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        <title>Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse</title>
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            <forname>Georg</forname>
            <surname>Baumberger</surname>
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      <div>Trägheit und mühelosen Genußsucht noch stärker macht", wie 
Röster annahm. Aber auch die Befürworter des Minimal 
lohns werden nicht von sämmtlichen Wirkungen desselben 
erbaut sein, am wenigsten davon, daß er eine unleugbare 
Depression auf eine Lohnbewegung nach oben ausübt. Diese 
Befürworter rekrutiren sich aus sehr verschiedenen Lagern und 
nehmen verschiedene Standpunkte ein. Tie Einen (darunter 
Z. B. auch der englische Premier Lord Salisbury) halten den 
Staat flir verpflichtet, für ein Existenzminimum seiner Bürger 
zu sorgen. Wie, sagen sie zwar nicht. Ist man aber erst beim 
sozialen Begriff des Existenzminimums angekonuneu, kaun die 
wirthschaftlichc Uebersetzung desselben nur Minimallohn heißen. 
Es ist von Interesse, daß schon der beriihmte Gründer der 
politischen Oekonomie des Manchesterthnms, Adam Smith, 
ziemlich unumwunden ein Lohuminimnm postulirte. Er 
schreibt: „Es sollte eine gewisse Grenze bestehen, unter welche 
der Lohn für eine längere Zeit nie gehen sollte, selbst nicht 
flir den geringsten Arbeiter". Das heißt sicherlich nichts An 
deres, als Minimallohn. In der Gegenwart sind es zum 
Theil sozialdemokratische Schriftsteller, zum Theil aber auch 
katholische Soziologen, welche den Minimallohn postuliseli, 
so daß von ihm füglich gesagt werden kann, daß an seinem 
geistigen Urheberrecht so ziemlich alle Parteien betheiliget sind. 
Der Führer der holländischen Sozialisten, Dómela Nieuwen- 
hnis, fordert in seiner Studie über den Normalarbeitstag*) 
den staatlichen Minimallohn als Korrektur des Normalarbeits 
tages lind Krone desselben, und vertritt die Ansicht, daß der 
letztere nur in Verbindung mit dem ersteren seine wohlthätigen 
Wirkungen zu entfalten vermöge. Ein bekannter katholischer 
Soziologe, der Italiener Pater Matteo Liberatore, schreibt 
in seinem 1880 erschienenen Werke über die Grundsätze der 
politischen Oekonomie:**) „Wir glauben, daß Angesichts der 
*) Do normale Arbeidsdag door F. Dómela Nieuwenhuis. 
**) Principi! di Ecconomia politica, trattato del P. Matteo 
Liberatore, 1889.</div>
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