Hier zu sich nehmen alsz er vertragen kan, darmit er kein Unflab^ 
von sich gebe in des Vaters Hausze, so aber einer darüber he 
schlagen würde, und der Vater und Mutter oder sein Gesind darüber 
klagen würden, der soll ein Wochlohn zur Straff verfallen se^ri 
ohne alle Gnade, wasz er zu Lohn hat. 
18) Zum Achtzehnden soll kein Geselle oder Jünger von der 
Gesellen Hier ohne Uhrlaub von den Tische auffstehen oder nieder 
setzen gehen, zu dehme auch seine vorige beseszene Stelle warten, 
wie auch keinen frembden an Tisch nöhtigen, so lang alsz Gesellen 
und Junger Hier währt; so darüber einer thäte, der soll in ac 
Ferd. Straffe verfallen seyn. 
19) Zum Neuntzehnden soll auch kein Geselle oder Jünger 
sieb 
unterstehen,dasz er von der Gesellen Hier einer berüchtigten FrauenS 
persohn oder einen unehrlichen Mann schencke oder dasz 
über den Renstein tragen einem zu schencken; so einer darüb^c 
thäte, der soll in 8 Ferd. Straffe verfallen seyn. 
20) Zum Zwantzisten soll kein Gesell oder Jünger sich untef 
stehen oder verdriesten, wenn sie eine freye Schencke haU^^'^’ 
Wärffel oder Karten oder andere Spiel auf den Tisch zu bring^'^ 
so einer darüber thun wird, der soll zu Straff geben ein Woch^b^ 
21) Zum Einundzwantzigsten soll kein Gesell oder Jünger 
finden laszen auff dem Spielplätze oder sonsten andern Ortern, 
die Jungen oder losz Volck sich zusammengesellet, es sey 
oder Jünger; der darüber beschlagen würde, soll ohne alle Gna 
ein Wochlohn verfallen seyn. ^ 
22) Zum Zweyundzwantzigsten sollen sich die (Gesellen 
Jünger in des Vaters Hause einsahm und friedlich verhalten, " ^ 
sie die Schencke haben oder sonsten trincken, und so 
einen Hader oder Zanck anfangen würde oder sich mit einan 
sieb 
dar 
die
        <pb n="381" />
        Kleinschmiede-Gesellen. 
361 
Schlagen thäte, der soll einen Floreen zu Straff verfallen seyn, 
^uszgenommen Blut oder Blau, dasz soll der Voigt zu richten 
^ächt haben. 
23) Zum Dreyundzwantzigsten so ein Geselle oder Jünger 
^Baub nimbt und will wieder herumbschicken, so sollen die Ört- 
S^sellen, zuvor sie ihm umb Arbeit umbsehen, in seines gewesenen 
^^isters Hausz gehen und fragen, wie er von ihm abgeschieden 
darnach sich ein jeder weisz zu richten. 
24) Zum Vierundzwantzigsten so ein Geselle oder Jünger 
^hrlaub bekähme von einem Meister, und der Geselle oder Jünger 
Selber Uhrlaub nehmen würde und aber ferner in der Stadt arbeiten 
so soll er den selbigen Sontag und nicht in der Wochen 
^Oibsenden ; und so ers versehe und den Sontag, in welchen er 
seinen Meister losz geworden, nicht umbsenden würde, so soll 
Woche feyren bisz auff den folgenden Sontag, alszdan mag 
wieder umbsenden und in das \ aterhausz gehen und (oder 
Meisters Hausz); wer aber über diesen Articul thun würde, der 
in der (Gesellen und Jünger Straffe verfallen seyn umb ein 
^chlohn ohne alle Gnade. 
25) Zum Fünffundzwantzigsten soll sich kein (%esell oder J^ger 
^'^terstehen den Ladenschlüszel über Nacht auszerhalb der Stadt 
iwingen, es were dan Sache, dasz ein Meister vor der Stadt 
'^’^hnete, darbey er arbeiten möchte ; so aber einer von den Gesellen 
^.'^er Jünger den Schlüszel zu der Laden verlieren würde, der soll 
andern Schlüszel zu verschaffen schuldig seyn, darzu neben 
den Gesellen und Jünger ein Wochlohn zu geben verpflichtet 
alle (inade. 
. 26) Zum Sechsundzwantzigsten so einer dem andern fur einen 
oder Hieb schelten würde, das ers ihme nicht kt^te da,^ 
der soll einen Floreen zu Straff verfallen seyn; schelt sich 
einer selber und wird überwunden, der soll m doppelter 
' ^*'^ffe verfallen seyn ohne alle Gnade. 
27) Zum Siebenundzwantzigsten so sichs zutragen würde, dasz 
'''■ (Gesellen oder Jünger so hart mit Scheltworte 
,orten angreiffen 
'^»esellen oder Jünger so hart mit - . 
dasz sie sich vor der Latlen unter einantler n.ch. vergle.chen 
, ""ten, so sollen die sämtlichen Meisters, die unsers Ambtes smd, 
Zu ' • 
Mülff, 
e nehmen.
        <pb n="382" />
        302 
Kleinschmiede-Gesellen. 
28) Zum Achtundzwantzigsten sollen den (gesellen und Jünger 
gleichfals zwey Meisters zugeleget von Ambt, die sollen ein 
ein Schlüszel haben und bey der Lade sitzen, darmit Niemand un 
recht geschieht, und sollen die Oesellen und Junger alle Vierte 
Jahr neue Altgesellen wehlen und einander richtig Rechnung thun. 
29) Zum Neunundzwantzigsten so es kähme, dar doch Goh 
vor sey und gnädiglich abwenden, dasz ein Gesell oder Jünger •t’ 
Ivranckheit geriehte, so sollen die Gesellen und Jünger schuldig 
seyn bey den Krancken zu wachen des Nachts über ein tider 
zwey; da aber der Krancke nohtdürfftig were und nichts zu ver 
zehren hätte, so sollen ihme die Gesellen und Jünger ausz der 
Laden von ihrem Theile zu HülfFe kommen, und so ihme Go 
wiederumb ausz der Kranckheit hülffe, soll er dasz vorgestreckte 
(ieldt wieder in die Lade entrichten und bezahlen; so aber Gott 
der Allmächtige ihm von diesem Jammerthal zu sich nehmen würd^' 
so sollen die Gesellen und Jünger schuldig seyn ihm zur ErdeJ 
zu bestätigen ; so er etwas an Gelde und Kleider nachlaszen wür 
das sollen die Gesellen und Jünger schuldig seyn zu Cielde 
machen und dasz vorgestreckte Geld wiederumb in der Laden 
legen; da auch der Patient wieder zu seiner Gesundheit dure 
Gottes Gnaden geriethe und in der Bezahlung des fürgestrecEtei’ 
Oeldes sich unbillig wolte linden laszen, so soll man ihme, w&gt;e ^ 
uns vor unsern Vorältern angeerbet, nach Handtwercks Gewohnhe 
nachgeschrieben werden. 
30) Zum Dreyssigsten so ein Geselle oder Jünger alhier 've^^ 
ziehen und dem Vater auff der Herberge schuldig bleibe oder ^ 
Vierwochengeldt oder die halbe Schencke nicht entrichtet 
bezahlet hätte, soll ihme nach Handtwercks Gewohnheit nachg^ 
schrieben werden. 
31) Zum Einunddreyszigsten sollen auch wieder Ciesellen 
Jünger über neun Uhr auff Abendt zu Bier sitzen und daru^^^ 
seines Meisters Thüre beklopffen oder stürmen bey Straffe 
Wochlohns, es wehre denn dem Meister solches kundt gethan, 
dan über 10 Uhr nicht schuldig seyn soll die Thür zu öffnen 
Straffe 2 Rth. ^ 
32) Zum Zweyunddreyssigsten soll kein (,eselle oder 
seines Meisters Speise und Tranck verachten oder über die 
tragen, besondern soll solches seinem Meister selbst anzeigen 
Strafte einen Floreen ohne alle (made.
        <pb n="383" />
        Kleinschmiede-Gesellen. 
363 
33) Zum Dreyunddreyssigsten wo ein Geselle oder Jünger 
unterstunde in Städten, Dorffer oder bey einem Edelmann zu 
^^^keiten und wehre noch nicht Meister worden oder^ sonsten dem 
^ändtwercke zuwiedern thäte, und ihm solches kan überwiesen 
'"^'•den, soll er vor die sammtliche Meister, Gesellen und Jünger 
"^ch Hofferecht umb 4 Rth. gestraffet werden. 
34) Zum Vierunddreyezigsten wan ein frembder Gesell oder 
alhier gewandert kompt, soll sich keiner bey Müntzgoldt 
‘'Schmieden oder bey Höhnhaszen zu arbeiten, er hat sich dan zuvor 
^^ndtwercks Gewohnheit beweisen laszen; wer über diesen Articul 
würde, soll für die sambtlichen Meister, Gesellen und Jünger 
4 gestraffet werden ohne alle (%nade. 
35) Zum Fünffunddreyszigsten sollen sich weder Gesellen noch 
Jünger unterstehen mehr spatzieren oder feuren gehen alsz ihnen 
^^gelaszen wird; so manchen Tag einer spatzieren geht, so manches 
^^in Wochlohn zu Straff. 
3b) Zum Sechsunddreyszigsten wan ein Geselle gewandert, 
er von einem Meister verschrieben ist und ers erweisen kan, 
soll bey demselben Meister umb Arbeit umbgeschauet wer en, 
ihm verschrieben hat, welches die Reige nicht kan angerechnet 
imgleichen auch ein auszgelernter oder eines Meisters 
wenn solche ausz der Fremde kommen, wie auch wann sie 
ersten Mahl bey die Gesellen gehen und umb Arbeit sic 
^^hschauen laszen. 
37) Zum Siebenunddreyszigsten sollen die Gesellen und Junger 
wasz ihr Tranckgeldt seyn soll, nehmlich alle so unter 
Handtwercke begriefen seyn: alsz Schloszern, Sporer, 
^^^hsen. und Uhrmacher. Zum ersten soll der Sch oszer oder 
^'^mwercker ihr Tranckgeldt seyn, wan ein alt Schlosz in eine 
^^rckstätte gebracht wird, da 4 Herd, dran verdienet oder ein 
^'»-i^^^lstiffte drein zu machen noch eine Spansage zu feilen, ein 
auffzumachen des Sontags oder nach Feuerabei^t. Item 
''^Keil, zu hauen oder ein abgebrochen Hlatt wieder auffzulodten 
Schneckenhäuszchen (oder kleine dreykantige Schlosze u c 
'' '!ch nehmen Masze und Macht haben; auff dem Sporwerck ein 
Mt 
in 
eine Spore mit 6 Zehnen, eine 
i Zunge an eine Ringk,
        <pb n="384" />
        3^4 
Kleinschmiede-Gesellen. 
Stiffte in eine Fackel zum Mundstücke. Die Büchsenmachers sollen 
haben fürs Erste eine kleine Schraube und eine Kugel ausz^ 
schrauben, ein Schlosz halten zu machen. Der Uhrmacher 
Tranckgeldt soll seyn ein Zwölfer rein zu machen, einen neuen 
Schnur einzuziehen, ein Stiffte, so auszgefallen oder verlohren * ^ 
worden. Disz aber gedachtes Tranckgeldt sollen die (iesellen un 
Jünger machen nach Feurabend und sollen des Morgens umb 4 ^ ^ 
auffstehen, des Abends umb Klocke sieben Feurabend machen un 
ihr Trinckgeldt verfertigen bisz auf die Klocke neun, und 
Winters ihr eigen Licht haben; desz sollen gleichfals die Stüc' 
wercker und Wochlohner der vorgemeldtes Tranckgeld zusammen 
verdienen und auch unter einander theilen, so es auch kähmCi 
dasz ein Bürger oder frembder Mann einen Schlüszl eilendts fertig 
zu haben begehrte, deszgleichen auch ein Feuerschlosz haltent 
machen oder ein Schraubschen, und der Bringer den Feurabeu 
nicht abwarten könte seiner Gelegenheit nach, soll ein jeder ^ 
unsers Handtwercks die Hand unverschloszcn seyn, es würe 
Sache, dasz der Geselle oder Jünger seinen Meister darumb begruste» 
und der Meister ihnen solches nachgebe oder verlaubte, dergest»^’ 
dasz der Geselle dem Meister angelobet, das ers nach FeurabeU 
wieder nachholen wolle, solches soll einem jeden Meister ^ 
stehen. Welcher Geselle, Meister oder Junger über diese vor 
gesätzte Articul und Puncten handeln oder sich verdriesten uu^ 
vergriffen würde, der soll seiner Straffe nicht wiszendt seyn. 1 
sollen alle (xesellen in Zeit der Noht, es sey Auffstandt, ^'eur- 
Waszers-Noht, mit ihrer Gewehr für dem Statthause sich ho ^ 
und treulich helffen wehren, wie dan alles, was wieder der 
keit möchte fürgenommen werden, helffen abkehren. Dasz (he ^ 
Obengeschrieben unter Meister und (Gesellen verblieben, 
auch von Ambtgericht confirmiret .... ich mit Unterschreibu 
mein eigen Handt und unterdrückten Pitschafft bezeugen. 
L u d w i c h H i n t e 1 m a 0 0 
(L. S.) I). manu propria. 
* * 
* 
Nachdem dasz Ambt der Kleinschmiede, Büchsen- und 
mâcher und nomine deszelben der Altermann Albrecht Kock bene ’ 
denen Beysitzern Hans Schwartzen, Carl Bacho und dem J 
meister Steffen Fixen wie auch die Gesellschafft bemelten An^ 
1 Vergl. S. 357, Anm. i.
        <pb n="385" />
        Kleine Gilde. 
365 
nomine derselben Hans Jacob Zimmermann, Altgesell, Peter block, 
^Itjünger, Oloff Peterson, Daniel Hamp, Jochim Dopner, Jacob 
^•"use und Johann Ciergen Bruhn, altiste Gesellen, vor e. edlen 
^nibtgericht erschienen und zu vernehmen gegeben, wie dasz sie 
Senöhtiget worden, die Gesellenarticul, welche schon Anno 1615 
4- Aprill von e. edlen. Ambtgericht confirmiret wären in einem 
J^nd dem andern Punct der jetzigen Zeiten Beschaffenheit nach zu 
^^dern, einige gar zu cassiren und andere an deren Stellen zu 
^^*zen mit demühtigster Bitte selbe in allem zu conhrmiren und 
bestätigen; alsz hat e. edles Gericht nach Verlesung derselben 
^l'dculn diesem ihrem billigen Gesuche zu deferiren nicht entseyn 
können, inmaszen es dann auch selbige in allen Puncten und 
Clausulen, jedoch mit Vorbehaltener Macht dieselbe der Gelegen- 
nach zu mindern und zu mehren, hiemit coniirmiret und be- 
^^^bget und zu mehrer Beglaubigung deszen des Gerichts Insiegel 
^•^terdrücken und von dem Gerichts Notario unterschreiben laszen. 
^^tum Riga den 10. Aprilis des eintausent siebenhundert und 
^^chsten Jahres. Michael Borkowsky, 
Notarius manu propria. 
47. Die Kleine Gilde. 
Cllde der Stube zu Soest — Johannisgilde. 
Schrägen vom 18. Novbr. 1352* 
Ëtiill 
P'e angegeben. Ahg. Kig. Stadtbll. 1*93, S- tgo. 
Titul der kleinen Gilden Schraa in Kiga. 
"Jat si witlik alle denjenen, de nu sin efte noch körnen scho en 
na der bon unses Heren .300 jar an deme twe unde vnf- 
Ikeben avende (.8. Nov.) de schra des 
Seste 
jare an sunte 
‘ b.» , «eh. im Original beide Male über dem vorhergehenden Vocal. 
* ^k^aa. 
^ie Überschrift rührt vom Abschreiber her. 
"^iistigeslen.
        <pb n="386" />
        Knochenhauer. 
366 
stoven van Soest, de to Latine geschreven was, in Lutsch gehracb^ 
wart mit vulbort der meynen brodere in alsodanighen worden 
allen gelovigen an unseme^ here (jode, den enbudet de alderman 
van Munstere unde de alderman van Soest salickeit an unsere 
heren Gode etc. 
48. Knochenhauer. 
Polizeiordnung vom 9. Decbr. 1502. 
Stadt-Bibliothek in Riga, Auszug aus einem Entwürfe zu einer Polizeiordnung 
V. J. 1502. Brotzes Livonica, Vol. XXIII, Nr. 2, S. 1-27; vergl. Monum. Liv« 
antiq. Bd. 4, S. CCXLVIII und CCLI. 
[4.1 Item vortmer is endrachtliken ut der bursprake vorramet' 
dat de knakenhouwere scholen sick alle quarte offte verendel jaf^ 
presentiren den weddehernn und sick purgeren, dat se des rac^ 
bursprake genoch gedan hebben unde dat so geholden mit ^ ^ 
borgern und burén na inholde der bursprake by entberinge ^ 
amptes. 
Knochenhauer 1510, 
s. die Entscheidung des Erzbischofs Jasper und des O.-M. 
Plettenberg über Brauer, Bäcker, Knochenhauer und Schuhmach^"^ 
49. Knochenhauer. 
Vorschlag der Weideherren vom Jahre 1556- 
Das Buch der Ältermenner grosser Gilde in Riga, Monum. Livon. antiq- 
Item noch hebben de weydenheren begherett, datt eyn 
ratt mydt den knockenhouverss wollde handdellen, datt der knoc 
houver weyde mochtte by suntte Jurghen bllyffen; szo wob^*^*^ 
weydeherren de weyde ummegraffen latten, datt dor nen 
(juyck up körnen sullde, eite szo de knockenhouvers nycht 
aifstan, sullden sze eren hoysllach sullffest up ere unkost 
graffen latten. Szo yss dar yo i ynsperynghe ynghekomen 
1 nnserne. 
2 unserne.
        <pb n="387" />
        Knochenhauer. Russische Krämer. 
367 
^trne lantffaghecle, datt dar nycht utt wartt und bleff szo bestandde. 
na my körnen, moghen y dt bett fFort stellen, datt ene Ghot 
hellpe. 
50. Knochenhauer. 
Klage über Aufkäuferei vom Jahre 1572. 
bas Buch der Ältermenner grosser Gilde in Riga, Monuro. Livon. antiq. 
4, S. 227. 
Item belangen den jungens, jungeknecht den [der] knakenhower, 
voer allen porten aver der Dune wp den lantstraten w) t und 
de grote wnordenyge hebben myt deme inkopende, indregende, 
datt syck eynredelyck man schämet myt en tho kyven, de knaken- 
Ow’erz gelyckvals lyggen dach und nacht aver der Dune wp den 
J^tstraten hyr vor den porten; dat beste kopen se buten wp; dat 
und mager is den boergers gut genoch; se hebben vor- 
^^ctet dat kutthuss, dar moegen se slacten lathen eres gefallens 
^ dessen, schape, koege, segenbucke wyl, dat gutt werden, ick 
dat nyth. 
51. Krämer (Russische). 
Polizeiordnung vom 9. Decbr. 1502. 
Stadt-Bibliothek in Riga, Auszug aus einem 
Entwürfe zu einer Polizeiordnung 
beehr. ,s(». Brmzes bivonici, l/ol. XXhl, Nr.z, S. , -27; vergl. Monum. 
Hd:^, S.(:CCXLVin u. (:CLV. [Xe russischen Krämer 
für russische Käufer bestimmte Waaren an und sind deshalb zu den 
’’dwerkern zu rechnen. 
. 1 lo-l Item is vorramet, dat noch katsassen, Undudess, Russessche 
, edder ander Unduessche amptlude Dudessche jungen vor- 
edder mit nichte in kost to holdende by der pene 20 mrc. 
52. 
Krämer (Russische). 
Schrägen vom 5- April 1522. 
Schragenb. d. Ge^dlsch. f Gesch. u. Alterth. in Riga, BL «5 «6. Vergl. 
Schrägen d. Gürtler u. Breszmacher. 
■'•t hebben de ersnmen kemerers, wo l)aven in deme sulvigen 
" unn&lt;l dage na bogerlen der Kuszchen kremers angesettet und 
«nhamen, da. na dusser .id. neen Ruszche kremer schall bruken
        <pb n="388" />
        Russische Krämer. 
des amptes ock inthoköpende unnd tho vorköpende war un J 
gudere, so dar ampt eschet unnd belanget, idt sy denne, «at 
mit deine ampte verleendt unnd versorget sy van enem ersam 
rade, des schall degenne, de so vorleentt is, nicht mehr den 2 bo‘^^ 
up dat hogeste besitten unnd understan up dat legeste ene 
30) Des schall der Kuszchen kremer tall wesen na beleving^ 
eines ersamen radesz, item degenne, de ein junge der K^sc 
kremer will werden, schall deme billigen crutze ein liszpunt was 
geven unnd den gemenen broderen einen schinken und i t^ 
beer thovoren. ‘ 
31) Item de Rüssen mit erer kopenschop den Ruschen 
belangende, scholen nicht lenger in den boden stan by sum 
tho vorkopende denne 14 dage; darna uth bevell eines er 
rades schall de marckttvogdtt den Russen seggen, se ere ove 
gutt in summen alle vorkopen und de bode thosluten.* 
32) Fürder so schall neen arbeidesman taszken, hode 
and^^ \v2me up deme marcke^ ofRe ^Lraten den Rus^^en 
Ruschen kremern tho vorfange dregen tho vorkopende, v' 
dar ener aver beschlagen, deme schall me syne whare nh 
und bringen se tho des kemerers husz. 
33) Item de Rusche kremer, de van deme oldermann^^ 
billigen crutzes boem tho dregende gekoren wert und dar ent 
mit fryem willen versumet, so vaken alse dat geschuet, scia 
een marckpunt wasses beteren.® 
34) Item nen Ruszche kremer, de buten der Stadt mure ^ | 
up des huszkunters sinem gebede offte in dem sticht, schd 
bode holden, idt si denne, he besitlick is und hebbe de borget- 
gewunnen van dem ersamen rade likest den m der stadt^ 
35) Item neen Ruszche kremer schall des gordell- onte 
mackers knechte thosetten tho arbeidende, he wane buten e 
binnen der Stadt. 
Item ock nen gordelmacker schall brücken de Ruszche K 
den he hebbe dat verworven von den gemeinen brödern uni t ' 
verlentt van den kemerers.'^ 
1 Von späterer Hand an den Rand geschrieben: NB. Idohfahnca ^ 
adque pios usus conpeienda. 
2 Von derselben Hand: NR. cur bene inslUuta ad desuefudnten, pc 
3 Von derselben Hand: aho/enda. 
i Ut im Orijrinal unnumerirt geblieben.
        <pb n="389" />
        Deutsche und Undeutsche Krämer. 
369 
37) Wen de olderman de Ruszchen kremer verbadet, und se 
bades versitten, scholen se wedder de Heren unnd amptt 3 lisz- 
Punt wasses breken, doen se dat nicht, me schall ene dat lenster 
^hosluten, so lange se willen maken mit rechte uth bovell der 
^emerers, und so einer broekhaftigk wurde, und der nicht genueg 
dede, de schall in glicker peene verfallen sin. 
38) Ein Ruszche kremer offte kremersche, dede broder edder 
®^ster will werden, de schall V* marck geven ingandegeldt; de 
buten kumpt und is nicht in unsem ampte unnd begert broder 
^dder suster tho werdende, schall 6 sch. geven ingandegeltt. 
39) Item nemandt schall by der tafelen unnd ampt gekaren 
'"^rden, he sy ein Rusche kremer edder gordelmaker offte ein 
^'‘^szeinacker. 
4&lt;&gt;) Des beholdt ein ersame rhatt de macht und overicheitt alle 
^'■^'ckele unnd puncten desses vorgeschreven schragens tho vor- 
tho verändern, tho meren und tho vormindern thom ge- 
■^^inen besten, so vaken und vele idt van nöden unde nutte wurde 
Uncle en uptt nige dissenn schrägen avergegeven, verlhenet un 
^"stediget by gerorder condition anno twe unnd twintigst, sonn- 
^^(ides vor iudica, in der vasten (5. April). 
53. Krämer (Deutsche und Undeutsche). 
Rathsentscheidung vom 9* 
Shä der Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Ripa, Bl. 130 «32. von einer 
Hand. 
Wir Bürgermeister unnti ralhmanne der statt Riga thün kundt, 
1*: ® iilirLr iinrie 
unnd bekennen in unnd mitt diesem offenenn uhrkunde 
^n-enniglichen, was wirden Standes oder condition d.e sent, so 
^^&lt;=H&gt;e sehen, hören oder lesren, demnach sich .wist unn&lt; trrungen 
r'^^hen den ersamen dieser statt Theu| t |schen krämern als clegern 
" ^mern unnd den Undeu|t|schen kramern oder gürdeImachern, be- 
* * — rloc \ronn np- 
Cl 
I —UllllVl LiCH Ir - J 
I anderstheils begeben unnd rugetragen, also das vonn 
3^. ^ . M line orpcrehe 
pt ‘iiuicrMiiciib cucM tu...'- o — i 
''Kien gürdelmachern über den von alters ihnen von uns gegebenen 
Cr 
^elt 
klCtlllUUICt II UUtl wv-.. . , 
'Ren geschritten unnd et.hche wäre um ’ , 
bescheinen an sich gezogen, dagegen
        <pb n="390" />
        37» 
Deutsche und Undeutsche Krämer. 
uns ZU urtheill und recht erschienen unnd den zwist unnd han^G 
zu unser billiger unnd gleichmesziger erorterung gestehet haben, 
da wir dan nach reififlichem erwegen aller producirten acten, clage^ 
antwortts, eingelegten schragens gefurtten zeugnuszen unnd 
der sachen den siebenzehenden nionatz decembris negst verlaufene^ 
acht und sechstzigsten jars zu rechte erkant unnd abgesprochen^ 
■ unnd damit beide parte bei wollvart, brott unnd narung erhaUe ^ 
unnd die gleicheit getroffen werden mochte, nachvolgende bilhgke^^ 
hierinne verordnett, auch ferner durch die erbarn unnd wollweis«^ 
Herrn Jost Lhomann ‘ unnd hcrrn Matthias Wellingk«, der zeit uns 
statt kemmere, verordnen und beschaffen laszen, in maszen wir (■ ' 
auch hiermit solches alles in krafft unnd macht dieses bestettig- 
confirmiret unnd nun unnd hinfürter zu allen Zeiten also unv 
brüchlich gehalten haben wollen. 
1) Erstlich was den gurtelen betrifft, sollen den 
kramern frei sein nicht allein die gurtel, so sie selbst mac ^^ 
sondern auch alle die, so die Unteu|t ¡sehen tragenn unnd ib 
dienen mugen, wie es dan auch im gleichen mit den bretzen un 
bendekens geholten werden soll. ^¡g. 
2) So viel aber den ringen belangend, sollen ihnen auch 
Meylanschen frei sein. 
3) Des sollenn ihnen auch frei sein allerlei seiden, so die 
teu|t ¡sehen auff den harften gebrauchenn. j¡g 
4) Den höden belangend, sollen ihnen allein frei 
jhenigen, so die Unteu¡t¡sehen tragen, unnd das doszynn vor neU 
mark (?) kan eingekaufft werden. 
5) Die schäffscheren sollen bei den Teu¡t ¡sehen kramern bie 
6) Imgleichen die verziente ketten, so wol camblot unnc 
bannt. . , llfl' 
7) Darjhegen dan hinwieder die seiden crutze bei cici 
teu¡t¡sehen kramern bleiben sollen. jie 
8) Von schlossern sollen allein die Keusischen krainere 
Reusischen knikschloszere auszülegen unnd zu verkauften 
haben, die andern sollen bei den Teu¡t ¡sehen bleiben. ¡g 
9) Von senckelen sollen allein den Unteu¡t ¡sehen husche 
zu verkauffen nachgegeben sein, item bauwren natelen, so sie s 
machen. 
1 Böthführ, Die Kigische Rathslinie, Nr. 484. 
2 Ibid. Nr. 49Í).
        <pb n="391" />
        Deutsche und Undeutsche Krämer. 
371 
10) Von kemmen gibt ein erbar rath den Unteu[t]schen alleinn 
^Gusische unnd pauwrenkemme nach. 
ii) Die gelen natelfuttere sollen bei den Unteu|t]schen bleiben. 
12) Die glesenitzen aber unnd die gelen baurpocke sollen bei 
den Teu[t Ischen bleiben. 
13) So viel aber den weiberbeutlen belangend, sollen denn 
^nteu[tIschen zu verkauifen nachgegeben sein weiberbeutele, darvon 
doszynn aufifs höchste fünf marck kostet, unnd da diese zart 
^Grnachmals schon tewrer würde, soll ihnen doch dieselbige damit 
*^*cht abgeschnitten sein. 
H) Von meszern sollen den Unteu|tjschen gorttlers gleichst 
Teu|tjschen kramern feil zu haben unnd zu verkauffenn frei 
^^in allein diese funff nachvolgende zartte und perseien. 
Rrstlich die hemmische (?) meszer mit roden breden schalen unnd 
^deien negelen unnd hinter mit einer iseren platen. 
Zürn andern die Kruszbürgische meszer mit faelen breden 
^^halen unnd isern neglen unnd platen. 
Zürn dritten Hreckenfeldische meszer mit gelen buschbomen 
^^halenn unnd meszinges platen. 
Zürn vierten busche baurmeszer mitt geelen scha enn. 
Zürn funfften hertzwyger meszer mit scheiden und ohne sehe en. 
15) Und ol&gt; schonn in diesen kauflfzarten unnd |mrselen 
'=''^crüng vorfielc, also das sie im kaufe gefingert oder gebeszertt 
"'“'■den, sollen sie ihnen gleichwoll darmit unhenomen sein. 
&gt;6) Von tuschen sollen den Unteu|t|schen gürtelern gleichst 
. V UH lasiciicii »uncu ■ ■ . ,.. . , 
Teu|t|schen kramern feil zu haben frei sein: Die vier an e 
^"^schen drierlei zartte, klein, mittel unnd grosz, im g eic en le 
laschen dreierlei zartte klein, mittel unnd grosz, ,doch ohne 
Schl 
halt 
iriÄunen ureieriei zai nc iviv,..., . . 1 • u 
oszer; des sollen sie die Unteu|t|schen gürdelmachere sich ent- 
allerlei anderer gattungk. 
WifM
        <pb n="392" />
        372 
Deutsche und Undeutsche Krämer. 
wahren, so sie mit ihren eigenen handen arbeiten unnd ververttig^n, 
ohne einigen der Teu|t ¡sehen kramer eintrangk vergundt sein solk'^' 
i8) Den andern perseien aber belangend, so den Unteu|t [sehen 
kramern zugeeignet, sollen darhier verstanden werden, das sie nun 
mehr unnd hinfürter damit begünstiget sein neben den Teu[t[sehen 
kramern gleichst ihnen feil zu haben unnd zu verkaufen macht 
haben, aber dan noch denn Teu[t [sehen kramern dieselbe darunih 
nicht abgeschnitten sein sollen, unnd sollen hiermitt beide pad^ 
entlieh unnd schluszlich von einander gesetzet obgesatzter Ordnung^' 
gehorsamblich leben unnd zu ferner zw ist unnd Uneinigkeit nicht 
ursach geben, sondern vielmer da nochmals über eines erbatu 
raths hoffnüngk in vorermelten perseien miszverstant einfall^" 
wurde, oder aber dieselbigen von einigem theill zu sondern vet 
meinten urtheil gezogen unnd gedeutet werden solten, sich iderzcit 
ferner vom erbarm rathe entscheidenn zu laszen. ln urkunt habeU 
wir diesen abscheit in gegenwertige formb brengen laszen. 
schelten unnd gegebenn mittwochens vor Martini episcopi (ç.Novbu)’ 
welcher war der neuende tagk monats novembris nach Christi 
unsers herrn gebürt tausent fünfhundert unnd darnach im neunun 
sechstigsten jare. 
54. Krämer (Deutsche und Undeutsche). 
Rathsentscheidung vom 19. Oetbr. 1573. 
Schragenb. der Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth, in Riga, Hl. 132*' u. 133» ' 
einer .späteren Hand. 
Die letzste declaration in etzlichen püncten des hiebevor eUt 
geschriebenen abscheides zwischen den Teu[t [sehen unnd Unteu[t 
schenn kramern von den herrn verordneten chemmern, als herrUtt 
Matthias Wellingk* unnd herrn Marten Provestingk*, pübliciret 
neunden Julii anno drei unnd siebentzigk in beisein beider p&lt;'tftt^’ 
hernach auf einbringen gedachter herrnn kein merer vom erbdi"*^ 
rathe den neünzehenden octobris anno drei unnd siebentzigk c'Oit 
iirmiret unnd dem abscheide anzühengen erlaubet wordenn. 
Au ff die abermals vorgevallene zwist unnd miszverstannt 
den Teu[t [sehen kramernn unnd Unteu[t[sehen gurtelernn, naclKl‘^t^ 
eines erbarn raths anno 68 gegebener abscheit zwischen beit^^^ 
parten ergangen vermagk, das da über eines erbarn raths hoffnuOK 
1 Vergl. S. 370, Anm. 2. 
2 Höthführ, Die Rigische Rathslinie, Nr. 4H9.
        <pb n="393" />
        Deutsche und Undeutsche Krämer. 
373 
abgerichtenn perseien halber noch ferner Spaltung furvallen 
würden oder die von einigem theill zu vermeintem \ ortheill gedeutet 
Werden mochten, das die parte allewegen deszen ferner erklerungk 
beim erbarn rathe suchen unnd sich entscheiden laszen, sollen ein 
erbar rath auch einsmals dieser sachen unnd deshalben vielvaltigen 
^nlaufifens verschönet sein wollen unnd derwegen eines \or all 
dem herrnn chemmerern aufferlegt unnd bevolen den untenbenanten 
^bermalsz furgevallenen streitigen articullen billige masze zugegeben 
^"nd durch eine richtige erklerungk allen miszverstant hmwegk- 
"ureümen, demselben zufolge wollen gemelte herrnn chemmere 
^rstlichen denn pünct der hoede dermaszen corngiret haben, das 
Unteultischen kramern die hoede alleine frei sein sollenn, so 
Unteul t Ischen vonn alters getragen oder noch tragen, arvjn 
doszyn ehemals neun marck gegolten, itz aber zu 1^5, 
'8 marck gelden mochtenn, unnd da dieselbenn hernachmalsz ent- 
"nieder geringer oder tewrer würden, sollen sie ihnen den Un- 
^^^It]schen gleichwoll darmit unbenomen sein. 
Den articüll aber der kauffzartenmeszer erachten die herrnn 
"■emmerer, was in dem vonn den gürtelernn gesucht unnd gebetten 
der billigkeit gemesz, als nemblich das den nteult|scien 
'''■•‘niern je unnd allewege funff zartte frei sein sollen, unn&lt; &lt; a 
Kkich in den im abscheide funflf specillrten perseien ein oder mehr 
oder abgehen würden, soll auf ihr der l'n.eu|tlschen an- 
'«Chen von den herrn kemmernn an statt des abgegangenen persels 
ander gleicher wertt nach billigkeit idoch m l’C'wesen i er 
l'caltlschen kramer verordnet werden, unnd sollen solche die l n- 
■
        <pb n="394" />
        Ä 
374 
Gilde des heiligen Kreuzes und der Dreifaltigkeit. 
parte eins vor alle rechtlich entscheiden sein. Actum ut s. Locus 
authent. d. secret, super. Ottonis Kanne. ^ 
Gilde des heiligen 
55. Kreuzes und der Dreifaltigkeit. 
Schrägen vom 18. Novbr. 1252. 
Stadt-Arch, in Riga, Pergamentheft aus 10 Blättern, 22 cm. hoch, 16 cm. 
2V2 Blätter sind unbeschrieben. Abg. Monum. Livon. antiq. Bd. 4, S. CCVllI—C 
u. Liv-, Est- und Curländ. Urkb. Bd. 1, Nr. 242. Vergl. Sitzungsb. d. GesclKch 
Gesch. u. Alterth. in Riga 1894, S. 16 — 18, 143—145, 155—159. 
In deme namen der billigen drevoldicheit unde mit der inach^ 
unses heren Jhesu Cristi, wen wy stände werden vor detn^ 
strengen richte Codes unde antwert scholen ge ven vor dat guck 
unde dat tjuade, dat unse sündige lycham gy begán hevet, alse dut 
grote richte to deme jungesten dage over uns gande wert, 
sick hem mel unde erde scheiden sal, unde unse licham sick vulko 
körnen apenbaren wert vor deme strengen richte Ciodes. 
umme so hebbe wy, brodere unde sustere der broderscop und^ 
gilde des billigen cruces unde der billigen drevoldicheit, dat 
gesprochene strenge gerichte (iodes betrachtet unde angeseei^’ 
unde hebben gemaket in de ere des billigen geistes unde to saliche)^ 
unser sele ene lovelike broderschop unde ene gilde, de W)’ 
tokomenden tyden van unsen nakamelynghen stede unde vast uU 
brelick to ewigen tyden willen geholden hebben. Dat sy wid'^ 
alle denjenen, de nu syn elfte noch nakamen scholen, dat na 
bort unses Heren dusent jar twehundert jar unde an deme twe uu 
viftigesten jare, an sunte llzeben avende (18. Novbr.), de sehr a d^*^ 
gilde unde broderschop des billigen geistes, de to Latine gescrev^*^ 
was unde in Dutsch gebracht wart mit vulbort der menen brock*^^ 
in alsodanigen worden : 
1) So wen de olderman sprekt, so sal men eme lust geven 
sprekende, unde den broderen to hörende; we des nicht en ck&gt;h 
sal beteren ene mark was, unde nicht aftolatende. 
2) Vortmer welk man de docken ludet sunder orlof unde he( 
des oldermannes, de sal beteren ene mark was, unde nicht aftolaten 
3) So wen de olderman ene stevene kündiget den brodere*^’ 
welk broder, de vorsumet, de sal beteren ene mark was, id 
dat he sick redeliken untschuldigen möge. 
1 Vergl. S. 345, Anm. 1.
        <pb n="395" />
        Gilde des heiligen Kreuzes und der Dreifaltigkeit 
375 
4) Vortmer welk broder also vele beres güt, dat ment mit 
eynen vote nicht bedecken mach, de sal beteren twe artige, ar 
•licht aftolatende. 
5) Vortmer welk broder den anderen werpet in der glide mit 
STase, de sal beteren twe artige, dar nicht aftolaten 
6) Vortmer welk broder dat licht nedderstoet, dat steit vor 
^en bilde, de sal beteren 2 artige, nicht aftolatende. 
7) Vortmer welk broder, de den anderen sleit in der glide 
«dder schalk edder heryensen beet elfte des gehkes, e sa ) 
unrecht wert, de sal buten der gilde bliven, untie men sal 
••cnen broder mer holden. 
.1 itkTgitn :‘nt£ 
#### 
^ar to Setten. i 
#### 
God unde de billige geist.
        <pb n="396" />
        3/6 
Gilde des heiligen Kreuzes und der Dreifaltigkeit. 
13) Vortmer is id sake, dat en broder edder ene suster crank 
wert, so sal eme de broderscop holden en wyíf, de em beware, 
unde dat scholen de gildebrodere beköstigen. 
14) Vortmer weret sake, dat en broder schipbrokich wurde m 
vromden landen, unde queme dar to en ander broder, de sal synes 
gudes uthschepen 2 schyppunt unde sal des anderen guth enthalen- 
15) Vortmer weret sake, dat en broder gevangen wurde la 
heidenschop, deme sal men lenen enen sak soltes to siner losing^ 
to hulpe, un is id, dat he geloset wert, unde vormach he dat to 
betalende, so schal he dat betalen; vormach he des ock nicht to 
betalende, so vorgeldet God unde de billige geist. 
16) Vortmer weret sake, dat en broder were beveydet, dat he 
nicht dorste gan uthe der gilde in sine herberge, so sal men enie 
mede don veer brodere edder sosse, de solen ene beleyden la 
sine herberge. 
17) Vortmer so sal en islik broder alsodane geste bidden, dat 
he erer nenen vorwyt hebbe. 
18) Vortmer welk man de broderscop wil wynnen, de sal 
geven 6 Schillinge Rigess intogande. 
19) Vortmer dat en broder breke an den wert edder an de 
werdynne edder an ere baden, de sal beteren na der gilde willekor, 
dat sine br6ke syn, dar sal he na beteren. 
20) Vortmer is, dat en broder den olderman vorspréket in der 
gilde, de sal deme oldermanne beteren 2 mark unde deme bisitere 
I markpunt wasses unde iweliken broder en half markpunt was* 
21) Vortmer weret, dat en broder vorspreke den gerdeman la 
der gilde, de sal beteren geliker wis, efte he den olderman vorspreke- 
22) Vortmer weret, wen men ene de druncke vorkundiget, sO 
sal en islick broder unde iwelike suster to deme gedrenke kamen 
by der gilde willekör. 
23) Vortmer welk broder edder suster nicht en kummeth to 
‘ der bygraft, de sal beteren ene mark wasses. 
24) Vortmer wen de drunke gedan is, so sal men deme kerk' 
heren geven ene halffe mark, dat he der broder unde der sust^r 
dencke, unde ock so sal men denne kopen brot unde beer vor 
6 ore unde geven dat in de ere Gades und des billigen geistoS 
vor alle de brodere unde sustere, de uth desser broderschop vor 
storven syn unde noch st erven scholen.
        <pb n="397" />
        377 
Gilde des heiligen Kreuzes und der Dreifaltigkeit. 
25) Vortmer so sal de olderman vragen den gemeynen broderen, 
'''en er de schra gelesen is, aff se der schra macht gheven. 
26) Vortmer wen er, dat men de druncke drinket, also dar vor- 
Shesproken is mit vulbort des meynen brodere, welk broder, de 
deme gedrenke nicht en kumet unde uppe der straten geit mit 
'^oetwillen unde gesunt unde to reke is, de sal de halve drunke 
fetalen. 
27) Vortmer welk broder, de dar brek unde mit dolen mode 
"'Geh geit unde sinen broke nicht wil beteren, de sal der broder 
^chop entberen. 
28) Vortmer so ne sal neen broder edder suster beer staen 
^^ten, dar se enen gast vor bidden solen; men de enen gast biddeth, 
^'tl dar twe artige vor upleggen. 
29) Vortmer welk broder, de den kemmerer vorsprekt, de sal 
'^^sulve beteringe don, aise de den olderman vorsprekt. 
3d) Vortmer welk broder, de de oldesten overlopt, wen 
donde hebben van der broderschop wegen, de sal beteren 6 ore, 
Gn hebbe redelick werff. 
31) Vortmer wen ene frouwe edder en ander bode van erer 
gen er beer halen, so men nicht mer schenken, wen eens, unde 
se gan bi twen markpunden wasses, unde dar nicht a to- 
unde brekt de vrouwe, de man sal vor se beteren, 
vrouwe suster, so sal se sulven beteren. 
32) Vortmer welk broder de enem manne schencket vor de 
re, he were arm edder rike, edder repe jemanne van butene 
^der Id weren tienne egene baeden na em quemen edder werf 
em hadden, de sali beteren 6 markpunt wasses, unde nicht 
''l'Uende. 
33) Vortmer en sal nemant vor de dore schencken, men eu 
"lemán; doit dar jemant enboven van anderen broderen, de sa 
’^'^ren V2 Lives punt wasses. 
34) Vortmer weret sake, dat sick en broder edder ene suster 
rueddergede, de en is der brodersch/ip nicht wcrdic . 
.r=:.:;in;r:s:í 
Bunge liest: hruut. 
1
        <pb n="398" />
        Kürschner. 
378 
de darto gekoren werden, dat sey heten de brodere unde àe 
sustere to der bigraft körnen; we dar nicht to körnen mach, de 
send synen pennyngh dar; welk broder edder suster dat vorsumeh 
de sal beteren i mark wasses. 
36) Vortmer so is de broderschop des ens gheworden, dat men 
nene wevere edder weverschen, noch bastavere edder bastoverschen 
entfaen sal to broderen edder to susteren unde ock nicht tho gaste 
bidden malk bi sinen broke. 
37) Vortmer so synt de broder des ens geworden, dat se hebben 
en licht getuget’, dat dar bernen schal vor deme hilligen lieh ame 
to alle feste in der kerken to sunte Jacobe dorch der szelen will‘d'’’ 
de vorstorven syn uth desser gilde unde noch levende syn; hirumme, 
dat dat licht bestände blive, so schal en jewelik broder unde sustet 
desto vlitliker unde williger synen spentpennyngh geven, 
wen se vorbòdet werden to offerende unde nicht en kamen, ilat 
duste boreider syn, den penny ngh uttogevende, also dat dat 
dar mede möge geholden unde beterct mach werden. 
38) Item desse broder scalen geven deine scriver mark- 
39) Hoven alle desse stuke unde artikele so hebben deerwerdig*^ 
heren uthe deme rade to Highe de oversten hanth. 
40) Vortmer sin dusse broders eyndrechtighen overenghekome*^' 
dat se alle sonnavende in dem pinxsten laten beghan alle suste 
unde broders, de vorstorven sin unde noch vorsterven scholk^' 
dar schal en juwellick suster unde broder to opperen unde clon 
alse willen alse one schal na sehen by enem marckpunt wasst^^ 
stede unde vaste to holdende.* 
56. Kürschner. 
Schrägen vom 29. Septbr. 1397. 
/?a/// schrägen- u. o/de renthebock, S. k o; vcrgl. RinlcituiiK. A1)R. 
Livon. aiitiq. Hd. 4, S. CCCIX —CCCXIl u. Liv-, Est- und Curländ. IJrkh. Hd. 4, 8r. '4 
Der kursenwertere schra. 
In (iodes namen, amen. Unde in den jaren der gebort 
sulven Cristi unses heren dusent drehundert sovene unde negent'C - 
1 Runge liest: gehegei. 
2 Der letzte Artikel ist von anderer Hand.
        <pb n="399" />
        Kürschner. 
379 
^PPe sunte Michelis hochtyd (29. September), hebben wi brudere 
linde cumpanye des amptes der kursenwertere to Rige myt vulbort 
unde myt willen unser erbaren heren yme rade der stad Rige ene 
®chraa begunt unde gesettet, umme recht unde redelcheit under 
^ns in unsem ampte to holden, unde dat ok den armen seien der- 
Shenne, dee unseme ampte vorsterven, to tröste unde ter salich 
^eit an deme denste Godes van uns wat gudes na scheen möge. 
i) Int erste so welk* gud knape ofte man unser cumpanye 
Unde bruderscoph unses amptes begerende unde eschende is un 
'^ede holden wil, den schal me entfangen, wo hee echte geborn 
Unde unberuchtit sy, unde dee man schal hebben 4 mar ig. 
Nygens gudes, ungeleent unde ungeborget, unde syn vul e 
synem lyve, unde hee schal geven hü® fert. Rig. to unsen ic 
hulpe; ok schal hee maken uppe des oldermanns werkstede twe 
'"‘nte vudere, dee gud unde unstraflek syn, dar men enem jewe en 
"■«le vul don möge; ok schal hee der cumpanye ene koste don, 
en ander vore gedan heft. 
2) Vortmer schal hee nene hant to egenem werke selten, eer 
deine rade unde deme werke to genüge vulgecan 
3) Vortmer welk man to oldermanne koren wert, dee schal 
myt willen sunder weddersprekent doen l.y enem L.ves punt 
‘ses to unsen lichten; unde so welk man to bisittere koren wer , 
Schal dat ok myt willen dim by Lives punt w 
4) Vortmer welk man, dee lest in unser hroderscoph unde 
rere;::;‘r;eTdtt;u«^ 
unde erne de olderman tosecht, unde weret, tat e 
'le,le untie da, vorsumetle, dee schal gebroken hebben . 
'ut wasses. 
' Verschrieben für tor. 
* iw Schrägen v. 1513: Pudesche. 
* Ibid. V. 1513: einen verding. 
^ li)id V. 1513: Up un.ier Zeven frauieiu oc 
^ Ibid. : marckpundt.
        <pb n="400" />
        38o 
Kürschner. 
gedrunken syn, ene begenknisse don myt ener vigilien unde des 
anderen dages myt ener selemissen to tröste den seien dergenne, 
dee Ute unser bruderscoph sterven unde vorstorven sunt; unde 
hirto sch ölen körnen beyde, man unde wiff, dee in unser bruder 
scoph sunt malk by 3 markpunt wasses, id en were denne, dat 
jemant myt notsaken gehindert were, dat bewislek mochte syn. 
6) Vortmer weret, dat jemant alse man, wiff efte kynt Ute 
unser cumpanye vorstorve, dar scholen dee brudere unde sustere 
unser cumpanye meynliken to der vigilien unde bigraft keinen 
unde jegenwardich syn malk by 2 markpunt wasses to unsen lichten- 
7) Vortmer we des oldermannes bot vorsumet unde nichten 
holdet, dee schal beteren 2 mark wasses to den lichten. 
8) Vortmer welk man efte wiff den olderman efte synen bisitter 
vorsprekt, dee schal beteren \/2 Lives punt wasses. 
9) Vortmer welk bruder edder suster deme anderen efte der 
andern in der cumpanye unlust dede edder unhovesleken vorspreke. 
dee schal beteren jewelkem brudere viif markpunt wasses. 
10) Vortmer weret ok, dat jemant myt vrevelen múde ud der 
cumpanye gynge, dee brokafticli were, dee schal synen broke h® 
teren unde neen nye werlk to Rige vortmer dar na arbeyden. 
11) Vort welk man enen Dudschen jungen tor lere nempt, dee 
echte unde rechte geboren sy, dee schal geven der cumpanye eU^ 
tunnen beres unde enen guden schynken, unde ' so welk man syU^ 
koste deyt, dee en schal nene geste bidden, behalven syne bedder'^ 
husvrowen, by viif mark wasses. 
12) Vortmer welk man edder wif deme anderen syne geineded^ 
knechte entspenet myt worden efte myt gelde, dee schal betereU 
en Lives punt wasses to den lichten. 
13) Vortmer so welk knecht synem heren entgeit to bytiid*^*^’ 
deme knechte sal neman in unsem ampte to arbeyden d’&gt;n h&gt; ^ 
Lives punt wasses. 
14) Vortmer welk knecht synem heren in unsem ampte denetuu^ 
syn ampth wol kan, deme schal men des jares geven 4 mark 
unde also menegen dach, alse hee vorsumet unde synem heren nichts*’ 
arbeydet, so manyge 2 ore* schal men erne in synem lone 
1 Fm Schrägen v. 1513 folgt Her mit imdc beginnende Satz nach dein 
geschalteten Artikel 3, Nr. 58. 
- Iin Schrägen v. 1513: veer Schillinge.
        <pb n="401" />
        Kürschner. 
des 
381 
15) Vortmer welk knecht synem Heren denet een jar, dee mach 
jares sik sulven maken 4 stucke Werkes van synes suives gude 
Unde he schal syn gemakede v\ erk synem mestere beden, unde wil 
^nie syn mester darvore geven, alsovele alse en ander, so mach 
dat werk to sik nemen unde nicht dar boven to makende by 
^uem Lives punt wasses. 
16) \ ortmer welk man efte wiff ene ghare settet, dee in unser 
^roderscoph nicht en is, den man edder dat wiff schal men vor 
den voget bryngen, unde dee schal dat richten. 
17) Vortmer weret sake, dat jenich gud in den market (¡ueme 
'^Un unseme ampte, dat were, welkerleye id were, wat oven 2 
"^^ker is, de dat kopet, de schal dat in de cumpanye bryngen to 
d^lende, dee des nicht en deyt, dee schal beteren i Lives punt 
''^usses. 
.8) Item so en schal neen here untie knech. to hope dobelen 
^Uirne gelt by ^ V2 Lives punt wasses. 
19) Vortmer welk man gud vordervet, dat guden luden tohort, 
Itc schallet sulven betalen, wo id van den werkmesteren bevonden 
dat id vordarven sy. 
at.) Vortmer weret sake, dat een man van buten to körnende 
"naes amptes unde unser cumpanye begerende were, dee schal 
'kttflslnge bryngen, van deme hee kumpth, dat hee van dar alse en 
man redelken gescheyden sy. 
a.) Vortmer welk knecht synes suives werden wil, dee schal 
^•"sten en jar hir to Rige denen. 
aa) Vortmer so en schal men neen stuckwerk don to arbeytlen 
enem Lives punt wasses. 
^haepfel schal men geven enen fert. Rig 
1 . . • K „r. Sal/.: wasses. 
Im Original folgt der durchstrichc 
* Schrägen v. 1513: voß/ein schtihnge. Schragens v. 15&gt;3- 
Kolbender Satz bildet den Schluss cs 
^ Art 24 steht nach Art. 25 ini Schrägen v 5 3
        <pb n="402" />
        382 
Kürschner. 
25) Vortmer welk knecht, clee sick hir vormet in unseme anipt^' 
dee schal des jares geven ene mark wasses to unsen lichten unde 
ok den godespennyngh to lichten ; ^ item van den ruggen unde 
buken, als alse men dat het to den syden gespoldet werk, sal men 
nemen 9 ore vor dat tymmer. 
26) (27)^ Item so synt wy es® ens geworden myt vulbod 
unser heren vamme rade, dee by uns sitten, so welk man dar 
brokaftich werd, dee schal dee^ mark wasses betalen vor enen 
schillyngh,® jodoch beholden deme rade to Rige dee oversten hant 
in alien saken vorscrevenen. 
57. Kürschner. 
Amtsentscheidung vom 24. Juni 1415. 
Dat schrägen- unnd otde renthebock. Einschaltung nach dem Art. 25 
Schragens Nr. 56. Vergl. Einleitung S. 22g. Abg. Monum. Livon. antiq. 
S. CCCXI u. CCCXII u. Liv-, Est- und Curländ. Urkb. Bd. 4, Nr. 1463, Art. 30. 
Einschaltung ist im Original durchstrichen und am Rande steht: Istum articu/’^’ 
cassavit consu/ahts, quia providialitcr adtnissus. 
(26) Int jar unses Heren 1415 in sunte Johannes dage to mydden 
somere (24. Juni) do worde wi des ens myt enander in der cumpan)^ 
unses amptes myt vulbort unser bisittere, der erbaren heren van det^ 
rade, alse her Wolter Rode® unde her Johan van Lynden\ wer^^ 
sake, dat jemant van uns brokaftich worde in unser cumpanye, dat 
uns mochlik to vorlikende were sunder jegenwardicheit der unsef 
bisittere, unde ener efte twe van uns sik dar enboven udth^^'^ 
wolden unde darwedder st re veden myt worden unde des by unse*^ 
cumpanye nicht bliven en wolden sunder bi wesen unser erbat^^^i 
heren vamme rade, unde wurde hee dar enboven brokaftich 
vunden, dee schal beteren V2 Lives punt wasses, unde nicht 
laten umme des willen, dat unse erbarn heren dar umme gemoi, 
werden. 
t Die vorstehende Bestimmung des Art. 25 folgt im Schrägen v. 1513 nach AB- 
2 Dieser Art. könnte auch nach der Amtsentscheidung Nr. 57 entstanden 
Bunge : des. 
* Bunge: dre. 
^ Nachfolgender Satz im Schrägen v. 1513 nach Art. 24. Der i. Theil 
Art. 26 fehlt im Schrägen v. 1513. 
G Both führ. Die Rigische Rathslinie, Nr. 269. 
t Vergl. S. 263, Anm. 2.
        <pb n="403" />
        Kürschner. 
383 
58. Kürschner. 
Schrägen vom 4. März 1513. 
Schragenh. der Gesellsch. f. Gesch. u. Alterih. in Riga, Bl. 7-9. Die.ser 
' chragen enthält fast alle Artikel des Schragens v. J. i397. weist jedoch einige Ab- 
"'Jerungen und KrgSnzungen auf; letztere sind unter Art. 1—6 unten abgedruckt, 
wichtigeren Varianten finden sich als Kussnoten zum Schrägen v. J. i397' 
Der Kuerssner Schrägen. 
0 (12) Welck man offte broder în unsem ampte einen Undüde- 
^.'"hen jungen tho lehre nimpt, de sali beteren dem ampte dre 
'^^pund wasses und dartho den jungen vorlathen und nicht mehr 
^"holden. 
2) (13) Item kumpt tho Rige ein Undiidesche knecht, unberüch- 
bederve knecht, de butene geleret helft, den knecht mach 
^•^ser brodere ene setten tho arbeidende. 
3) * (14) Welck mann in unsem ampte enen knecht up sine 
^^'"ckstede settet to arbeidende, de sali em denen ein halff jahr 
nicht mynn, und weret, dat jemandt van unsen broderen den 
^'Rechte tho sick neme binnen der tydt, de broder sali beteren dre 
^Pund wasses dem ampte. 
4) (26) Vorthan van dem tymmer growercke tho bereidende, dat 
^'^hlicht unde recht ist, schall men geven* vofftein Schillinge, aff- 
^(=steken wercke dat tymmer veer unde twintich sch.; de hyr wedder 
cle scholdc brekcn so vele geldes, alse he an itlikem timmer 
^ S)» (31) Dusse schräge iS uppetnige van enemersamen rade in 
unnd wyse, wo vorboschreven, vorlovet, gegont un( averge 
dem ampte, wo baven bonomet, im jhar naChristi geboert dusent 
"^^md^dnm;eyn4am fr^b^eneg^^vorkie^me^c. ^^Man^ 
, ^)(32)Itemmitderkostschollensesickmetigenundholden 
/ ^nser beider gnedinge heren gedaner affsproke, 
r^Prake medebringet umb schaden unnd wedder willen tho vor- 
"'^^^ndeetc. 
’ Art. ,, 2 und 3 folgen nach Art. n Zhrllei 
^Chl 
; ;; .......-.d w,.. 
'*ss (leg Schragens v. 1513. 
Schrägen!). Nr. 499 steht : ¡$00.
        <pb n="404" />
        384 
Kürschner. 
59. Kürschner. 
Rathsentscheidung vom 10. August 1562. ^ 
Schragenb. d. Gesellsch. f Gesch. u. Alterth in Riga, Bl. 12. Aufzeichnung a“ 
späterer Zeit in moderner Orthographie, die unbedeutende Zurechtstellungen erfahren 
Nachdem Irrung und Uneinigkeit unter dehnen sämpthchen 
Meistern der Kürszner fürgefallen, auch nun etliche Jahr in 
gestanden, dergestalt, dasz einer den andern verachtet alsz 
Teudtsche die Lieffländer und wiederumb die Lieffländer die leu 
sehen, und aber e. e. Raht vermercket, dasz solcher Zwist denen 
selben Ampte nicht lenger dienlich, alsz haben sie die ehrs' 
Herren Rötger Schnitzen ' und Her Casper Rohmbergen \ dieser 
verordneten Amptherren, auferleget solchen entstandenen 
beyzulegen und unter den Amptsbrüdern gute Einigkeit v'i 
aufzurichten; solchem Befehl nach seint die beeden Amptherren 
samengekommen und obgedachter Meistere beederseits Gebrec 
gehöret und nach allenthalben fleisziger Erkundigung mit 
Vorwiszen und Bewilligung e. e. Rahtes dieselben samptl 
Meistere mit Hülffe des Allmächtigen der eingerissenen 
halber insgesamt gäntzlich und im (irunde beygeleget, verghe^j^^ 
und vertragen, dergestalt, dasz alles, wasz deszfals zwischen 
Meistern samt und sonderlichen mag fürgefallen sein, es 
Worten oder Wercken, dasz soll hiermit gantz und gar aufgeho ^ ^ 
vergeben und vergeszen sein und bleiben, auch keine 1 heiE 
seinen Ehren und guten Nahmen nachtheilig sein und die 
bederseits, so itzo seind samt ihren (Gesellen und Jungens, die 
biszhero gelehret, des Handwerckes redlich geachtet und 
Handwerckes Gewohnheit nach befödert werden, auch dasz hm 
die Teudtschen nicht die Lieffländer und wiederumb die Lieffl«^^ 
nicht die Teudtsche verachten, sondern einträchtige Amptbrut 
sein und bleiben; nach diesem Jahr» aber und hinführo sollen 
den Meisters beiderseits keine Unteudtsche, die leibeigen 
sonsten tadelhafftiges Herkommens sind, vor Jungen oder 
aufgenommen, gelehret oder befödert werden, sondern es 
dieselbigen ehrlichen Herkommens auch echt und recht 
sein, auch von dem Amte aufgenommen und gehalten werden, 
so über kurtz oder lang^ ein Meister oder Gesell den andern 
1 Röthführ, Die Rigische Rathslinie, Nr. 470. 
2 Ibid. Nr. 481. 
3 Schragenb. Nr. 49Q: T'ajr. 
4 ibid. ; iu oder auszcrhalb ihre Druncken.
        <pb n="405" />
        Kürschner. 
385 
Achten und desz Amptes nicht würdig zu sein schelten würde, soll 
Meisters frey sein, solches unter sich zu vereinigen, ini widrigen 
da es für die Amptherren kommen würde, alszdan soll der 
jenige, hey dem der Mangel gefunden, 3 \\ achsz halb e. e. 
^ahte geben etc.; im übrigen belobet dasz Ampt Kirchenordnungs- 
gelder jährlich auflf Osterfest 12 Marek zu entrichten. Actum den 
Aug. 1562*. 
60. Kürschner. 
Rathsentscheidung vom 13* i57o. 
Ç Schrafrenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Altcrth., Bl. u. 13 Fortsetzung iin 
d. Stadt-Arch. Nr. 409, S. 4«3 -4*5- Vergl. Einleitung S. 229. ^ 
Kund und zu wiszen sey nachdeme sich auffs newe hierausz, 
im vorgeschriebenen Articul so vor diesem e. e. Rahtes dem 
^rschnerampte gegebenen Schrägen hinten angesetzet \ erfaszet 
dasz hinfüro keine Unteudtschen, so leibeigen sein, vor 
^^gen angenommen gelehret oder befodert werden sollen, im 
Eichen wie viel Jungen und Gesellen ein jeder Meister in seiner 
"'«rekstadt halten soll, unter den säm,ttlichcn Meisters des korszner, 
'‘"'Ptes, beeden Deutschen und Lieffländer, Zwist und Uneinigkeit 
erhoben, und aber die ehrbare und wollweise Herren Melchior 
•'‘chhofift und Her Röttgert Evechen*, welche von e. e. 
;'"’Ptherren verordnet und gesetzet ihnen auch sonderlich befohlen 
»"en Amptern Hader und Zank zu verhüten etc., und dasz unter 
Amptsbrudern gutte Einigkeit gestiflftet werden mochte, wie 
dan alle Mängel und Gebrauchen zwischen beederseits Meistern 
'^dtöret und nach lleisziger Erwegung derselbigen durch Zuthun 
Gewaltiger, die sämptlichen Meistere angetragenen und ent- 
'"’»denen Zwistes halber vollkommen gantz “"d San “"w ici er- 
Wlich eröffnet haben folgender gestalt, dasz anfang ic i eet ersu s 
'"'«ere gedachtes Kürsznerampts obgemeldten ersten unct, die 
immmSt 
fünfhundert zwei und sechszig^ 
* höthführ, Die Ki^ische Rathslinie, Nr. 472- 
^bi(i. Nr 495. 
25
        <pb n="406" />
        Kürschner. 
uncleudtsche leibeigene Jungens belangend auff benandter Herren 
christliches und billiches Vorgeben, Bedenken und Unterricht 
Gemüht gefuhret und bekennen müszen, dasz solcher Punct gat ^ 
gestrenge gesetzet sey, derowegen auch alsobald samt und sonder 
belobet und eingegangen, dasz solcher Punct gar zu gestrenge 
setzet sey und derogestalt seine gestrenge hinfüro nicht trie 
haben, sondern einem jeden Meister freystehen solle Jungens, al 
im Lande von Bauersleuten gebohren gleich den deutschen 
anzunehmen, zu lehren und zu befodern; ein jeder Junge aber, ^ 
zur Lehre angenommen wird, soll seines ehrlichen Herkommen^’ 
nemblich dasz er echt und recht gebohren sey, beweisen und 
thun, welcher Beweisz von den Amptherren dem Altermann 
seinen beeden Beysitzern gemeltes Ampts jeder Zeit zeigen 
beszer Gelegenheit aufgeleget, besichtiget, erwogen und bey ^ ^ 
oder ohn macht erkandt werden soll, auf dasz kein unehr ic 
Junge in dasz Körsznerampt zu Schmälerung deszelbigen eingestec 
werden möge.' 
Des andern Punckts als Gesellen und Jungen zu halten 
haben sich beederseits Meistere durch Unterhandlung der 
herren gründ- und endlich verglichen und vertragen, das e'" 
Meister hinfüro zween Gesellen und zween Jungen setzen und ha^^^^ 
soll. Meister Börjes Bawer aber, dem ist sonderlich aus l)ewegl)C^^^ 
Ursachen von den sämmtlichen Meistern vergönnet und nachgeg«^^’^^ 
wann die andern Meister zween Gesellen und zween Jungen ha 
das er alsdann drey Gesellen und zween Jungens halten und 
ihm Weib und Kind von seinem gewonnenen Handwercke 
ernehren und versorgen möge. Welche beede Punckten zu jeder 
dermaszen stetig und faste zu halten die sämmtlichen Meister 
gedachte beede Amtherrn sowohl auch unter sich behandstrec^^^ 
auch aller Hasz und Wiederwillen, so derselben beeden 
halber unter den beederseits Meistern bis dato geweszen, g^'^ 
auffgehoben und deswegen sich versöhnet haben, und ist ^0*^ 
gemeldeten Amtherrn drey Thaler Strafe darauf gesetzet, 
derjeniger, so diesen zweyen verglichenen Punckten im 
zugegen handeln würde, verwürket haben soll, halb eineiu ^ 
Rathe und die andere Helfte oft gemeldetem Amte unabbi 
1 Im Schragenbuche der rigischeii Handwerkerämter im rigischen 
Nr. 499, S. 483-485, schliesst sich dem Vorhergehenden unmittelbar 
an. Die auf S. 12 u. 13 im Schragenbuch der Gesellsch. f. Gesch. u. 
fmdliche Vereinbarung ist ein Fragment geblieben; die folgenden freige 
Seiten (13b, 14» u. 14b) sollten wahrscheinlich den Schluss aulnehmen.
        <pb n="407" />
        Kürschner und russische Pelzhändler. 
387 
entrichten; und haben auf der sämmtlichen Meistern gethane 
^itte ferner vergönnet und zugelassen diese \ ergleichung vorhero- 
^ehender Gestalt hinter vielberührte Körszneramtsschragen anzu- 
^chreiben. Welches geschehen de dreyzehnde Julii nach Christi 
Milsers Herrn Geburth im tausend fünfhundert siebenzigsten Jahre. 
61 u. 62. Kürschner und russische Pelzhändler. 
Rathsentscheidung vom 18. Decbr. 1575 22. März 1577* 
Stadt-Arch. in Riga, Schragenb. Nr. 499, S. 490 u. 491- Vergl. Einleitung S. 229. 
Den 18. Decembris Anno 75. 
Ist dem [den] Russen in der reussischen Straszen auf Klage 
sämmtlichen dieser Stadt Körszner auf Befehl eines ehrb. Rahts 
den Amtherrn Matthias Welling^ und Herrn Gerhard Hudden* 
^'^gezeigt und auferleget worden, das sie keine andern Futter sollen 
haben als ihne vor Alters erlaubet geworden. Item keine Hute 
Märten, Dücker, Ottern, Biebern, Memben® und Grauwerck- 
^^dern; solches auch bey Ellen und Masz mit [nit?J ausschneiden. 
Zum Andern kein Futterwerck ausz dem Strause* dem Körszner- 
zum Vorfange kaufife|nl, dieselben auch nit aushangen, viel 
'"""iger mit Schiffern oder frembden Leuten verhandln bey Ver- 
^‘ändung derselben Futter, sondern sie sollen die ganzen butter 
Bürgern entweder selbst umbtragen und verkaufen auc 
^'"üsennbarn (?), Vilenbechern (?) oder die Futter ei aszen 
¡'’^tragen, wie vor alters gebräuchlich gewesen, und da der Strusenn- 
sie nit würden verkaufen können, sollen sie doch die 
[^üszischen Krämer, alhier sich aufhaldende, zu kaufen nit Macht 
oder man soll es ihnen alles nehmen. Kaninchen, Haasen- 
und Schmasche(?)aber die Hüte damit zu futtern, soll ihnen 
S seyn; sollte derowegen von nun an die Hüte Rucken oder 
^^''che Futter einnehmen und hinfuro mit aushangen, oder le 
^^^szner sollen jedoch mit Urlaub der Rechten Macht haben ihnen 
"'i »nehmen. Solches haben die Reusse bewilliget, »o^^e also auc 
verzeichnet seyen. Diese Ordnung ist eine ehrb. Rahte von 
Amtherren eingeLget, und ein ehrb. Rath hat sich das ge- 
Actum den 22. Martii Anno 77* 
I ^Grgl. s 370. 
i^öthführ, Die Kigische Rathslinie, Nr. 501. 
^•rd Mencken zu lesen sein. 
'* Simse} 
2b*
        <pb n="408" />
        3SS 
Kürschner und russische Pelzhändler. 
63. Kürschner und russische Pelzhändler. 
Rathsentscheidung vom 17. Febr. 1576. 
Stadt-Arch. in Riga, Schragenb. Nr. 499, S. 491 u. 492. Vergl. Einleitung S. 2 
Den 17. Februarü Anno 76. ^ 
Seynd für die Amtherrn Matthias Welling* und Herr Gerhar 
Hudde* abermal verbeschieden die Reuszen in der reuszische** 
Strasze, und ist ihnen voriger Abscheid von Punckte zu PuncD 
fürgelesen worden, worinnen sie abermal gewilliget, sich demselhe** 
hinfüro gemäsz zu verhalten, allein gebeten, dasz ihne die 
mit Dücker zu futtern frey sein möchte, welches die Herre 
bewilligen mögen. Dieses aber haben ihnen dennoch ihre ehrb. ' 
nachgegebe, das sie die Hüte, so sie anitzo mit Duckern 
hätten, zwischen hie und künftige Ostern verkaufen sollten, ^ 
der Zeit aber sollten sie nicht mehr von der Wilde bereit bringt 
laszen noch selber sich bereitn, sondern derselben sich m 
keit enthalten, wobey es also verblieben. 
64. Kürschner und russische Pelzhändler. 
Rathsentscheidung vom 24. Febr. 1580. 
Stadt-Arch. in Riga, Schrägen!). Nr. 499, S. 492. Vergl. Einleitung S. 229 
Den 24. Februarü Anno So. ^ 
Seind erschienen die Reuszen in der reuszischen Straszen 
haben sich wieder dieser Stadt Korszner beschweret, dasz sie » 
wieder das Alte, die Hüte, so mit Dücker gefüttert, genom***^^ 
hätten, bathen derowegen sie beym Alten zu erhalten. Die Körs^ ^ 
sagten : mit ihren littowischen Wahren hatten sie nichts zti t 
die vorige Amtherrn aber und ein ehrb. Raht hätten an et 
Punckten zwische ihnen Richtigkeit gemachet, bähte gleicher Gest^_^ 
sie dabey zu Schutz. Die Reuszen seyn gefraget worden, 
einig schrifftlich Privilegium von Alters hätten, worauf sie 
wertet; Nein, sie hatte nichts, sondern was sie von vielen 
alhier in dieser guten Stadt genoszen, das wäre aus lauter 
geschehen, was man derhalben nunmehr nit leiden konnte, 
musten sie auch gedulde, doch bähte sie, so viel möglich, 
willfahren. Die Körszner bähte auch als beschwerte Bürgere 
bey ihrer Nahrung zu schützen. 
1 Böthführ, Die Rlgisclie Rathslinie, Nr. 4yt). 
2 Ibid. Nr. 501.
        <pb n="409" />
        Kürschner und russische Pelzhändler. 
389 
65. Kürschner und russische Pelzhändler. 
Rathsentscheidung vom 5. März 1580. 
Stadt-Arch, in Riga, Schragenb. Nr. 499, S. 492 494 Vergl. Einleitung S. 229. 
Den 5. Martii Anno 8o publicirt und verlesen. 
Auf dasjenige, was jüngst zwischen de Meistere des Körszener 
^^ndwerckes und die willnaschen Reuszen von beede 1 hels für 
S^fallen, nach angehörter Rede und Wiederrede geben die erbaren 
lï^j , , -%T' 1 1 nnri T-Ti»rr 
Und 
ctllgCiK-FI ICi 
wohlweisen Amtherren, als Herr Nicolaus hicke und err 
# 1 ^ D « r^0W\ 
w uni weisen /vmtnerren, &lt;iis n,-,* 
*'Ottger zur Horst*, diesen Bescheid, dasz gemeldten Reuszen die 
^^^genommen Hüte in Betracht ihrer angezogenen Unwissenheit und 
Miszverstandes dieses Mal sollen restituiret und wiedergegeben 
"’erden sollen, dieselben zwischen dato und nachstkünftigen Ostern 
verkaufen, und soll ihnen samt und sonderlich ferner hiemit 
^^nstlich auferlegt seyn, nach dieser Zeit und hinfüro nit allem der 
aLiiv^i 1%,^ I II, 111*^** IT« 
:'’»chung anherobringen oder der Kauffung solcher Hute zu ent 
.. 1 A \fOT“iO’Pr 
k^lkn, sondern sich auch allenthalbe dem Abscheide von vorigen 
''■"therren, Anno 75 und 76 publiciret auch folgends Anno 77 vom 
Rathe confirmiret, wovon sie auch mehrerer Nachrichtung 
Vi^if . . . 1 _ 11 711 mQzen. 
" ivdine connrmirei, vvuvi^u oiv. 
''»'her Abschrift zu nehmen und sich verdollmetschen zu lassen, 
. 1 l/'linr Cf»A H 
^°lches auch andern ihre Mitbrüder kund zu thun schuldig seyn 
' ' Dann da sie 
Sollen 
gemäsz und gehorsamlich zu verhalten. . 
»hernial darwieder handeln und beschlagen würden, soll dasjenige, 
"»» |was| ihne auszem Recht ferner benomen würden, mochte ohne 
(made dem Rechten verfallen seyn und sich alsdann keiner 
'^""issenheit zu entschuldig habe. Doch soll zugleich auch hiemit 
^ • 1 • 1 tJ/Uia in cnlrher 
zu enrscnuiui^ -- . i u 
""»«rn Körsznern eingebunden seyn, dergleichen Hute m solcher 
■'»"'Ke und Anzahl jederzeit zu verfertigen, darmit der urgersc a 
&lt;«e Ihrig vergnüget werden und deswege sich zu beklage keine 
^sache haben mögen. 
66. Kürschner. 
sie 
Schrägen vom 22. August 158 
Schragenb. d. Gesellsr.h. f. Gesch. u. Alterth. m Riga, Bl. 10 
Kürszner schragen-vermehrung. 
Allen und igheken, ^-Jegenwerdig. un" ^t o ^ump 
kundt 
Wrgl. S. 264, Anm. 
Ibid. Anm. 
*f*okupnp/Hgen.
        <pb n="410" />
        Kürschner. 
390 
körschnerhandtwerckes sick jegen uns, borgermeistern unnd rath' 
mannen dero königlicken statt Riga, sehr beklaget hebben, 
ebnen an ehrer neringe dägelicks grott abbruck unnd schaden 
schege uth den orsacken, dat se in eren olden schrägen nicht nach 
nottorfft, wo y dt wol gegenwertige tydt und gelegenheit erforderte, 
versorget unnd vorsehen weren, medt gantz flytiger angehengttr 
bede ebnen die gonst tho erthögen, darmitt de mangele des uldeO 
schragens entsettet unnd nah erheischung gegenwertiger leuflte 
ihr schräge geendert und vorbetteret werden möchte, alsz lieht ein 
erbar rath in erachtung der billiken bede die ehrentveste, erbare 
unnd wolwyse herren Eberhart Huszman ‘ und Rodtger thor Horst . 
itziger tydt vorordneten amptherren, uperlecht unnd befahlen 
mangele allersidts tho vornemende und nah der statt gelegenheit^ 
die richticheitt tho brengen unde unsz tho oversehen avergeven. 
welchem befelich se ock also nahgekommen unde de verbetterung 
etzlicher obspecificerter artickel uns schrifftlick, wo undergeschreven. 
avergeven, welche wir nah vorlesinge up kene unbillicheitt g^ 
richtet, befunden unde der halven up des amptes flytig beden unO^^ 
ansöcken desülvige puncten unnd artickul uth hebbender mach 
confirmeret und bestediget, also dat se unnde ehre nahkömliag^ 
by nah folgenden puncten nicht weniger als by erem hövetschrag^*^ 
scholen van uns unde unsern nahkömlingen geschüttet unde g 
handthabet werden, und luten die articul, wo folget: 
i)^ Erstliken so schall nemandt utherhalff des kürschneramp^ 
sick understehen höde midt wildtwahren (worunder dan hasc'^ 
und kaninichen nicht gemeinet) tho fodern edder tho brenien, " 
dan ock keine gemackede foderpeltze und watt thorn ampt&lt;i g 
hörich tho verkopen, ock sonsten keine gegerbete wahren 
mardern, duckern, fössen, geschnedenen befern odder sonsten andeC 
wildtwahren, wo daí namen hebben mach, vor den boden uthth 
hangen und feil tho hebben alles by Verlust der wahren ; mit t 
beltzen averst, die tho schepe edder sonsten heringeföhret u*’ 
alhie van frembden verkofft werden, sallen die verordnete amp^j^ 
herren also verfahren und solch insehen thun, darmedt idt ^ 
ampte treglich und an erer nering nicht schedlick syn möge, dac^^ 
averst, datt die frembden gantz und gar affgescliaffet mögen 
1 Vergl. S. 344, Anm. 3. 
2 Vergl. S. 264, Anm. 2. ,^0 
n Die Numeration wie die Klammern der 2. u. 3. Zeile des i. Artikels r" 
von derselben Hand her.
        <pb n="411" />
        Kürschner. 
391 
%lle datt ampt einem erbaren rade orsacke geven mit billiker 
^fisetting der sülven wahren. 
2) Idt schall ock henforder kein Muscowiter gefertigte wahren, 
ins ampt gehören, feil hebben weder in hüsern edder apentlick. 
3) So sollen de Moscowiter ock nene zabeln, marden, wolffe, 
Mucker edder ander wildtwahr stückewysz vorkopen, sondern dem 
^opmanne edder meistern nah older gewonheitt by zimmern vor 
^npen by verlust der wahren. 
ehm 
4) Wenn ein böenhase beschlagen würdt, die arbeidt so by 
. verfallen svn. 
4; wenn ein ooennasc - . . 
e gefunden, schall an dat gerichte unnd ampte verfallen syn. 
5) Begeve ydt sick ock, dat ein bönhase vorhanden unde aver 
"P der arbeide nicht möchte beschlagen werden und man 1 n 
Slickwol hemelicker arbeydt avertügen könte, de sali mit er au mus 
gerichts upgegrepen unde vorgestellet werden, dat he van dem 
S^richte unnd ampte scheide nah oldem gebrucke. 
6) Wan den lüden de genommene wahren solten "[hgeantwo"« 
'"«fden, in deme schall idt nah dem geschehen, nembhck datt 
*"'Pt vor gefertigte arbeitt die gehör und lohn mcht weniger 
alse wan idt de meistere sulvest gemacket hedden, de - 
«'"'Wigte arbeit averst sali in dem ampte umb die gebor verf g 
uthgemacket werden. 
emsßm 
^^andt aver gehör beschwehret u erde. 
dvcr gcijur uesi-ii vY'-i“ 
torj» i erïle” 
-er oZ l'lefrowl, deine syndt de thwe Jahr erlathen. 
^Ket - 
^wi 
'ger^rZthrtL^'utWerschiedlichen terminen, alse 12 up ostern 
12 up Michelis, zu geben. 
- up micneiis, xu - , ,
        <pb n="412" />
        Kürschner. 
392 
der wahren in acht nemmen woltte und solle, up welchen fall 
amptherren neben gebührender straffe aver de billicheit tho hoW^o 
befohlen worden, die oberhandt einem erbaren rathe hiermit vor 
beheltlich. 
Das solches vom erbaren rathe also bewilliget und auszr^ 
geben den amptherren befohlen worden, bezeuge ich David Hichen « 
der kön. statt Riga secretarias. Actum den 22. Augusti anno i5^^' 
67. Kürschner. 
Amtsbeliebung aus dem 17. Jahrhundert. 
Stadt-Arch. in Riga, Schragenb. Nr. 499, S. 494 496. Vergl. Einleitung S- 
Zur Nachricht wie sich ein junger Meister, der seine Stücke 
machen will, verhalten solle. 
1) * Wann ein Meist^rssohn oder frembder Gesell, der 
Meisterwittwe oder Meisterstochter heurathen will, sich be&gt;*^ 
Quartal angiebet, so giebt er den ersten Tag nichts, als das 
dem Amte angelobet dasselbe zu tuhn, was ein anderer vor ik*^ 
gethan hat; bittet das Amt verbotten zu lassen gegen den ande*"^ 
Tag um 9 Uhr. 
2) Des andern Tages des Morgens umb 9 Uhr zeiget er seij’ 
Grauwerck auf und giebt dabey 2 Flaschen Wein und Hutterkring 
musz auch 3 Rth. Carolin Manengelder erlegen, des Mittags 
er dem Amte ein Genügen thun mit 3 Eszen als Stockfisch, ^ 
fleisch mit Pflaumen und einen Kalbsbraten, wie auch Wein 
Hier, so viel denen Amtsmeistern beliebet. 
3) Wann aber ein Meisterssohn oder frembder Ciesell, der 
Meisterswittibe oder Tochter heurathen will, auszerhalb dem (Juart* 
das Amt begehret und seine Stücke ansagen will, so musz er d^i^ 
Amte einem halben Rth. Verbottgeld erlegen, es wird ihm 
itdo^ 
weil er ein Meisterssohn oder ein frembder, der eine Meistervvi 
oder Tochter heurathen thut, wiedergegeben, allein den 
erst^'' 
Tag musz er das Amt ebenfall tracktiren, des Morgens 
Flaschen Wein und Hutterkringel, des Mittags mit Eszen, ^ 
zur Zeitgelegenheit kann angeschaffet werden, wie auch Wein 
Hier, soviel dem Amte beliebet. 
1 Böthführ, Die Rigische Rathslinie, Nr. 523. 
Die Numeration rührt von derselben Hand her.
        <pb n="413" />
        102 
Kürschner. 
393 
4) Hen andern Tag giebt er drey Eszen als Stockfisch, Rind- 
^^GÍsch mit Pflaumen, einen Kalbsbraten, Wein und Bier, so viel dem 
Amte beliebet. 
5) Uiber 14 Tage musz er sein Grauwerck ausbereitet auf- 
'''eisen, dabey giebt er 2 Flaschen Wein und Butterkringel. 
6) Nach verfloszenen 4 Wochen miiszen seine Stücke fertig 
und musz dem Altermann anzeigen und begrüszen, das dasz 
Amt Zusammenkommen möge, allda musz er die Stücke aufweisen, 
"^bey wird ihm gesagt, dasz er das Amt 3 Tage tracktiren musz 
musz haben i Fasz gut Mumm, reinischen Wein und ein ganz 
giebt aber den ersten Tag nur 3 Gerichte, als Stockfisch, 
‘^•ndfleisch mit Pflaumen, Kalbsbraten; bittet gegen Morgen ver- 
^^fien zu laszen. 
7) Den andern Tag musz er anschaflen an Essen, so gut wie 
kriegen kann, musz auch dem Amte erlegen 25 Rth. Alb., so 
nicht so viel am Capital hat, musz er zum Wenigsten 10 Rth. 
Alb. erlegen und den Rest auf Terminen uns bitten, musz auch den 
^'^kernen Willkommen austrincken und das Jahrzahl suchen und 
^'gen. Uiber das Bier und den Wein hat der Jungmeister, welcher 
ihm geworden ist, zu disponiren bis zulezt. Hingegen bittet 
Verbotten zu laszen gegen Morgen früh umb 9 Uhr. 
Den 3ten l'ag musz er ein paar Haschen mit Alant oder 
^h^nisch Bitterwein, etwas Brod wie auch den Mittag mit W ein- 
f^l^Pen, einen Kalbskopf und nach Gelegenheit der Zeit Fischen, 
gut als er es bekommen kann, geben und also zum Beschlusz, 
i'tnge das Fasz Mumm läufft, keinen Wein mangeln zu laszen, 
i^nge noch ein Ambtsmeister vorhanden. 
i^as Meisterstück musz bestehen ein jeder Futter in 204 a ge 
7 Zeilen. 
In die Helfte 
14 
16 
18 
21
        <pb n="414" />
        394 
Lakenscherer. 
68. Lakenscherer. 
Schrägen vom ii. Novbr. 1383. 
Bibliothek d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Pergamentblatt, 27 cm. 
hoch und breit; Dorsalschrift: /jf). Ab^ L. M 
Zur Geschichte der Rigascheii Gewerbe im 13. u. 14. Jahrh., S. 97" 9 
In den jaren na Godes bord dusent dreihundert dar na in dem 
(Ire unde tachtentigesten jare uppe sunthe Mertens dagh 
so hebben de heren borgermestere unde räd to Rige uns lakenscher 
bynnen Rige beghnadiget mit ener schra unde mit rechtichei 
in unseme ampte to holdende in desser wise hirna bescreven. 
1) Tho deme irsten so welk man synes suives werden 
in uns^ne ampt^ de sdud hebben ^-e mark Rig^:s 
unde een pär scheren unde schal de borgerschopp wynnen u 
sin harnasch hebben to sinem lyve. ^ 
2) Vortmer so schal he der cumpanie gheven ene tunnen bm^ 
unde ene mark wasses to eren lichten to hulpe. ^ 
3) Vortmer so schal he een half laken scheren uppe des wer 
mesters dische van enen Brugeschen. 
4) Vortmer so schal he dre lakene volden een Ypersch, «e 
Thomäsch unde een Cumesch. ^ 
5) Vortmer so schal nemat in unser cumpanie meden en^, 
knecht, ér sin mester mit eine gherekent lieft to rechter tu 
vier marken wasses to unsen lichten to hulpe. 
6) Vortmer welk man enen lerjunghen entfeid, de schal 
cumpanie gheven ene tunnen hires, unde de junghe schal vve 
echt unde recht gheboren; ok so schal nemant enen Unduts 
leren in unseme ampte bi eneme haben Lives pund wasse- 
unsen lichten. Wer it ok, dat hir een knecht denen wohl 
unseme ampte, de schal denen en gantz làr. 
7) Vortmer so schal unser een deme andern nicht to vorvang^^ 
wesen in unseme werke bi eneme haben Lives pund wassej 
den lichten; wer it ok, dat ener bedder^en vrowen ere man 
storve in unseme ampte, de mach dat werk holden up een J ' 
et, dat se sick nicht vorandert binnen deme jare na eres ma ^ 
dode, so schal se des Werkes entberen; werit ok, dat minan ^ 
unseme ampte storve alse man, wiff ofte kind, so schal de g , 
cumpanie to der bigraft körnen; der des nichten deyt, de • 
in;irk wasses.
        <pb n="415" />
        Leineweber. 
395 
8) Vortmer wanner de cumpanie tosamene drinket, unde de 
’*’ste beker upkompt, so schal dar nemant clagen bi dren marken 
^^sses to unsen lichten ór der rechten Steven tiid. 
9) Vortmer wan de cumpanie tosamene gheid, unde de werk- 
^Gster Sitten gheid, so schal een jewelk man sin stekemest aflecghen, 
"^^nt, dat he des nichten dede unde de werkmester dat mest eschede, 
schal he id deme werkmestere dön unde nicht weigheren, also 
'^äke alse he deme mestere dat mest weigherde to donde, so schal 
hetern ene mark wasses to den lichten. 
ÏO) Vortmer welk man in unseme werke sines suives werdet 
^^st, de schal der cumpanie tosegghen, wente to der tiid, dat een 
^^der sines suives werdet in unseme ample. 
ii) Hoven alle desse artikele unde vorscrevene stucken so 
®^hal unde wil de rád tho Righe de oversten hand hebben. 
69. Leineweber. 
Schrägen vom Jahre 1458- 
, Bibliothek d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alter,h. in Riga, 3 Handschriften: i) Per- 
be^k.,PerKamen^ 
"" &lt;ler und dnLlne Correc.uren nach der 3. Handschnf angeseben. 
Leinenweber Schrägen.* 
**h namen Godes, amen.* 
') So heblre wy lynnenwever, beyde meister und gesellen, tes 
'""'■'^ehdchliken over en dregen* und vorwillekort des negesten 
»ndages na des hilgen lichnames dages (5. Juni), wo dat iwe 
und gesellen sal geven up des hilgen llchnamsdach eyn 
^''kpunt was, und ivilick lerjunge sal geven eyn ‘k markpunt 
. und, wen ein lerjunge tred to der lere, de sal geven U mrc. 
" busse und vort |und vort| eyn jwllck broder, tie sal geven 
^ Steht am Schlüsse der ersten Seite von A um 
g 8teht am Schlüsse von B. 
^ lehlt des. 
B: ged regen. 
gekehrt geschrieben.
        <pb n="416" />
        396 
Leineweber. 
upp jwlicke (¡wattemper ' 2 sch., und jwlick knepesche“, de 
arbeydet myt des meistens tuge, de sal ok’ geven 2 sch. und e 
markpunt was, und welck suster, de dar arbeidet up sick suive . 
de sal ok geven 2 sch. und i markpunt was. 
2) Item welk broder, de dar geit myt borveden benen ofte 
voten, wor wy to hope solen wesen\ de sal breken ‘/a’ 
punt was. 
3) Item welk broder ofte suster ein den andern beseght® 
Unrechten dingen, de sal geven 2 markpunt was, und dar by 
secht, alse se sick des vorantworden kan. ^ 
4) Item we dar nicht en kumpt, wen he’vorbaden vert, de 
geven 2 sch., dat hebben de erwerdigen heren sulven» affgesec 
5) Item welk man ofte frouwe, de der broder ber vorgut, 
sal geven ein markpunt was. 
6) Item de dar geit in den keller, und em des nicht bevokO 
is, de sal ok geven i markpunt was. 
7) Item welk broder gesettet wert to spentpennynigenks^ 
ofte to genede ampte und des nicht don wolde, de sal brek 
markpunt was. 
8) Item wel» meister des anderen sin lerejungen entspan^J 
er syne tid ut is, de sal breken an dat ampt 3 markpunt was, ^ 
an den rat’’ 3 markpunt was. 
9) Item we des anderen gesellen eyme anderen untspanet 
entuet, de sal’* des geliken. ^ 
10) Item welk broder edder suster wene vremdes’» inholt 
deme olderman nicht witlicken deit, de sal breken eyn markpunt' 
Na dem jare unses heren Jesu Cristi in dem 458. (145^) 
1 B : quatertemper. 
2 B : kumpensche. 
* B : fehlt ok. 
4 B: solen to hope weren, übergeschrieben sen. 
Û B: /. 
6 B ; bosecht. 
7 B: 
8 B: fehlt sulvcn. 
9 B : welk. 
10 B : entspant. 
u B; rade in. 
12 B : folgt breken. 
13 B: en andenn.
        <pb n="417" />
        Leineweber. 
397 
11) Item welk broder edder suster den umeloper edder jenegen, 
do ammete is gesettet, beroppet * edder schelt, de sal breken 
^ lïiarkpunt was. 
12) Item welk man, de sine vrouwe to bus lat^, und se redelike 
"^ke heft, dat se nicht kamen kan, so sal me' er senden 4 schalen 
to hus, und se sal* ere wulle drunke betalen. 
13) Item welk broder edder suster, de dar deme A\ erde deder 
^^rdinne dor vordret, edder Jemande in deme huse deit vordret, 
^enne wan wy to hope sin, de sal breken ein markpunt was. 
14) Item welk geselle edder meister binnen landes is und sine 
P^'cht utsendet, wer it sake, dat he denne sturve, so salme em 
ölte he hir gestorven were. 
15) Item ölte ein kranck were binnen® landes unde gerne |und. 
Serne] hir? were, und“ he des nicht vormochte, so sal he sick laten 
bringen, und so salme em gelt lenen up ein pant, blist he 
so sal he dar vor arbeyden und welk meister, de ene 
^Pnymmet, de sal vor dat gelt gut wesen. 
16) Item welk geselle, de dar wanderen kummpt und wil hir 
^""^(^yden, de sal geven ein markpunt was in dat erste“ vort an 
ilonde, alzo de gemenen broder don. ** 
17) Item welk geselle, de hir kummpt und sick dencket unses 
to nerende, de sal d|on| alse disse vorgeschreven sehr,ft ut- 
so Wille wy em" gerne vor eynen broder untfangen; vo,^ 
he wesen unberuchtet"; wereyt sake, datemjenich ruchte 
ü^'l^eme, so sal he unse ampt vorlaten, wente so lange he sic ■ 
^^be Vordregen mit siner wedderstande. 
berop. 
Ib let. 
nt er. 
ß: denne. 
edder. 
buden. 
^b fehlt hir. 
fehlen folgende 10 Worte bis so sainte, 
^lif &lt; he levendich muss es heissen ; B : blicht. 
artenden. 
B: 
B; fehlt ent. 
• fehlt vort. 
nnberucht.
        <pb n="418" />
        39^ 
Leineweber. 
18) Item SO sal nen broder edder suster schenken den kinderen 
ut glasen noch ut kannen, sunder ut holten beker byme sch. ' 
Dyt vorgeschreven sint^ eindrachtichliken eins geworden 
gemeyne broder und susteren.® Item disse leven broder unse^ 
selchop bidden^ jw erwerdegen heren disser stad, dat gy " ^ 
willen don und disse selschop tolaten und geven em eine scrag^ 
Up® disse wilkore, de hir vorgeschreven’ in de ere» des hi g 
lichnames. 
19) Item we nw hir negest kumpt to Rige van unseme amete 
und wil sines sulwest® werden, de sal geven dem ammete tve tunn^ 
ber, grapenbrade und eynen Schinken und so vele brodde als 
darto behovet behoft.“ 
20) Item wen hir eyn van buten inkumpt, de sal geven vor 
de borgerschop, er he begunt to arbeyden. 
21) Item so sal dar nein meister mer holden wen 4 
und eynen lerjungen, mit den anderen stellen mach he don, " 
he wil, by eynme’® lispunt was, halff dem rade unde halff ® 
ammete. 
22) Item in dem jare” na Gades bort in dem‘» 58(1458) jaro» 
hebben gedan ere kost Clawes Razin'®, desse*® vorgeschreven^ 
gude lude hebben ere reddelicheyt utgegeven in dat amet, 
^ B: ¿y eyne s. 
^ H: fehlt. 
3 IL folgt die Abbreviatur für et cetera. 
4 B: schelschop bidde wo. 
5 B: wo. 
6 B: uppe. 
7 B: folgt stad. 
8 B: folgt in. 
8 B: suives. 
10 B: broder. 
u B: behoff heft. 
lü B: fehlt vor. 
13 B: fehlt dar. 
14 B: dem. 
13 B: wat. 
16 B: eyme. 
17 B: jarere. 
13 B: den. 
16 B: folgt et cetra. 
36 B: deysse. 
21 B : vorschreven.
        <pb n="419" />
        Leineweber. 
399 
und ein 
an und over gewest* ein presten, de het her Pawel, 
*^^tnian unde ein kemerer*, gebeten Weinhusen ^ 
Item so hebben disse guden luden gegeven in unse ampt to 
^orbeteringe unses amtes in de ere des hilge lichnam*. 
Item so hebbe Tornas Sten gegeven ein taflfelan^ 
Item so heft Hille geven ^ ein taflaken mit uppgeschaten listen. 
Item Clawes Bulle heft geven ein taflaken. 
Item Hertelt Konecken heft all sin werktu . J in dat amte geven 
Vorbeteringe.® 
Item Andrewes Silite heft gefen i glas, so got alz V2 mark. 
Item so heft Bertel Klibbite gefen i grapen, de woch 5 marck M. 
Item Wartak gefen 2 dvelen. 
Item Anna Blumkenblawsche 2 dvelen gefen. 
Item Ilse Salsche® gaf i dvele. 
Hans Pebalghe gaff i kanne van 2 sch. 
Item Bertel Klian gaf i glas dem hilgen licham. 
Item Margarethe Carlesche gaff i kanna, dar leten de bruder 
'«■•»aken , glas. 
Item Wulkeweder hefft geven'« |eyn schillingskanne und eyn 
•^anne]. 
|Item Hey le] heft geven en dwele. 
Item [Sunter] de heft gewen i dvele myt str) pen. 
Item Peter jSchyrkanj de gaf en schalkanne“. 
Item Wylem Ratken** de gaff i gl^s 2V2 
|Item Hinrick Nabagsj gaff 2 glase und sin frowe Ilse gaf i deve e. 
. Utem Katterina Volmers eyn glas noch Grethe Bare eyne 
^^1^ " Den II. Mardi Ende, anno 40 (1540) uthgesc.J 
' H: 
gewesen. 
itöthführ. Die Rijfische Rathslinic, Nr. 270 u. 33 «• 
^ h; hi/gen lichams. 
g ® • ta/elaken. 
^ ^ ' gegeven statt geven, und später auch so. 
C: Werktuch. , ur a 
\ Die folgenden Inscriptionen sind von verschiedenen Händen. 
f ecki.cn Kinmmern gehenden Worie sind der Ahschrif, C enUehni. 
“ w (W^Tnnulfron de, ,euren Inseripdon kann, eine S,.nr » -,decken.
        <pb n="420" />
        Leineweber. 
400 
70. Leineweber. 
Schrägen vom 25. oder 26. Februar 1544- ^ 
Bibliothek d. d^eseUsch. f. (iesch. u. Alterth. in Riga, Pergamentheft 
Doppelblättern, 25 cm. hoch, 20 cm. breit; beschrieben sind die ersten 
Das Verzeichniss der Mitglieder auf S. g ist von spaterer Hand. 
Im namen der billigen und untbordeleden drefoldicheit, aine"^ 
Kundt und witlick sie allermenichlick, nachdem wy nieis 
unnd gesellen des lynweferampts alliier bynnen Kige van ey" 
erbarn rade beth ankere mit eynem gewönlicken schrägen vers 
gewesen, nu averst dieser tydt gelegenheit nach vele und menge 
veranderinge darin gekamen, also dat alles nicht kan edder ■ ^ 
glicks thovorn geholden werden, darmede averst dennoch gesti 
unser ampt nicht gantz und gar verachtet unnd thom btste" 
verderbenn und underkamen, sondern henforder, wo bet hier 
guder ordeninge erholdenn werden rauchte, hebben wy sampt 
und sonderlicken im jare nach Christi geborth duscnt viffhunder 
veer und veertich im vastelavende (25. od. 26. 1-ebr.) de ersanie ^ 
wysen hern Patroclus Klocken' und hern Johan Spengkhusen 
von eynem erbarn rade verordente und gesettede ampthern . 
etlicken malen bitlich angefallen und endthck ock erlangt u 
holden, dat se mit consente, willen und volborde eins 
ock unser eygen belevinge und bewilligunge uns und |,e- 
thom besten jegenwerdigen schrägen vernigert, verbetert u 
stediget in mathen wo folget: ^ 
1) Erstlich welch man unse ampt gewynnen will, jdt 
edder Undudsch, sal echte und recht gebaren, item eins 
herkommens, handeis und wandeis synn; item sal de 
van einem erbarn rade erstlich wynnen und erholden utK 
in unserm ampte mit willen nachdoen, als ein ander r ^ 
vorgedan hefft. 
2) Item idt sollen unser in unserm ampte nah d^^s 
im tale nicht mehr meisters van Dudschenn und Unduc 
deertich sien. ^ 
3) Item idt sali niemands tho unsem ampte vor eyneni .¡gu 
gestedet werden, he hebbe denne alhier drie jare vor 
up unsem ampte by meistern gearbeidet, und sal als 
ampt tho drien tiden doch in eynem jare, wo gewonlic 
und begeren. Wenner so das gescheen, sal men ebnen 
1 Vergl. S. 233 u. 257, Anin. 2. 
2 Böthführ, Die Rigische Rathslinie, Nr. 401.
        <pb n="421" />
        Leineweber. 
401 
*'^cler upnehmen und sal alsdenne des ampts gerechticheit dohn 
geven thor kostinge eynen schyncken, thwe stucke dröges 
Risches, thwe methvvörste, ein halven ossen, vor eine marck brodt, 
thunnen beers und in de bussen viiif marck an gelde. 
4) Item so ein meister einen leherjungen annehmen will, dat- 
sulvige sal he doen mit des ampts wetenn und willen, und wenner 
^ junge angenahmen wert, sal he inth ampt geven eine marck. 
5) 
Wilder 
Item idt sal kein meister bynnen landes tho arbeiden reysenn 
sine knechte darhenne schicken by verlust des amptes. 
Item oflf jemands alhier queme und anderwege meister ge- 
'^^sen, wyfr und kindt hedde, de sal alhier nicht in unser ampt 
^^UahiTien werdenn. 
■'Uieh 
7) Item idt sal kein meister dem andern thoweddern arbeit 
^olck 
Ulen, dat alreide geschoren is, by drie marcken. 
Item idt sal ock kein meister dem andern syn gesinde und 
ulspenden by drie marcken. 
dç Item idt sal niemands gesellen holden, den he mehr geve 
helme van dem arbeide, und sali de geselle sick damp 
I^eköstigenn. De Dudschen averst mögen dat drudde deel 
^tlen und denn gesellen thwe deel thokeren. 
gev so ein geselle wandern kum])t, de sal in de busse 
^ twelflf Schillinge. 
ein idt sal ock kein meister mehr als drie stelle hebben, 
hy sick, eine vor einen gesellen und eine vor den jungen, 
I^’^tie drie marck. 
in^i Item so wor ein geselle edder junge were, de bey eynem 
Klieret edder gearbeidet hedde, de unsers amptes nicht 
des amptes gerechticheit nicht gedan hedde, dem- 
®ul men nene arbeit geven. 
wenner ein junge uthgeleret und dencket vor einen 
tho arbeidenn, de sal dem ampt geven eine thunne beers. 
Will so eines meisters söne dat ampt geleret und bruken 
''Ul nicht mehr alse de helffte uthgeven van des hanct- 
K^fechticheit. 
•le ‘tem idt sal niemands vor einen meister upgenahmen werden, 
^ denne sinen wercktuch ferdich. 
2ü
        <pb n="422" />
        4(.)2 
Leinemeber. 
16) Item so ein meisten verstervet, so mach de nahgelate^^ 
fruwe dat ampt glicks thovorn brücken, beth se sick wedderum 
verändert. 
17) Item wenner de meistens thosamen kamenn, so sal nieman 
dat gebott versitten by pene negen Schillinge. 
18) Item idt sali ock in unser thohopekompst keiner 
andern mit untüchtigen worden anferdigen, alse wan vader u 
moder etc., by pene einer marck. 
19) Item so einer in unserm ampte dem andern tho nahe de^^^^ 
de sail nicht bolde vor den vaget lopen, sondern de sake 
oldermanne ersten vorgeven, kan men alsdenne de sake 
verglicken, sollen se vor de verordenten ampthern gan une a 
sick entscheiden laten, doch bluth und blow dem rechten ut 
vogede vorbeholden. 
20) Item des sal men alle veer weken mit der bussen umi^^ 
gan und jeder meister und geselle einen schilling dann gej^^^ 
darmede sal men, im falle so einer notturfftich worde, denisu 
tho hulpe kamen. 
21) Item so jemandts meister werden will, de sali sin 
stucke maken, also dat idt handtwerck solckt nicht straffen 
22) Item men sal alle veer weken ummegan mit der mate,^^^^^ 
ein jeder viff (|uarter breidt, desglicken guth unclachtbar 
make by pene einer halven marck, so vaken he daraver beschlag ^ 
23) Item woll van den gesellen, idt sie Dudsch edder 
langest alhier gedenet und gearbeidet, sal den vorgangk nn » 
tho wynnende hebben. ^ jg,- 
24) Item idt sollen ock nah dussem dage keine Eesteii 
Lyttowers vor jungen, gesellen edder meisters in unser ainp 
nohmen edder gestedet werden. ^ 
25) Item idt sali ock ein jeder meister synn kngischc ' 
ferdich hebben und holden. 
26) Item idt sollen und willen wy meisters in unsem 
lohne jegen den borgers und inwöners dieser Stadt Rige 
gehöre und billicheit holden unnd niemands beschatten, also ( ^ 
wegen einem erbarn rade aver uns keine beklachtinge koin 
27) Item idt sollen alle brököe, so in unserm ampte 
in de busse körnen, tho welcher busse de ampthern den e&gt; n '
        <pb n="423" />
        Leineweber. 
4&lt;&gt;3 
Unser olclerman den andernn schlötell hehben sollen. Und dwile 
hiertho uth unserm ampte van der broke dat mehrer deil tho 
^'Gchten unnd andernn in de kercken thom vermeinden Gadesdenste 
S^keret worden, welckt denne alles, dwile uns Gott mit sinem 
und alleinsalichmakende worde erluchtet unnd heimgesucht, 
*^dlich aflfgedan und dargegen christlicke und götlicke ceremonien 
^ud ordeninge angerichtet, sollen und wollen wy jarlich up wy- 
•^uchten tho solcher christliken angerichteden ordeninge uth unser 
Bussen geven söss marck Rigisch. 
2^) In diesen allen vorgeschreven puncten und artickeln behol- 
dem erbarn rade dieser Stadt Rige de averste handt desulvige 
erer gelegenheit tho vorm y n dem und tho vermehrenn.* 
f olgen so broders svndt: 
Andres Kyss 
Jane Hadyn 
Thomas Wever 
Jane Strapeningk 
Jacob Kampe 
Hartholmeus Krusse 
Jane Szeten 
l’eter Ecke 
Jacob Tolpe 
Laurentz Heel 
Peter Suntzels 
Peter Springes 
Mathies Labsz 
„ ( )tze 
Andres Bullitz 
Thomas Meltin 
„ Sprunge 
Gerdt Absse 
Hinrick Irbe 
Michel Siele 
Marten Henne 
Jurge Sterges 
Hans Heyne 
„ Stippe 
„ Otte 
Jasper Herle 
Jacob Pauls 
Herman Hösze 
Jacob Holtecker 
Hans Stuebber. 
71. Leineweber. 
Rathsentscheidung (?) vom Jahre 1552- 
Buch der Ältermänner grosser Gilde in Riga, Monum. Livon. antiq. Bd. 4, S.65. 
I, . 'km Anno 52 ent ffoar (Vorjahr, FrühlinKl is eyn e. r. mit 
gildestaven avercyngekamen, dat de lynneweffers henflfurder 
earn edder lynnewanth scollen kopen edder vorkopen, sunder 
B^^an eren ampte benogen laten etc. 
' '■'»'eende, von .„derer Hand auf Bl. 5 dea Originals. Beigeleg, ein Siegel-
        <pb n="424" />
        Leineweber. 
404 
72. Leineweber. 
Entscheidung des Amtsgerichts vom 14. Juni 1588. 
Stadt-Arch. in Riga, Papierurk. in Polio, und Schragenb. d. Gesellsch. Í. C.esc 
u. Alterth. in Riga, S. 102 (B). 
Den 14. Junii Anno 88. ^ 
Demnach das ampt der linnenweher etzHcge heschwerden un 
gebrechen, so teglich und algemeinlich von den amptbruedcrn ' 
ihren zusamenkunften vlellmehr geheuffet alse gemindert wor ' 
uns den vorordenten, alse vom erbarn rathe bestetlgten amthe , 
alse Eberhardt Hauszman ' und Rothger zur Horst*, gebuer i 
maszen vorgebrachtt und zu erkennen gegeben mit dienstfle.sz&gt;k ^ 
bitte, wir nicht allein ein ernstes einsehen dann thuen unt 
den auch bei jedem punkte gedachter beschwerden eine ge«'^ 
und unnachleszige straffe, so oftt darwieder geschege, ahnon e 
und setzen wolten, als haben wir ihn anmerckung ihres pd 'K 
suchens und sonderlich, damit bestendige richticheit und 
ordenung under ihnen gehalden wurde, uns ihn dem nie 
wiedern gewust und sie also auff vorgebrachte gravamina u ^ 
billige moderation, welche sie alle samptlich eingegangen, &gt; j,, 
und angenomen und sich gefallen lassen, nachfolgender ges ■ 
vorgeliechen und entscheiden : 
1) 3 Erstlich das ein jeglicher, wen er vorboedet wirdtt, 
dan innerhalb 2 stunden ahn den ort, dahin ehr gefurdert 
zu erscheinen soll schuldig sein. Der nun kompt, wen 2 s 
vorlaufen sein, soll i fl. zur straffe geben; wer aber ohne 
schuldigung zuleszliger ehehafften gar ausze bleibet, soll i &gt; 
Rigisch geben und bezalen. jgf 
2) Der umblaufer soll nur eins nach der brücke umbge ^ 
den nicht gibt, sol durch den Schreiber vorzeichent und dem ( ' 
ubergeben werden. , ^,^0 
3) Der sich in der zusamenkunft ungebuerheh verhelt, s( 
ampte nach gebuehr mit brocke gestraft werden, der aber 
den alterman sich aufflehnet oder den alterman wieder 
brueder sich ungebuerlich vorhielte, sollen sie beiderseitz 
gestraft werden. 
4) Des sollen die brocke fleiszig angetzechent und 
halben brocke schrifftlich alle Jahr dem ampthern ubergeben we 
1 Vergl. S. 277, Anm. i, u. S. 344, Anm. 3. 
ü Vergl. S. 264, Anm. 2. 
3 Die Numeration fand sich vor. 
4 B: steht fr. statt mrc.
        <pb n="425" />
        Leineweber. 405 
sol der Schreiber für seine muhe jerlich 20 mrc. und ein par 
Schuch aus der bussen zugeniesen. 
5) Das bier einlegent sol, wie sies allerseitz itz beliebet, ferner 
eingestellet und das eingesamelte maentgelt vorwahret werden dem 
^'^pte zum besten. 
6) Der alterman sol dem samptligen ampte alle jahr den schrägen 
^"'emal fürlesen zu laszen schuldig sein bei poen 20 taler. 
7) Wen eschinge gehalten werden, sol keiner von den jungen 
'Geistern ohne fürdern des altermans zur pielau (?) ^ zugehen unter- 
^^Ghen, viel weiniger die jüngste den eltersten sich fürzutzihen er- 
'''^gen bei ernster strafe. 
8) Die beschwer oder klage von vorkurtzung des linenwanden 
^der der wichte halber sol dem ampthern zu richten hingeschoeben 
und der brocher soll den bruche für seine person geben und 
der buxse nichtes genomen werden. 
9) Die gesellen belangende wer einen muthwilligen montag 
noth machen will oder wirdt, sol dem ampte für einen igligen 
6 fl.* zugeben schuldich sein. 
10) So die alterman die abforderung des meisterstucks von 
"Zürnen und einen meister ohne meisterstuck einnehmen, so! er 
seinem beisitzer in 30 mrc. straffe vorfallen sein. 
11) Sindt die semptligen meistere zu einicheit ermahnt und dabey 
^^’gehengt, das den jungen meistern alsz angebern solches nicht 
praejudicio gereichen solle, jedoch sollen sie auch der rechnung 
^Iber keine ferner anforderung thuen und keiner dem andern 
^^selbe aufrucke bei poen 10 mrc., so oft es geschieht. 
David Milchen.3 
73. Leineweber. 
^‘'gleich zwischen den Webern zu Riga u. Mitau v. 21. Febr 1608. 
ÊMêSSí 
rung 
Vom IO. März 1609 ins Leben rief. 
* h; peikan} 
: statt fl. steht mark. 
” Vcrgl. S. 392. 
s 3^^, Anin. 4.
        <pb n="426" />
        4o6 
Leineweber. 
Vereinigungsarticull /.wuschen den sämptlichen Meistern des 
Weberhandtwergks der Stadt Riga ahn einem undt der Stadt 
andernteils ufgerichtet und beliebet Anno 1608 im P ebruario. 
1) Erstlich soll kein Lehrjunge vor Ausgang der vier Lehr- 
jaren wieder zu Riga noch zur Mytow gefordert, aufgenommen 
undt an die arbeit gestehet werdenn, ehr habe dan gewiszen Schein 
und Beweis von seinem Meister, da ehr gelernet, das ehr mit guttem 
Willen abgescheiden sey aufzulegen. 
2) Zum andern sollen die Webergesellen ihre geburende dre) 
Jahr bey den Meistern vollenkomblich auszuhalten undt zu arbeitten 
verbunden sein, oder da einer von der stelle mittler weil verlauff^n 
wurde, soll derselbe von keinem Meister zu Riga oder Mytow ohn 
Urkundt seines redtlichen Abziehens angenommen und gestellt 
werdenn. 
3) Furs dritte haben sich beiderseidts Meistere wegen des Arbeit^ 
lohns einmutiglich vorglichen, das wen ein Gesell seines Meiste^ 
Kost iszet, ehr nicht mehr dan den vierdten Pfennigk oder da ^ 
sein eigen Kost hat, die Helffte des Verdienstes, imgleichen 
sic in der Burger Heusern arbeitten, den dritten Pfennigk, 
biszhero gebreuchlich, haben sollen. 
4) Furs vierdte wen ein (gesell inmittelst der dreyer Jar ® ^ 
ginge undt nicht aushielte, soll der Meyster Macht haben denselben 
zu verfolgenn und einzufordern (wofern ehr nicht Rs. Dst. Gn 
than ist)* auch bey einer Ton Bire zu straffen. 
Desz soll in allen diesen Articula die durchgehende G^leiche^^ 
sowoll von den Rigischen als Mytowschen Meistern gehalten wer‘ 
ohn alle argelist und gefherde. Uhrkundtlich mit |mit| der My^*^’" 
sehen Weberambtsiegel bekrefiftigt.® 
1 Von späterer Hand: er sei wer er wolle. Dieser Satz ist in die vom 
sehen Rathe bestätigte Heliebung aufgenommen. 
2 Das zwischen Klammern Stehende ist ausgestrichen. 
3 Das Siegel ist nicht mehr vorhanden, jedoch lässt sich noch die 
dem Papier erkennen, an der dasselbe angebracht war. Die bestätigung 
Artikel durch den rigischen Rath erfolgte am lo. März 1609.
        <pb n="427" />
        74- Ligger. 
Schrägen vom 8. Septbr. 1463. 
Schragenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterfh. in Riga, Bl. 110—113. Vergl. 
232, Nr. I. 
Der arbeideslüde edder Ligger Schrägen von alters. 
Help Godt in allen dingen, \ 
Dat wy gude wercke moten vollenbringen ( amen. 
Dy unnd dinen billigen tho love, i 
De mit dy sin im hemmelshove 
Hier beginnet de schräg. 
Düsse gilde ' is van oldinges begrepen in de ehre Gades unnd 
billigen heren sunte Johannes baptisten, de unses eren 
doper wasz, unde up dat alle gude wercke bestände mögen 
'&gt;'Ven, so moet men se mit rechte unnd mit gedwange stercken; 
^*^us so sint de gemeinen brödere in dusser gilde des eindrechtigk 
geworden, dat se eine schraa hebben setten unde schriven laten, 
^^Biede men dusse vorschreven gilde sunte Johannesz baptisten 
^'^^•iien unde redeliken holden magk. 
i- I hom ersten so en sal dusse schräg den erbaren heren imme 
^de tho Ryge nicht entjegcn syn unde bysundern in den saken, 
^ hals unnd an handt, an blaw unnd an bluet unnd an eede 
dfende sindt unde in diesser gilde scheen mochten, dat Godt vor- 
dar sali de erbare raeth tho Riga allewege dat overste recht 
^Bd (lg overnhandt an ne hebben, unde ock umme des willen efift 
j^*^ich broder in dusser gilde dem oldermanne unnd den gemeinen 
J'odern tho vordrete wolde syn, dat men den mit hulpe des rades 
^''^gennn mochte, dat he der gilde lyck und recht dede. 
ÎI- Voertmher alle andere brocke, de in dusser gilde gcscheen 
""'l '!&lt;&gt; hier nafolKcn.Ic seschrevcn .staen, &lt;le sali men na genaden 
I ') Thom ersten we dusser glide hegerende is unnd will dar 
."■''''er inne werden, de sali 6 ore uthgeven; weicke frowe effte 
^“''ekfrowe hierinne will suster werden, de sali 4 Öre utgeven. 
, 4 Vortmher so sindt de gemeinen hrodere des tho rade worden, 
;l; de rechten druncke allewege in der hochtydt pinxten holden 
unnd ock umme tier ledlgenn tydt willen, dat men de ver- 
'^'’«^nen hrodere unnd sustere uth disser glide erliken ntagk he- 
mit vigilien, mit missen unnd mit ödere. 
' späterer Hand: Schräge darübergesrhrieben.
        <pb n="428" />
        4o8 
Ligjíer. 
3) * Voermehr so sali men de rechten stevene holden dusser 
glide tho unser frovvendage der lateren (8. Sept.), aise se geboren 
wardt, umme der broke willen, de in den grotenn druncken ge 
schehen, dat men de denne betale; unnd dar sullen de brödere ge- 
meynlicken thokamen malck by einer marck wasses. 
4) 2 Voertmher so sollen unnd mögen de brödere einen older- 
man kesen, de en duncket nutte dartho wesen, und we sick rleS 
weigerde unnd wolde neen olderman wesen, wan he gekoren wurde, 
de sali der glide beteren i Lives pundt wasses unnd der gely^' 
efft he thom andern male gekaren wurde unnd sick des weygerde, 
wurde he averst thom drudden male gekaren unnd denne weigerde, 
so sali he der glide ew ich lick entberen ; ock so sali men keseO 
bysittere, kemerer unnde gerdelude, de dartho evene körnen. 
5) ® Vortmher wen men de klocke ludet in der glide, so 
malk stille syn unnd geven dem oldermanne lust tho sprekende 
by einer halven marck wasses. 
6) ^ Vortmehr so en sali neen broder elfte gast in dusse gu ^ 
gähn mit einem stekemesse elfte mit andern wapenen by ein®^ 
marck wasses. 
7) Vortmehr we den olderman versprecht, stralfett edder ver 
dreet deyt in ernste elfte mit wrevele, de sali beteren dem old^^^ 
manne i Lives pundt wasses, einem iszliken bysittere i Lives P^*^ 
de- 
unnd einem iuvelikenn brodere i marck pundt wasses. 
8) 5 Vortmehr we den bysittern, den kemerern unnd den ge*" 
luden verdreet elfte ungemack deytt, de sali beteren i Lives p^‘^ 
wasses. 
9) ® Ock we so vele beers vorghutt, dat he dat mit einem ' 
nicht bedecken kan, de sali beteren eine marck wasses. 
10) 7 Ock welck broder dem andern sine kleider beghutt 
beere in ernstem mode, de sali beteren ein hallf Lives pundt \vass 
11) ® Ock elfte ein broder dem andern beer gote under de ug 
elfte sloget em up den kop, de sali beteren i Lives pundt 
1 Vergl. Schrägen der Losträger, Art. 3. 
2 Ibid. Art. 4. 
3 Ibid. Art. 5. 
* Ibid. Art. 6. 
5 Ibid. Art. 8. 
6 Ibid. Art. 9. 
7 Ibid. Art. IO 
8 Ibid. Art. 11.
        <pb n="429" />
        i 
Ligger. 
409 
12) &gt; Vortmher efft welck broder effte suster in dusser gilde 
^&gt;nen beker edder ein glasz entferdigede, de sali dat betalen unnd 
Sali vort der gilde entberen. 
^3)* Vortmehr efft we so vele gedrenkes tho sick nheme, dat 
imme huse effte imme hofe weddergeve, de sali beteren ''2 Lives 
P^ndt wasses. 
H) Ock so en sali nemandt in den keller gaen sonder des 
^emerers unnd der gerdelude vulbardt by eineme halven Lives- 
Pünde wasses. 
15) Ock vve in der gilde slept, de sali beteren i marck wasses. 
^6) Vortmher efft we twedracht hedde in dusser gilde, de sollen 
vor dem oldermanne und vor der tafele verlyken by einem 
pundt wasses. 
O)* Ock efft welck broder were, de tho den rechten druncken 
*^icht körnen wolde unnd wolde den broderen tho trosse up der 
^^ate gaen, de sali de halven druncke betalen. 
^8) Vortmher we der brodere lichte tobreckt, so mennig broke 
^ an dem lichte is, so mennige 2 art. sali he beteren. 
^9) Vortmher welcke suster effte broder dusse gilde holden 
de sali vor sine pflicht einen schillingk betalen, so sali men 
^ alle redelicheit uth diesser gilde wedder doen. 
^ 2o) Vortmehr welck suster effte broder einen gast biddett in 
gilde, de sali 2 art. vor en betalen. 
^ ^0 Ock welcke suster ere plicht deyt, wen se ere beyr halet, 
^ Sail men er eins schencken, will se dar enboven lengk drincken, 
se noch i art. uth unnd drincke unnd make sick frolick. 
^ 22)4 Vortmehr we tho schencken wirt gekoren unnd he dat 
^ l^suniede unde woldes nicht doen, de sali beteren 3 marck wasses, 
so sali ein iszlick schencke eine reyne dwele mit sick bringen. 
^ ^3) Vortmher wan de olderman eine stevene kündiget, we na 
'' kommet, wen de schraa gelesen is, de sali beteren i marck 
ten sy denne, dat he sick mitt reddeliken saken entschul- 
möge. 
Vergl Schrägen der Losträger, Art. 24. 
Ikid. Art 12. 
thid. Art. 13. 
•f&gt;id. Art. 24.
        <pb n="430" />
        410 
Ligger. 
24) Vortmehr wen ein broder efft eine suster uth disser 
vorstervet, dar sallen de brodere unnd de sustere gemeynliken 
syn to der vigilie by einer marck wasses, tho der misse by einer 
marck wasses, tho offerende by i marck wasses unnd nemandt 
enwech tho gaende, ehr dat lyck begraven unde tho der erden 
bestedet is, by i marck wasses. 
25) Ock so sali iszlick broder unnd suster to juwelykem 
sinen spendepenningk utgeven by i marck wasses, und datt g^ld 
sali men antworden dem oldermanne, de sali dat vortkeren in 
ehre (iades. 
26) Vortmehr in welkem husz men de druncke heit, so bevvare 
sick ein juwelick broder unde suster, dat se dem werde, der wer 
dinnen unnd erem gesinde nyn vordret noch overlast andoen k) 
enem halven Lives punde wasses. 
27) Vortmehr wen de olderman orloff gifft, so sali ein juwel&gt;ek 
broder unnd suster sine kledere, de he dar ingebracht hefftt, weder 
nemen unnd anders nyne kledere, he en do cd dem kemcrer e( r ^ 
den gerdeludcn witlick by cyme halven Lives punde wasses. 
28) ^ Vortmehr wan de olderman orloff gifft, so en sali neninn^^ 
nadrunke holden, behalven de kemerer, de gerdelude unnd ^ 
schencken, de des dages gedeynet unnd gearbeydet hebben h&gt; 
marck pundt wasses. 
29) 2 Vortmehr wen de olderlude ere rekenschop holden 
der gilde wegen, so en sali en nemandt aver den halsz lopen, 
en werde dartho geladen by eyme halven Lives punde wasses. 
30) 3 Ock wen dar gerekent is, so sali ein juwelick broder 
suster er geldt brengen tho rechter tydt, dewile de rekcnsz 
Sitten, by eyme halven Lives pundt wasses. ^ 
31) Vortmehr so sindt de gemeynen brodere in dusser 
des tho rade worden, das se de nottofftigen brodere unnd 
de uth dusser gilde vorsterven, mit twen prestern, mit eyme 
unnd mit dem koster wollen halen laten und mit gesange er i 
thor erden bestaden unnd de kinderklocke laten lüden, unn( 
sollen se mit dem grave altomale fry unde quytt hebben v.m 
billigen heren sunte Johannes baptisten wegen. 
1 Vergl. Schrägen der Losträger, Art. 19. 
2 Ibid. Art. 20. 
3 Ibid. Art. 21.
        <pb n="431" />
        32) Ock so sali men dem kercklieren tho sunte Petre alle Jahr 
den rechten druncken 6 ore geven vigilien unde missen tho 
holdende vor de vorstorvenen brodere unnd sustere, de utth disser 
glide verscheyden synt, ock sali men em senden eine kanne beyrs 
'^nde einen witten beker. 
33) Vortt so sali men dem kostere 2 ore geven vor der 
hröder lichte tho entfengende. 
34) Item de olderman mit den gemeynen bröders hebben ge- 
dat ghen loes wyff ofifte schoeke sali ghan in dusse gilde 
y '4 liszpundt wasses sonder gnade. 
35) In den Jahren unses Heren 1400 in deme ój jare in den steven- 
^^ncken uppe Mariendach erer gebort (8. September), do let Jacob 
^&gt;’tull, olderman, Hynrick Boddeker, Jacob Pyper, bysittere vor- 
desse nageschrevene sake den gemenen broderen; were dat 
dat jenigk broder elfte suster, de dusse gylde van oldes 
hehben geholden, unde de desse gylde nicht vermochten tho 
^Idonde van armodes wegen, de schall men begraven unnd be- 
ghan mit vigilien unnd mit selemissen unnd mit aller redelicheit, 
^*^*^^1 dat schal me betalen ut der bussen. Dyt hebben de gemeinen 
^^der belovet unde bevolbordet.' 
Ligger. 
Schrägen aus dem 16. Jahrhunderte, 
s. Loosträger und Ligger vom 16. Jahrh. 
Ligger. 
Schrägen vom Jahre 159^* 
s. Hanfschwinger und Ligger vom Jahre 1598. 
.. ’ Zusatz 2 von späterer Hand: Den t6. decentètis anno ¡629. der Ligger Sugpit-
        <pb n="432" />
        412 
Ligger. 
^ 75- Ligger. 
Taxe vom i6. April 1616. 
i) Schragenb. cl. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Bl. 136. 2) Lade 
Liggeramts, Amtsbuch Bl. 27 — 29. 
Den 16. Aprüis ATiliTlöTö e. e. hochw. Rathsz Herren 
als?. Herr Luclovicus Hintelmann' J. V. D., amptherr Herr Joh. I « 
decker', Herr Rotcher zur Horst», beide Cheniere, und Herr Ben ^ 
diet Hintz* in der Vogtey mit den Emptern und Arbeitszleute 
folgende Ordnung und taxam aufgericht und gemachet: 
Ligger Ampt. 
Vor I Last Rogken ausz den Loddigen nach dem Höhn 
r- u .... 2 Mrc- 
zue fuhren ('ros^'- 
Vom Höhn wieder abzuführenn 9 ’ 
\ or I Last Henffsaat ausz den Struesen 
Ein Hürger vor 1 Schipppunt Reinhenff vorsz Auszführen ^ 
auf die Wage 4 
Für das Einfuhren auch . . 4 ^ ^ 
Ein Frembder wens ausgelievert und berieben Wirt vor 
Schiffpfundt ' ' ^ ^ 
Vor I Schiffpfunt unberieben Haszhenff, wens ausgeheffert 
wirdt ' 
Vor Torse (?) eben so vieil. 
Vor I Hunt Dreybant zuebereyten - - - ' " ^ 
Vom billigen Flacksz, wens doppelte Hunde sein . . . 4 ' ^ 
Von Matten-Säecken zue stoppen und von der Wage zu 
Schiff zu bringen vom Frembden ^ c ¡i. 
Von Hürgern zue Wage zu brengen und einzulieifern . 4 ^ ^ ' 
Von I Last Hering ausz den Kellern den Reuszen an die 
Strusen zue brengen ‘ 
Eben so vieil in die Keller zue brengen ^ 
Vor I Tonne Leinsamen ein zuepacken, zu bespielen und 
zue machen ^ (ir. 
Vor I Last Asche auff zue stapelen ^ 
Vor I Last Asche insz Schiff zu führen 4 ’ 
1 Vergl. S. 247, Anm. i. 
2 Vergl. S. 245) Anm. i. 
3 Vergl. S. 264, Anm. 2. 
4 nöthführ. Die Rigische Rathslinie, Nr. 545.
        <pb n="433" />
        I igger. 
413 
Desz sollen diese Liggere den lifflendische Flacksz und die 
i^olowa den Henflfschwingern allein abzuwegen gestattenn, welchesz 
angenommen und damit zufrieden sein wollen. Noch ist ihnen 
^uferleget kein Flachsz oder HenfT zue Schiff zue führenn, ehe es 
^uf der Wage gewesen bey Straff des Gefengnusz. Auch sollen 
keine Naszneken bey ihrer Arbeit vermieten, doch die Früling 
Herbst-Zeit, wan die Leutte haüffenweisz andringen, ausge- 
"^ommen, und wan sie die Liggere muszig und ohne Arbeit sein 
von den Bürgern zur Arbeit gefordert, sollen sie sich un- 
"'eigerlich einstellen bey Straff des Gefengnusz. Sie sollen auch 
^^inen im Ampte nehmen, esz geschehe dan solches mit \orwissen 
^nd Willen desz Amptherrn bey Böen. 
Hen. Ladenmacher. 
76. Ligger. 
Entscheidung des Amtsgerichts vom 10. Febr. 1621. 
bade des Liggeramts in Riga, Amtsbuch, 
Den 23. Januarii Anno 1621. 
H. Johann Boddeker\ 
H. Benedect Hinze*, 
H. Paul Helmes,® Chemmere ge. 
^'’ëfiî^re und Henffschwingere eingetretten. Liggere producirten 
Schrägen, Henffschwingere ihren furm Amptherrn den 18. 
*^Rusti Anno 1598 ergangenen Abscheid. Ist vor dieszmahl be 
uf fernen Bescheid, das die Henffschwinger sollen der 
^^^^nischen oder teutschen Edelleute Fudere, so nicht über funff 
sechs sein, nehmen, was aber 9, 10 und 20 oder mehr sein, 
soll den Liggern gehören, damit sein beide Parten zuefneden 
^^"’^sen, und hat dieses Heinrich Niesz mit angehöret. 
Hein. Ladenmacher, 
Amptgerichts Notar 
manu propria. 
&gt;621, den u&gt;. Kehr., ist dieser Kescheid durch die Herren 
^*^’Uere auch confirmirt. 
»L , S. 245, Anm. i. 
, 8 ^^*^*»*' 412, Anm. 2. 
h'ithführ. Die Kigischc Rathslinie, Nr. 549-
        <pb n="434" />
        414 
Losträger. 
77. Losträger. 
Schrägen vom 19. April 1450. 
Schrägen!), d. Gesellsch. f. Gesch. u. Althcrth. in Rign, Hi. 53 55. Vergl- ‘1' 
übereinstimmenden Artikel im Schrägen der Ligger v. J. N*"- 74» 
Der losdraeger’ schrägen.* 
In den namen (indes, amen. Na der gehört un ses heren 
Christi, do men schreff düsent veerhündert unnd vifftich, veitein 
(läge na paschen (19. April), do antworde uns de erhare rath tho 
Riga desse schräge unnd bevoll uns de uj^thonemende un de 
holdende in de ehre des billigen licham unses heren Jhesu Christi 
in wyse nafolgende: 
1) Int erste we unser gilde hegerende is und will dar hruder 
inne werden, de sali 6 olde öre utgeven intogände. 
2) Vortmher so solle wy de rechten druncke holden in all^ 
(indes billigen dage umh des willen, dat men de verstorveiieb 
hrüdere uth desser gilde etlike möge hegan mitt vigilie, seleiniss^ 
unnd mit offer. 
3) Vortmer so sali men den rechten Steven holden in 
billigen lichams dage umh der hroke willen, de in den groten 
druncken geschehen, dat men de denne hetale; dar sollen alle ( 
hrödere thokamen malck hy ein markpunt was7.es. 
4) Vortmher sollen de gemeinen hrüdere einen alderman keseiL 
de en dartho mitte duncket, wessen we sick des weigerde unn 
wolde nen alderman syn, wanner he gekoren wert, de sali heter^ 
ein half lispunt waszes unde desgelick tho dem andern mhale, n 
he gekorenn worde, dat he sick des weigerde, worde he denn|| 
tho dem drudden male gekoren unnd denne noch wegerde, so sa 
he der gilde ewichlick entheren; ock sali men kesen hysittef*^’ 
kemerer, gerdelude, de dartho even kamen. 
5) Vortmer wanner men de klocke ludet in der gilde, so s* 
ein iszlick stille schwigen unhd geven deine oldermanne lust 
spreckende hy ein markpunt waszes. 
6) Vortmher so sali neyn hruder efte gast in disse gikîu h 
mit einem stekemesser offte mit andern wajienen hy ein inarkl’t* 
waszes. 
1 Das e steht im Original über dem a. 
2 Die Ueber-schrift lautete: der figger schrägen; eine andere, moderne 
hat dies gestrichen und „sahtraeger" (das e über dem a) hingeschriebeii. •• 
iraeger“ (im Original steht das e über dem a) werden sie in Art. 15 genannt-
        <pb n="435" />
        Losträger. 
415 
7) Vortmher we den olderman vorsprecket offte verdreit deit 
der tafelen, de sali beteren dem olderman ein half Lives punt 
"masses, einem juwelken bysittere viff markpunt wasses und einem 
JUwelken brudere ein markpunt wasses. 
8) Vortmher we deme bisittere deme kemerere offte den gerde- 
^uden vordreit effte ungemack doet, de sali betern viff marckpunt 
"’aszes. 
9) Vortmher we in unser gilde so vele beers vorgote, dat he 
rnit einem vote nicht bedecken en kan, de sali beteren ein 
'Markpunt waszes. 
10) Wer et ock, dat ein broder dem andern syne kleyder begote 
beere in ernstem mode, de sali beteren viff markpunt waszes. 
11) Ock offt ein bruder dem andern begote under de ogen 
^%e sloge et eme up den kop, de sali beteren ein half Lives punt 
"asses. 
12) Vortmher offt emandt so vele gedrenckes tho sick nheme, 
^at he dat wedder in deme huse van sick geve offte in dem hofe, 
^at Sali he beteren mit viff markpunt waszes. 
13) Vortmher offt welk bruder were, de tho den rechten 
'Iruncken nicht körnen en wolde unde wolde den brüdern uppe 
strate tho trotze gan, de sali de gantzen druncke gelick andern 
’^'•ädern betalen; were ock, welck broder uthgetogen umme syne 
»^eringe to donde, de sail de halven druncke betalen. 
14) Vortmher welck broder tho schencken wird gekoren, de 
'^‘1 dar guthwillig tho syn unnd bringen eine reyne witte dwelen 
"’it Sick; we Sick hyr entgegensette, de sali beteren ein markpunt 
'^’aszes. 
15) Vortmher so mögen desse loeszdregere thogespundet beer 
"ttnde mede uth unde inarbeiden; dar en sollen en de beerdregere 
wedderstall annedoen.‘ 
16) Vortmher welck man nein bruder in desser gdde is, de 
mit dem hulpere nicht tho arbeide gan; ock soll he neyne 
^"dere up dem strande by den schepen arbeiden. 
' H,„ h., p.,e„h llu..,na„ an den Kand Wm«k,: W/.»»./ dusse schrugens.
        <pb n="436" />
        y 
4i6 
Losträger. 
17) Vortmher weret sake, dat ein kruder uth desser gilde efte 
cumpanie vorstorve, verdruncke efte verslaten * worde binnen 
Stadt edder buten over eine myle weges, dar sali ein iszlick brudef 
thokomen, dat men dat lyek ehrliken tho grave bringe mit licht^í^ 
unde mit boldeken, un de men sali eme luden laten; welck brudet 
dar nicht thokomet, de sali beteren viff markpunt wasses. 
18) Weret ock, dat welck bruder elfte suster uth disser 
vorstorve, de so arm were, dat se nicht en hedden darmede men 
luden laten mochte unnd tho grave bringen mochte, so sali 
alderman nemen uth der gildebussen so vele geldes, dat men se 
mede tho grave bringe, unnd dar sali ein iszlick bruder unde sustef 
wesen tho der vigilie by ein markpundt wasses unnd tho der 
selemisse by ein markpunt wasses, tho offer by ein markprr^^ 
wasses unde nicht en wech togaende, dat lyck sy tor erden 
stedet by ein markpunt waszes. Dusse vorgeschreven gildebrüdere 
hebben de kinderklocken fry tho lüdende. 
19) Vortmher wanner de olderman orloff gifft, so sali netnanD 
nadruncke holden, behalven de kemerere, de gerdelude unnd 
schencken, de des dages gedenet hebben by 3 markpunt wasseS- 
20) Vortmher wanner de olderlude rekenschop holden van d^ 
gilde wegen, so en sali en nemandt over den hals lopen, he 
werde den dartho geladen by viff markpunt waszes. 
21) Vortmher wanner gerekent is, so soll ein iszlick brud^ 
unde suster ere geldt bringen tho rechter tydt, dewile de rekeH^ 
lude Sitten by viff markpunt waszes. 
22) Vortmher wanner eine frowe efte junckfrowe, de in dess^ 
gilde suster will werden, de neinen man hefft, de sali geven inth^ 
gande 4 olde öre. 
23)^ Vortmher so sali men in disser gilde nicht tho gaste 
biddß" 
lynnewevere, batstovere edder laterers by viff markpunt was/c^' 
24) Vortmher weret, dat jenig bruder ofte suster uth dis^ 
gilde ein glas ofte becker entferdigede, de sali den der gilde d* 
negest entberen. 
25) Vortmher weret ock, dat ein bruder uth disser 
Lettawen gefangen wurde, de so arm were, dat he nicht verniii^ 
einen sack soltes tho betalende, deine sali de cumj^anie tho 
hülP' 
kamen mit einem sack soltes, up dat he sick deste bet lösen nio 
cld^' 
1 Von anderer Hand corrij^irt: vors/agen. 
^ Am Rande von anderer Hand ein NB.
        <pb n="437" />
        27 
Losträger. 
417 
26) Vortmher wanner de olderman verbadinge doet van hete 
kemerers offte bordingkmeisters van desz rades wegen, wellick 
^""uder deme nicht underdanich is, den sali de olderman panden 
l^ten vor 4 Öre; dat geldt sali denen tho des hilligen lichams. 
27) Vortmher welch arbeidesman in disser gilde broder is, de sali 
^'’^ers nene gilde mher holden, den disse alleine by dren mark Rigisch. 
28) Vortmher welch man broder in disser gilde wert, de sali 
^hovorne de borgerschop gewonnen hebbön edder he sali mit dem 
^^Iper nicht arbeiden by dren marchen. 
29) Vortmher als desse brodere de rechte Stevene holden in des 
hilliggn lichams dage (Donnerstag nach dem Frinitatissonntag), so 
se nicht lenck thosamende drincken den twe dage, das is, de 
^^ste dag des hilligen lichammes unnd den negsten dagh darna unnd 
^icht lenck by viff march Rigisch. 
■^nno Domini etc. im 85 jare in sunte Agnetendage (21. Jan.) van 
unde hete des rades tho Rige wart dit hyr bygeschreven. 
30) ^ Item* weret sake, dat jenich vür hir in der Stadt upstunde, 
Godt vorbede, edder sonst ock grot water wurde, dar sollen 
alle mit dem ersten thokommen mit exen, spannen, löpen 
mit alsulkem tüge, dar men mede redden mag, unde efft 
^"•"•gerley ander unsture elfte uplop in der Stadt geschege, dat 
wy helpen, keren unde mit allen truwen uns darin bewysen. 
dat dit jemandts van unsz versumede unnd nicht vor dat 
queme, wenn de raedtklocke geschlagen wert, de sali 
^J^ten der cumpanie 2 mark waszes unnd dem rade i mark 
^^sz aue alle beschoninge. 
. 31)® Item weret ock, dat jemandes van unsen amptbrödern de 
^ ^oszdreger is, de sali im ampte by uns bliven, scheidede de 
Van uns unde worde ein beerdreger, de sali des enen amptes 
entberen als des andern unnd sali sinen hulper affleggen 
^ nener gilde mehr werdich syn.* 
% 
! Art. 16 des BiertrSfrer-Schragens. _ . 
* Am dieses Arllkels sieh, von Everih Hussmans Hand: Fu.rord- 
°^Scve 
Rande dieses Artikels steht von Evert uszm n 
cantil erott M lum ^anlU uplap edder uprcr ,n der stad! 
-Wees# 
’ ^^Sebenn, we/ches Michael confinniret.
        <pb n="438" />
        4i8 
Losträß^er und Ligger. 
Losträger, 1535, 
s. Arbeiter und Losträger, 1535. 
78. Losträger und Ligger. 
Rathsentscheidung aus dem 16. Jahrhundert. 
Schragcnb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Bl. 115- 117. 
Nachdem unnd alsdenne manch den löszdregers’ unnd geineint^i^ 
arheiders® eine tidt lanck hero vele unnd mancherley gebreke unor^ 
deninge unnd beschweringe geövett worden, dat ock offt und 
sonderlich im sommer, wenner die soltschepe ankamen, vele v 
binnen landesz sich hierher begeven unnd den sulvigen beiil^ 
broderschoppen tho vorfange in er ampt steken, dat also 
der unordeninge sowoll de inwahner unnd borger dysser sta^ 
als frembde van gedachten loeszdregern® unnd arbeiders^ 
lieh beschweret werden, demsulvigen vor tho kamende unnd 
ock den gedachten beiden broderschoppen nicht also von frembi 
dat brodt uth dem munde genamen unnd ock nymandts von 
im arbeideslohne avernhamen mochte werden, helft ein erbar 
tho wolfardt des gemeinen besten nafolgende ordeninge unnd s 
linge vorgenhamen, de se ock also in erer Stadt unnd geb ^ 
ernstlich willen geholden hebben by peene unnd straffe wo b) 
nha folget": ^^^6 
I. Erstlick sollen nha dessem dage de vorgemelte loeszdteg^^^ 
unnd gemeine liggers^ nymanefe in erer broderschop vor ei 
broder upnhemen, he hebbe denne thovorne alhyr in unser 
vor einen huszknecht veer jahr langk gedenet edder so lang^^ 
einen dagelöner des dages umb 4 sch. gearbeidet, by i&gt;eene u» 
1 Eine andere Hand hat hier wie überall, wo das Wort noch vorko 
darübergeschrieben ; Safstreger, 
Überall anstatt arbeider — Digger. 
3 Von Everth Huszman übergeschrieben über loesz : so/t. 
4 Von Everth Huszman übergeschrieben : gemeine ligger. 
5 Von Everth Huszman ist an den Rand geschrieben; hir -wherden so 
und ligger a/s thwe empter, de thosamende geltorich, gedachtt dat, X 
nemandt frevelt vom lande inslicke a/s dack/ones, dar doch de beiden emp 
besveherett werdenn. 
*' Von Everth Huszman übergeschrieben : soit. 
7 Von Everth Huszman übergeschrieben : arbedeslude.
        <pb n="439" />
        Losfrâger und Ligger. 
419 
If. Wenner aver einer also veer jahr langk gedenet unnd 
duchtigk is, sali he alsdenne in gestimde broderschop ge- 
'’hamen werden. 
ffl. Item dejenigen, so nicht also, wo vorsteit, veer jahr langk 
S^denet unnd in den beiden genanten broderschoppen angenamen, 
®^flen sich der wage, Strandes, geboren unnd helpers gentzlichen 
^’’tholden unnd alleine eh res dagelonsz wachten, by peene eins 
f^^rdings, so vaken jemandts daraver beschlagen. 
. Item wenner sich Undutschen unnd binnenlandesche mitt 
unnd hindern alliier in unsere Stadt tho whanen begeven 
^•111(1 thovorn nicht hyr gewahnet edder gedenet hebben, desul- 
’kcn sollen de borgerschop, so baldt se ankamen, mit /a marck 
^^Winnen unnd sich der wage, Strandes, höre unnd helpers beth 
Wo baven geschreven, vor einen broder in der beider broder- 
^^oppen eins upgenamen, entholden. 
^. Item idt sollen dejenigen, tho welkem sodan Undeutsche 
binnen landes kamen unnd kamer huren, verplichtet seyn, 
7^1vigen inkomelinge dem heren kemerer de borgerschop tho 
‘•^nen antothogen by peene 3 mark. 
^'olget wat de vorgedachte loeszdregers unnd arbeiders vor 
^'^beit hebben und nemen sollen: 
, 0 Erstlicken in der unleddigen tidt, wenner vele schepe hyr 
sali man geven vor eine last losze soltt uth den schepen, 
schniken unnd bordinge tho dregen unnd in den keller 
^ brengen 20 sch. und ein schilling tho beergelde. 
Item wenner nicht gantze flote schepe hjr sin, sali men 
12 schilling unnd ein schilling tho beergelde. 
gev 
tw 
3) Item 
van ein 
last soltes tho stoten unnd tho faren, sali men 
'C" '/: marck, vor einen sack aver l)&gt; sick alleine tho stoten 
Schillinge. 
4) Item van tier last gewagen solltt in tonnen tho packen 
tho vorsjiilende twelff Schillinge. 
5) Item von einer last losse soit, (lat iithem tlor geit, tho sacken 
So 
steil 
Schillinge. 
t „'&gt;) Item l.y hervest- unn.l h) winter,lagen idt lese soit uth ,len 
tho sacken magk ein ider dingen, so noue he «in. 
27*
        <pb n="440" />
        420 
Losträger und Ligger. 
7) Item von hennip unncl billigen fiasse uth den strusen eclder 
husen up de wage tho brengen unnd affthowegen, idt schippu" 
twe Schillinge, so averst jemandes eigene fore hedde edder huren 
würde, sollen de dregersz vor up- unnd affsetten ock affthowegen, 
hebben vani schippunde i sch. 
8) Item van wasz unnd tallich uth strusen unnd husen up 
wage tho brengen unnd affthowegen vam schippunt twe schilling^' 
9) Item vam stroe wasses tho thoschlande viff sch. 
10) Item van einem schimysen tho toslagen sosz ferdinge; 
kleinen schimysen sali men geven na anthale. 
11) Item vor einen packen laken tho thoslagen sostein sch. 
12) Item in der unleddigen tidt, wenner eine fíate schep^ 
hir kamen, sollen de dregers van eyner last roggen in de bordmí^ 
tho sacken hebben vifftein sch.; in der leddigen tidt averst mug 
ein ider dingen, so nowe he kan. 
Item de dregers sollen nen tonnen gudt uth den schuu^*’ 
henforder arbeiden, sondern sollen darmit de arbeiders bethcm^|| 
laten; henwedderumb sollen de arbeiders nen lese soltt uth 
kellern sacken; unnd wenn idt tonnen gudt up den strandt g^^ 
vert, sollen alsdenne de dregersz van einer last theers in de '&gt; ^ 
dinge tho schlan unnd affthoforen hebben viff Schillinge 
van der last aschen veer Schillinge y der; so se averst dat g^ 
in de see levern, sollen se van yder last ein schilling mehr heb &gt; 
14) Item vor ein stroe wasses in den bordingk tho schh 
unnd affthofaren sosz Schillinge. ^ 
15) Item vor ein fath hennip edder flasz inthoschlaende ^ 
affthoforen ein ferdingk. ^ 
16) Item de arbeideslude sollen van einer last teersz, . 
mit dem wagen gearbeidet wert, inthoschlaende hebben dre schi &gt; 
unnd van einer last aschen twe Schillinge. 
jt 
17) Item van einer last theers, welcket nicht geforet wen 
der bane in de schünen tho schlaende twe Schillinge unn^ ' 
twen last aschen van der bane inthoschlande dre sch. 
1 Zu diesem Art. 13 bemerkt Everth Huszmaii am Rande: hir 
beidenn empter als soltdreger und Hggers in irer arbeit underschedcn.
        <pb n="441" />
        Marien Gilde. 
421 
18) Item von eyner last theers weclerumh uth den schunen up 
stranclt tho arheiden viflf Schillinge unnd van der last aschen 
3 sch. 
19) Item der last tonnen soit, heringk unnd osemundt etc. up- 
^hofaren veer Schillinge. 
20) Item in der unleddigen tidt van einer last roggen int sch ip, 
^^sgeliken uth den loddigen up den honen tho sacken twelff 
^^hillinge. 
21) Item van einem fate hennip edder flasz by idt schiff tho 
^^tengen veer Schillinge. 
22) Item sunst van allerley gude up de wage tho brengen 
^^nd tho wegen vom schipjjundt ein schillingk, demgeliken w edder- 
darvon in de huse edder anderwegen tho brengen ock ein 
schillingk. 
23) Item de schiachter sollen hebben van ossen, koyen edder 
tho schlachten van iderm hovet veer Schillinge, vor einen 
^ctlingk edder andern kleinen (¡ueck averst i sch. 
, ^4) Item de bruwers sollen hebben vor ein bruwelsz beers tho 
^'■^Wen einen ferdingk, welcker aver datt beer vorth aflecket, sail 
^^‘&gt;en twelff Schillinge. ' 
Marien-Gilde, 1354» 
s. Grosse (îilde vom Jahre 1354-
        <pb n="442" />
        422 
Maurer. 
79. Maurer. 
Rathsverordnung vom Jahre 1376. 
Ovl/oquinm fachtm a donimis consulibus anno Dei ¡syó in festo 
L. Napiersky, Die Quellen des Kigischen Stadtrechts bis zum Jahre it)73. ' 
33 «■ 34- g 
Item so schal men gheven eneme murmesters van i m. sten 
14 ore, ene maeltüt des dages unde 2 pennighe to vordnncken 
Item to dachlone 7 art., ene maltiît unde 2 denar, to 
drinkende. Dit bued de raed to holdene eneme idliken murineste^ 
bi der stades woninghe; vveret ok, dat en deghene mer gheve, 
se winnet, dat wil de raed hebben ghebetert. 
Maurer, 1376, 
s. Zimmerleute und Maurer, 1376. 
80. Maurer. (Kreygesche Gilde.) 
Schrägen vom 18. Decbr. 1390. 
Bibliothek d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Perganientheft, 
hoch, 14 cm. breit, aus 9 Blättern, von denen 3V2 Bl. der Kreygesche Schrägen 
abg. Monum. Livon. antiq., Bd. 4, S. CCXI-CCXIV; Liv-, Est- und Curlänc^^ 
Nr. 1276. Vergl. Sitzungsb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth., 1885, S. '3, 
30, 44, 55; Rig. Stadtbl. 1892, Nr. 33 u. 34; 1893, Nr. 24. 
In Godes namen, amen. Na Godes bort 1390 jare des sünd 
vor vvynachten (18. December) dyt hebbe wy bescreven 
hulpe des rades tho Righe, her Diderichk Kreyge, de das hii ^ 
mfirede hir tho Righe, de bedychtede ene kumpenye, unde a 
Diideschen, de dar niede weren, de gheven der kumpenie i 
den se hüde uppe dessen dach hebben; se beiden dat in ^ 
unde in dogheden, alzo wil wy ok gherne vort don. ^ 
i) Vortmer de kumpenye tho drinchkende tho alle 
hilghen daghe, welk zcelle de kumpenye wunnen heft, de 
dar tho drinckende, weret sake alzo verne, dat hee hir m 
were unde queme hee dar nycht \ so seal hee allike viil jg 
were, dat hee dar buten were, is hee dar mede over, wen 
druncke kost, thüt hee den ut, so seal hee allike vül betalen- 
1 Das t ist von anderer Hand übergeschrieben.
        <pb n="443" />
        Maurer. 
423 
2) Vortmer neyn ghezcelle, de vromede hir binen lande kome 
'leyne werck tho dinghende, bee hebbe en jar hir in der stat ghe- 
''csen, dat wy denne seen, wat syn handelinghe mach wesen, is 
denne eyn broderv'e knecht unde is der ’ kumpenye begherende, 
seal men ene gherne untfan® myt vulbort der menen kumpenye, 
seal hee liebben dre mark Rig. unvorborghen. 
3) Vortmer welk ghezcelle gheyt up des anderen dinghedes 
^^tk sunder syne vulbort, de seal Ijeteren en half j)iint wasses 
"Jen lychten tho hulpe. 
4) Vortmer wen de olderman in der kumpenye bebodet to 
Steven, vorsumet hee dat, de seal beteren en mark wasses 
lychten to hulpe, weyghert hee pandes, so seal hee tweschat 
keteren. 
5) Vortmer worde dar joment bebodet van der kumpen} e 
"'^^ghen unde hee dat vorsumede, de dar na sant worde, de scolde 
^^Iven beteren. 
6) Vortmer weme kûst tho oldermanne, de seal wesen twe jar. 
7) Vortmer spreck he dar enteghen, so seal hee beteren en 
^^'Punt wasses, alzo dicke, alzo hee dar wedder sprekt, so seal 
keteren en lispunt wasses. 
8) Vortmer wen men de ghcrdelude kûst, de scolen wyllich- 
dat don by erne half lispunt wasses tho schenkende deme 
alzo wol alzo deme anderen, neymant tho vorsmaende, hee 
^ edder rike. 
9) Welk vrowe, der ere man afstervet, de in der kumpenye 
wil se de kumpenye holden, so seal zee gheven twe art. tho 
is dat sake, dat zee dar mede wil drincken, so gheve zee 
schillinch ût. 
Vortmer welk man enen beker vorghut, den me myt den 
nycht kan bedecken, de seal gheven twe art.; breket dat kmt, 
Seal de vader vor dat kint beteren. 
, Weret sake, dat jennych man den anderen smehke wort 
edder eyner vrowen, de seal beteren eyne mark wasses 
untiichteghe wort, dat sy vrowe edder man. 
N; 
‘ Mi, diesem Wor.e is, die Seiie su Ende und es feig, um Runde von undese,
        <pb n="444" />
        Maurer. 
424 
12) Vortmer decle tho der bygraft nycht en kumt, dat sy vrot'^ 
edder man, de seal beteren 2 mark wasses. 
13) Ok so mach een man jenen leerjunjghen‘ untphaen, so en 
seal hee nycht untphfan, hee dot vor der menen kumpenye; ne&gt; 
man seal Undudesehe jimghen untphfan tho lerende by enen 
halven punt^ wasses tho den lychten to hulpe. 
14) Welk man enen junghen untphfeyt, de seal gheven ene tuiine 
beeres, alze vro alzo hee den junghen untphfeyt. 
13) Vortmer welk man en stekemest dreeht in der kumpen)^^ 
de seal beteren ^ dre mark wasses, alzo dicke de kiimpenje 
hope gheyt. 
16) Vortmer we den olderman edder syne kumpenie vortornet- 
de seal beteren en half lispunt wasses. 
17) Welk man sik vornederghet myt enem wyve, de seal tk*“ 
kumpenye nicht werdych wesen. 
18) Vortmer men seal nyn beer tho hus senden, dat z* 
edder man, men seal vraghen deine oldermanne. 
19) Welk man de gherdenian is, deine boret de lichte 
bewarende, de dart ho ghekoren syn tho unt])hfengede unde 
des hilghen leerstes nacht unde tho alien tyden dor Oodes 
unde unser leven vrowen unde alle (iodes hilghen tho 
unde tho erende; vorsumet hee dat enes, so seal hee bete 
3 mark wasses. 
20) Welk man, dede kyvet in der kumpenye, dat dar cla^ 
koine vor den olderman, de seal enen scillinck legghen; welk 
recht hebbe, de neme synen sch. wedder to syck. 
21) Demede lycht werden utantwerdet, de scolen wesen 
alzo seal hee se wedder heel utantwerden. 
. (le 
22) De vrowen, wen de tho gaste werden ghebeden * 
kumpenye, de scolen gan sytten, drincken unde maken sick g 
hoghen, dat én der anderen untuchteghe wort tho spreke, 
scolde beteren twe mark wasses. 
heel' 
1 Die zwischen Klammern stehenden Silben sind später an 
schrieben. 
2 Hspunt im Text übergeschrieben. 
3 Mit dem letzten Wort schliesst die Seite ab, von anderer 
Rande: ncyn mein 2 lunghen tho nemende by cncti lispunt wnsses. 
den 
Hand k’í'
        <pb n="445" />
        Maurer. 
425 
23) Vortmer dede in der kuinpanye werden kywende edder 
twedracht hebben \ de scolen sik vorliken in der kumpenye sunder 
sunder blaw desgenen, des de schult is, de seal beteren en 
punt wasses na der sera. 
24) Welk vrowe kumpt in de stevene lopen, de seal beteren 
'"(ier* mark wasses. 
23) Welk man, de enen junghen na sick heft volghende, deme 
Seal men schenken unde laten ene gan, is dat he ene leet gan 
^’^en, so seal hee vor em so wol betalen alzo vor sick sol ven. 
26) Welk zcelle, dede kumpenye wynt, cle seal ok de burscop 
'^ynnen. 
do 
27) Welk man, de des beres alzo vele tho sick nymt in der 
•'cz.en bynnen in der druncke, dat hee wedderghift, de seal 
J^^teren én half lispunt wasses; ist in deme huse, vif mark wasses, 
deme hove, twe mark wasses. 
. 28) Welk man enen lerejunghen heft, unde hee em in den lere- 
untghegt, unde én ander ene tho sick nymt sunder sines 
•^^sters orlof, de seal gheven en half lispunt wasses tho den lichten 
hulpe. 
. 29) Wen de kumpenye tho hope drincket, so scolen de gherde 
nemen unde untphengen de licht unde cleden de baare. 
^ 30) Vortmer scolen se gan tho bey de vrowen unde man b), 
mark wasses, dat zi® vrowe edder man. 
31) Vortmer we de kumpenye wynt, de seal gheven ene mark 
thovoren tho den* lichten tho hulpe, dat he der kumpenye 
na do, alzo én andere tovoren* heft ghedan. 
, 32) Welk zcelle, de dar buten landes is, alzo menych jar, alzo 
Iluten !s, alzo menyche mark wasses seal hee gheven tho den 
ll^^^^ntho hWpe; de hdit sdial men nycht utm^wer&amp;m sunder 
aldermans vulbort. 
33) Vortmer welk man, de dar brecht, de seal sinen broke 
Vort utgheven edder hee seal enen® borgen setten. 
g ist übergeschrieben, 
g ßunge: twe. 
^ ist übergeschrieben. 
den und to sind übergeschrieben. . a /u 
An den Rand ist von anderer Hand geschrieben: ,.pant oj .
        <pb n="446" />
        426 
Maurer, 
34) Vortmer dede kumpenye wynt, de seal gheven ene tunne 
beres, enen schinken, twe gude hraden. 
35) Vortmer * al/.o vele brodes, alze se moghen eten, unde 
gude keese; vortmer ok de bekere unde de licht. 
36) Vortmer de ene tunne beres ghift vor sinen junghen, 
seal deine oldermanne vraghen, wor men dat beer drincken sca^- 
men seal nycht utgheven, men vraghe^ deine oldermanne 
enem halven lispunt wasses, unde wen de olderman dar 
kiist, deyt hee des nycht, de seal beteren dre mark wasses. 
37) Vortmer wen en lerejunghe sine jar utghedenet heft, 
seal nyn werk winnen® dynghen, hee hebbe* de kumpenye 
vunnent 
38) [Vortmer dede in der kumpenyen wil vulbruder wer^l^^ 
unde unse ampt bruken®, geliike alzo andere unse bruedere 
sal geven uns V2 liispunt wasses na der scra.|^ 
39) Wen de olderman orlof ghift, so scolen see ahórnale th 
has ghan by dren mark wasses. 
40) Vortmer de den gherdeluden vordret deyt, de seal beter^ 
dre mark wasses. 
41) Vortmer boven alle de articula, de hir vore ghescre' 
stan, seal de rat hebben de oversten haant. 
42) Ok neen man schal zynen leerjungen lenen enem 
ghezellen, de buten deme werke is unde de de kumpenye ^ 
ghewunen heft, by dren mark wasses; zo dicke, alze he dat 
zo vakene zal he beteren 3 mark wasses.^ 
1 Hier ist auch ein Zeichen für einen Abschnitt gemacht. Bunge zieht ‘1' 
Absatz mit dem vorhergehenden zusammen. 
2 Im Original steht nach vraghe von anderer Hand: erst. 
3 Dieses Wort ist von späterer Hand auf eine radirte Stelle geschrieben 
4 Dieses Wort ist nicht deutlich zu lesen. 
5 Runge liest awtbriefen, was wohl falsch ist. girt 
3 Der zwischen Klammern stehende Artikel ist auf eine radirte Stelle 
von einer ungeübten Hand geschrieben worden. jcH' 
7 Der letzte Artikel ist von späterer Hand hinzugeschrieben, die, 
Charakter der Schrift zu urtheilen, vielleicht noch dem 14. Jahrhunderte
        <pb n="447" />
        Maurer. 
427 
81. Maurer. 
Raths Verordnung vom 27. Juli 1459* 
Bibliothek d. Gesellsch. f. (iesch. u. Alterth. in Riga; im Kreygeschen Schrägen 
4*’u. 5. Vergl. S. 422; abg. Monum. Livon. antiq., Bd. 4, S. CCXIV. 
Item nadem de erwerdige rad boven alle desse vorgeschreven 
Articule unde gesette de overste hant helft, so hefFt de rad am 
•Regesten ffrydage na sunte Annen dage (27. Juli) in dem negen- 
tindevifftigesten jare eyndrechtliken gesloten unde den mürmeisteren 
ynde eren gesellen evn gesette gesät stede, unvorbroken tho holden 
dusser nageschreven pene: 
t) Int erste wor de murmeistere arbeiden den borgeren in der 
stad by erer egenen kost, dar sal men geven den meisteren to 
^^chlone des dages eynen ferdingk, eren meistergesellen ses Schillinge 
t^tide den It^rjungen vifF Schillinge unde nicht meer. 
2) Item bi frier kost sal men geven den meisteren ses schil- 
""ge, den meisterknechten veer Schillinge unde den leerjungen 
Schillinge. 
3) Weret sake, dat y mandes van dessen vorgeschreven meisteren 
gesellen sik des weyerde unde umme sodan vorgeschreven 
nicht arbeiden wolde, de sal beteren dem rade 3 mark Rig., 
^ Vaken he des weiert sunder beschoninge. 
4) Ock en sal nen murmeister mer vordingen, dan he wol be- 
^Bren unde bebuven kan bi 3 marken h 
. 5) Wyl ok ymandes jenich werk mit en vordingen, de mach 
tlon unde mit en overeynkomen; esschet zee ok ) mandes to 
"•■‘^^idende by daghlone, deme sollen zee arbeiden umme dit vor- 
g^schreven gelt unde des nicht to weyerende by pene vorgeschreven. 
6) Item wyl de radt dat enn yowelk murmeyster sal hebben 
harnsch, als enen hoedt, borst, hanschen unde pollexe tor 
^dt beste by vorlust synes amptes. 
7) Item wyl de raedt ernstliken geholden hebben, dat neen 
'"'''Geister sal theen edder reysen uth der Stadt Righeanevulbort 
orloff der kemerere by vorboringe syner borgerschopp unce 
ampthes. 
Xe 
' Die folgenden 3 Artikel scheinen von einer anderen Hand und mit hellerer 
geschrieben zu sein
        <pb n="448" />
        428 
Maurer. 
82. Maurer. 
Schrägen vom 15. Novbr. 1546. 
Schragenb. d. Gescllsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Bl 48—52. 
Der meürleüte schrägen. 
Künclt unncl witlich sy menn¡glich tho ewiger gedechtnis, 
im jhare nha Christi unsers herrn gehört dusent vyff hundert 
sosz unnd vertich, mandages na Martini (15. November), hefft 
erbar rath dyser Stadt Riga die beschweringe, so de meistere un 
gesellenn des ampts der murlude jegen de gemeine borgersch^P 
dyser Stadt, imglicken die unordeninge, so de gesellen jegen 
meistens desselben ampts eine tydtlanck hero gebrucket unnd\U 
genommen, behertiget unnd bewogen unnd derwegen den ersahen 
herrn Patroclus Klocken' unnd herrn Johan Kolthoffen^ alsz kenteret 
upgelecht unnd bevolhen (lesen allen gebörlicken wandell thu 
schaffen, hebben sich demnach desulvigen beiden herrn dannit he^ 
kümmert unnd mit willigung der meisters obgedachts ampts si 
nhafolgender artickell entschlossen, welcher alles sich ein er 
rath nach verlesinge gefallen laten dartho bestediget unnd 
secht, se als de meisters, gesellen unnd jungens obgcstimntc 
ampts darby vestichlichen tho erholden. 
1) Erstlich sollen die meysters under sich eindrechtiglR^^ 
kesen einen olderman und den se also duchtig dartho erkenn^^ 
unnd keren^, sali sich des nicht weigern by peene 3 mrc., so vu ' ^ 
he sich darjegen ledit unnd woll also gekaren, sali 2 jharhmi 
dem ampte als ein olderman dem ampte vorstan. ^ 
2) Imglicken sollen de umblöpers, so gekoren, guttwilligk un'' 
flytich by erem ampte syn by peene 3 mrc. 
3) Item wenn er de olderman ein verbott in idt ampt dcit, 
denne na der tidt kompt, wenner se sich by den (lisch 
hebben, sali breken 12 sch., unnd so einem nicht thogeseclit 
unnd de umblöper solches vergeten, sali de umbloper sulvest bre 
4) Item so einer uth dyser cumpanye vorstervet, idt sy 
fruwe, knecht edder junge, sollen die andernn samptlick, 
ebnen dorch de umlopers angesecht thor bygrafft kamen b) P 
t Vergl. S. 257, Anni. 2. 
2 Böthführ, Die Kigische Rathslinie, Nr. 464. 
3 kesen wohl zu lesen.
        <pb n="449" />
        Maurer 
429 
sch., und so de umlöpers jemandts nicht ansechten, sali he 
^ulvest breken. 
5) Item so einer frowen ere meyster afifstervet will desulvige 
•fl diesser cumpanye bliven, so sali se geven 2 sch. unnd so se 
*^^de in den druncken drincken will, sali se geven 3 sch., sovern 
sodans vermach, so se idt averst nicht vermach, sali se i sch. 
Seven. 
6) Item so einer einen jungen annhemen will, sali he dlion 
weten unnd willen des oldermans unde amptherrn ^ unnd sali 
nieister nicht mher als einen jungen annhemen, unnd desulvige 
deenen vor einen jungen 4 jhare unnd de andern 4 jhar vor 
*^en halffknecht, unnd wenner de ersten 4 jhar umme syn, dat de 
ein halffknecht geworden is, alsdenne mach die meyster 
anderen jungen annhemen, unnd wenner also ein junge an- 
^^nornen, desulvige sali in dat ampt geven eine tonne biersz. 
7) Item wenner ein junge ein halffknecht geworden ist, sali 
*tieister mit ehme avereinkomen, wes he ehme des hab en jhares 
sali, unnd sali eme geven, darna he arbeiden kan, averst 
baven tein mrc. den sommer aver l)y peene 3 mrc. 
Item wenner nu eyner also 4 jhare vor einen jungen unnd 
^ jhare vor einen halffknecht gedenet unnd meister werden will 
^’^d die cumpanye begeret, sali he sin meisterstucke bew) sen 
macken, welcket de oldesten besichtigen sollen, unnd so idt 
/^stan kan, sali men ebnen gerne annhemen; des sali he erstlich 
^ hate der drinckgleser in dat ampt geven h'2 mrc. unnd sonsten 
^ an gelde, i schincken, 2 stucke droge fleisch, 2 braden, 
beers unnd so vele brodes, tho einer maltydt van nöden. 
^ 9) Item so einem meister sin junge edder halffknechtt entlepe, 
^'^Selben sali nemandts entkegen nhemen by peene 3 mrc. 
'«) Item wenner de gilde geholden und gedruncken wert, sali 
„'Geister geven 6 fr. unnd ein knecht i mrc., und so he in der 
unnd wolde nicht körnen, idt were knecht edder meyster, 
Slickewoll betalen. 
. ‘0 Item idt sali sich ein ider in denselven druncken hovesch 
herve holden und nemandts den andern mit worden edder 
"'■^hen averfallen, unnd so jemandts darwedder dede, desulvigen 
^^ptherrn von anderer Hand.
        <pb n="450" />
        430 
Maurer. 
sollen bolde vor den olderman körnen unnd einen schillingk up' 
leggen, woll alsdenne unschuldig befunden, sali sinen sch. wedder 
nhemen, unnd de schuldige 3 mrc. breken; so darbaven jemandts 
noch nicht thofreden, sondern schlan edder stecken wolde, idt s&gt; 
frowe edder man, sal men sodans dem vagede anthogen, de sa 
ebnen daraver straffen. 
12) Item so jemandts sich mit beergeten unnutte macken unn 
freventlich guthet, dat men mit einem vothe nicht bedecken kan, 
sali brecken unnd fort upleggen 3 sch., unnd so frowe edder kinder 
in deine breken, sali de man betalen ; unnd so jemandt sick der^ 
maten mit beere avertruncke, dat he avergift in der dorntzen, sa 
de 
brecken 6 fr. 
13) Item so einer den andern blodig schloge, sali men an de 
richtvogt brengenn. 
14) Item Idt sali nemandts ein langk mest edder degen m 
Companie brengen by peene 6 fr. 
15) Item we sich mit einem losen wyfe edder unerlicken frou\veJ| 
verneddriget, de sali dieser cumpanye nicht werdich sin ock m 
darin genamen werden. 
16) Item woll einen jungen lieft, de eme in de cumpanye folg^^J 
dem sali he schencken unnd laten ebnen wedder na husz gan, ^ 
he darbaven sitten geht, sali de meister von enen betalen 
einem knechte. ^ 
17) Item men sali nen beer tho husz senden ahne weten uU«! 
willen des oldermans by pene 1 mrc. 
18) Item idt sollen de schaffers ock nichts uthgeven ahne 
unnd willen des oldermans by peene 12 sch. 
19) Item wenner de olderman verloff gifft, sali ein jeder st' 
na husz gan by peene 3 mrc. ^ 
20) Item wenner de druncke geholden, sali men der olderiU'^^ 
sehen vor ere moye unnd dem umbloper vor syn lopeiidt i 1’ 
schoe geven. ^jl 
21) Item woll uth diesem ampte undaeth lialven entlopt, ■ 
darnach nicht wedder angenommen werden. 
22) Item idt sollen unnd wollen henforder de meysters 
rade unnd gemeiner borgerschop arbeiden des dagesz vor 
de frokost unnd 3 sch. beer, de meisterknechte des daguS
        <pb n="451" />
        Maurer. 
431 
* ^'■•1 de frokost unnd 3 sch. beer, de leerjungen des dages vor 
^ de frokost und 2 sch. beer, unnd sollen des morgens tho 
Uhren by dem arbeyde wesen, und de spader kompt, dem sali 
körten 3 sch., dan de voll geldt will hebbenn, sali ock voll 
^•^heiden, unnd sollen vom arbeide gan tho 6 uhren unnd tho 12 
"’^dder darby syn unnd darby bliven bed idt 6 geschlagen helft by 
i'^ene unnd straffe 3 mrc., so vaken dem cemerer daraver geclaget. 
23) Item idt sali sich ock nemandt vordrysten irkem|?| nige 
^der oldt buwerck anthofangen thovorn und er de kemerers an- 
l^^^praken unnd dorch se besichtiget is by peene 3 mrc., darmit 
deine de nabers nicht tho hope in hader geforet werden. 
24) Item idt sali ock kein meister, knecht edder junge ane 
doff der herrn kemerers uth der Stadt then by peene 3 nirc., so 
^^^n darwedder geschutt. 
, 25) Item idt sollen de meisters gude knechte unnd jungens 
ulden, de se dat ampt leren, unnd sollen de knechte unnd Jungens 
rneysters gehorsam syn, unnd wedderumme sollen de meysters 
jegen de knechte unnd jungens geborlich holden unnd mit 
nicht averfallen unnd so darinne twistich, sollen se van 
dden deilen vor de herrn kemerers körnen, de sollen se scheiden 
Und ; 
strafe nhemen. 
^ 26) Item idt sali kein knecht vor einen meister arbeiden tho- 
unnd er he, wo obsteit, vor einem meister in de cumpanie 
J’genhomen by peene 3 mrc., jedoch sollen sich de olden meistere 
verdristen gemeiner borgerschop tho geferlickem vorfange, 
darmit se der knechte besolding desto ehr tho gerieten unnd 
":ck tho then jungen tho meisterknechten tho maken, ehr dan 
gewontlike lehrjhar uthgedenet unnd tho meysterknechten 
L^^htig sin by Verlust ehrer gerechtigkeit, welches se ock up des 
kemerers erfordern by ehrem ede tho erholden schuldigk 
" Scholen. 
^ 27) Unnd idt sollen de knechte nicht van eren meisters lopen 
gefallen unnd arbeiden, dar idt ebnen gelevet unnd des 
Son «ch. nemen und den meisters men i fr. geven, sondern 
arbeiden, dar se de meysters henneschicken, by pene 3 mrc., 
'^^ken darwedder geschutt. 
. 28) Item idt sollen de meisters kein arbeit verdingen edder 
'^*^'^uien, sondern sodans dem kemerer erstlich verwithcken unnd
        <pb n="452" />
        432 
Müller. 
fragen offt de Stadt ock tho buwen, darmit also de borgers an 
erem buwercke nicht verkortet unnd in schaden geforet niogea 
werden by peene 3 mrc. 
29) Item idt sali kein meister up des andern verdingede arbeit 
gan wedder sinen willen by 3 mrc. 
30) Item idt sollen de meisters ock nicht mehr arbeit annhemen, 
dan se uthrichten kennen unnd sollen in erem arbeide dermatan 
flytt anwenden, dat se nemandts vergefTlich arbeit dhon, item kak^ 
unnd steyne vergeblich spilden by vorboringe des arbeides unn 
pene 3 mrc., so vaken darwedder geschutt. 
31) Item idt sollen de meisters henforder niemandts klk 
iungen up de dacke senden sondern alleine meysters unnd meisten 
knechte, so des dackwerks verstandt hebben, by peene 3 mrc., 
vaken darwedder geschutt. 
32) Item ein erbar rath will ernstlich hebben, dat ein isd^k 
meister sali hebben syne were unnd harnisch tho synem lyv^ k) 
Verlust sines amptes. 
33) Item wenner de druncke geholden, sollen de verfalka^ 
broke upgehaven unnd in de busse tho hope gelegt werden uO ^ 
darvan jerlichs up dat fest paschen thor nyen upgerichteden ehr» 
licken kerckenordeninge unnd gadesdenste gegeven werden 20 
34) Item idt sollen ock die meisters denn herrn kemerers 
wegen eins erbarn raths von dem gelde unnd geschmiede, 
des in erer laden syn magk, yder tydtt, wie ock miglycken van 
halven breken, wenner sie idt fordern, rede unnd bescheidt t ^ ^ 
darmede sodans nicht verkonie unnd underschlagen werde, 
sali jherlich dem cemerer wegen eins erbarn raths de halve ht^ 
von den olderluden und eltisten trewlich zugestellet unnd behentkg 
werden. 
35) Item in diesen vorgeschrevenen artickeln semptlicken 
sick ein erbar rath vorbeholden hebben desulvigen na gelege 
ihres gefallens tho myndern unnd tho vermehren. 
vvi“ 
nlk'^ 
Müller. 
s. Schlachter und Müller, 14. Sept. 1584.
        <pb n="453" />
        Sattler. 
433 
83. Sattler. 
Schrägen vom 17. Mai 1619. 
Schragenb. des dim. Bürgermeisters Ed. Hollander in Riga, S. 107 iio. 
Der Sattler Schrägen. 
1) * Der älteste Meister soll zu jeder Zeit die Lade, und was 
^Onsten an Briefen und andern Sachen darinnen ist, bey sich in 
S^treuer \ erwahrung haben und behalten, auch sollen die Meistere 
^^le Quartal dahin zu kommen und in die Lade 12 Sch. zu legen 
Schuldig seyn; bliebe aber einer nach beschehener Fürladung ohne 
Urlaub des Ältermannes auf bestimmte Zeit auszen, der soll dafür 
^Gszen 6 Ferding; würde er aber dem Handwercke aus Muth- 
"''llen den Rücken kehren, so soll er 7 Mrc. verfallen seyn; bliebe 
gar zum dritten Mahle muthwdlliger Weise auszen, so soll er 
Amtsherrn Straffe unterworflfen seyn. 
2) Alle Meistere und Gesellen so im Handwercke etwas ver- 
^'Gchen, sollen dem alten Gebrauch nach fürm Handwercke sich 
zu laszen schuldig seyn; die sich aber dem zuwieder würden 
thun, denen soll ihre Werckstäte und Arbeit so lange ge- 
^&amp;et seyn, bisz sie sich vor dem Handwercke abgefunden; auch 
diejenige Zeit, da denen Meistern das Handwerck geleget ist, 
Lehrjungens nicht passiret werden, so lange sie sich mit dem 
nicht vertragen. 
3) Wenn ein Cieselle Meister werden will, der soll gelernet 
&lt;las Sattelmachen nebst dem Weis/- und Schwartr-R.emen- 
wie auch Wagenstühle, Holfftern, Wischtaschen, Waadsacke 
was sonsten auf unsern Handwerck zu machen gebrüuchl.ch 
!" und soll, ehe er Meister wird, zwey Jahr zuvor bey dem ältesten 
^¡«er gearbeitet haben auch auf alle Quartal das Handwerck zu 
“'■'lern und jedes Mahl einen halben l'haler in die Lade zu legen 
!^klig seyn, ausgenommen eines Meisters Sohn, Tochter oder 
"'"il), so sich in ihren Stand ehrlich verhalten, sollen hternnt 
Í!“^' genieinet seyn, sondern auf das Jahr frey zu arjetten 
‘'"''kt haben. 
4) Wann-ein Ceselle seine zwey Jahre ausgearbeitet, so soll 
r.fktm Amte erscheinen und, um das völlige Amt zu gewinnen 
"'"'n Lehrbrieff auflegen, für welchen er zu losen l IhIr. und 
il'khlr. für sein .Meisterrecht .lern Amte in die Lade zu geben 
* Di 
e Numeration fand sich vor. 
28 
4 Iff
        <pb n="454" />
        434 
Sattler. 
schuldig seyn, soll nebst Ausrichtung einer Amtsköste, wozu er 
aber Jahr und Tag Frist hat, inmaszen dann auch den junge*’ 
Meister freystehen soll anstat der Amtsköste lo Thlr. an Gel^e 
zu erlegen und solche unfehlbar in den nahsten 4 Quartalln 
ersten Jahres zu entrichten oder zu erwartten, dasz ihm seine Ge 
seilen und Jungen verboten werden, bisz er das Geld erlegt hat- 
5) Es soll kein Meister keinen Jungen annehmen, er sey ^^nn 
von ehrlicher Gebührt, auch soll derselbe Junge für dem Hand 
wercke angenommen werden auf drey oder vier Jahr, nachdem 
der Junge alt und zum Handwerck tüchtig ist, dabey er 3 
Einschreibegeld in die Lade erlegen soll; nach ausgestandenen 
Lehrjahren aber soll er ferner geben 6 Mrc. Ausschreibegeld, nach 
dem ihm der Meister vorhero den gantzen Amte vorgezeiget un 
vor Meistern und Gesellen frey und losz erkand hat. 
6) Wenn eine Wittfrau unsers Amts nach verfloszenen I ruue*" 
jahre sich nicht ins Handwerck wieder befreyet, soll sie im 
ferner nicht gelitten werden, es geschehe denn auf sonderliche^ 
Bedencken und mit Begünstigung der Amtsherren und des Auite^ 
7) Sollen sich Meister und Gesellen bey Verlust ihres HaU^ 
wercks hüten, dasz sie nicht Aufruhr in Amte anrichten; als ^ 
sich einer oder mehr unterstehen möchten, hinterrücks aus de*” 
Amte ihr Gewäsche zu treiben und mit Meuterey das Amt zu h 
leidigen oder unruhig zu machen, Kniepchen zu schlagen, auf 
Tisch zu klopffen, frevendlich zu fluchen oder lügen zu heisz^ 
und was sonsten in dergleichen groben Ungebühr und 
ligkeit sich zutragen möchte, solches alles soll nach Grobheit 
Verbrechungen von dem Amtsherrn gerichtet werden. 
8) So soll sich auch kein Meister unterstehen dem andern 
Gesellen und Leute abspänstig zu machen bey Straffe 6 Mrc. 
9) Alle Meister sollen ihre Arbeit gleich gut und also 
dasz redliche Leute sich nicht zu beschweren haben, auch 
Amtsherre nicht Ursache bekomme, sie mit Straffe zu belegeU- ^ 
10) So soll auch kein Meister sich unterstehen fremde Ad’^^ 
ins Land zu führen oder holen zu laszen bey Verlust so 
Wahre und ernstlicher Straffe. ^ 
11) Alle Störer und Böenhasen sollen dem alten f,ebra^^^ 
nach mit Wiszen und Willen der Amtsherren vom Amte verst‘’*^^ 
und verfolget, ihnen auch dasjenige, was wegen des Handw^**
        <pb n="455" />
        Sattler. 
435 
ihnen gefunden wird, abgenommen und denen Armen ausge- 
^heilet werden. 
12) Nachdem auch gleichfals e. e. Rath die fremden Riemer 
oder deren ferttige Arbeit, so unsern Sattler- und Riemerwerck 
^Orchaus nicht gemäsz, vor diesen keinesweges gelitten, als sollen 
dieselben noch jetzo ferner gantz ernstlich verfolget werden, und 
bey ihnen an Wahren gefunden wird, das soll halb dem Amts 
gericht und halb dem Amte verfallen seyn. 
ï3) Alle Meister vom Lande sollen alhier für keine Meister 
geachtet werden, vielweniger Jungens halten oder Oesellen fördern, 
^'0 haben denn nach alter (Gewohnheit ihre Meisterschaift alhier 
Rigij gewonnen, eben wie es ein rigischer Meister zu gewinnen 
^ohuldig ist. 
H) Der Ältermann soll nebst seinen Heysitzern alle halbe Jahr, 
'^^htnlich 8 Tage vor Ostern und 8 Tage vor Michaelis, von allen 
erwehnten Amtsgefällen, Einnahme und Brüchen dem Amts- 
*’orrn bey ihren Eyde Rechnung zu thun schuldig seyn, von 
'^^Ichen Fällen e. e. Rath die Helffte haben, die andere Helffte 
zum Unterhalt des Amts angewand werden soll, davon soll 
^J'^on Schlüszel der Amtsherr, den andern aber der Altermann in 
^•‘"ahrung haben. 
:5) Der Ältermann nebst seinen Beysitzern soll jährlich 6 Mrc. 
^irchenordnung erlegen, auch sollen sie alle zv\ey Jahr umge 
^^zet Werden, welches dem Amtsherrn anheim gestellt seyn soll. 
•b) Endlich ist hierbey angehänget, dasz auszerhalb den vorigen 
.^^‘¡ouln alles daszelbige, wasz sich in künftigen Zeiten diszfalls 
^^oben, auch zur nützlichen Ordnung unsers löblichen Hand- 
'""'-cks sonsten dienlich seyn und alle Ungebühr verhüten mochte, 
in solchen Kräfften, als stünde es wörttlich alhier ausgetrücket 
'"Iverfaszet, hiermit ebenmäsziggemeinet und nicht ausgeschloszen 
jedoch e. edl. und hochweisen Raths, als des An^sgenchts 
. ^^«ritaet und Hoheit, in Minderung und Mehrung dieses Schragens 
Vorbehalten. In Urkund ist des Amtsgerichts Siegel hier 
"^Kehenget. Datum Rigae den 17- Maii Anno 1619. 
■^^1 man datum excell. dni. doct. opif. jnd. 
Henricus Lademacher, Not.
        <pb n="456" />
        436 
Scheidenmacher. 
84. Scheidenmacher. 
Entscheidung der Amtsherren, 28. Febr. 1577* 
Schragenh. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Bl. 86 i&gt; u. 87. 
Schedemacher schrägen. 
Den letzten february (28. Febr.) anno 77 haben die erbare unn^ 
wolweyse Herrn Matthias Wellingk^ und Herr Gerdtt Hudde* als di 
amptherrn aus bevelich eines erbarn rathsz zwischen den Unteut 
sehen kramern oder gurteiern und de angegebene schedeniachef^ 
*alsz Hansz [R|usch, Diederich Schedemaker Hermen Lin[k|e un 
Matz Schedemakernachfolgendes erkandt unnd abgesprochen, 
das denjennigen, so sich bis dahero des schedemachens ernet 
und die burgerschaft gewonnen, nochmals frei sein soll schede 
zu machen. 
Den andern aber, so keine burger sein, soll solches gentzÜ^^ 
verbaden sein und mit handtreichung des rechten verfolget werdet' 
welche auch binnen wallesz oder sonsten wor sich des sehe ^ 
machens unterwunden, sollen sich hinfurter des enthalten ^ 
arbeitskerle pleiben oder gleicher gestalt verfolget werden. 
Mit den jungen aber soll es also gehalten werden, das keiu^ 
geleret werden soll, er sey dan hernach burger zu werden wurc ig 
auch nicht ehr von den scheidemachern verleubet werden, ehe 
sie ihre sechs lehrjhare volnkommen ausgedienet, sich auch folg^ ^ 
dem ampte der Unteutschen kramer zu schaden, in andern P 
seien unnd wharen, als bretzen oder gordelen, nicht verhalten 
poen 40 taler; so oft ein schedemacherdaruber beschlagen 
wie dan auch einer dem andern solcher jungenn halben nut 
spennen oder annhemen keinen indrang thun soll. 
Doch soll dies also nicht verstanden werden, das daruinh 
schedemachen den Undeutschen kramern abgeschnitten sein 
sondern gleichsfals ihnen als zu ihrem ambtte mitgehörig Ire y 
und pleiben. 
1 Vergl. S. 370, Anm. 2. 
2 Vergl. S. 387, Anm. 2. 
3 Die zwischen den Sternen stehenden Worte sind von derselben 
den Rand geschrieben; beim Einbinden ist hier ein wenig fortgeschnitten 
so dass der Name Linke zweifelhaft wird. 
Han^ 
wor'
        <pb n="457" />
        Schlachter und Müller. 
437 
Hans Busch aber, nachdem er numehr mit alter unnd schwacheit 
^^Hden, soll ihme die zeit seines lebens seine bis daher geübte 
•larung zu behalten frei bleibenn, jungen aber zu halten und zu 
^^hren, die nach seinem todte auch die freiheit zu geniessen haben 
'Mochten, befinden die amptherrn, das er vermüge der gurtelmacher 
Schrägen unbefuegt sey, doch soll das scheidemachen seinen jungen 
sein, wormit also beide parte von einander gesetzet und hin- 
^arter sich diesem gemesz verhalten sollen. Actum ut supra. * 
He anno i6i6, lo April. H. D. Hintelmans Appendicem et 
^orrecturam articuli 41!, (dass kein Geselle, ausser Meister Söhne 
^nd Welche Meister-Wittwen und Töchter freyen, zum Meister soll 
^^?6nommen werden, er habe dan 4 Jahr bei einem Meister alhie 
^^ntinue gedient und gearbeitet) v. beim Original sub. sigillo. 
85. Schlachter und Müller. 
Rathsverordnung vom iQ- Septbr. 1584. 
Bibliothek d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Papierheft in Folio, aus 
. das Spuren der ehemaligen Zugehörigkeit zu einem Sammelbande an 
Wgt. 6 Seiten sind mit der Verordnung beschrieben. Dorsalschrift: „Ordnung 
r trägt als Wasserzeichen einen einköpfigen Adler, dessen heraldUch ver- 
Schwanzfeder mit einer um einen Stab sich schlängelnden S-artigen Figur ab- 
Obwohl in der Verordnung nicht gesagt ist, in welcher Stadt sm erlassen 
so spricht doch Folgendes für den rigischen Ursprung: Erstens der äugen- 
"Gliche Aufbewahrungsort, dann der Umstand, dass man in einer rigischen Raths- 
r'^"ei um dieselbe Zeit Papier mit demselben Wasserzeichen benutzte (vergl. 
.^'¡i'Arch. in Riga, i. Bd. rig. Landvogteiprotocolle v. ‘547 - «5^. S 447, v. 
^ Septbr. ,584) und ganz besonders die Tbatsache, dass die Handschr^ dy Ver- 
/'‘"“"g uns unter den Manuscripten des rig. Stadt-Arch. begegnet Bd_d« rig. 
¡¡•'Jvogteiprotocolle, S. 44a; Aulico - Polonica. Instruktion des rig. Raths an 
V. J. ,583). Hinsichtlich der Schlachter vergl. S. 421, Art. 23- 
^ ^Uff das die gewilligte gemeine zulag und steur von den 
kuen undt Schweinen, so hinfuro abgeschlachtet, desto g^ 
'"'«r in den gemeinen kästen gebracht und allem unterschle.ff 
'"^^auwett werden muege, soll dem axiseherren und denen, so 
"" der erbaren gemeine dharzu deputiret, nachvolgende ordtnung 
"'erck zu richten auch dieselbe ernstlich zu exequ.rn h.rm.t 
*^*^*'nlicht 
sein. 
Folgendes ist ein späterer Zusatz.
        <pb n="458" />
        43* 
Schlachter und Müller. 
1) Erstlich soll man ein schlachterampt [von gujUten leuten, 
so in der Stadt ju[ris¡diction whonen auch bürgerliche UnpA*^ 
thun, ahnrichtenn unndt aus denselben einen eltermann nebenst 
dreyen beysitzeren, so auff die bönhasen un dt winckelschlach 
inn als umb die Stadt vleiszige auffsicht habenn, erwelcn undt \ 
ordtnen. 
2) Wenn solchesz ins werck gerichtet, soll sich nach 
zeitt niemandt unterstehen ochsen, kue oder Schweine abschlachten" 
zu laszen, ehr habe dann vor erst die gebhur in den kästen gebrac 
undt dhaselbst ein Zeichen, welches auflf ochsenn, kue oder schwein 
mercklich zu unterscheiden, gegeben, auch ein jedes datum, 
solches geschehenn, undt eines igklichenn burgers nhamen dharb ) 
geschrieben werden soll, geholet bey peen 20 mark undt ve 
börung des fleisches. 
3) Ferner wann die ste . . . ht, mag ein jeder der vorschriebene" 
schiachter seine arbeit vorrichtenn, aber wen das fleisch zugehawe . 
den zettell wiederumb auffs radthaus bringen undt, was ehr 
schlachtet, ahn melden n bey peen 30 mark undt vorbörung des vieh^^ 
4) Whofern sich aber einer der schiachter oder auch 
hausknecht oder junge unterstehen wurde der mehrberurten stu 
Viehes eines in der Stadt oder derselben district, eher und beN^^ 
ehr den freyzettel empfangen, abzuschlachten, soll der burger 
dem vorigen die 20 mark und das fleisch verloren haben, 
schiachter aber soll mit schwerer gefengknus auf vier wochen g 
strafft undt mit 40 mark den halsz zu lösen vorbundenn sein. 
5) 2 Dha ehr aber zum andern mhal dharuber beschlagen 
soll ehr zur stäupe ge[zo|gen und der Stadt jurisdiction vor\'*-^^ 
hirunter auch alle fleischer in dieser stadt mit gemeinet und v 
standen werden, jedoch soll der fleischer elterman das geldt vvocli 
lieh vonn allen seinen gesellen und nachtbarenn, so in die schnt^^^ 
schlachten, zusammensamlen und dharvon alle sonnabendt ^ 
dem kästen rechnung thun undt bey seinen wharen wortten erha J 
das der stadt in den heuseren als woll auff dem kutthause 
unrecht die zeitt über geschehen, und was ein jeder geschlac 
1 Die zwischen Klammern befindlichen Stellen sind im Original durch 
zerstört. 
% In der Vorlage sind nur die 4 ersten Artikel mimmerirt. 
3 Am Rande von anderer Hand : Manndach.
        <pb n="459" />
        Schlachter und Müller. 
439 
^chrififtlich ubergebenn. Uncit sollen der schiachter nhamen sonder* 
ins buch oder auif ein bredt vorschrieben werdenn. 
b) Vors ander alle waszer- undt wintmöller mugen alles körn, 
ihnen zugebracht, woll empfangen, aber keinen sack weitzen- 
^der roggen|meell], [ejher undt bevor dharum einen [zetjtell vonn 
^^dthause niemandts volgen, auch kein burger oder einwhoner 
'^^itzenn- oder roggenmeell, ehr habe dann die gebhur dharvon 
S^gebenn und ein Zeichen geholet im hause selbst malen lassenn, 
^^stlich bey peen 50 mark und volgendts beym thurm undt straffe 
Vorweisung; und sollen solche Zeichen alle sonnabendt bey 
^bengesatzter peen hinwieder auffs radthaus zu bringen schuldigk 
^^iit alle einwhoner, auch so über dies dergleichen meell abfhuren 
'^Grdenn, in straffe 100 mark auch umb das meell gestraffet werdenn. 
7) Zum drittenn das geldt von denn tjuirnmulen, item von dem 
^iehe, so der stadtbauren schlachten werden, i hen ihre zu- 
vormuge der ie ion soll von denen dharzu ver... . nten 
^*^nern in eine verschlossene buchse, whorvon der schluszell im 
^^sten auff dem radthause liegenn soll, dergestalt, das ein jeder 
seine selbst dharein zelen und stecken soll und von den diener 
^beschrieben, gesambt aller personen nhamen, vorzeichnet, auch 
(juartall dharvon inhaltz rechnung getlian unndt den dienern 
halbe theill des ohne zettele geschlachtenn viehes und ge* 
ll^bmnienen meels wor ihre muhe zu ihrer besoldung gegeben, 
ander theill aber den Vorstehern der armen zugestellet werden. 
. «) Unndt letzlich dharmit dise als andere ordtnung im einen 
andern puncten desto besser unterhalten werden muege, hatt 
erbar radt zusampt der erbaren gemeine ver|wji|l|lhge|t, das 
ein jeder des jharejs) [zwey] mhall vor der wette, das ehr der 
irj diesem undt andern gleich unndt recht gethan bey 
^de zu imrgirn oder gebhuHiche st^iAe zu envartum 
^bldigk und gewertigk sein soll. 
Ubergeben denn 19. septembris anno 84.
        <pb n="460" />
        440 
Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und Uhrmacher-Gesellen. 
86. Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und 
Uhrmacher - Gesellen. 
Schrägen vom 13. Aug. 1581 oder vom 25. Febr. 15^3- 
Schragenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Bl. 104 —109. 
Der Schlosser-, sparer, buchsenmacher und Uhrmacher gesellen' 
unnd jüngenschrage. 
Im namen der untzerteilten heiligen dreifaltigkeit haben 'Vd"’ 
meister, gesellen unnd lehrjüngen des erbarn unnd kunstreichen 
handtwerks der Schlosser, sparer, buchsenmacher unnd uhrmachet, 
im itzigen laufenden 1581 jare den 13 augusti uns einhelligk vet 
bunden und also ubereingekommen und diesen schrägen articulit^^ 
und verschlossen nach unsers löblichen handtwerks gewonheit, 
wie hier nach folget : * 
1) Erstlich sollen die gesellen unnd jungen einen öffentlichen 
krueg oder eines vaters hausz haben unnd sich dermassen vet 
halten, darmit der kruegvater unnd mutter mit ihnen zufrieden se^n- 
2) Zum andern wenn ein frembder gesell oder junge alhi^*^ 
gen Riga gewandert kerne, der soll au ff die herberge einziehc 
unnd nicht in des meisters hausz, es where den sache, das 
meister selber hier zu kauffe bette oder einen krueg hielte. 
3) Zum dritten wan ein frembder geselle oder junge in 
vatters hausz gewandert kompt, soll er den vater bitten umb ein 
maget oder jungen, das er zu einem meister in sein hausz sen 
da das örtenampt ist, das die örtengesellen zu ihm kommen 
innerhalb stunde zeit; im fall die örtengesellen über eine stun 
ausbleiben theten, und der frembder angekommener gesell daruh^^ 
klagete, so sollen die örttgesellen in der semptlichen gesellen unn 
jungen straff sein. 
4) Zum vierten wan ein frembder geselle oder junge &gt;n 
vaters hausz gewandert kompt, sollen ihn die orttengeseilen fm^ ^ 
ob ihme auch die meister zu Riga bekandt sein; so er die ^ 
nicht kennet, so sollen ihme die örttgesellen die meistere furzeh 
vom eltisten bisz au ff den jüngsten, zu welchem meister er begc 
da sollen ihm die örttgesellen umb arbeit schaffen ungewci^^ 
im fall sie aber das nicht thun werden, sollen die ortengesellcU^^^ 
der meister gesellen und jungen straffe umb ein wochenlohn ^ 
alle gnade verfallen sein. 
1 Dieser Art. ist ausgestrichen.
        <pb n="461" />
        Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und Uhrmacher-Gesellen. 
441 
5) Zum funfiften wen ein gesell oder junge gewandertt kompt, 
er umbschicket unnd arbeit findet, ist er ein geselle, so soll 
’hme fur eine halbe marck hier geschencket werden, darmit in des 
’^^•sters hausz oder zum thor hinaus; ists aber ein junge, dem soll 
^^schencket werden für 12 Schillinge hier, darmit auch in desz 
Leisters hausz oder zum thor hinaus. So ein geselle umbschicket 
^nnd erbeit findet und bisz auff die volle schencke arbeitet, so 
^^^1 er mit fuller geschencke geschencket werden nach Inhalt unsers 
^^ndtwercks gewonheit; so es kerne, das derselbige gesell ein 
^Hteill jhar ausarbeiten wurde, soll ihm auch mit fuller geschencke 
^•cht geschencket werden. 
Zum sechsten so gesellen unnd jungen einen frembden 
^chenckgesellen betten, so soll ein jeder gesell oder junge, der 
^^Sellenlohn hat, zu fuller schencke aufflegen 3 ferdingke; ists ein 
der nicht gesellenlohn hatt, soll er auflegen zu voller 
^hencke eine halbe marck; so aber kein schenckgeselle verbanden 
soll ein jeder schuldigk sein eine halbe marck, darmit des 
hausz unnd krueg erhalten wirdt. 
7) Zum siebenden sollen die gesellen unnd jungen alle vier 
"^^hen zusammen kommen umb 12 schiegen; des sollen die örtt- 
^^^ellen ihren laden auffschliessen unnd ein stundtglasz auff den 
setzen; nach auslauffunge des vierteillstundeglases, wer aida 
,*^^Onimen wurde, soll zur peen unnd straffe geben in die laden 
. «) Zum achten wan die gesellen unnd jungen zusammen- 
sollen die örtengesellen 3 öffentliche umbfragen thun, 
'^ill die lade offen stehet; im fall einer mit dem andern was zu 
bette, das dem handtwercke nicht gemesz ist, der klage 
die lade offen stehet, und welcher das verschweigen 
und darnach offenbahren thette, soll in duppelte straffe 
sein. 
Zum neunden wan ihrer zwen mit einander fur der laden 
thun betten unnd sealdarvon gesellen und jungengestraffet 
der sachen gemesze, und sie darüber von gesellen und 
rpn mit trotzigem gemüte weichafftigk wurden unnd sich nicht 
straffen lassen und über die thurschwellen hinaustreten so 
J!':- den gesellen und jungen ein wochenlohn zur straffe verfallen, 
aber wieder hinein, so ist er das ander wochenlhoen ver- 
ohne alle gnade.
        <pb n="462" />
        Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und Uhrmacher-Gesellen. 
10) Zum zehenclen so ihrer zwen mit einander fur der 
etwas zu thun hetten, unnd einer den andern lugen straffede, 
sey geselle oder junge, der ist ein wochenlohn verfallen 
alle gnade. 
11) Zum eilften so ein frembder geselle oder junge gewanded 
kompt, der soll auif das erste 4 wochenbott sich lassen 
schreiben in der gesellen buch ; der gesell soll geben einzuschreibef’ 
einen ferdingk, ein junge 6 Schillinge. 
12) Zum zwelfften so die gesellen und jungen zusanuB ^ 
kommen auff das 4 wochenbott, so soll ein jeder geselle unr&gt; 
junge in die laden geben auffleggelt 4 Schillinge Rigisch. 
13) Zum dreizehenden so die gesellen unnd jungen ® 
schencke halten, unnd so es kerne, das ein gesell oder junge no 
wendige gescheffte hette, da ihme was hohers angelegenn ^ 
durch leibsgefhar unnd nicht zum bott oder schenke 
konte, der soll bei seinem gesellen oder jungen die halbe sehen ^ 
den gesellen unnd jungen zuschicken; oder so es kerne, das ei 
es were gesell oder junge, aus mutwillen aussenbliebe, der soll 
volle schencke geben unnd in der gesellen unnd jungen straffe 
ein wochenlohn ohne alle gnade. 
die 
14) Zum vierzehenden wen die gesellen unnd junge* ^ 
schencke angefangen han, sollen die örtengesellen oder 
creí* 
her, 
fur den tisch tretten unnd fordern von einem jeden sein ge" 
poeke unnd messere und dieselbige in verwharung nhenieti biS 
schencke verbracht unnd geschehen ist, darmit manchem *** 
vorgebawet werde; ob es sache were, dasz einer darüber bese 
wurde, der solche obgemelte gewhere bei sich verhalten " 
der soll ohne gnade ein wochenlohn verfallen haben. 
15) Zum funffzehenden soll keiner bey der geselleiin sehe 
mher hier verspilden als er mit einer handt verdecken jn 
aber darüber beschlagen wurde, soll bei einer halben *"^^ 
straffe genommen werden. 
16) Zum sechzehenden soll kein gesell oder junge meb 
zu sich nhemen als er vertragen kan, darmit er keinen unfb* 
sich gebe in des vaters hause oder aussen dem hause; so 
darüber beschlagen wurde, unnd der vatter oder mutter ode 
gesinde darüber klagen tliete, der soll ein wochenlohn \ ^ 
haben ohne alle gnade.
        <pb n="463" />
        Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und Uhrmacher-Gesellen. 
443 
17) Zum 17. soll kein gesell oder junge bey der gesellen hier 
^sunder uhrlaub von dem tische aufstehen oder niedersitzen gehen, 
dem auch seine vorige gesessene stelle warten ; so einer darüber 
^ßtte, hat eine halbe marck zur straffe verbrochen. 
iH) Zum 18. soll auch kein geselle oder junge sich verdristen, 
er von der gesellen hier keiner berüchtigten frawen oder 
^&gt;nem unehrlichen manne schencken oder das hier über den ren- 
^^in dragen einem zu schencken; so einer darüber thun wurde, 
Soll I marck Rigisch geben. 
. Í9) Zum 19. soll kein geselle oder junge sich verdristenn, wen 
eine freye schencke halten, worffell oder karten oder ander 
auff den tisch zu bringen, so lange der gesellen hier wheret; 
^ ^'ner darüber thun wurde, der soll zur straffe geben i marck 
^'gisch. 
^ Zum 20. soll kein gesell oder junge sich finden lassen auff 
^ spiellplatze oder sonsten andern orternn, dar die jungen oder 
^ losz volck sich zusammengesellet; es sei geselle oder junge, 
I ^^^ruber beschlagen wurde, soll ohne alle gnade ein wochen- 
Verfallen haben. 
2i) Zum 21. sollen sich die gesellen oder jungen in des vatters 
einsam unnd friedtlichen verhalten, wen sie die schencke 
Zii ^’^Jer sonst trincken werden, unnd so einer einen hader oder 
^*ifitngen wurde oder sich mit einem schlagen thette, der 
eitlen gulden Rigisch in die lade geben, ist 2 marck, 24 Schillinge, 
^genommen blaw oder bluet, das soll der vogdt zu richtenn 
"'kt haben. 
"2) Zum 22. so ein gesell oder junge ohrlob nimpt unnd will 
J j umbschicken, so sollen die örttgesellen zuvor, ehe sie ihm 
umbschen, in seines gewesenen meisters hausz gehen 
jede wie er von ihme abgescheiden ist, darnach sich ein 
"’eisz zu richten. 
. . '3) Zum 23. so ein gesell oder junge orlob bekeme von einem 
oder der gesell oder junge selber orlob nhemen wurde, 
i" der stadt ferner arbeiten wolte, so soll er denselbigen 
M und nicht in der wochen umbsenden unnd so ers versiehe 
ni ' sontagk, in welchem er von seinem meister losz geworden, 
kJ ^'^ksenden wurde, so soll er die woche feyren bis auff den 
sontagk, alsdan magk er wider umbsenden und in des
        <pb n="464" />
        444 
Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und Uhrmacher-Gesellen. 
Vaters hausz gehen und nicht ins meisters hausz, umb ein khul 
zu setzen; wer über diesen articull thun wurde, der soll in der 
seilen und jungen straffe verfallen umb ein wochenlohn ohne gnad^' 
24) Zum 24. sollen die gesellen und jungen im quartall 
jhare, in welchem drey schencke gehalten werden, einen freiet’ 
montagk haben; des soll sich kein [gesell oder]’ junge verdristei^ 
mher montage zu machen, ohne was die obgenanten 4. freye montag 
belangende; wer darüber thun wurde, der soll ein wochenlohn 
verfallen haben ohne alle gnade. 
25) Zum 25. soll sich kein örttgesell oder junge verdristen 
den ladenschlussell über nacht ausserhalb der Stadt zu brengen, ^ 
were dan sache, das ein meister vor der Stadt wohnede, darbei 
arbeiden mochte; so einer von orttgesellen oder jungen 
schlusseil zur laden verlören wurde, der soll einen andern schloss^ 
zu verschaffen schuldigk sein, dar zuneben den gesellen und jung^ 
ein wochelohn zu geben verpflichtet sein ohne alle gnade. 
26) Zum 26. so einer den andern vor einen schelm oder ^ 
schelten wurd, das ers ihm nicht kan gudt thun, der soll geben 
ohne alle gnade einen gulden. 
27) Zum 27. so sichs zutragenn wurde, das sich gesellen o ^ 
jungen so hart mit scheldtworten angreiffenn wurden, das sie 
vor der laden unter einander nicht vergleichen konten, so 
sie die semptliche^ meister desz^ handtwercksz der kleinschm*^ 
sich 
solk^ 
zu hulffe nliemen, und so nur meister, gesellen oder jungen 
schwach sein wurden, und der handeil in sich so wichtigk 
dasz mans nicht vertragen konte oder mochte, so sollensie ^ 
die amptherrn und in entstehung der guete daselbst vor das g 
richte verwiesen werden. j¡ 
28) Zum 28. sollen die gesellen unnd jungen alle 
einen altgesellen unnd altjungen, gleichfals ein meister darzu 
werden, die sollen ein jeder einen schlussel haben und bei 
laden sitzen, wen sie geöffnet wirt; im fall es kerne, das kein g^ 
alhie were, so sollen die orttengesellen unnd jungen das ebeng 
melte ampt verwalten; nach ausgang desz obgedachtenn 
C' 
teil 
— 
1 Die zwischen Klammern stehenden Worte sind von einer etwas sp 
Hand an den Rand geschrieben worden. 
2 ein wochenlohn im Text ausgestrichen. 
3 Übergeschrieben. 
4 unsersz aber ausgestrichen 
5 Das Folgende steht an Stelle des ausgestrichenen Satzes: man den 
vor das gantze ampt gelangen lassen.
        <pb n="465" />
        Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und Uhrmacher-Gesellen. 
445 
Quartals sollen die, so bei der laden das erste quartall gesessen 
den folgenden newgekornen zur lade gutte rechnunge zu 
(hunde verpflichtet sein. 
29) Zum 29. so es kerne, dar doch Godt vor sey und gnedig- 
^'^hen abwende, das ein gesell oder junge in kranckheit geriete, 
sollen die gesellen unnd jungenn schuldigk sein bey den krancken 
Wachen die nacht über ein oder zwey; da aber der krancke 
((otturftigk were unnd nichts zu verzeren hette, so sollen ihm die 
^^sellen unnd jungen aus der laden [von ihrem anteillj zu hulffe 
hommen, unnd so ihm Godt wider aus der kranckheit hulffe, soll 
das vorgestreckte geldt wieder in die ladenn entrichtenn unnd 
hezalen ; so aber Godt, der almechtige, ihn von diesem jamerthall 
^ ^(ch nhemen wurde, so sollenn die gesellen unnd jungen schuldigk 
ihn zur erden zu bestettigende; so er etwas an kleider oder 
^^Ideswert nachlassen wurde, das sollen die gesellen unnd jungen 
^^huldigk sein zu gelde [zuj machen unnd das vorgestreckte geldt 
'^»derumb in die laden zu leggen; da aber der* patient wider zu 
^'Her gesundtheit von (Lottes gnaden kerne unnd in der bezalung 
Vorgestreckten geldes sich unbilligk wolte finden laszen, so 
man ihme, wie se uns von unsern voreitern angeerbet, nach 
^ndtwerckszgewohnheit nachschreiben. 
30) Zum 30. so ein geselle oder junge alhie wegk wurde ziehen 
((Bel dem vater uff der herberge schuldigk bliebe oder das 
^ ^Ochengeldt oder die halbe schencke nicht aberichtet unnd be- 
Soll ihm nach alter gewonheit |mit vorwissen der amptherrn] 
unsers handfwerckesz nachgeschrieben werden. 
, 31) Zum 31 sollen die gesellen unnd jungen wissen wasz ihr 
^Hckgeldt sein soll, nemblichen alle, so unter unsz unnd unterm 
^^^(*dtwercke gewesen sein, alsz nemblichen Schlosser, sparer, 
^^seninacher unnd uhrmacher. 
j, . *() In das erste sollen der Schlosser frumwercher ihr dranckgeldt 
alsz nemblich ein wirbellstifft in ein alt schlosz, noch ein 
.^»'sagen zufeilen, ein schlos auffzusperren des sontags oder nach 
^ ^'■abendt oder ein fiell zu liawen, noch eine alte nden im schlussel 
^ ^(^(en oder ein abgebrochen bladt wieder auffzuloten, einen 
,^^^^ssel zum schniekenheuseken oder klein dreykantschlosfedern 
Hegell, das unter 12 Schillinge belangend ist. 
Auff dem sparerwerck ins erste ein radt im sparen mitózehnen, 
^ ^ange im ringe, ein stifft in einem pochell zum mundtstucke. 
folgt selige aber ausgestrichen.
        <pb n="466" />
        446 
Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und Uhrmacher-Gesellen. 
c) Die buxenmacher sollen haben vors erste ein fewrschlos kaken 
zu machende ohne ein fewr, ein schruven zur Stangen zum bistuden 
oder zur auffhaltsfeder unnd ein kugell auszuschrauben. 
d) Ein Uhrmacher soll sein einen zwelffer reine zu machen, einen 
newen schnuer einzuziehen, ein stiflt oben in den glockenstuel 
die glocke oder ein stifft, so ausgefallen oder verloren ist worden- 
Das obgemelte dranckgeldt sollen die gesellen und jungen 
machen nach feirabendt; des sollen sie des morgens umb 
aufstehen, den abendt um y feirabendt haben unnd ihr tranckge 
machen bis auff glocke 9 unnd des winters ihre eigen licht haben- 
des sollenn gleichfals die stuckwercker unnd wochenlhöner das oben^ 
gemelte trinckgeldt zusammen verdienen und auch unter einan 
teilen. So es kerne, das ein burger oder ein frembder man einen 
schlusseil eilendts fertigk zu haben begerte, desselben gleich^ 
auch ein feurschlos, daran etwas mher alsz die schriebcken 
hakende zu machen were, und der bringer den feirabendt 
erwarten konte seiner gelegenheit nach, so soll einem jeden mei 
unsers handtwerckes die handt ungeschlossen sein, dornach si 
ein jeder zu richten. 
Stiffter dieser löblichen gesellenzunfft unnd innung sein è ^ 
wesen die erbare unnd kunstreiche meistere Georg Tideman, 
Net er unnd Clement Liefflender, alle meister des kleinschmi^ 
handtwerkes unnd einwhoner der königlichen Stadt Riga. ^ ^ ^ 
fastnachttags (22. Februar) nach Christi unsers seligmachers ê 
buert 1583 b • 
Dieser vorgeschriebener schräge ist vom erbarn rathe n 
funffzehenhundert drey und neuntzig tages sanct Michaelis archa^g^^ 
(29. September) confirmiret und bestetiget worden und ' 
hinzugethan: 
Erstlich so sollen und wollen auch gesellen und jungen 
straffgelde, so vieil eines erbarn raths anteill belangende, jbe''j,^|. 
bey ihren eyden dem amptherrn getrewlich einzubringen sehn &lt;■ 
und pflichtigk sein. 
• A 
1 Die Einleitung: Iw namen u. s. w. und dieser letzte Abschnitt sin 
strichen worden. Von R. Huszmans Hand folgt: F^ut ist geht scht'dd^ ^ 
enhem erbdreu rdde nichtt bostedigtt ; bes lindern ist under den gesellen ^ 
eit ne bozvillgunge mit tho doen wenich meistern; hiendch mhen sich 
Diese abgebrochenen Sätze sind ausgestrichen und vom selben Schreiber 
hinzugefügt: ,Jst vom e. r. bostedigtt.
        <pb n="467" />
        Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und Uhrmacher-Gesellen. 
447 
2) Ihr siegell soll in der ambtherrn laden liggen und keine brieffe 
Von den ordentlichen secretarien geschrieben werden, und sollen 
^•ch die gesellen sonsten dem vierunddreissigsten articull in der 
J^^eister schrägen in allewege gemess zu verhalten schuldigk sein, 
hat ein erbar rath diese ordnungk nach jederzeits gelegenheit 
ändern, zu mheren und zu mindern sich Vorbehalten, urkundtlich 
der Stadt obersecretarien handt unterzeichnet, gegeben und 
^ Schrieben ut supra. Otto Kanne,^ secretarias. 
Eingangk zu nachgesetztem Schrägen.* 
Wir bürgermeistere unnd rath der konniglichen Stadt Riga thun 
^ndt, zeugen und bekennen hiermit vor uns und unsere liebe 
^^hkommen unnd ’sonsten jedermenniglichen, nachdem wir aufif 
H'^^erdienstliches suchen und anhalten der semptlichen meistere des 
^nstreichen handtwercks der Schlösser, sporer, buchsenmacher 
Uhrmacher alhie in Riga ihnen einen besondern schrägen aus 
^^utz wichtigen und erheblichen Ursachen mitgeteilet, und sie also 
der geselschaiftt der andern empter, alsz scliwerdtfegern, 
^ ubschmieden, roetgiessern und kupfferschmieden gentzlich abge- 
^J^eiden und dan ihrem berichte nach nicht weniger daran gelegen, 
^ das auch ihre gesellen und jungen in gutter ordnungk, friede 
Einigkeit gleichst ihnen leben und erhalten werden mochten, 
haben sie uns nachfolgende articull und puncta, deren sie sich 
^ ^ einander bescheidentlich vereiniget, furtragen lassen mit unter 
en ^^^^^^hem bitten dieselben unter unsers secretarien handt gonstigk 
^ ^Onfirmiren unnd zu bestetigen; wan wir dan nichts Hebers von 
^ ^ ällerhögsten wünschen unnd erbitten mügen, als das in dieser 
Stadt in allen Stenden fried, einigkeit und gutte verstendnus 
^Uwet, vortgepflantzet und ewigk erhalten werde, so haben wir 
^ ^ anmerckung desselben uns darin nicht zu verweigern ge- 
RO" demnach hiermit und in kraft dieses nachfolgender 
in allen seinen puncten und clausulen coniirmiret und be- 
^'Set sein und pleiben, und lautet derselbe also wie folge«.® 
Wrgl. s. 435, Anm. i. • 1 ir- 1 • 
Da. offiziell genehmigte Schrägen erhielt nunmehr eme andere Emle.tung. 
im Schragenbuche auch die alte ausgestrichen und die neue auf die zu- 
S! gebliebene, dem alten Schrägen vorangehende Seite, Bl. ,03b, geschrieben 
Vo, ^ Die Bestätigung V. J. 159.3, die neue Einleitung und die Correcturen rühren 
'^^'nundderselben Hand her. 
folgt nun der Schrägen von 1581 —83
        <pb n="468" />
        448 
Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und Uhrmacher-Meister. 
87. Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und 
Uhrmacher-Meister. 
Schrägen vom 29. Septbr. 1593- 
Schragenb. d, Gesellsch, f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Bl. 122 —125; 
Artikel sind von einer späteren Hand Anmerkungen zugefügt worden, ^ 
charakteristisch für die Ausübung des Rechts sind. Da der Buchbinder die 
mit wenig Vorsicht beschnitten hat, so ist nicht mehr alles zu entziffern. 
Schrägen ist von der Hand geschrieben, deren in der Anm. 2, S. 447 
Der Schlösser, sporer, buchsenmacher und Uhrmacher 
meistereschrage. 
Kundt und zu wissen sey jedermenniglichen, nachdem 
semptliche amptsgenossen des löblichen und kunstreichen ha 
wercks der Schlosser, sporer, buchsenmacher und uhrmacher 
konniglichen Stadt Riga vor alten verschienen jharen und 
eine geraume zeit hero mit den schwerdtfegern, grobschmie&lt; j 
roettgiessern und kupfferschmieden eine vereinigte zunfftt 
gildengeselschafftt gepflogen und gehalten und aber nunmehr ^ 
allerhandt einschleichenden Weiterungen und vorfallenden ^ 
verstendtnussen uns mit einander, wie gerne wirs auch auff^ j^. 
seiten gutt gesehen, ferner nicht vergleichen können, alsz sem 
aus gantz erheblichen Ursachen solche unsere obliggende 
schwerungen einem erbarn unnd hochweisen rathe dieser 
liehen Stadt Riga, als unser lieben obrigkeit, in demutt unf 
quemigkeit gantz unterdienstlich vorzutragen und zu 
verursachet worden ; demnach so hat wolgemelter, hochweyser 
in erwegung unsers zustandes auch umb fernerer unnd 
haltung friedts unnd einigkeit willen, dahin hochgonstigk 
unnd geschlossen, auch grossen fleis, worfur wir unterdieni» 
danckbar, daran gewandt, damit wir von vorgedachten empte^^^^, 
gesondert und ohne weitern zanck und Widerwillen kunfftigk 
unsern gesellen bey gebreuchlicher amptsgerechtigkeit 
erhalten werden, dieweill wir dan desfals unter uns einig 
gleichstimmigk gewesen, alsz haben wir uns einer amptsordn 
oder schrägen auff nachfolgende puncta verglichen, 
unser unterdienstliches suchen und anhalten vom erbarn und 
weisen rathe unter des herrn secretarien handt gonstigk 
ratificiret und bestetiget worden, unnd lauten dieselbe anfeng 
alse wie folgett:
        <pb n="469" />
        Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und Uhrmacher-Meister. 
449 
1) ein iglicher, der das schlösserhandtwerck gewinnen und bey 
sich niderlassen will, der soll erstlich drey ' jhar arbeiten, auff 
man erkennen müge, was mannesz er sey und auch seine arbeit, 
^^Iches sowoll vor ihm ist alsz vors ampt ; darnach so soll er das 
zu drey en rechten Zeiten fordern, unnd soll geschehen die 
^rzte forderunge vierzehen tage vor Michaelis, und soll seine ehr- 
*che geburtt- und lehrbrieffe auffweisen,* 
2) Soll ein jeder, der meister werden will, vorgedachte übliche 
^fderunge thun, und wan er sein meisterstucke einschmiedet, soll 
eins vor alle, darin die amptköste mit soll gerechnet werden, 
ampte geben funfifzehen taler. ^ 
^ 3) Wan einer seine furderunge genugksamb entrichtet vor- 
^fürter massen zu dreien rechten Zeiten und sein meisterstucke 
Jl'cht vor full erkant würde, so soll er noch ein jahr arbeiten und 
^sser lernen.* 
4) Item das meisterstücke soll sein ein castenschlosz mit vier 
^^^•^pfen fallen mit der hertzfall auff und zuzuhalten, denn schlussell 
zwolff kolbenreiffen, das eingerichte darnach zu besetzen, das 
^nstraiflich sey; das ander stucke soll sein sporen unnd stieg- 
S®1 oder ein schlosz zum tische mit vier stumpfen regelin und 
2 J ^^ngerichte mit zwo Stirnen, ®*und soll daz mesterstück ihn 
Wochen furfertiget werden oder soll wieder wanderen. 
5) Wan nhun sein meisterstucke vor full unnd genugksamb 
ist, so soll er widerumb seine geburts- unnd lehrbrieffe 
^¡l^^eisen, gleichwie es an andern örtern ein gebrauch ist, und 
ins ampt empfangen wirdt, soll er erstlich von einem erbarn 
die burgerschafft gewinnen unnd die cumpanie. ® 
si sollen auch diejenigen, so dies ampt beprett haben, 
IjL'^icht verheyraten, sie haben dan des amts gerechtigkeit gnugk- 
uvor gewesen. Diese und die folgenden 
"gen befinden sich als Randbemerkungen bei den einzelnen Artikeln der 
Wird mcht geha/ien : etz- 
.' ist nur t Jahr . 
% 
‘kitg ^^'irih nicht ; fordern, wan es ihnen gelüstet. 6. 
^hen esa in g 6 Jahren nicht beigebracht. 
0./, ^•“'1 gehauen: NH. SU than eine AmptMsU ... a//enhemen und gehen 
'S Da,er. 
j ^irt nicht ge...; tienten etaliche Tonnen Bier. 
Mt), zwischen Sternen stehenden Worte sind von 
"f ^ ^ 
«■W * «Immehr gehn,,en. NH. Wan der junger Gesell, der Sle.s,er werden 
• ""Uhmude,, muss er einen ungarisch,« Fl. gehe«. Siehe, «Ich, ,m Schrägen. 
29 
einer anderen Hand im Texte
        <pb n="470" />
        450 
Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und Uhrmacher-Meister. 
samb verrichtet, auch sollen sie unberuchtigte * personen nheme'h 
dar sie ampt unnd gilden mit besitzen können.* 
7) Wan dan solches vorberürter massen genugksamb geschehen, 
soll er nach schüldigk sein zu geben sechsz marck Rigisch zu CiOtteS 
ehre und über ein halb jhar darnach auch sechs marck ins 
und soll haben seine gewehr und harnisch in seinem hause.® 
8) Wan der alterman mit seinen amptbrüdern zusammen 
soll ein jeder schüldigk sein seine stedte zu bekleiden, auch so 
sich ein jeder fein zuchtigk und ehrbarlich verhalten kein 
spilden auch nicht mehr der gaben Gottes zu sich nhemen als ^ 
vertragen kan; so es aber einer übertrete, soll dem ampte eine 
halben thaler zur straffe geben, so offtt es geschieht. ^ 
9) Ob sichs begeben würde, das einer einem herrn oder kau^^ 
man etwas gearbeidet hette, es were am gebewd oder wormü 
wolle, und der kauffman keinen genügen daran trüge, so • 
er dasselbige des ampts alterman und seinen beysitzern 
thun und dasselbige wardiren lassen, auff das niemandt unro 
geschehen müge. ^ 
10) Wan der alterman das ampt zusammen verbotten loss 
sollen seine amptsgenossen gehorsamblich erscheinen, aber 
zeit der (juartall soll ein jeder die stunde® wachten, in weK 
verbott ist, bey straffe sechs ferdinge. 
11) ’ Es soll auch ein meister dem andern seine jungen o 
gesellen nicht entspenen bey peen zweyer® tonnen biers. ^ 
12) Ob in unserm ampte einer oder mehr weren, die nnS^^^ 
ampte uns meistern im vorfange sein wolten, es were in oder an^^^^ 
halb der Stadt, dieselben gesellen sollen mittsam|)t dem werck/o 
ins recht gebracht und nach erkentnis der obrigkeit abgesch^ 
werden. 
1 Nicht gehalten. 
¿ NB. Das Cotitrarííim zvirt itzo practiciret; dan kein Gesell Meiste^ ' 
kan, er neztne dan eine Bratith. lixentpl. Henningk. 
3 Ich glanhe nicht, daz einer also stafiret ist im gantzen Amhde. 
4 Ja im Schorstcin, wan sie alle neigen auf sauß'en müssen zur Süß 
5 Wirt schwerlich zu erweisenn, daz esz practiciret sey. 
Gleicheit wirt alzeit nicht gehalten. 
7 In fraudem U. und des Amptgerichtesz Correctum, damith das 
von der Strafe nicht die Helffte bekomme, hesondern die Meistere daz 
den Kragen Jagen mügen. 
8 Ursprünglich scheint dreyer gestanden zu hal en. 
3 oder 6 Reichsdaler Gelt. 
10 Die Bohnhasen mugen es wissen.
        <pb n="471" />
        Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und Uhrmacher-Meister. 
451 
13) Wan ein gesell gewandert kerne, soll er aufif die Herberge 
linkeren, were er aber von einem meister verschrieben und solches 
beweisen konte, so soll er von demselbigenn zugesetzet werden. 
soll auch kein meister einen gesellen heimlicher weise besprechen, 
Sondern der geselle soll machtt haben umbzuschicken, wor es ihme 
S^liistet und beliebett; wurde aber diesem zuwidern ein meister 
^äriiber beschlagen, der soll dem ampte zur straffe geben funff 
Rigisch. 
14) Ob ein gesell oder junge were, der da binnen landes bey 
Junckern oder unredlichen meister gearbeidet hatte unnd zu 
alhier kerne, der soll nicht gefordert werdenn, er habe sich 
straffen lassen von meistern und gesellen nach handtwercks 
^^Wonheit. * 
15) Ob ein junge oder geselle bey des meisters zeit heimlicher 
^ise arbeiten wurde, ® soll ein ampt dasselbige richten, dan es 
kein gesell oder junge die macht haben, sein meister vergönne 
‘hm dan. 
16) Ob ein junge aus des meisters hause schlaffen würde an 
‘‘^ebuerlichen örtern, und dasselbige an den tagk keine, so soll 
junge in zwey niarck straffe verfallen sein *, oder seine bürgen 
*^hens auslegen. Zum andern so auch die jungen, es sey staell 
eysen, aus dem hause bringen, an einem andern orte dieb- 
^hor Weise zu arbeiten, dieselbigen sollen nach erkentnis des 
’^Pts gestraffet werden. 
‘7) Esz begibt sich zum oftermaln, das unsere jungen ausge- 
'i'hickett werden kolen zu keuffen, so soll doch den unsern, sofern 
«fst zum kolpawren kommen, keiner, er sey grob- oder kupffer- 
.'^hmidt, in ihren kau ff fallen; desgleichen wollen wir auch einen 
^ *^hen kauffen lassen. ^ 
:8) Wan ein junge vor dem ampte angenommen wirdt, so soll 
/ ^‘"‘^tlich zuvorh in das ampt vier wochen versuchet haben, unnd 
ausgange der vier wochen soll der altennan seine amptbrüdere 
J^'^ten in des altermans haus, auff das der junge ins ampt em- 
"*’k^en wirdt; des soll der junge aufflegen einen halben thaler, 
AW« Höhnhase wirf sein eigen Verleiher sein. 
^ k'&lt;7« man es wissen kan. 
^ Ar/ nicht praciicabel. Schiege folgen druf. 
kein P/ert hat, gehe su Fuss. 
29»
        <pb n="472" />
        452 
Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und Uhrmacher-Meister. 
auch soll der junge zvvene bürgen haben, das er seinem meiste^ 
nicht aus der lehre entlauffe; der junge aber soll ohne macke 
unnd von ehrlichen eitern geboren sein. ‘ 
19) Der junge soll auch schüldigk sein der frauwen^ so 
horsamb zu sein als dem meister, es sey heiligk- oder werckeltag '* 
und were es sache, das der junge dem meister aus der lehre ent^ 
liefife, und er ihn widerbekeme, so soll der iunge das handtw erc 
widerumb von newen anfahen zu lernen; konte er aber beweise^' 
das es des meisters oder der frawen schuldt were, soll er ihn^‘’ 
mit seinem schaden wider annhemen. 
20) Wan ein junge seine lehrjare vollenkomlich ausgehah^^ 
so soll er schüldigk sein bey seinem lehrmeister noch ein jhar 
bleiben, unnd sein meister soll ihm sein wochelohn machen, " 
er verdienen kan, dan dasselbige besser vor den jungen ist 
vor den meister.® 
21) Welcher in unserm ampte der jüngste ist, der soll schenck^^ 
unnd das ampt zusammen verboten, bis so lange er ver o- 
wirdtt.^ 
22) Man soll auch keinen in unser amptt empfangen, 
offenbar beruchtiget ist oder eigen oder unechte, den davon 
unmutts kumptt. 
23) Wan unser ampt zusammen ist, unnd einer au ff den 
ein messer zeucht, der soll dem ampte geben funff marck, unn ^ 
er jemandt wunden würde, soll er in des gerichts straffe vería 
sein, ®und so jemand einen an ehren schmehet, soll geben 
Ungerischen gulden, so offt es geschieht ohn alle gnade.® 
24) Ob ein meister stürbe, und die frauwe bliebe nach ihn^^ 
leben, so soll sie das ampt gleichwoll brauchen aber des an’P 
gerechtigkeit thun, sowoll als wan der meister selbst lebete. 
1 Kan nicht gehalten werden, danken Gott, das sie einen bekotnnteti. 
2 Der Meister lehret dem Jungen das Jlantwerck, der Frawen 
verdechtig. 
3 Sie halten ess nicht. 
4 Wirt nicht gehalten, dan sie sich abkaujfen with Geldt. NH. 
Anno 1640 corrigirei von e. e. Khat approbiret. 
5 Das Folgende ist von andern Hand später hinzugefügt. 
6 NH. Zu diesem ¡Ajrtikel seint [ i¡n Originali f un Itrereupnbte 
beigeseiset und angeklekkert; vid. Origin, s. ¡¡ak 
7 PJjst falsch, dan die / FJraw den Jungen .... die Lehre nicht g^ ^
        <pb n="473" />
        Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und Uhrmacher-Meister. 
453 
25) Ob ein meisten were, der eine tochter bette, unnd ein ge- 
Seile were, der sie zun ehren begerete, der soll seine forderung 
und dem ampte vorgeschriebener massen sein meisterstücke 
•^^chen, aber funñ unnd zwantzigk marck soll er frey haben, des 
gleichen soll eine widtfrawe * denselbigen vorteill auch haben, eines 
■Leisters sohne aber soll seine eschunge thun, sein meisterstucke 
l^^ehen, seine amptsgebuer entrichten und zwantzigk marck frey 
naben. 
26) Esz sollen auch diejenigen, so vorhin an andern örtern ge- 
'^l’onet haben und aida zu hause und hoffe gesessen auch eigen 
nuch gehalten, wan sie alhier neben uns sich niederzulassen zu 
kommen, ihnen solches nicht verstatet werden, sondern an den 
Worher sie gekommen oder wohin es ihnen sonsten geliebet, 
^^^'viesen werden; es sey dan, das es aus vergonstigung eines 
raths wegenn ihrer kunst. * 
27) Ob eines meisters oder meisterinnen kinder oder gesellen 
todte abgiengen, so sollen meistere, meisterinnen, kindere unnd 
psellen schuldigk sein der leiche nachzufolgen bey peen sechs 
^^••clinge.3 
. 28) Es begibt sich oftmals, das (iodt der almechtige baldt 
baldt den andern mit kranckheit zu hause suchet, so soll 
altermann schüldigk sein, denselbigen krancken gesellen oder 
'^^‘sternn wachunge und pflegunge zu schaffen, wie das handt- 
'^^rcksgebrauch ist, unnd wo einer were, den der alterman hin- 
^^^%n würde, und derjenige das nicht thun würde, der soll ge- 
^ffet werden umb einen taler. 
. 29) Ol) Siebs begebe, das ein geselle oder junge in den vier- 
tagen uhrlaub nhemen oder wandern wurde, so soll ihm der 
nichts schuldigk sein zu geben; würde aber ein meister 
¡I ii'esellen in den vierzehen tagen uhrlaub geben, so soll er 
Vor vierzehen tage wochelohn schüldigk sein, wie es in 
^^schlandt gebräuchlich ist. 
_ 30) Ob Siebs begebe, das ein geselle mehr feirete als wie der 
brieff ausweiset und nicht seine zeit hielte mit ausstehen 
f^ierabendttmachen, dasselbige soll der meister vorm ampte 
a/kie in der Stadt. , , , 
^odiret... raspe/t. 
[ nicht so stricte gehalten.
        <pb n="474" />
        454 
Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und Uhrmacher-Meister. 
anzeigen, so soll der geselle gestraffet werden, und wan solches 
der meister verschwiege, soll er gestraffet werden umb drei march 
Rigisch.^ 
31) Alle diejenigen, so unsere amptbrüdere sein und sich nicht 
richten nach laut und Inhalt dieses unsers schragens, so uns von 
einem erbarn rathe gegeben und bestetiget, sondern wolten zanck, 
unrecht, Verachtung oder meuterey anrichten, denselbigen sollntt 
ihre werckstädte mit erlaubnus der ambtherrn gelegt und sie umb 
zehen marck ohne alle gnade gestraffet werden* und sollen sich 
gleichwoll in freundschaff mit dem ampte vergleichen und vertragen- 
32) Von allen vorgeschriebenen artickeln unnd straffgelden so^ 
der alterman mit seinen beisitzern, so sie abgekoren wurden, m^ 
dem newen alterman bey ihrem eyde den broke jerlichs auff ostern 
unnd Michaelis die helffte und von dem jungen gelde die helffdc 
unnd dan jherlichs zu Gottes ehren zehen marck unverzüglich 
zubringen schuldigk sein.® 
33) Desz wollen wir semptlich in unserm ampte einem jederm 
der unser zuthun hatt, mit unser arbeit fleissigk fordern und ui' 
einem iglichen handelln, was billigk unnd recht ist.'* 
34) Unnd wan auch in dieser Stadt, das Godt der ahnechti^ 
gnedigst verhuete, ein uffstandt sich erhuebe oder auch sonst ^ 
feur- oder wassersnott verbanden were, so sollen unnd wollen " 
semptliche meistere sampt unsern gesellen ohne einiges erfordet 
bey unsern eyden und ehren einem erbarn rathe trewlich hei^ 
stehen unnd alle Unglücke zu steuren und zu wheren, schul &gt;&amp; 
unnd pflichtigk.® 
35) So offtt das ampt beisamen kumpt®, sollen die amptb^*^*^ 
darbey sein \ damit niemand unrecht geschehe. 
un 
36) Des ampts insiegell soll in der ambtherrn laden ligg*^t&gt;’ ^ 
keine brieffe als von den ordentlichen secretarien geschr*^ 
werden.“ 
1 Kan nirgenisz gehallen werden, ist ein Schreckenberger. 
2 NB. Ist nicht gehalten. 
3 NB. Wegen der Straffgelder ist nimmer gehalten, daz werden 
hern wissen, die 20, jo Mrc. cinbringen Jäerlich. 
4 O quam negligenter. 
5 Kein Gesell lest sich zwingen. 
P Ob esz alle Quartalgescheen soll? [o]der alle woche... Nimmei"&gt;*^ 
7 NB. oder der secretarius. 
8 1st nicht gehalten.
        <pb n="475" />
        Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und Uhrmacher-Meister. 
455 
37) So behelt sich ein erbar rath in diesem schrägen die oberste 
^ändt vor denselben nach gelegenheit der zeit, und so oft es der 
notturfftt erfordert, in allem zu mehren und zu mindern. 
Wir burgermeister und rath der königlichen Stadt Riga uhr- 
kunden, zeugen unnd bekennen hiermit vor uns und unsere liebe 
^^chkommen, nachdem vorgeschriebener schräge in offener raths- 
'^^samblunge uns ist vorgebracht, gelesen und auch verstendiget 
'^'^rden, und wir denselben in allen punctenn und clausulen auflf 
^•■unden der billigkeit fundiret zu sein befunden, alsz haben wir 
^^seregehorsame bürgere und underthanen aus gantz erheblichen und 
I’^^'gen Ursachen darmit also bewiedmen und begonstigen wollen, 
'""lassen sie dan auch vor sich unnd alle ihre nachkommen krafft 
*^’^ser unserer ratification unnd wolerwogenen confirmation darmit 
''^»■geschriebener massen sollen bewiedmet und begonstiget sein 
""d bleiben in urkundt mit unserm gutten vorwissen, volbortt und 
'"heiligem bevehlige unter unsers obernsecretarien handt beglau- 
'get, gegeben au ff Michaelis (29. September) anno 1593* 
Unkosten wegen desz Amptes. 
Rin junger (reselle, wan er Meister werden will, musz er insz 
"ipth geben : 
I ungarisch Fl. vor die Eschung 
I ohn Essen und 
Trinchen 
I Reichsdaler, wan er hatt abgeschmiedet.| 
15 Daler Einkauffgelder. 
24 Reichsdaler Amptköeste. * 
y Keichsdaler 3 Tonnen Hier. 3 Reichsdaler wegen des 
Meisterstücks Straffe, es sei gutt oder böse. 
36» „ jahrzeit, wan er ausserhalb zXinbtes freiet. 
,4 ,u Weinsup ohne die Unkosten des Meister- 
Stucks bei der Mesichtigung. 
Von derselben Hand, die n. diesem Schrägen die Anmerkungen geschrieben 
bt Zum Schlüsse das Folgende noch hinzugefügt worden. 
Ein mher von /iqnet von anderer Hand. 
’ Bri 36 „rh, Rs. Wr. Rs. W a„sg",drhr. und darüber Rcrhricbrn RM. 
Bande .steht wieder Rip. Dir. 
w" ezr ,:i%r ::: 
'Wenige Spuren erhalten.
        <pb n="476" />
        45^ 
Schlosser-Gesellen. Schmiede. 
Schlosser - Gesellen, 1615, 
s. Kleinschmiede-Gesellen. 
88. Schmiede. 
Schrägen vom 16. Oktober 1382. 
Bibliothek d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, i) Pergamentbl. 5^ 
hoch, 35 cm. breit (Aj; 2) Stadt-Arch. Dath schrägen unnd olde rentheboc ^ 
S. ii—11 (B). Vergl. Einleitung, S. 229 u. 230. Abg. Monum. Livon. antiq., 
S. CCCV —CCCVÍI; Liv-, Est- und Curländ. Urkb., Bd. 3, Nr. 1183. 
In‘ den jaren na Godes bord dusent drehundert in deme 
unde tachtentigesten jare up* sunte (zallen dagh des hilleg^^ 
bisschopes (16. Oktober), do worde wy smede tho Rige des eneS 
also dat wi ene schra begunt unde ghemaket hebben nach 
unde gantzer vulbord des rades tho Rige, ludende in desser 
hir na ghescreven. 
i) Tho deme ersten so wil de kumpanye, dat een jewelk 
gud ysern smede unde ok, dat nemant dat ysern ne^ smede, 
geheiten is de halve mane, he en menget denne met guden yser*’’ 
also dat guden luden dar vul mede schee, unde were ok, dat ‘1^^ 
nichten scheghe, unde wi des naquemen, de man scholde betcc^^ 
der kumpanye 6 markpund wasses. 
2) Vortmer wer it ok sake, dat de halve mane jement 
(le, 
ded^’ 
de buten den werke were, unde he neen gud ysern dar tho 
queme wi des na, den man, de hir mede bevonden werd, scho 
wi vor den voghet bringen, de scholde dat richten. 
3) Vortmer so begheret de kumpanye, des in welker tÜ^^ 
der weke, dat de werkmestere ummeghaen willen unde besien 
werk, dat rechtverdich sy, unde wat unrechtverdich sy, bi ^clk^ 
manne men vindet, dat nicht rechtverdich is, de in unser 
panye is, de schal der kumpanye beteren ses markpund 
unde war men werk vindet by enen manne, de in unser kump^^)^ 
nichten is, dat werk scholen de werkmestere bringhen vor 
voghet. 
1 (B) Im schrägen unnd olde renthebock beginnt dieser Schrägen : „Def 
schra. In deme namen Godes, amen.“ 
2 B: steht na statt up. 
3 B : en. 
dt
        <pb n="477" />
        Schmiede. 
457 
4) Vortmer so beghere wi des, dat nemant in unse kumpanye 
&amp;hahe, en si echte unde rechte unde si unberûchtet, beide, he unde 
sin wif. 
5) Vortmer were welk bederve man, de unser kumpanye be- 
Sherede, de schal hebben 3 mark eygens geldes ungheborged 
'^'^de ungelenet unde schal hebben syn vulle ' thouwe unde sin 
J'^He harnsch to sinem eygenen lyve, unde also, alse he entfanghen 
So schal he gheven dre (¡)re to den lichten tho hulpe. 
6) Vortmer wen he entfangen is, so schal he ghaen met den 
"'^rkmesteren vor den raed tho Rige unde doen sin recht dar thu, 
hir vorghescreven is, unde also een ander vorghedaen heft. 
7) Vortmer so schal he sine koste doen, wanner dat et de 
'^«rkmestere van em hebben willen; tho deme irsten, so schal he 
Sheven enen guden * schinken unde twe gude braden unde ene 
^Hnen beers, vortmer brod, bekere unde licht, also vele alse men 
tho bedarf, unde twe kese, dit scholen de werkmestere al 
^^^Ven kopen. 
Vortmer so vake alse he der werkmestere bod vorsitt, so 
^hal he betern een markpund wasses to den lichten. 
9) Vortmer wer it sake, dat welk man enen anderen in unse 
^^tnpanye brechte, de er nicht werdich were, de scholde beteren 
^^rkpund wasses der kumpanye. 
. to) Vortmer were welk man, de de werkmestere vorthornde 
^ tinser kumpanye, de scholde beteren to den lichten 2 mark- 
wasses. Unde welk man, de de meyne kumpanye vor- 
^fnet, een half lispunt wasses. 
ti) Vortmer were welk man in unser kumpanye, de schelinge 
tien andern hadde, unde de man umme sinen dolen moed lepe 
tien voghet unde vorsmade dat recht, dat de râd der meynen 
ghegeven heft, de schal beteren der kumpanye twe 
^tkpund wasses. 
:2) Vortmer welk man entpheid enen junghen to jaren, de 
tier kumpanye ghqven ene tunnen beers, wenner dat erne de 
^^^^^Jt^tere tosegghen. 
^ B : harnsch ist ausgestrichen. 
R: ist droge durchgestrichen.
        <pb n="478" />
        45^ 
Schmiede. 
13) Vortnier so ne^ schal nement dem anderen synen knecht 
entmyden eer der rechten tiid, alse 3 weken vor sunte Michek 
unde 3 weken vor paschen; we des nichten holdet*, de schal he 
teren vif markpund wasses. 
14) Vortmer dat nement kolen kopen ne schaP, he kope se 
by tunnen, wer it, dat se wê inschudde unghemethen, de scholde 
beteren der kumpanye ene“* tunnen beers. 
15) Vortmer welk man ñt unse kumpanye, de een vock*” 
kolen kofte, unde queme dar thu een ander man, de ok At unse 
kumpanye were unde bede, dat he eme van den voder lethe cr&gt; 
tunnen kolen umme sin geld, unde worde eme dat ghewe&gt;g®*^’ 
de de weygheringe dede, he scholde beteren een markpund wass 
16) Vortmer wenner dat de räd entbeid den werkmesters, 
se ummeghaen unde secghen deme ampte, dat malk berede s\ ^ ^ 
synen harnsche up den (¡»rden ; wt* dat ghebod vorsitt, unde ^ 
vake dat he id vorsitt, so breket he 3 markpund wasses 
den lichten. 
17) Vortmer so beghere wi, dat de twe, de lest in unse ki^^ 
panye körnen sint, scholen schenken wente tho der tiid, dat 
ander lude in dat werk körnen, also dicket alse se dat we 
spreken, so scholen se breken malk 3 markpund wasses. 
• 1 gO 
18) Vortmer wen de kumpanye ere drunke drinken wu, 
scholen de werkmesters kisen twe schaffers tho den drunken, 
twe man scholen innemen alle ungett wente tho der 
Steven; wer it, dat se is nicht doen ne wolden*’, de men dar 
köre, se scholden dar mede breken malk 3 markpund wasses, 
vake alse sy et weder spreken. 
19) Unde vortmer dat dar nement stekemeste en drege i*^ 
drunke, unde wer it, dat dar jement een droge, unde de 
wefl^' 
mestere dat mest eme aveeschede, unde dede he en dat 
nicht, he breke dar mede een markpund wasses. 
1 B: fehlt ua. 
2 B : enholt. 
3 B: ensal. 
4 B: ht^e. 
•*&gt; B : vake. 
6 B: enwolden.
        <pb n="479" />
        Schmiede. 
459 
20) Vortmer welk man in unse kumpanye nickten kompt tho 
bygraft enes likes, dat At unser kumpanye vorsterved, de schal 
^^teren i markpund wasses. 
21) Vortmer de jungesten twe, de lest in de kumpanye körnen 
de Scholen de licht bewaren wente tho der tiid, dat ander 
in dat ampt körnen, we et vorsumet, he breket een mark- 
Pund wasses. 
22) Vortmer alle der vorscreven saken schal de kumpanye 
den heren, de dar bysitten, macht ‘ hebben tho richten sunder 
unde bloed, dat schal men vor den voghet bringen, unde de 
®^hall et richten. 
23) Unde boven al beholden deme rade to Rige de oversten 
^^nd to hebbende in alle dessen saken. 
^4) *( V ortmer so ne schal neen dienstknecht in unseme ampte 
®ines suives werden, he en hebbe hir ghedenet een jaar, unde 
l^ttmer wanner he sines suives werden wil, is he een groffsmede- 
^^Gcht, he schal smeden, eer he sines suives werd, een gud t) mmer- 
Unde schal smeden ene gude sadelexen unde een gud hoff- 
; unde is he een clenesmedeknecht, he schal smeden een 
Sporen unde een gud paer stegherepe unde schal maken een 
slott van dren crusen, dat de dre stucke jo unstraflike sin; 
is he een messersmedeknecht, he schal smeden een gud 
^^'deniest^ een gud stekemest unde een gud brodmest®, dat desse 
TJO unstraflike staen; dit scholen desse vorschrevene dre smeden 
'^es werkmcsters hfis, welker sines suives werden wil.J 
25) I\ ortmcr dat nement in unseme ampte knechte holden 
['^^1 umme wekenloen, he schole se meden to eme halven jare, 
groffsmed, kleynesmet edder messersmed.) 
. 26) I Vortmer so ne scha ^ nement in unser kumpanye enen 
^""cht to stellen umme half to arbeidende, de knecht en hebbe 
dat werk unde de borgerschapp ghewunnen.j 
* mach. _ _ , . 
.wischen Klammern s.ehenden Artikel sind spätere Zusätze von dret 
*'^iedenen Händen. 
B: eer hee synes suives wert ist durchgestrichen. 
^ B : folgt gud. 
B : Weydemes. 
B : òotmesf. 
B: so schal.
        <pb n="480" />
        460 
Schmiedegesellen. 
27) [De kumpenye, de is des eynes worden myt unzen heren 
van deme raede, de by uns pleghen to zitten, wellik man i mark- 
punt wasses brecket yn unzer kumpenye, de schal dat betalen 
vor eyn schillink.]^ 
28) *[Item welk coppersmet sines sñlves werden wil, de schal 
smede 3 gude ketelle, dede unstraflyk syn. 
29) Item welk swertvcgher sines zûlves werden wil, de schal 
bereden 3 swi^rde, de unstreflik syn unde syn eghen syn. 
30) Item welk platensleger sines zfilves werden wil, de schal 
maken ene gude platen unde 1 par beenwapen unde i par wap^o 
hanschen, desse dre schole unstraflik sin. 
31) Item welk man ene knecht holdet by der wêken, de scha 
beteren ene tunne beres der kumpenye, wo vake dat he dat doch 
also vake schal he dat beteren. | 
89. Schmiedegesellen. 
Schrägen vom 1. Novbr. 1399. 
Dath schrägen unnd olde renthebock,Si.ü—W. Vergl. Eiiil. S. 22g. A hg. 
Livon. antiq.. Bd. 4, S. CCCXIX-CCCXXI ; Liv-, Est- und Curlând. Urkb., B ' 
Nr. 1495. 
Der Smede schrägen.® 
In (iodes namen, amen. In den jaren na der gebort des sub 
Jesu Cristi, unses heren, dusent drehundert negenundnegentich ^1 
de hochtiid alle Godes hilgen (i. November) so hebbe wy ^ 
knechte to Rige gemaket ene broderschop unde cumpanye 
vulbort unde w y lien unser erbaren heren in deme rade tho 
an de ere des hilgen cruces unde an sunte Doyen ere to t*” 
unde to hulpe den zelen dergenen, de ute unser cumpany^ k 
starven zin edder noch sterven zolen. 
he” 
1 Der vorstehende Artikel ist von einer anderen Hand als der erste; 
also hier die zweite Hand unter den Zusätzen. 
2 Hier beginnt die dritte Hand. . ^ ¡,u!&gt; 
3 Die Überschrift ist von einer anderen Hand als der Text und .schein 
einer viel späteren Zeit zu stammen ; im Übrigen ist ja auch die Benennui^ .gt 
folgenden Schragens keine ganz richtige ; der Schrägen der Schmiedege.se 
nicht von demselben Schreiber, der die vorhergehenden Schrägen im A’cw 
copirt hat, geschrieben.
        <pb n="481" />
        Schmiedegesellen. 
461 
i) To (Jeme ersten zi wytlik clenjenen, de j egen ward ich zin 
^nde na to komen scholen, dat wy twye in deme jare to hope 
'^ogen drynken, als to wynachten und to pingesten, unde nene 
brodere anders to entfande, den to den twen tyden, unde ok 
"ymade tho entfande, he en zi van deme smedeampte; und so welk 
^edderve knecht, de eyn bedderve knecht is, smethandelinge unde 
^^ser cumpanye unde broderschop begerende is, de schal geven 
ore intogânde; unde wi en scholen nymant dwyngen intogande 
unse cumpenye, he en wille dat mit willen doen, und de lesten 
van den smedeknechten, de in dusse cumpenye entfangen 
'^^rden, de scholen unse lichte besluten, vorwaren unde entfengen 
^nde cle brodere vorboden, wanner des tiid is, unde en de older- 
toseght edder toseggen let. 
2) Item welk bedderve knecht to oldermanne gekoren wart, 
sal dat sunder weddersprekent mit willen dôn, deyt he des 
*^*cht, he sal beteren V* lispunt wasses to den lichten, und so we 
^ kisittere wert gekoren, de sal dat willichlike dôn sunder wedder- 
P^ekent, we dar weddersprekt, de sal beteren 4 mark wasses to 
dichten; unde wanner de olderman kündiget ene Steven, dar 
eyn islik broder to komen, we des nicht en deyt, de zal be- 
I mark wasses. 
3) Item schal men de brodere began, de ute unser cumpanye 
S^storven sin, des avendes, als de drunke ute sy nt, myt vigilien 
des anderen dages mit missen, dar scholen to komen alle 
brodere; de dar nicht en kumpt, de sal beteren i mark wasses, 
geliken, wanner eyn broder stervet ut unser cumpanie, dar 
^"^olen de brodere menliken komen to der vigilien, selemissen 
bigraft by ener mark wasses. 
4) Item welk broder ute unser cumpanye buten landes stervet, 
den olderluden dat witlik wert, den schal men began mit 
^‘gilien unde mit zelemissen an deme mydweken to pinxten, liker 
ofte he jegenwardich gestorven were. 
5) Item alle de brodere, de in unse' cumpanye sint, de scholen 
ftho allen (,uater temperen malk enen art. to wasse, unde 
men desse drunke drynket to den twen tyden, als vor- 
is, so schal eyn islik broder zin stekemest afleggen 
jj. * in A steht hier und an anderen Stellen : »»s. 
A: vorges.
        <pb n="482" />
        Schmiedegesellen. 
462 
mit willen bi \/2 lispunt wasses, und de brodere, de in der stat 
sint unde gesunt unde to reke sint, de scholen ere vulle drunke 
betalen. 
6) Item were dat ymand unstur dreve in der cumpanye nut 
cjuaden worden edder myt daden, den schal de olderman laden vor 
de tafelen, dar na, dat sin broke is, dar na schal he beteren; 
eme de olderman des nicht vordregen, so schal he -enen borgen 
setten, dat he zinne broke betere to der negesten Steven; 
wolde he nenen borgen setten noch beterynge don na genade, so 
schal he unser cumpanye enberen, unde weren zine broke so grot 
als blav unde blöt, dat schal de voget richten. 
7) Item so en schal nymand eynen gast bidden in de cu0 
panye to drynkende, he en zi zo gud als he sulven is, unde brek 
de gast, de wert schal vor eme beteren; unde vorgut welk broder 
also vele beres, dat men|t| myt den vote nicht bedecken kan, 
schal beteren i mrc. wasses, unde drynket jenich broder mer, 
orne wol bekumpt bynnen deme drynkehuse, dat beseen wart 
2 broderen ute unser cumpanye, de sal betheren 3 mark wass^^’ 
up der straten is yd sin egene schände. 
8) Item so en schal nymant dobelen in unser cumpany 
V2 lispunt wasses; unde weret sake, dat jemat zine cledere \^ 
dobelede edder vorthuschede edder in liorrenhusen slepe in hil^^” 
tyden; wert he des myt twen vnser brodere warliken vorwunn^*’’ 
der schal geven der cumpanye ene tunne beres. 
9) Item were dat zake, dat unser brodere yenich crank 'vet ^ 
unde des nicht en vormochte, so schal eme de cumpanye ho 
eyn wif, de em bewaren; unde is es eme n^t, so schal men 
geven V2 fr. ute der bussen, unde wart sine crankheit lenget,^ 
schal men eme lenen V2 fr. ute der bussen, unde wanner he \ve( 
to reke wert, so schal he den leneden halven fr. geldeti, ^ 
starve he ok, so scholde men dat gelt zoken an zinen nag^*^ ^ 
dingen, unde warede sine crankheit noch lenger, zo schal 
islik broder eme geven i art. to siner notroft, unde weret 
dat zine crankheit noch lenger warede, so scholen unse bro‘ 
bidden de heren vamme rade, dat he möge körnen in den h‘^^ 
geest, in dat elende hus. 
10) Item warde i unser brodere ane syne schult gevang^^^^^ 
der stad edder buten up deme lande edder up deme watere, 
scholen de menen brodere helpen, dat he vry warde unde g^ 
e l&gt;y
        <pb n="483" />
        Schmiede. 463 
^me syne notroft an eten unde an drynken, dewile he in der 
^Gnknisse is. 
11) Item wanner wy Steven Heiden willen, so schole wi esschen 
^ Van den mesteren ute deine smedeampte, de scholen in der tiid 
Uns wesen; unde wanner unse drunke geleden sint, so scholen 
olderlude van dem smedeampte unse bussen vorwaren und unse 
schra wente* to den anderen drunken; unde unse olderman unde 
liisittere scholen de slotele vorwaren to der sulven bussen. 
12) Item wanner eyn broder wil gan in unse cumpanye unde 
unse broderschoj), deme schal men dusse schra unde dussen 
'Villekere vorlesen laten up de mede, dat he möge weten war up 
kroder werden möge. 
90. Schmiede. 
Amtsentscheidungen aus den Jahren 1426 — 1530. 
^ Bibliothek der Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Amtsbuch der Schmiede 
’426—1530, Papierheft aus 26 Blättern, 30 cm. hoch, ii cm. breit. Ahg. im I ro- 
siamm der Stadt-Realschule zu Riga 1800: C. Mettig, Das älteste Amtsbuch der 
¡^'=*&gt;'niede zu Riga und der Schrägen derselben v. 1578- Unten sind die Schrägen- 
^'^('mmungen des Amtsbuches (S. 17—27) wiedergegeben. 
0* Wytlik zy den gemeynen broderen, dat dusse nagescrevene = 
Unde wilkore zynt gesathe unde gescreven/ myt vulbort der 
uthe deme rade, de by uns werden gesckicket unde gekoren 
des rades wes, wen wy wnse Steven unde drunke (drunke| 
Bolden. 
2) Witlick sy den gemeynen broderen, dat dusse nagescrevene* 
Unde wilkor sint gesettet unde gescreven* myt vulbort der 
^*"00 uth deme rade, de dar by uns sitten. 
3) Item in sunte Ciregorius daghe (12. März) is ene wulkore 
^"^Biaket: welleck man dat meldet, wat men in deme werke spreckt, 
^^hen ofte bynnen, de sali breken i lispunt wasses, unde ok schall 
«Bie nicht Halden vor enen bedderven man na alzo vor. 
^ 4) Vortmer zynt de brodere des ens geworden, welk unser en 
J'' anderen loghent, de sali der cumpanye gheven in ernsten 
9 sch. tho wasses tho sunte Loyen behofT. 
‘ Bunge: boeke. Das kann ich nicht herauslesen. 
^ Uiese Inscription ist durchstrichen und verwischt. 
^ Im Original; nagescr. 
Im Original: gescr.
        <pb n="484" />
        ^^4 Schmiede. 
5) Vortmer welk man, de dar spreckt up de vorlykyngh^’ 
wan er dat sick twe brodere vorliket hebben, de schall der cun 
panye geven i lispunt wasses de lichte to beteren, unde vortmer 
wat dar upgesät wert, dat sali he gheven in de stades mure. 
6) Vortmer de gemeyne broder zyn[t] des ens geworden, äko 
van deme licht[e] up to sticken, wen de broder vorbodet werden, 
tozamentokomende, we nicht en kumpt dewile, dat dat licht bernt, 
de sali up legghen i art ich. 
7) Vortmer zo zynt de gemeyne broder ens geworden, dat men 
dre werkmester kezen sali, wen de gemeyne brodere uthgan, tind^ 
de dre scholen sitten twe jar; wen de twe jar ummekomen, zo schole*^ 
de gemeynen brodere uthgan unde scholen echter 3 werkmestere 
kezen, de de gemeynen broderen dunket nutthe unde gut 
van den dren ampten, se sit[en] by der tafelen edder nicht; duss^ 
wilkor is gesehen myt vulbort der heren uthe deme rade, de b) 
wns plegen tho zytthen, also her Johan van Lynden ' unde bet 
Wolter Rode.* 
8) Vortmer zo en schall nemant kole[n j kopen anders den b) 
der thunen, unde en sali nemant anders kopen den en me) ste 
edder zyn husfrowe, unde nicht mer tho kopen den 3 voder ^ 
ene tiit; unde were i broder begeret en voder, des sali he em tn ^ 
weren by Va lispunt wasses, unde dat nicht afFtolaten; dar is o' 
gewesen her Johan van Linden * unde her Wolter Roede. * 
9) ® Vortmer zynt gemeynen brodere ens geworden, welk 
deme enen zynen smedegast enthoge unde bleve em zyn arbe&gt;tl^^ 
Ion schuldich und (}weme to eneme anderen unde wolde dar ^ 
smeden laten, wer id eyn namkundich borger, zo schulde he 
fragen, wo he van den anderen gescheden were, dar he thovo 
gesmedet hedde; unde wolde he den zegghen, wat he des tho 
hadde, wolde he em arbeyden, he wollde em woll Ionen 
hadde sik woll vordregen myt den, dar he thovoren gesme^^^ 
hedde, des en schulde en de suive nicht gheloven unde sebo ^ 
zenden tho deme, dar he thovoren ghesmedet hadde unde 
b)' 
wo he van em gescheyden were; were he em noch zynt k 
schuldich vor zyn arbeyt, zo en scholde he em nicht smeden 
V2 lispunt wasses tho den lichten, was unde nen gelt; unde ^ 
dat jemant eneme enen smedegast unthoge unde bleve em 
1 Vergl. S. 263, Anm. 2. 
2 Böthführ, Die Rigaische Rathslinie, Nr. 269. m. 
3 Am Rande steht folgende Notiz : Item van dem de eynen smedegast
        <pb n="485" />
        Schmiede. ^65 
^rbeydeslon schuldicli, de schulde dat deme werkmester witlik don, 
scholde de werkmester vorboden, de van deme ampte weren, 
^nde scholde ene vorbeden, dat deme nemant en arbeyde, he hadde 
änderen ersten entrichtet; dede he dar boven, he scholde den 
•■öderen beteren, alzo hir vorgescreven ' steyt. Hir is over gewesen 
Johan von Linden*, her Wolter Roede^. 
•o) Vortmer zo zynt des de ghemeynen brodere ens gheworden 
den heren, de by uns plegen tho zytten, alzo her Wolter 
unde her Johan Weynckhuzen^ dat men nene broke borghen 
Zunder de dar brecht, de sali uthgeven alzo seo, alzo he 
^^broken heft, pant edder gelt. 
ïi) Item zo is de gemeyne cumpanie ens geworden myt den 
^jvigen erbaren heren, alzo her Johan Weynckhuzen^ unde her 
olters, we uth deme amjite unde van dem werckmester geyt myt 
'‘^velhhode, de sail beteren V2 mrc. Rig., unde dar nicht aftolaten. 
•2) Item zo zynt de gemeynen broder ens geworden, alzo we 
junghen tho leerjar nempt, de schall dat deme werckmester 
J^^'eten don; unde weret zake, dat he em id nicht to weten dede 
^'’lon 14 daghen, zo scholen em de werkmester boden zeenden 
^^0 vragen ene, wo he den jungén to sick genomen hadde; unde 
zake|t|, dat he spreke, dat he den junghen nicht to stellen 
unde de brodere des na (]wemen, dat he den junghen to 
hedde, unde dar deme amj)te nene redeligheyt vor doen 
^ vvollde, zo solen de werckmestere dubbellde broke van em 
unde dar nicht aíftolaten. 
^ *3)^ Item zo zynt des de ghemeynen brodere ens geworden 
^ den heren uthe deme rade, de by uns plegen to sitten, we 
q «anderen oversecht, dat nicht war en is in ernsten mode, 
des overwunnen wert myt twen broderen, de schall beteren 
^ der wyse, alzo de enen loghen straffede. 
^ H) Item zo zynt de gemeynen brodere ens geworden, we den 
Jochen straffede myt bewundenen worden in ernsten mode, 
^ brum unde bussen dregen edder andere nye vunde in der 
de sail den sulven vorscrevene® brokjej gevejnj. 
g ^'*1 Original : vorgescr. 
3 Wrgl. s. 263, Anm. 2. 
^ ^rgl. S. 464, Anm. 3. 
5 ^rgl. S. 263, Anm. 3. . , • u j u- 
3 diesen und den folgenden Artikel weist im Original eine Hand hm. 
Original: vorscr. 
30
        <pb n="486" />
        466 
Schmiede. 
15) Item zo zynt des de gemeynen brodere ens geworden,"^ 
deme olderman in zyn wort spreckt unde em nene lust to 
spreken, edder de dar upsteyt myt wrevell unde dede dar ^ 
broderen unlust mede, de broke steyi an den gemeynen brodere - 
16) Vort zo zynt de gemeynen brodere eens geworj 
wenner en broder zyn werck smeden sali, deme en schall 
helpen noch byligghen edder tozegghen, alzo he zyn werck sme 
smedet he sick dar in myt zynen werke, zo will wy ene 
untfan, unde is id zake, dat he id nicht en deyt zo, unde tho 1 
tho der nyen molen unde lete zyn ampte beed, unde dar 1 
gesät I lispunt wasses, de em to hulpe cpveme myt worden 0 
myt werke wedder des amptes redelicheyt, unde dar nicht a 
laten myt alle. . 
17) Item int jar 28 don worden eens de gemeynen 
myt den heren, de by uns plegen to sitten, alzo her Johan 
huzen t unde her Hinrik Bekerworter^, welk man, de buten 
deme lande, wen de brodere to hope drinken van des 
weghen, de sali zyne vullen druncke betalen, unde de buten lao 
is, de derff nicht betalen. 
18) Item zo zynt de gemeynen brodere eens geworden, 
van den schenken, dat nemant schalde scheenken, ge en he’^^_ 
eynen rock ane edd[er) eyn underwanbòys myt eyner schod 
de|s| worden de brodere eens in deme 29. . 
19) » Item int jar 1429 synth ensz geworden de gemenen 
dere myth den raethluden, de by en sytthen tho phiegen, als 
Johan Wenckhuszen' und her Hynrick Bekerwerder », dat neenj^^ 
seile szall syn sulvest werden, szunder he szal des ammetesz we*" 
weszen, ok szal he eynen meister deenst toseggen eyn jaf^^^^ 
ampt, ok szal he yn dem jare dat ampt eschen op 3 
20) Item zo zynt de gemeynen brodere ens geworden, ' 
van der gesellen weghen, wen see tho pingesten to hope 
dat en iwelick meyster betalen schall, wen de gesellen to g 
bidden de meystere, de hir in dem lande zyn unse brodere, 
drinke mede ofte nicht. 
21) Item zo zyn de gemeynen brodere eens geworden, 
man, de en anbalt maket edder maken let, de schall geven 4 
to den tangen. 
1 Vergl. S. 263, Anm. 3. 
2 Böthführ, Die Rigische Rathslinie, Nr. 297. 
3 Vom 2. Schreiber.
        <pb n="487" />
        g 
X 
Schmiede. 
467 
22) Item in deme 34. do worden de ghemeynen brodere eens 
den gronen donnerdach (25. März), dat men neneme kolere mer 
gheven sali by eyner tunen beer; we dat beer brecht, de sali 
dat beer uthgeven unde nen gelt, alzo men dat beer to sunte Jo- 
^annis daghe koft. 
23) Item in deme 35. jare in den mentenstevene (in der Woche 
||äch St. Michaelis) don worden de gemeyne brodere eens, weelk 
'^^cht zynen meystere entgeit edder beruchtet is myt qwader daet, 
sali nemant hollden; de den holt, de sali breken i tunne beer, 
unde nen gelt. 
24) Item in deme 35. in sunte Johannesstevene (24. Juni) dan 
j^^rden de gemeynen brodere eens, welk man in unse cumpanie 
^fnpt, de sali geven i nyen fr. vor boldeke unde vor bekere 
'^de unsere vickerye to hulpe. 
25) Vortmer zo is dat ampth eens geworden, alzo van der 
^^sellen buszen, we deme anderen dat vorwere in beerbenken 
^^der wor dat id were, id were geselle edder meyster, de scholde 
^^eren V2 lispunt wasses unde i dussent stens in de stades mure; 
jl'^de dat ampt heft den gesellen breve gelovet, wor se der behoif 
^phet van der wegen, de to der tiit an unde over weren, alzo 
/^melop unde Tymmermann unde Hinrik Vires unde Andrewes, 
Qch Wer et zake, dat en geselle enen zo na brochte, dat he id em 
'^^ere, de mester droite nicht beteren vor de zake. 
^ 26) \'ortmer zo is dat gantze ampte ens, welk geselle, de 
manen entgeyt uth zyneme denste myt zyneme gelde, den 
^ Sali nemant tosetten sunder der ampt vulbort by V2 lispunt 
unde by ener tunen beers; unde welkem manne entgeyt en 
schall dat deme werckmester witlick don, claget he id, 
®^h,il rnen ene upscriven unde de zake dar by. 
r ^Z)' Item we ok den anderen tho scheldewort bringheth unde 
en unde therghet en, dat hee yd nicht overgangk hebben 
. de seal beteren gelyker wysz, aff hee vlogede grote swaren 
Vth. ^ ^ 
q Item so men screef i4(X) unde yn deme 92. jare don was 
Un?"" Magherflesch werckmester unde syne bysyttersz Joseph 
n, Caspar Hlancke, dor worden de ghemenen brodersz ensz, dat 
^ niester synen knecht ofte synen junghen seal senden slote 
dieser und der folgende Artikel vom 3. Schreiber. 
30*
        <pb n="488" />
        Schmiede. 
468 
uppthoclon by ener thunnen bersz; were yd ok sake, dat dat 
knechte deden, de scolden eer losz syn; deden yd denne ^ 
junghen, ok dar seal men yd wol mede vinden. Dusse wylko^^ 
sach des dinstedages vor Lucie (ii.Decbr.), don hadde wy sunt 
Lucien up enen dunerdach etc. 
2g) 1 Item int jar 1512 is olderman gewest Hans Möller m) 
synen bysyteren, so is en vordracht gesehen myt den mesteren 
unde den gemenen knechten, dat de knechte schollen afflegg^ 
sunte Johansdrünke unde nicht mer to holden by pene des brok^ 
dat dar denne upgeset wert, unde de meygrewschop sch ölen s 
holden des dunnerdages in den pynxten (3. Juni). Des syn se 
engekam[enl de mester unde by wesen desser beyden heren, 
(iobbel van deine Dale^ unde her Johan Rüter», des 
olderman myt den schafferen rekenschop maken unde re'^ 
jeder knecht upp i mrc., also de gemene broder myt 
beyden heren belewet hebben; wylek hyr brockafftych inne 
de schol geven i lyspunt wasses unde i düsent stens der 
müren. ^ 
30) Item int jar dusent vifhundert unde 15 is eyn vordra 
gescheyn vor deme gantsen ampthe tüssken Dytmer Baltizer un^^ 
Hynrick Sulver von scheldeworde halven, und hebben dar 6) 
pene upgesetteth, we dat dem anderen reppede edder wedder ' 
lede yffte eyn van den anderen broderen de eyne den an e 
schulde, de seal geven deme ampthe 2 lyspunt wasses 
I dusent steyns in de stadts muren. Dysse vordracht is gesc 
des anderen (lags na Petri und Pauli (30. Juni). 
1 Pall*' 
31) |33|4 Item anno 30 des mandages vor Petri unnd 
(27. Juni), dho ick Peter Middentwe olderman was, worden ^ 
meynen brodere unser kompenie overeyns, belewen unnd 
drechtichlyken yngyngenn, dath keyn meyster sali en knecht 
unnd annemen by dachloen, sunder de meyster sali den 
meden thom mynsten en halíT jar lanck; de meister, de dar 
deyt, sali den broderen yn der kompenie en tunne bers g*^' 
gelik wo de schraves ynholt unnd klarlyck uthwyset; unde 
sal nen meyster enem anderen synen knecht affmeden, sünde*' 
1 Vom 4. Schreiber. 
2 Böthführ, Die Rigische Rathslinie, Nr. 419. 
3 Ibid. Nr. 398. 
4 Vom 7. u. 8. Schreiber.
        <pb n="489" />
        Schmiede. 
469 
recht uncle redelyk vom em gescheden by ener tunne* bers, so 
'^aken alse he dat deyt. 
32) (34]* Inth jar dusent vifliunderth unde 18 up sunthe Tekelen- 
^ach (23. Septbr.) ys ene bolevinghe unde eyn wylkor gescheyn 
^^nck deme gantzen ampthe myth dem erssamen heren uth deme 
de up de swlvighe tytden by em szethen by namen her 
Johan Spenckhuszen* unde her Johan Becker \ dath de erszame rath 
'''yl wulmachten unde by machten holden unsze schrawe unde 
'''ylkare szo, dath wy eynen isliken broder (yffte (sine) syne frQwe|, 
deme oldermanne unhorsam syn, yn unszem ampthe schal 
'"'ohten na der schrawe, des wyl unsz eyn erszame rath von Righe 
'“«l'ulplich sy. 
33) I35I Ock syth de gemenen broders myth deme oldermanne 
y namen Marcus Langhe unde syne bey den by sitters by namen 
^rniylligert, Hans koppersmeth eyns geworden, yss sake, dath 
^ ene den anderen schelth, he sy meyster yffthe frowe, dath de 
^ne 
Punt 
''Om deme anderen nicht hebben wyl, de schal geven i lys- 
wasses unde 2 dusent steyns yn de stades muren; dysse wyl- 
Ore ys gescheyn yn deme jar, wo vrogescreven, up sunthe lekelen- 
(23. Septbr.). 
w. ^4) I37J* Item in den jaren unses Heren etc. im 57. in sunthe 
^'^helis stevene (29. Septbr.), so sint de gemenen brodere enes 
^^Worden mit den erbaren heren ut me rade, de in der tid bi uns 
j^en tho Sitten, alsz her Cord Bartman« unde her Johan Cheismer^, 
Welk man, de sin werk smedet, de sal in der tiid i tunne bers 
^ ^on; item vortmer wanner dat he sine kost deit, so sal he geven 
^ '“''ne bers. 
çj 35) [661* Item na (iodes borth 1477 jare in den pinxsten (25. Mai) 
Steven heleden, dat denne de broder ens worden myt den 
oth deine rade, Johan [Johan | (ieysmer’ unde her Evert 1 rere , 
gj.^oej dat de ene dem anderen loghen strawede, du luchst, de 
g Original: t. 
g (dieser und der folgende Artikel vom 9 Schreiber. 
^ y^ergl S. 308, Anm. 8 und S. 400, Anin. 2. 
g ^"(hführ. Die Rigische Kathslinie, Nr. 432 
g 'Om II. Schreiber. 
^ ftöthführ. Die Rigische Rathslinie, Nr. 332. 
g Nr. 340. 
g 34—36 vom 15. Schreiber. 
‘ ß6thftihr. Die Rigische Rathslinie, Nr. 362.
        <pb n="490" />
        470 
Schmiede. 
schal geven en tunne bers, alze by Kersten Pynnow werkmester 
unde Michel Franke bisitter. ^ 
36) [67] Item na Godes geborth 1477 jare dat id schach ^ 
den Steven vor paschen (vor dem 6. April), dat se ens worden, 
wen en broder ny in dat ampt [qwam] kumpt unde he dat amp^ 
esschet, so sal he borge setten vor de kost, alze by to betugen 
Johan [Johan] Geysmer' unde Evert Trere» unde Kersten PynnoN' 
unde Michel Franke, de do werkmesters sint gewest. 
37) [681 Item int jar 1482 jare so zy wy broder der hek" 
cumpanie ens geworden in deme smedeampte, dat nen broder e 
dem anderen hinderen schal, it zy en groffsmyt edder en 
en clensmyt he schal smeden clenwerk, unde i grofsm) t sc 
smeden grofwerk, alze it behoret em, dat de ene dem ande 
nicht en hinderen schal; iss dat en grofsmyt smedet clenwerk, 
schal beteren i lispunt was ; isz sake, dat en clensmyt sni 
groffwerk, dat me id vorvaren mach, de schal beteren des su ve 
geliken ok i lispunt was; dar over unde an geweset zynt 2 
dem rade, alze her Evert Trere® unde her Peter Mant“*. ^ 
sehen des middwekens na sunte Michel (2. Oetbr.). 
38) [69]'''’ Item int jar 1400 unde in deme 92. jar des 
dages na sunte Michaelis dage (4. Oetbr.) do warth ene wylko ^ 
ghemaketh, so welk broder den anderen logen straffet, unde 
ene den anderen vor enen de ff, vor enen vorreder schelt, 
van twen broderen ghehort worde, de seal geven i tunne 
sunder underlaeth, dar nene gnade by.® 
39) |8o| Item so syn de ghemenen brodersz ensz ghew 
vor deme werkmester, also Clausz Magerfflesch, de yene, 
deme anderen wat schuldich ys, de seal dem anderen betal^f 
der kumpannie lykerwyss, offt yd vor deme vogede were. 
40) [811® Item szo synt de gemeynen broders eins 
mit deme werkmysters unde myt den erszamen heren uth 
1 Am Rande befindet sich eine auf die Inscription Nr. 34 hinweisende 
2 Vergl. S. 469, Anm. 7. 
3 Vergl. S. 469, Anm. 9. 
4 Böthführ, Die Rigische Rathslinid, Nr. 370. 
5 Vom 3. Schreiber. 
Am Rande ist eine Hand gezeichnet. 
7 Vom 17. Schreiber. 
s Diese Inscription ist durchstrichen und ausgewischt, 
y Vom 18. Schreiber.
        <pb n="491" />
        Schmiede. 
471 
^ade, alze by namen her Herman Duncker ^ unde her Jochim Roden- 
kerck degenne, de deme anderen wath schuldich ys, dat seal de 
^erkmester richten unde de ene, de seal deme anderen betalen yn 
•^er kumpanye, dat sy schult edder brake gelyker wyse, offt yd 
deme vogede were. 
91. Schmiede. 
Schrägen vom 26. September 1578. 
Lade der Huf- und Waffenschmiede in Riga, Pergamentheft, aus 6 Blättern, 
cm. hoch, 20 cm. breit, Einband in gepresstem Leder mit Messingschliessen. 
Programm der Stadt-Realschule zu Riga, 1890: C. Mettig, Das älteste Amts- 
^uch der Schmiede zu Riga und der Schrägen derselben v. 157«- S. 31-37. 
Abschrift im Schragenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth in Riga, Bl. 68-74, mit 
"'«¡gen von Everth Huszmans Hand an den Rand geschriebenen Inhaltsangaben. 
Im nhamen der heiligen driefaltigkeitt, amen. Anno etc. der 
•^inderenn tzall im acht unnd siebentzigsten denn sechs unnd 
^Waintzigstenn monats Septembris hatt ein erb. rhatt dem gantzenn 
^chmiedeampt alhir zu Riga unnd ihren zugehorigenn unnd ver- 
^^ntenn vormals ihnenn ihrenn vorfarenn gegebene schräge von 
ubersehenn unnd nach itziger zeitt unnd leuffte gelegenheitt 
^^Igender gestalt gemeinem nutz zum bestenn durch ihre verordente 
^■^ptherenn, die erbarenn namhafifte unnd wolweise heren Nicolai 
^*^kenn ® unnd herenn Evertt vonn Carpenn , corrigirenn unnd \er 
^*‘dnenn lassen. 
Kundt unnd offenbar sey allenn unnd iglichen gegenwertigenn 
^•^nd kunfftigenn zur ewigen gedechtnus anfenglich unnd zum erstenn, 
"■sicher hir oder anderswo eigenn feur oder rauch gehaltenn hatt, 
in unserem ampte nicht entfangenn werdenn nach laudt dieser 
baursprach, doch eines erb. rades hoheit unbenhomenn. 
ir 
■) Kerner wann cinn gesell, welches ain|)tes ehr were, alhi 
'Ster werdenn wolle, der soll zuvor zum genngstenn einn jar 
't etzdlche gewandertt habenn Inn Deutschenn landenn, unnd ehe 
ehr angenhomenn wirlt, soll ehr einn jar lang he, einem und 
't bey zwen meisteren dienenn, also das ihm der me.sler nach 
%ang des jares zu danckenn unn.l nichts zu we.tenn weisz. 
' Höthführ, Die Ri^isrho Rathslinie, Nr. 382- 
* ibid. Nr. 396. 
* ll)id. Nr. 498. 
* li&gt;id. Nr. 502.
        <pb n="492" />
        472 
Schmiede. 
unnd welcher es also nicht heit oder haltenn will, derselbe soll 
inn unserem werck nicht empfangenn werdenn. 
2) Zum anderenn wann also derselbe, der meister werden will 
inn das dienst]ar getrettenn is, soll ehr das ampt eschen zu dreienn 
rechtenn zeitenn, als nemblich inn den erstfolgenden Steven zum 
erstenn mhall, unnd soll ufiflegen ins werck einenn halbenn thaler 
sampt seinenn geburts- unnd Iherbrieifen ; in denn folgendenn ste- 
venn soll ehr das ampt eschenn zum anderenn mhall unnd gleichs- 
fals ufiflegenn einen halbenn thaler unnd im drittenn stevenn des- 
gleichenn wie im erstenn unnd anderenn. 
3) Zum drittenn wann ehr inn obgeschriebenenn artickelenn 
allerseits sich recht verhaltenn, seine brieife fur genugsam erkandt, 
soll ihm vom gantzen wercke angetzeigt werdenn einn meisterstuck 
zu machen, das unstrefflich sei, dartzu werdenn ihm zwen meistere 
aus dem ampte zugeordnet, die ihm Zusehen sollenn, damit dem 
ampte recht geschehe, unnd soll vonn ihm das meisterstuck 
schmiedett werdenn inn eines meisters hause nach erkandtnus des 
ampts unnd des jungen meisters gelegenheitt. 
4) Unnd so ehr ein grobschmit is, soll ehr wie auch das gantze 
handtwercke schuldig sein, gutt eiszenn, damit niemandt betrogeuu 
wirtt, auch nach dem altenn kein halbe mon ^ zu verschmieden, " 
das nicht geschehe unnd jnants darüber beschlagenn wurde, soH 
inn peenn zwaintzig marck verfallenn sein; das meisterstuck aber 
dessenn, so meister des grobschmiedts werdenn will, soll sein, das ehr 
schmiedenn soll einn gutt breit zimmerbeill, zum andern einn 
sattelax unnd zum drittenn ein gutt hufifeisenn, unnd nach ausZ' 
gang des Schmiedens sollenn die drey stucke vor dem gantzeuu 
ampte uffgewiesenn, ehe dann sie geschleiift werden. 
5) Ist is aber einn kleinschmied, soll ehr schmieden ein kasteU' 
schlosz mit vier fullenn mit einem gelöttem eingericht, welchs hal&gt;^'' 
soll zwei Sternen, ein creutz unnd zwe reifife, zum anderenn 
gutt par Sporenn unnd ein gut ¡)ar stegreiffenn, unnd diese stnck^ 
sollenn nach dem schmieden uffgewiesenn, ehe dan sie berei^l^*^ 
werdenn; darnach soll ihm vom ampte die gesatzte zeitt, als neinb 
lieh vier wochen, angetzeigt werdenn, unnd das ers mit seinen*^ 
eignen henden ausmachenn soll, in massenn hernaher die zusehef 
darum!) gefragt werdenn sollenn. 
1 Die Abschrift des Schragenhuches der Stadt Riga (Gesellsch. f. 
Alterth. in Riga’, die in verschiedenen Einzelausdrücken abweicht, weist 
mon auf.
        <pb n="493" />
        Schmiede. 
473 
6) Ist ehr aber ein meszerschmiedt, so soll ehr schmieden ein 
Sut weidemest, einenn gutenn reuterpocken unnd ein gutt par 
*^^sser, unnd sollenn gleichfalls die drei stuck unstrefflich im 
^^hmiedenn als woll im auszbereitenn erfundenn werdenn. 
7) Wer es aber ein sch wert leger, der soll haben eigener drei 
klingenn unnd soll machenn einn reidschwertt, einenn teszacken und 
^'uenn knechtschenn degenn; unnd dieselben drei stucke sollen 
Sleichfals woll unnd unstrefflich gemacht unnd erkantt werdenn. 
8) Ist ehr aber ein kopperschmiedt, soll ehr schmiedenn drei 
^^ssele, einn ider kessell soll nicht mher als funflf negell haben, 
^ud sollenn in einander gehenn unnd der gestalt gemacht werden, 
es fur ein meisterstuck bestehenn kann unnd unstraffbar 
'^efindtlich. 
9) Wer es aber ein kronengiesser, der soll giessen einenn 
^Uchterarm, der man ahn ein wandt gebraucht und einenn stosz- 
Ij^^t-ser, zum drittenn einenn grapenn, unnd das diese drey stucke 
^^gleichenn unstrefflich erfundenn werdenn. 
10) Ist es aber ein platner, der soll machen einen guten har- 
‘Sch, einn par benschenenn unnd ein par guter wapenhantzkenn, 
"'^Iche drei stucke gleichsfals sollenn unstrefflich sein, 
ti) Wann nun also von den obberurtenn handtwerck tem* 
junge meister allenn diesenn vergemelten puncten und articke- 
wirklich nachgesetzet unnd das meisterstuck vom ampte vor 
erkandt is wordenn, soll ehr dem wercke ein amptkost thun; 
^'■^'U soll ehr gebenn zwo gutte tunne hier, einen bötling, zwei 
^^hinckenn, zwei metworste, zwo gutten bratenn, zwei kesse, brott 
licht, soviell dartzu nottig is, oder es soll einem ampte frei 
gelt vor solche amptkoste zu nhemen, doch das der junger 
'^^«ster über die billigkeit nicht beschweret werde, welchs der eher- 
soll macht habenn zu keuffenn, und soll dasselbe friedlich 
einig verszerett werdenn nach laut folgender straffenn. 
*2) Zum zwelftenn so soll der junge meister, ehe dann ehr 
wergstette instelt, inn beiwesenn seiner elterleute vorm erb. 
erscheinenn, die burgerschafft gewinnenn, harnisch unnd wher 
J ^^'nem leibe als woll seinn eigen werckzeug und zehenn marck 
'&amp;nes geldes habenn unnd darnach die cumpanei des kleinenn 
^"^Gstubens gewinnenn, unnd da hernach ein anders befundenn 
' Schreibfehler im Original; das vorhergehende Wort muss handfu^crckent 
Vergl. Schragenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga: 68b Art. ,1.
        <pb n="494" />
        474 
Schmiede. 
wurde, soll ehr von denn amptherenn nach gebur gestrafft werdend, 
unnd soll sich auch dergestaldt befreienn unnd beweibenn, das e t 
unnd seine hausfraw unsers amptes und werckes wirdig sein z^n 
ehren der gantzen cumpanie zubesitzen. 
13) Soll dem jungenn meister vom gantzenn wercke aufferlegt 
unnd befholenn sein, welches amptes ehr sey, das ehr gute 
stendige arbeitt vonn gutem eisze unnd anderer materie sein 
handtwarcke gemesz machenn soll, auch niemandt über gebür b 
schätzend ; im fall aber dag furfiell, soll ehr nach gelegenheitt er 
sachenn inn des amptes geldtstraflfe genhommenn werden, und o 
gendts ihm des amptes schräge furgelesenn werdend. 
14) Soll ein iglicher meister, der einen jungen annimpt, eS 
sein Teudtschenn, Schwedenn, Estenn oder Unteudtschen, die ein^^ 
ehrlichen herkommens sein, ihm das ampt gunnenn, unnd soll 
iglicher meister denn jungenn erst vier wochenn versuchend, nac 
auszgang der vier wochenn soll ehr ihnn für einn ampt brin^ 
daselbst soll der jung angenhommenn werdend unnd ins wer ^ 
gebend sechs marck, dartzu soll ein itzlicher junger zwei bürge 
stellend, das ehr ehrlich, redlich unnd trewlich auslernen will nac^ 
eines ides amptes unnd standes gebrauch. Nach auszgang ^ 
der bestimptenn Iherjarenn soll ehr wiederum!) vorm ampte e 
scheinend, loszegebenn unnd ins amptbuch verwharett werde ^ 
hernach soll ihm ein ampt willig seine Iherbriefife zu gebeO^ 
schuldig seinn; fur solches soll ehr dem ampte gebend ein tunne 
15) So einer von den amptbruderen eintregtig zum °bler'^^^ 
gekorenn wirt, solches willig sonder widersprechend anneiu 
unnd soll kiesenn zwei besitzers, zwei schaffers unnd zwei schencke^^ 
unnd soll dem ampte also furstehenn, das ers fur ('.odt ins haup 
darnach fur unser geburlichenn oberkeitt und letzlich fur 
gantzenn ampte bekandt mag seinn, unnd nach auszgang de 
jarenn soll ehr einem wercke clare rechenschafft thun, damit ' 
ampte vul und genug geschehend. 
16) Wann der oldermann die amptbruder zusammen verbotte^^ 
lest, soll ein itzlicher gehorsamlich uff denn gevenndenn klocke^^^ 
schlag erscheinend bei peenn ein halben marck, versesz ehr 
das verbott unnd blieb gar ausz, sechs ferding, es sei dam » 
ehr redliche Ursache hatt, soll ehr sich gegenn dem &lt;^blerim ^^^ 
zeitlich entschuldigend lassend; so es aber durch die schenck 
anders befundenn wurde, soll ehr ins ampts geldestraffe verfa 
(IciH
        <pb n="495" />
        Schmiede. 
475 
seinn; im gleichen wer einenn ancierenn der cumpanie unwirdig 
daselbst hineinn brechte, soll auch inn peenn sechs ferding verfallenn 
^cinnj wer auch denn eltermann verunglimpff, soll funflf march 
brechenn, wer aber der gantzenn cumpanie schimff anlegett, soll 
^^henn march verbrochenn habenn. 
17) Soll ein ider oldermann zu rechter zeitt zu den nuchterenn 
stevenn denn tag zuvor verbottenn lassenn unnd aldar nach unserem 
^Itenn brauch die drei umbfragenn haltenn, so einer mith dem 
•änderenn zwist, zanch oder etwas wüste, das dem ampte nicht 
gemesz were, soll ehr dasselbe meldenn, dieweill die lade offenn 
stehen unnd die meister bei einander seinn; verschwieg einer aber 
unnd brech es hernach aus, so soll ehr ein sechs march, wer es 
^ker sach, das mann sich über ein zwist bespreche, unnd die parteienn 
Gntweichenn mustenn, unnd einer vonn denenn, die drinnen bleiben, 
entwichenenn dasselbe widersagte, was dieser oder jener dartzu 
gesagt hette, soll eilffenn march verbrochenn habenn. 
18) So es queme, das ein ampt nach Verrichtung ihrer hendell 
trunch mit einander thiin wurdenn, sollenn die zwei jüngsten 
schenchenn das hier ungeweigertt ufFtragenn unnd holen bei drei 
^arch, unnd so einer oder mher ein unlust bei des amptes bier 
anfienge, es sey mith wortenn oder werchenn, mit lugennstraifenn, 
^^'erspildenn oder, wie das nhamenn habenn mochte, die mann nicht 
"" ertzelenn hann, sollenn auch vom ampte ufT zwei daler gestrafTet 
'''Wen; so sich aber begebe, das sich ihrer zwen schlugenn, 
"ollenn, inn dubbelte straffe, als vier thaler verffallenn seinn, ausz- 
Senhommen, so einer blutt unnd blaw hette, soll es der herr richte- 
'ogt richtenn, wie dan auch der eltermann unnd gemeines amptes 
richtsachenn verrichtenn soll ihren» altenn schragenn nach in 
^^¡wesenn deramptherenn; unnd soll auch derwegenn hemer sich 
"''ith wherenn oder geferlichenn messerenn inn die cumpanie in enn 
^^^senn, der es aber thut, unnd das messer vonn ihm durch den 
ï'itlermann gefordert wurde, unnd ehr sich das weigerte, soll ehr 
peenn einn marck verfallenn seinn. 
.y) Soll keiner inn unserem nm|,.e dem anderenn inn sein 
pkrnetes handtwerck fallenn, sonderenn es sol ein jder bei dem 
kkibenn, das ehr gelert unnd daruff ehr sein meis.ers.uck gemacht 
bei peen eilffenn marck; aucl, soll keiner dem anderenn sich 
"'Ssend inn seinn hausarbeidt steckenn, der burger hab sic enn 
dem vorigenn incister vertragen; gleichergestaldt soll keiner
        <pb n="496" />
        476 
Schmiede. 
unter uns einer dem anderenn seine gesellenn oder jungenn ent 
spenenn bey peenn eilffen marck. 
20) Seindt wir schmiede mit den erbarenn, wolweisenn ampt 
herenn eins werden vonn wegenn der groben erbeit, als hausz- 
ancker unnd trallien, sintemall das schippfundt inn dato vor funff' 
tzig marck gekaufft wirt, das wir nhemenn sollenn vor unser 
eigenn eisenn unnd machlon vor lispunt funff marck; im fall aber 
der burger unns sein eigenn eisseren lieiferen wurde, soll er unns 
zu machlonn vor ides lispunt geben drittehalben marck; was aber 
die kleine arbeitt der kleinschmieden belangend, sollenn sie eS 
also machenn, das sich die burgerschafft mit billigkeit einiger un- 
gebur über sie nicht zu beklagen, oder sich disfals fur schadenn 
unnd brocke huttenn; '*was auch sonstenn bei ihnen ann arbeid 
bestellett wirtt, dasselbe dermassen forderligst verfertigenn, au^ 
das der burger zu schadenn damit nicht aufgehalten werde*, unn 
da hernach das eisenn wolfeiler oder teurer wurde, will ein erb- 
rhatt idertzeit nach gelegenheit, was billig unnd geburlich, durch 
die amptherenn Verordnung thun lassenn. Was aber die anderen» 
handtwercke belanget, sollenn sie sich auch der pilligkeit 
haltenn unnd gute bestendige unnd wherhaifte erbeidet machen»- 
Item es soll ein meisten vor ein new huffeisenn vonn seinem eig^' 
nenn eiszen, vor einn grosses mith einem stos dreissig schilhag 
nhemenn, vor einn mittelmessiges vier unnd zwaintzig unnd 
einn kleines zwaintzig schilling; des sollenn sie die altenn eiszen^ 
widergebenn auch die ne wenn frembdenn eiszenn zu verarbeidena 
sich nicht weigeren, vor denn untherschlag aber ihnenn sechs 
schilling gegeben werden. Auch soll einn meister gute, duchtig 
gesellenn zum beschlag der pferte haltenn, damit sie nicht ver 
negelt werdenn, dann da solchs geschehe, soll der meister dieselbca 
uff seinenn eigenen Unkosten heilen unnd sich des Schadens »a 
die gesellenn, so denselbenn verursacht, zu erholenn macht habeaa, 
unnd da der gesell darüber entweichenn wurde, soll ehr i» 
die amptherenn umb hulff ersuchenn. 
21) So sichs begebe, das ein meister mith todte abgieag^’ 
und die frawe blieb noch im lebenn unnd sie sich jar unnd t 
ehelich* hielte nach ihres mannes todte, unnd ein ehelich* gesc 
1 Die zwischen den Sternen stehenden Worte folgen im Schrägen!), d. CesellsC 
f. Gesch. u. Alterth. in Riga am Ende des Artikels 20. 
2 Im Original ein Schreibfehler, muss ehrlich statt ehelich heissen 
Schragenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga steht ehrlich.
        <pb n="497" />
        Schmiede. 
477 
were, der sie zunn ehrenn begerete, soll ehr des dienstjares 
Unnd der eschung gefreiet sein, desgleichenn eines meistens son 
unnd tochter sollenn die freiheitenn habenn. 
22) So wir inn unseren empterenn bönhasen oder storer hettenn 
oder kriegenn mochtenn, sollen wir mith w issenn unnd zulasz der 
^oiptherenn ihnenn ihr -werckzeug, die erbeit unnd alles, was zum 
handtwercke gehörig, benemenn unnd inn des amptheren haus 
hringenn unnd ihnenn dessenn nach gelegenheitt vonn gemelten 
^oiptherenn erlaubnus gethann werdenn, doch sollenn umb die statt 
^or derselbenn Unteudtschenn schmiede sechs inn alles gelittenn 
'Verdenn, welchen eingebundenn unnd sie verpflicht seinn sollenn, 
^Grerst des amptes nach erkandtnus der amptherenn willenn zu 
•Aachen, auch folgendts keinen seine jungenn oder gesellenn ab- 
^penenn, auch keinn gestolenn eiszen, wie das nhamenn habenn 
l^ochte, verschmieden unnd letzlich, da sich sonstenn ausserhalb 
*hnenn fremde bonhaszen zur Stadt machenn unnd hir niedersetzenn 
^oltenn, dieselbenn zeitlich dem oldermann des ampts vermeldenn 
oder sollenn darumb vonn dem ampt gestrafft werdenn. 
23) So ein meister kranck wurde und nicht vieil volckes oder 
Sosinde hette, unnd ehr es begerete, sollenn die vier jüngsten 
^oistere ungeweigertt einer umb denn anderenn bei ihm wachenn, 
^^nd so ehr stürbe, sollenn ihnn die jungstenn zum grab bringenn, 
^od ein ider meister unnd meisterinn sollenn willig zur beigrafft 
^olghafftig seinn bei penn einn ferding. 
24) Alle diejenigen, die unser amptbrudere sein und sich nicht 
'"ollenn richtenn nach laudt unnd inhalt unsers schragens, der uns 
"Ihir vom erb. rade gegebenn is, sich mith frevell unnd muthwillenn 
^^Wider legenn, zangk unnd Uneinigkeit erregenn wurde, soll ein 
^^'Pt mith vorgehendem zulasz der amptherenn macht unnd ge- 
'^^Idt habenn ihm gesellenn unnd jungenn zu verbietenn, so lang 
sich mit dem gantzenn wercke vertrage; im fall es fur ein ampt 
""¡Ght vertragen» konte werdenn, soll es fur die amptherenn ge- 
'^^d)enn unnd alela nach verhör der ^Kff^nn v^rkht^ vrerden. 
25) E:s soll audi em ider g..sell von semen nmis^r ememn 
"(^rlichenn unnd redlichenn abscheit nhemenn, unnd so ehr darüber 
wurde, solltenn die meistere macht habenn unter ihrem ampt- 
^'^gell ihm nachzuschreibenn. 
, 26) auch ein seiernmeher ^ch m dk.^n lande zu seü^e^n 
^^^Kelxmn wurd^ soll ehr &amp;.s amptes willenn bevor ^ machen
        <pb n="498" />
        Schneider. 
478 
schuldig sein unnd sich allenthalbenn diesem schragenn mith 
machung meisterstuckenn unnd anders gemesz verhaltenn. 
Nachdem sich auch die rotgieszer beclagt, das die kannen- 
gieszer sich unterstundenn missings mörsele, so fertig ausz 1 eudtsch 
landt verschriebenn oder sonst ann sich bringenn, öffentlich 
verkeuffenn, soll solchs auch nhumer eingestellet unnd ihnen nicht 
zugelassenn werdenn, sonder, was also beschlagenn, genhommenn 
werdenn. 
Letzlich sollenn von allen obgesatztenn artickell benantenn 
bruchenn der halbe theill einem erb. rade fallenn unnd der ander 
halbe theill dem ampte, wie dann im gleichem! der halbe theih 
vonn genhomment zeuge, so die amptherenn nhemen werden, 
ampte heimfallenn soll (doch ausserhalb dem gelde, was sie 
ampt vor die Iher unnd eschung empfangenn werdenn) soll dem 
ampte alleinn bleibenn, unnd soll vonn solchenn bruchenn jerlichs 
zweimhall uff osterenn unnd Michelis denn amptheren rechenschafft 
gethann werdenn, auch sonstenn einem erb. rade alwege inn diesem 
schragenn denselbenn nach gelegenheit zu mherenn oder mm 
derenn die overhand vorbehaltend.* 
Dasz dieszer schrägen, also wie allenthalben vorgeschriebem 
von den deputirten eines ehrb. radesz amptherr verordnet und auff 
gerichtet, auch vom ehrb. rade folgendts confirmiret worden, he 
zeuge ich Johannes Tastius, s. rg., mit meiner eigen handt. 
92. Schneider. 
Schrägen aus dem Ende des 14. Jahrhunderts. 
Stadt-Archiv in Riga: Dath schrägen- unnd olde renthebock^ S. 
Vergl. Einleitung S. 229 u. 230; abg. Monum. Livon. antiq., Hd. 4, S. t ( t. 
—CCCXIX; Liv-, Est- und Curländ. Urkb., Bd. 4, Nr. 1521. 
Der scrodere schraa. 
In Godes namen, amen. l)yt is de rechticheit der genieJm' 
cumpanye van deme schrotwerke, also als see uns de erwerdiff^ 
ratheren to Rige gegeven hebben. 
i) So welk man, dee synes suives wert, de sal to deme erste' 
male dee bñrscop wynnen unde to dem anderen male de cumpa'*'^ 
unde so sal hee denne sveren uppe den hilgen, dat hee twe ma 
Rig. hebbe, dee syn eygen syn unvorborget. 
ist 
1 Bis hierher reicht der Schrägen, der von kalligraphischer Hand geschrieben
        <pb n="499" />
        Schneider. 
479 
2) Vortmer so sal hee wapene hebben to syneme lyve, unde 
cumpanye sal hee geven eyne tunnen beres unde eyne mark 
"^ässes to den lichten. 
3) Vortmer wene men kust to werkmestere, unde hee sik des 
''’eygeret unde willes nicht dôn, dee schal ge ven ene tunnen beres 
'^nde teyn markpunt to den lichten, ok wan de werkmester de 
^Umpanye tosamende vorboden let, so we denne unhorsam is unde 
nicht en kumpth, deme sal de werkmester en pant nemen vor 
^yne mark wasses, wan dee cumpanye upsteyt. 
4) Vortmer so en sal de cumpanye nynerleye samenynge 
^Gbben van des Werkes wegen, dar en sullen twe radheren gegen- 
^^rdich syn. 
5) Vortmer we dar werk snydet, dee en sail et nicht lenk by 
"'ck hebben dan 14 nacht, aise uns dee rad geboden heft, id en 
denne myt desgenen willen, deme dat werk tohort by ener 
^^Iven mark Rig. deme richte. 
6) Wortmer we enen jungen leret in unseme ampte, dee sal 
cumpanye geven ene tunnen beres, ok wan dee cumpanye 
^^samende geyt, so en sal nemant eyn stekemest by sik drege^n 
''y eyner mark wasses, wurd es ok dee werkmester enwar, dat 
"yner eyn stekemest by sik hedde, hee sail et van em eschen, 
''"de men sal em dat mest dAn; we des nicht en dede, also dicke, 
et van em geeschet were, unde hee sik des geweygert hedde, 
dicke sal hee jo ene mark wasses beteren. 
7) Vortmer so we deme anderen ovele spnkket m der cum- 
¡"^"ye in ernstem mode, dat God vorbede, dee schal beteren ,2 
punt wasses, unde breket dee workmestere an syner cum- 
^""ye, dee schal tweschat beteren, des gelikes brekt men ok an em 
8) Vortmer we enen broke weddet in der cumpanye, dee sal 
Werkmestere borgen setten dar vore. 
, y) Vortmer alse gy wol weten &lt;lee olden lovede |de olden 
dar in wes selves ere ane licht, dat nemant want vorkope 
stucke wandes, dee em nicht to en hören edder schroden des 
suive,, nicht gekoft hehhe edder syn sy ; so we dat dede, e 
*'*' det wedden unde beteren deme richte, 
■o) Vortmer were jenich man in unser cumpanye, dee den 
'"deren begote myt bere in tornegem mude, dee sal weddem ju- 
Cm brodere eyne mark wasses. 
' ßie eingeklammerten Worte wiederholen sich im Original.
        <pb n="500" />
        480 
Schneider. 
11) Vortmer so en sal in der cumpanye nemant deme anderen 
meer to drynken dan, hee gerne van em neme wil, unde sunder 
lekem jo deme werkmestere. 
12) Vortmer oft jenich man deme anderen en stucke Werkes 
vordorve, dat sal hee em gelden eft et geldens wert, sy is de® 
ok nicht, so sal dee cumpanye eyn myddel dar tuschen vynden, 
dat em vul schee, unde dat sal hee der cumpanye beteren. 
13) Vortmer wan eyn mynsche stervet ud der cumpanye, to deme 
like sal eyn juwelk gan, dee in deme werke is, aise tor vylie unde tot 
graft; so we des nicht en doyt, dee sal beteren ene mark wasses- 
14) Vortmer we to deme werkmestere gekoren wert, dee 
syn recht dar to don, dat hee de cumpanye in allen dyngen vot 
setten wille unde nicht to rugge. 
15) Vortmer so we van der cumpanye aller lest synes suh0 
t, dee sal dee cumpanye tosamende vorboden unde laden also 
wer 
lange, went enander synes suives wert. 
16) Vortmer so welk man in unseme ampte eynen 
heit in synes suives brode, den knecht en sal nemant me) 
kn echt 
• defli 
:asses- 
sal 
eer syne tiid umme kummet by eynen halven Lives punt W 
17) Vortmer wan dee cumpanye to samende drynken wil, dar 
men to kesen twe gerdeman, dee sullen der cumpanye plegen, wes 
bedürfen; unde de köre sal umme gan, unde men en sal neiuaO 
overscholden, dee werkmester en will es em denne gunnen; h 
delude sullen allerleye ungelt uppe sik nemen, wes men dar 
hftvet, unde wan dat gedrenke ute is, so sullen see dat berekeo ^ 
uih 
18) Vortmer wan dee gerdeman den ersten beker beres 
halet, so en sal nemant clagen een wart by enem Lives P 
wasses, unde dar nicht afftolaten, unde ok en sal dar nene 
vore wesen, ok weret, dat jenich man unmudes begunde lO 
cumpanye, dee sal deme werkmestere borgen setten wento to 
negesten stevene, unde al dewile sal em en jewelck man stille 
swigen, wente em wert syn broke to der stevene sturr 
19) Vortmer welk man synes selves werden wil, dee sal sn)^^^ 
uppe der werkmestere tafelen en par cledere van eynem 
dar sullen dee werkmestere twe ute deme ampte tönernen; ^^1^ 
sik ok crokedes ^ Werkes underwynden, so sal hee dat sn) 
unde noyen, des gelikes do hee, oft hee van X'lameschen werke 
gjgti* 
1 Bunge: trokedes; dieses Wort lässt sich nicht erklären; crokede 
deutlich zu lesen im Original und ist zu identificiren mit krakedes. Vergl. C- 
Zur Geschichte der Rigaschen (bewerbe im 13. u. 14. Jahrhundert, S. 7 u.
        <pb n="501" />
        Schneider. 481 
20) Vortmer so en sal nemant synem knechte nye werk to 
’’^yende geven by eynem halven Lives punt wasses. 
21) Vortmer weret, dat jenich geselle nye werk neyede, dee 
deme werke nicht en were, den sal men bryngen vor den voget, 
sal dat richten; ok so en sal nymant eynem Undudschen lere- 
JUngen upsetten scrotwerk tolerende. 
22) Vortmer so en sal nemant in unser cumpanye to halven 
'J^erke neyen laten by eynem halven Lives punt wasses to unsen 
Hten, unde dede jenich man, dar enboven, den sal men bryngen 
den rád. 
23) Vortmer sal nemant eynen knecht upsetten to neyende 
^^ders dan to eyner beschedenen tyd, alse to eynem halven jare, 
^■^de dede jenich man hir enboven, den sal men bryngen vor den 
^^d, ok weret, dat eyn knecht to bitiiden synem mestere to vor- 
spelen unde loesdryven gyuge, den knecht sal nemant balden 
^ Unser cumpanye, hee en hebbe dan synem mestere dan, des 
em plichtich is. 
^4) Vortmer welk geselle dee synem meystere van eynem 
''^^^keldage eynen speeldach maket, dar mach em s&gt; n meyster 
ufslAn an synem lone eynen schillyngh Lubesch. 
25) Vortmer welk geselle des nachtes buten synes herberge 
\ dar mach em syn mester vore a Islán 2 art. 
26) Vortmer wanner en knecht synem meystere syne tiid udge 
hevet, so sal de mester myt em rekenen unde geven em, dat 
vordenet heft, unde we des nicht en dede, den sal men vor 
^ *'ud bryngen. 
27) Vortmer welk man, dee synes selves werden wil m deine 
^[("^ampte, dec sal geven der cumpanye eyne tunne beers unde 
'^ort eyne koste don. 
rt Vortmer alle dusse vorscrevene* sake unde article, dee in 
buke Stan, dar sal untie willen dee erbaren heren dee raeth 
dee oversten bant over hebben unde behalden to dunde 
» to latende. 
^ Vielleicht auch j/tr//. 
Original : vorsc.
        <pb n="502" />
        482 
Schneider. 
93. Schneider. 
Schrägen vom 30. April 1492. 
Schragenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Bl. 36—42. 
Der schneider schrägen. 
ln dem namen der ungescheidenen billigen drerfaltigkeit, ain^ . 
Anno von der jharen unsers Herren 1492 am avende 1 
unnd Jacobi (30. April), der billigen aposteln, is van deme ersame^ 
gantzen sittenden rade der Stadt Riga den olderluden und 
des bandtwerckes unnd amptes der scbröder binnen Rig^ ^ ^ 
ebrer dermodigen bede willen versorget, utbgesettet unnd tb 
laten, gegeven, approbiret, moniret, uppet nye befestiget u 
bestediget disse nagescbrevenen scbrage und recbticbeit der 
meinen cumpanye selcbop unnd brödern von dem scbrotwe 
1) i Int erste welck man, de synes sulvest werdt, de sali thon^ 
ersten mbale de borgerscbop winnen unnd tbom andern mal 
cumpanie, unnd so sali be den schweren uppe den billigen, dat 
twe marck Rigiscb bebbe, die syn eigen synt unverborget. ^ 
2) Vortmebr so sali be wapene bebben tbo sinem bve, 
der cumpanye sali be geven eine tonne biers unnd ein marckpu'^ 
wasses tbo eren liebten. ^ 
3) Vortmber weme men keset tbo einem werckmeister, 
be sieb des weygert unnd will des nicht doen, de sali 
tonne beers unnd teyn marckpunt wasses tbo des amptes 
4) Ock wan de warckmeister die cumpanie thosamen 
let, wer tienne ungehorsam is und dar nicht en kumpt, dem 
die warckmeister ein pant nhemen vor ene marck wasses, 
cumpanie upstätt. 
5) Vortmer so schall de cumpanie nenerley sameninge he 
van des werckes wegen, sonder dar scholen twe ersame ratb 
jegenwardich syn. ^j- 
6) Ock we dar werk schnidet, de en schall idt nicht 
by sick bebben dan vorteyn nacht, idt sy tienne mit 
willen, deme dat werck thoheert, by einer halven marck R'ß 
dem gerichte. ^^¡1 
7) Vortmebr wer einen jungen leret in unsem ampte, 
der cumpanie geven eine tonne beers. 
1 In der Vorlage am Rande steht: Viäe Schnitzcher-Schrägen.
        <pb n="503" />
        Schneider. 48^ 
8) Ock wen de cumpanie thosamende geitt, so en schall niemandt 
steckemest by sich dregen by eneme marckpundt wasses. 
9) Wurde idt ock die werckmeister gewar, dat einer ein stecke- 
by sick hadde, so schall he idt van em eschen, unnd men 
em dat mest doen; we dat nicht en dede, also dicke idt van 
geschet were, und he sich des geweigert hadde, so dicke schall 
ein marckpunt wasses betalen. 
to) Vorthmer we deme andern ovel sprecket in der cumpanye 
ernstem mode, dar Godt vor behöde, die schallt betern mit ein 
lispundt wasses; unnd brecket die werckmeister an siner 
^^nipanye, die schall tweschatt breken, desgeliken brecket man 
an em. 
11) Vortmher wie einen brocke weddet in der cumpanie, de 
deme warckmeister borgen darover setten. 
*2) Ock so gy woll weten de olden lovede, dar juwer sulvest 
^hfe annelicht, dat niemandt wandt verkope alse stucke wandes, 
^hne nicht thoenhoren edder schroden, des he sulven nicht 
^^kofift hebbe oder syn sy; we dat dede, de sali dat wedden unnd 
^^^fen deme rechte. 
13) Vortmehr were jenich man in unser cumpanie, die mehr 
^^^ncke, den sin gefoch were, de schall idt betern mit ein marck- 
i^^nt Wasses. 
14) Vortmher were jenich man in der cumpanie, de den andern 
^^gote mit beer in törnigem mode, de schall wedden einem jedem 
'^^der ein marckpunt wasses. 
Î5) Ock so en schall niemandt in der cumpanie deme andern 
T^rincken, dan he gerne van em nhemen will unnd sonderlich 
^^nie werckmeister. 
*6) Fürder offte jenich man deme andern ein stucke werckes 
'"'-^arvede, dat schall he em gelden oAe idt geldens weert were; is 
P ock nicht, so schall de cumpanie ein middell darin tuszken 
dat em full geschehe, unnd dat sali he der cumpanie betern. 
] ^7) Ock wan ein minsche stervet uth der cumpanie, tho dem 
schall ein jeder gaen, de in deme werke is, also tho der 
und tho der grafft ; we des nicht en deit, de schall beteren 
m^'^arckpundt wasses. ‘ 
' " ’ VorUge i« an den Knnd von späterer Hand geschrieben: 
31*
        <pb n="504" />
        484 
Schneider. 
18) Und we tho einem werckmeister gekoren wertt, de schal 
sin recht dartho doen, dat he de cumpanie in allen dingen vort 
selten wille und nicht thorugge. 
19) Vortmher we in der cumpanie allerlest sines sulvest werdt, 
de schall de cumpanie thosamende vorbaden und beyden also 
lange, wente ein ander sines sulvest werdt. 
20) Welck man in unseme ampte einen knecht hefft in sines 
sulvest brode, den knecht schall nemandt meden, eer sine ti 
ummekumpt, by einem halven lispunt wasses. 
21) Fürder wen die cumpanie thosamen drincken will, dar 
schall men thokesen twe gude mansz, de scholen der cumpaoi^ 
plegen, wes se bedarff hebben, unnd de koer schall ummega , 
unnd men schall nemandt scheiden in Sonderheit den warckmeister^ 
wil idt em demie gönnen, unnd de gerlude scholen allerley unge 
up sich nhemen, wes men dar denne behovet, unnd wen dat g^ 
drencke uth isz, so scholen sie dat den bereken mit aller unkos 
22) Vortmher wen de gerdenian den ersten becker beers 
haelt, so en schall nemandt klagen up ein wordt by ein liszpa 
wasses, und dar nicht aiftholatende sonder gnade. 
23) Ock weret, dat jenich man unmodes were in der 
panie, de schall dem werckmeister borgen selten wente tho 
negesten Steven, und all dewile schall ein iderman dar stillo 
schwigen, wente em wert syn broke tho der stevene schwär geno 
24) Vortmher welck man sines sulven werden will, de sd 
schniden up der werckmeister tafelin ein par kleider von ou 
wände, dar sollen de werckmeister twe uth deme ampte thonheia^^^^ 
will he sick ock krakedes werckes underwinnen, so schall ho ^ 
schniden unnd neyen, desgelicken do lie, offte idt van I 
sehen wercke sy. ^ ^ 
25) Vortmher schall nemandt sine knechte nye werck 
neyende geven by ein halfif lispundt wasses. 
26) Vortmehr weret, dat jenich geselle nye werck neyedoi^^^ 
in deme wercke nicht en were, den schall men bringen vor 
vaget, de schall dat richten. ^ 
27) Ock schall nemandt einen Undüdeschen leerjungen upso 
schrotwerck tho lerende. 
1 Am Rande von späterer Hand : 
Die werden itzo von .. 
. Ampthert'fi 
Üs.
        <pb n="505" />
        Schneider. 
485 
28) Vortmher schall nemandt in unse cumpanie tho halven 
"'ercke neyen laten by ein halff liszpunt wasses tho den lichten, 
^nd dede jenig man dar enbaven, den sail man bringen vor dem 
^í'samen rade. ’ 
29) Vortmher sail nemandt einen knecht upsetten tho neyende 
J^*iders den tho einer beschedenen tidt, alse tho einem halven 
Jhare, unnd dede jenich man hir enbaven, den schall men bringen 
den ersamen rath. 
30) Ock weret, dat ein knecht tho bytiden sinem meister tho 
Vordrete speien und loszdriven ginge, den kneckt sali nemandt 
^^Iden in unser cumpanie, he en hebbe den sinem meister gedaen, 
he plichtig isz. 
3t) Vortmehr welck geselle, de sinem meister van einem 
"^fckeldage einen speledag maket, der mag em syn meister vor 
^hschlan 2 sch. 
32) Vortmher wenner ein knecht sinem meister sine tidt uth- 
Scclenet hefFt, so schall de meister mit em reken unde geven em, 
he verdenth hefFt; unnd wer des nicht en dede, den schall men 
den ersamen rath bringen. 
33) Welck man de sines sulvest werden will in dem schrot- 
^*^pte, de schall geven der cumpanie eine tunne biers unnd schall 
^ine koste doen. * 
34) Ock sali nein meister mher knechte um lohn holden dan 
^ dren lispunt wasses, so vaken alse dat schutt. 
35) Ock sali de eine meister dem andern sine knechte nicht 
^^^Pannen by ein half lispunt wasses, idt sy dan, dat he in 
^^dtschoj[) van sinem meister gescheiden sy. 
. 3p) Item we binnen unser Stadt Kige sin eigene meister ge 
^ckt tho werden, de sali na gelancklicher na aller Steden wyse 
r ^mpt eschen, und up dat he bestentlich blive, sali he leggen 
'lat ampt 2 mrc. Rigisch, so lange he sine dinge vorFordert 
'Am Rande von einer älteren Hand: von einer späteren 
Meister abgeschafft 
' Am Rande: Al,g,scl,afft. Die Anmerkung berlehr sich auf d,e 4 i..«en 
die mit derselben Tinte unterstrichen sind.
        <pb n="506" />
        486 
Schneider. 
na uthwysinge der schrägen darby togende sine echte unnd ander 
forderbreve. 
37) Item tho holdende mit der ersten unnd andern esching^ 
des amptes na dem olden, so idt is geholden vor langen dagen- 
38) Item de sin meisterwerck schnidt, schall denne i tonne 
beers unnd i schincken besorgen, darna sali ein nie meister deme 
gantzen ampte doen sine meisterkoste oder deme ampte tho 
keren vor die koste 10 mrc. Rigisch/ 
39) Ock schall nein meister Undudesche katersassen, Russen 
edder Össen* leren ock nemandt thosetten tho lerende, he sy dnn 
echte gebaren by einem lispunt wasses. 
40) Ock sali nein meister twe vvercksteden upholden by 
böringe des amptes in unser erlicken stadt Riga. 
41) Item idt sali ock nemandt schrotwerck oven von allerle) 
sarte deme ampte antredende, he sy denne ein fullenkamen brodet 
des ampts. 
42) Vortmher welck geselle des nachts buten sines meistens 
herberge slept, dar mag em sin meister vor affschlan twe artog^’ 
ock scholen des ampts kindere beiderley küve® dat halve í^nip 
fry hebben up de mede, dat se desto" bet tho deme eren kam^n 
43) Item ock scholen dergeliken de fruwen 10 mark an dein 
ampte tho hulpe hebben, de einen gesellen van deme ainp 
wedder nimpt. 
44) ^ Item ock sali ein jederman mogelich schrotlon nemen 
deme olden ; kumpt darbaven klacht, ein ersam rath "'iH 
ernstlich richten, 
Item I siden wambsz i nine- 
Item I sayan wambesz 3« 
Item van wände i wambsz 16 sch- 
Item ein rump von wände mit syden mowen und 
kragen ofte sayen 22 
sch. 
1 Von Everth Huszmans Hand: NB. Hirup mit flite tho seen; von 
Hand: Ist weit davon kommen. 
2 Etwa Esten? 
3 Muss kune heissen. 
* Von Everth Huszmans Hand: Duih bUlich ernstlich tho sfraffentt 
äte 
ref
        <pb n="507" />
        F 
Schneider. 
Item ein sardock wambsz t5 sch. 
Item ein semisch wambsz ^2 mrc. 
Item ein par basen einem manne 6 sch. 
einem jungen van 12 jharen 4 sch. 
Einen losen langen rock t5 sch. 
Einen dubbelten langen rock mit i overschlage . . 15 sch. 
Einen langen manshoicken 10 sch. 
Einen langen clokhoicken 16 sch. 
Einen körten borgerhoicken i fr. 
Eine körte kledinge 5 
Van froüwen tüge. 
Einen widen langen rock mit langen mowen . . . 
Einen engen rock mit siden mowen 
Einen vorstuckeden rock 3 fr. i sube 
Ein Arsche sube 
Item einen Flämischen Engelschen hoicken . . . . 
Einen regenhoicken 
Einen frouwen körten hoicken 
Einen sardocksrock 
I mrc. 
I mrc. 
V2 mrc. 
I mrc. 
I mrc. 
30 sch. 
3 fr* 
5 fr* 
Jünckfrouwen tuch. 
Item einer jungkfrowen van achte jharen einen ver- 
stuckeden rock mit einem some 
Eensulvigen junckfrawen einen hoicken vor 
Item ein wullenhembt 
Einer maget einen kamperhoiken mit einem some 
sunder soem 
Einen kamperrock einer maget mit einem some . . 
ohne soem 
^•nen engen kamperrock 
Einen witten megderock 
Item einem husknecht einen hoicken 
Einen rock 6 sch., i ]&gt;ar hasen 3 sch, i witt gesse . 
Jungen tuch. 
t^ni I junge van 12 jaren i wambsz * * * * 
Einem jungen van achte jharen i wambsz 
^tn dubbelt hasen 
Einem jungen i körten rock mit hogen folden 
’/a mrc. 
I mrc. 
I fr. 
24 sch. 
'/a mrc. 
24 sch. 
20 sch. 
’ * mrc. 
12 sch. 
6 sch. 
I fr. 
12 sch. 
8 sch. 
4 sch. 
I fr.
        <pb n="508" />
        488 
Schneider. 
Derne manne 12 sen. 
Einen nien stripeden krakeden hoiken 2V2 
Einen schlichten krakeden hoiken 9 fr' 
Einen langen scharlackens rock mit stripen ... 5 fr- 
Item kindertuch, dar wet sich ein ider woll intorichten ’ 
45) Item oñt jemandt sick veranderde mit unerliken persone^' 
de soll des ampt unnd gilde entberen. 
Von den oldschrödern. 
46) Wiszmerske, Rostker unnd ander groff wandt beneddeii 
12 sch. unnd aide kleider na dem olden. 
47) Item die altkoddere, de beschlagen werden mit farvedeJ^ 
wände, sollen breken V2 mrc., dem ersamen rade 12 sch. unO 
deme ampte 6 sch. 
48) Beholdt unnd helft beholden de ersame rath van Rig^ ^ 
overste handt aller vorgeschrevenen sacken, articulen, stucken 
])uncten tho doende und tho latende, tho verhogende unnd t 
vornedderende, so vaken idt van nöden wert sinde. 
94 u. 95. Schneider. 
Entscheidungen des Erzbischofs Wilhelm und des Königs Steph® 
vom 15. August 1554 und 30. April 1582. 
Stadt-Arch. (Inneres Rathsarchiv) in Riga, Pergamentheft, 33 cm. hoch, 22 c • 
in gepresstem Ledereinbande, mit draufgepresster Inschrift in goldenen Buchsta^ ^ 
Frivilegitim des Amts der deutschen Schneider. Anno MCCCCXCII, Blatt 
Transsumpt des Königs Stephan. 
Stephanus, Dei gratia rex Poloniae, magnus dux Lithu^^^^^^^ 
Russiae, Prussiae, Masoviae, Samogetiae, Livoniae etc., 
Transylvaniae, significamus praesentibus literis nostris, (¡uorum 
terest, universis et singulis, exhibitas esse nobis nomine senio^^^^ 
totiustjue fraternitatis ac contubernii sartorum civitatis 
Rigensis literas pergameneas sigillis tpiatuor pensilibus vert- 
strissimi olim domini Vilhelmi, archiepiscopi Rigensis, bc 
commendatorum Coldingae, Marienburgensis et Rigensis, 
1 Art. 44 abg. C. Mettig, Zur Geschichte der Rigaschen Gewerbe 
14. Jahrh., S. 62 u. 63. 
2 venerabilis?
        <pb n="509" />
        Schneider. 
489 
®^nas, salvas et integras omnisque suspicionis nota carentes, con 
tinentes in se certarum controversiarum inter sartores Rigenses 
Föderationen!, supplicatumque est nobis eorundem sartorum nomine, 
F easdem literas authoritate nostra regia approbare, ratificare et 
Confirmare dignaremur, tjuarum cjuidem literarum tenor de verbo 
Verbum secjuitur Germánico idiomate est(jue talis : Von Gottes 
^^naden Wir Wilhelm, Ertzbischoff zu Riga, Marggraif zu Branden- 
^urg, zu Stettin, Pommern, der Casuben und Wenden Hertzog, 
^ttrggraff zu Nürnberg und Fürst zu Rügen und wir, des hoch- 
^ürdigen, grossmächtigen Fürsten und Herrnn, Herrn Hinrichs 
'^on Galenn, Meisters teutsches Ordens zu Lieffland zu diesen 
Sachen verordnete Commissarien, mit Nahmen Christoff vom Derley, 
^ttclers genant Nienhoff zu Goldingen, Philipp Schall von Poll zu 
^^rgenburg, Thies von der Recke zu Dobellin, Compture, Jorge 
^ykerg, Hausz-Comptur zu Riga, Walter von Plettenberg, Com- 
f*^rtur, Gilszhem der Rechten Doctor, Dionisius Brunau, Johann 
bischer, Vicecantzler, Matthias Honroder und Michel Brunau, Secre- 
*^rien, bekennen, bezeugen offenbar in Krafft dieses unsers Brieffs, 
in unten ausgedruckten Dato vor uns in unser Statt Riga er- 
^^hienen seyndt die Fitesten des Schneider-Amts daselbst und 
J'iterthänigst zuvernehmen geben, wie etliche Bönhasen ihnen zu 
^^haden und Vorfang allhier in der Statt gehalten mit angeheffter 
¡l^^erthäniger Bitt, dieselben vermöge und Inhalts ihren vor e. er- 
^^cen Rath gegeben Schrägen abzuschaffen und einen Rath sie 
"^^key schützen und handt zu haben befehlich auffzuerlegen ; weilen 
dann ihr Anbringen erwogen und dasselbe billig befunden, als 
wir darauff e. erbarn Rath obgedachte Bönhasen sämpthge 
''"ken denjenigen, so durch einen Rath wieder ihren Schrägen em- 
f^^etzet worden, abzuthun und dieselben keinesweges, wie bisz- 
beschehen, heimlichen oder öffentlichen zu dulden; besondern 
die obgedacliten lEltrsten (les ^)chnekler Zimte bey ihren alten 
' chragen und Gerechtigkeit bleiben zu lassen und mit keiner 
^'''^^rung oder Beschtverung zu lieladen beffdifich aufferlegt. l)o 
einer von Bönhasen hierüber beschlagen soll er zu gebühr- 
und ernster Straffe gezogen werden, jedoch mit dem e- 
''^'^ide und Vorbehalt, dasz mehr ermelte Schneider eme bilhche 
^'iGhnung von demjenigen, so etwas bey ihnen vürfertjgen oder 
jT^'dten lassen, damit sich diszfalls niemands einigerley beschwer- 
Übersetzung zu beklagen nehmen und sich sonsten gegen e. 
Rath aller Gebühr verhalten sollen, im Fall aber da hier-
        <pb n="510" />
        Schneider. 
490 
Über von beiden Theilen geschritten auch diesem unserm gegebenen 
Abscheide und Verordnung nicht nachgelebet, würden wir wie bilhg 
ander Einsehens zu haben verursacht; uhrkundlich haben wir, Ertz 
bischoff obgemeldt, unser Majus und wir, Comptur zu (ioldingen un 
Margenburg auch Hauszcomptur zu Riga, unser Amtssecret wissent 
lieh an diesen Hrieff hangen lassen. Geschehen in unser Statt 
Mittwochs nach Laurenti (15. August) Anno tausend fünffhundert 
und vierundfünffzig. 
* * 
* 
Insuper petierunt sibi addi hos duos articulos iidem séniores 
sartores civitatis nostrae Rigensis: 
I. Quod sartores clandestini in posterum in hac civitate nu u 
habeant spacium in et extra urbem, (juoad se jurisdictio cb* ^ 
Rigensium extendit, et si quis sub jurisdictione civili, ubicunqtt 
constitutus, tale privilegium violare ausus fuerit, ut non so u^^ 
modo clandestinas sartor verum etiam is, qui talem penes ^ 
detinet aut sustentât, puniatur, ita ([uod vestimenta aut (lUicqr»'^ 
invenietur, per seniores vel magistros sartorum, adhibito ta ^ 
secum aliquo ex consulibus vel aliejuo altero ab ofíicio civih 
idem deputato, arripiantur ac vendantur et pauperibus |:ut 
totam Germaniam moris est:| distribuantur; caeteri vero, ^1^^ 
occultant et nihilo minus sartoribus contubernii civitatis Rtg^^^ 
victum suo labore detrahunt, ^ ut tales reperti, sive sit in 
aut ubicunciue in fundo civili, ut similiter cum ali(|UO consu 
eorum deputato eosdem ])erquirant de eis(}ue justitia ofhft 
civile administrare, ut teneatur. 
II. Sartor, si ejui in arce nostra Rigensi cum suis 
toribus et pueris ejusdem habitaverit, continue nobis absenti^^^^ 
unanimem concordiam ac fraternitatem cum sartoribus in ci' * 
stabilire et pacifice propter familiam et bonum exemplum 
debebit, praesentibus autem nobis, licebit sartori arcis nos 
Rigensis artificium suum libere et abstjue cujusvis impedio^^ ^ 
exercere. Nos ita(|ue Stephanus, rex praenominatus, 
cationi hujus modi beni(|ue annuentes, literas praeinsertas 01^ 
(lue earum contenta in omnibus punctis, clausulis, artieuh^ 
conditionibus attjue etiam additos duos articulos app** 
ratilicari et confirmandos esse duximus approbamusque 
camus et contirmamus praesentibus literis nostris, decernentes 
1 Folgender Satz ist nicht ganz correkt.
        <pb n="511" />
        Schneider. 
491 
in usu earum fuerint, in quantunK|ue juri commun! non dero- 
S^nt, vim et robur debitae firmitatis obtinere debere. In cujus rei 
^dem et testimonium praesentes manu nostra subscripsimus et 
®*SiHum regni nostri append! jussimus. Datum Rigae die ultima 
^Gnsis Aprilis anno Domini millesimo quingentésimo octuagesimo 
fecundo (30. April 1582), regni vero nostri anno sexto. 
(L.S.) (L.S.) Stephanus, rex. 
Concordantiam cum vero suo original! attestor 
Johann John, 
Seer. Rig. et not. pubs. 
Vidimatum cum vidimato concordare testor requisitas 
Johann Gerlach, 
Rigens. notar, publicas.’ 
96. Schneider. 
Rathsentscheidung vom 16. März 1574 (/) 
^ Schragenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Bl. 43 vom Amtsherrn 
''Crth Huszman geschrieben. 
Schneider-Schräge*. 
Kundt und oppenbhar sy idermenichlichen, dat in dato under 
"schreven vor dem erbaren und wollwisen hern Gerth Frederichs» 
her Hinrich Iggerman\ als einhs erbaren rades verordente 
^Pthern, thorechte ersehenen de semptliche meister und gesellen 
sniderhandtwerckes, dar dan gedachte meistere begerett, dat 
ämpthern dem alten nach den gesellen de sundagesarbeit aff 
wolte, tho deine, dat se up den mandach vor den vher festen 
meistern arbetenn sollen bis ume drey up den avendt; thom 
'^(iden dat se up de vheer wandertiden nach drien dagen den 
^‘stern widderum arbeiten sollen und nicht den vherden dach tho 
arbeit odder flicken gebruken, die gesellen darjegen ange- 
'Sen, dat se idt alhie also vor sich gefunden where in derhallven 
affthostaen gant/, bedenklich, nach underhandlunge der 
"Mhern ock folgendes nach erseunge, wath disfals op beider 
bewilligts uthschriven von gesworen elterluiden und oldisten 
¡L.;^ei^ichen fryenn ricksstadt Lubeck sniderami)ts in gelaviger- 
"'Im: 
Oben an den Rand von anderer Hand geschrieben 
* hñthführ, nie Rigische Rathslinie, Nr. 
If&gt;id. Nr. 446.
        <pb n="512" />
        Schneider. 
492 
diger kundtschop und schin ingebrocht und damp entliehen erfolg^^^ 
alifscheit, is nachvolgende richticheit in alien puncten verordenett 
und erkandt whordenn. 
1) Anfencklich dat de sundagesarbeit allerdinge den gesellen 
nicht fry sin soli, in mathen se sich ock dussen fry will ich solives^ 
vorzien und bogeven, es sy dan, dat mhen denn gesellen de meiste^ 
uth gunsten tholaten wollen nach drien siegen up den aven dt 
arbeit, des se benötigt, vortlionemen; es soll ock kein geselle sine 
kleider vorkopen, ehr hebbe se dann ein halff jar thovhor an sine^ 
live gedragen. 
2) Thom andern mit den montagen vor den ersten soll 1 
alhier also geholden werden, dat de gesellen den meisternn nn 
mittagk bis de klock thwe geslagen tho arbeden plichtich sein 
sollen, darnach aber fierabentt tho maken fry hebben. 
3) Thom drudden den vherten dach in der wandertit beneelTt^ 
sollen de gesellen den solven vherten tagk nicht als ihre 
ticheit tho fodderren edder tho vordedigen hebben, sunder nn^^ 
drien dagen ihren meistern widderum arbeden, es willfare dan 
meister den gesellen in ethwas gutwillich, es sy ein helen o( 
hallven dach, wy se sich des mit einander vordragen, des soll &lt;■ 
gesellen ock fry thweren den montag nach dem olden ^ 
werdenn. 
4) Thom vherden, when ehn geselle unferhalst den sont^ 
und mantag in den anderen dagen der wecken enhen dach o 
thwe ohne des meisters willen tho bher ginge odder, wantit 
arbedes tit where, spatzieren ginge, der soll dem ampte in P 
enher hallven marck verfallen sin; da ock der meister mit 
gesellen solchs vorswigen wolde und nicht klagen, und 
de oldesten erforen, soll der meister mit dem gesellen in 
pene geholten sein. 
5) Thom vofften mit der gesellen upstaen und slaj&gt;eng‘‘ ^ 
soll idt in dusser Stadt also geholden wherden, dat den gese 
sowoll des winters als somertit tho viif uhren upthostaen un^ 
avendt tho negen uhren sich neddertholeggenn fry sin soll. ^ 
6) Thom sosten soll kein geselle in des meisters 
des meisters arbeit liggen laten und nemen sin egen wedder v 
wher darover beslagen odder von dem meister beclaget 
soll mit keinem deinsten gefoddert wherden, imgelicken de i^^^
        <pb n="513" />
        Schneider. 
493 
‘^nnen holden odder sodanes vorhelen helpen; dar mhan overst 
straffe darvhor nemen wollte, soil in der olderlute odder des ampts 
^^^allen steen, und sollen sich de gesellen dusser ordnunge hinfort 
geniethe vorholden und dersellvigen gehorsamblich und unvor- 
^""ocklich nachleven, ock hinforder nicht macht hebben enhenn ge- 
^^llen ohne billiche und rechtmetige orsaken von der laden afftho- 
'^isenn; in billichen saken overst soll innen solchs unbenomen sin, 
dar hienach befunden whurde, dat so der affwisunge keine 
gehabt, sollen de schaffers darum gestraffett wherdenn. 
7) Thom sevenden whan ehin geselle von dem Allmechtigen 
thovelliger kranckheit besocht wurde, soll ehr derwegen von 
hinein meister, soferne ehr der meister anders dessen belath hedde, 
deme huse nicht vorstoten wherden; dar overst der geselle 
moithwillich in kranckheit durch supen, untucht und der- 
^^licken ursaken upgelaten hedde odder whurde, soll der meister 
'*'ann ungehalten sin. 
^ ide in protocollo a. 74 den 16. Martii. ’ 
97. Schneider. 
Entscheidung der Amtsherren vom 3. April 1576. 
Schragenb. d. Gcsellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, B»- 42. Diese 
[k'^heidung schliesst sich dem Schrägen v. .492, Nr. 93, unmittelbar mit der 
•’’Schrift Anhanf[k an. 
^achdeme die ehrbarn unnd wolweysen herr Matthias Wellingk^ 
Herr (ierdt Hudde», als in dato untergeschrieben vom ehrbaren 
, verordente unnd gewesene ampt herren, befunden, dasz des 
so die l.urgerschaff, gegen ein amt der schneider akeit 
"bringen, das nemlich ein ieder seiner notturft nach nicht kan 
^'f®rder, werden, insonderheit aller diejenigen, so dasz frawen- 
, machen, dieweil nicht viel befunden werden, die lust darzu 
nachdem in Deutschlandt solch arheit nicht gehreuchhch ; 
7'' nun demselben hinfurder vorzukommen unnd gemeltes 
, so viel mueglich, abgeschaflfet die gemeinen meistere unnd 
■""‘'»■•Udere auch so viel besser geschutze, unnd gehandthobet 
IZi^mügen, als haben wolgemelte ampt herren mit wissen unnd 
g bieser letzte Satz von einer anderen Hand. 
g Vergl. S. 370, Anm. 2. 
^^rgl. S. 387, Anm. 2. 
/. 
1
        <pb n="514" />
        494 
Schneider. 
willen eines erbarn raths fur gutt angesehen und geordnet, 
hinfurter der brauch mit den ankommenden meistern gehalten 
werden soll. Solches auch hiermit vorigen ersten schrägen ang^ 
hangen unnd hiermit inseriret sein. ^ 
1) Erstlich ein gesell, der gedencket sich hier zu setzen unn 
meister werden wil, soll das amt eschen, das er drey jahr k ) 
seinem meister ehrlich unnd trewlich dienen soll; nach ausgang 
der drey jharen, soll er sein thun furtstellen gegen Michaeli, ac 
dage darvor soll er sein meisterstucke in bey wesen der vier eite 
leuten schneiden, wie gebreuchlich ist: ein schlicht hosen unnd 
besz, ein frawen rock unnd hoicken, dieselben stucke soll er bino 
achte dagen mit seiner handt in des oltermans haus fertig mache&gt;i&gt; 
iedoch, da er es begerte, soll ihm ein junge zu hulffe gegeben werde*! 
2) Wan dan dusselbige gemacht ist, soll das arbeidt angezog 
unnd vor dem ampte besichtiget werden, unnd so vieil puncte ^ 
so daran straffellig befunden werden, das er nicht bestan ko*|^^ 
vor einen meister, soll er noch ein vierteill jhares nachdienen 
dieselben nach gebuer, da es nicht zu grob gemacht were, ^ 
einer pilligen straffe erstatten, darmit sich ein jeder desto bes 
befleissige sein handtwerck zu lernen. j| 
3) Aber eines meisters sone oder der in das ampt freiet, 
des dienstes enthoben sein, jedoch dasselbige meisterstucke 
machen, soll aber furtfaren, wan es seine gelegenheit fordert, 
andern sollen nicht macht haben ehe unnd gegen Michaeli 
faren, darnach sich ein jeder zu richten habe, unnd so sich 
jegen jemandts freventlich wolte aufiflehnen, soll nach erkentn 
der amptherrn in ernste straffe genommen werden. Actum 
dritten monatstagk Aprilis anno l)ni 15CX) und im 76. jahre. 
98. Schneider. 
Schrägen aus dem 16. Jahrhundert. 
Stadt-Arch. (Inneres Rathsarchiv) in Riga, Perganientheft: 
der deuischen Schneider 14ÇJ, Bl. 3-«. Vergl. Schneider, Rntschei 
des Erzb. Wilhelm etc., Nr. 94. Nachfolgender Schrägen ist eine nach der 
mation verfasste Umarbeitung des Schragens v. 1492, Nr. 93. 
i)* Inn dem Nahmen der ungescheidenen heiligen 1^*”^^ j 
tigkeit, amen. Anno von den Jahren unsers Herrn 1492 am A 
Philippi und Jacobi, der heiligen Aposteln (30. April), ist von 
1 Die Numeration fand sich vor.
        <pb n="515" />
        * Übersetzung der Einleitung zum Schrägen v. 149« 
Schneider. 
495 
^hrsahmen gantzen sitzenden Raht der Stadt Riga den Alterleuten 
Und Meistern des Handwercks und Ambts der Schneider binnen 
umb ihre demütige Bitte willen versorget, aufgesetzet und 
^^gelaszen, gegeben, approbiret, moviret, auíTs New befestiget und 
^^stetiget diesen nachgeschriebenen Schrägen und Rechtigkeit der 
gemeinen Compagnie (ieseltschaift und Brüdern von dem Ambt 
Schneider’. 
2) Erstlich wer zum Alterman des Amts gekorn wirdt, dasz 
er willig annehmen, und so er dasz nicht thun wil, sol er dem 
'"ibt zur Strafe verfallen sein eine Tonne Bier und dennoch die 
^^termanschafft verwalten zwey Jahr lang, hierzu sol er seinen 
thun, dasz er dasz Ambt seines höchsten Vermögens nach wil 
’tthelffen setzen. 
3) Wenn ein ehrlicher Gesell unser Ambt begehret der soll 
wahren auszspürgischen Religion verwand sein une sei 
und Lehrbrief zeigen, dasz er echt und recht gebohren und 
dasz Ambt heischen auflf eines Meisters I ochter oder M iti e 
Ambt, wie in allen Steten der Gebrauch ist, damit derselbige 
Ambt desto beszer gefodert werde. 
4) Derselbige Gesell soll sich mit der Persohn ehrlich und züchtig 
'■■halten; geschehe hierüber, dasz sie nicht mit b.lhgkei, verant- 
»nen kundte, der sol kein The» an dem Amt mehr mit er 
■^sohn haben und hier keinesweges geduldet noch gelitten werden 
'■" ob jemand sich verendert mit unehrlichen Persohnen, der sol 
Ambtes und Gilde entbehren. 
5) Aldtit der erst und andern Eschung wirdt gehalten nach des 
■hbts Weise, wie vor langen Jahren in allen Amptern ge irau g 
mm# 
die ihm etwas zu arbeiten bring
        <pb n="516" />
        Schneider. 
7) Wann er dennoch sein Meisterstück unsträflich geschnite» 
und auch fertig gemachet hat, sol er seiner besten Gelegenheit nach 
die Ambtskost fortstellen; hierzu sol er geben drey Gericht Speist 
und drey Tonnen Bier, und soll ihm zugelaszen werden zwey Gäste 
darzu zu bitten, jedoch dasz sie der Ehren wehrt sein. 
8) Wann er sein Ambt vollenkommen hat, so soll er fort 
Bürgerschafft gewinnen und soll Waffen haben zu seinen Leih ' 
darnach bin ein Monat Hochzeit halten und ein Bruder der 
Stuben werden nach alten Gebrauch dieser guten Stadt, damit 
aber von einen hochachtbarn und wolweisen Raht und im Am 
und Gilstuben mag willig auf- und angenommen werden. 
9) Wann er dann volkommen unser Ambtbruder geworden 
ist, soll er zu dem gebaweten Ambtshausze, damit es mag erhalte"^ 
werden, erlegen und geben zehen Marek riges; derselbige 
Meister soll dasz Ambt zusammen verbotten und nebst den antl^’’ 
Jüngsten dienen so lang, dasz ein ander nach ihm kömpt. 
10) Wann der Alterman im Ambt verbott thut, soll ihm 
jeder gehorsam sein oder sich bey ihm entschuldigen laszen ; 
dasz nicht thut, dasz Ambt von einander gehet, soll unweigerhe 
ein halb Marek zu Strafe geben. 
11) Es soll auch keiner ein Stück Arbeits lenger bey ^ 
behalten den acht tage, sofern darzu geschaffet wirt, wasz ( ^ ^ 
gehöret, sofern des Ambtsmeisters Schuld ist, und er überw^^ 
wirdt, soll er dem Ambt in hoher Straf verfallen sein. 
12) So ein Meister ein Stück Arbeits verderbet und so 
Iches 
iret 
im Ambt geklaget wirt, und so es noch* Notturfft ist besichtig 
worden und also befunden wirt, soll er dasselbige ohn allen , 
bezahlen, wasz es kostet hat, und dennoch dem Ambt die 
geben, wasz an der Arbeit verdint ist; so auch einer bey eH* 
Stücke Arbeit ungetreulich handelte und deswegen im 
verklaget wirt und sich mit Wahrheit dasz befindet, der soll 
Zeüg, so ihm darzu geliefert ist worden, volkommen bezahlen 
das Ambt von Auszen ansehen und vor keinen Ambtsbruder n' 
erkant werden, auch kein Gesell noch Jung mehr bey ih**' ^ 
fodert werden. 
13) Wer einen Jungen annehmen will dasz Handwerck 
lernen, der soll ihm vor die Alterleüte bringen und sein Ge 
brief zeigen, dasz er von ehrlichen Eltern geborn ist und soll 
1 Muss wohl uack heissen.
        <pb n="517" />
        Schneider. 
497 
Wenigsten auf zwey Jahr angenommen werden, und sollen ihm die 
^•terleüte befehlen thun, dasz er die Zeit seinem Meister ehrlich 
trewlich auszdienen wil, und soll dem Ambt eine Tone Bier 
'ind ein Schincken geben. 
14) Wen also des Jungen Freunde oder Eltern mit dem Meister 
^^ereinkommen dasz Handwerck zu lernen, damit er nachmaln 
Brodt mit Gott und Ehren verdienen kan, sol er dem Meister 
Helffte des Geldes alsobald vorausgeben, dasz ander, wan die 
aus ist; laufet er aber in der Zeit davon, und ihm sein Meister 
Ursach dazu gegeben hat, soll der Meister dasz empfangene 
^^Idt behalten, und sollen die Freunde die Kost dem Meister zu 
^^zahlen schuldig sein nach billiger Erkentnis. 
15) Wann aber ein Jung seinem Meister die Zeit aus ehrlich 
aufrichtig gedienet und sich von hier an andere Örter begeben 
sol ihm ein Ambt seines ehrlichen Verhaltens unter des Ambts 
mitgeben, damit wo es seine Gelegenheit erfordern würde; 
Junge aber, der muhtwillig von seinem Meister hinweglaufft, 
bey keinen Meister zu Ambt gefodert werden. 
ib) Welcher Meister ein (Gesellen animmbt, der mit guten 
*^len von seinen vorigen Meister gescheiden ist, der sol ihm 
ein halb Jahr annehmen, und welcher Meister ihn zum Ersten 
^•"ch den Krugvater laszet umb Arbeit ansprechen, dem soll er 
¡¡"^eigerlich dienen; wer solches nicht thut, soll bey keinen Meister 
zur Arbeit gestattet werden, er sey dan vorhin ein halff Jahr 
hier gewandert; und so er wiederkombt, soll er dennoch bey 
^^'^selbigen Meister ein halb Jahr arbeiten oder dem Ambt die 
*hige Straffe schuldig sein. 
17) Wann ein Gesell dem Meister seine Zeit auszgedienet und 
ihm wandern will, soll ihm sein Meister, wann er vorhin vor 
rC^esdknI^^engew^;t ^ u^s^nTTmn richdgg^^md^ 
Lohn unweigerlich geben, und so er dasz nicht thun wil, soll 
•^ach Erkentnis des Ambts gestraffet werden und dennoch den 
®^llen dasz Seine geben 
uasz oeine geoen. 
'S) Es sol auch kein Meister einen andern seinen Gesellen 
■■Jungen abspennig machen und, so es geschehe, es wehre 
^ , _i leon iinrl map-, wird einer 
'""gen aospennig macucu -- ... 
■■ welcherley Weise es geschehen kan und mag, w.rd e.ner 
■&gt;ur betroffen, das solches mit tier Wahrheit an den Tag kerne, 
ohn alle Gnade dem Ambte ein Tonne B.er zur Straffe 
^u, es geschehe durch den Meister oder Gesel 
32
        <pb n="518" />
        498 
Schneider. 
19) Es soll auch kein Meister mehr dan vier Stüehl auf 
Werckstadt haben an Gesellen und Jungen und die Arbeit z 
machen haben im Ambt bey drey Liszpfund Wachs, so offte e 
dasz thut. 
20) Es sol auch kein Meister mehr dan eine Wercksta 
halten bey Verlust des Ambts, und soll auch kein Meister 
seinen Gesellen auf die Helffte arbeiten; so auch ein Gesell seme^ 
Meister zu Schaden und Nochtheil muthwillig in der 
spaciren gienge und nicht arbeit, der soll dem Meister 
Schaden erstatten und dem Ambte nach Gelegenheit die Stra 
geben. 
21) So auch ein Gesell des Nachts ausz seines Meisters Haus^ 
an unbillige öhrter schlaffen gienge und nicht vor zehn Uhren 
seines Meisters Hausz kompt, soll dem Ambt ein Marek zur Str 
geben, so offt solches muhtwilliger weise geschieht. 
22) Es soll auch kein Gesell bey des Meister Zeit m 
Hadt gehen bey Strafe zwey Marek; es soll auch kein Gesell ^ 
Geldt spielen oder was Geldes wehrt ist bey Strafe zwey ^ 
die helffte dem Ambte, dasz ander den Gesellen. Es sol au^^ 
kein Gesell Macht haben seine Kleider zu verkauffen, new « 
alt, bey hoher Straff des Ambtes. 
23) Es sol auch kein Gesell oder Jung dem Meister zu Scha^^^ 
fuscherweisse arbeiten; wer solches thut, sol nicht ehrlid 
dem Ambt gehalten werden. So auch ein Gesell oder 
seines Meisters Hausz Unzucht beginge, und wie man spricht 
brodt schändet, der soll hier von keinen Meister gedultct 
gelitten werden, sondern die Stadt von Auszen ansehen 
uf 
Montag 
24) Es soll auch kein Gesell sich vorthin vertristen au 
tag zweyerley Arbeit anzunehmen mehr den hlickw^^^^ 
und so hierüber geschehe, und der Meister den Ciescllcn 
nachgebe, soll der Meister gleich den (Gesellen gestrafft g 
nach des Ambts Erkentnis, es würde den ungefehr des 
den Gesellen ein alte Kappe umbzuwenden gebracht, soll iht&gt; 
seinem Meister zu machen vergönnet werden ; es sol 
Meister sich vertristen an der Jungen, so nicht von 
Deütschen geborn sey, dasz Ambt zu lernen bey Verlust des / 
25) M^ann der Alterman ein Ambt zusammen leszet koia'j^ 
es sey auf ein Ambtköst oder Quartal, so soll sich ein je
        <pb n="519" />
        Schneider. 
499 
^ller Erbarkeit zu verhalten wiszen mit Worten und Wercken und 
^^iner den anderen Vhrsach geben, davon Hader und Zanck kommen, 
^nd wehr, dasz geschehe solches, soll der Anfenger des Handels 
^^ppelte Straffe geben. 
26) Wer es Sache, das Schläge davon kehmen oder Blaw oder 
'^lut folget, soll dem rechten hin verwiesen werden unnd dennoch 
Ambt nach Gelegenheit in der Straffe verfallen sein. 
27) Es soll auch keiner dem andern mehr zutrincken, dan er 
bescheidt thun will und in Sonderheit dem Alterman; wer 
‘Elches thut, soll doppelte Straffe geben; wehr es aber, dasz der 
Alterman einigen Ambtbrüder mit unbescheiden Worten anfehrt, 
^^raus Unlust enstünde, und solches betzeüget würde, soll der 
Alterman gleich andern doppelte Straffe geben. 
28) Wer überflüszig trincket und im Ambt sich davon uber- 
soll dem Ambt eine Tonne Hier zur Straffe geben; geschieht 
solches auf der Straszen, ist es seine eigene Schande. 
29) So einer ausz zornigem Gemühte dem andern mit Bier 
^.^geüst, sol ein Tonne Bier zur Strafe geben ; wehr es auch, asz 
'^Gr muhtwillig oder aus Trunckenheit mehr Bier vergieszet, a s 
'luf den Tische mit der Hand bedecken kan, unter dem 1 isch, 
^^derEn:len mk eimm. alle^khl em ^r^ng zur 
'^*'affe geben. 
30) Wann cs Zeit ist zu Haus zu gehen, und der Alterman 
.“fHopfe, deswegen und Uhrlaul, gibt, und dan e.ner oder mehr 
Jüngsten zum Verdriesz besitzen bleibet, sollen d.eselbige nach 
''"ckentnis des Ambts gestrafft werden. 
31) lis soll vorthin auch keinem (leseilen gegönnet oder nach- 
&gt;l.en wer,len des Sontages auf der Werckst.at der m der 
^^mer hey nächtlicher Weil zu arbeiten bey Straf eme 
''«ers daszelbige machen nach gehaltenen Sermon zur Vesper 
^ 4 Schiegen und nicht ehe.
        <pb n="520" />
        1 iti der Vorlage fehlt die erste Klammer. 
Schneider. 
5()() 
eigene Winkellmeister und die unserer Nahrung zu unszern groszen 
Verderb ihren Unterhalt hier haben sollen den aufgerichteten Con^ 
tract und ehesten Privilegien zuwieder keinesvveges gedultet un 
gelitten werden, so weit sich des Rahts Grundt und Jurisdiction 
erstrecket, einige Wohnung und Behausung haben mögen, und lUi 
Fall einer unter e. e. Raths Gebiet, es sey, wo es wolt, solche*’ 
ihren Privilegio zuwieder leben, sich unterstehen würde dasz, nS- 
dann nicht allein solcher Winckelschneider und Böhnhasen, sondern 
auch derselbige, der solchen Böhnhasen beheüset und unterha - 
gestrafet werde. 
33) Diejenigen Bürger oder Gesellen, die solchen Böhnhasen 
beheüsen oder Kleider bey ihm machen laszen, wie auch a ^ 
Werckzeüg, so bey ihnen gefunden, von den Ehesten des Am ’ ■ 
oder sonsten andern Meistern des Ambts (‘jedoch dasz dabey ein ^ 
so von e. e. Rhat deputiret, zujegen sey) möge genommen un^ 
verkaufift werden und unter die Armen (wie in gantz Teütsch an 
üblig) auszutheilen. 
34) Die andern aber, so sich heimlich auf halten und verberget 
also denen im Ambt in der Stadt Riga geseszenen Schneidern 
Nahrung mit ihrer Arbeit entziehen, wen sie dieselben auf 
Ciaszen oder sonsten auf e. e. Rahts Grundt und (iebiete 
sie dieselben gleicher Weise nebenst einem von e. e. Rath 
Deputirten besuchen mögen, und sollen dieselben von e. e. 
zur gebührlichen Straffe gezogen werden. 
35) Es sollen auch die jüngsten den Böhnhaszen 
willig und bereit folgen, wann er mit e. e. Rats Deputirten um 
gehet die Böhnhasen zu besuchen; wer solicites nicht thut, un^^_^ 
darüber vors Ambt verklaget wirdt, soll in des Ambts Strafe s 
36) Es soll auch kein Meister oder Gesell mit dem 
einige (Gemeinschaft haben, viel weniger mit ihn essen und triiic 
hierüber thut, und solches mit der Wahrheit bezeüget 
hfC 
' - 
solches nicht vermelden würde, soll darnach doppelte Straffe g ^ 
37) Es soll auch mit den Altschrödern nach dem AlteU^^. 
halten werden, dasz ihr alwege vier auszen in der Landv^ 
wer 
soll in Meister- und Gesellen strafe verfallen sein, und so ein 
oder Gesell solches wüste oder erfahren kunte und dem
        <pb n="521" />
        Schneider. 
501 
Undeütschen zu arbeiten sol zugelassen werden (jedoch so 
^^scheidlich, dasz dieselben auch von einem Amt auf und ange- 
*^Onimen werden *), und über eine halbe Rile newes W and nicht 
'"Erarbeiten sollen; alt Zeug, Reinewandt soll ihm® nachgegeben 
""Erden, aber keinen Jungen setzen, viel weniger ihnen dasz Ambt 
*^rnen. Wer solches sich unterstehen würde, soll von dem Herrn 
Lantvogt darumb gestraffet werden. 
38) Es sollen auch die jüngsten Meister sie offt besuchen, 
'Garnit sie sich aller Gebühr nach zu verhalten wiszen; es sollen 
^Uch die jüngsten Meister des Montags vor den 4 besten in der 
^Eister Heüser umbhergehen und Zusehen, dasz kein blickwerck 
^ardurch den Gesellen oder Jungen geneyet wird; wo solches 
S^funden wirdt, soll der Meister mit den Gesellen gestrafft werden. 
39) So auch ein Bruder unsers' Ambts stirbet, so sollen die 
^nibtbrüder fleiszig zu Grabe folgen bey ein Lisspfund W achs. Es 
auch die Fraw nach ihres Mannes Tode das Ambt Jahr und 
zu gebrauchen haben, wie es in allen Stedten üblich ist, un 
die Alterleüte schüldig sein von einer Werckstadt einen Ge- 
zu nehmen, der der Wittiben am Besten hilfift die Arbeit zu 
^^fordern, und soll ein Gesell, den man tüchtig hierzu erkennet, 
"'d sich des weigern wolte, soll ihm ferner bey keinen Meister 
arbeiten vergünnet sein, viel weniger hier gedultet werden un 
dersellüjge (;eseH oder \V"erckrneister4 den Aiontag sowol die 
^antze Wochen der Wittiben, so viel ihn mughchen ist die Ar leit 
befördern; hiervor soll ihm die Fraw jährliches geben fun zig 
so er Oeiszig ist, tvil sie ihni ein Hernd oder v;asz dazu 
^•'ehren, steht in ihren gutten Willen. 
40) bLs soll auch niemandt über (Gebühr von den Reüten Arbeits- 
¡ K^chiclu, bescheidentlich, das. ein je,1er se.n e.gen Seule .ur 
bringen mag. 
■ Weser Sau «.de, sich der Abschdf. des Bd.hfOhrscbe. Schräge.b.eh, 
^*sche Stadtbibliothek). 
® ihnen bei llöihlühr. Vergl. .Antn. i- 
® diesem bei Höthführ. Vergl. Anm. i 
^ ti^^erke/fneisUr bei Höthführ. Vergl. Anni. i.
        <pb n="522" />
        502 
Schneider-Gesellen. 
Diese auszgeschriebene Puncten gebietet e. e. Raht trewbch und 
fleiszig zu halten bey hoher Strafe des Gerichts.* 
1) Obgeschriebener Schrägen ist aus dem Schragenbuch 
schrieben, mit demselben collationireet und gleichstimmig befunden, 
dasz betzeüge ich Heinricus Ladamacher, Amtsgerichts-Notariu , 
mit dieser meiner Han dt Subscription. (Notariatszeichen.) 
2) Concordat cum transsumpto ut vidi Johann John, 
^ ) Sec. et Not. publ. reg- 
5) Vidimatum cum vidimato concordare testor 
Johann Ci er lach, 
Reg. Not. publ. 
99. Schneider-Gesellen. 
Schrägen vom 26. Juli 1600. 
Stadt-Arch, in Riga (Inneres Rathsarchiv), aus 4 Blättern bestehendes 
heft, 41 cm. hoch, 29 cm. breit, in dem 5 Seiten mit dem Schrägen beschriebcn^_^^ 
Eine zweite Abschrift in der Bibliothek d. Gesellsch. f. Gesch. u. Altcrth. m 
Papierheft in Folio, aus 6 Blättern (B '. 
Neu Vereinbarung der ehrbahren und kunstreichen Elterleuth^^ 
Meistern, Schaffer, Altknecht und sämptliche Gesellen des W 
der Schneider in der königl. Stadt Riga residiret, wornach 
sich in allen kündigen Zeiten, damit Friede, Liebe, Freunds: i 
und gut Verständnis erhalten, eigendlich zurichten. 
1) Erstlich und vor allen soll kein (Jeseil gefordert oder 
gesetzet werden, er sey denn der waaren augspurgschen R^'ß^^ 
verwand und zugethan, und wann denn ein solcher alhier 
beiten anlanget, soll er einen Meister ein halb Jahr ^uszu 
verbunden sein ; würde er aber in der Zeit auffbrechen un 
nach in dieser Stadt her wieder einkehren, soll er zu seinem vor 
Meister eintreten und vergnügt diesen zu leben schuldig se) 
Poen 5 Marek. 
2) Kein Gesell soll den Sonntag sein eignes Werck 
bey Pön 3 Marek, jedoch nach gehaltenem Gottesdienst sein 
Kleider zu bessern, soll einen jeden mit seines Meisters Vor''* 
erlaubt sein. 
rirt 
1 Die folgenden 3 Inscriptionen, die bei der Edition erst nuiue ^ ^ 
stammen von drei verschiedenen Händen. Bei der 3. Inspription ist 
Anm. I, beschriebene Siegel aufgeklebt gewesen.
        <pb n="523" />
        Schneider-Gesellen. 
503 
3) Alle neugemachte Kleider zu verkaufen soll kein Gesell 
erlaubt seyn, sondern gäntzlich verbohten; wasz aber alte Kleider 
betreffen, mugen mit der Alterleute und eines jeden Meisters Wissen 
Gelegenheit wohl erlaubt werden. 
4) Alle Montag vor den vier Haupfesten im Jahr sollen die 
d^ Akisb^ Wsz Gk)ck3 mifcknl^^hmiu^gar^^iten 
^ey Fön 3 Marek und darnach ihr eigen Flickwerck mit des Meisters 
^ezwirn ohne Enthaltung frey zu verrichten ihm nachgegeben seyn. 
5) Die Wanderzeit der Gesellen soll nicht länger als drey Tag 
Werden, und alsdenn befugt des Meisters Arbeit zu beförderen bey 
^^rlust 3 Marek. 
6) v\lle vier W()chen auf der erkohrnen Flerbergne »ach Fland- 
^Greks Gewohnheit zusammen zu kommen, ist frey gelassen, a c 
ändere heimliche Conventicula aber hiedurch gantz ic ver )Ot en 
den Meistern. 
7) IJnd sollen die (;ese»en nicht mehr als em Montag, m der 
Wochen halten; würd al)er einer darülier treten und zun^ Pher ocler 
Mren gehen,soll vor jedes AiahljMarck zu erlegen schuldig se)n. 
8) A4it (hem Aaiffrtehen uncl Kettgehen der (besehen soll es bery 
^'inters als Slommers i^eit nach (hem vMten gehalten werden, darnit 
'^ine Klage erfolgen möge. 
;!oct%;ti: :es%:: 
^acht haben bey Fön 3 Marek. 
gslifSlS 
IO Marek. 
ÜliliSi 
gelassen seyn.
        <pb n="524" />
        5^4 
Schneider-Gesellen. 
13) Alle Gänge zum kalten als warmen Bade soll die Meister 
an ihre Zeit nicht abgehen den Gesellen bey Pön 2 Marek. 
14) Alles Doblen und Spielen und verdächtige Gänge zu gehen 
wird allen Gesellen ernstlich verbothen, und wofern über das sich 
jemand an gefährlichen Örteren oder in unzüchtigen Häusern he 
geben und sich selber auch ihres Meisters Häuser, wie wohl ge 
schehen, dadurch beschmitzt oder in Gefahr bringen würde, sO 
soll derselbige von keinem Meister gelitten oder befördert werden, 
besonders auch ein Schaden zu verhüten ihm an frembden Örtern 
nachgeschrieben werden. 
15) Wie denn auch kein Gesell des Abends über 10 Uhr »ns 
seines Meisters Hausz nicht zu verbleiben bey Pön 2 Marek; würde 
er aber die Nacht auszen schlaffen, soll er den Morgen warhaß'^ 
darthun, dasz er in eines ehrlichen Mannes Hausz beherberget be&gt; 
gleicher Straff. 
16) Würde ein Gesell seines Meisters Brod schänden, der sol 
alhier bey keinem Meister gelitten werden oder einige Beförderung 
gewürdiget seyn. 
17) Es soll kein Gesell in seines Meisters Abwesen früh ode 
spat sein eigen Arbeit machen und seines Meisters Werck hint^ 
sich legen bey Verlust de Beförderung. 
18) Zu allen Zeiten des Abends soll das Spacirengehen üh^^ 
ein Stund nicht wehren, und sollen sich die Gesellen hernac^^ 
bey ihrem Meister wiederumb zur Arbeit einstellen bey einem Mac 
19) Es soll kein Gesell den andern (:es were dann, das ^ ^ 
der Obrigkeit umb Besoldung dienten :) zur Gewehr oder Schlag 
fordern bey Straffe zehen Marek. 
20) Es sollen sich auch die Gesellen mit der Conversation 
Anmeldung der Störer und Böhnhasen der Gebür nach verha 
bey Pön fünff Marek. 
21) Es sollen die Gesellen keinen Böhnhasen besonders str 
ohne des Ampts Vorwissen bey voriger Pön. 
22) Alle Gesellen, so sich wieder ihre Meistere, so geo 
,ter 
auflehnen, das sie darumb erlaubet, sollen von keinem u 
wiederumb zugesetzet werden, sie haben sich denn zuvor ‘ 
straffen lassen.
        <pb n="525" />
        Schneider-Gesellen. 
5&lt;&gt;5 
23) Es soll auch kein Gesell seines Meisters Essen und Trincken 
Verschmähen oder die Gabe Gottes schimpfflich empfahen. Item 
Kirchengehen in der Wochen wird nach jeder Zeit Gelegenheit 
gelassen, jedoch also, das so bald der Gottesdienst vollendet, 
’^•ch die Gesellen wieder bey ihren Meistern zu fleisziger Arbeit 
^instellen und unter dem Schein sich nicht heimlich verstecken, 
^ielw'Cfjjgrei- ipij- Elickwercke dem C%ehör göttlichen W orts vorziehen, 
fället in ernster Straffe. 
♦ ♦ * 
Folget: 
Die Krugordnung der Gesellen. 
1) Alle vier Wochen sollen die sämptliche Gesellen auf der 
^crberg zusammen kommen, und ein jeder sich vor zwölff Uhren 
^^selbst gebührlich einstellen bey Straff zwölff Schilling. 
2) Wann Schaffer und Altknechte sich gesetzet, soll kein junger 
^^sell darbey sitzen; er werde dann darzu gefordert bey Straff 
^^chzehn Schilling. 
3) So bald die Lade geöffnet, soll ein jeder Gesell vier Schilling 
'"'gisch in die Lade und sechs Schilling zu Bier unsaumlich erlegen. 
4) Esz soll kein Gesell Macht haben einen Gast auf die Herberg 
bringen, es werde ihm dann von Schaffern nach Gelegenheit 
^^''gönnet. 
5) Wer den Nahmen Gottes miszbrauchet, soll zur Straffe 
^ben neun Schilling. 
6) Wer umb Geld oder Gelds Gewehr spielet, soll vor offener 
'^(icn von den Schaffern umb zwey Marek rigisch gestraffet, und 
^von die eine Helffte dem Ampt, die ander Helffte den Gesellen 
''gekehret werden. 
7) Wer Hader und Zanck beym freyen Bier anrichtet, soll zur 
'^'■itffe ein Tonne Bir geben. 
8) Da einer den andern über sein Vermögen zu trincken nothiget, 
zur Straffe achtzehen Schilling geben. 
9) Da jemand so unmäszig trincket, und ers auf der Herberg 
''gebührlich wiederumb von sich giebt, soll umb ein Marc un- 
^'■hläszlich gestraffet werden. 
'4 Wann clerSch^kraund^^ë^so^m dkCL^e^m OHiör 
ben hey Straff achtzehen Schilling.
        <pb n="526" />
        Schneider-Gesellen. 
506 
11) Wer aber muhtwilHg ist und kein Gehör geben will, soll 
an dasz Ampt verwiesen werden. 
12) Kein Gesell soll vor offener Laden ein Messer bey sich 
tragen bey Straffe achtzehen Schilling. 
13) Wann die Gesellen alle Quartal in des Beisitzers Haus^z 
zusammen kommen, sollen die Schaffer und Beysitzer sich 
setzen, und wer alsdann zu klagen hat, der bringe es höffhch 
und soll ihm kein Gesell einreden bey Straff einer Marek rigi ^ 
14) Da jemand unter den Gesellen wieder den Krugvater 
Wirtter oder ihr Gesinde etwas verwürcket, soll nach Gelegen 
umb ein Marek gestraffet. 
15) Kein Gesell soll Freibier über die (fassen tragen he. 
Straff achtzehen Schilling. 
16) Der Gesell, so Bier schencket und sich nicht höflich ha 
oder das Bier verunreiniget, soll gestraffet werden. 
17) Da jemand mehr Bier vergeusst oder spület, dann er 
reine Hand bedecken kan, soll zur Straffe sechs Schilling gc ^ 
18) Wann ein Gesell anliero wanderen kommet, der 
die vier Wochen die Brüderschafft gewinnen bey Straffe ein 
Marek. _ 
19) Es sollen sich auch, die letzt wanderen kommen, da sie 
der Wanderzeit das Bier zu schencken gekohren worden, 
keinesweges dawieder auf lehnen, oder sie sollen gestraffet wer 
20) Das Zechgeld sollen die Ciesellen den andern I ag 1^ 
Wanderzeit auszkehren bey Straff einer Marek rigisch. 
21) Es soll kein Gesell in der Wanderzeit bey freyem 
ein Gewehr bev sich behalten, wenn sie der Schaffer von ' 
iTlit 
Sich 
elen 
der 
Hier 
fordert, oder er soll gestraffet werden. 
22) Alle Wanderzeit soll den Schaffnern ihre alte Gerechtig 
nemblich ein Thaler, gelassen werden ahn Argelist und (.ee^ 
Und auf das alles desto gewisser müge gehalten 4- 
haben wir Elterleute, Meistere, Schaffnere, Altknechte und sa 
liehe (Gesellen obgenant itziger unserer Amptsherren, neniblic^ 
ehrenvesten, achtbaren und wohlweisen Herren Otto Cannen^^^^^ 
Herrn Frantz Grafen \ Consensum hierzu gebührlich erfordert, " 
1 Vergl. S. 345, Anm. i. 
2 Ibid. Anm. 2.
        <pb n="527" />
        Schnitzer. 
5»7 
auch anstatt der (Obrigkeit hierin verwilliget, jedoch einem 
hochweisen Raht hierinn die Oberhand diese Articul nach Gelegen 
heit zu vermindern oder zu vermehren auszdrücklich Vorbehalten. 
Return Riga den 26. Julii Anno Sechszehenhundert. 
(L. S.) 
Otto Canne ^ 
manu propria. 
(L. S.) 
Frantz Grafe* 
manu propria. 
Obgeschriebener Articul seind von dem Schneiderhanduerck 
"¡"gegangen und bewilliget worden, da Andres Huschman ihr 
'^Iterman, Heinrich zur Weihe und Dirich Heideman seine Hey- 
^'tzere, imgleichen da Michel Schmahl von Siestoch= und Herend 
hteige von der Lippe der Gesellen Schaffer gewesen. 
iJiese Artickel seind von den Schneiderhandtwerck einge- 
S^"gen und bewilleget worden, da Johan Curtzius ihr Alterman, 
Nicolas Kasche und Johan Reppin seind die Beysitzer gewesen, 
¡"gleichen die Gesellen ihre Schaffer sind gewesen Efrahem von 
^"sen und Jürgen Lindemann.® 
Renov. und von Neuen abgeschrieben den 29. Septembr. 
^"no 1707.« 
100. Schnitzer. 
* Vergl. S, 345. Anni. i. 
^ Ifid. Anm. 2. 
noiarius manu propria. .
        <pb n="528" />
        r 
^çjg Schnitzer. 
Schlusszeichen. Auf dem Vorderdeckel: Der schnitkcr Ordnung oder schraa. 
1436; auf dem Rückdeckel : Schnicker Schra de. Dieser Entwurf ist auf Grün ^ 
läge des Revaler Tischlerschragens v. 1513 abgefasst, daher ist die Jahreszahl i43^ 
unrichtig. Nachfolgenden Schragenentwurf finden wir im Schrägen der 
V. 1541 in seinen Haupttheilen fast wörtlich wieder; diesen sowohl wie jenen ha^^^ 
wir um des Zusammenhanges willen mit dem revalschen Tischlerschragen (B) 
ständig abgedruckt. 
In dem namen unses heran Jhesu Christi hevet sick an de schraa 
der snidtker van deme ersamen rade van Ryghe vorlenet un 
gegeven anno Inth jaer ssyn de snidtkers und .. • • ' " 
samptlick overeyn gekamen und alle consenteret umme nuttiche) 
wyllen des amptes unde der gemeynen bòrger up dat frünthschop- 
leve und eyndracht ungeschwecket und un vorrücket bly ven mògenic 
alley ne twiszken unsen amptbrôderen, szunder ock tvviszken den genie 
nen bôrgeren, bekanden und unbekanden, szo dat sick eyn yder unseS 
amptes wete tho wachten vor broke unde deste vlytiger up 
arbeyt und up syne knechte eyn upsheent hebbe, dat eynem 
genoch geschee, wo eyner dem anderen gelavet und vorheten 1® 
und ener myt dem andren íivereyn gekamen y s, i ft dar ka^^ 
(Wer (jüeme, dat men dat vor de olsten des amptes bringe, un 
dat to erkennen geve, unde sze dat szulvige by ehren waren \vAr 
niith consenth und vulborth des ersamen rades mögen rychten ^ 
rechte, wo navolgende puñete unde artykell vormelden, und e&gt; 
ersam radt bestediget und confirmeret hefft. 
Inth jaer des S weren unsze amptheren 
namen her myt sampt den gemeynen amptbröderen uns 
amptes vorgaddert in des oldermannes hüsze myt namen •' 
umme ethlyke inszage, de eyn ersam radt in unser schraa ha 
des wy szemptlick övereyngekamen syn myth wyllen und vu 
eynes ersamen rades desse navolgende punte unde artykell 
meer unbewechlick, stede unde vaste to holdende vor uns 
unsze nakömelinge. 
1) i Item inth erste welk man de unses amptes begerende 
de szall hyrup eyn jaer thovörne denen, up dat men erken 
möge, wadt syne arbeyt ys undt wadt mannes he szy, dat 
woll vor ehn alze vor dat ampt, darna sali he esschen dat ai^ 
tho dren rechten tilden, up sünte Lucas Steven de erste ess jg 
2) Item alle dejennen, de unse ampt begeren unde esschen, 
söllen torn ersten ehre bortbreve unde densthbreve tögen unde wY 
in der ersten esschinge. 
e. 
de 
gen 
1 B: Art. i
        <pb n="529" />
        L 
Schnitzer. 
dat 
5&lt;&gt;9 
3) Item alle de unse ampt esschen unde begerende syn, wanner 
'‘•‘t men sze in unse ampt entgangen sali, szo sollen sse tovörne 
^ebben und tögen dem ampte ehre gebort- unde deenstbreve 
^Isze, dat in andren landen unde steden eine wyse unde gewon- 
^Gyt ys. 
4) ’ Item alle dejennen, de in unse ampt wyllen, de sollen maken 
werckstücke eyn jewelick up syn handtwerck, up dat men er- 
^^nne, dat framen luden genoch geschee; und weret szake, dat 
dat vordorve, und syn werckstücke nicht vor vüll erkant würde, 
sali he noch eyn jaer denen, ehr he dat ampt esschett, unde 
^^11 dat meysterstücke upwisen, ehr he syne kost de)t, und men 
Sali dar key ne bròke vornemen. 
5) ^ Item dat stuckewerck der meler unde glasewerter eyn 
"Mende Jörgen elfte eyne syttende Marianbylde elfte eyne Froniken; 
snidtker und künthormaker werckstücke eyn wytt kunthor 
^nd eyne lade üp wyttem holte unde eyn bretsp) 11. 
6) 3 Item des sollen se ene amptes kost dhon ; inth erste sollen 
geven twe tonnen beres, dat guth ys, item twe bòtlinge, enen 
'(^hincken, ene tünge myt twen mettwòrsten unde vor ene marck 
unde ryssz to 5 ^uen, ock so vek k^kks, ak darto van 
"^den ys, darmede sze thom ingange unser ersamen amptheren 
dar benefen alle amptbruder ehren unde bekennen. 
7) Item alle, de unse ampt begeren, de sollen s.ck nicht be- 
sze hebhien den torn ersten desaunfitesgrerechtic ieyt getlaen 
üthwisinge unde lüde der schra eynes ersamen 
8) Item szo sollen ock alle dejennen, de unse ampt begeren, 
^^en, abe se ehr werckstucke upwisen, lo marck m de busse 
“"'1 eyn hniff jaer darna noch ,o marck, ys to hope tw.nt.ch marck, 
bevell eynes ersamen rades untie na ¡nholdinge tier schraa 
9) Item yfft eyn .neyster were, de eynem b5rger effte gesellen 
''beyrleue, It were in häseren effte stfnhüseren, wo denne dat 
Erkenne, dat nymande unrecht gesche. 
' Art. 2. 
3 H; 
“ B: Art 
&gt;: Art. 3. 
5-
        <pb n="530" />
        Schnitzer. 
510 
10) 1 Item alle dejennen, de men entfanget in unse ampt 
lerende, dat syn Dudeschen^ elfte Schweden, de des werdich svn, 
den sali men dat ampt gunnen und vorthelpen. 
11) 3 Item szo sali men ene büsse maken, de sali alle 
ummeghaen, dar sali eyn ider meyster inleggen 3 schyHinge, ^ 
geselle enen schyllinck to hulpe den armen unses amptes e 
noth mede to stoppende und to dempende, wo sick dat bege' 
möchte; dar sali de olderman enen slötel to hebben und een g^^ 
seile, de dar befellich to ys, myt der bussen sali ummeghaen 
jüngeste meyster unde de oíste geselle. ^ 
12) * Item wanner de olderlude dat ampt vorbaden, effte 
sze hebben wyllen, dat de sülvige käme, by 2 marckpünt 
13) ^ Item y ft dar eyn geselle qüeme wandernde, und to ^ ^ 
he ersten tokümpt, wadt Werkes, dat he kan, deme schal he er 
arbeyden, idt were denne szake, dat de geselle van jematide 
schreven were effte besprochen, des üthgenamen, so men de 
wisen kan sünder jenigerley argelisth by bröke i lispünt ^ 
unde he sali en lykewoll vorlaten und dem andren synen schaf 
üprichten. 
14) ® Item szo szöllen ock de tymmerlude des amptes sny 
künthormakers ere gesellen nicht enthspenen effte myth lyst^ 
syck theen tho arbeydende, und de tymmerlñde schólen ^ 
lymede fogen brüken, dat recht schete wy an den vaget effte 
de weddeheren. . .f,, 
15) ^ Item szo scholen und mögen ock de olderlüde dcnjeii 
den wy beslaen in der Stadt effte börger hüsze, wo denne 
cleii 
vaget bringen und dartho syne reethschop myt der ar )e&gt; 
lange he van dem rechte schedet und des amptes wollen 
16) ® Item efft welch geselle eyn en werckeldach makede, jj^e 
hyllge dach in der sulvigen wehen, szo sali men em den 
dach affrekenen myt dem mandage in syncm lone. 
legen ys, de in unsem ampte nicht enszyn effte nenen nu) 
hebben ock nicht des amptes wyllen, in börgenhandt Imth vo 
1 B: Art. 6. 
Ä Eine andere Hand hat am Rande vermerkt: Undutsche. 
3 B; Art. 7. 
4 B: Art. 8. 
5 B: Art. 9. 
G B: Art. 10. 
7 B: Art. 11. 
N B: Art. 12.
        <pb n="531" />
        / 
Schnitzer. 
5” 
17)* Item efft unse gesellen hüten der Stadt tho dorne efifte 
kynnen landes elfte in klòsteren arbeydeden, wo deme gelegen 
szo vele, alze der synth, de doen jegen unse ampt unde de 
*^^yster, de en wedder tosetten wyll; und he darover beslagen 
^^rt, szo sal he geven vor eynen jewelken 3 rnarck und ehn all 
^ykewoll to vorlatende und nicht to arbeyden sonder des amptes 
%'ylle. 
18) * Item eflft hyr yemant uth dem ampte vorbenômet entegen 
^zyn edder dhon würde, unde eyner van den meysteren en ster- 
^^Gde an reetschoppe edder andren instrumenten, de dartho hören, 
^^de denen und enjegen dat ampt sterkede, dat were mith farve, 
^lygh, glase efte holte, szo sick dat denne begeven möchte*», de 
^9l breken 3 marck. 
19) * Item welke gesellen, de syck vorsecht hebben to helen 
i^ren elfte to halven jaren, de sollen 6 weken tovörne upseggen, 
sze van erem meyster wyllen. 
20) 5 Item elft dar jennich meyster were, de ene arbeyt vörhedde 
"^de in Wörden stunde, unde dat ener qüeme üth dem ampte unde 
darüth steke, de sali den drüdden penninck gebraken hebben. 
Vele als de arbeyt tosecht. 
21) , Item elft dar were eynknechtelftejunge, desynemmeysy 
dem hüse enthförde, dat were iser, bly, varve, glasz e er 
dat sze ehre heymlyke arbeyt mede hebben wyllen, de sollen 
*^®lven eyn half lyspünt wasses. 
»)’ Item efft dar eyn geselle edder junge deeflyken arbeyden 
"'“Itle in des meysters tydt, effte de meyster nicht by der handt 
'"«re, szo sali men dat rychten, szo szall nen knecht effte junge 
^^l)eyt maken szunder syn meyster, de günne em a 
23)* Item efft eyn Iheerjünge üth szynes meysters hüse slepe m 
¿"‘«melyken steilen, dewyle dat he in synen Iheerjaren ys, unde 
(die Kirche) zu verstehen. 
,,, nl/'ll.lihe» de» Sterne» Ber.ndUche ist ausge^ncbe», und eine andere idand 
öbergeschrieben : ivor mede id were, 
* B; Art. 15. 
^ B: Art. 16. 
^ B; Art. 17. 
^ B; Art. 18. 
* B: Art. 19.
        <pb n="532" />
        512 
Schnitzer. 
syn meyster clat weet effte syne kompans, de sollen dat vormel ^ ^ 
szo szall de junge vor den unhorsam geven, szo vaken a.he 
geschüet, 2 marckpundt wasses s. Lücas 
24) 2 Item efft dar eyn junge effte geselle üthtAge vor dem 
sterfte, (und») szo lange alze he üthe ys, syne vülle tiidt all lykew'O 
vüll und all natodenen, szo lange he üth gewest ys. 
25) ^ Item wen eyn meyster enen jungen tosetten wyH, 
szall he ersten 4 weken vorsòken, als denne de 4 weken umme 
syn, szo sal de meyster to ghan und laten de bysytter vorha eH 
to des oldermannes hüsze, dat dar de junge entfangen werde, sz 
sali de junge geven in dat ampt i marck edder de meyster, de e 
entfanget, de sali dar guth vorseggen bynnen jars üthtogeven 
und de junge sali der frowe szo horsam unde to w y lien wese^’ 
alze deme meyster sülvest, y dt szy hyllge dach effte werckeldac^’ 
unde wer et szake, dat de junge synem meyster enthlepe üth 
1ère, unde de meyster en wedderkrege, szo sali he dat ampt 1 
nige leren und wynnen effte maken des meysters wyllen, e 
dder 
künde he syck des bewisen, dat idt des meisters •' schült were, sz 
sali men en wedder nemen ane synen schaden. 
26) Item wen eyn Iheerjünge syne Iheerjare gedenet hefft, ^ 
sali he noch i jaer myt dem sulvigen Iheermeyster blyven, 
deme sali em de meyster Ionen na synem vordenste, alze sze 
eyns werden in dem sülvigen jare, szo werden sze mheer enby 
des sze nicht tovörne geweten hebben, unde dat ys vor den kn^ 
beter als vor den meyster. 
27) » Item efft idt qüeme, dat eyn meyster dem anderen 
baden entspennede effte enthspreke een beeil jaer effte eyn 
jaer, szo men des enbynnen würde, ehr dat he in frünthschop 
em gescheden ys, szo sali he geven vor de daet i lispünt 'va 
und den knecht em lykewol (to) vorlaten. 
28)^ Item welk man, de de jüngeste in unsem ampte 
de 
1 s. Lucas ist durchstrichen. 
2 B : Art. 20 ¡che"' 
3 Das zwischen den Klammern Befindliche ist in der Vorlage durchges 
4 B: Art. 21, bis auf den einkooppreis (dieser ist auf eine Mark ang 
und einige unwesentliche Wortveränderungen. 
5 An den Rand von anderer Hand geschrieben: edder der frowetiH- 
6 B: Art. 23. 
7 B: Art 24.
        <pb n="533" />
        Schnitzer. 
513 
szall schencken uncle clat ampt to hojje vorbaden szo lange, clat 
vorlöset wert, und eyn ander na em kümpt. 
29) * Item welk man van unsem ampte eyn borger werden wyll. 
Sali unse olderlñde medenemen vor den radt, up clat dem rade 
unsem ampte vüll geschee. 
30) Item szo sali men nymant in unse ampt entfangen, de dar 
^pGnbar berüchtiget ys, de egen edder unechte ys, wente dar vele 
(parlementes aíf) kümpt, (elfte ele eyn Undñdischer gebaren ) s 
^^Under des amptes wyllen, he were den van fr) en). 
31) » Item welck unser unser eyn uth dem ampte eyn messer 
up den anderen, de sali beteren dem ampte 1 lispunt wasses, 
szo he jemandt wünclecle, szo sali he gebraken heben 10 marck 
^^ünder gnade, so doch hyrinne und over unvorsümet und beholden 
vagedes und des rechtes bröke. 
32) Item alle dejenen, de unse amptbröder syn und syck nicht 
'^&gt;llen rychten na inholcle unser schraa, uns van dem ersamen 
gegeven, unde kyff edder vordret elfte partye makeden, 
^"^Iker sze syn, den sali men myt eren knechten dat ampt vor- 
^den, und sollen gebraken hebben 10 marck szünder gnade und 
Jollen syck denne noch lykewol myt dem ampte vorlyken in 
'^nthschoppe edder in rechte, und hyr by und över sollen wesen 
^ kysytter üth dem racle, up dat nymancle unrecht geshee. 
33) ' Item efft eyn meyster störve, und syne frowe bleve na 
»m leven, szo sali sze clat amjn alllykewoll brüken und clon des 
^Ptes rechticheyt, alzo ifft cle meyster levede, 
34) = Item efft clat eyn meyster were, dede eyne clochter hedde 
(lat eyn geselle were, de erer begerde ton ehren, de sali 
personen eyn ciuith, frygh ampt, und men ene 
(Ihon, dar he syne amptbröder mecle ehret und bekennet, des 
' ^yken des meysters szóne. 
35) ° Item hyr sali nymant üthgenamen wesen, de s.ck rychten 
na inholdinge, wo vorberöret ys, unddeenen egenenroeck 
25- 
Klamme, sehenden Wo,« m.d au.Bes.Hchen .nd vo. spl.e,e, 
igj «1 ... ... .j ..„hiftf ittin. 
ib Art. 
zwiscnen JViaminern - 
übergeschrieben : mey (?) und unluste van. 
h: Art. 2b. 
Art. 28. 
Art. 2y. 
^b Art. 30. 
33
        <pb n="534" />
        Schnitzer. 
5H 
hebben effte holden und der Stadt rechticheyt doen und nü bes&gt;t 
lick syn, meler, snidtker und künthormakers und glasewerter'. 
36)2 Item alle dejennen, de nicht genochhaftich syn und nich^ 
kònen vüll don, dar se sick vor üthgeven unde unbesithck 
szünder echte frowen, dar sze mede in ehren mögen stan, de sch 
kesen eynen meyster, de sze vorbidden, offt sze eynen wadt vo^ 
dorven hadden edder vorderveden, dat szall de meyster vor \\ 
unde tosheen, unde (de meyster szall) de arbeyt ersten m&gt;t 
besheen, und en darinne underrichten, dat synem kopmanne 
und genoch geschee, (sso)= sze denne des eyns worden szyn, un ^ 
sze schölen nene jungen leren efte knechte tosetten, szünder 
meyster schaffe em hulpe by bröke 4 rnarck, szo vaken 
dat geschüt. 
37) Item welck meyster unser geselschop düsser schm 
netende mher, dan eyn ampt kan, de sülvige mach ock 
vor syne personen, wes he sulven myt synen handen 
und bereden kan, overst nene gesellen eftte jungen darüp 
und leren, besünder up syn ampt szo vele, alze he der vorm^ 
dar he syne werckstede affhölt by 10 mark bröke. 
suives^ 
38) Item szo sali ock nymant, de in dussem ampte synes 
werden wyll, de amptkost nicht höger holden, besünder gel‘C 
disser schra geschreven steyt, szo jemant hir enbaven de e 
handelde, de sali vorfallen syn dem rade 5 marck broke 
39)^ Item van alle düssen vorgescrevenen® artikelen und bn 
ökel 
sali de older man myt synen bysytteren, szo he affgekaren 
dem nygen aldermanne den drüdden penninck in dat recht 
dem ersamen rade und dat inghaendegelt, de helfte dem 
dat recht to bryngen. 
—- pal"' 
1 Am Rande dieses und des folgenden Artikels steht von an ,///^ 
In id (}) sollen ock dejenen, so vorhen in ander wegen geivonet, tko j 
hafe geseten und egen roeck geholden unnd sick darnha hier bege^^en 1 
ampie tho dringen understan zvolden uns und unsem ampie tho 
alreide baven daran berori sieiih. 
2 B: Art. 31. 
3 Ausgestrichen und ühergeschrieben : glich zw. ¡¡aeit^^^^ ' 
4 B: Art. 32, an dessen Schluss noch angefügt 1st; „und dai mg 
de hclfie dem rade in dat recht io bryngen". 
5 In der Vorlage: vorgesc.
        <pb n="535" />
        Schnitzer. 
515 
40) ^ Item ersame, wisen heren, alze \vy beramet hebben ene 
elfte ene schräge, alze hyr vorbenomet ys, van snidtkern, 
^ünthormakern ine, szo syn wy begerende an iwer ersamen wisheyt 
^fiTte wy uns in jenigen stücken vorsumet hebben elfte in jenigen 
*^yngen, alze vorbenomet, szo bydde wy und begeren van iwer er- 
^ärnen wysheyt, dat gy uns darinne behülplick wy lien wesen to 
'orbeterende. 
41) Inth jaer* 
101. Schnitzer. 
Schrägen vom 2. Aug. 1541* 
Schragenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Bl. 23-29. Vergl. Nr. 100. 
Der schnideker schrägen. 
Allen und jeglichen, den gegen wertigen und thokümpftigen, 
kundt und apenbar tho ewiger der sacken gedechtnisz, nach- 
^^nie und als denne diese statt Riga van erster erer planting und 
^»•kuwunge van Jahren tho Jahren bet an diesen Jegenwerdigen 
'^^ch van gnaden desz almechtigen an volck und güdern merklich 
'^ogenommen, ock noch dachlich sowol an handtwerkeslüden als 
^oplüden wasset unnd thonemmet, und aver etlike \an den ge 
"^^iten handtwerckslüden, sonderlick die schniddeker, sick gegen 
borgernieistern unnd rathmannen obgemelter statt Rige be 
^'^gGt hebben, wo en in erer nering und berginge kein geringe 
^^toch, nach del und schaden geschege, dat se ock schwerlich ge 
^^Hen edder volck up er ampt und handtwerck bekamen und be 
'¡''Iden können, ock gar wenig gehörs by densülvigen hebben uth 
orsacken, dat se glicks den andern ampten mit schrägen und 
"'^^nunge, wornah sie sick richten und allerley gebrecke up erem 
'^Pte underliolden mögen, nicht bewedmet, versorget und ver 
syn; derhalven sie sick up unse ratification und verwilligunge 
^^^er malckander nah folgender schrahe und ordemnge bekovert 
vereiniget unnd uns in rathsversamblung praesentiret mitt 
dicnstlickem und flytigern bidden ebnen desülvige (»so sie 
dergestalt gefellig were) tho confirmeren und tho beste igen 
se darmede tho begaven; dewile dan solcke ere bede up 
und billicheit vermercket, ock dat ahne ordening up yden 
in die lengede bestendich syn kan, syndt wy so vde desto 
''"^Grig.r gewesen solckererer instendigenund flitigen bede stede 
' Ö: Art. 33. nur sind statt der 4 Handwerke bloss 2 genannt, nämlich W/- 
kun/hortnakers, 
^it diesen Worten bricht der Schrägen ab. 
Hie Klammern fanden sich in der Vorlage vor. 
33*
        <pb n="536" />
        Schnitzer. 
516 
tho geven und hebben derhalven den ersamen und vorsichtig^ 
Herren Patroclus Klocken» und her Johann thom Berge^ unsen ge e 
veden radesfründen nuh thor tydt verordneten amptherren, upge 
lecht und befohlen de vorberorde schräge settlnge und 
nach aller notturfift tho besichtigen, unde so idt van noden, 
corrigiren und nah unser statt gelegenheit tho stellen 
darnach desülvige ock tho besichtigen averantwerden solden, c e 
sie denne mit ernstem flytte alse nahgekommen, sick fiarme 
bekümmert unde de gemelte schräge und ordening inmaten, 
hierunder geschreven, schriftlich gestalt und uns desülvige m rat^^^ 
versambling averlevert, welcke wy nah verlesing up keinen 
reden befunden und derhalven up der gemelten schniddeker 
feldich und flitich bidden unnd ansöken desülvige dergestaltt 
krafft unses ordentlicken ge waits approbiret, confirmert nun 
stetiget hebben, approberen confirmiren unnd bestedigen ock 
vige hiemit wirklich unnd wesentlich, also dat de gesump^^ 
schniddeker und alle ehre nahkömlinge sich der henfurder m 
ampte gebrucken und allenthalven darnach richten und ho ( ^ 
scholen und mögen, doch vorbeheltlich, wesz uns alse der ^ 
licken overichkeitt und dem rechten tho richten gehöret, ock dat 
in düsser schrägen gelicks, wo in allen andern de overste han^^ 
macht und gewalt, willen hebben, desülvige nah gelegenheit 
verendern und darin tho doen und tho lathen. Geschehen am a 
dage des mantes Augusti (2. August) im Jahre nach Christi ^ 
even Herren gebordt dusendt v y if hundert und einundvertigste • 
Hiernach volget nu de vorgerörde schräge der schniddek 
und wo sick de in erem ampte schicken und holden sollen. ^ 
i) ji u. 2]^ Thom ersten so sali ein jeder, so dat schnidde 
ampt begeren isz, ein Jahr thovorn alhier damp denen, 
men syn arbeidt, und wat mannes he sye, erkenne möge, " 
sowol von ehn isz alsz vor dat ampte, darnach sali he dat ||| 
eschen tho dren rechten tyden up s. Lucassteven de erste esc 
des sali he fort in dersülvigen ersten eschinge sine geborts- 
denstbreffe thögen und wysen. 
1 Vergl. S. 237, Anm. 2. 
2 Böthführ, Die Rigische Rathlinie, Nr. 445. Vergl. S. 284, Einl. ¿e( 
3 Bis hierzu stimmt fast alles wörtlich mit der Einleitung zum Schrai, 
Glaser v. J. 1541 überein. 
4 Die zwischen Klammern stehenden Zahlen bezeichnen die Artike 
der Schnitzer v. 1536 (B). Artikel 3 fehlt hier.
        <pb n="537" />
        Schnitzer. 
517 
2) [4I Item wenner denne sodane eschinge vorberorder maten 
tho dren tyden geschehen, so sali dejenne, welcher meister werden 
und syn egen werckstede holden wdll, thovor und ehe denne he 
dat ampte entfangen wertt, erstlick syn werckstück maken, up 
dat man erkennen möge, dat framen lüden genoch geschehe, und 
^ere idt sacke, dat he dat vordörve und syn werckstucke nicht 
volle erkandt würde, so sali he noch ein jahr denen, eher he 
^at ampt eschet, desz sali he dat meisterstück wisen, eher he sine 
^mptköste' dein, und darfür sali men keine brocke nemmen. 
3) ^JItem we^k^udce d«^ makrunndgkise^^^r ist 
ridende Jürgen offte ein sittende Manenbildt offte Fronic e, 
der ^^hnid&amp;d«^ und kundiormackerv/^-ckstück em witt kum:hor 
^nd eine lade up witten holde unde ein bretspiel. 
4) M3l Item wenner denne sodan syn werck vor voll und ge- 
nochsam eHcandt isz worden, so sah ^ averma s sme g^iorts- 
^nnd denstbreffe dem ampte thögen und wysen, ghck wo in anderen 
landen und steden ein gebrucke und gewanheit isz, und eher le 
in dat ampt emfang^en v^rd^ soh he tlxy.^-n vor mnem 
urbaren rade de borgerschop wynnen und darnah de cumpanie . 
IsüssiâH 
^^rdigen schrägen. 
* li : kosf. 
Qp "’enfien Inhaltsangaben sind hier wie Schrägen unberücksichtigt geblieben, 
'^'“'•sch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga entlehnte - 
^ Übergeschrieben. 
t B: na utkwisinge nnde ende.
        <pb n="538" />
        Schnitzer. 
518 
7) [8] Item ock sollen dejennen, so dat ampte begeren, vvenner 
se er werckstücke tögen, in de busse geven sösz* marck Rigis^ 
tho Gades ehre unnd dem predigstole und aver ein halff jahr darna^ 
noch sösz’ marck tho des amptes beste, und sollen harnesch un 
wapen hebben tho ehrem lyve. 
8) [9] Item offte ein meister wehre, de einem borger offte 
seilen arbeidede, idt were in hüsern ofTte stenhüsern, wo denne 
dat gelegen were, unnd se sick nicht kenden vorglicken, un ^ 
he dem kopmanne syn holdt edder tüch tho nichte brechte ^ 
em nichten beide, wes he em gelavet hedde, so sali men thv^^ 
uth dem ampte nemmen und laten dat schatten und erkennen 
werde des arbeits, up dat nemandt unrecht geschehe. 
9) [iol Item alle dejennen, de man entfanget in ditt vod^ 
rörde schniddekerampte tho lehrende, idt syn Dütschen, Schwe 
offte Undütschen ^ de dar ehrlich und unberüchtiget syn, den sa^ 
men dat ampt gönnen und forthelpen.» Demgelicken so kunst'^ 
meister edder gesellen in bildewerck tho schniden hier q^eine^’ 
sollen nah gunst eines erbaren rades angenommen und tho 
beiden en gegünnet werden. 
10) [ul Item men sali ock alle mante mit eyner verschla^j^ 
büssen umbgahn, darin ein jeder meister drie Schillinge uu^ 
jeder geselle einen schilling legen sali tho hülpe unnd stur 
armen des gerörden ampts, so in eren nöden darmede tho 
settende, wo sick denne dat begeven mochte; tho welcher hu- 
de olderman einen schlötel hebben sali, unnd ein geselle, de d&lt; 
gefellich isz, midt dersulvigen bussen soll umbgahn de juug 
meister und de oldiste geselle. 
11) li2l Item wenner de olderlüde dat ampt tho hope vorhu^^^^^ 
lathen offte wenn se van en hebben willen vor se tho kamen- 
sali gehorsamblich erschinen by verböringthwier marckpundt wai’^ 
12) [i3l Item offt dar ein geselle wanderende (píeme, 
weicherem meister he ersten inkompt, dem sali he arbeidei , 
werckes, datt he kan, idt were denn sacke, dat de geselle 
jemande vorschreven edder besprachen were, unnd so men 
1 B; /o tnarck. Harnisch und Waffen werden dort nicht ^^efordert. 
2 B: Undüfsche fehlt. 
3 B : Folgender Satz fehlt.
        <pb n="539" />
        Schnitzer. 
519 
siilvige bewysen edder nahbringen konde sonder argelist, so sail 
nieister, dar he ersten thogekamen isz, ehn verlathen by pene 
^■nes liszpundt wasses, *und so he sick des weigern würde, sail 
he dat liszpundt waszes verhöret hebben*' und dann lickewol den 
gesellen vorlathen und dem andern meister synen schaden upnchten. 
13)114] Idt sollen ock de timmerlüde den schniddekers unnd 
hunthormackers ehre gesellen nicht entspehnen oífte mit liste tho 
®'ck tehen tho arbeidende, unde de timmerlüde sollen nene lymede 
h)gen brücken, vvelcket recht wy scheten an den vagedt edder 
^e weddeherren. 
:4)|i5| Itemydt sollen ock und mögen de olderlüde diejennen, 
so hier in der statt in borgerhüsern oder sonst m arbeit beschlagen 
" erden, wo den ne dat gelegen isz, in dem gemelten sc n i e e 
"•"Pte nichten syn ofFte neinen meister hebben ock nicht des 
^mpts willen in borgen hande vor den vaget brengen un (^ryo 
syn retschop mit der arbeit, so lange he van dem rechten scheidet 
"nnd des amptes willen maket. 
I5)|i6| Item offt welck geselle einen werckdach* maket, unnd 
hillich dach in der sülvigen weken, so sali men eme den hi .g 
^^ch affrekenen mit dem mandage an synem lo 
'"¡Mathen nicht tho art,eidende sonder des ampts willen. 
idt were», de sali breken drie marck. 
Th:': ^ 
wann se van erem meister willen. 
‘ H: Die zwischen Sternen stehenden Worte fehlen. 
^ K: tuerckeldach. 
= H: /z/TC. 
^ If: Art. 20 fehlt.
        <pb n="540" />
        1 B: Die zwischen Sternen stehenden Worte fehlen. 
520 
Schnitzer. 
iç)|2i| Item offt dar were ein knecht offte junge, de sinem 
meister uth dem hüse entferde, det were iser, bly, warve, 
edder holdt, dar se ere heymlicke arheidt mede hebben willen, ^ 
sollen brecken ein halff liszpundt wasses. 
20) \22 \ Item offt dar ein geselle edder junge deefflicken arbeiden 
wolde in des meisters tydt, offt de meister nicht by der liandt were^ 
so sali men dat richten, wente idt sali nen knecht offte jnng 
arbeit maken, sondern syn meister, de günne em datt. 
21) [23l Item offt ein lehrjunge uth sines meisters huse schlepp 
in untemelicken Steden, dewile dat he in sinen lehrjahren isz, unn 
syn meister dat weett effte syne kompans, de sollen dat 
melden, so sali de junge vor den ungehorsam geven, so va ^ 
als datt geschütt, thwe marckpundt wasses. 
22) 124! Item offte dar ein junge effte geselle uthoge vor tl^^^ 
sterffte, so lange he uth isz, sali he weder noh und glickewol s&gt; 
volle tydt uthdenen. 
23) 125! Item wenn ein meister einen jungen thosetten 
so sali he en ersten veer weken versöcken unnd nah uthga«^ 
der veer wecken sali he alse de meister, die bisittere vorba 
lathen in des oldermans huse, up dat de junge darsülvest entiang^^ 
werde, unnd sali alsdenne de junge geven in dat ampt eine 
edder de meister, de en entfanget, soll dar gutt vorseggen 
jahrs uththogeven, und de junge sali der frauwen so horsarnb^^^^ 
tho willen wesen alse dem meister sülvest, y dt sy hillich 
offte werckeldach, und were idt sake, dat de junge synem iti 
entlepe uth der lehre, uncle de meister ehn wedderkrege, so 
he dat ampt upt nye lehren unnd winnen offte macken des 
willen; kondt he averst bewiesen, dat idt des meisters ^t^^^^**^** 
frouwen*' schuldt were, so sali men ehn wedder nehmen 
synen schaden. 
24)!26! Item wenn ein lehrjunge syne lehrejahre gedenet 
so sali he noch ein jahr mit dem sülvigen lehrmeister bliven, ^ 
denne sali ehm de meister lohnen nah synem Verdienste, als^ 
des eins werden. In denisulvigen jahre werden so mehr enbin'^ 
des se thovoren nicht geweten hebben, uncle isz clat sülvigo 
vor den knecht alse vor den meister. 
eft 
bet'='
        <pb n="541" />
        Schnitzer. 
521 
25)127] Item o fit idt queme, dat ein meister deme andern sine 
^^den entspennede offte entspreke ein heel jhar oñtt ein halfîf jhar, 
men des entbinnen wurde, eher dat he in frundschop van em 
S^scheden is, so sail he vor die daet geven ein liszpundt w asses 
^nnd den knecht ein lickewoll verlaten. 
26) 128] Item welck man de jüngste in unserm amptte is, de 
^^hall schencken und dat amptt tho hope verbaden so lange, dat 
Verloset werdt, und ein ander nha em kumptt. 
^7)130*1 Item men sali ock nemandt in unse amptt entfangen, 
dar apenbare beruchtiget is, de egen edder unechte is, wente 
vele moye unnd unlustes van kumpt. 
28)131] Item welck unser ein uth dem ampte ein messer thütt 
den andern, de sali beteren dem ampte ein liszpundt wasses, 
^"nd so he jemandt«, so sail he gebraken hebbenn tein marck 
Bonder gnade, jedoch hierin vorbeholden dem vagede unnd dem 
^^chten de broke. 
29) [32] Item alle dejennen, de unse amptbröder syn unnd sick 
'jcht willen richten nha inholde dieser unser schräge, uns van 
'"Gm erbarn^ rade alhier gegeven, unde kyff edder vordreet offte 
'"tthyen makeden, welcker se syn, dem sali man mit eren knechten 
amptt vorbeden, unnd sollen vorbraken hebben te&gt; n marc 
^"tler gnade, unnd sollen sick alszdenne lickewoll mit deme 
"tpte verlyken in frundtschop edder in rechte, unnd hir )y so en 
^'^sen de bysitter uth uth dem rade, up dat nemandt unrecht gesc e. 
30) ] 33] Item offt ein meister storve, unnd sine frowe bleve 
em im leven, ^ sali se d^ ampt aH^dtewoll bnd.m unnd 
des amptes rechtigkeit, alse iA de meister levede. 
Ga des meisters sone. 
' Arl. 29 fehlt. 
* fier Schluss j^anz abweichend. 
® ß; folgt xvündedc. 
^ ß; ersamen. 
^ ß: als Anmerkung zu Art. 35-
        <pb n="542" />
        Schnitzer. 
tho 
dele 
522 
hebben unnd sick dama hierher begeven unnd in unse ampt 
drengen understan wolden, uns unnd unsem ample tho na ^ 
unnd vorfange in unse ampt nicht entfangen werden noch 
sulvigen geneten, uthgenamen kunstricke meyster edder gese e 
in bildewerck tho schniden, wo albereit baven darvan berort stei 
33) [36] Item alle dejennen, de nicht genochafftig syn und nicht 
können voll doen, dar se sick vor uthgeven, unde unbesithck sy^ 
sonder echte frowen, dar se mede in ehren mögen bestan, de so e^ 
kesenn einen meister, de se verbiddet, ifft se einem wat verdorve^ 
hadden edder verderveden, dar sali de meister vorwesen nn_^ 
thosehn und de arbeitt ersten mit em besehen, unde em í ^ 
underrichten, dat sinem kopmanne voll unde genoch gesche, g &gt; 
wo se des eins worden sint, und desulvigen sollen nene jung 
leren elfte knechte thosetten, sonder ere meister schaffe en n 
by brocke vier marck, so vaken alse dat geschult. 
34) l37l Item welck meister unser geselschop diser schräg^ 
genetende mehr den ein ampt kan, desulvige mag idt brücken 
sine person, wes he sulven mit seinen handen wercken u^^^ 
bereden kan, overst nene gesellen elfte jungen damp holden 
leren, besonder up sin ampt, so vele he dar vermach, dar e 
werckstede mede heldt, by tein marck broke. 
35) 138] Item so soll ock nemandt, de in dussent 
sulvest werden will, de amptkoste hoger holdenn, dan alse 
disser schrägen geschreven steidt; so jemandt hirenbaven 
unde handelde, de sali vorfallen dem rade vyff marck broke. 
36) [39J Item van allen diesen vorgeschrevenen artickeln 
broken sali de olderman mit sinen bisittern, so he affgek.U" 
mit dem nien oldermanne den drudden penninck in dat 
bringen dem ersamen rade unnd dat ingaendegeldt de 
deme rade. 
37) 1 Item des sollen unnd wollen vvy jederman, de 
tho doende heftf, berieñ doen unnd redelicheitt schaffen 
nemandes baven gehöre avernhemen edder beschweren ’&gt; 
boringe unser schräge. 
1 H: Der letzte Artikel 40 weicht ganz von Artikel 37 ab.
        <pb n="543" />
        Schnitzer 
523 
102. Schnitzer. 
Rathsentscheidung vom 26. Februar 1575. 
Schragenb. d. Gesellsch. f. Gesch, u. Alterth. in Riga, Bl- 3^ 34- 
Ordnung zwischen meister und gesellen des schnitzker handt- 
^erckes, gegeben unnd bestetiget den 26. februarii anno (15)75- 
Kundt unnd zu wissen sey jedermenniglichen den jegenwertigen 
“iiid kunfftigen meistern unnd gesellenn des schnitzker handtwerckes 
^Ihier zu Riga, demnach eines erbarn raths verordnete amptherrnn 
^Gspueret unnd vermercket, was massen gedachtte meistere unnd 
gesellen etzlicher artickell unnd puncten halber gegen einander in 
'^ist und Uneinigkeit gestanden, welche artickell auch in dem 
‘'Trigen der gesellen brieffe gemangelt, zu dem von uns, als den 
^'^pthern, in nhamen unnd von wegen eines erbarn raths nie t 
^Pprobiret oder bestettiget weren, alsz haben berurte verordente 
^'^Ptherrn gemelte samptliche meistere unnd gesellen ermhanet sich 
^(^Icher artickell halben unter sich freundtlich zu vereinigen und 
solches geschehen, sie alsdan ferner wegen bestettigung unnd 
'infirmation derselben ersuched und anlangen, wan dan solche 
‘^feinigung aus beiderseits semptlicher verwilligung, guttem 
^’*ssen, consent unnd willen erfolget, unnd derwegen beide parte 
'ir mher bestimbte amptherrn erschienen unnd ihre beliebung zu 
'istettigen gebeten, als soll hiermit solche vereinigte Ordnung im 
'Manien unml nun wegen eins erbarn raths zu erhaltung zwischen 
'’iîstern unnd gesellen nun unnd zu ewigen zeiten gutter einigkei 
Vermeidung zanck und haders in allen unnd jeden nach- 
^lg(:ndenartickeTnconfirmiret,genem gehalten unnd bestettiget sein. 
:) Zum ersten sollen die beiden öertgesellen alle sondage von 
'"y^rs zwelffe bis ein uhre aufT der gesellen Herberge erschein^ 
... 
üii* 
Her arbeit, soll er sie selbst zalen.
        <pb n="544" />
        5^4 
Schnitzer. 
2) Zum andern wan * ein umbstendere Urlaub nimpt und 
sich wider zuschicken lassen, der sali wider umbschicken auff ^ 
sontagk oder soll die gantze woche feiren bis wider zum sontage, 
die öertgesellen aber sollen des umbstenders vorigen meister 
fragen, ob der geselle auch mit willen von ihm geschehen s 
oder nicht. 
3) Zum dritten wan sie den gesellen ins meisters haus 
soll es geschehen, ehe unnd bevor die klocke sechse au ^ 
abendt geschlagen, ist bey der gesellen straffe, unnd wan der g 
selle ins meisters hausz gebracht ist, soll der meister 20 sch. 
oder funff kanne hier schuldigk sein aufzulegen unnd etwas ^ 
truncke darzu, darmit soll das klar sein. 
4) Zum vierten soll sich keiner zu den öertgesellen, wan 
einen gesellen den meistern zubringen, gesellen und also 
des meisters haus sich einstecken, besondern es soll allein bei 
dreien personen bleiben bei poen einer marck den gesel 
straffe in die lade. 
5) Zum funfften soll kein öertgesell sein, der ein landtskne 
oder ein kriegsman ist, bei der gesellen strafe. ^ 
6) Zum sechsten so ein feiertagk einfeit in der woche, 
der geselle machte einen montagk darzu, so wird ihm der feier * 
sampt dem montag an seinem wochenlohn abgebrochen. 
7) Zum siebenden soll ein gesell zu rechter zeit des 
zu funff Uhren an des meisters arbeit gehen unnd zu sechs a 
auff den abendt feirabendt machen unnd nach Sechsen " ¿n 
arbeit machen, aber was alte arbeit, daran er drinckgeldt 
mochte, soll ihm mit des meisters wissen unnd willen gegont • ^ 
8) Zum achten wan ein geselle muthwilligk in der wochc^'^^^^^ 
stünde unnd einen tagk feyrte, der sali den gesellen eine 
marck zur straffe verfallen sein in die lade. 
9) Zum neunden sollen die gesellen ihre ladenschlussel 
ausserhalb der Stadt in anderer herrn jurisdiction oder her «g 
bringen bei straffe eins wochenlohns. 
10) Zum zehenden sollen die gesellen schuldigk sein 
vierzehen tage, wan sie anfengklich zum meister bracht 
redlich ausarbeiten, unnd so ein geselle (were, der ») mher a s 
1 Von anderer Hand.
        <pb n="545" />
        Schnitzer. 
525 
’^ontagk machen wurde in den vierzehen tagen, der soll den ge- 
^^llen in die lade zur straffe eine marck verfallen sein. 
ii) Zum elfften sollen die gesellen alle vierteill jhares den 
^Gistern rechenschafft zu thun schuldigk sein v on der laden. 
12) Zum zwelfften wan ein umbfrage geschieht, soll allezeit ein 
*^6Íster bei der gesellen laden sitzen, der zusiehet, das es gleich 
^nnd recht zugehe. 
13) Zum dreizehenden wan ein gesell an einem meister \er 
Schrieben were, unnd der schriiftlich beweis hette, der magk sich 
demselbigen meister lassen zuschicken. 
14) Zum vierzehenden wan ein geselle wandern kerne aus 
^cutschlandt von Revell, Dorpte oder von binnen landes, so er 
"!cht ein st()rer oder sonsten unserm fuindtv^erclce zuv^iederen^ge- 
^"keidet hette nach laut unser schrägen unnd hier nicht arbeit 
^"•egen konte, dem sollen die raeisters vor vierzehen tage wochen- 
^ohn geben. 
15) Zum funfzehenden so haben die gesellen eine lade unnd 
buchse, die soll sein in des altermans hause; zu der laden unn 
'Achsen sollen die beiden oertgesellen die schlussel haben. Des 
(^len die gresellen alle vier v,ochen m des oldermans hause vor 
2 schiegen Zusammenkommen bey peen einer halben marck, unn 
soll ein jeder einen ferding ufflegen, darvon so len 2 sch in 
husse gelegt werden zur notturfft krancken gesellen; wer aber 
redlichen Ursachen nicht kommen kan, der soll entschuldigung 
*ben Und dasz zeitgeldt einem andern thun. 
.6) Zum sechszehenden wan die gesellen bei der laden oder 
mm### 
* straffe eines klippinges.
        <pb n="546" />
        Schnitzer. 
526 
sein gewehr fordern bei peen eins ferdings, unnd wan die schencke 
aufifgehoben ist, magk ein jeder sein gewehr wider fordern un 
gehn, wor er will. 
19) Zum neuntzehenden wan ein gesell unsers ampts krai^ 
wirt unnd nicht zu verzehren hat, den soll man entsetzen aus 
buchszen nach der gelegenheit der kranckheit, unnd wan ihm ^ 
wider auffhelfifett, so soll er es wider in die buchse geben; zöge 
er aber hinwegk unnd gebe das ausgelegte geldt nicht 
feit er in meister unnd gesellen straffe, stirbt er aber, soll man \ o 
seinem nachlasse dasz geldt wider in die buchse schaffen. 
20) Zum zwantzigsten, nachdem der heiliger Paulus sagt, 
christen rede, handell unnd wandell sollen höfisch unnd züchtig 
sein, unnd der ein dem andernn kein bösz exempell geben, be^^^ 
mit Worten und mit wercken, so sollen wir auch, die wir u^^^ 
christenn rhumen unnd auff seinen nhamen getaufft sein und na 
seinem nhamen christen heissen, uns messigk unnd zuchtigk halt ^ 
unnd so es kerne, das hir über einer thette unnd aus leichtfertig 
keit oder unmessenheit den nhamen des Herrn unnutze in sein^^ 
mundt nheme und schwöre bei Godt unnd seinen leiden o 
wunden, bei seinem sacrament, creutz, todt oder was sonsten t 
ehre Gottes belangend, der sali geben vor ein jedes wort zwe " 
unnd der den andern liegen hies einen ferdingk. 
21) Item so einer den andern an seinen ehren zorniges 
nemblichen vor einen pracher oder landtleuffer vor einen Unte 
sehen schulde, der soll geben zur strafte eine marck. 
22) Item so einer den andern schildt vor einen schelm 
dieb unnd kans nicht gutt thun, soll er gestraffet werden von 
ampte vor sehs taler oder nach gelegenheit der sachen, unn^ 
er ihm vor dem ampte abbitten. 
23) Item wan einer hier spildet mehr als einer mit dem 
bedecken kan, der soll geben vier sch., mit der handt 2 sch. 
24) Item wen einer des getrenckes so viel zu sich nimpt. 
ers wider von sich giebet aufif des krugvatersz grundt, der 
gestraffet werden vor ein wochenlohn. 
25) Item so die gesellen nötigk betten die gesellen bei 
verbotten zu lassen, das soll der eltiste junge thun, der so 
gesellen das hier schencken unnd Zusehen, das kein hier gc®! j|g 
werde, unnd soll das halbe gelach geben, unnd so ein gesell"
        <pb n="547" />
        Schnitzer. 
527 
S^sellen verbotten liesse, soll er dem jungen 4 sch. geben, unnd 
^un das die öertgesellen nötigk haben, soll er nichts haben. 
26) Item so soll man von allem diesem straffgelde oder broke 
die helffte in die busse legen unnd die ander heißte zu gelegener 
verdrincken. 
27) Item wan ein junge ausgelernet hat, soll er von den ge 
Sellen erscheinen, da sie zusammen sein vor der laden, dar soll er 
^uffleggen ein wochenlehn, die helfTte in die buxe, mit der andern 
^Glflte soll man ihn beschenken; des sollen die gesellen zeugen 
®^in, das er redlich ausgelernet habe. 
28) Item so einer hier enbaven unhogen wurde anrichten, den 
tollen die gesellen unter sich straffen, kennen sie die sachen unter 
^'ch nicht vertragen oder vergleichen, so soll der gesell, welcher 
*^^leidiget ist, dem jüngsten meister sechs Schillinge geben, as er 
meisters vorbade, unnd als dan die sache alelar vor meisternn 
i&gt;nnd gesellen aufgedecket werde; wirdt dan die sache nicht ver- 
andren sk es weiter sm^ien, unnd (kr schuWiggeamden 
soll allen schaden aufrichten. 
29) Item so einer hier entbaven thette unnd sich nicht an dieser 
"'^entliehen beliebung benügen liesse, dem soll man sein ar ei 
Vn bis zur zeit, das er sich mit meister unnd gesellen verdrecht 
^'»ndert er darüber hinwegk, so soll man ihn aufftre.ben, so we.t 
man kan. 
30) Item wan dar newe öertgesellen gekoren werden, die sollen 
alten oertgesellen rechenschafft thun in be.se.n des oldermans. 
lüüüü 
‘‘'■'"gen unnd sich mit meister unnd gesellen vertragen. 
ïfSEESSirE; 
Vor zu lesen.
        <pb n="548" />
        Schuhmacher. 
52H 
gelebet unnd nachgesetzet werden bei darinnen begriffenen peenen 
und straffen, darüber wir, als die ampthern, ernstlich halten wollen- 
Des zu mherer Unterhaltung gutter einigkeit unnd verschonung eines 
erbarn raths oder derselben verordneten amptherrn anlauffen unn 
unlustes mit eines erbarn raths angedrucktem insiegell besiege h 
gegeben, wie obgemelt, den sechsunndzwantzigsten monatstag^ 
Februarii (26. Februar 1575) anno nach Christi unsers herren un 
seligmachers gebuert tausent funffhundert unnd darnach im fun 
unndsiebenzigsten jhare. 
Locus sigilli. 
Schuhmacher, 1280, 
s. Gerber und Schuhmacher, 1280. 
103. Schuhmacher. 
Schrägen aus dem Ende des 14. Jahrhunderts. ^ 
Stadt-Arch. in Riga, Dath schrägen unnd olde renlhebock, S. p 
Einleitung S. 229 und 230; abg. Monum. Livon. antiq., Bd. 4, S. CCCXII— 
Liv-, Est- und Curländ. Urkb., Bd. 4, Nr. 1523. 
Der schomaker sera. 
In Godes namen, amen. Dee hilge gest, dee sprekt dor 
Propheten David, aldus umme dat, dat du etest van deine 
dyner hande, hir umme sal tu salich syn, un de alle gud sa 
j .... -^cn^' 
besehen, dar umme boret sik van rechte, dat en jewelik in&gt;ns 
dee salich wil werden, dat hee de rechticheit vüre in allen (dyng 
synen werken, wente Got sulven lieft gesproken, salich synt 
dee dar hungeren unde dorsten na der rechticheit, wente see 
werden gesadiget; hir umme is dat werk van dem schoainptu 
geworden myt vulbort der erbaren heren van deme rade der 
Rige, also dat see hebben ene settynge gemaket under en m ^ 
werke, dat enem jewelken lyk unde recht geschee, dee eres arbe&gt; 
ren ; 
sok"' 
eiiS 
;cieS 
ihe'^ 
unde Werkes begerende synt, doch beholden alle olde woi 
unses Werkes, dee hir inne nicht gescreven is. 
i) To deme ersten male welk man, dee synes suives 
wil, dee sal syn werk eschen to sunte Michelis dage, des 
1 Im Original ausgestrichen.
        <pb n="549" />
        Schuhmacher. 
529 
^igels (29. Sept.), edder to paschen; erst an na der eschunge so sal 
^Ge hir in der stad en jar denen, bynnen deme jare sal hee dat werk 
Aschen to dren tilden to rechter tiid, unde hee schal wesen echt unde 
^^chte geborn unde unberuchtiget myt quader dât, 'were ok, dat 
i^nich mancjueme van buten to, dee wifunde kyndere myt sik brochte, 
sal bewisynge medebryngen, dat hee dar gewonet hebbe alse 
bedderve man unde syn wif alse ene bedderve vrowe. 
2) ' Vortmer so sal hee hebben vift mark Rig. unde vulle ge- 
^owe unde syn vulle harnsch to synem lyve. 
3) Vortmer so sal hee dar na maken veir par scho vor deme 
'^erke, alse en par knop- eder vrowenscho, en par wyve scho, 
par nedder scho unde en par scravelen', unde dar na schal 
hee ok don deme werke ene koste, beyde mannen unde vrowen, 
^nde hee sal geven enen fert. to den lichten; wan dat gesehen is, 
sal hee gan uppe dat radhus myt den olderluden des scho- 
^^ptes unde sal syn recht dar to dun, dat id Godes unde syn sy, 
^at dee werkmesters beseen hebben. 
4) Item welk man sik vornedert myt enem w i\ e, dee unechte 
edder myt (juader dát beruchtiget is, dee sal des Werkes enberen 
^nde nene scho in desser stad meer maken. 
5) Item welk kynt in deme ampte wert geboren, knecht edder 
'^evrowe, dee sal dat werk vr\ hebben. 
6) Item welk man unses werkes ene junevrowen nympth, &lt;Iee 
unsem werke eehoren is, tie sal scho in deme wer'c ma en 
"le sal hehhen vulle harnsch to synem live unde sal deme wer e 
e koste don » oeliik den anderen, wo vorscreven stcit. 
7) Item see en islek man to, dat hee gud werk ma e, . at 
'e nicht genomen werde; alse mennich pir scho, alse eme ge- 
"nen wert, dar sal hee vore heteren ene mark wasses, un e dec 
sal men dar Got geven. , 
8) Item ist sake, dat ud unsem werke vorstorve jen.ant, hee 
man edder wiff ofte kynt, so solen dee menen krudere 
:^Kn tü der vigilie* in deme huse edder vor tier t^re hy wen 
"'gen, untie tlaflyk to der kerken to dregende l,y twen artogen, 
de to grave to tiregentle hy twen artogen, *unde to hope to 
Sätze und Art. 2 beseitigt worden. 
* ibid. : Sfie/eien. 
* Ibid, am Rande : Ahrof![ctuiH pn' senoimn 
* Ibid. : Abrogatem. 
de tp. April Ao. 1620. 
34
        <pb n="550" />
        Schuhmacher. 
53" 
,offerencle by twen artogenici en sy clenne, dat see sik entsch 
digen mögen myt redelker sake. 
9) Item unse drunke sal men holden to pinxten ens in e 
jare, dar sole wi alle to wesen; dee dar nicht en körnet, dee sa^ 
also vele betalen, alse dee dar kumpth; unde wer et sake, dat &amp; 
jemant were, dee neen geld en hedde, dee solde dar en pant \ o 
selten unde losen, dat na syner möge. 
10) Item welk bruder edder suster deme oldermanne ölte 
bisitteres edder den kemmeren vordreet doyt in den drunken 
pinxten, unde see dat clageden vore der tafelen, dee sal ketere^ 
en Lives punt wasses ; unde weret sake, dat jemant dat vorsnia ^ 
unde nicht en beide dat bot unser olderlude, wo vake dat gescheg - 
dee solde beteren ene marck wasses. 
11) Item der jungesten brudere twe, dee lest körnen m ^ 
werk, dee scholen schenken to allen tiiden, wan dat werk to hop^ 
is; dee jungeste bruder sal dat beer uphalen, alse vake, alse 
des nicht dòn, unde dee brodere dar over clagen, so solen s 
beteren 3 mark wasses. 
12) Item wan dee oldermann ene stevene kundeget, welk bru 
dar nicht en kumpth, dee sal beteren 2 artogen, unde 'dee o 
man sal nene Steven maken, hee ene hebbe dee helfte der bru e 
13) Item were id sake, dat jenich man, dee schel} nge h 
myt deme anderen in unsem werke, dat sal dee olderman 
liken myt witscaph unde vulbort der heren van deme rade, 
by uns Sitten vor der tafelen, dat redelke sake synt sunder 
unde blud unde ede to nemende. 
14) Item were, dat jenich man den anderen schalk edder 
gelyke hete, der solde beteren '/z Lives punt wasses; unde 
id sake, dat jenich man den anderen legen hete in tornen 
wan dat werk to hope is, dee sal beteren 3 mark wasses; 
weret, dat id in den hegeden stevenen schege edder m den rec 
drunken to pinxten, dee sal tweschat beteren; unde weijb^ 
jemant den anderen sloge edder stotte in tornem mode, de 
beteren 6 mark wasses. 
15) Item welk man, dee ute der Steven gynge myt tornem 
unde synen broke nicht beteren enen wolde, dee schal 
maken eer der tiid, dat hee sik myt deme werke vorliket 
dar dee heren van deme rade, dar to gesettet, jegenwordich ) 
. . gy 5»'*' 
1 Im Schragenb. &lt;1. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga fehlt dies
        <pb n="551" />
        Schuhmacher. 
531 
lò) Item wer et, dat jenich man deine anderen synen knecht 
^ntmedde sunder to rechter tiid, aise to paschen unde to sunte 
^hchelis dage, dee sal beteren V2 Lives punt wasses. 
17) Item so ene sal nenich man van unsem ampte scho kopen, 
buten gemaket synt, by enem halven Lives punt wasses, unde 
"ore see dee werkmester vyndet, dee sal see nemen unde bringen 
vor der stad voget. 
18) Item sal nemant scho utsetten uppe dee wyndelagen des 
billigen dages, eer dar predeket is to sunte I etere, by twen 
artogen. 
19) Item welk man, dee enen leerjungen to sik nympth, dee 
sal dat den olderluden witlek don; we des nichten en doyt, dee sa 
Zeteren ene halve tunnen bers; unde wan hee den jungen tosettet, 
«0 sal dee junge geven ene tunnen beres; unde nemant sal meer 
jarjungen tosetten sunder enen jungen aliene, unde men sc a 
^ene Undudsche jungen entphan adder nenen jungen, dee unec e 
^y; unde entlepe en junge synem mestere, eer dee lerjar umme 
(Nemen, dee solde wedder uppe dat nye syne leerjar van an e- 
Synne vul uddenen. 
2„) Item were ene vrowe in deme werke, der ere man afstorve, 
"er sal men alle redelcheit holden jar unde dach na eres mannes 
"“de, aise ere man der redelcheit gebruket hevet. 
a.) Item wen dee olderman orloff gyft, so solen dee brudere 
gän; we dar enboven si,tende blift, dee sal beteren ene mark 
"asses. 
aa) Item we dar arbeydet des hilgen avendes na der beer- 
^^(^cken, dee sal beteren ene mark wasses. 
mmss 
wesen. 
Gesehen, r. Gc.h. u. AHrrth. M Ki.a:
        <pb n="552" />
        532 
Schuhmacher-Gesellen. 
25) Item worde en man so old, dat hee nicht arbeyden en 
mochte edder nicht vorwerven en künde unde van unsem ampte 
were, dee solde hebben vrye drunke, wan dat werk tosamence 
drynket. 
26) Item so en sal nemant scho to deme markede vuren, n ^ 
ene schole see ersten den werkmesteren beseen laten, ofte ^t 
rechtverdich werk sy edder nicht, by 6 marken wasses. 
27) Item so en sal nemant synem knechte laten scho maken, 
dee hee vorkope edder vorgeve, by 6 marken wasses. 
28) Item weret, dat jenich knecht gelt upborde van syn^ 
meyStere, dat sal hee eme afvordenen; weret, dat hee dar enbove^ 
van eme toge unde eme entweke ute der stad myt synem ge 
dee solde nicht meer arbeyden in unsem werke. 
29) Item so en sal nemant van unsem ampte rñ ledder cope^ 
in den schämen van paschen wente to sunte Michele, eer e 
docke hebbe vyve geslagen, unde van sunte Michele wente to P^ 
sehen, nicht eer dee docke hebbe 7 geslagen, by ener tunnen bere- 
30) Item sal nemant gan myt barvnten benen over den ronsU 
by ener mark wasses. 
31) Item so en sal nemant meer holden dan veir knechte 
enen jungen myt vulbort des rades unde willekors des gciti 
Werkes by enem Lives punt wasses to den lechten, weret 
dat jemant dat breke unde nicht en beide, dat wolde dee rad sun 
legen richten. 
32) Item so mach men jewelke mark wasses losen vor tA\ G 
33) Hoven alle desse articlen unde puñete vorscrevenen' so s^ 
unse heren van deme rade dee overen hant hebben unde beho 
104. Schuhmacher-Gesellen. 
Schrägen vom December 1414 und aus dem Jahre 1480- 
Bibliothek d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga. Fehlerhafte Abschd*^^^ 
1V2 Papierbogen aus diesem Jahrhundert in Sonntags Convolut: Riga, 
Industrie. Rigaische Stadtbl. 1825, S. I39-Ui- Vergl. Monum. Livon. antiq-, 
Schräg der schogesellen. 
i4 
In deme namene (iades, amen, ln dem jahre unsers 
jahr, do worden wy schoknechte tho Riege des eins inn 
1 Im Original vorsc.
        <pb n="553" />
        Schuhmacher Gesellen. 
533 
hilgenn dagen dho wynachtenn mit vulbordt des gemeinenn scho- 
^erkes dho Riege, als dat wy hebbenn gemaket eine elendigheidt 
der ehre unnser leven Irou wen santé Marien tho holdende. 
1) Tho dem ersten male welcher schoknechi unse broder 
^Grdenn will, de schall wesen ein Deutzsch, unnberuchtet, bederve 
Unecht alle siner handelinge; ock welcher schogeselle dho Riege 
^umpt unnd dar arbeydenn will, de schal geven ein artigh dho 
stholgelde unnd soll daermede volbrod wesenn, unnd den artich 
Schall upbörenn der gesellenn olderman mit smen bysitterenn, unnd 
'Vanner he sin stolgeldt uthgegeven hefft, ghkewoll sali he sin 
tidtgeldt udhgevenn dho ny (?) tidenn im Jahre sechs schilling. 
2) Item men soll nene fruwen entfan dho susterne, so sm den 
''them ampte der schoster oder uth dem gehrampte. 
3) Item welcher geselle de compenye unnser leven frouwen 
elendigheidt wolde avergevenn mit hogmode unnd wrevell 
"^tunckenn mit denn anderen gesellen nicht wolde holdenn, de scha 
schowerckes nicht werdig wesenn unnd dar nicht lenger inne 
'^enenn. 
4) Item welcher broder des aldermans bott vorschmadet, schall 
' Schilling betern, so vakenn he idt deidt. 
5) Item welcher broder den olderman vörtörnet, schal beteren 
elendigheidt 4 marckpundt waszes, denn aldermann 3 marckpundt 
itzhehenn l)ysitter 'A l)undt unnd klikern brex er ein ^.ernn- 
^^11 waszes. Welcher broder den andern sleit up dade obre, de 
^^^all beterenn unnser elendigheidt i liszpundt wasze 
, 6) hem mn W^d^ mk den anderem m^^doMx^enn 
^ner n^irck was«!s; welcher broder van unser chomp^niesune 
'^^rder vordolibeldt, schal unnser elendijgheidt betern i thon bers. 
. 7) Item welcher broder so veele beers dho sich niinbt, dat he 
'vedder gifFt, schall unser elendigheidt beternn : thonne beers 
J march waszes dho unsen lichten. 
^ 8) Item hein broder scha» nen gast bùdden, he sy so gudt aise 
^ sulven, by i dhonne beers. 
9) Item weicker gast in unser elenndigheit brickt, schal do 
■ Vor sinen gast sine broke beterenn. 
1 
f&gt;ade wohl zu lesen.
        <pb n="554" />
        534 
Schuhmacher-Gesellen. 
I o) Item welcker broder einen gast biddet, do unnser elendig 
heidt nicht werdich isz, de sehe, dat he des gastes nichten entg^l 
11) Item welcker van unsen brödern dem werde, der werdinnen 
offte erem gesinde vordret offte unngemack dede, schall unser 
elendigheidt beterenn i dhonne bers. Welcker broder van unn- 
begrepen worde up dem platze, dar se dobbelenn butenn der stat, 
schall beternn ein marck waszes; unnd worde he darup dootg 
schlagenn, dar schölenn sich de brödere nicht annkehrenn. 
12) Item wenner de gesellen ere druncke holdenn, dat seha^ 
sin dho pinxsten, so schölenn se drinckenn de vieff dagenn un^ 
na denn pinxster hilligenn dagenn den nagsten sondagh ock 
drinckenn unnd des donredages de lichte dho makenn unnd a^ 
des billigen lichams dage ock dho drinckenn; dat sint 8 dageu 
umme dho drinckende, und darmede ein ende. 
13) Item wen de oldermhan orloff gifft des avendes, so 
de brödere gahnn dho guder nach«; woll dar bavenn sitten 
blilf(' 
schall beterenn i marck waszes. Wenn de olderman kündigt 
stevenn, woll dar nichtt kumpt, schall beterenn i marck wasz^ 
14) Item welcker broder so vele beer vorgudt, dat he idt ^ 
einem vothe nicht bedeckenn kann, schall beterenn i marck 
15) Item welcker broder edder sustere stervet uth 
elendigheidt, dar schölenn de gemeinen bröder unnd susterenu 
kamenn tho d. vigilie, tho der seelmiszen und dho der bigra t 
einer marck waszes, idt sy denn sake, dat so sich entschuldig 
rechtverdigenn sakenn, dat so dar nicht kamenn köndenn. 
16) Item wen unse druncke uth sint, so schöle wie unnse^^^^ 
terenn und brödernn laten beghann, de vorstorvenn sint, ruit 
vigilie und mit so vele miszenn uth unnser elendigheidt, ulst) 
sanct Peter geholden werdenn in der kerken mit lichten tlh 
drepende und dho offerende; wol dar nicht kumpt, de ¡^g 
terenn i marck waszes, he hebbe den redeliche sagk, darme 
sich eindtschuldigenn möge. 
17) Item welcker broder uth unser elendigheidt Franck 
und berichtett mit dem hilligenn licham unnd mit der hi 
olinge, so schölenn twee vann unnsenn brödern denn krai 
broder des nachtes bewahrenn unnd bewakenn unnd dho 
up der wacht dho wesende; woll dat vorsumet, de schall ) 
4 art ich oder i marck reines waszes.
        <pb n="555" />
        Schuhmacher-Gesellen. 
535 
18) Item is de kranke broder so nodorfftig, dat he nichtes dho 
vorterende hefift, so schall menn ehme dhom erstenn male lenenn 
^dh der buszenn 4 ortigh; weret sine zuike lenger, so schall menn 
ehme dhom and(er)nn male lehnen 4 artigh; unnd iszet, dat sine 
zucke noch länger wehret, so schal menn ehme dhom derdenn 
uiale lehnen 4 artigh ; unnd weret sake, datt sine zuike noch langer 
''arde, so schall de oldermann mit sinenn bysitternn tho drenn ma en 
gähn tho unnsen brödernn unnd süsterenn unnd schòlenn van einen 
jedenm nhemen dho (kr eWt i nyen artigh denn kn^dten broder 
dho smer n()ttorfFt; unnd Averet sake, de kranke broder pasze 
'Vörde, dat erste geldt, dat he vordehnet, dar wann schall he unser 
Gkndigheidt denn gelendenn ferding wedder betahlenn. 
19) Iteni tveret sake, dat der krancke broder yarsterve, 
'''en denn lendenn ferding söken an sinem gude, dat he nage 
kefft na sinem dode; isz sines gudes nicht so vek, alse ^^ fTehen^h 
herding dhosecht, so schal de peknde* ferding unnser e\en 
''^enn elendigheidt allmiszen blivenn. 
sm 
''&lt;^der verstorven sy. 
2i) Item weret sake, dat " h^'nlchf up Lid 
’'"'halen. 
' feiende}
        <pb n="556" />
        536 
Schuhmacher-Gesellen. 
22) Item de brödere, de dar denenn butenn der Stadt aver 
twar* milen, de schölenn ehre vulle druncke betahlenn; ock sterveiin 
ehrer welke butenn der Stadt aver twee mylenn, den schölenn 
bröderen suiverlikenn innhalenn unnd bestedenn ehme tho 
erdenn. 
23) Item welcker broder, de binnen landes denet, wen de sine 
plicht vorsuimet, wann he tho Riege kumpt, so schall he sine vor 
setenn unnser elendigheidt gevenn. 
24) Item weret sake, dat welcke vann unsenn bröderenn binnenn 
landes storve unnd unse elendigheidt mit gave in sinen testamennte 
begiiftede, stervet he, denn wille wy begahn suiverlikenn 
unnser elendigheidt. 
25) Item dat, was so van derin brökenn kumpt, schall menn 
nicht höger denn vor i schilling betalen. 
26) Item dar schall nhen schoknecht in duszer gylde broder 
werdenn, de ein echte fruwe heffte. 
27) Item were dar jenig broder in diszer elenndenn compem^’ 
de ein echte frouw hedde, unnd der thovornn vörsakelt hedde, 
werdt menn des gewarede, schall der compenieen entberen. 
28) Item weret sake, dat enich geselle vann unnsen ambte unt 
gahnn were edder untginge sinem meister mit sinem gelde edder 
mit sinem denste, de schall in dem schowercke nicht mher denen 
unnd der compenie nicht werdig wesenn. Ock weret sake, dnt 
enich geselle vann Riege thöge und nicht mit vulbordt der compn*^' 
unnd schuldig bleve unser leven fruwen elendigheidt unnd darn 
wedder dho Riege queme, de schall denn der compenie nicht werd'ß^ 
wesen. 
29) Item weret sake, dat jemandt vann unnsen bröderen 6 ^ 
fundenn worde inn des scherpffrichters husz, de schall beteren 
thonne bers unnd i marck waszes dho denn lichtenn. 
30) Item weret sake, dat jemandt vann unnsen gesellen 
dho hovescher fruwen husz, unnd dar jenig vanndt libe vor 
oder hemelike sake, de schall beterenn in der compenie i dho 
bers unnd dho denn lichtenn i marck waszes. 
31) Item idt schall nhen broder barvoth over denn 
unnd in unnse druncke gahnn edder mit dem schotvolle edder
        <pb n="557" />
        Schuhmacher. 
537 
neyhantchenn ufifte brüste röpenn; also vakenn alsze einer 
vörbenomeden artikelenn eine deit, unnd idt 2 broder sehenn, 
edcler der oldermann aliene, so hefft he gebröckelt eine mar|ck) 
"'aszes. 
32) Item so vaken als ein broder denn andern mit drecke oder 
oldenn scho werpet oder up dem marckede sver (?) oßte 
^^änckene uphevet, vann einenn jedernn artikel ein marck waszes. 
Hier hefft diesze schräg ein ennde. 
33) Dit is de schräg der schogesellen tho Riege inn der bröder- 
^chop der elendigheit unser levenn ff uw en van worden n tho 
^^Menn, alse mit denn meistern des schowergkes eins gewordenn 
Unnd vonn beydenn partenn belevett hebbenn, dar nicht aff noch 
dliosettende, ist sy denne denne mit vulbord der meistern des 
^howergkes dho Riege; dede dar jemandt entgegenn, de schal 
^*^0 brote nicht wehtenn, ock hebenn der meisternn ein udhschrifíf 
duszer schräg in ehrer ladenn. 
34) Es soll kein geselle mit bonhasen oder mit ihrem gesinde 
^^nversiren und umbgehen bei straffe 3 marck, dawoll die meisteres 
helffte kriecht laut des amptsgerichtes abscheides. 
. 35) Im jahre unses Herenn 1480 dho wordenn de meistermans 
mit denn gesellenn, alsz dat de gesellen ehre lichte dholen (?) 
^kenn desz donredages in denn pinxtenn, des vormiddages, unnd 
bondages vor pingesten denn stevenn dho holdennde. 
105. Schuhmacher. 
Privileg, zw. 1488 und 1493- 
Schragenh. d. Gesellsch. f. Geseh. u. A„er,h. in Riga, Bl 47*', von des Amts- 
kverth Iluszmans (land, 
I Der schosters ehr privilegium, so de up dat Iho offte gehr 
hebben, bynnen wals offer der Ritzinge boiegen, luit ebner aff- 
up Pergament, so datt ampth sellver ingebrochtt, lu,t 
'"olgett: 
A radt hefft gelaten dem schoampte dat rum, boiegen over 
"" ^igee thwischen des stichtes garden und der pelzer gehrhus, 
^ dieser Artikel ist eine spätere Ergänzung und steht in der fehlerhaften Vor 
der Einleitung des Schragens.
        <pb n="558" />
        Schuhmacher. 
538 
dar se th o eres gantzen ampts behoff enhen gerhoff 
mögen under ehrer egenen kost und das gebruken mit den thtve^ 
kittelen, de dar sin, also dat langst die Rigee soll ein wech blive^^ 
dat men mit enher karen rume varen mtíge. Alle ehr gerwer ^ 
sollen se hebben und hantiren bynnen deme tune; kalk, har 
alle andere unfleticheitt, de se dan maken, schollen se 
vharen und nicht buthen eh rem thune liggen laten; den g^r 
und die kittele sollen se sellven stände holden und betheren, 
des behoff ist, und dat bolhverck sollen se staende holden, 
wene als ehr rum keret, und dan sollen en de kemere ho ^ 
geven i ; hirvor schall dat shoampt der Stadt 
mark Riges eviges wartinses, alle jar halff up Michel) und 
up paschen uththogevende. Dis vorgeschreven gerhaves 
kitteilen mach dat vorgeshreven gantze ampth vor den 
also vorgeshreven is, gebrukenn tho ewigen tiden; alsus ste 
in des stades renteboke. 
Schuhmacher, 1510, 
s. Entscheidung des Erzb. Jasper und des O.-M. Wolter v. 
berg über Brauer, Bäcker, Knochenhauer und Schuhmacher, i 
106. Schuhmacher. 
Schrägen vom 24. Mai 1615. ^.^ger 
Schra^enb. d. Gesellsch. f. Gcsch. u. Alterth. in Riga, BI. ' + jahrh- 
Schrägen beruht zum Theile auf dem Schrägen der Schuhmacher aus dem 
(Nr. 103), dessen Artikel in hochdeutcher Übersetzung fast wörtlich, je 
mancher Forderungen in zeitgemässer Abänderung, aufgenommen sind, 
gelassen hat man die Art. 2, 9, 18, 22, 23, 29 u. 32. 
Der Schuster-Schrägen 
H. Ludw. Hintelman * 1. V. D., welcher von e. e. Rhate ni&lt;- 
confirmiret*. 
ht 
dut 
In Gottes Nahmen, amen. Der heilige Geist spricht^^^^^^^^ 
den Propheten David also: Darum!) das du eszest von der 
deiner Hende, darumb sol tu sehlig sein, und alles 
geschehen, darumb gebührt sich von Recht, das ein J 
1 Vergl. S. 357, Anm. 1. 
2 Diese Überschrift von anderer Hand.
        <pb n="559" />
        Schuhmacher. 
539 
^Gnsche die Gerechtigkeit führe in allen seinen Wercken, dann 
^ott selbst hat gesprochen: Sehlig sein die, da hungern und dursten 
^äch der Gerechtigkeit, die sollen gesettiget werden. Darumb ist 
das \\ erck von dem Schuchampte eines geworden mit Volbortt 
^&gt;nes erbarn Raths der Stadt Riga und das Amptgericht also, dasz 
haben eine Sazzung gemacht mit ihrem \V ercke, das einem jedem 
gleich und recht geschehe, die ihres Arbeites und Werckes begehren 
^Gind, doch Vorbehalten alle alte Gewohnheiten unsers Werckes, 
^le hierinne nicht geschrieben seine!. 
I) Zum ersten Mahl welcher Mann, der sein selbst weraen 
'^111, der soll sein Werck eschen zue rechten Zeitt, alsz auff 
Michaelis oder auff Paschen ; erst ahn nach der Eschung so soll 
hier in dieser Stadt Riga bei einem Meister unsers Werckes 
Jahr vol auszdienen, und er soll sein echt und recht gebohren 
unberüchtiget mit böser Thatt. Es wehre dann Sache, dasz 
sich befreiete mit eines ehrlichen Meisters Tochter oder mit 
^‘^er ehrlichen Wittfrawen in unserm Wercke, die da unberuchtiget 
^^hre, so soll er fortgestelt werden zur rechten Zeitt. 
2) Zum Andern soll er arbeiten und machen vier Par Arbeits 
dem Wercke, alsz nehmlich ein Par lange Reittstieffeln und 
^ar auszgeschnitten Schuch, ein Par Tuffein und ein Par rey- 
cknetigen Schuch; darnach soll er thuen dem erc e ^ine 
beMe Mann und Erawen, und er soll ff^n Wercke thmm 
• Voller (ienüge, wasz ein ander fur ihn gethan he 
3) Zum Dritten welcher Mann sich vorniedriget mit einem 
^)e, unedit ist oder mit bös«^ ThaU berüchtig^^ ^esoll 
‘Werckes entbehren und keine Schuch in der Stadt mehr machen. 
4) Zum Mm-ten welch Kund m dem M/^rke g^^ohnm wimlt, 
üiissi 
; A™ R,„rte von anderer Hand: NB: Aim“!«« I"' 
Rande: Abrogatum.
        <pb n="560" />
        540 
Schuhmacher. 
7) Zum Siebenden wehre es eine Sache, das ausz unserni 
Ampte jemandt stürbe, er wehre Mann oder Fraw oder Kind, sO 
sollen die Amptbruder auch des Ambte Schwestern alle zue 
Begrebnusz sein und der Leiche folgen bei Straff i Mrc. 
gleichen sollen sie auch die Leiche zum Grabe tragen bei Stra 
3 Mrc.; es sei dan, das er sich entschuldiget mitt redlich^a 
Sachen. 
8) Zum Achten welcher Bruder oder Schwester dem Alterniaa 
oder dem Beisitzer oder seinen Ambtbrüder Verdriesz thuet, un 
sie das klagten für der Taffell, der soll geben 15 Mrc. ; und wehr^ 
es Sache, das jemandt verschmehet und nicht hielte das Gebot 
unser Elterleute; wie offt solches geschiehet, der soll geben 3 
und soll sich niemand der vollenkommenen Drüncke enziehen. 
9) Zum Neünden die jüngsten zwei, die zuelezt in das 
kommen, die sollen schencken zue allen Zeitten, wen das W 
zue Hau ffe ist; so offt alsz sie das nicht thuen, und die Bru 
darüber klagten, so sollen sie geben 3 Mrc. 
10) Zum Zehenden wan der Elterman eine Stueben kundig^^ 
welcher Bruder dar nicht kumpt, der soll geben 1V2 Mrc.; " 
aber auflf dem Quartall auszenbleibet, der soll doppelt geben, ^ 
sei dan dasz er dasselbig insz Ambt schicke, wasz er insz 
schuldigk ist, und der sich darneben mit redlicher Sache 
schuldigt; undt der Alterman soll keine Stuben machen, er ^ 
dan die Helffte der Bruder. 
11) Zum Eilfiften wehre es Sache, dasz jemandt mit den ^ 
zanckete in unsern Wercke, die soll der Elterman verglei^ 
wasz redliche Sachen sein sonder blauw und Blutt und E'^l 
nehmen. . 
SchJ^'- 
12) Zum Zwölfften wehre es, das ein Mann den andern 
oder dergleichen hiesze, der soll geben 10 Mrc. ; und wan oin 
den anderen Lügen straffet im zornigen Muthe, wan das ^ 
zue Hauffe ist, der soll geben 3 Mrc., und wen es geschehe lO 
gehegeten Stuben, der soll doppelt geben; und wehre es, 
jemandt den andern schlüge oder stösze, der soll geben to ^ 
13) Zum Dreytzehenden welcher Mann ausz der Stuben % 
mit zornigen Muthe und seine Straffe nicht geben wolte, der 
mit Zuelasz des Amptherren keine Schuch machen, ehe der 
bisz er sich mit dem Wercke vergliechen hatt.
        <pb n="561" />
        Schuhmacher. 
541 
14) Zum Viertzehenden wehre es Sache, dasz sich von unsern 
Gesellen einer oder mehr freventlich anstellen und sich nicht wollen 
^^rafifen laszen, dehnen soll das Ambt Macht haben, die Arbeit zue 
^^gen und sein Zeig nicht folgen laszen, bisz er sich mit Meister 
Gesellen vergliechen hatt. 
15) Zum funfftzehenden wehre es, dasz jemandt den andern 
^^¡nen Knecht aufspräche, der sol geben 10 Mrc. 
16) Zum Sechstzehenden es soll niemandt Schuch verkauffen, 
drauszen zue Landt gemacht sein, und wo sie die Werck- 
Jl'^istere finden, die sollen sie nehmen und bringen sie den Ampt- 
^^'^en bei Verlust der Arbeit und ernsten Straffe. 
17) Zum Siebentzehenden welcher Mann, der einen Lehrjungen 
sich nehmen will, der soll erstlich des Jungen Zeugnus ablegen 
dem Ampte oder fur dem Elterman in Heisein etzlicher Ampt- 
/"^der, das der Junge echt und recht auch von Vater und Mutter 
^•derseits Teutscher Nation gebohren, oder sein Meister soll ihne 
^^rhürgen, das er im ersten halben Jahre sein Zeugnus dem Ampt 
Schaffen oder den Jungen genzlich ausz seinem Hausz ab 
wollen bei Straffe 60 Mrc.; und wirdt ein Meister einen 
¿^'’gen ohn Wiszenschafft und Zuelasz des Eltermans zuesezen, 
soll geben 15 Mrc. und den Jungen zur Stund abschaffen, bisz 
gute Zeugnusz bringet, da er mit fur dem Ampte bestahn 
^gk. Ferner soll der Junge nach Verflieszung seiner Lehrjahre 
20 jMrc, ehe er ausz seiner ILehrzek ivirdt loszgesprochen ; 
^ntheffe ein Jungre seinem Meister, ehe die Ivehrjahren ausz 
der soll wieder aufs New seine Lehrjahr voll auszdienen. 
V, '«) Zum Achtzehenden wehre eine Fraw in dem Werke, derer 
abstürbe, der soll man alle Redligkeit halten zwei Jahr nach 
k'"' ^VLinnes TTode, gleich v,ie ihr MTann der Redhgkeitt )(e. 
""^cht hatt. 
«oll 
kb 
*9) Zum Neuntzehenden 
die Hruder alle gähn, 
3 Mrc. Straff. 
wan 
wer 
der Alterman Uhrlaub giebt, so 
darüber sizen bleibet, der soll 
*«) Zun, Zwantzigsten wehre es, das in unserm Wercke ein 
kranck wurde und nicht zu vermehren hette, dem soll der 
^■■'"an thun zun, ersten Mahl sechs Mrc., zum andern Mahl 
und zum dritten Mahl 6 Mrc.; wird er wiederumb zue Rechte
        <pb n="562" />
        Schuhmacher. 
542 
und kahn es bezahlen, so soll ers dem Ambte wiedergeben; ha« 
ers aber nicht, so soll es ein Almosen sein. 
21) Zum Einundzwantzigsten wehre ein Mann so altt, 
nicht mehr arbeitten konte und von unserem W^ercke wehre, 
soll haben frei drinckendt, wan das Werck zuesammen drincke • 
22) Zum Zweyundzwantzigsten es soll niemandt Schuch ^ 
Jahrmarckt fuhren, er soll sie erst die Werckmeisters besehen 1 
ob es gut Werck sei oder nicht, bei 6 Mrc. Straffe. 
23) Zum Dreyundzwantzigsten wehre, das ein Knecht 
aufnehme bei seinem Meister, das soll er ihm abverdienen; ^ 
er aber underdes von hinnen ausz der Stadt mit seinem 
der soll nicht mehr arbeiden in unser Wercke, bisz er den IV eis 
befriediget hatt. 
24) Zum Vierundzwantzigsten es soll niemandt seinen 
laszen Schuch machen \ die er verkaufte oder vergiebe, bei ^ 
6 Mrc. 
25) Zum Funffundzwantzigsten es soll niemandt mit bar uS 
Meinen über den Renstein gehen bei Straff i Mrc. 
26) Zum Sechsundzwantzigsten wan zwei oder mehr 
sich mit Wortten oder mit Wercken verunwilligen und sie 
Taffell (¡uemen und sich wieder vertragen, wan aber einer ^ 
ihnen wieche, der den andern mit Wortten har dt angrieffe un^ 
Scheltwortten herauszfahren, dasz soll nicht ein Schalck 
gleichen nachreden, derselbe soll stracks seine Straffe 
alsz nehmlich einen halben Thaler, eher dasz sie sich z.uesa 
vertragen. 
27) Zum 27. es soll kein Meister den vier zur Arbcitt 
alsz nehmlich drey desellen und einen Jungen oder einen 
gesellen oder zwey Jungen und zwei desellen, bei Straff b 
28) Zum 28. es soll kein Meister über eine Nacht 
dehrhause liegen laszen sonder Urlaub des Altermans 
3 Mrc. 
[c;. 
29) Zum 29. welcher Meister lest Loge oder ander UnlW 
in den Riesing schütten oder an die Stackitten und nicht ai 
Wall, der soll geben 30 Mrc. 
- - u, 
1 Von anderer Hand am Rande: Vormhalsz haken die Gesellen 
frei gehakt 1 Par Sehne vor sich zu machen n. zu verkaufen. Cur n»’ ‘ 
Dl
        <pb n="563" />
        Schuhmacher. 
543 
30) Zum 30 es soll kein Meister Macht haben Leder zu ver- 
^äufifen auszerhalb der Stadt auf dem Gerhoffe oder sonsten, in 
^er Stadt gegerbet ist, allein den Meisters unsers Ambts, auch 
^^inen Frembden keine Hautt gahr zue machen, bei Straff 15 Mrc. 
31) Zum 31. es soll kein Meister einen Gesellen zuesezen, der 
einem Meister gewandert oder der Meister ihn wandern lest 
ohne deselbige Meisters Wissen und Willen, bei dem der Gesell 
S^arbeittet hatt, bei 15 Mrc. Straffe. 
32) Zum 32. wehre es, dasz sich zwei oder mehr Frawen mit 
^chniehe- oder Schelte Worten verun willigten, um welcher Frawen 
^*0 Uhrsach befunden wurde, dar soll ihr Mann geben 15 Mrc. 
33) Zum 33. es soll kein Meister Kalck, es sei Span oder Balgen 
'"^or Tonnen voll, von des Ampts Kalck nehmen ohne Zuelasz des 
"^mbtes und Beisein der Bawherren bei 15 Mrc. Straffe. 
34) Zum 34. es soll kein Meister in oder auszer der Stadt ohne 
J^^Wisch Ledder gerben oder gahr machen, er soll dan vor jeder 
^autt geben, was auf dem Hoffe gegeben wirdt, bei Straff 15 Mrc. 
35) Zum 35. es soll kein Meister in die Krame arbeiten, es 
Schuch oder Toffeln oder Stieffeln, bei Straff 15 Mrc. 
36) Zum 36. es sollen keine Cramers oder Frembden auc 
Einwohner, wie sie den Nahmen haben mugen, «Ime wasz 
‘ters unsers Wercks sindt, Stiefeln, Schuch oder Tuffein Macht 
-0 zuverkauffen ; w o sie die VV erckmeisters finden, le so 
ichmen, die nicht in unser Stadt gemacht seindt und brmgen 
kn Amptlterren bei Verlust der Arbeitt und ernster Straff mit 
nsz des Amptherren. 
37) Zum 37. es sollen der undeutschen Kreimeisters nicht mehr 
sechs sein an der Zahll. und wan dieselben über (.ebuhr 
n, so sollen sie fur dem Wercke gestraffet werden und an dem 
^therren die Straffe zue geben verwiesen sein. 
3S) Zum 3X. es sollen die Unteutschen nicht mehr dan zwei 
Schuch auf dem Marckt bringen laut ihrer Privilegien, auch 
‘ knger dan ihre bestimpte Zeit darmit umbgahn, des Sommers 
('.locke 8, des Winters bisz zue y l’hr bei \ erlust ihrer 
^-¡t. Kerner sollen sie auch keine Schuch zue Marckte bringen, 
die Meister unsers Wcrckes keine Schuch darzue Kauff halten, 
^'Origer Straffe.
        <pb n="564" />
        544 
Schuhmacher. 
:11e 
39) Zum 39. es soll auch keine Arbeit, es sei ^ ^en 
Sclmch oder Tuffein, in den reuschen Buden oder reuschen 
zue Kauffe gehalten werden ohn allein, wasz polnisch r’ 
die unten mit Eisen gemacht sein. 
40) Zum 40. es soll kein Meister Volck furdern, es sei 
oder Junge, solange bisz er Burger geworden ist, bei 
sechstzigk Mrc. 
41) Zum 41. es soll niemandt Pferdeleder gebrauchen zum^ 
ledder oder zue Untersohlen bei Verlust der Arbeit un 
Straffe. ge- 
42) Zum 42. es soll der Marckt des Sommers nicht 
halten werden dan die (docke 9 und des Winters bisz die 
zehen bei Straffe 10 Mrc. 
43) Zum 43. es soll kein Meister Schuch oder andere 
zue Marckte führen und feil haben dan der i I age in t e ygi 
alsz nehmlich den Montagk, Mitwochen und des Sonna) 
Straff 10 Mrc. ' 
44) Zum 44. Von allen oberwehnten Straffen soll den^ 
Herren alle Halbjahr Rechnung gethan werden un ‘ 
Straffe den Amptherren, die ander Helffte soll dem 
Besten in die Lade gelegt werden, darmit ihr (ierhott 
erhalten werden müchte. ^ 
45) Einen erbahren Rathe diese Ordnung gestalten ad 
minnern und zue mehren Vorbehalten. Dies zur I ^ ad 
Wahrheitt hab ichs mit meiner Handt unterschrieben u« 
Ampt Pitzoff bekrefftiget. 
Datum Riga den 24. Maii Anno 1615. 
Lud wich Hin tel m ^ 
1). und verordenter Ait*1 
1 Am Rande: NH: Wirt nichi f^ehaUen. sc kauf en al/c Tagt- 
2 Vergl. S 357, Anm. i.
        <pb n="565" />
        Undeutsche Schuhmacher. 
545 
107. Undeutsche Schuhmacher. 
Schrägen vom 19. Mai 1615. 
Schragenbuch des dim. Bürgermeisters E. Hollander in Riga, S. icxj 102. 
Unteutschen Schuster Schrägen. 
, ^^chdem groszer Unterschleiff und Weiterunge zwischen den 
"^teutschen Schustern entstanden, weiln sie keine Ordnunge unter 
gehabt, als hat das Amtgericht diese nachfolgende Puncta, 
^nach sie sich ferner zu reguliren, allerley Weitläufigkeit zu ver- 
ihnen vorgeschrieben. 
^ 0 Soll hinfort kein Ältermann noch Heysitzer gekohren werden 
denen unteutschen Schustern als nur allein von denen Amtherren. 
^ Soll der Ältermann nebst seinen Beysitzern keine Zusammen- 
anmelden, er habe denn von dem Amtsherrn Zulasz, bey 
10 Mrc. 
So ^^un die Zusammenkunft von dem Amtsherrn nachgegeben, 
bç der jüngste Meister die andern anzusagen schuldig seyn 
3 Mrc. Straffe. 
I^j .^) l^em nun angesagt wird und ohne Uhrsache mutht\illig aus 
soll dem Amte 6 Mrc. verfallen seyn; welchen aber zum 
Ru angesagt wird, und er nicht kommt noch seine Straffe 
^^‘vv-iliig ableget, der soll 10 Mrc. verbrochen haben und ohne Zulasz 
^ Ämtsherrn nicht ehe arbeiten, er habe denn seine Straffe erleget. 
'Hn sie Zusammenkommen, und der Ältermann gebiethet 
^^‘de zu schweigen, so sollen sie demselben gehorchen und 
u,^ Was er ihnen anmeldet; wer diesem zu wieder thut, soll 
Mrc. gestrafft werden. 
^'0^ ^‘^niand soll aus der Zusammenkunfft Weggehen, ehe und 
der Ältermann es befiehlet, bey 8 Mrc. Straffe. 
b,|/^ einer dem andern mit Schmehe- oder Schelt-Wortten 
würde, der soll in 6 Mrc. Straffe verfallen seyn. 
Sçy Soll kein Meister einen Uesellen oder Jungen setzen, 
dieselben echt und recht; auch soll er es erst dem 
anmelden bey 12 Mrc. Straffe. 
He in dieses Amt angenommen wird, soll denen Meistern 
Schüncken, i Tonne Hier und so viel Brods, als darzu 
wie dann auch 20 Mrc. in die Lade geben, jedoch asz 
Zuvor bey dem Amtsherrn abgefunden habe. 
^i^mand soll dem andern seinen Gesellen oder Jungen 
^ ntachen bey Straffe 12 Mrc. 
35
        <pb n="566" />
        546 
Undeutsche Schuhmacher. 
11) Der Ältermann soll fleiszig Achtung haben auf i 
hasen, mit ihnen auch keine Gemeinschafft halten, son er 
Amtsherrn solche anmelden bey Straffe 30 Mrc. grichtes 
12) Auch sollen sie den Pöenhasen kein Pech oder zug 
Leder verkauffen bey Straffe 20 Mrc. ^ 
13) Die Unteutschen Schuster sollen 6 läge in er 
frey haben, jeden Tag 2 Paar Schue aufn Markte u 
nehmlich des Sommer bisz Glocke 8, des Winters aber bisz 
Vormittags; wer aber seine Schue heimlich entweder der 
oder andern zu verkauffen giebt, der soll nebst den ^ 
Schue 6 Mrc. Straffe geben. j.,. den 
14) Der unteutschen Schuster sollen hinführo nicht tiisr 
6 seyn; die übrigen aber, so jetzo angenommen, sollen b 
sie nach und nach absterben, alsdann sollen sie die uberb ^ 
diesen Punct halten, jedoch soll dem Amtsherrn gestalten Sa 
hierinnen zu disponiren frey stehen sonderlich mit Meisters 
15) So sollen sie auch gute Arbeit machen und 
leder verarbeiten bey Verlust der Schue und 12 Mrc. ^ 
16) Auch sollen alle halbe Jahr der Ältermann ne 
Beysitzern von allen Einnahmen richtige Rechnung dei^ 
der Amtsherr die eine Helffte zu sich nehmen, die 
Amte verbleiben soll, jedoch dasz sie es nicht misz &gt; 
übel anlegen 
ziif 
l^e- 
Ra 
Lth' 
Dasz dieses hinfort kräfftiglich gehalten werde, 
stätigung deszen e. e. Siegel hierunter getrucket, jedoc 
und dem Amtsgericht Vorbehalten gestalten Sachen nach - 
und zu mehren. Hierbey seynd die Nahmen dererjenigen, ^ p) 
diese Freyheit zu genieszen haben verzeichnet. Actum 
lói;. 
T iirlun’ir Hintplmann. 
Amtsherr' 
Heinrich Wällsitt 
Steffen Credit 
Berendt Ledtmaht 
Michel Krüsewitz 
Peter Knicke 
Michel Baltzeü 
Hansz Ledtmaht 
Hansz von Preuszen 
Matthis Knicke 
Hansz Schaltin 
Matthis IB |ru\ve 
Hans Sutteck 
Arendt [Bjerylh. 
findpt sich nur hier und nicht im Schragenb. des dim.
        <pb n="567" />
        ||!ii 
Schuster. 
547 
108. Schuster. 
Amtsgerichtsentscheidung vom 12. Mai 1621. 
^^ädt-Arch. zu Riga, Amtsgerichtsprotokolle von 1619—1623, in Pergament ge- 
Von Polioband, S. 184—186. Aus den zahlreichen Amtsgerichtsentscheidungen 
Sef —162 : haben in unserer Sammlung nur solche Bestimmungen Aufnahme 
Jes ^*0, über das Niveau der persönlichen Streitigkeiten sich erhebend, einen 
^^*^**gen Charakter gewonnen haben. Vergl. S. 245, Nr. 9. Die 565 Seiten um- 
Amtsgerichtsprotokolle sind vom Notär Heinrich Ladenmacher geschrieben. 
Den 12. Mali Anno 1621. 
Herr Johan Böddeker * und Herr Nicolaus Berneken ®, 
beide amptherren G. G. (?) 
Hie teutschen Schustere wieder die undeutschen. 
^ ^cpetirten ihre vorige 4 petita, jedoch liesen sie zue, das der 
^ufif sechsze bleiben milchte. In allen Stätten wehre nur 
darumb konten sie nicht zuegeben, dasz die Unteudschen 
^rbahr für sich straffen solten. 
Unteutschen brachten ein, das sie sich lieber von den 
^s?. Selbsten alsz vom teutschen Ambte wolten straffen 
Teutschen ungebührlich mit ihnen umbgiengen, 
^'^^iche Kannen Bier hohlen laszen, und wurde kaum einer 
Bijç, geschenckett, musten fur ihnen stehen, wie die Jungen. 
ihren Schrägen und Privilegien. Es konte nicht er- 
So "'erden, das ein einige von Soldaten oder teutschen Gesellen, 
^^vor bei den teutschen Meistern alhie gearbeitet, bei ihnen 
oder gefordert wurde. 
^Jigelesen: 
In 
"ánchen. 
Uct 
*-a(jnen, sich haltende zwischen das Ambt der teutschen 
cieger an einem kegen und wieder die Unteudschen 
j Wercks an andern Theile, wird beider Parten Einbringen 
I ^*^Iucirten Uhrkunden zuvolg erkannt : Das soviel den ersten 
"^gen der Anzahl der unteudschen Meister betrifft, lest e. 
^ ^htgerichte es bei sechszen bewenden, und weilen anjezo 
übrige Zahl befundenn wirt, die dannoch schohn fur 
L. ^^"'Gsen und bestetigt ist, alse mugen dieselbe zue ihren 
.5 sich des Amptes mit gebrauchen. Nach Absterben aber 
des andern der Übrigen mag die Witwe nicht lenger dan 
" ihrem Witwenstande das Werck üben. Belangend den 
i'^nct der Stühle halber laszens die Herrn Amptherren bei 
.. 
fische Rathslinie, Nr. 556. 
35*
        <pb n="568" />
        Schützen. 
zwen, alsz einen fur sich den andern fur einen Gesellen oderjung^ 
bleiben. Daferne aber einer Alkers oder Schwachem a 
Werck selber zue treiben nicht duchtig wehre, behelt e. er 
gerichte desz Falsz die Dispensation sich bevor. 
Furs Dritte sollen die Unteutschen keine Soldaten o j|cher ^ 
Gesellen bei sich setzen oder fordern bei ernster | 
Straffe der Herrn Amptherrn. Schlieszlich was die ßüf j 
der Straffen betreffen thuet, will ein erbar Amptgerici j 
ferner Beredung solche Erkentnus und Absprechung j 
der Einnahme und Execution wie auch gestalten i 
jus dispensundi e. erb. Rathe und sich in allewege furbeha | 
Des sollen die unteutschen Meistere alle und jede e. er 
beeidigt sein und der den 6. Maii Anno 1620 Ge"'®'”! 
Recognition in Auffwartung in Zeitt der Nott nebst 
auffm Sandthurm, oder wohin sie verordnet werden, ^ gein 
Verböhrung ihres Ampts und aller Habseligkeit verp 
V. R. w. , 
109. Schützen. 
Schrägen vom 28. Febr. bis 15. April ^ 
Könifrl. Bibliothek in Stockholm, Abschrift auf einem kleinen 
Lan^ebek oder Broocman; am Schlüsse der Abschrift: ../ioki-u g^ei 
Vergl.Anm.z. Kleinen Gilde. Esexistirten 
gilden, die eine war aus dem Schoosse der Grossen Gilde hervorgeg 
war von Mitgliedern der Kleinen Gilde gebildet. Hier hegt uns w 
dem Schrägen der Schützengilde der Grossen Gilde vor, da m h 
Mitglied Herman Raven genannt wird, der im 1. Rig- Krbe i. 4 ' 
auftritt und als solcher eher zur Grossen Gilde zu rechnen ist . qqÓ ' 
Dit is de schra der schütten kumpanie tho 
namen, amen. In den jaren unses heren Jhesu Cri^* sO 
hundert achte, in der vasten (v. 28. Febr. bis 15. 
desse nageschrevene puñete unde artikele gesät, g , 
gescreven mit vulbord unde willen der erbaren 1 ^ 
meistere unde rades der stad Rige tho hebbende " jn 
dende in der kumpanie unde bröderschop der sc 
vorgen. stad tho Ryge. 
Capitula. 
Van den olderluden etc. 
Van brödern tho entfanghende. ^ 
1 Vergl. Mettig, Zur Gesch. der Rig. Gewerbe im 13. «• ' 
4. J*"'"'
        <pb n="569" />
        Schwarzhäupter. 
549 
Van den drunken unde geste to biddende. 
^ät men den oldermanne underdanich sy. 
Dat nyman vordret do edder kiff make in den drunken. 
Van den papegoyen unde kônighe. 
^ dem schiittegarden. 
den jaren unses Heren 1408, do desse schra vorgescr. 
dit bok ghemaket, ghesat unde gschreven wart, do weren 
in der schütten kumpenge* tho Ryghe desse nageschrevene 
en hop namm hwariblaud») Vrowin Vos, Hans van 
Herman Huk, Herman Lyppe, Herman Raven, Hans Ketel- 
^eter Oldeland. 
no. Schwarzhäupter. 
Schrägen vom Jahre 1416. 
, Schwarzhäupter-Arch. in Riga, Nr. i. Original, Pergamentheft in einem mit 
^«'ler überzogenen Holzdeckel und mit einer dranhängenden, aus 14 Gliedern 
67 cm. langen Eisenkette. Das Pergamentheft, i5*/2 cm. oc , 11 2 cm. 
^ ’^steht aus 18 Blättern, von denen 6 unbeschrieben sind. Die letzten 5 un - 
Blätter sind wie die vorhergehenden mit Ausnahme des ersten Blattes 
versehen. Das erste Blatt zeigt auf der inneren Seite das rec 
ickt gezeichnete Wappen der Schwarzen Häupter: in rot em c 11 
, Ursprungs r« sein, woraus auf eine eleichreiiige Hersi.llunB des Wappens 
Mittelniederdeutsche Grammatik, S. 17* *7^* 
J" nomine domini, amen. Up dat de werke desser yegen- 
*r ^nt nicht werden vorsumet* van der kranken dec tenisse 
so plecht men se mit breven unde mit scriAen to be- 
. biirumme so sy witlik alle denyennen, de nu syn unde 
, , '“körnende syn de selscopp der swarten hovede to er yge 
&gt;'"“nde, dat na den jaren Cristi dosent verhundert m deige 
,5 'i'nden jare, do was olderman in den swarten hoveden Godeke 
i|j “P*, do wart ens de gemeyne selscop der swarten 
'"’'‘'■acht des Oldermannes unde der brodere des groten glide- 
2 V 
. °(iz vr»n I 
::":i swm 00«..., „nw i. 0,iB.nai «wr 
&gt;e des Zeichens der Kürze ein kleines v. 
Stell
        <pb n="570" />
        Schwarzhäupter. 
stoven alle desse nascreven stucke unde pnte* desses 
also to holdende, also hiir na gescreven steyt; unde wor 
in jegenwordicheit des oldermannes van deme groten gil 
Gerwin Wisen, Hermen Budden, Johan Kamen, Hermen van 
Molen, Johan Vyntling unde Godeke Durkop, olderman^^^^ 
swarten hovede, Kord van der Heyde, Johan Godekens 
syne bysyttere unde Johan van Geretsym unde Nicolawes ^ 
unde Godeke Snüüer* unde Hinrik Ryeff unde Hinrik Ho 
der selscop wegen, unde worden ens also desse wilkore &gt; 
gantser endracht aldus to holdende, also hiir nagescreven 
1) In nomine domini, amen. Des mandages na sunte Mv ‘ 
dage (29. Sept.), so slut men up de kumpanye de je 
swarten hovede, so höret wedder antoschaffende den L dat 
men keset in der vasten na dem vastelavende; unde weret 
de schaffere hiir nicht jegenwordich en weren up de tiit, so 
to donde den kemmereren unde weret aver, dat de ^ jgiiie 
hiir nicht en weren, so höret dat to donde den hysitteren yptt 
oldermanne also lange het men nye schaffere kñset, de 
vorstan to der kumpanye beste. 
2) Item so sal men da negest kesen twe schaffere, de go 
scaffen enen mandt, unde wen de 14 dage gescaffet he ^ gy,it, 
sal de olderman mit der selscop, de dar denne jegenwort 
den swarten hoveden kesen twe ander scaffere, de vo 
enen mandt; unde desse vorgescreven schaffere seal men 
holden dat gantse jar over, unde se scolen den kelre des 
tosluten vor negenen unde nicht wedder up by enen 
an 
id^' 
wasses sunder orloff des oldermannes. ^ 
3) Item wen jewelke schaffers ut geschaffet hebben jgp 
so scolen se dat gelt vort uppantworden des anderen f de 
kemmereren unde deme oldermanne edder den hysitteren, 
schaffere scolen nenerleye koste don by enen Lyves ggok’’ 
1.. t'nSte 
an 
,de 
utghescheden, wen de olderman rekenscop syt; de 
de vastelavendes schaffers don, unde de schaffere en lat^” 
borgen syne drunke*, ok en scolen se nenerleye dink iin^^ 
van der kumpanye gelde sunder vulbort des olderin« 
der kemerere by eren broken. 
4) Vortmer so en schal nemant mit der selscop d«”’^ 
hovede drinken, dat en sy, dat he möge broder werd^ 
groten gildestoven effte möge up den hoff gan.
        <pb n="571" />
        y 
Schwarzhäupter. 
551 
5) Item so en sal hiir nemant yngaen, de umme Ion denet, 
Ilte Undudeschen sunder utgescheiden de goltsmedegesellen unde 
schipmans. 
Item de schafifers, de dar schaffen up sunte Mertensdach 
*• ^ov.), de scolen hebben yn sunte Mertensavende (10. Nov.) dre 
^tytzen, elk vanenen markpunt wasses, dar men sunte Mertens 
'“fl’y synge,.. 
7) Item so schal men 4* weken vor vastelavende der selscop 
t\ve schaffere, de scolen schaffen to den vastelavendesdrunken , 
Oten behovet, unde de schaffere schal de olderman kesen mit 
^*’ächt der selscop, unde de sulven schaffere en scolen nene 
bruwen sunder vulbort der gemeynen selscop by eren broken . 
^ Item so scolen de vastelavendesschaffere 14* dage vor 
schaffen enen schynken to der selscop behoeff, unde 
^ sulven dages schal men enen olderman kesen mit eyndracht 
S^ntsen selscopp, unde de schal sytten en jar unde des geliken 
bysittere; unde wan en olderman gekoren wert, unde he dar 
spreke, dat schal he beteren mit vyff Lyves punt wasses, 
van alien ampten, unde schal dar to der selscop 
^ ^^^0, unde de vastelavendesschaffere scolen deme oldermanne 
to der tafelen. 
(j Item so schal men de vastelavendesdrunke andrynken 
vor vastelavende®, unde des ersten sundages in 
^^sten scolen se ute syn. 
Item weret sake, dat hiir yemant yngebeden worde to 
swart hovet were, unde de dninke er mede geh olden 
dar en schal men nen gelt affnemen. 
de Item so en schal men hiir nene geste ynbidden de 4 dage, 
dat *^tin hiirynne dantzet mit vrouwen unde mit juncvrouwen, 
^ "^ere sake, dat v rom de gesellen (jwemen van buten yn. 
h^i- Item so sal en yewelik geselle, de desse selscop mede 
dar '/^^^*= dre« dage umme ene vrouwen efte juncvrouwen hebben, 
^ dantzet den vastelavent over by enen halven Ly\es 
. ^^sses. 
2 Hände von späterer Hand : 
S ^^^^ägen V. 1477; soes. 
So ïveith bttrgcr und geselleim. 
Hände von späterer Hand: 
ü V. 1477 : xieer rveken. 
8 (Donnerstag vor bis Dinstag nach Estornihi. 
'"’^agen v. 1477: veer.
        <pb n="572" />
        552 
Schwarzhäupter. 
13) Item to deme ersten so boret deine oldermanne vore 
to 
dantzen des sundages mit eyner juncvrouwen, unde deme en^^ 
bysittere den nadantz vor to dantzen mit ener vrouwen, unde 
mandages seal de olderman voredantzen mit ener vrouwen 
de bysitter mit ener juncvrouwen, unde des drudden 
olderman mit ener juncvrouwen, unde de bysittere mit 
vrouwen. 
tho 
14) Vortmer were, dat yemant deme unmogelik 
dantzen, dat seal sebeen mit vulbort des oldermannes, un 
sulven gesellen, de scolen yn der kumpanye blyven by enen 
Lyves punt wasses. 
15) Item weret sake, dat dar yemant Sprunge yn den steke 
de seal darynne blyven den vastelavent over by enen schipP^^ 
wasses ; unde we in deme stekerey is, sprynget yemant b&gt; 
he sy 
;lcet 
den en seal he nicht affwysen by twen Lyves punt wasses. 
16) Item so en schal nemant in den stekerey springen, 
en swart hovet, by enen schippunt wasses. 
17) Item so scolen de schencken, de den dach over 
hebben, nene andere schencken kesen sunder* vulbort der sc 
unde de to schencken gekoren werden, de scolen malk ene 
dwelen bryngen by twen mark wasses. 
18) Item weret sake, dat yemant deme oldermanne det 
bysitteren unlust dede effte vorspreke, de wile he sittet 
tafelen, effte wor dat is, de seal beteren twe Lyves puu^ 
unde des gelyken ok de schaffere offte de rekenslude; un e 
ok en gast, de wert schal vor em beteren. 
19) Item weret sake, dat yenich geselle clagede vor 
des he nicht vulbringen konde, dat seal he beteren mit v&gt; 
punt wasses 
cn)' 
20) Item worde yenich geselle brekaftich yn der km 1^^ 
de 
de seal vor synen broke setten borgen efte pande, 
broke is. ^ 
21) Item weret sake, dat yenich geselle yn der 
yenige twedracht mit scheide worden efte mit anderen saken dßt 
dat seal men yn der kumpenyen vorliken, unde wokl^^^^ ^^de 
yeman entegen setten, de seal beteren en Lyves punt 'VU d^^ 
dar to der selscopp unberen sunder* utgescheden, 
recht tret.
        <pb n="573" />
        Schwarzhäupter. 
553 
de 
biir 
^2) Item weret sake, dat yenich geselle brekaftich worde 
yn 
^ -- vicxL V " 
^-sser kumpenye, dat broke wert were buten den broken, de 
ynne stan, so seal men hiir utsenden 4 gude gesellen, de 
em 
broke vynden, unde den broke schal he beteren deme 
old, 
rmanne vor der tafelen na guder lude seggende, de dar ut- 
gan synt. 
^3) Item weret sake, dat yenich geselle hiir enboven yn desse 
gan wolde, van deme en scolen de schafFere nen gelt 
unde dar to seal en de olderman openbar nomen vor der 
^felen. 
H) Item weret sake, dat yemant breke, de en broder were 
Vor S^'oten gyldestoven, deme seal men synen broke clagen 
Ole oldermanne yn deme groten gildestoven, unde dar seal 
?ild broke nemen; unde breke ok en swart hovet yn deme 
Estoven, deme seal men hiir synen broke nemen. 
^5) Item so seal men des vrydages to vastelavende began de 
gili hovede, de vorstorven synt, to sunte Katherinen mit vi- 
'’Os ^ des sunnavendes mit selemyssen; dar scolen de 
^udesschaflfere to laten maken dre lichte unde scolen 
bidden, dat se de to dregen. 
dp ^tem so seal men up den asschedach * to sunte Peter begaen 
^ selsc • 
^^op to den swarten hoveden, de vorstorven synt, mit vigi- 
avç des donredages mit selemyssen ; dar scolen de vastel- 
dp ^^schaflere twe lichte to laten maken unde bidden * vrouwen, 
'' Bregen. 
Vigjp so seal men deme kerkheren geven veer ore vor 
hn,. ^ude veer ore deme kerkheren to denkende der swarten 
^lle sundage van deme predykstole. 
Item so en schal hiir nemant nene préster ynbidden to 
Qldg^ ^^t gantze jar over by enem Ly ves punt wasses, sunder de 
late se bidden van der gemeynen selscop wegen. 
Se?^ so is de gemeyne selscopp ens geworden, dat de 
to ^^udesschalFere up scolen sluten den kelre des myddages 
^te 
^ertn 
»'-ami.iianere up scoien siuicu " " 
Jtien« Unde des avendes wedder to to teynen^ yn den vastel 
I UCS dVCIlUCS W cuuti —y " 
trunken unde nicht wedder up by enen Lyves punt 
* Invocavit. 
^ '‘t77‘ ("Igt: erlike. 
1 V. 1477: io negen v« de k/ockc vortnyddaghe. 
fo elven.
        <pb n="574" />
        Schwarzhäupter. 
wasses; unde were dar enboven yemant van der selscop, d 
kelre mit vreuele* upstotte, den schaflferen to vordrete o 
selscop, de seal beteren twe Lyves punt wasses sunder 
30) Item so sal men yn den sulven drunken yn der 
kesen twe schaffere, de scolen vortschaffen to mydvasten ^ 
wedder anschaffen des mandates na sunte Michaelis dage ^^9- 
unde were dat sake, dat se segelen willen over see, so sc^^ 
dat gelt van sik antworden to der rekenscopp, wente m 
der kumpenye gelt nicht over see voren sunder notsake. 
31) Item de to rekensluden gekoren werden, de en sco 
tho achter rekenen; weret sake, dat se to achter rekeden, se 
der 
sulven betalen. 
32) Item weret sake, dat desse vorgescreven vaste) 
schaffere, deme de sulveren bekere geantwordet werden^^ 
unde kannen, worde dat vorbystert ofte vorwarloset, se sco 
vor antworden der gemeynen selscopp. 
33) Item weret ok sake, dat der swarten hovede hc J 
kerken stände bleven, wan men mit deme hilgen 
hoff geyt, dat van vorsumenisse der kemerere edder er 
tokumpt, dar scolen se vor beteren en half Lyves punt 
34) Item wan wy den rat to gaste hebben des 
avendes yn der vasten, so en schal hiir nemant geste &gt; 
by enen halven Lyves punt wasses, sunder de olderman 
se bidden van der gemeynen selscopp wegen. ¿ef 
35) Item so sal de olderman den drudden slotel he &gt; 
kysten, dar de swarten hovede ere klenode ynne heb jgß 
were dat sake, dat de olderman van hiir vore, so gC' 
slotel van sik don eynen anderen gesellen, de vor o ^ 
seten heft, de eyn swart hovet is, unde de suive sei» ^ 
der selscop spreken, wan des behoeff is. 
36) Item de twe oldesten kemerere, de scolen malk e&gt;^ 
hebben to der kysten der swarten hovede, und se sco en 
unde utgeven van der selscop wegen mit eyndracht 
unde were dat sake, dat se van hiir togen, so scolen gyH*. 
van sik don twen anderen guden gesellen, de des ^e 
r\fA ciiirQfff» Viovprlp svnt. 
1 Sonntag Laetare oder die Woche von Oculi bis Laetare 
2 de übergeschrieben. 
3 Schrägen v. 1477: fehlt.
        <pb n="575" />
        Schwarzhäupter. 
555 
111. Schwarzhäupter. 
Schrägen vom 15. December 1477. 
Vo ^^^^t-Arch. in Riga, Pergamentheft, 20 cm. hoch, 14VÏ cm. breit, aus 14 Blättern, 
In' ■ erste Blatt unbeschrieben ist. Die einzelnen Artikel sind mit rothen 
p Versehen und von späterer Hand numerirt. Auf dem Lederdeckel: Nr. 8 
der inneren Seite des Deckels: /.///. Dieses Buch, v. A. i477 
Vergleich vor den hochweysen Kaat zwischen der grote Guide 
^"^oarlen lläi4ptern, die sie ihnen gegeben haben, und is wohl würdigh zu 
'»oti ^ leste zidet auff die zwo vorige buch de Nr. ç von A. '354 Nr. 2 
'4td'‘. Artikel 1-22 incl. sind nach einer ungenauen Abschrift abgedr. in 
livij“"*' »"(iq-, Bd. 4, S. CCXXXV—CCXXXVII. Vergl. Mitth. a. d. Geb. d. 
u ^Gsch., Bd. 7, S. 391 — 399; A. Poelchau, Sitzungsb. d. Gesellsch. f. Gesch. 
in Riga, 1875, S. 32 u. 33. 
namen des hilgen unde unschedeliken drevaldicheit, amen, 
île ^inghe, de gescheen yn der tydt, uppe dat de na vorlope 
tn nicht vorvallen unde uth der mynsche gedechtnysse nicht 
^ch ysset temelick unde geborlick, dat men de myt 
y yfftliker bevestinge tor ewigen gedechtnysse bestedige unde 
^rware. 
c umme wy, borghermeistere unde raedmanne der Stadt 
angeseen unde to herten genomen, dat eyne tydt 
l&gt;rodere ym groten gildestoven unse borgere unde de 
Unde brodere der swarten hovede yn unser Stadt Ryghe 
^^^Ikander syn gewesen unde sick nicht to hope holden hebben 
du 
—.^v-i 0^11 v% cacii uii'.iv. *i*&gt;-*A*. VW - -j 
olden, alse sick dat wol gehöret hadde, hyr umme denne 
SS(. L • 1 .1- L..U1 
vyjvicii, aise SICK aat woi gcuuici - 
^Gyden parte wedder to sampde to vorenighende, hebben 
Çfç uth deme groten gildestovene unde de swartenhovede 
uns, borghermeisteren unde radtmanne, gesath unde 
entliken vorbleven. 
qe b 
ere 
herç ^ "^SGt gescheen in den jaren na der gebort Cristi, unses 
veerhundert unde ime sevenundeseventigesten jare 
(2, I^^S^sten mandage vor sunte Thomas daghe, des hilgen aposteis 
•lii ^^0» dat wy, borgermeistere unde raedmanne vorbenomet, 
unde belevynghe dusser bovenberorden beyden 
4$ ' affsproke, alse vruntlike myddellere unde leeffhebbere 
durch guder eendracht unde bestendicheit willen yn 
navQj Ryghe to hebbende affgesprocken hebben yn dusser 
wyse, dat wy gegeven hebben unde ok yn crafft 
^^K^nwordighen schryfft geven den swarten hoveden unde 
nakomelinghen yn unser Stadt Ryghe vor ene schraa
        <pb n="576" />
        Schwarzhäupter. 
556 
unde redelicheit, dar na see sick moghen weten to hebbende 
to richtende, dar wy unde unse nakomelinghe de swarten 
unvorbrockliken wyllen by beholden. 
1) Int erste dat konyngk-Artushoff uppe deme markede^ 
dagelikes oppenn stan van nuw an unde vort to ewyg en 
dat gantze yar langk. 
2) Bussen hoff sollen bey de vorbenomeden parte, 
brodere im groten gildestoven unde de swarten hovede, samp 
bruken unde ok samptlicken dar to schaffen to erer ey ^ 
3) Item de schaffere unde de rekenszlude to dessen 
kesen samptliken mit guder eendracht de oldermann nt 
groten gildestoven mit synen oldesten unde de alderman 
groten gnaestuvcu mii. 
swarten hoveden mit synen oldesten, des so sal de ol 
swarten nuvcuci. ...ti ^kenS^m" 
deme groten gildestoven de gekorne schaffere un e r ^ 
affkundighen to der enen tydt, unde darna tor anderen 
de olderman uth den swarten hoveden affkundighen e 
unde rekenszlude. 
a) Item de ene schaffet sal vor deme anderen neen beer 
1/ ... « 1 cafTllJ 
Ijtei' 
Item uc cut — ampt" 
indreghen, sunder see sollent samptliken don unde ok s i 
tovoren smecken mit den oldesten van beyden delen, 
sollen dat beste beer laten indregen hir inne, unde yn 
saken sal de ene deme anderen guden bystant don; eet 
boven de ene van den schafferen by sick alleyne beer 
ane vulbort unde medeweten synes masschoppes unde 
de sal dat beer uppe syne egene koste laten wedder u 
hir ynne sal nymandes den anderen beschonen. 
5) Item de schaffere sollen dagelikes bey de yegen"^^^^^.^ß 
wesen uppe deme husze, so dat nymandes van een by sic 
syne tydt sal ersten uthschaffen, unde de ander 
sunder see sollen beyde sytten to tilden by der schatte 
.. 1 11- lé. rifélTlC ‘ 
.der' 
gn, 
sunder see soiien ijc&gt;uc / ppc . 
ock sal de ene schaffet sick nicht entschuldigen mit dei 
ock sal de ene scnauci »icv u.c.u « ,^pe 
y dt en sy denne, dat hee redeliken behyndert sy, so 
hee enen anderen van den broderen yn syne stede 
myt syneme masschoppe sytte by der schaffet taffele. 
6) Item wanner de schaffere ere tydt uthgeschaffet 
so denne sollen se vort dat gelt uppeantworden den 
van beyden parten des anderen dages.
        <pb n="577" />
        Schwarzhäupter. 
557 
7) Item wanner dat de schafifere unde de rekenszlude yarlikes 
^^kenschopp don van den hoven, so denne sollen see twe heren 
deme rade dar over unde ane hebben. 
Item yn dusseme hove sal men ock drincken de meygreves- 
®^hopp unde dar to ock de schuttendruncke, unde to dessen 
^^yden druncken sollen beyde parte samptliken schaffere kesen 
vastelavende. 
9) Item de meygreve sal syn en borgher, desse meygreve sal 
^sen enen byryder unde enen marschalk van den gesellen, de dar 
''"!ch to syn. 
Item den meygreven sal men kesen uppe meydach, unde 
^ nieygrevesschopp sal stan beth an den mydweken to pynxsten; 
meygrev'e sal nenerleye unkost don, sunder alle) ne vrouw en 
yuncvrouvven by teyn marken, yodoch mach hee de spy Ilude 
ben yn syneme huse, wanner hee ryden wyl. 
, *0 Item wanner dusse meygreve gekoren wert, so lange dat 
J meygrevesschopp unde ock so lange dat de schuttendruncke 
alle de tydt over sal men hir nenen bymeygreven kesen, 
^ nene by meygrevesschopp noch by schuttendruncke holden by 
pundt wassz deme rade to beterende ane alle gnade, 
^yt entegen doen. 
^ Vortmer de swarten hovede sollent erliken holden ime 
^^lavende na older gewonheit uppe konnyngk-Artushove. 
. *3) Item wanner de swarten hovede ere broderschopp unde 
holden ime vastelavende, alle de wyle, dat eere drunc'e 
hv sal nymandes bydruncke holden, aise de wytten hove 
5jç, Lyves pundt wassz dem rade to beterende ane 
^•^ynge. 
H) Item so sal nymandes van unsen borgeren y me va.stel 
»lyt den swarten hoveden ere druncke unde selschopp 
umme syn gelt alse eyn broder der swarten hovede , anders 
pastes wyse. 
'5) Dussen konyngk-Artushoff sal men dagelikes uppe sluten 
„„"''"I'lage to enen yn de klocke unde des avendes wedder to- 
tho neghen. 
‘ "1^ folgenden Worte sind ml, anderer Tinte und .on anderer Hand gesehrieben.
        <pb n="578" />
        558 
Schwarzhäupter. 
16) Vortmer moghen gaen yn dusse hove de raedt, de borgher 
de gemeyne Dutsche coppmanne unde alle zeevarende manne. 
17) Item de syck wil hir ynneschryven laten, de mach 
don; de syck ok nicht wil schryven laten, de sal uthge\en 
den dach. 
18) Item wes yn den hoven wert vorovert, dat sollen be) 
parte under sick gelyke delen, unde se sollen samptliken 
deiii*^ 
rade geven yarlikes to renthe unde to hure vor dat husz nnt 
kelleren unde mit des knechtes wonynge uppe wynachten. 
19) Item so sollen yn desseme hove, dat sy yn welket 
druncke, dat sy unde ok to wat tyden nene gesellen, see 
bekamt ofíte umbekant, mit groten langhen messen uppegb^*^ 
20) Qweme over yemandes myt sodaner were hir ynn , 
schal de schaffer seggen, dat hee syne were afflegghe, 
Schaffer sal erne de were to gude vorwaren, beth dat hee 
affgeyt; wyl hee ock deme schaffere syne were nicht don, 
he buten deme hove blyven. 
y of' 
21) Item wol yn dusse hove effte yn den druncken bee 
gudt mit willen effte mit wrevel edder mit tornen mode 
men mit eneme vote bedecken kan, de sal dat beteren itu 
markpundt wasses. , 
22) Vortmer worde yemandes yn desseme hove bro'ei 
de sal beyden olderluden borghe offte pande setten ^ 
broke, unde de brokehafftigen sake sal men vorliken yn ^ 
hove; de sulvige broke sal tokomen beyden parten, 
broderen ut deme groten gildestoven alse uth den swarteii i 
unde wes van en beyden gerichtet wert, sal gerichtet bl) \'^'^ 
bescheden dat y nt recht treet. 
chß 
;en- 
23) Item wat broke yn deme groten gildestoven ë 
wanner see ere druncke dar dryncken, dat sollen see (bn" 
chb 
.Pile*’’ 
unde entscheden unde vor sick beholden, ane dat ynt 
24) Item gescheen ok yenige broke yn den swarten 
wanner zee ere druncke yn deme valstelavende holden, ^ 
see dar under sick richten unde aliene vor sick ok behob pcK 
wes dar gerichtet wert, dat sal gerichtet blyven, sundcc 
ynt recht tret.
        <pb n="579" />
        Schwarzhäupter. 
559 
^5) Item wolde sick y amandes hir entegen selten, de sal beteren 
Lyves pundt wasses, dar to sal hee des hoves unde der erliken 
^^selschopp entberen. * 
112. Schwarzhäupter. 
^^Inachtsordnung a. d. Ende des 15. oder Anfang des 16. Jahrh. 
, , "^^ch. d. Schwarzen Häupter in Riga, gebundener Quartant Nr. 13, 21 cm. hoch, 
çi * breit, S. 42-96. Diese Fastnachtsordnung schliesst sich unmittelbar an 
teir des Schragens der Schwarzen Häupter v. J. i477 scheint gleich- 
»a If kurze Zeit darnach entworfen zu sein und hat vielleicht auch der Fast- 
qj ‘sordnung v. J. 1510 als Grundlage gedient. Abg. Mitth. a. d. Geb. d. livländ. 
Bd. 7, S. 400-430. 
Fastelavends-Ordnung. 
si Lhier nafolgende is de ordinantie up dem neuen huse, wo 
oldermann hebben sail in dem fastelavendt unnd wo vele 
^^Ptöke he dagelikes helft, in körten worden beschreven unnd 
Schaffers. 
0 Item up wynachten in den billigen dagen offte darvor up 
^‘^'gen dach schal de oldermann van den schwarten höveden 
ün ^^tkaden up dat nye huss alle de schwarten hövede, jung 
oltt, des morgens tho 8 uhren. Wenn se alle baven sindt, 
¡JJ ^^^1 de oldermann mit sinen oldesten sitien gähn, und de lichte 
Vo °^^Gsten banck sch ölen angestecken werden, und schall he 
'^0 eschen de jungen bröder alle und schall enn vorgeven, 
ay umme des willen verbadet sin, dat se willen twe fastel 
^a^«îdes Schaffer kesen na den olden, de der kumpanie schaffen 
Soll unnd alle datjenne, dat tho der geselschop höret, des 
il oldesten de jungen bröder uthwiesen, dat se enen guden 
ge Ven, dar geven se danne enen tho; dat schall scheen 
Suder end rächt van bey den parten. 
wanner dat de bey den schaffere van beiden parten be- 
lüd so schall de oldermann stahn gähn unnd laten de klocke 
Unnd nömen se apenbahr aff unnd seggen also. «Ick gebede 
hJk® f«lfrenden 30 Artikel sind dem Schrägen v. J. “"‘Çr Abänderung 
enfolg-e und einiger Zahlanu-aben entlehnt. Die Artikel 2 41 en 
e und einiger Zahlangaben 
) den Artikeln 4- 19; 42-43 = 22- 23; 46 = 25, 44 -- 29, 45 — 27, 
36. Von Art. 25 fehlt die letzte Hälfte des letzten Satzes; Art. 49 
erste Hälfte des Art. 30 Die wichtigeren Varianten sind als uss- 
-.0444 iidiiic uca /All. 30 
Schrägen v. 1416 vermerkt.
        <pb n="580" />
        Schwarzhäupter. 
juw tho hören. Wy behoven twe ehrlike gesellen vor 
schaffere, de den vastelavendt aver der kumpanie gut hier sc a 
dar kese wy tho N. N.“ ^ .ß 
Wenn dat gescheen is, so geith he wedder Sitten 
sinen oldesten vor, unnd der gemenen geselschop, wo he 
enen anderen olderman tho kesen, de so na deith, alss 
gedahn. 
Darna so wiset he uth, de in der banck sitten, de de b&gt;s^ 
gewest sint unnd kemerers der kumpanie, unnd blifft j^je; 
(lerne de oldermann gewest sin unnd vorstender der jg 
unnd wiset ock dre offte vier van den jungen bro er i 
fellig sindt. 
Wenn dat gescheen is, so eschet he vor sick de beide 
Schaffers, so verne se dar sindt; unnd de jungen bröders 
ens mitt guder endracht unnd kesen enen olderman uth den ^gfs 
de de uthgewiset sindt, offte uth den hupen van den jungen^^^^^^^^^ 
en, de dar fellig tho is; dat schall gescheen mit guder e 
van beyden parten, jung und altt. ^.^gn 
Darna so geith de olderman stahn und leth de klock 
unnd nomen den gekarnen oldermann af und secht 
behoven enen andern ehrliken gesellen vor enen olderni*! 
kesen wy tho N. N.“ 
3) Item so hefft de gekarne oldermann de macht, rint 
kesen sine by sitters, is, dat he denen baven is, men he 
kesen mitt der oldesten ehren willen unnd medew ete |^g 
anders nicht; unnd moth se den oldesten erst vorgeven, 
Iveii 
kesen will. 
id SU 
Geschütt dat, so dat de oldermann gekaren werdt, 
nicht baven up dem huse is, so mach he enen dach yorh^*^^ 
achte darna bidden den vorgesettenen oldermann, dat : 
late gescheen umme sine by sitters tho kesen. ^ 
Wenn se alle baven sindt, so kese he twe bysitt^'^^l^^^ 
geschreven is, mitt medewetent siner oldesten, unnd ë ^ 
unnd leth de klocke lüden unnd secht also : „Gy he &gt; 
karen vor enen olderman ; gedencke gy my ock da vor 
so ropen se ja.“ So leth he de klocke lüden unnd sp th 
„Ick behove twe ehrlike gesellen vor bysitters; dar 
N. N.“
        <pb n="581" />
        y 
36 
Schwarzhäupter. 
I^arna wann dat gescheen is, so geith he sitten unnd wert eins 
sinen schafferen, wo se idt holden scholen mit ehren breven \ 
Unnd hier mit vulborth der oldesten. 
^ ann dat gescheen is, dat he sine bysitters gekaren helft, so 
he denen thoreden unnd bespreken mit sinen bysitters unnd 
^ offers, wo se sick kleden willen unnd uthriden na ener kledinge 
na enen gerede der stadt unnd der kumpanie thon ehren. 
Item de kleder scholen wesen schwärt; unnd de oldermann 
lütt beyden bysitters schölen tugen rocke mit dunckern ge- 
Und de fastelavendes sch allere ere kledere ock schwarth; 
^ugen se laten loderen, wo se wollen. 
ün so schölen ock de fastelavendes schalfers van der tydt 
gekaren werden, bestüren dat bier und mede, dat beste, 
k , lu der Stadt tho kope kriegen können, so vele alss mann 
helft. 
Item sösze eite söven weken vor lastelavende so bruwen 
^ uiede, so ferne idt en vergundt werdt. 
vier weken vor lastelavende sogahn de beyden *schalfere 
kemerers der stadt unnd bidden de balcken, de se behoff 
Spjj^ ^ho den blöcken unnd tho den lackelen ; de laten se den 
ten 
Unnd maken. 
Sehji].^ dar sindt drey mans tho; unnd geven ideren enen 
den dach. 
drey weken vor fastelavend so bereith de vastelavendt- 
^ue maltidt up den nyen husse, unnd bidden eren older- 
sinen bysitters unnd de anderen oldesten althomahle 
junge bröder, de sick vormeden, de sindt de, de mede 
tl(; ^ ttthdanzen ; unnd wenn de mahltidt gescheen is, so windt 
(jç ^ ^*^uiann de spellude; so he den mit en ens werdt, so geven 
^'üt Pn«», thn tradesyelde, darmede 
Se 
^t'e enen jederen enen ferdingk tho gadesgelde, darmede 
Itölich unnd gudes högen. 
H darna so bidden de bysitters unnd de olderman unnd 
^ tYj . ^^telavendschalfere de jungen bröders unnd gesellen, dat 
^thdantzen in den lastelavende mitt frouwen unnd junck 
’ de wise thosecht. 
Í ^ lesen. . 
^Wischen Sternen -stehenden Worte sind von anderer Hand an den Rand
        <pb n="582" />
        1 Von anderer I land iiberjjescliriebcn ; weiset. 
502 
Schwarzhäupter. 
11) Item des mandages v'or den groten fastelavende 
men dat schwarte hövet uth, unnd de fastelavendesdrünck 
sick den an. 
12) Item des dingstedages darna so leth de nie gekar 
man verbott don sinen oldesten unnd spricket de olderlude su 
dat se upkamen. 
13) Item den bey den dagen mandach und dingesdag 
de tastelavendesschaffere dat husz mitt Flämischen dec 
vormalde laken, se de wise thosecht, und schaffen in 
dagen gelick in den penninckhdrüncken 2 sch. ^ 
14) Item des dingestages up den avendt, wenn de 
tho hope sint, so gähn se sitten in ehre banck unnd sette^ 
nien gekarnen oldermann in sine stede, unndt dartho 
de olde oldermann de schrägen, der en gegeven is van den 
rade, de mach he vorwahren unnd sich darna richten, so 
gedahn hefft. nie 
15) Item wenn de klocke achte geschlagen hefft, h) 
oldermann enen afspröke unnd geith st ahn by sinen 
dat ende der tafelen unnd leth de klocke lüden und s^ 
gebede juw tho hören: De enn schwärt hövet is 
einn schwärt hövet tho werden, de käme hir morgen t 
unnd neme siner drüncke wahr; darmede wy ’ alle gots 
16) Item so geith he wedder sitten unnd leth tho 
sine Schaffers unnd wert ens mit sinen oldesten, 
sch ölen van enem gaste. 
rddt 
eri^ 
17) Item darna wenn se drade gähn willen, so 
up unnd biddet sine oldesten, dat se eme bystandt v'i 
den ganzen fastelavendt aver, so sick dat gehöret 
18) Item de nye gekarne oldermann den höret tho 
. « I • fi-iz-v \ íMicn . .¿1 
den knecht unnd sine maget van hövet tho vote, enen ‘ _j,oS 
dert van schwarten Leitisch (dok.''), de rock, en wammes, ^ ,g¡ttets 
schue unnd pantüffelen, datt reckent he sinen beyden 
helfte tho endeggende und sick de ander helfte und i j;- 
19) Item de lichte moth de oldermann holden dat Id 
aver mitt sinen bysitter, jen lieh en van 16 marckpun ' 
se twy umme maken thor tidt, thor y der licht 4 ' jg 1^^ 
den hiligen lichtes dach unnd up sünte Merten,
        <pb n="583" />
        Schwarzhäupter. 
5^&gt;3 
kumpt, so hören se der vicarie, so nimpt der vorstender de 
^''ütnpe oder ende tho sick. 
2^^) Item de andere waszlichte, de up dem huse brennen den 
'^stelavendt aver, de moten de fastelavendesschaffere laten macken 
^nndf 
^ ock alle andere tallichlichte, de behof sint. 
, 2i) Item so höret den schafifers, dat se scholen kleden de 
dem huse; sindt dann megde, so gifft mann grön ölte 
^^tnper (dok?) enen rock unnd hosen. Unnd enem jungen 
^ '%rners (dok?), graw unnd grön, krogele unnd scho [unnd] hosen. 
enem jungen kleden se tho gelick den megeden, de en de 
nadrecht, den knecht van den keller und den andern jungen. 
Ol Item des midewekens vor der avendtmahltidt hellt de 
th ^*^*^^*^*^ twe alspröke by der tafFel sittende. „Item *ick geh 
• l)e enen gast helft, de drincke em tho unnd make em^ 
Ick^^ ^^Sen. Darmede weset alle gudes högen.“ Oat ander. 
1^ Sebede *juvv to hören*®: Idt is tidt thor mahltidt tho gahnde, 
na der mahltidt wedder, men schall iuw wol handeln . 
^3) Item na der mahltidt, wenn de klocke achte geschlagen 
'k 1'lielft he veer afspröke. De erste: „De enen gast helft. 
clri 
*tcke em tho, unnd maken gudes högen darmede . 
LUU, UlUKi IIlHIvCIl * - 
1 ^4) Item wenn de erste bröke gescheen is by der talelen, so 
Kv spellüde na der korde unnd maken dem oldermann ein 
ff ^^•'tnn se uthgespelet hebben, so nimpt de oldeste 
Sch 
(len beker aff, unnd de jüngste nimbt den anderen, unnd 
tnk ' ' 
Hll, 
da 
den spellüden; dat schut so den ganzen lastelavendt dor 
So vaken se vor der talelen speien. 
'kn de beyden fastelavendesschaffere den hört beide tho 
MC ucyuen nisiciavciiuc3v'&gt;ciirx..v.. v- 
ski^ deme oldermann, wenn he by der talelen sitt unnd b) 
^‘(nde hebben 4 schencken. 
(l^j^ ^ Item des knechtes sine maget de höret tho sittende jegen 
W över by der klenen schencktafell unnd höret tho 
(^tien klenen sack vull witter beker by sick. 
rwiciicil VUll / 
Item so vaken de oldermann enen afspröke deith, so den 
Schç schencken tho nenien itzlich enen reinen beker unnd 
dem oldermann mit sinen bysitters unde den oldesten 
^ kemerers den fastelavendt 
aver. 
k.. * bie 
'»»d 
über Sternen stehenden Worte sind aiisjrestrichen und von anderer 
2 (j. ^^*chriehcn : gehede tho hören. 
s Y "^KGschriehen 
Anderer Hand üt)eriieschrieben. 
30*
        <pb n="584" />
        5^4 
Schwarzhäupter. 
28) Item so vaken he enen afspröcke (lohn wil, so esc e 
enen tho sick van beyden schaffers unnd leth den oldesten 
wat he afsprecken sali. ye 
29) Item er he afspreckt, secht he dem bysitter tho, 
de klocke lude, dat schut alle tidt so. ^ y 
30) Item de ander afspröke: „Ich ghe * ju to 
dencken morgen den fastelavendt inthohalen na older gc" 
de ein schwärt hövet is unnd dencket ein schwärt hövet thoj ^ 
de sy hier morgen tho 12 mit sinem perde by sinem 
De drüdde: „Ich gebede etc. Hier stahn de ehrliken 
de den dach geschencket hebben unnd dencken ander sc 
tho kesen, de se dar tho kesen, de denen so willighken na, 
dusse vorgedahn hebben; dar mete alle gude högen.“ 
31) Item de veerde: „Idt is tidt tho guder nacht tho gn 
kämet morgen wedder, men schall y uw woll handelen. 
32) Item so steith he up mit sinen bysitters, de schaffers 
dat gesinde, unnd de kn echt de knechten. ^ ^ sin^*^ 
33) Item so gähn se na den keller, dat nimbtt ein je 
hoch, unnd se gähn wedder sitten under de lichte by ° |g un^ 
dann leth he sick noch eins schencken; so kamen de spe 
maken ein hoverecht; dar sittet he, so lange em levett 
bidcie^ 
hc 
34) Item wenn he upsteidt unnd will wech gähn, 
de oldesten, dat se willen des anderen dages wedder ka^^ ßgte)' 
willen em bystandt (lohn, unnd dat deit he alle (läge c 
a vent aver. 
riac'’ 
den 
35) Item des donnerdages, wenn de klocke tvvölff is, 
de beyden schaffers mit den jungen bröder, se sammeleo^^ 
jüngesten bysitter unnd den tho den oldesten; so riden 
liken tho den oldermann unnd halen den unnd leiden vo 
unnd samelen sick dar. 
desp^ 
diu 
36) Item wenn de bröder tho hope sint, so rieden gn 
vor, unnd de beyden schaffere darna mit witten Stöcken, ' 
siner handt. Darna de oldermann twischen sine ^ ^¡deU 
darna de oldesten unnd de jungen bröder by paren 
elder 
sandtporten ein verncleh mile weges unnde kamen vv ^ 
beth an den sandtberch, dar so sammelen se sick tho 
37) Item wenn se tho hope sindt, so schicken de ¿e 
effte sösz par gude gesellen vor na ener kledinge, 
1 ¿eäe von anderer Hand hinzufügt. 
2 In der Vorlage steht nur Aö, die Silbe von anderer 
Haiitl 
hin
        <pb n="585" />
        Schwarzhäupter. 
565 
^Grmann riden, dar folgen de anderen bröder na by paren unnd 
So samptliken na der Stadt temeliken, so sick dat gehöret, 
tyden thor sandtporten in unnd na der slotstraten unnd so 
de stadt unnd aver dat marcket unnd wenden sick den by 
^ rathhuse na Kienen sinem huse unnd ryden na Kämpen huse 
Wenden sick dar unnd riden na den marckede und wenden 
y \ unnd bringen den oldermann tho huss unnd den sinen 
^®‘tters; ein jedermann kümpt wedder upt husz. 
38) Item vor der mahltidt, wenn de klocke veer ist, so geith 
th Sitten mit sinen bysitters under de lichte unnd letli 
^ick kamen sine oldesten, de gähn by em sitten up de rege, 
fç he de tafel decken unnd hett den knecht de lichte cnt- 
^hen unnd alle dinge rede macken unnd steitt up unnd geith 
^ keilen 
Ijç, Item dem knecht hörtt tho dregen den luchter mitt den 
j(¡ den settet he vor den oldesten bysitter, unnd darna de 
Schaffer mit den klenen bekeren, darna de oldeste schaffer 
sjj. froten bekeren, de settet he vor den oldermann, dar he 
schall ; darna folget de jüngste bysitter in sinem rock sonder 
de oldeste bysitter, unnd darna de olderman, unnd 
der tafelen. 
wenn se by der tafelen kamen, so settet ein ider sm 
j ^‘^de up de tafelen, so vorne beschreven is, unnd de jüngste 
Seith na den ende der tafelen, dar de klocke hanget, unnd 
hestahn unnd leth den olderman vor sick ingahn, dem 
Oçj^ deit de ander bysitter up den anderen ende der tafelen 
^^^d gähn den sitten, wenn sick de oldermann gesettet helft. 
j Item ehr de oldermann sitten geit by der tafelen, so höret 
hlar tho hebben ere sch ri (ft van den schnvent de 
^^^01 hy an wesen schölen, alse de den stickrey springen 
I tinnd de schencken, dat de olderman darna darf thoseen, 
(I^r taifel sitt, unnd dartho schölen se alle tidt tho 
t sin mitt alle den ampten, de up dem huse sint. 
so fro de oldermann sitten gähn is, so höret den 
^Ile vier jedem eine witte dwele tho hebben, de hengen 
4 L kraen unnd denen den oldermann vor jeder afsproke, 
&lt;^er tafel helft, so hören dren schencken iderem tho 
' Witten beker, unnde drincket dem oldermann unnd
        <pb n="586" />
        so 
SchwarzhSupter. 
sinenn bysitters tho unncl deit dem oldermann up de 
drincket he denne den oldesten tho. 
43) Item des donnerdages vor der avendtmahltidt so 
[rast 
olderman by der tafell drei afspröke. De erste: „De 
heftt, de drincke em tho unnd make em‘ gudes högen ; 
weset alle gudes högen“. De ander: „Men schall hier ‘ ^ 
enen steckedanz na older gewanheit, dar behove wy tho ^ 
gesellen, de den fören in den vorrey N. N. ln den 
Dar nemandt inthospringen, he sy ein schwärt hövet eite 
en tho werden, den vastelavendt aver by unss tho bliven 
schippund wasses darmede.“ De drüdde: „Idt is tidt 
tidt tho gahnde; kämet na der mahltidt wedder, men scha 
woll handelen; darmede weset alle gudes högen“. 
44) Item vor ider afspröke secht he: „Ick gebede jo 
hören“ 
45) Item so steidt he unnd geith in den keller, nim 
sinen 
a 
hoet unnd geith by de oldesten sitten under de lichte unn j||gn 
de oldesten, dat se willen wedder kamen up den a\ en dt ^ 
em bystandt dohn, dat he de bröder up den groten g» 
mach den vastelavendt bringen na der older gewahnheitt. 
46) Item na der mahltidt, wenn dat volck tho hofe is, 
de kn echt de fackelen uthbringen, dar me by dantzen jed 
de olderman geith stahn by dat ende der tafelen 
drey afspröke. De erste: „Ick geve yuw tho hören: Wv 
den bröders up den groten gildtstaven den fastelavendt t 
na older gewahnheit; Gott geve em ein gudt jahr, de pe 
afdantzet unnd wedder in, dat de rey desto lenger " p'ifd) 
ander: „Wy behoven dre gude gesellen, frame manns bv ^ 
de de kumpanie vorstan, vor enen oldermann N., ^ 
N. N.; darmede will all guth hagen“. De drüdde: S" 
hoven veer gude gesellen, de de kolven dregen, in den 
in den achterrey N.; darmede weset alle guden hogen • 
47) Item so geith he sitten unnd leth sick ens schetic 
bittet sine oldesten, dat se em wolden folgen. 
48) Item van dem dantze tho wetende, wenn he de 
gebecien hefft, so nimbt lie enen by sick van (len 
dar vor ins vor oldermann gesetteii hefit offte ene 
anderen olderlüden unnd geith stahn by dat ende der 
1 In (1er Vorlage steht waken statt make em.
        <pb n="587" />
        Schwarzhäupter. 
567 
^ Blocke hanget ; unnd em höret tho folgen twe oldesten, de gähn 
up dat ander ende, unnd darna de beyde kolvendregers unnd 
^^tzen wedder rundt umme dat husz; unnd de jungen bröders de 
sick den mit der tidt mede in den dantz twischen den oldesten, 
kolvendregers höret achter tho dantzen. 
49) Item will se ummegahn, schölen beyde by sitters in de 
, gähn, unnd en höret tho folgen den beiden kemeners jegen 
olclerman kumpt, so dantzen se umme, so de oldermann gedahn 
Unnd harren unnd spreken de jungen bröders tho, dat se up- 
^ ^lut geschut drye; unnd in den dantzen höret den spellüden tho 
den trotterdantz. Wann se afgahn, so gähn de spellüde \ or. 
50) Item wenn se up dat marcket kamen, so geith de. older- 
stahn umme trent jegen der apoteken und umme de anderen 
Up de rege up de forderhandt, unnd töven so lange, de 
'"•öder 
^nder 
-'l' '«x-. Up IV71 *it***^»., -- 
u kumpt, unnd dantzen weddersins umme 3, dath geith so 
"^se up dem huse, unnd dantzen den up den groten gildtstav en. 
^ 50 Item wenn de oldermann na der gildtstaven geith, so lopen 
Ç ^^haffere beide vorhen up den gildtstaven unnd hebben ider 
2^"^ mitten stock in der handt unnd seggen dem oldermann vann 
'in gildtstaven : „Hier kamen der ehrliken schwarten hövede 
^ ^^^ingen yuw den fastelavendt na der olden gewahnheit 
oldermann en darup en antwort, dat bringen se erem 
*^uiann wedder, wenn he vor de döhre kumpt. 
. 52) Item wenn se up den gildtstaven kamen, so geith he 
^^'■süns umme unnd blift bestahn by dat ende der tafelen, dar 
(j. ^(^kenlüder sitt, unnd sine oldesten up dat anc ere ent e, unn 
anderen bröder up de rege; so lange de ander dantz 
1 1 ., M r) 11 rii^n 
So dantzet he umme, so he up den huse unnd up 
gedahn hefft, so lange, dat men de blocke 
\Vç gedahn hefft, so lange, ciat men -, 
sin/, gesettet by dem oldermann van den gildtstaven, unn 
&gt; ^ysitters ock by der tafelen, so de wise wiset. De kemeners 
'^y eren L'í-mí»nfrc Sitten, unnd unse oldesten by ehren 
öl(L ^ kemeners 
^^sten. 
^3) Item wenn he ene klene stunde geseten hefft, so kamen 
J^hafifere unnd seggen dem oldermann tho; ¡dt is tidt, so buth 
Slot. 
I Sick 
en 
dat schut thwy, aver se then wedder dahl, tho dem 
tin I ' ^ahle seggen de schaffere eme tho, unnd so steit e 1 , 
ej "i"&gt;l't sine kumpen l&gt;y ,1er handl unnd geltli stahn ,n de 
’ *i^r he ging, &lt;lo he upkam, unnd de anderen darna.
        <pb n="588" />
        568 
Schwarzhäupter. 
54) Item SO dantzet he dene umme so, alse thovören dry, ^ 
dancket dene den oldermann und sine bysitters unnd de ol 
unnd gähn wedder na dem markede. 
55) Item dem knechte höret stede tho stände unnd tho 
den oldermann, wann he sittet up deine radthuse offte up 
gildtstaven. 
56) Item de schaffers höret bey de ock tho denende deiu 
mann, wann he sittet up dem rathhuse unnd ock up o 
staven, so ferne alse se nicht gesettet werden van den o ^ 
unnd der gildtstaven. 
57) Item de schaffers höret dem olderman tho seggende, 
idt tidt is tho gahnde van dem rathhuse unnd van dem 
dat idt nicht tho lange wäret, dat schall de knecht den sei 
Seggen. 
58) Item wenn se wedder up dat marcket kamen, so 
oldermann stahn umme trent jegen mester Mertens, des 
husz, unnd de anderen up de rege na all up de forderhaiK t, 
beyden so lange, beth de ander dantz nakumpt, und dant/ei^ 
umme, so in dem afdantze schal men wedder dantzen ua 
neven huse. ^ 
59) Item wenn se up dat husz kamen, so geit de ol^e 
in thor forderhandt by der döhren, dar de schaffer tafe 1 
stahn 
tho Stande, unnd de anderen darna, unnd tovet so lange, 
ander rey kumpt, unnd dantzet den umme, so lange men de 
lüdet; so geith he sitten under de lichte, unnd de ander 
ehn gehöre«. , _ 
¡in 
60) Item den schaffers höret thovören uptholopen, er 
mann upgeith, finden se nicht dejen en sitten by der 
dartho gekaren sint, delaten se anteken, de hebben geblH'^ 
de kumpanie, unnd werden gerichtet in achte dagen. 
61) Item so geith he sitten mit sinen bysitters by de 
hefft veer afspröke: Den gast, den steckerey, de schen«- 
guder nacht; so vorgeschreven is. 
62) Item so steitt he up van der tafelen uniidt 
sitten by sine oldesten, und ¡die scheftte darby, 
schreven is. 
tafel(^"'
        <pb n="589" />
        Schwarzhäupter. 
569 
^3) Item des frydages vor grote fastelavendt hffet he men dre 
^^spröke, dat schut tho 8 up den avendt: Den gast, de schencken, 
guder nacht; so forne beschreven is. Alle gescheffte darby, 
^ ^ho vorne beschreven is. 
^4) Item des sonnavendes vor der avendtmahltidt hefft he dre 
^®pröke: Den gast, stekerey, tho guder nacht; alle gescheffte 
so tho vorne beschreven is. 
^5) Item na der avendtmahltidt hefft he veer afspröke: Den 
^ stekerey, schencken, tho guder nacht ; alle gescheffte, so 
geschreven is. 
66) Item des sondages in den groten fastelavendt, wen de 
Sç ^ so geith de oldermann mit sinen bysittern stahn unnd 
^ Gnen afspröke: „Ick gebede y uw tho hören. Hin idermann 
^ g^h na siner fruwen eite junckfruwen, de he gebeden hefft, 
Siringe se dan ne mede, dar he nicht mede besitten blifft . 
Uti ^tem so geith ein ider na siner frouwen efte junckfrouwen, 
l)y ^^^Icn sick tho des oldermannes husz, ock ein dell mitt den 
Unnd kamen up dat husz. 
fro des sondages dantzet de olderman vor mit einer junck 
de jüngste bysitter folget eme na mit ener frouwen, 
^^rna schicken de anderen na ener junckfrouwen, ene frouwe. 
Item in den andern rey dantzet de oldeste bysitter mitt ener 
vor, unnd darna de anderen, so se geschicket sindt. 
I^^rn des mandages dantzet de oldermann vor mitt ener fruwen, 
clç (ddeste bysitter folget eme mitt einer junckifouwen, unnd 
unnd junckfrouwen, de des sondages hebben in den 
Uti^. gGdantzet, de dantzen des mandages in den anderen rey. 
It) ^I^^le vorgeschicket weren, de werden den achter geschicket. 
fO rey dantzet de jüngste bysitter vor mit einer junck- 
lj(.^ /*’ Unnd de anderen em na, so des sondages gescheen is. 
'^^Gstages de oldermann vor mit einer junckfrouwen, unnd 
bysitter folget eme na mit einer fruwen. In dem 
(^IG oldeste bysitter mitt ener fruw^en glick dem 
wenn se den dantz schicken willen, so kamen de beyden 
'"'"(^ntschaffere mit witten Stöcken in ere handt unnd gähn 
* V 
Anderer Hand ühergeschrieben : /.?•
        <pb n="590" />
        Schwarzhäupter. 
57« 
tho den oldesten unnd fragen, wem se upnemen sch ölen; 
en dar gesecht, so gähn se beyde unnd nemen idtlick ene^ 
bringen se by de grote dore des buses up de rege, so en » 
fahlen werdt. 
72) Item wenn des oldermans sin rey geschicket is, so 
schicke" 
offte 
se de anderen rey, unnd de schaffers setten desülven fruwen 
junckfrouwen by de anderen up de rige. idestC’ 
73) Item ehr he afdantzet, so geith he sitten mitt siiien o 
under de lichte, leth sick ens schencken unnd hefft twe a sp^ 
74) Item de erste afspröke, so geith he st ahn mit 
sitters unnd secht: „Ick gebede y uw tho hören. Ein 1 ^ 
de gab stan by siner fruwen efte junckfrouwen, de he gebe 
und dantze höveschen af unnd höveschen wedder tho husz b&gt; 
bröke, dar me ne sali.“ De ander: „Wy behoven 
mans by de tafel, de de kumpanie vorstahn, vor enen o ( e 
N., vor bysitters N. N.; darmede weset alle gudes hagen. ^ 
75) Item so speien de spellüde up, so geith de olderm 
hy der dören, unnd de anderen folgen em na unnd dantzen so^ 
In dem ummedantzende geith de by sitter in sine stede sta _ gg 
dantzet wedder uth, wenn de oldermann kumpt, dat schut 
dantzen se na dem marckede 
Z.CII OL, lia, ...... , gp 
76) Item den schaffers höret tho folgende in der an 
alsc 
re)' 
tles 
mitt witten Stöcken, und de knecht van dem huse na 
77) Item den dantz geith so tho, also geliker plleß^ 
donnerdages in dem lütken fastelavende mit allem wesen e, 
dat se mit em springen. jiörc^ 
78) Item so gähn se up dat rathusz, ehr se upgahn, 
den vastelavendesschaffere vorhen tho gande unnd 
vorwittliken, dat sc kamen, unnd seggen also: „Hier 
oldermann der swarten hövede unnd sine bysitters mit 
unnd junckfrouwen unnd bringen juw enen ehrliken dan 
gewahnheit.“ So gifft en de borgermester en 
bringen se den oldermanne unnd rofen so lange, dat ^,pii 
döhre des rathhuses kumbt, unnd seggen en, gy sint 
en willkamen. 
vot 
79) Item wenn he baven kumpt, so geith he stan 
stobte |?1 ofte vor dat schaf, dar de schriver plecht t uF 
Up den ortt, unnd de anderen folgen ehm, unnd gab 
sine vörderhandt, dar steidt he so lange, ilat de an(h r 
unnd dantzet den weddersins umme so lange, dat de ande
        <pb n="591" />
        SchwarzhSupter. 
571 
Ven 
^en 
^ is, so keret he sick tho dem bysitter des anderen dantzes, 
^•'et den uth; unnd de oldermann geit den wedder stahn, so 
^ dat de klocke geliidet werdt, so werden se gesath van den 
en jedermann, dar en datt gehörett. 
Item den beyden schaffers den höret nicht tho sitten up 
^Athhuse, sonder se wurden den gesettet van den heren. 
^0 Item se stahn under der kronen, beyde by malckander, unnd 
^ ^ Stöcke aver ende in ere handt, unnd de knecht achter en, unnd 
*^Gn oldermann, de wile he sitt. 
. Item ock sofro ' ens umme geschencket is, so nimbt de 
Schaffer enen dantz up; sitt dar des borgermeisters ff uw 
dar tastet he tho, unnd de ander bröder darna, so 
helffte upgenamen werdt. 
®nH de wile de oldeste schaffer dantzet, nimbt de ander den 
rey up unnd dantzet so umme, so vaken dat em levett. 
Va den schaffers höret hier upthoseende, dat dar nemandt 
Off Ifuwen effte junckfruwen besitten blive in den dantzen, 
vastelavendt keine, so schölen de gesellen by nemande 
^ise by de, de se gebeten hebben; dar schölen de schaffers 
unnd ock up der gildtstaven. 
^ar dar maken se den drey dentze; in dem driidden dantze 
fçj. ^'^den de schaffers vier junge heren tho, de den vorrey, so 
SçL sick nicht tho sökende, macken ; dat is de wise, unnd de 
vorlösen se. 
item de dantze schölen kort wesen, so dat se vor dren 
Up (len gildtstaven kamen. 
Item wenn de dense gescheen is, so gähn de schaffers unnd 
dem oldermann tho, idt is tydt, datt he upsteitt. 
a^d item so steit he up unnd nimbt sine junckfrauvv unnd de 
geith dar wedder stahn, dar he stundt, do he kam, 
^^^tit/.et den drey umme gelick, do se upkemen, so geith he 
dancket den heren alle unnd gifft ene de handt unnd 
den gildtstaven tho, und de spellüde alle tidt vor. 
ou item de schaffers lopen vor uth unnd dann der (don dem?) 
'vetlich, dat se kamen, gelick alss en up den radthusz 
^it, Unnd Seggen eh rem olderman ein andtwort. 
wenn he up den gildtstaven kombt, so geith he wedder- 
unnd geith stahn by dat ende der tafelen, dar men de 
I Vo 
" Anderer Hand übergeschrieben : fern.
        <pb n="592" />
        Schwarzhäupter. 
572 
klocke ludet, unnd sine bysitters by eme voran up de forderhan^^ 
unnd de anderen darna up de rege, so verne de oldermann ^ 
gildtstaven nicht by der tafelen sitt; sitt he averst by der ta ^^ 
so gehöret en tho stahnde gelick des donnerdages in den u 
fastelavendt up den avendt, da se en den fastelavendt brengen. 
91) Item alle däntze gähn dar so tho alse up dem rath 
sunder des oldermans und der oldesten ere frouwen unnd 
werden van den schaffers upgenamen in den vorrey en tho e 
92) Item dann mögen sick de schaffers woll sctten unnd r 
sick den drüdden dantz, dar bidden se tho de kemeners 
gildtstaven. _hhws': 
93) Item alle gescheffte de gähn so tho alse up dem 
sindt dar ander bröder van dem neuen huse, de hebben dar fry ^ 
94) Item de oldermann offte sine bysitters de dorfen 
dantzen noch up dem radthuse offte up der gildtstaven. 
95) Item helft de oldermann offte sine bysitters gm 
waters halven, so mach he woll in den keller gähn, dat 
nicht vorkeret, soverne he nicht by der taffel sitt. 
96) Item wenn se wedder afdantzen, so geith idt tho ‘ j, 
dem radthuse, unnd dantzen up dat marcket unnd gähn sta 
des donnerdages in den klenen vastelavendt unnd dantzen s 
up dat husz na dersulven wise, alse in dem donnerdage je 
Wenn de klocke gelüdt werdt, so setten sick de frouwen 
lange benke unnd junckfrouwen. 
97) Item den oldesten höret den tho sittende gähn 6- 
negest der tafelen, dar de jüngste bysitter sitt, erer 3? ^ 
98) Item so geith de oldermann unnd bysitter in 
ke 
hy 
•Iler 
, de 
ofte in den hoff, so verne idt ehm gelevet, unnd geith 
tafel Sitten mitt sine bysitters na sodaner wise, so forne l)OS 
99) Item so helft he drey affspröke: Den gast, den st 
thor mahltidt; alle gescheffte darby mit den schencken 
lüde, so vorne is beschreven. 
lœ) Item des sondages' na der aventmahltidt tho 
uhren so hefft de oldermann drey afsprcike, stands 
lichte: i. „Wy gedencken enen ehrliken rey uththol)^^^^^ 33t 
older gewahnheit. Gott geve em ein gut Jahr, de mede 
I In den Anfangsbuchstaben J ist ein d hineincorrigirt, oder da« ^ 
verwandelt worden.
        <pb n="593" />
        i 
Schwarzhäupter. 
573 
^ desto langer werdt.“ De ander: Frome mans by der tafell. 
^•^ekockendregers': Alle gescheffte darby, so tho vorne beschreven is. 
Item so geith he sitten, biddet sine oldesten unnd dantzet 
huse, van dem huse up dat marcket, van dem marckede 
P dat radthusz, up den gildtstaven, van den gildtstaven up dat 
^•"cket, van dem marckede up dat husz, so vor der mahltidt ge- 
is unnd in den donnerdage des lütken vastelavendt by 
schach. 
i()2) Item so geith he den sitten by de tafelen unnd helft vier 
^ P^'öke: Den gast, den stockerey, de schencken, tho guder 
alle geschaffte darby, so vor beschreven is, tho holdende. 
So item so geith he sitten under de lichte unnd höldt idt, 
Sch beschreven is, unnd leth tho sick kamen de be) den 
^ offers, den hett he, dat se sick setten by den bysitter up de 
(lat dohn se, men se laten sick halen ein glasz hieres unnd 
'la tlat dem oldermann tho unnd sinen bysitters unnd sitten 
2 stunde unnd vorkoderen sick, den so gähn se wedder wech 
^ dohn ere dinge up dem huse, wes dar tho donde is. 
So 1 item under de lichte dar sittet he eine halve stunde ofte 
sitt ^tn belevett, unnd steitt den up unnd geith ein ander wegen 
ti) So verne idt em belevett. 
*‘‘5) Item den so geith de oldeste schaffer unnd luth de klocke 
iqj. ^ Sticht; „Wy behoven enen olderman* by de tafell, dar kiese 
^^^tho ^ ^ is der jungen broder ere höge; dat mögen se 
’ "Mn der olderman wech is. 
icjj , item des mandages in den groten vastelavende so geith 
gçjj ^ ^it dem dantzen noch den afspröken unnd mit allem wesende 
des sondages, sonder ene vor den anderen gha der 
Unnd junckfrouwen tho schickende, 
i bit item des dingstdages gelick den sondage unnd mandage 
Wesende, dat vor der mahltidt schut, sonder ene vor 
gha in den schickende. 
item des dingstedages na der avendtmahltidt so gehöret 
bcr unnd sinen bysitters, dat se schölen bestüret hebben 
^^fichte tho enen vate, juwelick en gerichte capunen, ge 
gekrüdt, dat beste, so se bekamen können, unnd eyer, 
*Jut herlicker uthrichten, desto mehr ehr se dar van 
gähn se den mede in de faste. 
! anderer Hand sind über dem ck die Buchstaben /v geschrieben 
anderer Hand ist über dem o ber übergeschrieben.
        <pb n="594" />
        i 
574 
Schwarzhäupter. 
109) Item up den salven avendt höret den vastelavendt schaff 
tlio hebben twe watt heringes uth der pekell unndt so vele 
alss me dar tlio behoff hefft; dar gähn se mede in de fastenn. 
110) Item vor den avendt, wenn de fruwenn unnd junckfr^'^ 
willen wechgahn, so geith de oldermann mit sinen bysittcrs_^^ 
de döhre unnd biddet de frouwen unnd junckfrouwen, dat se ' 
wedderkamen up den avendt unnd bringen en den vastela\ei 
111) Item wenn he wedder van der mahltidt kumbt, ^ 
en 
or 
itli 
he Sitten by der tafelen unndt hefft 4 afspröke: De erste: „ 
hoven dre gude gesellen, de dar uns gudt reken, dat dar \ ^ 
is unnd noch vorteret schall werden; dar kiesen wy tho 
schriver N.; dar m(ede) w(eset) a(lle) ('i(odes) ,¿eii: 
enen 
set) 
De ander afspröke: „Wy gedencken morgen de ste\en tho 
ein jeder sy morgen tho 8 hier by sinem bröke; d(ar) m(ede 
a(lle) G(odes) h(ögens) h“ De drüdde eschet he de sc 
und steit up van der tafelen unnd leth de tafelen decken un 
darup setten de spiese, wes sehebben bestüret. Wenn {,1 
decket is, so geith he by der tafel stahn unnd secht: „W ) ^ ^-¡j-lcet 
de fasten tho gahnde. Gott geve em ein guth Jahr, de de 
unnd mede tho tastet van denjenigen, dat Ciott vorlehnet 
112) Item denn so geit he by der tafelen sitten mi^t sui^^ 
sitters 
unnd rücket by sick etlicke uth dem rade offtu 
gildtstaven, so ferne se dar sindt; sindt se dar nicht, so 
de fruwen unnd junckfrouwen unnd settet se by sick a 
siden unnd ock de bysittere dem geliken, unnd de ander 
by de oldesten. 
iht 
bei 
lir 
iile 
113) Item by der tafel hefft he den nene affspröke, 
,'ena 
(1er 
(k 
(k 
V . unU*' 
mahltidt gescheen is, so steit he up unnd geith sittei 
lichte unnd maket sick frölick mit den frouwen unnd 
unnd dantzet, so em dat gelevet. De frouwen sitten dar 
dat men 3 offte 4 däntze gemacket hefft, so gähn se en 
hefft 
ae 
114) Item dewile de olderman by der tafel sitt, s 
olderman men enen afspröke; men nicht by der ^y, 
de Schaffer den hering umme in alle läge ummet bret r ^ 
de fruwen unnd junckfrouwen wech sint. Id is tidt tho 
tho gahnde, den so geith he wech unnd gifft de 
rum, unnd alle gescheffte darby, so thovorne beschrev ^ . „¡¿e 
1 Die in Klammern stehenden Buchstaben 
schrieben. 
sind 
von anderer H*"
        <pb n="595" />
        / 
Schwarzhäupter. 
575 
*^5) Item des ersten middewekens in der fasten so is de wise, 
Gin ider schwärt hovet mach bidden eine ehrlicke frouwe effte 
J'^hckfrouwe unnd bringen se up dat nye husz. 
*t6) Item des avendes umb de klocke 6 is edt, so geith de 
^Grrnann by der tafel unnd helft enen affspröke unnd secht all- 
«Ein ider gha na siner frouwen effte junckfrouwen unnd hale 
Se 
Up.« 
**7) Item den so ge it ein idermann na den sinen, unnd de 
*^^rmann unnd de bysitter, de sint, na den ehren, de se gebeden 
Gbben. 
So Item iip den avendt moten de schafifers bestüret hebben 
'Gle engefers unnd muschatcn unnd drusie unnd paradiskörner, 
den bedarflf heflft; wat nicht vorteret werdt, geven se den 
^Grers wedder. 
*^9) Item wenn de frouwen unnd junckfrowen upkamen, so 
s Sitten, unnd sine bysitters by der tafel, unnd hefft 5 aff 
Ptöcke. 
Sd Item wenn he ein weinich geseten heflft, so leth he sick 
'U unnd de spellüde makcn em ein haverecht. Darna enen 
^ ^Pë^enamen, dubbelt gedantzet; na dem dantze gifft men den 
l^^ë:Gier umme, unnd gähn erst van dem oldermann; de oldeste 
(Irecht das vatt unnd de schaflfer de cortiszen * van den 
ff ^uinn tho den oldesten unnd den vor de frouwen unnd junck 
d , Item so heflft he den ersten affspröke und secht also: 
lins y uw tho hören: Wy hebben van dage laten begahn 
'^t)rstorvenen bröder mitt vigilien und morgen mitt see 
''uld^*^’ iöcr sye hir morgen tho 8 unnd do em so na, .dsz e 
'So em gedahn scholde werden; d. m. S' bögen, 
üben se den andern dantz. 
SÍK ^2) Item so heflft he de anderen afspröke unnd secht: „Dar 
dç ^e ehrliken reckenslüde unnd vorwachten den tahlpenmnck, 
upgelecht hefft, de legge up; öar m. w. a. g h, . o 
^I^tt drüdden dantz. Went gescheen is, so geven s 
So secht he den steckerey, de schencken, tho 
nacht. Twischen diese drey spröke leth he sick schenc en 
I
        <pb n="596" />
        Schwarzhäupter. 
576 
aliene mitt sinen bysitters unnd steit den up unnd geith 1" 
keller, uth dem keller wedder by de fruwfen unnd by deote- 
123) Item denn so nimbt de oldeste schaffer den oldermann 
fruwe up und den oldesten bysitter ene junckfrouwe, unnd dantzen 
avent so lange unnd so vele dentze, alse se willen unn den be 
tin se thOi 
124) Item van diissen dentzen tho wetende, den gann ^ 
den Schaffers höret tho hebben vier tortisen * van wasse, 
ider dantze 2 den vorrey höret tho dantzen den kemmeners, 
de schaffere voren aliene, unnd hefft en tortise ^ brennende ^ 
handt, dar he mede vorspringet, dar folget em de kemme 
na. De andern dre tortisen ' de stahn brennende up dre rtii« ^ 
buses unnd wachten up den schaffer; offte eme sine tortise 
ginge, so tastet he tho der brennenden und gifft de ander van 
125) Item den kemmener soll nemandt verlösen, sonder 
unnd olderlüde unde kemmeners gewesen sindt, 
sitters 
oldeste banck sitten. 
126) Item de schaffers soll nemandt vorlösen, sonder M 
gesellen, de se dartho gebeden hebben, de den avendt sch 
127) Item so vaken de schaffere willen enen dantz 
schall ere ene gähn tho dem oldermanne unnd schall ein 
wem he upnemen schall. sC 
128) Item wenn de frouwen |undj junckfrouwen vvech 
secht de oldermann den schaffers, dat se dartho verdacht s^^ 
se des anderen dages laten bidden de bröder uth den yieC 
st aven ; dar senden se den hen vier junge bröder, den 
thor derden reise gähn; se schicken hen unnd nemen t\' ^ 
mit sick unnd bliven dar so lange, dat se mit ehn upkain 
129) Item wenn de klocke 5 ofte 6 ofte 7 is, so 
schaffers, dat de fackelen werden hen gedragen na den iif 
unnd ocke de spellüde mit den fackelen; dar se mögen 
dantzen van dem giltstaven, so de wise thosecht. ^ ^ 
130) Item wenn se kamen, dat se drade up dat mar d^ 
so geith de oldermann sitten unnd secht: „Hir kamen t 
ehrliken bröder uth dem groten gildtstaven ; se sindt ^ 
uns wilkamen. Gott geve em ein guth jahr, de en rum 
131) Item wenn se upkamen, so kamen ere schaffers 
unnd Seggen dem oldermann, dat ere oldermann mit sinen 
I ln der Vorlage : cortisen (cortise).
        <pb n="597" />
        Schwarzhäupter. 
577 
na dem olden, so secht unse oldermann, se sint Gade unnd 
willkamen. Wenn se upkamen, so dantzen se 3 mahll umme, 
^ leth de oldermann de klocke lüden, so werden se gesellet, ere 
^sten by unse oldesten unnd ere oldermann by unsen older- 
unnd ere kemeners by unse kemeners unnd ere bysitters by 
bysitters by den tafelen, gelick se uns deden up den gildt- 
staven. 
^ *32) Item wenn se ene stunde edder twe gesellen hebben, 
'Venn se schier dreimal upgebaden hebben, so leth he de 
y lüden unnd secht: „Hier sint tho uns gekamen de ehrlichen 
1^ '^th dem groten gildtstaven, se sint Gade unnd unss will- 
^ ’^^n, Gott geve en ein guth jahr, de en höveschen thodrincket 
Jacket se gudes hagen.“ 
J33) Item wenn se denne na dem afspröke sich upbeden, so 
Sç he se woll laten gahn, so stan se up unnd dantzen, so alse 
In dem updantze; unnd de fackelen werden entfenget, 
se wedder tho huss gebrocht mit den spellüden na 
^Ise se upkemen. 
*34) Item wenn se wech sint, unnd de spellüde unnd de fackelen 
old ^ sint, so steit de oldermann up unnd geith by sinen 
Sitten unnd hefft den drey afspröke stahnde. De erste: 
^^ncken den fastelavendt uththobringen na older gew ahn 
geve en ein guth jahr, de mede anholdt, dat de rey 
d De ander: „Wy behoven drey fromme mans 
ko, t^Iel, de de kumpanie vorstahn vor enen oldermann, de 
l^em so dantzet he gelicker wiss, alss he dede in den lütken 
^^^ndt Up dat marcket, van dem marckede in cle kopstrate 
stahn kegen Wilhelm thom Putk sin huss aver up de 
s side, unnd de anderen up de forderhandt, unnd dantzen den 
sott, so ferne dar rum is ofte dröge, alse up dat marcket, 
1^ de sandtstrate up den ortt, dar de sott is, dar geith he 
'Vart. deith den geliken darna dem drüdden sott na der porte 
Heia’ den anderen in dem ummedantze, so alse se m dem 
voranderinge in den stahnde up de ander siden der 
heth Up datt nye huss. 
Item so helft de oldermann 6 afspröke by der tafel sittende: 
^^st, tahlpenning, steckerey, schencken, tho guder nachtt.
        <pb n="598" />
        578 
Schwarzhäupter. 
eltt 
unn^ 
alle gescheffte darby, so tho vorne beschreven is, und dat g 
afthoseggen up den avendt. 
137) Item des avendes ordenet he de beiden by sitters 
de beyden kemeners, dat - se des anderen dages den rath &gt; ^ 
unnd de oldesten van der gildtstaven unnd ock den husssc 
unnd radesschriver. 
138) Item wenn de radt kumpt, dar moth he up wachten 
so geith he stahn unnd secht: „Hir werdt tho uns kamen de e 
radt, se sint Gade unnd unss willkamen. Gott geve em ^ 
jahr, de ehn höveschen thodrincket.“ 
139) Item wenn se upkamen, so nemen de beyden sc 
jetzliche ene cortysen ‘ brennende unnd gähn buten der döh^^ 
mit 
buses stahn, unnd de beyden bysitters binnen de döhre 
cortysen ^ brennende, unnd de oldermann steit twischen 
döhren, unnd sine oldesten up de rege unnd beten se 
so geith de oldermann, unnd setten de borgermeister dat 
gesete baven, unnd dar den de anderen radesheren up de 
140) Item de oldesten van den gildtstaven kamen by 
setten sick up desulven banck, dar de borgermeister sitt 
aven. Des avendes gifFt men krudt aver dat ganze huss, ^ ^ 
in dem midweken schach den frouwen; dem oldermann 
dregen dat krudt vor de heren, unnd sine bysitters de c 
dem vorgesetenen oldermann vor de oldesten des gildtsta\ ^n jg 
de beyden kemeners offte schaffers de cortysen *, unnd so 
rege vordann. 
141) Item up den avendt höret alle den oldesten tho 
deme rade unnd tho schenckende. Wenn de rath wec gg. 
geith he nicht wedder by der tafel ; wente de tafel is ' ¿e 
nanien, so geith he stahn unnd helft dre spröke: 
reckenslüde unnd wachten des geldes“, denne de schenc^'^^ 
tho guder nacht. Des sonnavendes tho 8 uhren up 
vier afspröke : Den gast, de reckenslüde geldt, de scheoc 
guder nacht. gß 
142) Item up dem avende ordenieret he de kemeneß^'^^^^|gfg, 
bidden den kerckheren mitt sinen cappelanen unnd ct) 
köster, scholmeister, cackat^ unnd der schwarten hövede ere 
1 ioj'tisen. 
2 Von anderer Hand: lector.
        <pb n="599" />
        Schwarzhäupter. 
579 
datt se kamen des sondages up den avendt thor mahltidt, 
^oth sick de olderman upgesettet hebben. 
H3) Item des sondages vor der avendtmahltidt helft he 3 af- 
Ptöcke: Den gast, reckenslüde geldt, thor mahltidt. 
1. ^44) Item den so werdt de tafel gedecket, unnd de oldermann 
^ sine oldesten, dat se em bystahn willen unnd eten mitt em 
^^hltidt. Wenn de kerckher kumpt mit sinem hupen, de ehr 
^ angesettet, und de anderen prester tho de oldesten unnd 
j mahltidt aver ; wenn de mahltidt gescheen is, so werdt de 
^ ^ ^Pgenamen, unnd de prester werden gesettet up de lange 
dar sitt de oldermann mit en, beth dat de klocke 8 is. 
de klocke 8 geschlagen helft, so geith he sitten unnd helft 
P^^ocke: Den gast, reckenlüde geldt, schencken, guder nacht, 
gç ^^ndages vor der avendtmahltidt mach he laten vorboden de- 
hç ^ Vorbracken hebben, de rieht he denn. Up den avendt helft 
^^spröke: Den gast, reckenslüde geldt, schencken, tho guder 
^ dingestdages up den avend 3 spröke: Den gast, reckens- 
„Hier is genoch, hir blifft genoch, nemandt gha van 
is^ uth, by I schippunt wasses, i last Hasses, 100 
*^®Ites, hundert last soltes. Darmede weset alle gudes högen. 
steitt he up unnd geith by sine oldesten sitten unnd 
gp. frölich unnd dancket sine oldesten, dat se em bystandt 
hebben. 
113. Schwarzhäupter, 
nachts or dn u ng aus dem Jahre 1510* 
Schwarzen Häupter in Riga, Nr. 9. Gebundenes Papierheft, 21 cm. hoch 
aus 43 beschriebenen Blättern. Auf dem ersten nicht paginirten 
*'• 9- Pastelavends-Ordnung. 
er de ordenynge unde dat regyment van den vastelavende 
^^tten hovede to Ryghe upt nyghe huesz etc. 
. ) hem Up wynnachten in den wynnachten hilghe dagen offte 
vor offte 8 dage dar na so solen de oldesten van den 
I hoveden myt den gemenen brodersz der dre sw arten 
Vç ^ ^nd der gantzen cumpanye eyntdrachtliken kesen 2 \astel 
e schaffere; wen de denne gekoren syn, so sal de olderman 
il laten luden und sal to endesz an de taifel gan stan und 
^ ^Penbar affseggen, so solen de vorgeseten olderlude unde 
" faderer Hand: sy. 
H7*
        <pb n="600" />
        580 
Schwarzhäupter. 
de bey den vorstender der vyccarye de anderen oldesten 
de vor olderlude nicht geseten hebben, unde so solen de vorge ^ 
olderlude myt den vorstenderen der vyccarye unde myt den n&gt; 
gekaren schafferen unde myt den gantzen gemenen jungen bro 
der cumpenye eyndrachtliken kesen enen olderman, de der 
penye nutte sy. Wen denne de oldelsten myt den jungen ge^ 
brodersz syn avereynghekomen, so sal de olderman deme Kn 
beten de docke luden unde sali den nyen gekaren olderman ap 
bar affseggen vor den gemenen brodersz. 
2) Item de nye gekaren olderman mach denne vort de 
kesen offte 8 dage dar na; men de nye gekaren olderman sali ^ 
bvsitter kesen sunder medewetent unde belevet unde vülbort 
1 1 lik 
gemenen oldesten unde sal kesen, de der cumpenye drecn 
unde der cumpanye enen körnen. jg 
3) Item wen de nye gekoren olderman myt synen oldestc^^^ 
bysittere kesen wil, so solen de oldesten de kemenersz 
so lange de olderman myt den oldesten des koresz syn a\ 
gekomen. . 
4) Item wen denne de olderman myt den oldesten 
eyngekomen, so sal de olderman gan stan to endes an &lt;1® 
vor der oldesten banck unde sal dem knechte beten 
luden unde sal seggen to den gemenen jungen broderen: 
my vor enen olderman gekoren, gedencke gy my dar ok ^^^^g 
holden“? Dor se denne alle ja toseggen, so hez he dem 
noch eynsz de docke luden unde secht aldus up der sulv en ^ 
dar he vor hen stunt: „Ick gebede juw to hören\ ick ne: 
erlike bysittersz, dar kese wy to N. N.“ 
5) Item so solen de nye gekoren vastelavendesschaffcr ^ßg 
vort avereynkomen myt den oldesten unde gemenen broders 
se ok mede bruwen solen edder nicht unde wo se ¡dt ni&gt; |^t 
de 
dynghen holden solen, unde de vastelavendesschaffer sole ^ 
mehr medesz brawen alsz to 6 schip pundt honninges tho, 
schafíer solen nicht bruwen, sunder se dont dem oldermannc 
unde solen nene unkost don sunder medewetent desz c)ldc^^ j^gr^ 
6) Item so solen de vastelavendesschaffer denne ' 
besturen iegen den vastelavent dat beste, dat se koncn 
1 Bei den mit einem Sternehezeichneten Wörtern befindet 
an Stelle des Zeichens der Kürze überall über dem u ein kleines, schic 53! 
2 Von dem vorstehenden, weiter unten im Text sich wieder o 
werden nur die Anfangsbuchstaben der Worte (1. g. j. t h.) wiedergege 
be»-
        <pb n="601" />
        Schwarzhäupter. 
581 
(lesz hebben se behoff by ii lasten offte 12 last int alder- 
'^eystre. 
7) Item 4 weken offte 5 weken vor vastelavende solen de 
^stelavendesschafFer den mede bruwen und solen nene unkost 
Up den sunder hetent und vúlbert* desz oldermans; dat wäsz, 
dar van kumpt, hebben de schaffer to den lichten upt husz, 
^ navolget. 
8) Item 3 weken vor vastelavende szal men de spellude wynnen, 
^ ®olen de schaffer eyn cleyne kost bereden unde dar tho bydden 
olderman myt synen beyden bysyttersz unde de anderen 
^ ^sten, dede voer olderlude unde bysittere und kemenersz geseten 
to unde de dre spellude myt dat grote spyl sollen hebben 
^ Ulkende 13 mrc., unde de man i ffert to gadesgelde, unde de 
uiyt der bunghen sollen bey de hebben 4^'^ mrc., unde 
I ffert to gadesgelde. 
da denne vort, wen de spellude gewunnen syt desz anderen 
de^^^ harde dama, solen de schaffer gan tho den kemener 
^ *^udesz unde solen bydden umme balken to blocken unde to 
So vele en des not isz, unde solen de balken laten voren 
Vo hoff; dar solen se to nemen 3 arbeydeslude sunder de 
de sulven arbey deslude solen ok de blocke saghen unde 
de splyten unde de ffackelen maken. Item de 3 mans, de 
^^ucke szagen unde de pergel splyten unde de ffacklen maken, 
solen se hebben alle dre tosamende i mrc. Rygcsz und 
d^^ de wyle se dar aver arbeyden, alle 3 alle dage 3 sch., 
So[ herink unde ber vorkopen ; unde de sulven 3 mans 
av ^ (^Ic ffackelen den vastelavent aver dregen, wen se desz 
ap. uffdantszen unde solen den ffastelavent aver helpen ber 
unde schencken; dar scholen de 3 mansz, ok de man 12 
hebben, offte to hope i mrc. Kygesz. 
dç Item de olderman unde syne bysittere solen cleden den 
da^ *^^^ht upt husz und syne byslepersche myt swarten Amster 
offte de gewerde; desz sal de olderman de helffte be- 
dç. tinde de beyden bysyttere de andere helffte, ock solen se 
I j. ^tiechte geven unde syner bysleperschen i scho unde 
Pattuffelen; dar sal de olderman ok de helffte van gelden 
bysittere de ander helffte. 
iujj Item de beyden vastelavendesschaffer scholen cleden ey nen 
*»nd, ’ on de hode unde de stocke nadracht, myt Camper wände, 
^olen cleden den kellerknecht, de dat ber vorwart unde dat
        <pb n="602" />
        Schwarzhäupter. 
582 
updrecht, myt Wysmerschen wände. Item syn dar denstmeg^^ 
upt husz*, de dem huse denen unde dem kopmanne her up 
eyn offte twe, de solen de schaffere ok cleden myt 
12) Item de knecht unde syne byslepersche solen den o 
man unde den oldesten alle dage personliken sulvest denen 
schencken, wen se in der banck sytten. , ^ 
13) Item de vastelavendesschaffer hebben ok behoff i3 
to 
offte 14 lispunt talghlychte unde hebben behoff by 4V* 
wassesz, dar mede by 13 offte 14 markpunt grousz wassesz 
den tortysyen unde spentlichten. ^ ^ 
14) Item desz ffreydages vor vastelavende solen de vastelaven 
Schaffer de waslichte, tortysyen unde spentlichte laten maken, 
waslichte sal syn 13; item vyff lichte solen wesen, dat ^yfif 
5 markpunt, unde de anderen 7 solen syn van 4 markpunt, 
waszlichte, de dat stucke 5 markpunt wegen, de solen stan 
desz oldermansz taffel, i to endesz an der taffel baven 
dat vyffte sal stan to endesz der oldesten banck by fier 
de anderen 7, de stucke to 4 markpunt wegen, de solen stan 
dat (dat) husz*, wor dat van neden isz, unde de vyff 1’^’ 
baven stan, solen bernen desz avendes so lange, alsz àe ë 
lichte bernen, de wyle de oldesten sytten, sunder de anderen 
lichte sal men utdon, wen de olderman van der taffel upste&gt; 
15) Item der spentlichte hebben de schaffere behoff gyn 
gel 200 und 90 umme den trent; unde dee spentlichte s j-jef 
grot, dat 19 offte 20 gan up i markpunt unde solen syn 3 
van ener eien lanck; unde dat grone licht, dat mydd^^ 
myssyngen luchter* steyt, sal syn van 1V2 markpunt. 
16) Item de olderman unde syne beyden bysittere de 
laten maken 3 waslichte, dat stücke* van 16 markpunt, 
upstycken desz mydwekens vor vastelavende, wen de ^ _ je 
angan; unde de dre lichte solen de dre dat jar aver 
olderman sal dat myddelste holden unde de beyden 
anderen beyden lichte, unde de dre lichte solen se dut jur 
mael vorlengen laten ; unde wen denne dat jar umme isz» j^gjuck 
stumpel, de dar aüerblyven*, körnen in de ere G ades 
tende der swarten hoveden altaer und vyccarye, unde 
ewich geholden werden. 
en 
\e^' 
17) Item des mandages vor vastelavende solen de vust^^ ^ 
Schaffer pennyckdruncke schaffen unde ok den dynxte 
dach
        <pb n="603" />
        Schwarzhäupter. 
583 
nemen van den manne, alsz de hoff dene mede bryngeth, 
alsz de pennyckschaffer vor en geschaffet hebben, unde solen 
^^Ppen van den vastelavendes ber; dat gelt, dat se de twe dage 
salen de schaffer to hulpe hebben to dem ungelde. 
^8) Item desz mandages wen de vastelavendesschaffer anschaffen 
^ pennyckdruncke, solen se desz mandages up de maltydt i ge- 
J^'hte laten kaken offte twe unde solen den olderman myt synen 
isitteren dar bydden unde 2 offte 3 van den oldesten unde solen 
^at ber besmeken ; unde de schaffer solen na gudem rade desz 
^^rmans unde der oldesten dat ber upsteken, unde welk ber se 
unde tyden tappen solen unde ok den mede, unde wat 
^ ^ar van den gesten nemen solen, dat solen se avereynkomen 
y ^Gn schaffersz, unde de schaffffersz solen ok den schryver 
^^den up de suive maltydt, de en den vastelavent aver schryven 
^pt husz. 
^9) Item desz mandages unde desz dynxtedages sal men upt 
nene vastelavende toven, de syck vornudruet* unde vorkagelt 
^cn, Unde ok sal men de docke nicht luden *, dat se sytten gan, 
froten druncke angan ; gan se denne sulvest sytten, men 
nicht utwysen. 
^ Item de vastelavendesschaffer de 2 dage, alsz men pennyck 
schaffet, dat hus behängen myt decken, myt hilgen laken 
^ *nyt anderen bylden, so se idt herlikest untrychten der cum 
tom eren. 
^0 Item desz dynxtedage avendesz sal de nye olderman myt 
^ysitteren unde myt alle den anderen oldesten Sitten in der 
banck unde solen dar avereynkomen, wo idt de schaffer 
Sni ^olen myt dem gastgelde, wo vele se van den gesten nemen 
Unde wen de docke denne isz to 9, so sal de olderman 
. Synen bey den bysitteren gan stan to endesz an de taffe vo 
I /^^^Gsten banck unde sal denne deme knechte heten de docke 
Unde sal dar affseggen, dat men idt aver dat hele husz* mach 
«Aldusz ick gebede juw to hören, de eyn swart liovedt isz 
,2 ^ gGdencket eyn swart hovet to werden, de konie morgen to 
neme syner druncke war“. 
Item desz mandagz des morgens to 7 sal de knecht upt 
^ut Sw arte hovet uthangen.
        <pb n="604" />
        5^4 
Schwarzhäupter. 
23) Item desz dynxtedages sal de knecht vam huse den oldest ^ 
toseggen^ dat se de olderman bydden let, dat se up den aver ^ 
hüsz* körnen unde sytten myt em in der banck unde don em 
selschop unde bystant; item desz sulven dyxtedage avendes, 
de oldesten denne wech syn, offte desz mytweken morgei^^^^^ 
de knecht vam husz de benck wechnemen vor der oldesten 
unde sal de enander wechsetten, dar desz van noden isz; uente 
oldesten banck sal den ffastelavent aver ffrygh stan, unde 
husz reyne maken unde de nyen block setten, dar se stan sc 
Des ?nytwekefts vor imstelaveiide. 
de vas 
tel' 
24) Item des mytwekensz vor vastelavende so gan 
avendesdruncke an, unde de schaffer solen den keller 
na der maltydt to 12 unde solen denne de spellude laten upsp^_^^^ 
bangen* unde trummetten, schalmeyden, wat dar denne vor sp, 
unde solen denne upspelen unde nicht mer, de wyle àe ^ 
und^ 
waren, und ok nicht affspelen, er de druncke ute syn. 
drunke solen duren 8 dage in de vasten, dat isz desz ersten 
dages in der vasten. 
n gudGO 
25) Item de vastelavendesschaffer solen hebben ene &amp; 
gesellen vor eynen schryver, de de gesellen upschryfft, de de &lt; 
holden, unde helpen den schaifersz, de de amptlude ordyneren 
utsetten, de de schencken solen und kolven dregen unde 
reygh dantzen unde by de taffel tosytten; unde de suke sc 
sal desz mytwekensz, so vro alsz de keller upgesloten, 
by de dore vor der schaffer schap, unde dar sal he dac 
sytten unde nemen synesz amptesz gewar. 
he) 
de 
26) Item des vastelavendesschaffer scholen dagclikesz 
up deme huse syn in dussen druncken unde solen desz a' 
ok nicht wechgan, er de keller togesloten is, unde se so 
keller na 12 desz avendes nicht appen holden; unde wensz 
dages up dem huse syn, so solen se in eren rokken g^^ 
heyken umme desz vrommeden mannesz wyllen, dat de 
weten, wene se dat gelt geven solen ; unde solen vaken 
dat se dat gastgelt nicht vorsümen* unde dat se de 
brodersz kennen vor den vromeden manne unde solen sent 
baden upt hüsz* den luden redelikheyt don myt ber upt j,g 
de , 
27) Item des mytwekens vor der avendtmaltydt, wen iß 
by 4 is, so szal de olderman myt synen bysitteren gao ^
        <pb n="605" />
        Schwarzhäupter. 
^ ^anck, unde de olderman myt synen beyden bysitteren sollen 
Under dem groten bylde, dar de 3 lichte vorstan. De older- 
sal Sitten under dem myddelsten lichte, unde de oldeste by- 
Sitten baven dem olderman, unde de jungeste bysitter 
old under dem dorden lichte in dem orde, unde de anderen 
^ ^sten unde bysitter unde kemenersz solen sitten lanck de rege 
^ banck, (de ’)\vyle de olderman by der taffel sytten. 
g Item wo de oldesten sitten solen, de olderman sal myt 
dç I^ysitteren sitten baven under den lichten; dar negest solen 
^ ^^tten, de vor vor olderlude geseten hebben, de oldeste older- 
gesetten sal baven sitten, dar negest na alder sunder de older- 
^ de vor dem nygen olderman latest geseten heiüt, de sal dat 
\Vç ^ ^^I)hen, w en de olderman nicht tor stede isz offte kranck 
^^'tl de suive olderman den vastelavent aver by dem nyen 
old dantzen, wen se des avendes aflfdantszen. Negest den 
So Solen sitten de vorstender der swarten hoveden vyccarye, 
^ nene bysitter syn, de vor en in der banck hebben ge- 
uegest solen sytten de bysitter na alder, alsz se to ampte 
to ^yu ; dar negest solen sitten de kemeners na older, alsz se 
gekoren syn. 
Item wen de docke 4 geslagen helft, so sal de knecht upt 
"'^slichte anstecken, de umme dat hus stan, unde sal de 
sitt myt enen beneygeden taflfelaken, dar de olderman by 
synen bysitteren, unde sal setten to endes up de 
^Vn oldesten banck wert i bylde sunte Jurgens unde dar 
waszlicht vor*. 
so sal de olderman ut der banck myt synen bysitteren 
tinde solen in dem keller gan, aldus solen se ut dem keller 
knecht van dem huse sal vor gan unde sal dregen den 
luchter, dar sal mydden upstan i waszlicht \an i u 
hçf wasses unde sal gron syn, unde de luchter sali umme- 
^ Y ^Pentlichte stan, unde de solen alle bernen; dar na szal 
jungeste schaffer unde sal dregen de cleynen sulveren 
dar negest sal gan de oldeste gekaren schaffer unde sal 
oi(jç^ de twe groten sulveren becker; dar negest sal gan de 
intirjde negest de oldeste gekaren bysittere; dar negest de 
' ^i!j^'syttere, unde solen so gan sitten by de taffel, de older- 
^ ll durchgestrichen. 
Art. : wen de o/dcrtnan wil sitien gan by de taffel.
        <pb n="606" />
        Schwarzhäupter. 
5%) 
man sal mydden sitten, dar sal vorstan dat smyde; de 
sitter sal baven den olderman sitten, dar sal vorstan de _ 
myt den lychten; vor dem jungesten bysitter sal stan sunte Ju 
bylde, unde de jungeste (o)bysitter sal de docke luden, 
olderman wesz affseggen wil. 
31) Item wen de olderman isz sitten gan by de taffel, so 
de byden kemenersz vam hus upstan ut der oldesten bene 
solen sitten gan to endesz in de taffel by by den oldesten 
vor dat schapp, dar de kemeners er tuch plegen in tho jg 
unde wen de kemenersz willen sitten gan, so solen se ge 
kysten upsluten, dar de pollexen unde weren innelecht, ^.^^gn 
solen de slotel tor kyste vor sik up des oldermans ta e 
umme uplopes willen, offt dar jenich bouen* offte ungenant 
de dar uplop offte slachtynge wolde maken, de wile de o 
by der taffel sete. de 
32) Item wen de olderman by der taffel sittet, so so je 
bey den schaffet unde de to schencken gekoren s) u gjttet' 
knecht upt hus denen vor der taffel, de wyle de olderman ^ 
unde dat sal alle avende sehen, de wyle de vastelavent je- 
wen de olderman by der taffel sittet, unde de schencken s 
welik hebben i witte dwele hangende jegens des oldermans 
de wyle de olderman syttet. 
33) Item Up den mytweken vor der aventmaltidt hefft 
man 2 affsproke by der taffel, de wyle he syttet. ¿e( 
34) Item de olderman sal nicht affseggen, de wyle jeO 
taffel sittet, sunder he sal de oldesten ersten laten vragen 
schaffet, wat he affseggen sali, unde wen he denne wesz a 
dof 
ffse# 
dat 
he 
wyl, so sal he den jungesten bysitter ersten toseggen, 
docke lude; wen he de docke deme gelüth* hefft, so sa ^^c,i 
man upstan unde seggen aldus, dat men idt aver dat 
höre: „I. g. j. t. h., de enen gast hefft, de dryncke em ^, 
make ene guden hagen ; dar mede weset alle gudesz 
35) Item so gan de spellude stan jegen des oldertm^^^^j)^,de 
und maken em denne enen hoüesck* haverecht; wen ^ 
denne utgespelt hebben, so nympt de oldeste schaffet ^ ® 
sulveren beker unde schencket den spelluden, unde de 
Schaffer nympt den anderen sulveren beker unde soit de 
1 Von dem vorstehenden, weiter unten im 1 ext sich wieder 
werden nur die Anfangsbuchstaben der Worte (d. m. w. a. g. h.) wie 
2 
5»
        <pb n="607" />
        Schwarzhäupter. 
587 
der handt, dat de schaffer den beker wedder dale settet, so 
he den leddygen beker wedder up den anderen vüllen* 
^^^eren beker vor dem oldermanne. 
3d) Item wen de olderman denne myt den oldesten ens umme 
^^druncken helft, so let de olderman de oldesten vragen dor den 
wat he affseggen sal. Item so helft de olderman noch 
^^^proke vor der aventmaltydt, de lut aldus: „I. g. j. t. h. : 
tydt tor malty dt to gande; körnet na der maltidt wedder, 
juw wol handelen; d. m. w. a. g. h.“ 
37) Item so steyt de olderman up van der taifel myt synen 
bitteren, unde gan so in den keller, gelik alsz se dar utquemen 
^ Konten denne wedder ut dem keller unde gan by de anderen 
^sten sytten und drincken denne ens offte twye umme unde 
slu^ to der maltydt. So solen de schaffer den keller to- 
Unde gan ok hen tor maltydt. 
^ch desz mytwekens na der aventmaltydt to 6 solen de 
to keller upsluten, unde sal apen stan wente des avendes 
** in de docke. 
^ Item wen de docke 7 geslogen helft, so sal de olderman 
^nd bysitteren gan sitten in de banck under de gröten lichte 
Í ^ ^nl denne den knechte heten, dat he den anderen oldesten 
"P dem hyse syn, dat se to em in de banck körnen 
Ql^ don eme geselschap; dar sal de olderman denne myt synen 
Sq Sitten unde wesen vrolik; went de docke 8 geslagen helft, 
he gan sitten by de talfei myt synen bysitteren. 
wf*) Item wen de docke 8 is, so sal de knecht vam hüsz* de 
unstycken, de umme dat hus stan; wan dat denne ge 
sitj nicht lange dar na, so sal de olderman myt synen by- 
tipstan unde sal in den keller gan, unde de schaffer myt em, 
sitj dar also wedder utkomen, wen se by de taifel willen 
Item de knecht van huse sal vorgan unde sal dregen den 
f^^S^n luchter myt den lichten bernende, dar negest de jungeste 
dç ^ Unde sal dregen de 4 clene sulveren beker, unde dar negest 
gekaren schaffer sal dregen de beyden groten sulveren 
V tilgest de olderman, dar negest de oldeste gekaren by- 
I liy negest de jungeste bysitter, unde so solen se sitten gan 
fle myssynge luchter myt den lichten sal stan vor dem 
•&gt;ysittere; dat smyde sali stan vor dem oldermanne; de
        <pb n="608" />
        58S 
Schwarzhäupter. 
jungeste bysitter sal sytten under der docke, dar sal vor 
sunte Jurgens bylde ; de jungeste bysitter sal luden de docke, ' 
de olderman wesz adseggen wyl. 
42) Item wen de olderman is by de taffel gan sitten, so s 
de kemeners ut der benck upstan unde gan sitten to endes 3 
taffel by den oldesten bysytter vor der kemener schap, 
se sitten gan, solen se dat schap upsluten unde nemen dar 
slotel to der pollexenkysten unde liggen de vor syck up des 
mans taffel, offte se solen de kyste upsluten umme uplopes 
de dar gesehen mochte, de wyle de olderman by der taffel , ^ 
43) Item wen de olderman is sitten gan by de taffel, 
de, de vor de taffel körnen, de to schencken gekoren syn, 
eyn jewel van den schencken sali hebben eyne wytte ^ ^ ^ ^ gg. 
synen broke, unde de sulven 4 gude gesellen, de to schenckei^^^ 
koren syn, solen nicht wech gan, van eren ampte, er de o 
van der taffel is upgestan; so lange solen se em denen tin 
oldesten. 
44) Item de schaffers solen ok de olderman denen, de 
by der taffel sittet; unde de knecht vam hus unde sync 
des eelik solen ok dem olderman denen unde den oldesten- 
- 1 he 
45) Item wen de olderman by der taffel sitten, sai jß 
affseggen, sunder he sal de oldesten ersten laten vragen 
Schaffer, wat he affseggen sal unde des avendes hefft de o 
4 affsproke. 
r&gt;e erste affsproke des myiwekens avendes /ufk aldus. 
(s. Ansprache am Schlüsse des Art. 34). 
46) Item so körnen de spellude vor de taffel unde 
vor dem oldermanne; wen se denne utgespelt hebben, 
de jungeste schaffet offte de oldeste den enen groten 
becker van dem anderen, so nympt de ander schaffet de ' 
sulveren becker myt den bere unde schencket den spc^ut c 
he den spelluden denne geschencket hefft, so settet he d 
vor den olderman up de taffel, unde syn masschop ^tt 
anderen beker dar wedder up. 
47) Item wen de olderman denne myt synen 
ummegedruncken, so szolen de schaffet dem oldermanne 
1 Von dem vorstehenden, weiter unten im 1 ext sich wiederh 
werden nur die Anfangsbuchstaben der Worte (w. h. a. s.) wiedergegc
        <pb n="609" />
        Schwarzhäupter. 
589 
olderman dor den schaffer de oldesten laten vragen, ofift 
^ydt ¡SZ aflftoseggen unde w. h. a. s. 
De ander affsproke a/dus: 
tiovet 
S-j. t. h.: De eyn swart hovet is und gedencket eyn swardt 
to werden, de sy hyr morgen to 12 myt synen perde vor 
^tise by synen broke; d. m. w. a. g. h.“ 
old wen dem olderman denne geschencket is myt synen 
Sç ®o sal he den schaffer senden to den oldesten unde sal 
vragen, w. h. a, s. 
De derde affspro/ie: 
gç ^ i hyr stan de erliken schencken, de den dach aüer* 
hebben unde dencken andere schencken to kesen; de se 
heKk ^ ^^sen, de dont se wyllichliken nu, alsz idt desse vor gedan 
d. m. V. a. g. h.“ 
is ^tem wen denne deme oldermanne noch ens geschencket 
^0 ^yoen oldesten, so sal de olderman de oldesten laten vragen 
Schaffer w. h. a. s.^ 
Ijç Item so solen de schencken vor den olderman stan, wen 
dçf ^I%esecht hefft, unde solen jewelck enen sulveren beker up 
^tit hebben unde solen de schencken dar apenbar vor der 
it) ^ tiornen jewelck enen offte den synen unde gan denne to em 
k dar se sytten unde dryncken jewelck dem synen to, 
^ ^hgenomet hefft; unde jewelk van dussen, de to schencken 
syn, sal eyn jewelck hebben ene witte dwele vor der 
^ hangen, de wyle he schenket. 
. De verde aß'sproke a/dus : 
’’lor" h. Idt is tydt to guder nacht to gande; körnet 
^ ti vveclder, men sal juw wol handelen ; d. m. w. a. g. h. 
^ hem so steyt de olderman up van der taffel unde ge) t so 
"t den keller myt synen bysitteren unde schafferen, alsz 
hç ^tgekomen syn; wat eyn ydelman dar utgedragen, dat drecht 
Ht wedder in, so gefft de olderman myt synen bysitteren 
heller unde geyt sitten in de banck, dar he upgestan is 
lychte by de anderen oldesten. 
'*n(j ^ ^ hem wen de olderman denne van der taffel is upgestan 
stede iS Sitten gan, so sal de knecht de waslichte ut- 
) de fe ’ . . v-L.- 
tirnrne dat hüs* stan, utgenomen de dre grote lichte, de 
‘ ör 
^&lt;i/ steht an dieser Stelle saaH.
        <pb n="610" />
        590 
Schwarzhäupter. 
flfel 
baven dem olderman stan; unde de anderen vyüe* de by &lt;^^1" 
stan, de dre, de vor des oldermans taffel stan, unde dat 
dat endes der taffel steyt, unde dat vefifte, dat to endes 
oldesten banck steyt by der fflûcht*; desse 8 lichte solen alle 
so lange bernen, alsz de olderman myt synen oldesten in der 
syttet van der tydt an, dat he by de taffel sytten geyt. 
KT,) Item wen de olderman in de banck is sitten gan 
JJ’ - —iiueg*^ 
dem 
so 
anderen oldesten unde eyn reyse offte twe mael hefft am 
druncken, so szolen de spellude körnen unde solen gan stan m&gt; 
int hus jegen de oldesten banck unde solen dar speien 
olderman unde den oldesten eyn hoveck haverecht; wen se 
utgespelt hebben, so sal de knecht vam hüsz * hebben en gl^® 
unde sal den spelluden schencken. 
54) Item wen de olderman by de oldesten is sitten ga 
sollen de beyden vastelavendesschaffer nemen eyn 
ffullen unde solen dem olderman unde bysittern todrynckei^^^^^ 
gan dar by den oldesten bysitter up de banck sitten unde 
sick dar vralick myt dem olderman unde myt den 
lange en dat geleüet*; wen dem oldermanne myt synen « 
denne gudt dimcket*, dat he den jungen broders wil nlm 
dat se ok vrolik syn, dat se berolderlude unde bysittere^^^^^^ 
mögen, so mach he myt synen oldesten upstan unde mach 
in de borgerbanck offte by de rekensztaffel gan sitten nn 
den hoghen an. 
55) Item so mach de schaffet togan unde luden* 
unde kesen eynen berolderman, unde de mach vort an amj^ ^y^|t 
kesen, de em denen unde maken sick so vrolick, so lange 
is to bedde to gande, unde en de schaffet wil ber geiden, 
de wyle de olderman myt synen oldesten upe dem husc ^ 
solen de schaffers den keilet nicht tosluten sunder* hete 
oldermans. 
Des donredages to hitke vastelavende. 
life*' 
ni* 
56) Item des donredages to vastelavende solen de sc ¿e( 
der malt y dt den keilet upsluten to 12 unde des avendes 
aventmaltydt to vyüen* to, na der aventmaltydt to 6 
unde des des avendes to 12 edder to eynen wedder tho. 
57) Item des donredage morgens offte under malt) 
schaffet laten scheren eyn hennepen lynen offte trosse dvva
        <pb n="611" />
        Schwarzhäupter. 
591 
dar solen se an laten bynden 3 starke krentze, dar de 
^trnan myt den gemenen broders na ryden sal; dyt solen de 
Äffers besturen dorch den knecht vam hus*. 
58) Item de bey den vastelavendesschaffer solen up dem myd- 
to 12 rede syn to perde unde solen bey de samenliken ryden 
to ^^yden bysitteren, erst to dem jungesten bysittere, denne 
de oldesten bysittere, unde halen se ut denne samentliken to 
oldermanne unde so myt dem oldermanne körnen up den 
^ &gt; Unde de gemenen swarten hoüede* solen syck dar samelen 
oldermanne to perde unde solen dar eyn weynich toüen*, 
gemenen swarten hovede to hope körnen, unde denne von 
samentliken myt dem oldermanne utryden. 
59) Item wen de docke to 2 is, so sal de olderman myt den 
Sol hoveden wedder in de stat körnen, unde de beyden schaffer 
^ vor den oldermanne unde solen jewelck hebben in 
(Iç ^^ttt enen witten stock, unde de olderman sal ryden twuschen 
bysitteren unde ryden so umme de stat bet up dat 
fy^ Unde de schaffers solen de ersten syn, de na dem krantze 
Ule tlar na de olderman, dar na de bysitter, dar negest de ge- 
^'"Oders, de ene na dem andern. De enen schonen bolen 
’ tie Wert sick dar wol bewysen an deme krantsze er to willen. 
0)^ Item des avendes vor der aventmaltydt to 4 sal de older 
synen oldesten gan sitten in de banck, so sal de knecht 
C ‘ ■ ' 
'Se de waszlychte anstycken, de ume dat hus stan, wen 
w gesehen is, so sal de olderman myt synen bysitteren 
ünde sali in den keller gan, wen he by de taffel wil sitten gan. 
aldus solen se ut dem keller körnen, wen se by de 
"^'^len sitten gan; de knecht vam huse sal vorgan unde sal 
W ^ tien myssynges luchter myt den bernenden waslichten, dar 
de ^ ^ti jungeste schaffer sal dregen de 4 cleynen sulveren becker, 
dar schaffer sal dregen de beyden groten sulveren becker; 
dar sal gan de olderman, dar negest de oldeste bysitter, 
de l^^^st de jungeste bysitter unde so by de taffel gan sitten, 
sal mydden sitten, de oldeste bysitter sal baven den 
\ "¡tten unde de jungeste bysitter sal benedden dem older- 
Under der docke; de beyden kemeners solen to endes 
^haj' by dem oldesten bysitter sitten vor der kemener 
luchter myt den lichten sal stan vor dem oldesten 
dat smyde vor dem oldermanne, vor dem jungesten by-
        <pb n="612" />
        Schwarzhäupter. 
592 
sitter sal stan eyn bylcle sunte Jurgens unde dar eyn cien wa 
licht vor. 
62) Item wen de olderman by der taffel sittet, so solen 
schaffer dem oldermanne sulvest denen vor der taíifel, und 
knecht vam hüse*; und de schaffer solen ok ordyneren 
4 gude gesellen, de de cumpenye mede holden, de 
manne dagelkes, wen he by der taíifel sittent, schencken unde 
unde eyn jewelik van den schencken sal hebben den dach ai^^^ 
eyn wytte dwele vor der taffel hangen by synem broke; une 
sal so gesehen alle dage, de wyle dat de cumpanye düret • 
63) Item de olderman sal nicht affseggen, de wyle he 
taffel sittet, sunder he sal de oldesten, de up der banck sitten, 
den schaffer laten vragen w. h. a. s. ; unde wen de olderman 
taffel sittet, so solen de oldesten lank de banck sitten, de by 
gewest syn; unde wen de olderman wesz affseggen wil, so 
jungeste bysitter de docke luden, unde de olderman sal em to 
unde denne vor der aventmaltydt hefft de olderman 3 affsp 
De erste affsproke (s. Anspr. Art. 34). 
64) Item so körnen de spellude vor de taffel unde spol^^ 
eyn hovesk haverecht; wan se utgespelet hebben, so tret 
schaffer to unde numpt den enen groten beker vam dem a 
so nympt de ander schaffer de groten sulveren beker 
schencket den spelluden; wan se den gedrunken hebben 
se wedder up de pyperbanck. jg^ 
65) Item wen de spellude gespelt hebben, so sal ^gge- 
oldermanne myt den oldesten schenken ; wen se denne u^«^ ^gß 
drunken hebben, so let de olderman de oldesten vragen 
schaffer w. h. a. s. So heyt de olderman den anderen ^ ^ 
er he affsecht, hetet he dem jungesten bysitter de cloc 
De ander affsproke a/dus: 
„I. g. j. t. h.; men sal hyr den stekereygh dantszen 
wonheyt; dar behoüe* wy to 4 gude gesellen, de den li)t 
kese wy to in den vorreygh N. N., in den achterreygh gjgpcl'^' 
nymant in to spryngen, he sy eyn swart hovet oflfte 
eyn swart hovet to werden unde den vastelavent aver 
blyven by eynen schippunt wasses; d. m. w. a. g. h. 
dar 
de 
sog'" 
66) Item den vort solen de spellude upspelen, unde de 
de to deme dantse gekaren syn, solen vort vor de tafle g 
•lie'’’
        <pb n="613" />
        Schwarzhäupter. 
593 
ene par to dem enen ende an de taíifel, dat ander par to dem 
^"^deren ende an de taíifel; wen de spellude denne rede syn, so 
se vort dantszen; so vaken alsz se ens ummekemen, so solen 
S^n stan up de stede, dar se syn utgedantzet. 
^ ^7) Item ofFt dar jenich geselle were, de in den stekereygh, 
^al de druncke holden unde sal deme oldermanne borgen setten 
^ der taíifel, dat he den vastelavent aver dar inne blyven wyl 
dem stekespele unde der cumpenye genoch don wil by enen 
'Ppunt wasses ofFte 60 mrc. Ryges. 
dç Item wen de stekedansz ut is, unde deme oldermanne unde 
^^desten geschencket is, so sal de olderman de oldesten dor 
^ehaiifer laten vragen, w. h. a. s. ; unde is de de dorde afsproke. 
De dorde affsproke : (s. Anspr. Art. 36). ^ 
L Item so steyt de olderman van der taíifel up myt synen 
unde gan so in den keller; alsz se dar utgekomen syn 
dem keller unde gan wedder up de banck in er stede by 
^*^deren oldesten sitten; er de olderman denne to der maltidt 
•' de anderen oldesten bydden, dat se na der avent- 
d*. Wedder körnen unde helpen em den dansz utbryngen na 
olden. 
^o) Item wen de docke by vyuen * is, so solen de schaiFer 
Voller tosluten unde na der auentmaltidt* to 6 wedder up. 
dfç knecht vam husze* sal under maltidt de fackelen laten aíF- 
Unde besturen de mans, dar by dat all dynck verdich sy, 
d^ olderman upkumpt. 
Sq Item na der aventmaltidt, wen de docke 6 geslagen heíFt, 
de olderman myt synen bysitteren unde myt den anderen 
Sitten in de banck; wen de docke to 7 is, so sal de 
gan stan to endes an de taíFel myt synen beyden by- 
onde heíFt dar 3 aíFsprake na en ander, unde to jewelkem 
sal de kn echt vam hus de docke luden; wen de olderman 
*^ode is, so sal he dem knechte heten de docke luden. 
, De erste aff'sproke: 
^yic}" ' J" t. h.; wy gedencken den broders up dem groten 
^^^oven den vastelavent to bryngen na older wonheyt. Cot 
V gudt jar, de de mede an holt, dat de reygh deste 
'Verde.« 
ot. h*. 
to der ma/tydt siatf tor mattydt. 
38
        <pb n="614" />
        594 
Schwarzhäupter. 
De ander a/sproke: ^ 
„I. g. j. t. h.; wy behoven 3 vrame manne by de taffel, de 
cumpenye vorstan, vor eynen olderman N., vor bysitter N- ^ • 
De dorde aff:iproke: 
„I. g. j. t. h.; wy behoven 4 gude gesellen, de cie 
dregen; dar kese wy to in den vorreygh N. N., in den ^ 
reygh N. N,“ 
72) Item wen de olderman wesz affseggen sal van 
alse schencken offte kolvendregers offte de, de stekereygh dan 
so solen de schaffers vor dem oldermanne stan unde noinen 
vor, dar he se na affseggen kan by namen. 
n de 
73) Item de vrame manne, de by de taffel gekaren s&gt; 
solen Sitten gan to rechten tyden by eren broke. 
74) Item de wyse van dem reyge offte dantsze is desse 
olderman ' sal vor dantszen myt dem vorgeseten olderrnann 
dat jar vor en geseten hefft; negest en solen dantszen de 
bysitters, de dat jar dar vor geseten hebben, dar negest 
menen broders; in den sulven reyghe solen achter dantze 
kolvendregers myt dem kolven; in dem anderen reyge 
dantzen de beyden bysitters, de dyt jar sitten; negest 
dantzen de beyden kemeners van dem hüs*; in dem sulven^^^^^^j. 
solen ock achter dantzen 2 kolvendregers myt den kolven, ^ ¿c 
reygh sal dremâl ummedantzen, er se vam dem huse dan 
erste rey sal ens ummedantzen unde sal denne stan 
de ander reygh ok eyns ummedantzen unde sal denne sta 
se 
sO 
wen de ene reygh dantzet, de wyle sal de ander stan; ¿e. 
dremal ummegedantzet hebben, so dantzet de erste rey, 
olderman hefft vorhen upt market, de wyle dantzet de 
noch ens ume dat hus* unde volget em denne upt mar ^ 
dantzet se denne ok 3 mael umme gelick uppe deine h»^ 
denne na dem gyldestoven. 
75) Item de schaffer solen dem latesten reyge na volg^‘ ’ 
de 
1er 
de mans, de de ffackelen dregen, sal i vor gan, de ant ^ 
mydden twilsschen* beyden reyghen, de drede dackel s 
gan; wen de schaffer unde de oldermann myt dem gants 
körnen up de naheyt by den gyldestoven, so solen se 
Die Silbe man ist von anderer Hand später hinzugefugt.
        <pb n="615" />
        38* 
Schwarzhäupter. 
595 
Und werffen den olderman myt den gemenen swarten hoüe- 
^ in. Item de schaffer solen gan to dem olderman up den gylde- 
^uven vor de taffel unde seggen aldiis * : „Hyr körnen to juw de 
iike swarten hoveden unde brynghen juw den vastelavent na older 
^ Unheyt“j wat se denne vor eyn antwort krygen, dat seggen se 
oldermanne wedder. Item so dantszen se to en up unde 
^^utszen dar syn reyse ofifte 2 mael umme; so lange men de docke 
’ so gan se sitten. 
76) Item de olderman van den swarten hoveden myt synen 
j^ysitteren gan sitten by de taffel, unde de oldesten van den swarten 
h ^un sitten by er oldesten unde de anderen, wor se rum* 
Sg Wen se denne eyne halve stunde geseten hebben, so beden 
®yck Up unde denne noch eyns, to der dorden reyse stan se up; 
^^yt de olderman stan myt dem vorgeseten oldermanne unde 
/ ^"^ieren oldelden* dar na. In beyde reyghe alsz se upge- 
hebben, so dantzen se dar myt, jewelk reyge 3 mael umme, 
fo der latesten reyse umme dantzen, so dancket de older- 
Sy ^ *^y^ synen oldesten dem oldermanne vam gyldestoven myt 
g 1^*^ ^idesten, und geven en de handt unde dantzen so van dem 
(jj.^^^^*^*uven upt market unde dantzen dar ok myt jewelker reyge 
Umme, so se vorgedan hebben, unde denne so upt hús 
dç ^ ^^utzen dar ok 2 mael offte 3 mael umme; so lange dat men 
iucke luth*, so geyt eyn ydelman in syn stede sytten. 
Soj item de dre vrame mans, de by de taffel gekoren syn, 
H *^iuht van der taffel upstan, er de olderman 2 offte drye 
g^^^^^^antzet is, unde de docke gelut is, so stan se up unde 
^‘den, wor idt en geleveth. 
de hyr vore de kolven gedregen hebben solen dessen 
’ ^Gn de olderman wedder by de taffel sitten ge&gt;t, den 
^^^y dantzen unde des vreyghdage atiendes* schencken. 
So item so geyt de olderman by de oldesten einen nich sytten, 
he vort in den keller offte vort by xle taffel; wente de 
^ ^tyt den lichten unde de beker stan alrede up der taffel 
^^t'den dar upgesettet, wen de berolderman sal sitten gan, 
Q|(¡ iuchter unde beker blyven so vort bestände, wen de 
myt synen bey den bysitteren is sitten gan, unde de bey den 
uj) ere stede, so hefft de olderman den avent 4 affsproke. 
°^^esien ?
        <pb n="616" />
        Schwarzhäupter. 
596 
8ü) Item wen de olderman denne by der taffel sittet, 
myt synen bysitteren unde den oldesten unde den kemenersz 
is ens umme geschencket, so let de olderman de oldesten 
den Schaffer vragen, w. h. a. s. 
De erste affsproke: (s. Anspr. Art. 34). 
81) Item wen de olderman den ersten afsproke 
so solen de spellude gan stan vor dem olderman jegen de 
nersz unde solen dar den oldermanne eyn hovesk haverecht n 
wen se dat denne gedan hebben, so sal de oldeste scaffe 
enen groten beker vom dem anderen nemen, unde de jnng^^^ 
Schaffer sal den understen groten beker nemen unde sal den 
luden schenken unde den den beker wedder setten vor den 
man up de taffel, unde de spellude solen wedder gan up 
bank. 
82) Item wen denne dem oldermanne myt synen ; 
unde myt synen oldesten unde kemenersz alle ummegesc 
is, so sal de olderman de oldesten dor den schaffer vragen 
w. h. a. s. 
De ander afsproke aldus: (s. Anspr. Art. 65)'. 
83) Item de 4 gude gesellen, de to dem stekedantse g 
syn, solen en by eren broke dantzen, so ydt vor der aventm 
gesehen is. 
84) Item offt dar eyn geselle in den stekereygh 
were, unde dar noch eyn to dem anderen in Sprunge*, unde t 
wolde idt dem latesten vorseggen, dat he nicht myt 
wolde, de sal der cumpenye beteren i schippunt wasses. 
n 
85) Item dessen stekerey sal men alle dage dantze , 
olderman by der taffel sittet; wente des ersten donerdag^ 
vasten, wen men den vastelavent utgebracht hefft, so sal 
atere” 
eng^^ 
rs' 
stek«:" 
dansz ok ute syn. , 
86) Item wen denne dem oldermanne myt synen / 
unde oldesten unde kemenersz alle ummegeschencket is, ^ 1 
olderman dor den schaffer de oldesten vragen, w. h. a. s-, 
de dorde afsproke. 
^ 
1 Art. 82 fehlt: nach wen sa/ das Wort kyr; nach voren der Satz - 
to ÿ statt hyr nyniant steht dar nymantj statt ojfte steht edderj statt 
dar by.
        <pb n="617" />
        Schwarzh âupter. 
597 
De dorde afsproke aldus; (s. Anspr. Art. 48)1. 
^7) Item de 4 schencken, de den avent edder den dach ge- 
^^hencket hebben, solen vor dem olderman vor der taffel stan, unde 
^ ^elik sal enen sulveren beker myt bere up der hant hebben, unde 
de schencken dar apenbar körnen unde gan denne van dar 
in de gelaghe unde drynken en dat schenckeampt to. 
Item de schencken, de den dach aver geschencket hebben. 
to 
®olen 
ttene schencken kesen edder aflfseggen, sunder de schafFer 
se ene voren edder bevelt ene, wene se kesen solen by 
broke. 
old wen denne deme olderman myt synen bysittern, 
^sten unde kemeneren echter ens ummegeschencket is, so sal 
u dor den schaffer de oldesten laten vragen, w. h. a. s.; 
’S de verde aflfsproke. 
De verde afsproke: (s. Anspr. Art. 50). 
çj Item alsz idt is togegan myt dem afFdantzen up dessen 
^^‘^’■edage avent unde ok myt den afFsproken unde stekerey to 
^ ^()l\'Gndregen unde schencken, so geyt idt ok tho des 
bç 'tve(n]des unde des mandage avendes, sunder dat se de 
avende upt rathus dantzen unde dessen avent nicht, 
by ^tem wen de olderman van der tafFel is upgestan unde is 
(jj.j Mildesten sitten gan, so körnen de beyden schafFer her unde 
dem olderman eynen hovesschen vullen to unde gan by 
^^^Grman unde bysittere up de banck sitten. Dyt don se alle 
olci de olderman is van der tafFel upgestan unde by de 
is sitten gan; wen denne de olderman myt synen oldesten 
^y. ^ ’^^1 ofFte drye ummegedrunken, so gan de spellude stan 
&amp;y^ int hus jegen de {Flucht unde maken dem oldermanne myt 
Scjj ^idesten eyn hovesk haverecht ; wen dat gesehen is, so 
en de knecht vam huse, so gan se wedder up de pyper- 
h^y^ ^nde maken den gemenen jungen broderen eyn lustych 
^elit avert gantse husz. 
U„^^^^item alsz idt is togegan dessen Vorgängen mytweken 
^^essen donredach myt dem oldermanne by de taíFel, by der 
bittende myt den afFsproken, unde de oldesten laten vragen 
dem keller by de taíFel to gande myt den schenken, myt 
Vorlage folgt zuerst Im Art. 86 &lt;lie Anspr. Art. 80, die .lurchge- 
'***• in Art. 86 steht dessen doch statt den doch ancr.
        <pb n="618" />
        Schwarzhäupter. 
598 
den spelluden, myt dem affdantsen, wen men affdantzet, m&gt;t 
stekereye, so geyt idt de anderen dage ok alle tho, so da 
dat nicht so vele van sc|hreven| darff. 
Des vrydages iii den vastelavende. 
93) Item des vrydages in den vastelavende solen de 
den keller upsluten na der maltidt to eynen unde solen des aven 
wedder tosluten, wen de docke to 10 is. 
94) Item des fifrydages sal de olderman myt synen b&gt;si 
by de taffel gan sitten, wen de docke is 8 geschlagen, un 
3 affsproke. 
De erste affsproke aldus: (s. Anspr. Art. 34). ^ 
95) Item so körnen de spellude stan unde maken en e&gt; n 
haverecht; wen en de schaffet gesehenket hebben, so gan se 
up de pyperbanck. 
Der ander afsproke aldus: fs. Anspr. Art. 48)'. 
IcH 
96) Item wen de olderman dyt helft affgesecht, 
schenken stan vor der taffel unde solen jewelik enen ^ 
beker up der hant hebben myt bere unde solen de nye g 
schenken dar apenbar affnomen, eyn jewelik den synen, 
solen denne to en in de gelaghe gan unde (unde) drinkeu 
ampt to, so se solen des anderen dages dar up wachten &gt; ^ßg 
broke. Unde de olden schencken solen nymande 
kesen, sunder myt fulbort des schaffers offte de schaffet s ^|¡g 
ene vor, wene se kesen solen. Dyt sal so den vaste av 
tydt syn unde gesehen, de wyle de drunke waren in 
avende. 
De dorde^ afsproke: (s. Anspr. Art. 50). 
Des sonnavendes yn den vastelavende- (p 
07) Item des sonnavendes sluten de schaffet den keil 
Z/ / / ÍiCT * 1 
12 unde des avendes to ii wedder tho; des dages vor 
maltydt to 4 geyt de olderman myt synen bysitteren hy 
Sitten unde hefft 2 affsproke. 
De erste afsproke: ,'s. Anspr. Art. 34). 
d 
1 Art. 95: den dach statt dessen dach. 
1 In der Vorlage stand zuerst ander, welches Wort von dersc 
dorde corrigirt ist.
        <pb n="619" />
        V 
Schwarzhäupter. 
599 
98) Item so körnen denne de spellude und speien vor der 
so wert en denne van dem schaffer geschencket; unde dyt 
^^schut* so alle tydt, wen de olderman den ersten affsproke gedan 
dat de spellude vor der taflfel vor em speien, de wyle de 
^stelavent wäret, sunder* des sonnavendes, wen wy den rat to 
hebben; dat vynt men hyr na up den dach beschreven. 
De ander a/sproke: (s. Anspr. Art. 36). 
99) Item na der aventmaltydt to 6 sluten de schaffer den keller 
dder up unde up den avent toil so sluten se wedder tho. Wen 
^ blocke 8 is, so geyt de olderman by der tafifel sitten myt synen 
^^ytteren unde heflft 3 affsproke. 
De erste affsproke : (s. Anspr. Art. 34). 
De ander affsproke: (s. Anspr. Art. 48)'. 
De dorde affsproke: (s. Ansp. Art. 50). 
Item wen denne de olderman is wedder by synen oldesten 
^ gan, unde de spellude vor em gespelet hebben, so sal he 
unde sal de anderen oldesten bydden, dat se des sondages 
Ha ^^Itidt upt hus körnen unde helpen em den dansz schocken 
olden unde ok de anderen beyden dage, alsz mandage 
dinxtedage. 
Des sondages to grote vastelavende. 
^tem des sondages sluten de schaffer den keller up to 
W'ç (les avendes vor der aventmaltidt to 6 wedder to, offte 
alderman hefft orloff geven, to der maltidt. 
'''2) Item denne vort, wen de docke hefft 12 geschlagen na 
sj ^^Itydt, so sal de alderman myt synen beyden bysitteren gan 
endes an de taffel jegen der oldesten banck unde sal dem 
»1 vam hus heten de docke luden unde sal seggen aldus. 
-i’h.; de ene junckffrouwe offte frouwe gebeden hefft, de 
de Up, dar he nicht mede besytten blyfft . 
so geyt de olderman myt synen bysitteren na eren 
hj-y '^^uwen unde vrouwen, de se gebeden hebben, unde de 
se upt hus* unde setten se up der oldesten banck; unde 
^^^Gnen brodersz, de welke gebeden hebben, halen se up 
^Iden se dar by. 
^H) Item wen de juncffrouwen unde vrouwen syn alle upge 
h So geyt de olderman myt den anderen oldesten sitten to 
99: aver statt auer*.
        <pb n="620" />
        6oo 
Schwarzhäupter. 
endes an de taffel vor der kemener schaff, unde schicken dar 
dansz, wol vor offte achter dantsen sal; wen se des avereyn gc 
syn, so hete se dem schaffer upnemen, unde sali se setten ne 
;dder 
&amp;yil, au neue ac ueni __ Q 
vam hasz(?), dar de schaffer taffel plecht to stände, unde dar so 
de rege hen. 
105) Item des sondages to vastelavende sal de olderman 
dantzen myt ener juneffrouwen, unde de jungeste bysitter neg 
em myt ener ffrouwen; unde de oldeste bysitter sal vordantz^^^ 
dem anderen dantze myt ener ffrouwen; unde de dessen son 
vordantzen, de solen des mandages achter dantzen. ^ 
106) Item wen de juneffrouwen unde ffrouwen geschicket 
unde hen gesettet, dar se sitten solen, so steyt de olderman^^^ 
myt synen bysitteren unde myt synen oldesten (wen se 
offte twye gedrunken hebben) ^ unde geyt sitten in de o 
banck; wen se dar danne eyns offte twye hebben umme go ^ jg 
so geyt de olderman myt synen bysytteren stan to ye 
taffel unde hefft dar 2 affsproke; wen he denne rede is, so ^ ^ . 
dem knechte de klocke luden unde secht aff aldus: „I. g* 
dar 
he 
eyn ydelman ga stan by syne juneffrouwe offte vrouwe, 
by geschyeket is unde dantze hovesken ut unde hovesken '' 
to hüs* by synen broke.“ 
De ander affsproke: 
„I. g. j. t. h.; wy behoven 3 vrame manne by de 
cumpenye vorstan ; dar kese wy to vor enen olderman N., 
sittere N. N.; d. m. w. a. g. h.“ 
bysittß 
107) Item so geyt de olderman myt synen jungesten je 
stan by syne juneffrouwe offte ffrouwe, unde de anderen &lt; 
in den rey geschyeket syn, unde dantzet myt synen dantze ^ 
dat hus; here de wyle dat de ene dans ummedantzet, 
de ander dansz wedder rede; wen denne de erste grst^ 
kumpt, so dantzet de ander dansz wedder ut, so geyt 
dansz wedder in de stede stan, so lange de ander dans 
ummekumpt. Dat geschilt* so 3 male; to den verden (b‘ 
de olderman hen aff upt market unde geyt dar so lange 
de ander dans ok vam huse kumpt upt market, so dantset ¡n 
dansz wedder ut umme dat market her, so geyt de ander 
de stede stan, so lange de wedder ummekumpt, gelik 
1 Die zwischen Klammern stehenden Worte sind durchgestrichen-
        <pb n="621" />
        Schwarzhäupter. 
6oi 
^«schen ¡s; wen jewelik dansz dar so 3 mael umme dat market 
^edantzet hebben, so dantsen se to den heren upt rathus unde 
^^tzen dar ok 3 mael umme; wen men de docke lut, so geyt eyn 
^'‘^Iman sitten. 
108) Item de wyle se in den latesten dantze up dem markede 
^•^edantsen, so solen de schafFer vor upt radthusz gan unde 
den olderman myt den synen inwerven unde körnen dem 
^Grrnanne denne wedder under ogen, er he upgeyt; wen de 
^^tiiian affdantzet vam nyen huse, so solen de byden schafFer 
^ dem latesten dantse volgen, unde de knecht vam huse sal 
^ ersten dantse volgen, dar de olderman inne dantset; unde de 
^^ht sal stede wachten up den olderman, ofFt he wes behofF 
»iadde. 
^ Item wo sik de olderman myt up dem radthuse myt den 
holden sal: Item wen de olderman upt rathus kumpt, so 
j^yt syner juncíFrouwen edder íFrouwen* gan stan, dar de 
^ *^3Ver plecht to sitten; unde de anderen, de in synen dantze 
by em gan stan up de rege jegen de süne* umme 
* unde solen so lange stylle stan, dat de ander dans 
^Uipt; wgn den de ander dans upkumpt, so sal de olderman 
der stede dantzen, unde de ander dans sal in de stede gan 
Sy de erste dans gestan heíFt; unde de olderman sal myt 
is so lange ummedantzen, dat de lateste reygh al upt hus 
^ de olderman wedder gan stan, dar he erst stunt mjt synen 
de bysitter myt dem anderen dantze ok so umme 
Ijjj^ den enen dans umme den anderen; so lange men de docke 
'veret de olderman gesät myt synen bysitteren, unde de 
•"t n gan sitten, wor se nun * hebben. 
item de schafFer solen stedes stan vor dem oldermanne 
int rathus*, unde wen denne 2 mael ofFte dre mael umme 
*ncken* is, so* solen de schafFer dem olderman vragen, went 
, hievet, so willen se den dans upnemen; so sal de schafFer in 
dansz upnemen eyn juncíFrouwe, unde de ander schafFer 
anderen dans upnemen eyn vrouwe, de olderman myt 
^ bysitteren solen nicht dantzen, sunder de schafFer solen \ or 
ok solen de schafFer dar to vorseen syn, dat dar nemant 
I y 
% ^pSterer Hand an den Rand jjeschriebcn. 
’’Keschrieben.
        <pb n="622" />
        Schwarzhäupter. 
van den juncfifrouwen oifte vrouwen besitten blyile*; sy ^ 
geselle, so solen se de denersz bydden, dat se by en dantzen. 
111) Item wen de erste dansz denne gedan is, so den 
offte dremael geschencket is, so solen de schaffer dem ol 
vragen, oiift idt ein geleuet*, dat se den anderen dans jg 
so nympt de oldeste schaffer in den vordans eyn vrouwe, un 
ander schaffer nympt in den anderen dans eyn juncffrouw i 
negest de anderen. 
112) Item de knecht vam huse sal stedes up den o 
wachten unde up de tydt, wen ene de olderman vraget,^^^ 
wete, wo idt in der tidt sy, dat de olderman to rechten ty 
dantze na dem gyldestoven; unde de schaffer solen up dem 
nicht mer alse dre dantze dantsen, sunder de borgermestere 
radt wolde idt van en gehat hebben mer to dantzen. 
• offte 
113) Item wen denne achter 2 mael geschencket is ^jg^et. 
mael, so solen de schaffer den olderman vragen, went em g 
so willen se den dorden dans upnemen; so nympt de 
den ersten dans eyn juncffrouwe up, unde de ander schaffet" 
in den anderen dansz in den vorreygh eyn vrouwe up. 
de schaffer den dorden dans unde den latesten hebben jaf 
so solen se to enen radesheren gan unde solen en byddeUj^^^^ 
bequeme* to is, dat he den vorreygh wille voren, des g^ 
dem anderen dantze ok; wen de dansz denne ute is, 
ens offte twye geschenket is, so steyt de olderman up und(^^ 
den borgermesteren und geyt stan myt syner juncffrou"^^^ jßf 
vrouwen, dar he gynk stan, de he myt dem dantze upd 
negest syn bysitter unde de in den dans hören unde dants 
umme gelik, alsz do he upt hus (juam; de wyle he jg 
maket de ander dans sih ^ wedder rede unde geyt in de 
dar de olderman myt synen dantze gestan hefft ; wen de o g,, 
denne 3 mael ummegedantset hefft, so deyt he dem borgef'^^ 
unde dem oldestem ut dem rade de hant unde danket 
danset so to der doren ut na dem gyldestoven, unde 
In dem anderen dantse dantset eyns na dem olderman uuu^ (K 
deyt den borgermesteren unde den oldesten ut dem ra ^jgiii 
hant unde danket en ser unde volget dem olderman 
gyldestoven.® 
1 Von anderer Hand darübergeschrieben: s/k. 
2 Von späterer Hand : u. de Spe/füde altidl vor.
        <pb n="623" />
        Schwarzhäupter. 
603 
*H) Item wen de olderman deme gyldestouven up de naheyt 
in (ign hoff kumpt, solen de schaffen upgan unde werven den 
^'■man myt den synen in unde körnen dem olderman denne 
^^der aff under ogen unde seggen em, wes en bejegent is; so 
^ de olderman myt den synen to en up. 
^ . **5) Item wen de olderman up den gyl desto ven kumpt, so sal 
^ J^gen de sunen lanck dat hils* upgan vor der banck her, dar de 
®^Wen unde juncffrouwen plegen to sytten, unde sal stan gan 
juncffrouwen offte vrouwen to endes an de taffel dar, 
de plecht to sytten, unde syn bysitter offte syn navolger, 
^ em dantset, sal gan stan up den anderen ende an de taffel, 
dç ^ de anderen up de rege na unde solen so lange stan, dat 
^ bysitter myt dem anderen dantse upkumpt; so sal de olderman 
^ynen dantse umme dantsen, unde de ander dans sal in de stede 
litige, dat de ander dans wedder umme kumpt, so 
de ^Gdder utdantsen, de ene umme den anderen; so lange dat 
blocke gelut*, so geyt eyn ydelman sitten, wor se rum hebben, 
de olderman myt synen beyden bysitters werden gesät bj 
old 
erman vam gyldestoven unde by de oldesten. 
So Item wan denne eyn reyse offte twe geschencket is, 
de Schaffer dem olderman vragen, went em belevet, so 
Vqj. enen dans upnemen; so nympt de ene schaffer in den 
ene juncffrouwe unde de ander schaffer in den anderen 
den vorreygh ene vrouwe. 
d^ item de olderman myt synen bysitteren dantsen nicht up 
sty^l ^yidestoven sowol alsz up den rath use, sunder se sitten stede 
*^yt den oldesten vam gyldestoven unde maken sik vrolik, 
*tien dantset up dem gyldestoven ok nicht mer alsz dre dantse. 
Old to der ander reyse vragen de schaffer van den 
wen idt em gelevet, so willen de de anderen dansz up- 
Hod'"'’ nympt de ene schaffer in der vorreygh ene vrouwe 
jijn '"tuder schaffer in den anderen dansz in den vorreygh ene 
'"‘frouwe. 
gçÿ , item ... wen na dem anderen dantse eyn reyse offte twye 
^^ncket is offte dremael geschenket is, so solen de schaffer 
^^^^'tian vragen, went em gelevet, so willen se den dorden 
so nympt de schaffer in den vorreygh up ene 
unde de ander schaffer in den vorreygh ene vrouwe.
        <pb n="624" />
        Schwarzhäupter. 
604 
So solen de schaffet fort enen borget bydden, de dar 
to is, dat he den vordans vote, unde de ander schaffet &gt; 
to synen dantse ok enen borget, de den vordansz vote. Item 
desse dorde dansz denne gesehen is, unde den twomal offte ^ 
mal ummegedrunken is, so solen de schaffet dem olderman vrag ^ 
went em gelevet, so willen se upkloppen, dat se wedder affdao 
120) Item so kloppen de schaffet up, dat sik eyn 
wedder rede make; so steyt de olderman myt synen bysitt^^ 
unde nympt syne vrouwe unde geyt stan, dar he stunt, 
myt synem dantse upt húsz* quam, unde syn bysitter dar 
unde de anderen dar na, de in den dans hören. De wyle, 
olderman myt synen dantse ummedantset, maket sik 
dans rede unde geyt in de stede stan; wen de olderman ni&gt;t 
dantse den umme kumpt, so dantset de ander dans den ^ 
ut, so geyt de erste dans wedder in de stede stan; dat 
dremael, dat enen umme dat ander. Item to der dorden 
blyfft de lateste dans bestände, so geyt de olderman 
danse umme her unde deyt den oldesten vam gyldestoven &lt;■ 
unde danket en ser, unde syn bysitter, de negest em dantset, 
ok des gelik unde gyfft en ok de hant, unde so dantset de 
man myt synen dantse aff na dem markede ; so dantset de 3 
bysitter myt dem anderen dantse noch ens umme unde de&gt; 
oldesten vam gyldestoven ok de hant und dancket en s 
dantset danne dem olderman na aff unde volget em 
markede. .-i 
1 jie t3) 
121) Item wen de olderman upt market kumpt, so sa ^ 
synen dantse gan stan vor der herberer huse na der 
jegen de süne* umme dat market unde sal so lange Stylit s ' jg 
de ander dans nakumpt ; so sal he van der stede dansen teg^ 
sunne umme dat market, und de ander dans sal in de 
stan, so lange de olderman myt synen dantse wedder umme ^^^^g 
So sal de ander dans wedder utdansen den enen dans, |^gß' 
de anderen. Dat jewelik reygh dremael umme gedantse 
l'o der verden reyse dantset de olderman uj) nye hils , ' ^jjgr 
de ander dans noch ens umme unde volget denne dem 
manne upt hüs*. „iVt 
lie 
122) Item wen de olderman up nye hus kumpt, so s&lt; 
syner juneffrouwen odder ffrouwen gan stan ilar de 
Schaffer plegen to sitten, unde de anderen dar negest tip
        <pb n="625" />
        Schwarzhäupter. 
605 
de sunne umme dat hils* unde sal so lange stylle stan, dat 
^ ^^ysitter myt dem anderen dantse upkumpt ; so sal de olderman 
der stede dantzen umme dat hus *, unde de ander dans sal in 
®*^ede gan stan; so lange de olderman ummekumpt, so sal de 
Wedder ummedansen, de gestan helft den enen dans, so 
den anderen. 
j ^^3) Item de knecht vam huse sal damp wachten, wen jewelik 
twye umme gedanset hefift, sal de knecht de docke luden ; 
. eyn jewelik syne juncifrouwe edder vrouwe up der 
I ^ banck, unde de dre vrame mans, de by de taflfel gekaren 
stan ok tor stunt myt up van der taflfel unde gan sitten in 
''' gelage. 
is Item de wyle de olderman up dem groten gyldestoven 
' knecht vam huse, dar to vordacht syn, dat he van synen 
j oflfte denstbaden dar to schicke, dat de taflfel to rechten 
gedecket werde unde de luchter myt den waszlichten unde 
dar upgesettet werde unde de waslichte umme dat hus 
I ^^sticket werden ; de rechte tydt is, wen idt 4 geslagen heflft. 
jj ^^5) Item wen de olderman van dem gyldestoven wedder upt 
^ hüs* kumpt myt synen dantse, idt sy denne, wat dages oflfte 
. ^ dat idt sy, so solen de oldesten van der cumpenye altidt 
J^ank sitten, gelik alse se don, wen de olderman utdantset, 
Sol ^ ^^""Gr dar juncflfrouwen edder vrouwen körnen to sitten, so 
^re oflfte 4 van den oldesten blyven besitten umme des older- 
^ unde solen so hoch upwert rucken under de lichte, 
juncflfrouwen und vrouwen allike wal nlm* hebben. 
Item wen de juncflfrouwen unde vrouwen gesettet syn, so 
dß . olderman myt synen bysitteren by de taflfel sitten, unde 
kemener up ere stede, unde darsulvest heflft de older 
der taflfel 3 aflfsproke; unde he sal nicht er aflfseggen, 
is ens umme geschencket; unde dat sal altydt so syn, 
by de taflfel sittet geyt, da he den ersten aflfsproke nicht 
sal, dar sy denne ersten geschencket. 
De erste affsproke atdus: (s. Anspr. Art. 34)- 
^7) Item SO körnen de spellude vor 
de— • - ... 
u* olderman, so wert den spelluden 
Art, 
'26: gudesz statt guden. 
de taflfel unde 
geschencket, so 
speien 
vorge-
        <pb n="626" />
        Schwarzhäupter. 
6cj6 
schreven is; wen denne oldermanne myt synen oldesten, 
schencket is, so secht de olderman de andere affsproke aff- 
den ge- 
De ander affsproke: (s. Anspr. Art. 82)'. 
oldesten 
128) Item wen denne deme oldermanne myt synen 
umme geschencket is, so sal de olderman de oldesten laten 
dor den schaffer, w. h. a. s.; unde is de lateste affsproke 
aventmaltydt. 
De dorde affsproke: (s. Anspr. Art. 36). 
129) Item so steyt de olderman den up van der taffel, so 
eyn ydel syne juncffrouwe edder ffrouwe unde brynget se 
sunder de olderman unde syne bysitter, de blyven upt ¿e 
laten ere juncffrouwen effte vrouwen to bus bryngen, 
olderman geyt sitten by de oldesten myt synen bysitteren 
bank unde byddet denne de oldesten, dat se na der aventm 
wedder körnen unde helpen em den dans utbryngen. 
130) Item wen de olderman tor maltidt geyt, solen de sc 
den keller tosluten unde vort na der maltidt wedder up» 
wyle, dat dat volk tor maltydt is, sal de knecht de stac e 
huse* bryngen unde de toverdygen, dar men by affdansen 
131) Item wen de aventmaltidt gedan is, so sal de o jg 
Sitten 
to 
myt synen bysitteren unde myt den oldesten gan 
bank, wen de docke by 7 is. Wen den de docke halff ^ 
8 is, so sal de olderman myt synen bysitteren gan stan gg 
an de taffel unde hefft dar 3 affsproke; wen he den re 
betet he dem knechte de docke luden (luden) unde secht 
De erste affsproke: 
„I. g. j. t. h.; wy dencken ene erliken rey uttobryngon^^^^^ 
wyse unde wonheyt. Got geve em eyn gudt jar, de de ' 
holt, dat de reygh de^ lenger werde.“ 
De ander affsproke: (s. Anspr. Art. 71)^- ^ 
De dorde affsproke-. (s, Anspr. Art. 71)^; d. m. W. a. g" ^ 
132) Item de spellude speien denne up, unde de 
stan to endes an de taffel, unde de vorgheseten olderniai ^ 
by em, und de vorgeseten olderman geyt baven den 
man, negest en 2 van den oldesten, offte idt solen syn 
t Art. 127: fehlt dar kese wy to ; statt aver dar by steht steht by 
2 Von anderer Hand hinzugefügt: sto. 
3 Art. 131: nach vorstan steht dar kese xvy to. 
4 Art. 131: fehlt dar kese wy to.
        <pb n="627" />
        Schwarzhäupter. 
607 
dat jar dar vore geseten hebben, unde de solen gan stan an 
anderen ende an de taffel, dar negest de gemenen broders; 
in jewelk reyghe solen 2 kolvendregers achter dantsen ; desse 
dantset van der stede umme dat hus*, de wyle maket de 
reygh wedder rede unde geyt in de stede stan; in dem anderen 
Solen vordansen de beyden bysitter unde de beyden 
a^^ner vam huse, negest en unde dar de gemenen broders na, 
jewelik reygh sal dremal umme dat hus* dantsen, so van dem 
apt market. 
^ *33) Item de knecht vam huse sal volgen dem ersten reyghe, 
beyden schaifer solen volgen der latesten reyghe; unde 
^ackelen solen angestycket syn unde de ene sal stan vor dem 
^ ase, de ander vor der apteke, de dorde by der vysbank, unde 
^ ^ Vam rasthuse * na dem gyldestoven dantsen, so sal ene íifackel 
fç '^orgedregen, de ander ffackel myddcn twusschen beiden 
de dorder ffackel sal men achter nadregen, so dat alle 
sen kan. 
So Item wen de olderman denne vam huse upt market dantset, 
(jç ^al he myt synen reyge gan stan hen jegen de apteke, unde 
up de rege na deme rathuse jegen de sunne umme dat 
Wen de bysittere myt dem anderen reyge aifkomen, so 
dç alderman van der stede umme dat market her dantsen, unde 
Uni reygh sal in de stede gan stan; so lange de olderman 
kumpt, so sal de ander rey wedder utdantsen, unde de 
gç sal myt synen reyge den wedder stan gan, dat sal so 
dremael, dat ene umme dat ander. 
Sci^ Item wen de olderman wil upt rathus gan, so solen de 
Vor upt hus* gan unde werven den olderman in und komen 
dn,jt^^^*^®rman wedder under ogen unde seggen em to, dat he up 
Item wen de olderman upt rathus kumpt, so sal he gan 
Vq} ’ de schryver plecht to sitten, unde de anderen, de em 
Solen up de rege umme dat hús* jegen de súnne gan stan, 
d^^ ander reygh upkumpt, so sal de olderman van der stede 
Sut, ^^me dat hus, unde de rey, cie upkumpt sal in de stede 
so dat ene umme dat ander, dat se dremal hebben umme 
'I oírte so lange men de docke luth*, so geyt eyn ydelman 
' ^*tde olderman unde bysitter werden hen geset, dar se 
! Solen. 
' ^^ihuse?
        <pb n="628" />
        Schwarzhäupter. 
6()8 
137) Item de wyle de olderman up dem radhuse is 
unde dar 
syttet by den borgermesteren, solen de schafifer mydden in de 
stan vor dem olderman, unde de knecht vam huse sal up den o 
stede wachten, offte he wes behoff hadde unde ok wo ydt 
docke tydt is, dat de tydt nicht vorsümet* werde ; wente haven^ 
stunde oñte ander halven mach de olderman dar nicht touen 
138) Item oflft dar juncffrouwen offte vrouwen myt den 
weren, unde synt de heren denne bogeren, dat de schaffe 
dans solen upnemen, dat solen se don unde maken tvve 
enen dantse unde nicht mer; wen idt denne tydt is, dat de 
man gan wyl, so sal he myt den synen gan stan, dar se jg 
do se upquamen ; unde de wyle de olderman ummedantset, s 
bysitter myt eren reyghe wedder in de stede gan stan, unde 
enen dans umme den anderen ; wen de olderman denne 3 ^ 
gedanset hefft, in der dorden reyse sal he denne umme ^ 
unde don den borgermesteren de hant unde danken en ¡g, 
dantsen denne aff na dem gyldestoven ; wen de oldermar^^^^^^ 
so dantsen de bysitter myt eren reyge ok umme, so de o ^^^g 
gedan hefft unde geven den borgermesteren ok de 
danken en ser unde volgen dem alderman na na dem jgni 
unde jewelik reygh hefft spellude vor sik gande, unde 
oldermanne wert eyne ffackell gedragen unde de ander tw 
beyden reygen vor den bysitteren unde de dorde ffnc 
dem latesten reyge, so dat alleman dar van seen mach. 
139) Item wen denne de olderman dem gyldesto\en 
naheyt kumpt offte in den hoff, so solen de beyden sc • 
upgan unde werüen* den olderman myt den synen eyn unc 
den wedder aff dem olderman under ogen unde segg^*^ 
em bijegent is. 
Lrhe 
der 
140) Item so geyt de olderman up myt synen reyg 
geyt stan to endes an de taffel, dar de rat plecht to 
dat par, dat na en dantzet gan stan an den anderen de 
taffel vor ere oldesten, dar de anderen up der rege na, gO 
olderman steyt so lange stylle, dat de ander reygh up de 
dantset de olderman myt synen dantse van der re)'^^ 
ander reygh geyt in de stede stan; so lange, dat de an 
umme kumpt, so dantset de reygh wedder ut, de g^^^^ $0 
unde de ander dans geyt wedder an de stede stan, 
umme dat ander; so lange, dat men de docke luth, sU
        <pb n="629" />
        39 
Schwarzhäupter. 
609 
^^derman by de tafifel gesellet myt synen bysitteren by eren older- 
Unde bysittere, unde de kemenere werden ok in er siede gesät, 
unse oldesten by er oldesten. 
Hi) Item des avendes hebben de schaffer 4 dantse myt den 
icffrouwen unde vrouwen, de se dar vor sick vynden; unde wen 
Schaffer enen dans willen upnemen, so solen se alt y dt ersten 
^ olderman vragen, went em gelevet, so willen se enen dans 
Pnemen; wen se denne 4 dantse up dem gyldestoven gedantset 
^ dat idt by twen stunden averal ge wäret hefft, so sal de 
^fnian upstan unde sal synen cumpyan wedder by der hant 
^ ^^0 unde alle, de in synen dans hören, unde solen ummedantsen, 
. Iß sal de ander reygh wedder in de stede gan stan, wen 
''elih rey den twye hefft ummegedantset to der dorden reyse, 
he den ummekumpt, so sal de olderman dem olderman vam 
unde synen bysitteren unde den oldesten de hant don 
^^uken en ser; wen de olderman den affdantset is, so solen 
df. noch ens myt eren reyge ummedansen unde geven 
Jltjr l. .-IV-I» — 
iilderman ok myt synen oldesten de hant unde danken en ser 
Eiligen dem olderman upt market, 
sta iiein wen de olderman upt market kumpt, so sal he gan 
b der barberer huser jegen de sunne umme dat market, so 
dat de ander reygh ankumpt, so solen se so umme dat 
dantsen, alsz se deden, so se vam nyen huse dantseden, 
i'ey dremal so upt hils *. 
Sy Item wen de olderman upt hus kumpt, so sal he myt 
gan stan, he sal stan by der doren, dar de pennik- 
plegen to sitien ; wen de ander rey upkumpt, so dantset 
gç ^l^i'iuan umme, unde de ander rey wedder in de stede, wen 
cIq , Uvye ummegedantset hefft, so sal tie kneclit vam huse de 
bilden, so geyt eyn ydelman sitien; de vrame mans, de by 
gekoren syn, stan tor stunt up, wen tie docke lut is, 
g^n sitien in er gelach. 
1 ^lem so geyt tie oltlerman myt synen bysitteren by tie 
by ^ ^*den, untie de kemenersz in ere stede; so hefft de olderman 
duffel 4 affsproke. 
Der erste affsproke : (s. Anspr. Art. 34) 
j De ander affsproke : (s. Anspr. Art. 127) 
2 34 : statt rüden steht gudesz. 
.2"' ''7: -h ""■» fell, l„r; A,,. &lt;1- - 
V/f'' s,eh, o//,. denk.; dnr in s,a„ h, «ns; h .«&gt;« kch,¡.p«nl 
lehlt.
        <pb n="630" />
        6io 
Sch warzhãup ter. 
De derde affsproke: (s. Anspr. Art. 48) K 
De verde affsproke-, (s. Anspr. Art. 50). ^ 
145) Item so steyt de olderman up van der taffel unde g 
in den keller, so vor berort is, unde geyt den by de oldest 
de bank sitten; so körnen de bey den schaffer unde drynken 
oldermanne unde synen bysitter to unde gan by en 
bank; wen denne de spellude vor dem oldermanne gespelet 
unde en geschencket is, so gan se up de pyperbank unde 
den gemenen broders eyn haverecht unde eyn hovesk ' 
schreygh. Nicht lange dar na steyt de olderman up un^e 
den jungen broderen rum*, dat se berolderlude kesen, un 
den myt synen oldesten sitten nedder int hus, dor de reken 
plegen to sitten. 
Des mandages to grote vastelavende. 
146) Item des mandages in den grote vastelavende g 
so to, alsz idt des sondages togegan is, nycht offte n&gt;ci jg 
boscheden den namyddach ok den avent, sunder aliene, 
dans vorandert myt den junciifroüwen* unde vrouwen, 
inyddages affdantsen. 
^ pr flfrou"^ 
147) Item des mandages dantset de olderman myt en ^ 
vor, unde de jungeste bysitter danset in den anderen 
ener juncffrouwen vor, unde de oldeste bysitter dantset nc 
oldermanne myt ener juncffrouwen; unde de dans wert 
ändert, de des sondages vordansen, de dansen den mant ac t 
sunder achter ener juncffrouwen sal ene vrouvve dantsen,^^^^^^ ¡n 
nene juncffrouwe sal alsz achter dantsen; ok de den 
dem ersten reyghe gedanset hebben, de solen des 
dem latesten reyge dantsen. 
Des dyjixtedages yii den vastelavende. 
148) Item des dinxtedages sluten de schaffer den kel 
de des 
na 
to 
der 
12 des avendes vor der aventmaltydt, to 6 wedder 
aventmaltydt to 7 wedder up, des avendes to 12 wedder 
to eynen. ^ 
149) Item des dynxtedages vor der aventmaltyd 
myt dem dantse unde myt allen dyngen nycht buten 
1 Art. 144: statt schencken steht einmal schenke, dann schencho 
steht aver; statt andere steht ander. 
sta“ 
:,id
        <pb n="631" />
        Schwarzhäupter. 
6l I 
^^nder de vorandernige des dantses, alsz idt een sondach unde 
'’’^ndach togegan is. Des dinxtedages dantset de olderman myt 
juncfifrouwen vore unde de jungeste* bysitter negest em myt 
vrouwen, unde in dem anderen reyge dantset de oldeste by- 
vore myt ener vrouwen etc. 
^50) Item de olderman unde syne bysittere solen sick dar to 
hycken, dat se up den dinxtedage avent dar up kaken laten, 
myt eren vrunden unde myt den oldesten in vasten gan; 
de schafTere solen dat brot besturen unde den herink, den 
denne behoff heflft van der cumpenye wegen; unde de olderman 
bysittere solen er vrunde bydden, alse juncffrouwen unde 
^^Wen, de erlik syn, dar se den avent mede in vasten gan. 
^51) Item des dynxtedages avendes, wen de docke to 8 is, 
^ de olderman myt synen bysitteren by de tafifel sitten unde 
4 affsproke. 
De erste affsproke: (s. Anspr. Art. 144)- 
De ander affsproke: 
g'j. t. h.; wy behoven 3 vrame manne, de dat gelt unde 
teken, dat hyr vortert is, unde dat men noch votieren sal, 
bese wy to N. N., vor eynen scliryver N.; d. m. w. a. g. h.“ 
De dorde affsproke: 
j' t. h.; men sal hyr morgen de Steven holden; de eyn 
^ bovet is, de sy hyr morgen to 8 by synen broke, d. m. w. 
De verde a/fsproke: (s. 3. Anspr. Art. 144)’ 
hv Item so steyt de olderman up van der tafifel mjt sjnen 
(jç unde geyt sitten by de oldesten in syne stede, so komen 
Sy hüs* juncfifrouwen nnde vrouwen, de de olderman myt 
tijç fbysittersz gebeden hefift, eyn jewelik syne vrunde, dar se 
(Iç ^^^ncken in vasten to gande, unde werden cien gesettet by 
besten in de banck. 
Item so decket men de tafifel unde maket alle dynek rede 
spyse dar up, de de olderman unde syne bysittere hebben 
to biten; wen de docke denne 10 is, so geyt de olderman stan 
tafifel myt synen beyden bydttersz unde hetet 
Wy ^tiechte de docke luden unde secht afif aldiis . „I. j* t. h., 
^ticken in vasten to gande na older wanheyt. Got geve em 
Vq^j bttdt jai-^ de hyr neger kumpt, unde tastet mede to, v\.it Got 
hefift.
        <pb n="632" />
        6i2 
Schwarzhäupter. 
154) Item SO geyt de olderman myt synen beyden bys) 
de taffel sitten, unde nemen by sik unde twuschen sick juncffro^"^^^ 
unde vrouwen, so vele se by de taffel setten konen, 
anderen juncffrouwen unde vrouwen blyven by den oldesten up 
bank besitten ; unde de schaffer unde de schencken solen 
spyse vordreren unde den vort in de gelage. Wen se denne 
get en hebben, so solen de schaffer herink na ummedregen, 
se mede in vasten gan aver dat gantse hüs*. 
vt ^ y 
155) Item so steyt de olderman van der taffel up luy 
gesten unde gan sitten in de banck by de anderen oldcsteu^^^^^ 
by de geste; so nympt de olderman enen dans up unde 
sick vrolik myt synen oldesten unde myt den juncffrouwen 
de 
vrouwen, de se dar hebben, so lange se toüen* willen; 
solen se dre dantse myt en dantsen, er se se gan laten. ^ 
juncfrouwen unde vrouwen to hus gegan syn, so geyt de o e 
nicht wedder by de taffel sitten, ok gyfft he den ailent* nen 
nacht offte secht nicht, dat idt tydt is to guder nacht to ë' 
aise up eyn ander tydt. 
Up ascherdach. 
156) Item des mytweken morgens up asscherdach sal de 
man myt synen oldesten unde myt allen gemeynen et 
hus wesen, unde solen dar st aven holden unde de schräge 
rechticheyt lesen unde dar er broke rychten unde alle tw&gt; 
vlygen, de myt malkander wat to donde hebben. ^ g,-in 
157) Item denne sal de oldeste vorstender der vyceut) 
sytten baven by de oldesten bysytter unde sal de schrag^^^ 
gerechticheyt lesen, dat men idt averal hören kan. 
stender de schräge begunt to lesen, sal de olderman segg gc 
„Krsame, guden vrunde, men sal hyr unse schräge undu 
rechticheyt lesen; eyn yderman trede hyr neger, dat he ^ 
unde syck vor broke unde schaden möge wachten“. 
men an to lesen ; wenn de schräge denne gelesen is, h 
yderman wedder sytten in syn stede. Je 
158) Item wen de schräge denne gelesen is, so wer^ g^yt 
gedecket, und de sulveren beker werden dar upgesettet,^^^^^^ |ie( 
de olderman myt synen bysytteren by de taffel sytten ^ ^ ^ 
dem bysyttere de docke luden unde secht aff aldus. 
de to clagen hefft, de kome hyr vor de taffel und dag® 
1 folgt von anderer I land hy.
        <pb n="633" />
        Schwarzhäupter. 
613 
*59) Item wen ele oklerman denne by der taffel syttet, so mach 
yderman, de myt dem anderen tho donde hefft in twystsaken, 
de taffel körnen un de clagen dar syn gebreck, unde dar werdt 
^ recht werde gedelet. 
160) Item de schaffer bryngen ok er schryffte vor de taffel, 
•1er dejenne, de gebreken hebben in den drunken; dat lesen se 
apenbar vor der taffelen, unde wat se gedan hebben, dar 
•^enne eyn ydelman synen broke vor der taffel dem oldermanne 
Seiden; wen de broke syn upgelecht, so steyt de olderman wedder 
der taffel up myt synen bysytteren unde geyt sytten by syn 
^ desten; so gan den de schaffer unde da beyden kemenersz myt 
^ ^ 4 clenen sulveren becker unde sammelen dat brokegeldt, de 
^ ^pade gekomen syn, unde dar kopen se den grawen broderen, 
^at Se behoff hebben to erer not. 
Item up dessen sulven mytweken morgen sal men ok de 
^^rnenersz kesen, unde dat sal sehen, wen de schräge gelesen is, 
de olderman by de taffel geyt sytten, so schal he mjt synen 
^den bysytteren gan stan to endes an de taffel unde het dem 
de docke luden unde secht aldus: „I. g. j* r- ^*5 "T behoven 
^ l^emener, de dat husz helpe vorstan; dar kese wy to N. 
^ 162) Item wen de Steven geholden is, de de van den gesellen 
ria brodere werden up dem groten gyldestoven, solen de 
^ ^^ke by den swarten hoveden betalen. Item up dessen mytweken 
j mach eyn jewelik geselle, de eyn swart hovet is, eyne erbar 
, j^*^r&gt;uwe effte vrouwe bydden, dar he dessen avent by dantsen 
^ Item Up dessen mytweken avent, wen de docke to 6 is, so 
de olderman stan myt synen beyden bysitteren to endes an 
I ^'^1 stan vor der oldesten bank unde betet dem knechte de 
^ luden unde secht aff aldus; „!• ff* j-1^*’ de ene juneffrouwe 
^ Vrouwe gebeden hefft, de brynge se up.“ Item dessen avent 
de schaffere hebben 4 tortysyen, dar men dessen avent mede 
Utzet. Item wen de docke 7 geslagen hefft, so geyt de 
myt synen bysytteren sytten by de taffel, so idt vor hen 
^ffan hefft, unde hefft dessen avendt 6 affsproke unde 4 dentze, 
he by der taffel syttet. 
^3) Item wen de olderman by der taffel syttet, so solen 3 offte 
den oldesten under de lychte gan sytten unde solen dem
        <pb n="634" />
        Schwarzhäupter. 
(Tel 
614 
oldermanne underrichtinge don myt den aflfspraken, r'i&gt;t 
dantsende unde myt dem krude togevende. 
De erste affsproke: (s. Anspr. Art. 34). 
Item SO körnen denne de spellude unde speien vor der ta 
den schenken, de|n| schaifer] n |, so vorhengeschen is. 
164) Item so nemen de schaffer enen dans/, up; de 
dem dantse is aldus; in dem ersten dantse dantset de 
kemener vor myt ener juncffrouwen, unde vor em dantset de o 
schaffer myt ener tortysyen aliene sunder juncfifrouwe oflfte vro 
in den andren dantse dantset de jungeste kemener vor m&gt;t 
vrouwen, unde vor em dantset de jungeste schaffer myt ener 
tysyen; unde dyt sal eyn tredrey syn. 
tot' 
165) Item wan desse dansz gesehen is, so gyfft men 
krut 
den, 
dat is drogen engever und muschaten, in eyn grot vat 
in soit gelecht; de oldeste kemener drecht dat vas myt dem 
unde de beyden schaffer dregen de tortysyen unde gan up ^ 
syden by em, unde se gan ersten vor den olderman, denne 
vrouwen unde juncffrouwen unde denne vor de rekenslu 
spellude. 
De ander affsproke: 
„I. g. j. t. h.; dar sytten de erliken rekenslude unde ßi. 
des tälpennyges; de nicht upgelecht hefft, de legge noch up, 
w.a^ph. 
166) Item geven de schaffer noch ensz krudt ummme; so 
de jungeste kemener dat krudt up enen sulveren schouweb^^ jyt 
de beyden schaffer de tortysyen, so vorhen gesehen is; tio 
sal drosye syn. efSt^” 
167) Item so nemen de schaffer enen dans up na tier 
wyse; de ene kemener dantset in den enen dantze vor 
in dem anderen dantze; unde vor jewelken dantze cyu 
J)c dorde sproke: (s. Anspr. Art. 127)^ 
168) Item so gyfft men to den dorden male kruth 
alse vorhen gesehen is na der sulven wyse; unde syn paru 
169) Item so nemen de schaffer den dorden dans up, 
na der wyse to, alse idt vorhen gesehen is. 
1 Art. 167: ncmatit nymant; aver dar inne statt hy uns^ zoass 
itatt 
sst^-
        <pb n="635" />
        Schwarzhäupter. 
615 
De verde sproke: 
«I- j. t. h. ; wy hebben van aüencle* laten be^an unse vor- 
^^tüene* brodere myt vygylyen, morgen myt selemyssen; de eyn 
hovet is, de sy hyr morgen to 8 by synen broke unde do 
^ '"Ore, alsz he wyl, dat em na gesehen sal; d. ni. \v. a. g. h.“ 
*7^^) Item so nemen de schaffer den verden dans up na der 
alsz idt vorhen gesehen is. 
De vejßte af/sproke: (s. Anspr. Art. 48)^ 
*71) Item SO seheneket men dem olderman myt synen oldesten, 
'iat gesehen is, so gyfft de olderman gude naeht. 
De sosie affsproke: (s. Anspr. Art. 50). 
^ ^72) Item wen de olderman van der taffel upgestan is, so 
ju he noeh myt synen bysitteren 2 offte 3 dantse m)ft den 
^ffrouwen unde vrouwen, de syk noeh wyllen toilen* laten. 
*73) Item wen de vrouwen unde junefFrouwen weren syn, so 
^ de olderman myt synen bysitteren sytten by de oldesten, so 
de spellude dar vor en und den ne vor de rekenslude, wen 
denne gesehen is, so bevelet de olderman myt synen oldesten 
dat se des anderen dages solen bydden de brodere 
^ S^'oten gyldestoven, dat se to en körnen na dem olden. 
Des doitredages in der vasten. 
5^1 *^4) Item des donredage morgens to 8, de eyn swart hovet is, 
L ^ Up dem huse wesen, unde solen alle myt dem oldermanne 
der aflfvolgen in sunte Petersz kerken unde solen dat to 
^^lernyssen ofFeren to der swarten hoveden altar, 
aj ^^5) Item dessen morgen aver sollen de kemenersz de oldesten 
grote stoven bydden unde personliken spreken in eren 
®ffte in der kerken unde solen ok de gemenen borger spreken, 
Gn bekegen. 
I(ß ^ Item na der malty dt ume trent de docke 3 senden de 
% 4 gude gesellen to den borgersz up den grote g&gt;lde 
^^tle laten se bydden, dat se wyllen to en körnen na dem 
Item wen de docke to vyve is, senden se echt 4 gude 
to den borgersz up den grote gyldestov en unde laten se 
dat se willen to en körnen na den olden. 
‘Art. 
48: fehlt dencken.
        <pb n="636" />
        m 
6i6 
Schwarzhäupter. 
178) Item wen de docke 6 is, gan de beyden kemenersz 
dem huse noch myt twen gude gesellen unde bydden se to 
dorden male unde vort; wen se hengegan syn, so sendet vort 
kn echt van dem huse de vurpannen* na myt den mansz, 
dregen; wen idt en danket* tyt wesen up dem gyldestoven, 
schycken se eren reygh. 
179) Item de wyle, dat se myt den vurpannen* hen gegan 
let de knecht de waslichte umme dat husz anstycken unde let 
taffel decken unde alle dynck rede maken. 
180) Item wen idt denne by der tyt is, dat de borget 
naheyt syn, geyt de olderman by der taffel sytten myt syueu 
syttersz; wen de borget up de markede syn, so het de of ^ 
dem bysittere de docke luden unde secht aff aldus: „bg-h 
hyr körnen to uns de erliken broder ut dem groten gyldestoj^^^_ 
Got geve em eyn gut jar, en rum* gyfft unde hovesk to dr&gt;n 
d. m. w. a. g. h.“ 
181) Item wen se denne 2 mall ummegedanset hebben, sf’^ 
de knecht de docke, so werden se gesettet; de olderman 
beyden bysittersz, werden gesettet by de taffel by unseii o &lt; 
unde unse bysittere sitten u¡) beyden syden buten, undo or 
nersz werden gesettet dar unse beydeu kemenersz Sitten, 
unse beyden kemenersz denen en den avent aüer*, unde er 
werden gesettet up de benck jegen de oldesten, unde de ^ 
vam gyldestoven werden gesettet by unse oldesten, unde de n 
gan sitten, wor idt en gelevet. 
182) Item wen de olderman van de groten gyldcsto\ en 
gekomen, sovort sendet de knecht de 2 vurpannen* wefkl*^^ 
na den gyldestoven, und halen ere kemenersz uj), unde flnf 
unse kemenersz ok mede wedder up. Wen se wech guf’ 
se myt enen rey ge wedder wech. 
183) Item wen dem oldermanne dunket, dat se drade 
hebben, dat sc drade gan wyllen, so het he dem bysittere &lt; gg. 
luden unde secht den aff aldus: „I. g. j. t. h.; hyr syn to q^í\^ 
körnen de erliken brodere ut dem groten gyldestoven, se lO 
und unsz wylkome ; (hot geve em en gut jar, de en ho' 
dryncken, unde maket se guden hagen; d. m. w. a. g* k* 
konten 
50 
184) Item so werden se getovet, so lange en gelevet to 
wen se denne nicht lenger willen sitten, so maket 
.tte'i’ 
vüf'
        <pb n="637" />
        Schwarzhäupter. 
617 
I'^nnen* rede; de wile se ummedantsen, so werden se in enen 
niyt twen vurpannen * wedder to hus up den ^yldestouen* 
^^krocht, linde de vurpunnen* myt den spelluden gan vort wedder 
husz. 
I ^^5) Item wen de borger wech syn, so geyt de olderman 
^ Syn oldesten myt synen bysitteren wedder in syn stede sitten; 
^änge de vflrpunnen* myt den spelluden syn wedder gekomen, 
steyt de olderman up myt synen bysitteren to endes an de 
Vor de oldesten unde liefft dar 3 affsproke. 
De erste: 
g. j. t. li.; wy dencken den vastelavent uttobryngen na 
^ gewonheit. Oot geve em eyn gudt jar, de de mede anholt, 
rey deste lenger werde." 
De ander: 
in J" h. ; wy beb oven 4 gude gesellen, de de kolven dregen, 
^^n vorreygh N. N., in den achterreygh N. N.“ 
De dorde: 
Ç S* j* t. h.; wy behoven 3 vrame manne by de taffel, de de 
"^Pvnye vorstan, vor enen olderman N., vor bysittere N. N., 
a. g. h.“ 
^ *86) Item so steyt de olderman up unde byddet, welke van 
al^^^^^sten, do myt em affdansten; unde idt geyt hyr niede to, 
^ *^t togeyt des sondage avendes in dem vastelavende, und de 
(j avendes van den markede dantsen se in do kopstrate by 
So dar in de santstrate by den sot vor der porten unde 
Redder um me up dat market unde den wedder upt husz, so 
alderman by synen oldesten sitten; so lange dat syk de 
''edtler gesettet hebben, so geyt he myt synen bysitteren 
^ ^y de taffel und befit dar denne 6 affsproke. 
De erste: (s. Anspr. Art. 34). 
De ander: (s. Anspr. Art. 165)*. 
De dorde: (s. Anspr. Art. t&gt;5)*. 
r|(. Item wen de steckereyh gedantset is, so gan de oldeste , 
H iti der banck sitten myt den rekensluden unde myt ten 
in den keller; unde de rekenslude unde de schaffere 
^.^Ilj^^oldesten dor vor, wat dar gerekent is, unde wo ve e
        <pb n="638" />
        6i8 
Schwarzhäupter. 
l)roclere ciat se hebben uncle wat se van ungekle hebben, unde 
vele bersz dar utgeclrunken is. Wen se dar aller* eyngekomen s&gt; ^ 
wat de man sal upleggen, so gan se samtliken wedder up; 
de oldesten in de bank sitten, unde de rekenslude gan stan vor 
taffel, so secht de oldermnn aff aldus. 
De verde affsproke: 
„1. g. j. t. h.; hyr stan de erliken rekenslude, de dat gelt u 
gudt gerekent hebben, dat hyr vertert is unde dat men noch ^ 
teren sal. De man sal upleggen N. Schillinge; h. m. w. a. %• 
De vyffte (s. d. 3. Anspr. Art. 144)*. 
De soste: (s. Anspr. Art. 50)yg. 
188) Item wen de olderman van der taffel is upgestan, so 
velet he den bysittersz unde den kemenersz, dat se des an 
dages den rat solen bydden unde de oldesten vam gyldest 
de wyse myt dem byddende is aldus; de oldeste bysitter 
oldeste kemener gan to hope, unde de jungeste bysitter un 
jungeste kemener gan ok tosamende; de ene nemen de hah 
de anderen nemen ok de halve stat, unde se solen jevcelk 
sunderen sulven muntliken spreken in eren husen offte * 
kerken offte wor se se vynden konen. 
Des ersten vrydages in der vasten. jjg, 
189) Item up dessen vrydach plach men den cleynen 
stoven to bydden, dat tjuam aff; de sake were to lanck 
ven I, men de swarten hovede syn nicht to en up dem 
gyldestoven gewest myt eren brodersz in den vastelaven 
eren dantse synt, dat men schreff dusent veerhundert 
negentich. Men plach den rack up den sonauent* to gaste to 
umme becjuemycheyt willen der tyt, aise i dt hylge avent 
nemen de swarten hovede den vrydach vor den sonavent, 
ersamen rade gans wol to willen wasz. jiehl’*^'^ 
190) Item wen de bysittere unde de kemenersz den rat 
gebeden, so solen se ok den statschryver bydden unde &lt; 
(lener*; so solen de bey den kemenersz de oldesten ut 
gyldestoven ok bydden, unde de beyden kemenersz soloo 
huskumpter bydden. g^¡t 
191) Item wen de docke to dren is, so brynget 
oldermans taffel van dem huse up de loven unde vl&gt; sok*^ 
lank de benke, dar de rat unde de oldesten borger s&gt;tt 
* Art. 187: nach dar io kesen steht soient so u'illichlikcn ite 
2 Art. 187: hagen statt haghen.
        <pb n="639" />
        Schwarzhäupter. 
619 
*92) Item wen de docke to vyiie* is, senden de schaffere 4 
^^sellen ut der cumpenye an den huskumther, de ene bydde van 
cumpynye wegen, unde bryngen ene ok vert myt sik upt husz. 
*93) Item wen de docke by 6 ts, so gan de beyden kemenersz 
^ huse to den borgermesteren unde to dem rade in de syse- 
unde bydden se van der cumpenye wegen, dat se willen to 
So naden olden unde smecken eresz bersz; unde se blyven 
^^nge by en, dat se myt en upkomen unde volgen en na went 
husz. 
^ ^94) Item wen de beyden kemenersz na den ersamen rade in 
^ ^ysebode gan, stycket de knecht alle de waszlychte ane, de 
^ ^ husz her stan ; wen de rat ut der sysebode gan, dat se 
lud ntarkede sy, so het de olderman dem knechte de docke 
j Unde steyt to endes an der taffelen unde secht aff aldus. 
^ j* t. h.; hyr wert to uns körnen de ersame radt, de Gade unde 
,''^*lhome syn. Got (geve ') em eyn gudt jar, de en rum g&gt;fft 
^^vesken to drynket.“ 
Item wen de rat upkumpt, so solen de beyden schaffersz, 
ener tortysyen, buten vor der doer up der loüen* stan, 
beyden bysittersz solen bynne buses vor der doren stan, 
Sy uiyt ener tortysyen ; unde de olderman sal stan myt alle 
®^^€sten bynnen lanck dat husz up vor der borgerbank 
Uia heten, so den ersamen radt wylkomen, so geyt de older- 
Sfç, de arsevagede lank dat husz up unde settet ene up syne 
•Jude de borgermester unde radesheren dar up der rege her. 
dç Item de knecht vam huse sal dar up wachten, wen de 
dç vam gyldestoven myt eren knechte körnen, so solen se 
entflf[angen] myt 2 tortysyen, unde de olderman sal se 
Vq heten; so gan se sytten by den rat baven by den erts 
Ktt QfC. , 
"te borgermester, 
^7) Item dessen avent, wen men den ersamen rat to gaste 
^*^yt den oldesten borgeren, sal men 3 mael krut geven umme 
husz*, de wyse hyr van alden; to dem ersten, wen dem 
'■^tle 2 offte 3 mael geschencket is, so sal men umme 
Uti(j twen groten vormálden vaten in soit gelegt musschaten 
Uçy ^'^^ever; dat ene vat sal dregen de olderman myt ener be- 
dwelen aver synen halssz; by em solen gan syne beyden 
^Oti 
1 
Anderer Hand darübergeschrieben.
        <pb n="640" />
        020 
Schwarzhäupter. 
l)ys¡tterc, jewelik myt ener tortysyen, unde de sal gan 
den ertsevaget, borgermestere unde radtheren, unde so up 
dale lanck dat husz. De vorgeseten olderman sal dregen 
ander vat; by em solen gan de bey den vastelavendessehalfer, 
myt ener tortysyen, unde desse vorgeseten olderman sal er 
gan vor den olderman vam groten gyldestoüen* unde de o ( 
unde den int dener lach unde den vort lank dat husz und e 
de pyperbank vor de spellude. j 
198) Item wen dyt krut umme gegeven is, so körnen 
lude unde gan stan mydden int husz unde maken dem er 
rade eyn hovesk hauerecht*, unde so speien se nicht vort 
rekenslude, de wyle de ersame radt dar syttet. ^ 
199) Item wen denne 2 offte 3 mael geschencket is, 
men umme drossye up sulveren schoüweren*; dat dregen de 
olderlude myt den bysytteren unde schafferen, alse idt vor g^s 
is aver dat gantse husz. ß 
2(X)) Item wen den echter 2 offte 3 mael geschenket 
men umme pardyskorn; up sulveren schoüweren dregen 
bey den olderlude unde by en de bey den bysittere unde sc 
so idt vorhen gesehen is. Denne drynken se den heren h 
tho, so lange alse se ‘ sytten willen; unde dessen avent « 
de olderman myt synen oldesten dem ersamen rade den 
schencken. ^jgr 
201) Item wen denne de ersame radt gan wil, sal men se 
affluchten myt 4 tortysyen, alsse se entfangen syn. ^^^g^ 
202) Item wen de ratheren denne wech syn, so g^)^ ^gjen^ 
man myt synen oldesten, de den avent myt em dem r.u gyef’ 
hebben, in de banck sytten, dar wert em denne krut g Je 
gelik den heren vorhen; dat krut dregen de schaffet, ge- 
bey den tortysyen dregen 2 gesellen, de dessen avent gy(ß 
schencket hebben; wen den oldesten krut gegeven &gt;Si 
men ok den schenken krut unde den densbaden, de 
gedent hebben. 
203) Item dessen avent, wen de heren wech s&gt;n, b)" 
older(man)^ 3 ffsproke; so steyt he vor der banck m&gt;t 
sitteren unde het dem knechte de docke luden unde secht &lt; 
1 Von anderer Hand. 
2 Die 2. Silbe von anderer Hand an den Kand geschrieben.
        <pb n="641" />
        Schwarzhäupter, 
621 
De erste affsproke: 
g. j. t. h.; dar sitten de erliken rekenslude und verwachten de 
Spider; de nicht upgelecht hefft, de legge noch up; d. m. w. a. g. h.“ 
204) Itern so gyfft men de oldesten drossye; dat krut drecht 
jungeste schaffer, unde de anderen | sehen] bey den schenken 
de tortysyen, so vorhen gesehen is. 
1 ^^5) Item wen de olderman den ersten affsproke gedan hefft, so 
de spellude unde gan stan mydden int husz vor de oldesten 
maken dar eyn hoverecht unde denne vor de rekenslude unde 
^ den Hemerwolt. 
De ander sproke: (s. d. 3. Anspr. Art. 144)^- 
2()6) Item so gyfft men de oldesten pardyskorn, so vorhen 
is, dat krut drecht de oldeste schaffer unde 2 schenken 
^ tortysien. 
De dorde sproke: (s. Anspr. Art. 50). 
Des so7t7iave7tdes hi der vasie7t. 
^ Item des sonnavendes in der vasten sluten de schaffer 
^ keller up na der maltidt to eynen unde up den avent to ii 
0] to. Wen de clock to 8 is up den avent, so geyt de 
sitten by de taffel myt synen bysitteren unde hefft dar 
^ ^‘■^Proke. , , 
De erste: (s, Anspr. Art. 34), 
De ander: (s. Anspr. Art. 203'. 
De dorde: (s. d. 3. Anspr. Art. 144)*' 
De verde: (s. Anspr. Art. 
Item wen de olderman van der taffel is upgestan, so geyt 
I ^'tten by syn oldesten unde beuelt* dar den schafferen, dat se 
. ^t)ndage morgensz solen bydden den kerkheren myt ^ynen 
P^lanen, kostcr, korscholeren, scholmester up den avent upt 
1^^ to vyve tor maltyt. Ok solen se bydden de 6 jirestei, 
hoveden altar besyngen unde belesen. 
1 2oy) hyr mach syck de olderman upreden, flat he jegen 
V' bondage avent up de maltidt let kaken vor 6 vate speyse 
Suden vyschen; dat brot hyr to unde den herink betalen de 
, van der kumpenye; wegen dat ander, dar gekaket wert, 
(Io olderman de helffte, unde de beyden byssyttere betalen 
/'‘'tclcr helffte. 
' Art 
^(0 ^(^5: dencket statt denkenn; det statt de dont, a se 
j 206; auer* statt aver; dont statt de dont, (tfse statt a ss. 
^*^0 206: fehlt Tvo/. 
statt a/ss.
        <pb n="642" />
        022 
Schwarzhäupter. 
Des so7tdages in der vasten. 
2io) Item des sondages in der vasten sluten de vastelaven 
Schaffer den keller up na der maltidt to 12, up den avent 
wedder tho; item vor der aventmaltidt to 4 geyt de oldei man 
synen bysitteren sitten by de taffel unde hefft 3 affsproke. 
De erste : (s. Anspr. Art. 34). 
De ander: (s. Anspr. Art. 203)*. 
De dorde: (s. Anspr. Art. 36). 
laten 
211) Item wen de olderman van der taffel upgestan is, so 
de Schaffer decken de taffel vor der oldesten banck here 
unfle 
resten 
s^he 
upleggen, wesz behoff is; so geyt de olderman myt synen % 
Sitten, und syne oldesten, de myt em in der banck sitten, s _ 
ok tor malty dt beholden unde ok de rekenslude unde de sc e 
wen de maltydt gedan is, sal men de taffel wech nemen u 
geste lank de bank setten unde drynken en wol tho. 
clocke 8 geslagen hefft, geyt de olderman myt synen b&gt;st 
sitten by de taffel unde helft dessen avent 4 affsproke. 
De erste: (s. Anspr. Art. 34). 
De ander: (s. d. 2. Anspr. Art. 210). 
De dorde: (s. d. 3. Anspr. Art. 144)^. 
De verde: (s. Anspr. Art 50). ^ 
212) Item wen de olderman van de taffel upsteyt, so g 
wedder sitten by syn geste unde by syn oldesten, unde dri 
lange myt den geystliken heren, so lange aise se wat mögen, 
se de olderman den kerkheren myt twe gesellen to husz 
Des mandagesz in der vasten. 
213) Item des ersten mondages in der vasten sluten de s 
den keller up na der maltydt to enen unde des aven gypc*’ 
wedder tho. Up den avent to 8 geyt de olderman 
bysitteren sitten by de taffel unde hefft dessen avent 4 
De erste affsproke: (s. Anspr. Art. 34). 
De ander affsproke: (s. d. 2. Anspr. Art. 210)*. 
De dorde affsproke: (s. d. 3. Anspr. Art. i44)^' 
De verde affsproke: (s. Anspr. Art. 50). 
1 Art 210: de ge/des statt des geldes. 
* Art. 211: dont statt de dont; atse statt atss. 
3 Art. 213; desz statt des. 
* Art. 213: don idt statt de dont; aise statt alsz.
        <pb n="643" />
        Schwarzhäupter. 
623 
Des dynxtedages in der va sien. 
2 h) Item des dyxtedages in der vasten unde de lateste dach 
^uten de schaffer den heller up na der malty dt to eynen unde up 
«tvent unde nacht nicht wedder tho; so geyt de olderman de 
^^ndes Sitten by de taiiel myt synen bysitteren, wen de docke 
hefft 
ächte geslagen, unde heflt 3 affsproke. 
De erste affsproke : (s. Anspr. Art 34). 
De ander aff^sproke: (s. d. 2. Anspr. Art. 210). 
De derde affsproke unde de lateste: 
j g. j. t. h.; hyr is genoch, hyr blyfft genoch, nymant van hyr 
gände, sunder dat ber sy ute, by ener last waszes, by ener last 
^^ses, by hundert last soltes, by hundert last moites, d. m. w. 
g. h.“ 
0/te atdus: (d. 3. Anspr. wiederholt*)• 
^ ^*5) Item wen de docke to eynen offte to twen is, so bryngen 
^ ^cmerwoldeschen eren bom aff up dat market myt alle deme 
Unde vorbernen den bom dar myt vrouwen unde sy n dar 
. Went an den lychten dach; unde dar mede is de vastel 
beslaten. Godt geve myt gnaden altidt den anderen dar 
belevende. 
216) Item de vastelavendesschaffer hebben behoff to dessen 
int erste ii last guden bersz; item wen se mede bruwen, 
^ se 5 schippunt honnyges. Se behoven to vv astlichten 
tortysien unde spentlichten 4 lispunt wasses, ok alse idt 
behoven se wol by 5 (?) lispunt wasses. Item talghlichte 
d se 14 lispunt. Des krudes, dat men behoff hefft up assche- 
j ’ ände wen men den radt to gaste hefft, is sal syn to hope 
l^^^^*^^punt engever, 2 markpunt milschaten*, 4 niarkpunt pardys 
’ 9 punt drossye affte */* lispunt. 
Herndt Koedyk. 
An 
no 1510 is dyt de ordenynge gewest up 
den 
in den vastelavendesdrunken. 
swarten 
ÿ 214: Wiederholung;: 
zc. a. fr. h.; statt enet 
der Satz: zV/ (statt «/r steht 
steht
        <pb n="644" />
        624 
Schwarzhäupter. 
114. Schwarzhäupter. 
Schrägen vom 4. März 1531. 
Plättern. 
Stadt-Arch. in Riga. Pergamentheft, 24 cm. hoch, 17 cm. breit, aus 
von denen das erste unbeschrieben ist. Mit rother Farbe sind die a* * jterer 
einige andere Buchstaben verziert. Die Numeration der Artikel stammt 
Zeit. Auf der inneren Seite des ersten Blattes: „Anno Christ. i477“&gt; ^ gend^" 
Seite des Rückdeckels: „Anno 1477“. Auf dem den Vorderdeckel übe 
Theile des Rückdeckels: Schrägen und Ordnung der swarlzen 
//. i7na“. Als Deckel diente ein Stück einer in Avignon erlassenen p 1^_^ 
Bulle. Vergl. Mitth. a. d. Geb. d.livlând. Gesch. Bd. 7, S. 430-43^- 
Deckel bildende, mit oben angeführten Bemerkungen versehene Urkunde ist ne ^ 
entfernt worden. Der Schrägen v. J. 1531 wiederholt zum Theile den für 
J. 1477, weshalb man ihn, wie oben angegebene Dorsalinscriptionen an( 
den Schrägen v. J. 1477 gehalten hat. In dem Schrägen v. J. i53* [,e- 
Artikel des Schragens v. J. 1477: 28 u. 31; 34 -38; 44-48 u. 52. gefor- 
ziehen sich hauptsächlich auf den katholischen Cultus und mussten nach ^ggsi¿^ 
mation in Wegfall kommen. Nur der letzte Artikel Nr. 43, eine schrage^^^^^^^p 
Bestimmung des Raths vom 4. März 1331, bringt Neues und nennt den ^ 
schîiUenschragen. Abg. in d. Mitth. a. d. Geb. d. livländ. Gesch. 
u. 432. Vergl. A. Poelchau, Sitzungsb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Altert 
1875. S. 32 u. 33. 
43) Tho wethen, clath vor uns, als eynem erbarcn .¿n 
Stadt Riga, de oldemanne unnd oldesten des groten giR 
unnd der swarten hovede der brock halven, szo inn denn 
drunckenn up deine nigen husze edder have plegen 
twistich ersehenen szin; dy wy der halven durch unser .^||e 
erkenntenusz alszo vorgeliket unnd vordragen hebben, ‘ ^ 
broke, zo inn den sulvigen druncken up deine gerorden 
lallen, sollen van beydenn upgherorden jiarten upgei^^^^^ 
ent fangen werden, unnd de sulvigen broken tho sainpt (l:d 
szo in der schafferyen dessulvighen haves voroverigeth '' 
doch nicht vorsatlich gheschen sal, sal an ghesmide g^ ^ 
inn eyn sunderlick schap, dar to de schultenolderinan 
unde swarten hovede den anderen slotel hebben soHt^RR’ in 
parten und eyner Stadt Rigen ere und besten vorwAf^^^^ 
denn sulvighen druncken gebruket werden. Hos 
hebben wi idt sulvige in dessen jegenwerdigen schütten^ 
vorteken und vorwaren laten. Actum sonnavendes vor reiR) 
(4. März) anno etc. 31.
        <pb n="645" />
        Schwarzhäupter. 
625 
115. Schwarzhäupter. 
Fastnachtsordnung c. 1576. 
18 ^ Schwarzen Häupter in Riga. Gebundenes Heft Nr. 18, 26 cm. hoch, 
äus 16 Pergamentblättern u. 20drangefügten Papierblättern; nachfolgender 
*^Sen auf den Pergamentblättern 8—12. 
^an dey vullenkomene vastelavendes druncke gehalten werden, 
^ dise nachfolgende puñete undt ordenung, so von altersz 
gewesen undt itz dato gleichfalsz vornewert, von uns undt 
nachkomen ebenmeszich gehalten werden. 
s h ^€sz dingesdages vor fastelawendt sollen die vastlawendt- 
^ ^ffersz, wan desz fastlawendes beihr van den eldesten wirt inge- 
^cket, eine mahlzeit bereiden und in den vastlawendt zu rechnung 
^""'"gen. 
^ Wan vullenkomen fastlawendtdruncke gehalten werden, 
tu ^ Grbahr rath wird auffsz hausz gebeten, welches drey tage 
auffm rathhause geschieht, nebenst den predicanten undt 
soll der elterman nebenst seinen beysitzersz auf einen 
^b^*sen ; wirt der fastlawendt nicht gehaltenn, sollen sie den 
k eine gastung thunn, imgleich, so dasz hausz durch unge- 
Uiç Wurde zugehalten, soll der elterman undt beysitzersz eben- 
^en eldesten semptlich eine gastung thun ; nach altem 
i)K ist der vastelawendeszschreiber pflichtich einnen tach 
^sz gantze hausz zu speisen. 
3) Nach altem gebrach seindt die Lübeschen schiffersz pflichtich, 
(q alhey winterlage haltenn, im fastlabendt aufm mondach 
^Peisenn. 
"^^hte tage nach fastelawendt, wan die rechenszleute unndt 
^^^^^sehaffersz rechnung haltenn, sollen sie den elterleuten 
^kiesten eine mahlzeit thun und in die fastlawendesrechnung 
^'(^kringen. 
eist sonnabensz in fastelawendt leth der elterman seine 
ílçjj ^fUidt die junge brudersz der schwartzen heubter alle kegen 
lçjj^^^^*^tach morgen umb klocke achte, wan die schräge soll ge 
Werden, furbadenn. 
^ mantach morgen umb klocke negen gehet der eher 
seinen ehesten in die benckhe sitzen; hirnach stehet der 
auf unndt zaget zu dem gemeinen umbstandt. „ 1 redet beth 
40
        <pb n="646" />
        626 
Schwarzhäupter. 
her zu; man soll euch den schrägen nach alter gewonheidt 
lesen; ein jeder höre fleizig zu.“ So leiset ihnnen der gemeine 
awendesschreiber daszilbige fur. 
7) Wan die schräge gelesen ist, so stehtt der eltermann 
auf und saght: „Hirnach wisze sich ein jeder zu richten un 
schaden zu warten.“ So geheth ehr wider sitzen. 
8) Darnach so stehet der elterman wider au ff unnd 
gebeide zu hören; wir haben vihr gude gesellen gedarff, 
van tage schencken sollen; da keise wir zu I. N. M. M.‘ 
ehr wider sitzen. ^ 
9) Dise schencken werden abgeruffen erstlich von beiden ^ 
awendtschafferen, von den Schreiber unndt knechte; des mu 
jeder schencke zwe dwelen baven bringen, eine bunte u 
witte; en fall aber einner zhum schencken gekoren wirb ^¡^fl 
silbige sich weigert, soll ehr der companie verfallen s 
liszpfundt waxsz. 
per 
10) Darnach stehtt der elterman wider auff und sagt. „ 
schwartz heubtt ist undt gedencket ein schwartz heubt 
der käme die klocke zwei ff oben undt nehme seine di une 
So gehet ehr wider sitzen. 
Den moittach aiiff de7i namiddage hath der elterman zwe m 
eine 
erden. 
11) Auff den montach die klocke halbwege vihr ^ 
eltermann mit seinen eltsten in die bencke sitzen und ^ 
eine halbe stunde, stehet darnach mit seinen beisitzersz ' ¡¡idi 
die klocke leuten und saget: „Der einenn gast hath, der drm^ 
ein vollen zu und mache ihnenn guten hagen; damit seit a 
hagen.“ So gehet ehr wider sitzen. 
12) Die ander abspröche. Die klocke vinff stehet ein 
und saght: „Esz ist zeidt zur mahlzeit zu gehn; kommet 
wider; man soll euch woll handelen.“ 
/Jen montagh auf den abendt hath der elterman ^ 
irehct 
der 
ret 
siiien 
13) ümb klocke achte gehet der elterman mit 
sitzen in die bencke undt vorharret aida ein halbe 
darnach auf, lest die klocke leuten und saght: „Der e 
hath, der mache ihnen guten hagen ; damit seith alle gude 
So gehet ehr wider sitzen. (Vergl. Art. n).
        <pb n="647" />
        Schwarzhäupter. 
627 
H) Die ander abspröche. Ein vierenteill von der stünde darnach 
'*^het der elterman wider auf unnd lest die klocke leuten und 
^Sht: ^Ich gebeite zu hören; wir haben zwe gute gesellen bedarff 
'■echenszleute, die das gelt undt guth rechen, wasz hir furzeret 
^ Und noch soll furzehret werdenn ; dar keise wir zu N. N., der 
ein Rigischer, der ander ein auszlender, die die penningk- 
^haffer gewesen seinn.“ 
*5) Die dridde abspruche. Ein vihrntell stunde darnach stehet 
elterman weder auf, lest die klocke leuten und saght: „Ich ge- 
^ zu hören ; alhier sthen die erlichen schencken, de van diszen 
Se geschencket haben, die begeren andere in ihre stede zu keisen; 
sie dar zu keisen werden, die thun ihn willichleichen nach, 
furgethan habenn; dar keise wir zu I. N. N.“ So sprechen 
schencken ab, undt der elterman gehet wider sitzenn. 
^ virde abspröche. Umb die klocke halbwege zehen stehet 
Y ^^(^Grman wider auf, lest die klocke leuten unnd sagt: „Ich ge- 
hören; esz ist zeitt zu guter nacht zu gehen; kämet morgen 
^ man soll euch beszer handelen.“ Alsz dan sthet der elter- 
seinen eisten au ff und geht in der von der giltstuben 
^^tenbencke sitzenn. 
dingesfagh auf den natniddach zwe abspruche. 
*7) Auf den dingesztach die klocke haibewegen vihrenn gehet 
^iti mit seinen eisten in die elstebencke sitzen, furvvielet 
(ii ^ stunde, stehet darnach mit seinen bysitzersz auf, lest 
¡¡^ Blocke leuten und saght: „Der einen gast hath, der drincke 
^'^uen füllen zu undt mache ihnenn guten hagen; damit seitli 
S^ten hagenn.“ So gehet ehr wider sitzen. (Vergl. Art. n.) 
1 ande rabspruche. Die klocke finffe stehet ehr wider auf 
^^ght: „Es ist zeit zur mahlzeit zu ghen; kämet darnach wider; 
^ ^oll euch woll handeln.“ (Vergl. Art. 12). 
^^iigeszdach auf den abendt hath der elterman drey abspruche. 
% Umb klocke achte gehet der elterman mit seinen eisten 
bencke und furweilet aida ein halbe shtunde, stehet 
auf, lest die klocke leuten und saght: „Der einen gast 
mache ihnen guten hagen; damit seith alle guten hagenn.“ 
^^^Gt ehr wider sitzenn. (Vergl. Art. 17)- 
^ Uie ander abspruche. Ein virenthel darnach stehett c er 
wider auf, lest die klocke leuten und saght: „Ich gebiete 
40*
        <pb n="648" />
        628 
Schwarzhäupter. 
diszen 
zu hören; alhie sthen die erlichen schencken, die die van 
dach geschencket haben, die begeren andere in ihre stede zu kie 
die dazu gekaren werden, dhonn ihnen willichlechen nach, alse 
furgethan haben; dar kiesen wie zu i. 2. 3. 4.“ So sprechen 
die schencken abe, und der elterman gehet wider seitzenn. 0^ 
Art. 15) 
21) Der dritte abspruche. Umb klocke haibewege zehen 
steht 
der elterman wider auf, lest die klocke leuten und saght: 
biete zu hören; esz ist zeitt zu guter nacht zu ghen; körnet nio 
widerumb; mahn soll euch beszer handelenn.“ Alse den 
elterman mit seinenn eisten auf und geht ihn der van der gf 
gildestuben elstenbencke sitzenn. (Vergl. Art. 16). 
Den middeiüochen auf den abendi hat der elterman vihr abspri^^ 
ivahîi ehj erbahr rath ist abgegangen. 
22) Der erste darnach geht der elterman mit seinen 
die bencke sitzen, furweilet aida ein weinich, stehet darnac^^^^^^ 
lest die klocke leutenn und saght: „Der einen gast heth, gj^r 
ihnen guten hager; damit seith alle guden hagenn.“ So g^ 
wider sitzenn, (Vergl. Art, n). 
23) Die ander abspruche. Halde darnach stehet der 
wider auf, lest die klocke leutenn und saght: „Ich gebiete zti 
da seitzen die ehrlichen rechensleutte, die das gelt undt gudt 
haben, wasz furzehret ist unnd noch soll furzehret werden, ^ili 
dem mahn zu geben so viele schilling; damit v\es" 
guten hagen.“ 
24) Die dritte abspruche. Halde darnach steht der c t 
wider auf, lest die klocke leutenn und saght : „Ich gebiete ^g, 
alhie sthen die erlichen schencken, die die van disen 
schencket haben, die begeren andere ihn ihrer sthede zü 
Die sie dazu kiesen werden, die dhon ihnen willichleiehe 
als sie furgethan haben. Dar kiese wir zu 1.2. 3. 4* 
sie die schencken abe, und der eltermahn geht wi&lt;^^*^ 
(Vergl. Art. 15). 
25) Die vihrte abspruche. Halte darnach sthet der eltermj^*^^, 6$ 
auf, lest die klocke leuten und saght : „Ich gebiete zu ho^ 
isz zeitt zu guter nacht zu ghen; körnet morgen wiilc**^*^ 
soll euch beszer handelen.“ Als dan stehet der elterman tti 
eldesten auf und gehet in der von der gildestuben eisten 
sitzenn. (Vergl. Art-. 16).
        <pb n="649" />
        y 
Schwarzhäupter. 
629 
^CH dof/neyszlagh auff den namiddach hath der elterman 
drey absprüche. 
26) Die erste absprüche. Darnach geht der elterman mit seinen 
in die bencke sitzen undt furweilet aida ein wein ich, steht 
J^rnach auf, lest die blocke leuten und sagth : J)er einen gast 
der mache ihnen guten hagenn; damit seith alle guten hagen.“ 
S^ht der elterman wider sitzenn. (Vergl. Art. n). 
27) Die ander absprüche. Ein vihrenthell stunde hernach steht 
, elterman wider auf, lest die blocke leuten und saght: „Ich ge- 
zu hören; dar sitzen die erlichen rechensleute und furwachtenn 
zallpfennigesz; der nicht gelecht hath, der lege noch, undt 
alle guten hagenn.“ 
28) Die dritte absprüche. Umb blocke finff stehet der elterman 
auff und saget: „Ich gebiete zu hören; esz ist zeit zur mahl- 
2u gehen, körnet darnach wider; man soll euch woll handelen. 
Art. ,2). 
^oiinersztages auf den aben dt hath der elterman drey absprüche. 
. 29) Die erste absprüche. Umb blocke achte geht der elterman 
^ Seinen eisten in die bencke sitzen, furweilet aida ein halbe 
stehet darnach auf, lest die kloche leutten und saght. „Ich 
1^ ^*^te zu hörenn; der einen gast hath, der mache ihnen guten 
flamit seith alle guten hagenn.“ So gehet der eltermahnn 
^ sitzenn. (Vergl. Art. ii). 
^ 30) Die ander anspruche. Ein virenthell stunde hir noch stehet 
1^. ^^terman wider auf, lest die blocke leuten und saght, ich ge 
hören, dar sitzen die erlichen rechenszleute und furwachten 
^'^^ilpfenniges, der nicht gelecht hath, der lege noch, undt 
allen guten hagen. So geht ehr wider sitzenn. 
Die dritte und letzte absprüche. 
31) Darnach umb blocke halbwege zehen steht tier elterman 
1^: ^ lest die blocke leutenn undt sagth: „Ich gebiete zu hören, 
(} genöch, hie bleibet genöch; niemandt von hinnenn zu ghen, 
J' sey ausz bey hundert shippundt waxsz, bey hundert 
l)J^*^^ndt flaxsz, bey hundert last saltz, bey hundert last ma tz, 
*^^ndert last ther, bey hundert last schmer, bey hundert last 
*^stroe, dar gebe unsz Gott ein guttesz jahr zue. 
^ff^n ^,ch ^u:Heu^ unth ^:hwaM«m 
wy vor alters hero gewesen, allein fur sich die macht
        <pb n="650" />
        630 
Schwarzhäupter. 
einenn knechtt des Hauses ahnzunemen unndt abzusetzen undt 
ahn wiszenschafft der elterleute vom groszen giltstubenn. ^ 
33) Deszgleichen haben die kemerer der schwartzen heup 
macht einen jungen ahnzunemen undt abzusetzen, doch mitt'*^^' 
sehafft des eltermansz. ^ 
34) Anno 1576 uf fastelawendt haben die semptlichen 
dregern sich beklaget, das sie mit die dridde halbe merck 
anszkomen können, so habenn die elterleute unndt eldesten au 
bidde belaveth vinff merck, wan die fastelavendt gehalten 
damit willen wihr zufridenn sein nuhn undt zu ewigen zelten 
nicht wider ahnhalten umb verbetering edder zu verbogen. 
oben geschrieben ist copiam ausz der dregern ihren sc ta 
(Vergl. S. 258, Art. 3.) 
rzefl 
116. Schwarzhäupter. 
Ordnung für die die lübische Bank auf dem Hause der Schw 
Häupter benutzenden Schiffer vom 20. December 
Arch. d. Schwarz. Häupter in Riga, FoHoband Nr. 34, darin ein 1 ^ Qj-foi- 
mit der Dorsalschrift: Vergleichspunkte über d. /übischen Rancke. 
Anno 15ÇÍ. Dem gen. Arch, gehört ferner eine Pergamenturk. der lüb. . 
Seilschaft v. 15. Feh. 1569, die über die Beschaffung von Geldmitteln 7Mtn^ di^ 
der lüb. Bank handelt, und eine umfangreiche, auf diesen Gegenstand 
Zeit vom 16.—18. Jahrh. umfassende Correspondenz (im Bd. 34) 
scheinlich aus dem Ende des 16. Jahrh. stammendes Schreiben der lüb. 
gesellschaft enthält einige, die unten abgedruckte Verordnung ergänzen 
mungen, welche sich aber fast nur auf die Schifffahrt beziehen. ^ 
Nach cíeme vormercket, clasz die Lübische bencke alhic 
Companie der schwartzen heupter wegen desz, dasz biszher 
rauh me zeit keine gewisse vorstandere vorordenet gewesenib 
solte in abfall und ungelegenheit gerathen seyn, alsz 
disz 1591 jahr den 20. octobris den ehesten der schippt^P^^^^ die 
solchen zustandt gemelter bencke vormeltet, sie auch ernid 
bencke gleicheit ihren vorfahrenn in ehren zu haltenn. 
VoraP’ 
is in Lübeck ‘ . ^ 
nebenst den frachtherren, so den 10. novembris 
und wyr alhie denn 13. decembris enchfangen, sich erklefp'l^^.^ ¡n 
sie 
nicht aliene gleichest ihren voreiteren der bencke 
cb 
(liß- 
acht zu nemmen und zu erhelten bedacht, besonderen 
selbige, so viele ummer müglich, in besseren stendt zu sc 
dazu die notorft an gelte je undt allewege herinner %P ^ 
gantzlich enchschlossen wehren, zu welchem ende sie auch
        <pb n="651" />
        Schwarzhäupter. 
631 
man die erbaren und vornhemen Brandt Marqwerdt und Hans 
2u vorstenderen solcher bencke irenthelben bereten welle, 
eiche sich dan auch uff unses fleissiges anhelten undt der fracht- 
^erren zu Lübeck schrifflichs ersuchenn ihrer lieben veterstadt 
Lübeck sowoll auch dem gemenen kaufmanne und schipperen zum 
besten (doch nicht lenger alsz esz ihnen gefellich undt zutrechlich ) 
^^Icher vorwaltung heben angenommen. Alsz haben wyr dero 
"^gen mit ihnen uffgemelter elterleuthe und eltisten der schipper- 
^^selschafft zu Lübeck auch der frachtherren daselbst begererenn 
^""0 1591 * den 20. januarii alhie uff unserer companye diese nach- 
^^^gende ordnunge geschlossenn. 
0 Anfengklich undt zum ersten, so viele anlangen thut die beiden 
'^'■stendere, so sich uf der frachtherren und eltisten der schipper- 
^^elschafft begeren undt unser fletssiges anhelten die vorwaltung 
Lübischenn bencke ausz gutem, trewhertzigem gemüthe heben 
*^§enommen, werden dieselbigen ihres besten fleisses darnach sein, 
die bencke mit bauwen undt besseren, auch wachslichte zu 
dem eltisten jungen vor ihre glese zu wachten zu gebenn, 
die neuwenn undt jungen schippere, dasz sie altem gebrauche 
ein glasz in die bencke vorehrenn, ermanen undt, wesz denne 
anhengich ist, in vorigen ehren undt wolstande muge ge- 
^•tenn werdenn; und weil auch die frachtherren sowoll die eltisten 
Y ^^hippergesellschafft begerenn, dasz gemelte vorstendere das 
so sie alhie an brocke enchfangen, undt wesz sie zu le- 
ihrer bencke jehrliches vorbauwen und auszgebenn werdenn, 
heissich vorzeichnen und ihnen davon alle jahr uffrichtige 
J^hnung mit den ersten schiffen, so uffs vorjahr von hir ablauffen, 
Lübeck ubersenden, damit nach befundenen derselbigen rich- 
da sie darüber noch etwes ausz ihrem beutell der bencke, 
. ''’esz dar angehorich, zum besten vorschossen undt auszge eget 
ihnen desselbige alles zur genüge undt dancke ohne einigen 
von den frachtherren (ihrem erbietenn nach ') muge ujer- 
^.'"'^chetundtwiederumbzugestellet werden. Alszwerdensieihrer 
'S^nen beschedenheit nach hirinne sich wissen zu vorheltenn. 
, 2) Zum anderen dasz die worptagelsz nebenst einem ancker 
^^'hie bey die bencke gehorich vorhanden, den sommer und 
ub,, heuse in vorwarunge liegen sollenn, kegen den 
vorwarunge liegen 
Vorlag'e auch ln Klammern. 
muss.
        <pb n="652" />
        Schwarzhäupter. 
632 
der 
herbest aber sollen sie bey Schmogast geführet unclt aida nie 
gelecht werdenn den Lübischen schipperen zum besten, undt welche 
Schipper derselbigen benötiget, nemblich von der rey de ab bis 
dahin soll sie aida nemmen undt zu seyner noturfft gebrauchen, 
doch nicht weyter bisz an Schmogast undt, da sich jeniant nntc^^ 
stehen würde dieselbigen bisz an die Stadt zu gebrauchen, 
davor, die kabelen davor zu unterhalten, 5 thaler zu geben sc 
digk seynn. ^ ß 
3) Vors dritte welcher schipper die kabelen zu seiner no 
gebrauchet hete, derselbige soll sie auch in gebührliche vorwahrun^ 
wiederub bringen lassen ; so ehr aber solches nicht thuen vvo 
und den kabelen dahero einiger schede zukehme, soll geleich 
massen von den vorordenten vorstenderen in ernste straffe 
IO thelernn genommen werden. ^ 
4) Weiter so auch ein schipper die kabelen von àer 
bisz an Schmogast gebrauchet hete, und dan meh|r| schipP®*^ 
der reyde legen, so soll derjenige, der sie bisz an Schmogaste 
brauchet, den anderen bisz zum lesten zu (so sie esz nötigk) 
gerlich folgen lassen; welcher sie aber lestmallsz gebrauchet, ^ 
selbige soll sie wiederumb in gute vorwarung, da esz sich 
bringen zu lassen vorbunden sein bey voriger poen. 
5) Forders auch so jenniger schipper, so winterlage lege, 
kabelen und siegell uff die cumpanye der schwartzen heupte^" 
legen begerete, und ihme ausz gunst der elterleuthe und e 
solches gestatet und zugelassen würde, soll ehr dem hause 
gebühr davor thuen und dem diener solchs zue stundt mit ' . 
barheit zu stellen, alsz nemblich van den sigile aliene 6 
sein aber siegell und touwe zu sammen, alszdan 12 mrc. 
6) Zum sechstenn so sich jenniger schipper, welcher 
vorgenante poen vorfallen, dieselbige zu erlegen vorweyg^^ti 
ten vorstendere sie durch gebuh 
sollen die dazu verordenten 
mitell und wege dazu zu liehen bevheliget seynn 
vorot" 
7) Lestlich und zum siebenden da hinfürder von den 
denten vorstenderen einer nach dem willen Cotes vorsterbeo ^ 
sonst abtreten würde, alsz soll der ander mit rath der eite 
und eltisten der schwartzen heupter einen anderen düchtig^*^ 
zu sich zu kiesen macht hebenn. 
I ln der Vorlage auch in Klammern.
        <pb n="653" />
        Schwarzhäupter. 
633 
117. Schwarzhäupter. 
Schrägen vom 3. Januar 1594. 
d. Schwarz. Häupter in Riga, Nr. 18, Pergamentbl. 1—5. 
Ordnung dieser löblichen companye der schwarttzen heupter, 
alters bishero gehalten und nun auch von hernach gemelten 
^^btlichen elterleulen und eltisten ernewertt, vorbessert und dero- 
wiederumb beliebett, das dieselbig von ihnenn und ihren 
^^hkommen stet, vest und unwiederrufflich sol gehalten und ihnn 
l&gt;encke jedem zur erinnerung und Warnung alle jhar den 
^ontagk ihnn vastlavendtt soll gelesen werden. 
^eschen anno Christi 1594 den 3. Januarii. 
^ Nachgeschriebene elterleute und eltisten sein die selbigen, so 
Ordnung beliebett. 
Elterleut : 
Dirich Munsterman, itziger elterman, 
Jacob Fredrichs, 
Asmus Hecker, 
Harman Suerman, 
Wilhelm Meier, 
Jürgen Schoweshausen. 
Hesitzere: 
Arenndt Ibinck, 
Härmen (iotte, 
Otto van Meppenn. 
Fernerer : 
Härmen Thorfloth, 
Ditrich Mengelehr, 
Heinrich Möller, 
Herendt l'redrich, 
(iosen Trostt, 
Clawes Witte, 
Detloff Wiek, 
Rotgerdt thom Berge. 
^ erstlichen werden sesz wochen vor vastla\endt die 
in^^'^'^endesschaffere gekaren, de eine ein Rigischer und der 
aüszlender, ausz den penninckschaffers, so geschaflfet
        <pb n="654" />
        634 
Schwarzhäupter. 
haben, so man sie hath, wo nicht, so mach mann sie ausz 
gemeine bruclers nehmenn. 
den 
2) Vor das ander so keset man fördt einem 
vastlavvendt' 
Schreiber, der da duchtig zu ist, das eine jahr ein Rigischer un 
das ander jahr einen äuszlender. 
3) Zum dritten so keset man dieselbige zeidt och einen 
eher- 
man, das eine jahr ein Rigischer unnd dasz ander jahr einen a 
lender, so dar duchtig zu ist; und wan derselbe gekoren wicb 
werden die beisitzer und der kemenersz auszgewisen. 
4) Viere oder funfif tage nach der zeidt keiset der eite 
seine zwe beysitzer, undt wen dieselben gekaren werden, " 
die kemerersz auszgewisen ; und soll einn Rigischer undt ein 
lender gekoren werdenn. 
5) Undt soll der elterman macht haben einnen beysitzer, 
elterleute und ehesten zufriden werden sein, selbst zu 
wo ehr ein äuszlender kieset, sollen die ehesten einen K’ë* 
kiesenn. 
6) Auff oben gemelte zeidt kieset der gemelte elternu 
sem])tlichen ehesten einen kemerer, dasz einne jahr ein R&gt;k'‘ 
dasz ander jahr einen äuszlender. 
7) Der elterman soll nebenst seinen beiden beysitzer 
lanckh vorpflichten sein in der ehesten bencken oben der sc 
scheiben zu halten drey waxszlichte. ^ ^ 
8) Der elterman soll dem hauszknechte aufif fastelaweni è 
vihr thaler, und ein jeder beysitzer zwe thaler. 
9) Die eldesztenn der schwartzen heubter seindt phci ^gr 
jahr in sanct Peterszkirche zu geben auff den ahrni, ^ 
schwartzen heubter ihre luchtt haben, ein waxszlicht undt z^ 
lichte und dasselbige zu halten von Martini ahn besz auf hc jgS 
unndt dem köstere gebürt vor das anzündent ein klipP* 
jahresz. 
10) Die schwartzen heubter geben alle jahr, wie vo 
gewesen, einem erbahrn rath, so den predicantenn gehörte , 
der elterman auszkeret, zwe hundert und vinft merckh, 
drezig merckh auf osteren und hundert vinff und sibentzipi 
auf weinnachtenn.
        <pb n="655" />
        Schwarzhäupter 
635 
II) Wan schafFersz gekoren werden, und der schwartzen heubter 
^^iGrman die afspruche hath, so muszenn die van der groszen gilde- 
^^uben ihren schaffer erstlich löszgeben ; unndt wan der giltstuben- 
berman die afspruche hath, so muszen die schwartzen heupter 
schaffer fürerst löszgebenn. 
12) Der elterman ist pflichtich das gantze Jahr über in dem 
i-bafferkeisende vor seine eldesten zu bezalenn, der mahnn zwelfl 
13) Wan sch. gekoren werden, soll kein eldeste macht haben 
minschen über die bencken zu zudrinckhen, es sie dan, das 
ein fremder, so neulich gekamen sie, so mach ehr fur ihm fur 
schillinckh ein glasz van dem bihr, so über das hansz leufft, 
laszen bey pene vinff merckhpundt waxsz. 
14) Wan im vastelavende oder ihm schafferkiesende ein eldeste 
der bencke, wan der elterman sitzet, in ein ander bencke sitzen 
^ soll der furbrachen haben vinff merckhpundt waxsz. 
15) Wan ein elterman furböth thutt den eldesten etwas vorzu 
el oder wan sunsten etwa broke zu richten, soll ein jeder 
baven kamen fur die klöcke negen bey pene einen groszen ; 
ehr aber gahr ausz, so soll dersilbige furbrachen haben ein 
merkh; es wehre dan sache, das ehr sich silbest beym elter- 
^"tschuldiget hette, jedoch kranckheidt und abwesendt soll 
J^derenn auch des entschuldegenn. 
Wan der elterman vorböth thut, undt pennickhschaffers 
^ Werden, soll ein jeder eldester auf den abendt vor klocke 
] dem hause erscheinenn; hath einer aber nothwendich bej 
5, %u thunde, so soll sich fur der zeit bey dem elterman ent 
^ ^^^*&gt;gen, jedoch die elterleute hiemit nicht gemenet, undt abe- 
io ^*^dt soll auch einnenn jederen entschuldigen sunsten bei pen 
'7) Auch soll der kemerer der erste undt letzte seinn, wan 
b^h geschith bey pene vinff merckhpundt waxsz. 
fr,, Ksz soll ein jeder eldeste, nicht wie beszhero gesehen, 
. /^HKle heuffich in die bencke furen, besondern sich d.sen zimhcher 
iiicszigen ; wo ehr aber (lesen geneget, soll ehr mit semenn 
also sitzen, damit, wo die elterleute mit ihren gesten auch 
sie ahn ihren gebührlichen ordt rühm und platz habenn.
        <pb n="656" />
        1 Fast ganz ausradirt. 
5^6 Schwarzhäupter. 
19) Auch soll ein jeder eldester, so in der bencken geho^i 
im fastelawendt oder im schafferkesende, die eine dem anderen, ^ 
freundlichen Worten begegen, undt eine dem anderen nicht furaci 
oder furunglimpfen; da aber über das etwes gescheen wurde, ^ 
dersilbige ahne alle gnade furbrachen haben ein halb schipPP^' 
waxsz. 
20) Wasz auch durch die elterleute undt eldesten in der 
nothwendiges oder heimliches beredet undt besloszen Wirt) 
van einnem jeden in geheim gehaltenn werden, [unj'angesehen 
keinen erlichen gesellen heimuich ausz der bencken zu bring^i 
buret, und van keinmandte solches mit deutende oder mit w 
’ 11 
soll gemeldet werden; die aber solches wirt afenbaren, so 
alle gnade furbrachen haben ein schipppundt waxsz. 
21) Von altersz hero ist auch gebreuchlieh, das achte 
fastelabendt der kemerer von den schwartzen heubter nach 
gewonheit anhelt undt einfordert einen groszen balcken 
groszenn blocken von dem heren oder stadtkemerer zu des 
bedarif, och inzufordern etzliche balckenn zu den gemeinen 
blocke''' 
22 
_2) Nach altem gebruch holt der kemerer der 
heupter bey dem sthatkemerer auch jehrlich ahn umb etzlich 
so vile des hauses nothtrofft bederiflich. 
23) Weiln auch von alterszhero gewesen, das ein schipPP 
waxsz mit zehen thaler ist geloset worden, als soll elis n 
auch also bleiben und berhuen. 
24) Da auch ein eldester ausz der bencke sich befreien ' 
sollen die semptlichen eisten auf seinen ehrentag, so fern s ) 
beten werden, schuldich seinn zu erscheinen und den bru 
ehren die herren hilfifen traettirenn. ¿etn 
25) Des soll derselbige eiste, der sich den befreien wnr 
alten gebrauch nach, ehr seine hochzeit geschieht, den seml 
elterleute zu abdanckh einne gute tunne beirsz undt ali" 
schlucken zu erstaten schuldich sein; solches dem knet 
werde oder ahn gelde über zu gebenn. fj-eun^k' 
26) Weiln auch elterleute undt eisten in freundtlicher ^ 
schafft, wen man schaffers keiset, zu den elterleutenn 
der burger tretenn, undt dennach ein senior der elterleUtO)^^ 
sonst starckh genoch ist, besitzen wolte bleiben, mach
        <pb n="657" />
        Schwarzhäupter. 
637 
^On der eldesten kemerer, den ihm der elterman zueigent, bey sich 
der benckenn behaltenn; die anderen aber semptlich, sowoll 
^^•sitzer als kemerersz, sollen nicht, wy beszhero etzliche gethan, in 
bencke besitzen bleibenn, besondren auff des eltermansz geheisz 
^^ffsthen unnd ausz der benckenn tretenn undt den elterman sempt- 
folghafftich sein bey pene vinfF liszpundt waxsz. 
27) Esz sollen auch dey kemerersz löblichen exempell ihrer 
^^iähren nach vorpfiichtet sein den elterleute undt eldesten ge- 
^brliche ehre indem zuerzeige, dasz sie die silbigen ausz undt ein 
^^^itzagen; unnd wan sey zu hause gehen, sie gleichfals beleidt- 
unndt auch selbst bisz auffsz ende auff der companie vor- 
^^rrenn. 
28) Weiln wihr auch alle sterblich, undt nichts gewiszers, als 
silbige zu erwarten, undt dennach beszhero der löbliche ge- 
'•"^uch, das die silbge van denn unseren in Gott endtslaifene zu 
selbsz auch unseren eigenen ehren durch die unseren zu 
getragen werden, undt dennach gleichwoll offtmahlesz ge- 
das nicht alleine etzliche der eldesten, besondren auch die 
^^'''esene fastelawendtschaflfere, sich diesen geweyert, alsz sollen 
l^^^fder die silbigen, den es der elterman wirt anzegen, sich diszen 
"'cyeren, sowoll unsere eisten als gewesene fastlawendt 
Äffers, bey pene ein halb schippundt waxsz. 
29) Ijß auch einer oder mehr ausz uns in armuhtt unndt 
j.'^'^^den gerehte, da uns Gott der almechtige semptlich alle gnedich- 
fur behüten wolle, so soll ehr von deine, so be&gt; unsz ihn fur 
freyen brote [koste |* unndt aller nottrofft die zeit seines 
erhaltenn werdenn. 
3(&gt;)* Weill auch hiebevor® gebreüchlich, das der neuwe eher 
1 ^ ^nd seine beysitzere (wan kein öffentlicher vastelabendt ge 
wirdt)^ dennoch semptlichen elterleuthen und chisten 
h thuen und dazu nicht über 20 oder 22 personen, ausser 
e-^Iterleuthe und chisten, hirbever zu bitten und in die burger 
, ^tenbencke zu setzen macht gehabt, und gleichwoll nach der 
miszbreuchlich eingerissen, dasz man nicht aliene nuretzlicie 
2'^* hiesonderen dubbeh uf je zufunhz^^k zu h^h biten und 
derffen, wordurch dan, und dasz man auch mit ubermessigem 
g Wort koste ist später eingefügt worden, 
j ^^iese letzte Inscription ist von anderer Hand. 
^ ^as Wort hiebcvor ist durchstrichen, 
h (1er Vorlage auch in Klammern.
        <pb n="658" />
        638 
Schwarzhäupter. 
speysen fest fürstlich fehret, der Unkosten also geheuffet, 
was man zuvor mit 25 thal. thun kennen, nun mit 50 nich^ 
reichen kan ; alsz wollen elterleuthe und eltisten kraft iziger die. 
99 jares 11 januarii gesehenen beliehunge hiemit, dasz hm o 
kein eltermann mit seinen beysitzeren mehr alse 25 personen^^ 
worunter die vier bürgermeistere, auch etzliche prediger un 
virnemesten amptstragende herrn und gelerte leuthe ausz^ 
rathe, alsz obervoigt, Syndici, obersecretarius, kemmerer, 
voigte, weddehern und kleder- oder kistherr gemeinet, und 
der elterman 4 seiner guten freünde und ein jeder beysitzer 3 
advenante zu biten macht habenn, auch sich alles Überflüsse 
kestlichem speysende entheusseren und damit sich nach detn 
verhalten sollen bey poen und straffe, wasz elterleuthe und e 
daruff erkennen werdenn. 
diese« 
118. Schwarzäupter. 
Spielleute- Ordnung vom 18. Sept. 159^' 
Arch, der Schwarzen Häupter in Riga, Nr. 18, Fapierhl. 2. Hen Schlu 
Heftes bildet der Schrägen v. 1652. 
Ordenung der Spielleute, wie sie sich auf der spielbnnck 
halten sollen. ^ 
Ihn undergeschrewnen dato hebben beiderseits altcrleut 
ehesten die von groser gilstuben gleich den swartzen 
kunstreichen Andream N. fur einen instrumentirten und 
mit seinen gesellen sich auf der compagnie gebrauchen zu 
folgender gestalt angenomen. 
1) Erstlich soll ehr neben seinen gesellen seinem .selbst 
tende nach sich zuchtigk, messigk und fromlich auf tier cot 
verhalten, auch nirgens anders wo als auf der pfeifferbuo 
seinen gesellen zu sitzen macht haben. . 
2) Auch soll ehr alle tage nach mittage auf den klocke* ^^^jgr 
eins mit alle seinen gesellen den keller aufspielen, bei eU ^ ^g, 
bleiben und mit spiele sich fleisigk erzeihen bis die kloc 
schlagen, ihnmassen er auch auf den klokenschlagk 
den abendt den keller auf zu spielen und, bis es neugen ^^es 
sich verhalten soll.
        <pb n="659" />
        Schwarzhäupter. 
639 
3) Ihm gleichen wan schaffere gekhoren werden, soll ehr mit 
gesellen aufwarten, auch ohne Urlaub beiderseits elterleutt 
keiner zeitt auszubleiben, es sey dan, das ehr des sontags auf 
gildestuben zur hochzeitt spielet ; so oft solchs geschehen 
^^tde, soll sodans verbrechung ihn nach advenant ahn seiner 
^soldung gekurtzet werden. 
4) Zu dem soll ehr auf bejehr des schaffers, ehr sey gleich, 
"^^kr ehr wolte, trommeten zu gebrauchen, jedoch die vastelawens- 
oder schafferkesung hiemit nicht gemeinet, ahnne Urlaub eines 
kerrnans keines weges mechtigk sein. 
5) Dar vor soll ehr zur besoldung von einem jeden schaffer 
*^^ysigk marck Rigsh, welche gelde ihm also bait nach gehaltner 
^^knung von des hauses kemmerher soll gegeben und entrichtet 
'^^rden. 
Letzlichen wan ehr alle tage, wie vorgedacht, den keller 
zween mahlen aufgespielet, soll ihm und einem jeden gesellen 
tnahle ein glas bhier, wie dan auch, wan sie fur des schaffers 
aufwarten, ihm gleichen ein glas bhier gegeben und auff den 
^*^ihanck gebracht werden. Vor nach ehr sich zu richten. 
. Return Riga den 18. septembris Anno i59^' bewilligung 
^^'^lerseits elterleutte und ehesten vom grosen gildstuben und der 
'^^tzen heupter semptlich alle. 
119. Schwarzhäupter. 
Wahlordnung c. 1600. 
d. Schwarzen Häupter in Riga, Nr. 18, Pergamentbl. 13 —i"’ 
einen nien olderman unnd andere ofneierera in die 
bencke zu kiesenn verfasse«. 
^ dem von alters hero bey der companie gebreuchheh, das 
«Ile jhar ^ Wochen fur fastellabendt einen newen elterman 
* ändere officierers zu kiesen pfleget also thutt der e terman, 
C" «hr derenthalben mit den andern elterleuten uberemgekommen 
.y^'-l'ott, das alle, sowoll elterleute und ehesten, sowol die ganue 
' '"'^Ine bruedere, schaffere der schwartzen heupter und sonderlich
        <pb n="660" />
        Schwarzhäupter. 
640 
die vergangenen jhares gewese fastellavendtsschaffere, bey 
oder peene i liszpfunt wbsz auff dem hause zu erscheinende, 
sie dan den andern tag, so viele man ihrer beiderseitz bekoinni^^ 
kan, auff dem hause zusammen sein, setzet sich der elterinan ^ 
sampt elterleute und ehesten, jeder an seine gewönliche stedte, ^ 
darnach tancket ehr, das sie auff sein furbott erschienen sein 
spricht: . rzu- 
„Günstige herren elterleute und ehesten! Die Ursache unse ^ 
sammenkumfft ist disz, weiln der fastellabendt heran koinpth 
wir altem gebrauch nach erstlich 2 fastellabendsschaffere ben 
seind, die ihr itz nebenst mihr zu kiesen gedenken, so will ick ^ 
gemeinen brudern der schwartzen heupter sodanes mit anzeig 
Darauff sprechen elterleute und ehesten: „ja“. Wan solches gesc Ç 
stehet der elterman auff bey der bencke oben an auff dein P 
heissett den knecht auffklopffen und spricht uberlautt diese 
erste abspruch : 
„Günstige herren elterleute unnd ehesten! Sowoll ihr, brn 
der schwartzen heupter, semptlich und persönlich, alle, ihr " ‘ 
das der vastellabendt verbanden, derwegen wir vorerst alten 
brauch nach 2 vastellaevendtsschaffere benötigt seindt, 
wollett zusammen tretten und 2 unter ewrem mitteil von 
wesenen pfennigschaffers loszgeben, der eine ein auszlender, 
andere ein Rigescher, so da duchtich zu sein.“ 
2) Darnach setzet sich der elterman wider in seine 
lesset durch den knecht die vastellavendtsschaffere zu sich Ibr 
und spricht, sie haben gehört, was itz vermeldet ist, 
gemeinen bruederen anzumelden und 2 guete gesellen locszg 
Spricht darnach zu denen in der bencke: 
„Günstige herren elterleute und ehesten ! Wasz itz ^ 
ist, darauff wolle sich ein jeder bedencken und seinen - 
ablegen.“ Gibt der elterman seine erste stimme erstlich den^ 
lender oder dem Rigeschen, und so die anderen elterle^t^ 
ehesten auff der Hege, und kiesen also den ersten; gein^ 
die Hege wider an den elterman komptt, gibtt er wiederui 
erste stimme auff den andern, entweder Rigeschen oder aus 
(und soll billich keinen dazu genommen werden, er sey dan 
pfennigszschaffer gewesen) welch also die meisten stinnucu 
die seindt es. 
1 In der Vorlage auch in Klammern.
        <pb n="661" />
        Schwarzhäupter. 
641 
Wan solches geschehen, heisset der elterman durch den knecht 
beiden vastellavendtsschafifere kommen und einbringen, was für 
^ Suete gesellen die gemeinen brueder haben gekoren. 
3) Darnach stehet der elterman au ff, heisset dem knechte die 
^^ocke leuten und spricht uberlaut seine ander abspruch uberlaut 
Hlso: 
«Ich gebiete zu hörende Wir haben zwo gute gesellen zu 
*^^en zu fastellavendtsschaifers, so ihr amptt fleissig und woll 
'"^’■stan; da kiesen wir zu N. N. N. N.“ Hie gebürt nun dem elter- 
denselbigen, so der erste pfenningesschaffer gewesen, erst 
"^^zuruffen. 
Wan disz geschehen, setzet sich der elterman in seine vorige 
Und bencke und bespricht sich mit seinen mittelterleuten und 
^'^esten umb fullenkamene vastellavendtsdruncke zu halten und 
^^sett durch den knecht die vastellavendtsschaffer forderen, den 
^^'^einen bruederen sodanes mit vorzugeben ofte man vastellabendt 
^ halten geneigtt ist; wirdt sodanes abgestimmet, so hatt man 
pillen Schreiber nötig, sonst wirdt itz auch ein Schreiber gekoren, 
. eines jhars einen Rigeschen, das ander einen auszlender. So 
aber das sie wollen, das der Schreiber ausserhalb des öifent- 
fastellabendts nur ein gastebodt auff der compaignie thun 
"^elches er selbsz alleine thun musz, so kan man einen kiesen, 
holtt die Ordnung und absendung, gleich wie zuvor mit den 
^^Hlabendtsschaffers geschehen ist. 
Wan solches geschehen, settzet sich der elterman wider in 
Pfeile und bencke, und wan er ein wenig gesessen, stehet 
^ 'Vieler auff auff den platz bey der bencke, heisset den knecht 
^^lopffen und thut also seine dritte abspruch also. 
. »Dunstigen herren elterleute unnd ehesten sowoll ihr brueder 
«chwartzen heupter, samptlich alle! Weiln nun auch meine zeitt 
/ Hternianschafft nun fast vorbey ist, und wir dem gebrauch nach 
andern in meine stelle zu kiesen benötigtt seindt, so wollet 
/ "-^^ammentretten und einen ausz unserm mitteil, so noch kein 
i ^*^an gewesen, loszgeben, disz jhar einen auszlender, der a 
zu ist und dasselbe nachthuen, was/ ich vorgethan habe. 
L 4) Darnach setzet sich der elterman und lasset durch den 
. die vastellabendtsschaffer forderen und spricht: „vSie ha en 
was abgeredt ist, sodanes den gemeine» brueder» anzu- 
41
        <pb n="662" />
        Schwarzhäupter. 
642 
meldten und einen gueten gesellen zum eltermanne, so da duchtic 
zu ist, loeszgeben.“ 
5) Darnach heisset der elterman die ehesten, so noch heio 
elterleute gewesen, entweichen und sich bereden und einen 
ihrem mittell zum eltermanne loszgeben, so duchtich dazu ist* 
Wan die entwichen seindt, so vermanet der elterman se^^^ 
mitelterleute, auff welche diese wahll alleine stehett, das ein 
seine stimme nicht nach gunst oder ausz neidt oder hasz beson ^ 
redlichen ablegen, damit einer getroffen wirdt, die der bencke 
treuwe und der compaignie nützlich sein mochte, und hat also 
elterman seine erste stimme und so auff der riege nach gebur, 
also die meisten stimmen hatt, der ist elterman. 
1* 
6) Darnach wan solches geschehen, und die ehesten auc 
eingefortert, und ihren stimmen eingebracht haben, heisset 
elterman durch den knecht die vastellavendtsschaffer kommen 
einbringen, was die gemeine der schwartzen heupter lur 
elterman loszgeben; solches gescheende, stehet der elterman 
heissett dem knechte die glocke leuten und tuhtt also seine \ 
abspruch: ^ 
„Ich gebiete zu hören. Wir haben einen guten gesellen 
zu einem eltermanne, der diese löbliche compaignie soll 
stehen und dasselbe nachthun, wasz ich vorgethan habe; ila 
wir zu N. N.“ ypd 
Eetzlich stehet der elterman wieder auff neben der beiic j¡^ 
heisset dem knechte auffklopffen und spricht, welches dan a 
letzte und fünffte abspruch ist: ¿ef 
„Günstigen herren elterleute und ehesten, sowoll ihr bru^l 
schwartzen heupten, semptlich alle! Das ihr auff meine 
alhie erschienen seindt undt mihr folghafftich gewesen, 
ich flessig tanck mit widerbeger, wan hinfurter der ^ 
furbodt thun wirdt, demselben auch folghafftich zu sein* ^g* 
gehet die thur wider auff, so die jungens vorhin geschlos^^^^^^^^,^ 
halten haben. Der elterman aber setzet sich zu den ^^^y^ßlsz, 
und ehesten wider in die bencke und tancket ihnen g 
das sie ihm folghafftich sein gewesen, mit ferner bitte, &lt;^as 
newen elterman hernegest, wan ehr furbodt thun wit^b^ jet 
folghafftich sein wolten, fraget demnach, ob jemandt ^gi^et 
etwas vorzubringen hatt; wirdt aber nichtes vorgebracht, 
ein jeder seinen weg, und hatt diese wahll hirmit ein en
        <pb n="663" />
        41* 
Schwarzhäupter. 
643 
7) Volget ferner die Ordnung des newen eltermans. 
Nach vorgemeldtem walhl innerhall) achte tagenn begert der 
^cvve elterman, soferne er sich zuvohr dessen mit den elterleuten 
^efragetj das man furbott thuen wolle, derwegen lesset der newe 
^^^Grrnan im nhamen des newen eltermans kegen den andern tag 
^^thott thuen und sonderlich den beiden newen fastellavendtschaffers, 
tie sich wollen einstellen, gleich wie die alten gethan haben, 
briiche unnd peene wie zuvor. 
^an man den antern tag zusammen gekommen ist, setzet sich 
elterman mit samptt elterleuten und ehesten, jeder an seine 
^^Wonliche stedte, thutt seine tancksagung, das sie au ff seine 
J^^derunge erschienen sein, stehet auff und heisset den knecht auff- 
^^pffen und spricht: „Günstigen herren elterleute unnd eltestenn, 
ihr brueder der schwartzen heupten, semptlich alle! Die orsache 
^'^ses fürbotts ist, das der newe elterman hie zujegen auch etwas 
furzugeben, demselben wollett ihr zuhören.“ 
Darnach setzet sich der elterman in vorige bencke und stelle 
fordert den newen elterman in seine stelle zu sitzen, wan der 
newe elterman auffgestanden und sich hat in die stellet ge 
und dieselbe hat zum ersten maell bekleidet, wirdt ihm von 
jeden in der bencke glücke gewünschet. 
1 ^ an solches geschehen, hebet ehr an und spricht. „Günstigen 
elterleute und ehesten! Nachdem ihr mihr zum ehermanne 
so will ich euch hiemit gefraget haben, ob ihr mihr auch 
j,. ^Jarv'or erkennen und mihr folghafftich sein wollen. W an 
1. ja sprechen, so stehet ehr auff, heisset den knecht auff 
und spricht uberlaut also seine die erste newen eltermans 
"'Spruche: 
q "^'tinstigen herren elterleute und ehesten, sow oll ihr bruede 
^(^l'wartzen heupten, semptlich alle! W eiln ich vor wenig tagen 
^ ^liermanne bin gekoren, so will ich gefragtt haben, ob ihr 
Kudt dafür erkennen.“ bleibt also bestehende, bisz das sie ja 
^^Gbet denne mit lauter stimme wider an seine andere 
eltermans abspruche: 
»liieweill ihr mich da gudt fur erkennen, so habe ich altem 
.■'^“ch nach a ¡rute gesellen tu beysiuer zu thuen, derwegen 
C" zusamen,retten und a gute gesellen, so duchtlch dazu sein, 
Relien, einen Rigeschen und einen auszlender.
        <pb n="664" />
        644 
Schwarzhãiipter. 
¡tedte 
8) Darnach setzet ehr sich wider in seine eltermans s 
und heisset die fastellavendtsschaffere zu sich kommen und 
was abgeredt ist, das wollen sie den gemeinen hruedern 
tragen und 2 gute gesellen dazu loszgeben; darnach heist ehr 
kemerers entweichen und 2 gute gesellen zu beysitzern loszge )^^^ 
wan die entwichen sein, so hat der elterman frey einen be) si ^ 
zu kiesen, denen he will (doch das er ihnen bevorn den 
hat namkuntig gemacht, ob sie auch mit ihm zufrieden sein)- 
gibt er widerumb seine erste stimme dem andern beysitzer ^ 
und darnach au ff der riege nach gebühr; welcher den die me 
stimmen hat, der ists. 
o) Darau ff fordert der elterman die kemerers wider m 
bencke, und wan sie ihre stimme abgelcgtt, lesset ehr zugie 
fastellavendtsschaffer auch forderen durch den kn echt un 
bringen, was fur gute gesellen die gemeinen brueder ge 
haben, stehet der elterman also baldt auff nebenst der 
heissen dem knechte die glocke leuten und spricht mit 
stimme seine dritte ne wen eltermans abspruche: 
„Ich gebiete zu hörende. Wir haben zwo gute gcselk^^^^ 
thuen zu beysitzer, die der gemeine beste dieser löblichen 
pagnie sollen helffen befurteren ; da kiesen wir zu X. X.“t 
der erste pfenningszschaffer erst abgeruffen werden. 
10) Darauff setzet sich der elterman wider in die 
spricht: „Günstige herren elterleute und ehesten! Weiln 
nach altem gebrauch 2 kemerers bedürftig sein, also begC^^^^^^^ 
das ihr wollen helffen ordenenn zwo, so der compaignie mo 
dienstlich sein“, darauff sie ja sprechen. 
11) Darmit stehet ehr abermahll auff und tritt bey um 
heisset dem knechte auffklopffen und spricht seine vierdtc 
eltermans abspruche : jgf 
„Günstigen herren elterleute und ehesten, sowoH ü”” 
der schwartzen heupten, semptlich alle! Wir haben altem 
nach 2 guete gesellen zuthuen zu kemerers, alsz einen uu- 
und einen Rigeschen, wollen derwegen zusammen g¡d: 
2 loszgeben, so da duchtich zu sein.“ Darauff setzet 
widerumb in vorige stelle und bencke und heisset durch deU 
” . 'ht \\ C 
die fastellavendtsschaffere zu sich fordern und spricn 1 
1 In der Vorlage auch in Klammern.
        <pb n="665" />
        Schwarzhäupter. 
645 
^^^gereclt ist sodanesz den gemeinen bruedern fürzutragen und 
^ gute gesellen, so duchtich dazu sein, wollen loszgeben. 
12) Darnach vermeldet ehr elterleuten und eitesten, dasz ein 
J^Jer seinen stimmen wollen ablegen, damit zwo getroffen werden, 
duchtich dazu sein; legt also seine erste stimme ab und forts 
gebühr alle; die dan die meisten stimmen haben, die sein es. 
13) Nachmahlen lest ehr die fastellavendtsschaffers kommen 
einbringen, was die ‘ gemeinen brüder für gutte gesellen ge- 
haben, heisset also baldt dem knechte die glocke leuten 
^Ucl Spricht seine funffte newen eltermans abspruche: 
»Ich gebiete zu hörende. Wihr haben zwo gute gesellen zu 
zu kemerers, die dieser loblichenn compaignie bestes sollen 
"^issen; da kiesen wir zu N. N.“ 
H) Darnech setzet sich der elterman wider und spricht, 
"dunstigen herren elterleute und eitesten ! Weiln ich dan nun zum 
^^^riTianne angenommen und bestetigt bin, so v\ ill ich abermahlen 
^^beten haben, woferne ich hinfurter furbott thuen und etw asz 
^ hauses beste sein mochte, furgeben wurde, das ihr mihr 
^*^&gt;chfalsz die handt leihen wolten“; darauff sprechen sie ja. 
. ^5) Stehet darnach der alte elterman widerumb »ebenst die 
^^cke, heisset dem knechte auffklopfien und spricht. „Günstigen 
^rren elterleute und ehesten, sowoll ihr brueder der schwartzen 
^^^Pten, semptlich alle! Das ihr dem newen eltermanne folghafftig 
^^'Vesen seinn, dafür sage ich fleissig tanck mit fernerem begeren, 
der newe elterman ferner wirdt furbott thuen, ihm gleichfalsz 
^ghafftig zu sein“. 
. fraget demnach der alte elterman seine mittelterleute un 
^^sten, ob jemandt sey, der was vorzugeben hatt, ist dan nieman 
^•'handen, so gehet man seinen weg, und hat also diese wa 
ende. 
120. Schwarzhäupter. 
Schafferordnung aus dem 17* Jahrh. 
,, S'at.-Arch. Riga. Copie auf a Papierbogen in Foiio, Dornai^brif,: Orän.,^ 
'’or Alten löblichen Conpagnia der Schwartzen Heupter des 
neuwen Hauszes Schafferordenung. 
') Es soin die Sclmffer alten Gebrauch nach ihrren lischs 
gutt Acht undt Aufsicht aufs Hier undt Gelt habn auch
        <pb n="666" />
        Schwarzhäupter. 
646 
ohne sonderliche undt wichtige Ursachen nicht davon bleiben h &gt;' 
wilkürlicher Straff. 
2) Den Keller soll der Schaffer bey Sommerzeitten umb 
Uhr auf undt Seigers 5 widerum zuschiszen,* desgleichen &lt;- 
Abens umb 6 Uhr widerumb auf und Seigers 9 widerumb^z^ 
schiszen* laszen. Zu Winterzeitten aber sali der Keller umb i 
auf undt des Abents umb 7 Uhr zugeschoszen ',** auch deme selbe 
auszerhalb der Zeit nicht offnen bey Poen 30 Mark, so offt so c 
geschiehet. , . 
3) Auch soll der Schaffer nach der Predigt halb 4 bJhr s 
allewegen einstellen, wan man schaffer kieszet; hernacher, ' 
die Schaffer gekorn, soll der Keller umb 9 Uhren geschosze 
werden bey Poen (10?) Mark. 
4) Es sol auch der Schaffer guett Bier zu schaffen vorpUl^ 
sein, also das esz auf der Conpagnye bestehen kan, undt ^ 
vor jedes Glasz Hier 4 weisze Schilling empfangen. So er 
das Hier zu geringe gebrauwen oder bestellet hette, undt 
Cemmer ihn der Eille kein anders ^ bekommen wüste, s( 
deH) 
dem Schaffer vorsz Glasz nicht mehr alse 3 Sch. gegeben wer 
doch vorbehaltlich, die Vorenderung des Taxes soll nach ad\au 
der Zeit von den H. Ellerleutten gesetzet werden. 
5) Das Hier soll alle Zeit des Dingstages zuvorn. 
ehe 
(1er 
iJati IMUI auii rtiic /.ciu VICO . Jrey 
Schaffer anfehet zu schaffen ihn Beisein beider Cemmer uni 
Schaffners geschmecket werden, auch wirdt dem Schaffer, 
Hier eingeprowet, zugelaszen cwee gutte Freunde seinen“ be 
mitzunehmen undt auszerhalb dar keinen Gast mehr bey 
30 Marek. 
6) Esz soll auch der Schaffer bey seinen HierschmeckeU 
Uncosten mit sonderlichen Gerichten machen, denn nur alleiu 
Gerichte (auch kein Nebengericht noch gelbe Kringeln), es 
Suppe oder Krebs; auch sol das Hierschmecken nicht 
eine 
wahren als bis halb ein Uhr bey Pohn 50 Mark. 
vvan 
er 
7) Ferner soll auch kein Schaffer sich unternehmen, , . 
.. einer* / 
mit seinen gebeten Gesten an der Schaffer Tischs sitzet, mit 
* Hier wäre schliessen, ** zugeschloszen resp. geschloszen zu lesen. 
1 Von anderer Hand: werden. 
2 Von anderer Hand: zu. 
* Von anderer Hand: den. 
4 Von anderer Hand : sie.
        <pb n="667" />
        Schwarzhäupter. 
647 
KGl)ratten oder andere köstliche Speisze sich zuvorthun, den nuhr 
l^it Hutten, Kesz, Hutter undt cweiback undt treugen Laxs, welche 
Seinen Schaff vorginnet sey, wie dan auch dasselbe ihn keinerley 
cisze ihn die gemeine Gelage oder Henken zu schicken, auch den 
^^hlüszel vom Schaff an keinen von sich geben noch vortrauen, 
^^szbenohmmen ihn beide oldestenbenken, da es von ihnnen be- 
&amp;^hrt Wurde, bey Poen 60 Mark, so offt solches geschihet. 
8) Der Schaffer soll auch teglich das Gelt, so er empfenget, 
nach Mittag umb 5 undt abends umb 9 Uhr ungeszehlt ihn die 
so ihm Keller stehet, zu bringen schuldig und vorpflichtet 
^^’n bey Poen 30 Mark, wo von die beide Cemmerer undt Schaffer 
jeder seinen besondern Schliszel haben soll. 
9) Mehr Hier soll auch der Schaffer nicht laszen eintragen, als 
Zu schaffen vormeint; so er aber mehr eintragen liesz, undt sein 
ll'tschaffer damit nicht zufrieden were', oder solches auf sein eigen 
husten wider ausztragen laszen. 
:o) Esz soll der Schaffer den Tregern von jeder Ton Hier 
^ zu geben schuldig sein undt dieselbe nicht auf der Conpagnia, 
^^dern ihn seinen eigen Hehauszung zahlen. 
*0 Wan Schaffer gekoren werden, soll ein jeder sein Glasz 
8ier ¡uut -- . . « iliV heide. olteste- 
, — gesetzter Taxe bezahlen, auszgenohmen die beide olteste- 
h vor welche die beide Cemmerer vor ichliche 6 ... zahln 
vor welche die beide L^emmcrci v^i 
undt soll das Gelt, welchs den Abendt über auf dem Hausze 
^^ffunken wirdt, allein gelegt werden; was auch diesen Abendt 
^^••uck geschafft, soin beide schaffet zugeleich ertragen undt erlegen. 
^2) Auch soll der Schaffer sein Hier, welchs er über seinnen 
Inches trinket, zahlen, auch keine Macht haben, jemandt an seinen 
den Wilkommen zu geben, es sei dan ein Fremder, bey oen 
^urk, so offt solches geschihet. 
. *3)Esz soll ahn Wiszen undt Wilin' des Eltermans kein 
von hinnen zihen, er hab(e) dan zuvorn angemeldet, wer 
Schafferey vorwalten soll an seine Stadt, 
f l H) Wan nuhn die Schaffer ihre Schafferey vorrichtet, so ' 
'senties Tages fur 9 Uhr ihn Beisein beide(r) Cemmer(er) Rech- 
"8 'hun; auch sol der Schaffer dem Hausze geben, was demselben 
stehenden Buchstaben sind von späterer Hand 
'"'»Wglrt.
        <pb n="668" />
        648 
Schwarzhäupter. 
geburet, einen jeden brau wer das Gelt durch den Knecht datH&lt;^ 
zu Hause schicken; un dt soll bey der Abrechnung kein Uneoste 
auf jeringk geschehen, weder an Eszen noch Trinken, bey 1 
30 Mark. 
15) Cdeicher Weisze soll auch der Schaffer gutte Aufsieh^ 
haben un dt den vorordneten Spi(l)leutten an keinen andern 
ihren Tische, Hier reichen lassen; ebener Maszen soll auch keine 
an 
anderm, der sich an ihren Tischs würde finden, kein Hier g^geh 
werden bey Hohn 5 Mark, undt sich ihren gegebenen Ordnui R 
nach ihn allen Vorhalten. 
16) Im (ieleichen soll auch keinen Ratsdiener Hier an kein 
andern Ohrte dan bey ihren blocken (?) gegeben werden 
Hohn 5 Mark. 
17) Wan nuhn der Schaffer ihn obbenanten Hunckten st raff 
erfunden wurde, sol(l)en beyde Cemmer solche Straff von ihn 
fodern undt empfangen; wofern sie aber hirein seumig sein 
undt solches Elterleutten undt Ehesten vorkeme, sollen die 
g-ebeii 
merer die Straffe, so der Schaffer vorfallen, selbsten zu 5 
schuldig sein. 
18) Ferner soll keiner sich unterstehn, (sich) auf Hause 
dem Degen niderzusetzen, sondern denselben deine Hauszdiner 
der es von ihm begehr(t), datlich abgeben bey wilkürlicher Stt 
von welchem er denselben Degen wider abzufodern bemech k 
wan er weckgehet. 
19) Kei(nem) Handtwercker noch Soldat soll zustehn uu 
Hause zu gehen, ohn was aber Officirer sein bis zum ^ei 
inclusive. 
20) Keiner soll sich unterstehn auf dem Hause 1 
trinken, noch ihn Karten undt mit Wurffein zu spilen, auszget^ 
am langen Tischs 3 Spil(e) ihm Hrette doch ohn Gelt, undt 
Hier ihm hirbey gefolget werde. Des (Gleichen unten ik*tt 
ihm Klotzban undt Hilkentaflfel unib Gelt zu spilen nicht 
laszen sein soll. „ 
21) Keiner soll sich gelüsten laszen dem andern mit sp 
Worten anzustechen, viel wenger sich an ihm zu vorgredf^^’ 
hoher Straff(e). ^ 
’ eici’^^’ 
22) Ihm Zutrinken soll keiner dem andern sein (Hasz uberrc 
sondern vor sich behalten, viel weniger ewingen auszzuti lU
        <pb n="669" />
        Schwarzhäupter. 
649 
23)' Dafern einer auf dem Hausze, es sey, wasz Condition er 
zu einige(n) ()fficii(s) berufifen undt gewurdiget wirdt, sol er 
Riehes tre(u)wlich, unvordroszen vorrichten bey wilkürlicher Straff; 
' widrigen sol er mit Namen (alter Ordnung nach)'* öffentlich 
das Hret gemallet werden, kein Hier (ihme) gelanget (werden), 
J^Woll im teglichen Zusamenkünften, als auch sonsten, (er soll) 
^ Hauszes sich gantz enthalten, bis er sich mit den Elterleuten 
^dt Eltesten abgefunden undt sol(l) dennoch gleichwoll zahln undt 
^^^tten, was die beide Gern mere seines gekorn Officium halben 
Achten oder konten auszgegeben (haben)^ 
_ ^4) So auch jemandt, er sey wer er wolle, mehr Hier alsz er 
, der Handt bedecken kan, vorg(i)eszen oder vorspillen wurde, 
^ ^Selbe soll, so offt solches geschihet, den armen 6 Schillinge ihn 
^ f^uchse vorfallen sein ; dafern er sich dasselbe zu geben wegern 
^’^de, soll ihn ferner kein Hihr mehr gelanget werden. 
^5) Dafern einer befunden (wurde), der sich ihm Trinken nicht 
^^igen kan, besondern die Gabe Gottes uberfliszig genieszen 
dadurch geewungen, mit Reverentz zu melden, von oben sich 
entledigen, derselbe soll hechlich gestrafft werden; auch soll 
^ nicht frei sein auf dem Hause zu schreiben noch zu juchtzen, 
^^ern sich der Erbarkeit befleiszigen. 
26) Des Gleichen soll auch keiner auf ungebührliche Orter 
j *^derlich auf der Vortreppe sein waszer abschlan bey 1 on 
^ ^ark, so jemandt betroffen wirdt. 
27) &lt; Es soll sich keiner unterstehn aufm Hausze zu kommen, 
^ dan van Vatter undt Mutter echt undt recht gebohrn; so- 
sich aber solches untersteht undt es kündig wirdt, soll er 
*^dich heruntergewiszen werden. 
U "8)8 Das diese alle undt jede obgeschriebene Puncta auf dieser 
^01] Con])agnia fest undt unvorbrüglich mugen gehalten werden, 
Jlj, ^uch beiderseits Cemmere sowoll der grossen Gildestuben 
tjj schwartzen Heujiter allen undt jeden Schaffern, wan das 
^'"geschmeckt undt die Rechnung gehalten werden, diese 
hw ' ^'esen Artikel hatte der Abschreiber übersehen und später am Schlüsse 
7«geben. 
Steht in der Vorlage auch in Klammern. , , , 
^ d» VoHa^ swmd amk^r Ha^ amigestnd^n 
^''geschrieben. 
von den»:lben Hand: jOzAMT 
anderer Hand in 29 corrigirt.
        <pb n="670" />
        Semischgerber. 
650 
Ordnung nach allen Punkten vorleszen. ln Entstehung cleszen so ^ 
sie mit den Schaffern, die sich eins dieser Punkten würden 
setzen, nach Gestaldt der Sachen gleicher Straffe vorfallen se 
Wornach sich ein jeder zu richten undt vor Schaden zu hutten 
thuiin 
121. Semischgerber. 
Schrägen vom 9. Mai 1579. 
Schragenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Bl. 75 79’ 
Der semischgerer schrägen. 
Wir bürgermeistere unnd rathmanne der Stadt Ri^‘*^ 
kündt vor üns ünnd unsere nachkommen, demnach üns die 
liehen meister unnd gesellen des semischgerer handtwerckes 
einer Ordnung unnd constitution, wie es unter ihnen gehalten " 
solte, unnd sie sich darnach zu richten haben mochten, 
Zuteilen flelssig ersuchet unnd angelanget, das wir ihnen, ¡¡¡geO 
unsern, in dem zu wilfaren erachtet unnd im nhamen der 
dreifaltigkeit durch unsere verordentte amptherrn, als herrn 
Ficken ' unnd herrenn Gerdt Hudden \ nachfolgende Ordnung 
Constitution ihnen geben unnd mitteilen lassen, lauten 
artickeln zu artickeln wie folgt. 
1) Es soll umb das ander Jahr ein olderman gekaren 
dieselbige ^ soll zwe jhar die eltermanschafft furstehen tin 
walten, welchem soll ein beisitzer zugegeben werden, nn 
zur laden zwo Schlüssel wesen, darvon einem jedem soll ein 
geben werden. 
2) Item es soll der elterman alle (¡uartal des jares &lt; ‘ ^ 
verbotten lassen, als auff ostern, Joann is, Michaelis unn 
nachtenn, unnd soll ein jeder meister auch zu jedem (luartn 
ferdingk in die lade geben. ^ 
Item man soll alle monat mit einer verschlaten busse j|g 
ghan, darin ein jeder meister drey schilling unnd ein jet gg- 
einen schilling geben soll zu hülfe unnd steur den arinei ^^i^ 
ordeden anipts sie in ihren noeden darmede zu entsetzen^ ^ßgf 
sich des begeben muchte, unnd soll zu solcher bussen i^’ 
man einen schlussel haben unnd ein geselle, so darzu 
und soll der jüngste meister unnd oldeste geselle daritiit 
1 Vergl. S. 471, Anm. 3. 
^ Vergl. S. 387, Anm. 2. 
3 der selbige!
        <pb n="671" />
        Semischgerber. 651 
4) Item SO einer die zusammenkunfft des ampt ausserhalb der 
'l^artall begert, der soil eine marck Rigisch in die lade geben. 
5) Wan der elterman ein verbott thuen lest, unnd jemandts 
meistern oder gesellen zu spete kerne, soll geben i ferding; 
aber gentzlichen aussenbliebe, soll geben Vg mrc., es sey dan, 
er erhebliche Ursachen dem olderman anzeige unnd darthue; 
das ampt zusammende ist, so soll einer dem andern nicht 
^^Gnthch oder unbescheidentlich in sein wordt fallen, nicht lugen- 
^^^ßen noch mit unbilligen Wörtern bejegnen bey peen sechs marck. 
Es soll auch kein meister dem andern sein gesinde abspennig 
^^hen bey peen 6 marck. 
7) Item so alhier jemandt, welch im ampte ist, einen andern, 
handtwercke oder ampte nicht were, wolte stercken unnd 
pflichten und zum arbeide befurderen ohne des ampts consent 
fülbordtt, der soll verbrochen haben drey marck. 
^ So alhier eines meisters sohne sich befreyen wolte, dieselbe 
^ befreyen, das er die gildestube muege besitzen unnd soll 
amptkoste, wie hernach gemeldet wirt, verschonet unnd 
in die amptlade 18 mrc. zu geben schuldigk sein. 
Soll es auch also unnd gleicher gestalt mit der meister 
wenn sie zu bestatten, gehalden werdenn. 
widtfrauwemi. 
^ So eine widtwe sich widerumb in unsere amptt befrejenn 
So soll es gleich, wie bevor mit denn meisterssohnen unnd 
^ren vermeldet, gehalten werdenn. 
*0 Wan ein meister stirbet unnd einen jungen in der lehre 
ha ' soll bey der widtfrawen bleiben, soferne sie bey dem 
a.'^.^^'^ercke bleibt, sonsten magk er bey einem andern meister 
^ ^''nen. 
, So eine widtfraw in unserm ampte were, de einen gesellen 
% kette, unnd ein meister zwey oder drey gesellen kette, 
foi (1er einen begerete, so soll ikr der meister den gesellen 
ohne inrede, unnd die widtfraw soll alle quartall 
^‘ch einem fr.* dem ampte in die lade gebenn, wie es sich 
und gebhuret, auff das ihre werckstette nicht verhindert 
^■688 " Vorlage 1st das Werthzeichen undeutlich; im Schragenb. Nr. 499, 
®(®ht: Ferding.
        <pb n="672" />
        652 
Semischgerber. 
Von gesclloi. 
13) So ein gesell des semischgerer hancltwerckes ivus 
Niederlendischen kreise wanderen kerne, dieselbige soll sich in 
krugk verfuegen unnd nach einem gesellen oder dem jni% ^ 
meister schicken, die sollen nicht über eine stunde von ihm b 
bey peen i mrc. straffe ; unnd soll sich der geselle, so fren ^ 
angekommen, den meistern durch dieselbigen ankundigen 
die sollen ihme vierzehen tage arbeit geben zur proba; kan er ' 
dan vor einen vollenkommenen gesellen bestehn, so soll 
sellenlohn empfangen; im falle das er nicht für einen vollenkom 
gesellen bestehen kan, so soll er sich zwe jhar bey einem 
begeben und das handtwerk fast lernen; die meister niagk 
geben, wie sie es under sich kennen eins werden. 
14) So auch ein gesell einen feir- oder werckeldagk 
und in der wochen hilligk dagk ist, so soll man ihme den hei 
tagk abbrechen mit dem montage an seinem lohne. 
15) Es soll kein gesell, so mit Unwillen von einem 
gehet, bey einem andern meister nicht arbeiden bey .jjgß 
marck; unnd der meister, der ihnen ohne vorvvissent unnf 
des vorigen meisters auffgesetzt hatt, soll geben sechs marc 
16) So ein gesell oder junge im sterbende auszoge o 
seines meisters haus kranck wurde, so lang, als der aus 
kranck gewesen, soll er nachdienen, bis seine versprochen 
gantz umb ist. 
17) Es sollen auch alle die gesellen, so unsers anipts 
seint, bey uns angenommen unnd gefurdert werden. 
Von ineisterkindern tmnd jiingen, so das handtivcy^'^ 
lerne7i wollest. 
18) Es soll ein meister zur zeit mann einen jungen daS 
sohu(^ 
ha 
Iteii- 
halten bey peen 10 taler, unnd so ein meister seinem 
handtwerck lehret, so magk er gleichwoll einen jungen 
eil 
iltlllULWCI L-IS. ICIIICL, aw iUfV^fv v^ii J w 
so auch ein meister einen sohne bette, deine er das hai ^ 
bey sich im hause nicht leren künde, den magk er vvol b 
andern meister zu lernen thun, der nebenst demselben g 
der 
so 
,11 
einen jungen halten magk. 
19) Wan ein meister will einen jungen annheinen, deii 
einen annhemen, der dem handtwercke gemesz ist, unn
        <pb n="673" />
        Semischgerber. 
653 
Selbigen under dren jharen zu dienen nicht annhemen gleicher 
^^stalt bey zehen taler, er magk ihnen ein monat zeit versuchen 
darüber nicht auüThalten; unnd der junge soll fur der laden in 
^^•seinn des gantzen ampts angenoinmenn werden, unnd soll der 
zwo bürgen habenn, die ihn verbürgen, unnd soll geben 
**ien halben taler zu vertrincken; unnd wen der junge ausgelernet 
So soll ihme sein lehrmeister ein ehrkleidt geben oder dreissigk 
^^fck Rigisch unnd sprechen ihnen furm gantzen ampte losz, unnd 
^ derselbige bey uns zu bleiben gemeinet unnd willens ist, so 
er ein wanderjar haben, das er bey einem andern meister 
deciden magk. - 
20) Nach ausgange des wanderjahres, so der geselle, welch 
Uns sein handtwerck gelernet oder sonst ein ander, der es 
*cht bey uns gelernet hat, sich alhier insz ampt wolde befreyen, 
Soll er noch ein jhar alhier bey einem meister dienen, ehe dan 
Geister werdt, und soll anfengklichen des ersten seines dienst- 
die erste ampteschinge bey dem ampte thunn und geben 
ferding in die laden über ein halb jhar darnach soll er die 
^■^ilere eschinge thun und auch sechs ferding in die lade geben, 
im latesten (¡uartall soll er die dritte eschinge thun und auch 
in die lade geben, das also drey eschingen geschehen, unnd 
r mrc. in die laden gebe unnd darneben eine ehrliche ampt- 
thun, nemblich zwe tunne hier, einen schinckenn, zwey 
*^&amp;en, zwey metwurste, einen guten bratenn unnd sonst ein gudt 
^^•■•chte unnd soviell brodts, alsz nottigk, welches alles durch zwey 
^Urne schaffer eingekauft werden soll; da es aber die meistere 
handtwerckes fur gudt ansehen wurden, das der ankommender 
ister die vorgemelte amptkoste mit gelde oder einem billigen 
^*^^gk lösen mochte, soll zu ihrem gefallen stehen, unnd sie sic 
tig ein pilliges mit einander vergleichen, er soll auch in 
.^selbigen jare seinen gebortsbrieff nebenst seinem lehrbrieffe 
""^Ogen unnd sich also befreyenn, das er die gildestube muge 
^Sitzen. 
ein 
, «'•halten; 
dienen 
junge seine lehrjär nicht aüsdienede und das hantlt- 
so soll der meister viertzehen tage ohne jungen 
kumpt der junge in 14 tagen wieder, so magk er 
bey seinem meister unnd keinem andern d.enen, 
Uber .4 tage ausz, so magk der meister emen 
annhemen; unnd soll der verlauffene darnach bey 
keinen jilatz haben in dieser Stadt.
        <pb n="674" />
        ^54 
Semischgerber. 
jüngsten meistens sampt zwen gesellen die leich zur erden 
26) So ein meisten aus andern örtern zu uns keine 
22) So auch ein lehrjunge bey nach[t| Zeiten auflf ungebuhMC ^ 
orten schliefFe, dieweilln er in der lehre ist, ohne seines meist 
vorwissent, der soll von den meistern, gesellen oder cump 
kundt gethan werden; so vaken sodans geschieht, soll er g 
I marck. . 
23) Es wollen sich die amptsgenossen auch das schmi ^ 
unnd alle ferbe nach dem alten zu gebrauchen frey furbe 
haben nebenst dem gerende mit träne, so woll weiszgerende 
corduwan. ' 
24) Der jüngste im ampte soll schenken unnd das ampt 
baden, wan sie zu häufte kommen, bis er von einem andern J 
meisten verloset wirdt, bey peen i marck. 
25) Wan einer aus dem ampte oder handtwercke stirbt, 
der, die leiche im hause hat, den elterman umb das ampt hegt 
zur begrebnus, unnd soll der elterman das verbott thun 
als were sonsten etwas im ampte zu thund, unnd sollen die 
unnd 
eigenen rauch gehalten, derselbe soll bey unsz nicht aufgeno' 
werden, er thue dan mit eine ehrliche amptkoste wie ander 
sich newlich bey uns gesetzet, gethan haben, unnd soll 
darneben in die lade geben, darmit das ampt nicht werde ' 
theilet unnd verdorben. ^ 
ordn^”^ 
27) Letzlich wer sich nicht billig nach inhalt der &lt;■ , 
unnd Satzung unnd erkantnus des ampts gebuerlichen will 
oder straften lassen, wan ers verdienet hat, der soll geben 
marck ohne jennige gnade und dennoch sich mit tle'i’ 
vertragen. ... , a .uen'd^' 
Des soll ein jeder meister mit der burgerschaftt nn 
liehen dermassen pilligk handeln, das einem erbar rath 
keine klage furkomme, oder die amptherren sollen jeder 1*- 
sie gebuerlich zu straften, und sollen von allen bruchen, 
ampt in die lade oder busse samlen, der halbe teill einem 3^0 
rathe fallen, der ander halbe teill dem amjite doch ausserh'^^^^^^^. 
gelde; was das ampt vor die lehr unnd esching empfang^*^^ 
soll dem ampte allein bleiben unnd jerlichs zwey mhall n 
unnd Michaelis darvon rechenschaftt geschehen, auch sonste 
1 Am Rande von späterer Hand: Worumb [(ii]e JVrísgé’fbcf' 
wanbereiter f n jicht ein Ampth / ha]ben ?
        <pb n="675" />
        Sporer. Stadtdiener. 655 
^’■*^arn rath allewege in dieser Ordnung die oberhandt vorbeheldtlich. 
et datum sonabendts vor Jubilate (9. Mai) nach Christi 
^asers herrn gebuert funflfzehenhundert unnd darnach im neun 
siebentzigsten jhare 
^Msz dieser vorgeschriebene Schrägen in seinen Puncten und 
'^bculn, wie bawen gemeldet, also vom ganzen ehrbaren Rathe 
verordneten Amtsherren zu setzen, zu ordnen und einzutheilen 
^^Grleget und befohlen, auch folgendes gewilliget worden, bezeuge 
Johann Tastius*, der Stadt Riga Obersecretarius, mit meiner 
^‘genen Hand. 
SJ 
Sporer-Gesellen, 1581, 
Schlosser-, Sporer-, Hüchsenmacher- und Uhrmacher-Gesellen 
vom Jahre 1581. 
5 Sporer, 1593, 
‘ ^hlosser, Sporer, Büchsenmacher und LIhrmacher v. Jahre i593- 
122. Stadtdiener. 
Schrägen vom 24. Juli 1415* 
boi,. ^‘^‘li-Arch. in Riga (Inneres Kathsarchiv), l'ergainentheft, 8 Blätter, mit Eichen- 
Inij^keln, ,7 cm. hoch, 14 cm. breit, i'/2 Blätter sind unbeschrieben. Die erste 
Vçj. . ^ in blauer Farbe ausg^eführt, die Anfangsbuchstaben haben eine ri t e 
^'■halten. Der Schrägen ist auf Linien geschrieben, von denen ^ 
ü| , '8 befinden. Vergl. Schragenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Altert . 'K » 
Die Überschrift des Schragens lautet: Eins erbarn 
Nr ^^^^bwornenn dienet- Schragenn. Abg. Liv-, Est- u. C urlän . r »., 5» 
■ ’979, 
(| ^lonie namen der hilghen drevaldi|he|it^ amen. Na dem male, 
(| Armen elenden in erer crankheit eres lesten in den werken 
üu ^^^'^Atcherticheit groten mistjueme lyden, also dat ere lieh name 
begrubnisse unnd der seien dechtnisse jamerliken werden 
^^,^^Hget to der erden, so hebbe wy, *geswaren denere der Stadt* 
’ Schragenb. der Stadt Nr. 499, S. 696 bildet den Schlusssatz dieses 
^^^ensifrsien. 
^othführ Die Rigische Rathslinie, Nr. 514. , . ^ , 
j Stelle der zwischen eckigen Klammern stehenden Buchstaben befindet 
‘ier Vorlage ein Loch. . ^ . 
Dk »wisch.™ Sicmcn stehende™ Worte sind von späterer linnd auf et.e 
^•elle gesehrtebe™.
        <pb n="676" />
        656 
Stadtdiener. 
Righe, dat angeseen unde hebben mit volbort unde rad eder 
vorsichtigen manne, heren borgermeistere unde des gheme) 
rades der vorbenomeden stad Righe, umme der armen e e 
wanderden ghesellen willen *unde eren zelen szahcheyt , 
anderen landen unde steden hir körnen unde na deme willen 
in elendicheit hir aflivich wjerjden, unde umme unser eg 
unde aller anderen guden lude, beyde man unde vrou[w]en, 
wyll|ejn, se dar sustere unnd brudere sin und werden 
schreven gilde, ghestichtiget unde gemaket ene kumpnnie 
ere unde werdicheit der benedieden juncvrouwen Marien, g^^® 
de gilde unser leven vrouwen, mit etliken notroftigen punten 
artikelen to holdene van den kumpanen und broderen 
to tröste den seien derghenen, de dar ut vorstorven syn 
alse hir nagheschreven steit. 
Int erste weret, dat jenich *dener, de noch nyen 
der gylde were unnd in (iodt vorstorve* vorstorve', so sc 
kumpane der *broderscop* mit den anderen unsen gildebr 
synen lieh am dorch der werke willen der barme|herti|c 
Steden to der erden van synen naghelatenen gude in&gt; ^ 
lichten unde boldeken, dar schal eyn islik bruder und 
körnen to vilien unde selemissen to offerende bi twen mut 1 
wassis. 
2) Item so schal de olderman desser gilden bestellen 
kerkhere to sunte Retere, dat he myt synen presteren, 
alse em de olderman het efte enbñt in unser leven vrouv' 
ne 
tier 
na der vesper to sick to nemende, to synghende ey 
vilie unde des anderen dages selemissen to tröste der s 
vorstorvenen brodere unde sustere desser gilde, unnd 
islik bruder unde suster tokomen unde offeren by 
markpunt wasses. 
bruder edder suster vorstorvet 
to 
ute 
der 
vil'^ 
3) Item wanner eyn — 
gilde, dar scholen de anderen brfidere tokomen to 
unde besteden dat lik to der erden unde komen to der s (¡{de- 
und offeren bi broke twe markpunt wasses vorenejevve 
4) Item were, dat en bruder edder suster storve hyr**’^'^ 
id were, wor dat it were, den sal man began, geliik eft 
1 Die in Klammern stehenden Zahlen sind den einzelnen Arlik 
von späterer Hand hinzugefügt. 
^ voj'StoKve ist im Original ausgestrichen. 
Orii 
iiia'
        <pb n="677" />
        42 
Stadtdiener. 
657 
*^ndes gestorven were, so verne alse men dat dem oldermanne to 
"'etene dont, unde dat sal de olderman den anderen bruderen laten 
'^J'kundigen, unde scholen dar to körnen bi broke 4 mark punt 
"^sses de begenknisse to donde mit vilien und missen. 
5) (2) Item so sy wy, *vorbonomede denere unnd broderhe* 
^sser gilde, mit unsen anderen ingekomenen bruderen und sustere 
^^^Gengekomen, dat desse vorgerurde gilde unser leven vrouwen 
hebben enen olderman, de dar sy eyn * broder dusser gilde ofFte 
^^nher* der vorbenomeden stad Rige, de schal hebben den slotel 
^ der laden unde sal hebben twe bisittere, de ene sal sin en 
^kenher* unde de andere van den anderen bruderen der sulven 
^dde, de schal ok hebben enen slotel to der sulven laden, dar de 
dormán den slotel tho heft, dar se scholen mede besluten, wes der 
van gelde to behorende is; also to vorvvarende, alse de 
^ derman dar rechtverdighe rekenschop van don wil, wen des de 
|^*^pane der *ghildhe* mit sessen der anderen brudere der sulven 
de na vulburt der gemeynen brudere begerende sint. 
(3) Item wanner de brudere enen van den *broderenn , 
^ Vorschreven is, to oldermanne kesen, de sal dar nicht wedder 
sep-,v._ 
by 4 markpunt wasses. 
^ 7) (4) Item so sal desse olderman mit vulbort siner bisittere unde 
Sç de he dar to teen wil, richten alle broke der gilde, wo 
^^1 ^*^kt en sin to vorvange deme rechte der stad, unde sundergen 
irl ^*chten de broke und punte, de eme van deme rade vor- 
synt to richtende, alse se vore unde hir na geshreven stan. 
(5) Int erste were, dat jemant den olderman vorspreke efte 
l^^j^*^^diken strafFede, de scholde unde sal hebben gebroken en 
^^*ves punt wasses. 
lat Rem sal de olderman den bruderen und susteren toseggen 
ay körnende in de vorgenomede gilde up unser leven vrouwen 
Se T* hemmelvard, in dat hus, dat dar to beret is van den 
^/'*^luden der gilde, unde dar temeliken to drinkende, de wile de 
wäret sunder vullen unnd halven bi ener mark wasses, so 
Send n ullen unde halven drunke den anderen dar mede to node- 
^ ^Rg to todrinkende. 
lijjj (7) Item so sal nemant in de gilde gähn, de wile de drunke 
wäret, mit mesten eFte mit anderen wapen bi broke 
*^‘^''kpunt wasses.
        <pb n="678" />
        658 
Stadtdiener 
11) (8) Item so sal nemant drinken in der gilde alse 
he dar van weddergeve edder anders ovele bekome bi di*en 
punt wasses. 
12) (9) Item so sal nemant beer luttik edder vele wreve 1 
utegeten, he si man efte vrouwe, bi twen markpunt wasses. 
13) (10) Item weret, dat jenich gildebruder efte suster de fU 
wreveliken vorsete efte spotliken vorsumede, den schal de o 
laten twye vorboden by broke ener mark wasses; so vakea^ 
dat bot vorsete, unde so denne to deme drudde male sal e e 
laten vorboden bi vorboringe der broderschop der glide; 
he denne nicht entjueme, so scholde men ene nicht meer 
vor enen broder edder suster der gilde. 
14) (ii) Item weret, dat jenich broder krank were efte 
suster krank efte so unleddich were, dat se to den drunken^ 
künden komen, so vere se doch ere plicht deden, so scha ( ^ 
ere beer senden to hus. ^ 
15) (12) Item welk broder edder suster, de enen gast 
de gilde, is it eyn man, dar sal man vore bringen up 
artighe, is it ene vrouwe, 4 Lubesche, bi broke ener mar " ^ 
in 
icien 2 
16) (13) Item welk man under den broderen wert 
schenken, doit he des nicht efte unwillich dar to is, de 
twe mark wasses ; we ok, dat he dat he na hete des ol Ç 
nicht en schenkede unde na syner mannige ' den 
broke nicht wolde betalen, so schal men ene wysen ute 
unnd nicht mér vor enen broder darynne to holdene. 
17) (14) Item were, dat jemant myt wrevele ginge ute 
der 
unde des oldermannes bod drye vorsete by broke 3 
mark 
to islikem bode wedder to körnende, sine gilde unde sinÇ 
hro 
(ler 
des 
schop to holdene vort unde to deme drudden male na -- 
mannes bode nicht wedder (¡ueme, den sal de man ^ ^ 
broder efte suster der gilde mer holden; we der welk me ^ 
der tiid in de gihde ^ bede, de scholde hebben gebroken . 
wasses. 
18I (i&lt;) Item wan de olderman orlof gift, is dar jema 
de veide heft, den sal de olderman laten belciden mit 
broderen; spreke dar we wedder, de den man nicht 
beleiden, de solde hebben ghebroken 3 markpunt \Nas' 
de, 
1 Schragenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth.: verntanni^e- 
- Von anderer Hand an den Rand geschrieben.
        <pb n="679" />
        Stadtdiener. 
659 
19) (16) Item were, dat twe unser brodere edder sustere to 
Sârnene k y vende worden, wordet geclaget vor der tafelen deme older- 
’^änne, so solen de kyvere’ malk i ore leggen vor den olderman 
de tafelen; we recht wert, deme sal man sin gelt wedder geven, 
^nde des anderen gelt sal man leggcn in de bussen; we dar- 
"^dderspreke unde des nicht wolde don, de solde hebben gebroken 
^ ntarkpunt wasses. 
20) (17) Item were, dat een deme anderen unlust dede efte vor- 
bynnen unsen drunken, de solde beteren 6 markpunt wasses. 
21) (18) Item were, dat jemant unser glide begerende were 
^^ynne broder tor werdene, de en * denerhe * were, de eer in der 
Süden nen broder geweset were, de scholde geven 2 ore. 
22) Item were jemant der gilde begerende, man efte vrouwe, 
keen *dhenher* efte *dheners* wif were, de man solde geven 
^ intogande unde de vrouwe twe ore. 
23) Item* welk vromede piper efte speleman, de desse vor- 
^^hreven gilde nicht gewunnen heft, de sal geven van islikem 
^^fîste, so vaken he denet, it sy to brutlachten efte anders wor, 
tnark wasses. 
24) Item were, dat jemant van spelluden, de brudere weren 
]^^Gr giuien, krank worden unde in erer krankheit armut leden, 
, Solde men lenen enem isliken i ferding ute der bussen, worde 
^ gesunt, he sal en betalen; storve he, so schal de men nemen 
^üder van synem nagelaten gude. 
25) (19) Item so schole wy holden unse stevene to twen tilden 
üeme ' ‘ 
^^me jare, enes to unser leven vrouwen dage vorschreven bynnen 
^ ürunken unde ens in deme anderen sundage in der vasten, 
« -1*1 1 
Punt 
sal en islik bruder unde suster tokomen bi broke twe mark- 
""nsses, so vake en dat vorsumede 
26) (20) Vortmer so sole wy nene nye sette efte broke maken 
, vorhogen. Unde desse vorscrevene schra, alse uns de van 
' 
is ^rwerdigen rade vorgenomet gegeven is unde alse vorscreven 
’ aicht vornyen efte wandelen sunder des sulven erw erdigen rades 
, ^üewetent und vulburt; darane de suive rad sal allewege be- 
unde hebben unde in allen dessen vorschreven puncten, 
* Schrägen!), d. Gesellsc’’. f. Gesch. u. Altert:).: kyveu. 
'Mtel^'^'e und der folgende Paragraph sind mit einer Klammer am Rande von 
Hand zusammengezogen. 
ii 
Mi
        <pb n="680" />
        66o 
Tafelgilde. 
artikelen unde broken de oversten haut. Gegeven unde schreven 
in den jaren unses Heren dusent veerhundert vefteyne in 
avende sancti Jacobi des hilgen aposteis (24. Juli). To tuge 
vorschreven ding, so heft de vorschreven erwerdige rat hir 
behalden ene utschrift van worden to worden, de ene gesne 
ut der anderen. 
27) Item so sint wy plegen unsem kerkheren to geven 
jares 3 nye or unde deme koster (2)^ artige.® 
# 
123. Tafelgilde. 
Schrägen zwischen 21. Febr. u. 7. April 1425. ^ 
Arch. d. Grossen Gilde in Riga, Abth. i, Nr. 63. Pergamentheft von 6^ 
blättern, 30 cm. hoch, 24 cm. breit; beschrieben sind Bl. 2—0 •« gh- 
gothischen Minuskel; die einzelnen Artikel, welche i — 2 Linien von eina 
stehen, beginnen abwechselnd mit blauen und rothen Initialen. Randlinte^^ g 
auch die unbeschriebenen Seiten 12 — 17 auf; ganz frei sind 3 Seiten 
u. 22 sind wieder wie die beschriebenen liniirt. Auf S. 24: Anno 15^ ^ 
Januarius Hanns sum Bringk manu propria. Nach Godtt unnd ehr, 
mein beger. Den Deckel bildet ein dickeres Pergamentblatt. Auf 
deckel: Pundation der 'rafelgilde, Nr. 1, NLV. Abg. Hupels N. N. ^ 
St. 9-10, S. 563-S71; Liv-, Est- u. Curländ. Urkb., Bd. 7, Nr. 249; ' ^andb^ 
Livon. antiq., Bd. 4, S. CCXX und CCXXI. Einige beachtenswerthe 
merkungen des 16. Jahrhunderts sind als Fussnoten wiedergegeben. 
Anno 1425 Jar.^ 
In deme namen der hillighen drevoldecheit, amen. Int jAt^^ 
heren Jhesu Cristi 14 hundert in deme vyf unde twintige^tc 
in der vasten, do worden de gemeynen brodere des ¿eS 
stoven tho Ryge eens in ener gemeynen stevene mit vu t 
rades in de ere unses leven heren C,odes, Marien, siner 
moder, unde alle Godes hilligen unde to tröste allen to 
cristenen seien unde to hulpe den nottroftigen armen ene 
stichtene, gebeten de tafelgilde, dar men uthgheven sal alle 
nehnteyen almosen in sunte Peters kerken under deme clo^^ 
Wente Got heft gesproken in syme hilligen ewangelio- 
drunk waters ghevet den nottroftigen armen in m y neme 
1 Schragenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. : geschrei'ett. 
^ Ibid. : j ore und deme koster 4 artige. 
Die letzte Inscription steht von späterer Hand auf der letzten 
4 Diese Überschrift aus späterer Zeit. 
Seite 
■schrie 
be"'
        <pb n="681" />
        Tafelgilde. 
66l 
yk wyl em wedder gheven sunder twivel dat ewige leven; hirumme 
kebhe wy geordeneret unde gestichtet desse almosen in ene 
'ndingg der nottroftigen armen, uppe dat Got vode mit syner 
S^nade h¡r unde in deme tokumftigen levene alle dejenne, de hir 
^%ynnere ane sin gewest unde vortmer de hir hulpere to syn ge- 
"'^cst Unde vortmer de hir hulpere to sin unde ere hantrekinge to 
unde noch to donde werden to ewigen tiiden. 
Item desse broderschop vorgeschreven sal sik aldüs hebben, 
hirna geschreven steit. 
0 Item so solen hir dre vorstendre to wesen desse ghilde 
^^Ig desse almosen to Vorstände, der sal een wesen ute deme 
unde twe ute deme gildestoven. 
2) Item welk man desse broderschop wynnen wil, de sali jo 
'^Voren broder wesen in deme groten gildestoven, so mach he 
broderschop wynnen mit 6 oren intogande; wil dar we wat 
gudes to don, deste groter is sin Ion vor Gode. Desgeliiken 
'^^gen erbare vrouwen sustere hirynne werden, se sin wedewen 
hebben man k 
3) Item welk mynsche, der almosen begerende, de salí de 
y^^stendere sulven spreken unde bidden se in de ere Godes, unde 
'^orstendere solen dar toseen, dat se de almosen gheven den 
’^^sten, de se weten.* 
4) Item vorarmede ok we ute desser broderschop, dat Got 
/^""kede, dat em der almosen not dede unde behoef, deme sal 
^ der almosen provene ene geven; vort weres em not unde 
, dat kenlik were, so sal men em der almosen provene twe 
af he des begeret; unde men sal den armen tekene gheven 
^ ^^lye, dar by solen se de almosen halen. 
5) Item so solen de vorstendere den olderman in deme gilde 
vormanen in allen stevenen, dat he kundege, we dar bro er 
' 'Verden in der tafelgilde, dat he kome vor de tafele to den 
^^^nderen unde gheve syn ingandegelt, alse vor geschreven ste 
.. Item so sal men alle jare 6ns begaen laten mit vigihen unde 
selemissen alle dejenne, de ute desser broderschop vorstorven 
^ keynnc andere. 
' Rande: du m-mesUH suysUr und huodeu die sekeHell utkthodeyllenn.
        <pb n="682" />
        602 
Tafelgilde. 
sin, unde vor alle dejen ne, de dar wat gudes to gedan heb e 
unde noch doen willen; unde dar sal en islik broder unde siis^e^ 
thokomen bi twen artigen des avendes to der vigilien unde 
mandages to der missen to oíferende. Desse begenknisse sa h 
sebeen mit des gildestoven boldeke unde lichten. 
7) Item so solen de vorstendere dat vorwaren mit deine 
dat he des avendes to der vigilien late luden mit den g**® 
docken; so sal men de bare cleden in der kerken. 
8) Item wenneer men offeren sal, so solen der twyer vorsten 
wiif vorgan, islike mit eyneme selelichte; de sollen bey de he 
en half markpunt wasses; dar solen de anderen susteren navo 
unde offeren ' ^ 
9) Item darnegest so solen de borghermeistere unde de r ^ 
vörghan offeren, darnegest de olderman, darnegest de vorsten 
darnegest de ghemeynen brodere. 
10) Item so sal men desse begenknisse holden des 
sondages na sunte Mychele, so sal de olderman den gildest 
knecht ummesenden unde vorboden de brodere unde sustere 
sondages to der vigilien unde des mandages to der selemi 
unde wen des mandages de selemisse gedan is, so solen de 
unde de sustere körnen in den gildestoven, dar solen en 
stendere plegen dre gerychte, de beqweme sin, unde gtit 
yslik up sinen pennyngh, alse des denne de vorstendere voir 
11) Item to desser maltiit sal en islik broder unde ' 
körnen bi siner broke; unde weret sake, dat welk van ilen 
unde susteren in der stat weren unde nicht to der maltiit enq" 
alse verne, alse se gesunt weren, de sal sin vulle g^lt 
gheliike denjennen, de to der maltiit sin; unde weret, dat 
nicht don en wolde, so sal men ene cierne olderman ne m 
gheven, in der negesten stevene vortoesscliende. 
12) Weret sake, dat en broder efte suster cíeme and^f^' ^ 
•hten 
dreet dede, wen se tosamene sin, dat sal de olderman 
der stevene geliik, af id in den groten drunken gescheen " 
13) Item so wen de maltiit gedan is, so solen de 
de docken luden unde gheven den broderen unde (unde) 
to derkennende, wo mannich broder unde suster in cierne J 
r Am Rande: Godtt ist tinsser offer, dytt nicht und sunst heitf 
2 Im Versehen wiederholt.
        <pb n="683" />
        Tafelgilde. 
663 
gilclen vorstorv'en is; so sal en islik upleggen vor elken vor- 
storv'enen broder efte suster enen artich; unde van deme ghelde 
®olen de vorstendere elkem vorstorvenen broder unde suster na- 
^®sen laten also mannige misse, alse mannich prester in der stat is. 
H) Item so solen de vorstendere vortan vragen, oflft ) emant 
^^ders emande wete van broderen efte van susteren, de vorstorven 
bynnen landes efte buten landes, dat men en dat to derkennende 
^^6ve, dat men deme enen do alse deme anderen. 
15) Item so sal men alle sondage bidden von dem predikstole 
alle brodere unde sustere unde vor alle dejenne, de dar uat 
^^des to gedan hebben unde noch denken to donde. 
16) Item so sal van den twen vorstenderen ute deme gildestoven 
jare een afgan unde enen anderen wedder to selten. 
^7) Item desse vorstendere, de des jares gewest sin, de solen 
^^^nschop don des negesten dages na der kost, dar sal over 
""^sen de olderman mit sinen bisitteren. 
ï 8) Item so sal men desse vorgeschrevene punte alle jare eens 
in der gemeynen stevene to sunte Mertin (ii« ^ov.). 
. *9) Item weret sake, dat welk broder vorstorve ute desser 
^•■Oflerschop unde nicht en vermochte, dat men ene to der erden 
^stedigede unde begaen lete, unde dar en ander broder by were, 
sal ene bestedigen mit der werde van twen Ryneschen gulden 
^ ^er erden. 
Item weret sake, dat hir jenige pünte weren van de. 
^^^^geschrevenen eendracht, de to hoghe elfte to syde gesät were , 
hebben de brodere macht tho wandelnde. 
^0’ Item des anderen dynxstdages na sunte Michaele (9. » 
^"^"oer de reckenschopp schuet, so sal men twe Rostker laken 
"^yden unde neegen laten to kledinghe unde geven en arm 
Codes willen van Herman Leemsziikes husvrouwen wegen. 
1 22)2 Item vortmeer wert sake, so welck broder ge t Y ) 
dat der taffelgylde thokeme, de schall syne renthe tho 
tyden uthgeven; wert sake, wo yemant syck darynne 
makede, de sali den hovetstoll bynnen 4 wecken myt 
^Gnthe upbryngen. 
L. einer anderen gleichzeitigen Hand. 
I* Von einer Hand aus dem 16. Jahrh.
        <pb n="684" />
        664 
Tischler. 
124. Tischler. 
Bemühungen zur Erlangung eines Schragens 
vom Jahre 1535 —4i- 
Lade des Tischleramts in Riga, Meister-Buch des Ambls derer Tischb^f' 
Anno 1^41 bis cm. hoch, 16 cm. breit. Die Aufschrift in Goldbuchsta 
in einem goldenen Kranze. S. i—5. 
Demnach unser löbliches Tischlerambt nöthig befunden 
buch, darin der Meister Nahmen geschrieben werden, errichten» 
zumahln die alten Bücher sehr unordentlich geführet auch berei 
gefüllet gewesen, so ist beliebet der ersten elff Meister Nahm 
als Stiffter unseres Ambtes allhier zum Gedachtnüss oben nnz 
setzen und, soviel möglich, deren Nachfolger biss au ff unss jetzig 
Zeit lebende Meister in behörige Ordnung zu stellen, welches 
Altermann Hans Schnoor und Conrad Köhne nebst Christ 
Eger Beysitzern aufgetragen worden, die nach genauer ^ 
lesung der alten nieder- oder platteütschen Schrifift befunden, 
die Fundatores unsers Ambts angeführet, wie die 1 ischler 
Anbegin dieser wehrten Stadt Riga biss 1535 ohne Regiment g^ 
lebet, indehm ein Jeder nach eigenen Gefallen vor sich gear &gt;e ^ 
auch Gesellen und Jungen gehalten hätte, er möchte dass ^ 
wergk recht erlernet gehabt haben oder nicht, wieder solche Bt 
hätten sie auch nichtes bey der Origkeit zu erhalten vermocht» 
dem Ende wären sie zusammengetreten und sich bemühet 
Brieffe und Cieschäncke copirliche Schrägen vom Ambte &lt; 
Reval zu erhalten, welches Revalsche Ambt ihre Schräge’^ 
groszen Kosten von Lübeck geholet gehabt; darauflf hatte 
dachtes Ambt sich erbothen, wann ein Meister dahin gesand 
wolde selbiges aus brüder- und nachtbarlicher Liebe die 
abfolgen lassen ; so dan wäre der Meister Peter Rauer mit 
Pferd und Schlitten versehen nach Reval gereiset und die 
in Copia abgeholet; die Unkosten hätten sich aui 50 Marek ^ ‘ 
ligen Geldes betragen; nach deren Erhalten hätten sie sechs 
bey den ehrsamen Rathe umb die Confirmation angch^^^^^ 
Anno 1541 hätten sie dem ehrsamen Rathe ein Contoit» 
70 Marek gekostet hätte, vorehret; darauf wären sie mi| 
Schrägen mittelst derer Herren Ambsherren Paulus KlÖcks 
' . 1 5. 
1 Patroclus Klocke, Böthführ, Die Rigische Rathslinie, Nr. 443 
284 u. 308, 31.
        <pb n="685" />
        Tischler. 665 
Johan Thomsbergs’ zu Stande gekommen und dabey viele Un- 
*^osten gehabt. 
^ann nun wir zu unserer Zeit, nehmlich Anno 1729, den alten 
Schrägen verbessern lassen und also nach dieser Zeit LäufFten zu 
Ambtes Auffnehmen und Besten auch dasz unsere nach Ver- 
"^ögen beygetragen, erachten wir vor billig guter Ordnung halber 
^*oses Buch in drey Periodus einzutheilen und im Letzen an ge- 
^^•■igen Orth die Schrägen Verbesserung und Kosten, so viel sichs 
^^0 last, zu bemercken denen Nachkommen zur Nachricht u. s. w. 
125. Tischler. 
Bemühungen zur Erlangung eines Schragens 
vom Jahre 1542. 
&lt;Jc, 
in d. Rig. Stadtbl. 1843, S. 44-46, nach Übertragung aus der platt- 
“‘schen Sprache des 16. Jahrh. in die unserige aus einem alten mit buntgc- 
Deckel versehenen Buche, das sich in der Amtslade befindet. Das 
5*"®' ist angeblich daselbst nicht mehr vorhanden. Ein Auszug mit einigen Ab- 
'chungen enthält das in der Amtslade aufbewahrte, 1729 eingerichtete Meister- 
Amhis derer Tischler von Anno 1^41 bis 3^35' Abweichungen 
den Anmerkungen zur folgenden Mittheilung angegeben. 
^ Allen und Jeglichen, Oegenwärtigen und Zuküntigen, sei kund 
^^^obar zur ewigen Oedächtnisz, wie dasz unser Amt wenig 
Her und von Anbeginn in der Stadt Riga sonder (ohne) 
^Sinient und in Unordnung gestanden hat, also dasz ein jeder 
Ç ^Hende, der es nur gewillet und auf seine eigene Hand arbeitete, 
vS jungen oder (Gesellen, sie hätten was gelernt oder nicht. 
¡ji^J^^oien hier Meister vom Auszen- und Binnen-Land und setzten 
^ hier bei uns und arbeiteten hier uns Meistern zum \ orfange, 
Y \ erdrusz und groszes Verderb unsers guten Amtes wegen 
mehrmal gegen unsere gebotene Origkeit uns beklaget 
jedoch keinen Trost oder Hilfe haben können erlangen. 
. ^ Ende des Jahres 1535, da sind wir Meister, die da zu Riga 
aus göttlicher Ordnung wieder zusammengekommen 
L, ..^'^^fägtiglich beschlossen, die von Reval zu besuchen und zu 
,^^^^'^^ern mit Briefen und (beschenken um Mittheilung ihrer 
In welchem die von Reval durch viele Schreiben und 
Lhann thom Berge, vergl. S. 516, Anm. 2. 
1
        <pb n="686" />
        666 
Tischler. 
Cieschenke ihre Schrägen bewilliget haben, die sie mit 
Unkost von Lübeck haben holen lassen, uns aus brüderlicher 
mittheilten bei sothanem reifen Bescheide, dasz wir einen treu^^ 
Bruder unseres Amtes dahin sollten senden sie zu erhalten, ^ 
wir Tönnis Heyenstedt’, unserer Amtsbrüder einen, haben 
mit Pferde und Schlitten und viel Geldes abgefertiget haben, 
unser aller Unkost, sich bei 50 Mark belaufend, mit dem 
welche unser lieber Mitbruder den Meister von Reval zu 
gelobt, welchen sie ihm nach vielen Reverenden und 
haben schriftlich übergeben uns zu bringen. Dem also gesc 
ist, welche nach erlangete 6 Jahre wieder mit Bitten an den 
samen Rath versucht und angehalten ist, doch wenig hrud^.^^^ 
schaffet, bis in das Jahr 42 (1542«), da sie nach groszer 
und ernstlichem und zudringlichem Fleisze, der Ehrbaren 
herren, nämlich Hr. Patroklus Klock^ und Hr. Johann zum 
die zur Zeit Amts-Herren, es vollkommen geendiget 
wir zu einer ewigen Gedächtnisz dem Ehrbaren Rathe ein 
geschenket, das stehet bezahlet 70 Mark Rig. und dem 
die Schrägen zu schreiben 33 Mark, und im Jahre i542&gt; y 
Dank, alles so weit gebracht. Hiernach nun ein jeglicher^ .. 
ständiger ausrechnen kann, was es für Mühe und Arbeit u 
kostet hat, und wir es so ferne gebracht haben. 
So folgen nun die Namen der Meister, die es so wei h 
haben mit Gottes Hilfe. 
sei 
ei" 
(Hieran schlieszen sich 11 Namen '*). 
1 Auszug a. d. Meister-Buch: Petey Rauer. 
2 Ibid. : 154'- 
•1 Vergl. S. 664, Anm. 2. ^ 
1 Auszug a. d. Meister-Buche; 7'homsberge. Vergl. S. 664, Anm. 
ñ Ibid.: Contoir. 
'Î Auszug a. d. Meisterbuch Bl. 4: Tönnys Ileynerslatc. Merte' ^ 
von Kannen, Peier Ratier, dieser hat die Schrägen geholet, Kersten 
Kremer Merten Koet, Hans von Retaen, Kersten Danappcl, Totna 
Tewes Walter.
        <pb n="687" />
        Uhrmacher. Weinträger. Zimmerleute. 
667 
Uhrmacher-Gesellen, 1581, 
Schlosser-, Sporer-, Büchsenmacher- und Uhrmacher-Gesellen 
vom Jahre 1581. 
Uhrmacher, 1593» 
■ Schlosser, Sporer, Büchsenmacher u. Uhrmacher vom Jahre 1593* 
126. Weinträger, 13. Jahrh. 
5 ^^gearbeitete Rigische Statuten. L. Napiersky, Die Quellen des Rigischen 
^^chts bis zum Jahre 1673, S. 197, § 4. 
Och so sal men geven dengenen, de den win upbringet tho 
%ere van der pipe wines van 5 amen unde darbenedene 2 ore, 
deme vate wines van 8 amen unde darenbinnene 4 ore. Mer 
vat boven 8 ame, dar sal men van gheven 6 ore. 
127. Zimmerleute und Maurer, i37^- 
t 1, factum a dominis cousulibus auno Dni 13^6 itt fesio Michaelis. 
. /'apiersky, Die Quellen des Rigischen Stadtrechts bis zum Jahre 1673, S. 205, 
’ S. 215, 27. 
^¡n 
^ de tymerlude unde de murmestere, dat se 
den se doen moghen bi V* 
nicht mer vor- 
128. Zimmerleute und Maurer, i6. Jahrh. 
Ki^j^^igische Bursprake a. d. Anfang d. 16. Jahrh. L. Napiersky, Die Quellen dès 
Stadtrechts bis zum Jahre 16731 S. 229, 25. 
budth de radt den thimmerludenn und murmesterhn, thit 
1/ mer vordingen sollen, dan se woll dhonn können, y 
^1 unnd de murmestere sollen arbeiden umb sollich lonn, 
0^ne dath gebaden und in erher schrägen geschreven is . 
A// ' ein» anderen Handschrift: «W 
nach Verordnung eines erb. radis.
        <pb n="688" />
        668 
Zimmerleute. 
129. Zimmerleute, 1412. 
De burspyakc des jares unser Heren dusent veerhundert twelve. 1 - g 
Die Quellen des Kigischen Stadtrechts bis zum Jahre 1673, S. Z17, 9; vergl. S. 2271 
Item sal nen tymmerman tymmerholt* hollen hee en hebb 
orloff van cíeme kemerer, by 3 mrk. 
2 sc. der Stadt gehörig. 
Statt hollen wird howen zu lesen sein, da sich in einer späteren 
der Bursprake dieser Ausdruck findet.
        <pb n="689" />
        Vereinzelte auf das Gildewesen und das Handwerk 
im Allgemeinen bezügliche Verordnungen. 
Bischof Albert verordnet, dass ohne des Bischofs Genehmigung 
^6ine Gilde errichtet werden soll. April bis August 1211. 
^ Est-, Curlând. IJrkb., Bd. I, Nr. 20. 
5) Nulla gilda communis sine episcopi autoritate statuetur, ne 
judici civitatis in aliquo detrahetur, (juia super gildas est 
'^cipale judicium. 
Bestimmungen über die Ausübung des Bürgerrechts 
durch Handwerker. Von 1227—1238. 
'^'‘estes Rigasches Recht. L. Napiersky, Die Quellen des Rigischen Stadt- 
zum Jahre 1673, S. 10. 38. 
Off quotjue cujuscunt^ue officii, sua volentes apud nos 
^^ercere, jure urbano apud nos fruentur. Quod si contem- 
cónsules judicabunt. 
Bestimmungen betreffs des Bürgerrechts der Handwerker 
c. 1300. 
^^"’gearbeitete Rigische Statuten. L. Napiersky, Die Quellen des Rigischen 
eehts bis zum Jahre 1673, S. 142, ÿ •• 
üj. de pelegrime ofte andere geste, de hir körnet m desse 
scòln &gt; brüken uses stades recht des ersten jares liik unsen 
l^!''^^cren, unde ligget se hir boven de jartit unde oven willet 
^^heriscap ofte ammet, et si welk et si, des en mõgn se nicht don, 
Winnen de burscap. Unde so we darenbovene doyt, de sal 
•"cn der stat 1 marc siilvers. 
'Vo der Vorlage über dem ^ ein kleines „ steht, dort befindet sich im 
Zeichen der Kürze.
        <pb n="690" />
        Anhang. 
670 
4. Verpfändungsrecht der Handwerker um das Jahr 1270- 
Hainburgisches-Rigisches Recht. L. Napiersky, Die Quellen des Rig*® 
Stadtrechts bis zum Jahre 1673, S. 89. 16. Vergl. S. 158, 19, § 3. 
So we sin ghot eyme ambetmanne doit to makende, de dm 
bet man ne mach dat ghot nicht hogere versetten dan vor sin 
Untfore he oc uter stat, de hush ere ne mach dat got nicht hog^ 
holden, dan dat Ion wert is, dat de ambetman hebben solde. 
5. Bestimn. ungen betreffs der Übervortheilung des Publiknnd 
durch Handwerker vom Jahre 1376. 
Civi/oqiutn, factum a dominis consulibus anno Dui 13^6 in festo 
L. Napiersky, Die Quellen des Rigischen Stadtrechts bis zum Jahre 16731 
24; Vergl. S. 214, 24; 223, 28; 229, 23; 249, 71. ^ 
Vort so we myd ammeten ummegan, de then den luden 
liken; is it dat dar claghe van körnet, de rat will ct richten. 
6. Normirung der Zahlungen zur Ablösung der Amtsköst 
aus dem 16. Jahrhundert. 
Schragenb. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. in Riga, Bl. i66^h 
Ordnung von den ambtkosten. 
Alle handtwercksgesellen, so sich alhier zü setzen 
sollen sich den schrägen gemess verhalten und vor die 
sowoll die amptkosten in alles nicht mehr zü geben schuldigt 
auch nichts mehr von ihnen gefordert werden, alsz wie 
Ein Goldtschmidt 15 Taler. 
„ Kürssner 10 « 
„ Balbirer 20 „ 
„ Becker 8 „ 
„ Dischler 9 n 
„ Schneider 10 n 
„ Schüchknecht 10 ,1 
1 Von späteren Händen sind noch andere Ämter mit und ohne 
Zahlungen für die Amtskost diesem Verzeichniss hinzugefügt; da 
Angabe der Seitenzahl des Schragenbuches erhalten haben, so ist dieses 
als ein Register angesehen worden; hier ist noch zu bemerken, 
Wandscherer, Fleischer und Sattler, bei denen gleichfalls Seitenzahlen 
sind, nichts in diesem Schragenbuche findet. ^1/ 
^ Anno i6jj den y. Feb. Geben nichts und sei auch keine 
ihnen breuch/ich ; diess hatt Velthüscn Altermann in fef^etiwert 
Meister NB. angehängt. Ich vermuthe, dass sich diese Notiz auf die 
bezieht, da vor dem Worte angehängt auch ein NB. vermerkt ist.
        <pb n="691" />
        Anhang. 
671 
(Ein Frey Schuster 
M Meürer . . . 
„ Hoddeker . . 
„ Schmidt . . . 
„ Semischgerber 
„ Gürttier . . . 
„ Glaser , . . 
„ Wandtscherer 
„ Hennipspinner 
„ Repschleger . 
M Feinen Weber . 
„ Kannengiesser 
M Zimmermann . 
„ Fleischer . . 
„ Sadtler . . . 
„ Hüeter . . . 
„ Dreyer . . . 
M Topffer . . . 
„ Beutler . . . 
(Der legg(er) schräge 
8 Taler.)» 
4 
8 
15 
8 
6 
IO 
IO 
3 
5 
8 
IO 
5 
IO 
8 
NH. tewer 
60 m.) » 
^nd soll diese ordnungk mit eyden aller junger meistere 
^^^thalten werden und vermüege aller schrägen keines ambts 
'“^ammenkunfftt geschehen, es sein dan die ambtherrn oder je 
zujegen. 
^®stimniungen betreffs der Kleidung, des Handels, der Brauerei 
Und der Beobachtung der Schrägen vom Jahre 1502. 
■Auszug aus dem Entwurf einer Polizeiordnung. 
S. I 27, vergl. Monum. Livon. antiq., Bd. 4, 
Brotzes Livonica, Vol. XXHI, 
S. CCLIII, CCLV u. CCLVH. 
1 1^1 Overst dat gemcne folk unde amptlude scholen sik ^Iso 
unde hel)l&gt;en mit der dracht, liggendcn kragen, snoddelen 
'liietten unde ,|uitten, so id van oldelinges is geholden der- 
ok to holdende mit der radesdener vroutven, by lo mrk. 
, I&lt;j1 Item is vorramet, up dat de ene sik van deine andern 
’’ken mach, dat alle dejennen, de midt der koppenssc top um t 
.'“"'erk ummegän, dat se jenigerley hanttverkesampte furticr 
Scholen b 
‘ Üa, zwischen Klammem Stehende Ut von späterer Hand hlnmKefOgt. 
bieser Artikel ist durchstrichen.
        <pb n="692" />
        672 
Anhang. 
S c h r a a. 
[20 U. 21] Item up de mede de ampte sik nicht dorven 
klagen erer vrigheit, is vorramet, dat men na allen ampten erç 
schra sik richten schal ; de amptheren scholen ere vrigheit un ^ 
schra hanthebhen unde boschermen unde de amptlude scholen s 
wedderumme mit allen dingen upte olde hebben unde holden, 
dat ere schra utwiset, by vorboringe des amptes. 
8. Klage über die Bönhasen vom Jahre 1571* 
Das Buch der Ältermänner grosser Gilde in Riga. 
Bd. 4, S. 186. 
Monum. Livon. 
antN ' 
van 
Item de ampt geven eynen rade eyne sujilycatyo aver 
deine indrang, wes en geschege in erem ampte van den boe 
hasen, welk dath oelde nycht is, sunder plegen muntlyck ere ê 
brecke intobringen, we wol ydtt uns wpme grottem 
nycht anfectede. 
9. Verfügung betreffs der Bönhasen und des 
Gewerbebetrieb®® 
vom 23. Januar 1585. 
§ 41 des Vertrages zwischen Einem Ehrbaren Rathe und der Gemein^ 
den 23. Januarii, geschlossen. B. Bergmann, Histor. Schriften, Bd. 2, S. 2 
Orthographie des Druckes ist hier und in Nr. 10 nicht abgeändert worden. 
Es will auch e. e. Rath nach dieser Zeit in allen Aemte^'^ 
Störer und Bönhasen ernstlich abgeschaffet wissen: jedoch 
die Amtleute mit Forderung ihres Lohnes sich der Hilli^^^* 
Die 
die 
das2 
r 
mäsz verhalten. 
1589- 
lid 
io. Verfügung betreffs der Bönhasen vom 20. Aug* 
Rigascher Stadtvertrag 26. Aug. 1589. B. Bergmann, Histor. Schriee 
Die Amptesherren sollen in den Aemptern richtige ^ 
halten, einen jeden bey seiner (Gerechtigkeit schützen (¡¡e 
Bönhasen mit Ernst abschaffen, jedoch dasz auch dagek 
Amptleute mit Förderung ihres Lohnes sich der Billighei*^ h 
verhalten.
        <pb n="693" />
        Anhang. 
673 
Reformirte Kost- und Kleiderordnung vom Jahre 1593. 
Auszug aus Eines Erbam Raths der Königlichen Stadl Riga in Lifflandt 
^orjnierte Kost- und Kleider-Ordnung. Gedruckt zu Riga durch Nicolaum 
^^^jinunt Anno M. D. XCIII, auf Pergament, 4», 20 Blätter, 20 cm. hoch, 14 cm. 
. Bibliothek der Gesellsch. f. Gesch. u. Alterth. Die Orthographie des Druckes 
"'cht abgeändert worden. Abg. Rig. Stadtbl. 1888, S. 01—94; 99“»«S; «06 in. 
Arend Buchholtz, Geschichte der Buckdruckerkunst in Riga, Riga, Müllersche 
^"chdruckerei, 1890, S. 260, Nr. 18 und Sonntag, Notizen zur älteren Geschichte 
g ^ ^®chzeiten in Riga, Sendungen d. kurlánd. Gesellschaft für Lit. u. Kunst, i. Bd., 
^3—26. 
Zum dritten das zu eines unberüchtigten vornehmen 
’^•'Sers oder Gesellen Hochzeit nicht mehr aufif der grossen Gilde- 
^‘üben als siebentzigk und auff der kleinen sechtzigk Manspersonen, 
'Worunter die Herrn des Raths, Ministerii, Elterleute und Eltisten 
alle frembde Geste, so wol die anrichter, (derer auff der 
^•^össen Stube sechse, auff der kleinen aber weiniger sein mügen,) ' 
dan auch die Gifftendreger mit eingerechnet, vorgeschriebener 
^^sen geladen werden sollen bei peen 20 marck unnd sechs 
^*'ck vor ein jede Person, so diesem zuwidern gefurdert oder 
^^setzet wirdt. 
^^Gs Sol in des Breutgams oder Braut Vater und Mutter guttem 
^^^allen stehen, aus den Herrn des Raths, Ministerii, Elterleuten 
Eltisten sowol zum Kirchgänge als der Hochzeit zubitten, weme 
auch so viel oder weinig sie wollen. 
Zum Siebenden sollen alle Ehrbare Erawen und Jung- 
zu ihrer Hochzeit und Kirchgangk nicht mehr alsz dreissigk 
b raw en und jungfrawen zusamen gerechnet, auch die acht 
q mit eingeschlossen, auff der kleinen (jildestuben aber vier 
d zwantzigk par mit den negsten, bitten lassen bey peen zehen 
Und drey marck vor eine jede Person, so darüber beschlagen. 
'j. Auff der kleinen Gildestuben sal der Braut und Herrn 
und dan von oben herab bisz an die Spielbanck vor die 
L (be Frawen und Jungkfrawen aber von der Kellerthuer an 
U ^ (be Braut Cammerthuer, angerichtet und alle andere 1 afeln 
bencke abgethan und ausserhalb diesen specificirten Tischen 
/^^eben auff keiner (iildestuben jemanden, er sey, wer er auch 
str besonders angerichtet oder gespeiset werden bey voriger 
1 
der Vorlage sland dieser Satz schon in Klammern. 
43
        <pb n="694" />
        Anhang. 
674 
XII. Und sollen die verordenten kerlsz, so zu Tische diene , 
derer aufF der grossen Gildestuben vier, auff der kleinen 
sein mügen, niemandt aus dem abgeregten kreitze hier la^S ^ 
sich auch den gantzen tagk und abendt nüchtern halten, fleissig^ 
auffwarten und allen betrugk und schaden wegen abtragunge 
unnützlicher Verschwendung des Biers verhüten bey Verlust 
besoldung und drey marck, einer vor alle zu bezalen, auch 
gelegenheit mit Verweisung der Gildestuben zu straffen. 
XIIII. Der Koch sol in alles nicht mehr als auff dem g**®® 
Stuben zu sechs und zwantzigk Schüsseln und auff dem ' 
zwey und zwantzigk von jedem gerichte zuzuhawen und anzuri 
mechtig sein, in was massen auch sothanes anders gesc 
konte oder mochte, auch nicht mehr alsz drey Gerichte laut v 
Ordnungk (alle gelbe und geschmorte hüner gentzlich ^ 
schlossen) ’ zu kochen und anzurichten oder anders worhm ^ 
speisen hiermit nachgegeben und eingebunden sein bey 
dreissigk mark, und für eine jede schüssel, so darüber, zehen 
wie den auch der koch vor jede übrige schüssel in straffe 
marck unnachleszlich genommen werden sol. ^ 
VIII. (37)® Und sol diese nutzbare Satzung zu unter^ 
nebest dem Gesetzherrn der verordenter Schaffer, so 
deckunge der Tische, vorschneidung des Bratts, ^ 
Keller, die Kerle, so das Bier aufftragen, spielbanck un 
andere gesetze, vornemlich das auff und abtragen der sp 
gedrencke, fleissige auffsicht zu haben, bestellet, auch alle u 
laut der Ordnung zu sich nehmen und einem jeden das s 
richten und sich nüchtern verhalten. Und darjegen vor 
von jeder Hochzeit, so auff der grossen (iildestuben ^ 
werden, zehen marck, auff der kleinen (iildestuben, sieben 
so im Hause gehalten, Fünff marck, Megde Kosten drey 
empfangen befugt sein. Und sollen diesem Schaffer ¡¡ofsn'U^ 
Geldt sich in den Hochzeiten gebrauchen lassen, billigen g 
leisten bey ernster straffe. , r,.«- 
.•n als 
39) Sonsten mügen, die so des Obernstandes sein, • fui" 
personen und die Elterleute des grossen Gildestubens, Sai 
die Mentel und umb die Kleidung und Röcke verbrehme 
1 In der Vorlage stand dieser Satz schon in Klammern. , 'j iiit«’ 
^ Die Numeration in arabischen Ziffern ist in diesem KxempD"^ 
gefügt worden.
        <pb n="695" />
        Anhang. 
675 
4^)) Ausser diesen miigen auch fürnehme alte Bürger oder 
sonsten fürnehmes geschlechts allein ihre Unterkleider zumassen 
Sam mit, doch nicht über anderthalb Elle vorbrehmet oder auch 
^^iden Zeug, auszbenommen den dreien oberzelten perseien, wiewol 
^^besetzet tragen. 
So mügen sich auch die Elterleute des kleinen Gildestubens, 
gewesen und noch ferner sein werden, zusambt ihren Era wen 
Kindern den Gemeinen Bürgern des grossen Gildestubens 
S^^ich halten. 
44) Die sammitten Frawen Mützen, so itzo gebreuchlich, lest 
Ehrbar Rath vor diesmal passiren, jedoch das die gemeinen 
'^•'ger und Handtwercks Frawen mit dem bestickten eine masse 
halten. 
Bestimmungen über den Gewerbebetreib auf dem Schlosse 
und in der Vorburg vom 31* ^593- 
Stadt-Arch. (Inneres Arch.) Caps, e., Nr. 36. Pergamenturkunde, 60 cm. breit, 
“ umgebogenen Rande 48 cm. hoch, daran hängt das Siegel von o en, 
. im Durchmesser, und das Siegel von Litthauen, 11 cm. im Durchmesser. le 
die Urkunde und die Siegel gehenden seidenen Schnüre sind aus grünen, rothen, 
und weissen Strängen gedreht. Ältere Dorsalschrift: 
Hoc etiam pro jure civitatis deligenter observadum statuimus, 
peculiari quondam divae memoriae Stephani regís decreto 
^ civitati tributum et adjudicatum est, videlicet ne ultra prae- 
“*Ptum et ab antiquis Livoniae magistris receptum numerum 
artifices in suburbio castri Rigensis sint, ita tarnen ne quid 
^^lido muro construatur aut subteraneae testudines fiant. 
^on minore etiam severitate prohibemus (¡uam olim mediante 
^•"títo domini Stephani regis prohibitum est, ne in suburba , 
locis a (¡uibuscunque tandem personis, incolis aut peregrinis, 
^^^•ationes ullae exerceantur aut etiam cerevisia cotjuatur et | a 
domesticum cujusque usum non pinsetur ne(|ue ) w 
l'^^ntur, ut venum exponantur vel in naves importentur, idque 
' ^missione earum mercium, cujus exequutionem praefecto aras 
pro tempore existent!, et burgrabio consulatuique civitatis 
jam ante commissam. et nos committimus ita, ut media 
'' rerum confiscatarum arci nostrae, altera medietas consulatui 
Ouandocunciue vero praefectus arcis cadere admonitus, ic 
cessaverit, turn ipse burgn-abius cum consulatu adversus taies 
43»
        <pb n="696" />
        6/6 
Anhang. 
transgressores portoriique nostri Rigens. defraudatores execu 
tionem forti manu facere debetit. Earn ut et (juamcunciue 
ordinariam civitatis jurisdictionem ejusque execjuutionem usitatan’ 
minime impediemus ñeque ab aliis impediri patiemur. 
Hoc etiam statuimus, ne collegiis caeterisque contubernÜs opi 
ficum privilegia vel etiam confirmationes aut ordinationes uUa 
(}uae cum ligitima magistratus civitatis authoritate et jurisdiction 
pugnent, extradantur, sed eidem magistratui pro veteri consutudin 
de collegiorum contuberniorumque statutis ex civitatis rationib 
statuendi jus potestatemque integram relinquimus. 
13. Bestimmungen über den Gewerbebetrieb auf dem Schloß 
und in der Vorburg vom 21. Januar 1597* 
Sfadt-Arch. in Riga (Inneres Arch.), Caps. e. Nr. 39, Papierheft aj® 
Bogen in Folio, mit 6 beschriebenen Seiten, Dorsalschrift: Decfetuni d. 
missanorutn anno inier civHatnm ei capitaneum Rigens. ¡at. 
I. Primo itatjue artifices sive opifices cujuscuntjue gone 
artis et conditionis, in suburbio arcis habitantes, (¡uod attinet. ^ 
jam ante a magistris Livoniae primum, deinde etiam decreto ^ 
Stephani régis is articulas decisus attjue a praesente regís n 
state* ita declaratus sit, ut non, nisi quibusdam ad arcis - 
necessariis juxta numerum, in veteribus homagiorum litteris 
scriptum, in suburbio castrensi habitare liceat, attjue illis 
vel mercaturas exerceant vel (|uici¡uam in praejudicium cn 
civiumtjue agant et negotientur serio interdictum sit, tarnen 
absu (juodam et conniventia d. praefecti plures opifices in fm** 
civitatis irrepserint, ideo nos, juribus civitatis a regibus oonc^ 
inhaerentes, decernimus et constituimus, ut non plures - 
castro quam duo piscatores, duo itidem victores, fabri 
bini, bini murarii et totidem tabellarii amplius tollerentur et, 
sentibus abire jussis aedificiis(|ue insuetis plane dirutis, 
deinceps recipiantur vel a (juocjue clam aut aperte lo\ e^ 
Quod si vero modernus praefectus arcis ejus(¡ue successores^^^.^ 
artifices 
so 
litn 
rium artificum operis ad necessitatem arcis indigeant, n 
artificum in civitate id petere iiscjue operarios sui generis P^o 
et competenti mercede ad sufficientiam praestare debent. 
etiam de causis praefectus arcis in posterum nullos 
1 Im Original : r. mte.
        <pb n="697" />
        Anhang. 
677 
'"^gabunclos et advenas cujuscunque status in arce vel sub arce 
^'gensi aut ejus jurisdictione fovere vel, ut ab aliis foveantur, per- 
•bittere debet Coctionem etiam cerevisiae ad duo usque 
1^‘lliaria d. Stephani régis authoritate et decretis, in contradictorio 
J^^icio a moderna r. mte. latis, prohibitam nos quoque suburbanis 
interdicimus, ut ab omni coctione poculentorum abstineant 
autem quoties indigebunt, a civibus emant. Jidem suburbani 
adventitiam cerevisiam aut alterius cujuscunque generis potus 
liquores ex navibus emant vel braxatoria vel tabernas ibidem 
'*^stituant, praeterea nec boves mactent, ut eos venum exponant 
in naves imponant, idcjue sub amisione earum mercium, quarum 
Mildem rerum indaginem et inquisitionem d. capitaneas arcis per 
senatores civitatis admonitus, non impediré sed earn ob peri- 
(juae ex mora contingit, vel ipsemet semper praestare vel 
^^Sgrabio Rigensi earn praestandam juxta jura civitatis, a regibus 
^^ncessa, permittere tenebit. 
lo. Ad operarios, bajulos, vectores, aurigas et caeteros homines, 
l^orum opera tarn terra quam mari conduci solet, quod attinet, nos 
^^luntatem et mentem d. Stephani praesentisque régis, quae ex 
^creto et privilegiis colligitur, sequuti judicamus, quod capitaneus 
^Jusque successores ejusmodi operarios, victum in civitatis juris- 
^'ctione cjuaerentes, nullatjue onera civilia ferentes, nequáquam 
^ '^ere et tolerare debeant, depraehensi autem contra hanc prohi- 
’^‘onem in civitate luant. 
H- Verfügung betreffs der Bönhasen und des Gewerbetriebes 
vom 29. April 1604. 
der Kleinen Gilde in Riga, Pergamenturkunde, 43 cm. hoch, 65 cm. breit, 
Ka ^^"^^ngcndeni Sieg I der Stadt Riga in Wachs, 9 cm. im Durchmesser, in einer 
Blech, an einer seidenen Schnur (hellblau, gold, Silber). Auszug aus 
•tia zwischen Rath und Gemeinde vom 29. April 1604. Vergl. B. Berg- 
Histor. Schriften Bd. 2, S. 308. 
. ^cide Güldetuben wollen wir bei ihren Schrägen und Frey- 
j^^'^ten, welche ihnen in der Stadt-Privilegien bestettigett, handt- 
^ imgleichen auff der Zünfiften und Cxewercken der kleinen 
Anhalten die Höhnhasen abschaffen und der berühtigten 
¡h halben, wan sie dieselben uberwiesen, die Execution 
nicht verweigern; jedoch das sie sich auch solchen Schrägen 
verhalten, die Hürgerschafft mit der Übernahme des unbil- 
f(i ^crcklohns nicht beschwehren, die vertrawten Sachen be- 
^^ten und bey sich zu Schaden nicht liegen lassen.
        <pb n="698" />
        678 
Anhang. 
II. Aktenstücke zur Geschichte der Reformation 
der rigischen Handwerksämter. 
A. Beschwerden über die hohen Eintrittsgelder vom 16. Novena 
ber 1661. 
Des Amptes der Barbierer Beschwerde: 
1) Einkauffsgelder 4^^ 
Hiervon dasz Amptt die Helffte. 
2) Kirchenordnungsgelder 7’45 ” 
3) Bey AufFzeigung des Meisterstückes die Spenda- 
tion, die mit Bier und Wein gehalten werde, 
nicht höher den 7 ” 
4) Straffe wegen des Meisterstücks 7 ” 
Ampt der Riemer: 
1) Ein junger Meister, so auszerhalb dem Ampte heirath^^^ 
muste 40 Rthlr. erlegen, darvon dem Amtt die Helffte» 
aber ins Ampt heirathete, nur 20 Rthal. 
2) Die Ambtskoste bestünde in geringen Tractamenten 
belieffe sich nur auf 6 oder zum Höchsten 7 Rthal. 
Haben kein geschloszen Ampt. 
Ampt der Tischler: 
1) Die Eschung • 
2) Maszgelder • 
3) Würde der jüngste Meister von den Eltisten 3 
Mahl ersuchet, wan er dasz Meisterstück machet, 
jedes Mahl Spendation uf 5 Rthal. ist . . . • • 
4) Drey Mahlzeiten, jeder uf 10 Rthal. ist . . . • 
5) Die Straffe * 
2 Rthal- 
2 ” 
15 ” 
30 ” 
7 ”
        <pb n="699" />
        Anhang. 
679 
Dell 16. November 1661. 
^^asz Ampt der Mahler wegen der jungen Amptesbruder Beschwer: 
0 Wan ein junger Meister dasz Ampt, so auszerhalb dem Ampt 
heirathete, begehrig were, musste derselbige für die 2 Jahres 
arbeit sich jährlich mit 40 Rthal. abkauffen; von diesen 
Geldern bekomptt dasz Amptt die Heißte. 
2) Machet er ein Probstück, so den Herren Oberamthernn ge- 
schencket wurde. 
3) Hey Machung des Meisterstückes wurde der junge Meister 
zwar ersuchet, durffte aber die ehesten Meistere nicht trac- 
tiren. 
4) Wan er dasz Meisterstück ulzeiget i Fasz wudtsch (?) Bier 
und 7 Rthal. zur Kost, zusammen 14 Rthal. 
5) Hie Eschung 3 « 
6) „ Straffe 2 „ 
^^sz Ampt der Fuhrleute: 
t) Derjenige, so auszerhalb dem Ampte heirathete, 10 Rthal. 
Hiervon dem Amptt die Helffte; der aber ins Ampt 
heirathete, nur 5 Rthal. 
2) Die Spendationes uf 4 oder 6 » 
Kirchenordnungsgelder dasz gantze Ampt jährlich 10 Mrc. 
3) Wen sie ihre (iülde hielten, gebe ein junger Meister i Thon 
Bieres und i Kreceptor. 
Aussagen über die Höhe der Zahlungen zur Amtsköste und 
der Einkaufsgelder vom 24. Okt. 1663. 
Den 24. October anno i66j. 
H. Melchior Dreiling, Oberamptherr.' 
H. Peter von Schivelbein, desgl.* 
^ Dasz Ampt der Schneider ex officio vorgefordert und ihnen 
ihrem (Gewissen und bürgerlichen Eyden, was einem jüngen 
^'ster die Ambtekosten und, wieviel ihnen die Einkauffsgelder zu 
kehmen, auszzusagen ernstlichen aufferleget worden. 
Böthführ, Die Rigische Rathslinie, Nr. 598. 
* Ibici. Nr. 605.
        <pb n="700" />
        68o 
Anhang. 
Massing, der Elterman des Ambts, bey seinem (Gewissen aùsz 
gesaget, das ihnen die Amptskosten und alles zusamen nicht höher 
den 40 Rthal. kehmen. Einkauffsgelder zu geben hetten die jungen 
Meister nicht von Nöhten, zumahlen diejenige, so eines Meisters 
Tochter oder Wittibe ausz selben Ampte heyrathen, nichts 
geben schuldig weren. 
Nach diesem Jürgen Hutteraw folgender Elterman auszgesag^t, 
dasz, wan so ein junger Mensch sich ins Amht zu geben gesonnen, 
musse selber erstlichen entweder ein Schreckberg(er) oder au 
einen Reichsort Eschgelder erlegen; wan nun solches/, gescheh^^ 
stehet ihm entweder eine Ambtskoste auszzurichten oder auch, 
er solches nicht thun will, etwan ein 40 Rthal. davor zu erleg 
frey. Alszdan richtet dasz Ambt von denselbigen (Feldern selbste 
eine Ambtskoste aüsz; wasz nun von den Geldren übrig ^ 
wird zur Erhaltung der Armen, Wittiben, Exulanten wie auch 
Zeit der Noht zu Einkaufife und Versehung desz Kornsz in 
Laden weggeleget. Die Strafgelder, so ein jünger Meister, ' 
er dasz Meisterstück auffgezeuget, geben müsz, seind 2 oder 3 ^ 
und wird ein jeder Ru net nicht höher dan 3 Rthal. gestraffet. 
dieses sey auch der Ciebrauch bey ihnen, dasz derjenige Lese 
ausserhalb dem Ampte zu frey en Vorhabens, bey einem Meiste 
3 Jahresarbeit auszstehen muste, ein Meisterssohn aber könne 
ausser dem Ampte heurahten ; von mehren Gebrauchen wüste er n 
Marten Krahn, gleichfalsz eingefordert ündt ihme bey burgetl 
Ehren ünd dem Eyde die Warheit zu sagen anermahnet, . • • ' j 
Es kehmen die Einkauffüngsgelder in alles nicht höher als 
50 aber üntter 50 Rthal. zu stehen ; hatte solches/, alles in ^ 
Huch auffgesetzet. Es wird Erahnen 20 Rthal. Straff ^ 
vSonnabendt dasz Huch einzubringen aufferleget. 
/)eu 24. October afino i66j. 
H. Melchior Dreiling, Oberamptherr.' 
H. I’eter von Schivelbein, Hrg.* 
Dasz Ampt der Hötticher (gleichfalsz)^ ex officio voig 
und ihnen die lautere Warheit, wieviel ein jünger Meister, 
eforfle*'^ 
n et” 
1 Vergl. S. 679, Anin. 2. 
2 Vergl. S. 679, Anm. 3. 
3 ln der Vorlage schon in Klammem.
        <pb n="701" />
        Anhang. 
681 
Ambts begehrig were, dem Ampte erlegen muste, auszzusagen 
'^orgehalten. 
Der Elterman des Amptes: Primo gebe ein jünger Meister auff 
Zwo Heschauwüngen zwey Mahlzeiten; • was sie eigentlich kosten, 
^önte er nicht wissen; 2do. wan er dieses Meisterstück aufifge- 
^iesen und die Tonnen nicht woll gemachet, 3 Rthal. Straff; dar 
nach sie übel verfertiget, auch wohl gar nicht; jtens die Einkauffsz- 
gelder, die belieffen sich auflf 22 Rthal.; von diesen 22 Rthal. be 
nehme e. e. Raht den dritten Theil, nemlich y Vü Rthal., die Kirchen- 
^cdnung 12 Rthal., dasz Übrige wurde vor einen Meister des Ampts, 
^Gr in Armuht gerahten, oder auch etw a vor einen Gesellen, der 
^ohtdurfftig ist, wie auch zu Auffkauffüng des Korns, wansz die 
^oht erfordert, in der Amptslade verwahret. 
Casper Riman sagete ausz, dasz solche 2 Mahlzeiten, wann die 
^ttschauwüngen weren, zusamen woll auff 45 Rthal. anlieffen, der 
^xtraordinarie Zusprach aber von den Ehesten und Elterman uf 3 
^Uch wohl 4 Rthal. Der Einkauflfsgelder were eine gew isse summa, 
^Isz 22 Rthal., die muste ein jeder erlegen; die Tonnenstraff 
3 Rthal. 
Der Elterman desz Ampts regerirte, dasz die Tonnenstraffe 
Z-Uweilen wohl auff 5, ja woll 10 Rthal., wan sie übel gemacht weren, 
^'ch belieffe. 
Hans Lehman nach scharffer Inquisition berichtet, dasz die 
Unkosten in all zusammen woll auf 80 Rthal. sich belieffen, ünd 
k ■■ 
^onne keiner geringer damit abkommen. 
Worauff sie sämptlich abgetreten. 
C. Entwurf einer Rathsverordnung vom. 24. August 1668, 
betreffend die Missstände im Handwerke und deren Abhilfe. 
Stadt-Arch, in Riga (Äusseres Arch, des Raths), Convolut III, /J. Schrägen 
Reformation der rig. Handwerks-Zünfte, betr. 1642 1683. Papierheft aus 
3 Hogen, auf der Rückseite: Project II. Bürgertn. Dreylings wegen Refomtation 
^niger Anordnung in den Amtsschragen. Verlesen den 24. Aug. 68. 
Bürgernieistere und Raht. 
Demnach sowol in vorigen Friedenszeiten alsz auch numehro 
'^^ch überstandenen Kriege und schweren Pestilentzseuche die 
^*‘fahrung erweiset, dasz bey an wachsenden Nahrungsmitteln der 
Gilde Bürgere, nemblich die Kauffleuthe, viel hastiger und 
^^Uffiggj. zugewachsen alsz sonsten die Handwerckere von
        <pb n="702" />
        Anhang. 
682 
der kleinen Gilde, dessen Retardir- und Zurückhaltung aber ft 
nemblich in 2 Hauptstücken, da das erste van des Herrn Nahmens 
und deszen Feyertages Entheiligung, die anstat des Segens de 
Fluch hinter sich ziehen, das andere aber von einigen politischen 
Schragensbeschwerden, Beschrenck- und Beängstigung, herruhren, 
bestehet, alsz verordnet e. e. Raht krafift tragenden obrigkeitlichen 
Ambts hiemit ernstlich, dasz küniftig, (was den ersten Punct betri t) 
1) so wenig bey Annehniung der Jungen alsz auch dero Trans 
ferirung zu Gesellen die anzügliche gotteslästerliche Formu 
laren, alsz in nomine Domini, amen, item ich taufte dich J 
Nahmen etc., wodurch Gottes Nähme entheiliget, gäntz ic 
ausgelaszen und auch 
2) dasz keine Ambtszusammenkünftten, wie dieselbe imme 
Nahmen haben mögen, nicht unter Gesellen noch Meiste 
es sei auch unter was Schein und Brätext sie wolle, 
an des Herrn hohen Feyen und Sontage* sondern an 
genden Montage gehalten werden. 
Was nun das ander Stück der politischen Ursach betri 
dass zum ^j^j. 
i) in den Handwercken und Zünftten die Besckrenckung 
Ambtsmeistern uf eine gewisse Anzahl und Verbindung 
selben an gewissen Nationen nicht mehr geduldet 
können, inmaaszen ... in specie die Lehrjungen, hinftro a 
allen Nationen (der Welt) ', wan sie nur christlichen (jlau 
und Nahmens sind auch sonsten echt und recht und '^i 
leibeigen gebohren, angenommen werden mögen; weszW^g ^ 
dan auch besonders der lief ländischen und undeutschen 
jungen, wan sie kurtz vorher gemeldeter Maszen unbesc 
gezeiget kraftt dieses zu aller Ambtsfähigkeit erkläret wc 
(und Einschreibung über den 1 Rthal. Gottespfenning 
Ambte, in welchem er eingeschrieben wird, mehr d»» 
Höchsten noch i Rthal. spendiren mögen. Solcher 
Schreibung auch der Meister Scihne sich nicht entb 
können. Solte aber die Einschreibung in einem und 
Ambte sonsten geringer kosten alsz obgedachter, so 
1 Die Klammer fand sich im Original vor ¿¡/li' 
^ Am Rande von einer anderem Hand: su mit dessen hochstve/li^ ^ $0'^' 
heiligung. Von einer 3. Hand: Nach der Vesperpredigt könte ^ ^ 
sintemahl sie doch su Bier gehn und ehrliche Zusammcnkünffte in Go 
a/sdan nicht verboten.
        <pb n="703" />
        Anhang. 683 
Selbiges in denselben Ambtern hierdurch über das alte nicht 
gerechnet, sondern hiemit bestetiget) 
2) dass die Eindienung der Gesellen in ein Ambt zur Erhaltung 
der Meisterschaft nicht allein in denen Schrägen, in welchen 
sie nicht eingeführet, ins Künftig nicht zugelassen noch eigen- 
thätig weder heim- noch öffentlich eingeführet werden sol, 
sondern auch, weiln sie in vielen Ämbtern unerträglich hoch, 
nemblich auf 3 und mehr Jahren etc., angesetzet (wodurch 
viel von Gewinnung eines Ambts und folgends der Bürger 
schaft alhie abgeschrecket sind)* reduciret und zum Aller 
höchsten IV2 Jahre die Zeit von dem ersten Eischungtage 
an zu rechnen, gesetzet werde, worvon dennoch 
3) der Meister Söhne und diejenige Gesellen, so eine Meisters 
wittibe oder Tochter heurahten, dem Alten nach an sich 
Selbsten befreyet sind, andere aber auch durch gewisze Geldes 
mittele von e. e. Ambtgericht sich befreyen können. 
4) So werden auch die schwere und in vielen Ämbtern und 
Werken fast unerreichliche Ambtskosten und Mahlzeiten, die 
in einigen Ämbtern zu 50, 60, kxj und mehr Rthal. gewachsen 
und manchen guten Geseln von der Eischung biszhero un 
verantwortlich abgehalten, hiemit und ins Gemein eingezogen 
und folgender Gestalt eingerichtet, dasz ins Kunfftige ein 
Gesel, der hieselbsten ein Ambtsmeister werden wil, bey 
der Eischung des Ambtes, sie geschehe desselben (jewohnheit 
nach zu ein oder mehr Malen, nicht mehr dan 2 Rthal., bey 
der Beschau- und Abstraffung dessen Meisterstücks aber 
4 Rthal. und dan endlich bey der Gewinnung des Ambts 
oder Meisterschafft 12 Rthal. (davon die eine Helffte e. e. Raht, 
die andere Helffte der Amtsladen zufält)* spendiren und er 
legen sol, womit er dan 
5) von aller andern Bekösigung und Spesen, wie sie immer 
Nahmen haben mögen, krafft dieses gäntzlich befreyet und 
auf das 
b) einem solchen ambtseischenden fieselln ein Mehrers nicht 
so wenig heim- alsz öffentlich weder ausz guten W illen noch 
' Die zwischen Klammern stehenden Worte sind in der Vorlage durehgestrichen. 
* In der Vorlage befanden sich diese Worte auch in einer Klammer.
        <pb n="704" />
        684 
Anhang. 
durch Zwang angebracht und u(gedrungen werde, so sol 
hinfüro keiner zur Ambtseischung gelassen werden, ehe und 
bevor er bey e. e, Ambtgericht gebührlich sich angegeben 
und also von demselben in diesen allen besonders und 
ernstlich geschützet werden. 
7) So sollen auch diese reducirte Kosten durchgehends m allen 
Ämbtern, derer Kosten dies Quantum vorhin überstiegen, 
krafFt dieses eingetühret seyn. Das Ambt der (loldschmiede, 
Halbier und Fleischer, in welchen wegen gewiszen erheblichen 
Ursachen blosz die lezte 12 Rthal., die bey Gewinnung der 
MeisterschaiFt erleget werden, auF 24 geseyet werden, alle* 
auszbescheiden. . 
8) Solte auch in einem oder andern Ambte diese Kosten sovvo 
zusammen als besonders bereits vorhin geringer, alsz oben 
eingeFühret, gewesen seyn, so werden dieselbe gleiche 
(Gestalt hiemit aufs Neue bestetiget und im Geringsten hie 
durch nicht verhöhet. 
9) Dessen erbiet sich hinwiederumb e. e. Ralit, dasz diejemg 
Ämbter und Wercke, die keine gewisse bestetigte Schrägen 
haben und mit groszen Kosten und Schaden auch mit kein 
geringen Verkleinerung dieser Stadt und hiesiger Obrigh ^ 
mit fremden benachbarten Städten die Amtsgerechtigk 
gehalten, in Fremden auszländischen ZunfFten und Ämbt 
sich einschreiben auch wol strafFen lassen etc., hierin För 
liehst geFuget und denen angezogenen Städten gleich 1^^ 
billigen und in Deutschland gewöhnlichen Schrägen 
sehen werden. 
10) So sollen auch keine weitleuFfige Formale Processen iu 
Ämbtern zu Verspillerung dero Mitteln ins KünfFtig 
zugelassen, sondern dieselbe in dero Zwisten, 
Wett- und KauFmanssachen, summarie gehöret und gefi«- 
werden. 
D. Entwurf einer Rathsverordnung, betreffend die Erlang""^ 
des Meisterrechts, (zwischen 1642—83?). ^ 
Stadt-Arch. in Kipa (Äusseres Arch. d. Raths), Convolut ///, /J. 
Reformation der rip. Handwerks-Zünfte betr. 1642 1083, auf 2 Bopen k Jl n 
Nachdem e. edel hochw. Raht dasz viel Handwercksgt^si^ 
wegen der groszen Beschwer und heimlichen AufFlags,
        <pb n="705" />
        r 
Anhang. 
685 
der Zunfft denen, so Meister alhie werden wollen, aufburden und 
gar schwer machen, vernimt, und von einem jedweden Ampte, 
wasz ein Gesell recht eigentlich geben soll, und wie hoch die Un 
kosten sich erstrecken, nicht erfahren können, wordurch ihrer viel 
von hinnen zu ziehen und die Stadt zu verlassen veruhrzachet 
Werden, alsz ist ein e. e. hochw. Raht einem jedweden solches 
offenbahr kund zu thun veruhrsachet, und soll demnach hinfuro vor 
die Kischungen und Amptskösten in alles nicht mehr von ihnen 
gelodert werden, noch sie ein mehres zu geben schuldig sein, alsz 
folget: vors 
1) Alle dieselben Handwercker, so sich alhier häuszlich nieder- 
laszen und dasz Ampt eischen wollen, sollen vorher, dasz 
sie nach auszgestandenen Dienstjahren zum Wenigsten zwo 
oder drey Jahr im Gesellenstande gewandert und in dieser 
Stadt bey Meistern ein Jahr ehrlich gearbeitet haben, darthun. 
2) Sollen sie bey Kischung ihres Amptes ihren Gebuhrts- und 
Lehrbrieff, dasz darauf nichtes zu sprechen sey, auf legen 
und dabey ein Mehres nicht alsz i Rthal. Eischungsgelder 
abtragen; da sie aber die Brieffe in continenti nicht habhaft 
werden köndten, sollen sie dieselbe verbürgen und geloben 
und alszdan innerhalb sechs Monath einzubringen gehalten 
sein. 
3) Soll der antretende Gesell dasz Meisterstück innerhalb Viertel 
jahr und solches nach itziger Zeit Manir, auf dasz er daszelbe 
zu seinem Nutzen verkauffen möge, verfertigen und dem 
Ampt aufzeigen; da es aber tadelhafftig nach Gestalt des 
Fehlers auf i, 2, 3 oder 4 Rthal. und nicht höher im Ampt 
gestraffet werden; solte es nun gantz untauglich sein, dasz 
er mit dem Meisterstück nicht bestehen köndte, alszdan soll 
man daszelbe den Amptherren, die darüber judiciren sollen, 
vortragen. Wird es nun untauglich befunden, soll er keine 
Straff geben, sondern noch ein Jahr vor Gesell arbeiten, auf 
dasz er sich perfectionire und beszere und alszdann übers 
Jahr dasz Meisterstück vortsetzen. 
4) Hey Aufzeigung seines Meisterstückes soll er sein (ield 
niederlegen, und dafern dasz Meisterstück angenommen und 
tauglich befunden wird, vermöge Specipcation, wasz ein 
jedweder geben soll, abtragen, worbey dan alle übrige 
Amptskösten, insonderheit die kostbahren Beschauungen, 
die in werender Zeit, da dasz Meisterstück von den jungen
        <pb n="706" />
        686 
Anhang. 
Meistern verfertiget, darbey vorlauflfen, hiemit gäntzlichen 
abgeschafft verbleiben, weszhalb dan auch den jungen 
Meistern zur Verfertigung deszelben lenger nicht dan ein 
Vierteljahr oder, nach dem dasz Werck ist, etzliche Wochen 
drüber Zeit gesetzet wird. 
5) Wan aber einer, der Meister werden will, eines Meisters 
Tochter oder Wittfraw freyen solte, soll derselbe, wans auch 
gleich eines Meisters Sohn were, nicht allein, wie oben er 
wehnet, gewandert haben, sondern auch ein gleiches Meister 
stuck, wie ein Frembder vor ihm gemacht, verfertigen, 
sonsten aber nicht mehr dan die Helffte aller solcher darbey 
auffgehenden Unkosten zu tragen schuldig sein. 
6) Solte sich nun unter allen Handwerckern einer e. e. und 
hochw. Rahts Gesetz und Ordnungen zu übertreten und ein 
Mehres zu spendiren sich unterwinden, so soll derselbe, der 
über dasz Gesetz gehandelt, 20 Rthal., und der Elterman, der 
es im Ampt zugelaszen und zugegen gewesen, imgleichen 
20 Rthal., und ein jeglicher, der solches genoszen, 10 Rtha 
Straff ohn einige Auszrede oder Gnade geben, und da sics 
nicht gestehen solten, soll ein jedweder, dasz er nicht darbe) 
gewesen noch viel weniger in etwasz darvon genoszen, sic 
mit einem cörperlichen Eide zu purgiren schuldig sein. 
7) Sollen Meister und Gesellen bey ihrer gewöhnlichen Zusarnmea^ 
kunfft alten Gebrauch nach, wie noch alsz vor, wan sie ‘ 
Amptslahde öffnen, die Verbrechere straffen und in al 
Handwercksgebrauch halten. 
8) Wan nun solches alles, wie vorgeschrieben, der junge Meist^*^ 
entrichtet, soll er die Bürgerschafft, so ein Leidliches ist, ë 
winnen und nach Gelegenheit freyen. 
9) Trüge sichs aber zu, dasz etwa einer, der anderswo 
Meisterstück gemachet, dasz Ampt gewonnen und sonst 
auch Feur und Rauch gehalten, so soll derselbe, wan ^ 
nur nicht einer Ubelthat halber von daselbsten vertriebe ^ 
nicht allein nichtes desto weniger bey unsz sich niederzulas«^^ 
und dasz Ampt zu gewinnen die Freyheit haben, son 
auch obgedachter Spesen fast gantz überhoben sein, 
das er die Hirgerschafft gewinne und das Gelt allen er e 
1 Der letzte Satz von einer anderen Hand.
        <pb n="707" />
        Anhang. 
687 
Ordnung wasz ein jedweder Gesell, der Meister werden will, eins 
vor alles gerechnet, geben uiid über dasz ein Mehres nicht thun 
soll 
Schneider, Wandscherer, Töpffer, 
Schuster, Kannengieszer, Näthler, 
Kürszner, Sattler, Senckler, 
Becker, Hutter, Böddecker, 
Tischler, Beuttler, Dreyer, 
Grobschmidt, Mahler, Maurer, 
Kleinschmidt, Sporer, Repschläger, 
Kupflferschmidt, Semisch-Gerber, Leinweber, 
Schwerdfeger, Courdewanbereiter, Zimmermann. 
Meszerschmidt, Gürtler, 
Gläszer, Krohngieszer, 
Diese 21 Rthal, sollen also abgetheilet sein: 
Vor alle Eischungen, eins vor alles, . . i Rthal. 
Vor die Amptskoste 4 ^ 
Kirchenordnung 
Zu Vorrahtskorn in inren Kasten zu legen 7 
Der Stadt vor die (Gerechtigkeit ... 7 
Thut in alles 21 Rthal. ' 
Wan nun dieses einem jeden Handwerck wird kundgethan und 
öffentlich in Druck gegeben werden, ist im (Geringsten nicht zu 
^'veiffeln, dasz die Stadt in etzlichen Jahren augenscheinlich zu- 
•lehmen werde, sonsten wird dieselbe wie vor etzliche hundert 
Jahre klein sein und verbleiben, und ist eben dies dasz Mittel, 
'vordurch wir allerhand Handwercker an unsz ziehen und die Stadt 
grosz machen auch wolfeile Arbeit haben können, den die willige 
^nd fleiszige den unfleiszigen dasz Brodt ausz dem Munde nehmen, 
wir der Exempel itzo schon in der Stadt haben, wordurch 
Mancher so viel mehr, dafern er nicht darben und verderben 
"^ill, den Müsziggang und Saufferey einzustellen wird veruhrsachet 
Börden. 
* Das folgende scheint von anderer Hand herzurühren.
        <pb n="708" />
        688 
Anhang. 
E. Entwurf eines Projects zur Reform des Zunftwesens, 
verfasst zwischen 1679—1688. 
Stadt-Arch. in Riga (Aeuss. Arch. d. Raths), Convolut TU, 13, Schrägen 
darin ein Papierheft von 22 Blättern, von denen 3 unbeschrieben sind; auf der ers 
Seite: Reformation in den Rigiscken Handtwercken und Zünften, und weiter un 
Aemter, Lit. A. Nr. 1. Die Schrift ist von einer Hand und vielfach durchstric^^^ 
Das Ganze macht den Eindruck eines Brouillons, weshalb von den zahlreichen u^^^^ 
strichenen Worten und Sätzen nur die wichtigsten wiedergegeben sind. 
der auf der ersten Hälfte der Seite geschriebenen Artikel sind mit einer K 
umschlossen, an deren Spitze extradatur steht. Diesen Vermerk haben nicht er a 
folgende Artikel: Vorrede bis Cap. i, Abschnitt NB. in Art. 5, Art. 6; ' 
Abschnitt cortra bis Verhöhungen\ Cap. 4, Abschnitt NB. bis contn 
kontent Cap. 5, Abschnitt Notetur\ Cap. 6, Abschnitt III bis Folgendesz und 
alles Folgende von dem NB. in Abschnitt 4. Nach Anton Buchholtz’ ^nsichb 
trefflichen Kenners rigischer Handschriften, stammt dieser Entwurf von der 
des rig. Rathsherrn Johann v. Schnitzen, der von 1666-1688 dem Rathe ange 
(vergl. Böthführ, Die Rigische Rathslinie, Nr. 612) und nach Buchholtz’ 
von Mich. 1676 bis Mich. 1679 Münsterherr gewesen ist. Da der Verf. 
Wurfs sich auf eine Zeit, wo er Münsterherr gewesen war, beruft, so ist der En 
nach 1679 verfasst. 
Reformation in den rigischen Handtioercken und Zimfften. 
Vorrede: 
Uber die schwere Handt Gottesz, die Liefflandt von etlicie^ 
hundert Jahren her durch Kriegk, innerliche Unruhe und schwer^ 
Seuchen deszen gerechten Zorn nach vielialtigk und heftigk ë ^ 
drucket, sein auch unterschiedliche politische Ursachen, die in de ^ 
selben dieser unser geliebten Vaterstadt an dero W achsthunib 
Uffnahm mercklich gehindert, denn obgleich dieselbe dergest»^ 
gelegen, dasz sie nach überstandnen Kriegk und andren 
Plagen alsz eine vornehme See- und Handelszstadt, so viel 
die vorher erlittne Ungelegenheit haben zugeben mögen, 
Handel und Wandel zu redressiren und an sich zu ziehn, also 
hatt bemüht sein können, worinnen esz deroselben auch 
zimlich gelücket (davon vor diszmahll weitleufftigk zu schrei 
mein Vornehmen nicht ist)', so hatt doch dasz ander Stuck 
liehen Wachsthumbs, nemlich die Vermehrungk der Wercken ^ ^ 
Zünfften, nicht anders denn gar langsam und schwer kisz ' 
folgen wollen. 
vof 
(lie 
Man hat zwar der Zünfften Schrägen und Verfaszungei 
eine Ursach solcher Hindernisz gehalten, allein wann Wi«" 
1 Die Klammern ohne Stern fanden sich schon in der Vorlage ciR 
Klammern mit einem Sterne umschliessen ausgestrichene Worte und Sätze, 
Umschliessung ausgefallener Buchstaben mit Klammern erfordert die Editions: 
dR
        <pb n="709" />
        44 
Anhang. 
689 
Situation deroselben betrachten, wie sie keine ordinaria passagie 
und Durchzugk ist, auch weit von Deutschlandt, ausz welchem sie 
dennoch mehrentheils populeuse gemacht werden musz, abgelegen, 
so sein solchene Schrägen an sich Selbsten, insoweit sie die Er- 
haltungh gemeiner Ehrbahrkeit, der Jungen Lehre, der Gesellen 
Gebühr und Wanderschafft und die Communication hiesiger Wercken 
niitt den deutschen ... concerniren und dasz Ambt uff etliche gewisze 
Personen nicht restringiren, zu mehrem Wachstumb und Zunahm 
der Wercken hoch nothigk. 
Allermaszen auch dasz Exempel von Schweden, Dennemarck, 
Pohlen etc. diesesz klärlich darthutt, dann dieselben, wenn sich nur 
anfangks so viel deutsche Meister in ihren Städten einfinden, dasz 
sie eine Zunffte und Wercke bestellen kennen, sie denenselben 
gern die Schrägen nach Art der deutschen ertheilen, damitt sie 
dadurch mehr und mehr die deutsche Gesellen zu sich locken und 
also Meistere und Gesellen bei ihnen so wenigk alsz mitten in 
^Deutschland bescholten sein mögen etc., welchesz denn in Sonderheit 
l^ey den deutschen Kriegen den Städten Stockholm, Copenhagen, 
Krakau, Posen, M ilda etc. zum stadtlichen Uffnahm gediegen, zu- 
niahlen auch sie nebest unsz dergestalt betjuem nicht situiret, dasz 
Sie gleich Hollandt ausz Franckreich, Englandt, Schottlandt mit 
schragenlosen Leuten besetset werden megen. 
Die rechte und warhafftige Hinderungsmitteln aber sein bisz- 
ero bey unsz diese 3 Miszbreuche in den Schrägen gewesen, deren 
(1) ist die schwere Eindienungk zu 2, 3 und mehren Jahren in 
ein Ambt; 
(2) die schwere Ambtskosten, die Wenigen zu erreichen vorhin 
müglich gewesen, dasz also, wenngleich die Eindienungk 
einen und den andren gütten Pursen von hiesiger Meister 
schafft nicht abgeschrocken, dennoch die schwere Kosten 
denselben mehrentheils von hinnen getrieben; 
(3) die Heschrenckungk einiger Ambter uff gewisze Personen etc. 
Von dieser 3 Puncten Reformation und von einigen andren 
Sitten Ordnungen, von Vermittelungk en general, redet diesz erste 
^heil in 7 Capitteln. 
i) So wirdt auch in dem ersten Tehel daneben dahingesehen, 
^^sz dennoch dasz wenige, wasz die Jungen, (iesellen und Meistere 
l^^ch dieser Reduction alsz eine Ambtsbeschwerde endtlich ein- 
^ringen müszen, beszer denn vorhin angewandt werden mege.
        <pb n="710" />
        Anhang. 
690 
Weszwegen denn die Verordnungk gemachet wirdt, dasz ein 
Theil solcher Zusteuern 
1) zur Kirchenordnungk, woruff auch unser Vorfahren in etvven 
und ohn sondere mercklichen Frucht in diesem Stuck 1 ^ 
Absehen gehabt; 
2) ein Theil zur Beforderdrungk desz gemeinen Schutzwesen, 
so nächst Erhaltung Kirchen und Schulen, die der See 
Heil und Wolfahrt concerniren, höchst nothigk ist, und 
sie dasz zeitliche Wesen mittbewahret, voll und vorsichtig 
beobachtet werden musz; 
3) und den letzlich ein Theil in die Ambtlade nicht zur 
mentirung allerhandt débauché und unnutzlicher Process ^ 
sondern zur andern heilsamen Spesen gewandt und geke we 
werden soll. 
2) Weill auch diese Reduction dahin gerichtet, dasz nicht s 
sehr die Entzele und Particulier-Personen alsz dasz gantze 
und Ambt, dasz vorhin fast keine Beschwerde gehabt, 
beleget werden möge, so wirdt umb so viel leichter diesesz a 
ins Werck gerichtet werden megen. 
In dem andern Theil werden einige Specialreformation^^ 
nach Gelegenheit diesesz und jenesz Ambts und Erheischungk 
gemeinen Besten eingeführet, dasz also dasz erste 1 heil u 
Vermehrungk der Wercken und Meistere, dasz ander uff die 
beszerung der Wercken zum gemeinen Wesen gerichtet ist, v 
welchen allen beyde Theile mitt mehren belehren. 
Der ander Theil ist gar kurtz und bestehet zum Höchsten 
4 Bogen.' 
Im Nahmen desz dreyeinigen Gottesz! 
Pars seu generalis. 
Cûp. 1. Von T^ehrjungcn luid jungen Gesellen. 
i) Esz soll kein Jung kunflftig in ein Ambt, umb ein 
Han 
dt- 
Ij tLSZ soll Kein jung ivunntig iii «-m . wn./i, 
werck zu lernen, uff und angenommen werden, eh une 
nebest seinem Meister er vor e. ehrb. Ambtgericht getre 
daselbsten zum Gotteszpfennigk i Reichsthaler und dai 
wegen desz Schutzesz, so er in dieser Stadt genieset, zu 
Unterhaltung auch i Rthal. erleget. Wann solchesz gc 
;schehei^’ 
1 Fand sich nicht im Convolut vor.
        <pb n="711" />
        44* 
Anhang. 
691 
Stehet dem Ambt, deszen Werck der Junge erlernen will, denselben 
uff seines Meisters und seiner Bürgen gebührlichesz Anhalten in 
ihrem Ambtsbuch vor Meistern und C%esellen zu verzeichnen frey, 
jedoch dasz diesz Schreibgeldt bey der Ambtladen ein (* Viertheil 
Vom) Rthal. nicht übersteige. 
2) Wann nun ein solcher sowoll in e. ehrb. Ambtsgerichts- 
protocollo alsz auch in deszen Ambtbuch registrirter Lehrjung 
Seine Lehrjahren richtigk auszgehalten, soll er abermahlen vor e. 
ehrb. Gericht gestehet und daselbsten zur Erhaltung Kirchen und 
Schulen i Rthal und zur Beferderung desz publiquen Schutzwercks 
uuch I (* Ducat) Rthal. abzulegen gehalten sein. Hernacher stehet 
dem Ambte, deszen Werck er erlernet, denselben loszzusprechen 
frey, woselbsten er alszdann nicht heher dann auch i Rthal. in die 
Ambtslade zu geben schuldigk sein soll, und die andre Ambtsbe- 
schwerde deszwegen hiemit gäntzlich abgeschaffet werden. 
3) Dafern nun ein solcher Lehrjunge dergestalt arm und ver- 
laszen were, dasz ihm diesen Gotteszpfennigk und Schutzgelt uff- 
zubringen unmüglich sey, soll sein Meister, bey welchem er dasz 
Werck erlernen will, sowoll diese 3 Rthal alsz auch, wann er zum 
Gesellen loszgesprochen werden soll, die andern 3 Rthal vor ihm 
zu verschiesen schuldigk sein. Worhingegen wiedrumb ein solcher 
Gesell nicht er von seinem Meister zu treten befuget sein soll, eh 
ünd bevor er ihm diesen Verschosz durch sein Wochenlohn guth- 
&amp;ethan. 
4) Damitt aber die Meistere desto willigere zu solchem Verschosz 
Sein mögen, soll ein solcher Gesell, vor welchen der Meister diese 
4 Rthal verschoszen, in so lang bisz er ‘den Verschosz abgedienet, 
*^ur halb so viel Wochengeldesz den ordinarie ein ander und frembder 
Gesell kriegen, wodurch denn die Meistere die andre Helffte gleich 
^&gt;ne Rente lucriren und zugleich auch deroselben Universalklage, 
^asz, wann ihre Jungen auszgelernet und ihnen, den Meistern, einige 
^^ienste alsz Gesellen thun sollen, sie mehrertheils baldt darvon 
^andern, vorgebeugett, und also ein I heil solcher (iesellen ein 
^^it lang den Meistern hiedurch nothwendigk beybehalten werden. 
5) Damitt nun diesesz unverenderlich gehalten werde, so sollen 
^^ch der Meisterer Sehne, die ein Handtwerck erlernen wollen, 
|^*^von nicht exempt sein, und also diesem universaliter und ohn 
Jeniger Einrede nachgelebet werden.
        <pb n="712" />
        692 
Anhang. 
^{NB. Dieses kente mitt allen der grossen Gilde Bürger 
Jungen und künftigen Gesellen universaliter practisiret und 
von e. ehrb. Weltgericht (woselbsten schon die Crämer- 
Jungen registriret werden) vollenzogen werden; weilen auch 
die grosze Guide vor der kleinen allewege in mehrer Con 
sideration gewesen, so wäre nicht unbilligk, dasz die jungen 
und Gesellen der grossen Guide den Gottesz- und Schutz 
pfennigk gedoppelt erlegen mechten. 
Damitt nun diese Verordnungk (dafern e. ehrb. Rath dieselbe 
mit bestätigen solte) umb so viel steiffer und fester gehalten 
und exequiret werde, so kente mitt folgender Straff, 
nemblich derjenige, welcher von der grossen Guide künftig 
alhie die Bürgerschafft gewinnen will und von dem erlegten 
zweyfachen Gottesz- und Schutzpfennigk keinen gerichtlichen 
Schein und Beweisz uffzuzeichen hätte, kunflftigk abgewiesen 
werden solte, den Ungehorsamen gedreuvet werden etc.| 
6) So wär auch so unbilligk nicht, dasz alsofort nach geschehner 
Publication von deren itzo in Diensten seinenden Jungen der 
fangk gemacht, und also umb sovil leichter esz auch von denen aus 
den Diensten tretenden Gesellen folgendts exequiret werden kente, 
so dennoch der Kirchenordnungh und der Musterey, wohin dies 
Gelder gewandt werden muszen, jährlich ein Groszesz tragen wur 
Cap. 2. Von Geszellen, die dasz Ambt eische7t, und Meistern- 
Nachdem die Erfahrungk ausweiset, dasz folgende 3 
manchen jüngen Gesellen von der Eischungk desz Ambtesz ^ ^ 
Selbsten abschrecken, und also die Vermehrung hiesiger 
schafft, bey welcher, Gott sei Lob, vorhin Nahrungk gnugk 
biszhero nicht wenigh verhindert. Nemlich: 
1) die Eindienungh ins Ambt, die in unterschiedlichen Äm^ 
uff 2, 3 und mehren Jahren blosz in faveur der Meistertoc ^^^^ 
und der verstorbenen Wittiben etc. unterschiedlich g^® 
2) die schwere Einkauffsgelder und Ambtss¡)esen utt 0 ' ^ 
50, 60 bis KXJ Rthal, in unterschiedlichen Ämtern untersc 
lieh, worna e. ehrb. Rath und dasz gemeine Wesen 
1 ln der Vorlage 
Klammern. 
steht auch der ganze 
Passus nach dem Ntt. 
eckige"
        <pb n="713" />
        Anhang. 
693 
wenigk gebeszert, die Amtsbruder nur Gelegenheit zur 
débauché gehabt; 
3) dasz geschloszne Ambtswesen einiger gewiszer Ämbter, wo 
durch blosz die wenige Meistere und dasz Publicum im (Ge 
ringsten nicht gedienet wirdt etc. 
Alsz will e. ehrb. Rath gegen selbige 3 obstacula und Hinder- 
nisze folgende Verordnungk nunmehro thun. 
Cojifya 1. So soll von nun an kein junger Gesell (daferne er 
Vermöge seinesz Ambfs-Schrägen zu solchen Dienstjahren con- 
stringiret ist) nicht höher dann auff 2 Jahr den terminum a quo 
Von Zeit, da er hieselbsten zu arbeiten angefangen, an zu rechnen. 
Sich ins Ambt einzudienen und mittler Zeit nicht mehr denn zwey 
Mahll dasz Ambt ohn jenigen Kosten gebührlich zu eischen ver 
bunden sein, wie dann e. ehrb. Rath alle dem zuwieder lautenden 
Schrägen krafft diesesz geendert und nur uff 2 Jahr solche Ein- 
fiienungk universaliter restringirei haben will. [Damitt auch der 
Verstorbenen Meister Wittiben und dero Kinder Beforderungk zur 
Ehe nicht gantz und gar ausz der Acht gesetzet werden mögen. 
So last e. ehrb. Raths geschehen, dasz diejenigen junge Gesellen, 
^le ein Wittib oder Meisterstochter heuratheu, auch dieser Jahren- 
lEenste befreyet sein mögen, jedoch dasz er innerhalb 2 Monathen 
brist dasz Ambt 2 Mahlen gebührlich eische und seinesz Hand- 
'vercks Gewohnheit nach sein Meisterstück verfertige und uffweise. 
Coittra .g**" Esz hat e. ehrb. Rath in anno 1620 den 19. Aprilis 
bereits die Vorsehung gethann, dasz die Ambtherren die Einkauflfs- 
gelder (*reduciren) und andre Spesen in eine gewisze Ambtslade zur 
Einkauffung einesz gewiszen Voraths an Korn gegen die Zeit der 
^oth samlen und dagegen alle Ambtskösten und Verschwendungen 
^bschaflfen sollen, worin aber leider ein Mehresz nicht erhalten, 
^ann dasz die Erauen und Kinder von solchen Ambtskösten sich 
enthalten, im übrigen sein solche verbothne spendationes, wie 
^üch die Einkauflfsgelder selbst von Jahren zu Jahren zur Abschreck- 
^nd Abhaltung vieler (jesellen von Eischung hiesiger Ambter mehr 
^^d mehr gewachsen, ¡wie solchesz ausz dem Special-Verzeuchnisz 
Solcher Spesen mitt mehreren zu ersehen ist.j 
Anno 1623 den 14. Febr. ist daszelbe, wesz in genere anno 1620 
Verordnet, in specie auch ratione der kostbahren Ambtskösten in 
Hötcher Ambt wiederhohlet und durch die damahligen Ambt- 
publiciret worden.] ‘ 
• Die entsprechende Klammer fehlt. Vergl. S. 268, Nr. 18, Kopfnote.
        <pb n="714" />
        694 
Anhang. 
Wann dann solche Spesen und Einkauflfsgelder in den Ämbtern 
und Zunfften unterschiedlich in einem höhere dann in den andren, 
welchesz dann keine geringe Drsach der nachteihligen Verhöhungen 
durch Amulation und Exempeln biszhero gewesen, so sollen «n- 
kunfftig: 
1) in allen Zünñten und Ämbter die EinkaufFsgelder (ausser 
einigen, wie folgen wirdt, specialiter auszgenommen wenigen 
Ambthern) gleich hoch sein; 
2) soll ein junger Meister, wann er «seine Meisterstück uffweiset 
oder sonsten sein Jahr in der Arbeit auszgestanden, zum Em* 
kauff oder Eintritt in dasz Ambt nicht mehr dann 10 Rthal- 
(davon 5 zur Kirchenordnungk und die andre 5 Rthal. 
Unterhaltungk desz publiquen Schutzwesen jährlich ver 
rechnet werden sollen), dem Ambtherrnn und dem Ambte 
die Amhtlade auch 10 Rthal. erlegen. Vornach 
3) dessen Meisterstück zum Höchsten bisz uff 5 Rthal. gestraifeb 
und da der junger Meister vermöge Schrägen desz Meister 
Stucks überholen wirdt, solche Uberhebung dennoch und 
Höchsten mitt 5 Rthal. zu entgelten schuldigk sein, 
4 Rthal. etc. sollen zu den Ambtszusamenkunfften gewan 
werden); 
4) diese 5 Rthal. Straffgelder sollen die eltisten Ambtsmeistet^ 
zu verzehren bemächtigt sein, allermaszen sonsten der Ambts 
bruder Zusamenkünffte so gantz und gar ohn Ergetzlig^^ 
beschwerlich sein wurden; 
5) auszer obigen Spesen, die zusamen uff 20 Rthal. sich belauff^*^^ 
sollen solche junge Meistere noch bey der Eischungk 
Ambts, noch bey Uffzeigen des Meisterstücks, weder v^o^ 
weder nach, weder ffeywilligk (durch welche gezwung 
EreyWilligkeiten die grösten Unordnungen und \ ersehe ^ 
düngen entstanden), weder gezwungen die geringste Unko 
nicht weiter thun etc. Dafern nun 
6) hierwieder gehandelt, und ein junger Meister tlasz 
geringste mehr auszgegeben, soll dieser praejudicir 
Ungehorsamb nicht allein mitt (ielde, sondern auch 
(iestalt mitt Gefängnisz (*mitt an der Ehren) gestraffet 
dasz nemlich der Elterman und die Heysitzere desz 
die die übrige Spendation geduldet und darin conn 
mitt einer hohen Geldtbusze; (*zum ersten Mahl van
        <pb n="715" />
        Anhang, 6g^ 
Praesidenschafft degradiret und Jahr und Tagk keine Ge 
sellen zu setzen befuget sein sollen; zum andern Mahl an 
ihren Ehren andern zum Exempel und ihnen zum Straff 
ernstlich abgestraffet) ; der junge Meister aber, der wieder 
Verboth dergestalt ein Mehresz, esz sey gezwungen oder 
freywilligk aus Discretion spendiret (*ohn jeniger Gnade 
ausz dem Ambt, so er biszhero aflfectiert, gestoszen werden 
sollen), auch mitt arbitrer Geldtbuse, und so er keine sonder 
liche Mittel hatt, mitt Gefängnisz abgestraffet werden. Wie 
denn auch 
7) alle Spesen, die von Ambtherren alsonderlich (*item einen 
oder den andern Herrn desz Ministerii) oder sonsten von 
einigen jungen Meistern geschehen pflegen, hiemitt auch 
gäntzlich abgeschaffet sein sollen. Dafern auch 
8) ein junger Gesell, welcher sich hieselbsten gerne nieder- 
laszen wolte, die 20 Rthal. im Anfangk nicht alsofort erreichen 
kennen möchte, so soll der Herr Ambtherr ausz einer Ambts- 
rechnungk gegen Verpfandungk desz Gesellen Gebuhrts- 
und Lehrbrieff ihme die Helffte vorzustrecken schuldigk sein. 
Contra j«"*- Esz soll kein Ambt oder Wercke in Riga (ausser 
fier Balbiere-Ambt) auff gewisze Personen und Meistere mehr ge- 
schloszen, sondern die Ämbtere, soviel sich nur bey ihnen angeben, 
dasz Ambt eischen und vermöge Uffzeigungk ihrer Gebuhrts- und 
Lehrbrieffen ambtsfehigk an- und uffzunehmen schuldigk sein, wor- 
*îtitt dann in-specie der Gol(d)schmiede Schrägen in diesem articulo 
geendeert sein soll. etc. 
j. Von den Handtwerckern und 'Ambient, die diese Kosten 
bey dem Eintritt ins Ambt tragen und nicht tragen können. 
Weswegen in Riga die Ambtere und Wercken in drey Classen, 
•^emlich in: 
1) Principal und Haubt - Ambtere, die beym Eintritt und Ein- 
kauff die obige 20 Rthal. füglich tragen können; 
2) in (* undeutsche und) geringere Wercke, die nur halb sovil, 
nemlich 10 Rthal., tragen mögen und dann 
3) in einige auszer diesen beywohnenden Zunfften, die nur 
6 Rthal. tragen sollen, 
getheilet werden. NB. [Unter die principal und deutschen Wercken 
gehören auch unterschiedliche undeutsche, weiln sie gleich den
        <pb n="716" />
        Anhang. 
696 
deuschen diese Spesen der 20 Rthal. tragen sollen; diese Ambter, 
die 20 Rthal. tragen sollen oder müszen, sein bereits oben 
gesetzet und folgende.)) 
Die Principal und ersten Ambter seint folgende; 
Kürsner, 
Dreyer, 
(* Cobschläger,) 
Kannengieser, 
deutsche Schneider, 
deutsche Schuster, 
(*und undeutsche,) 
Grobschmiede, 
(* deutsche u. undeutsche,) ^ 
Beutler, 
Kleinschmiede, 
(* Leinweber, deutsche und 
undeutsche,) 
Sadtler, 
Topffer, 
Tischler, 
Gürtler, 
( *Maurer, 
deutsche und undeutsche, 
Zimmerleute, 
deutsche und undeutsche,) 
Hötkcher, 
Semsgärber, 
Gläsere, 
Rebschlägere, 
(*Cordouvanbereiter,) 
Weisz- oder Festbäckere, 
Loozbäckere, 
Rademachere, 
Steinmetzker, 
Pfeffercuchler *, 
Posamentmachere, 
Knopfmachere, 
Hudtstaffierere, 
Cordewanbereidtere, 
Peruckmachere, 
Uhrmachere, 
Fehrbere, 
Kunstpfeiffere, 
(* Buchbinder,) 
Lederteuwer, 
Nagelschmiede, 
Feilenhauvver, 
Bader. 
NB. 1) Ob nicht die undeutschen Schustere und Schneit ^ 
gleicher Gestalt mitt 20 Rthal. beleget werden sol ^ 
damitt durch diese Ufflage die Undeutschen, deren 
mehr alsz hieselbsten nöthigk sein, einfindeii, zurückß^^ 
halten und die Deutschen (alsz Schustere und Schneit et^ 
etc.) umb so viel mehr zur Arbeit gefordert werden konnei 
NB. non extradatur. 
1 Hier folgt: (*NB. ¡dass die deutsche Schneider und Schuster, item yf¡. 
und andre mehr dieser classi folgende Ambtere hierin ge/odert, 
dautschen, derer sich mehre alss hieselbsten nefigh sein, einfinden, surttc g 
werden mögen] also müssen diese gleiche Beschwerde tragen.) 
2 Zu diesem und den folgenden Ämtern ist bemerkt: Diese Afnbtere 
biszhero nicht eingefuhrt und also ohn aller Beschwerde gewesen.
        <pb n="717" />
        Anhang. 
697 
2) Weiln nun diese Stadt abgelegen und nicht gleich Amb- 
sterdam und andre gelegene Städte von allerhandt frembden 
Nationen, als Frantzosen, Engländer, Italianer, Hrabander, 
Flämingen, sondern blosz von Deutschen populeus gemacht 
werden musz, so muszen die in Deutschlandt eingefuhrte 
Schrägen, insonderheit diejenige, quo ad honestatem der 
Jungen Lehre, der Gesellen Verhaltnisz, Wanderschafft und 
die Communication und Correspondence der deutschen 
und hiesigen Wercken, hieselbsten nicht allein befästiget 
bleiben, sondern auch, da sie noster senatus biszhero nicht 
eingeführet, da nemlich einige Ämbtere blosz mitt denen 
(*teur erkauiften) von denen Ambtherren erhaltenen Pro- 
jecten sich haben befriedigen laszen muszen, annoch gegen 
Erlegung einer würdigen Recognition (*zur bibliecken oder 
ad alias pias causas) sub amplissimo nomine senatus ein- 
gefuhrt werden muszen. 
3) ’[In disser ersten classi der Haubtambter kennen diese fol 
gende Aembter allein excipiret und rechtevoll uff 30 Rthal. 
Einkauffsgelder gesetzet werden, aldermaaszen dieselbe 
ohne jeniger besonderen Beschwerde sothane summa 
tragen können und auch vorhin weit ein Mehresz würcklich 
getragen. 
Dasz Ambt der Goldtschmiede, 
Halbier, 
Fleischer. 
Diese 30 Rthal. können folgender Gestalt distribuiret werden: 
IO Rthal. zur Kirchenordnungk, 
M w Unterhaltungk desz gemeinen Schutzwesen, 
IO „ in die Ambtslade. 
ln der andren classi der geringem Handtwerken, die die 
Helffte, nemlich nur 10 Rthal. tragen sollen, gehören: 
dasz Ambt der deutschen und undeutschen Leinweber, 
Fuhrleute, 
undeutschen Schneider, 
(♦Ligger), 
" undeutschen Schuster, 
'I deutschen und undeutschen Maurer, 
ÍL n n n Zimmerleute. 
* Vor dem Worte In steht eine eckige Klammer, die entsprechende fehlt aber.
        <pb n="718" />
        6ç8 
Anhang. 
(* Holzträger, 
Henpffzwinger, 
Biertrager, 
der Ligger, 
item 
Fischere, 
Ubersetzere. 
Esz wundere sich keiner, dasz diese geringe Ämbtere uflf solche 
hohe Kosten gesetzet sein; allermaszen sie allewege darhin jedoch 
in unterschiedlichen Stucken, so dennoch mehrentheils zur debouch 
und also liederlich angewandt worden, fast mehrerre Unkosten 
gethann etc. In dieser classi werden einige geringe abermahlen 
3 Ämbtere axcipiret, die nicht mehr dann ohngefehr 6 Rtha 
Einkauffsgelder tragen kennen, alsz 
die Sagere, 
Loddigenkerle, 
Übersetzer.) 
Auszer diesen befindet sich bey uns die ßte classi der bey'vo 
nenden Zunffte, die nur 5 à 6 Rthal. zum Einkauflf tragen sollen, 
derer seint: 
die Lieggere, 
Saltzträgere, 
Henffswingere, 
Hierträgere, 
Sagere, 
(* Loddigenkerle,) 
Item Fischere, 
Ubersetzere. 
Cap. 4. Von der sanihtlicher Wärcken und Ainhter jahrhche^^ 
Kosten, die dero Ambtslade betrifft. 
Diese folgende Spesen werden nicht von den Ambtspersone&gt;i 
sondern ausz der Ambtslade von dem gantzen Anibte und NVn 
gezahlt. 
i) In den vorigen Jahren haben mehrentheils Ambterere ß 
jährlich zur Erhaltungk Kirchenordnungk ein Gewiszesz 
buiret, wie der beygefugte Specialuffsatz specialiter auszweis^^, 
welchesz vormalsz bey der schweren Müntze etwnsz 
schlagen, allein da die Marcken geringer werden, un 
derer viel uff i Rthal. gangen, ist diese 
schlechtem Verschlage worden, weszwegen denn ^ 
ffeisige Persuasion und Vorlegungk der heutigen sch ec 
valeur ein Mehresz billigk geheischet werden musz.
        <pb n="719" />
        Anhang. 
699 
2) Wenn dann die Beforderungk desz publiquen Defensión- 
wercks nebest der Erhaltungk der Kirchen und Schulen 
auch hochnothigh und bey allen getreuen Patrioten und 
Bürgern nicht andersz denn eine sehr favorable Sache sein 
kann, so musz esz billigk, wie oben gemeldet, dahin ge 
richtet werden, dasz ichlichesz Ambt und Wercke jährlich 
einen gewiszen Schutzpfennigk ins Kunfftigk gleichergestalt 
erlegen möge. 
3) So kennen und werden die Ambter künflftigk sowol zum 
Schutz alsz der Kirchenordnungk ein gleichesz Quantum 
geben, und hatt die biszhero gewesene Ungleichheit keine 
geringe (*jalousie und) Unordnungk verursachet. 
Der I. classis Ambtere und Wercken, die die principalsten sein, 
können (auszerhalb den dreyen excipirten Wercken) füglich alle 
Jahr umb Michaelis zahlen der Kirchenordnungk 3 Rthal. und der 
Musterey 3 Rthal., zu deszen Beforderungk die Elterleute der kleinen 
Gilde (*sich bey mihr) persuadendo (* freundtlich auszgelaszen) 
dasz Meiste conferiren können. 
Die in dieser classi excipirten 3 Ambtere, alsz Goldtschmiede, 
Balbier und Fleischere, kennen ichliches jährlich 
der Kirchenordnungk 4 Rthal. 
der Musterey zum allgemeinen Schutz auch 4 „ 
8 Rthal. 
Die in der andren und dritten classi befindliche geringere 
(*oder undeutschen) Ambtere können etwasz wenigere jährlich con- 
tribuiren, nemblich 
der Kirchenordnungk 2 Rthal. 
der Musterei zum Schutz- und Defensionpfennigk 2 Rthal. 
NB. Wann dann befindlich, dasz auszer diesen Wercken 
auch andre löbliche Zunfften und Compagnien in hiesiger 
Stadt von alters hero jährlich zu der Kirchenordnungk con- 
tribuiret, alsz nemlich die Stadtswegere, Rathsdienere, vorhin 
dann auch die Wrakere, Maklere ins Kunfftigk gezogen werden 
kennen, so ist billigk, dasz dieselbe diese Zulage nicht allein 
continuiren, sondern auch ratione desz gemeinen Schutz- 
werckesz verweitern mögen. Diese kenten jährlich der 
Kirchenordnungk 3 Rthal., der Musterey zum gemeinen 
Schutz 3 Rthal. erlegen.
        <pb n="720" />
        Anhang. 
7m 
Hierzu mögen auch bequemlich die grosze Compagnien, als 
die Compagnia der Schwartzen Häubter, die Compagnie der 
Cramer, persuadirei und beredet werden, die dann jährlich 
ein Ansehnlichesz zu offtgedachter Kirchenordnungk und 
Erhaltung desz gemeinen Schutzwesen löblich contribuirán 
konten. 
Wann dann auch die Handtwercksgesellen in allen Zunfften 
ihre besonderliche Amtslade haben, so konte deroselben eben- 
mäszigk eine jährliche Zusteur von 4 Rthal. zusammen zur Kirchen 
ordnungk und gemeinen Schutzwesen, deren die Purse, so lange 
sie leben, ebenmeszigk gemeinsam ufferleget und dargegen ihnen 
die Inventation und Confiscirung der hieselbsten versterbenden 
Handtwercksgesellen Meblen und Kleider, da sie nemlich innen 
Jahr und Tagk nicht gebührlich abgefordert werden etc., so dennoch 
wieder hiesigen Waisengk Interesse, die die Purse de facto biszhero 
practisiret, rechtlich gelaszen werden. Wann dann nun durch solch 
Reduction derer in particulier alle junge Meistere sich mercklic 
zu erferwen. 
Cap. j. Von dem, 7vorin den Ambten und Wercken himviederiini^ 
mercklich ^efu^et iverden kann. 
Nachdem nun vorhergehender Maszen die letzere Personen, 
bey unsz sich zusetzen wollen, von groszen Auszgaben befreyet 
und also mercklich geholffen, die Vermehrungk aber der Han t- 
wercker hiedurch nicht wenigk befördert, darneben aber die jähr 
liche Auszgabe und Zusteure der Ambtslade vermehret werden 
wollen, so müszen 
I. hingegen den Wärcken über obige ihre andre extraordinaire 
Zuflusze und Heysteure, die von denen in confirmato jam sta ^ 
lebenden Meistern und Ambtsbrudern herruhren, billigk gelasse 
werden, alsz da sein: 
1) Die Heysteur, wann entweder monathlich oder alle V^ar • 
dasz Ambt bey der Laden zusamenkombt. 
2) Der Pfennigk (so mehrentheils V2 Rthal. ist) so derjenige, 
ausser der gewöhnlichen Zeit und also extraordinarie uff ^ 
Erfordern dasz Ambt zusaamenladen läszet, von alters e 
erlegen müssen. jg 
3) Die Straffe, so die auszbleibende oder zu späet komme 
Ambtsbruder bey denen von den Elterleuten angese 
Zusamenkunfften dero Schrägen nach zahlen muszen.
        <pb n="721" />
        Anhang. 
701 
4) Die Straffe derer van dero Mittmeistern oder dero Kinder 
und Ambtsangehorigen Begrabniszen auszbleibenden Ambts- 
Gebrudern etc. (wie dergleichen Straffe und Heysteuren unter 
schiedliche mehr sein). 
5) Item die Confiscirung und Hestraffungk deszen, so im Ambte 
von einem oder andren Meister schlechlich gemacht oder 
sonsten verdorben und deszfalsz bey dem Elterman ange 
geben wirdt. 
NB. Jedoch dasz sothane in einem Jahre zusamenge- 
samlete Straffe zwischen dem Ambte und dasz Ambtgericht 
geteihlet und dem Alten nach die Helffte e. ehrb. Rath in 
desz Ambtherren Rechnungk berechnet werden. 
II. Dasz die Gelegenheit der Aembtern und Wercken sonder 
licher Auszgaben, soviel muglich, publico senatus nomine benommen 
und ausz dem Wege geräumet werde, alsz da ist: 
1) Dero weitlaufftige formale Processen, dargegen denenselben 
sowoll in 
2) vor e. ehrb. Rath alsz auch in I* instantia vor e. ehrb. Ambts- 
gericht nicht anders dann summarie, gleich wie vor dem 
Wettgericht ohn Advocaten durch eine oder zum Höchsten 
die andre schrifftliche Nothurfft zu agiren und zu litigiren 
frey sein soll, allermaszen die Advocaten und Gerichts- 
expersen biszhero die Meiste der Ambtsladen Intraden 
ausgeschepffet haben. 
'NB. Hiebey niusz auszdrucklich statuiret werden, dasz, 
wann ein Ambt wieder dero Amtsgenoszen temere und frevel- 
hafftigk, wie biszhero vielfältigk, weiln die Kosten ausz der 
Amtladen und nicht von den Litiganten hergekommen, ge 
schehen, litigiret, e. ehrb. Rath die Meistere und die Personen, 
so den Process geführet, und nicht dasz Ambt oder dessen 
Lade zur Refusion solcher unnützlichen Expensen insKunfftigk 
vertheilen und verdammen werde. 
Notetur. Uff diese Reduction und Beschrenckung der Ambts- 
intraden folget diesz emolumentum und Frommen, dasz durch 
den kleinen Vorath in der Ambtslade viele unnutze Processen 
und Weitlaufftigkeiten, wodurch nicht die Ambtsgenoszen 
sondern auch die Gerichte und principaliter e. ehrb. Rath 
* Vor dt*m NH. eine eckige Klammer, die entsprechende fehlt aber.
        <pb n="722" />
        702 
Anhang. 
biszhero sehr verunruhiget worden, zuruckgehalten werden, 
bevor ausz da der Rath darüber halten wirdt, dasz die temere 
litigantes, wie kurtz vorher gemeldet, von dem Ihrigen die 
Gerichtskosten büszen und zahlen sollen. 
III. Dasz keine Freymeistere weiter begünstiget und die Bohn- 
hasen, die gleich jenen zu keinen Zunfften sich finden, sonsten 
auch nicht ihr königl. Myst. noch e. ehrb. Rath einigen Eydt 
ihrer Unterthanigkeit treu und gehorsambs leisten, viel weniger 
die allergeringste Unpflicht der Stadt tragen, gäntzlich und ernstlich 
abgeschaffet und gestöbert werden sollen etc. 
NB. Welcher Gestalt die itzvorhandne Freymeistere und 
Conestabele zu reduciren und zu beschräncken sein, ist ausz 
dem letzten capite zu ersehen. 
Cap. 6. Von dem Defensioniverck zur Zeit des Krieges dey 
Aenibter und dero unter habenden Meiter, Geszellen und Jung^^y 
1. Die principalen (* deutschen) Ambtere und dero untersei 
nende Meistere bedienen sich sambt dero (ieszellen und Jungen 
Zeit des Krieges der Musqueten und gehörigen Untergewehr un 
beziehen gleichs denen von der grossen Gilde die ordinarie biiig^r 
liehe Wachen und Posten. 
Damitt aber dero Musejueten und Gewehr allewegen fertig g^ 
halten werden, gebühret denen Hern Quartierhernn hierüber Ufsiu 
zu haben. 
die 
i) W^ann dann in der letzten moskowitischen Kriege 
da die Meistere sich 
und 
Erfahrungk 
Ober- und 
die Gesellen 
achet 
auszgewiesen, dasz, 
Untergewehr versorget 
jungen ausz dem Stadtzeugkhausz mitt solchen Defensio 
mittein haben versehen werden muszen, wodurch dann son 
hundert Musquetten und andre Kriegeszmaterialien, 
Feuerrohre etc., verlohren gangen, so musz billigk zur 
huthung weitern Schaden ein ander Anstalt hierin gvm 
werden. 
2) Welches folgender G,estait geschehen kann, dasz, wann 
Handtwercker Bürger worden, da er dann auszer dem emjg ^ 
Unkosten thun musz, derselbe nicht er alsz nach 
Tage, da er dann bereits etwasz vor sich gebracht, oin 
quett vor sich und dann in folgenden Jahren deroselbe 
viel, alsz er Geszellen zu halten befuget, ob er gleich mu
        <pb n="723" />
        Anhang. 
703 
theils und wurcklich so viel nicht heit, anzuschaffen und 
denen Hern Quartierhern, die billigk jährlich ihre Quartiern 
deszfalsz visitiren sollen, bey seinem im vorigen Jahre ge 
leisteten bürgerlichen Eyde vor die seinen anzugeben und 
alsz fertige uffzuzeigen, ins Kunfftigk gehalten werden möge. 
3) Wann nun dasz erste Jahr von Zeit ihrer gewonnen Burger 
schafft verlauffen, so sali ein ichlicher Handtwercker über 
sein und in den folgenden Jahren (dergestalt, dasz er jährlich 
weiter ein Musquett anschaffe) seiner Gesellen Musquetten, 
die nach Verfliessungk des 3. und 4. Jahres bereits ange- 
schaffet sein, noch i Musquetten vor seinem Dienstjungen 
(*den er zum Höchsten zwey zugleich halten pfleget) uffzu- 
bringen und sambt seiner eigen und seiner Gesellen Mus 
quetten (deren in allem redtlich nur 6 Stuck sein) mitt denen 
darzu gehörigen Bandelieren allewege fertigk beyzubehalten 
schuldigk sein, und seindt demnach diese Musquetten den 
Wittiben und Kindern endtlich ein Stuck desz Nachlaszesz 
und allewege desz auszgelegten Geldesz werth. 
4) Von diesem allen muszen die Hern Quartierhern richtige 
Rollen halten, denenselben dasz Ambtgericht ein Mahl vor 
alle Mahll ein Verschlagk, wieviel Gesellen einesz ichlichen 
Ambtesz Meisere zum Höchsten halten möge, überreichen 
kann. 
5) Da mann auch diesesz mitt gröszern avantage desz publiquen 
Zeughausesz anordnen wolte, so konten ichlichem Ambt und 
Wercke in unserm Zeughause ein besonder Orth, woselbsten 
die Meistere ihre, ihrer Gesellen und Jungen Musquetten 
parat behalten, angewiesen, und da dieselbe und ihre 
Wittiben verstörben, sothanesz Gewehr der Stadt zur stadt- 
lichen Vermehrung ihresz Zeugkhauses gelassen werden 
mege. (* Welchesz in Italien leicht, hieselbsten aber schwer 
zu practiciren sein wirdt.) 
II. Wie vorhin die Ambtere ausz dero Amtsladen ihre gewisze 
Lasten Roggen uff der Stadt Kornhausz auff die künfftigen Teurungs 
lallen zeitigk und löblich angeschaffet, also konten sie auch ins 
Künffdgk ein gewisze Anzahl Pulwertonnen nach dem ein oder dasz 
^nder Ambt Stärcke, und die Ambtslade vermegen ist, in der Stadt 
^ alverthürme uff eine besorgliche Kriegeszeit uffzubringen voll 
^(^deutet werden.
        <pb n="724" />
        Anhang. 
704 
III. Die (♦undeutsche) Ambtere, deren Meistere nicht ordentlich 
dasz Bürgerrecht gleich den Deutschen vermittelsz formaler Eidesz- 
leistung vor e. ehrb. Rath gewönnen, haben unsre Vorfahren durch 
einen besondren Beywohnereydt der Treu und desz Gehorsambs uff 
solche besorliche Kriegeszlaüfften sich allezeit verbindtlich gemachet, 
weiln aber dieses in denen vorhergehenden Jahren von den Hern 
Cämmern, denen diese cura specialiter oblieget, verabsäumet werden, 
sein die meisten undeutsche Ambtsbrudere vor jüngsten Kriegesz 
laufften zeitigk davon gangen und diese gutte Stadt in Bedrängnis^ 
gelaszen. So aber in Kunfftigk durch die Eidesznehmungk von 
ichlichem jungen Ambtsmeister, eh und bevor er in ein Amt tritt, 
recht woll vorgebeuget werden könne. 
Welcher Gestalt aber die undeutsche Ämbtere tempore padS 
zu solchen traurigen Kriegesz Fällen distribuirct und vertheil 
werden mögen, weiset Folgendesz ausz. 
Diejenige (*undeutschen) Amtere, die zur andren classi der 
Wärcken gerechnet werden, alsz da sein die undeutsche Schneidere, 
Schustere, (♦ Grobschmiede), Webere, deutsche und undeutsch , 
item Zimmerleute, Maurer, deutsche und undeutsche, konten fug 
in Zeit der Kriegesz Noth alsz Conestabeln gebrauchet werden. 
/NBJ i)Esz kostet e. ehrb. Rath ein Grossesz die geworbne Cone 
stable, die doch mehrentheils ausz diesen undeutsche 
Ämbtern sein, jährlich mitt richtiger (iagie zu unterhalten, 
dannen hero obgedachten geringem Ämbtern fughch u 
erleget werden konte, dasz, eh und bevor einer in dte^^ 
Ambter vor ein Meister uffgenommen wurde, er vor 
die Buchsenmeisterey gebührlich gelernet und darin se 
Probe gethann zu haben richtig uifzeigen muste, (* wof 
dann der Wachsthumb dieser Zunffte, die zum 
Bedruck derselben deutschen Ambtere gereichet, unmer 
lieh in etwan restringiret), die gutte Stadt aber 
zum Wenigsten mitt 150 Conestabelen hiedurch Jahr a 
Jahr ein versehen werden konte. ^ 
2) (*Da mann auch dero Jnnemungk nicht zu mehrerWae^^ 
thumb der deutschen Ambter nicht suchen wolte). 
kann auch diesen obspecificirten Zunñten und Am 
der Einkauffschillingk (♦em gautz erlaszen werden, 
15 Rthal. reducirt und also diese abgelassne 5 Rtha 
1 Vor dem JVB. eine eckige Klammer.
        <pb n="725" />
        45 
Anhang. 
705 
ihnen die Atteillerielohne nicht vielmehr ordinarie kostet, 
dargegen gantz erlassen werden. (* Jedoch aber dasz diese 
5 Rthal. der Ambtladen allein abgehen, und die übrige 
15 Rthal. Gelder obengedachter Maszen, da man die De 
stribution von der ersten classis Einkauffsgelder gemachet, 
unverruckt auszgetheilet werden.) 
3) So musz auch jährlich, damitt diese Ambtere ihre Büchs- 
meisterey nicht vergessen, ihnen ein freyer Uflfzugk und 
solemner Schiesztagk nachgegeben werden, da dann dasz 
fratrum praemium derer am Best treffenden Meistern ge- 
wisze Vorzüge in dero Ämbtere und auch einige Exem- 
plienn etc. sein kann. 
4) Weiln auch diese Ambtere auszerdem alle Nacht zur 
ordentlichen (*undeutchen) Stadtswache biszhero sich 
haben einfinden muszen, so können derselben so viel, alsz 
nicht zur Walle gehen sollen, dieser Nachtwache voll 
erlassen, dargegen zur Conestabel-Wache, so gar langsam 
herumbgehet, gar willigk constringiret] und uff die Posten 
ordentlich vertheilet werden. 
NB. Die deutsche und undeutsche Maurer, Zimmerleute (*und .... 
Czrobschmiede), die ebenmeszgik zu dieser andrn classi (*der 
principalisten Ambter) gehören, bleiben benebest dem Buch(s)- 
meisterdienste in Frieden alsz Kriegeszläufften auch zu \ er- 
hüthung und Auszleszungk der Feursbrunsten und wie vorhin 
zu Friedens Zeit bey der ordinarie Nachtwagen (*und sein 
in solchen Pallen) unter der Direction des Hern Vogts und 
der Ordinarien Brandtmeistern; in Kriegesz Zeiten kennen 
ein Theil derselben alszdann füglich auch zu den Geschützen 
commcndiret werden. 
C. Die in der dritten Classe befindtliche Liggere, Saltzträgere, 
Henffzwingere, Bierträgere (worzu auch die'Fuhrleute und Sagere 
etc. gerechnet werden mögen), können wievor alszo auch weiter 
alsz Handtlängere zur Bedienung und Schlepffungk der groben 
beschützen employret und in gewisenen Vellen nach den Posten 
Vertheilet bleiben, welchesz ich alsz Musterher* bereits in gutte 
brdenungk gebracht. 
' drei ersten Worte nach der Klammer sind im Original ausgestrichen. 
2 Vergl. Kopfnote zu S. 688. Johann von Schultzen ist von Mich. 1676 bis 
^'ch. 1679 MQnsterherr gewesen ; auch die Kenntniss dieser Thatsache verdanke ich 
freundlichen Mittheilung des Herrn Anton Huchholtz.
        <pb n="726" />
        Anhang. 
706 
NB Die Fischere, Ubersetzere, Loddigenkerle muszen ebenmeszigk 
vermittelsz obenspecificirten Eydesz nebest dero Bothen und 
Fahrzeuge in solchen Kriegeszlaufften der Stadt beybehalten 
und bey Auszfãllen und andren erheischen Gelegenheit 
nutzbahrlich gebrauchet werden. 
\NB. In vorigen jüngsten Belagerungk sein derer gar wenigk bey 
der Stadt, weiln sie nicht geschworen hatten, standthafftig ' 
verblieben, dahero die Auszfalle über die Düna und andre 
heilsame Entreprisen zu Waszer nicht voll haben effectuiret 
und befördert werden kennen.] 
NB. Die auszer diesen 3 Classen constituirte Zunfïte der Machs- 
neken oder Taglöhner muszen gleicher Gestalt zur Be 
stellung der vorstätischen Wache in Friedenszeit und zur 
Schaüffel-, Beul- und Axsarbeit in Kriegesz- und Belägerungs* 
noth uff gewisze Vellen und Rotten wiedrumb gebracht 
werden. 
NB. NB. Alle die zur 3^«" classi gehörige undeutsche Zun#' 
fähige muszen anders nicht dann ihr eigen Handgewehr 
oder halben Month (die in unsren Zeugkhauser unter andren 
ihrer Zunfft Handtgewehren beybehalten und bewahret werden, 
also bey ihrem Absterben der Stadt heimfallen sollen etc-) 
in der Handt habende in ihren Ämbtern uff- und angenommen 
werden, allermaszen sie sonsten diesselbe entweder gnnt^ 
nicht anschaffen oder, de daszelbe angeschaffet, und in ih^en 
Händen verbleiben solte, esz wiedrumb hernacher versau# 
würden. ¡Diesesz ist bereits wehrendem meinen Mustere«^ 
ambts angegeben und zum 1 heil auch schon zu V\ er 
gesetzetj. ' 
darüber ins Ktinftigk publico 710mine zu halten sey. 
I) Diese general Reformation konte voll, wenn sie vorher v 
dem Herrn Syndico oder der Cantzeley in eine richtige 
gebracht, gedrücket werden, hätte seinen sonderlichen g^o® 
Nutzen etc. 
II) So musz zum Wenigsten und nothwendigk diese Be^^^ 
mation und Facilitirung der Ambtseischunge, damitt sich ausz 
1 Vergl. S. 705, Anm. 2.
        <pb n="727" />
        Anhang. 
707 
Frembde die Gesellen heuffigk anhero begeben mögen, durch ein 
ofifnesz Placat der Welt entimiret, kundt gethann werden. Selbigesz 
kann uff folgenden membris bestehen : ^ 
a. Dass nachdem Gott, der Allerhöchste, Friede in diesem unsren 
Vaterlande, wofür dessen Nähme gerühmet sey, bescheret, 
und e. ehrb. Rath hieruff eine stadtliche rectificirte Vorstadt 
zur Erweiterung dieser sonsten durch allerhandt Nahrungks- 
mitteln, Gott Lob, gesegneten Stadt angeleget, derselbe die 
auszländische Handtwerckspurse, Gesellen und Künstlere zur 
Einnehmungk und Bewohnungk derselben solemniter invitire. 
b. Und weiln zum Theil die Eindienungk in ein Ambt zu 2, 3 
und mehren Jahren den jungen Gesellen sehr anstosigk ge 
wesen, so hat e. ehrb. Rath diesze Beschwerde in allen 
Ambtern uff 2 Jahre reduciret, dasz also derjenige, desz hie- 
selbsten die Meisterschafft in ein Ambt gewinnen will, nicht 
mehr alsz dasz die 2 Jahre, in welchen er dasz Ambt eischet 
und zugleich der bürgerlicher Nahrungk an diesem Orth 
erkündigen kann, auch, da esz erfordirt wirdt, sein Meister 
stück verfertigen kann, bey einem ehrlichen Meister zu 
arbeiten gehalten werden möge. 
c. Da auch manchen jungen Gesellen die schwere Eindienungks- 
jahren biszhero nicht abgeschrecket haben mochten, so haben 
die Meisten dennoch die hohe Einkauffsgelder und Ambts- 
beschwer von dem gutten Vorhaben ein Meister und Bürger 
in Riga zu werden, zum grösten Theil abgehalten, deszwegen 
denn e. ehrb. Rath die Reformation und neue Verordnungk 
gemachet, dasz die Gesellen, die zu den Haübtambtern und 
Zünfften und also zur ersten classi gehören (inserantur tribus 
hujus primae classis), in allem und zum Höchstens mitt 
20 Rthal., die zum Theil zur Erhaltungk Kirchen und Schulen, 
zum Theil der Beforderungk desz allgemeinen Schutzesz- 
weszen und dann auch letzlich zur Vermehrung des Ambts- 
laden etc. gewandt werden sollen, die Meisterschafft ins 
Kunfftigk völligk gewinnen mögen. 
d. Dafern auch einem und dem andern jungen Gesellen, der 
dennoch gern bey uns sich setzen und niederlaszen wolte, 
diese 20 Rthal. bey dem Eintritt in ein Ambt zu erreichen 
• Die 4 folgenden Artikel sind der becjuemeren Übersicht wegen mit a. b. c. d. 
®iatt wie im Original mit i. 2, 3. 4. bezeichnet worden.
        <pb n="728" />
        Anhang. 
708 
nicht alsofort muglich sein mochte, so soll der Her Ambt- 
her demselben die Helffte solcher Gelder, nemlich 10 Rthal., 
gegen Verpfändung seinesz Lehr- und Geburthsbrieflfesz ausz 
seiner Ambtsrechnungk vorzustrecken gehalten sein. 
III) Wann nun diesesz obgedachter Maszen durch ein offnesz 
Placat der Welt kundt gemacht, so kann und wirdt esz nicht anders 
sein, alsz dasz viele Gesellen sich anhero finden und hieselbsten 
sich niederlaszen werden. [Notatum. Da ich diesesz mündlich 
einigen Ambtern und Gesellen bereits kundt gethann, haben sich 
in unterschiedlichen Zünfften viele Gesellen bereits angegeben, die 
uff die Meisterschafift zu gewinnen sich bey mihr angemeldet und 
uietze in Diensten bey dero Meistern stehen. 
IV) Dafern nun diesesz allesz woll eingerichtet, exeijuiret und 
in viridi observantia allewege gehalten werden soll, so wirdt von 
Nethen seinP 
a. dasz weiln in dieser Reformation und Ambtswesen die Kirchen- 
ordnungk, die Musterey, fürnemlich aber dasz Ambtgericht, 
selbst interessiret sein, von e. ehrb. Rath ein consilium fo** 
matum von den Ambtmusterhern und dem Untennspec- 
toren der Kirchenordnungk, welchen consessum der Ober* 
ambther, alsz der die Jurisdiction über diese Leute hatt, 
allewege praesidiren musz, deszwegen angeordnet werde, 
dasz alle Quartal 3 Mahl, dasz ist den folgenden Tagk, der 
offenbahren Gerichtstagen Session halte, da dann 
h. alle und Jede Wercke und Zunfften ihre vollen der in selbi^^n 
viertheil Jahr (i) angenomner Jungen, (2) gemachten Le 
seilen, (3) der Ambteischenden Gesellen und dann (4) ’ 
die Jahr und Tagk und hernach, die bereits 2 Jahren Meister 
schon gewesen etc., bey solchen Consessen krafft ib 
beschwornen Pflicht eingeben sollen, damitt denen sei 
nach der Gottesz- und Schutzpfennigk, item der Linku^^^ 
schillingk solemniter und ordentlich eingehoben und richtig ^ 
verrechnet auch dero Muscjuetten und Gewehr gebührh«- 
vorgezeiget werden möge; 
c. derer Copeyen in gewiszen Büchern von dem Ambtgerie 
Notario allemahl inseriret werden muszen. 
4) Dasz die vor Elterleute und Heysitzere ichlichen Am 
und Wercke zu dem Ende, damitt sie allesz richtigk angeben, 
, 
I Die 3 folgenden Artikel sind der bequemeren Übersicht wegen mit a- 
statt wie im Original mit i. 2. 3. bezeichnet worden.
        <pb n="729" />
        Anhang. 
709 
dirigiren und dieser reformirten Ordnungk gehorsamlich nachleben, 
mögen 8 Tage nach hastnacht (in maszen in der Fastnachtwoche 
alle Ambter und Zunfften dem Alten nach entweder neue Elterleute 
und Heysitzer erwehle oder die alten beybehalten werden sollen) 
zur Confirmation e. ehrb. Amtgerichts von dem vorigen Elterman 
und desen Beysitzern vorgestellet werden und druff die Confir- 
mirten vermöge der uhralten Verfaszungen der ersten Schrägen 
hiesiger Stadt einen besondern Ambts- und Gehorsambseydt woll 
gemeldeten Ambtsgericht abzulegen gehalten sein sollen, wodurch 
5) die unruhigen von den frommen abgesondert und dann 
diese allein bestätiget werden, viel Unheils und Wiederwertigkeit 
abgewandt und verhüthet werden kann. Vornen mundtlich bey Ver- 
lesungk diesesz ein Mehresz. 
Capui ultimum. 
Die itz vorhandne Freymeistere können folgender Gestalt re- 
duciret und deschräncket werden : 
1) Diejenige Freymeistere, die ihrer Geburths, Lehr und Heuraths 
halber nicht ambtsunfähigk sein, sollen, weiln sie diese Ver- 
ordnungk nach nunmehro wollfeihl dazu gelangen können, 
sich in die Ambter einkauffen und die Burgerschafft gewinnen, 
sie sein Conestable oder sonst ander begünstigte Frey meistere. 
2) Andere aber, die ausz vorerwehnten Ursachen nicht ambts- 
fähigk, müszen entweder gantz abgeschaffet oder alsz Bey- 
wohnere bey unsz geduldet werden, sollen aber restringiret 
und keine mehrerre h rey heit dann mitt ihrer eigen Händen 
Wercke sich zu nähren ins Künfftigk haben, sie sein Cone- 
stabele oder andre Freymeistere. 
Inmaszen solche Leute dennoch gantz und gar nicht von Städten 
^bzuweisen sein, undt ist demnach dieser Unterscheidt zwischen 
^mbtsfähige Zunfftmeistere und Bürgere, dasz dieselben Inhalt 
Ambtsfreyheiten Gesellen zetzen und Jungen ausleren mögen, 
^nd andre ambtsunfähigen Beywohnere, die sich blosz von ihrer 
^•gen Händen Arbeit so kümmerlich sich und die ihrigen unter 
halten mögen etc. 
Die Meisterstücke an solchen Stücken, die begührigk be 
gehret werden. 
Partis primae finis.
        <pb n="730" />
        ^^jwnhnU lift» 
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fUtHfff/V'‘«¡lV'. f^-h biiiiii, fi‘)I»ii»W -i*)rî‘iJ-i&gt;f.tpo-/ ,mVNJÍKyr&gt;íi n-&gt;x.-4^P^-0 
nôï^iiirf^’ tiib^vn^a^noxiißivi / .fmíÍKirio&lt;lT»l&gt; 
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        <pb n="731" />
        Glossar. 
Die erste Ziffer deutet die Seite, die zweite und folgenden deuten die Artikel an. 
A. 
abkendigk, abhanden; abhendigk machen, 
entwenden. 527, 31. 
abscheit, Abschied, Entscheidung. 
abschricken, die Nahrung, Hochd. einem 
die Nahrung vorwegnehmen 280, 4. 
abspannen, abspenstig machen. 
abspennen, abwendig machen. 
abspennig, abspenstig. 
absproke s. affsproke. 
achtentigste, achtzigste. 
achter, to, zurück. 
acht, rreygh, Hintertanz. 
advenant, nach Verhältniss. 
ab. 
affkesen, abwählen. 
offluchten, beim Weggehen leuchten. 620, 
201. 
offmeden, abmiethen. 
offrecheu, affreken, abrechnen, abziehen, 
kürzen 
Offscheidt, Abfindung, Abscl ied, Vergleich, 
Bescheid. 
off schiahn, abziehen. 
offsproke, afsprake, Unheil, Rrkenntniss, 
Ansprache. 588 u. folg. 
offsteken, abstechen (von Pel/.thieren). 
383, 4- 
'^fftoch, a/toch, Abzug, Schädigung. 
ojffwesenn, Abwesenheit. 
^fftvisunge, Abweisung. 
^flecken, abstellen, abfertigen. 
^fleighen, ablegen. 
^flevich, a/livich, todt. 
Vslan, abschlagen. 
^f^penden, abspenstig machen. 
^fsprake, Urtheil, Rrkenntniss. 
aftoch, Schädigung, Kürzung. 
afi}ordenen, abverdienen, abarbeiten. 
ahne, ohne. 
aldar, allda. 
alderman s. olderman. 
aldus, alsus, also. 
allen, aliene, allein. 
allent wat, alles was. 
alleri, allerlei. 
allermenichlich, jedermenniglich, jeder. 
allersidts, allerseits. 
allike, ganz gleich, durchaus, dennoch. 
allmisze, Almosen. 
alrede, alreide, allbereits, schon. 
alse, nämlich. 
alsodanigy so beschaffen. 
alsus, also. 
altkodder, Altflicker. 
altomal, altomale, allzumal. 
alze, also. 
ambet s. ammet. 
ame, Ahm, Tonnenmass. 
ammet, amet, ampt, Handwerk, Zunft. 
amptbroder, Amtsbruder. 
amptkoste, das Mahl nach der Aufnahme 
ins Amt. 
amptlude, Handwerker, Beamte. 
amptstragender Herr, Standesperson. 
anbalt, Ambos. 
aniaven, darüber. 
anboven, anbaven, darüber hinaus, da- 
gegen. 
andenken, an etwas denken, auf den Ge 
danken kommen. 234, 3. 
anderrichtung, Unterweisung. 
anderwege, anderswo. 
anderwert, anderwärts.
        <pb n="732" />
        Glossar. 
712 
anderwerve, abermals. 
andrapendt, antreffend. 
andrepcn, berühren. 
atiferdigen, angreifen. 
anherden, antreiben, anreizen. 
anholden, anhalten, ersuchen. 
anhoven, anhauen, anschlagen. 
anklekkem, ankleben 
annc, daran. 
annkehren, Rücksicht nehmen. 
ansechlen s. anseggen, 
attsecong, Befehl. 270, Einl. 
anseggen, ansagen. 
ansedüng, Anordnung, Angabe. 
ansoken, Ansuchen 
anstycken, anzünden. 
anteken, aufzeichnen. 
anthal, Anzahl. 
authegen, anzeigen. 
anthogen, anzeigen. 
anilai, Antlitz, Gesicht. 
anhvarden, überliefern, verantwortlich 
sein. 
anhverden, s. antwarden. 
anhvert, Antwort. 
ansoecken, Ansuchen. 
ansoken, Ansuchen. 
apenbar, openbor, offenbar. 
apenilick, öffentlich. 
arbed, Arbeit. 
arbeden, arbeiten. 
armod, Armuth. 
Arsch, Arrasch oder Rasch, wollenes Zeug 
in Arras gefertigt. 
arsi, Arzt. 
arsiedye, Arzeneikunst 
ariig, eine Münzsorte. 
ariog. Artig, eine Münzsorte. 
asschedach, asscherdoch, Aschermittwoch. 
aus lau ff unge, Auslaufen. 
ave, ab. 
aveni, Abend. 
aver, abermals, aber, über. 
averaniworden, übergeben, überliefern. 
avergifi, übergiebt. 
averlevern, überliefern. 
avementen, zu viel erheben, nehmen. 
averst, aber, höchst. 
avert, über, 
i axe, exe, Axt. 
B. 
baden, beiden. 
I bade, Bote. 
baede, Bote. 
, haerscop, Bürgerrecht, Bürgerschaft. 
I halberer, balbirer, Barbier. 
baldik, boldeke, Leichentuch, Sargtuch. 
, balge, Kufe, Wanne. 
I bandt, bant. Verband; Band, Reifen- 
banthower, Bandhauer, der Tonnenreifen 
haut, verfertigt. 
barden, mit dem Beile behandeln. 2631 ^ 
barmcherücheit, Barmherzigkeit. 
barfut, barvot, barfuss. 
baschening, Beschönigung. 
bastaver, Badstüber. 
bate. Vortheil, Gewinn, Zins. . 
batstower, Badstüber. 
baurpocke, Bauerndolch, 
baursprach, Bursprache, Verlesung 
wichtigsten Polizeigesetze. 
bauwren-, Bauern-. 
bavenn, drüber. 
bawherr, Bauherr. 
bakell, eine Art Messer. 
beboden, vorladen, entbieten. 
bebuwen, auf bauen, aufmauern. 4^7* 
becker, Becher. 
. bedderve s. bederve. 
bede, Bitte. 
beden, bieten. rechP 
bederve, broderve, nützlich, tüchtig, 
schaffen. 
bedorven, bedürfen. 
bedreve s. bedriven. 
bedriven, betreiben. 
bedychten, erdichten, erfinden, stifte 
beed, ? 466, 16. 
beenwapen, Beinschienen. 
beer, Bier. |ocke- 
bcerctocke, Bierglocke, VespCg 
531, 22.
        <pb n="733" />
        Glossar. 
7:3 
beerspHden, Bierverschwendung. 
be/elch, Befehl. 
be/ellich, Befehl, gefällig. 
befer, Biber. 
befliiigen, befleissigen. 
befodert, befördert. 
beföget, befugt. 391, 9. 
befreyen, sich, selbstständig werden, hei- 
rathen. 
befronen, bezichtigen, den Frohnen zu 
jem. schicken, um ihn vor Gericht zu 
fordern oder zu verhaften. 
befruen, sich, sich verheirathen. 
befurderen, befördern. 
begaven, beschenken. 
begerich, begierig. 
begeten, begiessen. 
beghan, begehen. 
beghrande, begraben. 
^^gifften, beschenken. 
begoie s. begeten. 
begraven, begraben. 
b&gt;egrepen, begripen, ersinnen, gründen, 
stiften, festsetzen, anordnen; ergreifen, 
ergriffen. 
b&gt;egnper, Stifter, Erfinder. 
b&gt;egrubniss, BegrSbniss. 
b&gt;egunde s. beghan. 
I ^egunt s. beghan. 
b&gt;eha/ven, ausgenommen. 
behänden, die Hand drücken. 
^ehandigen, einhändigen. 
^‘hantstrecken, durch Handschlag geloben. 
^^hcftigen, beherzigen. 
^fhoden, behüten. 
^‘hoeff, Behuf, behufs, nöthig. 
^^hold s. beholden. 
^^holden, Vorbehalten, behalten. 
^^holpen, behülflich. 
^^horen, behören. 
^ehove s. behoeff'. 
^^hoven, bedürfen, nöthig haben 
^^hovet, behoft, s. behoven. 
^^hucvet s. behoven. 
^^hulplich, behülflich. 
^^iden, warten. 
beigrafft, bigraft, Begräbniss. 
beinschene, Beinschiene. 
beker, Becher. 
beklachtinge, Beschwerde. 
¡ bekomen, bekommen, 
j bekovem, erholen, bekommen, gewinnen, 
i beihr, Bier. 
beladen, belasten. 
! belath s. beladen. 
I beleiden, begleiten. 
■ I beleidtzagenn, führen, geleiten. 
beleven, belieben, genehmigen. 
! belevett s. beleven. 
I belevinge, Behebung, Belieben, Gesetz, 
Bestimmung. 
: belevunge, belevinge, das Liebhaben, Ge 
fallen. 
I belewen, belieben, genehmigen. 
I belopen, belaufen. 
beluchten, beleuchten. 
ben, Bein 
' bendeken, Spangen. 344, i. 
I benedden, unten. 
I benedieden, gebenedeit. 
I benefen, beneven, neben. 
: beneeften, beneven, ausserdem. 
beneyet, benäht. 
' benagen, begnügen, 
j benumet, benannt. 
I benugen, sich, sich begnügen. 527, 29. 
I bequemigkeit, Freundlichkeit. 
I beramen, festsetzen, bestimmen, 
j herberer, Barbier. 604, 121. 
! berede, bereit. 
! bereden, bereiten, 
j beredynge, Bereitung, Bezahlung. 
bereken, berekenen, berechnen. 
berel, bereit. 
bergen, sik, seinen Lebensunterhalt ge- 
! winnen, leben. 
j berginge, Bergung, Lebensunterhalt, 
I Schutz. 
I berichten, versehen (mit den Sterbesacra- 
I menten», 
j berieff, Nutzen. 
! bereeven, mit Keifen versehen.
        <pb n="734" />
        Glosssar. 
7H 
berivinge, vielleicht von bereven, mit j 
Reifen versehen? 257, Schluss. 
berkene, birken- 
bemen, brennen. 
beroeren s. beroren. 
beroppen, rufen, berufen. 
beroren, erwähnen. 
beruren, beroren, berühren, erwähnen. 
berve, bederve, rechtschaßen, gut. 
bendekens, Bänder? 
beschatten, von jem. Steuern fordern, ab 
schätzen, Übervortheilen. 4°^» 
beschauwung, Beschauung. 
beschedeliken, beschetlyck, bestimmt, ge 
bührlich. 
bescheden, bestimmt. 
beschedt, Bescheid 
bescheen, geschehen. 
beschennige, Beschönigung. 
beschweringe, Beschwerdeführung. 
beschlagen, besch/ahn, ertappen. 
beschlaten, geschlossen. 
beschoninge, Beschönigung. 
beschonnige, Beschönigung, Verdeckung. 
beschweringe, Beschwerung. 
bescreven, beschreiben. 
beseggen, verleumden, über einen sprechen. 
beseght s. beseggen. 
beseten, besitzlich, ansässig, besessen 
besten, besehen. 
besitlick, besitzlick. 
besitten, sitzen bleiben, zögern, säumen. 
bes/aen s. beschlagen, 
besluten, beschliessen. 
besmecken, kosten, kennen lernen. 
besochen, versuchen, heimsuchen. 
besolding, Besoldung. 
besproken, verdächtigt. 
bestaden, bestatten. 
bestatten, aussteuern. 
besteden, bestatten. 
bestedigen, beerdigen. 
bestemd, bestimmt. 
bestendlich, Bestand habend, gültig. 
besturen, bestären, steuern, hemmen, ein 
richten, anordnen, hinschaßen. 
besuender, besonders. 
besundem, besonders. 
besvehren, beschweren. 
bet, bis, besser. 
betalen, bezahlen. 
betalinge, betalynge, Bezahlung. 
beter, besser. 
beteren, büssen, Strafe zahlen, bezahlen. 
beterung, beterynge, Besserung, Ersatz. 
bethalen, bezahlen. 
bethemen, laten, jem. thun lassen, 
man für geziemend hält. 
betheren, bettem, bessern, verbessern. 
betugen, betuigen, bezeugen. 
beveiden, befehlen. 
bevelich, befelch, Befehl. 
bevestinge, Zusicherung. 
bevestlich, fest, bestimmt. 
beveydcn. befehden. 
bevolborden, beurlauben. 
bevoll, Befehl. 
bevonden, befunden 
bewach, Erwägung, Berathung. 
bewagen, erwogen. 
bewahringe, Sicherung, Verwahrung, 
Wahrung. 
bewaken, bewachen. 
bewedmcn, bewidmen, belehnen. 
beweren, sik, sich beschäftigen. 
bewesen s. bewisen. 
bewifen, bewiven, beweiben. 
bewillinge, bewillunge, Bewilligung- 
bewisen, beweisen. 
bewislek, erweislich, sichtbar. 
bezviven s. bewifen. 
beworynge, Sicherung, Bewahrung- 
bewunden, umwunden, versteckt. 
bewysz, Beweis. 
bewyven, beweiben. 
beyde, bede, Bitte, Gebet. 
beyr, Bier. 
beywescn, Beisein, Anwesenheit. 
bi s. by. 
bigraft, Begräbniss, Beerdigung- 
billicheit, Billigkeit. 
binnen s. bynnen.
        <pb n="735" />
        Glossar. 
bistuden} 446, c. 
blakkmalen, nielliren, Silber graviren und 
das Gravirte schwärzen, was durch 
Einlassung einer Composition von 
Silber, Blei, Kupfer, Schwefel und 
Borax geschah. 
blauw s. blaw. 
blaw, blau. 
bleien, bleiern 
blift s. bliven. 
bliven, bleiben. 
blodig, blutig. 
b¿oet, Blut. 
bloit s. bloet. 
b/ov, blau. 
b/y, Blei. 
b/ygb, Blei. 
b/yj^f s. bliven, 
bo s. be. 
bock, Ring. 
bock. Buch. 
boddeker, Böttcher. 
bode, Bude. 
bodekwerk, Böttcherwerk, Böttcherarbeit. 
boetn s. bom. 
bon, Boden. 
böre, Gebühr, Einnahme. 
börgenhandi, in borgchant, bringen, cautio 
judiciaria, Jem. nöthigen Bürgen zu 
stellen. 
boten, bieten. 
bötling, boetlingk, Hammel, verschnittenes 
Geschöpf. 
bogeren, Begehren, Wunsch. 
bogeren, begehren. 
bogripen, begrepen, ergreifen, ergriffen. 
bohu/plich, behülflich. 
bojegncn, begegnen. 
bolde, rasch, sogleich. 
boidecke, bolldigh, Leichentuch, schwarz, 
zur Bedeckung des Sarges. 
bole. Buhle, trauliche Bezeichnung für 
Genosse. 
boiegen, belegen. 
bolewingke, das Liebhaben, Gefallen. | 
bolldigh s. boidecke. | 
7LS 
I bom, Baum, Lichterbaum. 
bomeli, gemeldet. 
booth, Befehl, Zusammenkunft. 
I bordinge, Kahn. 
bordingkmeister, Beamter der Flusspolizei. 
4:7, 26. 
j bore, Gebühr. 
I boreiden. bereiten. 
I boren, geboren. 
I boren, gebühren, erheben. 
* boret s. boren. 
borge, Bürge. 
borger, Bürger, 
j borgerhoicken, Bürgermantel. 
borgerlick, bürgerlich, 
i borgerscop, Bürgerschaft. 
! borlick, gebührlich. 
: borst, Brust, Brustharnisch. 
I bort, Geburt 
! bort s. boren. 
I bortbrev, Geburtsbrief, Bescheinigung 
! echter, freier Geburt. 
I borvet s. barfut, barvot, barfuss. 
, boschedt, Rechenschaft. 
! boschedelik, boscheidtlich, bestimmt, na- 
' mentlich, gebührlich. 
' boschermen, beschirmen. 
; boseen, besehen. 
I bot, bod s. booth. 
I boten, büssen. 
botter, Butter, 
i bovell, Befehl, 
i boven, über. 
bove s. bowe. 
bowe, Bube. 
brake s. breke. 
brauweise s. brawelse. 
brawen, brauen. 
brawelse, Gebräu. 326, 3. 
braze, Bräze, Brosche, Schnalle, Spange. 
brecher, der eine Strafe sich zugezogen 
hat. 405, 8. 
brechlick, erträglich, erwünscht. 
brecke. Vergehen. 
bred, breit. 
breesmacker s. bressmacker.
        <pb n="736" />
        Glossar. 
716 
breesze s. braze, 
brekaftich, mangelhaft, strafbar. 
breken, abbrechen, verbrechen, verwirken, 
in Brüche verfallen. 
bremen, verbrämen, mit einem Bräm ver- 
Aersehen. 
brengen, bringen. 
brese s. braze. 
bresstnacker, Brazenmacher. 33®i Einl. 
brew, brev, Brief. 
brockte s. brengen. 
broder, Bruder. 
broderscop, Brüderschaft. 
broderve s. bederve. 
brodescharne, Brodscharren, brotscharnc, 
Brodtisch. 240, 9; 241, 14. 
broeke s. broke, 
brokaftich, strafbar, fehlerhaft. 
broke, Strafe. 
brokehaffüg s. brokaftich. 
bruche, brueche, Strafe. 
bruckfellig, brokfvellich, straffällig. 
bruderscoph, Brüderschaft. 
brueche s. bruche, 
bruken, brauchen. 
brtineren, glätten, poliren. 
brtistc röpenn, Lermend rufen. 537, 3'- 
bi-uttachte, Hochzeit. 
brtiut, Braut. 
bruwelsz, Gebräu. 
b'guwen, brauen. 
btniwer, Brauer. 
bruwerk, Brauerei, Brauen. 
buchse, Büchse. 
buck, Bauch, Rumpf. 
bud, budth, bued, s. gebeden. 
budet s. bud. 
bueten, buten, ausserhalb. 
buk. Buch. 
bunghe, Pauke, Trommel. 
bur, Bewohner, Bauer, Bürger, Nachbar. 
burscap, Bürgerrecht. 
bursprake, Bürgersprache, Polizeigesetze. 
buschbont, Buchsbaum. 
busse, Büchse. 
buten, ausserhalb, aussen. 
buwen, bauen. 
buwerck, Bauwerk. 
buxe, busse, Büchse. 
by, bei. 
byl, Beil. 
byügghen, beliegen, beistehen, helfen. 
bynnen, innerhalb, binnen. 
byschlepersche, Beischläferin 
byschop, Bischof. 
bysitter, Beisitzer. 
bystant, Beistand. 
bysundern, besonders. 
bytiiden, die nicht gesetzmässige Zeit. 
byworp, Ring am Griff eines Messers, 
Dolches; Knopf am Schwerte. 
C S. K. 
D. 
dackwerk, Dachstuhl. 
daet. That. 
daghtniss, Gedächtniss, Andenken, Eri" 
nerung. 
dagelkes, täglich. 
dak, Dach. 
dale, nieder. 
dar, da, dort; als, wann. 
daraver, darüber. 
darbaren, dagegen. 
darbenedene, darunter, niedriger. 
darbeneven daneben. 
darenbinnen, innerhalb, binnen. 
darenboven s. darentbaven. 
darentbaven, dagegen, darüber hinaus- 
darentegen, dagegen. 
daroffer, darüber. 
darvore, dafür. 
dat, das, dass. 
de, der, die, das, Plur. die. 
deckte s. denken, 
dechtniss, Gedächtniss. 
dede s. doen. 
dede, die. 
deef, Dieb. 
deeflyken, diebisch, heimlich. 
deel, Theil. 
deff s. deef.
        <pb n="737" />
        deger ganz. 
I deker, eine Anzahl von Zehn. 
del, Theil. 
dele, Diele, Flur. 
delen, theilen. 
demodig, demüthig. 
dempen, dämpfen. 
denckelbock, Memorialienbuch, Gedenk 
buch. 
denen, dienen. 
dener, Diener; der dener lach, Platz der 
Bedienten. 620, 197. 
denken, gedenken. 
denne, denn. 
dennen, dannen. 
dens(t)bode, Dienstbote. 620, 202. 
denst, Dienst. 
I &gt; densllick, unterthänig. 
I * derde, dritte. 
I derghenne, derjenige. 
■. derglicken, dergleichen. 
derkennen, erkennen. 662, 13; 663, 14. 
‘ dersulvige, derselbe. 
Î1 derHch, dertig, dreissig. 
des, wenn nur, nur das, wenn. 
desch, Tisch. 
desgeliken, desgleichen. 
desse, diese. 
deuchtig, tüchtig. 
deverye, Dieberei. 235, 7. 
dewile, während. 
deyt s. doen. 
dhaet. That. 
dhener s. dener. 
dhoen, don, thun. 
\ dicke, oft. 
din, dein. 
dighe s. dicke. 
dingen, werk dingen, eine Arbeit über 
nehmen; mit Feststellung der Be 
dingungen in einen Dienst treten. 
*^ingstag, dinstedag, Dienstag. 
^isse, dieser, 
das. 
s. doen. 
^obbeler, Würfelspieler. 
dobelen, mit Würfeln spielen. 
dobelspiel, Würfelspiel. 
doen, don, thun. 
doet s. doen. 
döre, döhre, Thür. 
dogen, taugen. 
doghed, Tugend. 
doit s. doen. 
don s. doen. 
donerdag, Donnerstag. 
doper, Täufer. 
dor, durch, wegen, um — willen. 
dorch, durch. 
dorcze, domtze, heizbare Stube. 
dorden, dritten. 
dore, Thür. 
domtze s. dorcze. 
dorsten, dürsten. 
dortig, dreissig. 
dorven, durven, derven, nöthig haben, 
brauchen, bedürfen. 
doskunn, Dutzend. 
doszynn, dosin, Dutzend. 
drade, schnell, rasch, bald. 
dranckgeldt, tranckgeldt, Trinkgeld. 
dre, drei. 
drechlick, genügend. 
dre/oldicheit, drefoltigkeit, Dreifaltigkeit. 
dregen, dragen, tragen. 
dreve s. dryven. 
drepen, Zusammentreffen. 
drevoldicheit, Dreifaltigkeit. 
drevolth, dreifältig. 
dreyband, hochd. eine Art Flachs. 412. 
dreyen, drehen, drechseln. 
drie, drei. 
dröge, trocken. 
drofte s. dorven. 
droge, trocken. 
drosye, Confekt, Gewürz auf Wein ab 
gezogen. 
drogen, trocknen. 
drudden, dritten. 
druge 6. droge, 
drusie s. drosye. 
drutteyn, dreizehn.
        <pb n="738" />
        ;i8 
Glossar. 
drye, dreimal. 
dryngcn, drängen. 
dryven, treiben. 
dubhelt, doppelt. 
ducker, die nordische Ente. 
duen, dun s. doen. 
duncker s. ducker. 561. 4. 
dunerdach, Donnerstag. 
duppelt, doppelt. 
duren, dauern. 
dur, theuer. 
duringe, durynge, Theuerung. 
dus ent, Tausend. 
dusker, dusse, dusser, dieser. 
dust, Tjost, Belustigung, Tanz. 
duste, desto. 
duth, dies. 
dwaess, quer. 
dwang, Zwang. 
dwele, Handtuch, Wischtuch. 
dwer s. thweren. 
dwile, während. 
dwingcn, dwyngen, zwingen. 
dychten, stiften, gründen. 
dyn, dein. 
dynxstdag. Dienstag. 
E. 
echt, ehelich geboren. 
echtcbrief, Ehebrief, Geburtsbrief. 
echter, später, nachher, abermals, ferner. 
ed. Eid. 
edder. oder. 
edlc7id, edel. 
eed, Eid. 
eer, ehe. 
egen, eghen, eigen. 
ehafft, gesetzmässig. 
ehn, eft, ein. 
ehre, ihr. 
eines, einmal. 
einsam, einfach. 
eintfachüg. einfach. 
eintrangk, Abbruch, Eindrang, d. i. Benach- 
theiligung eines bestehenden Rechts. 
eischen s. eschen. 
eischung s. eschinge. 
elder, Alter. 
I elderman, olderman, Aeltermann. 
¡ elende hus, Krankenhaus. 
I elendigheidt, das Leben in der Fremde, 
Exil, Heimathlosigkeit. Verein zur 
Hülfeleistung 533, 3. 5. 9! 534, 
15. 16; 535, 18. 21; 536, 23. 24. 37- 
28; 537, 32- 
elik, jeder. 
elk, jeder. 
, emand, jemand. 415, 12; 663, 14- 
I emmer, Eimer. 
I emphahung, Empfang. 
eil, nicht. 
en, ein. 
eil, hin. 
enbaven, darüber. 
enbeden, entbieten. 
eiiberen, entbehren. 
eiibinneii s. entbinnen. 
enboven, dagegen, darüber hinaus. 
enbyiiiieii, innerhalb; e. werden, 
werden, erfahren. 
eiierleye, irgend welch. 321, 61. 
engcver, Ingwer. 
enich s. eit. 
eiis, einig. 
entbaveii, dagegen, darüber hinaus. 
eiitbeven, entbieten. 
entbeid s. entbedcn. 
entberinge, Entbehrung. 
entbinnen s. enbynnen. 
entbreken, hemmen, entziehen. 
eiitfan, entfaeii. entfaien, empfange«- 
eiitfangen, aufnehmen, entgegennehme«, 
empfangen. 
eiitfeid, entfeit s. entfan. 
entferdigeii, entwenden. 
eiitfeyt s. entfan. 
eiitfoerde s. enh'oren. 
enthalen, wegholen. 
enthaveii, enthoben. 
enthogeii, entziehen. 
enthoveii, enthoben. 
entkegen, entgegen.
        <pb n="739" />
        entmeden, entmydcn, einem Anderen 
wegmiethen. 
entphaid s. ent/an. 
entschlichten, schlichten. 
entschuldinge, Entschuldigung. 
entsluten, beschliessen. 
entspehnen, entspenen, abspenstig machen. 
entten, entziehen. 
entuet s. entten. 
entvoren, entfü’ren. 
entweken, entweichen. 
entTvyken s. entweken. 
entsetzen, befreien. 
enwar, gewahr. 
erbuwinge, erbuwunge, Erbauung. 
ere, oere, Geldsorte. 
erepennig, Ehrenpfennig. 
erfaringe, Erfahrung. 
er/oren, erführen. 
erkandtnus, Zeugnis, Urtheil, Erkenntlich 
keit. 
erkentnis, erkentnus, Bestimmung, richter 
liches Urtheil 
erluchten, erleuchten. 
eröpen, eröffnen. 
erövern, gewinnen. 
erschinen, erscheinen. 
^f’seung. Ersehen. 
^yspinnen, durch Spinnen anfertigen. 
eystan, aufstehen. 
^ystschreven, obenerwähnt. 
^rteillerie, Artillerie. 
^yiögen, zeigen, erzeigen, beweisen. 
*ytsevaget, Erzvogt. 
‘yve. Erbe, Nachlass, Grundstück, Haus. 
eywerdig, ehrwürdig. 
^ywerven, erwerben. 
‘Sehen, heischen, fordern, nachsuchen (bei 
der Anmeldung zum Eintritt in das 
Amt gebraucht). 
‘schrnge, eschung, Forderung, Bitte um 
das Recht des Eintritts in ein Amt. 
es. 
‘^est s. eten. 
‘fen, essen. 
‘^lick, einige, etlich, irgend ein. 
etwen, vielleicht. 
etslichey s. etlick. 
etsweliker, gewisser. 270, Einl. 
even, eben. 
even kamen, zukommen, entsprechen, 
passen. 
exe, Axt. 
F s. V. 
G. 
gan, gaen, gehen. 
gare s. ghare. 
garen, Garn. 
gasteboth, Gastgebot, Gastmahl. 
gave, Gabe. 
gebade s. gebede. 
gebaren, geboren. 
gebaw, Reparatur. 544, 44. 
gebede, &gt;) Gebot, *) Gebiet. 
gebeden, gebieten. 
gebenedied, gebenedeit. 278, 21. 
gebleven, geblieben. 
geboer, Gebühr. 
geboert, Geburt. 
geborlick, geborlich, gebührend. 
gebowet, gebaut. 
gebott, Einladung. 
gebrech, gebrechlich. 
gebrech, Gebrechen, Fehler. 
gebrecke, Gebrechen. 
gebruck, Gebrauch. 
gebrucken, gebrauchen, ausüben. 
gebüt s. gebeden. 
gebuv, Gebäude. 
gedwange, Gezwänge, Enge. 
geest, Geist. 
gegeben. 
gefoch, gevoch, Bedarf, Schicklichkeit. 
ge/urdert, gefördert. 
gegenwardicheit, Gegenwart. 
gegenwordig, gegenwärtig. 
gegert s. geren. 
gegont s. gegunnen. 
gegunnen, gönnen. 
geheiten s. heten. 
gehoers, gehors, Gehorsam.
        <pb n="740" />
        720 
Glossar. 
gehorsantb, gehorsam. 
gekrampt, Gerberamt. 533t 2. 
gehrkus, Gerberei. 
geiden, vielleicht =giessen. 590, 55. 
geith, geitt s. gan. 
gekrudt, eingemacht, gewürzt. 
gel, gelb. 
gelach, Lager, Zeche. 
gelancklich, zulänglich? 485, 36. 
gelavigerdiger, löblich? 49^) Linl. 
geiden, vergelten. 
geleden, vergangen. 
geleich, gleich. 
gelendenn, geliehen 
geleved, geliebt. 
geleven, belieben. 
gelick, gleich. 
geloven, geloben. 
gelovig, gläubig. 
gelyk, gleich. 
gemak, Ruhe, Bequemlichkeit. 
gemeded, gemiethet. 
gemelt, gemeldet. 
gemen, gemein. 
gemethe, gemäss. 
gemetych, gemässigt, massvoll. 293. 
gemeynlik, insgesamt. 
gemoeth, Gemüth. 
genade, genode, Gnade. 
genede, irgend ein? 39^t 7- 
genedet s. neien. 
genegen, genügen. 
geneten, geniessen. 
gencze s. gensze. 
genge, gangbar u. geve. 
gcftoch, genug. 
genochhafiig, genügend. 
genochsam, genügend. 
genode s. genade. 
gensze, eine Art Dolchmesser (zweischnei 
dig)- 
gerdclude, Schaffer. 
gerdeman, Schaffer. 
geren, gerben. 
gerhov s. gerhoff. 
gerhoff, Gerberhof, Gerberei. 
gern, gerben. 
gerwer, Gerber. 
gerwerke, Gerberarbeit. 
gesaden, gesotten. 
gesadiget, gesättigt. 
gesadt, gesadtet, gesetzt, eingesetzt. 
gesath s. gesadt. 
geschege s. sehen. 
gescheiden, geschieden. 
gesekmiede, Geschmeide. 
geschneden, geschnitten. 
I geschüdt, geschuet s. sehen, 
gescreven, geschrieben. 
gesedte s. gesette. 
gesette, Festsetzung, Bestimmung, Leber- 
einkommen. 
gesneden, geschnitten. 
gespundet s. spunden, 
gesse, (fesse), ein Kleidungstück, Warnas 
gest, Geist. 
I gestemmeth, gestimmt. 
gestimbt, gestimd, gestimpt, bestimmt, er 
I wähnt. 
I gesworen, geschworen. 
' geten, giessen. 
I getow, Geräth. 
j getrewlich, getreu. 
getruw, getreu. 
1 getuget s. tu gen. 
' geve, annehmbar, lieb, gut. 
I g even, geben. 
gevoch s. gcfoch. 
I gewelich, jeder. 
gexvanheit, Gewohnheit. 
geu'cnblick, gewöhnlich. 
; getuerde, Geführte. 
! gewerwe, Gewerbe, 
j geiveset, gewesen. 
; gewontlick, gewöhnlich, 
i geweten, wissen. 
! geyt s. gan. 
ghan, s. gan. 
ghare, Gerbehaus. 
' ghebreck, das Fehlende, Gebrechen, 
gkeit s. gan. 
I gheman s. gemak.
        <pb n="741" />
        46 
Glossar. 
721 
ghelovede, Gelübde. 
ghen, gen, kein. 
ghenedich, gnädig. 
ghesmide, Geschmeide 
ghespreth, ausgebreitet. 
ghestichtiget, gestiftet. 
gheien s. geten. 
gheven, geben. 
ghewest, gewesen. 
ghüt s. geten. 
ghot, gut. 
ghyfft s. geven. 
gi, immer. 
gichi, icht, irgend etwas. 
gichtich munt, Geständniss. 
gifte s. ifte. 314, 12; 317, 39, 44; 319, 53. 
giffte, Angabe. 
gifftendreger, Darbringer von Geschenken 
673 III. 
gildestave, gilstove, Gildestube. 
glasewarter, glasewcrter, glaszewerder, 
Glaser. 
gleitzagen, Geleite geben. 637, 27. 
glese, Gläser 
glesenitzen, gläsern? 371, 12. 
gUckexvoll, gleichwohl. 
glicks, glichst, gleich. 
gotdespennyngh, Gottespfennig, Handgeld, 
insofern es ursprünglich gottesdienst 
lichen Zwecken oder den Armen zu 
Gute kam. 
gonst, Gunst. 
gordel, Gürtel. 
gordeler, Gürtler. 
gor der, Gürtler. 
gorthler, Gürtler. 
got, gut. 
gote s. geten. 
g*'Cift, Begräbniss. 
gf'apenbrade, Topfbraten, Schmorbraten. 
g*‘av, Grab. 
gt’aw, grau. 
gt'awwerk. feines, graues Pelzwerk. 
gyei’e brodt, trockenes Brod? 244, 10. 
guipen, greifen, 
grob. 
grone, grün. 
grot, gross. 
gudere, Güter. 
gütt, gut. 
gulden, golden. 
gunnen, gönnen, erlauben. 
gurdelmacher, Gürtelmacher. 
gutet s. geten. 
H. 
haberstroe, Haferstroh. 
; hagen, Behagen. 
I halen, holen. 
1 half hah, halb. 
I hal/knecht, Halbknecht, der zwischen 
einem Lehrjungen und Vollgesellen 
steht. 
halt, Holz. 
hah, halb. 
I halven, halben. 
! handelinge, Handlung, Handlungsweise, 
j handtreckenn, die Hand reichen. 
I handtstreckyng, Handschlag. 
Î handtruwe, Unterpfand, Verlobung, 
j hanschen, Handschuhe. 
hantreking, Handreichung, Unterstützung. 
' hantword, Handwerker. 
hamasch, hamsch, Harnisch. 
hase, Hose. 
hasz ? 600, 104. 
hav, Hof 
have. Habe, Besitz. 
haved s. hoved. 
haverecht, Ständchen. 575, 120; 586, 26; 
u. a. o. 
j hawen, hauen, bereiten, 
j he, er. 
I hebben, haben. 
! heent, heim. 
' heet s. heten. 
j he/t, hefft s. hebben. 
I hegen, eröffnen, eine Versammlung. 
heidenschop, Heidenschaft. 
heicken s. hoicken. 
heimnich, heimlich? 631, 20. 
heitvollen, aus Hede? 351, 26.
        <pb n="742" />
        Glosssar. 
722 
hei, heil, ganz. 
helpe, Hülfe. 
helpen, helfen. 
helper, Helfer, Gehülfe. 
hemelik, heimlich. 
hemell, Himmel. 
hemlyck, heimlich. 
hetnwelshove, Himmelshof. 
heminelvord, Himmelfahrt. 
hemtnische, heimisch? 37^» ^4- 
henferder, hinförder. 
henffswinger, Hanfschwinger 
henforder, henfurder, hinfort, in Zukunft. 
henne, hin. 
hennep, hennip, henp, Hanf. 
hens chop, Verein; entst. etwa aus hense 
u. schop, oder aus henp u. schop = 
Gesellschaft der Hanfschwinger. 345, 
Schluss 
herenbot, herengeboet, Herrengebot. 315, 
25; 320, 56, 57, 59. 
herkumpt, Herkommen. Gewohnheit 
herschop, Herrschaft. 
hert, Herz. 
herlzwyger, (hertcstwich), aus Hirchge- 
weih, 371,14. hertzwyger meszer, ein 
Messer, dessen Heft aus Hirschgeweih 
gemacht ist. 
hei'vest, Herbst. 
heryensen, Hurensohn. 
het, heiss. 
hete, Geheiss. 
heten, heissen, nennen. 
hewen s. hebbcn. 
heyken s. hoicken. 
hilig, hillig, heilig. 
hod, Hut. 
hoede. Hüte. 
hoedt, Hut. 
högen, erhöhen. 
höger, höher. 
högeste, höchste. 
hoepe, to zusammen. 
hofetsteven, Hauptversammlung. 
hoffysern, Hufeisen. 
hog, hoch. 
hogen, erhöhen. 
hoghe höge, Fröhlichkeit, Festlichkeit; sik 
godes hoghen maken, sich erfreuen. 
hoymod, Hochmuth. 
hoichwise, hochweise. 
hoicken, Mantel. 
hohen, Höker, Krämer sein. 
holden, halten. 
holt, Holz 
holt s. holden, 
homod, Hochmuth. 
hope, Haufe, to hope, zusammen. 
hören, sich gehören, sich gebühren, zu 
kommen, gehören ; hören. 
horneguelden, Horngulden. 
horrenhus, Hurenhaus. 
horsam, gehorsam. 
hoved, Haupt. 
hoverdigheit, Hoffahrt. 
hoverecht s. haverecht. 
hovesch, höflich, höfisch. 
hovetstoll, Capital. 
howen, hauen, schlagen. 
hower, Hauer. 
hoys Hach, Heuschlag, Wiese. 366 Anhang- 
hude, heute. 
hud. Haut, Fell. 
huett, heute. 
hulpe. Hülfe. 
hulper, Helfer. 
hupe, Haufen. 
huren, miethen. 
hus, huis, Haus. 
husschluter, Hausschliesser. 
huszback, Hausgebäck (?) 244, n- 
huszfrauw, Hausfrau. 
huskumpter, huszkunter, Hauskompf"'^' 
I. 
ichlich, jeder. 
icht, irgend etwas. 
id — dat. 
idder, oder. 
ydel s. ydelman. 
ydelman, jeder. 589, 51 u. a. a- 
id er, jeder.
        <pb n="743" />
        Glossar. 
723 
yder, jeder. 
idlik, iS lick, jeglich, jeder. 
idoch, jedoch. 
yetnan, jemand. 
ifte, oder. 
ifft, oft, ob. 
yfft, oder. 
y/t, oder. 
iglich, jeder. 
illiker, jeglicher. 
ymand, jemand. 
in, ein. 
inbrengen, einbringen. 
indrang, Eindrang, Schmälerung. 
ingan, hineingehen 
ingandege/di, Eintrittsgeld. 
ingebrocht s. inbrengen. 
ingesegel, Insiegel. 
inghaendegelt, Eintrittsgeld. 
Ifigiffte, Inhalt, Angaben. 
inholdinge, Inhalt.. 
inholdt, Inhalt. 
ynholdt, Inhalt. 
inköp, Einkauf, Preis. 
inköpen, einkaufen. 
inkomeling, Gast, Fremdling. 
inseiten, einsetzen. 
insiegell, Siegel. 
instneken, kosten, prüfen. 625, i. 
ynsperynghe, Hinderniss, Einsprache. 
inssage, Einwand. 
inth, in. 
inwerven, einführen. 
inwäner, Einwohner. 
inwahner, Einwohner. 
inwordes, ins Land. 
yowelck, jeglicher. 
if'kem, irgend einem? 431, 23. 
if'ste, erste. 
i^er, Eisen. 
y Sern, Eisen. 
i^lick, jeglich, jeder, 
es. 
iient, ebenso, ferner. 
itzig jetzig. 
yizlich, jeder. 
itzt, jetzt. 
iwelick, jeglicher. 
iw lick, jeglicher. 
iwer, euer. 
J. 
jegenwardicheit, — wordicheit, Gegen 
wart. 
jelykerwyse, gleicher Weise. 
jenerley, irgend welcher Art 
jenig, irgend ein. 
jenigerley s. jenerley. 
Jewelik, jeder. 
jo, je. 
jowelch, jeglicher. 
juchzen, schreien ; aus Freude juch rufen. 
649. 25. 
junttner, immer, jemals, jedenfalls, sicher. 
juncffrouwe, Jungfrau. 
juwelick, jeglicher. 
juwelk s. juwelick. 
I juvlik s. juwelick. 
K. 
kabel, Tau, der grosse Schiffstau. 
' kaken, kochen. 
I cambial, camelot, ein Wollenzeug. 
I cammer, Kämmerer, 
j canin, Kaninchen. 
I kalckhar, die durch Kalk von den Fellen 
losgebeizte Wolle. 
' kamen, kommen; kamen, zukünftig. 
I kamer, Kämmerer. 
; kampen, kamper, kämmen von wollenen 
! Gewändern? 487; 563, 21; vieil, v. 
^ d. Stadt Kampen. 
, kandtnusz, kandtnisz, Kenntniss. 
j capun, Kapaun. 
' kalersassen, Insassen ärmlicher Wohnun 
gen. Vergl. Gutzeit, Wörterschatz 
der deutschen Sprache Livlands, 
i katen. 
I kegen, gegen. 
keinmand, niemand. 636, 20. 
keisen s. kesen. 
kelre, Keller.
        <pb n="744" />
        Glossar. 
724 
kentere, kemer, Kämmerer, Rathsherr, 
Schaffer. 
kemener s. kentere, 
ken/ik, offenbar. 
keren, reichen, sich erstrecken. 
kerke, Kirche. 
kerkher, Pfarrer. 
kerle, ein Kleidungsstück = 1 abbart. 
kerspelkerk, Kirchspielskirche. 
kerst, Christus. 
kesed s. kesen. 
kesen, wählen. 
ketel, Kessel. 
keuffen, kaufen. 
kezen, wählen. 
ehernerer, Kämmerer. 
khull, kule, ein bauchiges Gefäss? 444, ^3- 
kieff, Streit, Zank. 
kiesenn s. kesen. 
kisen s. kesen. 
kistherr, Kastenherr, Verwalter der Ein 
nahmen? 638, 30. 
kittel, Kessel. 
klacht, Klage. 
klarlyck, klar. 
klauben, mit den Fingern lösen, anfer 
tigen. 
cleden, kleiden. 
cledere, kledere, Kleider. 
klederherr s. kistherr. 
cledersel/ersche, Kleiderhändlerin, Tröd 
lerin. 
kledinge, Kleidung. 
den, klein, ein Weniges, Kleinigkeit. 
clenestned, Kleinschmied. Schlosser. 
clenode klenode, feine Kunstarbeit. 
klep, Laib. 244, ii. Vergl. Gutzeit, Wör 
terschatz der deutschen Sprache Liv- ¡ 
lands; Napiersky, Libri redituum, 
Wortregister. 
dipping, Geldstück, viereckige Münze. 
docke, Glocke. 
klockenlüder, Glockenläuter. 567, 52. 
dockhoiken, Mantel in Glockenform. 
klock, klogke, Glocke. 
knakenhotiwer, Knochenhauer. 
! knape s. knope. 
\ knepesche - kumpumsche, Schwester der 
Brüderschaft. 396, 1. 
knickschlosz, Knickschloss? 370, 8. 
; knockenhouver, Knochenhauer. 
1 knop, Knopf. 
knope, Knecht, Lehrling, Geselle. 
koege, Kuh. 
kopen s. kopen. 
koer, Mahl, Entscheidung. 
körschner, körszner, Kürschner. 
ko ft s. kopen. 
kok s. koy. 
kolpawer, Kohlenbauer, ein Bauer, der 
Kohlen verkauft. 451, 17. 
kolre, Köhler. 
kolve, Kolbe. 
konten, kommen. 
contpaignie, Kompanie, Gesellschaft. 
kontpan, Kollege. 
koningk, König. 
coltsenteren, beistimmen. 
copen, kaufen. 
kop, Kauf; Kopf. 
kopen, köpen, kaufen. 
kopenscaft, kopenschop, Handel. 
kopntann, Kaufmenn, Kunde. 
copper, Kupfer. 
coppersntet, Kupferschmied. 
kopperschmiedt, Kupferschmied. 
korde, Strick. 
corduwan, Korduanleder, weiches Leder 
aus Ziegenfellen nach der Stadt 
Cordova so genannt. 
köre, Wahl der Beamten. 
koren, erkoren. 
korff, Korb. 
kort, kurz. 
körten, kürzen. 
I kost, Kosten. 
' koste, Beköstigung, Schmaus, Festlichke» 
koster, Küster. 
kosterighe, Küsterei? 236, 2. 
kostinge, Köste, Mahl. 
koren, wählen. 
koy, Kuh.
        <pb n="745" />
        Glossar. 
725 
krakede hoiken, mit einem Kragen ver 
sehenen Hoiken. 
krakedes, krage, Bekleidung des Halses. 
krame, Kleinhandel, Krambude. 
krancken, schwächen, schwach werden. 
kreceptor, Becher. 679. 
krege s. krigen. 
kemerye, Krämerschaft, Kramhandel. 
368, 36. 
krigen, krygen, bekommen. 
krigisch, kriegerisch. 
krogele = kroke, Falte; Kragen (?) 563, 21. 
crokedes v. kroke, Falte. 
krude, Gewürz, Confekt. 
kruehvyge, Krueñt'Cginge, Kreuzweihe, 
Himmelfahrt. 
crus, Kreuz. 
kruse, Krause. 
cruszwerckstuck, ins Kreuz gearbeitetes 
Stück? 294. 
crutz, Kreutz. 
krutz/oge, Kreuzfuge. 
krygen s. krigen. 
künde s. kunnen. 
kuenthor, Schreibtisch, Pult 
kün/kormaker, Kunthormacher, Schreib 
tischmacher, Tischler. 
kürszner, Kürschner. 
kuethove, Schlachthaus. 
küter, Schlachter. 
küne, Geschlecht. 
kummet s. körnen, 
cumpanie, Gesellschaft. 
kumpan, Genosse, Kollege. 
kuntpansche, Schwester der Brüderschaft. 
kumpenye, Genossenschaft. 
kumpi, kufHptk s. körnen, 
cuntpyan, Genosse, 
^une, Geschlecht, Art. 
künde s. kunnen. 
kundegen, kund thun. 
kundfschop, Kundschaft. 
kunnen, können. 
kunster, dereine Kunst (Handwerk) versteht. 
künstig, geschickt, kunstverständig. 
kunstrik, kunstreich. 
; kursemverter, Kürschner. 
kust s. kisen. 
\ kuven, Kufe, Kübel. 
I kyff. Streit. 
kyven, streiten. 
kyvere, Streiter, Zänker. 
kywen, streiten, zanken. 
L. 
; AzfÄ, Lage, Platz, Aufenthaltsort. 620. 197. 
; lade, Kasten; Geschäftslokal. 272, 3. 
! laest, zuletzt. 
I laken, Tuch, 
j lanckheit, Länge, 
i langst, längst. 
laten, lassen. 
latere, der spätere Marientag. 8. Sept. 
laterer, (laterj Aderlasser. 416, 23. 
; latesten, letzten. 
' laven, laben, erquicken; geloben. 
lechlyk, gelegen, 
i ledderen, ledern. 
leden, leiden. 
lederteuwer, Lederbereiter, Gerber? 696. 
, led s. lidt. 
leet s. laten. 
• leffhehber, Liebhaber. 
legen, lügen. 
! legeste, up dat — zum Mindesten.? 368, 29. 
' lfggen, legen. 
legher, das Einlegen, das Niederlegen. 
1 lehren, leren, lernen. 
I lende, Länder. 
' lendenn, geliehen, 
j lendich, lebend. 
I lenen, leihen, belehnen. 
I lenden, geliehen, 
i lengede, Länge. 
lengk, lenk, comp, länger. 
, lepe s. lopen. 
I leser, Einsammler. 
leside. Laut. 
lest, zuletzt, letzte. 
leszken, löschen. 
leszkinge. Löschen. 
let, lett s. laten.
        <pb n="746" />
        Glossar. 
726 
lete s. laten, 
leizlich, schliesslich. 
lev, lieb. 
levdick, lebendig. 
leven, Leben, leben. 
levendich, lebendig. 
leveni, Leben. 
levern, liefern. 
Iheeji, Lohn. 
licham, Leichnam. 
licht s. leggen. 
lickest, gleich. 
lickewoll, gleichwohl, trotzdem. 
liden, leiden. 
lidt, Glied. 
liev, lef, lieb, werth. 
ligger, Arbeiter im Hafen hauptsächlich. 
407-413. 
lick, Hk, Leiche. 
limen, leimen. 510, 14. 
liste, Rand, Besatz. 
livespunt, Lispfund, 20 Pfund. 
lochen s. logen. 
lod, Loth. 
loden, löthen. 
loddige, Lodje, breites Schiff mit einem 
Mast. 
lodig, löthig, vollhaltig, rein, von unge 
mischtem Metall. 
loe, loge, Lauge. 
löfflick, löblich. 
lögenfoge, Lügenfuge. 286, 17. 
loesdreger, Losträger, Träger, der ein 
Schiff od. einen Boden frei trägt. 
loesdryven, lostreiben, herumtreiben. 
lösinghe, Befreiung. 
loes wyfli, lüderliches Frauenzimmer. 
loeszman, Lootse. 
loetdrunk? Walther, Gelage der lotgilde. 
322, 67. 
loff, Lob. 
loge s. loh. 
logen, loghen, lochen, lügen. 
loh, loge, Lauge. 
lopen, lop, hölzernes GefÜss von kleine 
rem Inhalt. 
I lopen, laufen, 
j losen, lösen, einlösen, 
i losinge, Befreiung. 
I losz, los, herumtreibend, 
i lotghilde, Lotgilde? 319, 51- 
I lov, Lob. 
1 love, Laube? 618, 191. 
I lovede, Vereinbarung, Vertrag. 
I lovelik, löblich. 
! loven, laven, loben, geloben. 
I low en s. loven. 
luchnam, Leichnam. 
luchnamdach, Leichnamstag. 
lucht, Fenster. 
luchter, Leuchter. 
luden, lauten; läuten. 
lüde. Laut. 
lüde s. lüden, 
lüden, läuten. 
luide, Leute. 
luit, laut. 
lukerwyss, jelykerwyse, gleicherweise 
lutke, lutttk, klein, gering, wenig. 
lyck, billig, gerecht; Billigkeit. 
lyden, leiden. 
lykewoll, gleichwohl, trotzdem. 
lymede s. limen, 
lynnenwaver, Leineweber. 
lynnewever, Leineweber. 
lynwefer, Leineweber. 
lyste. Leiste, Rand. Einfassstreifen, 
von Metall. 
lyv, Leib, Leben. 
M. 
machlik, mochlik, möglich. 
macklon, Macherlohn. 
maeltiid, malHet, Mahlzeit. 
maente, manet, Monat. 
maget, Magd. 
malckander, einander. 
maltiit s. maeltiid. 
mandach, Montag. Risens- 
mane, man, eine Art schlechteren 
j manendagh, Montag. 
1 manigfoldig, mannigfaltig.
        <pb n="747" />
        Glossar. 
maninge, Ermahnung. 
mank, unter, zwischen 
mannich, manch. 
manshoicken, Männermantel. 
manth, mandt^ Monat. 
manynge, Ermahnung, Aufforderung. 
tnarcked, Markt. 
marschoppie, Kompagnie, gemeinsames 
Geschäft, Mascopei. 
marie, Marder. 
masschop, Genosse, College. 
mai, math. Mass. 
matígen s. metigen. 
me, man. 
mede, Meth, Honigtrank; mit. 
mede, up de m. in dem Maasse. 
meden, miethen. 
medewetend, mitwissend; Mitwissen. 
medwittlicheit. Mitwissen. 
meier, Maler. 
men, man ; wenn ; ausgenommen. 
mene, allgemein, gemein. 
menede — mendeweke, Gemeinwoche, 
die mit dem Sonntage nach St. Micha 
elis beginnende Woche. 
menegen, jeglichen. 
mengerley, mancherlei. 
menk/el, Fischotterfell. 
menlikeu, sämmtlich, zusammen. 
*Henneghe, so viele. 
mennig, viele. 
^ent, man. 
menyck, manch. 
‘»ter, mehr, nur. 
»terke/ik, wovon geredet wird. 
»terkiseren, Merkeisen, mit dem der Mei 
ster seine Erzeugnisse bezeichnete. 
»terie/er, Märtyrer. 
»tes s. mest. 
*»esi, Messer; meist. 
‘»tester, Meister. 
»tetigen, matigen, mässigen, das Mass 
bestimmen. 
»tetworst, Mettwurst. 
*»eiir/eute, Maurer 
^»eydach, Maitag. » 
727 
meyden, miethen. 
meygreve, Maigraf 
meygrewschop, Maigrafschaft, Feier im 
Mai. 
meyne, allgemein, gesammt. 
meynleken, allgemein, alle insgesammt. 
middeweken, middweken, Mittwoch. 
miglick. mig/yck, mogelik, möglich. 
min, comp, weniger ; mein. 
minderen, vermindern, verringern. 
: minne, Liebe, Belieben. 
misqueme, Unbequemlichkeit, Ungemach. 
misseprester, der Geistliche, der die Messe 
liest. 314, 5. 
missing, Messing. 
missingstuck, Messingstück. 
miszduenckent, Verdacht. 
miszdundken, Verdacht haben. 
miszhandeling, miszhandelinge, Misshand 
lung. 
miszverstunt, Missverständniss. 
mitteII, Mitte. 
mod. Muth. 
moder, Mutter. 
mögket 8. mögen. 
morsel, Mörser. 478, 26. 
moet s. moten. 
moeyge, moeye, Mühe. 
mogelik s. miglick. 
mögen, mögen; quälen, plagen, ärgern, 
j moithwillich, rauthwillig. 
mole, Mühle. 
molt, Malz. 
morgensprake, Morgensprache, Amtsver 
sammlung. 
moten, mögen, dürfen, müssen. 
motet s. moten, 
möge, Mühe. 
mögen, vermögen. 
mowe, Aermel. 
i muckten, möchten. 
I mugen, mögen. 
, Mum, (mumme) ein Braunschweiger Bier? 
I 393, 6, 8. 
I mure, Mauer. 
I muren, mauern.
        <pb n="748" />
        728 
Glossar. 
murlude, Maurer. 
mumnester, Maurermeister. 
muschate, Muscatnuss. 
musterey, Zeughaus. 692, 6. 
myddensomere, Mitte des Sommers, d. 
Johannis, 24. Juni. 
mydvasten, Mitte der Fasten. 
ntydweken, Mittwoch. 
myle, Meile. 
tnyn, mynne, min, weniger, geringer. 
mynne, Liebe, Freundschaft, Haupt. 
mynner, comp, weniger. 
mynsche, Mensch. 
mynsie, kleinste, mindeste. 
N. 
na, nach. 
naher, Nachbar. 
nachbestemed, nachfolgend. 
nachdel, Nachtheil. 
nach(t) slap ende tit, Nachtzeit. 
nafahren, Nachkommen 275, Einl. 
naheyt, Nähe. 594, 75. 
nakoemeling, nakoemelyng, Nachkomme, 
Nachkömmling. 
nakomeling, Nachkomme. 
namkundichf namhaft. 
naringe, Nahrung. 
nascheen, nachgeschehen. 
Nass(tjneken,\en. Lastträger. 413, Nr. 75. 
nat, nass. 
nedder, nieder. 
neegen, nähen. 
neen, nen, nein, kein. 
negeafftig, des Nähens kundig, vom Wund 
arzt gesagt. 251, 22. 
negede, neunte. 
negen, neigen. 
negen, neun. 
negentich, neunzig. 
negesi, nächst. 
neghen s. negen. 
nehnleyen, neunzehn. 
neien, nähen. 
nein, kein. 
nemant, niemand. 
nen, kein 
nenerley, keinerlei. 
nenich, kein, 
i. nergendts, nirgends. 
neringe, Nahrung. 
neven, neben. 
new, neu 
newen, von — von Neuem. 
newlich, neulich. 
neyen s. noyen. 
neyhanschen, Nähhandschuhe. 537» 
nhadel, Nachtheil. 
nhasage, Nachrede. 
nich, nicht. 
nickten, nichtes, nichts. 
nirn, nirgends. 
nit, nicht. 
nochten, noch. 
nögen, genügen 
noetdrufftyck, nothdürftig. 
nodegen, nöthigen. 
nomen, nennen. 
nomelych, namentlich. 
nomen, nehmen. 
nomptlick, nämlich. 
not, Nuss. 
notroft, Nothdurft, Noth. 
notroftig, nöthig. 
nowe, nouwe, genau, fein. 
noyen, neyen, nähen. 
««, nun. 
nüchteren, nüchtern. 
nuh, nun. 
numestt nimmer. 572, 94. 
I nntt, Nutzen. 
nutte, nützlich, nütze. 
nuttigheyt, Nutzen. 
nuw, neu. 
j nye, neu. 
nyest, jüngst 
nyg, neu. 
nymode, niemand. 
nyn, kein. 
nynerleye, keinerlei. 
nytbiy, Nietblei? 294.
        <pb n="749" />
        I 
46* 
Glossar. 
729 
O. 
ob, oben (in Zusammensetzungen 
obberurt, oben erwähnt. 
oberkeitt, Obrigkeit. 
obgesatst, oben bestimmt. 
obgestimmed, oben erwähnt. 
octave, Oktave, acht Tage nach einem 
Feste. 
Öre, ore. Münzsorte. 
örtenampt, ortenambt, Befugniss oder Ge 
nossenschaft der Herbergsgesellen (?) 
357. 3- 
oertengeseile, oerttgeselle, orttengeselle, ? 
Herbergsgeselle. 440, 3, 4 u. a.; 
523. 524. 3. 4. 5; 525. 17. j8; 
527, 30; 357. 3. 9; 359, 15: 361, 23. 
oevel s. ovel. 
oeven, öven, üben. 
övinge, Uebung. 
offer, Opfer. 
offeren, opfern. 
officie rer, Beamter. 
ofte, oft, oder. 
oge, Auge. 
old, alt. 
oldemtan, Aeltermann. 
oldermanschop, das Amt des Aeltermanns. 
oldinges, van, von Alters her. 
oldtschroeder, Altschneider. 
olinge, Oelung. 
oltkoddere, Altflicker (Schneider.) 
ok, auch. 
ontferdigen, entwenden. 
Op s. Up. 
openbar, öffentlich. 
openbaren, offenbaren. 
opperen s. off er en. 
orbar, Nutzen, Vortheil. 
Orden, Ordnung, Reihenfolge, Gesetz. 
ordeneren, anordnen. 
ordennige, Ordnung. 
ordenunge, Ordnung. 
ordinancie, Ordnung. 
ordyneren, anordnen. 
orkund, Urkunde. 
orlob, Urlaub. 
orloff, Urlaub, Erlaubniss. 
orlouw s. orloff. 
ordnieren, ordeneren, anordnen, einsetzen. 
orsake, Ursache. 
ortenambt s. örtenampt. 
ortengesell s. oertengeselle. 
ortt, Ecke. 
osemund, eine Sorte schlechten Eisens. 
oss, osse, Ochs, Stier. 
ovel, ovele, übel, schlecht; Uebel. 
oven s. öven. 
over, über. 
over, overst. aber. 
overhant, Ueberhand, Uebermacht. 
overgangk, Uebergang. 
overicheidt, overichkait. Obrigkeit. 
overig, übrig. 
overlast, Belästigung. 
overlopen, überlaufen, behelligen. 
ovemhandt s. overhant. 
overschlag, Ueberschlag. 
overschneden, oversneden brot, Brot, 
das quer durchnitten ist. 
overscholden, aufschieben, übergehen. 
overseggen, verleumden. 
oversneden s. overschneden. 
overst, aber. 
overtreden, übertreten. 
overwinnen, überwinden. 
ovustmaent, Augustmonat. 
P. 
packet s. pochell. 
panden, pfänden. 
pant, Pfand. 
pantuffel, Pantoffel. 
Papegoye, Papagei. 
Pargament, Pergament. 
parlementer, Zusammenkunft, Gezänk. 
part, Partei. 
parthie,partye, Partei, Zwist, Parteilichkeit. 
pasche, Ostern. 
pass, pasze, to passe sind, gesund sein. 
paszhenff, Passhanf, der bloss gebrochen, 
noch ungehechelt sind. 
pattufel, Pantoffel.
        <pb n="750" />
        73» 
Glosssar. 
pauwrenkemme, Bauernkämme. 
peckendrad, Pechdraht. 
pelegrime, Pilger. 
pelzer, Beiter, Lederarbeiter. 517. Sitzber. 
der Gesellsch. f. Gesch. u. Alter- 
thumsk. in Riga 1886, S. 62. 
pennygk, Pfennig. 
penxsten s. pinxsten. 
pergel, Holzspan. 581, 9. 
persele, Theil, Stück. 
pßegunge, Pflege. 
pinxten, Pfingsten. 
pipe, Fass für Oel und Wein. 
piper, Pfeiffer. 
pitzoff, Petschaft. 544, 45. 
plantinge, Pflanzung 
plate, Platte, Brustharnisch. 
platens leger. Harnischmacher. 
plegen, pieghen, pflegen. 
plicht, Pflicht, Leistung, Zahlung. 
plichtigk, verpflichtet. 
pochell, packel, vielleicht von pack, Dolch, 
Dolchmesser, oder von boggel, Bügel, 
abzuleiten. 364, 37; 445, 31 b. 
poeke, Pike. 
pollexe, Axt, Streitaxt. 
Polowa, polnischer Flachs (?) 413. 
porte, Pforte. 
pracher, Bettler. 
predeken, predigen. 
predicante, Prediger. 
predig(k)stole, Predigerstuhl, Kanzel. 
presenteren, sik, sich vorstellen 
prester, Priester. 
proft s. proven. 
prove, Probe, Prüfung, Versuch. 
proven, prüfen, taxieren. 
provene s. provende. 
provende, Präbende, Pfründe, Unterhalt 
aus milden Stiftungen, tägliche Portion 
an Lebensmitteln. 
punt, punct, Punkt. 
purgeren, sik, sich reinigen, rechtfertigen. 
purs, Bursch. 700. 
pyn, Pein. 
Pypej'banck, Pfeiferbank. 
Q. 
quad, puat, böse, übel, schlecht. 
quarter. Viertel. 
queck, Vieh. 
queme s. kotnen. 
quemen s. körnen. 
questen, mit Ruthen züchtigen. 
quetten s. quitten. 
j quitten, Eichhornfell oder Ziegenfell? 
1 671, [6]. 
I quyck s. queck. 
i qvith, quitt. 
I qwattemper, Quatember, Vierteljahr. 
R. 
rad, raed, Rath. 
radesfrund, Rathsfreund, Rathsmitglied. 
rauhm. rum, geraum. 630, Nr. 116. 
rechticheid, Gerechtigkeit, Rechtschaffen 
heit, Recht, Gebühr, gebührende Ehre. 
rechtmetig, rechtmässig. 
rechtverdich, rechtfertig, gerecht, recht- 
I schaffen. 
I reckenbock. Rechnungsbuch, 
j reckenen, rechnen, 
j redden, retten. 
' reddinge, Rettung. 
rede, Beredung, Recht; bar; fertig. 
reddelicheit, redelcheit. Redlichkeit, Recht) 
Gerechtsame. 
redelik, redelk, redlich. 
I reetschop, retschop, Geräthschaft. 
rege, Reihe. 
regel, Riegel. 
regenhoicken. Regenmantel, 
i reidschzvertl, Reiterschwert, 
j reke, Gesundheit; to reke. gesund, 
j reken, rechnen. 
! rekenen rechnen. 
' rekensbock. Rechnnngsbuch. 
rekenschop. Rechenschaft. 
rekenszlude, Berechner der Kasse. 
I reiht. Recht ; recht. 
' renstein, Rinnstein. 
I rentebock, Rentenbuch. 
I repe, reif.
        <pb n="751" />
        Glossar. 
731 
reszen, reissen. 
retschop, Geräthschaft; Richteramt. 
reuterpock, Reiterdolch. 
rey, reyghe, Tanz, Reigen. 
reyde, Rhede. 
reyse, Zug; Zeitpunkt; mal. 
rhönsten, s. renstein. 
richte, Gericht. 
rickensckop, Rechenschaft. 
ricksstadt, Reichsstadt. 
riden, ein Theil des Schlüssels? 445, 
riden, reiten. 
riege s. rege. 
rike, reich. 
ringe, gering. 
rock, Rauch, eigene Haushaltung. 
roeck, Rauch. 
roepen s. ropen. 
rören, roren, berühren. 
ronsteen, Rinnstein. 
ropen, rufen. 
roren s. rören. 
rottóani? 370, 6. 
rowsant, ruhig. 
ruckte, Gerücht. 
rue, roh. 
rüchtbar, berüchtet. 285, 9. 
ruem, Raum. 
*^gge, Rücken; to rugge, zurück. 
rum, geraum; Raum. 
rume, herum. 538. 
rumen, räumen, verlassen. 
rump, Leibchen. 
ruthe, Raute, Fensterscheibe. 
rutte, Raute, Scheibe. 
ryden, reiten. 
geringe. 
ryssz, Reis. 
s. 
^abel, Zobel. 
Zacken, in Säcken zutragen. 419, V, 5, 
6; 420, 12, 13. 
^adelexe, Sattelaxt. 
^aeche, Sache; Schimpfwort: Schelm. 
zake, Sache. 
sal, soll. 
sale, Sohle. 
salich, selig. 
salicheit, Seligkeit. 
samelick, sämmtlich. 
samelinge s. samenynge. 
samenynge, Sammlung, Versammlung; 
revolutionäre Verbindung; Aufgebot. 
sammit. Sammet. 
samptbecker, der sämmtliche Brodarten 
backt? 242, Fini.; 243, 4. 
sardock, starkes, grobes, halbleinenes, 
halbwollenes Zeug, 
j sarte, Sorte, 
i zarte, Sorte. 
! säten, festsetzen, bestimmen. 
I sattelax, Sattelaxt. 
j sayan, ein leichter Taffet 
I scaffen, schaffen, ausrichten. 
Scalen, sollen. 
zcelle, Geselle. 
schadhen, schätzen. 
schaepfell s. schap/el. 
schaff s. schapp. 
scofferye, Besorgung, die ein Schaffer 
hat, Gelage. 
Schalkanne, etwa eine Kanne, die in einer 
Schaale steht. 399 u. Anm. ii. 
schalmeyde, Rohrpfeife. 
schall s. Scholen. 
schandtflecken, schänden, beschimpfen. 
schap/el, schaepfell, Schaffell. 
sckapp, Schrank. 
schar, schwer, steil, schroff. 
Schaube s. sube. 
Schede, Scheide. 
Schedemacher, Scheidenmacher. 
Scheden, scheiden. 
schedlicklichheit, Schädlichkeit. 
Schee s. sehen, 
sehen, scheen, geschehen. 
scheghe s. sehen, 
scheiden, schelten. 
schelinge, schelynge, Uneinigkeit, Zwist. 
schelth s. scheiden.
        <pb n="752" />
        732 
Glossar. 
schemelyk, schandbar, schamhaft. 
sehen, geschehen. 
schenken, schenken, zu trinken geben. 
schenkgeselle, der zugewanderte Geselle. 
schep, Schiff. 
schergasl, der Kunde eines Barbiers. 
250, 14 
scherpffrichter, Scharfrichter. 
scheten, verweisen, das Recht bei einer 
andern Instanz suchen. 
schimyse. Packen. 
schip, Schiff. 
schipbrokich, schiffbrüchig. 
schlan, schlagen. 
schlapen. schlafen. 
Schlingel s. slingel. 
schlotel, Schlüssel. 
schmelten s. schmölten. 
schmitzen ? 654, 23. 
schmölten, schmelten, schmelzen. 
schnickenheuseken, Schneckenhäuschen. 
schniddeker, Schnitzer. 
schniden, sniden, schneiden. 
schnidt s. schniden. 
schnike, ein kleines Schiff. 
schnitzker s. snitker. 
schnuer, Schnur. 
scho, Schuh. 
schoampt, Schuhmacheramt. 
schoeke, liederliche Weibsperson. 
schöler, scholer, Schüler. 
schogesell. Schuhmachergesell. 
schoknecht. Schuhmachergesell. 
scholde s. scheiden. 
Scholen, solen, sollen. 
scholer, Schüler. 
scholmester, Lehrer. 
schomeker, Schuhmacher. 
schon, schön. 
’ schonrogge, schonroggen, Brod aus dem 
feinsten Koggenmehle von dreieckiger 
Form, feines Roggenbrod, später auch 
Brod aus Waizenmehl bereitet. 
schorstein, Schornstein. 
schonte. Schürze. 
schoster, Schuster. 
schotvoll, Schurzfell. 
Schotten, Schüssel. 
schouwe, Schraube. 
schouwer, Schieber, Präsentirbrett. 614 
166. ‘ 
schrotwerk, Schustergewerk, Schuster 
innung; Schusterarbeit. 
schraa, schräge, schrahe, Schrägen. 
1 schrave, schrawe, Schrägen. 
I schredtgast, Schneiderkunde, 503, 10. 
I schriebeke,'Y\\c\\ des Feuerschlosses? 446 d. 
schrickenborger, eine grössere Münze. 
(Meissen.) 
schriven, schreiben. 
schroden, schneidern, schroten, wälzen, 
auf- und abladen. 
Schröder, Schneider. 
schrotampt, Schneideramt. 
schrotlon, Macherlohn eines Schneiders, 
Schneiderlohn. 
schrotwerk, Schneiderarbeit. 
schruve, Schraube. 
schryven s. schriven. 
schryver, Schreiber. 
schult, Schuld. 
schün, schyn, Schein. 
schuen, scheuen. 316, 26. 
schuet s. sehen, 
schulden, beschuldigen. 
Schulder, Schuldner. 
schune, Scheune. 
Schutt s. sehen. 
Schutte, Schütze. 
Schüttegarden, Schützengarten. 
schwär, schwer. 
schwigen, schweigen. 
schyn, Schein. 
schyppunt, Schiffspfund, 280 oder 3U0 
scillinck, Schilling. 
scoll s. Scholen, 
scraa, Schrägen. 
scrage, Schrägen. 
scravel s. stavel. 
screef s. schryven 
scriver, Schreiber. 
scroder, Schneider.
        <pb n="753" />
        r 
Glossar. 
733 
scrotampt s. schrotampt. 
se, sie. 
sedten, setzen. 
zee, See. 
Segel, Siegel. 
Segen, Meinung. 
segenbuck, Ziegenbock. 376. 
Seggen, sagen. 
seiermacher, Uhrmacher. 
seiger, (seier) Uhr 
sek, siech, ungesund, aussätzig. 
seker, sicher. 
selbig s. silbig. 
selemisse, Seelenmesse. 
zele, Seele. 
selffer, selbst. 
selschop, selscopp, Gesellschaft. 
semisch, gar gemacht, waschbar, (weiches 
Leder). 
semischgerer. Sämisch-Ledergerber. 
senckel, Nestel, Schnalle, Schürriemen. 
sess, sechs. 
selle, Setzung, Gesetz. 
Sellen, setzen, verfertigen, festsetzen, 
schlichten, bestimmen. 
selHnge, seHynge, Setzung, Ordnung, Zunft- 
rolle. 
sevende, siebente. 
seyer, Zeiger, Uhr. 
Schin, Schein, Beweis. 
Sick, sich. 
zi, sei. 
siden, seiden; erniedrigen 
Siegel, Sittel, Segel. 362, 5. 
silbig, selbig, selbst. 
Zimmer s. timmer, 
Sillen, Zillen, sitzen. 
slan, slaen, schlagen. 
slachlynge, Schlägerei 
slagen, schlagen. 
slept s. schlapen. 
slechtlich, schlecht. 
sleit s. slan. 
slicht, schlic t. 
slingel, Halsschmuck (?) 343, 344. 
sloet. Schloss. 
sloetel, Schlüssel. 
slogen, schlagen. 
slot. Schloss. 
slotel, schlotel, Schlüssel. 
I smaschen, Lammfell. 387. W. Stieda, 
j Revaler Zollbücher und Quittungen. 
I S. CXXXVI. 
I smecken, schmecken, 
j smed, Schmied. 
j smedegast, Kunde eines Schmiedes. 
! smeden, schmieden, 
i smelik, schmälich. 
smelt, Schmelz, Emaille. 
smethandelinge, Schmiedearbeit. 461, i. 
smyd, Schmied. 
smyde, Geschmeide. 
sniden, snyden, s. schniden. 
snider, Schnitzer, Schneider. 
snitker, Schnitzer. 
snoddel, ein Kleidungsstück (?) 671. 
socken, suchen. 
sodan, sodans, solcher, so beschaffen. 
söcken s. socken. 
zoken, suchen. 
solck, solckt, sollich, solch. 
soll, Salz. 
so he, selbst. 
som, Saum, Rand. 
Sonderlings, besonders. 
sonnavend, Sonnabend. 
zort, Sorte. 
SOS, sechs. 
sosie, sechste. 
soslig, sechzig. 
soven, sieben. 
soventigest, siebzigste 
spann, Eimer. 543, 33. Korrespon 
denzblatt f. niederdeutsche Sprachf. 
H. 14. S 68. 
spangordell, Winde zum Spannen der 
Armbrust. 
spansage, Spansäge. 
sparen, Sporen. 
Sparer, Sporenmacher. 
speldag, Spieltag. 
speien, spielen.
        <pb n="754" />
        734 
Glossar. 
Spelman, speleman, Spielmann. 
spendepenningk, Almosen. 
spentlicht, kleines, zu gottesdienstlichem 
Gebrauche gegebenes Wachslicht. 
spentpennynigenleser, A Imoseneinsamm- 
ler. 396, 7. 
spilden, verschwenden. 
Spillen s. spilden. 
spint s. spynt. 
spisebrodt, grobes Roggenbrod. 
splyien, spalten. 
spode, spät. 
spolden, spalten. 
spole, Spule. 395, und 294 in anderer 
Bedeutung ? 
Spotlik, nichtachtend, spöttisch. 
spreden, ausbreiten. 
spreken, sprechen. 
sprikkel s. spreken. 
spunden, das Bier in Fässer füllen und 
auch aus dem Hause führen. 
spyldinge, Verschwendung, Verlust. 
spynt, das welche und weisse Holz zwi 
schen dem Kern und der Rinde eines 
Baumes. 
stackitt, Zaun von Latten, Pfählen, Stake 
ten; Pfähle. 
staden, gestatten, erlauben, bewilligen. 
stadtschriver, Stadtschreiber. 
stafft, Stab. 
Stan, stehen, 
keten. 
starken, stark werden, stark machen, be 
festigen. 
stavel, Stiefel. 
stave s. Stove. 
stede, fest; Stätte, Platz, Stelle. 
stedegelt, Standgeld. 
Steden, staden, gestatten, befördern, auf 
nehmen. 
stede und faste, fest. 
Steen, Stein. 
Stege, Steg, Weg. 
stegherep, Steigbügel. 
steit s. stan. 
stekedansz, ein besonderer Tanz. 593, 68. 
I siekemess, stekemest, Stechmesser, Dolch, 
j stekerei, stekereigh, Stechreigen, Turnier. 
: stekespel, Stechspiel, Turnier. 
' stelle, Webestuhl. 
‘ sten, Stein. 
: sterffte. Sterben, Epidemie, Pest. 
' Sterken, unterstützen. 
I sterven, sterben. 
steur, Steuer. 
¡ slevene, Versammlung. 
I stholgeld, Capital, das auf Zinsen aus- 
j geliehen ist; Abgabe, Beitrag. 533» 
I sticht, Stift. 
I stickten, stiften. 
I Stic krey s. stekerei. 
! Slight, Stift, 
i stiegbogel, Steigbügel. 
I störten, stürzen, schütten. 
I stoet s. stoten. 
! Stoff s. stop. 
■ stol. Stuhl. 
I stolgeldt s. stholgeldt. 
\ stop, Stoff, Hohlmass. 
j stoppen, stopfen, stillen. 
! Störer, Störer, Bönhase. 477, 22 u. a. a. 
j stos, Stoss. 
stoten, stossen. 
Stove, Stube, Versammlung. 
strate, Strasse. 
streven, sik. sich sträuben. 
stripe, Streifen, Strippe. 
stroe, Strohkorb, Strohgeflecht als 
binde für verchiedene Waaren. 
stn'ien, sik, sich sträuben? (si&gt;'^ 
. Galk'" 
struse. ein flaches, aus rohen 
gezimmertes Flussfahrzeug. 
strype, Streifen, Strippe, Strang, Sch 
stür, Steuer, Abhülfe. 
stundtglass, Stundenglas, Sanduhr 
Sturr, streng, lästig. 
sube, Schaube, Frauenmantel. 
zucke, s. zuike. 
sükedagh, Krankheit 
süken, suken, krank sein. 
sülvestherr s. sulfhere.
        <pb n="755" />
        Glossar. 
735 
sünderheidth, Sonderheit. 
Buike, Krankheit. 
suiverlik s. suverlick. 
sulckent, solcher. 
sulfderde, selbdritt. 321, 65. 
sulßiere, selbstständiger Handwerks 
meister. 
sullen Scholen, sollen. 
sulven, sulver, selbst. 
sulver, Silber. 
Suives, suhest, selbst. 
sulvich, sulvig, derselbe. 
Sumen, sãumeu. 
sunavend, Sonnabend. 
Sundag, Sonntag. 
sunder, sendern, ohne. 
sundergen, sunderken, in Sonderheit. 
sunderleg, sunderlyg, besonders, einzeln, 
absonderlich, ausgezeichnet. 
sunnavend, Sonnabend. 
sunne, Sonne. 
sunst, sunsten. sonst. 
sunte, sankt. 
Supen, saufen. 
Sust, susz, sonst. 
Suster, Schwester. 
Suverlick, suwerlich, sicherlich. 
^cr, schwer. 
Sveren, schwören 
s^ar s. sver. 
^'&lt;srt, schwarz. 
wer immer, jeder der. 
^^crtvegher, Schwertfeger, Schwert 
bereiter. 
^^gen, schweigen 
Schwein. 
^oren, geschworen, 
zwei. 
^yde, Seite; niedrig. 
^yden, erniedrigen 
sein. 
^ysebode, Accisebude. 
^ytten, sitzen. 
^^licheyt, Seligkeit. 
». ff. 
so. 
szonn, Sohn. 
szunder, sonder. 
T. 
tachtenti^ste, achtzigste. 
tachtigeste, achtzigste, 
j tafel. Arbeitstisch, Amtstisch, übertr. Amt. 
I tafelaken, ta/laken, Tischtuch. 
; tall, Zahl. 
I tallich, Talg. 
tange, Zange 
1 tappe, Zapfen. 
tappen, zapfen 
taszke, Tasche. 
tecken, Zeichen. 
tegen, tegens, gegen. 
tegens, gegen, gegenüber 
tehen s. ten. 
tehmen, ziemen. 
teikenen, zeichnen. 
teinde. zehnte. 
tellor, Teller. 
teken s. teikenen. 
temelick, ziemlich, geziemend, triflftig 
temper, Quatember, eine der vier Fasten 
zeiten des Jahres. 
ten, es sei denn, dass; ziehen. 
ter, zu der. 
teren, sich benehmen, gebärden. 
teszacken, ein Instrument, ein Hacken, 
vielleicht v. test. (Tiegel', Tiegel 
oder Kesselhaken oder v. tesen, 
(kratzen) ein Instrument zum Kratzen. 
473, 7- 
tewrer, theurer. 
teyn, zehn. 
theen, ziehen. 
therghen, zerren, reizen, necken. 
tho, zu. 
thobrekenn, zerbrechen 
thoegen, tagen, vorweisen, zeigen. 
tho/reden, zufrieden 
thokommend, zukünftig. 
thorugge, zurück. 
thosamen, thosamende, zusammen. 
thoseggen, ansagen.
        <pb n="756" />
        Glossar. 
736 
thosluten, zuschliessen. 
thosteden s tosteden. 
thouwe, Werkzeug. 
thovoren, zuvor. 
thve, s. twe. 
thunc, Tonne, s. auch htne. 
thvyge, zweimal. 
thweren, dwer, quer. 
thweren, vielleicht = duren, dauern. 
thwischen, zwischen. 
ihwisfgoldt, nicht reines, also legirtes Gold, 
Goldblättchen. 
ind s tyt. 
timnter s. tymmer. 
tinnen, zinnern. 
io s. auch tho. 
tobreken, zerbrechen. 
tochlick, tauchlich. 
logen, zeigen. 
toenhoren, zugehören. 
iörnig, zornig. 
toffel, s. tuffele. 
to/reden, zufrieden. 
toge s. togen. 
logen, zeigen: ziehen, schleppen. 
iohoren, zuhören. 
iohorl s. lohoren 
lokumflig, zukünftig. 
loreke s. reke. 
ior, zur. 
lorn, Zorn; zornig; in iornen muede, im 
zornigen Muthe; Thurm, Geßngniss. 
iomeg, zornig. 
iorlysse, ioriysye, lorlyise, Fackel. 
iorugge, zurück. 
losainende, losamene, zusammen. 
iospunden, zuspunden ein Fass). 
iosleden, zugestehen. 
iolastan, zugreifen, zulangen. 
ioien, verladen, Waaren in Gefôsse stossen. 
iouw, louwe, Taue, Tauwerk s. low. 
iouwen s. ioven. 
ioven, iouwen, warten; bereiten. 
low, louw, alles Geräth, Werkzeug, Tau, 
Seil. 
lowerdigen, ausrüsten, fertig machen. 
iovoren, zuvor. 
Iredrey, Schritttanz. 614, 64. 
Irenl, Rundung; umme den Ireni, so um 
herum. 
irommele, Trompete. 
Iross, Trotz ; Tauwerk. 
iruwe, treu; Treue. 
iruwelick, treulich. 
iruwen, trauen 
iuch, Zeug, Geräth, Gewand. 
iüchnüss, Zeugniss. 
Hinge, lunge, Zunge. 
iüszken, zwischen 
luffele, Pantoffeln. 
tug, Werkzeug, Zeug, Gewand" 
luge, Iho zur Bezeugung. 
lugen, zeugen, anschaßen, besorgen. 
iüghl, duchl, Tugend. 
lune, Ihune, Hecke, Zaun. Gehege. 
lunge s. lünge. 
tunne, Tonne. 
tuschen, twischen, zwischen. 
lusendi, Tausend. 
iussken s. luschen. 
twe, zwei 
Iwedracht, Zwietracht. 
twefaldt, doppelt. 
twe Iff, zwölf. 
tweschat, von doppeltem Werthe, 
doppelter Bezahlung. 
twidracht, Zwietracht. 
twifel, Zweifel. 
twintich, zwanzig. 
twist, Zwist, Streit. 
twistich, zwistig. 
twiszken, zwischen. 
twolff, zwölf. 
twomal, zweimal. 
twuseken, zwischen. 
twye, zweimal. 
. Í. FelR®’ 
tymmer, Partie von 40—00 
Zimmer. 
lymmerbiel, Zimmerbeil. 
tymmerlude, Zimmerleute. 
tyn, Zinn. 
tyt, tiid, Zeit.
        <pb n="757" />
        47 ‘ 
Glossar. 
737 
U. 
udhschrifft, Abschrift, Copie. 
uffte s. o/te. 
umbstandt, Versammlung; die Umstehen 
den. 
umbstender, der dabei steht, arbeitslos? 
524. 2. 
umbloper, umeloper, Laufbursche, einer, 
der herumgeht, um Mittheilungen zu 
machen. 397, ii u. a. a. O. 
untntCy um. 
ummegraffen, umgraben. 
unausblieblick, unausbleiblich. 
unberen, entbehren. 
unbescheden, unbescheiden. 
unbrelik, unverbrüchlich. 
unclacktbar, befriedigend. 
undaeth, Unthat, Frevelthat. 
undderreding, Unterredung. 
unde, und. 
underhandlunge, Unterhandlung. 
underlaeth, Verzug. 
underrichänge, Unterweisung, Mittheilung. 
understan, unterstehen, unter etwas treten, 
um es zu übernehmen. 
undenvamboeys, Unterwams, Unterkleid. 
underwegen laten, unterlassen. 
underwinden, unterfangen, angreifen, er 
fassen, eine Sache übernehmen. 
undudesch, undeutsch. 
unecht, unfrei, verworfen, unehelich. 
unendig, säumig. 
unferhalst, unangemeldet? unverhohlen? 
492, 4- 
un/fledycheyt, Hässlichkeit, unsaubere 
Dinge, Kehricht. 
Unflat, Unreinigkeit, Schmutz. 
ungeleent, ungelehnd, nicht geliehen. 
ungeloded, ungelöthet. 
angelt, Unkosten, Abgabe, Ueber- 
zahlung. 
ungentethen, ungemessen. 
ungerade, Unfall, Ungefähr; unglücklich. 
Ungescheiden, ungeschieden, ungetheilt 
ungeschetlik, ungeschieden. 
ungetrewHck, ungetreu. 
; ungewegerdt, ungeweigert. 
unhoge, Zank, Streit. 
; unhogen, traurig, betrübt. 
1 unhorsatn, ungehorsam. 
¡ unhoves, — lek, unhöflich. 
¡ unkost, Kosten, Aufwand. 
I unleddich, beschäftigt, in Anspruch ge- 
; nommen. 
I unleinplik, unangemessen, schmachvoll, 
j unman, Unmensch, schlechter Mensch. 
unmessenheit, Unmässigkeit. 
unmod, Unmuth, Unruhe. 
unordennige, Unordnung. 
unrede, Unrecht, Unvernunft, Ungebühr. 
unse, unser. 
unschedelik, ungetheilt. 
unstür. Streit. 
untemelicheit, Unziemlichkeit. 
untemelyken, unziemlich. 
untfaanhn, untfaen, empfangen. 
untgahnn, entgehen. 
untgheyt s. untgahnn. 
unthogen, entziehen. 
nnthordeled, ungetheilt. 400, Einl. 
untmeden, einem andern wegmiethen. 
untphan, empfangen. 
untphfeyt s. untphan. 
untschuldigen, entschuldigen. 
untseggen, rechtfertigen. 
untspanen, abspenstig machen. 
untucht, Unzucht. 
untuchtegh, untuchäg, unzüchtig. 
untwiken, entweichen. 
unverborget, nicht geliehen. 
unverhoegert, nicht erhöht. 
utwerlögert, unverzögert. 
unvorborget, ohne Bürgen oder nicht ge 
borgt. 
unvorbrocken, unverbrüchlich. 
unvorsecht, unversagt. 
unvorsümen, nicht versäumen. 
Up, auf. 
upbörenn, upboren, aufheben, tragen, 
einnehmen, erheben, leihen, borgen. 
upbuen, aufbauen. 
upbuven, aufbauen.
        <pb n="758" />
        738 
Glossar. 
updriven, auftreiben; verurtheilen. 
upgehaven, aufgehoben. 
upkalen, aufholen. 
tipheven, erheben (Geld.) 
uploep, Auflauf. 
uppe, Up, auf. 
Uppen, verbringen, offenbaren. 
uppet hogesie, das Höchste. 
uppgeschaten, in die Höhe getrieben. 
upreden, bereden? 621, 209. 
uprichten, ersetzen. 
tiproer, upror, Aufruhr. 
upschrivinge, Aufschreiben, Verzeichnung. 
upschroden, aufwälzen (von Wein- und 
Bierfässern). 
upsehent, Aufsehen, Aufsicht. 
upsluten, aufschliesen. 
upwert, aufwärts. 
ut, Ute, uith, aus. 
uterste, unterste. 
uth, aus. 
tdhcopya. Copie. 292. Nr. 27. 
utherhalff, ausserhalb. 
uthschepen, ausschiflen, ausladen. 
uihwisung, utwysynge, Ausweisung, Ver 
bannung, Nachweiss, Ausstattung, 
Versorgung. 
utschrift. Copie, Abschrift. 
utwordes, auswärts. 
V. 
facken s. vaken. 
fackbrodt} Bäcker. 243, 9. 
vad s. fath. 
vaged, Vogt. 
vaken, oft. 
fall, fahl, gelbgrau. 
vamtne, oft. 
van, von. 
farding s. fert. 
varlicheit, Gefahr. 
varlick, gefährlich (vom Patienten). 
farve s. varve. 
farven, färben. 
varve, Farbe. 
fas, Fass. 
fast s. vast. 
¡ vast, fest. 
! vastelavend, Sonnabend vor Estomihi, s. 
fastelavend. 
\ fath, vat, Fass, Schüssel, Teller. 
! veer, vier. 
I veemndell, Viertel. 
vejfte, fünfte. 
veide, Fehde. 
feilen, fehlen. 
veir, s. veer, 
vel, vele, viel. 
velefeldich, vielfältig. 
vellet, im Falle. 
fellich, geeignet, geschickt. 
velligh s. fellich. 
venkniss, Gefängniss. ' 
ver, vier. 
veranderinge, Veränderung. 
verbadinge, Finladung, Citation. 
ferbe, Farbe. 
verbeden, verbieten. 
verbetern, verbessern. 
verbidden, vertreten. 
verboringe. Verwirken, Verlust. 
verbörung, Verlust. 
verhören, verwirken. 
verborgen, verbürgen. 
verboringe, verboringe, Verlust. 
verbot, Aufforderung. 
verboten, verboeten, büssen, entgelten, 
Entschädigung zahlen. 
verbotten, durch einen Boten zusammen- 
rufen, einladen. 
verbroecken, verwirken. 
vercoupen, verkaufen. 
verdarven, verderben. 
verdechtniss, Verdächtigung. 
verdendel, verdel, verendet, Viertel. 
verdenen, verdienen. 
verderfflick, verderblich. 
verderley, viererlei. 
verderven, verderben. 
verdingen s. vordingen, 
verdracht, Vertrag. 
verdregen, vertragen, erlassen.
        <pb n="759" />
        Glossar. 
739 
verdret^ Verdruss. 
verdriess, Verdruss. 
verdrincken, ertrinken. 
verdroHen, verdriesslich, widerspenstige 
verdrysien, erdreisten. 
verdyngh, ferdyngh, eine Münzsorte. 
verendern, sik, sich verheirathen. 
verendefichichste, vierundfünfzigste. 313, 
Einl. 
verendeel, Viertel. 
verenige, Vereinigung (Verschwörung). 
verfolginge, Verfolgung. 
verfordemige, Forderung, Förderung. 
ver/ulen, verfaulen. 
vergefflich, vergeblich. 
vergeten, vergessen; vergiessen. 
verghüt s. vergeten. 
verglichen, vergleichen. 
vergundt, vergunt, s. vergunnen. 
vergunnen, vergönnen, erlauben. 
verbogen, erhöhen. 
verknuppen, verknüpfen, verbinden. 
verhörten, verkürzen. 
verkrencken, entkräften, erkranken. 
verleendt, belieben, belehnt. 
verleiten, verleihen, belehnen. 
verlesinge, Verlesung. 
verleuben, erlauben, freisprechen. 
verloeff, Erlaubniss. 
verloesen, ablösen. 
verloff s. orlo/, 
verlop, Verlauf. 
verlosen, ablösen. 
vermannige, Ermahnung. 
vermidinge, Entfernung. 
verminneren, vermindern. 
vermögen, vermögen; vermögend. 
vermuge s. vermögen, 
vermüge, vermöge. 
vermyden, vermeiden. 
vernaddern, vernedderen, erniedrigen, 
herabsetzen. 
verneddrigen, erniedrigen. 
vernegelt, vernagelt. 
"fiernien, erneuern, ausbessern, wieder 
holen. 
vernigem, erneuern. 
vernoegen, vemogen, befriedigen, zahlen, 
entrichten. 
verplichten, verpflichten. 
verrichtet, gerichtet. 
versamlinge, Versammlung. 
verscheyden, verschieden, gestorben. 
verschienen, vergangen. 
verschlaten, verschlossen. 
verschmaen, verschmähen. 
verschrievinge, Verschreibung. 
versegeln, versiegeln, besiegeln. 
versesz, versetzt, versäumt. 
versettet, gesetzet. 
versiden, herabsetzen, verringern. 
verslyperen laten, verstreichen lassen, 
vernachlässigen. 289. 
versmaen, verschmähen. 
verspilden, verschwenden. 
verspillerung, Verschwendung. 
versterven, versterben, 
i versümen, versäumen. 
versumelick, säumig, nachlässig, gedan 
kenlos. 
versümen, versäumen. 
versumeniss, Versäumniss. 
versumlick, säumig, nachlässig. 
fert s. verdyngh. 
vertappen, verzapfen. 
vertegen, verzeihen? 255, 17. 
verteyn, vierzehn. 
vertellinge, Mittheilung. 
verteren, verzehren. 
verteyn, vierzehn. 
vertigst, vierzigste. 
vertruwen, trauen, anvertrauen; reflex, 
verloben, verheirathen, sich verhei- 
I rathen. 
vertych, vierzig. 
vervortheilen, übervoriheilen. 
vervorven, erworben, verschafft. 
verwandelinge, Veränderung. 
venveitem, erweitern. 699, 3. 
verwilkoren, bestimmen, abmachen, ein 
willigen. 
verwilligunge, Bestimmung.
        <pb n="760" />
        740 
Glossar. 
verwissen, vergewissern, verbürgen. 
verwittlicken, mittheilen, bekannt machen. 
verworven, erwerben. 
verzient, verzinnt. 
fewr, Feuer. 
veyrley, viererlei. 
ffeylt s, feilen. 
/flucht} 582, 14. 
florkopeye, Vorkäuferei. 244, Nr. 7. 
Jfortdriven, betreiben, fördern. 
vheer, vier. 
vhorde, vierte. 
vhorfesten, Vorfasten. 
vhovde, fünfte. 
fhuir, Feuer. 
viant, Feind. 
vickerye, Vikarie. 
fielt s. vil. 
Vierkante, vierkantig. 
vif fünf, 
vifftich, fünfzig. 
vigilie, Vigilie, abendlicher Gottesdienst 
für Verstorbene. 
vil, Feile. 
vint s. viant. 
virbaden, vorboden, zusammenberufen. 
firkante, vierkantig. 
virmaninge, Ermahnung. 
vitalie, Lebensmittel, Victualien. 
floss, Flachs. 
flate, Flotte. 
.vlesch, Fleisch. 
flessig s. fletig. 
fletig, vletig s. vlitig. 
flien s. vlygen. 
fliesich, fleissig. 
flitig s. vlitig. 
vlitig, fleissig. 
vlitlik, fleissig. 
flocken, fluchen. 
vlogen, fluchen. 
vlot. Floss. 
vlygen, einrichten, zurechtmachen; sik—, 
sich anschliessen. 
flytt, Fleiss. 
fodderen, fordern. 
voden, füttern, speisen. 
voder, Fuder. 
vodinge, Ernährung; Nahrung. 
voerlude, Fuhrleute. 
vörsakeln s. vorsakeln. 
vofteyn, fünfzehn. 
foge s. voge. 
voge, Fuge. 
voghen, fügen, bestellen. 
voged, Vogt. 
folde, Falte. 
folden s. volden. 
volden, falten. 
folghafftigk, folgsam. 
vollenbtingen, vollbringen. 
vollenkommen, vollkommen. 
vollentogen, vollzogen. 
folten s. volden. 
vor — ver (in Zusammensetzungen). 
vor, für. 
vorbaden, vorladen, durch einen Boten 
zusammenrufen. 
vorbaringe s. vorberinge, 
vorbawen, vorbauen. 
vorbeden, verbieten. 
vorbeholdtlich, vorbehaltlich. 
vorbenoetnen, vorhernennen. 
vorbenotned, vorher, oben genannt. 
vorberinge, Verwirkung, Verlust. 
vorberord vorberoret, vorher besprochen, 
oben genannt. 
vorberurt s. vorberord. 
vorbeteren, ausbessern, Schadenersatz 
leisten. 
vorbeteringe, Verbesserung, Ersatz. 
forbeterung s. vorbetennge. 
vorblyvinge, Verbleiben. 555 Einl. 
vorbod, vorbot, Verladung, Verbot. 
vorboden s. virbaden. 
vorböring. Verwirken. 
vorboren, verwirken. 
vorboringe, Verlust. 
vorboschreven, oben erwähnt. 
vorbysteren, abhanden kommen. 
vorbupthnis? 405, Kopfnote 
I vorcoupen, verkaufen.
        <pb n="761" />
        Glossar. 
741 
vordedigen, vertheidigen. 
vordenken, bedacht sein. 
vordenst, Verdienst. 
forderbrev, Empfehlungsbrief. 
fordermehr, ferner. 
vorderven, verderben. 
vordingen, durch Vertrag festsetzen, eine 
Arbeit accord mässig geben oder 
nehmen. 
vordorve s. vordorven. 
vordorven, verderben. 
vordracht, Vertrag, Vergleich, Geduld, 
Erlass. 
vordragen, abmachen. 
vordregen, erlassen, vertragen. 
vor drei, Verdruss. 
vordretlik, verdriesslich, lästig. 
vordrtsten, vordrys/en, dreist werden, sich 
erdreisten, herausnehmen. 
fore, Fuhre. 
vore, früher, oben, vorher, zuvor. 
foren s. voren. 
voren, fahren, führen. 
vorewar, Vorfahre. 
vorewaren, behüten. 
vorfesten, festmachen, verhaften, friedlos 
erklären, ausweisen. 
vorfordem, betreiben. 
vorgaddetm, versammeln. 
vorgangk, Vorzug. 
vorgeliken, vergleichen, vergelten. 
vorgerurd, vorgerort, oben erwähnt. 
vor^eseten, vorgesetzt. 
vorgscreven, vorgeschrieben; oben er 
wähnt. 
vorgudt s. vergefen. 
vorhegen, beschirmen, beaufsichtigen, ver 
walten. 
vorhencknysse, Verhängniss; Erlaubniss, 
Zulassung. 
vorheten, verhiessen. 
vorhogen, erhöhen. 
vorkageln, die Kapuze vorziehen, ver 
kleiden? 583, 19. 
fforkopeiye, Vorkäuferei. 244. 
vorieggen, in Dienst nehmen. 
vorlenen, verleihen. 
vorlichtigen, herabsetzen, schmähen, 
j vorliken, ausgleichen, vergleichen, 
schlichten. 
vorlöff, vorlovinge, Erlaubnis*. 
vorlösen, erlösen, befreien, ablösen. 
vorlopp, Verlauf. 
vorlowen, erlauben, gestatten, frei sprechen. 
vorlykynghe, Ausgleich. 
I vormach s. vermögen. 
I formb. Form. 
vormeden, vermiethen, raiethen, vermeiden. 
vormeinen, erwarten, 
vormet, vermiethet. 
vormiden, vermeiden. 
vorneddergen, erniedrigen. 
vornedem, erniedrigen. 
vornewem, erneuern. 625 Einl. 
vomudruen, erniedrigen? 583, 19. 
vomyen, erneuern. 
vorordelen, verurtheilen. 
vororloven, erlauben. ‘ 
vororsaken, verursachen. 
vorovern, voroverigen, erübrigen. 
vorpacten, pachten. 
vorraem, Beschlussfassung, Festsetzung. 
vorramen, beschliessen, festsetzen. 
vorreygh, Vortanz. 
vorsadt, Vorsatz. 
vorsakeln, verheimlichen. 
vorsaken, vorhergenannt. 
vors at, Vorsatz, Absicht. 
vorsatlich, vorsätzlich. 
vorschmaden, verschmähen. 
vorschreven, verschreiben. 
vorschyn, vorschyne, Vorschein, Besich- 
tigung. 
vorscreven, oben erwähnen. 
vorsecht s. vorseggen. 
vors eggen, versagen. 
vorseten, vorsiten, versäumen. 
vorsmaden, verschmähen. 
vorsöcken, versuchen. 
vorspilen, umpacken (vom Salze gesagt). 
vorspreken, einem Andern in die Rede 
fallen, tadeln, widersprechen.
        <pb n="762" />
        742 
Glossar. 
vorstaden, gestatten, zulassen. 
vorstender, Vorsteher. 
vorstoten, verstossen. 
vorstucken, zerstücken ; mit Stückerei ver 
sehen. 
vorswigen, verschweigen. 
fort s. vort. 
vori, ferner, sofort. 
fortbetetntng, Verbesserung. 
vortegen, verziehen, befreien. 
vorthuschen, verspielen. 
vortkeren, verwenden. 
voidmer, ferner. 
vortornen, erzürnen. 
vortsetten, fördern. 
vortstaden, vortsteden, zulassen, gestatten. 
vortuschen, verspielen. 
vorvaren, erfahren. 
vorvathenn, verfassen, abfassen. 
voi'werken, verarbeiten. 
vorwei'ven, erwerben. 
vorwidtlichen, bekannt machen, kund thun, 
zu wissen geben. 
voi'wi/tekoren, einwilligen. 
vorwinnen, gewinnen ; überwinden, nöthi- 
gen. 
vorwissent, Wissen. 
vorwunnen, überführt. 
vorwyt, Vorwurf, Tadel. 
foss, Fuchs. 
vot. Fuss. 
/rom, tüchtig, bieder (nicht religiös); 
Nutzen. 
fredsam, friedsam, ruhig. 
fremwercker s. frumwercker. 
vrevelek, vermessen, muthwillig, böse. 
frevelmodig, übermüthig. 
Jri, frei. 
frie, Freie. 
vrigheit, Freiheit. 
vro, früh. 
frokost, Frühstück. 
vronied, vromd, fremd. 
fromlick, tüchtig, redlich, nützlich, hilf 
reich, fromm. 
frommet, fremd. 
frouwe s. frowe. 
fr owe, Frau. 
frumwercker, ein Handwerksgesell oder 
Lehrjunge, der zu seinem Vortheile 
arbeitet. 
frundtschop, Freundschaft. 
vrunt, Freund. 
fruwe, s. frowe, 
frygh s. vry. 
vry, frei. 
fucht, feucht. 
vuder, Futter, Pelz werk, ein einzelner 
Pelz. 
fuelbordt, Einwilligung. 
fuelheit, Faulheit. 
füngoldt, feines Gold. 
fuer, Feuer. 
für, fur, vor. 
fürdem, fördern. 
vuf, fünf. 
fuge. Recht. 
fuir s. fuer, 
vul, voll. 
fulbordt s. vulbord. 
vulbord, Einwilligung, Erlaubniss, Ge 
nehmigung. 
vulborden, genehmigen, einwilligen. 
vuldun. Genüge leisten, befriedigen, be 
zahlen. 
full s. vull. 
vull, voll. 
fülle, Theil eines Kastenschlosses. 472, 5’ 
fullenkamen, s. vullenkamen. 
vullenkamen, vullenkamlick, vollkommen. 
vungeiyn, Fingerring. 
vure, Aufführung. 
für, Feuer; vor. 
furboden, ( — baden) einladen, zusammen 
berufen. 
furbrechen s. verbroecken. 
furdet-n, fördern. 
vuren, führen. 
furheben, Vorhaben. 
furm, vordem. 
vurpanne, Feuerpfanne. 
furtfaren, fortfahren.
        <pb n="763" />
        x 
i 
Glossar. 
743 
furistellen, einstellen? 494, i. 
vusten, in die Faust nehmen. 
vut. Fuss. 
vylie, Vigilie. . 
fyngoldt, Feingold. 286, 18. 
fynsier s. vynster. 
vynsier, Fenster, Oeffnung. 
vysòank, Verkauftisch der Fischer. 
vyv, fünf. 
vyren, feiern. 
w. 
wachten, warten c. Gent. 
wachten, wachen, bewachen. 
wachunge, Bewachung. 
wadter, water, Wasser. 
weentlick, üblich. 
wage, ein bestimmtes Gewicht, nach den 
Waaren verschieden; Wagen. 
wakend, Wachen 
wakerich, träge, unzuverlässig ? 
wallik, wallich, welch. 
wambesz, Wams. 
wandelber, fehlerhaft, undauerhaft, straf- 
föllig. 
wandelen, wandeln, vertauschen, ent 
ziehen. 
wandt, Tuch. 
wantlick s. waentlick. 
wanen, wohnen. 
wanheit, Gewohnheit. 
want, Tuch. 
wapen, Waffe. 
wapenhanschen, Waffenhandschuhe. 
war, wo. 
warck, Werk. 
wardiren, schätzen, taxieren. 
wartins, worttins, Grundzins. 
wass. Wachs. 
wassen, wachsen. 
Wat, was. 
watcherley, welcherlei. 
water, Wasser. 
Wattherley, welcherlei. 
we, wer, irgend einer; wir. 
wecke, Woche. 
weckeloen, Wochenlohn. 
wedden, Strafe zahlen; wetten. 
weddeher, Wettherr, Polizeiherr. 
wedder, weder, wieder, wider. 
weddern, wieder. 
weddersins, umgekehrt, grade entgegen 
gesetzt. 
j wedderstall, wedderstalt. Widerstand, 
j Anfeindung, Ungemach 
I wedderstreven, widerstreben. 
I wedderstevig, widerspenstig. 
weddersuns s. weddersins. 
wedderwort, Widerrede? Widerwärtig 
keit; aufsässig. 261, 3. 
wede/row, Wittwe. 
weder s. wedder. 
wedewe, Wittwe. 
wedtschop, Kenntniss, Kunde. 
weerha/t, dauerhaft. 
wegen, wiegen. 
wegern, weigern. 
Wecke, ein keilförmiges Waizen- 
brod. 
I wehtenn s. weten. 
I weicha/figk, flüchtig? 
j weidemest, Jagdmesser. 
weinigk, wenig. 
weiten, weiss machen, weiss brennen. 
weke, Woche. 
wenner, wenn; wann. 
wente, bis; weil, da. 
werckeldagh, Werk-, Arbeitstag. 
wercken, wirken, verfertigen. 
werckknape, der oberste Bäckergesell. 
241, IO. 
werckstuck, Meisterstück. 
werdich, würdig. 
werdicheit. Würde, Werthschätzung, Wür 
digkeit. 
weert, werd, Wirth. 
werdinn, Wirthin. 
werf, werff, Gewerbe, Anliegen. 
werkeldach, Werktag. 
werkeltneister, Werkmeister. 401, Anm. 4. 
werken, bearbeiten. 
werkstede, Werkstatt. 
i 
f 
.u
        <pb n="764" />
        744 
Glossar. 
wer Ik, Werk. 380, 10. 
werpen, werfen. 
wert, gerichtet. 
werve, Gewerbe. 
werven, werben. 
wes, was. 
wesen, gewesen. 
» wet, weiss. 
weten, wissen; auf Jemandes Vortheil 
denken, dafür streben. 
wetenbrod, Weizenbrod. 
wetthen s. weten. 
wever, Weber. 
weyeren, sik, sich weigern. 
weygheringe, Weigerung. 
weyte, Weizen. 
whanen, wohnen. 
whoren, währen. 
wi, wir. 
wicht, Gewicht. 
wickhafflig, entweichend, flüchtig. 
Wide, weit, umfangreich. 
widtlick, kund, offenbar. 
wiff, Weib. 
wilkore, willekor, Beschluss, Entschei 
dung, Abmachung, Ordnung. 
willekome, wilkotne, willkommen. 
willen, wollen. 
willigung, Einwilligung. 
willkamen s. willekome. 
win, Wein. 
Winnen, gewinnen, erlangen. 
winninge, winmtnge, Gewinn, Gewinnung. 
Winterlage, Winteraufenthalt. 
wise, Weise; weise, klug. 
wisen, weisen. 
wisheyt, Weisheit. 
wtilek s. wittlich. 
witscaph, witscoph, wittschop. Wissen, 
Erinnerung. 
Witt, weiss. 
wittlich, bekannt, kund, offenbar, klug, 
verständig. 
wiv s. wiff. 
woll, wer. 
wolhvise, wohlweise. 
wonheit, Gewohnheit. 
woninghe, Wohnung; Gewohnheit. 422. 
woranne, woran. 
wore, wo, falls. 
wor/ell, Würfel. 
worken, wirken. 
workmester, Werkmeister. 
worptagel, Werftau? 631, 2. 
worttins s. wartins. 
wraken, für untauglich erklären, zurück 
weisen. 
wrevelik, muthwillig. 
wünded, verwundet. 
wullenhembt, Wollenhemd. 
wulmacht, Vollmacht. 
wunden, verwunden. 
wunne s. winnen. 
•wyff, Weib. 
wyllen, wollen. 
wynachten, Weihnachten. 
wyndelage, Fensterladen, Klapptisch 
zur Auslage der Waaren an der 
Strasse. 
wynkop, Weinkauf, Handgeld. 
wyntten, gewinnen. 
wys, Weise. 
wysen, weisen, ausweisen. 
wytlick, witlick, bekannt, kund, offenbar. 
wytt, weit. 
wyve, Weiber? 529, 3. 
Y s. I. 
Z s. S.
        <pb n="765" />
        47 
Ortsregister. 
A. 
Ambsterdam 697, 2. 
B. 
Brandenburg 489, Nr, 94. 
C S. K. 
D. 
Dennemarck 689. 
Deutschland, Deutschland! 453, 29 ; 344, 
1; 493, Einl.; 684, 9; 697, 2. 
Dobellin 489, Nr. 94. 
Dorpat 348, Einl. 
Dorpte 525. 14. 
Düna 706, s. Duna, Dune. 
Dune, Düne 235, Einl.; 240, 7; 259, b; 
244; 367, Nr 50; 604, 121; s. Thune. 
E. 
England! 689. 
F s. V. 
G. 
Goldingen 488, Nr. 94; 489, Nr. 94; 490, 
Nr. 94. 
H. 
Hamburg 349, Einl.; 353, 38. 
Holland! 689. 
J. 
Jacobe, to sunte, kerke s. Riga. 
Italien 703. 5. 
Jurgens, Jurghen, sunte, bylde s, Riga. 
Schwarzhäupterhaus. 
K. 
Coldinga 488. Nr. 94. 
Colin 300, 3. 
Copenhagen 689. 
Krakau 689. 
JL 
Lettawen, Lettowen, Littauwen, Lyttowen 
416, 25. 
Lieflfland, Liffland 344, 1; 489, Nr. 94; 
673, Kopfnote; 688; s, Livonia. 
Livonia 309 ; 310; 488, Nr. 94; 675, Nr. 
12; 676, Nr. 13. 
Litthuania 309 ; 310; 488, Nr. 94. 
Lubeck, Lübeck 300, 3 ; 353, 38; 491, 
Einl.; 630, Nr. 116; 631, Einl. ; 664; 
666, Einl. 
M. 
Marienburg. Margenburg 489, Nr. 94; 490, 
Nr. 94. 
Marienmühle, de molen des stightes s.Riga. 
Masovia 309; 310; 488. Nr. 94. 
Möllen 349, Einl. 
Munster, Hof von, s. Riga. 
Munstere s. Riga. 
Mytaw, Stadt 406, Einl. 1, 2. 
N. 
Nürnberg 489, Nr. 94. 
o. 
Overste see 235, 1. 2. 
P. 
Petre, tho sunte, s Riga. 
Pohlen 689. 
Polonia 309 ; 310; 485, Nr. 94. 
Pommern 489, Nr. 94. 
Posen 689. 
Prussia 309 ; 310, Einl.; 488.
        <pb n="766" />
        746 
Ortsregister. 
R. 
Reval, Revell 525. 14; 664; 665, Einl.; 
666. 
Riesing s. Riga. 
Riga, Rige Righe, Ryge, Ryghe 235, 
Einl.; 236, 5. 6; 239, Einl. 1. 2; 240, 
9; 242. 17 u. Einl ; 243, 3; 243, 9; 
244, 14 ; 248, Einl ; 249 2; 251, 19; 
251, 22; 252, Einl.; 252, 28 ; 255, 16. 
17; 256, 17; 260; 270; 271. 1; 273; 
275; 278, 20. 21; 279; 280, 5; 281, 
14. 16; 282, 1. 4. 5 ; 283 Nr 24; 
287, 22; 292, Nr. 27; 295, 2; 298, 
1; 299, Einl., 1. 3; 305. 23; 306, 
26. 27; 308. 30; 309; 311; 312, 
Nr. 34; 313, Einl. 5; 315, 25; 329, 
17; 330, 18; 336 Einl.; 338, Einl.; 
339, 6; 340, 12; 343, 29; 344, 1; 
345, Nr. 42; 346, Einl.; 347, 12. 15; 
348, Einl.; 350, 16; 351, 26; 352, 27. 
28. 31; 357, 2; 361, 24. 25; 365; 
368. 34 35; 369, Einl.; 378, 39; 379, 
Einl.; 380, 10 ; 381,21; 382, 26; 383, 
2; 387, Einl.; 388, Nr 64; 390, Einl.; 
392, 11; 394, Einl. ; 395, 11; 398, 19; 
400. 28; 402, 26; 403. 28; 406 Einl. 
1. 2; 407, 1; 414. Einl.; 416. 17; 
417, 29; 417, Anm. 4; 418, Einl. 1; 
419, IV; 422, Einl. 1; 423, 2 ; 427, 
1. 6. 7; 428, Einl.; 429, 10 ; 431, 
24; 432 28; 435, 13. 16; 438. 1. 4. 
5; 439, 8; 440. 2. 4: 444. 25; 446; 
447, 2; 448 ; 450, 12; 454, 34 ; 455, 
37; 456, Einl.; 457, 6; 459, 23; 460, 
Einl.; 462, 5. 10; 467. 25; 468, 29. 
30; 469, 32. 33; 471, Einl.; 477, 22; 
478, Einl.; 481. 28; 482, Einl.; 485, 
36; 486, 40; 488, 48; 489, Nr. 94; 
490, Nr 94; 491. Nr. 94; 492, 5; 
495, Einl.; 496, 8; 5(X), 34; 502, Einl. 
1; 508, Einl.; 510, 15; 511, 17; 514, 
35; 515, Einl.; 516, Einl.; 519, 14. 
16; 523, Einl.; 524, 9; 528, Einl.; 
529, Einl.; 529, 4; 531, 17; 532, 
Einl. 28; 533, 1; 534, 11; 535, 20; 
536, 22. 23. 28; 537, 33; 539, Einl. 1; 
Riga 542. 23; 543, 30. 34. 36; 544, 45 
Schluss; 548, Einl ; 549, Einl. ; 555; 
561, 3. 5. 7; 565, 37; 579, Einl.; 
591. 59; 618, 188; 624; 632, 2(?); 
639, Schluss; 650, Einl.; 653, 21; 
655; 656, Einl. ; 657. 5. 7; 660, Einl. ; 
662, 11; 663, 13 ; 664; 665, Einl. ; 
669; 670. Nr. 4; 673, Kopfnote; 684, 
9; 685, Einl. 1; 687; 688; 690 ; 695, 
8; 697, 2; 699, 3; 702, 111; 703, 5; 
703. 11; 704, III, 1; 706; 707, 4; 
707, a. 1). c; 709, 4. 
— ambtshousz der Schneider 4íM&gt;, 9. 
— apteke, apoteke 567. 50; 607, 133. 134. 
— Artushof, s. konyngk-Artushoff. 
— arx, castrum 675, Nr. 12; 676, Nr. 13, 
Schluss zu Riga. 
— barberer, herberer hus 604, 121 ; 609, 
142. 
— herberer hus s. barberer hus. 
— bollwerck 538, Nr. 105. 
— brodescharve 240. 9; 241, 15. 
— castrum s. arx. 
— civitas, Riga, Rigensis 297, 18; 309; 
310; 507. Anm. 4; 675, Nr 12; 676, 
Nr. 13; s. Riga. 
— dom 236, 2. 5. 
— elende hus, dat hilge geest 462. 9. 
— gehrhaus, gehrhus der pelzer 537, 
Nr 105. 
— — der Schuhmacher 542. 28. 
des stades 282, 5. 
— Gerhoff, gerhov 537, Nr. 105; 538, 
Nr. 105; 543, 30 ; 544 44. 
__ Gilden, gildestaven, gildestoven, glide- 
Stuben, beyde 270. Nr. 19; 271, 1. 5'- 
299, 1; 324 ; 337, 10; 403, Nr. 71; 
677, Nr. 14. 
— — spielbanck 674, VIII. 
— — grosze, auch gr. Stube, grote stove, 
husz der gr. gilde 270. 1; 271, &gt; 
313, Einl.; 324 ; 325; 326, Einbî 
328, 11. 12. 16; 329, 17; 330, l- ’ 
332. 32. 33; 336, 4; 337, 10; 
Nr. 110; 550, Einl. 4; 553, 2^' 
555; 556, 2. 3 ; 558, 22. 23; • ’ 
45. 46; 567, 50. 51. 52; ^ '
        <pb n="767" />
        Ortsregister. 
Riga, gr. Gilde 55. 56. 57; 571, 84. 86. 
88. 90 ; 572, 90. 92. 94 ; 573, 101; 574, 
112; 576. 128-130; 577, 131; 578, 
137. 140; 593, 71; 594. 74. 75; 595. 76; 
602, 112. 113 ; 603. 114. 115. 117 ; 604. 
120; 605, 124. 125 ; 607. 133; 608, 138. 
139; 609, 141; 613, 162; 615, 173. 
175—177; 616, 178. 180-183 ; 617, 
184; 618, 188. 190 ; 619, 196; 620, 
197; 624; 627, 16; 628, 21. 25; 635, 
11; 638. Nr. 118; 639, 3 Schluss; 649, 
28; 660, Einl.; 661, 1.2.5, Anm. 1; 
662. 6. 10; 663, 16 ; 672, Nr. 8; 673, 
III; 674, XII. XIII. XIV. 39; 675, 40; 
681, c; 692; 702, I. 
— — Brautkammer 327, 5; 328, 13; 
332, 34 
— — Docken 326, 2; 336, 3. 4. 
hof, hoff 603, 114 ; 608, 139. 
— — keller, kelre 321, 61; 331, 28; 
674, VIII. 
— Gilde, gildestove, Gildestube, Stube, 
clene, kleine, klene 271, 1. 5; 274; 
618, 189; 651, 8; 653. 20 ; 673, III. 
VII. X; 674, XII. XIII. VIII; 675, 40; 
677, Nr. 14; 682; 692, 5 ; 699, 3. 
— — Brautkammerthür 673, X. 
— — Kellerthuer 673, X. 
— grawen brodere, de, 613. 160. 
— herberge der Schlosser u. s. w. 440, 2; 
451, 13; der Schneidergesellen 503, 
6; 505, 1. 4. 9; der Schnitzergesellen 
523. 1. 
— hilge geest, hylghe gheest, dat elende 
hus 237, 17; 462, 9. 
— Hoff (gerhoff?) 543. 34. 
— Hof von Munster 326, 1. 
— — von Soste 326, 1. 
— husz des scherpffrichters 536, 29. 
— hylghe gheest s. hilge geest. 
— Jacob, sunte, Jacobe, to sunte, kerke 
319, 53; 378, 37. 
— Jurgens, sunte, bylde 585, 29 ; 586, 
30; 588, 41 ; 592, 61. 
— Jurghen, sunte, 366, Nr. 49. 
— Katherinen, sunte, 553, 25. 
747 
Riga, kinderclocke, kinderclocken 410,31; 
416, 18 
— konyngk-Artushoff 556. 1; 557, 12. 15. 
— kopstrate 577, 135; 617. 186. 
— Kornhausz 703. II. 
— kuethov, Küterhav (Schlachthof) 257, 
Nr. 13; 272, 3; s. Kuthhus. 
— kuthhus, kutthaus, kutthuss (Schlacht 
haus) 367, Nr. 50; 438, 5; s. kuethov. 
— lotghilde 319, 51. 
— marcket, marked, marketh, markt 240, 
7; 244, Nr. 7; 262, 17: 316, 31; 381, 
17; 532, 26 ; 537, 32; 543, 38; 544, 
42. 43; 546, 13 ; 556, 1; 565, 37; 567, 
50 52; 568, 54. 58 ; 570, 75; 572, 96; 
573, 101; 577, 135; 591, 57. 59; 594. 
74; 595, 76 ; 600, 107 ; 601, 108; 604, 
120. 121; 607. 132 134; 609, 141. 142; 
616, 180; 617, 186; 619, 194; 623, 215. 
— Marienmühle, de molen des stightes 
235, Einl. 
— mole, de nye, (Mühle) 466, 16. 
— mole des stightes 235, Einl. 
— Münster, Hof von 326, 1. 
— Munstere 366, Nr. 47. 
— müre, mure, de stades, der Stadt 248, 
Einl.; 252, 28; 368, 34 ; 464, 5; 467, 
25; 468, 29. 30 ; 469. 33, 
— sanct Peter, Peterskirche, Peter, sunte, 
Petre, to sunte 319, (53); 411, 32; 
417, Anm. 4; 531, 18. 23 ; 534, 16; 
553. 26 ; 615, 174; 634. 9; 656, 2; 
660, Einl. 
ahrm (Leuchter in der Petersk.) 
634. 9. 
— — clockthorn der Peterskerken 660, 
Einl. 
— — lucht (in der Peterkirche) 634, 9. 
— Pforten 367, Nr. 50; s. porte. 
— porte, porten 577, 135; 617, 186; s. 
Pforten. 
— porten aver der Dune 367, Nr. 50. 
— portorium 676, Nr. 12. 
— Pulverthürme 703, II. 
— quirnmule (Handmühle) 439, 7.
        <pb n="768" />
        Ortsregister. 
748 
Riga, radhus, radthusz, rathus, radthaus, 
räthüss 282, Nr. 23; 331, Nr. 32; 
345, Nr. 42; 417, 30; 438, 3 ; 439, 
6. 7; 529, 3; 505, 37; 568, 55— 
57; 570, 78; 571, 80. 89: 572, 91. 
93. 94 96; 573, 101; 597, 90; 601, 
107—110; 602, 112; 603. 117; 607, 
133-136; 608, 137; 609, 142. 
— — krone 571, 81. 
— — raedtklocke 417. 30 
— reusche strasze, russische Strasse 387, 
Nr. 61; 388. Nr. 63; 544. 39. 
— reyde (Rhede) 632. 24. 
— Riesing 532, 29. 
— Rigee (Fluss) 537, Einl.; 539, Nr. 105. 
— Ritzinge (Riesing) 537, Einl. 
— Sandpforte, sandtportea 346, Nr. 43; 
565, 37. 
— sandtberch 564. 36. 
— sandtstrate 577, 135; 617, 186. 
— Sandturm 548, Nr. 108. 
— schäme, scharve 241, 14; 438. 5; 
532, 39. 
— Schloss? (hus tho Righe) 422, Einl. 
— Schwarzhäupterhaus, neue, neve, newe, 
nige, swarte hovede, Schwarzhäupter 
256, Einl.; 257; 325, 3; 556, 5; 559, 
1; 560, 3; 561, 9; 562, 13; 563, 20. 
21; 565, 37. 41; 567, 48. 50. 52; 568, 
58. 59 ; 569, 67; 570. 71. 76; 572, 93. 
96; 573. 101. 103 ; 575, 115; 576,124; 
577, 135; 578, 139 ; 579, Einl.; 581. 7. 
10; 582, 11. 14 ; 583, 18-22 ; 584, 23. 
26; 585, 29. 30 ; 586, 31. 32. 34 ; 587, 
39—41; 588, 44 ; 589, 47. 52; 590, 
53. 55; 591. 57. 60. 61; 592, 62 ; 593, 
70.71; 594, 74; 595, 76; 597, 91; 599, 
100-103; 600, 107; 601,108;602,112; 
604, 121. 122; 605, 122 -125 ; 606, 
129. 130 ; 607, 132-135; 608, 137; 
609, 142. 143; 610, 145; 611, 152; 612, 
154. 156 ; 613, 161; 615, 174; 616,178. 
179; 617, 186; 618, 191; 619, 192— 
196; 620, 198. 199; 621, 205. 208; 624; 
Riga, Schwarzhäupterhaus 625, 2; C30, 
32; 631, 2; 632, 5; 635, 16 ; 636. 
21. 22; 639, 5; 640, Einl.; 645, 14; 
647, 11. 14; 648, 18 -20 ; 649, 23. 
25. 27. 
— — altaer, altar der swarten hoveden 
582, 16 ; 615, 174; 621, 208. 
— — aven 578, 140. 
— — banck, bank, bencke 562, 14 ; 578. 
140; 584, 23 ; 585, 27. 28; 587, 39; 
588. 42; 589, 51; 590, 52—54; 
591. 60; 592, 63; 593, 69. 71; 616, 
181; 618. 191; 620. 203 ; 622, 211: 
625, 6; 626. 11. 13; 627. 19; 628. 
22; 629, 26. 29; 633, Einl.; 635. 
13. 14. 18; 636. 19. 20. 24; 637, 
26; 640, 2; 641, 3; 642. 5. 6; 643, 
8; 644, 9-11; 645, 15 ; 647, 7. 
banck, bencke, ehesten, oldesten 
559, 1; 562, 14; 576, 125; 580, 4; 
582, 14; 583, 21; 584, 23; 585, 29; 
586. 31; 590. 52. 53 ; 592, 63; 599, 
102 103 ; 600, 106 ; 605, 123. 125; 
610. 145; 611, 152; 612, 155; 613. 
162; 617, 187; 622, 211; 625, 6; 
626, 11; 627, 16. 17; 628. 21. 25; 
629,26.29 ; 634,7 ; 637,30 ; 64 7,7.11 • 
— — bencke, Lübische 631, 1. 
— — borgerbanck 590, 54 ; 619, 195. 
— — burgereitesten bencke 637, 30. 
— — bylde, grote 585, 27 ; s. s. Jürgens 
bylde. 
— — doer up der loven 619, 195. 
— — dore, grote, des huses, 570, 71. 
flflucht 582, 14; 590. 52 ; 597, 91. 
— — hoff, hov, howe, have 550, 4; 554 
33; 556, 3; 557, 7. 8; 558, 16. 1« 
-22; 559, 25; 564. 35; 572, 9^: 
581, 9; 583, 17 ; 591, 58; 624: 
648. 20. 
— — keller, kelleren (twen), kelre 550. 
2; 558, 18 ; 563, 21; 564. 33; 565, 
38; 566, 45; 572, 95. 98; 576, 122; 
584. 24—26 ; 585, 30; 587, 9?. 
38. 40 ; 589, 51; 590, 55. 56 ; 591, 
60. 61; 593, 69. 70; 595, 79; 59?,
        <pb n="769" />
        Ortsregister. 
749 
Riga, Schwarzhäupterhaus, keller 92; 598, 
93. 97; 599, 99.101; 606.130; 610,145. 
148; 617. 187; 621, 207; 622. 210. 
213; 623 214 ; 638. 2 ; 639, 6; 646. 2. 
3; 647. 8. 
— — klotzban (&gt;48 20. 
— — Ihohuis (Gerberhaus) 537, Nr. 105. 
— — loven (Lauben) 618. 191; 619, 195. 
— — pfeiflerbanck 638, 1; s pyperbanck. 
— — Pilkentafel 648 20. 
— — pyperbanck 592, 64 ; 596, 81 ; 597, 
91; 598, 95; 610, 145; 620, 197. 
rekensztaffel 590, 54. 
schenckhscheibe 634, 7. 
— — spielbanck 638, Nr. 118; 639, 6; 
673. X. 
— — Vortreppe 649, 26. 
— slotstrate 565, 37, 
— sot, sott (Brunnen) 577. 635; 617, 186. 
— Spielplatz 360, 21. 
— spital 237. 17; 252, 27. 
— Stadthaus 364, 37. 
— Stadtmauer, stadtmure s. mure. 
— Stadtzeughhausz 702, 1. 
— sticht, stight (Stift) 235, Einl.; 368, 34; 
537. Nr. 105. 
— stichtes garden 537, Nr. 105. 
— suburbium arcis, castri 675, Nr. 12; 
676. Nr. 13. 
— sysebode (Accisebude) 619, 193. 194. 
— Tafelgilde, Taffelgilde 321, 64; 330, 19. 
— Vorstadt 707 a. 
— vysbank (Fischbank) 607, 133. 
— wage 346, Nr. 43; 419, IV; 420, 7; 
421. 22. 
— Wall 436; 542, 29; 705, 4. 
— Zeughaus 703, 5. 
Rigee (Fluss) 537, Einl.; 538, Nr. 105. 
Ritzing (Riesing) 537. Einl. 
Rostock, Rostogk 349 Einl.; 353, 38; 
507, Anm. 3. 
Rügen 489, Nr. 94. 
Russia 309 ; 310. Nr. 34; 488, Nr 94. 
S. 
Schweden 510, 10; 518, 9; 689. 
Samogetia, Samogitia 309 ; 310, Nr. 34; 
488. Nr. 94. 
Schmogast (?) 632, 2, 4. 
Schottlandt 689. 
See, see, she, ze 287, 24 ; 291, 7; 315, 
24; 344, 1; 420 13 ; 5M. 30. 
—, overste, 235, 1. 
Soest, Soste, Hof von 326, 1; 366, Nr. 47. 
Stetin, Stettin 349, Einl.; 353, 38 ; 489. 
Stockholm 689. 
Strandt 420, 13 ; 421, 18. 
T. 
Teütschlandt, Teudtschlandt 266, 14 ; 478, 
26; 500, 33; 525, 14. 
Transilvania, Transylvania 310, Nr. 34 
488, Nr. 94. 
Thune (Düna?) 464. 8. 
V. 
Franckreich 689. 
Vilna s Wilna. 
w. 
Wenden 270, Nr. 19; 274, Nr. 19. 
Wilda, Wilde 388, Nr. 63; 689. 
Wilna 280, 5; 309. 
Wismar 349, Einl.; 353, 38.
        <pb n="770" />
        Personenregister. 
A. 
Aòsse, Gerdt, Leineweber, 403, 28. 
Andreas, N., spielman, 638, Nr. 118. 
Andres, Martin, Hutmacher in Dorpat, 
349, 1. 
Andrewes, Schmied, 467, 25. 
Asake, Fischer, 275. 
Asmus, dener, 257, Nr. 13. 
Augustus s. Sigismundus. 
B. 
Baehr, Carl, Beisitzer des Amts der Klein 
schmiede, 364. 
Badyn, Jane, Leineweber, 403, 28. 
Balftzer, Dytmer, Schmied, 468, 30. 
Baltseu, Michel, undeutscher Schuhmacher, 
546, Schluss. 
Bare, Grethe, 399, 22. 
Barneke, Niclass, Rathsherr, 270, Nr. 18. 
Barte Iss, Hans, al term an der Kl. Gilde, 274. 
Bartman, Cord, her, 469, 34. 
Bawer, Borges, meister, Kürschner, 386. 
Becker, Asmus, elterman der schwarttzen 
heupter, 633. 
— Jochym, Glaser, 292, Nr. 28; 293, 
Nr. 28; 294, Nr. 29. 
— Johan, her, 469, 32. 
— Johann, Hutmacher, 356, 64, Schluss. 
Beel, Laurents, Leineweber, 403, 28. 
Bekerworter, Bekerwerder, Hinrick, her, 
466, 17, 19. 
Bemerwoldeschen, de, 623; 215, bemer- 
wolt, 621; 204, vielleicht eine soge 
nannte Bank im Schwarzhäupterhause. 
Benckendorff, Jürgen, Beisitzer des Alter 
mannes der Gr. Gilde, früher Kämme 
rer, 331, 23. 
Berge, thom, sum, Johan, Johann, herr, 
amptherr, Rathsherr, 284 Einl.; 516 
Einl. ; 666. 
— Rotgerdt, kemerer der schwarttzen 
heupter, 633. 
Bemeken, (Barnecken) Nicolaus, herr, 
Amptherr, 547. 
Bertramb, Henning, Beisitzer des Alter 
mannes der Gr. Gilde, früher Kämme 
rer, 331, 23. 
[BJerylh (GayIts), Arendt, undeutscher 
Schuhmacher, 546 Schluss. 
Beyer, Weinholt, Gerdesmann der Gr. 
Gilde, 327, 5. 
Biggul, Pawel, Fischer, 278, 21. 
Blanche, Caspar, bysytter des Schmiede 
amts, 467, 28. 
— Joseph, bysytter des Schmiedeamts, 
467, 28. 
Block, Altjünger der Kleinschmiede, 
365, Nr. 46. 
Blumkenblawsche, Anna, 399, 22. 
Boddecker, Boddeker, Hynrick, bysitter 
der Ligger, 411, 35. 
— Johann, herr, eherner, 412, Einl. 
— Johann, herr, 413, Nr. 76. 
Böddeker, Johann, her, Amptherr, 245, 
Einl.; 547. 
— Johan, Herr, Ober-Cemmerer und 
Kranher, 260, Nr. 15. 
Bosse, Herman, Leineweber, 403, 28. 
Boleke, Bolleke, Frants, Glaser, 293, 
Nr. 28; 294, Nr. 29. 
Borkowsky, Michael, Notarius, 36o, 
Nr. 46. 
j Boye, Casper, olderman der Fischer, 
1 278, 21.
        <pb n="771" />
        Personenregister. 
751 
Boye.Laurenlz, Sogis (?), Fischer, 278, 21. 
Brabander, 697. 2. 
Brandh, Brandt, Jacop, Jacob, 282, 
Nr. 23; 283, Nr. 23. 
— Glaser, oldermann der Maler und 
Glaser, 292, Nr. 27. 
— Marqwert, vorstender der Lübischenn 
bencke, 631, Einl. 
Bringk, zum, Ham, 660, Nr. 123, Kopf 
note. 
Brockhausen, Dedrich, Hutmacher, 356, 
64, Schluss. 
Bruhn, Johann Gergen, Kleinschmiede 
gesell, Ehester Gesell, 365, Nr. 46. 
Brunau, Dionisitis, Commissarius, 489, 
Nr. 94. 
— Michel, Secretarias, Commissarius, 489, 
Nr. 94. 
Bruwe [BJruwe, (Gauwe), Matthis, un 
deutscher Schuhmacher, 546, Schluss. 
Budden, Hermen, von deme groten gilde- 
stoven, 550, Einl. 
Buk, Hermen, broder in der schütten 
kumpenge tho Ryghe, 549, Nr. 109. 
Bulle, Clawes, 399, 22. 
Bullezabake, Kersten, olderman de ber- 
dregere, 256, 17. 
Bullitz, Andres, Leineweber, 403, 28. 
Busch, Hans, 437, Nr. 84. 
— Hansz, Scheidenmacher, 436, Einl. 
Buschman, Andres, A Herman des Schnei 
derhandwerks, 507, Schluss. 
C. s. K. 
D. 
Dale, von deme, Gobbel, her, 468, 29. 
Danappel, Kersten, Tischlermeister, 666, 
Anm. 6. 
Dassel, Andreas, Gerdesmann der Gr. 
Gilde, 327, 5. 
Debuz, von neuen Brandenburgk, Jochim, 
Eltermann der Kleinschmiede, 357, 
Einl. 
Depenbrock, 268, Nr. 18, Kopfnote. 
Derenthall, Stephanus, Notarius publicas, 
274. 
Derley, vom, Christoff, anders genant 
Nienhoff zu Goldingen, Commissarius, 
489, Nr 94. 
Deutsche, Deutschen, Deutschen, 385, 
Einl.; 498, 24; 691, 1; 696, 697, 2; 
704, III, s. Dudesche. 
Dippens, Peter, Sogis, Fischer, 278, 21. 
Dopner, Jochim, Kleinschmiedegesell, 
ältester Gesell, 365, Nr. 46. 
Dotting, Ewert, Kemmerer der Fischer, 
278, 21. 
Dreiling, Melchior, Oberamptherr, 679 B.; 
680. 
Dreyling, Bürgermeister, 681. Kopfnote. 
Dudesche, Dudesche, Dudeschen, Dud- 
schen, Dutsch, Dütsche, 238, 26; 262, 
11; 366; 374. 400, 2; 401, 9; 422, 
Einl.; 510, 10; 518, 9; s. Deutsche. 
Dump, Steffen, her, 257, Nr. 13. 
Duncker, Hetmten, her, 471, 40. 
Durkop, Godeke, olderman in den swar- 
ten hoveden, der swarten hovede, 
549, Einl. ; 550, Einl. 
E. 
Ecke, Peter, Leineweber, 403, 28. 
— Johan, predicante der beerdregere, 
257, Nr. 13. 
Esten, Estenn, 402, 24 ; 474, 14. 
Eger, Christoph, Beysitzer des Tischler 
amts, 664. 
Ehesten, 280, 4, s. Ossen. 
Engländer, 697, 2. 
Essen, van, Hans, broder in der schütten 
kumpenge tho Ryghe, 549, Nr. 109. 
Evechen, Röttgert, her, 385, Nr. 60. 
F. s. V. 
G. 
Galen, von, Hinrich, mester teutsches 
ordens zu Lieffland, 489, Nr. 94. 
Gau, Hinrich Peter, Hutmacher in Dor 
pat, 349, 1. 
Gauwe (Bruwe), Matthis, undeutscher 
Schuhmacher, 546, Schluss. Schra- 
genb. Nr. 498, S. 153.
        <pb n="772" />
        Personenregister. 
752 
G ay Its, ([BJerylh), Arendt, undeutscher | 
Schuhmacher, 546, Schluss. Schra- , 
genb. Nr. 498, S. 153. 
Geilii, Steffen, undeutscher Schuhmacher, 
546 Schluss. I 
Geistier, Joh., oberster secretarios, Trier- I 
scher Stiftskleriker von päpstlicher 
und kaiserlicher Macht offenbarer 1 
Schreiber, 308, 31. 
Geretsym, van, Johan van der selscop 
der swarten hovede, 550 Einl. 
Gerlach, Johann, reg. notar, publ., 491, ; 
Nr. 95; 502, 3. 
Gheismer (Geysmer), Johan, her, 469, 
34, 35; 470, 36. 
Giese, Tewes, Kleinschmied, 357 Einl. 
Gilszhem, der Rechten Doctor, Commis- 
sarius, 489, Nr. 94. 
Godekens, Johan, bysytter van der selscop 
der swarten hovede, 550 Einl. 
Gosen, Trostt, kemerer der schwarttzen 
heupter, 633. 
Gotte, Harnten, besitzer der schwarttzen 
heupter, 633. 
Graje, Frants, Herr, 0O6, 22; 507, 
Schluss. 
Graff, Frants, her, ampther, 345, Nr. 43. 
Grand, Frants, 507, Anm. 4. 
Grimm, David, Aeltermann der Hut 
macher, 348, Einl.; 356, 64, Schluss. 
Grisler, Joannes, secretar, 308, Anm. 10, 
309. 
Gudovj, Jurgen, herr, 257, Nr. 13. 
H. 
Haan, Hans, Aeltermann der Hutmacher, 
348 Einl.; 356, 64 Schluss. 
Haffman, Cordth, olderman der Glaser, 
292, Nr. 27. 
Hamp, Daniel, Kleinschmiedegesell, älte 
ster Gesell, 365, Nr. 46. 
Hans, lange becker, 235 Einl. 
Hans, koppersmeth, bysitter, 469, 33. 
Hassing, Alterman der Schneider, 680. 
Hatissman, Eberhardt, Everhardt, amt- 
her, 344, Nr. 42; 404 Einl. 
Havenstrid, Tidericus, 238, 23. 
Heideman, Dirich, Beysitzer des Schnei 
deramts, 507, Schluss. 
Heim, Osewaldt, Kleinschmied, 357, Einl. 
Helewegh, Hermannus, stadtschriver tho 
Rige, 256, 17. 
Helmes, Berendt, Glaser, 292, Nr. 28. 
— Paul, herr, Chemmere, 413, Nr. 76. 
Helms, Berendt, Berent, Berenth, by 
sitter der Glaser, 282, Nr. 23; 283, 
Nr. 23; 293, Nr. 28. 
Helmstede, Hinrich, Bäckerknecht, 235, 
Einl. 
Henge (?), Hans, 397, Anm. 12. 
Henne, Marten, Leineweber, 403, 28. 
wittkop, Bäckerknecht, 235, Einl. 
Hennemann, Augustin, Hutmacher in 
Dorpat, 349, 1, 2. 
— Hans, Hutmacher in Dorpat, 349, 1. 
Hennin^h, 450, Anm. 2. 
Heuroder s. Honroder. 
Herle, Jasper, Leineweber. 403, 28. 
Heyde, von der, Kord, bysytter van der 
selscop der swarten hovede, 550, Einl. 
Heyensted, Tönnis, Tischlermeister, 666, 
Einl. 
Heyle, 399, 22. 
Heyne, Hans, Leineweber, 403, 28. 
Heynerstate, Tönnys, Tischlermeister, 
666, Anm. 6. 
Hilchen, David, secretarios, 392; 405, H- 
Hille, 399, 22. 
Hintelman, //. D., 43 &lt;, Nr. 84. 
Hinielmann, Ludovicus, Ludwig, herr, 
D., I. V. D., Amtsherr, 247; 357, 
Einl.; 364, 37; 412, Einl.; 538, Einl.; 
544, Schluss; 546, Schluss. 
Hints, Hinse, Benedict, herr, 412, Einl.; 
413, Nr. 76. 
Hollunder, Holländer, 352, 28; Anm. i- 
Holste, Hinrik, van der selscop der swar 
ten hovede, 550 Einl. 
— Kersten, Tischlermeister, 666, Anm. 6- 
Holtecker, Jacob, Leineweber, 403, 28. 
Honroder (Heuroder), Matthias, Secre- 
1 tarius, Commissarius, 489, Nr. 94.
        <pb n="773" />
        Personenregister. 
Hoppenfför, Hoppenfoercr, Lavems, i 
Laverens, Glasermeister,* 292, Nr. 28; 
293, Nr. 28. 
Horst, thor, zur, Rottger, Rotcher, Herr, [ 
amptherr, Chemer, 2(&gt;4 Einl ; 389, 
Nr. 65; 390 Einl.; 404 Einl.; 412, 
Einl. 
Hovet, Meineke, Bäckerknecht, 235 Einl. 
Hudde, Hudden, Gerdt, Gerhard, herr, 
amptherr, 387, Nr. 61; 388, Nr. 63; 
436, Einl.; 493, Einl.; 650, Einl. 
Husen, von, E/rahem, Schaffer der 
Schneidergesellen, 507, Schluss. 
Huszmann, Eberhardt, herr, Amptherr, 
390, Einl. 
Hutteraw, Jurgen, Elterman der Schnei 
der, 680. 
I. 
Jasparus, Erzbischof, Riga, 270, Nr. 19. 
Ibinck, Arenndt, besitzer der schwarttzen 
heupter, 633. 
Iggerman, Hinrich, her, ampther, 491, 
Einl. 
Infilender, Thomas, Tischlermeister, 666, 
Anm. 6. 
John, Johann, Secr. reg. et Not. publ., 
491; 502, 2. 
Irbe, Hinrick, Leineweber, 403, 28. 
Italianer, 697, 2. 
K. 
Kachermann, 238, Anm. 2. 
Kacherne (Katherne für Katharine}), 
uxor Nicolai institoris, 238, 23. 
Kamen, Johan, von deme groten gilde- 
stoven, 550, Einl. 
Kampe, rigischer Bürger, 565, 37. 
- Jacob, Leineweber. 403, 28. 
Kanne, Canne, Otto, her, Herr, 506, 22, 
secretarius, ampther, 345, Nr. 42; 
374 447, 2; 506, 22 ; 507, Schluss, 
Anm. 4. 
h.annen, von, Hans, Tischlermeister, 666, 
Anm. 6. 
Car/esche, Margarethe, 399, 22. 
753 
Karmylligert, bysitter des Schmiedeamts, 
469, 33. 
Carp, vonn, Everth, her, 471 Einl. 
Kasche, Nicolas, Beysitzer des Schneider- 
handwerksamts, 507, Schluss. 
Casuben, 489, Nr. 94. 
Keghel, Inkel, Mitglied der Bäckerknecht 
gilde, 238, 23. 
Ketelhoed, Hans, broder in der schützen 
kumpenge tho Ryghe, 549, Nr. 109. 
Kirchhoff, Melchior, herr, 385, Nr. 60. 
Kiene, rigischer Bürger, 565, 37. 
Klian, Bertel, 399, 22. 
Klibbite, Bertel, 399, 22. 
Klinck, Jacob, Fischer, 278, 21. 
Klock, Klocke, Patroclus, Troclus, her, 
kemerer, amptherr, Rathsherr, 233, 
Einl.; 257, Nr. 17; 284, Einl.; 308, 
31; 400, Einl.; 428, Einl.; 516, Einl.; 
666. 
Klock, Paulus, Amtsherr, 664. 
Knicke, Matthis, undeutscher Schuh 
macher, 546, Schluss. 
— Peter, undeutscher Schuhmacher, 546, 
Schluss. 
Kock, Albrecht, Aeltermann der Klein 
schmiede, 364. 
Koedyk, Berndt, Schwarzhäupter, 623,216. 
Koet, Mertin, Tischlermeister, 666, Anm. 4. 
Köhler, Hans, Kleinschmied, 357, Einl. 
Kähne, Conrad, Beysitzer des Eischer 
amts, 664. 
KolthoJ, Johan, her, kemerer, 428, Einl. 
Konecken, Bertelt, 399, 22. 
Krahn, Martin, Schneider, 680. 
Kremer, Lucas, Tischlermeister, 666, 
Anm. 6. 
Kreyge, Diderick, her, 422, Einl. 
Kruse, Jacob, Kleinschmiedegesell, ältes 
ter Gesell, 365, Nr. 46. 
Krüsewitz, Michel, undeutscher Schuh 
macher, 546, Schluss. 
Krusse, Bariholomeus, Leineweber, 403, 
28. 
Cuhrländer, 352, 29. 
Curtzius, Johann, Alterman des Schnei- 
derhandtwerksamts, 507, Schluss.
        <pb n="774" />
        Personenregister. 
754 
Kusse, Jacob, olderman der Bierträger, 
‘2Õ7, Nr. 13. 
Kyss, Andres, Leineweber, 403, 28. 
L, 
Labss, Mathies, Leineweber, 403, 28. 
jMdemacher, Ladenmacher, Ladamacher, 
Henrich, Henri cus, Amptgerichts- 
Notar, cancellariae civitatis Rigensis 
juratus notarius. 413, Nr. 76; 435, 
16; 502, 1; 507, Anm. 4. 
Langhe, Marcus, oldermann des Schmiede 
amts, 469, 33. 
Ledamacher, Henricus, Amtsgerichts- 
Notarius, 502, 1. 
Ledtmaht, Berendt, undeutscher Schuh 
macher, 546, Schluss. 
Ledtmaht, Hanss, undeutscher Schuh 
macher, 546, Schluss. 
Leemssiike. Hermen, 663, 21. 
Lehman, Hans, Böttcher, 681. 
Leneher, Lorentz, Hutmacher in Dorpat, 
348, Einl ; 349, 1 ; 356, 64. 
Lettowen s Littauwen. 
Lhomann, Jost, her, 370, Einl. 
Lichalle. Fischer, 275 
LieÜFlander, 384, 385, Einl 
LieJJlender, Clement, Kleinschmiede 
meister, 446. 
Linden, von, Johan, her, s. Lynden. 
Lindemann, Jürgen, Schaffer der Schnei 
dergesellen, 507, Schluss. 
Linfkje, Scheidenmacher, 436, Einl. 
Lippe, von der 507, Schluss, s. Freige, 
Littauwenn, 235, Einl. 535,21 ; s. Lyttowers. 
Lykase, Fischer, 275. 
Lynden, von, Johan, her, radher, 263, 
22, 23; 464, 7, 8, Anm. 2; 465, 9. 
Lyppe, Hermen, broder in der schütten 
kompenge tho Ryghe, 549, Nr. 109. 
Lyppe, Lambert, Glaser, 283, Nr. 23. 
Lyttowers, 402, 24. 
M. 
Make, Fischer, 275. 
Magerflesch, Magherflesch, Claus,Clauss, 
werckmester des Schmiedeamts, 467, 
28; 470, 39. Vergl. C. Mettig: .das 
älteste Amtsbuch der Schmiede zu 
Riga“. 
Maneke. Maneken, Gerhardt, amtsher, 
278, Einl., 344, Nr. 42. 
_ Gerth, herr, 405, Nr. 73, Kopfnote. 
Mant, Peter, her, 470, 37. 
Marqzvert, Brandt, vorstender der Lübi- 
schenn bencke, 631. Einl. 
Meier, Joannes. Rathsherr, 346, Nr. 43 
— Wilhelm, elterman der schwarttzen 
heupter, 633. 
Melfín. Thomas, Leineweber, 403, 28. 
Mengelehr, Ditrich, kemerer der schwartt 
zen heupter, 633. 
Meppen, von, Otto, besitzer der schwartt 
zen heupter, 633. 
Mertens, balbyrer, 568, 58. 
Meteler, Diderick, her, kammerer, 242, 
Einl. 
— Johann, her, kemerer, 338, Einl 
Meyer, Hans, Kleinschmied, 357, Einl. 
Michael, tEri.bischoJ), 417, Anm. 4. 
Middenhve, Peter, olderman des Schmiede 
amts, 468, 31. Vergl. C. Mettig, .das 
älteste Amtsbuch d. Schmiede zu Riga 
Missener, Nicolaus, Bruder der Bäcker 
knechtgilde, 238, 28. 
Möller, Heinrich, kemerer der schwarttzen 
heupter, 633. 
Molen, van der, Hermen, von dem gro- 
ten gildestoven, 550, Einl. 
Möller, Hans, olderman des Schmiede 
amts, 468, 29. ^ 
Mollinus, Nicolaw, Buchdrucker, 673, 
Kopfnote. 
Moscowiter s. Muscowiter. 
Munsterman, Dirich, itziger elterman der 
schwarttzen heupter, 633. 
Muscowiter, Moscowiter, 391, 2, 3. 
Mytsener, Nicolawes, van der selscop 
der swarten hovede, 550, Einl. 
N. 
Nabays, Hinrick, 399, 22. 
- Ilse, 399, 22.
        <pb n="775" />
        Personenregister. 
755 
Naykume, Nayküm, Fischer, 275. 
Neter, Hans, Kleinschmiedemeister, 446. 
Neystei, Franta, Herr, Bürgermeister u. 
Ober-Weinherr, 260, Nr. 15. 
Nicolai, institor, 238, 23. 
Nicolaus, byschop to Ryghe, 235, Einl. 
Nicnhoff s. Derley. 
Niesz, Heinrich, 413, Nr. 76. 
o. 
Oldeland, Peter, broder in der schütten 
kumpenge tho Ryghe, 540, Nr. 109. 
Ossen (Esten), 486, 39. 
Otte, Hans, Leineweber, 403, 28. 
Otze, Mathies, Leineweber, 403, 28. 
P. 
Packeihuse, Thomas, Fischer, 278, 21. 
Pauls, Jacob, Leineweber, 403, 28. 
Pawel, her, ein prester, 399, 22. 
Pebalghe, Hans, 399, 22. 
Peterson, Oloff, Kleinschmiedegesell, äl 
tester Gesell, 365, Nr. 46. 
Pirxtinckx, Jacob, klockman der Fischer, 
278, 21. 
Plettenberg, von, Wolter, Compertur, 
270, Nr. 19; 489, Nr. 94. 
Plochfoeth, Thonnyes, von wegen der 
Dorptschen meyster der maler unde 
glaszewerder, 292, Nr. 27. 
Poll, von, Schall, Philipp, com^Xur zu Mar 
genburg, commissarius, 489, Nr. 94. 
Prawenski, Jacobus, st., 312, Nr. 34. 
Pteuszen, Hansz von, undeutscher Schuh 
macher, 546, Schluss. 
Provestingk, Marten, herr. ehernerer, 
372, Einl. 
Pünnickhusen, Carsten, her, 338, Einl. 
Pulke, Johan, Bäckerknecht, 235, Einl. 
Putk, thom, Wilhelm, rigischer Bürger, 
577, 135. 
Pynnozü, werkmester des Schmie 
deamts. 470, 35, 36. 
PyPer, Jacob, bysitter der Ligger, 411, 35. 
R. 
Radziwil, Nicolaus, Palatinus Vilnen et 
Concellarius, 310, Nr. 33. 
Ratken,Raetken,Wylem,?P^,'a', .4nm 12. 
Rauer, Peter, Tischlermeister, 664 ; 666, 
.\nm. 1, 6. 
Raussis, Flawing, klockman der Fischer, 
278, 21. 
Raven, Hermen, broder in der schütten 
kumpenge tho Ryghe, 549, Nr. 109. 
Razin, Clawes, Leineweber, 398, 22. 
Recke, von der, Thiess, comptur zu Do- 
bellin, commissarius, 489, Nr. 94. 
Reppe, Fredryk, Frederych, Glaser, 293; 
294. 
Reppin, Johan, Beysitzer des Schneider 
amts, 507, Schluss. 
Rese, Wese (f), Gerlagh, Gerlach, her, 
238, 24, 27. 
Retzen, von, Hans, Tischlermeister, 666, 
Anm. 6. 
Reuszen, 412. 
Rigeman, Dietrich, amther, 278, Einl. 
Rigischer, 627, 14; 633, 1; 634, 3, 4, 5, 
6; 640, 1, 2 ; 641, 3; 643, 8 ; 644, 11. 
Riman, Casper, Bötticher, 681. 
Rode, Roede, Wolter, her, 382, Einl.; 
464, 7, 8, Anm. 2; 465, 9 -11. 
Rodenberck, Jochim, her, 471, 40. 
Rodtsitt, Michel, olderman der Fischer, 
278, 21. 
Rohmberger, Casper, her, Amptherr, 384, 
Einl. 
Rom, Tischlermeister, 666, .Anm. 6. 
Rugien, Merten, bysitter der beerdregere, 
256, 17. 
Russen, Rüssen, 368, 31 ; 486, 39. 
Rüter, Johan, her, 468, 29. 
Ryeff, Hinrik, van der selscop der swarten 
hovede, 550, Einl. 
s. 
Salsche (Seilsche), Ilse, 399, 22. 
Schall von Pall, Philipp, comptur zu Mar 
genburg, commissarius, 489, Nr. 94.
        <pb n="776" />
        Personenregister 
756 
Schaltin, Hams, undeutscher Schuhma- | 
cher, 546, Schluss. 
Schedeinaker, Scheidenmacher, 1 
436, Einl. 
— Matz, Scheidenmacher, 436, Einl. 
Schivelbein, von, Petei', Oberamptherr, 
679, 680. 
Schlancsche(?), Gezebe, 397, Anm. 12. 
Schloethell, Schlottel, Berendt, Glaser, 
293, Nr. 28; 294, Nr. 29. 
— Hynryck, Glaser, 294, Nr. 29. 
Schmahl, Michel, von Siestoch (Rostock), 
Schaffer der Schneidergesellen, 507, 
Schluss. 
Schneider, David, Hutmacher in Dorpat, 
348, Einl.; 349, 1; 356, 64. 
Schnoor, Hans, Alterman der Tischler, 
664. 
Schoweshausen, Jürgen, elterman der 
schwarttzen heupter, 633. 
Schrab, Martin, starost des Fischerampts, 
278, 21. 
Scht'au, Thomas, Fischer, 278, 21. 
Schröter, Johan, herr, 268, Einl. 
Schulthe, Hans, Glaser. 294, Nr. 29. 
Schnitze, Rötger, Herr, amptherr, 384, 
Einl. 
— von, Johann, Rathsherr, Münster 
herr, 384, Einl. 
Schwartsen, Ham, Heisitzer des Amts 
der Kleinschmiede, 364. 
Schweden, 474, 14; 510, 10; 518, 9. 
Schyrkan, Peter, 399, 22. 
Zemsch,, Albrecht Willi., Hutmacher in 
Dorpat, 349, 1. 
Sculten, Michael, Kleinschmied, 357, Einl. 
Seyhefrit, Jacob, Bruder der Bäcker 
knechtgilde, 238, 28. 
Seilschc. 399. Anm. 9. 
Sennet, Merten, bysitter der beerdregere, 
256, 17. 
Siele, Michel, Leineweber, 403, 28. 
Sigismundus Augustus rex Polonies etc. 
309; 310; 675, Nr. 12, Kopfnote. 
Silite, Andreives, 399, 22. 
Silvester, ertzbischoff zu Riga, 417, Anm. 4. 
Zimmermann, Ham Jacob, Altgeselle 
der Kleinschmiede, 365, Nr. 46. 
Simonies, Andres, klockmann der Bier- 
träger, 257. 
Sloetthel. Hynryck, Glaser, 292, Nr. 28; 
293, Nr. 29. 
Sogisl 278, 21. 
Snuver, Godeke, van der selscop der 
swarten hovede, 550, Einl. 
Spenckhusen, Spenckhuszen, Johan, her, 
ampther, 308, 31 ; 400, Einl. ; 469, 32. 
Springes, Peter, Leineweber, 403, 28. 
Sprunge, Thomas, Leineweber, 403, 28. 
Steinkuhl, Benedix, Kleinschmied, 357, 
Einl. 
Sten. Thomas, 399, 22. 
Stenwedder, Jacop, Glaser, 283, Nr. 23. 
Stephanus, rex Poloniae u. s. w., 310, 
Nr. 34; 312, Nr. 34; 488, Nr. 94; 490, 
Nr. 95; 491, Nr. 95; 675, Nr. 12; 
676, Nr. 13; 677, Nr. 13. 
Sterges, Jttrge, Leineweber, 403, 28. 
Stippe, Ham, Leineweber, 403, 28. 
Stodahl, Johann, Hutmacher, 356, 64, 
Schluss. 
Stoltenberch, Hinrich. Bäckerknecht, 235, 
Einl. 
Storll. Daniel, Hutmacher in Dorpat, 
349, 1. 
Strapeningk, Jane Leineweber, 403, 28. 
Stuebber, Ham, Leineweber, 403, 28. 
Suerman, Harmen, elterman der schwartt 
zen heupter, 633. 
Sulcken, Tetse, herr, 242, Einl. 
Sulver, Henrich, Schmied, 468, 30. 
Sunter, 399, 22. 
Suntzels, Peter, Leineweber, 403, 28. 
Sutteck, Ham, undeutscher Schuhmacher, 
546, Schluss. 
Syberg, Jorge, Haus-Comptur zu Rig^, 
commissarius, 489, Nr. 94. 
Sseten, Jane, Leineweber, 403, 28. 
T. 
Tastius, Joannes, Johannes, Johann 
secretarias der Stadt Riga, Ober
        <pb n="777" />
        Personenregister. 
757 
secretarius, 268, 30; 478, Schluss. 
655, Schluss. 
Teudtschen, Teutschen, 370, 8; 373; 384; 
479, 14; 547. 
Teutsche, westphalische, 325. 
Thomsberg, Johan (Johann thom Berge, 
Herr), 665, Nr. 124; 666, Anm. 4. 
Thorfloth. Härmen^ kemerer der schwärt- 
tzen heupter, 633. 
Tideman, Georg, Kleinschmiedemeister, 
446. 
— semelbecker, Bäckerknecht, 235, Einl. 
Tolpe, Jacob, Leineweber, 403, 28 
Trere, Evert, her, 469, 35; 470, 36, 37. 
Trostt, Gosen, kemerer der schwarttzen 
heupter, 633. 
Tydentan, Hans, Glaser, 283, Nr. 23. 
Tymmermann, Schmied, 467, 25. 
Tytull, Jacob, olderman der Ligger, 
411, 35. 
u. 
Ulrich, Johan, Bürgermeister, 268, 
Kopfnote. 
Utnmelop, Schmied, 467, 25. 
Undeutsche, Undudische, Undutsche, Un- 
teudsche, Unteutsche, 235,7; 240, 5; 
262, 10 ; 263, 26; 267, 26; 314, 6; 
332, 35; 370, 4, 9 ; 371, 10, 11, 13, 
14; 373; 384, Einl.; 385, Einl.; 394, 
6; 400, 2 ; 419, IV, V; 474, 14; 501, 
37; 510, Anm. 2; 513, 30; 518, 9; 
526, 21; 543, 38; 547; 548, Nr. 108; 
551, 5; 696; 697, Anm. 1. 
Urtye, uxor Havenstrides, 238, 23. 
V. 
Veithusen, Altermann der Tischler, 670, 
Anm. 2. 
Fick, Nielas, Herr, 264 Einl.; 471 Einl. 
Ficke, Nicolaus, Claus, her, Herr, Amt 
herr, 389, Nr. 65, 650 Einl. 
Vilhelmus, archiepiscopus Rigensis, 488, 
Nr. 94. 
Vires, Hinrik, Schmied, 467, 25. 
Fischer, Johann, Vicecantzler, Commis 
sari us, 489, Nr. 94. 
Fixen, StejJen, Jungmeister des Amts der 
Kleinschmiede, 364. 
Flämingen, 697, 2. 
Volmers, Katterina, 399, 22. 
Vos, Vrowin, broder in der schütten 
kumpenge tho Ryghe, 549, Nr, 109. 
Franke, Michel, bisitter, werkmester der 
Schmiede, 470, 35, 36. 
Frantzsosen, 697, 2, 
Fredrich, Berendt, kemerer der schwart 
tzen heupter, 633. 
Frederichs, Gerth, her, ampther, 491, Einl. 
Fredrichs, Jacob, eltennan der schwarttzen 
heupter, 633. 
Freige, Beren'd, von der Lippe, Schaffer 
der Schneidergesellen, 507, Schluss. 
Frieben, Hans, alterman der Kl. Gilde, 
274. 
Frölich, Antonius, Alterman der Gr. Gilde, 
324, Einl. 
Vyntling, Johann, van deme groten gilde- 
stoven, 550 Einl. 
w. 
WSllsitt, Heinrich, undeutscher Schuh 
macher, 546, Schluss. 
Walter. Tewes, Tischlermeister, 666, 
Anm. 6. 
Wartak, 399, 22. 
Weggis, Otto, Fischer, 278, 21. 
Weihe, zur, Heinrich, Beysitzer des 
Schneideramts, 507, Schluss. 
Weinhusen, ratman unde ein kemerer, 
399, 22. 
Welling, Wellin^k, Matthias, herr, ampt- 
herr, 370, Einl.; 372, Einl.; 387, 
Nr. 61; 388, Nr. 63; 436, Einl.; 
493, Einl. 
Wenden, 489. 
Wenckhuszen, Weynckhuzen, Johan, 
her, 399, Anm. 3; 465, 10, 11; 466, 
17, 19. 
Wendichhusen, ratman unde ein kemerer, 
399, Anm. 3.
        <pb n="778" />
        Personenregister. 
758 
Wente, Peter, Glaser, 283, Nr. 23. 
Werschei, Michel, starost des Fischer 
amts, 278, 21. I 
Wese s. Pese. 
Westvale, Eberke, Bruder der Bäcker 
knechtgilde, 238, 28. 
Wever, Thomas, Leineweber, 403, 28. 
Wiek, Detloff, kemerer der schwarttzen 
heupter, 633. 
Wiensteen, Dietrich, her, 238, 27. 
Wigand, Michael, Hutmacher, 356, 64, 
Schluss. 
Wilhelm, Ertzbischoff zu Riga, 489, Nr. 94. 
Wilke[n], Benedictus, her, kemerer, 233, 
Einl. 
Wisen, Gerwin, oldermann van deme 
groten gildestoven, 550, Einl. 
Witte, Clawes, kemerer der schwarttzen 
heupter, 633. 
Wittenburch, Nicolaus, Bruder der Bä- 
ckerknechtgilde, 238, 28. 
Wittwe, Walther, Aeltermann der Hut 
macher, 348, Einl.; 356, 64, Schluss. 
Woynyhusen, Johan, her, radher, 263, 
22, 23. 
Wulffs Hans, vorstender der Lübischenn 
bencke, 631, Einl. 
Wulkeweder, 399, 22. 
Z. s. s.
        <pb n="779" />
        JÊH 
Berichtigungen. 
S. 66 12. Z. V. u. 1. po st. 92. 
— 225 Anm. I. In Folge der während des Druckes vollzogenen Einschaltungen 
von neuen, von Mettig aufgefundenen Schragenhestimmungen oder gewerb- 
geschichtlichen Verordnungen stehen die Angaben in der Reihenfolge der von 
ihm dem Schragenbuche einverleibten Stücke in der Anm. i S. 225 nicht 
mehr in Übereinstimmung mit der allendlichen Numeration im Schragen 
buche. Von Mettig rühren also folgende Nrn. her: 2—5, 7—10, 15, 16, 18 
—23. 25—31, 33—38, 40, 41, 46—51, 55—65, 67, 69, 71, 73, 75, 76, 79, 80, 
81, 83, 85, 88-92, 94, 95, 99, 103, 104, 106—120, 122—129; Anhang 1—5, 
7—14. 
230 4. Z. V. o. 1. inneren st. neueren. 
— 262 Art. 15 1. en sy st. ensy. 
— 265 Art. 6 I. sein geldt st. seing eldt. 
— 273 10. Z. V. o. 1 sälvestherr st. sülvnstherr. 
— 278 Art. 21 1. sogis st. Sogis. 
— 279 Art. I II. Z. V. u. 1. zu leisten st. zuleisten. 
2. Z. V. u. 1. SU erklehren st. zuerklehren. 
I. Z. V. u. 1. SU erlegen st. zuerlegen 
— 280 Art. 9 1. Eltisten st. eltisten. 
— 282 Art. I muss in drovge das v über dem o stehen. 
— 288 Art. 29 1. geselle st. Geselle. 
— 298 Nr. 32 zur Kopfnote hinzuzufügen: Vergl. veränderte Redaction des Schragens 
V. 1542. Sitsungsber. d. Gesell. /. Gesch. u. Alterth. Mai-Sit sung i8y6 
(604. Sits.). 
— 308 Art. 31 I. raths st. Raths. 
— 324 zur Kopfnote hinzuzufügen: Monum. Làvon. antiq. Bd. 4. S. CXCV und 
CXCVI. 
— 325 7. Z. V. o. 1. Jahren st. Jahren. 
— 326 zur Kopfnote hinzuzufügen: Monum. Livon. antiq. Bd. 4. S. CXCVI—CCIV. 
— 344 Nr. 41 Art. 1(7) i Z. v. o. 1. dat st. daf. 
4. Z. V. o. muss nach vordarve ein Jvomma stehen. 
— 352 nach Art. 30 1. 31 st. 51. 
— 367 Nr. 50 4. Z. V. o. 1. eyn redelyck st. eynredelyck. 
— 368 nach Art. 35 vor Item muss 36 stehen. 
— 489 10. Z. V. u. 1. Eltesten st. Eltrsten.
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        Berichtigungen. 
, 491 10. Z. V. o. 1. reg. st. Rig. 
13. Z. V. o. 1. regius st. Rigens. 
- 493 10. Z. V. U. 1. ampthcrren st. ampt Herren. 
- 546 2. Z. V. U. steht [BJerylh, im Schragenb. Nr. 49* '53= Gaylts. 
4. Z. V. U. steht [B]ruwe, im Schragenb. Nr. 498 S. 153: Gauwe. 
- 547 nach der Kopfnote 3. Z. 1. Amptherren st. amptherren. 
_ 349 Kopfnote 2. Z. v. u. 1. /fr/, j st. Urkb. Bd. 4. 
- 550 1. Z. V. o. 1. punte st. pnte. 
Art. 6 1. van enen st. vanenen. 
- 582 9. Z. V. o. 1. gronss st. grousz. 
- 591, 599 u. 608 Art. 57, «01, 102, 138 1. olderman st. alderman. 
-616 Art. 181 5. Z. V. o. 1. bey den st. beydeu. 
-618 I. Z. V. o. 1. dar st. dat. 
- 621 Art. 206 1. schenken st. schenken. 
- 62; Art. 13 1. hausz st. hansz. 
- 64, und 645 müsuen die Artikel 8 Hs .5 um eine Ziffer höher „umenrt werden. 
- 646 Art. 4 1 Elterleutlen st. Ellerleutten. 
- 678 u. 679 muss nach A u. B als Kopfnote stehen: Stadt-Arch, in Riga (Äusseres 
Arch, des Raths) Convolut III. jJ. Schrägen betr. 
- 716 nach Brodscharren 1. brotscharve st. brotscharne. 
- 720 1. ghentach st. gheman. 
724 nach koer 1. Wahl st. Mahl. 
__ 725 nach krakede hoiken i. versehener st. versehenen. 
- 729 2. Z. V. u. 1. ist statt sind. 
_ Z nueh sacken s. socken folg, sogis, im Lemschen Richter = OUermann. 
734 nach stan ist kcten zu streichen. 
- 736 nach tredrey 1. 164 st. 64. 
- 748 nach Sandpforte 1. sandtportcn st. sandtportea. 
Auf dem Titelblatte ist das Siegel des (loldschmiedeamtes 
aus dem 16. Jahrh. abgebildet.
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