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        <title>Lexikon der Handelsgeographie</title>
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            <forname>Karl Emil</forname>
            <surname>Jung</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
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            <idno>834011689</idno>
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HandelsgFogrnptzîe
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        Helikon
der
Kandet'sgeographie.
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        Meyers  Fach-KeZeika.
Bequemstes  Nachschlagen  —  ausgiebigste  Belehrung  im  engsten  Raum  —  fachmännische
Bearbeitung  —  einheitliche  Durchführung  aller  Fächer  —  gemeinverständliche  Haltung  aller
Artikel  —  Druck  und  Format  aller  Bücher  übereinstimmend  —  jedes  Fach  in  einem  Band.
Allgemeine  Geschichte,  von  Dr.  K.  Hermann.
Atto  Geschichte,  von  Dn  Heinr.  Peter.
Deutsche  Geschichte,  von  Dr.  H.  Brosien.
Rlzilosoplpe,  von  Prof.  Dr.  Rob.  Zimmermann.
Dädagogikr,  von  Ncgierungs-  und  Schulrat  F.  Sauber.
Ttzeologie  u.  Kivchenwesen,  von  Prof.  Holtzmann  u.  Zöpffel.
Geograplpe,  von  Dr.  H.  Brosien.
Reisen  und  Gntdàungen,  von  Dr.  F.  Einbacher.
Deutsche  Kitte  ratur,  von  Prof.  Dr.  2t.  Stern.
Allgemeine  Litteratur  (außerdeutsche),  von  Dr.  G.  Bornhak.
Schriftstellerle^iüon(Zeitgenossen),Ned.  von  Bornmüller.
Altertumslrunde  (klassische),  von  Dr.  O.  Seyffcrt.
Dildende  Künste,  von  Dr.  H.  2t.  Müller.
Kunstgowerde,  von  Bruno  Bucher.
Künstlerlereilron  (Zeitgenossen),  von  Dr.  H.  2l.  Müller.
Musrlr,  von  Dr.  H.  Niemann.
Theater,  von  I.  Kürschner.
Gesundheitspflege,  von  Dr.  Gfett-Fels.
Zoologie,  von  Dr.  O.  Reinhardt.  *
Dotanik,  von  Dr.  Chr.  Luerssen.
Mineralogie  und  Geologie,.  von  Prof.  Dr.  Fr.  Nies.
Dhystlr  und  Meteorologie,  von  Prof.  Dr.  E.  Sommes.
Astronomie,  voir  Prof.  Dr.  H.  Gretschel.
Angewandte  Chemie,  von  Dr.  O.  Dämmer.
Chemische  Technologie,  von  Dr.  O.  Dämmer.
Mechanische  Technologie,  von  G.  Brelow.
Erfindungen,  von  Prof.  Dr.  H.  Gretschel.
Landwirtschaft,  von  Dr.  Eugen  Werner.
Gartenbauu.  Slumenprcht,  von  Universitätsgärtner  Peering.
Tierheillrunde,  von  M.  Berndt.
Jagd,  von  Oberförster  O.  von  Riefe  nth  al.
Ktaatsleseikon,  von  Dr.  K.  Banmbach.
Strafrecht  und  Strafprozess,  von  Dr.  K.  Banmbach.
Militärle^ikon,  von  Hauptmann  I.  Eastner.
Handels-  und  Gewerderecht,  von  Dr.  2l.  Löbner.
Uollrswirtsrlfaft,  von  Prof.  Dr.  K.  Birnbaum.
Handelsgeographie,  von  Dr.  K.  E.  Jung.
Handelsroisfenfrlsaft.  -  Sörserrpapiere.
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        Kererkon
der

Kandelsgeographie
von
Dr.  Karl  Emil  Zung.

Dandels-  und  IlchustrieverhiMniffe  aller  Staaten
mit  dm  neuesten  Ausweisen  über  Aus-  und  Einfuhr,  Produktion,  Verkehr
und  zahlreichen  statistischen  Tabellen.
Mit  einer  Karte  des  Weltverkehrs.

'  Leipzig
Verlag  des  Bibliographischen  Instituts

3882.
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        &amp;lt;ò

Cnn

,  ^  /%/y

'.'Ule  Dîcrtļtf  vom  SBcrícflcr  vorlikholtm.
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        Vorwort.

Der  Grundgedanke,  welcher  den  Verfasser  bei  der  Zusammenstellung
des  vorliegenden  Werks  leitete,  warder:  eine  möglichst  vollständige  Vereinigung ­
  sämtlicher  über  die  Industrie  mib  den  Handel  aller  Länder  der
Erde^  zu  erlangenden  neuesten  Daten  zu  geben  und  zwar  hauptsächlich  mit
Rücksicht  auf  die  Beziehungen,  in  welchen  Deutschland  zu  jenen  Ländern
sie#.  SMotDeü  üönbet  oi§  ßtoßc  (Bememüefcn  in  Bctwdjt
  kamen,  war  der  Weg  klar  genug  vorgezeichnet  ;  sobald  man  dieselben  aber
in  ihren  einzelnen  Bestandteilen  berücksichtigte,  erwuchs  eine  Schwierigkeit.
Die  Grenze,  niit  welcher  die  Zulassungsfähigkeit  von  Orten  abschloß,  war
weniger  leicht  zu  ziehen.  Es  ist  da  wiederum  die  industrielle  oder  konnncrzielle
  Bedeutung,  namentlich  soweit  sie  uns  angeht,  maßgebend  gewesen,
so  daß  hier  Plätze  Aufnahme  gefunden  haben,  welchen  ihre  Bevölkerungs-Wm
  eine  Belle  nutet  ben  Bübtm  amrnst,  ü%mb  #&amp;amp;ere,  fiit
ben  Handel  aber  bedeutungslose  Orte  keine  Erwähnung  fanden.  So  sind
alle  wichtigen  Seeplätze  zugelassen  ohne  Rücksicht  auf  ihre  Größe,  namentlich ­
  sind  die  Sitze  aller  deutschen  Konstllatsbehörden  aufgenommen.
Der  Schwerpunkt  ist  hauptsächlich  auf  den  auswärtigen  Verkehr
gelegt,  ohne  daß  aber  dem  Binnenverkehr  ein  ausreichender  Platz  versagt
wäre.  Und  da  der  Handel  mit  Produktion  und  Industrie  in  innigem
Zusammenhang  steht,  so  ist  dieser  beiden  Ernährer  des  erstern  überall  eingehend ­
  gedacht  worden;  daher  haben  bedeutende  Fabrikplätze  hier  gleichfalls
eme  Stelle  erhalten.  Aber  gerade  unter  ihnen  eine  Auswahl  zu  treffen,  loar
        <pb n="8" />
        IV

Vorwort.

nicht  leicht.  In  erster  Linie  sind  die  für  den  Export  arbeitenden  berücksichtigt
  worden;  diejenigen,  welche  einen  Platz  für  sich  nicht  Haben  erhalten
können,  ivird  wmi  unter  der  durch  sie  vertretenen  Jndustriegruppe  ihres
Staats  suchen  müssen.
Die  im  Anhang  gegebenen  tabellarischen  Übersichten  sind  mit
wenigen  Ausnahmen  die  Resultate  eignerBerechnungen.  Wenn  derVerfasser
dabei  zuweilen  zu  Ergebnissen  gelangt  ist,  welche  von  denen  wohlbekannter  Autoritäten ­
  wesentlich  abweichen,  so  geschah  dies  stets  nach  sorgfältiger  Erwägung ­
  und  Zurateziehung  alles  das  betreffende  Fach  berührenden  Materials.
Wie  die  Angaben  über  Produktion,  Industrie  und  Handel,  so  sind
auch  die  hier  angeführten  Daten  über  Verkehrsverhältnisse,  Bank-  und
Vereinswesen,  Usancen,  Zölle,  Münzen,  Maße  und  Gewichte  re.  sämtlich
aus  den  neuesten  itub  zuverlässigsten  Quellen  geschöpft.  Für  Deutschland
sind  die  Mitteilungen  des  Kaiserlichen  Statistischen  Amtes  und  des  Königlich
Preußischen  Statistischen  Büreaus  benutzt  worden,  für  außereuropäische
Länder  die  Publikationen  dortiger  Regierungen.  Über  die  Handelsverhültnisse
  haben  außer  anderm  Material  das  „Deutsche  Handelsarchiv",  die  Handelskammerberichte, ­
  die  „Mitteilungen  österreichisch-ungarischer  Konsulatsbehörden" ­
  wertvolles  Material  geliefert.
Dem  Direktor  des  Königlich  Preußischen  Statistischen  Büreaus,  Herrn
Geheimrat  Dr.  Engel,  dem  österreichisch-ungarischen  Generalkonsul  zu
Leipzig,  Herrn  Ministerialrat  Dr.  v.  Scherzer,  dem  Sekretär  der  Leipziger
Handelskammer,  Herrn  Dr.  Gens  el,  sowie  beut  Herrn  Dr.  Ja  una  sch
in  Berlin  ist  der  Verfasser  zu  besondern:  Dank  verpflichtet.
Daß  überall  die  fremden  Werte,  Maße  und  Gewichte  ans  die  bei  uns
üblichen  gebracht  worden  sind,  ivird  wohl  als  ein  Vorteil  angesehen  werden.
Leipzig,  August  1881.  ,

Karl  Cmil  Jung.
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        Aachen,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
Regierungsbezirks  der  preuß.  Rheinprovinz, ­
  Knotenpunkt  der  Bergisch-Märkischen,
  Rheinischen,  Grand  Central  BelgenndA.-Maastrichter
  Bahnen;  (1880)85,432
Einw.  Konsulate  für:  Argentinien,  Belgien, ­
  Guatemala  und  San  Salvador;
Handelskammer  (für  A.  und  Burtscheid),
Handels-  und  Gewerbegericht  bedeutender
Badeort  (1880:23,129  Besucher).—  Inder
NäheergiebigerSteinkohlenbergbau(1879
im  Bergrevier  A.  in  Betrieb:  14  Werke
mit  5188  Arbeitern,  die  19,799,639  Ctr.
Kohle  imWert  von  5,401,312Mk.förderten
und  472,800  Ctr.  Briquetts  produzierten)  ;
Export  über  Belgien  und  die  Niederlande
1879:  6,859,343  Ctr.  A.  ist  auch  Sitz  der
Aktiengesellschaft  für  Bergbau,  Blei-  und
Zinkfabrikation  zu  Stolberg  und  in  Westfalen, ­
  welche  1879  in  ihren  Gruben,  Hütten ­
  und  Werkstätten  4140  Arbeiter  (300
in  Spanien)  beschäftigte  und  15,219  Ton.
Blei,  11,591  T.  Rohzink  und  20,628  kg
Silber  lieferte.  Die  erste  Stelle  unter
den  Industrien  nehmen  aber  die  Wollspinnerei ­
  und  Tuchsabrikation  ein.  In
A.  und  Burtscheid,  mit  dem  jenes  zu
verwachsen  ansängt,  erzeugten  1879:  70
Fabriken  mit  Dampfmaschinen  von  1000
Pferdekräften  und  6948  Arbeitern  an
200,000  Stück  Tuch  im  Wert  von  36
Mill.  Mk.  Der  Export  geht  nach  allen  Weltgegenden,
  nahm  1879  wegen  Überfüllung
der  Märkte  ab;  aber  1880  wurde  ausgeführt ­
  nach  den  Vereinigten  Staaten  für
4,489,111  Mk.,  größerePosten  gehen  sonst
nach  Spanien  über  Belgien  und  die  Niederlande. ­
  Im  ganzen  'Regierungsbezirk
&amp;lt;l.  sind  in  der  Textilbranche  (erkl.  Hausmdustrie)
  16,359  Arbeiter  beschäftigt,
llndre  wichtige  Industriezweige  sind:  die
Handelsgeographie.

Nähnadelfabrikation,  freilich  durch  den
Import  amerikanischer  Nadeln  beeinträchtigt. ­
  Der  dazu  nötige  Stahldraht  wird
in  Altena  und  Iserlohn  aus  englischem
Gußstahl  hergestellt;  in  14  Anstalten  werden ­
  jährlich  über  1600  Mill.  Stück  fabriziert, ­
  welche  besonders  in  Spanien,  Portugal, ­
  Italien  und  Österreich  Absatz  finden. ­
  Nach  den  Vereinigten  Staaten  gingen
1880,  trotz  einer  Steuer  von  40Proz.  vom
Wert,  für  139,600  Mk.  Näh-  und  Stecknadeln. ­
  Ferner:  die  Produktion  von  Glas
(die  Glashütte  der  Chemischen  Fabrik
Rhenania  stellte  1879  mit  150  Arbeitern
252,902  qm  Glas  her  und  exportierte  nach
denVereinigtenStaaten  für21l,214Mk.);
die  Produktion  von  Chemikalien  (87,697
Ton.  Schwefelsäure,  86,263  T.  Sulfat, ­
  42,256  T.  Soda  rc.);  die  Seifensiedereien, ­
  deren  Bedeutung  aus  den  Importen ­
  von  Fettstoffe,:  (1879  unter  andern:
13,629  Ctr.  Talg,  12,060  Ctr.  Leinöl  rc.)
erhellt;  Gerberei,  Lederfärberei  und  Handschuhsabrikation,
  die  namentlich  für  die
Ausfuhr  nach  Österreich  und  den  Vereinigten ­
  Staaten  arbeiten  (Wert  des  Exports
von  Handschuhen  nach  dem  letztgenanntm
  &amp;amp;biet  1880  :  598,206  3Rf.');  cib;
lici)  die  sehr  bedeutende  Fabrikation  von
Maschinen,  Dampfkesseln  rc.  —  Der
Handel  vertreibt  außer  den  schon  genannten ­
  :  Blei,  Zink,  Seidenwaren,  Eisenbahnschienen, ­
  Getreide,  Flachs,  Häute,
Maschinen  und  Zucker,  in  der  Einfuhr
überwiegend:  Kaffee,  Südfrüchte,  Reis,
Petroleum,  Wolle  und  Wollgarn.  Der
gesamte  Export  nach  den  Verein  igten  Staaten ­
  betrug  1879:  3,486,010  Mk.,.1880:
6,470,549  Mk.  Die  sogen.  Messe  beginnt ­
  21.  Mai  und  dauert  20  Tage.  —
Kreditwesen.  Die  Aachener'  Diö-1
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        Aalborg  —  Aberdeen.

^»^^4^^^1^(11:2,499,980^.)
hatte  1879  einen  Gesamtnmschlag  voie
350,978,339  Mk.;  die  Aachener  Bank  für
Handel  und  Gewerbe  (Kapital:  600,000
Mk.)  hatte  einen  Gcsamtumschlag  von
290,513,991  Mk.;  die  Neichsbankstellc
(mit  der  NcichSbankncbcnstelle  zu  Eupen)
hatte  1880  einen  Umsatz  von  254,667,300
Mk.,  davon  Wechselverkehr  147,629,900,
Giroverkehr  103,349,900  Mk.  In  der
Sparkasse  hatten  1879:  12,151  Einleger
eilt  Kapital  von  16,700,343  Mk.  —  Die
A.  -Münchener  Feuerversicherungsgesellschaft ­
  hatte  Ende  1879  Versicherungen  im
Betwiq  voit  4,577,467,410  gif.  mtb  vci,
teilte  1,260,000  Mk.  als  Dividende  auf
3000  Aktien  à  420  Mk.  —  Das  Postamt
  cn#,tü  1879  :  2,906,190
Briefe,  Postkarten,Drucksachen  re.,  zahlte
12,650,669  Mk.  aus  und  nahm7,915,765
Mk.  an.  Die  Einnahmen  an  Porto-  und
Telegrammgebühren  betrugen  610,486
Mk.',  die  Zolleinnahmc  bei  dem  Hauptstcneramt
  zu  A.  3,116,393  9911.  —  Platzgebräuche. ­
  Die  Meßposten  werden  von
Messe  zu  Messe  kreditiert,  zahlbar  in  bar.
Sonst  werdenTuche  atlf  längstens  3Monate
Kredit  oder  gegen  bar  mit  17a  Proz.  Diskont ­
  verkauft.  DieKursesind  wicinKöln.
Aalborg  (!pr.  ohl-),  Hauptstadt  des
gleichnamigen  dän.  Amtes  ans  der  Halbinsel ­
  Jütland,  an  der  Südseite  des  Limfjords,
  Station  der  Jütisch-Füncnschen
Eisenbahn;  (isso)  14,152  Einw.  Deutsches
Konsulat;  Diskont-,  Leih-  und  Sparbank, ­
  Zweiganstalt  der  dänischen  LandsmanSbank.
  Der  Hafen  ist  für  größere  Seeschiffe ­
  nicht  zugänglich.  Der  Platz  besitzt
eine  Handelsflotte  von  83  Schissen  (über
4  Ton.)  von  4844  T.  Vont  Ausland
werden  eingeführt:  Baumwoll-  und  Leinengarn, ­
  Äaumwoll-,  Woll-  und  Seidenwaten, ­
  Steinkohle,  Eisen  und  Eisenwaren
  ,  Kaffee,  Petroleum,  Salz,  Tabak,
Bauholz;  ausgeführt:  Getreide  und
Mehl,  Butter,  Eier,  Vieh,  Mauersteine.
GtitfuWoK  1878  :  449,994  9Kf.  1880
verkehrten  hier  37  deutsche  Schiffe  von
3270  Son.
Aalesund  lspr.  ohl-),  Hafenstadt  imnorweg.
  Amt  Romsdal,  Station  der  Dampferlinien: ­
  Bergenske  og  Nordenfjeldöke

Dampskibselskab  und  R.  Sloman  (Hamburg); ­
  0876)  5783  Einw.  Deutsches  Vicekonsnlat
  (ressortiert  von  Ehristiania)  mit
dein  ^ollstättedistriļt  A.,  Österrisöer  und
Tvedêstrand  als  Amtsbezirk;  A.-Kreditbank. ­

Aalst  (Alost),  Stadt  in  der  belg.  Provinz ­
  Ostflandern,  an  der  schissbaren  Dender
  und  der  Belgischen  Staatsbahn;  0878)
21,399  Einw.  Banque  nationale  Snccnrsale.
  4  große  Nähzwirnfabriken  (2500  Arbeiter), ­
  3  für  Baumwollzwirn,  100  Leinwandstühle ­
  mit  Dantpf,  3  Damastleinensabriken.
  Bedeutender  Hopfenhandel.
AarhuuS  üpr.  ohr-),  Hauptstadt  des
gleichnamigen  dän.  Amtes,  an  einer  Bucht
des  Kattegats  und  der  Jütisch-Fünenschcn
Eisenbahn;  Osso)  24,831  Einw.  Deutsches ­
  Konsulat  (ressortiert  von  Christiania)
mit  dem  Amtsbezirk  A.;  Filiale  der  Nationalbank,
  A.-Privatbank.  In  dem  kleinen, ­
  aber  guten  Hasen  verkehrten  1880:
108  deutsche  Schisse  von  12,970  Ton.
Lebhafter  Handel  mit  Deutschland;  Einfuhr ­
  meist  über  Kopenhagen.  Eingeführt
wurden  1879:  Wein(73,455kg),Spirituosen, ­
  Hopfen,  Kaffee,  Kohle,  Manuf  akte,
Metallwaren  (5,2  Btill.  kg),  Petroleum,
Reis,  Zucker,  Thee,  Tabak,  Holz  %.;  die
Ausfuhr  bestand  in  Spiritus,  Speck,
Getreide  und  Mehl,  Viehhäuten  und  Fellen, ­
  Butter,  Eiern,  Austern.  Zollerträge
1879:1,034,160  Mk.
Abcokuta,  Hauptstadt  des  NegerstamineS
  der  Egba,  int  ehemaligen  Reiche  Joruba
  in  Wcstafrika,  am  schiffbaren  Ogun,
89  km  nördlich  von  dem  englischen  Hafenplatz ­
  Lagos  an  der  Guineaküste  ;  ca.  180,000
Einw.  Lebhafter  Handel  mit  Palmöl  auf
dem  Ogun  nach  Lagos,  von  wo  dasselbe
nach  England  geht.  ^  .  _  ..
Aberdeen  (ipr.  âbr'dîhn),  Hafenstadt  an
der  Westküste  Schottlands,  Endstation
der  Caledonian-,  Great  North  of  Scotlandund
  North  British-Vahncn;  0876)  96,499
Einw.  Deutsches  Konsulat  mit  dem  Amtsbezirk ­
  A.,  Newburgh  rmd  Stonehaven;
A.  Town  and  County  Bank,  Bank  os
Scotland,  Coimnercial  Bank  of  Scotland, ­
  National  Bank  os  Scotland,  Royal
Bank  of  Scotland,  Union  Bank  of  Scotiaiib.
  —  Gewerbthätigkeit  ziemlich  ansehn-
        <pb n="11" />
        Abessinien  —  Adelaide.

3

M),  nennenswert  besonders  der  Schiffbau.
A.  ist  der  vierte  Hafen  Schottlands  und
besäst  1879:  177  Segelschiffe  von  97,881
Ton.  und  43  Dampfer  von  19,908  T.;
1879  wertete  die  Einfuhr  13,8  Mill.,  die
Ausfuhr  britischer  Produkte  1,456,480
Mk.;  der  Schiffsverkehr  betrug  1,025,183
L.  Von  deutschen  Schiffen  gingen  1879
ŗ  37  Segelschiffe  und  6  Dampfer.
Nlchtdeutsche  Schiffe  gingen  nach  deutschen
Häfen  19  (sämtlich  mit  Heringen),  23
kamen  von  deutschen  Häfen.
Abessinien  (Ha  be  sch),  Hochland  im
irordöstlichen  Afrika.  333)280  qkm  (6053
QM.)  groß  mit  ca.  3  Mill.  Einw.,  zerfällt
gegenwärtig  in  drei  Reiche  :  T  i  g  r  i  è  mit  der
Hauptstadt  Adoa,  Amhara  mit  Gondar
und  Schon  mit  Litschiê.  Die  natürlichen
Produkte  sind  sehr  vielseitig.  Für  den
Handel  könnten  wichtig  werden:  Ölpflanzen, ­
  Getreide,  Kaffee,  Indigo,  Tabak,
Baumwolle.  Elefanten  und  andre  wilde
Tiere  sind  zahlreich;  von  Mineralien  findet ­
  man  Gold,  Eisen,  Kohle.  Durch  die
dreißigjährigen  innern  Kriege  ist  das  Land
aber  in  tiefen  Verfall  geraten  und  der
Handel  fast  ganz  bedeutungslos.  Fn  den
Hauptorten  wird  allwöchentlich  ein  Markt
gehalten;  dort  bildet  das  Gabi,  ein  Stück
Banmwollzeng  von  V-  engl.  Pard  (0,46
m),  das  beliebteste  Tauschmittel;  geringere ­
  Werte  repräsentieren  Salzstücke  in
,yorm  eines  Wetzsteins  und  in  der  Umgegend ­
  von  Massana  Glasperlen.  Von
Münzen  laufen  hauptsächlich  um:  Maria-Theresiathaler ­
  (4,3  Mk.)  und  spanische ­
  Piaster  (4,3  Mk.).  Beim  Kaufen,
Verkaufen  und  Leihen  verlangt  man  einen
Mäkler  oderBürgen  (»Was«),  der  beiden
Parteien  für  Zahlung  verantwortlich  ist.
Abo  tspr.  obo),  Hauptstadt  und  Hafenplatz ­
  des  sinn.  GouvcrnementsA.-Björneborg,
  unfern  der  Mündung  des  Aurajocki
in  den  Bottnischen  Meerbilsen  und  der
Bahn  A.-Tammcrfors,  Station  der  Lübeck- ­
  und  Finnland-Dampfschiffahrtsqesellschaft;
  0875)  21,794  Einw.  Deutsches
Konsulat  für  das  genannte  Gonverneinent;
  Ageiltur  der  Nord.  Aktienbank  für
Handel  und  Industrie,  Finnlands  Bank
Kontor,  Föreningensbanken  Filial  Kontvr.
  —  Baumwollspinnerei,  Eisenmanufaktur, ­

  Zucker  -  und  Tabakfabrikation;
1879:  Einfuhr  10  Mill.  Mk.  davon  deutsch
2,086,640  Alk.;  Ausfuhr  4,7  Mill.  Mk.,
deutsch  336,480  Mk.  Hanptposten  der  Einfuhr: ­
  Baumwolle,  Eisen,  Garne  u.  Stahlwaren, ­
  Kaffee  und  Cichorie;  der  Ausfuhr:
Holz  u.  Holzwaren,  Getreide,  Mehl,  Eisen.
Es  gingen  8  deutsche  Schiffe  von  2681  Ton.
ein;  aus  deutschen  Häfen  kamen  43  (24
Dampfer),  dahin  gingen  32  (15  Dampfer).
Abuschehr  (Buschir),  pers.  Seestadt
an  der  Küste  des  Persischen  Meerbllsens,
Haupthafen  Persiens,  Station  der  British ­
  India  Steam  Navigation  Co.;  11—
20,000  Einw.  Englisches  Konsulat  unb
Faktorei;  bedeutender  Handel  mit  Britisch-Jndien.
  Die  Stadt  muß  von  großer
Bedeutung  werden,  wenn  die  voin  Mittclmeer
  zum  Euphrat  geplante  Bahn  Kommunikationsmittel ­
  nach  Indien  wird.
Arastulro,  Seestadt  in  Mejiko,  am
Stillen  Meer,  mit  vortrefflichem  Hafen
(Raum  für  500  Schisse)  und  4—5000
Einw.  (meist  indianischen  Mischlingen).
Deutsches  Bicekonsulat;  Agentur  der
Royal  Mail  Steam  Packet  Co.  Es  liefen
1878  ein  11  Schisse  (2  deutsche),  hauptsächlich ­
  mit  Kohle(13,960Ton.)  für  die  Dampfer ­
  der  genanntenGesellschaft.  Ausgeführt
werden:  Häute,  Felle,  Früchte,  eingeführt:
Manufakturwaren  u.  a.  Einfuhr  1878:
859,760  Mk.,  Auöfllhr  525,740  Mk.
Arireale  (spr.  agchl-),  Hafenstadt  in  der
steil.  Provinz  Catania,  an  der  Bahn  Syrakus-Messina ­
  ;  0878)  38.053  Einw.  Ressort ­
  des  deutschen  Konsuls  in  Catania;
Leinwand  -  und  Barnnwollweberei.
Aballa,  türk.  Hafenstadt  im  südöstlichen ­
  Kleinasien,  am  Golf  von  A.  des  Mittelländischen ­
  Meers;  ca.  25,000  Einw.
Ressort  des  deutschen  Konsuls  in  Smyrna  ;
Imperial  Ottoman  Bank.  Lebhafter  Handel ­
  mit  Holz  und  Pferden  (nach  Ägypten).
Adana,  Hauptort  des  gleichnam.  türk.
Wilajets  im  südöstlichen  Kleinasien,  am
schiffbaren  Seichun;  30,000  Einw.  Ressort
desdentschenKonsulsinBeirnt;Handelmit
Wolle,  Baumwolle,  Getreide,  Wein,  Obst.
Adelaide,  Hauptstadt  der  hit.  Kolonie ­
  Südaustralicn,  durch  Eisenbahn  mit
der  Hafenstadt  Port  Adelaide  (s.  d.)  verbunden, ­
  Station  der  Peninsular  and
        <pb n="12" />
        4

Aden

Oriental  Co.  und  der  Orientlinie;  (mo)
33,250  Einw.  Deutsches  Konsulat;  Handelskammer; ­
  Börse,  Bank  of  Australasia,
Bank  of  South  Australia,  Union  Bank  of
Australia,English,Scottish  and  Australian
Chartered  Bank,  Bank  of  A.,  Commercial
BankingCo.ofSydncy.  DentscheZeitung.
Aden,  brit.  Stadt  an  der  Südküste
Arabiens,  auf  einer  seit  1839  den  Engländern ­
  gehörigen,  20  qkm  (0,86  QM.)
großen  Halbinsel;  Freihafen,  Station  der
Peninsular  and  Oriental  Co.,  des  Österreichisch-Ungar. ­
  Lloyd,  der  Brit.  India
Steam  Navigation  Co.,  Messageries  maritimes, ­
  Società  Rubattino;  (1872)  22,707
Einw.  Deutsches  Konsulat  (auch  für
Dschidda).  Durch  Kabel  ist  A.  mit  Suez
und  Bombay  und  seit  1879  über  Sansibar ­
  auch  mit  Natal  und  dem  Kap  verbunden. ­
  Erporthafen  für  arabischen  Kaffee
(1875—76:  68,972Ctr.  meist  nach  Frankreich ­
  und  England).  1879  wertete  die  Einfuhr ­
  6,8Mill.  Mk.,  davon  englisch  6,6  (Telegraphendraht ­
  4,6)  Mill.  Aik.;  die  Ausfuhr ­
  nach  Englandl,i  (Kaffee  2)  Mill.Mk.
1880  legten  hier  9  deutsche  Schiffe  an.
Adra,  Hafenstadt  in  der  span.  Provinz
Almeria;  (E  11,320  Einw.  Deutsches
Vicekonsulat  (ressortiert  von  Almeria).
Reiche  Bleigrub  en.
Adrianö-kl,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  türk.  Provinz,  an  der  schiffbaren
Maritza  und  der  Eisenbahnlinie  Konstantinopel-Philippopel; ­
  65  —  68,000  Einw.
(darunter  22  —23,000  Mohammedaner,
cci.  30,000  griechisch-orientalische  Christen,
7—8000  spanische  Inden,  5—6000  gregorianische ­
  Armenier,  400—500  Katholiken, ­
  140  Protestanten  und  einige  Hilndert
heidnische  Zigeuner).  Deutsches  Vicekonsulat; ­
  Agentur  der  Ottomanischen  Bank.  —
A.  ist  Ccntralsitz  des  thrakischcn  Handels
mit  lebhafrer  Industrie,  die  namentlich
Seidcngewebe,  Saffian,  Rotgarn,  Parfümerien, ­
  Rosenwasser  uiib  Rosenöl  produziert. ­
  Auch  Qilitten,  Ouittenkonfette
und  Wein  bilden  Haiidelsartikel.—Platzgebräuche.
  Die  Warenverkäufe  erfolgen
gewöhiilich  auf  61,  91  oder  121  Tage  Kredit, ­
  selten  gegen  bar.  Verkaufskomniission
2  Proz.,  Courtage  2  Proz.,  Lagermiete  '/«
Pro;.;  man  steht  nicht  Delcredere.

Afrika.
Afghanistan,  der  nordöstliche  Teil  des
vordcrasiat.  Plateaus  von  Iran,  721,664
qkm  (13,106  QM.)  groß  mit  ca.  4—6
Mill.  Bewohnern,  ein  nach  W.  zu  sich  abdachendes ­
  Hochland,  im  N.  voii  dem  Hindukusch
  nmschlosscn;  gegen  Indien  reichen ­
  der  Sulcimaii  Koh  und  daö  Chondgebirge
  bis  zii  3500  m.  Hauptpässe  gegen
N.  :  der  Chawak  und  der  Kuschan;  gegen
O  gewähreii  derKabul-,  Knrum-  undGomalstrom
  alleili  einen  AuSwes)  nach  Jndieu;
  der  Chaiberpaß  ist  der  kiirzeste  und
am  meisten  benutzte.  Bon  beit  Flüssen  ist
nur  der  in  den  Indus  fließende  Kabulstrom
  in  seinem  untern  Latif  nach  dem
Austritt  ans  dem  Gebirge  schiffbar.  Die
Bodenschätze  sind  noch  nicht  anSgebeutet.
Die  Pflanzenwelt  ist  sehr  reich  an  Arten;
auch  wachsen  hier  Trauben.  Aprikosen,
Äpfel,  Birnen,  Walnüsse.  Die  bedeutendsten ­
  Orte  sind:  Kabul,  Chulum  und
Maimene,  jeder  mit  60,000,  Kandahar
  mit30,000,Herat  mit50,000Einw.
Unter  geordneten  Verhältnissen  müßten
diese  Orte  bedeutende  Handelsplätze  werden, ­
  gehen  aber  statt  dessen  zurück.  Wie
groß  der  Umsatz  ist,  läßt  sich  nicht  beurteilen. ­
  Durch  Peschawar  und  den  Chaibcrpaß
  ziehen  jährlich  2000  Kamellasten  im
Wert  von  600,000  Mk.  Von  Karatschi  auf
dem  JuduS  bis  Schikarpur  oder  über  Kelat
nach  Kandahar  gehen  4000  Kaniellasten.
Mehr  als  die  Hälfte  der  Waren  (Jiidigo,
Baumwolle,  Zucker,  Musseline,  Zitze,  Brokat, ­
  Gewürze,  blaue  Turbane)  geht  weiter
nach  Turkistan,  Herat  und  Persien.  Die
Auöfubr  nacb  Indien  besteht  in  Obst,
Pferden,  Krapp,  Asa  fötida  u.  a.;  doch
beträgt  sie  nur  die  Hälfte  der  Einfuhr.
Die  Beteiligung  am  Handel  auf  den  russischen ­
  Märkten  Centralasiens  ist  zissermäßig
  nicht  zu  geben;  daß  aberdieserHandel
  auf  Kosten  des  indischen  zilnehmeii
wird,  läßt  sich  mit  Bestimmtheit  voraussagen. ­
  A.  gehört  zum  Weltpostverein.
Afrika,'  der  Größe  nach  der  dritte
unter  den  Erdteilen,  mit  den  Inseln
29,909,444  qkm  (543,187  OM.)  groß,
wovon  auf  die  Inseln  nur  626,054  qkm
(11  370  QM.)  entfallen,  mit  zusammen
ca.  205,679,000  Bewohnern.  Dieses  Areal
verteilt  sich  wie  folgt:
        <pb n="13" />
        Länder

QMci.
leu

Bevölkerung ­


Ägypten  (mit  Nebenländern)
Tripolis  (mit  Fez,an  n.  Barka)
Tunis
Marokko  (mit  Tuat)  .  .  .
Französisches  Gebiet:
Algerien
Senegambien
An  der  Küste  v.  Madagaskar
Reunion
Britisches  Gebiet:
In  Südafrika
Westafrika  und  Goldküste
St.  Helena  und  Ascension
Mauritius
Rodríguez,  Seychellen  rc.
Portugiesische-Gcbiet:
In  Senegainbien  .  .  .
In  Niederguinca  .  .  .
In  Sofala  und  Mosambik
Madeira
Kapverdische  Inseln  .  .
São  Thome'  und  Principe
SpanischeBesitzungen:
Presidios  in  Marokko.  .
Kanarische  Inseln  .  .  .
Fernando  Po,  Annobom  rc.
Italie  nischeBesihung:
Assab
Oranjefluß  -  Freistaat
Madagaskar  ....
Das  Hauptgebiet  Afrikas
und  übrige  Inseln.  .  .

54246
18767
2113
14753

5781
?
12
36
17587
759
4
35
16
1.2
14700
18000
15
70
20
?
138
38
0,3
2025
10751
420000

17420000
1010000
2100000
6370000

2867626
138182
23989
182130
1966000
513347
6268
357339
13400
9282
2000000
300000
132221
90704
20931
12179
280388
35000
?
75000
2500000
169000000

Die  Produkte  des  Erdteils  sind  sehr
mannigfaltig.  Von  denen,  welche  am
meisten  in  den  Handel  gelangen,  sind  zu
nennen  :  Salz  für  den  Binnenhandel,  nach
ihm  für  einen  großen  Teil  die  Gurunüsse
(Timbuktu  ist  der  Hauptstapelplatz  für
beide);  für  die  Auöfllhr  allS  N.:  Glnnmi
und  Soda,  von  den  Küsten:  Färb-  nnd
Tischlerhölzer  ltitb  Palmöl,  aus  dem  Innern: ­
  Elfenbein  unb  Wachs,  Straußenfedern ­
  aus  dem  Kapland  und  dem  Norden,
Diamanten  aus  dem  Kapland.  Wo  der
Europäer  herrscht  oder  Einfluß  gewonnen
hat  (iil  Algerien,  Ägypten,  im  Kapland),
werden  Getreide,  Baumwolle  und  Wolle
erzeugt;  Kaffee  kommt  ans  dem  Sudán,
solchen  von  vorzüglicher  Qualität  beginnt
man  an  der  Westküste  zil  bauen,  und  das

Halfa(Espartogras)deS  Nordens  wird  als
HandelSpflanze  immer  bedeutender.  Am
umfangreichsten  wird  aber  iinnrer  noch  der
Sklavenhandel  betrieben.  Der  Wert  des
gesamten  Außenhandels  wird  1878  in
Einfuhr  auf  560,  Ausfuhr  auf  668  Mill.
Mk.  berechnet.  Der  Handel  bildet  überhaupt ­
  die  Hauptqnelle  der  Einnahme  der
Häuptlinge;  überall  wird  Zoll  (Brückenzoll ­
  im  Innern  Congos)  erhoben,  sei  eö
iil  Waren  oder  in  Sklaven,  und  an  den
östlichen  Küsten  auch  in  Geld.  Der  Handel ­
  folgt  im  Innern  bestimmten  Handelsstraßen. ­
  Giwße  Kamelkarawanen
ziehen  von  Ägypten,  Tripolis,  Südalgcrien,
  Marokko  nach  S.,  wo  Kano  und  Timbuktu ­
  Haupteinporien  des  Handels  sind,
nach  deneil  auch  von  der  Küste  Oberguineaö
Straßenzüge  gehen.  Die  östliche  Straße
ins  Innere  geht  von  Ägypten  durch  die
westlichen  Oasen  nach  Dar  Fur  und  von  da
ostwärts  über  Wadar  nach  Bornu.  Eine
zweite  Straße  führt  aus  Ägypten  über
Borgu  nach  Wadar.  Am  wichtigsten  sind
die  Straßenzüge,  welche  von  Tripolis  ausgehen: ­
  südwärts  die  zwei  Straßen  nach
Mursuk,  südwestlich  die  nach  Gadames.
In  Südalgerien  gehen  die  Routen  von
Tuggurt  und  Gardina  im  Lande  der  Beni
Mzab  (Mosabiten)  über  Tuat  nach  Timbuktu; ­
  ebendahin  führen  die  Straßen  von
Tafilet  in  Südmarokko  und  die  von  Agadir ­
  über  Waran.  Andre  Straßen  führen
von  W.  nach  O.,  auf  denen  die  Pilger
nach  Mekka  ziehen,  so  von  Senegambien
über  Timbuktu  durch  die  Wüste,  Bornu,
Wadai,  Dar  Fur  nach  Sauakin.  Die
Moslems  des  Nordens  ziehen  über  Siwah
nach  Suez.  Weiter  nach  S.,  wo  die  Tsetsefliege ­
  dem  Bich  verderblich  wird,  ist  der
Mensch  überall  Träger  der  Lasten;  ganz
im  S.  aber  ist  der  schwerfällige  Ochsenkarren
  das  Beförderungsmittel.  Vom
Congo  allS  gehen  die  Karawanen  der  einheimischen ­
  Pombeiro  ins  Innere,  von
Sansibar  aus  die  der  Araber  und  der  einheimischen ­
  Wanjamuesi.  An  den  Küsten
finden  sich  Kaufleute  aller  europäischen
Nationen  zerstreut,  an  der  Ostküste  selbst
indische  Banianen.  Die  Gesamtsumme
aller  Produkte,  die  A.  in  den  Welthandel
bringt,  schätzt  man  auf  668  Mill.  Mk.
        <pb n="14" />
        bi--;

6

Agra  —  Ägypten  (Areal,  Bevölkerung).

und  die  Einfuhr  in  die  dem  europäischen
Verkehr  erschlossenen  Gebiete  auf  560
Mill.  Mk.  —  Au  Eisenbahnen  ist  der
große  Kontinent  noch  arm,  die  Gesamtlänge ­
  aller  Linien  in  Ägypten,  Algerien
und  Tunis,  Kapland  und  Natal,  Mauritius ­
  beläuft  sich  (1879)  auf  4065  km;
somit  entfällt  nur  Vioo  km  (in  Europa
l,c  km)  auf  je  100  qkm.  Verhältnismäßig ­
  noch  geringer  ist  sein  Telegraph ­
  e  n  n  e  tz.  Die  Länge  aller  Linieir  betragt
nur  15,100,  die  Länge  aller  Drähte  23,700
km;  die  Anzahl  der  im  Jahr  versandten
Telegramme  wird  auf.1,300,000  geschätzt.
Kabel  verbinden  den  Erdteil  jetzt  mit  Enropa
  (Algier  -  Frankreich  ,  Aleraiidrien-Eypern),
  die  Kanarischen  Inseln  werden
von  dem  von  England  über  Lissabon  nach
PernambucolaufendenKabcl  berührt,  und
von  der  Kapkolonie  ist  über  Sansibar  ein
Kabel  vollendet  worden,  das  bei  Aden  an
die  große  Linie  Anschluß  hat,  welche  England ­
  mit  Ägypten,  Indien,  Ostasien  und
Allstralien  verbindet.  —  Die  Wertmesseroder
  Münzen  des  Erdteils  sind  mannigfach: ­
  in  vielen  Gegenden  Salztafeln  (Sudán, ­
  Abessinien),  Muscheln  oder  Kauris,
Banmwollzeugstreifen  und  Glasperlen,  an
der  Goldküste  Goldstaub;  Geld  in  den  Mittelmeerländern, ­
  Kolonien  und  Abessinien,
wo  die  Maria-Theresiathaler  gelten.
Agra,  Hauptstadt  des  brit.  Gouvernements ­
  der  Nordwestprovinzen  in  Ostindien, ­
  1170  km  nordwestlich  von  Kalkutta,
am  rechten  Ufer  des  Dschamna  und  der
Bahnlinie  Kalkutta-Lahor;  (i872)  149,000
Einw.  Ressort  des  deutschen  Konsuls  in
Kalkutta;  A.  Bank,  Bank  of  Bengal,
Uncovered  Service  Bank.  Der  Verkehr  in
der  Stadt  ist  lebhaft,  der  Handel  bedeutend.
Agram,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
Komitats  sowie  des  Königreichs  Kroatien
und  Slawonien,  unweit  der  Save  an  ber
Ungarischen  Staats-  und  Südbahn;  (isso)
28,äO  1  Einw.  (95  Proz.  Kroaten).  Filiale
der  Österreichisch-Ungarischen  Bank,  Erste
kroatische  Sparkasse,  Kroatische  Kommerzialbank,
  Kroatische  Eskomptebank.  Handel ­
  mit  Wein  und  Getreide  sowie  Spedition.
Aguadilla  (spr.-dilja),  Hafenplatz  an
der  Nordwestküste  der  Insel  Puerto  litico;
(1877)  7200  Einw.  Deutsches  Vicckonsnlat.

  Es  wertete  1879  die  Einfuhr  (Manufaktur- ­
  und  Eisenwarcn,  Weizen,  Mais
und  Mehl,  Getränke,  Reis)  2,399,300
Mk.,  davon  deutsch  598,100Mk.;  die  Ausfuhr ­
  3,959,560  Mk.,  davon:  Kaffee  (für
2.695.000  Mk.),  Zucker  (1,201,100  Mk.)
und  Tabak  (58,300  Mk.).  Deutschland
bezieht  Kaffee  und  Tabak.  1879  liefen  80
Schiffe  von  21,456  Ton.  ein  (davon  15
deutsche  von  6063  T.).
Aguascalientes,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  mejikan.  Staats;  (isso)  35,000
Einw.  Hauptstapelplatz  für  den  Binncnhandelam
  KrenznngSpilnktzweier  frequenten ­
  Straßen.  Große  Messezu  Weihnachten.
Ägypten,  Tributärstaat  der  Türkei
unter  der  absoluten  Herrschaft  eines  erblichen ­
  Fürsten,  welcher  den  Titel  »Chedive«
  führt.  Areal  und  Bevölkerung  1877:
QKilom.  Bewohner
Eigentlicher  Ägypten  .  .  (5586280
Oasen  der  Libyschen  Wüste  j 1UJ1  \  84000
Nubien  864500  1  000000
Sudan,  Dar  Fur  und
Äquatorialprovinzen  .  1001062  10800000
Zusammen:  2886016  17420280
Unter  den  Bewohnern  des  cigentlicheil
Ä.  zählte  man:  68,653  Fremde  (davon
Griechen  29,963,  Italiener  14,524,  Franzosen ­
  14,310,  Engländer  3795,  aus  Österreich-Ungarn ­
  2480,  Spanier  1003,  Deutsche ­
  879  rc.).  Das  eigentliche  Ä.  allein  ist
demnach  doppelt  so  groß  wie  Spanien,
nutzbar  ist  jedoch  nur  ein  schmaler  Knltnrstreifen
  von  24,197  qkm  (also  nicht  einmal ­
  von  der  Größe  Belgiens).  Ä.  ist  ein
vorwiegend  ackerbautreibender  Staat;  von
seiner  nichteuropaischen  Bevölkerung  sind
1.855.000  (70  Proz.)  Ackerbauer,  590,000
Gewerbtreibende,  275,000  dem  Priesteroder ­
  Gelehrtenstand  angehörig.  DieErnte
  n  hängen  regelmäßig  von  der  Höhe  ber
Nilüberschwemmungen  ab;  eine  gute
Ernte  schätzt  man  auf  14,»  Mill,  hl,  nämlich ­
  5,5Mill.hl  Weizen,  3,9Mill.hl  Gerste
und  4,8  Mill,  hl  Biais.  Auch  viele  Hülsenfrüchte ­
  werden  gebaut  und  exportiert.
Die  Ernteerträge  sind  indes  sehr  schwankend ­
  und  demgemäß  auch  die  Allsfuhren.
Die  Mittelerntc  von  1876  ergab  z.  B.
eilten  Überschuß  des  Exports  im  Wert
von  43,»  Mill.  Mk.,  die  schwache  Ernte
        <pb n="15" />
        Ägypten  (Ackerbau,  Industrie,  Handel).  7

von  1877  nur  von  6,«  Mill.  Mk.  Unter ­
  den  Auöfuh'robjekten  nehmen  Weizen
und  Erbseir  immer  die  erste  Stelle  ein,
Mehl  wird  ziemlich  stark  importiert.  Weit
wichtiger  für  den  Handel  ist  der  Baumwollbau, ­
  besonders  seit  dem  amerikanischen ­
  Seeessionskrieg  gefördert;  indcö
ist  der  Export  in  beständiger  Abnahme.
Derselbe  betrug  1874:  193.5  Mill.  Mk.,
18/8  nur  90,i  Mill.  Mk.;  auch  der  Exportwert ­
  voir  Baumwollsameu  war  auf
20,2  Mill.  Mk.  gesunken.  Mit  Flachs
waren  1877  bestellt:  0075  ha,,  von  denen
incili  1905  metr.  Tonnen  erntete.  Von
Rohrzucker  gewann  man  1878:  900,000,
1879:  600,000  Ctr.;  ausgeführt  wurde
1878  für  16,4  Mill.  Mk.  Andre  Produkte
sind  Indigo  und  Mohn.  Der  Ackerbau
wird  indes  sehr  gehindert  durch  die  Bedrückungen ­
  der  Regierung,  welche  die  Fellahs ­
  zwingt,  die  Bodenprodukte  in  die  Regiernngömagazine
  abzuliefern,  von  wo
dieselben  dann  durch  die  Regierung  an  die
großen  Handelshäuser  von  Triest,  Alexandrien ­
  und  Marseille  verkauft  werden.  Die
Fellahs  erhalten  eine  bestimmte  Vergütung ­
  für  den  Ertrag  ihrer  Ernte  sowie
für  die  zur  Bestellung  der  Äcker  nötigen
Tiere  und  Werkzeuge.  Außerdem  bestehen
eine  Grundsteuer  und  eine  Steller  aus
jede  Dattelpalme  und  für  jedes  Rad,  das
zum  Bewässern  der  Felder  und  Dattelpalmenpflanzungen
  dient.  —  Der  Viehstand
  war  Ende  1878:

Pferde.  .  .  8741
Esel  u.  Maulesel ­
  .  .  .  87882

Rinder
Schafe
Ziegen

228320
320047
26871

Von  den  Erzeugnissen  der  Viehzucht  gelangen ­
  in  den  Handel:  Wolle  (ausgeführt
1878  für  0,i  Mill.  Mk.)  und  Häute  (5,5
Mill.Mk.).  —  Von  Industrien  ist  fast
gar  nicht  die  Rede,  wenigstens  liefern  dieselben ­
  nur  die  einfachen  Bedürfnisse  der
Bewohner.  Die  durch  Mehemed  Ali  ins
Leben  gerufene  Baumwollindustrie  hat
sich  nie  zu  irgend  einer  Bedeutung  emporarbeiten ­
  können,  da  selbst  von  den
Banmwollstnhlcn  Zolle  erhoben  wurden.
Erwähnenswert  sind  indes  die  Produktion
von  Natron  aus  den  Natronseen  südlich
von  Alexandrien  sowie  die  Zucht  junger
Hühner  mittelst  Brutofen.  —  Der  Handel ­

  hat  seit  der  Eröffnung  der  Überlandroute ­
  mittelst  Eisenbahn  von  Alexandrien ­
  nach  Suez  und  in  neuerer  Zeit
durch  Eröffnung  des  Snezkanals  (st  d.)
einen  bedeutenden  Aufschwung  genommen. ­
  Die  wichtigsten  Handelshäfen  für
den  Verkehr  mit  Europa  sind:  Alexandrien ­
  und  Port  Saïd,  für  Indien  und
Ostasien:  Suez,  für  den  Verkehr  mit  dem
afrikanischen  Binnenland  und  Arabien:
Kosseir,  Sauakin  u.  Massana.  —  Als  Ve  rkehrsweg
  dient  in  hervorragendem  Maß
der  Nil,  welcher  bis  zu  den  Katarakten
mit  Dampfern  befahren  wird.  Auch  auf
dem  Weißen  Nil  bis  Lado  besteht  Dampfschiffahrt, ­
  und  selbst  auf  dem  Albert
Nyanza-  (Mwutan-)  Sec  sind  zwei  Dampfer ­
  in  Fahrt  gesetzt  worden.  Von  Eisenbahnen ­
  standen  Ende  1879  in  Betrieb:
1494  km,  welche  Kairo  mit  Alexandrien,
Suez  (über  Ismailiti),  Damiette,  Sint  re.
verbinden;  in  Oberägypten  sind  in  Angriff
genommen  und  teilweise  vollendet  die  Linien ­
  Assnan-ElOrdeh  und  Sauakin-Ehartum.
  In  Boston  hat  sich  eine  amerikanische ­
  Gesellschaft  gebildet,  um  die  Konzession ­
  znm  Bau  und  Betrieb  einer  Bahn
zu  erlangen,  welche  Kairo  über  Port  Saïd
und  Damaskus  mit  der  einer  englischen
Gesellschaft  konzessionierten  Euphratbahn
verbinden  soll.  —Die  P  ost  (Ä.  gehört  zum
Weltpostverein)befördertel879:2,579,500
Briefe  und  Postkarten,  831,000  Zeitungen
und  Drucksachen,  Postmandate  im  Betrag
von  5,9  Mill.  Mk.  und  an  Geldsendungen
255  Mill.  Mk.  Die  Länge  der  Telegraph ­
  e  n  l  i  n  i  e  n  betrug  1878:  8569  km  (davon ­
  englische  von  Alexandrien  nach  Kairo
und  Suez  728),  derDrähte  13,496(davon
engl.  1456).  —  Die  Handelsmarine
zählte  1877:  555  Segelschiffe  von  30,909
Ton.  und  30  Dampfer  von  28,965  T.  —
Im  Schiffsverkehr  liefen  1877  ein  in:
Schiffe  Tonnen
Alexandrien  .  2420  1157817
Port  Said  .  2159  2121545
Suez  .  .  .  1168  1  048555
Andre  Häfen  1407  214702
Summa:  7214  4  542619
Davon  waren  1221  Postdampfer,  2673
andre  Dampfer  und  3320  Segelschiffe.
Der  Handel  nimmt  seinen  Weg  zum
        <pb n="16" />
        8

Ägypten  (Konsulate.  Finanzen  re.).

größten  Teil  über  Alexandrien  (98  Proz.
der  Ausfuhr),  die  Produkte  des  Sudán
gehen  dagegen  meist  über  Sauakin.  Der
Wert  des  Handels  war  in  Millionen  Mark  :
Einfuhr  Ausfuhr

1878:  »6,s  161,9
1879:  105,8  278,7
Wichtigste  Handelsobjekte  waren  1879:

Einfuhr

Mill.
Mark

Ausfuhr

Mill.
Mark

Gespinste  .
Steinkohlen
Indigo.  .
Konfektionswa
ren  .
Zucker.
Alkohol
Holz  .
Garn  .
Eisen  .

31.2
11.2
3,1
7,9
3.4
3.1
2.2
2,3
1,2

Baumwolle  .  .
Baumwollsaincn
Zucker  .  .  .
Cerealien.  .
Gummi  .  .
Häute  .  .  .
Straußenfedern
Wolle  .  .  .
Lumpen  .  .
Elcfantcnzähne

162,3
26,4
13,6
4,9
4,4
2,2
2,0
0,9
0,8
0,1

Daran  beteiligten  sich:
Einfuhr  Ausfuhr

England  ....  52,1  172,2
Frankreich  .  .  .  18,2  28,6
-Österreich  ....  13,2  9,8
Italien  ....  4,2  23,3
Der  Import  deutschcrWaren  (Möbelstoffe,
Atlas,  Wirk-  und  Strumpfwaren,  Quincaillerie, ­
  musikalische  Instrumente  ?c.)  ist
in  steter  Zunahme.
Konsulate.  Deutschland  unterhält
zwei  Bernfokonsulate.  Der  Generalkonsul
für  Ä.  und  Dependenzcn  residiert  in  Alexandrien, ­
  ein  Berufskonsnl  in  Kairo.  Konsulate ­
  bestehen  für  Damiette  und  Port
Saïd,  Vicekonsulate  für  Ehartum  und
Suez,  Konsularagenturcn  für  Girgeh,
Kenneh,  Luksor,  Mansurah,  Sink,  Tantal) ­
  und  Zagazig.  —  Gerichtshöfe  zur
Entscheidung  von  Prozessen  zwischen  Einheimischen ­
  und  Fremden  sind  der  Appellhof
  zu  Alexandrien  aus  7  Europäern  und
4  Ägyptern,  Tribunale  erster  Instanz
zu  Alexandrien,  Kairo  und  Mansurah.—
Die  Sanitäts-Generalintendanz
in  Alexandrien  zur  Verhütung  von  Epidemien ­
  ist  zusammengesetzt  aus  je  einem
Delegierten  der  Türkei  und  der  Generalkonsulate ­
  Östcrreich-Ungarnö,  Frankreichs, ­
  Grostbritannienö,  des  Deutschen
Reichs,  Rußlands,  Italiens,  Spaniens,
Griechenlands,  der  Niederlande  und  Belgiens. ­

  —Fin  a  n  z  en.  Nachdem  der  Ehedive
Schulden  auf  Schulden  gehäuft  hatte
und  die  Zinsen  nicht  mehr  aufgebracht
werden  konnten,  wurden  durch  eine
1876  eingesetzte  Finanzkommission  alle
Schulden  zu  einer  einzigen  allgemeinen
7proz.  Staatsschuld  konsoldiert.  Die
Verwaltung  der  zur  Verzinsung  und
Amortisation  der  konsolidierten  Schuld
bestimmten  Einnahmen  sowie  die  Auszahlung ­
  der  fälligen  Beträge  ist  dieser
aus  Europäern  gebildeten  Kommission
übertragen.  Das  Budget  der  Finanzkommission ­
  für  1880  beträgt  an  Einnahmen
172,2,  an  Ausgaben  158,s  Mill.  Aik.
Es  ergibt  sich  also  ein  Überschuß  von  14
Mill.Mk.  Die  Summe  der  zur  konsolidierten ­
  Schuld  gehörigen  Anleihen
beträgt  1959,i  Mill.  Mk.  Dazu  kommen
noch  eine  innere  Zwangsanleihe,  die  in
50  Jahresraten  von  150,000  ägypt.  Pfd.
(=20,8%%.)  abgetragen  werden  soll,  und
die  Zinsen  (4  Mill.  Mk.  jährlich)  der  von
England  angekauften  Suezkanalaktien.
Die  schwebende  Schuld  ist  beinahe  getilgt.
—  Kreditanstalten  sind  in  Alexandrien, ­
  Kairo,  Port  Saïd  und  Suez
durch  fremdes  Kapital  gegründet  worden.
Es  bestehen  jetzt  nachstehende  Banken:
Anglo  -  Egyptian  Banking  Eo.,  Commercial ­
  Bank  of  Alexandria,  Banque
Franco-Egyptienne,  Banque  Ottomane,
Crédit  Lyonnais,  Bank  of  Egypt.  —  Das
Wechsel-  und  Handelsrecht  ist  in
allem  Wesentlichen  das  französische;  es
gilt  nämlich  das  neue  türkische  und,  wo
dieses  im  Stiche  läßt,  das  französische.
Geld  rc.  Man  rechnet  nach  Piastern  (zu
40  Para),  welche  den  Wert  von  2074
Pfennig  deutscher  Reichswährung  haben.
Durch  Bestimmung  der  Regierung  ist  das
deutsche  20-Markstück  zur  Annahme  für
Abgaben  zu  95  Piaster  21  Para,  das
10-Markstück  zu  47  Piaster  30  Para
zugelassen.  Der  englische  Sovereign  gilt
9772  Piaster,  25  Frank  Gold  —  967b
Piaster.  Von  Silbermünzen  werden  nach
1876  festgestelltem  Taris  angenommen:
spanische  Säulenpiaster.  ägyptische  20-ägyptische
  10-  und  1-Piasterstttcke.  In
        <pb n="17" />
        9

Nix  —  Aleppo.

Nubien  nimmt  man  fast  nur  Maria-Theresiathaler
  an;  weiter  un  3»umi  besteht ­
  fast  nur  Tauschhandel.-—  Die  Maße
und  Gewichte  sind  seit  1875  die  französischen ­
  metrischen.
Aix  (spr.  ähks  oder  ähss),  Stadt  im  franz.
Departement  der  Rhönemündungen,  an
(me)
23,407  (Sture.  Crédit  Lhonnais,  Société
generale.  Battmtvollspinnerei,  Seidenzucht ­
  und  Olivenkultur.  Für  Olivenöl
Ģ  A.  einer  der  ersten  Handelsplätze  int
südlichen  Frankreich.
Ajaccio  (spr.  aMscho),  Hauptstadt  der
Insel  Corsica  auf  der  Westküste;  Station
der  Dampferliitie  Valéry  Frères  et  Fils
(Marseille);  (WO  16,419Cimo.  Schiffsverkehr ­
  1878:  316Schiffevon87,457Ton.
Akka,  türk.  Hafenstadt  an  der  syrischen
Küste  (s.  Haiffa).
Akyab,  Hatlptstadt  und  Haupthafen
der  Provinz  Arakan  in  Britisch-Birma
m  Hinterindien;  (wi)  15,281  Giure.
DeutschcöKonsulat;  Bank  of  Bengal,Chartered ­
  Bank  of  India.  Bedeutendster  Hafen
f'tr  Retsauöfuhr,  1879:  125,510  Ton.,
73,2981.  (%crt  :  10,9
^  52,212  %.  (7,2
u  W  '  dagegen  1875  nach  Europa
119,001  nach  Ostittdicil  17,343  T.
Dre  Zahl  der  nach  Europa  klarierten
rettt:  1879:  52  bou  48,IW  Sou.
( rr b i^I d}eC  Dampfer  mit  875  T.),  nach
oft  indischen  Hafen  gingen  154  Schiffe
boit  .)0,030  T.  —  Das  Geld,  welches
hier  umläuft,  besteht  in  spanischen,  mentan ­
  tschen  und  südamerikanischen  Piastern,
englischen  Sovcrcigitö  und  spanischen  ttnd
mejlkanischen  Dublonen;  die  Eingeborttetl
  nehmen  aber  erst  seit  kurzem  Gold.
Papiergeld  läuft  wenig  um.  Wechsel
stud  nur  selten  ans  Kalkutta  verkäuflch;
  die  Kaufe  erfolgen  gegen  bare  Zahlttng,
  die  gewöhnlich  durch  in  Kalkutta
verkaufte,  auf  ein  Londoner  Bankicrhanö
gezogene  Wechsel  geschieht.  Vgl.  Birma.
Alaska  (Alaschka,  Aljaschka),  frühere ­
  Besitzttng  Rußlands  im  äußersten
Nordwesten  Amerikas,  30.  März  1867
gegen  eine  Zahlung  von  30,2  Mill.  Mk.
att  die  Vereinigten  «Staaten  abgetreten;
1,495,380  qkm  (27,158  QM.)  groß  mit

.ca.  32,000  Giure.  (Eskimo,  Alönten  iinb
Indianern  sowie  2000  Weißen  und  Kreolcit).
  Kupfer,  Steinkohle,  Eisen  sind
entdeckt,  aber  nicht  ausgebeutet;  daacaen
bringt  der  Reichtttm  an  Fichten,  Tannen,
Cedern  ,  an  Fischen  (an  der  Küste  und  in
den  Flüssen),  Pelztieren  (See-  und  Fischottern, ­
  Füchsen,  Bibern  rc.)  ttnd  Eis  durch
den  damit  betriebenen  Haitdel  bedeutenden ­
  Gewinn.  Die  A.-Kompanie  hat  hier
ihre  Agenturen,  welche  von  Indianern
und  Eskimo  Seeottern,  Flnßottern,  Biber, ­
  Luchse,  Zobel,  Bären,  schwarze,  rote,
weiße  und  Kreuzfüchse  und  besonders  viel
Pelzseehundc  eintauschen.  Der  größte  Teil
geht  nach  Petersburg,  Secottern  und  Biber ­
  hauptsächlich  nach  Ehina.
Albany,  offizielle  Hauptstadt  des  nordamerikan.
  Staats  New  York,  am  Hudson
und  den  Bahneit  Boston-Buffalo  und  A.-New
  York;  (isso)  90,903  Giure.,  darunter
at.  20,000  Deutsche.  A.  City  National
Bank,  National  Commercial  Bank.  Auf
dem  Hudson,  dem  Erie-  und  Champlainkanal,
  den  Eisenbahnen  ist  der  Handel,
namentlich  mit  Bauholz  und  Getreide,  bedeutend. ­
  Der  für  das  Verladen  deö  letztern
errichtete  Central  Railroad  Grain  Elevator ­
  ist  wohl  die  größte  Maschine  dieser  Art.
Albula-Paß,  s.  Alpenstraßen.
Aleppo  (H  a  l  e  b),  Hauptstadt  des  gleichnamigen
  asiatisch-türk.  Wilajets,  220  km
nordöstlich  von  Damaskus;  75,000  Giure,
(wovon  25,000  griechisch-unierte  Christen
und  5500  Juden).  Deutsches  Konsulat.
Die  jüdische  Gemeinde,  unter  welcher
sich  viele  Wechsler,  Bankiers  und  Konsnln
  europäischer  Staaten  befinden,  ist
nächst  der  Von  Damaskus  die  bedeutendste
in  Syrien.  —  A.  ist  ein  Hàupthandelsplatz
des  Orients  ttnd  steht  durch  Karawanen
und  zur  See  (über  den  Hafen  Alerandrette)
  mit  Basra,  Damaskus,  Bagdad,
Smyrna  und  Konstantinopel  in  Verbindung. ­
  Eingeführt  werden  namentlich:
englische  Zeuge  ttnd  Mannfakte,  Kolonialwaren ­
  und  französische  leichte  Tttche;
ausgeführt:  Gallapfel,  Farbstoffe  und  Droguen ­
  (nach  England),  gelbe  Baumwolle
und  schmutzige,  aber  gute  Wolle  (nach
Frankreich  und  Italien),  ferner  Tabak,
Weizen,  Pistazien,  Sesam,  Öl  u.  a.  —
        <pb n="18" />
        10  Alessandria  —
Im  Verkehr  herrsche"  zwei  Währungen
(beide  geringer  als  die  gesetzliche  türkische
Valuta):  die  Saach-  (»gute«)  und  die
Tschnrupp-  (»faule«)  Währung;  die  erste
für  den  Großeinkauf  unb  Kleinverkauf
von  Landesprodukten,  die  zweite  für  den
Großverkauf  von  Einfuhrwaren.  Nach
der  Saach-Währung  galt  31.  März  1879
der  englische  Sovereign  133  Piaster  20
Para,  das  französische  20-Frankstück  106
Piaster.  Die  türkische  Lira  (zu  100  Piaster) ­
  galt  120  Piaster  Saach  und  160
Piaster  Tschurupp.  Das  neue  Papiergeld,
die  sogen.  Kaimeh,  hat  die  türkische  Regierung ­
  vergeblich  versucht  hier  in  öffentlichen ­
  Umlauf  zu  bringen.  —  Wechselkurse ­
  notiert  man  aus  Marseille  für  den
Frank  und  4  Monate  dato,  auf  London
für  das  Pfund  Sterling  ruid  3V%  Monate
dato  oder  3  Tage  nach  Sicht,  auf  Koiistantinopel
  und  Beirut  11  Tage  nach  Sicht.
—  Die  gesetzlichen  neuen  Maße  und  Gewicht ­
  e  finden  keine  Anwendung.  Der  Pik
oder  die  Draa  —  0,79  m;  der  neue  Kantar
—  318,8  kg,  der  alte  Kantar  —  255  kg.
Alessandria,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  ital.  Provinz,  Knotenpunkt  von
fünf  Eisenbahnen;  (i878)  59,241  Einw.
Ressort  des  deutschen  Generalkonsuls  in
Genna;  Nationalbank,  Volksbank.  Jährlich ­
  werden  zwei  altberiihmte  Messen  gehalten; ­
  auch  bildet  A.  den  Mittelpunkt
des  Handels  und  Verkehrs  zwischen  Genna ­
  (Mailand  imb  Turin.
Alexandrette  (I  s  ka  u  d  e  ru  n,Skauderun),
  türk.  Seehafen  an  der  Küste
Syriens,  südlich  am  Golf  von  A.,  Station ­
  der  Nederlandsche  Stoomboot  Maatschappij,
  Messageries  maritimes,  Russischen ­
  Dampfschiffahrtsgesellschaft;  1000
Einw.;  wichtig,  weil  eä  den  Ereehandel
von  Aleppo  und  Diarbekir  verinittelt.
Deutsches  Vicekonsulat  (ressortiert  von
Aleppo).  Der  Hafen  ist  geräumig,  aber
vernachlässigt;  die  Europäer  wohnen  in
dem  nahen  Bailan.  Der  Handel  liegt
meist  in  den  Händen  der  Engländer;
Wert  der  Einfuhr  1878:  32,8  Mill.  Mk.,
der  Ausfuhr  18,3  Mill.  Mk.  Von  der
Einfuhr  und  Ausfuhr  entfallen  auf  England ­
  18,6,  resp.  2,5,  die  europäische  Türkei ­
  3,8,  resp.  5,4,  Frankreich  3,i,  resp.4,3,

Alexandrien.
Österreich  2,i,  resp.  2,3  Mill.  Mk.  Eö
iteseli  1878  ein:  305  Schisse  von  140,463
Ton.,  wovon  61,365  T.  französisch,  34,937
T.  britisch,  23,130  T.  österreichisch.
Alexandrien,  Hanpthasen  und  erste
Handelsstadt  Ägyptens,  am  Mahmndiehkanal
  und  den  Bahnen  A.-Kairo  und  A.-Rosette;
  Station  der  Dampfer  des  Österreichisch-Ungar. ­
  Lloyd,  der  Peninsular
and  Oriental  Co.,  Messageries  maritimes,
Società  Rubattino,  Russischen  Dampsschiffahrtügesellschaft,
  Leyland-Linie  (Liverpool); ­
  (1877)  165,752  Einw.  Deutsches
Generalkonsulat  ;  Appellhof  und  erstes  Tribunal ­
  des  gemischten  Gerichtshofs;  Anglo-Egyptian
  Bkg.  Co.,  Commercial  Bank  of
Alexandria,  Banque  Franco-Egyptienne,
Banque  Ottomane,  Crédit  Lyonnais.—In
den  Hafen  liefen  1879  ein:  2204  Schiffe
von  1,102,107  Ton.,  davon  466  Handelsund ­
  562  Postdampfer  sowie  1153  Segelschiffe. ­
  über  A.  gehen  98  Proz.  der  gesamten ­
  Ausfuhr  Ägyptens.  1879  waren
Hauptposten:
Getreide  ....  3,07  Mill.  Hektol.
Bohnen  ....  0,97  -  »
Banmwollsamen  .  4,so  -
Baumwolle  .  .  .  394410  Ballen
Zucker  305691  Säcke
Lumpen  ....  11719  Balle»
ferner:  Gerste,  Linsen,  Harze,  Henna  n.  a.
Dampferlinien  gehen  nach  Jaffa,  Akka,
Beirut,  nach  Korfu,  Brindisi,  Neapel,
Malta  und  Tripolis.—  Platz  geb  rä  u  che.
Englische  Manufatte  werden  meist  gegen
bar  verkauft,  andre  Manufakturwaren
auf  3,  6—9  Monate  Kredit,  Tuch  auf
4—7  Monate.  Doch  erfolgt  nach  Ablauf ­
  der  Frist  gewöhnlich  nicht  Zahlung.
Baumwolle  wird  nach  dem  Ausland  gegen
Tratte  des  Kommissionärs  3  Monate  dato
verkauft,  LandeSerzengnisse  für  bar.  Bei
Verträgen  mit  der  Regierung  muß  man
Stempclpapier  gebrauchen,  was  etwa  1
pro  Mille  ausmacht.  Eisen,  Zwirn,  Tuche
und  andre  deutsche  Waren  kommen  alö
Kommissionswaren  hierher  und  unterliegen ­
  dann  einer  Gebühr  von  4  Proz.  des
Fakturabetrags.  Größere  Handelshäuser
haben  ihre  Agenten  in  Kairo,  welche  für
sie  europäische  Waren  verkaufen  und  Landesproduktc
  ankaufen.  —  Wechselkurse
werden  notiert  ans  Amsterdam,  Mar-
        <pb n="19" />
        Alexandrowo  —  Algerien.

11

feilte,  Paris,  Genua,  Livorno,  London
und  Triest  3  Monate  dato,  auf  Malta
61  Tage  nach  Sicht,  auf  Kairo  kurze
Sicht.  Doch  notiert  man  regelmäßig  nur
auf  London,  Frankreich  und  Livorno.
Alexandrowo,  russ.  Zollstativn  an  der
preußischen  Grenze  und  der  Bahn  Bromberg-Warschau;
  3800  Einw.  Ressort  des
deutschen  Kousulö  in  Warschau.  Der  Import ­
  über  das  Zollamt  von  A.  nach  Rußland ­
  bestand  1879  in  8,655,792  kg  Stein,
Ale,  8,170,198  kg  Rohbaumwolle,
88,978,4/2  kg  W),  8,477,520  kg
komotiven  rc.
Algerien,  franz.  Kolonie  an  der  Nordrüste ­
  von  Afrika,  wird  in  drei  Departements: ­
  Algier,  Oran  und  Konstantine, ­
  geteilt;  tu  jedem  derselben  besteht
wieder  eine  Scheidung  in  die  Gebiete  unter ­
  Civil  -  und  Militärverwaltung.  Areal
und  Bevölkerung  1880:

Gebiete  j  Qftit.  |  O'JJì'ļ  Bewohner

2006
3775

2338434
529192

Civilverwaltung  .  .  110468
Militärverwaltung  .  207806
Zusammen:  13183341  5781  |  2807626
Das  Civiltcrritorium  vergrößert  sich
fortwährend  ans  Kosten  des  Militärterritoriums.
  Von  der  Bevölkerung  wabet
  Diesi
A,ol4,7.k&amp;gt;  Nomaden.  Unter  den  Einwoh-""st
  defandcn  sich  1877  von  Fremden:
94,038  Spanier,  26,322Italiener,  14,313
Anglo-Malteser  und  nur  6513  Elsaß-Lothringer
  (Allemands).  Nach  den  Konesstonen
  gab  es  1866:  211,195  Katho-33,952
  3"bc",
962,146  Mohammedaner.
.  Dfjls  Land  zerfällt  in  drei  Regionen:
J m  N.  das  gebirgige,  mit  fruchtbaren  Thälern ­
  durchzogene  Tell,  in  der  Mitte  die
St  c  pp  en  regio,!  mit  Salzsümpfen
(Schotts)  und  Salzboden  (Sebcha),  im
S.  die  Sahara.  Trollen  gelegt  sind  die
Schotts  bei  Bone  und  Oran,  wodurch
84.000  ha  der  Kultur  gewonnen  wurden. ­
  Durch  Anpflanzung  von  Euealypten,
  Casuarinen,  Cedern,  Akazien  rc.
slnd  100  ha  bewohnbar  gemacht,  Reservoirs ­
  sind  angelegt  und  Bohrungen,  welche
82.000  Lit.  pro  Minute  geben,  gemacht.  So

hat  die  B  o  d  e  n  p  r  o  d  u  k  t  i  o  n  einen  großen
Aufschwung  gcnoin.men.  Es  waren  1869:
1,684  000  ha,  aber  1876:  2,949,516  ha
mit  Getreide  bestellt.  Von  dem  Ertrag
welcher  sich  1876  auf  26,a  Mill,  hl  bezifferte, ­
  entfielen  auf  Gerste  15,14,  auf  Weizen ­
  9,13  Mill.  hl.  Mit  dem  Anwachsen
der  Getreideernten  stieg  auch  die  Ausfuhr
und  zwar  von  einem  Wert  von  27  Mill.
Mk.  in  1875  auf  40  Mill.  Mk.  in  1876.
3nt  letztenJahr  waren  die  einzelnen  Posten:
Weizen  22,9  Mill.  Mark  I  Hafer  3,e  Mill.  Mark
Gerste.  12,s  -  -  |  Mehl  l,o  -
Gegen  diesen  Export  stellt  sich  nur  ein
Import  von  Reis,  welcher  sich  ans  2
Mill,  kg  im  Wert  von  640,000  Bit.  bezifferte. ­
  Von  andern  Produkten  des
Landbails  ist  namentlich  der  Tabakbau  zu
erwähnen,  dessen  Ertrag  1876:  5,622,330
kg  und  1877:  5,105,929  kg  betrug;  mit
Wein  waren  1877  bepflanzt  12,208ha,  die
224,424  hl  Wein  lieferten.  Wichtiger  sind
indes  die  Olivcnpflanzuugen  und  im  Zunehmen ­
  die  Anpflanzungen  von  Kastanien.— ­
  DieViehzucht  sowohl  von  Pferden ­
  alövonRindcrnistschrbedcutcnd,  und
ein  recht  lebhafter  Export  von  lebendem
Rindvieh  nach  Frankreich  hat  begonnen
(1876  :  29,414  Ochsen);  wichtiger  ist  jedoch ­
  die  Schafzucht  durch  die  Produktion
von  Wolle,  welche  in  steigenden  Mengen
ausgeführt  wird  (1876  'für  14,o  Mill.
Mk.).  Einen  sehrbedeutenden  Aufschwung
hat  die  Seidenzucht  genommen,  die  1878
18,000  kg  Rohseide  zur  Ausfuhr  brachte
(1875  erst  6300  kg).  —  Der  Mineralreichtum
  ist  ein  sehr  beträchtlicher.
Vor  allem  ist  das  Eisenerz  vorzüglich.
In  den  Eisenbergwcrken  zu  Aln-Mokra
  stieg  die  Zahl  der  Arbeiter  1862—
1876  von  833  auf  4090,  und  in  demselben ­
  Zeitraum  wuchs  die  Ausbeute
vou  406,000  Ctr.  auf  11,714,000  Ctr.
Auch  die  Kupfer-,  Blei-,  Silber-  und
Zinkbergwerke  sind  sehr  ergiebig  und
viel  versprechend.  1876  waren  in  allen
diesen  Bergwerken  3618  Arbeiter  beschäftigt, ­
  welche  5,857,325  Ctr.  Minerale  im
Wert  von  5,2Mill,Mk.  förderten.  —  Auch
die  Waldvegetation  liefert  eine  Anzahl ­
  wertvoller  Produkte,  namentlich
die  Korkeiche  und  der  süße  Eichelbaum.
        <pb n="20" />
        Algeziras  -  Algier.

12
Ein  sehr  wichtiger  Handelsartikel  ist  in
neuester  Beit  ÿcr  @!bartogras
  geworden,  von  dem  1876:44,  lOOTon.
nach  England  ausgeführt  wurden.  Da-Bereitung
  von  Maroquin  sowie  ^.eppich-,
Musselin-  nnd  Seidenweberei.
Die  Handelsflotte  zahlte  1.  Jan.
1879:  148  Schiffe  von  5436  Ton.  Der
Schiffsverkehr  mit  fremden  Landern
betrug  1878:  678,4511.,  mi%nM
2,093,566  T.  Der  Handel  beschäftigt  sich
mit  dem  Austausch  einheimischer  Rohprodukte ­
  gegen  die  Jndustrieerzeugnisse  Europas. ­
  Bor  1851  hatte  A.  emen  Eingangs-SaSlSÄïSIÄ

KWîLMKLL
gob  sich  1870-76  auf  304  Mill.  Mt.
Die  wichtigsten  Handelsobjekte  waren
1876  (Wert  in  Millioiicn  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Gewebe  .  .  6V,s  Getreide  .  .  40.2
Getränke.  .  9,»  Wolle  .  .  .  14,o
Leder  ...  8,ü  Vieh  ...  8,2
Zucker.  .  .  8,5  Olivenöl  .  .  l,o
Weitere  ErportgcgeiiständevonBcdcntnng
sind:  Halfa  (s.  oben),  Eisenerz,  filiere  uub
getrocknete  Früchte,  Kork,  Lohrinde,  Fische,
Leinsamen  re.  AnsDcutschland  kamen  fili
ca.  240,000  Mk.  Waren,  davon  Rohtabak
160,000  Mk.  Der  Gesamthandel  betrug:
Einfuhr  Ausfuhr
1876:  170,8  Mill.  Mk.  138,2  Mill.  Mk.
1877:  173,2  -  -  106,9  *
Bon  den  Flüsseii  ist  kein  einziger  schiffbar. ­
  Für  die  Anlage  von  Eisenbahnen
ist  aber  vici  8##,,.  3,n  betrieb  stauden
  1.  Jan.  1880:  1077  km;  die  Emnah
Ät«
km  sind  Vorarbeiten  zur  Zeit  iin  Gaiig,
darunter  die  132  km  lange  Centrallime
von  der  Grenze  von  Marokko  ßu  der  von
Tllnis,  ebenso  Vorstudien  für  eine  Trans-Saharabahn
  (Konstantiiie-Jnsalah-Timteil
  6,800.757  Briefmarken  n.  Postkarten
i,  ervedierte98,263Wertbriefe  u.  310,393

Postmandate.  Einnahme:  248,314  m
Die  Telegraphenliiiien  hatten  1876
eine  Sünqcüon  5359  km,  ^6^)16  von
9005  km;  die  Zahl  der  Stationen  war  98.
Die  Zahl  der  1876  in  A.  und  Tunis  zii
Lande  beförderteil  Telegranime  betrug
626,590,  der  Kabeldepeschen  55,639;  Einnahme ­
  der  Landlinien  302,218  Mk.,  fnv
Kabeldepeschen  279,899  Mk.  —Ein  deutscher ­
  BeriifSkonsnl  residiert  m  Algier  -
Kreditanstalten:  bic  Banque  de  l  Algérie, ­
  Compagnie  Algérienne  und  dcr
Wbit  ioneier  bc  Banque
be  l'Algérie  (Kapital:  10  Mill.  Frank)  ist
Diskont-,  Depositen  -  und  Zettelbank  mit
1870  wurde  die  Bank  diirch  die  damalige
&amp;amp;u  emittieren.  $)ieBanf  biëfp,mert%c^
%%%»%%:
scheu  Darlehen  6 3 A  Pro;.  —  Münzen,
Maße  n.Gewichte  sind  die  tranzosifchen.
'  Der  Besitz  von  A.  hatte  Frankreich  bis
1864  schon  3  Milliarden  an  Geld  und
150,000  Soldaten  gekostet.  In  Migster
Zeit  hat  sich  dies  Verhält,iis  aber  völlig  ge-SftSÄSÄÄ

Aiisgaben  aus  17  Mill.  2)it.
Algeziras  (ipr.  alche-),  Hafenstadt  tu
Spanien,  am  Golf  von  Gibraltar;  087?&amp;gt;
12,465  Einw.  Deutsches  Vicekonfulat
(revoltiert  von  Wü).  MWcr^anbel.
Deutsches  Bicekonsulat  (ressortiert  Von
e «a!ÄSt7U,^nic
uub^m  Witäänbiķ''^^1-,
Statioil  der  Dampferlinien:  .cederl.
etoomb.
Hl
        <pb n="21" />
        13

Alicante  —  Alpenstraßen  itnb  Alpenbahnen.

kehrtenhierzweideutscheSchiffe.—Wechsel
auf  Paris  und  andre  französische  Plätze.
Wolle  verkauft  mau  für  100,  Steinkohle
für  1000  kg,  Bohlen  für  100  Stück.
Alicante,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  span.  Provinz  (Valencia),  durch
Eisenbahn  mit  Madrid  verbunden,  Station ­
  der  Dampferlinien:  Lopez  and  Co.
(Antillenlinie),  Paquetbots  à  Vapeur
espagnols  (Sevilla),  Rob.  ©loman  jun.
(Hamburg);  (i877)  34,926  Eimv.  Deutsches ­
  Konsulat;  Banco  de  España  Succursale. ­
  —  Große  Cigarrenfabrik  (4000  Arbeiterinnen), ­
  Baumwollfabriken  und  Leinwaudwebereien.—Vorzüglichste
  Ausfuhrartikel ­
  sind:  das  Esparto  (1879:851  Ton.)
ilnd  der  schwere,  süße  Vino  tinto  ans  der
Umgegend  (1879:  518,062  hl),  außerdem ­
  Mandeln,  Anis,  Süßholz.  Eingeführt ­
  werden  namentlich:  Bauholz  aus
Dänemark,  Schweden  und  Norwegen,
Stockfisch  ans  Labrador,  England  und  Norwegen, ­
  Eisen  und  Eisenbahmnaterial  aus
Deutschland  und  England,  Steinkohle
aus  England,  Petroleum  auß  Amerika,
Weingeist  aus  Deutschland  und  Amerika,
Zucker  aus  Deutschland.  —  Die  Reede  von
A.  ist  vortrefflich;  1879  besuchten  den  Hafen ­
  1817  Schiffe,  davon  kamen  auf  Spanien ­
  1502,  Frankreich  131,  England  111,
Italien  31,  Schweden  und  Norwegen  29,
Deutschlaud  1.  —  P  l  a  tz  g  e  b  r  ä  u  ch  e.  Der
Preis  der  Mandeln  versteht  sich  für  die
Carga  von  10  Arrobas  (127,92  kg)  tu
Silberpiastern.  Verkäufe  meist  auf  3  Monate ­
  Kredit.  Im  Entrepot  dürfen  Waren ­
  12  Monate  lang  gegen  eine  Abgabe
von  2  Proz.  vom  Wert  in  öffentlichen  Lagerhäusern ­
  liegen;  dann  müssen  sie  entweder ­
  zur  Konsumtion  verzollt,  oder  wieder
verschifft  werden.  —  Im  Wcchsclverkeh
  r  notiert  man  auf  Amsterdam,  London
und  Paris  90  Tage  dato  nach  den  Normen ­
  von  Madrid.—M  aß  c  u.  G  ew  ich  t  e
sind  gesetzlich  die  neuen  spanischen,  doch
kommen  noch  viele  ältere  in  Anwendtlng.
Alloa  (spr.  ähllaa),  Hafenstadt  tu  der
schott.  Grafschaft  Clackmannan,  am  Firth
of  Forth  und  der  Caledonian-Eisenbahn;
0879)  9362  Einw.  Deutsche  Konsularagentur ­
  für  die  Bezirke  A.,  Clackntannau
u.  Kennetpanö  (ressortiert  voit  Glasgow);

Clydesdale  Banking  Co.  —  Bedeutender
Handel  mit  Steiitkohlc.  1879  :  Einfuhr
2,2  Mill.  Mk.,  Ausfuhr  brit.  Produkte
1,141,340  Mk.  1879  liefen  71  deutsche
(tu,  49  ane.
Almena,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  span.  Provinz  (Andalusien)  mit  vorzüglichent
  Hafen  und  087?)  34,315  Einw.
Deutsches  Konsulat.—A.  ist  Ausfuhrhafen
für  die  Blei-  uud  Galmeigruben  der  Sierra
de  Chata,  auch  für  Eisen.  Ausgeführt
wurden  1877  außerdem:  3,450,008  kg
Trauben,  8640  Ton.  Espartogras.  Einfuhr ­
  10Mill.Mk.,  Ausfuhr  15Mill.Mk.;
eingelaufene  Schiffe:  1829  (1  deutsches)
mit  190,038  Ton.—Maße  sind  hier  noch
vielfach  die  ältern  kastilischen;  »Hölzer
aus  dem  Norden«  verkauft  man  für  die
Bohlen  von  14  fchwed.  Fuß  Länge.
Alpcnstraßen  und  Alpcnbahnen.
Der  Ruhm,  zuerst  wirklich  brauchbare
fahrbare  Straßen  über  das  Hochgebirge
nach  Italien  aitgelegt  zu  haben,  gebührt
Napoleon  I.  —  Man  kann  jetzt  die  Alpenstraßen ­
  in  drei  Gruppen  teilen  und  zwar:
1)  Von  Italien  nach  Frankreich
(sämtlich  von  Napoleoit  aitgelegt):

Paßhöhe ­
  ill
Metern

Straße

Richtung

Mont  Cenis
Simplon.  .
Kleiner  St.
Bernhard
MontGcncvre
Col  de  Travcrsette.
  .
Col  de  l'Argentièrc
  .
Col  di  Tenda

Lyon  —  Turin  .
Genf  —  Mailaild

Grenoble  -
Vriaigon

-  Aosta
-  Susa

Mont  Dauphin  —  Saluzzo

Gap  -
Nizza  ■

Coni.
-  Turin

2206
1865

2020
1845

2)  Von  der  Schweiz  nach  Italien:

Großer  St.
Bernhard
St.  Gotthard
Splügen.  .
Bernhardin.
Maloggia  .
Julier.  .  .
Septinier.  .
Albula  .  .
Flüela  .  .
Bernina  .  .

Atartignh  —  Aosta.  .  .
Vierwaldstätter  See  —
Bellinzona
Hinterrhein  —  Comer  See
Hintcrrhci»  —  Bellinzona
Oberengadin  —Comer  See
Graubiinden—  Comer  See
Graubiinden  —Comer  See
Graubünden—  Comer  See
Chur  —  Engadin  .  .  .
Obcrcngadin  —  Veltlin  .

2472
2114
2117
2003
1859
2287
2240
2313
2405
2338
        <pb n="22" />
        14

Alpenstraßen  und  Alpenbahnen.

Ebenso  stellen  die  schon  genannte  Mont
Cenis-Straße,  in  welche  bei  Chambéry  die
Straße  von  Genf  einmündet,  sowie  die
über  den  Simplon  die  Verbindung  zwischen ­
  Schweiz  und  Italien  her.  Innerhalb ­
  der  Schweiz  ist  noch  zu  nennen  die
für  den  Verkehr  sehr  wichtige  Straße  von
Brieg  in  Wallis  über  die  Furka  nach  dem
Urserenthal  und  von  da  über  den  Oberalppaß ­
  nach  Chur.  Unter  den  Saumpfaden ­
  der  Schweiz  ist  der  über  das  Matters ­
  och  (3328  ns)  der  höchste  in  Europa.
3)  Von  Ö  st  erre  ich  n  ach  Italien:

Straße

Richtung

Paßhöhe
in  Metern

Stilfser  Joch.
Brenner  .  .
Ampezzo  .  .
Lueg  (Tauern)
Predul.  .  .
Steter  .  .  .
Semmering  .

Tirol  —  Comer  See
Tirol  —  Lombardei.
Brixcn  —  Venedig  .
Salzburg—Drauthal
Travis  —  Triest  .  .
Steier  —  Judenburg
Wien  —  Triest  .  .

2783
1369
1623
1739
1165
1787
1015

Die  erste  Eisenbahn  wurde  1850—
1854  über  denS  e  m  m  crin  g  (von  Gloggnitz ­
  nach  Mürzzuschlag)  erbaut.  Sic  stellt
die  Verbindung  zwischen  Wien  und  Triest
her  und  hat  bei  einer  Lange  von  41  km
13  Viadukte  und  15  Tunnels.  In  dem
1385  m  langen  Haupttunnel  überschreitet
sie  ihren  Höhepunkt  (881m).  DieBrennerbahn, ­
  1867  vollendet,  stellt  sich  diesem ­
  kühnen  und  großartigen  Unternehmen
würdig  an  die  Seite.  Von  Innsbruck
nach  Bozen  führend,  hat  sie  bei  einer
Länge  von  122,5  km  27  Tunnels  (der
längste  895  m),  aber  keine  Viadukte  und
erreicht  ihren  Höhepunkt  (1367  m)  unter
freiem  Himmel.  Gleichzeitig  wurde  die
Mont  Cenis-Bahn  gebaut,  die  von
Chambéry  aus  den  Berg  bis  zu  1335  m
Höhe  erklimmt,  dann  in  einem  12,85  km
langen  Tunnel  den  Col  de  Fréjus  durchbohrt ­
  und  auf  der  andern  Seite  nach  Susa
führt.  Diese  Bahn  vermittelt  die  direkteste
Verbindung  zwischen  Frankreich  und  Italien ­
  und  bildet  ein  Glied  der  sogen.  Überlandroute, ­
  welche  von  London  über  Paris
nach  Brindisi  führt,  wo  sich  die  Dampferlinien ­
  nach  Ägypten,  Indien,  Ostasien
und  Australien  anschließen.  Ihr  wird
eine  mächtige  Konkurrenz  erwachsen  in
der  im  Bau  begriffenen  G  o  t  t  h  a  r  d  b  a  h  n,

welche  seit  1872  in  Angriff  genommen
ist,  und  deren  28.  Febr.  1880  vollendeter
Durchschlag  des  Richtstollenö  die  Gebirgsgruppe
  in  einer  Höhe  von  1155  m  durchbricht. ­
  Die  Kosten  dieses  von  der  Schweiz,
von  Italien  und  Deutschland  bestrittenen
Werks  wurden  ursprünglich  ans  149,6
Mill.  Mk.  geschätzt,  werden  aber  mindestens
auf  176  Mill.  Mk.  steigen.  Der  Gotthardtunncl
  hat  eine  Länge  von  14,920  m;  das
nördliche  Portal  bei  Göschenen  erhielt  eine
Meereshöhe  von  1109  in,  daö  südliche  bei
Airolo  eine  solche  von  1145  m.  Der  Kulminationspunkt ­
  liegt  im  Innern  1155  m
hoch.  Man  hofft  die  ganze  26.500  rn  lange
Gotthardbahn  (Luzern-Flüelen-Göschemn
nördlich  bis  Airolo-Bellinzona-Lugano
südlich)Ende  1881  dem  Verkehr  übergeben
zu  können.  AlS  Subvention  wurden  gezahlt ­
  von  der  Schweizerischen  Centralbahn
und  der  Schweizerischen  Nordostbahn  je
3,500,000  Frank,  wozu  später  eine  nachträgliche ­
  Subventionvon750,000Fr.  hinzutrat; ­
  dann  folgen  die  elsaß-lothringischen ­
  Bahnen  mit  2,717,000  Fr.;  gleichmäßig ­
  1  Mill.  Fr.  haben  die  Köln-Mindcncr,
  Belgisch-Märkische,  Hessische  Ludwigsbahn ­
  ,  Rheinische  Eisenbahn  und  die
Pfälzische  Eisenbahn  beigesteuert;  der  badische ­
  Staat,  als  Besitzer  der  badischen
Eisenbahnen,  zahlte  2,717,000  Fr.,  der
preußische  Staat,  als  Hauptinteressent  der
Saarbrückener  Kohlen-  u.  Saarbrückener
Staatsbahn,  1,500,000  Fr.;  das  Deutsche
Reich  gab  einen  Beitrag  von  8,066,000  Fr.
Frankreich  läßt  schon  Vorarbeiten  im  Hinblick ­
  auf  die  Durchbohrung  des  Simplon
und  des  Montblanc  machen,  um  sein  Eisenbahnsystem ­
  direkt  mit  dem  Mittelmeer  zu
verbinden.  Die  Kosten  der  Simplonb
  a  h  n  überParis,  Dijon,  Pontarlier,Brieg
und  Arona  nach  Mailand  (1148  km)
hat  man  auf  109,2  Mill.  Mk.  angeschlagen. ­
  Schon  in  Angriff  genommen  ist  aber
der  Bau  der  Arlbergbahn,  welche  die
Tiroler  Linien  der  Südbahn  in  Innsbruck ­
  mit  der  Station  Bludeuz  der  Vorarlberger ­
  Bahn  verbinden  soll.  Die  ganze
Bahn  wird  137  km  lang  sein,  die  Durchbohrung ­
  de«  Arlbergs  aber  soll  in  einer
Seehöhe  von  1302  m  und  mit  der  Länge
des  Haupttunnels  von  10,270  m  in  5—6
        <pb n="23" />
        Altea  —  Amazonenstrom.  15

Jahren  mit  einem  Kostenaufwand  von71,2
Mill.  Mk.  vollendet  werden.  Der  Haupttunnel ­
  mit  zwei  Geleisen  soll  32,432,000
Mk.  kosten.  Nachstehend  eine  Übersicht
der  höchsten  ausgeführten  oder  projektierten
  Alpenbahncn  in  Metern:

Semmerina
St.  Gotthard
Arlberg  .
Mont  Cenis
Brenner  .

881
1155
1302
1335
1367

Pacificbahn  .  .  2521
Veracruz-Mcjiko  2533
Arequipa-Puno  4580
Oroyabahn  .  .  4769

Altea,  Hafenstadt  der  spail.  Provinz
Alicante;  (1877)  5869  Einw.  Deutsches
Vicekonsulat  (ressortiert  von  Alicante).
Altena,  Kreisstadt  im  preuß.  Regierungsbezirk ­
  Arnsberg,  an  der  Lenne,
Station  der  Belgisch-Märkischen  Eisenbahn; ­
  (i860)  8793  Einw.—Die  bedeutende
Fabrikthätigkcit  der  Stadt  beschäftigte
1878:  44  Puddelöfen,  10  Schweißöfen,  12
Walzstraßen,  9  Blechglühöfen  k.  und
lieferte  für  3  Mill.  Mk.  Luppen  rurd  für
2,852,850  Mk.  Walzdraht,  ferner  Weiß-,
Knopf-  und  Schwarzblech,  Stab-  und
Bandeisen.  Blcchschrot,  Schweißschlacke.
Es  bestehen  ferner  11  Fabriken  für  Ahlen,
à„tcn,  Drahtstifte,  Sprungfedern  rc.,
7  fur  Mesimgwaren,  5  für  Nadeln  rc.—
^1661^115^,i5rad:)kl878:428,9153:oii.
©liter  und  38,857  T.  Steinkohle,  es  gingen ­
  auf  derselben  ab  130,901  T.  Die  Post  be-»»

Mt.  Postanweisungen  rc.  Telegramme
kamen  an:  5117  und  gingen  ab:  5010
Altenburg,  Haupt  -  und  Residenzstadt
des  Herzogtums  Sachsen-Altenburg  (s.  d.)
cui  der  Sächsisch-Bayrischen  und  A.-Feister
Eisenbahn;  (isRo)  26,240  Einw.  AllgeniemeDeutsche
  Kreditanstalt,  Kreditvercin
—Die  Industrie  produziert  namentlich  Cigarren. ­
  Rauch  -  und  Schnupftabak,  Wollgarn, ­
  Handschuhe,  Hüte  rc.  Am  wichtigsten
Nt  der  Handel  mit  wollenen  Garnen,  der
hauptsächlich  nach  England  und  den  Niederlanden ­
  betrieben  wird;  nächstdcm  der
nüt  Kolonialwaren  und  Landcsprodukten
(besonders  Getreide)  nach  den  benachbarten ­
  sächsischen  und  reußischen  Ländern;
auch  die  Speditionsgeschäfte  sind  nicht  unbedeutend. ­
  Pferdemärkte  27.  Febr.  und  5.
- l0b -  (je  2  Tage);  Wollmarkt  gewöhnlich

in  der  auf  den  Leipziger  Wollmarkt  folgenden ­
  Woche  im  Juni.
Altona,  bedeutendste  Handelsstadt  der
preuß.  Provinz  Schleswig-Holstein,  an
der  Elbe  und  den  Bahnen:  A.-Kiel,  Elmshorn ­
  -  Glückstadt  -  Jstehoe,  A.  -  Hamburg,
A.-Blankenese;  Station  der  Elbdampfschisfahrtsgcsellschaft;
  (isso)  90,749  Einw.
Konsulate  für:  Argentinien,  Dominikanische ­
  Republik  (Hayti),  Griechenland,  Portugal, ­
  Spanien,  Uruguay,  Vereinigte
Staaten;  Börse,  Gesellschaft  der  Kommcrztreibenden,
  Kreditverein,  Filiale  der
Vereinöbank  in  Hamburg.  —  Unter  den
industriellen  Anstalten  sind  zu  nennen:
große  Baumwoll-  und  Wollmanufaktnren,
  große  Dampsmühlen,  Zucker-,  Tabak- ­
  und  Seifenfabriken.  —  Die  Reederei
ist  verhältnismäßig  gering;  1880  besaß
A.  außer  kleinen  Flnßfahrzcngcn  einen
Schifsbestand  von  10,239  Ton.  Dem
Schiffbau  dienen  zwei  Werften  mit  einem
1869  errichteten  Schwimmdock.  1879  liefen ­
  mit  Ladung  ein:  450  Schiffe  von
72,200  Ton.,  aus:  423  Schiffe  von
23,588  T.  (leer  liefen  ein:  99  Schiffe
von  2527  T.,  aus:  100  Schiffe  von  47,263
T.).  Regelmäßige  Dampfschiffsvcrbindnngen
  bestehen  mit  Hamburg-Harburg
und  Blankenese,  Buxtehude,  Stade  uno
Brunsbüttel.  Seedampfschifssverbindnngen
  bestehen  aber  noch  nicht.  Hanptcinfnhrartikel:
  Baumwolle,  Kaffee,  Kakao,
Farbhölzer,  Tabak,  Zucker,  Petroleum,
Reis,  Matten,  Palmkerne,  Salpeter,
Sesamsamen  rc.  Der  überseeische  Export ­
  geht  vorzugsweise  nach  Amerika,
während  der  Verkehr  mit  Asien  nur  geringe ­
  Bedeutung  hat.  —  Plastgebräuche,
Wechsel-  und  Geldkurse  wie  in  Hamburg.
Amasia,  Hauptstadt  des  türk.  Wilajets
Silvas  (Kleinasien);  7500  Einw.  Deutsches ­
  Vicekonsulat.
Amazonenstrom  (Rio  das  Amazonas, ­
  Maraño»,  Maranhão),  mächtiger ­
  Strom  in  Südamerika  von  etwa
5330  km  Länge  (ohne  die  Krümmungen),
aus  der  Verbindung  des  Solimoes  und
dcö  Madeira.  Die'Breite  beträgt  selbst
oberhalb  der  Mündung  des  Solimoes  4
bis  5,5  km;  oberhalb  Santarém,  wohin
Ebbe  und  Flut  reichen,  mißt  der  Strom
        <pb n="24" />
        16

Amble  —  Amerika.

1910  m  Breite.  Die  Tiefe  ist  unterhalb
der  Mündung  des  Caqueta  im  Durchschnitt
15,  unterhalb  der  des  Madeira  24  Faden.
Da  der  Ostpassat  die  ganze  Länge  des
Thals  aufwärts  wirksam  ist,  kann  der  A.
selbst  voir  Segelschiffen  befahren  werden.
Mit  Dampfern  wird  der  Strom  m  Brasilien ­
  bis  zur  Grenze  befahren,  auch  Peru
befahrt  ihn  mit  2  Dampfern.  Die  Schisse
fahrt  bis  zur  peruauischeir  Grenze  ist  den
Handelsflaggen  aller  'Nationen  freigegeben. ­
  Eine  an  Engländer  übergegangene
erhielte  1870  ein
font,nenbonl,866,84om.  Ww##cn
Exportartikel  des  Flußgebiets  sind  :  Brasilnüsse, ­
  Kautschuk,  Sassaparilla  undSchüdkrötenöl,
  Hauptausfuhrhafen  ist  Para.  .
Übersicht  der  politischen

Amble  (spr.  ümbl),  Hafenstadt  in  der  engl.
Grafschaft  Northumberland.  Deutsches  Vi  =
cekonsulat  (Amtsbezirk:  Küste  von  Dunstauborough
  Castle  bis  Ereswell  Point).
1879  verkehrten  hier  57  deutsche  Schiffe.
Amboina,  s.  Molucken.
Ambriz,  s.  Angola.
Amerika,  dem  Flächeninhalt  nach  der
zweite  Erdteil,  der  Bevölkerung  nach  der
vierte,uimmtin  Bezugauf  seincBedeutung
im  Welthandel  die  zweite  Stelle  ein.  Ohne
das  arktische  Gebiet  mit  dem  nichtdänlschen
Teil  von  Grönland,  aber  mit  Einschluß  der
kanadischen  Seen  und  deä  streitigen  Gebiets ­
  ini  Innern  Südanierikas  berechnet
sich  das  Gesamtareal  auf  38,389,210  qkm
(697,188  QM.)  mit  98,648,000  Einw.

Einteilung  Amerikas.

Staaten  und  Kolonien

Areal

I.  Republiken.
l)  Vereinigte  Staaten  von  Nordamerika  .
3—7)  Die  fünf  centralamerikanischen  Rcpublikei
8—9)  Hayti  und  Santo  Doiningo  .  .  .
10)  Vereinigte  Staaten  von  Venezuela  .  .
11)  Vereinigte  Staaten  von  Kolumbien  .  .
12)  Ecuador
13)  Peru
14)  Bolivia
15)  Chile  (mit  Aragonien  und  Chiloe)  .  .
16)  Argentin.RePubl.  mit  Patagonien  (16  504  OM
17)  Uruguay
18)  Paraguay
II.  Monarchien.
19)  Kaisertum  Brasilien
III.  Kolonien  fremder  Staaten.
20)  Britisch-Nordamerika  (ohne  Polarinseln)
Britisch-Westindien  mit  Honduras  .  .
Britisch-Guayana
Falklandinseln  •  •  •
21)  Spanisch-Westindien:  Cuba  und  Puerto  Ni
22)  Französisch  -  Westindien
Französisch-Guayana.  .  ■  •  •  •  •  •
St.  Pierre  et  Miquelon  (französisch)  .  .
23)  Niederländisch  -  Westindien
Niederländisch  -  Guayana  (Surinam).  .  -
24)  Dänisch  -  Grönland
Dänisch-Westindien
Vou  den  zahlreichen  Produkten,
welche  in  den  Weltverkehr  gelangen,  stub
tu  erster  Linie  zu  neunen:  Edelmetalle,
Baumwolle,  Zucker,  Kaffee,  Tabak,  Ge-OKilom.

  QMeilen

9336680
1921240
445900
77255
1137615
830673
650938
1119941
1297255
321462
3051706
186920
238290
8337218
8412176
54085
221243
12532
128148
2856
121413
235
1130
119321
88100
358

169509
34892
8098
1403
20660
15086
11822
20339
23559
5838
55422
3395
4328
151412
152774
982
4018
228
2327
52
2205
4
20
2167
1600
6

Bewohner  Jahr

50152559
9389461
2509890
800000
1784197
2998600
1146060
3050000
2325000
2400396
2400000
447000
293844
11108291

1880
1876
1870—78
1873
1870
1878
1876
1877
1878
1879
1877
1876
1872

3839470  1871—73

1150773
240500
1394
2061500
345035
36760
5338
42506
68531
9800
37600

1871—78
1874
1878
1877
1877
1877
1878
1876
1870

treibe,  Me,  G  W&amp;amp;;
wert  nnb  #"te^o()er,  (%,wnnbe,
æauiOe  nnb  WMe;  ferner  Wer,
Diamanten,  Chilisalpeter  und  Guano.
        <pb n="25" />
        Anchara  —  Amritsar.

17

Viele  der  Bodenschätze,  wie  der  ungeheure
Kohlen-  und  Eisenreichtum,  sind  kaum
erschlossen.  An  dem  Gesamtumsatz  im
Welthandel,  den  man  auf  57,360  Mill.
Mk.  veranschlagt  hat,  beteiligt  sich  A.  mit
0006  Mill.  Mk.,  wovon  auf  die  Einfuhr
3870,  arlf  die  Ausfuhr  5136  Mill.  Mk.
kommeir  Die  wichtigsten  Seehandelsplätze
sind  in  Nordamerika:  Quebec,  Montreal,
Boston  Dim  %)orf,  wt;:
^ìieanô,  San  Francisco:  in
Westindien:  Havana;  in  Südamerika:
Ocio  de  Janeiro,  Montevideo,  Buenos
Ayreö,  Valparaiso,  Callao.  Für  den  Bin-Ņnhandel,
  aber  auch  schon  in  zunehmendem ­
  Mast  für  den  direkten  auswärtigen
Handel  sind  Chicago,  St.  Louis,  Eincmnati,
  Louisville,Milwaukee,  Cleveland,
Pittsburg,  Buffalo  u.  a.  von  wachsender
Bedeutllng.  —  A.  steht  mit  Europa  durch
zahlreiche  Dampferlinien  in  innigster  Berr
  àuso  ist  es  durch  Dampfschlffahrt
  mit  Australien  und  Ostasien
verknüpft.  Die  Länge  der  Eisenbahnlunen
  steht  wenig  hinter  der  Eiiropaö
^-V!,^à^à'âgt(l879)  in  ihrerGesamthêll
  153,733  km,  wovon  nicht  weniger  als
1''I-708  km  auf  die  Vereinigten  Staateii
entfallen.  Noch  ist  eine  telegraphische  Verbindung ­
  nach  W.  hin  nicht  hergestellt,
doch  steht  die  Inangriffnahme  einer  Kabellegung ­
  iiach  Japan  bevor;  nach  Europa
dagegen  führen  bereits  sechs  Kabclstränge,
welche  sowohl  den  Norden  wie  den  Süden
des  Kontinents  mit  der  Alten  Welt  in
Verbindung  setzen.  Die  Inselli  sind  mit
dem  Festland,  die  bedeiitendsten  Küstenplätze ­
  durch  Kabel  untereinander  verknüpft. ­
  An  Landlinien  fehlt  eö  fast  in
keinem  Staat  mehr;  die  Länge  aller  Linien
A  fur  1878  auf  216,971  km,  die  aller
^ŗahte  auf  450,000  km  berechnet,  auf
beimi  25,250,000  Telegramme  im  Jahr
befördert  werden.
Anchara,  s.  Abessinien.
Amiens  (spr.  -läng),  Hauptstadt  des
lvanz.  Departements  Somme  in  der  Picardie, ­
  an  der  schiffbaren,  mehrfach  geeilten ­
  Somme  und  der  Französischen
Hochbahn;  0876)  61,606  Einw.  Banque
i  m,  ance,  Société  generale;  Handelögecht,
  Handelskammer,  Generalhandels-Handelsgeographle.


rat.  —  Von  Industrien  ist  am  bedeutendsten ­
  die  Fabrikation  von  Wollge-^^heii,
  namentlich  der  sogen.  »Amiensaußerdem
  hat  A.  Banmwoll-,  Woll-,
Flachs  -  _  und  Seidenspinnereien,  große
Färbereien,  Fabriken  für  Tapeten  rc.  Den
Wert  sämtlicher  Jndustriefabrikate  veranschlagt ­
  man  auf  ca.  13  Mill.  Mk.  Im
Handel  werden  jährlich  für  32  Mill.  Mk.
Waren  umgesetzt,  namentlich  ist  A.  ein
Haupthandelsplatz  für  Zucker;  außerdem
werden  vorzüglich  Wolle,  Ölsaat,  Getreide
und  die  eignen  Erzeugnisse  '  (darunter
auch  Entenpasteteii)  exportiert.
Amoh,  chines.  Traktatöhafen  in  der
Provinz  Fokicn;  087?)  88,000  Einw.,  darunter ­
  230  Fremde  (40  Deutsche)  mit  40
Firmen  (3  deutschen).  Deutsches  Konsulat; ­
  Direktorium  des  chinesischen  Seezollamts; ­
  Hongkong  and  Shanghai
Banking  Corporation,  Chartered  Bank  of
India,  Australia  and  Chilla.  —  Der  weit-Pis
  größere  Teil  des  fremdländischen
Handels  liegt  in  den  Händen  von  Chinesen, ­
  welche,  mit  Ausnahme  dcö  ThechandelS,
  alle  Zweige  des  Exportgeschäfts
beherrschen.  Der  Wert  der  eingeführten
fremden  Waren  betrug  1879:  32,9  Mill.
Mk.,  davon  Opium  16,8  Mill.  Mk.;  der
Wert  der  ausgeführten  Landcöprodukte
37,4  Mill.  Mk.,  davon  Thee  22,6,  Zucker
6,7  Mill.  Mk.  1879  verkehrlen  hier  1555
Schiffe  (989  Dampfer)  von  896,096
Ton.,  davon  292  deutsche  von  87.775  T.
—  Wechselkurse  notiert  man  auf  Hongkong ­
  15—20  Tage  nach  Sicht.  Gewicht
ist  der  Piknl  (—  60,479  kg),  der  für  braunen ­
  Zucker  94  Kättys,  für  Kandiszucker
95,  für  Indigo  110,  für  Reis  140  Kättys
hat.  Geld  rc.  s.  Kanton.
Ampezzo-Paß,  s.  Alpenstraßen.
Amritsar,  einer  der  ersten  Handelsplätze ­
  im  obern  Indien  (Pandfchab),  an
der  Eisenbahn  von  Kalkutta  über  Dehli
nachLahor;  0876)  142,381  Einw.  Ressort
des  deutschen  Konsuls  in  Karatschi;  Bank
of  Bengal.  Stach  Afghanistan  geht  der
Weg  über  Peschawar,  nach  Kaschisiir  über
Dschamu,  nach  Le  (im  westlichen  Tibet)
über  Kaschmir  oder  östlich  durch  Lahor.
2
        <pb n="26" />
        18  Amsterdam.

Der  Wert  der  hier  umgesetzten  Waren
beträgt  jährlich  23  Mill.  Mk.  A.  ist
Hauptplatz  für  den  Shawlhandel,  die
großen  Shawlfirmen  von  London  und
Paris  haben  hier  ihre  ständigen  Agenten.
Amsterdam,  Hauptstadt  und  erster
Handelsplatz  des  Königreichs  der  Niederlande, ­
  am  Einfluß  der  Amstel  in  den
Meerbusen  2),  durch  Kanal  mit  der  Utrechter
  Vecht  und  so  mit  dem  Rhein,  durch
den  Nordseelanal  mit  der  Nordsee  verbunden; ­
  Ausgangsstation  der  Niederländischen ­
  Rheinbahn  und  der  Hofländischen
Bahn;  Station  der  Perlberger  Reederei
zu  Hamburg,  der  Nederlandsche  Stoomboot
  Maatschappij,  Dampfschiffgeseflschaft
Nederland  (beide  hier  doiniziliert),  Porkshire
  Coal  and  Steamship  Co.;  (i87o)
317,021  Einw.  Deutsches  Konsulat(Amtsbezirk:
  der  nördlich  des  Rheins  bis  zu  seiner ­
  Mündung  gelegene  Teil  der  Niederlande, ­
  mit  Ausschluß  des  Bezirks  deö
Konsulats  in  Groningen);  Handels-  und
Gewerbekammer,  Handelsgericht  und
Entrepot;  Börse  (besonders  Kornbörse),
Essektensocietät  (wichtige  Winkelbörse  für
Fonds,  namentlich  holländische,  russische
und  österreichische  Staatspapiere  und  Aktien); ­
  Amsterdamsche  Bank,  Banque  de
Paris  et  des  PayS-Baö,  Kas  Vereeniging,
Niederlandisch-Jnd.  Handelsbank,  Twentsche
  Bankvereeniging.  —  Die  bedeutende
Fabrikthätigkeit  hat  als  Specialitäten: ­
  Diamantschleifereien  (fünf  große  mit
Dampfmaschinen  und  eine  Anzahl  kleinerer); ­
  große  Zuckerrafsinerien,  von  denen
mehrere  10  Mill,  kg  Zucker  verarbeiten;
Dampfmaschinenfabriken  (die  größte,  mit
1500  Arbeitern,  verausgabte  1879  anMaterial
  und  Arbeitslohn  2,461,600Mk.;  die
Fabrik  »de  Atlas«  baut  die  kleinen  Panzerfahrzeuge ­
  für  die  Regierung).  Großartig
sind  ferner  die  Tabak-  und  Cigarrenfabrikation, ­
  Bierbrauerei  re.  Die  hohe  Bedeutung
der  Stadt  bericht  aber  in  ihrem  ausgedehnten ­
  Handel,  denn  hier  konzentriert  sich
(zusammen  mit  Rotterdam)  der  gesamte
Berkehr  der  Niederlande,  und  man  hat  keine
Kosten  gescheut,  nin  denselben  zu  stützen
und  zu  heben.  Große  Docks  (das  Westerdock ­
  allein  mit  Raum  für  1000  Schiffe)
sind  erbaut  und  ungeheure  Magazine  angelegt ­

  worden.  Da  der  Pampus,  welcher
den  Hafen  von  A.  mit  der  Znidersee  verbindet, ­
  immer  seichter  wurde,  so  legte  man
den  93  km  langen,  8  m  tiefen  und  30  m
breiten,  für  die  größten  Seeschiffe  fahrbaren ­
  Nordholländischen  Kanal  bis  zur
Nordspitze,  dem  Helder,  an  (Kosten  13  %
Mill.  Mk.).  Dann  hat  man  einen  kürzern
Kanal  vollendet,  welcher  A.,  westlich  dem
2)  folgend,  direkt  mit  der  Nordsee  verbindet. ­
  Dadurch  haben  sich  die  Lokalspesen
des  Amsterdamer  Hafens  nm  mehr  als  die
Hälfte  ermäßigt;  1879  liefen
ein:  1493  Schiffe  von  1959483  Kubikmeter
aus:  1440  -  -  1888898  -
davon  im  Eingang  842  Dampfer  von
1,279,832  cbm,  im  Ausgang  798  Dampfer
von  1,187,725  cbm.  Deutsche  Schisse  verkehrten ­
  1880  hier  98  (27  Dampfer)  von
30,276  Ton.  Die  Amsterdamer  Handelsflotte ­
  bestand  1880  aus  125  Segelschiffen
von  71,339  Ton.  nnd  38  Dampfern  von
50,515  T.  Die  Schiffahrt  auf  dem  Rhein
ist  in  den  Händen  der  Amsterdamer  Rheindampfschissahrts-Gesellschaft,
  welche  1878
an  9  Mill,  kg  Güter  transportierte,  und
der  2lmsterdamer  RheinschleppschifsahrtS-Gesellschaft.
  —  Handelsartikelsind  in
erster  Linie:  Kaffee,  Zucker.  Thee,  Reis,
Indigo,  Muskaten,  Macis,  Nelken,  Pfeffer, ­
  Zinn,  die  Produkte  der  ostindischen
Kolonien,  welche  durch  dieHolländisch-Ostindische
  Handelsgesellschaft  (Maatschappij)
dem  Amsterdamer  Markt  zugeführt  werden. ­
  Die  monatlichen  AuktionenvonJavakasfee
  sind  für  halb  Europa  maßgebend,
obschon  Hamburg  weit  bedeiltendere  Zufuhren ­
  erhält.  2lus  Ostindien  allein  em-21.1877:
  698,591,1878:  493,439,
1879:  465,626  Ballen  Kaffee.  Ebenfalls
aus  Ostindien,  zum  kleinern  Teil  auS  Surinam, ­
  Brasilien  u.  a.  kommen  die  großen
Quantitäten  Rohzucker,  welche  21.  verarbeitet ­
  und  raffiniert  ausführt  (1878  nur  an
Raffinaden  zur  See  37,5  Mill,  kg,  auf
Flüssen  4,i  Mill.  kg,  Per  Eisenbahn  4,5
Mill.  kg).  Andre  wichtige  Handelsartikel
sind:  Thee,  Tabak,  Häute  und  Stuhlrohr;
von  Farbwaren:  Gelb-  und  Sapanholz,
Quercitron,  Curcuma  ;  von  Droguen  :  Cassia ­
  vera,  Kopal,  Dammarharz,  Kautschuk,
Guttapercha.  Bon  Baumwolle  lvurden
        <pb n="27" />
        Amur  —  Aucun.

19

1879  eingeführt  87,293  Ballen  (meistens
nordamcrikanischc).  Hervorragend  aber  ist
A.  alsEntrepot  fürGetreide,namentlich  für
russische,  preußische,  amerikanische  und  rumänische ­
  Provenienzen;  1878  empfing  cs:
Roggen  .  .  1072524  Hcktol.
Weizen  .  .  573152
Gerste  .  .  iv3  igo
außerdem  Weizen-  und  Roggenmehl  in
bedeutenden  Mengen,  ans  Preußen  und
Hamburg  allein  von  ersterm  61,435,  von
#tenn  28,862  (BäeTe.  1879  umtbcn  on
Getreide  und  Llsaaten  4,155,870  hl  veruressen.
  Überhaupt  nimmt  Deutschland
als  Lieferant  von  Getreide  (auch  Buchweizen) ­
  eine  hervorragende  Stelle  ein.
—  Platzg  ebränch  e.  Der  Preis  der
nteisten  Waren  versteht  sich  für  l k  kg  ;
ebenso  werden  die  meisten  mit  einem  sogen,
stillen  Ausschlag  von  1—2  Proz.  auf  daö
Gewicht  gewogen,  außerdem  gewahrt  man
cm  Gutgewicht  von  1—2  Proz.  Die  Tara-Usancen
  sind  sehr  mannigfaltig.  Die  meisten
  Waren  kaust  man  auf  3  Monate  Zeit;
ein  Rabatt  auf  den  Wert  (1—2  Proz.)  ist
bei  den  meisten  Waren  üblich.  Wechselkurse ­
  werden  notiert  auf  Antwerpen  und
Berlin  8  Tage  und  3  Monate  dato,  Augsburg, ­
  Frankfurt  a.  M.  und  Wien  6  Wochen
bato,  Bremen  u.  Bordeaur  kurze  Sicht  und
2  Monate  dato,  Hamburg  und  Paris  kurze
Sicht  sowie  2  und  3  Monate  dato,  Genna,
Livori,o,  Neapel  2  Monate  dato,  London
auf  Sicht,  kurze  Sicht,  1—3  Monate  dato,
Petersburg,  Lissabon,Porto,  Bilbao,Cadiz.
Madrid,  Sevilla  3  Monate  dato.  Wechseltage
  sind:  für  Papier  auf  London  Dienstag
und  Freitag,  für  Papier  auf  Hamburg
Montag  und  Freitag,  für  Papier  auf  andre
deutsche  Plätze  sowie  auf  Paris,  Bordeaur
und  Petersburg  Montag  und  Donnerstag.
Amur,  s.  Rußland  (Verkehrswesen).
Anam,  Kaiserreich  auf  der  Ostküste  von
Hinterindien,  das  zwei  Gebiete  umfaßt:
QKiloni.  QM.  Bewohner
Tongking  .  .  .  165200  3000  15000000
Kotschinchina  mit
Lao-Staaten.  275300  5000  6  000000
Zusammen:  440500  8000  2100000(T
Hauptstadt  von  Tongking  ist  Kescho  am
Fluife  Songka  mit  150,000  Einw.,  Hanpt-Itadt
  von  Kotschinchina  sowie  des  ganzen

Reichs:  H  u  e  ani  Siidchinesischen  Meer  mit
30—oO.OOO  Einw.  Südlich  davon  der
Hafenplatz  Turón  und  noch  südlicher  an
der  Bai  von  Turón,  die  größtenteils  von
Chinesen  bewohnte  Handels  -  lind  Hafenstadt ­
  Huch  an  (Hainan  oder  Faifo)  mit
20,000  Einw.  Das  südlich  gelegene  Kambodscha ­
  (s.  d.)  hat  A.  1858  an  Frankreich
abgetreten.  Die  Bewohner  von  A.  sind  dei,
Chinesen  im  Äußern  wie  in  der  Sprache
ähnlich.  Die  Religion  ist  meist  ein  Kultus ­
  von  Schutzgcistern;  die  Gebildeten  sind
Anhänger  des  Konfutse;  Katholiken  gibt
es  ca.  42,000  unter  6  Bischöfen.  Durch
den  mit  Frankreich  31.  Aug.  1874  geschlossenen ­
  Vertrag  ist  die  Unabhängigkeit
des  Kaisers  von  A.  von  jeder  fremden
Macht  (also  auch  von  China,  zii  welchem
ein  Lehnsverhältnis  bestand)  anerkannt
und  das  Land  unter  französischeil  Schutz
gestellt  worden.  Dafür  sind  die  Verbote
gegen  die  katholische  Religion  aufgehoben,
mehrere  Häfen  dem  auswärtigen  Handel
geöffnet  und  französische  Konsuln  mit
militärischer  Bedeckung  bis  zu  100  Mann
m  ihnen  zugelassen  worden.  Diese  Häfen
sind:  Ninhhai  für  Haiphong  mit  einem
französischen  Fort,  am  Cuacam  (einem
Mündungsarm  des  Nhiha  oder  Bodcgiang)
  dort  gelegen,  wo  daö  Wasser  für
Schiffe  von  4,5  m  Tiefgang  schiffbar  zu
werden  anfängt;  Hanoi,  am  Bodcgiang
selbst,  ist  die  Hauptstadt  von  Tongking;
Ih  in  ai  (oder  Quinhon)  ist  ein  Hafen  an
der  Küste  unter  13"  50'  nördl.  Br.  und
109°  östl.  L.  v.  Gr.  —  über  den  Handel
liegen  nur  einige  ältere  Mitteilungen  vor.
Vom  15.  Sept.  1876  bis  12.  April  1877
wurden  aus  Haiphong  für  1,070,000  Mk.
Waren  ausgeführt,  hauptsächlich  Seidenwaren,
  Rohseide,  Lack,  Zinn.  Droguen,
Baumwolle,  Champignons,  Anisöl;  eingeführt
  wurden:  Baumwollgarne,  Schuhwerk, ­
  Eisen,  Porzellan  und  Töpferwaren,
Spiegel,  Perlmutter,  Opiiun,  Papier,
Kartoffeln,  Pfeffer,  Petroleum,  Kurzwaren, ­
  Farbstoffe,  Thee,  Wein  und
Spirituosen.  Ein  Warenverkehr  sindet
bis  jetzt  nur  mit  China  statt.  Der  auswärtige ­
  Handel  ist  in  den  Häudeir  der
Chinesen;  die  Anamitcn  beteiligen  sich
wenig  daran,  und  auch  die  Kleinhändler
2*
        <pb n="28" />
        •

20  Ancona  -
sind  meist  Chinesen.  Der  Binnenhandel
ist  nicht  unbedeutend  und  wird  durch
Landstraßen  mit  schönen  Brücken  unterstützt. ­
  Kanäle  uitb  im  N.  der  Songka
gewähren  bequeme  Wasserverbindungen.
—  Man  rechnet  nach  Kwan,  d.h.  Fäden,
auf  welchen  die  Münzen,  »Dong«  (zu  600
Stück),  zusammengebunden  sind.  Das
Dong  oder  Sapeste  ist  aus  Zink  geprägt,
mit  einem  viereckigen  Lock  in  der  Mitte.
Der  Wert  eines  Kwan  ist  sehr  schwankend; ­
  man  gibt  ca.  5  Kwan  für  die  sehrgesuchten
  und  im  normalen  Umlauf  befindlichen ­
  spanischen  Säulenpiaster  und
alten  mejikanischen  Piaster.  In  deutschem
Geld  ist  der  Wert  des  Kwan  ca.  86  Pfennig. ­
  Bei  größer«  Zahlungen  wendet  man
von  der  Negierung  gestempelte  Gold-  und
Silberbarren  an,  die  letzter»  etwa  6  Mk.
90  Pf.,  die  erster«  17mal  mehr  wert.
Man  prägt  in  neuerer  Zeit  auch  kreisrunde, ­
  scheibenförmige  Gold-  und  Silbermünzen.
  —  Die  Ataste  sind  nach  den  Gegenden ­
  sehr  verschieden:  Thuok  der  Kaufleute ­
  für  Baumwoll-,  Woll-  und  Scidenstofse
  schwankt  zwischen  0,4  und  0,64  m;
für  Getreide  am  allgemeinsten  das  Hao^-28
  Lit.  Gewichtseinheit  ist  das  Kahn  —
624,8  g;  Flüssigkeiten  verkauft  man  nach
dem  Gewicht.
Ancona,  Hauptstadt  der  gleichnamigen
ital.  Provinz,  wichtigster  Hasen  an  der
Ostküste  von  Italien,  an  der  Eisenbahnlinie ­
  Mailand-A.-Brindisi,  Station  des
Österreichisch-Ungarischen  Lloyd,  der  Peninsular ­
  and  Oriental  Co.,  Società  Florio,
Cunard-Linie;  0878)46,733  Einw.  Deutsches ­
  Konsulat  (Amtsbezirk:  die  Küstenstrecke ­
  voir  Ravenna  bis  zum  Lago  de
Lesina,  im  Innern  des  Landes  Foligno
uild  Terni);  Handelskammer,  Handelsgericht; ­
  Börse,  Banca  nazionale,  Volkshank, ­
  Sparkasse.  Der  Hafen,  ein  ovales
Becken  von  890  m  Länge  und  780  m
Breite,  gilt  für  den  besten  in  Italien  und
ist  jetzt  Kriegshafen.  —  Die  Industrie
beschäftigt  sich  mit  der  Fabrikation  von
Seide,  Tauwerk,  Leder,  Tabak,  Ölseife,
Papier,  Bleiweiß  K.  —  Hauptgegenstände
des  Handels  sind  in  der  Einfuhr:  Getreide ­
  aus  Rußland,  Tabak  und  Getreide
aus  Ungarn,  Kolonialwaren  von  Triest

-  Angers.
und  aus  England,  Gewebe  uird  Quincaillericn
  aus  Deutschland;  in  der  Ausfuhr:
Weinstein,  Lamm  -  und  Ziegeufelle,  Walnußholz
  u.  a.;  nach  Deutschland  gehen
Asphalt,  Erdpech,  Weinstein,  Sumach.
Direkte  Schiffsverbindung  mit  Deutschland ­
  existiert  nicht.  1879  liefen  hier  882
Schiffe  (364  Dampfer)  von  383,138  Ton.
ein,  834  (363  Dampfer)  von  376,919  T.
aus.  —  Platzgebräuche.  Die  meisten
Gewichtswaren',  auch  Spirituosen,  verkauft
  man  für  100  kg,  Walnußholz  für
1  cbm,  Lamm-  lind  Ziegeufelle  für  das
Stück  oder  100  Stück;  Getreide  auf  4—6
Monate  Kredit,  Fische  auf  6,9,12  Monate, ­
  Zucker  für  bar.
Andamänen,  britisch-indische  Inselgruppe ­
  zwischen  dem  Bengalischen  Meerbusen ­
  und  dem  Busen  von  Martaban;
6497  qkm  (1t  8  QM.)  mit  14,500  Einw.,
darunter  5000  Eiugcborne.  Brauchbare
Häfen  sind:  Port  Cornwallis  an  der  nördlichen ­
  und  Port  Blair  an  der  südliche»
Küste  von  Südandaman.  An  letzten»
Ort  englische  Strafkolonie  für  die  nach
Beendigung  des  indischen  Aufstands  Deportierten ­
  mit  0878)  8532  .Sträflingen.
Andorra,  kleiner  Freistaat  auf  der
Südseite  der  östlichen  Pyrenäen,  zwischen
dem  französischen  Departement  Arcege  und
der  span.  Landschaft  Katalonien;  385  qkm
(7  QM.)  mit  12,000  Einw.  A.  steht
unter  der  Oberherrschaft  Frankreichs  und
des  Bischofs  von  Nrgel  (Spanien),  welche
die  Beamten  ernennen.  Alle  Jahre  bezahlt
die  Republik  an  Frankreich  960  Frank
und  an  den  Bischof  von  llrgel  891  Frank.
Hauptbeschäftigung  ist  Vieh-,  namentlich
Schafzucht  und  Verfertigung  grober  wollenen ­
  Tücher;  außerdem  Handel  mit  Holz
und  Holzkohle,  Eisenerz  und  Schafwolle.
Andria,  Stadt  in  der  ital.  Provinz
Terra  di  Bari;  0878)  37,704  Einw.  Majolikaindustric;
  Handel  mit  Mandeln.
Angerö  (spr.  ñngscheh),  Hauptstadt  des
franz.  Departements  Maine-et-Loire,  unweit ­
  der  Mündung  der  Maine  in  die  Loire
und  an  der  Orleans-  und  Westbahn;  0«7«)
55,366  Einw.  Banque  de  France,  Société
generale.  Fabrikation  von  Leinwand,
Woll-,  Baumwollstoffen,  Kerzen,  Seilerwaren
  K.  ;  Handel  mit  Getreide,  Mehl,
        <pb n="29" />
        21

Anglomdisches  Reich  —  Anhalt.

Futterkörnern,  Lein,  trocknen  Gemüsen,
Wein,  Baumwollwaren,  Schiefer,  Obst.
AngloindischeS  Reich,  s.  Ostindien.
Angola,  Landschaft  in  Niederguinea
an  der  afrikanischen  Küste,  im  weitern
.Sinn  die  Gesamtheit  der  portugiesischen
Besitzungen  in  Südwestafrika  von  5—18°
südl.  Br.  Sitz  der  portugiesischen  Verwaltung ­
  ist  die  Hauptstadt  San  Paolo  de
L  oa  it  da,  zugleich  auch  Hauptstadt  deö
Gouvernements  A.,  welchem  die  Gouvernements ­
  Ambriz,  Benguela  und
Mossa  medes  unterstellt  sind.  Außerdem ­
  erheben  die  Portugiesen  Ansprüche
auf  die  Kimbundaländer  und  Dschimbandi.
Areal  des  ganzen  Besitzes:
QKilom.  QMeileir
Ambriz  mit  Congo  231800  4  200
Angola  ....  66100  1  200
Kimbundaländer  .  150900  2  740
Dschimbandi.  .  .  6200  113
Mossamcdes.  .  .  354800  6  447
Zusammen:  809300  14700
Die  Bevölkerung  dieses  Gebiets  wird  sehlverschieden,
  von  einigen  auf  2,  von  andern ­
  auf  9  Mill,  angegeben,  worunter
die  kleine  Zahl  der  Weißen  fast  verschwindet. ­
  Ihr  Einfluß  wird  aber  durch  »Presidios« ­
  oder  Militärposten  unterstützt  und
reicht  bis  500  km  ins  Innere.  Solche
Presidios  sind:  Muxima,  Massangano,
Cucamba  und  das  östlichste,  bis  zuiil
Congo  vorgeschobene  Kassandschi.  Von
den  zahlreichen  Flüssen,  welche  das  Land
durchströmen,  sind  der  Congo,  Luncnc
und  der  untere  Coanza  befahrbar  (letztere
beide  aber  nur  zue  Regenzeit  und  fürkleinere
  Fahrzeuge).  Da  Pferde,  Kamele
und  Ochsen  nicht  gedeihen,  so  sind  die
Verkehrsverhältnisse  der  primitivsten  Artder
  Mensch  tritt  als  Träger  und  Lasttierauf.
  —  Die  Produkte  des  Laudes  sind:
Aams,  Tabak,  Indigo,  Reis,  Baumwolle; ­
  im  O.  werden  Kaffee,  Zuckerrohr ­
  u.  a.  gebaut,  aber  nur  in  geringen
Mengen,  welche  für  die  Ausfuhr  keine
Bedeutung  haben.  Von  tierischen  Produkten ­
  kommen  Elfenbein  und  Büffelhäute ­
  in  den  Handel,  welche  die  Pombciraö,
  die  das  Land  durchziehen,  von
»w  Eingcbornen  nebst  Kopalharz  und
Palmöl  einhandeln  und  an  die  Küste

bringen.  Die  Trägerkarawanen  haben
aber  viel  durch  Räuber  zu  leiden,  und  jedcr
Hauptling,  dessen  Gebiet  sie  durchziehen,
erhebt  eme  Abgabe.  An  Mineralien  scheint
großer  Reichtum  zu  sein,  und  Eisenerzablagerungen ­
  sowie  Kupfer-,  Blei-  und
Schwefelminen  werden  von  Eingebvrncn
wie  Portugiesen  ausgebeutet.  Petroleum
rieselt  aber  unbeachtet  ans  den  Bergen.
Angostura,  s.  Ciudad  Bolivar.
Angoulême  (sprmnghguliìm),  Hauptstadt
des  franz.  Departements  Charente,  an  der
Orleans-und  Charentebahn;  (1876)  28,665
Einw.  Handelsgericht;  BanquedeFrance,
Société  générale;  Papier-,  Tapeten-  und
Wollfabrikation,  Zuckerrafsinerie  und
Handel  mit  diesen  Erzeugnissen.
Anhalt,  zumDeutschen  Reiche  gehöriges
Herzogtum,  2322,7  qkm  (42,18QM.)  mit
(isso)  232,747  Einw.,  dagegen  1875:
213,565  (208,238  Protestanten,  3473  Katholiken, ­
  1763  Juden).  —  Produktion.
Bon  dem  Gesamtareal  sind  62  Proz.  Acker
und  Gärten,  9  Proz.  Wiesen  und  Weiden,
24  Proz.Forst.  Von  139,303dg.Acker  waren ­
  1878:77,119  mit  Getreide.  37,103  mit
Hackfrüchten  (11,684  mit  Zuckerrüben)  bc-MH.
  SBi#wib  1873  :  52,976  9ünbcr,
14,403  Ißfcrbc,  163,217  @d)afc,  43,640
Schweine.  Der  Bergbau  förderte  1879  -
TääK
Stemsalzwerk  zu  Leopoldshall  304,786  T.
(2,846,134  Alk.)  Kalisalze,  ferner  Kaimt ­
  re.,  die  Salinen  für  6V:  Mill.  Bik.
Chlorkalium,  Glaubersalz  re.  Hüttenund
  Hammerwerkindustrie  im  Selkethal
(Eisengießerei  Mägdesprung)  mit  3595  T.
Eisenguß.  1879  wurden  in  33  Zuckerfabriken ­
  171,770  Ctr.  Rohzucker,  tit  82  Brauemcit
  212,000  hl  Bier,  in  43  Brennereien
84,931  hl  Branntwein  erzeugt;  1880zählte
man  635  feststehende  Dampfkessel.—Nach
dcrGewerbczählungvon  1875  gab  es  13,733
Hauptbetriebe  mit-  44,420  darin  beschäftigten ­
  Personen.  Der  Handel  vcrtreibtGctrcide,
  Wolle  (für  beide  bedeutender  Markt
in  Dessau)  Vieh,  Zucker,  Spiritus,  Salze.
T  Gibe  mit  betn
Hafen  Wallwitzhafeu  bei  Dessau,  Saale,
        <pb n="30" />
        22

Annaberg  —
Mulde,  mehrere  Eisenbahnen  (Hauptknoteupiliikt
  Köthen).  Fördcrnngsmittel  des
Handels  ist  die  Anhalt-Dessauische  Landesbank ­
  (Kapital:  (I  Mill.  Mk.).  Die  Direktion ­
  der  Zölle  und  indirekten  Steuern
ist  in  Magdeburg.  —  Staatshaushalt.
Der  Hauptfinanzetat  für  1880—81  beträgt: ­
  1)  An  eignen  Einnahmen,  einschließlich ­
  326,840  Mk.  aus  den  vorjährigen ­
  Überschüssen,  8,450,000  Mk.  ;  an
eignen  Anögaben  8,393,400  Mk.  2)  Die
Einnahmen  für  das  Reich  bestehen  in
Steuern  und  Zöllen  im  Betrag  von
7,624,000  Mk.,  welche  in  gleicher  Summe
der  Reichskasse  zufließen;  davon  Rübenzuckersteuer
  6,300,000  Mk.  u.  Branntweinsteuer ­
  1,050,000  Mk.  (Matrikularbeitrag
1881-82:  435,562  Mk.)  -  Der  Stand
der  Staatsschuld  war  30.  Juni  1880:
4,521,731,  der  Aktivkapitalien  6,972,399
Mk.  An  Dotationen  aus  dein  Landesvermögen ­
  sind  überwiesen  den  fünf  Kreiskommunalverbänden
  3,450,000  und  dem
Landarmenverband  1,926,000  Mk.
Annaberg,  Stadt  im  königl.  sächsischen
Regierungsbezirk  Zwickau,  an  der  Eisenbahn ­
  Chemnitz-Weipert;  (isso)  11,867
Einw.  Filiale  der  Sächsischen  Bank  zu
Dresden,  Vorschußverein.  Mit  dem  benachbarten ­
  Buchholz  ist  A.  nächst  Berlin
Hauptsitz  der  Fabrikation  aller  in  das
Posamentenfach  einschlagenden  Besatzartikel ­
  (direkteAusfuhr  uach  deirVereiuigtm
  Staaten  1880  sin  5,582,758  %%.).
AnSbach,  Hauptstadt  des  bayr.  Regierungsbezirks ­
  Mittelfraukeu,  an  den
Bahnen  Nürnberg-KrailSheim  und  Würzburg ­
  -  Ingolstadt  ;  (1880)  14,029  Einw.
Wechsel  -  und  Merkautilgericht  erster  und
zweiter  Instanz;  Königliche  Filialbank,
Agentur  der  Bayrischen  Notenbank,  Landwirtschaftlicher ­
  Kreditverein  (eingetragene
Genossenschaft).  Die  Pferde-  und  Viehmärkte
  von  A.  haben  eine  starke  Frequenz.
Antaki  (Autakijah),  s.  Antiochia.
Antigua,  britisch-westind.  Insel,  zu
den  Kleinen  Antillen  nnb  zu  dem  Gouvernement ­
  der  Lcewardinseln  gehörig,  südlich ­
  voir  Barbados;  251  qkm  (4,6  QM.)
mit  (1875)  34,829  Einw.  (darunter  2556
Weiße).  Dependen;  ist  die  189  qkm  (3,4
QM.)  große  Insel  Barbuda  mit  813  Einw.

Antwerpen.
Produkte:  Zucker,  Runr,  Baumwolle,  Tamarinden, ­
  Arrowroot  re.  1879  betrug  die
Einfuhr  3,-2  Mill.  Mk.,  Ausfuhr  5.3  Mill.
Mk.  Einnahmen  der  Regierung  821,680
Mk.,  Ausgaben  722,480,  Kolonialschuld
795,120  Mk.  Hauptstadt  ist  St.  John.
Antillen,  s.  Westindien.
Antiochia  (A  n  t  a  ki,  A  n  ta  k  i  j  a  h),  Ort
im  türkisch-syrischen  Wilajet  Aleppo;
17,000  Einw.  Deutsche  Kousularageutur
(ressortiert  von  Aleppo).
Antofagasta,  s.  Bolivia.
Antwerpen,  Hanptfestung,  bedentendster
  Seehafen  und  wichtigstes  Entrepot
Belgiens,  an  der  Schelde  (67  km  vom
Meer)  und  an  den  Bahnen:  Grand  Central ­
  Belge,  Belg.  Staatsbahu,  Anvers-Gand;
  Station  der  Dampferlinien:  Kosmos,PerlbergerDampfschisfreederei ­
  (Hamburg), ­
  Great  Eastern  Railway  Co.  (London), ­
  Lamport  and  Holt,  Royal  Mail
Steam  Packet  Co.,  General  Steam  Navigation ­
  Co.  sowie  der  hier  domizilierten  Belgian ­
  Royal  Mail  Co.,  Red  Star-,  Whitecroß-
  und  Westcotts-Linie;  (iS78)  159,579
Einw.  Sitz  der  Konsuln  aller  Handelsstaaten; ­
  Handelsgericht,  Handels-  und  Fabrikenkammer; ­
  Börse,  Banque  nationale
Sncc.,  Banque  d'Anvers,  Banque  centrale ­
  Anverroise,  Banque  de  Crédit  commercial. ­
  —  Die  Fabrikation  von  Bleiweiß, ­
  Lackmus,  Baumwollstosfen,  Spitze»,
Zwirn  (Nähseide),  Tapeten,  Tabak,  Goldund
  Silbertressen,  Hüten  ist  ansehnlich,
ebenso  Schiffbau  und  Zuckerrafsinerie.  Die
Ausfuhr  von  Rübenzucker  geht  namentlich
nach  England  und  Holland.  —  Der  Handel ­
  ist  vornehmlichTransit-  nndZwischeni)cmW.
  Me  (1879:  128,972  SMcii),
Baumwolle  (114,923  Ballen),  Häute
(976,073  Stück)  und  Talg  kommen  vornehmlich ­
  aus  den  La  Plata-Staaten,  Getreide ­
  (Weizen  8,26  Mill,  hl,  Roggen  2,wo
Mill.,  Gerste  2,os,  Hafer  2,35,  Mais  0,66
Mill,  hl)  auö  Nordamerika,  Rußland,
Preußen,  Holz  aus  Schweden  und  Norwegen, ­
  den  Vereinigten  Staaten,  Memel
und  Danzig,  Kakao  (9352  Ballen),  Kaffee
(745,600  Säcke)  von  Brasilien,  Petroleum ­
  aus  Nordamerika,  Reis  (745,421
Säcke)  aus  Ostindien,  Lein  -  und  Rübsamen
  auö  Rußland,  Farbhölzcr  aus  Mittel-,
        <pb n="31" />
        23

Apemade  —  Arad.

Harze  aus  Nordamerika.  Audre  wichtige
Importartikel  sind:  Öle,  Thran,  Pferdehaare, ­
  Sämereien,  Tabak,  Hanf,  Jute,
Harz,  Schwefel,  Fleischertrakt,  Zucker.  —
Schiffsverkehr  1879  :  eiuactaiifcit  4248
Schiffe  von  2,908,011  Ton.  (inkl.  2892
^7,721  %.),  bnnuitcr
Pf"),  belgische  375  von  327,173  T.  In
ocit  Kanälen  und  Kaiö  der  Schelde,  den
Schleusen  der  alten  Bassins  (Kattendhckbaf
  sins),  des  CampinekanalS  kamen  31,877
Schrffe  von  1.569,741  T.  an.  A.  ist  wichtiger ­
  Hafen  für  die  Auswanderung,  1879
gingen  über  A.  4089  und  1880:'  11,224
Deutsche.—Jährlich  drei  große  Märkte:
zu  Lichtmeß,  Kreuzcrhöhung  und  Mittwoch ­
  nach  Pfingsten.  —  Platzg.ebr  ä  u  ch  c.
Verkauf  meist  nach  Gewicht  und  mit  Rabatt ­
  (Eskompte),  gewöhnlich  2  Proz.,  bei
Rohzucker,  Seidenwaren,  Häuten  3,  Krapp
6  Proz.  ;  ohne  Rabatt:  Wein,  Spirituosen,
Honig  Hopfen,  Seife,  Foulards  u.  a.,
®ip8,  @ifm,  ^,11.  SBevfänfc
auf  20  Tage  Kredit;  bei  Wein  3  Monate
(WiJBara(il)IuHn  2  «ßro*.  ^iglo^t,  nad)  6
1  ißro;.).  von
/8  litoj.  vom  Reurertrag  der  Verkäufe.
Apenrade,  Hafenstadt  in  der  preuß.
mi  einer
Bucht  des  Kleinen  Belt  und  der  Eisenbahu
  A  -Tondcrn;  (isso)  6378  (Simo.
Rordschleswlgsche  Volksbank.  Die  Reederei ­
  umfaßt  14,570  Ton.
Apia,  s.  Samoa-Inseln.
Apolda,  Fabrikstadt  im  Großherzogtum ­
  Sachsen-Weimar,  an  der  Thüringischen ­
  Eisenbahn;  (isso)  15,598  (Simo.
Vorschuß-  und  Sparverein.  —  A.  ist  für
Strumpf-  und  Webwaren  einer  der
wichtigsten  Plätze  Deutschlands.  Die
Fabrikation  wird  in  großartigen  Fabrikgebäuden ­
  (Zimmermann  u.  Sohn.Spöhr
u.  Franke  u.  a.)  mit  ca.  5000  Arbeitern
und  Arbeiterinnen  sowie  durch  6000
Arbeiter  in  entferntern  Ortschaften  betrieben. ­
  Die  Zahl  der  Web-  und  Wirkstühle, ­
  Posamentierstühle  unb  Nähmaschinen ­
  beläuft  sich  auf  1500  und  der  jährliche ­
  Bezug  von  Garnen  auf  18—20,000
Ņr.  (davon  ca.  4500  Ctr.  englische  u.  a.),

wozu  noch  ca.  2000  Ctr.  Futterstoffe,
Posamenten,  Zwirn,  Knopfe  und  andre ­
  Hnlfömaterialicn  komiilen.  Daraus
werden  etwa  20,000  Ctr.  Strumpf-  und
Webwaren  aller  Art  gefertigt  und  ein
Umsatz  von  9  Mill.  Mk.  erzielt.  Sodann ­
  besitzt  A.  eine  bedeutende  Fleischwarenfabrik ­
  (jährlicher  Umsatz  150—
180,000Mk.),  Fabrik  für  Konditoreiwaren
(Umsatz  180—240,000  Mk.),  eine  Holzbanfabrik ­
  (jährlich  an  16,000  Kisten)  n.a.
Arabien,  große  Halbinsel  im  südwestlichen ­
  Anen,  über  2,6  Mill,  qkm  (nahezu
50,000  QM.)  mit  etwa  4—5  Mill.  Einw.
Kanmder  schmaleKüstensanm  ist  bekannt,
das  große  und  wüste  Hochplateau,  welches
den  größten  Teil  des  Landes  einnimmt,
fast  ganz  unerforscht.  Eisen,  Kupfer  und
Blei  werden  wenig  gewonnen;  Südarabien ­
  versieht  dcnMarkt  von  Aden  mit
Kohle;  Zuckerrohr,  Baumwolle,  Indigo
kommen  nur  in  geringer  Quantität  und
von  nicht  vorzüglicher  Qualität  vor;  das
edelste  Erzeugnis  Arabiens  und  Hauptgegenstand
  des  Handels  ist  Kaffee,  der
vorzüglich  in  den  Gebirgen  von  Jemen
gedeiht;  die  Ausfuhr  davon  über  Aden
(s.  d.)  belief  sich  1875—76  auf  63.700
Ctr.  Andre  Produkte  der  Halbinsel  sind:
Gummi  arabicum,  Aloe,  Weihrauch,
Balsam,  Manna,  Senna,  Datteln,  Perlen, ­
  Pferde.  Die  wichtigsten  Handelsplätze ­
  sind  außer  Aden  am  Roten  Meer
Dschidda,  der  Landungsplatz  der  afrikanischen ­
  Handels-  und  Pilgerkarawanen,
und  Hod  e  ida.  Der  schmale  Streifen,  in
welchem  diese  beiden  Städte  gelegen  sind,
wird  von  der  Türkei  beansprucht  und
durch  türkische  Garnisonen  gehalten.
Arad,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
Ungar.  Komitats,  an  der  Maros,  Knotenpunkt ­
  der  A.-Tcmesvärer,  der  Theiß-(nach
  Czegled  und  Pest)  und  der  Siebenbürger
  Bahn  (nach  Karlsburg);  (isso)
oo,718  Einw.  Araber  Gewerbe  -  und
Volksbank,  Araber  erste  Sparkasse,  Araber ­
  Handels-  und  Gewcrbebank,  Araber
Komitatssparkasse.—-Die  Stadt  ist  der  erste
Platz  für  Spiritnsfabrikation  (in  6  Fabriken ­
  für  12  Mill.  Mk.  jährlich),  bedeutend ­
  sind  auch  die  Kunstmühlcn.  Starker
Handel  mit  Getreide,  Holz  und  Wein.
        <pb n="32" />
        24

Aralsee  —  Argentinische  Republik.

Aralsee,  nächst  dem  Kaspischen  Meer
der  größte  Binnensee  Asiens,  östlich  von
senem,  im  turkistanischen  Tiefland,  450
km  lang,  220—300  km  breit;  Flächeninhalt ­
  66,998  qkm  (1217  QM.).  Im
Winter  soll  der  See  nicht  selten  ganz  mit
Eis  bedeckt  sein.  Die  seichten  Küsten  sind
der  Schiffahrt  sehr  nngünstig,  weshalb
der  See  nur  zu  Negierungszwecken  mit
kleinen  Dampfern  befahren  wird.
Arbroath  (spr.  ärbrohth),  Seestadt  in
der  schott.  Grafschaft  Forfar,  an  der  Nordsee ­
  und  an  der  Caledonian-Eisenbahn;
(1875)  20,169  Gimo.  Deutsches  Vicekonsulat:
  Bank  of  Scotland,  Royal  Bank
of  Scotland;  Segeltuch-,  Horn-  und
Lederfabriken,  Schiffbau.  1879  verkehrten
hier  17  deutsche  Schiffe  von  2526  Ton.
Einfuhr  von  Flachs  aus  den  Ostseehäfen.
Archangel,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  russ.  Gouvernements,  an  der  Dwina,
45  km  von  ihrer  Mündung  ins  Weiße
Meer;  (i872)  18,268  Gimo,  (davon  94
Proz.Russen).  Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk: ­
  das  Gouvernement  A.);  Kontor  der
Staatsbank;  Handelsgericht.  —  Der  Hafen ­
  ist  durchschnittlich  191  Tage  mit  Eis
bedeckt,  die  Geschästssaison  daher  eine
kurze;  aber  während  derselben  bewegt  auf
dem  Strom  sich  dann  einnngchenrerMenschen-nnd
  Warenverkehr  demHafenzu,  der
seinen  Sammel-  und  Ausgangspunkt  zunächst ­
  in  Ustjug  Wcliki  (an  derMündnng
des  Jug  in  die  Ssuchona)  hat.  Zn  derselben ­
  Zeit  kommen  auch  die  großen  Seeschiffe
nach  A.,  welches  dann  dasLeben  undTreiben
  einer  großen  Seehandelsstadt  zeigt.
1880  verkehrten  hier  757  Schiffe  (107
Dampfer),  davon  137  deutsche.  Am  bedeutendsten ­
  ist  der  Handel  mit  England,
nächstdem  mit  Deutschland  und  Norwegen  ;
1880  war  der  Wert  der  Einfuhr  2,oi,  der
Ausfuhr  34,02  Mill.  Aik.  Hauptposten
bei  der  ersten:  Fische  (%  des  Gesamteinfuhrwerts),
  Maschinen,  Öl,  Salz,  Thee,
Wein.  Aus  Deutschland  kommen  namentlich: ­
  Öl,  Wein,  Kaffee,  Petroleum  (zusammen ­
  für  2,51  Mill.  Mk.).  Hauptartikel
der  Ausfuhr  sind:  Holz  (1879  für  4,5
Mill.  Mk.),  Hafer  (710,000  hl),  Flachs
(9  sm.  kg),  #c#cbc  (5  gm.  kg),
Lein-  und  Hanfsame,  Mehl,  Öltreber  u.a.

Nach  Deutschland  gehen:  Hafer,  Thran.
Teer,  Pech,  Felle.  Wechselkurse,  Platzgebräuche ­
  rc.  wie  in  Petersburg.
Arendal,  Hafenstadt  im  norweg.  Stift
Ehristiansand,  der  Insel  Tromsö  gegenüber; ­
  (1876)  4132  Gimo.  Deutsches  Konsulat ­
  (Amtsbezirk:  Zollstättedistrikt  A.).
In  der  Nähe  Eisengruben.  Holzhandel.
A.  besaß  1876  eine  Handelsflotte  von  365
Segelschiffen  von  139,295  Ton.  und  8
Dampfern  von  568  T.  Es  liefen  1879  ein:
33  deutsche  Schiffe  von  1914  T.
Arenöburg,  befestigte  Hafenstadt  der
russ.  Insel  Ösel  (Livland);  (1867)  32  56
Gimo.  Deutsches  Vicekoufulat  für  Öfel.
Arequipa  &amp;lt;spr.  -kihpa),  Stadt  in  Peru,
wichtig  für  den  Transithandel  mit  dem
peruanisch-bolivian.  Hinterland,  meist  in
Händen  europäischer  Kaufleute,  an  der
Eisenbahn  Mollendo-Puno;  (i876)  29,237
Gimo.  Sitz  eines  deutschen  Konsuls  und
der  Banco  del  A.  Seehäfen  für  A.  sind
Mollendo  und  Islay.  Die  Wechselkurse ­
  auf  London  (90  Tage  nach  Sicht)
richten  sich  nach  den  Silberpreiscn,  da  die
Eingebornen,  welche  ausschließlich  die
Wolle  liefern,  Banknoten  nicht  nehmen.
Platzgebräuche  rc.  wie  in  Lima.
Arezzo,  Hauptstadt  der  gleichnamigen
ital.  Provinz,  an  der  Bahnlinie  Florenz-Nom;
  (1878)  39,194  Gimo.  Ressort  des
deutschen  Konsuls  in  Florenz;  Seidenzucht
und  Manufakturen,  Nach  Deutschland
gingen  1879:227,379  kg  Kolonialwaren.
Argentinische  Republik  (früher  Bereinigte ­
  Staaten  des  Rio  de  la
Plata),  südamerikan.  Staatenbund.  ca.
2.258.000  qkm  (41,000  22)1.),  in«.  Patagonien ­
  3,051,706  qkm  (55,422  QM.),  mit
zusammen  (i860)  1,877,490  Gimo.;  doch
schätzt  man  jetzt  die  Bevölkerung  auf
2.400.000  Seelen.  Die  Ein  w  ande  r  u  n  g
ist  fortwährend  eine  starke  gewesen,  1873
erreichte  sie  die  höchste  Ziffer  mit  76,332
und  fiel  dann  bis  1877  auf  29,000;  1878
hob  sie  sich  wieder  auf  38,875  und  1879
auf  50,205.  Die  Zahl  der  Fremden
schätzte  man  1877  auf  385,000,  davon:

Statten:  .  188000
Spanier  .  70500
Franzosen.  60000
Briten  .  .  18500

Schweizer.  10600
Deutsche  .  7500
Österreicher  1600
Andre  .  .  33000
        <pb n="33" />
        Argentinische  Repnblik.

Die  Auswanderung  ist  aber  auch  eine
starke  und  betrug  1877:  12,630  und
1878:  14,860  Seelen.  Auch  ist  die  Republik ­
  für  dieZunahme  ihrer  Bevölkerung
sehr  auf  die  Einwanderung  angewiesen,
denn  die  Sterblichkeit  durch  das  gelbe
»StSÄfe
Dà.Menschen,  davon  16,736  (1871:
K  ,000)  am  gelben  Fieber;  doch  ist  das
Kuna  nn  allgemeinen  gesund.  Offizielle
Sprache  ist  bte  spanische,  herrschende  Re-«S«n
  fast  durchweg  die  katholische;  doch
ist  lede  Religion  gediildet.  -  Die  Bvden  -
beschaffenheit  und  demnach  die  Tauglichkeit ­
  desselben  für  den  europäischen  Ansiedler ­
  ist  sehr  verschieden.  Auf  der  Ostseitc
des  Paraná  und  in  den  Gebirgsstrichen  des
nordwestlichen  Teils  sind  sehr  fruchtbare
Striche,  dann  gibt  es  aber  wieder  weite
Steppen  (Pampas)  mit  Mangel  an  Wasser ­
  und  Salz-  und  Salpeterstrichen.  Der
Ackerbau,  noch  von  geringer  Bedeutung,
produziert  vornehmlich  Weizen,  Mais
mid  Gerste.  Besonders  haben  Deutsche.
Ackerbaukolonien  gegründet,  und  die  Erfolge
  sind  außerordentliche.  Mais  wurde
ßon  1870  nuëgcfü#,  1879  stieg  bcë
Quantum  auf  17  Mill.  kg.  Bot  1879
V«'7i tc  heizen  stets  importiert  iverden,
imb  1879  nwrbm  für  1,569,764  Wl.
Weizen  und  Mehl  nach  London,  Liver

wot,ovA  minoer,  o/,001,261
Schafe,  343,156  Schweine.  Die  sehr  guten
Maultiere  sowie  Esel  und  Pferde  werden
stark  ausgeführt.  Der  jährliche  Zuwachs
einer  »Estancia«  (Viehwirtschaft)  beträgt
mindestens  20,  in  günstigen  Jahren  30
Proz.  Daher  ist  der  Stand  der  Rinderherden ­
  stets  im  Zunehmen,  obwohl  jährlich
ca.  2  Mill.  Rinder  geschlachtet  werden.
Man  verwüstete  früher  außerordentlich
viel.  Ein  Teil  des  Fleisches  wurde  für
"n  Absatz  iii  der  nächsten  Umgebung  gel'-uzen,
  Häute  und  Hörner  bildeten  indes

die  Hauptexportartitel.  Jetzt  wird  außer
»Tasajo«  (gesalzenem  Fleisch)  vornehmlich
masas
4  Dampfer  für  den  jährlichen  Transport
von  800,000  Hammeln  einrichten  lasse,i.
Rach  den  ofsiziellen  Ausweisen  betrug  die
Ausfuhr  von  Vieh  und  Fleisch  1875:  18,6,
1877  aber  schon  23,6  Mill.  Mk.,  davon:
Menge  Wert
Lebende  Rinder  169445  Stück  12,4i  Mill.  Mark
Lebende  Schafe  65462  -  O35  .
Frisches  Fleisch  131656  Kilogr.  0,05  -
Tasajo  .  .  38718591  .  10,84  -
Schafe  zieht  man  mehr  der  Wolle  als  des
Fleisches  wegen,  schon  hat  die  jährliche
Wollproduktioii  eine  Höhe  von  100  Mill
kg  erreicht.  Wollexport  1879:  91,9  Mill,
ķg  un  Wert  von  86,4  Mill.  Mk.  Diese
Wolle  geht  zum  größten  Teil  direkt  nach
dem  europäischen  Kontinent,  in  erster
Lime  nach  Antwerpen,  nächstdem  nach
Havre  und  Bordeaux.  In  wie  enormer
Welse  die  Produkte  der  Viehzucht  unter
den  übrigen  Erzeugnissen  prädominieren,
ersieht  man  daraus,  daß  von  der  Gcsamtausfuhr
  von  1879  (191,1  Mill.  Mk.)  auf
diese  Ausfllhrartikel  allein  177,4  Mill.
Mk-  entfallen.  Es  betrug  nämlich  der
Export  (in  Millionen  Mark):

Wolle.  .  .
RindShäutc.
Schaffelle  .
Andre  Felle.
Pferdehäute.

86,4
32,G
15,9
3.1
1.1

Talg  .  .
Pferdehoare
Salzfleisch.
Tiere  .  .
Knochen  .

8.0
3.1
11,2
8,5
8,0

Nur  noch  einen  Artikel  von  größerer
Wichtigkeit  weisen  die  Exportlisteil  auf
Mk.  exportiert  wurden.  —  Der  Mineralreichtum ­
  ist  noch  wenig  aufgeschlossen ­
  worden,  da  die  Kommunikationsmittel
sehr  mangelhaft  sind.  Einige  Bergwerke
werden  von  englischen  Gesellschaften  ausgebeutet. ­
  1875  wurden  4000  Unzen  Gold
wurden  ausgeführt  für  344,236  Mk.  Bar-
        <pb n="34" />
        26

Argentinische  Republik.

renkupfer  imb  für  157,032  Mk.  Erz.  Der
Wert  der  Ausfuhr  aller  Mineralien  und
Metalle  betrug  1879  nur  787,200  Mk.
Die  Industrie  ist  sehr  gering;  am
wichtigsten  sind  außer  den  mit  der  Viehzucht ­
  verbundenen  Betrieben:  Zuckersiederei, ­
  Gerberei,KonservierungvonFrüchten.
Die  Handelsflotte  zählte  1877:
6138  Schiffe  (160  Dampfer)  von  140,528
Ton.  —  Der  Schiffsverkehr  hat  1878
gegen  das  Vorjahr  bedeutend  abgenommen; ­
  es  liefen

ein.
aus

Segelschiffe ­


1262
821

Tonnen

280223
256  469

Dampfer

1200
390

Tonnen

616409
410120

1877  liefen  aus:  1482  Segelschiffe  von
280,648  T.  und  682  Dampfer  von
178,093  T.  Die  Hauptstadt  Buenos
Ah  res  (s.  d.)  ist  Knotenpunkt  für  zahlreiche ­
  Dampferlinien.  1880  kamen  hier  an  :
106  deutsche  Schiffe  (69  Segelschiffe,  37
Dampfer)  von  99,032  T.  und  liefen  aus:
109  deutsche  Schiffe  von  99,848  T.  —
Konsulate  (keine  Berufskonsulate)  unterhält ­
  Deutschland  in:  Buenos  AyreS,
Cordoba,  Gualeguaychü,  Rosario,  Salta
und  SanJuan.—Natürliche  Verkehrswege ­
  sind:  der  Paraná,  Paraguay  und
Uruguay,  welche  schon  mit  Dampfern  befahren ­
  werden.  Mit  dem  Bau  von  Eisenbahn ­
  en  geht  man  rastlos  vor;  für  drei  Linien ­
  hat  die  Regierung  die  Zinsgarantie
von  7  Proz.  übernommen  und  eine  Linie
selbst  erbaut.  Anfang  1878  waren  im  Betrieb ­
  2317  km  ;  dazu  kommen  3183  km  projektierter ­
  und  teilweise  konzessionierter  Linien ­
  (darunter  die  1422  km  lange  Transandinische
  Bahn  über  Mercedes,  Mendoza
und  den  Uspallatapaß  nach  Valparaiso).
Auf  den  Telegraphenlinien  wurden
1878  bei  einer  Länge  von  7757  km  (davon
Staatstelegraphen  5385,  Privat-  und  Provinzialtelegraphen ­
  2372)  mit  15,820  km
Drähten  214,714  Depeschen,  auf  der  Post
(A.  gehört  zum  Weltpostverein)  5,045,563
Briefe  und  2,166,078  Stück  Drucksachen
befördert.
Der  Handel  hat  sich  in  jüngster  Zeit
wieder  gehoben,  nachdem  er  von  seiner
bedeutendsten  Höhe  1873  in  der  Einfuhr

um  nahezu  die  Hälfte,  in  der  Ausfuhr
aber  nur  um  ein  Weniges  gesunken  war.
Der  Wert  war  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
1878:  169,4  145,2
1879:  179,5  191,1
Die  Einfuhr  begreift  namentlich:  Gewebe
(besonders  baumwollene),  Wein,  Zucker,
Thee  undPerbamatê,  Spirituosen,  Eisenund
  Stahlwaren,  Kleidungsstücke,  Tabak,
Holz,  Reis,  Kohle,  Ül,  Schulung,  Droguen, ­
  Zündhölzer,  Kurz-  u.  Qnincailleriewaren,
  Papier,  Salz,  Hüte  und  Mühen.
Auf  die  bedeutendsten  Verkehrsländer  entfielen ­
  1879  folgende  Posten  (in  Millionen ­
  Mark)  :

Einfuhr  Ausfuhr

Frankreich  .
Belgien  .  .
England  .  .
Vereinigte  Staaten
Brasilien.  .
Italien  .  .
Deutschland  .
Uruguay  .  .
Spanien  .  .

36.4
12,3
49.1
15.2
8,0
10.5
8,8
8.4
8.7

46.5
55.5
15,0
15.2
13.3
6,4
6,1
5,7
2,9

Finanzen.  Jeder  der  einzelnen  Bundesstaaten ­
  erhebt  besondere  Auflagen  guv
Deckung  seiner  Bedürfnisse.  Es  werden  erhoben: ­
  4  pro  Mille  vom  Grundeigentum,
Gewerbesteuer,  Stempel  rc.  Die  Ausgaben
des  Staatcnbunds  haben  in  letzter  Zeit
regelmäßig  die  Einnahmen  überschritten;
bedeutende  Aufwendungen  sind  für  reproduktive ­
  Werke:  Eisenbahnen,  Posten  u.  Telegraphen, ­
  Einwanderung,  gemacht  worden. ­
  Das  Budget  für  1879—80  ergibt  an
Einnahmen  77  Mill.,  an  Ausgaben  73,9
Mill.  Mk.  Von  den  Einnahmen  lverden
53,sMill.  Mk.  durch  Einfuhrzölle,  10  Mill.
Mk.  durch  Ausfuhrzölle  gedeckt.  Die  Budgets ­
  der  Provinzen  zeigen  die  nämlichen
Resultate,  obschon  die  Einnahmen  znm
großen  Teil  aus  den  Verkäufen  von
Staatsländereien  fließen;  das  von  Vítenos ­
  Ayres,  der  bedeutendsten  Provinz,
1880:  Einnahmen  16,9  Mill.  Mk.,

Ausgaben  17,2  Mill.  Mk.  ;  dabei  betrugen
die  Schulden  der  Provinz  130,2  Mill.  Mk.
—  Die  Staatsschuld  betrug  1.  Jan.
1879:  235,8  Mill.  Mk.;  davon  kamen  auf
die  innere  Schuld  83,i  Mill.,  dieäußere
Schuld  152,7  Mill.  Mk.  —  Kreditive-
        <pb n="35" />
        27

Arica  —  Asien.

sen.  ES  bestehen  gegenwärtig  folgende
Bankinstitute:  die  Nationalbank  (Banco
nacional),  Provinzialbank,  Banco  Carabassa,
  London  and  River  Plate  Bank,  Mercantile ­
  Bank  of  the  River  Plate,  sämtlich  in
Buenos  Ayres  mit  Zweigbanken  in  Cordova, ­
  Corrieilteö,  Mercedes,  Rosario,
Salta,  San  Juan  und  Santa  Fê.  Die
.  satlonalbank  wurde  1873  vom  argentinischen
  Kongreß  mit  einem  Nominalkapital
von  20  Mill.Pesos  errichtet,  wovon  die  Reglerung
  2  Mill.  Pesos  übernahm.  Im  September
  1876  war  die  Emission  der  sogen,
metallischen  Noten  ans  22  Mill.  Pesos
(88  Mill.  Mk.)  gestiegen.  Diese  Noten
werden  in  dem  amtlichen,  mit  der  Bank
verbundenen  Wechsclbüreau  jederzeit  zum
Nennwert  angenommen.—Das  Handelsrecht ­
  beruht  auf  dem  spanischen,  doch  sind
auch  portugiesische  und  brasilische  Gesetze
mit  eingefügt;  im  wesentlichen  unterscheidet
eö  sich  jedoch  von  den  benutzten  Quellen.
—  Geld  rc.  Es  herrscht  Goldwährung;
Mnnzemhett  ist  der  Goldpiaster,  der  aber
als  einzelnes  Stück  nicht  ausgeprägt  wird,
lind  fur  welchen  man  ben  Namen  »Peso
Werte«  beibehalten  hat.  Derselbe  steht  dem
amerikanischen  Golddollar  etwa  um  3 /io
Proz.  im  Wert  nach.  Die  int  Land  umlaufenden ­
  Goldmünzen  werden  von  England ­
  eingeführt.  Sonst  bildeit  bolivisches
f'ketgelb,  Banknoten  und  Staatöpapiergeld
  (2j  Papierpiaster  —  1  Silberpiaster)
bie  Umlaufsmittel.  Maße  und  Gew
  r  chte  sind  gesetzlich,  aber  noch  nicht  allgemein ­
  üblich,  die  französischen  metrischen.
Anca,  Stadt  in  Peru,  Hafenplatz  von
Tacna,  mit  dem  es  bind)  Eisenbahn  verbunden ­
  ist,  Station  der  Kosmos-Dampferlinie; ­
  (1876)  34  69  Eiinv.  Deutsche
Konsularagentur  (rcssortiert  von  Tacna).
Es  werteten  1877  :  Einfuhr  10,3  (davon
deutsch  2,64)  Mill.  Mk.,  Ausfuhr  23,7
(davon  deutsch  3,4-))Mill.Mk.  1879  wurden ­
  ausgeführt:  Gold  und  Silber  11,7
Chinarinde  0,9,  Kupserbarilla  0,9  Mill'.
Mk.,  im  ganzen  für  14,2  Mill.  Mk.;  aus
Deiltschland  kommen  namentlich  Baumwoll-
  und  Wollzeuge.  Es  liefen  1877  ein:
533  Schiffe  (29  deutsche)  von  526,443  Ton.
Arlbergbahn,  s.  Alpen  st  rasten.
Arnheim  (Arnhem),  Hauptstadt  der

niederländ.  Provinz  Geldern,  am  Rhein
und  der  Niederländ.  Rheinbahn  mit  Zweig-?,j(bn
  nach  Ziitphcn  und  Kampe»;  (i877)
38,680Emw.  SichcrerHafcn;  lcbhaftcrGetreide-,
  Vieh-,  Tabak-  u.SpeditionShandcl.
Arras  (spr.  arrah),  Hauptstadt  des
franz.  Departements  Pas  de  Calais,  an
der  schiffbaren  Scarpe  (Nebenfluß  der
Schelde)  und  der  Französischen  Nordbahn;
(1876(26,764  Einw.  Banque  de  France,
Société  générale;  Fabrikation  von  Baumwollgarn, ­
  Spitzen  und  Spitzenzwirn,
Strumpfwaren,  Rübenzucker  und  ansehnlicher ­
  Handel  mit  Getreide  und  Ölsaat.
Arroyo,  Hafenplatz  auf  der  Insel
Puerto  Rico  mit  deutschem  Vicekonsulat.
1876  gingen  hier  6  deutsche  Segelschiffe
von  2884  Ton.  mit  Zucker  (1  mit  Orangen) ­
  nach  dem  Kanal  für  Ordre  ans.
Ascension  (spr.  ässennsch'n),  zu  Afrika  gerechnete ­
  brit.  Insel  im  Atlantischen  Ocean,
nordwestlich  pon  St.Helena;  88  qkm  (1,6
03Ji.)  mit  (1871)  27  Einw.  Erfrischungsstation ­
  für  Walfänger  und  Ostindienfahrer; ­
  Kohlendcpot;  1879  Einfuhr  59,120
Mk.,  Ausfuhr  280  Mk.  Hauptcrport:
Riescnschildkröten  und  Vogcleicr.
Asien,  der  größte  und  reichste  aller  Erdteile, ­
  mißt  ohne  diePolargebiete  44,572.250
qkm  (809,478  QM.)  mit  834,707,000
Einw.  und  zerfällt  nach  seiner  politischen
Einteilung  in  folgende  Hauptbestandteile
(s.  Tabelle  auf  S.  28).
Die  Hauptprodnkte  Asiens,  mit
welchen  es  im  Welthandel  erscheint,
sind:  Thee,  Baumwolle,  Seide,  Kaffee,
Gewürw,  Zinn,  Tabak,  Reis,  in  neuerer
Zeit:  Getreide,  Opium,  Hölzer,  Chinarinde, ­
  Krapp,  Perlen,  Diamanten.  In
dei(  Industrie  sind  hervorragend:  die
Seidenweberei  der  Chinesen,  die  Baumwollwebereien
  Vorderindiens  und  Javaö,
die  Shawlwebereien  Kaschmirs,  die  Teppichwebereien ­
  Bocharas,  Persiens  und  der
asiatischen  Türkei.  Doch  beziehen  die  meisten ­
  Länder  einen  Teil  ihrer  Bedürfnisse
aus  Europa,  und  selbst  die  vorzüglichen
Metallarbeiten  (z.  B.  Klingen  von  Damaskus ­
  und  Teheran)  können  die  Konkurrenz ­
  mit  England  und  Soliiigen  nicht  bcşiehen.
  Den  ^ciiiboi  int  ^snuctn  bcttnitteilt
  Karawanen;  Hami,  Singan  u.  a.  in
        <pb n="36" />
        28

Asien.
Übersicht  »er  politischen  Einteilung  Asiens.

Areal  (erst.  Kaspisches  Meer
und  Aralsee)
Qkilom.  OMeilen

11811)750
379  711
440500
726850
457000
250536
1659247
721664
51687
276515
1648195
503300
2507400
400000
2463770
1856616
1889605
16340653
302590
59966
19667

214550
6896
8000
13200
8300
4550
30134
1.3106
939
5022
29933
9141
45537
8000
47  745
33718
34317
296762
5495
1089
357

Bevölkerung

434626000
34338404
21000000
5750000
4000000
1516000
52377000
4000000
1000000
350000
7000000
3280000
3700000
4100000
194695500
26995000
16170600
13574582
6337  000
1880400
822217

Länder

Chinesisches  Reich
Japanestsches  Reich  (1876)
Anani
Siam
Birma
Andre  unabhängige  Gebiete  in  Hinterindien
Einheimische  Staaten  in  Vorderindien  .  .
Afghanistan
Kafi  ristan
Belutschistan
Persien
Turkmenengebiet,  Chiwa,  Bochara  .  .  .
Unabhängiges  Arabien
Unabhängige  Gebiete  im  Archipel  ....
Europäische  Besitzungen:
1)  Britische  (1874-78)
2)  Niederländische
3)  Türkische
4)  Russische  (ohne  Polargebiete,  1870—73).
5)  Spanische  (1862—78)
6)  Französische  (1876)
7)  Portugiesische  (1871-77)

China,  Bochara,  Taschkent  in  Turkistan,
Kiachta  in  Ostsibirien  sind  Knotenpunkte
der  sich  kreuzenden  Karawanenstraßen.
Im  N.,  wenn  Schnee  und  Eis  den  Boden ­
  binden,  sind  Hunde-  und  Renntierschlitten
  Förderer  des  Verkehrs;  in  Centralasien ­
  ist  das  Kamel,  auf  den  Pässen
des  Himalaya  sind  Ochs  unb  Schaf  Träger ­
  der  Lasten;  weiter  im  S.  tritt  der  Elefant, ­
  aber  auch  der  Mensch  an  ihre  Stelle.
Der  Wert  des  gesamten  Außenhandels
wird  1878  in  Einfuhr  auf  2039,i  Mill.,
in  Ausfuhr  alls  2583,5  Mill.  Mk.  berechnet.
Eisenbahnen  sind  nur  da  angelegt  worden, ­
  ivo  europäischer  Einfluß  bestimmend
oder  von  Einfluß  ivar:  in  Ostindien  und
Ceylon,  in  Kankasicn,  Java,  Kleinasien
und  alici)  in  Japan,  während  der  Chinese
sich  der  kaum  eingeführten  Neuerung
schnell  entleoigte  und  die  von  Englaitd
und  Rußland  ventilierten  centralasiatischen ­
  Bahnprojekte  noch  nicht  mit  zählen.
Die  Gesamtlänge  aller  Bahnen  in  A.  beläuft ­
  sich  jetzt  auf  14,882  km.  Der  Telegraph ­
  hat  sich  weiter  ausgebreitet.  Ein
Netz  von  Telegraphenlinien  spannt  sich
über  Sibirien,  den  Kaukasus,  Turkistan,

Indien  und  Java  aus.  Die  Länge  der
Telegraphenlinien  in  Britisch-Ostindien,
im  asiatischen  Rußland,  inNiederländisch-Jndien,
  Persien.  Japan  und  China  hatte
1878:  60,282km  erreicht  mit  126,500km
Leitungen,  auf  welchen  3,400.000  Telegramme ­
  passierten.  Japan  und  China  sind
durch  Kabel  mit  Ostindien  und  Suez  und
sonach  mit  Europa  verbunden;  eine  Tclegraphenlinie
  gebt  von  Konstantinopel  durch
Kleinasien  und  Persien,  eine  andre  durch
Sibirien  bis  Wladiwostok,  um  sich  durch
Kabel  nach  Japan  fortzusetzen.  Die  endliche ­
  Verknüpfung  des  Erdteils  mit  Amerika ­
  steht  bevor,  wie  er  von  Singapur  ans
schon  längst  über  Batavia  telegraphisch  mit
Australien  (Port^Darwin)  verbunden  ist.
Den  Verkehr  zurdee  vermitteln  dieFlaggcn
  aller  Stationen.
Die  bedeutendsten  Handelsplä  tz  c
sind:  Singapur,  Bombay,  Kalkutta,Rangun, ­
  Akyab,  Schanghai,  Jokohama,  Batavia, ­
  inKleinasien  Smyrna,  fernerTaschkent
  in  Turkistan,  Amritsar  im  Pandschab,
  Tiflis,  während  alte  Handelsplätze,
wie  Bassora,  Bagdad,  Aleppo,  kaum  die
Schatten  früherer  Größe  sind.
        <pb n="37" />
        Aspinwall  —  Atschin.

A  spillwall,  s.  Colon.
Assab,  ital.  Besitzung  ait  der  Ostküste
von  Afrika,  15  qkm  (inkl.derInselnOmm
cl  Bachar  und  Ras  er  Rami),  1870  von
einigen  Danakil-Häuptlingen  an  das
Hans  R.  Rubattino  verkauft  und  1880
in  Besitz  genommen.
Asstut,  s.  Si  nt.
Ast»,  Stadt  in  der  (tal.  Provinz  Alessan-SMnber
  Bahnlinie  Genua-Turin  ;  0878)
3&amp;gt;i,646Eluw.  Ressort  des  dcutschciiKoilsuls
in  Genua;  Banca  agricola  d'A.;  Scidenmanufaktur;
  zwei  Messen;  lebhafter  Handel ­
  mit  Wollwaren,  Leder,  Hüten,  Trüffeln.
Astrachan,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  russ.  Goilvernements.  zwischen  den
Mündungsarmen  der  Wolga,  66  km  von
deren  Mündung,  Station  der  Wolga-Dampfschifsahrtsgescllschaft;
  0872)  48,220
Enno.  Ressort  des  deutschen  Konsuls  in
Tiflis;  Abteilung  der  Staatsbank,  Wolga-Kamabank.
  Die  Bevölkerung  ist  eiil  bullies ­
  Gemisch  aus  Russen,  Armeniern,  Tataren, ­
  Persern  u.  a.,  dereil  Hailptbeschäf-Ustung
  der  Handel  bildet;  doch  ist  auch  die
industrie  beträchtlich  und  erstreckt  sich
ans  Schlfsbau,  Färberei,  Seidenmann-'àì-Chagr.nbereitllng
  (ans  den  harten
Rückenstücken  von  Pfcrdchäuten).  Talgschnielzerer,
  Thransiederei,  Seifenfabrikatlon
  (sogen,  »tatarische  Seife«  aus  Seehnndöthran)
  rc.  Von  der  größten  Wichtigkeit ­
  ist  der  Fischfang.  Die  hiesigen
Fischereien,  nächst  dencilvon  Nenfnndland
die  größten  der  Welt,  beschäftigen  viele
Lausende  von  Menschen  und  liefern  jährlich ­
  über  100,000  Hausen,  300,000  Störe
(sür  Kaviarbereitung  ist  A.  der  wichtigste
Platz),  I'/-  Mill.  Sserugcn  und  eine  große
Menge  kleinerer  Fische;  auch  der  Robbenschlag ­
  ist  bedeutend.  —  A.  ist  der  erste  Seehafen ­
  des  Kaspischen  Meers,  doch  können ­
  tief  gehende  Fahrzeuge  den  Hafeil  nur
dann  erreichen,  wenn  Südwinde  dasWasscr
  des  McerS  allfstauen.  Es  steht  durch
Dampfschiffe  mit  allen  wichtigen  Punkten
dcö  Kaspischeii  Meers  in  Berbindung;
L  ampfcr  fahren  die  Wolga  hinauf  bis
Rybinsk,  und  Frachten  gelangen  in  Einem
Sommer  voil  A.  bis  Petersbiirg.  Ans  dein
Wolggsysteni,  dessen  Verkehr  sich  in  A.
konzentriert,  bewegen  sich  423  Dampfer

29

von  33,700  Pferdekräften.  1878  betrug
à,Wert  der  Einfuhr  (namentlich  Baum
Seide,  Getreide,  Wollzeuge,  Spiritus. ­
  Aèetallwaren.  Kattun)  8,2  Mill  Alk
der  Ausfuhr  (Produkte  des  Fischfangs  und
der  Industrie)  3,i  Mill.  Mk.
Asunklon,  Hauptstadt  der  Republik
Paraguay,  am  Fluß  Paraguay  und  der
Bahn  A.-Paraguay;  ca.  20,000  Einw.
Sitz  eines  deutschen  Vicekousulö.  Lebhafter
Handelsverkehr  auf  dem  Fliiß.
Athen,  Hauptstadt  des  Königreichs
Griechenland,  durch  Eisenbahn  mit  dem
Hafen  Piraeus  (s.  d.)  verbunden;  087»)
70,000  Einw.  Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk: ­
  A.,  Piräeuö,  Golf  von  A.  bis
Hydra  und  die  Küste  des  griechischen  Festlands ­
  bis  zum  Golf  von  Volo);  Börse,
Nationalbank,  Griechische  Kreditbank,  Jonische ­
  Bank,  Industrie-Kreditbank;  drei
Seeversicherungsgesellschaften.-VonJnd
  U  st  r  i  e  n  sind  bind)  Ausländer  Seifensiedereien, ­
  Maroquinfabriken,  Webereien  in
Seide  und  Baumwolle  rc.  errichtet  worden; ­
  doch  ist  die  Gewerbthätigkeit  unbedeutend. ­
  Der  Handel  ist  in  schnellem  Steigen.
Wein,  Korinthen,  Seide,  Oliven,  Feigen
und  andreSüdsrüchte,  ferner  Wolle,  Honig
und  Wachs  sindHauptanSfnhrartikcl,  wählend ­
  europäische  Fabrikate  u.  Lurnsartikel
dcil  Hauptteil  der  Einfuhr  ausmachen.  —
Wechselkurse  notiert  man  auf  London,
Triest,  Wien,  Marseille  und  Paris  3  Monate ­
  dato  und  kurze  Sicht,  nach  Deutschland ­
  Zahlungen  durch  Wechsel  auf  Paris
oder  London.  Zahlung  für  Einfuhrwaren
3—9  Monate  nach  Lieferung  durch  Wechsel
oder  bar,  im  letztern  Fall  mit  einem  Esfüin^tc
  von  2—6  Proz.  Kommission  für
Bestellung  und  Ablieferung  5  Proz.
Atschin,  unabhängiges  Reick)  auf  der
nordwestlichen  Spitze  der  Insel  Sliinatra,
de,sen  Inneres  noch  ganz  unbekannt  ist.
Bodcnerzcugnisse  siiid:  Reis,  Baiimwolle,
tropische  Früchte  verschiedener  Art,  vor
allen  aber  Arekanüsse  und  Pfeffer.  Die
Industrie  erstreckt  sich  ails  Banmwollnnd
  Seidenweberei  sowie  Gold  -  und  Silberdrahtarbeitcn.
  Die  Zahl  der  Einwohner ­
  schätzt  man  auf  600,000.—Die  gleick  -
l»a)maeAa^^ptnabttmW^ii^^c1,l{mbcI
und  steht  tin  Verkehr  mit  Pulo  Pinang
        <pb n="38" />
        30

Auckland

Malakka,  Singapur.  Die  Bewohner  der
Pedirküste  treiben  lebhaften  Handel  mit
Arekanüssen  imb  Pfeffer  und  sind  durch
den  Verkehr,  welchen  sie  besonders  mit  den
Amerikanern  haben,wohlhabend  geworden.
Auckland  (Ipr-  cihtland),  bedeutendster
Hafenplatz  auf  der  Nordinsel  von  Neuseeland, ­
  Station  der  Pacific  Mail-  (San
Francisco-Sydney-)  Dampfer  und  Eisenbahnstation ­
  ;  (1878)  24,772  Einw.  Deutsches ­
  Konsulat;  Bank  of  Australasia,  Bank
of  New  Zealand,  National  Bank  of  New
Zealand.  ...  ~
Augsburg,  Hauptstadt  des  bahr.  Regierungsbezirks ­
  Schwaben  und  Neuburg,
oberhalb  der  Vereinigung  der  Wertach
mit  dem  Lech,  an  der  Bayrischen  Staatsbahn; ­
  (1880)  61,598  Einw.  Handelskammer, ­
  Handclsappellationsgericht  für
Schwaben  und  Neuburg;  argentinisches
Konsulat;  Börse,  Neichsbankstelle  (Um-1880:
  260  Will.  Wf.),
Filialbank,  Bayrische  Notenbanksiliale.
—  In  Bezug  auf  Industrie  und  Handel ­
  ist  A.  einer  der  wichtigsten  Plätze
Deutschlands.  In  seiner  gewerblichen
Thätigkeit  nimmt  die  B  a  u  m  w  o  l  l  -
industrie  die  erste  Stelle  ein,  welche
sich  sowohl  auf  mechanische  Baumwollspinnerei ­
  wie  auf  mechanische  Weberei
und  Zwirnerei  erstreckt.  Die  bedeutendsten
Etablissements  sind:  die  Baumwollspinnerei ­
  am  Stadtbach  (96,148  Spindeln),
die  Baumwollfeinspinnerei  (52,000  Spindeln), ­
  die  Spinnerei  Senkelbach  (36,516
Spindeln)  und  andre  Spinnereien  mit
20—30,000Spindeln  ;  die  mechanische  Weberei ­
  am  Fichtelbach  (620  Webstühle),  die
von  I.  G.  Krauß  (774  Webstühle)  und
mehrere  andre  mit  je  400—800  Webstühlen; ­
  die  Zwirnereien  von  Rugendas
(2000  Zwirnspindcln),  Schürer  (2000
Spindeln),  Schifsmacher  (4300  Spindeln) ­
  u.  a.  Indessen  waren  von  den  in
zehn  Spinnereien  und  Spinnwebereien
des  Handelskammerbezirks  aufgestellten
401,592  Spindeln  1879  nur  374,000  im
Gang.  Die  Wollindustrie  ist  durch  eine
großartige  Kammgarnspinnerei  (37,000
Spindeln)  vertreten.  Von  Wichtigkeit
sind  ferner  die  Kattunfabrikation  sowie  die
Druckerei  auf  Banmwoll-  und  Wollstofse,

-  Aussig.
Bleicherei.  Färberei  undApprcticrung  von
Baumwoll-  und  Wollgewcben.  In  der
Metallindustrie  besitzt  A.  drei  große
Maschinenfabriken,  mehrere  Eisengießereien, ­
  große  Messingfabrik,  Fabrikatioir
von  Uhrfedern  (Export  nach  Rußland  und
Amerika),  Laubsägewaren  und  Farben.—
Der  Handel  wird  durch  die  nach  fünf  Richtungen ­
  auslaufenden  Eisenbahnen,  welche
von  alters  her  wichtige  Verkehrsstraßcn
repräsentieren,  wesentlich  gefördert.  1878
wurden  auf  den  Eisenbahnen  abgefertigt
3,575,864Ton.  Güter  unb  dafür3,637,798
Mk.  vereinnahmt.  Der  Handel  vertreibt
namentlich  Getreide,  Weizen  und  Gerste
aus  Ungarn,  Rumänien  und  Oberösterreich, ­
  aber  auch  bayrisches  Getreide  in
großen  Quantitäten,  ferner  Holz,  Käse
aus  der  Schweiz  und  dem  Algäu  (Umsatz
1879:  Limburger  10,000  Ctr.  für  300,000
Mk  Schweizer  und  Emmenthalcr  1000
Ctr.  für  60,000  Mk.),  Butter  (1300-1400
  Ctr.  im  Wert  von  120  —130,000
Mk.).  Zwei  Messen  (»Dulten«)von  14-tägiger
  Dauer,  jetzt  freilich  nur  noch
größere  Jahrmärkte,  finden  im  Mai  und
Oktober,  ein  Wollmarkt  von  viertägiger ­
  Dauer  im  Juni,  Hopfenmärkte  vom
1.  Okt.  bis  30.  April  jeden  Donnerstag
statt.  Der  sehr  ansehnliche  Buchhandel  beschäftigt ­
  mit  Einschluß  der  Musikalien-,
Antiquar-  und  Kunsthandlungen  über  30
Etablissements  und  13  Buchdruckereicn.  —
Wechselkurse  notiert  man  auf:  Amsterdam, ­
  Brüssel,  London,  Paris,  Lyon,  Marseille, ­
  Wien,  Triest,  Basel,  Genf,  Lausanne, ­
  St.  Gallen,  Zürich,  Genua,  Livorno, ­
  Mailand,  Neapel,  Rom,  Venedig.
Allgemeine  Zahltage  (Kassicrtage)  sind
Montag  und  Donnerstag.
Aussig,  Stadt  in  Böhmen,  an  der  Elbe,
Knotenpunkt  der  Bahnen:  Prag-Bodenbach,
  Nimburg-Tetschen,  A.-Komotau;
Station  der  Sächs.-Böhm.  Dampfschissgesellschast;
  (isso)  16,508  Einw.  Sparund ­
  Vorschußverein.  —  Unter  den  industriellen ­
  Etablissements  steht  voran  der
»Verein  für  chemische  und  metallurgische
Produktion«  01200  Arbeiter);  außerdem
Fabriken  für  Woll-  und  Baumwollwaren,
Kerzen  u.  a.  Die  nahen  Braunkohlengruben(A.-Duxer
  Becken)  fördern  jährlich
        <pb n="39" />
        Australien  —  Azoren.

30  Mill.  Ctr.,  wovon  ca.  20  Mill.  Ctr.
ausgeführt  werden.
Australien,  der  kleinste  der  fünf  Erdteile, ­
  umfaßt  etwas  über  7,599,000  gkm
(138,OOOQM.),  mitden  umliegenden  JnfcOt
  gegen  7  708,000qkm  (140,000  OW.)
•k nb J e r f A IIttn  uns  Kolonien.  Das  Ganze
Ģ.  Besitztum  der  englischen  Krone  und
wird  m  politischer  wie  konrnierzieller  Beziehung ­
  mit  der  Insel  Tasmania  und
[  ""dgruppe  zusammengefaßt- ­
  Areal  und  Bevölkerung  dieser  sieben
Kolonien  Ende  1879:
QKilom.  QM.  Bevölkerung
g,cWa.  .  220078  4100  800333
Neusüdwales  .  700180  14513  734282
Queensland  .  1730721  31432  217851
Südaustralieu  3086611  56056  250  "87
Westaustralicu  2527281  45898  28668
Tasmania  .  68766  1  249  112469
Neuseeland  .  272989  4958  463729
SUINI»st  :  8714585  158266  2  715619
stub:
erbau.  Wan  i»
82~,039  Schweine.  Wolle  bildet  den  Hauptebortartiseh
  nacbfibem  Saig,  &amp;amp;üntc  nnb
Sette  (ueucrdings  auch  Fleisch  in  gefrornem
Instand).  Die  Gewinnung  von  Gold  von
Gerste,  Hafer,  Mais,  Kartoffeln,  im  N.
Zuckerrohr  und  Bauiiiwolle  u.  a.  waren ­
  1879:  2,864,593  ha.  Die  Getreideernte ­
  dieser  Kolonien  betrug  1877  —  78-?'
 4  S’  S  beizen.  3,2  Mill,  hl  Hafer,
1,4  Mill,  hl  Mais  re.;  die  Exporte  gehen
nachEngland,  aber  auch  nach  Indien,Mauritius, ­
  der  Kapkolonie  n.  a.  Der  Gesamt-^79
  ans  825,5
Mrll.,  der  Einfuhr  auf  947,o  Mill.  Mk.  be
"chuct.  —  Die  Peninsular  and  Oriental,
die  Pacific  Mail,  die  Eastern  and  Austrauan
  ic.  Eompaiiies  vermitteln  den  P  ostverkehr,
  und  zahlreiche  andre  Dampfer-.Pņen
  gehen  zwischen  A.  uiid  Europa.
Zwei  Kabel  von  Port  Darwiii  (Süd-Salien)
  iiach  Singapur  stellen  die  Verldung
  mit  Europa  her;  Taölnania  und

31
Neuseeland  sind  durch  Kabel  mit  demFestanb
  Sine  große  Kirne  bares):
schneidet  ben  Kontinent  von  N.  nach  S
ewe  anbte  ge^  ron  O.  nacb  an  ber
Kufe  entlang;  die  gesamte  Länge  aller
Laudlmien  war  1879  :  42,945  kin,  der
Drähte70,105,  auf  denen  1878:4,600,000
Telegramnie  befördert  wurden.  Die  Länge
der  Eisenbahnen  war  69,408  km.  —
Die  Staatseinnahmen  sämtlicher  Kolonien ­
  betrugen  1879:  318,5  Mill.,  die
Staatsschulden  1557,s  Mill.  Mk.
der  Hamburg-Amerikanischen  Paketfahrt-Aktiengesellschaft,
  Atlas-  und  Ehapman-LiNie
  ;  3000  Einw.  Deutsches  Konsulat  und
mehrere  deiltsche  Handelshäuser.  —1879  :
»«ÄS!
baron  Kaffee  2,096,328  Mk.  nnb  Blau-^1%
  448,800  Ws.  1879  liefen  51  Segel»
schiffe,(11  deiltsche)  von  14,480  Ton.  und
58  britische  Dampfer  (kein  deutscher)  von
64,346  T.  ein.
Ava,  Hauptstadt  desKönigreichs  Birma
cun  Jrawadi;  ca.  30,000  Einw.  ;  wichtige
Station  für  die  Flußdampfer.
Avellino,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  ital.  Provinz,  durch  Eisenbahn
mit  Neapel  verbunden;  (i878)  21,382
Einw.  Ressort  des  deutschen  Konsuls  in
Neapel;  Banca  di  Napoli,  Banca  nazioiiale.
  Handel  mit  Haseliiüssen.
Avignon  (spr.  awinjong),  Hauptstadt
des  franz.  Departements  Vaucluse,  am
Rhone  und  an  der  Bahn  Paris-Lyon-Mittelmeer;
  (1876)  33,189  Einw.  Bangne
de  Frame  Succursale,  Messageries  nationales. ­
  —  Krappbereitung  und  Krappfärberci
  (wofür  A.  Hauptsitz  ist)  solvie  Seidenmanufaktur; ­
  letztere  produziert  mit
^-4-1,000  Arbeitern  jährlich  für  ca.  12
Wilt.  Mk.  Ware.  Mit  Krapp  (womit  die
roten  Soldatenhosen  gefärbt  werden)  wird
von  etwa  1000  Arbeitern  ein  Geschäftsumsatz ­
  von  mehreren  Millionen  Mark  erziclt.
  Handelmit  Büchern,  Korn  und  Wein.
Azoren,  zu  Portugal  gehörige  Inselgruppe ­
  nn  Atlcñitischen  Ocean,  bestehend
ans  den  Inseln  Fayal,  Pico,  San  Jorge,
Graciosa,  Terceira,  San  Miguel  und
        <pb n="40" />
        32

Badajoz  —  Baden.

Santa  Maria,  Flores  und  Corvo,  hat  2388
qkm  (43  OM.)'mit  (ms)  264,352  Einw.
Hauptcrporte:  Wein,  Branntwein,  Orangen, ­
  Getreide,  Hülsenfrüchte,  Salzfleisch,
Färbermoos,  Öl,Käse,Orscillc,Leinwand.

Die  Inseln  liegen  sehr  günstig  für  die
Proviantierung  von  Schiffen.  Gute  Reeden ­
  ,  wo  Schiffe  ohne  Gefahr  ankern  können, ­
  sind  Horta  und  San  Miguel
(s.  d.).  Die  A.  gehören  zuin  Weltpostverein.

Badajoz  (spr.  wàchàds),  Hauptstadt
der  gleichnamigen  span.Proving,  am  Guadiana ­
  und  der  Bahn  Madrid  -  Lissabon;
(1877)  22,965  Einw.  Deutsches  Konsulat
für  die  Provinz  B.;  Fabriken  für  Leder,
Hüte,  Fayence.
Baden,  Großherzogtnm  und  der
Größe  nach  vierter  Staat  des  Dentschen
Reichs;  15,084  qkm  (279,oa  QM.)  mit
(isso)  1,570,189  Einw.,  dagegen  1875:
1,507,179  (958,916  Katholiken,  517,861
Protestanten,  26,492Jsraelitenrc.).  1879
wanderten  1622  Personen  aus.—Bon  dem
Gesamtareal  sind  43  Proz.  Acker  und  Garten, ­
  15  Proz.  Wiesen  und  Weiden,  38
Proz.  Forst.  Dem  Ackerbau  gewidmet
waren  1878:  597,901  ha,  davon  310,264
dem  Getreide  (auch  Spelz),  84,910  ha  den
Kartoffeln.  Bon  Handelögewächsen  wird
namentlich  Tabak  (Pfälzer)  gebaut  (1879
auf  5515  ha  7943  Ton.),  dann  Hanf
(6104  ha),  Hopfen  (2402  ha).  Mit  Wein
(Affenthaler,  Zeller.  Markgräfler,  Grenzacher)
  waren  20,508  ha  bepflanzt  (Ertrag ­
  vom  Hektar  1878:22,2,  aber  1879  nur
7,  ¡ìli).  Die  Forsten  liefern  jährlich  1  Mill.
Klaftern  Holz,  wovon  ein  Drittel  nach  Holland,Frankreich ­
  rc.  geht.  B  i  e  h  st  a  n  d  1878:
648,782  Dtmbcr,  65,760  #rbe,  137,658
Schafe  unb  (ma)  272,333  Schweine.  Es
bestehen  ein  Landesgcstüt  und  ein  Landwirtschafll.
  Verein  zu  Karlsruhe.  Bergbau ­
  wird  wenig  betrieben;  die  Summe
aller  Bergwerksprodnkte  (Steinkohle  und
Zinkerze)  betrug  1879:  9362Ton.  (99,635
Mk.);  die  Salinen  ergaben  28,263  T.
(851,207  m.).  —^3»  bufiti  e
hat  einen  bedeutenden  Aufschwung  genommen; ­
  1875  zählte  man  105,030  Hauptbetriebe ­
  mit  235,779  Personen;  1879  betrug ­
  die  Zahl  der  feststehenden  Dampfkessel ­
  1109.  Jndustrieplätze  sind  namentlich: ­
  Mannheim,  Pforzheim,  Karlsruhe,

0.
Lahr,  Lörrach  unb  Konstanz  ;  Hauptzwcigc  :
Baumwollspinnerei  unb  -Weberei,  Bijouterie-, ­
  Papier-,  Glas-  und  Tabakfabrikation, ­
  Verfertigung  von  Schwarzwäldcr
Uhren,  Bierbrauerei  (1879:  1,085,000
hl)  rc.  Der  Wert  der  verarbeiteten  Rohstoffe ­
  wird  zu  30—36  Mill.  Mk.,  der  gelieferten ­
  Fabrikate  zu  50—60  Mill.  Mk.
geschaßt.  —  Der  Handel  wird  gefördert
durch  Rhein,  Neckar,  Bodensee  und  Eisenbahnen. ­
  Wichtigster  Handelsplatz  ist
Mannheim  (s.  d.),  dann  die  obengenannten
Städte.  Die  Landstraßen  hatten  Ende  1875
eine  Länge  von  3659  km,  die  Eisenbahnen
1880  von  1313  km,  davon  1101  km
Staatsbahnen,  die  1879  eine  Einnahme
von  28  Mill.,  eine  Ausgabe  von  17,i
Mill.  Mk.  hatten.  —  Konsulate  unterhalten ­
  :  Argentinien,  Belgien,  Brasilien,
Frankreich,  Griechenland,  Italien,  Niederlande, ­
  Österreich,  Portugal,  Türkei,
Venezuela,  Vereinigte  Staaten;  von  deutschen ­
  Staaten:  Bayern  und  Württemberg.
—  Staatshaushalt.  In  den  letzten
30  Jahren  hat  B.  für  Zehntablösungen
28,  Beseitigung  andrer  Fundallastcn  10,
Rhcinkorrektion  24  Mill.  Mk.  verausgabt.
Das  steuerbare  Kapital  wurde  1875  auf
2605,8  Mill.  Mk.  geschätzt,  das  steuerfreie
Kapital  deö  Staats  auf  56,5  Mill.  Mk.  —
Die  Budgets  sind  zweijährig;  nach  dem  von
1881  ergaben  die  Einnahmen  39,224,080
Mk.,  die  Ausgaben  37,615,513  Mk.  Die
Spceialctats  für  die  aus  dem  Staatsbudget ­
  ausgeschiedenen  Verwaltungözweigc
ergaben  1881:  Eisenbahnbetriebsverwaltnng:
  Einnahmen  36,977,199,  Ausgaben ­
  25,563,631  Mk.,  Eisenbahnschnldentilgungskommission
  32,417,228  gegen
29,969,521  Mk.,  die  Bodenscedampfschiss-319,500
  gcgm  283,148  m.,  ^11=ertrag
  der  Neckarbahn  467,880  u.  Ausgabe
der  Eisenbahnvcrwaltung  6,849,159  'Mk.
        <pb n="41" />
        Matrikularbeitrag  1881—82:  5,285,893
Mk.—Die  allgemeine  Staatsschuldbe-^
  31,  %  1879:  39,594,610  SRI.  ;  bic
NN
pfpiSi
^'«^«.Champagner,  Mineralwässer  u.  a.
°n°fôķ°ZW"15L7'Li-WWS--


WM-ZTL
Dampferknien  tut  Schwarzen  Meer  bis
Sit  ïiSSî":
p.erşien  durch  Hocharmcnieu  geht.  Die
wichtigsten  Exportartikel  bilden:  Wolle
(meist  über  Aleppo  nach  Marseille),  Reis,
Getreide,  Datteln  und  Pferde  (nach  c 'utbien),
  Büffelhaute,  Maroquin,  Seide  nllosfc
  Feuerwaffen  (nach  Kleinasieil  re.).
Bon  Europa  werden  eingeführt:  gestreifte
Kattune,  Garne,  Waffe,t,  besonders  Dop-(
  e ^tntcu  und  lange  Flintcnläufe,  Kupferoen
  Völkerschaften  machen  auch  die  jähr-A
  nach  den  in  der  Nähe  liegcndcil
Wallfahrtsorten  ziehenden  Karawanen
tarkc  Anläufe.  Die  gesamte  Haitdelsbeimtb
  auf  24
in^Ņ-nach  Basra  gehenHandelsdampfer,
hļ.r^  ^ rt  an  die  Dampfcrlinic  zwischen
şer  Stadt,  Karatschi  und  Bombay
Handelsgeographie.

Baden-Baden  —  Bahia.

33
ŞppIP
WW8
stel)t  aus  den  Caicos  -  und  Turks-Inseln
WWW
WWami,  GcWbfrötcnfcMcn,  @übi
ÄÏÄS55
ÄiSÄfS
^^abtunb.WWe^i^^(^^a^auaufD^(^
^roo,bonce  nutSOOOeimo.  unb  bcu^c^em
-DŞŞ»
ÎBûJjta  (spr.  bala),  nach  Rio  de  Janeiro
bc  on#  unb  ecic^ße  ©tabi  0mfiIicng
nut  geräumigem  Hasen,  an  der  AllerbeiaÄÄi

«ÄÄSS;
Bonbon  anb  mragii  %anf,  ©octeba  bó
Commercio;  Schtsfswerfte.  —  Von  Industrien ­
  sind  nennenswert:  Baumwollund
  Schnnpftabakfabrikation,  Eisengießerei, ­
  Steinschleiferei,  Goldarbeiten.'  Der
Handel,  obschon  immer  noch  bedeutend
wird  durch  den  Rio  de  Janeiros  und  Per'
ftÄÖÄ
ļîsche  Manufakturwaren,  die  zum  Teil
durch  den  Kustenhandcl  nach  den  südlicher
  liegenden  brasilischen  Häfen  oder
durch  Maultierkarawanen  ins  Innere
şispst-  Der  Wert  der  Einfuhr  wird  auf
lahrllch  41,4  Mill.  Mk.  geschätzt,  der  der
Ausfuhr  ans  über  50,e  Mill.  Alk.  Haupt-3
        <pb n="42" />
        34

Baikalsee  —
holz.  —  Wechselkurse  notiert  man  auf
London  und  Paris.  Die  Einfuhrwaren
verkauft  man  gegen  bar  mit  6  Proz.  Diskont ­
  oder  auch  auf  Kredit  und  dann  die
eingeführten  Manufakturwaren  in  derReqel
  auf  11  Monate  Kredit.  —  Die  Maße
und  Gewichte  sind  trotz  der  obligatorischenGeltung
  des  neuen  Systems  beim  Verkauf ­
  meist  noch  die  alten:  Zucker,  Kaffee
und  Kakao  nach  der  Arroba,  aber  Baumwolle
  und  Haute  nach  den:  Kilogramm.
Baikalfcc  (rufst  Swätoi  More),
eins  der  größten  Wasserbecken  der  Erde  im
südl.  Sibirien,  Gouvernement  Irkutsk,
623,3  km  laug,  15—82  km  breit;  den
Umfang  schätzt  man  auf  1974  km,  der
Flächeninhalt  betragt  32,223  qkm  (585,2
QM.).  Im  ganzen  See  gibt  es  nur  einen
Hafen:  auf  der  Südostseite  beim  Kap
Korbinska,  unfern  des  Klosters  Posolski
(Apostelkloster).  Neben  der  Einfahrt  steht
ein  Leuchtturm,  den  man  jedoch  nur  bei
Nord-  und  Südwestwinden  anzündet.
Von  Ende  Oktober  gefrieren  die  Ufer,  und
bei  einer  Kälte  von  25°  R.  und  starkem
Wind  pflegt  der  See  ganz  zuzufrieren  und
bietet  danir  eine  sehr  bequeme  Passage  für
Wagen.  Der  See  wird  gegenwärtig  von
zwei  Dampfern  und  zahlreichen  Segelschiffen ­
  befahren.  Wichtig  ist  der  See  in  merkantiler ­
  Beziehung,  weil  die  große  Karawanenstraße ­
  von  Kiachta  durch  das  vonS.her
ausmündende  Sselengathal  ihn  berührt.
Durch  die  große  Ausbeute  an  Pelztieren,
den  Herdenreichtnm  im  obern  Sselengathal
  und  die  Fischerei  im  See  (jährlich
1,600,000  kg  Marnò  16,000  kg  ©tore)
sowie  durch  den  Überfluß  an  Bauholz  ist
der  B.  höchst  wichtig  für  den  russisch-sibirischen
  Handel.  Die  schwer  beladenen,  die
Angara  heraufkommenden  Schiffe  können
wegen  des  quer  iiber  die  Ausmündung  des
Sees  in  die  Angara  lagernden  Felsens
nicht  in  den  See  einlaufen,  sondern
müssen  3  km  unterhalb  des  Steindamms,
an  der  sogen.  Nikolausfahrt,  anlegen  und
ausladen.  Die  ausgeladenen  Warmführt
man  dann  zu  Lande  über  5  km  weit  nach
einer  Blicht  des  Sees,  wo  sie  in  andre
Schisse  verladen  werden.
Bailan,  s.  Alexandrette.
Baku,  Hauptstadt  des  gleichnamigen

Baltimore.
rufst  Gouvernements,  an  einer  sicheril
Bilcht  des  Kaspischen  Meers;  (i87s)  15,604
Einw.  Ressort  des  deutschenKonsuls  in  Tiflis; ­
  Hauptzollamt  wegen  des  Seehandels
mit  Persien  und  Truchmenien;  Bank  für
gegenseitigen  Kredit.  Der  Schiffsverkehr
ist  ein  sehr  reger.  Jnr  Seeweg  wurden
1878  Waren  eingeführt  für  3,5  Mill.
Mk.,  ausgeführt  für  3,2  Mill.  Mk.  B.  ist
Hauptstatioil  der  Postlinie  Astrachan-Astrabad,
  außerdem  wächst  seine  Wichtigkeit ­
  dllrch  die  schon  bis  Tiflis  im  Betrieb
befiirdliche  Eiseilbahn  voll  Poti  nach  B.
In  der  Nähe  große  Naphthaqncllen,  daher
B.  Hauptsitz  der  Petroleumindustrie;  eö
führte  1876:  78,2,1878:  161,4  Mill,  kg
Petroleum  auö.
Balchafch,  Binnensee  Asiens,  auf  der
Grenze  zwischen  den  russischeir  Gouvernenlents
  Westsibirien  undTurkistail,  vonNO.
nach  SW.  520  km  lang  und  21,805  qkm
(396  QM.)  groß.  Die  Breite  des  Westeildes
  beträgt  82,  die  des  Ostendes  7—15
km.  Boíl  Ende  November  bis  Anfang
April  friert  er  zu.  Die  Schiffahrt  ist  der
heftigen  Windstöße  wegen  gefährlich.
Balearen,  s.  Spanien  und  Palma.
Ballarat  cspr.  bckhlarät),  Stadt  in  der
austral.  Kolonie  Victoria,  im  Mittelpunkt ­
  reicher  Goldfelder,  Eisenbahnknotenpunkt ­
  mit  (1879)  47,156  Einw.,  darunter ­
  8246  Goldgräber  (1982  Ehiilesen).
B.  Banking  Co.,  Bank  of  Australasia,
Bailk  of  New  Sollth  Wales,  London  Chartered, ­
  National,  Colonial,  Commercial,
Bailk  of  Victoria,  Union  Bank  ofAustralia.
Baltimore  (spr.  báltimohr),  die  größte
lllld  wichtigste  Stadt  des  llordanicrikail.
Staats  Maryland,  an  dem  Patapscofluß
(22  km  oberhalb  seiner  Mündung  in  die
Chesapeakbai)  und  den  Bahnen  New  7)ork-Washington
  und  B.-Cincinnati  rc.,  Station ­
  des  Norddeutschen  Lloyd  u.  derAllan-(Liverpool-)
  Linie;  (i880)  332,190  Einw.
(darunter  80,000  Deutsche).  Deutsches
Konsulat  (Amtsbezirk:  Maryland  itub
der  Distrikt  Columbia);  Handelskamnler,
Maryland-Institut  (mit  jährlicher  Industrieausstellung); ­
  Börse,  Bank  of  Commerce, ­
  Western  Nationalbank  u.  a.  —  Bedeutendste ­
  Industrien:  Schiffbau  (die
»B.  Clipper«  sind  als  Schnellsegler  bc-
        <pb n="43" />
        Bamberg.

35

rühmt),  Pianofortebau  (ausschließlich
von  Deutschen  betrieben).  Schuh-  und
Tabakfabrikation  (ebenfalls  fast  ganz  in
deutschen  Händen),  Eisengießereien  und
Kupferschmieden,  sehr  fcebeutenbe  Kupferiiiib
  Chromwerke,  berühmte  Farbenfabriken, ­
  Maschinen-,  Glaö-,  Baumwvllu„b
  SaWaWWo,,,  gabimtiouNn
^^ņàlien  und  Lederwaren,  Schneideund
  Mahlnuchlenbetrieb,  Reepschlägerci,
Branntweinbrennerei,  Einmachegeschäftc,
Dungerfabriken,  Verpackung  von  Austern
(lahrlich  werden  gegen  61  Mill.  Lit.  gefischt)
und.Früchten,rc.  —  Der  Hafen  von  B.
zerfallt  m  drei  Teile,  von  denen  der  dem
Meer  zunächst  gelegene  7  m  Tiefe  hat,
bei:  dritte,  bis  in  die  Stadt  dringeiide  nur
6—4  m  tief  und  für  Schiffe  von  600  Ton.
geeignet  ist.  Die  Stadt  besaß  1878  eine
Handelsflotte  von  884  Segelschiffen  von
¿2,789  T.  und  131  Dampfern  von  37,593
T.  Der  Schiffsverkehr  war:

1877
Schiffe  I  Tonnen

1878
Schiffe  I  Tonnen

Eingelaufen  I  1438  I  906125  1732  ¡1231701
Ausgelaufen  |  1349  |  874569  1706  11225172
Non  den  1732  eingelaufenen  Schiffen
waren:  britische  609  ,  amerikanische  375,
norwegische  273,  italienische  173,  deutsche
140-  B.  ist  nicht  allein  der  Haupthafen
von  Maryland,  sondern  auch  am  günstigsten
  gelegen  für  Virginia,  Ohio,  Kentucky ­
  it.  a.  —  Der  Wert  des  Handels  war:
1877  1878
Einfuhr  97,8  Mill.  Mark  66,7  Mill.  Mark
Ausfuhr  169,2  -  -  232,2
Die  bedeutendsten  Posten  in  der  Einfuhr ­
  sind:  Kaffee(B.  empfängt  ein  Drittel
des  Imports  des  ganzen  Landes,  1878:
481,184  Säcke,  und  steht  hierin  nur  New
Aork  nach),  Zucker  (aus  Westindien,  1878:
60,135  Fässer  und  33,519  Säcke)  und
W&amp;amp;  (1878  :  217,652  imb  65,994
i",  namentlich  von  Liverpool).  Als  Exporthafen ­
  nimmt  B.  für  Getreide,  Schmalz
und  Speck  die  zweite,  für  Petroleum  die
dritte  Stelle  unter  den  amerikanischen
Hafen  ein.  1878  exportierte  B.  7  Mill.
U.  Weizen.  6  Mill,  hi  Mais,  590,150
Ä'à.Ņèehl,  1,7  Mill,  hi  Petroleum,
^,b663:on.3:abaf,83,2950#n  Baum,

wolle,  50,884  Säcke  Quercitron,  18,838
Ton.  Schmalz  und  Speck.  Der  Export
von  Petroleum  stieg  1872  —  79  von
109,000  Iil  auf  2  Mill.  hl.  Man  beabsichtigt, ­
  eine  Röhrenleitung  von  den  Ölgegendeil
  in  Pennsylvanie,!  biö  zu  den
Raffinerien  in  B.  zu  legen.  Den  Handelsverkehr ­
  mit  Deutschland  zeigen
folgende  Wertziffern:
1877  1878
Einfuhr  .  .  3075332  2784170  Mark
Ausfuhr.  .  37058074  39991152  -
Nach  Deutschland  (besonders  Bremen)
wurden  1876  in  deutschen  Schiffen  namentlich ­
  ausgeführt  (in  Millionen  Mark)  :
Tabak.  .  20,2  |  Baumwolle  5,2
Petroleum  6,5  |  Schmalz  .  4,2
nächstdem  Provisionen,  Getreide,  Kaffee,
Samen,  Austern  und  Früchte,  Rinden  und
Rindenextrakt,  Leder  rc.  Den  Binnenverkehr ­
  fördert  neben  Eisenbahnlinien  der
96  km  lange  Kanal  zum  Susquehanna.
—  Das  Clearinghouse  hatte  1878  einen
Umsatz  von  2,117,22  Mill.  Mk.,  1879:
2,512,14  Mill.  Mk.  —  Die  deutsche  Einwanderung ­
  (1880:  24,800  Personen)
vermittelt  der  Norddeutsche  Lloyd  in  Bremen. ­
  —  Geld  rc.  wie  New  Bork.  Besonderheiten ­
  sind,  daß  die  Tabakfässcr  (tobacco ­
  hogsheads)  4  Fuß  Höhe  und  70
Zoll  Durchmesser  (englisches  Maß)  im
Lichten  haben,  die  Pork  and  beef  barrel
(Schweinefleisch-  und  Riudfleischfässer)
netto  110  kg  Fleisch  enthalten,  mit  29
Zoll  langen  Dauben  und  einem  Durchmesser ­
  von  18  Zoll  im  Lichten;  die  Fish
barrels  (Fischfässer)  dürfen  nicht  unter  29,
nicht  über  31,  Tierces  müssen  45,  halbe
Fässer  nicht  unter  15  Gallons  enthalten.
Bamberg,  Stadt  im  bayr.  Regierungsbezirk ­
  Oberfranken,  an  der  Augsburg-Hofer ­
  Bahn,  von  der  hier  eine  Bahn  nach
Würzburg  abzweigt;  (isso)  29,622  Gimo.
Handelskammer,  Wechsel-  und  Merkantilgericht ­
  erster  und  zweiter  Instanz;
Hauptzollamt;  Reichsbanknebenstelle,  Königliche ­
  Filialbank.  Agentur  der  Bayrischeil
Notenbank.  —  Die  Industrie  erstreckt
sich  uameutlich  auf  Tabakfabrikation
Baumwollspinnerei  und  -Weberei  (1871  -
69,928  Spindeln  und  980  Webstühle
mit  1294  Arbeitern  und  einer  Produk-3*
        <pb n="44" />
        36

Banda  —  Barbados.

tion  von  3,215,789  Pfd.  Garn  und  17,191
Stück  Tüchern),  Seidenzwirncrei,  Holzschnitzerei ­
  il.  «.  Von  großer  Bedeutung
sind  der  Gemüse-  und  Hopfenbau  sowie
der  mit  deren  Produkten  betriebene  Handel. ­
  —  B.  besitzt  seit  1830  einen  Freihafen; ­
  der  Lndwigskanal  hat  hier  seine
AuSmündung;  1878  kamen  in  der  Richtung ­
  nach  dem  Main  an  902  Fahrzeuge ­
  mit  82,081,5  Ton.  Gütern  und  3404
Flöge,  in  der  Richtung  nach  der  Donau
gingen  ab  362  Fahrzeuge  mit  15,993  T.
Gütern  und  102  Flöße,  dazu  eine  Anzahl
unbeladener  Fahrzeuge  und  Flöße.  —  Die
Eisenbahn  hatte  1878  für  den  Gütertransport ­
  eine  Einnahme  von  1,284,264  Mk.
Banda  (Bandainseln),  niederländische, ­
  zu  den  Molucken  gehörige  Gruppe,
44  qkm  (0,8  QM.)  mit  ca.  6000  Einw.
Hauptkultur:  Muskatnüsse;  cs  gab  1877  :
270,300  fruchttragende  und  205,800  junge
Bäume,  von  denen  man  210,175  kg  Nüsse
und  38,487  kg  Macis  (Blüten)  erntete;
Wert  der  Ausfuhr  4,336,078  Mk.
Bangka,  niederländisch  -ostind.  Insel,
12,681  qkm  (230  QM.)  mit  (we)  69,334
Einw.  (darunter  19,532  Chinesen,  216
Europäer).  Aus  den  sehr  reichen  Zinngruben
  wurden  1877  durch  8302  Arbeiter
4,282,010  kg  Zinn  gewonnen,  an  Pfeffer ­
  1725  kg.  Die  Regierung  zahlt  auf
B.  32—34  Mk.  für  das  Zinn  und  erhält ­
  im  Handel  120  —  140  Mk.  dafür.
Bangkok,  Hauptstadt  des  Königreichs
Siam,  63  km  von  dem  Meerbusen  von
Siam  an  beiden  Ufern  des  Menam,  Station ­
  der  Dampferlinie  Società  Rubattino;
(1875)  600,000  Einw.  (darunter  fast  die
Hälfte  Chinesen,  120  Europäer  und  40
Amerikaner).  Deutsches  Bernfskonsulat
(für  das  Königreich  Siam)  ;  Börse,  Chartered ­
  Bank  ofJndia,  Australia  and  China,
Chartered  mercantile  Bank  of  India,
London  and  China,  Hauptagentur  der  Niederländisch-Indischen ­
  Handelsbank.  Der
Menam  ist  ivcgen  einer  Barre  an  seiner
Mündung  fürSchiffe  mit  großemTiefgang
bis  B.  nicht  fahrbar.  Sie  ankern  bei  Paknam
  (ca.  7000  Einw.),  wo  jedes  Schiff
einen  Zollbeamten  an  Bord  nehmen  muß.
—  Der  Handel  hat  nach  Abschluß  des  englisch-siamesischen ­
  Vertrags  enorm  zugenommen; ­

  1844  liefen  9,1858  schon  228
fremde  Schiffe  ein;  1879  liefen  ein  565
Schisse  von  230,086  Ton.,  während  566
Schiffe  von  237,812  T.  ausliefern  Unter
den  eingelaufenen  Schissen  waren  59  deutsche ­
  von  29,655  T.  mit  einem  Ladnngswert
von  0,7  Mill.  Mk..  unter  den  ausgelaufenen
63  deutsche  von  31,225  T.,  Ladungswert
5  Mill.  Mk.;  den  größten  Teil  am  Verkehr ­
  hat  aber  die  englische  Flagge,  welche
fast  die  Hälfte  des  ganzen  Tonnengehaltü
und  weit  über  die  Hälfte  des  Handelswertö
  vermittelt.  Der  Handel  ist  fast  ausschließlich ­
  in  den  Händen  von  Chinesen,
wenige  Siamesen  beschäftigen  sich  damit.
Die  Handclsbewegnng  war:
1878  1879
Einfuhr  .  .  24,4  21.8  Mill.  Mark
Ausfuhr  .  .  87,2  42,8  -
Direkte  Einfuhr  ans  Europa  kommt  nicht
vor,  europäische  Manufakte  werden  über
Singapur  eingeführt.  Diehauptsächlichstcn
Einfuhrwaren  sind:  Lcndentücher  (2Va
Mill.Mk.),  Schillings,  andre  Zeugwaren,
Bammvollgarn,  Opium,  Getränke,  Messing- ­
  und  Kupferwaren.  Ausgeführt  werden ­
  Landesprodukte  und  zwar  namentlich:
Reis,  Zucker,  Pfeffer,  Sesam,  Sapanholz,
  Häute,  Kardamomen,  ferner  Rohseide, ­
  Nutzhölzer,  besonders  Teakholz,  Kokosnußöl, ­
  Baumwolle,  gesalzene  Fische,
Hirschgeweihe,  Erbsen,  Vogelnester,  Elfenbein. ­
  —  Handelögcbräuche.  Produkte
des  Landes  kauft  man  gegen  bar;  Einfuhrwaren ­
  verkauft  man  auf  3—4  Monate
Kredit.  Siamesen  und  Chinesen  sind  aber
schlechte  Zahler,  obschon  die  (freilich  schleppend ­
  gehandhabten)  Schnldgesetze  streng
sind.  Ein  gesetzlicher  Zinsfuß  besteht  nicht  ;
Siamesen  und  Chinesen  berechnen  bis  15
Proz.,  Europäer  bis  12  Proz.  Zinsen.
Barbados  (Barbadoes),  britischwestind.
  Insel,  die  größte  und  bevölkertste
derWindwardinseln;430  qkm  (7,8QM.)
mit  0871)  162,042  Einw.  (davon  16,560
Weiße  und  145,482  Farbige).  Von  1873
bis  1876  wanderten  10,046  Personen  ein
und  nur  5136  Personen  aus.  B.  ist  kahl
und  der  Boden  keineswegs  sehr  fruchtbar,
es  ist  aber  die  gesündefteallerwestindischen
Znseln.  —  Ausfuhr:  Zucker  (1876  für
11,403,960  Mk.  Rohzucker  und  2,172,180
        <pb n="45" />
        Barcelona.

37

Mk.  Melasse),  Rum,  Baumwolle,  Tamarinde; ­
  Einfuhr:  Lebensmittel,  Vieh,  Leinen, ­
  Baumwoll-,  Eisenwaren  rc.  Am  Handel ­
  beteiligen  sich  die  Vercinigteil  Staaten, ­
  England  und  seine  Kolonien.  1879
wertete  die  Einfuhr  20  Mill.  Mk.,  die
Ausfuhr  24,3  Mill.  Mk.  B.  bildet  als
Anlaufstation  zugleich  den  Absatzpunkt
wr  die  leewärts  liegenden  Inseln.  Die
lebhafteste  Periode  ist  die  trockne  Jahreszeit, ­
  namentlich  März,  wo  oft  über  200
Schiffe  in  der  Earliölebai  liegen,  meist
von  Südamerika  gekommen  und  auf  Ladung ­
  oder  Nachricht  wartend.  Außerdem
Anlaufstation  für  Walfischfahrer
(.18/6:  14  von  2492  Ton.).  —  Der  gesamte ­
  Schiffsverkehr  betrug  1878:
/01,000  T.,  wovon  Vs  auf  England  und
auf  die  Vereinigten  Staaten  kam;  1878
verkehrten  hier  3  deutsche  Schiffe.  —  Die
Staatseinnahmen  beliefen  sich  1879
auf  2,435,020,  die  Ausgaben  auf  2,497,780
Mk.;  eine  Staatsschuld  eristiert  nicht.  —
Hauptstadt  ist  Bridgetown  (s.  d.).
Barcelona,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  span.  Provinz  (Katalonien),  wich-Ugster
  Hafen-,  Handels  -  und  Fabrikplatz
Spaniens,  an  der  Nordostküste,  am  Mittelländischen ­
  Meer  und  den  Bahnen  B.  -  Saragossa
  und  B.-Narbonne;  Station  der
Dampferlinien:  Sloman  n.Komp.  (Hamburg) ­
  ,  Nederlandsche  Stoomboot  Maatschappij,
  Lavarello  u.  Ko.  (Genua),  Lopez
n.  Ko.  (Antillenlinie),  Messageries  maritimes, ­
  Pagnetbotö  à  Vapeur  espagnols,
Société  generale  de  Transports  maritimes, ­
  Rocco  Piaggio  (Genua)  und  der  hier
domizilierten  Roca  u.  Ko.  ;  (1877)  249,106
Einw.  Deutsches  Generalkonsulat  (für
das  Königreich  Spanien);  HandelSkollestttlin,
  Handels-  und  Seegericht;  Börse,
Banco  de  B.,  Banco  de  España  Succ.,
Banco  Hispano  colonial,  Banco  popular
Español,  Soc.  Catal.  gen.  de  Cred.  ;  mehrere ­
  Seeassekuranzgesellschaften.  —  Die
industrie  ist  sehr  bedeutend;  B.  ist  die
ñbwerbthñtigste  Stadt  Spaniens.  Schon
n°o7  waren  hier  und  in  der  Umgegend

V,000;  allein  66  Maschinen  waren  mit

Verarbeitung  der  Baumwolle  beschäftigt
3^1^11  W  0.1500  Selbe,imb
2000  Wollwebstühle,  Maschinenfabriken
und  Eisengießereien,  Papier-,  Glaö-Thonwaren-,
  Gewehr-,  Seife-,  Leder-'
Schokoladcfabriken,  Färbereien,  Druckereien, ­
  Mahl-  mid  Schneidemühlen,  alle
mit  Danipf  betrieben.  Vorzüglich  sind
auch  die  Schiffswerften  und  die  Kanonengicßerei.
  Noch  wichtiger  ist  aber  der  Handel, ­
  obwohl  derselbe  nicht  in  dem  Maß
gestiegen  wie  der  andrer  Mittelmcerhäfcn.
Der  Gesamtwert  betrug  1877:  in  Einfuhr
116  Mill.  Mk.,  in  Ausfuhr  92  Mill.  Mk.
An  der  erster»  Snmnlc  beteiligten  sick
die  nichtspanischcn  Flaggen  mit  etwas
mehr  als  dem  vierten  Teil,  wovon  auf
England  allein  ca.  11,r,  Mill.  Mk.  kommen. ­
  Von  der  Ausfuhr  kommt  nur  17a
şi'oz.  auf  die  Marine  fremder  Länder.  —
Im  Schiffsverkehr  liefen  1878  ein:
Spanische  Schiffe  5262  von  1136  440  Tonnen
Fremde  Schiffe,  845  -  391207
1879  liefen  ein:  zusammen  4543  Schiffe
S"  *"3:  5163  6#c  bo»
1,333,821  T.  Von  den  fremden  Schiffen
mmi  1878  :  300  €1#^  (238  ^,,1=%&amp;amp;*0'^82,585
  S,  146  w»
T.,  55  deutsche  (32  Dampfer)
von  28,595  T.  (1879:  45  deutsche,  davon
34  Dampfer,  von  37,673  T.).  Die  deutschen ­
  Dampfer  (Sloman)  kommen  alle
zehn  Tage.  England  führte  1878  ein
für  12,904,000  Mk.,  davon:  Baumwolle
5.900.000  Mk.,  Petroleum  310,000  Mk.,
Holz  aus  Kanada,  Getreide  aus  Afrika,
Eisen,  Steinkohle,  Koks;  Italien  führte
für  6,473,600  Mk.  Guano,  Kohlen  rc.  ein
mtb  Kn:  1,020,000  %%.  Bkiii  aug.
Import  von  Schweden  und  Norwegen
bestand  in  Hölzern  (1,173,520  Mk.)  und
@(0##  (2,796,000%%.).  %,i8  211111:1141
kamen  Faßdauben,  Dielen,  Kohlen,  Pe
troleum,  Baumwolle  rc.  im  Wert  von
1.768.000  (1876:3,636,000)%%.  Deutsch
land  führte  Eisen,  Sprit,  Leinengarn,
Nadeln,  Papier  rc.  ein.  Der  Import
einiger  Hauptartikel  stellte  sich:
1877  1879
Baumwolle  349326  364130  mete.  Centner
Häute  .  .  301321  436575  Stück
Steinkohle  286000  261360  Tonnen
        <pb n="46" />
        38

Bari  —  Barmen.

Ein  wichtiger  Einfuhrartikel  ist  Seidenpapier ­
  rum  Einwickeln  der  Orangen,
wovon  aus  Österreich  für  280,000  Mk.
kam,  von  dorther  auch  Hohl  -  und  Spiegelglas ­
  für  460,000  Mk.  Andre  wichtige
Einfuhrartikel  sind:  Zucker  (4879:44,043
Kisten),  Kaffee  (l/tSm.kg),  Kakao  (l,i2
Mill,  kg),  Weizen  (102  Mill.  Lit.).  Ausgeführt ­
  werden  besonders:  Wein  (die  Ausfuhr ­
  nach  Frankreich  betrug  4877:  26
WiU.  Mt.,  4878:  81  Mid.,  1879:  240
Mist.  L.),  ferner  Rohseide,  Hüte,  Spitzen,
Bander,  Seife,  Stahl,  Feuerwaffen,
Branntwein,  Kork,  Öl,  Safran,  Anis,
Mandeln,  Nüsse,  Orangen  rc.  Die  vom
Zollamt  erhobenen  Zollgebühren  beliefci
  fid)  1877  auf  12,825,232
16,440,274  im  Vorjahr.  —  B.  unterhält
sehr  lebhafte  Verbindung  mitCadiz,  Cette,
Marseille,  den  italienischen  Häfen;  durch
die  Eröffnung  der  SchienenstrcckeGerona-Perpignan
  hat  der  Seeverkehr  einigermaßen ­
  eingebüßt.  B.  hat  mehrere  Tramwaylinien ­
  (eine  mit  Lokomotiven  befahren), ­
  die  sich  sehr  gut  rentieren.
Geld.  Die  Warenpreise  werden  immer
in  Pesetas  —  1  Frank  (80  Pfennig)  gestellt. ­
  Provinzialpapiergcld  ist  das  sogen.
Ealderillapapier,  wovon  die  Kontrahenten ­
  der  in  dieser  Provinz  geschlossenen
Verträge  Vio  ihrer  Forderung  nehmen
müssen,  wenn  »Zahlung  nach  der  Usance
des  Platzes«  bedungen  ist.  Privatpapicrgeld
  sind  die  Noten  der  Bank  von  B.
(Kapital:  2  Mill.  Piaster).  Wechselkurse ­
  werden  notiert  auf  Amsterdam,
Genua  und  Hamburg  90  Tage  dato,  auf
London  30,  60,  90  Tage  dato  und  8
Tage  nach  Sicht,  auf  Paris  und  Marseille ­
  90  Tage  dato  und  8  Tage  nach  Sicht,
auf  Bordeaux,  Lyon,Brüssel,Genf  8  Tage
nach  Sicht,  aufMadrid  nird  andre  spanische
Plätze  8  Tage  nach  Sicht.  Getreide  un
Großhandel  nach  dem  Gewicht.  —  Die
sogen.  Messe  dauert  vom  44.—18.Juli.
Bari,  Hafen  und  Hauptort  der  gleichnamigen ­
  ital.  Provinz,  am  Adriatischen
Meer  und  den  Bahnen  Ancona-Otranto
und  Reggiobahn,  Station  der  Dampferlinien: ­
  Rederl.  Stoomboot  Maatschappij,
Società  Florio,  Wilson-  n.  Cunard-Linie;
(IM)  55,466  Einw.  Deutsches  Konsulat;

Banca  nazionale,Bancadi  Napoli.—Lebhafter ­
  Handelsverkehr  mit  Triest,  Korfu,
Messina  und  dem  Orient.  Schiffsverkehr
1879:  eingelaufen  857  Handelsschiffe
(318  Dampfer)  von  267,211  Ton.  (davon
463  italienische).  Einfuhr:  Petroleum,
Bauholz,  Eisen,  Kohlen,  Schwefel,  Steine,
Sprit,  Zucker,  Kaffee,  Glas,  Manufakte,
Stockfisch,  Reis  rc.  (Gesamtwert  1879  :
43,9  Mill.Mk.);  Ausfuhr:  Getreide,  Olivenöl, ­
  Mandeln,  Johannisbrot,  Wein,
Weinstein,  Feigen,  Anis  (Gesamtwert
4879:  74,6  Mill.  Mk.).  Der  Handel  mit
Deutschland  wertete  in  Ein-  und  Ausfuhr
4,7Mill.Mk.  —  Wechsel  auf:  Amsterdam,
Augsburg,  Frankfurt  a.  M.,  Hamburg,
London,  Paris,  Triest,  Venedig,  Wien.
Barmen,  Stadt  im  prcnß.  Regierungsbezirk ­
  Düsseldorf,  zieht  sich  im  Thal  der
Wupper  neben  der  Bergisch-Märkischen
Eisenbahn  in  einer  Ausdehnung  von
5,6  km  von  Elberfeld  bis  zum  westfälischen
Ort  Langcrfeld  hin;  (isso)  95,861  Einw.
Konsulat  der  Vereinigten  Staaten;  Handelskammer, ­
  Handelsgericht,  Gewerbegericht; ­
  Reichsbanknebenstelle,  Barmer  Bankverein. ­
  —  Großartige  Industrie:  große
chemische  Fabrik,  Färbereien  (von  denen
zehn  das  bekannte  rote  türkische  Garn  liefern), ­
  Fabrikation  von  Bändern,  Kordeln,
Litzen,  Zanellas  oder  Jndiair  Cloths  ferner ­
  von  Buntpapier  und  Glaceekarton,
gllmmi-elastischen  Waren,  Stoff-  und
Metallknöpfcn,  Seife,  Zündhütchen,  von
gold-,  silber-  und  platinaplattierten
Kupferblechen,  Schnürlochaugcn  (»Oeillets«), ­
  Stahl-  und  Eisenwaren,  Maschinen,
  Orgeln,  Pianofortes  u.  a.  Eingeführt ­
  wurden  4879:2,042,486  k^  Baumwollgarne,2,396,065 ­
  ktz'Wollgarne;  durch
die  Elberfeld-Barmer  Seidentrocknungöanstalt
  gingen  489,769  kg  Seide;  sür  die
Färbereien  bedeutende  Posten  Indigo  und
Kochenille  u.  a.  Die  Ausfuhr  nach  den
Vereinigten  Staaten  allein  wertete  4878:
44,2  Mill.,  4879:  16,8  Mill.,  4880:  23
Mill.  Mk.,  darunter  4880:
Wollene  Tücher  ....  5,8  Mill.  Mark
Metallwaren  5,o  -  «
Besatzartikel  5,5
ferner  Schnüre,  Seideuwarcn  u.  a.  Auf  den
Stationen  der  Bcrgisch-Märkischen  Eisen-
        <pb n="47" />
        39

Barraní  eda  —  Basra.

bahn  B.  und  B.-Rittershausen  kamen
1879  an:  488,055  Personen  und  fuhren
ab:  61.4,673Pcrsonen;eS  wurden  versandt
207,052  Ton.,  empfangen  1,733,968  T.
Die  Tramwaybahnlinie  B.-Elbcrfcld  legte
949,432  km  zurück  u.  beförderte  3,906,159
Personen;  die  OmnibuslinieWichlinghaubngitnid
  imi)  bciötbc^tc
12,370Personen.  —  Bei  den  fünf  Postmiißcii
  cm:  2,999,286  Bliese,
Beitete  imWertbetragvon  37,039,41  OMk.  ;
auf  Postanweisungen  wurden  12,403,714
Mk.  ausgezahlt.  Ans  den  fünf  Telegraphenämtern ­
  B.,  B.  -  Rittershausen.  B.-mIteeban1lc^l,B.:$ßic^I;,lß^cmfc^l
  iinbB.=Wupperfeld
  wurden  38,556  Telegramme
aufgegeben,  und  41,901  kamen  an.
Barrameda  (San  Lücarde),  Hasenstadt
  in  der  span.  Provinz  Cadiz;
0877)  22/77  Einw.  Deutsches  Bicekonsnlat
  (ressorticrt  von  Cadiz).
.  Barranquilla  (spr.  -illja),  Hafenstadt
m  der  Republik  Kolumbien,  amMagdalenenstrom
  (10  km  von  der  Mündung
desselben),  durch  Eisenbahn  mit  der  Ha-M^Sabanilla
  (s.  d.)  verbunden;
20,000  Einw.  Deutsches  Konsulat.
den  Flußhafen  liefen  1879  ein:  32  See-^#^11118
  122^#^.  libei  biig
Zollamt  von  B.  wurden  eingeführt  1879
Borni  miBeit  uo,i  31,7  9Üi(I.  m.,  wofm-
  12,5  &amp;lt;DM.  tmf.  cm  ^öKen  ^c^a^O
iimrbm.
ltd)  über  -Labamtla.  Die  Bank  von  B
zahlte  1878  eine  Dividende  von  12  Proz.
Barrow  i  n  F  u  r  n  e  ß,  Stadt  in  der  engl.
Grafschaft  Lancaster;  12,000Einw.  Deutsches ­
  Bicekonsulat;  Cumberland  Union
Banking  Co.,  Lancaster  Banking  Co.  1879
betrug  die  Einfuhr  9,5,  die  Ausfuhr  britischer ­
  Produkte  17,4Mill.  Mk.  ES  verkehrten ­
  hier  16  deutsche  Schiffe  von  9020  Ton.
Barth,  Hafenstadt  im  preuß.  Regierungsbezirk ­
  Stralsund,  am  Barther  Bodden; ­
  (1880)  5789  Einw.  Borschnßverein;
vier  Wersten.  Die  Reederei  umfaßt  (isso)
238  Schisse  von  43,673  Ton.
Basel,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
id)weizer.  Kantons  (B.-  Stadt)  und  erster ­
  Handelsplatz  der  Schweiz,  zu  beiden
Seiten  des  Rheins,  Knotenpunkt  der
badischen  Bahn,  Elsaß-Lothringer  Bahn,

Schweizer  Ccntralbahn,  Jura-  und  Nordostbahn; ­
  0880)  61,399  Einw.  Deutsches
Konsulat  (Amtsbezirk:  die  Kantone  B.-Stadt,
  B.-Land,  Solothurn,  Bern  Aargau
  und  Luzern);  Bank  in  B.,  Baseler
Bankverein,  Baseler  Handelsbank,  Eidgenössische ­
  Bank.—Haupt  in  du  stri  e  ist  die
Seidenbandweberei,  welche  in  der  Stadt
B.  500,  ans  dem  Land  gegen  8000  Bandstühle ­
  beschäftigt.  Dem  Weben  geht  das
Zwirnen  voraus,  und  die  Weber  verfertigen ­
  teils  glatte,  teils  fa^onnierte  Bänder.
In  glatten  Bändern  hat  B.  die  französisck)e
  Industrie  überflügelt,  in  fc^onnierten,
  was  den  Preis,  nicht  aber,  was
Appretur  und  Dessin  betrifft.  Die  Bandfabrik ­
  vom  Haus  H.  F.  Sarasin  ist  das
größte  Etablissement  dieser  Art  in  der
Welt  und  wird  in  vier  mächtigen  Gebäuden
betrieben.  Die  Baseler  Fabrikanten  liefern ­
  V*—Vs  so  viel,  wie  ganz  Frankreich
ausführt;  selbst  auf  dem  Pariser  Markt
spielen  Baseler  Bänder  trotz  hoher  Eingangszölle ­
  eine  ansehnliche  Rolle.  In
Verbindung  mit  der  Weberei  blüht  auch
die  Seidcnfärberei.  Außerdem  werden  verschiedene ­
  seidene  und  halbseidene  Kleiderstoffe ­
  angefertigt,  ansehnliche  Florettspinnereien ­
  exportieren  nach  England.  An
Seidenbändern  liefern  B.  und  llmgebung
jährlich  für  32  Mill.  Mk.,  meistens  nach
Deutschland  und  den  Niederlanden.—Der
Warenverkehr  der  inB.  zusammenlaufenden ­
  Bahnen  übersteigt  10  Mill.  Etc.;
mehr  als  die  Hälse  der  schweizerischen  Ausfuhr ­
  wird  hier  durck)geführt,  teilweise  verladen ­
  und  bildet  die  Quelle  eines  einträglichen ­
  Speditionshandels.  Die  Personenfrequenz
  auf  den  Eisenbahnen  beträgt
jährlich  '/2  Mill.  -  Wechselkurse  iwticrt
  man  kurze  und  lange  Sicht  auf:  Amsterdam ­
  und  Rotterdam,  Antwerpen  und
Brüssel,  Augsburg,  München,  Berlin,
Bremen,  Frankfurt  a.  M.,  Hamburg,
Leipzig,  London,  Mailand,  Slew  York,
Paris,  Lyon,  Marseille,  Wien.  —  Eine
Messe  von  14  Tagen  wird  28.  Okt.
abgehalten,  außerdem  jährlick)  vier  sogen.
»Fronfastenmärkte«.
Basra(Vas  sora),Hanpthandelsplatz
des  gleichnamigen  Paschalikö  in  der
asiatisch-türk.  Provinz  Irak  Arabi,  am
        <pb n="48" />
        40  Bassein  —
westlichen  Ufer  des  Schalt  el  Arab,  etwa
90  km  von  dessen  Mündung  in  den  Persischen ­
  Meerbusen;  ca.  20,000  Einw.;
Hafenort  von  Bagdad,  mit  dem  es  durch
Dampfer  verbunden  ist.  1878—79  verkehrten ­
  hier  99  Dampfer  von  81,173  Ton.  und
160  Segelschiffe  von  33,266  T.  Nach  Indien ­
  werden  von  B.  namentlich  viele  arabischePserde
  fürdieK'avallerie  dercnglischvstindischen
  Armee  ausgeführt;  auch  die
Ausfuhr  von  Datteln  und  Dattelbranntwein ­
  ist  beträchtlich.  Etwa  7  km  westlich
liegt  Altbasra,  Sammelplatz  und  Ausgangspunkt ­
  der  Karawanen  nach  Arabien.
—  Handelsaebräuche.  Man  schließt
Käufe  und  Verkäufe  ausschließlich  in
Schami  (ca.  1,9  Mk.);  die  Stellung  der
Warenpreise  erfolgt  gewöhnlich  in  türkischen ­
  Piastern,  auch  rechnet  man  nach
persischem  Geld.  Seit  1874  gelten  die
neuen  türkischen  (französischen)  Maße
und  Gewichte.  Wechseltransaktionen  kommen ­
  selten  vor,  da  Rimessen  gewöhnlich
in  Münze  gemacht  werden.
Bassein,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  Bezirks  in  Britisch-Birma  (Hinterindien), ­
  an  einem  Mündungsarm  des  Jrawadi;
  20,688  Einw.  Deutsches  Konsulat
(Amtsbezirk:  Stadt  und  Hafen  B.,  einschließlich ­
  des  Diamond  Island);  Chartered ­
  Bank  ofJndia,  Australia  and  China.
Der  einzige  Exportartikel  ist  Reis  (1880:
143,490  Ton.,  davon  nach  Deutschland
62,420  T.).  Der  Schiffsverkehr  wurde
1880  durch  88  Schiffe  vermittelt,  davon
11  deutsche  von  9894  T.  Der  überseeische
Einfuhrhandel  ist  nicht  von  Bedeutung.
Bastia,  Hafenstadt  an  der  Ostküste  der
Insel  Corsica,  Station  der  Dampferlinien
  :  Rubattino  u.  Komp,  und  Valéry
Frères  et  Fils;  (i8?6)  16,984  Einw.
Banque  de  France  Succ.;  Ausfuhr  von
Wein,  Öl,  Seife,  Likör,  Fellen.
Basutoland,  s.  Kapland.
Batavia,  Hauptstadt  der  gesamten
niederländ.  Besitzungen  in  Ostindien  und
insbesondere  der  gleichnamigen  Residentschaft
  auf  Java,  am  westlichen  Ende  der
Nordküste  der  Insel  und  an  der  Eisenbahnlinie ­
  B.-Buitenzorg;  Station  der
Dampferlinien:  Messageries  maritimes,
Niederländische  Dampfschiff-Gesellschaft,

-  Batavia.
Rotterdainer  Lloyd,  Società  Rubattino;
0876)  99,109  Eiittv.,  darunter  17,000  Chinesen ­
  und  3000  Europäer  (meist  Portugiesen
  oder  Abkömmlinge  eingewanderter  Europäer). ­
  Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk  :
dieResidenzenB.,  Bantam,Preanger,  Cherwon,
  Krawang  und  die  Insel  Biliton);
Javasche  Bank,  Chartered  Bank  of  India,
Chartered  mercantile  Bank  ofJndia,  Niederländisch-Indische ­
  Handelsbank.  —  B.
sit  noch  heutzutage  nicht  nur  der  Hauptgeschäftsplatz ­
  der  Insel  Java,  sondern  auch
das  Centrum  der  merkantilen  Operationen ­
  für  das  gesamte  holländische  Ostindien.
Dampfer  gehen  in  jedem  Monat  fünfmal
nach  Samarang  und  Surabaya  und  dazwischen ­
  liegenden  Plätzen,  dreimal  nach
Singapur,  zweimal  nach  Padang  (Sumatra), ­
  einmal  nach  Biliton  und  Pontianak
(Borneo),  einmal  nach  Bandscher  Mästn
(Borneo),  einmal  nach  Makassar,  Timor,
Amboina,  Ternate.  Mit  Singapur  ist  B.
durch  Kabel  verbunden,  ebensostnit  Australien ­
  von  Banjuwangi  aus.  Man  schlägt
den  Wert  der  Einfuhr  auf  30—34  Mill.
Mk.,  den  der  Ausfuhr  auf  26—28  Mill.
Mk.  an,  von  welchen  Summen  man  die
Hälfte  auf  den  Verkehr  mit  Holland  zu
rechnen  hat.  Hauptexportartikel  ist  Kaffee
der  hauptsächlich  von  hier  aus  nach  Amsterdam ­
  und  Rotterdam  geht.  Andre  Exportartikel ­
  sind  Reis  und  Zucker;  von  jedem
der  beiden  ersten  wird  ca.  1  Mill.  Ctr.,
von  dem  letzten  gegen  2  Mill.  Ctr.  ausgeführt. ­
  Andre  wichtige  Exportartikel  sind:
Indigo,  Häute,  Arrak  (den  Chinesen  aus
Rohzucker,  Palinwein  und  Reis  in  großen
Brennereien  bereiten),  ferner  Palm-  und
Kajepntöl,  Zinn  (von  Bangka),  Pfeffer
(von  Sumatra,  Borneo  %.),  Teakholz,
Büffelhörner  (nach  Europa)  und  Büffelhäute
  (nach  China),  Thee  und  Chinarinde,
Kampher,  Kassie,  Sandelholz,  Sapanholz,
Rohr,  Schildkrot,  Tamarinden  rc.  Unter
den  Importen  sind  Baumwollwaren  die
bedeutendsten.  —  1880  verkehrten  hier  31
deutschcSchiffe.—Wechsel  werden  notiert
auf  Amsterdam  und  Rotterdam  6  Monate
dato,  auf  London  und  Hamburg  6  Monate
nach  Sicht,  auf  Kalkutta  2  Monate,  auf
Singapllr  und  China  10  Tage  nach  Sicht.
Die  Einfuhrwaren  werden  in  der  Regel
        <pb n="49" />
        41

Bath  —  Bayern.

aus  5—6  Monate  Kredit  verkauft,  Landeserzeugilisse
  für  die  Ausfuhr  gegen  bar.
Bath,  Hafenstadt  im  uordainerikau.
Staat  Maine,  rechts  am  Kennebec,  20km
vom  Ocean;  (i87o)  7371  Einw.  Bedeutender ­
  Schiffbau;  Handel  mit  Zucker,  Eisen
A»,  und  18  Dampfer  von  2800  T.  Dam-Pfeiverbindung
  nnt  Portland  und  Boston.
parchen,  Hauptstadt  des  gleichnami-Pn
  sachs.  ßcegiernngsbezirks,  anden  Eisenbahnlinien ­
  Dresden-Görlitz  und  B.-'ĢĢrem
  (eingetragene  Genossenschaft).
—  Fabrikation  von  wollncn  Strumpfwarcn,
  .^uch,  Mehl,  Brauerei,  Brennerei,
Eisengießerei,  Pianofortefabrik.  —  Der
teiíg  auf  in  =  u.  au0län=Mm
  Messen,  teils  direkt  nach  Spanien,
staken,  Amerika,  Rußland,  der  Türkei
und  vorzüglich  liach  Schweden  betrieben.
MW
Şben  Postanweisungen  mit  2,871,949
-Uit.  Ausgegebene  Telegramme  8676,  angekommcne
  9367.
ui  Ņ^iern,  Königreich,  nach  Größe  und
acM^ming  bec  gmeitc  Staat  beg  ^e^^t:
schen  Reichs;  75,863  qkm  (1377,8  QM.)
1)^)^  (1880)  5,271,516  Einw.  gegen  (1875)
5,022,390  (davon  3,573,142  Katholiken,
1,392,120  Protestanten  und  Reformierte,
-&amp;gt;1,335  Israeliten);  es  wanderten  1879
aus:  2693  Personen.  —  Produktion.
Bon  dem  Gesamtareal  sind  41  Proz.  Äcker
und  Gärten,  20  Proz.  Wiesen  und  Weiden ­
  33  Proz.  Forst.  Bon  3  Mill.  Im  Ackerland ­
  waren  1878:1,743,448  ben  Getreidesoll ­
  ,  281,949  den  Kartoffeln  gewidmet
Der  Tabakbau  (Pfalz  und  Mittelfranken)
sU'gab  1879  von  4115  ha  5579  Ton.  Blätwichtig
  ist  auch  der  Hopfenbau
(-0,192  ha).  Weinbau  wird,  namentlich
ui  der  Pfalz  und  Unterfrankeii,  auf  21,920
üA  betrieben;  die  Produktion  war  1878:
^0,7,  aber  1879:  9,8  hl  vom  Hektar.  Den
Bruttoertrag  der  Waldung  schätzt  man

WS
Der  B-rgb-.ll  (.um  frenin,.
Staat  betrieben)  lieferte  1879:
mm.
tet  den  Mineralquellen  nimmt  Kissin-BEI##

SfiSÄS
vorragend  sind:  Bierbrauerei  (1879:7059
mit  einer  Produktion  von  12,004,703  hl)
ration  von  Instrumenten,  Schmelztiegeln
fiSSÜ
imb  ein  Wollmarkt  werden  in  Nürnberg
gehalten,  Getreideschranncn  an  ver  chiedenen
  Plätzen.  Getreide  wird  auch  aus
den  Donaugegenden  zugeführt  und  weiter
versandt.  Gefördert  wird  der  Handel  durch
Donau  Main,  Rhein,  Lndwigskanal  und
Eisenbahnen.  Letztere  hatteil  1.  April  1880
eine  Sänge  üon  4795,ikm,  baoou  (Staate
bahneil  4169,6  km,  Privatbahnen625,5km.
As  Post  beförderte  1878:  160,163.389
Brlefsendungen,  darunter  82,009,723  Leitungen, ­
  16,062,860  Pakete  und  Geldsen
düngen  im  Gewicht  von  32,499,277  kg'
"nd  angegebenen  Wert  von  998,270,796
Mk.  In  990  Staats-  und  27  Eisenbahn
»ÄÄîlJiîSg:
gen  wurden  1878  befördert:  1,837  436
Telegramme,  davon  847,716  interne'und
        <pb n="50" />
        42  Bayonne
989,720  internationale.  Die  Gesamtzahl
aller  Verkehrsstellen  (Eisenbahnen,  Post,
Telegraphie)  war  1879:  2873  mit  18,462
Beamten.  Für  die  einzelnen  Anstalten  belief ­
  sich  1879  (in  Mark):
Einnahme  Ausgabe
Eisenbahn  .  .  .  78285060  47509430
Post  9299031  8853839
Telegraph  .  .  .  982359  1075121
Ludwigskanal.  .  109452  330963
Bodensee.  .  .  .  576817  334345
Zusammen:  89252  719  58103  707
Konsulate  haben  in  Augsburg:  Argentinien, ­
  in  München:  Belgien,  Italien,
Sachsen,  Türkei,  Vereinigte  Staaten,
Württemberg,  in  Nürnberg:  Argentinien,
Belgien,  Italien,  Niederlande,  Portugal,
Schweden  und  Norwegen,  von  deutschen
Staaten:  Sachsen  und  Württemberg  in
München.
Finanzen.  Der  bayrische  Staat  hat
einen  großeil  Domänenbesitz,  die  Einnahmen ­
  daraus  für  1881  sind  angeschlagen
alls  33,902,510  Mk.,  aus  Staatsregalicn
und  Anstalten  101,670,691  Mk.;  die  gesamten ­
  Einnahmen  für  jedes  Jahr  der
15.  (zweijährigen)  Finanzperiode  (1880—
1881)  fiiib  220,581,122  9)%.,  bic  9Wgaben
  221,741,445  Mk.,  davon  für  die
Staatsschuld45,8,  für  Matrikularbciträge
20,149,588  Mk.  Die  Einnahmen  und
Ausgaben  für  die  bayrische  Armee,  welche
aus  der  Reichskasse  überwiesen  lverden
(42,030,614  Mk.  für  1880-81  gegen
42,158.603  Mk.  für  1879-80),  sind  in
diesen  Beträgen  nicht  enthalten.  —  Die
Staatsschuld  belief  sich  Ende  1879
auf  1,320,470,288  Mk.  Von  der  4'/-proz.
Eisenbahnschuld  (1879:940,316,706  Mk.)
wurden  1.  Jan.  1880  ca.  330  Mill.  Mk.
in  eine  4proz.  konvertiert  und  dadurch
jährlich  2  Mill.  Mk.  erspart.  —  Kreditwesen. ­
  Von  Banken  sind  zu  nennen:
Bayrische  Hypotheken-  und  Wechselbank
(R(#a(:  34,285,714  m.),  malmte
Vereinsbank  (9  Mill.  Mk.),  Bayrische
Handelsbank  (24  Mill.  Mk.),  Süddeutsche ­
  Bodenkreditbank  (24  Mill.  Mk.),  alle
inMünchen,  und  die  Nürnberger  Vereinsbwif
  (6,544,620  9Rf.).
Bayonne  (spr.  bajbnn),  feste  Seehaudelöstadt
  im  franz.  Departement  Niederpyre-—

  Beirut.
näen,  ail  dem  Zusammenfluß  der  Nive
und  des  Adour,  3,7  km  von  der  Bai  von
Biscaya;  (wo)  22,307  Einw.  Handelskammer, ­
  Handelsgericht;  Börse,  Banque
de  France,  Société  generale.  Von  Wichtigkeit ­
  ist  die  Fabrikation  von  Branntwein
(Ean  de  vie  d’Hendaye)  und  Likör.
Schokolade,  Glas  rc.  Der  Handel  vertreibt: ­
  Korn,  Kork,  Wachs,  Öl,  besonders
aber  Wein  (der  beste  der  Jurançon  blanc),
Wolle  und  Bayonner  Schinken  nach  Spanien ­
  und  Nordeuropa.  Bedeutend  sind  die
Schiffswerften;  der  Hafen  ist  sicher  und
besucht,  doch  schwer  zu  erreichen.
Beauraire  (spr.  bokahr),  Stadt  im  franz.
Departement  Gard,  am  Rhone  und  an
den  Eisenbahnen  nach  Nîmes,  Marseille
und  Avignon  solvie  am  Kanal  von  B.
nach  Aigues-Mortes,  wodurch  der  Rhône
mit  dem  Canal  du  Midi  verbunden  wird;
(1876)  7956  Einw.  —  B.  ist  berühmt  durch
die  hier  22.-28.  Juli  jährlich  stattfindcnde
  Messe  (»Magdalenenmesse«),  die
von  etwa  100,000  Kaufleuten  aus  Europa ­
  und  dem  Orient  bezogen  wird,  die
größte  von  ganz  Frankreich.  Die  Waren
von  Lyon,  aus  der  Schweiz,  aus  Deutschland, ­
  Italien,  Spanien  und  der  Levante
fließen  hier  zusammen,  und  der  Umsatz
beläuft  sich  auf  24-30  Mill.  Mk.
Beirut,  wichtigster  Hafeuplatz  und
Hauptstadt  des  gleichnamigen  türk.Sandschaks
  inSyrien,  amMittelmeer;  Station
der  Dampfer  des  Österreichisch-Ungarischen ­
  Lloyd,  der  Nederlandschc  Stoomboot
Maatschappij,  Messageries  maritimes,
Russischen  Dampfschiffgcscllschaft;  (1878)
ca.  80,000  Einw.  (davon  V»  Mohammedaner, ­
  die  übrigen  Christen  der  verschiedensten ­
  Bekenntnisse  und  Israeliten).
Deutsches  Bcrufskousulat  (Amtsbezirk:
Syrien  südlich  bis  zum  Ras  en  Natura,
die  Küste  des  Wilajets  Adana  bis  Tarsus
sowie  Cypern);  Imperial  OttomanBank;
Handelsgericht;  in  Handelssachen,  bei
denen  beide  streitende  Parteien  Europäer
sind,  entscheiden  die  betreffendenKonsulate.
—  Die  Einwohner  betreiben  starke  Baumwoll-
  und  Scideuzucht  nebst  Seiden-  und
Baumwollwebcrei,  fabrizieren  Gold-  und
Silberarbeiten,  kühl  haltende  poröse  Töpfergeschirre ­
  ,  ferner  die  in  ganz  Syrien
        <pb n="51" />
        43

Belem-Para  —  Belgien.

berühmten,  mit  Nägeln  verzierten  Kofferfür
  Leinenzeuge;  besonders  aber  beschäftigen ­
  sic  sich  mit  Handel.  B.  ist  durch
Einführung  der  Dampfschiffahrt  der  wichtigste ­
  Hafenplatz  Syriens  und  gilt  als
Hafen  für  Damaskus,  dessen  Waren  bind)
Kamele  und  Maultiere  hierher  geschafft
täglich  fährt  auf  der  mit  französischem ­
  Kapital  erbauten  Chaussee  über
den  Keniscpaß  des  Libanon  eine  20sitzige
Diligence  nach  Damaskus.  Gegen  Seetransportschäden
  sind  hier  zwei'  deutsche
Gesellschaften  vertreten:  die  Allgemeine
Versicherungsgesellschaft  für  See-,  Flußunb,
  Landtransport  zu  Dresden  und  die
Rheimsch-Westfälische  Trausportversicherilngögesellschaft
  zu  Mönchen-Gladbach,
ferner  österreichische  (Lloyd),  französische,
schweizerische,  englische.  Die  Schiffahrtsbcwcgung
  auf  der  Reede  von  B.  (der  Hafen
ist  der  Versandung  ausgesetzt)  war  1870;
Dampfer  .  .  248  von  190  776  Tonnen  '
Segelschiffe  .  2886  -  55665
Dem  Tonnengehalt  nach  folgen  aufeinan-IfSSSÄ*

l#c(44,4451.),^^1^0(22,0871.).^
Einnahmen  des  Zollamts  voir  B.  beliefen
Nch  k876—77  auf  2,496,389  Mk.,  davon
aus  die  Einfuhr  1,875,074  Mk.  Die  Auö-Nlhr
  besteht  in:  Seide,  Olivenöl,  Lumpen,
Cerealien,  Scsamsamen,  Schwämmen,
Tabak,  Wolle.  Eingeführt  werden  nach
B.  und  gehen  von  da  nach  dem  Innern
(besondersDamaskus):  Baninwottgcwcbe
verschiedenster  Art  (aus  England  und
der  Schweiz),  französische  Lrirusartikel,
Schuhe  und  Stiefel,  Fes  (aus  Böhmen),
Seidenwaren  und  Tuche  (aus  Deutschland ­
  und  Österreich),  Zucker,  Glas  re.  —
P  la  tz  g  e  b  r  ä  u  ch  e.  Die  für  deutsche  Fabrikanten ­
  besorgten  Verkäufe  erfolgen  auf
2—6  Monate  Kredit,  und  erst  nach  Eingang ­
  der  dafür  validierenden  Tratte  erhält
der  deutsche  Verkäufer  vom  hiesigen  Kommissionär ­
  den  Dreimonatwcchsel,  welcher
seine  Deckung  liefert.  Wechselkurse  notiert ­
  man  auf  Triest,  Livorno  nndGenua3
Monate  dato,  ebenso  auf  London,  Marseille
und  Paris,  auf  diese  letztem  auch  aufSicht,
alls  Konstantinopel  7  Tage  nach  Sicht.
Belem-Para,  s.  Parä.

Belfast  (spr.  bctlsast),  die  bedeuteildstc
Handelsstadt  Irlands,  an  der  Bai  von  B
von  atyci  @iscnM)nKmc,i;
Station  für  die  Dampfer  der  Domimonlime
  (Liverpool-Montreal)  und  dcr
Statelinic  (Glasgow-New  York);  (i8?i)
174,412  Einw.,  vorwiegend  protestantischer ­
  Konfession.  Deutsches  Konsulat
(Amtsbezirk:  die  Küste  von  Ballycastle
W  ^00#^  miev);  «ans  of
National  Bank,  B.  Banking  Co.,  Provin-CKu
  Sans  of  Ireland.  —  Seine  Stellung
als  erste  Fabrikstadt  Irlands  verdankt  B.
der  Lei  neu  industrie,  welche  seine  Bevölkcrnng
  (1841  erst  75,000  Seelen)  aus
lhre  jetzige  Stufe  hob.  Die  Stadt  zählt
liber  30  Flachsspinnereien  mit  9000  Arbeitern ­
  und  etwa  500,000Spindeln,  zahlreiche ­
  Webereien,  fünf  große  Baumwollfabrlken
  (Samt,  Musselin,  Gingan  rc.).
Daneben  werdeii  Seilerei  und  Segeltnchsabrikation
  in  starkem  Maß  betrieben;
auch  bestehen  zahlreiche  andre,  recht  bedeutendeJndustricn,
  darunter  auch  Schiffbail. ­
  —  B.  hatte  1879:  399  Schiffe  von
73,712Ton.  auf  dem  Register.  Besonders
für  den  Küstenhaudel  hat  B.  große  Wichtigkeit; ­
  1879  liefen  ein  7854  Schiffe  vou
1.658.026  T.,  wovon  124,657  T.  auf  irländische ­
  Küstenfahrer  kommen,  1,300,388
T.  auf  Britannien  und  232,981  T.  auf
das  Ausland.  Es  kamen  16  deutsche
Schiffe  von  4253  'T.  und  zwar  aus  deutschen ­
  Häfen  9  an,  fein»  aber  ging  nach
deiitschen  Häfen.  —  Die  vornehmsten  Gegenstände ­
  der  Einfuhr  1879  sind:  Weizen
(73,551  %oii.),  WMS  (87,539  %.),  3M)l
(21,965  %.),  già#  (18,991  I.),  ^„f,
Leinsaat,  Zucker,  Spirituosen,  Wein,  Petrolenni.
  Ans  Deutschland  direkt  wllrden
1879  importiert  für  755,400Mk.Getreide
und  für  318,200  Mk.  Holz.  Die  Ausfuhr
bestand  1879  in  15,063  Ballen  und  1428
Ton.  Leinengarn,  117,390  Kolli  Leinen,
8340  Kolli  Leiuenzwirn  und  Vieh,  Kartoffeln, ­
  Whiskey,  Speck,  Butter  rc.  für
deil  englischen  Markt,  ferner  Eisenerz  und
Steinsalz.  Gesanitwert  der  Ausfuhr  britischer ­
  Errenanisse  1879:14,766,000,  der
Einfuhr  19,608,860  Mk.
f  Königreich  in  Westeuropa,
seit  1830  von  Holland  losgetrennt,  mit
        <pb n="52" />
        44

Belgien  (Areal  und  Bevölkerung;  Urproduktion:  Ackerbau).

konstitutioneller  Negierung,  umfaßt,  in
neun  Provinzen  geteilt,  ein  Areal  von
29,455  qkm  (534,9  QM.)  mit  (i87o)
5,536,140  Einw.  (fast  sämtlich  Katholiken  ;
daneben  ca.  15,000Protestanten  nnd3000
Juden,  beide  zur  größer»  Hälfte  in  den
Provinzen  Antwerpen  »»b  Brabant).
Bon  fremden  Staatsangehörigen  wurden
1866  gezählt  98,096,  worunter  39,479
Holländer,  32,021  Franzosen,  20,701
Deutsche,  3003  Engländer.  Im  N.  ist  die
Bevölkerung  vlämisch,  im  S.  wallonisch.
Auf  jene  kommen  etwa  54,  auf  letztere
44  Proz.  Bon  den  5,336,185  Bewohnern
des  Jahrs  1876  sprachen  2,256,860  fran-3Ö|ifd),
  2,659,890  ülmni#,  340,770  beibc
Sprachen,  38,070  deutsch.  Die  offizielle
Sprache  ist  die  französische.  —  Von  1841
bis  1866  wanderten49,953  Personen  mehr
aus  als  ein,  von  1867—78  aber  50,610
Personen  mehr  ein  als  auö;  die  höchste
Ziffer  erreichte  die  Mehreinwanderung
1870mit9245  Personen.  B.ist  daöbeiweitem ­
  am  dichtesten  bevölkerte  Land  Europas  :
eö  kommen  ans  1  qkm  188  Bewohner.
Urproduktion.
Der  Landbail  hat  sich  unter  nicht  sehr
günstigen  Lokalverhältnissen  zu  einer  hohen
Stufe  der  Entlvickelung  gehoben;  eö  sind
von  der  Gesaiiltflächc  85,3  Proz.  produktiv
und  nur  14,7  Proz.  unproduktiv.  Zu  dem
letzternTeil  gehört  namentlich  die  mit  Mooren ­
  gefüllte  »Campine«,  eine  Hochebene  in
dem  nördlichen  Teil  der  Provinzen  Antwerpen ­
  und  Limburg.  Es  entfallen  auf:
Ackerland  •  49,3  Prozent
Garten  -  und  Weinland.  -  4,o  -
Wiesen  und  Weideland.  .  17,u  -
Waldungen  15,  o
Dank  der  musterhaften  Kultur  ist  der
Ertrag  der  Ländereien  ein  sehr  großer,
dennoch  bedarf  das  Land  stets  einer  bedeutendeil ­
  Einfuhr  von  Brotkorn.  Die
Ernteerträge  von  Cerealien  schwankten  in
den  letzten  Jahren  zwischen  20,5  und  26,2
Mill.  hl.  Im  Jahr  1877  wurden  22,67
Mill,  hl  geerntet  und  zwar:
_  Weizen  ....  5,75  Mill.  Hcktol.
Spelz  2,46  -
Roggen  5,95
Gerste  1,27
Hafer  7,24  -

Aber  dieser  Ertrag,  welcher  den  des
rößern  Nachbarlands  Holland  um  ca.
0  Mill,  hl  übersteigt,  genügt  bei  weitem
nicht  dem  Bedarf  der  Bevölkerung,  und
große  Mengen  von  Getreide  aller  Art,
jährlich  zwischen  500  und  600  Mill,  hl,
müssen  ans  andern  Ländern  zugeführt
werden.  Der  Wert  der  Einfuhr  von  Getreide ­
  nild  Brotstoffen  bezifferte  sich  1877
auf  199,6  Mill.  Mk.  lind  zwar:
Weizen  und  Spelz  •.  .  .  .  84,7  Mill.
Roggen  25,8  -
Gerste  24,6  -
Hafer,  Mais  rc.  ....  19,2  -
Hiilsenfriichte  3,5  -
Mehl,  Teigwaren  ....  41,8  -
Dagegen  wurde  nur  für  64,5  Mill.  Mk.
Getreide  ausgeführt,  wovon  auf  Weizen
allein  24,5  Mill.  Mk.  entfallen.  Einem
durchschnittlichen  Jahresimport  von  183
Mill.  Mk.  steht  eine  Ausfuhr  von  nur
54.8  Mill.  Mk.  gegenüber,  so  daß  der  Mehraufwand ­
  für  Brotfrüchte  sich  auf  jährlich ­
  128,2  Mill.  Mk.  beziffert.  Hinsichtlich
der  wichtigsten  Bezugs-  und  Absatzländer
liegen  folgende  Angaben  für  1878  vor
(Wert  in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Frankreich  27,6  14,3
England  2,8  —
Niederlande  —  1,9
Deutschland  13,7  5,i
Vereinigte  Staaten  .  .  28,7
Die  sehr  bedeutende  Einfuhr  auö  Rußland
ist  ziffermäßig  nicht  anzugeben;  beträchtlich ­
  aber  wächst  die  der  Vereinigten  Staaten ­
  (von  241,4  Mill,  kg  in  1878  auf
451.8  Mill,  kg  in  1879),  welche  schon  die
übrigen  Importländer  zurückzudrängen
anfangen,  ivas  den  Rilf  nach  Schutzzöllen
seitens  dcr  Landbaucr  znrFolge  gehabt  hat.
Der  Getreidehandel  überhaupt  zeigte  in
jüngster  Zeit  folgende  Bewegung  (in  Millionen ­
  Kilogramm):
Einfuhr  Ausfuhr
1877:  821,7  279.3
1878:  1087,7  397,9
In  dem  letzter»  Jahr  hatte  die  Einfuhr
  einen  Wert  von  231,1  Mill.  Mk.,  die
Ausfuhr  von  78,5  Mill.  Mk.,  so  daß  das
Land  eine  Summe  von  153  Mill.  Mk.  zur
Bestreitung  seiner  Bedürfnisse  in  dieser
Richtrmg  aufzubringen  hatte.  —  Dagegen
        <pb n="53" />
        Belgien  (Urproduktion:  Ackerbau,  Viehzucht).

ist  der  Kartoffelbau  bedeutend  genug,  um
bisweilen  Überschüsse  auf  andre  Märkte
zu  senden.  Der  Ernteertrag  1877  war
1,713,970  metr.  Tonnen  (19,81  MM.  hl)
und  der  Wert  dieses  Handels  1878:  Einfuhr ­
  5,2,  Ausfuhr  2,i  Mill.  Mk.  Deutschland ­
  importierte  8,5  Mill,  kg-  im  Wert
von  o24,800  Mk.  —  Zuckerrüben  baut
man  m  sehr  ausgedehntem  Maß,  und
wenn  schon  diese  Kultur  in  allen  Provlnzen
  verbreitet  ist,  so  konzentriert  sie
ich  doch  vornehmlich  im  Hennegau.  Die
von  Buda-  in  ber  Gamine
1879—80  wird  auf  1,595,920  Etr.  beyed)itct.
  Nach  dieser  Richtung'  ist  B.  in
bedeutendem  Grad  exportfähig:  1878
wurden  (in  Millionen  Kilogramm)
eingeführt  ausgeführt
Rohzucker  17,5  58,9
Raffinade  3,8  y,3
Sirup  und  Melasse  .  .  7,4  11,1
Am  bedeutendsten  ist  der  Haildel  mit
Frankreich,  woher  B.  raffinierten  Zucker
Wt  (1,4  9m.  m.),  nnb  )V0&amp;amp;  të
Rohzucker  schickt;  ein  Absatzgebiet  für  belgische ­
  Raffinade  ist  England.  —  Der
Dachsbau  bildet  in  Flandern  eine  Hauptquelle ­
  des  Wohlstands  der  ländlichen  Bevölkerung. ­
  Die  Ausdehnung  der  Anbaufläche ­
  wird  für  1878  auf  57,065  ha  und
ber  Ertrag  auf  30,053  Ton.  angegeben.
Daneben  nimmt  der  Hanfbau  eine  untergeordnete ­
  Stellung  ein.  Die  Verarbeitung ­
  des  Rohmaterials  bildet  aber  einen
der  allerwlchtigsten  Erwerbszweige.  Für
die  Leinen-,  Hanf  -  und  Juteindustrie  bestanden ­
  1875  im  ganzen  289,000  Spindeln ­
  und  4755  Kraftstühle.  Hauptsitz  der
Maschinenspinnerei  ist  Gent:  ansehnliche
Fabriken  befinden  sich  auch  in  Tournay,
Roulerö,  im  Arrondissement  Nivelles,  in
Mechelu,  Lüttich,  Brüssel.  Von  Garnen
wurden  1879  eingeführt  3,i  Mill,  kg
gm  10,9  am.  m.),  io
bauen  namentlich  Hennegau,  Brabant,
Westflandern  und  in  solchen  Mengen,  daß
ein  ansehnlicher  Export  stattfindet;  ausgeführt ­
  wurden  1878:  2,4  Mill,  kg,  eingeführt ­
  1,5  Mill.  kg.  —  Tabak  wird  ebenfalls ­
  kultiviert,  doch  ist  B.  in  diesem  Handel ­
  passiv,  und  die  Cigarrenfabriken  von

45

iSPss
Die  Viehzucht  ist  im  Verhältnis  zur
Emwohnerzahl  lvenig  beträchtlich,  auch
m  starker  Abnahme  begriffen.  Nach  der
letzten  Zählung  (1866)  war  der  Bestand:
Pfà.  .  283163  I  Schafe.  .  586097
Kinder.  .1242445  I  Schweine.  632301
Danach  kommen  auf  1000  Einw.  59
#rbc,  274  9(111^1,  121  ©c^fc,  131
Schweine.  So  ist  B.  sehr  wesentlich  auf
eine  Eiiifilhr  angewiesen  ;  1878  wurden  von
Pferden  9180  Stück  ein-  und  8709  Stück
ausgeführt.  Der  Handel  mit  Schlachtvieh
und  Fleisch  zeigt  aber  weit  bedeutendere
Dimensionen.  1878  wurden
eingeführt  ausgeführt
Rinder  123201  45103
Schafe  241160  171312
Schweine  64371  67480
Fleisch  (Mill.  Kilogr.)  .  30,4  19,i
Während  der  sechs  Jahre  von  1873—78
hat  B.  624,778  Rinder  importiert  und  nur
231,499  exportiert,  so  daß  die  Ausfuhr  gegen ­
  die  Einfuhr  um  393,279  Stück  zurücksteht. ­
  Von  Schafen  und  Schweinen  wurden
während  desselben  Zeitraums  1,308,944,
resp.  427,891  ein-  und  1,477,972,  resp.
591,053  Stück  ausgeführt;  die  Ausfuhr ­
  ivar  also  um  169,028,  resp.  163,162
Stück  größer.  Was  die  Ein-  undAusfuhr
Von  Fleisch  (namentlich  Speck  und  Schinken) ­
  anbelangt,  so  haben  sich  dieselben
parallel  vermehrt,  nnb  immer  größere
Mengen  sind  zum  eignen  Verbrauch  im
Land  geblieben.  Der  Mehrunterschied  der
Einfuhr  gegen  die  Ausfuhr,  welcher  1876
erst  3,843,767  kg  (12,898,514  gegen
9,054,747  kg)  betrug,  wird  für  1879  auf
17,3  Mill,  kg  veranschlagt.  Bei  diesem
Handel  nimmt  Nordamerika  eine  hervorragende ­
  und  immer  bedeutsamer  werdende ­
  Stellung  ein.  Von  dort  wurde  1878
an  Fleisch  allein  für  13,5Mill.Mk.  importiert, ­
  außerdem  für  l,i  Mill.  Mk.  Fettwaren.
  —  Besonders  in  Flandern  einheimisch
Ģ  die  K  a  11  inchenzucht;  große  Mengen
dwser  Tiere  und  ihrer  Häute  gehen  alllahrlich
  von  dort  ins  Auslands  —  Als
        <pb n="54" />
        I

■  -J,

46  Belgien  (Urproduktion:  Wald,  Fischerei,  Bergbau).

weitere  wichtige  Produkte  der  Viehzucht
sind  uoch  Käse,  Butter,  Eier,  Häute  zu
nennen;  davon  wurden  1878
eingeführt  ausgeführt
Käse.  .  .  Kilogr.  3,6«  Milt.  0,io  Mill.
Butter  .  .  -  5,07  -  5,49  -
Häute  .  .  -  32,50  -  25,20  -
Eier.  .  .  Stück  124,33  -  53,98  -
Hiernach  überwiegt  nur  der  Export  von
Butter,  während  in  jeder  andern  Beziehung
die  Abhängigkcitvom  Auslaitd  hervortritt.
—Ein  Bestand  von  586,000  Schafen  kann
der  einheimischen  Industrie  nicht  das  genügendeMaterial
  liefern.  Man  schätzt  die
jährliche  Wollproduttion  Belgiens  auf  ca.
4  Mill.  Zollpfuud.  Die  Fabrikatioil  von
wolleneu"Stössen  (für  Tuche  besonders  in
Berviers  und  Umgebung,  für  Kammgarn
und  gemischte  Stoffe  namentlich  iit  Brüssel
und  Umgebung  zu  Hallse)  arbeitet  für  die
Ausfuhr  in  umfangreichem  Maß.  Dazu
werden  große  Mengen  überseeischer  Wollen, ­
  vornehmlich  aus  den  La  Plata-Staaten,
  bezogen.  Große  Partiell  gehen  auch
auf  beni  Weg  der  Durchfuhr  in  deutsche
Fabrikeil.  Im  Specialhandel  betrug  1878
die  Einfuhr  46,5,  die  Ausfuhr  1,9  Mill.
Kilogr.,  wobei  uiau  den  Einfuhrwert  auf
115,3Mill.Mk.berechnete.  DieseSummc.
welche  B.  für  den  ausländischen  Rohstoff
zahlte,  wird  indes  zlllu  Teil  gedeckt  durch
den  erheblichen  Überschuß  der  Ausfuhr
von  Wollfabrikateu,  denn  es  war  1878
der  Wert  (in  Millionen  Mark):
Wollgarn  .  .  Einfuhr  8,7  Ausfuhr  54,0
Wollgewcbe  .  -  16,6  -  31,1
Übrigens  stand  sowohl  die  Ausfuhr  als
die  Einfuhr  von  Wollgeweben  in  frühern
Jahren  etwas  höher.
Waldknltur.  Auf  das  Forstareal
entfällt  etwa  der  siebente  Teil  des  Landes,
und  der  Südosteu  ist  besonders  gut  bewaldet, ­
  doch  importiert  B.  sowohl  an  Bauholz
als  auch  an  Gerbriude  sehr  ansehnlich:  es
betrug  1879  der  Wert  der  Einfuhr  von
Bauholz,  von  dem  nur  sehr  unbedeutende
Mengen  zur  Ausfuhr  kamen,  33,3  Mill.
Mk.;  von  Gerbriude  lvurden  24,9  Mill,
kg  ein-  und  1b,i6  Mill,  kg  ausgeführt.
Aber  auch  hier  tritt  die  Industrie  exportfähig ­
  auf,  indem  sie  Holzwarcn  im  Wert
von  4,8  Mill.  Mk.  ausführte,  während

für  nicht  ganz  1,2  Mill.  Mk.  vom  Ausland ­
  importiert  wurden.
Die  Seefischerei  wird  nicht  mehr  im
frühern  Umfang  betrieben.  Die  Zahl  der
Ausrüstungen  zum  Stockfischfang  stieg
1846—71  von  126  nach  und  nach  auf
282,  um  bis  1878  wieder  auf  138  zu  fallen. ­
  DerErtrag  erreichte  seine  höchste  Ziffer
1856  mit  3,14  Mill,  kg,  belief  sich'  aber
1878  nur  auf  1,6  Mill.  kg.  Der  Ertrag
der  Kleinen  Heriugsfischerei,  welche  1878
von  40  Booten  betrieben  wurde,  hatte
nur  einen  Wert  von  44,000  Mk.  (1877:
130,400  Mk.).  Zum  Fang  frischer  Seefische ­
  fanden  281  Ausrüstungen  statt,
welche  einen  Ertrag  von  2,i  Mill.  Mt.
brachten.  Der  Bestand  der  Fischerboote
war  im  ganzen  281  mit  einem  Gehalt  von
9132  Ton.  und  1584  Mann  Besatzung;
von  dem  Gesamttonnengehalt  entfielen  auf
Ostende  allein  6314  T.,  Blankenberghe
1020  T.  DaS  Resultat  ist  ein  wenig  günstiges ­
  für  B.,  denn  es  mußte  für  seinen
Bedarf  31,516,000  kg  importieren,  während ­
  es  nur  3,209,000  kg  ausführte.
Der  Mineralreichtum  Belgiens  ist
bedeutend;  Eisen,  Blei,  Schwefelkies  und
Kohle  sind  die  Hanptprodukte  des  Landes.
Mit  Rücksicht  auf  seinen  Flächeninhalt  ist
es  hierin  eins  der  bevorzugtesten  Länder
der  Erde;  auch  greift  die  Ausbeutung,  England ­
  allein  ausgenommen,  auf  die  früheste
Epoche  zurück.  Das  Steinkohlengebiet ­
  umfaßt  11,700  qkm.  Das  Lager
erstreckt  sich  von  W.  nach  O.  fast  durch
das  ganze  Land  und  wird  durch  den  Samsonfluß ­
  in  eine  östliche  und  eine  tvestliche
Hälfte  geschieden.  Aber  die  im  allgemeinen ­
  nur  mittelmäßige  Mächtigkeit  der
Kohlenadern  und  die  zahlreichen  Verwerfungen ­
  derselben  bieten  dem  Kohlenbergbau ­
  große  Schwierigkeiten.  Auch  zeigen  die
Kohlen  in  ihren  Eigenschaften  erhebliche
Verschiedenheiten.  Die  gesamte  Jahresproduktion, ­
  nach  Qualitäten  eingeteilt,  ergibt ­
  folgendes  Prozentverhältnis:  Magerkohle' ­
  12,  Halbfettkohle  45,  Fettkohle
27,  Flammkohle  16  Pro;.  Die  Produktion ­
  nimmt  von  Jahr  zu  Jahr  zu.  Zwar
waren  1878  nur  81,032  Grubenarbeiter
beschäftigt  (gegen  101,343  in  1877);  aber
die  Zahl  der  Gruben  stieg  von  295  auf  300,
        <pb n="55" />
        Belgien  (Industrie).

47

aus  welchen  14,899,175  Ton.  gefördert
wurden  (fasti  Mill,  mehr  als  im  Vorjahr).
Die  Ausrüstung  der  Bergwerke,  die  mechanischen ­
  Förderungsmittel,  die  Wasserhubs-
  und  Ventilationsmasàen  haben
von  Jahr  zu  Jahr  zugenommen,  so  daß
die  Steigerung  im  letzten  Deeennium
sowohl  tn  Bezilg  auf  Anzahl  als  Starke
der  Maschinen  über  50  Proz.  beträgt.
Daher  hahen  sich  die  Gestehungskosten  auf
eme  ziemlich  bedeutende  Höhe  gehoben.
Der  Haldenwert  der  Kohlenausbeute  ist
dà  enorm  gesunken;  1873  betrug
derselbe  275,849,000  Mk.,  1877  nur
1  o2,900,000  Mk.,  ein  Rückschritt,  der
Itch  nicht  durch  die  nur  wellig  vermiitderte
Produktion  (1873:15,778,401  Ton.)  erklären ­
  läßt.  Die  Ausfilhr  voti  Steinkohle
ist  daher  sehr  bedeutend;  1878  wurden

eingeführt  ausgeführt
Steinkohle  .  .  701416  3  889411  Ton.
Koks  ....  20362  576607  -

Der  Wert  dieser  Ausfuhr  bezifferte  sich
für  Steinkohle  auf  45,i  Mili.  Mk.,für
Koks  auf  9  Mill.  Mk.  Von  Steinkohle
geht  ein  nicht  unbeträchtlicher  Teil  nach
Frankreich,  von  Koks  nach  Deutschlaitd.
Aber  die  Grenzen  des  belgischen  Kohleitmarktö,
  welche  sich  1870—71  infolge
der  durch  den  deutsch  -  französischen  Krieg
außergewöhnlich  günstigenUiustände  iveit
über  die  Laildesgrenzcn  hiilausgeschoben
hatten,  haben  sich  durch  die  deutsche  und
englische  Konkurrenz  sehr  bedeutend  verengert. ­
  Deutsche  Koks  haben  sogar  in  B.
selbst  Absatzgebiete  gefunden,  und  England
macht  das  französische  Absatzgebiet  streitig. ­
  —  Eisenerze  wurden  früher  in
weit  bedeuteiidern  Quantitäten  gefördert
al*  (1865:  1,018,231  %wt.,  aber
1876  nur  269,206  T.).  Dieser  Verfall  der
Bergiverke  findet  seine  Erklärung  darin,
daß  die  Hohöfen  Belgiens  immer  mehr
die  Minette  aus  Luxemburg  verbrauchen.
Während  früher  die  Ausfuhr  die  Einfuhr
bedeutend  überragte,  findet  jetzt  das  umgekehrte ­
  Verhältnis  statt.  Noch  i860  wurden
nur  1486  Ton.  ein-  und  152,114  T.  ausgeführt, ­
  aber  1878  befaßte  sich  die  Eisenindustrie ­
  weit  weniger  mit  der  Gewinnung ­
  des  Rohmaterials  als  mit  der  Verarbeitung ­
  desselben;  die  Einfuhr  von

gegen  nur  240,903,000  kg;  ebenso  wurkg
  ausgeführt.  Die  Einfuhr  wertete:

Eisenerz  rc.  .  .  .  13,3  Mill.  Mnrk
Roheisen  :c..  .  .  18,2  -

wogegen  sich  die  Ailsfuhr  auf  ca.  3  Mill.
Akk.  bewertete.  Diese  Einfuhr  kommt  vornehmlich ­
  aus  England,  Luxemburg  und
Preußen,  während  sich  die  Ausfuhr  namentlich ­
  nach  Frankreich  richtet.  Weiter
sind  als  wichtige  Produkte  des  Bergbatis
Blei  und  Zink  zu  nennen,  wovoil  1878
(ili  Millionen  Kilogramm)  die

Einfuhr  Ausfuhr
Blei  ....  7,2  14,1
Zink  ...  .  .  1,9  38,8
betrug.  Zinn  und  Kupfer  werden  indes
in  überwiegend  größern  Quantitäten  eingeführt. ­
  Als  wichtige  Handclsobjekte  wären ­
  hier  noch  Kalk  und  Schiefer  zu  nennen; ­
  von  crsterm  wurden  1878:  186
Mill,  kg  mehr  aus-,  von  letzterni  20
Mill,  kg  mehr  eingeführt;  ferner  Steine,
von  welchen  die  Mehrausfuhr  1878  die
Höhe  von  635  Mill,  kg  erreichte.  Salz  wird
in  B.  gar  ilicht  gewonneii,  aber  nur  Rohsalz
(1878:  61,9  Mill,  kg)  importiert  und  in
den  belgischen  Werken  raffiniert.

Industrie.
In  der  Erzeugung  von  Eisenwaren
aller  Art  steht  B.  groß  da.  Nägelfabrikation ­
  auf  mechanischcul  Weg  in  großartigem
Akaßstab  wird  bei  Lüttich  und  Charleroi
betrieben.  Seit  1844  ist  die  Drahtfabrikation
  eingeführt,  vornehmlich  in  Lüttich  und
Brüssel;  älter  sind  die  Blechfabriken  um
Huy,  an  der  Ourthe  und  bei  Hoyaux.  Fürkleinere
  Eisenivaren  ist  Herstal  bei  Lüttich
riebst  Umgegend  berühnit.  Die  Lütticher
Waffenfabrikation  hat  Weltruf.  Das  großartige ­
  Etablissement  voir  JohirCockerill  zu
Seraiug  beschäftigt  8750  Arbeiter;  als  bewegeiide
  Kraft  dienen  259  Dampfmaschinen ­
  mit  6600  Pserdekräfteii,  und  der  tägliche ­
  Verbrauch  air  Breniiinaterial  beläuft
sich  auf  mehr  als  1000  metr.  Tonnen.  Die
jährliche  Produktion  hat  eilten  Wert  von
32,680,000ÄHöbm  termite,unir;
dm  bisher  40,000  Maschinen  und  andre
        <pb n="56" />
        48

Belgien  (Industrie,  Handel).

mechanische  Einrichtungen,  außerdem  cm
400  Schiffe  geliefert.  Sie  können  jährlich
100  Lokomotiven,  70  Dampfmaschinen,
1500  verschiedene  Maschinen,  8000  metr.
Tonnen  Brückenbestandteilc,  Drehscheiben ­
  rc.,  14  See-  oder  Flußschiffe,  Panzeroder ­
  Kriegsschiffe  herstellen.  1879  bewegte
der  Handel  mit  diesen  Fabrikaten  folgende
Mengen  (in  Millionen  Kilogramm):
Einfuhr  Ausfuhr
Stuhl  4,3o  33,io
Stahlwaren  .  .  0,68  3,ss
Schmiedeeisen  .  .  8,4i  193,14
Eisenwaren.  .  .  5,46  37,26
Maschinen  .  .  .  7,86  39,48
Zusammen:  26,71  306,93
Der  Gesamtwert  dieser  Ausfuhr  bezifferte
sich  auf  rund  141  Mill.,  während  der
Einfuhrwert  kaum  10  Mill.  Mk.  erreichte.
Hierbei  ist  der  Handel  mit  Waffen  nicht
eingerechnet,  der  in  der  Einfuhr  1,9  Mill.,
in  der  Ausfuhr  11,1  Mill.  Mk.  wertete.
Mit  über  die  Landesgrenzen  hinausreichender ­
  Bedeutung  sind  ferner  hervorzuheben: ­
  die  Baumwollspinnerei  und
-Weberei,  Papierfabrikation  und  Glasfabrikation. ­
  Der  Import  von  Rohbaumlvolle
  bezifferte  sich  1878  auf  43,2  Mill.
Pfd.;  in  den  zahlreichen  Spinnereien  arbeiteten ­
  1880,  meist  in  Gent  und  im  Arrondissement ­
  Nivelles,  800,000  Spindeln.
Die  Weberei  hat  ihren  Sitz  ebenfalls  in
Gent,  dann  in  Courtrap,  Brüssel  u.  a.  O.
und  arbeitet,  wie  die  Spinnerei,  ansehnlich ­
  für  den  Export.  ES  wurden  1878
eingeführt  ausgeführt
Baumwollgarn  .  .  550000  841000  Kilogr.
Baumwollgewebe  .1470000  3  853000  -
Eine  Specialität  sind  die  ansgezeichucten
Spitzen  (»Brüsseler  Spitzen«),  die  sich
durch  Leichtigkeit,  Weiße  und  Feinheit
auszeichnen.  Einen  großen  Aufschwung
hat  die  P  api  e  rfabrikati  0  n  genommen,
welche  ihre  Centren  in  Lüttich  und  Brüssel ­
  hat.  Sie  liefert  bedeutende  Quantitäten ­
  für  den  Export.  Der  Handel  werte ­
  te  1878  in  der  Einfuhr  2,700,000
Mk.,  in  der  Ausfuhr  16,800,000  Mk.
Als  einer  der  hervorragendsten  Erwerbszweige
  steht  die  Glasindustrie  da,  deren ­
  Produkte  im  internationalen  Handel ­
  eine  sehr  hohe  Stelle  einnehmen.  ES

waren  1874:  66  Glashütten  im  Betrieb,
darunter  6  große  Fabriken  für  Krystallund
  Hohlglas.  Hinsichtlich  der  Tafelglasfabrikation ­
  steht  B.  an  der  Spitze  aller
Länder,  mit  gewöhnlichem  Fensterglas  dominiert ­
  es  auf  dem  Weltmarkt.  Gnßspiegel
  von  ausgezeichneter  Qualität  liefern
vier  sehr  große  Fabriken.  Die  Ausfuhr
dieser  Fabrikate,  welche  sich  in  den  letzten
Jahren  auf  ziemlich  gleichmäßiger  Höhe
erhielt,  sich  aber  bei  feinem  Glas  nahezu
um  das  Dreifache  vermehrte,  betrug  1879
Mir  SpiegcígM  2,800,000  9Rf.,  Wer
und  Tafelglas  829,749  Etr.,  Bouteillenglas
  8318  Etr.,  ordinäres  gefärbtes  Glas
19,152  Etr.,  feines  Glas  24,605  Etr.  Der
Wert  des  Handels  betrug  1878  in  der
Einfuhr  0,89  Mill.  Mk.,  in  der  Ausfuhr
31,65  Mill.  Mk.  Dagegen  arbeiten  die
(1874)  2530  Bierbrauereien  und  366
Branntweinbrennereien  (266  landwirtschaftliche ­
  und  100  andre)  mehr  für  den
einheimischen  Konsum.  —  Die  bestehende
allgemeine  Gewerbefreihcit  datiert  schon
aus  der  frühern  Bereinigung  mit  Frankreich. ­
  Dieselbe  ist  nur  an  bestimmte  Gewerbevorschriften, ­
  teils  mit  Gesetzeskraft,
teils  in  der  Form  von  Instruktionen  für
die  Staats-  und  Kommunalbehörden,  gebunden. ­
  Als  wirksamer  Hebel  besteht  sin
Brüssel  der  Verein  zur  Beförderung  der
Nationalindustrie.
Handel.
Die  glückliche  Lage  zwischen  dem  Norden
und  Süden  Europas  und  zwischen  Kontinent ­
  und  Westeuropa  hat  den  Handel  in
wunderbarer  Weise  gefördert.  Die  lästige
Abgabe  von  Vh  Fl.'pro  Tonne  für  jedes
in  die  Schelde  einlaufende  Schiff,  welche
B.  nach  dem  Londoner  Vertrag  von  1839
an  Holland  zu  zahlen  hatte,  wurde  1863
durch  Rückkauf  beseitigt;  auch  die  Gleichstellung ­
  holländischer  und  belgischer  Schiffe
auf  den  Binnengewässern  zwischen  Schelde
und  Rhein  wurde  durch  eine  Rente  von
600,000  Fl.  erkauft.  Seitdem  hat  sich
der  belgische  Handel  in  großartiger  Weise
entwickelt  und  zwar,  Ein-  und  Ausfuhr
zusammengenommen,  durchschnittlich  für
die  nachstehenden  fünfjährigen  Abschnitte
und  das  Jahr  1878  wie  folgt  (in  Millionen ­
  Mart):
        <pb n="57" />
        Belgien  (Handel).

Generalhandcl  Speciolhondcl
1863—67  .  .  2610,4  1047,o
1868—72  .  .  2949,2  1475,4
1873—77  .  .  3561,2  1986,9
1878  ....  3514,8  2068,1
1831  hatte  der  Wert  des  Geucralhandelö
102,08  Mill.,  des  Speciali,andclö  149,28
Mill.  Mk.  betragen;  cs  war  somit  eine
Steigerung  von  2069,  resp.  1285  Pro;,
eingetreten.  Betrachtet  man  die  Einfuhr
und  dleAussuhr  gesondert,  so  ergeben  sich:

Jahr

1863—67
1868—72
1873-77
1878  .  .

Einfuhr
General-!  Specialhandel ­
  j  Handel
571.0
838.0
1103,6
1178,2

1052,9
1576,4
1891.0
1907.0

Ausfuhr
General-  Specialhandel ­
  Handel

957,6
1372.8
1670,1
1607.8

475.4
636.5
883,1
889,8

199,7
160,0
16,8
116,9
18,3

In  Prozenten  partizipierten  1878  an  der
Einfuhr  die  europäischen  Länder  mit  78,
die  außereuropäischen  mit  22Proz.,  an
der  Ausfuhr  die  erstem  mit  93,8,  die  letztern
  mit  6,2  Proz.  Speciell  auf  die  einzelnen ­
  Länder  verteilte  sich  der  Verkehr
folgendermaßen  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Frankreich  258,g  263,4
England  155,4
Deutscher  Zollverein  .  .  177,7
Hamburg  und  Bremen  .  11,o
Niederlande  149,5
Rußland  103,8
Schweden  und  Norwegen,
Dänemark  24,4  7,2
Siidenropa  37,4  52,5
Amerika  ......  247,8  47,0
Asien  8,6  4,0
Afrika  ....  .  .  .  3,1  3,2
Zusammen:  1178,0  800,0
Der  Verkehr  mit  dem  Deutschen  Zollverein
hat  sich  von  Jahr  zu  Jahr  gehoben.  Derselbe ­
  wird  in  naturgemäßer  Weise  durch
die  Eisenbahnlinien  vermittelt,  weniger
ans  dem  Seeweg.  Die  bedeutendsten  Gegenstände ­
  der  Einfuhr  ans  Deutschland
waren  1878  (in  Millionen  Mark):
Bauholz.  ...  2,6
Vieh  1,4
Rohes  Gußeisen  .  1,1
Eisenerze  ...  1,1

Ģetreidc  .  .  .  13,7
à"-  ....  3,4
Vegetabil.  Spinnstoffe ­
  .  ...  2,7

außerdem  Leinen-,  Hanf  -  und  Jutegarn,
^abaļ)  Pferde,  Seide,  Kartoffeln,  Papier,
^  tsenwaren,  Seidengewcbe,  Ölsaat,  rohe
Handelsgeographic.

49

Haute,  Baumwolle  ic.  Dagegen  wurden
von  belgischen  Erzeugnissen  nach  Deutschland ­
  exportiert  (in  Millionen  Mark)-Fleisch
  7,0
Getreide  5^
Droguen  s' 8
Ölfarben  1,4
Vegetabilische  Spinnstoffe  .  .  1,4
Koks  1,1
ferner:  Maschinen,  Wollgcwcbc,  Pferde,
Rohhaute,  Chemikalien,  Konserven,Knnstgegenständc,
  Dünger,  Eisenwarcn,  Glaswaren
  rc.—1879  hat  der  auswärtige  Handel ­
  Belgiens  nach  beiden  Verkehrörichtungcn,
  d.  h.  sowohl  bezüglich  der  Einfuhr  als
Ausfuhr,  eine  Zunahme  erfahren,  die  auf
Bans  der  für  1878  erhobenen  Warenwerte
sich  für  die  Einfuhr  mit  ca.  7  Proz.,  für  die
Ausfuhr  mit  9  Proz.  beziffert.  Für  1878
verteilt  sich  der  Specialhandel  auf  die  ver-^^denen
  Warcngruppcn  in  nachstehender
Weise  (Wert  in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Nahrungsmittel.  .  416,9  168,1
Rohstoffe  ....  390,0  277,8
Fabrikate  ....  70.0  255,3
Verschiedenes.  .  .  284,1  158,2
Zusammen:  1101,0  859,4
Wlßer  den  schon  im  Vorhergehenden  einzeln ­
  ausgeführten,  unter  die  Rubrik  Nahrungsmittel ­
  fallenden  Gegenständen  ist
namentlich  Kaffee  zii  nennen,  für  welchen ­
  Antwerpen  Hauptmarkt  ist.  Fast  die
ganze  Einfuhr  (1878  :  23,079,000  Ctr.)
verbleibt  im  Lande.  Der  Betrag,  welchen
V.  dafür  an  das  Ausland,  nameiltlichSüdamerika,
  zahlte,  beziffert  sich  auf  40,5  Mill.
Mk.  Die  Durchfuhr  betrug  1877:
743,9  M.,  1878:  717,8  WM.  aine,
sttiu  itm  3Proz.  herunter.  Die  Länder,'mit
welchen  der  Durchfuhrverkehr  am  wichtigften
  war,  sowohl  hinsichtlich  der  Herkunft
wie  der  Bestimmung,  waren:  der  Zollverein, ­
  Frankreich,  England,  die  Niedergude. ­
  —  An  Eingangszöllen  sind  in  die
Zollkassen  geflossen  1877:17,»Mill.,  1878  :
17,2  Mill,  und  1879:  18,3  Mill.  Mk.  —
Handelsverträge  sind  mit  Bolivia,
Mejiko,  derTürkei,  Marokko,  dcrSchwei;
China,  Japan,  Siam,  Peru,  Portugas
b«:  Bermuatm  (Staate»  unb  Gpamen
abgeschlossen  worden.
4
        <pb n="58" />
        50

Belgien  (Verkehr,  Finanzen  :c.).

Brrkrhrswese».
DieLandstraßen  hatten  1876cineLänge
von  8050km,  davon  6210  durch  den  Staat,
1440  durch  die  Provinzen  hergestellt,  der
Rest  konzessioniert.  Die  Länge  der  vorn
Staat  auf  Flüssen  und  Kanälen  unterhaltenen ­
  Wasserstraßen  war  1438  km.—Die
Länge  der  Eisenbahnen  betrug  1.  Jan.
1880:  4012  km,  davon  2662  km  Staatsnnd
  1350  km  Privatbahnen;  die  Zahl
der  Stationen  belief  sich  1879  auf  478;
die  Betriebsresultate  waren  1878:

An  diesenl  Verkehr  partizipierte  die  englische ­
  Flagge  in  folgender  Weise:  Schisse
49,5  Proz.,  Tonnengehalt  62,5  Proz.,  Ladung ­
  62  Proz.;  die  belgische  Flagge:
Schiffe  15,5  Proz.,  Tonnengehalt  7,i
Proz.,  Ladung  6,9  Proz.  —  Deutsche
Konsulate  bestehen  in:  Antwerpen,
Brüssel,  Gent,  Lüttich,  Ostende,  Roulers.
Finanze»  re.
Die  Einnahmen  Belgiens  haben  sich
seit  30  Jahren  mehr  als  verdoppelt.  Während ­
  1854  die  direkten  Steuern  etwa  25

Einnahme  ....  75,3  Mil!.  Mk.
Ausgabe  44,3  -  -

DaS  Anlagekapital  für  die  Staatsbahnen, ­
  1877  um  79'/2Mill.  Frank  gewachsen ­
  ,  belief  sich  auf  589  Mill.  Fr.  —  In
638  Postbüreaus  wurden  1879  befördert: ­
  85,747,601  Privatbriefe,  10,841,141
dienstliche  Korrespondenzen,  69,712,000
Zeitungen  und  28,041,000  Stück  Drucksachen. ­
  Die  Einnahmen  beliefen  sich  1878
auf  8,2  Mill.  Mk.,  die  Ausgaben  auf  5,i
Mill.  Mk.  —  Die  Länge  der  Telegraphenlinien ­
  betrug  1.  Jan.  1880  :  5410
km,  der  Drähte  23,572  km,  außerdem
1065  km  Eiseubahutelegraphendrähte;  in
708  Telegraphenämtern  wurden  1879  befördert: ­
  3,242,615  Privat-  und  1,882,261
Dienstdepeschen.  1879  beliefen  sich  die
Einnahmen  auf  1,841,818,  die  Ausgaben
auf  2,205,257  9Rf.
DieHandelsflotte  bestand  1878  aus
58  Schiffen  von  60,708  Ton.  ,  davon  34
Dampfer  von  50,389  T.  Nicht  die  Zahl,
wohl  aber  die  Tragfähigkeit  der  Schiffe  war
unausgesetzt  gestiegen  :  1847  betrugdicselbe
143  Schiffe  von  27,176  T.  Die  bei  weitem ­
  größte  Zahl  der  Schiffe  gehört  dem
Hafen  von  Antwerpen  an  (1878:48  von
58,238  T.),  demnächst  Ostende  (5  Schiffe
von  1597T.),  Gent  (3  Schiffe  von555T.)
und  Brüssel  (2  Schiffe  von  318  T.).  —
Der  Schiffsverkehr  konzentriert  sich
namentlich  in  den  beiden  Haupthäfen  des
Landes:  Antwerpen  und  Ostende  (s.  d.).
1878  liefen  in  allen  Häfen

aus,

Schiffe

6505
6326

Tonimi

3184747
3124796

Davon
Dampfer

4143
4119

Tonnen

2447820
2414468

Proz.,  die  indirekten  28  Proz.  der  Einnahmen ­
  betrugen,  sanken  1878  jene  auf
17  und  stiegen  letztere  auf  49  Proz.  Die
Staatsschuld,  1831  durch  Übernahme  von
176  Mill.  Mk.  aus  der  holländischen
entstanden,  belief  sich  1.  Aug.  1880
auf  1393  Mill.  Mk.  und  absorbiert  jetzt
jährlich  29  Proz.  der  Einkünfte.  Der
Staatshaushalt  1880  bezifferte  die  Einnahmen ­
  mit  218,8  Mill.  Mk.,  die  Ausgaben ­
  mit  223  Mill.  Mk.  Unter  den
direkten  Steuern  sind  die  Hauptposten:
die  Grundsteuer  17,971,600,  die  Pcrsonalsteuer
  12,446,400,  die  Gewerbesteuer
4,596,000  Mk.  ;  unter  den  Einnahmen  der
Verkehrsanstalten  die  für  Eisenbahnen,
immM)  79,2  3RiH.  m.  Sic  Gimam*:
gölte  smb  auf  14,986,000  SRI.,  bic  Slbgabc
von  inländischem  Branntwein  auf  13,5
Mill.  Mk.  festgesetzt.  Die  Budgets  der
letzten  Jahre  haben  stets  Defizits  aufzuweisen ­
  gehabt.  Nach  beni  Gesetz  von
1860  kommen  den  Gemeinden  als  Ersatz
für  Aufhebung  des  städtischen  Oktroi  75
Proz.  vom  Kasfcezoll,  35  Proz.  von  Wein,
Branntwein,  Bier  und  Essig,  ferner  ein
Anteil  an  den  Zöllen  für  Zucker  und  an
den  Posteinnahmen  zu.  Die  Totaleinnahmen
  betrugen  1879:  64Mill.  Mk.;  davon ­
  Anteil  des  Staats  44,6,  der  Gemeinden ­
  19,4  Mill.  Mk.
Staatsschuld.  Außer  dem  bei  Erlangung ­
  der  Selbständigkeit  übernommenen
  Betrag  schließt  die  Schuld  Summen
für  produktive  Zwecke,  Herstellung  von
Eisenbahnen,  Straßen  und  Kanälen,  in
sich.  Am  1.  Mai  1879  war  der  Bestand
der  Schuld  1254,4  Mill.  Mk.
Kredit-  und  Geldwesen.  Es  bestehen ­
  im  ganzen  über  40  Banken  und
        <pb n="59" />
        4*

Belgrad  —  Belize.

Kreditinstitute,  von  welchen  die  Nationalbank ­
  (Banque  nationale),  Banque  de
Belgique,  die  Allgemeine  Gesellschaft  zur
Förderung  der  nationalen  Industrie  (alle
drei  zu  Brüssel),  die  Centralbank  zu  Antwerpen, ­
  die  Brüsseler  Bank,  die  Banken
bie&amp;amp;bcutc,#c,i  sink.
Algique,  bte  Brüsseler  und  Antwerpener
«"Weg  Don  je  24  9R(K.  Wf.
Nationalbank  wurde  2.  Jan.  1851  crvffiict,
  borWß  cms  25  1872  lumtc
Wc  WW  6nbc  l902  bcrBtgat  $)ic
Ņank  rst  auf  Aktien  gegrüiidet,  die  auf  den
Inhaber  und  über  je  1000  Frank  lauten.
Das  Kapital,  zuerst  20  Mill.,  wurde  1872
auf4OMill.Fr.  erhöht.  Die  Noten,  zu  deren ­
  Ausgabe  die  Bank  allein  berechtigt  ist,
und  die  bei  den  Staatskassen  an  Zahlung
angenoninien  werdeii,  besteheii  in  Stücken
^  000,  500,  100,  50,  20  und  5  Fr.
JeKcutf  ist  nicht  beschränkt,  muß  aber
durch  leicht  realisierbare  Werte  repräsentiert ­
  und  zu  Vs  durch  Barbestände  gedeckt
gu  61(14^  3eit  78  sm.  SDlf.  iDie
^ant  hat  eine  Ztveigbank  in  Antwerpen,
Diskontkontore  in  den  bedeutendsten
Städten  des  Landes  und  außerdem  eine
große  Anzahl  von  Agenturen,  besorgt  die
Führung  der  belgischen  Staatskasse  gratis ­
  und  gibt  an  allen  ihren  Bankstellcn
ohne  Berechnung  von  Unkosten  Kreditbriefe ­
  von  mindestens  100  Fr.  Belauf
Zahlbar  an  allen  ihren  Kassen.  Der  Gewinn, ­
  welchen  die  Bank  aus  der  Differenz
zwischen  5  Proz.  Zinsen  und  dem  von  ihr
erhobenen  Zinsfuß  bezieht,  fließt  der
Staatskasse  zu.  Einbehalten  werden  zur
Bildung  des  Reservefonds  15  Proz.  des
d  Proz.  übersteigenden  Gewinns.  —  Das
Şechselrecht  stimmt  im  allgemeinen  mit
dem  französischen  überein,  doch  sind  einige
Lestlminilngen  der  deutschen  Wechselord-?.ung
  entlehnt.  Wechselstenipel  für  inländische ­
  Summen  bis  100Fr.:  10Cent.,  200
500  gr:  25  Gent.,  500-1000  ßr.  :  50
eut.,  1—2000  Fr.  :  1  Fr.,  jede  weitere

ft*  âea"f  so/ort'ge  Zahlung  oder  auf
Ägdiìîng  bei  Sicht.  —  Geld  rc.  Die  belgische ­
  Regierung  trat  der  1865  abgeschlosenen
  sogen,  »lateinischen  Münzkonvenşie
  st?)  verpflichtete,  Silbermünzen  zu  5  Fr.
mir  mt  SBetma  »on  12  %m.  ©tiid
berner  Funffrankstücke  eingestellt.-Die
p,  k  Hauptstadt  und  wichtiger
bcë  ©erbieiL
am  Einfluß  der  Save  in  die  Donau
dampfschlffahrts-  und  der  Österr.  Staatseisenbahn-Gesellschaft.
  -  B.  istSitz  desEinfnhrhandels
  aus  Österreich  und  Deutschland ­
  und  vermittelt  auch  den  größten  Teil
S)frIebWe%TnnmocrM),..
zwischen  Österreich  und  der  Tülkei  wird
großartige  Dimensionetl  annehmen,  wenn
die  geplante  Eisenbahn,  welche  Ungarn  mit
der  Türkei  verbinden  und  dabei  Serbien
durchschneiden  soll,  vollendet  ist.  Die  Industrie ­
  ist  ohne  Belang.  Vgl.  Serbien
Belize  (spr.belihs,  seit  1853  Br  iti  sch  -
H  o  n  d  u  r  a  ö),  brit.  Kolonie  in  Mittelainerika,
  ails  der  Ostküste  der  Halbinsel  Yukatan,
  an  der  Hondnrasbai;  19,585'qkm
(3o5  QM.)  groß  mit  (1877)  26,000  Einw.
(Negern,  Mulatten,Kariben  und  nur  370
Weißen).  Hauptbeschäftigung  der  Einwohiier
  ist  das  Fälleii  von  Mahagoniilnd
  Blauholz  (von  leßterm  importierte
Aanibiirgl879:130,0001*;^.).
1879  der  Wert  der

Einfuhr
Ausfuhr

2,o  Mill.  Mark
4,6  -  a
        <pb n="60" />
        52

Belutschistan
der  Schiffsverkehr  84,000  Ton.  —  Die
Regierung  hat  ihren  Sitz  in  der  kleinen
Stadt  B.,  dem  einzigen,  schwer  zugänglichen ­
  Hafen,  Stapelplatz  des  englischen
Handels  mit  Centralamerika,  mit  (i877)
6614  Einw.  Deutsches  Konsulat  für  Britisch-Honduras;
  Station  derUuited  States
and  Mexican  Mail  Steamship  Co.  Die
Einnahmen  der  Kolonie  beliefen  sich  1879
auf  704,480,  die  Ausgaben  auf  1,013,980
Mk.;  Staatsschuld:  100,000  Mk—Man
rechnet  nach  Dollars;  umlaufende  Münzen ­
  sind  mittelamerikanische,  nordamerikanische ­
  und  englische;  Papiergeld  existiert
nicht.  Wechselkurse  notiert  man  auf
London  90  Tage  nach  Sicht;  Stüüwcchsel
berechnet  man  mit  8  Proz.  Der  Zinsfuß
ist  6  Proz.  ohne  gesetzliche  Normen;  Einfuhrwaren ­
  werden  größtenteils  auf  6—
9  Monate  Kredit  verkauft.  Maße  und
Gewichte  sind  die  englischen.
Belutschistan  (auch  Beludschistan),
großes  Land  in  Asien,  westlich  vorn  Indus,
im  S.  vorn  Indischen  Ocean,  im  N.  von
Afghanistan,  im  W.  von  Persien  begrenzt;
276,51b  qkm  (5022  QM.)  mit  350,000
Einw.,  Mohammedanern,  die  Viehzucht
rmd  etwas  Ackerbau  treiben,  an  der  Küste
von  Fischen  leben  und  grobe  woNcne  Zeuge,
Teppiche  und  Filze  anfertigen.  Daö  staatliche ­
  Band  zwischen  den  einzelnen  Landschaften ­
  ist  sehr  locker.  Über  den  größteir
Teil  der  Küste  gebietet  der  Imam  von
Maskat.  Gold,  Silber,  Blei,  Eisen,  Kupfer, ­
  Zinn,  Antimon,  Schwefel,  Alaun,
Anrmoniak,  Salpeter  rrnd  Salz  kommen
in  Menge  vor.  Von  Tieren  gibt  eö  Pferde,
Ziegen,  Kamele,  Dromedare,  Tiger  re.  ;  von
Pflanzen  Dattelpalmen,  Tamarisken,  Mimosen, ­
  irr  den  Thälern  Reis,  Baumwolle,
Indigo,  in  höher»  Landesteilerr  die  Obstrrnd
  Getreidcarterr  Europas,  irr  den  Berggegenden
  die  Asafötidapflanze.  Wichtigste
Ausgangspforte  nachJndien  ist  der  96km
lange  Bola  npaß,  zwei  andre  Pässe  nach
Indien  sind  der  längs  des  Puraliflusses
nach  Sunmiani  an  der  Küste  von  Las
(Lus)  und  der  voir  Sohrab  nach  Schikarpur
  führende  Malapaß  (Mulloh).
Benares,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
Regierungsbezirks  in  denNordwestprovinzen
  des  cmgloiudischen  Reichs,  am  Ganges

-  Bergamo.
und  an  den  Bahnen  Kalkutta-Dehli  rrnd
B.-Audh;  (1872)  175,188  Einw.  (davon
Mohammedaner).  Ressort  des  deutschen ­
  Konsuls  in  Kalkutta.  —  B.  ist  ein
berühmter  Wallfahrtsort,  an  welchem  air
hohen  Feiertagen  Hunderttausende  zusammenströmen, ­
  rrnd  einer  der  größten  rmd
reichsten  Märkte  des  Ostens,  nebst  Mirzapur ­
  Handelsdepot  für  Dekhan  und  das
innere  Hindostán;  Edelsteine,  Shawls,
Gewürze,  Gummi,  Lack  und  Parfümerien ­
  werden  aus  allen  Teilen  Asiens  hierher ­
  gebracht;  außerdem  ist  der  Handel  mit
Zucker,  Indigo,  gestickten  Zeugen  rrnd  den
Fabrikaten  der  einheimischeil  Industrie:
Seiden-,  Baumwoll-  und  seinen  Wollwaren,
  Gold-  und  Silberstoffen,  hölzernen
Kinderspielsachen,  beträchtlich.  —  Jährlich
im  Februar  rmd  im  März  werden  zwei  sehr
besuchte  Messen  gehalten.  Der  Handel
geht  auf  den  Eisenbahnen  über  Kalkutta.  —
Geld  wie  in  Kalkutta;  Gewicht  ist  gesetzlich ­
  das  neue  Bazargewicht  oder  britischostindische ­
  Normalgewicht,  doch  werden
noch  vier  verschiedene  Gewichte  angewandt,
nämlich  ein  Mahnd  zu  39,i,  44,8,48  und
48,9  kg.
Benghäsi,  s.  Tripolis.
Benguela,  s.  Angola.
Bcnicarlo  (spr.  wenlcarlö),  Hafenstadt
in  der  span.  Provinz  Castellón  (Valencia);
(1877)  7922Einw.  Deutsches  Vicekousulat.
Der  Rotwein  der  Umgegend  wird  zum
Verschneiden  nach  Bordeaux  ausgeführt.
Berbice  (spr.  bkrbihtz,  Neu-Amsterdam),
  Hafenplatz  der  brit.  Kolonie
Guayana  (s.  d.);  5743  Einw.  Deutsche
Konsularagentur.
Berdjausk,  Hafenstadt  im  russ.  Gouvernement ­
  Taurien,  Station  der  Russischen ­
  Darnpsschiffahrts  -  Gesellschaft  rrnd
Westcotts  -  Linie;  (i87g)  12,223  Einw.
Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk  :  Kreise  B.
und  Melitopol,  Alerandrowsk,  Bachmut,
Slawänoserbsk  u.  Mariupol);  Filiale  der
A  sow-Doner  Kommerzbank,  Stadtkommunalbank; ­
  Kompanie  Nadeshda.  1879:
Einfuhr  393,724  Mk.,  Ausfuhr  30,4  (davon ­
  Weizen  28,s)  Mill.  Mk.  Vom  Ausland
liefen  ein:  295,  dahin  aus:  278  Schiffe.
Bergamo,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  ital.  Provinz,  an  der  Bahn  Mai-
        <pb n="61" />
        58

Bergen  -  Berlin  (Areal,  Bevölkerung).

land  -  Venedig  ;  (ms)  35,600  Einw.
Ressort  des  deutschen  Konsuls  in  Mailand; ­
  Handelskammer,  Handelsgericht;
Banca  nazionale,  Banca  Bergamasco.
Steingut-  und  Glasfabrikation.  Die  für
die  Feststellung  der  Seidenpreise  sehr  wichtige ­
  »Bartholomäusmesse«  dauert  vom  26.
Aug.  bis  7.  Sept.;  9  Tage  geheir  die  Waren ­
  zollfrei  ein,  4  Tage  für  die  Hälfte.
Bergen,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
uorweg.  Stifts,  wichtigste  Handelsstadt
Norwegens,  am  Waagfjord,  Station  der
Dampferlinien:  R.Sloman  (Hainburg),
Vereinigte  Dampfschiffgcscllschast  (Stettin). ­
  Bergenske  og  Nordenfjeldske  Dampskibselskab(hier
  domiziliert);  (1875)33,830
Einw.  Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:
die  Ämter  Norder-  und  Süder-  Bergenhuus)
  ;  Filialafd.  afNorges  Bank,Bergens
Kreditbank,  Bergens  Privatbank,  Berstens ­
  Sparebauk.  —  Fabrikation  von
Handschuhen,  Leder,  Seife,  Angeln  rc.;
Thrausiedereieu;  Schiffbau.  Hauptbeschäftigung ­
  ist  aber  der  Handel,  besonders
mit  Stockfisch  und  Heringen;  zweimal
jährlich  werden  die  Fische  aus  den  kleinen ­
  nördlichen  Hafenplätzen  hier  auf  die
Messe  (»Stävne«)  gebracht.  1878  geschah
uldes  der  Umsatz  zu  so  niedrigen  Preisen,
daß  von  Gewinn  nicht  die  Rede  sein
konnte.  Der  Handel  wertete  1878  (in
Millionen  Mark):
Einfuhr  .  .  16.3,  davon  deutsch  4.7
Ausfuhr.  .  14,8,  -  -  2,8
Die  Ausfuhr  nach  Delitschland  besteht
fast  ausschließlich  in  Heringen  und
Thran,  die  Einfuhr  von  dort  hauptsächlich ­
  in  Roggen,  Gerste,  Kaffee,  Weizenmehl, ­
  Erbsen,  Weizen.  Haupthandelsartikel ­
  sind  in  der  Einfuhr:  Roggen,  Gerste,
Roggenmehl,  Kaffee,  Steinkohle,  Petroleum, ­
  Zucker,  in  der  Ausfuhr:  Heringe,
Thran,  Rundfisch  und  Klippfisch.  Der
Erport  geht  meist  nach  Preußen,  Hamburg,
Holland,  Belgien,  England,  Frankreich
und  Italien.  Im  Fischhandel  nimmt  B.
weitaus  den  ersten  Platz  inNorwegcn  ein;
•O,:*  Pro;,  der  Gesamtausfuhr  entfallen
aus  seinen  Hafen.  Bergens  Schiffahrt  wird
su.lt  ca.  400  eignen  kleinen  Schiffen  betrieben; ­
  jährlich  laufen  ca.  1000  Schiffe
Cln ,  davon  1879:  36  deutsche  von  5550

—  Wechselkurse  werden  notiert
ailf.  Hamburg  (3  Monate  dato  unb  14
mb  3  SRonate  bato,  aud)  3  ^o^c  wad)
Sicht),  Antwerpen  wie  Paris,  Amsterdam
und  Rotterdam  (3  Monate  dato  und  3
Tage  nach  Sicht),  bisweilen  auch  auf  Kopenhagen ­
  nach  den  Normen  von  Christiawachte
  ime  in  Norwegen.  Man  rechnet
aber  die  Schiffslast  Fisch,  Thran,  Teer  rc.
zu  13  Fischtonnen;  Fifchguano  verkauft
man  fur  200  Pfd.  frei  an  Bord.
Berlin,  Hauptstadt  des  Deutschen
Reichs  und  des  Königreichs  Preußen
an  der  Spree,  Knotenpunkt  für  elf  verşĢedene
  Eisenbahnen:  B.-Dresdener,
^=.^am['^m)er,  %.:9ßoW:
schlestfch-Marklsche,  Ostbahn,  Anhalter,
Nordbahn,  Lehrter,  B.-Wetzlarer  Bahn;
(isso)  1,121,378  Einw.  Daö  Areal  der
Stadt  B.  umfaßt  59,23  qkm  (l,07o  QM.)
oí)iie  die  im  Frühjahr  1878  erfolgte  Erweiterung ­
  des  Weichbilds  durch  Einverleibung ­
  des  Terrains  der  Lichtcnbcrger  Feldmark, ­
  auf  welcher  das  städtische  Schlachthaus ­
  nebst  Viehhof  erbaut  worden  ist.  —
Die  Bedeutung  Berlins  als  Fabrik-  und
H  a  n  d  e  l  s  st  a  d  t  war  bis  1875  in  steter
Zunahme  begriffen,  danach  trat  eine  sehr
bedeutende  Abnahme  ein.  Nach  dem  Bericht ­
  der  Fabrikinspektion  gab  es  1878:
2152  Fabriken  mit  45,135  erwachsenen
männlichen,  12,835  erwachsenen  weiblichen, ­
  874  jugendlichen  männlichen  und
448  jugendlichen  weiblichen  Arbeitern
Von  den  großen  Maschinenfabriken
lieferte  die  Borsigsche  Anstalt  1877:  44,
1878:  76  Lokomotiven  (früher  in  normalen ­
  Jahren  150  —160)  mit  nur
900  Arbeitern.  Die  Wühlerische,  welche
1871  —  74  jährlich  100  —  130  Lokomotiben
  baute,  lieferte  1878  nur  12  ab.  Die
Freundsche  Eisengießerei  produzierte  1876
noch  über  11  Mill,  kg  Gußwaren,  1878
ster  u.  Roßmann  1878  :  27,000  Maschi-
        <pb n="62" />
        54

Berlin  (Industrie).

ncn  ab  (5000  mehr  als  im  Vorjahr).  Die
Metallindustrie  Berlins  hat  sich  in
dem  letzten  Decenniuin  in  sehr  erfreulicher
Weise  entwickelt,  ist  aber  doch  seit  1874
sehr  bedeutend  zurückgegangen;  1878  lieferten ­
  26  Eisengießereien  mit  1259  Arbeitern ­
  und  58  ásen  338,405  Ctr.,  2  Eisenstreckwerke ­
  28,367  Etr.  rc.;  die  »Neuen
Berliner  Messingwerke«  hatten  einen  Gesamtabsatz ­
  von  1,099,111  kg  mit  einem
Verkaufswert  von  1,825,705  Mk.  Die
städtischen  Gasanstalten  produzierten  1877
bis  1878:  61,306,000  cbm,  wozu  218,899
Ton.  Kohlen  verwendet  wurden.  Das  gesamte ­
  auf  diese  Anlagen  verwendete  Kapital ­
  wurde  ans  38,950,160  Mk.  erhöht
und  für  eine  neunmonatliche  Betriebsperiodc
  ein  Reingewinn  von  2,254,852  Mk.
erzielt.  Von  den  zahlreichen  andern  Industrien ­
  ist  die  Tabakfabrikation  (10—
12  größere  Fabriken)  zu  nennen,  welche
1878:  61,531  Ctr.  unbearbeitete  Tabakblätter ­
  u.  a.  importierte;  außerdem  die
Stcarinkerzenfabnkation  (1878:  25,000
Ctr.).  Die  Fabrikation  wollener  und
halbwollener  Stoffe,  Shawls  und
Tücher  ist  eine  außerordentlich  vielseitige.
1878  wurden  auf  dem  Wollmarkt  (19.
Juni,  3Lage)zumVcrkauf  gestellt:  160,000
Etr.  deutsche  u.  russische  und  25  Etr.  australische, ­
  Kap-  u.  Buenos  Ayres-Wolle.  Der
Umsatz  iir  Garnen  war  1878:  5,400,000
kg  Streichgarne,  3,750,000  kg  Zephyrititb
  Kammgarne.  Sowohl  Webereien  als
Appreturanstalten  waren  1878  außerordentlich ­
  beschäftigt.  Es  wurden  fabriziert:
Stück  Wert  in  Mark
Kammgarnstoffe  .  .  30000  4  500000
Winterstoffe  .  .  .  50000  5  000000
Sommerstoffe  .  .  .  70000  5  500000
Von  Kamm  -  und  Zephyrgarncn  wurdet: ­
  2,200,000  kg  gefärbt  für  einFarblohn
von  1,100,000  Mk.  Großartig  sind  die  Fabrikation ­
  von  Strnmpswaren,  Phantasieund
  fertigen  Wäscheartikeln,  die  Seidenfärbcrei
  (ca.  150,000  kg)  und  Fabrikation
von  Posamentierwaren  (Umsatz  10  Mill.
Mk.).  Alle  diese  Industriezweige  prosperierten ­
  in  den  letzten  Jahren  ebenso  wie
der  Telegraphenbau  (namentlich  vertreten
durch  die  Firma  Siemens  u.  Halste,  die
auch  eine  Kabelsabrik  angelegt  hat),  der

Pianoforteball  (V.  liefert  die  billigsten
Pianinos,  die  namentlich  nach  England
und  von  dort  nach  Südamerika,  Südafrika ­
  und  Ausiraliei:  gehen),  die  Luxuspapierfabrikation ­
  (jährlicher  Umsatz  ca.
8  Mill.  Mk.).  Der  Export  von  Manufakturwaren ­
  befindet  sich  aber  immer  iloch
in  gedrückter  Lage.  Der  Absatz  nach  den
Vereinigteil  Staaten  fiel  von  19,410,460
Mk.  im  Jahr  1872  auf  8,807,253  Mk.
im  Jahr  1879,  stieg  aber  1880  wieder
auf  15,258,109  Mk.,  davon  fertige  Kleider
(Damenkonfektion,  Schlafröcke)  2,754,513
Mk.,  Garne  1,817,592  Mk.,  Wollwaren
1,716,150  Mk.,  Albums  1,296,006  Mk.
Sehr  bedeutend  ist  der  Handel  mit  Getreide. ­
  B.  empfing  1878  (in  Tausenden

Kilogramm)  Eisenbahn:  zu  Wasser:
Weizen....  23798  13200
Roggen.  .  .  .  39100  102981
Gerste  .  .  .  .  41055  1  700
Hafer  .  .  .  .  92647  5497
Kartoffeln...  46480  14378

wovon  aber  erhebliche  Quantitäten  wieder
ausgeführt  wurden.  Verinahlen  wird  hier
fast  nur  Roggen  (1878:  83,250  Ton.);
der  Mehlhandel  gewinnt  immer  mehr  an
Bedeutung,  so  daß  er  dem  Versandgeschäft
in  Roggen  fast  den  Rang  abläuft.  Das
Spiritusgeschäft  hat  seinen  Hauptexport
  nach  Frankreich,  Spanien  und  Portugal; ­
  das  Berliner  Zollamt  expedierte
1878  ills  Ausland  17,825,252  Lit.  zrl
100  Proz.  Auf  der  Eiseilbahn  wurden
31,717,382  2.  ein-,  dagegen  16,246,344
L.  ausgeführt;  auf  den  Kanälen  kamen
via  Neustadt-Eberswaldc  6,946,200,  via
Brüskow  517,520  L.;  ebenfalls  zu  Wasser ­
  waren  nach  Magdeburg,  Harburg  unb
Hamburg  3,376,000  L.  avisiert  lvordcn.
Dieser  Handel  steigt  von  Jahr  zu  Jahr.
Nicht  affiziert  wlwdc  van  der  im  allgemeinen ­
  ungünstigen  Geschäftslage  das
Kohlengeschäft-  1879  wurden  alls
Eisenbahnen  und  Wasserstraßeil
empfangen:  versandt:
Steinkohlen  und  Koks  953131  55547  Tonnen
Braunkohlen.  .  .  »  357088  08236  -
Es  blieben  somit  in  B.  897,584  T.  Steinkohlen ­
  und  Koks  und  288,852  T.  Braunkohlen. ­
  Die  ails  England  eingeführte
Kohle  wird  auf  180,000  T.  geschätzt.
        <pb n="63" />
        Ņerļin  (Handel,  Verkehrswesen).  55

Der  Viehhandel  zeigte  1876  folgenden ­
  Verkehr  auf  den  Eisenbahnen:

Einfuhr  Ausfuhr
Rinder  .  .  .  140,809  56,737
Schweine  .  .  782,936  338,867
•  Kälber  .  .  .  87,483  2,613
E  Hammel  .  .  620,316  291,965

Somit  1^.^^0.1878  :  84,072  3ü„
84,870  mbc
imb  3-8,3ol  Hammel.  Dazu  kommt  de
bedeutende  Import  von  Schmalz  ans  Chi
cago  und  New  York,  der  schon  ans  dirck
emWeg  mit  Umgehung  des  Zwischen
iDie  ßtu
bezifferte  ftd,  1878  an
5,243,100  kg  im  Wert  von  3,30?,350Ml
Welche  Quantitäten  B.  zurErnährunl
seiner  Bcvölkerttng  braucht,  zeigt  folgend
inri877geltendeZnsammcnstettnng.  An
Land-  und  Wasserwegen  wurden  ut  die
lern  Jahr  mehr  ein  -  als  ausgeführt:

Kilogr.
Weizen  .  .  16335513
Roggen  .  .  102765652
Gerste.  .  .  31569479
Hafer.  .  .  81812310
Mehl.  .  .  55799357
Hlllsenfrüchte  13332203
Mal,  .  .  .  11102582
Hopfen  .  .  1193038
Traubenzucker  11187  758
Brot  .  .  .  553275
Bier  .  .  .  3912973

Kilogr.
Wein.  .  .  8796938
Branntwein  3121494
Kartoffeln  .  60827301
Milch.  .  .  50322012
Butter  .  .  10488420
Käse  .  .  .  4786227
Eier  .  .  .  9432989
Wild.  .  .  912471
Geflügel.  .  1663641
Fleisch,  Fleischwaren ­
  .  .  4294544

Von  andern  Nahrungsmitteln  wurden
bei  dem  Zollamt  zu  B.  verzollt:
Kaffee  .  118553  Etc.  |  Gewürze  4406  Ctr.
Reis.  .  37901  °  &amp;gt;  Heringe  45761  Tonnen
ferner  Nüsse  20,000  Ctr.,  gebackene  Pflaumen ­
  45,000  Ctr.  rc.  Die  54  Branetcicit
  produzierten  mit  10,000  Ctr.  Hopfen ­
  und  756,565  Ctr.  Malz  1,698,736  hl
ècr  im  Wert  von  25  Mill.  Mk.  Von
mesen  waren  22  untergärige  (bayrische)
Brauereien  und  31  obergärige  (Weiß-,
älter-  und  Braunbier-)  Brauereien.  Der
Handel  mit  Wein  ist  in  den  letzten  Jahren ­
  in  sehr  bedeutender  Weise  gesunken;
bon  ausländischen  Weinen  wurden  ein-1875:
  125,190  Gtr.,  1878  um-&amp;lt;5,4/0
  Ctr.,  ein  deutlicher  Hinweis  auf
&amp;gt;e  schlechtere  wirtschaftliche  Lage.  Für

verse,
bett,  England,  Amerika,  den  Kolonien,
Frankreich  rc.  Der  Import  aus  Böbmen
  und  Ungarn  belief  sich  1879  aitf
3,400,000  Flaschen,  der  Export  dahin  ans
1/2  Mill.  Flaschen.
Der  Schisfahrtsverkehr  an  der
obern  und  untern  Kanalschlense,  in  Moabit ­
  und  Plötzcnsce  bezifferte  sich  1878  itti
Emgang  auf  1016  Floße,  344  Schlepper
und  61  Güterschisfe  von  132,560  kg
""  9(11090,13  auf  1314
Floße,  352  Schlepper  und  69  Güterscbiffe
von  145,135  kg  und  41,127  Segelschiffe
uott  75,6^)1,665  kg.  —  Auf  den  elf  Eisenbahnen ­
  kameit  4,713,011  Personen
cut,  4,798,865  reisten  ab;  Güter  kamen
Be/de,  Eingang  wie  Ausgang,  standen  in
frühern  Jahren  weit  höher.  Die  Pfer  drei ­
  send  ahnen  hatten  eine  Gesamtbahnlängc
  von  87,149  m,  eine  Geleiselänge
von  126,609  m;  davon  besaß  die  Große
Berliner  Pferde  -  Eisenbahngesellschast
100,039  m  Geleise  und  67,363  in  Bahitlänge.
  Sie  beförderte  1879  :  34,600,000
Personen  für  4,530,372  Mk.  mit  293
Wagen  und  1528  Pferden.  Die  Berliner
Dampfschiffahrtsgescllschaft  beförderte  in
12Dainpfern  von24Pferdekräften  261,972
Personen.  ^  Es  waren  Ende  1878  vorhanden ­
  1375Droschken  erster  Klasse  mit
2350  Pferden,  3185  Droschken  zweiter
Klasse  mit  6200  Pferden,  284  Thorwageit
ntit450Pferdenu.  182Omnibusmit  1250
Pferden.  Durch  die  öffentlichen  Verkehrsmittel ­
  (ohne  Droschken)wnrden46,490,453
Personen  befördert.  —  Der  vorzüglich
organisierte  Postverkehr  hat  durch  die
Einrichtung  einer  mittelst  LnftdrucksBriefe
und  Karten  befördernden  Rohrpost  eine
wichtige  Vervollständigung  erhalten.  Zur
Bewältigung  des  PostverkehrS  dienen  73
Postanstalten  mit  382  Briefkasten,  1335
Beamten,  739  Briefträgern  und  1626  Unterbeamten.
  Es  wurden  1878  befördert:
32,257,452  Stadtbriefe  itisi.  Postkarten,
        <pb n="64" />
        56

Berlin  (Konsulate,  Banken,  Platzgebränche  rc.).

Drucksachen  x\;  es  kamen  an:  26,214,030
%((((,  6,583,878  Werten,  3,755,754
Drucksachen  imb  Warenproben  rc.;  auf
Postanweisungen  wurden  eingezahlt
100,856,329#.,  Wow#203,l48,436
Mk.  Die  Einnahme  au  Porto  und  Telegraphengebühren ­
  belief  sich  auf  11,975,329
Mk.  Der  Telegraphenverkehr  erstreckte ­
  sich  auf  33  Stationen  in  der  Stadt
und  6  in  der  nächsten  Umgebung  mit  511
Beamten,  113  Boten,  242  Morse-  und  66
Hughes-Apparaten,  bei  denen  2,424,526
Depeschen  aus-  und  eingingen;  Gebührenbetrag ­
  2,747,024  Mk.
K  o  n  s  u  l  a  r  i  s  ch  vertreten  sind  :  Argentinische ­
  Republik,  Belgien,  Bolivia,  Brasilien,Chile, ­
  Costarica,  Griechenland,  Großbritannien, ­
  Honduras,  Italien,  Kolumbien, ­
  Österreich-Ungarn,  Oranje-Freistaat,
Paraguay,  Persien,  Peru,  Portugal,  Rußland, ­
  Schweden  und  Norwegen,  Spanien,
Türkei,  Uruguay,  Venezuela,  Vereinigte
Staaten  von  Nordamerika.
H  a  n  d  e  l  S  a  u  st  a  l  t  e  u  sind  :  die  Börse,
Liquidationsverein  der  Fondsbörse,  Kornhalle
  ,  wo  eine  Art  Getreidebörse  stattfindet, ­
  Ziegelbörse  (seit  1874),  Berliner  Baumarkt, ­
  Hypothckenbörse,  Schuhmacherbörse ­
  (auch  von  Lederhändlern  besucht,
seit  1877),  Kleiuhändlerbörsc,  Gewerberat,
  Geìvcrbehalle.  Jährlich  finden  Abrechnungen ­
  deutscher  Buchhändler  statt:
15.  Febr.  für  die  1.  Juli  bis  31.  Dez.,
15.  Sept,  für  die  4.  Jan.  bis  30.  Juni
gelieferten  Artikel.  —  Der  Wollmarkt,
der  bedeutendste  in  Deutschland,  beginnt
19.  Juni  und  dauert  5  Tage,  der  KokouSmarkt
  im  Juli  3  Tage.
Banken:  Deutsche  Reichsbank  (s.
Deutschland,  Banken,  S.  162),  Bank
des  Kasienvereins  (Kapital  3  Mill.  Aik.),
Disļoutogesellschaft  (60  Mill.  Mk.),  Berliner ­
  Handelsgesellschaft  (30  Mill.  Mk.),
Deutsche  Genossenschaftsbank  (6  Mill,
m.),  DcutļWW(459m.m.),$ro:
duktcn-  und  Handelsbank  (5,4Mill.  Aik.),
Börsenhaudelsverein  (3  Mill.  Mk.),  Preußische
  Hypotheken-Bcrsichenlngs-Aktiengesellsckaft
  (15  Mill.  Mk.),  Preußische  Bodenkrcdit-Aktienbank
  (30  Mill.  Mk.),
Preußische  Hypotheken  -  Aktienbank  (6
Mill.  Mk.),  Norddeutsche  Gruudkreditbank

  (4,5  Mill.  Mk.),  Preußische  Central-Bodenkredit-Aktiengesellschaft
  (36  Mill.
Mk.),  Deutsche  Hypothekenbank  (9  Mill.
Mk.),  Filiale  der  Weimarischen  Bank  re.
Der  Wert  der  Kapitalien  aller  Aktiengesellschaften ­
  stellte  sich  31.  Dez.  1878
(in  Tausenden  Mark)  folgendermaßen:

Gruppen
der  Aktiengesellschaften

Eingezahltes ­
  Aktienkapital ­


Wert
der  Aktienkapitalien ­


58  Banken  (exkl.  Reichst'.)
36  Baugesellschaften  .  .
4  Bergbaugesellschaften
18  Bierbrauereigesellsch..
8  chemische  Fabriken  .
8  Eisenbahnen  .  .  .
7  Eisenbahnbaugesellsch.
22  Metallindustriegesellsch.
5  für  Fuhrwesen.  .  .
6  f.Gas-u.Wasseranlage
3  Guinmiwarenfabriken
5  für  Holzarbeiten  .  .
4  für  Papier  u.  Pappe
3  Pferdeeisenbahnen  .
3  Porzellan-n.Glasfab.
7  Webereien,  Spinnereien ­
  u.  Färbereien
14  verschiedene  Gcsellsch.

458908
145047
28830
39675
18861
228000
57643
64785
9000
9126
3630
8640
6900
16260
3885
19179
30900

378932
21398
9927
16201
3511
155756
12525
12649
5327
2185
1969
225
1265
17171
692
3011
15853

192  Aktiengesellschaften  .  1149269

658597

Im  gauzeu  hatten  also  diese  Gesellschaften
einen  Verlust  von  490,672,000  Mk.  erlitten, ­
  obwohl  1878  ein  Gewinn  ju  verzeichnen ­
  war.  Die  Dividenden,  die  4872:
107,369,000  Mk.  betragen  hatten,  beliefen
sich  4878  auf  nur  25,163,000  Mk.  Die
städtische  Sparkasse  hatte  Ende  1878
eilten  Bestand  von  25,490,292  Mk.  in
426,676  Sparkassenbüchern.
Platzgebräuche.  Man  verkauft  Petroleum ­
  für  100  kg  (infs.  Faß),  Rüböl
und  Leinöl  ebenso,  aber  erkl.  Faß,  Thran
für  die  Tonne,  Hasenfelle  für  100  Stück,
Fuchs-,  Dachs-,  Marder  -  und  Iltisfelle
für  4  Stück,  Roßhaute  für  den  Decher
von  10  Stück,  Eisen  loco  Hütte  für  100kg,
Kupfer  und  Blei  für  50  kg,  Balken  für
Vio»  cbm,  Bohlen,  Bretter  und  Latten
für  das  Schock,  hydraulischen  Kalk  für
150  kg,  Gips  für  75  kg,  Chamottemörtel
  für  50kg,  Rindvieh  und  Schweine
für  50,  Hammel  für  20kg  »reines  Fleischgewicht«. ­
  Im  Lieferungshandel  kontrahiert ­
  man:  Weizen,  Roggen,  Gerste  imb
        <pb n="65" />
        Bermuda  —  Bern.

57

Hafer  lOOOCtr.,  Mehl  250  Säcke  zu  100kg
(wobei  nicht  mehr  als  1  kg  Gewichtsdifferenz ­
  erlaubt  ist),  Spiritus  10,000  Lit.,
Rüböl  100  Ctr.,  raffiniertes  Petroleum
50  Fässer  (zu  ca.  125  Ctr.,  Preis  versteht
sich  »mit  Faß«)  Auf  Lieferung  gekaufter
glai-s
cd)  se  lkurse  notiert  man  aufAmster-^ild,

ü  C&amp;gt; astc  ""d  2  Monate  dato,  auf  London
«Tage  und  6  Monate  dato,  Warschau  8
hgc  Bed)fd  ßnögenommen
  Petersburg)  dürfen  nicht  mit
einer  Frist  von  mehr  als  14  Tagen  oder
weniger  als  5  Tagen  geliefert  werden.
Eme  amtliche  Feststellung  der  Wechselkurse
nudet  nur  Dienstags,  Donnerstags  und
^ommbcubS  statt;  Be#í  mis  Bien,  iüe:
Ml !m  U 1 ,Í5  Warschau  werden  indes  an
icdein  Werktag  gehandelt.
KķDUI«
Wegfall  der  Schlacht-  und  Mahlsteuer  ist
voil  indirekten  städtischen  Abgaben  nur
- cv  "Opro;.  Zuschlag  zu  der  Branmalz-,teuer
  stehen  geblieben.  Die  Hanpteinnahme
  fließt  aus  der  Hans-  und  Mietstcner
  (16,350,000  Mk.)  und  der  an  Stelle
der  Schlacht-  lUid  Mahlstcuer  eingeführten
Gemeinde-Einkommenstener  (9.161  775
Mk.).  Die  Hanptposteii  sind:

Verivaltungszweige  Einnahme  Ausgabe
Steuerverwaltung.  .  .  ¿3308480  lsosoo
Kapital  -  und  Schuldcil-^
  Verwaltung  ....  6017  718  8075510
Schulverwaltung  .  .  .  1475289  7550010
Arinenverwaltung  .  .  479312  4  970  709
Ģeiundheitspflcge.  .  .  183  747  1848197
-öanvcrwaltung  .  .  .  1503996  5190039
m  f!"""ungskosten  .  .  528410  4  480957
Polizeiverwaltung.  .  .  410072  2  795510
Straßenbeleuchtung  und
Straßenreinigung  .  .  42538  3000  705
,  Schulde  »  st  a  n  d  der  Stadt  betrug
¿8,8:  84,606,243  DK.,  bauen  fonfoH,
OļMte  #urb  78,591,270  Dis.;  ba)n  eine
iSWeiibc  @d)u(b  von  3,591,468  Dis.

SãSSi
bim!)  die  Anlage  einer  in  fünf  Radialsy'
steme  und  ebenso  viele  Pnmpenstationeil
gegliederten  Kanalisation,  sodann  burd)
«a,»a:«'::
WMSê
Bermuda,  englisch  -  westind.  Inselgruppe, ­
  als  Flottcnstation  voit  großer
Bedeutung.  Nur  nenn  der  Inseln  50
ŗwagee
toi  omen  Hauptbeschäftigung  der  Bewohner:
  Fischerei  n.  Walfang,  Strohflechterei,
=  u.  Segeltnchweberei.  Produkte:  Cedcrnholz
  (vorzüglich),  Arrowroot,  Zucker
™  a ‘  Eingeführt  werden  Eßwaren  und
..  caiiufakte.  Es  betrug  1879  der  Wert  der
einnahmen  1879:  572,260  Mk.,  Anö-553^500
  Wt.;  #níb:  229,680
r'dnnir  Hafenstadt  Georgetown
(oOOO  Elnw.)  auf  der  Insel  St.  George
befindet  sich  ein  deutscher  Konsul  (Amtsbezirk: ­
  die  Inselgruppe).
Bern,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
schweizer.  Kantons,  an  der  schiffbaren  Aare
Knotenplliikt  der  Schweizer  Eentralbahm
#1001)0:  n.  3ul^a=^.=2u)c^',cl^
#4"  !  0880)44,087  @wiv.  @16  bei-  MiocO
zerlschenBnnbesbehörde  meines  deutschen
Geschäftsträgers;  Münzstätte;  Bcrner
HandelSbank,  Eidgenössische  Bank,  Filiale
der  Baseler  Handelsbank,  Kantonalbank,
Bolksbank.  Eine  Handelsstadt  im  eigentlichen ­
  Sinn  ist  B.  nicht.  Die  Noten  (Banksdzelne)
  der  Kantonalbank  sind  ein  Staats-ZMMZ
        <pb n="66" />
        58

Bernhardin
ist  reine  Staatsanstalt.  Zweiganstalten  bestehen ­
  in  Biel,  St.  Jmer  und  Burgdorf.
Bernhardin  |
Bernhard,  St.r  s.  Alpenstraßen.
Bernina  I
Berwick  on  Tweed  (spr.  derrick  o,IN
tíuUb),  Hafenstadt  in  der  engl.  Grafschaft
Northumberland,  an  der  Mündung  des
Tweed  in  die  Nordsee  und  der  North  British- ­
  und  North  Eastern-Eisenbahn;  (mi)
18,282  Einw.  Deutsches  Vicekonsulat
(Amtsbezirk:  die  Küste  von  Eyemouth  bis
Dunstanborough  Castle  mit  Einschluß
von  Holy  Island);  British  Linen  Co.
Bank,  National  Bank  of  Scotland.  Ausfuhr ­
  (1879:  547,020  Mk.)  von  in  Eis  verpackten ­
  Salinen,  Hummern  und  Seefischen
(für  London),  Korn,  Whiskey.  Einfuhr
1879  :  2,979,020  Mts.  1879  üerü#cii
hier  9  deutsche  Schiffe.
Besanlon  (spr.  bosannssonn),  Hanptstadt
  des  franz.  Departements  Doubs,  am
Rhöne-Rhein-Kanal  und  an  der  Lyoner
Eisenbahn;  (1876)  42,808  Einw.  Handelsgericht; ­
  Banque  de  France  Sücc.;
Mittelpunkt  der  Uhrenindustrie  des  Departements, ­
  welche!3,000Arbeiter  beschäftigt
und  jährlich  335,000  llhren  (darunter
ca.  114,000  goldne)  tut  Wert  von  mehr
als  11  Mill.'Mk.  (über  drei  Viertel  der
gesamten  Produktion  Frankreichs)  liefert.
Beuthen,  Stadt  in  Oberschlesien,  an
der  Oberschlesischen  und  Rechten  Odernfer-Bahn;
  (isso)  22,823  Einw.  Rcichsbanknebenstelle,
  Oberschlcsische  Bank  für  Handel ­
  und  Industrie,  Filiale  des  Schlesischen
Bankvereins.  Galmei-,  BrauneisensteinundKohlengruben,Eisenhütten,Zinkwerke.

Beziers  (spr.  bcsje'h),  Arrondissements-Hauptstadt
  tut  sranz.  Departenteitt  Hérault
(Languedoc),  am  Chemin  du  Midi;  (i870)
36,928  Einw.  Haitdelögcricht;  Société  generale. ­
  Handel  mit  roten  Tischweinen,
sehr  gutem,  hier  fabriziertem  Branntwein
und  Alkohol,  Getreide,  Vieh,  Leder.
Bhamo,  Handelsplatz  in  Birma(s.  d.).
Biala,  Stadt  im  galiz.  Kreis  Krakau,
an  einer  Zweigbahn  der  Wien-Krakauer
Eisenbahn;  (isso)  7247  Einw.  Gallische
rustikale  Kreditbank.  Tuch-  und  Leinwandfabriken.
  Wichtiger  Speditions-  und
Transithandel.  (Vgl.  Bielitz.)

-  Bielitz.
Bialy  stokj  (Bjelostok  ),  Kreisstadt
im  tvestruss.  .Gouvernement  Grodno,  ait
der  Biala  und  im  Kitotettpunkt  der  Petersburg-Warschauer ­
  und  der  Brest-Lycker
Eisenbahn;  (i87s)  18,426  Einw.  Ressort
des  deutschenKonsulsinKowno;  Bialystoker
  Gesellschaft  gegenseitigen  Kredits  (Gesamtumsatz ­
  9  Mill.  Rubel:  mit  Deutschland ­
  1,8  Mill.  Mk.,  England  60,000  Pfd.
©teil,  Österreich  150,000  Fl.,  Frankreich
80,000  gratis),  ßHWe  ber  %H,wcr
vathandelsbank  (Gesamtumsatz  50  Mill.
Rub.:  mit  Deutschland  2,65  Mill.  Mk.,
London  28,600  Pfd.  St.,  Paris  66,000  Fr.,
Wien  57,000  Fl.);  40  Fabriken  (darunter
33  für  Tuch,  welche  1879:  150,000  Stück
int  Wert  von  58  Mill.  Mk.  produzierten);
Transportgesellschaft  Nadeshda.  Starker
Handel  mit  Tuch  -  und  Wollstoffen.
Bielefeld,  Stadt  in  der  preuß.  Provinz ­
  Westfalen,  an  der  Köln-Mindener
Bahn;  (i860)  30,657  Einw.  Handelskammer; ­
  Reichsbankstcllc,  Vorschußvercin
  (eingetragene  Genossenschaft),  Westfälische ­
  Bank.  —  Bedeutende  Leinwandweberei ­
  und  -Bleicherei.  Die  Ravcnsberger
  Spinnerei  in  B.  und  Wolfenbüttel ­
  erzeugte  1880  mit  27,020  Spindeln
aus  86,074  Ctr.  Flachs  711,748  Bündel
Garne;  Absatz  5,661,154  Mk.  Die  Bleiche
stellte  fertig  3,171,172  engl.  Pfd.  für
380,852  Mk.  Die  Spinnerei  »Vorwärts«
er&amp;amp;tcKc  1879:2,173,485  9Rf.,  bte0ieîcfeï'
der  Aktiengesellschaft  fürmechanische  Weberei ­
  2,321,003  Mk.  -  Per  Bahn  kamen
1878  an  122,553  Ton.,  gingen  ab  27,164
T.  Die  Post  beförderte  2,780,756  Briefsendungen, ­
  36,016,718  Mk.  Wert  in  Briefen ­
  und  Paketen,  11,817,861  Mk.  durch
Postanweisungen.—Kreditwesen.  Die
Reichsbankstellc  hatte  1880  einen  Gesamtumsatz ­
  von  184,743,900  Mk.,  davon  Wechselvcrkehr
  126,955,700  Mk.,  Giroverkehr
55,435,100  m.  $)tc  3Be^^fältf(bc  %mtl
(Kapital  4,5Mill.  Mk.)  hatte  129,390,864
Mk.  Kontokorrentgeschäft.  —  Platzgebränche.
  Die  Bleichlöhne  berechnet  man
auf  je  1000  engl.  Pfd.  avdp.  ;  man  verkauft
Getreide  für  100  kg,  Bohnen  und  Kartoffeln ­
  für  50,  Erbsen  für  45,  Schinken
für  50,  Rüböl  für  100  kg.
Bielitz,  Fabrikstadt  in  Österreichisch-
        <pb n="67" />
        Bilbao  —  Birma.

Schlesien,  an  einer  Zweigbahn  der  Wien-Krakauer
  Eisenbahn;  (isso)  12,300  Einw.
Filiale  der  Östcrr.-Ungar.  Bank,  B.-Bialaer
  Handels-  und  Gewerbebank.  —  Bedeutende ­
  Schafwollwarenindustrie  (B  mit
nimmt  bm  brüten  Mom  in'  ber
VMM
ŞZM
e,|cnmcßereien  RabriFcn  für  Segeitucf),
W  mnße  un  Znnfit  na#  bcm3nnern  non
ppSSSH
MKķL
IIISS
wegischen  82,  non  dentschen  81  ein  und
"Us.  —  Wechselkurse  notiert  man  ans:
Merbam,  %ar,S,  «onbon,  Wabrib  u.  ¿
Billion,  niederländisch  -  ostind.  Zn-27,032
  Einw.  (darunter  5720  Chinesen
uud  53  Europäer).  Es  wurden  1878  ans
den  von  der  B.  Maatschappij  betriebe'-uen
  98  Bergwerken  durch  4371  Bergmarharz.
  Gummi,  Muskatnüsse,  Pfeffer
wohlnechendeHölzer,  Schildpatt,  Trepang.
Blmlipatam,  Stadt  in  der  briti  chostind.
  Präsidentschaft  Madras;  deutsche
^W.ularagcntnr;  Bank  of  Madras.
Bürgen,  Stadt  in  der  Hess.  Provinz
ähcrnhessen,  am  Rhein  und  der  Hessischen
;  Ņwigsbahn,  Station  der  Niederländilchen
  Dampfschiffreederei  und  der  Rhei-1

59
tÄÄÄSï:
9tuf  ber  Acff^f^^en  Änbrnigg:
SS%Ä"kg' 44&amp;lt;7 ' 0kg ' cäoi,,,t "
Blrma  (Burmah,  Bar  ma),  Reich
ÄÄlÄg
nenftaat  geworden.  Es  umfaßt  jetzt  das
vom  obern  und  mittlern  Jrawadi  sowie
vom  obern  Salwen  und  dem  zwischen  beiden ­
  strömenden  Sitang  durchflossene  Land.
—  Die  Produkte  sind  denen  des  übrigen ­
  Hlnterindien  gleich;  erwähnenswert
namentlich:  Teakholz,  das  einen  wichtigen
Handelsartikel  bildet  (Hanptplap  dafür
die  Provmz  ltnb  Stadt  Nienqyen  am
reAtcn  Ufer  bog  ©iteng),  @oIb'(mtg  ben
Ñlufsen  gewaschen),  Silber  und  Blei  (im
Gebiet  dcrSchan),  ferner  Edelsteine:  Rn
bure,  Saphire,  Amethyste,  Topase  u.  a.
(in  großer  Schönheit  und  bis  zum  Gewicht
von  4000  Gran).  Der  Ertrag  des  Erdöls
ist  sehr  beträchtlich;  es  wird  am  linken
Ufer  des  Jrawadi  in  65—100  m  tiefen
Gruben  geschöpft  nnb  liefert  an  28  Mill.
Pfd.  jährlich.  Baumwolle  und  Thee  werden
in  bedeutendem  Umfang  gebaut,  dagegen
ist  die  Kultur  von  Zuckerrohr,  Tabak  und
Indigo  gering.  Die  Haupthandelswege
gehen  südlich  nach  Britisch-B.,  nördlich
nach  Junnan  in  China  und  westlich  über
Manipur  nach  Assam.  Die  Hauptroute
nach  S.  folgt  von  Bhamo  an  dem  Jrawadi; ­
  nellerdingö  haben  die  Engländer
eine  regelmäßige  Dampfcrverbindnng  mit
flachen  Schleppschiffen  (zweimal  im  Mo-
        <pb n="68" />
        60

Birmingham  -
Fluß  schwer  zubefahren,  und  der  Handelsverkehr ­
  nimmt  eher  ab  als  zu.  Er  beträgt
kaum  Yio  der  andern  Route.  Nach  China
wie  auch  nach  Assam  werden  europäische
Waren  durch  die  Schau  oder  Lao,  ein  betriebsames ­
  Handels-  und  Bergvolk,  gebracht. ­
  Die  Einfuhr  aus  Britisch-B.  hat
in  den  letzten  acht  Jahren  durchschnittlich
um  1  Mill.  Mk.  mehr  betragen  als  früher.
Der  Ausweis  von  1868—69  zeigt  einen
Wert  von  25  Mill.  Mk.  an  Ausfuhr  nach
Britisch-B.  und  von  18  Mill.  Mk.  Einfuhr ­
  nach  B.  Die  Grenzzölle  sind  auf
englischer  Seite  aufgehoben;  B.  erhebt
5—10  Proz.  vom  Werte  der  Ware.  Einfuhrartikel ­
  sind  namentlich:  Baumwollund
  Seidenzeuge,  Tuch,  Stahl,  Pulver,
Waffen,  Reis;  die  Ausfuhr  besteht  hauptsächlich ­
  in  Thee,  Leder,  Edelsteinen,  irdenen ­
  und  metallenen  Geschirren.  —  Geld.
Von  Münzen  laufen  nur  britisch-ostindische ­
  Silbermünzen  um.  sonst  sind  Silberklumpen
  von  4—  20  Tikal  (66%—331  Vs
g)  im  Gebrauch.  Maße:  das  Teoug  —
0,48  in,  das  Lann  —  4  und  das  Bambù
—  7  Teong;  das  Teng  —  26,5  kg,  der
Koyan  —  100  Tena.  Gold-  und  Silb
  e  r  g  e  w  i  ch  t  das  Pehtha  od.  Miß—1,6  kg.
Birmingham  (spr.  borminghäm),  die
größte  Metallwcrkstätte  und  nächst  Manchester ­
  die  größte  Fabrikstadt  Englands,
im  Mittelpunkt  einer  großartigen  Kanalund ­
  Eisenbahnverbindung  (London  and
Northwestern,  Great  Western  and  Midland), ­
  mit  (1881)400,680Einw.  Deutsches
Vicekonsulat;  Bank  of  England,  B.
Banking  Eo.,  B.  and  Midland  Bank,
Lloyd's  Banking  Eo.,  National  provincial ­
  Bank  of  England,  Worcester  City
and  County  Bank.  —  Als  große  Werk,tättc
für  Met  allwar  en  führt  B.  den  Namen
»Kramladen  Europas«,  wo  die  verschiedensten ­
  Waren  aus  Gold,  Silber,  Messing, ­
  Kupfer,  Bronze,  Eisen,  Stahl,
Glas,  Papier,  Leder  rc.  vom  kleinsten
Zierat  bis  zur  größten  Maschine  durch
Hammer  und  Guß  hergestellt  werden.  Der
älteste  Geschäftszweig  Birminghams  l,t
die  Gewehrfabrikation,  welche  jetzt
600—700  Fabrikanten  und  8  —  9000
Arbeiter  beschäftigt.  Sie  hat  von  1800—
1815  den  vereinigten  antinapoleonischcn

-  Björneborg.
Armeen  2,673,400  fertige  Gewehre,  mehr
als  3  Mill.  Flintenläufe,  ebenso  viele  Gewehrschlösser ­
  geliefert  und  außerdem  das
ganze  Material  für  1  Mill.  Feuerwaffen
für  Ostindien.  Während  des  nordamerikanischen ­
  Bürgerkriegs  wurden  an  nordamerikanische
  Freistaaten  773,400  Flinten ­
  geliefert.  Den  bedeutendsten  Fabrikzweig ­
  bildet  indes  die  Herstellung  von
Bronze-  und  Messiugwaren,  welche
20,OOOTon.Kupfer,  ebensoviel  alte  Bronze,
11.000  T.  Zink  erfordert.  Alle  Arten  von
Eisenwaren  werden  in  ungeheuren  Mengen ­
  fabriziert:  Maschinen,  Acker-,  Hausund ­
  Schmiedegeräte,  Nadeln  (1000  Arbeiter ­
  und  37Mill.  Stück  pro  Tag),  eiserne
Vogelbauer  (1000  Arbeiter).  Zur  Fabrikation ­
  von  Springfedern,  Matratzen,  Stühlen ­
  u.  a.  werden  jährlich  1000  Ton.,  für
Korkdraht  500  T.  Eisen  verbraucht.  Die
Knopffabrikation  beschäftigt  6000Arbciter.
und  die  Fabrikation  von  Stahlfedern  ist
so  riesig,  daß  wöchentlich  98,000  Groß,  d.h.
14.112.000  einzelne  Stahlfedern,  im  Wert
von  147,000  Mk.  hergestellt  werden.  Nicht
weniger  als  600  Fabrikanten  und  7500  Arbeiter ­
  verbrauchen  wöchentlich  3000  Unzen
Gold  und  6000  Unzen  Silber  zu  Bijouteriearbeiten, ­
  und  den  Wert  der  jährlich
verarbeiteten  Edelsteine  und  imitierten
Steine  schätzt  man  auf5  Mill.  Mk.  B.  hat
die  größte  Krouglasfabrik  in  England  und
liefert  das  beste  klare,  gefärbte  und  gemalte
Glas.  Der  Fabrikort  S  o  h  o  ist  schon  eine
Vorstadt  Birminghams  zu  nennen.
Bjelostok,  s.  Bialystok.
Björneborg,  Stadt  im  russ.  Gouvernement ­
  Finnland,  au  der  Mündung  dcö
Kümo  in  den  Bottnischen  Meerbusen,
Station  der  Lübeck-  und  Finnland-Dampfschiffgesellschaft;
  (1875)  7346  Einw.
Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk  :  die  Zolldistrikte ­
  B.  und  Naumo);  Kontor  der
Nordischen  Aktienbank  für  Handel  und
Industrie,  Finnlands  Bank  Kontor,  Föreningsb.
  Filial  Kontor.  1879  liefen  hier
31  deutsche  Schisse  von  10,451  Ton.  ein
(gegen  17  im  Vorjahr),  aus  deutschen
Häfen  kamen  45  Schisse.  Einfuhr:  1,02
Mill.  Mk.,  davon  deutsch  826,035  Mk.;
Ausfuhr  (Holz):  4,66  Mill.  Mk.,  davon
deutsch  278,543  Mk.
        <pb n="69" />
        61

Blankenese  -
Blankenese,  Dorf  im  preuß.  Regierungsbezirk ­
  Schleswig,  au  der  Elbe  und
der  Bahn  Altona-B.;  (isso)  3694  Einw.
Hauptsitz  der  deutschen  Nordscesischerei.
Die  Reederei  umfaßt  (isso)  17,983  Ton.,
außer  62  Fischewern  und  5  Fischkuttern.
Bloemfontein  (svr.  blühmfonntihn),
Hauptstadt  des  Oranje-Freistaats  inSüdasrika;
  2500  Einw.  Deutsches  Konsulat;
"O'Bank,  Oriental  Banking  Corporation.
Blumenau,  Hauptort  der  gleichnam.
deutschen  Acterbaukolonie  in  der  brasil.
Brovinz  Santa  Catharina,  am  schiffbaren
Jtajahy-Assu,  37  km  vom  HafenplatzJta-0878)
  12,291  Einw.  Deutsches  Konsulat ­
  (Amtsbezirk:  die  Municipalbezirke
vo»  Jtajahy);  Direktion  des  Deutschen
'Nolonisationsvereinö.  Zuckermühlen,  Cigarreufabriten,
  Sagemühlen.  Kultur  von
Mandioka,  Mais,  Bohnen,  Kartoffeln,
-Zuckerrohr,  Kaffee,  Baumwolle,  Tabak.
Blyth  (spr.  blcith),  Hafenplatz  in  der
engl.  Grafschaft  Northumberland;  2918
Einw.  Deutsches  Bicekonsulat  (Amtsbezirk: ­
  die  Küste  von  Creswell  Point  bis
St.  Mary's  Island).  1879  verkehrten  hier
deutsche  Schiffe.
Bochara  (Bokhara,  Buchara),ChauatinCentralasien
  zwischen  demKaspischen
Meer  und  den:  Bolortagh,  ca.  239,000
qkm  (4341  QM.)  mit'etwa  2,130,000
Einw.,  zum  größten  Teil  Uzbeken,  ferner
Tadschik,  Perser,  Araber,  Hindu  (sämtlich
Mohammedaner)  und  10,000  Juden.  —
Hauptprodukte  sind:  Weizen,  Roggen,
Gerste,  Mais,  Sesam,  Feigen,  Wcin/Tabak,
  Hanf,  Baumwolle  (die  aber  sehr  unvollkommen ­
  gereinigt  wird),  sehr  gesuchte
Seide,  Waschgold,  Salz,  Alaun,  Schwefel, ­
  Salmiak.  In  neuerer  Zeit  sind  Kohlenlager ­
  aufgefunden  worden.  Die  Schafe
mit  Fettschwänzen  und  dunkler,  gekräuselter ­
  Wolle  liefern  ein  bei  den  Persern  beliebtes ­
  Pelzwcrk.  Die  Pferde,  Esel  und
feinhaarigen  Ziegen  sind  vorzüglich.  Das
gewöhnliche  Lasttier  ist  das  zweihöckerige
Kamel.  Als  Erzeugnisse  dcsGewerbfleißes
luid  zu  nennen:  Gewebe  aus  Baumwolle,
^oide,  Kamel-  und  Ziegenhaar;  ferner
Veder,  Säbel,  Messer,  Feuerwaffen,  Wcrk-)ouge,
  Pclzwerk,  Putzsachen.  Die  Haupthandelswege ­
  sind:  in  nördlicher  Richtung

-  Bochum.
nach  Fort  Perowski  am  Sir  Tarja  und
nach  Kasalinsk  (beide  nach  Orenburg
führend);  östlich  nach  Samarkand  und
von  hier  auf  russischem  Gebiet  weiter
nach  Taschkent,  Tschcmkent  und  Fort
Perowski,  Ssemipalatinsk  oder  Chokand;
den  Amu  Darja  zieht  die  Straße  aufwärts
nach  Kasckgar,  über  Scherisebz,  Balch  und
die  Pässe  Bamian  oder  Chewak  über  den
Hindnkusch  nach  Afghanistan  und  Indien;
westlich  nach  Astrabad  zieht  die  Straße
entweder  den  Amu  Darja  abwärts  nach
Chiwa  und  dann  südwestlich  oder  von  B.
südwestlich  durch  die  Turkmenenwüste.
Der  Handel  hat  sich  bedeutend  gehoben  (seit
1825  um  300  Proz.);  insbesondere  ist  die
Ausfuhr  nach  Rußland  gestiegen  seit  Borschiebung
  der  russischen  Grenzebis  nahe  an
die  Stadt  B.,  welche  den  Mittelpunkt  des
Handels  bildet.  Zwischen  B.  und  Rußland ­
  gehen  jährlich  über  3000  Kamele,
und  der  Wert  desNmsatzes  übersteigt  30—
40  Mill.  Mk.  im  Jahr.  Eingeführt  werden
aus  Rußland:  Waffen,  eiserne  Geschirre,
Kalikos,  Baumwollwaren  und  andre
Tuche,  Zucker,  Arzneien;  aus  Indien:
Shawls,  Kalikos,  Indigo,  Droguen;  aus
Ostturkistan:  Thee,  Wolle,  Leder,  Edelsteine. ­
  —  Das  Geld  besteht  in  kreisförmien
  Gold-  und  Silbermünzen;  auch  cirulieren
  holländische  Dukaten,  persische
Gold-  und  Silbermünzcn,  russische  Silberrnbel.
  Man  rechnet  nach  dem  Tcnpe
(Silberscheidemünzc,  —  58  Pf.).  —  Längenmaß ­
  ist  das  Hasch  —  1  m;  Getreide
und  Flüssigkeiten  verkauft  man  nach  dem
Gewicht:  das  Batman  —  127,7  kg,  die
Kamelladung  —  262  kg.
Bochum,  Kreisstadt  und  Fabrikort  im
preuß.  Regierungsbezirk  Arnsberg,  au  der
Bergisch  -  Märkischen  und  Rheinischen
Bahn;  (isso)  33,446  Einw.  Belg.  Konsulat; ­
  Handelskammer;  Reichsbankncbcnstelle,
  Vorschubverein  (eingetragene  Genossenschaft). ­
  —  Unter  den  Industrien
steht  obenan  die  Gußstahlfabrikation.  Das
bedeutendste  Etablissement  ist  der  1843
gegründete  »Bochnmcr  Verein  für  Bergban
  und  Gußstahlfabrikation«,  welcher
1879  mit  4950  Arbeitern  allster  dem  eignen ­
  Bedarf  an  Gußwaren,  Roheisen  rc.
11,402,076  Ctr.  Stahlfabrikate  im  Wert
        <pb n="70" />
        62

Bodensee  —  Bogotá.

von  11,890,000  Mk.  lieferte.  Der  Verein
besitzt  16  Puddelöfen,  8  Schweißöfen,  92
Wärm-  und  Glühöfen,  27  Kupol-  und
Flammöfen,  121  Gußstahlschmelzöfen,  7
Bessemerapparate.  Außerdem  besteht  noch
eine  Anzahl  andrer  Eisen-  und  Stahlwerke,
Drahtziehereien,  Metallgießereien  re.  und
andrer  Industrien.  —  Der  Verkehr  un
Handelskammerbezirk  auf  der  Bergisch-MLrkischen,
  Köln-Mindener  und  Rheinischen ­
  Eisenbahn  betrug  1879:  3,417,438
Personen  und  10,414,852  Ton.  Güter,  wofür ­
  sich  eine  Einnahme  von  22,062,717Mk.
ergab.  Die  Post  beförderte  2,450,034  Briefsendungen, ­
  Paket-  und  Geldsendungen  im
Wert  von  36,047,142  Mk.,Postanweisungen ­
  6.967,339  Mk.,  die  Telegraphenstation
35,184  Telegramme.  —  Kreditwesen.
Die  Reichsbanknebenstelle  hatte  1879
eine  Einnahme  von  42,359,464  Mk.
(36,206,249  Mk.  eingezogene  Wechsel)
unb  eine  Ausgabe  von  42,503,211  Mk.
(34,223,170  m.  cwßefAufte  WM).
Bodensee,von  dem  Rhein  gebildeter  und
nächst  dem  Genfer  See  größter  schweizerischer ­
  See  mit  einem  Umfang  von  196,5
km,  einer  größten  Läirge  (vor:  Bregenz
bis  zum  Einfluß  der  Stockach)  von  5  km,
größter  Breite  (von  Arbon  bis  Friedrichshafen) ­
  von  14,5  km  und  bei  Mittlerin
Wasserstand  (398  m  ü.  M.)  von  539  qkm
Flächenranm.  Der  B.  teilt  sich  in  bett
Obersee  und  den  Untersee,  ersterer
mit  einer  größten  Tiefe  von  302  m  (zwischen ­
  Rorschach  und  Lindau)  und  260  m
(zwischen  Friedrichshafen  und  Rorschach),
während  letzterer  nur  20  m  Tiefe  hat.  ®tc
Schiffbarkeit  des  Bodcnsecs  wird  durch
den  Winter  zuweilen  beeinträchtigt,  und
öfters  (zuletzt  1870  und  1879—80)  war
die  Eisdecke  sogar  stark  genug  für  den  Verkehr. ­
  Das  ganze  Südnfer  voir  Rorschach
über  Roinairshorir  und  Konstanz  begleitet
die  Eisenbahn,  und  am  Nordrand  mündell
  Bahnen  bei  Radolfszell,  gegenüber
Konstanz,  bei  Friedrichshafen,  Lindau
ilild  Bregenz.  Zwischeir  Romanshorn
und  Lindau  -  Friedrichshafen  läuft  eiir
eiserrres  Trajektschiff  (13  m  lang,  11  m
breit,  mit  1,6  m  Tiefgang)  von  200
Pferdekräften  und  2000  metr.  Ctr.  Ladungsfähigkeit. ­
  Es  hat  ans  dem  Verdeck

2  Bahngeleise  für  14—16  Güterwagen.
Die  Entfernung  (12  km)  wird  in  einer
Stunde  zurückgelegt.  Die  zuin  Deirtschen
Reiche  gehörige  Flotte  des  Sees  bestaird
31.  Dez.  1877  aus  37  Segelschiffen  (17
eisernen)  von  3383  Ton.  und  22  eisernen
Dampfern  von  1375  T.,  zusanimen  59
Schiffen  von  4758  T.  Das  erste  Dampfschiff ­
  befuhr  den  See  1825,  jetzt  sind  30
Danipfer  von  1820  Pserdckräften  thätig
lind  zwar  durch  folgende  Gesellschaften)

Name  der  Gesellschaft

Schweizer.  Dampfbootgescllschaft
  für  Untersee  u.
Rhein  in  Schaffhnusen.
Schweizer.  Nordostbahngesellschaft ­
  in  Zürich  .  .
Großh.  bad.  Dampfschifffahrtsverw.
  zu  Konstanz
Kgl.  Iviirtt.  Dampfschifffahrt ­
  in  Friedrichshafen
Königl.  bayrische  Dampfschiffahrt ­
  in  Lindau  .  .

Dam-Pfcr


95
370
420
458
277

Personen-



1050
2650

3050
2400

Das  schon  erwähnte  Trajektschiff  ist  den
beiden  letztgenannten  Gesellschaften  sowie
der  Schweizerischen  Nordostbahngesellschaft ­
  gemeinsam  und  nicht  mit  aufgeführt.
Bodö,  Hauptort  des  norweg.  Amtes
Nordland,  am  Saltenfjord;  (1876)  1478
Einw.  Deutsches  Vicekonsulat  (Amtsbezirk: ­
  Zolldistrikt  B.).  1879  verkehrten  hier
7  deutsche  Schiffe  von  3427  Ton.
Bogota  (früher  Santa  Fê  de  B.),
Hauptstadt  der  südamerikan.  RepublikKolumbien;
  (i879)  40,883  Einw.  Deutsches
Generalkonsulat  und  Konsulat;  Banco
de  Colombia,  Banco  de  B.  (letztere  hat
zu  den  Meßzeiten,  im  Februar  und  Juni,
eine  Agentur  inMaganguê;  ihre  Noten
laufen  dem  baren  Geld  gleich  um).
Die  Waren  lverden  über  den  am  Magdalenenfluß
  gelegenen  Ort  Bodega  de  B.
bezogen,  lvo  die  Dampfer  der  Hamburg-Südamerikanischen
  Paketfahrt-Aktiengesellschaft ­
  und  der  Royal  Mail  Steam
Packet  Co.  anlegen.  —  P  l  a  tz  g  e  b  r  ä  il  ch  e.
Chinarinde  verkauft  man  für  das  Kilogramm, ­
  Rohzucker,  Reis,  Kautschuk,
Ochsenhäute  für  den  Quintal  (100  Pfd.),
raffinicrtcnZncker  für  die  Arroba  (25Pfd.),
        <pb n="71" />
        Bolivar  -  Bolivia.

63

Haute  und  Felle  für  das  Stück,  Strohgeslcchte
  und  Cedernbretter  für  das  Dutzend.
—  Wechselkurse  notiert  man  auf:  London, ­
  Paris,  Bordeaux,  Hamburg,  New
York  und  andre  nordamerikanische  Plätze
St.  Thomas  90  Tage  nach  Sicht.  ^  '
Bär,  s.  Ciudad  Bolivar.
1825)  in
pubammh  imt  einem  Ştänbmtcn  an
bet  Spitze;  Areal  nach  gewöhnlicher  An-1,297,255
  qk%3,559
Bevölkerung,  welche  1877  auf  2,325,000
angegeben  ward,  besteht  zur  Hälfte  auö
remen  Indianern;  245,000  sind  noch
irnlbc  Indianer.  Klima  und  demzufolge
Vegetation  sind  trotz  der  Lage  des  Landes
'u  der  Tropenzone  sehr  verschieden.  —
.  oduktion.  In  den  obern  Gegenden
Werden  Weizen  und  Mais,  in  den  tiefern
Kasiee,  Kakao,  Zuckerrohr,  Tabak,  Anales' ­
  Bauauen  rc.  gebaut.  An  Metallen
außerordentlich  reich.  Die  bedeutendsien
  Gold-  und  Silbergruben  liegen  in
dm  mittlern  und  südlichen  Teilen  der  östuchen
  Kordilleren;  es  sind  die  Minen  von
Slcasica,  Oruro.  Potosi,  Porto  und  süd-Ilchcr
  um  Portugalete.  Hier  wurden
suach  Soctbeer)  gewonueu:
nn  Silber  Kilogr.  Wert  in  Mill.  Mark
1545—1850  :  35064100  6311,5
1851—1875:  2653500  477,  u
zusainmen:  37717600  678SU
an  Gold  Kilogr.  Wert  in  Mill.  Mark
1545—1850  :  264000  736  @
1851-1875  :  30000  8^7
zusammen:  294000  ~820,s
Die  Produktioil  von  Silber  ist  auch  jetzt
bedeutend  und  macht  jährlich  Fortschritte.
Kupfer,  Stein-  und  Braunkohlen,  wie
Petroleum  sind  reichlich  vorhanden;  auch
an  Eisen,  Blei,  Antimon,  Quecksilber  re.
fehlt  es  nicht.  Höchst  wichtig  sind  tu  den
Mn  Jahren  die  Salpetcrlager  in  der
-vusté  Atacama  geworden,  ivelche  von
a)uenlschen  Kapitalisten  ausgebeutet  wurden; ­
  von  Antofagasta  (durch  Eisenbahn
Nllt  dem  Salpeterdistrikt  verbunden)  wur-^"
  1878:  1,002,488  GH.  &amp;lt;m%fnW.
ß , er  Ertrag  der  Zinnminen  soll  300,000
,3"  nn  Jahr  erreichen.  Indes  alle  Unter-Ölungen
  sind  durch  die  dauernde  Un-Ipfllëifi


günstige  Lage  des  Landes  gehemmt,  indem ­
  sö  nur  eine  verhältnismäßig  kleine
Seekuste  besitzt,  welche  noch  durch  ausgedehnte ­
  Wüsten  von  den  bewohntern
Gegenden  des  Innern  abgeschnitten  ist.
Der  größte  Teil  der  bolivianischen  Ausfuhr ­
  geht  daher  durch  Peru  über  Arica,
und  auf  demselben  Weg  kommt  die  Einfuhr ­
  lus  Land.  Die  großen  Wasserstraßen,
welche  zum  Amazonenstrom  und  Paraná
fuhren,  sind  nicht  benutzt  worden,  um
Handelsstraßen  zum  Atlantischen  Ocean
zu  bilden.  Gute  Straßen  sind  sehr  selten.
Die  Einfuhr,  welche  meist  über  Arica
kommt  (wenig  über  Cobija,  Antofagasta),
über  Corumba  am  La  Plata  und  über
Moliendo,  Puno  und  den  Titicacasee,
betrug  1878:  20  Mill.  Mk.;  die  Aussuhr
mrbe  auf  22,588,000  m.  0,#^,,.
Ubsr  Anca  gingen  1879  für  17,4^6,936
Mk.  unb  zwar  (in  Mark):

Silber.  .  .  7361364
Silbererz  .  .  2349404
Kiipferbarilla  941068

Chinarinde.  .  885004
Alpakowolle  .  154272
Häute  u.  Felle  123480

ferner  Zinnbarilla,  Zinn,  Kupfererze  und
Kupfer;  und  aus  Antofagasta  1877  für
23,130,488  Mk.,davon  Silberl2,889,952,
Salpeter  4,990,868  Mill.  Mk.  —  Die
Eisenbahn  von  Antofagasta  nach  Salar  ist
50  kni  lang,  die  Telegraphenlinien  1877  :
760  km  mit  15  Stationen.  Die  Handelsflotte ­
  zählte  38  Fahrzeuge  von  7000  Ton.
—  Die  Finanzen  sind  in  traurigem
Zustand.  Nach  dem  Budget  von  1873—74
betrugen  die  Einnahmen  11,718,296  Mk
die  Ausgabeil  18,022,016  Mk.,  wonach
sich  ein  Defizit  von  6,303,720  Mk.  herausstellte. ­
  Bei  den  Ausgaben  verschktrugeu
die  Finanzen  (mH.  Schuld)  8,2  Mill.
Mk.,  Krieg  4,2  Mill.  Alk.;  unter  den
Einnahmen  figuriert,  neben  Einfuhr-  und
Ausfuhrzöllen  und  Kontribution  der  Indianer, ­
  die  Anleihe  Church,  welche  1871
in  London  zum  Kurs  von  68  zu  6  Proz.  kontrahlertwurde.
  DerErtrag(34Mill.Mk  )
war  zunl  Bail  von  Eisenbahnen  bestimmt
mrbc  aber  gu  anbeut
Die  Staatöschulb  betrug  Mitte  1879
        <pb n="72" />
        64

Bologna  —  Bombay.

inkl.  jener  Anleihe  120  Mill.  Mk.-Kred
  i  t  a  n  st  a  l  t  e  n  sind  :  die  BolivianischeBank
(Kapital:  4Mill.Mk.,  Marimalbetrag  der
statutenmäßig  umlaufendenNoten:  6  Mill.
Mt.,  die  Noten  bestehen  in  Abschnitten  von
1—100  Bolivianos  und  laufen  zum  Nennwert ­
  um);  ferner  der  Credito  Hipotecario— ­
  Geld  wird  wenig  geprägt  ;  der  Bolivian ­
  hat  den  Wert  von  4  Mk.  —  Maß  e.
Längenmaß  ist  die  Bara  —  85  cm;  der  Fanega ­
  zu  4  Cuartillos  —  55,48  Lit.,  1  Cantara ­
  zu  4  Cuartillos  —  16,i4Lit.  ;lOuintal
  zu  4  Arrobas  —  46  kg.
Bologna  (spr.  »lernnja),  Hauptstadt  der
gleichnamigen  ital.  Provinz,  an  einem
Kanal,  welcher  die  Flüsse  Reno  und  Savena
  verbindet,  und  im  Kreuzungspunkt
der  Eisenbahnlinien  Padua-Pistoja  und
Piacenza-Ravenna;  (1878)  111,969  Einw.
Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:  B.,  Modena, ­
  Parma,  Ferrara  und  Ravenna
nebst  Zwischengebiet)  ;  Banca  popolare  di
Biella,  Kommerz-  und  Jndustriebank;
Handelsgericht.  —  Die  Industrie  richtet
sich  namentlich  aufFabrikation  von  Makkaroni, ­
  Salami,  Likör,  eingemachten  Früchten, ­
  künstlichen  Blumen  und  wohlriechenden ­
  Seifen,  auf  Seidenspinnerei  und  Seidenweberei, ­
  Tabak-,  Glas-und  Papierfabrikation ­
  und  Strohhntflechterei.  Der
Handel  vertreibt  namentlich  Flachs,  Hanf,
Futtersamen.  Reis,  Honig,  Wachs,  Weinstein. ­
  Der  bedeutende  Import  deutscher
Bindfaden  und  Seilerwaren  ist  durch
Neuerungen  in  der  Klassifikation  des  italienischen ­
  Zolltarifs  ziemlich  gefährdet
worden.  —  Geld.  Die  Bank  von  B.,  deren
Kapital  und  Notenemission  860,000  Mk.
nicht  übersteigen  sollte,  emittiert  ein  lokales ­
  Privatpapiergeld;  die  Regierung  übt
die  Oberaufsicht.  Wechselkurse  notiert
man  nach  den  Normen  von  Rom  rind  Genua ­
  auf:  Amsterdam,  Ancona,  Augsburg,
Florenz,  Genua,.Hamburg,  Livorno,  London, ­
  Lyon,  Mailand,  Marseille,  Neapel,
Paris,  Rom.  Triest,  Venedig,  Wien.
Bolton  le  Moors  (spr.  bühlt'n  li  muhrs),
wichtigeFabritstadt  in  der  engl.  Grafschaft
Lancaster,  an  der  Lancaster  and  Porkshircnnd
  der  London  and  North  Western-Eisenbahn; ­
  (1871)  82,853  Einw.'  Börse,  Bank
of  B.,  Manchester  and  Country  Bank.

Hauptsitz  der  englischen  Banmwollmannfaktur(19,OOOArbeiter),Wollmanufaktnr,

Maschinenfabriken  imb  Eisengießereien
(4000  Arbeiter),  Seifenfabriken,  Pulverfabriken. ­
  In  der  Nähe  große  Kohlenwerke.
Bombay,  Hafenstadt  an  der  Westküste
Vorderindiens,  Hauptort  der  gleichnamigen ­
  britisch-ostind.  Präsidentschaft  uub
erster  Handelsplatz  Ostindiens,  an  einer
herrlichen  Bai  und  den  Bahnlinien  B.-Bcnarcs,
  B.-Madras  gelegen,  Station
der  Dampfer  der  Peninsular  and  Oriental
Co.,  British  India  Steam  Navigation
Co.,  des  Österreichisch-Ungar.  Lloyd,  der
Società  Rubattino,  Hall-Linie  (London);
(1872)  644,405  Einw.,  während  mail  1864:
816,562  Einw.  (darunter  585,994  Hindu,
145,880Mnselmanen,  49,201  Parsi,  8915
Europäer,  1891  Mischlinge  von  Europäern
und  Eingebornen,  2872  Jndeii  und  958
Chinesen)  zählte.  B.ist  Sitz  eines  deutschen
Konsuls,  dessen  Amtsbezirk  die  Präsidentschaft ­
  B.  ist,  mit  Ausnahme  der  ait  Karatschi ­
  gewiesenen  Teile  (die  Eingebornen-Staaten
  innerhalb  dieses  Gebiets,  die
Centralprovinzen,  die  Eingebornen-Staaten
  in  Centralindicii  und  die  Nizam
Dominions).  Banken:  Bank  of  Bengal,
Chartered  Bank  of  India,  Australia  and
China,  Chartered  mercantile  Bank  of
India  London  and  China,  Hongkong  and
Shanghai  Banking  Corporation,  New
Bank  of  B.  n.  a.  —  In  der  Industrie
steht  B.  allen  andern  Städten  Indiens
voran,  namentlich  in  der  Banmwollspinnerei;
  voii  59  Etablissements,  die
Ostindien  überhaupt  besitzt,  hat  B.  allein
41  ( 3 A  auf  der  Insel  B.,  'U  in  Gudscherat);
  doch  hat  die  Manie  der  Baumwollspinnereigründungen ­
  dort  viel  Unheil
angerichtet.  Im  Schissbaii  wird  Ausgezeichnetes ­
  geleistet.  Die  vortreffliche  Lage
der  Stadt  und  ihre  giltcn  Verbindungen
mit  dem  Innern  haben  den  Handelsehr
bedeutend  gefördert.  1878  liefen
ein  :  10ö5  Schiffe  von  799102  Tonnen
aus:  837  »  -  004209
Von  den  eingelaufenen  waren  nur  257,
von  den  ausgelaufenen  nur  211  fremde,
und  unter  diesen  war  die  deutsche  Flagge
beim  Eiiigang  nur  mit  4  Schiffen  von
2934  Ton.,  beim  Ausgang  mit  2  Schiffen
        <pb n="73" />
        Bone  —  Bordeaux.

ÜOU  526  T.  vertreten.  In  telegraphischer
Verbindung  steht  B.  mit  Europa  durch
drei  Linien.  Namentlich  seit  Eröffnung
des  Suezkanals  hat  sich  der  Handel  mit
Europa  außerordentlich  und  zwar  zum
Teil  auf  Kosten  Kalkuttas  gesteigert.  B.
ist  nun  nicht  mehr  bloß  der'nächste  Hafen
ur  W  meß#:  Wer»  a#
fur  Baumwolle  und  andre  Produkte  des
Pandschab,  der  Nordwestprovinzcn;  selbst
fur  Audh  stellt  sich  die  Fracht  ab  B.  billiger ­
  als  ab  Kalkutta.  Dazu  haben  die
Bahnen  (es  gehen  drei  nach  NW.,  S.  und
O.)  wesentlich  mitgeholfen.  Während
Postdampfer  von  B.  nach  Kalkutta  10V,
âge  gebrauchen,  hat  die  Bahn  die  Entfernung ­
  zwischen  beiden  Orten  auf  65  Stunden ­
  verkürzt.  So  ist  der  Handel  gewaltig ­
  gestiegen;  1814—15  betrug  der  Wert
der  Ein-  und  Ausfuhr  8,2  Mill.  Mk.,
38  Mill.  Mk.  und  erreichte  1877—
1878  folgende  Werte:
Einfuhr  .  .  .  520  605  002  Mark
Ausfuhr.  .  .  477516104  =
Sn  diese  Summen  ist  das  Bargeld  mit
eingeschlossen.  1878  wurden  in  Geld
eingeführt  ausgeführt
Gold.  .  .  17671000  21417280  Mark
Silber  .  .  221526328  14202798  ,
Der  Bruttoertrag  der  Zolleinnahme  betrug
  12,625,736  Mk.,  davon  12,180,774
Mk.  Einfuhrzölle,  269,286  Mk.  Ausfuhrzölle. ­
  Die  Einnahme  für  Opiumpässe  beüber
  55  Mill.  Mk.,  umfassend
43,968%  Kisten.  Was  speciell  den  Warenumsatz ­
  anlangt,  der  1877—78  in  der
W#  281,4  3Mm.  mf.,  in  bet9Iu8M)T
442,9  Mill.  Mk.  wertete,  so  waren  die  be-°eutendsten
  Posten  bei  der  Einfuhr  (in
Millionen  Mark)  :

Baumwollene
Zeugwaren  .  .  89,7
Zucker  15,5
¿'«ist  und  Garn  .  14,6
Steinkohle  .  .  .  12,3

Eisen  ......
Rohseide  .  .  .  .
Eisenbahninaterial
Maschinerie.  .  .
Kupfer

11,8
1U
9.3
7,8
7.4

ferner  Droguen,  Glas,  Eisen  -  und  Stahl
waren,  Elfenbein  und  Elfenbeinwaren,
ZUwelierwaren,  Bier  und  Spirituosen,
Oellowmetall,  Öle,  Papier  und  Pappe,
Melden  -  und  Wollstoffe,  Gewürze,  Thee,
S  "^Posten,  die  zwischen  2-4  Aiill.  Mk.
lwanken.  Bei  der  Ausfuhr  sind  die
Handclsgeographic.

65
ŠS3SS
ssnystnais
mib  (13,6  miß.),  nnb  geUe
(9,3  Mill.),  baumwollene  Zeugwaren
(4,i  Aiill.  mk.),  Kaffee,  Gewürze,  Farbstoffe ­
  rc.  —  Wechselkurse  notiert  man
ans  London  und  Paris  6  Monate  nach
Sicht,  auf  ersteres  auch  1,  2  und  3  Monate ­
  nach  Sicht,  auf  Kalkutta  auf  Sickt.
30  und  60  Tage  nach  Sicht,  Madras  auf
Sicht  und  30  Tage  nach  Sicht,  China  30
und  60  Tage  nach  Sicht.  —  Verkäufe  gewöhnlich ­
  auf  2  Monate  Kredit,  bei  früherer ­
  Zahlung  9  Proz.  jährlich  Diskont.  —
Maße.  Im  Großhandel  kauft  man  Manufatte ­
  nach  dem  Kohrdsch  von  20  Stück,
vielfach  wird  das  englische  Pard  gebraucht.
Getrcidemaß  ist  das  Candy  —  162,c  kg,
Reismaß  das  Candy  zu  97,9  kg,  Salzn,aß
das  Para  —  26,3  Lit.,  für  Flüssigkeiten
das  englische  Gallon  und  daö  Mönn  —
34,8  kg.  Als  Gewicht  bedient  sich  die
Negierung  des  britisch-ostindischcn  Normalgewichts ­
  (s.  Ostindien,  S.  380);  im
Handel  ist  das  B.-Mönn  —  12,7  kg  gebräuchlich, ­
  das  B.-Caudy  hat  20  Mönns.
Bone,  Hafenstadt  in  Algerien,  an  der
Eisenbahnlinie  B.-Gnelma,  Station  der
Dampferlinien  :  Société  générale  deTrausports
  maritimes,  Valéry  Frères  et  Fils,
Ligne  péninsulaire  et  algérienne  (Havre),
Nederlandsche  Stoomboot  Maatschappij;
18,000  Einw.  (7000  Europäer).  Ressort
des  deutschen  Konsuls  in  Algier;  Banguc
de  l'Algérie  Sncc.,  Compagnie  Algérienne.
@^^#vcrrc^r  1878:  982  GAiRc  mil
272,292  Ton.  (1879:  1  deutsches  Schiss).
Bo'neß  (B  o  r  r  o  w  st  au  n  n  c  ß),  Hafenstadt ­
  ni  Schottland,  durch  Eisenbahn  mit
Glasgow  verbunden;  4256  Einw.  Deutsche ­
  Konsularagentur  für  den  Bezirk  B.
1879:  Einfuhr  2,5,  Ausfuhr  britischer
Produkte  1,9  Mill.  Mk.  Es  verkehrten
hier  36  deutsche  Schisse.
Bordeaux  (spr.  -düh),  Hauptstadt  des
sranz.  Departements  Gironde,  an  der  Garonne, ­
  21  km  von  der  Mündung,  und
an  5  Eisenbahnen;  Station  der  Dampfer
des  Norddeutschen  Lloyd,  der  Perlberger
        <pb n="74" />
        66

Borneo.

Dampfschiffreederei  (Hamburg),  Compagnie
  generale  transatlantique,  Messageries
maritimes,  Pacific  Steam  Navigation  Co.,
General  Steam  Navigation  Co.  und  der
hier  domizilierten  Allan  -  und  Anchor-Linien ­
  t  (1876)  212,111  Cinto.  Deutsches
Konsulat  (Amtsbezirk:  die  Departements
Kwibea,
„Les,  Gironde,  Dordogne,  Lot-et-Garonne,
Darn-et-Garonne,  Haute-Garonne,  Lot,
Gers,  Corrèze,  Charente-Inférieure  und
Vendée)  ;  Handelskammer,Handelsgericht;
Börse,  Banque  de  France,  Société  generale.-- ­
  DieFabritthätigkeit  erzeugt:
Liköre,  Essig,  Bier,  Boissons  gazeuses,
Glasflaschen,  Siphons,  Korke,  Kapseln
und  Etiketten,  Chemikalien,  Wemstcm
(cristaux  de  tartre),  Schokolade  u.  a.
Schiffbau  wird  auf  sieben  Wersten  betrieben. ­
  —  B.  ist  die  dritte  Se  e  stad  t  Frankreichs ­
  und  verdankt  seine  Bedeutung  vor
allem  dem  Weinhandel,  in  welchem  es
die  erste  Stelle  in  Frankreich  einnimmt.
B.  ist  Markt  für  spanischeProdukte:  Wein
(der.  mit  französischem  verschnitten,  als  vm
de  Cargaison  ausgeführt  wird),  Trauben, ­
  Feigen,  Baumöl,  Lakritzen,  für  Porzellan ­
  von  Limoges  für  Nordamerika,  für
Getreide,  getrocknetes  Obst,  Harze,  Terpentinöl ­
  Von  den  La  Plata-Ländern  komnict:
  ßcUc  (1879:17,8  Will,  kg),  Me
(2,6  Mill,  kg)  und  Häute  (2,2  Mill.  kg).
Zn  den  Importartikeln  gehören  ferner:
Farbstoffe  und  Droguen,  Kakao,  Zucker
(namentlich  ans  den  französischen  Kolonien), ­
  Vanille,  Steinkohle  (1879:  301,8
Mill.  kg).  B.  ist  Hauptplatz  für  Sencgalaummi
  (d.iMill.kg)  und  Ölfrüchte  (lo,4
Mill.  kg).  Im  ganzen  richtet  sich  derHandcl
hauptsächlich  nach  Amerika,  in  ziemlichem
Grad  auch  nach  Indien  und  Afrika  sowie
nach  den  französischen  Kolonien.  Es  wertete ­
  1879  die  Einfuhr  200  Mill.,  die  Ausfuhr ­
  280  Mill.  Aik.  Von  letzterer  entfallen ­
  100  Mill.  Aik.  auf  Wein,  von  welchem ­
  B.  1879  exportierte:  Girondewein
in  Gebinden  134,295,253  Lit.,  in  Flaschen
10,719,945  L.,  dazu:  7,a  Mill.  L.  Branntwein. ­
  Im  Handel  mit  Deutschland  werden
namentlich  eingeführt:  Weizen  (12,4Mill,
kg),  Alkohol  (5,2  Biill.  Lit.),  Melasse.
Chlorkalium,  Kleie,  Hanf  und  Blättertabak; ­

  dagegen  ausgeführt:  Wein  (25,o

Mill.  L.),  Sardinen,  trockne  Früchte,
Branntwein,  Mandeln  und  Nüsse,  Sämereien. ­
  —  Die  Handelsflotte  der
Stadt  bestand  1878  alls  277  Segelschiffen
von  107,191  Ton.  und  17  Dampfern  von
6850T.  —DerSchiffsverkehrzwischen
B.  und  ausländischen  Häfen  war  1879:
Eingelaufen  1829  Schisse  von  996898  Tonnen
Ausgelaufen  2018  -  -  1076981  -
In  der  Küstenfahrt  liefen  12,296  Schisse
von  477,013  T.  ein.  Mehr  als  die  Hälfte
der  Schiffe  und  des  Tonnengehalts  entfällt ­
  auf  dicbritische  Flagge.  Von  deutschen
Schiffen  liefen  ein:  115  von  62,134  T.,
W:  123  non  61,290  %.  —
bräuche.  Der  Preis  versteht  sich  bei  Wein
und  Essig  für  den  Tonneau,  bei  Spirituosen ­
  für  denHektolitcr.  Vonletzternmüssen
die  zur  Ausfuhr  bestimmten  für  London  58
bis  59,  für  Nordamerika  51—62,  für
Holland  53—55  Centefiinalgrad  aufweisen. ­
  Liefernngskäufe  werden  viel  auf  die
Qualität  trois-six  (86  Proz.  nach  Tralles)
abgeschlossen.  Vor  dem  Magazin  des  Verkäufers ­
  findet  die  sogen.  Dépotage  statt.
Wein  wird  fast  immer  »bar  zahlbar  bei
Ablieferung«  mit  3—6  Proz.  Rabatt  gekauft, ­
  grands  crûs  bisweilen  en  bloc  und
auf  Kredit,  Spirituosen  auf  20  Tage  Kredit. ­
  Wechselkurse  wie  in  Paris.  —  Es
finden  zwei  Messen  statt:  die  Märzmesse
(foire  de  Mars)  l.März  und  die  Ottober-Nlesfe
  (foire  d’Octobre)  15.0ft.  ;  die  letztere
ist  wegen  der  Weingeschäfte  die  wichtigere.
Borneo,  eine  der  großen  Snndamseln
Die  Bevölkerung,  derenZahl  auf  1,845,000
geschätzt  wird,  besteht  aus  mohammcdam
scheu  Malaien,  eingeborncn  Dajak,  über
100.000  eingewanderten  Chineseinund  ca.
30.000  Kolonisten  ans  Celebes.  —  Die
Produkte  sind,  soweit  wir  das  bisher  noch
wenig  ersorfchte  Land  kennen,  sehr  mannigfaltig. ­
  Von  Bauhölzern  zählt  man  60  Arten/die ­
  harz-  uild  gumnnhaltlgen  Bäume
sind  sehr  zahlreich,  ebenso  die  Öl-,  Faser-,
Gewürz-  und  Farbepflanzen.  Für  den
Handel  gewinnt  man:  Benzocharz,  Sago,
Kampher,  Zucker  von  der  Arengapaline
u.  Rattans.  Die  Tierwelt  ist  auherordcnt-
        <pb n="75" />
        Bornholm  —  Bosnien.

tics)  reich.  Gold  findet  sich  mehr  oder  minder
im  Gebiet  aller  Ströme  sowie  in  den  Bergen, ­
  größtenteils  als  Waschgold.  Es  wird
vorzugsweise  von  Chinesen  ausgebeutet
welche  dafür  eine  Abgabe  an  die  Hollänsi«
  tifò»  STÄÄ:
Wonnen.  Die  gefundenen  Diamanten
wer-dcn  gewöhnlich  roh  ausgeführt.  Stcinlohlcn
  finden  sich  in  Menge  in  Brunai
und  Bandscher  Masin,  werden  aber  wenig
ausgebeutet.  Der  Süden  ist  reich  au  vorzüglichem ­
  Eisen,  die  Nordwestküste  an
Antimon  (jährlich  tverden  von  Sarawak
mehr  als  2000  Ton.  nach  Singapur  verpMtt);
  a#  Æuÿfer,  3hm,  3mf.  Şoqc(=lanerde,
  Erdöl,  Steinsalz  kommen  vor.
Gebaut  werden:  Reis,  Zuckerrohr,  Tabak;
die  Eingebornen  verfertigen  ausgezeichnete ­
  Dolche  (Kris)  und  Säbelklingen,  sie
Iplnnen  und  weben  und  besitzen  HanSaber
  keine  Lasttiere.  "
r,./%  Niederländer  besitzen  den  größer«
lndlichcn  Teil  und  mit  ihm  die  ganze  Südruste,
  den  größer«  Teil  der  Ostkllste  soeme»
  große»  Sci!  ber  ÄScftfüßc.  %r
(5ct)ic t  zerfällt  in  zwei  Hauptteile:  die
Rcpdentschaft  der  Westküste,  141,140
qkm  (2562  Cm.)  mit  (1071)  361  603
@"ro))äcr,  26,891  Gbi»cfc«,
Araber),  und  die  Ncsidentschaft  der
Sud  -  und  Ostküste  (mit  der  Hauptstadt
àud,cher  Masin),  375,094  qkm  (6812
OM.)  mit  0871)  851,519  Einw.  (422
Europäer,  2670  Chinesen,  331  Araber).
—  Die  Engländer  besitzen  seit  1848  die
Insel  Lab  na  n  (s.  d.).  Die  Küstenland-Mast
  Sarawak  gehört  seit  1843  dem
Radscha  Brooke,  und  1878  ist  die  ,tordas" ­
  e  Halbinsel,  42,638  qkm  (847
OM.)  mit  150,000  Einw.,  durch  die  Snltane
  von  B.  und  Sulu  an  eine  britische
Kompanie  abgetreten  worden.
Man  rechnet  in  den  niederländischen
^Mngen  wie  auf  Java.  Die  meisten
.?/&amp;gt;chäfte  werden  in  spanischen  und  mc-Ķmschen
  Silberpiastern  abgeschlossen,
velche  hier  ebenso  wie  die  britisch  -ostin-'Ichen
  Kompanierupien  umlaufen.  In
.„^lvak  rechnet  man  nach  spanischen
weiikanischen  Piastern.  In  den  unlanglgen
  Staaten  sind  Bronzekanonen-67


sWķLàÄK
#m»cbt  man  big
chmestschen  Gewichte,  doch  verkauft  man
[ķk  fur  10°  Stuck,  Bauholz  für  50  Knbltfllß.
  Fur  Gold,  Silber,  Diamanten
Bczoar  gilt  daö  Tehl  —  39.7  g
Bornholm,  zum  bei».  Stift  Seeland  ge-^0:#
  gì,ei  i»  brr  Ostsee  (37  km  oo»  ber
Nonne  mit  Hafen  und  5505  Einw
Borrowstaunneß,  s.  Bo'neß.
Bosna  Serai,  s.  Serajcwo.
Bosnien,  nordwestlichste  Provinz  der
:%%%%%%%
ÄļisûtrÄÄÄS!
^oa03a^nma  ergab  f»r  beibc  Smibcrgc
«ÄSgl'St
Geschlechts),  die  in  43  Städten,  2Vorstädten, ­
  31  Marktflecken  und  5042  Dörfern
wohnen  und  dem  Bekenntnis  nach  in
|?6,*61  Griechisch-Orthodoxe,  209,391
*?Ä*»,  48,613  Mohaminedancr,
Israeliten  und  249  Audersglänbige
zerfallen.  —  Hinsichtlich  der  Bodenknltnr
  liegen  folgende  Angaben  vor:
Bosnlkn  Herzegowina
Ackerboden  ....  20«  QMeilen  48  QMeilcn
Weide  120  -  46
Wold  395  ,  4 8
Unfruchtbarer  Boden  33  =  103  .
®;  bringt  jährlich  5  Mill.  Ctr.,  dieHerzcgochlna
  800,000  Ctr.  Getreide  nud'halb  so
viel  Mais  hervor.  Weizen  und  Roggen
baut  man  an  der  Save  und  in  andern
Flußebenen,  Gerste,  Hafer,  Hirse  überall.
Außerdem  werden  jährlich  produziert  in
B.:  Pflaumen  600,000  Ctr.,  Tabak  2000
eti\;  in  der  Herzegowina:  Tabak  6000
Ctr.,  Reis  2000  Ctr.  Der  Viehstand
besteht  in  158,034  Pferden.  413  Maulæaiiiti

5*
        <pb n="76" />
        68

Boston  —  Boulogne.

des  Stcucrertrags  auf  7-,«  Mill.  Mk.  hält
man  für  zu  hoch,  doch  glaubt  man,  das;
B.  nicht  nur  seine  eignen  Kosten  zu  decken
vermag,  sondern  auch  Überschüsse  liefern
kann.  Ausgeführt  werden  namentlich:
Hornvieh  uiid  Schweine  nach  Dalmatien,
Schaf-  und  Ziegenhäute  nach  Wien  und
Budapest.  Die  Ausfuhr  von  Fellen  wilder
Tiere  beträgt  im  Durchschnitt:  25,OOOHascn,
  10,000  Füchse,  9000  Marder,  3900
Dachse,  3OOO  Iltisse,  1000  Eichhörnchen,
800  Boise.  Die  BoHe  (250  Ion.)
nach  Österreich,  ebenso  als  einzige  Jndnstrieprodukte
  Hufeisen  und  Nägel.
Boston  (spr.  bòssi'»),  Hauptstadt  des
nordamerikan.  Staats  Massachusetts,  an
der  gleichnamigen  Bai  des  Atlantischen
Meers  und  den  Eisenbahnlinien  B.-Montreal
  und  B.-Buffalo,  bedeutender
Jndnstrieplatz  und  Hauptsitz  der  Fischerei
und  des  Eishandels,  Station  der  Leyland-,
Warren-,  Cunard-,  Sears-,  Anchor-,  Whitecroß-Linien
  u.  a.;  (isso)  362,535  Einw.
Deutsches  Konsulat;  Handelskammer;
Nationalbank,  Long  Island  Bank,  National ­
  City  Bank  u.  a.  —  Sehr  ansehnliche
Fabrikation  von  Maschinen,  Eisengußwaren, ­
  Glas,  Gold-  und  Silberwaren,
Uhren,  Nähmaschinen,  Pianinos  und  Orgeln, ­
  Hüten,  Pelzwaren,  Möbeln,  Leder,
Segeltuch,  Tauwerk,  Wolle,  Baumwolle,
Papier,  Zucker,  Num,  Seife  rc.;  auch
Bier-  und  Alebrauerei  sowie  Schiffbau
bedeutend.  B.  ist  zugleich  Hauptsitz  der  im
ganzen  Staat  Massachusetts  eifrig  gepflegten ­
  Schuhwarenindustrie  (1879  :  Ausfuhr
2,040,369  Kisten).  Wert  aller  Industrieprodukte
  (einschließlich  der  Produktion
der  übrigen  wenigen  Orte  der  Grafschaft ­
  Suffolk)  1878:  345,4  Mill.  Mk.
Seine  hohe  Bedeutung  verdankt  B.  aber
dem  Handel.  Der  vortreffliche  Hafen
ist  zu  jeder  Jahreszeit  offen  und  kann
500  Schiffe  fassen;  die  größten  Schiffe
können  hier  volle  Ladung  nehmen  und
mit  29  Fuß  Tiefgang  auslanfen,  während ­
  die  Befrachtung  vermittelst  eigens
dazu  gebauter  Elevatoren  geschieht.  Außer
den  Bahnen  gehen  mehrere  Kanäle  nach
W.  (darunter  der  Middlesex-Kanal,  der
sich  bis  an  den  Merrimac  erstreckt  und
B.  mit  Concord  in  New  Hampshire  verbindet). ­

  B.  besitzt  nlit  Charlestown  eine
Handelsflotte  von  801  Segelschiffen  von
278,730  Ton.  und  92  Dampfern  von
23,700  T.  Den  Hauptverkehr  bildet  die
Ausfuhr  von  Getreide  und  Lebensmitteln
nach  Europa.  Im  Jinporthandel  nimmt
B.  für  Wolle  die  erste,  für  Zucker  die
zweite  Stelle  ein.  Sowohl  Einfuhr  als
Ausfuhr  zeigen  eine  steigende  Tendenz.
Es  wertete  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr

1878:  154,1  212,5
1879:  203,9  218,4

Die  Hauptgegenstände  waren  1879
Millionen  Mark):
Einfuhr
Zucker  und  Melasse  49,i
Wolle  u.Wollwaren  33,2
Häute  und  Leder  .  27,a
Chemikalien.  .  .  17,6
Eisen  und  Stahl  .  13,o
Zinn  u.  Zinnwaren  5,7

(in

36,1
32,s

Ausfuhr
Weizen  und  Mehl
Rohbaumwolle.
Speck  und  Schinken  27,a
Mais  14,8
Rindvieh  ....  14,3
Schweinefett.  .  .  11,9

Andre  bedeutende  Ausfuhrartikel  sind:
Blättertabak,  Schweinefleisch  und  Baumwollwaren,
  in  jüngster  Zeit  auch  Petroleum ­
  für  die  Mittelmeerhäfen.  Bon
DcuM#nb,  bcë  1879  für  2,085,287  Bis.
importierte,  gelangen  hierher  namentlich:
Posamenten  j  Wollwaren,  Chemikalien,
Baumwollwaren,  Bücher.  Doch  nahm
die  deutsche  Schiffahrt  erheblich  ab;  1878
liefen  nur  10  deutsche  Schiffe  von  4169
Ton.  ein,  wogegen:

britische  ...  1547  von  752367  Tonnen
amerikanische  .  573  -  224835  -
überhaupt  .  .  2203  -  1018955
Das  Clearinghousehattc  folgende  Umsätze:
1878:  9,308,88  Mill.,  1879:  11,232,48
Mill.Mk.  —  Wechselkurse  notiert  man
auf  Amsterdam,  Bremen,  Hamburg,  London,Paris ­
  nach  den  Normen  von  NewPork.
Botoschon,  Stadt  in  Rumänien
(Moldau),  an  dcrCzernowitz-Jassy-Bahn;
39,941  Einw.  Deutsche  Konsillaragentnr.
Boulogne  (spr.  bulünnj),  Seestadt  im
franz.  Departement  Pas  de  Calais,  besuchtes ­
  Seebad  und  Station  der  Französischen ­
  Nordbahn,  Station  der  Dampfer
der  Steam  Navigation  Co.;  (wo)  40,075
Einw.  Deutsches  Bicekonsulat;  Handelsgericht; ­
  Société  generale.  —Der  Hafen  ist
für  Handelsschiffe  trefflich  geeignet,  obschon
        <pb n="77" />
        Bourbon  —  Bratta.

69

bei  der  Ebbe  die  Schiffe  auf  dem  Grund  liege». ­
  Einfuhrartikel:  Lein,  Hanf,  Holz,
Steinkohle  (von  England),  Schiefer,
Branntwein,Eßwaren  re.;  Ausfuhrartikel:
Marmor,  Cement,  Eisenerz,  Kalk,  Gußeisen, ­
  Eisengeräte  und  Ackerbauinstrumente. ­
  Daneben  starker  Transithandel  l  besonders ­
  von  roher  Seide  für  England)  sowie ­
  lebhafter  Küstenhandel.  B.  ìstHauptstatwn
  der  französischen  Nordsccfischerei
auf  Heringe,  Makrelen,  Austern  sowie  stark
frequentierter  Überfahrtsort  nach  Folke-Ñ??)^E"gland);
  Fahrzeit  3  Standen.
Jährlich  kommen  hier150,000Reisende  von
England  an  ;  auch  besteht  hier  beständig  eine
gegen  7000  Köpfe  starke  englische  Kolonie.
Bourbon  (spr.  lmrbüng),  s.  Reunion.
Bourges  (spr.  buhrsch),  Hauptstadt  des
franz.  Departements  Eher,  an  der  Orleansbahnui876)
  31,102  Einw.  Banque
de  France  Succ.,  Société  generale.  Handel ­
  mit  Geflügel,  Getreide,  Wein,  Obst,
Bozen,  Stadt  in  Tirol,  an  der  Brennerbahn;
  (1880)  10,275  Einw.  Deutsches
Konsulat;  Handels-  und  Gewerbekammer,
Merkantil-und  Wechselgericht;  Sparkasse.
Die  game  Umgegend  ist  ein  großer  Obstgarten ­
  (1870  wurden  ans  dem  Bezirk
der  Handels-  undGcwerbekammer  von  B.
an  Obst  67,170  Ctr.  im  Wert  von  914,000
Mk.  ausgeführt).  Jährlich  vier  Messen:
Mlttfastenmarkt,  am  ersten  Sonntag  nach
Oculi  (April)  beginnend;  Fronleichnamömarkt,
  am  ersten  Werktag  iiach  Fronleichnam ­
  (Inni);  Herbst-  oder  Bartholomäimarkt,
  am  ersten  Werktag  nach  Mariä
Ģeburt  (8.  Sept.)  ;  Andreasmarkt,  1.
Dez.  (fällt  dieser  auf  einen  Sonntag,
tags  darauf)  beginnend.  Jede  Messe
dauert  15  Tage.  Bom  6.—12.  Tag  wird
acceptât,  vom  13.  bis  letzten  fkontriert.
Ein  Marktgericht  schlichtet  vorkommende
Streitigkeiten.  Die  nüchtigsten  Messen
Und  der  Herbst-  und  der  Mittfastenmarkt.
Bon  besonderer  Bedeutung  sind  die  Geschäfte ­
  in  Rohseide.  Die  sogen.  »Bozener
Marktwechsel«,  in  bencii  nicht  der  Tag,
sondern  nur  der  Markt  angegeben  ist,
haben  keine  Wechselkraft.
.«^ŗadford  (spr.  bräddf'ord),  Fabrikstadt
1  der  engl.  Grafschaft  York,  17  lan  west-MMW


bahn;  (1881)  203,544  Einw.  Deutsches
Konsulat  (fnr  das  Westriding  von  Borkmt«);
  8.  m  «Bans,  0.  (Io,»,»mini
Banking  Co.,  Yorkshire  Banking  Co.  -
B  ist  Hanptsitz  der  englischen  Wollmanufaktur
  und  liefert  sowohl  Wollgarne  wie
Stoffe  (sogen.  »Worsteds«,  aus  Alpakoilnd
  Bigognewolle  gefertigt).  Kohlenund
  Elseninincn  reichen  fast  biö  an  die
Hausergrcnzen  von  B.  und  liefern  alles
slir  Fabnkationszwecke  erforderliche  Material. ­
  Es  sind  im  Bezirk  von  B
2l0'000Spindel,i  und  16,220  mechanische
Webstnhle  thätig,  zum  Teil  für  Export
nach  Deutschland,  Frankreich  und  den
Bereinigten  Staaten.  Im  Stadtgebiet
arbeiten  133  Fabriken  für  gemischte  Gewebe ­
  mit  12,800  Pferdckräften  und  28,000
Arbeitern.  1878  betrug  der  Export  von
Bradfordcr  Fabrikaten  (in  Mill.  Mark):
Kammgarne
Ģewcbe  und  Kammgarne  gemischt  127,2
Gewebe,  ganz  Wolle  21,5
Das  Geschäft  hat  aber  starke  Stöße  erlitten ­
  durch  den  russischen  Krieg,  die  fina»
ziette  Verwirrung  in  der  Türkei  und  die
russischen  Zollerhöhungen,  welche  indes
der  Garnindustrie  für  den  Bedarf  russischer ­
  Fabriken  förderlich  gewesen  sind
Braga,  Stadt  in  der  portug.  Provinz
Mliiho,  an  derOporto-Braga-Eisenbahn;
(1878)  20,258  Einw.  Banco  do  Minho;
Wachsbleicherei,  Woll-  imb  Lcinwcberci;
lebhafter  Handel.
Brahestad,Secstadtin  Finnland,  Gouvernement ­
  llleäborg,  am  Bottnischen
Meerbusen,  Station  der  Lübeck  und  Fin»-land-Dampfschiffahrtö-Gesellschaft;
  (1875)
3  ibO  Einw.  Deutsche  Kousnlaragentnr.
cm  ï  r  Frelhafenstadt  in  Rumänien
(Walachei),  an  der  Donau  und  der  Bahn
Galatz-Bnkarest;  28,272  Einw.  Deutsches
Vicekonsnlat;  Agentur  der  Donaudanipfschlstahrts-Gesellschaft.
  1878  liefen  hier
eia  3231  Schiffe  vou  603373  Tonneil
aus  3097  .  .  589816
1879  verkehrten  hier  4  deutsche  Schiffe.
        <pb n="78" />
        I

■'  ■■■■'  :■  •  y.r

70  Brake  —  Brasilien  (Areal
Ausgeführt  wurden  1879:  31,5  Mill,  kg
Getreide  (davon  über  die  Sulinamündung:
  Weizen  11,2,  Mais  13,i,  Gerste  4,5,
Mehl  4,7o2Jitl(.kg),  ferner  Roggen,  Bohnen ­
  ,  Hirse,  Rübsamen,  Leinsamen.  Teer,
Bretter,  Faßdauben.  Die  Einfuhr  ist  unbedeutend. ­

Brake,  Freihafenstadt  int  Großherzogtum
  Oldenburg,  an  der  Weser  und  einer
Zweigbahn  der  Oldenburgischen  Staatsbahn; ­
  (1880)  4055  Einw.  Belgisches  Konsulat; ­
  Filiale  der  Oldenburger  Spar-  und
Leihbank,  Vorschußverein.  Tau-  und  Segelfabriken, ­
  Schiffbau.  Einfuhr  von  englischeil ­
  Kohlen,  Holz,  Petroleum;  Ausfuhr ­
  von  Getreide.  Schinken  u.  a.  Die
Reederei  hatte  1880  einen  Gehalt  von
18,900  Ton.  In  den  6  m  tiefen  Hafen
liefen  1879  beladen  ein:  403  Schiffe  von
50,150  T.,  aus:  75  Schiffe  von  21,185
T.;  in  Ballast  oder  leer  ein:  35  Schiffe  von
7027  T.,  aus:  265  Schiffe  von  43,972  T.
Brasilien,  selbständiges,  von  Portugal ­
  seit  1822  getrenntes  Kaiserreich  in
Südamerika  mit  konstitutioneller  erblicher ­
  Monarchie.  Das  Gcsamtareal  der
21  Provinzen  betragt  8,337,218  qkm
(151,412  QM.)  mit  (m2)  11,108,291
Einw.,  dazu  noch  1  Mill.Indianer.  (Zum
Vergleich:  Europa  hat  auf  9,710,340  qkm
315,929,000  Einw.)  Sklaven  gab  cs
Ende  1876  noch  1,419,966,  am  Ende  des
Jahrhunderts  dürfte  cs  aber  bei  den  fortgesetzten ­
  Freilassungen  solche  nicht  mehr
geben.  Da  der  freigelassene  Neger  indessen ­
  wenig  Neigung  zur  Arbeit  zeigt,  so
beabsichtigt  man,  Ehincseu  einzuführen.
Nach  der  Nationalität  zerfiel  die  freie  Bevölkerung ­
  1872  in  8,170,191  Brasilier
und  243,481  Fremde,  davon  121,246
Portugiesen,  45,829  Deutsche,  44,580
Afrikaner,  6108  Franzosen.  Die  Zahl
der  Deutschen,  welche  ihren  Hauptsitz  in
der  Provinz  Rio  Grande  do  Sill  haben,
aber  altes)  in  den  Provinzen  Santa  Eatharina,
  Paraná,  São  Paulo,Espirito  Santo,
Minas  Geraes  Kolonien  gründeten,  wird
jetzt  auf  gegen  150,000  geschätzt.  Nach  der
Konfession  waren  1872:  Katholische  unter
den  Freien  8,391,906,  unter  den  Sklaven
1,510,806,  zusammen  9,902,712;  Akatholische
  27,766  Freie.  Seit  Ende  1880  haund

  Bevölkerung;  Ackerbau).
beu  auch  Nichtkatholikeu  volle  bürgerliche
Rechte.  —  Einwanderer  waren  1864—
1873:103,754,  wovon  56,240  wieder  abreisten. ­
  Von  den  47,514  in  B.  Verbliebenen ­
  sind  34,126  Portugiesen,  5049Italiener, ­
  2266  Briten,  1682  Franzosen,  1504
Spanier,  1382  Nordamerikaner,  1162
Deutsche  re.  Aus  Deutschland  wanderten
chi  1876:481,1877:1069,1878:1048,
1879:1630  (vgl.Blumenau  und  Don  a
Francisca).  —  Die  offizielle  Sprache
ist  die  portugiesische.
Urproduktion.
Ackerbau.  Bei  der  großen  Ausdehilllilg
  des  Landes  von  N.  nach  S.
(4"  22'  nördl.  Br.  bis  33°  44'  südl.  Br.)
und  der  verschiedenen  Höhenlage  ist  die
Produktionsfähigkeit  eine  sehr  verschiedene. ­
  Die  Niederschläge  sind  meist  sehrreichlich,
  doch  treten  in  einigen  Gegcndeil
des  Nordens  zuweilen  verheerende  Dürren ­
  ein,  und  während  im  S.  das  Klima
europäischen  Naturen  und  Kulturen  sehrzuträglich
  ist,  sind  im  die  Fieber  nicht
leiten  verderblich.  —  Unter  allen  Kulturen ­
  nimmt  der  Kaffeebau  die  erste
Stelle  ein.  B.  liefert  von  den  Quantitäten, ­
  welche  in  den  Handel  gelangen  (1878
auf  ca.  10  Mill.  Etr.  geschätzt),  nahezu
die  Hälfte.  Ernte  aus  den  kaffeebaueuden
Provinzen  Rio,  Santos,  Ceará  und  Bahia ­
  1878  —  79  ca.  6  Mill.  Etr.,  wovon
3,570,000  Säcke  oder  4,280,000  Etr.  zur
Ausfuhr  gelangten.  Für  den  Kasfeebarl
ist  die  Lösung  der  Arbeiterfrage  aber  von
entscheidender  Wichtigkeit.  In  neuester
Zeit  ist  eine  weitere  Gefahrin  ciuerKrankheit
  hinzugetreten,  welche  gerade  die  kräftigsten ­
  Stämme  zuerst  ergreifen  soll.  Der
Kaffee  wird  ausschließlich  auf  großeil
Pflanzungen  und  zwar  mittelst  Sklavenarbeit ­
  erzeugt.  Wie  wichtig  die  Sklaven
frage  für  die  Kaffee  produzierenden  Di
strikte  ist,  geht  daraus  hervor,  daß  die  drei
Provinzen  Rio  de  Janeiro,  São  Paulo
tlnd  MinaS  Geracö  745,755  Sklaven  beschäftigten. ­
  Wichtigste  Kaffeehäfen:  Rio
de  Janeiro  und  Santos.  Kaffee  geht
meist  nach  den  Bereinigten  Staaten;  der
über  Santos  ausgeführte  Kaffee  ist  im
allgemeinen  von  besserer  Qualität  als  daö
Rio-Produkt,  anet)  ist  die  Produktion  der
        <pb n="79" />
        71

Brasiam  (8icW)t,

Provinz  São  Paulo  in  steter  Zunahme.
Ausfuhr  von  brasilischem  Kaffee  1878-79:

nach  von  Rio  von  Santos
Nordeuropa  .  .  65402  Tonnen  893  200  Sacke
Mittelmeer  .  .  22548  -  74600  -
Verein.  Staaten  121966  -  173800  -
Kapstadt  und  La
Plata  .  .  .10545  -  22500  -
Zusammen:  210461  Tonnen  1  164100  Säcke

Der  Wert  der  Ausfuhr  wird  für  .1877—
1878  mit  247,963,050  Mt.,  für  1878—
1871)  imt  255,334,275  Ms.  bered,„ct.
DcrZ  uckerrohrbau  war  ehemals  von
weit  größerer  Bedeutung.  Zucker  nimmt
unter  den  Ausfuhrartikeln  aber  immer
noch  die  zweite  Stelle  ein,  auch  hat  sich
der  Handel  in  den  letzten  Jahren  wieder
belebt:  der  Export  bezifferte  sich  1877—78
cuif  47,2  Mill.  Mk.  und  1878—79  auf
'i9,i  Mill.  Mk.  Es  wird  eine  Staatögarantie
  von  7  Proz.  pro  Jahr  für  die
Errichtung  von  Zuckersiedereien  gewährt.
Lu  früher  recht  bedeutende  Ausfuhr  von
Zuckerbranntwein  hat  in  starkem  Maß  abgenommen. ­
  Der  Bau  von  Tabak  könnte
viel  bedeutender  sein,  obschon  derselbe  fast
ru  allen  Provinzen  killtiviert  wird  ;  im  Handel ­
  hat  daöbrasilische  Produkt  seine  Beliebtheit ­
  eingebüßt  und  wird  selbst  in  den  einhei-Ulischcn
  Cigarettcnfabriken  durch  Birginiatabake
  verdrängt;  Ausfuhr  1877—78:
15,5/0,000,  1878—79:  16,150,000  Alk.
Baumwolle  spielte  im  Handel  früher
eine  viel  wichtigere  Rolle:  aus  Rio  de  Janeiro ­
  wurden  1868:17  Mill.  Psd.,  1876
aber  nur  noch  l k  Mill.  Psd.  verschifft;  in
Santos  sanken  die  Exporte  1869—77  von
¿2  Miü.  Ißfb.  cms  6  Mi».  $fb.  So#  #
diese  Kultur  in  den  letzten  Jahren  wieder
zugenommen  lind  damit  auch  der  Export
von  Rohbaumwolle,  derselbe  wertete  1878  •
15,219,900  und  1879:  21,289,175  Mk.
Unter  dem  Schutz  starker  Einfuhrzölle
etablierten  sich  mehrere  Fabriken  für  rohe
Ģewebe,  welche  sich  allinählich  Absatz  verschafften. ­
  Wie  gering  aber  diese  Prodnklion
  im  Verhältnis  zum  Verbrauch  ist,
erhellt  aus  den  starken  Importen  von
^aumwollmanufaktcn,  welche  vornehm-N
  aus  England  kommen.  Seit  kurzem
''  der  Pa  rag  nay  the  e  (Yerba  maté)

ja  einem  an  Wichtigkeit  steigenden  Erport-»’ÄS«

Mk.  ausgeführt  wurde.
Die  Viehzucht  wird  namentlich  in
den  südlichen  Provinzen  betrieben,  wo
man  sich  auch  mit  der  Zubereitung  des
gedörrten  Fleisches  (carne  secca)  und
bem  Einsalzen  von  Fleisch  beschäftigt.
Doch  finden  es  die  südlich  gelegenen  Nachbarstaatcn
  noch  immer  löhnend,  sowohl
Vieh  wie  getrocknetes  Fleisch  nach  B.  zu
nnportieren.  Nach  einer  von  der  Regierung ­
  1878  veröffentlichten  Mitteilung
hatte  die  Ausfuhr  von  Produkten  der
Viehzucht  1871—72  folgende  Werte  (in
Millionen  Mark):

Felle  und  Häute,  geaerbte  .  .  0,25
Felle  und  Häute,  behaarte  .  .  28,17
Vieh
Wolle  1,21
Oiebrannte  Knochen  0,43
Hörner  2,05

Wie  bedeutend  aber  der  Import  von  Tieren ­
  und  tierischen  Produkten  trotz  der  starken ­
  Viehzucht  ist,  und  wie  derselbe  namentlich ­
  die  Klasse  der  Nahrungsmittel
betrifft,  ist  aus  folgender,  indes  nicht  erschöpfender ­
  Liste  ersichtlich.  Der  Wert  der
bctresfcnden  Importe  betrug  1871  —  72
(in  Millionen  Mark):

Lebende  Tiere  und  getrocknetes  Fleisch  0,52

Haare  und  Federn  m i lt0
Häute.  Felle  9^7
Fleisch,  Fische  und  Fettwaren  .  .  .  35,10

Trotz  seines  Reichtllms  an  Weiden  und
Herden  war  also  der  Import  tierischer
Produkte  ein  ganz  außerordentlich  großer,
und  gegen  die  oben  angeführte  Ausfuhr
von  Rohwolle  haben  wir  eine  Einfuhr
von  Wolle  und  Wollwaren  im  Betrag
von  26,i  Mill.  Mk.  zu  setzen.  —  Die
Seidcnzucht,  welche  bei  sorgfältiger
Pflege  in  vielen  Teilen  lohnende  Erträge
liefern  würde,  ist  völligvcrnachlässigt(jährlicher ­
  Import  von  Seide  und  Seidenwaren
für  9  Mill.  Mk.).
Forstwirtschaft.  Es  gibt  kaum  ein
andres  Land,  das  einen  solchen  Reichtum ­
  an  Waldprodukten  besitzt.  Es  herrscht
hier  ein  Überfluß  an  Bau-  und  Schmuck-
        <pb n="80" />
        72  Brasilien  (Bergbau).

hölzern,  Farbhölzeru,  Kautschuk,  Harz
oder  Balsam  lieferudeu  Baumen  sowie  an
heilkräftigen  Pflanzen,  wie  Ipecacuanha,
Sassaparille,  Jalapa  u.  a.  Allerdings
wird  die  Ausbeutung  der  Naturschätze  in
wenig  rationeller  Weise  betrieben,  anderseits ­
  ist  der  Mangel  an  Verkehrsmitteln
dem  Handel  entschieden  hinderlich.  Dennoch ­
  zieht  B.  einen  sehr  bedeutenden  Gewinn ­
  aus  dein  Export  seiner  Waldprodukte. ­
  Kautschuk  und  Gummi  sind  bei  weitem ­
  die  wichtigsten  unter  ihnen,  davon
wurde  exportiert  1877—78  für  26,4Mill.,
1878—79  für  24,7  Mill.  Mk.  Der  Wert
der  übrigen  Hauptauöfuhrartikel  war
1872—73  (in  Millionen  Mark):
Jacarandaholz.  l,os  |  Feruambukholz  .  0,os
Bauholz  .  .  .  2,u  |  Paranüsse.  .  .  0,72
Dagegen  ist  der  Import  von  Holz  und
Holzwarcn  im  Wert  von  3,as  Mill.  Mk.
freilich  ein  unbedeutender,  während  trotz
des  Reichtums  an  mediziirischen  Krärrtern
ilird  Früchten,  mit  dem  das  Land  gesegiret
ist,  die  Einfuhr  voir  pharmaceutischen
Produkten  erheblich  stärker  ist  als  dieAuSfrrhr,
  ein  Zeichen  für  den  überall  zu  vermissenden ­
  Geist  für  industrielle  Nnteruehmuirgen.
  Au  Pflanzen,  Blättern  uiib
Früchten  wurden  1871—72  für  5,6  Mill.
Mk.,  ferner  Parfümerien  für  8,2s  Milk.
Mk.  importiert,  ohne  daß  dem  ein  nennenswerter ­
  Export  gegenüberstünde.
Bergbau.  Mit  Mineralien  aller  Art
ist  B.  in  gaiiz  außerordentlichem  Maß
gesegnet,  doch  wird  dieser  Reichtum  noch
wenig  ausgebeutet.  Seit  alters  berühmt
sind  die  D  i  a  m  a  u  t  gruben,  bereu  Ertrag
mau  bis  1850  schon  auf  360  Mill.  Mk.
berechnete.  Die  Ausfllhr  hatte  1877—78
einen  Wert  von  2,661,525  Mk.  und  1878
bis  1879  von  2,125,125  Mk.  Gold  ist
das  nächstwichtige  bergmännische  Produkt;
Hauptsitze  der  Goldgelvinnung  sind  die
Distrikte  von  Sao  Paulo  und  Ouro-Preto,
auch  Goya;  und  Matogrosso  liefern  viel
Gold.  Die  Gesamtausbelite  wird  1600—
1820  auf  2595,3  Mill.  Mk.  uitb  für  die
Zeit  voir  1820  —  29  aus  82,2  Mill.  Mk.
angegeben.  Jetzt  schätzt  man  den  jährlichen ­
  Ertrag  auf  ca.  90,000  Karat,  obschon ­
  1850  sogar  300,000  Karat  zu  Tage
gefördert  wurden.  Der  Export  von  Gold

iir  Staub  llud  Klumpen  wird  1871—72
auf  1,5  Mill.  Mk.  Wert  angegeben,  welchem ­
  eine  Einfuhr  von  Gold  und  Silber ­
  im  Wert  von  22,5  Mill.  Mk.  gegenübersteht. ­
  Allerdings  stieg  die  Allsfuhr
von  Gold  und  Goldstaub  1878—79  auf
5,000,175  Mk.  Dabei  hat  aber  auch  die
Einfuhr  andrer  Mineralien  und  Metalle
zugenommen.  Deiln  obwohl  man  Silber,
Kupfer,  Eisen,  in  neuester  Zeit  auch  Zinil
und  Zink  gefunden  hat  und  das  viel  vorkommende ­
  Magnetciscnerzsogar72,sProz.
reines  Eisen  enthält,  so  ist  doch  die  Produktion ­
  eine  äußerst  geringe  und  das  Land
für  Metalle  und  Metallwaren  fast  ganz  auf
das  Ailülaud  angewiesen.  DieJmportlisten
von  1871—72,  die  wohl  ein  zutreffendes
Bild  auch  der  gegenwärtigen  Zustände  311
geben  vermögen,  enthalten  folgenden  erheblichen ­
  Wert  (in  Millionen  Mark):

Kupfer  und  Messing  3,8
Blei  und  Zink  l,o
Eisen  und  Stahl  10,5
Messerschmiedewaren  l,o
Maschinen  und  Werkzeuge.  .  .  .  10,9
Jnstruinente  2,7
Waffen  und  Munition  2,7

Hierher  müssen  wir  noch  die  gleichfalls
bedeutende  Einfuhr  vou  Uhren,  Wagnerarbeiteu,
  Metalloiden  rc.  rechnen,  so  daß
der  Wert  der  jährlichen  Einfuhr  von  Metalleil ­
  und  Metallfabrikateu  auf  33—34
Mill.  Mk.  veranschlagt  werden  kann.  —
Nicht  weniger  bedeutend  als  die  Ausdehnung ­
  der  Erzlager  ist  die  vou  Steinkohieu.
  Mau  hielt  den  südamerikanischen
Kontinent  überhaupt  für  sehr  arm  an
mineralischen  Brennstoffen;  Steinkohlen
mußten  aus  England  und  Nordamerika
zll  gewaltigen  Preisen  eingeführt  werden
(in  die  brasilischen  Hafenplätze  zu  29,25
Mk.  für  die  engl.  Tonne,  die  in  England ­
  selbst  5  Mk.  kostet).  In  neuester  Zen
sind  aber  Stcinkohlenfelder  in  den  Provinzen ­
  Santa  Catharina  nild  Rio  Grande
do  Sul  entdeckt  worden,.  und  in  letzterer ­
  Provinz  werden  zwei  Minen  von
englischen  Gesellschaften  bearbeitet.  Daher
sank  die  Einfuhr  1875—76  von  369,000
metr.  Tonnen  (5,993,617  Mk.)  auf
345,524  T.  (4,207,031  Mk.).  Auch  Braunkohle, ­
  Torf  und  bituminöse  Lager  sind
        <pb n="81" />
        ^Brasilien  (Industrie,  Handel,  Verkehr).

IO

vorhanden,  doch  bisher  saunt  verwertet.
Von  Petrolenm  wurden  1871  von  New
Bork  auö  19,9  Mill.  Lit.  eingeführt.
Industrie,  Handel,  Berkehr.
Die  Industrie  steht  noch  auf  sehr  niedriger ­
  Stufe.  Außer  den  Gewerben,  welche
sich  mit  der  Verarbeitung  edler  Metalle
Cigarrenfabrikation,  Gerberei  und  etuinett
  anbmt  3%,%»  ber  ^bufhie  bc=Mogelt,
  ist  diese  Thätigkeit  kaum  nenttettmeti.
  SDer  SmDort  ooit  ^abrifAtcit
'st  daher  ein  ziemlich  starker.  Außer  denen,
welche  im  vorhergehenden  schon  genannt
Mid:  Waren  aus  Baumwolle,  Wolle  und
&amp;lt;Leide  und  den  Mctallwarcn  und  Holzwaren, ­
  voil  denen  wenigstens  eilt  Teil
cuiö  den  im  Land  reichlich  erzeugten  Rohprodukten ­
  hergestellt  wird,  müssen  wir  als
hervorragende  Gegenstände  der  Einfuhr
erwähnen:  alkoholische  Getränke,  Leinenwaren,
  Papier  und  Papierwaren,  ebenso
m ft t ren  aus  Spanischem
111^1',  Porzellan,  Fayence,  Glaswarcii.
^ließlich  m  den  Handen  von  Engländern,
Franzosen.  Portugiesen  Nordamerikauern,
  Holländern,  Deutschen  und  konzentriert ­
  sich  ln  19  Hafenplätzen,  unter  welchen
die  wichtigsten  sind:  Rio  de  Janeiro  (48
W;.  ber  »()!),  mabid  (io
^^^1511(0  (WŞro;.),  (mßerbem  Şará,
San  Lins  de  Maranhão,  Alagoas,  Rio
gambe  bo  Morte,  @ern^^e,  'gortalega,
Aracatl  und  Parahyba  (16  Proz.)  sowie
die  Häfen  der  Provinzen  Rio  Grande  do
Sul,  Santa  Catharina  und  São  Paulo
(12  Proz.).  Es  betrug  (inkl.  Edelmetalle)
ln  Millionen  Mark  die
Einfuhr  Ausfuhr
1877—  78:  867,oi  419,28
1878—  79:  367,88  459,13
A"  der  Wareneinfuhr  partizipiert  Engand
  mit  nahezu  der  Hälfte,  und  davon
vcftehen  ca.  %  in  Banmwottmannfakte«.
  Deutschland  importiert  vonlehmlich
iwwarze  und  farbige  Tuche,  glatte  wollene
und  halbwollene  Stoffe,  Strumpfwaren,
Kurzwaren,  Cigarren,  Papier,  Porzelte.
  Die  Zölle  auf  alle  Manufatte
lmb  sehr  hoch,  im  Durchschnitt  40—50
|5roj.  —  Das  Deutsche  Reich  unterhält
Urr  zwar  keinen  Berufskonsul,  wohl  aber

16  Konsuln,  1  Vicekonsul  und  1  Konsularagenten. ­
  1
«.“ÄÄ  iïjsrj»
breiteten  und  vorzüglichen  Netz  von  Verkehrsadern ­
  beschenkt.  Man  berechnet  die
der  Dampfschiffahrt  zugänglichen  Strecken
des  Amazonenstroins  und  Tocantins  ans
42,350  Km.  DerAmazonenstrom  wird  schon
seit  23  Jahren  bis  Tabatinga  (Grenze),

1584  Km,  Negro  792  Km,  Topajoö  330  Km,
Tocantins  ilndAragnya660Km.  Ailf  dem
Paraguay  geheil  Dampfer  jetzt  bis  Euyaba
(Matogrosso),  ans  dem  São  Francisco  bis
Piranhas.  Doch  sind  viele  Flüsse  (Parana,
%raitcÜco,  %rann^,  ^^^^1)  mir
eUwelse  für  die  Binnenschiffahrt  zngängllch.
  —  Die  erste  Eisenbahn:  Rio  de
Janeiro  -  Petropolis,  wurde  1854  dem
Verkehr  übergeben.  Ende  1879  waren
un  Betrieb  3058  Km,  welche  sich  auf  30
x.tnien  verteilen;  13  andre  in  einer  Gesamtlänge ­
  von  7000  Km  waren  konzessioniert ­
  und  teilweise  im  Bau.  Für  diese
garantierte  die  Regierung  225  Mill.  Aik.
Da  die  Eisenbahnen  aber  über  eine  Küstenzone ­
  von  etwa  300  km  Breite  kaum
hinausrcichen,  so  geschieht  die  Beförderung
der  Lasten  noch  viel  durch  Manltierkarawanen
  (tropas)  und  Ochsenkarren.  Doch
wird  die  große  Madeira-Mamore-Eisenbahn ­
  einen  beträchtlichen  Teil  des  Innern
erschließen  und  die  Verbindung  mit  Bolivia ­
  herstellen.—Die  P  o  st  (B.  gehört  zum
Weltpostverein)  beförderte  1879  in  1265
Postämtern  16,180,584  Briefsendnngcn.
Der  Telegraph  beschäftigte  1879:  '123
Büreaus,  die  Länge  der  Linien  betrug  6942
km,  es  wurden  232,022  Depeschen'befördert. ­
  Ein  Kabel  führt  von  Para  über  Pernanlbuco,
  Bahia,  Rio  de  Janeiro,  Santos, ­
  Santa  Catharina,  Rio  Grande  do  Sul
nach  der  Barra  do  Chlly  und  verbindet  sich
hier  mit  dem  von  Montevideo  kommenden.
In  Pernambuco  schließt  sich  das  europäische, ­
  in  Pará  das  nordamerikanische  Kabel
7-Für  den  regelmäßigen  Schiffs-"O""'
  #cn  bi#
18  Postdampferlmien  eigner  Gesellschaft
        <pb n="82" />
        74

Brasilien  (Finanzen,  Kreditwesen  re.).

ten  zahlt  der  Staat  eine  jährliche  Unterstützung ­
  von  6,872,000Mk.  Diese  Küstendampfschiffahrt ­
  erstreckt  sich  von  Belem
bis  Rio  Grande  do  Sul  unb  Montevideo.
Mit  Europa  steht  B.  in  Verbindung  durch
den  Norddeutschen  Lloyd,  die  Hamburg-Südainerikaiiische
  Dampfschiffahrtsgesellschaft, ­
  die  Kosmoslinie,  Compagnie  des
Messageries  maritimes,  Belgiair  Royal
Mail  Co.,  Lavarello  u.  Ko.  (Genua),  Pacific ­
  Steam  Navigation  Co.,  Royal  Mail
Steam  Packet  Co.  ».  a.  —  Der  Schiffsverkehr ­
  in  allen  Häsen  war  1878—79:
eingelaufen  ausgelaufen
Schiffe  Tonnen  Schiffe  Tonnen
Seeschiffe  .  3368  2  414985  3087  2  368554
Küstenschisfe  5946  1829752  5746  1176006
Zusammen:  9314  4  244737  8833  3  544560
Die  Küstenschiffahrt  war  bis  1873  ausschließlich ­
  der  nationalen  Flagge  vorbehalten, ­
  ist  seitdem  aber  zwischen  Häfen,
wo  Zollämter  eingerichtet  sind,  auch  Ausländern ­
  gestattet.  —  Die  Handelsmarine ­
  zählte  1868:  148  Schiffe  langer
Fahrt  und  1400  Küsten  -  und  Flußfahrer.
Fi»a»;k»,  Kreditwesen,  Geld  rc.
Die  Budgetsätze  schließen  gewöhnlich
mit  einem  Überschuß,  die  Abrechnungen
ergeben  aber  in  der  Regel  ein  Defizit.
Nach  der  vorliegenden  Abrechnung  für
1877—78  betrugen  die  Einnahmen  249,2,
die  Ausgaben  340,8  Mill.  Mk.  ;  nach
dem  Budget  1879—80  die  ersten  227,2,
die  zweiten  380  Mill.  Mk.;  nach  dem  von
1880—81  die  Einnahmen  229,3,  die  Ausgaben ­
  272,5  Mill.  Mk.  Ans  Civilliste  und
Apanagen  entfallen  2,925  Mill.,  für  die
Staatsschulden  71,iooMill.,  Eisenbahnen
22,500  Mill.,  Telegraphen  3,375  Mill.,
Posten  3,150  Mill.  Mk.  —  DieStaatöschuld
  hat  sich  innerhalb  10  Jahren  gewaltig ­
  vergrößert.  Nach  offiziellen  Angaben ­
  bezifferte  sich  dieselbe  31.  März  1867
auf  373,50  Mill.  Mk.;  31.  März  1880
war  sie  aber  auf  1834,7  Mill.  Mk.  angewachsen. ­
  Als  Aktiva  wurden  31.  März
1880:85,8  Mill.  Mk.  ausgeführt,  bestehend
in  rückständigen  Stenern,  Forderungen  an
Argentinien  und  Paraguay,  Guthaben  an
Eisenbahnen,  wovon  nur  der  letzte  Posten
von  25,2  Milt.  Mk.  wirklichen  Wert  hat.

Kreditwesen.  Unter  den  einheimischen ­
  Banken  sind  die  bedeutendsten:
die  Bank  von  B.  und  die  Banken
von  Bahia  und  von  Maranhão;  von  andern: ­
  die  Commercial  Bank  of  Rio  de  Janeiro, ­
  English  Bank  of  Rio  de  Janeiro,
New  London  and  Brazil  Bank.  Die  Bank
von  B.  und  ihre  Zweigbanken  geben
Privatpapiergeld  aus,  ebenso  die  Banken
von  Bahia  und  Maranhão;  diese  Banken
sind  Aktienanstalten.  Die  Bank  von
B.  (Banco  de  Brazil)  wurde  1853  auf
Aktien  und  auf  30  Jahre,  ursprünglich ­
  mit  einem  Kapital  von  3O  Mill.,  später
auf  33  Mill.  Milreis  erhöht  (72,3  Mill.
Mk.),  gegründet.  Sie  hat  Filialen  zu
Ouro-Preto,  São  Paulo,  Bahia,  Pernambuco, ­
  Rio  Grande  do  Sul,  Parä
und  Maranhão,  welche  eine  selbständige
Emission  haben.  Ihre  Noten  sind  gesetzlichesZahlungsmittel
  und  haben  seit  1864
Zwangsumlauf.  Durch  Gesetz  wurde  ihr
1866  die  Ausgabe  neuer  Noten  untersagt
und  ihr  die  Pflicht  auferlegt,  ihre  Noten
binnen  20  Jahren  allmählich  einzulösen.
Wechselgeschäfte  mit  dem  Ausland  darf
die  Bank  nicht  machen.  Für  die  übrigen
Banken  ist  aber  der  Ein-  und  Verkauf
von  Wechseln  dieGcundlage  des  Geschäfts.
Die  Bank  von  Bahia  wurde  1858  mit
einem  Nominalkapital  von  8  Mill.  Milreiö
  auf  Aktien  gegründet;  1867  war  davon
die  Hälfte  eingezahlt.  Sie  macht  Diskontund
  Depositengeschäfte  und  darf  Noten
bis  zum  Betrag  von  2,832,760  Milrciö
emittieren,  die  durch  eine  gleiche  Summe
von  StaatSschuldschcinen  sowie  durch
Aktien  der  vom  Staat  subventionierten
Eisenbahnen  garantiert  werden.  Die  Bank
von  Maranhão,  1859  mit  einem  Kapital
von  1  Mill.  Milreis  gegründet,  darf  unter
denselben  Garantien  Noten  bis  znm  Betrag ­
  von  513,000  Milreis  emittieren.
Außer  diesem  Papiergeld  cirkulierte  noch
seit  1829'ein  uneinlösbares  Staatspapiergeld ­
  (1879:  513  Mill.  Mk.  neben  61  Mill.
Mk.  der  drei  Banken).—Das  Handelsrecht ­
  (1850  eingeführt)  basiert  auf  dem
spanischen  und  vorzugsweise  auf  dem  portugiesischen. ­
  Der  Wechselstempel  beträgt ­
  für  alle  Handelseffcktcn,  welche  vom
Ausland  kommen,  nur  die  Hälfte  desjcni-
        <pb n="83" />
        ? c ,! 1  sur  mländische  Wechsel,  welche  in  23etragen
  von50—200Milreis  auf  2  Monate
Frijt  l  00  Reis,  ans  längere  Frist  160
yieiö  Stcmpelgebühr  jn  zahlen  haben:
^11'.  3209^0;
smr J
ÄS.  ÄÏÏÄ
rUîW'VLÂ
M-  ?J en );  Man  rechnet  nach  9ieis
DD-  NN  %%%  :
-&amp;gt;cew  bedeutet  1000  Milreis  oder  I  Mill.
«o 1 ' 1 ;  stoibne  Milreis  hat  etwa  den
Wert  von  2  Mt.  29  Pf.  deutscher  Reichs
Wahrung,  doch  ist  der  Wert  sehr  schwane"d,undman
  rechnet  thatsächlich  nach  Pa-¡sesrnrns:

^dieselbe  Summe:  20,039,858:567.
fSSÄÄ
Mlsche  Haff  ergießt;  asso)  11,577  Eiuw.
Handelskammer;  ReichöbanknebcustcUe.
Der  Handelsverkehr  war  1878:
angekommen  abgegangen
per  Segelschiff  .  .  130808  62454  Ctr
«  Dampfer  .  .  22534  16  750  -
«  Eisenbahn  .  .  324494  298292  .
Der  Handel  mit  Getreide  ist  sehr  lebhaft; ­
  Mehl  geht  zum  Teil  nach  Schottland, ­
  Holland  und  Belgien.
,  Braunschweig,  zum  Deutschen  Reich  gehöriges ­
  Herzogtum.  3G90km(  67,02  Cm.)
Protestanten,  7030  Katholiken,  1171
Israeliten).  1879  wanderten  203  Perlen ­
  aus.  Die  Mediatbesitzuugeu  des
Herzogs,  das  Fürstentum  Öls  iii  Schlel'en
  re.,  umfassen  gegen  40QM.  —  Pro-&amp;gt;
 u  ttion.  Von  dem  Gesamtareal  sind  50
.Icker  und  Gärten,  14  Proz.  Wiesen
30  ^roj.  Roiltíanb.  $on
‘  '0l8Im,  die  1878  dem  Ackerbau  über-Braunsberg

  —  Braunschweig.

Haupt  gewidmet  waren,  entfallen  103  019
au  Gctreidearten,  12,615aufZuckerrubeil,
außerdem,flachs,  Ölsaat.  Die  Ernteerträge
stehen  mB.  sehr  hoch.  Von  den  Waldungen
befmdensich69,5Proz.imBcsitzdesStaats
der  Holzertrag  davon  beziffert  sich  ans
542,000  cbm  jährlich.  Der  Viehstand
imr  1873:86,172  Minkr,  21,813  iWci-be,
313,165  Schafe  und  76,731  Schweine.
Ein  berühmtes  Gestüt  besteht  zu  Harzburg.
Der  Bergbau  hat  seinen  Sitz  im  Harz;
die  Ausbeute  betrug  1879:  226,365  To».
Braunkohlen,  10,650  T.  Asphalt,  44,852
Ton.  Eisenerze,  1049  T.  Bleierze,  ferner ­
  (in  Schoningen)  6691  T.  Kochsalz.
Die  Hüttenwerke  erzeugten:  7,587  T.
Roheisen,  1396  T.  Kaufglätte,  590  T.
Kupfer,  2867  kg  Silber,  17  kg  Gold,
10,743  T.  Schwefelsäure,  1909  T.  Kupfervitriol, ­
  5833  T.  Masseln,  1818  T.  Gußwaren
  erster  und8407T.sl,709,746Mk.)
Zweiter  Schmelzung.—I  n  d  u  st  r  i  e.  Rach
der  Gewerbezählung  von  1875  gab  cs
19.575  Hauptbetriebe  mit  56,336  beschäftigten ­
  Personen.  Neben  der  Bergwerköiudklstrie
  ist  bedeutend  die  Zuckerfabrikation
(1880  wurden  in  30  Fabriken  41,038,4  T.
Rohzucker  gewonnen);  88  Brauereien  erzeugten ­
  1879:  248,000  hl  Bier,  41  Brennereien ­
  52,440  hl  Branntwein;  außerdem
bedeutende  Jutespinnerei,  (in  der  Stadt
B.  und  Vechelde  wurden  1880  durch  1400
bis  1500  Arbeiter  130,000Etr.  Jutegarne
und  80,000  Etr.  Gewebe  produziert),
Wurstfabrikation  u.  a.  —  Der  Handel  ist
namentlich  lebhaft  in  den  Städten:  B.
(s.  d.),  Wolfcnbüttel,  Helmstädt.
Holzmiudeu,  Blankenburg.  Wichtigste ­
  Ausfuhrartikel:  Wolle,  Getreide,
Leinwand,  Garn,  Zilcker,  Bier  rc.  —
Die  Eisenbahnen  (1.  April  1880:  366
km)  sind  aus  dem  Besitz  des  Staats  in
ben  von  Privaten  übergegangen,  ersterer
erhält  bis  1934:2,625,000  Mk.  —  Fördcrungömittel
  des  Handels  sind:  die  Handelskammer ­
  in  Braunschweig,  Braunschweigische ­
  Kreditanstalt  (Kapital  6,750,000Mk.),
Brauuschweigisch-Hannöverische  Hypothekenbank ­
  (9  Mill.  Ml.),  Braunschweigische
%anr  (lO/miü.Wf.);  bic  íe^e  ist  ¿1,1=bank.—
  Konsulate  habcil  in  der  Stadt
B.:  Peru  und  die  Vereinigten  Staaten.—
        <pb n="84" />
        76  Braunschweii
Staatshaushalt.  Die  Finanzperiode
ist  dreijährig.  Geschieden  behandelt  werden ­
  der  Staatshanshaltsetat  und  derKammeretat.
  Außerdem  wird  besondere  Ñiechnung
  geführt  über  den  Kloster  -  rmd  Stndienfonds.
  Der  Klosterkapitalfonds  beträgt ­
  etwa  4,850,000  Mk.  Die  Domänen
umfassen  ca.  45  Güter,  250,000  Morgen
Wald,  ferner  Berg-,  Hütten-  und  Salzwerke.
  Das  Budget  für  1880,  resp.  1881  ist
in  Einnahme  und  Ausgabe  auf  8,593,570
Mk.  festgesetzt.  Gegen  1879  haben  sich  die
Staatsbedürfnisse  um  1,087,570  Mk.  erhöht, ­
  welcher  Mehrbetrag  durch  den  Überschuß ­
  bei  den  indirekten  Steuern  (507,255
Mk.)  und  die  Mehreinnahmen  von  der
Lotterie  (630,700  Mk.)  beschafft  wurde.  —
Die  verzinsliche  Landesschuld  belief  sich
Ende  1879  auf  34,423,707  Mk.,  die  Kammerschnld
  auf  1,029,542  Mk.  Außerdem
ist  ein  verzinsliches  Prämienanlehen  von
49,582,860  Mk.  aufgenommen,  welches  in
56  Jahren  (1869—1924)  durch  Auslosung
mit  63  Mill.  Mk.  zurückgezahlt  werden
wird;  zu  dessen  Tilgung  sind  jährlich
1,219,740  Mk.  erforderlich.  Die  Aktiva
betrugen  Ende  1879  :  45,006,110  Mk.,
demnach  Gesamtschnld  (nach  Abzug  der  Aktiva) ­
  40,029,999  Mk.  An  das  Reich  wurden ­
  abgeführt  im  Etatsjahr  1879—80  an
Zöllen  und  Verbrauchssteuern  9,780,876
Mk.,  wovon  auf  die  Rübenzuckersteuer
allein  7,316,181  Mk.  entfallen.  An  Matrikularbeiträgen
  hat  das  Herzogtum  für
1881-42:  667,304  üRf.  g»  (Die
Finanzlage  des  Staats  ist  seit  dein  Verkauf ­
  der  Bahnen  eine  sehr  günstige;  40
Proz.  der  Einnahmen  rühren  aus  Zinsen
von  Staatsgeldern  und  aus  Überschüssen
der  Domänen  her.
Braunschweig,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  Herzogtums,  im  Knotenpunkt
mehrerer  Eisenbahnen  (nach  Magdeburg,
Hannover,  Holzminden  rc.)  gelegen;  (isso)
73,300  Einw.  Konsulate  für  Peru  und
Vereinigte  Staaten.  —  Wichtigste  In  duft ­
  rieerzengnisse:  Rübenzucker  (roh  und
raffiniert),  Eisengußwaren,  Maschinen,
Würste  (1876  wurden  23,414  Schweine
geschlachtet  im  Fleischwert  von  4,425,246
Mk.),  Inte-  und  Flachögewebe(6000Feinnnd
  600  Zwirnspindeln,  280  mechanische

—  Bremen.
Webstühle),  Leder,  Handschuhe,  Wollund
  Banmwollzeug,  Branntwein,  Bier
(»Mumme«),  Pfefferkuchen.—Der  H  a  n  -
del,  zum  großen  Teil  Speditionshandel,
wird  durch  dieLage  zwischen  Hamburg  und
Leipzig,  Hamburg  und  Frankfurt  a.  M.,
Bremen  und  Leipzig,  Lübeck  und  Frankfurt
ausnehmend  begünstigt,  und  auch  außer  der
Meßzeit  ist  der  Vertrieb  von  ausländischen
u.  einheimischen  Produkten  und  Mannfakten ­
  :  Getreide,  Spargel,  Flachs,  Garn  ».  a.,
ein  sehr  bedeutender.  Der  Export  nach  den
Vereinigten  Staaten  belief  sich  1878  auf
3,574,544  Mk.,  1879  auf  2,737,667  und
1880  auf  3,743,77  IMk.,  wovon  anfEhcmikalien
  und  Lederwaren  mehr  als  die  Hälfte
kommt.—  Die  beiden  Messen:  Lichtmessc
(Anfang  am  Donnerstag  der  Woche,  in
welche  Lichtmeß,  2.  Febr.,  fällt)  und  Lanrentiimesse
  (am  Donnerstag  der  Woche,  in
welche  der  Lanrentiustag,  IO.  Aug.,  fällt)
waren  ehemals  bedeutender.  1876  betrug
die  gesamte  Zufuhr  in  der  Wintermesse
15,941  Etr.,  Sommermesse  19,249  Ctr.,
wovon  2 /s  verkauft  wurden.  Wollmärkte
finden  im  Juli  und  August  statt  ;  zum  ersten
gingen  572,  zum  zweiten  332  Ctr.  ein.  —
Kreditwesen.  Die  Reichsbankstelle  hatte
1880  cinenGesamtnmsatz  von  372,097,200
Mk.,  davon  Wechselverkehr  89,285,100,
Giroverkehr  270,865,700  Mk.  Außerdem
bestehen:  die  Braunschweigische  Bank  (Kapital ­
  :  10,500,000  Mk.),  Braunschweigische
Kreditanstalt  (6,750,000  Mk.)  und  die
Brannschwcig-Hannöverische  Hypothekenbank ­
  (9  Mill.  Mk.),  sowie  eine  Feucrversicherungsanstalt
  für  daS  Land  B.  und  eine
allgemeine  Anstalt  für  Lebens-  und  Renteiiversicherung.

Bremen,  deutscher  Freistaat  mit  dem
offiziellen  Titel  »Freie  Hansestadt  B.«,
ans  drei  Teilen  bestehend:  StadtB.,Vegesack ­
  und  Bremerhaven;  257  qkm  (4,66
QM.)  mit  (isso)  156,089  Einw.  gegen
1875:  142,200  Einw.  Der  Staatshalt ­
  ö  h  a  l  t  ö  e  t  a  t  für  1880  beträgt  :
Einnahmen  ....  10852150  Mark
Ausgaben  ....  11536330
Es  ergibt  sich  also  für  1880  ein  Defizit
von  734,180  Mk-  —  Die  Staatsschuld
feetrug  zu  Ende  1879:  81,010,167  Mk.
Unter  den  Ausgaben  für  1874  befanden
        <pb n="85" />
        Bremen.

Hd)81,90,575  Mk.  außerordentliche,  meist
für  Eisenbahnen,  Handel  und  Schiffahrt.
Die  Stadt  B.,  an  der  Weser  und  im
Knotenpunkt  mehrerer  Eisenbahnen  (s.
unten),  hat  (isso)  112,158  Einw.  Von
Industrien  besitzt  B.  ansehnliche  Eisengießereien, ­
  Schifsswerften  und  Maschinenfabriken ­
  (Aktiengesellschaft  »Weser«  mit
si87!&amp;gt;s  763  Arbeitern),  Bierbrauereien,
Fabriken  fur  Spirituosen  und  Cigarrentistcn
  sowie  Reisschälmühlen,  deren  Produkt ­
  (»polierter  Reis«)  einen  Hanptausfuhrartikel
  bildet.  Die  Cigarrenfabrikatwn
  beschäftigte  1867  noch  an  2900  Menschen, ­
  wurde  aber  seitdem  über  die  Zollvereinsgrenze ­
  nach  dem  preußischen  Ort
Hemelingen  verlegt.  —  Als  H  a  n  d  e  ls  -
st  a  d  t  nimmt  B.  die  zweite  Stelle  im  Dentlchen
  Reich  ein,  wiewohl  seine  Lage  an  der
nur  für  Flußschiffe  und  kleine  Seeschiffe
geeigneten  Weser  eine  sehr  ungünstige  ist.
Der  eigentliche  Hafen  der  Stadt  ist  Bremerhaven ­
  (s.  d.).  Den  Binnenverkehr
vermitteln  die  Hannoverische,  Köln-Mindener,
  Oldenburgische  Bahn.  Der  Handelsverkehr ­
  zeigte  in  dem  abgelaufenen
Hecennium  folgende  Bewegung  (in  Millionen ­
  Mark)  :

Einfuhr
1870  :  306,o
1873  :  503,7
1876:  442,2
1879:  471,4

Ausfuhr

1870
1873
1876
1879

302.1
501.7
421.8
470.1

Dieses  Anwachsen  der  Handelsbewcgung
hat  seinen  Grund  besonders  in  dem  steigenden ­
  Verkehr  mit  dem  deutschen  Zollgebiet, ­
  namentlich  in  der  Ausfuhr  dahin:
dieselbe  betrug  1879  für:  Wolle  25,9  Mill.
Mk.,  Baumwolle  40,9,  Getreide  und  Hülsenfrüchte ­
  80,4,  Speck  und  Schweinefleisch ­
  4,7  Milt.  Mk.  Aus  England  kommen: ­
  Wolle  (1879:  148,761  Ctr.),Manufaktnrwarcn,Baumwvllwaren
  x.;  dorthin
tzshen:  Rohzucker,  Hopfen,  Reis.  Südamerika ­
  liefert  Wolle,  Tabak  und  Kakao,  Afrika
Wolle  und  Palmöl,  Ostindien  Baumwolle, ­
  die  Sandwichinseln  Wolle.  Am
Wichtigsten  unter  den  auswärtigen  Staaten
  ist  st ij er  Nordamerika.  1878  war  der
Verkehr  allerdings  größer,  was  der  bedeutenden ­
  Zufuhr  ait  Tabak  zuzuschreiben  ist,
welche  1878:  899,117  Etr.  (32,473,600

Mk.),  aber
(13,728,919
wurden  1879

14,9  mit  371,528  Gtr.
Mk.)  betrug.  Außerdem
namentlich  eingeführt  -

Centner
Baumwolle  1311541
Mais  .  .  771106
Weizen.  .  203705

Centner
Speck  .  .  190606
Schmalz  .  337510
Petroleum  4157418

Die  .Hauptposten  der  Ausfuhr  nach  den
Bereinigten  Staaten  waren  aber  (in  Millionen ­
  Mark):

Farbwaren  .  .  .  9,7
Baumwollwaren  .  9,7
Seiden  -  und  Halbseidenwaren ­
  .  .  6,2
Wollwaren  .  .  .  5,i

Spiegelglas  .  .  .3,4
Getrocknete  Früchte.  2,5
Fässer  2,4
Galanterie-  u.  Kurzwaren ­
  ....  2,»

Der  gesamte  Handelsverkehr  verteilt  sich
auf  die  hervorragendsten  Gebiete  (Wert  in
Millionen  Mart)  für  1879  wie  folgt:
Einfuhr  Ausfuhr
Deutsches  Reich  ....  129,2  290,8
Vereinigte  Staaten.  ..  .  156,8  62,2
Großbritannien  ....  71,8  24,7
Südamerika  26,2  7,1
Asien  25,8  0,8
Westindien  14,5  1,4
Den  Richtungen  nach  kamen  (in  Millionen ­
  Mark):  Einfuhr  Ausfuhr
Seewärts  337,8  144,7
Land  -  und  flußwärts  .  .  134,i  .325,s
Nach  den  einzelnen  Warengattllngcn  betrachtet, ­
  stellt  sich  der  Warenhandel  Bremens ­
  1Š79  (in  Millionen  Mark)  wie  folgt  :
Einfuhr  Ausfuhr

Verzehrungsgegenstände  .  173,2  188,7
Rohstoffe  188,o  181,9
Halbfabrikate  22,s  20,0
Manufakturwaren  .  .  .  50,3  44,9
Andre  Jndustrieerzeugnissc  37,0  33,4

Zusammen:  470,8  469,5
wozu  noch  eine  in  Ein-  und  Ausfuhr  balancierende ­
  Summe  von  526,733  Mk.
für  Edelmetalle  kommt.
Die  Handelsflotte  der  Stadt  bestand ­
  31.  Dez.  1879  aus  320  Schissen  von
zusammen  260,769  Ton.,  davon  67  Dampfer ­
  von  59,460  T.  —  S  ch  i  f  f  ö  v  e  r  k  c  h  r.
In  Bremerhaven  und  Geestemünde,  den
beiden  Seehäfen  der  Stadt,  sind
eingelaufen  ausgelaufen
Schiffe  Tonnen  Schiffe  Tonnen
1878  :  2762  1  013238  2903  99311»
1879  :  2821  1083441  3017  1  077990
        <pb n="86" />
        i

:

78

Bremerhaven.

Im  letzten  Jahr  waren  Dampfer:  von
den  einlaufenden  653  von  557,637  T..
von  den  auölaufendeir  657  von  557,932
T.  Von  den  Vereinigten  Staaten  kamen
469  Schiffe  (424  Dampfer)  von  526,566
T.,  dorthin  gingen  391  Schiffe  (93  Dampfer) ­
  von  460,852  T.  Am  Eingang  beteiligten ­
  sich  696  bremische  Schiffe  oder
52  Proz.  der  Gesamtgröße  der  angekommenen ­
  Schiffe.  —  Der  bedeutendste
Verkehr  besteht  mit  New  Pork  und  Baltimore; ­
  nach  dem  ersten  gingen  205  Schiffe
von  258,340  T.,  nach  dem  zweiten  85
Schiffe  von  107,770  T.  B.  ist  auch  der
H  a  u  p  t  a  u  s  w  a  n  d  e  ru  n  g  s  h  a  f  e  n
Deutschlands;  von  1832—79  nahmen
1,544,401  Personen  ihren  Weg  über  B-,
1880  in  109  Dampfern  80,300,  davon
51,628Deutsche.—K  onsuln  unterhalten
hier:  Argentinien,  Belgien,  Bolivia,  Brasilien, ­
  Chile,  Costarica,  Dänemark,  Ecuador,
Frankreich,  Griechenland,Großbritannien,
Guatemala,  Hayti,  Hawaii,  Italien,  Kolumbien, ­
  Niederlande,  Österreich-Ungarn,
Peru,  Portugal,  Rußland,  Schweden  und
Norwegen,  Schweiz,  Türkei,  Uruguay,
Venezuela,  Vereinigte  Staaten;  Mejiko
rind  Nicaragua  sind  durch  ihre  in  Hamburg ­
  residierenden  Konsuln  vertreten.  Von
deutschen  Staaten  unterhalten  Konsulate:
Anstalt,  Baden,  Bayern,  Braunschweig,
Hessen,  Lippe-Detmold,  Mecklenburg-Schwerin,
  Oldenburg,  Preußen,  Königreich ­
  Sachsen,  Großherzogtnm  Sachsen,
die  sächsischen  Herzogtümer,  Schaumburg-Lippe,
  Württemberg.  —  Handelsanstalten ­
  sind:  die  Börse,  Handelskammer,
Gewerbekammer,  Handelsgericht,  Effekten-, ­
  Mäklerverein.  —  Kreditwesen.
Die  Rcichsbankhauptstelle  hatte  1880
einen  Gesamtumsatz  von  1318,8  Mill.
Mk.,  davon  Wechselverkehr  367,2,  Giroverkehr ­
  911,2  Mill.  Mk.  ;  außerdem  bestehen ­
  hier:  eine  Filiale  der  Nicdersächsischen
  Bank,  Bremer  Bank,  Bremer  Gewerbebank, ­
  Bremische  Hypothekenbank,
Bremer  Filiale  der  Deutschen  Bank,  Deutsche ­
  Nationalbank.  Die  Bremer  Bank
(Kapital:  16,607,000  Mk.)  ist  eine  Notenbank ­
  auf  Aktien,  die  l.Juli  1856  eröffnet
wurde;  30.  April  1880  liefen  5,733,200
Mk.  Noten  mit.  Von  der  Gesamtsumme

der  Ncichskassenscheinc  entfallen  ans  B.
358,164Mk.  Die  Seeversicherungen,
welche  1873—77  eine  stetige  Abnahme  erfahren ­
  hatten,  nahmen  1878  und  1879  wieder ­
  zu;  die  Gesamtsumme  der  abgeschlossenen ­
  Versicherungen  belief  sich  1878  auf
341,2  und  1879  auf  347,6  Mill.  Mk.,  woran ­
  29  Gesellschaften  partizipierten.  Das
großartigsteJnstitut  znrHebnng  des  Handels ­
  ist  aber  der  Norddeutsche  Lloyd,
welcher  1.  Jan.  1880:  48  Dampfer  von
18,337  Pferdekrästen  und  81,895  Ton.
besaß,  davon  35  Seedampfer  von  79,946
I.  (%obW9:  40,128,698  3Rf.)  imb  13
Flußdampfer  nebst  42  eisernen  Lichterfahrzeugen
  von  9530  T.  (Totalpreis:
2,942,613  Mk.).  Diese  Dampfer  verbrauchten ­
  1879:  216,657  T.  Kohle,  wovon ­
  131,000  deutsche.  Die  Dockanlagen
in  Bremerhaven,  Werkstätten,  Dampfbagger
  rc.  kosteten  4,721,193  Mk.  Der
Norddeutsche  Lloyd  macht  regelmäßige
Fahrten  nach  New  Pork,  Baltimore,  New
Orleans,  Brasilien  und  dem  La  Plata  sowie ­
  nach  London  und  Hull.  Die  Dampfschiffahrtsgesellschaft
  Neptun  befährt  mit
9  Seedampfern  die  europäischen  Gewässer, ­
  mit  1  Schleppdampfer  und  2  Dampfkähnen ­
  die  Nnterwcser.  —  Platzgebrauche. ­
  Die  Verkäufe  erfolgen  in  der
Regel  auf  3  Monate  Kredit,  bei  Zucker
und  Tabak  ans  4  Monate,  Petroleum  4
Monate,  Speck  und  Schinken  gegen  bar;
bei  Barzahlung  Diskont  Vr  Proz.  pro
Monat.  Wechselkurse  notiert  man  auf
Amsterdam  und  Rotterdam,  Antwerpen,
Brüssel,  London,  Paris,  Schweizer  Bankplätze, ­
  Hamburg,  Wien  kurze  Sicht  und
2  Monate  dato;  auf  New  Pork  3  Tage
nach  Sicht.  Wechseltage  für  Wechsel  auf
Hamburg  Montag  und  Donnerstag,  für
Wechsel  auf  London  und  Amsterdam
Dienstag  und  Freitag,  für  Wechsel  auf
die  übrigen  Plätze  alle  Werktage.
Bremerhaven,  der  eigentliche  Seehafen
Bremens,  am  Ausfluß  der  Geeste  in  die
Wesermündung,  durch  Eisenbahn  mit
Bremen  verbunden;  (isso)  14,240  Einw.
Vicekonsulate  für  Preußen  und  Sachsen;
Bremer  Bankverein,  Bremerhavener
Bank,  Bremerhavener  Genossenschaftsbank. ­
  Zahlreiche  Docks  (darunter  das
        <pb n="87" />
        Brescia  —  Breslau.

79

großartige  Trockendock  dcS  Norddeutschen
Lloyd)  ;  5  Schiffswerften,  auf  denen  1879  :
4  Schiffe  von  5021  Ton.  vom  Stapel  liefen; ­
  Lagerhäuser,  besonders  für  Petrolelim.
Von  den  drei  Häfen  hat  der  mittlere  845  m
Länge  und  130  m  Breite,  der  Kaiserhafen
%%'&amp;amp;%%%
stitô:  1511  Seeschiffe  von  700,189  T.  Die
91(^^(111111^^(18*0)24(541^  ooii23,47G
£.  DerVieherport  nachEngland  mit  Lloyddampfern ­
  erreichte  1879:  232,908  Schafe.
Brescia  (spr.  brcscha),  nächst  Mailand
die  wichtigste  Stadt  der  Lombardei,  an
.,^r  Eisenbahn  Venedig-Mailand;  (i8?8)
&amp;gt;&amp;gt;r,129  Einw.  Ressort  des  deutschen  Kon-Wlsin
  Mailand;  Banca  pop.  de  B.;  Handelskammer, ­
  Handelsgericht;Getreidehalle.
Berühmte  Jndnstriecrzeuguisse:  Scidenmannfakturen
  und  Eisen-  und  Stahlwaren
  Waffenfabriken,  Hammer  undMnhl-In
  den  Handel  kommen  vornehmich:
  Seide,  Leinen-  und  Eisenwaren,
^(„1  (viuo  santo),  @ek(ibe,  ^ifc,  Zud),
Kolomalwaren.  Messe:  6—18.  Aug.
àSlan,  Hauptstadt  der  prcuß.'Provinz ­
  Schlesien  und  dcö  gleichnamigen  Regierungsbezirks, ­
  die  dritte  Stadt  Deutschands,
  zu  beiden  Seiten  der  bereits  150
um  oberhalb  schiffbaren  Oder,  Knotenpunkt ­
  der  B.-Schweidnitz-Freiburger
Bahn,  Oberschlesischen  Bahn,  Niederschlcslsch
  -  Märkischen  Bahn,  Rechten  Oderufcrbahn;
  (isso)  272,390  Einw.  Konsulate ­
  für:  Belgien.  Dänemark,  Frankreich
Italien,  Österreich-Ungarn,  Rußland,
Schweden  u.  Norwegen,  Vereinigte  Staateil; ­
  Börse;  Handelskammer,  Handelsschicdsgericht;
  öffentliche  Schau-  uiib  Bestchtigungsanstalt
  für  Leinenwaren;  Korngalle.
  —  Die  bedeutende  Gew  erb  th  tilg ­
  kei  t  macht  B.  zum  Hauptsitz  der  schlesi-'chen
  Industrie.  Die  Tuchmachcrinnnngsluelftcr
  fabrizierten  1879:4100  Stück  Fla-"clle
  und  20  Stück  Tuche  ;  die  Teppichfabrik
von  Gevers  u.  Schmidt  fertigte  auf  103
stuhlen  2365  Stück  Teppiche  und  2504
i,,uck  Teppichstoffe  und  verbrauchte  dazu
MO,337  $fb.  2(in=,  ^
ino  Baumwollgarn.  Außerdem  bestehen
Fabriken  der  verschiedensten  Art.  —  Der
Elidel  wird  durch  die  Lage  Breslaus  an

eiilem  schiffbaren  Strom  imb  im  Knoteilschcn
  Landesprodukte,  welche  den  Handel
Breslaus  nähreu.—Markte.  Für  Wolle
werden  zwei  Märkte  abgehalten  :  dcrFrühjahrswvllmarkt
  7—10.  Juni  und  der
Herbstwollmarkt  5.  Okt.  1879  wurden  zu
dem  Bestand  von  13,000  Ctr.  zugefahren:
Wäsche,  preußische  und  poscilschc  Wolle
ŞO  Etr^  polnische,  russische,  österreichische ­
  13,v00  und  überseeische  Wolle  4000
Ctr.  ;  davon  wurden  verkauft  53,500  Ctr.
Der  Flachsmarkt  findet  gegen  ben  Schluß
des  Novembers  oder  in  der  ersten  Hälfte
des  Dezembers  statt;  1879  wurdci/50—
60,000  kg  angebracht  und  verkauft;  4.
Dez.  wird  der  Flachsbörsentag  abgehalten.
Ledermärkte  finden  in  der  ersten  Hälfte
des  März,  in  der  zweiten  Hälfte  des  Juni,
Ul  der  ersten  Hälfte  des  Septembers  und  in
der  zweiten  Hälfte  des  Novembers  statt.
Em  jetzt  unbedeutender  Kardenmarkt  von
eintägiger  Dauer  ist  in  der  ersten  Woche  des
Oktobers;  ein  Samenmarkt  von  eintägiger ­
  Dauer  für  Getreide,  Rüben,  Klee  u.a.,
veranstaltet  vom  Klub  der  Landwirte  zu
B.,  Mitte  März;  ein  Honigmarkt  am
Gründonnerstag  (1879:  11,500  Lit.  .König ­
  und  500Pfd.  Wabenhonig);  ein  internationaler ­
  Maschinenmarkt'  von  land
wirtschaftlichen,  sorsi-  und  hauöwirtschaftlichen
  Maschinell  und  Geräten,  veranstaltet ­
  vom  Brcölaucr  landwirtschaftlichen ­
  Verein,  in  der  ersteil  Hälfte  des
Juni;  ein  Hypothekenmarkt,  veranstaltet ­
  vom  Klub  der  Landwirte  zu  B.,  jedeir
vierten  Tag  nach  Schluß  eines  Kalenderquartals. ­
  —  Auf  dem  Hauptsteueramt
  lagerten  Ende  1878:  16,400  Ctr..
1879  kamen  hinzu  69,263,  somit  85,663
Ctr.  Davon  ivurdeu  39,219  Ctr.  verzollt
und  23,438  Ctr.  auf  Beglcitscheiil  weiter
gesandt.  —  Der  Export  nach  den  Vereinigten ­
  Staaten,  fast  ausschließlich  Zeugund
  Lederwaren,  bezifferte  sich  1878  auf
2,314,410  Mk.,  1879  auf  3,574,545  und
1880  auf4,418,018Mk.  —  Kreditwesen. ­
  Von  den  hier  bestehenden  fünf  Banken ­
  hatte  die  Reichsbaukhanptstelle  1880
emenGefamtumsatzvon  1444,6MiU  Mk
davon  Wechselverkehr  415,u  Mill.,  Giro-
        <pb n="88" />
        80

Brest  -  Brindisi.

verkehr  864,i  Mill.  Mk.  Die  übrigen  hatten ­
  1879  folgende  Gesamtumsätze:
Städtische  Bank  .  .  .  105815850  Mark
Schlesischer  Bankverein  .  280000000
Breslauer  Diskontobank.  833413712  -
Breslauer  Wechslcrbank.  674  786005
Der  Schlesische  Bankverein  (Kapital:  18
Mill.  Mk.)  zahlte  eine  Dividende  von  6,
Breslauer  Diskontobank  (Kapital:  10,5
Mill.  Mk.)  von  5Vs,  Breslauer  Wechsler-Lank
  (Kapital:  6  Mill.  Mk.)  von  6  Proz.,
die  Schlesische  Bodenkreditaktienbank  (Kapital: ­
  7,5  Mill  Mk.)  von  7  Proz.  Die
0tSbtlsd)C  Bans  (G^iM:  3  9%f.)
hat  das  Recht  der  Notenemission.  Die
städtische  Sparkasse  hatte  31.  März  1879
ein  Kapital  von  13,626,407  Mk.  —  Der
P  oft  verkehr  stieg  1879  ans  57  Mill.  Briefsendungen; ­
  Portoeinnahme  3,955,968
Mk.  Der  Güterverkehr  auf  den  Eisenbahnen ­
  war  1879  (in  Tonnen):

Bahnen

Versand

Empfang

Obcrschlesischc  Eisenbahn  .
Breslau  -  Schweidnitz  -  Freiburger ­
  Eisenbahn  .  .  .
Rechte  Oderuferbahn  .  .  .

343480

172387
67220

2075600

262413
670268

Die  Breslauer  Straßenbahn  (20,242  m)
beförderte  1879:  4,168,486  Personen,
Ginm#:  468,738  9Rf.  -  @4iff'
fahrt.  DieUnterschleuse  passierten  stromaufwärts ­
  392,  abwärts  171  beladene
Schiffe.  Stromabwärts  gingen  480,018
Etr.  (104,959  Ctr.  Getreide),  1085  Flöße
mit  3,765,296  Ctr.;  stromaufwärts  48,667
Ctr.  (Kies  32,000  Ctr.).  —  Platzgcbräuchc.
  Frei  ab  hier  heißt  frei  ab  Magazin, ­
  der  Käufer  trägt  das  Rollgeld,  bei
frei  Bahnhof  oder  frei  in  den  Kahn  aber
der  Verkäufer.  Bei  Spirituosen  3  Monate ­
  Ziel,  bei  Strumpfwaren  bei  ordnungsmäßiger ­
  Zahlung  2  Proz.  Rabatt.  Bei
Zahlung  vor  dem  Termin  Diskont  wie  bei
der  Reichsbank.  Wechselkurse  notiert
man  auf  Amsterdam,  Antwerpen,  Brüssel,
Paris,  Wien  kurze  Sicht  und  2  Monate
dato,  London  3  Monate  dato,  Warschau
8  Tage  dato  nach  den  Normen  von  Berlin.
—  Die  Schulden  der  Stadt  beliefen  sich
1879  auf  21,600,000  Mk.,  und  an  Zinsen ­
  und  Tilgungsquoten  waren  jährlich
1,446,786  Mk.  aufzubringen.  1880  wurde

eine  städtische  Anleihe  von  25  Mill.  Mk.zu
4  Proz.  zur  Erbauung  eines  Schlacbthofs,
Oderhafcns  (3  Mill.),  zur  Konvertierung
älterer  Schuld  re.  aufgenommen.
Brest,  befestigte  und  wichtige  Seestadt
im  franz.  Departement  Finistère,  an  der
Bai  von  B.  und  der  Französischen  Westbahn; ­
  (1876)  66,828  Einw.  Banque  de
France,  Société  generale,  Comptoir  du
Finistère.  Handel  mit  Fischen  (Makrelen
und  Sardellen),  Wein,  Branntwein,  Getreide. ­
  Regelmäßige  Dampfschiffsverbinduug
  mit  New  Pork.  Seit  1869  führt  ein
Kabel  von  B.  nach  Sydney  auf  Kap  Breton ­
  in  Nordamerika.
Brcvig,  Hafenstadt  in  Norwegen,  am
Skagerrak.  Deutsche  Konsularagentur.
Bridgetown  (spr.  bridschtau»),  Hauptstadt ­
  und  Haupthafen  der  brit.  Insel
Barbados  in  Westindien,  an  der  Carlislcbai,
  die  gegen  5Ò0  Schiffe  faßt;  Station
der  Dampferliuien:  Royal  Mail  Steam
Packet  Co.,  Westindia  and  Pacific  Steamship ­
  Co.,  Harrison-Linie;  21,200  Einw.
Deutsches  Konsulat;  Colonial  Bank.  Ein
unterseeisches  Kabel  geht  nach  New  Pork.
Bridgewater  (spr'bríddsch-üãhtr),  Stadt
in  der  engl.  Grafschaft  Somerset,  an  der
Bristol  und  Ereter-Eisenbahn  und  am
(für  Schiffe  von  700  Ton.)  schiffbaren
Barrel;  (i87i)  12,059  Einw.  Deutsches
Bicekonsulat;  Stuckey's  Banking  Co.
1879:  Einfuhr  1,766,840,  Ausfuhr  britischer ­
  Produkte  66,300  Mk.  1879  verkehrten ­
  hier  8  deutsche  Schiffe  von  1676  Ton.
Brighton  (spr.  breit'»),  Seebad  in  der
engl.  Grafschaft  Süsser,  am  Kanal,  an
der  London-Brighton-und  SouthCoast-Eisenbahn;
  (isso)  109,062  Einw.  London
and  County  Bank.  Jährlich  80,000
Badegäste.  Der  Hafen  kann  200  kleinere
Fahrzeuge  fassen;  Fischfang.
Brindisi,  See-  und  Hasenstadt  in  der
ital.  Provinz  Terra  d'Otranto,  am  Adriatischen ­
  Meer  und  seit  Vollendung  des  Suezkanals ­
  ,  der  Brennerbahn  und  des  Mont
Cenis-Tunnels  der  wichtigste  Kuotenpllnkt
der  Übcrlandroute  von  England  nach  Indien; ­
  Station  der  Peninsular  and  Oriental ­
  Co.,  dcö  Österreichisch-Ungarischen
Lloyd  und  der  Nederlandsche  Stoomboot
Maatschappij;(i87i)l  3,755Eiuw.  Schiffs-
        <pb n="89" />
        Brisbane  —  Bromberg.

81

Verkehr  1877:  internationale  Fahrt  704
Schiffe  von  419,601  Ton.,  Küstenfahrt  676
Schiffe  von  418,632  T.
Brisbane  (spr.  -bch»),  Haupt-  imb  Hafenstadt ­
  der  brit.  Kolonie  Queensland  in
Australien,  Station  der  Eastern  and  Australian ­
  Strain  Navigation  Co.  und  der
Orientlinie,  Anfangsstation  der  nach  W.
führenden  Bahnen;  (ms)  32,012  Einw.
Deutsches  Konsulat;  Handelskammer;
Börse,  Bank  of  New  South  Wales,  Union
Bank  of  Australia,  Australian  Joint
Stock  Bank,  Bank  of  Australasia,  Commercial ­
  Banking  Co.  of  Sydney,  Queensland ­
  National  Bank.  1879  verkehrten  hier
7  deutsche  Schiffe.
Bristol  (spr.  brist'l),  Haupt-  und  Handelsstadt ­
  in  der  engl.  Grafschaft  Gloucester, ­
  13  km  oberhalb  der  Mündung  des
Ņvon  in  den  Severn,  Knotenpunkt  mehrerer ­
  Bahnen;  Station  der  Nederlandche
  Stoomboot  Maatschappij  und  Guion-Unie(Liverpool-New
  Bork)  ;  (isso)  217,185
Anw.  Deutsches  Bicekonfulat;  Börse,
Bank  of  England,  London  and  Southwestern ­
  Bank,  National  Provincial  Bank  of
England,  Wiltshire  and  Dorsetshire  Ballung ­
  Co.—  Große  Fabriken  von  Glas,
Tabak,  Cigarren,  Wachstuch,  Seife,  Stecknadeln, ­
  Ketten,  Nägeln,  Ankern  und  Maschinen. ­
  Eine  Specialität  sind  die  Brist ­
  oler  Diamanten,  ans  rotem  und
gelblichem,  in  der  Nähe  gefundenem  Spat
gearbeitet.  —  Den  Handel  fördert  neben
den  Eisenbahnen  die  Wasserverbindnng
den  Avon  hinauf  über  Bath  durch  den
Kcnnetkanal  zur  Themse.  Zur  Zeit  der
Flut  steigt  der  Fluß  6—10  in  hoch  und
wird  über  45  in  breit,  so  daß  die  größten
Schiffe  an  die  Kais  gelangen  können.  Der
Seehandel  ist  besonders  lebhaft  mit  Irland, ­
  Westindien,  Neufundland,  den  Beringten ­
  Staaten,  Spanien  und  Portugal,
behalt  der  1879  eingelaufenen  Schiffe:
^438,029  Ton.  (davon  34  deutsche  Schisse).
&amp;amp;Ķ  etnbt  je#  W  1879  :  277  @eeschiffe
  von  63,755  T.  Gehalt.  HanpteinmWrtifel:
  %aW  (25  9M.  9Rf.),  9#=Wct
  (20  Will,  9Rf.),  Spiritiiefen  Bein.
Bert  der  Ausfuhr  britischerProdukte
lAsen,  Kupfer,  Blei,  Zinn  13,2  Mill.,
chemische  Produkte  1,2  Mill.  Mk.)  belief
HandelSgeographic.

SSlS* 1 "’“'  «"M*  »f
Brixham  (spr.  -h8m),  Hafenstadt  in  der
engl.  Grafschaft  Devon,  an  der  Torbai;
(1871)  4941  Einw.  DeutschesBicekonsulat
(Amtsbezirk:  B.,  Dartmouth,  Exeter,
Torbay  und  Salcombe).
Brody,  wichtigste  Handelsstadt  Galiziens, ­
  nahe  der  russischen  Grenze,  an  der
Eisenbahnlinie  Krakau-B.;  (isso)  19,804
Einw.  (davon  fast  Vs  Juden).  Handclönnd
  Gewcrbekammer,  Handels  -  und
Wechselgericht  mit  dem  Magistrat  verbunden. ­
  —  Der  Handel  ist  seit  der  Vereinigung ­
  der  galizischen  Bahnen  mit  dem
russischen  Eisenbahnnetz  durch  die  Linien
Krasne-  B.  -  Radziwilow  und  B.-Kraöne-Woloczyök
  bedeutend  aufgeblüht.  Weizen,
Schlachtvieh,  Wolle,  Pferde  werden  von
Rußland  hereingeführt,  während  Sensen,
Rauchwaren,  Schnitt-  und  Kurzwaren
dorthin  exportiert  werden.  Bauholz  aus
den  nahen  Wäldern  wird  weithin  verführt.
Vier  Wochen  nach  jeder  der  drei  Leipziger
Messen  findet  hier  eine  Art  Messe  statt,
welche  vorzüglich  von  russischen  Käufern
besucht  wird,  die  zum  Austausch  ihre
Landeserzeugnisse  mitbringen.  Ein  Wollmarkt
  findet  jährlich  im  August  statt  und
dauert  14  Tage.  —  Platzgebräuche.
Weizen  verkauft  man  für  190,  Roggen
für  180,  Gerste  für  158,  Raps  für  150
Wiener  Pfund,  Spiritus  für  41  Wiener-Maß
  (80Proz.Tralles).  Wechselkurse
notiert  man  auf  Amsterdam,  Augsburg,
Breslau,  Hamburg,  London,  Paris,  Petersburg ­
  nach  den  Normen  von  Wien,
außerdem  aber  auch  auf  Leipzig,  Livorno,
Genua,  Moskau,  Odessa  und  Berditschew.
Bromberg,  Hauptstadt  deö  gleichnamigen ­
  Regierungsbezirks  der  prcuß.  Provinz
Posen,  an  der  Mündung  des  Bromberger
Kanals  in  die  Brahe  und  im  Knotenpunkt
der  Oberschlesischen  und  Preußischen  Ostbahn ­
  ;  (isso)  34,064  Einw.  Hauptsteueramt; ­
  Neichsbankstelle  (Umsatz  1880:158.6
Mill.  Mk.),  Bromberger  Kreditverein
Brombcrger  Gewerbebank,  Vorschußverein
  zu  B.  —  Die  industrielle  Thätigkeit  der
Stadt  (tm  ganzen  1878  :  884  Arbeiter)
6
        <pb n="90" />
        82  Brooklyn  -
erstreckt  sich  vornehmlich  auf  Maschinenbau, ­
  Betrieb  von  Schneide-  unb  Mahlmühlen
  (große  Etablissements  der  Königlichen ­
  Seehandlung).  Die  in  unb
um  B.  belegenen  sieben  großer»  Mühlen
verbrauchten  1878:  12,100  Ton.  Weizen
und  13,500  T.  Roggen.  —  Auf  den  Eisenbahnen ­
  wurden  1878  befördert:
Personen  Güter
Ostbahn  352436  152407  Ton.
Oberschlesische  Eisenbahn  81074  115568  -
Dazu  kam  ein  sehr  bedeutender  Viehverkehr.
  Auf  der  Obcrbrahe  wurden  87,
auf  der  Unterbrahe  40,  im  Kanalverkehr
214  Kähne  befördert.  Die  Bromberger ­
  Hafenbau-Aktiengesellschaft  (Kapital:
1,500,000  Mk.)  hatte  biü  Ende  1878:
693,485  Mk.  für  Hafenbauten  verausgabt. ­
  Dampfkettenschleppschiffahrt  besteht
mit  zwei  Kettenschifsen,  1878  wurden
39,608  Tafeln  verschiedener  Hölzer  geschleppt. ­
  —  Die  Post  beförderte  3,092,502
Briefsendungen  und  210  Mill.  Mk.  in
Briefen,  Paketen,  Postanweisungen;  Telegramme ­
  wurden  62,274  befördert.
'Brooklyn  (spr.  bruttin),  Hafenstadt  im
nordamerikan.  Staat  New  Port,  der  Stadt
New  Pork  gegenüber,  von  der  sie  durch
einen  6  km  breiten,  seht  mit  einer  Brücke
überspannten  Mceresarm  getrennt  ist;
(i860)  566,689  Einw.  B.hat  großartige  industrielle
  Anstalten,  seine  Handelsthätigkeit
fällt  mit  dervonNewPork(s.  d.)  zusammen, ­
  mit  dem  es  immer  mehr  verschmilzt.
Bronwershatien  (spr.  brauers-),  Hafenplatz ­
  in  der  niederländ.  Provinz  Zeeland,
auf  der  Nordseite  der  Insel  Schouwen;
1600  Einw.  Deutsche  Konsularagentur;
Fischerei,  Austernfang,  Krappbau.
Brügge  (Bruges),  Hauptstadt  der
belg.  Provinz  Westflandern,  an  der  Vereinigung ­
  der  Kanäle  von  Gent,  Ostende,
Stühs,  Nieuport,  Veurna  (Furms)  und
Bpern,  der  Belgischen  Staatsbahn  und
Bahn  der  Société  Belge;  (i«7s)  44,968
Einw.  Handelskammer,  Handelsgericht;
Banàue9iationaleSucc.;frciesEntrepvt.-Die
  Industrie  liefert  Spitzen,  Leinwand,
Baumwoll-  und  Wollzeuge  u.  a.;  der
Handel  vertreibt  namentlich  Leinwand,
Korn,  Flachs,  Öl.  Jährlich  zwei  M  äffte
(zwei  Wochen),  4.  Mai  und  I.Okt.,  ebenso

-  Brünn.
Bich-  und  Pferdemärkte.  Der  Seehafen
Brügges  ist  O  st  e  n  d  e  (s.  d.).  Privatpapiergeld ­
  sind  die  Kassenscheine  der  Société  de
Commerce  de  Bruges  (1837  mit  3  Mill.
Frank  Kapital  gegründet),  welche  bis  zu
500,000  Fr.  ausgegeben  werden  dürfen.
Brünn,  Hauptstadt  des  österreich.
Kronlands  Mähren,  an  der  Schwarzawa,
  Kreuzungspnnkt  der  Österreichischen ­
  Staatsbahn  (B.-Prag),  der  Kaiser
Ferdinands-Nordbahn  (B.-Wien)  und
der  Mährisch-Schlesischen  Nordbahn  (B.-Olmiitz);
  (isso)  81,868  Einw.  Deutsches
Konslckat  (Amtsbezirk  Mähren  und  Schlesien); ­
  Handels-  und  Gewerbekammer,
Merkantil-  und  Wechselgericht;  große  Warenhalle; ­
  Filiale  der  Österreichisch-Ungar.
Bank,  der  K.  K.  privilegierten  Kreditanstalt ­
  für  Handel  und  Gewerbe,  Mährische
Eskomptebank  (Kapital:  2,860,000  Fl.),
Industrie-  und  Handelsgesellschaft,  Filiale
der  Anglo-Österreichischen  Bank.  —  B.  ist
Hauptsitz  der  Tuchfabrikation  und  des
Tuchhandels  des  Kaiserstaats.  In  mehr
als  100  Spinnereien  und  Webereien  werden ­
  jährlich  250,000  Ctr.  Wolle  mittelst  92
Dampfmaschinen  von  2389  Pferdekräften
durch  20,000  Arbeiter  verarbeitet.  Für  die
Schafwollbranche  besteht  ein  eignes  Gewerbegericht. ­
  Außerdem  produziert  die
Stadt  in  größerm  Maß  Leder,  Handschuhe,
ca.  3500  Hüte  pro  Jahr,  20,000  Ctr.
Eisengeschirr;  eö  bestehen  9  Maschinenfabriken,
  32  Fabriken  für  Likör  und  Rosogli», ­
  25  Färbereien,  22  Appretnranstalten
  und  eine  Menge  andrer  Industrien,
die  insgesamt  etwa  200  Dampfmaschinen
von  4500  Pferdekräften  mit  einem  Aufwand ­
  von  2  Mill.  Ctr.  Kohle  pro  Jahr  in
Bewegung  setzen.  —  Jährlich  vier  stark
besuchte  Hauptmärkte  von  1'«tägiger
Dauer;  fast  ebenso  bedeutend  sind  diestihrlichen
  drei  Märkte  der  Vorstadt  Alt-B.
Die  Wollwaren  werden  nach  Deutschland,
Italien,  Amerika  und  in  dieTürkei  ausges
  ührt.—Platzgebrä  n  ch  e.  Gutmaß  wird
nicht  gewährt,  Schwindung  nicht  berechnet.
Die  Ware  ist  laut  Faktura  verkauft,  wenn
sie  nicht  acht  Tage  »ach  Empfang  retourniert ­
  wird  oder  Reklamation  stattfindet.
Zahlung  loco  B.  Für  Zeitgeschäfte  ein
Respiro  von  fünf  Monaten.  Bei  Barzah-
        <pb n="91" />
        83

Brüssel  —  Buenos  Ayres.

luitçxcu  3  Proz.  Skonto.  Abrechnung  mit
fremden  Käufern  sofort,  mit  hiesigen  am
Monatsschlrch.  Die  Wechsel-  u%Geldkurse
  richten  sich  nach  denen  von  Wien.
Brüssel(Brurclleö),  Hauptstadt  des
Königreichs  Belgien,  durch  Kanäle  mit
der  Schelde  (Willebrockkanal)  imb  Cambre ­
  verbunden  und  an  fünf  Eisenbahnen:
Brüßoc,  Díaimir,
Ruthes);  (1878)  167,693  (iiiíí.  der  acht  angrenzenden ­
  Gemeinden  391,393)  Einw.
Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:  die  Provinzen ­
  Brabant,  Namur  und  Hennegau
mu  Ausschluß  des  Distrikts  von  Löwen);
Münzstätte;  Handelskammer,  Handelsgericht; ­
  Börse,  Banque  nationale,  B.  de  Belgique, ­
  B.  de  Bruxelles,  B.  de  Paris  et  des
Pays-Bas,Société  generale.  —  Wichtigste
(zu  du  st  ri  e  Produkte:  Spitzen  aus  Flachs
bei  Hal  (Rebeque),  Wollzeug-  uiid  Bauinwollwaren,
  Spielkarten,  Wagen  und  Kutschen. ­
  Der  Handel  vertreibt  diese  und  andre ­
  Fabrikate  sowie  die  Produkte  der  Umgegend: ­
  Getreide,  Klee-,  Lein  -  und  Rübsstmen,
  Flachs,  Bausteine  n.a.ilnd  beteiligt
&amp;gt;&amp;gt;ch  über  Antwerpen  an  Unternehmungen
zur  See.  —  Platzgebrauche.  Verkäufe
bv"  Getreide  nach  Gewicht,  Weizen  für  80,
Roggen  75,  Hafer  100,  Raps  66%.  Die
Preise  verstehen  sich  für  Vs,  50  oder  100
kg - ,  bei  Rüb-  und  Leinkuchen  für  1215  kg - .
Wechselkurse  notiert  man  auf  London ­
  für  gestempelte,  on  demand  zahlbare
Paprerc,  auf  Genf  und  Antwerpen  für
kurze  Sicht,  auf  Paris  gewöhnlich  den
vollen  Kurs.  Die  Nationalbank  rechnet
auf  accepticrte  '/2  Proz.  weniger  JahreSdiökont
  als  auf  nichtacceptierte.
Bucaramanga,  Stadt  im  Staat  Santander ­
  der  südamerikan.  Republik  KolunrhcH;
  Wo)  11,255  @imv.  Deuts#  Gern
Niìàn  Santander  (Kap.  620,000
%íu^r3,680,000,bte9Wfu^r  1,597,000
¿y}.-y  erstere  besteht  namentlich  in  Manu-'7'eu
  re.,  Getränken  und  Scesalz,  letztere
bornehinlich  in  Kaffee  (1,130,000  Alk.),
)utavmbe,  Ochsenhäuten,  Strohhüten,
s.  Ofen.

Budapest,  s.  Pest.
WWW
«SÄ?«
399%'™'  3™
&amp;amp;%%%«
ŗMLAIîLà
■
.generale  de  transports  maritimes.
Société  chargeurs  (Havre);  (1878)200,000
*%%%%
bunal  M  ^011^^0);  nacii'naï,
Dauco  be  la  Provincia,  Banco  Carabasia,
London  and  River  Plate  Bank,  Mercante ­
  Bank  of  the  River  Plate.  —  Da  B.  der
ernZlge  Hafen  des  Freistaats  ist,  so  gilt  alles, ­
  was  über  die  Argentinische  Republik
gesagt  ist,  auch  für  die  Stadt.  —  W  e  ch  s  c  l
kurse  notiert  man  auf  London,  Antwerpen,
  Paris,  Hamburg,  Montevideo,
New  York  und  andre  Städte  der  Union.
Rio  de  Janeiro,  Genua  90  Tage  nach
Sicht.  Direkte  Ziehungen  auf  Hamburg ­
  und  Bremen  bürgern  sich  mehr  und
mehr  ein.  Die  Preise  fast  aller  Waren
verstehen  sich  in  Papiergeld.  Einfnhrwaren
  kauft  mau  auf  2-3  Monate  Krebtt,
  Kolonialwaren  und  Getränke  meist
ans  4—j  Monate,  Manufaktur-  und  Eiscnwaren
  auf  6  Monate,  hiesige  Erzeug-6*
        <pb n="92" />
        /

84

Buffalo  —  Burntisland.

Nisse  gegen  bar.  Frachten  nach  Europa  für
daS  englische  Schifföton  uitb  in  englischen
Schilling,  auf  Knochen  und  Knochenasche
für  das  Gewichtston.
Buffalo  (spr.  bossolo),  wichtige  Handelsund ­
  Fabrikstadt  im  nordamerikan.  Staat
New  Pork,  am  nordöstlichen  Ende  des
Erieseeö,in  welchen  hier  der  Eriekanal  mündet, ­
  Knotenpunkt  für  sieben  verschiedene
Eisenbahnlinien  (nach  New  Pork,  Chicago ­
  re.);  (isso)  155,137  Einw.  Bank
vf  B.,  German  Bank.  —  B.  ist  einer  der
wichtigsten  Handels-  und  Fabrikplätze  und
größten  Getreidemärkte  der  Welt.  Die
weiten  Getreidefelder  der  Nordweststaaten,
die  reichen  Blei-,  Eisen-  und  Kupferlager
liefern  alle  ihre  Schätze  hierher.  Bon  den
30  Getreidelagerhäusern  (elevators)  ist
das  größte  der  Niagara  Elevator,  welcher
700.000  hl  Getreide  aufzunehmen  und
täglich  52,500  hl  zu  laden  vermag;  mehrere ­
  andre  sind  für  210,000  und  160,000
hl  berechnet.  Im  Fabrikwesen  nimmt  die
Produktion  und  Verarbeitung  von  Eisen
die  erste  Stelle  ein.  Diegroßartigen  »Union
Iron  Smelting  Works«  liefern  jährlich
25.000  Ton.  Roheisen  und  verbrauchen
dabei  50,000T.  Kohlen.  In  Nord-B.  arbeiten ­
  Tausende  von  Arbeitern  in  Ofengießereien,
  Feilenwerken,  Maschinen-,
Dampfkessel-  und  Nägelfabrikcn.  Außerdem ­
  hat  B.  wichtige  Fabriken  für  Dreschund
  Nähmaschinen,  Blechwaren,  Bleiweiß,
Orgeln,  Pianofortes  u.a.;  30  Brauereien
(darunter  viele  von  Deutschen  betrieben)
liefern  jährlich  125,000  Faß  Bier  und  Ale.
—  Der  Hafen,  durch  den  B.  Creek  gebildet, ­
  ist  geräumig  und  sicher  und  hat  biö
8  km  vom  See  eine  Tiefe  von  4—4  Va  in.
Bug,  Fluß  im  südwestl.  Rußland,  entspringt ­
  in  Galizien,  wird  bei  Brest-Litowsk
schiffbar  und  mündet  nach  750  km  langem
Lauf  bei  Nowogeorgiewsk  in  die  Weichsel.
Bukarest  (B  uku  re  sch  ti),  Hauptstadt
des  Fürstentums  Rumänien,  Knotenpunkt
der  Bahneil  B.-Galatz,  B.-Orsova,  Kronstadt-B.-Warna; ­
  0878)  177,646  Einw.
(darunter  132,097  Orthodoxe,  16,990
Katholiken,  5854  Protestanten,  20,749
Israeliten).  Deutsches  Berufskonsulat
(Amtsbezirk:  die  Walachei);  Handelsgericht ­
  undHandelSaPpellationsgericht  ;  Bank

von  Rumänien.  —  Die  Industrie  ist  unbedeutend, ­
  der  Handel  dagegen  sehr  lebhaft, ­
  und  B.  ist  das  Centrum  ausgedehnter ­
  Handelsverbindungen  auch  nach  dem
Ausland;  die  Einfuhr  fremder  Waren  ist
sehr  bedeutend.  Wechselkurse  notiert  man
auf  Berlin,  Leipzig,  Galatz,London,Paris
und  Marseille,  Wien  und  Triest  3  Monate ­
  dato.  Vgl.  Rumänien.
Bulak,  s.  Kairo.
Bulgarien,  Fürstentum  mit  Vasallenverhältnis ­
  zum  türk.  Sultan,  63,865
qkm  (1160  OM.)  mit  (1873)  1,965,474
Einw.  (1,196,248  Christen,  760,267  Mohammedaner, ­
  8959  Inden).  Dem  Handelsverkehr ­
  dient  besonders  die  Donau,
dann  die  224  km  lange  Eisenbahn  von
Rustschuk  nach  Warna.  Der  Verkehr  in
den  fünf  Donauhäfen:  Rustschuk,  Sistova,
Silistria,  Rahova,  Nikopolis  war  1878
(Wert  in  Mark)  :  Einfuhr  Ausfuhr
Stromabwärts  .  .  7290636  1561474
Stromaufwärts.  .  10326136  1  978498
und  wird  zumeist  durch  die  Österreichische
Donaudampfschifsahrts-Gesellschaft  hergestellt. ­
  Die  Ausfuhr  besteht  namentlich
in  Getreide  (1878:  17,2  Mill,  kg  Maiö,
2,6  Mill,  kg  Hirse,  0,3  Mill,  kg  Weizen), ­
  außerdem  in  Wolle,  Talg,  Fellen
und  Bauholz.  Die  Einfuhr  (Fabrikate
uud  Kolonialwaren)  kommt  stromabivärtS
zum  größten  Teil  aus  Österreich,  daun
aus  Deutschland  und  der  Schweiz;  stromaufwärts ­
  aus  England,  Frankreich,  Rnßland
  u.  a.  Von  Deutschland  kommen:
Nürnberger  Waren,  Kurz  -  und  Galanteriewaren, ­
  farbige  Lederwaren  (Mainz),
feine  Tuche,  Eisen-  und  Stahlwarcn.  —
Andre  wichtigcreHäfen  sind:  Widdin,  Lom-Palanka
  und  Warna,  das  mit  Rustschuk
bnïd)  Eisenbahn  verbunden  ist.  Hauptstadt ­
  ist  Sophia.
Bnrmah,  s.  Birma.
Burntisland  (fpr.  bo'rnteiland),  Seehafen ­
  in  der  sd)ott.  Grafsd)aft  Fife,  an  der
Nordküste  des  Firth  of  Forth;  3000  Einw.
Deutsches  Vicckonsulat.  —  Eö  wurden
1879  ausgeführt  470,637Ton.  Steinkohle
(Wert:  3,294,459  Mk.),  davon  gingen
i#  beutln  #("  179,844  I.  (Bert:
1,258,000  Mk.).  Die  SteinkohlenauSfuhr
  nach  Deutschland  ist  im  Zunehmen.
        <pb n="93" />
        85

Burton  —  Cadiz.

Eingeführt  werden:  Flachs,  Stroh,  Esparto, ­
  Föhrcnholz,  Mais,  Baumwollund
  Leinsamen.  Es  verkehrten  hier  248
deutsche  Schiffe  (36  Dampfer),  von  denen
  246  Kohleir  ausführten.
Burton  (B.  upon  Trent,  spr.  bort'n
opônn»),  Stadt  in  der  engl.  Grafschaft
Stafford,  am  schiffbaren  Trent  und  der
London  and  Northwestern-Eisenbahn;
(1870)  20,378  Einw.  Die  ganze  Stadt  ist  fast
ausschließlich  für  Brauzwecke  eingerichtet.
Hier  befinden  sich  die  kolossaleir  Fabriken
von  Baß,  Allsopp,  Jude  u.  a.  Allsopp
n.  Sohn  erzeugen  täglich  3300  hl  ;  Baß
vermaischte  1874  an  800,000hl  Mal;  und
verbrauchte  29,000  Ctr.  Hopfen  in  der  Erzeugung ­
  von  115,000  ìli  Bier  (davon
Malztare  und  Konzessionsgebühr:  4  Mill.
Mk.).  Das  Werk  wird  durch  26  Dampfmaschinen ­
  von  436  Pferdekräften  in  Beweisrssi


'uentS  auf  Eisenbahnen  von  8  km  Länge.
3.-2üe  wird  nach  allei:  Ländern,  besonders ­
  «ach  Rußland,  verschickt.
Burtscheid,  Stadt  im  preuß.  Reqierungsbezlrk
  Aachen,  jetzt  fast  eine  Vorstadt
von  Aachen,  mit  dem  es  auch  eine  Handelskammcr^
  gemein  hat;  (isso)  10,991
E»iw.  Es  liefert  auch  die  gleichen  Fabrikerzeugnisse ­
  wie  Aachen  (s.  d.).  1879
wurden  an  Porto-  und  Telcgrammgebühren
  eingenommen  39,537  Mk.,  43%1  Telegramme, ­
  217,854  Briefe,  Pakete  rc.
empfangen  und  708,033  Mk.  auf  Postanweisungen ­
  ausgezahlt.
Buschir,  s.  Abuschehr.

C.
Artikel,  die  unter  G  vermißt  werden,  sind  unter  K  nachzuschlagen
Cadiz,  Hauptstadt  der  gleichnamigen

span.  Provinz  (Andalusien),  wichtigste
Seehandelsstadt  Spailiens,  durch  Eisenbahn ­
  Nlit  Jeres  und  Sevilla  verbunden;
Station  für  die  Dampfer  der  Comp.  Lavarello
  (Genua),  Hall-Linie,  Lopez  u.  Ko.
(hier  domiziliert),  Messageries  maritimes, ­
  Ligne  Péninsulaire  et  Algérienne
(Havre),  Roca  u.  Ko.  (Barcelona);  (is??)
65,028  Einw.  Deutsches  Konsulat;
Handelskammer;  Banco  de  España  Succ.  ;
Entrepot.—Die  geräumige  Bai  ist  ein  sicherer ­
  Zufluchtsort  für  die  Schiffe  aller  Nationen, ­
  der  Hafen  indes  in  steter  Versaii-^Müssen,
  ìo  baß  %Iut;ett  mit
schiffe  von  80Ton.  an:  Atolo  anlege,:  können
  —  Die,kommerzielle  Bedeutung  von
E.  liegt  in  semer  Eigenschaft  als  Ausfuhren ­
  für  den  I  eres  we  in  (Sherry),
das  Salz  und  die  Südfrüchte  Niederandatusiens
  und  als  Nmladeplatz  für  die  nach
Sevilla  bestimmten  Waren.  Von  demEr-;°"von
  Jeresweinen  (1877:  2,882,784,
g:  2,304,000  hl)  lieferten  bicWbm
i;  te  3ere8  Vs  und  Puerto  Santa  Maria
«¿n  Die  Hälfte  geht  nach  London,  der
st  nach  New  Pork,  Havre  und  andern

meist  englischen  Häfen.  Nach  DeutschiPllil

ici  Plata  und  Brasilien,  dann  nach  Schweden ­
  Norwegen,  Frankreich  und  Neufllnd-Citronen,
  Mandeln,  Korkholz  und  Blei.
Die  Einfuhr  besteht  vornehmlich  in  Steinkohle ­
  aus  England,  Stockfisch  aus  Norwegen ­
  (1877:  76.500  kg),  Bauholz  aus
It&amp;amp;ÄÄÄ
Mrlken);  ferner  kommen,  besondersaus
Deutschland:  Sprit  zum  Versetzen  und
zur  Kräftigung  der  Jeresweine  (1879:
3961  Fässer  à  ca.  620  Lit.,  meist  Berliner ­
  Fabrikat),  Eisen,  Spiel-  und  Lederwaren, ­
  holsteinische  Butter,  Gold-  und
Silberwaren.  —  C.  ist  Ausgangspunkt
für  die  spanische  Korrespondenz  mit  den
Kanarischen  Inseln,  Antillen,  Südainc-SSÄÄw'i

KO-  —  Schiffsverkehr.  1879  liefen
        <pb n="94" />
        86

tëcicn  —  Caldera.

3714  Handelsschiffe  (941,969  Ton.)  ein,
3702  (945,781  T.)  aus.  Von  dein  Tonnengehalt ­
  fallen  %  auf  die  Dampfer,
ebenso  */*  auf  die  spanische  Flagge  lind  Vio
auf  die  britische.  Deiltsche  Schisse  liefen
1879:  27  von  12.357  T.  ein.  —  Wechselkurse ­
  werden  notiert  auf  Genua,
Hamburg  und  London  3  Monate  dato,
auf  Marseille  und  Paris  8  Tage  itad)
Sicht.  Diskont  zwischen  4  und  8  Proz.
für  1  Jahr.  Man  verkauft  Sprit  (auch
andres)  auf  6  Monate.  —  Maße  und
Gewichte:  Wein  verkauft  man  nach  der
Arroba  oder  Cântara  —15,844  Lit.,  Sprit
für  die  Pipa  —  516  £.,  Öl  für  die  Arroba ­
  —  12,52  L.,  Salz  für  die  Lastre
—  2300  kg,  Getreide  für  die  Fanega
—  54,544  L.  oder  43,7  kg.
Caen  (spr.  fäiifl),  Hauptstadt  deä  franz.
Departements  Calvados,  12  km  vom
Meer,  am  Zusammenfluß  des  Odon  und
der  Orne,  die  hier  einen  Hafen  für  Küstenschiffahrt ­
  bilden,  in  welchem  Schiffe  bis  zu
500  Ton.  ein-  und  auslaufen  können,  mit
Paris  nnb  Cherbourg  durch  Eisenbahn
verbunden;  (1876)  33,072  Einw.  Ressort
des  deutschen  Konsuls  in  Havre;  Bank
von  Frankreich,  Société  générale.  —  Sehr
bedeutend  ist  die  Fabrikation  von  Spitzen
und  Blonden,  die  von  hier  aus  in  Menge
in  den  Handel  kommen.  Zur  Ausfuhr  gelangen ­
  vorzüglich:  Kartoffeln,  Eier,  Obst,
Butter  (besonders  nach  London),  Rapsöl,
Pferde,  Salz,  Holz  und  Getreide.  Mit
Havre  besteht  regelmäßige  Dampfcrverbindung.
  Jährlich  fünf  Jahrmärkte,  von
denen  der  am  zweiten  Sonntag  nach  Ostern
(15  Tage  dauernd)  der  bedeutendste  ist.
Cagliari  (spr.  käljä-),  Hauptstadt  der
Insel  Sardinien,  am  Meerbusen  von  C.
und  der  Eisenbahn  C.-Oristano;  Station
der  Dampferlinie  Rubattino  (Genua);
(1876)  33,596  Einw.  Deutsches  Konsulat
(Amtsbezirk:  die  südliche  und  westliche
Küste  der  Insel  Sardinien);  Handclstribnnal;
  Banco  nazionale,  Banco  de  E.  —
Fabrikation  von  Banmwollzeugcn,  Wollmützen
  und  Waffen;  lebhafter  Handel  mit
Getreide,  Flachs,  Käse,  Wein,  Salz  (am
Meer  gewonnen),  Zicgenfellen.  1877  verkehrten ­
  hier546  Schiffe  von  187,680  Ton.
und  1909  Küstenfahrer  von  392,303  T.

Calais  (spr.  -läh),  Seestadt  im  franz.
Departement  Pas  de  C.,  an  der  schmälsten
Stelle  des  Kanals  (Pas  de  C.),  Dover
gegenüber,  an  dem  hier  mündenden  Kanal
von  St.  Omer  und  der  Nordbahn;  Station ­
  der  Dampfer  der  General  Steam
Navigation  Co.;  (1876)  12,573  Einw.
Deutsches  Mcekonsulat;  Handelskammer,
Handelsgericht;  Warenentrepot;  Handelön
  nd  Indu  strieschule  ;  Seebäder.—  Die  Fabrikation ­
  richtet  sich  besonders  auf  Tüll
und  Spitzen  (früher  mit  dem  benachbarten
St.Pierre  jährliche  Produktionvon  über20
Mill.  Mk.  mit  6000  Arbeitern),  Branntwein,
  Runkelrübenzucker,  Schiffszwieback.
—DerHandel  ist  meist  Transit-  u.  Kommissionshandel. ­
  Eingeführt  werden  namentlich: ­
  Steinkohlen  aus  England,  Getreide, ­
  Bauholz,  Wolle,  Eisen;  ausgeführt:
Gewebe,  Wein,  Möbel,  Glas,  Spitzen,
Lebensmittel  (nach  England).  1878  betrug ­
  der  Wert  der  Einfuhr  (ohne  Transit)
62,8  Mill.,  der  Ausfuhr  25,6  Mill.  Mk.,
die  Zolleinnahme  1,271,084  Mk.,  davon
1,024,960  Mk.  Einfuhrzölle.  1879  betrug ­
  das  Gewicht  der  ausgeführten  Waren ­
  18,422,284  (1878:  25,411,751)  kg.
In  jüngster  Zeit  ist  der  Hafen  durch  neue
Bauten,  für  welche2Mill.  Mk.  verausgabt
wurden,  sehrverbessert  worden  ;  eswird  jetzt
eine  Kaigebühr  von  45  Cent,  pro  Register-,
tonne  von  jedem  Fahrzeug  erhoben.  Es
liefen  1879  vom  Ausland  beladen  ein:
1751  Schiffe  von  480,363  Ton.,  davon
24  deutsche  von  8185  T.  Der  Schiffbau
nimmt  einen  rapiden  Aufschwung;  die
Werften  haben  oft  16  —  20  Schiffe  zu
gleicher  Zeit  im  Bau.  Bedeutender  Fremdenverkehr; ­
  Zahl  der  Reisenden  1876:
197,677,1877:180,989.  6.  ist  bind)  ein
submarines  Kabel  mit  Dover  verbunden.
Calcutta,  s.  Kalkutta.
Caldera,  Hafenstadt  in  Chile  (Provinz ­
  Atacama),  mit  Copiapo  durd)  Eisenbahn ­
  verbunden;  Station  für  die  Dampfer ­
  der  Pacific  Steam  Navigation  Co.,
Compagnie  generale  transatlantique  und
Compañia  Sud-Americana  dos  Vapores;
(1875)  3082  Einw.  Deutsches  Konsulat.  —
C.  ist  Ausfuhrhafen  für  die  Kupfer  -  und
Silbererze  der  Provinz.  Auswärtiger
Handel  1876:  Einfuhr  3,208,732,  AuS-Artikel,

  die  unter  &amp;lt;5  vermißt  werde»,  find  unter  K  nachzuschlagen.
        <pb n="95" />
        87

(íciUao  —  Cardiff.

fuhr  15,000,836  Mk.  ;  Küste,»Handel:
35,300,000  Mk.  Es  verkehrten  hier  im
ersten  Halbjahr  1877:127  Segelschiffe  und
225  Dampfer  (120  fremde),  1879:  8
deutsche  Schiffe  von  2633  Ton.
Callao  (spr.  kaljüo),  bedeutende  Hafenstadt ­
  in  Peru,  an  der  Bahn  C--Oroya,
9  km  von  Lima,  für  welches  es  Stapelplatz ­
  ist,  mit  sicherer  Reede;  Station  der
Dampferlinien:  Kosmos,  Royal  Mail,
Pacific  Mail  Steam  Navigation  Co.,  vor
dein  Krieg  der  chilenischen  Coinpaüia
Sud-Americana  dos  Vapores;  0876)
33,502Einw.  Deutsches  Konsulat;  Banco
nacional  del  Peru,  Banco  del  Peru,
Banco  de  la  Providencia,  London  Bank
of  Méjico.—Es  wertete  1877  die  Einfuhr
64  Mill.,  die  Ausfuhr  41  Mill.  Mk.  Von
Deutschland  wurde  für  6,2  Mill.  Mk.  eingeführt, ­
  namentlich:  Banmwoll-,  Wollund
  Leinenwaren,  Lichte,  Bier  und  Kohlen. ­
  Ausgeführt  wurden  1877  (in  Tausenden ­
  Kilogramm):
Zucker  .  .  '  .  4542  I  Reis  ...  388
Salz  .  .  .  1915  ļ  Baumwolle  .  234
Es  liefen  1879  ein:  1504  Schiffe  von
1,120,611  Ton.  (43  deutsche  von  37,589
T.).  Mit  den  Dampfschiffen  gingen  1878:
28,466  Passagiere  ein,  23,714  aus.
Cambrai  (spr.  kangbrä),  Arrondisscmcntshauptstadt
  im  franz.  Departement
Nord,  an  der  Schelde  und  am  Kanal  St.
Quentin,  Station  der  Nordbahn;  (me)
16,966  Einw.  Ressort  des  deutschen  Konsuls ­
  zu  Dünkirchen  ;  Handelsgericht.  —  Fabrikation ­
  von  Batist,  Linon,  Gaze  (Cambrics), ­
  Tüll,  Baumwollspitzen  u.  a.  m.;
Leinwandblcichen.  Bedeutender  Handel
»lit  diesen  Fabrikaten  und  den  Produkte»
der  umliegenden  Landschaft:  Hopfen,  Vieh,
-ein,  Butter,  Steinkohlen,  Wolle.
Campeche  (spr.  -pctschc),  Hafenstadt  an
der  Westküste  der  mcjikan.  Halbinsel  2)nllltan;
  Station  der  Lopez  n.Ko.-Dampfer;
ll88o)  16,000  Einw.  Handel  mit  Cambccheholz
  und  Wachs.
.  Campiñas,  Stadt  in  der  brasil.  Probsuz ­
  Sclo  Paulo;  6400  Einw.  Deutsches
Konsulat  (Alntsbezirk:  die  Comarcas  von
Braganşa,  Rio  Claro,  Limeira,  Araraeinara,
  Mogymirim,  Anlparo  und  Consti-'"fao);
  Banco  agricola  e  mercantile  de  E

Canea,  Haupthafen  der  türk.  Insel
Kandra  (Kreta);  Station  des  Österreichisch-Ungarischen ­
  Lloyd  und  der  Nederlandsche
  Stoomboot  Maatschappij;  18,000
Emw.  —  Schiffsverkehr  1879:  angekommen ­
  814  Schiffe  von  51,266  Ton.,
abgegangen  796  Schiffe  von  55,913  T.
Großhandel  verkauft  »nanGewichtswaren
bar,  Olivenöl  und  Seife  auch  auf  31—91
Tage  Kredit,  Einfuhrwaren  dito.  Handelöstreitigkeiten
  zwischen  Ansländerimind
Türken  entscheidet  eine  Kommission  von
Kaufleuten  und  Zollbeamten,  zwischen
Europäern  die  Konsuln.  '
Caracas,  Hauptstadt  der  Repllblik
Venezuela,  lo  km  vom  Meer;  48,897
Emw(3700Fremde,  davon  530Dentsche).
Deutsches  Generalkonsulat;  Handelsgcncg.
  0dfc,»  »it  2  a  @  »  w  ((.  @  u  «  i  i  ¿).
Carcassonne  (spr.  -fsünn),  Hauptstadt
des  franz.  Dcpartezncnts  Aude,  an  der
Uilde,  dein  Canal  b»  Midi  ui»d  der  Eisenbahn ­
  nach  Toulouse;  (me)  23,517  Einw.
Handelskammer,  Handelsgericht;  Börse.
Bairgue  de  France,  Société  generale.
^crühmte  Tuchfabriken,  welche  2000  Arbeiter ­
  beschäftigen  und  für  die  Levante  arbeiten. ­
  Handel  mit  Korn,  Wein,  Obst.
Cardenas,  Hafenstadt  an  der  Nordwestküste
  der  spanisch-westind.  Insel  Cuba,
durch  Eisenbahn  mit  Havana  und  Ciensnego
  verbunden,  Station  der  Dampferlinic
  Fletcher  u.  Ko.  (Liverpool);  12,910
Einw.  Deutsches  Vicekonfulat;  Succursale ­
  del  Banco  Español.—Hauptanöfuhrartikel:
  Zucker  (meist  nach  de,»  Vereinigten
Staaten).  1878:  122,000  Fässer  Zucker
und  50,000  Fässer  Sirup.  Eingeführt
wird  von  Europa  nur  Steinkohle.  Es
kamen  1878  an:  425  Schiffe  (1  deutsches)
von  151,691  Ton.
Cardiff,  Hauptstadt  der  engl.  Grasschaft
  Glan,organ  (Südwaleö),  unfern
dsâknildniig  des  Taf  in  den  Kanal  von
Bristol,  Station  der  Great  Northwestern-Artikcl,

  die  iiiitcr  &amp;lt;?  vermißt  werden,  sind  unter  .«  nachzuschlagen.
        <pb n="96" />
        88  Carloforte
und  Midland-Eisenbahnen;  (mi)  39,675
Einw.  Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:
C.  und  Penark  Docks);  London  and  Provincial ­
  Bank,  National  Provincial  Bank
of  England.  Ein  Kanal  (2560  in  lang
und  60  in  breit)  verbindet  die  Stadt  mit
den  unterhalb  derselben  gelegenen  Bute
Docks  bei  Penark;  ein  andrer  schiffbarer
Kanal  führt  zu  den  zahlreichen  Kohlengruben ­
  il.  Eisenhütten  im  obern  Tafthal.
1879  besaß  C.  215  eigne  Schiffe  von
80,325  Ton.  Tonnengehalt  der  eingelaufenen ­
  Schiffe:  3,287,611  T.  Einfuhr  vom
Ausland:  35,730,680  Mk.,  Ausfuhr  britischer ­
  Produkte:  61,947,940  Mk.  (Kohle
21,3  am.,  mietane  i8,6  am.  mir.).
Carloforte,  Hafenstadt  auf  der  Insel
Sardinien;  (mi)  4852  Einw.  Deutsche
Konsnlaragentnr;  Banco  de  Cagliari.
Carrizal  Bajo,  Hafenplatz'in  Chile,
Provinz  Atacama;  (mo)  1042  Einw.  Jm
ersten  Halbjahr  1877  verkehrten  daselbst
86  Segelschiffe  und  528  Dampfer.  Auswärtiger ­
  Handel  1876:  Einfuhr  382,904
Mk.,  Ausfuhr  8,991,124  Mk.
Cartagena  (spr.-chc-),  1)  Hafenstadt  und
Festung  ersten  Ranges  in  der  span.  Provinz ­
  Murcia;  an  einer  tiefen  Bai  desMittelmeers
  und  am  Ausgangspunkt  der  Bai
von  Albacete  (über  aRnrcia);  (1877)75,908
Einw.  Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:
die  Provinz  Murcia).  —  Der  Hafen  wurde
1879  von  2361  Schiffen  mit  722,101
Ton.  (9  deutschen  mit  4378  T.)  besucht.
Die  Hauptgegenstände  der  Ausfuhr,  welche
zumeist  nach  England,  Frankreich,  Belgien, ­
  den  Vereinigten  Staaten  geht,  waren ­
  1879  (in  Millionen  Kilogramm):
Esparto  .  .  7,8  !  Eisenerz  .  .  286,»
Blei....  35,i  I  ©alitici  .  .  5,i
ferner  Apfelsinen  7,4  Mill.  Stück,  Feigen,
Mandeln,  Rosinen,  Silber,  Bleierz,
Blende,  Sckwefel,  Seidengarn,  Wein.
Deutschland  importiert:  Sprit,  Eisen  und
Eisenwaren,  aRaschinerie,  Papier,  Bohnen, ­
  Zucker,  Teer  u.  a.
2)  Hafenstadt  in  der  südamerikan.  Republik ­
  Kolumbien,  am  Karibischen  Meer;
(1870)  8603  Einw.  Zollamt;  Banco  de
Bolivar.  Der  Wert  der  Einfuhr  1878  belief ­
  sich  auf  2,541,228  Mk.,  der  der  Ausfuhr ­
  auf  2,623,916  mis.  ES  liefen  27  Sc-Artikel,
  die  unter  C  vermißt  wc

—  Cayenne.
gelschiffe  von  2189  To»,  und  62  Dampfer
voir  106,954  T.  ein.
Castlemaine  (spr.  kahsslmehn),  Stadt  in
der  britisch-austral.  Kolonie  Victoria,  an
der  Bahn  Melbourne-Moama;  20,000
Einw.  Bank  of  Australasia,  B.  of  New
South  Wales,  B.  of  Victoria.
Castres  (spr.  kasstr),  Arrondissementöhauptstadt
  im  franz.  Departelnent  Tarn,
am  schiffbaren  Agout  und  Chemin  du
allibi;  (1876)  20,520  Einw.  Börse;  Handelsgericht. ­
  Beträchtliche  Fabriken  für  Tuch
und  Kaschmir,  Englisch  Leder,  Färberei
und  Gerberei  und  ansehnlicher  Handel.
Castries,  Hauptstadt  der  britisch-westind.
  Insel  Santa  Lucia;  4000  Einw.,  meistens ­
  Neger.  Deutsche  Konsularagentur.
Catania,  Hauptstadt  der  gleichnam.
fidi.  Provinz,  mit  weitem,  aber  flachem
Hafen,  an  der  Bahnlinie  Messina-Syrakus;
  (1878)  90,886  Einw.  Deutsches  Vicekonsulat
  (Amtsbezirk:  die  Küste  nördlich
vom  Kap  Passaro  bis  zur  Grenze  des  Bezirks ­
  Messina);  Banca  nazionale.  1877  ver-■
  kehrten  hier  in  der  internationalen  Fahrt
622  Schiffe  von  244,013  Ton.,  in  der  Künc^lfa^d5673wo^l
  662,723%.  1878  (icfm
hier  11  deutsche  Schiffe  (10  Dampfer)  ein.
Catanzaro,  Hauptstadt  der  gleichnam.
ital.  Provinz  in  Kalabrien;  (ms)  25,164
Einw.  Deutsches  Vicekonsulat;  Banca
nazionale.  Handel  mit  Wein,  berühmtem
Käse,  Holz,  Seide,  Öl.  1879  verkehrte
hier  ein  deutscher  Schoner  von  156  Ton.
Cavalla,  Hafenplatz  inder  europäischen
Türkei  (Makedonien);  Station  derMessaaeries
  maritimes  und  des  Österreichischen
Lloyd.  Deutsche  Konsnlaragentnr  (ressortiert
  von  Saloniki).  Beladen  gingen  1879
ein:  2039  Schiffe  von  176,796  Ton.,  aus:
2040  Schiffe  von  117,138  T.;  Wert  der
Einfuhr  (meist  allais  und  Mehl)  3,i2HUi.
Mk.,  der  Ausfuhr  (Tabak)  8  Mill.  mit.
^  CawnPore(Cawnpur,  spr.  kahnpuhr),
Stadt,  s.  Khanpur.
Cayenne  (spr.  käje'nn),  Hauptstadt  und
Hafen  der  franz.  Kolonie  Guayana,
Station  für  die  Dampfer  der  Compagnie
generale  transatlantique;  16,000  Einw.
(viele  Neger).  Banque  de  la  Guyane
française,  Comptoir  d'Escompte  de  Paris
(vgl.  Guayana  3).
&amp;gt;e»,  sind  unter  K  nachzuschlagen.
        <pb n="97" />
        80

Ceara  —  Ceylon.

Ceara  (Fortaleza),  Hauptstadt  der
gleichnamigen  brasil.  Provinz,  östlich  von
der  Mündung  des  Flusses  C.;  20,(XX)
Einw.  Deutsches  Konsulat  für  die  Provinz ­
  C.  Der  schwer  zugängliche  Hafen
versandet  mehr  und  mehr.
Erbn,  Hafenplah  auf  der  gleichnamigen,
?"  ^"  Philippinen  gehörigen  Insel.  Deutsches
  Vicekonsulat.  In  17  Schiffen  &amp;gt;vurden
  Ş  exportiert:  11,9  Will,  kg  Zucker,
r,8  Mill,  kg  Hanf,  Sandel-  und  Farbholz,
  Tabak.  1875  verkehrteii  hier  5  deutsche ­
  Schiffe  von  2921  Ton.
Celebes,  große  Jilsel  im  Indischen
Dcean,  östlich  von  Borneo  unb  zum
strohern  Teil  im  S.  des  Äquators;
1(8,833  qkm  (3248  QM.)  mit  900,000
Cmw.  Der  Boden  ist  sehr  fruchtbar  und
wohlbewässert,  teils  dicht  bewaldet,  teils
offenes  Weideland.  Bon  Mineralien  kennt
man:  Gold,Kupfer,  Eisen,  Zinn,  Schwefel
und  Steinkohlen.  Die  Tierwelt  ist  eine
sehr  mannigfaltige;  große  Tiere  (namentuch
  große  Raubtiere)  fehlen.  Die  Insel
Ot  den  Holländern  zum  größten  Teil,  teils
unmittelbar,  teils  mittelbar,  unterworfen.
Administrativ  wird  die  Celebesgruppe  geteilt ­
  in  :  die  Residentschaft  C.  mit  den  Butoninseln
  und  der  15,300qkm  (278QW.)
Posten  Insel  Snmbawa,  im  ganzeir
118,379  qkm  (2150  QM.)  mit  (1873)
355,942  Einw.,  und  die  Residentschaft
Menabò  mit  den  Sangir-  und  Talautmseln,
  69,776  qkm  (1267  QM.)  mit  (is73)
495,396  Einw.  Die  Eingebornen  bauen
für  die  Regierung  Kaffee.
.  Celle,  Kreisstadt  in  der  preuß.  Landdrostei ­
  Lüneburg,  an  der  von  hier  abschiffbaren
  Aller  und  der  Eisenbahnlinie  Hannover-Harburg; ­
  (isso)  17.808  Einw.
Hanptstcueramt;  große  Schirmfabrik  rc.;
gcutciiber  ^0(1  mit
ìchs,  Honig  und  Preiselbeeren.
Cetinjc,  s.  Montenegro.
.  Cette  (spr.  statt),  Stadt  und  Festung
franz.  Departement  Hérault,  an  der
-uusinündung  des  Kanals  von  Languedoc
"w  dem  Chemin  du  Midi;  Station  der
^ampferlinien:  R.Sloman  (Hamburg),
Kompagnie  Fraissinet  (Genua),  Valery
itères  et  Fils;  (is76)  28,152Einw.  Deut-)eö
  Konsulat  (Amtsbezirk:  die  Departe-ŞWMWZ


Uş/ŗ)  und  Wetnhandel  (ca.  200  Ge-LZŞL

Wein  und  Sprit  .  .  .  306938  Rektal.
®“ f . 3  38477  ¿on.
Sten,kohlen  50936  ,
Wein,  Branntwein  und  Eisen  nimmt  Algerien,Salz ­
  Deutschland,  Kohle  und  Grünspan ­
  Italien.  Die  Einfuhr  besteht  in
gŗÄtiÄÄ;
UZML'ķ
( i c í llll, V k Í t '  Insel  an  der  Südost-(Singhalescn,
  ca.  8000  Urbelvohner,  Eu
3 ?şier  und  Europäer).  Herrschende  Religion ­
  ist  der  BllddhismuS  (daneben  100,000
Katholiken,  40,(X)0  Protestanten).  Kulis
sind  ca.  300,000  in  den  Kaffeedistrikten
allein  beschäftigt;  von  ihnen  wandertcli
187  7  ein:  177,581,  aus:  88,609.—Hauptkulturen ­
  u.  Ausfuhrprodukte  waren  1877:
Kaffee.  .  943047  (Dt.
ZiMt  .  .  1347  771#.
Kokosöl  .  152416  ©tr.
Graphit  .  108824  .
ferner  Kokostailwer&amp;lt;  Kokosfaser.  Hirschhörner, ­
  Thee,  Perlen.  Eingeführt  wird
namentlichReis  (1876:  2M'ill.1i1).  1878
war  der  Wert  der  Einfuhr  99,6  Mill.,  der
Ausfuhr  88,8  Mill.  Mk.  —  Der  Schiffsverkehr ­
  betrug  2,560,000  Ton.  Die
wichtigsten  Häfen  sind:  Point  de  Galle
(s.  d.)  und  die  Hauptstadt  Colombo  (s.  d.).
—  Finanzen.  Es  betrug  1879  die
Staatseinnahme  ....  29,s  Mill.  Mark
Staatsausgabe  ....  28,4  -
Staatsschuld  13,5  .  .

Kokosgarn  .  55590  Ctr.
Ebenholz  .20797  -
Chinarinde.  56  589  Pfd.

Artikel,  bie  unter  6  vermißt  werden,  sind  unter  Ķ  nachzuschlagen.
        <pb n="98" />
        90

Chalons  sur  s JJÍa
Länge  der  Eisenbahnen  1.  Jan.  1880:
190  km  und  27  km  int  Bau,  der  Telegraphenlinien ­
  1300  km.  C.  gehört  zum
Weltpostverein.  —  Geld:  Kompanierupien, ­
  englisches  Geld  und  holländische
Reichsthaler;  eö  gilt  das  alte  holländische
Wechselrccht.  Gewichte:  daö  Kandy,  ber
Eoir-Barn,  Farbholz  und  Hörnern  —
515  Psd.  oder  247,2  kg  ;  bei  Baumwolle,
Eoir-Rope  und  Ebenholz  =  500;  bei
Coir-Junk  500  und  550  Psd.;  sonst  Gewichte ­
  und  Maße  im  allgemeinen  englisch.
Chalons  sur  Marne  (spr.  schalvnq  ssür
marn),  Hauptstadt  desfranz.  Departements
Marne,  an  der  Marne  und  dein  Marne-Rhein
  -  Kanal.  Knotenpunkt  mehrerer
Eisenbahnen;  0876)  20,215  Einw.  Handelstribunal. ­
  —  Große  Fabrikation  von
Champagner  (Firma  Jaquesson)  und
Schuhwaren  rc.
Chalón  sur  Saône  (spr.  schalong  ssür
ssohn),Stadt  im  franz.DepartcmentSaöneet-Loire,
  wo  der  Canal  du  Centre  einmündet, ­
  und  an  der  von  Lyon  kommenden
Eisenbahn;  0876)20,571  Einw.  Handelsgericht; ­
  Banque  de  France  Suce.—C.  ist
Mittelpunkt  eines  wichtigen  Binnenhandels, ­
  wo  der  Austausch  der  Produkte  von
Nord-  und  Südfrankreich  stattfindet,  und
namentlich  Stapelplatz  für  Weine  und
Spirituosen,  Weinessig,  Getreide,  Steinkohlen,
  Eisen-  und  Lederwaren,  Tuche,
Quincaillerienic.
Champerico  (spr.isch-),  s.  R  e  t  alh  ul  e  u.
Chañara!  (spr.  chanjä-),  Hafenstadt  in
Chile,  Provinz  Atacama;  087%)  3084
Einw.  Wert  des  auswärtigen  Handels
1876:  in  der  Einfuhr  610,532  Mk.,  in
der  Ausfuhr  7,191,228  Mk.  Es  verkehrten
hier  und  iit  den  Nebenhäfen  Taltal  und
Port  de  Azúcar  im  ersten  Halbjahr  1877  :
167  Segelschiffe  und  304  Dampfer.
Charkow,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  russ.  Gouvernements,  an  der  Eisenbahnlinie ­
  Moskau-Taganrog  mit  Abzweigung ­
  nach  Odessa;  087»)  101,10)
Einw.  Ressort  des  deutschen  Konsuls  m
Odessa;  Kontor  der  Staatsbank,  Charkowsche
  Handelsbank,  Filiale  der  Wolga-Kama-Bank.
  —  Die  industrielle  Produktion ­
  des  Gouvernements  erstreckt  sich  auf
Rübenzuckerfabrikation,  Wollfabrikation,
Artikel,  die  unter  &amp;lt;5  vermißt  we

nie  —  Chartres.
Seilerei  uiib  Branntweinbrennerei.  Ergiebige ­
  Jagd  und  Bienenzucht.  —  Jährlich ­
  vier  Messen,  von  denen  zwei,  die
Kreschtschenskische  (im  Januar)  und  die
Prokrowskische  (im  Oktober),  jene  mit
einer  Anfuhr  von  50—60  Mill.,  diese
von  35—40  Mill.  Mk.,  zu  den  größten
Rußlands  gehören.  Haupthandelsartikel:
Häute,  Wolle,  Bieh,  Pferde,  Leder-,  Seiden-, ­
  Baumwoll-  und  Wollwaren,  dann
Pelz-,  Holz-,  Eisen-  und  Stahlwaren,
die  sogar  ans  Asien  zugeführt  werden.
Charleroi  (spr.  scharl'roa),  Stadt  in  der
belg.  Provinz  Hennegau,  an  der  Sambrc
und  der  Vereinigung  von  sechs  Eisenbahnlinien; ­
  0876)  15,943  Einw.  Handelskammer; ­
  Banque  nationale  Succursale, ­
  Société  générale.  —  In  der  Nahe
Steinkohlengrnbcn;  bcbcntcnbc  Industrie
in  Glas-  und  Eisenwaren  unb  Maschinen. ­
  Handel  mit  Eisen,  Steinkohlen,
Vieh,  Jndustrieprodukten.  —  Nur  1  km
entfernt  Couillet  (4881  Einw.)  n.a.O.
mit  Kohlengruben  und  Eisenindustrie,  8
Hohöfen,  27Dampfmaschinen,  16-17,000
Arbeitern  und  einer  Jahresproduktion
von  650,000  Ctr.  Roheisen.
Charleston  (spr.  ischarlst'n),  wichtigste
See-  und  Handelsstadt  des  nordamerikan.
Staats  Südcarolina,  an  der  seichten  und
nur  für  kleinere  Schisse  zugänglichen  Charlestonbai; ­
  (1880)  49,006  Einw.  (darunter
1865  Deutsche).  Deutsches  Konsulat.  —
8ur  Ausfuhr  kommen  namentlich:  BaummoKe
  (1872:  282,795  WW,Dteia,%a:
bak,  Korn,  Speck,  Terpentinöl,  Bauholz.
Die  zur  Reederei  der  Stadt  gehörigen
Scbisfe  (meist  Küstenfahrer)  haben  eine
Tragfähigkeit  von  43,000  Ton.  1879  liefen ­
  hier  29  deutsche  Schiffe  (4  Dampfer)
ein  und  aus.  Seit  dem  Bürgerkrieg  hat
der  Handel  bedeutend  abgenommen.
Charlestown  (spr.  tschárlstaun),  Hafenstadt ­
  in  Schottland,  am  Firth  of  Forth.
Deutsche  Konsularagentur.
Chartres  (spr.  scharn),  Hauptstadt  des
franz.  Departements  Eure-et-Loir,  an
der  Eisenbahn  von  Paris  nach  Le  Ata  ns;
0876)  20,067  Einw.  Handelsgericht;
Banque  de  France  Sncc.  LebhafterHandcl
mit  Korn  und  Mehl,  Wolle,  Tierhäuten,
Vieh,  Kaffee,  Lebkuchen.
de»,  sind  unter  sv  nachzuschlagen.
        <pb n="99" />
        Chatham  —  Chicago.

91

Chatham  (spr.  tschattiim),  Hafenstadt  in
Neu-Braunschweig  (Britisch  -  Nordamerika). ­
  Deutsches  Konsulat  für  die  Grafschaften ­
  Kent,  Northumberland,  Gloucester ­
  und  Ristigouchc  (vgl.  SaintIoh  n).
Chemnitz,  die  erste  Fabrikstadt  des  Königreichs ­
  Sachsen,  an  der  Sächsischen
Staatsbahn  mit  Zweigbahnen  nach  Adorf
und  Komotau;  (isso)  94,887Einw.  Kouiittstt
  der  Vereinigten  Staaten;  Handelskammer, ­
  Hauptsteueramt;  Warenbörse.  —
Die  ausgedehnte  Industrie  der  Stadt
(»sächsisches  Manchester«)  beschäftigte
&amp;gt;872:  192  Dampfmaschinen  mit  3145
Pferdekräften.  Für  Baumwollspinnerei
lst  C.  Hauptsitz  in  Deutschland.  Es
gibt  hier  24  Etablissements  mit  267,000
Spindelir  (darunter  die  große  Aktieirspinnerei
  mit  56,000  Spindeln),  500
mechanische  Webstühle.  1400  Handstühle,
40  Strumpfwirkereien  (720  mechanische
Stühle  in  der  Stadt,  20,000  Stühle  in
der  Umgegend),  Fabriken  für  Handschuhe
ans  Baumwolle  undSeide,  für  halbseidene
Zeuge  und  Bänder.  Großartig  haben  sich
die  Maschinenindustrie  und  Eisengießerei
entwickelt  (Stadt  und  llmgegend  etwa  50
Etablissements  mit  4000  Arbeitern).  Die
beiden  bedeutendsten  Anstalten  sind  die
große  Sächsische  (vormals  Hartmannsche)
Maschinenfabrik  und  die  Chemnitzer  (ehemals ­
  Zimmermannsche)  Werkzengmaschinenfabrik.
  Erstere  lieferte  1879—80  mit
2103  Arbeitern  2913  Maschinen  und
458,853  kg  Transmissionen  im  Wert
von  6,643,559  Mk.  und  zahlte  8  Proz.
Dividende;  die  zweite  erzielte  einen  Reingewinn ­
  von  204,207Mk.  Dazu  kommeir  die
von  der  Sächsischen  Staatsbahn  angelegten
großartigen  Werkstätten.  —  Der  Handel
’»,6  diesen  und  andern  Jndustrieerzeugu&amp;gt;sen
  ist  ein  sehr  bedeutender.  Auf  dein
^entralbahnhof  wurden  1880  eingeführt:
Ivheisen  15,5  Mill,  kg,  Baumwolle  7,3,
^umwvUgarn  1,4,  Mehl  11,9,  Getreide
,4  Mill,  kg  und  ausgeführt:  Biafchi-20,3,
  Manufatte  1,8,  Baumwollgarn
,l' 3 '  Mehl  2,5  und  Getreide  6,9  Mill.  kg.
:•  krporticrt  sehr  ansehnlich  nach  den  Ber-"ngten
  Staaten  und  zwar  arts  dem  Kon-1879
  fio  23,6  Wiü,  1880  für
,9  Mill.  Mk.  Waren,  darunter:

Strumpfwaren.  .  .
Handschuhe,  gewirkte
Kleiderbesätze  .  .  .
Kleiderstoffe.  .  .  .
Musikinstrumente  .  .

18.0  Mill.  Mark
11.1  a  ,
5,0
3,8  -
2,4  s  ,

ferner  Stickereien,  Glaceehandschuhe,  Damaste
  Spielwarcn  rc.  —  K  r  e  d  i  t  w  e  s  c  n
Die  Chemnitzer  Stadtbank  (Grundkapi
tal:  510,000  Mk.)  wurde  1.  April  1849
eröffnet;  von  ihren  Noten  (sogen.  Kreditscheinen),
  in  allen  städtischen  Kassen  ziun
LWLVSLS
Agentur  der  Geraer  Bank,  Chemnitzer
Bankverein,  Filiale  der  Sächsischen  Bank
zu  Dresden,  Vorschußverein  (eingetragene
Genossenschast),  Spar-  u.  Kreditßercin.-P
  l  a  tz  g  e  b  r  ä  u  ch  e.  Getreide  und  Erbsen
verkauft  man  für  1000,  Weizen-  und
Cherbourg  (spr.  schärbühr),  Arroildisscmentühauptstadt
  im  franz.  Departement
nais  (Ta  Manche)  und  amAusgangspnnkt
der  von  Paris  kommenden  Eisenbahn;
©  (itiüii  ber  Dampfer  der  Royal  Mail
StcamPacketEo.;  0876)  36,338  Einw.—
Regelmäßige  Dampferverbinduiig  besteht
Nilt  Havre,  Weymouth  uiid  den  englischen
Zucker;  die  Ausfuhr,  welche  meist  liach
England  (ca.  98,000  Ton.)  geht,  besteht
namentlich  in  Erz,  Fässern,  Öl,  Hülsenfruchten,
  Lumpen,  Austern.
Chester  (spr.  tschest'r),  Hauptstadt  der
engl.  Grafschaft  Cheshire,  unweit  der
Atiindung  der  Dee  und  am  Kreuzungs-Punkt
  mehrerer  Eisenbahnen;  0871)
35,70t  Euiw.  National  Provincial  Bank
of  England,  North  and  South  Wales  Bank.
Jährlich  acht  berühmte  Käsemärkte.  Auf
dem  kanalisierten  Fluß  tonnen  Schiffe  von
700Ton.znrStadt  gelangen;  znrMerseymündung
  führt  ein  Kanal.  Schiffsverkehr
1879:  302,6431.  emMr  438,800  W
Ausfuhr  britischer  Produkte  336,340  Mk.'
Chicago  (spr.  schikähöjo),  Hauptstadt  und
wichtigster  Handelsplatz  des  nordame-Artikek,

  die  unter  E  vermißt  werden,  sind  unter  K  nachzuschlagen
        <pb n="100" />
        92

Chicago.

rilan.  Staats  Illinois,  am  Michigansee,
durch  einen  Kanal  mit  dein  Fluß  Illinois
sowie  durch  Eisenbahn  mitSt.  Louis,  New
Pork,  Milwaukee  und  andern  fccbcutenben
Städten  der  Union  verbunden;  (isso)
503,304  Einw.  (wovon  52,300  Deutsche).
Deutsches  Berufskonsulat  (Amtsbezirk:
Illinois,  Wisconsin,  Iowa,  Minnesota,
Nebraska,  Dakota,  Wyoming);  lONatioualbanken;
  Clearinghouse.  —  Die  Stadt
ist  Hauptsitz  der  Ge  wcrb  th  atigkeit
des  Westens;  in  den  Gewerben  waren
1870:  31,000,1878:  67,000  Arbeiter  beschäftigt. ­
  Der  Gesamtwert  der  industriellen ­
  Erzeugnisse  wird  für  1879  auf
ca.  994  Mill.  Mk.  berechnet.  Jil  erster
Linie  stehen  das  Schlachten  und  die  Verpackung ­
  von  Schweinen,  von  welchen
zurVerwendung  kamen  1878:  5,128,700,
1879:  4,805,009  Stück,  ein  Abfall,  der
seinenGrnnd  in  den  ArbeiterstrikeS  hatte.
Unter  den  zahlreichen  Schlächtereien  und
Vi  eh  Höfe  ir  ist  der  Great  Union  Stockyard
von  140  ha,  Areal  (Raum  für  120,000
Stück  Vieh)  der  bedeutendste.  1879  wnrbm
  1,215,672  Gtücf  Äiiibüicl),  6,448,933
Schweine  und  325,119  Schafe  ein-  und
715,125  Rinder,  1,684,338  Schweine  und
157,159  Schafe  ausgeführt.  Eine  einzige
Firma  verpackte  200,000  Stück  Rinder  in
Büchsen.  Eine  andre  wichtige  Industrie  ist
die  Brennerei;  1879  belies  sich  die  Produktion ­
  auf  49  Mill.  Lit.,  der  Export  auf
14,4  Mill.  L.  Um  den  Bedürfnissen  des
Getreidehandels  zu  genügen,  sind  19  Getreidespeicher ­
  (elevators)  errichtet  worden ­
  mit  Dampfmaschinen,  Ventilatoren,
Transport-  und  Hebemaschinen  re.  imb
einem  Fassungsraum  für  mehr  als  5  Vs
Mill,  hl  Getreide  nebst  Lagerhäusern  in
großer  Zahl  für  Mehl,  Samen  rc.  sowie
Raum  für  die  Produkte  von  mehr  als
1  Mill.  Schweinen.  Wie  der  Handel  mit
Getreide  und  Mehl  zugenommen,  beweisen ­
  die  Aufstellungen  der  Handelskammer.
Es  betrug  (m  Millionen  Hektoliter)  die
1877  1878  1879
Einfuhr  .  .  .  396,4  563,2  567,9
Ausfuhr  .  .  .  380,9  498,5  545,2
Der  Wert  der  jährlichen  Produktenzufuhr
ist  ein  kolossaler  und  bei  der  zunehmenden
Ansiedelung  im  Westen  ein  fortwährend

wachsender.  1878  betrug  derselbe  915,6
Mill.,  1879:  1062,s  Mill.Mk.  und  zwar:

Lebendes  Vieh  451,9
Brotstosfc  328,  o
Butter,  Käse,  Häute,  Wolle  .  .  .  160,7
Provisionen,  Talg,  geschl.  Schweine.  62,»
Sämereien,  Kartoffeln,  Salz  .  .  .  34,4
Alkohol  3,o
Heu,  Geflügel,  Apfel  rc  7,o
Andres  14,1

Die  direkte  Einfuhr  belies  sich  1878
ails  12,  1879  auf  18,i  Mill.  Mk.,  wovon ­
  im  letzten  Jahr  7,6  Mill.  Mk.  in  Zöllen ­
  erhoben  wurden.  Von  der  Einfuhr
fallen  nicht  weniger  als  8,o  Mill.  Mk.  auf
Ellenwaren,  1,2  Mill,  auf  Zinnplatten;
dann  folgen  Salz  und  Salpeter,  Chemi-  .
solicit,  musikalische  Instrumente,  Cigarreu
  und  Tabak,  Roheisen,  Porzellan  und
Glaswaren  rc.  Aber  dieser  direkte  Handel
umfaßt  nur  einen  sehr  kleinen  Teil  der
im  Markt  von  E.  umgesetzten  fremden
Waren  (z.  B.  bei  Ellenwaren  nur  IIProz.).
Die  direkte  Ausfuhr  betrug  1878:
219,387,  1879:  737,200  Ton.,  worunter
Getreide  und  Mehl,  Schweinefleisch  und
Rindfleisch,  Speck  und  Talg,  Butter  und
Käse,  Alkohol,  Hopfen,  Häute  u.  a.
Man  schätzte  den  Wert  der  im  Großhandel ­
  umgesetzten
landwirtschaftlichen  Produkte  1068,2  Mill.  Mark
Waren  1432,2  -  -
Wert  der  städtischen  Industrie  993,»  -  ^  -
Zusammen:  3493,7  Mill.  Mark
Das  Clearinghouse  hatte  1878  einen  Umsatz ­
  von  4,058  Mill.  Mk.,  1879  von  5,254
Mill.  Mk.  —  Kreditwesen.  Die  zehn
Nationalbanken  hatten  1879  Depositen  im
Wert  von  152,s  Mill.  Mk.,  ein  Zuwachs
gegen  das  Vorjahr  von  53,8  Mill.  Mk.  ;
die  Diskontbanken  hatten  Depositen  von
189  Mill.  Mk.  —  Die  Reederei  der
Stadt  bestand  1879  aus  364  Schiffen  voit
67,988  Ton.,  davon  256  Dampfer  von
57,556  T.  In  den  Hafen  liefen  1879
ein.  11859  Schiffe  von  3887095  Tonnen
aus.  12074  -  *  3870290
Unter  letztem  waren  288  fremde  von
87,205  T.,  welche  nach  ausländischen  Häfen ­
  ausliefen,  gegen  156  von  50,  747  T.
im  Vorjahr.  —  Die  Kurse  und  Usancen ­
  sind  wie  in  New  Pork  (s.  d.).

Artikel,  die  unter  E  vermißt  werden,  sind  »liter  K  nachzuschlagen.
        <pb n="101" />
        Chihuàhua  —  Chile.

Chihuahua  (spr.  ischi.),  Hauptstadt  des
gleichnamigen  Staats  in  Mejiko;  (isso)
16,000  Einw.  Deutsches  Vicekonsulat.
Chile  (spr.  tschNe),  Freistaat  ander  Westküste ­
  von  Südamerika,  ein  etwa  1855  km
langer  und  260  km  breiter  Küstenstrich
Zwischen  dem  Stillen  Ocean  und  den  Kordilleren; ­
  mit  Einschluß  von  Aragonicn
und  Chiloc  321,162  qkm  (5838  QM.)
mit  (1878)  2,400,396  Einw.,  zum  großen
Teil  Indianer,  Abkömmlinge  von  Spaniern, ­
  auch  viele  Deutsche  (Kolonien
zwischen  Valdivia  und  Puerto  Monti).
Nach  der  Zählung  voit  1875  waren:
Deutsche  .  .  4678  Italiener  .  .  1983
Engländer.  .  4267  Spanier.  .  .  1223
Franzosen  .  .  3314  Nordamerikaner  931
ferner  Österreicher,  Portugiesen,  Schweden ­
  und  Norweger.  —Das  Land  hat  vier
Zonen.  Die  nördlichste  unfruchtbare  hat
Bergbau  und  Hüttenwerke,  die  nächste
Berg-  uild  Ackerbau,  die  dritte  ist  Region
der  Fruchtbäume  und  des  Getreides,  die
vierte  südlichste  hat  Acker,  Weidegründe
und  Wälder.  Letztere  enthalten  vorzügliche ­
  Nutz-  und  Bauhölzer.  —  Der  Ackerball ­
  erzeugt  besonders  Weizen,  der  als
Mehl  einen  bedeutenden  Exportartikel  bildet; ­
  doch  sind  in  jüngster  Zeit  die  Ernten ­
  mißraten,  auch  führen  frühere  Abnehmer, ­
  lvie  Argentinien,  bereits  selbst
aus;  1878  kam  zum  erstenmal  Getreide
von  Kalifornien  nach  C.  Viehzucht
wird  in  großem  Uinfang  betrieben;  1868
zählte  man:  196,174  Pferde,  586,073
Rinder,  1,183,591  Schafe  und  Ziegen.
Gedörrtes  Fleisch  (Charqui)  bildet  einen
wichtigen  Ausfuhrartikel;  auch  Hörner,
Häute,  Felle  werden  exportiert.  Die  Ausfuhr ­
  der  Produkte  des  Ackerbaus  und  der
Blehzucht  wertete  1874:  63,4Mill.,  1878:
torn  die  wichtigste  Erwerbsquelle,  namcntuch
  auf  Kupfer  und  Silber,  auch  Steinkohle, ­
  Eisen,  Gold  und  Blei.  Kupfer  gefoult ­
  man  in  den  Proviilzen  Atacama,
^vquimbo  (Tamayagrube),  Aconcagua;
Silber  um  Copiapo,  beiChanarcillo,  Treö
Puntas,  Dolores,  Caracoles;  Kohlen  bei
X  Coronel,  Colchura.  Ausgeführt  wur-93


Ausnahme  der  Mühlen-  und  Hüttenwerke
sowie  der  Gerberei  unbedeutend.  —  Der
Handel  hat  seinen  Mittelpunkt  in  Valparaiso; ­
  nächst  wichtig  sind:  Coquimbo,
Coronel,  Caldera.  Der  Gesamtwert  der
bezifferte  sich  1878  (in  Milli  one,i  Mark)^
Einfuhr  Ausfuhr
Gmeralhaudel  ....  115,2  140,4
Specialhaudcl  ....  101,3  126,8
Küstcnhandel  ....  136,4  272,8
Hauptpostcn  bei  der  Einfuhr  loaren  Nah-“Ä’ÄSî

licit  je.  Deutschland  nimmt  nach  England
und  Frankreich  die  dritte  Stelle  ein.  Die
%usMt  pmeiltc  1(4  1878  cms  folqcubc
WWiete  (SBW  i,t  gmionrn  BW)-England


Peru.  .
Bolivia.

67,o
18.4
10.4

Frankreich  .  .
Deutschland.  .
Verein.  Staaten

v.2
5.8
2,2

Doch  ist  der  Handel  in  den  letzten  Labren ­
  bedeutend  zurückgegangen.  Die  Einfuhrwaren ­
  bestehen  in  allen  Arten  voll
Fabrikaten,  Zucker,  Tabak,  Maschinen,
Papier  (1,25  kg)  u.  a.  —  Im  Schiffsverkehr ­
  liefen  1878  ein  (in  alle  Häfen)-Segel

 ­


Tonnen

Dampfer ­


Tonnen

Lange  Fahrt  713  358653  794  1014736
Kiistenfahrt.  1843  495004  2170  1  748916
Die  Handelsflotte  zählte  1877:  106
Segelschiffe  von  30,733  T.  nnd  30  Dampfer ­
  von  9022  T.  —  Natürliche  Verkehrsmittel ­
  sind  die  Flüsse:  Mäule,
Biobio,  Rio  de  Valdivia  nur  im  untern
Lauf.  Eine  Anzahl  von  Pässen  vermittelt
den  Verkehr  mit  Argentinien.  DieEisenb
  ahn  en  hatten  1880  eine  Länge  von  1689
km  ;  davon  Staatsbahnen  951  km,  Privatbahnen ­
  738  km.  Die  Post  (C.  gehört  seit
1.  April  1881  zum  Weltpostverein)  beförderte ­
  1878  durch  343  Ämter  15,637,230
Sendungen;  Einnahmen  1,191,436  Mk
7162  km,  11t  89  Ämtern  wurden  138,179

Artikel,  tic  unter  E  vermißt  werde»,  sind  unter  K  nachzuschlagen.
        <pb n="102" />
        G*

SailMHBMnBHHHWBBIMHHBgsnHB

/-vw.

Y

(il)tua  (Areal  und  Bevölkerung)

94

Depeschen  für  367,920  Mk.  befördert.  —
Konsulate.  Ein  Berufskonsul  ist  hier
nicht  angestellt;  ein  Generalkonsulat  besteht ­
  für  Valparaiso;  Konsulate  sind  in
Concepcion,Copiapo,  Santiago,  Valdivia,
Vicekonsulate  in  Coronel  ».Puerto  Monti.
Die  früher  günstigen  Finanzen  sind
durch  den  Krieg  mit  Peril  und  Bolivia
sehr  zerrüttet  worden.  Die  Einnahmen  aus
Einfuhrzöllen,  in  denen  der  Staatshaushalt ­
  seine  Hauptstütze  hat,  betrllgen  1878:
24,752,504  Mk.,  die  Gesamteinnahmen
74,o  Mill.Mk.,  dagegen  die  Ausgaben  81,8
Mill.  Mk.  Bemühungen,  in  London  eine
Anleihe  von  20  Mill.Mk.  unterzubringen,
schlugen  fehl;  aber  die  Regierung  erhielt
killt  Ausbruch  des  Kriegs  die  Ermächtigung ­
  zur  Ausgabe  von  30  Mill.  Mk.  Papiergeld. ­
  Die  Staatsschuld  betrug  Ende
1879:  246,965,876  Mk.  und  zwar  :
Äußere  Schuld  .  .  149602000  Murk
Innere  Schuld.  .  97363876  -
Erstere  besteht  ans  sieben  verschiedenen
Posten,  sämtlich  in  London  kontrahiert.
Kreditwesen.  Eine  Staatsbank  existicrt
  nicht,  wohl  aber  mehrere  Aktienbanken: ­
  Banco  nacional  de  C.,  Banco
de  Valparaiso,  Banco  de  Concepcion;  in
Valparaiso  ist  die  London  Bank  of  Mexico
and  South  America  etabliert.  Nach  dem
Bankgesetz  vom  23.  Juli  1860  dürfen  die
Zcttelbankcn  Noten  zu  20,  50,  HK)  und

Münzen  läuft  der  englische  Sovereign,  gewöhnlich ­
  zu  5  Pesos,  um;  der  Dollar  ist
dem  chilenischen  Peso  glcicb.  Die  Maße
und  Gewichte  sind  seit  1860  die  französischen ­
  metrischen.
China,  Kaiserreich  in  Asien,  der  volkreichste ­
  Staat  der  Erde,  dem  Umfang
nach  das  zweitgrößte  Reich  in  Asien,  dessen
Bevölkerung  den  vierten  Teil  der  Gesamtbevölkeruiig
  der  Erde  ausmacht.  Die  Bestandteile ­
  Chinas  sind  berechnet  worden:

Länder

Eigentliches  China
Mandschurei
Mongolei.
Tibet  .  .
Dsungarei.
Ostturkistau
Vasallenstaat  Korea

Zusammen

QKilom.

4024690
950000
3377283
1687898
404500
1118713
250666

QMei.
len

73092
17  253
61335
30654
7346
20317
4552

Einwohner ­

Mill.

404,9
12,o
2.0
6.0
0,o
0,0
8,5

434,0

500  Pesos  bis  zniii  anderthalbfachen  Be
trag  ihres  wirklichen  Kapitals  ausgeben.

11813  750  1214550
Diesen  Berechnungen  fügen  wir  die  Mitteilungen ­
  von  Kennern  chinesischer  Anstände ­
  bei,  welche  den  Flächeninhalt  des
ungehenren  Reichs  auf  höchstens  10  Mill,
qkm  (180—190,000  QM.)  und  seine
Bevölkerung  als  400  Mill.  Einw.  nicht
übersteigend  angeben.  Nach  obiger  Berechnung ­
  beträgt  die  Dichtigkeit  der  Bevölkeruitg
  im  ganzen  Reich  37  Einw.  auf  1  qkm
und  in  den  einzelnen  Ländern:

Diese  Noten  werden  bei  den  Staatskassen
in  Zahlung  angenommen  und  sollten  jederzeit ­
  gegen  Gold  und  Silber  umzntauschen
  sein.  Die  Regierung  beansprucht  das
Anfsichtörecht.  Die  Zettclbankcn  sollten
beut  Staat  gegen  6  Proz.  jährliche  Zinsen
den  dritten  Teil  der  von  ihnen  auszugebenden ­
  Noten  leihen.  Der  23.  Juli  1878
dekretierte  Zwangsumlauf  sollte  nur  bisl.
Mai  1880  dauern,  währt  indes  noch  fort.
Geld  X.  Die  früher  vorherrschende
Goldwährung  hat  zunächst  infolge  der
großen  Preiücrniedrigung  des  Silbers  der
reinen  Silberwährung,  später  aber  infolge
der  Kriegslage  einer  reinen  Papiergeldwährung ­
  Platz  gemacht.  Rechnnngöeinheit  ist
der  Peso  oder  Piaster  zu  10Ö  Centavos,
im  Wert  von  etwa  4  Mk.  Von  fremden
Artikel,  die  »»ter  &amp;lt;S  vermißt  werde»

Eigentliches
China  .  .  100
Korea  .  .  .  35,9
Mandschurei  .  12,o
Die  Bevölkerung  in

Tibet  ....  3,0
Dsungarei  .  .  1,4
Mongolei  .  .  0,o
Ostturkistau.  .  0,5
den  21  den  Fremden ­

  geöffneten  Traktatshäfen  (Kanton, ­
  Tientsin,  Hankau,  Futschau,  Schanghai, ­

  Takau  und  Taiwan,  Tschinakiang,
Ningpo,  Amoy,  Niutschwang,  Tamsui  und
Kilung,  Wentschau,  Wuhu,  Kinkiung,
Tschifn,  Kinngtschau,  Swatau,  Pakhoi
und  Jtschang)  belief  sich  1879  auf  3995
Fremde  (451  Firmen)  neben  ca.  5  Mill.
Chinesen  und  zwar:
Firmen  Kopfzahl
Engländer  -  -  -  299  2070

Amerikaner
Deutsche  .
Franzosen
Russen

sind  „»ter  «  „ach,»schlage».
        <pb n="103" />
        (Uïļjrobuïtion:  DìcW,  Thņ,  ¿ļucfcr,  Mchn.  Baumw°ll°&amp;gt;  95
SMŞ«W
Urproduktion.
DerLandban  ist  im  eigentlichen  E.

.  .  —  1,11  «lamuiujcH  V’.
bic  vorzüglichste  Beschäftigung  und  wird
zwar  mit  sehr  einfachen  Werkzeugen,  aber
nr  der  sorgfältigsten  Weise  betrieben.  Das
wichtigste  Bodenprodukt  dcö  südlichen  und
mittlern  C.  istReis,  in  der  Nähe  der  Küste
Baumwolle;  im  nördlichen  Teil  werden
statt  Reis  Hirsearten,  Weizen  und  Hülsenfrüchte ­
  gebaut.  Indes  gelangen  diese
Produkte  nicht  in  den  auswärtigen  Handel, ­
  dienen  vielmehr  nur  zur  Ernährung
der  einheimischen  Bevölkerung.  Reis,
Getreide  und  Hülsenfrüchte  werden  sogar
noch  importiert,  so  1879:
Reis  für....  2,5  Will.  Mark
Getreide  für  .  .  I,i  .
Das  wichtigste  Bodenprodllkt,  insofern
es  den  auswärtigen  Haiidel  angeht,  ist
ohne  Zweifel  der  Thee,  für  den  bis  vor
wenigenJahrenC.  fast  die  alleinige  Quelle
war,  und  für  welchen  es  auch  noch  immer
Hauptproduktionsgebiet  bleibt.  Man
schätzt  die  jährliche  Produktioir  von  Thee
m  C.  auf  450  Mill.  kg.  In  den  Ausfuhrlisten ­
  nimmt  Thee  durch  seinen  Wert
die  erste  Stelle  ein;  1878  wurden  114.8
Mill,  kg  im  Wert  von  199,7  Mill.  Mk
exportiert,  und  zwar  bestand  dieser  Export
alls  folgenden  Sorten:
Schwarzer  Thee  .  .  .  165,  i  Mill.  Mark
Ģrllner  Thee  ....  25,8  -
Ziegclthee  8,5  -
Theestaub  0,3  .
m ei r  Zwgelthee  ist  eine  in  Sibirien  lind
Nußland  sehr  beliebte  Theesorte,  nicht,
wie  man  früher  behauptete,  mit  Och  enuiid
  Schafblllt  zusammengebacken,  sondern
aus  seinem  Theestanb  und  den  kleinen  zerbrochenen ­
  Blättern  bestehend,  welche  man
P's  dem  bessern  Thee  herauösiebt,  durch
Kampfe  anfeuchtet  lind  mittelst  Handşi^ssen
  zusammenpreßt  lind  zwar  in  Form
'"^Ziegels  von  20  cm  Länge  und  11
(t! 1  àite,  im  Gewicht  von  0,8  —  1  kg.
1  wird  in  den  Distrikten  Hankau  und

England  .  .  .  54,o
RußlaiidlKinchta)  9,i
Verein.  Staaten.  8,8

Hongkong.
Australien.
Java

10,e

Zn  neuester  Zeit  erscheint  aber  Thee  ancl
m  den  Einfuhrlisteil  und  zwar  Siegel
K'.  'P  Japan  für  ben  russischen  Mart,
^şiwrt.  Der  Import,  von  dem  nur  ein
3  s  ?»  r  Teil  wieder  ausgeführt  wurde,  hattc
18l9  einen  Wert  von  217,500  Mt  —
er  rohr  wurde  in  C.  schon  seit  nrbod)
  kol  boa  4%„p:
MeProdukt  erst  in  neuerer  Zeit  in  dem
Welthandel  ans.  1879  ivurde  brauner
SÄSSÄSSÄg
spulin  gewonnen;  aber  noch  immer  bilam#

ben  Gebrauch  der  dortigen  Chinesen  geht.
„046.  )„m  æe^bm„d)  Wtc
1879  einen  Wert  von  234  Mill.Mk.,  betrug ­
  also  nahezu  die  Hälfte  des  gesamten
Einfuhrwerts.  Der  bedeutendste  Handelsplatz
  für  Opium  ist  Schanghai,  das  über
die  Hälfte  des  ganzen  Imports  bezieht,
wovon  es  wieder  drei  Viertel  ausführtnächstwichtig
  sind:  Tschingkiang.  Swatan
und  Ningpo.  —  Baumwolle  gedeiht
ļuĢ  Zum  41."  nördl.  Br.;  wie  groß  aber
die  Produktion  ist,  läßt  sich  auch  nicht  annähernd ­
  schätzen.  Den  Konsum  von  Rohbanmwolle
  hat  man  ans  1000  Mill.  Pfd.
angegeben;  die  Ausfuhr  ist  eine  verhältnismäßig ­
  geringe  und  beziffert  sich  bein
Wert  nach  noch  nicht  auf  1,5  Mill.  Mk.,
wozu  noch  unbedeutcndePosten  von  BailmwoNsamen
  und  BanmwollabfaN  kommen
Dabei  berechnet  man  die  Einfuhr  von
-  -  -  Banmtvollzcugcn  aus  England  auf  100
Artikel,  die  unter  «  vermißt  werden,  sind  unter  K  nachzuschlagen.
        <pb n="104" />
        ^şş«sri8VŞ«v;

“

mäm

fcLÌ'  '■

China  (Urproduktion:  Tabak,  Viehzucht,  Seide).

Mill.  Pfd.,  uub  auch  Rohbaumwolle  wird
importiert.  Die  Einfuhr  übersteigt  die
Ausfuhr  sehr  bedeutend,  in  Menge  um
mehr  als  das  Vierfache;  der  Wert  betrug
über  6  Mill.  Mk.  Das  Land  erzeugt  auch
weder  genug  vom  Rohstoff,  noch  liefert  es
genügend  von  den  Fabrikaten  für  den
Verbrauch.  1879  belief  sich  der  Wert  der
eingeführten  Baumwollwareir  auf  135,6
Mill.  Mk.,  worunter  die  Hauptpostcn:
Schillings  ?I,2
I-Tuch  15,o
Drclle  15,  i
Garn  und  Zwirn  .  .  19,i
Die  Wiederausfuhr  wertete  8,8  Mill.  Mk.
Die  Tabakkultur  ist  eine  sehr  allgemeine; ­
  mau  baut  die  Pflanze  im  ganzen
Land,  aber  meist  nur  für  den  eignen  Gebrauch ­
  ,  zum  Verkauf  nur  im  nördlichen
rind  südlichen  C.  sowie  in  der  Provinz
Hupe.  Ein  Teil  der  zur  Ausfuhr  bestimmten ­
  Tabakblätter  geht,  nachdem  er
für  chinesischen  Geschmack  zugerichtet  worden ­
  ist,  nach  Hongkong  und  in  die  chinesischen ­
  Niederlassungen  im  Indischen  Archipel, ­
  nach  den  Ansiedelungen  in  der  Malakkastraße ­
  re.  für  den  Gebrauch  dortiger
chinesischen  Ansiedler  (1877:216,000kg).
Dagegen  wird  ein  andrerTeil,  und  zwar  fast
ausschließlich  Blätter,  aus  dem  Jantfedistrikt
  für  den  europäischen  Markt  nach
Schanghai  gesandt  und  geht  von  dort  über
Hongkong  nach  England;  er  wird  vornehmlich'zur ­
  Mischung  mit  türkischem
Tabak  verwandt.  Der  Export  von  Tabakblättern ­
  überhaupt  betrug  1879  ca.740,000
kg  im  Wert  von  971,052  Mk.  ,  die  fast
ausschließlich  nach  England  gingen.  —
Als  andre  Produkte  chinesischen  Landbauö
sind  zu  nennen:  Bohnen,  Cassia  lignea,
Kampher,  Früchte,  Galläpfel,  Rhabarber,
Safflor,  Indigo,  und  als  Fabrikate,
welche  aus  Produkten  des  Ackerbaus  hergestellt ­
  werden,  namentlich  Strohgeflechte.
1879  wurden  exportiert  für  7,585,680
Mk.,  ferner  für  1,920,126  Mk.  Matten
und  für  736,620  Mk.  Graötuch,  sodann
Stuhlrohr  und  Waren  daraus,  Bambus
und  Waren  daraus  rc.  Der  Talgbaum
wird  in  der  Umgebung  von  Ningpo  in
großer  Menge  kultiviert,  doch  führt  E.  von
dem  Produkt  jetzt  mehr  ein  als  aus.

Die  Viehzucht  steht  auf  einer  sehr
niedrigen  Stufe,  da  der  Chinese  überhaupt ­
  wenig  von  Fleischnahrung  lebt;
höchstens  ist  noch  die  Schweinezucht  von
Bedeutung.  Für  die  Nebenländer,  welche
durchweg  von  Nomadcnstämmen  besetzt
sind,  ist  aber  gerade  der  Viehstand  von
großer  Wichtigkeit.  Die  Exporte  sind  nicht
von  hohem  Belang;  die  wichtigsten  Posten
waren  1879  (in  Mark):
Häute  1447632
Hörner  und  Hufe  .  .  195798
Haare  1511202
Wolle  93960
Allerdings  darf  der  Posten  »Haare«  nicht
ausschließlich  ans  Rechnung  der  Viehzucht
geschrieben  werden,  vielmehr  sind  hierunter
zum  großen  Teil  Menschenhaare  begriffen,
welche  in  den  letzten  Jahren  in  bedeutendenMengen
  exportiert  wurden.  Der  Verbrauch ­
  von  Wollwarcn,  ursprünglich  ein
sehr  beschränkter,  hat  bedeutend  zugenommen ­
  und  damit  der  Import,  da  im  Land
selbst  wenig  erzeugt  wird.  Von  der  Gesamteinfuhr, ­
  welche  sich  1879  auf  29,726,732
Mk.  bezifferte,  entfällt  nahezu  ein  Viertel
auf  Kamelott;  nächst  bedeutend  sind  Tuch,
das  zur  Hälfte  aus  Rußland  importiert
wird,  und  die  unter  den  Namen  Spanish
Stripes,  Lastings,  Long  Ells  und  Lüstres
bekannten  Stoffe.
An  Wichtigkeit  das  zweite  Produkt  des
Landes,  dessen  Ausfuhrwert  nahezu  ein
Drittel  des  gesamten  Exports  repräsentiert, ­
  ist  die  Seide.  Schon  4000  v.  Chr.
soll  die  Seidcnzucht  hier  bekannt  gewesen
sein.  Jetzt  liefern  die  mittlern  Provinzen
die  meiste  und  beste  Seide.  Wie  hoch  die
Produktion  steigt,  ist  schwer  anzugeben.
Nach  einer  Schätzung  des  »North  China
Herald«  soll  das  jährliche  Erträgnis  6—8
Mill,  kg  betragen,  was  einem  Wert  von
200-250  9m.  m.  oW#me;  ¡cW)
nehmen  andre  weit  höhere  Summen  an.
Die  Ausfuhren  sind  in  den  letzten  Jahren
schnell  gestiegen;  ihre  Höhe  erreichten  dieselben ­
  1876  mit  5,621,000  kg  im  Wert
von  189,9  Mill.  Mk.,  sanken  nachher
stark,  betrugen  aber  1879:  5,954,838  kg
im  Wert  von  143,3  Mill.  Mk.  Die  gesamte
Ausfuhr  aller  Produkte  der  Seidenzucht
bildete  sich  aber  aus  folgenden  Posten:

Artikel,  die  »»ter  E  vermißt  werde»,  sind  unter  K  nachzuschlagen.
        <pb n="105" />
        97

^hina  (Forstwirtschaft,  Bergbau,  Fischerei).

weide,  rohe  &amp;gt;md  gezwirnte  135,7  Mill.  Mark
*  Abfall  3,7
-  grobe  und  wilde  .  2,4  -  -
-  Kokons  1,5  »  -
Die  angeführte  wilde  Seide  stammt  von
dem  Eichenseidenspinner,  welcher  auf  Eichen ­
  im  Freien  gezüchtet  wird  und  schwer
abhaspelbare,  grobe  Fäden  liefert.  Der
Export  geht  meist  nach  England  und
Frankreich,  doch  findet  schon  ein  recht  bedeutender ­
  Teil  seinen  Weg  nach  den  Vereinigten ­
  Staaten  und  andern  außereuropäischen ­
  Ländern.  Eine  verhältnismäßig
sehr  unbedeutende  Menge  von  Rohseide
(1879  für  99,396  Alk.)  wird  in  chinesische ­
  Häfen  eingeführt.  Auch  von  seidenen
Fabrikaten  lvird  ein  sehr  ansehnlicher  Betrag ­
  ausgeführt,  1879:  Stückwaren  für
27,»Mill.,  andre  Waren  für  1,5Mill.Mk.
Die  F  o  r  st  w  ir  t  sch  a  f  t  tvird  völlig  vernachlässigt, ­
  der  Holzbedarf  ist  daher  zum
Teil  durch  Einfuhr  zu  decken.  Wohlriechende ­
  Holzarten  werden  aber  von  Australien ­
  und  Indien  zur  Verbrennung  bei  religiösen ­
  Ceremonien  eingeführt.  Die  Einsuhr ­
  betrug  1879  (in  Millionen  Mark):
Bauholz  .  .  .  3,2  I  Sapanholz  .  .  2,0
Sandelholz  .  .  l,o  |  Andre  Hölzer  .  1,2
Die  Mine  r  aIschätze  des  Landes  sind
sehr  bedeutend.  Edelmetalle  scheinen  allerdings ­
  nicht  in  beträchtlichen  Mengen  vorhanden ­
  zu  sein,  aber  große  und  reiche  Lager
von  Kohle  und  Eisen,  von  Kupfer,  Quecksilber ­
  und  Zinn  finden  sich  anvielenOrten.
Auf  dem  asiatischen  Kontinent  besitzt  C.
die  grössten  Kohlenschätze.  Nach  Nicht-Hofen
  fehlen  keiner  der  18  Provinzen  des
Reichs  Kohlenfelder.  Den  ersten  Rang
nehmen  die  Südhälfte  von  Schaust  (wo
letzt  l,7  Mill.  metr.  Tonnen  gefördert  werden),
  das  südliche  Hunan  (600,000  Ton.
Isthrlich),  das  westliche  Schansung  und  das
östliche  Kansu  ein.  Man  schätzt'die  Ausdehnung ­
  der  chinesischen  Kohlenfclder  auf
■&amp;gt;00,000  qkm.  DerKohlenbergbau  ist  sehr
ult;  der  Gebrauch  von  Kohle  in  C.  lässt
Rh  schon  im  3.  Jahrh.  v.Chr.  nachweisen,
und  dem  Abbau  stehen  keinerlei  Hindernisse
ķ  Weg.  Jeder,  dem  es  beliebt,  darf  ein
Kohlenlager  abbauen.  Aber  die  Gcwin-&amp;gt;ung
  ist  noch  ebenso  primitiv  wie  vor  Jahresenden ­
  und  der  Preis  durch  den  kost-Handelsgcographie.


¡pass
ungefähr  Vis  der  Kohlcnprodnktion  von
Deutschland,  und  die  Einfuhr  ist  im
»4  Si
VN  andarín  die  Erlaubnis  zur  Bildung
einer  Aktiengesellschaft  gegeben,  um  180
km  westlich  von  Tschifu  ein  Kohlcnwcrk
nut  alleii  modernen  wissenschaftlickcn
Hülfsmitteln  auszurüsten  und  zum  Behuf ­
  des  Transports  der  gewonnenen  Kohle
eine  Tramwaylinie  zum  Meer  herzustellen.
Im  Zusanlmenhang  mit  diesen  Kohlenseldern
  kommen  mächtige  Lager  von  Eisenerzen ­
  vor.  so  in  den  Provinzen  Schansi,
Hunan,  Jünnan  undSetschuan,  und  eine
große  Menge  von  Menschen  finden  in  den
Elsenwerken,  namentlich  Schansis,  Beschäftigung. ­
  Aber  der  Betrieb  ist  ein  sehr
primitiver,  und  eigentliche  Hohofeuanlagen
  sind  nirgends  anzutreffen.  Daher  findet
Europa,  nainentlich  England,  hier  einen
ergiebigen  Markt  für  seine  Metallfabrikate,
üoit  bum  1879  Mir  24,792,402  9)(f.  ein;
lKsuhrt  wurden.  Davon  entfielen  auf:

Kupfer  und  Kupferwareu  .  1,8  Mill.  Mark
Eisen  und  Eisenwarcu  .  .  6,o  -

:  ?:7  .  .
Quecksilber  i, 9  -
Zinn  6,o  .

Die  Ausfuhr  von  Waren  in  Messing,  Kupfer, ­
  Eisen  und  Zinn  chinesischen  Fabrikats
belief  sich  1878  auf  nur  837,344  Mk.,  die
höchste  Summe,  welche  dieselbe  je  erreicht
hatte,  1879  auf  787,476  Mk.
Die  Fischerei  und  zwar  das  Fischen
von  Pflanzen  wie  von  Süßwasscrtieren
und  einigen  Sectiercn  beschäftigt  eine  große
Menge  von  Leuten,  und  Fischereiprodukte
bilden  einen  sehr  wesentlichen  Bestand  der
Volksnahrung;  dennoch  ist  der  Ertrag  der
Fischereien  nicht  reichlich  gemtg,  um  denl
Bedürfnis  zu  geuügeu;  daher  belief  sich
1879  die  Ausfuhr  auf  541,848  Mk.,  während ­
  sich  die  Einfuhr  auf  2,596,530  Mk.
stellte.  Außerdem  werden  auch,namentlich
aus  Japan,  allerlei  Produkte  der  See  eingeführt: ­
  Schaltiere,  Krabben,  Trepang,
        <pb n="106" />
        I

98

China  (Industrie,  Handel).

Seegras  u.  a.,  deren  Wert  sich  über  10,8
Mill.  Mk.  erhebt.  Namentlich  sind  Seegras ­
  und  Agar-Agar  (letzteres  aus  dem
Ostindischen  Archipel  zunr  Appretieren  der
Seidenzeuge  und  zum  Leimen  des  Papiers
eingeführt)  an  Menge  stets  wachsende  Artikel. ­
  Diese  gallertartige  Masse  sollen  die
Salanganschwalben  zum  Ban  ihrer  Nester
gebrauchen,  einer  so  beliebten  Delikatesse,
daß  man  1879nicht  weniger  alS2,776,086
Mk.  für  diese  Vogelnester  verausgabte.
Industrie  und  Handel.
Die  Industrie  tritt  außer  den  schon
genannten  Seidenwaren  im  Handel  namentlich ­
  mit  Papier  und  Papierwaren,
Porzellan  und  Lackwaren  auf.  Die  Papiervereitung
  geht  bis  153  n.  Chr.  zurück.
Die  sehr  dauerhaften  Sorten,  zìi  denen
man  Hanffasern,  junge  Bambussprosscn,
Maulbeerbanmrinde,  Rotang  (Spanisches
  Rohr),  Meeralgen,  Reis-  und  Weizenstroh ­
  verwendet,  werden  in  E.  selbst  zu
Fenstern  unb  Regenschirmüberzügen  verarbeitet. ­
  Das  chinesische  Papier  ist  von
großer  Zähigkeit  und  für  gewisse  Zwecke
vorzüglich  geeignet;  der  Export  ist  daher
in  jüngster  Zeit  sehr  erheblich  gestiegen  und
hatte  1879  eiucnWert  von  3,324,390  Mk.
erreicht.  Die  Porzellanfabrikation  ist  mir
hinsichtlich  der  Größe  ihrer  Vasen  allen
übrigen  Völker,:  voraus,  auch  werden  chinesische ­
  Porzellane  zum  großen  Teil  als
Kuriositäten  gehandelt.  Der  Ausfuhrwert
erreichte  1879  aber  immer  die  Höhe  vou
2,010,226  3RÎ.
Ķ  Der  Handel  mit  dem  Ausland  ist  mit
wenigen  Ausnahmen  in  den  Händen  europäischer ­
  und  amerikanischer  Handelshäuser. ­
  Bis  1842  war  der  Verkehr  zu  Lande
nur  überMaimatschiu,  Kiachta  gegenüber,
möglich,  zur  Sec  nur  über  Kanton.  Jetzt
sind  dem  auswärtigen  Handel  21  Häfen
geöffnet  (s.  S.  94).  In  diesen  Traktats-Häfen
  bezifferte  sich  der  gesamte  Handel
(Einfuhr  und  Ausfuhr)  1878  aus  856,4
gm.,  1879  cus  92?  gm.  9%r.  %on
dem  1879er  Betrag  entfallen  auf:
Vereinigte  Staaten  69,o
Japan  ....  33,9
Rußland  (via
Machia)  .  .  .  25,7
Australien  .  .  .  12,2

England.  .  .  278,7
Hongkong.  .  .  276,2
Ostindien.  .  .  151,4
Europ.  Kontinent. ­
  .  .  .  73,2

Die  wichtigsten  Handelsgegenstände  sind,
dem  Wert  nach  geordnet  (in  Mill.  Mark):
Ausfuhr
Thee....
Rohseide  .  .
Scidenwarcn.
Zucker  .  .  .
Strohgeflechte.
Papier  und  Mc-Einfuhr


Opium....  219,2
Banmwollwaren.  135,o
Wollwaren  .  .  29,7
Metalle  und  Metallwaren ­
  .  .  24,8
Steinkohle...  4,8
Ginseng  ...  5,8
Rohbaumwolle  .  9,3

tallfolien.
Porzellan  rc..
Häute  .  .  .

Die  Seezollämtcr  wurden  1854  errichtet, ­
  um  den  Eingang  derZolleiuuahmeii
zu  überwachen,  welche  der  Bezahlung  der
Kriegsschuld  an  die  Westmächte  als  Sicherheit ­
  dienen  sollten.  Nachher  behielt  die
Regierung  dieses  Institut  bei.  Der  Sitz
des  Generaliuspektors  ist  in  Peking.  Derselbe ­
  ist  Engländer  ebensolche  dieZolldirektoren
  in  den  Traktatshäfen.  1879  betrugen
dieZolleinnahmen81  ,iMill.Mk.,  nämlich:
Einfuhrzölle  .  29,o  Kiistcnhandcls  -
Ausfuhrzölle  .  44,i  zölle  ...  4,5
Dllrchfuhrzöllc  2,o  Tonnengelder.  1,5
Der  Handel  über  die  Landesgrenze,  derjenige ­
  Hongkongs  sowie  der  vermittelst
chinesischer  Schisse  in  den  nicht  geöffneten
Hafen  entziehen  sich  der  Kontrolle.  Der
Laudlveg  ilber  Rußland  verliert  aber  immer ­
  mehr  an  Bedeutung;  der  Transport
eines  Pfundes  Thee  (dès  Hauptauöfuhrartikels)
  von  einem  chinesischen  Hafen  bis
London  kostet  20—30  Pf.,  auf  dem  Landweg ­
  bis  gRoSkau  nahezu  2  Mk.
Eine  dem  chinesischen  (auch  demjapanesischen)
  Handel  eigentümliche  Institution
ist  die  der  E  o  m  P  r  a  d  o  r  e,  Zwischenhändler ­
  zwischen  dem  chinesischen  und  dem
fremdeil  Kaufmann,  zugleich  Kassierer
der  ansässigen  europäischen  und  amerikanischen ­
  Kaufleute  und  deren  Dolmetscher
bei  allen  Geschäften  mit  Chinesen.  Außer
einer  Kommission  beziehen  sie  festen  Gehalt, ­
  sind  oft  reiche  Leute,  die  auch  eigne
Geschäfte  machen.  DerCompradore  leistet
mit  seinem  Vermögen  Bürgschaft  für  die
Zahlungsfähigkeit  und,  Ehrlichkeit  der
chinesischen  Händler  sowie  für  die  Zuverlässigkeit ­
  und  Brauchbarkeit  der  im  Haus
verwendeten  Diener  und  Wächter.
Konsulate.  Für  jeden  der  vier  Juris-Artikel,

  die  unter  C  vermißt  werden,  sind  unter  K  nachzuschlagen.
        <pb n="107" />
        b  Fhottgbqu-fe  :  Schanghai,  Amoy,  Kautüii
  und  Tientsin  ist  ein  Bernfökoiisul  (in
Schanghai  Generalkonsul  mit  VieekousuN
DLsLSW-LL'L
und  Tschşfu^  Ņ'  Şwa'au,  Niutschwang
Berkehrstveseii.
ZMZMZ
WZZWZ
ş&amp;gt;Ulsischan,  2875  km  oberhalb  der  Münfür
  %ook,  big  3#&amp;lt;wn  i»
ä/02  km  oberhalb  der  Mündung,  für
Aau'pfer  schiffbar.  Oberhalb  Nanking
ft  der  Fluß  mehr  alö  6  km  breit,  die
mitt  macht  sich  bis  600  km  auswärts
bemerkbar.  Er  wimmelt  von  Schiffen,
-Marken,  Booten  und  Flößen:  zwei  europäische ­
  Dampfschiffahrtsgesellschaften  belehren ­
  ihn  ein-  bis  dreimal  wöchentlich
bls  Hankari.  Die  TraktatShäscn  Tschinņang,
  Kiutiang,  Hankau  und  Itschang
"egen  an  seinen  Usern;  andre  wichtige
@Wcfmb:  9kmfi„n,
Aeu,  Klngtscheu.  Kivcitschau,  Tschnnklng,
  Sutscheusu,  Likiang.  Der  zweite
Hauptstrom  ist  der  H  oan  gho.  4100km
lang,  mit  lebhafter  Schiffahrt;  doch  ist  der
llnterlanf  nicht  für  Dampfer  geeignet  lind
der  Mittellauf  nur  für  kürzere  Strecken
Die  Mündung  hat  durch  große  Überschwemmungen, ­
  gegen  welche  früher  riesige
  breite  und  21  m  hohe  Uferbautcn  von
"Ģ0  Arbeitern  unterhalten  wiirden,

(^ljiua  (Konsulate,  Verkehrswesen).

■

gôÄS'ÄS
Ai,»/  r'Nj!  der  chinesisch-centralasiatischen
ussilhrstraße  nach  Sibirieil,  da  der  Thee
eins  mittlern  don  dem  Jantsckiang
N&amp;gt;,--,şèeer,  von  dort  nach  Tientsin  an  der
d&amp;gt;,,  Y,  des  Peiho  (ivo  das  Einlaufen
)  une  Barre  erschwert  wird)  und  dann
KI-  re  im.  ...

Slvtifcr,  bic  unter  G  vermißt  werben,  sind  unter  K  nachzuschlagen.

W
ZMWM
1878  ;  20928  Schiffe  von  10440394  Tonnen
1879  :  21409  -  -  13927221
WMZZ
den.  und  linin'  »

7*
        <pb n="108" />
        100

China  (Finanzen,  Kreditwesen,  Geld  re.).

4,206,771  T.  Die  schnelle  Zunahme  dieser
Schisse  ist  auffallend;  1873  gab  es  erst
344  von  176,017  T.  Der  Anteil  der  wichtigsten ­
  fremden  Flaggen  war  1879:
Britische  .  .  10609  Schiffe  von  8126004  Tonnen
Deutsche  .  .  1907  -  -  721046  -
Amerikanische  981  -  -  270632  -
Französische.  164  -  -  154995  -
Japanesische  157  -  -  138208
Den  auswärtigen  Handel  vermittelt  zum
größten  Teil  die  britische  Flagge;  am  Küflenhandel
  partizipieren  die  britische  und
die  chinesische  Flagge  zu  fast  gleichen  Teilen,
Flaggen  aller  übrigen  Nationen  treten  dagegen ­
  vollkommen  zurück.  1879  war  die
Beteiligung  am  auswärtigen  Handel  (in
Millionen  Mark):
Schiffe  Einfuhr  Ausfuhr
Britische  ....  425,i  297,7
Französische  .  .  .  28,o  76,4
Deutsche  ....  19,3  14,i
Japanesische.  .  .  13,6  28,o
Amerikanische  .  .  13,4  3,6
Russische  ....  0,i  24,9
Chinesische  ...  8,1  1,7
Der  gesamte  Einfuhrwert  des  auswärtigen ­
  Handels  belief  sich  auf  509  Mill.
Mk.,  der  Ausfuhrwert  auf  449,i  Mill.
Mk.  Dagegen  betrug  der  Wert  des
Küstenhandels  in  der  Einfuhr  883.7  Milk.
Mk.,  in  der  Ausfuhr  808,i  Mill.  Mk.,
woran  sich  die  bedeutendsten  Flaggen  wie
folgt  beteiligten  (in  Millionen  Mark):
Schiffe  Einfuhr  Ausfuhr
Britische  ....  444,4  403,7
Chinesische  .  .  .  367,5  340,8
Deutsche  ....  43,9  37,o
Amerikanische  .  .  19,6  16,i
Spanische....  4,3  2,8
Dänische  ....  2,o  1,9
Französische  ...  2,4  3,1
Finanzen,  Kreditwesen  re.
Die  Einnahmen  fließen  aus  einer
Land-  und  Reissteuer,  welche  direkt  den
Grundbesitz  treffen,  aus  dem  Salzmonopol, ­
  einer  Stempeltare,  einer  Umschrcibegebühr
  von  8  Proz.  des  Verkaufspreises
und  aus  den  Grenz-  und  Binnenzöllen.
Zuverlässige  Daten  über  den  gegenwärtigen ­
  Stand  derselben  sind  nicht  zu  erhalten. ­
  Nach  A.  HippiSley  beliesen  sich  die
Einnahmen  1875  auf  502  Mill.  Mk.  Die
Einnahmen  der  Zollbehörden  in  den  den

Fremden  geöffneten  Häfen  betrugen  1878:
74,9  Mill.,  1879:  81,2  Mill.  Mk.,  wovon
68,i  Mill,  auf  den  auswärtigen,  13,i  Mill.
Mk.  auf  den  innern  Handel  entfallen.
Die  Staatsschuld  besteht  aus  einer
innern  und  einer  äußern.  Der  Betrag
der  erster»  ist  nicht  bekannt;  die  erste
äußere  Anleihe  wurde  1874  im  Betrag
von  &amp;gt;2,553,500  Mk.  zum  Emissionskurs
von  95  und  einem  Zinsfuß  von  8  Proz.
gemacht.  Diese  Anleihe  wird  durch  die
Zollerträge  garantiert.
Kreditwesen.  ES  besteht  in  den
Traktatshäfen  eine  ganze  Anzahl  von
Banken,  die  von  England  ans  gegründet
wurden:  Hongkong  and  Shanghai  Banking ­
  Corporation,  Chartered  Bank  of
India,  Australia  and  China,  Chartered
mercantile  Bank  of  India,  London  and
China,  Oriental  Bank  Corporation,
National  Bank  of  India,  Agra  Bank;
ferner  das  französische  Comptoir  d'Escompte
  de  Paris.  Chinesische  Banken
bestanden  schon  im  1.  Jahrh.  n.  Chr.;
die  Mehrzahl  der  heutigen  chinesischen
Bankiers  sind  zugleich  Pfandleiher  und
bilden  als  solche  eine  sehr  einflußreiche,
angesehene  Gilde.  Der  Zinsfuß  beträgt
durchschnittlich  10—15  Proz.  Anstatt
des  früher  emittierten  Staatspapiergelds,
das  wegen  der  von  der  Regierung  systematisch' ­
  verübten  Betrügereien  in  Mißkredit ­
  kam,  geben  die  chinesischen  Banken
gegen  einige  Sicherheit  Noten  aus.  In
Tientsin  emittieren  etwa  300  Banken
Noten.  Dieselben  haben  ungefähr  die
Größe  europäischer  Banknoten,  sind  auf
starkes,  grobes  Papier  gedruckt  und  mit
einer  Menge  Stempel  versehen,  um
Fälschungen  zu  vermeiden.  Die  niedrigsten ­
  Noten  lauten  auf  100  Käsch  (1
m.)  wo  10,000  (99  m.).
Papiergeld  ist  dem  Kurs  unterworfen  und
sank  1869  so  stark,  daß  man  in  Peting
für  1000  Papier  -  nur  49  Kupferkäsch  erhielt. ­
  Die  Banken  erheben  für  die  Regierung ­
  Taren  und  Steuern.
Geld,  Maße  und  Gewichte.  Die
vorwiegende  Cirkulation  besteht  in  Silber.
Geprägte  Gold-und  Silbermünzen  besitzt ­
  C.  nicht.  Das  Silbermetall  gilt
seinem  Gewicht  nach  als  Wertmesser.

Artikel,  die  unter  E  vermißt  werde»,  sind  unter  K  Iiachzuschlage».
        <pb n="109" />
        Chittagong  —  Christiansand.

Iu  chinesischen  Städten  ist  der  Gewichtstael
  feinen  Silbers  (5  Schilling
^  U  d.  englisch  ober  6,47  Mk.)  Rech-»nngâinļinzè;
  die  spanischen  und  mejikanischen
  Dollars  wie  auch  Silber  iir  Form
swn  Kegeln  oder  kleinen  Badewannen,
Syci  (Seist)  genannt,  stub  Aahlungsu»d
  Tauschmittel.  Der  Händler  stempelt
den  Wert  ,  das  Datum  und  seine  Firma
auf.  Gelangt  der  Dollar  oder  Syci  in
einen  andern  Bezirk,  so  wird  er  abermals
gewogen  und  gestempelt,  so  daß  er  schließuch
  vollkommen  unkenntlich  wird.  Gold
m  Barren  nimmt  man  zur  Bezahlung
größerer  Summen  nach  dem  Gewicht  an.
Die  gebräuchlichsten  Maße  sind:  a)  Längenmaße ­
  -ITschih—32mn;  lOTschih  —
1  Tschang  —  3,6  m;  1  Li  (Wegmaß)  —
0^5  m;  250  —  I o  des  Äquators,  b)  Feldmaße: ­
  1  Man  —  6,31  Ar.  c)  Hohlmaße:
sŞchin  oder  Schlug  —  10,si  Lit.;  1  Schih
.  Chittagong  tspr.  tschittagong),  Hafenstadt
"l  der  britisch-ind.  Präsidentschaft  Bengalen; ­
  20,000  Einw.  Deutsche  Konsularggentur;
  Comptoir  d'Escompte  de  Paris
Sncc.,  Bank  of  Madras.
Chiwa,  Chanat  und  seht  russ.  Vasallenstaat ­
  in  Westturkistan,  ca.  57,800  qkm
(lOöO  QM.)  mit  etwa  700,000  Bewoh-'
lievu.  Produkte  sind:  Getreide,  namentlich ­
  Weizen,  Früchte,  Flachs,  Krapp  und
viel  Baumwolle  (jährlich  ca.  20  Mill,
kg),  welche  meist  nach  Rußland  ausgeführt ­
  wird.  Der  Handel  mit  Rußland
ist  aber  der  Unsicherheit  wegen  stark  im  Abilehmen,
  währeild  nach  Persien  zu  der
Verkehr  durch  die  wasserlose  Turkmenenwüste ­
  erschwert  wird.
.  Christchurch  (spr.  -tschörtsch),  Hafenstadt
ln  Neuseeland  und  Eisenbahnstation;
0878120,043  Einw.  Deutsches  Konsulat;
Bank  of  Australasia,  Bank  of  New  Zealand,
  Natioilal  Bank  of  Ne&amp;gt;v  Zealand.
Christiania,  Hauptstadt  des  Königreichs ­
  Norwegen,  im  Hintergrund  des
110  km  langen  Christiauiafjordö  und  an

101

Maatschappij,  R.  Sloman  (Hamburg)
und  der  hier  domizilierten  Söndenfjldk
Dampsklbselökab;  (taso)  119,407  Einw
Deutsches  BerufSkousulat  (Amtsbezirk-Königreich
  Norwcgen,  im  engern  Sinn  der
Zolldistritt  E.  und  der  Zollstättedistrikt
Horten);  Börse;  C.  Bank  og  Creditkas,
Hypothekenbanken,  Noröke  Kreditbank.
Baumwollspinnereien,  Webereien,  mechanische ­
  Werkstätten,  Papier-  und  Ölmühlen, ­
  Seifensiedereien,  Branntweinbrennereien ­
  und  Bierbrauereien,  Sägemühlen ­
  u.  a.  —  Der  Hafen  ist  gut  und
sicher,  aber  3—4  Mor.ate  durch  Eis  unzugänglich ­
  ;  1879  liefen
ein:  1635,Schiffe  von  391,998  Tonnen
aus:  1367  -  .  348,695  -
Unter  den  eingelaufenen  waren  deutsche
91  mit  7636  T.  ;  von  deutschen  Häfen
einklariert:  229  Schiffe  von  48,130  T..  dahin ­
  ausklariert:  173  Schiffe  von  37,433
T.  —  Die  Handelsflotte  der  Stadt
zählte  1872:  204  Segelschiffe  von  98,634
T.  und  17  Dampfer  von  3081  T.  Haupteinfuhrartikel
  1878  (in  Millionen  Mark)  :

Fleisch  und  Speck  5,»
Zucker  ....  4,s
Weizenmehl  .  .  4o

Kaffee
Petroleum.
Branntwein

3.2
2,8
1.2

fccu  Bahnen  E.-Stockholm,  E  -Dramme»,
C.-Frederikshald;  Station  der  Dampferlniicn:
  Vereinigte  Dampfschiffgefellschast
(Stettin),  Dänische  Dampfschisfgcsclllchaft
  (Lübeck),  Nederlandsche  Stoomboot

ferner:  Steinkohlen  (1,266,048  Ton.),
Reis,  Salz  re.;  Ausfuhr  von  Fischen,
Zündhölzern,  Eis,  Nageln  (Spiker),  Eisen ­
  und  Stahl,  Nickelstern,  kondensierter
Milch,  Holzmasse,  Holzpappe  und  Holzpapier, ­
  gehaltenen  Steinen  und  Branntwein. ­
  Deutschland  ist  mit  Ausnahme  von
Steinkohle  an  dem  Handel  mit  allen  Gegenständen, ­
  bei  einigen  sogar  ausschließlich, ­
  beteiligt.  —  P  l  atz  geb  r  ä  u  ch  c.  Bretter ­
  und  Planken  verkauft  man  hierher
nach  dein  »Hundert«  (120  Stück)  oder
beut  Tylt  (12  Stück).  ins  Ausland  nach
dem  laufenden  Fuß,  Stockfisch,  Hanf,  Virginiatabak
  und  Knochen  nach  dem  Vog
(36  Pfd.),  Dorsch  nach  dem  Großhilndcrt
(120),  Ziegen-  und  Kalbfelle  nach  beut
Decher  (10  Stück).  Verkäufe  in  der  Regel
auf  vier  Monate  Kredit.
Christiailsand,  Stadt  im  gleichnamigen
  (südlichsten)  Stift  Norwegens
Station  der  Bergenske  og  Nordenfjeldske
ĶgLSTCK

Artikel,  die  unter  E  vermißt  werbe»,  sind  unter  K  unchzuschlageu.
        <pb n="110" />
        102

Christiansund  —  Cincinnati.

burg);  (1875)  11,766  Einw.  Deutsches
Konsulat  (Amtsbezirk:  das  Amt  Lister
und  Mandai);  Filialafd.  as  Norges  Bank,
Christiansands  Sparbank.  —  Bedeutende
Fischerei  und  Handel.  1878  wertete  die
Einfuhr  (Roggen,  Bntter,  Kaffee  re.)  3,9
Mill.,  die  Ausfuhr  (Holz,  Papier  rc.)  2,2
Mill.Mk.  Es  liefen  1878  ein:  736  Schisse
von  167,888  Ton.,  aus:  756  Schiffe
von  162,991  T.  1879  verkehrten  hier  35
deutsche  Schiffe  von  2564  T-Christiansund,
  Seestadt  im  norweg.
Amt  Rvmödal  mit  vorzüglichem  Hafen,
Station  der  Bergenske  og  Nordenfjeldske
Dampskibselskab  und  R.  Sloman  (Hamburg); ­
  (1875)  7600  Einw.  Deutsches  Vicekonsulat
  (Zollstättedistrikt:  C.);  Sparebank ­
  Afdeln.,  Throndhjem  Privatbank  Filiale. ­
  —  1878  :  Wert  der  Einfuhr  (Salze,
Roggen  rc.)  1,2  Mill.  Mk.,  davon  deutsch
432,156  m.;  bcc  Bugs#  13,8  ^».99^.
(11  Mill.  Mk.  Klippfisch),  davon  deutsch
2,21  Mill.  Mk.  1879  liefen  4  deutsche
Schiffe  von  408  Ton.  ein.
Christincstad,  s.  Kristiucstad.
Cyulum,  s.  Afghanistan.
Crenfuegos,  Hafenstadt  an  der  Sndküste
  der  spanisch-wcstind.  Insel  Cuba,
Station  der  Dampferliuie  Fletcher  and
Co.  (Liverpool);  2500  Eiillv.  Deutsches
Vicekoilsulat.  Ausfuhr  von  Zucker,  meist
nach  den  Vereinigten  Staaten,  Mahagouiund
  Cedernholz  und  Tabak  nach  Europa.
1879  liefen  380  Schiffe  (40  Dampfer)  mit
141,165  Ton.  ein,  darunter  ein  deutsches.
CimbriShamn,  Hafenplatz  im  südl.
Schweden,  im  O.  von  Pst  ad;  1600  Einw.
Deutsche  Konsularageutur;  Skäucö  Enskilde
  Banks  Afdeln.  Kontor.
Cinrinnatitspr.  sstnnssinnstl),  Hauptstadt
der  Grafschaft  Hamilton  im  nordamerikan.
Staat  Ohio,  am  Ohiofluß;  (isso)  255,708,
mit  den  Vorstädten  Covington  und  Newport
  ca.  300,000  Einw.,  davon  50,000
Deutsche  (man  zählt  20  evangel,  deutsche
Gemeinden,  12  kathol.  deutsche  Kirchen,
15,000  deutsche  Juden  ;  die  deutscheSprache
ist  in  den  Schulen  obligatorisch).  Deutsches
Berusskonsulat  (Amtsbezirk:  Indiana,
Ohio,  Kentucky,  Westvirginia  und  Michigan). ­
  —  Als  Fabrikstadt  nimmt  C.
nach  Philadelphia  und  New  Pork  die  erste

Stelle  ein.  Die  Hauptrichtuugen  sind  vertreten ­
  in  der  Lebensmittel  -,  Stärke  -,  Tabak-, ­
  Kleider-  und  Möbclfabrikation.
Es  waren  1879:
Anzahl  der  Fabriken.  .  .  5272
Kapital  (Mark,  230036860
Wert  des  Grundeigentums  (Mark)  180982  748
Zahl  der  Arbeiter  07145
Wert  der  Produkte  (Mark).  .  .  554944060
Hauptsächlichste  Fabrikationsgegcuständc
(Wert  in  Millionen  Mark):
Geistige  Getränke  98,i  Bekleidung  .  .  47,o
Lebensmittel.  .  88,  i  Leder  ....  35,3
Eisen  ....  58,0  Seife,  Lichte,
Holz  51,7  Öle.  .  .  .  34,i
ferner:  Druckerei,  Papier,  Tabak,  Chemikalien, ­
  Metalle  (andre  als  Eisen,  Wagen,
Eisenbahnwaggons),  Stein  und  Thon
in  Wertcil  von  19,8-9,5  Mill.  Mk.  Es
wurden  hier  1879:  623,584  Schweine  im
Wert  vonA.9,1  Mill.Mk.  geschlachtet;  in
C.  und  Umgegend  wllrdcn  86  Mill.  Lit.
Whiskey  im  Wert  von  88,i  Mill.  Doll,
destilliert  und  58,5  Mill.  L.  Brauiltwcin
verarbeitet,  auf  welche  eine  Steuer  von
44  Mill.  Mk.  gezahlt  wurde.  Die  hiesigen ­
  Tabakfabriken  lieferten  98,389,000
Cigarren  und  Cigaretten,  und  für  35,3
Mill.  Mk.  Tabak  wilrde  eingeführt.  Die
Brauereien,  sämtlich  in  den  Händen  von
Deutschen,  produzierten  846  Mill.  Lit.  im
Wert  von  18,8  Mill.  Doll.  In  34  Papierfabriken ­
  wurden  24  Mill,  kg  zum  Wert
von  11,4  Mill.  Mk.  fabriziert.  —  Der
großartige  Handel  wird  in  erster  Linie
durch  den  Ohio  vermittelt.  Die  Haupthäfen,
  mit  welchen  direkter  Dampfbootverkehr ­
  stattfindet,  sind:  Pittsburg,  Louisville,
  St.  Louis,  Memphis  und  New
Orleans.  Der  Fluß  ist  aber  im  Winter
oft  längere  Zeit  zugefroren.  Die  hier
mündenden  Kanäle:  Erie-Ohiokanal  und
Miainikanal  haben  für  den  Handel  geringe ­
  Bedeutung.  Dagegen  sind  dieEiseubahnen
  wichtig,  deren  hier  14  münden.
Durch  die  hohen  Schutzzölle  ist  die  Einfuhr ­
  fremder  Waren  sehr  erschwert,  doch
gestattet  die  Errichtung  einer  besondern
Zollabfertigungsstelle  direkte  Versendung
hierher.  Nur  geistige  Getränke  sind  ausgeschlossen. ­
  Vom  Ausland  kamen  1878
bis  1879  Waren  im  Wert  von  3,85  Mill.

Artikel,  die  unter  «  vermißt  werben,  sind  unter  K  »ach,»schlagen.
        <pb n="111" />
        Ciudad  Bolivar  —  Clyde.

103

Mk.,  davon  für  3,58  Mill,  direkt,  wofür
1,4»  Mill.  Mk.  an  Zöllen  gezahlt  wurde.
Hauptpvsteu  waren:  Woll-,  Baumwollund
  Leinenwaren,  Porzellan  und  Thongeschirr, ­
  Glycerin,  Seidenwaren.  —  Als
Stapelplatz  für  amerikanische  Produkte
ttnnmt  C.  eine  hohe  Stelle  ein;  als  Ge-&amp;gt;entwert
  kann  man  für  1879  annehmen:
Zufuhr  832,6,  Versand  769,-»  Mill.  Mk.;
'-avau  waren  Hauptposten:
Zufuhr  Versand
Weizen  27,4  16,6
Schweinefleisch...  6,7  36,0
Baumwolle....  48,0  48,7
Lustige  wichtige  Handelsartikel  sind:
(7G  wm.  m.),  (18,2  wut.),
-noheisen  (18,3  Mill.),  Spezereiwaren
M,7  Mill.),  Steinkohle  (IO,4  Mill.),
gcWmm  (7,5  9m.),  Bode  (5,3  9MÌO.),
Aļ.tter,  Oleomaraarin,  Käse,  Stärke,
Seife,  Lichte,  Salz,  Heu,  Eis.  —  Das
Aearmghouse  (ails  6  National-  und  10
Privatbanken  gebildet,  mit  22,26  Mill.  Mk.
ļ)atte  1878  einen  Umsatz  von
2193  Mill.,  1879  von  2415  Mill.  Mk.  —
àr  F  ina  liz-Abrechnung  der  Stadt  für
Ņ9  zeigte  eine  Schuld  von  108  Mill.
JJef.  (davon  80  Mill,  für  die  Bahn  iiach
Chattanooga);  das  Grundeigentum  hatte
mien  Wert  von  708  Mill.  Mk.;  die
Steuerlast  betrug  3  Proz.  voin  Kapital.
Ciudad  Bolivar  (spr.  dsiudád  bol,'war,
Angostura),  Stadtu.Seehafen  im  südamerikan.
  Freistaat  Venezuela,  am  Orinoko, ­
  355  km  oberhalb  dessen  Mündung;
(1873)  8486  Einw.  Deutsches  Konsulat.  —
Der  Großhandel  ist  fast  ausschließlich  in
den  Händen  deutscher  Firmen.  Es  wurden
1879  ausgeführt:  Kaffee  (136,620  kg),
Kautschuk,  Tonkabohnen,  Gold  im  Wert
40,2  am.  m.,  (85,300
Stück),  Piassava,  Baumwolle,  Tabak  n.a.,
uach  Deutschland  Kaffee,  Kopaivabalsam,
Pabak,  Simaruba.  Die  meisten  der  importlerten
  Waren  koullnen  ans  deutschen  Hä-&amp;gt;0l
  und  auf  deutschen  Schiffen.  1879  liefen ­
  69  Schiffe  von  13,598  Ton.  ein,  da-^oii
  g  deutsche  von  1684  T.  —  Wechselbörse ­
  wie  La  Guaira  (s.  G  na  ir  a).
Ciudad  de  los  Palmas,  s.  Palma.
CibilaBetchia  lspr.  tschíwitñ  weckja),  Ha-&amp;gt;  vuiu,  vm  vic„cu  oci
Knstñdt  in  der  ital.  Provinz  Rom,  am  Mit-  &amp;gt;  Greenock  in  die  Irische  Sec.  Mit  dem
Artikel,  die  unter  E  vermißt  werde»,  sind  unter  K  nachzuschlagen

telmcer,  durch  Eisenbahn  mit  Rom  und
Livorno  verbunden;  Station  der  Nedcrlandsche
  Stoomboot  Maatschappij,  Comp.
Fraissinet  (Genua),  Messageries  maritimes, ­
  Società  Nttbattino,  Valery  Frères
et  Fils;  (i87i)  11,640  Einw.  Deutsches
Konsulat  (Amtsbezirk:  die  südliche  Region ­
  Ostia,  Porto  d'Anzio  bis  Terracina)  ;
Handelstribunal.  —  Der  große,  130,000
gin  messende  Kriegshafen  ist  zugleich  Handelshafen, ­
  in  welchem  1877  verkehrten:
403  Schiffe  von  110,280  Ton.  in  internationaler ­
  Fahrt  und  1470  Schiffe  von
347,295  T.  in  Küstenfahrt.
Clermont  (spr.  -mong),  Hauptstadt  des
franz.  Departements  Puy  de  Döme,  an
der  Eisenbahn  Paris-Lyon;  (Wó)  37,074
Eiilw.  Banque  de  France,  Credit  Lyonnais; ­
  Leinwandhalle,  Getreidchalle;  Fabrikation ­
  von  Leder,  Leinwand,  Hanf.
C.  ist  wichtig  als  Entrepot  für  die  Umgegend, ­
  selbst  für  Paris,  Lyon,  Bordeaux.
Cleveland  (spr.  tlihwland),  Stadt  im
nordamerikan.  Staat  Ohio  nütZollhafen,
das  Emporium  des  nördlichen  Ohio  und
nächst  Cincinnati  die  bedeutendste  Stadt
im  Staat,  an  der  Mündung  des  Cuyahogaflusses
  in  den  Eriesee  und  am  Ende
des  Ohiokanals,  der  den  See  mit  dem
Mississippi  verbindet,  sowie  an  der  Bahn
Philadelphia-C.  ;  (isso)  160,142  Einw.
(darunter  18,806  Deutsche).  Ressort  des
deutschen  Generalkonsuls  in  New  Pork.  —
Von  größer»  gewerblichen  Anstalten  zählte
man  1870:  1149  mit  10,063  Arbeitern,
274  Dampfmaschinen  und  55  Mühlenrädern, ­
  welche  Waren  im  Wert  von  113,5
Mill.  Mk.  lieferten.  —  Der  Hafen,
einer  der  besten  am  Eriesee,  wird  durch
einen  370  m  langen  Damm  mit  Leuchtturm ­
  gesichert.  Die  Stadt  besaß  1872:
422  eigne  Schiffe  von  61,764Ton.  —  Die
Ausfuhr  amerikanischer  Produkte  belief
sich  1873  auf  5,9  Mill.  Mk.,  die  Einfuhr
auf  2,i  Mill.  Mk.  —  Das  Clearinghouse
hatte  1878  einen  Umsatz  von  242  Mill.,
1879  non  282  Skm.  m.
Clyde  (spr.  kleid),  Fluß  im  südlichen
Schottland,  entspringt  in  den  Bergen  von
Lanark  und  fällt  nach  110  km  langem
Lauf  durch  den  breiten  Cl  y  deb  usen  bei
        <pb n="112" />
        104  Cobän  —
Forth  ist  er  durch  den  Clydekanal
(Glasgowkanal)  verbunden.  Bis  Glasgow, ­
  wohin  die  Flut  geht,  ist  er  für  Seeschiffe ­
  von  5,5  m  Tiefgang  schiffbar  gemacht ­
  worden.  Unter  den  C  l  y  d  e  h  ä  f  e  n
versteht  man  Glasgow  und  Greenock.
Cobän,  Stadt  in  Guatemala;  16,000
Einw.  (2000  Weiße).  Deutsches  Vicekonulat;
  Mittelpunkt  eines  KaffccdistriktS
(Ernte  1878:2,3  Mill.Pfd.).  Warenumsatz ­
  840,000  Mk.,  von  der  Einfuhr  kommen ­
  drei  Viertel  and  Deutschland.  Häfen
für  E.  finí)  Belize  und  Livingstone.
Cocanäda  (Kakinada),  Hafenstadt
in  Ostindien,  Präsidentschaft  Madras,
nördlich  von  der  Godawcrimündung;
Station  des  Österreichisch-Ungar.  Lloyd;
(1870  17,839  Einw.  Deutsches  Konsulat;
Bank  of  Madras.  Die  Ausfuhr  (Baumwolle, ­
  MoSkovadc,  Reis,  Gingelly-,  Rübund
  Nigersamen,  Myrobalancn,  Büffeln.
  Hirschhörner,  Hans,  Häute,  Ricinusöl)
acht  nach  London,  dann  nach  Marseille,
Havre,  Genua.  Schiffsverkehr  1879:  228
Dampfer  und  45  Segelschiffe.
Cochabamba  (spr.  wiw,  Hauptstadt
des  gleichnamigen  Departements  der  Republik ­
  Bolivia;  41,000  Einw.  Deutsches
Konsulat  (Amtsbezirk:  die  Republik  Bolivia); ­
  Banco  nacional  snccnrfal.
Cochinchina,  f.  Kotşchinchina.
Colchester  cwr.  kolltsckcst'r),  Stadt  in  der
engl.  Grafschaft  Esser,  unsern  der  Mündung ­
  des  schiffbaren  Eolne  und  der  Eisenbahn ­
  von  London  nach  Norwich;  (i87i)
26,361  Einw.  London.andEonnty  Bank.
Seidenmannfaktur;  künstliche  Austernzucht
  und  Ansternfang.  Fischfang  wurde
1872  von  422  Booten  betrieben.  Zum
Hasen  gehörten  313  Schiffe  von  15,722
Ton.  1879  wertete  die  Einfuhr  598,020
Mk.,  Ausfuhr  sand  nicht  statt.
Colima,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
Staats  in  Mejiko,  mit  der  Hafenstadt
Manzanillo  am  Stillen  Ocean;  (1876)
23,599  Einw.  Deutsches  Konsulat.
Colombo,  Hauptstadt  derbrit.  Insel
Ceylon,  Station  desÖsterreichisch-Nngar.
Lloyd;  (1871)  100,238  Einw.  Deutsches
Konsulat.  Oriental  Bank  Corporation
(4  Mitt.  Rupien  Notenumlauf),  Chartered ­
  mercantile  Bank  for  India,  London
Artikel,  die  »»ter  E  vermißt  tre

Coquimbo.
and  China  (1  Mill.  Rupien  Notenumlauf).
1879  liefen  ein:  1538  Schiffe  von  607,726
Ton.,  stilò:  1504  Schiffe  mit  598,214
T.,  darunter  4  deutsche.  —  Platzgebräuche. ­
  Verkäufe  von  Baumwolle  (aus
Tinevelly)  schließt  man  gegen  Zahlung
eines  Vorschusses  auf  Lieferung,  die  oft
erst  4  Monate  nachher  erfolgt.  Wechsel
aus  London  6  Monate,  Bombay,  Kalkutta,
Madras  30  und  60  Tage  nach  Sicht.
Colon  (Aspinwall),  Freihafen  im
Staat  Panamá  der  Republik  Kolninbic»,
an  derLimonbai  und  Endstation  derEiseubahn
  C.-Panamá;  Station  der  Dampferlinien:
  Hamburg-Südamerikanische  Paketfahrt-Aktiengesellschaft, ­
  Royal  Mail
Steam  Packet  Co.,  Westindia  and  Pacific
Steamship  Co.,  Harrison-Linie  (Liverpool); ­
  5000  Einw.  (meist  Neger  und  Mulatten). ­
  Deutsches  Vicekoufulat.  Es  verkehrten ­
  hier  1877:  17  deutsche  Schiffe.
Comer  See,  See  in  der  iial.  Provinz
Como,  37  km  lang  und  2  —  6  km  breit.
Er  wird  regelmäßig  von  Dampfern  befahren ­
  in  der  Richtung  vonComo  nach  Colico, ­
  amNordende,  wo  dieAlpenstraßen  über
den  Splügen  und  daö  WormferJoch  enden.
Concepcion,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  Provinz  in  Chile,  durch  Bahn  mit
den  Häsen  Talcahuano  und  Lota  verbunden; ­
  (1875)  18,277  Einw.  Dcnlfcheö  Konsulat; ­
  Banco  nacional  de  Chile,  Banco
de  E.,  Banco  de  Valparaiso.  Lebhafter
Handel  mit  Weizen,  Mehl,  Wolle,  Steinkohle, ­
  Wein.
Coni,  s.  Cuneo.
Constitución,  Hafenstadt  in  Chile,
Provinz  Mánle;  0875)  6542  Einw.  Der
auswärtige  Handel  wertete  1876  in:  Einfuhr ­
  58,244  Mk.,  Ausfuhr  2,241,400  Mk.
Im  ersten  Halbjahr  1877  verkehrten  hier
118  Segelschiffe  und  104  Dampfer.
Cooks  -  Inseln  (H  e  r  v  e  y  -  I  n  s  e  l  n),
s.  Polynésien.
Copiapö,  Hauptstadt  der  chile».  Provinz ­
  Atacama,  durch  Eisenbahn  mit  dem
Hafen  Caldera  verbunden;  0875)  11,432
Einw.  Deutsches  Konsulat.  In  der  Nähe
reiche  Silbergruben.
Coquimbo  (it*,  -kim-),  Hafen-  und
Hauptstadt  der  gleichnamigen  Provinz  in
Chile,  Station  für  die  Dampfer  der  Pavo», ­
  si»d  unter  St  nachzuschlagen.
        <pb n="113" />
        105

Cordoba  —  Coruña,  La.

"sic  Steam  Navigation  Company,  Compagnie ­
  generale  transatlantique  undCom-Pañia
  Sudamericana  dos  Vapores;  (i875)
14,403  Einw.  Banco  deC.  —  1876:  Einf'%
  4,580,044,  26,725,800
-)»r  ersten  Halbjahr  1877  verkehrten  hier
r18  Segelschiffe  und  479  Dampfer.  Ausführt ­
  wird  namentlich  Kupfer.
Cordoba,  Stadt  in  der  gleichnamigen
Argentinischen  Provinz,  an  der  Eisenbahn
Buenos  AyreS-C.;  0877)  39,626  Einw.,
darunter  viele  Deutsche.  Deutsches  Vicekonsttlat
  (Amtsbezirk  :  die  Provinz  C.)  ;  Finale ­
  der  Nationalbank,  London  and  River
Plate  Bank.  Ausfuhr  von  Wolle,  Fellen
und  Häuten;  die  Einfuhr  aus  Deutschland ­
  (Bier,  Kurzwaren,  Droguen  u.  a.)
wertete  1879:  144,906  Mk.
Cordoba,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  span.  Provinz,  an  der  Eisenbahn
Madrid-Cadiz;  0877)49,855  Einw.  Deutsches ­
  Vicekonsulat  (Amtsbezirk:  die  Prownz
  C.).  Die  Industrie  erstreckt  sich  auf
G.cstd-  und  Silberarbeiten;  die  einst  berühmte ­
  Fabrikation  von  Leder  (Korduan)
stt  zurückgegangen,  ebenso  die  Pferdezucht.
Cork,  Hauptstadt  der  gleichnamigen
Grafschaft  in  der  irischen  Provinz  Munster, ­
  7  km  oberhalb  der  Mündung  des  Lee
in  die  Bai  von  C.  (C.  Harbour)  und  an
der  Bahnlinie  C.-  Limerick;  (i87i)  78,642
Einw.  Deutsches  Vicekonsulat  (Amtsbezirk: ­
  C.,  Queenstown,  Yougsal,  Kinsale
  und  Crookhaven);  Börse,  Zollhaus,
Kornbörse,  Bank  of  Ireland,  National
Bank,  Provincial  Bank  os  Ireland.  —
Von  Industrien  hat  nur  die  Gerberei
Bedeutung;  dagegen  sind  Schiffahrt  nnd
Handel  von  großer  Wichtigkeit.  Zum  Hasen ­
  von  C.  gehörten  1872  :  274  Schisse
(darunter  46  Dampfer)  von  zusammen
'44,801  Ton.  Der  Schiffsverkehr  erreichte
1879:  1,449,760T.;  von  deutschen  Schiffen ­
  gingen  6  beladen  ein  nnd  3  in  Ballast
aus.  Der  Vorhafen  von  C.  ist  Qucenslvwn.
  Hier  verkehren  dieDanrpferlinicn:
Cunard  nnd  Inman  von  Liverpool  nach
New  York,  Allan  von  Liverpool  nach
Quebec  unb  Montreal,  Anchor  von  Glasgow ­
  nach  New  York.  Die  Einfuhr  (1879:
45,335,700  Mk.)  besteht  vornehmlich  in:
Getreide  nnd  Mehl,  Wein,  Branntwein,

Zucker,  Holz,  Tabak,  Kartoffeln,  die  Anöfuhr
  (115,300Wf.)  in:  Eisenwaren,  Butter, ­
  Schießpulver.
Coronel,  Hafenstadt  in  der  chilen.
Provinz  Concepcion,  Station  für  die
Dampfer  des  Kosmos;  0875)  5658  Einw.
Deutsches  Vicekonsulat.  —  In  der  Umgegend ­
  5  große  Kohlenwerke,  welche  1878:
Mill.  Ton.  Kohlen  produzierten,  wovon
384.000  T.  verschifft  wurden.  Aus  dem
benachbarten  Lo  ta  (4642  Einw.)  wurden
185.000  Ctr.  Kupfer  versandt.  1876:  Einfuhr ­
  671,724,  Ausfuhr  17,307,952  Mk.
In  C.  und  Lota  verkehrten  1878:  421
Segelschiffe  (21  deutsche)  und  345  Dampfer ­
  (23  deutsche).
Corsica,  franz.  Insel  im  Mittelländischen ­
  Meer,  durch  die  Straße  von  Bonifacio ­
  von  Sardinien  getrennt;  8747  qkm
(159  QM.)  mit  (1870  262,701  Einw.  C.
ist  reich  an  Eisenerzen,  Holz  (Export  von
Kohle),  Marmor.  Im  Innern  wird  die
Kultur  des  Kastanienbanms  betrieben,
sonst  Weinbau,  Gerberei.  1879  liefen  522
Schiffe  von  16,874  Ton.  ein  und  452
Schiffe  von  20,522  T.  aus  Die  Einfuhr
wertete  24,5  (französisch  22,i)  Mill.  Mt.,
die  Ausfuhr  9,7  (französisch  6,8)  Mill.  Mk.
Coruña,  La  (spr.  -rumija),  Hauptstadt
der  gleichnamigen  span.  Provinz  (Galicien), ­
  einer  der  ersten  Handelsplätze  Spaniens ­
  mit  prachtvollem  Hafen;  Station
der  Pacific  Steam  Navigation  Co.,  N.
Sloman  (Hamburg);  0877)  33,735  Einw.
Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:  der  südliche ­
  Teil  der  Provinz  C.).  —  Industrie
in  feiner  Leinwand,  Tischzeug,  Segeltuch,
Cigarren,  Papier  u.a.  Eingeführt  werden
Sprit  ans  Deutschland  und  Amerika,  Bauholz ­
  aus  Amerika  und  den  Ostseehäfen,  Getreide; ­
  Felle  aus  Uruguay  und  Argentinien ­
  (100—120,000  Stück),  Petroleum
aus  New  York  (50,000  Kisten),  Stockfisch
aus  Norwegen  (9—10,000  Ctr.).  Deutschland ­
  importiert  außer  Sprit:  Genever,
Käse,  Guayaquil-Kakao,  Eßwaren  und
Lichte.  Ausgeführt  wird  Vieh,  doch  sank
infolge  amerikanischer  Konkurrenz  dieser
Hauptansinhrzweig  1877—78  von  25,000
Stück  auf  17,947  Stück.  —  1878  liefen
ein:  1212  Schiffe  von  309,609  Ton.  (davon ­
  britische  307  von  132,792  T.);  1879:

Artikel,  die  unter  E  vermißt  werben,  sind  unter  St  nachzuschlagen.
        <pb n="114" />
        106

Costarica  —  Creusot,  Le.

5  deutsche  Schiffe  vou  2330  T.—  Wechselkurse ­
  notiert  man  auf  London  8,  30,
60  und  90  Tage,  auf  Paris  8  Tage  uach
Sicht.  Warenverkäufe  auf  2—3  Monate
Kredit  mit  oder  ohne  Bedingung  eines
Diskonts  von  Vs  Proz.  bei  früherer  Zahlung. ­
  —  Maße  und  Gewichte  find  gesetzlich ­
  die  metrischen,  doch  gebraucht  man
noch  einige  alte.
Costarica,  Freistaat  in  Centralamerika, ­
  51,760  qkm  (940  QM.)  mit  (1874)
185,000  Einw.  (darunter  5000  civilisierte
reine  Indianer,  1200  Neger,  600  Chinesen, ­
  10—12,000  wilde  Indianer,  auch
Spanier,  Deutsche  u.  a.).  Von  den  ungesunden ­
  Küstenniederungen  hebt  sich  das
Land  zu  schönen  Plateaus.  —  Produkte:
Inden  östlich  gelegenen  Urwäldern  Lurusund
  Farbhölzer,  Gummiarten,  Kork  re.;
der  hier  gebaute  Kaffee  ist  ausgezeichnet,
ebenso  der  Kakao.  —  Hauptausfuhrhäfen
sind:  Limon  und  Punta  Arenas;
1877—78wurde  über  erster«  für  1,260,000
Mk.,  über  letzter«  für  24,8  Mill.Mk.  ausgeführt, ­
  davon  Kaffee  allein  24,2  Mill.  Mk.
Andre  Exportartikel  sind:  Häute  und  Felle,
Ceder»,  Holz,  Kautschuk,  Käse,  Kupfer,
Kakao,  Vanille,  Schildpatt,  Sassaparille.
Man  gewinnt  auch  Zucker,  doch  verwendet
man  denselben  zur  Rnmfabrikation  (Monopol ­
  der  Regierung).  —  Der  Schiffsverkehr ­
  1877  zeigte  im  Einlauf  111
Schisse  (82  Dampfer)  von  172,334  Ton.
mit  680  Passagieren;  es  laufen  nämlich
die  Dampfer  der  Pacific  Mail  Company
monatlich  mehrmals  in  Punta  Arenas
an.  —  Die  Eisenbahnen  (Alajuela-Hcreda-San
  Jose-Cartago  43  km,  Limon-Matina
  16  km)  haben  eine  Länge  von
59  km  ;  eine  Bahn  von  Limon  in  die  Kaffeedistrikte ­
  ist  im  Bau.  Die  Länge  der  Telegraphenlinien ­
  war  1877:  352  km  mit
16  Stationen.—K  onsulate  hat  Deutschland ­
  in  San  Jose  und  Punta  Arenas.
Banken  befinden  sich  in  San  Jose':  Banco
nacional  und  Banco  Anglo-Costaricense.
—  Die  Finanzen  sind  in  keineswegs
günstiger  Lage;  1880  beliefen  sich  die  Einnahmen ­
  auf  11,2  Mill.,  die  Ausgaben  auf
13,8  Mill.  Mk.  Von  der  Staats  schuld,
welche  sich  1880  auf  über  25  Mill.  Mk.
belief,  sind  21,8  Mill.  Mk.  zum  Ban  von
Artikel,  die  unter  vermißt  we

Eisenbahnen  nndandernöffentlichcnBan
ten  bestimmt;  sic  ist  in  Einstand  und  Paris ­
  kontrahiert  worden,  Zinsen  aber  hat
man  darauf  nicht  gezahlt.  Die  Aktiva
werden  auf  43,7  Mill.  Mk.  berechnet.
Couillet  (spr.  kujäh),  s.  Charleroi.
Conrtray  (spr.  kurträh),  Stadt  in  der
belg.  Provinz  Westflandern,  an  beiden
Ufern  der  schiffbaren  Lys,  mit  Gent,
Brüssel,  Lille,  Tournât),  Ppern  verbunden ­
  durch  die  Belgische  Staatsbahn  »nd
die  Société  Belge;  (i878)  26,672  Einw.
Handelskammer,  Handelsgericht;  Börse,
Banque  nationale  Succ.,  Société  generale. ­
  —  Fabrikation  von  Spitzen  (ca.
6000  Arbeiterinnen),  Blonden  uild  Tafelleinen;
  Färbereien.  Ails  dem  Bezirk
wurden  1877:  522  Stück  schwere  Ackerpferde
  nach  Deutschland  ausgeführt.
Coventry  (spr.  koww'ntry,  Stadt  in  der
engl.  Grafschaft  Warwick,  an  der  London
and  Northwesteril-Eisenbahn  und  am  Coventrykanal, ­
  welcher  Themse,  Mersey ­
  und  Trent  verbindet;  (i87i)  39,470
Einw.  C.  Union  Banking  Company,  C.
and  Warwick  Banking  Company.  —  Fabrikation ­
  von  Seidenwaren  (7500  Arbeiter), ­
  Bändern  (2600  Arbeiter)  und  Uhren
(2000  Arbeiter).
Cremona,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  ital.  Provinz,  am  Po  und  der  Eisenbahn ­
  C.-Breöcia;  (we)27,451  Einw.
Ressort  des  deutschen  Konsuls  in  Mailand; ­
  Handelskammer;  Banca  nationale,
Banca  popolare.  —  Lein-  und  Seidenweberei, ­
  Fabrikation  von  vorzüglichen  Darmsaiten ­
  und  Musikinstrumenten  (Geigen)
sowie  ansehnlicher  Handel  mit  Getreide,
Flachs,  Käse,  Öl,  Wachs.
Crensot,  Le  (spr.  lo  krösöh),  Stadtim
franz.  Departement  Saône-et-Loire,  an
der  Eisenbahn  Paris-Lyon;  (1876)  15,599
Einw.,  mit  Umgegend  26,432  Einw.  —
Großartiges  metallurgisches  Etablissement
von  Schneider  ».  Komp.,  das  312  ha  einnimmt ­
  und  1874:  15,000  Arbeiter  nebst
308  Dampfmaschinen  von  19,000  Pferdekräften ­
  besckaftigte.  Die  im  Betrieb  stehenden ­
  10  Schächte  fördern  jährlich  715,000
Ton.  Kohle,  die  das  Etablissement  allein
verbraucht.  Zehn  Hohöfen  sind  im  Gang,
wovon  acht  daö  Rohmaterial  verarbeiten
de»,  sind  unter  K  nachzuschlagen.
        <pb n="115" />
        Cuba.

107

uiib  jährlich  180,000  T.  Roheisen  produzieren. ­
  Die  Menge  des  erzeugten  Eisens ­
  beträgt  90,000,  die  von  Stahl  60,000
Noch  wichtiger  ist  der  Maschinenbau;
es  gehen  aus  den  Werkstätten  jährlich  100
Lokomotiven  im  Wert  von  ca.  5,6  Mill.
Mk.,  außerdem  andre  Maschinen  und
Kuckm  im  Wert  von  6,8  Mill.  Mt.  Das
-berk  wird  durch  eine  10  km  lange  Eisenl
 ' a y»  mit  dein  Canal  du  Centre  verbunden,
liproste  spanisch-westind.  Insel,
!%833  qkm  (2158  QM.)  mit  0876)
1,487,623  ehm.  (918,944  Beiße,  baboil
  800  ^10^)^  272,469  freie  Mine,
~7 r ,409  Sklaven  und  47,116  Kulis).  An
Mineralien  ist  C.  nicht  reich,  doch  findet
ķ.st  Kupfer,  Silber,  Steinsalz.  Die
-balder  sind  größtenteils  ausgerottet,  lie-&amp;gt;"u
  aber  noch  Mahagoniholz,  Ebenholz, ­
  Eiseiiholz,  Lebensholz,  Kautschilk.  —
Hauptkulturen.  Zuckerrohr,  Tabak,
weiilger  Kaffee;  dabei  wird  viel  Viehzucht
getrieben.  1877  zählte  man:  1191  Zucker-Plantagen,
  4511  Tabakplantagen  und  192
Kaffeepstanzungen.  Tabakbau  und  ViehzUcht
  haben  durch  die  Insurrektion  sehr
bedeutend  gelitten.  Doch  ist  die  Fabriratlon
  von  Cigarren  eine  starke  geblieben;
bezieht  dazu  viel  Tabak  aus  Puerto
àco  und  Santo  Domingo,  auch  aus
Bahia.  Da  der  ausländische  Tabak  zollfrei ­
  eingeht  mid  ein  Exportzoll  von  20
Mk.  28  Pf.  besteht,  so  verliert  C.  immer
inehr  seine  auswärtigen  Märkte,  namentlich ­
  Hamburg  und  Bremen,  seinen  Hauptmarkt.
  1878  wurden  exportiert:
Cigaretten  .  .  .  für  1025  352  Mark
Abfälle  .....  711840  .
Cigarren  ...  =  28  816916
Tabak  .....  21940652  .
Ņei  weitem  deli  größten  Teil  nehmen  jetzt
davon  die  Vereinigten  Staaten;  Deutschsand ­
  bezog  nur  17,9  Mill.  Stück  Cigarren,
5%,433  kg  Sabas,  2539  kg  ißicabura:
cknd  56,063  Cajetillas-Cigaretten.  —  Die
cnenzucht  ist  sehr  verbreitet;  Hauptsätze ­
  für  Honighandel  sind:  Villas  und
Puerto  Principe;  Honig  wird  namentlich
"ach  Nordamerika,  Wachs  nach  Spaiiieil
erporticrt.  Den  ersten  Rang  unter  den

der  Revolution  durch  die  »TroihaS«  (einen
Befestigungsgürtcl.  von  S.  nach  N.
gehend)  geschützt  war.  1880  wurden,  zum
größten  Teil  nach  den  Vereinigten  Staaten, ­
  ausgeführt:
Zucker....  241295  Kisten
-  ....  728  724  Fässer
Melasse  .  .  .  175  729  -
baa»  Mim  (1878:  3,8  M.  Mis.),  so  baß
der  Export  aller  dieser  Produkte  1878:
229,4  Mill.  Mk.  überstieg.  —  Der  Gesamtwert ­
  der  Ausfuhr  betrug  1876:304  Mill.,
1877:  268  SMiH.,  1878:  283,5  3)811.  m.
Hiervon  wurden  1878  an  Zöllen  26,8
Mill.  Mk.  erhoben.  Der  Wert  der  Einfuhr ­
  ist  nicht  anzugeben;  sie  besteht  vornehmlich ­
  aus  getrocknetem  Fleisch,  Stockfisch, ­
  Weizenmehl,  Reis,  Schmalz,  Petroleum, ­
  Olivenöl,  Mais,  Vieh,  Tabak,
Wein,  Leinwand,  Baumwollwaren,  Tüchern. ­
  Amerika  liefert  nicht  nur  alle  Arten
.von  Verzehrungsgegenständen,  sondern
auch  andre  Artikel.  Der  Handel  wird
aber  durch  die  hohen  Zölle,  wie  die  Produktion
  durch  die  ebenso  drückenden
Steuern  sehr  erschwert.  Die  hohen  Differentialzölle ­
  begünstigen  auch  die  spanische
Flagge,  welche  weit  über  die  Halste  des
ganzen  Imports  vermittelt.  Der  Schiffsverkehr ­
  konzentriert  sich  in  Havana  (s.d.).
—  Die  bedeutendsten  Flüsse  sind:  der
Cauto  im  SO.,  82  km  schiffbar,  im  NW.
die  30  km  schiffbare  Sagua  la  grande
und  die  15  km  schiffbare  Sagua  lã  chica.
—  Die  Länge  der  Eisenbahne  n  beläuft
sich  auf  1382  km;  von  Havana  durchschneidet ­
  eine  Linie  die  Insel  nach  Balabana,
  eine  andre  Querlinie  geht  vonCienfucgo
  nach  Sagua  la  grande;  nach  W.  zu
ist  Havana  mit  Mörtel  verbunden.  Außerdem ­
  verbinden  21  kleine  Gesellschaften
(einige  für  Pferdebahnen)  die  Plantagen
mit  dem  Innern.  Die  T  e  l  e  g  r  a  p  h  e  n  -
Verbindung  ist  sehr  ausgedehnt,  1880  waren ­
  4500  km  Linien  mit  187  Stationen
eröffnet;  das  submarine  Kabel  der  internationalen ­
  Gesellschaft  »Oceania«  verbindet ­
  C.  mit  Europa  über  die  Vereinigten
Staaten  (via  Kap  Romano  in  Florida).
Die  Postverbindung  mit  Europa  ist  wöchentlich, ­
  am  besten  über  New  Pork;  mit
den  Vereinigten  Staaten  fast  täglich.  —
Artikel,  die  unter  E  vermißt  werden,  sind  unter  K  nachzuschlagen.

^»heimischen  Exportartikeln  nimmt  aber
Mucker  ein,  dessen  Erzeugung  während
        <pb n="116" />
        108

Ciîcuta  —  Damaskus.

KoNsillñte  unterhält  Deutschland  in:
Havana  (Berufskonsulat),  Matanzas,
Santiago,  Trinidad;  Vicekonsulate  in
Cardenas  und  Cienfuegoö.—  Staatshaushalt. ­
  Das  Budget  von  1879  berechnet ­
  die  Einnahmen  auf  240,5  Mill.  Mk.,
davon  Zölle  90  Mill.  Mk.,  die  Ausgaben
auf  227  WW.  Wf.
(Lücuta,  s.  San  José  de  Ñ.
Cuneo  (Coni),  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  Provinz  ObcritalienS,  durch
Eisenbahn  mit  Turin  mtb  Nizza  (über
den  Col  di  Tenda)  verbunden;  (1878)
21,853  Einw.  Ressort  deö  deutschen  Gcileralkonsuls
  in  Genua;  Handelskammer;
Banca  nationale,  Banca  Braidese.  Seiden- ­
  und  Wollweberei;  lebhafter  Handel.
Eurasian  (Curacao),  westind.,  den
Niederländern  gehörige  Insel,  nahe  der
Nordküste  von  Venezuela,  am  Karibischen
Meer;  550  qkm  (10  QM.)  mit  (i878)
23,977  Einw.  Mit  Einschluß  der  Inseln
Bonaire,  Arilba,  St.  Martin,  St.Enstache,
Saba,  welche  alle  zum  Bereich  deö  Gonverneurö
  von  C.  gehören,  beträgt  die  Bevölkerung ­
  (1878)  42,506  Seelen.  —  Produkte. ­
  Zucker,  Baumwolle,  Tabak,  Jams,
Maniok,  Tamarinde;  alls  dem  Safte  der
süßen  Citrone  wird  der  bekannte  Likör
bereitet.  Ausgeführt  werden  namentlich:
Secsalz,phosphorsanrcrKalk(1877:6655
Ton.),  Klinker  (149,000  Stück),  Dividivi,
PamS,  Aloeharz  u.  a.  —  F  i  n  a  n  z  e  n.  Nach

dem  Budget  von  1880  beliefen  sich  die  Einnahmen ­
  auf  650,575,  die  Ausgaben  auf
889,571  Mk.  -  Schiffsverkehr.  1877
liefen  827  Schiffe  voil  91,304  Ton.  ein,
1879:  31  deutsche.  —  Hauptstadt  und
Freihafen  ist  Willemstad.  Deutsches
Konsulat.
Cypern,  1878  von  der  Türkei  an  England ­
  abgetretene  Insel  des  Mittelmeers,
9601  qkm  (174  QM.)  mit  150,000
Einw.  (80,000  Griechen,  20,000  Türken).— ­
  Produkte.  Wein  (jährl-AuSfuhr
250,000  Eimer),  Baumwolle  (jährl.  3000
Ballen),  Südfrüchte,  Arnika,  Salz  (alis
den  Seen  bei  Larnaka),  Weizen,  Gerste  u.a.
(1879  für  4,4  Mill.  Mk.;  Einfuhr  6,i
Mill.  Mk.);  Gold  und  Kohle  sind  vorhanden. ­
  —  Hauptstadt  Levkosia;  Haupthafen ­
  Larnaka  mit  der  Larnaka  Imperial ­
  Ottoman  Bank.  Ein  Kabel  führt  nach
Ladikieh  an  der  syrischen  Küste.  —  Geld
wie  in  Konstantinopel.  Längenmaße:  der
große  und  kleine  Pik  oder  Draä  (0,67  und
0,65  m).  Gewicht  für  Wein  und  Branntwein ­
  die  Knsa  —  8  Oken  (à  1,28  kg).
Czcrnowitz,  Hauptstadt  des  österreich.
Kronlands  Bukowina,  an  der  Lemberg-Czcrnowitzer
  Eisenbahn;  (i88v)  45,737
Einw.  Filiale  der  Österreichisch-Ungarischen ­
  Bank,  Filiale  derGalizischcn  Aktien-Hypothekenbank.
  Bronze-,  Papier-  und
Maschinenfabrikation;  lebhafter  Handel
nach  Deutschland  und  der  Moldau.

D.

Dahome,  westafrikan.  Negerstaat  ans
der  Benin-  oder  Sklavenküste,  ca.  10,350
qkm  (188  QM.)  mit  etwa  180,000
Einw.  Wichtig  ist  der  stets  zunehmende
Handel  mit  Öl  ans  der  Ölpalme  auf  den
Märkten  der  großen  Dörfer  Tosso,  Alada,
Whida.  In'  letzten«,  dem  wichtigsten
Handelsort  der  Sklavenküste,  haben  alle
Kaufleute,  welche  mit  D.  Handel  treiben,
Faktoreien  angelegt.  Alö  Münze  dienen
Kauris,  von  denen  2000  den  Wert  cineö
spanischen  Piasters  haben.
„Damaskus,  Hauptstadt  der  asiatischtürk. ­
  Provinz  Syrien,  die  fünfte  Stadt  des
osmanischen  Reichs,  am  östlichen  Fuß  des

Antilibanon;  150—200,000  Einw.,  wovon ­
  %  Mohammedaner,  18,000  Christen
(Armenier.  Griechen  rc.),  6000Juden.Sitz
eines  deutschen  Vicekonsuls  und  andrer
Konsulate;  Imperial  Ottoman  Bank.  —
In  industrieller  Beziehung  ist  D.  berühmt
durch  sein  Rosenöl  und  seine  Seidenwaren
(4000  Webstühle),  Gold-  und  Silberstoffe,
Teppiche,Toilettenartikel,Parfümerien  rc.
Alö  Sammelplatz  ver  großen  Pilgerkarawane, ­
  die  jährlich  von  hier  nach  Mekka
und  Medina  zieht,  und  der  sich  früher  eine
Handelskarawane  anschloß,  ist  eS  in  kommerzieller ­
  Beziehung  von  Bedeutung  ;  auch
besteht  Karawanenverbindung  zwischen
        <pb n="117" />
        Damiette  —  Dänemark  (Areal.  Bevölkerung,  Urproduktion).  109

D.,  Bagdad  und  Aleppo.  Von  Bagdad
nach  D.  gehen  jährlich  5—6  Karawanen
mit  je  20Ò-500  Kainellasten  zu  3VrCtr.;
dieselben  bringen  Tombak  aus  Ispahan,
Wolle,  wollene  Mäntel,  Kopftücher,  Teppiche, ­
  wollene  Strümpfe,  persische  Seide,
Ķdigo  re.  Von  D.  nach  Bagdad  gehen
lahrlich  nur  noch  800  Kainellasten  zu
•&amp;gt;  /2  Ctr.  mit  Tüchern,  Fes,  Woll-  und
Baumwollmaiiufaktcii,  Zinn,  Petroleum,
Papier,  Droguen  re.  Von  D.  über  Pal-U")ra
  lind  Hille  nach  Bagdad  geht  alle  14
* a 3 e  der  englische  Postkurier  ;  die  Karawanen ­
  brauchen  4—6  Wochen.  —  Die  Ver-‘‘Uife
  erfolgen  teils  gegen  bar,  teils  auf
W^6  Monate  Kredit.  Seit  1852  ist  D.
Şrh  eines  gemischten  Gerichtshofs  für
Handelsstreitigkeiten  zwischen  Europäern
und  türkischen  Unterthanen,  bestehend
aus  1  türkischen  Präsidenten  und  14  Mit
gltcbevn,  zur  Hälfte  Europäer.  —  In  D.
dasteht  auch  eine  Regierungsdruckerei;  es
erscheinen  dort  zwei  türkische  Zeitungen.
,  Damiette  (arab.D  a  m  h  â  t),  Hafenstadt
ur  Unterägypten,  am  D.-Nilarm,  8  km
dom  Meer;  (m?)  32,730  Einw.  Deutsches
Konsulat.  Bedeutende  Ausfuhr  von  gesalzenen ­
  Fischen  (nach  Syrien),  Reis,
Kaffee,  Bohnen,  Indigo.
Dänemark,  Königreich  in  Nordeuropa,
bestehend  aus  der  Halbinsel  Jütland  und
einer  Anzahl  von  Inseln;  außerdem  gehören ­
  dazu  als  Nebenländer:  die  Färöer,
Island,  Grönland  und  die  westindischen
Inseln  Ste.  Croix,  St.  Thomas,St.John.
Das  G  e  samt  are  al  der  dänischen  Besitzungen ­
  ist  auf  232,878  qkm  (4229
OM.)  mit  (1878)  2,099,800  Einw.  berechnet; ­
  davon  kommen  auf  das  eigentliche ­
  D.  38,302  qkm  (695.6  QM.)  mit
1,969,454  Einw.  nach  der  Zählung  von
1880;  auf  die  Nebenländer  194,576  qkm
(3537  QM.)  mit  ca.  130,600  Einw.
Die  Bevölkerung  von  1870  teilte  fick  in
880,807  männliche  und  903,934  weibliche
Personen.  !Von  Fremden  gab  es  1870  nur
ü4,043,  davon  31,845  Deutsche,  15,388
Schweden,  2936  Norweger.  Der  Konfession ­
  nach  gehört  überwiegend  der  größte
^eil,  nämlich  1,769,583  (99,15  Proz.),
Mr  lutherischen  Kirche,  und  nur  1857
s»rd  Katholiken,  4290  Juden,  2120  Mormonen ­

  u.  st.  Die  Auswanderung  ist
im  Verhältnis  zur  Bevölkerung  stets  eine
sehr  hohe  gewesen;  es  wanderten  aus

1870:  8525
1871:  3906
1872:  6893
1873:  7200
1874:  3322

1875:  2068
1876:  1581
1877:  1877
1878:  2972
1879:  3118

Die  bei  weitem  größte  Zahl  zog  nach  den
Vereinigten  Staaten.  —  Nach  der  Zählung ­
  von  1870  nährten  sich  von  Ackerbau
44,2,  Gewerben  20,9,  Taglohn  16,  Handel
5,5,  Seeschiffahrt  2,6  Proz.  rc.

Urproduktion.
Man  muß  D.  wesentlich  ein  Landwirtschaft ­
  treibendes  Land  nennen.  Die  Inseln
und  der  östliche  Streifen  Jütlands  sind
sehr  ertragsfähig;  von  dem  Gesamtareal
des  Königreichs  find  nicht  weniger  als
74,3  Proz.  produktive  Fläche  und  zwar
31.2  Proz.  Acker,  38,9  Proz.  Wiesen  und
4.2  Proz.  Wald.  Am  beträchtlichsten  ist
die  produktive  Fläche  auf  Laaland  und
Falster  mit  93,3  Proz.,  am  geringsten  auf
Jütland  mit  66,4  Proz.  des  Areals.  —
Ackerb  a  u  bildet  wie  die  Hauptbeschäftigung ­
  so  auch  die  Haupteinnahmequelle.
^Abgesehen  von  den  Nebenländern  (Färöer,
Island,  Grönland)  hat  D.  einen  großen
Reichtum  an  Cerealien  auszuweisen.  Die
durchschnittlicke  Ernte  wird  für  die  Periode ­
  1863—68  ans  25,3  Mill,  hl  berechnet: ­
  1875  betrug  die  Ernte  26,4  Mill.,
1876:  22,i  Mill,  hl,  nämlich:
1875  1876
Weizen  .  .  .  l,os  1,42
Dioßflcn  .  .  .  5,85  5,04
Gerste....  8,oa  6,58
Hafer  ....  10,59  8,88
Buchweizen  .  .  0,25  0,17
Den  meisten  Weizen  liefern  dieJnselämter,
Buchweizen  Jütland.  Die  Färöer  produzieren ­
  nur  etwas  Gerste;  in  Island  kommt
Getreide  fast  gar  nichtzurReife.  Die  Produktion ­
  des  eigentlichen  D.  ist  aber  so
groß,  daß  jährlich  ein  bedeutender  Überschuß ­
  zur  Ausfuhr  bleibt.  Dabei  importiert ­
  aber  D.  selbst  stark  und  zwar,  um  das
Getreide  in  vermahlenem  Zustand  wieder ­
  auszuführen,  das  einzige  Mittel,  um
sich  der  drückenden  Konkurrenz  der  Vereinigten ­
  Staaten  einigermaßen  zu  erweh-
        <pb n="118" />
        m  "

MgBHMMWMM—■—■MWWmiiiiiniwwiniiMMMMBMHHBMMMafc  .  -

•  AàîMM

110

Dänemark  (Ackerbau).

reu.  Diese  Mehrausfuhren  hatten  Werte
1874  von  34,5  Mill.,  1876  von  41,8  Mill.,
1878  von  26,6  Mill.  Mk.,  nämlich:
Einfuhr  Ausfuhr
Weizen  8,6  6,6
Roggen  6,8  3,2
Hafer  l,o  2,i
Gerste  0,7  20,5
Mais  4,6  0,2
Weizenmehl  ....  0,4  13,8
Roggenmchl  ....  0,2  2,3
Andres  1,3  1,5

Zusammen:  23,6  50,2
Unter  den  Ausfuhrländern:  England,
Deutschland,  Frankreich,  Belgien,  Holland, ­
  Schweden  und  Norwegen  re.  steht  das
erste  oben  an.  Es  entnahm  1878  außer  andern: ­
  für  2,25  Mill.  Mk.  Weizen,  für  15,9
Mill.Mk.Gerste,  für  6,8  Mill.  Mk.Weizenmehl,
  während  Schweden  für  5  Mill.  Mk.
Weizeilmehl  empfing.  Die  bedeutendsten
Zufuhren  kommen  aber  von  Deutschland.
Der  Getreidehandel  mit  letzterm  hatte  1878
nachstehende  Werte  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Weizen  7,3  1,4
Roggen  3,8  0,7
Gerste  0,3  1,3
Weizenmehl  .  .  .  —  0,1
Zusammen:  11,4  3,5
Der  Anbau  vonKartoffelnistcin  sehr
ansehnlicher,  indes  genügt  die  Produktion
(1877:  2,09  Mill,  hl)  den  Anforderungen
nicht.  Die  Einfuhr  von  Kartoffeln  betrug
1878:  587,233  Mk.,  die  von  Kartoffelmehl
und  Amidon  546,965  Mk.,  und  dieser  Einfuhr ­
  steht  eine  ganz  unbedeutende  Ausfuhr
gegenüber.  1878  vroduzierten  236  Brennereien ­
  (davon  59  in  Kopenhagen)  34Mill.
Lit.  Branntwein;  die  Branntweinsteuer
lieferte  3,6  Mill.  Mk.  Bei  dem  starken
Konsum  muß  aber  noch  viel  eingeführt  werden; ­
  auch  der  Import  von  Wein  ist  erheblich ­
  ;  nur  hie  dänischen  Brauereien  vermögen ­
  von  ihrer  Überproduktion  an  das
Ausland  abzugeben.  Der  Handel  mit  Getränken ­
  war  1878  (in  Tausenden  Mark)  :
Einfuhr  Ausfuhr
Wein  1565  143
Spirituosen.  .  .  1700  679
Bier  34  317
Met  2  1
Zusammen:  3301  1140

Zuckerrüben  werden  eben  falls  angebaut
llild  in  zwei  Fabriken,  zu  Odense  und  Höibygaard,
  verarbeitet;  im  ganzen  belief  sich
die  Rübenzuckerproduktion  1878  auf  2,6
Mill.  Pfd.  und  die  gezahlte  Steuer  auf
161,892  Mk.  Der  Handel  mit  Zucker  weist
aber  eine  erhebliche'Bilanz  gegen  D.  auf,
1878  ergaben  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Zucker  und  Kandis  .  .  13,89  1,70
Melasse  und  Sirup  .  .  0,28  0,i8
Zusammen:  14,17  1,07
Sonst  werden  von  Handclspflanzen  hauptsächlich ­
  gebaut:  Raps  (besonders  auf  Fünen), ­
  Flachs,  Hanf,  Tabak  (in  den  Ämtern ­
  Beile  und  Odense),  Hopfen  und
Kümmel.  Wie  sehr  aber  D.  in  Bezug
auf  diese  Artikel  vom  Ausland  abhängig
ist,  geht  aus  nachstehendem  hervor.  Es
betrugen  (in  Tausenden  Mark)  :
Einfuhr  Ausfuhr
Leinsamen  2055  29
Raps  757  44
Andrer  Same  ....  4661  876
Flachs  197  1
Hanf  1257  103
Hopfen  867  19
Rohtabak  .  .  ■  .  .  3507  59
Zusammen:  13301  1131
Dazu  kommen  noch  ansehnliche  Poste,l  von
Ölkuchen,  Früchten  (frischen  unb  getrockneten), ­
  Gartengewächsen,  wobei  überall
die  Ausfuhr  bedeutend  überwiegt.  Rechnen ­
  wir  noch  die  übrigen  wichtigern  Handelsobjekte ­
  dieser  Klasse  hinzu,  unter  denen
obenan  stehen  (Wert  in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Kaffee  ....  10,so  4,08
Thee  0,73  0,06
Reis.  .  .  ■  ■  2,oo  o,9o
zusammen:  13,53  5,04
so  sehen  wir,  wie  die  Handelsbilanz,
welche  durch  die  Mehrausfuhr  von  Getreide ­
  sich  ergibt,  durch  die  Mchreinfuhr
andrer  Bodenprodukte  und  Erzeugnisse
aus  denselben  bedeutend  heruntergedrückt
wird.  —  Kaffee  und  Tabak  bezieht  D.
namentlich  aus  Deutschland,  Zucker  aus
England  und  Ostasien,  Reis  aus  Ostasicn
und  Deutschland,  Thee  aus  England  und
Deutschland,  Wein  aus  Frankreich  und
        <pb n="119" />
        Ill

Dänemark  (Viehzucht,  Fischerei).

Deutschland.  Dagegen  führt  eSKaffee  und
Zucker  fast  ausschließlich  nach  Schweden
sowie  Neiö  nach  Deutschland  nahezu  ebensoviel, ­
  wie  eS  von  dort  empfängt.
Die  Viehzucht  spielt  in  D.  die  bedeuicildste
  wirtschaftliche  Nolle;  kein  andrer
Ştaat  in  Europa  ist  verhältnismäßig  so
reich  an  Rindern,  und  auch  hinsichtlich  der
Pferde  steht  es  nur  hinter  Rußland  znruck.
  Die  Viehzählung  von  1876  zeigte:
Pferde  .  .  352262  I  Schafe  .  .  1719249
Rinder.  .  1348321  |  Schweine  .  503667

Die  Ausfuhr  ist  daher  eine  sehr  ansehnilche,
  und  wenn  auch  die  Einfuhr  keine
unerhebliche  ist,  sohatdieselbe  ihren  Grund
darin,  daß  man  Magervieh  auf  den  fetten
Weiden  des  Landes  schlachtreif  zu  machen
sucht.  1878  wertete  der  Viehhandel  (in
MMonmM«,):  Ausfuhr

Der  bedeutendste  Konsument  von  Speck
und  Schinken,  Butter  und  Eiern  ist  England, ­
  von  Fleisch,  Würsten  re.  Norwegen.
Gegen  die  günstige  Bilanz,  welche  sich
sowohl  für  Landbau  wie  Viehzucht  herausgestellt ­
  hat,  müssen  wir  aber  noch  einige
Posten  anführen,  deren  Wertbeträge  allerdings ­
  nicht  sehr  hoch,  aber  dabei  bedeutenden ­
  Schwankungen  unterworfen  sind.
Der  Wert  der  Überschußeinfnhr  von  natürlichem ­
  und  künstlichem  Handelsdünger,
Kleie,  Ölkuchen  belief  sich  1876  ans  8,i@,
1877  auf  9,76,1878  dagegen  nur  auf  3,ii
Mill.  Mk.  Von  andern  Erzeugnissen  der
Viehzucht,  deren  Ausfuhrwert  dieEinfuhr
übersteigt,  sind  noch  zu  nennen:  Knochen,
Hörner,  Klauen,  Haare,  Wolle,  rohe  Häute
und  Felle.  Der  Handel  mit  denselben
wertete  1878  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr

Pferde  0,6  9,5
Rindvieh  4,4  23,4
Schafe  und  Ziegen.  .  .  0,3  2,5
Schweine  .  .  .  ...  0,8  15,7
Zusammen:  6,t  51,  i
Die  Einfuhr  von  Vieh  geschieht  fast
ausschließlich  auö  Schweden,  nur  Pferde
rind  Rinder  kommen  in  geringen  Mengen
aus  Deutschland.  Der  Export  von  Pferden ­
  richtet  sich  namentlich  nach  Deutschland ­
  und  Schweden,  der  von  Rindern  nach
Deutschland  und  England,  von  Schafen
in  erster  Linie  nach  England,  Vio  nach
Deutschland,  von  Schweinen  in  ganz  überwiegendem ­
  Maß  nach  Deutschland;  England ­
  und  Norwegen  erhalten  kleine  Posten.
Dieser  Viehhandel  ergab  also  1878  einen
Gewinn  von  45  Mill.  Mk.  und  der  sich
daran  anschließende  Handel  mit  Fettwaren ­
  einen  weitern  von  19,5  Mill.  Mk.,
so  daß  sich  also  für  sämtliche  Tiere  und  tierische ­
  Nahrungsmittel  einWertbctrag  von
64,5  Mill.  Mk.  herausstellt.  Es  betrugen
(in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr

Speck  und  Schinken  .  .  1,12  3,64
Fleisch,  Würste  rc.  .  .  0,73  o,os
Butter  4,21  22,62
Käse  0,90  0,02
Eier  .  0,vs  1,23
Schmalz  u  2,24  0,62

Zusammen:  9,26  28,78

Knochen  und  Haare.  .  0,i9  0,47
Wolle  3,02  2,58
Rohe  Häute  und  Felle.  2,13  4,28  '
Zusammen:  5,34  7¡3?
Die  Fischerei  in  D.  steht,  obschon
das  Land  eine  im  Verhältnis  zu  seinem
Flächeninhalt  große  Küstcnstrecke  hat  und
die  nahen  Meere  fischreich  sind,  doch  auf
einer  niedrigen  Stufe.  Es  lverden  von
allen  Sorten  Fischen  jährlich  zusammen
2,710,000  kg  mehr  ein-  als  ausgeführt. ­
  Bei  frischen  Fischen  stellt  sich  eine
Mehrausfuhr  von  2,75  Mill,  kg  heraus,
dagegen  bei  gesalzenen  Fischen  eine  Mehreinfuhr ­
  von  3,7,  bei  gedorrten  von  2  Mill,
kg.  Von  den  Fischereigebieten  ist  der
Limfjord  das  bedeutendste;  dort  und  bei
Frederikshavn  sind  and)  Austernbänke,
welche  eine  Hamburger  Firma  gegen  eine
jährliche  Abgabe  von  268,800  Mk.  ausbeutet. ­
  Der  Handel  mit  Fischen  wertete
1878  (in  Tausenden  Mark)  :
Einfuhr  Ausfuhr
Fische,  frische  ....  845  1129
Fische,  gesalzene  rc..  .  2464  134
Auster»  4  281
Zusammen:  3313  1544
Die  Färöer  genießen  des  Vorzugs  einer
sehr  günstigen  Lage  für  den  Fischfang;
hier  wird  auch  der  Fang  des  Grindwalö
mit  großem  Erfolg  betrieben.  Der  Wert
des  Fischfangs  belief  sich  1874  auf  über
        <pb n="120" />
        112  Dänemark  (Bergbau,  Forstw
3  Mill.  Mk..  1875  auf  2,5  Mill.  Ml.,
wovon  etwa  die  Hälfte  ausgeführt  wird,
bestehend  in  Torstsch,  Klippfisch,  rohem
Fisch,  Rogeil,  Dorschschwimmblasc  und
Thran.  —  Island  führte  1874  für  1,9,
1875  für  1,2  Mill.  Mk.  Klippfisch,  gedarrten ­
  Fisch,  Rogen,  Thran  und  Lachs  ans,
außerdem  etwa  100  Tonnen  Heringe.
Bergbau  wird  in  D.  nur  im  allergeringsten ­
  Maß  betrieben:  Steinkohle  auf
Bornholm,  Braunkohle  in  Jütland  und
auf  den  Inseln,  auch  in  Island;  doch  bestreitet ­
  die  Produktion  nur  den  Bedarf  der
nächsten  Umgebung.  Kalk  ist  reichlich  vorhanden, ­
  aber  Salz,  Salpeter,  Steine  aller
Art  müssen  in  Menge  eingeführt  werden.
Metalle  finden  sich  gar  nicht.  Der  Handel
betrug  1878  (in  Tausenden  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Rohmetalle.  .  .  2623  129
Steinkohle  .  .  .10069  1085
Steine  .  .  .  .  3769  591
Zusammen:  16461  1805
Der  Wert  der  Einfuhr  zeigt  einen  von
Jahr  zu  Jahr  ununterbrochenen  Rückgang. ­
  Steinkohlen  kommen  ausschließlich,
'Rohmetalle  vornehmlich  alls  England.
F  o  r  st  w  i  r  t  s  ch  a  f  t  kann  in  einem
Land,  wo  der  Anteil  der  Forste  nur  4,6
Proz.  der  Bodenfläche  beträgt,  in  ausgcdehntenl
  Maß  nicht  getrieben  werden;  doch
lvidmct  man  der  Waldkiütur  große  Aufmerksamkeit.
  Eigentlich  bewaldet  sind  nur
dieJnseln  und  der  Osten  vonJütland.und
unter  den  Waldbäumen  nimmt  die  Buche
die  erste  Stelle  ein,  dann  Eiche,  Birke,  Erle  ;
Nadelhölzer  sind  erst  in  neuerer  Zeit  angepflanzt ­
  worden.  Daher  ist  die  Einfuhr  von
Nutz-  und  Brennholz  eine  sehr  starke,  vornehmlich ­
  aus  Schweden,  demnächst  aus
Norwegen,  Rußland,  Deutschland.  Dagegen ­
  nimmt  der  Export  inländischer  Tischlerarbeit, ­
  die  besonders  aus  Kopenhagen
nach  Preußen,  England  und  Schweden
geht,  immer  größere  Dimensionen  an.
Aber  bei  Hölzern  zeigt  sich,  wie  bei  Metallen, ­
  ein  fortwährender  Rückgang.  1878  ergab ­
  der  Holzhandel  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Bretter  unì»  Holz  .  .  10,si  0,»2
Holzwaren  1,59  2,91
Zusammen:  12,io  3,2»

Wirtschaft,  Industrie,  Handel).
Industrie  und  Handel.
In  Rücksicht  auf  Industrie  nimmt
D.  eine  sehr  untergeordnete  Stellung  ein.
Es  herrscht  hier  seit  1862  allgemeine  Gewerbcfreiheit,
  so  daß  die  Züilfte  nur  als
freiwillige  Vereine  fortbestehen.  Als  ein
Förderungsmittel  der  Industrie  besteht
der  Jndustricverein  zu  Kopenhagen.  Eisenwaren ­
  und  Maschinen  werden  in  Kopenhagen, ­
  Frcdcrikövärk  (Seeland)  unb
Odense  fabriziert.  Porzellan  wird  in  Kopenhagen, ­
  Fayence  und  Terrakotten  ebenda
und  in  Rönne  hergestellt.  Die  vier  Glasfabriken ­
  beschränken  sich  aus  die  Erzeugung
ordinärer  und  mittelfeiner  Ware;  fabrikmäßige ­
  Gerberei  betreibt  Kopenhagen.
Wie  wenig  aber  diese  Industrien  den  Bedarf ­
  zu  decken  vermögen,  zeigt  folgende
Tabelle  für  1878  (in  Millionen  Marks-Einfuhr
  Ausfuhr

Manufatte  aus  Baumwolle,
Flachs.  Hanf  12,5  1,4
Manufatte  aus  Seide  ....  5,»  0,4
Manufatte  aus  Wolle  u.  Haaren  15,8  2,2
Metallwareu  13,4  1,4

Zusammen:  46,«  5,4
Manufakturwaren  voll  Baumwolle,
Flachs  und  Hanf  kommen  hauptsächlich
aus  England  und  Deutschlaild,  solche
von  Seide  und  Wolle  vorzugsweise  aus
Deutschland,  dann  ans  England;  Metallwaren ­
  liefert  Deutschland,  besonders  die
feinern  Sorten,  dann  England.
Der  Handel  des  Landes  zeigt  in  den
letzten  fünf  Jahren  nicht  sowohl  in  der
Menge  der  ein-  unb  ausgeführten  Artikel
alö  vielmehr  in  dem  Wertbetrag  derselben,
resultierend  aus  den  niedrigen  Marktpreisen, ­
  einen  erheblichen  Rückgang.  Die  Eiil
fuhr  betrug  1874:  2611  Mill.,  1878:
2621  Mill,  dänische  Pfund,  die  Ausfuhr
966,  resp.  1019  Mill.  Pfd.  Die  Wertbeträge
  waren  (in  Millioneil  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
1874:  260,82  201,49
1875:  255,5«  192,75
1876:  256,87  202,38
1877:  252,46  184,02
1878:  213,25  171,58
Die  Ein  -  und  Ausfuhr  von  Geld  und
Edelmetall  ist  hierin  nicht  eingeschlossen.
Nach  offiziellen  Angaben  betrug  dieselbe
(in  Millionen  Mark):
        <pb n="121" />
        Dänemark  (Handel,  Verkehr).  113

Einfuhr  Ausfuhr
1875:  16,85  7,73
1876:  35,5»  40,99
1877:  20,72  17,68
1878:  16,40  11,42

Die  hervorragendste  Nolle  tut  ausländischen ­
  Warenverkehr  spielen  Deutschland
und  England;  ans  diese  beiden  Länder  entstelen
  1878  von  dcrMenge07,iProz.,voin
Ņert  65,sProz.  Im  Umsatz  mit  Deutschland ­
  übersteigt  die  Einfuhr  die  Ausfuhr,
ver  England  ist  es  umgekehrt.  Dann  folgen
Schweden  und  Norwegen,  deren  Handel
Nchntitativ  denjenigen  Deutschlands  iiber-&amp;gt;lngt,
  dagegen  hinsichtlich  des  Werts  weit
Ulrücksteht.  Der  WertdesUmsatzesmitden
Vereinigten  Staaten  hat  sich  1878  gegen
"3/5  fasi  vervierfacht.  Der  Warenumsatz
mit  demAusland  und  den  Nebenländern
wertete  1878  (in  Tausenden  Mark):

Länder

Deutschland
Eiland
Schweden
Norwegen
Vereinigte  Staaten  .  .
Nußland
Holland
Island
Frankreich
Belgien
Dänische  Antillen  .  .  .
Grönland
Färöer

Einfuhr

Ausfuhr

84730
46274
22772
5826
0110
8000
6010
3881
3551
3773
2126
828
261

51057
74067
25500
11854
10
840
1344
3200
2035
040
03
653
300

Mit  Hinweisung  auf  die  vorhergegangene ­
  Begründung  der  einzelnen  Posten
folgt  in  nachstehendem  eine  Rekapitulation
der  hauptsächlichsten  Warengruppen  (in
Millionen  Mark)  :

Waren

Einfuhr

Ausfuhr

Getreide  und  Mehlwareu  .
Ģetränke
Zucker
Samen,  Flachs,  Tabak  -c.
Kolonialwaren
Vieh
Fleischwaren
«tibie  tierische  Produkte.  .
Fische
Btetalle  und  Mineralien  .
^°lz  und  Holzware».  .  .
^extilstosfe  undMetallwareu

23.8
3.3
14.2
13.3
13.5
6,1
0,3
5.3
8.3
16.5
12.4
46.8

50,2
1,1
1,9
1,1
5.0
51,1
28,8
7.3
1.0
1,8
3.3
5.4

Handclsgeographie.

Berkehrswesen.
Die  Länge  der  Knn  ststraßen  ist  nicht
bedeutend;  1876  gab  es  nur  2024  km
Chausseen,  davon  auf  Seeland  513  km
in  Jütland  1177  km.  —  Das  Netz  der
Eisenbahnen  hat  1879  folgende  Erweiterungen ­
  erhalten:  im  Januar  wurde
die  Limfjordbrücke  zwischen  Aalborg  und
Nörresundby  dem  Verkehr  übergeben,  wodurch ­
  der  Verkehr  zwischen  S.  und  N.
vervollständigt  ward,  im  Juni  auf  Seeland ­
  die  Strecke  Kopenhagen,  resp.  Fredcriksborg
  und  Frederikssuiid  (55  km)  und
im  Juli  Kjöae-Fare-Rödvig  (66  km)  sowie ­
  in  Jütland  Vemb-Lemvig  (41  km)
eröffnet.  Mit  Ankauf  der  Privatbahnen
seitens  des  Staats  geht  man  schnell  vor;
im  Oktober  wurde  die  Bahn  Silkeborg-Herning
  in  Jütland  angekauft  und  ein
Antrag  betreffs  der  ostjütischen  Strecken
(Nanders-Grenaa  und  Aarhus-Ryomgaard)
  dem  Reichstag  vorgelegt.  Die  Gesamtlänge ­
  aller  Bahnen  beträgt  1520  km.
—  Die  Post  (D.  und  seine  Kolonien  gehören ­
  zum  Weltpostverein)  hatte  1878:
159  Anstalten,  in  welchen  befördert  wurden ­
  25,463,599  Briefe  und  Postkarten
sowie  24,879,891  Zeitungen;  Einnahme
4,193,613,  Ausgabe  4,280,502  Mk.  Die
Telegraphenlinien  hatten  Ende  1879
eine  Länge  von  3450km,  die  Drähte  von
9130  km;  es  gab  268  Telegraphcnanstalten,
  in  welchen  969,123  Telegramme
befördert  wurden;  Einnahme  698,971
mrf.
Die  Handelsflotte  hatte  31.  Dez.
1878  folgende  Größe:

Gebiete

Segelschiffe
Zahl  Tonnen

Dampfer
Zahl  Tonnen

Königreich  .
Färöer  .  .
Island  .  .
Westindien  .
Zusammen

2071
23
78
24

204585
040
2260
2064

180
1

46623
28

3006

210  768

46651

Es  zählte  demnach  die  gesanitcHandelsstotte
3286  Schiffe  von  257,419  T.;  außcrdeni
  befanden  sich  int  Königreich  21  Dampfbagger ­
  mit  1291T.  und  10,800  Boote  von
und  unter  4  T.  Bon  den  189  Dampfern
sind  nur  122  mit  43,426  T.  und  10231
8
        <pb n="122" />
        114

Dänemark  (Finanzen,  Konsulate  rc.).

Pferdekräften  eigentliche  Handelsdampfschiffe. ­
  Ein  Rückblick  auf  frühere  Jahre
ergibt,  daß  die  Handelsmarine  von  1866—
1877  jährlich  zunahm,  daß  aber  1877  das
umgekehrte  Verhältnis  eintrat,  indem  damals ­
  ein  Rückgang  von  2250  Ton.  und
1878  von  851  T.  stattfand.  Dem  Rang
nach  nimmt  die  Handelsmarine  unter  den
Flotten  Europas  die  elfte  Stelle  ein  und
folgt  gleich  nach  der  von  Rußland.  Unter ­
  den  verschiedenen  Seeplätzen  nimmt
Kopenhagen  die  erste  Stelle  ein,  seine
Handelsflotte  beträgt  30  Proz.  der  Tragfähigkeit ­
  der  gesamten  Handelsflotte;  demnächst ­
  kommen  Svendborg  mit  9,3,  Fand
mit  7,r  Proz.,  Marstal,  Helsingör,  Dragör.
Schiffsverkehr.  Die  Anzahl  und
Tragfähigkeit  der  1878  in  gewöhnlicher
Auslandfahrt  in  dänischen  Hafen  ein-und
ausgegangenen  Schiffe  waren  folgende:

Fahrzeuge

Eingang
-chisfc  I  Tonnen

Ausgang
Schiffe  I  Tonnen

Segelschiffe  .
Dampfschiffe
Zusammen:

12773  728000
6541  1174677

1213V  718080
6286  1135133

19314  1902677

18425  1  853213

Die  Gesamtzahl  aller  Schisfserpeditionen
  belief  sich  daher  auf  37,739  mit
3,755,894  T.,  die  Beladung  aber  nur  auf
1,432,737  T.  Im  Vergleich  mit  frühern
Jahren  ist  seit  1874  die  Anzahl  der  Fahrten ­
  geringer  geworden,  was  allein  den
Segelschiffen  zur  Last  fällt,  während  die
Zahl  der  Dampfschiffe  dauernd  (seit  1874
im  Eingang  um  100,000,  im  Ausgang
um  50,000  Ton.)  gestiegen  ist.  Der  Nationalität ­
  nach  beteiligten  sich  an  der  ausländischen ­
  Schiffahrt:

Nationalität

Deutsche  .
Norwegische
Schwedische
Russische  .
Britische  .
Niederländische.
Andre.  .  .  .

Segelschiffe
-chisfc  Tonnen

3349
2274
7551
225
332
178
21

168411
205293
302909
48696
69568
18007
5366

Dampfschiffe
Schiffe  Tonnen

719
263
1622
8
589
82
2

93011
44862
268553
2780
370307
42778
960

Das  Verhältnis,  in  welchem  Schiffe
fremder  Nationen  mit  dänischen  Schifseil
an  der  ausländischeil  Schiffahrt  teilnehmen,
  gestaltet  sich  aber  immer  mehr  zu

Gunsten  der  letzter«.  An  dem  Umsatz
Dänemarks  zur  See  partizipierten  dänische ­
  Schiffe  1874  erst  mit  42,6  Proz.,
1878  schon  mit  55,3  Proz.  ;  besonders  stark
hervortretend  ist  die  Beteiligung  der  dänischen ­
  Dampfschiffe.  An  der  inländischen
Fahrt  (41,631  Schiffe  mit  1,877,783  T.)
beteiligten  sich  neben  der  dänischen  auch
die  deutsche  und  schwedische  Flagge.  Durch
Gesetz  vom  16.Juni  1879  ist  dieSchisfSabgabe
  (Staatöabgabc)  in  inländischer
Fahrt  vom  1.  Juli  ab  in  Wegfall  gekommen; ­
  die  auf  ausländischer  Fahrt
schwer  lastende  Schisssabgabe  ist  aber
geblieben.  Die  Staatöregicrung  fordert
für  den  eventuellen  Ausfall  vom  Folkething
  eine  Summe  von  785,000  Mk.
Finanzen,  Konsulate  re.
Die  Budgets  der  letzten  Jahre  ergaben ­
  stets  Überschüsse;  nach  dem  voit  1880
bis  1881  waren  dieEinnahmen  53,011,237
Mts.,  bie  911%^«:  46,673,442  m.,  so
daß  sich  ein  Überschuß  voit  6,348,095  Mk.
ergibt.  Die  Staatsschuld  belief  sich
am  Ende  des  Finanzjahrs  1879  auf
195,730,554  m.,  «Wi#:
Innere  Schuld  ....  178508706  Mark
Äußere  Schuld  ....  17221848  -
Diesen  Passiven  stehen  aber  Aktiva  entgegen ­
  in  Höhe  von  107,583,031  Mk.,  so
daß  sich  ein  eigentlicher'Schuldbcstaud  ergibt ­
  von  88,147,523  Mk.  Für  die  Anlage ­
  von  Staatsbahnen  waren  bis  31.
WGra  1879:  71,395,845  m.  ücnw0onbt.
—Deutsche  Konsulate  bestehen  in:  Kopenhagen, ­
  Aalborg,  Aarhus,  Fanö,  Frederikshavn,
  Fredericia,  Helsingör,  Horsens,
  Korsör,  Nyborg,  Randers,  Ribe,
Ringkjöbing,  Rönne,  Thisted,  Barde.  —
Kreditwesen.  Im  ganzen  Königreich
bestehen  32  Aktienbanken  (7  in  Kopenhagen ­
  und  25  in  den  Provinzen),  zusamnlen
mit  einem  Aktienkapital  von  77,894,000
Mk.  Zur  Notenemission  ist  gesetzlich  nur
die  Nationalbank  berechtigt.  Dieselbe
wurde  1818  durch  Umwandlung  der  1813
gegründeten  Königlichen  Neichsbank  in
ein  Privatiustitut  errichtet  und  ails  90
Jahre  privilegiert.  Aktionäre  sind  alle
Grundeigentümer,  deren  Anteil  an  der
Bank  mindestens  100  Neichsthaler  (à  2
Mk.  27  Pf.)  beträgt.  Das  Aktienkapital
        <pb n="123" />
        115

Danzig.

beläuft  sich  auf  13,376,000  Neichsthaler.
~~  Münzen,  Maße  und  Gewichte,
-stach  der  Konvention  vom  27.  Mai  1873
sind  die  drei  standinavischen  Staaten
zur  Goldwährung  übergegangen.  Aus
dem  Kilogramm  fein  Gold  werden  248,
resp.  124  Stück  Miinzen  geprägt.  Der
~0.,  resp.  10.  Teil  dieser  Münze  ist
Recheneinheit  und  beißt  Krone.  Diese
Krone  wird  in  100  Ore  geteilt,  entsprechend ­
  1  Mk.  12Va  Pf.  —  Die  Einführung
des  nietrischen  Systems  steht  in  Aussicht,
^etzt  ist  der  Centner  —  50  kg,  das  Pfund
r~  500  g;  die  Tonne:  Getreide  1,3912  hl,
•öiei-  1,3139  hl,  Butter  112  kg,  Öl  120
fļaî  der  Pott  0,966i  Lit.,  Fuß  0,3139  m,
dle  Meile  7,5325  km,  die  Tonne  Landes
0,551623  ha.
Danzig,  Haupt-  und  Hafenstadt  des
Mchnamigen  preuß.  Regierungsbezirks
su  der  Provinz  Westpreußen,  an  der
Weichsel,  ca.  4km  von  der  Ostsee;  Station
der  von  Dirschau  nach  Neufahrwasser  führenden
  Zweigbahn  der  Preußischen  Ostdahn ­
  und  Endpunkt  der  pommerschen  Abteilung ­
  der  Berlin-Stettiner  Eisenbahn,
Station  der  Dampfer  der  Stettin-Ko-PenhagenerDainpfschiffahrtsgesellschaft
  sotvle
  der  Nederlandsche  Stoomboot  Maatschappij;
  (1880)  108,743  Einw.  Konsulate
für:  Belgien,  Dänemark,  Frankreich,  Niederlande,
  Rußland,  Schweden  und  Norwegen, ­
  Spanien,  Türkei,  von  deutschen
Staaten:  Bremen,  Hamburg,  Mecklenburg-Schwerin, ­
  Oldenburg;  Börse,  Kommerzkollegillm
  und  Admiralitätsgericht.
—  Die  Industrie  beschäftigt  sich  mit
der  Erzeugung  voir  Braniitwein  und  Likör ­
  (»Danziger  Goldwasser«),  Verarbeitung ­
  von  Bernstein  (die  Ankäufe  von
Schwarzort  und  Palmnicken  betrugen
1879  :  400,000  Mk.;  die  Ausfuhr  geht
nach  Afrika,  der  Levante,  Wien,  Paris,
fur.Firniösorten  Rheinland),  dann  große
Mühlenwerke  und  Brauereien,  Eisentvalzwerke
  u.a.—Der  Handel  gibt  aber
D.  seine  hohe  Stellung.  Es  ist  das  Enbtepot
  für  die  überschüssige  Produktion
Mestpreußcns,  Polens,  Ungarns  und
k(neö  Teils  von  Litauen,  deren  zugeführte
Produkte  auf  der  Speicherinsel  lagern,
ur  deren  Räumen  IV2  Mill,  hl  Getreide

Platz  finden.  D.  ist  einer  der  größten
Erporthäfen  für  Getreide  und  Ölsaatcn
obschon  ein  großer  Teil  der  Zufuhren  in
denhiesigenMühlenverarbeitet  wird.  Seewärts ­
  wurden  exportiert  1878:  309,333
Ton.,  1879:  279,940  T.  und  zwar  im
letzten  Jahr  von  Weizen  allein  231,150
T.,  dagegen  1878:  248,133  T.,  davon
148,159  T.  nach  England,  der  Rest  nach
Belgien,  Dänemark,  Holland  re.  Noch
wichtiger  ist  der  Handel  mit  Holz,  das
auf  der  Weichsel  aus  Polen"  zugeführt
wird.  Die  Einfuhr,  welche  1879  gegen
1878  bedeutend  abgenommen  hatte,  da
man  im  Vorjahr  vor  dem  Eintreten  der
Holzzölle  (1.  Oft.)  große  Zufuhren  bewirkte, ­
  umfaßte  1879  außer  andern::
Fichtene  Balken  und  andre  Hölzer.  2)9094  Stück
Eichene  Balken  und  andre  Hölzer.  33133  -
Tannene  Balken  und  andre  Hölzer  15853  -
Fichtene  Eisenbahnschwellen  .  .  .  339646  -
Eichene  Eisenbahnschwellen  ...  940773  -
Seewärts  wurden  verladen:
Fichtene  und  tannene  Balken  .  .  249914  Stück
Fichtene  und  tannene  Bahnschwellen  1415579  -
Eichene  Planken,  Bretter,  Balken  re.  599431  -
Die  Gesamtzilfuhr  per  Eisenbahn  und
per  See  belief  sich  1877  auf  12,582,000,
1878  auf  11,997,000  und  1879  auf
9,133,000  Mk.:  die  Gesamtausfuhr  1877
auf  12,130,000,  1878  auf  11,951,000
und  1879  auf  11,689,000  Mk.  Von  Geringen ­
  wurden  1879:  88,810  Ton."im
Wert  von  3,3  Mill.  Mk.  zugeführt,  ferner
eingeführt  ausgeführt
Salz  .  .  .  411637  395553  Ctr.
Wein  .  .  .  53169  41617  -
Von  Bier  wurden,  namentlich  nach  England, ­
  335,800  Lit.  versandt,  Steinkohlen
und  Koks  eingeführt  für  2,580,000  Mk.
(1876:4,428,000  m.).  9(nbtnm#ac
Handelsartikel  sind:  Kaffee.  Reis,  Speck,
Schmalz,  Zucker,  Petroleum.  Der  gefaulte
Warenverkehr  stellte  sich  1879  (in  Mark):

Eingang  Ausgang
Seewärts  49  750000  73285500
Stromwärts  42124500  15670000

Landwärts  per  Eisenbahn  69470000  49840000
Zusammen:  161344500  138795500
Dagegen  1878:  168482000  140455000
Reederei  und  Schiffbau  haben  seit
Jahren  sehr  bedeutend  abgenommen;  es
8*
        <pb n="124" />
        116

Dardanellen  —  Darmstadt.

bestand  die  Danzigcr  Reederei  1880  (inkl.
13  Flußdampfer)  aus  170  Schiffen  von
44,842  Ton.  —  Es  bestehen  hier  die  Danziger
  Schiffahrtsaktiengesellschaft  (Kapital
1,575,000Mk.)  und  die  Danziger  Schiffswerft- ­
  und  Kesselschmiede-Aktiengesellschaft
(Kapital  300,000  Mk.).  Der  Seehafen  der
Stadt  ist  Neu  sah  r  w  a  sse  r  an  der  Weichselmündung; ­
  dort  liefen  1879
ein:  1696  Schiffe  von  467665  Tonnen
aus:  1713  -  -  468962
Überhaupt  liefen  1740  Schiffe  von  632,777
T.  ein,  1754  von  632,164  T.  ans.  Von
den  eingegangenen  waren  1049  deutsche
Wii  318,837!$:.,  819  WH  524,673
T.,  165  dänische  von  42,317  T.  Auf  der
Weichsel  verkehrten  stromabwärts  5540
Kähne,  stromaufwärts  5410  Kähne.  —
Die  P  o  st  beförderte  1879:8,081,874  «tief*
Postsendungen,  136,042,218Mk.inBriefen
und  Paketen,  21,127,519  Mk.  auf  Postanweisungen ­
  re.,  der  Telegraph  92,737  aufgegebene ­
  und  91,262  angekommene  Telegramme. ­
  —  Kreditwesen.  DieReichsbank-
  (jetzt  Haupt-)  Stelle(mit  denNebenstellen
  Marienwerder  und  Kulm)  hatte
1880  einen  Umsatz  von  463,926,100  Mk.,
davon  Wechselverkehr  145,651,400  Mk.,
Giroverkehr  279,977,400  Mk.  Die  Danziger
  Privataktienbank  (Zettelbank,  Kapi-M:
  3  9)üK.  m.)  ^Hc  1879  cium  @csamtumsatz
  von  283,630,576  Mk.,  Notenumlauf ­
  1.  Jan.  1880:  1,663,900  Mk.,
Wcchselbestand  6,140,759  Mk.  und  zahlte
pro  1879  eine  Dividende  von  5  Proz.
Der  Gesamtumlauf  der  Noten  darf  bis  3
Mill.Mk.  gehen  ;  von  dem  umlaufenden  Betrag ­
  muß  mindestens  ein  Drittel  in  barem
Geld,  mindestens  ein  Drittel  in  diskontierten ­
  Wechselil,  der  Nest  tu  Effekten  in  einer
besondern  Notenkasse  vorhanden  sein.  Die
Noten  bestehen  inStückenzu  lOOAkk.  und
werden  bei  der  Kasse  der  Bank  sowie  beider
Deutschen  Bank  in  Berlin  gegen  bar  eingelöst. ­
  Ferner  besteht  hier  noch  der  Danziger ­
  Sparkassenaktienverein.  —  Jährlich
zwei  Messen:  der  Dominikmarkt  (vom
5.  Aug.  an,  für  Fremde  8  Tage  dauernd,
für  Einheimische  über  3  Wochen)  und  der
Martinimarkt  (weniger  bedeutend).  In
den  vier  letzten  Jnnitagen  Wollmarkt.  —
Platzgcbräuche.  Mau  verkauft:  Weizen

nach  der  Tonne  (196  Pfd.  engl.)  und  der
Last  von  20  T.,  Lüneburger  Salz  nach  der
Last  von  18,  spanisches,  französisches  u.  a.
nach  der  von  16  T.,  Stäbe  ilnd  sichteue  Dielen ­
  pro  Schock  von  60,  Masten  nach  dein
engl.  Fuß,  eichene  Balken  nach  dem  franz.
Kubikfuß,  fichlene  dito  nach  dem  engl.  Kubiksnß,
  eichene  Eisenbahnschwellen  für  das
Stück,  sichtenc  dito  nach  dein  engl.  Kubikfnß,
  Maschinenkohle  nach  dem  Keel  von
2l  Hs  Tons,  Schmiedekohle  nach  demselben
von  8  Chaldrons,  Koks  nach  demselben
von  11  Tons  in  Pfunden  Sterling;  Einfuhrwaren ­
  auf  1,2,  3  Monate  Kredit,  bei
Barzahlung  6  Proz.  Diskont  pro  Jahr.
Wechselkurse  notiert  man  ans  Amsterdam, ­
  Hambilrg.  London,  Paris,  Warschau
und  Wien  nach  den  Normen  von  Berlin,
atlf  Berlin  und  Königsberg  8  Tage  und  2
Monate  dato.  Fast  der  ganze  Wechselverkehr ­
  nimmt  seinen  Weg  über  Berlin.
Dardanellen,  s.  Kaleh  Sultanieh.
Darmstadt,  Hauptstadt  des  Großherzogtums
  Hessen,  au  der  Hessischen  Ludwigsbahn, ­
  Main  -  Neckarbahn,  Odenwald- ­
  und  Niedbahn;  (isso)  48,803  Einw.
Konsulate  für  Frankreich  und  Spanien;
Münzstätte;  Handelskammer,  Gewerbehalle;
  Waren-  und  Produktenbörse  (an  jedem ­
  Dienstag);  Obersteuerdirektion  und
Hauptzollamt.  —  DieJndnstrie  erstreckt
sich  auf  die  Fabrikation  von  Tapeten,Spielkarten, ­
  Zündhölzchen,  Chemikalien,  technischen ­
  und  musikalischen  Instrumenten,
Maschinen  (besonders  Lokomotiven)  u.  a.
Der  Handel  vertreibt  diese  Judustrieprodukte
  sowie  Spargel  und  andre  Gartenerzeugnisse,
  Wald-  und  Graösamen.  Auf
den  oben  angeführten  vier  Eisenbahnlinien
bilden  bedeutende  Biehtranöporte,  namentlich ­
  aber  eine  starke  Steinkohlenzuund
  -Abfuhr,  Holz-,  Eisen-,  Erz-  und
Steinsendungen  die  erheblichsten  Faktoren
im  Güterverkehr.  —  Bei  der  Post  gingen
1879:  2,187,200  Briefsendungen  ein,  befördert ­
  tvnrden  2,929,483  Zeitungen,
12,894,052  Mk.  auf  Postanweisungen  rc.
Telegramme  gingen  ein:  335,804,  aus:
33,400.  —Kreditwesen.  Die  Reichöbanknebenstelle
  hatte  einen  Gesamtumsatz
von  115,071,300  Mk.  Die  Bank  für  Süddeutschland
  (Kapital:  15,672,300  Akk.)
        <pb n="125" />
        117

Dartmouth
wurde  1856  auf  Aktien  gegründet;  die
jetzigen  Noten  bestehen  in  Stücken  zu
100  Mk.,  davon  waren  1.  Jan.  1880
im  Umlauf  13,573,400  Mk.,  von  nicht
Präsentierten  Noten  alter  Wahrung
101,374  Mk.  Dividende  pro  1879:  4Proz.
Die  Bank  für  Handel  imb  Industrie  (Kapital: ­
  60  Mill.  Mk.)  zahlte  1879  eine  Dividende ­
  von  9'/2  Proz.  Die  Darmstädter
Volksbank  (eingetragene  Genossenschaft)
sfitte  1878  einen  Umsatz  von  12,448,432
Uif.  bei  einer  Mitgliederzahl  von  823.
Dartmouth  (spr.  -moth),  Hafenstadt  in
der  engl.  Grafschaft  Devon,  an  der  Mündttng
  des  Dart  in  den  Kanal;  (i87i)  5338
Olnw.  Deutsche  Konsularagentur;  London ­
  aich  County  Bailk.  Der  Hafen  ist  für
Schiffe  von  500Ton.  zugänglich.  Reederei
190  Seeschiffe  (16,558  %.)  u.  499  Fischerboote. ­
  Schiffsverkehr  1879:  140,369  T.
Die  Einfuhr  betrug  1879:  385,920  Mk.,
die  Ausfuhr  britischerProdukte  39,960  Mk.
Deal  (spr.  dihl),  Seestadt  in  der  engl.
Grafschaft  Kent,  an  der  South-Eastern-Cisenbahn,
  mit  guter  Reede,  auf  der  sich
die  Handelsflotten  versammeln,  um  Lebensmittel ­
  eiitzunehiiien.  Deutsches  Vicekonsulat
  für  D.  und  Sandwich.  Zum  Hasen ­
  gehören  7  Seeschiffe  von  443  Ton.
1879  Einfuhr  62,980,  Ailsfuhr  britischer
Produkte  91,780  Mk.
Dkbrerzin  (spr.  dabräzin),  Handelsstadt
ini  ungar.  Komitat  Bihar,  an  der  Vereinigung ­
  der  Ungarischen  Nordost-  und  der
Theißbahn;  (i880)5l,359Einw.  Handelöiliid
  Gewcrbckammer;  Filiale  der  Österreichisch ­
  -llngarischen  Bank;  Debrecziner
Handels-  iind  Gewerbebank,  Dcbreeziner
Sparkasse.  —  VonJndustrieartikelil  sind
Seife,  Lebkuchen,  Wollzeuge,  Pfeifeiiköpfe,
Würste  und  Schinken  berühmt.  —Hauptartikel ­
  des  bebentenben  Handels  sind:
Speck,  Getreide,  Seife,  Knoppern,  Tabak,
minder,  Schweine  und  Pferde,  Honig,
Schafe,  Käse.  —  Jährlich  vier  große  M  e  (-&amp;gt;on:
  zu  Anton  Einsiedler  (DreikönigS-Markt),
  Georg.  Laurenz,  Dionysius.
Dehli  (Delhi),  Hauptstadt  desgleichnamigen ­
  Regierungsbezirks  in  der  anglo
ì»d.Provinz  Pandschab,  an  der  Dschamna
und  der  Bahn  Kalkutta-Lahor;  087«)
100,553  Einw.  (über  die  Hälfte  Hindu,

—  Dessau.
die  übrigen  Mohammedaner).  Bank  vf
Bengal,  D.  and  London  Bank.  Der  Umsatz ­
  in  den  reich  gefüllten  Bazaren  überpeW
  ¡aw;#  500  am.  m.
Dclagoabai,s.  Lour  e  nşo-Marquez
ilnd  Mosambik.
Delft,  Stadt  in  der  niederländ.  Provinz
Südholland,  südöstlich  vomHaag,  von  vielen ­
  Kanälen  durchschnitten  und  durch  einen
derselben  mit  dem  Haag  verbunden,  an  der
Holländischen  Bahn;  0877)  24,959  Einw.
Ansehnliche  Fabrikthätigkeit  (früher  berühmte ­
  Fabriken  für  Fayence  und  Steingut ­
  (»Delfter  Ware«));  starker  Handel.
Drmerara,  s.  Georgetown.
Dénia,  Hafenstadt  in  der  span.  Provinz ­
  Alicante,  südöstlich  von  Valencia  und
in  gewisser  kommerzieller  Abhängigkeit
vonletzterm;  0877)8623Einw.  Großartige
Zuckermühle  (seit  1877)  und  massenhafte
Ausfuhr  von  getrockneten  Weintrauben,
1877:  407,089  metr.  Ctr.,  davon  212,436
nach  London,  61,316  nachLiverpool,  22,079
nach  Bristol,  92,247  nach  Amerika.
Derbent,  Hauptstadt  des  russ.  Gebiets
Daghestan,  am  Kaukasus,  mit  Hafen  am
Kaspischen  Meer;  (i87i)  17,730  Einw.
Zollhaus  und  Schisfswerfte.  Ziemlich  ansehnliche ­
  Schiffahrt  und  Handel  auf  vier
von  den  Bewohnern  der  innern  Gebirgsthäler ­
  sehr  lebhaft  besuchten  Jahrmärkten.
Derby,  Hauptstadt  der  gleichnam.  engl.
Grafschaft,  an  der  London  and  Northwestern-Eisenbahn; ­
  0871)  49,793  Einw.
Seidenindustrie  (4600  Arbeiter),  Maschinenbau ­
  (Werkstätten  der  Midland-Eisenbahn),
  Spitzen-  ».  Baumwollfabrikation.
Dessau,  Haupt  -  und  Residenzstadt  des
Herzogtums  Anhalt,  an  der  Mulde  und
der  Berlin-Anhaltischen  Eisenbahn,  die  sich
hier  nach  Bitterseld  und  Köthen  abzweigt;
(1880)  23,266  Einw.  —Nicht  unbedeutende
gewerbliche  Thätigkeit  und  Kunstqärtncrei.
  Mit  Wallwitzhafcn  ist  D.  durch
besondern  Bahnstrang  verbunden.  Dort
wurden  1878:  645  Kahnladungen  gelöscht; ­
  die  Ein-  und  Ausfuhr  belief  sich  auf
1,385,000  Ctr.  Die  Berlin-Anhaltische
Eisenbahn  befördert  die  ankommenden
Güter  täglich  in  zwei  Güterzügen  oft  mit
50—60  Achsen.  Unter  ben  eingehenden  Gütern ­
  befinden  sich  durchschnittlich  235,020
        <pb n="126" />
        118

Desterro  —  Deutschland  (Anordnung).

Ctr.  Roheisen,  94,850  Ctr.  Dungmitlel,
76,700  Ctr.  Farbhölzer,  65,500  Ctr.  Getreide, ­
  ferner  Harze,  Cement,  Schiefer,
Steinnüsse,  Heringe,  Rosinen  und  Korinthen, ­
  Soda.  Den  Ausfuhrverkehr  bilden
durchschnittlich  4300  Ctr.  Zucker  rmd
04,053  Lit.  Branntwein.  —  Ein  Wollmarkt
  von  zweitägiger  Dauer  findet  in
der  ersten  Hälfte  des  Juni  statt.  —  Die
Anhalt-Dessauische  Landesbank  (seit  1847)
hat  eilt  Aktienkapital  von  6  Mill.  Mk.
Vgl.  Anhalt.
Desterro,  Hafenplatz  der  brasil.  Provittz
  Santa  Catharina;  5300  Einw.,
viele  Deutsche.  Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk ­
  :  Provinz  SantaCatharina  mit  Ausschluß ­
  der  den  Kousnlatcn  in  Blumenau
und  Dona  Francisca  zugewiesetten  Bezirke). ­
  Fabrikation  künstlicher  Blumen
und  Schmncksachen  auö  Fischschuppen.
Die  Einfuhr  (V»  deutsch)  betrug  1880:
4,7  Mill.  Mk.,  Ausfuhr  2,i  Mill.  Mk.
1879  verkehrten  hier  13  deutsche  Schiffe.
Detroit  (spr.  ditreut),  bedeutendste  Stadt
des  nordamerikan.  Staats  Michigan,  am
gleichnamigen,  380  m  breiten  Fluß,  Knotenpunkt ­
  von  vier  Eisenbahnen;  (isso)
116,342  Einw.  Ressort  des  deutschen  Konsuls ­
  in  Chicago;  First  national  Bank
u.  a.  —  Die  Industrie  ist  sehr  bedeutend; ­
  besonders  nennenswert:  42  Dampfsägemühlen, ­
  28  Eisen-  und  Messinggießereien, ­
  3  Eisenbahnwagenbauanstalten,  12
Schiffswerften,  60  Cigarren  fabriken,  37
Brauereien  rc.  Die  Produktion  sämtlicher
gewerblichen  Anstalten  (1191  an  Zahl
mit  247  Dampfmaschinen  und  13,989
Arbeitern)  betrug  1871  ca.  109  Mill.Mk.
Zum  Hafen  gehörten  1871:  361  Schiffe
von  78,014  Ton.  Gehalt  (darunter  119
Dampfer).  Haupthandelsartikel:  Mehl,
Weizen,  Mais,  Gerste,  Roggen,  Schweine,
Rindvieh,  Fische,  Wolle,'Pelze,  Kupfererz, ­
  alle  auö  dem  Innern  zugeführt;  die
letzter»  werden  in  der  nahen  Kupferschmelze
  verhüttet,  welche  jährlich  für  8,5
Mill.  Mk.  Kupfer  liefert.
Deutschland  (Deutsches  Reich),
StaatenbundMitteleuroPas,  540,477qkm
(9816  QM.)  groß  mit  einer  Bevölkerung
von  (isso)  45/203,921  Einw.  (1875  von
42,727,360  Einw.).

Inhalt  deS  Arti
Grüße,  Volksznhl.
Bundesstaaten  S.  119
Wachstum,  Geschl.  119
Auswanderung.  .119
Nationalität.  .  .  120
NeligionSbekenutn.  120
Urproduktion.
Bodenbenutzung  .  121
Hauptkulturen.

Getreide,  Kartoffeln  121
Hillfenfriichte  .  .  122
Zuckerrüben.  .  .123
Brauerei,  Brennerei  124
Ölfaatcn.  .  .  .126
Flachs,  Hanf  .  .  127
Hopfen,  Tabak  .  127
Weinbail....  128
Kleesaat,  Blumen.  128
Gemüse-,  Obstbau  128
Viehzucht.
Pferde,  Rinder.  .  130
Schafe,  Schweine.  130
Ziegen,  Gänse.  .  130
Butter,  Eier  .  .  131
Fischerei  ....  131
Fleischwaren  .  .  132
Wollhandel  .  .  .  132
Häute,  Felle  .  .  133
Seidenzucht  .  .  .  133
Bienenzucht  .  .  .133
Forstwirtschaft.
Holzhandel  .  .  .133
Bergbau.
Kohle,  Bitumen  .  134
Graphit  ....  135
Asphalt.  Erdöl  .  135
Salz,  Kali  ...  135
Salinen  ....  136
Erze  136
Schwefelkies...  138
Mineralienhandel.  139
Erden,  Steine  .  .  140
Industrie.
Metallindustrie.
Eisen  141
Stahl  142
Eisengießereien.  .  143

Draht,  Eisenblech.  143
Kleineisenindustrie.  144
Zink,  Blei.  Kupfer  144
Silber  und  Gold  .  144
Schwefelsäure  .  .  145
Wirtschaft!.  Bedtg.  146
Maschinenhandcl  .  147
Textilindustrie.
Baumwolle  .  .  •  147
Wolle  148

kels  Deutschland.
Garnspinnerei  S.  149

Shoddyfabrik  .  .  149
Strumpfwareu.  .  149
Webereien  .  .  .  149
Seide  149
Flachs,  Hanf,  Jute  149
Leinwand.  .  .  .150
Hanfspinnerei  .  .  150
Zwirnfabrikatiou  .  150
Wirkwaren  .  .  .  150
Strickwaren  ...  150
Posamenten.  .  .  150
Zeugdruckerci  .  .  150

Chem.Jndustrie  150
Lederindustrie.  151
Stein-,  Thon-,
Glaswaren  .  151

Porzellanfabrik.  .  151
Glasschleiferei  .  .  151
Glasmalerei.  .  .  152
Versch.  Industrien.
Papiere  u.  Pappe  152
Siroh-,  Korbwaren  152
Gummi  ....  152
Buchdruck.  -Handel  152
Handel.
Zollgebiet  ...  152
Zollgesetzgebung  .  153
Handelsverträge  .  153
Konsulate  .  .  .153
Handelskammern.  154
Ausfuhrstatistik.  .  155
Verkehrswesen.
Flüsse  155
Kanäle  ....  156
Flußschiffe  .  .  .  156
Hafenplätze  .  .  .156
Seeschiffe  .  .  .  .157
Dampfergesellsch.  .  157
Schiffsverkehr  .  .  158
Eisenbahnen.  .  .  159
Post,  Telegraph  .  160
Finanzen.
Staatshaushalt.  .  161
Matrikularbeiträge  162
Staatsschuld.  .  .  162
Kreditwesen.
Banken  ....  163
Sparkassen  .  .  .  163
Vorschußvereine  .  163
Konsumvereine.  .  163
Bersicherungsges.  .  164
Hiilfskassen  ...  164
Geld,  Maß.
Goldwährung  .  .  164
Reichspapiergeld  .  165
Maß  und  Gewicht  166
        <pb n="127" />
        Deutschland  (Größe  und  Bevölkerung).

119

I.  Grösse  und  Bevölkerung.

Staaleil

9  Preußen.  .
2 )  Bayern  .  .
3)  Sachsen.  .
4)  Württemberg
°)  Baden  .  .
0)  Hessen
A  Mecklenburg-Schwerin
ļ")  wachsen  -  Weimar  .
P  Mecklenburg  -Strelitz
sO)  Oldenburg....
U)  Braunschweig.  .  .
sch  Sachsen-Meiningen
sch  Sachsen-Altenburg.  .
y  Sachsen  -  Koburg-Gotha
^)  Anhalt
Schwarzbnrg-Rudolst.
11  &amp;gt;  Schwarzbnrg-Sonders
Hausen  .  .  .
18)  Waldeck....
1Ļ)  Rcnß  ältere  «ime
-0)  viens;  jüngere  Linie
sl)  Schaumburg-Lippe
8)8%*;
23)  Lübeck  ....
24)  Bremen....
25)  Hamburg  .  .  .
26)  Elsaß  -  Lothringen
Deutsches  gleich

Areal  in
QKilom.
347509
75863
14993
19504
15084
7680
13304
3593
2929
6400
3690
2468
1322
1968
2347
942
862
1121
316
829
443
1189
283
255
410
14508

Bevölkerung ­

1  .Dez.  1880

27251067
5271516
2970220
1970132
1570189
936944
576827
309503
100269
337454
349429
207147
155062
194479
232747
80149
71083
56548
50  782
101265
35332
120216
63571
156229
454041
1571971

540477  145203921
Das  Wa  ch  stu  IN  der  Bevölkerung  des
Deutschen  Reichs  in  seinem  heutigen  Umfang ­
  und  die  durchschnittliche  JahreSznnahme
  zeigt  folgende  Zusammenstellung:

Jahr

1816
1820
1825
1830
1835
1840
1845

3#

24831396
26291006
28111269
29518125
30935648
32785150
34396055

Pro;.

1,4:1
1,34
0,98
0,94
1,18
0,96

Jahr

1850
1855
1860
1865
1870
1875
1880

Zahl

35395496
36111644
37  745187
39653544
40816249
42727360
45194172

Pro;.

0,57
0,40
0,88
0,99
0,58
0,92
1,10

Ņach  dem  Geschlecht  teilten  sich  die
42,727,360  Bewohner  (der  Zählung  von
1875)  in  20,986,701  männliche  und
21,740,659  weibliche,  es  kamen  somit  1875
un  Deutschen  Reich  103,6  weibliche  Personen ­
  (inWaldeck  sogar113)ans  lOOmänn-'che
  ;  in  einigen  Staaten  aber  war  das  Verhältnis ­

  ein  umgekehrtes:  auf  100  männlichePcrsonen
  kamen  inWestfalen  nur  95,9,
in  Rheinland  98,6,  in  Schaumbnrg-Lipvc
99,6  u.  in  derStadt  Berlin  99,i  weibliche.
A  u  s  w  a  n  d  e  r  n  n  g.  Wie  viele  Deutsche
vor  1844  ausgewandert  sind,  läßt  sich
zisfermäßig  nicht  nachweisen.  Man  hat
die  Zahl  der  von  1682—1815  Ausgewanderten ­
  auf  500,000  geschätzt.  Für  die
Periode  1815—43  schwanken  die  Zahlen ­
  zwischen  383,000  und  740,000  Seelen.
Bon  1843—54  ab  wanderten  nach  zuverlässigen ­
  Angaben  aus:

1844:
1845:
1846:
1847:
1848:
1849:

43000
67000
107000
110000
84000
85000

1850:
1851:
1852:
1853:
1854:

90000
113000
162000
156000
252000

Lumina:  1269000

Von  hier  ab  folgen  )vir  den  Angaben
des  Kaiserlichen  statistischen  Amtes]  welches ­
  uns  allerdings  nur  die  aus  deutschen
Häfen  abgegangenen  Personen  berechnet;
von  dort  wurden  befördert:

1855
1856
1857
1858
1859
1860
1861
1862

50202
62720
81014
42976
35253
46511
30939
35264

1863:
1864:
1865:
1866:
1867:
1868:
1869:
1870:

42856
52  756
87549
106657
116  860
116483
110813
79337

also  eine  Gesamtsumme  von  1,759,429
Seelen,  von  denen  weitaus  der  größte
Teil,  nämlich  1,555,022  Personen,  die
Vereinigten  Staaten  aufsuchte.  Die  amerikanischen ­
  Nachweise  berechnen  aber  die
Zahl  der  1841—78  dort  eingewanderten
Deutschen  ans  2,625,680,  eine  Ziffer,  die
wahrscheinlich  zu  hoch  gegriffen  ist.  Vom
Jahr  1871  an  besitzen  wir  bestimmte  Angaben ­
  nicht  allein  über  die  Auswanderung
ans  deutschen  Häfen  (ans  Stettin  seit
1874),  sondern  auch  über  die  auö  Antwerpen. ­
  Über  diese  Plätze  wanderten  ans:

1871
1872
1873
1874
1875

75912
125650
'103638
45112
30773

1876:  28368
1877:  21963
1878  :  24  217
1879:  33327
1880:  106191

Von  der  letzten  Zahl  wurden  über  Bremen ­
  51,628,  Hamburg  42,787,  Stettin
552,  Antwerpen  11,241  befördert,  über
        <pb n="128" />
        120  Deutschland  (Auswanderung,  Nationalität,  Religion).

Rotterdam  wanderten  1872:  1486  Personell ­
  aus,  über  Havre  von  1871—79:
27,108  Personen,  nämlich:

1872:  2593
1873:  6776
1874:  2511
1875:  1489

1876:  1258
1877:  939
1878:  1399
1879:  9856

über  Marseille  1873  und  1874  nur  74,
über  Genna  1872  nur  7  Personen.
Alan  kann  demnach  die  gesamte  überseeische ­
  Auswandernng  seit  1815  auf
mindestens  4Vi  Mill.  Menschen  anschlagen ­
  oder  auf  5  Milt,  in  den  letzten  200
Jahren.  Das  auf  diese  Weise  in  Erziehungskosten ­
  mitgenommene  Kapital  und
in  materieller  Arbeitskraft  weggetragene
Nationalvermögen  hat  man  auf  23  Milliarden ­
  Mark  berechnet.  Die  106,191  Auswanderer ­
  des  Jahrs  1880  gingen  nach  den
folgenden  Ländern:

Verein.  Staaten  103116
Brasilien  .  .  2119
Nbr.Südamerika  420
Australien  .  .  132
Westindien.  .  100

Britisch-Rordnmerika
  222
Asien  36
Afrika  ....  27
Ccntralamcrika  .  19

Im  Dienste  der  Auswanderung  waren
1880  beschäftigt  in  den  drei  Häfen  Bremen, ­
  Hamburg  und  Stettin  1047
Dampfer  und  36  Segelschiffe,  von  denen
542  Dampfer  und30Segelschiffe  die  deutsche,503diecnglische ­
  Flagge  führten;  sonst
waren  noch  die  holländische,  norwegische,
dänische,  russische,  sogar  die  hawaiische
Flagge  vertreten.  Die  deutschen  Schiffe
verteilten  sich  ans:  Hamburg  874  Dampfer ­
  und  29  Segelschiffe,  Bremen  135
Dampfer  und'  7  Segelschiffe;  die  aus
Stettin  auslaufenden  38Dampfer  fuhren
sämtlich  unter  deutscher  Flagge.  Von  Antwerpen ­
  liefen  69  belgische  Dampfer  mit
11,224  deutschen  Auswanderern  aus.
Die  deutsche  Auswanderung  nach  Rußland ­
  betrug  1857—78:684,869Personen;
1878  passierten  die  Grenze  nach  Rußland
404,512,  aus  Rußland  366,550,  somit
Wiebe»  37,962  (1876:  60,206)  Şcrfoiwt.
Staatsangehörigkeit.  Nach  der
1871  gemachten  Erhebung  hinsichtlich  der
Staatsangehörigkeit  waren  von  den
damals  lebenden  41,058,792  Bewohnern
40,835,035  Deutsche  und  194,364  Ausländer, ­
  und  letztere  verteilten  sich  wie  folgt  :

Österreicher  .  .  75768
Schweizer.  .  .  24528
Holländer  .  .  22047
Dänen  .  .  .  15168
Russen.  .  .  .  14532
Schweb.  u.Norw.  12345

Briten.  .  .  .10121
Belgier  ...  5100
Luxemburger  .  4828
Franzosen  .  .  4680
Italiener.  .  .  4025

sodann  in  kleinen  Zahlen  von  325  zu  41
absteigend:  Spanier,  Rumänen,  Griecheil,
Türken,  Liechtensteiner,  Portugiesen.
Nationalitäten.  Die  deutschen
Unterthanen  gehören  aber  bei  weitem
nicht  alle  dem  deutschen  Sprachstamm  an.
Die  Summe  der  nichtdeutschen  Reichsangchörigen
  bezifferte  sich  1871  auf
3,160,000  Seelen,  davon:

Polen  .  .  .  2450000
Franzosen  .  220000
Dänen.  .  .  150000

Litauer  .  .  .  150000
Wenden.  .  .  140000
Tschechen  .  .  50000

Religionsbekenntnis  Die  Gesamtbevolkerung
  von  39,119,000  Pers.
1871  teilte  sich  nach  den  Konfessionen  in:

Evangelische  Christen.  .  .  25581685
Römisch-katholische  Christe».  14869292
Sonstige  Christen  ....  82158
Israeliten  512153
Andre  13504

Vorwiegend  protestantisch  ist  die
Bevölkerung  in  Ostpreußen,  Brandenburg, ­
  Pommern,  Sachsen  (Provinz  und
Königreich),  Pfalz,  Schleswig-Holstein,
Hessen-Nassau,  Württemberg,  Hessen,
den  beiden  Mecklenburg,  Braunschweig,
den  thüringischen  Staaten,  Anhalt,  Waldeck,
  Schaumburg-Lippe,  dcnHansestädten;
vorwiegend  katholisch  in  Posen,  Schlesien, ­
  Rheinland  und  Westfalen,  Hohcnzollern,
  Bayern  (außer  Franken  und
Pfalz),  Baden  u.  Elsaß-Lothringen,  während ­
  in  Westpreußen  uiib  den  drei  bayrischen ­
  Regierungsbezirken  Franken  beide
Konfessionen  numerisch  ziemlich  gleichstehen. ­
  Israeliten  gibt  es  am  meisten  in
Posen,Schlesien,Elsaß-Lothringen,Rheinland, ­
  Hessen-Nassau,  Berlin,  Franken,
Westvreußen,  Baden  und  Hessen;  in  Berlin ­
  über  4,  in  Hamburg  4,  in  Posen  au
4,  in  Hessen  an  3  Proz.  der  Einwohner.
Beruf.  Wieder  die  Zählung  von
1871  zu  Grunde  legend,  finden  wir,  bei
einer  Einteilung  der  Bevölkerung  nach
den  Erwerbszweigcn  in  die  drei  angegebenen ­
  großen  Kategorien,  beschäftigt  bei:
        <pb n="129" />
        121

Deutschland  (GewerbezLhlung;  Urproduktion).

1)  Bergbau  und  Hüttenwesen,  Industrie  und  Bauwesen ­
  12924246  oder  32.8  Praz.
2)  Handel  und  Verkehr  .  3559436  oder  9  Praz.
3)  Land  -  und  Forstwirtschaft,  Jagd  und  Fischerei ­
  18651433  oder  47,»  Proz.

so  daß  für  alle  andern  Berufsklassen  noch
10,9  Proz.  der  Bevölkerung  übrig  bleiben.
Nach  der  Gewerbezählung  1875  gab
P  im  Reich  2,925,079  Hauptbetriebe,  in
denen  6,455,613  (1,414,008  weibliche)
Personell  beschäftigt  wurden.

Betriebszweige

Hauptbetriebe ­


0  Kunst-  u.  Handelsgärtnerei
2)  Fischerei
3)  Bergbau,  Hütten-  und
Salinenwesen  .  .  .  .
0  Industrie  der  Steine  und

12827
15658
7907

Erden
®)  Metallverarbeitung.  .  .
6)  Maschinen,  Werkzeuge,  Instrumente ­

7 )  Chemische  Industrie.  .  .
8)  Industrie  der  Heiz-  und
Leuchtstoffe
9 )  Textilindustrie
10)  Papier  und  Leder  .  .  .
11)  Holz  -  und  Schnitzstoffe  .
12)  Nahrungs  -  u.  Genußmittel
13)  Bekleidung  und  Reinigung
14)  Baugewerbe
15)  Polygraphische  Gewerbe  .
16)  Künstlerische  Betriebe  für
gewerbliche  Zwecke  .  .
17)  Handelsgcwcrbe  .  .  .  .
18)  Verkehrswesen
19)  Beherbergung  u.Erquickung

51339
164106
83740
8641
8947
381442
56654
246504
241897
757  775
216958
8071
5535
421095
74959
160025

Personen ­

25442
19032

433140
265106
420304
308462
52033

42330
926579
187219
462816
692319
1052673
468457
55849
13174
661  733
134172
234602

II.  Urproduktion.
D.  ist  vorwiegend  ein  Land  des  Ackerbaus ­
  und  der  Viehzucht.  Trotz  der  ausgedehnten ­
  Gebirgöländereien  nehmen  bebautes ­
  Land  sowie  Wiesen  und  Weiden
weit  über  die  Hälfte  seiner  Gesamtfläche
ein.  Nur  auf  dem  höchsten  Rücken  des
Schwarzwalds,  des  Böhmerwalds  und  der
Sl,deten  sowie  alls  den  höchsten  Gipfelhöhen ­
  der  übrigen  Gebirge  gedeiht  weder
die  Kartoffel  noch  Sommergetreide,  Hafer
und  Sommerroggen.  Aber  diese  Gebirgsgegenden ­
  sind  von  reichen  Getreideländern
umgeben,  die  selbst  für  den  Export  arbeiten.
In  Betreff  der  Bodenbenutzung
eutfallcn  1878  im  Deutschen  Reich  auf:

Hektar  Proz.
1)  Äcker,  Gärten  und  Weinberge  26133515  48,5
2)  Wiesen  und  Weiden  .  .  .  10299486  19,7
3)  Forstland  13839769  25,7
4)  Haus-  und  Hofräume,  Wege,
Ödland,  Gewässer  .  .  .  3  604122  6,7,

Im  Verhältnis  zur  Gesamtflächebesitzcn
das  meiste  Ackerland:  Posen,  Anhalt,
Lübeck,  Provinz  Sachsen,  Ost  -  und  Westpreußen, ­
  Pommern,  Schlesien,  Schleswig-Holstein, ­
  Königreich  Sachsen,  Hessen,
Mecklenburg,  Sachsen-Altenburg  und
Sachsen  -  Gotha,  Schwarzburg  -  Sondcröhausen,
  Elsaß-Lothringen  ;  das  wenigste:
Oldenburg,  Hannover  und  Hessen-Nassau.
Die  meisten  Wiesen  ltiib  Weiden  haben:
Hannover  und  Bremen,  Schleswig-Holstein, ­
  Westfalen  und  Ostprellßen;  den
meisten  Wald:  Hessen-Nassau,  Rheinpfalz,
  Thüringen,  Brandenburg,  Hessen,
Rheinland,  Württemberg,  Elsaß-Lothringen; ­
  das  meiste  Ödlaitd  Oldenburg.
A.  Dir  Hauptkulturrn.
Von  25,767,182  dem  Ackerbau  gcwidmeten
  Hektar  waren  1878  bebaut  mit:
Getreide  13967904  Hektar
Hülsenfrüchteu  ....  1567905
Hackfrüchten  3545906
Handclsgewächseu.  .  .  416  724  -
Futterpflanzen....  2442351
1)  Nahrungspflanzen.  Wie  ersichtlich, ­
  beanspruchen  die  verschiedenen
Getreidearten  den  bei  weitem  größten
Anteil  von  der  Kulturfläche;  rechnet  man.
hierzu  noch  die  nicht  allein  als  VolksnahrungSmittel,
  sondern  auch  in  der  Ausfuhr ­
  und  Spirituserzeugnng  immer  wichtiger ­
  werdenden  Kartoffeln,  so  erhält
man  für  Anbailflächen  und  Erträge  der
wichtigsten  Nahrungspflanzcn  1879:
Weizen  .  1815588  Hektar,  2278696  Tonnen
Roggen  .  5928769  -  5562435  -
Gerste.  .  1625009  -  2057358  -
Hafer.  .  3746098  -  4264255  «
Kartoffeln  2758208  -  18904596  -
Der  Gesamtwert  der  Ernte  betrug  1878—
1879:  1208,2  Mill.  Mk.,  1879-80  bei
geringerer  Menge:  1213,3  Mill.  Mk.
Diese  Erträge  genügen  aber  keineswegs
den  Bedürfnissen  der  Bevölkerung,  wenigstens ­
  nicht,  soweit  sie  den  Bedarf  an
Brotfrüchten  betreffen.  In  dieser  Hinsicht
        <pb n="130" />
        122  Deutschland  (Urproduktion:  Nahrungspflanzen).

ist  D.  entschieden  von:  Ausland  abhängig.
  Zwar  wird  ein  sehr  großer  Teil
des  Getreides,  nachdem  es  einer  Veredelung ­
  unterzogen  worden  ist,  dem  Ausland
zugeführt;  aber  dennoch  wird  ein  großer
Teil  der  Einfuhr  im  Land  oerbraucht,  und
dies  ist  schon  seit  längerer  Zeit  und  in  gunehmendem
  Maß  der  Fall.  1880  betrug
der  Handel  mit  Cerealien  (in  Tonnen):
Einfuhr  Ausfuhr
Weizen.  .  .  .  227543  178176
Roane»  .  .  .  689588  26587
Gerste  ....  222262  154409
Hafer  ....  161686  43577
Mais  ....  340640  1  369
Kartoffeln.  .  .  30381  578951
Im  Vorjahr  war  die  Einfuhr  oicl  bedeutender ­
  gewesen,  ilnd  auch  die  Ausfuhr,  ausgenommen ­
  bei  Mais,  stand  höher.  Doch
war  die  Durchfuhr,  die  jetzt  besonders  angemeldet ­
  werden  muß,  früher  oft  mit  aufgeführt. ­
  Die  Kartoffelausfuhr  geht  meist
nach  England.
Weniger  für  den  Handel  als  für  die
Ernährung  der  einheimischen  Bevölkerung ­
  sind  erwähnenswert:  Buchweizen,
Hirse,  Mais  und  Menggetreide.  Eine  hervorragende ­
  Stelle  im  Verkehr  nehmen  aber
die  Hülsenfrüchte  ein,  mit  welchen
1878  (einschließlichMischfrncht)  1,576,905
ha  und  zwar  hauptsächlich  in  den  östlichen
preußischen  Provinzen  (vornehmlich  in
Posen  und  Brandenburg)  bestellt  waren.
Der  Handel  mit  diesen  Produkten  betrug
(in  Tonnen)  :
Einfuhr  Ausfuhr
.  1879:  107112  84159
1880  :  30284  40360
Vermöge  einer  starken  Mühlenindustrie,
welche  nach  der  Gewerbezählung  von  1875
126,563  Personen  beschäftigte,  kann  aber
Mehl  ansehnlich  ausgeführt  werden  und
awr  1879:202,101  ion.,  1880:104,301
T.  gegen  eine  Einfuhr  von  52,645  T.  im
letzten  Jahr.
Der  Handel  mit  Mehl  aus  Getreide
und  Hülsenfrüchten  wertete  1879  in  der
Einfuhr  80,6  Mill.,  in  der  Ausfuhr  67,2
Mill.Mk.  Mit,Hinznrechnnng  der  Werte
andrer  in  den  Handel  gelangenden  Getreidearten ­
  und  Mahtfabrikate  (einschließlich ­
  Reis)  ergibt  sich  folgende  Übersicht:

Jnhr

Wert  in  Millionen  Mark
Einfuhr  Ausfuhr  Mehreinfuhr

1872
1873
1874
1875
1876
1877
1878
1879

279.3
414.0
482.4
418.0
595.0
716.0
612.0
688,0

215,1
249.0
240.0
268.0
222,1
378.0
375.0
350.1

64,2
165.0
242,4
150.0
372.9
338.0
237.0
337.9

1879  verteilten  sich  diese  Werte  auf  die  einzelnen ­
  Gegenstände  (in  Tausenden  Mark):

Einfuhr  Ausfuhr
Weizen  192000  127000
Roggen  220000  21800
Gerste  50400  40600
Hafer  44400  15500
Mais  24000  1  850
Reis  23880  20
Hülsenfrüchte  .  .  .  21300  16700
Kartoffeln  ....  2200  35100
Malz  21300  5  540
Mehl  80600  67180

Es  hatte  also  das  Deutsche  Reich  von
1872—79  int  ganzen  netto  1900  Mill.
Mk.  (durchschnittlich  im  Jahr  237  Mill.
Mk.)  für  die  aufgeführten  Bodenfrüchte
und  Nahrungsmittel  an  andre  Länder  zu
zahlen.  Unter  diesen  steht  Rußland  in
erster  Linie;  ihm  schließt  sich  Österreich,  in
nettester  Zeit  auch  Nordamerika  an.
Von  dem  eingeführten  Weizen  geht  der
größte  Teil  nicht  in  die  Konsumtion  über;
D.  spielt  hier  nur  die  Rolle  des  Zwischenhändlers. ­
  Der  meiste  Weizen  geht  nach
England,  das  aitch  hervorragender  Abnehmer ­
  von  Gerste  ist,  der  meiste  Roggen
nach  Norwegen.  —  Die  wichtigsten
Märkte  für  Getreide  sind  im  Süden:
München,  Straubing  und  Landshnt,  im
Norden:  Danzig,  Stettin,  Berlin,  Magdeburg, ­
  Rostock.  Die  wichtigsten  Ausfuhrhäfen ­
  sind  Danzig  und  Stettin.
2)  Handelsgewächse.  Wenn  D.
in  wachsendem  Maß  bett  Bedarf  von  Cerealien ­
  und  Feldfrüchten  aus  dem  Ausland ­
  beziehen  mußte,  so  ist  dieser  Umstand
zum  Teil  wenigstens  der  zunehmenden
Richtung  zuzuschreiben,  wonach  gerade  in
neuerer  Zeit  die  fruchtbarsten  Gegenden  sich
dem  Getreidebau  entzogen  haben.  Dennoch ­
  widmet  D.  diesen  wichtigsten  Früchten
        <pb n="131" />
        Deutschland  (Urproduktion:  Handelsgewächse).  123

(wozu  noch  die  in  Süddcutschlaud  insgesamt ­
  alls  403,336  ha  gebauten  Spelz,
Einer  ».  Einkorn  zu  rechnen  sind)  von  der
gesamten  Ackerfläche  63,  i  Proz.,  nach  Hinzuziehung ­
  von  Hülsenfrüchten,  Gemüsen
und  Hackfrüchten  (außer  Kartoffeln)  nicht
weniger  als  74  Proz.,  während  auf  die
HàndelsgeN'ächse  nur  1,6  Proz.  entfallt.
Die  Anbauflächen  der  wichtigsten  Handclsgewächse
  waren  fiir  1879:
Zuckerrüben  173ÑSñHekt.  Hanf.  .  2044t  Hekt.
Ölsaat  .  .  182  715  -  Hopfen  .  40700  -
àch-z  .  .  mg  148  -  Tabak  .  18004  -

.  &amp;amp;)  Zuckerrüben  werden  vornehmlich
m  der  Provinz  Sachsen  gebaut  (75,921
uu),nächstdcminSchlesicn(24,628ha),  in
Inhalt,  Braunschweig,  Hannover,  Rheinland, ­
  Brandenburg,  Württemberg,  Baden,
chvmmern.  Nach  den  Berechnungen  von
«x„p.  Licht  (Statistisches  Bürean  für
Rubenzuckerindustrie  in  Magdeburg)  war
Ul  der  vom  September  bis  Juni  dauernden ­
  Kampagne  die  Rübenzuckergewiunung
nn  Deutschen  Reich  (in  Zollcentnern):
1876—  77:  5  788450  I  1878—79  :  8400000
1877—  78:  7560180  |  1879—80:  6929000

Die  deutsche  Znckerindustrie  begann
erst  vor  50Jahren  Bedeutung  zu  erlangen.
ZmKampagnejahr  (I.Scpt.  bis  31.  Aug.
nächsten  Jahrs)  1836—37  zählte  man  im
Zollverein  122  Zuckerfabriken,  1840  bereits ­
  145.  Da  die  zunehmende  Zuckerproduktion ­
  einen  Ausfall  des  Imports
und  somit  der  Zolleinnahmen  zur  Folge
hatte,  so  wurde  die  Rübenzuckcrfabrikation
  1841  mit  einer  Steuer  belegt,  was
einen  Rückgang  in  der  Zahl  der  Fabriken
zur  Folge  hatte;  doch  hob  sich  dieselbe  bald
wieder,  noch  mehr  aber  das  Quantum
der  verarbeiteten  Rüben  pro  Fabrik,  wie
die  folgende  Tabelle  nachweist:

Jahr

Fabriken
in
Betrieb

1840
1845
1850
I860
1870
1875
1880

145
96
184
247
004
332
328

Menge  der  verarbeiteten
Rüben  in  Mill.  Kilogr.

überhaupt

Pro  Fabrik

241,5
222,8
736,2
1467,7
3050,0
4161,:)

1,07
2,32
4,oo
5,94
10,03
12,53

4805,3

13,12

Zu  dieser  bedeutendem  Leistung  hat
außer  der  größern  Ausdehnung  der  Anbaufläche ­
  und  rationellerer  Kultur,  namentlich ­
  der  Wahl  besserer  Rübensorten,
sehr  wesentlich  die  Einführung  neuer
Methoden  in  der  Zuckergenünnung  beigetragen ­
  (1840  erhielt  man  aus  1Ò0  kg
Rüben  5,88  kg  Rohzucker  und  3,7  kg  Melasse, ­
  1877  schon  9,24  kg  Rohzucker  und  3
kg  Melasse).  Namentlich  ist  dies  Resultat
durch  Einführung  des  Diffusionsverfahrens, ­
  daö  von  allen  Fabriken  1871  nur  16,7
Proz.,  1877  aber  68,i  Proz.  (darunter  besonders ­
  die  größern)  anwendeten,  erzielt
worden.  1879—80  waren  in  der  Rübenzuckerfabrikation ­
  328  Fabriken  mit  2626
Dampfmaschinen  von  29,573  Pferdekräften ­
  (291  mit  Diffusionöverfahren)  thätig.
Die  von  Jahr  zu  Jahr  steigende  Produktion ­
  von  Rohzucker  verringerte  die
Einfuhr  mehr  und  mehr,  während  die
Ausfuhr  1878  fast  das  Zehnfache  der  von
1871  betrug.  So  hat  sich  allmählich  eine
völlige  Verschiebung  der  Handelsverhältnisse ­
  vollzogen,  und  D.  ist  aus  einem  importierenden ­
  Land  bei  steigendem  Verbrauch ­
  der  Bevölkerung  ein  erportierendcS
geworden.  Der  Handel  mit  Zucker  betrug ­
  (in  Millionen  Kilogramm)  :
Einfuhr  Ausfuhr
1841—45:  61,76  3,87
1851—55:  42,55  9,90
1861—65:  16,08  10,52
1871—75  :  31,3  3  25,02
1876—  77:  12,94  62,20
1877—  78:  8,99  99,oi
1878—  79:  8,45  140,69
1879—  80:  7,07  137,00
Die  zunehmende  Ausfuhr  wurde  auch
bedingt  durch  daö  Unvermögen  der  Raffinerien
  (welche  z&amp;gt;var1871—77von79  auf
64  zurückgingen,  aber  dennoch  im  lebten
Mr  221,233  Zou.  gcgcit  145,831  S.  ii»
ersten  Jahr  verarbeiteten),  die  massenhaft
wachsende  Produktion  zu  bewältigen.  1Š79
wurden  Rohzucker,  Raffinade,  Sirup  und
Melasse  für  5,34  Mill.  Mk.  ein  -  und  für
89,78  Mill.  Mk.  ausgeführt  und  zwar  (in
Millionen  Mark)  :
Einfuhr  Ausfuhr
Rohzucker.  .  .  .  0,95  58.20
Raffinierter  Zucker  2,86  21,39
Sirup  und  Melasse  1,53  10,19
        <pb n="132" />
        124

Deutschland  (Urproduktion:  Zucker,  Bier).

Der  Zuckcrhandcl  nnch  ven  Gebieten  1878—79.

Länder

Rußland
Ostsee  .
Dänemark
Nordsee  .
Niederlande
Belgien.
Frankreich
Schweiz.
Österreich
Andre  .

Zusammen

Einfuhr
(in  Tausenden  Kilogr.)
raffinierter

Zucker

32.5
22.5
0,2
863,9
712,2
171.1
2761,7
197,0
4,3
129.2

4915,2

Rohzucker

7.0
278,5
2.1
218,7
405.1
43,4
31.0
1,5
75.0
104.2

1167,1

Kandis

Ausfuhr
(in  Tausenden  Kilogr.)
Zucker  ohne  Aus-8263,3


117,8
11535,4
774.7
474.7
6,9
6,9
1086,o

22342,7

Rohzucker

2538.5
61838,7
5547.5
960,1
34.5
250,0
36,0

71200,9

fuhrvergiitung
10.1
0,5
1,8
590,5
5.0
13,4
0,3
37,3
14.1
3.0

676,1

In  der  Einfuhr  von  raffiniertem
Zucker  nach  D.  nimmt  die  erste  Stelle
Frankreich  mit  30  Proz.  des  Gesamtimports ­
  ein.  Die  Ausfuhr  von  Rohzucker
geht  über  Hamburg,  nach  England,  nach
Holland,  Schweden,  Belgien  u.  a.
Mit  der  gesteigerten  Produktion  hat  aber
auch  derVcrbrauch  im  Land  schnell  zugenommen; ­
  auf  den  Kopf  der  Bevölkerung
betrug  derselbe  (in  MillionenKilogramni):
1841—45:  2,50  I  1861—65:  4,55
1851—55:  3,38  |  1871—80:  6.55
1876  hatte  er  seinen  Höhepunkt  mit  7,65
kg  pro  Kopf  erreicht,  um  1877  auf  5,65kg
zu  fallen  und  1880  wieder  auf  6,3  kg  zu
steigen.  Von  1871—72  wurden  221,793
Ton.,  von  1875—76:  321,982  T..  1879
bis  1880:  280,02&amp;gt;4T.  Rohzucker  im  deutschen ­
  Zollgebiet  verbraucht.
Ein  wie  großer  Teil  der  in  D.  erzeugten
Vorräte  an  Getreide,  Kartoffeln  und
Zucker  aber  dem  Zweck  der  eigentlichen
Ernährung  entzogen  wird,  zeigt  die  Statistik ­
  der  Branntweinbrennereien.  Für
Bayern,  Württemberg  und  Baden  liegt
eine  solche  nicht  vor;  für  das  übrige  D.
ergibt  sich  folgender  Verbrauch  zum  Zweck
der  Brennerei  (in  Hektolitern):
1877-78:  1878—79:
Getreide  .  .  .  4776091  4640303
Kartoffeln.  .  .  23684238  25979520
Melasse  .  .  .  902471  821109
Eine  fernere  und  weit  ansehnlichere
Verwendung  findet  das  Getreide  in  den
Brauereien,  welche  enorme  Mengen  davon ­

  konsumieren.  Mit  Ausnahme  der
obengenannten  Staaten  und  Elsaß-Lothringens ­
  ivurden  zu  Brauzwecken  verbraucht ­
  1878—79:  8,313,791  Etr.
Auf  diese  Weise  gestalten  sich  aber  wiederum ­
  diese  Mengen  zu  wichtigen  Handelsartikeln, ­
  mit  denen  D.  die  Produkte
andrer  Lander  zu  bezahlen  imstande  ist.
Es  betrug  1879  (in  Lausenden  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Branntwein  u.  dal.  .  .  .  5330  14800
Bier  3200  23400
Brauereien  und  Bierproduktion. ­
  Seit  Jahren  schon  ist  die  Zahl  der
Brauereien  im  Abnehmen,  die  Prodnktion
  aber  hat  sich  bedeutend  erhöht.
Im  Reichssteucrgebiet,  d.  h.  im  Zollgebiet
ohne  Bayern,  Württemberg,  Baden  und
Elsaß-Lothringen  sowie  ohne  Luxemburg,
waren  1872  im  Betrieb  14,157  Brauereien, ­
  welche  16,102,179  hl  erzeugten,  dagegen ­
  1879—80  nur  11,647  Brauereien,
die  aber  19,984,613  hl  produzierten.  Zn
jenen  11.647  Brauereien  Norddeutschlands
  kommen  in  Bayern  7059,  in  Württemberg ­
  7810,  iil  Elsaß-Lothringen  295.
In  Baden  war  die  Zahl  der  »Braugefäße«
2082.  Die  Bierproduktion  wuchs  in
diesen  Staaten  nur  in  Bayern  und  Baden, ­
  in  dem  Zeitraum  von  1872—80:  in
Bayern  von  10,905,800hl  auf  12,004,703
hl,inBaden  von  927,000hl  auf  1,085,655
hl.  Dagegen  produzierte  Württemberg
1872:4,197,300  hl,  1879—80:3,172,634
hl,  und  Elsaß-Lothringen  blieb  stabil.
        <pb n="133" />
        Deutschland  (Urproduktion:  Brennereien).

125

In  ben  einzelnen  Provinzen  und  Staaken ­
  des  Reichsstenergebiets  stellte  sich  der
Brauereibetrieb  1879—80  wie  folgt:

Berwnliungsbezirke

Ostpreußen
Westpreußen
Brandenburg
Poininern.
Pose»  .  .
Schlesien  .
Sachsen.  .  .
Schleswig  -  Ho
Hannover.  .
Westfalen.  .
Hessen-Nassau
Rheinland.
Hohenzollern
Preußen
Sachsen.  .
Hessen  .  .
Mecklenburg
Thüringen.
Oldenburg
Braunschweig
Anhalt.  .

lsteii

Zahl
der  Brauereien

überhaupt ­


322
108
576
404
174
1053
777
828
506
2392
022
1777
219

9758
734
342
501
1308
116
100
84

12943

im  Betrieb ­


315
104
554
400
160
977
736
827
497
1747
554
1561
219

8651
713
313
501
1188
114
89
78

11647

Gewonnenes ­
  Bier
in  Tausenden ­
  Hektol.

721
415
2698
455
342
1873
1871
712
687
1077
1070
2078
81

14080
2914
671
272
1505
99
241
200

19982

Zusammen
Bon  den  11,647  im  Betrieb  gewesenen
Brauereien  waren  10,457  gewerbliche  und
darunter  129  Aktienbrauereien.  Auf  die
einzelnen  Steuergebiete  verteilt  sich  die
Produktion  der  Brauereien  wie  folgt:

Steuergebiete

Produktion  in  Mill.  Hektol.
1872  1874  1876  1879-80

Reichssteuergebiet.  16,i  20,6  20,9  20,o
Bayern  ....  10,9  12,i  12,s  12,i
Württemberg  .  .  4,2  3,o  3,9  3,2
Baden  ....  0,9  l,i  l,o  l,i
kElsaß-Lothringen.  0,8  0,9  0,7  0,8
Diese  Bierprodnktion  von  37,183,976  hl
int  Arbeitsjahr  1879—80  gibt  bei  einer
Bevölkerung  von  (Ende  1878)  44,477,000
Seelen  auf  den  Kopf  82,9  Lit.  (1875:
fKi  L.).  Allerdings  verteilt  sich  dieselbe
Inktisch  „icht  in  dieser  Weise,  es  kommen  in
Bayern  ...  263
Württemberg  .  200
Baden  ...  7i

Neichsstcuergebiet  62
Elsaß  -  Lothringen ­
  ...  .  53

^ìk-  ans  den  Kopf,  wobei  man  aber  er

wägen  muß,  daß  ein  großer  Teil  der  Bevölkerung ­
  für  den  Konsum  nicht  in  Betracht ­
  kommen  kann  und  ein  Teil  des
Biers  zur  Ausfuhr  gelangt.  Der  Handel
mit  Bier  betrug  (in  Tonnen):
Einfuhr  Ausfuhr
1879:  11343  82877
1880:  12070  106561
Der  beste  Abnehmer  für  deutsches  Bier
ist  Frankreich,  wohin  1880:  40,832  Ton.
ausgeführt  wurden,  nächstdem  überseeische
Länder,  die  ihren  Bedarf  meist  über  Hamburg ­
  (33,646  T.)  und  Bremen  (5289  T.)
beziehen,  und  die  Schweiz  (7581  T.).
Die  Brau  st  eu  er  bildet  einen  sehr  wichtigen ­
  Posten  in  dem  Budget  des  Deutschen
Reichs,  sie  betrug  1876:  48,137,107  Mk..
1879-80  aber  nur  46,327,011  Mk.  und
zwar  im  letzten  Jahr:
Reichssteucrgebiet  ....  16755701  Mark
Bayern  20077  786  -
Württemberg  5420796  -
Baden  2262879  -
Elsaß-Lothringen.  .  ,  .  1809849  -
Brennereien.  Die  Erzeugung  von
Branntwein  ist  in  D.  eine  enorme  und
sowohl  für  die  Einnahmen  des  Staats
als  für  den  Ausfuhrhandel  von  größter
Wichtigkeit.  In  dem  HanshaltSetat  des
Reichs  1879—80  ist  die  Einnahme  aus
dieser  Quelle  mit  39,599,290  Mk.  aufgeführt; ­
  das  ReichSstenergebiet  schließt  aber
Bayern,  Württemberg  und  Baden  nicht
ein.  Schließt  man  auch  noch  Elsaß-Lothringen ­
  aus,  so  mag  man  auf  das  Anwachsen ­
  dieser  Industrie  aus  nachstehenden ­
  Ziffern  schließen.  Es  betrug  die  Steuer
1872  :  45095253  Mk.-l.12  Mk.  pro  Kopf
1878-  79:  54252148  -  =1,67  -  .
Im  ganzen  Reichssteuergebiet,  also  ausschließlich ­
  der  süddeutschen  Staaten  und
der  Freien  Städte,  sank  zwar  die  Zahl  der
Brennereien  von  36,602  im  Jahr  1874
auf  31,645  in  1878—79,  indes  obne  eine
Abnahme  der  Produktion  zur  Folge  zu
haben,  denn  zu  50  Proz.  nach  Tralles
wurden  erzeugt  1874:  4,154,059,1878—
1879:  4,169,215  hl.  Die  östlichen  Provinzen ­
  liefern  reichlich  82  Proz.  der  Gesamtproduktion ­
  des  Reichssteueraebietö
Dieselbe  betrug  1879—80  für:
        <pb n="134" />
        126

Deutschland  (Urproduktion:  Brennereien,  Ölsaaten).

Verwaltungsbezirke  Brennereien  Hektoliter

Ostpreußen.
Westpreußen
Brandenburg
Pommern  .
Posen  .  .
Schlesien  .
Sachsen.  .
Schleswig-Holstein
Hannover
Westfalen
Hessen-Nassa,
Rheinland.
Hohenzollern

Preußen
Sachsen.  .
Hessen  .  .
Mecklenburg
Thüringen.
Oldenburg.
Braunschweig
Anhalt  .  .
Elsaß-Lothringen

377
242
597
337
404
974
371
74
409
674
428
1721
494

7102

657
369
44
77
40
35
41
19317

27682

162931
269015
657631
300317
558965
600203
404231
51582
236445
152014
41641
123524
231

3  564  730
265977
23083
37169
16822
17661
42243
89  754
18807

4076246

Zusammen
Bemerkenswert  ist  die  außerordentlich
große  Zahl  kleiner  Brennereien  im  Elsaß
und  deren  geringer,  übrigens  stark  zurückgehender ­
  Ertrag.  Während  sich  hier  das
durchschnittliche  Erzeugnis  einer  Brennerei ­
  nur  auf  1,8  hl  belief,  betrug  dasselbe
in  der  viel  Melasse  verarbeitenden  Provinz

Sachsen,  Anhalt  und  Braunschweig  1092,
1936  und  1218  hl,  in  dem  kartosselbrennenden ­

  Westpreußell,  Brandenburg.  Pommern, ­
  Posen  1105,1001,932  und  1326  hl.
Über  die  Branntweinerzeugung  in
Bayern,  Württemberg  und  Baden  sind
die  Angaben  spärlich.  In  Bayern  wurden ­
  1879  in  417  gewerbsmäßigen  und
10,822  andern  Brennereien  120,689  hl
Branntwein  hergestellt;  in  Württemberg
zählte  man  1879—80:  1520  Malz  verwendende ­
  Brennereien;  Baden  hatte  1879  :
28,705  Brenngefäße  mit  1,571,324  Lit.
Inhalt.  Einen  crsreulichen  Aufschwung
nahm  der  Handel  mit  Sprit  durch  den
orientalischen  Krieg,  die  Mißernten  von
Mais  in  Österreich,  das  Mißraten  des
Weins  in  Frankreich  und  durch  die  im
Juni  1878  eingetretene  Ermäßigung  der
Branntweinsteuer  in  Spanien,  so  daß  bedeutende ­
  Versendungen  dorthin  sowie  nach

England  und  Frankreich  stattfanden.  Dadurch ­
  stieg  auch  der  Preis  von  Kartoffelspiritus, ­
  welcher  auf  den  Hauptspiritusmärkten ­
  :  Berlin,  Breslau,  Danzig,  Halle
a.  S.,  Hamburg,  Königsberg,  Leipzig,
Magdeburg,  Mannheim,  München,  Posen ­
  und  Stettin  im  Ansang  1879  auf
höchstens  54  Mk.  pro  10,000  hl  gestanden
hatten,  bis  55,28  Mk.  Zu  gleicher  Zeit
lvilchs  die  Ausfuhr  auf:
1879:  39188  Tonnen
1880  :  54107

Der  mutmaßliche  Verbrauch  in  dem
Neichsstcu  crgebiet  hob  sich  von  3,169,707  hl
1872  auf  3,949,983  hl  in  1875;  in  1879—
1880  betrug  derselbe  3,418,067  hl.  Es
entfielen  auf  den  Kopf  der  Bevölkerung
1872:10,2,1875:11,8,1879-80:  9,Et.
b)  Die  Kultur  von  Ölsaaten  wird  besonders ­
  gepflegt  in  Schlesien,  Westpreußen,
Sachsen,  Posen,  Pommern,  West-  und
Ostpreußen,  Brandenburg,  Mecklenburg-Schwerin.
  Außer  kleinern  Posten  von
Mohn  und  Leindotter  wurden  1878  von
Raps  und  Rübsen  1,408,603  Ctr.  geerntet, ­
  doch  wird  der  Bedarf  dadurch  bei  weitem ­
  nicht  gedeckt.  So  importierteD.  1880:
Leinsaat  74,1.21  Ton.,  Raps  undRübsaat
66,335  T.  und  exportierte  39,551,  resp.
21,928  T.  An  vegetabilischen  Ölen
(Palmöl,  Kokosnußöl,  Leinöl,Baumöl  rc.)
importiert  D.  gleichfalls  sehr  bedeutend.
Einfuhr  'Ausfuhr
1879  :  59455  8  833  Tonnen
1880  :  47967  22006
Eingeschränkt  wurde  der  Bau  von  Ölpflanzen ­
  vornehmlich  durch  zwei  Umstände:
die  Konkurrenz  Rußlands  in  Leinöl  und
den  in  neuerer  Zeit  allgemein  werdenden
Verbrauch  von  Petroleum,  das  vorzugsweise ­
  aus  den  Vereinigten  Staaten  bezogen
wird.  Folgende  Zahlen  illustrieren  das
rapide  Anwachsen  dieses  Handels.  Der
Handel  mit  Leinöl  und  Petroleum
betrug  (in  Tonnen  netto  zn  lOOOKilogr.):

Jahr

1865
1870
1875
1880

Leinöl
Einfuhr  Ausfuhr

7540
14500
28400
32880

126
385
486
497

Petroleum
Einfuhr  Ausfuhr

13200
126000
278000
266565

976
29600
77000
25460
        <pb n="135" />
        Deutschland  (Urproduktion:  Flachs,  Hanf,  Hopfen,  Tabak).  127

Für  1879  betrug  der  Wert  des  Handels
mit  Ölen  (in  Tausenden  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Baumöl  ....  9810  450
Leinöl  16600  251
Petroleum.  .  .  .  49000  4480
. (! )  Der  Flachsbau  nimmt  zwar  noch
c&amp;gt;ne  achtungöwcrte  Stelle  ein,  ist  aber  in
den  letzten  Jahreil  enorm  zurückgegangen.
Wenn  1875  noch  214,910  ha  dieser  Kultui
 '  ñewidmet  waren,  so  sank  diese  Zahl
sìuf  133,147  ha  in  1879.  Weitaus  am
bedeutendsten  ist  er  noch  immer  in  Ostpreußen, ­
  demnächst  in  Schlesien,  Hannover, ­
  Bayern  diesseit  des  Rheins,  Westlalen.
  Auch  hier  genügt  die  einheimische
Produktion  den  Anforderungen  der  Industrie ­
  nicht.  Die  gesamte  Ernte  1879
war:  47,843  Ton.  Samen  und  85,107  T.
Mt;  daher  mußte  D.  1879:  54,931  T.,
1880  :  33,369  %.  (31,673  %.  aus
«snd)  einführen,  während  es  1880:23,230
f:  erportierte.  1879  wertete  die  Einfuhr
14  Mill.,  die  Ausfuhr  28,6  Mill.  Mk.
(I)  Noch  weit  unbedeutender  ist  die  H  a  n  f  -
r"ltu  r.  Mit  Ausnahme  von  Württemberg,
  Baden,  Elsaß-Lothringen,  einem
Teil  von  Bayern  und  Rheinland  wird  sie
nirgends  besonders  beachtet.  Die  gesamte
Ernte  von  1879  war:  4825  Ton.  Samen
und  10,961  T.  Bast.  Daher  bedarf  die
deutsche  Industrie  auch  hier  noch  einer
erbeblichen  Einfuhr  und  zwar  1880  von
40,689  T.  gegen  eine  Ausfuhr  von  23,541
T.  Der  Wert  des  gesamten  Handels  mit
Flachs  und  Werg  belief  sich  1879  in  der
Einfuhr  auf  24  Mill.  Mk.,  in  der  Ausfuhr ­
  auf  11,5  Mill.  Mk.
Wenn  schon  bei  den  obengenannten
Pflanzen  der  Anbau  sich  auf  einzelne  Gebiete ­
  beschränkte,  so  ist  dies  bei  Hopfen
mst  noch  mehr  der  Fall.  Auch  wird  der  Aupan ­
  dieser  wichtigen  Handelöpflanze  lveit
Mtensiverbetrieben,  er  beanspruchte  1879:
40,699  ha,  wovon  über  die  Hälfte  ans
Bayern  (diesseit  deS  Rheins)  fällt;  nächsten ­
  wird  der  Anbau  in  Württemberg,
Maß-Lothringen,  Baden,  auch  in  den
Provinzen  Posen  und  Sachsen  stark  bctrie-,,
  n.  Die  Ernte  1879  hatte  einen  Ertrag
s°n  17,104  Ton.  Hier  ergibt  sich  nun  eine
günstige  Handelsbilanz  für  D.,  das

seinen  Hopfen  in  alle  bierbrauenden  Länder, ­
  namentlich  nach  England,  ausführt.
Einfuhr  Ausfuhr
1879:  1941  Tonnen,  7931  Tonnen
1880:  1426  -  10876
Man  schätzte  für  1879  den  Wert  der  Einfuhr ­
  auf  5,i  Mill.  Mk.,  den  der  Ausfuhr
auf  22,3  axm.  gtf.
e)  Der  Tabakbau  war  ehedem  weit  bedeutender. ­
  Es  waren  mit  Tabak  bepflanzt  :
1873—74:  30501  Hektar!  1877—78:  17915.hcktar
1875—76:  24294  -  11879—80:  17273  -
Der  Ertrag,  der  1873—74  :  54,070  Ton.
betrug,  siel  1879—80  auf  23,409  T.  und
damit  der  Geldertrag  der  Ernte  von  23,57
Mill,  auf  21,4  Mill.  Mk.  Doch  stand  der
Dnrchschnittsertrag  der  Ernte  1879:1239
Mk.  pro  ha,  wie  der  Tonne  Tabakblätter,
754  Mk.,  niemals  gleich  hoch.  Bon  der
Gesamternte  produzierten:  die  Rheinpfalz
allein  39  Proz.,  Elsaß-Lothringen  14,7,
Baden  11,3,  die  Ukermark  13,7,  die  Gegend
von  Nürnberg  3,3,  alle  andern  Gegenden
18  Proz.  Die  Produktion  hat  dem  Bedarf
niemals  genügt;  die  Menge  der  in  der
deutschen  Fabrikation  verwendeten  Nohtabake
  betrug  1878—  79:  109,810  Ton.,
wovon  92,027  T.  fremde  (1879—80  nur
30,202  T.,  davon  11,045  T.  fremde),  aus
denen  66,363  T.  Rauchtabak,  29,484  T.
Cigarren,  8032  T.  Schnupftabak  und
196  T.  Kautabak  hergestellt  wurden.  Der
Wert  des  inländischen  Verbrauchs  an  Tabakfabrikaten ­
  berechnet  sich  ans  353  Mill.
Mk.,  d.  h.  8,i  Mk.  pro  Kopf,  wovon  an
Stenern  und  Zöllen  26,383,966Mk.,  d.  h.
61  Proz.  pro  Kopf  der  Bevölkerung,
(1879  -  80:  9,154,967  WK.)  ^#0
den.  Der  Import  hat  sich  in  20  Jahren
nahezu  verdreifacht,  während  der  Export
in  den  günstigsten  Jahren  niemals  ein
Viertel  der  Einfuhr  erreichte.  Der  Handel
mit  Rohtabak  betrug  (in  Tonnen):

Einfuhr
1860  :  29300
1865:  31300
1870:  31000
1875:  43600
1880  :  9203

Ausfuhr
1860  :  4250
1865  :  5960
1870  :  8560
1875:  10100
1880:  206

Die  außerordentlich  schwache  Zufuhr  von
1880  hat  ihren  Grund  in  der  um  so  stärkern ­
  (83,623  Ton.)  des  Vorjahrs.  Die
        <pb n="136" />
        123  Deutschland  (Urproduktion:  Wein,  Klee,  Blumen,  Gemüse).

ausgeführten  Fabrikate  werteten  1879
nur  6,76  Mill.  Mk.,  während  sich  die  Einfuhr ­
  auf  11,7»  Mill.  Mk.  bezifferte.  Seit
1874—79  ist  übrigens  der  Wert  der  Einfuhr ­
  ebenso  konstant  in  die  Höhe  gegangen,
wie  sich  der  Wert  der  Ausfuhr  verringert
hat.  Das  rapide  Steigen  der  Einfuhr  (eine
Folge  der  erwarteten  Zölle)  1877—79  bei
gleichzeitigem  Fallen  der  Ausfuhr  mußte
notwendig  ein  noch  stärkeres  Fallen  1879—
1880  zur  Folge  haben;  dennoch  übersteigt
der  Durchschnitt  der  drei  Jahre  (91,6  Milt.
Mk.)  die  Quantitäten  ihrer  Vorgänger.
Allerdings  wertete  der  Handel  mit  Rohtabak ­
  und  Tabakfabrikaten  1872—73  in
der  Einfuhr  139,9  Mill.  Mk.,  in  der  Ausfuhr ­
  38,7  Mill.  Mk.;  aber  in  den  letzten
fünf  Jahren  war  (in  Millionen  Mark)
Einfuhr  Ausfuhr
1875—  76:  79,3  30,8
1876—  77:  81,6  20,2
1877—  78:  111,3  12,1
1878—  79:  141,7  13,4
1879—  80:  21,7  7,1
Im  neunjährigen  Durchschnitt  erreichte  die
Einfuhr  88,3  Mill.,  dieAusfuhr23,6MiN.
Mk.  Der  Betrag  der  Tabaksteuer  belief
sich  1879-80  auf  1,157,789,  der  Einqw##
  1878-79  auf  25,406,621  Ms.,
1879-80  auf  8,093,436
i)  Für  Weinbau  sind  nur  der  südliche
nndwestliche  Teil  recht  geeignet,  doch  ist  derselbe ­
  auch  in  den  preußischen  Provinzen
Sachsen,  Schlesien  und  Brandenburg  sowie ­
  im  Königreich  Sachsen  nicht  unerheblich. ­
  Die  bedeutendsten  weinbauenden  Distrikte ­
  sind  aber:  Elsaß-Lothringen,  Baden, ­
  Württemberg,  Rheinhesscn,  Unterfranken, ­
  die  Regierungsbezirke  Koblenz
und  Trier,  Pfalz.  Von  119,197  ho,  erntete ­
  man  1879  nur  986,171  hl  Wein  gegen ­
  3,061,201  lil  in  1878.  Der  überdies«: ­
  Produktion  hinausgehende  Konsum
hat  einen  starken  Import  zur  Folge,  der
allerdings  auch  den  Ausfall  eines  beträchtlichen ­
  Exports  ersetzen  muß.  Bis  1865
war  D.  ein  exportierendes  Land;  von
da  aber  änderte  sich  das  Verhältnis,  und
wenn  heute  daö  Exportqnantnm  dem  Import ­
  vor  20  Jahren  gleichkommt,  so  hat
die  Einfuhr  oftmals  den  fünffachen  Betrag
der  damaligen  Zeit  überschritten.  Der

Weinhandcl  Deutschlands  betrug  (in
Tonnen):

Einfuhr
I860:  10400
1865:  14800
1870:  35500
1875  :  59000
1880  :  47347

Ausfuhr
1860:  15700
1865:  14200
1870:  16500
1875:  14400
1880:  16586

Im  Vorjahr  hatte  bei  ziemlich  gleicher
Ausfuhr  die  Einfuhr  im  Hinblick  auf  die
drohenden  Zölle  115,666  Ton.,  also  weit
über  das  Doppelte  betragen.  Für  1879
berechnete  man  den  Wert  der  Weineinfuhr
mit  93,700,000  Mk.,  den  der  WeinauSfuhr
  mit  21,910,000  Mk.
g)  Von  andern  in  Handel  und  Industrie ­
  wichtigen  Kulturen  sind  hervorzuheben: ­
  Die  Erzeugung  von  Klecsaa  t,  wovon ­
  namentlich  Breslau  bedeutende  Mengen ­
  nach  England  exportiert  (von  83,615
ha  der  1879  bebauten  Fläche  kommen  auf
Schlesien  21,094  ha).  Dennoch  übersteigt
der  Bedarf  die  Produktion.  Es  betrug  (in
Tonnen):
Einfuhr  Ausfuhr
1879:  15322  9043
1880:  12653  6638
Ferner  der  Anbau  von  Cichoric,  besonders ­
  in  der  Magdeburger  Gegend  (die
Hälfte),  von  Weberkarden  (Niederbayern,
  Oberfranken,  Rheinland,  Donaukreis),
  K  ü  m  m  e  l  (Merseburg),  R  n  n  k  e  l  -
rüben  zur  Samcngewinnung  (Magdeburg ­
  und  Merseburg).  Der  Handel  mit
Cichoric  betrug  (in  Centnern):
Einfuhr  Ausfuhr
1878:  178775  359030
1879:  142826  327499
h)  Blumenzucht  und  Gemüsebau
werden  namentlich  um  Erfurt  in  großartigem ­
  Maß  betrieben,  aber  auch  in
Berlin,  um  Ulm,  Nürnberg,  Schweinfurt, ­
  Quedlinburg,  Darmstadt  und  Straßburg, ­
  und  der  Handel  mit  Gemüse  und
Sämereien  erstreckt  sich  bis  weit  in  das
Ausland.  Erfurt  verschickt  seine  Sämereien ­
  in  alle  Gegenden  der  Welt,  Berlin
macht  mit  seinen  Hyacinthen  selbst  Holla  nd
Konkurrenz,  und  Hamburg  versorgt  den
Londoner  Markt  zum  Teil  mit  Gemüse.
i)  Der  Obstbau  ist  durch  einen  großen
Teil  Deutschlands  verbreitet;  nicht  allein
        <pb n="137" />
        Deutschland  (Urproduktion:  Obstbau;  Viehzucht).

129

dcr  Süden:  die  Bergränder  der  oberrheinischen ­
  Tiefebene,  der  .Südfuß  des  Taunus,dieWetterau,Württemberg,besonders ­

Fuß  der  Alp,  Frauken,  Thüringen,
das  Werrathal  bei  Witzenhausen,  W
^ļbthal  von  Meißen  bis  Böhmen  hinein,
vie  Sandhügel  der  Lausitz,  von  Werder
hei  Potsdam,  auch  Pommern  (Stettin)
ş  lern  Obst,  frisch  und  getrocknet,  zurAuö-Aus
  Hamburg  tverdcn  namentlich
Erdbeeren  in  großen  Mengen  nach  Lonvon
  exportiert.  Doch  ist  der  Obstbau  in
vielen  Gegenden  der  Entwickelung  noch
l^hr  fähig.  Von  54,907  Gemeinden  war
^  nur  in  24,843  von  örtlicher  Wichtigkeit,
^lesc  besaßen  ca.  24V,  Mill.  Obstbäume
lint  durchschnittlich  10  kg  Obstcrtrag.
einem  Gcsamtarcal  von  35  Mill,  ha
f°mmt  daher  1  Obstbaum  auf  etwa  IV,
%  und  auf  dieselbe  Fläche  ca.  11  kg
s  vst.  Württemberg  besitzt  dagegen  arcs
leinein  Flächenraum  von  1,848,000  ha
Wen  8  Mill.  Obstbäume,  die  gegen  100
i  o5'-kg  Öbst  geben.  Es  kommt  dort  also
1  Dbstbaum  schon  auf  weniger  als  '/4  ha
^nd  auf  dieselbe  Fläche,  wie  in  Preußen,
liegen  80  Mill,  kg  Obst.  Der  Ausfuhr
steht  eine  weit  stärkere  Einfuhr  gegenüber,
wobei  die  in  immer  höherm  Maß  konsumierten ­
  Apfelsinen,  Feigen,  Pomeranzen,
Datteln,  Granaten,  Mandeln,  Korinthen
und  Rosinen  mit  bedeutenden  Posten  auftreten. ­
  Der  Handel  mit  diesen  Produkten
betrug  1879  (in  Tausenden  Tonnen):
Einfuhr  Ausfuhr
Obst,  frisch  und  trocken  .  43660  24874
Südfrüchte,  frisch.  .  .  .  7085  23
Korinthen  und  Rosine»  .  15254  10
Andre  Früchte  u.  Gewächse  57805  72023
.Ziehen  wir,  mit  die  Liste  der  Genußwittel ­
  zu  vervollständigen,  noch  den  Ha  nd
  e  l  m  i  t  K  0l  0  n  i  a  l  w  a  re  n  hinzu,  unter
giteli  Kaffee  1879  mit  einer  Einfuhr  von
190  Mill.  Mk.  gegen  eine  Ausfuhr  von
nur  110,000  Mk.  obenan  steht,  während
eine  Ncttoeinfuhr  von  6,7  Mill,
zeigt  und  der  Handel  mit  sonstigst ­
  Kolonialprodukten  in  Ein-  und  Ausuhr ­
  mit  18—19  Mill.  Mk.  balanciert,
w  können  wir  1879  den  Handel  mit
Rahrungs-  und  Gennßmittcln  wie  folgt
0  lsanunenfassen  (in  Millionen  Mark):
Hn»delsx&amp;gt;coizmphic.

^  ,  Einfuhr  Ausfuhr
Ģetrcidc,  Fcldfrüchte,  Mehl  668,0  350,1
Ge  gome  Getränke  .  .  .  110,5  02’r,
Zucker,  Hopfen,  Kolonialwaren ­
  230,o  122,5
Tabak  und  Tabakfabrikate  110,2  17,8
Sämereien,  Obst,  Südfrüchte ­
  125,3  75,5

Zusammen:  1250,0  628,4
Rechnen  wir  hierzu  noch  die  übrigen  Produkte ­
  des  Landbaus:  Flachs,  Hanf  und
Werg  (Einfuhr  68  Mill.,  Ausfuhr  40,1
Mill.  Mk.),  Baumöl,  Leinöl  rc.,  im  ganzen ­
  in  der  Einfuhr  ca.  116,6  Mill.,  in  der
Ausfuhr  59,5  Mill.  Mk.,  so  erhalten  wir
für  den  Gesamthandel  mit  Bodenprodukten ­
  1879:
Einfuhr.  .  .  1366,0  Mill.  Mark
Ausfuhr.  .  .  087,5  -
Zur  intensivern  Ausnutzung  des  Bodenö
führtD.  jährlich  ca.2V2Mill.Ctr.Guano
ein,  1879  für  21,o  Mill.  Mk.,  wovon  nur
der  geringe  Wcrtbetrag  von  !,8oMill.Mk.
wieder  exportiert  wurde.
Welchen  Einfluß  ein  erweiterter  Handelsverkehr ­
  auf  deu  Verbrauch  solcher  Gegeuständc
  hatte,  die  nur  vom  Ausland  erzeugt ­
  werden,mag  man  daraus  ersehen,daß
von  rohem  Kaffee  1859  nur  59,100  Ton.,
d.h.  1,75  kg  pro  Kopf,  1879  aber  111,000  T.
oder  2,51  kg  pro  Kopf  verbraucht  wurden.
Noch  bedeutender  ist  die  Steigerung  beim
Thee,  von  dem  der  Konsum  m  denselben
Jahren  von  487  T.  auf  2100  T.,  d.  h.  pro
Kopf  von  0,oi  kg  auf  0,05  kg,  stieg.  Au
geschältem  Reis  wurden  1859:  27,400  T.,
d.  h.  0,8i  kg  pro  Kopf,  1879:  81,400  T.
oder  1,84  kg  verbraucht,  an  Mandeln,
Rosinen,  trocknen  Südfrüchten  1859:
7420  I.,  1879:  19,0001.;  bei-  ßotifuiti
pro  Kopf  stieg  also  von  0,aa  aus  0,43  kg.
Noch  stärker  wuchs  der  Verbrauch  frischer
Südfrüchte,  von  2450  auf  7960  T.,  also
pro  Kopf  von  0,07  auf  0,i8  kg.
15.  Stichzucht.
Dieser  Erwerbszweig  steht  im  innigsten
Verband  mit  der  Landwirtschaft.  Die  Zuvdcr
  Abnahme  des  Viehstands  wird  sehr
wesentlich  durch  die  größere  oder  geringere
Ausnutzung  des  Bodens  bedingt.  Unter
den  deutschen  Staaten  zeigt  sich  seit  1861
in  Preußen  tut  Umfang  vor  1866  eine
9
        <pb n="138" />
        130

Deutschland  (Viehzucht,  Viehhandel).

Zunahme  bei  allen  Gattungen,  außer  bei
Schafen,  deren  Zahl  überhaupt  in  ganz  D.
erheblich  zurückgegangen  ist;  in  Bayern,
Württemberg,  Hessen,  Mecklenburg  und
Oldenburg  ein  Rückgang  fast  in  allen  Kategorien; ­
  Sachsen  und  Baden  sind  nahezu
stabil  geblieben;  Braunschweig,  die  thüringischen ­
  Staaten  und  Elsaß  haben  ihren
Bestand  unerheblich  vermehrt.  Nach  der
Viehzählung  vom  10.  Jan.  1873  war  der
Bestand  der  Viehgattungen:
Pferde  .  .  3352231  Schweine.  .  7124088
Rinder.  .  15  770  702  Ziegen.  .  .  2320002
Schafe  .  .  24999400
Die  Rindviehzucht  ist  für  Ostfrieöland,
  die  Marschländer  an  der  Nordsee,
Mecklenburg,  Pommern,  Franken,  besonders ­
  Unter  -  und  Mittelfranken,  für  das
Glanthal  jenseit  des  Rheins,  für  die
Alpenreviere,  namentlich  den  Algäu,  aber
auch  für  Württemberg,  die  Berglandschaften ­
  Thüringens  und  Hessens  Haupterwerb.
  Bedeutende  Viehmärkte  im  S.
sind:  Schweinfurt,  Münnerstadt  und
Neustadt.  —  Die  Pferdezucht  wird  besonders ­
  stark  betrieben  in  Ostpreußen,
Schleswig-Holstein,  Mecklenburg,  Oldenburg, ­
  Hannover,  Braunschweig,  Lippe,
Elsaß-Lothringen,  Württemberg  und  im
südlichen  Bayern.  Unter  den  G  estüten
nimmt  das  zu  Trakehnen,  das  sich  eines
Weltrufs  erfreut,  die  erste  Stelle  ein  ;  außerdem ­
  besitzt  Preußen  zwei  andre  Hauptgestiite,
  zu  Neustadt  a.  d.  Doste  und  zu  Grabitz, ­
  mit  welchen  11  Laudgestüte  verbunden
sind.  Die  bedeutendsten  Pferdemarkte
sind  die  vonTilsit(30.Sept.),  Insterburg,
Wehlau,  Königsberg,  Neuteich,  Jastrow,
Celle,  Güstrow.  —  Die  Schafe  sind  besonders ­
  zahlreich  in  Pommern,  dann  in
Mecklenburg,  Posen,  Provinz  Sachsen,
Westpreußen,  Brandenburg,  Schlesien,
Braunschweig  und  Anhalt.  Von  den
19,666,794  Schafen  in  Preußen  waren
8,160,189  Merinos,  1,827,919  veredelte
Fleischschafe,  9,636,650  andre,  darunter
757,895  Heidschnucken  (meist  in  Hannover). ­
  —  Schweine  werden  am  meisten
gezogen  in  den  Regierungsbezirken  Merseburg ­
  und  Erfurt,  in  Thüringen,  Königreich ­
  Sachsen,  Posen,  Pommern,  Hannover. ­
  Westfalen  ist  durch  seine  Schinken ­

  berühmt.  —  Die  Gänsezucht  wird
in  Pommern,  der  llkermark  und  Westpreußen ­
  in  großem  Maßstab  betrieben  und
liefert  namentlich  Federn  und  Gänsebrüste ­
  in  den  Handel.
Der  Viehhandel  betrug  an:

Einfuhr

1860
1865
1870
1875
1880
Ausfuhr
1860
1865
1870
1875
1880

Pferde  Rindvieh  Schafe  Schweine

35455
42694
66570
68059
59720

99083
112624
186623
357605
130280

91400
93287
119857
344413
173677

617293
624871
718973
1075545
1272816

8543  119106  361818  101923
8663  170796  610215  181972
28437  236716  1629807  291488
28059  318734  991890  346950
17960  220304  1256584  468035
D.  bedarf  für  seine  Armee,  aber  auch
für  seinen  Ackerbau  rlnd  für  industrielle
Zwecke  stets  einer  Zufuhr  von  Pferden,
und  wenn  ein  Blick  auf  die  erste  Zahlenreihe ­
  in  der  Ausfuhr  seit  1870  ein  bedeutendes ­
  Anwachsen  zeigt,  so  ist  dieser  Umstand ­
  mehr  auf  Rechnung  einer  größcrn
Einfuhr  zu  schreiben  als  auf  eine  Vergrößerung ­
  des  Pferdebestauds,  der  eher
eine  rückgängige  Bewegung  nahm,  denn
Preußen  (im  Umfang  nach  1860)  zählte
1867:2,279,337,1875:2,264,031  #rbc.
In  den  ältern  (vor  1866  zugehörigen)
Provinzen  hatte  sich  allerdings  die  Zahl
dieser  Tiere  von  1,849,127  auf  1,867,612
gehoben,  und  auch  in  allen  andern  Teilen
Deutschlands,  mit  alleiniger  Ausnahme
von  Hessen,  begegnen  wir  derselben  Erscheinung. ­
  Die  wichtigsten  Bezugsländer
für  Pferde  sind  Dänemark  und  Belgien.
Rinder  zeigen  eine  starke  Zunahme,  in
Preußen  1867—75  von  7,996,596  Stück
auf  8,612,150  Stuck;  auch  in  Mecklenburg, ­
  Oldenburg,  Braunschweig,  Thüringen, ­
  Elsaß-Lothringen  ist  eine  Vermehrung ­
  dcö  Bestands  wahrzunehmen,  während ­
  derselbe  anderswo  konstant  blieb.
Hier  hat  D.  nun  nicht  unbedeutend  an
das  Ausland  abgeben  können,  namentlich
an  England  über  Hamburg  undTönning.
Noch  ansehnlicher  ist  die  Ausfuhr  von
Schafen  gewachsen,  obschon  sich  der
Schafstand  ganz  bedeutend  verringerte;
        <pb n="139" />
        Deutschland  (animalische  Nahrungsmittel;  Fischerei).  131

in  Preußen  waren  1867:  22,261,330,
1875:  10,624,758  @c#c.  3»  Bager»
stinc;  der  Bestand  1863  bis  1873  von
2,040,372  auf  1,342,190  zurück  und
ln  demselben  Verhältnis  in  allen  andern
Staaten.  Immerhin  hat  aber  daö  Deutsche ­
  Reich  mit  60,o  Schafen  und  38,4
ändern  pro  100  Einw.  einen  Überfluß
und  steht  in  Bezug  auf  seinen  Reichunn
  an  Rindern  nur  Skandinavien,  den
untern  Donauländern  und  der  Schweiz
"ach,  während  es  hinsichtlich  der  Schafe
"on  Dänemark,  Rumänien,  Serbien,
Spanien,  Griechenland,  von  England,
Frankreich  und  Rußland  überragt  wird.
Die  für  die  Ernährung  der  Bevölkerung
hochwichtige  Schweinezucht  ist  dagegen
stets  ungenügend  für  die  gestellten  Anforderungen ­
  gewesen.  Man  sieht,  wie  die
Einfuhr  fast  das  Vierfache  der  Ausfuhr
^îŗägt.  In  D.  koinmen  17,4  Schweine
auf  100  Einw.  Allerdings  steht  es  in
dieser  Hinsicht  nur  Serbien,  Rumänien,
Österreich-Ungarn,  der  Pyrenäischen  Halbesel ­
  nach.  Seinen  Bedarf  bezieht  es  aber
aus  den  östlichen  Grenzländern.  Der
Viehhandel  betrug  von  1859—80:

Pferde
Rinder
Schafe
Schwei-Einfuhr


1201264
4118022
5147196
18860855

Ausfuhr
504270
4728881
20437219
4933161

Mehr
610859
15290013

Weniger
696985

14927694

Ein  großer  Teil  des  Schlachtviehs  wird
zur  Mästung  eingeführt.  Aber  abgesehen ­
  von  einigen  reichen  Weiden  im  N.
und  NW.,  beschäftigt  sich  D.  weniger  mit
der  Heranziehung  von  Großvieh,  während
allerdings  die  Mästung  der  eingeführten
Schweine  eine  ganz  besonders  starke  Beschäftigung ­
  ist.  Für  1879  war  der  Wert
des  Handels  (in  Tausenden  Mark):

Einfuhr  Ausfuhr
Pferde  .  .  .  .  65500  34000
Rinder  ....  37590  45350
Schafe  ....  7780  37600
Schweine  .  .  ■  72680  24090
Zusammen:  183550  141040
3"  diesem  Handel  mit  lebendem  Vieh
stîsellt  sich  der  mit  der  Vervollkommnung
0er  Transportmittel  und  verbesserten  Konserviernngsmethoden

  zunehmende  Umsaß
in  frischem  und  gesalzenem  Fleisch,  Schinken, ­
  Speck,  Würsten.  Extrakten,  wovon
1880  die  Einfuhr  23,962  Ton.,  die  Ausfuhr ­
  nur  5645  T.  betrug.  Einen  sehr
wichtigen  Handelsartikel  bildet  die  Butter. ­
  Hier  sind  namentlich  Mecklenburg
und  Holstein  produzierende  Distrikte,  und
eine  lebhafte  Ausfuhr  geht  von  dort  nach
England.  Aber  amerikanisches  Fabrikat
findet  seinen  Weg  schon  in  bedeutender
Menge  (darunter  auch  die  sogen.  Kunstbutter) ­
  nach  D.  ES  betrug  (in  Tonnen):
1879  1880
Einfuhr  .  .  .  9337  5  001
Allsfuhr  .  .  .  12780  12465
Der  Handel  mit  diesem  wichtigen  Nahrungsmittel ­
  ist  innerhalb  der  letzten  20
Jahre  enorm  gestiegen  und  bildet  jetzt
eine  wichtige  Einuahmeguelle,  die  sich  innerhalb ­
  dieses  Zeitraums  von  der  bescheidenen ­
  Summe  von  260,000  Mk.  pro  Jahraus ­
  nahe  an  2Vr  Mill.  Mk.  jährlich  gesteigert ­
  hat;  1879  wurde  für  14  Mill.  Mk.
ein-  und  für  22  Mill.  Mk.  ausgeführt.
Schmalz  wird  dagegen  in  noch  weit  bedeutenderm
  Maß  importiert  und  zwar
vorzugslvcisc  von  Nordamerika.  Der  Gesamthandcl
  war  (in  Tonnen):
1879  1880
Einfuhr  .  .  .  53645  54599
Ausfuhr...  1942  38
Eier  werden  in  großen  Mengen  exportiert,
namentlich  nach  England;  aber  der  Import ­
  ist  ein  erheblich  größerer.  Es  betrug
(in  Tonnen):  1879  i860
Einfuhr.  .  .  26081  15439
Ausfuhr.  .  .  10530  2671
Zu  diesen  bedeutenden  Umsätzen  der
Viehzucht  mögen  wir  die  weniger  wichtigen
in  Wildbret  und  Geflügel  rechnen;  besonders ­
  aber  müssen  wir  der  Produkte  der
Fischerei  gedenken,  welche  bei  der  Ernährung ­
  des  deutschen  Volks  eine  hervorragende ­
  Rolle  spielen.  Die  Seefischerei
war  einst  weit  bedeutender  als  jetzt.  Zwar
liefert  die  Nord-  und  Ostsee  noch  immer
Schellfische,  Dorsche,  Sprotten,  Heringe,
die  Ostsee  viele  Aale;  allein  es  ist  dies  fast
nur  noch  Küstenfischerei,  an  der  Großfischerei ­
  beteiligt  sich  D.  fast  gar  nicht,  und
9*
        <pb n="140" />
        132

Deutschland  (Produkte  der  Viehzucht  und  Fischerei).

die  Erträge  finb  verhältnismäßig  unbedeutend. ­
  Während  die  benachbarten  Nationen ­
  ,  namentlich  Norweger,  Engländer
und  Holländer,  einen  kolossalen  Überschuß ­
  für  die  Ausfuhr  haben,  muß  D.  fast
alles  importieren.  In  Emden  bildete  sich
1872  eine  Heringsfischereigescllschaft  auf
Aktien,  die  holländische  Fischer  in  Dienste
nahm.  Die  11  Schisse  der  Gesellschaft
fingen  1877  durchschnittlich  je  421  Ton.
Heringe  im  Bruttoertrag  von  je  18,314
m.  (Ì872-73  je  631,  ùfp.  609'/,  I.  &amp;amp;u
24,639,  tcsp.  25,009  9Rf.).  9lud)bie
nenfischerei  befindet  sich  im  Verfall,
wiewohl  die  Regierungen  voit  Preußen,
Württemberg  und  Baden  die  künstliche
Fischzucht  unterstützen.  Die  Zahl  der
Fischbrutanstalten  betrug  1875  schon  150,
davon  in  Preußen  63,  in  Sachsen  15,  in
Bayern  19,  in  Württemberg  14,  in  Baden ­
  19,  und  ist  seitdem  sehr  gestiegen.
Die  Hüninger  Fischznchtanstalt  hat  sich
um  die  Vermehrung  deS  Lachses  im  Rhein
und  der  Weser  große  Verdienste  erworben.
Auch  der  sehr  vernachlässigten  Krebszncht
hat  man  sich  in  neucsterZcit  wieder  mehr  zugewendet. ­
  Der  H  e  r  i  n  g  s  h  a  n  d  e  l  betrug  :
1879  1880
Einfuhr.  .  .  641144  737580  Faß
Ausfuhr...  2831  1449  -
Der  Verbrauch  dieses  besonders  bei  der
großen  Menge  beliebten  Nahrungsmittels
betrug  1859  erst  286,963  Faß  oder,  auf
den  Kopf  der  Bevölkerung  berechnet,  1,27
kg  gegen  2,47  kg  in  1880.  Rechnen  wir
zu  den  oben  für  den  Heringshandel  angeführten ­
  Mengen  noch  die  übrigen  nicht
besonders  genannten  Fische,  welche  1879
in  der  Einfuhr  mit  102,574,  in  der  Ausfuhr ­
  mit  8723  Ton.  aufgeführt  werden,  so
erhalten  wir  für  dies  letzte  Jahr  eine  Mehreinfuhr ­
  von  733,556  T.  an  Nährstoffen,
welche  der  Fischerei  zu  danken  waren.  Und
fassen  wir  die  gewonnenen  Resultate  mit
andern  von  uns  nicht  besonders  aufgeführten ­
  Posten  zusammen,  so  ergibt  der  Handel ­
  mit  Tieren  und  animalischen
Nahrungsmitteln  (in  Mill.  Mark):

Einfuhr  Ausfuhr
1870:  401,3  304,i
1877:  385,6  328,o

Einfuhr  Ausfuhr
1878:  396,6  371,o
1879:  357,o  262,8

Für  1879  entfallen  (inTausendenMark):
Einfuhr  Ausfuhr
Vieh  183550  141040
Schmalz  42900  1  550
Butter  14000  22000
Heringe  24400  110
Fleischwaren  ¡c.  .  .  .  46500  8  970
Dazu  Eier,  Honig,  Krebse,  Kaviar  re.  mit
einem  Einfuhrwert  von  51  Mill.,  einem
Ausfllhrwert  von  154  Mill.  Mk.
Neben  diesen  Produkten  der  Viehzucht
und  der  Fischerei,  welche  vorzugsweise  Ernährungszwecken
  dicneil  (auch  daö  Pferd
wird  schon  in  nicht  uilbedeutendenl  Maß
dazu  herangezogen),  treten  andre  in  den
Vordergrund,  welche  zur  Bekleidung  deS
menschlichen  Körpers,  gu  industriellen
Zwecken  verschiedener  Art  dienen.  Hierher
gehört  in  erster  Linie  die  Wolle.  D.
ist  schon  seit  langer  Zeit  ans  Importe
angewiesen,  und  dieses  Bedürfnis,  das
1859  eilten  Mehrimport  von  ca.  10,000
Ton.  verlangte,  veraillaßte  1880  einen
solchen  von  54,430T.  Der  Wollhande  l
Deutschlands  betrug  (in  Tonnen  netto):

Einfuhr  Ausfuhr  Einfuhr  Ausfuhr
1860:  18300  4770  1875:  59000  20100
1865:  34600  7  770  1880:  68755  14325
1870  :  39500  18200

Den  Wert  aller  Schafwolle,  roh  imb  gekämmt ­
  ,  nebst  Knnstlvolle  berechnete  man
für  1879  in  der  Einfuhr  auf  273,700,00r
Mk.,  Ausfuhr  66,440,000  Mk.  DiesO
cnormeil  Mehrimporte  hängen  wcnigcc
mit  dem  Rückgang  des  Schafbestands
zusammen  (in  den'  letzten  Jahren,  wie
wir  sahen,  zwischen  3  und  4  Mill.  Stück)
als  mit  dem  Mehrbedarf  deS  außerordentlich ­
  gesteigerten  Verbrauchs,  welcher  auf
jährlich  166  Mill.  Pfd.  angeschlagen  wird.
Als  Lieferanten  treten  vornehmlich  Australien ­
  ».Südamerika  auf,  während  D.  selbst
feinere  Sorten  nach  England  ausführt.
Wollmärkte  werden  abgehalten  zu:
Altcnburg  (im  Juni),  Berlin  (19.  Juni,
3  Tage),  Braunschweig  (1.  Jtlli,  9.  Aug.),
Breölail  (9.  Juni,  2  Tage),  Dresden ­
  (im  Juni),  Gera  (9.  Juni),  Gumbinnen ­
  (31.  Mai,  18.  Okt.),  Hannover
(28.3WIÍ),  Wbrowi(30.3um,4S«&amp;lt;A
Hildesheim  (23.  Juni,  3  Tage),  Kassel
1(28.  Soni,  3  Tag),  Königsberg  (18.
        <pb n="141" />
        133

Deutschland  (Urproduktion:  Seidenzucht;  Forstwirtschaft).

Juni,  3  Tage),  Leipzig  (im  Juni,  2  Tage),
N'#  (5.  3iwi),  %ÜW  (20.  3uw,  2
£age),  Nürnberg  (3.  Juli,  3  Tage),  Posen
  (12.  Juni,  2  Tage),  Stettin  (16.  Juni,
25 st 3 c )'  Stuttgart  (im  Juni),  Tilsit
C[7.  Juni,  20.  àpt.,  je  6  Tage),  Ulm
(17.  Juni,  3  Tage),  Weimar  (14.  Juni,
~  Tage).  Die  wichtigsten  sind  die  von
àrlin  und  Breslau,  dann  Königsberg
und  Posen.
Haute  und  Felle  werden  in  stets
wachsenden  Quantitäten  eingeführt,  wäh-^end
  die  Ausfuhr  verhältnismäßig  gering
blieb.  Der  Handel  mit  rohen  Rindsh
  a  Uten  betrug  (in  Tonnen):

Einfuhr
1860  :  2460
1865  :  4180
1870:  9260
1875:  10300
1880  :  8044

Ausfuhr
1860  :  24200
1865:  26400
1870:  37400
1875  :  38000
1880  :  33452

bezieht  diese  Häute  zum  größten
^.eil  von  Südamerika,  empfängt  aber
außerdem  noch  bedeutende  Mengen  von
Kalbfellen,  Schaf-,  Lamm-  und  Zicgensellen,
  von  Därmen  und  Blasen'.  Die-1er
  Import  findet  aber  in  verarbeitetem
Zustand  und  als  Fabrikat  seinen  Weg  zum
größten  Teil  wieder  ins  Ausland.'  1879
betrug  (in  Tausenden  Ecntncrn)  die

Einfuhr  Ausfuhr
Rindshäute  1017,8  393,1
Kalbfelle  116,2  69,  ß
Andre  rohe  Felle,  Blasen,
Därme.  326,i  205,7
Zusammen:  1460,i  668,4
Rechnet  man  hierher  noch  den  Handel
mit  Haaren,  Borsten,  Federn,  welcher
176,300  Ton.  in  der  Einfuhr  und
117,530  T.  in  der  Ausfuhr  betrug,  mit
Fellen  zur  Pelzwcrkbereitung,  welcher
41,500  T.,  beziehentlich  17,700  T.,  und
den  mit  Talg  iliid  Thran,  welcher  572,000
Und  177,800  T.  betrug,  also  eine  Einfuhr
bon  789,800  T.  und  eine  Ausfuhr  von
'253,030  T.,  so  ergeben  sich  1879  für
den  ganzen  einschlägigen  Handel  folgende
Werte:
Einfuhr  .  .  .  2249900  Ton.
Ausfuhr.  .  .  921430  -
Mehreinfuhr:  1328470  Ton.

Die  Seidenzucht  ist  von  sehr  geringer
Bedeutung.  Doch  hat  Potsdam  wahrend
der  Seidenwürmerkrankheit  Grains  nach
Italien  verschickt.  Aber  die  wichtigenSeideiiwebereien
  in  den  Rheinlandeil  (Krefeld)
müssen  ihren  Bedarf  vom  Auslaild  holen;
1880  wurden  2983  Ton.  Kokons  und  Rohseide ­
  ein-  und  921  T.  ausgeführt.  Auch
die  Bienenzilcht  liefert  weder  Wachs
noch  Honig  in  genügender  Menge.
Rekapitulation  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Tiere  u.  Tiernahrungsinittel  357,o  262,8
Wolle  273,7  66,4
Rindshäute  66,5  22,8
Rohseide  113,8  48,3
Zusammen  1879:  811,o  400,3
Dagegen  1878:  774,7  516,3

C.  Forstwirtschaft.

Das  Forstland  nimmt  13,839,769  ha
ein,  d.  h.  25,7  Proz.  der  Gesamtfläche,  ein
sehr  ansehnlicher  Prozentsatz;  aber  diese
Waldflache  ist  sehr  ungleich  verteilt.  Auf
Schleswig-Holstein  komnlen  nur  6,i  Proz.,
auf  Oldenburg  8,8,  auf  Hannover  15,8,
auf  Mecklenburg-Schwerin  16,8  Proz.  ;  in
den  thüringischen  Staaten  schwankt  die
Ziffer  zwischen  30  und  41  Proz.,  Bayern
hat  33  Proz.,  Baden  37  Proz.  Wald;  reich
daran  sind  auch  Sachsen,  Württemberg,
Hessen.  Es  gibt  vortreffliche  Eichen-,
Buchen-  und  Nadclwaldungen.  Der  Spessart ­
  liefert  vorzügliche  »Holländer«  für
den  Schiffbau;  der  Niederwald  in  den
Nheinlanden  ist  wichtig  durch  die  Eichenlohe. ­
  Große  Schneidemühlen,  namentlich
an  dem  Finowkanal  und  der  Alten  Oder,
verarbeiten  die  zugeführten  Hölzer.  Biele
der  aus  Galizien  und  Polen  hernntergeflößtcn
  Stamme  werden  für  deir  Export ­
  zllgerichtet,  für  welchen  Memel  imb
Danzig  die  wichtigsten  Platze  sind.  Aber
die  Einfuhr  übersteigt  die  Ausfuhr  sehrerheblich.
  Der  Holzhandel  betrug  (in
Tausenden  Mark):

Einfuhr
1872:  297000
1874:  271200
1876:  213500
1878:  183100
1879:  167800

Ausfuhr
1872:  115800
1874:  87960
1876:  92900
1878:  70100
1879;  70400
        <pb n="142" />
        I

134

Deutschland  (Urproduktion:  Bergbau,  Salinenweseu).

In  diese  Summen  sind  aber  auch  Stuhlrohr, ­
  Korkplatten,  vegetabilische  wie  animalische ­
  Schnitzstosse  eingeschlossen.  Ans
die  Hauptartikel  verteilte  sich  der  Handel
1879  (in  Tausenden  Tonnen):
Einfuhr  Ausfuhr
Balken  von  Hartholz  .  .  138,o  235,9
Balken  von  Weichholz.  .  440,i  395,o
Bohlen,  Bretter,  Latten,
Faßholz  1014,8  469,7
Der  Wert  der  Einfuhr  betrug  bei  diesen
drei  Artileln  125,9  Mill.  Mk.,  bei  außereuropäischen ­
  Tischlerhölzern  7,6  Mill.  Mk.
I).  Bergbau  und  Salinenwesen.
Berg-  und  Hüttenwesen  blühen
vor  allem  im  Rheinland,  in  Westfalen,
Schlesien,  Königreich  u.  Provinz  Sachsen.
Aber  auch  dieser  Erwerbszweig  hatte  unter
der  Ungunst  der  Zeitverhaltnisse  zu  leiden,
und  obschon  die  Menge  der  Produktion
ohne  Aufhören  zunahm,  wurden  die  Gelderträge ­
  jährlich  geringer.  1873  erreichte
die  Sllmmc  aller  Bcrgwerksprodukte  ihren
höchsten  Wert  mit  535,742,337  Mk.;  innerhalb
  sechs  Jahren  steigerte  sich  zwar  die
Produktion  um7,559,749  Ton.,  der  Wert
sank  aber  zugleich  um  217,673,383  Mk.,
eine  Erscheimlng,  welche  vornehmlich  der
starken  Entwertung  der  Eisenerze  zuzuschreiben ­
  ist.  Einschließlich  des  zum  deutschen ­
  Zollgebiet  gehörigen  Luxemburg,  das
Eisenerze  liefert  (1879:  1,614,393  T.  im
Wert  v.  3,551,222  Mk.),  betrug  die  Produktion ­
  der  deutschen  Bergwerke:
Tonnen  Wert  in  Mark
1873  :  54008387  535742337
1875:  54338879  416874923
1877:  55481432  333457911
1879:  61568136  318068954
D.  liefert  die  verschiedensten  Mineralien,
aber  alle  überragt  die  Steiitkohle,  auf
welche  zwei  Drittel  des  Gesamtwerts
der  Bergwerksproduktion  entfallen.  Ihr
schließen  sich,  mit  weit  geringern  Werten,
Braunkohle,  Eisen,  Blei,  Zink,  die  Kalisalze, ­
  Silber  und  Gold  an.
1)  Mineralkohlcn  nnd  Bitumen.
Die  Ausdehnung  der  Steinko  h  le  life ­
  ld  er  im  Deutschen  Reich  wird  ans
170  geogr.  QMeilen  veranschlagt.  D.
würd  in  Europa  hierin  nur  von  England ­
  übertrofsen,  dessen  kohlenführcndes

Areal  allerdings  nahezu  dreimal  so  groß
ist.  Die  bedeutendsten  Kohlenbecken  finden ­
  wir  in  Westfalen,  Rheinland  und
Schlesien.  Demnächst  schließen  sich  das
Königreich  Sachsen,  Elsaß-Lothringen,
Hannover  an;  gering  sind  die  in  den  Provinzen ­
  Hessen-Nassau  und  Sachsen  sowie
die  in  Schaumburg-Lippe,  Baden  und
Thüringen  gefundenen  Mengen.  Man
spricht  in  der  Regel  von  sechs  großen
Kohlenbecken:  dem  nicdcrrheinisch-westfälischen
  (auch  »Rubrbeckcn«  genannt),  dem
Kohlenbecken  bei  Aachen  (Inde-  und
Wormbccken),  dem  Saarbeckcn  (Revier  von
Saarbrücken),  dem  oberschlesischen,  dem
niedcrschlesischcn  und  dein  Steinkohlenbecken ­
  von  Sachsen  (Reviere  von  Zwickau
und  Lugau).  In  der  Mitte  des  18.  Jahrh,
betrug  Deutschlands  Kohlcuproduktion
wohl  nicht  mehr  als  150,000  Ton.,  für
1800  mag  sie  auf  500,000  T.  zu  schätzen
sein,  1879  hatte  sie  beiß  80fache  jener  Produktion ­
  überschritten.  Die  Produktion
von  Steinkohle  betrug  (in  Millionen):

1870:
1871:
1872:
1873:
1874:

Ton.  Mark
26.4  163,5
29.4  218,1)
33.3  296,7
36.4  403,ß
35,9  387,2

1875:
1876:
1877:
1878:
1879:

Ton.  Mark
37.4  297,5
38.4  263,7
37.5  217,u
39.0  207,9
42.0  205,7

Aber  wie  ein  Blick  auf  vorstehende  Tabelle ­
  zeigt,  hielten  die  Werte  mit  dieser
Produktion  nicht  Schritt.  Das  verhängnisvolle ­
  Jahr  1873  bildete  den  Gipfelpunkt, ­
  von  dem  die  schnell  gestiegenen
Werte  bald  heruntergingen.  Trotz  einer
um  13  Mill.  Ton.  höher»  Produktion
stehen  sie  tiefer  als  1871.  Auf  die  einzelnen ­
  Hanptproduktionögebiete  verteilt  sich
der  Gewinn  des  Jahrs  1879  wie  folgt:
Tonnen  Mark
Westfalen.  .  .  .  13,5  Milt.  56,4  Mill.
Rheinland  .  .  .  12,5  -  67,s  -
Schlesien....  11,2  -  47,o  -
Königreich  Sachsen.  3,3  -  22,o  -
Die  Gewinnung  der  Steinkohle  beschäftigte ­
  1879  in  489  Betrieben  170,509  Arbeiter, ­
  davon  135,759  unter  Tage.
An  Braunkohle  ist  D.  fast  ebenso
reich;  oft  ist  freilich  die  Qualität  so  gering,
daß  die  Verwendung  nur  eine  lokale  ist,
oder  daß  die  Kohle  gar  nicht  gewonnen
        <pb n="143" />
        Deutschland  (Bergbau:  Kohle,  Salz).

135

wird.  ^  Bessere  Sorten,  die  aber  mit  beu
böhmischen  Braunkohlen  nicht  konkurrieren ­
  können,  finden  sich  am  Westerwald,
ani  Meißner  in  Hessen,  am  Taunus,  bei
Merseburg  und  Weißenfels,  in  Anhalt,  bei
Spremberg,  Frankfurt  a.  O.,  Zittau  in
Sachsen,  in  Braunschweig  re.  Die  Entwickelung ­
  dieses  Bergbaus  zeigt  folgende
Zusammenstellung.  Die  Produktion
bon  Brau  »kohle  betrug  (inMillionen)  :

1870
1871
1872
1873
1874

To».  Mark
7,8  22,o
8,5  26,2
9,o  29,5
9,7  34,8
10,7  39,2

1875:
1876:
1877:
1878:
1879:

Ton.  Mark
10.4  36,o
ll,i  38,4
10,7  35,0
10,0  34,5
11.4  35,2

Davon  waren  vorzugsweise  beteiligt:
Ton.  Mark
Provinz  Sachsen  .  .  .  6,0  Mill.  22,2  Mill.
Provinz  Brandenburg.  .  1,5  -  3,8  -
Anhalt  0,8  -  2,i  -
kstiut  Königreich  Sachsen,  Schlesien,  Alwnburg.
  Die  Braunkohlenwerke  beschäftigten ­
  1879  in  698  Werken  24,150  Arbeiter, ­
  davon  13,266  unter  Tage.
Die  übrigen  verwandten  Produkte  sind
bon  weit  geringerer  Bedeutung:  Graphit
findet  man  in  Nicderbayern  (1879:  992
gon.,  112,140  m.),  Macoli  3»
"immer  bei  Hannover,  in  Braunschweig,
imElsaß  (1879:40,430  T.,  Wert:  344,616
Mk.)  undErdöl  im  Elsaß  und  Hannover
(1879:  1880  T.,  Wert:  150,440  Mk.).
In  der  Umgegend  von  Weißenfels,
Merseburg,  Zeitz,  ebenso  im  Anhaltischcn
eignet  sich  die  Braunkohle  sehr  gut  zur
t erstellung  von  Mineralölen,  Paraffin,
tearin  und  deren  Derivaten;  dort  hat
sich  eine  sehr  lebenskräftige  Industrie  gebildet, ­
  welche  aber  unter  der  Konkurrenz ­
  amerikanischer  Pctrolcnmimporte  (s.
oben)  zu  leiden  hat.  Wie  groß  daö  Absatzfeld ­
  für  solche  llnternehmungen  ist,  beweist. ­
  daß  der  Verbrauch  in  D.  1866—79
^1132,600  Io».  A"f  252,0001.  stieg;  ber
Verbrauch  pro  Kopf  war  also  von  nur0,90
kg  ans  5,66  kg  gewachsen.  Die  Gewinnung ­
  von  Kohle  undBitnmen  bctrugl879  :
Steinkohle  .  /  42,0  Mill.  Ton.  205,7  Mill.  Mk.
ànunkohle.  .  11,4  -  -  35,2  -
Andres  ...  0,1  •  -  0/7  -  -
Zusammen:  53,5  Mill.  Ton.  241,8  Mill.  Mk.

Die  zehnjährige  Übersicht  der  Produktion ­
  betrug  (in  Millionen)  :
Ton.  Mark  Ton.  Mark
1870:  34,0  185,6  1875:  47,8  334,0
1871:  37,8  244,8  1876:  49,6  302,u
1872:  42,3  326,4  1877:  48,3  252,7
1873  :  46,2  438,7  1878  :  50,6  243,3
1874:  46,7  427,o  1879:  53,5  241,6
2)  Salz.  Mehrere  Teile  Deutschlands
entbehren  aller  Salzwerke,  so  die  Provinzen ­
  Schlesien,  Preußen,  Pommern,  das
Königreich  Sachsen;  dafür  sind  andre  Gegenden ­
  um  so  reicher.  Das  große  Stein  -
salz  lager  zu  Staßfurt  war  schon  1837
bekannt,  wurde  aber  erst  1852  in  Betrieb
genommen;  seitdem  wurden  Steinsalzlager
erbohrt:  1868  bei  Segeberg  in  Schleswig-Holstein,
  1871  und'1872  bei  Jnowrazlaw
  und  Wapno  in  Posen;  in  Bayern  bei
Berchtesgaden,  in  Württemberg  bei  Hall.
—  Innerhalb  des  Zeitraums  von  1870—
1879  stieg  die  Produktion  dieser  Werke  von
404,822  Ton.  auf  900,702  T.  und  zugleich
der  Wert  der  Produkte  von  3,589,903  auf
7,748,020  Mk.  Der  bei  weitem  größte
Anteil  entfallt  ans  die  Werke  bei  Staßfurt
und  das  benachbarte  Leopoldshall,  wo  die
wertvollen  Kalisalze  gewonnen  werden:
1869  erß  für  2,225,358  9Rf.,  1879  ober
für  5,418,479  Mk.,  davon
Staßfurt  Lcopoldshall
Kainit  ....  547832  147256
andre  Kalisalze.  2572345  2  846134
Eigentliches  Steinsalz  wird  in  größten ­
  Mengen  bei  Staßfurt  gewonnen,  das
von  Hall  in  Württemberg  ist  aber  wertvoller; ­
  hier  war  1879  der  Ertrag  623,621
m.,  bort  486,421  m.  ;  ^101^10  smb
die  Werke  im  Regierungsbezirk  Erfurt
und  in  Anhalt.  Der  Gesamtgewinn,  auch
aus  dem  Regierungsbezirk  Bromberg,  aus
Oberbayern  und  Sigmaringen,  bezifferte
M  1879  auf  1,590,780  SRf.  Dogme»
sind  die  Werte  des  bei  Staßfurt  und  Leopoldshall ­
  gewonnenen  Boracits  (1879:
36,046  Mk.)  und  der  bei  letzterm  gewonnenen ­
  Bittersalze  (7627  Mk.)  verschwindend ­
  klein.  Die  Gewinnung  von  M  i  n  e  -
ralsalzen  betrug  1879:
Steinsalze  .  .  238160  Ton.  1,59  Mill.  Mk
Kalisalze  .  .  661673  .  6,11  -
Andre  Salze  .  869  -  0,05  -
Zusammen:  900  702  Ton.  7,75  Mills  Mk)
        <pb n="144" />
        136

Deutschland  (Bergbau:  Salz,  Erze).

Die  zehnjährige  Übersicht  der  Produktion ­
  ergibt:

Ton.  Mill.  Mk.
1870  :  404  822  3,6
1871:  514875  4,5
1872  :  634  844  6,9
1873  :  602  923  6,0
1874  :  591431  4,0

Ton.  Mill.Mk.
1875:  699  807  5,8
1876:  751056  5,8
1877:  982  694  7,6
1878:  973  722  7,8
1879:  900  702  7,7

herab.  —  Eine  zehnjährige  Übersicht  der
Produktion  ergibt:

Ton.  Mill.  Mk.
1870  :  308139  8,6
1871:  332138  9,3
1872:  393878  13,8
1873:  438405  16,6
1874  :  490200  18,4

Ton.  Mill.  Mk.
1875:  477  775  17,4
1876:  486  035
1877:  565  373
1878  :  562  417
1879:  596  579

17.5
24.5
24,5
24,4

Diese  Salzgewinnung  dient  vorzugsweise ­
  technischen  Zwecken;  die  Kalisalze,
welche  den  Hauptteil  der  Ausbeute  bilden,
sind  unentbehrlich  für  die  Glas-  und  Seifcnfabrikation
  und  für  die  Darstellung  des
Schießpulvers,  und  manche  Kalisalze  finden ­
  sehr  vielseitige  Verwendung,  so  nasehr
  wichtigen  Ausfuhrartikel  bildet;  1879
mentlich  auch  als  Düngesalz,  das  einen
wurden  von  künstlichen  Dungmitteln  und
Düngesalz  101,002  Ton.  ausgeführt.
Weit  bedeutender  ist  der  Gewinn  der
Salinen,  von  denen  einige,  wie  die  in
Hannover,  Thüringen,  Württemberg  und
Baden,  die  Sole  aus  Steinsalzlaaern  erhalten. ­
  Preußens  und  Anhalts  Salinen
bei  Schönebeck  sind  die  mächtigsten,  andre
befinden  sich  in  Dürrenberg,  Artern,  Halle  ;
in  Thüringen  werden  sieben  Salinen  benutzt; ­
  in  Hannover  sind  die  von  Lüneburg
und  Egestorffshall,  in  Bayern  die  von  Rosenheim, ­
  in  Württemberg  die  von  Hall,  in
Elsaß-Lothringen  die  von  Saarburg  die
wichtigsten.  Auch  Mecklenburg  (Güstrow)
und  Hessen  besitzen  Salinen.
Unter  den  verschiedenen  Produkten  nehmen ­
  Kochsalz  (Ehlornatrium)  und  Chlorkalium ­
  die  erste  Stelle  ein;  das  letztere,
erst  seit  1871  und  damals  nur  zu  dem  bescheidenen ­
  Wert  von  3441  Mk.  gewonnen,
stand  1878  mit  11,247,606  Mk.  obenan.
Seit  jenem  Jahr  und  dem  folgenden
datiert  auch  die  Gewinnung  der  übrigen
Produkte.  Die  S  i  e  d  e  s  a  l  z  a  e  w  i  n  n  u  n  g
betrug  1879:
Kochsalz.  .  .  429  051  To».  11,3  Mill.  Mk.
Ehlorkalium  .  90078  -  9,4  -  -
Andre  ...  77  450  -  3,7  &amp;gt;  &amp;gt;
Zusammen:  596  579  Ton.  24,4  Mill.  Mk.
linter  die  nicht  besonders  aufgeführten
Salze  gehören:  Glaubersalz,schwefelsaures
Kali,  Alaun,  schwefelsaure  Kalimagnesia,
Chlormagnesium,  schwefelsaure  Magnesia
mit  Werten  von  683,940  bis  79,328  Mk.

ES  har  sich  also  diese  Industrie,  wie  ein
Blick  auf  die  Zahlenreihen  beweist,  nicht
allein  einer  bedeutenden  Vermehrung  der
Produktion  zu  erfreuen  gehabt,  welche  in
dem  vorgeführten  Dccenninm  das  Quantum ­
  nahezu  verdoppelte,  es  ist  diese  Produktion ­
  auch  von  einer  Preiserhöhung
begleitet  gewesen,  welche  den  gewonnenen
Geldwert  ans  das  Dreifache  stellte.  Die  gesamte ­
  Salzgewinnung  betrug  aber  1879:
Mineralsalze  .  900702  Ton.  7,7  Mill.  Mk.
Siedesalze.  .  596579  -  24,4  ,  -
Zusammen:  1497281  Ton.  32,1  Mill.  Btt?
Die  Gewinnung  von  Salz  aller  Art
hat  sich  in  den  letzten  Jahren  enorm  gesteigert, ­
  in  Preußen  namentlich  durch  die
von  2,4  Mill.  Mk.  Wert  in  1869  auf  über
10  Mill.  Mk.  in  1879  gehobene  Produktion ­
  der  Provinz  Sachsen  hat  sie  sich  mehr
als  verdreifacht  (1869:  4,8  Mill.,  1879:
15,7  Mill.  Mk.),  in  Anhalt  stieg  sie  in
demselben  Zeitraum  von  der  bescheidenen
Summe  von  39,834  Mk.  ans  9,779,000
Mk.  Von  der  Gesamtproduktion  Deutschlands, ­
  welche  1879:  1,497,281  Ton.  erreichte, ­
  entfallen  auf  diese  beiden  Gebiete
allein  800,300,  resp.  414,300  T.,  zusammcii
  1,254,600  I.
3)  Erze.  Die  geographische  Verbreitung ­
  der  Erzlager  ist  bedingt  durch  die  Lage
der  Gebirge.  In  den  flachen  Gegenden  des
Nordens  und  Ostens  findet  ein  Bergbau
auf  Erze  fast  gar  nicht  statt.  Jene  Gegenden ­
  tragen  zur  Gesamtsumme  der  Bergwerksprodukte
  nur  durch  ihre  Braunkohlen ­
  -  und  Salzlager  bei.
D.  besitzt  einen  großen  Reichtum  an
Eisenerzen  und  darunter  Sorten  von
der  vorzüglichsten  Qualität.  In  der  Gesamtsörderung
  überwiegen  mit  etwa  35
Proz.  die  Braun  eisen  erze  (Rheinprovinz, ­
  Schlesien,  Luxemburg,  Bayern,  Thüringen, ­
  Lothringen,  Sachsen,  Hannover).
Darauf  folgen:  mit  etwa  25  Proz.  die
        <pb n="145" />
        Deutschland  (Bergbau:  Erze,  Kupfer).

Spateisen  steine  der  Rheinprovinz,  in
Westfalen,  im  Siegenschen,  Thüringen,
Württemberg;mit  etwa  18  Proz.  die  Kohleneisensteine
  in  Westfalen  und  der
Rheinprovinz,  an  der  Saar,  in  Schlesien;
wit  ca.  10  Proz.  die  Roteisenerze  von
Wetzlar,  im  Siegener  Land,  Nassau,  Thürmgen,
  Sachsen,  Bayern,  Hessen.  Bon  genngernl
  Wert,  aber  ziemlich  verbreitet,
Und  T  h  o  n  e  i  s  e  n  st  e  i  n  e,  in  der  nördlichen
Tiefebene  Raseneisenerze  und  vielfach
Zerstreut  Mague  teisen  erz.  —  Die  Formung ­
  der  Erze  betrug  1848  erst  13  Mill.
Ņ.  im  Wert  von  3,8  Mill.  Mk..  1879  war
dieselbe  aies  85  Mill.  Etr.  im  Wert  von  über
W  Mill.  Mk.  gestiegen.  Gesamtmenge  und
Wert  waren  also  innerhalb  30  Jahren
um  „lehr  als  das  Sechsfache  angewachim.
  Die  Produktion  von  Eisenerzen ­
  betrug  (in  Millionen):

Ton.  Mark
1870:  2,o  21,3
1871:  3,4  28,1
1872:  4,7  38,9
1873:  4,8  39,5
1874:  3,7  24,6

1875
1876
1877
1878
1879

Ton.  Mark
3,7  23,8
3,5  20,9
3,7  20,6
4,0  22,9
4,2  23,1

r  Diese  Zahlen  sprechen  deutlich  von  den
schweren  Schlägen,  die  den  Eisenbergbau
nach  1873  trafen.  1877  war  der  Ertrag
aller  Werke  zwar  nur  um  etwas  mehr  als
ein  Fünftel  der  Produktion,  aber  um
nahezu  die  Hälfte  des  Werts  gesunken.
Folgende  Übersicht  der  Produktion  nachstehender ­
  Regierungsbezirke  für  1879  läßt
zugleich  den  Wert  der  Erze  erkennen:
Koblenz  .  .  798135  Ton.  7.1  Mill.  Mk.
Arnsberg  .  .  735  363  -  5,9  -  -
Wiesbaden  .  484  067  -  3,o  -  -
Oppeln  .  .  637  550  -  2,i  -
Lothringen  .  830  021  -  1,7  -
In  allen666EisengrnbenDcutschlands
waren  1879  beschäftigt:  30.192  Arbeiter,
davon  unter  Tage  19,265.
Bleierze  werden  fast  ausschließlich  in
den  preußischen  Provinzen  Schlesien,
Hannover,  Westfalen,  Hessen-Nassau  und
Rheinland  gefunden,  in  weit  geringerm
Maß  in  Sachsen,  Braunschweig,  Anhalt,
Maß  und  Oberbayern.  Die  Gewinnung
derselben  zeigt  in  den  letzten  Jahren  eine
zumlich  konstante  Progression,  womit  die
Werte  bis  zum  letzten  Jahr  gleichen  Schritt

halten.  Es  wurden

neu:
1870
1871
1872
1873
1874

Ton.Mll.Mk.
106  378  16,7
96  866  14,8
94036  15,0
101270  17,7
104  088  18,3

1875:
1876:
1877:
1878:
1879:

137
Bleierze  gcwon-Ton.
  Mill.  Mk
113  808  21,o
120  603  20,4
147  012  22,7
152  843  21,o
149  055  17,8

Die  Produktion  des  Jahrs  1879  verteilte
sich  auf  nachstehende  Hauptgebiete:
Reg.-Bez.  Aachen.  .  41  026  Ton.  4,5  Mill.  Mk.
O.-B.-A.  Klausthal.  15  067  -  3,9  -
Reg.-Bez.  Wiesbaden  23  270  -  2,4  -
-  Oppeln.  .  16187  -  2.0  -
-  Köln  .  .  13  553  -  1,8  -
Demnächst  folgen  Arnsberg  und  Trier.
In  74  Werken  standen  1879  überhaupt
17,692  Arbeiter,  davon  9607  unter  Tage
beschäftigt;  in  65  andern  wird  das  Mineral ­
  als  Nebenprodukt  gewonnen.
Auch  für  Zinkerze  ist  Preußen  Hauptproduzent; ­
  von  589,546  Ton.  derGesamtförderung1879
  entfallen  589,254  auf  dasselbe ­
  und  davon  wieder  500,763  T.  auf  die
Provinz  Schlesien,  während  sichderRest  in
absteigender  Folge  auf  Rheinland,  Westfalen, ­
  Hessen-Nassau  und  Hannover  verteilt. ­
  Noch  mehr  als  bei  Bleierzen  hat  sich
hier  eine  stetige  Zunahme  der  Produktion
gezeigt,  begleitet  von  einem  in  den  letzten
Jahren  stark  fallenden  Preis  des  Minerals. ­
  Es  wilrden  Zinkerze  gewonnen:
Ton.  Mill.Mk.
366  780  6,9
335173  5,4
419543  8,6
444950  12,5

1870:
1871:
1872:
1873:
1874:

451222  11,1

1875:
1876:
1877:
1878:
1879:

Ton.  Mill.Mk.
467  953  12,7
533  559  13,o
577  312  ll,i
597193  11,4
589  546  8,0

In  59  Gruben  (55  andre  gewinnen  Zink
als  Nebenprodukt)  waren  1879:  12,304
Arbeiter  (7244  unter  Tage)  beschäftigt.
Kupfer  ist  zwar  über  ein  ziemlich  ansehnliches ­
  Areal  verbreitet  —  außer  in  den
preußischen  Provinzen  Schlesien,  Sachsen,
Hannover,  Westfalen,  Hessen-Nassau  und
Rheinland  findet  man  es  im  Königreich
Sachsen  und  in  Neuß  —;  allein  gegen  die
Produktion  des  mansfeldischen  Distrikts
im  Regierungsbezirk  Merseburg,  der  von
der  Gesamtproduktion  1879  voir  398,828
Ton.  nicht  weniger  als329,484  T.  lieferte
D6ïftf)iï)iubcu  bic  übrigen  bolíftcinbici.  Auch
diese  Produktion  ist  ziemlich  konstant  ge-
        <pb n="146" />
        138  Deutschland  (Bergbau:  Gold,  Silber,  Schwefelkies  re.).

wachsen,  während  die  Werte  sich  wenig  änderten. ­
  Es  wurden  Kupfererze  gewonnen:

Ton.  Mill.  Mk.
1870:  207  381  4,8
1871:  217160  5,S
1872:  282193  7,1
1873:  292138  7,4
1874:  262  498  6,5

Ton.  Mill.Mk.
1875:  279122  6,8
1876  :  304  502  7,1
1877:  343  541  7.7
1878:  373  539  8,0
1879  :  398  828  10,1

Die  14  Kupfergrubcn  (in  75  wird  das
Mineral  als  Nebenprodukt  gewonnen)  beschäftigten ­
  1878  überhaupt  5967  Arbeiter,
davon  4409  unter  Tage.
Gold-  und  Silbererze  werden  fast
ausschließlich  im  Königreich  Sachsen  gefunden; ­
  ein  sehr  kleines  Quantum  im
Wert  von  36,000  Mk.  lieferte  1879  der
Oberbergamtsbezirk  Klausthal,  während
sich  die  Produktion  Sachsens  auf  22,300
Ton.  im  Wertbetrag  von  3,872,000  Mk.
belief.  Die  letzten  20  Jahre  zeigen  ein
bedeutendes  Steigen  und  Fallen;  1878
war  man  selbst  unter  den  Ertrag  von  1860
(3,401,000  Mk.)  gekommen,  obschon  man
allerdings  durch  verbesserte  Methoden  aus
der  Hälfte  des  Quantums  (I860:  33,800
%on.,  1878:  15,500  %.)  benfeí&amp;amp;cn
Wert  zu  erzielen  vermochte.  Es  wurden
produziert:

1870
1871
1872
1873
1874

Ton.  Mill.Mk.
24  818  3,9
27  434  5,3
24  756  5,1
22  408  4,7
24112  4,7

1875:
1876:
1877:
1878:
1879  :

Ton.  Mill.Mk.
21101  4,o
23117  4,4
18  797  4,0
15  446  3,4
22  314  3,0

Von  den  übrigen  Produkten  des  Bergbaus ­
  ist  nur  noch  Schwefelkies  von
Belang,  doch  war  die  Gewinnung  ehedem ­
  eine  weit  bedeutendere.  Jedenfalls
ist  der  große  Rückgang  in  den  Preisen  von
entscheidendem  Einfluß  gewesen.  Wenn
1867  nur  96,800  Ton.  von  Schwefelkies
und  sonstigen  Vitriol-und  Alannerzen  gewonnen ­
  wurden,  so  stieg  dieses  Quantum
1879  auf  121,200  T.  Dabei  war  der  geschätzte ­
  Wert  in  dem  letztgenannten  Jahr
nur  1,151,000  Mk.,  während  er  in  dem
ersten  bei  viel  geringerer  Menge  1,409,000
Mk.  betrug.  Die  ungenügende  einheimische ­
  Produktion  bedingt  daher  einen
bedeutenden  Import.  Es  betrug  1879  die
Einfuhr  .  .  .  47475000  Tonnen
Ausfuhr.  .  .  10275000

Man  benutzt  den  Schwefelkies  jetzt  zur
Schwefel-,  Schwefelsäure-,  Eisenvitriolund
  Alaunfabrikation.  Infolge  dieser  gesteigerten ­
  Thätigkeit  sind  auch  die  Importe
von  Schwefel  sehr  bedeutend  abgemindert
worden,  indem  sie  1867—79  von  58  Mill,
auf  12,5  Mill,  kg  sanken.  Der  Wert  des
Schweselhandels  bezifferte  sich  1879  in  der
Einfuhr  auf  2,120,000,  in  der  Ausfuhr
auf  340,000Mk.  Hauptproduktionsgebiet
für  Schwefelkies  ist  in  erster  Linie  der
Regierungsbezirk  Arnsberg  ( 9 /io  des  Gesamtbetrags), ­
  dann  Schlesien  und  das
Königreich  Sachsen.  —  Von  geringerer
Bedeutung  ist  die  Gewinnung  von  Mangan-, ­
  Kobalt-,  Wismut  -  und  Zinnerzen  ;
noch  weniger  von  Belang  sind  die  Arsenik-,
Antimon-,  Nickel-,  Uran  -  und  Wolframerze. ­
  1879  war  der  Ertrag:  der  Manganerze ­
  271,465Mk.,derWismuterze498,128
Mk.,  der  Zinnerze  129,727  Mk.,  der  Kobalterze ­
  nur  12,295  (1878:265,557)  Mk.
—  Ihren  Mengen  und  Werten  nach  betrug ­
  die  Gewinnung  von  Erzen  1879:
Elsen  .  .  .  4245047  Ton.  23,i  Mill.  Mk.
Zink.
Blei.
Kupfer
Silber  u,
Schwefelkies
Andres.  .
Zusammen:  5534008  Ton.  65,2  Mill.  Mk.
Eine  zehnjährige  Übersicht  der  Produktion ­
  ergibt  (in  Millionen):

Gold

589546
149055
398828
22314
100509
28709

8,0
17,8
10,1
3,9
1,1
1,2

1870
1871
1872
1873
1874

Ton.  Mark
3.8  56,2
4,2  62,3
5.8  78,9
5.9  87,2
4,7  09,8

1875
1876
1877
1878
1879

Ton.  Mark
4,7  73,s
4,7  69,5
5,0  69,0
5,3  69,8
5,5  65,2

Wie  wir  im  einzelnen  nachgewiesen  haben, ­
  sind  es  die  Provinzen  Rheinland,
Westfalen,  Schlesien,  Sachsen  (Provin;
und  Königreich),  in  welchen  in  hervorragendem ­
  Grade  der  Montanbetricb  zu
Hause  ist.  In  den  genannten  preußischen
Provinzen  hat  sich  diese  Industrie  in  den
letzten  Jahren  enorm  entwickelt,  am  wunderbarsten ­
  verhältnismäßig  in  Anhalt,
während  in  Hannover,  im  ganzen  Hessen,
in  Braunschweig  die  Erträge  fast  stationär
blieben.  Nach  ihrer  geographischen  Ver-
        <pb n="147" />
        Deutschland  (Handel  mit  Mineralien  und  Salzen).

139

breitung  ordnen  wir  dicHauptproduktionsländer,
  indem  wir  die  Werte  aller  Produkte
der  Bergwerke  uiib  Salinen  in  Rechnung
dringen,  wie  folgt  (in  Millionen  Mark):

1869  1878
Rheinland.  .  73,s  88,6
Westfalen  .  .  46,7  67,«
Schlesien  .  .  46,«  62,8
şivv.  Sachsen  20,6  39,a
Ķgr.  Sachsen.  24,7  28,6
Inhalt.  .  .  2,o  14,3
Hannover.  .  9,2  9,«
Hessen-Nassau  7,7  7,7

1869  1878
Elf.-Lothringen  —  6,2

Bayern
Brandenburg
Thüringen  .
Württemberg
Braunschweig
Hessen  .  .
Lippe.  .  .

5.1  6,2
2,5  3,6
1.2  2,3
1,0  1,5
1,0  1,2
1,0  1,2
0,7  0,8

Innerhalb  zehn  Jahren  war  daö  Quantum ­
  allerBergwerks-  undSalinenprodukte
don  ca.  781  Ctr.  auf  ca.  1149  Ctr.  gestiegen, ­
  und  der  Geldwert  hatte  sich  von  246
auf  rund  3451/2  Mill.  Aik.  gesteigert.
1879  waren  die  Werte  einigermaßen  geunken,
  und  die  Gesamtproduktion  der
Bergwerke  und  Salinen  betrug  (in  Millionen) ­
  :
Tonnen  Mark
Mineralkohlen  und  Bitumen.  53,5  241,0
Mineralsalze  0,o  7,7
Siedesalze  0,6  24,4
Erze  5,5  65,2

Zusammen:  60,5  338,o
Eine  zehnjährige  Übersicht  der  Gesamtproduktion ­
  ergibt  (in  Millionen):

1870:
1871:
1872:
1873:
1874:

Ton.  Mark
39,4  254,o

43.0
50.3
54.4
53.0

320,8
426.0
538,5
520.1

1875:
1876:
1877:
1878:
1879:

Ton.  Mark
54,8  431,3

56,7
46,1
58,9
60,5

395,5
354,0
345,4
838,9

Wir  ersehen  hieraus  das  beständige,  kaum
in  einemJahr  aufgehaltene  Anwachsen  der
Produktionsmengen,  in  zehn  Jahren  um
nahe  an  154  Proz.,  dabei  aber  nach  einem
rapiden  Steigen  der  Werte  biö  1873  (auf
niehrals  daSDoppelte)  ein  konstanteöFallen
  während  der  letzten  sechs  Jahre,  so  daß
durch  diese  rückschreitende  Belvegung  das
Jahr  1879  dem  Jahr  1871  fast  gleichgestellt ­
  wird,  dessen  Produktion  es  um  nahe
ñ'l  11  Mill.  Ton.  überragt.
4)  Handel  mit  Mineralien  und
Salze  n.  Die  deutsche  S  t  e  i  n  k  oh  lc  hat
vlü  noch  vor  wenigen  Jahren  in  der  englicheu
  Kohle  einen  Konkurrenten  gehabt,
welcher  nicht  nur  in  den  deutschen  Seestädten ­

  allein  den  Marks  beherrschte,  sondern ­
  auch  noch  weit  ins  Binnenland
hinein  der  Kohle  aus  deutschen  Gruben
eine  gewaltige  Konkurrenz  bereitete.  Die
Vorzüge  der  englischen  Kohle  lagen  aber
nicht  in  der  bessern  Qualität  derselben,
sondern  in  ihrer  größer»  Wohlfeilheit,
die  sich  aus  der  für  den  englischen  Exporthandel ­
  von  Steinkohlen  so  günstigen  Lage
der  großen  Kohlcnfelder  dicht  am  Meeroder
  doch  an  Kanälen  oder  in  der  Nähe
der  Meeresküste  ergibt.  Die  Kohlenbecken ­
  Deutschlands  liegen  dagegen  alle
weit  von  der  See  und  meist  auch  von
schiffbaren  Wasserläufeu  entfernt;  für
Kohle  und  Eisen  sind  aber  billige  Wasserwege ­
  eine  Lebensfrage.  Sämtliche  Kohlenvereine ­
  sind  indes  mit  Bahnen  ausgestattet ­
  und  die  größern  Schachtanlagen  durch
Anschlußgeleise  mit  den  Hauptbahnen
verbunden  worden.  Am  reichsten  ist  damit
das  Ruhrbccken  durch  die  drei  großen  Konkurrenzbahnen, ­
  die  Köln-Mindener,  Bergisch
  -  Märkische  und  Rheinische  Bahn,
versehen.  In  wie  ausgiebiger  Weise  die
Eisenbahnen  zur  Kohlenbeförderung  benutzt ­
  werden,  zeigt  folgende  Aufstellung.  Es
wurden  befördert  (in  Tausenden  Tonnen)  :

Bahnen

Belgisch-Märkische
Köln-Mindener.  .
Oberschlcsische  .  .
Saarbrückener  .  .
Rheinische.  .  .  .
Sachs.  Staatsbahn.
Mcderschles.  -  Märkische ­

Rechte  Odecnfer.  .
Breslau  -  Schweidnitz-Freiburger ­
  .

1850  I860  1870  1876

20,8

1081,5
1638,1
434,3
1483,0
114.7
906.8
162,5

4695.0
3464.7
0265.0
1969,4
1711.0
2134.8
1135.8

853,6  611,1  813,9

7874.0
5477.1
3635,3
3609.2
3557.0
2246.0
2065.3
1057.1

Diese  Schienenwege  führen  aber  den  deutschen ­
  Häfen  sehr  wenig  zu:  die  Einfuhr  von
Kohle  zur  See  und  über  die  Zollausschlüsse
betrug  1879:1,493,716  Ton.,  die  Ausfuhr
zur  See  aber  nur  ca.  435,213  T.,  meist
nach  skaildinavischeu  Ländern.  In  neuester
Zeit  haben  sich  namentlich  dllrch  die  Bemühungen ­
  des  Westfälischen  Kohlenausfuhrvercinö
  die  Verwaltungen  der  kaiserlichen ­
  Marine,  des  Norddeutschen  Lloyd,
der  deutschen  Dampfschiffreederei  zu  Ham-
        <pb n="148" />
        140

Deutschland  (Handel  mit  Mineralien  nnd  Salzen).

burg,  der  Hamburg-Amerikanischen  Paketfahrtaktieugesellschaft
  verpflichtet,  deutsche ­
  Kohle  (westfalische)  zu  gebrauchen,  die
in  jeder  Beziehung  der  besten  englischen
gleichsteht.  Die  endliche  Verdrängung  der
englischen  Kohle  vom  deutschen  Markt
und  die  Erportfähigkeit  der  deutschen
Kohle  sind  bedingt  durch  die  Beschaffung
billiger  Wasserwege.  Bisher  ist  die  Zunahme ­
  der  Einfuhr  fast  ebenso  stark  gewesen ­
  wie  die  Ausfuhr.  Von  1862—77
stieg  die  erste  unt  226,9  Proz.,  die  zweite
um  237,5  Proz.  Der  Handel  mit  Steinkohle ­
  betrug  (in  Millionen  Tonnen)  :

Einfuhr
1862:  2,a
1872:  0,9
1875:  1,8
1878:  1,9
1880  :  2,o

Ausfuhr
1862  :  2,1
1872:  5,8
1875:  4,5
1878:  5,8
1880:  7,8

Die  Ausfuhr  1880  erfolgte  mit  2,4  Mill.
Ton.  nach  den  Niederlanden,  1,9  Mill,
nach  Österreich,  1,2  Mill,  nach  Frankreich,
dann  nach  der  Schweiz,  Belgien,  Rußland,
Bremen,  Hamburg.  Von  Koks  wurden
1880:  228,206  T.  (meist  aus  Belgien)
ein-  und  348,804  T.  (meist  nach  Frankreich) ­
  ansgeführt.
Bei  B  r  a  u  n  k  o  h  l  e  n  ist  der  Export  nicht
von  Belang,  die  geringwerticze  deutsche
Kohle  kann  die  hohen  Spesen  eines  weiten
Transports  nicht  vertragen;  dagegen  ist  die
Einfuhr  um  so  beträchtlicher,  und  zwar
kommt  fast  der  ganze  Betrag  aus  Böhmen  ;
von  den  1880  eingeführten  3,081,269  Ton.
entfielen  3,060,546  T.  auf  das  böhmische
Produkt.  Der  Handel  mit  Braunkohle
betrug  (in  Tausenden  Tonnen):

Einfuhr
1866  :  344,5
1870:  760,7
1874:  2011,5
1878:  2596,7
1880  :  3081,3

Ausfuhr
1866:  13,9
1870:  1,8
1874:  15,1
1878:  6,3
1880:  19,2

D.  führte  au  Kohlen  1880  ein:  5  Mill.,
aus:  7,2  Mill.  Ton.  ;  es  ist  hier  also  ein
Überschuß  von  2,2  Mill.  T.,  der  sicherlich
ein  bedeutend  höherer  wäre,  könnten  Wasserwege ­
  ausgiebiger  benutzt  werden.  Dabei ­
  ist  der  Handel  durch  das  Sinken  der
Kohlenpreise  seit  1874  empfindlich  gelähmt ­
  worden.

Wie  die  Ausfuhr  von  Steinkohle,  so  ist
auch  die  von  Eisenerzen  in  den  letzten
Jahren  bedeutend  gestiegen  (1873—80
von  104,500  auf  1,263,036  Ton.),  was
gerade  nicht  sehr  günstig  für  die  deutsche
Hüttenindustrie  spricht,  die  sicher  vorgezogen ­
  haben  würde,  diese  Bodenschätze  dem
Ausland  als  Fabrikat  znzuführen  oder
den  einheimischen  Bedarf  damit  zu  decken.
Diese  Ausfuhr  richtete  sich  fast  ausschließlich ­
  nach  Belgien  und  Frankreich,  stammt
vermutlich  zum  größten  Teil  aus  Luxemburg. ­
  Von  den  eingeführten  Erzen  (1880:
607,006  T.)  kamen  235,626  T.  aus  Spanien ­
  ,  199,457  T.  aus  den  Niederlanden,
jedenfalls  ausländische,  in  holländischen
Häfen  ausgeschiffte  Bessemererze.  Diese
plwsphorsrcien,  für  die  Herstellung  von
Bessemer-Roheisen  geeigneten  Erze  kommen ­
  nämlich  in  D.  in  verhältnismäßig
geringer  Menge  vor,  und  die  deutschen
Stahlwerke  sind  daher  gezwungen,  bis  40
und  50  Proz.  ihres  Bedarfs  mit  hohen
Transportkosten  aus  Elba,  Algerien,  Spanien, ­
  Schweden  und  Galizien  herbeizuholen. ­
  Der  auswärtige  Handel  mit  Eisenerzen ­
  betrug  (in  Tausenden  Tonnen):

Einfuhr

Ausfuhr

1862  :  35,5
1867:  157,8
1872:  382,5
1875  :  220,9
1878:  821,3
1880:  607,0

1862:  102,7
1867:  207,9
1872:  111,7
1875:  606,9
1878:  1141,0
1880:  1263,0

Während  hier  die  Ausfuhr  bedeutend
überwiegt,  ist  D.  dagegen  genötigt,  andre
Erze,  aü  denen  es  ärmer  ist,  zu  importicreu.
  Der  größte  Teil  der  Blei-,  Kupferund
  Zinkerze  kommt  über  die  Niederlande
und  Belgien,  von  überseeischen  Plätzen,
ans  Spanien,  Österreich.  1879  war  (in
Xouncn):  Einfuhr  Ausfuhr

Blei-  und  Kupfererze.  .  16442  2697
Zinkerze  15792  6300
Nickelerzc  687  16
Schließen  wir  hieran  das  Kapitel  der
E  r  d  e  n  und  Sk  c  i  u  e,  mit  denen  D.  einen
sehr  regen  Handel  treibt,  der  bei  Kalk,  roher
Kreide',  Porzellanerde,  Graphit  und  Schiefer ­
  bedeutende  Mehrimporte,  starke  Mehrexporte
  in  erster  Linie  bei  Cement,  auch  bei
Gips  und  rohen  Steinen  aufweist.
        <pb n="149" />
        Deutschland  (Verarbeitung  der  Rohstoffe).  141

Rekapitulation  (in  Millionen  Mark)  :
Einfuhr  Ausfuhr
Vrennstoffe  56,9  84,2
Erden,  Erze  und  Steine  .  78,7  94,  i
Zusammen  1879:  130,ö  178,3
i)slfltstcu  1878:  130,9  181,4
Nicht  minder  lebhaft  ist  der  Handel  mit
Salz.  Die  Produktion  Deutschlands  in
Bergwerken  und  Salinen  (1870  über  1,5
-Nili.  Ton.)  geht  weit  über  den  einheimischen ­
  Konsum  hinaus,  trotz  der  vermehrten ­
  Verweildung  der  Salze  zu  verschiedenen ­
  Zwecken.  '  Zwar  führt  D.  namentlich ­
  über  die  Ostseehäfen  große  Mengen
von  Salz,  vornehmlich  aus  England,  ein  ;
dafür  hat  die  Ausfuhr  zruveilen  nahezu
das  Vierfache  erreicht:  in  erster  Stelle  nach
Rußland,  über  Hamburg,  nach  Österreich.
Es  wurden  1880:  37,531  Ton.  ein-  und
147,063  T.  ausgeführt.  Im  Etatsjahr
1879—80  wurden  547,588  T.  im  Zollgebiet, ­
  107,638  T.  außerhalb  desselben  abstützt. ­
  Der  Absatz  im  Inland  nahm  seit
1872  um  9,9,  nach  dem  Ausland  um  64
Proz.  zu.  Der  Salzverbraitch  nt  Speise-1879—80
  betntß  339,362$.,  b.i).
06  kg  pro  Kopf  der  Bevölkerung.  Der
Berbrauch  ist  am  stärksten  in  Süd-,  am
schwächsten  in  Nordostdcutschlaitd;  die  Differenz ­
  beträgt  0,9  kg.  Zu  steuerfreien
Zwecken  wurden  247,780  T.  verbraucht.
III.  zierarlieitung  der  Ztohstoffe.
Mit  Ausnahme  voir  Kohle  und  Eisen
ist  D.  nicht  reich  an  Rohstofseit,  wenigstens ­
  nicht  so,  um  den  Anforderungen
seiner  GewerbthLtigkeit  zu  genügen.  Wir
habeir  unter  dem  Kapitel  der  Landwirtschaft ­
  und  Viehzucht  gesehen,  daß  nur
einige  Zweige  einen  Überschuß  für  den
Export"  geben.  In  seiner  industriellen
Thätigkeit  ist  D.  daher  in  hohem  Maß  auf
die  Zufuhr  aus  dem  Ausland  angewiesen.
A.  Metallindustrie.
1)  Eisen.  Trotz  mancherlei  Nachteile,
unter  welchen  gerade  diese  Industrie  im-Uler
  noch  zu  leiden  hat,  ist  dieselbe  doch  in
stanz  außerordentlicher  Weise  gewachsen.
In  Preußen  nahm  die  Produktion  von
Roheisen  1826—73  von  43,500  Ton.  bis
stuf  1,574,000  T.  zu.  In  ganz  D.  war  sie
'ui  letzter»  Jahr  ans  1,983,163  T.  gestiegen.
In  demselben  Maß  nahm  auch  die

Produktion  zu;  die  prozentuale  Steigeruilg
  betrug
nach  dem  Gewicht  »ach  dem  Wert
1848-68  :  584,4  Praz.  340,o  Praz.
1868-75:  165,1  -  168,2  -
Freilich  hatte  sie  damit  ihren  Kulminationspunkt ­
  erreicht,  von  dem  sie  schnell
wieder  herunterging.  Von  den  bis  1873
geschaffenen  456  Hohöfen  waren  in  demselben
  Jahr  noch  360  im  Betrieb;  1874
sank  diese  Zahl  auf  324,  1875  auf  297,
1876  auf  270;  1879  bestanden  noch  276
Hohösell,  davon  198  im  Betrieb.
Produziert  wurden  an  Roheisen  überhaupt ­
  mit  Einschluß  der  Gußwaren  erster
Schmelzung,  Bruch-  und  Waschcisen  in
dem  Decennium  1870  —  79  ohne  Luxemburg ­
  folgende  Mengen  (in  Millionen):

Ton.  Mark
1870:  1,3  99,2
1871:  1,4  118,9
1872:  1,8  211,7
1873:  2,0  224,8
1874:  1,7  144,9

Ton.  Mark
1875:  1,7  l32,o
1876:  l,o  104,o
1877:  1,7  103,3
1878:  1,9  105,3
1879:  1,9  103,7

Diese  Zahlenreihen  zeigen  einerseits  den
enormen  Äufschwung  der  Produktion,  anderseits ­
  aber  auch  den  kolossalen  Rückgang
der  Werte.  Bei  einer  Produktion,  welche
der  des  Jahrs  1873  nur  um  19,000  Ton.
nachsteht,  zeigt  das  Jahr  1879  einen  um
121,i  Mill.  Mk.  geringern  Geldertrag.
Der  deutsche  Hohofeubctrieb  hat  England ­
  gegenüber  unter  manchen  Nachteilen
zu  leiden.  Die  Produktionsbezirke  für  die
verschiedenen  zurHerstellung  von  Roheisen
nötigen  Materialien  liegen  oft  weit  auseinander. ­
  Da  dem  Gewicht  nach  der  Verbrauch ­
  der  Brcnustoffe  ein  ganz  bedeutender ­
  ist,  so  zieht  mau  es  jetzt  vor,  bei
neuern  Anlagen  die  Erze  und  andre
Materialien  nach  den  Kohlenrevieren  zu
transportieren.  Zur  Herstellung  einer
Tonne  Roheisen  braucht  man  nach  Pechar
in  deutschen  Hohöfen  2,5—2,8  Ton.  Eiscnerz,
  2,8—3,2  T.  Kohlen,  beziehentlich  Koks,
1—1,5  T.  kalkhaltige  Zuschläge,  also  zusammen ­
  6,3—7,5  T.  Rohmaterialien.
Wie  nachteilig  D.  gegenüber  England
dasteht,  zeigt  folgende  Aufstellung/  Es
waren  1876  die  durchschnittlichen
Frachtkosten  für  Erze,  Kohlen  und  Zu-
        <pb n="150" />
        142

Deutschland  (Metallindustrie:  Eisen).

schlage  pro  metrische  Tonne  bis  zur  Hütte
(in  Mark):

Gebiete

Gicßcrei-


eisen

Puddel-



Wcißstrahligcs

Eisen

Vcssemer-


eisen

England  .  .  .
Rheinland-Westfalen ­
  .  .  .  .
Oberschleşien.  .

10,5

18,4
15,6

10,60

19,42
15,10

14,7
18,4

14,7
26,2
21,1

Die  auffallend  große  Differenz  für
Bessemereisen,  6,40—11,50  Mk.,  erklärt
sich  aus  den  hohen  Transportkosten  der
aus  dem  Ausland  bezogenen  Erze.  Mit
Einschluß  aller  Kosten:  Arbeitslöhne,
Verzinsung  re.,  waren  die  Kosten  pro  metrische ­
  Tonne  von  Puddeleisen:  in  England ­
  39—44,  in  D.  50—61  Mk.;  für
Gußeisen:  in  England  45—52,  in  D.
63—70  Mk.  ;  für  Bessemer  -  Roheisen  :
in  England  60-62,  in  D.  71—78  Mk.
Freilich  übertrifft  auch  rheinisch-westfälisches ­
  und  schlesisches  Eisen  manche  englische
Marken  an  Qualität,  immerhin  liegen
aber  in  D.  die  Produktionsverhältnisse
ungünstiger  als  in  England.  Dabei  hat
sich  indes  die  Leistungsfähigkeit  auch  deS
einzelnen  Arbeiters  gehoben.  1848  prodllzierte
  ein  Arbeiter  durchschnittlich  149,
1857:  155,  1875:  812  imb  1879:  2928
Ctr.  Roheisen.  Im  letzten  Jahr  waren
14,925  Arbeiter  bei  der  Erzeugung  von
Roheisen  beschäftigt;  von  224  Hohöfen
waren  154  im  Betrieb.  Auch  die  Ausfuhr ­
  von  Roheisen  ist  in  erheblichem
Maß  gestiegen,  während  die  Einfuhr  allerdings ­
  ebenfalls,  aber  doch  nicht  in  demselben ­
  Verhältnis  imb  mit  starkenSchwankungenzunahm.l862wurdenl52,815Ton.

ein-  und  nur  13,127  T.  ausgeführt;  1870
war  die  Einfuhr  auf  229,334  T.,  die  Ausfuhr ­
  ans  109,825  T.  gestiegen.  Vier  Jahre
später  hatten  sich  beide  Beträge  verdoppelt.
In  den  letzten  Jahren  betrug  (in  Tonnen):
Einfuhr  Ausfuhr

1879:  566588  395751
1880:  252226  207776
Die  Einfuhr  kommt  vorzugsweise  aus
England  (1880:121,642  T.),  die  Ausfuhr
hingegen  richtete  sich  nachBelgicn,dann  nach
Frankreich.  1879  wertete  Roheisen  in  Einfuhr ­
  23,i  Mill.,  Ausfuhr  25,6  Mill.  Mk.

Was  Stah  l  betrifft,  so  hatte  D.  bis  1856
nur  2  Stahlwerke:  zu  Essen  (Krupp)
und  B  o  ch  u  m.  Seit  durch  Bessemer,  Siemens ­
  und  Martin  wichtige  Verbesserungen ­
  eingeführt  wurden  und  der  Bessemerstahl ­
  das  Eisen  bei  den  Eisenbahnen  zu
verdrängen  anfing,  entstanden  1865  neue
Bessemer-Anlagen  in  Hörde,  Oberhausen,
Ruhrort,  Dortmund,  Osnabrück,  bei
Aachen,  in  Königshütte  (Oberschlesien),
in  Bayern  und  Sachsen.  Auch  der  Zusatz ­
  fremder  Erze,  unbeschadet  der  Qualität ­
  des  Fabrikats,  wurde  verringert.
Die  Produktion  von  Stahl  belief  sich  1848
erst  auf  9024  Ton.  im  Wert  von  2,5  Mill.
Mk.,  1875  war  sie  auf  390,434  T.  im
Wert  von  74,4  Mill.  Mk.  gestiegen.  In
demselben  Zeitraum  wuchs  die  Zahl  der
Arbeiter  von  1332  auf  19,509  mit  einer
Leistungsfähigkeit  von  1,563,000  Ton.
1879  betrug  von  Roh-  und  Cementstahl,
  Guß-  und  raffiniertem  Stahl  die
Einfuhr  ...  3896  Tonnen
Ausfuhr.  ..  18380
Die  Einfuhr  wurde  alls  2,850,000  Mk.
geschätzt.  Davon  kamen  984  Ton.  aus
Österreich,  962  über  Hamburg  unb  Bremen, ­
  1018  aus  den  Niederlanden  und
Belgien  rc.  Die  Ailsfithr  geht  zu  3 /s  nach
Belgien  und  den  Niederlanden.
An  Schweiß  -  und  Flußei  sen  (Rohluppen ­
  und  Rohschienen,  Cementstahl,
fertigen  Eisenfabrikaten,  Rohstahlluppcn
und  Rohschienen,  Tiegelgnßstahl  und
fertigen  Flußeisenfabrikatcn)  zum  Verkauf ­
  wurden  erzeugt  (in  Millionen):

Ton.  Mark
1870:  l,o  240,7
1871:  1,3  317,8
1872:  1,6  445,5
1873:  1,6  438,8
1874:  1,7  371,9

Ton.  Mark
1875:  1,6  283,5
1876:  1,5  236,3
1877:  1,5  269,2
1878:  1,7  282,6
1879:  1,7  282,3

Von  den  1879  in  D.  bestehenden  351
Schweißeisenwerken  entfallen  100  auf
Westfalen,  62  auf  Rheinland,  48  aus
Schlesien,  26  auf  Bayern;  sie  beschäftigten ­
  insgesamt  49,159  Arbeiter.  Bon  den
57  Flußeisenwerken  mit  15,172  Arbeitern
waren  24  in  Westfalen.
Eisengießereien  gibt  es  in  allen
Teilen  des  Reichs,  am  zahlreichsten  sind
sie  (è)  in  Rheinland  (137),  Schlesien
        <pb n="151" />
        Deutschland  (Metallindustrie:  Eisen).

143

(71),  Westfalen  (108),  Königreich  Sachten ­
  (109),  Bayern  (61),  Provinz  Sachsen
[57),  Hannover,  Hessen-Nassau,  Brandenburg ­
  und  Württemberg;  im  ganzen
1879:  1006  Eisengießereien  mit  32,487
Arbeitern,  welche  446,814  Ton.  Gußeisen ­
  zweiter  Schmelzung  im  Wert  von
80,984,034  Mk.  herstellten.  Eisengießereien ­
  waren  vorhanden:

1848
1857
1872

Werke  Arbeiter
109  5112
195  10537
772  39934

Werke  Arbeiter
1875:  874  42134
1878  :  953  31641
1879:  1006  32487

amenka,  28,116  nach  Belgien,  20,324
nach  Rußland,  17,950  T.  nach  Spanien.
Für'Draht  eignen  sich  gewisse  Sorten
deutschen  Eisens  vorzüglich,  daher  erfreut
sich  die  deutsche  Drahtfabrikation  eines
besonders  hohen  Rufs,  und  neue  Drahtwalzenstraßen ­
  sind  in  neuester  Zeit  in
großer  Menge  errichtet  worden.  Die  Produktion ­
  stieg  in  folgender  Weise:
1848  :  5396  Tonnen  2,57  Mill.  Mark
1868:  45385  -  10,35  -
1873:  74705  -  26,89  -
1879:  192937  -  26,80  .

Aer  kaum  die  Hälfte  aller  vorhandenen
Öfen  war  1879  wirklich  im  Betrieb:  voir
deli  59  Bessemerbirnen  nur  40,  von  353
Tiegelöfen  nur  166,  von  89  Kupolöfen
nur  53  rc.  1875  waren  311,013  Ton.
ausländisches  Roheisen  von  einem  Gesamtverbrauch ­
  von  547,580  T.  aufgewendet ­
  worden.  Damals  bezogen  also  die  Gießereien ­
  ca.  57  Proz.  ausländisches  Rohrsen ­
  (englisches  und  schottisches),  da  das
deutsche  Eisen  ilicht  so  billig  war.  Seit
1877  hat  sich  dies  geändert,  die  Menge  des
verwendeten  ausländischen  Roheisens  beträgt ­
  jetzt  nur  ca.  17  Proz.
Für  Schmiede-  und  Walz  ei  seil
waren  1879  in  Betrieb:  187  Frischfeuer
und  2273  Puddelöfen,  855  Schweiß-,  398
Wärm-  und  Glühöfen  rc.,  in  welchen
Schienen,  Bleche,  Draht,  Profileisen  zu
Bauztvcckcn,  Brücken,  Schmiedestücke,
Röhren  auü  Eisen  n.a.  hergestellt  wurden.
Hinsichtlich  des  wichtigen  Artikels  Schienen ­
  tritt  das  Eisen  immer  mehr  gegen
den  Bessemerstahl  zurück;  1871  wurden
449,025  Ton.  Schienen  produziert,  davon
128,406  T.  Stahlschienen.  1879  war  die
Gesamtproduktion  389,848  T.,  davon
355,828  T.  Stahlschiencn.  In  diesem
Artikel  ist  der  Handel  in  kurzer  Zeit  enorm
gestiegen.  1862  N'urden  1090  L.  ein-  und
3735  T.  ausgeführt,  zehn  Jahre  später
waren  diese  Zahlen  auf  11,706,  resp.
'0,699  gestiegen;  in  den  letzten  Jahren
betrug  (in  Tonnen):
Einfuhr  Ausfuhr
1879:  13242  164404
1880:  1279  231053
Aon  dem  Export  gingen  1880:  49,112
nach  Holland,  41,629  nach  Nord-Bei

  einer  gegen  1873  um  weit  über  das
Doppelte  gestiegenen  Produktion  war  also
1879  der  Wert  ein  geringerer.  Draht  bildet ­
  einen  sehr  bedeutenden  Ausfuhrartikel, ­
  1880  stand  einer  Ausfuhr  von  104,775
Ton.  nur  eine  Einfuhr  von  3027  T.  gegenüber. ­
  Die  größten  Posten  der  Ausfuhr
gingen  nach  Rußland,  den  Vereinigten
Staaten,  Belgien  und  Holland.
Eisenblech  zeigt  gleichfalls  eine
ansehnliche  Steigerung  der  Produktion;
1848wuTkn89292on.,  1868:91,4852:.
produziert,  und  der  Wert  war  von  3,9
Mill,  auf  22,4  Mill.  Mk.  gestiegen.  1879
wertete  die  Produktion  von  Platten  und
Kesselblechcn  14,i  Mill.,  von  Schwarzblech
8,3  Mill.,  von  Feinblech  8,6  Mill.,  von
Weißblech  3,7?  Mill.,  also  insgesamt
34,77  Mill.  Mk.  Außer  den  schon  genannten ­
  Artikeln  haben  wir  noch  der  Maschinenteile, ­
  gezogenen  Röhren,  eisernen  Brücken,
Anker  und  Ketten,  Amboße,  Drahtseile,
der  Geschütze  und  Geschosse  zu  gedenken.
Der  Handel  mit  den  wichtigsten  groben
Eisen-  und  Stahlsabrikatcn  1879  betrug
(in  Tausenden  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Eisenbahnschienen  ....  i,ģ  23,o
Rvhbearbeitetes  Eisen  und
Stuhl  .  13,2  64,6
Zusammen:  i5,o  87,6
MitHinzurechnung  einiger  andrer  Gegenstände ­
  wertete  1879  die  Einfuhr  15,7Mill.
Mk.,  die  Ausfuhr  90,5  Mill.  Alk.
.  Die  gesamte  Verarbeitung  des  Roheisens, ­
  d.  h.  die  Fabrikation  der  Eisengießereien, ­
  der  Walzwerke  für  Stabeisen,  Schienen, ­
  Bleche,  Draht  rc.,  hatte  1848:205,133
Ton.  im  Wert  von  ca.  60,s  Mill.  Mk  be-
        <pb n="152" />
        144

Deutschland  (Metallindustrie:  Zink,  Blei,  Kupfer).

trageil;  in  30  Jahren  war  die  Produktion
auf  das  Neun-,  der  Wert  auf  das  Sechsfache ­
  gestiegen.
Die  zehnjährige  Übersicht  der  Eisenproduktion ­
  ergibt  (in  Millionen):

1870
1871
1872
1878
1874

Ton.  Mark
1,3  297,5
1,7  400,9
2.1  588,9
2.2  589,6
2.3  498,0

1875:
1876:
1877:
1878:
1879:

Ton.  Mark
2,i  400,3
2,o  333,6
2.0  357,9
2.1  362,2
2.2  366,9

Die  Kleineiscnindustrie  ist  ebenfalls, ­
  wenn  auch  in  weit  geringerm  Grad,
wichtig;  sie  ist  hauptsächlich  in  der  Rheinprovinz
  (Remscheid,  Hagen,  Witten,
Lüdenscheid,  Iserlohn,  Altena  n.  a.)  zu
Hause  und  schon  von  alters  her  hoch  entwickelt. ­
  Hier  werden  sowohl  gegossene  als
geschmiedete  Artikel  fabriziert,  namentlich
aber  die  lehtern.  Blechwaren  liefern  in
hervorragendem  Grad:  Eßlingen,  Geislingen ­
  ,  Ludwigsburg  und  Göppingen  in
Württemberg;  Nähnadeln:  Aachen  und
Burtscheid,  Düren,  Iserlohn,  Schwabach,
Berlin;  Eisen-und  Stahlwaren  (außer
den  schon  genannten):  Schmalkalden,
Heilbronn,  Stuttgart,  Nürnberg,  Erlangen, ­
  Regensburg  it.  st.  In  allen  diesen ­
  Artikeln  ist  mit  alleiniger  Ausnahme
von  Schreibfcdern  die  Ausfuhr  weit  stärker ­
  als  die  Einfuhr.  Der  Handel  mit
Eisen-  und  Stahlwaren  1880  betrug  (in
Tonnen).  Einfuhr  Ausfuhr
Grobe  Eiseuwaren  8164  44402
Feine  Eisen  -  und  Stahlwaren  614  6056
Drahtstifte  61  16450
Dazu  kommt  eine  starke  Ausfuhr  von
Nähnadeln  (1879:  272  Ton.)  und  Gewehren; ­
  Stahlfedern  werden  aber  mehr
importiert  (1879:  88  T.).
Die  Einfuhr  kommt  in  vorwiegendem
Mast  aus  Frankreich,  England,  Österreich,
während  oie  Ausfuhr  sich  ebenfalls  in
erster  Linie  nach  Rußland,Holland,  Österreich, ­
  Frankreich,  Belgien  richtet.  Der
Wert  des  Handels  mit  Eisen-  und  Stahlwaren ­
  betrug  mit  Einschluß  von  Maschinen ­
  und  Maschinenteilen  1860  in  der  Einfuhr ­
  28,9,  in  der  Ausfuhr  43,4  Mill.  Mk.,
1879  aber  ohne  jene  14,6  Mill.,  resp.  47,4
Mill.  Mk.  bei  einem  Gewicht  von  30,300,
resp.  125,000  Ton.

2)  Zink  nimmt  unter  den  Hüttenprodllktcn
  den  zweiten  Rang  eilt.  Deutschlands
eigne  Produktion  an  Erzen  ist  zu  klein,  es
ist  daher  genötigt,  einzuführen,  um  dieselben ­
  inseinenHüttenwerken  zu  verarbeiten.
Die  Produktion  hat  sich  stetig  gehoben,
von  55,400  Ton.  in  1860  auf  96,800  T.in
1879.  Die  Gesamtzahl  aller  Zinkhütten
1879  war  33  (27  im  Regierungsbezirk
Oppeln)  mit  6613  Arbeitern,  die  96,757
Ctr.  Blockzink  im  Wert  von  29,824,894
Mk.  lieferten.  1880  betrug  die
Einfuhr.  .  .  4105  Tonnen
Ausfuhr...  53224  .
3)  Blei  wurde  1879  in  24  Werkelt  mit
einer  Belegschaft  von  2307  Arbeitern  gewonnen ­
  und  zwar  in  den  Regierungsbezirken ­
  Oppeln,  Aachen,  HildcSheim,  Wiesbaden, ­
  in  Braunschweig,  im  Königreich
Sachsen  u.  a.,  aber  nicht  allein  aus
den  eignen,  sondern  attch  ausländischen
(namentlich  spanischen)  Erzen.  1879
wurden  gewonnen:
Ton.  Wert  in  Mark
Blockblci  .  .  .  82361  22876863
Kaufglatte  .  .  2345  612409
Rohes  Blei  in  Blöcken,  Mulden  und  Bruchblei ­
  bildet  einen  wichtigen  Handelsartikel;
1880  war  die
Einfuhr  .  .  .  2615  Tonnen
Ausfuhr.  .  .  45419
Die  Ausfuhr  geht  größtenteils  nach  Frankreich ­
  ,  Belgien,  Holland,  England.
4)  Kupfer  liefern  namentlich  die  Hütten ­
  in  den  Regierungsbezirken  Merseburg
und  Arnöberg,  keineswegs  aber  in  hinreichender
  Menge.  Denitoch  stieg  die  Hüttenproduktion ­
  gleichmäßig  voit  1869—78
von  4552  Ton.  auf  10,419  T.  und  zugleich ­
  der  Geldwert  von  6,961,173  Mk.  ans
12,177,243  Mk.  1879  war  die  Produktion  :
Ton.  Wert  in  Mark
Block-u.  Roscttenkupfcr.  9859  11964326
Schwarzkupfer  ....  5  1941
Kupfersteiu  555  210976
Aber  der  Import  (aus  England,  Holland,
Hamburg)  übersteigt  den  Export  um  beinahe ­
  100  Proz.  Für  1880  betrug  die
Einfuhr  .  .  12304  Tonnen
Ausfuhr  .  .  6478
5)  Silber  und  Gold.  Die  Verhüttung ­
  von  Gold-  und  Silbererzen  steht
        <pb n="153" />
        Bentf#Hb  (GilGcr,  @oib,  ,c.).

141

"lehr  als  irgend  eine  der  vorgenannten
unabhängig  da  von  der  geographischen
Verbreitung  des  Metalls,  indem  sehr  bedeutende ­
  Quantitäten  gold-  und  silbergrößten
  Teil  werden  diese  Metalle  als  Nem,W#fcr
  sterno»;
fÄßÄÄÄ
^^(1(11»  »»b  2  Bcrfc»  im
AŞn  Gold  nur  als  Nebenprodukt.
iß  bei  mdkm  bic
1^70  15011  ^?~' !)  Mill.  Ml.  gewonnen.
Ş  wertete  der  Ertrag  auf  20,518,123
£"•/  wovon  auf  den  Regierungsbezirk
WMN
^u  der  zehnjährigen  Periode  von  1870-79
war  der  Gewinn  (in  Millionen  Mark):

Gow,  roh,  m  Barren  u.  Bruch  46
Silber,  roh,  in  Barren  u.  Bruch  191  226
®olb,  gemünzt  08  —
Silber,  gemünzt  27  42
ÏŖit  Hillzurechnung  der  ein:  und  ausgeführten ­
  Scheidemünzen  (es  wurden  1879
davon  18  Ton.  importiert  und  0,i  T  crportlert)
  betrug  (in  Millionen  Mark):

Einfuhr
1872:  206,4

1873:
1874:
1875:
1876:
1877:
1878:
1879:

501,3
68,4
45,7
111,2
102,9
209.0
119.0

Ausfuhr

1872
1873
1874
1875
1876
1877
1878
1879

174,0
187,2
106,8
66,8
57,9
60,2
29,4
47,0

1870:  16,c
1871:  18,2
1872:  22,o
1873:  30,8
1874:  26,8

1875:  26,3
1876:  21,9
1877:  23,8
1878:  25,4
1879:  26,5

Ņon  diesen  Summen  wurden  durch  Verhüttung ­
  ausländischer  Silbererze  (vornehmlich ­
  von  der  Westküste  Amerikas  importierter) ­
  gewonnen  1872:  4,6  Mill.  Mk.,
Goldgewinnung  ist  nicht  sehr  ansehnlicb,
doch  ist  ste  in  den  letzten  Jahren  nament--Uch
  durch  Vervollkommnung  der  Methoden ­
  gestiegen;  1869  wurden  158  Pfd.  im
Wert  von  218,445  Mk.  gewonnen,  1879
aber  466,7  kg  im  Wert  von  1,302,398
Mk.  Der  dritte  Teil  dieses  Werts  wurde
aus  ausländischen  Erzen  gezogen.  Aus
Mer»  wurden  hergestellt  1874:105,5  kg,
W5:  55,1kg,1876:  94,s  kg.
Oiste  der  geringen  eignen  Produktion
Isets  bedeutende  Mengen  dieses  Metalls
^»führen  müssen,  nàmcntlich  war  dies
nach  Einführung  der  Münzreform  (Ge-M
  vom  4.  Dez.  1871  und  vom  9.  Juli
ļ  ,p)  der  Fall.  1879  war  der  Handel
’ut  Münzen  und  edlen  Metallen  folgen-Öcr
  (in  Tonnen):
Haudklsgeographie.

àukļşşÄLdL
(bO°0M»me),  aufwmnm  7,779,880  Wf.
àt,  gewonnen.  1871,  von  welchem
asäs
fenici-  Eadminm,  Zinn,  Antimon,  Kupfermangan,
  Selen  und  Schwefel.  Rekapituliert ­
  ergcbeil  sich  folgende  Werte
der  Hauptprodnkte  für  1879  (in  Millionen ­
  Mark):

Roheisen
Zink  .
Blei  .
Silber.
Schwefelsäure

103,7
29,8
24,o
26,5
7,8

Vitriol  .  .
Blaufarben
Gold.  .  .
Nickel.  .  .
Wismut.

1,9
1,0
1,3
0,o
0,0

Die  zehnjährige  Übersicht  der  gesaiilten
Hüttenproduktion  ergibt  (inMill'.Mark):

1870:  169,2
1871:  198,9
1872  :  304,2
1873:  335,9
1874:  252,7

1875:  249,3
1876:  219,9
1877:  218,0
1878:  215,0
1879:  211,i
10
        <pb n="154" />
        146  Deutschland  (wirtschaftliche  Bedeutung  der  Metallindustrie).

Der  Handel  mit  diesen  Waren  ist  ziemlich
bedeutend;  ausgenommen  Zinn,  wovon
1880:  5167  Ton.  (aus  England  und  Holland) ­
  ein  -  und  1104  T.  ausgeführt  wurden, ­
  ist  D.,  wie  schon  gezeigt,  imstande,
beträchtliche  Mengen  zu  versenden.  Die
Fabrikation  von  Kupferwaren  aller  Art:
Dräbten.  Blech  re.,  Waren  aus  Aluminium, ­
  Nickel,  Alfenide  rc.  wird  besonders
gepflegt  in  den  preußischen  Provinzen  Sachsen ­
  und  Westfalen,  im  Harz,  in  Berlin
iiiib  im  Königreich  Sachsen;  Bleiwaren
werden  besonders  in  Leer,  Münden  und
am  Harz  gefertigt;  die  Zinkindustrie  hat
ihre  Hauptsitze  in  Berlin  und  Schlesien,
wib  in  der  Zinnindustrie  zeichnen  sich  vornehmlich ­
  Nürnberg  und  Fürth,  Hannover,
Berlin,  Köln,  Ludwigsburg  und  Plauen
aus.  Der  Handel  mit  diesen  Metallwaren
zeigt  eine  erhebliche  Mehrausfuhr  bei
Blei-,  Zinn-  und  Zinkwaren,  bei  Buchdruckerschriften; ­
  für  die  wichtigern  Posten
war  1880  (in  Tonnen)  :
Kupferschmiede-  und  Gelb-  Einfuhr  Ausfuhr

gießerwaren  ....  837  3044
Kupferblech  212  1520
Kupferdraht  357  420
Waren  aus  Aluminium,
Alfenide  rc  176  1130

Bon  der  Einfuhr  kommt  der  größte  Teil
aus  Frankreich,  England,  Holland;  die
Ausfuhr  geht  in  erster  Linie  nach  Holland,
Österreich,  Rußland.
Einen  Einblick  in  die  w  i  r  t  s  ch  a  f  t  l  i  ch  e
Bedeutung  derMetallindnstrie  ergibt ­
  die  nachstehende  Zusammenstellung
des  Handels  mit  sämtlichen  Produkten,
woraus  die  zunehmende  Emancipation
vom  Ausland  sowie  das  stetig  wachsende
Bordringen  auf  dem  auswärtigen  Markt
zu  erkennen  sind  (in  Millionen  Mark):

Jahr

1872
1873
1874
1875
1876
1877
1878
1879

Nohmetalle
Eiu-  Ausfuhr ­
  fuhr

140.1
149.7
113.7
107,5
89,8
72,5
65,4
57,3

57,8
63.1
68.4
78.1
81.0
77.4
82.1
83.2

Halbfabrikate
Eiu-  Ausfuhr ­
  fuhr

25.3
52.8
19.0
16.4
10.8
29,8
21.0
15,7

46.7
42.8
44.8
47,7
51.0
75.9
86.0
97,5

Metallwarm

Einfuhr ­


33,5
52.8
38,0
30.9
25.4
30,9
25,2
18.4

Ausfuhr ­


53,3
44,6
49.8
47.8
51,i
58.5
60.5
58.5

Fassen  wir  das  Ergebnis  der  drei  Handelsartikel ­
  in  eine  Summe  zusammen,
so  finden  wir,  daß  D.  1879  an  Metallen
und  Metallwaren  für  91,4Mill.  Mk.  ein-,
dagegen  für  239,2  Mill.  Mk.  ausführte,
llm  ein  vollständiges  Bild  von  der  Metallindustrie ­
  und  dem  Handel  mit  den  Fabrikaten ­
  derselben  zu  geben,  müßte  man
noch  die  Verwendung  ins  Auge  fassen,
welche  die  Metalle  in  der  verschiedensten
Weise  in  Maschinen,  Fahrzeugen  rc.  finden. ­
  Nach  der  Gewerbezählung  von  1875
waren  beschäftigt  im  Deutschen  Reich:
Haupt-  Pcrbetriebe
  souen
mit  der  Weiterverarbeitung  von
Eisen  und  Stahl  ....  149785  354973
mit  der  Fabrikation  von  Maschiueu,
  Werkzeugen,  Transportmitteln, ­
  Waffe»,  Instrumenten ­
  rc  83635  307  705
In  den  verschiedenen  Gewerben  (wozu
die  Landwirtschaft  nicht  gerechnet  wurde)
arbeiteten,  mit  Ausschluß  von  Lokomotiven
und  Dampfmaschinen,  welche  bei  der  Armceverwaltung
  und  Kriegsmarine  Berwendnng
  finden,  1.  Jan.  1879:

Gegenstand

Dampf-  Dampfkessel ­
  Maschinen

Feststehende
Bewegliche  u.  Lokomobilen
Auf  Schiffen

49511
9085
1462  I

44447
1099

Die  Gesamtleistungssähigkeit  der  beweglichen ­
  Kessel  und  Lokomobilen  betrug
73,647  Pferdekräfte;  deutschen  Ursprungs
waren  5277,  fremden  Ursprungs  3713.
Verwendet  wurden  bei  der  Landwirtschaft
allein  3926.  Von  den  feststehenden  Dampfmaschinen ­
  hatten  32,154  eine  Leistungsfähigkeit ­
  bis  zu  20  Pferdekräften,  9198
von  über  20—100  und  2342  von  über
100  Pferdckräften.  Die  Dampfschiffe  hatten ­
  einen  Nettoraumgehalt  von  197,447
Ton.  und  zwar  die  Seedampfer  171,930,
die  Flußdampfcr  25,517  T.  Die  Leistungsfähigkeit ­
  der  Maschinen  betrug  179,280
Pferdekräfte.  Die  Gesamtkrast  aller
Dampfmaschinen  läßt  sich  auf  ca.  3  MiÜ-Pferdekräfte
  berechnen.  Von  der  Gesamtzahl ­
  der  feststehenden  Dampfkessel,  die
49,511  betrug,  fanden  Verwendung:
        <pb n="155" />
        Deutschland  (Handel  mit  Maschinen  re.;  Textilindustrie).

Industrie  der  Nahruugs-  und  Genußinittel  12276
Im  Bergban,  Hütten-  und  Snlinenwesen  11275
Textilindustrie  6981
Industrie  der  Maschinen,  Werkzeuge  rc.  .  2732
-  .  Holz  -  und  Schnitzstoffe  .  .  2319
-  in  Papier  und  Leder  ....  1948
-  der  Steine  und  Erden  .  .  .  .  1797
-  »  Metallverarbeitung  .  .  .  178I
JBoit  beit  40,511  feRMeiibcn  Dan#
scisela  waren  46,829  im  Deutschen  Reich
erballt  und  zwar  1860  und  früher  6835.
üon  1861-70:  16,717  Nessel,  1871  mib
ņ^'A^Ķessel.  Dr.  Engel  schätzt  den
Anschasfnngswert  von  32,411  Kesseln
cm;  117  Mill.  Mk.,  die  Ausgaben  für
^)fen-  und  Kesselarmaturen  auf  58Va
şià  Kesselhaus.  Schornstein  auf
Os  Mill.,  bie  gesamten  Anlagen  also  aus
Mill.  Mk.  Rechnet  man  134'/:
äll.  Mk.  für  Brennmaterial,  ferner  die
Ausgaben  für  Unterhaltung,  Amortisanvn.
  Lohne,  so  ergebe,:  sich  für  den  Dampfa
  lein  schätzte  man  die  Zahl  der  Dampf-Pferdckrafte
  in  D.  1875:  auf  199,191,
m  Frankreich  1874:  auf  67,836,  in  Eng-Ia"b
  1871:  auf  327,343,  so  baß  O.  citte»
Berglcich  mit  diesen  Ländern  nicht  zu
scheuen  braucht.
Wie  stark  sich  der  Handel  mit  Maschinen ­
  in  jüngster  Zeit  gehoben  hat,  ergibt
folgende  Tabelle  (in  Tonnen):
1872  1879
Einfuhr  Ausfuhr

Einfuhr
Lokomotiven
und  Tender  2848
Dampfkessel  .  899
Andre  Maschinen. ­
  .  .  .  72830

Ausfuhr
6144
1301
29800

650
669
33401

6003
1513
53845

Der  Wert  des  Handels  mit  Maschinen
und  Maschinenteilen  betrug  1865  in  der
Einfuhr  erst  7,4  Mill.,  in  der  Ausfuhr
Mill.  Mk.;  1879  waren  die  Werte  auf
2t,?  3m.,  r#  6i,5  am.  m.  gcRicgc».
Fur  verwandte  Gegenstände  ist  D.  noch
entschieden  vom  Ausland  abhängig.  Namentlich ­
  bezieht  es  seine  Flußschiffe  vorlegend ­
  aus  Rußland,  seine  eisernen  Seeoampfer
  von  Glasgow.  Indes  besitzt  D.
uuch  bedeutende  Werften,  lvie  die  der  Ge-'ellschaft
  Vulkan  in  Stettin,  und  die  vorzüglichen ­
  Wagenbauanstalten,  sowohl  für

147
MS
vornehmlich  Frankreich  imb  Rußland  Abnehmer
  waren.
...^uŗan  schließt  sich  die  Fabrikation  mustkallschcr
  und  wissenschaftlicher  Instrumente, ­
  von  Gewehren  und  Uhren,  welche
nn  Deutschen  Reich  in  außerordentlich
Weit  Orte»  in  misc  gc=Vficgt
  wird  und  sich  einen  wohlverdienten
Rainen  auf  dem  Weltmarkt  erworben
hat.  Der  Handel  mit  diesen  Industrieerzeugnissen
  lvar  1880  (in  Tonnen):
Einfuhr  Ausfuhr
Fortepianos  113  3626
Andre  musikalische  Instrumente.  222  2732
Taschenuhren  29  6
Astronomische,  chirurgische,  phystkalische
  Instrumente  ....  164  678
Der  deutsche  Markt  für  Pianinos  und
muslkalische  Instrumente,  ebenso  für
wissenschaftliche  Jnstrnmcnte  und  Gewehre
  ist  zum  größten  Teil  ein  überseei-Icher
  überHamburg  und  Bremen  und  nach
Belgien  ;  aber  auch  Österreich  ist  Abnehmer, ­
  während  Uhren  vorwiegend  aus  der
Schweiz  und  Frankreich  eingeführt  werden. ­
  Der  Handel  mit  Maschinen,  Fahrzeugen ­
  und  Apparaten  betrug  (in  Millionen ­
  Mark):

Einfuhr  Ausfuhr
1872:  49,o  82,o
1873:  80,2  86,4
1874  :  88.0  78,4
1875:  62,0  66,o

Einfuhr  Ausfuhr
1876:  46,1  60,7
1877:  48.8  75,0
1878:  54,7  92,3
1879:  40,5  72,t

iļ.  Textilindustrie.
Nicht  allein  nach  der  Anzahl  der  dabei
beschäftigten  Personen,  ailch  in  Bezug
auf  die  verarbeiteten  lind  erzielten  Wcrtmengen
  steht  diese  Industrie  obenan.
Nach  der  Geiverbezählnng  voti  1875  bestanden ­
  403,024  Betriebe,  in  welchen
926,767  Personen  thätig  waren.
1)  Baumwolle.  Diese  Industrie  hat
ihren  Hauptsitz  im  Königreich  Sachsen,
in  Elsaß-Lothringen,  Württemberg  und
Baden,  ferner  in  Bayern,  Schlesien,  der
Provmz  Sachsen  u.  a.,  im  ganzen  430
10*
        <pb n="156" />
        148

Deutschland  (Textilindustrie:  Baumwolle,  Wolle).

Baumwollspinnereien  mit  (1875)  5,100,000
Spindeln.  Mülhausen  im  Elsaß  hat  14,
Ehemnitz  40  Anstalten  mit  je  400,000
Spindeln;  demnächst  kommt  Augsburg.
Die  Zahl  der  Webstühle  war  250,000,
derer  mit  mechanischen  Stühlen  1100.
Nach  derGewerbezählung  von  1875  waren:
Wattenfabriken,  Spinne-  Betriebe  Arbeiter
reten,  Zwirnereien.  .  .  1597  00675
Webereien  97588  203489
Bleichereien,  Färbereien,
Druckereien  968  20277
D.  ist  genötigt,  seinen  Bedarf  an  Rohbaumwolle ­
  einzuführen  uild  zwar  vornehmlich ­
  aus  Amerika,  zum  kleinern  Teil
aus  Ostindien.  Dieser  Handel  ist  kolossal
gewachsen;  er  betrug  (in  Tausenden  Toniun
 ')*  Einfuhr  Ausfuhr
1860  :  82,6  15,8
1870:  104,0  23,2
1880:  148,6  11,9
Nach  Neumann  -  Spallavi  beläuft  sich
der  durchschnittliche  Konsum  von  Rohbaumwolle ­
  in  D.  pro  Jahr  auf  249,i
Mill.  Pfd.,  d.  h.  5,83  Pfd.  pro  Kopf,  der
Konsuln  von  ans  England  zngeführten
Geweben,  Gariten  re.  auf  65,2  Mill.  Pfd.
d.  h.  1,52  Pfd.  pro  Kopf,  somit  also  der
Gesamtverbrauch  auf  914,3  Mill.  Pfd.
oder  7,35  Pfd.  pro  Kopf.
Wie  die  Verarbeitung  der  Rohbaumwolle ­
  gestiegen  ist,  ergibt  sich  aus  der  Betrachtlmg,
  daß  man  bei  der  Gründung
des  Zollvereins  in  dessen  Gebiet  etwa
600,000  Spindeln  zählte,  1867  schon  2
Mill,  und  nach  Einverleibung  des  Elsaß
5,i  Mill,  (wovon  2,1  Mill,  im  Elsaß).
Während  1852—67  die  Zunahme  der
Spindeln  in  D.  122  Pro;,  betrug,  stieg
sie  in  England  um  88,  in  der  Schweiz
um  78,  in  Belgien  um  56,  Frankreich
um  51,  Österreich  nur  um  7,  in  den
Vereinigten  Staaten  um  27  Proz.  Die
Leistungsfähigkeit  jeder  Spindel  wuchs
auf  das  Dreifache.  1836  verarbeitete  jede
Spindel  in  D.  durchschnittlich  24,3  Pfd.,
1852:50,6  Pfd.,  aber  1867  nahe  an  70  Pfd.
Indes  bezicht  D.  immer  noch  die  höhern
und  wertvollern  Numniern  der  Garne
ans  England.  Doch  hat  es  D.  immer
mehr  verstanden,  seine  Spinnereien  leistungsfähiger ­

  und  sich  selbst  damit  vom
Ausland  unabhängiger  zu  machen.  Nach
offiziellen  Ausweisen  war  der  Handel  mit
Baumwollgarn  (in  Millionen  Tonnen):
Einfuhr  Ausfuhr
1860  :  23,8  2,3
1870:  14,3  3,o
1880:  13,1  11,6
Die  Einfuhr  von  Baumwollgarn  (Twist)
aus  England  sank  1877  —'79  von  44,c
Mill.  engl.  Pfd.  auf  31,5  Mill.  Pfd.,  die
Werte  von  51  Mill,  auf  36,8  Mill.  Mk.
Wenn  aber  D.  hier  immer  noch  einzuführen ­
  gezwungen  ist,  so  vermag  cs  dagegen ­
  von  den  fertigen  Produkten  bedeutende ­
  Mengen  dem  Ausland  zuzuführen.
Der  Handel  mit  Baumwollwaren  gestaltete ­
  sich  1880  wie  folgt  (in  Tonnen):
Einfuhr  Ausfuhr
Zeugwaren  781  13913
Strumpfwaren  ...  44  517
Posamenten  ....  35  146
Gardinen,  Spitzen  u.  a.  526  576
Die  Einfuhr  kommt  zum  größten  Teil
ans  England,  sic  zeigt  aber  in  den  jüngsten ­
  Jahren  einen  sehr  bedeutenden  Rückgang: ­
  1877  :  78  Mill.  Pards  im  Wert  von
26  dm.  %nr.,  1879  mir  53,59m.
im  Wert  von  19,2  Mill.  Mk.  Die  Ausfuhr ­
  von  Strumpfwarcn  geht  hauptsächlich ­
  über  Hamburg  und  Bremen,  ebenso
die  von  Zeugwaren,  die  aber  in  ebenso
starkem  Maße  sich  nach  Frankreich,  Belgien ­
  und  Holland,  sodann  nach  Österreich
und  der  Schweiz  wendet.  Der  Handel  mit
baumwollenen  Waren  betrug(in  Tonnen)  :
Einfuhr  Ausfuhr
I860:  543  8310
1870:  1300  8840
1880:  1386  15152
Die  Einfuhr  1879  wertete  15,500,000
m,  Muss#  95,260,000  3Rf.
2)  Wolle.  Die  Gesamtproduktion
Deutschlands  an  Wolle  berechnet  man
auf  70  Mill.  Pfd.,  hierzu  kommt  nun
der  Überschuß  des  Imports  über  den  Export, ­
  welcher  sich  1880  (Import:  68,755
Ton.,  Export  14,325  T.)  auf  54,430  T.
belief;  es  waren  also  in  diesem  Jahr
über  170  Mill.  Pfd.  da,  welche  D.  in
seinen  Fabriken  verarbeitete.  Nach  der
Gewcrbezählung  von  1875  gab  es:
        <pb n="157" />
        Deutschland  (Textilindustrie:  Serbe,  Flachs,  Hanf,  Jute).  14!)

Art  der  Verarbeitung

Betriebe  für  Wollbcrcituug
Streichgarn-  und  Vigognespinnerei  und  Weberei!
Kammgarnspinnereien
Mungo.  und  Shoddyfabrikeu  .  .  .  .  ]
Kamm-  rc.  Garnweberei.  Wolleubaud,orberei
Wollfärberei,  Druckerei  rc.

Die  Streichgarn  spinn  crei  und
-Weberei  ist  außerordentlich  weit  verbreitet; ­
  sic  ist  vor  allem  zu  Hause  in  der
Rhcinproviiiz,  im  südlichen  Brandenburg
nebst  angrenzenden  Teilen  von  Schlesien,
un  westlichen  Sachsen  nebst  Teilen  von
Thüringen.  Sie  disponiert  über  13,908
Krempeln,  1.494.606  Fein-,  93,572  Water-und
  102.602  Zwirnspindeln,  11,263
^ïcift=,  13,082  Handwcbstühle  (in  sämt-%0%

Ach'nen.  Die  Erzeugung  von  Garii
ñenugt  aber  temeöwegs;  1859  importierte
p.  #  4710  Ion.,  ober  1880:14,8561.,
Wahrend  der  Export  von  928  auf  4957  T.
liieg.  Die  Kammgarnspinnerei,  die
namentlich  im  Elsaß  ihren  Sitz  hat,  bcschäf-^ht
  şll  Krempeln,  999  Kamm-,  753
Hechelmaschinen,  885,579  Fein-,  78,689
Water-  und  132,325  Zwirnspindcln;  die
Mungo-  u.  Shoddyfabrikeu.  welche
Pumpen  zerfasern  und  zu  neueii  Zeugen
verarbeiten,  beschäftigen  20,028"Spindeln
  aller  Art,  endlich  die  Weberei
67,217  Fein-,  4546  Water-,  5443  Zwirnspindeln, ­
  18,078  Maschinen-,  7649Handwebstühle.
  —  Die  Strumpfwarenfabrikation, ­
  in  welcher  60,957  Mengen ­
  Beschäftigung  finden,  arbeitet  mit  67
Maschinen  von  621  Pferdckräften.  Ihre
Hauptsitze  sind:  Zwickall,Chemnitz,Apolda,
Zeulenroda.  Man  zählte  1875:  2205Maschinen-,
  2734  Haildstrumpfstüble  für
reguläre  Ware,  750  Kettenstühle,  510
Mische,  834  französische  Rundstühle.
Teppichweberei  wird  vorzüglich  in
^erliil,  Hanau  und  Schiniedcberg  i.  Schl,
betrieben.  Shawlweberei  ist  in  Berlin
Hanse,  das  auch  besonders  viel  Stickwolle ­
  versendet.  So  ist  die  Ausfuhr  von
Wollwaren  immer  eine  weit  stärkere  ge-Betriebe



1037
10533
2350
129
20677
2602

Personen  Maschinen  Pferdekräft

4696
88279
28772
4  776
55138
12007

39
964
314
68
335
221

1433
23494
9893
2270
5512
2553

wesen  als  die  Einfuhr.  Es  betrug  (in
Tonnen  netto):
I860  1870  1880
Einfuhr  1540  5  950  2  792
Ausfuhr  10000  16300  21044
1879  war  der  Wert  des  Handels:
Einfuhr  Ausfuhr
Wollgarn  94,3  24,4  Mill.  Mark
Wollwaren  69,8  142,i
Zusammen:  104,V  166,s  Mill.  Mars'
3)  Seide.  Die  Seidenindustrie  hat
ihren  Mittelpunkt  in  der  Rhcinprovinz
üorauüSweife  in  ben  ©Übten  jWcíb,
Elberfeld,  Darmeli  und  Viersen.  Die
2463  Filanden  beschäftigen  5542  Personen; ­
  in  den  Seidenspinncrcicn  (es  gibt
ailch  schon  Seidenshoddyspinncreien)'arbeiten ­
  39  Maschinen  von  875  Pferdekräfkn
  mit  15,720  Rci:#mMn,  28,480
fmvic
44,928  Spulen,  und  in  den  270  Großbetrieben ­
  nicht  weniger  als  13,384  Menschen ­
  mit  62  Maschinen  von  836  Pferdckräften, ­
  750  Kraft-,  993  Handwebstühlen
nnd  1429  Kraft-,  3592  Handwebstühlen
3m  onnaen
sind  mit  Einschluß  der  Betriebe  für  Seidenfärberei ­
  und  -Druckerei  und  der  Konditioniernngsanstalten
  in  dieser  Industrie
77,324  Menschen  und  245  Maschinen  von
2564  Pfcrdekräftcn  beschäftigt.  D.  führte
1880  ail  Seiden-  u.  Halbseideiiwaren  ein:
463  Ton.,  aus:  4677  T.  1879  wertete  die
Einfuhr  45,7,  die  Ausfuhr  66,7  Mill.  Mk.
4)  Flachs,  Hanf  und  Jute.  Die
Flachsspinnereien  sind  besonders  im
schlesischen  Gebirge  (Licbau  rc.),  in  Westfalen ­
  (Bielefeld)  und  in  der  Rheinprovinz
(Dülken,  Viersen,  Düren)  zu  Hause.
Unter  den  12,165  bestehenden  Flachshecheleien ­
  sind  indes  nur  202  größere,  welche
mit  168  Dampfmaschinen  von  8153
Pferdekräften,  133,312  Fein-,  125  419
Water-  nnd  71,830  Zwirnspindeln  ar-
        <pb n="158" />
        150

Deutschland  (chemische  Industrie).

beiten.  Die  besten  Leinengarne  liefert
Bielefeld,  doch  muß  noch  viel  aus  Österreich, ­
  Belgien  und  Irland  (Belfast)  importiert ­
  werden  und  zwar  1880:  9959  Ton.
gegen  eine  Ausfuhr  von  1210  T.  Für
die  Leinwandfabrikation  ist  Bielefeld
gleichfalls  Mittelpunkt,  ihm  schließen  sich
Osnabrück  und  Hildeshcim  an;  in  wachsen
ist  Zittau,  in  Schlesien  sind  Lauban,  Hirschberg
  u.  a.,  in  Brandenburg  Sorau  Hauptcentren.
  In  den  Provinzen  Preußen,
Pommern  und  Schlesien  ist  dieser  ErwerbSzweig
  noch  vielfach  Hausindustrie;
von  124,880  in  D.  bestehenden  Betriebeil
mit  164,085  Personen  beschäftigen  llur
418  über  5  Arbeiter,  und  in  diesen  sind
133  Dampfmaschinell  von  3142  Pferdekräften ­
  ,  8256  Maschinen-,  3517  Handwebstühle ­
  thätig.  Für  die  Hanf  spinile ­
  rei  ist  Badeil  (Emmendingen)  von  Bedentnng,
  für  die  Jntespinnerei  und
-Weberei  Braunschweig,  Meißeil,  Boilil.
Die  14  größern  Jutewebereien  beschäftigen ­
  2752  Leute,  19  Dampfmaschinen
von  1703  Pferdckräften  und  958  Maschincnwebstühle.
  Zwirnfabrikation
wird  namentlich  im  Königreich  Sachsen,
in  Schlesien  und  den  Rheinlanden  betrieben. ­
  Aber  von  Garnen  führt  D.  immer
mehr  ein,  als  es  ausführt.  Es  betrug  der
Handel  mit  alleil  Arten  von  Garnen  von
Flachs,  Hanf,  Jute  in  der  Einfuhr  28,039
Ton.,  in  der  Ausfuhr  1936  T.  Dazu
konnnt  noch  eine  Einfuhr  von  678  T.
Zwirn  gegen  eine  Ausfuhr  von  108  T.
Der  gesamte  Handel  mit  diesen  Fabrikaten
aber  'wertete  1878  in  Einfuhr  26,310,000,
in  Ausfuhr  7,010,000  Mk.  Auch  ist  die
Anfertigung  von  leinenen  Waren  durchaus ­
  nicht  genügend,  unl  den  Bedarf  gu
decken.  Mit  Einschluß  von  gebleichten  und
gefärbten  Seilerwaren  gestaltete  sich  der
Handel  (in  Tonnen  netto):
I860  1870  1880
Einfuhr  3270  8390  8128
Ausfuhr  6690  8030  7087
Für  1879  waren  aber  die  Werte  (in  Millionen ­
  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Leinene  Waren  .  .  21,9  13,o
Garn  und  Zwirn  .  33,»  4.7

An  diese  Industrien  schließt  sich  die  Anfertigung ­
  von  Wirk-,  Klöppel-,  Häkel-,Strick-und
  Stickwaren.  Spitzenklöppclei
  und  Weißstickerei  werden  vorzüglich ­
  in  Sachsen  (Annabcrg,  Schnceberg,
Plauen  und  Eibenstock)  gepflegt;  im  ganzen ­
  Deutschen  Reich  arbeiten  1189  Stickmaschinen ­
  mit  Hand-,  75  mit  Kraftbetrieb
  und  1250  Handschnnrmaschincn.
Für  Posamenten  ist  Barmen  der  wichtigste ­
  Ort,  dann  Berlin,  Brieg,  Stuttgart, ­
  Jsny,  Annaberg;  522  Klöppelmaschinen ­
  mit  Kraft-,  292  mit  Handbetrieb, ­
  1356  Maschinen  für  Listen  und
Kordeln  arbeiten  in  dieser  Branche.  Die
Zeug  drucke  rei  wird  gepflegt  in  Berlin,
Oberelsaß  (Mülhausen),  in  den  badischen
Städten  Säckingen,  Lörrach,  Konstanz,
Augsburg  u.  a.  Der  gesamte  Handel  mit
Seiler-,  Web-,  Wirkwaren  und  Kleidern
wertete  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
1873:  181,2  405,3
1876:  171,8  392,3
1879:  157,7  416,2
0.  Ehcmifchc  Industrie.
Dieselbe  hat  sich  in  den  letzten  Jahren
außerordentlich  gehoben;  außer  den  (S.
135)  erwähnten  großartigen  Fabriken  zu
Staßfurt  und  Leopoldshall  existieren  dergleichen ­
  in  den  meisten  bedeutenden  Städten; ­
  die  chemische  Großindustrie  beschäftigt ­
  in  335  Betrieben  7913  Personen,
258  Dampfmaschinen  von  2815  Pferdekräften. ­
  Wichtig  sind  die  Ultramarinfabrikcn
  zu  Nürnberg  und  in  der  Rheinprovinz,
  die  anö  neuester  Zeit  datierenden
Anilin-  und  Alizarinfabriken  zu
Höchst  a.  M.,  Elberfeld,  Offenbach,  Krefeld, ­
  Mannheim  rc.  In  den  Betrieben  zur
Erzeugung  chemischer  Präparate  arbeiteten ­
  320  Dampfmaschinen  von  3073  Pfcrdckräften,
  in  den  Farbefabriken  222Maschinen ­
  von  3024  Pferdekräften.  Der  viel  verzweigte, ­
  eine  große  Menge  einzelner  Posten
aufzählende  Handel  wird  durch  folgende
Gruppen  repräsentiert.  Es  betrug  1879
der  Wert  der  für  den  Handel  wichtigsten
Droguen,  Chemikalien,  Zündund
  Färb  w  aren  (in  Millionen
mitT):
        <pb n="159" />
        151

Deutschland  (Leder-,  Stein-,  Thon-,  Glaswaren).

Einfuhr  Ausfuhr

Ammoniak,  Salmiak  .  .  20,4  0,4
Soda,  roh  und  kalciniert  .  3,o  0,5
Schwefel  2,1  0,3
Salpeter,  roh  und  gereinigt  24,5  4,1
Farbhölzer  7,1  1,8
Indigo  22,o  8,4
Anilin  und  Anilinfarben  .  7,9  20,2

Der  Gesamtwert  der  Einfuhr,  welcher
1872:  172,7  Mill.  Mt.  betragen  hatte,
stand  1879  auf  183,5  Mill.  Mk.',  während
die  Ausfuhr  von  80,4  auf  132.2Mill.  Mk.,
also  um  51,8  Mill.  Mk.,  gestiegen  war.

D.  Lederindustrie.
Die  besten  Sorten  von  Leder  liefern
Mainz  und  Worms,  ferner  Malmcdy,
der  Siegensche  Distrikt,  Eschwege.  8"
viciem  Zweck  führte  D.  1880  an  Holzborke,
  Gerberlohe  und  andern  Gerbmatevicilicit
  00,185  Ton.  eilt  und  nur  4330  T.
Halbgare  Ziegen  -  und  Schaffelle
werden  sehr  bedeutend  eingeführt;  von
Handschuhleder,  Korduan  re.  ist  der  Erhört ­
  stark;  andre  Ledersortcn  werden  in
großen  Mengen  aus-,  aber  auch  eingeluhrt.
  Bei  diesen  Ledcrjorten  war  1880:
we  Einfuhr  5723  Ton.,  die  Ausfuhr  0578
ş.  Dagegen  überwiegt  der  Export  von
Lederwaren,  besonders  feiner,  den  Import
erheblich.  In  der  Anfertigung  feiner
Lederwaren  zeichnen  sich  die  süddeutschen ­
  Staaten  und  die  Rheinprovinz  aus.
Die  Schuhmacherei  (1873:  374,203
Personen)  zu  Pirmasens  und  Mainz  liefert ­
  die  feinsten  Waren  ins  Ausland.
Handschuhe  liefert  namentlich  Württemberg ­
  zur  Ausfuhr,  Ledergalanteriewarcn
  Berlin,  Nürnberg,  Offenbach,  Hauan
  u.  a.  Von  Lederwaren  wurden  1870
für  10,200,000  Mk.  ein-,  für  51,750,00
Mk.  ausgeführt.  Hieran  schließt  sich  der
R  auch-  und  F  i  lz  w  a  r  e  n  h  a  n  d  e  l.  Für
den  ersten  sowie  die  Zurichtung  der  Rauchwaren ­
  ist  Leipzig  Hauptplatz;'  1879  wurden ­
  07  Ton.  Pelzwerk  ein-  und  343  T.
(119  T.  nach  Rußland)  ausgeführt.  Der
gesamte  Handel  mit  Leder-,  Rauch-  und
Filzwaren  wertete  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
1873:  16,8  38,7
1876:  21,2  53,2
1879:  18,6  60,5

E.  Stein-,  Thon  -  und  Glastnarrnindustrie.
Der  Reichtum  Deutschlands  an  Thonen
voit  ber  tei,iste»  Şor#a,terbc  big  31,,,i
Lehm  sur  Ziegel-  und  Backsteine  hat  eine
ausgedehnte  Gewcrbthätigkeit  hervorgerufen, ­
  die  in  hervorragender  Weise  für  den
Export  arbeitet.  Bon  den  18,000  bestehenden ­
  Ziegeleien,  welche  mit  705  Dampfmaschinen ­
  von  11,576  Pferdekräften  arbeiten, ­
  gehören  die  meisten  der  Provinz
Brandenburg  an;  der  Export  von  Fliesen,
Mauer-  und  Dachziegeln,  Baustücken  und
Röhren  aus  Thon  bezifferte  sich  1878  auf
510,439  Ton.,  der  zu  3 /s  seinen  Weg  über
Hamburg  und  Bremen  nahm,  gegen  eine
Einfuhr  von  118,673  T.  Steingut  und
irdene  Waren  werden  in  vielen  Teilen  des
Reichs  hergestellt;  berühmt  sind  die  Thonpfeifen ­
  von  Uslar,  die  sogen.  »Koblenzer
Waren«  aus  dem  Kauncnbäckerland,  die
Fliesen  Von  Mettlach,  Töpfergeschirre  von
Großalmerode  und  Bnnzlan,  Passauer
Schmelztiegel  aus  Graphit  u.  a.  In  den
074  größer»  Betrieben  arbeiteten  147
Dampfmaschinen  mit  1994  Pferdekräftcn.
  Porzellan  fabril  at  ion,  zuerst  in
Meißen  (jetzt  tut  Triebischthal)  betrieben,
findet  jetzt  vornehmlich  statt  im  Thüringer
Wald,  Berlin,  Waldenburg  i.  Schl.,  Nymphenburg
  und  Bamberg  in  Bayern;  die
Porzellanknöpfe  und  -Perlen  von
Freiburg  i.  Br.  finden  Absatz  in  allen  Teilen ­
  der  Erde,  auch  die  Porzellanmalerei ­
  erfreut  sich  z.  B.  in  Bamberg  hohen
Rufs.  Die  232  größer«  Betriebe  hatten  112
Dampfmaschinen  von  2128  Pferdekräftcn.
Auch  hierin  ist  die  Ausfuhr  ansehnlich,
Von  gewöhnlichen  Thonwaren  betrug  dieselbe ­
  1878:  22,601  Ton.  gegen  eine  Einfuhr ­
  von  4085  T.  ;  an  Porzellan  war  die
Einfuhr  664  T.,  die  Ausfuhr  4303  T.  Noch
bedeutender  für  den  Außenhandel  ist  aber
die  Glasindustrie,  welche  ihre  Hauptfitze
  in  Schlesien,  Rheinpreußen,  in  der
bayrischen  Oberpfalz,  in  Mittelfranken,
Niederbayern,  Thüringen  und  Elsaß-Lothringen
  hat.  Hanptsitz  der  Glasschleiferei
  ist  der  Oberpfälzer  Wald;
für  Spiegelgläser  und  Spiegel  bestehen
216  größere  Betriebe  mit  30  Dampfmaschinen ­
  von  1493  Pferdekräften,  namentlich ­
  in  Nürnberg,  Fürth,  Stolberg,Maun-
        <pb n="160" />
        152

Deutschland  (Verschiedene  Industrien;  Handel:  Zollgebiet).

heim;  für  Glasmalerei  sind  München
und  Nürnberg  Hauptorte.  Glas  und
Glaswaren  sind  bedeutende  Ausfuhrartikel, ­
  die  weit  verführt  werden.  1879
betrug  der  Handel  mit  Waren  ans:
Einfuhr  Ausfuhr
Stein  131094  539399  Ton.
Thon  unto  Porzellan  4805  26801
Glas  13  747  40031  -
Doch  hat  sich  der  Handel  seit  einer  Reihe
von  Jahren  nicht  gehoben,  obschou  der
Wert  der  Einfuhr,  welche  zum  größten
Teil  aus  Österreich  und  Belgien  kommt,
sich  einigermaßen  verringerte;  denn  es
betrug  dieselbe  1872:  17,850,000  Mk.,
1879  aber  nur  13,6  Mill.  Mk.,  dagegen
bieM#  1872:  51,510,000  m.  imb
1879:  55  Wf.
*'•  Vcrfchicdcne  Industrien.
Hierher  gehören:  die  bedeutende  Papier- ­
  und  Pappefabrikation,  welche
1001  Maschinen  mit  22,985Pfcrdekräften
beschäftigt,  die  Fabrikation  von  Bunt-  und
Luruspapier,  welche  mit44  Maschinen  von
453  Pferdekräften  arbeitet,  die  von  Tapctcil
und  Rouleaus  (44  Dampfmaschinen  von
313  Pferdekräften),  namentlich  in  Rheinpreußen,
  Hessen,  Berlin  und  Hamburg
zu  Hause,  von  Papiermachee  in  Berlin,
Sonneberg  rc.  Strohwaren  kommen
namentlich  ans  dem  Schwarz-  und  Wasgenwald,
  Dippoldiswalde,  Erfurt,  Trier,
Breslau  ;  die  K  o  r  b  f  le  ch  t  e  r  e  i  arbeitet  für
den  Erport  in  Lichtenfclö  (Oberfrauken)  u.
Thüringen;  für  Guiilmi  -  und  G&amp;gt;lttast ­
  erchawa  reu  cristiereu  große  Fabriken
in  Berlin  und  Harburg;  für  den  Buchdruck ­
  und  Buchhandel  sind  Leipzig,
Stuttgart  und  Berlin  Hauptplätze.  Die
Bücherproduktion  hat  in  den  letzten  fünf
Jahren  bedeutend  zugenommen;  in  Leipzig ­
  wurden  registriert  1876:13,356,  aber
1880:  14,341  Novitäten,  darunter  301
Landkarten.  Der  Handel  hatte  1879  folgende ­
  Wertbeträge  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Kautschuk-  und  Wachswareii.  .  7,6  14,9
Papier-  und  Pappwaren,  Tapeten  7,i  25,9
Holz  -,  Schnitz-  und  Flechtwaren  18,7  42,4
Schmuck-  uudKunstsachen.  .  .  13,7  55,o
Drucksachen  und  Stiche....  9,s  22,2
Zusammen:  56,4  160,4

IV.  Handel.
A.  Zollgebiet.
Nach  §  33  der  ReichSverfassnng  bildeil
die  deutschen  Staaten  ein  Zoll-  undHaudelögebict
  mit  gemeinschaftlicher  Grcilze,
tvelche  daö  Großherzogtum  Lurenlbllrg
sowie  die  zur  Grafschaft  Tirol  gehörige
österreichische  Gemeinde  Jungholz  umschließt. ­
  —  Ausgeschlosseu'vom  beut
scheu  Zollgebiet  sind:
a)  in  Preußen:  Altona,  Teile  von
Wandsbeck  und  Marienthal,  Geestemünde
mit  Geestendorf  und  Lehe,  Fort  Wilhelm
in  Bremerhaven,  die  Elbinseln:  Altenwerder,
  Krusenbusch,  Finkcnwerder,  Kattwieck, ­
  Hoheschaar,  Neuhof,  Wilhelmsburg
(ausschließlich  des  Hamburger  Anteils
von  Kalteuhofe)  und  das  Dorf  Aumund
(108,046  eimu.);
b)  in  Oldenburg:  Brake  (s.  d.);
c)  Bremen  einschließlich  Bremerhaven, ­
  aber  ausschließlich  der  Stadt  Vegesack,
derhollerläudischenAußendcichsländereien
lind  der  am  rechten  Ufer  der  Wumme  und
dem  linken  Ufer  der  Ochtum  belegeneu
Gebietsteile  von  Habenhauscil,  Arsten,
Buntethorsteinwcg-Neuland  und  Teil  von
Woltnlershauscn  (126,225  Einw.);
&amp;lt;l)  Hamb  u  r  g  und  sein  Gebiet  mit  Ausnahme ­
  1)  der  Stadt  Bergcdorf,  der  Vierlande, ­
  der  Vogteicn  Reitbrock,  Ochsenwerder, ­
  Patenberg,  Spadenland,  von  Teilen
der  Vogteicn  Billwcrder  und  Billwerder-Ausschlag;
  2)  der  Vogteieu  Langenhorn,
Großborstel,  Fuchsbüttel,  Kleinborstel,
Ohlsdorf  und  von  Teilen  von  Alstersdorf
und  Barmbeck;  3)  des  Amtes  und  Fleckens
Ritzebüttel  und  Knrhaven  ohne  den  Kurhavener
  Außendeich;  4)  der  Vogteieu
Moorburg  und  Moorwerder,  der  Orte
Geesthacht,  Groß-Hansdorf,  Schmalenbeck,
Beimoor,  Wohldorf,  Ohlstedt,  Volködorf,
Farmsen  nebst  Kupferdamm,  Lehmbrock
und  Berme  (352,609  Einw.);
k)  in  B  a  d  e  n:  die  Insel  Reichenau,  Büsingcn,
  der  Bitteuharter  Hof,  Jestetteu
mit  Flachshof,  Gunzenrieder  Hos  und
Reutchof,  Bottstetten  mit  Valu,  Dietenberg,
  Nack,  Lockerhof  und  Volkenbach,
Dettighofeu  mit  Häuserhof,  Altenburg,
BaltcrSwcil,  Berwangcu  und  Albführnhof
  bei  Weisweil  (5236  Einw.).
        <pb n="161" />
        Deutschland  (Handel:  Zollgesetzgebung;  Konsulate).  153

-Zum  Zollausland  gehören  als  konventionelle ­
  Ströme  auch  die  Weser  von
der  Paillener  Marsch  oberhalb  Bremens
ab  und  die  Elbe,  und  zwar  die  Norderelbe
von  Rothenburgsort  nnHamburgerGebiet
abwärts,  die  Südcrelbe  von  Harburg  abwärts, ­
  außerdem  die  Nord-  und  Ost  see.
.  Die  Zollausschlüsse  haben  im  ganzen
einen  Umsang  von  389,97  qkm  mit  594,705
Anw  sonach  umfaßt  das  Zollgebiet
¿42,019,93  qkm  mit  42,338,031  Einw.
Dies  Gebiet  zerfällt  in  13  Verwaltungs-1)
  gkcuüen  mit  2MW,  Mwx,
und  allen  Enklaven;  2)  Bauern;
3)  Sachsen;  4)  Württemberg;  5)  Baden,
6)  Hessen;  7)  Mecklenburgs)  Thüringer
Zollverband;  9)  Oldenburg;  10)  Braunschweig; ­
  11)  Anhalt;  12)  Elsaß-Lothringen; ­
  13)  Luremburg.
B.  Zollgesetzgebung.
Unter  der  Garantie,  die  erforderten
Angaben  nur  für  die  Zwecke  der  amtlichen
Statistik  zii  benutzen,  verpflichtet  das
acei#,#  (20.3uli  1879)  bic  ^bsenber,
in  gewissen  Fällen  die  Warenführer,  die
"der  die  Grenzen  des  deutschen  Zollgebiets
%  aus-  und  durchgeführten  Waren,  einschließlich ­
  der  Versendungen  ans  dem  Zollgebiet ­
  durch  das  Ausland  nach  bent  Zollgebiet, ­
  nach  Gattung,  Menge,  Hcrkunftund
  Bestimmungsland  bei  den  mit  den
Anschreibilngcn  für  die  Verkehrüstatistik
beauftragten  Aiiltsstellen  anznineldcii.  Bei
Abgabe  der  Anmeldungen  ist  zugleich  die
(in  die  Reichökasse  fließende)  statistische
Gebühr  zu  entrichten,  welche  bei  vcrpackten
  Waren  für  je  500kg  5%,  bei  Kohlen,
Koks,  Torf,  Holz,  Getreide,  Kartoffeln,
Erzen,  Steinen,  Salz,  Roheisen.  Cement,
Dungmitteln,  Rohstoffen  zum  Verspinneil
und  andern  Massengütern  in  Wagenladungen, ­
  Schiffen  oder  Flößen  für  je  10,000
%  10  Pf.,  bei  Pferden,  Maultieren,
Eseln,  Rindvieh,  Schweinen,  Schafen  und
■Biegen  für  je  5  Stück  5  Pf.  beträgt.  (Von
nnderil  nicht  in  Umschließungen  verwahren ­
  lebenden  Tieren  wird  die  statistische
Gebühr  nicht  erhoben.)  Dieser  Anmeldeh
  f  l  i  ch  t  unterliegen  ferner  nicht:  Sendungen ­
  zollfreier  Waren  im  Gewicht  von  250  g
vdcr  weniger  und  zollfreie  Gegenstände.
Die  Handelsverträge,  welche  in

®cj.  1887,  mit  Belgien  bis  auf  weiteres
ein  Jahr  nach  Kündigung  von  seiten  des
einen  oder  andern  Teils,  und  mit  Hawaii.
t’.  Konsulate  re.
Anfang  1881  bestanden  629  kaiserliche
Konsnlarbehördcn,  wovon  54  Berufskonsulate,
  darunter  19  Generalkonsulate  und
3MlNlsterrcsidcntnren.  Von  682  Konsnlarbeamten
  waren  24  Generaltonsnln
316  Konsuln,  197  Vicekonsuln,  83  Konsularagenten.
  Unbesetzt  waren  17  Konsulate ­
  und  15  Vicekonsulate.  In  20
Konsulatsbezirken  ivird  die  Gerichtsbarkeit ­
  über  Reichsangehörige  und
Schutzgenossen  von  deutschen  Konsulargcrichten
  ausgeübt.  China  zerfällt  in  4,
Japan  in  3,  Rumänien  in  3,  das  osmanische
  Reich  in  9  solcher  Bezirke.  Serbien
sowie  die  Samoa-  und  Tongainseln  mit
andern  Inseln  der  Südsee  bilden  je  einen
JuriSdiktionübczirk.  Jurisdiktionskonsulatc
  werden  nur  mit  juristisch  gebildeteil
Personen  besetzt.  Diese  können  in  ihrem
Bezirk  Polizeivorschriften  für  Deutsche
und  Schutzgenossen  erlassen  und  deren
Nichtbefolgnng  mit  Strafeli  bis  150  Mk.
belegen.  Als  Norm  dienen  die  Strafgesetze ­
  des  Deutschen  Reichs  und  das
preußische  Landrecht.  Für  die  den  deutschen
Amtsgerichten  zugewiesenen  Sachen  ist  der
Konsul  allein,  für  die  den  Schöffengerichten ­
  und  den  Landgerichten  in  erster  Instanz ­
  zugewiesenen  Sachen  das  aus  dem
Konsul  und  2—4  Beisitzern  (angesehenen
Männern  ans  bem  Gerichtàzirk)  bestehende ­
  Konsnlargericht  zuständig.  In  Sachen ­
  der  freiwilligen  Gerichtsbarkeit  fungiert ­
  der  Konsul  allein.  Gegen  Entscheidungen ­
  bis  300  Mk.  Wert  findet  kein
Rechtsmittel  statt,  im  übrigen  ist  das
Reichsgericht  (Leipzig)  höhere  Instanz.
Übertretungen  lind  leichte  Vergeheil  gehören ­
  ohne  Bernfung  vor  das  Konsulargericht; ­
  bei  andern  findet  Berufllng  an  das
Reichsgericht  statt.  Bei  Verbrechen  hat
der  Konsul  nur  die  Verhaftung  und  Untersnchungöhandlnng
  zii  übernehmen
        <pb n="162" />
        154

Deutschland  (Handelskammern,  Ausfnhrstatistik  re.).

den  Verbrecher  aber  mit  den  Akten  an  die
Staatsanwaltschaft  des  zuständigen  inländischen ­
  Gerichts  zu  senden.  Konsularbcamte
  (Generalkonsuln,  Konsuln,  Vice
konsuln  oder  Konsularagenten)  unterhält ­
  D.  in  folgenden  Ländern  (daS  Nähere
siehe  bei  den  einzelnen  Artikeln).
Konsularbeamte  des  Deutsche»  Reichs.
(B  —  Berufskonsul.)

Ägypten  13  (2  B.)
Argentinien  6
Belgien  ö
Bolivia  2
Brasilien  19
Centralamerika  10
Chile  7
China  12  (4  SB.)
Dänemark  21  (1  SB.)
Dänische  Kolonien  1
Dominikanische  Republik ­
  2
Ecuador  1
Frankreich  17  (2  SB.)  und
in  den  französischen
Koloinen  5  (1  SB.)
Gescllschaftsinseln  1
Griechenland  9
Großbritannien  77  (2  SB.)
Britische  Kolonien  66
(3  SB.)
Hawaii  1
Hayti  6  (1  SB.)
Italien  36  (2  SB.)
Japan  5  (2  SB.)
Kolumbien  8  (1  SB.)
Liberia  1
Madagaskar  1
Marokko  5  (1  SB.)
Marshalliuseln  1
Mejiko  18

Monaco  1
Niederlande  14
Niederländische  Besitzungen ­
  5
Oranje  -  Freistaat  1
Österreich-Ungarn  10  (1
SB.)
Paraguay  1
Peru  6
Portugal  6
Portugiesische  Besitzungen ­
  10
Rumänien  8  (3  SB.)
Rußland  44  (8  SB.)
Samoainseln  1  SB.
Sansibar  1
Schweden-Norwegen  67
(2  SB.)
Schweiz  3
Serbien  1  SB.
Siam  1  SB.
Spanien  35  (1  SB.)
Spanische  Besitzungen  16
(1  SB.)
Tunis  3
Türkei  25  (7  SB.)
Uruguay  2  (1  SB.)
Venezuela  4
Vereinigte  Staate»  22
(5  SB.)
Viti-Inseln  1

Handelskommevn  und  Korporationen ­
  zur  Vertretung  kaufmännischer  Interessen ­
  bestehen  in  allen  delitschen  Staaten ­
  und  zwar  in  Baden  9,  Bayern  8
(außerdem  45  Bezirksgrcmien),  Braunschweig ­
  1,  Bremen  2,  Elsaß-Lothringen  6,
Hamburg  2,  Hessen  8,  Lübeck  1,  Mecklenburg-Schwerin ­
  2,  Oldenburg  2,  Preußen
99,  Sachsen  8,  in  den  sächsischen  Herzogtümern ­
  6,  in  Württemberg  10,  iiii  ganzen ­
  also  164  derartige  Vereine.  (Näheres
bei  den  einzelnen  Staaten.)
Handelsplätze.  Die  wichtigsten  Seeplätze
  sind  weiter  untcil  angeführt  (s.  S.
156);  für  den  Binnenhandel  sind  besonders ­

  von  Bedeutung:  Berlin,  Leipzig
unb  Frankfurt  a.  M.;  dann  in  Norddeutschland: ­
  Breslau,  Magdeburg,  Fraukfurt
  a.  O.,  Braunschweig,  Köln,  denen  sich
für  den  Export  der  Erzeugnisse  der  eignen
Fabriken  iloch  Aachen,  Krefeld,  Elberfeld,
Barmen,  Solingen,  Remscheid,  Chemnitz,
Sonnebcrg  u.  a.  anschließen;  in  Süddeutschland: ­
  Nürnberg,  Regensburg,
Augöblirg,  Stuttgart,  Mainz,  Mannheim,
  Straßburg  und  Mülhausen.
Die  Auöfuhrstatistik  ist  bis  zu  der
mit  Beginn  1880  vorgenommenen  Reform
vielfach  unvollständig  gewesen,  man  wird
die  Ausfuhr  daher  thatsächlich  höher  annehmen ­
  müssen,  als  sie  die  obigeil  Zahlen  angeben. ­
  Für  die  Frage  der  Bilanz  kommt
außerdem  die  Verschiedenheit  der  Wertberechnung ­
  für  Einfuhr  uiid  Ausfuhr  in
Betracht,  welche  in  der  Regel  für  die  importierten ­
  Artikel  eine  relativ  höhere  Bewertung ­
  als  für  die  exportierten  zur  Holge
hat.  Unter  diesem  Gesichtspunkt  müssen
die  nachstehenden  Zissernreihen  betrachtet
werden,  welche  einen  Überblick  über  unsre
Haildelsbilanz  geben.  Dieselbe  gestaltete
sich  (ohne  Münzen  und  Edelmetalle)  tu
den  letzten  Jahren  folgendermaßen  (in
Millionen  Mark):

1872:
1873:
1874:
1875:
1876:
1877:
1878:
1879:

Einfuhr
3262.1
3756.0
3604,7
3531.2
3802.1
3774.2
3513,1
3773,4

Ausfuhr  Mchreinfuhr

2320.0
2301,8
2353.1
2495.0
2547,7
2762.4
2887.1
2775,0

941,5
1454.2
1251,0
1036.2
1254,4
1011,8
626,0
997,8

Bei  dem  Handel  Deutschlands  haben
wir  das  Überwiegen  der  Einfuhr  bei  den
Nahrungsmitteln  unddcnRoh-undHülfsstoffen
  der  Industrie,  ebenso  das  Überwiegen ­
  der  Ausfuhr  bei  allen  Gruppen
von  Jndustrieprodukten  nachgewiesen.  ES
geht  daraus  hervor,  daß  Deutschland  zii
einem  Industriestaat  geworden  ist,  dessen
Lebenöbedingungcn  wesentlich  vom  Ausland ­
  abhängen.  Die  nachstehende  Tabelle
(s.  S.  155),  in  welcher  die  Einfuhr-  und
Ausfuhrwerte  vom  kaiserlichen  statistischen
Amt  in  Berlin  berechnet  sind,  zeigt  diese
Abhängigkeit  sehr  deutlich.
        <pb n="163" />
        Deutschland  (Warenhaubel;  Verkehrswesen).
Der  Warenhandrl  Deutschlands  1879.

155

Waren

1)  Getreide,  Feldfrüchte,  Mahlfabrikate.
2)  Gegorne  Getränke  .  .

3 )  Zucker,  Kolonialwaren,  Konfitüren
4)  Tabak  und  Tabaksfabrikate
5)  Sämereien.  Obst,  Südfrüchte  .
6)  Tiere  und  tierische  Nahrungsmittel  .  .  °.  !
7)  Dünger  und  Abfalle  .
8)  Brennstoffe
9 )  Erden,  Erze,  Steine  .!!!!!!!.’
0)  Stein  -,  Thon-  und  Ģlaswareil
H)  Rohe  Metalle
12)  Halbfabrikate  von  Metallen!  ]
13)  Metallwaren
11)  Droguen,  Chemikalien,  Zünd-  und  Farbwaren
M  Harze.  Fette,  öle,  Äther,  Seifen
18  Filzstoffe,  Haare.  Federn,  Häute,  Leder  .  .
tu!  ',  Rauch-  und  Filzwaren
io)  Spinnstoffe  ....
19)  Garne
-0)  wciler-,  Web-  und  Wirkwaren  und  Kleider  .
-1  Kautschuk-  und  Wachswaren
t  l'ipier.  und  Pappwaren,  Tapeten  ....
o?  à''-  und  Nutzholz  und  andre  Schnitzstoffe  .
iti  Schnitz-  und  Flechtwaren
9«  Maschinen,  Fahrzeuge  und  Apparate  .  .  .
^  àrzwaren,  Schmuck-  und  Kunjtsachen  .  .  .
9°  Minnskriplc,  Drucksachen.  Stiche
^  Diverse  Waren  ohne  Angabe  der  Gattung.
Dazu  noch  Münzen  und  Edelmetalle  mit
nner  Einfuhr  vou  Ili),c  Mill.  Mk.,  einer
Ausfuhr  von  45.8  Mill.  Mk.,  also  einer
Mehrcinfuhr  von  73,8  Mill.  Mk.

Einfuhr

Ausfuhr

Überschuß  der

Einfuhr

088,0
116.5
230.0
110,2
125.3
357.0
51.8
56.9
73,7
13.6
57.3
15.7
18.4
183.5
169,c
220.0
18,o
674,0
170,9
157.7
7.0
7.1
167.8
18.7
40.5
13.7
9,3

350.1
62,0
122.4
8,1
77,7
262,8
31.0
84.2
94.1
55.0
83,a
90.5
58.0
126.5
60.2
116,0
61.2
237.2
57.5
416.2
15.0
26.1
70.5
43.1
71.0
54,9
22.2
16.0

337,9
53,9
107.0
102.1
447,6
94.2
20.2

557,0
109.4
103.4
436,8
113.4

97,3

Ausfuhr

Y.  Verkehrswesen.
A.  Flüsse  und  Kanäle.
Ende  1879  hatten  die  gesamten  deutschen
Wasserstraßen  eine  schiffbare  Länge  von
12,441  ,i  km  ;  davon  konnten  befahren  werden ­
  2139  km  mit  einem  Tiefgang  von
1,5  in,  4623,6  km  mit  einem  'Tiefgang
von  1  m,  2325  km  mit  einem  Tiefgang
von  0,75  m  und  3352  km  mit  einem  Tief-3ang
  unter  0,75  m.  Die  deutschen  Wasserstraßen ­
  sind  für  deil  Verkehr  ,licht  ausreichend ­
  ;  eine  einigermaßen  leistilugsfähige
natürliche  Wasserstraße  besitzt  D.  nur  im
Rhein,  die  Donau  bietet  in  ihrem  zu  D.
üehörigen  Oberlauf  manche  Hindernisse,
und  Weser,  Elbe,  Oder  und  Weichsel  sind
'n  der  Regel  nur  2—3  Monate  nach  der

27.3
20.4
41.4
25,9
74,8
40,2

42,0

258,6
7,4
19.0
31.1
41.2
12,9
16,0

^chnecschmelze  alö  leistungsfähige  Wasserstraßen ­
  zu  betrachten.  Die  bedeutendsten
Flüsse  haben  innerhalb  Deutschlands
folgende  f  ch  i  f  f  b  a  r  e  L  ä  n  g  e  n  (inKilom.)  :

Oder
Elbe  .
Rhein.
Weser.
Donau
Warthe
Havel.
Main.
Mosel.
Ems  .

772,4
736.0
694.0
435.0
385.0
358.0
354,2
330.0
324.0
270.0

Saale  u.  Unstrut  256,7

Weichsel
Netze  .
Inn  .
Neckar.
Lippe  .
Spree.
Lahn  .
Pregel
Saar  .
Eider  .
Memel

251.8
230.0
226.0
218.0
211.0
158.0
134.0
133.8
128.0
117.0
111.8

Der  Bau  von  künstlichen  Wasserstraßen
ist  für  die  Beförderung  von  Gütern,  welche
eine  hohe  Fracht  nicht  vertragen  können,
für  D.  in  hohem  Grad  nötig.  Zwar
bestehen  72  SchiffahrtökaiEile  mit
einer  Gesamtlänge  von  0877)  2223  km
«äsüä:
bemessen.  Die  Notwendigkeit,  das  deutsche
        <pb n="164" />
        156

Deutschland  (Verkehrswesen:  Flüsse,  Kanäle).

Kanalnetz  zu  erweitern,  hat  sich  immer
fühlbarer  gemacht,  und  so  wurde  1874—75
eine  Summe  von  14  Mill.  Mk.  für  neue
Kanalprojekte  :  Rhein  -  Weser  -  Elbekanal,
Elbe-Spreekanal,  Berlin-Rostocker  Kanal,
Mosel  -  Saarkanal,  Rhein  -  Maaskanal,
Donau-Oderkanal,  ausgeworfen.  Die  bedeutendsten ­
  Kanäle  sind  (in  Kilom.):
Bestand  der  Fluß-,  Kanal-,  Hass-  und  Kiistcnschissc  im  Deutschen  Reich  81.  Dez.  187V.

König  Wilhelms-Kanal  (Mingekanal)  .  .  49,8
Großer  Friedrichsgraben  (Memel  und  Pregel)  17,0
Elbing  -  Oberländischer  Kanal  195,8
Brombcrger  Kanal  (Weichsel  und  Oder)  .  26,5
Finow  -  Müllroser  und  Plauescher  Kanal  .  89,6
Oste-Hamme-Kanal  (Elbe  und  Weser)  .  16,4
Ostfriesische  Kanäle  441,5
Main-Donau-Kanal  (Rhein  und  Donau)  136,«
Elsaß-Lothringische  Kanäle  370,5

Gebiete

1)  Sämtliche  Gewässer  von  Ostpreußen,  Frisches ­
  Hass,  Elbingfluß  und  Drausensce
2)  Weichsel  (nebst  Nebenflüssen  und  Kanälen)
3)  Oder  (nebst  Nebenflüssen  und  Kanälen).
4)  Küste  von  Pommern  und  Ostküste  von
Schleswig-Holstein  '
5)  Westküste  von  Schleswig  -  Holstein  .  .
6)  Elbe  (nebst  Nebenflüssen  und  Kanälen)
7)  Weser  (nebst  Nebenflüssen  und  Kanälen)
8)  Jade  (mit  dem  Jadebusen)
9)  Ostfriesische  Küste  und  Inseln....
10)  Ostfriesische  Kanäle
11)  Ems  (mit  Einschluß  der  Vcchte)  .  .  .
12)  Rhein  (nebst  Nebenflüssen  und  Kanälen)
13)  Bodensee  (Bayern,  Baden,  Württemberg)
14)  Donau  (nebst  Nebenflüssen  und  Kanälen)
15)  Oberbayr.  Seen  (Chiem,  Würm,  Ammer)

Dentsches  Reich

Segelschiffe
Zahl  Tonnen

979
2
588
2
2367
94
378
4
122
27
8559
50
416
1
14
31
368
175
3
2809
8
37
47
2

16892
191

49695
35374
179405
14338
3472
638995
38186
529
450
6084
4695
368799
3383
2562
37

1346004

Dampfer
Zahl  Tonnen

170
51
10

2
1
2
138
44

457
113

1156
538
2027
323
8692
719
68
180
30
15996
1375
112

31216

Zusammen
Zahl  Tonnen

1014
3
600
4
2415
96
392
7
122
27
8729
101
426
9
14
33
370
176
5
2947
52
59
47
5

17349
304

50851
35913
181432
14661
3472
647687
38905
529
518
6264
4725
384795
4758
2562
150

1377222

Von  den  in  zweiter  Linie  aufgeführten
Schiffen  ist  die  Tragfähigkeit  nicht  ermittelt. ­
  Dieselben  sind  in  den  Zahlen  erster
Linie  nicht  mit  enthalten.  Die  Zahl  der
eisernen  Schiffe  ist  in  steter  Zunahme  und
zwar  sowohl  bei  Segelschiffen  als  bei  Dampfern. ­
  Die  Zahl  der  Schiffe  von  Eisen  belief ­
  sich  31.  Dez.  1877  auf  964,  lvovon  auf
die  Elbe  363  (207  Dampfer),  auf  den
Rhein  395  (182  Dampfer)  entfallen.  Von
den  k  7,349  nachgewiesenen  Schiffen  waren
10,272  ohne  Deck,  5259  mit  beweglichem
und  2122  mit  festem  Deck.
B.  Seeschiffahrt.
.  D.  besitzt  384  Hafen  orte,  und  zwar
161  un  Gebiet  der  Nordsee,  220  im  Gebiet ­

  der  Ostsee.  Bei  weitem  der  wichtigste
ist  Hamburg,  demnächst  Bremen  mit
Bremerhaven,  Stettin,  Nenfahrwasser
(Danzig),  Königsberg,  Lübeck,  Kiel,
Geestemünde,  Pillan,  Swinemünde;  ferner ­
  Memel,  Stralsund,  Rostock,  Wismar,
Flensburg,  Kappeln,  Tönning,  Altona,
Harburg,  Wilhelmshaven,  Brake,  Papenburg ­
  ,  Emden  und  Leer.
a)  Die  deutsche  Handelsmarine
nimmt  unter  den  Handelsflotten  Europas ­
  nach  Großbritannien  und  Norwegen
die  dritte  Stelle  ein.  Der  Bestand  der
deutschen  Seeschiffe  1.  Jan.  1880  war
4777  mit  einem  Nettoraumgehalt  von
1,171,286  Ton.  und  10,289  Mann  Be-
        <pb n="165" />
        Deutschland  (Verkehrswesen:  Dampfer-gesellschaften).  157

sahttng.  Das  Anwachsen  der  deutschen
Handelsflotte  zeigen  nachstehende  Zahlen:

Jahr

1871
1872
1878
1874
1875
1870
1877
1878
1879
1880

Segelschiffe

19
4372
4354
4311
4242
4303
4426
4491
4409
4453
4403

Ton.
900301
891000
809037
800092
878385
901313
922  704
934550
949407
974943

Dampfschiffe

i
147
175
210
253
299
319
318
330
351
374

To».
81994
97030
129521
107033
189998
183509
180940
183379
179002
190343

zusammen

Tonnen

4519
4529
4527
4495
4002
4745
4809
4805
4804
4777

982355
988090
999158
1033725
1008383
1084882
1103050
1117935
1129129
1171280

Wie  ersichtlich,  ist  die  innerhalb  dieser  10
Jahre  erfolgte  Bergrößcrnng  der  Handelsflotte ­
  fast  gänzlich  auf  Rechnung  der  auf
weit  über  das  Doppelte  verstärkten  Dam-Pferflotte
  zu  sehen.  Dieselbe  war  1.  Jan.
1880  auf  374  Schiffe  von  196,343  Ton.
gestiegen,  und  zwar  hatten:
Hamburg  .  Ill  Dampfer  88900  Ton.
Bremen.  .  07  -  59400  -
Preußen  .  158  -  30793  °
Lübeck  .  .  27  -  0041  -
Mecklenburg  11  -  4489  -

Die  bedeutendsten  D  a  IN  p  f  c  r  g  e  s  e  l  lschaftcn
  sind:  in  Hamburg  die  Hamburg-Amerikanische ­
  Paketfahrt-Aktiengescllschaft,
  Hamburg  -  Südamerikanische
Dampfschiffahrtsgesellschaft,  der  »Kosmos«, ­
  Perlberger  Dampfschisfrcederei,
Sloman  n.  Ko.,  R.  Sloman  jun.;  in
B  ï  e  nt  e  it  der  Norddeutsche  Lloyd;  in  L  ü  -
beck  die  Livland-Dampfschiffahrtsgesellschaft, ­
  LübcckcrDampfschiffahrtsgesellschaft,
Lübeck  und  Finnland-Dampfschiffgesellschaft, ­
  Neue  Riga-Lübeck-Dampfschiffgesellfchaft,
  Hanseatische-Dampfschiffgesellschaft,
  Schwedische  Dampfschiffgescllschaft,
Lübeck-  Liban  -  Dampfschiffgesellschaft  ;  in
Stettin  die  Diene  Dampfer-Kompanie,
Stettin  -  Kopenhagen  -  Dampfschisfgesellschaft,
  Stettin  -  Riga  -  Dampsschifsgesellschast,
  Vereinigte  Dampfschisfgesellschaft;
in  Kiel:  Essen  u.  Kasch,  Sartori  u.  Berber, ­
  H.  Schlotfcldt.  Unter  den  384  deutschen ­
  Hcimatöhäfcn  gab  es  Ende  1880
zwölf,  deren  Flotte  großer  als  20,000Ton.
war,  nämlich:

Hamburg  .  481  Schiffe  239802  Ton.
Bremen.  .  320  -  201357  -

Rostock  .  .  340
Stralsund  .  290
Danzig  .  .  170
Barth  .  .  238
Stettin  .  .  109
Elsfleth.  .118
Geestemünde  54
Memel  .  .  81
Bremerhaven  24
Papenburg  .  137

-  103735  -
-  47104  -
-  44842  -
-  43073  °
-  41887  -
-  41872  -
-  30792  -
-  27130  .
23470  -
-  20429  -

In  zweiter  Linie  folgen  8  Häfen,  deren
Reederei  weniger  als  20,000,  aber  mehr
als  10,000  Ton.  umfaßt.  Es  sind  dies:
Brake  18,900,  Blankenese  17,983,  Apenrade ­
  14,570,  Flensburg  12,238,  Kiel
11,996,  Rügenwalde  11,305,  Greifswald
10,707,  Altona  10,239  T.  Keiner  der
übrigen  Seehäfen  hat  10,000  T.;  Wismar ­
  und  Wolgast  sind  erst  kürzlich  unter
diese  Grenze  gesunken;  Lübeck  mit  9666
T.,  davon  66^1  T.  für  die  Dampfer,  hat
sie  noch  nicht  erreicht.  —  Von  der  Gesamt
zahl  von  4777  Schiffen  mit  1,171,286  T.
deö  Jahrs  1880  kamen  auf  das
Ostscegebirt  1989  Schiffe  von  447  550  Tonnen
Nordscegebiet  2788  -  -  723  730

Auf  die  preußischen  Provinzen  Ost-  und
Westpreußcn,  Pommern,  Schleswig-Holstein ­
  und  Hannover  entfallen  3193  Schiffe
von  480,390  T.,  also  ca.  zwei  Drittel  der
Gesamtzahl  der  Schiffe,  aber  noch  nicht
die  Hälfte  des  Tonnengehalts.  —  Hinsichtlich ­
  der  Große  der  Schiffe  belehrt
ilns  die  »Statistik  des  Deutschen  Reichs«,
daß  D.  1.  Jan.  1880:  11  Schiffe  (lODampfer)
  von  mehr  als  2000  T.  besaß,  zwischen ­
  1400  und  2000  T.:  42  Schiffe,  davon ­
  34  Dampfer,  1000—1400  T.  :  130
Schiffe,  800-1000  T.:  120  Schiffe,  600
bis  800  T.:  156  Schiffe  rc.;  unter  50  T.
Raumgehalt  waren  1396  Schiffe  vorhanden. ­
  Von  der  Gesamtzahl  waren  38  Raddampfer
  und336Schraubendampfcr;  von
Eisen  erbaut  waren470,  davon  358  Dampfer, ­
  von  hartem  Holz  und  Eisen  4  Schiffe;
1845  Schiffe  führten  Chronometer,  davon
2  Schiffe  3,  85  Schiffe  2  Chronometer.
h)Schiffsverkehr.  Die  nachfolgende,
offiziellen  Angaben  entnommene  Aufstellung ­
  schließt  alle  nicht  zu  Haudelszwecken
angekommenen  und  abgegangenen  Schiffe
        <pb n="166" />
        158

Deutschland  (Seeverkehr;  Eisenbahnen).

aus;  auch  sind  diejenigen  Schiffe,  welche
auf  einer  Reise  mehrere  deutsche  Hafen  berührten ­
  und  deshalb  für  dieselbe  Reise
mehr  als  einmal  angeschrieben  wurden,
für  daö  Deutsche  Reich  im  ganzen  als  nur
einmal  angekommen,  beziehungsweise  abgegangen ­
  aufgeführt.
Den  Seeverkehr  in  den  deutschen
Hafen  Plätzen  gibt  folgende  Tabelle:

Jahr

1874
1875
1876
1877
1878
1879

Angekommen
-chiffe  Tonnen

49121
45750
44833
47791
52393
51837

6620714
6505217
6584679
6967643
6954483
7361723

Abgegangen
Schiffe  Tonnen

47568
44077
45261
47358
52029
51791

6  163  922
6406848
6  725819
6974621
6950348
7401225

Wie  bei  der  Entwickelung  der  Marine
daö  stetige  Anwachsen  der  Dampferflotte
zu  konstatieren  war,  so  laßt  sich  auch  hier
die  beständige  Zunahme  des  Verkehrs  der
Dampfer  nachweisen  und  zwar  auf  Kosten
der  Segelschiffe,  wenn  nicht  in  Bezug  auf
die  Zahl,  so  doch  hinsichtlich  des  Tonnengehaltö.
  Von  1873—79  stieg  die  Zahl  der
in  deutsche  Häfen  eingelaufenen  Schiffe
von  48,004  auf  51,837,  während  die  Zahl
der  Dampfer  in  der  gleichen  Periode  eine
Zunahme  von  8712  auf  13,096  zeigte.  Dabei ­
  stieg  aber  der  Raunigehalt  der  Dampfer ­
  von  3,267,219  Ton.  auf  4,670,722  T.,
also  um  130  Proz.  Der  Raumgehalt  der
Schiffe  überhaupt  stieg  indes  von  6,240,593
T.  auf  7,361,723  T.,  also  nur  um  111
Proz.  Daß  die  Zunahme  des  Schiffsverkehrs ­
  ausschließlich  derK  ti  st  e  n  s  ch  i  f  f  a  h  r  t
und  nicht  der  großen  Fahrt  zu  danken  ist,
bei  welcher  sich  in  neuerer  Zeit  sogar  eine
geringere  Zahl  von  Schiffen  beteiligt,  lehren ­
  folgende  Zahlen.  Es  liefen  ein:

Jahr

Deutsches
Küstengebiet

Von  außerdeutscheu

europ.  Häfen

Von  nußcreuropäischeu

Häfen

1873  22384  23800  1777
1878  29774  20683  1749
1879  29501  20471  1865
Daß  diese  Abnahme  aber  nicht  einen
Rückgang  in  der  Schiffahrt,  vielmehr  ein
Ersetzen  der  kleinern  Schiffe  durch  größere
bedeutet,  beweist  eine  gleiche  Zusammen-Von

  außerdeutschen ­

europ.  Häfen

Von  außereuropäischen ­

Häfen

Deutsches

Jahr

Küstengebiet

1017563
1239002
1194482

4039615

4366  385

i  722  398

stellung  des  Tonnengrhalts  der  eingelaufenen ­
  Schiffe:

1873
1878
1879

1180801
1343174
1444843

In  welchen  Verhältnissen  die  verschiedenen ­
  Flaggen  an  diesem  Verkehr  teilnahmen, ­
  ergibt  daö  Folgende.  Es  liefen  1879
in  alle  deutschen  Häfen  ein:
Schiffe
Deutsche  37435

Britische
Dänische  .  .
Schwedische.  .
Norwegische  .
Niederländische
Russische  .  .
Nordamerikanische
Französische
Spanische  .
Italienische.
Belgische  .
Österreich-Ungarische

4878
5261
2081
1244
1086
552
52
132
51
31
15
9

Tonnen
3295019
2462385
429478
371690
350598
144616
127  793
59735
58616
25751
18041
7  776
4040

Der  deutsche  Schiffsverkehr  zeigt  in  allen
Meeren  eine  erfreuliche  Zunahme.  Von
55,442  Seereisen,  welche  1879  von  deutschen ­
  Fahrzeugen  (Dampf-  und  Segelschiffen ­
  zusammen)  mit  10,260,898  Ton.
Gehalt  gemacht  wurden,  entfielen  27,756
Reisen  auf  außerdeutsche  Abgangs-  und
Ankunftshäfen.  Die  deutscheFlagge  macht
der  englischen  im  britischen  Küstenverkehr
starke  Konkurrenz  und  nimmt  in  den  Häfen ­
  der  Vereinigten  Staaten  schon  die  dritte
Stelle  ein.
0.  Eisenbahnen.
Zwar  hatte  schon  vor  1826  daö  Kohlcngebiet
  der  Ruhr  und  Saar  über  8  Meilen
Eisenbahn,  aber  erst  1.  Dez.  1835  bewegte
sich  der  erste  von  Lokomotiven  bewegte  Zug
auf  der  Bahn  von  Nürnberg  nach  Fürth;
drei  Monate  später  eröffnete  die  Leipzig-Dresdener
  Bahn  ihre  erste  Strecke,  und  im
Oktober  1838  wurde  die  Berlin-Potsdamer, ­
  im  November  d.  I.  die  erste  deutsche
Staatsbahn  von  Braunschweig  nach  Wolfenbüttel ­
  eröffnet.  Gegenwärtig  breitet  sich
über  ganz  D.  ein  Netz  aus,  dessen  Maschen
sich  unaufhörlich  vervielfältigen.  Seine
        <pb n="167" />
        Deutschland  (Staats-,  Privatbahnen).

159

Entwickelung  zeigt  nachstehende  Zusammenstellung: ­


Ende  1845  :  2143  Kil.
.  1855  :  7826  -
-  1865:  13000  -
.  1875:  28182  -

Ende  1876:  29591  Kil.
-  1877:  31008  .
-  1878:  31362  -
-  1879  :  32  964  -

Bei  einem  Flächeninhalt  von  539,740
qkm  (inkl.  Elsaß-Lothringen)  und  einer
Einwohnerzahl  von  43,944,768  Einw.
(Mitte  1877)  kamen  auf  100  qkm  5,83
km  mid  auf  10,000  Einw.  7,43  km.  1869
war  die  Länge  der  Bahnen  17,594,7?  km;
sie  hat  sich  somit  während  deö  verflossenen
Decenniums  um  15,370  km,  also  um
über  88  Proz.,  vermehrt.  Die  Gesamtkosten ­
  der  Anlagen  erreichten  Ende  1879
die  Summe  von  8,072,320,511  Ml.  ;  davon ­
  kommen  auf:
Staatsbahnen  3379135805  Mark
Privatbahnen  unter  Staatsverwaltung ­
  1154597412  -
Privatbahnen  unter  Privatverwaltung ­
  2938587294  -
Die  Betriebseinnahmen  beliefen  sich
mis  848,982,957  m.  -  1.  Mprii  1880
betrug  die  Gesamtlänge  der  Eisenbahnen ­
  deö  Deutschen  Reichs  34,039,43  km
(davon  138,06  schmalspurig)  und  zwar:
a)  airnn.
Staatsbahnen  20031,81
Privatbahnen  unter  Staatsverwaltung  3482,39
Privatbahnen  unter  eigner  Verwaltung  7131,io

30645,30
b)  Bahnen  untergeordneter  Bedeutung.
Kilom.
Staatsbahncn  2  248,03
Privatbahnen  unter  Staatsverwaltung  434,91
Privatbahnen  unter  eigner  Verwaltung  711,39

3394,33
Durch  Gesetz  vom  9.  März  1880  wurde
die  preußische  Regierung  ermächtigt,
51,708,350  Mk.  durch  Staatsschuldverschreibungen ­
  für  Neubauten  zu  erheben.
Das  Verhältnis  zwischen  Staatsb
  ah  neu  und  Privatbahnen  verschob
sich  in  den  letzten  Jahren  vollständig.
Durch  das  Gesetz  vom  20.  Dez.  1879
ward  der  preußische  Staat  ermächtigt  und
verpflichtet,  die  Verwaltung  der  Berlin-Stettiner,
  Magdcbllrg  -  Halberstädter, ­

  Hannover-Altenbekener
und  Kvln-Mindener  Eisenbahnqcsellschaften
  zu  übcrnehmeit.  Am  1.  Febr.'l88O
wurde  der  gesamte  Besitz  dieser  Bahnen
dem  Staat  übergeben.  Am  14.  Febr.  188O
wurde  ein  gleiches  Gesetz  erlassen,  welches
dieVerwaltungder  Rheinischen  und  der
Berlin  -  Potsdam  -  Magdeburger
Eisenbahn  vom  1.  April  1880  ab  in  die
Hände  des  Staats  überführte.  Durch  Gesetz ­
  vom  25.  Febr.  1880  wurde  dann  noch
die  Ho  mb  urger  Eisenbahn  und  durch
Gesetz  vom  7.  März  1880  der  hessische  Anteil ­
  der  Main-Weserbahn  erworben.
Somit  beträgt  die  Länge  der  vom  Staat
angekauften  Bahnen:
Berlin-Stettiner  Bahn  956  Kilom.
Magdeburg  -  Halberstädtcr  Bahn  .  1026
Hannover-Altenbekener  Bahn  .  .  271
Köln-Minbener  Bahn  1114
Rheinische  Bahn  1349
Berlin-Potsdam-Magdcburger  Bahn  269
Hamburger  Bahn  18
Hess.  Anteil  der  Main  -  Wescrbahn  .  65

Summa:  5068  Kilom.
Der  gesamte  den  Aktionären  der  Berlin-Stettiner,
  Magdeburg-Halberstädter,
Hannover-Altenbekener,  Kvln-Mindener,
Rheinischen  und  Berlin-Potödam-Magdebnrger
  Eisenbahnen  zu  zahlende  Kaufpreis
betragt  841,971,120  Mk.  Dazu  kommen
ungetilgte  Anleiheschulden  im  Betrag  von
984,962,700  Mk.,  welche  der  Staat  als
Sclbstschuldner  zu  übernehmen  hat.  Ter
Ankaufspreis  der  Hombnrger  Bahn  und
des  Anteils  der  Mani-Weserbahn  beziffert
sich  auf  19,050,000  Mk.
Eine  neue  Organisation  der  Verwaltungsbehörden ­
  der  Staatsbahnen  trat
mit  1.  April  1880  in  Kraft.  Danach
bestehen  unter  Leitung  des  Ministers  der
öffentlichen  Arbeiten  elf  Eiscnbahndirektionen
  mit  Eisenbahnbetriebsämtern  und
Eisenbahnbaukommissionen  und  zwar:  1)
Die  Direktion  der  Niederschlesisch-Märkischen ­
  Eisenbahn  inB  er  li  n,  Betriebslänge
1466  km;  3  Betricböämter  in  Berlin  und
je  1  in  Breslau,  Görlitz,  Halle.  2)  Direktion ­
  derOstbahn  in  Bromberg,  Betriebölänge
  2590  km;  Bctriebsämter  in  Berlin
©WM#,  Skmaig,
berg  1.  Pr.,  Thorn,  Bromberg,  Stettin.
        <pb n="168" />
        160

Deutschland  (Ncichspost,  Telegraphenwesen).

3)  Direktion  in  Hannover,  Betriebslänge ­
  1162  km;  Betriebsämter  in  Münster, ­
  Dortmund,  Paderborn,  Hannover,
Bremen.  Kassel.  4)  Direktion  in  Frankfurt ­
  a.  M.,  Betriebslänge  1690  km;
Betriebsämter  in  Berlin,  Nordhausen,
Wiesbaden,  Trier,  Saarbrücken,  Frankfurt ­
  a.M.,  Kassel.  5)  Direktion  der  Oberschlesischen ­
  Bahn  in  Breslau,  Betriebslänge ­
  1586  km;  Betriebsämter  in  Breslau, ­
  Posen,  Glogau,  Ratibor,  Kattowitz,
Neiße.  6)  Direktion  der  Bergisch-Märkischen
  Bahn  in  Elberfeld,  Vetriebslänge
1330  km;  Betriebsämtcr  in  Aachen,  Düsseldorf, ­
  Hagen,  Essen,  Kassel,  Altena.  7)
Direktion  in  S  t  e  t  t  i  n  (Streckeil  der  Berlin-Stettiner
  Eisenbahn)  mit  596  km.  8)
Direktion  in  Magdeburg  (Strecken  der
Magdeburg-Halberstädter  Eisenbahn)  mit
1433  km.  9)  Direktion  der  Köln-Mindener
  Eiscilbahn  in  Köln  mit  1041  km.
10)  Direktion  der  Rheinischen  Eisenbahil
in  Köln  mit  1349  km.  11)  Direktion  der
Berlin  -  Potsdam  -  Magdeburger  Eisenbahn ­
  in  Berlin  mit  269  km.
D.  Post-  unv  Telegraphenwesc».
Das  Postwesen  wie  das  Telegraphcnwesen
  Deutschlands  stehen  beide  unter  keiner ­
  einheitlichen  Leitung,  sondern  vcrtcilcn
  sich  zwischen  Reichspostgebiet,  Bayern
llnd  Württemberg,  welch  letztere  beiden
Staaten  besondere  Verwaltungen  haben.
Über  das  Post-  und  Telegraphenwesen
dieser  beiden  Staaten  s.  die  betr.  Artikel.
a)  Das  deutsche  RcichSpostgebiet
umfaßt  444,441,76  qkm  (ausschließlich
4343,8  qkm  Wasserfläche)  mit  0875)
35,851,475  Einw.  Die  Anzahl  derReichspostaustalten
  stieg  von  6556  Ende  1875
auf  7366  am  15.  Juni  1880.  Die  Verwaltung ­
  konnte  vom  1.  Jan.  1876  bis  Ende
März  1880  über  48  Mill.  Mk.  reinen  Überschuß ­
  an  die  Reichshauptkasse  abliefern.
Es  betrugen  (iir  Millionen  Mark)  :

Jahr

1877—  78
1878—  79
1879—  80

Einnahmen ­


123.6
126,2
131.6

Aus-Naben


113,6
112,i
ll4,o

Überschuß ­


10.0
14.1
17,5

Die  in  den  letzten  Jahren  eingeführten
tzostanfträge  haben  sich  von  Jahr  zu  Jahr

einer  größer»  Beliebtheit  zu  erfreuen  gehabt; ­
  von  138,906  Stück  mit  einem  Betrag ­
  von  9,558,000  Mk.  im  Jahr  1872
stiegen  sie  auf  3,408,656  Stück  mit  einem
Wcrtbetrag  von  314,496,417  Mk.  Die
gesamte  Thätigkeit  des  deutschen  Reichspostbetricbö
  1879  —  80  gibt  die  nachstehende ­
  Zusammenstellung:
Verkehr  des  Reichspostgebiets
1879  —  80.
Briefe,  Postkarten,  Drucksachen ­
  u.  Warenproben
Pakete  ohne  Wert
Pakete  mit  Wert
zum  Wert  von
Postnachnahmen.
zum  Betrag  von
Postaufträge.  .
zum  Betrag  von
Postanweisungen
zum  Betrag  von
Geldbrlefe.  .  .
zum  Wert  von
Zeitungen.  .  .
Reisende  .  .  .

808854970
57064400
2520810
3567120880
2  796700
51907400
3408656
314496417
39017196
2217692912
6995510
7000087350
342961040
2750333

Stuck

Marli
Stückt
Marks
Stück,
Marks
Stück,
Marks
Stück,
Marks
Stück

Wenn  alls  fast  allen  Gebieten  die  Thätigkeit ­
  eine  außerordentlich  gesteigeitewar,
so  muß  doch  vornehmlich  das  kolossale  An
lvachsen  der  Geldgeschäfte  in  Erstanncil
setzen,  welche  derPost  zur  Besorgung  übergeben ­
  werden.  Nur  die  Anzahl  der  Reisenden ­
  nimmt  stetig  ab,  eine  natürliche
Folge  der  Ausdehnung  des  Eisenbahnnetzes, ­
  welches  die  Poststraßen  mehr  und
mehr  ersetzt  und  verdrängt.
b)  Telegraphen  wesen.  Ende  1879
zählte  Ulan  im  Neichspostgebiet  7852  Telegraphenanstalten, ­
  davon  5114  Staatsund ­
  2738  Eisenbahntelegraphenämter.
Das  Reichütelegraphenwescn  nahm  besonders ­
  seinen  Aufschwung  seit  Verschmelzung ­
  der  Reichs-Post-  und  Telegraphenverwaltnng
  (1.  Jan.  1876).

Jahr

Ende  1875.  .
1.  Jan.  1880  ._
Zunahme:

Linien
Kilom.

35  708
55952

20244

Leitungen
Kilom.

132010
196353

64343

Telegraphenämter ­


1945
5114
3169

Die  Zahl  der  Beamten  war  1879:  3245.
1878—79  ergab  sich  für  beide  Verwaltnngen
  eilt  Überschuß  von  14,084,256  Mk.
        <pb n="169" />
        Deutschland  (Finanzen,  Staatshaushalt).

ben  Gilbe  1879  5e#e,ibcn
.  -17»  .legraphenanstalten  waren  5007
".r  Postanstalten  verbnndcn  und  nur  95
selbständig.  Riesengebirge,  Rhön,  Harz,
Şstuerland,  Westerwald,  Hunsrücken,
Vogesen,  Frische  und  Kurische
Nehrung  sind  in  den  Telegraphenverkehr
l'W'ngezogen  worden.  Bis  Ende  Marz
ZLSLVZá
Oj  chlsche  Telegraphenverein  45,475  km
Ä"« m  Ņrieb,  wovon  ans  Österreich
-',400  km,  die  Niederlande  1014  km,  auf
m  ^0,3"  km  entfielen.  1879  zeigte
n  ^^'Ģtelegraphengebiet  (ohne  Bayern
u-Württemberg,  s.d.)  folgende  Resultate:
mtste  ber  Linien  55952  km

G,àitunnen  196353  -
"aatstelenraphenämter  5114
,  Yenbahntelegraphenämter  ....  2738
'  siiJ lte  "^fgegebme  Telegramme
-privattelegramme  8331742
Staatstelegramme  320277
Internationale
Aufgegebene  1975019
Angekommene  1967  259
Transittelegramme  383941

Zusammen  Telegramme:  12978238
e  .Unterirdische  Leitungen  bestehen
seit  1876;  die  erste  Versuchslinie  war
Berlin-Halle.  Bis  Ende  1879  waren
3667  km  mit  25,515  km  Leitungeil  vollendet; ­
  die  Kosten  der  Herstellung  beliefen
#  nus  12,721,821  m,  bic  ber  ltntci-=Haltung
  nur  auf  2413  Mk.  jährlich  gegen
1,606,590  Mk.  bei  den  oberirbischen  Leitungen. ­
  Die  meisten  Linien  habeil  7,  einige
4  Leitungen.  An  Flußkabeln  bei  Elbe,  Habel, ­
  Rhein,  Neckar  u.  a.  würben  3642*  m
'u  30  Abschnitten  verwendet.  Es  wurden
4876—81  hergestellt  folgende  Linien:
0  Berlin  —  Halle.
“)  Kassel  —  Frankfurt  —  Mainz.
-*)  Halle  —  Leipzig.
*)  Berlin  —  Hamburg  —  Altona,
w  Hamburg  —  Kiel.
¡9  Hamburg  —  Kuxhaven.
7)  Berlin  —  Magdeburg  —  Braunschweig  —  Hannover ­
  —  Minden  —  Munster  —  Wesel  —
Düsseldorf  —  Köln  —  Aachen.
Handclsgeographie.

161

8)  Köln  —  Elberfeld  —  Barmen
•5»Ära&amp;amp;£«x
(Bremerhaven  und  Wilhelmshaven).
11)  Köln  —  Koblenz  —  Mainz.
12)  Straßburg  —  Bit  sch  —  Metz.
13)  Berlin  —  Dresden.
14)  Berlin  —  Frankfurt  —  Breslau.
15)  Berlin  —  Müncheberg  —  Küstrin  —  Posen  —
Thorn  —  Danzig.
10)  Berlin  -  Stettin  -  Kolberg  -  Danzig  -
Königsberg.
In  Angriff  genommen  sind  die  Linien:  Königöberg-Eydtknhncn
  und  Breslan-Oberberg,
  später  kommen  an  die  Reihe  Lciprig-Mllnchen
  und  Karlsruhe-Stuttgart.  —
Unter  den  technischen  Neuerungen,  welche
die  Reichstelegraphie  in  den  letzten  Jahren
einführte,  sind  die  Telephone  erwähnenswert, ­
  welche  ans  Entfernnngen  bis
60  km  sich  als  vollkommen  wirksam  erweisen. ­
  Ende  1879  waren  bereits  782
Fernsprecher  für  den  Verkehr  eröffnet.  —
S  n  b  in  a  r  i  n  e  Ka  b  e  l  besitzt  D.  eins  zwischen ­
  Rügen  und  Schonen  mit  Schweden
gemeinschaftlich,  ein  andres  von  250  Seemeilen ­
  Länge  über  Sylt  nach  Aarendal  in
Norwegen  allein.
VI.  Kilianjttt.
A.  Staatshaushalt.
DaS  Etatsjahr,  ursprünglich  mit  dein
Kalenderjahr  laufend,  beginnt  1.  April
Dsts  Budget  des  Deutschen  Reichs  für
1879—80  war  546,5  Mill.  Mk.  in  Einnahme ­
  und  546  Mill.  Mk.  in  Ausgabe.
Rechnet  inan  aber  die  Einzelstaaten  mit  ein
so  hatte  1878  das  Reich  1716  Btill.  Mk.
für  Staatsbedürfnisse  aufzubringen;  doch
waren  dieEinnahmen  nur  auf  1712  Mill.
Mk.  berechnet,  wovon  265  Mill.  (6,20  Mk
pro  Kopf)  aus  direkten,  410  Mill.  Mk.  (9,co
pif.  pro  Kops)  aus  indirekten  Steuern
flössen.  Der  Reichshanshaltsetat
für  das  Etatöjahr  1881  —  82  beläuft
flch  tu  Einnahme  und  Ausgabe  auf  je
:&amp;gt;92,956,554  Btk.  Von  ben  Ausgaben
kommen  81,304,493  Mk.  auf  einmalige
und  511,652,061  Mk.  auf  fortdauernde.
Bei  der  E  i  il  n  a  h  »,  e  sind  Hauptposten  :
Zölle  und  Verbrauchssteuern  335,490.150
Btk.  (davon  Rübenzuckerstener  49,5  Mill
%%%%%
11
        <pb n="170" />
        162

Deutschland  (Staatsschuld;  Kreditwesen).

Posten  uub  Telegraphen  18,697,145  Mk.
(Einnahmen  137,7Mill.,  Ausgaben  119
Mill.  Mk.),  Eisenbalmen  11,039,400  Mk.
(Einnahmen  37,e  Mill.,  Ausgaben  26,5
Mill.Mk.),  ans  dem  Reichsinvalidenfonds
31,071,344  Mk.  und  Matrikularbeiträge
  103,288,523,Mk.  Letztere  verteilen
sich  auf:
Preußen  52  501405  Mk.
Bayern  20149588  -
Sachsen  5624998  -
Württemberg  7281433  -
Baden  5185452  -
Hessen  1806698  -
Mecklenburg  -  Schwerin.  .  .  1129439  -
Sachsen-Weimar  597434  -
Mecklenburg  -  Strclitz  .  .  .  195125  -
Oldenburg  651238  -
Braunschweig......  667304  -
Sachsen-Meiningen.  .  .  .  396  669  -
Sachsen-Altenburg  ....  297448  -
Sachsen  -  Koburg  -  Gotha  .  .  372409  -
Anhalt  435562  -
Schwarzburg-Sondershausen.  137625  -
Schwarzburg-Rudolstadt.  .  156379  -
Waldcck  111648  -
Reuß  ältere  Linie  ....  95823  -
Reuß  jüngere  Linie.  .  .  .  188405  -
Schauinburg-Lippe.  ...  67575  -
Lippe  229343  =
Lübeck  116070  -
Bremen  290016  -
Hamburg  792583  -
Elsaß-Lothringen  ....  3810854  -
Bei  dcu  Ausgaben  beansprucht  die
Verwaltung  des  Reichsheers  nicht  weniger
als  342,190,985  Mk.  fortdailernde  und
51,130,733  Mk.  einmalige  Ausgaben,  die
Reichöschltld  10,602,500  Mk.,  Gesandtschaften ­
  und  Konsulate  5,021,300  Mk.
Unter  den  außerordentlichen  Züsch ­
  n  s  se  n  gab  es  in  den  Einnahmen  bedeutende ­
  Summen,  so  aus  der  französischen
Kriegsentschädigung  1873:2,39  i  ,727,817
Mk.,  aber  1880—81  nur  noch  3,360,766
Mk.  und  1881-82:  1,728,245  Mk.  Die
Mehreinnahme  betrug  1873:  63,139,121
m.iwbl874:2,458,4913Rf.;  bawc#(tt
fortwährend  eine  Mehrausgabe  stattgefunden. ­
  Bis  1878—79  waren  aber  immer  noch
Überschüsse,  eine  Folge  der  großcnZahlungen
  der  französischen  KricgSkostenentschädigung;
  danach  stellten  sich  reine  Defizits
heraus.  Unter  den  einmaligen  Ausgaben
wurden  beträchtliche  Summen  für  Postund

  Telegraphenverwaltung  (zu  Nenbantcu),
  zur  Durchführung  der  Münzreform
und  für  Neichöeisenbahnen  ausgeworfen.
ll.  Staatsschuld.
Die  Staatsschuld  der  dentscheil
Länder  ohne  Österreich  betrug  1819  nach
Abzug  der  Aktiva  1241  Mill.,  stieg  1854
auf  2056  Mill,  und  betrug  1878  :  4222
Mill,  oder  nach  Abzug  der  Aktiva  3385
Mill.  Mk.  Die  deutschen  Staaten  hatteil
1878  zusammen  192  Mill.  Mk.  für
Zwecke  der  Staatsschllld  alifzllbriugen,
was  einer  Belastung  von  4,50  Mk.  pro
Kopf  entspricht.  Die  Schulden  des
Reichs  bestauben  31.  März  1879  in
138,865,150  Mk.  verzinslichen  Schuldverschreibungen, ­
  60,004,000  Mk.  unverzinslichen ­
  Schatzanweisungen,  163,097,900
Mk.  Rcichskassenscheinen,  zusammen  in
361,987,000  Mk.,  dazu  Zinsrückstände
52,300  m.
Au  Fonds  waren  31.  Jan.  1880:
Mark
Rcichsinvalideiifonds  ....  549459707
Neichsfestungsbaufonds  .  .  .  73488596
Fonds  für  das  Reichstagsgcbnude  29522518
Reichskriegsschah  120000000
Eine  vergleichende  Übersicht  des  HauöhaltSetats
  seit  1872  ergibt:

Jahr

1872
1873
1874
1875
1876
1877—  78
1878—  79
1879—  80
1880—  81
1881-82

Einnahmen
und
Ausgaben  je

340970000
356521467
449428920
515018563
474256998
540608165
536496800
540  796537
539252640
592956554

Zölle  und
Verbrauchssteuern ­


187608300
196569780
208716150
229017690
242629170
253053810
250326840
251698360
307196470
335490150

Matrikular-



96648162
73943601
67186  251
68969549
71376215
81044171
87145516
90371390
81670950
103288523

VII.  Kreditwesen.
Durch  das  Vankgesetz  vom  14.  März
1875  ist  das  Recht  zur  Notenemission  von
der  Erwerbung  durch  ein  Neichsgesetz  abhängig ­
  gemacht  worden.  Eine  unter  Anfsicht
  und  Leitung  des  Reichs  stehende  Anstalt, ­
  die  Ncichsbank  (s.  S.  163)  zu
Berlin,  hat  die  Aufgabe,  den  Geldumlauf
im  gesamten  Bundesgebiet  zu  regeln.
        <pb n="171" />
        11*

Deutschland  (Banken,  Sparkassen,  Vorschnßvercine).  163
Mt.,  durchschnittlich  735,013,000  Mk
eine  %,mahnte  bet
ReichsLantnoten  besteht  nicht,  doch  sind
in  Preußen  die  königlichen  Kassen  angcwicsen,
  dieselben  bei  allen  den  Nennbetrag ­
  der  Noten  erreichenden  oder  übersteigenden ­
  Zahlungen  anzunehmen.  Am  1.
Jan.  1381  hatte  die  Neichsbank  in  den
verschiedenen  Teilen  Deutschlaildö  221
Zwciganstaltcn,  von  denen  17  Reichsbankhanptstcllen,
  43  Reichöbankstellen,  129
Reichöbankncbenstellen,  29  Warendepots,
2  Kommanditen  und  1  Regierungshaupttasse. ­
  Die  Hanptstellcn  waren:  Bremen,
Breslau.  Danzig,  Dortmund,  Frankfurt
a.  M.,  Hamburg,  Hannover,  Köln,  Königsberg, ­
  Leipzig,  Magdeburg,  Mannheim, ­
  München,  Posen,  Stettin,  Straßburg
  und  Stuttgart.  Der  Umsatz  bei  der
Rcichobank  und  ihren  Anstalten  betrug
1880  :  52193508000  Mark
1879:  47458751900  -
1878  :  44255000000  -
1877  :  47541000000  -
1876  :  36685000000  .
Die  Zahl  der  S  p  a  r  k  a  s  s  e  n  war  in  :

Die  deutschen  Banken  187».
Kapital  Dividende
Mill.  Mark  Prop
34  Banken  mit  einem  Aktienkapital ­
  bis  10  Mill.  Mark  144,u  5,0
10  Banken  mit  einem  Aktienkapital ­
  bis  15  Mill.  Mark  115,7  6,4
10  Banken  mit  einem  Aktienkapital ­
  über  15  Aiill.  Mark  322,5  7,«
4  Banken,  die  keine  Dividende
verteilt  haben  47,o  —
4  Mäklerbanken  .  .  .  .  .  6,o  14,4
Diskontogesellschaft  in  Berlin  60,o  10,o
Berliner  Kassenverein  ...  3,o  8,9
Zusammen  64  Banken:  699,1  6,8
-0  Hypothekenbanken  .  .  .  194,2  5,o
17  Notenbanken  148,3  5,3

Insgesamt  107  Banken:  1041,o  0.4
.  1878  gab  es  95  Banken  mit  einem  Kapital ­
  voll  955,3Mill.  Mk.,  welche  5.sPrvz.
Dividende  verteilten;  1877:  90  Banken
mit  936,1  Mill.  Mk.,  Dividende  5,6  Pro;.
Bis  1877  hatten  33  Notenbanken  beftcinbeu,
  seitdem  (einschließlich  der  Neichsbank) ­
  nur  noch  18;  15  der  frühern  Zcttelbanken
  hatten  aus  das  Recht  derRotenansgabe
  verzichtet.  Die  17  Notenbanken
Und  folgende:  Städtische  Bank  zu  Breslau, ­
  Kölnische  Privatbank,  Magdeburger-Privatbank,
  Danziger  Privataktienbank,
Provinzialaktienbank  des  GroßhcrzogtumS
  Posen,  Hannöverische  Bank.  Frankfurter ­
  Bank,  Bayrische  Notenbank,  Sächsische ­
  Bank  zu  Dresden,  Leipziger  Kassenverein, ­
  Chemnitzer  Stadtbank,  Württem
bergische  Notenbank,  Badische  Bank,  Bank
für  Süddeutschland,  Kommerzbank  in
Lübeck,  Bremer  Bank,  Braunschweigische
Bank.  Die  Noten  dieser  Banken  haben
Umlanfsfcihigkeit  im  ganzen  Reichsgebiet,
nur  die  der  Braunschweigischen  Bank  sind
ans  das  Herzogtum  beschränkt.
Die  Neichsbank  wurde  durch  das
Peichsgesetzvom  30.  Jan.  1875  gegründet,
indem  die  Preußische  Bank  in  dieselbe  nmstswandelt
  wurde.  Ihr  wurde  die  Befugnis ­
  erteilt,  bis  zu  250  Mill.  Mk.  Noten
M)ne  Metalldeckung  und  ohne  Steuer  auszugeben. ­
  Die  Noten  in  NeichSwährnng
muten  auf  100,200,500  ».  1000  Mk.  Bon
,  esen  Noten  waren  1880  im  Umlauf:  als
on^igste  Summe  15.  Sept.  681,666,000
JJ 0. r  als  höchste  30.  Juni  814,303,000

Jnhi  Katze,i  %%%  Mark
Preußen  .  .  .  1879:  1174  1476.8
Bayern.  .  .  .  1869  :  260  49, 8
Sachsen.  .  .  .  1878:  108  293,o
Württemberg.  .  1877:  —  67  o
Baden  ....  1875:  102  95'r,
Hessen  .  .  ;  .  1875:  39  49,:,
Mecklenburg  .  .  1872:  31  21,4
Elsaß-Lothringen  1872:  21  5,6
Die  Anzahl  der  Borschustvereine  betrug ­
  1878:  2898;  bei  948  Vereinen  mit
480,507  Mitgliedern  waren  1878:
Gewährte  Kredite  1456003733  Mark
Geschäftsanteile  der  Mitglieder  102882342  -
Reserven  13853027  -
Darlehne  und  Spareinlagen.  346595413  -
Von  1052  bekannten  Konsumvereinen ­
  war  1878  der  Stand  bei  202  Vereinen ­
  mit  109,515  Mitgliedern  folgender:
Summe  des  Verkaufserlöses  .  .  28601934  Mark
Geschäftsanteile  der  Mitglieder  .  2927619  -
Reservefonds  852695  -
Aufgenommene  Anlehen  .  .  .  2810083  -
Schulden  der  Vereine  für  Waren  785394  -
Außenstände  bei  den  Mitgliedern  164703  -
Von  Genossenschaften  andrer  Gattnna
gab  es  1878:  0
        <pb n="172" />
        164  Deutschland  (Versicherungsgesellschaften;  Geld,  Maß  u.  Gewicht).

Industrielle  Landwirtschaftl.
Otohstoffgenosscnschaften  148  63
Magazingenosiensch.  .  531
Produktivgeuossensch.  .  133/
Werkgenossenschaften  .  —  135
Baugenossenschaften  .  —  49
Versicherungsgesellschaften.
Für  Feuerversicherung  bestanden
/Lude  1876:  73  öffentliche  Anstalten  (Societäten) ­
  mit  einer  Gcsamtversichcrnngssumme
  von  22,786  Mill.  Mk.  in  der
Gcbändeversicherungs-  und  von  792  Mill.
Mk.  in  derMobiliarversicherungsbranchc.
Hiervon  waren  in  beiden  Branchen  rückversichert ­
  713  Mill.  Mk.  An  Beiträgen
wurden  erhoben  39  Mill.  Mk.  (1  ,69  pro
Mille  der  versicherten  Summe),  ausgezahlt ­
  30  Mill.  Mk.  (1,30  pro  Mille).  Privat ­
  -  Gegenseitigkeitsanstalten  existierten
265  mit  einer  Gesamtversicherungssnmme
von  6014  Mill.  Mk.  (davon  2479  bei  der
Gothaer).  FcncrversichcrungSaktiengcsellschaften
  gab  es  27  mit  einer  Gesamtsumme
Cinsi.  Rückversicherungen)  von  35,111
Mill.  Mk.,  nach  Abzug  ver  in  Rückdeckung
gegebenen  Versicherungen  26—27,000
Mill.  Mk.  (die  Magdeburger,  die  größte,
hat  eine  Versicherungssumme  von  7 3 A
Milliarden  Mk.).  Die  Gesamtprämieneinnahme
  aller  Aktiengesellschaften  betrug
1876:67MÌU.ML,  bawn  25  Mid.
Mk.  für  Rückversicherungsprämien  ab.
Die  Ausgaben  für  Schäden  beliefen  sich
auf  22  Btill.  Mk.  —  Die  Zahl  der  Lebensversicherungen ­
  Ende  1879  war
36,  in  welchen  592,095  Personen  mit
2,029,062,020  Mk.  versichert  waren;  neu
versichert  wurden  55,672  Personen  mit
214,906,535  Mk.,  es  schieden  aus  durch
den  Tod  9904  mit  30,575,069  Mk.,  bei
Lebzeiten  29,216  mit  93,275,345  Mk.  —
Hülfskasscn.  Abgesehen  von  besondern
Kassen  einzelner  rheinisch-westfälischen
und  Berliner  Industrie-Etablissements,
bestanden  1878  die  folgenden  Altersversorgungs-
  und  Jnvalidenkassen:
Kasse»  Mitglieder  %%%"

Preuße»  111  27379  1543616
Bayern  10  2  826  556872
Sachsen  19  4106  540966

"briges  Deutschland  26  4796  403121
Zusammen:  166  39107  3  044575

Neben  diesen  Jnvalidenkassen  bestehen
Stcrbckasscn  und  zwar  Ende  1875:
Kassen  Mitglieder  Ņàgm

Preußen  ....  9426  973850  17080206
Bayern.  ....  418  214636  2277798
Sachsen  552  150780  1  639319

Übriges  Deutschland  723  259926  3514938
Zusammen:  11119  1  699201  24512261
Ungefähr  der  fünfte  Teil  der  Einwohner
Deutschlands  ist  demnach  direkt  oder  indirekt ­
  an  Sterbekassen  beteiligt.  —Knappschaftsvereine
  bestanden  in  Preußen
1.3w!.1879:84mit255,568MMiebm,,
einem  Vermögen  von  20,797,246  Mk.,
Einnahmen  12,779,616  Mk.,  Ausgaben
12,172,421  Mk.  Bayern  hatte  1876  in
41  Vereinen  6079  Mitglieder,  Vermögen
1,464,944  Mk.,  Einnahmen  469,266,
Mugici!  424,028  ML
Vili.  Geld,  Mass  und  Kewicht.
Die  zwischen  den  Zollvereinsstaatcn
1838  zu  Dresden  abgeschlossene  Münzkonvention ­
  machte  die  Silberwährnng  zur
alleinigen  Grundlage,  und  die  1857  zwischen ­
  Österreich  und  den  ZollvcrcinSstaaten
enthielt  eine  bestimmte  Anerkennung  der
reinen  Silberwährnng.  Aber  nach  den
Milliardenzahlnngen  infolge  des  deutschfranzösischen
  Kriegs  ging  man  durch  die
ReichSmünzgesetze  vom  4.  Dez.  1871  und  9.
Juli  1873  zur  r  e  i  n  e  n  G  o  I  d  w  ä  h  r  n  n  g
über.  Aus  einem  Pfund  feinen  GoldeS
werden  139  Vs  Stück  ausgeprägt;  solches
Stück  hat  einen  Nennwert  von  10  Mk.
Außerdem  werden  Goldmünzen  zu  5  Mk.
(279  aus  einem  Pfuild)  und  zu  20  Mk.
(69%  aus  einem  Pfund)  geprägt.  Der
Gesamtbetrag  der  Reichssilbermünzen
sollte  10  Mk.  pro  Kopf  der  Bevölkerung
nicht  übersteigen.  Während  man  Goldmünzen ­
  in  großen  Beträgen  ausprägte,
zog  man  Silbermünzen  ein.  Von  Anfang
1872  bis  Ende  1879  wurden  (in  Tausenden ­
  Mark)
Goldmünzen  Silbermünzen
ausgeprägt  .  .  .  1710  246,g  427  564,2
eingezogen  .  •  •  90948,4  1  080486,1
Es  wurden  somit  1,627,866,200  Mk.  in
Gold  mehr  allsgeprägt,  als  eingezogen,  dagegen ­
  657,928/8  &amp;gt;0  Mk.  in  Silber  mehr
        <pb n="173" />
        165

Dieppe  —  Dnjestr.

eingezogen,  als  ausgeprägt.  Außerdem
wurden  44,756,300  Mk.  in  Nickel  und
Kupfer  geprägt  und  3,512,300  Mk.  in
Kupfer  eingezogen.  Von  den  ausgeprägten ­
  Reichssilbermünzen  waren  überwiesen ­
  Ende  1879  an  Preußen  230,200,060
Mi.,  (tu  22,554,093  Ms.,  cm
Bayern,  Württemberg,  Baden,  Hessen, ­
  Elsaß-Lothringen  14,493,552  Mk.
Da  daö  Silbergeld  (10  Mk.  pro  Kopf)
uicht  zureichend  ist,  so  wurde  die  Vermehrung ­
  desselben  auf  12  Mk.  pro
Kopf  beschlossen.  Zu  der  Ausprägung
von  Goldmünzen  wurden  den  deutschen
Münzstätten  bis  Ende  1879  überwiesen
  1,237,046,:;  Pfd.  fein,  darunter  von
Reichswcgen  946,402,8  Pfd.  im  Wert  von
1,312,000,800  Mk.  Dieses  Material  bestand ­
  in  Pfund  fein:  deutsche  Münzen
64,103,8,  Barren  647,557,1,  Franken  und
Napoleonüdvr391,976,4(meist  französische
Kriegsentschädigung),  ferner  russische,  englische, ­
  amerikanische,  türkische,  spanische,
norwegische  Münzen.  Bis  1880  waren
,232,435  Pfd.  zu  Goldmünzen  ausgeprägt. ­
  Von  eingezogenen  Landessilbcrmünzen
  waren  bis  Ende  1879  in  Silberbarren
verwandelt  7,474,644,1  Pfd.  fein,  wovon
7,104,896  #.  fût  567,140,000  Ms.
kauft  wurden.  Da  sich  aber  der  Selbstkostenpreis ­
  auf  663,621,100  Mk.  belief,  so
stellte  sich  ein  Berlust  von  96,481,100  Mk.
heraus.  Ein  Reichspapiergeld  sind
die  Reichskassenscheine,  deren  Ausgabe
das  RcichSgcsetz  vom  30.  April  1874  im
Betrag  von  120  Mill.  Mk.  in  Abschnitten ­
  von  5,  20  und  50  Mk.  verfügte,
welche  Summe  nach  Maßgabe  der  Loikszählungvonl871
  unter  die  Bundesstaaten
verteilt  werden  sollte.  Bis  Ende  März
1880  waren  ausgegeben,  außer  der  gesetzlich ­
  bestimmten  Summe  von  120  Mill,
î,  auf  die  den  Staaten  zu  leistenden
Vorschüsse  54,082,100  Mk..  davon  zurückbezahlt
  und  vernichtet  14,637,300  Mk.,
so  daß  31.  März  1880  im  Umlauf  waren
159,444,800  Mk.,  davon  in  Abschnitten
%  5  Ms.:  45,376,700  Ms.,  20  Ms.:
42,788,300  Ms.,  50  Ms.:  71,279,800
Jcf.  Den  Geldumlauf  int  Deutschen
schätzt  Soetbeer  Ende  1880  (in
Aillionen  Mark):

Reichsgoldmünzeir
Früheres  Silbergeld  ’  4( . ( .
Reichssilbermünzen  *  ’  427
'Jiiftft  -  und  Kupfermünzen  ....  40
Gold  in  Barren  und  Sorten....  r,o
Reichskassenscheine  jeo
Ungedeckte  Banknoten  260
Zusammen:  2797
Es  liefen  um  pro  Kopf  1870:  57,77,
1880:  62,16  Mk.  und  zwar  Gold  1870:
2,81,1880:32,22  Mk.,Silber  und  Scheidemünze ­
  1870:  41,54,  1880:  20,eo  Mk.,
ungedecktes  Papiergeld  1870  :  13,42,
1880:  9,83  M(.
Maße  und  Gewichte.  Durch  daö
norddeutsche  Bundesgesetz  (17.  Aug.  1866)
und  Neichögesetz  (22.  April  1871)  ist  das
metrische  (französische)  Maß  und  Gewicht
1.  Jan.  1872  überall  eingeführt.
Dieppe,  Arrondissementshauptstadt  in
dem  franz.  Departement  Niederseine,  am
Kanal  und  der  Westbahn;  (1876)  19,471
©into.  Deutsches  Vicekonsulat;  Handelötribuual.—
  Fabriken  für  Tabak  (1  Mill,  kg
jährlich),  Fischfang  (Heringe,  Makrelen
und  Stockfische);  2  Austernparke  (jährliche ­
  Ausfuhr  nach  Paris  12Mill.Anstern).
Der  sehr  sichere  Hafen  hat  fast  10  in  Tiefe
und  vermag200  Schiffcvon  60—600  Ton
zu  fassen.  Wert  der  Ausfuhr  1878:  74,2
Mill.  Mk.,  der  Einfuhr  26,8  Mill.  Mk.
1880verkehrtcnhier20Schiffevon4976T
Dijon,  Hauptstadt  des  franz.  Departements ­
  Eöte  d'Or,  an  der  Eisenbahn
Paris-Lyon  und  andern  Linien;  (wo)
45,607  ©hito.  Banque  de  France,  Société
générale.  —  Wichtigste  Industrien:  Bierbrauerei ­
  ,  Fabrikation  von  Tuchen,  Wolldecken, ­
  Leinwand,  Spitzen,  Chemikalien  rc.
Limonaden-,  Wein-  und  Produktenhandel
(jährlich  56  Mill.  Mk.).
Dnjepr,  nach  der  Wolga  der  beträchtlichste ­
  Fluß  des  europäischen  Rußland.
1800  km  lang;  er  kann  voll  Ssmvlensk
bis  Kiew  von  Fahrzeugen  befahren  wcrdeu,
  dann  aber  treten  Stromschncllen  ein.
Schiffahrt  nur  im  Frühjahr  und  in  der
ersten  Hälfte  des  Sommers.  Seit  1835
befahren  Dampfer  (jetzt  17)  den  Strom.
Durch  den  Königs-,  OginSti-  und  Beresinakanal
  ist  der  D.  mit  der  Ostsee  verbunden
Dnjestr,  Fluß  in  Galizien  undRußland^
        <pb n="174" />
        166

Dobrudscha
820  kni  lang,  ergießt  sich  iilö  Schwarze
Meer.  Holz  wird  in  großen  Mengen  von
den  Karpathen  geflößt.  Schiffahrt  dauert
drei  Monate  im  Jahr.  Dampfschiffahrt
zwischen  Owidiopol,  Akjerman,  Majakow
und  Odessa  seit  1840,  auf  der  galizischen
Strecke  seit  1880.
Dobrudscha,  s.  Rumänien.
Dominica,  dritisch-westind.  Insel,  zu
den  Leewardsinseln  gehörig;  754  qkm(13,7
QM.)  mit  (1871)  27,178  Einw.  Hauptprodukt ­
  ist  Zucker  (Erport  1877:  57,751  Ctr.),
dann  Kaffee,  Kakao,  Tabak,  Rum,  Kupfererz, ­
  Schmuckhölzcr.  1878  betrug  die  Ausfuhr
  1,750,000,  die  Einfuhr  1,320,000
Mk.  und  der  Schiffsverkehr  320,000  Ton.
Kolonialeinnahnic  420,000  Mk.,  -Ausgabe
400,000,  Kolonialfckmld  160,000  Mk.
Dominikanische  Repnblik,  s.  Santo
Domingo.
Don,  Strom  im  europäischen  Rußland,
1460  km  lang,  ergießt  sich  unfern  Asow
ins  Asowsche  Meer.  Der  untere  D.  ist
schiffbar  von  Ende  Februar  bis  November.
Taganrog  ist  Centra  lhafen  für  die  auf
dem  D.  verkehrenden  Handelsschiffe,  außerdem ­
  ist  Rostow  wichtig.
Dona  Francisca^  deutsche  Kolonie  hi
der  brasil.  Provinz  Santa  Catharina,  22
km  von  der  Hafenstadt  Sào.  Francisco,
an  den  Flüssen  Cubatão,  Caroeira  und
Pirahy,  bestehend  aus  den  Bezirken  Joinville ­
  (mit  gleichnamigem  Hanptort)  und
Scio  Bento;  (i87u)  16,967  Einw.  Einfuhr ­
  (1,6  —1,7  Mill.  Mk.)  von  Manufakten.
  Petroleum  ».  a.,  Ausfuhr  (1,6—
1.8Mill.  Mk.)  von  geschnittenen  Hölzern,
Zucker,  Branntwein,  Mandioka,  Reis,
Mate,  Tabak  u.  a.  Vgl.  Joinville.
Donau,  nächst  der  Wolga  längster  und
mächtigster  Strom  Europas,  in  gerader
Linie  1630  km,  mit  Einschluß  der  Krümmungen ­
  2840km  lang.  Die  Schiffbarkeit
der  D.  beginnt  bei  Ulm,  wo  sie  bereits
Schisse  von  400—500  Ctr.  trägt;  weiter,
bei  RegenSbilrg,  wird  sie  für  Schiffe  von
1200—1800  Ctr.,  beim  Eintritt  in  das
österreichische  Gebiet  für  Schiffe  von  2000
und  noch  weiter  ab&amp;gt;värts  von  4—10,000
Ctr.,  sogar  für  Kriegsschiffe  mit  40  Kanonen ­
  fahrbar.  Der  Betrieb  der  eigentlichen ­
  Flußschiffahrt  ist  den  Schiffen  der

—  Donau.
Userländer  vorbehalten.  Alle  Vorteile,  die
in  einem  llferland  den  Schiffen  irgend
einer  Nation  eingeräumt  werden,  stehen
auch  den  Schiffen  sämtlicher  Uferländer
zu.  Gebühren  für  die  Beschiffung  des
Stroms  werden  nicht  erhoben,  auch  keine
Abgaben  von  den  an  Bord  der  Schiffe  befindlichen ­
  Waren.  Natürlich  gilt  diese
Befreiung  nicht  für  Ein-,  Aus-,  Durchgangs ­
  -  und  Verbrauchsabgaben  und  die
Gebühren  für  die  Benutzung  gewisser  öffentlichen ­
  Anstalten.  Der  Betrieb  dee
Schiffahrt  aus  dem  offenen  Meer  nach  jedem ­
  Landungsplatz  der  D.  und  von  jedem
solchen  in  das  offene  Meer  steht  den  Schiffen ­
  aller  Nationen  frei,  welche  auf  dem
Fuß  einer  vollständigen  Gleichheit  behandelt ­
  werden.  Die  D  o  n  a  u  f  ch  i  f  f  a  h  r  t  s
alte  regelt  die  Benutzung  des  Stroms  als
Wasserstraße.  Hinsichtlich  der  Mündung
sind  ganz  neue  Verhältnisse  durch  Einsetzung ­
  der  Donau  komm  issi  ou  (s.  d.)
begründet  worden.  Den  Verkehr  besorgt
namentlich  die  seit  1828  bestehende  K.  K.
privilegierte  Donaudampsschifff
  a  h  r  t  s  gef  e  ll  s  ch  a  f  t.  Ihre  Fahrten  umfassen ­
  jetzt  folgende  Strecken:  Regensburg
bis  Sulina,  Theiß  bis  Tokay,  Save  bis
Sissek,  Drall  bis  Bacz,  Inn  bis  Simbach,
Begakanal  bis  Großbecskerek  und  die  Seestrecke ­
  Sulina  bis  Odessa,  im  ganzen
4233  km.  Passagierfahrten  finden  statt
von  Passau  nach  Linz  täglich  (5  Stunden),
Linz-Wien  täglich  (8  St.),  Wien-Pest
täglich  (12  St.),  Pest-Semlin  fünfmal
wöchentlich  (Ihr  Tag),  Pest-Galatz  zweimal
  wöchentlich  (4  Tage).  Durch  die  Bahnlinie ­
  Rustschllk-Warna  steht  die  Donaudampfschiffahrt ­
  in  direktem  Anschluß  an
die  zwischen  Warna  iliid  Konstantinopel
verkehrenden  Schiffe  des  Österreichisch-Ungarischen
  Lloyd,  so  daß  man  auf  diesem
Weg  von  Wien  nach  Konstantinopel  in
4'/r  Tagen  gelangen  kamt.  Die  Gesellschaft ­
  hatte  1878:193  Dampfer  und  699
eiserne  Schleppboote  in  Thätigkeit  unb
beförderte  1,679,880  Personen  mit  Pasfagierschiffen,
  1,516,563  Personen  mit
Überfuhr-  ».  Lokalschiffen  und  29,174,450
Zollcentner  Güter  (über  Orsova  1877  :
4,043,306,1878:  5,730,516Zollcentner).
Innerhalb  20  Jahren  hat  die  Passagier-
        <pb n="175" />
        Donaukoinmission  —  Donau-Main-Kanal.

167

frequenz  um  150  Proz.  zugenommen,  die
beförderte  Gütermenge  hat  sich  verdoppelt.
Ausserdem  beteiligen  sich  noch  59  Dampfer,
558  eiserne  Schleppboote  und  mehrere
Hundert  hölzerne  Ruderfahrzeuge  unb
Segelschiffe  an  dem  Verkehr  der  D.  und
ihrer  Nebenflüsse.  Große  Mengen  von
Getreide  aus  Rumänien  und  Bulgarien
kommen  jährlich  auf  der  D.  nach  Österreich
und  Deutschland  (1872:  4,526,489  Ctr.,
1^78:  3,199,482  Ctr.).  Auf  dem  zum
Deutschen  Reiche  gehörigen  Teil  der  D.,
ihren  Nebenflüssen  und  dem  Donau-Main-Kanal
  wurde  der  Verkehr  dllrch  47  Segelschisse ­
  von  2562Ton.  vermittelt.  Nachofsizlekler
  Statistik  können  befahreit  werden:

Bezeichnung  der
Wasserstraße

Donau  bis  Passau.  .
Rechtsseitige  Nebenflüsse
linksseitige  Nebenflüsse

Donaugebiet:

Schiffbare ­

Strecke
Kiloin.

385.0
307.0
54,8
74(5,0

Tiefgang  von
unter

0,75
Meter

300,o

32,8

0,75
Bieter

85.0
307,o
22.0

332,8  414,o

Der  Schiffsverkehr  an  der  Sulinamündung,
  dem  einzigen  brauchbaren
Mündungsarm,  hat  sich  sehr  gehoben;  cS
liefen  aus  (ohne  die  Postdampfer)
1878:  1862  Schiffe  von  700463  Tonnen
1879:  2262  -  -  797554
Unter  letzter»  waren  721  Dampfer  von
559,028  Ton.  und  davon  wiederum
479  englische  von  408,492  T.  Nach  den
Flaggen  verteilt  sich  die  obengenannte
Zahl  von  Schiffen  wie  folgt:
Schisse  Tonnen
Englische  404  412  706
Griechische  848  182430
Österreichisch  -  Ungarische  .  142  61110
Türkische  545  47613
Französische  49  37221
Russische  88  24049
Italienische  49  13594
Deutsche  10  7658
Schwedisch  »Norwegische  .  11  7118
und  eine  Anzahl  andrer  Nationen.  Die
Meisten  Schiffe  laufen  in  Ballast  ein.
Hauptausfuhrartikel  ist  Getreide  (1879:
«'644,714  hl  gegen  13,708,564  hl  in
1878).
Donaukommissiou,  europäis  ch  c,

mit  dem  Sitz  in  Galatz,  wurde  errichtet
in  Ausführung  des  Vertrags  von  Paris
(30.  Marz  18o6)  und  bestätigt  durch  den
Vertrag  zu  Berlin  (13.  Juli  1878).
Die  Kommission  besteht  aus  Delegierten
von  Deutschland,  Frankreich,  England,
Österreich,  Rußland,  Sardinien,  Türkei
und  Rumänien;  sie  ist  unabhängig  von
letzterm  und  hat  gewisse  Vollmachten
mit  souveräner  Gewalt  über  die  Strecke
der  Donau  von  Jsaktscha  abwärts.
Sie  ernennt  einen  Generaliuspcktor  der
untern  Donau  sowie  den  Hafenkapitäu
vou  Sulina  und  wird  durch  vertragsmäßig ­
  an  den  Douaumüttdungen  stationierte ­
  Kriegsschiffe  unterstützt.  Sie  übt
die  Polizei,  erhebt  Steuern,  nimmt  Anleihen ­
  auf  und  verfügt  über  die  ihr  zufließenden ­
  Mittel  zum  Zweck  von  Arbeiten
im  öffentlichen  Nutzen.  Am  13.  März
1871  wurde  auf  der  Pontuskonferenz  ein
neuer  Traktat  geschlosseu,  wonach  die
Neutralisation  des  Schwarzen  Meers
aufhören,  die  bestehende  Kommission  12
Jahre  dauern  und  die  Neutralisation
bezüglich  der  geschaffenen  und  zu  schaffenden ­
  Arbeiten  fortbestehen  soll.  Die  D.
hat  zwei  Dämme  au  der  Sulinamünduug
geschaffen,  wodurch  sehr  tief  gehenden
Fahrzeugen  der  Zugang  zu  dieser  Mündung ­
  ermöglicht  wird.  KorrektionSarbciten
  und  Baggerungen  sind  vorgenommen,
ein  Leuchtturm  an  der  St.  Gcorgömündung,
  ein  regelmäßiger  Rettungsdienst  und
ein  Mariuchospital  in  Sulina  errichtet
worden.  Am  3.  Juni  1880  wurde  die
Durchschneidung  der  großen  Krümmung
des  Georgkanals  beschlossen,  welche  die
Donaufahrt  schwierig  und  gefährlich  macht,
so  daß  künftig  große  Handelsschiffe  bis  Galatz ­
  und  Braila  stromauf  fahren  können.
—  DieFiuauzeu  stehen  sehr  günstig  und
ergaben  1879  einen  Überschuß  von  366,113
Mk.  Die  Einnahmen  beliefen  sich  (mit
Ausschluß  von  Leuchtturm-  und  Lotsen-#iU)rm)
  1878  auf  2,566,330  %Rf.,  bic
Ausgaben  auf  2,750,309  Mk.  —  Die
Schulden  der  Kommission  bestanden  1.
3«,%.  1880  in  3,290,968  SRf.,  beim  %ftiva
  von  1,839,596  Mk.  gegenüberstanden
Donau-Main-Kanal  (Ludwiaskanal)
  führt  von  der  Altmüht  bei'Diet-
        <pb n="176" />
        108

Dordrecht  —  Dover.

fürt  durch  Tunnel  und  enge  Gebirgsthäler ­
  zur  Rednitz,  an  der  er  entlang
zieht,  bis  dieselbe  Schiffe  aufzunehmen
vermag.  Er  ist  136,4  km  lang  und  kann
auf  dieser  Strecke  mit  Fahrzeugen  von
75  cm  Tiefgang  befahren  werden.  Der
Kanal  hat  nur  für  den  Verkehr  Bayerns
einige  Bedeutung;  die  finanziellen  Resultate ­
  sind  bisher  wenig  befriedigend  gewesen, ­
  indem  die  Mehrausgabe  sich  1877
cif  182,168  m.,  1878  cif  175,873
Mk.  belief.  Einnahmen  im  letzten  Jahr
137,744  m.,  mtöaabcn  313,618  %Rf.
Dordrecht(D  ortrccht,  Dort),  Stadt
in  der  niederländ.  Provinz  Südholland,  an
der  Merwede  und  der  Eisenbahn  von  Köln
nach  Rotterdam,  Station  der  Niederländischen ­
  Dampsschisfreederei  zu  Rotterdam;
(1877)  26,962  Einw.  Deutsche  Konsularagentur. ­
  Großer  Hafen,  zu  dem  selbst  Ostindienfahrer ­
  kommen.  In  der  Nähe  26
Sägemühlen,  in  denen  die  großen  Rheinflöße ­
  zerschnitten  werden,  11  Ölmühlen  rc.
Handel  mit  Holz,  Rhein-  und  Moselwein,
Traß,  Steinkohle  rc.
Dortmund,  Kreisstadt  im  preuß.  NcgiernngsbezirkArnsbcrg,
  Knotenpunkt  von
fünf  Eisenbahnen:  der  Köln-Mindener,
Bergisch-Märkischen,  Rheinischen,  Westfälischen ­
  Staatsbahn  und  D.-Gronan-Enscheder
  Bahn;  (wo)  66,584  Einw.
Konsulat  für  Italien;  Handelskammer,
Eichinspcktion  und  Hauptsteueramt.  —
Unter  den  großen  Eisenwerken  (Hohöfen,
Gießereien,  Walzwerken,  Brückcnbauanstalten,
  Maschinen-  und  Dampskesselsabriken)
  ist  das  bedeutendste  die  Dortmunder
Hütte,  Eigentum  der  Aktiengesellschaft
Union.  Dieselbe  produzierte  1879  (außer
Koks,  Gußstahl,  Luppen  für  eignen  Verbrauch) ­
  mit  6340  Arbeitern  für  23,800,000
Mk.  Ware.  Sic  importierte  18,605,000
kg  Roheisen  und  6,082.900  kg  Erze  und
exportierte  40,450,000  kg  Walzfabrikate,
4,850,000  kg  Eisenkonstruktionen,  Räder ­
  u.  a.  Der  Wert  der  Produktion  des
Hörder  Bergwerks-  und  Hüttenvereins
betrug  1879:  8,134,007  Mk.,  des  Eisenund
  StahlwerksHösch  4,988,136  Mk.  Die
Produktion  der  im  Stadt-  und  Landkreis
D.  belegenen  Hüttenwerke  war  1879:
7,429,809  Etr.  und  zwar

Eisenerze  .  3069325  Ctr.
Andre  Erze  116970  .
Gnßwaren  zweiter  Schmelzung  218536  -
Schweißeisen  1666  719  -
Flußeiscn  2358259  .
In  den  im  Stadt-  und  Landkreis  D.  bclegenen
  36  Steinkohlenwerken  wurden  gefördert ­
  74,405,866  Ctr.,  davon  Selbstverbrauch ­
  und  Absatz  71,167,719:  die  Eisensteinbergwerke
  förderten  1,192,894  Ctr.  —
Auf  den  fünf  genannten  Eisenbahnlinien ­
  wurden  1879  befördert  2,824,422
Personen  und  4,803,464  Ton.  Güter,  wofür ­
  eine  Einnahme  von  9,709,111  Mk.
erzielt  wurde.  Die  P  oft  beförderte  1879:
5,634,468  Briefsendungen,  114,742,620
Mk.  Paket-  u.  Geldsendungen,  13,999,964
Mk.  auf  Postanweisungen  rc.;  das  Telegraphenamt ­
  81,637  Depeschen.  —  Kreditwesen. ­
  Der  Umsatz  der  Reichöbankhauptstclle
  belief  sich  1880  auf  546,675,800
Mk.  Andre  Geldinstitute:  Dortmunder
Bankverein,  Vorschußverein.
Douai,  Arrondissementsstadt  im  franz.
Departcment^Nord,  an  der  Scarpe  und
dem  Kanal  Sensée,  der  dieselbe  mit  der
Schelde  verbindet,  Knotenpunkt  mehrerer ­
  Eisenbahnen;  (wo)  23,348  Einw.
Ressort  des  deutschen  Konsuls  in  Dünkirchen. ­
  —  Bedeutende  Fabriken  von  Zeugen, ­
  Spitzen,  Leder  rc.  und  lebhafter
Handel  mit  Getreide.  Kohlen  (ans  der
Nähe),  Salz,  Ölfrüchten,  Mehl  u.  a.
Dover  (spr.dohw'r),  Seestadt  in  der  engl.
Grafschaft  Kent,  amKanal  und  der  Southeastern- ­
  und  der  London  and  D.-Eisenbahn, ­
  Haupthafcn  für  den  Reisendenverkehr ­
  zwischen  England  und  dem  Kontinent ­
  (täglich  vier  Dampfboote  nach  Calais
und  Ostende);  (wi)  28,506  Einw.  Deutsches ­
  Vicekonsulat;  London  and  County
Bank,  National  and  Provincial  Bank  of
England.  Schiffbau.  —  Zum  Hafen  gehören ­
  58  Schiffe,  darunter  6  Dampfer,
von  4858  Ton.  Gehalt  und  6  Fischerboote.
1879  betrug  der  Schiffsverkehr  1,046,007
T.;  1880  verkehrten  hier  118  fremde
Schiffe,  darunter  16  deutsche.  Die  Einfuhr ­
  (Steinkohle,  Holz,  Getreide,  Eis,
Sämereien  und  Nahrungsmittel)  betrug
1879:  117,8  Mill.  Mk.,  die  Ausfuhr  einheimischer ­
  Produkte  24,2  Mill.  Mk.
        <pb n="177" />
        Drammen  —  Drontheim.

Dramme»,  Hafenstadt  au  derSüdkuste
  von  Norwegen,  Amt  Vlläkcrud.  am
Drainsfjord,  35  km  von  Christiania,  mit
dieser  Stadt  sowie  mit  Kongsberg,  Nandsfjord
  und  Holmestrand  durch  Eisenbahn
verbunden;  (1876)  18,851  Einw.  Deutsches
Konsulat  (Amtsbezirk:  die  Zollstättedi-%
  ""b  Wmcßmub);  giimkfb.
cu  Norgcö  Bank,  DrammenS  Sparebank,
D.-Privatbank,  D.  og  Opl.  Kreditbank,
,Şô e /  T  Ģroşie  Dampfsägewerke  mit
Tischlereien,  Cichorien-  und  Holzinassefabrrken,
  Kupfer-,  Zink-  und  Nickelbergwerke,
  Brauerei  (1,600,000  Flaschen).
Die  eigne  Flotte  zählte  1871:  261  Segelschilfe
  von  109,617  Ton.  und  4  Dampfer
^  1879  wurden  hier  42  deutsche
Şchstfe  von  3488  T.  ein-  und  ausklariert.
DieEinfuhr  besteht  vornehmlich  in:  Baumy:
  »nbMmarc»,  %o%m,  @cr9(,
pcut^nb  ßorf  Meilißt  ist.  $)cr
f üvt  lieht  zum  großen  Teil  über  Christia-U&amp;lt;
 L;  ^'eil  dort  die  großen  Schiffe  ankern.
Dresden,  Hauptstadt  des  Königreichs
*  erst  der  Elbe,  Eiseiibahnknotenfui:
  b,e  Berlin,  Sei^iß
(Dobeln  und  Nrcsa),  Bodenback,  Görlitz
und  Chemnitz;  (mao)  220,216  Einw.
Konsulate  für:  Argentinien,  Brasilien,
Chile,  Italien,  Niederlande,  Portugal,
Schweden  und  Norwegen,  Spanien,
Fondsbörse,  Produktenhandelsbörse  (Bersanimlungen
  Dienstags  und  Freitags);
Handels-  uiid  Gewerbekammer,  Handelsgericht. ­
  —  Unter  den  zahlreichen  Industrien ­
  sind  vorzüglich  neniienswcrt:
Brauerei  und  Fabrikation  von  Mineralwässern, ­
  Pianoforteban,  Nähmaschinensabrikation,
  Strohhut-,  Kunstblumenuild
  Federschmuckmanufaktlir,  Thon-  und
Fayence  rc.  Nach  den  Bereinigten  Staawu
  exportierte  D.  1879  für  4,044,457  Mk.,
%  4,032,185  Wf.,  »,%  oW  bic
Hälfte  Porzellan  und  Glas,  ferner  Spitzeii
und  Stickereien,  Pianinos,  Papierwaren.
'D.  ist  Station  derElbdanipfschiffahrtö-Wcllschaft
  zu  Magdeburg,  Sitz  der  Säch-11ch
  -  Böhmischen  Dampfschissahrtsgesell-169


massas
Mk.)  und  seit  1881  der  Elbc-Schleppchlffahrtsgesellschaft
  (vgl.  Elb  ^-Kreditwesen. ­
  Die  Ncichsbankstelle  hatte
1880  einen  Gesamtumsatz  von  752,iMill.
Mk.,  davon  Wechselverkehr  205  Mill.,
Giroverkehr  532,5  Mill.  Mk.  Die  Sächsische ­
  Bank  zu  Dresden  (eingezahltes  Ak-^#(,1:30^0.
  m.)  ^Uclõ.^m,.
1880  Wechselbestände  39,621,680  Mk.,
Banknote,i  im  Umlauf  39,163,000  Mk.
Andre  Geldinstitute:  Agentur  der  Geraer
Bank.  Agentur  der  Leipziger  Bank,  Dresdener ­
  Bank,  Filiale  der  Allgenieinen  Kreditanstalt, ­
  Landständische  Bankfiliale,  Sparund ­
  Vorschußverein.  —  EinWollmarkt
findet  13.  und  14.Juni  statt.—D.  hat  wegen
semer  schönen  Umgebungen  und  der  Nähe
der  Sächsischen  Schweiz,  namentlich  zii
Pfingsten,  emcn  kolossalenPersonenvcrkehr
auf  Eisenbahnen  und  Dampfern;  auf  letzter» ­
  wurden  15.—18.  Mai  1880  in  362
Fahrten  rund  160,000  Personen  befördert
(^.fO"^,»),
stadt  des  gleichnamigen  norweg.  Stifts,
mn  gleichnamigen  Fjord  und  der  Bahn
D.  -  Christiania;  Station  der  Dampferlunen:
  R.  Sloman.jnn.,  Bergenöke  og
Nordenueldske  DampskibselSkab,  St.  Pe-(1876)

22,152  Emw.  Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk: ­
  der  Zolldistrikt  D.  mit  Ausschluß
des  Zollstättedistrikts  Namsos);  Börse
Norges  Bank  (Hanptsitz),  Throndhjem
Privatbank.  Nordenfjeldöke  Kreditbank.  —
Fischerei,  Schiffahrt  und  Handel  sind  bedeutend. ­
  1872  besaß  D.  71  Segelschiffe  von
11,511Ton.und  14  Dampfer  von  4233T.
Es  liefen  1878:  293  Schisse  von  82,921  T.
ein,  213  Schisse  von  71,438  T.  aus.  Bon
dem  gesamten  Ranmgchalt  von  143,359  T.
entfallen  111,291  T.  auf  die  Dampfer.  Aus

besteht  in  Nahrungsmitteln,Mannfaktnrwaren
  und  Fabrikaten  jeder  Art;  die  Ansfuhr
  (6,6  Mill.  Mk.)  in  Fischen,  Hafer
Fellen,  Thran,  Kupfer,  Schwefelkies,  Holz'
        <pb n="178" />
        170

Dschidda  —
Dschidda  (D  schedda),  Hafenstadt  und
Haupthandelsplatz  Arabiens  in  dem  türk.
Wilajet  Hidfchas,  am  Noten  Meer;  Station ­
  der  Dampfer  des  Österreichisch-Ungarischen ­
  Lloyd,  der  Società  Rubattino,
British  India  Steam  Navigation  Co.;
20,000  Einw.  Ressort  deö  deutschen  Konsuls ­
  in  Aden,  englisches  Vicekonsnlat;
Zollhaus.  —  D.  ist  Hafen  für  das  zwei
Tagereisen  entfernte  Mekka;  hier  landen
jährlich  Tausende  von  Pilgern.  Englische
lind  französischeDampferlinien  haben  hier
Kohlenstationen;  1878—79  verkehrten  in
D.  22-1  Dampfer  (125  britische,  28  österreichische, ­
  60  ägyptische)  von  196,747Ton.
und  1082  Segelschiffe  (1025  türkische)  von
48,003T.  Einfuhr  von  Getreide,  Reis,  Öl,
Moschus,  Räucherwerk,  Gewürz,  Musselin, ­
  Shawlö,  Manufakten,  Sklaven  re.;
Ausfuhr  von  Korallen,  Kaffee,  Datteln,
Baumwolle  (ägyptische),  Mekkabalsam  rc.
Dschimbandi,  s.  Angola.
Dscholiba,  s.  Niger.
Dsungarei,  s.  China.
Dublin,  Hauptstadt  der  gleichnamigen
Grafschaft  in  der  irischen  Provinz  Leinster,
an  der  Mündung  des  Liffey  in  die  Bai
von  D-,  Knotenpunkt  für  nach  N.,  S.,
NW.,  W.  und  SW.  ausstrahlende  Eisenbahnlinien; ­
  (1879)  314,666  Einw.  Deutsches ­
  Konsulat  (Amtsbezirk:  D.  und  Wicklow); ­
  Handelskammer,  Zollamt;  Börse,
Stockbörse,  Kornbörse,  Bank  of  Ireland,
National  Bank,  Provincial  Bank  of  Ireland, ­
  Royal  Bank  of  Ireland.  —  Die  gewerbliche ­
  Thätigkeit  war  ehemals  bedeutender, ­
  doch  beschäftigten  1873  die  Fabriken ­
  und  andre  Anstalten  noch  immer
20,911  Menschen.  Berühmt  sind  der  Porter ­
  (5  Brauereien,  darunter  die  von
Guinneß)  und  Whiskey  (KinahanS  L.L.).
Die  1873  bestehenden  13  Maschinenbauwerkstatten ­
  beschäftigten  1570  Arbeiter,  27
Kntschenfabriken  657,8  chemische  Fabriken
819,25  Eisengießereien  1508,  eine  Anstalt
für  den  Bau  eiserner  Schiffe  625  und  73
Buchdruckereien  1968  Arbeiter.  In  10
Banmwoll-  und  Wollfabrikcil  arbeiten
nur  noch  432  Menschen.  Der  Mangel  an
Wasserkraft  und  an  Kohlen  erschwert  der
Industrie  die  Konkurrenz  mit  andern
Städten;  doch  ist  der  Han  del  sehr  bedeu-Duisburg.


tend.  Zum  Hafen,  der  in  »cnester  Zeit
durch  Kaiö  von  2100  m  Länge  und  Vertiefungen ­
  bis  zu  5—8  m  zur  Ebbezeit  sehrwesentlich
  verbessert  wurde,  gehörten  1879:
516  Schiffe  von  61,454  Ton.  Der  Tonnengehalt ­
  der  ein-  und  ausgelaufenen  Schiffe
war  4,699.766  T.  (1879:  21  deutsche  von
13,281  T.).  Wert  der  Einfuhr  (Getreide,
Zucker,Spirituosen,Petroleum,  Tabak  und
andre  ausländische  Produkte)  62,102,300
Mk.,der  Ausfuhr  britischer  Produkte  (vornehmlich ­
  Chemikalien  und  Eisenwaren)
1,228,740Mk.  Nechtsstreitigkeiten  zwischen
Kaufleuten  werden  durch  eine  alte  Vereinigung, ­
  das  »OuzelGalley«,  entschieden,  da
eigentliche  Handelsgerichte  im  Vereinigten
Königreich  nicht  existieren.  —  Plaßgebrä
  u  ch  e.  Das  Faß  (Barrel)  hat  beim  Verkauf ­
  von  Weizen,  Bohnen,  Roggen,  Kartosfeln20Stoms,vonGerste16,Hafer14,Malz

12  Stoms.  Mais  verkauft  man  für  480
Pfd.,Leinen-  u.Hedegarn  nach  dem  Bündel.
Duero  (Douro),  bedeutender  Strom
der  Pyrenäischen  Halbinsel,  entspringt  in
Spanien  auf  dem  altkastilischen  Hochland
nordwestlich  von  Soria  und  fällt  unterhalb ­
  Oporto  nach  780  km  langem  Lauf  in
den  Atlantischen  Ocean.  Von  Torre  de
Moncorvo  abwärts  auf  einer  Strecke  von
140  km  fängt  die  eigentliche  Schiffahrt
an.  Seeschiffe  gelangen  bis  Oporto.
Duisburg,  Stadt  im  prcnß.  Regierungsbezirk ­
  Düsseldorf,  am  Rhein-Ruhrkanal ­
  und  an  der  Köln-Mindener,  der
Bergisch-Märkischen  und  der  Rheinischen
Eisenbahn;  0880)41,239  Einw.  Handelskammer; ­
  Reichsbanknebenstelle,  D.-RuhrorterBank(Kapital1,sMill.Mk.),
  Kreditbank ­
  (eingetragene  Genossenschaft).—Industrie. ­
  Wichtig  sind  die  Eisenwerke  und
chemischen  Fabriken.  Die  Niederrheinische
Hütte  produzierte  1879:  41,157,075  kg
Pnddel-  und  Gießereieisen  und  1,873,20  Z
kgGußwaren;  die  Johanneshütte  (Krupp
in  Essen)  62,607,674  kg  Hämatiteisen;
die  Duisburger  Aktiengesellschaft  für
Gießerei  3,140,000  kg.  —  Der  gesamte
Eisenbahnverkehr  war  1879:  664,983
Personen  und  3,047,142  Ton.  Güter  bei
einer  Gesamteinnahme  von  2,693,807  Mk.
Dabei  war  der  Verkehr  in  Ruhr-  wie
Rheinschiffahrt  1879  (in  Tonnen):
        <pb n="179" />
        Düna  —  Dünkirchen.

171

Niederländische  Danipfschiffrecderei.  1540500
Köln-Düsseldorfer  Dampfschiff.  -  Ges.  1007100
Fabriketablissements  am  Rhein  .  .  205774882
HochfelderHafen  der  Rhein-Eisenbahn  484602150
Rhein  -Ruhrhafcn  800455850

Zusammen:  1553409932
Mehr  als  die  Hälfte  boson  entfällt  auf
wfíãnmcrt"''  *•  ffa  bic
.  Düna,  einer  der  bcdcntendsten  Flüsse
ni,  westlichen  Rußland,  ergießt  sich  dei
Lunainimde  in  den  Rigaer  Busen  der
Ostsee;  direkte  Länge  520  km,  Stroinmtwlckelung
  1040  km.  Unterhalb  Toro.
%  ìvlrd  die  D.  für  Fahrzeuge  von  0000
^  tr.  fahrbar.  Bei  Riga  hat  sie  eine  Breite
von  fast  1000  m  und  eine  Tiefe  von  4—8  in,
auch  manche  seichte  Stellen  ilnd  die
Schisiahrt  erschwerende  Strudel  und
§W#,cHc,,.  bei
ânildung  besinden  sich  viele  Sandbänke.
Tttrch  den  Lepel-  oder  Beresinakanal  ist  eine
Berbindung  zwischen  der  Ostsee  und  dem
Schwarzen  Meer  hergestellt  worden,  welche
sahrlich  durchschnittlich  von  100—200
Fahrzeugen  und  8000  Flößen  benutzt  wird.
Ķanal  von  Welļij  Lukij  verbindet
mittelst  des  llswjät  und  mehrerer  kleinen
Srrn  die  D.  mit  dem  Lowat  und  von  da
durch  eine  Reihe  von  Wasserverbindun-Mecr
  ìit  Wolga  und  dem  Kaspischen
.  Dundalklspr  donndahl),Hafenstadt  in  der
irischen  Provinz  Leinster;  (mi)  11,000
Einw.  Deutsches  Bicekonsulat  (Amtsbezirk: ­
  D.  und  Drogheda);  Bank  of  Ireland
National  Bank,  Belfast  Banking  Co!
Schiffsverkehr  1879:  325,313  Ton.  Einfuhr ­
  (Kolonialwaren,  Mais,  Mehl)  1879  :
&amp;gt;,777,640  Mk.  Ausfuhr  von  landwirtlchaftlichen
  Produkten  nach  England.
Dundee  (spr.  dömidih),  bedeutende  Fabnkstadt
  in  der  schott.  Grafschaft  Forfar,
Uchrdlich  am  Firth  of  Tay  und  an  der
Ealkdonian-Eisenbahn;  (wi)  119,141
^mw.  Deutsches  Konsulat;  Bank  of
Gotland,  Royal  Bank  of  Scotland.  —
Hauptsitz  der  britischen  Leiiieu-  und  Iulcmdustrie,
  welche  25,000  Menschen  bcschäf-Pt
  und  einen  lebhaften  Handel  hervorrufen ­
  hat.  So  wurden  1878  nach
"&amp;gt;tschland  von  Jutewaren  exportiert:

fr a l"  ■  •  •  "84400  Pfd.
'«ubre  Waren  .  .  51899100  Yards
Sacke  16504  050  Stück
Wichtig  sind  außerdem:  Schiffbau  (1877-1
  şşĢ'k 1,011  0500  Ton.),  Maschinenbau
und  Walfang.  Zu  dem  geräumigen  Hasen ­
  mit  Docks  von  13,5  lin  Wasserfläche  ge
harten  1879:  193  Schiffe  mit  91,366  T.
Gehalt  und  201  Fischerboote.  Der  Schiffsverkehr ­
  1879  war  1,025,183  T.  Deutsche
Schisse  gingen  1879  ein  unb  aus:  62,  davonbin ­
  Ballast  ein,  20  in  Ballast,  38  mit
Stelnkohlen  unb  1  leer  aus.  Im  Küstenhandel ­
  liefen  791  Schiffe  von  182,189  T.
ein  und  440  von  109,762  T.  aus.  Der
Wert  der  1879  vom  Ausland  eingeführten
Produkte  war:  63,001,180  Mk.;  darunter
»ftÄÜS
Dw  Ausfuhr  der  einheimischen  Produkte
ircrtcle  18,328,840
Dunedin,  Hafenstadt  in  Neuseeland,
Elsenbahnstation;  (1379)  34,674  Einw.
Deutsches  Konsulat;  Bank  of  Australasia,
Bank  of  New  Zealand;  regelmäßiger  Verkehr ­
  durch  Dampfer  mit  Melbourne.
.  Dünkirchen(franz.  D  it  n  k  c  r  g  n  e).  Hafenstadt ­
  nn  frauz.  Departement  Nord,  an
der  'Nordsee,  Endstation  des  Chemin  du
Nord;  0876)  35,012  Einw.  Deutsches  Konsulat ­
  (Amtsbezirk:  Dcpartcmeut  du  Nord)  -
Handelsgericht;  Banque  de  France  Suce'
ŞŅWî«
rei,  Fabrikation  von  Tauen  und  Segeltuch,
Leinen-  und  Vauniivollwareu,  Zucker  und
Sprit  u.  a.  —  Jährlich  gehen  viele  Schiffe
nach  Island,  Neufundland  und  andern
Orten  auf  den  Walsifch-,  Stockfisch-  und
Herinasfang.  1878  liefen  ein  :  675  Schiffe
von  89,651  Ton.,  aus:  570  Schiffe  von
73,333  T.  1880  liefen  134  deutsche  Schiffe
(49  Dampfer)  von  43,436  T.  beladen  ein,
aus:  128  (49  Dampfer-)  von  41,875  T.,  davon ­
  116  in  Ballast.—DcrHandelist  sehr
bedeutend  und  besonders  mit  Deutschland
im  Steigen.  Wert  der  Ausfuhr  1878:  30,o
Mill.,  der  Einfuhr  194,»  Mill.  Mk.  Hauptsächlichste ­
  Einfuhrartikel  ails  Deutschland
waren  1880:  Getreide  14,067  Etr  Hülsciifrüchte
  664,610  k«-,  Erdnüsse  926,078
kg,  Llsamereien  11,857,285  ki&amp;gt;-,  Melasse
        <pb n="180" />
        172  Durango
14,905,004  kg,  #(wf  990,801  kg,  %M)ö
4,961,744kg,  Jarosse  1,943,066  kg,  Leinölkuchen,
  Bernstein,  Zink,  Pottasche,
Stärke,Spiegel-Fcnsterglas.NachDeutschland
  gingen  1880:  Mohnöl  699,699  kg,
Erdnußölkuchen  (tourteaux  d’arachides)
322,000  kg,  Gußeisen  20,300  kg,  Gußeisenwaren
  249,544  kg,  Nägel  13,189  kg.
Durango,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  meritan.  Staats;  (isso)  28,000  (Simo.
Deutsches  Mcekonsnlat;  Münzstätte  (1879
wurden  für  3,?i  Mill.  Mk.  Gold-  und  Silbermünzen ­
  geprägt);  Baumwollspinnerei
».  -Weberei,  Wollkasimirfabrik,  Spiritusbrennerei,
  alle  mit  Dampfbetrieb  u.  in  deutschem ­
  Besitz.  Hafen  istMazatlan  (s.  d.).
D'Urban  (Port  Natal),  Hafenstadt
der  brit.  Kolonie  Natal  in  Südostafrika,
an  der  Bai  von  Natal  und  den  Eisenbahnlinien: ­
  D.-Pietermaritzburg,  D.-Verulam,
  D.-Jspingo;  Station  der  Dampferlinien
  :  Colonial  Mail  (London)  undUnion
SteamshipEo.(Southampton);(i879)6800
Einw.  Deutsches  Konsulat  für  die  Kolonie
Natal;  Commercial  and  Agricultural
Bank,  London  and  South  African  Bank.
Düsseldorf,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  Regierungsbezirks  der  preuß.  Rheinproviiiz,
  rechts  am  Rhein,  Station  der
Köln-Mindener  Bahn,  der  Rheinischen  n.
Bergisch  -  Märkischen  Eisenbahn;  (isso)
95,459  Einw.  Konsulate  für:  Frankreich,
England,  Schweden  und  Norwegen;  Handelskammer; ­
  Hanptsteueramt;  Handelöund
  Gewerbeverein  für  Rheinland  und
Westfalen,  Transportversicherungsgesellschaft, ­
  DampfschisfahrtsgescNschaft  für  den
Nieder-  und  Mittelrhein,  Niederrheinische
DampfschleppschiffahrtSgcsellschaft,  Eisenhütten- ­
  und  Bcrgwerköverein,  Preußische ­
  Bergwerks-  uiib  Hüttenaktiengesellschaft ­
  und  Niederrheinischer  Bezirksverein
deutscher  Ingenieure.  —  Unter  den  In  -
d  u  st  r  i  e  n  sicht  die  Eisenindustrie  obenan:
Maschinen-,  Eisen-  unb  Drahtfabrikation,
Kesselschmicderei,  Fabrikation  von  Wagen,
Droguen  rc.  —1878  verkehrten  im  Hafen
5631  Dampf-  und  9687  Segelschiffe;  195
Flöße  passierten  die  Rheinschiffbrücke.  Die
Dampfschiffahrtsgesellschaft  für  Niederund
  Mittelrhein  beförderte  mit  12  Dam-Dwina.



pfern  425,428  Personen  unb  531,464
Ctr.  Güter.  Die  Niederrheinische  Dampfschleppschisfahrtögesellschaft
  transportierte
und  bewegte  mit  3  Remorqueuren  und
11  Transportkähnen  1,600,733  Ctr.  Die
Bewegung  im  Hafen  &amp;gt;var  1878:  Einfuhr
1,867,863,  Ausfuhr  658,403  Ctr.  -  Die
Eisenbahnen  hatten  aus  dem  Verkehr
1878  folgende  Einnahmen:
Vermisch-Märkische  .  .  .  IMO507  Mark
Rheinische  Eisenbahn  .  .  198230  -
Köln-Mindener.  .  .  .  1165975  -
Die  Post  beförderte:  7,683,570  Briefscndungen,
  Briefe  und  Pakete  mit  Wertangabe ­
  von  158,228,334  Mk.,  im  Postanweisungsverkehr ­
  13,757,072  Mk.  Auf  der  T  e  -
legrap  hen  station  wurden  aufgegeben
56,000  Telegramme  für  64,293  Mk.,  empfangen ­
  55,213  Stück.—Kreditwesen.
Die  Reichsbankstelle  hatte  1880  einen  Umsatz ­
  von  393,7  Mill.  Mk.  (davon  Wechselverkehr ­
  216,2  Mill.,  Giroverkehr  164,s
Mill.  Mk.).  Andre  Geldinstitute  :  Beraisch-Märkische
  Bank,  Düsseldorfer  Volksbank,
Banbank.  —  Platzgebräuche.  Man
verkauft  Getreide,  Hülsenfrüchte,  Mehl
für  100  kg,  auch  wie  in  Berlin,  Kartoffeln ­
  für  50  kg,  Ölsaaten  und  Spiritus
wie  in  Berlin.  Wechselkurse  wie  Köln.
Dwina,  größter  Strom  im  nördlichen
Rußland,  1620  km  lang,  mündet  unterhalb ­
  Archangel  in  einem  Haupt  -  und
drei  Nebenarmen  in  den  Dwinabnsen,
friert  bei  Archangel  Ende  Oktober  zu
und  taut  erst  Anfang  Mai  wieder  ans.
Ihre  größte  Breite  hat  sie  im  archangclschen
  Kreis,  wo  sie  2—4  (bei  der  Stadt
selbst  7)  km  breit  ist;  die  Tiefe  wechselt
von  3—8m.  Die  Schiffahrt  nimmt  ihren
Weg  durch  den  östlichen  Arm,  da  der  westliche ­
  Mündungsarm  ganz  versandet  ist.
Durch  den  157  km  langen  Herzog  Alexander ­
  von  Württemberg-Kanal,  der  den
Kubenskischen  See  mit  der  in  die  Wolga
fallenden  Scheksna  verbindet,  »üb  den
18  km  langen  Katharinenkanal,  welcher
zur  Verbindung  des  Weißen  Meers  mit
dem  Kaspischen  Meer  dient,  ist  die  D.
mit  dem  ganzen  Wassersystem  Rußlands
verknüpft.  Der  beträchtlichste  Nebenfluß
ist  die  große  schiffbare  Wytschegda.
        <pb n="181" />
        East  London  —  Elbe.

173

E.

East  London,  Hafenstadt  in  dee  brii.
Kapkolonie,  an  der  Eisenbahn  E.-Kina
Williams  Town-Queenstown,  Station
der,  Dampferlinien:  Colonial  Mail  und
@0.;  (1875)  2134  (fimi).
Deutsches  Vicekonsulat  für  Britisch-Kafsrana,
  Kaffraria  Colonial  Bant,  Standmü
  mans  of  àfrica.  1879  werkte
Asch  M.omÄ  (Wà)^EĢn"°°"
267  Schiffe  von  321,538  Ton.  (12  deut-..Ebro,
  Fluß  in  Spanien,  von  der  Quelle
bis  zur  Mündung  675  km,  in  gerader
Urne  487  à  lang.  Die  Schiffahrt  ist
hur  ans  kurze  Strecken  möglich.  Der  Fluß
st  an  vielen  Stellen  versandet  und  hat
viele  StromschneNen  und  Untiefen,  daherlauft ­
  nn  obern  Tiefland  links  der  Kanal
%%:%%%%=%
şşbar  fur  Schiffe  von  2000  Ctr.)  mit
beni  Strom  parallel.  Den  versandeten
Hauptmündnngsarm  ersetzt  der  Kanal
von  San  Carlos.
(1878)  1,146,060  Einw.  (Spanier  und
Mestizen,  reine  civilisierte  Indianer,  Neger ­
  und  Mischlinge  und  200,000  wilde  Jndianer).—Produktion.
  In  den  heißen
»lud  feuchten,  daher  sehr  ungesunden  Tiefebenen ­
  baut  man  Kakao  und  Tabak,  auf
dem  kühlern  Hochland  curopäischeGctreidearten;
  dort  zieht  man  vorzüglich  Rinder
und  Schafe.  Aus  den  Urwäldern  komnrcn  :
'veberrinde,  Sassaparille,  Gummi.  —  Die
geringe  I  n  d  u  st  r  i  e  liefert  für  den  Export
panamahüte,  Cigarrentaschen  und  Hängematten. ­
  Der  Handel  ist  im  Verhältnis
ë"  den  großen  HülfSquellen  des  Landes
&amp;gt;khr  unbedeutend;  er  wird  durch  die  Hafenstadt ­
  G  u  a  y  a  q  u  i  l  (f.  d.)  vermittelt.  —
^on  Eisenbahnen  besteht  nur  eine  41
Ast/ange  Strecke  von  Pueblo  Nuevo  nach
Olagro.  —  Die  Finanzen  befinden  sich

m  traurigem  Zustand.  Die  Einnahmen
stießen  größtenteils  ans  den  in  Guayaquil
erhobenen  Zöllen  und  beni  Salzmonopol
Die  Staatsschuld  besteht  in  dem  anE.
fallenden  Teil  der  vor  der  Teilung  der
frühern  Republik  Kolumbien  in  Vene
zucla,  E.  rmd  Neugranada  bestehenden
Schuld.  Den  Gläubigern  sind  Ländereien
angewiesen  worden.  Anfang  1877  war  die
40%,^)%^^^^^  hume
Edinburg,  Hauptstadt  Schottlands,
am  Busen  des  Forth,  Station  der  North
Ņrllifh  and  East  Coast-Eisenbahn;  (mo)
226,075Einw.  Börse,GetreidebôàCandelskammer,
  Handels-  und  Manufakturkollegium;
  Agradank,  Bank  of  Scotland,
Commercial  Bank,  National  Bank  of  Scot-^nd,
  Royal  Bank  of  Scotland,  Union
Bank  of  Scotland.  Hafen  ist  L  e  i  t  h  (s.  d.).
Egcrsund,  Hafenplatz  im  norweg.
Amt  Stavanger;  2400  Einw.  Deutsches
Konsulat.
Eidcrkanal  verbindet  die  Eider  mit
dem  Kieler  Busen  und  mündet  bei  Holtenau.Er
  hat  3,6  m  Wassertiefe  und  30  m
obere  Breite.  Bis  Rendsburg  ist  die  Eider
ebenfalls  kanalisiert.
...  Ekenäs  (Eke  n  os),  Hafenstadt  im  rnff.
Großsurstentnm  Finnland,  am  Finnische,l
1500  Einw.  Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk: ­
  die  Zollstätte  E.  und  Hangö);  Föreningensbanken
  Filialkontor.
Elbe,  bedelltcnder  Fluß,  dessen  Oberlauf ­
  Österreich  (Böhmen),  dessen  Mittelttnd
  Unterlans  Deutschland  (Sachseil
Preußen,  Mecklenburg,  Hamburg)  angehört; ­
  1165  km  lang,  wovon  etwa  430  km
auf  Böhmen,  124  auf  Sachsen  und  562
auf  Preußen  kommen.  Sie  ninimt  unterhalb ­
  Prag  bei  Melnik  die  Moldau  auf
und  wird  dann  schiffbar.  Die  schiffbare
Strecke  voll  Melnik  ab  beträgt  842  km
für  Seeschiffe  ist  die  E.  bis  Hamburg  hinauf ­
  135  km  schiffbar.  Die  schiffbareil
gtream  beg  gesamte»  #%eWetg  i„
Deutschland  haben  eine  Gesamtlänge  von
2607  km,  davon:
        <pb n="182" />
        174

Elberfeld.
DnS  bciitfdic  (íllmrliitt.

Bezeichnung  der  Wasserstraße

Elbe  (von  HerrnSkretschc»  bis  zm
Mündung)
Elbarme  bei  Hamburg  .  .
'Nebenflüsse  rechts  ersi.  Havel
Nebenflüsse  links  exkl.  Saale
Havel  (von  den  mecklenburgischen
Seen  bis  zur  Mündung)  .  .
Nebenflüsse  der  Havel  rechts  .
Nebenflüsse  der  Havel  links.  .
Saale  mit  ihrem  Zufluß  Unstrut
Elbegebict  .

Schiffbare
Strecke

737
34
510
228
354
114
367
257
2007

Davon  können  befahren  werde»  mit  einem  Tiefgang ­
  von:
1,50  Meter  1  Meter  0,75  Nieter  untcrO,75Meter

308
34
48
88

527

134
57
240
75
205

814

90

355

102
84
108
39
23
257

912

Der  Verkehr  auf  der  E.  läßt  sich  seit
Aufhebung  der  deutschen  Zollämter  nicht
mehr  genau  feststellen.  Das  Hauptzollamt ­
  Schandau  an  der  s  ä  ch  s  i  s  ch  -  b  ö  h  m  i  -
scheu  Grenze  passierten  1879:  1216
Passagierdampfer,  408  Rcmorgueure  sowohl ­
  in  der  Thal-  als  in  der  Bergfahrt.
AusÖsterreich  gingen  ein  21,227,596  Ctr.,
dorthin  641,624  Ctr.  ;  dieSächsisch-BöhmischeDampfschiffahrtsgesellschaft
  beförderte
1,939,140  Personen.  Ihrer  Angehörigkeit
nach  teilten  sich  die  den  Grenzvcrlehr  pernlittelndcn
  Fahrzeuge  in  3506  österreichische, ­
  3744  sächsische,  2015  preußische  und
698  anhaltischc.  Für  den  Verkehr  auf
der  abwärts  liegenden  Strecke  sorgt  die
Kettcnschleppschisiahrts  -  Gesellschaft  der
Oberelbe  zu  Dresden,  welche  1879  :
4,080,117  Ctr.  schleppte,  wofür  die  Einnahmen ­
  1,025,806  Mk.  betrugen;  außerdem ­
  wurden  für  Frachten  418,065  Mk.  eingenommen. ­
  Seit  Anfang1881  hat  auch  die
Elbe-SchleppschiffahrtögcsellschaftzuDresden
  ihre  Fahrten  zwischen  derOberclbennd
Hamburg  mit  5  Dampfern  eröffnet.  Von
Magdeburg  ab  besorgt  die  Vereinigte  Hamburg ­
  -  Magdeburger  Dampfschiffahrtsgesellschaft ­
  den  Dienst  mit  12  hölzernen  und
11  eisernen  Kähnen,  2  eisernen  Güterschifsen
  mit  Dampfbetrieb,  4  Schuten
und  1  Zollkahn.  Es  wurden  1879  befördert ­
  zu  Thal  976,181  Ctr.,  zu  Berg
913,753  Ctr.;  Gewinn  82,834  Mk.  gegen
61,918  Mt.  Die  Thätigkeit  der  Kettenschleppschiffahrt ­
  war  wie  folgt:  Hamburg-Magdeburg
  912  Kähne  mit  3,416,071
Etr.,  Niegrip-Magdeburg  2277  Kähue

mit  2,686,780  Ctr.,  Unterwegsstationen
der  Hamburg-Magdeburger  Tour  1059
Kähue  mit  762,260  Ctr.,  Neustadt-Buckau
  3701  Kähne  mit  3,715,818  Ctr.,
zusammen  8009  Kähne  mit  10,580,935
Ctr.,  wofür  597,577  Mk.  vereinnahmt
wurden.  Der  Verkehr  zwischen  Hamburg
und  derObcrelbe  war  1878:  angekommen
zu  Thal  5490  beladene  Schiffe  mit  593,869
Ton.  und  820  unbeladene,  52  Flöße  mit
11,533  T.,  abgegangen  zu  Berg  6131  beladene ­
  Schiffe  mit  566,927  T.  und  572
unbeladene,  28  Flöße  mit  898  T.  Neuerdings ­
  wird  geplant,  die  E.  mit  Rhein  und
Weser  und  Spree  in  Verbindung  zu  setzen.
Elberfeld,  Stadt  im  preuß.  Regierungsbezirk ­
  Düsseldorf,  zu  beiden  Seiten
derWupper  undanderBergisch-Märkischcn
Eisenbahn  (Linie:  Düsscldorf-E.-Hagen);
(1880)  93,503  Einw.  Konsulat  für  Persien ­
  ;  Handelskammer  und  Handelsgericht  ;
Hauptsteueramt.  —  Unter  den  Industrien ­
  steht  die  Fabrikation  von  seidenen ­
  und  halbseidenen  Zeugen,  Zanella,
Kleiderstoffen  aus  Kammgarn,  Twisten
und  Seide,  Bändern,  Teppichen,  Möbelstoffen
  obenan.  1878  wurden  hier  83,125
kg  Seide  (chinesische,  italienische,  japancsische,
  ostindische)  konditioniert.  DerWert
aller  in  den  1872  vorhandenen  193  Anstalten ­
  hergestellten  Webwaren  wird  auf
132  Mill.  Mk.  angegeben.  Export  nach
den  Vereinigten  Staaten  1880:6,510,005
Mk.  Mit  der  Bergisch-Märkischen  Bahn
sind  1878  angekommen  1,761,235  Ton.,
abgegangen  200,236  T.  —  Die  Post  beförderte ­
  1878:  6,195,600  Briefsendungen,
        <pb n="183" />
        Ģlbing  —  Elsaß-Lothringen.

in  Briefen  und  Paketen  137,003,976  Mk.,
auf  Postanweisungen  24,993,204  Mk.
Telegramme  wurden  versandt  47,515  für
53,608  Mk.,  empfangen  49,693.  —  Kreditwesen. ­
  Gesamtumsalz  der  Neichsbankstelle
  (iukl.  Barineu,  Schwelm  n.  Lennep)
4880:  775,6  Mill.  Mk.,  davon  Wcchsel-^ŗkehr
  350,5  Mill.,  Giroverkehr  418,6
Mlll.Mk.  Andre  Geldinstitute:  Bergisch-Marklsche
  Bank,  Elberfelder  Bankverein
(eingetragene  Genossenschaft),  Elberfelder ­
  Gewerbebank;  Feuer-,  Hagel-  itub  Le-,

  „  I  |viin.yu|  t.  —  Platzgeb
  r  a  u  ch  e.  Der  Preis  der  Rohseide  wird
Ni  Gulden  süddeutscher  Währung  für  das
Pfund  notiert,  Steinkohle  verkauft  man
für  den  Waggon;  vgl.  Düsseldorf.
Elbing,  Handels-und  Hafenstadt  im
prcust.  Regierungsbezirk  Danzig,  an:
Ñleichiiamlgen,  hier  schiffbaren  Fluß,  8  km
von  der  Mündung  desselben  in  daöFrische
Lass,  und  an  der  Ostbahn;  Station  der
Produkte,  Cement,  Bierre.—Die  Reederei ­
  der  Stadt  zählte  1874:  25  Schiffe,  darunter ­
  4  eiserne  Dampfschiffe.  Seewärts
wurden  1879  vcrsandt7280Ton.  Getreide
uild  Bichl,  Holz,  Eisenwaren  re.,  nach  Königsberg ­
  und  den  Haffstädtcn  3334  T.,
stromwarts  1270  T.  Die  Binnenschiffahrt
ist  durch  Eröffnung  des  E.-Oberländischen
Kanals  (s.  d.)  sehr  gefördert  worden.  Die
Güterverscndung  per  Bahn  1879  betrilg
348,499  Ctr.,  der  Eiupfang  602,660  Ctr.
—  Unter  den  Märkten  ist  der  Fettviehmarkt
  der  bedeutendste;  zwei  jährliche
Geldmärkte  zur  Erleichterung  des  Verkehrs ­
  in  Hypotheken  werden  27.  Juni  bis
ö.  Juli  und  27.  Dez.  bis  5.  Jan.  abgehalten. ­
  —  Kreditwesen.  Die  Reichsbanknelle
  hatte  1880  einen  Gesamtumsatz
Von  75,2  Mill.  Mk.,  davon  Wcchselvcr-Wr
  46,7  Mill.,  Giroverkehr  22,5  Mill.
E.  Kassenumsah  der  Elbiiiger  Kredit-W
  14,891,621  Wf.,  ber
Wüwif  3,942,528  m,  beä  ßlbiiiger
-Bankvereins  1,550,146  Mk.  —  Platzte ­
  br  Lu  che.  Mau  verkauft  Getreide  und
Spiritus  wie  Danzig,  Ölsaaten  für  36  kg,

175
vmdet  Elbing  mit  dem  Geserich  -  und
Drewenzsee,  ist  195,8  km  lang,  16  m  breit
und  für  Schisse  von  1  m  Tiefgaiig  fahrbar. ­
  Auf  vier  schiefeil  Ebeneil  werden  die
Kähne  in  520  Ctr.  schweren,  auf  Geleisen
gehenden  Wagen  hinaufgezogen.  Bei
Kleppe  Passierten  1878  zu  Thal:  1146  beladene ­
  Frachtschiffe  von  38,110  Ton.,  Flöße
¡5  lÄÄcn  250^f. räCUf,C
Elliregrnppe  lspr.  ellihss.),  s.  Polynesien. ­

Elsaß-Lothringen,  unmittelbares
»deutsches  Reichsland«,  durch  den  Friedensschluß ­
  zu  Frankfurt  a.  Bi.  10.  Mai
1871  von  Frankreich  dem  Deutschen  Reich
desiilltlv  abgetreten;  14,508  qkm  (263
ÕM-)  mit  (isso)  1,571,971  Einw.  gegen
1875:1,531,804,  darunter  34,581  Ausländer ­
  (18,962  Franzosen).  1871  zählte
mein  1,549,738  Einw.,  davon  1,235,706
Katholiken,  270,251  Protestanten,  40,918
3 u ben.  —  Produktion.  Von  dem  Gesamtareal ­
  von  1,450,810  ha  sind  50Proz
Äcker,  Gärten,  Weinberge,  14  Proz.  Wiesen
it.  Weiden,  3lPrvz.  Wald,3Proz.  Ödland
92,984,  mit  Kartoffeln  86,915,  mit  Gerste
55,590,  mit  Roggen  40,660  ha.  Sehr  ansehnlich ­
  ist  auch  der  Anbau  von  Hopfen
(4494  ha)  und  von  Hanf  (4046  Im).  Mais
der  Nußbaum  u.  die  edle  Kastanie  gedcihcii
in  manchen  Gegenden.  Kein  Teil  Deutschlands ­
  hat  einen  so  ausgedehnten  Weinbau  ;
1879—80  waren  30,085  ha  mit  Wein  bepflanzt, ­
  wovon  aber  nur  246,843  (Durchschnitt: ­
  1,250,000)  hl  Wein  gewonnen
wurden.  —  Bon  den  Waldung  e  n  sind
133,811  ha  Staatsforsten,  199,530  ha
Gemeinde-  u.  Jnstitutsforstcn,  17,966  ha
beiden  gemeinsam.  —  Der  Viehstand  ist
mit  Ausnahme  der  Pferde  nicht  bedeutend; ­
  1873  zählte  man  135,698  Pferde,
418,484Rinder,  191,142  Schafe,  266,505
Schweine.  Im  Kanton  Münster  werden
jährlich  500,0«  )0  kg  »  Münstcrkäse«erzcugt
Fischzucht  wird  in  großartigem  Maßstab  ui
Humngen  betrieben;  1871  —  77  wurden
        <pb n="184" />
        176

Elsfleth  —  Emden.
20,8  Mill.  (1877—78:  2,921,000)  Fisch-  garren  re.  Die  kaiserliche  Tabakfabrik  in
eier  versandt,  davon  16  Mill,  nach  Deutsch-  Straßburg  warf  1879—80  einen  Neinland,
  2  Mill.  nach  Holland.  Seit  1872wur-  gewinn  von  '/%  Mill.  Mk.  ab.  —  Du:
den  jährlich  V,  Mill,  junge  Lachse  in  den  Eisenbahnen  hatten  1.  Jan.  WO  eme
Rhein  gesellt,  doch  schoß  der  Staat  immer  Länge  von  1124  km,  erbaut  für  394,5
noch  zu  (1877:16,346  Mk.).-Bergbau  Mill.Mk.  Die  Gesamtlänge  des  Straßcnwird
  auf  Eisen,  Steinkohlen  u.  a.  betrie-  Netzes  beträgt  14,112  km.  Hauptflüsse
fcm.  Voir  Eisenerzen  wurden  1879  in  Lo-  sind  Rhein  uub  Mosel;  über  den  ersten
thringcndurch  1494Arbeiter830,021  Don.  gehen  4  feste  und  11  Schiffbrücken,  dazu
(1,692,654  Mk.),  von  Steinkohlen  durch  kommen  4  Fähren.  Dre  Kanäle  haben
2901  Arbeiter  431,002  T.  (3,186,932  eine  Länge  von  370,5  km,  wovon  63,8  km
Mk.)  und  etwas  Bleierze  gefördert;  die  mit  einem  Tiefgang  von  1,5  m,  306,7  mit
Produktion  desElsaß  (Braunkohle,  Alaun,  einem  solchen  von  1  m  zu  befahren  sind;
Asphalt,  Erdöl)  ist  gering.  Die  Salineir  sie  erforderten  1872—77  einen  Aufwand
von  Lothringen  lieferten  1879:  42,110  T.  von  2,3  Mill.  Mk.  Der  Schiffsverkehr
Salz.  —  Die  H  ü  t  t  e  n  i  n  d  u  [t  r  t  c  ist  in  auf  der  Mosel  und  den  Kanälen  war  1876  :
Lothringen  zu  Hause,  zeigt  aber  einen  31,726  Schisse  und  1526  Flöße,  davoni  bestärken ­
  Rückgang;  1873  würden  270,468  laden  17,754  Schisse  mit  40,004,637  Etr.
T.  Roheisen)  1879:  242,436  T.  erzeugt,  —  Die  Po  st  beförderte  1879:  28,328,900
während  der  Preis  von  24,3  Mill,  alls  Briefsendiulgen,  5,513,621  Zeitungen  rc.;
8,i  Mill.  Mk.  sank.  Die  Produktion  von  alls  Postanweisung  gingen  ein  53  Mill.
Eisenfabrikaten  fiel  1872—79  üoitl91,293  Mk.  Die  Telegraphenlinien  waren
T.  auf  146,693  T.,  die  Werte  von  47,4  2103,  die  Leitungen  6258  km  lang;
Mill,  auf  20,4  Mill.  Mk.  —  Sehr  bedeu-  1,036,467  Telegramme  wurden  bearbeitend ­
  ist  die  Baumwollindustrie,  na-  tet.  Einnahmen  4,301,839,  Ausgaben
mentlich  im  Oberelsaß;  in  64  Fabriken  3,395,285  Mk.  —  Von  Bankeil  sind  zu
mit  2  Mill.  Spindeln  werdeil  (1.875  mit  neilnen  außer  der  Reichsbankhauptstellc
18,504  Arbeitern)  22  Mill,  kg  Garn  im  in  Straßbnrg:  die  Banque  d'Alsace  et  de
Wert  von  69  Mill.  Mk.  gesponnen;  60,000  Lorraine,  Banque  de  Mulhouse,  Comptoir-Spindeln
  bestehen  für  die  Fabrikation  von  d'Escompte,  Internationale  Bank  in  Lu-Hwirn.
  Baumwollweberei  wurde  1875  remburg.  —  Der  Haushaltsetat  davon ­
  18,773  Personen  mit  25,000  Maschi-  lancierte  für  1881—82  in  Einnahmen  und
nenstühlen  betrieben.  Die  Schafwollin-  Ausgaben  mit  47,306,936  Mk.  und.zwar
bufine  ist  weniger  bedeutend  und  zurück-  an  fortdauernden  Ausgaben  36,622/W
gegangen;  6  Kammgarnspinnereien  be-  Mk.,  an  einmaligen  10,684,186Mk.,  Maschäftigen
  176,000  Spindeln,  25  Streich-  trikularbeitrag  3,810,854  Mk.  —  Erne
garilspinnereicn  18,000  Spindeln.  Dre  Staatsschuld  besteht  für  E.  zur  Zeit
Seidenspinnerei  hat  20,000  Spindeln,  die  noch  nicht.  Durch  das  Gesetz  vom  25.  Junr
Seidenbandweberei  500  Webstühle.  Ge-  1873  ist  die  Verfassung  des  Deutschen
mischte  Gewebe  liefert  Markirch  mit  1300  Reichs  mit  1.  Jan.  1874  in  E.  eingeführt,
mechanischen  und  10,000  Handstühlen.  Elsfleth,  Hafenstadt  im  Grohherzog-Weiter
  sind  wichtig:  Bleicherei,  Färberei,  tum  Oldenburg,  am  Einfluß  der  Hunte
Druckerei,  die  chemischenFabriken(Thann),  in  die  Weser  und  der  Bahn  Hude-Norden-Papierfabriken
  (5  Mill,  kg),  Gerberei  Hamm;  (isso)  2492  Einw.  Bedeutende
(9'/2Mill.Mk.),  Schrlhmachcrei(17Mill.  Reederei  (1880:  118  Schiffe  von  41,872
Mk.),  Brauerei  (0,8Mill,  kl)  mit  Straß-  Ton.)  und  wichtige  Pferde-  und  Viehburg
  und  Umgegend  (54  Brauereien)  als  markte;  Holz-  und  Getreidehandel.  Der
Haüptsitz.  Die  Tabakfabrikation  war  zur  Hafen  ist  nicht  tief  und  größere  Schific
.Feit  des  französischen  Monopols  weit  be-  gehen  daher  nur  bis  Brake,
deutender,  jetzt  beträgt  die  jährliche  Pro-  Emden,  selbständige  Stadt  in  der  preuß.
duktiou  1,830,000kgRauchtabak,281,000  Landdrostei  Aurich  (Ostfriesland),  unweit
kg  Schuupftabak,  I6V2  Mill.  Stück  Ci-  der  Ems,  die  durch  einen  auch  für  größere
        <pb n="185" />
        Emmerich  —  Erie.

Seeschiffe  fahrbaren  Kanal  mit  der  Stadt
tn  Verbindung  steht,und  der  Eisenbahnlinie
Münster-E.;  (isso)  13,634Einw.  Konsulate ­
  für:  Belgien,  ilèiederlande,  Rußland;
Handelskammer,  Hauptzollamt;  Reichsbankstelle ­
  (1880:  Gesamtumsatz  45,8  Mill.
Ark.),  Eindener  Genossenschaftsbank.  —
Unter  den  Erwerbszwcigcn  steht  der  Seehandel
  obenan.  E.  besaß  1879  selbst  84
@#e  W,i  8278  Zou.  1879  minien  mit
labmig  385  Schisse  voit  31,204  T.  ein,
17 4  Schiffe  von  8353  T.  aus,  dazu
Welcibcnc  im  @¡«9(11,3  73  @d)iüc  üo,t
oi  nife  îm  Ausgang  231  Schiffe  von
t;o076  T.  Dre  Stadt  vermittelt  die  Hälfte
des  Verkehrs  von  ganz  Ostfriesland  und
lleht  noch  außerdem  mit  den  Niederlanden, ­
  Belgien,  Hamburg,  Bremen  im  Verkehr. ­
  Ansgesiìhrt  werden  namentlich:  Genotiert
  Kurse  nach  den  Normen  von  Vcrlln
  auf:  Amsterdam,  London  und  Paris.
uiib  der  Lune  Oberhauscn-E.  dcrKöln-Mlndencr
  Bahn;  (isso)  8671  Einw.  Emncricher
  Kreditbank;  Hauptstencramt.
Sķâ«
^35  Do»  1,128,9821.
lebhafter  Handel  mit  Kaffee  imb  Käse.
_  Estts,  Küstenfluß  im  nordwestlichen
Deutschland,  330  km  lang,  davon  270,0
km  schiffbar  unb  zwar  82,6  km  für  Fahrzeuge ­
  unter  75  m  Tiefgang,  90  km  für
solche  von  1  in,  98  km  für  solche  von  1,5
m -  Seeschiffe  gehen  bis  Halte,  d.  h.  bis
zur  Flutgrenzc,  hinauf.  1877  gehörten
@.  (i,m.  æ^K)  187  Griffe  üo»
¿/25  Ton.,  darunter  3  eiserne  Dampfer,
ş  on  Kanälen  bestehen  die  von  Papenburg ­
  und  der  Trekschuitenkanal  zwischen
Zurich  und  Emden  schon  längere  Feit.
der  E.-Vechtckanal  ist  neuern  Datums,
ş,.  Şngrlholm,  Hafenstadt  in  dem  schwed.
sollt  Christiansand,  am  Kattegat  und  deichn ­
  E.-Landskrona;  (i878)  2056  Einw.
putsche  Konsularagentur.  Skänes  Ensk.
k  &amp;gt;à  Kontor.  Lachsfischerei.
Englisch-Indisches  Kaiserreich,  s.
Ostindien.
Handelsgeographie.

177
und  Hauptstapelplatz  der  Champagnerweine. ­
  Das  Gebiet  der  Stadt  umfaßt  allein
329  lia,  Weinland.  In  den  ungeheuren
in  Kalkfelsen  gehauenen  Kellern  liegen
jährlich  ca.  5  Mill.  Flaschen  aufgespeichert
(davon  800,000  vom  städtischen  Gebiet).
Jährlicher  Umsatz  14—15  Mill.  Mk.
Erfurt,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
Regierungsbezirks  in  der  preuß.  Provinz
Sachsen,  an  der  Thüringer  unb  Nordhausen-Erfurter ­
  Bahn;  (isso)  53,272  Einw
Handelskammer;  Reichsbaukstelle  (1880-Gesamtumsatz
  161,2  Mill.Mk.),  Erfurter
Vorschußbauk.  —  Außer  zahlreichen  Industrien ­
  ist  E.  besonders  hervorragend  durch
seine  G  a  r  t  e  n  k  u  l  t  u  r,  die  von  37  Knnstund
  Handelsgärtnern  (davon  27  Engroshändler) ­
  auf  1701mbetriebcnwird.  Jährlich ­
  fommen  im  Durchschnitt  300,000  Kataloge ­
  zur  Versendung,  deren  Druck  einen
Kostenaufwand  von  ca.  42,000  Mk.  erfor-^ŗt-
  Die  Blitineukultur  erstreckt  sich  auf
220  Morgen  Land;  Astern  und  Levkojen
werden  mit  Vorliebe  gezogen;  150,000
Topfe  liefern  jährlich  25,000  Lot  Samen
im  Wert  von  137,800  Mk.  Außerdcnl
werden  jährlich  150,000  Stück  junge  Georglncn,
  160,000  Nelken,  120,000  Edclrosen
und  andre  Blumcn,  wie  Orchideen.  Pelargonien, ­
  Vcrbeuen  rc.,  in  Millionen
versandt.  Für  Leinen-  und  Papierbeutel
zur  Sämereicnversendung  werden  jährlich
32,000  Mk.  ausgegeben,  getrocknete  Blumen ­
  in  Bouquets  nach  allen  Weltteilen,
namentlich  nach  Südamerika,  exportiert.
Die  Gemüsegärtnerei  versorgt  Hatte,  Leipzig, ­
  Berlin,  Magdeburg,  Dresden,  Kassel
ii-  a.  jährlich  mit  über  10,000  Schock  Blumenkohl, ­
  50,000  Bündelchen  Bruuuen-We,
  21,300  @cW%ßMm9  ,  380  Gtr.
Spargel,  50,400  Schock  Gurken.
Eric,  der  südlichste  der  fünf  großen
kanadischen  Seen  in  Nordamerika,  an  der
Nordgrenze  der  Vereinigten  Staaten  gegen
Oberkanada,  395  km  lang,  100  km  breit
28,400  qkm  (515  OM.)  groß.  Die  Schiffahrt ­
  ist  wegen  der  großen  Anzahl  von  Felsen ­
  gefährlich;  auch  fehlt  es  au  guten  Häfen.
12
        <pb n="186" />
        178

Essen  —
Durch  den  E  vies  st  u  st  l  ist  ber  See  mit  bem
Atlantischen  Dccstii  und  indirekt  mit  betn
Ohio  und  durch  diesen  mit  dem  Mississippi,
durch  den  WeklstndkstUstl  mit  dem  Ontariosee
  verbunden.  Der  Kaustl  führt  bei
Busfstlo  ans  dein  E.  ttnd  endigt  bei
Albany  int  Hudson,  ist  586  km  lang,  24
m  breit  und  .2Vs  m  tief  und  hat  83
Schleusen.  Durchschnittlich  ist  er221Tage
im  Jahr  fahrbar.  Der  Geneseekanal  geht
vom  Eriekanal  bei  Rochester  ab  nttd  führt
zum  Albanyfluß,  einem  Quellflnst  des
Ohio;  der  Ohiokanal  zweigt  nach  Ohio  ab.
Essen,  Fabrikstadt  tut  preuß.  Regierungsbezirk
  Düsseldorf,  4  km  von  der
Ruhr,  an  der  Köln-Mindenes,  der  Belgisch-Märkischen ­
  und  Rheinbahn;  (isso)
56,957  (Sinti'.  Handelskammer.  —  Im
Kreis  E.  waren  1879:47  Steinkohlengruben
  im  Betrieb,  die  mit  19,049  Arbeitern
eine  Förderung  von  106,332,532  Ton.  tut
Wert  von  21,329,444  Mk.  ergaben.  Zu
derselben  Zeit  lieferten  zweiEisenfteingrnben
  206,029  Etr.  Erze  im  Wert  von  82,410
Mk.  —  Unter  den  industriellen  Anstalten ­
  steht  obenan  die  Gußstahlfabrik
von  Fr.  Krupp  bei  E.  Mit  einer  durchschnittlichen ­
  Zahl  von  8237  Arbeitern
wurden  1879  produziert:
Schmiede-  und  Stabciscn  .  11481226  Kilogr.
Bessemerstahl  115895116  -
Martinstahl  10577334  -
Tiegelgnßstahl  8603011  -
(c-isengich,  zweite  Schmelzung  6873800
Zusammen:  153430484  Kilogr.
Es  sind  vorhanden:  1542  Öfen,  294
Dampfkessel,  82  Dampfhämmer  von
100—50,000  kg,  21  Walzenstraßen,  310
Dampfmaschinen  mit  2—1000  Pferdekrästen,
  zusammen  12,000  Pferdekräftett,
1622  Werkzeugmaschinen.  Der  durchschnittliche ­
  tägliche  Bedarf  an  Kohle  und
Koks  ist  2680  Ton.  Zur  Vermittelung
des  Verkehrs  dienen  41  km  normalspurige
  Eisenbahn  mit  liTenderlokomotiven
und  537  Waggons,  22,5  km  schmalspurige
Eisenbahn  mit  9  Lokomotiven  und  230
Waggons,  50  Pferde  mit  206  Wagen,
65  km  Telegraphenleitung  mit  35  Telegraphenstationen.
  Die  Attzahl  der  Beamten- ­
  und  Arbeiterwohnungen  beträgt
3250  mit  16,200  Bewohnern.  Der  Flä-Europa.


chenraunt  der  Gußstahlfabrik  ist  400  lia,
wovon  etwa  75  lia  überdacht  sind.  Andre
bedeutende  Etablissements  sind  die  Hohöfen ­
  zu  Berge-Borbeck  und  Kupferdreh;
das  erstere  produzierte  1879:  40,811,000
kg,  daö  letztere  in  5  Monaten  7,920,375
kg.  Das  Puddlings  -  und  Walzwerk  von
Schulz,  Knandt  n.  Ko.  lieferte  7,875,000
kg  Kesselbleche.  Die  Zinkhütte  zu  Berge-Borbeck
  (Vieille  Montagne)  erzeugte
6.611.000  kg  Rohzink.  —  Der  Güterverkehr ­
  auf  den  drei  den  Kreis  E.  durchschneidenden ­
  Eisenbahnen  war  1879
(ill  ^ķņett).  Abgegangen  Angekommen
Köln-Mindencr.  .  1133757  1232397
Bcrgisch-Märkische.  1658903  651535
Rheinische  .  .  .  .  2718343  553806
Zusammen:  5511003  2437  738
Die  Einnahmen  betrugen  2,934,723  Mk.,
resp.  2,468,757  und  8,106,522  Mk.  In
der  Stadt  E.  allein  beförderte  die  Post:
Briefsendungen  3,321,864,  Briefe  und
Pakete  im  Wert  von  54,394,146  Mk.,
Postanweisungen  10,066,634  Mk.  Teleïstimite
  kamen  an:  31,101,  gingen  ab:
1,587.  —  Kreditwesen.  Die  Reichsbankstelle
  hatte  1880  einen  Umsatz  von
391.418.000  Mk.,  davon  Wechselverkehr
207,791,500,  Giroverkehr  169,845,500
Mk.  Die  Essener  Kreditanstalt  (Kapital:
12  Mill-  Mk.)  hatte  1879  einen  Gesamtumsatz ­
  von  494,077,596  Mk.
Eton,  Hafenstadt  in  Peru;  (is7g)  3559
Gintv.  1877  wertete  die  Einfuhr  477,736
(deutsch  106,420)  Mk.,  die  Ausfuhr  (4,8
Mill,  kg  Zucker,  2,4  Mill,  kg  Wachs,
129,631  kg  Baumwolle)  5,474,708  Mk.,
davon  deutsch  46,280  Mk.  Es  liefen  ein:
315  Schiffe  von  184,629  Ton.
Euphrat,  s.  Türkei  (Verkehrswesen).
Europa,  nächst  Australien  der  kleinste
aller  Erdteile,  ist  aus  77  Staaten  zusammengesetzt ­
  (46  Monarchien  und  31  Republiken) ­
  ,  von  welchen  51  in  2  Bundesstaaten ­
  vereinigt  find  (26  im  Deutschen
Reich  und  25  tu  der  Schweiz),  2  durch
Personal-  und  Realunion  zusamtnenhängen
  (Österreich  und  Ungarn),  8  im
Verhältnis  der  Personalunion  zu  einander
stehen  (Preußen  und  Lauenburg,  Niederlande ­
  tlnd  Luxemburg,  Schweden  und
        <pb n="187" />
        12*

Europa.

179

Norwegen,  Rußland  und  Finnland)  und
2  sich  unter  der  Oberhoheit  eines  andern
Staats  befinden  (Andorra  unter  der  Oberhoheit ­
  von  Spanien  und  Frankreich,  Bnlgarien
  unter  der  Oberhoheit  der  Pforte).
Dik  Stante,,Europas  (ihrer  Größe  nach  geordnet).

Staatei,

Rußland  (mit
Finnland)  .  .
Schweden  -  Norwegen ­
  .  .
Österr.-Ungarn
Deutsches  Reich
Frankreich.  .
Spanien  .  .
Türkisches  'Reich
Großbritannien
und  Irland
Italien.  .  .
Rumänien.  .
Portugal  .  .
Bulgarien.  .
Bosnien  u.  Her
zegowina  .
Griechenland.
Serbien.  .  .
Schweiz.  .  .
Dänemark.  .
Niederlande  mi
Luxemburg.
Belgien.  .  .
Montenegro  .
Andorra  .  .
Liechtenstein  .
San  Marino.
Monaco  .  .

Europ.  Staaten

QKilom.

5  41!)  320
701013
622837
540477
528577
500443
339211
314951
296323
129947
92828
63865
60484
51860
48657
41213
&amp;gt;  38302
35559
29455
9475
385
178
62
15

QMeil.

98420
13821
11311
9816
9599
9088
6160
5720
5381
2360
1686
1160
1098
942
884
748
696
646
535
172
7
3.2
1
0,3

Bevölkern» ­
  g

99251371180  254,s  ļ  320611172

74450423
6338763
37683460
45203921
36905788
16333293
8897400
34866000
28409000
5376000
4  745  124
1965474
1158440
1679775
1682452
2846  102
1969454
4  242  168
5536146
286000
12000
9124
7816
7049

Im  Handelsverkehr  nimmt  E.  unter ­
  den  Wcltteilclļ  weitaus  die  erste  Stelle
ein.  Von  dem  gesamten  Außenhandel  der
%cit  (57,300,9  9m.  Mf.)  cutfdkn  (ins
40,587  gm.  m.  unb  awi-  Gins#
¿2,714,3  %m.,  17,872,7  MW.
Ms.  Ihren  Handelsumsätzen  nach  nehmen
England,  Deutschland,  Frankreich,  Rußend. ­
  Österreich-Ungarn,  Niederlande,
^lgien,  Italien  mit  1285  ,  6641,  5885,
¿2%,  2414,  2335,  2068  imb  1693  Milt.
?Nk.  die  ersten  Stellen  ein.  Die  Haudelsflotte
  Europas  zählte  1878:  80,106

Säte»»*«
Lange  der  Eisenbahnen  nndTelcara-Phen
  sowie  die  Thätigkeit  der  Post  Europas ­
  zeigt  nachstehende  Tabelle:

Länder

Eisenbahnen ­


Kilon,.

Telegraphenlinien ­


J4  Kilo,».

Post

Bureaus ­


Briefe
(in
Mill.)

Belgien.  .  80  4012  80  5410
Dänemark  79  1520  78  3376
Deutsch.  R.  80  34039  80  73242
Frankreich.  79  26776  79  59500
Griechen!..  78  12  78  3068
Großbrit.  .  79  28478  80  42088
Italien  .  80  8279  79  25533
Luxemburg  80  308  78  310
Montenegr.  —  —  444
Niederlande  80  1930  80  3761
Norwegen.  80  1222  79  7506
Ssterr.-llng.  80  18381  78  36311
Portugal  .  80  1  249  80  3  711
Rumänien  79  1388  79  5238
Rußland  .  80  22644  79  100188
Finnland  79  873  77  ?
Schweden.  79  5674  79  8281
Schweiz  .  81  2542  79  6552
Serbien  .  —  _  75  1461
Spanien  .  78  6199  77  15489
Türkei  .  .  79  1469  78  27  497
Bulgarien  —  224  —  2057
Zusammen:  |  167  217¡—|  433123  ¡43656  ¡39241
Neun  der  europäischen  Mächte  haben
außerhalb  Europas  Besitzungen,  deren
Bevölkerung  nahezu  ebenso  hoch  geschätzt
wird  wie  die  Europas,  deren  Areal  aber
das  Fünffache  dieses  Erdteils  fast  erreicht.
Auswärtige  Besihungen  europäischer  Staaten.

638
159
9188
5669
145
13912
3200
55
?
1290
904
5986
863
233
4374
114
1963
800
54
2530
34
?

85.7
25.5
1025.4
518,2
2,7
1242.5
173,1
4.3
?
54.7
13,3
437,0
15.7
10,1
98,0
3,1
60.5
71.7
1.3
78.5
2.4
?

Staaten
Großbritannien
Rußland
Türkei  .  ,
Niederlande
Portugal  &amp;gt;
Frankreich  .
Spanien  .
Dänemark.
Italien  .  .

Zusammen

QKilom.

20166465
16284162
5349604
1977067
1821250
612795
440466
194576
15

46846400

QMcil.  Bcvölkerg.

366  244
295  736
97  154
35  905
32849
11129
7999
3537
0,3

850553,3

205789019
13470582
36699980
27106036
3247634
6448600
8714000
130600
?

301606451
        <pb n="188" />
        180

Falklandinseln  —  Finnland.

F.

Falklandinseln,  brii.  Archipel  im  südl.
Atlantischen  Ocean,  12,235  qkm  (228
QM.);  (1878)  1394  Einw.  Die  Häfen  sind
wegen  der  geschützten  Lage  wichtig.  Beschäftigung ­
  der  Kolonisten:  Viehzucht  u.  Fischfang. ­
  1878:  Einfuhr  740,000,  Ausfuhr
(Me)  j,021,100  m.
20,000  Ton.  Einnahme  240,000,  Ausgabe ­
  260,000  Mk.  Vgl.  P  o  r  t  S  t  a  n  l  c  y.
Falmouth,  Hafenstadt  an  der  Südküste
der  engl.  Grafschaft  Cornwall;  (mi)  5294
Einw.  Deutsches  Vicekonsnlat  (Amtsbezirk: ­
  F.,  Penryn  und  Truro).  Zum  Hafen
gehören:  128  Schisse  von  16,668  Ton.,
453  Fischerboote.  Ausfuhr  (Zinn,  Kupfer,
giWe)  1879  :  70,080,  Gins#  3,7  SOMK.
Mk.  1879  liefen  332  dentschc  Schiffe  ein,
308  zur  Entgegennahme  von  Ordre.
Fanning-Inseln  (ipr.  fan.),  s.  Polynesien. ­

Fano,  dan.  Insel  an  der  Südwestküstc
von  Jütland,  50  qkm  mit  2963  Einw.
Deutsches  Konsulat  für  das  Amt  Ribe.
1879  liefen  7  deutsche  Schiffe  von  154
Ton.  ein,  18  von  228  T.  aus.
Faro,  Haupt  -  und  Hafenstadt  der  portugies.
  Provinz  Algarve;  0878)8671  Einw.
Deutsches  Vicetonsnlat  für  den  östl.  Teil
der  Provinz.  Ausfuhr  von  Südfrüchten.
Färöer  (S  ch  a  f  i  n  s  e  l  n),  zu  Dänemark
gehörige  Inselgruppe  im  Nordmeer,  22
Inseln,  17  bewohnt,  im  ganzen  1333  qkm
(24  QM.)  mit  11,000  Bewohnern,  denen
Ende  1877:  23  Segelschiffe  von  924  Ton.
gehörten.  1877  liefen  ein:  14  Schiffe  mit
1080  T.,  aus:  1.7  mit  1212  T.,  sämtlich
dänische.  Der  Warenumsatz  mit  Dänemark ­
  betrug  1878  in  Einfuhr  247,670,
in  Ausfuhr  398,720  Mk.  Einnahmen
1880-81:56,941,  Mi^abcn  86,657  SOM.
Farsuild,  Hafenstadt  an  der  Südwestküste ­
  von  Norwegen,  am  Farsnnd;  (wo)
1497  Einw.  Deutsche  Konsularagentur.
Fayal,  s.  Horta.
Fernambuko,  s.  Pernambllko.
Fernando  Po,  den  Spaniern  gehörige
Insel  an  der  westafrikan.  Küste,  in  der  Bai
von  Biafra;  2071  qkm  mit  etwa  20,000
Einw.  Wichtige  Station  für  die  westafrikan.

  Dampfer  sowie  für  die  an  den  Nigermündungen
  handeltreibenden  Schiffe.
Ferrol,  befestigte  Hafenstadt  in  der
span.  Provinz  Coruña,  Station  der  Pacific ­
  Steam  Navigation  Co.;  (1877)  23,811
Einw.  Deutsches  Konsulat  für  den  nördlichen ­
  Teil  der  Provinz  Coruña.
Fes,  bedeutendste  Handelsstadt  in  Marokko; ­
  etwa  100,000  Einw.,  darunter
5—6000Juden.  Industrie  in  Saffian  und
Maroquin,  Fayencen  und  Thonwarcn,
Gold-  und  Silbcrwaren.  Europäische
Waren:  Seide,  Baumwollstoffe,  Tuch,
Papier,  Waffen,  Pulver,  Thee,  Droguen,
Zucker  u.Gewürze  werden  imHandelsquartier,
  der  »Kessaria«  inAlt-F.,  aufgestapelt ­
  u.  über  ganz  Nordwestafrika  verbreitet.
Fezzan,  s.  Tripolis.
Fidschi-Inseln,  s.  Viti-Jnseln.
Finnland,  durch  Personalunion  mit
Rußland  vereinigtes  Großfürstentum,
373,536  qkm  (6783,8  OM.)  mit  0877)
1,968,626  Einw.  (davon  Lutheraner
1,930,496,  Griechisch-Katholische  37,562,
Römisch-Katholische  568).  Deutsche,  ca.
1200,  leben  besonders  in  Wiborg  und  Helsingfors. ­
  —  Produktion.  Von  dem
Areal  ist  mehr  als  die  Hälfte  unproduktiv,
meist  in  Wasser,  Moor,  Sümpfen  und
Seen  bestehend.  Von  dem  Rest  (49,7
Proz.)  entfallen  nur  2,3  Proz.  auf  Ackerland, ­
  7,8  Proz.  auf  Wiesen  und  Weiden,
aber  39,6  Proz.  auf  Waldungen;  dennoch
beschäftigt  der  Ackerb  au  80  Proz.  der  Bewohner. ­
  DieHauptkulturen  sind  '.Getreide,
Kartoffeln,  Flachs,  Hanf.  Als  Durchschnittsernte ­
  gibt  man  an  (in  Hektolitern):
Rangen  2090000  I  Hafer  .  1500000
Gerste.  1072000  j  Weizen  23000
Doch  bedarf  F.  in  der  Regel  der  Zufuhren
von  Brotstoffen,  die  meist  als  Mehl  ans
Rußland  kommen.  Der  finnische  Roggen ­
  ist  aber  als  Saatgetreide  in  Rußland
gesucht  und  wird  höher  bezahlt  als  der
russische.  —  Die  Viehzucht  findet  günstigere ­
  Bedingungen;  1877  gab  cs:
Pferde  .  .  281463  Schweine  .  181686
Rinder  .  .  1032393  Renntiere  (in
Schafe  .  .  1000688  Uleaborg)  .  64569
        <pb n="189" />
        Finnland.

181

Auf  lOOOEinw.  kommen  150Pferdc,  586
Stück  Rindvieh,  529  Schafe  und  105
Schweine.  Ausgeführt  wurden  1879  :

Fleisch  und  Speck  .
Häute  und  Felle  .
Butter
Pferde
Lebendes  Vieh  .  .

.  20  093  Etr.
4730  -
.  144599  .
2971  Stück
.  51054  .

Butter  geht  in  großen  Quantitäten  nach
Deutschland  und  England,  die  andern
Produite  nach  England.  —  Die  Fischerei ­
  hat  ihre  Bedeutung  einesteils  darin,
daß  ihre  Produkte  Hauptnahrungsmittel
  der  Bevölkerung  find,  andernteils
m  der  ansehnlichen  Ausfuhr  (1878:
"(,685  Etr.)  nach  Rußland.  —  Ungleich
wichtiger  als  alle  andern  Produkte  sind
Aber  ble  be*  %B(iíbe9  (ßülftc  be*  Bert*
oer  ganzen  Ausfuhr),  von  dem  sich  etwa
drei  Viertel  der  Bevölkerung  direkt  oder
indirekt  nähren.  Die  Verschwendung  ist
urdes  eine  ungeheure;  schätzt  man  doch  den
Konsum  der  Bevölkerung,  die  2  Mill,
ģ  erreicht,  auf  800  Mill.  Kubikfuß
Whrlich.  Die  wichtigsten  Holzplätze  sind:
Wrborg.Kotka  und  Björneborg.  Hauptabnchmcr
  sind:  England  (50  Pro;.),  Niedcr-Deutschland,
  Frankreich,  Spanien.
18(9,  daö  eine  bedeutende  Abnahme  gegen
1877  lind  1878  zeigte,  wurden  ansgefnhrt:
  34,156,884  Kubikfuß  Planken,
Bretter  re.,  3,058.389Kubikfuß  Stämme,
138,730  Ton.Tcer,  160,433  Faden  Brennholz, ­
  Baumrinde  u.  a.  —  Der  Bergbau
ist  ilnbedeutend.  Die  Wäschereien  des
Goldes,  welches  1868  an  beu  Ufern  des
Jwalojoki  entdeckt  wurde,  habeil  in  jüngster ­
  Zeit  sehr  abgenommen;  1871  wurden ­
  55,074,25  g,  aber  1878  nur  noch
5758  g  Gold  gefunden.  Die  Eisengruben
wurden  sehr  schnell  erschöpft;  1858  förderte ­
  man  69,567  metr.  Etr.  aus  16  Werren ­
  ,  1877  gab  es  nur  noch  ein  Werk,  aus
welchem  11,520  metr.  Etr.  kamen.  Doch
wird  ziemlich  viel  Sumpfeisen  gewonnen.
Auch  der  Abbau  von  Kupfer  ist  zurückgegangen; ­
  1862  wurden  1748  Etr.  Rosettenrnpfer,
  1876  nur  noch  210  Etr.  geliefert.
Unter  den  Industrien  nimmt  die
,Zauinwollindnstrie  den  ersten  Rang  ein.
ja-.stesaß  1877:  3  Baumwollspinnereien
mit  2,414,127  Mule  und  382,156  WaprSStS


banmwolle  belief  sich  1879  auf  54,684
Etr.,  und  der  Wert  der  Produkte  mag
8—10  Mill.  Mk.  im  Jahr  betragen.  Jjz
zweiter  Linie  stehen,  dem  Umfang  der
Produktion  nach,  die  mechanischen  Werkftätten
  und  Eisengießereien,  welche  durchschnittlich
  jährlich  für  5  —6  Mill.  Mk.
produzieren.  Die  Produktion  der  Zuckerraffinerieu
  beträgt  ca.  4,i  Mill.  Mk.  im
Jahr.  Alle  diese  Jiidnstrieir  verarbeiten
nur  ausländisches  Material.  Brauchbares
Rohmaterial  finden  im  Land  selbst  die  Papier-, ­
  Holzmasse-  und  Zündhölzerfabriken,
die  Leinweberei  und  Gerberei.  Sämtliche
Jndnstrien  sind  auf  den  russischen  Markt
angewiesen;  daher  bat  auch  das  Fallen  der
russischen  Valuta  die  sinnische  Industrie
schwer  gefährdet.  Von  finnischen  Produkten ­
  wurden  1879  crportiert:
Garn  4168  Ctr.
Eisen-  und  Stahlwaren.  414702  -
Papier  187544  -
Zündhölzer  9413  Kisten
Gewebe  596376  Ctr.
Der  Einfuhrhandel  wird  charakterisiert ­
  durch  die  Beträge  der  Zollcinnahmen.
  Dieselben  stiegen  1868  —  75  von
4,6  Mill,  auf  9,2  Mill.  Mk.  und  sanken
dann  1878  auf7,8  Mill.  Mk.  Von  den  finnischen ­
  Häfen  ist  Helsingfors  als  Jmportplatz
  weitaus  der  bedeutendste,  demnächst ­
  folgen  Wiborg  und  Abo.  '  An  dem
Jmporthandel  sind  vornehmlich  Rußland, ­
  Deiltschland  und  England  beteiligt.
Deutschlands  Einfuhr  nach  F.  besteht  vornehmlich ­
  in  Spirituosen,  Weilt,  Kolonialwaren ­
  (besonders  Kaffee),  Zucker,
Geweben,  Kurzwaren.  Zwei  Drittel  des
Gesamtbetrags  dieser  Einfuhren  kommen
alls  Deutschland.  Der  Export  sinnischer
Produkte  (Butter  und  Holz)  nach  Deutschland ­
  mag  ein  Fünftel  bis  ein  Drittel  des
Werts  der  Einfuhr  betragen.  Der  Handel ­
  wird  vornehmlich  durch  Lübeck  vermittelt. ­
  England  importiert  fast  ausschließlich ­
  Eisen  -  und  Stahlwaren
Baumwolle  und  Steinkohle.  Hanptcinfuhrartikel
  außer  den  schon  genannten-Maschinen,
  Petroleum,  Salz^  Roheisens
        <pb n="190" />
        182

Firenze  -
Tabak,  Wein,  Gewebe,  gesalzene  Fische.
—  Der  Handelsverkehr  betrug  (in
Millionen  Mark):
1877  1878
Einfuhr  .  .  .  119.4  102,7
Ausfuhr  .  .  .  83,  a  70,o
und  zwar  kommen  davon  auf  die  Produkte ­
  der  Waldkuttnr  43,»  Milt.,  der  Industrie ­
  18,3,  der  Viehzucht  42,5,  der  Jagd
und  Fischerei  2,5,  des  Ackerbaus  2,2  Mill.
Mk.  Die  einzelnen  Hauptländer  partizipierten ­
  daran  1876  in  folgender  Weise
(in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Rußland  53,6  32,8
Deutschland  22,o  4,2
Großbritannien....  10,7  14,o
Schweden  und  Norwegen  6,5  4,6
Reederei  und  Schiffahrt  bilden  in
F.  seit  alter  Zeit  einen  nationalen  Erwerbszweig; ­
  die  finnische  Flotte  zählte
1878:  1997  Schiffe  (darunter  30  große
Scedampfer)  von  302,796  Ton.  Von  den
zur  See  nach  F.  ein-  und  ausgehenden
Waren  tvnrden  bis  1877  etlva  70  Proz.
auf  finnischen  und  nur  30  Proz.  auf  ausländischen ­
  Schissen  verfrachtet.  1878  liefen
ein:  8460  Schiffe  von  624014  Tonnen
aus:  8649  -  -  629861
Dampferlinien  bestehen  mit  Petersburg, ­
  Stockholnl,  Lübeck,  Reval,  Hull,
Stettin,  ebenso  auch  ans  den  Seen  und
Kanälen.  Von  den  Kanälen  stub  die
wichtigsten:  der  Saünakanal  (59  km)
mit  28  Schleusen  aus  dem  Sa'ünasee  nack
dem  Golf  von  F.;  kürzer  sind  der  Konnus-,
  Taipale-,  Wianto-,  Nerkko-,  Lempas- ­
  u  nd  Walkiakoskikanal.  —  Die  E  i  s  e  n  -
bahnen  hatten  1879  eine  Länge  von  873
km,  in  welchen  ein  Kapital  von  64  Mill.
Mk.  angelegt  ist.  Sämtliche  Bahnen
sind  mit  Ausnahme  der  Linie  Borgä-Kervo
  Eigentum  des  Staats;  Reinertrag
1878:  li,2  Mill.  Mk.  Das  Telegraphenamt ­
  ressortiert  von  der  russischen
Regierung;  1877  wurden  in  65  Bureaus ­
  219,258  Depeschen,  in  114  Postbnreans
  2,650,769  Briefe  und  Postkarten,
3,734,416  Zeitungen  und  Wertsendungen
im  Betrag  von  73,7  Mill.  Mk.  befördert.
Konsulate.  Ein  Berufskonsnlat  besteht ­
  in  Helsingfors,  Handelskonsulate  in:

-  Fiume.
Abo,  Björneborg,  Elenas,  Kristinestad,
Nikolaistad,  Nhkarlcby,  Ulcäborg,  Wiborg,
  Konsularagcnturcn  in:  Brahestad,
Gainlakarlcbh,  Helsingfors,  Jakobstad,
Kotka,  Nhstad,  Ramno,  Tammerfors.
Finanzen.  Nach  der  Abrechnung  von
1877  balancierten  Einnahmen  und  Ausgaben ­
  mit  31,9  Mill.  Mk.  Hauptposten
der  Einnahmen:  Zölle  9,2  Mill.,  Eisenbahnen ­
  6  Mill.,  Branntweinsteuer  3,6,
Grundsteuer  2,3  Mill.  Mk.;  der  Ausgaben: ­
  Eisenbahnen  5,2  Mill.,  Schuld
3,2  Mill.  Mk.  Die  Besoldungen  der  Geistlichen ­
  sowie  einiger  Civilbeamten  werden
teils  von  den  Gemeinden,  teils  vom  Ertrag ­
  dafür  bestimmter  Domänen  bestritten. ­
  —  Die  Staatsschuld  wurde  hauptsächlich ­
  für  Eisenbahnbauten  aufgenommen, ­
  doch  auch  für  andres,  so  5,i  Mill.
Mk.  für  Ablösung  der  Lehnsgüter  im
Gouvernenient  Wiborg.  Die  Gesamtschuld
  betrug  1.  Jan.  1879:  47  Mill.  Mk.
—  Kreditwesen.  Es  bestehen  drei  Banken ­
  :  die  Bank  von  F.  (Kapital:  J  2  Mill.
Mk.)nnddieVcreinSbank(3,9Mill.Mk.),
beide  emittieren  Noten;  außerdem  die
Nordische  Aktienbank  (Kapital:  6,6  Mill.
Mk.).  Die  Bank  von  F.  ist  StaatSanstalt
in  Verwaltung  der  Stände;  sie  hat  ihren
Sitzen  Helsingfors  und  Zwciganstalten
in  Abo,  Wiborg,  Wasa,  Uleäborg  und
Kuopio.  —  Die  seit  1.  Jan.  1859  eingeführte ­
  Wechselordnung  ist  im  wesentlichen ­
  gleich  der  deutschen.  —  Geld,
Maße,  Gewichte.  Durch  Gesetz  vom
9.  Aug.  1877  wurde  die  Goldwährung
eingeführt.  Die  Mark  ist  die  Einheit  und
einem  französischen  Frank  völlig  gleich.
Maße  und  Gewichte  sind  die  alten  schwedischen. ­

Firenze,  s.  Florenz.
Fiume,  Freihafen  im  Gebiet  der  ungarischen ­
  Krone,  am  Quarnerobusen  des
Adriatischen  Meers  und  an  den  Bahnlinien ­
  Laibach  -  F.  und  Karlstadt-F.;  Station ­
  der  Dampfer  des  Österreichisch-Ungarischen ­
  Lloyd  und  der  Eunard-  Linie;
(1869)  13,314  Einw.  Deutsches  Konsulat
(Amtsgebiet:  F.  und  die  Häfen  Buccari
und  Porto  Rê);  Hauptzollamt;  Handelsund ­
  Gewerbekammer,  Handels-  und  Wechselgericht;
  Filiale  der  Österreichisch-Unga-
        <pb n="191" />
        Fjellbacka  —  Folkestone.

n  scheu  Bank,  Banca  Fiumana;  Cassa  di
Risparmpop.—Namhafte  industrielle
Etablissements:  große  Papierfabrik,  welche
mU  500  Arbeitern  jährlich  25—30,000
Ctr.  Papier  erzeugt,  das  außer  Österreich-Ungarn
  in  England,  Griechenland  und  der
Türkei,  in  Ägypten,  Indien  und  Südamerika, ­
  namentlich  in  Brasilien,  abgesetzt
wlrd;  ferner  großes  technisches  Etablissement
  für  Maschinen,  umfangreiche  Tabakfabrlk
  n.  a.  Schiffbau  wird  auf  JO
großern  und  5  kleinern  Werften  betrie-72
  wurden  734  Schiffe  von
2o4,680  Ton.  Gehalt  geliefert  und  allein
ķsten  und  894  Ctr.  Kupfer,  verbraucht,
humaner  Schiffe  werdeil  auch  auf  Bestellung
  gebaut  oder  als  Handelsartikel  im
5??.  nd  sehr  gut  abgesetzt.  Die  Reederei
#1  e  1879:152^:^  N,i  09,084
ķ  llefen  1879  ein:  2636  Schiffe  (897
^,669  %.,  cmë:  2601
S {,f c (Ş  Dampfer)  von  325,631  T.
ñlellbacka,  Ort  im  schweb.  Län  Gotenburg,
  6400  Einw.  Deutsche  Konsularugentur
  (ressortiert  von  Gotenburg).
«s  /c^ķkfjord,  Hafenstadt  im  norweg.
Amt  Lister  und  Mandat;  (i«?«)  1678  Einw.
Deutsche  Konsularagentur  (ressortiert  von
Ehristiansand).
Flensburg,  Kreisstadt  in  der  preuß.
Provinz  Schleswig  -  Holstein,  an  der
Flensburger  Föhrde  und  der  Eisenbahnlinie ­
  F.-Tönning;  asso)  30,956  Einw.
Konsulate  für  die  Niederlande  und  Rußland; ­
  Handelskammer.—Zu  demwohlgeschütztcn
  Hafen  mit  Schiffswerften  zum
Bau  eiserner  und  hölzerner  Schisse  gehörteir
  1880:  53  Schiffe  mit  14,807  Ton.
(21  Dampfer  mit  10,599  T.  und  1611
Pfcrdekräften).  Es  liefen  1879
ein:  1668  Schiffe  von  276236  Kubikm.
aus:  1537  -  -  273389
Die  Flensburger  Dampfschiffahrtsgcfellschaft
  beförderte  1879  mit  10,  die  F.-E
  kensilnder  mit  8  Dampfern  in  der  Föhrde,

scheu  F.  -  Sondcrbnrg  -  Kiel  zusammen
2i5,097  personen  imb  157,030  Git.
er -  F.  treibt  einen  allerdings  abnehmen-183


fe$ a,,bc í  init  Ñettvich  nach  England;
iinb  4%  -  Äc  (ß  o  (Ì
förderte  1,056,896  Bricfscndnngen,  Scildungeu
  mit  Wert  und  Postanweisunaen
60,1  20,689,277  m.  x.,  bet
166,387  Telegramme.  —  Kreditwesen.
Die  Reichsbankstelle  hatte  1880  einen  Gesamtumsatz ­
  von97.601,600Mk.,  Wechselverkehr
  43,3  Mill.,  Giroverkehr  47,7  Mill.
Mk.  Die  Flensburger  PrivatbanksKapital:
600,000  Aik.)  hatte  1879  cinWcchselkonto
6o  n  1,103,262  Mk.,  die  Kopcnhagener  Nationalbank ­
  hat  hier  eine  Filiale.  —Platzgebräu
  ch  c.  Man  verkauft  Getreide  und
Rapökllchen  für  50  kg,  Lein  -  und  Riibsamcn
  für  100,  Leinkuchen  für  1000  kg.
Florenz  (Firenze),  Hauptstadt  der
gleichnamigen  Provinz  in  Italien,  am
Arno  (der  aber  nur  zur  Regenzeit  für  Barken ­
  schiffbar  ist)  lind  den  Bahnen:  F.-Livorno, ­
  F.-Pistoja  und  F.-Arezzo-Rom;
(1878)  168,423  Einw.  Deutsches  Konsulat
(Amtsbezirk:  F.  mit  den  Maremme»,
Siena,  Arezzo,  Perugia,  Prato,  Pistoja
u.  Bologna);  Börse,  Banca  nazionale.—
Der  Handel  ist  jetzt  nur  Landhandel;
F.  ift  Mittelpunkt  desselben  in  der  Landschaft ­
  Toscana  und  unterhält  bedeutenden
Verkehr  mit  Livorno.  Nach  Deutschland
gingen  1879:  2,587,087  kg  (Gemüse  und
Früchte  l,6Mill.  kg,Eier,Getränke,Strohwaren ­
  ,  Wolle,  Häute),  von  da  kamen:
984,913  kg  (MeMe  310,340  kg,  @espinste,chemischeProdukte
  rc.).-We  ch  sel  -
kur  se  notiert  man  nach  den  Normen  von
Genua  auf:  Amsterdam,  Augsburg,  Hamburg, ­
  London,  Paris,  Lyon,  Marseille,
Triest,  Wien.  —  Von  den  Schulden  der
Stadt  im  Betrag  von  128  Mill.  Mk.  hat  der
Staat  1879:39,2  Mill.  Mk.  übernommen.
Fluela,  s.  Alpenstraßen.
Folkestone  (spr.  föhkstön),  Hafenstadt  in
der  engl.  Grafschaft  Kent,  an  der  Straße
von  Dover,  Knotenpunkt  mehrerer  Eisenbahnen ­
  ;  (1871)  12,698  Einw.—1879  besaß
die  Stadt  eine  Handelsflotte  von  18  Schiffen ­
  mit  2008  Ton.,  dcr  Gehalt  der  eingelaiifenen
  Schiffe  war  189,743  T.;  die
Einfuhr  betrug  197,967,640Mk.,die  Ausfuhr ­
  britischer  Produkte  29,488,820  Mk.
F.  ift  Uberfahrtsort  nach  Boulogne.
        <pb n="192" />
        184

Formosa  —  Frankfurt  am  Main.

Formosa,  Insel  an  der  südöstlichen
Küste  von  China,  Von  dem  Festland  durch
die  Straße  von  F.  getrennt;  38,803  qkm
(705  QM.)  mit  3,02  Mill.  ein».  Im
westlichen  Teil  wohnen  Chinesen,  im  Innern ­
  und  auf  der  Ostküste  wilde  Stämme.
—  Hauptprodnkte:  Zucker  (Ausfuhr
1874  :  829,700  Ctr.),  Kampher,  Neis,
Mais  und  Baumwolle.  Die  ergiebigen
Schwefel-  imb  Steinkohlenlager  werden
schlecht  ausgebeutet.  Europäern  geöffnet
sind  die  Häsen  Taiwan  alls  der  Südwestküste, ­
  Takao  südlich  davon  und
Tamsui  im  N.  der  Insel.
Fortaleza,  s.  Ceara.
Frankfurt  am  Main,  Kreisstadt  im
Preuß.  Regierungsbezirk  Wiesbaden,  zu
beiden  Seiten  des  Mains  (auf  dein  rechten
Ufer  die  eigentliche  Stadt,  auf  dem  linken
die  Vorstadt  Sachsenhansen),  Knotenpunkt ­
  für  die  Bebraer  Bahn,  Bayrische
Staatsbahn,  Rassanischc  Bahn,  Main-Weserbahn,
  Hamburger  Bahn,  Main-Neckarbahn;
  (1880)  137,600  Einte.  —
Konsulate  unterhalten:  Argentinien,
Belgien,  Brasilien,  Chile,  Dänemark,
Ecuador,  Frankreich,  Griechenland,  Großbritannien, ­
  Italien,  Kolumbien,  Mejiko,
Niederlande,  Österreich,  Persien,  Peru,
Portugal,  Rußland,Schweden-Norwegen,
Schweiz,  Spanien,  Uruguay,  Vereinigte
Staaten;  von  deutschen  Staaten:  Bayern,
Hessen,  Neuß  jüngere  Linie,  Königreich
Sachsen,  Sachsen-Weimar,  Sachsen-Koburg-Gotha,
  Sachsen-Meiningen  und
Württemberg.  —  Börse,  Essektensocietcit
  (ein  Handelskollegium  und  eine  Art
Börse  für  Fonds,  Aktien  und  Wechsel),
Fruchtbörse,  Handelskanuner,Wechselmäklersyndikat ­
  ,  Kollektiv-Skontro  (du  Liquidationsbüreau
  für  Fonds  imS  Aktien);
Verkaufshalle  (Gewerbehalle),  Handclöschiedsgericht
  des  Handelsvereins  für
die  Mitglieder  des  letzter».  —  Die  Gewerbthatigkeit
  Frankfurts  ist  sehrlebhaft;
  den  hervorragendsten  Rang  behaupten ­
  die  Maschinenfabriken,  besonders
von  Nähmaschinen,  von  denen  jährlich
25,000  Stück  hergestellt  und  zur  Hälfte
in  alle  Länder  exportiert  werden.  Die
Schriftgießerei  nimmt  neben  der  von  Berlin ­
  imb  Leipzig  die  erste  Stelle  ein  und

produziert  jährlich  für  IV2  Mill.  Mk.
Schriften.  Die  Silberschcideanstalt  verkaufte ­
  1878:155,284  kg  Feinsilber  und
2547  kg  Gold  im  Wert  voir  31  Mill.  Mt.
Andre  wichtige  Jndnstrieprodnkte  sind:
Säuren  uub  Soda,  Bier  (24  Brauereien
mit  einer  Durchschnittsprodukliou  von
16,236  Irl).  —  Der  War  en  han  del  der
Stadt  ist  vorzugsweise  Zwischenhandel;
die  Bedeutring  desselben  erhellt  arts  denr
Prozentanteil,  den  sie  an  der  Gesamtwareneinfuhr
  des  deutschen  Zollgebiets
nimmt.  So  wurden  1873  von  Waren
aus  Halbedelsteinen  26  Proz.,  von  Geweben ­
  anö  Kautfchukfäden  18,8,  voir  Strohhüten ­
  mit  Garnitur  15,8,  von  solchcir
ohne  Garnitur  13,4,  voir  halbgaren  Ziegen- ­
  und  Schaffelleir  14,1,  von  Handschnhledcr,
  Saffian  rc.  10,2,  von  Kokosnußöl ­
  8,6,  von  Leder  aller  Art  5,»,  voir
Palmöl  5,5,  von  Kaffee  5,2,  von  Thee  4,i
Proz.  der  deutschen  Gesanrteinfllhr  verzollt. ­
  1879  war  (in  Centnern):

Waren
Brenn-  und  Nutzholz
Getreide
Mühlenfabrikate  .  .
Steinkohle  ....
Eisen  und  Eisenwaren
Öl,  Thran  ....
Talg,  Seife.  .
Petroleum  ....
Wein
Sprit
Bier
Kaffee
Zucker
Leder
Schuhwaren....
Steine

Einfuhr  Ausfuhr

597900
736309
384043
3939015
313868
83343
15228
62135
140351
41  214
59493
128978
46691
38836
3783
1785396

57283
85820
187886
5916
105103
23789
18995
6757
54559
12083
164796
31782
5847
62828
2434
83909

Der  Export  nach  den  Vereinigten  Staateil
betrug  1880:  10  Mill.  Mk.,  davon  Eisenbahirschieneu
  und  Eisenwaren  9  Mill.Mk.
Der  Schiffahrtsverkehr  auf  bcm
Main  nahm  durch  die  Konstruktion  größerer ­
  Schiffe  für  den  Rhein,  die  31t  einer
Umladung  ihrer  Fracht  an  derMainmündung
  zwingen,  sehr  ab;  derselbe  betrug:
Schiffe  Tragfähigkeit  Ladung
Ctr.  Ctr.
1878  :  5224  6  276886  2  413741
1879:  4156  5238901  1968116
        <pb n="193" />
        Frankfurt  cm  der  Oder.

Auf  den  Postämtern  F.,  Bockenheim
sowie  bei  den  Postcrpcditioncn  Bonames,
Bornheim  und  Sachsenhauscn  wurde»
'1879  befördert:  32,518,574  Briefpostgegcnstände,
  Wertsendungen  529,461,121
Mk.,  Postaiiiveisniigen  59,926,396  Mk.re.
Für  Telegraphie  besitzt  F.  vier  Stationen, ­
  auf  diesen  ititb  denen  der  genannten ­
  Orte  wurden  aufgegeben  ^59,870
Telegramme,  cö  kamen  an  431,735  Tcle-Atol»
  ;  Metz-Straßburg  besteht  eine  nnterrrdische
  Lune.  —  Das  B  ant-  und  W  e  ch  -
lelgeschäft  hat  eine  internationale  Bedentnng
  und  der  Stadt  ihre  Stellung  als
emer  der  ersten  Wechsel  unb  Börsenplätze
Seit  1854  bestes  Ne
'ulem  zur  Notenemission  bcrechligteFrankfurter
  Bank  (Kapital:  17,142,857  Mk.).
Der  Geiamtilmschlag  der  Reichsbankh
  au  pt  stell  e  betrug  I860:  6,386,356,100
kW'L
Deutsche  Vcremsbank  (24  Mill.  Mk.)
Frankfurter  Bankverein  (9,000,000%%!.),
ŗn  sche  Eşfekten-  und  Wechselbank  (12
bank  (&amp;lt;50,000  Mk.),  die  Providentia  (Lebensversichernngsgesellschaft,
  17,142,857
Mt.),  Frankfurter  Hypotheken  Kreditvere»l
  (1,800,000  Mk.),  Frankfurter  Transport ­
  und  GlaSvcrsichernngs-Aktiengesell-(4^1(857,142Wi.),@mmmrtcr9mlem

gesellschaft  für  Rhein-und  Mainschifsahrt
A,714,285m.).
Anfang  1880  an  Einlagen  von  22,228
Personen  18,051,840  Mk.;  bei  der  Ersparnngsanstalt
  hatten  7201  Einleger
2,305,194  Ws.
^  Jährlich  werden  zwei  Messen  gesten: ­
  Ostermesse  (Beginn  am  zweiten
Mittwoch  vor  Ostern)  und  Herbstmesse
(beginn  am  zweiten  Mittwoch  vor  8.
Mt.);  Dauer  drei  Wochen,  die  zweite
Woche  ist  Zahlwoche.  Die  süddeutschen
Puckchändler  haben  abwechselnd  hier  und
m  Stuttgart  ihre  jährlichen  Abrechnungen
(Inddeutschc  Bnchhändlermcsse).  Ferner
Met

185
limili
»aire  comptant«,  d.  h.  Ziel  ans  6  Wochen, ­
  aber  auch  ans  2—3  Monate  Kredit
Manufatte  oft  auch  6  Monate  Kredit,  bei
Barzalstungen  4—6  Proz.  Diskont;  auf
den  Messen  zahlbar  in  nächster  Messe.
Kontant-Geschäfte  verstehen  sich  Zug  um
L  U",»«?«  Ln  a»*
wlchtöwaren,  auch  Öl  und  Fett  für  50  k&amp;lt;&amp;gt;-Heringe
  für  die  Tonne.
Wechselkurse  notiert  man  kurze  und
lange  Sicht  auf:  Amsterdanl,  Rottcrdam
  Antwerpen,  Augsburg,  Bremen,
»LNLN'L«
rrsche  Bankplätze,  Petersburg.  Paris,
%%  IS
ri-I u J sl, r Ccn:  Die  verkauften  Wechsel
[Wt  ber  ^mfer  bei»  BcrKiufer  m»  iL
bej  Kaufs  i»ö  Haus,  die  Rechnung  am
folgenden  Tag,  an  welchem  die  Zahlung
geleistet  wird.  d
Frankfurt  an  der  Oder,  Hauptstadt
des  gleichnamigen  Regierungsbezirks  der
prcuß.  Provinz  Brandenburg,  links  an
der  Over,  Krenznngspunkt  der  Märkisch-Posencr
  und  Preußischen  Ostbahn,  der
şş'Ģt-Grohenhainer,  Niederschlesisch-Martlschen
  und  Berlin-Stettiner  Bahn:
(isso)  49,959  Einw.  Handelskammer  —
Haupterzeugnisse  der  Industrie  sind:
Elsengußwarcn,  namentlich  Maschinenteile, ­
  Porzellan-nndTöpferwaren,  Rnbenziicker,
  Dachpappe  re.  In  der  Nähe  Braunkohlengruben.
  Schifsbail  und  Schiffahrt
werden  lebhaft  betrieben  —  Schiffsverkehr. ­
  In  den  Hafen  liefen  1879
ein:  872  Segelschiffe  und  122  Dampfer
aus:  235  -  65  -
Die  Dampfer  sind  Schlepper  der  Stettiner
Dampfschleppschiffahrts-Akticngesellswaft
Der  Güterverkehr  belief  sich  auf  869,998
à  —  Der  Postverkehr  war  1879:
ÄÄ,!' 4i ir«  «s
        <pb n="194" />
        186

Frankreich  (Areal  und  Bevölkerung).

31,896,378  Mk.,  Postanweisungen
11,938,780  Mk.  —  Kreditwesen.
Die  RcichSban  (stelle  hatte  1880  mit  den
Nebenstellen  einen  Gesamtumsatz  von
207,780,400  Alk.,  davon  Wechselverkehr
144,347,200,  Giroverkehr  49,037,100  Mk.
Die  Frankfurter  Allgeincine  RückversichcrunaS
  -  Aktienbank  (Kapital:  2,400,000
Mk.)  nahm  1879:  862,655  Mk.  ein.  —
Jährlich  finden  drei  Messen  statt,  jede
von  drei  Wochen  Dauer:  die  Reniiniscereincsse
  am  Montag  nach  Reminiscere
(im  Februar  oder  März),  Margaretenmesse ­
  am  Montag  vor  Margareten  (im
Juli)  und  die  Martinimesse  am  ersten
Montag  im  November.  Der  Dienstag  der
zweiten  Mcßwoche  ist  Zahltag.  Ein  Wollinarkt
  findet  jährlich  im  Juli  in  der  Margareten-
  oder  Sommermesse  statt  und
dauert  drei  Tage,  vom  3.—  5.  Tag  der
Meßwoche.  —  Platzgebräuche.  Man
verkauft  Zuckerrüben  für  900  kg,  Paraffin ­
  für  100  kg,  Spiritus  für  10,000
Literprozent,  Rundhölzer  für  den  Kubikurcter.
  Wechsel,  auf  die  hiesigen  Messen
gezogen,  müssen  am  dritten  oder  vierten
Tag  der  Zahlwochc  zur  Annahme  präsentiert ­
  werden;  ihre  Verfallzeit  tritt  am
Dienstag  der  zweiten  Meßwoche  (Zahlwoche) ­
  ein,  ihre  Einlösung  nrnß  spätestens
am  vierten  Tag  dieser  Woche  erfolgen.
Frankreich,  Republik  seit  4.  Sept.
1870  unter  einem  auf  sieben  Jahre  erwählten ­
  und  wieder  wählbaren  Präsidenten,
dem  ein  Senat  imb  eine  Depntiertenkammer

  zur  Seite  stehen.
Übersicht:  Seite
I.  Areal  und  Bevölkerung  ....  180
Kolonien  187
II.  Urproduktion  18t&amp;gt;
A.  Ackerbau  186
II.  Viehzucht  und  Fischerei  .  .  .  IW
1C.  Forstwirtschaft  192
D.  Bergbau  und  Hüttenwesen.  .  192
III.  Industrie  194
IV.  Handel  198
V.  Verkehrswesen  199
VI.  Finanzen  200
VII.  .Kreditwesen  201
Vili.  Geld,  Maße  und  Gewichte...  202

I.  Areal  und  Bevölkerung.
Der  Gesamtflächeninhalt  beträgt  jetzt
528,577  qkm  (9599,r.  QM.),  während

er  sich  vor  dem  Friedensvertrag  von  1871
auf  543,051  qkm  (9862.6?  OM.)  belief.
Gegenwärtig  ist  das  Gebiet  in  87  Departements ­
  mit  362  Arrondissements,  2858
Kantonen  und  35,989  Gemeinden  geteilt.
Die  Gesamtbevölkerung  betrug  nach  der
Zählung  von  1876  :  36,905,788  Seelen.
Hierzu  kommen  die  außereuropäischen  Besitzungen ­
  und  Schutzstaaten  (s.  Tabelle,
e.  187).
Nationalitäten.  Von  der  Gesamtbevölkerung ­
  Frankreichs  (nur  Europa)
waren  1876:  97,74  Pro;.  Franzosen,  2,i?
Proz.  Ausländer;  in  Zahlen:  Franzosen
36,069,524,  Naturalisierte  34,510,  Ausländer ­
  801,754.  Von  den  letztern  waren:
Belgier  374,498.  Italiener  165,313,
Spanier  62,4.37,  Deutsche  59,028,
Schweizer  50,203,  Engländer  30,077,
Niederländer  18,099,  Amerikaner  9855,
aus  Österreich-Ungarn  7498  re.  Konfessionen. ­
  Nach  der  Zählung  von
1872  waren  von  der  Gesamtbevölkernng
von  36,102,921  Seelen:  Römisch-Katholische ­
  35,387,703,  Protestanten  580,757,
Israeliten  49,493  rc.  Die  Auswanderung ­
  ist  von  jeher  eine  mäßige  gewesen.
Von  1865—74  wanderten  82,616  Franzosen ­
  und  332,915  Fremde  aus,  nämlich:
über  die  Ostgrenzc  9855  Franzosen  und
63,205  Fremde,  der  Rest  zu  Wasser  über:
Bayonne  Bordeaux  Havre  Marseille
Franzosen.  2512  17  741  46195  6313
Fremde  .  6520  17648  191477  54065
Über  Auswanderung  von  Deutschen  über
Havre  rc.  s.  Deutschland  (S.  120).
II.  Urproduktion.
A.  Ackerbau.

Der  Boden  Frankreichs  ist  im  allgemeinen ­
  fruchtbar  und  wohl  angebaut.
Nach  den  letzten  Katasteraufnahmen  zerfällt ­
  das  Land  hinsichtlich  seiner  wirtschaftlichen ­
  Benutzung  in:

Ackerland
Wiesen
Weinland
Waldland  ...•■•
Weideland
Garten  .  .  •  •  •  •
Öl-,  Mandel-  und  Maul

255000  OKilvni.
51590
20880
87360
71380
6280

beerpflanzungen
Kastanienwalder.

1090
5590
        <pb n="195" />
        Frankreich  (Urproduktion:  Ackerbau).
Übersicht  der  auhereuropüischeu  Besitzungen  nnd  Schntzstaateu  Frankreichs.

187

Kolonien

Jahr

I.  A  l  g  e  r  i  e  n
II.  Kolonien.
Asien:  Etablissements  in  Indien  .
Kotschinchina
Océanien:  Neukaledonien  .  !
Loyalty-Inseln
Markesasinseln
Französische  Gesellschaftsinseln
Gambierinseln
Clippertoninsel
Afrika:  Senegal  und  Dependenzen
Ģabon
Reunion
Mayotte
Glossi-Be  und  Dependenzen.  .
Ste.  Marie  de  Madagascar.  .
Amerika:  Guayana
Guadeloupe  und  Dependenzen.
Martinique
St.  Pierre  und  Miquelon

%  SWWm.  ©umilin  II.  Kolonien:
Asien:  Königreich  Kambodscha  .  .
Oceanie»:  Tubual,  Vavitu,  Oparo  !  !  !
Tuamotu-Archipel
Summa  III.  Schutzstaaten:
Total:

1877

1877
1876
1870
1876
1870
1870
1877
1877
1877
1877
1877
1879
1877
1877
1877

QKilom.

018334

509
59457
17080
2743
1274
1179
31
5,5
?
?
1979,5
360
293
121413
1809,7
987,8
235

209422

QMeilen


5  781,3

9,24
1080
310,2
49,8
23,14
21,4
0,50
0,1
?
?
35.95
6,05
5,32
2205
33.95
17,94
4.3

3803,0

Der  unfruchtbare  Boden,  welcher  sich
namentlich  in  den  Departements  der  Alpen, ­
  im  Dauphine,  in  den  Pyrenäen  und
an  den  Abhängen  des  Jura  befindet,  macht
etwa  6,4  Proz.  der  Gesamtfläche  aus.
Mit  Cerealien  und  Hülsenfrüchten
  waren  bestellt  1876:  14,768,004  Jia
und  zwar  mit:

I

1523

890000

L&amp;gt;09

793

909

17,0

85059

1  544.4

894  702

012  795

II  129

0448024

Bewohner

2807626

280381
1600000
41694
13174
5754
21930
1500
unbewohnt
138182
?
182130
9017
7360
7012
26960
183253
161782
5338

2086236

Weizen....
Hafer  .  .  .  .
Roggen....
Gerste  .  .  .  .
Hirse  und  Mais
Buchweizen  .  .
Halbfrucht  .  .

0873207  Hektar
8257489  .
1820137
1038119
009900  -
061798
447344  .

Die  Verbesserung  der  Landwirtschafts-Methoden
  hat  die  Erträge  in  den  letzten
Jahrzehnten  außerordentlich  gesteigert,
vergleicht  man  die  Erträge  pro  Hektar
u  den  Jahren  1815  und  1878,  so  findet
,  daß  dieselben  bei  Weizen  von  8,59
I  13,92  III,  bei  Hafer  von  14,58  auf

23,23,  bei  Gerste  von  12,ia  auf  16,25,  bei
Roggen  von  7.05auf  13,40  hl  stiegen.  Dabei ­
  war  das  letztgenannte  Jahr  keineswegs
das  ertragreichste,  denn  dieJahreöerntevon
Cerealien  betrug  1874  :  282,204,000  hl
aber  1878  nur  242,159,000  hl,  davon
im  letzten  Jahr:
Weizen  ....  95270698  Hektol.
Roggen  ....  24188485  -
Gerste  16421778
Hafer  77289789  -
Hirse  und  Mais  .  11282675
Buchweizen.  .  .  11505733  .
Halbsrncht  .  .  .  6199865
Şo  groß  diese  Erträge  sind,  so  genügen
sie  doch  zur  Ernährung  des  französischen
Volks  nicht,  und  bedeutende  Importe  sind
jährlich  nötig.  Nitr  1875  vermochte  man
infolge  der  hohen  Ernte  des  vorhergegangenen ­
  Jahrs  einen  kleinen  Betrag
auszuführen.  Nach  den  drei  letzten  vorliegenden ­
  Ausweisen  war  die  Handelsbilanz ­
  folgende  (in  Millionen  Mark)-
        <pb n="196" />
        188

Frankreich  (Ackerbau:  Getreide,  Kartoffeln,  Zuckerrüben  re.).

Einfuhr  Ausfuhr  Mehreinfuhr
1876:  «1,4  117,5  73,9
1877:  165,1  148,2  16,9
1878  :  448,e  42,2  406,4
Immer  ist  es  Weizen  gewesen,  welchen  man
in  großen  Mengen  (1879:24  Mill.,  1880:
22,2  Mill.  Ctr.)  einzuführen  genötigt
war,  lvährcnd  man  in  der  Regel  Roggen
und  Gerste  zur  Ausfuhr  übrig  hatte.  Von
den  starken  Weizenzufuhren  wird  ein  beträchtlicher ­
  Teil  in  verarbeitetem  Zustand
wieder  exportiert.  1878,  in  welchem  Jahr
die  Einfuhr  auf  das  Doppelte  früherer
Jahre  gestiegen  war,  während  die  Ausfuhr
kaum  ein  Drittel  der  Vorjahre  erreichte,
war  der  Wert  des  Handels  mit  Cerealien
und  Mehl  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Weizen  und  Spelz  .  338,6  2,4
Rougen  2,4  9,8
Gerste  25,3  12,3
Hafer  65,7  2.8
Mais  30,o  3,9
Buchweizen  ....  —  0,2
Weizenmehl.  .  .  .  2,4  2,5
Zusammen:  464,4  33,9
1879  und  1880  stiegen  die  Einfuhrwerte ­
  auf  685,8  Mill.,  resp.  617,3  Mill.
Mk.  Hauptlieferanten  sind:  die  Vereinigtm
  (Staaten  (1878:  5,8  %m,  1879:13,5
und  1880:  12,8  Mill.  Ctr.  Weizen)  und
Rußland  (1880:  4,i  Mill.,  1879:  6  Mill.
Ctr.  Weizen  und  1,8  Mill.  Ctr.  Hafer,
welch  letzten!  auch  Schweden  zuführt);
Gerste  schickt  Algerien  (1880:  493,472
Ctr.,  1878  erst  80,513  Ctr.)  in  schnell
steigenden  Mengen,  Mais  die  Türkei  und
Rußland.  Deutschlands  Importe  nach  F.
waren  (in  Centnern)  :
1879  1880
Weizen  .  .  .  869945  194373
Hafer  .  .  .  326877  56843
Gerste  .  .  .  90031  49172
Mehl  .  .  .  7993  3489
Die  Kartoffelkultur  ist  über  das
ganze  Land  verbreitet  und  steht  nur  der
deutschen  nach.  Das  Jahr  1878  ging
freilich  mit  seinem  Ertrag  von  112,i
Mill,  hl  unter  den  Durchschnittsertrag
von  130,59  Mill,  hl  bedeutend  herunter.
1877  betrug  der  Wert  des  Handels  mit
Kartoffeln  in:  Einfuhr  856,342  Mk.,
Ausfuhr  15,027,960  Mk.

Im  Anbau  von  Zuckerrüben  nimmt
F.  unbestritten  die  erste  Stelle  ein.  Diese
Kllltur  wird  auf  396,368Im,  vornehmlich
in  den  nördlichen  Departements,  gepflegt,
ist  aber  über  24  Departements  verbreitet
und  ergab  1876  einen  Wert  von  206  Mill.
Mk.  Von  501  Rübenzuckerfabriken  mit
73,165  Arbeitern,welche  man  1879  zählte,
entfielen  auf  die  Departements  Nord  149,
Aisne  89,  Pas  de  Calais  95,  Somme  66,
Oise  37  Fabriken.  Die  Gesamtproduktion ­
  für  die  Kampagne  1879—80  wird  auf
9,245,260  Ctr.  angegeben.  Dazu  wird  noch
eine  erhebliche  MengeNohzucker  importiert,
welcher  in  (i87i)  45  Raffinerien  mit  8108
Arbeitern  (namentlich  in  den  Departements ­
  Rhôncmļindungen  mit  Marseille.
Seine-Inférieure  mit  Havre,  Nord  und
Gironde  mit  Bordeaux)  seine  Verarbeitung
findet.  Den  jährlichen  Verbrauch,  welcher
sich  seit  Jahren  auf  ziemlich  gleicher  Höhe
erhalten  hat,  berechnet  man  ans  7,3  kg
pro  Kopf.  1878  exportierte  F.  für  95,8
Mill.  Mk.  Raffinade  (hauptsächlich  nach
England)  und  für  23,i  Mill.  Mk.  Rohzucker, ­
  während  es  aus  seinen  Kolonien
für  38  Mill.  Mk.,  vom  Ausland  für  35
Mill.  Mk.  einführte.  Nach  Deutschland
exportierte  es  1878:4,4  Mill,  kg  im  Wert
von  2,4  Mill.  Mk.,  wogegen  es  24,6  Mill,
kg  Melasse  und  2,574,745  kg  Rohzucker
im  Wert  von  2,4  Mill.,  resp.  1,i  Mill.
Mk.  importierte.
Von  Spinnpflanzcn  werden  Flachs
von  ausgezeichneter  Beschaffenheit,  besonders ­
  im  Norden,  Hanf  in  fast  allen  Departements ­
  gebaut.  Nach  dem  »Annuaire
statistique'de  France«  (1879)  waren
1876  mit  Flachs  bebaut  73,&amp;lt;  &amp;gt;39  ha,  welche
einen  Ertrag  von  516,716  Ctr.  ergaben;
die  Hanfernte  lieferte  von  100,490  ha
641,471  Ctr.  Hanf.  Doch  wurden  1878
für  55  Mill.  Mk.  Flachs  und  für  13  Mill.
Mk.  Hanf  importiert,  speciell  ans  Deutschland ­
  3,679,843  kg  Hans  und  1,711,634
kg  Flachs,  welche  einen  Wert  von  2,7  Mill.,
resp.  1,4  Mill.  Mk.  repräsentierten,  wogegen ­
  die  Ausfuhr  beider  Artikel  nur  9,4
Tabak  wird  in  22  Departements  gebaut ­
  ,  am  ausgedehntesten  in  Lot,  Dordogne, ­
  Lot-et-Garonne,  Pas  de  Calais,
        <pb n="197" />
        gmnficid)  Babas,  Dtp  %.).

Gironde  und  Ille-et-Vilaine.  Der  mittlere ­
  Ertrag  wird  offiziell  ans  19,117,500
kg  angenommen.  Die  Kultur  ist  aber
entschieden  im  Rückgang  begriffen:
Bkstclltc  Fläche  Ertrag
1872:  15005  Hektar  23856700  Kilogr.
1874:  11156  -  16065400  -
1870:  11313  -  15367500  -
Die  Manufaktur  vou  Tabak  ist  Staats-Monopol
  und  wird  in  16  großen  Manufakturcn:
  in  Paris  (2),  in  Bordeaux,
-kya,  Riom,  Tonneins  und  Toulouse,
betrieben.  Der  Ertrag  dieses  Monopols
iwt  1879:  263,5  mP.m.  Bk  Port
«ber  die  Zufuhren  sind,  erhellt  ans  dem
vergleich  der  obigen  Erzeugungsmenge
"nt  dem  Verbrauch,  welcher  in  allen  Sor
nu  von  Tabak  betrug:
1872:  27032000  Kilogr.
1874  :  29127000  -
1876:  31188840  .
iwbckMpncMeil  ronDÍDMa:
9  ßon^A/i  ?  ug  Deutschland,  nämlich  1878  :
¿,699,406  kg,  m  ebensoviel  Franken  bezahlt..
  Ans  den  Kopf  der  Bevölkerung  entsal
  en  in  F.  0,85  kg  sin  Deutschland  1,9  kg).
Auch  Hopfen  isi  eine  wichtige  Kultiirpsianze,
  die  besonders  in  Lothringen  lind
Burgund  gepflegt  wird:  1876  ans  3090ha,
wovon  die  Produktion  31,439  Ctr.betrng.
Für  seine  zunehmende  Bierprodnktion  hat
aber  F.  stark  zu  importieren;  1876  war
bcc  Bert  bcS  «,10(^1^1(11  ßoi'fcus  20,7
'•Mull.  be,  einer  Ausfuhr  von  10,7  Mill.
Mk.  Danach  sind  beide,  Import  wie  Export, ­
  stark  gefallen;  1880  betrug  der  erste
6.1  Mill.,  der  zweite  l,o  Mill.  Mk.  Von
Deutschland  bezieht  F.  das  bessere  Produkt
(1878:  1,2  Mill,  kg  für  8,4  Mill.  Mk.).
àr  Bierkonsum  und  damit  der  Import
'st  aber  kolossal  gestiegen;  1866  wurde  für
1/ 2  Mill.,  1880  nach  fortwährendem  Steifür
  12,i  Will,  m  Die
^"eriiiiportc  waren
1878  :  35825143  Liter
1879  :  31676216  -
1880  :  38574866  -
1880  aus  3)eutp#ub  33,028,999
%(85  ^05.),  Guglaub  2,294,144  2.,
Österreich  1,181,735  L.  kamen.

189
HWLLL?
"fuhr-.  N?ch  Entdeckung  des  Anilins  und
Alizarins  ist  tildes  die  mitKrapp  bepflanzte
flache  erheblich  eingeschränkt  worden:  von
20,463  Im  auf  4521  ha  in  1876.  Die
Produktion  fiel  in  derselben  Zeit  von
543,557  „ich.  Gh.  auf  182,924  Gir.  u„b
der  Ausfuhrwert  1868—78  von  31,1  Mill.
Mk.  auf  nur  640,000  Mk.  Ferner  baut
man  Cichorien  in  den  Departenlcnts
Nord  und  Pas  de  Calais;  Trüffeln  in
den  Departements  Corrèze,  Lot,  Aveyron
und  Dordogne  (Ausfilhr  nach  Deutschland: ­
  891,664  Mk.);  desgleichen  Champignons, ­
  Kardendisteln  u.  a.
Der  Ob  fl  bau  steht  auf  der  höchsten
Stufe;  die  feinen  Sorten  werden  besonders ­
  in  der  Umgegend  von  Tours  unb
Orleans  gebaut;  die  Normandie  zieht
Äpfel  und  Birnen  für  die  Bereitung  von
Cider,  die  aber  auch  in  andern,  im  ganzen ­
  in  55  Departements  betrieben  wird
und  1879  zur  Ausfuhr  21  Mill,  hl
lieferte.  Die  Ciderproduktion  betrug  im
%%&amp;amp;%%%'
ergab  aber  1879  „ur  7,737,800  hl.  Bk
fünf  Departements,  welche  hiervon  den
SSSfÄffi
und  Seine-Inferieure.  Von  großer  Ausdehnung ­
  ist  die  Kultur  der  Nußbänmc;  die
Kastanie  ist  in  den  mittlern  und  südlichen
Gegenden  Brotsurrogat,  und  auf  Corsica
werden  Mandeln,  Felgen,  Orangen  und
Citronen  gebaut.  Die  Olivenkultur  wird
besonders  in  den  Departements  Dröme,
Gard,  Ardèche  und  Vaucluse  betrieben
Die  Blumisterei  von  Caen  und  Litte  ist
berilhint.  Mit  allen  diesen  Produkten  besteht ­
  ein  sehr  lebhafterHandel;  1878  wurden ­
  Sämereien  und  Friichte  für  185  Mill.
Mk.  euu,  für  79,3  Mill.  Mk.  ausgeführt
(speciell  aus  Deutschland  kamen:  Ölsaat
filr  4,7  Mill.  Mk.,  andre  Sämereien  1,5,
Gemüse  0.9  Mill.  Mk.;  nach  Deutschland
rSt  bndkftm  ßstnbet  tnU
fasti  auf  Ölfrüchte,  die  man  in  großen
        <pb n="198" />
        190

Frankreich  (Weinbau,  Spirituosen).

Mengen  importiert  (1878:  Ölsamen  für
83,2  Mill.,  Ölfrüchte  u.  a.  für  60  Milt.
Mk.),  um  sie  hier  zu  verarbeiten.  Die
gesamte  Ölprodnktion  (inkl.  16  Mill.  Mk.
für  Ölkuchen)  belief  sich  1878  auf  84Mill.
Mk.  Der  Export  bezifferte  sich  auf  14,iMill.
Mk.  für  Öl  und  9,üMill.Mk.  für  Ölkuchen.
Im  Weinbau  nimmt  F.  unter  allen
europäischen  Staaten  die  erste  Stelle  ein,
doch  hat  sich  die  demselben  gewidmete
Fläche  in  jüngster  Zeit  bedeutend  verringert ­
  (1874—79  von  2,446,862  ha  auf
2,241,447  ha).  Der  Grund  dieser  Einschränkung ­
  liegt  in  der  fortschreitendenAusbreitung
  der  Phylloxera,  welche  namentlich
in  den  sndlichenGegcnden  grosieVerheerungen
  angerichtet  hat.  1879  mußten  37,000
ha  Weinberge  zerstört  werden.  Daneben ­
  hat  sich  1878  auch  wieder  daü  Oidium
gezeigt.  Die  durchschnittliche  Weinproduktionwirdauf51,359,352hl
  berechnet,  1875
alü  bestes  WcinjaHr  ergab  sogar  83,«  Mill,
hl;  seitdem  ist  dieselbe  enorm  gesinlken:
1878:  48720553  Hckiol.
1870:  25780552
1880:  20677472
Trotzdem  sind  die  Ausfuhren  gestiegen,
indem  nänllich  durch  Verschneiden  mit
spanischen  und  italienischen  Weinen  der
Ausfall  ersetzt  wlirde.  Die  Gironde  (Bordeauxweine) ­
  führte  in  Fässern  u.  Flaschen
alls  1878:1,037,780  hl,  1879:1,437,834
und  1880:1,140,103  hl.  Das  übrige  F.
exportierte  in  denselben  Jahren  1,8,  resp.
1,7  und  1,5  Mill.  hl.  Der  Import  von  Wein
in  Fässern  betrug  (in  Millionen  Liter):
Provciiiciij  1878  1870  1880
Spanien  .  .  .  118,2  227,7  505,o
Italien  ...  10,1  56,9  166,9
Andre  Lander  .  4,4  8,6  48,8

Zusammen:  141,7  203,2  721,3
Unter  den  »andern  Ländern«  steht  Österreich-Ungarn ­
  obenan.  So  sind  die  Summen, ­
  welche  zahlte,  um  seinen  Weinexport
  auf  gleicher  Höhe  zu  halten,  von
1866-80  von  3,4  WM.  auf  227,9
Mill.  Mk.  gewachsen;  die  Ausfuhr  dagegen, ­
  die  1866:  207  Mill.  Mk.  wertete,
ist  sich  ziemlich  gleich  geblieben.  In  den
letzten  Jahren  war  (in  Millionen  Mark):

Einfuhr  Ausfuhr
1878:  47,4  160,9
1870:  06,6  206,2
1880:  227,8  170,6
Mit  dem  Fehlschlagen  der  Weinernten  hat
der  Import  von  getrockneten  Weinbeeren
zur  Weinfabrikation  gewaltig  zugenommen; ­
  1878  wurden  über  29  Milt,  kg
eingeführt,  1879:  51  Mill,  kg  und  1880
in  elf  Monaten  schon  62  Mill.  kg.  Aber
das  hat  dem  französischen  Weinhandel  in
Deutschland  und  der  Schweiz  bedeutend
geschadet  und  ungarischer  Konkurrenz  mehr
Eingang  verschafft.  Nach  Deutschland
wurden  1880  ausgeführt:  126,107  (1879  :
257,602)  hl  Bordeauxweine,  aus  andern
Gegenden  134,049  (1879:  203,782)  hl.
Voii  der  französischen  Specialität  Champagner ­
  wird  der  jährliche  Konsum  wie
folgt  geschätzt  (in  Flaschen):
Nordamerika  10000000  Holland  .  .  600000
England.  .  5000000  Italien.  .  .  500000
Rußland.  .  2000000  Belgien.  .  .  500000
Frankreich  .  2000000  Spanien  .  .  300000
Deutschland  1500000  Afrika  .  .  .  100000
Die  Spiritilo  sen  erzeugung  hängt
innig  mit  der  Weinkultur  zusammen;
französischer  Cognac  ist  berühmt.  Der
Export  geht  nach  allen  Weltteilen.  Aber
auch  der  Handel  mit  Spirituosen  weist
ähnliche  Tendenzen  auf  wie  der  Weinhandel,
  nur  ilicht  in  so  intensivem  Maß.
Es  wertete  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr

1878:  11,9
1879:  16,9
1880  :  22,3

58.3
82.6

Die  französischen  Brennereien  (1879:
506,548,  davon  5553  gewerbliche,  welche
89  Proz.  sämtlichen  Alkohols  erzeugten)
verbrauchen  vorwiegend  Rüben  und  Melasse, ­
  danach  Wein  und  andre  Früchte,
von  Kartoffeln  nur  sehr  geringe  Mengen
(1878:  223  hl).
11.  Viehzucht  und  Fischerei.
1)  Die  Viehzucht  ist  im  allgemeinen
vernachlässigt  und  den  Bedürfnissen  nicht
entsprechend.  1876  wurden  gezählt:

Pferde  .  2852419
Maultiere
N.  Esel  .  711220
'Jüiibcv  .  11351220

Schafe  .  23902077
Ñ'eñm  .  1587040
Schweine  5801002
        <pb n="199" />
        Bionfmd)  girerei,  Rebeux#

mithin  kommen  auf  1000Einw.  80  Pferde,
508  Rinder,  649  Schafe  u.  129  Schweine.
Der  Import  ist  daher  ziemlich  ansehnlich.
Der  Handel  mit  Flcischticren  stand  1877
folgendermaßen:
Einfuhr  Ausfuhr
Rinder.  .  .  .  2427V!)  76505
Schaft.  .  .  .  1552913  62636
Schweine.  .  .  233816  83310
Außerdem  werden  Pferde  in  beträchtlicher
Anzahl  besonders  von  Deutschland  und
Belgien  nach  F.  ausgeführt  (1878  aller,
ouig«  nur  2352  Stück  gegen  eine  Einfuhr
" ün  1-&amp;gt;49Stück).  Die  Gesamteinfuhr  werkte ­
  1878:  16,v  Mill.  Mk.  Deutschland  ist
Überhaupt  bei  dem  Viehhandel  nach  F.  in
ganz  hervorragender  Weise  beteiligt:  es
ş'chkte  dorthin  1878  nicht  weniger  als
^72,248  Stück  Vieh  im  Wert  von  49,415
-’Jutt.  Mk.  aus  und  nur  für  6,4  Mill.  Mk.
cm.  Auch  Algerien  wird  schon  ein  wichtiger
Lieferant  für  daö  Mutterland;  cö  impor-Oerk
  1877:  29,414  0#i.  ^
F.  für  seinen  Fleischbedarf  immer
'"ehr  vom  Ausland  abhängig  wird,  beweisen ­
  die  folgenden  Ziffern:  Bis  1873
betrug  die  Ausfuhr  von  Fleischticren  und
Flei,ch  dem  Wert  nach  45—48  Mill.  Mk..
auf  1877  auf  33,6  Mill.,  1878  auf  32  Mill.
JJef.  Dagegen  stieg  der  Wert  der  Einfuhr
von  Fleischtieren  1874  auf  80  Mill.,  1877
auf  142,4  Mill,  und  1878  auf  190,4  Mill.
Mk.  und  zugleich  in  demselben  Zeitraum
1874—78  die  Einfuhr  von  frischem  und
gesalzenem  Fleisch  von  14,6  Mill,  auf  52,2
Mill.  Mk.  Amerika  erscheint  auch  hiermit ­
  schnell  steigenden  Posten  auf  dem
Markt,  während  die  Ausfuhr  von  Uruguay ­
  auf  den  sechsten  Teil  früherer  Jahre
zurückging.  Der  überseeische  Import  von
frischem  und  konserviertem  Fleisch  ans
den  Bereinigten  Staaten,  Uruguay  und
Argentinien  betrug  1876:  9,4  Mill.,  1877:
44,8  Mill,  und  1878:  29,3  Mill,  kg,  Wert
nn  letzten  Jahr  37,o  Mill.  Mk.,  davon  für
-46,7  Mill.  Mk.  aus  den  Vereinigten  Staats". ­
  Der  Import  von  Fetten,  besonders
Schmalz  und  Talg,  ans  den  Vereinigten
Staaten  und  Südamerika  betrug  1877:
14,7  9%#.,  1878:  69,2  %)M.  9%f.  Baß
übrigen  Nahrungsmittel  auf  dem  Gebiet ­
  der  Viehzucht  angeht  (Butter  und

191
mmmm
eme  so  große  Mannigfaltigkeit  an  Fettkasen
  auf  wie  F.  Die  Butteransfuhr
ilberwicgt  die  Einfuhr  aber  sehr  erheblich  ;
eingeführt  wurde  1878  für  0,4  Mill.  Mk.
ausgeführt  für  1,5  Mill.  Mk.
Die  Wolle  bildet  einen  sehr  wichtigen
Handelsartikel;  F.  besitzt  33,510,000
Şchg.fc,  nnd  deren  Wollproduktioil  wird
aus  jährlich  86,8  Mill.  Zollpfuud  geschätzt,
em  sehr  ungenügendes  Quantum  für
SäÄmS
demi  es  wurden  an  Wolle  eingeführt
293,5,  ausgeführt  54,i  Mill.  Psd.  Der
gesamte  Wollvcrbrauch  jenes  Jahrs  stellte
sch  demnach  auf  326  Mill.  Psd.,  eine
höhere  Ziffer,  als  wir  sie  in  irgend  einem
andern  2and  finden.  Die  Ausfuhr,  namentlich ­
  in  llbersceischen  Wollen  bestehend,
ludet  ihren  Weg  znm  großen  Teil  in
benachbarte  deutsche  Spinnereien  (1878:
4,^87,720lişş  un  Wert  von  9,8Mill.Mk.).
NK  L  Z-7°Ln  b°-Einfuhr
  Ausfuhr
1878:  272,6  71,8
1879:  235,3  93,8
1880  :  263,3  92,7
Ebenso  lebhaft  ist  der  Handel  mit  Häuten; ­
  für  überseeische  Zufuhren  ist  Havre
der  HauptelilgangShasen,  von  dem  sie  zum
Teck  wieder  verführt  iverden.  Den  größer,,
Teil  behält  F.  allerdings  für  seine  Industrien ­
  zurück,  1878  führte  es  für  121
Mill.  Mk.  ein  und  nur  für  34,»  Mill.  Mk.
aus.  Mit  Deutschland  ist  dieser  Verkehr
sehr  ansehnlich  und  im  Steigen;  der  Import ­
  dorther  von  rohen  Häuten  bezifferte
sich  188(1  auf  4,123,300  kg,  der  Export
dahin  auf  3,927,100  kg.
Die  Federviehzucht  steht  in  großem
Flor;  Hühner,  Enten,  Gänse  sind  wichtige ­
  Exportartikel.  Nach  der  Erhebllng
Stuck  Geflügel.  Der  Export  davon  nach
England  ist  sehr  bedeutend,  ebenso  wie  der
bbuEiern-  Jin  ganzen  wurden  1878  ausgeführt ­
  Eier  im  Wert  von  28,5  Mill  Mk  -
        <pb n="200" />
        192

Frankreich  (Seidenwürmer,  Seefischerei,  Forstwirtschaft).

Deutschland  importierte  1880:186,000  kg
und  exportierte  191,300  kg.
Seidenwürmer  zieht  man  besonders
in  den  Departements  Ardèche,  Vaucluse,
Drôme,  vor  allen  aber  im  Departement
Gard,  daö  mehr  als  den  vierten  Teil  der
Kokonernte  liefert.  Die  Seidenwürmer
liefern  seit  1876,  wo  man  nur  155,000
kg  gewann,  wieder  bessere  Ertrage,  uäm-#'1877
  :  872,000  kg,  1878  :  608,000
kg,  aber  1879  wiederum  nur  256,000  kg.
Dazu  wurden  importiert  1878:3,940,701,
1879:  3,543,600  kg.  Die  Einfuhren  an
Rohseide  hatten  in  jenem  schlechten  Jahr
435  Milt.  Mk.  erreicht,  fielen  aber  im
nächsten  Jahr  um  nahezu  die  Hälfte  und
betrugen  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Allsfuhr
1878  :  256,g  103,7
1879:  253,1  127,9
1880  :  265,8  128,6
Zn  Lyon,  AnbcnaS,  Avignon,  St.  Etienne
und  Privas  wurden  1879  verwogen
1,722,788  kg,  und  in  den  nachstehenden
Anstalten  wurden  konditioniert:
Aubenas  204186  Kilogr.
Avignon  164422  -
St.  Etienne  ....  651548  -
Lyon  ......  3032028  -
Mmes  11054
Privas.  .  ■  ■  .  .  40713  -
Zusammen:  4103951  Kilogr.
Die  Nohseidcnindustrie  beschäftigte  1878
in  1738  Filanden  und  Haspelanstalten
72,689  Personen.
2)  Die  Seefischerei  hat  in  neuerer
Zeit  große  Bedeutung,  namentlich  durch  die
Unterstützung  der  französischen  Regierung,
gewonuen.Sie  beschäftigt  gegenwärtig  etwa
80.000  Mann.  Die  hauptsächlichste  Ausbeute ­
  liefern:  Heringe,  Makrelen,  Anchovis
und  Sardellen  an  den  französischen  Küsten,
dann  Kabeljaus  an  den  Küsten  Neufundlands ­
  itnd  Islands.  Die  für  denKabeljau
ausgerüsteten  Schiffe  haben  1879:  33,8
Mill,  kg  an  Fisch  und  Rogen  eingebracht.
Die  Ausfuhr  von  Stockfischen  betrug  1878  :
4.783.000  kg  und  die  darauf  gezahlten
Ausrüstungs-  u.Ausfuhrprämien  646,986
Mk.  Der  Heringsfang  beschäftigte  728
Schiffe  Von  24,985  Ton.,  und  die  Quantität ­
  der  in  französischen  Häfen  eingebrachten ­

  Heringe  bctrllg  1879:  29,n  Mill.  kg.
Nach  Deutschland  wurden  1878  cm  marinierten ­
  oder  in  Öl  eingemachten  Fischeil
exportiert  766,665  kg  im  Wert  von  1,2
Mill.  Mk.  Auch  die  Austernbänke  liefern
eine  jährlich  steigende  Ausbeute.  Aus  den
Austernparkeil  zil  Arcachon,  Auray,  Varennes
  wurden  1870  —  71  erst  34  Mill.
Stück  Ailstern  im  Wert  von  2  Mill.  Mk.,
1879  dagegen  542  Mill.  Stück  im  Wert
von  14,8  Mill.  Mk.  gewonnen.  Die  Gesamtausbeute ­
  derKabeljausischerei  uild  der
Küstenfischerei  (Makrelen,  Heringe,  Anchovis, ­
  Sardinen,  Austern,  Hummern)
wertete  1879:  78,4  Mill.  Mk.  Die  Einfuhr ­
  von  Fischen  aller  Art  wertete  1878:
25,4  Mill.,  die  Ausfuhr  26,8  Mill.  Mk.
4'.  Forstwirtschaft.
Die  französische  Agrargesetzgebllng  ist
hinsichtlich  der  Um-und  Zusammenlegung
der  zerstreuten  Parzellen  sehr  unvollkommen, ­
  und  dies  trägt  neben  der  praktischen ­
  Allsführllilg  des  gesetzlichen  Prinzips ­
  der  gleichen  Erbteilung  sehr  zur  Zersplitterung ­
  der  Grundstücke  bei.  Die  Bodenkultur ­
  unterstützen:  Credit  foncier  de
France,Credit  agricole,Comptoir  de  l'Agriculture
  in  Paris  nebst  andern  kleinern  Gesellschaften, ­
  ferner  die  Centralgesellschaften ­
  für  Agrikultur  imb  für  Gartenball  zu
Paris  und  gegen  800  andre  Vereiile.
Mit  Wald  sind  gegenwärtig  in  F.
9,185,310  ha  oder  17,3  Proz.  des  Staatsgebiets ­
  bedeckt.  Es  herrscht  aber  große  Ungleichartigkeit. ­
  Einzelne  Departements  haben ­
  nlir  2—3  Proz.,  andre  über  40  Proz.
des  Bodens  als  Waldland.  Die  Staatsforsteu
  haben  sich  in  diesenl  Jahrhundert
bis  auf  958,300  ha  in  735  Forsten  vermindert. ­
  Seit  1860  hat  man  entwaldete
Strecken  in  den  Alpen  und  Cevenllen  wieder ­
  mit  Bäumen  bepflailzt  lind  so  74,532
ha  Wald  gewonnen.  Es  muß  in  jedem
Jahr  ein  großer  Teil  des  Bedarfs  importiert
  werden,  so  1878:  geineinc  Hölzer  für
176,5  Mill.  Alk.  (Export  24,5  Mill.  Mk.),
davon  aus  Deutschland  für  23,2Mill.  Mk.,
und  Schmuckhölzer  für  13  Mill.  Mk.
I).  Bergbau  und  Hüttenwesen.
Eisen.  F.  „besitzt  zahllose  Lager  von
Eisenerzeil  vorzüglichster  Qualität,  obschon
durch  die  Abtrennung  von  Lothringen,
        <pb n="201" />
        Frankreich  (Bergbau  it.  Hüttenwesen).

welches  einen  bedeutenden  Anteil  an
Frankreichs  Gesamtproduktion  hatte,  niele
Bergwerke  verloren  gingen.  Die  jetzigen
verteilen  sich  ans  34  Departements,  unter
welchen  die  nachstehenden  das  größte  zu
Bergbauwerken  verliehene  Areal  besitzen:
Gard  232  QKilom.
Mmrthe-et-Moselle  .  .  119
Ardèche  99
Isère  79
Aveyron  6.3
®oci)  werden  Erze,  welche  sich  besser  zur
Stahlfabrikation  eignen,  von  Elba,  Spasuen
  und  Algerien  bezogen.  1872  betrug  die
Produktion  von  Erzen  aus  französischen
Bergwerken  3,084,026  metr.  Ton.  im  Wert
von  8,8  Mill.  Mk.,  dabei  wurden  020,518
T.  ein-  und  336,790  T.  ausgeführt;  1876
betrug  aber  der  Import  975,631  T.,  der
105,170  %.  bie  @ncnqnnq
von  Roheisen  anlangt,  so  ist  dieselbe  ohne
"nterbrechung  gestiegen;  1819  betrug  sie
#112,500$.,  aber  1878:1,507,000%.
àoei  wird  die  Holzkohlcnfeucrung  immer
^ehr  von  der  Koksfeuerung  verdrängt.
Bon  4&amp;lt;2Hohöfen,  welche  1861  bestanden,
arbeiteten  282  mit  Holzkohle  und  113  mit
Ķoks;  1872  zahlte  man  270  Hohöfen,  von
venen  89  mit  Holzkohle  und  135  mit  Koks
arbeiteten.  Die  Fabrikation  der  verschiedenen ­
  Sorten  zeigte  überall  einen  Rückgang,
nur  die  Stahlfabrikation  nahm  bedeutend
zu  und  zwar  1878  u.  1879  von  3,129,210
auf  3,276,700  metr.  Ctr.  Gefördert  wurde
diese  Seite  der  Eisenindustrie  durch  die  Ersetzung ­
  der  Eisenschiene  durch  die  Stahlschiene; ­
  von  dem  obigen  Gesamtbetrag  entsielen
  auf  Bessemer-  und  Martinstahlscksieuen
  1879:  3,28  Mill.  metr.  Ctr.  Ganz  im
Zusammenhang  damit  hat  die  Fabrikation
von  Stabeisen  abgenommen;  sie  betrug
1874  nahezu  7,7  Mill.,  aber  1879  nur  6,56
Mill.  Ctr.  Die  Produktion  von  Roheisen
g'ug  von  15,2  Mill.  Ctr.  im  Jahr  1878
vus  13,88  Mill.  Ctr.  in  1879  zurück.  Die
Fabrikation  hat  sich  aber  gehoben,  davon
wurden  1878:1,24  Mill.  Ctr.  und  1879:
1,409,840  Gtr.  fabn%ictt.
.  Die  Produktion  andrer  Metalle  ist
vagcgen  gering.  Blei  findet  sich  in  dem
-entralplateaü  und  in  den  Vogesen;  die
^Überproduktion  beschränkt  sich  auf  drei
Handelsgeographie.

11,2
7,2
4,8

193
sich  'N  geringer  Quantität  in  den  Rhönemundungen.
  Die  Gewinnung  von  Kupfer ­
  und  Zink  ist  bedeutender,  durchschnittlich ­
  mußten  aber  von  dem  ersten
180,000,  von  dem  zweiten  280,000  Ctr.
eingeführt  werden.  Die  Gewinnung  voir
Antimon-,  Nickel-,  Kobalt-  und  Manganerzen ­
  schätzt  man  aris  jährlich  60,000
metr.  Ctr.  Die  Einfuhr  von  Mineralien
lind  Metallen  aller  Art  übersteigt  die  Ausfuhr ­
  sehr  ansehnlich.  Eingeführt  wurden
18/8  namentlich  (in  Millionen  Mark):
Kupfer.  .  .  30,4  Zink  .
Mineralien  .  24,4  Rohzinn
Blei  .  .  .  15,9  Roheisen
Eisen  u.  Stahl  11,4
Dagegen  wurden  nur  für  6,6  Mill.  Mk.
Kupfer,  für  2,7  Mill.  Mk.  Eisen  aller  Art
und  für  2,2  Mill.  Mk.  Mineralien  ausgeführt. ­
  Ail  Steinen  aller  Art:  Granit,
Syenit,  Marmor,  Schiefer,  lithographischen ­
  und  andern  Steinen,  fehlt  cs  nicht,
und  diese  bilden  wichtige  Handelsartikel.
Der  Handel  mit  Erden,  Erzen  und  Steinen
wertete  1878  in  der  Einfuhr  54,3  Mill.,
in  der  Ausfuhr  24  Mill.  Mk.  Deutschland
ist  hierbei  nicht  unbeträchtlich  beteiligt,  au
Erzen  allein  führte  es  für  2,4  Mill.  Mk.
uach  F.  aus.  Dagegen  ist  die  Produktion
von  Rohmetallcn  so  gering,  daß  die  Ausfuhr ­
  keine  nennenswerte  ist  und  der  Wert
derEinfuhr  1878  eine  Höhe  von  92,7  Mill
Mk.  erreichte.  Speciell  von  Deutschland
wurden  importiert:  Zink  für  3,4  Mill.,
Kupfer  für  2,2  Mill.,  Eisen  und  Stahl
für  6,2  Mill.  Mk.
An  Kohlen  ist  F.  sehr  reich,  wenn
man  es  auch  in  dieser  Hinsicht  nicht  mit
England,  Deutschland  und  Amerika  vergleichen ­
  kann.  Immer  aber  nehmen  die
Kohlenfelder  Frankreichs  ein  Areal  von
5000  qkm  ein,  und  sie  haben  den  Vorteil
einer  günstigen  geographischen  Verteilung.
Die  Zahl  der  Gruben  wird  zuletzt  1872
eins  310  angegeben,  davon  hatten  7  Tiesen
  von  460—630  m.  Es  standen  873
Dampfmaschinen  mit  40,824  Pferdekräftcn
  in  Verwendung,  wovon  auf  Loire
11,304,  bc  (Mais  7259,  %otb  6152
Pferdekräfte  kamen.  1860  hatte  die  Kohlen-13
        <pb n="202" />
        194  Frankreich  (Textilindustrie).

Produktion  erst  8,2  Mill.  To»,  betragen;
von  Jahr  zn  Jahr  steigend,  erreichte  sie
1878  den  Betrag  von  17,096,563  T.
Eine  solche  Produktion  hätte  die  Bedürfnisse ­
  des  Landes  1865  noch  gedeckt,  1877
aber  war  der  Kohlenverbrauch  schon  ans
23,849,605  T.  gestiegen,  und  es  bedurfte
einer  Einfuhr  von  6,2  Mill.  T.  1878  betrug: ­
  Einfuhr  114,5  Mill.  Mk.,  Ausfuhr
6,8  Mill.  Mk.  Gleichwohl  hat  sich  die
Steinkohlenproduktion  in  F.  vom  Anfang
dieses  Jahrhunderts  an  bis  1860  verzehnfacht. ­
  Seitdem  hat  sie  sich  innerhalb  16
Jahren  voir  neuem  verdoppelt  und  dann
wiederum  Fortschritte  gemacht.  Nach  einer
Schätzung  von  1872  verbrauchen  Hüttenwerke, ­
  Industrien,  Gasfabriken  ».  a.  zusammen ­
  72  Proz.,  die  Haushaltungen  ca.
13  Proz.,  die  Verkehrsanstalten  10  Proz.
und  die  Bergwerke  4  Proz.  der  gesamten
Menge.  In  sämtlichen  Kohlenbergwerken
waren  1876:  97,000  Arbeiter  beschäftigt.
Aber  F.  produziert  noch  immer  nicht  genug ­
  für  den  eignen  Konsum,  und  sowohl
England  als  Belgien  und  Deutschland
schicken  die  Prodlikte  ihrer  Kohlenwerke  bis
tief  ins  Land  hinein.  England  versorgt  die
Küstenstrecken  am  Kanal  wie  am  Atlantischen ­
  Ocean  und  dem  Mittelländischen
Meer.  Deutschland  bringt  seine  Saarkohle
bis  nach  Paris  (1878  inkl.  Koks  9,361,100
metr.  Ctr.  im  Wert  von  14,1  Mill.  Mk.).
Und  doch  wird  die  Einfuhr  von  Kohle
durch  große  Lasten  erschwert,  welche  sich
mit  Transport,  Einfuhrzoll  und  Abgabe
für  die  Statistik,  5proz.  Steuer,  Verzehrungssteuer ­
  in  Paris  u.  a.  pro  Tonile
auf  14—16  Mk.  belaufen,  ehe  sie  aus
den  Kohlengruben  Rhcinpreußeuö  oder
Belgiens  in  den  Magazinen  der  französischen ­
  Hauptstadt  angekommen  ist.  Der
Eingangszoll  für  Kohle  beträgt  0,99  Mk.
für  die  nlctrischc  Tonne.  In  diesem  Dienst

wird  eine  bedeutende  Dampfkraft  verwendet: ­
  in  Bergwerkeil  und  Steinbrüchen
82,793  Pferdekräfte,  in  Hüttenwerken  un  d
Metallverarbeitung  5722  Dampfmaschinen ­
  von  102,378  Pfcrdekräften.
III.  Industrie.
Als  Förderungsinittel  der  gewerblichen
Jndllstric  besteheir  75  Handelskammern
und  die  Gesellschaft  zur  Aufmunterung
der  nationalen  Industrie  zu  Paris  mit
Zweigailstalten  in  den  Departeineilts  soivie
das  Konservatorium  der  Künste  und  Gewerbe ­
  zii  Paris.  —  Nach  einer  offiziellen ­
  Publikation  wurden  1878  verwendet
47,343  Dampfmaschinen  von  3,024,450
Pferdekräften  (im  Deutschen  Reich  65,170
Dampfmaschinen  von  4,510,637  Pferdekrästen),
  und  diese  verteilen  sich  auf:
Dampfmaschinen  Pferdckräfte
Industrie.  .  .  37589  484241
Eisenbahnen.  .  8219  2367970
Handelsdampfer  1535  173039
Zusammen:  47343  3024350
Zählt  man  hierzu  noch  die  260,000  Kräfte
der  durch  Wasser  getriebenen  Werke,  so
gibt  dies  eine  Summe  von  rund  307,000
mechanischen  Pferdekräften.  Diese  ungeheure ­
  Kraft  wird  nutzbar  gemacht  und  gelenkt ­
  von  3,332,000  Arbeitern  und  gestattet ­
  diesen,  jährlich  Produkte  im  Wert
von  12  Milliarden  Mark  zu  schassen.
A.  Textilindustrie.
Die  Textilindustrie  Frankreichs  ist  der
jedes  andern  Landes  vollkommeil  ebenbürtig. ­
  Sie  beschäftigte  1873  in  5224
Etablissements  315,570  Arbeiter,  91,916
Pferdekräfte,  8,909,121  thätige  Spindeln,
134,807  mechanische  und  322,189  Haudwcbstühle,
  die  sich  auf  die  einzelnen  Zweige
in  nachstehender  Weise  verteilten:

Die  Textilindustrie  Frankreichs.

Spinnstoffe

Baumwolle  .  .  .
Wolle
Flachs,  Hanf,  Jute
Seide
Gemischte  Stosse

Etablissements ­


1083
2270
699
822
350

Arbeiter

114529
95  779
62  095
29519
13918

Spindeln

4644167
2697283
686144
391838
489689

Mechanische
Stühle

50236
28706
21315
23103
11447

Handstühle

78037
56895
54611
81460
61186
        <pb n="203" />
        13*

Frankreich  (Leinen,  Jute,  Baumwolle,  Wolle).

„  Die  Leinenfabrikation,  einer  der
ältesten  Zweige,  hat  ihren  Hauptsitz  im  Departement ­
  Nord  (ein  Drittel  aller  Webstühle)
  ;  außerdem  haben  die  Departements
Sarthe,  Maincet-Loire,  Niederseine,  Calvados, ­
  Ille-et-Vilaine  größere  Bedeutung.
In  der  Juteweberei  nimmt  in  neuester
Zelt  Dünkirchen  eine  hervorragende  Stellung ­
  ein.  Man  schaßt  den  Gesamtwert
qmnÄ^nd  Leinenfabrikate  auf  240
..'uU.  Ml.  Garn  u.  Leinwand  werden  auch
aus  England  importiert  (1878:1,723.000
Pfd.  Leinengarne  und  0.951,000  Ellen  Leinenstoffe), ­
  dagegen  gehen  weiße  und  halbweiße
  Leinwand  nach  den  Kolonien,  Batist
nach  England  und  Amerika.  Der  Handel
nut  Deutschland  ergibt  einen  ansehnlichen
Uberschuß  zu  Giinsten  Frankreichs;  an  Geweben ­
  u.  Posamentierwaren  aus  Flachs  u.
Hanf  wurde  1878  eingeführt  für  260,500
à,  aiisgeflihrt  für  1,323,400  Mk.
Bon  Leinengarn  ist  F.  noch  nicht  im-Einfuhr
  Ausfuhr
1878:  8,9  4,o
1879:  9,2  5,1
1880  :  6,1  4,8
Dagegen  exportiert  cö  von  Leinwandstofşon
  sebr  bedeutend.Şfrüher  allerdings  mehr
(Idch  fur  28,4  Btill.  Atk.);  in  den  letzten
Jahren  war  (in  Millionen  Mark)  die
Einfuhr  Ausfuhr
1878:  9,o  19,5
1879:  9,4  19,8
1880  :  8,o  23,2
In  neuerer  Zeit  hat  die  Jute  industrie, ­
  für  welche  1878  Rohmaterial  im
Wert  von  8  Mill.  Atk.  eingeführt  wurde,
bedeutende  Fortschritte  gemacht.  Hauptsitz
furSpinnerei  und  Weberei  istDünkirchen.
Die  Baumwollindustric  ist  besonders ­
  zu  Haus  in  der  Gegend  von  Rouen
(daher  man  die  Gewebe  »Rouennerieö«
nennt),  St.  Quentin  und  den  Bvgesen,
Erster  in  Paris,  St.  Denis,  Lyon,  St.
Etienne  u.  a.  DieJndustriehateinenzwar
infamen,  doch  stetigen  Fortschritt  gehabt.
*o7o  zählte  man  schon  1163  Etablissements
  mit  117.109  Arbeitern,  4,653,479
beschäftigten  sotvie  221,845  stehenden
Spindeln  und  50,028  beschäftigten  nebst

195
ppHÜi
dere  Posten  aus  Ostindien  über  Marseille
zu  importieren.  Der  Handel  mit  Rohbaumwolle ­
  zeigt  in  den  letzten  18  Jahren
ane  auffallende  Stabilität,  ja  die  Einfuhr
A  sear  cher  heruntergegangen;  es  betrug
(in  Millionen  Mark)  die
Einfuhr  Ausfuhr
1878:  156,7  63,1
1879:  163,5  53,5
1880:  163,1  51,8
Die  Hauptprodukte  sind  Kalikos  zum
Drucken;  Paris  und  die  nördlichen  Departements ­
  liefern  daö  Garn  für  Rouen
^t.  Quentin  it.  a.  ;  die  für  Bobbinct
notigen  femern  Nummern  werden  aus
%%%,%%%
diesem  Zweig  tritt  F.  nicht  exportfähig  auf,
von  Baumwollgarnen  importiert  es  sehr
bedeutend,  und  bei  Baumwollstoffen  balancieren ­
  Einfuhr  und  Ausfuhr  nahezu.
Gar,,  Stoffe
Einfuhr  Ausfuhr  Einfuhr  Ausfuhr
1878:  33,0  2,0  54,4  45  2
1879:  28,1  1,9  49,8  50,7
1880  :  25,s  2,9  50,8  61,2
Waö  speciell  den  Verkehr  mit  Deutschland ­
  angeht,  so  betrug  1878  der  Handel
mit  allen  Sorten  Baumwollwaren  in
Einfuhr  19  Mill.,  Ausfuhr  1,8  Mill.  Mk.
,  Die  Wollmanufaktur  ist  dagegen
eine  sehr  exportfähige  Industrie.  Sowohl
Spinnerei  und  Weberei  von  wohlseilen
als  von  den  feinsten  Tuchen,  Teppichen,
Shawls  und  allen  andern  Stoffen  und
Waren  ist  eine  sehr  vervollkommnete.
Garne,  aber  noch  weit  mehr  Stosse  werden ­
  in  sehr  bedeutenden  Mengen  ausgeführt. ­
  ES  wertete  (in  Millionen  Mark):
Garu  Stoffe
Einfuhr  Ausfuhr  Einfuhr  Ausfuhr
1878:  14,9  29,8  54,9  250,2
1879:  11,6  34,9  54,5  247,2
1880:  12,6  35,9  61,8  283,9
Von  Deutschland  wurde  an  Wollwaren
        <pb n="204" />
        196

Frankreich  (Seide,  Spitzen,  Leder,  Thonwaren).

Unerreicht  steht  aber  F.  in  derSeidenfabrikation
  da.  Seidenspinnerei  wird
namentlich  in  Ardèche,  Drôme,  Gard,
Vaucluse  betrieben.  Die  Seidenweberei
konzentriert  sich  im  Rhönebecken  und  zwar
zu  neun  Zehnteln  im  Departement  Rhône,
welches  auch  Seidenshawls  erzeugt  und  mit
seiner  Seidenindustrie  einen  jährlichen
Produktionswcrt  von  368Mill.Mk.  erzielt.
Die  Fabrikation  von  Seidenbändern  hat
ihren  Sitz  im  Departement  Loire,  namentlich ­
  in  St.  Etienne;  ihr  Jahreswert
beläuft  sich  ans  48  Mill.  Mk.  Eingeführt
werden  fast  nur  Seidenbänder  aus  der
Schweiz  und  Deutschland,  wogegen  sich
die  Ausfuhr  von  Seidenwaren  namentlich
nach  Amerika  richtet.  Der  Gesamtwert  der
Ausfuhr  beträgt  ca.  380  Mill.  Mk.  pro
Jahr.  Der  Handel  mit  Deutschland  in
allen  Arten  Seidenwaren  betrug  1878:  in
der  Einfuhr  9  Mill.,  in  der  Ausfuhr  17,4
Mill.Mk.  Von  England  wurden  1878  iinportiert
  :  gedrehte  Seide  für  4,680,000  Mk.,
gewebte  Seidenstoffe  3,4i0,0003i)if.,  andre
Waren  4,300,000  Mk.  Einer  der  besten  Abnehmer, ­
  die  Vereinigten  Staaten,  sindet
es  jetzt  vorteilhafter,  den  Bedarf  in  eignen
Etablissements  ju  fabrizieren;  so  siel  dort
der  französische  Import  von  Seidcnstossen
und  Samt  1871—77  von  39  Mill,  auf  27
Mill.Mk.,  der  von  Seidenbändern  von  9,7
Mill,  mis  0.7  Mill.  Mk..  der  von  Samtbändern ­
  von  7  Mill,  auf  0,26  Mill.  Mk.
Die  französische  Seidenindustrie,  welche
bis  vor  wenigen  Jahren  als  das  Monopol
Frankreichs  betrachtet  wurde,  hat  jetzt
mit  der  drückenden  Konkurrenz  Italiens,
Deutschlands,  der  Schweiz  und  der  Vereinigten ­
  Staaten  zu  kämpfen.  Im  Mittel
der  letzten  Jahre  betrug  der  Handel  mit
Seidenstoffen  gegenüber  von  1863  —  67
(in  Millionen  Mark)  :
Einfuhr  Ausfuhr
1803—07:  9,4  335,3
1870-80:  29,8  204,o
Die  höchste  Erportzisfer  zeigte  das  Jahr
1870  mit  387,5  Mill.  Mk.;  in  den  letzten
drei  Jahren  wertete  (in  Millionen  Mark)  :
Einfuhr  Ausfuhr
1878:  28,7  202,n
1879:  30,4  181,4
1880  :  32,8  192,2

Die  Spitzenfabrikation,  welche  sich
eines  Weltrufs  erfreut,  hat  wohlbekannte
Sitze  in  Alençon,  Bailleul  (Valencienner
Spitzen),  Lille,  Arras,  Chantilly,  Caen,
Bayeux  u.  a.  und  beschäftigt  240,000  Arbeiterinnen. ­
  Die  Stickerei  und  Erzeugung
von  Phantasieartikeln  beschäftigen15O,OO0
Arbeitskräfte.  Tülle  und  mechanische
Spitzen  werden  hauptsächlich  in  derGegend
von  Calais  angefertigt;  die  Wirkwarenindustrie ­
  hat  ihre  Sitze  im  Departement
Aube  (Baumwolle),  in  Santerre,  in  der
Picardie  (Wolle),  in  Lyon,  Nîmes,  in
den  Cevennen  uild  Paris  (Seide).
Eine  Übersicht  über  die  fünfjährige
Periode  von  1872—76  gibt  folgendes
Bild.  ES  wurden  an  Webwaren  aller
Art  ausgeführt:
1872:  1140400  Gir.  1875:  1111500  ©tv.
1873:  1180800  -  1870  :  984500  -
1874:  1109000  -
Von  dem  letzten  Betrag  waren  :  Banmwollwaren
  66,100,  Seidenwaren  296,000,
Wollwaren  316,500,  Kleider  und  Pclzwaren
  277,300,  Schafwollgarne  28,600  Etr.
1878  war  der  Wert  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Garne  05,  i  39,2
Cciler-  u.  Weberarbeite»,  Kleider  109,3  707,8
B.  Andre  Industrien.
In  der  Verarbeitung  von  Häuten
und  Leder  behauptet  F.  für  einige  Wrn
reu  die  Suprematie  Kein  andrer  Staat
vermag  einen  ebenso  starken  Export  von
Lederwaren  aufzilweisen.  Berühmt  sind
namentlich:  die  lackierten  Leder  von  Pont
Audemer,  die  Maroquins  von  Choisi)  bei
Paris  und  die  Handschuhe  von  Paris.
Namentlich  in  Bezug  auf  letztern  Artikel
übertrifft  es  alle  andern  Länder,  Österreich
allein  ausgenommen.  Der  Handel  mit
Leder-  ».  Rauchwaren  hatte  1878  folgende
Werte:  Einfuhr  17,5  Mill.,  Ausfuhr  138,6
Mill.Mk.  SpeciellimHandelmitDeutschland
  wurden  von  dort  eingeführt  für  1,4
Mill.,  dorthin  ausgeführt  für4,6  Mill.  Mk.
In  der  Thon  waren  industrie  leistet
F.  Ausgezeichnetes  in  Terrakotten,  Drainagervhrcn,
  Fayence  und  dekoriertem
Porzellan;  für  die  beiden  letztern  sind  die
Departements  Obervienne  (mit  Limogcö
        <pb n="205" />
        Frankreich  (Papier,  Chemikalien,  Maschinen,  Kunstwaren  re.).

"Ild  St.  Leonard)  nnd  Seiiie-et-Oise  (mit
Sèvres)  die  Hauptplätze.  Die  Spiegel  von
St.  Gobain,  Montlusvn,  Cirey  u.  a.  sowie ­
  die  Krystallgläser  vvn  Baccarat,  Cirey
und  St.  Louis  haben  Wcltrllf.  Nach  den
t875  veröffentlichten  Angaben  bestanden-Produkte


Porzellan.
Fayence  .
Glas

Fabriken
105
347
191

Arbeiter
10  743
6978
26950
3471

Produktionswcrt
in  Mill.  Mark

30,1
16.7
77.8

Spiegel  .  8  3471  20,2
Der  gesamte  Handel  mit  Thon-  und  Glas-'ŗm
  belief  sich  1878:  in  Einfuhr  ans
w,2  Mill.,  IN  Ausfuhr  auf  35,sMill.  Mk.
Deutschland  vermag  hier  aber  mit  Erfolg
iiSSS
,  ìŅ??'"'fabrikation  liefert  in
ca.  500  Unternehmungen  mit  26,178
ÄCK»?.«
berechnet  wird;  in  der  Verfertigung  von
Papiertapeten  und  Spielkarten  nimmt
F.  unter  allen  Landern  schon  längst  den
ersten  Rang  ein.  Der  Erport  von  Papier^
M  1878  auf
38,8  Mill.  Mk.  gegen  eine  Einfuhr  von
11,5  Mill.  Mk.,  davon  nach  Deutschland
fur  4,o  Mill.  Mk.,  während  dieses  nur  für
1,  t  Mill.  Mk.  Ware  importierte.
Die  chemische  Industrie  unterhält
großartige  Etablissements,  namentlich  füv
Schwefelsäure  und  Soda;  die  Fabrikation
der  letzter,!  ist  allerdings  nicht  genügend
und  ein  Import  ist  nötig,  1878  für  19,4
Mill.  Mt.  (von  Deutschland  1878:  2785
Ton.).  Für  Stearinkerzen  bestanden  178
Fabriken  mit  3206  Arbeitern  und  einem
Produktionswert  von  52,7  Mill.  Mk.
Die  Ausfuhr  chemischer  Produkte  betrug
1878:  40,6  Mill.  Mk.,  von  Farben  8,9
Mill.,  von  Medikamenten  8,4  Mill.  Mk.
Dagegen  hat  die  Seifenindustrie  eiue  Einbuße ­
  namentlich  in  Paris  erlitten;  sie  beschäftigte ­
  1873  noch  390  Unternehmungen
wtt  5254  Arbeitern  und  lieferte  für  140
Oítlí.  Mk.  Ware,  während  1875  nur  331
Unternehmungen  mit  34  U  Arbeitern  be-U^'den.
  welche  für  85  Mill.  Mk.  Ware

107
herstellten.  1878  wurde  für  8,4  Mill  Mk
Orangcblnten  u.  a.  (2,2  Mill.  Mk.).  Die
Ausfuhr  betrug  1879:  6.2  Mill.  Mk
nach  Deutschland  gingen  69,965  Lit.
„Die  Maschinenindustrie  wird  am
stärksten  in  Paris,  Lille,  St.  Etienne.  Lyon,
Ronen,  Nantes,  Marseilte  und  Crensot
betrieben;  für  Messerschmiedewaren  sind
Langres,  Thiers  und  das  Departement
Vienne,  für  Schlosserwaren  Beaucourt
für  Sensen  und  Waffen  St.  Etienne,  für
Stahlschreibfedern  Boulogne  sur  Mer
für  Klaviere  Paris  und  Marseille,  für
Uhren  Besancon  Hauptplätze.  In  allen
diesen  und  verwandten  Artikeln  tritt  F.
als  mächtiger  Konkurrent  gegen  die  Industrie ­
  andrer  Staaten  ans.  1878  betrug
ber  Wert  des  Handels  mit  Maschinen.  Metallwareu
  und  Fahrzeugen:  in  der  Ein-0&amp;gt;
 l H'58,4  Mill.,  ill  der  Ausfuhr  110  Mill.
Der  Handel  mit  Deutschland  zeiat  liidjt
uilbedellteildeil  Wert,  sowohl  in  Einfuhr
Ausfuhr.  Ausgeführt  wurden
18,8:  %Bei%uac  miß  mtaü  imb  anbre
Mctallwaren  für8,4Mitl.,  Maschinen  nnd
mechanische  Vorrichtungen  1,2  Mill.,  mu-ŞÂ'fflCîSÄg

Uiiib  nach  F.  an  Maschinen  re.  für  10  7
Mül.,  an  Werkzeugen  re.  für  4,8  Mill.
Mk.  Der  Handel  wertete  1878  (in  Millionen ­
  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Maschinen  33,8  17,5
Gold-  und  Silberwaren  .  4,2  49,8
Uhren  2,2  13,5
Gilt  bedeutender  Erport  besteht  außerdem
m  Bezeuge,t  (54,2  %RW.  m.),  in  m,-siti,istrumenten
  (8,2  Mill.  Mk.).  in  Waffen ­
  (5,i  Mill.  Mk.).
Außerordentlich  vielseitig  und  hervorragend ­
  ist  aber  die  französische  Industrie
auf  dem  Gebiet  der  Schmuck-  und
Kunstwaren.  Hier  ist  es  namentlich
weiße  GraeuQmMe  I)er=R
  b,e  ui  Weit  muge,!  über  biegn,13e
Welt  gehen.  Hier  sind  namentlich  die  Produkte ­
  der  Kunsttischlerei,  die  Spiel-und
        <pb n="206" />
        198

Frankreich
Kurzwaren  zu  »einte»,  bereu  Export
1878  zusammen  125,4  Mill.  Mk.  betrug,
die  Modewaren  und  kiinstlicheu  Blumen
mit  24  Mill.  Mk.,  die  verschiedenen  Artikel ­
  der  Pariser  Industrie  mit  3,4  Mill.
Mk.  Der  Wert  des  Handels  mit  eigentlichen ­
  Schmtlck-  uitd  Kunstwaren  wird  für
1878  in  der  Einfuhr  auf  10,6  Mill.,  in  der
Ausfuhr  auf  148,5  Mill.  Mk.  berechnet,
der  Gesamtwert  der  französischen  Jndustrieerzeugnisse
  aber  auf  etwa  10  Milliarden ­
  Mark,  wovon  auf  die  Pariser  Gewerbthätigkeit
  allein  ein  Viertel  entfallen  dürfte.
Nach  der  offiziellen  Erhebung  für  1861—
1865,  welche  nur  die  Großindustrie  berücksichtigte
  und  auch  Paris  nicht  einschloß,
war  der  Gesamtwert  der  Jndustrieprodukte
5,i)  Milliarden  Mark.  Davon  entfiel  der
größte  Anteil  auf  das  Departement  Nord
(602  Mill.),  demnächst  auf  die  Departements ­
  Niederseine  (331  Mill.),  Rhônemündungen,
  Loire.  Eure  (über  160  Mill.),
Aisne,  Somme,  Marne,  Ardennen,  Pas
de  Calais,  Unterloire  (über  12  Mill.  Mk.).
IV.  Handel.
Der  Handel  wird  geschieden  in  Generalhandel ­
  und  Speeialhandel.  Der  erste
umfaßt  alles,  auch  die  Durchfuhr,  der
zweite  nur  solche  Handelsartikel,  welche
in  F.  rum  Verbrauch  kommen  oder  als
französische  Produkte  ausgeführt  werden.
Nach  fünfjährigen  Perioden  gruppiert,
betrug  der  Generalhandel  (in  Millionen ­
  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
1864  —  68:  15255,1  15955,0
1869  —  73:  16430,8  16245,0
1874  —  78:  18761,5  18031,3
In  dem  letzten  Jahr  (1878)  betrug  die
Einfuhr  4071,1  Mill.,  die  Ausfuhr  3289,4
Mill.  Mk.  Die  Einfuhr  stand  im  Vergleich ­
  mit  dem  Vorjahr  um  415,2  Mill.
Mk.  höher  und  ebenso  um  400,8  Mill.  Mk.
höher  als  der  Durchschnitt  der  vorhergegangenen ­
  fünf  Jahre.  Dagegen  war  die  Ausfuhr ­
  gegen  das  Vorjahr  um  207,2  Mill.
Mk.  gefallen  und  betrug  um  430,4  Mill.
Mk.  weniger  als  der  Durchschnitt  der  letzten ­
  fünf  Jahre.  —  Eine  gleiche  Übersicht
des  Specialhandels  nach  fünfjährigen
Perioden  ergibt  (in  Millionen  Mark):

(Handel).
Einfuhr  Ausfuhr
1864-68:  11435,0  11847,2
1869  —  73:  13369,8  13038,7
1874  —  78:  15103,0  14212,2
In  den  drei  letzteil  Jahreil  ergaben  sich
folgende  Resultate  (in  Millionen  Mark):
1878  1879  1880
Einfuhr  .  .  3341,5  3676,2  3926,0
Ausfuhr  .  .  2544,8  2585,o  2720,5
Dazu  kommt  der  Verkehr  mit  Edelmetallen ­
  (gemünztem  Geld),  wovon  1878:
436,8  Mill,  ein-  und  151,5  Mill.  Mk.  ausgeführt ­
  wurden.  —  Vom  Gesanltwert  der
Ein  -  und  Ausfuhr  entfielen  1878  auf  den
Seetransport  4946,4  Mill.,  ans  den  Landtransport ­
  2414,i  Mill.Mk.;  bei  dem  Seetransport ­
  war  die  französische  Flagge  mit
1908  Mill.  Mk.  beteiligt.  —  Nach  den
Laildern  der  Herkunft  und  Bestimmung ­
  verteilte  sich  der  französische
Specialhandel  von  1879  folgendermaßen
(iil  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
England  519,9  826,0
Belgien  322,8  356,  o
Deutschland....  311,2  345,o
Italien  332,3  172,o
Schweiz  88,o  223,3
Spanien  76,9  123,o
Vereinigte  Staaten  .  141,i  27,7
Algerien  71,8  25,i
Demnächst  folgen:  Rußlaitd,  die  skandinavischen ­
  Staaken,  Brasilien,  Pent,
Chile  re.  Im  Verkehr  mit  den  französischen ­
  Kolonien  (inkl.  Algerien)  betrtlg  der
Wert  der  Einfuhr  160  Mill.,  der  Ausfuhr
149,0  Mill.  Mk.
Der  Warenhandel  gestaltete  sich  in
den  letzten  drei  Jahren  wie  folgt  (in  Millionen ­
  Mark):
Einfuhr
1878  1879  1880
Lebensmittel  1163,9  1471,o  1586,o
Naturprodukte  u.  Rohstoffe  1668,7  1690,3  1779,2
Fabrikate  349,2  332,9  358,7
Andre  Waren  .  .  .  .  159,7  182,o  201,5
Zusammen:  3341,5  3676,2  3926,o
Ausfuhr
Fabrikate  1418,9  1375,o  1480,7
Naturprodukte,  Rohstoffe,
Lebensmittel  .  •  •  •  990,0  1069,8  1093,4
Andre  Waren  .  -  135,4  140,2  146,9
Zusammen:  2544,3  2585,0  2721,o
        <pb n="207" />
        199

Frankreich  (Konsulate;  Verkehrswesen).

Demgemäß  stellt  sich  für  diese  Jahre  eine
Mchreinfuhr  voir  796/,  resp.  109  J  ,2  und
1205,5  Mill.  Mk.  heraus;  schon  1876
und  1877  hatte  die  Einfuhr  die  Ausfuhr
überstiegen,  während  1872—75  eine  stets
steigende  Mchrausfuhr  stattgefunden  hatte.
Der  Allsfall  ist  namentlich  derAbnahme  der
Ausfuhr  von  Fabrikaten  zuzuschreiben  sowie ­
  der  Zunahme  der  Einfuhr  vonLebenömltteln
  und  zwar  1875—80  um165Proz.
Die  zum  Zweck  der  Veredelung  und  mit
den:  Beding  der  Wiederausfuhr  importierten ­
  Waren  hatten  mit  Ausnahme
von  Zucker  einen  Wert  von  56  Mill.  Mk.,
wovon  der  Hauptbetrag,  nämlich  32,3
à  ill.  Mk.,  auf  Getreide,  der  Rest  auf
Wollgewcbe,  Ölsämereien  rc.  entfiel.  Der
D  urch  f  u  h  rv  erkeh  r  hatte  1878  ein  Geamtgewicht
  von  2,086,345  Etr.  aufzuweisen. ­
  Der  Transit  repräsentierte  einen
Wert  von  470,4  Mill.  Mk.,  und  diese
«untine  setzte  sich  im  wesentlichen  zu-^ņmen
  ans  Seiden-,  Baunnvoll-  und
Wollgeweben,  Goldwareii,  Lederwaren,
Cercalien,  Strohhüteu,  Geflechten.
Die  Handels-  und  Zollpolitik  ist
siegeuwärtig  noch  nicht  zur  definitiven
-Regelung  gelangt.  Die  mit  den  meisten
europäischen  Staaten  abgeschlossenen  Handelsverträge ­
  sind,  soweit  ihre  Geltungsdauer ­
  abgelaufen  ist,  gekündigt  und  nicht
wieder  erneuert  worden.

Kon  siila  te  unterhält  Deutschland  in:
Bordeaur,  Cette,  Dünkirchen,  Le  Havre
(Berufskonsul),  La  Rochelle,  Marseille
(Berufskonsul),  Nizza,  Rochefort,  St.
Martin  auf  Re;  Vicekonsnlate  in:  Boulogne, ­
  Calais,  Dieppe,  Honfleur,  Port  de
Bone,  Rouen,  St.  Nazaire;  in  den  französischen ­
  Besitzungen  in:  Algier  (Berufskonsul), ­
  Gabun,  Papeete,  Saigon.

V.  Uerkthrsmeseil.
Die  Anzahl  der  schiffbaren  Flüsse
Frankreichs,  welche  68  Departements
durchziehen,  und  deren  schiffbarer  Lauf
8386  km  beträgt,  beläuft  sich  auf  141.
Keine  schiffbaren  Flüsse  besitzen  15  Departements. ­
  1870  hatte  F.  in  50  Departements ­
  77  Kanäle  mit  einer  totalen
Länge  von  4753  km,  1877  war  diese  Länge
ftu f  5031  km  gewachsen.  Die  ganze  Länge

»ST”"''“ 1 “-«
,  à"ŗch  drei  sogen.  Lois  de  classement
(1877  erlassen)  wurden  außer  640  Mill
ķ.Ruckcrwerb  vou  Eisenbahnen  ca.  4
Milliarden  Mark  für  öffentliche  Arbeiten
bewilligt,  davon  4  Mill.  Mk.  für  Sekundärbahuen.
  Das  Gesamtkapital  von  ca.
4'/2  Milliarden  Mark  soll  bis  1890  verausgabt ­
  werden.  Das  Programm  umfaßt:
1)  Ergänzungsnetz  der  Eisenbahnen,  2)
öffentliche  Wasserstraßen,  3)  Seehäfen.
Das  Bahn  netz  wird  um  18,000  km  vermehrt ­
  und  dann  42,000  km  umfassen.
ES  wurden  verausgabt  (in  Millionen
Mark)  für:

1877  1878  1879
Eisenbahnen.  .  20,i  47,8  104,4
Nüsse  ....  5,7  7,i  13,o
Kanäle.  .  .  .  13,2  15,4  18,4
Seehäfen  .  _  15,8  16,5  19,8
Zusammen:  54,8  86,8  156,2

Als  Hauptwasserlinien,  welche  durchgchendö
  eine  Tiefe  von  2111,  eine  Schlcusenweite
  von  5,2  m  haben  müssen,  werden
aufgeführt:  die  Berbinduilg  der  Oise  mit
der  Aisne,  der  Marne  mit  der  Saône,
des  Doubs  mit  der  Saône  von  Montbcltavb
  bis  (Sonfsanbci),  bic  SSevbinbiuia
der  Schelde  mit  der  Maas,  der  Seitenranal
  der  Loire  von  Orleans  bis  Nantes,
die  Verbindung  der  Loire  mit  der  Garonne, ­
  der  Seitcnkanal  des  Etang  deThau.
Eisenbahnen.  Das  gesamte  Retz
hatte  Ende  1879  eine  Länge  voit  26,776
km  (davon  1643  km  Staatsbahnen),  deren ­
  Einnahmen  731  Mill.  Mk.  erreichten;
dazu  die  Sekundär  bahnen  (42  Gesellschaften), ­
  welche  1.  Jan.  1879  eine  Länge
von  2049  km  hatten,  angelegt  mit  einem
Kostenaufwand  von  171,5  Mill.  Mk.
‘Die  Telegraphenlinien  Batten
Ende  1880  eine  Länge  von  64,275  km,  die
Drähte  von  182,518  km  (unterirdische
Linien:  499  km  mit  9753  km  Drähten,
unterseeische:  2554  km  mit  2600  km
Drähten  und  83  km  pneumatischen
Röhren);  Zahl  der  Telegraphenanstalten
4772,  bei-  ^^0»  12,332,073;  @1»:
ïi'fea  w  7,796  î.
Die  Post  beförderte  1878  in  5669  Post-
        <pb n="208" />
        200

Frankreich  (Handelsmarine;  Finanzen).

austasten  (mit  45,479  Briefkasten)  durch
33,579  Beamte  im  internen  Verkehr:
518,132,000  Briefe  und  Korrespondenzkarten ­
  ,  258,538,000  Warenproben  und
Drucksachen,  240,373,000  Zeitungen,  zusammen ­
  1,017,043,000  Briefpostsenduugen
  (1877:  887,535,000).  Biese  Steige:
rung  der  Korrespondenz  ist  namentlich  bewirkt ­
  durch  die  seit  1.  April  1878  in  Kraft
getretene  Vereinigitng  der  Post  -  nub  Telegraphcnverwaltung
  sowie  die  mit  beträchtlichen ­
  Ermäßigungen  verbundenen
Reformen  des  innern  Tarifs.  Die  Einnahmen ­
  sind  für  1880  mit  80,8  Mill.  Mk.
berechnet,  dazu  kommen  noch  die  von  den
Telegraphen  mit  16,9  Mill.  Mk.,  zusammen ­
  103,7  Mill.  Mk.,  denen  eine  Ausgabe ­
  von  84  Mill.  Mk.  gegenübersteht.
Durch  die  Reform  ist  F.  in  Bezug  auf  den
Briefverkehr  mit  Deutschland  auf  eine
Stufe  gestellt.
Die  Handelsmarine  hatte  1.  Jan.
1879  einen  Bestand  von  15,527  Schiffen
voir  975,883  Ton.  (14,939  Segelschiffe
von  730,075  T.  itnd  588  Dampfer  von
245,808  T.).  Diese  Zahlen  verteileil  sich:

Schiffe  Tonnen

Kleine  Fischerei  9561  85659
Große  Fischerei  504  56296
Küstenfahrt  2456  109026
Schiffahrt  in  europäischen
Meeren  und  im  Miitelmeer  1025  209375
Große  Fahrt  1023  478877
Lotsenfahrzeuge,  Schlepper,
Jachten  re  958  36650

Die  bedeutendsten  Dampfschifffahrtsgesellschaften ­
  sind:  die  Messageries ­
  maritimes  (Paris),  Compagnie
générale  transatlantique  (St.  Nazaire),
Société  générale  de  transports  maritimes
llnd  Valéry  Frères  et  Fils  (Marseille),
Ligne  péninsulaire  et  algérienne  und
Société  Chargeurs  réunis  (Havre),  die
Allan-  und  die  Anchor-Linie  (Bordeaur).
Der  Schisfahrtsvcrkehr  mit  dem
Ausland  zeigte  folgende  Bewegllng.  Beladene ­
  Schiffe  loaren

Jahr

eingelaufen
Schiffe  I  Tonnen

ausgelaufen
Schiffe  I  Tonnen

1878
1879

31926  9903094
33130  10922  768

21334  6185571
20642  6259616

Dazu  kommt  der  Küstenverkehr,  ìvelcher
1878  im  Einlauf  wie  im  Auslaitf  64,136
e#c  mit  3,473,854  %.  #lte.
Der  Gehalt  aller  in  französischen  Häfen ­
  verkehrenden  Schiffe  hatie  1837—46
nur  4,072,825  T.  betragen,  1878  war
derselbe  auf  20,910,397  T.  gestiegen,  und
in  demselben  Zeitraum  hob  sich  der  Tonncngehalt
  der  Segelschiffe  von  3,388,387
auf  7,269,463  T.,  der  der  Dampfer  aber
von  4,072,825  alls  20,910,397  T.  Vereine ­
  hatte  sich  in  diesem  Zeitraum  verdoppelt, ­
  der  andre  auf  mehr  als  das  Fünffache
gehoben.  Dabei  hat  aber  der  Verkehr  ausländischer ­
  Schisse  in  weit  höherm  Maß  zugenommen ­
  als  der  französischer;  der  Tonneugehalt
  französischer  Schiffe  stieg  von
1,472,985  auf  6,290,096  %.,  ber  anölKu'
discber  von  2,599,840  auf  14,620,301  T.
Die  Länder,  mit  welchen  F.  1878  den
meisten  Schiffsverkehr  unterhielt,  ordnen
sich  nach  der  Tonnenzahl  wie  folgt:
England  5827178  Tonnen
Algerien  1415115  -
Vereinigte  Staaten  .  1373802  -
Rußland  1105453  -
Italien  834688  -
Spanien  779094
Deutsches  Reich  .  .  578651  -
Türkei  493878
Es  folgen  :  Schweden,  Niederlande,Argentinien, ­
  Ägypten,  Brasilien  rc.
VI.  fiurtnjen.
Schon  vor  dem  Krieg  von  1870  stellten
sich  beständige  Defizits  heraus;  dasselbe
war  der  Fall  bis  1874.  In  den  nächstfolgenden ­
  Jahren  ergaben  sich  indes  fortwährend ­
  Überschüsse.  Für  1879  betrugen
die  Einnahmen  2171,7  Mill.,  die  Ausgaben ­
  2170,5  Mill.,  woraus  sich  ein  Überschuß ­
  voir  1,2  Mill.  Mk.  ergab.  Für  1880
berechnet  man  jene  auf  2201,8  Mill.,
diese  auf  2203,5  Mill.,  so  daß  als  Uberschuß ­
  1,3  Mill.  Mk.  bleibt.  Der  Voranschlag ­
  für  1881  beträgt  2210,5  Mill.  Mk.
in  Einnahme,  2210  Mill  Mk.  in  Ausgabe.
In  dem  Budget  von  1880  waren
Hauptposten  der  Einnahme:  Grundsteuer ­
  139,2  Mill.,  Enregistrement  390,9
Mill.,  Getränkestener  329,7  Mill.,  Tabaksteuer ­
  266,4  Mill.,  Steuer  auf  inländischen ­
  Zucker  88,7  Mill.,  Einfuhrzölle  210,c
        <pb n="209" />
        Frankreich  (Kreditwesen).

Mill.,  Poste»  und  Telegraphen  103,9  Mill.
Mk.  Unter  den  Ausgaben  fignriert
die  Staatsschuld  mit  957/  Mill.,  Militar ­
  mit  454,4  Mill.,  öffentliche  Arbeiten
ZWW-ZLund
  Allsgabe  abschließend  mit  320,8  Mill.
Dit,  hauptsächlich  bestehend  in  Bei  chlagsprozenten
  zu  ben  direkten  Steuern  für  Départemental- ­
  lind  Kommunalbedürsnisse.
g-  ŗ  töschuld.  Die  französische
Schuld  stanlmt  von  1798;  frühere  Schulden ­
  waren  durch  Staatöbankerott  annnlnert
  Damals  wurde  die  konsolidierte
-Acute  auf  32  Mill.  Mk.  reduziert:  sie
5  unter  dem  ersteil  Kaiserreich  auf  50
G'U830  «"f  »»tei-  bn-/ulldynastle
  auf  182  Mill.,  unter  dein
W*&amp;amp;umßneü1870aut
MWM
beit  belaufen  soll,  7  Milliarden  Mark  gcrostet,
  wovon  4  Milliarden  Kriegskon  tributtoit.
  Die  Schuld  ist  teils  eine  konsolidierte, ­
  teils  eine  kündbare,  die  fvrtgescM
vermindert  wird,  und  eine  detto  viagère
tu,,g(meHgranb  447,5  Ws.).  %)te%u9=Ñán
  fur  die  gesamte  Schuld  betrugen
nach  dem  Budget  für  1880  :  957,n  Mill
r-LZZWW
VII.  Kreditwesen.
Einige  wenige  Kreditinstitute  in  Lyon,
-ule  und  Aiarseille  ansgenommen,  haben
i  Nr  Bailken  und  Kreditanstalten  ihren  Silz
"r  Paris,  im  ganzen  20.  Die  bedeutendsten
Gunter  sind:  die  Bank  von  F.  (Kapital:
Mill.  Mk.),  Credit  agricole  (64  Mill.
rnļ'h  Comptoir  d'Escompte  de  Paris
Mill.  Mk.),  Cre'dit  foncier  de  France
pW-  mit),  drebit  mobilier  (19,a
mit),  Baisse  bea  &amp;amp;(p6t*  (19,3  miilt

201
WWLM-3ŠSÌ33S

Sukknr,alen  unterhält,  wurde  1800  unter ­
  dem  Schul;  und  der  Mitwirkung  der
Regierung  mit  einem  in  30,000  Aktien
ñ  Ş0  Frank  verteilten  Kapital  von
l.  MW.  Fr.  gegründet.  1848  wurden
btc  noch  bestehenden  Provinzialzettelban  ^
feit  mit  der  Bank  von  F.  vereinigt  und
lilsolgedessen  das  Kapital  auf  91,250,000
Fr.  erhöht;  1857  wurde  das  Bionopol
der  Bank  bis  1897  verlängert  und  daö  Ka-%eseruefo»b8
  no»  lODiid.  ģr.  6c#t.
ioOO  »»b  5%7%t  1%0%
btc  mewt  audb  trocs,ic  %cd)fcl  (0iü(Ä  ¿
Dtbte)iit5000imbl0,000gr.a»g.
pant  l)at  fin  %.  bag  aug^neBlicbe
päBiSSpS
gcg,enum  00m  g(»Waí)r  1878  bic
?mm&amp;gt;-!'/§'^àcii,eiizinsloseilKreditvv,l
J  40  Mill.  Fr  zu  gewähren.  Das  Verhältnis ­
  zwischen  Notenumlauf  und  Barvorrat
ist  nie  durch  Statllt  bestimmt  worden.  Am
30.  Dez.  1880  war  der  Stand  der  Bank-B»
  T'*  ^29,4  miilt,  $oUefemKc  820,5
Mill.,  Notenumlauf  198  l,4  Mill.,  Guthaben ­
  des  Staats  und  andrer494,9Mill.  Mk.
S  p  a  r  k  a  s  s  e  n  bestehen  in  F.  schon
seit  längerer  Zeit.  Von  1852—  70  stieg
die  Zahl  der  Einleger  von  611,037  auf
2,130,768,  siel  aber  danach  ebenso  wie  die
Einlagen,  welche  1852—70  auf  576  Mill.
Mk.  gestiegen  waren.  Diese  Summe  hat
sich  danach  aber  wieder  schnell  erhöht;  31
?ftl878  waren  in  541  Sparkassen  ans
3,1,3,721  Bücher  eingezahlt  812,9  Mill.
Mk.  Seit  1874  sind  auch  Postsoarkassen
  eingerichtet  (Verzinsung  4  Pro;.,
mono»  «Tg  Beitrag  3»  bc»  mrnoaítnnaL
kosten  /4—  /2  Proz.  abgeht).  Lebensrungen
  für  1584,8  Mill.  Mk.  abschlössen.
        <pb n="210" />
        202

Fraserburgh
Vili.  Geld,  Make  und  Gewichte.
Bis  1803  bestand  in  F.  reine  Silberwährung;
  damals  wurde  Doppelwährung
mit  der  Wcrtrelation  1:15Vs  eingeführt.
DiebeständigcnFlnktuationen  veranlaßten
F.,  zunächst  mit  Belgien,  Italien  und  der
Schweiz  23.  Dez.  1865  einen  Münzvertrag
  auf  zwölf  Jahre  zu  schließen,  dem  später ­
  Griechenland  beitrat.  Dieser  Vertrag
bildet  die  Grundlage  des  lateinischen
M  ü  n  z  bund  ö.  Danach  herrscht  Doppelwährung. ­
  Der  Frank  wird  mit  dem  Feingehalt ­
  von  9 /io  aus  5  g  Silber  oder  ans
dem  20.  Teil  von  Gasici  g  Gold  ausgeprägt; ­
  es  besteht  daher  die  gesetzliche  Relation ­
  von  1:151/2.  Währungsgeld  sind
das  silberne  Fünffrankstück  und  die  Goldmünzen ­
  zu  5  Fr.  —  1,61200  g  Gold,
10  Fr.  —  3,22580  g  Gold  und  20  Fr.  —
6,451«  g  Gold.  Seit  1876  sind  die  Silberausprägungen
  ganz  eingestellt  worden.
Maße  und  Gewichte  sind  die  metrischen. ­
  Der  Meter  ist  der  zehnmillionste
Teil  des  Erdquadranten  zwischen  Äquator
und  Nordpol.  Die  Normaletalons  dieses
Meters  und  des  daraus  abgeleiteten  Kilogramms ­
  sind  auö  Platiu  gefertigt  und  im
Staatsarchiv  zu  Paris  niedergelegt.  Die
Einteilung  ist  rein  decimal:  1  Meter  —
10  Decimeter  oder  100  Centimeter  oder
1000  Millimeter.  Der  Quadratmeter
ist  die  Grundlage  der  Flächenmaße  (100
Quadratmeter  —  1  Ar),  der  Kubikmeter
die  der  Körpermaße  und  Gewichte  (1  Knbikdecimeter—1
  Liter),  das  Gewicht  eines
Liters  destillierten  Wassers  im  luftleeren
Raum  bei  4°  C.  —  1  kg.
Fraserburgh  (for.  frchserbörgh),  Hafenplatz ­
  in  der  schott.Grafschaft  Kinnaird,  an
der  Nordsee;  (i87i)  4552  Einw.  Deutsche
Konsularagentnr.  Heringsstscherei.  1880
liefen  39  deutsche  Schiffe  ein,  37  mit  Heringen ­
  ,  2  in  Ballast  aus.
Frcdericia  (F  r  i  d  e  r  i  c  i  a),  dän.  Hafenstadt ­
  in  Jütland,  am  Kleinen  Belt  und  an
der  Jütlandbahn;  (isso)  8275  (Siimi.  Deutsches ­
  Konsulat.  Viehhandel.  1879  verkehrten ­
  hier  182  Schiffe  (36  deutsche)  von
13,720  ^11.
Frederikshald  (Friedrichshall),
Hafenstadt  im  norweg.  Amt  Smaalenene,

—  Freiburg.
an  der  Bahn  Christiania-F.-Dalsland;
(1876)  96  72  Einw.  Deutsches  Vicekonsnlat
für  den  Zollstättedistrikt  F.  Holzhandel.
1879  verkehrten  hier  82  deutsche  Schiffe
von  9063  Ton.
Freverikshatm,  dän.  Hafenstadt  in
Jütland,  am  Kattegat  u.  dcrJütländifchen
Bahn;  (1880)  2891  Einw.  Deutsches  Konsulat ­
  (Amtsbezirk:  Gebiet  des  HardehornS,
Gemeinde  Dronninglund,  Ostküste  von
Hjörnig  mit  Stagen  und  Lafö).  Austernfang
  und  Seefischerei.  Die  Einfuhr  wertete ­
  1879:  975,300  Mk.,  die  Ausfuhr
4,867,300  Mk.  1880  verkehrten  hier  19
deutsche  Schiffe  von  1770  Ton.
Frederiksstad,  Hafenstadt  im  norweg.
Amt  Smaalenene,  an  der  Mündung  des
Glommen  in  den  Christianiafjord  und
der  Eisenbahn  Christiania-Frederikshald;
(1876)  9672  Einw.  Deutsches  Vicekonsulat.
  Lebhafter  Verkehr  mit  Deutschland;
156  deutsche  Schiffe  von  12,954  Ton.  besuchten ­
  1879  den  Hafen.  Aus  Deutschland
werden  Baumwoll-,  Leinen-  und  Wollwaren,
  Tabak,  Malz,  Maschinen,  Hopfen  rc.
eingeführt;  dahin  gingen  1878:  14,166
Ton.  Holz,  auf  das  von  einer  Gcsamtauösnhr
  von  7  Aiill.  Mk.  6,9  Mill.  entfallen.
Freetown  (for.  fnhtaun),  Hauptstadt  der
brit.  Kolonie  Sierra  Leone,  an  der  Westküste ­
  von  Afrika;  Station  der  Dampfer
der  African  Steamship  Co.,  Brit.  African
Steamship  Co.,  Cape  of  Good  HopeSteamship
  Co.  ;  10,500  Einw.
Freiberg,  Berghauptstadt  des  Königreichs ­
  Sachsen,  an  den  Eisenbahnen  Dresden-Chemnitz ­
  und  Nossen-Brüx;  (isso)
25,431  Einw.  Vorschutzbank;  Handelsgericht, ­
  Hanptstcueramt.  Wichtigste  Erwerbsquelle ­
  ist  das  Berg-  und  Hüttenwesen,  das
in  der  Gesamtzeit  seines  Bestehens  ca.
1000  Mill.  Mk.  eingebracht  hat.
Freiburg,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  badischen  Kreises,  an  der  Vereinigung ­
  der  Bahnlinien  Heidelberg-F.-Basel'und
  F.-Breisach-Kolmar;  (isso)
37,253  Einw.  Reichsbanknebenstelle,  Filiale ­
  der  Rheinischen  Kreditbank,  Gewerbebank
  (eingetragene  Genossenschaft).  Ansehnliche ­
  Industrie.  ZweiMessen(19.April
und  8.  Nov.,  jede  6  Tage),  Vieh-,  Fruchtnnd
  Holzmärkte.  Handel  mit  Wein.
        <pb n="211" />
        Freiburg  —  Gaboon.

Freiburg,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  schweizer.  Kantons,  an  der  Sciane  und
der  Bahn  Bern-Lausanne;  (mo)  11,546
Ņnw.  Caisse  d'Amortissement  du  Canto»
bc  griWra  Griffe  ^^^écaire  be
JSSää:
? Ul  Kornausfuhr  von  Oberschwaben  über
LVLoL»ÄE
Gÿm  U»b  SWic».  I860  liefe»  ei»:
St»sss.i»sŗ
ilüil
Kammgarnspinnerei,  Weberei,  Fabrikalon
  von  Sackleinwand  (Fuldacr  Leinend) ­
  u.  a.  Auch  bedeutender  Getreide-  ».
Biehhaudel  (wöchentlich  Schweinemarkt).
Funchal  (spr.  fungschal),  Hauptstadt  der
portug.  Insel  Madeira,  an  derSndknstcgWtoH
  ki  $)Am^fcr^»ie»:  93n#  mib
African  Steam  Navigation  Co.,  African
Steamship  Co.,  Cape  os  Good  Hope  Stcamşi)'P
  Co.,  Colonial  Mail  Line,  Union
Steamship  Co.  ;  (ms)  20,606  Einw.  Deutsches ­
  Konsulat  für  die  Insel  Madeira.
^'lrchschuittllch  laufen  im  Jahr250Schiffe
"ut  90,000  Ton.  ein  und  ebenso  viele  aus
Fürth,  Stadt  im  bahr.  Regierungöbezirk
  Mittelfranken,  an  der  Nürnberguurther
  und  Bayrischen  Staatöbahn;

203
WM
iü
vornehmlich  nach  Nord-  und  Südamerika
m«'üwss{
'l°ì'ddeu  schland,  Danemark,  Schweden
¿»«»ft»
WWW
áSfSSg
-  Nach  Schanghai  ist  F.  erster  Theemarkt,
cnicí)  Hauptplatz  für  Holz  u.  Papier,  ài
Dampferl,men  besorgen  zweimal  im  Momit
  4^0,^0110.
ha-fc  ausLondon  und  Bombay  wie  in  Kan-Gaboon

  (Gabun,  Gabon),  sranz.
W'îdelsstation  im  Golf  von  Guinea,  an
stin  Westküste  Afrikas,  mit  Völlig  unbe-'"mmtem
  Areal.  Deutsches  Konsulat.  Der

Handel  wird  durch  die  auf  den  Einfubrwaren
  lastenden  Zölle  erschwert  und  richtet
sich  daher  zum  großen  Teil  nach  der  70
Seemeilen  entfernten  fpànischenBeşihnng
        <pb n="212" />
        204

Galatz  —
Eloby.  Es  verkehren  hier  die  Dampfer  der
African  Steam  Navigation  Co.,  British
and  African  Steam  Navigation  Co.  und
der  West  African  Steam  Navigation  Co.
1878  liefe,l  ein:  92  Schiffe  (17  deutsche),
I"'79:  28  deutsche  Schiffe  (21  Dampfer).
Die  Einfuhr,  fast  nur  deutsch  (durch  das
Hamburger  Haus  Wörmann),  besteht  in
Spirituosen,  Pulver,  Gewehren,  Planken, ­
  Eisen-  und  Kurzwaren,  Salz  u.  a.,
bic  Mußf#  (1878:  1,381,640  Bis.)  in
Rotholz,  Ebenholz,  Kautschuk  und  Elfenbein. ­
  Rotholz  geht  fast  ausschließlich  nach
Amerika,  das  übrige  nach  Europa.  Der
Handel  ist  noch  immer  Tauschhandel,  obschon ­
  im  französischen  Kontor  spanische
u.  merikanische  Silberpiaster  umlaufen.—
Platzgebrauche.  Man  rechnet  nach
Hunderten:  100  Pfund  (49  kg)  Elfenbein,
100  Blöcke  Rotholz,  100  Klötze  Ebenholz.
Galatz,  Hafenstadt  in  Rumänien,  an
der  Donau,  durch  Eisenbahn  mit  Czernowitz,
  Bukarest  und  Bender  verbunden;
Station  derDampferlinien:  Donandampfschisfahrtsgesellschaft,
  Österreichisch-Ungarischer ­
  Lloyd,  Nederlandsche  Stooinboot
Maatschappij,  Carnegie-Linie  (London),
Messageries  maritimes,  Westcotts-Linie
(Antwerpen);  80,000  Einw.  Deutsches  Bernfskonsnlat(Amtsbezirk:
  dieDistriktcvon
Covurlui,  Braila,  Tecutsch  und  Putna);
Sitz  der  europäischen  Donauschiffahrtö-Regulierungskommission(Österreich,Ruß
 ­
  Rumänien);  Bank  v.  Rumänien.  —
G.  ist  Freihafen  und  Hauptstapelplatz
für  den  Export  der  Bodenprodukte  der
Moldau  (besondersNutzholz)  unddcn  Import ­
  aller  Jndustrieerzeugnisse.  Es  liefen
im  Schiffsverkehr  1879
ein:  4939  Schiffe  von  536534  Tonnen,
aus:  4800  -  -  524559  -
darunter  7  deutsche  Schisse  (6  Dampfer)
von  5259  Ton.  An  der  Wareneinfuhr
beteiligte  sich  1878  in  erster  Linie  England ­
  mit  18,4  Mill.  Mk.,  dann  folgen:
Österreich-Ungarn  8,5  Mill.,  Frankreich
8  Mill.,  Türkei  2.4  Mill.,  Deutschland
2  Mill.  Mk.  Ausgeführt  wurden  1879:
Getreide  3  Mill,  hl  (Mais  allein  2  Mill.),
Mehl  3,270,885  kg,  ferner  Hölzer,  Käse,
Vieh  3c.  —  Platzgebräuche.  Man  verkauft ­
  Getreide  für  das  Kilogramm  —  4,35

Gambia.
hl,  Wolle  für  die  Okka  —  1,3  kg,  beides
in  Piastern  (20  Pfennig);  Getreidepreise
für  England  auch  in  Schillingen.  Getreideverkäufe ­
  gegen  bar,  Einfuhrgeschäfte
auf  Kredit.  Wechselkurse  notiert  man
3  Monate  dato  auf:  Amsterdam,  Belgien,
Berlin,  Frankfurt  a.  M.,  Jtalieil  (zahlbar ­
  in  Marseille),  Leipzig,  London,  Liverpool, ­
  Marseille,  Paris,  Lyoil,  Triest,
Wien,  Bukarest,  Konstantinopel,  Odessa.
Gallipoli,  1)  Seestadt  in  der  ital.
Provinz  Lecce,  am  Meerbusen  von  Tarent, ­
  Station  der  Dampfer  der  Società
Florio  (Palermo);  (mi)  9951  Einw.
Deutsches  Vicekonsular.  Hanpthafen  am
Mittelmeer  für  Baumöl.  —  2)  Hauptstadt
eines  Liwas  im  türk.  Wilajct  Adrianopel,
am  Ausgang  der  Dardanellenstraße  in  daö
Marmarameer,  Station  der  Dampfer  des
Österreichisch-Ungarischen  Lloyd;  20,000
Einw.  (Türken,  Griechen,  Armenier,
Juden).  In  der:  Bazaren  von  G.  verkehren ­
  Kaufleute  aller  Nationen.  Zum  Handelsgericht ­
  werden  zweiDelegiertcder  fremden ­
  Konsuln  herbeigezogen,  wenn  es  sich
um  eine  Streitigkeit  mit  einem  fremden
Unterthan  handelt.  Wechsel  sind  nicht
im  Umlauf,  Einkäufe  nur  gegen  bar.
Galveston,  wichtigste  Seestadt  des
nordamerikan.  Staats  Texas,  am  Eingang ­
  in  die  Bai  von  G.  und  der  Bahir
G.-Vinita;  (isso)  22,253  Einw.  Deutsches ­
  Konsulat;  First  national  Bank.  —
Die  Stadt  besitzt  Eisengießereien,  Schiffswerften, ­
  Maschinenbauanstalten  sowie
(1874)  209  Seeschiffe  (darunter  24  Dampfer) ­
  mit  8679  Ton.  Wert  der  Einfuhr
1879:  4,5  Mill.  Mk.  (davon  Kaffee  2,3
Mill.),  dcrAuöfuhr71,4Mill.Mk.  (davon
Baumwolle  70,4  Mill.).  Aus  Deutschland ­
  kam  für  15,758  Mk.  Ware,  dorthin
gingen  24,408  Ballen  Baumwolle  (4,85
Mill.  Mk.).  Es  liefen  1879  ein:  21  deutsche ­
  Schiffe,  aus:  16.
Gambia,  der  südlichere  der  beiden
Hauptströme  Senegambiens.  Unterhalb
Barraconda,  wo  er  das  Gebirgsland  mit
Stromschnellen  verläßt,  bei  Fnttatenda,
ist  er  selbst  in  der  trocknen  Jahreszeit  100
m  breit  bei  4—6  m  Tiefe,  während  er  in
der  Regenperiode  einen  12—16  m  höbcrn
Stand  erreicht.  Noch  tiefer  ist  derG.zwischen
        <pb n="213" />
        Gambia  —  Genf.

feutcv  Mündung  und  dein  370  km  aufwärts ­
  gelegenen  Handelsort  Pisania.  Die
Flut  reicht  bis  Barraconda  ;  bis  dahin  gehen
mittelgroße  Fahrzeuge  in  der  Regenzeit.
Gambia,  brii.  Besitzung  zu  beiden
SÄÄÄÎ
146,000  Ion.
^79  in  (&amp;amp;ÌH=Mimte
  595,010,  m  Ausgabe  413,480  Mk.
Gamlakarlcby,  Hafenstadt  im  rnss.
@o,mm,ement  minnianb);  (1875)
'1870  şş'"w.  .  Deutsche  Konsnlaragcntnr.
1^9  liefe»  em:  108  Griffe  bon  52,330
^sss
goMßcB,  f.  DfHnbiet,  (@.  378).
Gardasee,  großer  Gebirgssee  in  Oberta
  ,en,  zwlschen  Lombardei  und  Vencticn,
Mt  seinem  äußersten  Nordende  aber  zu
wîf  kt"  ^"9,  4-18  Ai
lett,  ca.  350  qkm  groß.  Dampfboote  be-Whrcn
  den  See  täglich  in  den  Richtungen
3uva-Peschiera  und  Riva-Desenzano.
Garonne,  bedeutendster  Fluß  des  südwestlichen ­
  Frankreich.  650  km  lang,  trägt
nach  Aufnahme  der  Dordogne,  von  wo
%c  (giron  be  bie  mif  ber
Dordogne  btö  Libourne  hinaufgehen.  Ein
Seitenkanal  begleitet  die  G.  von  Langon
cuis  ihrem  linken  Ufer,  der  Catial  du  Aiidi
verbindet  sie  mit  dem  Mittelmeer.
Geestemünde,  Hafenort  mit  Stadtechten
  in  der  preuß.  Landdrostei  Stade
an  der  Mündung  der  Geeste  in  die  Wese/
Endpunkt  der  Bahnlinie  Hannovcr-Bre-Men-,G.;
  ci88o)  4071  Einw.  Konsulat  für
felgten;  Handelskammer;  Gccstcmünder
^ank.  —  ch,  gefitzt  einen  Hafen  außerhalb
ves  deutschen  Zollgebiets,  Vorhafen  imb
ÿstfen  für  Petrolcumschisfe.  Ende  1880
Werten  zum  Hafen  54  Seeschiffe  voil
,0,/92Doti.  Es  liefen  1879  ein:  652  See-%fle
  bon  251,482  I.,  W:  774€^^iffc
253,602  I.  1878  wr:

205

Einfuhr  Ausfuhr
5081302  021589  Ctr
673000  920000

Seeverkehr  .
Flußverkehr.  „ mvw
Otr.,  von  Baltimore  511,763  Ctr.),  nächstem ­
  ^ott  Jinfflanb  (Roggen),  über  das
Hauptzollamt  gingen  per  Eisenbahn  voti,
#.,mç^ben,greiŞafenge5^ct@.^,.1BTemcr=.
  Geste,  Hauptstadt  des  Gefleborg-Läns
in  Schweden,  an  der  Mündung  des  Geflestronis
  m  den  Bottnischen  Meerbusen  und
den  Eisenbahnen  G.-Dala  und  G.-Upsala  ;
AAļÄLĶKìķ
®#tud)=,  nt,b%(nt,n:
Aubrkfuß  Bretter  und  Planken,  149,997
Genf  (Genève),  Hauptstadt  dcö  gleichnamigen ­
  schweizer.  Kantons,  am  Westende
  des  Genfer  Sees  und  am  Atlöflnß
des  Rhotle  ans  demselben,  Station  der
Schweizer  Westbahn  und  Paris-Lyon-Mtttclmecrbahn;
  (isso)  50,066  Einw
Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:  die  Kan-(Kapital.
  32,8  Mill.  Mk.),  Banguê  sederalc,
  Banque  de  Paris  et  desPays-BaS.—
Industrie.  Großartig  sind  die  Nbrma
cherei  und  Bijouterie,  die  selbst  in  Savopen
gg
10  Mill.  Mk.  Schmucktvaren  lieferten
"tutjet  Mt  i|t  der  Absatz  nach  Amnika
und  Frankreich  insolge  dir  dort  erhobenen
        <pb n="214" />
        206

Genfer  See
hohen  Steuern  ohne  Gewinn  geblieben;
die  Ausfuhr  von  Goldwaren  (mit  Ausnahme ­
  der  Genfer  Ketten)  hat  fast  ganz
aufgehört,  und  die  nach  Rußland  und  den
Donaufürstentümern  geschickten  Uhren
bringen  keinen  Gewinn.  Dazu  hat  Frankreich'die ­
  Stadt  durch  den  Ban  von  Eisenbahnen ­
  immer  mehr  isoliert  und  dieselbe
fast  auf  den  Fremdenverkehr  beschränkt.
Der  13.  Aug.  1873  verstorbene  Herzog
von  Braunschweig  hinterließ  der  Stadt
sein  ganzes  Vermögen;  der  Staat  G.  erhielt ­
  davon  Erbschaftssteuer  1,9  Mill.
Mk.,  so  daß  die  Stadt  16  Mill.  Mk.  behielt. ­
  Über  G.  geht  der  schweizerische  Handel ­
  mit  Lyon,  Marseille,  Spanien  und
Algerien  und  bis  zur  Eröffnung  der  Gotthardbahn ­
  auch  mit  ben  östlichen  Mittelmeerländern ­
  und  dem  Orient.  —  Wechselkurse ­
  notiert  man  auf  Sicht  nttb  90
Tage  dato  auf:  Amsterdam,  belgische
Bankplätze,  Augsburg  und  München,
Berlin  und  andre  preußische  Plätze,  Dresden ­
  und  Leipzig,  Frankfurt  a.  M.,  Hamburg, ­
  Wien,  Paris,  Lyon,  Marseille
und  andre  französische  Plätze,  Florenz,
Genua,  Livorno,  Mailand,  Neapel,  Palermo, ­
  Nom,  Turin,  Venedig  (auf  italienische ­
  Plätze  in  Gold);  auf  London:  auf
Sicht,  3  Tage  nach  Sicht,  30  und  90  Tage
dato;  auf  Schweizer  Bankplätze:  auf  Sicht.
Genfer  See  (Lac  de  Genève,  Lac
Léman),  der  größte  See  der  Schweiz,  90
km  lang,  15  km  breit  (zwischen  Evian
und  St.'  Snlpice),  578  qkm  groß,  375  m
ü.M.  gelegen,  mit  einer  größten  Tiefe  von
309  in  (int  westlichen  Kleinen  See  aber
nur  75  m).  Er  bildet  für  die  drei  Kantone ­
  Genf,  Waadt  und  Wallis  und  für  Savoyen ­
  die  große  Straße,  welche  den  Warenaustausch' ­
  unter  ihnen  vermittelt;  er  wird
daher  schon  seit  langer  Zeit  von  größer«
Frachtschiffen  und  zahlreichen  Kähnen  und
Fischerbarken  befahren.  Die  Dampfschiffsahrt
  wurde  hier  zuerst  von  allen  Schweizer-Seen
  1823  eröffnet;  jetzt  befährt  denG.S.
die  Contpagnie  générale  de  Navigation
sur  le  Lac  Léman  à  Lausanne  mit  13
Raddampfern  (davon  1  Salondampfer,
2  Galleriedampfer,  3  Halbsalondampfer,
1  Remorqueur)  von  885  Pferdekräfteir
und  Ratlnl  für  8750  Personeit.  Diese

—  Genua.
Dampfer  wurden,  mit  Ausnahme  der
ersten  atts  Loitdon  bezogenen,  sämtlich  voit
Escher.  Wysp  u.  Komp,  in  Zürich  erbaut.
Das  Norduser  begleitet  die  Eisenbahn  von
Genf  über  Versoir,  Coppet,  Nyon,  Rolle,
Morges,  Lausanne,  Lutry,  Ctilly,  Vevey,
Montreur  nach  Villeneuve,  wo  sie  nach
St.  Mattrice  ant  Rhone  abgeht  und  sich
mit  der  von  Bouveret  über  Montsey  kommettden
  Liitie  vereinigt.
Gent  (Gand),  Hauptstadt  der  belg.
Proviitz  Ostflandern,  ant  Zttsamntettsluß
der  Schelde  und  Ley  (Lys)  und  an  schiffbaren ­
  Kanälen  (zur  Schelde  mit  mehreren
Armen,  zur  Nordsee  durch  ben  Kanal  von
Terneuzen  seit  1827,  nach  Brügge);  Station ­
  der  Bahnlinien  G.-Anvers,G.-Bruges
und  der  Belgischen  Staatöbahn;  (i87s)
130,671  Einw.  Deutsches  Konsulat;  Handelskammer, ­
  Handelsgericht;  Börse,  freies
Eittrepot,  Banque  de  Flandre.  —  Durch
die  genannte  Kanalverbindung  genießt  G.
die  Vorteile  einer  Seestadt;  Dampfer  verkehren ­
  regelntäßig  zwischett  hier  und  London. ­
  Es  liefen  1877  ein:  499  Handelsfahrzeuge ­
  von  157,871  Ton.  —  Sehr  bedeutend ­
  ist  die  Indu  st  r  i  e,  nanteittlich  die
Baumwollspinnerei  (29  Etablissements
mit  480,000  Spindeln  und  4800  Arbeitern, ­
  davon  eine  mit  10,000,  fünfzehn
attdre  mit  10,000  und  tnehr  Spittdeln),
die  Flachsspinnerei  (zwei  mit  51,000  und
44,000  Spindeln.  jede  mit  2000  Arbeitern), ­
  Leiitwand-  und  Segcltuchwebcrci,
Ölfabriken,  Zuckerfabriken  (Verbrauch
1877  ca.  62  Mill,  kg  Rüben)  und  starker
Handel  mit  Häuten  und  Fellen,  Kaninchen- ­
  und  Hasenhaaren,  Holz,  Korn,
Rüböl,  Flachs  rc.  —  Geld  und  Kurse  rc.
wie  in  Antwerpen.  M  a  ß  e  und  G  e  w  i  ch  t  e.
Gebräuchlich  sind  noch  für  ttngebleichte
Leinwand  die  Elle  (Autte)  =  0,765  in,
für  Flachs  der  Stein  (pierre)  von  6
Psd.  sowie  auch  die  PreiSstellung  in
Stübern  brabantisch.  P  l  a  tz  g  e  b  r  ä  tt  ch  e.
Verkauf  voit  Kartoffeln  für  100  kg,  Leinsaat ­
  nach  der  Tonne  von  HA  hl,  Salzfleisch ­
  nach  der  Tonne  von  120  kg  an.
Genua  (Genova),  Hauptstadt  der
gleichnamigen  ital.  Provinz,  am  Meerbusen ­
  von  G.  und  den  Bahnlinien  G.-Alessandria
  und  Nizza-Livorno;  Station
        <pb n="215" />
        Georgetown  -  Gesellschaftsinseln.

der  Dampferlinien:  Slaman  u.  Sto',  und
•H.  ©loman  jun.  (Hamburg),  Nederlandsche
  Stoomboot  Maatschappij,  Cunard-,
Lettland-  und  Westcotts-Linie,  Valéry
Frères  et  Fils,  Royal  Mail  Steam  Packet
Ño.  und  der  hier  domizilierten  Società
Rubattiuo,  Rocco  Piaggio  e  Figli,  Penano,
Danovaro  e  Co.,  Lavarello  e  Co.,  Fraismot;
  Wo)  180,625  Gimo.  S)c,#c9
Generalkonsulat  (Amtsbezirk:  die  Küste
üon  ®.  bi*  giir  @mue,  im
bea  Soube*  mffnubna);
delSkammer,  Handelsgericht;  Börse,  Generalentrepot;
  Banca  nazionale.  —  Im
Hafen  verkehrten  1879:
internationale  Fahrt  Kiistcnfahrt
Schiffe  Tonnen  Schiffe  Tonnen
2467  1  554440  3315  1  382160
Deutsche  Schiffe  liefen  1879  ein:  69  (45
SWter)  von  51,616  T.  1879  wertete
ffiiSft
8000)Personen  aus.—Pl  atzgebräu  ch  e.
Man  verkauft  Mandeln  für  50  kg  brutto,
kei  m@ce_Rrcb^tfnfWOZa^e,  ^3-6
-Nouate.  Diskont  bei  Barzahlungen  für
40  Tage  Kredit  1  Pro;.,  für  längere  Zeit
monatlich  V-Proz.  Wechselkurse  notiert ­
  man  auf  Sicht  und  3  Monate  dato
auf:  Amsterdam  Augsburg.  Barceloiia,
Belgien,  Berlin,  Frankfurt  a.M.,  Fränkisch, ­
  Hamburg,  Italien,  Lissabon,  London,
Madrid,  Schweiz,  Wien.
Georgetown  (spr.  dschordschtaun,  auch
«  e  n,  erar  a),  I.)  Hauptstadt  von  Britisch-Gttñyñna
  (s.  d.).  mit  vortrefflichem  befewgteil
  Hafen;  Station  für  die  Dampfer
der  9ioyal  Mail  Steam  Packet  ño.,  Ham-^urg-Südainerik.
  Gesellschaft,  Compagnie
generale  transatlantique,  Red  Ball-Li-(wo
  36,562  Gimo.  (5000  %BciRc).
Deutsches  Konsulat;  British  Guayana
"'àuk.  —  2)  s.  Pinang.
Gera,  Industriestadt  int  Fürstentum
jüngere  Linie,  an  der  Weißen  Elx
  &amp;gt;  Knotenpunkt  von  fünf  Eiseilbah-207



0^001100.12,000  geinŗ^ì„^cl„  für
kammerel  und  -Spinnerei  und  14Kamm-WühmMufobnreii
  mit  3000  ^„b;  nnb
2800  mechanischen  Stühlen  sowie  Banmwollfabriken
  mit  2000  Stühlen),  eine
Aķkordion-  und  Harnionikafabrik
(die  1880  mit  1200  Arbeitern  12,000  Btelodeons
  und  Melophous,  32,000  Akkordeons ­
  uiid  30,000  Dich.  Mundharmoniken
anfertigte,  die  nach  allen  Weltgegendcu,  uamentlich
  Nordamerika,  den  La  Plata-Staaten,
  Südaustralicn,  Indien  re.,  gehen),
ferner  Lohleder-,  Tabak-,  Maschinenfabriken, ­
  re.  Der  Nmschlag  des  Speditionsgeschäfts ­
  bezifferte  sich  1879  an  Eingangsrnitem
  auf  11  mMlí.kg,  mt  Siugģaugg:
œaatæ
V^j2,  i00  Ctr.,  während  von  beiden
95,800  Ctr.  durchgingen.  Farbwaren
wurden  18/9  eingeführt:  Aniline  11,600
kg^íau^lg  604,600,  @^01,1^11  57,225,
Indigo  und  Präparate  davon  87,825
Schwefelsäure  84,500kg.  —  Der  Woll-Utes
  en.  Die  Reichsbankstelle  hatte  I860
".nt  den  Nebenstellen  Greiz,  Zeitz,  Pößneck
ciuenGesamtunisatzvonl36,687,700Mk
bestehen  hier:  die  Gcraer  Bank  (Kapital:
6,600,000  Mk.),  Gewerbebank  zu  Gera
(eingetragene  Genossenschaft),  GemeinnützigerBauverein,Handels-ll.Kreditbank.

Gesellschoftöinskln,  austral.  Inselgruppe ­
  zwischen  16—18°  fübï.  Br.  und
207—212°  vstl.  L.  v.Gr.,  umfaßt  14  Inseln, ­
  die  durch  eine  breite  Meercsstraßc  in
zwei  Abteilungen  geschieden  sind:  die  sechs
eigentlichen  G.  (Inseln  unter  dem
Wind)  und  die  fünf  T  a  h  i  t  i-J  n  s  e  l  n  (Inseln ­
  über  dem  Wind).  Zu  den  letztcru  gehören ­
  Tahiti  (s.d.),  Moörea  u.a.,  zu  den  andern ­
  Huahine,  Rajatca  re.  Produkte  sind  -
Kokosnüsse,  Zuckerrohr,  Baumwolle,  Kaffee, ­
  Eisen,  Schwefel,  Salz.  Das  Gesamtareal
  wird  auf  1650gkm  (30QM.)  berechnet, ­
  die  Bevölkerung  auf  27,000  Seelen
        <pb n="216" />
        208

Gibraltar  —  Gladbach.

Gibraltar,  brii.  Stadt  und  Festung
in  der  span.  Provinz  Andalusien,  au  der
Meerenge  gleichere  Namens,  eine  reine
Militärkolonie  mit  einem  Areal  von
5  qkm  und  (1878)  18,014  Einw.  (dazu
7707  Soldaten).  Deutsches  Konsulat.
—  G.  ist  Freihafen  rrnd  wichtig  durch  seinen ­
  Transitverkehr,  der  aber  abgenommen ­
  hat,  seitdem  direkte  Dampferverbindungen
  zwischen  England  uird  Spanien
urrd  der  marokkanischen  Küste  bestehen.
Jetzt  ist  das  einzige  bedeutende  Geschäft
das  Kohlengeschäft.  Es  passieren  hier
die  Dampfer  der  Peninsular  and  Oriental ­
  Co.,  der  Dampfschifsreedcrei  zu  Hamburg, ­
  der  Stoomboot  Maatschappij,  Commercial ­
  Steamship  Co.  bon  Holland  nach
Java,  alle  durch  den  Suezkanal  nach  Ostasien; ­
  dann  die  Dampfer  der  Messageries ­
  maritimes  und  der  Compagnia  di
Navigazione  Italo-Platense  nach  Südamerika.
  1879  liefen  ein:  5613  Schisse
von  2,975,039  Ton.,  aus  :  5723  Schisse  von
2,994,052  T.  Von  den  hier  verkehrenden
11,336  Schissen  von  5,969,091  T.  waren
6754  von  4,793,624  T.  englische,  nur  123
von  58,128  T.  deutsche.  Auf  die  7992
Dampfer  fielen  von  dem  Gesamtgehaltvon
5,969,901  T.  nicht  weniger  als  5,427,524
T.  G.  wird  voit  dem  großen  cnglisch-ostindischenKabel
  berührt.  —  1878betrug  die
Kolonialeinnahme  und  -Ausgabe  860,000
Mk.  —  Geld.  Man  rechnet  nach  Dollars ­
  oder  CobS.  HauptzahluugSmittel  im
größern  Verkehr  sind  die  spanischen  goldiien
  Onzas  oder  Dublonen  zum  Preis  von
16  Doll.  Der  Dollar  —  4  Mk.  12.»  Pf.
Die  französischen  Fünffrankstücke  sind  für
Geldsendungen  ilach  der  Berberei  gesucht.
Wechselkurse  notiert  mail  auf  London
90,  30  und  8  Tage  itach  Sicht;  auf  Paris
90  und  8  Tage  nach  Sicht;  auf  Genua
90  Tage  nach  Sicht.  Wechselrecht  ist
das  englische;  enthält  der  Wechsel  das
Wort  »fir«,  so  gelten  die  drei  Respekttage
nicht.  Maße  und  Gewichte  sind  meist
die  englischen,  für  Getreide  imb  Öl  aber
die  alten  spanisch-kastilischcn.
Gijon  tspr.  chichón),  Haupt-,  Hafen-  und
Handelsstadt  in  der  span.  Provinz  Oviedo
(Asturien),  mit  Eisenbahir  zu  den  Steinkohlengruben
  bei  Langreo;  (i8?7)  30,591

Einw.  Deutsches  Konsulat.  Eingeführt
wurden  1880  (in  Millionen  Kilogramm)  :

Mais  ....  I6,o
Steine  u.  Erden  2,8
Eisenschienen  .  1,v«

Bohlen  ....  0,89
Teer  u.  Bitumen  0,77
Stnngcneisen  .  .  0,51

ferner  Branntwein  (13,328  hl),  Alkalien,
Salpeter,  Eisenwaren  (663,465  kg),  Maschinen ­
  ic.;  ausgeführt  wurden:  Haselnüsse ­
  (1,2  Mill,  kg),  Kastanien,  Quecksilber, ­
  Gagat.  1880  liefen:  128  Schisse
(3  deutsche)  ein,  52  (1  deutsches)  aus.
Gilbertinseln,  s.  Mikronesien.
Girgrh  (s^r.  dschirdscheh),  Hanptort  der
gleichnamigen  Provinz  in  Unterägypten,
am  Nil;  ca.  10,000  Einw.  Deutsche  Konsularagelltur,
  ressortiert  von  Kairo.
Girgenti  (spr.  dschirdschmnti),  Hauptstadt
der  gleichnainigen  ital.  Provinz  auf  der
Insel  Sicilien,  au  der  BahnPalermo-G.  ;
(1878)  21,898  Einw.  Deutsches  Vicekonsulat
(Amtsbezirk  :  die  Küste  von  G.  bis  Sciaeca);
Handelskammer;  Banca  nazionale.
Giurgewo,  Stadt  in  Rumänien,  an
der  Donau  und  der  Bahn  Galatz-Bukarest-Warna, ­
  Station  der  Donau-Dampfschifsahrtsgcsellschaft;
  (1878)  20,866  Einw.
Deutsches  Vicekonsulat.  —  Wichtiger  Hafenplatz ­
  (1880:  Einfuhr  20,5  Mill.  Mk.,
Ausfuhr  6,4  Mill.  Mk.).  Wichtigste  Ausfuhrartikel: ­
  Weizen  (52,9  Mill,  kg),  Mais
(ll,6Mill.),  Salz  nach  Bulgarien  u.  Serbim(6,8^^U.),®er9e(3,9aM^n.kg).

fuhrartikel  :  Baumwoll-  und  andre  Manufakturwaren, ­
  Eisenwaren,  Zucker,  Tabak,
Steinkohle  (11,48  Mill,  kg  aus  Ungarn,
11,5Mill,  kg  aus  England),  Papier,  Bauholz, ­
  Wein.  G.  ist  Haupthafen  für  die  Warenausfuhr ­
  ans  Mitteleuropa  nach  Rumänien ­
  und  besonders  für  die  Hauptstadt.  An
dem  Gesamtumsatz  partizipiert  Österreich-Ungarn
  mit  etwa  der  Hälfte,  nächstdcm
kommt  England,  dann  Frankreich,Deutschland. ­
  1880  verkehrten  hier  1057  Schisse
(511  österr.-ungarische,  341  griechische,
82  türkische,  71  rumänische,  27  englische).
Gladbach  (Mönchen-G.»gewöhnlich
M'Gladbach  geschrieben),  wichtiger  Fabrikort ­
  im  preuß.  Regierungsbezirk  Düs
seldorf,  Knotenpunkt  der  Bergisch-Märkischen ­
  Eisenbahn  (Aachen  -  G.-Düsseldorf, ­
  G.-Odenkirchen  und  G.-Ruhrort);
(1880)  37,382  Einw.  Handelskammer,
        <pb n="217" />
        Glasgow.

Handels-  und  Gewerbegericht.  —  G.  ist  ein
Hauptsitz  der  rheinischen  BaumwolllNdustrie
  (25  Spinnereien  mit  206,500
Feinspindeln,  34  mechanische  Webereien
mit  4420  Stühlen,  26  Färbereien,  Appreturanstalt); ­
  ferner  Eisengießereien,  Maf
  ^ftwesen.  Die  Neichsbanknebenstelle
Ue  1879  elnen  Umsatz  von  15,534,400
Ä'ÄÄ»
s'cherungsgesellschaft  Lloyd  und  die  Rheimsch-Westfätische
  Nückversichcruugögcsell-Ichast
  die  bedeutendsten.  Ferner  bestehen
wer:GladbacherBankvon  Quack  n.Komp.,
Glad  bâcher  Gcwerbebank  (eingetragene
Genossenschaft).
(spr.  gln'ssgoh),  größte  und
Miaste  Handels  -  und  Fabrikstadt
Schottlands  und  zweitgrößte  unter  den
Städten  des  Vereinigten  Königreichs,  an
Gighe,  butds)  ben
Und  Clhdekanal  im  W.  mit  dem  Firth  of
ElYde,  dem  Nordkanal  und  dem  Irischen
Meer,  im  O.  niit  dem  Firth  of  Forth  verbunden ­
  und  Knotenpunkt  für  neun  verschiedene, ­
  nach  allen  Richtungen  ausstrahlende ­
  Eisenbahnen;  (1879)  578,156  Einw.
Deutsches  Konsulat;  Bank  os  Scotland,
Commercial  Bank  of  Scotland,  Royal
Bank  of  Scotland,  Union  Bank  vf  Scotland. ­
  —DieFabr  i  kt  hätig  ke  it  ist  außerordentlich ­
  groß,  so  daß  G.  jeßt  den  größten
Fabrikstädten  Englands  ebenbürtig  zur
Seite  steht.  1872  arbeiteten  3121  Fabriken
und  gewerbliche  Anstalteil  mit  Dampfmaschinen ­
  von  33,186  Pferdekrafteil  und
beschäftigten  114,864  Arbeiter;  davon:
Textilindustrie  .  .  .  22172  Menschen
Maschinenbau  .  .  .  13857  -
Schiffbau  13031
Den  ersten  Rang  nehmen  die  Baumwollspinnereien ­
  und  -Webereien  ein,
welche  15,896  Arbeiter  beschäftigten;  in
ben  Wollwebereien  waren  6176  Arbeiter
U)ätig;  daran  schließen  sich  die  Worsted-,
-.Ulte-  und  Seidenfabrikcn.  Für  1872
wurden  angegeben:  1,800,000  Spindeln,
Dampfwebstühle,  40,000  Handstühle.
Handelsgeographie.

209

pais
Andern  ausgeführt;  mehrere  der  Kriegsschiffe ­
  der  deutschen  Marine  wurden  hier
erbaut.  Die  bedeutendsten  Firmen  sind
die  von  Rapier  und  die  voil  John  Elder
u.  Komp.  Erbaut  wurden:

Schiffe

1877  1878  1879  Tonne»

135204

(i  73(1

15531

15973

170

173438

Kriegsschiffe.  .  .  2  io
Schraubendainpfer  104  129
Raddampfer  .  .  10  20
Eiserne  Segelschiffe  57  49
Kleinere  Schiffe  .  30  48
Zusammen:  203  |  256
Jur  letzten  Jahr  (1879)  wurden  für
das  Ausland  gebaut  42  Schiffe,  davon  8
fur  Deutschland  allein.  Diese  Thätigkeit
stutzt  sich  namentlich  auf  die  nahen,  sehr
reichen  Kohlen-  und  Eisengrnben.  In
den  1880  in  Betrieb  stehenden  124  Hohofen ­
  wurden  1,049,000  Ton.  Roheisen
hergestellt,  von  denen  die  hiesigen  Gießereien ­
  und  Walzwerke  384,000  T.  konsumierten. ­
  Das  Gesamtgewicht  des  verschifften ­
  Eisens  belief  sich  auf  641,048  T.
Dabei  werden  noch  große  Mengen  voir
Middlesborough  und  Cumberland  zngef%t(1880:
  335,000%.).  ferner  finb
zu  erwähnen:  die  chemischen  Fabriken
(St.  Rollor),  Glashütten,  Zuckerrafsinerien
  und  Töpfereien.
Der  Handel  der  Stadt  stützt  sich  namentlich ­
  auf  die  Ausfuhr  der  genannten
Fabrikate,  von  Eisen  und  Kohle  und  auf
die  Einfuhr  namentlich  von  Weizen,  Tabak ­
  und  andern  Rohprodukten.  Den  Wert
schätzte  man  1879  in:
Einfuhr  .  .  .  224100340  Mark
Ausfuhr  .  .  .  178  611120  -
Bei  der  Ausfuhr  sind  nur  britische  Produkte ­
  berechnet.  Außer  den  Tertilstossen
nehmen  Kohle  und  Eisen  im  Handel  eine
hervorragende  Stelle  ein.  Die  Ausfuhr

Davon  gingen  nach  Deutschland'  1878'
14
        <pb n="218" />
        210

Glauchau  —  Goldküste.

4030  So»,  uiib  1879:57751.  9#e&amp;amp;u  bie
Hälfte  dieses  Exports  geht  nach  britischen
Besitzungen,  dann  nach  Frankreich,  Italici:, ­
  Brasilien,  Rußland,  Spanien.  Wie
ersichtlich,  ist  diese  Ausfuhr  aber  im  Rückgang. ­
  Dasselbe  fand  im  Noheisenhandel
statt,  bis  die  gesteigerte  Nachfrage  auö
Amerika  und  größere  Inanspruchnahme
der  Schiffswerften  dasGeschäft  Ende  1879
belebteil.  Der  Export  nach  dem  Ausland
betrug  1877:  295,090  Ton.  und  1878:
249,900  T.  Hier  steht  Deutschland  als
Hauptabnehmer  obenan  (1877:  69,470
T.,  1878:  63,135  T.);  es  folgen  die
Niederlande,  Vereinigten  Staaten,  Frankreich,
  Italien,  Rußland,  Belgien.
Die  Schiffahrt  litt  früher  unter  der
geringen  Tiefe  des  Clyde,  weshalb  Port
G.  27  Ion  unterhalb  der  Stadt  gegründet ­
  wurde;  jetzt  fönneu  Schisse  voir  5  m
Tiefgang  am  Kai  in  G.  anlegen.  Es
liefen  mit  Einschluß  der  Küstenfahrer  ein  :

Fahrzeuge

Segelschiffe.
Dampfschiffe
Zusammen:

1878
Schiffe  I  Tonnen

2727
13210

457290
2154733

1879
Schiffe  I  Tonnen

2213
14052

393081
2280870

10205  2  080557

15937  ¡2012023
Von  deutschen  Schiffen  frequentierten
1878:  84,  1879  nur  69  die  Clydehäfen,
darunter  die  vorher  erwähnten  neu  erbauten ­
  8  Dampfschiffe.  Die  Reederei
der  Stadt  zählte  1879:  1175  Seeschiffe
von  760,913  Ton.  Gehalt.  —  Platzgebräuche. ­
  Getreide  und  Hülsenfrüchte
verkauft  man  nach  dem  Voll  (%  Quarter) ­
  und  dem  Barrel  (für  Weizen  15
Stones  zu  16  Pfd.,  Gerste  20,  Hafer  und
Bohnen  16Va,  Erbsen  17  Va  Stones),
Weizenmehl  nach  den:  Barrel,  Ton  oder
@act  (196  ,  2240,  280  #b.),  für
das  Ton  und  gegen  bar.
Glauchau,  Fabrikstadt  im  Königreich
Sachsen  (nächstChemnitz  die  bedeutendste),
an  der  Zwickaner  Mulde  und  der  Dresden-Hofer ­
  Staatsbahn;  (isso)  21,363
Einw.  Hauptsteueramt;  Filiale  der  Sächsischen ­
  Bank  zu  Dresden,  Spar-  und
Kreditbank  (eingetragene  Genossenschaft).
Besonders  wichtig  ist  die  Fabrikation  von
wollenen  und  halbwollenen  Damenkleiderstoffett ­

  (Nouveautees)  »üb  Tüchern;  in
und  außerhalb  derStadt  (selbst  in  Bayern)
arbeiten  für  G.  12,000  Stühle,  jährlich
werden  für  36—45  Mill.  Mk.  Waren
ausgeführt.  Daneben  ausgezeichnete  Färbereien, ­
  Appreturanstalten,  Druckereien  rc.
Gleiwitz,  Fabrikstadt  im  preuß.  Regierungsbezirk ­
  Oppeln,  an  der  Oberschlesischcn
Eisenbahn;  (isso)  14,879  Einw.  Reichsbankstelle ­
  (1880:  Gesamtumsatz  298,4
Mill.  Mk.),  Filiale  der  Breslauer  Wcchslerbank.
  G.  ist  Mittelpunkt  des  kommerziellen ­
  Verkehrs  der  Bergwerks-  und  Hüttendistrikte ­
  Oberschlesiens;  das  königliche
Hüttenwerk  Gleiwitzer  Hütte  beschäftigt
ca.  800  Arbeiter;  außerdem  Maschineiibau,
  Eisengießerei,  Mühlenwcrke  u.  a.
Gloucester  (fpr.  glosst'r),  Hauptstadt  der
gleichnamigen  engl.  Grafschaft,  am  Severn ­
  und  der  Great  Western-Eisenbahn;
(1871)  18,341  Einw.  Deutsches  Vicekonsulat;N'atioiialPrvvincialBankosEngland.

Ende  1873  besaß  G.  225  Seeschiffe  von
9847Ton.  Eingeführt  wnrden1879  Waren
im  Wert  von  51,568,300  Mk.,  ausgeführt
(britische  Produkte)  für  1,314,180  Mk.
1879  gingen  56  deutsche  Schiffe  von  18,965
Ton.  ein  (ineist  mit  Bauholz)  und  64  aus
(meist  mit  Salz).
Goa,  portug.  Gouvernement  an  der
Westküste  Vorderindiens,  besteht  auö  den
beiden  Provinzen  Salsette  uiid  Bardes
nebst  sechs  Inseln  und  umfaßt  3748  qkm
(68,00  QM.)  mit  (1877)  444,987  Einw.,
wovon  zwei  Drittel  dem  Namen  nach
Römisch-Katholische.  Produkte  sind  hauptsächlich ­
  :  Reis,  Baumwolle,  Getreide,  Salz;
aus  Palmensaft  wird  Arrak  bereitet,  auch
Baumwollweberei  wird  betrieben.  Hauptstadt ­
  des  Gouvernements  sowie  aller  portugiesischen ­
  Besitzungen  inJndien  ist  N  e  u  -
G.  mit  10,000  Einw.  —  Münzen,  Maße
und  Gewichte  wie  in  Portugal.
Golvküstc,  eiigl.  Kolonie  in  Westafrika, ­
  am  Busen  von  Guinea,  38,850
qkm  (705  OM.)  und  (1871)  4M,000  Einw.,
mit  der  Hauptstadt  Cape  Coast  Castle.
Die  Handelsprodukte  bestehen  in  Palmöl
und  Goldstaub.  1879  wertete  die  Einfuhr
9,506,600,  die  Ausfuhr  nach  Englaiid
9,240,520  Mk.  Kolonialeinnahmc  1878:
2,101,820,  Ausgabe  1,368,200  Mk.
        <pb n="219" />
        Goletta  —  Gokenburg.

Goletta,  wichtigster  Hafen  von  Tunis
(s.  £&amp;gt;.),  an  der  schmalen  Meerenge,  welche  die
Laguna  Bahira  mit  dein  Golf  von  Tunis
verbindet;  ca.  1500  Einw.  DeutschesVicekonsulat;
  1879  liefen  683  Schiffe  (245
3:0"-  ci"  "»b  617
G(#K2423)am))fcr)uon  156,0021.  mt8.
e-a  ^"îves,  Hafenplatz  an  der  Westfufķ
  3000  @inm.
sches  Konsulat  und  mehrere  deutsche  Firmeu.
  1878  wertete  die  Einfuhr  1,618,500
à  -davon  aus  Europa  für  525,000
Bauholz,  Baumwollen,  a.)  3,628,300  Mk.
pö  Iteteli  1879  ein:  69Schiffe  (58deutsche
on  .369  Ton.),  aus:  85  Schiffe  (74
deutsche).  Von  den  in  deutschen  Schiffen
o"'  und  ausgeführten  Waren  betrug  der
Zoll  130,700,  resp.  856,562  Mk.
Ģoole  Gr.  guhl),  Hafenstadt  in  der  engl.
GrafschastYork,  10  km  oberhalb  derMün-28,305
  Ton.  Der  Gehalt  der  eingelaufenen ­
  Schiffe  war  347,446  T.,  der  Wert
derEmfuhr  66.088,620  Mk.,  der  Ausfuhr
54,343,180  Mk.  Die  Seefischerei  beschäftigte ­
  398  Schiffe  von  19,000  Ton.
Gone,  s.  Senegal.
Görlitz,  Stadt  im  preuß.  Regierungsbezirk
  Llegnitz,  an  der  Neiße,  wichtiger
Knotenpunkt  mehrerer  Eisenbahnen;
(1880)  50,306  Einw.  Handelskaiiiiner,
Hauptsteueramt.  —  Die  wichtigsten  Industriezweige ­
  find:  Tuch-,  Maschinen-,
Eisenbahnwaggonfabrikation  und  Eiseustießereien.
  Die  Tuche  (jährlich  60,000
Stück),  durch  Feinheit  ausgezeichnet,  und
die  Eisenbahnwagen  (jährlich  über  1500)
nndeil  selbst  nach  überseeischen  Ländern
Absatz.  —  Der  Eisenbahn  -  Güterverkehr
war  1879  (in  Kilogrammen)  auf  der
Eingegangen  Abgegangen
Riederschles.  -  Mark.  541223026  152613510
Merlin  -  Görliher.  .  03484200  160883500
r#  Sachsen  gingen  392,846,465  kg,
^her  kamen  171,282,670  kg  Güter.  Die
or!Î  beförderte  1879:  Briefsenduiigeu
°/5J7,948,  Briefe  und  Pakete  im  Wert

211
ßommanbüe  beS  %aitfoer:
emö  Koiuinuiialstäudische  Bank,  Filiale
ber  Breslauer  %Be#erkwf.
(%5ora),  @ceW
beíôftcxbt  in  der  gleichnamigen  Provinz
©goebens,  au  ber  faß  immer  eisfreien
Ģotaelf,  etwa  15  km  vom  Kattegat,  an
der  Bahn  G.-Stockholin  und  derBergslagbahn;
  Station  der  Dampferlinien:  Vereinigte ­
  Dampfschiffahrtsgesellschaft  (Stet-SÌŞiirÄïSS:

burg),  Nederlandsche  Stoomboot  Bļaat-SlugbatS
  Boíag(Aaím,
ş  nd)  und  des  hier  domizilierten  Sveuska
Lloyd;  (1879)  76,761  Einw.  Deutsches
(90,1(8%^:  bic  stifte  Don  ber
Mündung  des  Atran  inkl.  Falkenberg
Kopmaub.,  Göteborgs  Enfkilda  Bans:
Skand.  Kred.  Akt.  Bolag.  Gvteb.  Stockst
—  G  nimmt  als  Fabrik-  und  Handelsplatz ­
  den  ersten  Rang  unter  den  schwedischen ­
  Städten  ein.  Die  Indu  st  r  i  e  erstreckt
sich  stuf:  Zuckerrafsinerie,  Reinigung  des
Thrans,  Fabrikation  von  Tabak,  Porter
Segeltuch,  Leder,  Essig,  Branntwein,  Likör, ­
  Baumwollspinnerei,  Schiffbau,  Reepschlagerei, ­
  mechanische  Werkstätten.  —
Der  Ha  ndel  ist  noch  bedeutender;  einschließlich ­
  Gold  und  Silber  wertete  die
eins#  1877:  339,8  »,  1878  :  268,2
Mill.Mk.,  die  Ausfuhr  1877:241,8Mill
1878  :  206,4  mil.  m.  1879  mar:
Ausfuhr  Mill.
Bretter  und
Planke»  .  Kubikf.  8,»
Grubenstützen  -  5,5
Hafer.  .  .  Ctr.  6,7
Eisen  und
Stahl  .  .  -  3.0

Einfuhr  Mill
Zucker  .  .  Pfd.  19.7
Baumwolle  -  12,2
Kaffee  .  .  -  8,4
Öle  .  .  .  -  io.»
Tabak  .  .  -  2,8
Reis...  -  2,7

Außerdem  in  der  Einfuhr:  Steinkohlen
(11,3  SÖM.  Kubikfuß),  Baumwollgarn
Leder,  Wollgarne,  Salz,  Roggen,  Wolle
14*
        <pb n="220" />
        212

Gotha  —
Branntwein  und  Sprit,  Fische,  Speck;  in
der  Ausfuhr  :  Zündhölzer,  Papier,  Faßdauben, ­
  Tischlerwaren,  Zinkblende,  Rinder
(3226StüM,Butterrc.  An  Transitgütern
wurden  1878  nach  Stockholm,  Norrloping,
  Malmö,  Karlstad  u.  a.  63,259  Kolli
gesandt.  —  Die  Handelsflotte  der
Stadt  zählte  1879:  149  Segelschiffe  von
61,484  Ton.  und  73  Dampfschiffe  von
21,769  I.  1878  liefen  ein:  1835  @#fe
von  519,231  T.,  aus:  1892  Schiffe  von
528,027  T.  ;  1880  liefen  99  deutsche  Schiffe
(8  Dampfer)  von  15,754  T.  ein.  —  Platzgebräuche. ­
  Hafer  wird  für  20  Pfd.  Gewicht ­
  verkauft.  Die  Verkäufe  erfolgen
meist  auf  6  Monate  Kredit,  doch  werden
-Kaffee,  Zucker,  Garn  rc.  auch  für  bar  verkauft. ­
  Wechselkurse  werden  notiert  auf
Hamburg,  London,  Paris,  Amsterdam  und
Berlin  90  Tage  dato  und  kurze  Sicht  nach
den  Normen  von  Stockholm.
Gotha,  Hauptstadt  des  Herzogtums
Sachsen-Koburg-Gotha,  an  der  Thüringischen ­
  Eisenbahn;  (1880)  26,339  Einw.
Vicekonsnlat  für  Brasilien.  —  Die  I  n  d  n  -
strie  ist  sehr  vielseitig  vertreten,  Gothaer
Würste  und  Schinken  werden  durch  ganz
Deutschland  verschickt;  auch  ist  die  Stadt
einer  der  lebhaftesten  Handels  *  und  Speditionsplätze ­
  Thüringens.  Unter  den  Instituten ­
  ist  Perthes'  geographifcheSJnstitut
in  erster  Linie;u  nennen.  —  Kreditwesen. ­
  Es  bestehen  hier:  die  Privatbank
zu  G.  (Kapital:  5,400,000Mk.),  Deutsche
Grnndkreditbank  (Kapital:  10,500,000
Mk.),  Gewerbcbank  zu  GcheingetragcneGenossenschaft).
  Feuerversicherungs-  und  Lebensversicherungsgesellfchaft.—Ein
  Wollmarkt
  (drei  Tage)wirdMitteJuni  gehalten.
Gracioza  (S  a  n  t  aCruz  da  G.),  Ort
auf  der  portug.  Insel  G.  (Azoren);  (W8)
2312  Einw.  Deutsche  Konsnlaragcntur
(ressortiert  von  Terceira).
Granada,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  span.  Provinz  (Andalusien),  an  der
Bahn  Cordova-G.  (Zweig  der  Spanischen
Südbahn);  (1877)  76,108  Einw.  Deutsches ­
  Bicekonfttlat.  —  Die  Industrie
umfaßt:  Wollspinnerei  und  Wollweberei,
Leinweberei,  Gerberei,  Papierfabrikation,
Seidenspinnerei  und  Seidenweberei,Sohllederfabrikation ­
  sowie  Töpferei.  In  der

Greenock.
Provinz  werden  Rohzucker  und  Sprit  in
großem  Maßstab  fabriziert;  schlesische
Runkelrübe  ist  mit  gutem  Erfolg  angebaut.
Die  Zuckerproduktion  repräsentiert  einen
Wert  von  9,2  Mill.  Mk.,  die  von  Sprit'
eine  Summe  von  600,000  Ton.  Hauptaussilhrartikcl
  ist  Esparto  (Halfagras),
dessen  Produktion  83  Mill,  kg  ergibt;
Hauptmarkt  dafür  ist  England,  im'Inland ­
  wird  es  zu  Seilen,  Matten,  Körben,
Sandalen  rc.  verarbeitet.  Die  Werte  der
Einfuhr  wie  der  Ausfuhr  sind  nicht  genau
anzugeben;  man  schätzt  die  erstere  auf
6—8  Mill.  Mk.,  die  zweite  auf  16  Mill.
Mk.  jährlich.  —  Es  besteht  hier  weder  ein
Handelsgericht  noch  ein  Kreditinstitut.
Kurse  werden  nur  auf  London,  Paris
und  Marseille  notiert.
Grangemouth  (spr.  grchndschmvth),  Seestadt ­
  in  der  schott.  Grafschaft  Stirling,  an
der  Mündung  des  Clydekanals  und  des
Flusses  Carrón  in  den  Forth;  (mi)  2659
Einw.  Deutsches  Vicekonsnlat  (Amtsbezirk: ­
  G.,  Alloa,  Clackmannan,  Kennctpans
und  Boneß).  —  In  den  guten,  für  große
Seeschiffe  geeigneten  Binnenhafen  liefen
1879  ein:  168  deutsche  Schiffe  von  27,515
Ton.  Zum  Hafen  gehörten  57Schiffe  von
9521  T.  Die  Einfuhr  (zum  großen  Teil
deutsch):  Balken,  Dielen,  Stäbe,  Grubenholz ­
  und  Eisenbahnschwellen,  wertete
1879:  16,364,640  WH.,  bie  m##-(0tewro^Ic)
  6,885,540  WH.
Graz,  Hauptstadt  des  österreich.  KronlandS
  Steiermark,  an  der  G.-Köflachcr
uitb  der  Ungarischen  West-  und  Südbahn;
(1880)  93,851  Einw.  Handels-  und  Gewerbekammer, ­
  Merkantil-  und  Wechselgericht;
  Filiale  der  Österr.-Ungar.  Bank,
Steiermark.  Eskomptebank.  Fabriken  für
Walzeisen,  Stahl,  Papier  rc.;  lebhafter
Handel  mit  Triest,  Ungaril  und  der  Türkei. ­
  Jährlich  ein  größerer  Markt  (Mittfastenmarkt), ­
  auch  für  den  Großhandel.
Great  Grimsby,  s.  Grimsby.
Great  Yarmouth,  s.  Barmouth.
Greenock  (spr.  grih-),  Seehafenstadt  in
der  schott.  Grafschaft  Renfrew,  unterhalb
Glasgow,  links  am  7  km  breiten  Clyde
und  der  Kaledonischen  Eisenbahn;  (1876)
70,192  Einw.  Ressort  des  deutschen  Konsuls ­
  in  Glasgow;  Bank  of  Scotland,
        <pb n="221" />
        «tamba  -  Griechenland  (Areal.  B-vMmm,,  Urproduklioi,).

Union  Bank  of  Scotland.  —  In  den  402
Fabriken  finden  11,500  Arbeiter  Beschäfhgung.
  Am  wichtigsten  sind:  die  Schiffswerften ­
  für  den  Bail  eiserner  Schiffe
(4800  Arbeiter),  die  Zuckersiedereien  (1550
Arbeiter)  Eisengießereien,  Maschincn-^anstalten
  u.a.  —  Zum  Hafen,  der  eine
i t l ei M c (  1)0,1 0,8  Im  hat,  gehörten  1879  :
won  206,015  ito».  Der  @c=?"
  war  1879:
MKWL
Nohzucker  und  Spirituosen,  ausgeführt
Grenada,  den  Engländern  gehörige
^nsel  der  Kleinen  Antillen  in  Westindien
«lit  den  Grenadinen  430  qkm  (7,8  QM.)
""b  Ws)  42,235  Einw.  (darunter  Vio
MMW
der,  Schiffsverkehr  163,000  Lon.
MKWMWT
8% rt  feit  1881  zum  Weltpostverein.
Grenoble  (spr.  -nobl),  Hauptstadt  des
französischen  Departements  Jserc,  an  der
U)oner  Eisenbahn;  0876)  45,426  Einw.
Handels-  und  Gewerbekammer,  Handelsgericht; ­
  Bank  von  Frankreich,  Société  generale.— ­
  UnterdcnJndustrien  nimmt  die
Handschuhfabrikation  die  erste  Stelle  ein
welche  in  115  Etablissements  2000  Arbeiter ­
  und  20,000  Näherinnen  in  Stadt  und
Umgegend  beschäftigt  lind  tit  den  letzten
Jahren  durchschilittlich  850,000  Dutzend
Handschuhe  im  Wert  von  24  Mill.  Mk.
lieferte.  Auch  der  Handel  mit  Getreide,
Holz,  Kalk,  Strohhüten,  Käse  (Sasscnage
u -  St.Marcellin)  und  Wein  ist  bcbeutcn'b.
Greytownlspr.  grchtailii),s.SanJuau
del  Norte.
.Griechenland,  konstitntionelleS  Königreich ­
  in  Südcuropa,  mit  den  Ionischen
Inseln  (seit  1863  hinzugetreten)  51,860
( lkm  (941,8  QM.)  groß  mit  087»)
r,679,775  Einw.  Nach  den  Beschlüsse»
des  Berliner  Kongresses  sollte  eine  Grcnzt'erichtignng
  stattfinden,  welche  eine  Liilie
Ulr  Basis  habe,  die  vont  Salambriafluß

213
pSäggg:
chlsch-orthodoxe;  man  zählte  nur  12,585
mibrc  GĶtRci,  2582  agmclttcit,  917
Andersgläubige.
Urproduktion.  Der  Ackerbau  bef(#t(ttel860:
  562,559  persone,i,  bAi-=unter
  218,027  eigentliche  Bauern;  derselbe
wird  indes  mit  sehr  geringer  Sorgfalt  betrieben, ­
  auch  ist  das  2and  felsig  und  gebirgig, ­
  dabei  nicht  hinreichend  bewässert.  Voit
dem  Gesamtareal  sind  nur  53  Proz.  produktiv, ­
  47  Proz.  unproduktiv.  Von  der
produktiven  Fläche  entfallen  auf:
ST  :  :  ;  ;  ;  ;  ;  ;  ;
Weinberge  iiikl.  Korinthenpflanzungen  2,i  -
Wiesen  und  Weiden  21,s  -
Waldungen  i8,o
Ņach  dem  zur  Pariser  Weltausstellung
veröffentlichten  offiziellen  Bericht  war  die
Getreidcprodilktion  des  Jahrs  1875:
Bestellte  Fläche  Ernteertrag

Weizen.  .
Halbfrucht
Roggen  .
Gerste  .  .
Hofer  .  .
Mais  .  .
Buchweizen
Hirse  rc.  .
Zusammen

Hektar
159586
57  749
846
67910
4078
61816
5831
2808

Hektol.
1540317
502011
5663
589649
43289
982295
46328
22652

3732204

360624
Diese  Produktion  genügte  dantals  ebensowenig ­
  wie  in  frühern  Jahren,  lind  cs
war  daher  immer  nötig,  bedeutende  Mengen, ­
  namentlich  von  Weizen,  einzuführen.
Diese  Einfilhr,  welche  sich  so  ziemlich  in
»»SÄ
Reis  und  Mehl  auf  22,»  Siili.  Mk.  Dakt
  war  der  Wert  der  Atlsfuhr  nur  7975
(  1874:59,033)  Mk.  Die  Getreideeinfuhr
betrug  1875:  1,354,673  hl  und  zwar  :
        <pb n="222" />
        214

Griechenland  (Viehzucht,  Bergbau,  Industrie).

Weizen  .  .  .  .  1194  695  Hcktol.
Mais  79254  -
Gerste  40724
Andres  Getreide  .  34000  -
int  Wert  von  20,5  Mill.  Mk.,  wovon  auf
Weizen  allein  18,9  Mill.  Mk.  entfallen.
Von  Reis  werden  jährlich  etwa  12,000
Zollcentner  erzeugt.  Von  Handelsgewächsen
  sind  namentlich  zil  nennen:  Tabak
(auch  nach  England,  Frankreich  nnd  Rußland ­
  ausgeführt),  Baumwolle  (ca.  50,000
Ctr.  jährlich,  nach  England,  Frankreich
und  Trieft  exportiert),  Krapp  von  vorzüglicher ­
  Beschaffenheit  und  Safran.  Der
Ertrag  der  ausgedehnten  Olivenhaine
wird  alif  200,000  hí  jährlich  gerechnet,
der  Export  von  Olivenöl  wertete  1875:
9,1  Mill.  Mk.  Wein  wird  in  ausgedehntem ­
  Maß  gebaut  (der  beste  auf  den
Inseln);  die  Ausfuhr,  welche  hauptsächlich ­
  nach  Rußland,  der  Türkei,  England
und  Triest  gerichtet  ist,  beträgt  jährlich
120—150,000  Ctr.  (1875  Wert  der  Ausfuhr ­
  867,825  Mk.).  Von  weit  größerer
Wichtigkeit  ist  die  Kultur  von  Korinthen, ­
  die  in  G.  allein  gebaut  werden  und
den  wichtigsten  Ausfuhrartikel  bilden.  Fast
die  ganze  Jahresproduktion  gelangt  zur
Verschiffung  (meist  nach  Großbritannien).
Die  Ernte  schwankte  in  den  letzten  Jahren
zlvischen  53  und  (1878)  99  Mill,  kg,  wovon ­
  nach  England  allein  60,8  kg  gingen;
1875  wertete  der  Export  27,3  Mill.  Mk.
Auch  die  Obstkultur  liefert  namhafte
Ausfuhren  (Feigen,  Citronen  u.  a.).
Die  Viehzucht  wird  keineswegs  in
starkem  Maß  betrieben:  es  kommen  in  G.
auf  1000  Einw.  182  Rinder,  1496  Schafe
und  117  Schweine.  Der  absolute  Viehstand ­
  war  Ende  1877  :

Pferde.  .  .  .  97176
Esel  ».Maultiere  142835
Rinder.  .  .  .  279445

Schafe.
Ziegen.
Schweine

2291917
1836663
55776

So  ist  G.  zum  sehr  erheblichen  Teil  auf
den  Import  angewiesen,  nicht  allein  von
lebenden  Tieren,  auch  von  Salzfleisch.
Die  Wolle  der  Schafe  ist  keine  besonders
gute,  dafür  ist  der  Ertrag  ein  reichlicher.
Aus  der  Schafmilch  werden  Butter  und
Käse  bereitet,  der  letztere  wird  ans  Arkadien ­
  ausgeführt.  Von  hoher  Bedeutung
ist  aber  die  S  e  id  e  n  z  u  ch  t,  welche  namentlich ­

  in  Morea  betrieben  wird.  DieErilteil
bezifferten  sich  1875  und  1876  alls  16,000
kg,  1878  nur  auf  10,000  kg;  Seide  bildet ­
  immer  einen  hervorragenden  Exportartikel. ­
  Nennenswert  sind  noch  die  Zucht
von  Blutegeln  und  die  Gewinnung  von
Badeschwämmen  bei  den  Inseln  Kalymnos
  und  Symi  (jährlich  6000  Etr.).
Die  Waldungen  sind  in  vielen  Gegenden ­
  völlig  zerstört,  doch  ist  das  Areal
(18  Proz.  des  Gesamtareals)  immer  iloch
bedeutend  genug.  Trotzdem  müssen  sehr
ansehnliche  Mengen  von  Holz  eingeführt
werden,  während  im  Export  nur  Knoppern
(Wallonen)  als  Waldprodukt  auftreten.
Der  Bergbau  Griechenlands  liegt
völlig  danieder,  und  doch  fehlt  es,  wie
man  schon  im  Altertum  wußte,  an  Eisen,
Blei  und  Kupfer  nicht.  Eisenerze  finden
sich  auf  Seriphos  in  außerordentlicher
Menge,  Braunkohle  auf  Euböa  und  in
Attika,  Steinkohle  auf  den  Jonischen
Inseln;  aber  bisher  ist  die  Gewinnung
nicht  von  Belang.  Bedeutend  ist  bis  jetzt
allein  die  Ausfuhr  von  Blei.
Industrie.  Im  Jahr  1874  bestanden
87  größere  industrielle  Etablissements,
darunter  3  Papierfabriken,  7  Eisenfabriken ­
  ,  1  Nadelfabrik,  3  Seidenwebereien,  4
Tuchfabriken,  6  Lederfabriken,  18  Baumwoll-
  nnd  Seidenspinnereien  und  36
Dampfmühlen.  Besonders  hervorzuhebende ­
  Jndustrieerzcngnisse  sind:  das  Leder
von  Syra  (Maroquin  in  roter  und  gelber
Farbe),  Fes  und  Seide  von  Athen,  Leinwand ­
  von  Syphnvö,  Seife  von  Piräeus,
Syra  nnd  Patras,  Konfitüren  von  Athen.
Von  diesen  Produkten  sind  Baumwollgarn ­
  undSeife  schon  ansehnliche  Ausfuhrartikel. ­
  Größere  Ausdehnung  hat  aber
der  Schiffbau  gewonnen.  Die  Hauptwerften ­
  befinden  sich  auf  Paros,  Hydra,
Syra  und  in  Galaridi  am  Golf  von  Lepanto.
  Jährlich  werden  ca.  2Ù0  Fahrzeuge ­
  (darunter  zuweilen  solche  von  150
bis  300  Ton.)  vom  Stapel  gelassen.
Handel.  Hauptbandelsplätze  sind:
Syra,  Piräeus  (der  Hafen  von  Athen)  und
Patras  als  Einfuhrhäfen,  Patras,  Kalamata,
  Nauplia  und  Korfu  als  Ausfuhrhäfen. ­
  Der  Wert  des  Specialhandels  war
1878  inEinfuhr  96,2  Mill.,  Ausfuhr  60,4
        <pb n="223" />
        WecWmib  (&amp;amp;wbcl,  Sinmigm).

Mill.  Mk.  Specielle  Ausweise  liegen  aber
nur  für  .1875  vor,  in  welchem  Jahr  sich
die  Einfuhr  auf  82,4  Mill.,  die  Ausfuhrauf
  54,5  Mill.  Mk.  belief,  woran  die
Hauptverkehröländer  in  nachstehender
Weise  partizipierten  (in  Millionen  Mark)  :

Einfuhr
SS
Ästerreich-Ungarn  .  .  .  12,7
Rußland  12,3
Frankreich  15,'«
Italien  55

Allsfuhr
32,5
6.0
7.0
3.0
2.0
2,7
Wichtigste  Produkte  der  Einfuhr:

Brotstoffe
Manufatte
Häute  .
Zucker  .
Hf-lz
Eisen,Eisenwaren  2,7

.17,8
.18,8
.  7,8
•  4,4
4,2

Tiere
Salzfleisch  .
Steinkohlen.
Kaffee.  .  .
Reis  .  .  .
Schwefel

Wichtigste  Produkte  der  Ausfuhr:

2.4
2.3
2.1
1,0
1.5
1,5

21,s
7,5
4.2
3.4
3.2
1.4

Tabak

0,o

Baumwollgarn.  0,8

Seide
Seife
Wein

0,8
0,7
0,7

Korinthen.
Olivenöl.
Häute.  .
WW  .  .
Feigen.  .
Knoppern.
Dü  ßo„fig„ratio„
,  ^  Wirdes  erleichtert  den  Verkehr  zur  See
m  außerordentlichem  Maß.  Die  Handelsmarine ­
  zählte  Ende  1877:  5440
Schiffe  von  262,022  Ton.,  darunter  4303
1)  Seeschiffahrt.
Eingegangen  10089  Schiffe  von  1783180  Tou.
Ausgegangen  10448  -  -  1888145  -
2)  Küstenschiffahrt.
Eingegangen  63465  Schiffe  von  2210968  Ton.
Ausgegangen  66147  -  -  2244146  -
liefen  somit  insgesamt  ein:  73,554
Schiffe  von  3,994,148  T.,  aus:  76,595
G#icüo,i  4,132,291  %.
Von  Eisenbahnen  ist  nur  eine  12
Km  lange  Strecke  (Athen-Piräeus)  im  Be-Aeb.
  Die  Zahl  der  P  0  st  a  n  st  a  l  t  e  n  war
,o77:  145  mit  375  Briefkasten,  welche
tp54,600  Sendungen  beförderten;  die
Annahmen  betrugen  465,854  Mk.,  die
Ausgaben  329,302Mk.  Die  Telegra-215


psasssass
¡simm
bel  mit  einer  Gesamtlänge  von  3'/2  Scemeilen;
  1878  legte  Gomw
ei"  Kabel  zwischen  Syra  und  Kandia.
..Zolltarif.  Eine  dem  Verkehr  sehr
hmderllche  Einrichtung  ist  die,  daß  von
allen  Produkten,  welche  auö  einem  griechischen ­
  Hafen  in  ben  andern  verschifft
^'^er  M  3U  entri#,I
A  Derselbe  hat  1878  eine  Erhöhung  in
^uschlagssteuer,  10  Proz.  Straßensteuer
und  2  /2  Proz.  Gemeindesteuer  erfahren,
so  daß  die  Zollerhebung  wie  folgt  stattmibet.
  P  beträgt  ;.  0.  bei  wolle,lent
Kasimir  der  Zoll  pro  Okka  (Vk  kg)  2
20  ^ta,  10  ^cg.
oicr  2^,  Lepta,  zusammen  2  Drachinen  42
dazu  Straßensteucr  und  Ha  en-«ebubr
  ie  10  $rog.  ober  24,2  genita,  also
48,4  Lepta,  und  Gemeindeabgabe  von  15
P 2,20  Drachmen,  niacht  33  Lepta,
Wer@efa,„tbetrag  be93oKe93Dra#m
»Ärg.»;::,""
Ffuan  z  en  Weder  in  dem  eigentlichen
Königreich  noch  auf  den  Jonischen  Inseln
herrschen  befriedigende  finanzielle  Verhält-Budget
  fur  1880  betrugen  die  Einnahmen ­
  41,4  Mill.,  die  Ausgaben  47,4  Mill
Mk.  Hauptposten  unter  den  Einnahmen
waren:  direkte  Steuern  10,c  Mill.,  indirekte ­
  21,4  Mill.  Mk.;  unter  den  Ausgaben  -
Zinsen  der  Staatsschuld  11,g  Mill  Mk
Staatsschuld.  Der  Stand  derselben
ist  ein  keineswegs  günstiger.  Die  Anerkennung ­
  der  beiden  1824  und  1825  in
England  gemachten  Anleihen  verweigerte
die  Regierung  lange  Zeit,  uiid  die  Zinsen
find  icht  zu  einem  sehr  bedeutenden  Kapital ­
  angeschwollen.  Die  Anleihe  von  1832
wurde  von  den  drei  Schutzmächten:  England, ­
  Frankreich  und  Rußland  garant,ert;
  a#  Wrfmb  bic  3mfc„rü#ä,ibc
        <pb n="224" />
        216

Grimsby.

¿,6  Mill.  Fr.  wurde  Anfang  1881  gezahlt.
Um  die  Kosten  der  Kriegsrüstung  während
des  türkisch-russischen  Kriegs  zu  bestreiten, ­
  wurden  Anleihen  bei  der  Nationalbank ­
  und  der  Jonischen  Bank  (s.  unten)
aufgenommen.  Ende  1880  betrug  die
äußere  Schuld  176,7  Mill.  Mk.,  die  innere ­
  107  Mill.,  die  gesamte  Schuld  also
283,7  M.  m.
Kreditwesen.  Es  existieren  zwei
Banken  mit  dem  Rechte  der  Notenemission: ­
  die  Griechische  Nationalbank
und  die  Jonische  Bank,  beide  in  Athen.
DieGriechischeNationalbank  wurde
1842  eröffnet  und  zunächst  alls  25  Jahre
gegründet;  1861  wurde  ihre  Dauer  um
25  Jahre  (bis  Ende  1891)  verlängert.
Das  ursprüngliche  Kapital  von  5  Mill.
Drachmen  ist  allmählich  auf  18  Mill.
Drachmen  (13  Mill.  Mk.)  erhöht  worden.
Das  Recht  der  Notenausgabe  wurde  der
Bank  1877  bis  auf  57  Mill.  Drachmen
bewilligt,  wofür  dieselbe  in  Gemeinschaft
nrit  der  Ionischen  Bank  der  Regierung  10
9RÍK.  (7,250,000  m.)  gin
Gründung  einer  Bank  für  Hebung  des
Ackerbaus  vorstrecken  sollte.  Die  Noten
haben  im  eigentlichen  Königreich  G.
Zwangsumlauf.  Der  Nennwert  der  Noten ­
  ist  100,25  und  10  Drachmen.  Zweiganstalten
  bestehen  zu:  Patras,Syra,Kalàmata,
  Chalkis  (Euripos),  Nauplia,  Tri-Polizza,
  Sparta,  Missolunghi,  Zante  und
Korfu.  Die  Regierung  übt  das  Oberaufsichtsrccht
  aus.  Die  Jonische  Bank,
von  englischen  Kapitalisten  in  Korsil  mit
300,000  Pfd.  Steri.  Kapital  gegründet, ­
  wurde  später  nach  Athen  verlegt;
sie  unterhält  Zweiganstalten  auf  Korfu,
Zante,  Kephalonia  nub  in  Patras.  Auch
ihre  Noten  haben  Zwangsumlarrf.  Das
Maximum  der  Notenausgabe  ist  auf  12
Mill.  Drachmen  erhöht  worden  (Folge
der  Beteiligung  mit  der  Nationalbank
air  der  Negieruirgsanleihe,  s.  oben).  Beide
Banken  können  Noten  zu  5  Drachmen
Nennwert  emittieren.  Um  kleines  Geld  ;u
erlangen,  schnitt  mau  auch  oft  Banknoten
zu  10  Drachmen  in  zwei  Stücke,  die  dann
jedes  zu  5  Drachmen  kursieren.  Ferner  bestehen: ­
  die  Jonische  Kreditbank  und  die
Laurivil-Gesellschaft.

Das  W  e  ch  s  e  l  r  e  ch  t  ist  das  französische  ;
in  Handels-  und  Wechselsachen  kann  der
Kläger  die  Einsetzung  eines  Schiedsgerichts ­
  verlangen.  Wechselstcmpel:  ein
Gesetz  von  1877  verordnet  eine  Stcmpclabgabe
  und  zwar  auf  Wechsel  und  andre
Handelsvcrbindlichkciten  1  pro  Mille,  Zolldeklarationen ­
  50  Lepta,  Manifeste,  Begleitund
  Lagerscheine  1  Drachme.
Geld.  Es  herrscht  Doppelwährung  ;  der
Staat  ist  seit  1865  zur  lateinischen  Münzkonvention ­
  getreten.  Man  rechnet  nach
Drachnren  zil  100  Lepta,  die  also  denl
französischen  Frank  und  (Sentirne  entsprechen ­
  sollen.  Die  Ausmünzung  der  Silberstücke ­
  zu  5,  2  und  1  Drachmen,  50  und  20
Lepta  erfolgt  in  Paris.  Bon  fremden  Münzen ­
  dürfen  nur  die  in  Frankwährung  geprägten ­
  cirkulieren.  Das  Bargeld  ist
aber  immer  mehr  aus  den:  Verkehr  verschwllnden;
  die  Noten  der  Banken  sind
thatsächliche  Landeövaluta,  aber  stark  entwertet. ­
  —Maße  und  Gewichte  sind  die
metrischen;  das  Strema  —  10  Ar,  das
Kilo  —  28,17  kg,  bieOssei  —1250  g,  das
Gramm  —  VU  kg,  der  Kantar  —  56Vt
kg,  die  Tonne  —  1500  kg.
Grimsby  (Great  Grimsby),  Seestadt ­
  in  der  engl.  Grafschaft  Lincoln,  an
der  Mündung  desHumbersowie  derManchestcr-Sheffield
  and  Lincoln-Eisenbahn
und  Hauptstation  der  Dampfer  dieser
Eisenbahngesellschaft;  (i87i)  20,244  Einw.
Deutsches  Bicckonsulat;  Hull  Banking  Co.
Der  Gehalt  der  in  den  6,i  ha  großeist  mit
Docks  von  10  ha  versehenen  Hafen  eingelaufenen ­
  Schiffe  betrug  1879:  540,721
Ton.  Zum  Hafen  gehörten  637  Schiffe
von  48,557  T.  Der  Handel  geht  nach  der
Ostsee  und  Holland  und  wertete  1879  in
eins#  68,309,800  9Rf.,  in  Muss#-britischer
  Produkte  147,784,700  Mk.,  davon ­
  (in  Millionen  Mark)  :

Wollwaren  .  .  46,0
Wollgarn.  .  .  17,o
Bauinwollwaren  64,8
Baumwollgarn.  15,4

Seidcnwarcn  .
Maschinen.  .
Kohlen  ...  .
Gummiwaren.

2,7
5.5
2,7
2.6

dann  :  Eisen,  Kupfer,  Leinenwaren,  Baumwolle ­
  (nach  Rußland),  Wolle.  Die  Einfuhr
Geß#  in:  ^  #.),
Lumpen  (9  Mill.  Pfd.),  Tabak,  Gerste,
Eiern,  Kartoffeln,  Butter,  Wollgarn  u.  a.
        <pb n="225" />
        Ģàstad  —  Großbritannien  (Areal,  Bevölkerung.

Grimstad,  Hafenstadt  im  norweg.Amt
Chrlstlñnsand;  (1876)  1784  Einw.  Deutsches ­
  Vicekonsnlat  für  den  Zollstättedistrikt
G.;  Schiffahrt.  Es  liefen  1879  ein:  9
deutsckc  Schiffe  von  1011  Ton
Griqnaland,  s.  Kapland.
Groningen,  Hauptstadt  der  gleichnaimßen
  niebulanb.  an  ber
ppsss
IfiüpSS
.'"l  ble  Provinzen  G.,  Drenthe  und  OveràèàŞUW

ein:  882  Schiffe  von  46197  Tonnen
aus:  643  -  .  49  734
Nden  eingelaufenen  579  deutsche  von
@(tMibe,  già#,
9 st . n f'  Ştroh,  Garne  u.  a.;  Einfuhr:  Ge-Grönland,
  großes,  teilweise  unter
van  Landeshoheit  stehendes  Nordpolarland ­
  zwischen  dem  Atlantischen  Ocean
und  der  Bafsinöbai.  Den  Flächeninhalt
dis  zum  80.°  berechnet  man  auf  1,967,000
gicm  (35,738  QM.),  wovon  nur  etwa
158,500  qkm  (2900  QM.)  glctschcrloö
şind.  Die  Einwohnerzahl  in  den  dänischen
Niederlassungen,  sämtlich  in  den  Fjordbuchten
  und  den  davor  gelegenen  Fuselli
wird  1874  zu  9836  angegebenchdavon  nur
236  Europäer).  —  Haupterwcrbszweig  ist
die  Seefischerei.  Der  Handel  ist  (mit  Ausnahme ­
  des  Walfischhandelö)  Monopol  der
dänischen  Regierung.  Die  Ausfuhr  besteht
m:  Walfisch-  und  Robbenspeck,  Hai-  und
Dorschleber,  Seehundsfellen,  Walfischbarten,
  Eidcrdunen  iind  etwas  Pelzwerk.
Anfang  Oktober  verlassen  die  letzten  Schiffe
G.,  und  dann  ist  jeder  Verkehr  bis  nächsten ­
  Juni  völlig  ausgeschlossen.  Wert  der
1878:652,960  Wf.,  ber  Gins#
(Schiffsbrot,  Blitter,  Speck,  Erbsen  n.  a.)
*%,800  Mk.  Zahlungen  werden  mit
Hülfe  von  Papiergeld  gemacht,  sogen,
^reditzetteln  der  Kopenhagener  Direktion
der  Königlichen  grönländischen  Handels-217


Großbritannien  bildet  mit  Irland
Übersicht:  Seite
I.  Areal  und  Bevölkerung  217
Kolonien  li.  auswärtige  Besitzungen.  218
II.  Urproduktion  219
Ackerbau  (219).  Viehzucht  (221).  Forstwirtschaft ­
  (222).  Jagd  (223).  Fischfang ­
  (223).  Bergbau  (223).
III.  Industrie  2 &amp;gt;6
Textil  (226).  Metalle  (230).  Leder
(231).  Chemische  Industrie  (232).
Andre  Industrien  (233).
IV.  Handel  035
V.  Verkehrswesen  236
VI.  Finanzen  2 37
VII.  Kreditwesen  2 gg
VIII.  Geld,  Maße  und  Gewichte  .  .  .  .  239
I.  Areal  und  Bevölkerung.
A.  Mutterland.
welche  sich  tu  folgender  Weise  verteilen:
QKilom.  QMcil.  Einw.
&amp;amp;:.:3  E  SE
1,04  bk  3,#  Man  unb
bie  Snidn  im  Kanal  mit  einem  Areal  von
783,63  qkm  (14,2  QM.)  ilnd  145,000
cnbí,4  216,000  ©olbatcn
und  Beatrosen  außer  Landes,  so  daß  fick
314,951  qkin
(0/19,803)7.)  und  eine  Bevölkerung  von
o4,866,000  Seelen  ergeben.
Konfessionen.  Bon  (i87i)  31,845,379
Bewohnern  waren  Angehörige  der  englischen
  Staatskirche  18,537,000,  der  schottischen ­
  Kirche  1  473.000,  protestantische  Disienten ­
  6.043,000,  Katholiken  5,520.000,
Israeliten  46,000.
Die  Auswanderung  betrug  von
1815—79:  8,908,739  Seelen.  In  der
Periode  1815—46  wanderten  durchschnittlich ­
  nur  52,254  pro  Jahr,  1847—54  aber
305,600  Ko  ßa^  aus  ;  ßiükf  iß  biek
        <pb n="226" />
        218

Großbritannien  (Kolonien).

Britische  Kolonie».
Die  britischen  Besitzungen  im  Ausland  werden  entweder  direkt  von  England  aus  vertvaltet  (Kronkolonien), ­
  oder  sie  haben  eigne  Verfassungen  und  Verwaltungen,  und  nur  der  Gouverneur  ist  von
der  englischen  Krone  ernannt.

Kolonien

Jahr

Helgoland
Gibraltar.
Malta.  .

Europa
Cypern  .  .  .
Britisch-Indien
Ceylon....
Strait  Settlements
Hongkong.  .  .
Labuan  .  .  .
Nordost  -  Borneo
Mkobaren.  .  .
Andamanen.  .
Lakediven.  .  .
Kuria-Muria-Jn
sein  ....
Aden  ....
Perim....
Mascha  .  .  .
Kamaran.  .  .
Keelingsinseln  .

Asien
Queensland.  .
Neusüdwales  .
Victoria  .  .  .
Südaustralien  .
Nordterritoriuin
Westaustralien  .
Eingeborne  in  Au
stralien.  .  .
Tasmania  .  .
Neuseeland  .  .
Maori  in  Neusee
land....
Norfolkinsel.  .
Chathaminseln.
Aucklandinseln  .
Lord  Howes-Insel
Viti  »Inseln.
Fanninginsel
Starbuckinsel
Carolineinsel
Maldeninsel.
Rotuma  .  .

Australien
Kapkolonie  inkl.
Britisch-Kaffraria
Basuwland  .  .  .
West-Griqualand.

1871
1878
1879

?
1875
1877
?
1876
1871
?
1874
?

1872

OKilom.

0,5
5,o
869,5

375
9601
2329201
63976
3742
83
78
46618
1772
6497
1927

20
11,8
1,1
165
22

1879
1879
1880
[l880
1879

1879
1879

1878
1878

1878
1858

1877
1871

2  463770
1  730721
799139
229078
985  720)
1355891  j
2  527283

1875
1875
1877

Bewohner

1913
18014
154198

174125
150000
191095445
2755557
350000
139144
4898
150000
5500
14500
6800

22707
?
?
500
400

Kolonien

Jahr  OKilom.

194695451
217851
734282
898452
262379]
28668

55000
67894  112469
270053  !  463729

44
1627
509
8,3
20801
40
3
5,5
89
36

7  988942

517849
21794
45300

44319
481
196
25
112272
150

79
2680

2932530

720984
127701
45277

von

Transkei  -  Distrikte.
Natal  .  .
Transvaal
Gambia  .
Sierra  Leone
Goldküste.
Lagos  .  .
St.  Helena
Ascension.
Tristan  da  Cunha
Mauritius
Dependenzen
Mauritius  .  .
Neu-Amsterdam  .
St.  Paul....
Afrika?
Dominion  of  Canada ­
  ....
Neufundland  .  .
Bermuda....
Honduras....
Bahamainseln  .  .
Turksinseln  .  .  .
Calcosinseln.  .  .
Jamaika  ....
Caymansinseln.  .
Leewardinseln
Jungferninseln  .
St.  Christopher
mit  Anguilla  .
Nevis  mit  Redonda ­
  .  .  .
Antigua  undBarbuda....

Montserrat  .  .
Dominica.  .  .
Windwardinseln
Santa  Lucia.  .
St.  Vincent  .  .
Barbados.  .  .
Grenada  undGrenadinen.
  .  .
Tobago.  .  .  .
Trinidad  .  .  .  .
Britisch-Guayana.
Falklandinseln  .  .
Staateninsel.  .  .
Amerika:

1878
1871
1871
1871
1871
1871
1871
1875
1880
1871

Total:

1871
1874
1878
1877
1871
1871
1871
1878
1871
1871
1871
1875
1875
1871
1871
1877
1871
1871
1878
1878
1871
1874
1878

40334
48560
294581
179
2600
38850
189
123
88
116
1914
742
66
7

Bewohner

1013292

8301506
110670
50
19585
13960
25
550
10859
584
165
267
118
440
83
754
614
381
430
430
295
4544
221243
12532
?

—  8700086

400500
356517
315000
14190
38936
400000
60221
6241
27
85
357339
13391

2856409

3678100
161374
13812
26000
39162
2845
1878
558256
2400
6426
28169
11680
35642
8693
27178
35467
35688
162042
42235
18650
109638
240500
1394

5247229

20166464  205905744
        <pb n="227" />
        Großbritannien  (Urproduktion:  Ackerbau).

Man  gibt  die  Zahl  der  von  1853—79
überhaupt  ausgewanderten  Personen  auf
5,446,147  an.  In  den  letzten  Jahren
wanderten  aus:
Engländer  Schotten  Irländer
1878:  72323  11087  29492
1879:  104275  18  703  41290
""EuWuß  derFremdeu1878:147,663
unti  1879:  217,163  Personen.  Von  den
Auswaildcrern  des  Jahrs  1879  wählten:
Vereinigte  Staaten  .  .  .  134590
Britisch-Nordamerika.  .  .  22509
Australien  und  Neuseeland.  42178
Andre  Länder  17880
Die  Haupthäfen  für  diesen  Auswanderer:
verkehr  sind  Liverpool  und  London.  Dieser ­
  Auswanderung  steht  aber  eine  starke
M  77,951  und  1879  auf  53,973  Per-K.
  Aiistvnrtigc  Besitzungen.
d-n314,951  qkm,  welche  in  Europa
oi  I?  ^vltischer  Herrschaft  stehen,  komme»
Besitzungen  in  allen  andern  Erdteilen  mit
einem  Gesamtareal  von  mehr  als  20Mill.
llkrn,  und  eine  europäische  Bevölkerung
%  ™- rr 3 ™p i F-  Urscht  über  nahe  an
206  Mill.  Menschen  in  Asien,  Australien,
Afrika  und  Amerika.  Die  nähern  Angaben ­
  enthalt  die  Tabelle  auf  S.  218.
II.  Urproduktion.
A.  Ackerbau.
Eigentlicher  Ackerbau  kann  nur  in  den
trocknern  Grafschaften  des  Südostens
sichere  Ernten  gewahren.  In  den  westlichen ­
  Grafschaften  baut  man  Futterkräuter
  oder  hat  die  Acker  in  Weideland  umgewandelt. ­
  Von  der  Gesamtfläche  waren
Ģ8  unproduktiv  35,7  Proz.,  produktiv
5  l,3  Proz.,  und  von  letzter»  entfielen  aus:
Ackerland  .  .  29,s  I  Obstgärten.  .  0,3
Weideland.  .  30,9  |  Holzungen.  .  3,2
Mit  Aufhebung  der  Kornzolle  1848  besann ­
  eine  Umwandlung  von  Ackerland
Ul  Weideland  und  hat  bis  in  die  neueste
Zeit  fortgedauert  :  daS  mit  Getreide  bestellte
Areal  hat  sich  von  1870-80  um  7  Proz.
bsrringcrt.  Zugleich  nahm  der  Bau  von
Kartoffeln,  Futterkräutern,  Obst  und  Ge-219



m  Tausenden  Hektar
1870  1878

4757

4404

2007

1955
48
29
203
2053
9739
1019

255

2558

8128

1012

18891

20170

langen
et»  eine

Kulturen
Getreide,  Bohnen,  Erbsen
Kartoffeln  und  Wurzelgewächsen ­

Flachs
Hopfen
Brachland
Klee  und  Gräsern  .  .  .
Wiesen
Wald
Zusammen:
1)  Von  den  Nahrungsp
zeigten  nur  Gerste  und  Kartos
Zunahme  im  Areal.  Gerste  ist'die  dem
Seeklima  Englands  am  besten  angepaßte
Halmfrucht,  außerdem  für  die  Gewinnung
des  Biers  von  Wichtigkeit.  Die  Abnahme
betrug  1879  gegen  1877  bei  Weizen  8,8
Psvz.,  bei  Hafer  3,5  Proz.,  die  Zunahme
bei  Gerste  10,3  Proz.  1879  waren  bestellt:
Weizen  .  .  1150054  Hektar
Gerste.  .  .  1000841
Hafer  ...  1002030  .
Als  Mittelerute  berechnet  man:  Weizen
29,5  am.  Ill,  30  am.,  Wr  42
Mill.,  Roggen  0,6  Mill.  hl.  Die  Erträge
lmVerhältnis  zum  Areal  sind  aber  immer
geringer  geworden.  England  hat  1875  ein
Defizit  von  22  Proz.,  1876  von  24  Proz..
1877  von  26  Proz.  in  seiner  Getreideernte
gehabt,  und  wenn  das  Jahr  1878  besser
war,  so  lieferte  dagegen  1879  wieder  sehr
geringe  Erträge.  Aber  selbst  in  den  besten
Jahren  bedarf  das  Land  bedeutender  Zufuhren. ­
  Der  Wert  des  Getrcidehaudels
war  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
1875:  1001,7  10,5
1870:  1030,2  23,8
1877:  1270,7  24,5
1878:  1181,3  27,8
1879:  1225,2  14,o
Diese  gesteigerten  Zufuhren  werden  aber
auch  durch  die  weit  größere  Konsumtion
bedingt.  Vor  1860  betrug  der  jährliche
Verbrauch  von  Weizen  pro  Kopf  ca  140
kg,  jetzt  beträgt  derselbe  151  kg.  Jährlich ­
  verbraucht  G.  68-70Mill,  hl  Weizen
        <pb n="228" />
        220  Großbritannien  (Urproduktion:  Ackerbau).

wovon  das  Land  selbst  weniger  als  die
Hälfte  liefert,  so  daß  von  seinen  34,2  Mill.
Einw.  etwa  18,2  Mill,  von  fremdländischem ­
  Brot  leben.  Die  Einfuhr  1879  betrug ­
  1225,2  Mill.  Mk.  und  zwar:

Weizen  629,4  Mill.  Mk.
Gerste  96,  i  -  -
Hafer  89,9  -  -
Mais  196,4  -  -
Roggen,  Hülsenfrüchte  u.  a.  34,7  -  -
Mehl  178,5  -

Nach  Abzug  einer  sehr  kleinen  Ausfuhr  betrug ­
  die  Mehreinfuhr  1878  und  1879:
1153,5  Mill.,  resp.  1211,2  Mill.  Mk.
Die  verschiedensten  Länder  der  Erde
tragen  zu  dieser  Versorgung  bei:  Weizen
mehr  als  die  Hälfte  die  Vereinigten
Staaten,  dann  Russtand,  Deutschland,
Kanada,  Britisch-Indien,  Australien;
Weizenmehl  wiederum  die  Hälfte  die
Vereinigten  Staaten,  dann  Österreich  und
Deutschland;  für  Gerste  sind  Hauptlieferanten: ­
  Rußland,  Deutschland,  Türkei
und  Donaufürstcntümer,  Dänemark;  für
Hafer:  Rußland  und  Schweden,  auch
Deutschland;  Mais  kommt  zu  mehr  als
zwei  Dritteln  aus  den  Vereinigten  Staaten, ­
  dann  aus  der  Türkei  »üb  den  Donaufürstentümern,
  Kanada  und  Rußland.
DerKartoffelbau  wird  intensiv  nur
in  Irland  betrieben.  Nur  dort  dienen
Kartoffeln  in  großen  Massen  als  Nahrung; ­
  die  Engländer  konsumieren  vorzugsweise ­
  Weizen  und  Hülsenfrüchte,  die
Walliser  und  Schotten  Hafer.  Während
im  Deutschen  Reich  auf  jeden  Hektar  Kartoffellands ­
  1878:  16  Seelen  entfielen,
kamen  ans  dieselbe  Fläche  in  England  und
Wales  181,  Schottland  54,  Irland  16.
Die  Jahresproduktion  gibt  man  für  G.
auf  30,44  Mill,  hl,  für  Irland  auf  43,87
Mill,  lil  an.  Aber  die  Konsumtion  ist  im
Steigen,  und  große  Mengen  werden  jährlich ­
  vom  Ausland,  namentlich  von  Deutschland, ­
  bezogen  ;  1879  betrug  der  Import  53,9
Mill.  Mk.,  davon  deutsch  30,2  Mill.  Mk.
Dagegen  nimmt  die  Hopfenkultnr,
welche  am  stärksten  in  Kent  betrieben  wird,
in  jüngster  Zeit  ab,  und  demgemäß  steigt
bei  der  wachsenden  Biererzeugung  der
Import,  welcher  1879  einen  Wert  von
24,358,760  Mk.  erreichte.

Brauerei  und  Brennerei.  Alle
andern  Länder  der  Erde  stehen  gegen  G.
zurück,  das  wahrhaft  großartig  in  seiner
Bierprodnktion  ist.  1871  wurden  2671
Brauereien  gezählt,  jetzt  übersteigt  diese
Zahl  3000.  Auf  England  und  Wales
kamen  1871  allein  2512.  Im  ganzen
Reich  wurden  1877—78:  20  Mill,  hl
Malz  mit  956,300  Etr.  Zucker  verbraucht,
welche  zusammen  einen  Stenerbctrag  von
169,3  Mill.  Mk.  lieferten.  Die  Ausfuhr
von  Bier  und  Ale  erreichte  1874  einen
Wert  von  4,898,000  Mk.,  ist  aber  von  da
ab  beständig  gefallen  und  hatte  1879  einen
Wert  von  35,106,620  Mk.  Davon  ging
nach  Britisch  -  Indien  für  6,4  Mill.,  nach
Australien  für  10,5  Mill.,  nach  der  Kapkolonie ­
  für  2,8  Mill.  Mk.
Die  Brennereien  sind  meist  sehr
großartig  und  erzeugen  gewaltige  Quantitäten ­
  von  Spirituosen.  Der  Konsum
ist  aber  ein  so  außerordentlicher,  daß  die
jährliche  Zufuhr  den  Wert  von  60  Mill.
Mk.  übersteigt.  Eingeführt  wurden  1879  :
Branntwein  für  43,i  Mill.,  Rum  für  11,7
Mill.  Mk.  ii.  st.  Dagegen  wurden  nur
für  13,4  Mill.  Mk.  ausgeführt.
2)  Der  Flachsbau  ist  im  nördlichen  Irland ­
  zu  Hause,  dort  waren  1878:  45,282
ha  mit  Flachs  bestellt,  von  denen  22,116
Ton.  geerntet  wurden;  in  England  und
Schottland  ist  die  Kultur  von  gar  keiner  Bedeutung. ­
  Aber  die  einheimische  Industrie
verarbeitet  jährlich  gegen  2  Mill.  Etr.  und
bedarf  daher  bedeutender  Einfuhren  aus
Rußland,  Belgien,  Holland,  dem  Deutschen
Reich,  Italien  rc.,  so
1877:  2216000  Ctr.  für  101,1  Mill.  Mk.
1878:  1554000  -  -  69,7  -
1879:  1695094  -  -  71,7  -
3)  Noch  weit  ungenügender  ist  die  H  a  n  f  -
knltu  r,  sodaß  1879  vonHanfnndHanfwerg ­
  für  32,5Mill.  Mk.  importiert  wurde,
wozu  noch  die  verwandte  Jute  mit  einem
Import  von  65,i  Mill.  Mk.  hinzukommt,
um  dem  Bedarf  der  Spinnereien  zu  genügen. ­
  DerTab  a  kb  a  nist  verboten.  1879
importierte  man  für  39,4Mill.  Mk.  Tabak
und  Cigarren.
4)  Die  Obstkultu  r,  der  man  große  Aufmerksamkeit ­
  widmet,  gedeiht  vornehmlich
im  S.  und  SW.  Englands,  und  die  Blu-
        <pb n="229" />
        (mprobimion:

'uenzucht  ist  eine  außerordentlich  hohe.  Der
-verbrauch  von  Früchten  ist  ober  gleichfalls
cm  starker,  und  die  Einfuhr  betrug  1879
außer  andern  (in  Millionen  Mark)  :
4,2  Orangen  u.  Ci-8,4
  Ironen.  .  .  26,3
29,s  Rosinen  ,  .  .  20,o
4,i  Andre  Fruchte.  35,o

Mandeln
Misse.  .
Korinthen
Feigen  .
5)9(n

.  V/,  Sämereien  aber  ivurde  in
demselben  Jahr  importiert  für  154,4Mill.
Ml.,  davon:  Leinsamen  81,9  Mill.,  Nübfmiicit
  ^,2  gkiß.,  0mnnmogfmnen  29
äll  '  Klee-  und  Grassamcn  15,i  Mill,
âc-  Ferner  wurden  importiert:  rohe
Zwiebeln  rm  Wert  von  9  Mill.  Mk.,
Nus,e  und  Kerne  für  10,4  Mill.  Mk.,  Öl-Wicit
  fik  32,c  gm.  m.  «Won  biefen
-l?"Porten  gehen  aber  große  Posten  (Konnten, ­
  Rosinen,  Mandeln,  Samen)  nach
andere  namentlich  europäischen,  Landern.
Ni  fernen  debars  mis  bcii
Anfuhr  ans  andern  Landern:  1879  aus
Holland  (wohl  deutsche  Weine)  6,i  Mill.
Mk.,  aus  Deutschland  939,180  Mk.,  aus
galten  2,094,280  g»r.  ^er  (MmntlNlPort
  betrug  1879:  107,s  Mill.  Mk.
7)  England  ist  das  Land  der  Thectrinker
  par  excellence  ;  in  keinem  Land  ist  der
Verbrauch  so  stark  wie  hier,  wo  derselbe
Pro  Kopf  nahe  an  5  Pfd.  pro  Jahr  betragt. ­
  1879  importierte  eö  184,076  472
Pfd.  im  Wert  von  225,2  Mill.  Mk.  und
behielt  davon  160,6  Mill.  Pfd.  für  eignen
Gebrauch  zurück.  Weniger  ausgebildet,
aver  zunehmend  ist  der  Geschmack  für
Kaffee,  von  dem  1879:1,609,386  Ctr.
un  Wert  von  140,8  Mill.  Mk.  importiert
wurden,  die  allerdings  zum  größten  Teil
U'S  Ausland  (namentlich  nach  Deutschfond ­
  und  Holland)  gingen,  denn  G.  bewclt
  nur  309,786  Etr.  für  den  eignen
Gebrauch.  Fügen  wir  hier  gleich  hinzu,
M  man  auch  die  Verfälschung  durch
.uchorie  nicht  verschmäht  und  davon
¿#,628  et,.  (1,531,720  g%f.)  einfühle.
Uler  wachsenden  Beliebtheit  erfreut  sich

221
ZWUM
2o,ibc„,  Siberpool,  «Bnßoi,  Gbinbiirg;  ber
Rübenzucker  hat  erst  1868  mit  der  Gründimg
  einer  Fabrik  einen  Anfang  gemacht.
Daher  ist  G.  fur  semen  Bedarf,  der  größer
ist  alö  m  irgend  einem  andern  Land  (man
rechnet  auf  deu  Kopf  der  Bevölkerung
M 9 r 4 tM'  'U  Deutschland  6,7  kg),  auö-SÄVtan
  1879:"' Wt
^Raffinierter  und  KaudiS.  82,7  Mill  Mk
Rohzucker  358,6
Melasse  5,«
Glykose  o,o

Zusammen:  452,o  Mill.  Mk.
wogegen  nur  für  19,4  Mill.  Mk.  Raffinade ­
  eigner  Produktion  und  für  12  Mill.
Mk.  fremder  zur  Ausfuhr  gelangten.
B.  Biel,zucht.
Wenn  die  Wcideländcreien  soivohl  als
die  nut  Futterkräutern  bebauten  Flächen
^"sdchnung  zunehmen,  so  vollzieht
sich  dieser  Vorgang  doch  ohne  entsprechende
Annahme  des  Viehstands.  Zwar  werden
in  neuerer  ßeit  ,11%  %inber  gesten,
Schafe  und  Schweine  dagegen  haben  abgenommen. ­
  Man  zählte  1879:  "
Werbe.  .  2919653  !  Schafe  .  32  174  969
Rinder.  .  9923450  ş  Schweine  3163549
Der  Pferdehandel  ist  kein  ansehnlicher;  der
7%-n  ^ef^rk»  belief  1879  #
aber  zu  den  wertvollern  gehören,  ist  daraus ­
  ersichtlich  daß  sie  nur  5018  zählten,
wahrend  15,246  eingeführt  wurden.  Der
Viehhandel  ist  aber  vornehmlich  wichtig,
msofern  er  den  Fleischkonsum  decken  hilft.
Der  Handel  mit  lebendem  Vieh  wurde
früher  nur  mit  dem  europäischen  Kontinent ­
  (Holland,  Deutschland)  betrieben,  in
neuester  Zeit  aber  auch  in  immer  mehr
zunehmendem  Maß  mit  Nordamerika
Eigens  für  den  Viehtransport  bestimmte
pmnpfcr  ge^en  regelmäßig  bouRben
KA  %  üc  3"borle  bon
pi!*,  fripin,  gefargenein,  bnferbier,
tem,  Schinken  und  Speck  enorm  gestiegen
        <pb n="230" />
        222

Großbritannien  (Urproduktion:  Forstwirtschaft).

Diese  Importe  erreichten  1879  einen
Wert  von  413  Milt.  Mk.  und  zwar:

Rinder  .
Schafe  .-Schweine

Rindfleisch

Schweinefleisch.  1,4
Fleischkonserven  54,6
Schinken.  .  .  40,o
Speck....  137,5

Dazu  kommen  840,819  Ctr.  Schmalz  im
Wert  von  28,4  Mill.  Mk.,  also  eine  Eiufuhr,
  die  441  Mill.  Mk.  überstieg.  Aus
den  Bereinigten  Staaten  und  Kanada
kamen  nicht  weniger  als  100,470  Rinder, ­
  191,914  Schafe  und  19,747  Schweine.
Die  Wo  Istproduktion  aller  Herden  berechnet ­
  man  auf  137,7  Mill.  Pfd.  jährlich,
so  daß  G.  unter  den  europäischen  Staaten
hierin  nilr  von  Rußland  überragt  wird.
Diese  Produktion  genügt  aber  den  Bedürfnissen ­
  der  hoch  entwickelten  Industrie
keineswegs;  doch  importiert  England  in
erster  Linie  ans  Australien,  dann  vom
Kap,  Britisch-Jiidien,  Rußland  weit  über
seinen  Bedarf  hinaus,  um  wiederum  von
seinem  großen  Markt  zu  London  die  verschiedensten ­
  Länder  des  Kontinents  zu
versorgen.  Die  Importe  betrugen  1878:
941,550,1879:  1,002,150  Wem  1878
war  der  Durchschnittswert  eines  Ballens
375  SM.,  1879  mir  330  M.  .  3,t  bem
letzten  Jahr  wertete  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr-Schafwolle
  .  .  465,o  302,o
Andre  ...  5,6  —
Englands  Produktion  an  Butter  und
Käse  ist  eine  sehr  bedeutende,  auch  ist  die
Qualität  des  Produkts  eine  gute;  der  Bedarf ­
  wird  aber  nicht  befriedigt.  Gegen  einen
Export  von  4,7  Mill.  Mk.  für  Butter  und
1,i  Mill.  Mk.  fürKäse  in  1879  ist  ein  Import ­
  von  Butter  für  207,6  Mill.  Mk.,  Käse
für  76,5  Mill.  Mk.  zu  setzen-  Als  fernere
Nahrungsmittel,  deren  das  Land  bedarf,
kommen  hinzu  :  Eier  (meist  aus  Frankreich)
für  45,9  Mill.,  Geflügel  und  Wild  für  8
Mill.,  Reis  (vornehmlich  aus  Ostindien)
für  69,6  Mill.  Mk.,  wovon  für  39,8  Mill.
Mk.  wieder  exportiert  wurde,  Sago  für
3,5  Mill.  Mk.  n.  a.,  so  daß  England  jährlich ­
  kolossale  Summen  für  diese  Waren
zu  zahlen  hat.  Wie  groß  die  einheimische

Erträge
Weizen  644
Gerste  396
Hafer  576
Bohnen  und  Erbsen  .  126
Mais  .  .  .  .  .  .  -
Getreide:  1742
Kartoffeln  333
Milch  520
Käse  und  Butter  .  .  270
Fleisch  1640
Wolle  170
Heu  -..320
Stroh  für  Städtcbedarf  120

Zufuhren
640
100
100
40
140
1020
20
280
440
440

2200

Produktion,  wie  bedeutend  aber  auch  die
vom  Ausland  bezogenen  Mengen  sind,
zeigt  folgende  Aufstellung  für  1870—71:

Zusammen:  5115
Trotz  der  massenhaften  Konsumtion  von
Fleischtieren  und  des  hieraus  resultieren-  ■
den  Ergebnisses  von  Häuten,  Haaren,  Hörnern, ­
  Talg  ist  der  Import  dieser  Artikel
noch  ein  außerordentlicher  und  zwar  1879
(in  Millionen  Mark):
Hörner  ...  3,o  I  Borsten  ...  4,9
Haare  .  .  .  21,5  |  Häute  .  .  .  64,o
Die  Haupthäfen  für  überseeische  Häute
sind  Londoil  und  Liverpool.  Ausgeführt
wurden  1879  für  26  Mill.  Mk.  Häute
und  gcgeil  3  Mill.  Stück  Schaf  -  und
Lammfelle.  Die  Einfuhr  von  Talg  endlich ­
  hatte  1879  einen  Wert  von  42  Mill.
Mk.  bei  einer  Ausfuhr  von  6,i  Mill.  Mk.
C.  Forstwirtschaft.
Unter  allen  europäischen  Staaten  hat
das  britische  Reich  das  geringste  Waldareal, ­
  nur  3,2  Proz.  Wohl  sind  zahlreiche ­
  kleinere  Baumbestände  über  Felder
und  Weiden  zerstreut,  die  englische  Eiche
ist  berühmt  als  Schiffbauholz,  und  in
Schottland  sind  wertvolle  Waldungen  in
den  Grafschaften  Perth,  Roß  und  Jnvcrneß
  ;  aber  doch  muß  fast  der  ganze  Bedarf  an
Holzmaterial  importiert  werden  und  zwar
vornehmlich  aus  Norwegen,  Britisch-Nordamcrika,
  Schweden  undDeutschland.  Die
Importe  von  Holz  betrugen  1879  :  221,2
Mill.  Mk.,  davon  (in  Millionen  Mark):
Behauenes  58,2
Gesägtes,  gespaltenes  rc  141,3
Stäbe  8,2
Mahagoni  7,3
Andre  Schmuckholzer  6,2
Eine  nennenswerte  Ausfuhr  findet  dagegen ­
  gar  nicht  statt.  Dasselbe  gilt  von  den
        <pb n="231" />
        Großbritannien  (Urproduktion:  Jagd,  Fischfang,  Bergbau).

Rinden  und  Hölzern,  welche  zu  verschiedenen ­
  Zwecken,  zum  Gerben  unb  Färben ­
  re.,  eingeführt  werden.  Es  betrug  die
Einfuhr  1879  (in  Millionen  Mark)  von:
Farbhölzern  8,7
Chinarinde  19,4
Gerbcrrinde  3,2
Rindenextrakt  g’ 7
D.  Zagd.
@0  (11^  bie  3agb  in  @.
betrieben  wird,  so  unbedeutend  sind  doch
Wie  groß  die  Mengen  von  Wild  sind,
welche  vom  Ausland  importiert  werden,
wurde  schon  oben  bemerkt.  Weit  wichtiger
%  ober  ber  #tbcl  mit  ;  Bonbon
$  Stapelplatz  der  großen  amerikanischen
Pelzwerkgesellschaften.  Die  Hudsonsbaigesellschaft ­
  importierte  1875:

Bisam  .  .  .604000
AnierikamZobel  62000
Kaninchen  .  .  49000
Biber.  .  .  .loi000
àzc.  .  .  .63000
Luchse  und  wilde
Katzen.  .  .  16000
SWs...  2400
Fuchse,  weiße  .  4000

Füchse,  rote  .  .  7700
Kittfüchse  .  .  .  2700
Wölfe  ....  1600
Seehunde.  .  .  5200
Fischottern  .  .  2200
Bären  ....  5900
Ottern....  9900
Waschbären  .  .  1600
-  Dachse....  2000
®od)  auch  ans  andern  Gegenden  werden
Massen  von  Pelzwcrk  zugeführt.
Der  Wert  der  Londoner  Nauchwarenimhorte
  betrug  1878  über  15,sMill.  Mk.,
dazu  konnirt  noch  der  nicht  inbegriffene
Wert  des  Elfenbeins  (8  Mill.  Mk.),  der
Zähne  und  des  Thrans  von  Seekühen  und
Walrossen;  ferner  der  großartige  Handel
mit  Federn,  1879  importierte  man  für
22,9  Mill.  Mk.  Schmuckfedern  (vornehmlich ­
  aus  Südafrika  Straußenfedern)  und
für  l,6Mill.Mk.  Bettfedern.  Die  Ausfuhr
ist  aber  auch  nicht  unansehnlich;  so  gingeil
  1879Schmuckfedern  für  9,8  Mill.  Mk.
Und  Pelzfclle  für  nahe  an  4  Mill.  Mk.,
letztere  nameiltlich  nach  Deutschland,  erstere ­
  nach  Frankreich  und  Nordamerika.
E.  Fischfang.
Die  Großfischerci  war  in  frühern  Zeilen ­
  eine  eifrig  verfolgte  und  sehr  gewinnbringende ­
  Beschäftigung;  aber  der  Walfang ­
  hat  jetzt  seine  Bedeutung  fast  gänzlich ­
  verloren,  und  die  Industrie,  welche
wner  Produkte  bedarf,  ist  fast  ausschließlich ­
  auf  den  Import  fremdländischer  Pro-223


SpaSSS
Aber  die  Binnengewässer  und  die  benachbarten ­
  Meere  liefern  beträchtliche  Mengen ­
  nicht  allein  für  den  Tisch  der  Bewohner, ­
  sondern  auch  für  die  Ausfuhr.  Der
Export  von  einheimischen  Fischereiprodukten ­
  umfaßt  namentlich  Lachs,  Stockfisch,
Hermge,  Strömlinge  und  Austern.  Der
stärkste  Heringssang  kommt  bei  den  schottischen ­
  Orkney  -  und  Shetlandinseln  vor
nnd  der  größte  Teil  dieser  Erträge  geht
nach  Deutschland.  Es  wurden  von  Heringen ­
  ausgeführt  (in  Millionen  Mark):
1878:  18,6  (davon  »ach  Deutschland  14,9)
1879:  21,2  (  .  -  i6,7)
Bang  in  %WerW  aMn  mürbe
1877  von  1596  Booten  ausgeführt  und
hatte  den  Wert  von  9,3  Mill.  Mk.,  davon
S)eutf#nb  für  8,6  3m.
Ml-  An  Austern,  die  in  Essex  und  Keilt
gezüchtet  werden,  wurden  in  den  lesiteli
bciben  garren  für  ca.  960,000  ÜRf.  inS
Ausland  versandt.  Das  jährliche  Erträg-ÏÂSKSiriSiï

PBSSffife
a.merlka,  ferner  an  gepökelten,  gesalzenen,
eingemachten  Fischen  283,968  Ctr.  ans
Kanada,  178,534  Ctr.  aus  den  Bereinigten ­
  Staaten,  145,000  Ctr.  ans  Norwegen.
101,742Gk.  aus  Frankreich  re.  DerWert
der  Ausfuhr  von  Fischen  betrug  1879:
34,533,780  Mk.,  davon  28,343,100  Mk.
Produkt  der  britischen  Fischereien,  und
F»  Bergbau.
3«  England,  Wales  und  Schottland
beschäftigte  der  Bergbau  nach  der  Anfnahnle
  von  1873:  428,000  Köpfe.  Edle
Metalle  sind  zwar  nur  in  ganz  geringen
Mengen  gefunden  worden,  dafür  geben
aber  die  Kupfer-,  Zinn-,  Blei-'  und
Eiscngruben  und  mehr  als  alle  die  Steinkohlengruben
  vollen  Ersatz.
        <pb n="232" />
        224

Großbritannien  (Bergbau:  Kohlen,  Erze).

Die  Steinkohlen  stehen  unter  allen
bergmännischen  Produkten  obenan.  Die
Ausdehnung  der  aroßbritannischeu  Kohlenfelder ­
  wird  auf  ca.  25,000  qkm  veranschlagt, ­
  von  denen  etwa  72  Proz.  auf
England,  26—27  Proz.  auf  Schottland,
der  Rest  mit  1—2  Proz.  auf  Irland
entfällt-  DieeinzelneuProduktionSreviere
rangieren  ihrer  Bedeutung  nach  etwa  wie
folgt:  1)  Durham  und  Northumberland;
2)  Yorkshire  und  Derbyshire;  3)  Schottland; ­
  4)  Wales,  Monmouthshire,  Gloucestershire ­
  ;  5)  Lancashire;  ^Staffordshire,
Worcestershire,  Cheshire;  7)  Nottinghamshire, ­
  Leicestershire,  Warwickshire;  8)  Cumberland ­
  und  Westmoreland.  Die  übrigen
Gebiete:  Shropshire,  Somersetshire  und
Irland,  kommen  mit  ihrem  Absatz  über
den  lokalen  Verkehr  wenig  hinaus.
Die  Größe  der  Produktion  wurde  1810
auf  34,572,000  Ton.  geschätzt  und  ist  von
da  bis  auf  die  jetzige  Zeit  unentwegt
gestiegen,  nicht  so  aber  auch  der  Wert
derselben,  welcher  1873  seinen  Höhepunkt
erreichte  und  von  da  ab  schnell  siel.  Denn
man  veranschlagte  den  Wert  der  1873
produzierten  127  Mill.  Ton.  Kohlen  auf
952,6  Mill.  Mk.,  dagegen  den  Erlös  der
1878  ücfikbctkii  133'am.  Z.
auf  nur  928,6  Mill.  Mk.  Die  Zahl  der
Arbeiter  verminderte  sich  von  536,000  in
1875  auf  494,000  in  1877,  aber  dabei
wuchs  die  Produktion  von  132  auf  135
Mill.  T.  Das  Vereinigte  Königreich  lieferte ­
  1878  aus  allen  Kohlenfelderu  134,72

Mill.  T.,  und  zwar:
Durham  und  Northumberland  .  .  .  30,ci
Uorkshire  und  Derbyshire  23,14
Stafford,  Worcester  ic  21,17
Lancashire  18,35
Südwales  18,79
Schottland  18,12
Übriges  Großbritannien  und  Irland.  4,54

als  1871.  Die  teucril  Preise  von  1873
bewirkten,  daß  man  etwas  weniger  verschwenderisch ­
  mit  der  Kohle  umging  und
wie  in  Frankreich,  das  jährlich  700,000
Kohlenbriquetts  aus  Eardiffer  Kohlenstaub ­
  fabriziert,  durch  Kompression  Kohlenziegel ­
  herzustellen  anfing,  jetzt  etwa
200,000Ton.  jährlich.  DieKohlenprodultion
  betrug  1876:133,345,000  T.,  1877:
134,611,000  %.,  1878:  132,655,000%.
Wenn  man  mit  Neumann-Spallart
die  Kohlenproduktion  der  Erde  auf
291,788,326  Ton.  annimmt,  so  ersieht
man  daraus,  ein  wie  bedeuteirder  Anteil
ans  England  entfällt.  Die  glückliche  Lage
der  Kohlenreviere  in  der  Nähe  der  Meere
begünstigt  aber  den  Handel  ungemein,  imb
die  britische  Kohle  beherrscht  infolgedessen
die  Küsten  von  Spanien,  Frankreich,  Dänemark, ­
  Norwegen,  Schweden  und  Rußland ­
  durchaus.  An  den  deutschen  Gestaden ­
  der  Nord-  und  Ostsee  ist  sie  in  neuester
Zeit  in  einen  zähen  Konkurrenzkampf
mit  den  westfälischen  und  obcrschlesischen
Zechen  verwickelt  worden,  wobei  sie  Hamburg ­
  und  Bremen  fast  gailz,  die  baltischen
Häfen  zum  großen  Teil  verloren  hat.
Aber  englische  Kohle  dringt  ins  Mittelmeer ­
  bis  zu  dessen  östlichen  Grenzen,  der
Türkei  und  Ägypten,  sic  wendet  sich  nach
Ostasicn  und  China  ebenso  wie  nach  Westindien, ­
  Eentralamerika,  Brasilien  und
den  übrigen  Häfen  des  Atlantischen  und
PacifischenOceans.  G.führtca.  Vu  seiner
geförderten  Kohlen  ans.  Der  Wert  der
Ausfuhr  betrug  1876:  181,83,  1877  :
159,86,  1878:  146,Gi,  1879:  144,13  Mill.
Mk.  Dieser  Rückgang  deö  Werts  bedeutet ­
  nicht  zugleich  auch  den  Rückgang  der
Erportmengen,  welche  sich  vielmehr  wesentlich ­
  gehoben  haben.  Die  Ausfuhr  von
Kohle  (ohne  Koks  und  Briquetts)  betrug
1879:15,740,082Toil.,davon  gingen  nach:

Das  lebhafte  Geschäft  1871—73  rief  eine
Menge  kleiner  Unternehmungen  ins  Leben. ­
  Die  Zahl  der  im  Betrieb  stehenden
Gruben  war  Ende  1875  auf  4500  gestiegen. ­
  Nach  1876  kam  der  Rückschlag,  und
270  jener  Unternehmungen  haben  schon
aufgehört  zu  existieren;  aber  noch  standen ­
  im  Januar  1879  im  Betrieb  1130
Kohlcnwerke,  eine  erheblich  größere  Zahl

Tonnen
Frankreich  .  3190280
Deutschland  .  2022930
Italien  .  .  1304770
Rußland  .  .  1149250
Skandinavien  1070320

Tonnen
Dänemark.  .  779450
Spanien  .  .  719040
Ägypten  .  .  512780
Britisch  -  Indien ­
  .  .  .  471800

Eisenerze  sind  nicht  allein  in  großen
Mengen  vorhailden,  sie  sind  ailch  vorzüglich ­
  und  liegeil  noch  dazu  meist  in  nicht
        <pb n="233" />
        225

Großbritannien  (Bergbau:  Kohlen,  Erze,  Salz).

großer  Entseriiung  von  den  Kohlengruben
und  den  Lagerstätten  der  kalkhaltigen  Zuschläge. ­
  Der  Quantität  der  Förderung
nach  geordnet,  kommen  zuerst  die  Clcvelauderze
  in  Yorkshire,  die  Thon-  und
Kohleuciseusteine  in  Schottland,  Staffordshire, ­
  Yorkshire,  Wales  und  Shropshire,
der  Brauneisenstein  in  Devonshire,  Gloucester, ­
  Wiltshire,  Northamptonshire  und
Shropshire,  Roteisenstein  in  Lancashire
und  auf  der  Insel  Man,  Spateiscnstcin
"l  Northumberland,  Durham  und  Soniersetshire.
  Die  Gesamtproduktion  an
Elsenerzen  betrug:
I860:  8,ir&amp;gt;  Mill.  Ton.  49,2  Mill.  Mk.
1870:  14,oo  -  -  98,8  .
1872:  16,85  -  -  155,6  -
1875:  16,07  -  -  119,4  -
1878:  15,98  -  -  112,2  -
Dazu  importiert  England  bedeutende
Mengen  aus  Spanien,  Elba,  Algerien,
uamentlich  Sorten,  welche  sich  zur  Herstellung ­
  von  Bessemerstahl  eignen,  wählend ­
  cs  wenig  ausführt;  eö  zieht  vor.  die
Bodenschätze  als  Fabrikate  mit  Preisaufschlag ­
  für  Arbeitü-  und  Kapitalrente  zu
exportieren.  1879  betrug  die  Ausfuhr
49,536  Ton.  gegen  eine  Einfuhr  von
1,085,045  T.  im  Wert  von  21,003,340
Mark.
Weit  weniger  beträchtlich  ist  der  Ertrag
der  übrigen  Bergwerke.  Zinnerze  finden
sich  in  Cornwall,  Devon  und  Somerset,
Kupfererze  ebenda,  weniger  in  andern
Grafschaften,  Bleierze  hauptsächlich  in
Wales  und  Shropshire  und  im  nördlichen
England,  Zinkerze  namentlich  auf  der
Insel  Man  und  in  Wales  und  Shropshire. ­
  Der  Ertrag  sämtlicher  Bergwerke,
Salinen  und  Steinbrüche  war  1878:
1125,289,000  Mk.;  davon  kamen  (in
Tausenden)  auf:
Steinkohle.  928255  Kupfererz.  .  4029
Eisenerz.  .  112190  Zinkerz  .  .  1611
Bleierz  .  .  16028  Solz  .  .  .  26839
Zinnerz.  .  10615  Thon  .  .  .  13557
Dabei  importiert  die  britische  Hüttenindustrie ­
  noch  große  Mengen  von  Erzen  aus
Australien,  Südamerika,  Spanien,  um
dieselben  in  ihren  Hüttenwerken  zu  verarbeiten. ­
  Die  wichtigsten  Importe  waren
%  (in  ÜW):
Handclsgeographie.

Kupfererz  .  .  40,o
Manganerz.  .  0,8
Schwefelkies  .  21,o
Schwefel  .  .  4,o

Silbererz  .  .  14,5
Kalisalpeter  .  5 (8
Natronsalpeter  30.g
Bleierz  ...  3,7

Bergbau  nnb  Hüttenbetrieb  haben  indes
infolge  des  Fallens  der  Preise  und  durch
ausländische  Konkurrenz  gewaltig  gelitten. ­
  So  betrug  1878  das  stiominaltapital
von  45  Aktiengesellschaften  349  Mill.  Ml.,
hatte  aber  einen  Kurswert  von  nur  222
Mill.Mk.,  stand  also  36  Proz.  unter  pari,
während  cs  1874  noch  23  Proz.  Prämie
erzielte.  1873  kostete  die  Tonne  schottisches
Roheisen  145  Mk.,  1879  nur  47  Mk.
bricht  die  Menge  der  Erträge,  wohl  aber
der  Preis  nahm  ab.  Die  aus  britischen
Erzen  erzeugten  Metalle  hatten  1873
einen  Wert  von  428  Mill.  Mk.,  1875
von  370  Mill.,  1878  von  ca.  366  Mill.
1878  waren  Erträge  und  Werte:
Roheisen  6381000  Tonnen  323099840  Mark

Blei
Zinn
Kupfer
Zink
Silber
Gold

58020
10106
3952
6309
13362  Kilogr.
22

19449820
13261600
5420840
2460500
1890440
56960

Zusammen:  —  365640000  Mark
In  der  Eisenindustrie  standen  Ende  Februar ­
  1880:  597  Hohöfen  im  Betrieb,  aber
Ende  September  standen  41  wieder  kalt,
und  nur  der  Rest  wurde  betrieben.  (Da
die  Statistik  in  den  Einfuhr-  und  Ausfuhrlisten
  zwischen  Metall  und  Metallwaren
  nicht  immer  genau  unterscheidet,
so  geben  wir  die  Handelsbewegung  unter
den  Fabrikaten  weiter  unten.)
Salz  wird  namentlich  in  Cheshire,
Worcestershire  und  Staffordshire  gewonnen; ­
  doch  scheint  die  Industrie  erst  in
ihrer  eigentlichen  Entwickelung  begriffen
zu  sein.  Die  Zahl  der  Sudpfauuen  betrug
1867  :  752,  1876  aber  1311,  imb  1875.
wo  1261  Sudpfanuen  arbeiteten,  wurden
35,600,000  Ctr.  Sudsalz  geliefert,  während ­
  die  Produktion  von  Steinsalz  in
Cheshire  3,161,000  Ctr.,  in  Carrickfergus
(Irland)  661,000  Ctr.  ergab.  Da  die
Salzgewinnung  völlig  freigegeben  und  nubcstcuert
  ist,  so  ist  die  Produktion  sehr  billig
und  der  Außenhandel  begünstigt.  Derselbe
ist  demgemäß  auch  von  Jahr  zu  Jahr  ge-15
        <pb n="234" />
        226  Großbritannien
wachsen.  Der  Export  betrug  1879:
959,644  Ton.  im  Wert  von  über  41  Mill.
Mk.  Hauptabnehmer  für  englisches  Salz
waren  1879:  Nordamerika  272,270  T.,
Ostindien  309,340  T.,  Britisch-Nordamerika
  80,891  T.,  Rußland  54,910  T.,
®euli#nb  43,870%.,  (Belgien  52,070%.
III.  Industrie.
In  keinem  Land  steht  dieselbe  so  hoch
wie  hier,  und  es  gibt  keinen  Zweig  derselben, ­
  der  nicht  zu  hoher  Vollkommenheit
gebracht  worden  wäre.  Das  ausgebildete
Maschinenwesen  erspart  teure  Handarbeit, ­
  und  die  günstige  Lage  für  den  Weltverkehr ­
  erleichtert  den  Absaß  der  Fabrikate,
mit  denen  G.  die  ganze  Welt  versorgt.
Zur  Förderung  der  gewerblichen  Industrie ­
  bestehen  in  London  die  Gesellschaft
zur  Aufmunterung  der  Künste  und  das
South  Kensington-Museum.  ES  besteht
völlige  Gewerbefreiheit,  doch  ist  dieselbe
gewissen  geschlichen  Beschränkungen  unterworfen; ­
  auch  die  Verhältnisse  zwischen
Arbeitgebern  und  Arbeitnehmern  sowie
die  Arbeiten  in  den  Fabriken  sind  durch
besondere  Gesetze  geregelt.  Nach  Fairbairn
arbeiten  sämtliche  Dampfmaschinen  des
Landes  mit  11  Mill.  Pferdekräften,  und
da  7  Mcnschenkräfte  —  1  Pferdekraft,  so
verrichten  sämtliche  englische  Dampfmaschinen ­
  eine  Arbeit,  zu  welcher  77  Mill.
Männer  nötig  wären,  was  den:  mannskräftigen ­
  Teil  einer  Bevölkerung  von  250
Mill.  Menschen  entspräche.

A.  Textilindustrie.
In  keinem  cutbcni  Land  hat  dieser
Erwerbszlveig  eine  gleiche  Ausdehnung.
Nach  einer  Schätzung  exportierten  die  vier
Industriestaaten  :  Frankreich,Deutschland,
Österreich  und  Belgien  1875—76  rund
für  2113,2  Mill.  Mk.,G.  zu  derselben  Zeit
für  2585  Mill.  Mk.,  also  um  472  Mill.
Mk.  inehr  als  jene.  Das  Anwachsen  der
englischen  Textilindustrie  ist  ein  außerordentliches ­
  gewesen:

Etablissements  .  .
Spindeln  .  .  .  .
Mechanische  Stühle.
Männliche  Arbeiter.
Weibliche  Arbeiter  .
Arbeiter  insgesaint.

1850  1874
4330  7294
25638710  45793107
298916  667711
246867  394044
349215  611641
596082  1  005665

(Textilindustrie).

Es  uahm  also  die  Zahl  der  Etablissements ­
  um  68,4  Proz.  zu,  die  der  Spindeln
um  78,6,  der  mechanischen  Stühle  um
123,4,  der  Arbeiter  um  68,7  Proz.,  wobei
die  verhältnismäßig  lveit  stärkere  Zunahme
der  weiblichen  Arbeiter  zu  bemerken  ist.
1)B  a  um  w  o  l  li  n  d  u  st  r  i  e.  Nicht  allein
unter  allen  Zweigen  der  Textilindustrie,
arlch  unter  allen  Industrien,  die  für  den
Export  arbeiten,  überhaupt  nimmt  die
Baumwollindustric  den  erstell  Rang  ein.
Von  dem  gesamten  Quantum  von  Rohbaumwolle,
  das  aus  den  verschiedcneil  Produktionsgebieten ­
  dem  europäischen  Markt
zugeführt  wird,  empfängt  England  in  seinen ­
  beiden  großen  Einfuhrhäfen,  London
und  Liverpool,  weit  über  die  Hälfte.  Freilich ­
  hat  diese  Einfuhr  nicht  unwesentlich
abgenommen,  sie  sank  von  3,708,030
Ballen  1875  stetig  auf  3,015,840  Ballen
1878  und  hob  sich  erst  wieder  1879  auf
3,359,230  Ballen  oder  bei  einem  Durchschnittsgewicht ­
  deö  Ballen«  von  195  kg
cuts  ca.  655  Mill.  kg.  Und  während  in
den  letzten  17  Jahren  die  Arbeitskraft  der
englischen  Fabriken  um  10  Vs  Mill.  Spindeln ­
  wuchs,  stieg  dieselbe  in  den  nichtenglischen ­
  um  12  Ätill.  In  ähnlicher  Weise
hat  sich  das  Verhältnis  deö  verarbeiteten
Rohstoffs  geändert.  In  Prozenten  entsielcn
  auf  die  Baumwollfabrikcn  von:

1870  1877  —  78

Großbritannien....  47,9  40,s
Europäischer  Kontinent  .  31,4  33,7
Vereinigte  Staateil  .  .  19,3  22,o
Indien  1,4  3,i

Bei  einem  absolut  höher»  Verbrauch,
2,988,000  9Men  4870  gegen  2,983,000  in
1878,  ist  relativ  ein  Rückgang  um  9  Proz.
eingetreten,  in  welchen  Prozentsatz  sich  die
drei  Gebiete  ziemlich  gleichmäßig  teilen.
In  jüngster  Zeit  hat  freilich  der  Konsum
von  Baumwolle  durch  englische  Spinnereien ­
  eher  ab-  als  zugenommen.  Es  betrug
die  Koilsumtion:

1875  :  3105120  Ballen
1876:  3095070  -
1877:  2997540  -

1878:  2705310  Ballen
1879:  2717370
1880:  3  067370  -

1879  entfielen  alls  Liverpool  2,651,150,
auf  Loildou  66,220  Ballen.  In  ganz
gewaltiger  Weise  sind  aber  die  Export-
        <pb n="235" />
        227

Großbritannien  (Textilindustrie:  Baumwolle,  Wolle).

Ziffern  in  den  lebten  fünf  Jahren  heruntergegangen ­
  ;  es  betrug  nämlich  die  Ausfuhr

1875:  706210  Ballen  1878:  363  710  Ballen
1876:  523590  -  1879:  484320
1877:  437420

Für  den  Export  ostindischer  Baumwolle
ist  jetzt  London  weit  wichtiger  als  Liverpool,
denn  eS  exportierte  davon  204,250  Ballen
gegen  nur  100,800  von  Liverpool.  Ostindische ­
  Baumwolle  bildet  überhaupt  den
großern  Bestandteil  der  englischen  Ausfuhr, ­
  1878:305,060  Ballen  gegen  149,610
amerikanische.  —  Die  Entwickelung
der  Baumwollindustrie  in  den  letzten  30
Jahren  ist  eine  kolossale  gewesen;  1850
bestanden  nur  1932  Etablissements  mit
20,977,000  Spindeln,  dagegen  ergab  die
offizielle  Erhebung  für  1878:  Etablissements ­
  2674,  Spindeln  39,527,920,  Maschinenstühle ­
  514,911,  Arbeiter  482,903.
Der  bedeutendste  Distrikt  für  die  Baumwollindustrie
  ist  Lancashire;  dort  und  in
den  angrenzenden  Distrikten  befinden  sich
an  1900  Baumwollspinnereien  und-Webereien, ­
  deren  Anlagekostcn  1050  Mill.  Mk.
betragen  haben  sollen.  Darunter  sind  1500
Privatfirmen  mit  Kapitalien  von  1  Mill,
mis.  a,i  20  am.  m.
gebiete,  welche  früher  von  größter  Wichtigkeit ­
  waren,  verschließen  sich  mehr  und
mehr.  Die  Vereinigten  Staaten  importierten ­
  1871—72  noch  für  148,3  Mill.
Mk.  Baumwollfabrikate,  1879  nur  noch
für  83,7  Mill.,  wahrend  sie  selbst  in  den
betrcfsenden  Jahren  für  9,7  Mill.,  resp.
45,8  Mill.  Mk.  ausführten.  Ostindien
fängt  an,  konkurrierend  auf  dem  chinesischen ­
  Markt  aufzutreten.  Die  Ausfuhr
von  Baumwollgarn  (Twist)  aus  G.  wertüc
  1877:243,8  9m.,  1878:260,3  971111.,
1879:  242  9m.,  1880:  238,i  9m.  9711.
und  verteilte  sich  im  letzten  Jahr  (in  Mil-"onen
  Mark)  auf:

Rußland  .
Deutschland
Riederlande
Belgien.  .
Frankreich.
Italien

12.1
33,5
34,a
8,3
8,8
9.9

Österreich
Türkei  .
Ägypten
China  .
Japan  .
Brit.-Indien

1.9
8.9
2.»
17,3
22,6
76,2

außerordentlich  ist  die  Zunahme  der
Muhr  nach  Ostindien  gewesen,  gegen
1079  um  50  Proz.,  von  29  Mill,  auf  44

S  Ek"  "MSSaNit  um  ca.  2,3
Mill.  Pfd.;  dagegen  ist  m  derselben  4eit
bic  Ausfuhr  nach  Deutschland  um  3  Mils
Pfd.,  die  nach  der  Türkei  um  8  Mill.  Pfd'
zurückgegangen.  Während  aber  Baumwollgarn ­
  sich  stetig  in  seiner  Wertziffer
verringerte,  zeigt  die  Ausfuhr  von  Baumwollmanufakten
  1880  gegen  1879  eine
Zunahme  von  ca.  232  Mill.  Mk.,  und
dabei  war  die  Quantität  des  Exports  um
nur  ca.  700,000  Yards  großer.  Es  wurde
ausgeführt  1878  für  1058,4  Mill.,  1879  :
1036,9  Mill.,  1880:  1273,i  Mill.  Mk.,
nämlich:

Gewebte  Waren  .  .  .  1153,6  Mill.  Mark
MH-  und  Stopfgarne  .  41,5
Struinpfwarcn....  18,8  -
Spitzen  und  Patent-Net  39,4  .
Andre  Artikel  ....  19,9  -
Diese  Stoffe  gehen  in  die  ganze  Welt;
es  gibt  wohl  kein  Land  und  kein  Volk,  zu
welchem  nicht  irgend  welche  Produkte  der
englischen  Baumwollindustrie  gedrungen
wären.  Die  Hauptkonsumenten  sind  aber:
Britisch-Indien,  die  Türkei  und  China.
1880  war  der  Absatz  von  Geweben  nach:

Brit.  -  Indien  .  384,2
Türkei  .  .  .  106,8
China  .  .  .  105,2
Brasilien  .  .  64,7
Ägypten  .  .  35,2
Westindicn.  .  36,2
Ver.  Staaten.  35,o

Frankreich  .  .  21,3
Java....  20,8
Australien  .  .  27,o
Deutschland  .  14,6
Italien  .  .  .  17,6
Niederlande  .  14,2
Argentinien  .  17,8

Die  Ausfuhr  nach  Deutschland  zeigt  ein
sehr  bedeutendes  Heruntergehen,  1877:
26  9m.,  1878:  22,4  971tÜ.,  1879:  19,a
Mill,  und  1880:  14,6  Mill.  Mk.  Dafür
hat  sich  aber  der  Export  nach  andern  Ländern ­
  sehr  bedeutend  gehoben,  im  ganzen
1880  Moni  1879  um  2409m.  97Ü.  ober
24  Proz.
2)Wollindustric.  Gegen  die  Baumwollindustrie
  tritt  die  Wollindustrie  freilich
erheblich  zurück.  Die  englische  Gewerbestatistik ­
  unterscheidet  scharf  zwischen  Fabriken ­
  für  Wolle  von  kurzem  Stapel  und
für  Kammgarne  (woollen  aud  worsted
goods).  Das  Verhältnis  beider  ist  gegenwärtig ­
  :
Fabriken  Spindeln  Mechan.  Stühle
Streichgarn  1925  3  267000  59000
Kammgarn  629  2183000  82000

15*
        <pb n="236" />
        228

Großbritannien  (Textilindustrie:  Flachs,  Inte).

Dabei  waren  bei  der  ersten  Kategorie
43,000  Weber  und  138,000  Arbeiter,  bei
der  zweiten  40,000  Weber  und  142,000
Arbeiter  beschäftigt.  Man  ersieht  also
daraus,  daß,  obschon  die  Anzahl  der
Kammgarnspinnereien  kaum  ein  Drittel
der  Anzahl  der  Streichgarnfabriken  beträgt, ­
  doch  in  derselben  mehr  Spindeln,
Webstühle  und  Menschen  beschäftigt  sind.
Der  Hauptsitz  der  Fabrikation  von
Strcichgarnstoffen  befindet  sich  in  B»rkshire,
  Gloucestershire,  Somerset  und
Wilts,  jener  von  Kammgarnstoffen  in
Bradford,  Halifax,  Bork,  Leeds,  Worcester ­
  und  Norfolk,  von  wollenen  Wirkwaren ­
  in  Leicestershire,  von  Wollgarnen
in  Lancashire,  Derby  und  Borkshire,  von
Teppichen  in  Kidderminster,  Wilton  und
Arminster.  In  der  Erzeugung  von  feinen
bunten  Shawltüchern,  Plaids,  Tartans,
Tweeds  u.  a.  steht  Schottland  unübertroffen ­
  da,  Paisley  besonders  in  der
Fabrikation  von  Barège  und  ähnlichen
Kleiderstoffen.  Diese  Industrie  gibt  in
ihren  verschiedenen  Zweigen  einer  Million
Menschen  Beschäftigung  unb  verarbeitet
an  250  Mill,  kg  Rohstoffe  jährlich  zu
Geweben,  deren  Wert  1600—2000  Mill.
Mk.  beträgt.  Ferner  werden  jährlich  an
50-60  Mill.  Pfd.  alter  Wollstoffe  zìt
Mungo  oder  Shoddy  verarbeitet,  woraus
dann  teils  neue  Stosse,  teils  Tuch-und
Samttapeten  hergestellt  werden.  Außer
der  Schafwolle  werden  von  Alpakowolle
jährlich  für  10—15Mill.  Mk.hbesonders  in
Saltaire)  versponnen,  ferner  Mohair  rc.
Die  Ausfuhr  des  Jahrs  1879  wertete:
Wollgarn  68,2  Mill.  Mark
Tuch,  Coating  rc..  .  .  125,»
Kammgarnstoffe  .  .  .  148,o
Decken  und  Deckeuzeug  .  12,7
Flanell
Teppiche  und  Drogetts
Andre

8,0
16,8
222

Zusammen:  402,7  Mill.  Mark
3)  Flachsindustrie.  Hierfür  gibt  es
drei  Mittelpunkte:  Leeds  in  England,
Dundee  in  Schottland  und  Belfast  in  Irland. ­
  In  lctzterm  besteht  die  Flax  Supply
Association,  gegründet  zur  Förderung
des  Flachsbaus  und  der  damit  verbuudeneu
  Gewerbe.  1850  bestanden  393  Fabriken ­

  mit  965,000  Spindeln  unb  6100  mechanischen ­
  Webstühlcn,  dagegen  1875  in:

Arbeitskräfte

Arbeiter  ....
Fabriken....
Spindeln....
Dublierspindeln  .
Mechan.  Webstiihle

England ­


18000
155
370000
33000
3000

Schottland ­


42000
191
317000
14000
17400

Irland

50000
154
867000
20000
14900

also  im  ganzen  620  Fabrikeil,  110,000
Arbeiter,  1,712,000  Spindeln  und  34,900
Wcbstühlc  (mit  Zuziehung  hanfartiger
Stoffe  51,600).  Besonders  mächtig  hat
sich  diese  Industrie  im  nordwestlichen  Irland ­
  entwickelt.  Hier  vermehrten  sich  von
1850—74  die  Etablissements  von  69  auf
149,  die  Spindeln  von  396,338  auf
906,946,  die  Zahl  der  Arbeiter  von21,121
auf  60,316.  Aber  der  Außenhandel  hat
abgenommen;  die  ausländische  (deutsche,
französische,  österreichische,  belgische)  Industrie ­
  macht  der  euglischeir  starke  Konkurrenz ­
  auf  dem  Weltmarkt.  Die  Einfuhr
hatte  1879  folgende  Werte  erreicht  :  Leinengarn ­
  7,9  Mill.  Mark,  Leinenwaren  4,7
Mill.  Mk.,  also  ein  Gesamtwert  von  12,6
Mill.  Mk.  Und  diese  Einfuhr  ist  im  Zunehnlen
  begriffen,  während  die  Ausfuhr
zurückgeht.  Dieselbe  betrug:
1870  1879
Leinengarne  (engl.  Pfd.)  37239000  18473800
Leinenstosfe  (Yards)  .  .  226471000  160801700
Der  Wert  der  Ausfuhr  betrug  1879:
134  Mill.  Mk.,  davon:
Leinengarn.  .  24,»  I  Segeltuch...  3,9
Leinenwaren  .  93,5  |  Nähzwirn.  .  .  5,7
Die  Hauptrichtungen  des  Exports  für
Leinengarn  sind:  Spanien  (1879:  5,6
Mill.  Mk.),  Derltschland  (5,2  Mill.  Mk.),
Holland,  Frankreich,  Belgien,  Italien.
Die  Hauptrichtnngen  der  Ausfuhr  für
Leinenstosfe  sind:  die  Bereinigten  Staaten
(1879:  46,2  Mill.  Mk.),  Australien  (5,5
Mill.),  Spanisch-Westindien  (6,6  Mill.),
Frankreich  (4,4  Mill.),  Brit.-Nordamerika
(2  Mill.),  Deutschland  (5,842,000  Mk.),
Brasilien,  Kolumbien,  Argentinien  rc.
4)  Juteindustrie.  Schottland  ist  in
den  Distrikten  von  Dundee,  Glasgow  und
Arbroath  Hauptsitz;  große  Etablissements
sind  auch  in  Belfast  und  London.  Diese
        <pb n="237" />
        229

Großbritannien  (Textilindustrie:  Hanf,  Seide).

Industrie  nahm  seit  dem  Krimkrieg,  wo
inan  sich  nach  einem  Ersah  für  das  ausgehende ­
  Rohmaterial  umsehen  mußte,
einen  ungeheuren  Aufschwung,  denn  man
zählte:

Etablissements  .
Spindeln  .  .  .
Dublicrspindeln  .
Mechanische  Stühle
Arbeiter....

1801  1874
36  110
32982  220911
9274
554  9  599
5  907  37  920

Wie  außerordentlich  stark  die  Thätigkeit ­
  des  schottischen  Jnvustriebezirks  überwiegt, ­
  beweist,  daß  sich  in  dem  letztgenannten ­
  Jahr  von  der  Gesamtzahl  im
Vereinigten  Königreich  dort  vorfanden:
Etablissements  ....  76,»  Pro;.

Spindeln
Dublierspindeln.  .
Mechanische  Stühle
Arbeiter

83.7
82,o
86.7
81,5

Die  Jutefaser  wird  ausschließlich  ans
Indien  importiert,  und  zwar  stieg  derJmport
  von  364  Ctr.  im  Wert  von  1240
-Kk.,  welche  1828  aus  Bengalen  kamen,
auf  964,000  Ctr.  in  1862  und  erreichte
1879  die  Höhe  von  4,242.382  Ctr.  im
Wert  von  65,i  Mill.  Mk.  Inzwischen
hat  sich  aber  auch  auf  dem  Kontinent
diese  Industrie  lebhaft  entwickelt.  In
Frankreich  ist  Dünkirchen  ein  mächtiger
Rival,  dort  lvnrdcn  1878  schon  15,464,000
kg  Rohjutc  verarbeitet,  die,  statt  über
britische  Häfen,  direkt  kommen.  Ebenso
hat  diese  Industrie  in  Deutschland  Boden
gewonnen,  dort  wurden  1879:  14,705
Ton.  importiert.  Ostindien  selbst  verarbeitet ­
  immer  mehr  rohe  Inte,  dort  haben
Dundecr  Fabrikanten  auch  wegen  der  billigern ­
  und  ungestörtem  Arbeiter-verhältnisse ­
  Etablissements  angelegt.  Der  Er-Portlvert
  britischer  Produkte  wird  1879  auf
49,2  Mill.  Mk.  berechnet  und  zwar:  Jutegarn ­
  4  Mill.,  Jutewaren  39,2  Mill.  Mk.
Jutegarn  gingen  1879  nach  Deutschlaitb
  4,184,400  Pfd.,  von  Jutestoffen
^  1,607,000  Pfd.  Die  Vereinigten  Staalcu
  sind  nahezu  ebenso  gute  Abnehmer.
.9)  Hanfindustrie.  Es  ist  schwiegst, ­
  ja  unmöglich,  die  drei  Zweige  der
Ģachs-,  Hanf-  und  Juteverarbeitung
Istau  voneinander  zu  sondern,  da  eine
^"schung  dieser  Rohstoffe  bei  vielen  Ge-Branche

  arbeitenden  Etablissements  1861
bis  1874  von  5  Etablissements  mit
2580  Spindeln  und  607  Arbeitern  aus
61  Etablissements  mit  17,290  Spindeln
und  5211  Arbeitern.  In  derselben  Seit
stieg  der  Einfuhrwert  umMProz.  (1879:
38,3  Mill.  Mk  ).  Der  Stoff  kommt  aus
den  verschiedensten  Ländern,  1879  imdazu
  kommen:  der  Manilahanf  von  den
Philippinen  (340,765  Ctr.),  neuseeländischer ­
  Flachs,  Kokosnußfaser,  indischer
Sunn,  Chinagras,  in  großem  Umfang
auch  Jute  u.  welche  alle  in  den  Seilereien ­
  verarbeitet  werden.  Von  englischen
Seilcrwareu  (Cordage  und  Twine)  wurden ­
  J  879  exportiert  124,304  Ctr.  im  Wert
von  5,683,460  Mk.
6)  S  e  i  d  e  n  i  n  d  u  st  r  i  c.  Während
die  übrigen  Zweige  der  Textilindustrie
den  Weltmarkt  beherrschen  oder  doch  den
einheimischen  Markt  zum  größten  Teil
versorgen,  hat  die  einheimische  Seideninduitrie
  den  Leistungen  der  Franzosen  weichen ­
  müssen;  indessen  hat  auch  sic  zugenommen. ­
  Es  wurden  gezählt:

1868  1874
Etablissements  ....  591  818
Spindeln  978168  1114703
Dublicrspindeln  .  .  .  181538  221708
Mechanische  Stühle  .  .  14025  10002
Arbeiter  41017  45559
Die  wichtigsten  dieser  Spinnereien  finden
sich  in  Cheshire,  wo  1874:  27,o  Proz.  der
Spindeln,  20  Proz.  der  Arbeiter  waren.
1845  wurde,  um  die  Seidcnindustric
zu  heben,  der  Eingangszoll  auf  rohe  und
gedrehte  Seide  gänzlich  aufgehoben,  uild
der  Import  von  Rohseide  (inkl.  Scidcnabfälle)
  stieg  von  5,800,000  Pfd.  in  jenem
Jahr  schnell  auf  13,250,000  Pfd.  in
1862.  Seitdem  ist  dieser  Import  aber
ebenso  schnell  gefallen  und  bezifferte  sich
1879  auf  nur  3,924,690  Pfd.,  wovon
1876  über  6Mill.,  1879  über  3  Mill.  Pfd.
aus  China  kamen.  Die  Ausfuhr  von  englischen ­
  Seidcnwaren  betrug  1879:  gezwirnte ­
  Seide  13,»  Mill.  Mk.,  Seidenmailnfakte
  33,o  Mill.  Mk.  Dieser  Aus-
        <pb n="238" />
        230

Großbritannien  (Metallindustrie:  Eisen,  Stahl).

fuhr  steht  aber  eine  weit  bedeutendere  Einsllhr
  gegenüber,  welche  1879:  259,2  Mill.
Mk.  betrug  und  zwar:
Gezwirnte  Seide  2,4  Mill,  Mk.
Europäische  Seidenwaren  .  .  250,2
Außereuropäische  Seidenwaren  6,8  «  -
Die  Hauptabnehmer  britischer  Scidenwaren
  sind  jetzt:  Frankreich,  Deutschland,
Australien,  Britisch-Jndien,  nicht  mehr,
wie  früher,  die  Vereinigten  Staaten.  Nach
Deutschland  wurden  für  ca.  4  Mill.  Mk.
Waren  ausgeführt;  wieviel  Deutschland
nach  England  hinübersendet,  entzieht  sich
der  Berechnung,  da  seine  Exporte  meist
über  Holland  und  Belgien  gehen  und  als
Provenienzen  jener  Länder  erscheinen.
Ein  wichtiges  Requisit  für  die  Fabrikation ­
  der  verschiedenen  Bekleidungsstoffe
beim  Zeugdruck  und  Appretieren  sind  die
Gummisorten,  die  allerdings  auch  mannigfachen ­
  andern  Zwecken  dienen  müssen, ­
  wie  zur  Likörfabrikation,  Bereitung
von  Wasserfarben,  Zündhölzchen  x.  Der
Importwert  ist  bezeichnend  für  die  verschiedenen ­
  Industrien;  derselbe  betrug
1879:  für  arabisches  Gummi  5,i,  Lack  3,5,
Kauris  2,5,  audreö  Gummi  6,9  Mill.  Mk.
Iļ.  Metallindustrie.
In  der  Bearbeitung  von  Metallen  hat
sich  G.  von  jeher  ausgezeichnet,  doch  wird
es  in  einigelt  Zweigen  in  neuester  Zeit
von  Deutschland  übcrtroffen.  Nach  bcm
Census  von  1871  betrug  die  Gesamtzahl  der
in  allen  Zweigen  dieser  Industrie  beschäftigten ­
  Arbeiter  821,578  (davon  697,472  in
England  und  Wales  allein).  Für  Eisengießerei ­
  u.  -  Schmiederei  sind  Hauptcentren:
  Durham  (Stockton),  Wolverhampton, ­
  Dudley,  Westbromwich,  Merthyr-Tydsil,
  Sheffield.  Drahtzieherei
wird  am  ausgedehntesten  betriebeil  in
Halifax  uiib  Birmingham  -  Aston  ;  die
Fabrikation  von  Nägeln  konzentriert
sich  in  Süd-Staffordshire;  Hanptsitze  der
Schmiederei  von  Ankern  und  Ankerfetten
  sind:  Dudley,  Tipton  und  Westbromwich. ­
  M  a  s  ch  i  n  e  u  w  e  r  k  st  ä  t  t  e  n  finden ­
  sich  ait  zahlreichen  Plätzen.  Für  Nähnadeln ­
  sind  Nedditch,  Studley,  Sheffield ­
  ».  a.  Hauptorte;  für  Werkzeuge
aller  Art,  Feilen,  Sägen  und  Messer  ist
Sheffield-Ecclesall  Hauptproduktionsort.

1)  Eisen  und  Stahl.  Die  Hauptsitze
  für  die  Industrie  in  diesen  Metallen
sind:  Pork,  Stafford,  Northumberland,
Durham,  Südwales.  Doch  sind  die  früher
so  blühende  Eisenindustrie  und  der  Eisenhandel
  Englands  seit  einigen  Jahren  stetig
zllrückgcgangcn.Lähmend  wirktein  neuester
Zeit  die  Verbesserung  in  der  Darstellung
von  Bessemer^  und  Siemensstahl.  Da  man
Stahl  statt  Eisen  für  Lokomotiven,  für
Schiff-  und  Brückcilbauten,  Draht,  Hnfbcschlag
  n.  a.  gebraucht  und  die  Bearbeitung ­
  viel  weniger  Arbeitskraft  benötigt
als  Eisen,  so  wurden  mehrere  Tausend
Arbeiter  ihres  Erwerbs  beraubt.  Während ­
  1877  erst  89,000Ton.Siemenö-Martinstahl
  erzeugt  wurden,  belief  sich  diese
Produktion  1878  schon  auf  1V%  Mill.  T.
und  die  Zahl  der  Fabriken  auf  39.  Für
diese  Produktion  wurden  1879:1,050,167
T.  Hämatiterze  importiert.  1873  wurden
2.957.000  T.  britischer  Eisenwaren  exportiert, ­
  1879  nur  2,883,484  T.  (Wert:  351,5
Will,  m.),  1880  Aber  3,787,0001.  (%Bctt
566.140.000  Mk.)  und  zwar:
Tonnen  Tonnen

Altes  Eisen  .  241000
Roheisen,  Stangenelsen.
  .1936000
Eisenbahnschienen ­
  .  .  .  694000

Reifeisen,  Blech  280000
Verzinnte  Platten. ­
  .  .  .218000
Eisenguß  .  .  277000
Stahl  .  .  .  69000

also  Roheisen  und  altes  Eisen  1,873,000
Ton.,  Eisenprodukte  1,842,000  T.,  im
ganzen  3,715,000  T.  im  Gesamtwert  von
533,4  Mill.  Mk.,  wovon  auf  die  erste
Klasse  127,2  Mill.,  auf  die  zweite  406
Mill.  Mk.  entfallen.  Nach  Deutschland
fingen  248,000  %.  SRoWfen  (12,720,000
Mk.)  und  23,000  T.  Bleche  und  Platten,
Stab-  und  Stangeneisen,  Eisenguß  re.  für
460,000  Mk.  Der  größte  Teil  von  Roheisen ­
  (340,000  T.)  ging  nach  den  Vereinigten ­
  Staaten.—Dagegen  betrug  1879
die  Einfuhr  nur  73,o  Mill.  Mk.,  davon:
Eisen-  und  Stahlwaren  .  .  34,4  Mill.  Mk.
Eisen  in  Stäben  ...»  77,8  -  -
Die  Maschinenfabrikation,  mit
welcher  auch  oft  Schmelzhütten,  Gießereien ­
  und  andre  Anstalten  verbunden  sind,
liefern  Dampf-  und  andre  Maschinen  für
alle  erdenklichen  Zlvecke.  In  England  unb
Wales  bestanden  1876:1762  Maschinen-
        <pb n="239" />
        231

Großbritannien  (Metallindustrie:  Eisen,  Stahl  re.).

fabriken  mit  142,000  Arbeitern,  in  Schottland ­
  171  Fabriken  mit  22,300  Arbeitern,
in  Irland  51  Fabriken  mit  3400  Arbeitern, ­
  zusammen  nahe  an2000Maschinellwerkstätten ­
  mit  168,000  Arbeitern.  Der
Export  von  englischen  Maschinen  stieg
bis  1873  ununterbrochen,  fiel  dann  plötzlich ­
  bedeutend  und  hat  diese  Höhe  auch
nicht  wieder  erreicht,  denn  es  betrug  der
Wert  der  Ausfuhr  (in  Millionen  Mark):
1862  1873  1879

Dampfmaschinen  .  32,5  58,8  44,o
Aildre  Maschinen  .  49,4  141,g  102,i
Dampfmaschinen  gehen  namentlich  nach
Britisch-Jndien,  Australien,  Deutschland,
Rußland,  Spanien,  Frankreich,  Italien;
der  Export  andrer  Maschinen  richtet  sich
nach  Rußland,  Deutschland,  Frankreich,
Britisch-Jndien,  Australien,  Belgien,
Spanien  und  den  Vereinigten  Staaten.
Au  erwähnen  ist  ferner  die  seit  1835
mächtig  entwickelte  D  r  a  h  t  s  e  i  l  f  a  b  r  i  k  a  -
tlo  n  in  Birmingham,  Warrington,  Manchester, ­
  Sheffield  und  Newport,  welche
(ohne  Telegraphendraht)  1879:  37,126
Ton.  im  Wert  von  9,9  Mill.  Mk.  versandte. ­
  Die  Ausfuhr  von  Telegraphendraht ­
  und  Apparaten  bezifferte  sich  1879
oitf  50  Mill.  Mk.  Die  Waffenfabrikcn,
namentlich  von  Birminghams.  d.),  welche
schon  für  alle  Staaten  der  Erde  in  ausgiebigster ­
  Weise  produzierten,  brachten
1879  für  21,384,120  9Rf.  an  (^#^,1,
Handfeuerwaffen,  Munition  u.  a.  zur
Ausfuhr.  Die  S  ch  l  o  s  s  e  r  w  a  r  e  n  industrie
konzentriert  sich  in  Süd-Staffordshire,
dort  werden  wöchentlich  31—32,000  Stück
Schlösser  erzeugt.  Von  Nägeln  und
Schrauben  wurden  1879:14,749  Ton.  im
Wert  von  6,5Mill.  Mk.  ausgeführt;  23,000
Personen  waren  bei  dieser  Industrie  thätig.
Zur  Fabrikation  von  Anke  r  n  und  Ankerketten ­
  verbraucht  man  jährlich  mehr  als
60,000  Ton.  deö  besten  Roherzeö.  Mit
Englischen  Ankern  rüsten  sich  ausländische
Rotten  aus;  man  führt  sie  nach  Austräumn, ­
  Indien  und  Japan  aus.  Das  Gewicht ­
  der  jährlich  in  den  Schiffsdienst  kommenden ­
  Anker  beträgt  5000  Ton.,  das  der
Ankerketten  56,000  T.,  in  einem  Gesamtwert ­
  von  ca.  1,4  Mill.  Mk.  Von  Stahlfedern ­
  liefert  Birmingham  allein  aus  14

Fabriken  ca.  750  Mill.  Stück  jährlich  ui
deren  Erzeugung  2500  Ton.  Stahl,  aus
schwedischem  Eisen  erzeugt,  verbraucht
werden.  Die  Kurzwarenindustrie  verwendet ­
  allerdings  auch  andre  Materialien; ­
  ziehen  wir  dieselbe  aber  auch  in  diese
Kategorie,  so  ergeben  sich  folgende  Resultate. ­
  Es  exportierte  England  1879:
Eisen-,  Stahl  -  und  Messerschmiedelvaren
  60,8  Mill.  Mk.
Waffen  und  Munition.  .  .  .  40,2  -
Industrielle  Gerate  u.  Werkzeuge  7,1  -
Freilich  empfängt  heute  England  schon
einen  großen  Teil  der  letztgenannten
Waren  vom  Ausland,  um  sie  später  wieder ­
  auszuführen.
2)  Andre  Metalle.  Die  Hauptstätten
  für  K  u  p  f  e  r  g  i  e  ß  e  r  e  i  u.  -Schmiederei
  sind  in  Südwales;  die  Zinnindust
  r  i  e  ist  ebenda  und  in  Cornwall  zu  suchen,
die  Ziukgießerei  in  London  und  Birmingham, ­
  die  Bleiverarbeitung  in
SüdwaleS,  Durham,  Northumberland,  die
M  e  s  s  i  n  g  f  a  b  r  i  k  at  i  o  n  in  Birmingham,
Wolverhampton,  London.  Rechneil  wir
Metalle  und  Metallfabrikate  zusammen,
so  gewinnen  wir  für  1879  folgende
Handelsübersicht  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Kupfer,  rohes  ....  58,5  43,3
Kupfer  und  Messing  .  .  —  i8,s
Kupferwaren  ....  0,9  21,5
Messingwaren  ....  —  6,2
Blei  31,1  12,4
Zinn,  rohes  23,1  21,e
Zink  und  Zinkwaren.  .  18,2  2,5
Zusammen:  131,8  126,3
Für  Fabrikate  in  Gold  und  Silber  ist
Sheffield  dominierend;  von  Gold-  und
Silbergeschirr  wurde  1879  für  1,285,320
Mk.,  von  plattierten  und  vergoldeten  Waren ­
  für  2,907,080  Mk.  exportiert.  Der
gesamte  Handel  mit  Metallen  und  Fabrikaten ­
  daraus  betrug  1879  (in  Millionen ­
  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Metalle  158,1  468,4
Metallwaren  ....  24,1  93,3
Maschinen  u.  Fahrzeuge.  20,0  202,3
C.  Lcdcriildnstrik.
,  Bis  1830  war  die  Lederfabrikation  mit
einer  Produktionssteuer  von  IV2  Pence
        <pb n="240" />
        232

Großbritannien  (Leder-,  chemische  Industrie).

pro  Pfund  belegt;  seitdem  dieselbe  aufgehoben ­
  wurde,  begann  der  Aufschwung.
Die  Masse  des  gegenwärtig  verarbeiteten
Rohmaterials  ist  kolossal.  Nach  der  Annahme, ­
  daß  jährlich  ein  Viertel  des  Viehstands ­
  geschlachtet  wird,  nrüssen  pro  Jahr
2350000  inländische  Ochsen-,  Kuh-  und  Kalbfelle,
8000000  inländische  Schaf-  und  Lammfelle,
500000  inländische  Pferdehäute
im  Gesamtwert  von  120—140  Mill.  Mk.
an  die  Gerbereien  geliefert  werden.  Dazu
koiilinen  die  Importe  1879:247,768  Rinder ­
  lind  Kälber  und  944,888  Schafe  und
Lämmer,  lvclchc  zu  den  Schlachtbäilkeil
geführt  wurden.  Von  rohen  Häuten  wurden ­
  1879:  1,011,991  Ctr.  im  Wert  von
64  Mill.  Mk.  eingeführt.  Freilich  gelangt
auch  ein  Teil  der  rohen  Häute  wieder  jur
Ausfuhr.  Nach  dein  Census  von  1871  gab
es  55,000Gerber,  lt.bie  Anzahl  der  größer»
Gerbereietablissements  belief  sich  auf  800,
in  welchen  ca.  3,800,000  Ctr.  Häute  und
Felle  verarbeitet  wurden.  Wie  die  Häute
aus  den  verschiedensten  Gegenden  der  Welt
zusammengeführt  werden,  so  kommt  auch
der  bei  ihrer  Verarbeitung  verwandte
Gerbstoff  aus  allen  Erdteilen.  So  wilrden
unter  anderm  1879  importiert:  Gerbrinde ­
  8,3  Mill.  Mk.,  Sumach  3.4  Mill.
Mk.,  Knoppern  10,8  Mill.  Mk.,  Extrakte
9,7  Mill.  Mk.  So  bedeutend  aber  auch
die  Gerberei  ist.  so  vermag  sie  den  von  ihr
abhängigen  Industrien  doch  nicht  das  nötige ­
  Material  zu  liefern,  und  bedeutende
Einfuhren  von  gegerbtem,  weißgarcm  nnd
rohem  Leder  sind  nötig.  1879  wurden  aus
Indien,  Nordamerika,  Australien  eingeführt ­
  zubereitete  Häute  und  Felle  für  50
Mill.  Mk.  Dagegen  tritt  die  Lederindustrie, ­
  soweit  sic  sich  auf  die  Fabrikation  von
Lederwaren  richtet,  in  einigenZweigenwenigstens, ­
  recht  ansehnlich  auf  ausländischen
Märkten  auf.  Sattler  waren  gehen
meist  in  die  englischen  Kolonien;  die'Auöfuhr,
  welche  ziemlich  stationär  geblieben
ist,  hatte  1879  einen  Wert  von  8,481,000
Mk.  Die  Handschuhfabrikation  hat
ihre  Sitze  in  London,  Woodstock,  Worcester,
Pervil  u.  a.;  indes  beträgt  die  Zahl  der
größer«  Fabriken  nur  13,  in  welchen
2000  Fabrikarbeiter  beschäftigt  sind.  Doch
kann  die  englische  Manufaktur  nicht  mit

der  auswärtigen  konkurrieren.  1852  wurden ­
  2,800,000  Paar  Handschuhe  importiert ­
  und  3,972,000  inr  Land  selbst  fabriziert. ­
  Seitdenr  ist  1879  der  Import  auf
1,062,747  Paar  im  Wert  voir  über  25,7
At  ill.  Mk.  gestiegen.  Der  Handel  mit
andern  Lederwaren  zeigt  aber  eine  für
England  durchaus  günstige  Bilanz,  denn
er  betrug  1879  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Stiefel  und  Schuhe.  ...  9,«  29,u
Andre  dergleichen  Waren  .  5,2  7,4
1&amp;gt;.  Chemische  Industrie.
In  der  Erzeugung  von  Chemikalien
nimmt  die  Soda-Industrie  die  erste  Stelle
iil  der  Welt  ein.  Hauptsitze  sind:  ^Newcastle ­
  upon  Tyne,  Liverpool,  Glasgow,
Bristol;  für  die  Fabrikation  von  Phosphor ­
  Birmingham,  voll  chemisch-pharmaceutischen ­
  Präparaten  London  uiib
Edinburg,  von  Borax  Stratford.  Sehr
bedeutend  ist  auch  die  Produktion  voll
Parfümerien.  Dic  Jodfabrikcn  von  Glasgow, ­
  wo  jährlich  ca.  400,000  Ctr.  Seetang ­
  aufgearbeitet  werden,  versorgen  fast
alle  Länder.  Von  Laugensalzen  verschiedeiler
  Art  exportierte  G.  1879:  6,3  Mill.
Ctr.  für40,2  Mill.  Mk.  Unter  den  Abnehmern ­
  stehen  vorail:  Vereinigte  Staaten
mit  19,6Mill.,  Deutschland  mit  4,8Mill.,
Rußland  mit  3,2  Mill.,  Holland  mit  1,8
Mill.,  Belgien  mit  1,4  Mill.  Mk.  Allerdings ­
  wird  noch  immer  ein  beträchtlicher
Wert  importiert,  1879  war  die
Einfuhr  .  .  17,8  Mill.  Mk.
Ausfuhr  .  .  42,7  -  -
Von  Stearinlichten  wurden  1879  eingeführt ­
  für  6,5  Mill.  Mk.,  während  sich  die
Ausfuhr  von  Lichten  aller  Art  1878  auf  nur
3,4  Mill.  Mk.  bezifferte;  Droguen  wurden ­
  1878  im  Wert  von  9,7  Mill.  Mk.  importiert. ­
  Für  die  Darstellung  von  Farben ­
  ist  London  das  Ceiltrllin.  Zu  diesem
Zweck  wurden  1879  außer  den  obengenannten ­
  Farbhölzern  (6,7  Mill.  Mk.)  noch
für  7,3  Mill.  Mk.  Kochenille,  für  38,i  Mill.
Mk.  Indigo  re.  eingeführt,  wovon  für
26  Mill.  Mk.  Indigo,  für  4,9  Mill.  Aik.
Kochenille  und  für  2,2  Mill.  Mk.  Farbstoffe ­
  wieder  exportiert  wurden.  Und
wenn  G.  auch  ansehnliche  Posten  von
Malerfarben  und  -Material  (1879:  20,6
        <pb n="241" />
        0n#ntmwim  (Gelse,  KoutfeW,  .ßmc,

Mill,  mt.)  sowie  seiner  chemischen  und
Parfümierten  Öle,  welch  letztere  einen
Weltruf  haben,  erportiert,  so  führt  eö  doch
noch  größere  Mengen  ein,  1879  für  3.8
Mill.  Mk.
Für  Seife  sind  nebst  London  noch  Liverpool. ­
  Newcastle.  Bristol,  Hull,  Rnncorn
  ,  Brentford,  Glasgow  Hauptplätze.
Diese  Fabriken  verbrauchen  große  Quantitaten
  fettiger  und  öliger  Substanzen,
die.lhnen  zum  Teil  aus  großer  Ferne  zugeführt ­
  werden.  Von  solchen  Substanzen
würben  1879  importiert:

Talg  und  Stearin
Kokosnußöl  .  .
Baumöl.  .  .  .
Palmöl.  .  .  .
Terpentinöl  .  .
Walrat  und  Thran
Andre  tierische  Öle
Samenöl  aller  Art

42.2  Mill.  Mk.
8,0  -  -
23,6  -
26,0  -
5,6  -  3
11,8  -  -
3,8  -  s
10.2

.natürlich  wird  ein  sehr  großer  Teil  dieser
Quantitäten  auch  für  andre  Zwecke  verbraucht, ­
  und  ein  andrer  beträchtlicher  Teil
mrd  wieder  ausgeführt.  Bringen  wir
•T  das  verwandte  Petroleum
187%  für  27,6
-Usui.  Mk.  importiert  wurde,  so  ergibt
sich  ein  Import  von  Fettstoffen  aller  Art
welcher  einen  Wert  von  140  Mill.  Mk.
übersteigt.  Dagegen  gelangen  bedeutende
Mengen  der  fabrizierten  Artikel  der  chemlschen
  Industrie  zur  Ausfuhr  und  zwar
von  britischen  Jndustrieprodukten  1879:
Zündhölzer  und  Zündkerzchen  2,2  Mill.  Mk.
Medikamente,  Droguen  rc.  .  15,7
Samenöl  27,8  -
Seife  8,6  -
E.  Andre  Industrien.
1)  Kautschukwaren.  1830  wurden
"och  nicht  ganz  500  Ctr.  Kautschuk  nach
bingland  importiert.  Damals  war  noch
"»Zoll  darauf  gelegt,  der  1846  aufgehoben ­
  wilrde.  Von  da  ab  stieg  die  Einsuhr ­
  bis  1879  auf  150,601  Ctr.  im  Wert
^»32,5^1».  m
rMhuelleii  sind  Brasilien  uild  die  Westniste
  von  Afrika  und  Madagaskar.  Und
wahrend  England  große  Mengen  über
deutsche,  holländische,  portugiesische  und
anzoslsche  Häfen  bezieht,  gibt  es  selbst
die  kontinentale  Industrie  ansehnliche

233
SÄ
ooit  Guttapercha  nach  England  aus  Sintm
  %Bcrt  DO»  8,9  mis.  MM.  SDie  90^0,1)1-şiĶàschukwaren
  wertete  1879:  15,a
Mul.  Mk.,  aber  schon  werden  nicht  unbedeutende ­
  Mengen  nach  England  impor-0^1^
  ^  1879  f(ie  1,7  MMd.  MM.;
mü  m"  ^  ^  mit  1,^
2)  ^11^(161:1^  Hon.  üDle  GMo^
is)«,,  Gib  iu
Bedfordshire,  Hertfordshire,  Buckingham,
shire.  In  London,  Luton  mid  Dunstable
bestehen  große  Fabriken,  und  1878  wurden ­
  387,618  Dutzend  im  Wert  von
6-691,300  Mk.  erportiert,  wovon  allein
119  703  Dtzd.  nach  Australien  und  34,670
Dtzd.  nach  Deutschland  gingen.  Wichtiger
f  wes;
4er  1879  nicht  weniger  als  348,610  Dtzd.
m  %Bert  üon  10,3  mid.  MM.
MW»
SAIS»“«
Dtzd.  im  Wert  von  ca.  18  Mill.  Mk
icUbein  umsponnene,  Horn-  und  andre
Knopfe  die  Stelle  der  Metallknöpfe  eingenommen ­
  habeii,  derselben  nicht  mehr
an  lind  ist  zu  einer  besondern  Industrie
herangewachsen.  Die  verschiedensten  Stoffe
finden  hier  ihre  Verwendung.  In  einer
einzigen  Fabrik  zu  Aberdeen  werden  jährlich ­
  160,000  Pfd.  Klauen  zii  Knöpfeil  verarbeitet, ­
  und  von  dem  Gesamtimport  von
wanderte  der  größte  Teil  in  diese  Fabriken
Ungefähr  20,000  Ctr.  Perlmntterschalen
werden  zu,  demselben  Zweck  verbraucht.
Doch  iit  dieser  Industriezweig  im  Rückzug, ­
  niid  Frankreich,  Holland,  Deutschkwb
  Meigmi  unDoeticTct
^sehnliche  Posten  von  nichtmetallischen
        <pb n="242" />
        234

Großbritannien  (Thon-,  Glas-,  Korkwaren,  Papier).

4)  T  h  o  n  w'a  r.enindustrie.  Der
Reichtum  deö  Landes  an  vorzüglichem
Material  hat  diesen  ErtverbSzwcig  außerordentlich
  begünstigt  und  ihm  zu  der  hohen
Stufe  verholfen,  auf  welcher  derselbe  jetzt
steht.  Das  geförderte  imb  verarbeitete  Material ­
  betrug  1874  in  Millionen  Centner:
Porzellanerde  4,5,  Töpscrthon  1,2,  blauer
Thon  I,  Lehm  40.  Zur  Vergoldung  von
Porzellangcschirr  wird  im  Pottcrydistrikt
allein  täglich  für  20,000  Mk.  Edelmetall
verbraucht.  Der  Wert  sämtlicher  Thonerzeugnisse
  ist  auf  mehr  als  200  Mill.
Mk.  jährlich  veranschlagt  worden.  Die
Anzahl  sämtlicher  Etablissements  wird
wie  folgt  angegeben:
Porzellanfabriken  Töpfereien  Ziegeleien
Enqlaizd  .  .  517  ?  1630
Schottland  20  25  168
Irland  ...  4  27  18
In  England  waren  70,000,  in  Schottland
6600,  in  Irland  1000  Personen  in  diesem ­
  Erwerbszweig  beschäftigt.  Weltberühmte ­
  Fabriken  sind  die  von  Minton,
Davenport,  Wedgwood,  Copeland,  Doulton.
  Die  Ausfuhr  von  feinern  Thonwaren
wird  1873  auf  über  40  Mill.  Mk.,  1879
auf  34,7  Mill.  Mk.  berechnet;  der  Wert
der  ausgeführten  ordinärenWaren  beläuft
sich  auf  2  Mill.  Mk.  jährlich.  1879  bezogen ­
  neben  andern  gröbern  Waren  von
feinern  Thonwaren  aus  England  :  die  Vereinigten ­
  Staaten  für  13  Mill.,  Australien
für  4,4  Mill.,  Brasilien  für  2,2  Mill.,
Deutschland  für  673,200  Mk.  Die  Einfuhr ­
  ist  dagegen  schwach,  1879  betrug  dieselbe ­
  von  Porzellan  5,6  Mill.
5)  Glasfabrikation.  Die  britischen
Fabrikate  zeichnen  sich  durch  vorzügliche
Qualität,  namentlich  das  Krystallglas
durch  hohe  Schönheit  aus.  1874  zahlte
man  in  England  213,  in  Schottland  19,
in  Irland  5  Fabriken.  Nach  Professor
Barfss  Berechnung  werden  in  England
allein  jährlich  7,250,000  Qnadratfuß  feines ­
  Spiegel-  und  Tafelglas  erzeugt,  während ­
  man  den  Wert  sämtlicher  Glaserzeugnisse ­
  auf  60  Mill.Mk.  veranschlagt.
Die  Werte  der  Ein-  und  Ausfuhr  halten
sich  so  ziemlich  das  Gleichgewicht,  letztere
hat  seit  1873  sebr  bedeutend  abgenommen;
1879  war  der  Wert  der  Ausfuhr:

Tafelglas.  .  2,7  Mill.  Mk.
Flintglas  4,6  -  -
Flaschen  und  ordinäres  Glas.  .  6,i  -
Die  besten  Abnehmer  sind:  Australien,
Vereinigte  Staaten,  Ostindien  und  andre
englische  Kolonien.  Dagegen  bezifferte  sich
die  Einfuhr,  welche  übrigens  von  Jahr  zu
Jahr  steigt,  auf  40,i  Mill.  Mk.  und  zwar:
Fensterglas  9  Mill.,  Flintglas  3,5  Mill.,
Spiegelglas  3,2  Mill.,  andres  15,7  Mill.
Mk.  Nahezu  die  Hälfte  der  gesamten
Einfuhr  (18,8  Mill.  Mk.)  kommt  aus
Belgien,  iiber  welches  auch  viel  von  dem
deutschen  indirekten  Import  geht.
6)  P  apierindustri  e.  Der  Verbrauch
Großbritanniens  von  Papier  zu  den  verschiedensten ­
  Zwecken  ist  ein  außerordentlich
großer;  berechnet  man  doch,  daß  die  Leinenfabrikanten ­
  von  Belfast  allein  jährlich
2  Mill.  Mk.  für  Warenenveloppenpapier
ausgeben.  Das  benötigte  Rohmaterial
wird  aber  aus  den  verschiedensten  Gegenden ­
  undLändernherbeigeholt;  1879  würde
folgendes  Material  zur  Papierfabrikation
eingeführt:
Lumpen,  leinene  ....  5,4  Mill.  Mk.
Lumpen,  wollene  ....  13,2  -
Esparto  und  andre  Holzstoffe  25,7  -  -
Die  Wiederausfuhr,  meist  in  halbfertigem
Zustand  und  zum  größten  Teil  nach  den
Vereinigten  Staaten,  von  solchen  Stoffen
ist  indes  nicht  unbedeutend.  Die  Zahl
sämtlicher  Papiermühlen  war  aber  in:
Fabriken  Maschinen
England  .  .  270  352
Schottland.  .  53  77
Irland  ...  20  27
alle  zusammen  mit  27,045  Dampfkräften
und  8352  Wasserkräften.  Von  Schrcibund
  Druckpapier  wurden  1879  eingeführt
238,088  Gtr.,  aitSQefüW  306,382  ßtr.
Die  Hauptbezugsländer  waren:  Belgien,
Schweden,  Holland  und  Frankreich;  die
Hauptabsatzgebiete:  Australien,  Britisch-Jndien,
  Vereinigte  Staaten.  Der  Wert
deö  gesamten  Handels  war(in  Mill.Mk.):
Einfuhr  Ausfuhr-Papier
  und  Pappe  .  18,5  23,8
Papiertapeten  ...  2,8  l,i
7)  Korkwaren.  Die  großenEtablissements, ­
  in  welchen  die  Korkstöpsel  für  den
Verschluß  der  Flaschen  hergestellt  werden,
        <pb n="243" />
        Großbritannien  (Handel).

285

sowie  jene  andern,  in  welchen  das  Auffüllen ­
  und  Verschließen,  mit  welchen  Manipulationen ­
  die  Fabrikanten  der  Getränte
sich  nicht  selbst  befassen,  besorgt  werden,
hängen  von  den  Brauereien  und  Brennereien ­
  (s.  S.  220)  ab.  Von  diesen  Korkwaren,
  von  welchen  1879  für  7.»  Mill.
Mk.  nebst  rohem  Kork  für  3,3  Mill.  Mk.
eingeführt  wurden,  kommt  der  größte  Teil
von  der  Pyrenäischen  Halbinsel.

IV.  Handel.
Abgesehen  von  dem  Handel  seiner  zahl
reichen  Kolonien,  beansprucht  G.  von  den
gesamten  Außenhandel  der  Welt  den  fünf
ten  Teil  und  von  dem  gesamten  Außen
Handel  Europas  nahezu  den  dritten  Teil
Wenn  man  für  1878  den  gesamten  Außen
Handel  des  Dcntschen  Reichs  auf  6641/
Mill  Mk.  schätzte,  so  berechnete  man  de,
Großbritanniens  auf  12.285  Mill.  Mk
a'oci  Salute
şich  die  Einfuhr  sowohl  wie  die  Aussuh

Einfuhr  Ausfuhr
1855—59:  3390,8  2790.2
1860—64:  4710,4  3599,4
1865—69  :  5726,8  4593,4
1870—74:  6921,4  5803,6
1875:  7478,8  5632,2
1876:  7503,2  5135,0
1877:  7888.4  5047,o
1878:  7375,4  4909,7
1879  :  7259,8  3830,6
1880:  8199,8  4456,2
An  diesem  Handel  nahmen  die  Kolonien
und  daö  Ausland  1880  wie  folgt  teil:
Britische  Kolonien  Ausland
Einfuhr  ....  2050  6149
Ausfuhr  ....  1546  2910

Unter  allen  Handelsgebieten,  anfwelche
sich  die  britische  Thätigkeit  erstreckt,  nehmen ­
  die  Vereinigten  Staaten  weitaus  die
erste  Stelle  ein,  freilich  nicht  mehr  wie
früher  als  Abiiehiner  britischer  Jndustrieprodnkte,
  vielmehr  als  Importeure
£ er  eignen  Erzeugnisse.  Die  Stelle
des  besten  Kunden  gebührt  jetzt  Indien,
dann  folgen  die  Vereinigten  Staaten,
Australien,  Deutschland,  Frankreich,  Holand
  lind  Belgien.  Die  Ausfuhr  britischer
-Produkte  nach  Deutschland  hat  in  den  letzķUZŞ-Z


Einfuhr  von  Deutschland  in  den  letzte»
zehn  Jahren  um  rund  140  Mill.  Mk  zu-«ÄÄ»

Mk.,  wozu  noch  ein  beträchtlicher  Teil
der  belgischen  und  holländischen  Ausfnhr
nach  England  zu  rechnen  ist.
,Die  Teilnahme  der  einzelnen
Lander  am  Außenhandel  Großbritanniens ­
  war  1879  folgende-Länder



Jn  Millionen  Mark

I.  Von  und  nach  dem
Ausland.
Vereinigte  Staaten  .  .  .
Frankreich
Deutsches  Reich  ....
Rußland
Holland
Ehina  (ohne  Hongkong)  .
Belgien
Ägypten  (inkl.  Transit).  ]
Schweden  und  Norwegen  .
Spanien
Brasilien.  .  .
Türkei  ;  ;
Uruguay
Peru  ’
Italien
Dänemark  und  Kolonien  .
Portugal
Spanische  Kolonien  .  .
Chile
Griechenland
Österreich  -  Ungarn  ...
Argentinien
Westafrika
Centralamerika  ....
II.  Ans  und  nach  den
britischen  Kolonien.
Indien
Kanada  und  Neufundland.
Australien  und  Neuseeland
Hongkong
Kapland  und  Natal.  .  ]
Britisch  -  Westindien  .  .  .
Britisch-Guayana  .  .  .
Strait  Settlements  .  .  .
Ceylon
Malta  und  Gozzo  .  .
Gibraltar
Mauritius

Einfuhr

AuSfuhr

1836,8
789,2
432.1
317,6
439.2
221.0
214.5
177,8
167.6
168.0
95,0
69,5

406,4
299.8
371.8
152.9
187.2
93.0
102,1
42.0
49.7
58.8
113,7
144.2

14.8
67.8
64.0
93,5
64.8
88,4
74.8
37.2
33.7
16.0
29.2
27.7

38.7
14,9
99.7
32.0
40,2
65.8
19.0
18.9
16.0
42,7
13.1
14,5

494,0
208,9
439,3
26.5
92.2
97.2
44,1
51.3
71.4
0,7
3,7
12,8

427,5
108,9
325,4
59.0
117,1
44.5
14.4
43.6
16.5
19.1
14,8
7,3
        <pb n="244" />
        Großbritannien  (Verkehrswesen).

Es  wertete  somit  (in  Millionen  Mark):
Gesamteinfuhr  Gesaintausfuhr
Aus  den  brii.  Kolonien  1578,8  1220,o
Aus  dem  Ausland.  .  5681,o  2610,o

Zusammen:  7259,8  3830,6
I860  stieg  der  Import  auf  8199,8  Mill.
Mk.,  der  Export  auf  4456,a  Mill.  Mk.;
daran  nahmen  die  Hauptverkehröländer
wie  folgt  teil  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr

Deutschland  488  336
Frankreich  •  ....  838  310
Holland  und  Belgien  .  742  300
Rußland  320  146
Vereinigte  Staaten  .  .  2138  616
China  und  Japan  .  .  270  240
Indien  742  672
Australien  512  354
Kanada  264  154

Was  die  Gattungen  der  eingeführten
Waren  betrifft,  so  verteilt  sich  der  Import
folgendermaßen  (in  Millionen  Mark):

1878  1879  1880
Lebensmittel  .  .  .  3088  3212  3380
Rohstoffe  ....  2194  2132  2620
Fabrikate  ....  988  946  1114
Andres  1102  932  1086

Zusammen:  7372  7222  8200
Von  der  Zunahme  im  Export,  welche
negeu  1879:  626  Büd.  BK.  Mnigt,  l»,nmen
  auf  die  Eisenindustrie  178  Mill.  Mk.;
die  Ausfuhr  von  Maschinen  nahm  um
40,  die  von  Werkzcllgen,  Klingen  u.  a.
um  1  Mill.  Mk.  zu.  Bei  den  Produkteil
der  Textilindustrie,  deren  Export  um  238,7
Btill.  Mk.  wuchs,  kommen  davon  auf  die
Baumwollindustrie  allein  231,»Mill.Mk.

V.  Verkehrswesen.
Wasserstraßen.  Die  Länge  alle,
schiffbaren  Flüsse  betragt  3190  km,  bit
Lällge  der  Kanäle  4580  km.
Eisenbahnen.  Am  31.  Dez.  1871
standen  im  Betrieb  28,478  km,  davo,
3494  km  Staatsbahnen.  Die  Einnah
men  beliefen  sich  1879  auf  1187,9  Mill,
die  Ausgaben  auf  594,6  Mill.  Mk.
Die  Post  beförderte  1879—80  ir
13,912  Postämtern  mit  26,753  Postbrief
kastei,:  1128  Mill.  Briefe,  114,458,401
Postkarten  ,  213,963,000  Krenzbandsen
düngen,  130,518,400  Zeitungen,  zusam
inen  1587  Mill.  Gegenstände.

Die  T  e  l  e  g  r  a  p  h  e  n  hatten  42,088
km  Linien,  183,930  km  Leitungen  und
5336  Anstalten,  in  welchen  23,385,416
Telegramiile  befördert  wurden,  davon
19,3  Btill.  in  England,  2,5  Btill.  inSchott
land,  1,5  Mill,  in  Irland.  Die  Einnahmen ­
  betrugen  1878:  26,937,840Mk.,  die
Ausgaben  22,098,420  Mk.  Die  unterseeischen ­
  Leitungen  hatten  eine  Länge  von
1992  km  mit  6359  km  Drähten,  die  unterirdischen ­
  Linien  eine  Länge  von  713  km
mit  15,227  km  Leitungen  ^  die  pneumatischen ­
  Rohre  hatten  eine  Länge  von  44
km.  Die  Gesamteinnahmen  des  P»stund ­
  Telegraphenamts  betrugen  160  Btill.,
die  Ausgaben  130,5  Mill.,  so  daß  ein  Überschuh ­
  von  56,5  Mill.  Mk-  blieb.
Handelsflotte.  Btit  Einschluß
der  Ende  1878  in  britischen  Kolonien
registrierten  Schiffe  (1281  Dampfer  von
176.000  Ton.  ilud  11,451  Segelschiffe
v»it  1,598,000  T.)  ergibt  sich  ein  Schiffsbcstand
  für  G.  von  38,616  Fahrzeugen
von  8,329,000  T.,  während  die  gesamte
europäische  Handelsinarine  80,106  Fahrzeuge ­
  von  15,692,762  T.  zählt.  Noch  auffallender ­
  tritt  diese  Superiorität  hervor,
wenn  wir  die  Dampferflotte  betrachten,
denn  hier  gehörten  von  den  8386  Dampfern ­
  Europas  6107  G.  an,  und  von  dem
gesamten  Gehalt  von  3,550,131  T.  sielen
auf  britische  Dampfer  nicht  weniger  als
2.492.000  T.  Wie  anderwärts,  werden
auch  in  G.  die  Segelschiffe  immer  mehr
durch  den  Dampf  verdrängt.  ES  betrug
der  Tonneugehalt  der

Dampfer  Segelschiffe
1840  :  87533  2  636568
1850:  167398  3  337540
I860  :  452352  4134390
1870:  1111375  4  506318
1879  :  2508102  4  013187
Auch  aus  der  Zahl  der  Mannschaften  läßt
sich  der  Kampf  beider  Schiffsgattungen
um  die  Herrschaft  auf  dem  Meer  erkennen; ­
  dieselbe  betrug  auf  den  Segelschiffen
1860:  145,487  Köpfe,  1879  nur  noch
115,177  Köpfe,  während  sie  auf  den
Dampfern  von  26,105  auf  78,371  Köpfe
stieg.  Wie  erheblich  die  Austreuguugen
sind,  welche  man  in  G.  macht,  um  diese
gewaltige  Flotte  nach  den  jetzigen  Aufor-
        <pb n="245" />
        Großbritannien  (Finanzen).

derilngen  der  Schifsbautechnik  zu  verbessern, ­
  ist  alls  den  Angaben  über  den  Schiffbau ­
  der  letzten  Jahre  ersichtlich.  Es  wurden ­
  (außer  den  für  Ausländer  erbauten)
vom  Stapel  gelassen:
Segelschiffe  Dampfer
1877:  707  389
1878:  590  499

1879

400

3)cï  durch  ungünstige  Handelskonjunktllren
  bedingte  Rückgang  betraf  also  die
Dampfer  am  wenigsten,  am  allermindesten
  aber  die  aus  Stahl  und  Eisen  gebauten, ­
  wovon  1878:  431,  1879:  37b  vom
Stapel  gelassen  wurden.  Die  Zahl  der
aus  Stahl  und  Eisen  gebauten  Fahrzeuge
überhaupt  belief  sich  1877  auf  529,1878
auf  541,  1879  auf  420.  Leider  sind  aber
auch  die  Verluste  an  solchen  Fahrzeugen
uinner  höher  steigende.
^  Ist.hlischcn  Handelsministeriums  war
der  Küsten  -  und  überseeische  Verkehr:

Jahr

1878
1879
1878
1879

Segelschiffe
Schiffe  I  Tonnen

Dainpfer
Schiffe  I  Tonnen

Eingang:
218  726  123  990  959  11280421  39185  589
217  521123628601  ¡129  7421  41530972
Ausgang:
190  5701  22  697  695  (1200811  36  423  456
189  324  j  219321951121196  |  38  260  264
Von  den  1879  einlaufenden  Schiffen  waren ­
  319,493  britischer  (195,242  Segelschiffe ­
  und  124,251  Dampfer)  und  nur
27,770  ausländischer  Nationalität  (22,279
Segelschiffe  und  5491  Dampfer).  Zieht
man  aber  nur  die  im  überseeischen  Verkehr
mit  dem  Ausland  und  den  Kolonien  verkehrendenSchiffe
  inBetracht,  so  findet  man  :

Schiffe
1878  I1879

Tonnen
1878  I  1879

Eingang:
Segelschiffe  .  35025132140}  102659371  9751149
Dampfer  .  27933(28677^15027  784}  16281443
Ausgang:
Segelschiffe.  36035¡33198}  10772428}  9987287
Dampfer  .  28433¡290891155289301  16695571
Die  größten  Dampfergesellschafsind:
  die  Peninsular  and  Oriental

şpişisi
ņsgie-,  Cölonial  Mail-,  Cunard-,  Domi-2ei)ïa,,b=,

mromx,  Dnenh,  9ìcb
Warren-,  Wilson-Linien,  die  Pac&amp;gt;stc
  Steam  Navigation  Eo.,  Union
@  cummßiitbkt  m,b
Steamship  Co.,  General  Steam  Navigatwn
  Co.  li.  a.
VI.  iFtimnjcii.
1)  Staatshaushalt.  Das  Ergebnis ­
  des  Finanzjahrs  1879—80  war:  Ein-M.,9W#ci
  1G80,i
Mül.  Mk.  Unter  den  ersten  figurieren
als  Hanptposten:  Gewerbesteuer  unb  Accifc
  506  Mill.,  Zölle  386,  Stempel  226,
Einkommensteuer  184  und  Post  127  Mill.
Mk.  Von  den  Ausgaben  beansprucht  die
Staatsschuld  573,2  Mill.  Mk.,  also  über
ein  Drittel.  Die  Ausgaben  haben  in  den
letzten  Jahren  die  Einnahmen  stets  überstiegen. ­
  ES  betrug  (in  Millionen  Mark):
1877—78  1878-79  1879-80
Einnahme:  1594  1594  1625
Ausgabe:  1648  1708  1082
à,  Ļ  o  ballast  e  N.  Eine  große  Anzahl  von
Anstalten  und  Einrichtungen  wird  nicht
vom  Staat,  sondern  von  den  Gemeinden
unterhalten.  Nach  den  Ausweisen  für
1873—74  betrugen  die  gesamten  Einnahmen ­
  der  Gemeinden  910,6  Mill.,  die  Ausgaben ­
  890,4  Mill.  Mk.  In  England  und
Wales  wurden  1879—80  an  Steuern  erhoben ­
  514  Mill.  Mk.,  ferner  Accise  ic.,
und  die  Lokalschuld  betrug  2570  Mill.  Mk.
2)  Staatsschuld.  Las  britische  Reich
bat  die  bedeutende  Höhe  seiner  Schuld  der
Teilnahme  an  den  großen  Kriegen  Europas ­
  zuzuschreiben.  Zur  Zeit  der  Revolution ­
  von  1689  war  ihr  Betrag  erst  13,5
Mill.Mk.,  1714  nach  dem  spanischen  Erbfolgekrieg ­
  1104,5  Mill.,  sank  dann  bis
1727  um  41  Mill,  und  stieg  bis  Ende  des
englisch-französischen  Kriegs,  besonders
durch  Unterstützung  FriedrichsII.  im  Siebenjährigen ­
  Krieg,  ans  2833  Mill.  Mk
Bis  zu  dem  Ausbruch  des  amerikanischen
Unabhängigkeitskriegs  1774  verminderte
        <pb n="246" />
        ti

T/:.y/ŗ.yŗŗ,

238

Großbritannien  (Kreditwesen).

sie  sich  um  312  Mill.,  wuchs  aber  infolge
der  durch  ihn  veranlaßten  Anleihen  von
2425  am.  auf  4974,5  %RiI(.  9Rf.
auf  wieder  bis  1793  Verminderung  um
210  Mill.,  und  am  Ende  der  Befreiungskriege ­
  hatte  die  Schuld  ihre  größte  Höhe
von  17,153  Mill.  Mk.  erreicht.  Bis  1853
fiel  sie  abermals  um  1405,5  Mill.,  und
es  kamen  in  diesem  Zeitraum  nur  zwei
Fälle  der  Vermehrung  vor:  die  Anleihe
zum  Loskauf  der  Negersklaven  im  Betrag
OCH  400  mn.  ÜRI.  1835  unb  1847:  200
Mill.  Mk.  bei  der  Hungersnot  in  Irland.
Während  des  Krimkriegs  vergrößerte  sich
die  Schuld  um  530  Mill.,  nahm  bis  1878
wieder  uiu  452  Mill,  und  1878  um  5
Mill.  Mk.  ab.  Die  jüngsten  Kriege  zwangen ­
  wieder  zur  Aufnahme  von  128  Mill.,
wäbrend  nur  16  Mill.  Mk.  von  ältern
Schulden  getilgt  wurden.  Der  Stand  der
Staatsschuld  war  (in  Millionen  Mark)  :

Jahr

1875
1878
1877
1878
1879
1880

Fundierte ­


14296
14273
14252
14217
14189
14209

Nichtfundierte ­


Annuitäten ­


1100
1038
986
927
855
725

Total

15501
15425
15517
15556
15561
15481

Davon  sind  abzuziehen  Rückerstattungen
und  Wert  der  Suezkaualaktien  729,5
Mill.  Mk.  Die  Ausgabe  für  diese  Schuld
betrug  1880:  545,3  Mill.  Mk.
Die  Anleihen,  die  G.  fremden  Staaten
gewährte,  betragen  jetzt  12,304,6Mill.Mk.  ;
davon  wurden  auf  5636,8  Mill.  Mk.  Zinsen
gezahlt,  auf  3523,2  Mill.  Mk.  nur  teilweise ­
  und  ans  3144,8  Mill.  Mk.  gar  nicht.
VII.  Kreditwesen.
Nirgends  hat  das  Bankwesen  eine
größere  Ausdehnung  erfahren  als  in  G.
An  der  Spitze  aller  Banken  steht  die  Bank
v  o  n  E  n  g  l  a  u  d.  Sie  wurde  1694  auf  Aktien ­
  errichtet  mit  einem  Grundkapital  von
24  Mill.  Mk.,  welche  sie  der  Regierung
gegen  Gewährung  gewisser  Vorrechte  vorschoß. ­
  1697  wurde  das  Kapital  auf  44
Mill,  erhöht,  gegenwärtig  beträgt  dasselbe,
wie  oben  angegeben,  292,3  Mill.  Mk.  Die
Bank  besorgt  die  Zinszahlung  der  Staatsschuld, ­
  wofür  sie  jährlich  2,4  Mill.  Mk.

erhält.  Sie  operiert  durch  Diskontierung,
Annahme  von  Depositen,  Girogeschäfte,
Gold-Ein-  und  -Verkäufe.  Sic  verwaltet
auch  die  Goldmünzenprägung.  Die  Noten
bestehen  in  Abschnitten  zu  5,  10,  20,100,
200  ,  300,  500  und  1000  Pfd.  Sterl.
Ende  April  1881  war  der  Stand  der  Bank  :
Totalrcscrve  319980000  Mark
Notenumlauf  542  960  000
Barvorrat  562940000
Portefeuille  388840000
Guthaben  der  Privaten  .  534320000
Guthaben  des  Staats  .  134120000
Notenreserve  293040000
Regicrungssicherheit  .  .  319260000
Das  Recht  der  Notenallsgabe  besitzen
außer  ihr  noch  198  Banken,  nämlich  180
in  England  und  Wales,  12  in  Schottland ­
  und  6  iti  Irland.  Dieselben  sind
entweder  Privatbanken  oder  Jointstock-(Aktien-)
  Banken.  Die  Privatbanken  sind
Unternehmungen  einzelner  Associes,  die
Jointstockbanken  sind  Aktienuuternchmnilgen
  größerer  Gesellschaften.  Bei  beiden
Arten  waren  alle  Teilhaber  bis  zum  Betrag ­
  ihres  ganzen  Vermögens  für  die
Verbindlichkeiten  der  Banken  haftbar.  Infolge ­
  des  Gesetzes  von  1862  hat  sich  indes
ein  großer  Teil  der  Jointstockbanken  auf
beschränkte  Haftbarkeit  eintragen  lassen,
darunter  zwei  Zettelbankcn.  Die  bedeutendsten ­
  der  britischen  Banken  sind:
Aktienkapital  (in  Mill.  Mark)
Bank  von  England  .  .  .  291,os
London  a.  Westminster  Bank  60,os
London  Jointstockbank  .  .  32,os
London  and  Eonnty  Bank  .  00,12
Union  Bank  in  Londoon.  .  30,12
Bank  von  Schottland.  .  .  20,08
Königliche  Bank  von  Schottland ­
  in  Edinburg  ...  40,16
Nationalbnnk  von  Schottland  20,os
Bank  von  Irland  ....  60,20
Die  Bank  von  England  emittiert  Noten,
deren  Betrag  nicht  unter  5  Pfd.  Sterl.  (100
Mk.)  herabgehen  darf.  In  Schottland  sind
Noten  bis  zìi  1  Pfd.  Sterl.  herab  gestattet.
Ende  1878  betrug  der  Notenumlauf  der
Bank  von  England  595,2  Mill.,  der  übrigen ­
  Banken  347,2  Mill.  Mk.
Nach  dem  »Bankers'  Magazine«  war
31.  Dez.  1880  der  Betrag  der  heimischen,
kolonialen  und  ausländischenAnlagewertc,
        <pb n="247" />
        Großbritannien  (Geld,  Maße  und  Gewichte).

welche  sich  gegenwärtig  in  ben  Händen
britischer  Kapitalisten  befinden,  69,300
Mill.  Mt.,  worauf  3140  Mill.  Ml.  Zinsen ­
  gezahlt  wurden  oder  85  Mk.  pro  Kopf
der  Bevölkerung,  wovon  nahezu  40  Mk.
pro  Kopf  aus  fremden  imb  kolonialen
Quellen  zahlbar  sind.
In  dem  Clearinghouse  (»AuSgleichungskontor«,
  von  den  Londoner  Bankiers ­
  gegründet)  stiegen  die  Gesamtumsätze ­
  von  3257,4  Mill.  Pfd.  Sterl.  1868
ans  6013,3  Mill.  Pfd.  1874-75  und
waren  1878—79  ans  4957  Mill.  Pfd.,
also  um  1056  Mill.  Pfd.  Stcrl.  oder  212
Milliarden  Mark,  gefallen,  hoben  sich  aber
1879—80  wieder  auf  5266  Mill.  Pfd.
Sterl.  Ebenso  fielen  die  Umsätze  an  sämtlichen ­
  Lignidationstagen  der  Stock-Exchange, ­
  die  1874—75  noch  1076,e  Mill.
betrugen,  bis  auf  718,8  Mill.  Pfd.
18,0—77,  stiegen  aber  1878—79  wieder
b's  auf  812,i  Mill.  Pfd.  Sterl.
Sparka  sse  n.  Das  Vertvaltunqöjahr
W  ļcWnmi  1.  9fov.  bcö  Ab;
1878  bestanden,  ausschließlich  der  PostsPartassen ­
  (s.  unten),  in:

Kassen
England  und  Wales  .  363
Schottland  53
Irland  3(5
Kanalinseln  ....  2

Einlagen  (in
Mill.  Mach
706,5
123,8
44.4
10,7
885,2

Zusammen:  454
1878.  —  Bei  den  P  0  st  s  p  arkassen  stieg
die  Zahl  der  Einleger  von  1,791,240  in
1877  auf  1,892,756  in  1878  iwb  bk
Summe  der  ihnen  geschuldeten  Beträge
von  574,815,140  Mk.  auf  608,231,260
Mk.  Das  Total  für  beide  Arten  von
Sparkassen  war  demnach:
1877  1878
Einleger  .  .  .  3301087  3408481
Ģnthaben  .  .  1459588860  1  493349000
Dies  ergibt  eine  Zunahme  von  33,760,200
Mk.  Bringt  man  aber  die  in  der  Summe
V0N1878  enthaltenen  Zinsen  (zu  3  Proz.
M  Mill.  Mk.)  in  Anschlag,  so  sieht  man,
daß,die  Einlagen  faktisch  10  Mill.  Mk.
weniger  ausmachten.  Außer  13  Unfallveiflcherungsanstalten
  bestanden  1879  :

239
2)¿ü(  litt  Ņennogenômasse  voll  2778, e
VIII.  Geld,  Maße  und  Gewichte.
Geld.  Bon  1275—1664  bestand  Doppelwährung ­
  mit  wechselilder  Wertrelation,
von  1664—1717  war  darailö  thatsächlich
eine  reine  Silberwährung  gcwordeil  ;  1717
Mg  man  wieder  zur  Doppelwährung
zuruck,  well  aber  der  Silberwert  zii  niedrig ­
  taxiert  war,  stellte  die  Macht  des  Verkehrs ­
  die  Goldwähriing  thatsächlich  wieder ­
  her.  Die  vollwichtigen  Silbermünzen
wanderten  ails,  und  die  Guinee  wurde
alleinige  Zahlungömünze.  Durch  das
Gesetz  von  1816  wurde  endlich  die  reine
Goldwährung  eingeführt,  welche  noch
letzt  besteht.  Der  Sovereign  oder  das
Pfund  Sterling  enthält  123,2744  Grains
=  S.Gold  mit  »/»  Feingehalt.
Die  Silberntttiizen  von  V«  Schilling  bis  5
Schill,  sind  Scheidemünze  (66  Schill.  —
1  Pfd.  Trotz  mit  925 /iooo  Feingehalt);
ihre  Annahme  ist  nur  bis  zu  Beträgen
voir  40  Schill,  obligatorisch.  Ausgemünzt
»-wes
2,721,804,000,  resp.  205,869,000  Mk.
Das  Dnrchschnittöquantum  des  in  den
letzten  zebu  Jahren  ausgeprägten  Goldes
belauft  sich  auf  4,056,210  Pfd.  Sterl
Der  Wert  des  1879  ausgeprägten  Goldes
beziffert  sich  aber  nur  auf  37,613  Pfd.
Sterl.,  und  dazu  kamen  aus  Australien
1,617,000  in  Australien  (Stzdnetz  und
Melbourne)  geprägte  Sovereigns;  dagegen
sandte  die  Bank  von  England  2,842,437
zu  leicht  befundene  Sovereigns  in  die
Münze,  so  daß  thatsächlich  eine  Verminderung ­
  von  1',187,824  Sovereigns  eintrat.
Ebenso  bei  Silber.  Neu  geprägt  wurden
Münzen  für  567,125  Pfd.  Sterl.,  verschickt ­
  in  die  Kolonien  330,870  Pfd.  Sterl.,
abgenutzte  Münzen  durch  die  Bank  von
England  sowie  die  voil  Irland  dem  Verkehr ­
  entzogen  456,200  Pfd.  Sterl.,  also
eine  Verminderung  des  Silberumlaufö
im  Wert  von  219,945  Pfd.  Sterl.  Ein
Pfund  Sterling  ist  ungefähr  20  Mk.  45
Pf.,  eilt  Schilling  etwa  1  Mk.
        <pb n="248" />
        240  Guadalajara  -
Maße.  Der  Fuß  —  30,48  cm;  der
Nard  hat  3  Fuß,  ist  also  —  0,»ii  m;  die
engl-  Meile  —  1609  m;  der  Acre  (Feldmaß) ­
  —  40,47  Ar;  640  Acres  —  I  engl.
QMeile;  1  geogr.  QMeile  —  21,2«  engl.
QMeilen.  Der  Quarter  (Getreidematz)
zu  8  Bushels  hat  285,76  Lit.  ;  der  Bushel
—  36,35  L.  Das  Gallon  für  Flüssigkeiten ­
  —  4,5t  L.  —  Gewichte.  Das  Pfund
—  0,45  kg-  ;  der  Centner  zu  112  Pfd.  engl.
—  50,8  kg;  die  Tonne  (ton)  —  20  Ctr.
Guadalajara,  Hauptstadt  des  mejikan.
  Staats  Jalisco,  nächst  Mejiko  und
Puebla  die  wichtigste  Stadt  des  Landes;
(1880)  93,875  Einw.  Deutsches  Konsulat;
London  Bank  os  Mexico.  —  Die  Einfuhr
bezifferte  sich  1879  auf  7,606,696  Mk.
und  besteht  namentlich  in  Ellenwaren  und
groben  Waren,  woran  sich  England  mit
40,  Deutschland  mit  25  Proz.  beteiligten.
Ans  den  nahen  Silberminen  wurden  &amp;gt;  878
Erz  für  200,000  Mk.,  Silber  für  100,000
Mk.  verschifft.  Die  Münze  prägte  1879
für  5,673,964  Mk.  Silbermünzen.  Nächste
Häfen:  Manzanillo  und  San  Blas.
Guadeloupe  (spr.  gad'luhp),  franz.  Insel ­
  in  Westindien,  inkl.  der  Dependenzen
(Marie  Galante,  Destrabe,  Les  Saintes)
1870  qkm  (34  QM.)  mit  ü877)  183,253
Einw.  Seit  1854  hat  man  aus  Madeira,
Ostindien  und  China  Arbeiter  eingeführt.
Hauptprobukte:  Zucker,  Kaffee,  Maniok,
außerdem  auch  Kakao,  Vanille,  Baumwolle, ­
  Tabak.  1877  wertete  die  Einfuhr
21,7  Mill.  Mk.,  die  Ausfuhr  27,7  Mill.
Mk.;  es  kamen  562  Schiffe  an,  572  gingen ­
  ab.  Hanptort  der  Insel  :BasseTerre
(12,000  Einw.);  wichtigster  Handelshafen: ­
  Pointe  à  Pitre  (16,000  Einw.).
Guaira,  La,  Hafenstadt  für  Caracas
in  der  Republik  Venezuela^  am  Karibischen ­
  Meer,  Station  der  Dampfcrlinicn:
Hamburg  -  Ameritan.  Paketfahrtaktiengesellschaft, ­
  Compagnie  gene'rale  transatlantique ­
  (St.  Nazaire),  Royal  Mail
Steam  Packet  Co.,  Harrison-Linie  und
Wcftindia  and  Pacific  Steamship  Co.  (Liverpool); ­
  (1873)  7837  Einw.  Deutsches
Konsulat  (Amtsbezirk:  die  Staaten  Bolivar ­
  und  Barcelona).—  Lebhafter  Handel,
an  dem  sich  Deutschland  stark  beteiligt,  das
Provisionen,  Kurz-  u.  Leinwaren  liefert;

-  Guatemala.
England  schickt  dry  goods.  Die  Zölle  betragen ­
  40  Proz.  vorn  Wert.  Ausgeführt
werden:  Kaffee,  Kakao,  Indigo,  Häute,
Reh-  und  Ziegenfellc.  ES  liefen  1879  ein:
214  Schiffe,  davon  33  deutsche  (23  der
Hamburger  Pakctfahrtaktiengcsellsch.)  —
Wechselkurse  (Transaktionen  werden  meist
inCaräcas  abgeschlossen):  für  Papier  von
90  Tagen  nach  Sicht  auf  London  6,35—
6,60  Pesos  macuquinos  für  1  Pfd.  Sterl.,
Paris  4—3,so  Frank  für  1  Peso  macuquino, ­
  Hamburg  31—32  Centavos  macuquinos ­
  für  1  Mk.  Vgl.  Venezuela.
Gualeguaychu  (spr.  gualcguaitschu),  Stadt
in  der  südainerikan.  Republik  Argentinien  ;
18,000  Einw.  Deutsches  Vicekonsulat  für
die  Provinz  Entre  Rioö.
Guanajuato,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  mejikan.  Staats;  (isso)  63,000
Einw.  Deutsches  Vicekonsulat.
Guatemala,  Freistaat  in  Centralamerika, ­
  105,612  qkm  mit  1,200,000  Einw.,
darunter  3000  Spanier,  Deutsche,  Engländer, ­
  Nordamcrikaner,  200,000  Ladinos
oder  Mischlinge,  800,000  Indianer.  Die
Weißen  sind  Pflanzer,  die  Ladinos  Handwerker ­
  und  kleine  Kaufleute,  die  Indianer
Ackerbauer.  Der  größte  Teil  des  Landes  ist
eine  1600m  hohe,  von  tiefen  Thälern  durchschnittene ­
  Hochebene  mit  sehr  gesundem
Klima,  während  die  Niederungen  feucht
und  ungesund  sind.  —  H  a  u  p  t  p  r  o  d  n  k  t  e
sind:  Mais,  Reis,  Indigo,  Zuckerrohr,  Tabak, ­
  Kaffee,  Kochenille;  an  der  Grenze  von
Honduras  etwas  Gold,  Silber,  Kupfer;
an  den  Ufern  der  Seen  Vincente  und  Lampara ­
  Mineralöle.  —  Der  Schwerpunkt  des
Handels  liegt  am  Stillen  Ocean.  In  dem
Hafen  SanJose  liefen  1874  ein:  23  Segclschiffe
  (12  deutsche),  und  monatlich  kommen
4—5  Dampfer  (von  Panamá  nach  San
Francisco)  an.  Unter  Garantie  der  Regierung ­
  wurde  durch  Amerikaner  Anfang
1881  cincEisenbahu  von  San  Jose  nach
Escnintla  (45  km)  vollendet.  Die  Länge
der  Telegraphenlinicn  war  1878:  1727
km,  der  Drähte  1961  km,  mit  42  Stationen. ­
  Die  wichtigsten  Verkehrsländer  sind:
England,  Vereinigte  Staaten,  Deutschland ­
  (1878:  Einfuhr  1,68  Mill.,  Ausfuhr
3,47  Mill.  Mk.),  Frankreich.  1878  betrug
die  Einfuhr  13,44  Mill.,  die  Ausfuhr  16,38
        <pb n="249" />
        Guayana.

241

Mill.Mk.  Das  wichtigste  Ausfuhrprodukt
ist  Kaffee  (13,s  Mill.  Mk.),  in  weit  geringerm ­
  Maß  Kochenillc,  Wollzeuge,  Häute,
Cedernholz,  Rohzucker,  Kakao,  Safsaparille,
  Indigo,  Gummi.  G.  exportierte  1878
ca.  21  Mill.  Pfd.  Kaffee,  davon  nach  San
Francisco  7,6Mill.,  England  6,3,  Deutschland ­
  2,a  Mill.  Pfd.  —  Die  Staatseinnahmen ­
  von  1880  beliefen  sich  auf  11,8
Mill.  Mk.,  davon  4,i  Mill.  Mk.  für  Einfuhrzölle;
  von  den  Ausgaben  in  gleicher
Höhe  entfallen  %  auf  das  Heer  und  die
Zinsen  der  öffentlichen'Schuld,  welche  sich
30.  April  1880  auf  26,3  Mill.  Mk.  belief,
davon  22,9  Mill.  Mk.  auswärtige  (englische) ­
  Schuld.  Dagegen  steht  ein  Aktivum
(inkl.  Eiscnbahnen)von  45,8Mill.  Mk.  —
Konsulate.  Eoban,  Retalhuleu  und
San  Jose  haben  Vicekonsuln.  —  Kred
  i  t  w  e  s  e  n.  Es  bestehen  drei  Banken:  die
Aationalbank,  die  Banco  de  Jagucipalpa
mid  Choluteca  (in  beiden  Orten),  Banco
d  Olaucho  (Juticalpa).  Die  Nationalbank ­
  steht  unmittelbar  unter  der  Regierung; ­
  Mitte  1876  betrug  der  Notenmn-Wf
  400,000  (ßefog.  W  c  ^  (  e  I  r  c  di't
'st  das  alte  spanische.  —  Geld.  Seit
1870  hat  G.  mit  San  Salvador  einen
Peso  im  Wert  des  französischen  golduen
Fünffrankstücks  angenommen.  Auch  werden ­
  silberne  Pesos  ausgeprägt  gleich  dem
französischen  silbernen  Fünffrankstück.  —
Maße  und  Gewichte  sind  gesetzlich  die
französischen,  metrischen.
Guayana  (Guiana),  nordöstlicher
Teil  von  Südamerika,  zwischen  Venezuela, ­
  England,  den  Niederlanden.  Frankreich ­
  und  Brasilien  geteilt,  ein  Gebiet  von
ca.  3,300,000  qkm  (60  QM.)  Areal.  —
Die  Produkte  sind  sehr  mannigfaltig;  man
zählt  mehr  als  300  kostbare  Holzarten,
die  ebensowenig  benutzt  werden  wie  das
-stopal-,  Simiri-,  Elemiharz,  Kopa'wabalsam,
  Kautschuk,  Vanille.  Gebaut  werden: ­
  Mais,  Zuckerrohr,  Kakao,  Kaffee,
Gewürznelken,  Baunnvolle,  Indigo;  eö
Sachsen  hier  alle  tropischen  Früchte.  Die
Tierwelt  ist  besonders  reich  an  schön  gefiederten ­
  Vögeln,  Affen,  Jaguaren,  Pumas,
Tapirs,  Pekaris,  Gürtel  -  und  Faultieren.
Von  Mineralien  findet  man  Goldstaub;
ftMc 9  kennt  man  Brauneisensteinlager.
Handelsgeographie.

Das  »G.«  im  engern  Sinn  genannte
Kolomalgebiet  der  Europäer  umfaßt  nur
dcu  Küstensaum,  in  den  sich  England
Holland  und  Frankreich  teilen.
1)  Britisch-G.,  engl.  Kolonie  an  der
Nordküste  von  Südamerika,  221,243  qkm
(4018  QM.)  mit  (1871)  240,500  Einw.,
darunter  20,000  unabhängige  Indianer.
Die  Einwanderung  1878  betrug  9379
Personen  (8110  von  Ostindien,  1066  von
Westindien,  203  von  Madeira);  es  wanderten ­
  aus:  1892  Asiaten  mit  727,756
Mk.  Ersparnissen.  Ansiedelungen  sind
namentlich  an  den  llfern  des  Demerara
und  Bcrbice,  zwischen  den  Mündungen
dieser  Flüsse,  auch  am  Esscguebo  und  Pomarun.
  —  Hauptkultur  ist  Zuckerrohr,
ferner:  Kaffee,  Baumwolle,  Indigo.  Ausgeführt ­
  wird  namentlich  Zucker  nach  England ­
  und  Nordamerika,  eingeführt  werden: ­
  Manufatte,  Eisenwaren,  Brotstoffe.
Es  wertete  1879  die  Einfuhr  43  Mill.,
die  Ausfuhr  50,a  Mill.  Mk.  Ein  direkter
Handel  mit  Deutschland  besteht  nicht,  doch
verkehrten  1879  hier  17  deutsche  Schiffe
(15  in  Georgetown,  2  in  Berbice).  Im
ganzen  liefen  1022  Schiffe  von  270,409
Ton.  ein.  —  Im  Finanzjahr  1879  betrug
die  Einnahme  7,914,800,  die  Ausgabe
7,752,840,  die  Staatsschuld  4,989,540
Mk.  —  Hauptstadt  ist  Georgetown
(s.  d.  und  Bcrbice).
2)  F  r  a  n  z  ö  s  i  sch  -  G.,  franz.  Kolonie  an
der  Nordküste  von  Südamerika,  121,413
qkm  (2205  QM.)  mit  (1877)  26,960
Einw.  (Indianern,  indischen  Kulis,  Deportierten^ ­
  Militärs  und  Beamten).  Die
Bevölkerung  nimmt  stetig  ab.  —  Hauptkulturen
  sind:  Zucker,  Kaffee,  Kakao,  Gewürznelken. ­
  Eö  wertete  1877  die  Einfuhr
6,a  mn.,  bic  %u6f#  296,800  9Rf.;  cg
liefen  92  Schiffe  ein  und  100  aus.  Hauptstadt ­
  ist  Cayenne  (s.  d.).
3)  Niederländisch-G.  oder  Surinam, ­
  Holland.  Kolonie  an  der  Nordküstc
von  Südamerika,  119,320  qkm  (2167
QM.)  mit  (1876)  68,531  Einw.,  darunter
17,OdO  Indianer  und  Buschneger,  viele
Chinesen  und  Hindu.  —  Hauptkulturen
sind:  Zuckerrohr,  Kaffee,  Baumwolle,
Kakao;  auch  wird  viel  Goldstaub  gefunden. ­
  Der  Handel  konzentriert  sich  in  P  a  -
16
        <pb n="250" />
        242

Guayaquil  -
ramavií&amp;gt;o  (s.  d.).  Nach  dem  Kolonialbudget ­
  für  1880  betrugen  die  Einnahmen
2,008,820,  bic  MuSgabcit  2,859,898  31».
Niederländisch-G.  gehört  zum  Weltpostverein; ­
  es  kamen  hier  1877:36,028  Briefe
und  32,843  Drucksachen  auf  Schissen  au.
Guayaquil,  Hauptstadt  der  Provinz
Guayas  in  der  südamerikan.  Republik
Ecuador,  am  Golf  von  G.  des  Stillen
Oceans,  Station  der  Dampfer  der  Compagnie ­
  générale  transatlantique  und  der
Hamburg  -  Südamerikan.  Dampfschiffahrtsgesellschaft; ­
  26,000  Einw.  Deutsches ­
  Konsulat;  Banco  del  Ecuador.  Sehrguter
  Hafen,  in  welchem  1879:226  Schiffe
von  215,831  Ton.  (davon  21  deutsche  von
6566T.)verkehrten.  Die  Ausfuhr  (1879:
34,65  Mill.  Mk.)  besteht  namentlich  in
Kakao  (27,75  Mill.),  Steinnüssen  (2,29
Mill.),  Chinarinde  (2,76  Mill.  Mk.),  ferner ­
  in:  Kautschuk,  Häuten,  Strohhüten,
Sohlleder.  Einfuhr  (1878:  18,9  Mill.
Mk.):  Zeuge,  Metalle  und  Metallwaren,
Mehl  (ans  Chile),  Wein  n.  a.  Platzgebräuche. ­
  Kakao  verkauft  man  für  die
Carga  sucia  (80—81  Pfd.).  Wechselkurse
notiert  man  auf  London.
Guaymas,  Hafenplatz  in  dem  mejikan.
Staat  Sonora,  am  Golf  von  Kalifornien;
12,000  Einw.  Deutsches  Bicckonsulat.
Der  größte  Teil  des  Verkehrs  geht  nach  den
Vereinigten  Staaten,  dann  nach  Deutsch--

  Haarlingen.
land,  Frankreich  und  England.  Die  Einfuhr ­
  (1878:  3,006,716  Mk.)  besteht  namentlich ­
  in  Kolonial-  und  Eßwaren,
Eisenwaren,  Woll-,  Leinen-  und  Baumwollwaren,
  die  Ausfuhr  (1878:  3,647,396
Mk.)  fast  ausschließlich  in  Silber  und
Gold  (meist  Münzen).  Einfuhrzoll:
1,249,204  Mk.,  Ausfuhrzoll:  151,004Mk.
Guayra,  s.  Guaira.
Guernsey  (spr.  ghôrnst),  eine  der  zu  England ­
  gehörigen  Kanal-oder  Normänuischen
Inseln,  67  qkm  (l,2i  QM.)  mit  (i87i)
30,590  Einw.  Hauptstadt  ist  der  Hafen  St.
Pierre  oder  St.  Peter's  Port.  Deutsches
Vicekonsulat  für  die  Insel  G.;  G.  commercial ­
  Bank.  Ausgeführt  werden  Kühe
und  Granit.  1879  verkehrte  hier  ein  deutsches ­
  Schiff  (mit  Weizen  von  Stralsund).
Guinea,  bei  den  Europäern  üblicher
Name  für  den  Teil  des  afrikanischen  Kontinents, ­
  welcher  sich  vom  Kap  Palmas  bis
zunl  Kap  Negro  erstreckt.  Man  teilt  diesen ­
  langen  Küstensaum  in  Ober-  oder
Nordguinea  nub  Nieder-  oder  Südguinea,
als  bereit  Grenze  mau  das  Kap  Lopez
Gonzales  annimmt.  —  Südguinea
oder  Congo  zerfällt  in  die  Landschaften
Loango,  Congo,  Angola  und  Benguela.
In  No  rd  guinea,  gewöhnlich  nur  G.
genannt,  haben  England  und  die  Niederlande ­
  Besitzllitgeit  (s.  G  o  l  d  k  ü  st  e).  Der
wichtigste  Handelsplatz  ist  Lagos  (s.  d.).

Haag  (den  Haag,  eigentlich  'sGravenhage),
  Hauptstadt  der  Provinz  Holland ­
  und  Residenz  des  Königs  der  Niederlande, ­
  au  der  Niederländ.  Rbeinbahn
und  Holländ.  Bahn;  (i»79)  114,936  Einw.
Handelskammer,  Handelsgericht;  Hollaitdsche
  Bank.  Die  Stadt  ist  mehr  Lurusalö
  Fabrik-  und  Handelsstadt.
Haarlem,  Stadt  in  der  niederländ.  Provinz ­
  Nordholland,  au  der  Holläud.  Bahn;
(1877)  35,692  Einw.  Haarlemer  Baukvereening.
  —  H.  ist  berühmt  dilrch  seine
.Blumenzucht:  Tulpen,  Hyacinthen,  Narcissen, ­
  Ranunkeln  rc.,  mit  welchen  ein
früher  bcdelltendercr,  aber  immer  noch  ansehnlicher ­
  Handel  getrieben  wird.

Haarlingen,  Seestadt  in  der  niederländ.
Provinz  Fricslaitd,  an  der  Zuidersee  und
Niederländ.  Staatsbahn;  0874)  10,760
Einw.  Deutsches  Vicekonsulat.  —  H.  ist
Sitz  der  Friesischen  Dampfschisfahrtögesellschaft
  und  steht  mit  Amsterdam,.  Enkhuizen
  und  dem  Nieuwe  Diep  sowie  mit
Hull  und  London  in  Verbindung.  ES
liefen  1878  ein:  541  Schiffe  von  431,828
cbm,  aus:  551  Schiffe  von  435,031  Ton.
1880  liefen  34  deutsche  Schiffe  ein.  24
aus.  Ausfuhr  1878:  Butter  10,6  Mill,  kg',
Kartoffeln  3,6,  Eichorienwurzel  2,  eßbare
Muscheln  7,9,  Flachs  1,2  Mill,  kg-  rc.
Einfuhr:  Holz,  Roggen,  Garne  (4,6  Mill,
kg),  Schmalz,  Salz  rc.
        <pb n="251" />
        Hagen  —  Halle.

243

Hagen,  Kreisstadt  im  streust.  Regierungsbezirk ­
  Arnsberg,  au  der  Bergisch-Märkischen
  Bahn;  (isso)  26,297  Einw.
Handelskammer;  Reichsbankuebeustelle.
1878:  32,654,31  03)71.).—
Zahlreiche  Eisen-  und  Stahl-,  Puddlings
und  Walzwerke,  Eisen-,  Blech-  und  Stahlwarenfabriken ­
  rc.  Per  Bahn  gingen  1878
ein:  1,059,608,  auö:  505,736  Ton.  Die
Post  bcfördcrte:Bricfsendungen2,807,616,
Wertsendungen  29,155,032  Mk.,  anPostanweisungen
  7,431,639  Mk.  je.
„Haiffa,  türk.  Hafenstadt  an  der  syrischen
Küste.  Deutsches  Bicekonsulat  (ressortiert
von  Jerusalem)  für  H.  und  Akka.  1879
wertete  die  Ausfuhr  von  H.  474,500
Mk.  und  die  von  Akka  1,507,830  Mk.
Hakodade  (Hakodate),  Seestadt  auf
der  japancs.  Insel  Jesso,  nördlich  von  der
Sangarstraße;  30,000  Einw.,  darunter
iļf«)  72  Fremde  (7  Firmelt)  und  zwar:
-0  Engländer  (2  Firmen),  6  Franzosen,
^Russen,  3  Amerikaner,  2  Däilcil,  2
Deutsche,  35  Chinesen  (5  Firmen).  1879
Ştig  die  Eiitfuhr  (Baumwoll-,  Wollund
  Halbwollwaren,  Metalle  und  Kicker,
Baumwolle  u.  a.)  17,836  Mk.,  die  Ausfnhr
  (Thee,  Reis,  Steinkohle,  Kupfer,  Tabak, ­
  vegetabilisches  Wachs,  Kampher  re.)
2,8  9m.  9071.  1879  kuMMc,  Mer  22
Schiffe  (3  deutsche)  von  7881  Ton.
tzalbcrstadt,  Kreisstadt  im  prellst.  Regierungsbezirk ­
  Magdeblwg,  an  derMagdebllrg-Halberstädter
  Eisenbahn  mit  Linien
nach  Vienenburg  und  Blankenburg;  (isso)
31,258  Einw.  Hanptstcuerantt;  Reichsbankncbenstelle
  (Gesamtumsatz  1878:
10,179,901  m.).  ber  ^a^beburg:
Halberstädter  Bahn  wurden  befördert
278,149  %o„.  mb  48,572  Stiid  miel),
auf  der  Halberstadt-Blankenburger  Bahn
3224%.  Die  Post  beförderte:  Briefsendun-9^1
  382,212,  %crl1cnbmißm  12,558,708
''lis.,  an  Postanweisungen  3,454,598  Mk.
Halifax  lspr.  hallifax),  1)  Stadt  in  der
M.  Grafschaft  Pork,  an  der  Great
Northern-Eisenbahn;  0871)  65,510Einw.
Halifax  commercial  Banking  Company,
Halifax  and  Huddersfield  Union  Bank;
^uchhallc.—H.  ist  neben  Leeds  nnd  Brad-Ņ
  Hauptsitz  der  Wollindustrie  Englands.
^  an  fabriziert  auch  gemischte  Stosse,

Baumwollwaren  re.  Jil  der  Nähe  Steinkohlengruben,
  Schiefer-  il  nd  Steinbrüche
2)  Hauptstadt  der  brit.  Kolonie  Neuschottland, ­
  auf  der  Südseite  eines  vorzüglichen, ­
  nie  zufrierenden  Hafens;  Station
der  Dampfer  der  Allan-,  Anchor-,  Dominion ­
  -  und  White  Crost-Linien;  (i8?i)
29,582  Einw.  Deutsches  Konsulat  für
Nenschottland;  Bank  of  Montreal,  Bank
of  British  North  America,  Union  Bank.
3)10^,1^^006  ^l)0cl879:987@eßcl:
schiffe  von  103,587  Ton.  und  26  Dampfschlsfc
  von  2741  T.
Halle  (H.  an  der  Saale),  Stadt  in
der  streust.  Provinz  Sachsen  und  an  den
Bahnlinien:  Magdeburg  -  Halbcrstadt
H.  -  Soran-  Guben,  Magdeburg  -  Leipzig
Thüringische  und  Anhaltische  Bahn;  (isso)
71,488  Einw.  Handelskammer  (für  die
Stadt  H.,  die  Kreise  Bitterfeld  und  Delitzsch ­
  mit  Anöschliist  der  Stadt  Delitzsch,den
ManöfelderSeekreiü,  den  Mansfclder  Gcbirgökreis
  mit  Ausschlust  von  Ermöleben,
die  Kreise  Querfurt,  Merseburg,  Naumburg, ­
  Weistenfelö  und  Zeitz);  Gewerbcrat,
Gcwerbegericht;  Börse;  Reichsbankstelle;
Hauptstcileramt.—Ansehnliche  Fabrikation ­
  von  Starke  und  Kraft,nehl,  Rüben
zucker,  Zuckcrrafsinerien.  chemische  u.  Maschinenfabriken ­
  re.  Im  Bezirk  des  HanptstcueramtsH.
  waren  1879:  94  Brauereien
un  Betrieb,  welche  an  Steuer  227,982  Mk
entrichteten  und286,6151,1  Bier  erzeugten  ;
51  Brennereien  zahlten  an  Maischstcucr
I,  255,169  Mk.  Per  Bahn  wurden  1879

(in  Kilogr.)
Spiritus  .
Weizen.  .
Roggen.  .
Gerste  .  .
Hafer  .  .
Hiilscnfriichtc
Mehl

empfangen:  versandt:

5124660
3361940
2195120
10096350
1959580
1258730
13426240

3959860
14642830
11410430
16173  720
8891110
1970350
4240760
Die  Salinen  lieferten  1879  an  Siedc-Ws
  10,952,100  kg  (239,558  31(1.),
11,299,550  kg  gelangten  zum  Absatz.
1879  war  der  Verkehr  auf:
Personen
Thüringische  Eisenbahn  440832
Magdeb.-Halberstädter  869113
Berlin-Anhaltische.  .  314004
Halle  -  Soran  -  Guben  er  126  830
Frankfurt  -  Bebracr.  .  331145

Güter
90550,4  Ton.
721878,8  -
319952,7  -
219595,1  -
101901,0  ,

16"
        <pb n="252" />
        244

Hamburg.

Die  Post  beförderte:  29,2  Mill.  Briefe,
Postkarten,  Drucksachen  re.,  2,4  Mill.  Pakete, ­
  328,9  Milk.  Mk.  Wert  in  Briefen,
6,429,915  Mk.  Postauftragsbriefe,  94,o
Mill.  Mk.  Postanweisungen,  10,350,804
Aeitungsnummern.  Aufgegeben  wurden
71,821  Telegramme,  wofür  man  57,833
Mk.  Gebühren  zahlte;  63,872  Telegramme
kamen  an.  —Kreditwesen.  Die  Reichsbankstelle ­
  hatte  1880  einen  Gesamtumsatz
von  517,452,300  Mk.,  davon  Wechsel
19,470,700,  264,326,700
Mk.  Außerdem  bestehen  hier  :  der  Hallische
Bankverein  von  Kulisch,  Kämpf  il.  Komp,
und  der  Allgemeine  Spar-  und  Vorschußverein.

Hamburg,  deutscher  Freistaat  im  N.
Deutschlands,  im  Gebiet  der  Elbe,  besteht
aus  der  Stadt  H.  mit  der  Vorstadt  St.
Pauli,  aus  dem  in  der  nächsten  Umgebung
der  Stadt  liegenden  Festland  nebst  mehreren ­
  Elbinseln,  ferner  aus  fünf  Enklaven  im
Holsteinischen,  der  Gemeinde  Moorburg
im  Lüneburgischen,  dem  Amt  Ritzebüttel
am  Ausfluß  der  Elbe  mit  der  Insel  Ncuwerk
  unb  dem  Amt  Bergedorf.  Der  Flächeninhalt
  beträgt  409,78  qkm  (7,4  QM.).
Dem  Zollverein  sind  ca.  322,39  qkm  einverleibt ­
  mit  (1875)  35,968  Einw.,  das  Freihafengebiet ­
  umfaßt  87,39  qkm  mit  (1875)
352,650Einw.  1880zählte  der  Hamburger-Staat
  454,041  (1878:  417,239)  Einw.,
die  Stadt  mit  den  Vororten  410,176
(1878:  374,886)
Die  bedeutende  Industrie  steht  größtenteils ­
  mit  dem  Handel  in  unmittelbarer
Verbindung.  1875  gab  es  43,922  Hauptbetriebe ­
  mit  110,330  darin  beschäftigten
Personen.  Am  lebhaftesten  betrieben  werden: ­
  Zuckerraffinerie,  Branntweinbrennerei ­
  ,  Cigarrenfabrikation,  Eisengießerei,
Maschinènfabrikation  und  Ankerschmiederei, ­
  Bierbrauerei  rc.
Schiffahrt  und  Handel  geben  aber
H.  seine  Bedeutung.  1836besaßH.  erst  146
Schisse  (Segler)  von  25,722  Ton.;  am  1.
Jan.  der  betreffendenJahre  war  der  Stand
der  Hamburgischen  Reederei  folgender:
1879:  469  Schiffe  von  219861  Tonnen
1880  :  496  -  -  245709
1881:  492  .  -  244967
Diese  letzte  Zahl  verteilte  sich  1880  auf  375

Segler  von  153,472  T.  und  121  Dampfer
voir  92,237  T.  Als  die  größten  Dampferlinien ­
  sind  zu  nennen:  die  H.-Amerikanische
  Patetfahrt  -  Aktiengesellschaft ­
  (Kapital:  15  Mill.  Mk.)  unterhält
mit  18  Dampfern  Linien  nach  New  Pork,
Wcstindien  und  Mexiko  und  beförderte
1879  :  23,722  ^a^agiere,  256,800  cbm
Waren  und  87,575,000  Mk.  Kontanten
und  hatte  einen  Gewinn  von  2,332,068
Mk.;  die  H.  -  Südamerikanische  Dampfschiffahrtsgesellschaft
  (Kapital:  3,750,000
Mk.)  beförderte  mit  7  Dampfern  nach  und
von  Brasilien  und  dem  La  Plata  4618
Reisende  und  53,499  cbm  Waren,  Gewinn
1,329,610  Mk.;  die  Deutsche  Dampfschiffreederei
  zu  H.  (Kapital  3Mill.  Mk.)  führte
mit  Dampfern  nach  und  von  Ostindien
und  China  179  Reisende  und  25,119  cbm
Waren,  Gewinn  493,330  Mk.  ;  die  Deutsche ­
  Dampfschisfahrtsgesellschaft  »Kosmos« ­
  (Kapital:  5  Mill.  Mk.)  mit  8  Dampfern ­
  hatte  einen  Gewinn  von  929,500
Mk.  Andre  hier  domizilierte  Dampferlinien
  sind:  Sloman  u.  Ko.,  R.  Sloman
jun.  (nach  Marokko,  Spanien,  Australien), ­
  Perlb.  Dampfschisfreederei,  H.  und
Londoner  Dampfschiffgesellschaft;  vonauölvärtigen:
  Lübecker  Dampfschiffahrtsgesellschaft, ­
  Bergenske  og  Rordenfjeldske
Dampskibselskab,  Söndenfjeldske  Dampskibselskab
  (Christiania),  Svenska  Lloyd
(Gotenburg),  British  andAfriean  Steamship ­
  Co.,  Jnman-Linie  (Liverpool),Wilson,
Gee  and  Co.  und  Lofthouse  and  Co.  (Hull),
Hartlepool  Steam  Navigation  Co.,  Yorkshire ­
  Steamship  Co.  (Goole),  Roca  u.  Ko.
(Barcelona);  auf  der  Elbe:  Elbdampfschiffahrtsgesellschaft ­
  (Stade),  Elbdampfschiffahrtsgesellschaft ­
  (Magdeburg),  Sächsisch-Böhmische ­
  Dampfschiffgesellschaft  und
Elbe-Schleppschiffahrtögesellschaft  (Dresden). ­
  Im  ganzen  unterhalten  37  Dampffchifflinien
  eine  regelmäßige  Verbindung
des  Haniburger  Hafens  mit  54  europäischen ­
  und  31  außereuropäischen  Hafen-Plätzen.
  Regelmäßiger  Dampfschiffsverkehr ­
  besteht  hauptsächlich  mit  Großbritannien ­
  ,  Schweden  und  Norwegen,  mit  den
Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika
(West-  und  Ostküste),  mit  Ostindien,  China
und  in  jüngster  Zeit  mit  Australien.
        <pb n="253" />
        Hamburg.

245

Die  Seeschiffahrt  hat  in  den  letzten
Jahren  beständig  zugenommen:

Jahr

1878
1879
1880

Eingang
Schiffe  Tonnen

5008
5671
6024

2273342
2492905
2766806

Abgang
Schiffe  Tonnen

5316
5651
6058

2284116
2489678
2761233

Unter  den  eingegangenen  Schiffen  waren
Dampfschiffe  1879:  3168  von  1,958,698
188U:  3388  Do»  2,181,254  &amp;amp;.  93o,i
ven  1879  eingegangenen  waren:
Deutsche  .  .  .  2408  von  874945  Tonnen
Britische.  .  .  2311  -  1287244
Als  Auswanderungshafen  steht
H-  nur  Bremen  nach.  Die  Zahl  der  Auswanderer ­
  ist  anch  hier  in  jüngster  Zeit
wieder  sehr  bedentcnd  gestiegen,  nachdem
ste  1877  auf  ihr  tiefstes  Niveau  gesunken
war.  Es  wurden  direkt  befördert:
1877  :  22570  Perf.  I  1879:  24864  Pcrf.
1878:  24803  -  |  1880:  68887  -
Seit  1832  gingen  1,001,178  Auswanderer
über  H.  meist  nach  Nordamerika.
Die  F  l  u  st  s  ch  i  f  f  a  h  r  t  ist  ebenfalls  von
hoher  Bedeutung;  an  ihr  beteiligen  sich
außer  H.  besonders  Preußen  und  Sachsen,
sodann  Österreich,  Mecklenburg,  Anhalt
und  Lübeck.  Auf  dcrOberclbe  gingen  1879
ein:  7385  Fahrzeuge  mit  12787989  Ctr.
aus:  7388  -  .  12781103  -
Holz,  Steine,  Getreide,  Ölkuchen,  Salz
und  Stückgüter  gehen  den  Fluß  abwärts,
dagegen  aufwärts:  Steinkohle,  Eisen,
Schwefel,  Guano,  Getreide  und  Stückgüter. ­
  Von  Plätzen  der  tlnterelbc  kamen
30,700  W"  31,735,419  Gtr.
Tragfähigkeit  an;  die  Flnßdampfschiffe
beförderten  309,715  Passagiere.  H.  besaß
{788  Flußschiffe,  davon  eiserne  231  von
443,421  Etr.,  hölzerne  2557  von  1,554,757
4ur.  Die  Bedeutung  des  Hamburger
Handels  wird  ans  den  amtlichen  AnfuEungen
  ersichtlich.  Danach  betrug  (in
'Millionen  Mark)  die
1876  1877
Einfuhr.  .  .  1704,4  1777,o
Ausfuhr.  .  .  1451,2  1518,7
.'.IM  Warengruppen  geordnet,  entfallen
l0 ‘  (  auf:

Einfuhr  Ausfuhr
„  ,  l'u  Mill.  Mark)
Verzchrungsgegcnstäudc  .  .  .  648,5  500  e
Bau-  und  Brennmaterial  .  .  40,g  g'.
Rohstoffe  und  Halbfabrikate.  .  564,5  547%
Manufakturwaren  280,4  255*7
Industrie-  und  Kunstgcgenstandc  242,7  206*2
Zusammen  Waren:  1777,0  1518,7
Dazu  Kontanten:  422,8  512,2

Total:  2199,8  2030,8
1878  betrug  die  Einfuhr  1720,4  Mill.,
1879:  1755  Miü.  Ms.;  mit
1861—65,  hatte  sich  dieselbe  1879  um  196
Proz.  gehoben.  Die  Ausfuhr  ist  für  diese
Jahre  nicht  konstatiert.  Von  der  Einfuhr
kamen  1879:  48  Proz.  seewärts  (24  Proz
von  England),  38  Proz.  per  Eisenbahn.
In  H.  münden  außer  den  191  km,  die
dem  Hamburgischen  Staat  gehören,  vier
verschiedene  Eisenbahnlinien,  welche
verpachtet  sind:  die  H.-Bergedorfcr,  dieH.-Altonaer
  Verbindungsbahn  und  die  Hafenbahn ­
  an  die  Berlin-Hamburger  Eisenbahngescllschaft,
  die  Grasbrootbahn  au
die  Koln-Mlndener  Eisenbahngesellschaft.
Der  Verkehr  auf  diesen  Bahnen  ist  kolossal
gewachsen.  Abgesehen  von  der  Altona-Kieler
  Bahn,  über  deren  Anteil  an  dem
d'^urgischen  Verkehr  sich  kein  sicheres
Bild  schaffen  laßt,  da  sie  nicht  in  .fS.  ausmündet, ­
  war  die  Warenausfuhr  mit  den
Eisenbahnen  und  nach  der  Obcrclbe  1879
(iil  Millionen  Centner):
Berlin-Hamburger  Eisenbahn  .  .  5,8
Lübeck-Hamburger  Eisenbahn.  .  .  :ij
Venivo-Hamburger  Eisenbahn  .  .  4,2
Nach  der  Oberelbe  12,8
Auf  der  Berlin-Hamburger  Bahn  wurden ­
  1878:1,959,308  Personen  befördert,
auf  der  Altona-Kieler  2,293,588.  Der
Personenverkehr  auf  allen  Pferdebahnlinien ­
  bezifferte  sich  1878  auf  4.890,133
Personen,  während  nahezu  ebenso  viele,
nämlich  4,438,722,  perOmnibilS  befördert
wurden.  Die  Post  beförderte  1879:
56,217,488  Briefe,  Drucksachen,  Warenproben, ­
  93,492,799  Mk.  auf  Postanweisnngen,
  Pakete  mit  Wertbetrag  von  587.8
MiU.  m.  Die  Scíeora|)íre„mucH
auf  hamburgischem  Gebiet  haben  eine
Länge  von  20,75  km  unterirdischen  und
51,23  km  oberirdischen  Leitungen;  1879
        <pb n="254" />
        240

Hamburg.

wurden  566,550  Depeschen  aufgegeben
und  639,089  empfangen.
F  i  n  a  n  z  e  n.  Das  Wachstum  der  Stadt,
wie  in  ihrer  Bevölkerungsziffer  so  auch  in
ihrem  Vermögen  und  ihren  Handelsumsätzen, ­
  beweist  nachstehende  Zusammenstellung ­
  nach  offiziellen  Quellen.  Es  find
hierbei  die  Jahre  1871  (vor  der  Gründerperiode) ­
  und  1878  gewählt  worden,  da
für  1879  vollständige  Ausweise  noch  nicht
vorliegen.
1871  1878
Bcvvlkcruuqszahl.  .  338974  417239
Murk  Mark
Grundsteuer  .  .  .  3852579  0  204004
Einkommensteuer.  .  2982  784  3  870000
Jmmobilienabgabe  .  020801  1345000
Tonneiineld.  .  .  .  320089  478092
Konsumtionsabgabe.  1420038  1  908549
Stempelabgabe  .  .  1144002  1274872
1879  llnd  1880  waren  alle  Posten,  über
welche  Ailöwcise  vorliegen,  ganz  erheblich ­
  gestiegen,  obschon  nirgends  eine  Veränderung ­
  der  Steuersätze  eintrat.  Das
Budget  für  1880  balanciert  in  Einnahme ­
  lind  Ausgabe  mit  31,349,290  Mk.
Die  Einnahmen  sind  faktisch  aber  nur  ans
28,693,809  Mk.  veranschlagt,  das  Defizit
ist  aus  Überschüssen  früherer  Jahre  gedeckt. ­
  Hauptposten  der  Einnahmen  sind:
Steuern  16,993,610  Mk.  (Grundsteuer
6,344,000,  Einkommensteuer  3,880,000
Mk.),  aus  dem  Staatsvermögen  8,279,439
Mk.;  derAusgaben:  Staatöschnld7,335,000
Mk.,  Matrikularbeitrag  3,600,000  Mk.,
1881:792,583  m.  '
Die  Staatsschuld  belief  sich  Anfang
1880  auf  126  Mill.  Mk.  nebst  einer  immerwährendcn
  Rente  von  110,843m.  Es  betrugen ­
  nach  deil  Finanzvoranschlägen  die

Einnahme»
1872:  17250000  Mark
1873:  19050000  -
1874  :  21540000  -
1875:  23578200  -
1870  :  24123300  -
1877:  25291700  -
1878  :  20011000  -
1879:  27092000  -
1880  :  28093809  -

Ausgaben
1872:  18000000  Mark
1873:  20017000  -
1874  :  22380000  -
1875  :  24914000  -
1870:  25770000  -
1877:  27178300  -
1878  :  28443500  -
1879:  30157200  -
1880  :  31349200  -

Die  jährlichen  Defizits  wurden  teilweise
durch  erhöhte  Einnahmen  gedeckt.
Konsulate  unterhalten  hier:  Argentinien, ­

  Belgien,  Bolivia,  Brasilien,  Chile,
Costarica,  Dänemark,  Ecuador,  Frankrcich,
  Griechenlaiw,  Großbritannien,  Guatemala, ­
  Hawaii,  Hayti,  Honduras,  Italien, ­
  Kolumbien,  Liberia,  Merito,  Nicaragua,
  Niederlande,  Österreich,  Paraguay,
Persien,  Peru,  Portugal,  Rußland,  Santo
Domingo,  Schweden-Norwegen,  Schweiz,
Spanien,  Türkei,  Uruguay,  Venezuela,
Vereinigte  Staaten;  von  deutschen  Staaten ­
  :  Anhalt,  Baden,  Bayern,  Hessen,Lippe-Detmold,
  beide  Mecklenburg,  Oldenburg,
Sachsen,  Sachsen-Weimar,  Schaumburg-Lippe,
  beide  Schwarzburg,  Württemberg.
Kreditwesen.  Die  Reichsbankhauptstelle ­
  hatte  1880  einen  Geschästsumsatz  von
8586  Mill.  Mk.,  davon  Wechselverkehr
721,8  Mill.,  Giroverkehr  7795,2  Mill.
Mk.  Die  Norddeutsche  Bank  (Kapital:  45
Mill.  Mk.)  hatte  einen  Totalumsatz  von
6016,6  Mill.  Mk.,  die  Vereinsbank  in
H.  (Kapital:  12  Mill.  Mk.)  einen  solchen
von  11.700,1  Mill.  Mk.,  die  Kommerzunb
  Diskontobank  (Kapital:  16,5  Milt.
Mk.)  von  4505,8  Mill.  Mk.  Andre  hier
bestehende  Banken  sind:  dieJnternationalc
Bank,  Gewerbe  -  und  Diskontobank,  Hypothekenbank, ­
  Anglo-Dclltsche  Bank,  Mäklcrbank,
  Wechslerbank,  Warenkreditanstalt, ­
  St.  Pauli-Kreditbank.
Die  Platzgebräuchc  sind  sehr  mannigfaltig. ­
  Tara  wird  meist  durch  Übereinkunft ­
  festgesetzt;  bei  rohem  Rüböl  rechnet ­
  man  die  reine  Tara,  bei  Butter  wird
eine  Vergütung  von  16  Pfd.  für  die  Dritteltonne ­
  gewährt.  Gutgewicht  gewährt
man  bei  Waren,  die  für  1  Psd.  verkauft
werden,  Va  Proz.,  bei  solchen  (auch  Rohzucker), ­
  die  für  100  Psd.  verkauft  werden,
1  Proz.,  kein  Gutgewicht  bei  raffiniertem
Zucker,  keine  Vergütung  bei  Papier.  Verkäufe ­
  meist  gegen  bar,  auch  auf  2  Monate
Ziel.  Bei  Barzahlungen  (1  Tag  nach
Empfang)  gew'ährt  man  dem  Käufer  1
Proz.  Dekort,  bei  Hamburger  raffiniertem ­
  Zucker  aber  Va,  Tabak  1  Va,  Quercitron ­
  2,  Seide  3  Proz.  —Der  Wechselverkehr ­
  betrug  im  Durchschnitt  der
Jahre  1871—75:  1,539,500,000  Mk.,
1878  indes  nur  1,396,500,000  Mk.,  also
143  Mill.  Mk.  weniger.  In  jener  Periode
der  Gründungen  wurden  aber  Wechsel  in
        <pb n="255" />
        247

Hammerfest
weit  höherin  Betrag  atö  143  Mill,  in
jedem  Jahr  in  die  Hamburger  Cirkulation ­
  geleitet,  welche  mit  dem  wirklichen
Handel  in  keiner  Beziehung  standen.  Daß
letzterer  wirklich  gestiegen  ist,  beweist  die
Wechselstempelstcuer,  welche  1871  —75  :
779,677  m.,  1879:  741,930m.  hei#,
während  sich  diese  Betrage  für  Berlin  auf
374,4/8,  resp.  617,676  Mk.  stellten,  so
daß  jetzt  H.  seine  ihm  in  jener  Zeit  genommene ­
  Stellung  dcö  ersten  Wcchselplatzcö
  in  Deutschland  wieder  gehört.  —
Wechselkurse  werden  notiert:  kurze
Sicht  und  3  Monate  dato  auf  Amsterdam,
Antwerpen  und  belgische  Bankplätze,  London, ­
  Paris  und  französische  Platze,  Schweizer
  Bankplätze,  Wien  und  österreichische
Bankplätze;  3  Monate  dato  auf  Lissabon
und  Porto,  Cadiz  und  spanische  Bankplatze, ­
  italienische  Bankplatze,  Augsburg
München,  Berlin,  Bremen,  Leipzig
und  sächsische  Bankplätze.  Dienstags  und
Freitags  finden  amtliche  Kursnotierungen ­
  statt.
Ņ  Hammerfest,  Hafenstadt  im  norweg.
Amt  Finnmarken,  Station  der  Dampferlttnen
  R.  Sloman  jun.  (Hamburg)  und
Beraenöke  og  Nordeufjeldske  Dampskibsclökab;
  (mc)  2101  Einw.  Deutsches  Kouslllat.
  —  Lebhafter  Handel  mit  dem  Gouvernement ­
  Archangelsk;  Mittelpunkt  der
an  den  Küsteil  von  Spitzbergen  betriebenen ­
  Fischereien.  Es  liefen  1878  ein:  78
Segelschiffe  von  8596  Ton.  und  43  norwegische ­
  Postdampfer  von  19,885  T.,  die
wöchentlich  mit  Post,  Passagieren  und
Frachtgütern  nach  und  von  Hamburg
Via  Christiansand  längs  der  norwegischen
Küste  bis  Wadsö  lausen.  1879  Verkehrten
hier  16  deutsche  Schiffe  von  2809  T.  Eingeführt ­
  wurden  1878  Waren  aus:  norwegischen ­
  Häfen  für  512,000  Mk.,  Rußland ­
  390,320  Mk.,  England  107,520
Ml.,  Deutschland  131,969  Ml.,  namentlich ­
  Kaffee  und  Spirituosen.
Hanau,  Kreisstadt  im  preuß.  Regierungsbezirk ­
  Kassel,  an  der  Hessischen  Ludwlgsbahn
  und  der  Frankfurt-Bebraer
Bahn;  (1880)  23,041  Einw.  Handelskammer, ­
  Hauptsteueramt;  Rcichsbanknebenstelle.
  —  Bedeutende  Thätigkeit  in  Bijouwrw,
  Tabak,  Cigarren,  Lederwaren  it.  a.

—  Hannover.
Der  Handel  vertreibt  außer  denJndustrieerzeugnissen
  besonders  Holz  (vom  Spessart), ­
  Drvguericn,  Kolonialwaren,  Wein
Getreide.  1879  beförderten:
Personen  Tonnen
Hessische  Ludwigsbahn.  .  412138  59003
Frankfurt-Bebraer  Bahn.  254511  47501
Die  Post  beförderte:  1,748,268  Briefsendungen,
  41,154,750  Mk.  Wertbriefe
und  -Pakete,  6,744,335  Mk.  Postanweisungen ­
  rc.
Hankau,  chines.  Traktatöhafen  in  der
Provinz  Hupe,  am  Jantsekiaug;  600,000
Einw.,  worunter  (mo)  123  Fremde  (zwei
Deutsche)  und  24  fremde  Firmen  (eine
deutsche).  Chinesisches  Seezollamt;  Chartered ­
  Bank  of  India,  Australia  aud  China,
Hongkong  and  Shanghai  Banking  Corporation. ­
  —  Es  wertete  1879  der  direkte
auswärtige  Handel  in  Einfuhr  51,2Mill.,
in  Ausfuhr  42,5  Mill.  Mk.  1879  verkehrten ­
  hier  1322  Schiffe  (692  Dampfer)  von
733,335  Ton.,  davon  35  deutsche  von
6624  T.  Zwei  Gesellschaften  unterhalten
regelmäßigen  Dampferverkehr  zwischen  H.
und  Schanghai  mit  13  Dampfern.  Die  elf
hier  domizilierenden  fremden  Handlungshäuser ­
  vermittelten  früher  70,  jetzt  kaum
40  Proz.  der  Einfuhr.  Hauptauöfuhrarttkel
  ist  Thee,  davon  V«  Ziegelthcc.  H.  ist
Hauptstapelplatz  für  den  riissisch-chinesischen ­
  Handel;  die  Waren  werden  zu  Wasser ­
  nach  Tientsin  und  von  dort  weiter  befördert. ­
  Beträchtliche  Mengen  von  Thee
(meist  Ziegclthee)  gehen  aber  auch  auf
dem  Hanfluß  nach  Fantscheng  zum  Überlandtransport; ­
  auf  diesem  Weg  wurden
versandt  1877  für  6,9  Mill.,  1878  für  3,5
Mill.  m.—  Wechselkurs  auf  London
6  Monate,  auf  Schanghai  15  Tage  nach
Sicht.  Gewichte:  der  Pikul  (—  ¿0,479
kg)  hat  113  Kättys.
Hannover,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  preuß.  Provinz  und  der  Landdrostei
H.,  an  der  schiffbaren  Leine  sowie  der
H.-Altenbekener  und  der  Hannövcrischen
Bahn;  (1880)122,860  Einw.  Handelskammer ­
  (für  den  Land-  und  Stadtkreis  H.,
die  Kreise  Wennigsen,  Hameln,  Celle,'
Gifhorn  und  Rinteln);  Effektensoeietät
(Börse),  landwirtschaftliche  Produktenbörse, ­
  Schiedsgericht  dieser  Börse.  —  Von
        <pb n="256" />
        248

Haparanda
industriellen  Anstalten  ist  in  erster
Linie  zu  nennen  die  mechanische  Weberei
zn  Linden,  welche  1879:  2190  Personen
beschäftigte  und  Waren  für6,894,201  Mk.
verkaufte  ;  außerdem  andre  Webereien  und
Spinnereien,  Maschinenfabriken,  Eisengießereien ­
  rc.  —  Märkte.  Auf  den  drei
Leinenmärkten  (Anfang  März  und  Ende
Juli,  3  Tage,  auch  Garnmärkte)  wurde
1879  für  26,000  Mk.  Ware  angebracht  und
für  9300  Mk.  Ware  verkauft.  Auf  dem
Wollmarkt  (jährlich  3  Tage,  Anfang  Juli)
wurden  1252  Ctr.,  auf  dein  Ledermarkt
(gleichzeitig  mit  Tuchmarkt  Ende  Januar
und  Anfang  August,  3  Tage)  5905  Ctr.
zugeführt.  Ein  sogen.  »Engrosmarkt«
(  Manufatte)  von  3  Tagen  jährlich  vorder ­
  Braunschweiger  Laurentiimesse,  gleichzeitig ­
  mit  dem  Sommer-Leinenmarkt.  —
Der  Eisenbahngntervcrkehr  war  1879:
Abgegangen  Angekommen
Hannöv.  Staatsbahn  .  212989  561915  Ton.
Hannover-Altenbeken.  66853  223120  -
Auf  der  letzten  Linie  kamen  112,667  Personen ­
  an,  und  119,352  Personen  fuhren ­
  ab;  auf  der  ersten  1,340,690,  resp.
1,347,898  Personen.  Die  Post  beförderte  :
21,463,998  Briefsendungen,  200,999,564
Mk.  in  Briefeit  und  Paketen  mit  Wertangabe, ­
  42,224,777  Mk.  in  Postanweisungen.— ­
  Kreditwesen.  Die  Reichsbankhauptstelle ­
  hatte  1880  mit  Hildesheim ­
  einen  Gesamtumsatz  von  536  Mill.
Mk.,  davon  Wechselverkehr  183,3  Mill.,
mooci-f#  297,5  mu.  m.  m
növerische  Bank  mit  Harburg  und  Leer
hatte  1879  einen  Geschäftsümsatz  von
580,919,082  Mk.  Andre  Geldinstitute:
Braunschweig  -  Hannoverische  Hypothekenbank, ­
  Vereinsbank  in  H.,  Vorschußvereinsbank ­
  (eingetragene  Genossenschaft).
Haparanda,  nördlichste  Stadt  SchwedeilS,
  am  Nordende  des  Bottnischen  Meerbusens, ­
  Torncä  gegenüber;  (i878)  1011
Einw.  Vesterbott.  Enskilda  Bank  Afdelning
  Kontor.  1878  liefen  ein:  139  Schiffe
von  32,257  Ton.,  die  sämtlich  mit  Holz
(ca.  3  Mill.  Kubikfuß  Bretter  und  Planken, ­
  1,5  Mill.  Stück  Faßdauben,  ferner  Mastcn,
  Balten,  Sparren  u.  a.)  ausliefen.
Harburg,  Kreisstadt  in  der  prcuß.
Landdrostei  Lüneburg,  an  der  Süderelbe,

—  Harwich.
Station  der  Hamburg-Venlooer  Eisenbahn, ­
  Endpunkt  derHannover-Harburger
Staatsbahn;  (isso)  19,074  Einw.  Konsulate ­
  für  Dänemark  und  Sachsen;  Handelskammer; ­
  Reichsbanknebenstelle  (Gesamtumsatz ­
  1879:  8,561,000  Mk.),  Filiale ­
  der  Hannoverischen  Bank  (Gesamtumsatz ­
  65,480,713  Mk.).  —  Hauptfabrikationszweige ­
  sind  :  die  Herstellung  von  Öl
aus  Palmkerncn  und  Kopperah',  Hartgummi- ­
  und  Gummiartikel.  AufderHannöverischen
  Staatsbahn  wurden  1879:
123,489,140  kg  Güter  versandt  und
87,161,160  kg  empfangen.  In  den  Hafeil
  liefen  ein:  7219  Schiffe  (14  Seedampfer) ­
  von  170,217  Ton.,  ans:  7172
Schiffe  von  169,455  T.  Außerhalb  des
Hafens  wurden  entlöscht  266  Schiffe  von
14,317  T.,  beladen  338  Schiffe  von  6286
T.  An  dem  Schiffsverkehr  beteiligen  sich:
England,  Dänemark,  Frankreich,'  Schweden ­
  und  Norwegen,  Holland,  Rußland.
Zwischen  H.  und  Hamburg  regelmäßiger
Verkehr  durch  vier  Dampfer,  welche  1879:
278,276  Personen,  6368  Stück  Vieh  und
4546  Kolli  beförderten.  —  Platzgebräuche. ­
  Im  Großhandel  verkauft  man
Weizen  für  100,  Roggen  für  1600,  andres ­
  Getreide  für  100  Pfd.,  Napssamen
für  1500,  Kartoffeln,  Heu,  Stroh,  frisches
Obst  für  100,  aber  Apfel  für  112  Pfd.,
Steinkohlen  für  die  Last  von  2000  kg.
Hartlepool  (spr.  härtlpuhl),  Seestadt  in
der  engl.  Grafschaft  Durham,  an  der
Mündung  der  Tees  in  die  Nordsee  und
der  North  Eastern-Bahn;  (iszi)  13,166
Einw.  Deutsches  Konsulat;  National
Provincial  Bank  of  England.  In  der
Nähe  Steinkohlenminen'.  Die  Stadt  besaß ­
  1874:  189  (120  Dampfschiffe)  eigne
Schiffe  von  66,796  Ton.  und  161  Fischerboote ­
  von  976  T.  1876  verkehrten  hier  860
deutsche  Schiffe  von  240,684  T.,  1879  aber
nur  246  deutsche  Schiffe  (40  Dampfer)
von  77,883  T.  1879  wurden  Waren  für
34,3  Mill.  Mk.  ein-  und  für  29  Mill.
Mk.  Baumwoll-,  Woll-,  Eisenwaren  und
andre  britische  Produkte  ausgeführt.
Harwich  (spr.  hárridsch).  Seestadt  in  der
englischen  Grafschaft  Essex,  an  der  Great
Eastern-Eisenbahn;  dS7i)  6079  Einw.
Deutsche«  Vicckonsulat.  Die  Stadt  besaß
        <pb n="257" />
        249

Haugesund  —  Havre,  Le.

1879:  148  Seeschiffe  von  14,972  Ton.
und  109  Fischerboote.  Mit  Rotterdam  und
Antwerpen  besteht  regelmäßige  Dampferverbindung; ­
  der  Gehalt  der  eingelaufenen
Schiffe  belief  sich  1879  auf  313,401  Ton.
1879  verkehrten  hier  26  deutsche  Schiffe.
1879  wertete  die  Einfuhr  87,779,100
ŞM,Mk'Ş  Wma  Ņà'"
Haugcsuild,  Hafenstadt  in  dem  norweg.
Amt  Stavanger,  an  der  Nordsee;  0876)
4421  Einw.  Deutsche  Konsularagentur,
rejsortiert  von  Stavanger.
Havãna,  Hauptstadt  der  span.  Insel
Euba  nnd  wichtigster  Handelsplatz  Westindiens,
  mit  vortresflichem,  über  10m  tiefem
Hafen,  in  welchem  die  größten  Seeschiffe
an  den  Kais  anlegen  können,  durch  Eisenbahnen ­
  mit  den  bedeutendern  Städten  der
Ansel  verbunden;  0873)  230,000  Einw.
Deutsches  Konsulat;  Handelskammer,
Handelsgericht;  Börse,  Banco  Español,
schwimmendes  Dock  nnd  Trockendock.  Der
Handel  hat  zwar  durch  den  Bürgerkrieg
und  die  sehr  hohen  Differentialzölle  sehr
gelitten,  ist  aber  immer  noch  sehr  bebem
tend  und  wieder  im  Zunehmen.  1877
wertete  die  Einfuhr  232,481,834,  Ausfuhr
267,344,817  Mk.  Bou  der  Einfuhr  (Lebensmittel, ­
  Tabak,  Petroleuiii,  Leinen-,
Baumwoll-  und  Wollwaren,  Wein  u.  a.)
kamen  (in  Millionen  Mark)  von:
Spanien  .  .  .  70,i  I  England.  .  .  59,4
Verein.  Staaten  66,2  |  Belgien  ...  7,2
aus  Deutschland  nur  für  508,052  Mk.
Auf  Flaggen  verteilt,  kamen  auf  die  spanische ­
  154,8  Mill.,  nordamerikanischc  64,7
Mill.,  britische  8,9  Mill.,  deutsche  505,200
Mk.  Der  Import  an  Gold  und  Edelmetallen ­
  1878  ivertetc  36  Mill.  Mk.,  davoii
46,3  Mill.  Mk.  aus  Spanien.  Die  Ausfuhr ­
  bestand  1879  vornehmlich  in:  Zucker
(#3,935Son.,  9M#  146,3413:.,  fernet
Tabak  (121,282  Ballen),  Cigarren  (129
Mill.  Stück),  Honig,  Wachs  und  Rum.
Der  bei  weitem  größte  Teil  der  Ein  -  imb
Ausfuhr  von  Cuba  (s.  d.)  nimmt  feinen
Weg  über  H.;  von  88  Mill.  Mk.  Ein-"chmen
  aus  Föllen,  Tonnengeldern  u.
»ganzen  Insel  1877  entfielen  58  Mill.
Mk.  auf  H.  —  Schiffahrt.  Bou  den
Kampfer-linien  sind  die  bedeutendern:

Royal  Mack  Steam  Packet  Eo.,  Domimca-Lime,
  Compagnie  générale  transatlantique, ­
  Norddeutscher  Lloyd,  Hamburg-Amerikanische ­
  Pakctfahrt-AktiengeseUschaft,
  Lopez-Linie,  Fletcher  and
Co.,  Mexican  anb  American  Steamship
Co.  u.  a.  1880  verkehrten  hier  1426
Schiffe  von  1,020,131  Ton.,  davon  663
amerikanische  mit  493,550  T.,  491  spanische ­
  mit  291,481  T.,  236  britische  mit
120,130  T.,  36  deutsche  mit  35,787  T.
Havre,  Le(spr.  lo  ahwr),  Arrondissements-Hauptstadt
  im  franz.  Departement  Niederscinc,
  nach  Marseille  der  bedeutendste
Handelshafen,  nach  der  Bedeutung  der
Geschäfte  die  fünfte  Handelsstadt  Frankreichs; ­
  0876)  85,407  Einw.  Deutsches
Berufskonsulat  (Amtsbezirk:  die  Departements ­
  Seine-Jnferieure,  Eure,  Calvados, ­
  Manche,  Jlle-et-Vilaine);  Handelskammer ­
  und  Handelsgericht;  Börse,  Sukknrsale
  der  Bank  von  Frankreich(Gesamtumsah
  320  Mill.  Mk.),  Société  généralc,
  CréditHavrais.  —  Die  Industrie
erstreckt  sich  besonders  auf  Schiffbau,  Segeltuchfabrikation, ­
  Kettenschmicderei,  Zuckersabrikation
  rc.  —  Im  Hafen,  aus  welchem
Dampfboote  nach  den  wichtigsten  Seeplatzen
  auslaufen,  verkehrten  1879  tut
Eingang  .  0215  Schiffe  Von  2193897  Tonnen
Ausgang.  6169  ,  -  2158966
Aus  Deutschland  kamen  173  Schisse  von
200,194  T.,  eö  gingen  dahin  99  Schisse
von  71,447  T.  Von  deutschen  Schiffen
liefen  261  (138  Dampfer)  von  262,337  T.
eilt.  Am  bedeutendsten  ist  der  Handel  mit
den  Vereinigten  Staaten.  —  Die  hauptsächlichstenArtikel
  derEinfuhr  waren!879  :
604,365  Ballen  Bauinwolle,  99,908  Balkit
  #oKe,  882,380  @ädc  Kaffee,  86,548
Ton.  Farbholz,  4159  Kolli  Jiidigo,  ferner
Häute,  Zucker,und  Kakao,  Steinkohlen,
Weizen,  Eisen.  Die  Ausfuhr  besteht  besonders ­
  in  Geweben  von  Wolle,  Modewaren
und  künstlichen  Blumen,  Kramwaren,
Porzellan,  bearbeiteten  Steinen  und  den
eingeführten  ausländischen  Produkten.
Aus  Deutschland  werden  namentlich  Weizen, ­
  Hafer,  Gerste,  Mehl,  Hanf,  Leinund
  Rübsamen,  trockncS  Gemüse  und
Sprit  eingeführt  (zusammen  1879:  40
Mill,  kg);  dahin  gehen:  Häute,  Kaffee,
        <pb n="258" />
        250

Hawaii  —  Helder.

Baumwolle,  Farbholzextrakt,  lithographische ­
  Steine,  Steinkohle  (zusammen
30Mill.  kg).—  Über  H.  wanderten  1880
direkt  10,757  Deutsche  aus.  —  Wcchselund
  Geldkurse  wie  in  Paris;  H.  notiert
auch  einen  Kurs  auf  New  Pork.
Hawaii  (Sandwichinseln),  unabhängige ­
  Gruppe  im  nördlichen  Großen
Ocean,  17,008  qkm  (309  OM.)  mit  (1878)
57,985  Einw.,  bestehend  aus:
QKiloin.  QM.  Bewohner
Hawaii  .  .  .  11350  206  17034
Oahu  ....  1680  23  20236
Kauai.  ...  1418  30  5  634
Maui  ....  1268  26  12109

ferner  Molokai,  Lanai,  Niihau.  Die  Cingebornen
  (»Kanaka«)  zahlen  44,088  (1872:
49,044),  Chinesen  5916,Amerikaner,  Engländer, ­
  Portugiesen,  Deutsche  rc.  zusammen ­
  4561.  —  Handelsartikel  sind  in  der
Einfuhr:  Maschinen  undGeräte,  Provisionen, ­
  Kleider  rc.;  in  der  Ausfuhr(1878):

Zucker  38431458  Pfd.
ilici  3  .  5552659  -
Wolle  522757  -

Häute  89834000  Stück
Talñ.  .  239941  Pfd.
Pulu.  .  212740  -

Mit  den  Vereinigten  Staaten  besteht  ein
Rcciprocitätsvertrag.  Es  liefen  232  Handelsschiffe ­
  von  163,400  Ton.  ein,  davon
3  deutsche  von  2408  T.;  die  Handelsflotte
zählte  55  Schisse  (5  Dampfer)  von  8000
T.  Die  Walfänger  zählten  27  Schiffe
von  8239  T.  —  Zwei  Eisenbahnlinien
sind  vollendet:  auf  Hawaii  8  km,  auf
Mani  4,8  km,  auf  letzterm  die  Telegraphenlinie ­
  Wailuku-Lahaina  64  km.  Die
Post  beförderte  1878—79:  101,512  angekommene ­
  interne  und  89,054  abgegangene ­
  internationale  Sendungen.  —  Finanzen. ­
  Der  Staatshaushalt  1878  zeigte
in  Einnahme  4,606,852  Mk.,  Ausgabe
4,441,888  Ws.,  @t&amp;lt;wtëfcWb  1,779,200
Mk.  —  Hauptstadt  ist  Honolulu  (s.  d.).
Hayti,  Negerrepublik  auf  der  westlichen
kleinern  Hälfte  der  Insel  H.,  23,911  qkm
(434,25  QM.)  mit  ca.  550,000  Einw.,  davon ­
  8 /io  Neger.  —  Produktion.  Die
einst  blühende  Plantagenwirtschaft  und  die
Viehzucht  sind  sehr  hcrnntcrgekommcn,  die
Mineralschätze  liegen  brach,  und  der  große
Waldreichtum  wird  nur  ungenügend  ausgebeutet. ­
  Der  Gewerbsleiß  ist  sehr  unbedeutend. ­
  Gebaut  werden:  Kaffee,  Kakao  und

Baumwolle.  Ausgeführt  werden:  namentlich ­
  Kaffee  (Ernte  1876—77:  620,000
Ctr.),  Blauholz,  Mahagoniholz,  auch  Kakao, ­
  Baumwolle,  Häute,  Honig,  Wachs.
Es  wertete  1877:  die  Einfuhr  32,3,  die
Ausfuhr  31,8  Mill.  Mk.  Eingeführt
werden  namentlich  Lebensmittel  und  Jndustrieerzeugnisse,
  beides  in  wachsender
Menge  von  den  Vereinigten  Staaten.
Die  hervorragendsten  Häfen  sind:  die
Hauptstadt  Port  au  Prince,  Kap  Haytien,
  Aux  Cayes,  Gonaives  und  Iacmcl.
  1879  liefen  in  sämtlichen  Häsen
ein:  1028  Schiffe  von  628,432  Ton.,
davon  503  Dampfer  von  518,712  T.,
aus:  1038  Schiffe  von  624,495  T.,  davon ­
  510  Dampfer  von  512,359  T.  —
Konsuln.  Das  Deutsche  Reich  unterhält
einen  Berufskonsul  in  Port  au  Prince,
zu  dessen  Ressort  die  Konsulate  von  Aur
Cayes,  Kap  Hayticn,  Gonaives,  Jacmcl
und  die  Konsnlaragentur  zu  Port  de  Pair
gehören.  —  Die  Fi  nanzen  haben  sich  gegen ­
  früher  gebessert,  stehen  aber  keineswegs
gut.  Die  Einnahmen  betrugen  30.  Sept.
1877:16,7  Mill.  Mk.,  davon  Einfuhrzölle
4,9,  Ausfuhrzölle  6  Mill.  Mk..  die  Ausgaben: ­
  16,i  Mill.  Mk.;  die  Schuld  betrug
56  Mill.  Mk.  (davon  28  Mill,  für  Papiergeld ­
  und  28Mill.  für  eine  französische  Anleihe). ­
  —  Geld.  Mau  rechnet  nach  Pesos
oder  Piastern;  die  Landeövaluta  ist  durch
amerikanische  Silbcrstücke  zu  V-Doll.  und
darunter  vertreten.  Im  großen  Handel
stellt  man  die  Preise  in  spanischen  Silberpiastern ­
  (—4,sMk.).  DasWechselrecht
ist  das  französische.—Maßen.Gewichte
sind  die  alten  Pariser,  für  Flüssigkeiten  das
englische  Gallon;  auch  sind  das  englische
Pard  und  die  Brabantcr  Elle  im  Gebrauch.
Heidelberg,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  bad.  Kreises,  am  Neckar  und  der
H.-Würzburger  und  Mannheim-Baseler
Eisenbahn  (durch  Tunnel  verbunden);
(1880)24,530  Einw.  Handelskammer;  Gcwerbebank
  (eingetragene  Genossenschaft),
Rheinische  Kreditbankfiliale;  bedeutende
Bierbrauereien,  Fabriken  für  Tabak,  Ultramarin, ­
  Leder  rc.,  lebhafter  Buch-,  Wein-,
Tabak-  und  Hopscnhaudel.
Helder  (de  Helder),  Stadt  auf  der
äußersten  Spitze  der  uiederläud.  Provinz
        <pb n="259" />
        Helgoland  —  Hessen.

Nordhollaud,  an  dcr  BahnAmsterdam-H.,
durch  den  Helderkanal  mit  dein  Nordholländischen
  Kanal  verbunden;  (ma)
21,738  Einw.  Deutsches  Vicekonsulat.
1880  verkehrten  hier  16  deutsche  Schiffe.
Helgoland,  brit.  Insel  in  der  Nordsee,
O,55şm(0,0iQM.)»iit(i87i)  1913  Einw.,
welche  Fischerei  (jährl.Produktion  105,000
und  etwas  Kartoffelbau  treibeil.
Die  Zahl  dcr  Lotseil  beläuft  sich  auf  380.
.  HelletioetSluiS  (fpr.  .wehtsleus),  Stadt
Ul  der  niederländ.  Provinz  Südholland;
aOOO  ElNw.  Deutsche  Konsularagentur
(rcisortiert  von  Rotterdam).
Helsingborg,  Hafenstadt  im  schweb.  Län
Malmöhus,  am  Sund,  Helsingör  gegenllbcr,
  und  an  den  Bahnen  Laudskroila'-H.
undHesleb-H.;  087»)  11,507  Einw.  Deutsches ­
  Konsulat  (Amtsbezirk:  von  der  Prows)). ­
  Malmö  das  Härad  Luggndc  unb  die
Küste  nördlich  bis  zur  Mündung  des
Atran);  Skäncö  Enstilda  Bank  Afdeln.
Kontor,  Kristianstads  E.  B.  A.  K.  1878
Uesen  ein:  3143  Schiffe  von  198,087
.  Helsingfors,  Hauptstadt  des  Groß-"rstentums
  Finnland,  am  Finnischen
Meerbusen  und  den  Bahnen  Petersbnrg-H.
  und  H.-Tammerssors;  (1075)
33,602  Einw.  Deutsches  Berufökonsnlat
(Amtsbezirk:  das  Großfürstentum  Finnland; ­
  engerer  Amtsbezirk:  die  Gouverneincntö
  Nyland  und  Tavastchns);  Kontor
der  Nordischen  Aktienbank  für  Handel
und  Industrie,  Finnlandö  Bank"  Kontor, ­
  Föreningsbank  in  Finnlaiid.  —  Maschinenbau ­
  ,  Bierbrauerei,  Spiritusbreuncrei
  re.  Dcr  überseeische  Handel  geht
»anlentlich  nach  Petersburg,  Schweden,
England  und  den  deutschen  Ostseehäfen!
1877  war  dcr  Wert  der  Einfuhr  30,6
(deutsch  9,6),  der  Ausfuhr  31  (deutsch  0,3)
%i([.  ^f.  2ßid)ümtc  einfuWtifcl:  W
webe  4  Mill.,  Zucker  3.3,  Getreide  und
fielst  3,i,  Eisen  und  Stahl  und  Waren
hn:(W32,5,  Wec2,i  Wi((.  Wf.  90,001^:
^olz  4,2,  Tapeten  0,8  Mill.  Mk.  Aus
Deutschland  kamen:  Kaffee,  Gewebe,  Eisen
und  Stahl,  Zucker,  Maschinen,  Branntà"'dahin
  gingen:  Holz,  Holzmasse  u  a
®  liefen  2b  deutsche  Schiffe  (5Dampfer)

251
lion  4160,02  ton.  eil,,  25  (5&amp;amp;mm,fciO
üöit  oo33,i3  T.  aus;  nichtdeutsche  Schiffe
SSÄSf  mn  8  (3
Helsiitgör,  Seehaiidelsstadt  und  Freihafen ­
  auf  dcr  dän.  Insel  Seeland,  an
der  schmälsten  Stelle  des  Sundeö;  (isso)
8978  Einw.  Deutsches  Konsulat;  Danske
Landnlñnsbank.  1879  legten  hier  4064
schiffe  (475  deutsche)  an  und  zwar  2519
aus  dcr  Ostsee  und  1545  aus  dcr  Nordsee
den  Hafen.  Einfuhr  vom  Ausland:  naulcntlich
  Steinkohle  (197,080  T.),  Steinsalz, ­
  Soda,  Holz,  Getreide.
Hernösand,  Hauptstadt  des  gleichnanngen
  schweb.  Läns,  auf  derInsel  Hernö
an  der  Mündung  der  Angermanelf  in  den
Bottnischen  Meerbusen;  0878)  5010  Einw.
Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:  Westernorrlaud
  mit  Ausnahme  der  Vogtei  Medclpad);
  H.  Euskilda  Bank.  Mälarcprov.
Enstilda  Bank.  —  Die  Handelsflotte  von
H.  und  Umgegend  bestand  1877  aus  62
60,118,676  ton.,  nnßcrbcm  25
Schiften,  die  den  Verkehr  mit  Stockholm
lind  dem  Angermanflust  nnterhal  tcn.  1878
liefen  ein:  734  Schisse  von  '202,959  T
ß3  00,0^  oon  7698  t.),  mi3:  880
@4#  6o,i  233,537  t.
bet  (Wnb::  ßofiee,  8mfct,  %ei„,
der  Ausfuhr  nimmt  Holz  die  erste  Stelle
cm  (1877:  18,5  Mills  Kubikfuß  Brette  r,
I,  5  Mill.  Stück  Faßdauben,  838,027  Kubitfilß
  Bauholz  und  Masten,  ferner  Balken, ­
  Sparren,  Grubenstützcu).  In  dcr  Umgegend ­
  Eiscnöfen  (1877  wlirden  5606  Etr.
Stabeisen,  25,936Ctr.  Roheisen  verschifft).
Hervey-Jnseln  (Cooks-Inseln),  s.
Polynesien.
Hessen,  Großherzogtum,  ein  deutscher
Bundesstaat,  7680,112  qkm  (139,5  QM.)
Jitit  Osso)  936,944  Einw.  gegen  (1875)
884,218,  wovon  602,850  Evangelische
251,172ßat^oí^fc,^,25,65233raente„.
wanderten  1880:  2696  Personen  aus  —
àcseu  und  Weiden,  28  Proz.  Wald  Zu
        <pb n="260" />
        252

Hüdesheiill.

den  südlichen  Gegenden  gedeihen  Wein  und
alle  Obstsorten,  selbst  süße  Kastanien  und
Mandeln,  ill  den  höher«  Punkten  des  Vogelsbergs ­
  nur  Kartoffeln  u.  Hafer.  Hauptkulturen
  sind  Roggen  (1878:  65,938  hai
Gerste  (52,493  ha),  Weizen  (42,035  ha),
Hafer  (40,295  ha).  Mit  Kartoffeln  waren
1878:  64,335  ha  bestellt.  Sehr  bedeutend
ist  der  We  in  bau,  welcher  1879:  9662  ha
in  Anspruch  nahm  (eine  Durchschnittsernte ­
  schätzt  man  auf  244,100  hl;  der  Ertrag ­
  vom  Hektar  war  1878:  31,2  hl,  aber
1879  nur  9,3  hl).  Die  Hauptorte  für  weiße
Weine  sind  :  Nicrstein,  Büdesheim,Bingen,
Oppenheim,  Worms,  Dienheim,  Laubenheim; ­
  für  rote:  Gundersheim,  Ober  -  und
Nieder-Jngelheim,  Heidcsheim;  ferner  in
Starkenburg:  Zwingenberg,  Anerbach,
Beilsheim,  Oppenheim.  —  DieViehzählung
  von  1873  ergab:  44,858  Pferde,
284,049  Rinder,  130,410  Schafe  und
133,987  Schweine.  Ein  Landgestüt  besteht
zu  Starkenburg.  Produkte  der  Rindviehzucht ­
  werden  ansehnlich  exportiert.  —
Bergbau  wird  in  Oberhessen  betrieben;
1879  betrug  die  Ausbeute  von  Braunkoh-Icn
  47,900  Son.  (347,439  %».),  Giscncn
87,9031.(519,1059)».),
erze.  Die  Salinen  (Ludwigshall,  Nauheim,
Theodorshall)  produzierten  1879:  14,400
(340,346  m.)  WM).  -  gc
w  erbliche  Thätigkeit  ist  ansehnlich  und
beschäftigte  1875  in  60,335  Hauptbetrieben
132,699  Personen  Im  Betrieb  standen
1879:  721  Dampfkessel.  Der  wichtigste
Industriezweig  ist  die  Fabrikation  von
lackiertem  uild  gefärbtem  Leder  (Gesamtproduktion ­
  20—25  Mill.  Mk.)  in  Worms,
Mainz,  Offenbach  u.  a.,  von  Lurnsmöbeln,
  Portefeuilles  (Offenbach),  Tabak  und
Cigarren,  chemischen  Waren,  Maschinen,
von  Schuhwaren  mit  einer  Jahresproduktion ­
  von  3  Mill.  Mk.  (Mainz,  Offenbach) ­
  und  starkem  Export  nach  Rußland,
Amerika  und  Australien.  Die  Hüttenlverke
  stellten  1879:11,763  Ton.  (755,090
Mk.)  Roheisen  her,  die  Gießereien  3090
%.  (598,252  Ws.)  0#^=  nnb  gln^
eisen.  Wichtig  ist  die  Bierbrauerei  (Mainz,
Pfungstadt,  Gießen;  in  den  1878—79  im
Betrieb  stehenden  313  Brauereien  wurden
671,000  hl  erzeugt),  auch  die  Brennerei

(1878—79  in  369  Brennereien  23,083hl).
—  Der  Handel  ist  besonders  in  Mainz
sehr  lebhaft.  Der  Handel  des  Großherzogtums ­
  mit  Bremen  betrug  1878  in
Einfuhr  2,569,106  Mk.,  in  Ausfuhr
898,415  Mk.;  nach  den  Vereinigten  Staaten ­
  wurden  1878  für  656,517  (1872:
4,794,780)  Alk.  Waren  exportiert.  —
Handelskammern  bestehen  in:  Darmstadt,
Offenbach,  Gießen,  Mainz,  Worms  und
Bingen.  Banken  sind  in  Darmstadt
(s.  d.)  die  Bank  für  Handel  und  Industrie
und  die  Bank  für  Süddeutschland,  letztere
Zettelbank.  —  Konsuln  unterhalten  in
Darmstadt  Frankreich,  in  Frankfurt  Portugal, ­
  Bayern,  Sachsen.  —  Verkehrsadern ­
  sind:  der  Rhein  mit  den  Hafen
Mainz,  Worms,  Bingen,  der  Main  und
der  Neckar.  Die  Länge  der  Staatsstraßen
war  1875:  1814  km,  der  Eisenbahnen
1880:  830,6  km,  davon  225,4  km
Staatsbahn.  Der  hessische  Anteil  der
Main-Weserbahn  wurde  1880  verkauft.
Post  und  Telegraphen  stehen  unter  Verwaltung ­
  des  Reichs.  —  Finanzen.  Das
Budget  zeigte  1879—82  Einnahmen  von
20,235,247  Mk.,  davon  direkte  Steuern
7,750,186,  inbircfte  2,633,963  9)».,  bie
Ausgaben  17,142,497  Mk.,  babón  für
die  Staatsschuld  859,855  Mk.  Letztere,
fast  ausschließlich  Eisenbahnschuld,  betrug ­
  Anfang  1880  nach  Abzug  der  Aktiva ­
  26,413,797  Mk.  Matrikularbeitrag
1880-81:1,806,698'm.
HildeShcim,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  Landdrosteibezirks  in  der  preuß.
Provinz  Hannover,  an  der  Hanuover-Altenbekener
  und  der  Hannoverischen
Eisenbahn;  (isso)  25,887  Einw.  Handelskammer, ­
  Handelövcrein;  Reichsbankncbenstelle
  (1879:  Wechsel  und  Effekten
2,672,526m.,3HfaMoo#aft10,609,ü55
Mk),  Sparkasse  und  Vorschußverein.  —
Fabrikation  von  Glaöwaren,  Öfen,  Tapeten, ­
  Tuch,  Leinen,  Eisenguß,  Maschinen,
Zucker  u.  a.  Handel  mit  Garn,  Leinwand, ­
  Wolle,  Leder,  Blutegeln.  Auf  den
Lcggen  des  HandclskammerbezirkS  kamen
1879  an  Leinen  492,949  m  zum  Wert  von
267,467  Alk.  vor,  auf  deu  verschiedenen
Bleichen  wurden  183,855  m  gebleicht.  —
Auf  der  Hannover  -  Altenbekener  Bahn
        <pb n="261" />
        Hwgo  —  Honfleur.

glngen  1878  an  Gütern  ein:  2,027,817,
ab:  399,623  Ton-  (neuere  Berichte  liefen
über  den  Bahnverkehr  nicht  vor).  Die
Post  beförderte  1,367,478  Briessendungen,
19,174,986  m.  in  Briefen
keten,  7,545,635  Mk.ailPostamvcistlngen
Wollmar  kt  von  3  Tagen  Ende  Juni
Hrogo,  Hafenstadt  auf  der  jayanes.  Jnel
  Nippon,  an  der  Bai  von  Osaka,  seit
1860  dem  europäischen  Verkehr  geöffnet,
mit  den  32,6km  entfernten  Osaka  ü.Kioto,
Nir  welche  Städte  es  den  Seehafen  bildet,
diirch  Eisenbahn  vcrblmdeu;  'internationale ­
  Telegraphenstation;  50,000  Einw.
Deutsches  Berufskonsulat;  Hongkong  and
Shanghai  Banking  Corporation,  Oriental ­
  Banking  Corporation.  In  H.-  Osaka
waren  1877  ansässig:  44  Fremde  (8  Fir-%%%%%%&amp;amp;

Woll-,  Woll-,  Halbwollwareu,  Metalle,
Mucker  Baumwolle  rc.  atis  Asieil;  Ailöf#
  (1879:  233«.  m.):
Zupfer,  Tabak,  vegetabilisches  Wachs,
Kampher,  getrockneter  Fisch  und  Steintohle
  („ach  China).  1879  verkehrten  hier
^IŞchlffe  (22  deutsche)  von  111,057  Ton.
Hjorring  (spr.  jörring),  Amtsstadt  ans
der  dän.  Halbinsel  Jütland,  an  der  Jütlandbahn;
  (isso)  4308  Eiiiw.  Deutsches
Konsulat  (Amtsbezirk:  die  Westküste  des
Amtes  H.,  südlich  von  der  Strandgrenze
der  Harde  Horns,  iind  die  Harden  Börglum,
  Hvetbo,  Wenneberg  und  Osterhan).
Hobarttown  (spr.  WbatWaun),  Hauptund
  Hafenstadt  der  britisch-austral.  Kolonie
Tasmania,  durch  Eisenbahn  mit  Launceston ­
  verbunden;  (is70)  19,092  Einw.
Deutsches  Konsulat;  Handelskammer;
Bank  of  Tasmania,  Bank  of  Bandiemenslaiid,
  Commercial  Bank,  Bank  of  Australasia,
  Union  Bank  of  Australia;  Dampferverbindung
  mit  Melbourne  und  Sydney.
Hof,  Stadt  im  bayr.  Regierungsbezirk
Dberfranken,  Verbindungspunkt  der  Bayrischen ­
  und  Sächsischen  Staatöbahnen
(nachLindau,  Eger,  Leipzig);  (isso)20,903
Anw.  Handelskammer,  Hauptzollamt;
Filiale  der  Königlichen  Bank  in  Nürnberg,
Agentur  der  Bayrischen  Notenbank,  Kred'tverein.
  —  H.  ist  Mittelpunkt  der  obcrnaiikischeil
  Baumwoll-  ittib  Wollindustrie;

253
Eê  üîbt  daselbst  vier  Spinnereien  für  Baumwolle, ­
  Werg  undJutc,  bedeiltende  Fabriken
in  Banmwoll-  und  Halbwollwareu  mit
iibersceischem  Export,  Werg-  und  Juteweberei, ­
  Bierbrailerei  mit  starkeni  Export
große  Mühlwerke  zu  Mehl  und  Brettern  rc'
Per  Eisenbahn  wilrdcil  abgefertigt  1877:
176,218,_  1878:133,512  Ton  Gitter.
Honduras,  1  )  Freistaat  in  Centralamenka,
  120,480  qkm  (2188QM.)  mit(isr,s)
3ol,700  Einw.,  meist  Sambos  (Mischlinge ­
  auSNegern  undJndianern).  daneben
reine  Indianer  nnb  Spanier.  —  Hauptprodukte. ­
  Gold  u.  Silber,  Indigo,  Rindvieh, ­
  Pekaris  u.Wariö  (zweiWildschweiuartcn),
  Hölzer  (Rosen-,  Eisen-,  Mahagoni-Teak-,
  Pernambukholz),  Kakao,  Banille,
Kaffee,  Gewürze,  Zucker,  Mais,  Tabak.
Wert  der  Ausfuhr  ca.  8  Mill.  Mk.  Ausgeführt ­
  werden  namentlich:  Edelmetalle
=%%%%
(ca.  800,000  Mk.),  Leder  rc.  Die  Einfuhr
(meist  aus  den  Vereinigten  Staaten)  besteht ­
  in  billigen  Kleiderstossen,  fertigen  Kleidern, ­
  Werkzeugen,  Mehl  rc.  Dem  Verkehr
gcvssnet  sind  am  Atlantischen  Ocean  die
Hafen  Trujillo  und  Omoa,  am  Stillen
Ocean  Amapala.  —  Eine  Eiseubaliu
von  Puerto  Caballos  nach  Santiago  (90
km)  ist  im  Betrieb.  Die  Länge  der  Telegraphenliuien
  1877  war  352  km  mit  16
Stationen.  —  Finanzen.  Die  Einnahmen
  sind  1878  ans  2,9  Mill.  Mk.  angegeben, ­
  davon  ein  Drittel  Zölle,  ein  andres
Drittel  Monopole.  Die  Staatsschuld  (englische ­
  und  französische  Anleihen  nebst  rückständigen ­
  Zinsen)  soll  Ende  1876:  144,r
Mill.  Mk.  betragen  haben,  Zinsen  sind  niemals ­
  bezahlt  worden.  Die  innere  Schuld
ist  nicht  bekannt.  Ein  Teil  dieser  Anleihen
wurde  zum  Bau  der  genannten  Eisenbahn
verwendet.  —  Ein  Vicekonsulat  besteht  in
Puerto  Cortes,  die  konsularische  Vertretung
  hat  der  deutsche  Geschäftsträger  in
Guatemala.—  Geld,  Maße  und  Gewichte
wie  in  Giiatemala.  —  Hauptstadt  ist  Comayagua
  (8000  Einw.).
2)  Brit.  Kolonie,  s.  Belize.
Honfleur  (spr.  onMhr)/Seestadt  im
stanz.  Departement  Calvados,  an  der
Seiilemündtlng,  Havre  gegenüber;  (me)
        <pb n="262" />
        254

Hongkong
9037Einw.  DeiltschesVicekonsulat;Handelskammer, ­
  Börse;  Ausfuhr  von  Hühnereiern ­
  (1878:  9,sMill.  kg),  frischen  Tafelfrüchten
  (4,5  Mill,  kg),  gesalzener  Butter
(5,i  Mill.  kg).  Eingeführt  werden  Steinkohle ­
  ans  England,  Weizen  aus  Amerika,
Holz  aus  Rußland  und  Skandinavien  re.
"  Hongkong,  Brit.  Insel  an  der  Mündung ­
  des  PerlflnsseS  im  Südchinesischen
Meèr,  83  qkm  (1,5  QM.)  mit  (1876)
139,144  Einw.,  darunter  7525  Europäer;
Hauptstadt  Victoria  (lO.OOOEinw.),  mit
deutschem  Konsulat  (zusammen  mit  Kanton), ­
  Handelskammer,  Chartered  Bank
of  India,  Australia  and  China,  H.  and
Shanghai  Banking  Corporation,  Chartered ­
  Mercantile  Bank  os  India,  London  and
China,  National  Bank  os  India,  Oriental ­
  Bank  Corporation.  —  H.  ist  Freihafen
mit  vorzüglichen  Docks  und  bedeutendster
Markt  für  den  Süden  Chinas,  doch  schädigen ­
  die  chinesischen  Behörden  den  Handel ­
  dadurch,  daß  sie  chinesische  Fahrzeuge
zwingen,  nach  Kanton  hinaufzugehen.
Eine  den  gesamten  Handelsverkehr  umfassende ­
  Handelsstatistik  existiert  nicht;  der
Wert  der  britischen  Einfuhr  betrug  1879:
93,540,340  Mk.,  der  Ausfuhr  nach  England ­
  23,489,380  Mk.  Hauptartikel  der
Ausfuhr:  chinesische  Landesprodukte  und
Fabrikate,  der  Einfuhr:  europäische  Mannfakte, ­
  Steinkohlen,  Blei  und  vor  allem
Opium  ;  alles  in  China  eingeführte  Opium
kommt  über  H.  Die  Gesamteinfuhr  von
Opium  belief  sich  1877  auf  193,8,  1878
auf  224,8  Mill.  Mk.  H.  ist  auch  Auöwandernngshafcu
  sürChineseu;  von  hier  wanbctte»
  nua  1876  :  37,350,  1877  :  30,741
Köpfe,  zurück  kamen  im  ganzen  48,746  ;
nach  Sau  Francisco  gingen  1877:  9562,
es  kamen  von  da  7130  Chinesen.  —
Schiffsverkehr.  Es  liefen  1879  ein:
27,237  Schiffe  von  4,122,668  Ton.,  aus:
26,687  Schiffe  von  4,117,732  T.  Unter
den  letztern  waren  2007  englische  von
1,902,3143:.,  262  bcu#e  Don  138,9243:.,
23,913  chinesische  Dschonke»  von  1,624,038
T.  Der  Gesamtgehalt  der  2212  Dampfer
betrug  2,204,901  T.,  davon  82  Proz.  englische. ­
  H.  ist  Knotenpunkt  für  die  Linien:
Pacific  Mail  Steamship  Co.  Deutsche
Dampfschiffreederei  zu  Hamburg,  Mes-—

  Horta.
sageries  maritimes,  Öftere.-Ungar.  Lloyd,
Peninsular  and  Oriental  Steam  Navigation ­
  Co.,  Royal  Mail  Steam  Packet  Co.,
Società  Nubattinv,  Union  Steamship  Co.,
eine  spanische  Dampferlinie  von  Manila;
es  ist  durchKabcl  mitSingapnr  ».Schanghai ­
  verbunden.  —  Finanzen.  1879
waren  die  Staatseinnahmen  4,016,440
Mk.,  Ausgaben  3.861.320Mk.  —  Geld.
GesctzlicheZahlmittel  sind  der  mejikanischc
Piaster  und  der  amerikanische  Handelsdollar. ­
  Wechsel  verkaufen  dieBankenanf
London  und  andre  europäische  Hanptwcchselplätze,
  auch  New  Pork;  auf  eigne  Etablissements ­
  kurze,  andre  Banken  längere
Sicht,  alls  Paris  6  Monate.  Wechselrecht
das  englische.  Zinsfuß  auf  Vorschüsse  gegen ­
  Waren  oder  Schisse  9—12  Proz.
Honolulu,  Hauptstadt  von  Hawaii
(s.  d.),  Freihafen  für  Walfischsänger  und
Station  der  Pacific  Mail-Dampfer  (Sau
Francisco-Sydney)  und  der  China  Merchants ­
  Steam  Navigation  Co.  (Schanghai);(i878)
  14,114Einw.  DeutschcSKonsulat.
  Handelskammer.  —1878  liefen  ein  :
201  Schiffe  (131  amerikanische,  3  deutsche)
von  146,489  Ton.;  die  Einfuhr  wertete
11,481,412,  Ausfuhr  13,309,916  Mk.  -
Geld.  Man  rechnet  nach  Dollars,  im
Umlauf  sind  mexikanische  und  südamerikanischePiastcr.—
  Platzgebräuche.  Verkäufe ­
  von  Einfuhrwaren  auf  3—6Monate
Kredit,  unter  500  Doll,  gegen  bar;  per
Auktion  mit  17—20  Proz.  Gesamtkosten.
Einkauf  von  Landeserzeugnissen  gegen  bar
mit  12  Proz.  Diskont.  Zölle  in  Münzen
der  Vereinigten  Staaten.  Wechsel  auf
New  Pork,  San  Francisco,London,  Havre,
Hamburg,Bremcn30Tage;Marinewcchsel
auf  London  3  Tage  nach  Sicht.  —  M  aße
und  Gewichte  die  nordamerikanischen.
Horseus,  Stadt  im  bein.  Amt  Standerborg ­
  (Jütland),  an  der  Jütlandbahn;
(1880)  12,652  Einw.  Deutsches  Konsulat
für  die  Ämter  Skanderborg  und  Veile;
Banken  for  H.  og  Omegn.  1880  verkehrten ­
  hier  27  deutsche  Schiffe  vou  1400Toii.
Horta,  Hauptstadt  der  zu  den  Azoren
gehörigen  Insel  Fayal  und  des  Distrikts
H.  (Fayal,  Pico,  Flores  und  Corvo)  mit
vorzüglicher  Reede;  (1878)  7572  Einw.
(Engländer,  Nordamerikaner,  Brasilier
        <pb n="263" />
        Huddersfield  —  Hull.  255

uiib  Portugiesen).  Deutsches  Konsulat.
'1879  liefen  hier  ein:  208  Schiffe  (83  amerikanische,
  52  portugiesische,  49  englische)
von  132,230  Ton.  Einfuhr  (Baumwollìvaren,
  Cerealien  und  Kolonialprodukten):
909,340  Mk..  Ausfuhr  (vornehinlieh
Strohhntc  nach  Amerika):  253,609  Mk.
Huddersfield  (spr.  höddcrssihld),  Stadt
ln  der  engl.  Grafschaft  York,  an  der  Lincoln ­
  and  Yorkshire-Csisenbahn;  (i8?i)
70,253  Einw.  Halifax  and  H.  Union
Bank,  H.  Banking  Company;  Tuchhalle.
—  H-  ist  Sitz  des  sogen,  »fancy  trade«,
welcher  Westenzeuge,  Shawls  u.  dgl.  auf
den  Markt  bringt.  In  451  Fabriken
waren  1871  beschäftigt  13,098  Arbeiter,
davon  6633  in  WoÜfabriken,  1878  in
-oaumwollfabriken,  860  in  Maschinenbailanstalten, ­
  442  in  Seidenfabriken.
HndikSvall,  Hafenstadt  in  der  fchwed.
Provinz  Gefleborg,  durch  kurze  Eisenbahn
wlt  den  landeinwärts  gelegenen  Seen  verbunden; ­
  0878)  4331  Einw.  Deutsches
Vreekonsulat  (Amtsbezirk:  nördliche  Bvgter
  Helsingland  der  Provinz  Gefleborg);
Helsrngsland  Enskilda  Bank  Afdeln.  Kontor, ­
  Sundsvalls  E.  B.  A.  K.  —  Export
Von  Holzwarcn,  1877:  Brettern.Planken
0,382,725,  Balken  und  Sparren  854,318
Kubikfuß,  ferner  Dachschindeln,  Bauholz,
Masten,  Grubenstützen,  Ruderhölzer  u.  a.
1878  liefen  ein:  239  Schiffe  von  79,340
Ton.  (45  deutsche  von  13,083  T.),  aus:
315  Schiffe  von  97,993  T.
Hudson  (spr.  hvdds'n),  Hauptfluß  des
nordamerikan.  Staats  New  York,  entspringt ­
  am  Sldirondacgebirgc  und  ergießt
sich  nach  521  km  langem  Lauf  zwischen
New  York  und  Jersey  City  ills  Meer.
Ebbe  und  Flut  reichen  bis  über  Albany,
233  km  oberhalb  der  Mündung,  und  Seeschiffe ­
  gehen  bis  Hudson  (190km),  kleinere
Schiffe  bis  nach  Troy,  von  wo  ein  13
km  langer  Kanal  nach  Waterford  an  der
Mündung  des  schiffbaren  Mohawk  führt,
des  bedeutendsten  Nebenflusses  des  H.,  den
der  Eric-  und  Onandogakanal  mit  dem
Erie-  und  Ontariosee,  andre  Kanäle  mit
dem  Champlainsee  und  Kanada  sowie  mit
der  Kohlenregion  Pennsylvaniens  nnb
dem  Delaware  verbinden.
Huelva,  Hauptstadt  der  gleichnamigen

Provinz  in  der  span.  Landschaft  Anda-L'NüÑñ
  Md  »SSft
Bahn  H.-Sevilla;  (i877)  11,722  Einw
Deutsches  Konsulat.  —  Espartoflechterei
und  Fischfang.  Lebhafter  Küstenhandcl,
Harrptausfuhrplatz  für  Erze,  Südfrüchte
und  Salz  (ans  den  Salzmorästen  der  Umgegend). ­
  Der  Handel  zeigte  1879  mit
Ausschluß  der  Küstenschisfàhrt  eine  Einfuhr ­
  von  66,172,000  kg  (Steinkohle  und
Koks,  Roheisen,  Eisen  „.Stahl,  Holzrc.),
cmeAussuhrvon432,843,250kg(Kupferund
  Cementkicö,  Manganerz  re.)  und
26,341  hl  Wein.  Die  als  Hafen  dienende
Bai  hat  eine  Länge  von  18  km,  eine  Tiefe
von  9  m  zur  Ebbezeit;  Schiffe  von  6  m
Tiefgang  können  bei  hoher  Flut  über  die
Barre  gelangen.  Der  Schiffsverkehr  1879
war  im  Eingang:  534  Schiffe  von258,531
Ton.  (419  Dampfer  von  236,937  T.),  davon ­
  458britische,  39spanische,  lOdeutsche;
im  Ausgang:  535  Schiffe  von  264,843
T.  (418  Dampfer  von  244,309  T.).
Hull  (spr.  hüll),  Stadt  in  der  engl.  Grafschaft ­
  York,  am  nördlichen  Ufer  des  hier
3  km  breiten  Humber,  32  km  vom  Meer
und  an  den  Bahnen  H.-Selby  und  Manchester-Sheffield-Lincoln; ­
  Station  der
Dampfer  deö  Norddeutschen  Lloyd,  Perlbergcr
  Dampfschiffrcedcrci  (Hamburg),
Nederlandsche  Stoomboot  Maatschappii
und  der  hier  domizilierten  Wilson-Linie,
Gee  and  Co.,  Losthouse  and  Co.;  (wo)
M6,347Einw.DentschesKonsnlat;  Börse,
Kornbörse,  Bank  of  England,  H.  Banking
Co.,  London  and  Yorkshire  Banking  Co.
—  Jndustri  e.  H.  besaß  1871:403  größere
gewerbliche  Anstalten,  in  welchen  11,862
Arbeiter  (4168  im  Maschinenbau,  1115
in  der  Herstellung  von  Öl  und  Ölkuchen,
738  in  Baumwollfabriken,  525  in  Eisenwerken) ­
  beschäftigt  waren.  —  H.  ist  der
Haupthafen  des  nordöstlichen  England
und  vermittelt  namentlich  den  Verkehr
mit  dem  Norden  Europas.  Seine  Docks
bedecken  eine  Fläche  von  14  ha;  es  besaß
1879:  852  Seeschiffe  von  185,931  Ton.
und  692  Fischerboote.  Der  Tonnengehalt
der  1879  eingelaufenen  Schiffe  betrug
1,637,509  T.  Ausgeführt  wurden  namentlich: ­
  Woll-  u.  Baumwollwaren,  Me-
        <pb n="264" />
        Huh  —  Irkutsk.

256
talle,  Thonwaren,  Maschinen  J879  füv
368,648,840  Mk.;  eingeführt  wurden
1879  für  352,008,600  Mk.  1880  liefen
177  deutsche  Schisse  (26  Dampfer)  ein
und  329  deutsche  Schisse  aus.  Nichtdcutsche
  Schiffe  kamen  1879  von  deutschen
Häfen  423,  dorthin  gingen  393.
Huh  (spr.  ui),  Stadt  in  der  belg.  Provinz
Lüttich,  an  beiden  Ufern  der  Maas  und

Jlha  do  Maio  (spr.  i(ja-).  Kapverdische
Insel.  Deutsches  Konsulat  für  die  Inseln
Maio,  Santiago,  Fogo,  Brava.
Jlha  do  Sal  (spr.  ilja-),  Kapverdische
Insel.  Deutsches  Konsulat  für  die  Inseln
Sal  und  Bonavista.
Iloilo,  Hafcnplatz  auf  Panah  (span.
Philippinen).  Deutsches  Vicekonsulat.
1879  verkehrten  hier  61  Schiffe  von
48,287  Ton.(1880:5  deutsche  von  4530T.).
Jnagua,  eine  der  Bahamainseln,  1723
qkm  (31,3  QM.)  mit  Matthewtown.
Deutsche  Konsularagentur  (assortiert  von
New  Providence)  fürJ.undMayagnana.
Jndianola,  Hauptausfuhrhafen  des
südwestlichen  Teras,  an  der  BahnJ.-Clinton;
  O«?»)  2106  Einw.  Deutsche  Konsularagentur, ­
  rcssortiertvon  Galveston;  Küstenhandelmit
  New  Orleans  u.  Galveston.
Inn,  bedeutender  Alpenflnfî,  entspringt
ini  Oberengadinthal  in  Graubünden  und
mündet  nach  510  km  langem  Lauf  bei
Passau  rechts  in  die  Donau.  Bis  zur  Stadt
Hall  wird  er  zum  Flößen  benutzt,  von
Hall  abwärts  aber  mit  Schissen  befahren.
Innsbruck,  Hauptstadt  des  vsterreich.
Kronlands  Tirol,  an  der  Kufstein-Alabahn;
  (1880)  19,139  Einw.  Handels-  und
Gewerbekammer,  Handelsgericht;  Filiale
der  Österr.-Ungar.Bank,  Sparkasse;  Scidenband-,
  Handschuh-,  Tuch-,  Kattunfabrikation, ­
  Glasmalerei.  Transitbandcl.
Jnverneß,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  schott.  Grafschaft,  am  Moray  Firth
und  nahe  dem  Nordende  des  Kaledonischen
Kanals;  (i87i)  14,510  Einw.  Deutsches
Vicekonsulat  ;  Bank  of  Scotland,  National
Bank  os  Scotland.  Der  Hafen  ist  für

der  Belgischen  Nordbahn;  0876)  11,774
Einw.  Bedeutende  Fabrikthätigkeit.  In
der  Nähe  große  Steinkohlenwerke.  Jährlich ­
  großer  Viehmarkt,  von  Deutschen
der  Pferde  wegen  stark  besucht;  1878
kamen  zum  Verkauf:  4033  inländische
Pferde,  879  Füllen,  10,726  Milchkühe,
5035  Ochsen,  6260  Färsen,  4012  Stiere,
3009  Kälber  und  468  Hämniel.

Schisse  von  250  Ton.  zugänglich;  zu
ihm  gehören  133  Seeschiffe  von  10,684  T.
Einfuhr  1879:  2,541,160  Mk.,  Ausfuhr
britischer  Produkte  295,720  Mk.
Jquique  (spr.iMc),  Hafenplatz  in  Peru,
Endstation  der  Eisenbahn  J.-La  Noria;
(1876)  11,71  7Einw.  DeutschesKonsulat;
Banco  nacional  de  Peru,  London  B.  of
Mexico,  Agentur  der  Hamburg-Magdeburger ­
  Vcrsichernngsgesellschaft.  HauptauSfuhrhñfcn
  für  Salpeter  (1879:  213,7
Mill,  kg),  Guano,  Kupfer  rc.  Einfuhr
7,i  Mill.  Mk.,  davon  deutsch  (Kohlen,
Baumwoll-  u.Wollwaren,  Lichte,  Bier  rc.)
443,468  Mk.  1877  liefen  ein:  699  Schiffe
von  428,510  Ton.  1879  verkehrten  hier
15  deutsche  Schiffe  von  8787  T.
Jrawadi,  großer  Strom  in  Hinterindien, ­
  s.  Birma.
Jrbit,  Kreisstadt  des  russ.  Gouvernements ­
  Perm;  (i86g)  4212  Einw.  Berühmter ­
  Jahrmarkt  (1.  Febr.  bisl.  März).
1880  wurden  verkauft:  3,550,000  Stück
sibirisches,  400,000  Stück  russisches  Feh,
100.000  Hermeline,  40,000  Kolonsks,
500.000  weiße  Hasen,  ferner  Fehschwänzc,
Fehsäcke,  Haar,  Ziegenfelle,  sämtlich  für
Leipziger  und  Hamburger  Rechnung.  Von
Kiachta  wurden  44,000  Kisten  Thee  (17,5
Mill.  Mk.)  zugeführt.
Irkutsk,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
russ.  Gouvernements  in  Ostsibirien,  an
der  Mündung  des  Jrkut  in  die  Angara;
(1875)  32,331  Ginw.  Abteilung  der  Staatsbank. ­
  I.  zeigt  schon  bedeutende  Gewerbthätigkeit
  und  mehr  westeuropäischen  Luxus
als  irgend  ein  andrer  Platz  in  Sibirien.
ES  ist  Hauptsitz  für  den  Handel  zwischen

I.
        <pb n="265" />
        Svini  —  Italien  (Areal  und  Bevölkerung).

dem  Osten  Asiens  und  Petersburg.  Mit
Beginn  der  Schneebahn  treffen  Tausende
von  Schlitten  in  langen  Reihen  von  der
chinesischen  Grenze,  beladen  mit  Thee,  Rhabarber ­
  rc.,  ein;  doch  hat  die  verminderte
Theeeinfnhr  ans  dem  Landweg  übcrKiachta
(s.  d.)  dem  Handel  viel  Abbruch  gethan.
.  Stint/  Grenzstadt  (gegen  Frankreich)
m  der  span.  Provinz  Guipúzcoa,  Endstation ­
  der  von  Madrid  kommenden  Bahn;
Es??)  7040  Einw.  Deutsches  Vicekonstllat.
Isar,  Nebcnflnst  der  Donau,  352  km
•«ne;.  Die  Schiffahrt  beginnt  bei  Tölz,
wegen  des  starken  Gefälleö  fahren  aber
nnr  beladene  Flöße  abwärts.
.  Iserlohn,  Kreisstadt  im  prenß.  Regierungsbezirk ­
  Arnsberg,  am  Zweig  Letïx
  i)er  Ruhr-Siegbahn;  (1880)
io,  732  Enuv.  Handelskammer;  Reichs-1879:

Mk.),  Volksbank  (eiugetra-—ß.
  ist  einer  der
gEpSESS
Radelfabrcken  wurden  1879  ca.  1800  Mill.
Radeln  un  Wert  von  l,r,  Mill.  Mk.  anqescrtigt.
  Andre  Hanptproduktc  der  Industrie ­
  find:  Neusilber-,  Zinn-und  Britannia-, ­
  Messing-und  Bronzewaren,  Eiscniind
  Stahldraht,  Drahtgeivebe  u.  a.  Auf
der  Eisenbahn  wurden  1879  empfangen:
404,968  Ton.,  versandt:  74,700  T.  'Die
Post  beförderte  1879:  1,472,958  Briefe
18,632,214  Wf.  Bert  in  Wesen  nnb¿:
feien,  5,202,292  %Rf.  in  ^oßnn^eihmocn.
Isfahan,  s.  Ispahan.
,  Island,  zu  Dänemark  gehörige  Insel
nn  nördl.  Atlantischen  Ocean,  102,417
9km  (I860  QM.;  bewohnbar  sind  nur
42,068  qkm)  mit  (ms)  72,000  (Simm,
Welche  besonders  Viehzucht  und  Fischerei
treiben.  Der  Viehstand  betrug  1869  :
456,701  Schafe,  18,342  Rinder  und
40,000  Pferde.  Die  »Vogclbcrgc«,  Anstedelunaen
  der  Eidergänse,  Tiefern  dcten
  fostijstïc  Daunen.  Nach  Dänemark
Mein  wurden  1877  exportiert:  Thran
^001,739,  1,927,473,  #mt  nnb
.^unen  11,309  kg’,  ferner  Fleisch,  Häute,
Wolle.  Eingeführt  werden  bcsoners:
  Cerealien,  Spirituosen,  Eisen-  und
Handelsgeographie.

WLM8
cur:  65  Schiffe  vonzusammeii  15,100Toii
Hauptort  ist  Reykjavik.
Islay,  Ausfuhrhafen  für  Arequipa
(s.  d.)  in  Peru.  Deutsche  Konsnlaraqentur.
  1877  liefen  8  deutsche  Schiffe  von
8216  Ton.  ein.
Ispahan  (Isfahan),  bedeutendster
Handelsplatz  Persiens  wegen  seiner  Lage
an  der  Straße  zwischen  der  Türkei  und
Indien;  60,000  Einw.  Wichtigste  Jndustricprodukte
  sind:  Seiden-  und  Baumwollzcuge.
  Wollstoffe,  Waffen,  Pantoffeln ­
  rc.  Stapelplatz  für  BaiMiwolle,  Droguen, ­
  Häilte,  Tabak  und  Reis  aus  der
Uingegend.  Karawanen  treffen  täglich
von  allen  Seiten  ein.
Jtajahy,  Ort  in  der  brasil.  Provinz
Santa  Eatharina;  deutsche  Konsularagcutur,
  ressortiert  vou  Blumenau.
Italien,  seit  17.  März  1861  Königreich, ­
  feit  1870  (die  beiden  halbsouvcräncu
Staaten  San  Marino  und  Monaco  (ausgenommen) ­
  vollständiger  Einheitsstaat
Mit  konstitutioneller  erblicher  Monarchie.
I.  Areal  und  Bevölkerung.
MilchenJnseln  beträgt  derFlächenranm
ungefähr  296,323  qkm  (5381  QM)
SÄmSSiS’
SSSiiSSÄi
das  Land  und  8,777,131  auf  die  Städte
kommen.  Die  Nationalität  der  Bewohner ­
  ist  mit  wciligeil  Ausnahmen  die
italienische,  Nach  den  freilich  veralteten
Angaben  von  1867  gab  es  134,435  Franzosen, ­
  20,393  Deutsche,  5546  Engländer;
dieZahl  der  Albanesen  im  Süden  des  Festlands ­
  und  auf  Sicilien  wird  zii  55,453,
die  der  Griechen  zu  20,268,  der  Slaivcn
zu  27,000  angegeben.  —  Die  Religion
ist  fast  ausschließlich  die  katholische.  Von
den  26,801,154  Einw.  in  1871  waren
26,658,679  Katholiken,  58,651  Protestanten, ­
  35,356  Israeliten.  —  Die  Fahl
der  Auswanderer  stieg  1870—'73'bim
110,458  auf  151,151,  fiel  jedoch  danach
und  betrug  1876:108,771,1877:  99,213
17
        <pb n="266" />
        258  Italien  (Urproduktion;  Ackerbau).

1878:96,268  mbl  879:119,831.
ziele  waren  1879  :  Frankreich  39,713,  Österreich-Ungarn ­
  18,617,  Schweiz  10,401,2a
Plata-Staaten  14,166,  Brasilien  7999,
Deutschland  6700  rc.
U.  Urproduktion.
Der  Boden  deö  Königreichs  ist  für  den
Anbau  vorzüglich  geeignet,  unproduktiv
sind  nur  ca.  15  Proz  der  Gesamtfläche;
von  den  übrigen  85  Proz.  sind:

Äcker,  Garten-  und  Weinlaiid  .  40,8  Proz.
Wiesen  und  Weiden  21,3  -
Waldungen  und  Kastanien  -  und
Olivenhaine  22,o  -

1)  Der  Ackerbau  beschäftigt  sich  am
meisten  mit  dem  Anbau  von  Weizen,  namentlich ­
  in  den  neapolitanischen  Provinzen, ­
  ilnd  von  Mais  und  Reis  in  der  Lombardei, ­
  Piemont,  Ligurien,  Benetien,  der
Emilia.  Nach  den  Angaben  für  1870—74
waren  Anbau  und  Mittelertrag  von:

stände  aber  nur  96,7  Mill.  Mk.,  so  daß  der
Wert  der  Mehreinfuhr  ans  102,8  Mill.
Mk.  gestiegen  tvar;  1880  wurden  jedoch
157,000  T.  weniger  ein-  und  60,000  T.
mehr  ausgeführt  als  1879.  Kartoffeln
werden  in  allen  Landschaften  gezogen;  nach
der  letzten  Angabe  von  1874  war  der  Ertrag ­
  8,14Mill.nl  ,  sodast  noch  eine  Ausfuhr
stattfand.  Bon  Handelspflanzen  werden ­
  geballt:  Hanf,  besonders  im  Neapolitanischen, ­
  daim  in  Bologila,  Ferrara,
Umbrien  und  den  Marken;  Flachs  in
Brescia,  Cremona,  im  Velilin  undeinigeil
lieapolitailischen  Landstrichen;  Baumwolle
in  den  Ebenen  von  Salerno,  Kalabrien,
Sardillien,  Sicilien;  Krapp  im  Neapolitanischen; ­
  ferner  Tabak  und  Hopfen.  Die
durchschnittliche  Jahresernte  beträgt  von:
Hanf  .  .  .  .  1818000  Ctr.
Flachs.  .  .  .  8861000  -
Baumwolle.  .  246000  -
Tabak.  .  .  .  83000  -

Hektar  Ertrag  in  Mill.
Weizen.  .  .  .  4676485  51,8  Hektol.
Roggen  u.  Gerste  464780  6,7  Ctr.
Hafer  ....  398631  7,4'  .
Mais  ....  1696513  31,i  Hektol.
Andres  Getreide.  613506  5,6
Reis  232669  9,8  Ctr.
Dieser  Ertrag  war  niemals  ausreichend
für  den  Bedarf  der  Bevölkerung,  welche
zwar  Reis  und  Hafer,  in  der  Regel  auch
Mais  auszuführen  vermochte,  aber  stets
bedeutende  Mengen  von  Weizen  vom  Ausland ­
  bezog.  1877  und  1878  betrug  derJmport
  70,6  und  94,3  Mill.,  die  Ausfuhr  dagegen ­
  nur  45,8  und  45,2  Mill.  Mk.  Aber
wenn  1878  die  Mehreinfuhr  48,o  Mill.
Mk.  betrug,  so  hatte  dieselbe  1874  schon
einen  Wert  von  85,6  Mill.  Mk.  erreicht.
1878  wertete  die  Einfuhr  94,3  Mill.,  die
Allsfuhr  45,2  Mill.  Mk.,  davoil:
Einfuhr  Ausfuhr
Weizen  und  Roggen  .  69,3  11,8

Mais  19,7  12,8
Hafer  0,2  1,9
Reis  4,3  17,4
Mehl  0,8  1,3

1879  betrug  der  Importwert  von  Cerealien, ­
  Mehl,  Teigen  und  andern  vegetabilischen ­
  Nahrungsmitteln  199,5  Mill.
Mk.,  der  Exportwert  derselben  Gcgen-Die

  ersten  beiden  Spinnstoffe  werden  in
so  reichem  Maß  erzeugt,  daß  ein  bedeutender ­
  Export  möglich  ist,  wogegen  die
Banmwollproduktion  völlig  ungenügend
bleibt.  Der  Handel  mit  Rohstoffen  hatte
1879  folgende  Werte  (inMillionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Hanf,  Flachs,  Jute  .  22,2  45,o
Baumwolle  ....  114,o  19,2

Die  Ausfuhr  von  Flachs  und  Hanf  sank
aber  infolge  der  schlechten  Ernte  von  1879
bis  1880  von  36,000  Ton.  auf  24,000  T.
Der  Tabakbau,  welcher  in  den  kontinentalen ­
  Provinzen  und  auf  der  Insel
Sardinien  Staatsmonopol,  auf  Sicilien
aber  in  gelvisscm  Grad  freigegeben  ist,
müßte  eine  weit  größere  Bedeutung  haben; ­
  doch  scheint  er  im  Zunehmen  begriffen. ­
  Bestellt  waren  1875:  5045  ha,
von  denen  man  4,156,200  kg  erntete.
Den  Tabakverbrauch  pro  Kopf  schätzt
man  auf  0,7  kg  im  Wert  von  4,3  Mk.
(im  Deutschen  Reich  2  kg  im  Wert  von
5,7  Mk.).  Es  findet  eine  sehr  erhebliche
Einfuhr  von  Rohtabak  statt,  welche  sich
1877  auf  20,4  Mill.,  1878  auf  15,i  Mill.
Mk.  bezifferte,  ohne  daß  derselben  eine
nennenswerte  Ausfuhr  gegenüberstände.
Andre  HandclSpflanzen,  '  wie  Hopfen,
        <pb n="267" />
        Italien  (Urproduktion:  Obst-,  Weinbau;  Viehzucht).

Raps,  Safran,  Zuckerrohr,  Anis,  werden
Ntlr  in  beschränktem  Maß  gebaut.
Der  Obstbau  umfaßt'die  Pflege  deö
gewöhnlichen  Obstes  wie  der  Südfrüchte,
welche  in  den  neapolitanischen  Provinzen,
in  Sicilien  und  Sardinien  eine  Heimat  hat
und  große  Mengen  von  Citronen,  Orangen, ­
  Feiaen  und  Mandeln  für  den  Export
abgibt.  Im  Jahr  1878,  welches  gegen  das
Vorjahr  in  vielen  Posten  zurückstand,  war
der  Handelswert  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Orangen  und  Citronen.  .  0,4  18,2
Mandeln.  —  ii,g
Dazu  kommen  beträchtliche  Exporte  von
Cedratfrüchten,  frischeil  Weintrauben,
frischem  und  trocknen:  Obst,  Wal-  und
Wclmiffen  (3,5  Mill.  Ms.),  ^„(1,5
Mill.  Mf.),  Gemüsen  und  Gartengewächse ­
  bei  welchen  allen  der  Exportwert  den
der  Einfuhr  bedeutend  überwiegt.  Nur
Sämereien  bilden  einen  wichtiqenEinfuhr-MW
  (Smpoit  1878:  9/Mili.  Ms.
Mn  eine  Ausfuhr  von  2,4  Mill.  Ms.).
DreO  l:ve  gedeiht  am  besten  in  Neapel  und
^teilten,  dort  erreicht  sie  die  Größe  deutscher ­
  Eichen.  Der  Export  von  Olivenöl
gehört  zu  den  wichtigsten  Posten;  1878
betrug  er  67,s  Mill.  MF.,  der  Einfuhrwert ­
  aber  nur  1,2  MUÍ.  MF.  1879  stieg  der
Export  auf  886,000  Ctr.,  sank  aber  l'880
auf  577,000  Ctr.  Dagegen  stieg  die  Einfuhr ­
  von  fremden  Ölen  von  1879  —  80
um  32,000  Ctr.  Im  Weinbau  nimmt
I.  unter  den  europäischen  Staaten  die
zweite  Stelle  ein,  es  steht  nur  Frankreich
nach.  Die  durchschnittliche  Jahrcöproduktion
  beträgt  30,3  Mill.  hl.  Die
feurigsten  Weine  kommen  von  Apulien
und  Kalabrien;  berühmt  find  Weine
wie  Lacrimæ  Christi  und  Vino  greco
dom  Fuß  des  Vesuvs,  die  von  Syrakus ­
  und  Marsala  in  Sicilien.  Der  Wein-Handel
  bezifferte  sich  1878  in  Einfuhr
wlt  7,o  Mill.  MF.,  in  Ausfuhr  mit
0,1  Mill.  MF.  Ill  den  letzten  Jahren
(1879  und  1880)  ist  der  Export  nach
Avanfvctcf)  (s.  d.)  ganz  ungemein  gewach-K»-
  1879  wurden  ausgeführt  1,105,000
!^."ud  1880:  2,188,817  hl  (besonders  i:ach
Frankreich),  während  Deutschland,  um  den
""len  Zolltarif  zu  umgehen,  138,000  Ctr.

259
frische  Weintrauben  erhielt.  Dagcgell  stiea
2)  Die  Viehzucht  steht  inI.  aufkeiner
hohen  Stufe,  unter  allen  curopäischeir
Staaten  hat  das  Land  im  Verhältnis  zur
Bevölkerung  den  schwächsten  Viehstand.
Es  kommen  hier  auf  1000  Einw.:  37
Pferde,  130  Rinder,  324  Schafe  und  59
Schweine.  1874  gab  cs:

Pferde,  Maul
ticre  u.  Esel  1391626
Rinder.  .  .  3708635

Schafe  .
Ziegen.
Schweine

8806514
2233825
3886731

Der  Bestand  ist  aber  dennoch  größer  als  die
Bedürfnisse  des  wenig  Fleisch  konsnmiercnden
  Volks.  Der  Pferdestand  ist  allerdings
nicht  genügend;  1878  wurden  7822Pferde
und  1157  Maultiere,  zusammen  für  4,8
Mill.  MF.  eingeführt,  während  die  Ausfuhr ­
  nur  1,6  Mill.  MF.  wertete.  Der  Handel ­
  mit  Schlachtvieh  ist  viel  bedeutender
und  betrug  inkl.  Fleisch  1878  (in  Millionen ­
  Mark):  Elnführ  Ausfuhr-Rinder
  3,8  47,7
Schafe  und  Ziegen  .  .  0,3  4,2
Schweine  —  4  g
Reisch  —  6,0
Daneben  gelangt  noch  eine  beträchtliche
Menge  von  Wildbret  zur  Ausfuhr,  während ­
  die  La  Plata-Staaten  Fleischertrakt
importieren.  In  den  fruchtbaren  Strichen
des  Nordens  ist  auch  die  Butter-  und
Käsebereitung  zu  Haus.  Parmesankase
  bildet  einen  wichtigen  Exportartikel ­
  ,  viel  wichtiger  ist  aber  in  den  letzten
Jahren  der  Handel  mit  Eiern  geworden,
wovon  jährlich  über  200,000  Ctr.  exportiert ­
  werden;  1878  war  der  Wert  (in
Millionen  Mark):  Einfuhr  Ausfuhr
Butter  0,32  4,65
Käse  11,23  3,70
Eier  0,03  21,92
1879  sank  die  Ausfuhr  von  Tieren  und
tierischcn.ProduFten  voil  133,1  Mill,  auf
114,3  Mill.  MF.,  während  die  Einfuhr  sich
von  61  Mill,  auf  70,4  Mill.  MF.  hob.
1880  zeigten  die  Ausfuhren  abermals  Verminderungen: ­
  37,000  Stück  Großvieh.
86,000  StückKlcinvieh,  3000  Ctr.  frisches
Fleisch  und  2000  Ctr.  Käse;  die  Ausfuhr
von  Eiern  aber  hob  sich  auf  28  Mill.  Mk
Die  Schafzucht  steht  auf  niedriger
17*
        <pb n="268" />
        260

Italien  (Urproduktion:  Schaf-,  Seidenzucht,  Fischerei).

Stufe,  veredelte  Schafe  haben  nur  Piemont ­
  und  die  Lombardei.  Der  jährliche  Ertrag ­
  wird  auf  13—14  Mill,  kg  geschätzt,
doch  importierte  man  im  Durchschnitt  noch
für  22-28  Mill.  Mk.  Rohwolle  jährlich.
Die  S  e  i  d  e  n  z  u  ch  t,  welche  in  der  Lombardei ­
  ihre  Sitze  hat,  bildet  eine  der  allerwichtigsten ­
  Erwerbsquellen.  Die  Seidenzucht ­
  zählt  gegenwärtig  2030  Unternehmungen ­
  (Venetien  928,  Piemont  514),
welche  ungefähr  16,000  Männer,  120,000
Frauen  und  76,000  Kinder  beschäftigen.
Drei  Viertel  der  Seidenernte  Europas
kommen  von  hier.  Seit  dem  Auftreten  der
Seidenraupenkrankheit  ist  die  Produktion
allerdings  eine  bedeutend  geringere;  I.
produzierte  1879:  1,276,000  kg  gegen
3,710,000  kg  in  1862,  dem  letzten  Jahr
vor  der  Epidemie.  Seit  jener  Zeit  führt
man  japanesischen  Samen  ein;  so  verwendete ­
  man  1878  ungefähr  95  Proz.  japanesischen ­
  Raupensamen  und  nur  5  Proz.
der  gelben,  einheimischen  Rasse.  In
neuester  Zeit  ist  die  Einfuhr  wieder  bedeutend ­
  gesunken.  Für  diesen  Import
a#c  3.  1877:  12,i  Wiü.,  1878:  4,5
Mill.  Mk.  Die  Kokonsernte  belief  sich  auf
14,100,959  kg  im  Wert  von  41,s  Mill.
Mk.  Voit  Kokons  empfängt  und  versendet
I.  zieinlich  gleiche  Quantitäten;  1878
wertete  die  Einfuhr  8,i,  die  Ausfuhr  10,3
Mill.  Mk.  Im  Handel  mit  Rohseide  hat
Mailand  bisher  ein  Monopol  gehabt,  daS
ihm  aber  schon  durch  Lyon  streitig  gemacht
würd,  und  hinsichtlich  derbearbeiteten  Seide
hat  Lyon  seine  Absicht  zum  Teil  auch  schon
erreicht.  Im  ganzen  Königreich  wareil
1878  nicht  weniger  als  1,824,707  Seidenhaspcln
  (185,722  Arbeiter)  in  Thätigkeit,
welche  nicht  nur  die  eignen,  sondern  mich
importierte  Kokons  verarbeiteten.  Die
Seidenspinnerei  zählt  nach  Jannasch
2,083,168  Spindeln,  davon  1,637,961
in  der  Lombardei,  357,038  in  Piemont,
54,067  in  Venetien.  Die  Zahl  der  Handstühle ­
  wird  auf  7394  angegeben,  die  der
mechanischen  auf  665.  Der  Wert  des  Seidenhandels ­
  mit  Rohprodtlkteir  wie  Fabrikaten ­
  betrug  1879in:  Einfuhr  109,5Mill.,
Ausfuhr  203,o  Mill.  Mk.  1880  stieg  die
Einfuhr  une  40,000  kg,  und  Manufakte
überwiegen.  I.  ist  also  über  die  ersten

Stadieil  der  Industrie  noch  nicht  hinausgelangt. ­
  1878  betrug  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Scidengarn  ....  48,a  181,4
Seidenabfälle  ...  1,6  21,v
Seidengewebe  .  .  .  20,o  2,3
Die  Fischerei  Italiens  beschäftigte
Ende  1869  (mit  Ausnahme  des  damaligen
ÜberrestcsvomKirchenstaat)29,384Fischcr
in  11,219  Fahrzeugen,  wovon  sich  20,745
mit  der  Küstenfischerei  beschästigten.  Der
Thunsischfang  (1869:  48  Anstalten)  findet ­
  hauptsächlich  an  den  Westküsten  von
Neapel  und  Sicilien  sowie  bei  der  Insel
Sardinien  statt.  Den  Ertrag  schätzt  man
auf  5  Mill.  Mk.  Die  Sardcllcnfischerei,
der  Fang  des  Schwertfisches  und  Tintenfisches ­
  bilden  andre  beträchtliche  Einnahmequellen. ­
  Eigentümlich  sind  die  Fischereigehege
  in  den  Strandseen,  von  denen  sich
an  der  venetianischen  Küste  173  befinden ­
  ,  welche  1000  Fischer  beschäftigen  und
2.600.000  kg  Fische  jährlich  liefern;
die  Fischgehegc  bei  Comacchio  ergeben
1.200.000  kg  jährlich,  weiter  an  der  Ostküste
  liefert  Eapitanata  mit  seinen  zahlreichen ­
  Strandseen  über  2,740,000  kg.
Auch  die  Westküste  von  Neapel  und  Sardinien ­
  kultiviert  die  Gehegesischerei.  Atan
schätzt  das  Jahreserträgnis  her  italienischen ­
  Seefischerei  in  den  einheimischen
und  ausländischen  Gewässern  auf  32
Mill.  Mk.  Die  Binnenfischerei  müsste
gute  Resultate  ergeben,  ist  aber  in  tiefem
Verfall.  Die  Zahl  der  Fischer  auf  den
oberitalienischen  Seen  schätzt  man  ans
3000  Köpfe  mit  einer  Jahresproduktion
von  1,400,000  kg;  davon  gibt  der  Lago
Maggiore  auf  italienischer  Seite  330,000,
der  Comer  See  240,000  kg.  Der  Konsum ­
  des  italienischen  Volks  ist  aber  ein
außerordentlich  starker,  und  so  ist  I.  ein
importierendes  Land,  während  es  ein
exportierendes  sein  müßte,  würde  die
Fischerei  rationeller  betrieben.  So  empfing ­
  denn  I.  1878  für  16,9  Mill.  Mk.
Fische  (namentlich  gesalzene),  während  es
nur  für  2,5  Mill.  Mk.  ausführte.  Weit
wichtiger  für  den  Außenhandel  ist  die
Korallen  fischerei,  an  den  afrikanischen
und  sardinifchen  Küsten.  In  den  Gewässern ­
  von  Algerien  fordert  die  französische
        <pb n="269" />
        261

Italien  (Urproduktion:
Behörde  eine  Abgabe  von  320  Mk.  von
jeder  Barke-  Haupthäfen  für  den  Verkaufsind: ­
  Genua,  Livorno,  Neapel.  Auster
dem  Produkt  der  italienischen  Korallensischerei
  führte  I.  1879  für  8.8  Mill.  Mk.
roher  Korallen  ein,  während  es  für  26,4
Mill.  Mk.  bearbeitete  Ware  exportierte.
Die  W  al  düngen  Italiens  sind  reich
an  den  verschiedensten  Erzeugnissen.  Vortreffliche ­
  Gerbstoffe  liefern  die  Rinden
der  Eichen,  lllmen  und  Granatbäume,
die  Galläpfel,  die  Blätter  der  Myrte  und
des  Mastirbaumö.  Der  Export  solcher
zur  Gerberei  und  Färberei  geeigneten
Materialien  hatte  1878  einen  Wert  von
nahe  an  11  Mill.  Mk.  Auch  der  Export
bon  Wafo^c  (1878  für  2,5  M.  m.)
ist,  nennenswert;  aber  trotz  dieses  Waldreichtums, ­
  der  ein  Areal  von  5,147,353  ha
(204,092  lia  ©taatöforßm,  2,225,682  Im
Forsten  von  Kommunen  und  Korporationen, ­
  2,717,579  Im  Privatforsten)  umfaßt,
hatte  der  Handel  mit  gewöhnlichem  Holz
1878  folgende  Werte  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
1877:  36,3  6,2
1878:  23,o  8,2
Zu  den  wertvollen  Erträgen  des  Waldes
sind  noch  Kork,  Bast  zu  Hüten,  Wurzeln ­
  zu  Bürsten  u.  a.  zu  rechnen.
DerBergbau  stand  ehemals  auf  hoher
Stufe,  ist  aber  im  Lauf  der  Zeit  in  Verfall ­
  geraten,  obschon  die  Schätze  des
Mincralrcichs  sehr  große  sind.  Von  Belang ­
  sind  heute  nur  die  Schwefelgcwinnung
  und  der  Salinenbetrieb.  Schwefel
kommt  in  Sicilien  in  mächtigen  Lagern
vor,  besonders  in  den  Provinzen  Calt'anisetta
  und  Girgenti;  außerdem  wird  derselbe ­
  aber  auch  in  Forli,  Pcsaro-llrbino,
Avelline  und  Rom  gefunden.  1873  betrug
die  Produktion  280,211  Ton.  im  Wert
von  27,6  Mill.  Mk.,  wovon  ca.  250,000
ails  Sicilien  kamen.  Die  Zahl  der  in  den
Schwefelgruben  beschäftigten  Arbeiter  be-^ef
  sich  auf  22,817.  Fast  die  ganze  produzierte ­
  Menge  gelangt  zum  Export,
&amp;gt;879  für  19,2^Mill.  Mk.,  während  alle
Schwcfelpräparate  importiert  werden,
à  îe  Salzgewinnung  ist  eine  sehr
ausgedehnte',  namentlich  die  von  Secsalz
^"s  Sardinien,  Sicilien  und  Elba,  in

Forstwirtschaft,  Bergbau).
den  Provinzen  Emilia,  Bari  und  Rom
WM  330,000  So,,.);  %
Quellsalz  gibt  es  nur  zwei:  zu  Volterra
und  Salsoinaggiorc,  mit  jährlicher  Produktion ­
  von  11,500T.,  und  8000T.  Steinsalz ­
  werden  jährlich  in  Kalabrien  gefördert ­
  Mit  Ausnahme  von  Sardinien  und
Sicilien  gilt  im  Königreich  das  Salzmonopol. ­
  Die  Ausfuhr  belief  sich  1878  auf
1,2  Mill.  Mk.  Gold  wird  in  Bergwerken
in  Piemont  (Monte  Rosa)  gefunden  und
S  i  l  b  e  r  aus  silberhaltigen  Bleierzen  auf
der  Insel  Sardinien,  in  den  Provinzen
Genua  und  Lucca.  Die  Produktion  war
1873:  Gold  450,  Silber  3500  kg.  Die
Ausfuhr,  namentlich  von  Münzen,  ist  dabei ­
  jüngst  stark  gestiegen.  1878  betrug  (in
Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Gold,  roh  ...  5,s  4,2
Goldmünzen  .  .  3,o  I2,i
Silber,  roh.  .  .  2,7  18,2
Silberinünzen.  .  0,3  2,y
Von  Bleierzen  wird  am  meisten  im  Bezirk ­
  Iglesias  gefunden,  und  zwar  betrug
die  Förderung,  welche  seitdem  gestiegen
ist,  1873:  33,283  Ton.  im  Wert  von  5,8
Mill.  Mk.  In  den  Gruben  waren  5100
Arbeiter  beschäftigt.  Für  Zink  ist  ebenfalls ­
  der  Bezirk  Iglesias  von  größter  Bedeutung, ­
  wo  durch  3657  Arbeiter  79,047
Ton.  Erz  gefördert  wurden.  Quecksilber
gewinnt  man  im  jährlichen  Betrag  von
55,200  kg  in  den  Provinzen  Bcllun'o  und
Grosscto.  Der  Kupferbergban  ist  sehr  alt
und  liefert  ein  wegen  seiner  Reinheit  sehrgeschätztes
  Metall.  Er  wird  namentlich
iil  Venetien,  Piemont  und  Toscana  betrieben ­
  und  gibt  einen  Jahresertrag  von
600,000  kg.  Eisenerze  besitzt  I.  in  großer
Fülle  und  von  vorzüglicher  Qualität  in
den  Provinzen  Bergamo,  Brescia,  Como,
Turin,  Novara,  auf  Sardinien,  vornehmlich ­
  aber  auf  Elba.  Daß  die  Erzeugung
von  Roheisen,  Gußeisen,  Stahl  rc.  sehrgering
  ist,  erklärt  sich  ans  dem  Mailgel
an  Brennmaterial.  Steinkohle  findet  sich
nnr  bei  Udine,  doch  ist  das  dortige  Lager
von  keiner  Bedcutlmg;  dagegen  finden  sich
Braunkohlenablagcrungen  '  in  größerer
Zahl.  Die  Produktion'  von  Kohle  belief
sich  aber  1875  auf  nur  101,640  Ton.  und
        <pb n="270" />
        262

Italien  (Industrie).

die  Einfuhr  von  mineralischen  Brennstoffen ­
  muß  demgemäß  eine  starte  sein.
1878  betrug  der  Wert  des  Imports  von
Steinkohle  und  Koks  31,w  Mill.  Mk.;
das  meiste  davon  kam  aus  England.  Es
ist  natürlich,  daß  durch  diesen  Mangel  an
Brennmaterial  die  bergmännische  Industrie ­
  zurückgehalten  wird  und  auch  die
Verarbeitung  der  Erze  nur  in  schwachem
Maße  stattfinden  kann.  Sie  werden  daher
größtenteils  exportiert.  Nach  dem  Ausland
gingen  1878  (in  Millionen  Mark):
Eisenerz...  1,»  !  Zinkerz.  .  .  8,»
Bleierz  .  .  .  5,6  |  Kupfererz  .  .  1,4
1880  stieg  die  Ausfuhr  gcgcu  1879  um
208.000  Ton.  Daher  ist  die  Einfuhr  von
Metallen  und  Metallwaren  eine  sehr  große.
An  rohen  Mineralien:  Eisen,  Blei,  Kupfer, ­
  Zink,  exportierte  I.  für  11,s  Bl  ill.
Mk.  und  importierte  von  den  gleichen
Metallen  im  verarbeiteten  Zustand  für
62,4  Mill.  Mk.  Aus  der  alle  Zweige  umfassenden ­
  Liste  greifen  wir  als  Hauptposten
  (1878)  heraus:  Schmiedeeisen  11,8
Mill.  Mk.,  Eisenbahnschienen  5,i  (1877:
8,9)  gm.  gm,  e#  3,8  gm.  gm,
Kupfer  in  Blöcken  und  Stangen  5,2
Mill.  Mk.,  Geräte  aus  Eisen  und  Stahl
6,3  9m.  Mk.,  Maschinen  und  Teile  15
Mill.  Mk.  1879  belief  sich  der  Wert  des
Handels  mit  Mineralien  (exklusive  Kohle),
Metallen  und  Waren  daraus  auf:  Einfuhr ­
  86,6  gm.  Mk.,  Ausfuhr  43,6  Mill.
Mk.  1880  zeigte  eine  Mehreinfuhr  von
209.000  Ctr.  Eisen  und  68,000  Etr.  Maschinen. ­
  Der  große  Reichtum  des  Landes  an
Marmor  und  Alabaster  ist  schon  von  alters
her  bekannt  und  eine  ergiebige  Einnahmequelle. ­
  Teils  wird  der  Stein  in  roher
Form  (in  Blöcken  oder  Platten)  versandt
(1878  sür  3,4  Mill.  Mk.),  teils  in  Form
von  Statuen  oder  in  andrer  Weise  bearbeitet ­
  (1878  für  6,9  Mill.  9JÌÎ.);  auch
Arbeiten  in  andern  Steinartcn,  Bausteinen
  u.  dgl.  werden  zu  bedeutenden
Wertbeträgen  ausgeführt,  1878  sür  3,5
Mill.  Mk.  Bou  1878—79  stieg  die  Ausfuhr: ­
  von  Marmor  von  20,000  Ton.  auf
44.000  T.  (1880:  64,000  T.),  von  Ziegeln, ­
  Fliesen  und  Platten  von  39,000  auf
160.000  T.

III.  Industrie.
Gewcrbthätig  waren  1877  nur  13,6
Proz.  der  Einwohner  beschäftigt,  und  die
Zahl  der  Dampfkessel  war  4459  mit
54,231  Pferdekräften.  Über  die  Seidenindnstrie
  ist  schon  oben  (S.  260)  berichtet ­
  worden.  Die  Baumwollindustrie
ist  hauptsächlich  entwickelt  in  Piemont,  der
Lombardei  und  Salerno;  1876  gab  eS  647
Spinnereien  und  Webereien  mit  764,862
Spindeln,  13,517  mechanischen  u.  14,300
Handwebstühlen  sowie  53,500  Arbeitern.
1879  war  die  Spiudelzahl  auf  900,000  gestiegen, ­
  die  Produktion  hat  sich  fast  verdoppelt. ­
  In  der  Weberei  ist  auch  die  Hausindustrie ­
  von  Bedeutung.  An  Druckereien  gab
es  3  Etablissements  mit  26  Druckmaschinen
und  557  Arbeitern.  Die  Baumwollindustrie ­
  zeigt  1880  einen  bedeutenden  Aufschwung. ­
  Der  Import  von  Baumwolle
wertete'1879:  114  Mill.  Mk.;  1880  stieg
der  Konsum  um  4000  Ton.,  was  einer
Arbeit  von  120,000  Spindeln  gleichkommt. ­
  Demgemäß  verminderte  sich  die
Einfuhr  von  Bamnwollgarn  um  7700
Ctr.,  von  Geweben  um  3000  Ctr.  Bei
sehr  mäßigem  Export,  der  1879:1,6  Mill.
Mk.  wertete,  betrugen  die  Einfuhren  von
Baumwollstoffen  und  Baumwollzwirn  60
Mill.  Mk.  England  ist  Hauptlieferant,
von  dort  kamen  1879  nicht  weniger  als  12
Mill.  Pfd.  Baumwollgarn  und  gegen  68
Mill.  Ellen  Baumwollstoffe.  Die  Scha  f  -
Wollindustrie  hat  ihre  Sitze  in  Piemont, ­
  Venetien,  Toscana,  Ligurien.  Sie
beschäftigte  1876:  540  Fabriken  mit
305,386'  Spindeln,  2573  mechanischen
und  5989  Handwebstühlen  bei  einer  Arbeiterzahl ­
  von  23,557  Personen.  Dabei
importierte  1.1878  für  41,6  Mill.  Mk.
Wollgcwebe  und  für2  Mill.  Mk.  Strnmpfund
  andre  Waren,  während  der  Export
im  ganzen  nur  5,7  Mill.  gm  Wert  erreichte. ­
  Die  Hanf-  und  Leinenindustrie
  ist  trotz  des  reichlichen  (f.  oben)  und
vorzüglichen  Rohmaterials  nur  schwach
vertreten  und  beschäftigt  in  241  Betrieben
59,223  Spindeln,  772  mechanische  Stühle
und  12,784  Arbeiter.  Daraus  erklären
sich  die  oben  gezeigte  starke  Ausfuhr  des
Rohmaterials  und  die  bebentenbe  Einfuhr ­
  der  Fabrikate  gegenüber  einer  ziem-
        <pb n="271" />
        Italien  (Handel).

263

sich  schwachen  Ausfuhr.  1878  hatte  der
Handel  folgende  Werte  (iir  Mill.  Mark)  :

Garne
Gewebe  re.

Einfuhr  Ausfuhr
.  18,2  4,5
.  9,8  J,i

Die  Seilerei  zählt  281  kleinere  Fabriken ­
  mit  8400  Arbeitern  und  liefert  regelmäßig ­
  Seilerwaren  und  Tauwerk  im
Wert  von  2,4—2,8  Mill.  Mk.  zur  Ausfuhr. ­
  Außerdem  stellen  210  Fabriken
halbseidene  und  halbwollene  gemischte
Stosse  mit  433  mechanischen  und  2983
Handstühlen  sowie  5475  Arbeitern  her.
Endlich  sollen  bei  der  Hausweberei  ungelähr ­
  226,889  Stühle  in  Thätigkeit  sein.
Die  Gerberei,  eine  der  wichtigsten  Industrien ­
  und  gestützt  durch  das  vorzügliche
Gerbmaterial,  wird  in  1316  Unternehmungen ­
  mit  10,734  Arbeitern  betrieben,
deren  Jahresproduktion  man  auf  80  Mill.
Degù  5(3083.1878:106,356
à  Felle  im  Wert  von  21,3  Mill.  Mk.,
àr  auch  zugleich  große  Posten  halb  und
Ñ^u.Z  gegerbter  und  lackierter  Felle,  er-Icheiut
  jedoch  in  der  Ausfuhr  nur  mit
Handschuhen  im  Wert  von  3,i  Mill.  Mk.
?^Şeifenfabriken  besitzt  I.  537  mit
-084  Arbeitern,  während  die  Ölfabrikativu
'(37  lind  die  Stcarinlichtefabrikation  10
Etablissements  aufweist.  Der  Export  von
Seife  aller  Art  übersteigt  nicht  den  Wert
von  1  Mill.  Mk.,  dagegen  ist  die  Ausfuhr
von  Öl  höchst  bedeutend.  Außer  dem  schon
aufgeführten  Export  von  Olivenöl  werden ­
  Öle  und  Essenzen  im  Wert  von  4,i
Mill.  Mk.,  im  ganzen  1879  für  113,6
Mill.  Mk.,  ausgeführt.  Aber  der  Import
don  andern  Ölen  ist  ein  ganz  besonders
Poßer.  Außer  Mineralölen,  von  denen
1880  trotz  eines  auf  26,4  Mk.  pro  100  kg
erhöhten  Zolles  doch  576,000  Ctr.  eingeführt ­
  wurden,  sehen  wir  noch  andre  Ole
i»  den  Jmportlistcn  mit  einer  Zunahme
tzegen  1879  um  32,000  Ctr.  Der  Import
wertete  1878  von  Petroleum  10,5  Mill.,
Von  andern  Ölen  ca.  15  Mill.  Mk.  Auf
den,  Gebiet  der  chemische  „Industrie  ist
die  Gewinnung  von  Borsäure  aus  den
Muñen  Toöcanas,  von  Weinstein  und
Eltroneusänre,  vonChininsalzen  nndChi-Uln
  sowie  von  Zündhölzern  hervorzuheben,

von  welchen  1878  exportiert  wurden  lin
Millionen  Mark):
Weinstein  ..?,»!  Zündhölzer.  .  2,2
Borsäure  .  .  2,8  |  Chininsalze.  .  1,9
Diese  Ausfuhren  sind  in  stetem  Wachsen,
ebenso  wie  die  Importe  von  Soda,  Sänren
  und  andern  chemischen  Prodnkten,
von  Anilinfarben.  Die  Papierindnstrie
  hat  sich  außerordentlich  entwickelt;
sie  zählt  521  Fabriken,  welche  13,980
Pferdekräfte,  95  Maschinen  für  Papier
ohne  Ende,  73  Tambourmaschincn,  988
Bütten  sowie  17,312  Arbeiter  beschäftigen.
Weißes,  buntes,  vergoldetes,  Lösch-und
Packpapier  wird  exportiert.  Bon  Papieraller
  Sorten  wurden  1880:  80,000  Etr.
ausgeführt,  dabei  betrug  der  Mehrerport
von  Lumpen  3200  Ctr.  In  der  Glasindustrie ­
  ist  I.  immer  noch  vom  Ausland ­
  abhängig;  nur  durch  seine  Erzeugung ­
  von  Schmelz-  und  Glasperlen  (K011-terien),
  welche  in  Venedig  und  ans  der
Insel  Murano  5000  Leute  beschäftigt,  beherrscht ­
  es  den  Weltmarkt.  1879  führte
cs  dergleichen  Waren  für  4  Mill.  Mk.
ans.  1880  stieg  die  Ausfuhr  um  14,400
Ctr.  Die  Produkte  der  keramischen
Industrie  (Terrakotten)  sind  ausgezeichnet, ­
  der  Bedarf  wird  aber  keineswegs  gedeckt. ­
  Sehr  wichtig  ist  endlich  die  S  t  roh  -
warenfabrikatron,  namentlich  die  Fabrikation ­
  von  Strohhüten  in  Florenz  und
Umgebung.  Dieselben  werden  nach  allen
Weltteilen  ausgeführt.  Wie  bedeutend
die  Produktion  ist,  zeigen  die  nachstehenden ­
  Ziffern.  Es  wurden  1878  ausgeführt:
Strohgeflechte  für  14,5  Mill.,  nicht  garnierte ­
  Strohhüte  für  11,5  Mill.  Mk.  Bon
den  vom  Staat  betriebenen  und  monopolisierten ­
  Industriezweigen  sind  zu  nennen: ­
  48  Werkstätten  der  Staatsbahnen
mit  6403  Arbeitern,  18  Tabakmanusaktnrcn
  mit  479  Pferdekräften  und  15,654
Arbeitern  u.  a.  Die  übrigen  Industrien
sind  wenig  bedeutend.  Für  Znckcrrafsinerie
  besteht  nur  ein  großes  Etablissement: ­
  die  Società  Ligure-Lombarda;  der
Jinport  betrug  aber  1879  von  raffiniertem ­
  Zucker  22,6  Mill.,  von  nicht  raffiniertem ­
  36  Mill.  Mk.  Bierbrauerei  und
Branntweinbrennerei  sind  sehr  schwach
vertreten;  von  Bier,  das  ein  sehr  beliebtes
        <pb n="272" />
        264

Italien  (Verkehrswesen).

Getränk  geworden  ist,  wurde  fast  ausschließlich ­
  aus  Graz  und  Wien  für  1,6
Mill.  Mk.,  von  Spiritus  für  5,6  Mill.
(Export  680,000)  Mk.  importiert.
IV.  Handel.
Für  den  innern  Handel  sind  die  Städte
Mailand,  Turin,  Florenz,  Bologna  von
größter  Bedeutung.  Die  wichtigsten  Häfen
sind:  Genna,  Neapel,  Livorno,  Messina,
Palermo,  Venedig,  Ancona,  Brindisi,
Catania.  Bei  dem  auswärtigen  Handel
llnterscheidet  man  General  -  und  Special-1
Handel  (letzterer  die  Einfuhr  für  den  Verbranch
  und  die  Ausfuhr  einheimischer
Waren  ninfassend).  Der  Wert  des  Special-  ļ
Handels  betrug  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
1877:  925,0  773,9
1878  :  856,5  836,7
1879:  1009,6  880,7
1880  :  979,1  904,5
Die  verschiedenen  Waren  sind  nach  der
italienischen  Statistik  unter  16  Klassen
geordnet,  auf  welche  für  1879  folgende
Summen  entfielen  (in  Millionen  Mark):

Waren

Spirituosen,  Getränke,  Öle
Kolonialwaren,  Droguen,
Tabak
Chemische  Erzeugnisse,  Harze,
Parfümerien
Farben,  Färb-  und  Gerbmaterialien

Hanf,  Flachs,  Jute  .  .  .
Baumwolle
Wolle  und  Haare  ....
Seide
Holz  und  Stroh
Papier  und  Bücher  .  .  .
Häute  und  Felle  ....
Mineralien,  Metalle  u.Warcn
Steine,  Erde»,  Geschirr,  Glas
Cerealien,  Mehl,  Teig  rc..
Tiere  und  tierische  Erzeugnisse
Verschiedenes

Zusammen:

Einfuhr

41.3
106,3
25.8
18.8
23.1
114,o
68.7
99.5
31.5
5,0
38.1
86.6
57.8
199,5
70.4
23.2

Ausfuhr

146.8
3.8
28,9
9,3
45.0
19,5
8.9
230.9
42.7
7.9
16,4
43.0
58,3
96.8
114,3
7.6

1009,6  880,7

Hinsichtlich  der  Transportwege  ist  in  der
Einfuhr  der  Seehandel  mit  67,5  Proz.,
in  der  Ausfuhr  dagegen  der  Landhandel
mit  51,3  Proz.  von  größerer  Wichtigkeit.
Das  Übergewicht  des  letztern  ist  vornehmlich
  ans  die  Mont  Cenis-Bahn  zurückzuführen. ­

  1878  verteilten  sich  die  betreffenden ­
  Werte  ans  folgende  Verkehrsländer  (in
Frankreich.  .  .  .  218,3  391,4
England  ....  189,7  77,5
Österreich  -  Ungarn  .  157,3  138,7
Schweiz  ....  26,8  79,2
Rußland  ....  42,7  14,2
Vereinigte  Staaten.  43,4  29,2
Deutschland  .  .  .  31,6  16,6
La  Plata-Staaten  22,4  22,3
Türkei  32,2  11,9
Andre  92,i  55,7

Zusammen:  856,5  836,7
Was  speciell  den  Handel  D  e  n  t  sch  l  a  n  d  S
mit  I.  betrifft,  so  zeigt  derselbe  in  den
jüngsten  Jahren  eine  sehr  bedeutende  Zunahme. ­
  Er  betrug  (in  Millionen  Mark):

Einfuhr  Ausfuhr
1878:  31,o  16,6
1879:  36,5  19,1
1879  waren  die  hauptsächlichsten  Handclöartikel
  (in  Millionen  Mark):

Einfuhr
Wollgewebc.  .  3,4
Bauniwollgewebe  2,8
Rohsilber...  1,9
Kurzwaren  .  .  1,8
Rohtabak.  .  .  l,i
Maschinen  .  .  l,i

Ausfuhr
Olivenöl.  .
Hanf,  Flachs
Mandeln.  .
Seide  .  .  .
Schtvcfel  .  .
Früchte

6,i
2,0
1,4
l,o
0,7
0,6

Ferner  werden  eingeführt:  Glas,  «Ltrumpswaren,
  Garne,  Teerfarben,  Natronsalpeter, ­
  Zucker  rc.;  ausgeführt:  Felle,  Strohgeflechte, ­
  Chininsalze,  Weinstein  rc.  —  Die
gesamten  Z  o  l  l  e  i  n  n  a  h  m  e  n  betrugen
1879:  88,5  3RiK.  SRf.  ncgc»  84,3  9%iU.
Mk.  in  1878  und  80,6  Mill.  Mk.  in  1877.
—  Konsulate.  Deutschland  hat  Bernfskoilsulate
  in  Genua  unb  Messina,  HandclSkonsulate
  in:  Ancona,  Bologna,  Cagliari, ­
  Civita  Vecchia,  Florenz,'Livorno,
Mailand,  Neapel,  Palermo,  Nom,  Savona,
  Turin,  Venedig;  Vicekonsnlate  in:
Bari,  Brindisi,  Catania,  Catanzaro,  Gallipoli, ­
  Girgenti,  Licata,  Pizzo,  Reggio,
San  Nemo,  Spezia,  Taranto,  Terranova, ­
  TrapansiKonsnlaragentnren  in  righerò, ­
  Carloforte,  Oristauo,  Pisa,  Porto
Ferrajo,  Porto  Santo  Stefano,  Sassari.
V.  Brrkehrswcsk».
Von  den  Flüssen  sind  nur  Po  und  Tiber ­
  von  Bedeutung.  Der  Lago  Maggiore,
        <pb n="273" />
        Italien  (Finanzen,  Kreditwesen).

der  Luganer  und  der  Comer  See  werden
don  Dampfern  befahren.  Die  Länge  der
Landstraßen  war  Anfang  1877:  8046
km,  davon  Staatsstraßen  8046  hergestellt,
628  im  Ban,  267  projektiert.  Von  Provinzialstraßen ­
  waren  25,202  hergestellt,
1479  im  Bau  imb  4055  projektiert.  Dazu
kommen  noch  Gemeindestraßen.  Am
1.  Jan.  1880  betrug  die  Länge  der
Eisenbahn  eu  (abzüglich  144  km  gemeinsamer ­
  Bahnstrecken)  8279  km.  Im
Bau  waren  zu  derselbe,:  Zeit  446  km,
projektiert  480  km.  Im  Staatsbetrieb
"ehe::  von  allen  Eisenbahnen  nur  die
vberitalienischen  (3585  km);  die  kalabrostcrlischen
  Bahnen  (1166  km)  sind  zwar
auch  Eigentum  des  Staats,  stehen  aber
un  Betrieb  der  Südbahngesellschaft.  Von
L.ramwaybahnen  waren  1.  Jan.  1879:
lì  *  k":  im  Betrieb  (162  Pferde-  und  354
Lokomotivbahnen),  144  im  Ban  und  1008
^u^ssioniert.  Die  P  o  st  beförderte  1878  :
Briefe  und  Postkarten,
«^o^'^^.ŗ"^şachen  u.  Warenproben,
§i7^?tOOO&amp;lt;3eitungsnuininern,zusaininen
3  (6,015,000  Sendungen.  1877  hatten  die
Elnnahmen  20,2  Mill.AU.,  die  Ausgaben
f  7,8  Mill.  Mk.  betragen.  Die  Telegraphenlinien ­
  hatten  Ende  1879  eine  Lange
boit  25,533  km  mit  84,101  km  Leitungen,
2484  Stationen  und  1834  Apparaten.
Außerdem  besitzt  der  Staat  178km  unterseeisches ­
  Kabel.  Es  wurden  5,502,581
Depeschen  befördert.  Die  Einnahmen  beliefen ­
  sich  auf  8.5,  Mill.  Mk.,  die  Ausgaben
ans  5,5  Mill.  Mk.  Der  Schiffsverkehr
handeltreibender  Schiffe  war  1878:
Schiffe  Tonnen
Internationale  Fahrt  .  31438  8152824
Küstenfahrt.  .  .  ■  ■  157716  17100278
Zusammen:  180154  25253102
Davon  unter  italienischer  Flagge  183,021
Schiffe  von  15,8  Mill.  Ton.,  unter  britischer ­
  6662  von  4,997,839  T.,  französischer
4311  von  2,003,284  T.,  delitscher  522  von
281,608  T.  Die  Seefischerei  lourde  mit
,7  Fahrzeugen  von  10,658  T.,  die  Ko-Utllensischerei
  mit  512  Schiffen  von  1691
die  Schwammsischerei  mit  15  Schiffen
3121.  bctncbm.  -  3)ic
Uotte  bestand  Ende  1878  aus  152  Dam-265


pferu  von  63,020  Ton.  und  8438  Scael-"vch
  10,602  fur  Hafen-  und  Küstcndienst
bestlmmte  Schiffe.  Große  Dampfergesell ­
  schäften  sind:  die  Eomp.  Fraissinet,
Lavarello  u.  Ko.,  Rubattino  u.  Ko.,  Rocco
Piaggio,  Peirano,  Danovaro  u.  Ko.  (alle
in  Genua).
VI.  Finanzen,  Kreditwesen  re.
Staatshaushalt.  Die  Finanzen
litten  seit  dem  Bestand  des  neuen  Staats
au  jährlich  wiederkehrenden  Defizits,  in
den  letzten  Jahren  haben  sich  aber  beträchtliche ­
  Überschüsse  ergeben.  Nach  den
Abrechnungen  für  1874—78  betrugen
(in  Millionen  Mark):
Ausgaben  Einnahmen
1874:  1117,4  1035,4
1875:  1132,3  1109,9
1876:  1149,4  1143,5
1877:  1185,o  1194,o
1878:  1144,0  1154,4
Das  Budget  für  1879  ergab  1126,4  Mill.
Ausgaben  gegen  1148,6Mill.  Einnahmen,
sonnt  einen  Uberschuß  von  22,2  Mill.  Mk.,
das  fur  1880:  Ausgaben  1114,3  Mill.,
Elnnahmen  1131,4  Mill.,  also  16,8  Mill.
Mk.  Uberschuß.  Die  Ausgaben  zerfallen
in  ordentliche  und  außerordentliche.  Bei
den  ordentlichen  im  Betrag  von  1022  7
Mill.  Mk.  sind  1880  Hauptposten  (in  Millionen ­
  Mark):
Schatzministerium  601,7
Krieg  ....  145,4
Finanzen  .  .  .  93,o
Öffentl.  Arbeiten  46,5
Inneres.  .  .  .  42,5

Differenz
-82,o
—  22,4
—  5,9
+  9,0
+  9,8

Marine  ....  34,5
Justiz  und  Kultus  22,i
Öffentlicher  Unterricht ­
  21,5
Äußeres  ....  4,9
Die  außerordentlichen  Ausgaben  im
Betrag  von  95,3Mill.  Mk.  setzen  sich  hauptsächlich ­
  zusammcil  aus:  öffentliche  Arbeiten ­
  67,7  Mill.,  Schatzministerillnt  14,i
Mill.  Mk.  Dagegen  waren  die  Hauptposten
  bei  den  Einnahmen  (in  Mill.  Mk.)  :
Indirekte  Steuern  und  Monopole  358,o
Direkte  Steuern  288,7
Steuern  vom  Geschäftsbetrieb  .  122,3
Verkehrsanstalten  rc  74,4
Lotto  54,4
Rmtcn  27,o
Die  eigentliche  Grundsteuer  wurde  seit
Bestehen  des  Staats  um  30  Pro;,  erhöht
        <pb n="274" />
        266

Italien  (Kreditwesen,
den  höchsten  Ertrag  liefert  die  Lombardei.
Die  Abgabe  vom  Mobiliarbesitz  ist  eine
Nachahmung  der  englischen  Income  tax
und  im  eigentlichen  Sinn  eine  Einkommensteuer. ­
  Die  Mahlsteuer  wurde  1869
eingeführt;  sie  wird  geschätzt  nach  den  Umdrehungen ­
  der  Mühlräder.  Das  Tabaksmonopol ­
  ist  an  eine  Gesellschaft  verpachtet.
Die  Staatsschuld  betrug  I860:
1950  Mill.  Mk.;  innerhalb  zehn  Jahren
war  dieselbe  auf  6629  Mill.  Mk.  angewachsen. ­
  Neuerdings  stieg  sie  bis  ans  8
Milliarden.  Während  1861  die  Kosteil
der  öffentlichen  Schuld  nur  19,i  Proz.  des
Staatseinkommens  ausmachten,  betrugen
dieselben  1880  schon  31,4  Proz.  Am  I.
Jan.  1880  waren  die  Hanptposten  folgende ­

  (in  Millionen  Mark):
Konsolidierte  Schuld  314,o
Ewiae  Rente  des  päpstlichen  Stuhls  .  2,5
Besonders  eingetragene  Schuld  .  .  .  30,a
Verschiedene  Schulden  36,8
Schwebende  Schuld  11,4

Die  besonders  eingetragene  Schuld  besteht
aus  den  übernommenen  Schulden  von
Sardinien,  Toscana,  Lombardei  und  Venetien,
  Modena,  Parma,  Rom  imb  der
zum  großen  Teil  aus  Eisenbahnanleihen
bestehenden  Schuld  des  Königreichs  I.
Für  die  Amortisation  waren  1880:  4,7
Mill.  Mk.  ausgesetzt.  Unter  der  schwebenden ­
  Schuld  figurieren  für  6,9  Mill.  Mk.
Schatzscheine,  wozu  noch  die  Bankbillete
der  Italienischen  Nationalbank  (s.  unten)
kommen.  Nach  den  Gesetzen  von  1866  und
1867  wurden  52,192  Kirchengüter  mit
einem  Kapitalwert  von  636',8  Mill.  Mk.
eingezogen,  welche  ein  Jahreserträgnis  von
24,7  Mill.  Mk.  geliefert  hatten.  Nur  15,675
dieser  Güter  mit  12,1  Mill.  Mk.  Ertrag
wurden  nicht  veräußert.  Wirklich  gelöst
wurden  31.  Dez.  1876:  340,7  Mill.  Mk.
—  Die  Provinzial-  und  Gemeindeschulden ­
  betrugen  31.  Dez.  1877:  die
cistern  40,9  Mill.,  die  letzter»  565,6  Mill.
Mk.  Am  stärksten  waren  belastet:  Florenz, ­
  das  1878  mit  116  Mill.  Mk.  Schulden ­
  seine  Zahlungen  einstellte,  Neapel
(1876)  mit  55,7,  Mailand  mit  46,6,  Rom
mit  33.9,  Genua  mit  23,1  Mill.  Mk.  rc.
Kreditwesen.  Es  bestanden  1879:
102Banken,  darunter  7  fürNotenans-Geld,

  Maße,  Gewichte).
gäbe,  ferner  221  Kreditinstitute  und
Volksbanken.  —  Ende  1879  war  der
Stand  der  Staatsbank  und  der  sechs  zur
Emission  berechtigten  Banken  folgender:
Notenumlauf  1395,3  M.  Alk.,  Geschäftsnmsatz1689.6Mill.Mf.
  Die  Nationalbank
des  Königreichs  (Kapital:  160  Mill.Mk  )
steht  unter  staatlicher  Kontrolle.  Die  Noten ­
  bestehen  in  Stücken  zu  1,  2,  5,10,20,
25.  40,  50,100,  250,  500  und  1000  Lire.
Mit  den  andern  obengenannten  Banken
wurde  sie  1874  zu  einem  Konsortium  vereinigt, ­
  welches  dem  Staat  1000  Mill.  Lire
Noten  (Konsortialnoten)  zu  liefern  hat.
Für  diese  Noten  herrscht  Zwangsumlanf.
Außerdem  dürfen  die  Banken  eigne  Noten
emittieren,  deren  Betrag  nach  Dekret  vom
Dezember  1874:  575Mill.Mk.nicht  übersteigen ­
  soll.  Danach  dürfen  auch  Konsortialnoten
  zu  50  Centesimi  ausgegeben
werden.  Doch  verpflichtete  sich  I.  durch
Vertrag  vom  5.  Nov.  1878,  abgcschlos
sen  zwischen  den  Staaten  der  lateinischen
Münzkonvention,  seine  auf  weniger  als
5  Lire  lautenden  Noten  aus  dem  llmlanf
zu  ziehen.  Außer  den  sieben  Bankinstituten ­
  emittieren  die  VolksbankenScheine;  sic
dürfen  für  24  Mill.  Mk.  anfertigen  lassen
und  davon  für  18  Mill.  Mk.  ausgeben.
Von  den  Noten  der  agrarischen  Banken
dürfen  für  3,3  Mill.  Mk.  ausgegeben  werden.
  —  Von  Aktiengesellschaften  bestanden ­
  1878:  560  italienische  Gesellschaften ­
  mit  1182  Mill.  Mk.  und  55  ausländische ­
  mit  403  Mill.  Mk.  Kapital.  —  Die
Zahl  derS  parkassen  Ende  1879  war  358
mit  einem  eingezahlten  Kapital  von  545,4
Mill.  Mk.  Im  Jahr  1876  wurden  die
Postsparkassen  errichtet,  von  denen  cS
Ende  1879  bereits  3259  gab.  Die  Anzahl ­
  der  Sparkassenbücher  betrug  238,240
mit  einem  Guthaben  ron  20,5  Mill.  Mk.,
dazn221Volkssparbanken  und  deren  Agenturen ­
  mit  158,740  Eiilkegern  und  125,9
Mill.  Mk.  Einlagen,  so  daß  sich  die  Zahl  der
Sparkässcnanstalten  auf  3838,  dieSnmme
der  Einlagen  auf  671,9  Mill.  Mk.  belief.
Geld,  Maße  und  Gewichte.  I.  gehört ­
  zum  lateinischen  Münzbund  (s-Frankreich,
  S.  202);  die  Lira  ist  gleich
dem  französischen  Frank.  Die  Maße  intb
Gewichte  sind  die  französischen  metrischen.
        <pb n="275" />
        Jtschcmş!  ■
Jtschang,  chines.  Traktatshafen,  am
Jantsekiang  (Provinz  Hupe);  33,560(SU).
C  bines.  Seezollamt.  Der  Gesamthandel
mittelst  fremder  Schiffe  wertete  1878:
Fremde  Netto  -  Einfuhr  .  .  1341096  Mark
Einheimische  Netto-Einfuhr  210858
Gefamtausfuhr  2123094  .
.1879  verkehrten  hier  40  Schiffe  (32  Dampfer) ­
  von  12,498  Ton.,  keine  deutschen.
Jviza,  zu  Spanien  gehörige  Insel,  die
größte  der  Pithynsen,  90  km  östlich  von
ber  spanischen  Küste  im  Mittelmeer;  592
9km  (10,7  QM.)  mit  (i«77)  23,760  Einw.
Hauptprodukte:  Mandeln,Johannisbrot, ­
  Oliven,  Feigen,  Bleierze,Salz  aus  den

-  Jamaica.  267
Salzsümpfen  (Saliilen);  die  Kultur  von
%kmmvoUeW  W  gern*  tie
slcebenkrankheit  hat  die  Weinberge  zerstört
Der  Handel  geht  über  die  gleichnamige
Hauptstadt  mit  0878)  7393  Einw.,  an  der
Südseite  n.dcrBaivonJ.  Hier  war  1877
der  Totalwert  in  der  Einfuhr  950,40«  &amp;gt;  Nit.,
Ausfuhr  659,200  Mk.  Hauptartikel  der
Einfuhr:  Gewebe,  Mehl,  Reis,  Gerste,
Weizen  und  andre  Cerealien,  Zucker  re.;
Ausfuhr:  außer  den  obenerwähnten  Pro
dukteu  Holzkohle  u.  Baumwollstrümpfe.  I.
hat  DampfschiffSvcrbindung  mit  Valencia.
Iwanowa  -  Wosncsieusk,  s.  WosnessenSk.


3  (3ot).

Jacmel  (jpr.  schock.),  Hasenplatz  an  der
Sudküste  von  Hayti;  6000  Einw.  Deutsches ­
  Konsulat.  —  1879  wurden  ausaeml
 rt: cn 11 ' 05  Mill.  Pfd.  Kaffee,  5,1  Mill,
chsd.  Blauholz,  ferner  Orangenschalen,
^chsenhäute,  Mahagoniholz  im  Gesamtwert ­
  von  3,9  Mill.  Mk.  Die  Zölle  betrugen
1878:1,727,736  Mk.,  davon  im  Eingang
-¿71,716,  tut  Ausgang  852,080,  Additional; ­
  ölle  403,910  Mk.  Es  verkehren  hier
die  Dampferlinien:  Atlas-Linie,  Royal
Mail  Steamship  Co.,  Anglo-Frcnch-Linie
regelmäßig,  die  Hamburg-Amerikan.  Paketfahrtaktienges.,
  White-Linie  unregelmäßig. ­
  1879:  96  Schiffe  (69  Danipfcr)
von  18,695  Ton.  (3  deutsche  von  2114  T.).
Jarobsstad,  Stadt  im  russ.  Gouvernement ­
  Ltzasa(Finnland);  (1875)  2118Einw.
Deutsche  Konsularagentur,  ressortiert  von
dļykarleby;  Föreningsbank  in  Finnland.
1879  verkehrten  hier  97  Schiffe  (1  deutsches) ­
  von  30,563  Ton.  Die  Einfuhr  wertetc
  393,673  9Rf.  (brntfd)  169,874  Wl.),
Ausf»hr226,766Mk.(deutsch20,792Mk.).
Jade,  schiffbarer  Küstenfluß  im  Großherzogtnm
  Oldenburg,  mündet  nach  22  km
wngcm  Lauf  in  den  190  qkm  großen
^adebusen  der  Nordsee.  Zum  Gebiet  der
I.  gehören  14  Segelschiffe  von  529  Ton.
Jaffa,  türk.  Hafenstadt  an  der  Küste
von  Syrien,  Station  für  die  Dampfcru.uien:
  Österr.-Ungar.  Lloyd,  Message-Tle
 ®  maritimes,  Russische  Dampfschiffsahrtsges.,

  Nederl.  Stoomboot  Maatschappij;
  ca.  12,000  Einw.  Deutsches  Bicekonsnlat.
  —  I.  bildet  den  Hafen  für  das
56  km  entfernte  Jerusalem.  Der  Handel
ist  ausschließlich  in  den  Händen  von  Europäern ­
  oder  einheimischen  Christen.  Die
Ausfuhr  betrug  1879:  3,348,070  Mk.,
wobei  Getreide  (Weizen,  Gerste,  Mais),
Sesam,  Olivenöl,  Seife,  Orangen  Haupt-Posten
  sind.  DieEinfuhr(1679:  2,639,475
Mk.)  besteht  uamentlicb  in  Reis,  Wein
Petroleum,  Zucker,  Kaffee,  Manufakten,
Brettern,  Eisen-  und  Glaswaren.  1879
verkehrten  hier  39  Schiffe  (kein  deutsches).
Jakutsk,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
russ.  Gebiets  in  Ostsibirien,  an  der  Lena;
(1873)  4830  Einw.  Hauptstapelort  für  den
ostsibirischcn  Pelzhandel.
Jaluit,  eine  der  Marshallinseln  der
Südscc,  zur  Ralikgrnppc  gehörig,  74  km
lang  und  15  km  breit,  mit  500  mikroncsischen
  Einwohnern.  Deutsches  Konsulat
für  die  Marshall-,  Karolinen-,  Duke  of
Pork-Inseln,  Neuirland  und  Neubritannicn.
  Der  Hafen  von  I.  ist  seit  1878  deut
sche  Kohlenstation;  Handel  mit  Kopra.
Jamaica,  Insel  der  Großen  Antillen  in
Westindien,  den  Briten  gehörig,  durch  den
200  km  breiten  WindwardkanalvonHayti
getrennt;  10,859  qkm  (197  QM.)  groß
mit  (1878)  558,256  Einw.  -Produktion.
Die  Wälder  liefern  wertvolle  Holzarten'
besonders  Rotholz;  die  Hanptkultur  ist
        <pb n="276" />
        268  Jantstkiailg  —  Japan  (Areal,  Bevölkerung,  Produktion).

Zucker,  dann  Kaffee,  Piment,  Ingwer.
1879  war  der  Wert  der  Einfuhr  26,946,840
Mt.,  der  Ausfuhr  27,151,420  Mk.,  davon
Zucker  8,3  Mill.,  Rum  3,»,  Tabak  5,  Früchte
0,8Mill.  Mk.,  außerdem  Ingwer,  Piment,
Rotholz,  Kakao,  Sassaparille,  Arrowroot.
Haupteinfuhrartikel  sind:  Mehl,  gesalzene
und  getrocknete  Fische,  Fleisch,  Butter,
baumwollene  und  andre  Fabrikate.  —
Eine  40  km  lange  Eisenbahn  verbindet
die  beiden  Hauptstädte  Kingston  und
Spanishtown.  Der  Schiffsverkehr  betrug
1878:738,000  Ton.  —Finanzen.  Die
Einnahmen  der  Kolonialregierung  betrugen ­
  1879:  10,940,060,  die  Ausgaben
10,058,760  Mk.;  die  Staatsschuld  betrug
14,372,160  Mk.  —  Geld.  Man  rechnet
nach  Pfunden  Sterling  «.Dollars.  Staatspapiergeld ­
  sind  die  Scheine  des  Schatzamts
von  I-,  Privatpapiergelder  die  Noteir  der
Kolonialbank,  der  Jamaica  Bank,  Bank
von  England  ».  a.  Vgl.  Kingston.
Jantsekiang,  Fluß  (s.  Ehiua,  Verkehrswesen, ­
  S.  99).
Japan,  großes  Jnselrcich  an  der
ostasiatischen  Küste  unter  einem  absoluten
Herrscher,  welcher  den  Titel  »Mikado«
führt.  Durch  Vertrag  vom  22.  Aug.  1875
wilrden  von  Rußland  gegen  Sachalin  die
Kurilen  eingetauscht,  1876  von  den  Bonininseln ­
  Besitz  ergriffen  imb  die  Liukininseln,
  die  den  Herrscher  von  I.  nur  als
ihren  Lehnsherrn  anerkannten,  dem  Reich
faktisch  einverleibt.  So  besteht  dasselbe
nun  aus  vier  größer«  Inseln:  Nippon,
Kiusiu,  Sikok  und  Jcsso,  unb  zahlreichen
Jnselchcn  (angeblich  3800),  mit  denen  sich
der  Umfang  ans  379,711  qkm  (6896  QM.)
stellt.  Die  Einwohnerzahl  betrug  Ende
1878:  34,338,504  (17,419,785  männlich,
16,918,619  weiblich).  Die  Zahl  der  F  re  m  -
den  war  1879:  5503,  davon:

Chinesen  .  .  3028
Engländer  .  1106
Amerikaner  .  470

Deutsche.  .  .  300
Franzosen  .  .  230
Russen  ...  200

ferner  Holländer,  Italiener,  Österreicher,
Dänen,  Schweizer.  Die  Zahl  der  englischen ­
  Firmen  ging  aber  seit  1874  von
155  aus  92,  die  der  andern  Läilder  von
215  auf  151  herunter.  Die  englische
Sprache  ist  das  allgemein  gebräuchliche
Verständigungsmittel  zwischen  Japanern

und  Fremden.  Von  den  Fremden  stehen
aber  mindestens  500  dem  Handel  fern.
Produktion.  Die  Bodenkultur  wird
mit  großer  Ausdauer  und  Sorgfalt  betrieben. ­
  Aller  Grundbesitz  ist  aber  Eigentum ­
  der  Regierung  und  wird  nur  gegen
hohen  Pacht  abgegeben,  der  mehr  als  die
Hälfte  des  Rohertrags  beträgt.  Die  Hauptkulturen ­
  für  Brotstoffe  sind:  Weizen,
Gerste  und  vornehmlich  Reis,  dessen  Vorzüge ­
  in  Festigkeit,  Härte  und  Haltbarkeit
des  Korns  bestehen.  Die  Produktion  von
Getreide  und  Hülsenfrüchten  wertete  1874  :
713,6  Mill.  Mk.  und  zwar:

Hcktol.  Mill.  Mark
Reis  51  550,4
Gerste  18  70,a
Weizeu  4  20,o
Andres  —  64,o

Ausgeführt  wurde  Reis  1878  für  16,8
Mill.  Mk.,  1879  nur  für  1,466,694  Mk.,
ebenso  Weizen,  wogegen  regelmäßig  Mehl,
jedoch  in  geringen  Beträgen,  importiert
wird.  —  Das  bedeutendste  Handelsprodukt
des  Landbaus  ist  aber  unstreitig  Thee,
dessen  Kultur  in  wenigen  Jahren  in  überraschender ­
  Weise  zugenommen  hat.  Früher
nahm  man  den  Ertrag  auf  12,5,  höchstens
auf  18  Mill.  Pfd.  an;  aber  in  der  Saison
1875—76  betrug  die  für  den  Export  bestimnue
  Menge  schon  über  29  Mill.  Pfd.
Freilich  haben  bei  wachsenden  Erportmengcn
  die  Wertbetrage  ebenso  schnell
abgenommen,  denn  die  Ausfuhren  von
japanesischem  Thee  repräsentierten  1874
einen  Wert  von  31,2  Mill.,  1878  nur  von
18,7  Mill.  Mk.,  stiegen  aber  1879  wieder
ans  29,8  Mill.  Mk.,  wovon  auf  Jokohama
allein  18,2  Mill.  Mk.  fallen.  Der  japanesischc
  Thee  geht  zum  größten  Teil  nach  den
Vereinigten  Staaten.  Um  ihm  ein  neues
Absatzgebiet  zu  verschaffen,  hat  man  seit
kurzem  auch  angefangen,  Ziegelthee  für
die  russischen  und  chinesischen  Märkte  zu
fabrizieren.  —  Der  Tabak,  durch  die
Portugiesen  zwischen  1573  und  1592  eingeführt ­
  ,  ist  ziemlich  allgemein  verbreitet
und  wird  vornehmlich  aus  Kiusiu  und  Nippon ­
  in  großen  Quantitäten  gebaut;  doch
ist  die  Qualität  eine  ziemlich  geringe.  Das
größere  Quantum  wird  im  Land  selbst
verbraucht,  eine  jährlich  steigende  Menge
        <pb n="277" />
        269

Jciplin  (Baumlvolle,  Viehzucht,  Seide).

wird  indes  namentlich  nach  England
ausgeführt.  Dorthin  gingen  1877:547,000
kg,  1878:900,000kg.  Der  Gesamtexport
bezifferte  sich  dein  Wert  nach  1877  auf
917,152  Mk..  1878  auf  424,432  und  1879
auf  566,612  Mk.  Hauptcrporthafen  für
diesen  Artikel  ist  Nagasaki.  Ein  Schluß
auf  den  großen  Umfang  des  Tabakbaus
läßt  sich  aus  dem  Ertrag  der  Tabaksteuer
entnehmen,  welcher  im  Budget  für  1880  auf
1,731,033  Mk.  berechnet  war.  Die  Steuer
wird  als  Gebühr  für  die  von  Fabrikanten
und  Detaillisteil  zu  lösenden  Erlaubnisscheine ­
  erhoben  sowie  als  Stcmpelgebühr
für  die  bei  dem  Dctailverkauf  iu  Anwendung ­
  zu  bringende  Emballage.  Letztere
beträgt  5  Proz.  vom  Wert.  —  Baumwolle ­
  gedeiht  im  S.  bis  zum  mittlern
Nippon;  sie  ist  kurzfaserig,  aber  reiner  zubereitet ­
  und  schöner  als  die  chinesische.  Der
Verbrauch  im  Land  ist  ein  sehr  bedeutender, ­
  er  wird  auf  65  Mill.  Pfd.  oder  1,98
Pfd.  pro  Kopf  berechnet  und  die  Zufuhrbon
  Garncil,  Geweben  rc.  ares  England
auf  20  Mill.  Pfd.,  wonach  sich  der  Totalkonsum ­
  auf  85  Mill.  Pfd.  berechnen  würde.
,\Oi  neuester  Zeit  sind  drei  Baumwollspinuereien
  imb  Webereien  in  Awaji  angelegt
worben,  indes  hat  sich  der  Import  fremdländischer ­
  Baumwollwaren  deswegen  nicht
verringert.  Die  Zufuhren  von  Baumwollwaren, ­
  namentlich  Garn  (1879  für  20
Mill.  Mk.),  werteten  1877  :  34,a  Mill.,
1878:  49,9  Mill,  und  1879:  48.8  Mill.
Mk.  Die  Engländer,  mit  denen  die  Chinesen ­
  zu  konkurrieren  versuchen,  beherrschen ­
  mit  ihren  Fabrikaten  aus  Glasgow
und  Manchester  den  Markt  vollständig.
Die  Viehzucht  spielt  eine  sehr  untergeordnete ­
  Rolle,  da  sich  der  Japaner  der
Fleischnahrung  fast  gänzlich  enthält.  Der
Viehstand  wird  für  1879  folgendermaßen
angegeben:  Pferde  826,653,  Rinder
1.077,358,  Schweine  2069.  Schafzucht
ward  erst  vor  wenigen  Jahren  durch  einen
Amerikaner  eingeführt,  doch  gedeihen  die
Herden  (ca.  6(X)0  Stück,  meist  mongolischer ­
  Rasse)  recht  gut.  Jedenfalls  müßte
die  Schafzucht  bei  dem  steigenden  Verbrauch
Wollwaren  sehr  lohnend  werden.  Die
Anfuhren  (zum  starken  Teil  deutsch)  werteten ­
  (in  Millioneil  Mark):

1877  1878  1879
Wollwaren  .  .  .  15,2  17,2  16,2
Halbwollwareir  .  .  6,8  4,«  s' 8
Tuchfabriken  wurden  in  neuester  Zeit  iu
Sensi  und  Tokio  errichtet,  darum  "nimmt
auch  die  Einfuhr  von  Tuch  ab;  Musseline
werden  aber  immer  stärker  zugeführt,  1879
aus  Deutschland,  lvo  man  (in  Greiz)  sich
jetzt  besser  auf  das  Färben  versteht,  für
3  Mill.  Mk.
Bei  weitem  der  wichtigste  Artikel  deS
Exports  istaberS  e  i  d  e,  deren  Ausfuhrwert
nahezu  der  Hälfte  des  Werts  sämtlicher
Exportartikel  gleichkommt.  Die  jährliche
Gesamtproduktion  ist  nicht  genau  bekannt.
Ein  Konsularbericht  gibt  sie  auf  41,145
Ballen  zu  50  kg  an,  wovon  40  Proz.
zur  Ausfuhr  gelangen  und  60  Proz.  dem
einheimischen  Konsum  verbleiben.  Im
Norden  des  Landes  sind  cs  hauptsächlich
die  Provinzen  Uzen,  Mutsn  und  Jwaschiru,
  im  centralen  Teil  Schinschiu,  Joschiu
  lind  Musaschi,  im  Süden  aber  nur
wenige,  welche  sich  mit  der  Seidcnproduktion
  befassen.  Eine  Verbesserung  der
hergebrachten  Spinnsysteme  wllrdc  1871
durch  die  Errichtung  einer  großen  Filatur
  in  Tomioka  seitens  der  Regierung
nach  europäischem  System  mit  den  neuesten ­
  französischen  Maschinen  angebahnt,
und  im  Lauf  der  Zeit  sind  iu  fast  allen
Distrikten  von  japanesischen  Industriellen
mehr  oder  weniger  bedeutende  Filaturen
errichtet  worden.  1877  gab  es  in  ganz
I.  56  Seidenspinnereien,  davon  27'  mit
Dampfbetrieb.  Die  schon  genannte  zu
Tomioka  beschäftigt  480  Arbeiter,  hat
300  Kessel  und  verbraucht  300  Ballen
jährlich.  Zwei  andre  Filaturen  sind  mit
je  200,  eine  mit  150  und  noch  zwei  mit
je  100  Kesseln  ausgerüstet.  Hauptkonsument ­
  der  Filaturseide  ist  Lyon,  in  letzterer
Zeit  geht  jedoch  auch  ein  gewisser  Teil
nach  New  Pork,  wo  der  Verbrauch  japauesischer
  Seide  iu  stetem  Wachsen  begriffen
ist.  Der  Export  stieg  von  35,1  Mill.  Alk.
in  1878  auf  44,0  Mill.  Mk.  in  1879.  -
Außer  diesem  Handel  mit  Rohseide  besteht
ein  starker  Export  von  Sei  den  raupe  nciern.
  Die  Ausfuhr  ist  erst  seit  1865
freigegeben,  bis  dahin  war  sie  bei  Todesstrafe ­
  verboten.  Die  erstell  Kartons,  ca.
        <pb n="278" />
        270

Japan  (Forstkultur,  Mineralien).

50Stück,  kamen  1800  uach  Europa;  1862
wurden  indes  schon  30,000  mit  Lebensgefahr ­
  geschmuggelt.  Seit  1869  betrug
der  jährliche  Export  durchschnittlich  1,3
bis  1,4  Mill.  Kartons.  Die  ersten  Sendungen ­
  gingen  über  Sibirien,  nach  Eröffnung ­
  der  Pacificbahn  nahmen  sie  aber
ihren  Weg  über  Amerika;  die  Vollendung
des  Snez'kanals  wies  dein  Handel  diesen
Weg  als  die  bequemste  und  sicherste  Route
an.  Seitdem  europäische  Seidenzüchtcr
cs  wieder  vermochten,  ihre  Seide  auö  einheimischem ­
  Samen  herzustellen,  hat  dieser
Handel  bedeutend  abgenommen  und  zwar
sehr  zuin  Vorteil  der  japanesischen  Seidenzncht
  selbst.  Indes  ist  die  Ausfuhr  noch
immer  bedeutend  genug  und  hatte  folgende
:  1877:1,387,992,1878:2,600,404
imb  1879:  2,330,492  Ms.
Forstkultur  wird  vom  Volk  wie  von
der  Regierung  mit  Sorgfalt  betrieben.
Die  Waldungen,  meist  Nadelhölzer,  aber
auch  Laubwälder,  werden  mit  viel  Sorgfalt ­
  gepflegt.  Als  wichtige  Handclsprodukte
  sind  Kampher  und  vegetabilisches
Wachs  zu  nennen.  Für  Kampher  sind
die  Hauptproduktionsgebiete  die  Inseln
Sikok  und  Kiusiu;  exportiert  wurde,
meist  nach  England,  1878  für  1,240,768
Mk.,  1879  für  1,821,156  Mk.  Auch  vegetabilisch ­
  csWachs,  von:  Wachsbaum
gewonnen,  welcher  teils  an  den  Rainen
der  Felder,  teils  am  Saum  von  Straßen,
namentlich  auf  der  Insel  Kiusiu,  gebaut
wird,  geht  zum  größten  Teil  nach  England ­
  (èondon).  Die  Ausfuhr  dieses  wichtigen ­
  Handelsartikels  bezifferte  sich  1878
auf  426,092,1879  aus  1,359,916  Mk.
Der  Mineralreicht  um  Japans  ist
eiir  sehr  großer  und  mannigfaltiger;
Eisen,  Kupfer,  Gold  und  Silber,  Kohlen
und  Petroleum  sind  in  bisher  noch  kaum
genügend  zu  schätzenden  Mengen  vorhanden. ­
  Bisher  hat  man  nur  gewonnen,
was  auf  der  Oberfläche  war,  da  man  es
nicht  verstand,  tiefer  zu  gehen.  Den  größten ­
  mineralischeil  Reichtum  bilden  die
Kohlen  und  zwar  Braunkohle  in  16,
Steinkohle  in  11  und  Anthracit  ill  2
Distrikten  des  Jnselreichs.  Nach  Munroe,
Professor  der  Geologie  itt  Tokio,  hat  die
von  Kohlenfeldern  eingenommene  Fläche

eine  AttSdehnung  von  13,000  qkm,  wovon ­
  allein  auf  das  große  Jskiharibecken
iil  Jesso  7768  qkm  entfallen;  andre
sehr  große  Becken  sind  in  Nippon,  Sikok
und  Kiusiu.  Die  gesamte  Kohlenproduktion
  belief  sich  1874  auf  396,240
metr.  Ton.,  1871  hatte  dieselbe  nur
112,369  metr.  T.  betragen.  Sie  hatte
also  um  das  Dreifache  zugenommen  und
ist  in  derselben  Progression  auch  in  den
jüngsten  Jahren  fortgeschritten.  Noch  ist
der  Abbau  aber  ein  sehr  primitiver,  die
Beteiligung  seit  kurzem  auch  Ausländern
und  ausländischem  Kapital  gestattet  worden ­
  ,  und  schon  bildet  Steinkohle  einen
wesentlichen  Exportartikel,  welcher  1878:
3,526,328  Mk.  und  1879:3,018,676  Mk.
betrug.  —  Mit  Eisen  ist  das  japanesische
Reich  im  Überfluß  bedacht;  die  Produktion
ist  zwar  noch  gering,  jedoch  im  Fortschreiten ­
  begriffen.  Die  Produktion  soll
1871:  9375  metr.  Ton.  betragen  haben,
für  1874  wird  dieselbe  mit  5080  metr.  T.
ini  Wert  voll  619,500  Mk.  angegeben.
Ein  reiches  Erzlager  von  2,4  —5,4  m
Mächtigkeit  befindet  sich  unweit  Tokio.
Hier  wurden  von  der  japanesischen  Regierung ­
  zwei  Holzkohlenhohöfen  sowie  ein
Walzwerk  angelegt,  welches  12  Puddelnild
  7  Flaminöfen,  einen  Dampfhammer
und  alle  sonstigen  neuesten  technischen  Einrichtuilgen
  aufzuweisen  hat.  Die  verwendete ­
  Kohle,  meist  Eichenkohle,  ist  vorzüglich. ­
  Zur  Erzeugung  von  Gußwaren
wird  auch  englisches  Roheisen  eingeführt.
Außer  Handhämmern  kannte  ilian  bis
vor  kurzem  keine  Werkzeuge  der  maschinellen ­
  Vorrichtungen  zur  Bearbeitung  des
Eisens.  Doch  ist  die  Qualität  des  Eisens
eine  vorzügliche  und  sind  die  aus  Eisen  und
Stahl  gefertigten  Werkzeuge  gut  ausgeführt. ­
  Eine  große  Maschinenbauanstalt,
die  erste  im  Reich,  wurde  1877  erbaut.
Englisches  und  belgisches  Eisen  sind  anr  beliebtesten. ­
  —  Die  Kupfer  Produktion  Japans ­
  beläuft  sich  auf  ca.  15,000  kg  jährlich.
Die  Ausfuhr  richtet  sich  fast  ausschließlich
nach  China  sowie  über  Hongkong  nach
Indien,  wo  das  Metall  zur  Anfertigung
von  Kochgerätschafteil  verwendet  wird.
Die  Ausfuhr  von  Kupfer  hatte  folgende
Bkrtc:  1878  :  3,381,300  Ms.,  1879:
        <pb n="279" />
        Japan  (Industrie,  Handel).

3,414,868  Mk.  —  Der  Gewinn  an  Gold
wurde  vor  einigen  Jahren  auf  14,000
Unzen,  der  an  Silber  auf  312,000  Unzen ­
  angegeben.  Der  Exportwert  von  Gold
und  Súber  in  Barren  und  Münzen  betrug ­
  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
1877  —  78:  7,8  43,8
1878—79:  ll,a  44,2
Dieser  Abfluß  an  Edelmetallen  und  Kontanten ­
  ist  aber,  da  er  nicht  auf  der  Produktion^ ­
  des  Landes  beruht,  kein  gesunder
"nd  würde  auf  die  Dauer  nicht  zu  ertragen ­
  sein.  Der  Export  von  Metallen
überhaupt  (außer  Edelmetallen)  wird
aber  für  1877  auf  6,8  Mill.,  für  1878
auf  8,3  Mill.  Mk.  berechnet.  —  Petro-I
  e  it  m  guellen  kennt  man  schon  seit  längerer
Zeit  im  Thal  von  Niigata  an  der  Westküste ­
  von  Nippon,  wo  der  Transport  durch
den  Schinanofluß  erleichtert  wird,  und  in
neuester  ßeit  entdeckte  man  Quellen  in
den  Provinzen  Schivano  und  Echigo;  in
letzterer  Provinz  liefern  522  Quellen  jährlich ­
  9500  Faß  Öl,  in  ersterer  22  Quellen
1900  Faß.  Man  schätzt  den  Gesamtwert
der  jährlichen  Ausbeute  ans  160,000  Mk.
linter  Leitung  von  Europäern  hatten  sich
dort  Gesellschaften  gebildet,  doch  scheint
die  Reinigung  des  Rohprodukts  nicht
recht  zu  gelingen.  —  Im  Niigata-Ken
wurde  bei  Jamabemura  neuerdings  auch
eine  Q  u  e  ck  s  il  b  e  r  m  i  n  e  gefunden.  Bon
andern  Produkten  ist  noch  Schwefelsäure ­
  zu  ern'ähnen,  welche,  in  der
Landesmünze  zu  Osaka  in  größerm  Maßstab ­
  und  in  vorzüglicher  Qualität  hergestellt ­
  ,  nach  China  ausgeführt  wird.
Die  Industrie  leistet  in  vielen  Zweigen ­
  trotz  der  unvollkommenen  Werkzeuge
Außerordentliches.  Die  Seidengewebe
haben  Weltberühmtheit,  ebenso  die  Lacksachen, ­
  deren  Firnis  sich,  selbst  wenn  er
mit  heißen  Flüssigkeiten  übergössen  wird,
nicht  löst.  Für  die  Berfcrtigung  von
Papier,  von  dem  eine  außerordentlich
vielseitige  Anwendung  gemacht  wird,  bethen ­
  jetzt  schon  sechs  Fabriken  in  Jcdo,
Dsaka,  Kioto,  Oji  und  Kobe;  schwedische
Streichhölzer  werden  schon  für  den  Export
"ach  China  fabriziert  (1879  für  313,524
'Ak  );  auch  die  Jndigoindnstrie  wird  IN

fabrikmäßiger  Weise  betrieben.  Verdiente
Berühmtheit  haben  japanesische  Porzellane
(Ausfuhr  1879:  1,290,424  Mk.),  Glas,
Marmorarbeiten  erlangt;  auch  hat  man
eine  größere  Glasfabrik  nach  europäischem
Muster  angelegt.  Diese  zum  Teil  durch
das  japanesische  Agrikulturbüreau  hervorgerufenen ­
  Industrien  arbeiten  indes,  soweit ­
  sie  mit  europäischen  Fabrikaten  in
Konkurrenz  zu  treten  versuchen,  noch  mit
zweifelhaftem  Erfolg.  Von  Lacksachen  beträgt ­
  der  Exportwert  ca.  600,000  Mk.
jährlich,  wovon  etwa  ein  Drittel  nach
Deutschland  gelangt;  eine  andre  Specialität, ­
  Fächer,  wovon  1879  für  1,005,988
Mk.  ausgeführt  wurden,  findet  ihren
Hauptabsatz  in  den  Vereinigten  Staate». ­
  Die  andern  vielfachen  Exportartikel: ­
  Decken  mit  Stickereien,  Theebretter,
Schachteln,  Kästchen,  Matten  x.,  finden
in  England  und  Deutschland  Absatz,
während  Porzellan,  feine  Bronzen,  Niello
und  Cloisonettes,  in  Kioko  angefertigt,
mehr  nach  Paris  gehen.
Handel.  Die  Vereinigten  Staaten
schlossen  21.  März  1854  einen  Handelsvertrag ­
  mit  I.,  14.  Okt.  1854  folgte
der  Handelsvertrag  mit  Großbritannien,
mit  Rußland  26.  Jan.  1855,  mit  den
Niederlanden  9.Nov.  1855,  mit  Portugal
3.  Aug.  1860,  mit  Preußen  25.  Jan.
1861,  mit  dem  Deutschen  Zollverein  20.
Febr.  1869,  mit  Österreich-Ungarn  18.
Okt.  1869.  Dadurch  sind  dem  fremden
Handel  geöffnet:  Jokohama,  Hiogo,
Osaka,Tokio,Nagasaki,Niigata,
Ha  ko  dad  e.  Unter  diesen  ist  Jokohama
bei  weitem  am  wichtigsten.  In  runden
Ziffern  betrug  1860  die  Einfuhr  8,  die
Ausfuhr  24  Mill.  Mk.;  1864  standen
diese  Ziffern  auf  24  und  44,  1867  schon
auf  64  und  48,  und  dies  Verhältnis  hat
fortgedauert.  In  den  beiden  letzten,  30.
Juni  endenden  Jahren  war  der  Stand
dcö  Warenverkehrs  (in  Millionen  Mark)  :

Einfuhr
Ausfuhr

1877—78
128,9
107,0

1879—80
120,5
98,0

Der  Anteil,  den  die  einzelnen  Länder  an
dem  auswärtigen  Handel  nehmen,  betrua
1878-79  (in  Millionen  Mark):
        <pb n="280" />
        272

Japan  (Konsulate,  Verkehrswesen).

Einfuhr  Ausfuhr

England  64,4  13,7
China  18,7  22,9
Vereinigte  Staaten  .  13,7  29,7
Frankreich.....  13,2  24,o
Deutschland  ....  4,4  0,s
Ostindien  und  Siam  .  4,o  1,7
Belgien  0,7
Australien  0,4  0,7
Italien  0,s  2,8

Die  hauptsächlichsten  Einfuhrgegenstände
sind:  Baumwolle  (20  Mill.  Mk.),  Wollntttsseline
  (11,6  Mill.),  Petroleum  (10
Mill.)  und  brauner  Zucker  ails  China
(8  Mill.  Mk.).  Deutschlaild  führt  Musseline, ­
  Wollstofse,  Farbstoffe,  Glas,  Arzneien ­
  und  Bier  ein.  Der  Wert  des  Umsatzes ­
  deutscher  Firmen  wird  für  1877  auf
13,3  Mill.  Mk.  angegeben,  wovon  10,9
Mill.  Mk.  auf  Importe  fallen,  von  denen
indes  nur  1,032,000  Mk.  auf  deutsche
Jndustrieerzeugnisse  kommen.  Die  Allsfuhr ­
  besteht  iil  den  vorher  aufgeführten
Laudesprodukten,  zu  welchen  noch  eßbare
Schwamme,  Hauscnblase,  Tintenfische,
eßbares  Seegras,  Awabi  und  Trepang,
Ginsengwurzeln,  alle  für  den  chinesischen
Markt,  hinzuzufügen  wären;  die  zur  Anfertigung ­
  von  Perlmutterknöpfen  dienenden ­
  Awabischalen  nttb  Pfefserminzöl
gehen  aber  auch  nach  Europa.  —  Eine
Handelskammer  nach  europäischem
Muster  lvurde  1878  von  Japailcrn  ins
Leben  gerufen;  Handelskammern  von
Ausländern  bestehen  in  Hiogo  nnb  Jokohama,
  eine  Warenbörse  der  Handelsgesellschaft ­
  (Schoscha)  inJesio.  —  Konsulate.
Deutschland  hat  Berufskonsnln  in  Hiogo,
Osaka  lind  Jokohama,  Handelskonsuln
in  Nagasaki,  Niigata,  Tokio.
Verkehrswesen.  Die  japanesische
Handelsmarine  zählte  1877:  78  der
Registrierung  unterworfene  Fahrzellge
ausländischer  Konstruktion,  worunter  47
Dampfer  und  31  Segelschiffe.  Ausländische ­
  Seeleute  und  Lotsen  müssen  eine
japanesische  Staatsprüfung  bestehen,  selbst
wenn  sie  im  Besitz  von  Certifikaten  ihrer
Heimatsbehörde  sind.  Es  befanden  sich
1877:  61  ausländische  Schiffskapitäne  und
Steuerleute,  45  Maschinisten  und  14
Lotsen  in  japanesischen  Diensten.  Die  Zahl
so  geprüfter  Japaner  betrug  80.  Empsindlichc

  Konkurrenz  wird  europäischen
nnb  amerikanischen  Schiffen  durch  die  1865
grüudcte,  1875  zur  Seehandelskompanie
erweiterte  Mitsu-Bischi-Schokuwai-Gescllschaft
  (Sitz  in  Jedo)  gemacht,  deren  Flotte
1877  ails  4  großen  Postdampsern  amerikanischer ­
  Bailart,  41  andern  Dampfern,
4  Segelschiffen,  3  kleinen  Dainpfern,  6
Hulks  und  einem  Übungsschiff  bestaub.
Daß  keine  Aktienanteile  existieren,  ist  bekannt, ­
  nicht  aber,  &amp;gt;ver  der  Reeder  ist,  in  dessen ­
  Hand  die  Organisation  dieses  großen  .
Unternehmens  liegt.  Die  Vermutuilg,
daß  derselbe  die  Regierung  ist,  liegt  aber
nahe.  Die  Gesellschaft  bezieht  aus  Staatsmitteln ­
  eine  jährliche  Subvention  von
1  Mill.  Mk.  auf  15  Jahre  und  hat  viele
Ausländer  in  ihren  Diensten.  Schon  1872
traf  ein  japanestsches  Segelschiff  in  San
Francisco  ein,  jetzt  erscheinen  dieselben  in
vielen  europäischen  wie  amerikanischen
Häfen.  Den  Suezkanalpassierten  1878:12
japanesische  Schiffe  von4765  Ton.  Für  die
Beleuchtung  der  Küsten  ist  viel  geschehen;
sie  ist  jetzt  durch  33  Leuchttürme,  davon
3  aus  Eisen,  unterhalten;  insgesamt  sind
60  Schiffahrtszeichen  an  der  Küste  angebracht.— ­
  Der  Schiffsverkehr  in  den
sieben  den  Frenlden  geöffneten  Vertrags-Häfen
  (s.  oben)  war  folgender.  Es  liefen ­
  ein:
1877:  752  Schiffe  von  626  657  Tonnen
1878:  838  -  -  747872
1879:  708  .  -  641880
Zahl  und  Tonnengchalt  verteilen  sich  im
letzten  Jahr  nach  Nationalitäten  wie  folgt:
Schiffe  Tonnen
Englische  402  341029
Amerikanische  163  204832
Deutsche  89  37426
Französische  29  44086
Schwedische  und  norwegische  2  1182
Dänische  10  6522
Russische  4  1786
Chinesische  3  2160
Von  allen  Flaggen  zeigt,  nur  die  deutsche
eine  Zunahme  gegen  1878;  die  englische
ist  um  76,662'  Ton.  heruntergegangen,
alle  übrigen  in  ähnlicher  Weise.  An  diesem ­
  Verkehr  beteiligten  sich  19  Postdampfer ­
  der  Pacific  Mail  Steamship  Co.,  je
26  Dampfer  der  Peninsular  and  Oriental
        <pb n="281" />
        Japan  (Eisenbahnen,  Finanzen,  Kreditwesen).

273

Co.  und  der  Messageries  maritimes  sowie
die  deS  Österreichisch  -  ungarischen  Lloyd
u.  a.,  deren  Linien  in  Jokohama  endigen.
Die  erste  Eisenbahn  wurde  12.  Juni
1872  zwischen  Jokohama  und  Tokio  eröffnet, ­
  1879  waren  121  km  im  Betrieb  und
zwar:  Tokio-Jokohama  29  km,  Kobe-Osaka
  mit  der  Zweiglinie  nach  Adjikawa
32  km,  Osaka-Kioto  13,4km;  traciert  und
zum  Teil  im  Bail  sind  229  km,  projektiert
728  km.  —  Po  sto  crkehr  wurde  1872
zwischen  Nagasaki  nndJokohama  eingerichtet, ­
  und  seitdem  ist  daö  Postwesen  auf  das
ganze  Land  ausgedehnt  worden.  Mitte
1879  zählte  mau  3927  Postämter,  163
Annahmestellen  und  1916  Briefmarkenagenturen ­
  ;  1877—78  wurden  26,042,838
Briefe,  10,037,456  Postkarten,  996,395
portofreie  Korrespondenzen,  9,715,082
Zeitungen,  400,515  Warenproben,  Bücher ­
  rc.bcfördert,also  zusammen47,192,286
Stück  (1878—79:  55,775,206  Stück).
Der  Wert  der  Geldsendungen  belief  sich
auf  11,2  Mill.  Mk.,  die  Einnahmen
auf  3,255,112  Mk.,  die  Ausgaben  auf
3,073,980  Mk.  —  Die  Telcqraphenlittieii
  haben  (1880)  eine  öänge  von
6380  km  mit  14,260  km  Drähten  und
bestehen  aus  den  Strecken:  Tokio-Nagasaki, ­
  Tokio-Sendai,  Saykio-Oodzu,  Kawagutsi-Osaka,
  Saga-Kumamotu,  Sendai-Siribesi,
  Buyo-Tokushima,  Mitajiri-Jamaguchi.
  1877  wurden  410,150  Depeschen ­
  befördert.  Mittelst  Kabels  ist
Nagasaki  mit  Schanghai  (1871)  und
Wladiwostok  verbunden,  1874  wurde  auch
ein  Kabel  bis  Hakodade  auf  Jesso  gelegt,
imb  1879  wurde  amerikanischen  Bankfirmen
  die  Konzession  zur  Legung  eines  Kabels ­
  zwischen  Jokohama  und  San  Francisco
  erteilt.  Die  Negierung  übernahm
1878  den  Betrieb  der  Great  Northern  Telegraph ­
  Company.
Finanzen.  Daö  Budget  für  das  30.
Juni  1880  abgeschlossene  Finanzjahr  balancierte ­
  in  Einnahnle  und  Ausgabe  mit
250,4  Mill.  Mk.  Von  den  Einnahmen
sind  die  bedeutendsten  Posten:  Zölle  9,8
Mill.,  Grundsteuer  187,2  Mill..  Steuer
dwf  Branntwein  u.  dgl.  20,s  Mill.,  Stemhel-,
  Patentstcuer  u.  dgl.  12,5  Mill.,  Eisenbahnen ­
  7,7  Mill,  und  Münze  2,2  Mül.
Hcnidelsgeographie.

Mk.  Unter  den  Ausgaben  beansprucht
die  Staatsschuld  eineAusgabe  von  954
Mill.  Mk.  und  zwar  die  innere  Staatsschuld ­
  87,75  Mill.,  die  äußere  7,56  Mill.
Mk.  Für  Kolonisation  waren  ausgesetzt
6,75,  für  die  Förderung  der  Industrie  und
die  Postverwaltung  je  4,5Mill.  Mk.—Die
Staatsschuld  ist  in  den  letzten  Jahren
enorm  gestiegen,  1.  Juli  1879  m\  1634,8
Mill.  Mk.,  nämlich:  innere  verzinsliche
Schuld  1028,8  Mill.,  innere  unverzinsliche ­
  Schuld  42,3  Mill.,  Papiergeld  510,3
M.,  Äußere  ©#%  53,4  SW.  m.
Dagegen  gab  es  Aktiva  im  Betrag  von
262,8  Mill.  Mk.,  so  daß  sich  die  ungedeckte
Schuld  auf  1372  Mill.  Mk.  bezifferte.
Eine  neue  Anleihe  für  verschiedene  Bauten ­
  wiirde  Ende  1879  aufgcnoniineii.
Kreditive  seil.  Von  fremden  Banken ­
  haben  Zweigaustaltcu  die  in  allen
wichtigern  Plätzen  Ostasiens  ansässigen
Hongkong  and  Schanghai  und  Oriental
Bank.  Diese  besorgen  die  Geldgeschäfte
der  Ausländer.  Dazu  kommt  eine  chinesische ­
  Bank  zur  Besorgung  deö  Geldverkehrs ­
  zwischen  Japanern  und  Ausländern,
woran  die  vorgedachten  Institute  nicht
partizipieren.  Die  Hongkong  and  Shanghai ­
  Bank  gibt  Noten  aus  und  ebenso  die
japanesischeu  Banken  sowie  die  Handelsgesellschaft ­
  in  Jesso.  Die  Anzahl  der  japauesischen
  Banken  war  1879  auf  142  gestiegen ­
  mit  Kapitalien  von  80  Mill,  bis
600,000  Mk.,  welche  daö  Recht  haben,  für
125  Mill.  Mk.  Noten  auszugeben.  Mit
Fremden  machen  diese  Banken  wenig  Geschäfte. ­
  —  P  o  st  sp  a  r  ka  s  s  c  u  wurden  1875
wesentlich  nach  englischem  Muster  organisiert; ­
  Ende  1878  gab  es  schon  11,811  Einzahler ­
  mit  einem  Guthaben  von  954,000
gegen  274,860  Mk.  in  1877,  wo  die  Einlagen ­
  an  Zinsen  zusammen  8914  Mk.  ergaben. ­
  —  Handelsgebräuche.  Ein  Kredit
hat  sich  im  Verkehr  zwischen  Japanern
und  Fremden  noch  nicht  gebildet;  Einfuhren ­
  und  Ausfuhren  werden  bar  bezahlt.
Fremde  pflegten  ihre  Geschäfte  durch  Vermittelung ­
  von  in  I.  ansässigen  Chinesen ­
  (Compradore,  vgl.  China,  S.  98)
zu  betreiben,  und  es  ist  auf  diese  Weise
dahin  gekommen,  daß  letztere  den  Handel
vollkommen  beherrschen.  Der  Zinsfuß
18
        <pb n="282" />
        i

&amp;lt;

r

274

Jaroslaw  —  Java.

ist  sehr  hoch:  Darlehen  auf  Edelmetalle
und  Papiergeld  5—0  Proz.,  auf  Waren
8—9  Proz.,  der  normale  Zinsfuß  12
Proz.  pro  Jahr.  Ein  Handelsrecht
existiert  so  wenig  wie  ein  Wechselrecht,
und  die  seit  1872  erlassene  KouknrSordnnna
  schützt  nur  unredliche  Schuldner.
Geld,  Maße  und  Gewichte.  Es
herrscht  gesetzlich  Goldwährung;  geprägt
werden  Gold-,  Silber  -  uiib  Bronzemünzen. ­
  Aus  der  Münzstätte  zu  Osaka  waren
hervorgegangen  bis  30.  Juni  1879:
Goldmünzen  im  Wert  von  235,8  Mill.  Mark
Silbermünzen  -  -  -  128,i  -  -
Bronzemünzen  -  »  -  21,2  -  -
Man  rechnet  seit  1871  nach  Jen  zu  100
Sen.  Das  Jen  ist  ein  Quantum  von
IV2  g  fein  Gold  im  Wert  von  4  Mk.
18Va  Pf.  deutscher  Reichswährung.  Das
Silber-Jen  ist  ein  Quantum  von  24,26  g
fein  Silber  im  Wert  von  4,367  deutschen
Goldmark.  Dieses  silberne  Handels-Jen
wurde  geprägt,  nur  den  mejikanischen
Piaster  ¿u  verdrängen  und  eine  in  ganz
Ostasien  umlaufende  Münze  zu  erhalten.
Die  Regierung  ließ  den  Jen  feiner  ausprägen ­
  als  den  mejikanischen  Piaster,  die
Folge  war,  daß  ersterer  ailfgekauft  wurde
und  aus  dem  Verkehr  verschwand,  obschou
er  seit  September  1879  sowohl  bei  den
Kassen  der  Behörden  als  bei  den  beiden
fremden  Banken  in  Jokohama  und  Privatgeschäften ­
  den  vollen  Wert  des  mejikanischen ­
  Piasters  hatte.  Es  kommen  in
I.  drei  verschiedene  Geldsysteme  in  Betracht: ­
  in  den  Abrechnungen  mit  Europa
herrscht  das  britische  Pfund  Sterling,  im
Verkehr  der  Ausländer  mit  Japanern  der
mejikanische  Piaster,  unter  den  Japanern
selbst  das  japanesischeJen.  Aber  im  Kleinverkehr ­
  läuft  selbst  in  den  den  Europäern
geöffneten  Häfen  nur  Sta  at  SP  a  Piergeld ­
  um,  das  jedoch  die  fremden  Banken
und  der  ausländische  Handelsstand  nicht
als  Zahlungsmittel  anerkennen.  Am  1.
Juli  1879  war  der  Betrag  des  umlaufenden ­
  Papiergelds  auf  510,3  Mill.  Mk.  berechnet. ­
  —  Maße:  für  Längen  der  Ken
—  1,si  m,  Hohlmaß  der  Zjoo  zu  10
Goo  —  1,7iLit.;  Gewichte:  der  Pikul  zu
100  KättyS  —  57,962  kg,  das  Meh  oder
Momneh  —  3,78  g  ;  das  Kin  hat  160  Meh.

JaroSlaw,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  russ.  Gouvernements,an  der  Wolga
und  der  Eisenbahn  Moskau-Wologda;
(1873)  26,429  Einw.  Ressort  des  deutschen
Konsuls  in  Moskau;  Abteilung  der
Staatsbank,  Filiale  der  Wolga-Kama-Bank,
  Kompanie  Nadeshda.  Die  Stadt
hat  40  Fabriken,  darunter  eine  Baumwollspinnerei ­
  mit  jährlichem  Umsatz  von
5,120,000  Mk.  DieSchiffahrt  daucrthier
200  Tage,  der  Handel  mit  Moskau  und
Petersburg  ist  lebhaft.
Jassy,  Handelsstadt  im  Fürstentum
Rumänien,  8  km  vom  Prnth,  mitCzernowitz
  durch  Bahn  verbunden;  ca.  100,000
Einw.,  darunter  mehr  als  40,000  Juden.
Deutsches  Bicekonsulat;  Handelskammer.
Die  Industrie  ist  von  keinem  Belang,  dagegen ­
  ist  der  Handel,  der,  abgesehen  von
der  Eisenbahn,  vorzugsweise  durch  Galatz ­
  und  die  Donau  vermittelt  wird,  recht
bedeutend  und  vertreibt  namentlich  Getreide, ­
  Spiritus  und  Wein.  .
Java,  eine  Insel  deö  Indischen  Archipels, ­
  durch  ihre  reichen  Erträge  an  wertvollen ­
  Produkten  die  bedeutendste  und
Hauptsitz  der  uicderläudischeu  Kolonialmacht; ­
  131,733  qkm  (2392,4  QM.),  mit
Einschluß  von  Madura  au  der  Nordostseite ­
  134,600  qkm  und  (1876)  18,799,798
Einw.,  worunter  28.672  Europäer  (ohne
die  Armee),  198,233  Chinesen,  9379
Araber,  3961  Hindu  u.  a.  Die  niederländische ­
  Negierung  macht  sich  die  Insel
dadurch  nutzbar,  daß  sie  auf  dem  ihr  gehörigen ­
  Land  Pflanzungen,  namentlich
von  Kaffee-,  Nopal-  und  Cinchonabäumen,
  anlegen  läßt,  deren  Bearbeitung
den  Eingebornen  obliegt.  Auch  dürfen  diese
Kaffee,  Zuckerrohr,  Thee,  Indigo,  Pfeffer,
Tabak  rc.  auf  ihren  Ländereien  bauen,
müssen  aber  alle  Produkte  gegen  bestimmte, ­
  sehr  niedrige  Preise  an  die  Regierungsmagazine ­
  abliefern.  Die  Bereitung
des  Zuckers  geschieht  durch  Unternehmer:
Europäer  und  Chinesen,  denen  gewisse
Dörfer  zugewiesen  sind,  deren  Bewohnerfür
  sie  das  Zuckerrohr  bauen  und  die  Arbeit ­
  in  den  Fabriken  übernehmen  müssen.
Der  Ertrag  wird  der  Regierung  zu  bestimmten ­
  Preisen  von  den  Unternehmern
geliefert,  welche  auch  die  Grundsteuer  für
        <pb n="283" />
        275

Jà.

die  ihnen  zugewiesenen  Arbeiter  zu  erlegen
haben.  Monopol  der  Regierung  sind  auch  :
das  Sammeln  der  eßbaren  Schwalbennester, ­
  Bereitung  des  Seesalzes,  Ausbeutung ­
  der  Teakwälder  und  Verkauf  des
Opiums.  Den  Absatz  besorgt  für  Rechnung ­
  der  Negierung  die  zu  diesem  Behuf
gegründete  Niederländische  Handelsgesellschaft ­
  (Maatschappij),  welche  zu  diesem
Zweck  große  Auktionen  in  Europa  abhält. ­
  Das  System  hat  sich  aber  durchaus
nicht  bewahrt.  1872  zählte  inan  auf  I.
29.416,800  Kokosbäume  lind  300,743,433
Kaffeesträucher;  die  Reisernte  lieferte  2920
Mill,  kg,  Zucker  138,8  Mill,  kg  Ertrag,
Indigo  300,000,  Thee  916,767  kg.
Der  Viehstand  betrug:  466,400  Büf-(das
  hauptsächlichste  Arbeitstier  der  JaüAncr),
  88,800  SßonieS,  533,000  atm
und  721,300  Kühe.
Verkehrswesen.  Von  Eisenbahnen ­
  waren  1879  im  Betrieb  371  km.
Außer  den  zwei  wichtigen  Verbindungslnnen
  Samarang-Dschogdschokerta  (203
km)  und  Batavia-Buitenzorg  (58  km)
Huu'bc  1879  eine  Bahn  von  Surabaja  nach
-pasuruan  und  Malang  (110  km)  eröffnt, ­
  und  an  Zweigbahnen  in  der  Länge
¡mit  418  km  wird  gebaut.  Das  Budget
für  1880  hat  eine  Summe  von  26,138,997
Mk.  für  Neubauten  ausgesetzt.  Die  P  oft
(I.  gehört  zum  Weltpostverein)  expedierte ­
  in  ganz  Niederländisch-Ostindien
im  innern  Verkehr  4,827,673  Briefe  und
Drucksachen,  im  Verkehr  mit  dem  Ausland ­
  500,117  Briefe  und  48,784  kg
Drucksachen,  außerdem  295,263  Postkarten; ­
  Postmandate  im  innern  Verkehr  8,5
Mill.,  im  äußern  Verkehr  1,7  Mill.  Mk.
Die  Telegrapheulinien  hatten  1877
eine  Länge  von  3521  km  mit  4820  km
Drähten;  104  km  Kabel  bestanden  zwilchen ­
  I.  und  Sumatra.  Außerdem  ist  I.
durch  Kabel  mit  Singapur  und  Port  Darwin ­
  (Australien)  verbunden.  Die  Zahl
aller  1877  in  Niederländisch-Indien  beorderten ­
  Privatdepeschen  betrug  338,449,
davon  im  internationalen  Verkehr40,175  '
858,389  m.
.Lu  Handelsflotte  bestand  1876aut
1384  Schiffen  von  130,266  Ton.,  wovor
a “f  I.  und  Madura  749  Schiffe  vor

78,827  T.  kamen.  In  die  Häfen  von  I
imb  Wdhim  liefen  1875

ein.  .  2045  Schiffe  von  816176  Tonnen
aus  .  2656  -  -  826706
In  alle  niederländisch-ostind.  Häfen  liefen ­
  1876  ein:  7363  Schiffe  von  1,529,458
T.,  aus:  7550  Schiffe  von  1,596,083  T.
Der  Handelswert  aller  ostindischen  Produkte, ­
  inkl.  Kontanten,  belief  sich  1876:
Einfuhr  auf  206,6Mill.,  Ausfuhr  auf  363
Mill.  Mk.  Die  Wareneinfuhr  wertete
193.1  Mill.  Mk.,  davon  auf  Rechnung  von
Privaten  185,6  Mill.,  der  Regierung  7,5
Mill.  Mk.;  die  Warenausfuhr  wertete
349.1  Mill.  Mk.,  davon  auf  Rechnung
von  Privaten  262,i  Mill.,  der  Regierung
87  Mill.  Mk.  Hauptausfuhrartikel  waren ­
  1876  (in  Millionen  Mark):

Kaffee
Zucker
Zinn.
Indigo
Häute

.  133,i  Gewürznelken  u.
.  112,9  Muskatnüsse.  3,2
.  6,i  Reis  ....  1,9
.  5,o  Tabak  ....  40,3
.  2,2  Thee  ....  4,i

Die  Finanzen  von  Niederländisch-Ostindien
  zeigten  im  Budget  für  1879  ein
Defizit  von  14,8  Mill.  Mk.  ;  die  Einnahmen
beliefen  sich  auf  241,  die  Ausgaben  auf
255,8  Mill.  Mk.  Die  Einnahmen  setzten ­
  sich  zusammen  aus  den  Erträgen  und
Verkäufen  von  Kaffee  (1879:  95,5  Mill.
Mk.),  Chinarinde  und  Zinn,  Verpachtung
des  Opiumcrtrags  (ca.  30  Mill.  Mk.),
Zöllen,  Grundsteuer,  Salzsteucr  rc.  —
Kreditwesen.  Eine  Bank,  die  Javasche
  Bank  in  Batavia,  wurde  1829
unter  starker  Beteiligung  der  in  Amsterdam ­
  domizilierenden  Niederländischen
Handelsgesellschaft  mit  2  Mill.  Fl.  (3,4
Mill.  Mk.)  Kapital  auf  Aktien  gegründet. ­
  Ihr  Kapital,  voll  eingezahlt,  beträgt
jetzt  6  Mill.  Fl.  Sie  ist  hauptsächlich  Diskont- ­
  und  Zettelbank  und  hat  Zweiganstalten ­
  in  Samarang,  Surabaya,  Padang
  (auf  Sumatra),  Mankassar  (Celebes) ­
  und  Sul».  Die  Maximalsumme
der  nur  auf  I.  in  Stücken  von  5—1000
Fl.  umlaufenden  Noten  wird  von  Zeit
zu  Zeit  vom  Generalgouverneur  festgesetzt.
Gleichberechtigung  der  Gold  -  und  Silbe ­
  rwäh  run  g  ist  seit  1877  gesetzlich  verfügt. ­
  Rían  rechnet,  wie  in  Hollands  nach
Gulden;fürNiederländisch-Ostindienwcr-18*
        <pb n="284" />
        27G

Sebo  —
den  besondere  Silber-  und  Kupfermünzen
in  Rotterdam  geprägt,  die  fremden  umlaufenden ­
  Münzen  (Silberpiaster  und  Silberdollars), ­
  deren  Wert  durch  den  Gencralgouverneur
  festgestellt  ist,  werden  bei
den  Regierungskassen  angenommen.  Die
Maße  und  Gewichte  sind  teils  die  alten
holländischen,  teils  chinesische  und  indische.
Jedo,  Hauptstadt  Japans,  s.  Tokio.
Jekaterinburg,  Kreisstadt  im  russ.
Gouvernement  Perm,  am  Jsetj;  (1878)
25,133  Einw.  Ressort  des  deutschenKonsuls
  in  Moskau;  Kontor  der  Staatsbank,
Sibirische  Handelsbank  (jährlicher  Umsah
2  Vs  Mill.Rubel),  Filiale  der  Wolga-Kama-Bank;
  Oberbergamt  und  Mittelpunkt  des
uralischen  Berg-  und  Hüttenwesens,  wo
alles  Krön  -  rend  Privatgold  des  Urals  geschmolzen ­
  und  probiert  wird.  Münzhof  für
Kupfergeld  (1870  wurde  für  1,747,585
Rubel  Geld  geprägt),  Bergwerkshütte,
27  Fabriken,  Goldwäscherei  rc.
Jelissawctgrad,  Kreisstadt  im  russ.
Gouvernement  Cherson,  an  derEisenbahn
Charkow-Odessa;  (1878)  35,179  Einw.
Ressort  des  deutschen  Konsuls  in  Odessa;
Kompanie  Nadeshda,  19  Fabriken,  besonders ­
  Talgsiedereien,  Seife-  und  Talglichtfabriken. ­
  Der  Handel  konzentriert  sich
auf  den  vier  Jahrmärkten  (jährlicher  Umsah ­
  16  Mill.  Mk.).  Auf  dem  Pferdemarkt,
welcher  während  der  Osterfasten  vier
Wochen  dauert,  werden  bis  3000  Pferde
verkauft,  besonders  vom  Schwarzen  Meer
und  kaukasische  Rassen.
Jenissei,  Flus?,  s.Rußland  (S.436).
Jereö  (spr.  chhkres)  de  ln  Frontera,
Stadt  in  der  span.  Provinz  Cadiz  (Andalusien),
  an  der  Bahn  Cadiz-Sevilla;  (1877)
64,533  Einw.  Deutsches  Vicekonsulat;
Banco  de  España  Succ.  —  Der  Handel
vertreibt  namentlich  Wein  und  zwar  1)
Weine  von  ansien  (ascin  a),  auö  den
Distrikten  San  Lncar  und  Puerto  Santa
Maria;  2)  Weine  um  I.;  3)  vou  andern
Orten  der  Provinz,  auch  von  Huelva,  Sevilla, ­
  Cordoba,  Ciudad  Real  und  Jaen.
Die  Preise  des  Mostes  sind  aber  in  sechs
Jahren  von  45  auf  22Vs  Mk.  pro  Hektoliter ­
  heruntergegangen.  Die  Ausfuhr,
welche  ihren  Weg  über  Cadiz  nimmt,  betrug ­
  1877:  210,245,1878:  180,000hl.

Jokohama.
70—80  Proz.  der  Ausfuhr  gehen  nach
England.  Auch  dcrWeiu  hatsehranWert
verloren;  der  durchschnittliche  Preis  pro
Pipe,  —  5,7  hl,  war  früher  600,  seht  400
Mk.,  der  geringste  jeht  200,  früher  300  Mk.
Die  Einfuhr,  ebenfalls  über  Cadiz,  besteht
  in  Faßdauben  aus  New  Bork,  eisernen
Faßreifen  auö  England,  deritschcm  Sprit,
Schwefelblumen  gegen  das  Oidium  aus
Marseille  und  Steinkohle.  Vgl.  Cadiz.
Jersey  (spr.  dschcrrsfl),  größte  der  brii.
Kanalinseln,  116  qkm  (2,1  OM.)  mit
(1871)  56,627  Einw.  Hauptstadt  ist  S  t.
Helier,  mit  deutschem  Vicekonsulat  für
die  Insel  I.  Ausfuhr  von  Granit  und
Syenit,  Weizen.  Großer  Zufluchtühafen
in  der  Katharinenbai.  1879  verkehrten
hier  4  deutsche  Schiffe.
Jerusalem,  Hauptstadt  eines  türk.
Generalgouvernements  in  Syrien;  16—
20,000  Einw.  (worunter  3500  Christen
und  8000  Juden).  Deutsches  Berufskonsulat
  (Amtsbezirk:  die  Paschaliks  I.,
Nablus-Belka  und  Akka.  Der  gesamte
Handelsverkehr  Palästinas  betrug  1879:
'7,969,875  Mk.,  und  zwar  in  Einfuhr:
2,639,475  Mk.,  Ausfuhr:  5,330,400  Mk.
Ausgeführt  werden:  Pilgermuscheln,  Rosenkränze ­
  aus  Dattelkernen  und  Mekkaholz, ­
  Amulette',  Kruzifixe,  Reliquien,  im
ganzen  für  240,000  Mk.  Häfen  für  I.
sind  Jaffa,  Ha  issa  und  Akka  (s.  d.).
Jcsso,.Insel,  s.  Japan.
Joinville  (spr.  dschmnwil),  Hauptstadt
der  Kolonie  Dona  Francisca  in  Brasilien;
(1879)  9485  Einw.  Deutsches  Konsulat.
Jokohama,  wichtigste  Hafenstadt  Japans ­
  auf  der  Westseite  der  Insel  Nippon,
an  der  Bai  vonJ.  und  derEisenbahn  I.-Tokio,
  Station  der  Dampfer  der  Peninsular ­
  and  Oriental  Co.,  Pacific  Mail
Co.,  Messageries  maritimes,  Österreichisch-ungarischer ­
  Lloyd;  (1879)  67,499
Einw.,  davon  (1878)  3220  Fremde  (165
Firmen)  und  zwar  515  Engländer  (54
Firmen),  175  Deutsche  (23  Firmen),  300
Amerikaner  (34  Firmen),  120  Franzosen
(34  Firmen),  22  Schweizer  (8  Firmen),
15  Italiener  (8Firmen),  59  Niederländer
(3  Firmen),  5  Belgier  (1  Firma),  1850
Chinesen  rc.  Deutsches  Berufskonsulat;
Handelskammer;  Chartered  Mercantile
        <pb n="285" />
        Jönköpiilg  —  Kairo.

Bank  of  India,  London  and  China,
Hongkong  and  Shanghai  Banking  Corporation, ­
  Oriental  Banking  Corporation,
Comptoird'Escompte,  Japanische  Bank.—
1879  liefen  ein:  285  Schiffe  von  354,869
Ton.,  darunter  144  britische,  82  amerikanische, ­
  28  französische,  30  deutsche.  Die
Einfuhr  belief  sich  1879  auf  94  Mill.Mk.,
davon  Banmwollwaren  38,8  Mill.,  wollene
9.4Mill.,halbwollene  9Mill.,  Metalle  und
Metallwaren  4,2  Mill.  Mk.  Die  Ausfuhr
bestand  in  Rohseide  44,6  Mill.  Mk.,  Thee
18,2  Mill.,  Seidenraupeneiern  2,8  Mill.,
nu  ganzen  75,o  Mill.  Mk.  Dabei  wurde
von  Münzen  und  Edelmetallen  eingeführt
für  9,3  Mill.  Mk.,  ausgeführt  für  44,4
Mill.  Mk.  Die  deutschen  Firmen  waren
1878  am  Gesamtumsatz  mit  22,9  Mill.
Mk.  beteiligt,  nämlich  mit  18,4  Mill.  Mk.
an  der  Einfuhr  und  4,5  Mill.  Mk.  an  der
Ausfuhr.  Aus  Deutschland  wurden  von
lhncn  für  4,6  Milk.  Mk.  Waren  bezogen,
ÄAî  tm-  ‘ lu, " uf
Äönkoping  (jpr.  jönndschöping),  Haupt
üadt  des  gleichnamigell  schweb.  Laus,  am
Endende  des  Wettersees  und  der  Bahn
Stockholm-Malmö;  (ms)  15,683  Einw.
Deutsches  Vicekonsulat  für  das  Lan  I.;
Akt.  Bol.  Stockt).  H.  A.  Kontor,  Smalands
Enskilda  Bank.  —  Während  der  Zeit  der
Schiffahrt  steht  I.  mittelst  des  Göta-  und
des  Trollhattakanals  durch  Segelschiffe
und  acht  Dampfschiffe  mit  Stockholm  und
Gotenburg  in  Verbindung.  I.  verdankt
seine  Bedeutung  der  Industrie,  vor  allem
seiner  Jönköpings  Tändsticks-Fabrik,  in
welcher  1877  außer  6  Dampfmaschinen
20  Holzschneidemaschincn,  10  Zirkelsä-277


gen,  5  Trockenapparate,  20  Ventilationsmaschinen, ­
  52  Einlegemaschinen  '&amp;gt;7
Ausnehmemaschinen,  8  Bohrmaschinen  re
zusammen  240  Stück,  thätig  waren.  JÜ
der  Fabrik  arbeiteten  817  Personen,  m
ihren  Wohmlngen  800.  Es  wurden  fabriziert ­
  175,942,602  Feuerzeuge  im  Wert
von  687,045  Mk.  Von  dem  ganzen
Fabrikat  geht  ein  Drittel  nach  Dcntschland.
  In  unmittelbarer  Nähe  der  Stadt
liegt  die  große  MnnkSjö-Papierfabrik,
welche  150  Personen  mit  85  Maschinen,
Pressen  re.  beschäftigt  und  für  1,284,955
Mk.  Papier  und  Pappe  fabrizierte,  wovoii
ein  Teil  nach  Hamburg  geht;  außerdem
5  Tabakfabriken,  Tapeten-  und  Möbelfabriken ­
  u.  a.  Der  Berg  Taberg  liefert
reiches  Erz  für  die  Eisenhütten  im  Län.
Zolleinnahmen  1877:  246,858  Mk.
Jungfcrninseln  (Virginische  Inseln), ­
  Inselgruppe  in  Westindien,  östlich
von  Puerto  Rico,  zii  den  Kleinen  Antilleii
gehörig,  besteht  aus  50—60  größer»  unb
kleinern,  zum  Teil  unbewohnten  Inseln.
Das  Areal  sämtlicher  Inseln  beträgt  694
qkm  (12,6  QM.)  mit  einer  Bevölkerung
von  47,500  Seelen.  Den  Spaniern  gehören: ­
  Vieques,  Culebra  und  einige  kleinere, ­
  zusammen  170  qkm  (3,i  QM.)  mit
(1864)  3500  Einw.;  den  Dänen  Ste.
Croir,  St.  Thomas  und  St.  John,  zusammen ­
  359  qkm  (6,5  QM.)  mit  usto)
37,600  Einw.  Die  englischen  Inseln
(Tortola  re.)  haben  ein  Gesamtareal  von
165  qkm  (3  QM.)  mit  (i87i)  6426  Einw.  ;
sw  zeigten  1878  ein  e  Einfuhr  von  546,220,
Ausfuhr  von  604,780  Mk.  ;  Schiffsverkehr
11,000  Ton.;  Kolonialeinnahme'166,160,
MuSOdbc  172,740

K.

Kabul,  Hauptstadt  von  Afghanistan,
Pn  Fluß  K.;  mindestens  60,000  Einw.  ;
"&amp;gt;ie  der  wichtigsten  Zwifchenstationcn
PÜ  dem  indischen  Handclsweg  nach  Person ­
  wie  nach  Eentralasien;  Knotcnpunkt
  von  Straßen  nach  allen  Himmelsuchtungcn,
  wird  vom  nördlichen  Indien
stm  besten  über  den  Ehaibcrpaß,  vom  südlichen ­

  über  Kandahar  erreicht,  wohin  der
Weg  über  den  Bolanpaß  oder  über  Kelat
führt.  Der  Handel  müßte  bedeutend  sein,
liegt  aber  gegenwärtig  ganz  danieder.
Kairo,  Hauptstadt  Ägyptens,  am  rechten ­
  Ufer  des  Nils,  18  km  oberhalb  der
Stromspaltung,  durch  Eisenbahn  mit
Alexandrien  (209  km)  und  Siut  verbun-
        <pb n="286" />
        278

Kaiserslautern  —  Kalkutta.

den;  (1877)  327,462  Einw.  (darunter  ca.
20,000  Fremde).  Deutsches  Berufskousulat;
  Münzstätte;  gemischtes  Handelsgericht; ­
  Zollamt  (seit  März  1831);  Anglo-Egyptian
  Banking  Co.,  Bank  of  Alexandria, ­
  Bank  of  Egypt,  Banque  Ottomane,
Credit  Lyonnais.  Die  Hafenstadt  ist  Bula ­
  k.  —  Platz  geb  räu  ch  e.  Die  Verkäufe
erfolgen  fast  nie  auf  bare  Zahlung,  oft  auf
6  Monate  Kredit  und  in  Form  von  Kontrakten ­
  auf  Stempelpapier;  doch  werden
die  stipuliertcn  Termine  sehr  häufig  nicht
eingehalten.  Die  Verkäufe  ansässiger  europäischen ­
  Kaufleute  werden  durch  Mäkler
betrieben  (1  Proz.  Courtage).
Kaiserslautern  (Lautern),  Bezirksstadt ­
  in  der  bahr.  Rheinpfalz,  an  der  Bahn
Mannheim-Neunkirchen;  (isso)  26,378
Einw.  Handelskammer;  Hauptzollamt;
Reichsbanknebenstelle.  GroßeKammgar»-fpinnerei
  (28,000  Spindeln),  Baumwollund
  Buntweberei,  Kattnndrnckerei  u.  a.
Kalamata,  Hauptstadt  der  griech.Nomarchie
  Messenien,  2  lem  vom  Busen  von  Koron,
  Station  der  Dampfer  des  Österreich.-Ungar.
  Lloyd;  (mo)  6327  Einw.  Deutsches ­
  Konsulat  (Amtsbezirk:  K.  nebst  dem
sndl.  Peloponnes,  Spezzin  undNauplia);
Griech.  Nationalbank.  Ein-  und  Ausfuhr
balancierte  in  5,5.  Mill.  Mk.  1879  verkehrte ­
  hier  1  deutsches  Schiff  von  380Ton.
Kale  Sultanie,  türk.  Hafenstadt  in
Kleinasien,  an  der  Dardanellenstraße;
Station  der  Dampferlinien:  Österreich.-Ungar.
  Lloyd,  Comp.  Fraissinet  (Genua),
Russ.Dampfschiffahrtsges.  (Odessa),  Messageries ­
  maritimes;  ca.  4000  Einw.  Deutsches ­
  Bernfsvicekonsnlat  (Amtsbezirk:
beide  Ufer  der  Dardanellen  von  Nagara-Point
  im  N.,  auf  der  anatolischen  Seite
bis  zurBesikabai  undTcnedos).  1879  passierte ­
  hier  ein  deutsches  Schiff  von  813  Ton.
Kalkutta,  Hauptstadt'des  englisch-ostind.
  Kaiserreichs  sowie  insbesondere  der
Präsidentschaft  Bengalen,  links  am  Hugli,
dem  westlichen  Hauptarm  deö  Ganges,
etwa  180  km  vom  Meer  und  an  der
K.  -  Lahorbahn;  Station  der  Dampferlinien:
  Österreich.-Ungar.  Lloyd,  Peninsular ­
  and  Oriental  Co.,  British  India
Steam  Navig.  Co.,  Messageries  maritimes, ­
  Società  Nubattino;  (1877)  794,645

Einw.  Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:
die  Präsidentschaft  Bengalen,  die  Nordwestprovinzen ­
  und  die  Provinz  Andh);
Handelskammer;  Börse,  Bank  of  Bengal,
Chartered  Bank  of  India,  London  and
China,  Chartered  Mercantile  Bank  of
India,  London  and  China,  Comptoir
d'EScompte  de  Paris,  Dehli  and  London
Bank,  Hongkong  and  Shanghai  Banking
Co.  —  K.  ist  Sitz  einer  bedeutenden  In
dustrie;  in  und  um  K.  sind  nicht  weniger
als  280,000  Menschen  an  4800  mechanischen ­
  Webstühlen  beschäftigt,  welche  ca.
500,000  Ton.  Rohmaterial  verbrauchen.
An  Iutemanufakturen  führte  K.  1876
für  26,644,000  Mk.  aus,  während  an
roher  Jute  gleichzeitig  für  57,494.00«&amp;gt;Mk.
exportiert  wurde.  Der  Wert  des  Handels
betrug  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
1875:  381,0  555,0
1876  :  361,1  653,2
Von'Edelmetallen  wurden  im  letztgenannten ­
  Jahr  für  48,3  Mill.  Mk.  ein-  und  für
26,8  Mill.  Mk.  ausgeführt.  1876  waren
bei  der  Einfuhr  Hauptposten:  Baumwollgewebe
  (194,6  Mill.),  Robmetalle  (27,6
Mill.),  Baumwollgarne  (22,8  Mill.  Mk.),
demnächst  geistige  Getränke,  Salz,  Woll-,
Metall-,  Seiden-  u.  Leinenwaren.  HauptauSfuhrartikel
  waren  (inMillionenMark):

Opium  .
Reis  .  .
Ölsaaten
Jute  .  .
Thee

118,7
68.0
58.0
57,4
52,8

Indigo....  48,2
Bnuinwollwaren  33,i
Jutewaren  .  .  26,o
Kuhhäute  .  .  .  22,5
Weizen....  21,2

Der  Hafen  an  der  Mündung  des  Hugli
ist  Diamond  Harbour;  die  Schiffahrt  des
Flusses  ist  aber  schwierig  und  die  Lotsengebühren ­
  bis  zur  Stadt  hoch,  doch  hat  die
Regierung  viel  für  die  Verbesserung  der
Flußschiffahrt,  Anlage  von  Landungsplätzen ­
  re.  gethan.  1876  gingen  (zum
größten  Teil  unter  britischer  Flagge)
ein  .  .  1342  Schiffe  von  1214718  Tonnen
aus.  .  1355  -  -  1206643
Die  deutsche  Flagge,  früher  ziemlich  zahlreich ­
  vertreten,  ist  aus  den  Schisfslisten
geschwunden.  Mit  dem  Innern  ist  K.  durch
zwei  Bahnen  und  die  Dampfer  ans  dem
Ganges  und  Brahmaputra  verbunden,
welche  die  Landesprodukte  nach  K.  bringen.
        <pb n="287" />
        Kalmar  —  Kanada.

279

Platzgebräudje.  Verkäufe  gegen  bar
und  zwar  beiJndigo,  Opinin,  Seide,  Hörnern, ­
  Talg,  Schellack  ohne  Abzug,  bei  den
übrigen  mit  Abzug  (8—12  Proz.  pro
Jahr).  Bei  Einfuhrwaren  2  Proz.  Diskont ­
  für  Barzahlungen,  Lei  Zink  auf  7
Monate  10  Proz.  pro  Jahr,  bei  Kupfer
auf  4  Monate  10  Proz.  pro  Jahr.  Bei
Seidenwaren  wird  cineGebühr  (»Banianö
Dustory«)  von  1  Proz.  erhoben,
k"  Kalmar,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
schweb.  Laus,  am  Kalmarsund,  der  Insel ­
  Öland  gegenüber,  und  au  der  Bahn
K.-Emmaboda  ;  Station  der  Schwedischen
Dampfschifsgesellschaft  zu  Lübeck  und
Svea  Aktie  Bolag;  (1879)  10,740  Einw.
Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:  die
Zollkammerdistrikte  Oskarshamn  und
K.  und  die  Insel  Öland);  K.  Enskilda
Bank.  Guter  Hafen,  Schiffswerfte;  Tabak,
Cichorien-  und  Zuckerfabrikation.  Der
Handel  ist  lebhaft.  Von  Holzwaren  wurden ­
  außer  Bauholz  und  Masten,  Schindeln, ­
  Bandstöcken,  Leisten,  Faßdauben
unter  anderm  1877  ausgeführt:
Grubenstützen.  .  .  829946  Kubikfutz
Balken  und  Sparren  519977
Bretter  und  Planken  1110335
Es  liefen  1878  ein:  530  Schiffe  von  61,577
Ton.  (14  deutsche  von  746  T.),  aus:  441
Schiffe  von  44,303  T.
Kaluga,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
russ.  Gouvernements,  links  an  der
hier  290  m  breiten  Oka;  (i878)  38,608
Einw.  Ressort  des  deutschen  Kon  sills  in
Moskau;  Gesellschaft  für  gegenseitigen
Kredit,  Städtische  Kommunalbank  (jä'hrli#
  llmf#  22,4  Wilt.  Ws.);
Portgesellschaft  Nadeshda;  92  industrielle
Etablissements  (Umsatz  3,2  Mill.  Mk.).
Kambodscha  (Kambodja),  franz.
Schntzstaat  in  Hinterindicn,  nordwestlich ­
  von  Kotschinchina;  83,861  qkm
(1523  QM.)  mit  890,000  Einw.  Der
Mittlere  Teil  wird  vom  Mekhong  durchzogen ­
  und  ist  eine  überaus  frrlchtbare  Niederung, ­
  die  Kornkammer  Ostasiens  für
seiireil  Bedarf  an  Reis.  Der  Handel  konzentriert ­
  sich  in  Saigon  (s.  d.).
Kanada  (Dominion  of  Canada)
umfaßt  ganz  Britisch-Nordamerika  mit
Ausnahme  Neufundlands  und  bildet  einen

»»«.«.MM
Einw.,  darunter  25,000  Deutsche  und
3000  Franzosen  (der  Abstammung  nacf&amp;gt;
indessen  1,090,000  Franzosen,  205,0000
3)6111^6,30,OOO^ollänb(t,  22,000%^-,
121,000  Indianer).  Von  der  Bevölkerung
gehören  etwa  1,548,000  (42  Proz.)  zur
Urproduktion.  Der  Ackerbau  ist
nicht  unbeträchtlich,  und  die  Knlturgewächse
  des  mittlern  Europa  werden  in  den
südlichen  Provinzen,  namentlich  Ontario
und  Quebec,  mit  Erfolg  gebaut;  allein  die
Überschüsse  der  Bodenprodnktion  sind  wenig ­
  bedeutend.  Im  Durchschnitt  der  letzten ­
  fünf  Jahre  stehen  dcinJmport  von  Cerealien ­
  und  Mehl  im  Wert  von  54,7  Mill,
solche  Exporte  von  62,n  Mill.  Mk.  gegenüber. ­
  Der  Handel  mit  den  Hauptprodukten ­
  betrug  1879  (in  Millionen  Mark)  :

Weizen  ....  18,7  40,9
Mais  13,3  10,o
Gerste  ....  —  20,  i
Mehl  6,2  10,9
Erbsen  ....  —  8,4

Einen  sehr  bedeutenden  und  wachsenden
Posten  bilden  Kartoffeln,  von  denen  1879
für  über  5  Mill.  Mk.  exportiert  wurden.  —
Die  Viehzucht  tritt  mit  ihren  Produkten
im  Handel  weit  bedeutender  auf.  Nach  der
Zählung  von  1871  gab  eö  in  Ontario  und
Quebec,  Neubraunschweig,  Prince  Edwards-Insel ­
  und  Neufundland  2,701,212
Rinder,  3,331,639  Schafe,  1,418,597
Schweine,  d.  h.  es  entfielen  auf  1000
Einw.  725  Rinder,  900  Schafe  und  nahe
an  400  Schweine.  Die  Ausfuhr,  durch  die
Billigkeit  des  Transports  begünstigt,  ist
demnach  eitle  sehr  große.  Hier  wurden  die
ersten  Versuche  gemacht,  lebende  Tiere  nicht
bloß  in  die  benachbarten  Teile  Amerikas,
auch  über  den  Ocean  nach  Europa  zu  verschiffen. ­
  1875  wurden  1212  Ochsen  nach
England  geschickt,  1879  aber  schon  49,257
Ochsen,  308,393  Schafen.6948Schweine.
Der  Gesamterport  aller  einschlägigen  Prodllkte:
  Schlachttiere,  Fleisch,  Speck,  Schinken, ­
  erreichte  1879  einen  Wert  von  18,3
Mill.  Mk.  Von  Pferden  wurden  16,635
Stück  im  Wert  von  5,6  Mill.  Mk.  exportiert. ­
  Dazukommt  eine  starke  Ausfuhr  von
        <pb n="288" />
        280

Kanada.

Butter  und  Käse  (1879:  8,5,  s.  per  16,2
Mill.  Mk.),  Eiern  (2,2  Mill.),  Häuten  uub
gellen.  —  Die  Waldungen,  besonders
Oberkanadas,  besitzen  einen  unerschöpflichen ­
  Reichtum  an  Holzarten,  und  Holz  bildet ­
  den  Haupterport  des  Landes.  Gegen  30
Mill.  Kubikfuß  Holz  unb  gegen  400  Mill.
Fuß  gesägtes  Holz  kommen  jährlich  zur
Ausfuhr  (1879  für  56,i  Mill.  Mt.).  -
Auch  der  Mineralreichtum  ist  bedeutend. ­
  Das  große  Kohlenfeld  von  Neuschottland ­
  erstreckt  sich  über  130,000  ha  und
lieferte  bis  Ende  1876:  14,422,710  Ton.
Steinkohlen,  wovoil  5,146,509  T.  nach
den  Vereinigten  Staaten  ausgeführt  wurden; ­
  1877  wurden  dort  600,000  T.  gewonnen. ­
  In  demselben  Jahr  lieferte  die
Vancouverinsel  150,000  T.  Die  Kohlenfelder ­
  von  Britisch-Columbia  und  dein
Nordwcstgebiet  können  aber  erst  dann  erschlosseir
  werden,  wenn  die  projektierte
Eisenbahn  vollendet  ist.  Auch  an  Eisenerzen ­
  ist  K.  in  manchen  Teilen  sehr  reich,
doch  ist  die  Ausbeute  eine  geringe;  ein
Teil  der  Erze  wird  in  einigen  kleinen  Holzkohlenhohöfen
  verarbeitet,  ein  andrer
Teil  nach  ben  Vereinigten  Staaten  ausgeführt. ­
  Der  Bedarf  au  Eisen  wird  jetzt
fast  ausschließlich  aus  England  eingeführt.
An  Kupfer  und  Gold  ist  namentlich  Britisch-Columbia ­
  reich;  die  jährliche  Ausbeute ­
  an  Gold  beläuft  sich  auf  6  Mill.
Mk.  Der  Handel  mit  den  Produkten
dieser  Klasse  stellt  sich  für  1879  folgendermaßen ­
  dar  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr

Metalle  14,2  —
Edelmetalle  ....  6,8  6,9
Weit  wichtiger  indes  ist  die  Fischerei,
für  welche  von  feiten  der  Regierung  viel
gethan  worden  ist.  1877—78  wurden  nicht
weniger  als  27,554,000  junge  Lachse,  Forellen, ­
  Weißfische  u.  a.  nach  verschiedenen
Teilen  des  Landes  verschickt.  Den  Ertrag
der  Fischereien  schätzte  man  1870  auf  26,3
Mill.,  aber  1878  auf  52,o  Mill.  Mk.
Der  ergiebigste  Fischereigrund  ist  der  St.
Lorenzgolf,  wo  Kabeljau-,  Makrelen-  und
Heringssang  in  großem  Maßstab  betrieben ­
  wird.  Von  dem  Ertrag  entfallen  auf
Nenschottland  allein  53,9,  auf  Ncubrannschloeig
  23,iProz.  Die  Ausfuhr  vonFischen,

Hummern,  Thran,  Fellen  u.  Häuten  von
Seetieren  wertete  1879:  29,4  Mill.  Mk.
In  Neuschotttand  allein  waren  10,000
Boote  mit  20,000  Manil  Besatzung  thätig.
Industrie.  Die  mit  der  Landwirtschaft ­
  in  Verbindung  stehenden  Gewerbe:
Brennerei,  Brauerei.  Gerberei,  Mehl-  und
Ölbereitung  rc.,  wie  nicht  minder  die  Pottaschesiederei ­
  und  Produktion  von  Ahornzucker ­
  werden  stark  betrieben;  auch  die
Hausindustrie  ist  ansehnlich,  doch  steht  die
fabrikmäßige  noch  sehr  in  den  Anfängen,
Wie  sehrK.  indieserHinsichtvomAusland
abhängt,  zeigen  die  Handelsausweise.  Es
betrug  1879  (in  Millionen  Mark)  die
Einfuhr  Ausfuhr
Gegorne  Getränke.  .  8,5
Tabak  und  Cigarren.  4,6  —
Garne  und  Webwaren  67,5  —
Andre  Manufatte  .  .  33,8  3,8
Handel.  K.  verfolgt  eine  Politik  der
Schutz-  und  Retorsionszölle,  namentlich
den  Vereinigteil  Staaten  gegenüber.  Nur
der  Ertrag  der  amerikanischen  Seefischereien ­
  kann  zollfrei  eingeführt  werden.  Von
gewissen  Holzsorten  wird  sogar  ein  Ausgangszoll
  erhoben.  Der  Wert  des  Handels
war  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
1878—  76:  327.8  286,0
1879-  80:  336,0  293,8

In  der  Gesamtansfnhr  waren  für  2255,7
Mill.  Mk.  kanadische  Produkte,  nämlich:
des  Landbaus  82,4  Mill.  Mk.
der  Viehzucht  und  Jagd.  .  59,2  -
des  Waldes  55,7  -  -
des  Fischfangs  28,9  -  -
des  Bergbaus  12,9  -
der  Industrie  11,3  -

In  den  Handelsverkehr  teilen  sich  England ­
  und  die  Vereinigten  Staaten  nahezu,
sonst  sind  nur  noch  Britisch-und  Spanisch-Westindicn
  sowie  die  übrigen  britiscb-nordamcrikanischen
  Provinzen  von  Belang.
Doch  ist  der  Handel  großen  Schwaukungen
  unterworfen;  so  schwankte  die  Einfuhr
aus  Großbritannien  1869—79  zwischen
130  und  296  Mill.  Mk.  (1879:  130
Mill.  Mk.),  die  Ausfuhr  zwischen  82  und
195  Mill.  Mk.  (1879:  152  Mill.  Mk.).
Die  Einfuhr  aus  den  Vereinigten  Staaten
Mntü  1879:  183,5  SRiU.  9Rf.,  bic  W
        <pb n="289" />
        &amp;gt;

281

Kanal-Inseln.

fuhr  dahin  114,  i  Mill.  Mk.;  dabei  steht
aber  derSchmnggelhandel  in  hoher  Blüte.
Verkehrswesen.  Wasserstraßen
besitzt  K.  wie  kein  andres  Land.  Die
großen  kanadischen  Seen,  welche  eine  Anzahl ­
  schiffbarer  Zuflüsse  erhalten  und  im
S  t.  L  o  r  e  n  z  f  l  u  ß  (s.  d.)  in  das  Atlantische
Meer  abfließen,  haben  aber  erst  durch  die
Anlegung  vieler  Kanäle  zur  Umgehung
von  Stromschncllen,  Untiefen,  des  Niagarafalls ­
  nutzbarer  gemacht  werden  müssen. ­
  Der  berühmte  Rideankanal,  zwischen
Ottawa  und  Kingston  am  Ontariosee,
dessen  Herstellung  31,5  Mill.  Mk.  kostete,
Ut  letzt  fast  unbenutzt,  da  man  die  Stromiwnellen
  des  St.  Lorenz  ans  kürzerm
Weg  mittelst  des  Lachine-,  deö  Greenville-,
des  Beauharnais-  und  des  St.  Lorenzkanals ­
  vcrineiden  kann.  Es  gibt  im  gan-Zen
  achtHauptkanäle,  welche  inan  dergestalt
erweitern  tuilí,  daß  Schiffe  von  1200  Ton.
Ul  den  Ontario-,  vielleicht  sogar  den  Eriesee
  einlaufen  können.  —  Die  Eisen-1879
  cinc  Sänge
Us 11  9888  km,  dabei  waren  2836  km  im
Zau.  Unter  letztern  ist  die  wichtigste  die
,  ahn,  welche  den  Obern  See  mit  Manitoba
verbinden  und  bis  an  den  Stillen  Oeean
fortgesetzt  werden  soll.  Bis  30.  Juni  1879
hatten  die  Eisenbahnen  ein  Kapital  von
1442  Mill.  Mk.  verschlungen,  wovon
930  Mill.  Mk.  aus  der  Bnndeökasse,  den
Staats-  und  Gemeindekassen  beigesteuert
wurden.  Die  Einnahmen  beliefen  sich
1878—79  auf  82,  die  Betriebskosten  auf
64  Mill.  Mk.  Die  P  ost  hatte  l.  Jan.  1879
9378  Büreaus.  Die  Zahl  der  Briefe  und
Postkarten  war  1877—78:  53,7  Mill.,
Zeitungen  31,s,  eingeschriebene  Briefe  1,75
Mill.  re.  Einnahmen  6,t,  Allsgaben  7,8
Mill.  Mk.  Der  Telegraphcnbctrieb
höht  von  mehreren  Gesellschaften  ans.  Die
bedeutendste  unter  ihnen,  die  Montreal
Telegraph  Company,  hatte  1877  auf  ka-Ulidischeiņ
  Gebiet  ein  Netz  von  17,634  km
v.ut  26,142  km  Drähten;  Zahl  der  Stauonen
  830.  Der  Schiffsverkehr  zeigte
M79  folgende  Bewegung:
Dampfer  Segelschiffe
Zahl  Tonne,,  Zahl  Tonnen
Eingang:  1651  1320124  6925  1729397
Ausgang:  mia  1177723  0900  1  801306

•»M'S«
mogae  1,940,761  %.,  bic  nmb
ÄiÄÄÄ
16,419  T.  —  Von  Dampferlinien
sind  zu  nennen:  dieAllan-,Anchor-,Domimon-
  Beaver-,  Temperley-  und  Whitecroß-Limen,
  welche  in  den  Haupthäfen
Halifax,  Montreal,  Quebec  verkehren.
%'bciäfWtc  beßanb  1878  on)
7362  Schiffen  von  1,310,468  Ton.
Die  Bundesfinanzen  ergeben  seit
Jahren  ein  Defizit,  das  durch  Anleihen
gedeckt  werden  nluh.  Hauptposten  der
Einnahme  sind  Zölle  und  Accise;  sie  betrugen
  1879-80:  92,5  Mill.  Mk.,  die
Ausgaben  100,5  Mill.  Mk.  sDiese  sogen.
Goimolidated  Revenue  deckt  ziemlich  alle
laufenden  Ausgaben,  aber  da  für  Eisenbahnbanten
  und  andre  öffentliche  Anlagen
Nichts  übrig  bleibt,  so  steigt  die  Schuld
à,  im  am
Kreditwefen.  Es  existiert  eine  sehr
große  Anzahl  von  Banken,  ivelchc  Noten
ausgeben,  deren  kleinste  Stücke  über  1
Dollar  lauten.  Ende  1877  hatten  diese
Banken  ein  eingezahltes  Aktienkapital  von
255,7  Mill.  Mk.,  nmlailfende  eigne  Noten ­
  76,2  Mill.  Mk.,  Bargeld  und  Staatsuotcn
  57,8  Mill.  Mk.,  diskontierte  Wechsel ­
  480,6  Mill.  Mk.  Die  Einlagcil  betrugen ­
  339,5  Mill.  Mk.,  davon:
Banken  285,2  Mill.  Mark
Negierungssparbankcn  .  18,6  -
Postsparbanken.  ,  .  .  10,5
Andre  Sparbanken  .  .  25,2  -
Konsulate  unterhält  Deutschland
in:  Chatham,  Halifax,  Montreal,  Quebec, ­
  St.  John,  Toronto.  —  Man  rechnet ­
  nach  Dollars  zu  100  Cent.  Die  Valuta ­
  ist  Goldwährung,  ist  aber  als  solche
nicht  durch  eigne  Münzen  vertreten.  Der
Ausdruck  Pfund  bedeutet  in  Verträgen
4  Doll.,  Pfund  Sterling  aber  4  Doll.'50
Cent.  —  Maße  und  Gewichte  sind  gesetzlich ­
  die  englischen,  allein  in  Unterkanada
  bedient  man  sich  noch  öfter  der
französischen  Normen.
Kanal-Inseln,  die  britischen  Inseln
Guernsey  und  Jersey  (s.  d.).
        <pb n="290" />
        282

Kanarische  Inseln  —  Kap  Hayti.  &amp;gt;

Kanarische  Inseln  (Canarias),  zu
Spanien  gehörige  Inselgruppe  an  der
Westküste  von  Afrika;  7024  qkm  (138
QM.)  mit  (1877)  280,388  Einw.  Die
Inseln  sind  (außer  Ferro)  Freihäfen  und
gehören  zum  Weltpostverein.  Hauptorte
sind  Las  Palmas  und  Ten  eri  f  fass.  d.).
Kandahar,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  Provinz  im  westlichen  Afghanistan;
(1872)  15,000  Einw.  In  der  Nahe  ein
Goldbergwerk.  K.  ist  einer  der  wichtigsten
Platze  Afghanistans  für  Handel  und  Gewerbe. ­
  Nach  Indien  führt  der  Bolanpaß.
Kana,  Hauptstadt  der  gleichnamigen,
zu  Sokoto  gehörigen  Landschaft  im  mittlern ­
  Sudán,  das  »sudanesische  London«;
ca.  30,000  Einw.  Jährlicher  Umsatz  von
blauem  Baumwollzeug,  Schuhen,  gestickten ­
  Ledertaschen,  Sklaven,  Gurnnüfsen,
Goldstaub,  Elfenbein,  Salz,  Natron,  Indigo, ­
  Baumwolle  IV,  Mill.  Mk.  "
Kansas  City  (spr..siitNi),bedeNtendeHandelsstadt
  im  Nordamerika«.  Staat  Missouri, ­
  an  der  Mündung  des  Kansas  in
den  Missouri,  Knotenpunkt  von  12  Eisenbahnen; ­
  (isso)  55,813  Einw.  Ressort  des
deutschen  Konsuls  in  St.  Louis;  German
Savings  Bank.  Nächst  Chicago  und  St.
Louis  ist  K.  der  bedeutendste  Fleischmarkt
der  Vereinigten  Staaten;  1878  wurden
eingeführt:  ausgeführt:
Rinder.  .  175344  175549
Schweine  .  427  777  426  355
Schafe.  .  30700  37012
Der  Umsatz  im  hiesigen  Clearinghouse  stieg
von  172,2  Mill.  Mk.  in  1878  auf  286,9
Mill.  Mk.  in  1879.
Kanton,  chin.Traktatshafen  in  der  Provinz ­
  Kuangtnng,  am  breiten,  schiffbaren
Perlfluß;  i,600,«.DO  Einw.,  davon  (i87o)
153  Fremde  (20  Deutsche)  und  27  fremde
Firmen  (5  deutsche).  Deutsches  Berufskonsulat; ­
  chinesisches  Seezollamt;  Handelskammer ­
  der  ansässigen  fremden  Kaufleute. ­
  —  Hauptsitz  der  Seidenweberei  und
Seidenstickerei,  Borten-  und  Schnurcnfabrikation,
  Färberei  und  Appretitr,  Glasbläserei, ­
  Glas-  und  Steinschleiferei,  Lackwaren-
  tlnd  Papierfabrikation,  Holz-  und
Elfenbeinschnitzerei  wie  Möbelschreinerei.
Die  Metall-  und  Porzellanindustrie  beschäftigt ­
  in  der  llmgegend  ganze  Dörfer,

die  Zuckercrnte  an  100,000  Personen.
Verkehrssprache  zwischen  Chinesen  und
Europäern  ist  das  eigentümliche  Pigeon-English.
  Die  europäischen  Kaufleute  werden ­
  itichr  und  mehr  aus  der«  Importgeschäft ­
  verdrängt;  die  Transiteinfuhr
hat  erheblich  abgenommen,  die  Exportverhältnisse
  sind  aber  günstiger.  Der
Wert  des  direkten  auswärtigen  Handels
war  1879  in  der  Einfuhr  24,7,  in  der
Ausfuhr  81,2  Mill.  Mk.  In  der  Einfuhr ­
  steht  indische  Baumwolle  obenan,  cS
folgen:  englische  Baumwollwaren,  Tuch.
Opium  und  Metallwaren  (beide  viel  ein
geschmuggelt)  ;  ausgeführt  wird  namentlich
Seide,  dann  Seidenwaren,  Thee,  Cassia,
Matten.  1879  verkehrten  liier  1892  Schiffe
(1776  Dampfer)  von  1,663,972  Ton.,  davon ­
  107  deutsche  von  52,486  T.  —  Handelsgebräuche.
  Verkauf  von  Gewichtswaren ­
  nach  dem  Piknl  (60,479  kg),  feinere
nach  denKätty  (604,79  g),  Opium  nach  der
Kiste  (Inhalt  1  Pikul),  Seide  nach  dem
Ballen  zu  100  engl.  Pfd.;  dabei  Gewichtsverlust ­
  3  Proz.,  Kosten  von  Schanghai  bis
England  15  Proz.  Man  setzt  in  den  Fakturen ­
  das  Nettogewicht  an;  Preisberechnung
von  Thee,  Rohbaumwolle,  Zucker,  roher
Kantonseide  1—4  in  Taels.  Verkäufe  auf  2
Monate,  auch  gegen  bar,  wie  in  Schanghai;
Einkäufe  von  chinesischen  Produkten  für
bar,  Frachten  nach  England  in  englischem
Geld,  nach  Nordamerika  in  Dollars.  —
Wechselkurse  auf  London  30,  auf  Kalkutta ­
  und  Bombay  3,  30  und  60  Tage
nach  Sicht.  Bankverkchr  über  Hongkong.
Kap  Hayti  (Port  Haytien),  Hafenstadt ­
  an  der  Nordküstc  der  Insel  H.;  Station ­
  der  Hambnrg-Amerikan.  Paketfahrt-Aktienges.
  und  der  Comp,  generale  transatlantique; ­
  10,000  Einw.  Deutsches  Konz
sulat;  mehrere  deutsche  Handelshäuser.
—  Einfuhr  1879  :  4,800,608,  Ausfuhr:
7,067,276  Mk.;  erstere  besteht  namentlich
in  Bekleidnngsstofsen,  Eisenwaren  und
andern  Fabrikaten  (immer  mehr  aus  Nordamerika), ­
  die  Ausfuhr  vornehmlich  in
Kaffee  (3,37  Mill,  kg),  Blauholz  (3,2  Milt,
kg,  meist  nach  Havre),  Mahagoniholz  nach
Hamburg.  1879  liefen  ein:  178  Segelschiffe ­
  (9  deutsche)  von  54,042  Ton.  und
96  Dampfer  (44  deutsche)  von  141,932T.
        <pb n="291" />
        Kapland  —  Karlshamn.

Kapland,  brii.  Kolonie  im  südlichstcil
  Teil  von  Afrika,  mit  Einschluß  von
Britisch  -Kaffraria  und  den  Dependenzen
Basutoland,  West-und  Ost-Griaualand
584,943  qkm  (10,621  QM.)  mit  (1875)
893,962  Einw.  Die  Bevölkerung  der
eigentlichen  Kapkoloirie  (720,984  Einw.)
verteilt  sich  auf:  Europäer  236,783,  Kaffem ­
  214,183,  Hottentotten  98,561,  Misch-73,506,
  SUMaict
Ui,817,  —  Produktion.  Hauptcriverbsder
  Kolonisten  ist  Viehzucht.  Nach
der  Zählung  von  1875  gab  es:

Pferde  .
Ninder.
Schafe  .
Schweine

241342
1329445
11279  743
132373

Angoraziegen.  877988
Andre  Ziegen  2402699
Strauße  .  ,  32247

®te  Ackerfläche  betrug  aber  1875  nur  0,4
şivz.  des  Gesamtareals,  und  es  mußten
noch  für  2,347,200  Mk.  Korn  und  Mehl
cu,geführt  werden.  Mit  den  Produkten
der  Viehzucht  bezahlt  die  Kolonie  die  Einfuhr ­
  fremder  Erzeugnisse;  die  Wolle  allein,
erportiert  wurde,  wertete
Mill.  Mk.  ;  dazu  Angoraziegenhörner
4^6  Mill,  und  Straußenfedern  13  Mill.
•Ucr.  Gesamtwert  der  Ausfuhr:  73,3  Mill,
ķ.  (Wcinñusfllhr  betrilg  nur  320,070
gti.,  Export  voir  Kupfererz  5,7  Mill.  Mk.).
Der  Wert  der  ausgeführten  Diamanten,
ui  obige  Sunlme  liicht  eingeschlossen,  entzieht ­
  sich  der  Berechnung,  'wird  aber  wohl
2  Milt.  Mk.  betragen  haben.  Die  Gesamteinfuhr ­
  belief  sich  1879  auf  141,o
Mill.  Mk.,  darunter  Manufakte  für  67
Mill.  Mk.  Deutschland  partizipierte  bei
der  Ausfuhr  mit  1,818,400  Mk.,  bei  der
Einfuhr  mit  364,360  Mk.  Die  Häfen  der
Kolonie  sind  Kapstadt  und  Port  Elizabeth. ­
  Es  liefen  1879  mit  Einschluß
der  Küstenfahrer  ein:  2238  Schiffe  von
2,139,182  Ton.  (69  deutsche),  ans:  2156
Schiffe  von  2,090,868  T.  —  Die  Eisendahnen ­
  hatten  1878  eine  Länge  von  1067
km.  —  Finanzen.  NachdenrKolonialdudget
  waren  1878  die  Einnahmen  117,2
%  m.  0tant#uM&amp;gt;:  139,7  ».9Rf.
Der  Banknotennmlauf  der  Kolonie,
daö  alleinige  Papiergeld  des  Landes,  wird
auf  6  Mill.  Mk.  ge  chäht,  daö  kursierende
Bargeld  auf  40  Mill.  Mk.
Kapstadt,  Hauptstadt  des  Kaplauds

283
Q.  d.),  an  der  Tafelbai,  Station  der  Dam-LLSLLânLZL

Go.;  (1875)  33,239  Gimo.  (mH  be»
Vorstädten  45,240).  Deutsches  Konsulat
(Amtsbezirk:  die  westliche  Division  der
Kapkolonie  mit  Ausschluß  des  Simonötowndistrikts);
  Handelskammer;  Börse,
Cape  of  Good  Hope  Bank,  Kolonialbank,
South  African  Bank,  Standard  Bank  of
British  South  Africa,  Union  Bank.  —  Die
wichtigsten  Artikel  der  Ausfuhr  (1879:
14  Mill.  Mk.)  sind  Wolle  (5,7  Mill.)  und
Straußenfedern  (3,9  Mill.),  der  Einfuhr
(1879:  53,5  9RÍÍÍ.  SRf.)  mrntfafte  mib
Nahrungsmittel.  —  1879  liefen  1028
Schiffe  von  794,738  Ton.  ein  unb  991
Schiffe  von  768,188  T.  aus.  -  Wechselkurse
notiert  man  auf  London,  Paris,  Amsterdam, ­
  Bombay,  Kalkutta,  Madras  30  Tage,
aufLondon60,90Tage,6MonatenachSicht.
Kapverdische  Inseln,  eine  den  Portngiescn
  gehörige,  aus  elf  Inseln  bestehende
Gruppe  an  der  Westküste  Afrikas;  3851
qkm  (69,9  QM.)  mit  (1875)  90,704  Einw.
-Lie  zerfallen  in  westliche:  San  Nicolño,
San  Aulño,  San  Vicente,  Boavista,
Santa  Lucia,  I  l  h  a  d  o  S  a  l,  und  östliche:
Santiago,  Maio,  Brava,  Fogo.  Produkte
sind:  Salz,  Reis,  Mais,  Orangen,  Wein,
Zuckerrohr,  Kaffee,  Tabak.  Die  Inseln
gehören  zum  Weltpostverein.
Karatschi  (engl.  Currachee),  Hafenstadt ­
  in  der  Provinz  Sindh  der  britischojtind.
  Präsidentschaft  Bombay,  an  der
Mündung  des  schiffbaren  Indus  und  der
Jndusthalbahn  nach  dem  Pandschab,  Endstation ­
  des  indoeuropäischen  Telegraphen;
Station  der  British  India  Steam  Navig.
Co.;  (1872)  53,526  Einw.  Deutsches  Konsulat; ­
  Agra  Bank.  Lebhafter  Binnenverkehr, ­
  welcher  die  Produkte  des  östlichen  Himalaya ­
  hierher  zieht.
Karlshamn,  Seestadt  im  schweb.  Län
Karlökrona,  an  der  Bahn  K.-Wiölanda;
Station  der  Schwedischen  Dampfschisfgesellschaft
  zu  Lübeck;  (1878)  6330  Einw.
Deutsches  Konsnlat/Amtsbezirk:  der  westlich ­
  dcö  Wieryds-An  gelegene  Teil  der
Provinz  Blekinge  und'von  der  Provini
Khristianstad  die  Vogtei  Willands);  Eristianstads
  Euskilda  BanksAfdeln.  Kontor
        <pb n="292" />
        284

Karlskrona  —  Kassel.

Skänes  Enskilda  Banks  Afdeln.  Kontor.
Es  gingen  1878  ein  und  aus:  62  deutsche
Schiffe'von  3072  Ton.  Der  Export  von
Holzwaren  bestand  1877  in  2,099,719
Stück  Faßdauben,  240,993  Kubikfuß
Bretter  und  Planken  u.-a.
Karlskrona,Seestadt  nndKriegshafcn,
zugleich  Hauptort  im  fchwed.  Lau  K.  oder
Blekinge,  an  der  Bahn  K.-Wexiö;  Stativi: ­
  der  Schwedischen  Dampfschiffgesellschaft ­
  zu  Lübeck;  (i879)  18,620  Einw.
Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:  der  östlich ­
  des  Wieryds-An  gelegene  Teil  der  Provinz ­
  Blekinge);  Aktie  Bol.  Blekinge  Bank,
Kristianstads  Enskilda  Banks  Afdeln.
Kontor,  Smälands  Enskilda  Afdeln.  Kontor. ­
  —  Vorzügliche  Docks,  Werften,  Ankerschmieden, ­
  Tabak-  und  Zeugfabriken.
Hanpterportartikel  ist  Holz;  1877  wurden
270,632  Kubikfuß  Bretter  und  Planken,
188,724  Kubikfuß  Grubenstützen  re.  ausgeführt. ­
  Es  liefen  1878  ein:  343  Schiffe
von  44,017  Ton.  (52  deutsche  von  306227).
Karlsruhe,  Haupt-  und  Residenzstadt
des  Großherzogtums  Baden,  an  der  Badischen
  Staatsbahn;  (isso)  50,122  Einw.
Konsulate  für  Brasilien,  Österreich  und
Portugal,  von  deutschen  Staaten:  Bayern
und  Württemberg;  Handelskammer  und
Hairdelsgericht.  Reichsbankstelle  (1880
Gesamtumsatz489  Mill.  Mk.,  davon  Wechsel ­
  148Mill.,  Giroverkehr  301  Mill.  Mt.),
Filiale  der  Badischen  Bank,  Filiale  der
Rheinischen  Kreditbank.  Großartige  galvanoplastische ­
  Fabrik  und  Gießerei,  durch
ihre  Lokomotiven  berühmte  Maschincnfabrik
  (900—1000Arbeiter),  große  Wagen-,
Silberwarcn  -  und  Bänderfabrik,  Bierbrauereien, ­
  Dampfsäaemühlen  n.  a.
Karolinen,  s.  Mikronesien.
Kasan,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
rufst  Gouvernements  ,  4Va  km  vom  linken ­
  Wolgaufer;  (ms)  86,262  Einw.  Ressort ­
  des  deutschen  Konsuls  in  Moskau;
Abteilung  der  Staatsbank,  Filiale  der
Wolga-Kamabank,  KasanerKonnnerzbank
(jährlicher  Unisatz  50  Mill.  Mk.);  großer
Kaushof.  Der  Handel  richtet  sich  besonders
nach  Vorderasien.  Im  Durchschnitt  wurden
verkauft:  Getreide50Mill.,  Thee  11  Mill.,
Zucker  7,2  Mill.,  Bamnwoll-,  Woll-  und
Seidcnzenge  9  Mill.,  Droguen  6  Mill.,

Rohhäute  3,7  Mill.,  eingemachte  Früchte
und  Konditorwaren  3,4  Mill.,  Salz  3,2
Mill.  Mk.  ;  ferner  Wachs,  gußeiserne  Marci: ­
  re.  Gesamtumsatz  ca.  160,5  Mill.  Mk.
Der  Haupthandel  liegt  in  den  Händen  der
Kasanschen  Tataren.
Koschau  (Kassa),  königliche  Frcistadt
im  Ungar.  Komitat  Abaüj-vär,  Knotenpunkt ­
  der  K.-Oderberger,  Theiß-  und  der
Ungarischen  Nordostbahn;  (isso)  29,693
Einw.  (Ungarn,  Deutsche,  Slawen).  Filiale ­
  der  Östcrr.-Ungar.  Bank,  Kaschauer
Sparkasse,  Wechsel-Eskompte,  Sparanstalt,
  Volksbai:k.  —  K.  ist  für  die  angrenzenden ­
  Konütate  Verciniguilgspunkt  deö
Handels  mit  Wein,  Getreide,  Knoppern,
Salz,  Lein:  u.  a.  sowie  Spcditionsplatz
zwischen  Ungarn,  Galizien  und  Polen.
Hauptplatz  des  deutschen  Buchhandels  für
das  nördliche  Ungarn.
Kaspisches  Meer  (Kaspisee),  der
größte  Binnensee  der  Erde,  ans  der  Grenzschcide
  Europas  unb  Asiens,  von  N.  nach
S.  1224  km  lang,  185—450km  breit,  mit
einem  Flächenraun:  von  439,418  qkm
(7980  QM.).  Postschiffahrt  unterhält  die
Gesellschaft  Kaukas  und  Merkur,  welche
zehn  Dampfer  besitzt  und  1876  eine  Staatösnbvention
  von  l,o7  Mill.  Mk.  erhielt;  dann
die  Gesellschaft  Lebcd  mit  drei  Schraubendampfern.
  Häfen  sind  Astrachan  und
Baku  mit  (1872)  668,  resp.  72  Schiffen
von  zusammen  707,400  Ton.,  ferner  Enzrli
  und  Astrabad  in:  S.,  Krasnowodsk
und  Alerandrowsk  (wichtig  für  den  Handel ­
  mit  Chiwa)  in:  O.,  Gnrjcw  in:  N.  In
alle  Häfen  des  Kaspischen  Meers  liefen
1877  ein:  520  Schisse,  aus:  412.  Leuchttürme ­
  sind  an  vielen  Stellen  errichtet.  Der
russisch-persische  Vertrag  von  Turkmantschai
  schließt  Persien  wie  alle  andern  Nationcn
  von:  Halten  von  Kriegs  -  und  Handelödampfern
  auf  den:  Kaspischen  Meer
ans.  Zwischen  Baku  und  Krasnowodsk
ist  ein  255  km  langes  Kabel  gelegt.
Kassel,  Hauptstadt  der  Preuß.  Provinz
Hessen-Nassau,  an  der  Fulda  und  der
Hannoverischen,  Main-Weser-  und  Bergisch
  -  Märkischen  Bahn;  (isso)  58,314
Einw.  Handelskammer,  Handels-  und
Wechselgericht,  Gcwerbchallc;  Reichöbankstcllc
  (1880Gesamtllmsatz252  Mill.Mk.),
        <pb n="293" />
        Kedàg  —  Kiel.

Kreditvcrein  (eingetragene  Genossensckaft).
  —  Unter  ben  industriellen  Anstalten ­
  sind  am  bedeutendsten  die  von
Henschcl  n.  Sohn  (1878:  54  Lokomotiven, ­
  53  Werkzeugmaschinen),  ferner  eine
Fabrik  von  Eisenbahnwagen,  welche  148
Personen-,  Güter-  und  andre  Wagen  herstellte.
  —  Der  Güterverkehr  auf  den  drei
Ersenbahnen  war  1878  (in  Tonnen):
Einacqaiigeil  Ausgegangen
Hannoverische  Bahn  112322  58741
Main-Weser-Bahn  17032  23501
Bergisch  -  Märkische
Bahn  10429  12220
Die  Post  beförderte  6,305,186  Briefsenì
  "ņgen,  3,256,835Zeitungen,  daöTelegra-Keuanit
  291,011  Depeschen.  —  Märkte.
^&amp;gt;e  Frühjahrsmesse  beginnt  fürdenGroß-&amp;gt;)andel
  Donnerstag  vor  Lätare,  für  den
Kleinhandel  Montag  nach  Lätare;  Herbst-"lesse
  für  den  Großhandel  Donnerstag  vor
Man«  Himiilelfahrt,  für  den  Kleinhandel
Montag  nachher  ;  Frühjahrsledermesse  von
Mittwoch  vor  bis  Mittwoch  nach  Lätare;
iveel  Tage)  gegen  Ende  Juni.
Kcdabkg,  Ort  in  der  russisch  -kaukas.
Statthalterschaft.  Deutsche  Konsularagentur. ­
  ressortiert  von  Tiflis.
Ķenneh  (K  in  U  e  h),  Stadt  in  Oberagypten,
  am  Nil;  15,000  Einw.  Deutsche
Konsularagentur.  Lebhafter  Handel  über
Kosseir  nach  Arabien  und  Indien.
Kephalonia,  nächst  Korfu  die  größte
und  wichtigste  der  JouischcuJnseln  (Griechculand),
  660  qkm  (12  QM.)  ;  (isso)
77,005  Einw.  Hauptstadt  und  Haupthafcn
  der  kephalon.  Handelsflotte  ist  Argostoli.
  1879  verkehrten  hier1070Schiffe(2
deutsche)  von  244,953  Ton.  1879  wertete
die  Einfuhr  (Getreide,  Zucker,  Manufatte,
Fische  X.)  4,i  Mill.  Mk.  Ausfuhr  1879  :
^,85,  1880:  20,8  mua.  Şfb.
Kerafunt,  türk.  Hafenstadt  au  der
^ildtuste  deö  Schwarzen  Meers,  westlich
von  Trapczunt,Station  dcö  Österr.-Uugar.
Uoyd,  der  Rufs.  Dampfschifsahrtsgesell-Auft,
  Messageries  maritimes:  5000
Einw.  1879  betrug  die  Einfuhr  4,9  Mill.
ķ  (Baumwollmanufakte  2,3  Mill.  Aik.),
ble  Ausfuhr  1,5k»-(Nüsse  1,3  Mill.  Mk.).

285
Ķertsch,  Hafenstadt  im  russ.  Gouvcrķ.ut
  Taurleil,  auf  der  Ostküste  ber
Halbinsel  Krim,  an  der  das  Schwarze  mit
dem  Asowschcn  Meer  verbiildenden  Straße
von  K.;  Station  der  Russ.  Dampfschisffahrtsges.
  ;  (ms)  22,449  Einw.  Deutsches
Vicekousulat;  KertscherStadtbailk,  Gesellschaft ­
  Nadeshda.  Eingeführt  werdenWeine,
Früchte,  Öl,  Kaffee,  Tabak,  ausgeführt:
mycM,  Bolle,  gebet,  gi^c,  ß(tbi(ir,  @«1;.
Khanpur  (engl.  Caw  up  ore),  Hauptstadt ­
  eines  gleichnamigen  britisch-ostiud.
DiltnktS,  am  Ganges  ilnd  der  Kalkutta-Lahor-Bahn;
  (1872)  122,770  Einw.  Ressort ­
  dcS  deutschen  Konsuls  in  Kalkutta;
Bank  of  Bengal,  Bank  of  Upper  India.
Industrie  in  feinen  Juwelierarbeiten  und
Leder;  lebhafter  Handel.
Khartum,  Hauptstadt  dcS  ägypt.  Sudan, ­
  am  Blauen  Nil,  nahe  au  dessen  Zusammenfluß ­
  mit  dem  Weißen  Nil,  mit  ca.
45,000  Einw.  (eine  wahre  Mustcrkartc
von  Nationen).  Deutsches  Vicekousulat.
Großer  Stapelplatz  für  den  Sudan  und
die  Länder  am  obern  Nil,  Ausgangspunkt
der  Karawanen  und  der  Schiffahrt  ans
dem  Weißen  Nil.  Mit  Kairo  ist  K.  durch
Telegraphen  verbunden.
Kiachta,  Stadt  im  ostsibir.  Gouvernement ­
  Irkutsk,  au  der  Grenze  der  chines
Mongolei,  der  chines.  Grenzstadt  Maimatschin
  gegenüber;  (1858)  5461  Einw.
Abteilung  der  Staatsbank.  —  Durch  die
Seeschiffahrt  hat  der  Verkehr  über  K.  von
Jahr  zu  Jahr  verloren.  Die  Warenausfuhr ­
  über  K.  nach  China  wertete  1862-13,7,1872:
  8,9,1879:  6,3  %m.  9Rf.;  bie
Einfuhr  von  China  nach  Rußland  1862:
32,i.  1872:  52,o  und  1879:  53,o  Mill.
Mk.  Die  Einfuhr  besteht  fast  ausschließlich
in  sogen.  Handels-  und  Ziegelthee,  andre
Theesorten  werden  immer  weniger  eingeführt. ­
  Die  russische  Ausfuhr  besteht  namentlich ­
  in  Manufakten  (besonders  Meseritzkituch),
  Pclzwerk  u.  Fellen,  Zucker.  Dazu
kommt  noch  die  jährlich  steigende  Ausfuhr
von  Silber  in  »Schuhen«  (Sissisilber)
Gold  in  Halbimperialen,  mejikanischen
Piastern  jc.,  1879  Edelmetalle  im  Betraa
von  11,3  Mill.  Mk.  Die  Exporte  russischer
#mcn  wit  Mr  an  3#  (i%.
fttcl,  Hauptstadt  der  preuß.  Provinz
        <pb n="294" />
        286

Kiew  —  Kiukiang.

Schleswig-Holstein,  am  Kieler  Meerbusen, ­
  in  welchen  hier  der  Eiderkanal
mündet,  Endpunkt  der  Altona-Kieler
und  der  Ostholsteinischen  Bahn,  Sitz  der
Dampfschiffahrtsgesellschaften:  Essen  u.
Kasch,  Sartori  u.  Berger,  H.  Schlotfeldt;
(www)  43,496  Einw.  Konsulate  für:  Italien, ­
  Niederlande,  Rußland,  Schweden  und
Norwegen;  Handelskammer;  Neichsbankstelle
  (4880  Gesamtumsatz  114,2  Mill.
Mk.),  Kieler  Bank,  Kreditbank  (eingetragene ­
  Genossenschaft),  Vereinsbank  in
K.—  Von  Industrien  sind  nennenswert: ­
  Schiffbau,  Brauerei,  Mehl-  und
Ölmühlen  re.  K.  besitzt  den  besten  Hafen
mit  schwimmendem  Dock  an  der  deutschen
Ostseeküste  (Kieler  Busen).  Regelmäßige
Dampfschifssverbindung  mit  Stettin,  Kopenhagen ­
  u.  a.  4879  hatte  K.  eine  Flotte
von  64  Seeschiffen  von32,722  cbm,  davon
27  Dampfer.  1879  liefen
ein:  3590  Schisse  von  824099  cbm
aus:  3620  -  -  823367  -
Die  Hauptgegcnstände  der  Einfuhr  zur
See  sind:  Getreide,  Kohlen,  Cement,  Bauholz ­
  und  Vieh;  die  Ausfuhr  zur  See  umfaßt: ­
  Mehl  und  Bier,  ferner  Zucker,  Rübund
  Leinöl,  Ölkuchen,  künstlichen  Dünger,
Häute  und  Felle,  Butter  u.  a.  —  Die
unter  dem  Namen  »Kieler  Umschlag«  bekannte ­
  Messe  (6.—14.  Jan.)  hat  besonders ­
  den  Geldumsatz  Schleswig-Holsteins
zum  Gegenstand.—  P  l  a  tz  g  e  b  r  a  u  ch  e.  Getreide ­
  und  Bodenfrüchte  verkauft  man  für
100  kg  netto,  Steinkohle  und  Koks  für
50  kg;  die  Tonne  Cement  halt  190  kg.
Kiew,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
rnss.  Gouvernements,  am  rechten  Ufer
des  Dnjepr  und  der  Eisenbahn  Kursk-Odessa;
  (1873)  127,251  Einw.  Deutsches
Berufskonsulat  (Amtsbezirk:  die  Gouvernements
  Kiew,  Podolien,  Wolhynien,
Tschernigow,  Kurdk,  Poltawa,  Charkow
und  Orel);  Kontor  der  Staatsbank,  Filiale ­
  der  Petersburger  internationalen
Handelsbank,  Filiale  der  Wolga-Kama-Bank,
  Kiewer  Privat-Handelsbank.—Die
Fabrikthätigkeit  ist  ansehnlich  (unter
36  Fabriken  mit  einem  Produktionswert
von  4,6  Mill.  Mk.  6  Lohgerbereien  und  5
Talglichtfabriken).  Der  Handel  verschifft
jährlich  für  4  Mill.  Mk.  Waren  (namentlich ­

  Zucker)  und  erhält  für  6,4  Mill.  Akk.
Salz,  Metall,  Holz  und  Baumaterial.  —
Der  berühmte  »Kreschtschcnsche  Jahrmarkt« ­
  wird  15.  Jan.  bis  1.  Febr.  abgehalten. ­
  Das  Höhlenkloster  in  der  Nähe
wird  jährlich  von  50,000  Pilgern  besucht.
Killing,  chines.  Traktatshafen  auf  Formosa ­
  (s.  Tamsni).
King's  Lynn,  s.  Lynn  Regis.
Kingston  (spr.  kingst'n),  Hauptstadt  der
brit.  Insel  Jamaika  in  Westindien,  an
der  Bai  von  Port  Royal,  Station  der
Dampfer  der  Harrison-Linie,  Westindia
and  Pacific  Steamship  Co.,  Royal  Mail
Steam  Packet  Co.;  (i87i)  34,314  Einw.
DeutschesKonsulat;  Colonial  Bank,  Bank
of  Jamaica.  Wechselkurse  notiert  man
auf  London  und  New  Pork,  doch  kommt,
wie  im  britischen  Westindien  überhaupt,
fast  nur  der  Kurs  aus  London  in  Betracht. ­
  Die  Wechseloperationen  werden
meist  durch  die  Colonial  Bank,  die  ihren
Sitz  in  London  hat,  vollzogen.
Kingstown  (,'pr.  kingstaun),  Hauptstadt
der  brit.  Insel  St.  Vincent  in  Westindien,
Station  der  Royal  Mail  Steam  Packet
Co.;  7000Einw.  Deutsche  Konsularagentur
  für  St.  Vincent;  Colonial  Bank.
King  William'S  Town  (spr.  min  willjam
  taun),  s.  East  London.
Kirkwall  (spr.  körkuall),  Hafenstadt  ans
der  brit.  Orkneyinsel  Pomona;  (mi)  3434
Einw.  Deutsches  Vicekonsulat  für  K.,
StromneßundLonghope;  National  Bank,
Union  Bank  of  Scotland.  Lebhafter  Handel ­
  und  Fischerei.  1879  wertete  die  Einfuhr ­
  73,260  Mk.,  die  Ausfuhr  britischer
Produkte  195,440  Mk.
Kischinew,  Hauptstadt  der  rnss.  Provinz ­
  Bessarabien,  am  Lyk  und  der  Bahn
Odessa-Jassy  ;  (m2)  102,427  Einw.  Deutsche ­
  Konsularagentur  (ressortiert  von  Odessa); ­
  Abteilung  der  Staatsbank,  Kischinewer ­
  Privathandelsbank;  Transportgesellschaft ­
  Nadeshda.  Bedeutende  Tabak-  und
Mühlenindustrie  sowie  lebhafter  Handel.
Kiukiang,  chines.  Traktatshafen  am
Jantsekiang  in  der  Provinz  Kmngsi;  (m?)
45,000  Einw.,  davon  (1876)  38  Fremde
und  vier  fremde  Firmen  (keine  deutsche).
Seerollamt.  Wert  der  auswärtigen  Ausfuhr ­
  1879:148,344  Mk.  1879  verkehrten
        <pb n="295" />
        Kiungtschau  —  Köln.

287

hier:  1318  Schiffe  (1240  Dampfer)  von
1,187,608  Ton.  (davon  8  deutsche  von  918
T.).  Der  Bankverkehr  geht  über  Schanghai.
Kiungtschau,  chines.  Traktatshafen  auf
der  Insel  Hainan;  30,000  Einw.,  davon
elf  Fremde  und  eine  fremde  (nichtdeutsche)
Firma.  Seezollamt.  1879  betrug  die  auswärtige ­
  Einfuhr  4,2,  die  Ausfuhr  1,7  Mill.
Mk.  1879  verkehrten  hier:  248  Schiffe
(244  Dampfer)  von  106,362  Ton.  (62
deutsche  von  47,522  T.).
àsiu,  Insel  s.  Japan.
Kiobenhavu,  s.  Kopenhagen.
Koblenz,  Hauptstadt  des  gleichnam.
Regierungsbezirks  in  der  preuß.  Rheinprovinz,
  am  Zusammenfluß  deö  Rheins
und  derMosel  und  an  derLinieKöln-Binñorbrück
  der  Rhein.  Eisenbahn,  Sitz  der
Mosel-Dampfschissahrtsges.  ;  (isso)  30,567
ŅW.  Handelskammer.  —  Industrie.
Maschinenbauanstalten,  Gießereien,  Favrnen
  für  lackierte  Blechwaren  rc.  —  Der
şiudel  beschränkt  sich  auf  die  Ausfuhr
elgner  Erzeugnisse  sowie  jener  der  Umgebung ­
  und  auf  die  Einfuhr  von  Verbrauchsgegenständen. ­
  Auf  der  Mosel  werden ­
  Weine,  Steinkohlen,  Bauholz  und
Bausteine,  Glas,  Steingut,  Eisenwaren
l, V  a -  zugeführt;  dies  Mosel  aufwärts
gehen:  Kolonialwaren,Thonerde,  Glasurerze,
  Mineralwässer  u.  a.  1878  war  die
Ankunft  Abfuhr
auf  dem  Rhein  .  .  656736  792487  Ctr.
auf  der  Mosel  .  .  135030  328913  -
Dilrch  die  Rhcinbrücke  fuhren  14,522
Fahrzeuge.  Die  An-  und  Abfichr  im
Werftgebiet  zuK.  betrug  rheinwärts  4891
Schiffe  mit  792,487  Ctr.,  saar-  und  inoselwärts!920Schiffe
  mit  463,943  Ctr.  —
Die  Post  beförderte  1,680,606  Briefpostgegenstände, ­
  52,496,622  Mk.  in  Briefen
niib  Paketen  mit  Wertangabe,  10,354,384
Mk.  auf  Postanweisungen.  Bei  dem
Telegraphenamt  wurden  30,821  Telegramme ­
  aufgegeben  und  29,131  angenommen.— ­
  Kreditwesen.  Die  Reichs-Tankstelle
  hatte  1880  einen  Gesamtumsatz
von  190.6  Mill.  Mk-,  davon  Wechselverkehr ­
  120  Milt.,  Giroverkehr  58,7  Mill.
Mk.  Die  Mittelrheinische  Bank  (Aktienkapital ­
  1,200,000  Mk.)  hatte  Kreditoren
5^7,130,  ^c5Ü0Mn  1,620,629  3kí.,  %(ÍH=^»,179,501^^-^(^3.0111,1^01:1


^oUmaxït  (3  Tage  Dauer)  gehalten
Kolmar,  Hauptstadt  des  Bezirks  Oberelsaß ­
  im  deutschen  Reichsland  Elsaß-Lothringen,
  am  Lopelbach  (einem  aus
der  Fecht  abgeleiteten  Kanal)  und  unweit
der  III,  mit  dem  Rhein-Rhönekanal  durch
einen  Zweigkanal  in  Verbindung  (Hafenbecken), ­
  Station  der  Straßburg-Mülhausen-Baseler ­
  Eisenbahn;  (isso)  26,093
Einw.  Handelskammer,  Handels-  und
Gewerbegericht;  Comptoir  d'Eöcomptc.  —
Per  Eisenbahn  kamen  1878  im  Durchschnitt ­
  täglich  144,691  kg  Güter  an,  und
54,725  kg  wurden  abgeladen;  die  Gesamteinnahmen ­
  fürs  Jahr  beliefen  sich  auf
1,227,549  Mk.  Auf  dem  Kolmarer  Zweigkanal ­
  verkehrten  1879  zu  Berg  und  zu
Thal  368  Fahrzeuge  mit  23,943  Ton.
Köln,  Hauptstadt  des  gleichnam.  Regierungsbezirks ­
  in  der  preuß.  Rheinprovinz, ­
  am  linken  Ufer  des  Rheins,  an  der
Köln-Mindener,  Rhein,  und  Bergisch-Märkischcn
  Bahn,  Station  der  Nieder!.
DampfschiffreedcreinndderRhein.Dampfschisfges.
  ;  (i88v)  144,751  Einw.  Konsulate
für:  Argentinien,  Belgien,  Chile,Italien,
Niederlande,  Österreich,^Paraguay,  Peru,
Portugal,  Spanien,  Vereinigte  Staaten,
von  deutschen  Staaten:  Sachsen  u.  Württemberg. ­
  Freihafen;  Handelskammer,
Handelsgericht,  Gewerbegericht;  Börse,
Produktenbörse.  —  Die  Industrie  ist
großartig  und  vielseitig  und  erstreckt  sich
auch  auf  die  Nachbarorte  Ehrenfeld,  Lind,
Bayenthal,  Nippes,  Niehl  und  Kalk.  —
Der  Handel  vertreibt  vornehmlich  :  Wein,
Baumaterialien,  Metalle,  Materialwaren, ­
  Farbewaren,  Spiritus,  Droguen,
Reis,  Kaffee,  Thran,  Fische,  Kohlen,
Glaswaren,  Guano,  Hopfen,  Landesprodukte, ­
  Parfümerien,  Pelzwarcn,  Südfrüchte. ­
  —  Schiffsverkehr  1879:
angekommen  4234  Schiffe  mit  2978711  Ctr.
abgefahren  2718  -  -  1256608  -
Außerdem  wurden  Flöße  angebracht  mit
135,371  Ctr.  Von  den  Booten  der  Preußisch-Rheinischen ­
  Dampfschifsahrtsgesellschaft
  verkehrten  hier  2353  Schiffe  mit
119,142  Passagieren  u.  178,799  Ctr.  Gütern. ­
  —  Der  gesamte  Güterverkehr  auf  den
Eisenbahnen  (Station  K.)  war  1879:
        <pb n="296" />
        288

Kolumbien.

Rheinische  Eisenbahn  .  .  690098  Tonnen
Köln-Mindener  Eisenbahn  583562  -
Die  Post  beförderte:  Briefpostgegenstände
24,562,126,  Sendungen  mit  deklariertem
Wert  von  351,114,654  Mk.,  Postanweisungen ­
  im  Betrag  von  70,053,255  Mk.
Telegramme  wurden  ausgegeben  178,352,
empfangen  207,028.  —  Kreditwesen.
Die  Reichsbankhauptstelle  hatte  1880  einen
Gesamtumsatz  von  1832  Mill.  Akk.,  davon ­
  Wechselverkehr  614  Mill.,  Giroverkehr ­
  1186  Mill.  Mk.  Die  Kölnische  Privatbank ­
  (Kapital  3  Mill.  Mk.)  hatte  1879
einen  Geschäftsumsatz  von  210,960,324
Mk.,  Notencirkulation  2,245,300  Mk.
Der  Schaaffhausensche  Bankverein  hatte
einen  Jahresumsatz  von  491,3  Mill.  Mk.,
die  Kölnische  Gewerbebank  (eingetragene
Genossenschaft)  von  82,258,266  Mk.  rc.
Von  andern  Geldinstituten  sind  nennen: ­
  Kölnische  Wechsler-  und  Kommissionsbank, ­
  Bank  für  Rheinland  und  Westfalen ­
  ,  Rheinisch  -  Westfälische  Genossenschaftsbank, ­
  Rheinische  Volksbank;  Concordia ­
  (Lebensversicherung),  Colonia
(Feuerversicherung),  Agrippina  (Transportversicherung), ­
  Rhcnania  (Tranöportund
  Unfallversicherung),  Kölnische  Hagelversicherungsgesellschaft.
  —  Platzgebräuche. ­
  Man  verkauft  Getreide  (nicht
Reis),  Hü  lsensrüchte,  Samen,  Rübkuchen,
Spiritus,  Branutwein,  Olivenöl  (nicht
Provencer),  Rüb-,  Lein-  und  Hanföl,
Schmalz  und  Talg  gegen  bar,  alles  übrige
auf  2  Monate  Kredit  oder  gegen  bar  mit  1
Proz.  Diskont.  Wechselkurse  notiert
man  auf:  Amsterdam  und  Rotterdam,
Antwerpen  und  Brüssel,  Augsburg,  London, ­
  New  Pork,  Paris,  Wien.
Kolumbien  (Vereinigte  Staaten
von  Colombia,  ehemals  Ncugranada),
  Födcrativrepublik  im  nordwestlichsten ­
  Teil  von  Südamerika,  748,850
qkm  (13,600  OM.)  mit  (i870)  2,774,000
Cinw.,  itisi.  Panamá  (s.  d.)  830,673
qkm  (15,086  OM.)  mit  (1877)  2,999,000
Cinw.  (1,600,000  Weiße  und  Mestizen,
500,000  Ladinos  oder  Mischlinge  von
Weißen  mit  Indianern,  500,000  Zambos
oder  Mischlinge  von  Weißen  mit  Negern,
500,000  wilde  Indianer,  Rest  Neger).—
Von  Produkten  sind  wichtig:  Chinarinde,Kautschuk, ­

  Brasilholz,  vegetabilisches
Elfenbein,Gummiarten,  Balsam,Vanille;
angebaut  werden:  Kaffee,  Tabak,  Kakao,
Zucker,  Indigo,  Baumwolle,  von  Mineralien ­
  :  Gold,  Silber,  Kupfer,  Steinsalz.
An  der  Küste  werden  Perlen  gewonnen.
Es  finden  sich  viele  Hirsche,  Tapire,  große
Herden  verwilderten  Rindviehs  auf  den
Llanos  im  O.—  Von  Industrien  sind
nur  daö  Flechten  von  Panamahüten  und
Hängematten  sowie  das  Branntweinbrennen ­
  nennenswert.  Der  Handel  hat  bei  dem
Mangel  an  Straßen  mit  vielen  Schwierigkeiten ­
  zu  kämpfen,  weitaus  der  wichtigste
Handelsplatz  ist  Barranquilla  (s.  d.)
mit  seinem  Hafen  Sabanilla.  Mit  Ausschluß ­
  von  Kolon  u.  Panamá  wertete  1878  :
die  Einfuhr  34,8,  die  Ausfuhr  49,9  Mill.;
die  Einfuhr  1879:  45,4,  die  Ausfuhr
57,r&amp;gt;  Mill.  Mk.  Davon  waren  1878  die
wichtigsten  Artikel  (in  Millionen  Mark)  :
Einfuhr  Ausfuhr
Gewebe  .  .  .  17,o  Edelmetalle.  .  13,3
Baumaterial  .  10,s  Chinarinde  .  .  8,9
Nahrungsmittel  9,8  Kaffee....  6,o
Leuchtstoffe  .  .  4,8  Häute....  3,2
Spirituosen  .  .  2,8  Tabak....  2,2
Hausgerät  .  .  2,a  Elfenbeinmasse.  l,o
Von  der  Gesamteinfuhr  käm  von  England ­
  nahezu  die  Hälfte,  nämlich  für  16,2
Mill.  Mk.,  von  den  Vereinigten  Staaten
für  3,3  Mill.,  von  Deutschland  für  1,7
Mill.  Mk.  —  Konsulate  unterhält
Deutschland  in:  Bogotá  (Berufskonsulat),
Barranquilla,  Bucaramanga,  Medellin,
Panamá,San  Jose  de  Cucuta,  ein  Vicekonsulat
  in  Colon  (Aspinwall).  —  Schiffsverkehr ­
  1879:  eingelaufen  833  Segelschiffe ­
  von  47,425  Ton.  und  459  Dampfer
von  538,148  T.  Von  Dampferliuien
verkehren  in  den  Häfen  Sabanilla,  Colon,
Panama,  Cartagena:  die  Hamburg-Amerikanische ­
  Paketfahrt  -  Aktiengesellschaft,
Hamburg-Südamerikanische  Dampfschissfahrtsgesellschaft, ­
  Comp.  Générale  Transatlantique, ­
  Harrison-Linie,  Royal  Mail
Steam  Packet  Co.,  Westindia  and  Paciste
Steamship  Co.  —  Von  Eisenbahnen
bestehen  die  Linien:  Panamá-Colon
75  km  und  Sabanilla  -  Barranquilla
28  km.  Die  Post  beförderte  1878—79
in  146  Anstalten  932,958Briefsendungen,
        <pb n="297" />
        Kongsbcià  —  Königsberg.

13,218,000  Mk.  in  Wertsendungen,  darunter ­
  52,960  kg@olb  und  Silber  in  Barren. ­
  Die  Telegraphenlinien  hatten
eine  Länge  von  2960  km,  auf  welchen
124,646  Depeschen  befördert  wurden.  —
Finanzen.  Das  Budget  1879—80  rechnete ­
  die  Einnahmen  20,6  Mill.,  die  Allsgaben ­
  36,2  Mill.  Mk.  Der  größte  Teil
der  Einnahmen  (12,6  Mill.  Mk.)  fließt
mis  Zöllen.  Die  Einzelstaatcn  zusammen
hatten  1873—74:  Einnahmen  8,412,988
Mk.,Ausgaben  10,240,000Mk.  Staatsschuld ­
  (1.  Jan.  1880):  64,317,216  Mk.
sind  zwar  äußere  Schuld  41,570,000  Mk..
mum  22,747,216  9Rf.  -  31*0,1=3e».
  Durch  Gesetz  vom  27.  Juli  1857  ist
nach  dem  französischen  Münzsystem  der
neue  Piaster  —  5  Frank,  der  Real  —  l /i
Şnk.  Der  Kondor  (Goldmünze)  —  10
bie  =  20  %kfo8.
Äoiiflööai«,  Hafenstadt  im  schwed.  Lan
sulara°e?i'tu^  ^^Eiuw.  Deutsche  Kon-Königsberg,
  Hauptstadt  des  preuß.
Aegierungöbezirks  gleichen  Namens,  7,5
«n  bon  der  Mündung  des  Pregel  in  das
»?6che  Haff  und  im  Knotenpunkt  der
şieusz.  Ostbahn  und  Ostpreuß.  Südbahn;
0«8o)  121,645  Einw.  Konsulate  für:  Bel-Ñlen,
  Dänemark,  England,  Italien,  Niederlande, ­
  Österreich,  Rußland,  Schweden
Und  Norwegen  und  Mecklenburg-Schwerst; ­
  Handelskammer;  Handelsgericht;
^orse.  —  Von  den  Fabriken  sind  nur
die  für  Eisenguß  und  Maschinenbau  arbeitciidcil
  bedeutend.  Was  K.  seine  besondere
Physiognomie  gibs,  ist  der  Handel.  Der
Hafen  der  Stadt  ist  aber  nicht  allen  Schiffst ­
  zugänglich;  viele  müssen  bei  dem  Dorf
Pillan,  daö  den  äußern  Hafen  bildet,
leichtern,  viele  werden  dort  umgeladen.
In  K.  und  Pillau  liefen  1880
ein:  1829  Schiffe  von  1106793  Kubikin.
aus:  1788  -  -  1115494
Ņach  K.  kamen  1879  von  den  cingelaufcuen
  Schissen  1846  von  907,877  cbm,
boit  dort  gingen  seewärts  1751  Schiffe
l '°it  899,978  cbm.  Von  den  eingelanfe-%
  Schiffen  gehörten  1038  der  deutschen,
W  der  dänischen,  327  der  englischen,
Ş  der  norwegischen,  113  der  holländi-1cl
 1 en  Flagge  an.  Die  Schifssbeweglliig
Haudelsgcographie.

289
geführte  Gütermenge  anlangt,  so  steht
England  obenan;  dann  folgen:  Preußen
und  der  Zollverein,  Dänemark,  Norwegen
Niederlande,  Belgien  und  Amerika.  Der
Handelsverkehr  zu  Land  und  zur  See  war
1879  (in  Millionen  Mark):

Ausfuhr

Waren

Getreide,  Hiilscnfriichte  rc
Flachs,  Hanf,  Hede  .  .
Holz  und  Holzware».  .
Kolonialwaren....
Tiere  und  Tierprodukte  .
Mineralische  Rohprodukte
Metalle  und  Metallwaren
Chemikalien,  Düngemittel,
Öl  und  Ölkuchen  .
Kousumtibilien.  .  .
Gewebe,  Manufakte.
Verschiedenes  .  .  .

Einfuhr

71.!,

20,4

21,5

32.9

31,2

19,o

10,9

11,4

10,9

31,5

14,6

10,9

220,5
287,3

175.1
239.2
ür  den

Zusammen  1878
1877
Diese  Zahlen  sprechen  deutlich
schnellen  Rückgang  deö  Handels  der  Stadt,
namentlich  für  den  Rückgang  des  Getreidehandels. ­
  Dasselbe  ist  vom  Bahnverkehr
zu  sagen.  ES  wurden  1879  expediert:
Ankunft  Abfuhr
Ostpreuß.  Südbahn  249174  194224  Ton.
König!.  Ostbahn  .  256779  91938  -
Die  Post  beförderte:  11,929,772  Briefsendungen,
  350,781,471  Mk.  angegebenen
Wert  in  Briefen  und  Paketen,  43,027,832
Mk.  ans  Postanweisungen.  Auf  den  sechs
Telegraphenämtern  wurden  156,661
Telegramme  aufgegeben  und  157,592
angenommen.  —  Kreditwesen.  Die
Reichsbankhanptstelle  hatte  1880  einen
Gesamtumsatz  von  1,107,847,000  Mk.,
davon  Wechselverkehr  280,2  Mill.,  Giroverkehr ­
  671,3  Mill.  Mk.  Die  Königsberger ­
  Vereinsbank  hatte  1879  einen  Gesamtumsatz ­
  von  433,706.154  Mk.,  die  Ostpreußische ­
  landschaftliche  Darlehnskasse
von  265,642,156  Mk.  ;  andre  Geldinstitute ­
  sind:  die  Ländliche  Genossenschaftsbank, ­
  Genossenschaftliche  Grundkreditbank.
Krcditgcscllschaft,  Städtische  Sparkasse.—
Märkte  finden  statt:  im  Juni  Leinwandmarkt ­
  (6  Tage),  Krammarkt  (7  Tage),
19
        <pb n="298" />
        290

i!;

1

SK

Wollmarkt(3Tage),  außerdem  im  Dezember ­
  ein  Krammarkt.  Im  März  eintägiger
Markt  für  Saatgetreide  und  Saatkartoffeln ­
  (nur  Proben).  Geldmarkt  für  den
Hypothekenverkehr  vom  27.  Inni  bis  5.
Juli  und27.  Dez.bis5.Jan.  Jährlich  mehrere ­
  Ledermärkte.  —  Platzgebräuche.
Leinöl  verkauft  man  für  50  kg  ohne  Faß,
Rüböl  für  dergleichen  mit  Faß.  Man  gewährt ­
  Gutgewicht  auf  Flachs,  Hanf,  Hanfwerg, ­
  Talg,  Wachs  10  Proz.,  bei  Einkäufen
ans  Polen  4—5  Proz.  Man  bedingt  Frachten ­
  nach  Schweden,  Norwegen,  Jütland
in  preußischem  Geld  für  5000  Pfd.  Roggen, ­
  nach  Rotterdam  und  Antwerpen  mit
Dampfer  in  englischen  Schillingen  für  500
Pfd.  Weizen,  für  Grubenholz  nach  England ­
  mit  Segelschiff  in  dergleichen  pro
Kubikfuß,  nach  Stettin  und  der  Ems  für
4520  Pfd.  Roggen,  nach  der  Weser  für
4300  Pfd.  Roggen.  Ist  die  ErfüNungszeit
eines  Kaufs  auf  Frühjahr  bestimmt,  so
tritt  sie  sechs  Wochen  nach  Eröffnung  der
Schiffahrt  und  frühestens  21.  März  ein.
Wechselkurse  notiert  man  auf:  Amsterdam ­
  (71  Tage  dato),  Berlin  (2  und
3  Monate),  Hamburg  (9  Wochen),  London ­
  (3  Monate),  Paris  (2  Monate),  Petersburg ­
  (3  Wochen).
Königshütte,  Stadt  im  preuß.  Regierungsbezirk
  Oppeln,  im  Mittelpunkt  des
oberschlcsischcn  Hütten  -  und  Steinkohlendistritts, ­
  an  der  Bahn  Gleiwitz-Schwientochlowitz;
  0880)27,432  Einw.  Vorschußverein.
  —  Großartiger  Bergbau  und  Hüttenbetrieb. ­
  Die  Königs-  und  Laurahütten-Aktiengesellschaft
  produziert  jährlich
mit  3000  Arbeitern,  7  Hohöfen,  71  Pnddel-,
  33  Schweißöfen  und  4  Bessemerkonvertern ­
  1,100,000  Ctr.  Roheisen,  850,000
Etr.  Stabeiscn,  Blech  und  Bahnschienen,
15,000  Etr.  Rohzink  und  400,000  Ctr.
Stahlwaren.  Die  nahe  Königsgrube
liefert  jährlich  19,  die  Gräfin  Laura-Grube
11  Mill.  Etr.  Steinkohlen.
Konstantinopcl,  Hauptstadt  des  türk.
Reichs,  an  der  Straße  von  K.  (Bosporus)
und  der  Eisenbahn  K.-Philippopel;  Station ­
  der  Dampferlinien:  Sloman  u.  Ko.
(Hamburg),  Nederl.  Stovmboot  Maatschappij,
  Osterr.-Ungar.  Lloyd,  Carnegie-,
Cunard-,  Westcotts-  und  Wilson-  Linie,

248  Mill.  Mark
146  -

Konstantinopel.
Rufs.  Dampfschlssahrtsges.,  Messageries
maritimes,  Società  Florio;  ca.  600,000
Einw.  (die  Griechen  bewohnen  die  Vorstädte ­
  Pera  und  Galata,  die  Europäer
Pera).  Deutsches  Berufskonsulat;  Handelsgericht ­
  für  Streitigkeiten  zwischen  Türken ­
  und  Fremden,  Ausschuß  der  Wechsler
zur  Oberaufsicht  über  deren  Korporation,
Kommission  zur  Überwachung  der  Fallimente.
  (Auf  der  Börse  in  Galata  versammelt ­
  sich  der  Handelsstand  dreimal  wöchentlich, ­
  um  Wechsel  zu  kaufen  und  zu
verkaufen  und  die  Geldkurse  festzustellen.)
Imperial  Ottoman  Bank,  Credit  general
Ottoman,  Credit  Lyonnais  Succ.,  Banque
de  Constantinople.—Die  Industrie  geht
über  den  handwerksmäßigen  Betrieb  nur
in  der  Mehlproduktion  hinaus;  die  unter
englischen  und  französischen  Maschinisten
arbeitenden  13  Dampfmühlen  verarbeiten
wöchentlich  bis  2,625,000  kg  Getreide.
Der  Handel  ist  dagegen  bedeutend;  er
wird  begünstigt  durch  die  Lage  der  Stadt,
welche  den  Stapelplatz  zwischen  Orient
und  Occident  und  Hauptbazar  der  Levante ­
  bildet.  1879—80  verkehrten  hier:
Schiffe  Tonnen
Segelschiffe  .  .  12532  1  401546
Dampfer  ...  4760  3614522
zusammen  (inkl.  17  Lokaldampfcr  von
2700  I.)  17,319  mit  4,818,970
T.  Der  bei  weitem  größte  Anteil  (1,727,582
T.)  fällt  auf  die  englische  Flagge;  es  folgen
die  griechische,  italienische,  türkische,  österreichische, ­
  französische,  schwedisch-norwegische, ­
  deutsche  (37  Schiffe  mit  28,687,
davon  35  Dampfer  mit  28,005  T.)  rc.
Genaue  statistische  Angaben  überden  Haudclöwert
  zu  geben,  ist  nicht  möglich;  doch
soll  die  durchschnittliche
Einfuhr
Ausfuhr
betragen.  Die  Beteiligung  Deutschlands
ist  ebensowenig  zu  ermitteln;  von  der  seit
zehn  Jahren  bestehenden  europäisch-türkischen ­
  Eisenbahngesellschaft  wurde  aus
Deutschland  bis  1877  inkl.  mindestens
für  5,757,000  Mk.  Eisenbahumaterial  bezogen. ­
  Die  wichtigsten  Handelsartikel
sind  Getreide  und  Mehl,  wovon  1878  für
32,o  Mill.  Mk.  importiert  wurde;  in  der
        <pb n="299" />
        Konstanz  —  Kopenhagen.

Kegel  nimmt  Getreide  den  ersten  Rang
unter  den  Ausfuhrgegenständen  ein.  Von
Fellen  werden  ca.  2  Mill.  Stück  exportiert, ­
  die  Haupt-ezugsquelle  für  Pelzund
  Rauchwaren  ist  die  Leipziger  Ostcrmesse.
  Von  Droguen  lourde,:  1878  erportiert:
  Opium  0,5  Mill.,  Rosenöl  1,7  Mill.,
Gummi-Tragant  1  Mill.  Mk.,  ferner
Gcrannimöl,  Kreuzbeeren,  Mastix  rc.
3n  Farben  (Anilin,  Ultramarin)  beherrscht ­
  Deutschland  den  Markt.  Von
Tabak  werden  besonders  makedonischer
und  thessalischer  ausgeführt,  im  ganzen
!"r  15,5  Mill.  Mk.,  von  Seide  110,000kg
uu  Wert  von  6.4  Mill.  Mk..  Banmlvolle
7^0,000  kg,  Meerschaum  9344  Kisten.
Importiert  werden  namentlich:  Garne
und  Manufatte,  Tuch,  Samt,  Näh-Sarn,
  Leder-  und  Schuhwarcn  (6  Mill,
ķ'  namentlich  aus  Frankreich),  Eisen-,
A"l&amp;gt;l-  und  andre  Mctallwaren,  Stein-*
  llhrcn  (Schweiz),  Papier  (Östereich)
  Deutschland  importiert:  Knopfe,
Dtahl-  und  Metallwaren,  Kölnisches
-tuaifer,  Samt  -  und  Kleiderstoffe,  Bcrn-Tibets,
  Strumpf-  und  Rauchwaren,
'  urz-  und  Spielwaren,  Bronzen,  Pforz-^mer
  Goldwaren,  Cigarren,  Schinken

q,  -V  |iu;cvt  JVUU1CI  au,  ultimai  iu,  ¿1,
,  1-,  45,  61,  91  Tage  Zeit;  an  jedem  der
m  e:  Termine  wird  ein  Drittel  der  Sumine
Rzahlt.  Der  Käufer  gibt  dem  Verkäufer
une  Schuldverschreibung  (»Temessut«),
&amp;gt;e  feine  Wechselkraft  hat.  Verkäufe  auch
kuamentlich  an  Perser)  gegen  bar.  Wechselkurse ­
  notiert  man  in  K.  auf:  Ainster-Augsburg,
  Genna,  Livorno,  Lon-^u,
  Marseille,  Paris,  Odessa,  Petersburg, ­
  Saloniki,  Smyrna,  Triest,  Wien.
Konstanz,  Hauptstadt  des  gleichnami-?
 en  bad.  Kreises  und  Hafenstadt  an:  Bo-^usee,
  an  der  Linie  Basel-K.  (Badische
^taatsbahn)  mit  Linien  nach  Romansbvru
  und  Winterthur  (schweizerische  Bah-'
 ICll J;  Osso)  14,728  Einw.  Handelskama
  Hauptsteueramt;  ReichsbanlnebenijWc,
  Filiale  der  Rhein.  Kreditbank,  Vor-Mßverein
  (eingetragene  Genossenschaft),
auinwollspinnerei,-Weberei,  -Druckerei

291
IHH
Wer  Dauer;  die  erste  beginnt  am  dritten
Montag  nach  Ostersonntag,  die  andre  an:
zwecken  Montag  nach  Mariä  Geburt.
Kopenhagen  (Kjöbenhavn),  Hauptstadt ­
  deö  Königreichs  Däneinark,  auf  den
Inseln  Seeland  und  Amager  am  Sund,
durch  Eisenbahn  mit  Roeskildc  und  Korsor
  rc.  sowie  mit  Helsingör  verbunden;
Station  der  Dampferlinien:  Vereinigte
Dampfschiffgescllschaft  (Stettin),  Essen
u.  Kasch  und  Sartori  n.  Berger  (Kiel),
Hall  Angbats  Aktien  Bolag  (Halmstad)
und  der  hier  domizilierten  ForemDampskibselökab;
  0878)  205,000  (inkl.  Vorstädte ­
  273,727)  Einw.  Deutsches  Bcrusskonsulat
  (Amtsbezirk:  das  Königreich
Dänemark)  ;  Münzstätte  ;  Börse;  See-  und
Handelsgericht;  Nationalbank,  Privatbank, ­
  Handelsbank,  Dairske  Landmansbank.
  Jährlicher  Wollmarkt  Ende  Juni.
—  DieJ  n  du  str  i  e  ist  vertrete,:  durch  zwei
treffliche  Porzettanfabrikcir,  59  Braiintwelnbrennerelen,
  großartige  Maschincnbauanstalten,
  Zuckersiedereien  u.  a.  —
Der  Handel  ist  sehr  bedelltend.  K.  besaß
31.  Dez.  1878  eine  Handelsflotte  von  438
Schiffen  mit  77,263  Ton.  oder  etwa  30,8
Proz.  der  Tragfähigkeit  der  gesanckcn  Handelsflotte ­
  Dänemarks.  Unter  den  438
Schissen  zählte  man  120  Dampfer  mit
38,710  T.  und  9359  Pferdckräften,  davon ­
  gehörten  der  Vereinigten  Dampfschiffahrtsgesellschaft
  55  Schiffe  an  mit
13,797  T.  und  4334  Pferdekräften.  Von
der  gesamten  ausländischen  Schiffahrt
entfielen  auf  K.  18,528  Schiffserpeditionen
  mit  823,291  T.,  bei  der  inländischen ­
  Schiffahrt  war  K.  mit  5743  eingelaufenen ­
  Schiffen  von  136,303  T.  und
6476  ausgelaufenen  von  122,998  T.  beteiligt. ­
  1880  verkehrten  hier  842  Schiffe
von  105,708  T.;  beladei:  kamen  aus
deutschen  Häfen  673  Schiffe  von  59,050
T.,  dorthin  gingen  165  von  28,428  T.  —
Platzgebräuche.  Auswärtige  Warengeschäfte ­
  werden  gewöhnlich  auf  drei  Monate ­
  Kredit,  zahlbar  in  Hamburg,  abgeschlossen; ­
  bei  Barzahlungen  gewöhu-19*
        <pb n="300" />
        292

Korea  —  Kragerö.

lich  5  Proz.  Diskont.  Wechselkurse
werden  notiert  3  Monate  und  10  Tage
dato  regelmäßig  nur  auf  Altona,  Hamburg ­
  und  London.
Korea,  Vasallenstaat  Chinas,  an  der
Ostküste  Asiens,  eine  vom  Gelben  und
Japanischen  Meer  bespülte  Halbinsel;
230,666  là  (4552  QM.)  mit  8,500,000
Einw.  —  An  der  Nordostküste  gedeiht  nur
Gerste,  der  Süden  und  Westen  gleichen
Süditalien.  Es  gedeihen  hier  Reis,  Baumwolle, ­
  Tabak,  Hanf,  Wein;  auch  der
Wachsbanm  kommt  vor.  Von  Mineralien ­
  sind  vorhanden:  Kohle,  Silber,  Eisen,
Kupfer,  auch  Gold.  Die  Tierwelt  liefert
Tiger-,  Panther-,  Fuchs-  unb  Marderfelle, ­
  auch  Moschus.—  Von  Jndustrieprodukten
  sind  zu  nennen:  Tuch  und  Papier,
die  nach  Japan  gehen,  Baumwollstoffe,
Porzellan-  und  Metallwaren..  Handel
treiben  die  Koreaner  nur  mit  China  (zu
Land)  unb  Japan,  welchen  die  Häsen
Fufan  und  Gensan  geöffnet  sind.  Japan
importiert  europäische  Manufatte,  Reis
ititi)  Weizen  und  führt  Tuch,  Ginseng,
Punori  (Seetang),  Trepang  und  Golderz
aus.  In  den  letzten  Jahren  betrug  der  Umsatz ­
  2Vs—3  Mill.  Mk.  Eine  monatliche
Postverbindung  besteht  zwischen  Fufan
(mit  japanesischem  Postamt)  u.  Nagasaki.
Korfu,  Hauptstadt  der  gleichnamigen
ionischen  (griechischen)  Insel,  an  der
Ostküste;  Station  der  Dampferlinien:
Nederl.  Stoomboot  Maatschappij,  Österr.-Ungar.
  Lloyd,  Cunard-  und  Leyland-Linie,
  Società  Florio;  (mo)  14,452
Einw.  Deutsches  Konsulat;  Griech.  Nationalbank, ­
  Filiale  derJonischenBank.  —
Der  Handel  ist  sehr  beträchtlich;  H'aupterportartikel:
  Öl  und  Wein.  Der  gesamte
Warenverkehr  erreichte  1878  einen  Wert
von  19,3  Mill.  Mk.,  wovon  9,2  auf  die
Einfuhr,  2,9  auf  die  Ausfuhr  und  7,2
auf  den  Transit  fallen.  Österreich  ist  bei
dem  Warenhandel  mit  11,4  Mill.  Mk.  beteiligt. ­
  1879  verkehrten  hier  709  Dampfer' ­
  (241  österreichische)  von  585,916  Ton.
und  1519  Segelschiffe  (davon  845  in  Küsteiifahrt).
  —  Platzgebräuche.  Kredit
beim  Verkauf  von  Einfuhrwaren:  bei  Getreide ­
  und  Kolonialwaren  3  —  4,  bei
Manufakturwaren  4—6  Monate.  Öl

und  Korinthen  kaust  man  mit  Vorausbezahlung, ­
  die  letzter«  in  Schillingen  für
112  Pfd.  engl.
Korsör,  dän.  Hafenstadt  auf  Seeland,
am  Großen  Belt  und  der  Seelandbahn,
Station  der  Dampferlinie  Schlotfeldt  in
Kiel  und  der  kaiserlichen  Postdampfer;
(1880)  3956  Einw.  Deutsches  Konsulat.
1880  verkehrten  hier  36  deutsche  Schisse
von  3310  Ton.
Kotka,  Hafenplatz  im  ruft.  Gouvernement ­
  Wiborg  (Finnland).  Deutsche  Konsularagentur ­
  für  die  Zollstättedistrikte  K.
und  Frederikshamn;  Kontor  der  Nord.
Aktienbank  für  Handel  u.  Industrie.  1879
verkehrten  hier  24  Schiffe  von  5585  Ton.
Kotschinchina  (Cochinchina),  stanz.
Kolonie  in  Hinterindien,  auf  der  Ostküstc;
59,457  qkm  (1080  QM.)  mit  (1877)
1,544,998  Einw.,  davon  1107  Europäer.
Das  Land  ist  reich  bewässert,  namentlich
durch  den  Mekhong  und  den  Donai.  —-Hanptprodukte:
  Reis  (auf  300,999  lia),
Zucker  (9826  ha),  weniger  Baumwolle,
Indigo,  Pfeffer,  Kaffee.  Auch  Seidenzucht
tvird  getrieben  und  Holz  exportiert.  Die
Ausfuhr  von  Reis  betrug  1877:33,i  Mill.
Mk.,  die  Gesamtausfuhr  1876:48,3  Mill.
Mk.,  die  Einfuhr  (Manufakturwaren,
Mehl,  Wein,  Thee,  Opium  re.)  49,4  Mill-Mk.
  Es  liefen  1877  ein:  403,  aus:  406
Schiffe,  dazu3098Dschonken  einund  3143
ans.  Hauptstadt  und  Haupthandelsplatz
ist  Saigon  (s.  d.).
Kowno,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
rusf.  Gouvernements,  am  Einfluß  derWrlia
  in  den  Niemen  und  der  Bahn  Wilna-Wirballen;
  (1874)  35,400  Einw.  Deutsches
Berufskonsulat  für  die  Gouvernements
Wilna,  K.  und  Grodno;  Gegenseitige  Kreditges.;
  Transportges.  Nadeshda.  —  Aus
Preußen  wurden  1879  eingeführt  11,&amp;amp;
Mill,  kg  (Salz,  Heringe,  Steinkohle,  Eisen ­
  ic.),  dahin  auf  dem  Niemen  ausgeführt
18  Mill,  kg  (Roggen.  Hafer,  Leinsamen,
Erbsen,  Gerste  re.,  außerdem  Holz).  Aus
Preußen  kamen  1878:  1010,  aber  18/9
nur  800  Kähne  an.  Die  Abnahme  der
Schiffahrt  und  des  Handels  hat  ihren
Grund  in  der  schlechten  Beschaffenheit  der
russischen  Strecke  des  Niemenflusses.
Kragerö,  Hafenstadt  im  norweg.  Stift
        <pb n="301" />
        Krajowa  —  Krefeld.

293

Christiansand;  (187«)  4850  Einw.  Deutsches ­
  Vicekonsulat  für  den  Zollstättedistrikt
K.  1879  liefe»  hier  33  deutsche  Schiffe
von  1914  Ton.  ein.
Krajöwa,  Stadt  im  Königreich  Rumänien, ­
  an  der  Bahn  Bukarest-Orsova;
(1873)  22,767  Einw.  Deutsche  Konsularagentur. ­
  Großes  Salzwerk  und  ansehnlicher ­
  Handel.
Krakau,  Hauptstadt  der  österreich.  Provinz ­
  Westgalizien,  am  Einfluß  der  Rudawa
  in  die  Weichsel  und  an  den  Bahnen
K.-Wien  und  K.-Brody;  (isso)  60,679
Einw.  Handels-  und  Gewerbekammer,
Handelsgericht;  Börse.  Im  Juni  werden
die  stark  besuchten  »JohanniSkontraktc«  gehalten; ­
  außerdem  finden  zwei  Waren-und
Produktenmärkte  von  je  I4tägigcr  Dauer
natt;  der  Frühjahrsmarkt  beginnt  23.
-lpril,  der  Herbstmarkt  29.  Sept.  Von  den
beiden  Wollmärkten  (15  Tage)  beginnt
i/ìş-e  Mai,  der  zweite  )ü.  Sept.
.  Krefeld,  Jmmediatstadt  im  prenß.  Regierungsbezirk ­
  Düsseldorf,  7  km  links
oom  Rhein,  mit  welchem  durch  den  projektierten ­
  Rhein-Maaskanal  eine  schiffbare ­
  Verbindung  hergestellt  werden  soll,
Station  der  Bergisch-Märkischen  und  der
Rheinischen  Eisenbahn  und  Centralpunkt
der  K.-Kreis-Kempener  Industriebahn;
(isso)  73,866  Einw.  Handelskammer  für
den  Gemeindebezirk  von  K.  und  ürdingen
und  Stadt  Kempen;  Handelsgericht,  Gewerbegericht
  (verbunden  mit  einer  Vergleichskaminer).
  —  Industrie.  K.  ist
Mittelpunkt  der  deutschen  Seiden-  ititi)
^anltfabrikation  (Zeilg  und  Band)  unb
wtte  1880  in  Stadt  und  Umgegend  in
^cķr3nb»Rñc  33,008  Bcbimbic  in  3#
î'gkeit  (davon  17,464  in  Samt,  15,196
Ut  Stoffen).  Der  Umschlag  betrug  1877:
278,444,  1878  :  05,479,690,  1879:
70,370,522  imb  1880:  74,481,758  9%f.,
^'vvoil  im  letzten  Jahr  auf  Deutschland  23,8
Mill.,  ans  England  23,7  Mill.,  auf  außereuropäische ­
  Länder  19,i  Mill.,  der  Rest
Frankreich,  Österreich  -  Ungarn  re.
«ominen.  All  Rohmaterial  wurden  ver-357,563
  kg  Âo^cibc,  210,633
%  Echappe,  823,544  kg  Baumwolle,
şle  verausgabten  Web-,  Wind-,  Scher-,
»arb-  und  Appreturlöhne  bezifferten  sich

auf  24,810,86«  Mk.  In  schweren  qanzseideilen
  Waren  kann  K.  nicht  mit  Lyon
und  St.  Etienne  konkurrieren,  dagegen
sind  die  leichten  Samt-  unb  halbseidenen
Stoffwaren  von  K.  in  Amerika  gesuchte
Artikel.  Die  Ausfuhr  dieser  Waren  nach
Amerika  betrug  1878  :  8,481,840  Mk.,
1879:  11,404,426  Mk.,  davon  Samt
5,157,468,1880:13,197,778  91».,  I)albseidene
  Stoffe  6,074,324Mk.  Der  gesamte
Export  aller  Waren  nach  den  Vereinigten
Staaten  belief  sich  1879  auf  11,673,499
Mk.  In  deröffentlichenKonditionierungs-(Seidentrocknnngs
  -)  Anstalt  wurden
1879:  436,293  kg  Seide  konditioniert,
davon  66  Proz.  lombardische,  15  Proz.
piemontesische,  je  7  Proz.  chinesische  und
bengalische,  4  Proz.  japanesische.  In  der
Krefelder  Samt-  und  Seidenfärberei  wurden ­
  1879  an  Seide,  Echappe  und  Baumwolle ­
  durch  1330  Arbeiter  gefärbt  für  Krefelder ­
  Fabrikanten  1,404,197  kg,  für  auswärtige ­
  437,975kg,  wofür  1,250,717  Mk.
an  Löhnen  gezahlt  wurden.  Großartig  sind
auch  dieKesselschmiederei,  Maschinenfabrikation ­
  und  Eisengießerei.  In  der  Hauptiverkstätte
  der  Bergisch-Märkischen  Eisenbahn ­
  wurden  Materialien  im  Wert  von
274,418  Mk.  durch  378  Mann  verarbeitet. ­
  Ferner  sind  zu  nennen:  die  Fabrikation ­
  von  Anilin,  Teerfarben,  Säuren, ­
  Alaun,  ferner  Brennereien  (12)  und
Brauereien  (72).  •—  In  den  acht  im  Bezirk ­
  von  K.  befindlichen  Postanstalten
wurden  befördert:  4,634,496  Briefsendungen,
  Geldsendllngen  im  Betrag  von
89,8  Mill.  Mk.,  Postaufträge  l,sMill.Mk.,
Postallweisungen  15,6  Btill.  Mk.;  Telegramme ­
  wurden  empfangen  und  abgesandt ­
  72,146  Stück.  —  Kreditwesen.
Die  Reichsbailkstellc  hatte  1880  einen  Gcsamtnmsatz
  von  375  Mill.  Mk.,  davon  181
Mill.  Wcchselverkehr  undl90,2Mill.  Giroverkehr. ­
  In  der  Sparkasse  waren  auf
7998  Bücher  eingezahlt  4,464,672  Mk.  —
P  l  a  tz  g  e  br  ä  u  ch  e.  Rohseide  und  Schappe
notiert  man  in  Mark  für  das  Kilogramm,
Ziel  9  Monate  oder  bar  mit  5  Proz.
Diskont,  zahlbar  in  Wechseln  auf  Berlin.
Frankfurt  a.  M.,  Köln,  Krefeld,  Elberfeld, ­
  Barmen;  Preis  von  Baumwollgarn
in  Mark  für  100  Pfd.  engl.  Die  Seiden-
        <pb n="302" />
        294

Kreta  —
trocknungsanstalt  bestimmt  die  Feinheit
(Titrierung)  des  Seidengarns  wie  folgt:
die  Haspellänge  ist  125  cm,  jede  Probe
muß  400  Haspelungen  (500  m)  messen,
die  Proben  werden  mit  Grammgewicht
gewogen  und  das  Titre  unter  Zugrundelegung ­
  des  Einheitsgewichts  Don  0,050  g
berechnet.  Einen  Wechselkurs  notiert
man  auf  London.
Kreta  (ital.  Candia),  eine  zur  europ.
Türkei  gehörige  Insel  im  Mittelmeer;
8617  qkm  (156,5  QM.)  mit  172,000—
210,000  Bewohnern,  meist  Griechen.  1879
wurden  die  Häfen  der  Insel,  unter  welchen ­
  Canea  (s.  d.)  an  der  Nordwcstküste
Haupthafen  und  Haupthandelsplatz  ist,
von  1738  Schiffen  mit  137,111  Ton.  besucht, ­
  darunter  225  (149  Österreich.-Ungar.
  Lloyd-)  Dampfer  mit  84,332  T.
1879  wertete  die  Einfuhr  (Fabrikate,  Getreide, ­
  Vieh  u.a.  über  Triest,  Griechenland,
Konstautinopel,  Smyrna)  19,3,  die  Ausfuhr ­
  11,3  Mill.  Mk.  Wichtigste  Ausfuhrprodukte: ­
  Öl  (3,3  Mill.  Mk.),  Seife  (1,9
Mill.),  getrocknete  Weinbeeren  (240,000
Mk.),  Felle,  Mandeln,  Wein,  Valonen,
Johannisbrot  re.
Kristinestad,  Ort  in  dem  russ.  Gouvernement ­
  Wasa  (Finnland),  Station  der
Lübeck  und  Finnland-Dampfschissahrtsgesellschaft;
  2500  Einw.  Deutsches  Kon-Ladvgasee.


fusât  für  die  Zolldistrikte  K.  und  Kasko;
Agentur  der  Wasa-Aktienbank.  1879  verkehrten ­
  hier  4  deutsche  Schiffe  von  435  Ton.
Kronstadt,  befestigte  Hafenstadt  im
russ.  Gonveruement  St.  Petersburg,  auf
der  Insel  Kotlin,  vor  der  Newamündung,
der  Seehafen  von  Petersburg  (s.d.);  (1874)
47,166  Einw.  Deutsches  Vicckonsulat.
Die  voit  Neval,  Helsingfors,  Stockholm,
Stettin,  Lübeck  und  Havre  komnlcnden
Postdampfschiffe  müssen  hier  stets  anlegen. ­
  Im  Winter  geschieht  die  Beförderung ­
  der  Waren  zwischen  K.  und  Petersburg ­
  auf  Schlitten.  1879  wurden  über  K.
ausgeführt:  Getreide  (namentlich  Hafer,
Roggen,  Weizen)  12,3  Mill,  hl,  Leinimb
  Hanfsamen  1,6  Mill,  hl,  Flachs  14,i
Mill,  kg-,  Flachshede  7  Mill,  kg,  Holz
für  11,2  Mill.  Mk.,  Packleinwand  2,7
Mill.  m,  Hanf,  Talg,  Pottasche,  Taue  rc.
1880  kamen  hier  (und  in  Petersburg)
2889  Schiffe  (1188  Dampfer)  an,  davon
692  deutsche  (244  Dampfer).
Küstendschk,  Hafenstadt  im  Königreich
Rumänien  (Dobrudscha),  am  Schwarzen
Meer  und  der  Bahn  Tschernawoda-K.;
Station  der  Dampfer  des  Östcrreich.-Ungar.
  Lloyd,  Nederl.  Stoomboot  Maatschappij,
  Messageries  maritimes;  3000  Einw.
Deutsches  Vicckonsulat.  1879  liefen  hier  3
deutsche  Schiffevon  4288Ton.  ein  und  aus.

Labuan,  brit.  Insel  an  der  Nordwestküste ­
  von  Borneo,  etwa  15  km  lang  und
78  qkm  (1,4  QM.)  groß  mit  (mi)  4898
Einw.,  enthält  einen  sichern  Hafen  (Victoriabai), ­
  am  Nordrand  ausgezeichnete
Steinkohlen,  die  von  den  Engländern  abgebaut ­
  werden  und  welche  für  die  Dampfschiffahrt ­
  in  jenen  Gewässern  von  großer
Bedeutung  sind.  Das  Kolonialbudget  belief ­
  sich  1878  in  Einnahme  auf  140,000,
in  Ausgabe  auf  160,000  Mk.  L.  gehört
zum  Weltpostverein.
Ladikieh,  s.  Lattakieh.
Ladogasee,  größter  Landsee  Europas,
zwischen  den  Gouvernements  Petersburg,
Olonez  und  Finnland,  208  km  lang,

L.
126  km  breit,  mit  einem  Flächenraum
von  18,129  qkm  (329,25  QM.).  Um  die
gefährliche  Schiffahrt  auf  dem  L.  zu  umgehen, ­
  wurde  der  110  km  lange,  18  m
breite  Ladogakanal  erbaut,  welcher  den
Finuischeu  Meerbusen  durch  den  Swir  und
Wolchow  und  die  sich  ihnen  anschließenden ­
  Kanalsystcine  mit  den  körn-  und
waldreichen  Gouvernements  verbindet.
Infolge  der  Zunahme  der  Schiffahrt
(der  Kanal  wurde  von  mehr  als  24,000
Schiffen  und  gegen  1200  Flößen  mit
einem  Wert  von  192  Mill.  Mk.  befahren)
wurde  der  108km  lange  Nowoladogaf
  a  rtcit  mit  dem  alten  fast  parallel  gebaut. ­
  Außerdem  ziehen  sich  noch  zwei
        <pb n="303" />
        205

Lago  Maggiore  -  Laļtakieh.

Kanäle  am  L.  hin:  der  112  km  lange
Ssjäskaual,  zwischen  dein  Wolchöw
and  dem  SsjäS,  und  der  80  km  lange
Swirkanal,  zwischen  Ssjäs  und  Swi'r.
Lago  Maggiore(spr.  -maddschohre,Lange ­
  n  sc  e),  größter  See  Italiens,  zum  Teil
;um  schweizer.  Kanton  Tessin  gehörig,
unt  314,27  qkm  Flache,  197  m  Meeresi)ohe,
  854  m  größter  Tiefe,  durch  Eisenbahn ­
  und  den  Kanal  Naviglio  mit  Mailand, ­
  durch  Eisenbahn  mit  Novara,  durch
die  Tresa  mit  dem  Luzerner  See  verbunden, ­
  seit  1842  von  Dampfschiffen  befahlen, ­
  sept  voir  9  Booten  (2  Nemoraueurenl
52*  420  Pferdckräften  und  Raum  für
po80  Personen,  Eigentum  der  Società
ferroviaria  dell'  alta  Italia  und  der  Impresa ­
  di  Navigazione  sul  L.  M.
Lagos,  brit.  Besitzung  und  wichtigste
Handelsstadt  an  der  Westküste  Afrikas,
mit  einem  Gebiet  von  189  qkm  (3,4  QM.)
¡mb  (mi)  60,221  eimv.  ßon=,
  wehren,  Kattun,  Perlen,  Kaurinluscheln.
  Der  Handel,  vorzugsweise  in
Hamburger  Händen,  wertete  1879  in  Einfuhr ­
  9,m  Mill.,  Ausfuhr  l  l,r&amp;gt;4  Mill.  Mk.
Kolonial-Einnahmeu  987,780,  -Aus-987,500
  Skf.  -  1879  liefe,  ci„:
Ü3  Schiffe  von  175,844  Ton.(44  deutsche
4%  j0,272  T.),  aus:  417  Schiffe  von
1'2,534  %.  (42  6(10^  wo,,  9883  I.).
La  Guahra,  s.  Guaira,  La.
Laguna  de  Términos,  Hafenstadt  im
Ulexikan.  Staat  Tabasco,  am  Golf  von
:  ainpcche;  2000  Einw.  Deutsches  Konfulat
  für  den  Staat  Tabasco.  Ausfuhr
von  Blanholz  (nach  Deutschland  und
Frankreich),  Gelbholz.  Zucker,  Mahagoni-Uf'd
  Cedernholz.  1879  liefen  aus:  124
G#e  (26  bett^e).
Lahor  (Lahore),  Hauptstadt  der
uuglo-ind.  Provinz  Paudschab,  Knotenpunkt ­
  der  Sindh-Pandschab-Dehlibahn;
(1876)  128,441  Einw.  Agra  Bank,  Bank
of  Bengal.  Industrie  in  Woll-  und  Scivonzeugeu,
  Getvebren  rc.  Auswärtiger
Handelsivcrt  ca.  7  Mill.  Mk.
_  Laibach,Hauptstadt  des  österrcich.Kronlands
  Kraiu,  au  der  Südbahu  (Wieu-'Vliest)
  und  der  Rudolfsbahu  (L.-Tarvis-Wciürn);

  (1880)  24,940  (Simu.  0^,^
del«-  und  Gewerbekammer;  Filiale"  der
Österreich.  -  Ungar.  Bank,  Kramer  Es-@io(fcng,#rci,
  3abnfc„
fur  Baumwoll-,  Tuch-  und  Wollwarcn
Znndwaren  rc.;  ansehnlicher  Handel.
Lakhnau  (Lucknow),  Hauptstadt  der
britisch-ostlnd.  Provinz  Aitdh,  an  der  von
Khanpur  au  die  Gogra  ziehenden  Bahn,
„ad)  284,779  @,,,,0.
Nestort  des  deutschen  Konsuls  in  Kalkutta  ;
Bank  of  Bengal,  Dehli  Bank  Agency.
Landskrona,  Hafenstadt  im  schweb.
Lau  Malmö  (Schonen),  am  Sund  und
den  Linien  Eslöf-L.  und  L.-Engclholm,
Station  der  Hamb.  Dampferlinic  R.  Sloman
  jun.;  (i87s)  9560  Einw.  Deutsches
Konsulat  (Amtsbezirk:  von  der  Provinz
Malmö  die  Härads  Harjager  und  Rönneberg);
  Skänes  Enskilda  Banks  Afdelu.
Kontor.  Steinkohlengrubeu.  Eö  liefen
1878  ein:  1817  Schiffe  von  102,001  Ton.
(37  deutsche  von  3069  T.),  aus:  1707
Schiffe  von  82,628  T.  Ausfuhr  von  Holz.
Langensee,  s.  Lago  Maggiore.
La  Paz,  Hauptstadt  des  gleichnam.  Departen, ­
  cntSdersüdamerikan.RepublikBolivia;
  76,372  Einw.  Deutsches  Konsulat;
Banco  Nazionale,  Cred.  Hypot.  de  Bolivia.
Larache,  Hafenstadt  im  Kaisertum
Marokko,  am  Atlantischen  Ocean,  Station
der  Londoner  Marocco  Line-Dampfer;
0878)  10,000  Einw.,  davon  15  —1800
Juden  und  200  Europäer.  Deutsches  Bicekonsulat
  für  die  Küste  vm  Kap  Sparte!  bis
Baharah  südlich.  Die  Einfuhr  (England
und  Frankreich)  wertete  1879:1,098,825
Mk.,  die  Ausfuhr  (Wolle,  Häute  rc.)
825,800  Alk.  1879  verkehrten  hier  69
Schisse  (kein  deutsches)  von  13,588  Ton.
Larochellt,  s.  Rochelle,  La.
Las  Palmas,  Hauptstadt  der  Insel
Grau  Canaria  der  span.  Kanarischen
Inseln,  Station  der  Liverpooler  Dampfer
der  African  Steamship  Co.  und  British
African  Steamship  Co.;  12,500  Einw.
Deutsches  Konsulat  für  Grau  Canaria.
Lattakich  (Ladikieh.  Lat  alia),  türk.
Hafenstadt  in  Syrien  (Liwa  Beirut),  am
Ntittclmeer,Station  derRussischenDampfschiffahrtsgcscllschast;
  14,000  Einw.  Deutsches ­
  Bicekonsulat.
        <pb n="304" />
        29G

Lauball
Laudan,  Kreisstadt  im  preuß.  Regierungsbezirk ­
  Liegnitz,  an  der  Schlesischen
Gebirgsbahn;  (isso)  10,779  Eiiiw.  Bedeutende ­
  Weberei,  welche  im  Kreis  L.
1879:  5215  Stühle  mit  4300  Webern
und  6623  Arbeitern  beschäftigte.  Auf  der
Eisenbahn  wurden  zugeführt  50,599,384
kg,  versandt  23,819,794  kg  Güter.  Die
Kommunalständische  Bank  für  die  Oberlausitz ­
  hat  hier  einen  Korrespondenten.
Laurvig,  Hafenstadt  an  der  Südküste
Norwegens,  am  Ausfluß  des  Laagen  in
das  Skagerrak;  Station  der  Dänischen
Dampsschiffgesellschaft  (Lübeck)  unb  der
Söndenfjldk.  Dampskibselskab  (Christiania); ­
  (1876)  7905  Einw.  Deutsches  Bicekonsulat
  (Amtsbezirk  :  die  Zollstättedistrikte
L.  und  Sandefjord).  Einfuhr  1879:
Roggen  (750,000  Mk.),  Kaffee  (377,408
Mk.),  Butter,  Rohtabak  u.  a.,  deutsch
868,000  m.;  (1,863,465
Mk.)  re.,  deutsch  281,000  Mk.  1879  liefen ­
  94  deutsche  Schiffe  von  7027  Ton.  ein.
Lausanne  (spr.  losan»),  Hauptstadt  des
schweizer.  Kantons  Waadt,  2  km  vom
Genfer  See  an  der  West-  und  Echallensbahn;
  (1880)  30,179  Einw.  Börse,  Vangile ­
  Cantonale,  Banque  Federale.
La  Valetta,  s.  Valetta,  La.
Leeds  (&amp;gt;pr.  lihdI),  bedeutendste  Stadt  in
der  engl.  Grafschaft  am  Aire  und
L.-Liverpoolkanal  und  mehrereil  Eisenbahnen; ­
  (1880)  326,158  Einw.  Börse,  Kornnnd
  Aktienbörse,  Bank  of  England,  Bank
of  L.,  L.  and  County  Bank.  Hauptsitz
der  englischen  Wollindustrie  und  desTuchhandelS.
  1872  waren  unter  2543  gewerblichen ­
  Anstalten  mit  52,532  Arbeitern:
130  Wollfabriken  (8556  Arbeiter),  29
Leinenfabriken  (7650  Arbeiter),  8  Eisengießereien ­
  (3028  Arbeiter),  32  Maschinenbananstalten ­
  (3742  Arbeiter).
Leer,  Kreisstadt  in  der  preuß.  Landdrostei ­
  Aurich,  an  der  Leda  und  der  Eisenbahn ­
  voir  Münster  nach  Emden  und  nach
Oldenburg;  (isso)  10,050  Einw.  Konsulate ­
  für  Belgien,  Dänemark,  Österreich;
Handelskammer;  Hauptzollamt;  Ostfricsische
  Bank,  Agentur  der  Hannöverschen
Bank,  Genossenschaftsbank.  Wichtigster
Handelsplatz  im  Elllsgebiet.  Die  Stadt
besaß  1875:17  Seeschiffe  von  7155  Ton.;

-  Leipzig.
1879  liefen  ein:  585  Schiffe  von  56,982
T.,  aus:  641  Schiffe  von  66,174  T.  Besonders ­
  bedeutend  ist  der  Handel  mit  Getreide, ­
  Vieh,  Butter,  Käse,  Torf  u.  a.
Große  Pferde-  und  Rindviehmarkte.
Leicester  (spr.  less'tr),  Hauptstadt  der
gleichnam.  engl.  Grafschaft,  am  schiffbaren
Soar,  Knotenpunkt  mehrerer  Eisenbahnen ­
  und  Kanäle;  (issi)  134,350  Einw.
Börse,  Leicestershire  Banking  Co.  Hauptsitz
der  englischen  Wirkwarenindustrie;  in  Leicestershire ­
  beschäftigte  1871  die  Strumpfwirkerei ­
  20,268,  die  Fabrikation  von
Schuhwaren  10,052,  von  Worsted  1175
Arbeiter  rc.  Der  Handel  mit  Strumpfwaren ­
  wertete  1878:155,9  Mill.  Mk.
Leiden,  Stadt  in  der  niederländ.  Provinz ­
  Südholland,  am  Alten  Rhein,  der
nicht  weit  von  der  Stadt  durch  einen  Kanal ­
  in  die  Nordsee  fließt,  und  an  der  Holländischen ­
  Bahn;  (1876)  40,000  Einw.
Haarlemer  Bankvereening.  Zahlreiche  Fabriken ­
  für  Tuch,  wollene  Zeuge,  Baum
wolle,  Baud  rc.  Hauptmarkt  für  Wolle
u.  Wollwaren,  Kamelott,  Serge,  Flanelle.
Leipzig,  zweitgrößte  Stadt  und  bedeutendster ­
  Handelsplatz  des  Königreichs
Sachsen,  Knotenpunkt  von  sieben  Eisenbahnen; ­
  (isso)  148,760  Einwohner  (ohne
die  Vororte).  Konsulate  für  :  Argentinien, ­
  Belgien,  Brasilien,  Dänemark,
England,  Frankreich,  Italien,  Niederlande, ­
  Österreich,  Peru,  Portugal,  Rußland, ­
  Schweden  und  Norwegens  Schweiz,
Spanien,  Türkei,  Vereinigte  Staaten;
Börse,  Garnbörse,  Buchhändlerbörse,
Börsenverein  der  deutschen  Buchhändler;
Handels-  und  Gewerbekammer,  Handelsgericht ­
  Deutsches  Reichsgericht.—  Die  Fabrikthätigkeit ­
  ist  bedeutend,  besonders
in  der  Herstellung  von  Tabak  und  Cigarren, ­
  Sprit,  Bier,  Pianofortes,  Papier,  auch
Lnrilspapier,Kürschncrwarcn,Schriftguft,
Maschinen,Handschuhen,  künstlichen  Blumen, ­
  Chemikalien,  Eisenguß,  Garn,  Mineralwässern ­
  u.  a.;  wichtig  sind:  Steindruckerei
  und  Notendrnckerei,  Buchdruckerei, ­
  welche  im  engen  Zusammenhang  mit
dem  großartigen  Buchhan  del  steht.  L.
zählte  1879:  131  Kommissionäre  mit  4984
Kommittenten;  an  Büchergut  wurden
9,223,467  kg  versandt;  12,650,779  Mk.
        <pb n="305" />
        297

Leipzig.

wurden  für  iit  Kommission  oder  auf  feste
Rechnung  versandte  Bücher,  12,965,484
Mk.  für  Barpakete  gezahlt;  1877  betrug  die
Gesamtsumme  28,i  Mill.  Mk.  Veröffentlicht ­
  wurden  1878:  1973  Werke  und  25
Landkarten,  1879:  2144  Werke  und  21
Landkarten.  Seinen  vorwiegend  merkantileu
  Charakter  verdankt  L.  aber  seinen
drei  Me  s  sen:  Ostcrmesse(Jubilatcmesse),
am  Montag  nach  Jubilate,  zwei  Wochen
nach  Ostern  beginnend:  Michaelismesse,
am  Montag  vor  Michaelis  oder,  wenn  der
Michaelistag  ein  Montag,  an  diesem  selbst
anfangend  (jede  drei  Wochen),  und  Nculahrsmesse,
  2.  Jan.  beginnend  (zwei  Wochen). ­
  Die  erste  Woche  heißt  Böttcherwoche,
dw  zweite  Meßwoche,  die  dritte  Zahlwoche,
à  Donnerstag  der  Zahlwoche  müssen
zur  Messe  eingegangenen  Wechselverchndlichkeiten
  gelöst  werden;  in  der  Neulahrsmesse
  ist  der  12.  Januar  dieser  Zahl-Z'^u
  die  Zeit  der  Ostermesse  fällt  aud)
cic  Bnchhandlermcsse,  die  am  Sonntag
Kantate  beginnt.  Ein  Wollinarkt  findet
,'^d  16.  Juni  statt;  die  Ölsaatmarkte,
^^orsenvorstand  ausgehend,  beginrn
  MitteJuni  und  fallen  auf  vier  eiiicmver
  folgende  Sonnabende,  von  denen  der
?me  Hauptinarkt  ist.  Ein  internationaer
  Produktenmarkt  wird  Ende  Juli,  ein
Kartoffelsaatinarkt  Ende  März  gehalten.
E  Ateßverkehr  hat  in  den  letzten  Jahren
bedeutend  abgenommen.  Der  Eingang
megzollpflichtiger  und  meßzollfreier  Güter
urch  Bahnen,  Landfracht  und  Post  betrug
,1&amp;amp;'4:45,989,650kg  u.  1877:39,490,750
1878  u.Oftmi  22,372,350
Der  Eingang  meßzollpflichtiger  Waren
auf  diesen  beideuMesseu  betrug  9,708,300
ì  wobei  Tuch-,  Woll-,  Baumwoll-,  Leinenwaren
  und  fabriziertes  Leder  die  weitaus
  größten  Posten  einnehmen.  Bei  dem
Hauptzollamt  wurden  1879
Verzollt:  verkauft:
Vauinwollwurcu.  245  734  54800  kg
Leinenwaren  .  .  20497  7600  -
Woll,varen  .  .  .  247442  117400  .
Seidenwaren  .  .  26323  10450  -
Halbseidenwarc»  .  15  728  4  900  -
Taschenuhren  .  .  5443  3  330  -
Ņ^zollt  wllrden  außerdem:  5,803,762  kg
1,455,832  kg  Wci8,  289,938

UMS
Porzellan.  Ohne  den  Bedarf  für  Bahnhöfe ­
  und  Durchfuhr  gingen  ein  an  Steinkohle: ­
  ans  dem  Zwickaner  Revier  181,915
r,?‘V  '  ^  dvm  Dresdener  und  Lugauer
3:  ,  160,075  %.
Das  Rauchwarengeschäft,  das  sehr  gelittcn
  hatte,  hob  sich  in  jüngster  Zeit  recht
bedeutend;  1877  wurden  nur  797  400
kg,  aber  1879:1,250,973  kg  im  Hauptzollamt ­
  zur  Pelzwerkbereitung  abgefertigt.
Auf  allen  sechs  Bahnhöfen  gingen  ein  von
Getreide  lmd  Hülsenfrüchten  88,712  Ton.,
versandt  wurden  50,261  T.  Überhaupt
war  der  Balmverkehr  1879  (in  Tonnen):
Versand

Eingang
728062
655791
140144
340854
228266
65915

339699
329600
162462
410937
153602
41300

Dresdener  .
Bayrische  .
Thüringische
Magdeburger
Berliner.  .
Eilenburger.
Auf  dem  städtischen  Lagerhof  war  1871
^Eingang  9,329.528  kg,  der  Abgauc
9,431,971  kg;  Bestand  Ende  1879'
2,273,002  kg.  —  Die  Ausfuhr  aus  dem
Konsulatsbezirk  L.  nach  den  Vereinigten
Staaten  betrlig  1878:  6,9  und  1879  :  9,5
Mill.  Mk.,  wobei  Häute  und  Felle,  wollene
und  halbwollene  Waren,  baumwollene
Waren,  musikalische  Instrumente  und  l&amp;lt;v
derne  Handschuhe  die  Hauptposten  bildeten.
Den  Exportwert  früherer  Jahre  erreichte
der  letzte  Betrag  noch  bei  iveitem  nicht.  —
Durch  die  acht  Po  st  ä  m  t  e  r  der  Stadt  wurden ­
  befördert  24,096,060Briefe,  7,558,416
kg  Pakete  ohne  Wertangabe,  529,7  Mill.
Mk.  Wert  in  Paketsendungen,  65,4  Mill.
Mk.  auf  Postanweisungen  rc.;  ans  den
zehn  Telegraphenämtern  kamen  an
216,410  und  wurden  aufgegeben  233,033
Depeschen.—Kreditwesen.  DieReichSbaiithanptstellc
  hatte  1880  einen  Gesamtumsatz ­
  von  l686,3Mill.Mk.,  davon  Wechselverkehr ­
  463,2  Mill.  Mk.,  Giroverkehr
1192,8  Mill.  Mk.;  sie  nimmt  demnach  die
vierte  Stelle  ein.  Die  Leipziger  Bank  hatte
1880  folgende  Gesamtumsätze:  Kassakonto
        <pb n="306" />
        298

Leith  —
495,6  Mill.  Mk-,  Wechselkonto  163,8Mill.
Mk.,  Kontokorrentkonto  372,.;  Mill.  Mk.
Die  Allgemeine  Deutsche  Kreditanstalt
hatte  einen  Gesamtumsatz  von  1803  Mill.
Mk.  (davon  Wechselkonto  374,sMill.Mk.,
laufende  Rechnung  624,s  Mill.  Mk.),  der
Leipziger  Kassenverein  einen  Giro-  und
Inkassoverkehr  von  698,9  Mill.  Alk.,  die
Leipziger  Diskontogesellschaft  ein  Kassenkonto ­
  von  203,8  Mill.  Mk.  Außerdem  bestehen ­
  hier  die  Kommunalbank  des  Königreichs ­
  Sachsen  und  eine  Filiale  der  Sächsischen ­
  Bank  zu  Dresden.  Versicherungsanstalten: ­
  Leipziger  Feuerversichcrnngsanstalt,
  LebcnsvcrsichernngSanstalt  zu  L.,
die  Teutonia,  Leipziger  Rückversichernngs-Aktiengesellschaft,
  Neue  Sächsische  Flußversicherungsgesellschaft, ­
  Allgemeine  Unfallversicherungsbank ­
  und  Unfallversicherungs
  -  Genossenschaft.  —  Platzgebräu ­
  ch  e.  Bei  rechtzeitig  geleisteten  Buchhändlerzahtungen
  wird  seit  1875:  1
Proz.  in  Abzug  gebracht.  Bei  Produkten ­
  und  Öl  ist,  wenn  der  Kauf  mit  »circa«
geschlossen,  das  Mehr  oder  Weniger
nach  dein  Preis  des  Ablieferungstags
zu  vergüten.  Spiritus  muß  mindestens
80  Proz.  nach  Tralles  sein.  Kolonialwaren ­
  verkauft  man  auf  3  Monate  Kredit,
selten  per  comptant  (d.  h.  1  Monat  Ziel)
mit  IVü  Proz.  Diskont,  Manufakturwaren ­
  auf  6  Monate  Kredit.  In  der  Messe
verkauft  man  Warcil  häufig  zahlbar  in
der  nächsten  (Michaelis-  oder  Oster-)  Messe
alls  6  Monate  Kredit.  Die  meisten  ilnd
größten  Meßgeschäfte  werden  in  Meßzahlung ­
  (10  —  20  Proz.  über  die  Landeswährung) ­
  kontrahiert.  Im  Pelzhandel
verkauft  man  Fuchöbälge  und  Fischotterfelle
  für  10  Stück  (Decher),  russische  und
Ukrainer  Hasenfclle  für  500  (1  Ballen),
Iltisfelle  für  40  (Zimmer),  Marderfelle
für  1,  Katzenfelle  für  10,  sächsische  und
schlesische  Hasenfette  und  Kaninchenfelle
für  100  Stück.  Wechselkurse  notiert
man  auf  Amsterdam  8  Tage  itnb  2  Monate, ­
  Brüssel,  Antwerpen,  London,  Paris,
Wien  8  Tage  und  3  Monate,  Petersburg
21  Tage  und  3  Monate,  Warschau  8Tage.
Kurzsichtige  Wechsel  dürfen  nicht  über  14
Tage  und  nicht  unter  4—5  Tagen  zu
laufen  haben;  bei  laugsichtigen  gilt  für

Lemberg.
Paris  und  Wien  eine  wenigstens  zweimonatliche ­
  Skadcnz,  bei  London  2Vr  Monate ­
  als  börsenmäßig.
Lcith  (spr.  lihth),  Stadt  in  der  schott.
Grafschaft  Edinburg  lind  Hafenort  der
Stadt  Edinburg,  an  der  Caledonian  and
North  British-Eisenbahu;  0876)  52,912
Einw.  DeutschesKonsulat(Edinburgund
L.);  Bank  of  Scotland,  Royal  Bank  of
Scotland,  Union  Bank  of  Scotland.  —
Die  industrielle  Thätigkeit  erstreckt  sich  auf
den  Bau  von  Maschinen  und  Schiffen,  die
Fabrikation  von  Seilerwaren,  Chemikalien ­
  re.  In  den  Hafen  liefen  1879  beladen ­
  ein:  1446  Schiffe  (136  deutsche)
mit  530,614  Ton.,  aus:  996  Schiffe
(85  deutsche)  mit  392,002  T.  ;  überhaupt
verkehrten  hier  2512  Schiffe  von  959,467
T.  1879  war  der  Wert  der  Ausfuhr  britischer ­
  Produkte  (  Leinengarn,  Leinen-  und
Jutewaren,  Eisen,  raffinierter  Zucker,
Maschinen  rc.)  60,7  Mill.  Mk.,  der  Einfuhr ­
  (Getreide  und  Lebensmittel,  Wolle,
Wollgarn,  Wein,  Flachs,  Rohzucker  u.  a.)
147  Mill.  Mk.
Lemberg,  Haupt-  uiib  Handelsstadt
der  östcrreich.  Provinz  Ostgalizicn,  an  der
Eisenbahn  von  Czernowitz  nach  Krakau,
von  der  hier  ein  Zweig  nach  Brody  und
Tarnopol,  ein  andrer  nach  Stryj-Staniölau
  abgeht;  (isso)  103,954  Einw.  Handels- ­
  und  Gewerbekammer,  Wechsel  -  und
Merkantilgericht;  Filiale  der  Österreich.-Ungar.
  Bank,  der  Privileg.  Österreich.  Kreditanstalt ­
  für  Handel  imb  Gewerbe,  K.  K.
Privileg.  Galiz.  Aktienhypothekenbank,  der
Galiz.  Kreditbank,  Privileg.  Galiz.  Rustikalbank.
  —  L.  ist  der  bedeutendste  Gewerbe- ­
  und  Handelsplatz  des  Landes  und
unterhält  Fabriken  für  Rosoglio,  Essig,
Seife,  Zündhölzchen,  Bier,  Wachsbleichen ­
  rc.  Der  ansehnliche  Handel  vertreibt
namentlich:  Flachs,  Hanf,  Leinwand,  Leder. ­
  Honig,  Wachs,  Klcesamen,  hauptsächlich ­
  aber  Wolle.  Die  bedeutende  »Drcikönigsmesse«
  beginnt  am  Montag  nach  dem
Dreikönigstag  (6.  Jan.)  und  dauert  vier
Wochen.  Damit  verbunden  sind  die  vom
14.Jan.an  sechsWochen  dauernden  sogen.
Kontrakte  für  Gutskäufe,  Pachten  lind
Geldgeschäfte.  Wollmarkt  von  zweitägiger
Dauer  imJuni.PlatzgebräuchewieB  rod  y.
        <pb n="307" />
        Lemvig  —  Licata.

Lemìiig,  Hafenstadt  im  dan.  Amt  Ribe,
am  Llinfjord;  (isso)  1711  Einw.  Deutsche
Şstàragcntur  (ressortiert  von  Ringklvbing).

.  Lena,  einer  der  größten  Flüsse  Sibiriens, ­
  entspringt  im  Gouvernement  Jr-Ìff
  ^Lestabhailg  der  Berge  um  den
IS'ŞïSflÈ
schiffbar  und  bleibt  es  im  Sommer  auch
Kampfer  L.  erreichte  die  Stroinmündu'ig
  auf  Nordenskjölds  Expedition  und
verkehrt  fetzt  auf  dem  Fluß.
^.eoit,  Stadt  in  der  centralamerikan.
àevublst  Nicaragua,  au  der  pacifischeu
g&amp;amp;æa
í 1 ;.  r 187l)  351G  Einw.  Dcnischeö  Biceusulat;
  Fischfang.  1879  verkehrten  hier
J  beutle
«fc  «  tt/  f’  Viti-Jnseln.
Hauptstadt  von  Tibet  und  Sitz
J*  Estues.  Centralstclle  für  die  Berival-Uig
  von  Tibet;  30,000  Einw.  Lebhafter
Handelsverkehr  im  Dezember,  ivo  Händ-„
  ŗ  "»d  Wallfahrer  anö  Indien,  China
tralasien  inL.  zusammenkommen.
Llbau,  Hafenstadt  in  der  tuff.  Ostsee-Kurland,
  am  Endpunkt  der  von
f7,  "ua  kommenden  Eisenbahn;  Station
Livland  -  DampffchisfahrtSgescllschaft
nd  der  Lübeck  -  L.  -  Dampfschiffgesellschaft
(Lübeck);  (um)  10,767  Einw.  DentlAŞonsillat;
  Handelskammer;  Zollamt:
&amp;gt;wr&amp;gt;e,  Abteilung  der  Staatsbank,  Libau-IcheKommcrzbauk;
  Filiale  der  TransportstOellschaftNadefhda.
  —  Bedeutender  See-)ttnbei,
  namentlich  mit  Getreide,  Holz,
Einsaat,  Flachs.  Die  Gesamtausfuhr  beì'ug
  1878:  67,3  Mill.  Mk.,  davon  gingen
nach  Deutschland  12,8  Mill.  Mk.;  an  der
»ķ"hr  von  1879  int  Wert  von  89,g
î  Mk.  warDentschland  mit  36,2Mill.

299
1877  1878  1879
Gins#  .  .  i.:  g,,  5,,
Ausfuhr  .  .  9,2  19,8  30,7
®tc  meisten  Ladungen  gingen  mit  Getreide, ­
  fast  nur  Roggen,  nach  Kiel,  Lübeck
mib  @lcWt„.  S)ct  9%^  ^1^#
«chrfse  entwickelte  sich  ebenso  stark  wie
der  Handel,  namentlich  aber  der  Dampfschiffsverkehr.
  In  den  genannten  Jahren
waren  eingelaufen:
Schiffe  .  .  159  323  643
Tonnen.  .  31068  70936  107296
Ņon  den  1879  eingelaufenen  Schissen
waren  266  Dampfer  mit  107,296  Ton
Im  ganzen  liefen  1878:  1278  Sckstffc
ein,  so  daß  L.  unter  den  russischen  Ostseehäfen ­
  den  nächsten  Platz  nach  Riga  einnimmt; ­
  es  ist  jetzt  ein  mächtiger  Rival
Königsbergs.  —  P  la  tz  g  e  b  r  ä  n  ch  e.  Man
verkamt  Getreide  und  Erbsen  filr  die  Last
(15  Tschetwert),  Ausfuhrwaren  per  comptant, ­
  Einfuhrwaren  auf  2—3,  Salz  auf
3  und  6  Monate  Kredit.  Wechselgcschäfte
  werden  meist  über  Königsberg
gemacht,  doch  notiert  inan  auf  Amsterdam,
Berlin,  Hamburg  65  Tage,  auf  London
lind  Parrs  3  Monate  dato.
Liberia,  Negerrepnblik  in  Westafrika
(Oberguinea),  an  der  sogen.  Pfefferküste;
49,078  qkm  (891  QM.)  mit  1,400,000
Einw.  (darunter  18,000  civilisicrte  Nester). ­
  Zur  Ausfuhr  kommen  :  Kaf  ce  (Ern  te
1880:200,ÜOOŞ,b.),^asm!)(,ŞaInm^ffl.
Camwood,  Elfenbein,  Arrowroot,  Zucker,
Ingwer.  England,  Belgien,  Hamburg
Amerika  treiben  Handel  hierher.  Einnahmen ­
  und  Allsgaben  1874—75:  445,828
Mk.  1879  liefen  4  deutsche  Schisse  von
1566  Ton.  ein.  Die  Schuld  beträgt  2
Mill.  Mk.  L.  gehört  zum  Weltpostverein.
Hauptstadt  ist  Monrovia  (s.  d.).
Licäta,  Stadt  in  der  ital.  Provinz
Girgenti,  an  der  L.-Catania-Bahn;  (i87i)
15,996  Einw.  Deutsches  Vicckonsulat;
Banca  di  Depositi.  1878  verkehrten  hier
560Schisfe  (76Dampfer)von54,498Ton
davon  4  deutsche  von  1553  T.  Der  Wert
der  Ausfuhr  betrug  1878:4,631,860  Mk
davon  Schwefel  3,117,988  m.  Der  Wert
der  Einfuhr  belief  sichaufnnr175,992Mk
        <pb n="308" />
        300  Liechtenstein
Liechtenstein,  selbständiges  Fürstentum, ­
  von  der  Schweiz  und  Tirol  (Vorarlberg) ­
  umschlossen;  178  qkm  (3,24  QM.)
mit  (isso)  9124  Einw.  Nach  der  Staatsrechnung ­
  betrugen  1870  die  Einnahmen
100,586,  die  Ausgaben  87,904  Mk.  Die
fürstlichen  Mediatbesitzungen,  welche  104
OM.  mit  350,000  Einw.  betragen,  bringen ­
  ein  Einkommen  von  2,800,000  Mk.
Infolge  des  mit  Österreich  bestehenden
Zoll-  und  Monopolvertragö  führt  dieses
die  Verwaltung  und  vergütet  als  Ertrag
jährlich  32,000'  Mk.  Es  gilt  die  österreichische ­
  Wechselordnung.  Die  Staatsschuld
beträgt  350,000  Mk.  Hauptort  istV  a  duz.
Liege  (spr.  llehsch),  s.  Lüttich.
Liegnitz,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
Regierungsbezirks  in  der  preuß.  Provinz
Schlesien,  an  der  Niederschlesisch-Märkischen
  und  Breslau-Schweidnitz-Freiburger ­
  Bahn  (Linie  Frankenstein-L.-Raubten); ­
  (1880)  37,168  Einw.  Reichsbankstelle
(1880  Gesamtumsatz  149,8  Mill.  Mk.),
Vorschußverein  (eingetragene  Genossenschaft), ­
  Filiale  der  Breslauer  Wechslerbank.
  —  Am  bedeutendsten  ist  die  Pianoforte-, ­
  Filzhut-  ii.  Wollwarenfabrikation,
deren  Erzeugnisse  1878  zwischen  1—1
Mill.  Mk.  werteten;  demnächst  die  Fabrikation ­
  von  Handschuhen,  Cigarren,  Maschinen, ­
  Tuch  ic.  Der  Handel  ist  ansehnlich ­
  ;  auf  dem  Wollmarkt  (5.  Juni)  wurden
1877:  3016,1878:  1486  Ctr.  verkauft.
Lille  (svr.  Uhl),  Hauptstadt  des  franz.
Norddepartements,  an  der  Mündung  des
Deulekanals  in  die  Lys  und  am  Senseekanal,
  Knotenpunkt  mehrerer  Eisenbahnen; ­
  (i87l&amp;gt;)  137,150  Einw.  Handelskammer, ­
  Handelsgericht;  Börse,  Bank  von
Frankreich,  Société  générale,  Crédit  du
Nord.  —  Von  den  zahlreichen  Industriezweigen ­
  sind  am  bedeutendsten:  die  Leinenspinnerei ­
  mit  V*  Mill.  Spindeln  und
6000  Arbeitern;  die  Fabrikation  von  Nähzwirn ­
  mit  i—5(  )(^Arbeitern,von  Spitzenzwirn ­
  und  Damast;  die  Baumwollspinnerei ­
  mit  7a  Mill.  Fcinspindeln  und
7  —  8000  Arbeitern;  die  Schafwollwcberei
  und  die  Fabrikation  von  Tüll  und
Spitzen  rc.  Außer  diesen  und  andern
Indnstrieprodukten  vertreibt  der  Handel:
Kolonialwaren,  Wein,  Branntwein,  Li

—  Linares.
kör,  Krapp  rc.  1878  betrug  die  Einfuhr
35  Mill.,  die  Ausfuhr  15,8  Mill.  Mk.
Ein  Markt  für  Garn,  Zwirn  und  Flachs
an  jedem  Mittwoch.
Lillesand,  Hafenstadt  im  norwcg.  Stift
Christiansand,  am  Skagerrak;  (1876)1432
Einw.  DeutschesVicekonsulatfürdenZollstättedistrikt
  L.
Lima,  Hauptstadt  der  Republik  Peru,
9  km  von  Callao  (s.  d.),  durch  Eisenbahn
mit  diesem  und  den  Hafenstädten  Chancay
und  Huacho,  Pisco,  dem  Seebad  Ehorillos
sowie  mit  Oroya  und  Jauja  durch  die
transandinische  Bahn  verbunden;  (i878)
101,488  Einw.  (ein  Viertel  Weiße,  Kreolen ­
  und  Fremde);  Münzstätte;  Handelsgericht; ­
  Banco  del  Pern,  Banco  de  L.,
Banco  Raciónale  del  Peru,  Banco  de  la
Providencia,  London  Bank  of  Mexico
and  South  America,  Anglo  -  Peruvian
Bank.—  Der  Handel  befindet  sich  ganz  in
Händen  von  Fremden,  namentlich  Deutschen, ­
  und  nimmt  den  Weg  über  Callao.
—  Platzgebräuche.  Verkauf  von  Einfuhrwaren ­
  ans  6  Monate  Kredit,  Ausfuhrwaren ­
  gegen  bar.  Wechselkurse  ans
nordamerikanische  Platze  60,  London  60
und  90,  Paris  und  Hamburg  90  Tage
nach  Sicht.
Limerick  (spr.  limm-),  Hauptstadt  der
gleichnam.  irischen  Grafschaft,  am  Shannon ­
  und  an  der  Cork-Limericker  Eisenbahn ­
  ;  (1871)  33,953  Einw.  Deutsches  Vicckonsulat;
  Zollamt;  Börse,  Bank  of  Ireland, ­
  Provincial  Bank  of  Ireland;  Kornmarkt. ­
  Die  Stadt  besitzt  32Schissc  von  2100
T.  Wert  derEinfuhr  1879:16,»  Mill.  Mk.,
Ausfuhr  (britische  Produkte)  96,660  Mk.
1879  liefen  8  deutsche  Schiffe  ein,  9  aus.
Limoges  (spr.  -mohsch),  Hauptstadt  des
franz.  Departements  Obcrvicnne,  an  der
Vienne  und  der  Orleauöbahn;  (i87»)
55,097  Einw.  Handelskammer,  Handelsgericht; ­
  Filiale  der  Bank  von  Frankreich,
Société  generale.  In  indnstrieller  Hinsicht ­
  steht  obenan  die  Porzellanindustrie,
welche  mit  Einschluß  der  Malerei  4000
Personen  beschäftigt.  Bedeutender  Handel
mit  Cerealien,  Wein,  Spirituosen  u.Vieh.
LinärcS,  Stadt  in  der  span.  Provinz
Jacn,  an  der  Eisenbahn  Madrid-Cordova  ;
(I860)  36,630  Einw.  Deutsches  Vicckonsi''
        <pb n="309" />
        Lincoln  —  Lissabon.

lat.  —  Ausfuhr  von  Blei  und  Erzen  und
Einfuhr  von  Grubenmaterial.  1878  produzierte ­
  L.  mit  fünf  andern  Gemeinden
82.622.000  kg  Bleierz  im  Wert  von
16.258.000  Mk.  Der  Silbcrgehalt  dieser
Erze  schwankt  zwischen  20  und  60  g  Silber ­
  auf  50  kg  Blei.  Die  Erze  erster
Klasse  gehen  meist  nach  Marseille  und
Belgien,  die  zweiter  Klasse,  namentlich  die
s'lberhaltigern,  rum  Teil  nach  Deutschland, ­
  die  der  dritten  und  vierten  Klasse
ui  die  Gießereien  bei  Almeria  und  Cartagena.
  In  Stadt  utib  Umgegend  werden
BleUafeln,  Kugeln,  Schrot  und  Bleiwelst
  in  bedeutenden  Gießereien  hergestellt. ­
  Eingeführt  wird  für  Grubcnzwccke
platzt  von  England,  auch  von  Österreich,
Ketten  und  Seile  aus  Stahl  und  galvanisiertem ­
  Eisen  von  England,  Maschinen
und  Zubehör  hauptsächlich  von  England,
teilwelse  voit  Deutschland  und  Belgien.
e klncoln  (spr.  lingkon),  Hauptstadt  der
ramlgen  engl.  Grafschaft,  an  der
»„uZern  and  Midland-Eisenbahn;
„  ,766  Einw.  L.  and  Lindsey  Banking
l-v  Midland  Banking  Co.  —  Jährlich
hroße  Pferdemarkte;  bedeutender  Handel
uut  Korn,  Kohlen,  Holz  rc.  und  große
^orn-,  Knochen-  und  Getreidemühlen,
Anstalten  für  den  Bau  landwirtschaft-Ilcher
  Maschinen,  Brauerei  rc.
Lindau,  Stadt  im  bahr.  Regierungsvezirk
  Schwaben  und  Ncuburg,  auf  einer
".msel  im  Bodensee,  Endpunkt  der  bayrischen ­
  Südnordbahn  (Damm  555  in):
Osso)  5M7  Einw.  Filiale  der  Bayrischen
Notenbank.  —  Ansehnlicher  Speditions-^udel
  nach  der  Schweiz  und  Italien  per
-lseilbahn  und  Bodensee.  Auf  der  Eisenbahn ­
  wurden  1878  abgefertigt  157,194
^an.  Güter;  es  kamen  an  9297  Schiffe
'»U  51,472  T.,  cs  gingen  ab  9297  Schisse
248,534  I.
-  Linz,  Hauptstadt  des  Erzherzogtums
Österreich  ob  der  Enns,  an  der  Donan,
Station  der  Westbahn  (Wien-Salzburgmünchen),
  der  Bahn  nach  Budweis;  (isso)
'ch.847  Einw.  Handels-  und  Gewerbetanlmcr;
  Filiale  der  Österreich.-llngar.
8ank,  Bank  für  Oberösterreich  und  Salzbllrg.—Fabriken
  für  Schaftvollwaren,  Le-^er,
  Bier,  Zündhölzchen,  Spodium,  Kno-301


Schiffswerft,  auf  der  viele  eiserne  Dampfer ­
  gebaut  werden.  L.  ist  einer  der  Stapclpläpe
  des  Donauhandels,  besonders  für
den  Export  der  vielen  Eisenwareu  dieses
Kronlandö  (Sensen,  Sicheln,  Messer  werden ­
  nach  Rußland  erportiert),  ferner  für
Baumwoll-,Leinen-,Leder-undHolzwaren.
Lippe,  deutsches  Fürstentum,  1188,75
qkm  (21,6  OM.)  mit  (isso)  120,216Einw.,
meist  Protestanten.—Produktion.  Am
wichtigsten  ist  die  Landwirtschaft,  dann  die
Zucht  von  Rindern  (1873:  33,485)  und
Schweinen  (30,593).  Man  gewinnt  Sicde-(1879
  für  38,800  3Kf.).—  m  3  „  b  u  ;
strie  ist  gering.  Ausfuhr  von  Holz,  Garn,
Leinwand,  Getreide,  Schlachtvieh,  Pferden, ­
  Wolle.  —  Finanzen.  Das  Budget
für  1880  berechnet:  Einnahmen  1,026,513
Mk.  (direkte  Steuern  639,000,  indirekte
45,240  Mk.),  Ausgaben  1,044,886  Mk.
Matrikularbcitrag  1881:  229,343  Mk.
Staatsschuld  1880:  1,141,198  Mk.,  dagegen ­
  Aktivkapitalieu  von  1,767,900  Mk.
Lissabon  (Lisboa),  Hauptstadt  des
Königreichs  Portugal,  am  nördlichen  Ufer
der  8,4  km  breiten  Bai  (Rada  de  Lisboa),
die  der  Tejo  15  km  von  seiner  Mündung
iil  den  Atlantischen  Ocean  bildet,  und  an
den  Eisenbahnlinien  L.-Oporto,  L.-Setúbal, ­
  L.-Algarve;  Station  für  das  unterseeische ­
  Kabel  von  England  nach  Indien ­
  und  der  Dampferlinien:  Hamburg-Südamerik.
  Dampfschiffahrtsgef.,  Norddeutscher ­
  Lloyd,  Sloman  jun.,  Nederl.
Stoomboot  Maatschappij,  Hall-Linie,
Belgian  Royal  Mail,  Royal  Mail  Steam
Packet  Co.,  Pacific  Steam  Navig.  Co.,
Messageries  maritimes,  der  hier  domizilierten ­
  Companhia  geral  portugueza  de
navegacao  a  vapor  u.  a.;  (ms)  265,032
Einw.  (mH.  der  Vorstädte  Belem,  31,563,
und  Olivaez,  29,788).  Deutsches  Konsulat; ­
  Münzstätte;  Börse,  Bank  voit
Portugal,  Banco  Lusitano,  Banco  Ultramarino. ­
  —  Die  Hauptcrzeugnisse  der
I  n  d  u  st  r  i  e  sind  Gold  -  und  Silberwaren,
Goldstosfe,  ferner  besonders  in  der  Umgegend ­
  Spinnerei  und  Weberei  von  Baumwolle, ­
  Wolle,  Hanf  und  Seide;  von  Belang
sind:  Eisengießerei,  Zuckerraffinerie.  Maschlnenfabrikation,
  die  Fabrikeil  für  Che-
        <pb n="310" />
        302  Liverpool.

mikalien,  Hüte  und  Schuhe,  musikalische
Instrumente,  alle  zum  großen  Teil  für
den  Export  arbeitend,  für  Steingut,  Seife
und  Lichte  rc.  Bedeutender  aber  ist  der
Handel.  1879  wertete  die  Einfuhr  63,
die  Ausfuhr  99,8  Mill.  Mk.  gegen  1878:
48,  resp.  21  Mill.  Mk.  Hauptartikel  der
Einfuhr  1878:  Wollwarcn  18,iMill.Mk.,
Baumwolle  ii.  Baumwollwaren  8,2  Btill.,
Rohzucker  4,sMill.,Butter2,s  Mill.,Blättertabak ­
  2,9  Mill.  Mk.,  ferner  Seide,  Scidcnwaren,
  Leinwand  und  Waren  daraus,
Häute.  Hanptartikel  der  Ausfuhr:  Wein
6  Milt.,  Korkholz  4,5  Mill.,  Olivenöl  1,6
Mill.,  Wachs  und  Kaffee  mit  je  1,5  Mill.
Mk.,  ferner  Südfrüchte,  Kartoffeln,  Zwiebeln, ­
  Salz.  Auf  die  Hauptländer  verteilte
sich  der  Warenverkehr  1877  in  nachstehender ­
  Weise  (Wert  in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
England  30,7  14,8
Frankreich  ......  14,1  7,o
Brasilien  6,o  12,0
Deutschland  3,4  2,9
Vereinigte  Staaten  .  .  .  2,2  1,3
Deutschland  führte  1879  ein  für  zusammen ­
  4,788,000Mk.,  nämlich:  Blättertabak
und  Cigarren,  Branntwein,  Baumwolle
und  Baumwollwaren,  Wollwaren,  Leinwand ­
  und  Leinenwaren,  Leder.  Es  bezieht ­
  von  L.  vornehmlich:  Korkholz,  Kaffee,
Wachs,  Salz,  Gummi,  Mandeln,  Elefantenzähue.
  Der  deutsche  Handel  mit  L.  ist
im  Zunehmen.  Der  Schiffsverkehr
zeigte  folgende  Bewegung:  es  liefen  ein
1878:  3032  Schiffe  von  1407090  Kubikin.
1879  :  2028  -  -  1356852
davon  1879:1271  Dampfer  von  1,185,765
cbm.  Bon  deutschen  Schiffen  liefen  ein
1879:  140,  davon  102  Dampfer.  Bon
allen  Flaggen  ist  aber  die  britische  bei
weitem  am  stärksten  vertreten.  —  Platzgebräuche. ­
  Man  verkauft  Südfrüchte
für  die  Kiste,  Feigen  pro  Korb,  Pech  und
Teer  pro  Tonne,  Ochsenhörner,  Hornspitzen, ­
  trockne  Häute  pro  1000  Stück,  Hasenfelle ­
  und  gesalzene  Haute  pro  1  Stück.
Als  Tara  rechnet  man  die  wirkliche.
Wechselkurse  werden  notiert  auf:  Amsterdam, ­
  Antwerpen,  Gibraltar,  Ham-^Prrg.
  Genua,  Livorno,  Neapel,  Venedig,
Triest  und  Wien  9  Monate  dato,  auf

London  20,60,90  Tage,  auch  kurze  Sicht,
auf  Paris  3  Monate,  auch  100  Tage  dato
und  kurze  Sicht,  Madrid,  Cadiz,  Sevilla,
Barcelona,  Porto  8  Tage  nach  Sicht.
Liverpool  (spr.  llwwrpuhl),  Stadt  in
der  engl.  Grafschaft  Lancaster,  nächst  London ­
  die  wichtigste  britische  Handelsstadt,
an  der  Mündung  des  Mersey  ins  Irische
Meer,  durch  Eiscubahucn  mit  allen  Teilen ­
  Englands,  durch  Kanäle  mit  Leeds,
Manchester,  Birmingham  und  den  Salzbezirken ­
  Cheshires  verbunden;  Station  der
Dampferlinicn:  Nederlandsche  Stoomboot
  Maatschappij,  Allan-,  National-  und
Auchor-Linieu,  Lamport  and  Holt,  Union
Steamship  Co.,  White  Stear  Line  of  United ­
  States,  Yorkshire  Coal  and  SteamshipHo.
  und  der  hier  domilizierten:  African ­
  Steamship  Co.,  Beaver-,  Cnnard-,Dominion-, ­
  Guiou-,  Harrison-,  Inman-,  Leyland-,
  Red  Croß-  und  Warren-Linien,
Alano  Larrinagc  and  Co.,  Pacific  Steam
Navigation  Co.,  Westindia  and  Pacific
Steamship  Co.,  Fletcher  and  Co.;  (issi)
549,334Einw.  DentschesKonsulat;  Handelskammer, ­
  amerikanische  Handelskammer; ­
  Börse,  Getreidebörse,  Bank  of  England, ­
  L.  Union  Bank,  Manchester  and
L.  Dist.  Banking  Co.,  North  and  South
Wales  Bank  u.  a.  Man  zählt  48  Docks,
4,9—7,9  m  tief,  welche  sich  eine  Strecke
von  über  8  km  weit  am  Flußufer  hinabziehen ­
  und  eine  Flache  von  280  ha  (Wasserfläche ­
  135  ha)  einnehmen.  Die  Docks
von  Birkenhead,  welches  man  als  die
Vorstadt  von  L.  ansehen  kann,  haben  eine
Wasserfläche  von  36  ha  und  werden  mit
zum  Hafen  von  L.  gerechnet.  Zahlreiche
Dampffähren  vermitteln  den  Verkehr
zwischen  beiden  Städten.  Von  den  schwimmenden ­
  Landungskais  hat  der  neueste  und
großartigste  eine  Lange  von  629  m  und
eine  Breue  von  25—30  in.  Außer  nassen
und  trocknen  Docks  gibt  es  zahlreiche  Kalfaterdocks ­
  für  die  Ausbesserung  von  Seeschiffen. ­
  Die  Bruttoeinnahmen  sämtlicher
Docks  beliefen  sich  1877  auf  24,940,000
Mk.  gegen  eine  Ausgabe  von  20,006,000
Mk.  —  Von  industriellen  Anstalten
sind  vornehmlich  nennenswert  die  Schiffswerften ­
  (auch  für  eiserne  Schiffe);  auf  dem
Mersey  wurden  1877  gebaut:  34  Schiffe
        <pb n="311" />
        Livorno.

303

von  40,OCX  &amp;gt;  So,i,l878:28Schiffe  (9  Da»,
Pfer,  14  Segelschiffe  und  5Flnßfahrzeuge)
vou  24,748  T.  Der  Wert  der  Handelsbewegung
  war  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
1877:  2155,a  1473,8
1878  :  2014,5  1366,3
1879:  1984,5  1331,7
gei  der  Ausfuhr  ist  nur  eine  solche  briti-Mrob„rtcnm#(f.

Ir 1  Ņaumwolle,  Neis,  Tabak,  amerikaniche
  Provisionen,  Getreide;  eö  überragt
)&amp;gt;errn  sogar  London,  dessen  Einfnhrwer-?"
  (vgl.  London)  es  wenig  nachsteht,
deven  Ausfuhrwerte  cs  aber  weit  über-M-
  Der  Verkehr  einiger  Haupthandels-Einfuhr
  Ausfuhr
12228.4  618,5  Ctr.
739,8  256,a  -
8421,0  233,3  -
3757,2  1870,7  -
13479.5  4711,4  Pfd.
34901,3  12993,0  -
2873,8  1141,0  -
„o  .  11605,5  3613,5  -
^  à"  7414,8  460,3  ,
¿HļÌ ei '  den  schon  genannten  Speck  und
Timken  wurden  1879  eingeführt872,696
(  I'  888,818  Ütr.  jtöfc,  329,746
kJo-™  041,154  Ctr.  Schweinefett,
K 74  Rinder,  111,601  Schafe;  von  Ges
 i¿' ai í,9 en  und  Citronen,  ferner  Rohzucker,
c£*  Ausfuhr  der  bedeutendsten  britischen
?"dustrieprodnkte  betrug  1879  (in  Mil-"vilen
  Mark):

Baumwolle  .
Palmöl  .  .  .  .
Speck  u.  Schinken
äs  : :  :  :
Kakao  .
Spirituosen

Baumwollwaren  604,8
Eisen  und  Stahl  123,5
Btollwaren  .  .  98,5
Baumwollgarn.  68,6
"ilienwarcn.  .  51,7

Maschinen  .  30,7
Metallwaren  29,o
Posamenten.  24,4
Alkali.  .  .  23,i
Thonwaren.  22,3

^chistoichtig:  Bier,  Chemikalien,  Kohle,
"tnengarn,  Glas,  Kupferwaren,  Salz,
waren,  raffinierter  Zucker,  Leder
und  Lederwaren,  Säcke,  Waffen.  Holz

Slldamertka,  Wolle  namentlich  von  Sud
Nordamerika,  Palmkerne  von  der  Westküste ­
  Afrikas,  Zucker  ans  Westindien.
Sch)  f  f  s  v  e  r  k  e  h  r.  Zum  Hafen  gehöven
  1942  Segelschiffe  mit  1,085,877  Ton.
und  621  Dampfer  mit  469,143  T.,  zusammen ­
  2563  Fahrzeuge  mit  1,555,020
—  1879  liefen  von  Seeschiffen  großer
Fahrt  allein
ein:  4887  Schiffe  von  4623  231  Tonnen
aus:  4504  -  -  4473382
Rach  deutschen  Häfen  und  zurück  gingen
einwärts:  121  Schiffe  mit  70,794  T
auswärts:  121  Schiffe  mit  69,828  T.
L.  ist  der  bedeutendste  Auswanderungs-Hafen
  des  Königreichs,  es  wanderten  von
hier  (meist  nach  Nordamerika)  aus  1879-483,503
  Sßc#mt
(/4,115  Ausländer).  Auf  den  Linien  zwischen ­
  L.  und  Nordamerika  laufen  wöchentlich
  ca.  40  Dampfer  aus.  Die  Cunard-Lliiic
  (D.  und  C.  Mac  Jvcr)  hält  27
Dampfer  im  Gang  zwischen  hier  und  New
Pork  oder  Boston,  die  Allan-Linie  22
Dampfer,  die  Inman  Co.  14,  die  National
  Steamship  Co.  12,  die  Pacific  Steam
Navigation  Co.  48  Dampfer  für  den  Verkehr ­
  an  beiden  Seiten  des  amerikanischen
Kontinciits,  die  Brazil  and  River  Plate
Co.  30  Dampfer  rc.
P  l  a  tz  g  e  b  r  ä  u  ch  e.  Amerikanische
Baumwolle  wird  auf  3  Monate  10  Tage
Kredit  verkauft  (eigentlich  zahlbar  in  10
Tagen  mit  5  Proz.  Jahresdiskont  auf  3
Moliate,  in  Geld  (Noten)  oder  Wechseln),
dabei  Tara  4  Proz.,  Gutgewicht  (Draft)  2
Pfd.  pro  Ballen;  Weizen  wird  verkauft
nach  dem  Cental  von  100  Pfd.,  Gerste
für  60,  Hafer  für  45  Pfd.,  Weizenmehl
nach  dem  Faß  von  196  Pfd.  netto,  Mais
und  Bohnen  für  480  Pfd.,  Rindfleisch
für  das  Faß  von  304,  Schweinefleisch  für
daS  Faß  von  200  Pfd.,  Petroleum  roh
für  das  Ton,  raffiniert  für  das  Gallon
Palmöl  für  das  Ton,  Espartogras  für
dcn  Ballen,  Stäbe  für  1200  Stück
Livorno,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  ital.  Provinz,  am  Mittelnieer  imb
        <pb n="312" />
        304

Luanda  —  London.

den  Eisenbahnlinien  Genua-L.  undN'izza-L.;
  (1878)  97,908  Einw.  DeutschesKonsulat ­
  (Amtsbezirk:  L.,  Lucca,  Pisa,  Porto
Ferraio,  Porto  Santo  Stefano,  Spezia
und  Viareggio);  Banca  Nazionale,  Handelskammer, ­
  Handelsgericht;  Zolliiispektion,
  Hauptzollamt  mit  vier  Nebenzollämtern.
  —  L.  ist  Mittelpunkt  der  bedeutendsten ­
  Speditions-  und  Wechselgeschäfte  zwischen ­
  Italien  und  derLevante.  1877  liefen
ein:  4501  Schiffe  von  1145038  Tonnen
aus:  4415  -  -  1064201
darunter  1840  Dampfer  mit  969,014  T.
Von  deutschen  Schissen  verkehrten  1879
hier:  8  Segelschiffe  von  972  T.  und  34
Dampfer  mit  30,700  T.  Zur  Zollbehandlung ­
  kamen  1877  in  Einfuhr  59,7  Mill.,
Ausfuhr  45,5  Mill.  Mk.  Hauptauöfuhrartikel
  sind'.Olivenöl,  Strohhüte,  Hadern,
Hanf,  Marmor  u.  Marmorwaren,  Konfitüren ­
  u.  Konserven,  Droguen,  Chemikalien
(Borarsäure  u.  a.),  Geflechte  aus  Stroh
und  Esparto,  Korallen  und  Korallenarbeiten,
  nach  Deutschland  besonders  Wein,
Chemikalien,  Marmor  und  Alabaster.
Haupteinfuhrartikel:  Wein  (Frankreich),
Spiritus  und  Branntwein  (Deutschland
u.  a.),  Petroleum  (Amerika),  Getreide
(Rußland),  Kolonialwaren,  Zucker  (Holland), ­
  Eisen  und  Eisenwaren,  Maschinen
und  Werkzeuge,  Baumwollgarn  und
Baumwollwaren  (England).  —  Platzgebräuche. ­
  Speiseöl  verkauft  man  nach
der  Kruke  (Coppo)  von  70  kg  netto,  desgleichen ­
  in  Kisten  von  30  Fläschchen,  Marsalawein ­
  für  das  Faß  von  112  engl.  Gallons, ­
  ausländische  Weine  u.a.  in  Originalgebinden. ­
  Man  berechnet  die  wirkliche
Tara,  bei  Getreide  aber  5  Proz.  Verkäufe
auf  6  Monate  Kredit  oder  mit  3  Proz.  Diskont ­
  gegen  bar.  Wechselkurse  wie  in
Genua,  doch  notiert  man  auch  auf  Triest.
Loanda,  s.  Angola.
Loango,  Landschaft  an  der  Westküste
von  Südafrika;  ca.  800,000  Einw.
Größere  Ortschaften  sind  L.  und  Kabinda,
welche  indes  gegen  die  zahlreichen  von
den  Niederländern  hier  neuerdings  errichteten ­
  Handelsfaktoreien  weit  zurückstehen.
Hauptausfuhrprodukte  sind:  Palmöl,
Gummi,  Elfenbein.
Lodi,  Stadt  in  der  itak.  Provinz

Mailand,  an  der  Bahn  Mailand-Ancona;
(1878)  25,506  Einw.  Handels-  und  Gewerbekammer; ­
  Nationalbank,  Volksbank.
Mit  dem  auf  den  benachbarten  Weiden
erzeugten  Parmesan-  und  Stracchinokäse
wird  ausgebreiteter  Handel  getrieben.
Lodz  (spr.ludfch),  Fabrikstadt  im  russische
poln.  Gouvernement  Piotrkow,  an  der
Bahn  Warschan-L.;  (1879)  120,000  Einw.
(70,000  Arbeiter).  Ressort  des  deutschen
Konsuls  in  Warschau;  Filiale  der  Bank
von  Polen,  Handelsbank  in  L.;  Transportgesellschaft ­
  Nadcshda.  —  Großartige
Wollindustrie  in  (i879)  96  Etablissements
(Produktionswert  35  Mill.  Mk.),  500
Baumwollfabriken  mit  12,000  Arbeitern
(Produktionswert  70,4  Mill.  Mk.),  darunter ­
  die  kolossale  Fabrik  von  Scheibler;
Fabriken  für  Leinwand,  Seiden-  und
Halbseidenwaren  rc.
Loir  (spr.  loahr),  Fluß  im  nordwestlichen
Frankreich,  der  oberhalb  Angers  in  die
Sarthe  mündet.  Er  ist  310  km  lang  und
von  Chateau  du  Loir  an  114  km  weit  mittelst ­
  40  Schleusen  fahrbar.
Loire  (spr.  loahr),  der  bedeutendste  Fluß
Frankreichs,  1002  km  lang,  wird  bei
Retournât  (Departement  Oberloire)  flößbar, ­
  bei  Noirie  (Departement  L.)  für
Flußschiffe  und  bei  Nantes  für  Seeschiffe
fahrbar.  Bei  Nantes  ist  sie  1900  m  breit,
und  die  Flut  steigt  30  km  oberhalb  Nantes ­
  hinauf,  doch  wachsen  die  Sandbänke
an  der  Mündung  von  Jahr  zu  Jahr;  so
verliert  Nantes  seinen  Rang  als  Seehafen
immer  mehr  an  St.  Nazaire.  Die  L.  ist
mit  der  Saône  durch  den  Canal  du  Centre
verbunden,  mit  der  Seine  durch  die  Kanäle ­
  von  Briare,  Orleans  und  Loing  und
mit  dem  Hafen  von  Brest  dlirch  den  359
km  langen  Kanal  von  Nantes  nach  Brest,
während  der  Kanal  von  Berci  mittelst  dcö
Cher  den  obern  Lauf  der  L.  mit  ihrem
untern  verbindet  und  dadurch  ihren  großen
Bogen  bei  Orleans  abschneidet.  Der
Canal  lateral  à  la  L.  folgt  dem  Lauf  des
Flusses  selbst  von  Digoin  (im  Anschluß
an  den  Kanal  nach  Roanne)  bisuntcrhalb
Châtillon,  wo  er  sich  nach  einer  Länge  von
197  km  mit  dem  Briarekanal  vereinigt-London
  (Ipr.  lond^ii),  die  Hauptstadt
Englands  und  des  brit.  Reichs,  zu  beiden
        <pb n="313" />
        London.

©eiten  der  hier  180  —  275  in  breiten
Themse,  97  km  oberhalb  deren  Mündung, ­
  Knotenpunkt  von  elf  verschiedenen
Elsenbahnlinien;  Station  der  Dampferunien:
  Norddeutscher  Lloyd,  Niederländ.
Dampfschiffreederei,  Nederl.  Stoomboot
Maatschapplj,  Anchor-  Linie,  Brit.  African
Ş  ^;^^^H^PCo.,U^^ionSte^^nsh^pCo.,West-^otts-^^I^l^,
  Zeeland-Dampfschiffges.  und
der  hier  domilizierten  Brit.  India  Steam
.  caviq.  Co.,  Cape  of  Good  Hope  Steam-Ihip
  Co.,  der  Carnegie-,  Colonial  Mail-,
Hall-,  Lamport  and  Holt-,  Blackwall-,  Maroeco-,
  National-,  Orient  -  und  Temperameli, ­
  der  Great  Eastern  RailwayCo..
Een.  Steam  Navig.  Co.;  0881)3,707,130
Deutsches  Generalkonsulat  n.  Konr
  National  Chamber  of  Trade,  Cen-«SrpLZLLLL

Sr 19sanb  "nd  97  andre  grössere  Bank-LOLZtSSZWL

&amp;gt;  rgt,  welches  durch  Hauptröhren  in  einer
Eesamtlänge  von  3356  km  in  jedes  Hans
»Ir  àt  wird.  Die  neun  bestehenden  Gas-Wê'lschaften
  haben  ein  Kapital  von  212
Mill.  Mk.  und  lieferten  1874:  398  Mill,
cbm  Gaö,  zu  dessen  Herstellung  1,445,000
U.n.  Steinkohlen  verwendet  wurden.
Mittelst  eines  Aufwands  von  90  Mill.
Mk.  ist  ein  Abzugssystein  hergestellt  worcen
  dessen  Hauptkanäle  eine  Länge  von
dessen  Rebenkauäle  1249  km  haben,
M'ch  welche  zwei  Dainpfmaschiiien  tägllch
  496,000  cbm  Unrat  in  die  Themse
pumpen.  —  Obschon  vorwiegend  Handelsdt,
  steht  L.  in  gewissen  Zweigen  seiner
d  u  st  r  i  e  an  der  Spitze  aller  Städte
^"glands.  Alle  gewerblichen  Anstalten
1874  :  725,695  Wenfcbe,,,
Ui^Ņaschinenban  14,413,  der  Schiffbau
iqII'  die  Seidenweberei  6629  Arbeiter;
(tourben  auf  den  Werften  10  Schiffe
n  8000  Ton.  gebaut;  in  150  Braue-Clcn
  wurden  6  Mill.  Fässer  Bier  gebraut;
Handelsgeographie.

305

bei  hat  außerordentliche  Dimensionen  cm-^Şmen,
  namentlich  ist  die  Ausfuhr  brilscher
  Produkte  enorm  gestiegen  (1853  betnig
  ^(^1^  4o9,g  Will,  m.),  w%e,ib
blc  Einfuhr  vom  Ausland  sich  allerdings
verringerte.  In  Millionen  Mark  betrug:
Einfuhr  Ausfuhr
1878:  2583,8  962,9
1879  :  2582,1  946,7
Ņei  der  Ausfuhr  ist  nur  eine  solche  beitidì
 11 . 11 ,  Hâte,  Petroleum,  Spirituosen,
àsti,  ^abak;  die  Ausfuhr  aller  andern
britischen  Häfen  verschwindet  völlig  dagegen; ­
  tut  Handel  mit  Baumwolle,  Reis
und  Tabak  steht  es  nur  Liverpool  nach.
Der  Verkehr  einiger  Haupthandelsartikel
betrug  1879  in  Tausenden:
Einfuhr
22032,6
1449,2
744,2

Kakao  .  .
Kaffee  .  .
Baumwolle.
Indigo  .  .
Rosinen  .  .
Rohhäute  .
Jute  .  .  .
Zinn  .  .  .
Reis  .  .  .
Thee  .  .  .
Tabak  .  .
Wolle  .  .
Spirituosen.
Wein.  .  .
Seide

71,3
2157.3
578,3
1725.3
331,6
8020.3
188867.7
22449.7
333757,7
40  1  76,0
42550,2
3595,0

Ausfuhr
8816.7  Pfd.
1154.8  Ctr.
556,4  -
45,5  -
184,7  .
373.2  -
1102.8  -
141,6  -
1374,8  -
36289.1  Pfd.
4260,5  --158592,8
  -
8554,4  Lit.
4656.1  ,
164,1  Pfd.
Andre  wichtige  Handelsartikel  sind:  Zimt
Pfeffer.  Holz,  Zucker,  Hopfen.  Öle',  namentlich ­
  Petroleum  (Einfuhr  1879:  98.4
Mill.  Lit.).  Für  die  Ernährung  der  Bevölkerung ­
  führte  L.  1879  ein:  82,336
Rinder  717,159  Schafe.  567,713  Ctr.
Awlfch,  543,330  Ctr.  Speck  und  Sckinken,
329,746  Gtr.  WuHer,  307,875  6k:  ßüfe
131,335,320  Eier,  350,175  Ctr.  Fische,
3,423,519  Ctr.  Kartoffeln.  Der  großartige
Getreidehandel  brachte  1879  außer  großen
Posten  Gerste,  Erbsen,  Bohnen  zur  Einfuhr: ­
  12,8  Btill.  Ctr.  Weizen,  8,8  Mill
Ctr.  Hafer,  4,2  Mill.  Ctr.  Mais  und  2  i
20
        <pb n="314" />
        306  Londonderry  —  Louisville.

Mill.  (iti.  Mehl.  Die  Ausfuhr  der  wichtigsten ­
  britischen  Jndustrieprodukte  betrug
1879  (in  Millionen  Mark):

Baumwollwcircir  173,7
Wollwaren  .  .  82,8
Eisen  und  Stahl  80,2
Telegraphenmaterial.
  .  .  .  49,3

Kleider  ....  39,6
Bau»,Wollgarn  .  37,6
Maschinen  .  .  .  28,9
Posamente.  .  .  27,o

Nächstwichtig  sind:  Bier,  Lederwaren,  Leder, ­
  Kupfer-  und  andre  Metallwaren,
Papier,  Seidenwaren,  Chemikalien,  Bücher, ­
  Farben,  Jutefabrikate,  Säcke,  Waffen.
Der  Hafen  Loiidons  erstreckt  sich  von
der  Londonbrücke  bis  zur  Themsemündung. ­
  Die  Docks  auf  beiden  Themseufern
nehmen  eine  Wasserfläche  von  147  V-l  ha
und  den  doppelten  Umfang  für  Warenhäuser ­
  und  Gewölbe  ein.  Die  Stadt  besaß ­
  1879  :  2824  Schiffe  von  1,158,149
Ton.,  darunter  979  Dampfer  von  515,158
T.  Der  Gehalt  der  eingelaufenen  Schiffe
allein  betrug  9,991,458  T.  Von  deutschen
Schiffen  gingen  1879  ein  :  728  Schiffe  (380
Segel-  und  413  Dampfschiffe)  von  490,056
T.  Im  Vorjahr  liefen  im  Küstenhandel ­
  ein:  30,828  Schiffe  von  3,505,449
T.,  «nò:  8881  Schiffe  von  1,247,549  T.
Dabei  sind  Schiffe  in  Ballast  beim  Küstenhandel ­
  nicht  gerechnet.  Von  den  hier  domizilierten ­
  Dampfcrlinien  besitzt  die  British ­
  African  Steamship  Co.  12  Dalnpfer,
die  Orientlinie  11  Dampfer  von  3825—
4666  Ton.  und  550—1000Pferdckrästen.
Finanzen.  Die  städtischen  Ausgaben
beliefe,!  sich  1873  auf  132,4  Mill.  Mk.,  die
Schulden  der  Stadt  auf  434,3  Mill.  Mk.
Die  den  Steuern  unterworfene  Hausmiete ­
  war  1876  zu  465,5  Mill.Mk.  eingeschätzt. ­
  Die  Ausgaben  des  städtischen  Bauamts ­
  für  Drainieruna,  Straßendurchbrüche ­
  u.a.belicfcn  sich  1876  auf  16,800,340
Mk.  —  Platzgebräuche.  Man  verkauft ­
  nach  dem  Ton:  Steinkohle,  Koks,
Hölzer,  Eisen,  Blei,  Zinn,  Zink,  Kupfer,
Flachs,  Hanf,  Lein-  und  Nübkuchen,  Getreide ­
  pro  Imperial-Quarter,  fremden
Weizen  für  496  Pfd.,  Roggen,  Mais,
Bohnen  für  480,  Erbsen  für  504,  Gerste
für  60,  Hafer  für  45  Pfd.,  Lein-  und
Rübölkuchen  nach  dem  Ton,  Rapssaat
pro  Last  von  lOJniperial-Ouarters,  Kleie
Pro  16  Bushels,  Citronen  und  Orangen

pro  Kiste,  brasilische  NüsseproBallen,  Barceloneser
  Nüsse  pro  Sack,  Büsjelhörncr
nach  dem  Gewicht  und  nach  dem  großen
Hundert  von  128  Stück,  Pferdehäute  pro
Stück,  Ochsen-  und  Kuhhäute  pro  Pfund,
Austern  pro  Imperial-Bushel,  Schlachtvieh ­
  pro  Stein  von  8  Pfd.  Man  rechnet
wirkliche  Tara,  Gutgewicht  pro  Faß  bei
Kaffee  (Tratt)  von  5,  bei  Zucker  (Draft)
von  2  Pfd.  Der  Käufer  hat  14  Tage  Zeit,
die  Ware  in  Empfang  zu  nehmen.  Die
meisten  europäischen  Waren  verkauft  man
auf  4  Monate  Kredit  oder  gegen  bar  mit
2  Va  Proz.  Diskont,  doch  sind  die  Kreditfristen ­
  sehr  verschieden.  Wechselkurse
notiert  man  auf  fast  alle  bedeutenden
Handels-  und  Bankplätze  von  Deutschland,
Frankreich,  Italien,  Holland,  Österreich,
der  Schweiz,  Spanien,  Portugal,  Dänemark, ­
  Rußland,  ferner  auf:  Kalkutta,
Bombay,  Madras,  Hongkong,  Schanghai.
Wechscltage  für  das  Ausland  sind  Dienstag ­
  und  Freitag  (Foreign  Post  Days).
Londonderry  (spr.  lonnd'nderñ),  Hauptstadt ­
  der  gleichnamigen  irischen  Grafschaft
mit  gutem  See-  und  Flußhafen,  an  der
Belfast  and  Northern-Eisenbahn;  (i87i)
25,242  Einw.  Deutsches  Vicekonsulat;
Bank  of  Ireland,  Belfast  Banking  Company, ­
  Provincial  Bank  of  Ireland.  Zum
Hafen  gehören  31  Schiffe.  Die  Einfuhr
wertete  1879:  11,731,100  Mk.,  die  Ausfuhr ­
  1,228,740  m.  1879  verkehrten  hier
4  deutsche  Schiffe  von  1661  Ton.
Louisville  (spr.  lmswill),  wichtigste  Fabrik-
  und  Handelsstadt  des  nordamerikan.
Staats  Kentucky,  links  am  Ohio,  dessen
Stromschnellen  durch  einen  Kanal  umgangen ­
  werden,  und  mehreren  Eisenbahnen; ­
  (1880)  123,000  Einw.  (darunter
15,000  Deutsche).  Zollamt;  German
Bank,  Kentucky  National  Bank.  Es  bestehen ­
  20  großartige  Kautabak-  und  Cigarrenfabriken ­
  ,  deren  Produktion  1879  auf
4,793,840  Pfd.  angegeben  wird.  L.  ist  der
erste  Tabaksmarkt  der  Welt;  jährlich  kommen ­
  60—70,000  Fässer  im  Wert  von  21
bis  30  Mill.  Mk.  zum  Verkauf.  —  In  10
Schlacht-  und  Verpackungsetablissements
werden  jährlich  275,000  Schweine  geschlachtet. ­
  —  Für  die  Whiskeyproduktion
Kentuckys  (1879:  31  Mill.  Lit.)  ist  L.
        <pb n="315" />
        Lourenco  Marquez  —  Lübeck.

der  kommerzielle  Mittelpunkt.  Die  20
Bierbrauereien  (viele  deutsche)  verkaufte» ­
  1879:  120,000  Fässer  Bier  für
3.654.000  Mt.;  13  Gerbereien  konsumierteil
  150,000  Häute  und  verkaufte»  für
50,4  SRI  Beber,  37  ©aOeb  imb  ®eschirrfabriken
  für  10,5  Mill.  Mt.  Ware,
40  größere,  »lit  Danipf  betriebene  Schuhfabriken ­
  für  4,2  Mill.  Mk.  Auster  diese»
Artikel»  werde»  uanieutlich  Hanf  ».  Mehl
exportiert.  Der  Gesamtumsatz  im  Clear-Whouse
  betrug  1878:880,52  Mill.,  1879:
4074,36  Mill.  Mk.  —  Platzgebräuche.
Mau  verkauft  Pökelschweinefleisch  (mess
Pork)  »ach  dem  Fast  vv»  200  Pfd.  netto,
^ņdres  Schweinefleisch  und  Schinken  für
4  Pfd.  und  inkl.  Kiste,  Speck  und  Schweinefett ­
  für  1  Pfd.,  Schweine  für  1  Pfd.
pendes  Gewicht,  Tabak  für  100  Pfd.
Wechselkurse  wie  in  New  Pork.
.  Lliurenşo  Marquez,  Hauptstadt  der
portug.  Koloiiie  an  der  Delagoabai  und
Ater  Hafen  an  der  afrikanischen  Ostküste.
Station  der  Union  Steamship  Co.(Southampton).
  Deutsches  Konsulat.  Der  Haii-(r
  tvurde  durch  die  Zulukriege  sehr  gebart, ­
  die  Einfuhr  von  Gewehren,  Pulver
und  Blei  auf  Andringen  der  englischen  Regterung
  verboten,  und  so  betrug  1879  die
Einfuhr  nur  762,255  Mk..  die  Ausfuhr
412,177  Mk.  Hauptein  fubrartikel  aus
Deutschland  sind:  Rum,  Tabak,  Cigarren,
Eisenwaren,  Holz,  Bier,  Wein  jährlich
400.000  Mt.;  sonst  werden  noch  eingeführt ­
  Mauufatturwareu.  Hauptausfuhrartikcl
  sind:  Erdnüsse,  Felle,  Gergeliu,
Wachs  und  Elfenbein.  Es  liefen  1879  ein:
23  Schiffe,  darunter  2  deutsche.  —  Geld.
Die  gewöhnlichste  Münze  ist  der  englische
Sovereign,  wenig  Silber;  cs  laufen  aber
letzt  viel  Mosambik-Bauknoten  um,  welche
die  Regierung  einführt,  um  Geld  zum
Bau  der  Eisenbahn  bis  zur  Grenze  voir
Brausvaalzu  beschaffeu.Vgl.M  o  sa  m  b  i  k.
Löwen  (niederländ.  Leuven,  franz.
Louvain),  Stadt  in  der  belg.  Provinz
Brabant,  an  der  von  hier  bis  Mecheln
kanalisierten  Dyle,  Kreuzungspunkt  mehrerer
  Eisenbahnen;  (i878)  34,664  Einw.
Ģllale  der  Nationalbank;  Fabrikation
von  Spitzen  und  Tuch,  bedeuteilde  Braueten, ­
  Handel  mit  landwirtschaftlichen

307
Lowestoft  (spr.  lohsstoff),  Hafenstadt  in
der  engl.  Grafschaft  Suffolk,  an  der  Great
Eastern-Bahn;  (i87i)  15,246  Einw.  Deutsches ­
  Vicekonfulat;  National  Provincial
Bank  of  England;  Schiffsverkehr  1878:
195,034^011.(1879:9  deutsche).  DicStadt
besäst  1874:  388  Seeschiffe;  Wareneiilfuhr
4/1  Mill.  Mk.,  -Ausfuhr  318,720  Mk.
Lohalty-Jnseln,  s.Neukaledouicn.
Lübeck,  deutscher  Freistaat  im  Norden
Deutschlands,  bestehend  aus  einem  abgeschlossenen ­
  Ganzen  und  einzelnen  Enklaven
iu  Laueuburg,  im  Fürstentum  L.  (Oldenburg) ­
  und  Mecktenburg-Strelitz;  283  qkm
(5,1  QM.)  groß  mit  (isso)  63,448  Einw
Die  Stadt  L.  mit  (isso)  50,975  Einw.  ist
Sitz  der  Konsulate  für:  Belgien,  Bolivia
(m  Bremen),  Brasilien,  Chile,  Dänemark, ­
  Griechenland  und  Merito  (in  Hamburg), ­
  Niederlande,  Österreich,  Rußland,
Schweden-Norwegen,  Venezuela,  von  deutschcnStaaten
  :  Bayern,Mecklenburg-Streetz, ­
  Oldenburg,  Preußen,  Württemberg;
Handelskammer,  Gewcrbekammer,Verein
des  Getreidchaudels  und  Schiedsgericht
desselben,  Handelsgericht,  Wettegericht  fürgewerbliche
  Angelegenheiten,  Kommissiou
für  Handel  und  Schiffahrt;  Börse.  —Die
Hauptzweige  derJ  n  d  u  st  r  i  e  sind  :  Branntweinbrennerei, ­
  Bier-  und  Essigbrauerei
Tabakfabrikatiou  (Cigarren)  und  Seifensiederei. ­
  Weit  wichtiger  sind  Schiffahr  t
und  Handel.  L.  ist  ein  wichtiger  Speditionsplatz ­
  für  die  Ostsee  und  vermittelt
iu  großartigem  Maßstab  den  Handel  zwichcn
  Hamburg  und  dem  Innern  Deutschlands ­
  einer-  und  den  Ostseeküsten  anderseits. ­
  Wie  stark  beide,  Segel-  und  Dampfchissahrl,
  namentlich  aber  die  letztere,  iu
der  jüngsten  Zeit  zugenommen  haben,  ist
aus  folgeudenl  ersichtlich.  Es  kamen  an:

Jahr

Segelschiffe ­


Kubikmeter ­


Dampfschiffe ­


Kubikmeter ­


1850  946  190749  207  110378
1870  1240  237220  454  187925
1880  1300  292605  1014  597944
Es  kamen  also  im  letzten  Jahr  an:  2314
Seeschiffe  von  890,549  cbm,  es  gingen
ab:  2358  Seeschiffe  von  909,949  cbm
20*
        <pb n="316" />
        308  Lucknow  —
Am  bedeutendsten  ist  dcr  Verkehr  mit
Rußland  und  Filmland,  Schweden,  Danemark ­
  und  Großbritannien.  Die  Lübecker
Reederei  zahlte  Ende  1879:  15  Segelschiffe ­
  von  8314  cbm  und  30  Dampfer
von  18,983  cbm,  zusammen  45  Schiffe
von  27,297  cbm.  Zu  Land  vermitteln
vier  Eisenbahnlinien  den  Verkehr:  die  L.-Kleinenbahn
  nach  Mecklenburg  und  den
Provinzen  Pommern  u.  Preußen,  die  L.-Büchener
  Bahn  nach  Berlin,  Magdeburg,
Hannover,  die  L.-Hamburger  Bahn  nach
Hamburg,  die  L.-Eutiner  Bahn  nach  Holstein ­
  und  Schleswig.  Die  Einfuhr  wertete
I860  :  80564464  Mk.  I  1875:  194435484  Mk.
1870  :  91807824  .  |  1879:  210756054  -
Von  der  letzten  Summe,  welche  ein  Gewicht ­
  von  679,218,325  kg  repräsentiert,
kamen  Güter  für  68,131,7l8Mk.  seewärts,
für  142,624,336  Mk.  landwärts  auf  Eisenbahnen, ­
  Flußschiffen  re.  und  zwar
davon  landwärts  von  Hamburg  allein  für
68,140,208  Mk.  Die  wichtigern  Einfuhrartikel ­
  sind:  aus  Rußland  Getreide,
Butter,Spiritllofen,  Holzwaren,Pottasche,
Teer,  Hanf,  Hanföl,  Kupfer,  Talg;  aus
Schweden  Bauholz  und  Sparren,  Bretter,
Eisen,  Kupfer,  Stahl;  aus  Preußen  Getreide, ­
  Spirituosen;  anö  Dänemark  Getreide, ­
  Fettwaren,  Ölsamen,  Butter;  aus
England  Steinkohlen,  Steingut,  Rohnnd
  Stangeneisen,  Eisenwaren,  Leinöl;
aus  Frankreich  Wein,  Spirituosen;  aus
Nordamerika  Petroleum  rc.  —  Märkte.
In  L.  werden  3  Kram-  und  3  Pferdemärkte, ­
  1  Wollmarkt  von  drei  Tagen
Ende  Juli  und  mehrere  Rindviehmärkte
abgehalten.  —  Die  Post  beförderte  1879:
Briefpostsendnngen  3,659,598  Stück,  Pakete ­
  und  Geldsendungen  49,704,624  Mk.,
Postanweisungen  13,591,289  Mk.  Telegramme ­
  wurden  versandt  51,856,  empfangen ­
  62,769.—Kreditwesen.  Die  Reichsbankstelle
  hatte  1880  einen  Gesamtumsatz
von  202,044,600  Mk.,  davon  Wechselverkehr ­
  71,5  Mill.,  Giroverkehr  122,i  Mill.
Mk.  Die  Privatbank  hatte  1879  einen
Gesamtumsatz  von  244,119,169  Mk.,  die
Kommerzbank  330,56  Btill.  Mk.  —  Platzgebrauch
  e.  Man  verkauft  Gewichtswaren ­
  für  '/2  oder  50  kg,  Getreide,  Hülsenfnichte,
  Ölsaaten  für  1000,  Mehl  und

Lugcmer  See.
Grütze  für  100  kg,  Spiritus  wie  in  Hamburg, ­
  Ölkuchen,  Säclcinsaat,  Bergcner
weißen  Thran  und  Leberthran,  Heringe,
Teer  und  Pech  für  die  Tonne,  Steinkohlcnteer
  und  Robbenthran  für  50  kg,  Matten ­
  für  100  Stück,  schwedisches  Eisenblech
für  die  Kiste,  Dorsch  für  die  Stiege  von
20  Stück.  Warenverkäufe  auf  2  Monate,
Wein  und  Spirituosen  3  Monate  Kredit,
bei  Barzahlung  1  —  1'/»  Proz.  Diskont.
Wechselkurse  notiert  man  kurze  Sicht
und  3  Monate  dato  auf:  Amsterdam,
Antwerpen,  Hamburg,  Leipzig,  Helsingfors, ­
  Abo,  Wiborg,  London,  Paris,  kurze
Sicht  auf:  Berlin,  Kopenhagen,  New  Pork,
Stockholm,  Wien,  3  Monate  dato  auf  andre ­
  deutsche  Bankplätze.  —  Der  Staatshaushaltsetat ­
  für  1880  bezifferte  sich
in  Einnahme  und  Ausgabe  ans  2,739,382
Mk.  Matrikularbeitrag  1881/82:116,070
Mk.  Die  Staatsschuld'betrug  Ende  1879:
23,486,047  Mk.
Lucknow,  s.  Lakhnau.
LudwigSliafkn,  Stadt  im  bahr.  Regierungsbezirk ­
  Pfalz,  am  linken  Ufer  des
Rherns,  Btannheim  gegenüber  und  mit
diesem  durch  eine  feste  Eiscnbahnbrücke  und
Dampffähre  verbunden,  an  den  Linien
Mannheim-Neu,ikirchen  und  WormS-Lauterburg;
  088o)  16,085  Einw.  Konsulat ­
  der  Vereinigten  Staaten;  Handelskammer; ­
  Hauptzollamt;  Reichsbanknebenstelle, ­
  Königliche  Filialbank,  Bayrische ­
  Notenbankfiliale,  Bayrisch-Pfälzische ­
  Dampfschleppschiffahrtsgesellschaft.
Im  Hafen  verkehrten  1879:  Bergfahrt
2124  Fahrzeuge  von  4,089,111  Ctr.,  Thalfahrt ­
  1879  Fahrzeuge  mit  1,126,201  Ctr.
Ludwigskanal,  s.  Donau-Main
Kanal.
^  Luganer  See,  im  schweizer.  Kanton
Tessin,  zum  Teil  auch  in  Italien  gelegen ­
  und  durch  die  Tresa  in  den  Lago
Maggiore  abfließend,  hat  eine  Fläche  von
50,46  qkm,  eine  Meereshöhe  von  271  in,
größte  Tiefe  von  279  m  und  eine  mittlere
Breite  von  1  km.  Er  wird  seit  1855  mit
Dampfschiffen  befahren,  jetzt  von  drei  Booten ­
  von  zusammen  53  Pferdekräften  und
Raum  für  330—430Personen,  Eigentum
der  Dampfbootgesellschaft  in  Lugano.  Die
Ufer  entlang  zieht  sich  die  (zum  System  beò
        <pb n="317" />
        Lugano  —  Luxemburg.

Gotthardunteriichmens  gehörige)  Bahnlinie ­
  Lugano  -  Melide  -  Mendrisio  -  Chiasso.
Lugano,  Hauptort  des  schweizer.  Kantons ­
  Tessin,  au  der  Nordseite  des  Luganer
Sees  und  der  Bahn  Luzern-Chiasso;
(1880)  6129  Einw.  Banca  Svizzera  Italiana.,Anfang ­
  Oktober  stark  besuchte?für
den  Viel&amp;gt;handel  wichtige  Messe.
Lulkii,  Hauptstadt  des  schweb.  Laus
Norbotten,  an  der  Mündung  des  Luleasļş.ln
  den  Bottnischen  Meerlinsen;  (1878)
^960Eiuw.DeutscheöVicekousulat(Amts-M":
  die  Vogteien  Tornea,  Kalir,  L.);
Rltsbankens  Afd.  Kontor,  Westerbotten
Enskilda  Bank  Afd.  Kontor  ;  lebhafter  Handel ­
  mit  Eisen  und  Holz.  Von  lctztcrm
wurden  1877  ausgeführt:  3,5  Mill.  Kubiks'lb
  Bretter  und  Planken,  1,5Mill.  Kubik-!vn
  n  än  und  Sparren,  ferner  Bauholz,
Masten,  Brennholz,  Faßdauben  rc.  Es
uesen  hier  1878  ein  :  117  Schisse  von  37,523
deutsche  von  4500  T.),  aus:  129
Schiffe  von  41,588  T.
,  Lüneburg,  Stadt  in  der  preuß  Prov"lZ
  Haniivver,  an  der  schiffbaren  Ilmenau ­
  und  an  der  Linie  Lehrte-Harburg
der  Hannöverischen  Staatsbahu;  (issò)
19,045  Einw.  Handelskammer,  Haupt-Manit.
  Die  Saline  an  der  südwestlichen
Seite  der  Stadt  liefert  jährlich  400,000
,  tr.  Salz.  Der  Gewerbebetrieb  ist  schwunghaft. ­
  Jährlich  zwei  Messen:  die  Frühjahrsmesse ­
  (am  Mittwoch  nach  Lätare  beginnend, ­
  dauert  14  Tage)  und  die  Herbstiiresse
  (am  Mittivoch  der  zweiten  Woche  des
Septembers  beginnend,  dauert  13  Tage).
Die  erste  Woche  beider  Messen  ist  für
den  Großhandel  bestimmt.
Lüttich  (frauz.  Liege),  Hauptstadt  der
gleichnamigen  belg.  Provinz,  an  der  Maas,
welche  hier  die  schiffbare  Ourthe  anfnimmt,
der  Niederst  und  Belg.  Staatsbahu,  Belg.
Nord  -  Maastrichtbahu,  Großen  Luremdttrger
  Bahn;  (1878)  119,942  Einw.  Handelskammer, ­
  Handelsgericht;  deutsches
Konsulat;  Börse,  BanqueLìationaleSucc.,
Banque  Liégeoise,  Banque  Commerciale.—
Hauptindustrie  ist  die  Massenfabrikation. ­
  Die  Laufe  werden  in  den  umliegenden ­
  Orten  Chaudfontaiue,  Prayon,  Le
Mvoy  und  Ressonvaur,  die  Schlösser  und
devolver  in  Cherattc,  Argentea»,Wandle,

309
die  kleinern  Gewehrteile  in  Hcrstal  hergestellt; ­
  m  L.  werden  die  Waffen  zusammengesetzt. ­
  Es  wurden  probiert:
1878  1879
Einläufige  Flinten  .  183806  180103
Doppelflinten  .  .  .  113121  139759
Cords  (für  Export)  .  26747  28313
Sattelpistolen  .  .  .  19395  14782
Tcrzerole  u.  Revolver  410120  381437
Kriegswaffen  ■  .  .  48686  38217
Zusammen:  801875  782611
Außerdem  wurden  noch  150,000  fremde
Kriegswasscn  in  jedem  Jahr  anfgeputzr.
Sehrlebhast  lftdasGeschäst  in  altenKricgöwaffen,
  welche  hier  für  Südamerika,  Afrika
und  den  Orient  umgearbeitet  werden;
so  50,000  alte  Chassepots  (Beute  der  deutschen ­
  Armee),  ferner  Remington-,  Werndlund
  andre  Gewehre.  Rußland  erhielt
1878:100,000Läufe  fürBerdan-Gewehre
und  3000  Revolver  (System  Galand),  die
belgische  Regierung  5000  Revolver  (System ­
  Nagant)  und  1500  Doppelpistolen,
Portugal  1600  Revolver.  Die  Revolverfabrikation
  gewinnt  jährlich  ait  Bedeutung.
Nächstwichtige  Industriezweige  sind:  die
Wollniauufaktur,  Leder-  uiid  Blcchwarenfabrikation.
  —  Geld  rc.  wie  in  Antwerpen. ­
  —  Platzgebräuche.  Getreide,
Mehl,  Kartoffeln,  Eisen,  Eisenschienen
nnd  Stahl  verkauft  man  für  100  kg.  —
Auf  dem  voir  Deutschen  sehr  besuchten
P  f  e  r  d  e  m  a  r  k  t  wurden  1878:  730  schwere
inländische  Pferde  verkauft.
Luxemburg,  ein  seit  1867  unabhängiges ­
  und  neutrales  Großherzogtum,  durch
Personalunion  mit  dem  Königreich  der
Niederlande  verbunden,  jedoch  mit  eigner ­
  Verfassung  und  Verwaltung,  und  ein
Glied  desDeutschenZollvereins;2587àu
(47  OM.)  mit  (1875)  205,158  Einw.
fast  durchweg  deutschen  Stammes,  doch
werden  alle  amtlichen  Verhandlungen
französisch  geführt.  —  Fast  die  Hälfte  des
wohlbewässerten  Landes  nimmt  Getreide-,
Flachs-,  Hanf-  und  Rübsamenbau  ein;
auf  Wald  und  Lohhccken  kommen  2 A&amp;gt;,  auf
Weideland  über  Vs.  Der  Weinbau  (Mosel
und  Sauer)  liefert  gewöhnlich  31,000  (in
guten  Jahren  106,000)  Eimer.  Der  stark
betriebene  Bergbau  liefert  Eisenerze,  1879  -
1,614,393  Ton.  im  Wert  von  3,551,222
        <pb n="318" />
        310

Luxor  —  Lyon.

Mk-,  die  tells  in  sechs  Werke»  zu  261,236
L.  Nohelsen  (8,645,968  Mk.)  und  Eisenwaren ­
  (247,598Mk.)  verarbeitet,  teils  nach
Belgien  und  Preußen  ausgeführt  werden.
Hauptbestandteil  der  Einfuhr  bildenKokö,
Steinkohlen,  Cerealien.  —  Die  Länge  der
Eisenbahnen  war  1880:308  km.  Die  Post
beförderte  1878  in  55  Ämtern  4,303,000
Sendungen;  Einnahmen  294,860,  Ausgaben ­
  280,950  Mk.  Die  Telegraphenlinien
hatten  1878  eine  Länge  von  310  km.  —
Die  Finanzen  ergeben  stets  Überschüsse.
Fur  1880  berechnet  das  Budget  die  Einnahmen ­
  auf  5,o  Mill.  Mk.,  die  Ausgaben
auf  5,7  Milt.  Mk.  Die  Staatsschuld,  fast
ausschließlich  für  Eisenbahnbautcn  kontrahiert, ­
  beträgt  9,«  Mill.  Mk.
Die  gleichnamige  Hau  pt  st  a  dt,  an  der
Wilhelms-  und  Prinz  Heinrich-Bahn,  mit
0875)  15,954  Einw.,  hat  kommerziell  und
mdustrlell  wenig  Bedeutung.  Handelskammer; ­
  Banque  Nationale,  Internationale ­
  Bank.  Jährlich  zwei  Messen  (am
Donnerstag  und  Freitag  der  Osterwoche
und  im  September)  für  Wollzeuge  imb
gegerbtes  Leder.
Lux  or,  Dorf  in  Oberägypten,  am  rechten ­
  Nilufer;  deutsche  Konsularagentur,
reflortiert  von  Kairo.
Luzon,  s.  Philippinen.
LynnRegis(spr.lm»-rldichis,auchKing's
Lynn),  Stadt  in  der  engl.  Grafschaft  Norfolk, ­
  an  der  Mündung  der  Ouse  und  der
Great  Eastern-Bahn;  (mi)  16,562  Einw.
Deutsches  Vicekonsulat  für  L.,  Wiöbeach,
Boston  und  Wells;  London  aud  Provincial
Bank.  Zuin  Hafen  gehörten  1874:  100
Schiffe.  Die  Einfuhr  wertete  12,858,260
Mk.,  die  Ausfuhr  4,077,740  Mk.
Lyon  (spr.  liong),  Hauptstadt  des  franz.
Departements  Rhône  und  nächst  Paris
die  wichtigste  Stadt  Frankreichs,  am
Zusammenfluß  des  Rhone  und  der
Saône  und  der  Paris-L.-Mittclmecr-Eisenbahn
  sowie  der  Ostbahn;  0.876)
322,612  Einw.  Münzstätte;  Handelskammer, ­
  Handelsgericht,  Fabrikgericht
fur  die  Fabrikation  von  Seidenwaren,
Strumpfwaren  und  Tüll,  Hutwaren  und
vergoldeten  Waren  (Golddraht);  Konditlomerungsanstalt
  für  Seide;  Entrepot
I"r  dre  Kolonialwaren  und  die  erlaubten

fremden  Waren;  Entrepot  für  die  nicht
erlaubten  Waren;  Entrepot  für  Salz;
Börse,  Filiale  der  Bank  von  Frankreich,
Credit  Lyonnais,  Comptoir  d'Escompte
de  Paris,  Société  generale.  —  Unter  allen
Industriezweigen  steht  die  Seidenindustric
  obenan,  sic  beschäftigt  über  100,000
Webstühle  (5—6000  mechanische)  ;  auf  die
Stadt  selbst  kommen  33,000,  die  übrigen
beflndcn  sich  auf  Rechnung  Lyoner  Fabrikanten ­
  in  den  Departements  Ain,  Isère,
Loire,  Saône-et-Loire,  Drôme,  Ardèche
und  Savoyen.  Die  Seidenfärberei  beschäftigt ­
  1500  Arbeiter,  die  Posamenterie
44  Unternehmer  mit  ca.  800  Stühlen.
In  Verbindung  damit  steht  derMaschinenbau
  mit  12  Konstruktionswerkstätten  und
10  großen  Kesselschmieden.  Unter  den
übrigen  zahlreichen  Industriezweigen  sind
hervorzuheben:  die  Eisenindustrie-Etablissements ­
  mit  9000  Arbeitern,  80  Hutfabriken ­
  mit  einer  Jahresproduktion  voir
450,000  Hüten,  15  Bierbrauereien,  Fabriken ­
  fiir  Buntpapier,  für  unechten
Schmuck  von  einem  Erzeuqungswert  von
7  /»  Mill.  Mk.  rc.  —  Der  Handel  wird
unterstützt  durch  die  günstige  Lage  am  -Zusammenfluß ­
  von  zwei  schiffbareir  Flüssen
und  dem  Kreuzungspunkt  der  Straßen
zwischen  dem  Mittelmeer,  dem  Innern
Frankreichs,  der  Schweiz  und  Italien-Hauptobjekt
  desselben  ist  Rohseide.  1879
wllrdcn  verwogcu  1,491,465  kg  und  konditioniert ­
  3,032,028  kg.  Die  Seide  wird
bezogen  aus  Frankreich,  Italien,  der  Levante, ­
  Indien,  China,  Japan.  Hauptabnehrner
  der  fertigen  Seidenwaren  sind
nebst  Frankreich  besonders  England  (für
108  Mill.  Mk.)  und  die  Vereinigten
Staaten  (fiir  107  Mill.  Mk.).  Das  allgemeine ­
  Seidenmagazin  (Magasin  général ­
  des  soies  de  L.)  tariert  und
garantiert  auf  eine  Zeit  von  nicht  über
90  Tagen  gegen  höchstens  Vs  Proz.  Kommission ­
  die  im  Magazin  niedergelegteRohseide;
  die  Garantie  darf  aber  vier  Fünftel
des  Werts  nicht  überschreiten.  In  dem
Golddrahtverifikationöbnreau  wird  die
Feinheit  der  für  die  Bortenwirkerci  zu  verwendenden ­
  Goldbarren  geprüft  und  konstatiert ­
  und  werden  dieselben  dann  in
gestreckter  Form  den  Golddrahtziehern  und
        <pb n="319" />
        Lysekil  -  Madeira.

Goldschlägeru  zugestellt.  Wichtige  Handelsartikel ­
  sind  ferner:  Wein  und  Branntwein, ­
  für  deren  Vertrieb  cs  280  Großhändler ­
  gibt,  Baumwolle  ans  Amerika  und
Ägypten,  Kohle,  Tuch,  Leinwand  rc.

311

Lyfekll,  Hafenstadt  im  schweb.  Lau
Göteborg  und  Bohns,  am  Skagerrak;
1000  Einw.  Deutsche  Konsularagentur
ressortiert  von  Gotenburg;  Bohns  Läns
Enskilde  Bank  Afdcln.  Kontor.

Maas  (franj.  Meuse),  Fluß,  entspringt ­
  im  franz.  Departement  Obermarne,
  wird  bei  Werdim  schiffbar,  tritt
nach  einem  Laufe  voi:  360  km  unterhalb
Ģwct  in  Belgien  ein,  welches  er  160  km
lang  durchfließt,  dann  nach  den  Niederlanden ­
  über,  fließt  gegen  150  km  mit  der
-chaal  parallel  und  vereinigt  sich  mit  dieser ­
  bei  Gorkum,  um  sich  hierauf  unter
verschiedenen  Namen  (Westkil,  Merwe)
nach  verschiedenen  Richtungen  zu  teilen.
Er  mündet  in  die  Nordsee.
Maastricht,  Hauptstadt  der  Holland.
Provinz  Limburg,  am  Einstuß  der  Jaar
ln  die  Maas  und  an  der  M.-  und  Niederl.
Staatöbahn;  0877)  29,578  Einw.  Fabrikation ­
  von  Glas,  Krystall  und  Töpferwareit;
  starker  Getreide-  unb  Transithandel.
Marao,  Insel  an  der  südwestlichen,
meerbusenähnlichen  Mündung  des  Kanlonstusses
  in  China,  140  km  von  Kanton.
Bon  der  Südostspitze  der  Insel  läuft  eine
Halbinsel  aus  von  3l  qkm  (0,2  QM.)
Flächenraum  mit  0876)85,000  Bewohnern,
welche  nur  durch  eine  schmale  Landzunge,
auf  welcher  die  Chinesen  eine  sorgfältig'
überwachte  Mauer  errichteten,  mit  der
übrigen  Insel  zusammenhängt.  Diese
Halbinsel  gehört  den  Portugiesen,  welche
dafür  jährlich  1,350,000  Mk.  an  China
zahlen.  Seine  frühere  Bedeutung  hat  M.
an  Hongkong  verloren.  1880  wurde  ausländischen ­
  Fahrzeugen  der  Handel  gestattet.
Mareio,  Stadt  in  der  brasil.  Provinz
Alagoas;  14.000  Einw.  Deutsches  Biceķonsnlat
  für  die  Provinz  Alagoaö;  Banco
Mercantile  d'Alagoas.  Hafen  ist  Jaragna,
  wo  die  Dampfer  der  Royal  Mail
Steam  Packet  Co.  anlegen.
Madagaskar,  große  Insel  an  der
Südostküste  von  Afrika  und  voir  diesem
durch  den  Kanal  von  Mosainbik  getrennt,
591,964  qkm  (10,751  OM.)  mit  2V*

Mill.  Einw.  (1,700,000  Howa,  500,000
Sakalawa,  300,000  Betsimaraka).  —
Hauptprodukte  sind:  Reis,  Tabak,
Zucker,  Baumwolle,  Indigo,  Gewürze,  Kokosnüsse ­
  ,  Brotfrüchte,  Bananen,  Yams,
Ananas  rc.  Der  eingeführte  Kaffeebaum
gedeiht  gut.  Ausfuhrartikel:  Reis,  indisches ­
  Korn,  Schlachtvieh,  grobe  Stoffe
(nach  Bourbon  und  Mauritius),  Häute,
Wachs,  Kautschuk,  Gummi,  Talg,  Ölsamen, ­
  wogegen  man  Rum,  Waffen,
Munition,  eiserne  Töpfe,  Fayence,  Salz,
Seife,  englische  und  französische  Mannfakte ­
  eintauscht.  Der  auswärtige  Handel ­
  wird  hauptsächlich  durch  englische
Schiffe  von  Mauritius  aus  betrieben.
Der  Wert  der  Einfuhr  von  dort  wird
1873  auf  2,900.000  Mk.,  der  der  Ausfuhr ­
  dorthin  auf  3,100,000  Mk.  und  der
Wert  der  Ein-  und  Ausfuhr  nach  und
von  -allen  andern  Gebieten  auf  2  Mill.
Mk.,  also  die  ganze  Handelsbeweauna
auf  8  Mill.  Ml.  geschäht.  Ein  Vertrag
zwischen  Deutschland  und  M.  wurde  1880
abgeschlossen.  —  Die  Hauptstadt  ist  Tañan ­
  arivo  mit  100,000  Einw.,  wichtigster ­
  Handelsplatz  daö  befestigte  Tamatava.
  —  Münzen.  Die  einzige  umlaufende ­
  Münze  ist  das  silberne  Fünffrankstück, ­
  welches  für  den  Kleinverkehr  in
Stücke  zerschnitten  unb  mit  der  Wage  zugewogen ­
  wird.  —  Maße  und  Gewichte
sind  lokal  sehr  verschieden.
Madeira  (spr.  -dc-ir-&amp;gt;),  den  Portugiesen
gehörige  Insel,  556  km  nordwestlich  von
Afrika;  815  qkm  (14,80  QM.)  mit  0878)
132,221  Einw.  Der  früher  starke  Weinbau ­
  hat  durch  die  Traubenkrankheit  und
veränderte  Geschmacksrichtung  der  Konsumenten ­
  sehr  abgenommen,  statt  dessen  baut
man  Zuckerrohr;  auch  ist  die  Kochenille  seit
einigen  Jahren  eingeführt.  —  Platzaebräuche.
  Der  Weinbarrel  —  2Vr  Al-
        <pb n="320" />
        312

Madras  —  Magdeburg.

MuWgu  l7,7m.,bk  #«  =  416,4  2.
Ainenkamsches  Weizenmehl  verkauft  man
nach  dem  Barrel  (88,»  kg).  M.  gehört
rum  Weltpostverein.  Hauptstadt  ist  F  u  «  -
chal  (s.  dch.
Madras,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  britisch-ostiud.  Präsidentschaft,  auf
der  Koromaudelküste  am  Bengalischen
Meerbusen  und  andcrBombah-M.-Eisen-.
  bahn;  Station  der  Dampferliuien:  Brit
India  Steam  Navigation  Co.,  Messageries ­
  maritimes,  Peninsular  and  Oriental
Steam  Navigation  Co.;  (187g)  397,552
Emw.  Deutsches  Konsulat;  Agra  Bank,
Bank  of  Bengal,  Chartered  Mercantile
Bank  of  India,  London  and  China.  —  Der
Handel  hat  gegen  früher  stark  abgenommen; ­
  18/9  wertete  die  Einfuhr  36,»Mill.,
die  .lnsfuhr  74,8  Mill.  Mk.  Hauptpostcn
bei  der  ersten  waren:  Baumwollzeng  13,6,
Baumwollgarn  11,i,  Eisen  2,3  Mill.  Mk.
ber  der  zweiten:  Kaffee  15,i,  Baumwolle
Zlegenfelle  l3,i,  Indigo  12,i  Mill.
Mk.,  ferner  Tauwerk,  Häute  und  Felle,
Kokosol,  Rohzucker,  Chinarinde,  Myroiß
  fast  angschließlich
  englisch.  —  Platzgebranche.
m,;  uerfAuft  einige  Wen  Meö  für  b«3
^  ^  ^  #.),  «"bre
sowie  Ölsaaten  für  den  Sack  von  164  Psd.,
für  W  gaß  uon  196  ^^fb.,
Madraölndlgo  für  das  engl.  Pfund,  Kurpahnidigo
  für  das  Mönn,  Teer  für  das
Fast,  Haute  und  Büffelhörner  für  100
Stuck,  Kurzwaren,  Modeartikel  re.  aus
England  nach  dem  Fakturapreis  mit  Prozenten ­
  Aufgeld.  Wechsel-  und  Geldkurse ­
  wie  in  Kalkutta.
_  Madrid,  Hauptstadt  des  Königreichs
Spanien,  an  den  Bahnlinien  Scuitan-^^M.-Cadiz
  und  M.-Saragossa;  (1377)
397,690  Einw.  Deutsches  '  Konsulat:
Handelskammer;  Börse,  Bank  von  Spanien, ­
  Credit  Lyonnais,  Spanische  Handclskrcditgesellschast.
  —  Die  industrielle
Thätigkeit  ist  für  spanische  Verhältnisse  bedeutend; ­
  M.  bezahlt  den  achten  Teil  von
de.»  gesamten  industriellen  Steuern  Spanlenü.
  Von  Bedeutung  sind  namentlick,
die  königlichen  Fabriken  für  Tabak.  Ci

gaeren  Teppiche,Gold-  undSilbcrwaren,
Porzellan.  Von  Handelsartikeln  sind  Cerealien, ­

  Wein,  Öl,  Kaffee  und  Kolonialprodllkte
  zu  nennen,  für  welche  M.  das
Entrepot  für  die  innern  Provinzen  Spaniens ­
  bildet,  ferner  feinere  und  Luxusartikel ­
  (besonders  aus  Frankreich)  für  den  sehr
bedeutenden  Lokalbcdarf.  —  Wechselkurse
notiert  mail  auf:  Amsterdam,  Genua.  Livorno,
  Neapel,  Rom,Hamburg  «.Lissabon.
Madura,  s.  Java.
Magdalciikiiflrom,  s.  Kolumbien.
Magdeburg,  Hauptstadt  der  prenst.
Provinz  Sachsen,  an  der  Elbe  imd  der
M.-Leipziger,  M.-Halberstädter  und  Berlin-Potsdam-Magdeburger ­
  Bahn;  (1880)
97,529  Einw.,  mit  Buckau  (12,298)  und
Neustadt-M.  (27,074)  zusammen  136,901
Einw.  Börse,  Kaufmännische  Korporation; ­
  jährlicher  Markt,  Wollmarkt  jährlich ­
  vom  15.—17.  Juni.—  Unter  denJndustrien
  sind  die  Maschinenfabrikation
und  Eisengießerei  am  bedeutendsten  (die
Fabrik  von  Gruson  in  Buckau-M.  bcschastigte
  1879  durchschnittlich  670  Köpfe,
die  der  vereinigten  Hamburg  -Magdeburger ­
  DampfschiffahrtS-Kompanie  300
Mann;  Adlers  Metalbvarenfabrik  hatte
elneil  Absah  von  730  000  Mk.).  In  der
Umgegend  ausgedehnte  Branntwein-  und
Spirituöbrennerci  (im  Hauptsteneramtsbezirk
  M.  betrug  1879—80  die  Einnahme
an  Branntweinsteuer  1,433,376  Mk.);
Zuckerrübenbau  und  Zlickerfabrikatiou
mit  bedeutendem  Export.  Der  Handel
wird  gefördert  durch  die  Eisenbahnlinien
nind  durch  die  Elbe  mit  der  Saale  und
Havel,  den  Plaueschen  und  den  Jhlekanal.
  Diesem  Umstand  dankt  der  schnell
ansblühende  Holzhandel  seine  Bedeutung,
indem  Magdeburger  Kapitalisten  poln'ische
  und  russische  Waldbestände  aufkausen
  und  ihrem  Markt  zuführen.  M.  hat
ailch  für  einen  großen  Teil  des  Gebiets
der  Elbe  und  Saale  den  Vertrieb  sämtlicher ­
  Kolonialwaren,  von  Baumwolle,
Tabak  u.  a.  fast  allein  übernommen,  linter ­
  den  1879  zilr  Eingangszollabfertignng
gelangten  Warenartikcln  sind  in  erster
Linie  zu  nennen:  Kaffee  74,999  Ctr.,
%ßein  32,536,  DM3  32,886,  iüauinöi
20,207,  Leinöl  27,551,  trockne  Südfrüchte
20,340  Ctr.,  Heringe  39,229  Ton.  Die
Kettenschleppschisfahrt  auf  den  Strecken
        <pb n="321" />
        Mahon  —  Aiaiiiz.

Hamburg-M.,  Nlegnpp-M.,  Neustadt-Buckau
  nahm  1879  für  8009  geschleppte
Kahne  mit  10,580,935Ctr.ein  597,577Mk.
—-Die  Post  beförderte  1879:12,931  066
Bnefpostsendungen,  508,778,226  Mk.  in
Geldsendungen,  47,347,912  Mk.  auf  »oft*
miiDMsimne».  ben  3:e[c8ra^^cn*
cimttnt  des  Kreises  wurden  148,260  Teleßr^nu^cc^^^Tge^cbc^n.l53,119cm^f^,mc,^.

MMR
Kontokorrentverkehr  und  33,241,388  Mk.
«ÄÄÄass
è-.«/""«'  :  MagdeburgerBau-undKredit-»W

&amp;amp; etn i ni)  gedörrte  Runkelrüben
V 1 ?,?  kis,  Spiritus  nicht  unter  76Proz.
und  fur  10,000  Literprozent,  ohne
? bcv  »nt  Fast,  in  letzternr  Fall  in  Gebinen
  von  300—500  prcilß.  Quart,  auch
şşche),  Roheisen  in  englischen  Schillingen
!"r  die  engl.  Tonne,  Eisenblech  für  500
U'  Zement  für  die  Tonne,  Staßfurter
U)lorkalium  für  50  kg,  Rüböl  nicht  unter
  37  Grad.  B  ö  r  s  e  n  t  a  g  e  finb  Mittwoch
M  Sonnabend,  Mitte  und  Ende  jedes
'àiiatô.  Wechselkurse  wie  in  Berlin.
Mahon  (Port  M.,  spr.  masn),  Hafenstadt ­
  auf  der  span.  Insel  Minorca  und  Stauvil
  der  französischen  Dainpferlinic  Tvuwn-Algier;
  ti8?7)15,842  Einw.  Deutsches
^teekonsulat  für  die  Insel  Minorca.
Mailand,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  ital.  Provinz,  an  dem  Flüßchen
,.,,o»a,  welches  durch  die  Kanäle  Naviglio
„MMde  und  Martesana  mit  dem  Ticino
"d  der  Adda,  durch  einen  drittelt  Kanal

313
LWS
bewirk.  M.,  derComersee,  Bergamo,  Brcsm,
  unb  ^^^bcrë=  imb
gcWciümmci-,  ^al^bcí@gcn^^t;
*##0  ^(utbcW))^5  für  gfobfcibc,  Or*
und  Trama.  Im  Generalmagazin
Z  %  4877:  2747  Wien
Rohseide  und  385  Ballen  bearbeitete  Seide
In  Stadt  und  Provinz  befairdeir  sich  74
^,#111111)6712^,1(1,  35@l(i6mic*
menW  imt  %0M  m,b  2582
mechanischeil  Webstuhlen.  Außer  für  Seide
bildet  die  Stadt  auch  ein  Emporium  für
^«treibe,  u„b  mfe.
—  Wechselkurse  notiert  man  nach  den
^,»^8,3:^^.  DW,  bem
Borsenschluß  abgeschlossene  kaufmännische
Vertrage  sind  ungültig.  1
Main,  rechter  Nebenfluß  des  Rheins
bi#  bcii  (f.
Main-Kanal)  vermittelst  der  Altmühl
mit  der  Donau  in  Verbindung  gebracht
%fcWk"W8  Müßten  4878  3)1
3250  beladene  Frachtschiffe  mit  183,945
Ton.  und  130.021  Flöße,  zu  Berg:  367beladene
  Frachtschiffe  mit  9154  T.  und  2906
Floße.  In  Frankfurt  a.  M.  kamen  au  beladene ­
  Frachtschiffe  zu  Thal:  2431  mit
108,623  T.,  zii  Berg:  191  mit  10,330  T.
Früher  fuhren  Dampfer  von  Bamberg  biö
Frankfurt  und  Mainz.
Main-Donau-Kanal,  s.  v.  w.  Donau-Main-Kanal.

Mainz,  Hauptstadt  der  Hess.  Rhcinprovlnz,
  am  linken  Rheinufer,  der  Mün
dung  des  Mains  gegenüber  und  au  der
Nassau,,chen  Bahn  sowie  der  Hessischen
ßnbmga#,!;  (iwo)  61,130  Aj,,:
bcWimnmer,  &amp;amp;i,ib(rS8m#  -
erzcugmsse  der  Industrie  sind:  Leder
        <pb n="322" />
        314

Maio  —

Möbel,  Parkettböden  und  Schuhwaren,
welche  alle  sich  eines  hohen  Rufs  erfreuen ­
  und  selbst  nach  andern  Erdteilen ­
  stark  ausgeführt  werden;  der  Export
nach  den  Vereinigten  Staaten  bezifferte
sich  1879  auf  2,912,561  und  1880  auf
4,760,112  Mk.  —  Im  Hafen  von  M.
kamen  1878  an:  5481  Personendampfer, ­
  450  Güterdampfcr  mit  2,379,662
Ton.,  3145  Segelschiffe  mit  4,680,462
T.  und  gingei:  ab:  5454  Personendampfer, ­
  361)  Güterdampfer  mit  1,903,589
T.,  3317  Segelschiffe  mit  4,540,019  T.
Dieser  Verkehr  wird  vermittelt  durch  den
Mainzer  SchleppdampfschiffahrtSvcrcin,
die  Köln  -  Düsseldorfer  Dampfschisfahrtsgesellschaft
  und  die  Niederländische  Dampfschiffreederei. ­
  —  Bei  dem  Postamt  gingen ­
  1879  ein:  3,322,800  Briefsendungen,
uitb  Postanweisungen  wurden  ausgezahlt:
19,945,765  Mk.  —  Kreditwesen.  Die
Reichsbankstelle  hatte  1880  einen  Gesamtumsatz ­
  von  330,804,900  Mk.,  davon
Wechselverkehr  169,348,700,  Giroverkehr
149,223,300  Mk.  Ferner  besteht  hier  die
Mainzer  Volksbank  (eingetragene  Genossenschaft). ­
  —  Wechsel-  und  Geldkurse
wie  in  Frankfurt  a.  M.
Maio,  s.  Jlha  do  Maio.
Majorca,  s.  Palma.
Makao,  s.  Macao.
Makassar  (M  a  n  g  k  a  s  s  a  r  oder
Vlaardingen),  Hauptstadt  deS  gleichitamigen
  Bezirks  und  Freihafen  int  SW.
der  niederländisch-ostiud.  Insel  Celebes,
Statioil  der  Nederl.  Dampskibselskab;
20,000  Einw.  Deutsches  Konsulat;  Handelskammer; ­
  Chartered  Bank  of  India,
Australia  and  China.  Hongkong  and
Shanghai  Banking  Corporation,  Java
Bank.  —  Einfuhr  von  Rotgarn,  Baumwollwaren,
  Petroleum,  schwedischemEisen;
AusfuhrvonKaffee  (1879:8,056,180kg),
Gummi,  Kopal,  Guttapercha,  Perlmutterschalen, ­
  Häuten,  Stuhlrohr  u.a.  Äußerzahlreichen
  Dampfern  liefen  1879  ein:  14
Schiffe  von  4453  Ton.,  aus:  16  Schiffe
voir  5942  T.—  Wechselkurse  notiert  man
auf  Batavia  3—14  Tage  nach  Sicht,  Amsterdam ­
  6  Monate  dato.
Málaga,  Hauptstadt  der  gleichnamigen
span.  Provinz  (Andalusien),  am  Ausfluß

Malaga.
deö  Guadalmedina  ins  Mittelmeer  und  dcr
Eisenbahn'M.-Cordova,  mit  (Ende  1877)
115,882  Einw.  DeutschesKonsulat;Banca
de  España  Suce.-Eisengießereien,  Bamnwoll-
  it.  Leincngarnspinnereien,  Woll-  und
Seidenwebereien,  Zuckerfabriken,  welche
das  in  der  Provinz  gebaute  Zuckerrohr
(jährlich  22,000  metr.  Ctr.)  verarbeiten,
Schokoladenfabrik,  Dampfschneidemühlen,
Bierbrauereien  rc.  Für  den  Export  ist  M.
der  wichtigste  spanische  Hafen.  1879  wurden ­
  ausgeführt:  Rosinen  (23,328,000kg),
%k:(19,OOOHot:.),%e:i:(6,776,0002%.),
Esparto  (95,565  Ballen),  Olivenöl  (4100
Ton.),  Orangen  und  Citronen  (99,500
Kisten),  Spitzerbseu  (25,439  kg),  grüne
Weintrauben,  Feigen  (862,500  kg),  von
Jordanmandeln  25,500  Kisten  (21,000
nach  England,  4500  nach  den  Vereinigten
Staaten),  von  Valenz-Mandeln  230,000
kg.  Rosinen  gehen  vorwiegend  nach  Rußland, ­
  dann  nach  England  und  Frankreich, ­
  Wein  nach  Frankreich,  Citronen  und
Apfelsinen  nach  den  Vereinigten  Staaten,
Mandeln  nach  England.  Nach  Deutschland ­
  utid  Nordenropa  gingen:  2,587,500
kg  Rosinen,  1,224,000  Lit.  Weilt,  24,700
halbe  Kisten  Citronen  itttb  Apfelsinen,
2300  Ton.  Baumöl.  Die  Einfuhr  besteht ­
  in  Stciitkohle  voir  England,  Holz
in  Planken  von  Schweden  und  Finnland,
in  Stäben  von  den  Vereinigten  Staatett,
in  Brettert:  aus  Portugal,  Stahl  voi:
Triest,  in  Baumwolle,  Petroleum,  Klippfisch,Zucker, ­
  Kaffee,  Kakao,  Sprit,  Cement.
Wegen  der  Nähe  von  Gibraltar  ist  M.  das
große  Emporium  des  spanischei:  Schntuggelhandels.
  Der  Schiffsverkehr  wächst
voit  Jahr  zu  Jahr,  ganz  enorm  aber  die
Zahl  der  englischen  Schiffe;  1877  liefet:
et:::  3076  bot:  622,250  Ho::.,  &amp;amp;«=von
  englische  252  von  167,731  T.;  1879:
59  deutsche  Schiffe,  darunter  48  Dampfer.
—  Platzgebräuche.  Mau  notiert  den
Preis  von  Blei  in  Pfunden  Sterling  für
das  englische  Ton,  von  Rosinen  für  die
Kiste,  von  Baumöl  inkl.  Gebinde  und  fre:
at:  Bord.  Öl  verkauft  man  für  100  kg.
Wechselkurse  notiert  matt  nach  den
Normen  von  Madrid  auf  Londott,  Paris,
Amsterdam  uitd  Hantburg  90  Tage  oder
3  Monate  dato.
        <pb n="323" />
        Mälarsee  —  Manchester.

Mälarsee,  1162  qkm  (21,i  QM.)
großer  See  in  Schweden  (s.  d.)
MalineS  (spr.-lihn),  s.  Mecheln
Mallorca  (spr.  malljörka)  s.  Palma.
Malmö,  drittgrößte  Stadt  Schwedens,
Hauptstadt  von  Malmöhuslän,  am  Sund,
durch  Eisenbahn  mitStockholm  undystad
verbllndcn;  Station  der  Dampferlinien'.
Kß-LANLNE
rÄ 6  Ģulw.  DeutschesKonsulat(Amts-„
 b,c  Küste  zwischen  den  Flüssen
tobbc:a  uitb  =  KifmnNnô
Mk-Kvutor,  Kjöbeirh.  priv.  Lb.  A.  K.,
§ŗlstlanst.  Ensk.  B.  A.  K.,  Skänes  Enskilda
.  Die  Produkte  von  Schonen  werden
;  m  nroßeii  leii  übet  W.
i!'^sachlich  landwirtschaftlicke  Produkte
.  Maloggia  (spr..  loddscha),  s.  Alpen
ş  ì^şten  und  Alpenbahnen.
Malta,  brit.  Insel  im  Mittelländischen
•!7a  "ut  Gozzo,  Comino  undCominotto
(6,7  QM.),  wovon  auf  M.  allein
Qkm  kommen,  mit  (1879)  154,198

-  'JAIU  lummen,  mu  Uorjj  ortivo
J“tinv.  (außer  6531Soldateil),  davon  1346
Ugländer,  1220  Fremde.—Hauptkulîuren
  sind:  Weizen,  Kartoffeln,  Banmwolle(jährlich
  40,OOOCtr.),Sesam,Zucker-Mr,
  Feigen,  Orangen,  Wein,  Oliven.  Der
^uehstaild  beläuft  sich  alls  4500  Pferde,
Maultiere  und  Esel,  5000  Rinder,  8500
Schafe,  3500  Ziegen.  Seefischfang  und
Korallen  fischerei  sind  wichtige  Erwerbsztveige;
  Salz  gewiirnt  man  aus  dem  Sechster; ­
  von  Mineralien  werden  Marmor
und  Alabaster  gebrochen.  —  Die  Indu-Ulte
  liefert  Baumwollgewebe  (1871:
^0,614  Arbeiter),Spitzen  (3618  Arbeiter),
Arbeiten  in  Gold  lind  Silber,  Strohhntc,
,^'zeirgnisse  aus  Stein,  Cigarren  für  den
Erport.—Für  die  Ausfuhrhäfen  des  afrikaeichen
  Kontinents  bildet  M.  den  Mittelpunkt ­
  und  Entrepot  für  Getreide  aus  Rußland, ­
  dcrTürkci  und  Ägypten,  fcrnerKohuiistation
  für  zahlreiche  Dampferlinien,
'-ns  englische  Mittelmeergcschwader  (21

315
Knegödampfer)  und  für  die  Kriegsschiffe
andrerNatronen.  DerSteinkohlcnimport
1879  (in  Hektolitern)

eingeführt  ausgeführt
11257  714  10765072
3  774421  4794687
4756955  3  772647

Weizen
Mais  .
Gerste  .
Zusammen:  19789090  19332406

Eingeführt  zum  Verbrauch  werden  namentlich: ­
  Zucker,  Kaffee,  Bier,  Tabak,  Getränke, ­
  Holz  (1878  für  544,400  Mk.);
aus  Deutschland:  Tuch  und  Wollwaren,
Kurz-,  Messing-,  Eisen-,  Glas-  und
Galanteriewaren,  Spielzeug,  Wollgarn,
Strnmpfwaren,  Luxusartikel  rc.  Hauptausfuhrartikel ­
  hiesiger  Produktion  sind
Kartoffeln,  dann  Pomeranzen,  Citronen,
Küminel,  Anis,  Baumwolle.  Von  Handelsschiffen ­
  gingen  1879  ein:  4882
Schiffe  (18  deutsche)  von  3,023,508  Ton.,
darunter  3014  Dampfer  von  3,252,658  T.,
gegen  5376  Schiffe  von  2,807,503  T.  im
Vorjahr.  Der  Hauptanteil  fällt  auf  die
englische  Flagge,  auf  die  deutsche  nur
Io,022  T.  —  Das  Budget  der  Insel
zeigte  1879  eine  Einnahme  von  3,675,880
Mk.,  Ausgabe  von3,718,920Mk.-W  e  ch  -
selknrsc.  Auf  London  3  und  30  Tage
nach  Sicht,  30  Tage  und  3  Monate  dato;
Frankreich  3  und  30  Tage  nach  Sicht,  3
Monate  dato.  —  Geld.  Es  laufen  englische ­
  Sovereigns,  20-Frankstücke  und  sic!-lische
  Thaler  um  sowie  die  Noten  der  Banco
Anglo-Maltese  und  der  Banco  Maltese.
Maße  und  Gewichte.  1  Salme  —  I
Imperial-Quarter  engl.  —  2,9  hl,  1  Centner ­
  —  175  engl.  Pfd.  —  79,38  kg,  1
Barile  —  9V-  Jmp.-Gallons—43,13  Lit.,
56  Casisi  —  1  Imp.-Tun.  Hauptstadt  ist
La  Valetta.
Manchester  (spr.  mânntschcslr),  Stadt  in
der  engl.  Grafschaft  Lancaster,  Hauptsiy
der  engl.  Baumwollindustrie,  am  schiffbaren ­
  Jrwell  und  am  Bridgewater-Kanal
owic  an  zwei  andern  Kanälen  (Rochdaleund
  Huddersfield-Kanal)  und  mehreren
Eisenbahnlinien;  (issi)  364,445  (mit  dem
%  %c,ibcu  Salfoib
558,522)  Emw.  Deutsches  Vicckonsulat-
        <pb n="324" />
        316  Mandai  -
Handelskammer;  Zollhaus;  Börse,  Korubörse,
  Bank  von  England,  Consolidated
Bank,  Lancashire  and  Yorkshire  Bank,
M.  and  County  Bank,  M.  and  Liverpool
District  Bank.  —  Außer  der  Baumwollindustrie ­
  ist  die  Maschincnfabrikation
von  hoher  Bedeutung.  1871  gab  cs  in  M.
und  Salford  3703  gewerbliche  Anstalten
mit  96,047  Arbeitern,  darunter  144
Baumwollfabriken  mit  27,729  Arbeitern,
14  Worstedfabriken  mit  2947,12  Scidenfabriken
  mit  2764,  8  Kattundruckereien,
36  Bleichen  und  Färbereien  und  35  Apprctierwerke
  mit  zusammen  5803  Arbeitern; ­
  ferner  120  Maschiuenbauanstalten
mit  11,465  Arbeitern,  13  Glashütten  mit
1348  Arbeitern,  7  Lcinwandfabriken  mit
2317  Arbeitern  und  161  große  Warenlager ­
  mit  5490  Arbeitern.  Der  Hafen  von
M.  ist  Liverpool.  —  Platzgebräuche.
Das  Bushel  bedeutet  bei  englischem  Weizen ­
  60,  bei  amerikanischem  70  Pfd.
Mandat,  Stadt  im  norweg.Amt  Lister
und  M.;  &amp;lt;1876)  4043  Einw.  Deutsche  Konsularagentnr;
  Handel  mit  Holz,  Lachs,
Makrelen,  Hummern.
Manihiki-Inseln,  s.  Polynesien.
Manila,  Hauptstadt  der  Philippineninsel ­
  Luzon  (oft  auch  selbst  M.  genannt),
an  der  Westseite  derselben  und  der  Mündung ­
  deöPasigflusscS  in  dieschöneBai  von
M.;  Station  der  Dampferlinien:  Peninsular ­
  and  Oricntal  Steam  Navigation  Co.,
Messageries  maritimes,  Olano,  Larrinage
and  Co.  (Liverpool);  160,000  (eigentliche
Stadt  50,000)  Einw.  Deutsches  Konsulat;
Handelskammer;  Chartered  Bank  of  India, ­
  Australia  and  China,  Banco  Español
Filipino,  Hongkong  and  Shanghai  Baiiking
  Co.—Der  Ausfuhrhandel  befindet  sich
fast  ganz  in  den  Händen  englischer,  amerikanischer ­
  und  deutscher  Handelshäuser.
Seehafen  ist  daö  20  km  südlich  gelegene
Cavite  mitSchifsSwerftcund6000Emw.
Eingeführt  werden  namentlich:  baumwollene ­
  gedruckte  Stoffe  aus  England  und  der
Schweiz,  Leinenwaren,  Seidenstoffe,Steingut, ­
  Glasperlen,  Schuhwcrk;  der  Ertrag
an  Einfuhrzöllen  bezifferte  sich  1879  auf
4,617,372  Mk.  gegen  5,606,412  im  Vorjahr. ­
  Der  Wert  aller  Ausfuhren  1879  war
76,023,748  Mk.,  davon  (in  Mill.  Mark)  :

Mannheim.
Rohzucker  .  .  43,9  Cigarren  ...  4,7
Manilahanf  .  19,7  Blättertabak.  .  o,a
Kaffee  ...  5,i
Seit  1877  besteht  in  M.  eilte  große  englische ­
  Zuckerrafsinerie,  und  der  Export
von  Rohzucker  dürfte  allmählich  aufhören.
An  der  Schifsahrt  (im  ganzen  243  Schiffe
von  188,527  Ton.)  ist  Deutschland  mit
25  Schiffen  (14,916  T.)  beteiligt.  —
Geld.  Münzeinheit  ist  der  philippinische
Gold-Peso—4  Mk.  ;  gesetzliches  Zahlmittel
sind  nur  spanisch-philippinische  Münzen.
AufMiudana  o  ist  das  allgemeingültige
Geld  der  chinesische  Kangan,  ein'Stück
grober  Leinwand.  —  Platzgebräuche.
Käufe  von  LaildeSerzengnissen  gegen  bar,
Verkauf  von  Einfuhrwaren  auf  1—2  Monate ­
  Kredit.  Wechselkurse  notiert  man  auf
London  6  Monate,  Spanien  3  Monate,
Kanton,  Amoy,  Singapur,  Hongkong,
Kalkutta,  Bombay,  Madras  30  Tage  nach
Sicht.  Wcchselrecht  ist  das  spanische.
Mannheim,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  bad.  Kreises,  am  Einfluß  deS
Neckar  in  den  Rhein  und  an  den  Bahnen:
M.-Konstanz,  Odenwald,  Nheinthal,
Main-Neckar,  Pfälzische  und  M.-Frankfurt; ­
  (1880)  52,860  Einw.  Konsulate  für:
Argentinien,  Belgien,  Frankreich,  Gricchenland,
  Italien,  Niederlande,  Österreich,
Türkei,  Venezuela,  Vereinigte  Staaten;
Handelskammer  u.  Handelsgericht;  Rheinschiffahrtö
  -  Ccntralkommission  (Baden,
Bayern,  Elsaß-Lothringen,  Niederlande,
Preußen)  ;  Hauptzollamt.—Im  Handel
spielt  Getreide  die  erste  Rolle:  1880  wurden ­
  zu  Wasser  eingeführt  1,452,884  60°.,
Wert  30,449,800  Mk.,  davon  Weizen  25,8
Mill.  Mk.,  außerdem  für  hiesige  Rechnung ­
  in  Ludwigshafen  250,000  60'.,
Wert  5,180,000  Mk.  1879  wurden  empfangen ­
  und  versandt  (in  Centuern):
Zu  Wasser  Per  Bahn
Getreide  .  .  3712538  3574300
Mehl.  .  .  130589  302060
Kaffee  .  .  236803  146480
topfen  .  .  6328  39207
Tabak  .  .  112737  305035
Wein.  .  .  40262  160258
Branntwein.  2090  135620
Holz  .  .  .  3067  760  1243860
Steinkohle  .  6534896  4  209480
Petroleum  .  219697  257360
        <pb n="325" />
        Manfürah  —  Marokko.

Auv  leere  Fässer  zum  Export  »ach  Amerika ­
  ist  in  M.  Centraldepot.  Der  Export
nach  den  Vereinigten  Staaten  besteht  aber
hauptsächlich  für  Droguen  und  Chemikalien, ­
  dann  Seide  und  Scidcnwarcn;  im
Unzen  1879  für  7.8  Mill.,  1880  für
i&amp;lt;&amp;gt;,:i  Mül.  Mk.  —  Der  Gesamtgüterverkehr ­
  an  der  Eisenbahnstation  bezifferte ­
  sich  auf  813,188  Ton.  Die  Post
beförderte  1879:  9,192,474  Briefsendnn-Qf",
  28,417,000  m.  ü»f#kwlvcihm=UN,
  in  Briefen  und  Paketen  Werte  von
,  &amp;gt;2,662,442  Mk.  Von  Telegrammen
Ä 1 ., 11 ” 1  109,099  und  gingen  ab:
123  6-rL  —  Kreditwesen.  Die  Reichsbankhauptftelle
  hatte  1880  einen  Gesaintumsatz
  von  1143,3Mill.Mk..  davon  Wcchmverkehr
  344,7  Mill.,  Giroverkehr  784,3
Ņlll  Mk.  Es  bestehen  hier:  die  Badische
Vank  (Notenumlauf  1879:  11,469,100
î),  Rheinische  Kreditbank,  Rheinische
Hypothekenbank,  Deutsche  Unionbank,
^  s'lechkasse,  Volköbank,  mehrere  bedeutende ­
  Prwatban  ken.  —  P  l  a  tz  g  e  b  r  ä  u  ch  e.
Şn  verkauft  Flachsgarn  für  das  Pack
üMt  12—16  Pfd.,  Seile  für  das  Kilo,  Eisen,
Ņlenbleche,  große  Eisengußwaren  für  100
5s  -  Nutzholz  für  den  Kubikcentimeter,
àrde  für  100  Stück,  Parkcttbodenhölzer
şi/r  den  QMeter,  weißes  Schasleder  für
»00,  farbiges  für  12  Felle.  Wechselkurse ­
  notiert  man  auf  Amsterdam,  Berltït
 ,  Hamburg,  London,  Paris,  Wien
Uttch  den  Normen  von  Frankfurt  a.  M.
Mansürah,  Stadt  in  Unterägypten,  am
Damiettearm  des  Nils  und  der  Eisenbahn
Kairo  -  Damiette;  (Ķ)  16,170  Einw.
Deritsche  Konsularagentur.
Mantua,  Hauptstadt  der  gleichnamigen
italienischen  Provinz,  am  Mincio,  durch
tuer  Eisenbahnen  mit  Verona,  Eremona
und  Venedig  (über  Legnago)  verbunden;
0878)  24,825  Einw.  Handelsgericht.  Der
Handel  (Hanptartikel:  Seide)  ist  meist  in
yüt  Händen  von  Juden  und  nicht  sehr
blühend.  Messe  vom  13.  Mai  bis  Ä.  Inni.
Maracaibo,  Seehafen  der  Republik
Venezuela,  Station  der  Atlas  Steamship
Oo.  ;  (1870)  21,954  Einw.  Wichtiger  Ausfuhrhafen ­
  (1878  dein  ausländischen  Verkehr ­
  wieder  geöffnet)  für:  Kakao,  Kaffee,
Baumwolle  und  Farbholz.  Kakao  wird

317
Maranhão,  s.  São  Luis  de  M.  '
Marañan  (spr..njohn),  s.  v.  w.  Amazonenstrom ­
  (s.  d.).
Marbclla,  Hafenstadt  in  der  span.  Provinz ­
  Malaga;(1877)7947  Einw.  Deutscbeö
Vicekonsulat.  In  der  Nähe  Eisen-,  Graphit-, ­
  Molybdän  -  und  Bleibergwerke.
Marianen,  s.  Mikronesien.
Markesasinscln,  s.  Polynesien.
Marne,  bedeutendster  Nebenfluß  der
Seine,  .schiffbar  auf  364  km.  Von  den
mit  ihr  Zilsammenhängenden  Kanälen
sind  git  nennen:  der  Oureqkanal  108  km,
der  «Deitenkanal  63  km,  der  M.-Aiöncf
  ci  licit  58  km  und  der  351  km  lange  M.-Rheinkanal,
  der  bei  Straßburg  in  den
Rhein  mündet,  4  Tunnel,  66  Schleusen,
3  große  Kanalbrücken,  159  Wasserleitungen, ­
  lOOVerbindnngsbrücken  und  44  Stationsbuch ­
  ten  hat.
Marokko,  Sultanat  im  Nordwesten
des  afrikanischen  Kontinents;  672,200qkm
(12,210  cm.)  mit  12  som  eiiim.
T'ssots,  mit  nur  6  Mill,  nach  Rohlfs'
Schätzn,igei,.  Von  dem  Gesamtareal
kommen  ca.  197,100  qkm  auf  das  Teil,
d.  h.  die  fruchtbare  Küsten-  und  Gebirgsrcgion,
  67,700  auf  die  Steppen.  407,500
uns  die  Sahara  ohne  Tuat.  —  Produktion. ­
  Getreide  und  Hülsenfrüchte  gedeihen
außerordentlich  gut,  und  eine  Ausfuhr
findet  fortwährend  statt;  nur  1879  fiel
dieselbe  infolge  der  vorhergegangenen  Mißernte ­
  aus,  während  1877  für  7,970,000
Mk.  Bohnen  und  Erbsen  und  für  3,628,000
Mk.  Mais  exportiert  worden  waren.  Die
Viehzucht  ist  sehr  stark  und  liefert
Schlachtvieh  (Rinder)  und  Wolle  zurAuöfuhr.
  Von  Mineralien  sind  Eisen,  Kupfer, ­
  Blei  inMcnge  vorhanden  ;  doch  erlaubt
die  Regierung  den  Abbau  derselben  nicht.—
Von  Indu  st  r  i  e  n  sind  nur  feine  Ledcrsorten,
  Maroquin  und  Saffian,  die  von  hier
den  Naiiieii  erhalten  haben,  nennenswert,
etwa  noch  Teppiche,  Burnus,  Seife.  —
Der  Handel  hat  eine  dreifache  Richtungnach
  der  Levante  durch  diePilgerkarawanen
nach  den,  Sìldân  oder  den,  Innern  von'
Afrika  ebenfalls  durch  Karawanen  beide
besonders  von  Feö,  dem  Haupthandels-
        <pb n="326" />
        318  Marsala  -
Platz  des  Innern,  ausgehend,  und  nach
Europa  durch  die  Seehafen  Tanger,
Mazagan,  Mogador  und  kleinere  Häfen.
Im  Jahr  1879  betrug  der  Wert  der
Einfuhr  19,094,320  Mk.,  der  Ausfuhr
14,681,288  Mk.  ;  im  Jahr  1878  aber  hatte
der  Wert  der  Einfuhr  19,164,720  Mk.,
der  Ausfuhr  18,775,400  Mk.  betragen.
Die  wesentliche  Verminderung  des  Exports ­
  erklärt  sich  durch  das  Verbot  der
Ausfuhr  von  Hülsenfrüchten.  Die  hauptsächlichsten ­
  Einfuhrartikel  waren  1679:
Baumwollwaren.  .  .  7790240  Mark
Zucker  2942560  »
Nahrungsmittel  .  .  .  2271580  -
Bares  Geld  ....  1503000  -
nächstdem  Thec,  Seide  und  seidene  Waren,
Tuche  rc.  ;  dagegen  waren  die  hauptsächlichsten ­
  Ausfuhrartikel:
Bargeld  4871680  Mark
Wolle  2604060  -
Häute  2462740  -
Ochsen  1260840  -
uächstdem  Mandeln,  Pantoffeln,  Gummi,
Straußfedern,  Teppiche,  Wachs,  Datteln.
In  den  Handel  teilen  sich  England  und
Frankreich  ziemlich  gleich;  an  der  Einfuhr
nahm  das  erste  1879  mit  59,6,  das  zweite
mit  36,7  Proz.,  an  der  Ausfuhr  das  erste
mit  42,6,  das  zweite  mit  50,4  Proz.  teil.
Direkter  Verkehr  mit  Deutschland  findet
seit  Dezember  1879  durch  Dampfer  der
Linie  R.  Sloman  jun.  in  Hamburg  statt.
Von  Schiffen  liefen  1879  ein:  1438
Schiffe  von  366,607  Ton.,  davon:  englische ­
  548  von  138,848  T.,  französische
367  von  205,340  T.,  deutsche  5  von
975  T.  rc.  M.  gehört  zlun  Weltpostverein.— ­
  Platzgebräuche.  Bei  Beziehungen ­
  ans  Europa  erfolgt  die  Zahlung  von
den  marokkanischen  Handelsplätzen  drei
bis  vier  Monate  nach  Ankunft  der  Ware  in
Gibraltar  oder  einem  Hafen  von  M.  durch
Barsendung  an  ein  Haus  in  Gibraltaroder
  durch  Rimesse  von  Wechseln  auf
Marseille,  Paris  oder  London.  —  Man
rechnet  nach  Mitskal  —  1,2  Mk.,  im
großen  Handelsverkehr  nach  dem  silbernen
Fünffrankstnck.  Das  letztere  ist  gegenwärtig
im  ganzen  Reich  die  vorherrschende  Münze.
Maß  für  Gewebe  ist  das  englische  Aard,
Getreidemaß  die  kastilischeFanega—55Lit.,

Marseille.
Ölmaß  die  Kula  —15  L.  Das  Artal  oder
Rotal  in  den  nördlichen  Häfen  508,  in  den
südlichen537-540K;  bcf,Kantar=50,8kg.
Die  gleichnamige  Hauptstadt  (ca.
50,000Einw.)  produziert  berühmte  Lederwaren. ­
  Der  Handel  ist  nur  Einheimischen
gestattet.
Marsala  (spr.  «sfata),  Seestadt  auf  der
Westküste  von  Sicilien,  Station  derFlorio-Dampfer;
  (1878)  37,550  Einw.  Handel
mit  Marsalawein,  namentlich  nach
England  und  Weftindien,  mit  Getreide,
Öl,  Soda  und  dem  in  der  Nachbarschaft
aus  den  Sammelt  gewonnenen  Salz.
Marseille  (spr.  -ssäj),  Hauptstadt  des
französischen  Departements  der  Nhöncmündnngen
  und  erster  See-und  Handelsplatz ­
  Frankreichs,  am  Meerbusen  du  Lion,
mit  festein  Freihafen  und  der  Paris-Mittelmeerbahn; ­
  Station  der  Dampferlinien: ­
  Sloman  u.  Ko.  und  R.  Sloman
jun.  (Hamburg),  Comp.  Fraissinet,  Società ­
  Rnbattino,  Società  Florio,  Nieder!.
Dampfschiffgesellschaft,  Wcsteotts  -  Linie,
Messageries  maritimes  und  der  hier  domizilierten ­
  Valery  Frères  et  Fils  und  der  Société ­
  générale  de  transports  maritimes;
(1876)  234,690  Einw.  Deutsches  Bernfskousulat
  (Amtsbezirk:  die  Departements
Rhônemnndungcn,  Vaucluse,  Drôme);
Handelskammer,  Handelsgericht,  Fabrikgericht, ­
  Seesyndikate;  Entrepot  für  die
transitierenden  verbotenen  Waren;  Börse,
Bank  von  Frankreich,  Société  générale,
Crédit  Foncier,  Crédit  Lyonnais,  (Sont)} 5
toir  d'Escompte  de  Paris,  Société  générale ­
  Algérienne.  —  Die  höchst  bedeutende ­
  I  n  d  u  st  r  i  e  erstreckt  sich  namentlich ­
  auf  die  Fabrikation  von  Seife,
welche  in  Stadt  und  Umgebung  über  50
Etablissements  mit  mehr  als  1000  Arbeitern ­
  beschäftigt  und  jährlich  V:  Mill.  mete.
Ctr.  Seife  im  Wert  von  28  Mill.  Mk.
produziert.  In  40Fabrikenwerdenjährlich
IV2  Mill.  mets.  Ctr.  Ölpflanzen,  namentlich ­
  Sesam  und  Erdmandeln,  verarbeitet;
in  7  Etablissements  stellen  1800  Arbeiter
350,000  metr.  Ctr.  Soda  und  100,000  Ctr.
Sodasalze  her;  3  Zuckerfabriken  beschäftigen ­
  2300,  6  Dampfmaschinenfabrikeu
09^010^^:  10  am.  m.)  2500
Arbeiter  rc.  Bedeutend  ist  der  Gewinn  von
        <pb n="327" />
        Marshallinseln  —  Mauritius.

Stockfisch  und  Thran.  Von  hoher  Wichtigst ­
  ist  der  Handel.  Die  Gesamtfläche
der  Hafenanlage  beträgt  112  ha.  Im  Hafen ­
  liefen  1879
ein:  0445  Schiffe  von  3313469  Ton.
auS:  9344  -  -  3286132  -
Von  dem  Tonnengehalt  der  eingelaufenen
fÄSÄSS»
bte  englische  410,466,  die  spanischem,851,
die  deutsche  (mit  75  Schiffen)  41,705  T.
Unter  den  1879  verkehrenden  Schiffen
Nwcit  3889  Dampfer  von  2,370,828
s-  Die  Handelsflotte  der  Stadt  be-MndAnfang
  1875  aus734  Schiffen,davon
~04  Dampfer  von  196,621  T.  Die  bedeute.ndste
  Dampfergesellschaft  ist  die  Société'
generale  de  transports  niaritimes  à  vapeur
(Kapital:  12  Mill.  Frank),  welche  über
Barcelona.  Gibraltar  und  St.  Vincent
"ach  Rio  de  Janeiro,  Montevideo  und
Buenos  Ayres  Fahrten  macht.  —  Deitert ­
  der  eingeführten  Waren  betrug  1878
Nl  Specialhaudel  690,3  Mill.  Mk.,  ber
Zeit  der  Ausfuhr  314,e  Mill.  Aik.  Die
Annahme  des  Zollamts  betrug  1879:  42
,,  "ll.  Mk.  Hauptartikel  der  Einfuhr
^ŗen  1879  (in  Millionen  Kilogramm)  :
mohseide  3,5,  Getreide  26,7  (der  eigentliche
'^aupthandelsartikel  der  Stadt  namentlich
Ms  dem  Schwarzen  Meer,  Algerien,  der
şşurkei,Jtalien),Kasfee21,9,Olivenôll2,9.
A  Zer  66,  Erdmandeln,  Sesam  und  andre
Dlsäinereien  244,  Baumwolle  14,i,  Wolle
Färbholz  13,3,  ferner  Holz,  Thee,
Vlei,  Kakao,  Vieh  (aus  Algerien),  Häute
und  Pelzwerk,  Schwefel  (aus  Sicilien),Eisen,Weine ­
  rc.  Ausgeführtwurden(inMill.
Kilogr.):  Baumwollwaren  12,6,  Mollearen ­
  4,4,  raffinierter  Zucker  35,8,  Seioenwaren
  1,9,  ferner  Kurzwaren,  Getreide
llnd  Mehl,  Rohseide,  Metallwaren,  Leder
und  Lederwaren,  Wein  und  Alkohol;  die
Geldeinfuhr  belief  sich  1879  auf  52  Mill.,
die  Ausfuhr  auf  34  Mill.  Mk.  Die  Filiale
ver  Bank  von  Frankreich  diskontierte
Wechsel  im  Betrag  von  54  Mill.  Mk.  —
Platzgebräuche.  Man  verkauft  Olivenöl ­
  nach  der  Millerole,  diese  ist  bei  Fabriköl ­
  64  Lit.,  bei  Speiseöl  58V:  kg,  bei
Vrennöl  58  kg.  Bei  Speiseöl  ist  das
Gebinde  beim  Preis  inbegriffen  (futaille

319
MWZM
baubeii  oom  #0^;^  mtb  @41^1^11
Meer  fnr  100,  nordamcrikanische  für  103
Stuck.  Rabatt  bei  Barkauf  bciSpeiseöhGetreibe,
  bei  3»cicrlV:,  bei
bei  Me  6—8^01.  ¡RoMeibc,
Ņreun-  unb  Fabriköl  gegen  bar.  Wechselkurse
  wie  Paris;  auf  Antwerpen,  Angsburg,
  Rmiiffmt  a.  9R.,  Si^bon,  930^0,
^î^bnrg  werden  keine  Kurse  notiert.
Marshallmseln,  s.  Mikronesien.
Marfirand,  Hafenstadt  im  schwcd.  Län
Gotenburg,  auf  einer  Insel  im  Kattegat;
0878)  1340  Einw.  Deutsche  Konsu'laragentur.

Martinique  (spr.-nihk),  eine  derKleincn
Antillen,  nächst  Guadeloupe  die  wichtigste
Besitzung  der  Franzosen  in  Westindieu;
938  qkm  (17,9  QM.)  mit  (1877)  161,782
Einw.  (davon  ca.  10,000  Weiße,  12,000
Kulis,  540  Chinesen).  Hauptkultur  ist
Zuckerbau  (1377:43,560,000  kg),weniger
Kaffee,  Kakao,  Baumnwlle  und  Tabak.
Bau-  und  Nutzhölzer  wachsen  in  dichten
Waldungen.  Campechcholz  wird  ausgeführt; ­
  alle  Südfrüchte  gedeihen.  Die  Viehzählung ­
  von  1873  ergab:  5011  Pferde,
5358  Esel  und  Maultiere,  15,504  Rinder
14,830  Schafe,  16,146  Schweine.  Die
Einfuhr  wertete  1877:  23,1  Mill.,  Ausfuhr ­
  27,6  Mill.  Mk.  840  Schiffe  liefen
ein  und  845  aus.
Matanzas,  Hafenstadt  an  der  Nordwestküste ­
  der  spanisch-westind.  Insel  Cuba,
80  km  östlich  von  Havana,  durch  drei
Eisenbahnen  mit  Havana  und  andern
Plätzen  verbunden;  Station  der  Dampferlinien ­
  Lopez  u.  Ko.  (Cadiz)  und  Fletcher
u.  Ko.  (Liverpool);  40,000  Einw.  Dcutcheö
  Konsulat;  Succursale  del  Banco
Español.  Hauptausfuhrartikel:  Üucker
(1879:  211,404  Fässer  it.  46,292  Kisten),
Melasse  (75,068  Fässer)  und  Rum  meist
nach  den  Vereinigten  Staaten.  Nach
ein,  571  aus.
Maui,  s.  Hawaii.
Mauritius,  brit.  Insel  im  Indischen
        <pb n="328" />
        320  Maya  quei  —  Mecklenburg  -  Schwerin.

Ocean,  östlich  von  Madagaskar,  1914  qkm
(34,8  OM.);  (isso)  357,339  Einw.,  davon
243,386  Inder,  außerdem  Chinesen,Neger,
Europäer.  —  Hauptprodukte:  Zucker,
Rum,  Vanille,  Kokosnußöl,  Alocbast,
auch  Kaffee,  Reis,  Indigo,  Baumwolle.
In  die  Hafen  der  Insel  Port  Louis  (f.  d.)
und  Mahebourg  liefen  1879  ein:  610
Schiffe  von  258,209  Ton.,  davon  deutsch
40  Schiffe  von  8158  T.  Der  Handel  geht
meist  nach  England  und  wertete  1879
in  Einfuhr:  38.967,062  Mk.,  in  Ausfuhr:
54,006,574  Mk.  Von  letzterer  kommen
auf  Zucker  51,9  Mill.  Mk.,  von  ersterer
auf  Reis  13,5,  Getreide  und  Mehl  4,4,
Baumwollwarcn  2,i  Mill.  Mk.  Deutschland ­
  importierte  1878  für  39,540  Mk.
(1879  fand  keine  Einfuhr  aus  Deutschland ­
  statt).  —  Die  Eisenbahnen  hatten
1878  eine  Länge  von  106  km,  die  Tclegraphenlinien
  von  131  km;  es  gab  34
Postämter.  M.  gehört  zum  Weltpostverein. ­
  —  Das  Kolonial  bud  get  zeigte
1879  eine  Einnahme  von  15,275,380
Mk.,  eine  Ausgabe  von  14,923,980  Mk.;
@cWb  15,982,000  9071.,  #=picrgeld
  im  Uinlauf  7,097,000  Mk.  —
Man  rechnet  nach  Pfunden  Sterling;
es  cirkulieren  meist  britisch-ostindische
Rupien.  Staatspapiergeld  find  die  von
der  Commercial  Bank  in  Port  Louis  kostenfrei ­
  verwalteten  Noten  (zu  5  und  10
Rupien)  der  Kolonialregierung.  Maße
und  Gewichte  sind  die  metrischen.
Mayaguez,  Hafenplatz  an  der  Westküste ­
  von  Puerto  Rico;  23,000Ew.  DcutschesVicckonslllat;
  Station  derHamburg-Amcrikan.
  Paketfahrt  -  Aktiengesellschaft
und  der  Comp,  generale  transatlantique.
Die  Einfuhr  wertete  1879:  8,66  Mill.,  die
Ausfuhr  (Kaffee,  Zucker)  11,77  Mill.  Mk.
1879  verkehrten  hier  214  Schiffe  von
34,043  Ton.  (8  deutsche  von  1883  T.).
Mayotte  (spr.  majott),  franz.  Insel  an
der  Südostküste  Afrikas,  366  qkm  (6,65
QM.)  mit  (1877)  9617  Einw.  Produkte:
Zucker  (1876:2,9Mill,  kg),  Rum,  Reis,
Kaffee.  1876  liefen  128  Schiffe  ein,
114  ans;  Einfubr:  514,008  Mk.,  Ausfuhr: ­
  646,480  Mk.
Mazagan,  Hafenstadt  in  Marokko,  am
Atlantischen  Ocean;  (i8?8)  3500  Einw.,

davon  lOOInden.  DeutschesVicekonsnlat
(Amtsbezirk:  die  Küste,  inkl.  der  Stadt
Azamor,  von  der  Mitte  des  Wegs  von  M.
nach  Casa  blanca  nördlich  bis  zur  Mitte
zwischen  M.  und  Sassy  siidlick).  Der
Handel  (England  und  Frankreich)  wertete
1879  in:  Einfuhr  98,779  Mk.,  Ausfuhr
105,285  m.  @#gucrfcl)f  1879:  140
Schiffe  von  68,491  Ton.
Mazatlan,Hafenstadt  in  demmerikan.
Staat  Cinaloa,  am  Stillen  Ocean;  12,000
Einw.  DeutschesKonsulat;  Station  der
Royal  Mail  Steam  Packet  Comp.  1880
wertete  die  Einfuhr  10,9  Mill,  (davon
deutsch  IV,  Mill.),  die  Ausfuhr  (meist
Silber)  13,8  Mill.  Mk.  1880  verkehrten
hier  101  Schiffe  von  105,969  Ton.,  davon
15  deutsche  Schiffe  von  6857  T.
Mcchcln  (Malines),  Stadt  in  der
belg.  Provinz  Antwerpen,  an  derDyleund
dein  Kanal  von  Löwen  nach  Antwerpen,
Centralpunkt  der  belgischen  Eisenbahnen  ;
(1878)  40,586  Einw.  Banque  Nationale
Succ.,  Société  generale;  Fabrikation  von
wollenen  Decken,  Spitzen  (points  de  Malilies), ­
  Flachs-  und  Hanfspinnerei,  Brauereien, ­
  Kupferschmelze,  große  Werkstätten
der  Staatsbahnen  und  Stückgießerci.
Mecklenburg-Schwerin,  Großherzogtum ­
  im  nördlichen  Deutschland;  13,306
qkm  (241,65  QM.)  mit  (isso)  576,827
Einw.  gegen  557,707imIahrl871,  wovon
553,492  Protestanten,  1336  Katholiken,
2945Jsraelitcn.  1879  wanderten  519Personen
  aus.—  Produktion.  Von  demGesamtarcal
  waren  57Proz.  Acker-  und  Gartenland, ­
  12,9  Prvz.  Wiesen  und  Weiden,
16,8  Proz.  Forstland.  Bebaut  waren  mit:
Roggen  164,661,  Hafer  114,133,  Weizen
43,421,  Kartoffeln  37,177  ha,  dem  Ackerbau ­
  gewidmet  überhaupt  750,243  ha.  Der
Viehstand  belief  sich  1873  auf:  272,908
Rinder,  83,669  Pferde,  1,100,048Schafe,
192,415  Schweine.  Bergbau  wird  nur
auf  Braunkohlen  bei  Malliß  betrieben
(1878:  19,500  Ton.  im  Wert  von  42,000
Mk.),  Kochsalz  wird  zu  Sülze  gewonnen
(1878:1660T.imWert  von  41,000Mk.).-Die
  gewerbliche  Thätigkeit  ist  nicht
bedeutend;  nach  der  Zählung  vonl875  gab
es  33.234  Hauptbetriebe  mit  61,809  dabei
beschäftigten  Personen.  Es  bestehen  eine
        <pb n="329" />
        Mecklenburg-Strelitz  —  Mekka.

321

àhôrdc  zur  Hebung  der  inläudischeu  Jnvllstrie
  u.  ein  allgemeiner  Jndustriefondö.
à  Handel  ist  aber  lebhaft,  die  wichugsten
  Plätze  sind  Rostock  mit  Warne-'"nnde
  und  Wismar.  Bedeutende  Wollwarkte
  werden  zit  Güstrow,  Wisinar  und
-Rostock,  ein  Pferdcmarktzu  Rostock  abge-Eingeführt
  werden:  Kohlen,  Holz,
Astile  Salz,  Kolonialwaren,  Wein;
ifsgefnhrt:  Vieh  und  Ackerbanprodukte.
«»ó  .388  Schiffen  von  112,350  Ton.,  davon ­
  10  Dampfer  von  4O69  T.  Der  Schiffsverkehr ­
  war:  eingelaufen  1112  Schiffe
^vil  118,O13T.,  ausgelaufen  1124  Schiffe
ü &amp;gt;3  119,036  T.  —  M.  hat  Staatseiseuvsthnen
  von  354,o  km  Länge  und  1452
evr  Chausseen.  Posten  und  Telegraphen
werden  vom  Reich  verwaltet.  —  Kreditwesen. ­
  Von  Banken  sind  die  Rostocker
sOstNk  (Kapital:  6Mill.  Mk.)  und  dieMeck-%^^^^ekl,=u^,b^ed)^^Ib(^,^^(9

¿oft  ï'  Ņèk.)  in  Schwerin  zu  nennen.  Es
stehe,,  28  Sparkassen.  —  Konsulate
gcuW  m  gtofW  uiib  fm„=^Jşkaaten
  ebenda  und  in  Schwerin.
iuanzen.  Ein  allgemeines  Staatsbudget ­
  gibt  es  nicht.  Der  Etat  der  lanwv»"Ä.îâ)cn
  Verwaltung  soll  sich  auf  12
,  Mk.  belaufen:  der  Etat  der  landcs-Rrrlich-stäudischen
  Finanzverwaltunq  besagt ­
  etwa  2  Mill.  Bit.  MatrikularbeitTstg
  1881—82:  1,129,439  %Rf.  $o„  bei,
Schulden  entfielen  1878  auf  den  landesherrlichen ­
  Etat  15,350,000,  auf  die  landesherrlich-ständischen ­
  Kassen  5,330,000,
Zusammen  20,680,000  Mk.;  dagegen  Aktwa
  in  der  Höhe  von  33,277,000  Alk.
Mecklenburg-Strelitz,  Grostherzogtu
 m  im  nördlichen  Deutschland,  bestehend
uus  zwei  Teilen:  dem  Herzogtum  Streust ­
  östlich  und  dem  Fürstentum  Ratzebnrq
Nordwestlich  von  Mecklenburg-Schwerin';
--O29  qkm  (52,08QM.)  mit  (isso)  100,269
chfnw.  gegen  96,982  im  Jahr  1871,  wovon
(",329  Protestanten,  485  Juden.  —Pro-Aktion.
  Von  demGcsamtareal  sind  56
şi'oz.  Acker  und  Gärten,  12  Proz.  Wiesen
/ņd  Weiden,  25  Proz.  Forst.  Bebaut  waren
^78:139,1621m,  bci00,i27,412  ,»119109=;^M9,478
  mit  Hafer,  10,496  mit  Weizen,
J,) ‘6  mit  Kartoffeln.  Bergbau  wird  gar
Handelsgeographie.

nicht  betrieben.  -  Die  Industrie  ist
unbedeutend;  Hauptbetriebe  gab  es  1875  :
6427  mit  10,940  beschäftigten  Perforiern
Pscrdcmarktc  in  Altstrclitz  und  Renbrandenburg,
  Wollmarkt  in  Nenbrandcnburg.
Die  Handelsartikel  sind  dieselben  wie  in
Mecklenburg-Schwerin.  —  M.  wird  von
der  Berliner  Nordbahn  durchschnitten  und
hat  318  km  Chausseen.  Posten  und  Telegraphen ­
  verivaltet  das  Reich.  —  über  die
c*  feine  g,,„erlafļtslen
  Angaben;  Matriknlarbeitrag  1881
Meerane,  Fabrikstadt  in  der  sächs.
Krelshauptmannschaft  Zwickau,  an  der
Eisenbahnlinie  Chemnitz-Gera;  (isso)
22,234  (Simo.  Rcichöbanknebenstellc,  Filiale ­
  der  Sächsischen  Bank  in  Dresden,
Lorschnßvcrcin  (eingetragene  Genossenschaft). ­
  —  Bedeutende  Fabrikation  von
wollenen,  halbwollenen  und  halbseidenen
Stoffen  mit  ca.  15,000  Hand-  und  2000
mechanischen  Webstühlen  und  jährlichem
Umsatz  von  40  Mill.  Mk.  (Absatz  nach
säst  allen  europäischen  Ländern.  Amerika
und  andern  Weltteilen);  Woll-  und
Barimwollfärberci,  Stnckfärbcrci.
Mejiko,  s.  Mexiko.
Mekhong,  großer  Strom  Südostasicns.
entspringt  in  China  (Jttnnan),  fließt
durch  Birma,  Siam,  Kambodscha  und
Französisch-Kotschinchina  in  das  Südchincsischc
  Meer.  In  Kotschinchina  bildet  er
ein  ungeheures  Delta,  jenseit  desselben
verhindern  Sandbänke  und  Stromschnei
len  seine  Schiffbarkeit.
Mekka,  Stadt  in  Arabien,  Landschaft
Hidschas,  etwa  96  km  von  der  Küste  des
Roten  Meers;  45,000  Einw.;das  Ziel  regelmäßiger ­
  Pilgerzüge  (1875:150,000  mit
50,000  Kamelen).  Der  Handel  während
der  Wallfahrt  und  einige  Monate  vorher
ist  beträchtlich  ;  man  berechnet  den  jährlichen
Geldzufluß  durch  die  Pilger  auf  50  Mill.
Mk.  Reiche  Pilger  bringen  ihre  Waren
zur  See  oder  durch  die  Wüste  von  Syrien
nach  Dschidda.  Von  M.  führen  Straßen
nach  Jemen,  nach  Nedschu  und  zum  PermerS,#,,,#
  mib  Iü„ßg  beo
Küste  des  Noten  Meers,  „ach  Basra  nud
Bagdad,  zum  Hafenplatz  Dschidda.
21
        <pb n="330" />
        322

Melanesien  —  Memel.

Melanesien,  nach  der  schwarzen  Farbe
der  Bewohner  gewählter  Name  des  Binnengürtels
  der  australischen  Inselwelt,
besteht  ans  folgenden  Hauptgruppen:
Ditti.  DMeil.  Bewohn.

Neubritaniiien-Archipcl
Salomonsiuseln.  .
Santa  Cruz-Inseln
Tucopiagruppe  .  .
Neue  Hebriden  .  .
Neukaledonien  .  .
Loyalty-Inseln  .  .
Viti-Inseln  .  .  .

47100
43900
938
66
18227
17080
'  2743
20801

8551
797/
17
1
240
310
50
378

364000
5000
650
70000
41694
13174
112272

Ganz  Melanesien:  145855  2648  606790
Die  Bewohner  gehören  sämtlich  der  Papuarasse ­
  an,  nur  auf  Tucopia  sind  hellfarbige ­
  Polynesier.  Mit  Ausnahme  von
Neukaledonien,  das  mit  den  Loyalty-Inseln ­
  zu  Frankreich,  und  der  Vitiaruppe,
die  zu  England  gehört,  sind  sämtliche  Inseln ­
  unabhängig.  Die  Vegetation  ist  üppig. ­
  Häfen  sind:  Praslin  und  Carteret
auf  Neuirland  (Neubritannierl-  Archipel),
Veracruz  ans  Espiritu  Santo,  Sandwich
auf  Mallicollo,  Resolution  auf  Tanna
(Neue  Hebriden).
Melbourne  lspr.  wellborn),  Hauptstadt
der  britisch-austral.  Kolonie  Victoria  (s.d.),
an  der  Hobsonübai,  Endpunkt  mehrerer
ins  Inuere  führenden  Bahnen,  Station  der
Dampferlinien  R.  Slaman  (Hamburg),
der  Peninsular  and  Orientas  Co.  und
Orientlinie;  (issi)  mit  Vorstädten  280,836
Einw.  Deutsches  Konsulat  für  die  Kolonie
Victoria;  Handelskammer;  Börse,  Bank
of  Australasia,  Bank  of  New  South  Wales,
Bank  of  New  Zealand,  Commercial  Bank
of  Australia  und  16  andre  Banken.  —  M.
ist  Sitz  von  18  europäischen  Passagierschiffund
  Dampferlinien  sowie  vvnl3üitcrkolonialen
  Linien.  Der  Handel  von  Victoria
geht  fast  ausschließlich  über  At.  ;  1877  betrug ­
  die  Einfuhr  268,8Mill.  Mk.,  die  Ausfuhr ­
  272,4  Mill.Mk.  ;  es  liefen  1760  Schiffe
von854,782Tou.  ein  und  1732  Schiffe  von
828,180  T.  aus.  Deutsche  Schiffe  liefen
1879  ein:  15  von  6654  T..  aus:  16  von
8072  T.  Wechselkurse  auf  London  60
Tage  nach  Sicht,  Britisch-Ostindien  u.  a.
Memel,  einer  der  bedeutendsteil  Flüsse
des  westlichen  Nußland(dort  Niemen  genannt) ­
  und  der  bedeutendste  Ostpreußens,

entspringt  südlich  von  Minsk  und  mündet
in  die  Ostsee.  Er  wird  bei  Bielica  für  kleinere. ­
  bei  Grodno  für  größere  Fahrzeuge
schiffbar  und  tritt  bei  Schmalleningkcn
ins  preußische  Gebiet.  Von  der  Atmat  bis
nahe  der  Stadt  M.  hat  man  den  König
Wilhelms-Kanal  ausgefübrt,  durch  den
Seckenburger  Kanal  und  den  Fricdrichsgraben
  besteht  Verbindung  mit  dem  Pregelarm
  Deime  von  der  Gilge  aus.  Die
alls  Preußen  fallende  Länge  ist  236  km:
Mcincl  bis  Haff  111,8  Kilon,.
Nebenarme  der  Memeliiiiiiidung  63,i
Nebenflüsse  der  Memel  ...  22,»
König  Wilhelms-Kanal  .  .  .  49,8
83,6  km  sind  für  Fahrzeuge  mit  1,5  m,  156,5
km  für  solche  mit  1  m  Tiefgang  fahrbar.
Memel,  Kreisstadt  int  preuß.  Regierungsbezirk ­
  Königsberg,  an  der  Mündung ­
  der  schiffbaren  Dange  in  das  Mcmcler
  Tief,  tvelcheS  das  Kurische  Haff  mit  der
Ostsee  verbindet,  und  der  Tilsit-Memeler
Eisenbahn;  (isso)  19,478  Einw.  Konsulate ­
  für:  Belgien.  Bremen,  Dänemark,
Lübeck,  Mecklenburg-Schwerin,  Niederlailde,
  Rußland  und  Uruguay;  Handelskammer, ­
  Hauptzvllamt.  —  Der  Haildcl.
namentlich  mit  Holz  und  Getreide,  ist
die  Lebensader  der  Stadt,  doch  ist  derselbe ­
  infolge  der  neuen  Zollgesetzgebung
und  der  dadurch  gesteigerten  Konkurrenz
Libaus  sehr  gesunken;  der  Gesamtwert
betrug  1877  :  55«.,  1878:  49,*«-,
1879  nur  39,8  Mill.  Mk.  und  zwar  im
letzten  Jahr  (in  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Zur  See  7303500  16098400
Per  Bahn  1187800  2541100
Strom-  und  landwärts  11444300  1263200
1880  sank  die  Ausfuhr  weiter,  sie  betrug ­
  von  Getreide  8130  Ton.  im  Wert
oon  1,200,000  m.  gegen  6,263,000  Wf.
in  1876,  und  zwar  sank  Roggen  von
2,102,000  Mk.  alls  680,000  Mk.,  Hafer
voit  942,000  auf  150,000  Mk.  re.  Der
Export  von  Holz  betrug  1876  noch
14,539,550  Mk.,  1879  nur  10,177,500
Mk.;  andrewichtige  Ausfuhrartikel  waren
1880:  Schlagsaat  2,180,000  Mk.  und
SM*  2,750,000  m.  Die  ßinMr  gut
See  bestand  1880  in:  Salz  339,684  Etr.
(England,  Frankreich,  Spanien),  Stein-
        <pb n="331" />
        323

Messina  —  Mexiko.

kohle  (England),  Zucker,  Manufakturwaren,
  Petroleum.  —  Es  liefen  1880  ein:
971  Schiffe  mit  175,742  Ton.,  ans:  931
Schiffe  mit  163,266  T.  Nach  England
gingen  348  Schiffe  mit  105,594  T.,  Holl(mb
  79  Wffe  mit  18,2071.  Mit  Wawaren
  versegelten  806  Schiffe  mit  127,084
T.  Die  Reederei  der  Stadt  zählt  75
Schiffe,  von  27,401  T.  —  Die  Eisenbahn
oatte  eine  Güterfrequenz  von  28,846,120
kg  (1877:  51,708,883  kg)  imb  eine  @escunteinnahme
  von  259,393  Mk.  (1877:
048,993  Mf.).  -
şite  1880  einen  Umsatz  von  86,724,600
Mk.  gegen  120,980,200  Mk.  in  1878.
Messina,  erste  Handelsstadt  der  Insel
Sicilien,  an  der  gleichiiamigen  Meerenge
und  der  Eisenbahn  M.-Syrakns;  Station
der  Dampferlinien:  R.  Sloman  u.  Komp.,
icederl.  StoombootMaatschappij,Cunard-"»dLeylanb-Linie,
  Messageries  maritimes,
Società  glorio,  Società  Rubatimi),  General
  Steam  Navigation  Co.,  N.  Sloman
1 U1 .V  &amp;gt;  (1878)  120,917  (girne.  Deutsches  Be-ÄŞ^ņsukat
  (Amtsbezirk:  die  Provinz  M.
ludlich  bis  Taormina,  westlich  bisKapOr-(Lstdo);
  Handelskammer;  Börse,  Banca
^ciliana;  bedeutende  Aècsse  (August).
DieJndustrie  erstreckt  sich  auf  die  Aul^tìgung
  von  Geweben,  Korallenarbeiten
Und  Bereitung  von  Essenzen.  Auch  die  Filcherei
  bildet  einen  Haupterwerbszweig  der
Bewohner.  —  Der  Hafen  ist  beschränkter
Freihafen  und  der  Schiffsbewcgung  nach
der  fünfte  unter  den  italienischen  Häfen.  Es
verkehrten  hier  1878  inderinternationalen
Fahrt  4108  Schiffe  (1425  Dampfer)  von
1,141,472  Ton.  und  2035  Küstenfahrer
von  74,378  T.  Deutsche  Schiffe  liefen  hier
ein:  32  (29  Dampfer)  von  19,278  T.
Ausgeführt  werden:  Citronen,  Orangen,
konzentrierter  Citronensaft,  Citronen-,
Drangen-  und  Bergamottessenzen,  Olivenöl, ­
  Wein,  Weinstein,  Mandeln.  Nüsse,
Seide,  Schwefel;  eingeführt:  Manufakte,
Fohlen,  Kolonialwaren,  Zucker,  Rohesten ­
  X.  1878  betrug  die  Einfuhr  14,oc
(deutsch  2,58)  Mill.,  die  Ausfuhr  38,a
güK.  m.  (beut#  361,753  Mf.).  -
fplatzgebrauche  wie  Palermo;  Einfuhrwaren
  werden  auf  langen  Kredit,  Ereignisse ­
  der  Jilsel  gegen  bar  verkauft.

Mosel  und  an  der  Eisenbahn  Forbach-M.-Noveant,
  von  der  hier  Zweige  abgehen
nach  Diedenhofen  (Luxemburg)  unb  Armanvillers
  (direkte  Linie  nach  Paris);
&amp;lt;1880)  53,661  (Sime,  (mit  Einschluß  der
Garnison);  Handelskammer,  Handelsgericht, ­
  Fabrikgericht;  Börse,  Neichsbankstellc
(1880  Gesamtumsatz:  351  Mill.  Mk.),
Filiale  der  Internationalen  Bank  in  Luxemburg, ­
  Filiale  der  Banque  d'Alsace  et  de
Lorraine.  Die  Fabriken  in  Lederwaren
Gerbereien,  Sattlereien  n.  Schnhmacbcrarbeiten
  haben  einigen  Ruf;  große  Eisenwerke ­
  befinden  sich  in  der  Umgegend.  Handelsgcgenstände
  sind:  Wein,  Branntwein
Likör,  Bier,  eingemachte  Früchte,  Leder.
Elftil,  kurze  Waren,  Bauholz,  Möbel.
Mexiko,  Republik  int  südlichen  Teil
von  Nordamerika,  1,921,240  «ilcm  (34  892
OM.);  (tete)  9,389,461  (Sime.,  baeoli  %
Indianer,  Vs  Weiße,  %  Mischlinge  (Mestizen,Mulatte ­
  n,Sambos).-B  o  d  e  n  p  r  o  -
b  n  f  te  liiib  außer  Ma^qoin;,
Ebenholz,  indisches  Rohr,  Jalape,  Brechwnrzel,
  Sasfaparille,  Ipecacuanha,  weißer
Rhabarber,  Blciwurz,  Sassafras,  der
Borax-,  Amber-  und  Gnajakbanm,  Sumach, ­
  Drachenblut-,  Gummilack-  und
Kopaioabanm,  Notholz  n.  a.  Von  Tieren
gibt  es  Herdeil  wilder  Pferde  lind  Rinder, ­
  Büffel,  Ziegen,  die  Kochenille.  An
Mineralien  ist  M.  sehr  reich,  namentlich ­
  an  Silber  und  Gold.  Der  Wert  der
gesamten  Edelmetallproduktion  1521—
1875  beläuft  sich  auf  14,456,433,600  Mk.
davon  Silber:  13,716,972,000,  Gold:'
739,461,600  Mk.  Außerdem  finden  sich
in  bedeutender  Menge:  Kupfer,  Eisen,
Schwefel,  ferner  Zink,  Salpeter,  Vitriolerde, ­
  Kochsalz,  Blei,  Quecksilber(jährlich
  2500  Ctr.).  Marmor,  Alabaster,
Gips,  Asphalt  und  Erdöl  sind  vielfach
vorhanden,  Steinkohle  aber  selten.  Kultiviert ­
  werden:  Mais  (jährlich  18  Mill
Ctr.),  Weizen,  Reis,  Maniok,  Zucker
(l4rl#  350^000  (gtr.),  A'affee,  iüW,
Dle  Viehzucht,  besonders
von  Rindern  und  Schweinen,  auch  Pferden
und  Maultieren,  ist  sehr  ausgedehnt.  Nen-21*
        <pb n="332" />
        824

Mexiko  —  Michigansee.
neiiswert  sind  die  Baumwollmailufaktur  wiegend  auf  den  Verkehr  durch  Saumtiere
(jährlicheProduktion7,3Mill.Psd.Garn)  und  indianische  Träger;  Laslbeförderung
unddieKochenilleproduktiou.—  DerHan-  durch  Wagen  findet  nur  auf  den  großen
del  wird  zwar  durch  den  Mangel  an  guten  Heerstraßen  statt.  —  Die  Eisenbahnen
Häfen  uiib  Straßen  int  Innern  sowie  hatten  l.Jan.  1880  eine  Länge  von  1091,7
durch  die  große  Unsicherheit  erschwert,  ist  km,  im  Bau  waren  39,2  km  und  profitabel ­
  dennoch  im  Zunehmen.  Im  Fiskal-  tiert  0039,i  km;  außerdem  gab  eö  100,4
jähr  1874—75  war  Einfuhr  109,2  Mill.,  km  Tramways  in  Merito  und  Veracruz,
Ausfuhr  109,4  Mill.  Mk.  Au  ersterer  weitere  29,4  km  waren  im  Bau  zwischen
partizipieren:  England  mit  50,i,  Ver-  Tehuacau  und  La  Esperanza,  24,5  km
einigte  Staaten  28,5,  Frankreich  17,8,  projektiert.  Die  Post  hatte  1879:  832
Deutschland  0,6,  Spanien  5,3  Mill.Mk.;  Postämter,  1878—79  kamen  6,229.183
an  letzterer:  Vereinigte  Staaten  mit  41,4,  Briefsendungen  an.  M.  gehört  zum  Welt-England
  36,8,  Frankreich  22,o,  Spanien  postverein.  Das  Tel  cg  raphe  nnc  tz  hatte
3,  Deutschland  1,7  Mill.  Mk.  Deutsch-  1879  eine  Länge  von  14,822  km  mit  317
land  führt  namentlich  ein:  Baumwoll-  Ämtern.
waren,  Lebensmittel,  Metalle,  Kurz-und  Die  Finanzen  befinden  sich  kcineS-Quincailleriewaren
  und  bezieht  Holz  und  Wegs  in  günstigem  Stand;  nach  dem  Bud-Metalle.
  Wichtigste  Ausfuhrartikel  über-  get  1880—81  stand  einer  Einnahme  von
Haupt  sind:  Silber  (60,3  Mill.  Mk.),  74,8  Mill.  Mk.  eine  Ausgabe  von  97
Häute,  Hennequen,  Hölzer,  Gold.  Kaffee,  Mill.  Mk.  gegenüber.  Von  den  Eiunah-Vamlle,Sämereien,
  Vieh,Tabak,Gummi,  men  waren  44,i  Mill.  Mk.  Zölle;  von  den
Erze.  —Konsulate  hat  Deutschland  in:  elf  Münzstätten  (Ausprägung  1878-  2,7
Colima,  Guadalajara,  Laguna  de  Termi-  Mill.  Mk.  in  Gold  und  88,4  Mill.  Mk.  in
nos,  Mazatlan,  Merito,  Merida,  San  Silber)  sind  drei:  San  Luiö  Potosi,  Gna-Lms
  Potosi,  Tampico,  Tepic,  Veracrliz;  najuato  und  Zacatecas,  an  eine  englische
Vicekonsulate  in:  Acapulco,  Chihuahua,  Gesellschaft  verpachtet.  Die  Stàats-Durango,
  Guanajuato,  Guaymas,  Mon-  schuld  beträgt  500,8  Mill.  Mk.,  davon
tereh,  Puebla,  Zacatecas.  äußere  364,i  Mill.,  innere  136,7  Mill.  Mk.
Schiffsverkehr  1872—73.  In  alle  —Eine  Bank,  die  London  Bank  of
Häfen  liefen  ein:  3131  Schisse  mit  1  Mexico,  besteht  in  Meriko  und  Veracruz;
Mill.  Ton.,  davon  mexikanische  2227,  sie  wurde  1865  durch  Londoner  und  Pariser
nordamenkanischc  332,  englische  162,  Häuser  mit  dem  Privilegium  der  Notenfranzösische ­
  115,  deutsche  112,  spanische  ausgäbe  gegründet.  Geld.  Mau  rechnet
64.  Der  bedeutendste  Hafen  ist  Vera-  nach  Piastern  (zu  4,4  Mk.).  Maße  und
cruz,  dessen  Verkehr  den  aller  andern  Gewichte  sind  die  metrischen.
Häfen  aufwiegt.  Die  mexikanische  Han-  Mexiko,  Hauptstadt  der  gleichnamigen
delsflotte  zählt  357  Seeschiffe  und  672  Bundesrepublik  mit  63,7  km  langer
Küstenbarren.  Regelmäßige  Pakctboot-  Stadt-Tramwaybahn,  durch  Eisenbahverbindung
  erhält  die  Ostküste  (Veracruz-  neu  verbunden  mit  Veracruz,  Medel-Tampico)
  durch  die  Dampfer  der  Ham-  lin,  Toluca;  (isso)  230,000  ¿into.  Deutburg-Amerikanischen ­
  Paketfahrt-Aktien-  sches  Konsulat;  Handelskammer,  Hangesellschaft,
  Royal  Mail  Steam  Packet  delsgericht;  London  Bank  of  Mexico;  Jn-Co.,
  Comp,  generale  transatlantique,  dustrie  in  Tabak,  Gold-und  Silberarbei-Harrisou-Linie
  (Liverpool),  Lopez  u.  Ko.,  ten,  Seife,  Kutschen;  bedeutender  Handel.
White  Croß-Linie,  Westindia  and  Pa-  Die  beiden  Häfen  der  Stadt  sind  Ve  raciste ­
  Steamship  Co.  mit  Eilropa,  durch  cruz  und  Ac  a  pul  co.  Zwei  schiffbare  Kadic
  United  States  and  Mexican  Mail  näle  verbinden  M.  mit  den  Seen  von
Steamship  Co.  mit  Nordamerika;  die  Tezcuco  und  Chalco,  der  letztere  von  Wich-Westküste
  durch  die  Dampfer  der  Pacific  tigkeit  für  die  Versorgung  der  Stadt  mit
Mail  Steam  Navigativi:  Co.  —  Der  Gemüsen,  Früchten  und  Blumen.
Landtransport  beschränkt  sichnochvor-  Michigansee  (mischighan-),  540km  lan-
        <pb n="333" />
        Middelburg  -  Mississippi.

grr,  über  130  km  breiter  See  in  deu  Verei-Hiflteii
  Staaten,  durch  dicMackiiiawstraße
mit  dein  Huronsee  verbunden,  59,100  qkm,
mit  niedrigen  Ufern  und  wenig  guten  Häfen.
  An  seinen  Usern  liegen  Chicago  und
."Milwaukee.
Middelburg,  Hauptstadt  der  nicder-Mud.
  Provinz  Zeeland,  auf  der  Insel  Wal-Mren,
  durch  Eisenbahn  und  Kanäle
m&amp;gt;t  Vliessingen  verbunden;  0875)  16,422
^mw.  Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:
öer  südlich  der  Osterschelde  gelegene  Teil
ver  Provinz  Zeeland);  freies  Handelsrntrepot;
  bedeutender  inländischer  Handel
»nt  Getreide,  Kartoffel»,  Krapp.  1880
^krkehrteu  hier  2l  deutsche  Schiffe.
.  Middlesborough  (spr.midd'lsbro),Stadt
m  der  engl.  Grafschaft  York,  an  der
Stundung  des  Tees  und  an  der  Northeastern-Eisenbahn; ­
  (1871)  39,563  Eimv.
Deutsches  Konsulat  (für  Al.  und  Whitby)  ;
National  Provincial  Bank  of  England,
Northeastern  Baiiking  Co.  Eisengießereien,
Schiffswerften,  Seilerbabneii,  Glashütten ­
  ic.  1875  gehörten  zum  Hafen  89  Seeschiffe ­
  von  17,991  Ton.  1879  Wert  der
pilsfilhr  britischer  Produkte,  vornehmlich
Kohle  mid  Eisen,  26,7  Mill.  Mk.,  dcr
Emfuhr  3,i  Mill.  Mk.  Schiffsbewegung
1878:  1,418,264  3:.  (63  bentf^^eed)iffe).
Mikronesien,  die  sechs  im  nordwestticheii
  Teil  des  Stillen  Oceans  verstreuten
Inselgruppen,  nämlich:
QKil.  QMeil.  Bewohn.
Mscln  nördl.  d.  Mnrinncll  HO  2  100
Marianen  1140  21  8200
Mestkarolinen  (Palau-J.)  750  14  14000
Karolinen  700  13  14800
Marshallinseln  ....  400  7  10700
Gilbertinseln.  .  .  ■  ■  430  8  36850

Ganz  Mikronesien:  3530  05  84050
Politisch  gehören  die  Marianen,  Westmrolinen
  und  Palau-Jnseln  sowie  die
Karolinen  zu  Spanien,  die  Inseln  Malin
UndMaraki  (Gilbertinseln)  den  Bereinigten ­
  Staaten.  Von  den  Marianen  sind
Nur  Guam  (Hauptstadt  Agalla)  und  Rota
bewohnt,  die  Karolinen  sind  meist  Atolle.
Eigentliche  Häfen  existieren  nicht.  Zu
be»  Marshallinseln  gehörtJaluit  (s.  ix).
Milford  (spr.  mthforb),  Hafenstadt  im
südlichen  Wales  (England),  an  der  Bucht

325
Milfordhaveu;  (i87i)  3252  Eiuw  Deutsches ­
  Bicekonsulat  (Amtsbezirk:  Milfordhaven.
  Pembroke,  Pembroke  Dock,  Tenby
und  Saundersport).  Die  Stadt  bcsiyt
97  Seeschiffe  von  8234  Ton.  1879  verkehrten ­
  hier  3  deutsche  Schiffe.
Milwaukee  (spr.  milwahki),  größte  und
wichtigste  Stadt  des  nordamerikan.  Staats
Wisconsin,  am  Michigansce  und  au  der
Mündung  des  Milwaukeeflusseö  sowie  an
den  Bahnlinien  M.-Chicago,  M.-St.
Paul;  (1880)  115,578  Einw.  Ressort  des
deutschen  Konsuls  in  Chicago;  First  National ­
  Bank.  Unter  den  7l,440Eimv.,  die
man  1870  zählte,  toaren  22,600  eingewanderte
  Deutsche.  —Die  Stadt  hat  25  Brauereien ­
  (jährlich  12  Mill.  Lit.  Lagerbier),
4  mit  Dampf  betriebene  Ziegcleicii,  große
Kornmühlen  und  Schweinèschlächtcreien
(1875  —76  wurden  181,971  Schweine
verpackt),  7  riesige  Getreidespeicher  mit
einem  FassungSraum  von  2  Mill,  hl  Getreide. ­
  Die  Elevatoren  vermögen  täglich
200,000  lil  aufzunehmen  und  300,000  hl
auszuladen.  Ein  Kanal  verbindet  die  Stadi
mit  dem  Mississippi  und  Eisenbahnen  mit
allen  Teilen  des  Hinterlands.  Zum  Hasen
gehören  319  Schisse  von  39,195  Ton.  ;
1875—76  wurden  schon  Waren  (namentlich ­
  Getreide,  Schweinefleisch,  Schmalz
und  Blei)  nach  dem  Ausland,  vornehmlich ­
  Kanada,  verschifft.  Der  Gesamtumsatz
im  Elearinghouse  betrug  1878:  1098,30
Mill.,  1879:  1191,oo  Mill.  Mk.
Mississippi,  größter  Strom  Nordamerikas, ­
  4209  km  lang,  mit  den  großen  Nebenflüssen: ­
  Missouri  (4983  km),  Ohio
(2035  km),  Arkansas  (2436  km),  Red  River ­
  (1930  km).  Aufwärts  wird  er  fast  nur
noch  n.iit  Dampfern  befahren,  abwärts  bedient ­
  man  sich  außerdem,  besonders  zum
Transport  der  Landesprodnkte,  großer
Flachboote  (arks),  welche  nicht  wieder  aufwärts ­
  gehen.  Die  Zahl  der  den  M.  und
seine  Nebenflüsse  befahrenden  Dampfer  betrug ­
  1877:  1564  mit  373,465  Ton.  Gehalt. ­
  Bedeutendste  Städte  an  ben  Ufern
des  M.  sind:  St.  Paul,  St.  Louis  und
New  Orleans;  durch  die  Strombautcn  an
der  Mündung  ist  letzteres,  zu  dem  größere
Schiffe  von  der  See  aus  schwer  zu  gelangen ­
  vermochten,  zum  Seehafen  geworden
        <pb n="334" />
        32G

Missouri  —  Mous.

Missouri,  bedeutendster  Nebenfluß  des
Mississippi,  -4983  km  lang.  Bei  hohem
Wasserstand  fahren  Dampfer  bis  zu  den
Großen  Fällen,  4327  km  von  der  Mündung, ­
  sonst  bis  Fort  Union  an  der  Mündung ­
  des  Jellowstone.  Auch  die  Hauptzuflüsse ­
  sind  schiffbar.  Bedeutendste  Städte
an  seinen  Ufern:  Omaha  und  Jefferson.
Mobile  (spr.  -bihl),  Haupthandelsstadt
im  nordarnerikan.  Staat  Alabama,  am
obern  Ende  der  Mobilebai,  50  km  vom
Golf  von  Mexiko,  an  der  Mündung  des
Flusses  Bi.  und  Endstatioil  mehrerer
Bahnen;  (isso)  31,205  Einw.  (zur  Hälfte
Farbige).  Deutsches  Konsulat  für  Alabama; ­
  Bank  of  M.,  First  National  Bank;
Baumwollspinnerei.  M.  ist  nächst  New
Orleans  Hauptbanmwollmarkt  der  Vereinigten ­
  Staaten.  Der  Baumwollhandcl
wertete  1879:  Zufuhr  63,740,317  Mk.,
%iiSf#21,670,87G9%f.  S#cre(123,214
Ballen  mit  einem  Gesamtgewicht  von
61,351,947  Pfd.)  ging  nach:

Liverpool.  86  649  Bài
Havre  .  .35583  -
Amsterdain  5005  -
Bremen  .8940  -

Rußland.  6612  Ballen
Barcelona  6442  -
Genua  u.
Triest  .  3983  -

Andre  Ausfuhrartikel  sind:  Harz,  Holz,
Faßdauben,  Schiildeln,  Pech,  Teer.  Von
der  Einfuhr  kamen  nur  2,186,668  Mk.
auf  direktem  Weg.  1878—79  liefen  hierein: ­
  89  Schiffe,  davon  8  deutsche  Segelschiffe ­
  von  4449  Ton.
Modena,  Hauptstadt  der  gleichnamigen
  ital.  Provinz,  an  einem  für  Boote
schiffbaren  Kanal,  der  die  Secchia  mit
dem  Panaro  und  Po  sowie  die  Stadt  mit
Venedig  und  der  Küste  deö  Adriatischen
Meers  verbindet,  und  an  den  Bahnlinien
Piacenza-Bologna  nndM.-Verona;  (ms)
56,293  Einw.  Ressort  des  deutschen  Konsuls ­
  in  Bologna;  Banca  Nazionale.  Lebhafter ­
  Handel  mit  Getreide,  Wein,  Obst,
Likör,  Schlachtvieh  und  Würsten.
Mogador,  Stadt  im  Kaisertum  Marokko ­
  und  wichtigster  Hafen  desselben,  an
der  Küste  deS  Atlantischen  Oceans;  15,000
Einw.  (V,  Juden,  nur  160  Europäer).
Deutsches  Vicekonsulat;  M.  ist  Ausgangspunkt ­
  von  Karawanen,  die  bis  Dschinni
und  Timbuktu  am  Niger  gehen.  Der
Handel  (England  und  Frankreich)  wertete ­

  1878  iit:  Einfuhr  3,941,010  (deutsch
22.000)  Mk.,  Ausfuhr  4,460,112  (deutsch
10.000)  Mk.  Schiffsverkehr  1879:  82
Schiffe  von  50,179  Ton.
Moldau,  Hanptfluß  Böhmens,  von
Hohenfurt  flößbar,  von  Bndweis  für
Kähne  von  200—300  Etr.  schiffbar,  mündet ­
  Melnik  gegenüber  in  die  Elbe.
Moldau,  das  nördliche  der  zum  Staat
Rumänien  vereinigten  Fürstentümer,
47,739  qkm  (867  OM.)  mit  2V,  Mill.
Einw.  (s.  Nttinänien).
Molde,  Hafenstadt  im  norweg.  Amt
Drontbeim,  Station  der  Dampferlinien
R.  Sloman  jun.  und  der  Bergenöke  og
Nordenfjeldske  Dampskibselskab;  1400
Einw.  Deutsches  Konsulat  für  den  Zollstättedistrikt ­
  M.
Moliendo,  kleine  Hafenstadt  in  Peru,
Endstation  der  Bahn  M.-Puno,  Station
der  Kosmosdampfer,  Ausfuhrhafen  für
Arequipa  und  Puno.  1877  wertete  die
Einfuhr  7,i  Mill.  Mk.  (davon  deutsch
1,451,608  Mk.),  die  Ausfuhr  18,2  Mill.
Mk.  (davon  deutsch  421,180  Mk.).  Ausgeführt ­
  werden:  Salpeter,  Alpako-  und
Vicunnawolle,  Ehinarinde,  Gold,  Silber.
1877  liefen  ein:  346  Schiffe  (19  deutsche)
üo,t  493,770  So».
Molucken,  eine  große  Zahl  sehr  kleiner
und  unbewohnter,  meist  denNiederländern
gehöriger  Inseln  in  Hinterindien,  in  die
Dermales,  Amboinen  iind  die  Bandainseln
zerfallend,  zusammen  (rno)  72,088  qkm
(1309,2  OM.)  mit  608,000  Bewohnern.
Vgl.  Banda.
Monaco,  selbständiges,  unter  demProtektorat
  des  Königs  von  Italien  stehendes
Fürstentum  am  Meerbusen  von  Genna;
15  qkm  (0,27  QM.)  mit  (is7s)  7049  Einw.
Hauptauüfnhrartikel  sind:  Öl,  Orangen,
Citronen,  Parfümerien,  Liköre,  Töpferwaren. ­
  Die  Stadt  Bk.  hat  (ms)  2863  Einw.
DeutschesKonsulat;  französisches  Zollamt.
Mönchen-Gladbach,  s.  Gladbach.
Monrovia,  Hauptstadt  der  Negcrrepublik
  Liberia,  Station  der  Liverpoolcr
Dampfcrlinien  African  Steamship  Co.
und  British  African  Steamship  Co.;
10,000  Einw.  Deutsches  Konsulat.
Mons  (spr.  moiigs),  Hauptstadt  der  belg.
Provinz  Henncgau,  an  der  Trouille  und
        <pb n="335" />
        Montenegro
Paris-Brüsseler  Eisenbahn,  welche
şich  hier  verzweigt;  (i878)  24,791  Einw.
Banque  Nationale  Suce.,  Banque  de  M.
Ansehnliche  Industrie,  Woll-  und  Baumwollspinnerei, ­
  Brauerei,  Eisengießerei  und
bedeutender  Steinkohlenbergbail  in  mehr
als  150  Gruben  nahe  der  Stadt.
Montenegro,  unabhängiges  Fürstentum ­
  auf  der  Balkanhalbinsel.  Durch  den
Berliner  Frieden  erhielt  M.  von  der  Türt
  et  5118  qkm  mit  ca.  116,000  Einw.,  so
baß  das  Fürstentum  jetzt  ein  Areal  voit
%  qkm  (172  QM.)  mit  286,000  Bewohnern ­
  hat.  Von  diesen  sind  24—26,000
Katholiken,  ebensovielMohammedaner,  der
Nest  nicht-unierte  Griechen.  —  Der  rauhe
und  nackte  Karstboden  ist  für  Ackerbau
heilig  geeignet.  Cattaro  versorgt  M.  mit
Korn,  Salz,  Tuch  u.  a.  uud  erhält  dafür
bre  wenigeil  Ausfuhrartikel:  Hammel,  Ziehen, ­
  Käse,  Fisch,  Sumach,  Wein,  Obst  li.  a.
Wert  der  Ausfuhr  ca.  4  Mill.  Mk.  —
^er  Fürst  hat  eine  Einnahme  von  6000
Dukaten,  zu  denen  noch  80,000  Rubel
russischer  und  20,000  Fl.  österreichischer
Subvention  kommen,  so  daß  sich  eine  Gesamteinnahme ­
  von  370,000  Mk.  ergibt.
Die  Staatseinnahmen  belaufen  sich  auf
600.000,  die  Ausgaben  auf  260,000  Mk.
Nach  dem  Berliner  Frieden  soll  M.  einen
Teil  der  türkischen  Schuld  übernehmen.
Monterey  (spr.  mont'rM,  Hauptstadt  des
Meritan.  Staats  Nuevo  Leon,  Mittelpiliikt
bes  Handels  von  Nordmexiko  mit  den  Vereinigten ­
  Staaten,  wird  von  dem  internationalen ­
  Telegraphen  berührt;  Osso)
37,000  Einw.  Deutsches  Vicckonsulat.
Montevideo,  Hauptstadt  und  Freihafen
der  Republik  Uruguay,  an  der  Mündung
des  Rio  de  la  Plata  und  den  Eisenbahnlinien ­
  M.-Durazno  und  M.-Pando;  Station ­
  der  Dampferlinien:  Hamburg-Südamerikanische
  Paketfahrtaktiengesellschaft,
Kosmos,  Norddeutscher  Lloyd,  Allan-Linie
(Bordeaux),  Belgian  Royal  Mail  Co.,
Comp.  Lavarcllo  (Genua),  Messageries
maritimes,  Pacific  Steam  Navigation
Co.,  Royal  Mail  Steam  PacketCo.,  Rocco
Piaggio  (Genua),  Société  Chargeurs  réunis ­
  (Havre);  0878)  92,260  Einw.  Deutsches ­
  Beruf-konsulat  uud  Vicckonsulat;
London  and  River  Plate  Bank,  Mercantile

—  Montreal.  327
Bank  of  the  River  Plate.  Fast  der  gesamte
Handel  von  Uruguay  geht  über  M.  ;  1877
entfielen  von  64,7  Mill.  Mk.  der  Gesamteinfuhr ­
  57,4  Mill.,  von  68,4  Mill.Mk.  der
Gesamtausfuhr  35,3  Mill.  Mk.  auf  At.
Schiffsverkehr  1878:  1100  Schiffe  von
806,333  Ton.,  davon  352  Dampfer  von
549,155  T.  —  Wcchsclkurse  notiert  man
auf  London,  Paris,  Antwerpen,  Genua,
Haneburg,  Rio  de  Janeiro,  Buenos  Ayres
60  Tage  nach  Sicht.  Vgl.  Uruguay.
Montpellier  (spr.  mongpelljch),  Hauptstadt ­
  des  fram.  Departements  Hérault,
7  km  vom  Mittelländischen  Meer,  an
den  Eisenbahnen  Paris-Lyon-Meditcrranee
  und  Chemin  du  Midi;  087«)
51,838  Einw.  Banque  de  France  Succ.,
Société  générale.  Unter  den  gewerblichen
Industrien  stehen  obenan  die  Fabrik  Villedève
  für  Stearinkerzen,  Wachskerzen  uud
Seife  (400  Arbeiter,  Jahresumsatz  8  Mill.
Mk.)  und  die  Erzeugung  von  Wolldecken.
Der  Handel  vertreibt  besonders:  Wein  und
Branntwein  (Trois-six  de  M.),  Getreide,
Vieh,  Salz,  Öl,  Hanf,  Seide,  Wolle  rc.
Montreal  (spr.  montriahl),  Stadt  in  Kanada ­
  (Quebec),  am  Zusammenfluß  des
Ontario  mit  dem  St.  Lorenzstrom  und  der
Eisenbahnlinie  Quebec-Toronto,  Station
der  Beaver  -  (Liverpool)  und  der  Temperley-Linie
  (London);  Os7i)  107,235  Einw.
Deutsches  Konsulat;  Vereinigte  Handelskammer ­
  der  Dominion  ofCanada,  HauptnicderlagcdcrHudsonöbaikompanie;
  Bank
of  At.,  Bank  of  British  North  America,
Merchant  Bank  of  Canada.  —  Den  sehr
guten  Hafen  (der  St.  Lorenzstront  hat  bei
Niedrigwasser  eine  Tiefe  voit  7  in)  besuchten ­
  1879:  55  l  Seeschiffe  (6  deutsche)  von
472,047  Ton.  Von  der  Einfuhr  (1879:
144,33  Mill.  Mk.)  entfallen  auf  England
49,3,VereinigteStaateu72,77,Deutschland
nur  1,24  Mill.  Mk.  Die  Ausfuhr  (1879  :
105,712,004  mtf.)  mr  (in  MW):

a)  aus  Kanada:
Produkte  des  Bergbaus  ....  261680
Produkte  der  Gewässer  ....  250832
Produkte  der  Wälder  2454104
Tiere  uud  tierische  Produkte  .  .  31396580
Produkte  des  Ackerbaus  ....  30179916
Manufakturwareu  rc  2627816
b)  aus  andern  Ländern  .  .  .  38170448
        <pb n="336" />
        328

Montrose  —  Moskau.

ferner  Pottasche,  Hafermehl,  Leder,  phoö
ßWaumWf,  ßeße,  Bolse,  (Be#.  -
Platz  gebrauche.  Man  verkauft  einher
mische  Produkte  gegen  bar,  Kolonialwa
ren,  Wein  re.  auf  4,  Eisen-,  Manufaktur
waren  re.auf  4—6MonateKredit.  Wech
s  c  l  k  u  r  se  auf  Loudon  GO  Tage  nach  Sicht.
Nerv  Pork  kurze  Sicht.
Montrose  (jpr.  nàtrohs'),  Hafenstad!
in  der  schott.  Grafschaft  Forfar,  an  der
Mündung  der  Esk,  der  Caledonian-  und
der  North  British-Eisenbahn  ;  (mi)  14,60£
Einw.  Deutsches  Vicekonsulat  fürM.  und
Inverbervie;  Bank  of  Scotland,  Union
Bank  of  Scotland.  Fischfang  und  Handel
(Einfuhr  1875:  8  Mill.  Mk.);  ciane
Flotte  0875)  78  Seeschiffe  (14,565  Tom).
18/9  verkehrten  hier  10  deutsche  Schiffe.
.  Montserrat  (spr.m°,,nsscrrah).brit.  Insel
!"  Westrndieu,  8  qkm  (l,5i  QM.)  mit
(1871)  8693  (Situo.  Die  Ausfuhr  (namentlich
  Zucker,  Export  1877:  24,360  Ctr.)
wertete  1877:  640,000  Mk.,  die  Einfuhr ­
  500,000  Alk.;  Schiffsverkehr  17,000
Die  Kolonialeinnahmeu  betrugen
1Ş00,  die  -  Ausgaben  120,000  Mk.'
Mosambik  (Mozambique),  portug.
Besitzung  au  der  Ostknstc  von  Afrika,  bestehend ­
  aus  den  Gebieten:  Kap  Delgado,
Anyvche,  Mosambik,  Jahambaue,  Quelimaue,
  Sofala,  Lourcnso  Marquez  (s.  d.)
und  Tete;  91,150  qkm  (18,000  QM.)
nut  ca.  350,000  (Situo.  —  Hauptsächlich"
Bodenerzeuguisse:  Reis,  Mais,  Hirs
Kaffee,  Bauimvolle,  Kokosnüsse.  Ausg
fuhrt  werden:  Ebenholz,  Zähne  von  Fluf
Pferden,  Schildpatt,  Kopal,  Goldstanl
Gummi  und  Ambra.  M.  gehört  zu,
Weltpostverein.  Die  gleichnamige  Stal
liegt  auf  der  Insel  M.;  die  Bevölkerun
(ca.  7000)  besteht  aus  wenigen  Portugii
seil,  indischen  Banianeu,  zum  größten  Te
aber  aus  Sklaven  und  freien  Farbigen.
Mosel,  linker  Nebenfluß  des  Rheim
505  km  laug,  schiffbar  für  kleine  Fahrzeug
von  Frouard  an  (358  km  weit).  Damp!
schiffahrt  abwärts  Trier  bis  Koblenz  (zwi
Gesellschaften).  Oberhalb  Metz  bis  zu
Grenze  ist  der  Moselkanal  gebaut  worden
die  alte  Hauptstadt  des  ruf
Reichs,  au  der  Moßkwa;  (i87i)  601,96!
(  uuo.  Deutsches  Berufskonsulat  (Amts

bezirk:  die  Gouvernements  M.,  Jaroälaw,
  Twer,  L&amp;gt;smolensk,  Tula,  Woronesh,
Tambow,  Rjäsau,  Ssaratow,  Ssimbirsk,
Ssamara,  Kasan,  Nishnij  Nowgorod,
Perm,  Wjatka,  Ufa,  Orenburg,  Kostroma,
Wladimir,  Kaluga  und  Pensa);  Kontor
der  Staatsbank,  Filiale  der  Wolga-Kama-Bank,
  Moskauer  Diskontobank,  Aèoskauer
  Handelsbank,  Moskauer  Kaufmannsbank;
  Münzstätte;  Börse,  Konimerzkollegium;
  Atesse,  Wollmarkt.  —  Die
Industrie  Moskaus  ist  eine  sehr  bedeutende ­
  und  vielseitige.  Zum  Moskauer
Fabrikbezirk  rechnet  man  aber  nicht  allein
die  industriellen  Etablissements  (s.  Rußland, ­
  S.  227)  in  der  Stadt  und  im  Gouvernement ­
  M.,  sondern  auch  die  in  den  benachbarten, ­
  namentlich  im  Gouvernement
Wladimir.  Wichtiger  istM.  alsHauptstapelplatz
  des  Binnenhandels  von  Rußland. ­
  M.  ist  das  Centrum  für  sämtliche
rilssrschen  Eisenbahnen,  die  von  hier  nach
sechöverschiedcuenRichtuugen  ausstrahlen:
St.Petcrsburg,  Jaroslaw,  Nishnij  ^Nowgorod, ­
  Ssamara,  Orel  und  Ssmolensk.
Durch  die  Moßkwa  und  die  mit  ihr  zusammenhängenden ­
  Kanäle  ist  M.  mit  dem
Kaspischen  und  dem  Baltischen  Meer  verbtlnden.
  Bestimmte  Angaben  über  den
Handelöwert  gibt  es  nicht.  Die  Gesamteinnahmen ­
  deöZollamtö  bezifferten  sich  1879
auf  rund  55  Mill.  Mk.  Ein  sehr  erheblicher ­
  Teil  der  für  M.  bestimmten  Waren
wird  aber  in  Wirballen.  Alcxaudrowo,
Warschau,  Libau,  Riga,  St.  Petersburg,
Odessa,  hauptsächlich  aber  in  Reval  (dein
»Seehafen  Moskaus«)  verzollt.  An  dem
dortigen  Import  von  364,5  Mill.  Mk.  im
Jahr  1879  partizipierte  M.  mit  320  Mill.
Mk.  Rechnet  man  hierzu  den  Handelswert
  der  in  M.  1879  verzollten  Güter
mit  480—640  Mill.  Mk.  sonne  den  Wert
der  an  den  übrigen  Zollämtern  für  M.
abgefertigten  Waren  mit  etwa  320—640
Mill.  Mk.,  so  kann  man  den  Gesamtwert ­
  der  nach  M.  aus  dem  Ausland  importierten ­
  Waren  auf  1280—1600  Mill.
Mk.  veranschlagen.  Deutschland  mit  320
biö  480  Mill.  'Mk.  Einfuhrwert  nimmt
hier  den  ersten  Rang  ein.  Der  Großhandel ­
  konzentriert  sich  fast  ausschließlich  in
den  Händen  der  Deutschen;  die  deutsche
        <pb n="337" />
        Mvß  —  Mülhausen.

Kolonie  (Relchsailgehjsrigi)  zählt  ca.  5000,
^.Zahl  derjenigen  deutscher  Herkunft
Unkl.  Schweizer,  Österreicher)  ist  25,000.
Unter  den  Großindustriellen  übernücgt
aber  das  russische  Element.  —  Hauptabichnltte
  für  den  Handel  der  Stadt  bilden
Ul  Anfang  Januar  in  Charkow  mit  nachlvlgcnden
  kleinern  Frühjahrsmärkten,
fur  Sibirien  der  Markt  in  Jrbit
Kte  Februar,  ferner  im  Juni  einige
àkte  der  Ukraine  und  im  August  die
st  oße  Messe  von  Nishnij  Nowgorod.  Einen
^l'griff  von  der  Größe  des  Moskauer
Handels  geben  die  Umsätze  in  den  Bansn; ­
  1872  hatten:  die  Kaufmannsbank
emen  Umsatz  von  5544  Mill.  Mt.,  die
'Moskauer  Bank  von  5011,  die  Kom-..^ŗzbank
  von  1848,  die  Industriebau!
Şou  1155,  die  Gegenseitige  Kreditbank  von
W  Handelsbank  von  605  Mill.
un.  ganzen  waren  sechs  Privatban-Ä
  mit  ctncm  Kapital  voll  64  Mill.  Mk.
"fèsşie,  namentlich  Nishnij  Nowgorod.
Maß,  Hafenstadt  int  vorweg.  Amt
'  ?,ìssalenene,  am  Ehristianiasjord;  (i87g)
^9  Eimv.  Deutsches  Bicekonsulat.
Olesen  hier  24  deutsche  Schiffe  ein.
Mossamrdes,  s.  Angola.
Mosselbay,  Hafenstadt  in  der  britischafrikan.
  Kapkolonie,  Station  der  Colonial
.sUaU(London)  und  Union  Steamship  Co.  ;
00  Einw.  Deutsche  Konsularagentur.
Mosul,  Stadt  im  asiatisch-türk.  Wilajet
agdad,  am  Tigris;  75,000  Einw.  Briti-Ks
  Bicekonsulat.  Beträchtlicher  Tran-Mandel
  zwischen  Bagdad,  Syrien,  Kon-'îantinopel
  und  Kurdistan.
Moulmcin,  Hafenstadt  in  Britisch-^lrina
  (Ostindien),  Station  der  British
&amp;gt;mdia  Steam  Navigation  Co.;  (1876)
0o,653  Einw.  Deutsches  Konsulat;  Bank
Bengal.  Bedeutender  Ausfuhrhafen
sur  Teakholz  und  Reis.  Bon  erstcrm
wurden  1880  verschifft:  nach  Europa
.*0,546  Ton.,  nach  ostindischen  unb  anbsrn
  Häfen  71,947  T.,  von  Reis:  nach
Europa  18,196  T.,  nach  ostindischen  Hä-'
 c,t  22,395  T.  Eingeführt  wurden  79,338

329
SSSKfSSs
Mozambique,  st  Mosambik.
Muhlhausen  (M.  in  Thüringen),
bbb  i"  bei-  ÿrcuB.  mí
ber  lliißnit  u„b  ber  %a!)„(inie
Semcfelb;  (1880)  23,475  ^,,^  ßwibcig,
äsaatea-K
SSsSSSS™
und  Umgegend),ferner  fürStrnmpfwaren,
Watte  re.  Lebhafter  Handel  mit  Getreide
Handelsfrüchten  (Anis,  Koriander  ».  dgl  )'
Gartenerzcugnisscn.  Wolle'und  Vieh.  —
P  l  a  tz  g  c  b  räuch  e.  Getreide,  Hülsenfrüchte
und  Kartoffeln  verkauft  man  für  50  kg--
  *W,nnŗft  (^He  3uui)  brei  Soge:
Mülhausen,  Kreisstadt  und  wichtiger
Fabnkort  im  deutschen  Reichsland  Elsaß-Lothringen,
  an  der  III  und  am  Rhein-Rho,lekanal,
  Station  der  Straßburg-Bascler
  Eisenbahn,  von  der  hier  eine  Bahn
n#JMfort  ßkria)  a^uei#;  (188O)
Mnna  "Ul.  Garnison,  darunter
14,000  Evangelische  und  2200  Juden.
Handelskammer,  Handelsgericht,  Hauptzollamt;
  Börse,  Reichöbankstelle  (Gesamtiimfaü
  1880:  388,117,900  m.),  %a„qu(.
d  Alsace  et  de  Lorraine.  Banque  de  Mulhouse, ­
  Comptoir  d'Eöcompte,  Credit  populaire ­
  dcMulhouse,  Société  generale.  —Die
großartige  Industrie  beschäftigt  in  der
Stadt  allein  über  16,000  in  den  Dörfern
der  Umgegend  über  60,000  Arbeiter.  In
erster  Linie  stehen:  die  Banmwollspinncreien
  (14  mit  400,000  Spindeln),  -Webereien ­
  und  Kattnildruckereicn;  wichtig  sind
ferner:  die  Maschinenfabriken,  Woll-  und
Kammgarnspinnereien,  Fabriken  für  Nähgarn, ­
  Seidendamast,  Leinwand,  Wäsche  re.
Im  Kreis  M.  waren  1875:  117  stationäre ­
  Anlagen,  371  Dampfmaschinen  und
422  Dampfkessel,  davon  17  lokomobile.—
Auf  den  Eisenbahnen  kamen  1879—80
an  164,027,000  kg  Güter,  und  74,249,000
kg  gingen  ab.  Der  Schiffsverkehr  im
neuen  Bassin  betrug  84.068  Ton.  ;  ans  dem
        <pb n="338" />
        330

München  -
1879  bis  1.  April  1880  war  797,601  Mk.
Auf  dem  Hauptsteueramt  zu  M.  wurden
18  i  9  gezahlt  au  Reichs  steuern  1,456,556,
eigne  Einnahmen  1,869,342  Mk.  In  der
Zollniederlage  lagerten  1878:  1,157,864
kg,  1879:539,761  kg,  vornehmlich  baunlwollene
  Gewebe  und  Wein;  in  der  allgenieinen ­
  Niederlage  484,113  kg,  resp.
601,670  kg.  —  Auf  den  beiden  Postämtern ­
  wurden  befördert:  5,139,184  Briefe,
Postkarten,  Drucksachen  und  Warenproben, ­
  14,207,346  Mk.  in  Briefen  mitWertangabe,
  5,598,576  Mk.  in  Paketen  mit
6,274,075  mWau=Weisungen.
  In  zwei  Telegraphenämtern ­
  wurdeir  203,926  Telegranunc  empfangen ­
  iiub  befördert;  die  Einnahmen  betrugen ­
  71,743  Mk.  —  Platzgebräuche.
Börsentag  ist  jeder  Mittwoch.'  Man  verkauft ­
  Mülhäuser  Fabrikate,  Baumwolle
und  Krapp  auf  4  Monate  Kredit  mit  verschiedenem ­
  Diskont.
München,  Hauptstadt  des  Königreichs
Bayern,  an  der  Isar  und  der  Bayrischen
Staatsbahn;  (isso)  229,343  Einw.  Konsulate ­
  für:  Belgien,  Brasilien,  Italien,
Schweiz,  Türkei,  Vereinigte  Staaten,  von
deutschen  Staaten:  Sachsen  und  Württemberg; ­
  Handelskammer;  Münzstätte;
Börse,  Landesprodukten-und  Warenbörse;
Münchener  Handelsverein,  welcher  auch
Gutachten  abgibt,  Streitigkeiten  schlichtet
und  Handelsschiedögerichte  bestellt,Schiedsgericht ­
  der  Warenbörse,  Wechsel-  und
Merkantilgericht  erster  Instanz;'  Schrannen- ­
  oder  Getreidehalle.  —  Die  gewerbliche ­
  Thätigkeit  ist  besonders  auf  dem
Gebiet  der  Kunstindnstrie  stark  vertreten,
aber  auch  andre  Zweige  arbeiten  selbst
für  den  Export.  Großartig  ist  die  Bierbrauerei, ­
  welche  Ende  1875  in  20  Betrieben ­
  1,175,000  hl  im  Wert  von  30  Mill.
Mk.  produzierte,  voit  welchen  mindestens
940,000  lil  im  Wert  voit  über  24  Mill.
Mk.  in  M.  selbst  verbraucht  wurden.  —
Der  H  a  n  d  c  l  hat  sich  fortwährend  gehoben.
Zwei  achttägige  Märkte  (sogen.  »Dulten«) ­
  finden  jährlich  im  eigentlichen  M.,
zwei  andre  in  der  Vorstadt  Au  statt.  Im
eigentlichen  M.  beginnt  die  Winterdult
am  ersten  Sonntag  nach  Neujahr,  die
Sommerdult  am  ersten  Soilutag  nach

nster.
Jakobi  (25.  Juli).  #  In  Au  beginnt  die
Frühjahrsdult  am  ersten  Sonntag  im
Mai,  die  Herbstdult  am  zweiten  Sonntag ­
  im  Oktober.  Der  Tuch-  und  Loden
markt  im  eigentlichen  M.  beginnt  am
Tag  vor  Eröffnung  jeder  Dult  und  dauert
bis  zum  Schluß  derselben.  Tuchmärkte
werden  auch  3.  Jan.  und  22.  Juli  gehalten. ­
  Hopfenmärktc  vom  1.  Okt.  bis  30.
April  wöchentlich  an  jedem  Freitag;  Leinschranue
  für  Lein-  und  Rübsamen  an  jedem
Freitag.  Für  den  Handel  mit  Bodcnerzeugnissen
  sind  große  städtische  Lagerhäuser
errichtet.  —  Auf  den  drei  Bahnhöfen
wurden  1878:  930,553  Ton.  Güter  befördert, ­
  davon  auf  dein  Centralbahnhof
510,7571.,  DM»#215,117%.,  @iibbahnhof
  204,679  T.  Aus  dem  Konsularbezirk
  M.  und  der  Konsularagcntur  Augsburg ­
  wurden  1878—79  nach  den  Bereinigten ­
  Staaten  Waren  im  Wert  von
2,1  9JÜH.  m.,  1879—80  üo,t  3,3am
Mk.  abgesandt,  davon:  Diamanten  für
1,526,435  Mk.,  Handschuhe  aus  Leder
332,958,  Ölgemälde  698.006  Mk.  u.  a.—
Die  Post  beförderte  1878  im  Bezirk  Oberbayern: ­
  11,664,568  Briefe,  110,843,898
Mk.  in  Briefen  und  Paketen,  89,492,765
Mk.  auf  Postanweisungen,  18,267,583
Zeitungen  re.  ;  die  Central  telegraphenstation
  286,890  Depeschen.  —  Kreditwesen. ­
  Die  Reichöbankhauptstelle  hatte
1880  einen  Umsatz  von  910  Mill.  Mk.,
davon  Wechsclverkchr  211,i  Mill.,  Giroverkehr ­
  675,i  Mill.  Mk.;  die  Bayrische
Notenbank  1878  einen  Gesamtgiroumsatz
von  159,182,943  Mk.;  Dnrchschnittsbetrag
  der  metallisch  ungedeckten  Noten
30,173,000  Mk.  Die  Bayrische  Handelsbank ­
  hatte  einen  Gcsamtilmsatz  von
349,841,609  Mk.  Die  Bayrische  Hypotheken- ­
  und  Wechselbank,  Süddeutsche
Bodenkreditbank,  Bayrische  Vercinsbank
und  Bayrische  Handelsbank  hatten  zusammen ­
  ultimo  1878  Hypothekendarlehen
515,480,491  Mk.,  Pfandbriefcirkulation
486,827,446  MK.  -  SDae  SBubßct  bff
Stadt  schloß  1878  mit  6,425,589  Mk.
Bedarf  ab.  M.  ist  kein  eigentlicher  Wcchselplatz;
  maßgebend  sind  die  Kurse  von
Augsburg  und  Frankfurt  a.  M.
Münster,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
        <pb n="339" />
        Murray  —  Nanking.

».  Regierungsbezirks  in  der  Provinz
¿«eftfasen,  an  der  Aa  und  dem  nach  der
¿echte  führenden  Münsterkanal;  Station
der  Westfälischen  Staatsbahn,  der  Venloo-Hamburger
  und  der  M.-Gronan-Ensche-Öer
  Eisenbahn;  (isso)  40,42#  Einw.  Handelskammer ­
  für  den  Regierungsbezirk
(erkl.  Kreis  Tecklenburg);  Kaufmann ­
  schastsvere  in  ;  Reichsbankstelle  (  1  880
Umsatz  213,6  Mill.  Mk.),  Münsterschc
¿olksbank  (eingetragene  Genossenschaft),
Provinzialhülfskasse,  Rentcnbank  für
Westfalen  und  Rheinprovinz;  Provinzial-Feuersocietät,
  Köln-Münstcrscher  Hagcloersicherungsverein.
  —  Die  Indichine  ist

831

durch  zahlreiche  Etablissements  vertreten
Der  Handel  vertreibt  Leinen-und  Woll'
waren,  Garn,  Vieh,  Getreide  u.  a.  '
Murray  (spr.  mW,  grösster  Fluß  des
austral.  Kontinents,  3000  km  lang,  für
Me  %cbagQan)^3a^r&amp;amp;fa^t5a¿;  b#
'st  die  Mundung  durch  eine  Barre  schwer
passierbar.  Die  Nebenflüsse-  Murrunibidgec
  und  Darling,  sind  nur  zu  Zeiten
schlstbar.  Aus  den  vier  bedeutendsten  Häfen
  Victonas  liefen  1877:  298  Fahrzeuge
von  33,071  Ton.  aus;  Südaustralien  unterhielt ­
  40  Dampfer  mit  50  Barken.  Der
Haupthafen,  Echuca,  ist  mit  Melbourne
durch  Eisenbahn  verbunden.

N.

.-.^gasali  (Naugasali),  dem  curoşichchen
  Handel  geöffnete  Hafenstadt  in
chapan,  an  der  Südtu  sie  der  Insel  Kiusiu,
furch  Eisenbahn  mit  Tokio  verbunden;
Station  der  Dampfcrlinien:  Messageries
Maritimes,  Peninsular  and  Oriental
Steam  Navigation  Co.,  Pacific  Mail
Steamship  Co.;  (mr)  46,660  Einw.
fremde  Firmen,  davon  vier  deutsche.
Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:  die
Stadt  ist.,  die  Insel  Kiusiil  und  alle  südlich
und  westlich  davon  bclegenen  Inseln,  die
chnsel  Tsnsima  und  Iti  sowie  ans  Nippon
me  Provinzen  Jwami,  Aki,  Snwo  nnb
capalo);  Hongkong  and  Shanghai  Ballung ­
  Corporation.  Ein  Kabel  führt  nach
Schanghai.  -1879  liefen  ein  :  252  Schiffe
159,108  Ton.  (davon:  34  deutsche,
G  amerikanische,  161  englische).  DicEiniuhr
  (Baumwoll-  und  Wollwaren,  Rohbaumwolle, ­
  Zucker,  Öl,  Wein  rc.)  belief
stch  auf  6,7  Mill.  Mk.,  die  Ausfuhr
(Thee,  Tabak,  Reis,  Steinkohle  rc.)  auf
Mill.  Mk.
Nain  (spr.  nchn),  Hafenstadt  an  der  NordsnstevonLabrador(Britisch-Nordamerika);

470Einw.  DelltscheSKonsnlatfürLabraoor;
  Missionöstatiou  der  Brüdergemeinde.
.  Namsos,  Hafenstadt  im  norwcg.  Amt
Norddrontheim;ti876)  1483  Einw.  Dent-Iches
  Vicekonslilat  für  den  Zollstättedlstrikt
  N.

Namur  (spr.-mür),  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  bclg.  Provinz,  an  der  Mündung ­
  der  Cambre  in  die  Maaö;  Knotenpunkt ­
  von  fünf  Bahnlinien:  nach  Brüssel,
Lüttich  (Aachen  lind  Köln),  Luxemburg;
Eharleville  (Reimö)  und  Charleroi  (Parus); ­
  0878)25,627  Einw.  Handelsgericht;
Banque  Nationale  Succ.  Die  Industrie
beschäftigt  sich  besonders  mit  Fabrikation
von  Stahlwaren  (namentlich  Messern)
Eisenguß,  Leder,  Bier,  Bleiweiß.  In  der
Nähe  ergiebige  Eisen-,  Blei-,  und  Steinkohlenbergwerke, ­
  Marmorbrüche.  Besuchte
Jahreömcsscn  und  Märkte.
Nancy  (spr.  nangssth),  Hallptstadt  des
franz.  Departements  Meurthe-et-Moselle,
am  Marne-Rheinkanal  und  an  der  Französischen ­
  Ostbahn;  (1876)  66,303  Einw.
Handelskammer,  Handelsgericht;  Banque
de  France,  Société  genérale;  Messageries
nationales  —  Berühmte  Stickerei  auf  Leinen- ­
  und  Baumwollgewebe,  welche  400
Unternehmer  beschäftigt.  Die  Tuchfabrikation ­
  beschäftigt  zehn  Etablissements.  Der
Handel  vertreibt  konfektionierte  Stickereien. ­
  Bauholz  sowie  Hopfen  für  die
Brauereien  von  Elsah-Lothringen,  Hadern
für  die  Papierfabrikation  der  Vogesen
frische  Blumen,Wein,  Alkohol,Wollen  a'
Nagasaki,  s.  Nagasaki.
Nanking  (Nangkin.  jetzt  Kianginng),
  Haupt,tadt  der  chines.  Provinz
        <pb n="340" />
        332

Nantes  —  Neapel.

Kiangsu,  210  km  von  der  Mündung  deö
Sonors  450,000  Einw.  (worunter
N000  Mohammedaner);  berühmt  durch
)Aone  und  dauerhafte  Baiimwollgewebe.
Chinesische  Buchdruckerei  und  Feitung;
Sch  evangelischer  und  katholischer  Missionare. ­
  Der  Verkehr  geht  über  Schanghai.
Nantes  (spr.  naiiaht),  Hauptstadt  des
frailz.  Departements  Niederloire,  am  Fusammenflub
  der  Loire  und  Sèvre.  52  km
Vont  Atlantischen  Ocean,  an  der  Orlc'ans-Elsenbahn;
  (à)  116,093  Einw.  Dentsches
  Konsulat  (Amtsbezirk:  die  Departements ­
  Morbihan  mit  Belle-Isle  en  Mer,
Lolre-Inferieure,  Maine-et-Loire);  Handelskammer, ­
  Handelsgericht;  Börse,  Ému
que  de  France,  Société  générale,  Comptoir
  d  Escompte  de  Paris.  —  Jndustrie
und  Schiffahrt  beschäftigten  1872:
ş_,  bÿtne  fernet  bic  but*  ^eu0^^e  einqcführte
  Burstenwarenfabrikation.  Bedeutend
  lit  die  Bucfemffinene  ;  zur  Deklariefame»
  1878  :  51,914,000  kg,  vo»
Si*  Zucker  wurden  exportiert:
8MZ8
W#"  bicr  3G  beutle  ßi»^
"»d  Mehl.  Steinkohle,  Metalle  rc.  Die  Ans
fuhr  besteht  vornehmlich  in:  Getreide  und
.Vtehl,  Kartoffeln.  Reis,  Fischen  in  Öl,  raffiniertem ­
  Zucker,  Wein,  Branntwein.  Ein-Nmcit
  bc$  Bodmiitg  1878:  20,,;  Wik
Wf  davon  Einfuhrzölle  17,8  Mill.  Mk.
Nat  ma,  Stadt  im  russ.  Gouvernement
St  Petersburg,  an  der  Narowa  und  der
Petersburg-Nevalbahn;  (i87i)6482Einw
Deutsches  Konsiilat.  Der  Import  (Şalr'
Heringe,  Baumwolls.,  Steinkohle,  Petroleum ­
  ».  a.)  wertete  1880:  3,835,484  Mk.
putsch  4  25,807  Mk.),  der  Export  (Flachs,
IfBE
«|“R stw  »s-.Bahamain  seln.
Jísttol,  brii.  Kolonie  an  der  Ostküste

von  Sildafrika,  48,560  qkm  (881,oQM.)
nt»  (ms)  356,517  Einw.,  davon  Weiße
22,650,  Kaisern  319,950,  Kulis  12,900
—  Produktion.  Im  subtropischen  Li-WtaTc
  ivetbm  ÍCalfce,  @a»mvolle,
  hoher  hinauf  alle  europäischen  Kultin:!ļe,v#fe
  (lebmit.  %ei  bcl:31ie^^»^^t  (tio
WWW
Pesili
Heilte,  Elfenbein,  Straußenfedern  Armvroot,
  @übftüd»e.  1879ivat
verkehrten  hrer  25  deutsche  Schiffe  von  7794
mim
Naumblirs,,  Stadt  im  preuß.  Reaierlingöbezirk
  Merseburg,  an  der  Saale  und
U7  ^"'  .xhiiringischeu  Eisenbahn;  (1880)
17,867  Einw.  Neichsbanknebenstelle,  Vorlchußvereiu.
  Handel  mit  Wein  aus  der
Umgegend  und  anbeut  Produkten  sowie
Schiffahrt  auf  Saale  imb  Unstrut.  Die
Ņàì-Paul-Messe  (vom  29.  Juni  drei
Wochen)  ist  unwichtig;  bedeutender  ist  die
Holzmefse  bet  Kosen  (südlich  von  N.)  von
Palmsonntag  bis  Karfreitag.
Neapel,  Hauptstadt  der  gleichnamigen
ital.  Provinz,  am  Golf  voit  N.  imb  den
bo»  hier  nach  Rom,  Foggia  und  Salerno
ausgehenden  Eisenbahnen;  Station  der
Dampferlinien:  Sloinan  u.  Komp,  und
K.  Sloinaii  jtm.  (Hamburg),  Nederl.
Maatschappij,  Comp.  Fraissi--Ätooillbovt

  0 ^uiii-»et,
  Eunard-  imb  Lcyland-Liiiie.  Mcssasterieö
  maritimes,  Società  Florio  (Palermo), ­
  Società'Rocco  Piaggio  und  Società ­
  Rubattino  (Genna),  Wilson-Linie
(Hull);  (1878)  450,804  Einw.  Deutsches
Generalkonsulat  (Amtsbezirk:  Gaeta  Easerta,
  Eapua,  Benevent  und  die  Küste  bis
Paola);  Handelskammer;  Börse,  Banca
        <pb n="341" />
        Neckar  —  Neufundland.  333

Nazionale,  Banca  Napolitana.  —  Die
Gewerbthätigkeit  ist  von  geringer  Bedeutung. ­
  Hinsichtlich  des  Schiffsverkehrs  steht
N.  nur  Genua  nach;  1877  liefen  hier  ein
und  aus:  in  der  internationalen  Fahrt
1368  Schiffe  voit  812,642  Lon.,  in  der
Ķustensahrt  9009  Schiffe  von  1,868,346
£•,  zusammen  also  10,377  Schiffe  von
2,680,988  T.,  davon  86  deutsche  von
48,199  T.  An  der  Korallen  fischerei  beteiligte ­
  sich  der  Bezirk  von  N.  1877  mit  31(1
Ijooteit  von  2799  T.  Hauptausfuhrartikel
şiud:  Südfrüchte,  Öl,  Wein,  Reis,  Getreide, ­
  Seide,  Süßholz  und  Lakritzensaft,
Schwefel,  Bimssteill,  Salpeter,  Alaun,
-Nanna,  Krapp  und  Kork;  eingeführt
lverden:  Kolonialwaren,  Metalle,  Häute,
Steinkohle  und  einige  Luxusartikel.  —
2wn  den  beiden  hier  jährlich  abgehaltenen
Neffen  (je  14  Tage  Dauer)  beginnt
du  eine  19.  Sept.,  die  zweite  20.  Ott.  —
Wechselkurse  notiert  man  nach  den
-normen  von  Genua  auf  französische  und
deutsche  Platze,  London,  Wien,  Triest,
-Petersburg  90  Tage  dato.  Verkäufe  auf
t l T8  Monate,  bei  Manufakten  länger,
Barzahlung  6  Proz.  Diskont.
Neckar,  Fluß  in  Südwestdeutschland,
entspringt  im  Schwarzwald  und  mündet
del  Mannheim  in  den  Rhein;  von  Rott-Keil
  an  flößbar,  vonKannstatt  für  kleinere
Fahrzeuge  schiffbar.  Zwischen  Heilbronn
und  Mannheim  besteht  Dampfschiffahrt
mit  Kettciischleppschifsahrt;  Kanäle  gehen
ab  von  Eßlingen,  Berg  bei  Kannstatt,  Besigheim ­
  und  Heilbronn  (Wilhelmskanal).
Negapatam,  wichtige  Hafenstadt  in
der  englisch-ind.  Präsidentschaft  Madras,
am  Bengalischen  Meerbusen,  Endpunkt
der  Indischen  Südbahn,  welche  in  die
Madras-Kalikat-Eisenbahn  einmündet;
0872)  48,525  Einw.  Schiffsverkehr  1874  :
708  Schiffe  (74  englische)  von  136,807
Ton.;  Ein-  und  Ausfuhr:  13,5  Mill.  Mk.
Nelson  (spr.  ne'lss'n),  Hafenstadt  au  der
Nordküstc  derSüdinsel  derbritisch-austral.
Kolonie  Neuseeland;  0879)  86  1  0  Einw.
Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:  die  Provinzen ­
  N.,  Marlborough  und  die  Grafchaft
  Westland);  Bank  of  New  Zealand,
Onion  Bank  of  Australia.
Neuamsterdam,  s.  Berbicc.

Nkubritaiinikn-Archipels  s.  Mela-Neue
  Hebriden  )  uesien.
Ncucnburger  See  (Lac  de  Neuchâtel), ­
  drittgrößter  schweizer.  See,  39  km
lang,  bis  9  km  breit,  239,6  qkm  groß,  mit
einer  größten  Tiefe  von  144  in  und  435  in
Meereöhöhe.  Die  Dampfschiffahrt,  welche
schon  1829  begann,  beschränkt  sich  nach
dem  Bau  der  Bahnen,  welche  von  Neuchâtel ­
  über  Bouart,  Grandson  und  Pverdon
nach  Estavayer  am  West-  und  Sudostufer
entlang  laufen,  auf  den  Verkehr  mit  dem
Murtensee  mittelst  der  untern  Broyé,  mit
den  Linien:  Neuchätel-Murten  u.  Ncnchatel-Estavayer.
  Die  Société  de  navigation  à
vapeur  sur  les  lacs  de  Neuchâtel  et  Vivrai
unterhält  drei  Raddampfer  von  95Pferdckräften
  mit  Raum  für  1300  Personen.
Neufundland,  brit.  Insel  in  Nordamerika, ­
  110,670  qkm  (2010  QM.)  mit
(1874)  161,374  Einw.—Mehr  als  100,000
Menschen,  auch  Franzosen  und  Amerikaner, ­
  versammeln  sich  hier  jährlich  zum  Betrieb ­
  der  Fischerei,  und  von  der  Bevölkerung ­
  von  N.  waren  1869:  37,259  Personen ­
  mit  dem  Fang  und  der  Zubereitung
von  Fischen  beschäftigt.  Auch  der  Robbenschlag ­
  an  der  Küste  von  Labrador  ist  von
Wichtigkeit,  1875  lieferte  derselbe  nicht
weniger  als  522,000  Felle.  Im  Durchschnitt ­
  der  Jahre  1871—75  wurden  an
Fischereiprodnktcn  für  25,5  Mill.  Mk.  exportiert, ­
  davon  Stockfische  17,4  Mill.,
Thran  5,4,  Robbenselle  1,8  Mill.  Mk.  Von
dem  Stockfischerport  ging  der  größte  Teil
in  die  katholischen  Länder  Südeuropaö
und  nach  Brasilien,  von  den  Heringen
nach  den  Vereinigten  Staaten,  von  Thran
ilnd  Robbcnfellen  nach  England.  Der  Export ­
  der  Fischcrciprodukte  beträgt  94,5
Proz.  des  Gesamterports.  Sonst  exportiert ­
  die  Insel  noch  Kupfererze,  1875  für
1.542.000  Mk.  1878  betrug  der  Gesamtwert ­
  der  Einfuhr  28,6,  der  Ausfuhr
23,5  m.  -  Die  #cw#abĻ@t.
Johns  (s.  d.)  hat  nur  während  deöSommers ­
  direkte  Dampfschifssverbindung  mit
Europa.  In  derTrinitybai  liegt  der  kleine
Hafen  H  e  a  r  t's  C  o  n  t  e  n  t,  in  welchem  die
atlantischen  Kabel  gelandet  wurden.  Die
Schisföbcwcgung  in  allen  Häfen  war  1878  :
593.000  Ton.  —  Finanzen.  Die  Ein-
        <pb n="342" />
        334

Neugeorgieir
nahmen  derInsel  bezifferten  sich  1870  auf
5,237,280Mk.,  dieAuSgaben  anf4,440,200
Mt.,  die  Schuld  auf  6,087,040  Mk.
Neugeorgien,  s.  Salonionsinseln.
Neuguinea,  der  größte  der  Archipele
im  Stillen  Ocean,  besteht  aus  der  Hauptiiifel
  97.,  785,362  qkm  (14,263  0%%.),
und  mehreren  Gruppen  kleinerer  Inseln
und  hat  einen  Gesamtflächeninhalt  von
807,956  qkm  (44,673  09%.).  Oie  giifien
sind  einigermaßen,  das  Innere  aber  noch
fast  gar  nicht  bekannt.  Auf  den  westlichen
Teil  machen  die  Niederländer  Ansprüche,
ohne  dafür  aber  irgend  etwas  zu  thun.
Einige  Missionäre  haben  Stationen  an
der  Südostküste  angelegt.  Man  hat  etwas
Gold  gefunden,  aber  weder  dies  noch
irgend  ein  andres  Produkt  hat  bisher
irgend  welche  kommerzielle  Bedeutung.
Das  Klima  an  den  Küsten  ist  sehr  ungesund ­
  und  der  Niederlassung  von  Europäern ­
  feindlich,  soll  aber  im  höher  gelegenen ­
  Innern  zuträglicher  sein.
Neuholland,  s.  Australien.
Ncukaledonikn,  sranz.  Insel  im  Stillen ­
  Ocean,  47,080  qkm  (310  QM.)  mit
(1877)  17,305  europäischen  Einwohnern
(davon  11,330  Deportierte  und  2982  Kolonisten). ­
  Das  Areal  der  ganzen  Gruppe
mit  den  Loyalty-Jnselii  (2743  qkm
oder  50  QM.  mit  13,474  Einw.)  beträgt
49,823  qkm  (360  OM.)  mit  (1877)  54,828
Einw.  Wichtigste  Produkte:  Kupfererz,
Nickelerz,  Kopperah,  Goldstaub,  Häute,
Wolle,  Zucker,  Kaffee,  Mais.  1877  betrug ­
  die  Einfuhr  7,7  Mill.  Mk.,  die  Ausfuhr ­
  2,4  Mill.  Mk.  ES  kamen  450  Schiffe
an  ,  145  gingen  ab.  Der  Verkehr  geht
fast  ausschließlich  nach  Sydney.  Hanptort
und  Ausfuhrhafen  ist  Numea.
Neuseeland,  britisch-austral.  Kolonie,
270,053  qkm  (4904  OM.)  mit  (1879)
463,729  Einw.,  worunter  4300  Chinesen,
9000  Deutsche,  außerdem  42,819  Maori.
Es  wandel  ten  1879  ein  :  23,957',  aus:  5234
Personen.  —  Produktion.  Hauptbeschäftigung ­
  ist  Viehzucht,  dann  Ackerbau
und  Bergbau.  Die  Viehzählung  4878
137,768  578,430  OHnbct,
43,069,338  @#2,  207,337  GArncme.
Ausgeführt  wurden  1879:  Wo«e  62,5  Btill.
Mk.,  Talg  2,9  Mill.  Mk.,  Häute,  Felle,

-  Neusüdwales.
Fleischkonserven.  Der  zunehmende  La  nd  -
b  a  il  produziert  namentlich  Weizen  (Ausfuhr ­
  1878:  9,4  Btill.  Mk.)  und  Hafer.
Die  Bergwerke  lieferten  1879:  Gold
23,014,460  m.,  4878:  6362  Son.,
Kohle  402,780  Mk.  Andre  Aussuhrprodnkte
  sind:  Kanriharz  (1879  :  2,950,700
Mk.),  Nenscelaudflachs,  Ban-  u.  Nutzholz
(375,640  Mk.),  Walrat,  Häute,  Fleisch,
Seehundöfelle.  —  Der  Handel  betrug
1879:  in  Einfuhr  167.491/700Atk.,  Ausfuhr ­
  444,862,400  Mk.  In  allen  Häfen
(sämtlich  Hauptstationen  für  den  Walfang
in  den  südlichen  Gewässern)  verkehrten
1802  Schiffe  von  949,692  T.  Die  Handelsflotte ­
  zählte  554  Schiffe  von  60,445  T.
Regelmäßige  Dampferlinien  verbinden  die
eignen  Häfen  untereinander  und  mit  Melbourne ­
  und  Sydney;  namentlich  legen  die
Dampfer  der  Pacific  Mail  Steamship  Co.
bei  Auckland  an.  —-  Die  Eisenbahnen
hatten  1879  eine  Länge  von  4874  km:  die
Post  beförderte  4878:  15,524,761  Briefe
und  9,410,366  Zeitungen;  die  Länge  der
Telegraphenliuicn  war  1879:  5768,  der
Drähw  14,880  km.  Ein  Kabel  führt
nach  Sydney,  ein  andres  verbindet  die
Nord-  und  Südinscl.  —  Finanzen.
Der  Staatshaushalt  ergab  für  1879:
Einnahme  62,698,100  Mk.,  Ausgabe
76,900,720  Mk.;  die  Staatsschuld  betrug
479,166,220Mk.  —  Kreditwesen.  Die
sechs  bestehenden  Banken  hatten  1880  ein
Kapital  von  409  Btill.  Mk.;  in  Postund
  andern  Sparkassen  waren  20  Mill.
Mk.  eingezahlt.  —  Bedeutendster  Handelsplatz ­
  ist  Auckland,  dann  Dunedin ­
  (f.  d.).
Neuß,  Kreisstadt  im  preuß.  Regierungsbezirk ­
  Düsseldorf,  am  Erftkanal,
3  km  vom  Rhein  und  an  den  Linien:
Köln-Kleve,  N.-  Düren  -Trier  und  N.-Vierscn
  der  Bergisch-Märkischen  Bahn;
(1880)  17,317  Einw.  Reichsbanknebenstelle,
  Neußer  Gewerbebank.  Großartige
Mühlenindustrie  (Dampf  und  Wasser);
die  Getrcidemärkte  sind  die  bedeutendsten
der  Provinz;  lebhafter  Handel  mit  Vieh,
Steinkohlen  und  Baumaterialien.
Neusüdwalcs  (spr.-wehls),  brit.  Kolonie
an  der  Ostküstc  von  Australien,  799,139
qkm(l4,5i30W.);  Gnbe  1879:734,282
        <pb n="343" />
        335

Nevers  —  Newcastle.

Einw.  ;  1870  wanderten  41,501  Personen
«H, 1 20,695  Personen  auS.—  Hanpterwerbszweige:
  Viehzucht,  Berg-  und  Ackerbau. ­
  Der  Viehstand  war  1879:  360,038
#ibe,  2,914,210  9(111^1:,  29,043,392
Schafe,  256,026  Schweine.  Die  Ausfuhr
von  Wolle  betrug  1879:  123,7  Mill.  engl.
Psd.,  ferner  Talg,  Häute,Fleischkonserven.
Die  gesamte  BergwerkSprvdnktion  erreichte ­
  bis  1878  einen  Wert  von  1000
MW.  9%f.;  baüon  (Mb  658,«,  jM)Ie
201  Mill.Mk.  Für  1879  war  der  Gewinn
an  Kohle  19,oi  Mill.,  Zinn  7,iAtill.,  Gold
8,i  Mill.,  Kupfer  5,i  Mill.  Mk.,  ferner
Brandschiefer,  Silber,  Eisen,  Antimon,
Blei  u.  a.,  im  ganzen  41,709,210  Mk.
Der  Ackerba  u  lieferte  1878—79  von
218,000  Im:  Weizen  911,000,  Hafer
120,000,  ama  1,250,000,  ascin  27,ooow
und  Zucker  163,203  Etr.  —  Für  den  auswärtigen ­
  Handel  ist  Sydney  hauptsächlich ­
  wichtig,  dann  Newcastle  als  Kohlenhafen. ­
  Ausgeführt  werden  die  obengenannten ­
  Produkte,  eingeführt  Manufatte;
1879  war  die  Einfuhr  283,976,940,  Auö-261,736,380
  9%f.  3»  alíen  #cn
der  Kolonie  verkehrten  4787  Schiffe  von
2,540,724  Ton.,  1878:  23  deutsche  von
11,788  Ton.  Die  Handelsflotte  zählte  740
Fahrzeuge  von  90,930  T.  —  Die  Länge
der  Eisenbahnlinien  war  1879:  1176,
im  Ban  457  km;  der  Telegraphenlinicn
12,027,  der  Drähte  19,882  km.  Die  Post
beförderte  1879  in  884  Büreaus  18,1
Mill.  Briefe  und  10,7  Mill.  Zeitungen.
—  Finanzen.  Im  Staatshaushalt  betrugen ­
  1879  die  Einnahmen  89,501,180
m,  bie  9Iu9#m  116,783,000  m.,  bie
Staatsschuld  298,748,380  Mk.  —  Kreditwesen. ­
  Die  elf  Banken,  Münze  und
Schatzamt  hatten  1879  einen  Barbestand
von  56,188,167  Mk.;  die  Sparbank  hatte
ein  Kapital  von  28,218,099,  174  Negierungssparkassen ­
  von  10,227,142  Mk.
NevcrS  (spr.  nowähr),  Hauptstadt  des
franz.  Departements  Nièvre,  am  Einfluß
der  Nièvre  in  die  Loire  und  der  westlichen
Paris-Lyon-Mittelmeer-Eiscnbahn;  li876)
20,601  Einw.  Handelskammer,  Handelsgericht; ­
  Filiale  der  Bank  von  Frankreich. ­
  Staatseisenwerk  für  die  Marine,
Draht-,  Nägel-,  Schrauben-  und  andre

Fabriken.  Der  Handel  mit  Dampfschiffen
auf  der  Loire,  dem  Seitcnkanal  derselben,
den  Kanälen  von  Verri  und  Nivernais
und  den  Eisenbahnen  vertreibt  namentlich  :
Wein,  Getreide,  Vieh,  Manufakturwarcn.
Nevis  lspr.  nc'wwls),  britisch-westind.
Insel,  zu  den  Leewardinseln  gehörig;
118  qkm  (2,14  QM.)  mit  (i875)  11,680
Einw.  (meist  Neger).  Hauptprodukte:
Zucker  (Export  1876:  49,916  Etr.)  und
Num.  1879  wertete  die  Einfuhr  742,500,
die  Ausfuhr  1,534,980  Mk.  ;  Schiffsverkehr ­
  :  21,000  Ton.  Kolonialeinnahmen
223,740,  Ausgaben  191,660  Mk.
Newa,  Abfluß  des  Ladogasees,  resp.
des  Onega-,  des  Ilmen-  ititb  kleinerer
Seen,  70  km  lang,  ergießt  sich  unterhalb
St.  Petersburg  in  den  Newabnscn  (Teil
deö  Finnischen  Meerbusens).  Die  N.  ist  in
ihrer  ganzen  Länge  schiffbar,  aber  durchschnittlich ­
  147  Tage  lang  zugefroren.  Sie
ist  das  erste  Glied  des  Wasserwegs,  welcher ­
  die  Ostsee  mit  dem  Weißen  und  dem
Kaspischen  Meer  verbindet.
New  Bedford  (spr.  nju  bcddford),  Seestadt ­
  im  Nordamerika«.  Staat  Massachusetts, ­
  an  der  Mündung  des  Accushnet  in
die  Buzzardbai  des  Atlantischen  Oceans;
(1870)  21,320  Einw.  N.  ist  Haupthafen
des  amerikanischen  Walfangs,  der  indes
in  jüngster  Zeit  sehr  zurückgegangen  ist.
Die  Einfuhr  wertete  1876:  209,000,  die
Muas#  224,556  9M.
Newcastle  (spr.  njukähssl),  1)  N.  upon
Tyne  (spr.  opon»  teilt),  Hauptstadt  der  engl.
Grafschaft  Northumberland,  am  Tyne,
12  km  oberhalb  seiner  Mündung  in  die
Nordsee,  und  der  Northeastern-  und  Tyne
and  Blyth-Eisenbahn,  Station  der  Perlberger ­
  Dampfschiffreedcrei  zu  Hainburg;
(1880)  151,822  Einw.  Deutsches  Konsulat
(Amtsbezirk:  dcr  Tynefluß  von  der  Stadt
N.  einschließlich  bis  zur  Mündung  sviine
die  Küste  von  St.  Mary's  Island  bis
Southern  Point);  Bank  of  England,
National  Provincial  Bank  of  England,
Northern  Counties  Bank.  —  Die  Industrie ­
  zählte  1875  (mit  dem  N.  gegenüberliegenden ­
  Gateshead):  19  Maschinenwerkstätten ­
  (8083  Arbeiter),  8  Eisengießereien, ­
  17  Töpfereien,  12  Glashütten,
Nagelschmieden  re.,  ferner  große  Schiffs-
        <pb n="344" />
        83G

Newhaven  —  Newport.

U'crfteu  (1879:130  eiserne  Dampfschiffe
[92  fceacf)enbe]  von  139,843  Ton.  und
einem  Wert  von  6,36  Mill.  Mk.  gebaut).
—  Zum  Hafen  von  N.  (Seehafen  ist
Shields,  s.  d.)  gehörten  1879:  1137
Schiffe  von  398,082  T.,  davon  583
Dampfer  von  217,017  T.  Handel  und
Schiffahrt  sind  sehr  lebhaft,  insgesamt
verkehrten  1879:  15,118  Fahrzeuge  von
5,282,177  T.  (658  deutsche  von  174,179
I.  gegen  762  Don  210,466  %.  im  93orjähr).
  Hauptauöfuhrartikel  ist  Kohle  (in
der  nächsten  Umgebung  über  50  größere
Grubenwcrke);  1879  gingen  nach  ausländischen ­
  und  britischen  Häfen  7,162,988
T.,  dazu  Koks  201,077  T.,  nach  deutschen
Häfen  701,302  T.;  außerdem  Bleiwaren, ­
  doch  wurden  1879  an  Blei  39,403
T.  mehr  eingeführt.  Bedeutend  ist  auch
die  chemische  Industrie  (1879:  4,28  Mill.
Ctr.,  davon  nach  Deutschland  804,180
Etr.).  Der  Gesamtwert  der  Ausfuhr
britischer  Produkte  belief  sich  1879  auf
86,310,660  Mk.,  die  Einfuhr  auf
127,668,080  Mk.  Eingeführt  wurden:
Holz,  Mehl  (aus  Deutschland  166,460
Ctr.),  Rindvieh  (33,515  Stück),  Schafe
und  Schweine  (47,893  Stück).
2)  N.  iil  Neusüdwales,  wichtiger
Ausfuhrhafen  für  die  naheliegenden  Kohlenwcrke
  (jährliche  Ausfuhr  1  Mill.  Ton.),
cm  der  Erfenbahnstrecke  N.-Darlington;
(1877)  7581  Eiiuv.  Sitz  eines  deutschen
Vicekonsuls.  1878  verkehrten  hier  1135
Schiffe,  davon  11  deutsche  von  6316  Ton.
(1880:  8  deutsche  von  5071  Ton.).
Newhaven  (spr.  njuhñww'n),  1)  Hafenstadt ­
  in  der  engl.  Grafschaft  Sllsser,  an
der  Mündung  des  Ouse,  zu  welcher  1879:
36  Seeschiffe  von  5096  Ton.  gehörten.
Dampfschifssverbindnng  mit  Dieppe  und
den  Kanalinseln;  Schiffsverkehr  479,406
Ton.  Wert  der  Einfuhr  1879:  141,i,  der
AusfnhrbritischcrProdukte28,8Mill.Mk.
—2)  Die  bedeutendste  Stadt  des  nordamerikan.
  Staats  Connecticut,  an  einer  Bai
des  Long  Island-Sunds;  (wo)  50,840
Einw.  Der  Handel  richtet  sich  namentlich
nach  Westindien;  1876  wertete  die  Ein-Mr
  .3,676,172,  Muas#  9,858,452  3Rf.
3)er  Umsatz  imClearinghouse  betrug  1878  :
1  i3,oi  Mill.,  1879:  159,co  Mill.  Mk.

New  Orleans  (ipr.  Iijuörliäns,  -ürlihns),
die  bedeutendste  südliche  Handels-  und
Hafenstadt  der  Bereinigten  Staaten  und
Hauptstadt  des  Staats  Louisiana,  am
östlichen  Ufer  des  Mississippi,  150  km
von  seiner  Mündung;  (isso)  207,328
Einw.  Deutsches  Konsulat;  Münzstätte;
Börse,  Baumwollbörse  ;  Bank  of  America,
Bank  of  Lafayette,  German  National
Bank,  Union  National  Bank.  —  Unter
denJndustrien  sind  am  bedeutendsten:  die
Eisengießereien,  Brennereien  und  Zuckerraffinerien
  sowie  große  Anstalten  znm
Zusammenpressen  der  Baumwolle.  Die
Schiffahrt  nach  dem  Ausland  hat  sich
seit  Vertiefung  der  Barre  bis  auf  8  m  bedeutend ­
  gehoben.  Es  verkehren  hier:  der
Norddeutsche  Lloyd,  die  englischen  Statcund
  Dominion-Linien  von  Liverpool  n.  a.
Die  deutsche  Schiffahrt  beteiligte  sich  1880
mit  33  Schiffen  (10  Dampfern)  von
48,464  Ton.  im  Eingang  und  27  Schissen
(9  Dampfern)  von  36,368  T.  im  Ausgang,
letztere  sämtlich  mit  Baumwolle  und  Tabak ­
  beladen.  Nach  deutschen  Häfen  gingen ­
  1880:  24  Schiffe  (3  nach  Hamburg,
21  nach  Bremen,  davon  16  britische).
N.  bildet  das  natürliche  Entrepot  für  das
ganze  Stromgebiet  des  Mississippi,  doch
verliert  es  seinen  Charakter  als  größter
Baumwollmarkt  mehr  und  mehr';  1880
betrug  der  Ausfall  in  Baumwollsendungcu
  76  Mill.  Mk.  Der  Export  von  Tabak
ist  ganz  unbedeutend  geworden,  dagegen
ist  die  Getreideausfuhr  in  stetem  Zunehmen. ­
  Von  und  nach  dem  Ausland  wertete ­
  1879  und  1880  die  Einfuhr  28,7,  resp.
45,5  Mill.,  die  Ausfuhr  254,5,  resp.  379
Mill.  Mk.  Von  der  Einfuhr  1879  kamen
cms  Kaffee  11,i,  Zucker  3,i,  Wein  2  Mill.
Mk.,  von  der  Ausfuhr  auf  Baumwolle
223  «.  %Rf.,  miß  6,7  mu.,  %üei&amp;amp;c,t
5,6,  Baumwollsamenöl  6,1,  Ölkuchen  4,5
Mill.Mk.  Der  deutsche  Verkehr  geht  allein
über  Bremen;  dorthin  wurden  1879  ausgeführt: ­
  81,422  Ballen  Baumwolle,  4057
Fässer  Tabak,  76,400  hl  Mais,  16,920
hl  Roggen.  Der  Umsatz  im  Clearinghouse
zu  N.  betrug  1879:1646,io  Mill.  Mk.
Newport  (spr.  njupohrt),  Stadt  in  der
engl.  Grafschaft  Monmouth  (Wales),  au
der  Mündung  dcö  Nsk  in  den  Kanal  von
        <pb n="345" />
        337

Newry  —  New  Dork.

Bristol,  dem  Brecon-Monmouth-Kanal
und  mehreren  Eisenbahnen;  (i87i)  27,069
Einw.  Deutsches  Vicekonsulak;  National
Provincial  Bank  of  England.  Zum  Hafen
gehörten  1875:  99  Schiffe  von  19,162  Ton.
Deutsche  liefen  1879  hier  50  ein,  51  gingen
mit  Kohle  beladen  aus.  1879  wertete  die
Einfuhr  10,5,  die  Ausfuhr  19,o  Mill.  Mk.
.  Newry  (spr.  njuhrr),  Hafenstadt  in  der
irischen  Grafschaft  Armagh,  an  derN.-Armagh-
  Eisenbahn;  (i87i)  14,148  Einw.
Deutsche  Konsularagcntur;  Bank  of  Ireland, ­
  Northern  Banking  Co.;  Dampferberbindung ­
  mit  Liverpool.  Schiffsverkehr
1879:  668,780  Ton.  Zum  Hafen  gehören
0875)  61  Schiffe  von  2917  T.,  Einfuhr
vom  Ausland  1879:  10,5  Mill.  Mk.
New  Bork  (spr.  nju  jvrk),  größte  und
wichtigste  See  -  und  Handelsstadt  der  Vereinigten ­
  Staaten  von  Nordamerika,  nächst
London  der  bedeutendste  Handelsplatz  der
Welt,  im  Staat  N.,  an  der  Mündung ­
  des  Hudson  in  das  Atlantische  Meer
gelegen;  (i88o)  1,206,590  Einw.,  mit  Einschluß ­
  von  Brooklyn  (566,689),  Jersey
City  (120,728)  u.  Hoboken  (30,999)  aber
1,925,006  Seelen.  Deutsches  Generalkonsulat, ­
  Konsulat,  Vicckonsulat  (engerer
Amtsbezirk:  N.,  Vermont,  New  Jersey,
Connecticut);  Handelskammer,  Schiedsgericht ­
  der  Handelskammer;  Börse,  Nationalbaumwollbörse, ­
  eine  seit  J  874  bestehende ­
  Vereinigung  sämtlicher  Börsen,
an  welchen  Baumwolle  marktmäßig  gehandelt ­
  wird,  Darlehnsbörse,  Liguidationskontor
  (Clearinghouse),  Stock  and
Exchange  Board,  Verein  für  den  klmsatz
von'Staatspapieren,  Aktien,  Wechseln,
wo  der  klmsatz  jeder  Operation  500  Doll,
übersteigen  muß.  N.  Gold  Exchange,
Produce  Exchange,  Importers'  and  Grocers' ­
  Board  of  Trade,  American  Exchange
(früher  Butter  aud  Cheese  Exchange),
Tabaksbörse,  Droguenbörse,  Maritime
Association  of  the  Port  of  N.;  Buchhändlermesse ­
  im  Juli.  —  Die  gewerbliche
Thätigkeit  von  N.  ist  eine  sehr  bedeutende; ­
  1870  zählte  man  7624  gewerbliche
Anstalten  mit  129,577  Arbeitern  welche
Produkte  im  Wert  von  1332  Mill.  Mk.
erzeugten.  Am  wichtigsten  sind:  die  Herstellung ­
  von  Maschinen,  die  Anfertigung
Hanbelsgeographie.

von  Schuhen  und  Kleibern,  Pianofortes
und  die  Bierbrauerei.  Seine  Stellung  als
hervorragendste  Stadt  der  westlichen  Welt
verdankt  N.  aber  dem  Handel  und  der
Schiffahrt.  Der  Zolwezirk  N.,  zu  welchem ­
  auch  die  gegenüberliegenden  Städte
und  Newark  gehören,  besaß  30.  Juni
1878:2652  Segelschiffe  von  607,183  Ton.,
801  Dampfer  von  312,240  T.  Von  den
hier  konvergierenden  zahlreichen  Dampferlinien ­
  nennen  wir:  die  Cunard-,  Jnman-,
Guión-,  White  Star-,  National-,  Anchorund
  State-Linien,  South  Wales  Atlantic
Steamship  Co.,  Hamburg-Amerikan.  Paketschiff-Akticngef., ­
  Norddeutschen  Lloyd,
Compagnie  generale  transatl.,  Niederl.-Amerikan.
  Danlpfschiffahrtsges.,  die  White
Croß-  und  Red  Star-Linien,  Norsk  Amerikansk
  Dampskibselskab,  United  States
and  Mexican  Mail  Steamship  Co.,  N.  and
Westindia  Mail  Steamship  Co.,  Pacific
Mail,  Atlas,  Red  Ball,  United  States  and
Brazil  Steamship  Co.—1879  liefen  8077
Schisse  ein,  darunter  1591  Dampfer,
außerdem  in  Küstenfahrt  13,344  Schiffe.
Deutsche  Schiffe  liefen  1880
Segelschiffe  Tonnen  Dampfer  Tonnen
ein:  339  271133  186  509  775
aus:  367  297568  184  507404
Sie  kamen  von  und  gingen  nach  allen  Weltteilen. ­
  —  N.  ist  die  wichtigste  Handelsstadt
der  Vereinigten  Staaten;  an  dem  Gesamtverkehr ­
  derselben  partizipierte  es  1879
bei  der  Einfuhr  mit  67%  Proz.,  bei  der
Ausfuhr  mit  47%  Proz.  In  den  letzten
drei  Jahren  betrug  (in  Millionen  Mark)  :
1878  1879  1880
Einfuhr  .  1273,4  1783,6  1935,1
Ausfuhr  .  1512,0  1558,2  2269,6
Von  der  1879er  Ausfuhr  entfallen  auf
einheimische  Produkte  1467,8  Mill.  Mk.
und  zwar  (nach  Maß  und  Gewicht)  :

Weizen  .  25815544  #1.
Mehl.  .  3834544Fas;
Mais.  .14247  890  Hl.
Roggen  .  1576667  -
Baumwolle  447  668Bll.
Petroleum  12  057  821  Hl.

Schi»ken543977078Pfd.
Butter.  35321195  -
Schmalz  245  747  075  -
Käse  .129584981  .
Talg  .  67912148  -
Tabak  .  6271184  -

dazu  109,000  Kolli  Rohtabak,  249,811
Faß  Schweinefleisch,  frisches  Rindfleisch,
Schlachtvieh,  Walratöl,  Thran,  Erbsen,
Gerste,  Harz  rc.  Der  Wert  des  Warenoo
        <pb n="346" />
        338

Nicaragua  —  Niederlande  (Areal,  Bevölkerung).

exports  verteilte  sich  1879  auf  folgende
Hauptläuder  (in  Millionen  Mark):
England  .  772,8  Niederlande.  .  36,3
Frankreich  .  159,2  Cuba....  29,4
Deutschland  123,7  Brit.-Westindien  23,o
Belgien.  .  85,3  Spanien.  .  .  19,2
Es  folgen:  Australien,  Kanada,  Dänemark, ­
  Holländisch-Ostindien,  Portugal,
Puerto  Rico,  Österreich-Ungarn,  Gibraltar ­
  re.  Von  der  1879er  Einfuhr  entfallen
ailf  Manufakturwaren  371,4  Mill.,  auf
andre  Waren  und  Produkte  1043,4  Mill.,
Contante»  352,8  (1878:  79,8)  3m.  3Rf.
Bedeutende  Einfuhrwaren  sind:  Zucker,
Kaffee  (64  Proz.  der  Gesamteinfuhr),
Thee,  Wein,  Spirituosen.  Die  Zolleinnahmen ­
  stiegen  von  369,c  Mill.  Mk.  in
1878  auf  429,8  9RÌK.  3Rf.  i,t  1879.
Umsätze  im  Elearinghouse  zu  N.,  welches
in  der  Höhe  des  Verkehrs  das  von  London
sogar  schoil  übcrtroffen  hat,  betrugen
1879:  121.951,«  Mill.  Mk.  (1869  soqar
157,109,4  M.  m.).  W  Litte
1879  eine  Einnahme  von  12,c  Mill.  Mk.
—  R.ist  auch  der  wichtigste  Einwanderungshafen ­
  der  Vereinigten  Staaten
(s.  Vereinigte  Staaten,  S.  509).  —
Die  Schuld  der  Stadt  belief  sich  1869
auf  nur  145  Mill.  Mk.,  1878  aber  auf
541,8  Mill.  Mk.  —  Platzgeb  rauche.
Man  verkauft  Gewichtswaren  für  1  oder
100  Pfd.,  raffiniertes  Petroleum  für  das
Gallon,  inländische  Erzeugnisse  gegen  bar,
Einfuhrwaren  ebenso;  doch  versteht  man
bei  letztern  darunter  10—30  Tage  Frist,
auch  30—60  Tage.  —  Wechselkurse
notiert  man  auf  London,  Paris,  Antwerpen, ­
  Basel,  Zürich,  Amsterdam,  Hamburg, ­
  Bremen,  Frankfurt  a.  9#.,  Berlin,
Köln,  Leipzig  u.  a.  60  und  3  Tage  ilachSicht.
Nicaragua,  Freistaat  in  Centralamerika, ­
  133,800  qkm  (2430  QM.)  mit
(1877)  250—300,000  Einw.  (davon  Weiße
30,000,  Neger  10,000,  Indianer  100,000,
Mischlinge  160,000).  —  Produktion.
Der  sehr  fruchtbare,  wohlbewässertc  Boden
bringt  kostbare  Schmuck-,  Nutz-  und  Farbhvlzer
  hervor,  Mahagoni-,  Cedrela-,  Brasilholzbäume, ­
  Sassaparille,  Ipecacuanha,
Vanille,  Kautschuk,  Balsam.  Auch  finden
sich  Gold,  Silber,  Kupfer,  Eisen,  Blei,
Steinkohle.  Doch  liegt  der  Bergbau  sehr  danieder, ­

  und  die  jährliche  Ausbeute  übersteigt ­
  kailm  100,000  Mk.  Gebaut  werden  :
Baumwolle,  Indigo,  Kakao.  Viehzucht
wird  in  etwas  größerm  Maß  betrieben.
—  Der  Handel  ist  unbedeutend;  1878
betrug  die  Einfuhr  3,8  Mill.,  Ausfuhr
5,5  Mill.  Mk.  Hauptposten  der  Ausfuhr:
Gummi  elasticum  (1,6  Mill.),  Kaffee  (  1,2
Mill.),  Gold  und  Silber  (0,9  Mill.  Mk.),
Gelbholz,  Indigo,  Häute,  Cedernholz.
Deutsche  Konsulate  bestehen  in  San  Juail
del  Norte  und  Leon.  Banken  existieren
nicht.  —  Häfen  sind:  San  Juan  del
Norte  oder  Greytown,  Corinto,  San  Juan
de  Sur  nnd  Chinandega.  Politische  Hauptstadt ­
  ist  Managua.  —  Finanzen.
Die  Einkünfte  würden  für  1875—76  auf
9,7  Mill.  Mk.  geschätzt.  Die  äußere  Schuld
belief  sich  Ende  1878  auf  9,6  Mill.  Mk.
Niederlande,  Königreich  seit  dem  Wiener ­
  Kongreß  1814  und  mit  dem  zum  Deutschen ­
  Zollverein  gehörigen  Großherzogtum
Luxemburg  durch  Personalunion  vereinigt, ­
  hat  einen  Flächeninhalt  von  32,972
qkm  (598,8  QM.)  mit  (1879)  4,037,010
Einw.,  mit  Luxemburg,  das  1875  auf
2587  qkm  (47  QM.)  eine  Bevölkerung
von  205,158  Einw.  hatte,  einen  Gesamtflächeninhalt ­
  in  Europa  von  35,559  qkm
(645,8  Cm.)  mit  4,242,168  @imo.  Die
Kolonien  hatten  folgende  Areale  und
(wahrscheinliche)  Bevöl'terungsziffern:

Kolonien  QKilom.  QMeil.  Einw.

Ostind.  Besitzungen:
Java  und  Madura
Sumatra,  Borneo,
Celebes,  Amboina,
Neuguinea  rc.  .
Westindieu(St.Martiu,
  Curassao  rc.)
Nicderl.  -  Guayana
(Surinam)  .  .  .

131733
1724883
1130
119321

2392
31326
20
2167

18799  798
8195202
42506
68530

Zusammen:  1977067  |  35905  27106036
Im  eigentlichen  Königreich  (über  Luxemburg ­
  rc.  s.  die  einzelnen  Artikel)  waren
1869  der  Nationalität  nach:  in  den  Niederlanden
  Geborne  3,515,359,  ans  den
ßolomcit  4892,  33,766,  Bek
gien  19,147,  England  1007,  andern  Ländern ­
  5658;  der  Konfession  nach:  2,193,281
Protestanten,  1,313,084  Katholiken  und
        <pb n="347" />
        t

M  0

Niederlande  (Urproduktion:  Ackerbau).

68,003  Jllden.  Die  N.  sind  nächst  Belgien
daö  am  dichtesten  bevölkerte  Land  Europas,
cs  kommen  dort  auf  1  qkm  128  Bewohner.
I.  Urproduktion.
Ackerbau.  Der  Boden  besteht  größtenteils ­
  aus  Alluvium,  oder  er  ist  durch  Anstrocknung ­
  gewonnen  (wie  daS  neuerdings
trocken  gelegte  Haarlemer  Meer)  und  durch
DünenUnd  Deiche  gegen  die  Überschwemmungen ­
  deS  MccrS  geschützt.  Doch  sind
71,8  Proz.  unproduktiv  und  nur  28,2
Proz.  produktiv,  nämlich:
Ackerland  .  .  .  26,«  |  Wiesen  ii.  Weiden  37,0
Ģärten....  1,2  ļ  Waldungen  .  .  6,8
Der  Ackerbau  wird  mit  großein  Fleiß  und
rationell  betrieben.  Zur  Unterstützung
desselben  bestehen  in  Amsterdam:  derKreditverein,
  die  Niederländische  und  die  Nationale ­
  Hypothekenbank.  Die  fruchtbarsten ­
  und  getreidereichsten  Provinzen  sind
Zeeland  und  Gröningen.  Nach  den  Anfstellungen
  des  Statist.  Büreauö  waren  1877
bebaut  Ernte
Hektar  Mill.  Hckiol.
Weizen  und  Spelz  .  89498  1,76

K  a  r  t  0  f  f  e  l  p  r  v  d  ll  k  t  i  0  n  erhebliche  Mengen ­
  abzugeben.  Zeeland  und  der  Dünenboden
  liefern  die  besteFrucht;  die  Ernte  für
1877  wird  auf  1,477,377  metr.  Ton.  oder
17,08  Mill,  hl  angegeben.  Zugleich  wurden ­
  19,433  metr.  T.  (330,000  Mk.)  einund ­
  44,043  T.  (1  Mill.  Mk.)  ausgeführt.
Daran  schließt  sich  eine  Mehrausfnhr  von
OVsMill.kg  Kartoffelmehl  u.dgl.—  Von
Handelspflanzen  werden  namentlich
gezogen:  Cichorie  in  Friesland,  Krapp  und
Flachs,  Tabak  in  Geldern  und  Utrecht,
Hanf,  Raps  in  Gröningen  und  Südholland, ­
  Hopfen  und  Klimmet.  Mit  Flachs
wareil  1876:  20,478  ha  bestellt,  von  welchen ­
  10,200  metr.  Ton.  gewonnen  wurden.
Die  Hanfernte  betrug  1877:88,591  metr.
T.,  so  daß  Holland  von  seinen  Erträgen
bedeutende  Überschüsse  zur  Ausfuhr  zu
bringen  vermag.  Voir  Flachs  und  Hailf
wurden  1878  eingeführt  13,8  Mill.,  ausgeführt ­
  20,:r  Mill,  kg;  es  fand  somit  ein
Mehrerport  von  6,6  Mill.,  1877  aber  von
11,2  Mill.  kg.  statt.  Dazu  kommt  noch
eine  beträchtliche  Ausfuhr  von  Flachs  und
Hanfsaat.  Allch  wird  das  rohe  Material
in  ansehnlichem  Maß  verarbeitet;  in  den
mechanischen  Spinnereien  und  Webereien
waren  7700  Spindeln  und  1200  Kraftstühle ­
  thätig.  Die  niederländischen  Bleichen ­
  haben'einen  vorzüglichen  Ruf;  bcrühnlt
  ist  das  in  der  Zaangegend  gewebte
Segeltuch.  —  Der  Tabakbail  ergab
1877:  3,8  Mill,  kg;  diese  Erträge  werden ­
  (ergänzt  durch  den  Import  ostindischer ­
  Tabake,  wofür  die  N.  Hauptmarkt
sind)  in  mehr  als  300  Tabak-  und  Cigarrenfabriken ­
  verarbeitet  (Amsterdam,  Utrecht, ­
  Eindhoven).  Von  Tabak  und  Cigarren ­
  wurden  1878  eingeführt  42  Mill.,
ausgeführt  32,9  Mill.  kg.  —  Der  Obstbau ­
  ist  am  bedeutendsten  in  den  Provinzen ­
  Geldern  und  Utrecht;  Erdbeeren  kultiviert ­
  man  in  Süd-  und  Nordholland  in
ausgedehntem  Maß.  Der  Handel  mit
1878:  97,oo  -  -  Obst  sowie  mit  Samen  und  Sämereien
also  ein  steigender  Mehrbedarf,  welcher  ist  ein  außergewöhnlich  großer;  1878  wurkcineswegö
  den  geringer  ausfallenden  Ern-  den  (in  Millionen  Kilogramm)
ten,  die  ün  Gegenteil  eine  jährliche  Zu-  Obst  Samen
'lahme  zeigten,  sondern  der  erhöhten  Kon-  eingeführt  .  .  .  45,5  140,7
sttmtionskraft  des  Landes  beizumcssen  ist.  ausgeführt  .  .  .  42,2  46,0
Dagegen  ist  dasselbe  imstande,  von  semer  Im  Vor,ahr  betrug  der  Mehrcrport  nicht

Roggen
Gerste
Hafer
Buchweizen

196028
45355
117023
63430

also  ein  Gesamterträgnis  von  12,2  Mill,
kl,  eine  Produktion,  welche  zur  Ernährung ­
  der  Bevölkerung  llicht  hinreicht,  so
daß'noch  sehr  bedeutende  Mengen  eingeführt ­
  werden  müssen,  und  zwar  sind  die
Vereinigten  Staaten,  Preußen,  Rumänien ­
  und  Rußland  Hauptlieferanten.  Für
die  Mehrinlporte  von  Getreide  hatten  die
N.  in  den  letzten  Jahren  durchschnittlich
85  Mill.  Mk.  zil  zahlen.  Speciell  1878
war  der  Wert  der  Einfuhr  zum  Verbrauch
162,5  Mill.  Mk.,  der  Ausfuhr  ans  dem
freien  Verkehr  65,5  Mill.  Mk.  Es  betrug
der  Wert  der  Mchrcinfnhr

1876:
1877:

62,ss  Milt.  Mark
76,26  -
        <pb n="348" />
        H  '  ķ

Niederlande  (Viehzucht,  Bergbau).

weniger  als  30,2  Mill.  Mk.  —  Brauereien
  zählte  man  1872  ca.  560,  die  zum
Teil  für  den  Export  nach  beiden  Indien
arbeiten.  Eingeführt  wurden  1878:  3,98
Milt.,  ausgeführt  4,23  Mill.  kg.  Weit
wichtiger  aber  ist  die  B  r  a  n  n  t  w  c  i  n  b  r  e  it  -
nerei,  welche  bei  einem  sehr  starken  einheimischen ­
  Konsum  bedeutend  exportiert  und
zlvar  1878:  30,e  Mill,  gegen  eine  Einfuhr
von  7,-i  Mill.kg.  —  Zur  Weinproduktion ­
  ist  das  Land  seiner  nördlichen  Lage  zufolge ­
  gänzlich  ungeeignet,  es  ist  daher  völlig

von  auswärtigenZufuhren  abhängig.  1878
wurden  32,3  Mill,  ein-  und  18,3  Mill,  kg

Port  überstiegen  hat;  1877  wurden  10,2
Mill,  kg  ein-  und  13,s  Mill,  kg  ausgeführt, ­
  dagegen  1878:  20,i  Mill.  kg  ein
und  nur  18,7  Mill,  kg  auö.  Die  nordamerikanischen ­
  Zufuhren  von  frischem  und
geräuchertem  Rind  -  und  Schaffleisch  fangen ­
  an,  regelmäßig  auf  dem  niederländischen ­
  Markt  zu  erscheinen,  und  stiegen  von
809,200  Mk.  in  1877  auf  über  2  Mill.
Mk.  in  1878.  Der  Handel  mit  Vieh  und
Fleisch  zeigte  1877  folgende  Werte  (in
Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr

ausgeführt.  —  Auch  die  Zucke  rrübenkultur
  ist  nicht  ausgedehnt  genug,  um
dem  Bedarf  zu  genügen;  1876  wurden  von
12,962  ha,  306  Mill,  kg  Rüben  geerntet.
Die  Industrie  richtet  sich  vorzugsweise  auf
die  Raffinerie  von  Kolonialzucker,  welcher
in  den  großen  Fabriken  von  Rotterdam
und  Amsterdam  verarbeitet  wird;  der  Import ­
  von  Rohzucker  war  1878  über"l25
Mill,  kg,  von  Sirup  und  Melasse  3,6  Mill,
kg,  wovon  48,3  Mill,  kg  wieder  ausgeführt ­
  wurden.  Dagegen  wurden  von  Raffinaden ­
  eingeführt  6,087,000  kg,  ausgeführt ­
  69,998,000  kg.  Die  Hauptabsatzgebiete ­
  für  den  holländischen  Zuckerhandel
sind  Italien  und  die  Mittelmeerlander,  wo
sich  das  holländische  Fabrikat  gegeil  andre
Konkurrenten  und  selbst  gegen  das  gänzlich ­
  unbesteuerte  englische  fest  behauptet  hat.
Die  Viehzucht  bildet  eine  der  allerwichtigsten ­
  Quellen  des  Nationalwohlstands. ­
  Wiesen  und  Weiden  nehmen  37
Proz.  des  Gesamtareals  ein;  1876  schätzte
man  den  Wert  des  Viehstands  auf  610
Mill.  Mk.  In  diesem  Jahr  war  die
Zahl  der
Pferde  .  .  268000  I  Schafe  .  .  891000
Rinder  .  .  1439257  ļ  Schweine  .  352300
Es  kommen  also  auf  1000  Einw.  360
Rinder,  242  Schafe,  91  Schweine.  Der
Handel  mit  Vieh  ist  sehr  ansehnlich  n.geht
hauptsächlich  nach  England.  1877  wurden
eingeführt  ausgeführt
Rinder  .  .  .  2037  155399
Schafe  .  .  .  32655  331066
Schweine  .  .  21855  101839
Dabei  exportiert  aber  Holland  noch  Fleisch,
obschon  hier  der  Import  zuweilen  den  Ex-Vieh

  1,56  25,67
Fleisch....  l,9i  3,68

Zusammen:  3,47  29,»5
In  der  Bereitung  von  Butter  und
Käse  zeichnen  sich  namentlich  die  Provinzen ­
  Nord-  und  Südholland  und  Friesland
aus.  Von  Butter  werden  nicht  unbeträchtliche ­
  Quantitäten  importiert,  die  freilich  gegen ­
  die  Exportmengen  völlig  verschwinden.
Die  Ausfuhr  betrug  1878':  Butter  26,3,
Käse  30,2  Mill.  kg.  Als  Summe  dieser
verschiedenen  Posten  ergibt  sich  für  den
Handel  mit  Tieren  u.  tierischen  Nahrungsmitteln ­
  1878  ein  Einfuhrwert  von  9,i«,
ein  Ausfuhrwert  von  90,6i  Mill.  Mk.,

d.  h.  eine  Mehransfuhr  von  81,53  Mill.
4le  bildet

Mk.  —  Wolle  bildet  bei  dem  hohen
Standpunkt,  welchen  die  Fabrikation  von
Stoffen  erreicht  hat,  einen  wichtigen  Handelsartikel. ­
  Namentlich  blüht  die  Wollindustrie ­
  zu  Tilburg  und  Leiden;  letzteres
fabriziert  Phantasiestoffe  und  Decken  für
den  Export  nach  den  Kolonien,  China
und  Japan.  Bei  dem  geringen  Schafbestand ­
  findet  auch  ein  Mehrimport  von
Wolle  statt;  1878  betrug  die  Einfuhr
22.5  Mill.,  die  Ausfuhr  19,4  Mill.  kg.
Holland  beschäftigt  sich  zum  großen  Teil
mit  dem  Vertrieb  importierter  Kolonialwollen,
  welche  es  wieder  ausführt.  Der  Export ­
  von  Tuchen,  Decken  und  Flanellen  richtet ­
  sich  auch  nach  Belgien  und  Nordeuropa.
Als  Produkte  der  Viehzucht  sind  noch
Fettstoffe  zu  nennen,  von  denen  1878:
35.5  Mill.  kg  ein-  und  16,7  Mill,  kg
ausgeführt  wurden.
Der  Bergbau  wird  nur  in  sehr  unbedeutendem ­
  Maß  auf  Kohlen  in  Limburg ­
  und  Eisenerze  in  Geldern  und  Over-
        <pb n="349" />
        341

Niederlande  (Forstwirtschaft,  Industrie,  Handel).

hsscl  betrieben.  Salz  wird  auö  der  Sec,
Torf  in  mehreren  Provinzen  gewonnen.
Wie  sehr  aber  daSLand  auf  die  auswärtige
Einfuhr  angewiesen  ist,  beweisen  nachstehende ­
  für  1878  geltende  Ziffern.  Es
betrug  (in  Millionen  Kilogramm):
Einfuhr  Ausfuhr
Steinkohle  .  .  2860,  t  415,3
Salz  ....  53,o  3,2
Rohmetalle.  .  494,2  412,o
Durch  die  Einführung  von  englischen,
deutschen  und  belgischen  Roh-  unb  Stabeisen ­
  hat  in  den  letzten  Jahrzehnten  die
Produktion  voll  Eisengnßartikeln,  Nägeln,
Drahtstiften,  Waffen  und  andern  Eisenund
  Stahllvaren  Fuß  gefaßt.  Namentlich
die  Eisengießereien  von  Amsterdam,  Utrecht, ­
  Herzogenbnsch,  Maastricht  sind  zur
Bedeutung  gelangt  und  arbeiten  schon
für  den  Export.  Dennoch  überwiegt  die
Einfuhr  bearbeiteter  Metalle  noch  erheblich; ­
  sie  betrug  1878:  215,i  Mill,  kg,  die
Ausfuhr  117,9  Mill.  kg.
F  o  r  stk  ult  ll  r.  Das  Königreich  besitzt
wenig  Holzbestand  (nur  G,«  Proz.  des
Areals),  und  bedeutende  Mengen  lverden
ans  Rußland,  Schweden  und  Norwegen
zur  See,  aus  Deutschland  in  großen  Flößen
eingeführt.  Die  feinern  Holzarten  kommen ­
  besonders  ans  Amerika.  1878  war:
Einfuhr  Ausfuhr
Schiffbauholz  rc..  .  692,G  121,7
Feine  Holzsortcn.  .  6,5  2,i
Der  Fischfang  ist  nächst  der  Viehzucht
und  Käsebereitung  der  wichtigste  Zweig
der  specifisch  nationalen  Wirtschaft.  Die
Kabeljausischerei  wird  sowohl  an  den  niederländischen ­
  Küsten  als  auf  der  Doggeröbank,
  selten  bei  Island  betrieben.  Die
Salzheringsfischerei  wurde  1877  von  113
Fahrzeugen  betrieben,  welche  einen  Ertrag
von  2,9  Mill.  Mk.  brachten;  die  Frischheringsfischerei
  beschäftigte  241  Fahrzeuge) ­
  der  Wert  der  gefangenen  3!)  Mill.
Heringe  war  1,8  Mill.  Mk.  Die  Schleppnetzfischerei ­
  wurde  1877  von  274  Schiffen
betrieben  und  brachte  785,655  Mk.,  die
Eariieelensischerei  am  Helder  und  die  Fischereien ­
  in  der  Zuidersee  105,427  Mk.
Der  Austernfang  ergab  1877  einen  Ertrag
von  2,5  Mill.  Mk.',  1878  aber  nur  von

1,150,090  Mk.  Im  ganzen  waren  bei  dem
Fischfang2461  Boote  mit9462Mann  thätig. ­
  Der  Handel  mit  Fischen  betrug  1878:
Einfuhr  7,iMill.,  Ausfuhr39,2Mill.kg.
II.  Industrie  und  Handel.
I  n  d  u  st  r  i  e.  Die  Gewerbeverfassung  beruht ­
  auf  dem  Prinzip  vollständiger  Gewcrbefreiheit,
  ilnd  nur  der  Steuern  wegen
ist  die  Anzeige  vom  Beginn  eines  Gewerbebetriebs ­
  oder  einer  zu  errichtenden  Fabrik
erforderlich.  Zur  Förderung  derselben  bestehen ­
  65  Handels-  und  Fabrikkammern
sowie  der  Verein  zur  Beförderung  der
Fabrik-  und  Handwerksindnstric,  der
Verein  der  niederländischen  Industriellen
im  Haag  und  die  Niederländische  Gesellschaft ­
  zur  Beförderung  der  Industrie  in
Haarlem.  Die  Industrie  steht  der  Urproduktion ­
  an  Wichtigkeit  weit  ilach,  doch  arbeiten ­
  einige  Zweige  nicht  llnbeträchtlich  für
die  Ausfuhr.  Dahin  gehört  als  einer  der
wichtigsten  der  Betrieb  der  Ziegelcieil
und  Thonwarcnfabriken.  Die  Glashütten ­
  fabrizieren  meist  Flaschen  für  Liköre ­
  und  Genever.  —  Von  Bedeutung  ist
ferner  die  Baum  woll  indù  strie,  die
sowohl  für  den  einheimischen  Markt  als
für  die  Kolonien  arbeitet.  Berühmt  ist
die  Papierfabrikation,  indessen  deckt  die
einheimische  Produktion  den  Bedarf  keineswegs; ­
  1879  betrug  (in  Millionen
A'iloavam.,0:  ^
Glaswarcn.  .  .  27,o  14,7
Thonwaren.  .  .  160,5  40,5
Manufatte.  .  .  34,2  28,4
Papier  ....  13,8  15,s
Handel.  Nach  dem  1.  Nov.  1862  in
Kraft  getretenen  Gesetz  betrugen  die  Eingangszölle ­
  höchstens  5  Proz.,  einige  Artikel, ­
  welche  höher  verzollt  wurden,  ausgenommen. ­
  Zugleich  wllrdcn  alleAnögangSzölle
  abgeschafft  außer  denjenigen  auf
Lumpen.  Der  Gesamtwert  des  Handels
bezifferte  sich  (in  Millionen  Mark):
1876  1877  1878
Einfuhr  .  .  1212,8  1276,5  1376,6
Ausfuhr  .  .  906,5  920,4  958,s
Nach  den  Warenklassen  verteilte  sich  der
Wert  des  Handels  1877  in  folgender  Weise
(in  Millionen  Mark):
        <pb n="350" />
        342  Niederlande

Einfuhr  Ausfuhr
Genußmittel  .  .  .  400,4  323,«
Rohstoffe  420,3  250,2
Fabrikate  ....  173,i  105,7
Verschiedenes  .  .  .  257,8  214,o
Gold  und  Silber.  .  25,o  18,o
Gefaintfnmme:  1270,«  018,4
Aus  seinen  Kolonien  bezicht  das  Land
namentlich:  Kaffee,  Zucker,  Thee,  Reis,
Spezereien,  Tabak,  Indigo,  Zimt.  Von
der  1878  aus  1,132,679  Ballen  und  83
Fässern  bestehenden  Einfuhr  von  Kaffee
kamen  nur  107,858  Ballen  aus  Brasilien,
der  Rest  aus  den  ostindischen  Kolonien,  davon ­
  732,720  Ballen  durch  die  Niederländische ­
  Handelsgesellschaft.  Auch  der  Zucker
wird  fast  ausschließlich  aus  Java  bezogen
und  zwar  jetzt  zum  größten  Teil  aus  den
Privatplantagen,  da  die  Regierung  diese
K  ultur  aufzugeben  anfängt.  Tabak  kommt
von  Java  und  Sumatra,Zinn  von  Bangka
und  Biliton  und  zwar  1878  von  dem  ersten
121,130  Blöcke,  von  dem  zweiten  106,927
Blöcke.  Thee,  wovo,i  66,503  Kistchen  importiert ­
  wurden,  liefert  Java  in  steigender
Menge  nach  Holland.  Gewürze  wurden
1878  importiert:  Muskatnüsse  360,000
kg,  Muskatblüte  10,200kg,  Amboinanelken ­
  1000  kg,  Pfeffer  700,000  kg.  Der
Handel  mit  Baumwolle,  die  zum  größern
Teil  ans  Nordamerika,  dann  aber  auch
aus  Surate  und  Bengalen  bezogen  wird,
ist  durch  die  Bemühungen  Amsterdamer
Kaufleute  seit  1868  zu  einem  direkten  geworden, ­
  so  daß  drei  Viertel  des  Gesamtimportö
  holländische  Zufuhren  sind.
Au  dem  gesamten  Land-  und  Seeverkehr ­
  beteiligten  sich  die  wichtigsten  Verkehrsländer ­
  1878  in  folgender  Weise  (Wert
in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr

Deutschland  329,«  390,i
England  349,9  223’«
Belgien  181,2  153,5
Java  .......  124,1  77,1
Rußland  90,2  14,2
Vereinigte  Staaten  .  .  00,s  0,8
Frankreich  27,2  11,9
Britisch-Indien  .  .  .  25,o  0,3
Schweden  und  Norwegen  20,4  12,7
Italien  ......  3,9  13,8
Peru  10,7  —
Spanien  9,0  0,s
Portugal  2,«  1,4

(Verkehrswesen).
Deutschland  nimmt  also  unter  allen  Verkehrsländern ­
  die  erste  Stelle  ein.  Manufakturwaren ­
  beziehen  die  N.  hauptsächlich ­
  aus  England,  Preußen  und  Belgien,
Getrcidcaus  deuOstseeländern,  Archangel
und  den  Häfen  am  Schwarzen  Meer,  Erbsen ­
  und  Linsen  aus  Preußen,  Bauholz  aus
Norwegen  und  den  Rheinländern,  Garn
aus  England,  Wein  aus  Frankreich,  Hopfen
ans  Bayern  und  Elsaß,  während  sie  selbst
mit  den  Produkten  des  LandbanS,  besonders ­
  mit  Gemüse,  Vieh,  Butter,  zum  Teil
den  Londoner  Markt  versehen,  Fische  meist
nach  Belgien  und  Deutschlaikd  sowie  Käse
nach  England,  Frankreich,  Belgien  und
Hamburg  verschicken.  —Konsulate  hat
Deutschland  in:  Amsterdam,  Gröningen,
Middelburg,Rotterdam;  Vicekonsulate  in:
Harlingen,  Helder,  Terel,  Schcveningeu,
Tkel;  Konsularageuturen  in:  Brouweröhaven,
  Dordrecht,  HelvoetsluyS,  Schiedam,
Zierlkzcc;  in  den  holländischen  Kolonien
Konsulate  in:  Batavia,  Makassar,  Paramaribo, ­
  Samaraug,  Surabaya.
Hl.  Bcrkchrswcsen.
Kein  Land  besitzt  so  zahlreiche  Kanäle
wle  Holland,  darunter  sind  die  bedeutenditcu:
  der  Nordholläudischc  Kanal  vom
Nicilwediep  an  der  Nordspitze  an  Alkmar
und  Purmerend  vorbei  bis  ins  Y,  gegenüber ­
  Amsterdam,  52  km  lang  und  so  breit
und  tief,  daß  er  von  großen  Seeschiffen
befahren  werden  kann;  daun  der  neue
Nordseekanal  von  Amsterdam  nachNmuideu,
  ebenfalls  für  große  Seeschiffe  befahrbar. ­
  Die  Gesamtlänge  aller  Kanäle  ward
I.Jan.  1878  auf  2842,8  km  angegeben.  —
Die  Flußschiffahrt  ist  für  den  niederländischen ­
  Handel  überhaupt  von  hervorragender ­
  Bedeutung,  da  sie  im  Verhältnis
zu  den  übrigen  Verkehrswegen  den  Transport ­
  der  relativ  größten  Warenmengen
vermittelt.  So  wurden  von  der  Ausfuhr
beë  3a#  1878:  1616  mH.  kg  mittM
Flußschiffe,  870  Mill,  kg  mittelst  Seeschiffe ­
  und  959  Mill,  kg  mittelst  Eisenbahn ­
  verfrachtet,  und  ein  ähnliches  Verhältnis ­
  zeigt  sich  auch  bei  der  Einfuhr.
Speciell  die  Rheinfahrt  (s.  Rhein)  hatte
1878  einen  Verkehr  von  19,443  Schiffen
mit  66,550,936  Etr.  Ladung  für  die  Bergund
  Thalfahrt  aufzuweisen.  Die  einzel-
        <pb n="351" />
        BllinnnHHÈnnHHnHHHHnHi

Niedeàitdc  (Finanzen).

343

neu  Flaggen  waren  dabei  folgcnderinaßcn
beteiligt:  die  badische  mit  233  Schiffen,
bayrische  mit  270,  hessische  mit  210,
Preußische  mit  5675,  niederländische  mit
■12,702,  belgische  mit  316,  englische  mit
37  Schiffen.  Vorarbeiten  zur  Verbesserung
der  Kanäle  und  zur  Korrektion  der  Wasserstraße ­
  von  Rotterdam  in  die  See  u,:b  Verhandlungen ­
  bctreffsübcrlassnng  desNordseckanals
  an  den  Staat  wurden  1876  in
Gang  gesetzt.  —  Die  Länge  der  Eisenbahnen ­
  betrug  l.Jan.  1880:1930km;
davon  Staatsbahncn  914  km,  Privatbahncn
  1016  km.  Bis  Ende  1880  zu  eröffnen ­
  waren  weitere  Staatsbahnstrecken
Vonzusaminen297km,  so  daß  dasStaatseisenbahnnetz
  eine  Länge  von  1210  km
haben  wird.  Die  Anlagekosten  für  die
neuen  Strecken  sind  alls  22,127,200  Mk.
festgesetzt.  DiePost  (das  Königreich  gehört
mit  Kolonien  zum  Weltpostverein)  beförderte ­
  1879  in  1290  Postämtern  42,039,163
interne  und  12,693,123  ausländische  Privatbriefe ­
  ,  14,202,277  Korrespondenzkarten, ­
  zusammen  also  68,934,563  Briefpostscndungen,
  und  34,858.81OZcitnngcn  und
Drucksachen.  Die  Einnahmen  bezifferten
sich  auf  6,567,748  Mk.,  die  Ausgäbet:  auf
4,697,822  m.  &amp;amp;ic2m:ncbci:@t(iatötelegraphenlinien
  war  1.  Jan.  1880:
Liniei:  3761  km,  Drähte  13,654,7  km
mit  185  Staatstelegraphenämtern,  zu
denen  noch  201  Telegraphenämter  der
Gesellschaften  kaincn.  Befördert  wllrdcn
2,704,794  Depeschen,  davon  1,766,062
interne,  917,191  internationale,  21,541
Staats  -  lind  gebührenfreie  Depeschen.
Einnähn,ei:  1,568,901  Mk.,  Ausgaben
2,398,297  Mk.  Die  tlnterirdischen  Linien
hatten  71  km  Länge  mit  712  km  Leitungen, ­
  die  unterseeischen  356  km  mit  475
km  Drähten.
Die  Handelsflotte  hatte  1.  Jan.
1880  einen  Bestand  von  1120  Schiffen
voi:  339,154  Ton.,  darunter  ^Dampfer
von  56  578  T.  Die  niederlandrsche  Flotte
nimmt  ßetio  &amp;amp;u,  W)  ^
Schiffe  nicht  in  Holland  selbst  gebaut
(1879:24eßc^c^%ņubl$)an%m,,
inländischen,  11  Segelschiffe  «lib  6  Dampfer ­
  auf  ausländischen  Werften),  nalilentlich
  seitdem  eiserire  Schiffskörper:n  Anwendung ­

  gekommen  sind.  —  Schiffsverkehr. ­
  Während  sich  der  Tonnengehalt  der
ein-  u.  ausklarierten  beladene,:  Fahrzeuge
185Oaufl,8O2,3O6Ton.bezifferte,  erreichte
bleibe  1879:  4,980,404%.
thäügkeit  stieg  denrnach  aus  das  Dreifache.
An  diesem  Aufschwung  hat  sich  die  niederländische ­
  Flagge  aber  weniger  beteiligt  als
die  ausländische,  da  sie  ihre  Handelsthätigkeit ­
  nur  un:  dasDoppclte  erhöhte.  1878
liefe::  8052  @#fe  no,:  8,802,226  %on.
du,  8020  wo::  8,820,050%.  w:8;
von  den  letzter,:  waren  3529  englische
von  4,401,975  T.,  2574  niederländische
von  2,587,205  T.,  678  norwegische  von
641,827  T.,  652  deutsche  von  546,601  T.
—  Dampferlinien  bestehen:  zwischen
Rotterdam  und  New  Pork  (14—15  Tage)
durch  die  Niederl.-Amerikan.  Dampfschisffahrtsgesellschaft;
  zwischen  Nieuwediep  und
Batavia  (einmal  monatlich)  via  Suczkanal
  durch  die  Stoomboot  Maatschappij,
unterstützt  durch  die  Regierung  mit  3
Schiffen  von  3500  Ton.  und  400  Pferdekräften; ­
  zwischen  Rotterdam  und  Java
(Sainara,rg,  Surabaya)  durch  die  Eommercial
  Steamship  Co.  einmal  monatlich
ebenfalls  via  Suezkanal;  ferner  die  Dampfschiffgcsellschaft
  Nederland,  Rotterda,ner
Lloyd,NiedcrläiidischeDampfschisfrcederei,
auf  Maas  und  Rhein  die  Maas-Dampfschiffgesellschaft.

IV.  Finanzen,  Kreditwesen  re.
Die  Anstrengungen,  welche  die  N.  machten, ­
  um  Belgici:,  das  sich  1830  frei  machte,
zu  unterwerfen,  überhäuften  das  Land
mit  Schulden.  Indes  flössen  aus  den  indischen ­
  Kolonien  so  bedeutende  Summen
zu  (1852—77  nicht  weniger  als  991  Mill.
Mk.),  daß  nicht  allein  viel  von  den  Schulden ­
  (730  Mill.)  getilgt,  sondern  auch  bedeutende ­
  Summen  zu  Eisenbahnbauten
u.  a.  verwandt  werden  konnten.  Der  Krieg
mit  Atschin,  welcher  1874—77  schon  153
Mill.  Mk.  verschlungen  hatte,  hat  allerdings ­
  die  Finanzlage  erheblich  erschwert.
Staatshaushalt.  Die  Einnahmen
bestehen  vornehmlich  in  der  Accise,  namentlich ­
  auf  Spirituosen.  Für  die  abgeschafften ­
  Lokalaccisen  zahlt  die  Regierung
den  Gemeinden  jährlich  eine  Summe
(1880:  14,514,600  m.).  S)ie  ©teat*;
        <pb n="352" />
        344  Niederlande  (Kreditwesen  rc.)
eisenbahil  ist  seit  1863  nach  einer  bestimmten ­
  Skala  an  eine  Aktiengesellschaft  verpachtet, ­
  wobei  der  Staat  wenig  über  1
Proz.  Zinsen  seines  Anlagekapitals  (1  879  :
2,764,200  Mk.)  bezieht.  Das  Budget  für
1880  ergab  in  Gesamthöhe  vvn193,8Mill.
ein  Defizit  von  10.8  Mill.  Mk.,  das  für
Indien  bei  247,a  Milt,  ein  Defizit  von  5,6
Mill.  Mk.;  auch  die  Budgets  fürSurinam
und  Eurassao  schließen  mit  Defizits  ab.
Die  Staatsschuld  betrug  Ende  vorigen ­
  Jahrhunderts  1338  Mill.  Mk.  und
wurde  1810,  wo  sie  auf  mehr  als  2  Milliarden ­
  angewachsen  war,  bei  der  Einverleibung ­
  in  Frankreich  durch  einen  Staatsbankerott ­
  auf  ein  Drittel  herabgesetzt.  Als
1814  ein  neuer  Staat  entstand,  wurde  die
Schuld  in  vollem  Nominalbetrag  hergestellt, ­
  doch  nur  ein  Drittel  davon  mit  2Vs
Proz.  verzinst.  Der  verzinsliche  Teil  wurde
indes  jährlich  erhöht,  und  seit  1814  hat
sich  der  Nominalbetrag  der  Schuld,  die
jetzt  durchweg  verzinst  wird,  um  1418  Mill.
Mk.  vermindert.  Während  1850  noch
mehr  als  48  Proz.  der  Gesamteinnahme
für  die  Schuld  verwendet  wurden,  braucht
man  heute  nur  26Vs  Proz.  Ende  1880
war  der  Stand  dersclbeit  (inkl.  17  Milt.
Mk.  Papiergeld)  1603.4  Mill.  Mk.,  der
Zinsbetrag  47,5  Mill.  Mk.
Kreditwesen.  Im  ganzen  sind  16
Banken  und  Kreditinstitute  im  Laude
thätig  init  einein  Gesamtkapital  voir  264
Mill.  Mk.  ;  an  ihrer  Spitze  steht  die  Niederländische ­
  Bank  (Aktienkapital:  27,2  Mill.
Mk.),  andre  bedeutende  Banken  sind:  die
Niederländische  Handelsgesellschaft  (Kapital ­
  :  53,2  Mill.  Mk.),  die  Kredit-  und  Depositenbank ­
  (40  Mill.  Mk.),  Allgemeine
Gesellschaft  für  Handel  und  Industrie
(34  Mill.  Mk.),  alle  in  Amsterdam,  Amsterdamer ­
  Bank  (Kapital:  17  Mill.  Mk.),
Bank  von  Rotterdam  (Kapital:  25,5  Mill.
Mk.).  Das  alleinige  Recht  zur  Notenausgabe ­
  hat  die  Niederländische  Bank.
Dieselbe  wurde  1814  errichtet,  und  nach
Ablauf  ihres  Privilegiums  31.  März  1864
wurde  dasselbe  auf  25  Jahre  (bis  Ende
März  1889)  erneuert  und  die  Bank  durch
Ģesetz  vom  22.  Dez.  1863  reorganisiert.
Das  Kapital  war  anfänglich  5,  später  10
Mill.,  wurde  1840  auf  15  und  1863  auf

—  Niederländ.-ostini».  Kolonien.
16  mu.  &amp;amp;Í.  (27,2  9)KK.  Wf.)
bars  24  mH.  (40,8  Wils.
Mk.)  nicht  übersteigen.  Die  Banknoten
bestehen  in  Stücken  zu  25,  40,  60,  80,
100,  200,  300,  500,  1000  Fl.  und  sind
bei  der  Hanptbank  in  Amsterdam  und  der
Zweigbank  in  Rotterdam  jederzeit  gegen
bar  cmlösbar.  Außerdem  muß  in  jeder
Provinz  mindestens  eine  Agentur  sein.
Das  Wcchselportefeuille  belief  sich  1878
auf  121  Mill.,  1879  auf  75  Mill.Mk.,  der
Barschatz  aris  203,i  Mill.  Mk.,  der  Nvtcnttinlauf
  aus  310,2  Mill.  Aik.  —  S  p  a  r  -
banken  gab  es  1876:  259,  in  welchen
174,361  Einzahler  ein  Kapital  von  12,4
Mill.  Mk.  hatten;  in  32  Sparkassen  hatten
6570  Teilhaber  einen  Betrag  von  216,005
Mk.  Aus  49  Hülfsbanken  erhielten  6830
Personen  Vorschüsse  im  Gesamtbetrag  voi:
1,293,209  Mk.  Eigentliche  Postsparkassen
bestehen  nicht,  die  Mitwirkung  der  Postcnlstalten
  erfolgt  nur  auf  Wunsch  der
Sparbankverwaltung.  —  Daö  Wechselrecht
  ist  im  wesentlichen  das  französische.
Geld.  Maße  nnb  Gewichte.  Bis
1825  bestand  die  Silberwährnng,  von  da
ab  bis  1847  die  Doppelwährung  mit  der
gesetzlichen  Wertrelation  von  1:15,873,  und
1847  wurde  die  reine  Silberwährung  eingeführt. ­
  Durch  Gesetz  vom  6.  Juni  1875
wurde  dann  der  Übergang  zur  Goldwährung ­
  gemacht.  Die  Wcrtrelation  war  nun
1:15,625.  Die  Ausprägung  von  neuen
Goldmiinzen  (1  Fl.—0,672  g  Gold  mit  9 /i  o
Feingehalt  und  Prägung  von  Münzstücken
zil  10  und  5  Fl.)  wurde  freigegeben,  die  von
Silbermünzen  sistiert.  DieMeichsmünzstätte,
  iil  welcher  jeder  goldne  10-Guldenstücke
  allsinünzen  lassen  kann,  befindet
sich  in  Utrecht.  Der  Gulden  hat  einen
Wert  von  1  Mk.  70  Pf.  deutsch.  Maße
und  Gewichte  sind  die  französisch-metrischen ­
  mit  holländischer  Beneninlng.  Die
Mijl  ist  der  Kilometer,  die  Elle  der  Nieter, ­
  der  Palm  —  1  Decimeter,  der  Duiur
(Damn)—!  cm  ;  Bunder  —  1  Im;Mndde
oder  Zak  —  I  hl,  Schepel  —  1  Dekaliter,
Kop  —  1  Lic.  Als  Flüssigkeitömaß  heißt
das  Hektoliter  Vas,  das  Liter  Kan.  Das
Pond  ist  daö  Kilogramm.
Niederliindisch-ostiiidische  Kolonien,
s.  Java,  Sumatra  rc.
        <pb n="353" />
        Niederländisch-Westindische  Kolonien  —  Nishnij  Nowgorod.  345

Niederländisch  -  westindische  Kolonien, ­
  s.  Cu  ras  sao.
Niemen  (spr.njämen),  Fluß,  s.  Memel.
Niger,  der  bebcutenbfte  Strom  Mittelafrikas, ­
  entspringt  unter  dem  Namen
Dscholiba  im  Innern  von  Senegambicn,
  ninlmt  später  den  Namen  Kuara
(Quorra)  au,  empfängt  von  O.  her  den
mächtigen  Dinne  und  ergießt  sich,  ein
großes  Delta  bildend,  in  den  Busen  von
Benin.  Bis  zum  11.°  nördl.  Br.  wird
der  Fluß  schon  durch  Dampfer  befahren.
Niigata  (Niégala),  einer  der  den  Europäern ­
  geöffneten  Häfen  Japans,  an  der
Westküste  der  Insel  Nippon;  (1877)  33,832
Einw.,  darunter  14  Fremde  (3  Deutsche
und  2  deutsche,  die  einzigen  fremden,  Firmen). ­
  Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:
die  Stadt  %.,  die  Provinzen  Noto,  Etiu,
Eizigo  und  Dewa  sowie  die  Insel  Sado).
Die  Einfuhr  betrug  1879  nur  984  Mk.,
die  Ausfuhr  1392  Mk.
Nikolaistad,  Hauptstadt  des  finnländ.
Gouvernements  Wasa,  am  Bottnischen
Meerbusen,  Station  der  Lübeck  und  Finnland-Dampfschiffgesellschaft; ­
  (1875)  4981
Einw.  Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:
das  Gouvernement  Wasa  mit  Ausnahme
der  den  Konsulaten  in  Kristinestad  und
Nykarleby  zugewiesenen  Bezirke);  Agentur ­
  der  Nordischen  Aktienbank  für  Handel
und  Industrie,  Finnlands  Bank  Kontor.
Nikolajew,  Kriegshafen  und  Handelsplatz ­
  im  russ.  Gouvernement  Cherson,  40
km  nördlich  von  der  Mündung  des  Äug
ins  Schwarze  Meer,  an  der  Bahn  N.-Charkow;
  Station  der  Nedcrl.Stoomboot
Maatfchappij  und  der  Russischen  Dampfschifsahrtsgesellschaft;
  (1875)  82,805  Einw.
Deutsches  Vicekonsulat;  Abteilung  der
Staatsbank,  N.  Kommerzbank;  Hafenzollamt. ­
  —  N.  besitzt  drei  Häfen:  den  Kriegs-Hafen
  am  Jngul  nördlich  der  Stadt,  den
Hafen  de?  Russischen  Dampsschiffahrtögesellschaft
  am  Bug  und  den  Handelshafen ­
  südlich  der  Stadt  an  der  sogen.  Popowaja
  Balka,  wo  eine  Tiefe  von  7  m
das  Laden  unmittelbar  vom  Kai  gestattet.
Eigne  Schiffe  besaß  N.  1873  :  ^(darunter
8  Dampfer)  mit  10,480  Ton.  Die  Einfuhr
vom  Ausland  ist  nicht  bedeutend  und  geschieht ­
  meist  über  Odessa;  die  Ausfuhr  bestand ­

  1880  vornehmlich  in:  1,8  Mill,  hl
Getreide  (meist  Weizen),  62,52!)  hl  Leinund
  Hanfsamen,  Eisenbahnschienen  (9,6
Mill,  kg),  ferner  Ölsamen,  Wolle,  Talg,
Holz,  Spiritus  und  Butter.—1880  liefen
hier  ein:  268  Schisse  (2  deutsche),  aus:
268  Schiffe  (4  deutsche).
Nil,  Fluß,  s.  Ägypten.
Nîmes  (Nismeö,  spr.  nihm),  Hauptstadt ­
  des  franz.  Departements  Gard,  am
Bistre  und  an  der  Eisenbahn  Lyon-Marseillc;
  (1876)  60,804  Einw.  Filiale  der
Bank  von  Frankreich,  Société  generale.  —
Sehr  bedeutende  Fabrikation  vonTeppichen
und  Tischdecken,Shawls  und  Möbelstoffen,
Foulards,  Schnüren  und  Borten,  Wirkwaren, ­
  Nähseide  re.  mit  ca.  5500  Arbeitern; ­
  nächstwichtig  die  Eisenindustrie  mit
gegen  2000  Arbeitern.  Hauptgegenstände
des  Handels  sind:  Wein  und  Branntwein
(»trois-six«)  mit  jährl.  Umsatz  von  ca.  6
Mill.  Mk.,  Seide  und  Kokons  (an  16Mill.
Mk.),  Kolonialwaren,  Getreide,  Mehl.
Ningpo,  chines.  Traktatshafen  in  der
Provinz  Tschekiang;  260,000  Eiinv.,  davon ­
  131  Fremde  (9  Firmen,  1  deutsche).
Deutsches  Vicekonsulat;  Seezollamt;
Hongkong  and  Shanghai  Banking  Comp.
—  Der  auswärtige  Handel  wertete  1879:
Einfuhr  5,2  Mill.  Mk..  Ausfuhr  119,268
Mk.  Specialität  des  Exports:  Talg  von
den  Talgbaumpflanzungen  der  Umgebung. ­
  Tägliche  Dampferverbindung  mit
Schanghai;  Schiffsverkehr  1879:  1158
Schiffe  (680  Dampfer)  von  597,296  Ton.,
davon  66  deutsche  von  26,562  T.
Niort  (spr.  niohr),  Hauptstadt  des  franz.
Departements  Deur-Sèvres,  an  der  hier
schiffbaren  Sèvre  Niortaise  und  der  Orle'ansbahn;
  (1876)  20,336  Einw.  Gewcrbekammer,
  Handelsgericht;  Filiale  der
Bank  von  Frankreich.  Weiß-  und  Sämischgerberei, ­
  Fabrikation  von  Handschuhen,
Schuhmacherwaren.  Haupthandelsartikel: ­
  Leder  und  Lederwaren,  Felle  u.  Häute,
Wolle,  Wein,  Branntwein,  Getreide.  N.
ist  wichtiges  Entrepot  für  Faßholz.
Nishnij  Nowgorod,  Hauptstadt  des
gleichnamigen  russ.  Gouvernements,  am
Einfluß  derOkain  die  Wolga:  (1874)44,190
Einw  —Industrien  in  Maschinen,Leder, ­
  Branntwein,  Glas,  Porzellan,  Eisen,
        <pb n="354" />
        346

Mitschwang  —  Nizza.

Talg,Seife.  SeineBedentung  gewinntN.
aber  durch  den  Handel.  Eisenbahnverbindung ­
  besteht  mit  Moskau  und  Kasan,  Wasserverbinduug
  durch  die  Wolga  und  deren
Nebenflüsse  nnb  Kaualsysteme  mit  dem
Schwarzen,  Baltischen  u.  Kaspischen  Meer.
Die  Stadt  hat  gegen  250  Warenlager  (Ambaren) ­
  und  6500  Buden  für  den  Meßhandel ­
  ,  an  den  Flüssen  7  Landungsplätze
mit  einer  Gesamtlänge  von  mehr  als  15
km.  Diese  und  andre  Einrichtungen  sind
für  die  große  Messe  getroffen,  welche  27.
Juli  beginnt  und  6  Wochen  dauert;  sie
muß  6.  Sept,  geschlossen  werden.  Doch  beginnt ­
  die  Hauptthätigkeit  erst  22.  Aug.  ;
der  Abschluß  der  Geschäfte,  namentlich  der
Weinverkauf,  zieht  sich  oft  bis  Ende  September ­
  hin.  Die  Zahl  der  Meßbesucher,
welche  während  deö  Höhepunkts  der  Messe
auf  dem  Platz  sind,  schätzt  man  auf  200,000,
die  Zahl  derjenigen,  welche  überhaupt  die
Messe  besuchen,  auf  1  Mill.  Der  Umsatz
auf  der  Messe  ist  im  steten  Steigen  begriffen ­
  gewesen.  In  den  letzten  Jahren
betrug  (in  Millionen  Mark):
Zufuhr  Verkauft  Unverkauft
1878  :  453,1  410,1  43,0
1879:  577,a  521,s  56,o
1880:  641,4  541,8  99,o
Bou  ausländischen  europäischen  und  Kolonialwaren ­
  befanden  sich  am  Markt  für
10,5  Mill.,  Droguen  für  16,3  Mill.,  chinesische ­
  Waren  für  33,3Mill.,  bucharische  u.
chiwasche  für  16  Mill.,  persische  für  11,7
Mill,  und  transkaukasische  für  4,8  Mill.
Mk.  Von  Getreide  aller  Art  wurden  bedeutende ­
  Mengen  angebracht,  aber  sehr
wenig  verkauft.  Thee  kommt  sowohl  über
Kiachta  als  über  Odessa.  Den  Geschäftsgang ­
  in  den  einzelnen  Zweigen  zeigen
folgende  für  1880  geltende  Zahlen.  Es
bezifferte  sich  (in  Millionen  Mark):
Zufuhr  Absah
Baumwollwaren  .  .  .  109,a  81,o
Wollwaren  68,  i  46,7
Seidenwareii  28,o  20,4
Lederwaren  22,o  20,7
Krystall-  u.  Glaswaren.  23,»  22,4
Nauchwerk  31,  i  27,4
Kupfer,  Eisen,  Stahl  .  48,4  44,a
Von  Thee  wurden  60,000  Kisten  via
Kiachta,  ebensoviel  Kantonthee  über

Odessa  und  beträchtliche  Posten  von  London
  angebracht,  ferner  21,000  Kisten  Rie
gelthee.  Andre  wichtige  Handelsartikel
sind  :  türkischrote  Zitze  und  Garne,  Konfekt,
Schokolade,  Zucker,  Wolle  und  Kamelhaar. ­
  Von  Baumwolle  wurden  65,000
Ballen  angebracht  und  43,000  verkauft,
von  Seide  aus  Bochara  und  Khokand  480
Ballen  angebracht,  250  verkauft.  Andre
Handelsobjekte  sind:  Salz,  Wein,  Waldprodukte, ­
  Obst,  Galanteriewaren,  Petroleum ­
  (von  Baku),  Häute  u.  a.  Die  Geschäfte ­
  werden  vollständig  auf  Kredit  gemacht; ­
  die  dafür  gegebenen  Wechsel  sind
gewöhnlich  in  6,  12,  18,  bisweilen  in
24  Monaten  zahlbar  und  zwar  entweder
im  nächsten  Dezember  in  Moskau,  oder
in  der  nächsten  Messe  von  Jrbit,  wo  die
Petersburger  Rcichskommcrzbank  während ­
  der  Messe  eine  Agentur  ihres  Jeterinburger
  Kontors  unterhält,  oder  in
der  zweitnächsten  Messe  von  Jrbit,  oder
in  der  folgenden  oder  der  zweitnächsten
Woche  von  N.  Die  Petersburger  Rcichskommerzbank
  wie  die  Moskauer  Privatbanken ­
  und  das  in  Petersburg  und  Moskau ­
  etablierte  Nishmjgorodsche  Transportbü
  rcau  unterhalten  hier  während  der  Meßzeit ­
  Kontore  behufs  Wechseldiskontierung.
Niutfchwang,  chines.  Traktatshafen  in
der  Provinz  Schinking,  60,000  Einw.(84
Fremde  und  7  Firmen,  keine  deutsche).
Deutsches  Vicekonsulat;  Seezollamt.  Wert
des  auswärtigen  Handels  1879:  Einfuhr
2,6  Mill.  Mk.,  Ausfuhr  0,8  Mill.  Mk.
Schiffsverkehr  1879  :  709  Schisse  (178
Dampfer)  von  319,762  Ton.,  davon  292
deutsche  von  106,642  T.
Nizza  (franz.  Nice),  Hauptstadt  deö
franz.  Departements  der  Seealpen,  am
Mittelländischen  Meer  und  der  Eisenbahnlinie ­
  Marseille-Genua;  Station  dei  Dampferlinien: ­
  Comp.  Fraissinet  (Genua)
und  Società  Florio  (Palermo);  (i87o)
53,397  Einw.,  mit  der  Fremdenkolonie
im  Winter  70,000  Einw.  Deutsches  Konsulat ­
  (Amtsbezirk  :  dieDepartementsVar,
Hautes-Alpes,  Basses-AlpeS,  Alpes  maritimes); ­
  Handelskammer,  Handelsgericht;
Sukkursale  der  Bank  von  Frankreich
(Umsatz  1878:  29,s  Mill.  Mk.),  Caisse
de  Credit  (Umsatz:  820  Mill.  Mk.),  Ere-
        <pb n="355" />
        347

Njassñ  —  Norwegen
dit  Lyonnais.  —  Wichtiges  Entrepot  für
Olivenöl;  1879:  Umsatz  11,s  Mill.  Mk.,
Export  nach  Deutschland  151,000  kg.  —
Bedeutende  Fabrikation  von  Essenzen
(Ausfuhr  1879:  487  kg),  daher  starker
Blnmenbau.  —  Einfuhr  von  Getreide,
Vieh,  Butter,  Wein  (11  Mill.  Lit.),  Weizen ­
  (20  Mill,  kg),  Holz  für  Fässer  und
Steinkohle  (15  Mill.  kg).  1878  wertete
die  Einfuhr  12,8  Mill.,  die  Ausfuhr  12
Mill.  Mk.  -  1879  liefen  1406  Schiffe
bon  188,659  Ton.  ein,  1306  Schiffe  von
130,750  T.  aus.  Zum  Hafen  gehören  99
Fahrzeuge.  —  Platzgebräuche.  Die
Preise  der  Ausfuhrwaren  verstehen  sich
»frei  in  See«,  bei  Mandeln  für  brutto
50  kg,  bei  Öl  für  netto  50  kg.
Njassa(Njandscha),  Süßwassersee  in
Südostafrika,  umfaßt  bei  einer  größten
Breite  von96  km  und  einer  Länge  von  ca.
580  km  ein  Areal  von  42,000  qkm  (763
OM.).  Sein  Abfluß  ist  aus  einer  südöstlichen ­
  Bucht  dcrkataraktcnreichcSchire,  ein
Nebenfluß  deö  Sambesi.  Seit  1875  verkehrt
auf  ihm  ein  englischcr(Missions-)Dampfer.
Nordhausen,  Kreisstadt  int  preuh.  Regierungsbezirk ­
  Erfurt  (Provinz  Sachsen),
an  der  Halle-N.-Kasseler  Eisenbahn,  von
welcher  hier  Linien  nach  Erfurt  und
Northeim  abgehen;  (isso)  25,900  Einw.
Handelskammer;  Produktenbörse;  Hauptsteueramt.
  —  Berühmt  sind  die  B  rauntw
  e  in  b  r  e  n  n  e  r  e  i  c  n  (69  entrichteten  1879
an  Stenern  153,992  Mk.),  bedeutend  ebenfalls ­
  die  Brauerei  (17  Brauereien  produzierten ­
  69,695  hl  Bier),  die  Tabak-,
namentlich  Kantabakfabrikation,  welche
irr  12  Etablissements  1052  Arbeiter,  und
die  Tapetcnfabrikation,  welche  200  Arbeiter ­
  beschäftigt.—Verkehr.  Mit  der  Halle-Kasseler
  mid  N.-Northeimer  Linie  wurden
1879:152,642  Ton.  Güter  cnlpfangen  und
69,975  T.  versandt,  auf  der  N.-Erfurter
Bahn  eillpfailgen  8323,  versandt  14,106
T.  ohne  den  Transitverkehr.  Die  Post  beförderte ­
  :2,721,780Bricfpostsk,ldungcn,  59
Mill.  Mk.  in  Briefen  und  Paketen  mit
Wertangabe,  15,3  Mill.  Mk.  in  Postanweisullgen.—Kreditwesen.
  Die  Rcichsbanknebenstelle
  hatte  1880  einen  Gesamtumsatz ­
  von  108,6  Mill.  Mk.,  davor:  Wechselverkehr ­
  40,5  Mill.,  Giroverkehr  63,6

(Areal,  Bevölkerung).
Mill.  Mk.  Getreide  verkauft  man  für  50
kg,  Rüb-  und  Leinkuchen  für  das  Schock.
Norfolk,  Seestadt  im  nordamerikan.
Staat  Virginia,  an  der  Mündling  des
Elisabcthslusses  in  den  Jamcöfluß,  11  km
oberhalb  der  Hampton  Road  der  Chesapeakbai
  gelegen,  vermittelst  eines  durch  den
Dismal  Swamp  führenden  Kanals  mit
dem  Albemarlesnnd  und  mehreren  Eisenbahnen ­
  verbnndcn;  (wo)  19,229  Einw.
Ressort  des  deutschen  Konsuls  in  Richmond. ­
  Die  Ausfuhr  (Baumlvolle,  Gemüse, ­
  Obst,  wilde  Enten,  Geflügel,  Austern ­
  n.  a.)  wertete  1876:  28  Mill.  Mk.,
die  Einfuhr  nur  85,600  Mk.
Norrköping  (spr.  Iiörrdschöping),  Fabrikstadt ­
  in  Schweden,  Ostgotland,  unweit  des
Meerbusens  Braviteli  am  Motalastrom,
dem  Abfluß  des  Wctterseeö;  Station  der
Schwedischen  Dampfschisfgesellschaft  zu
Lübeck;  (wo)  27,387  Einw.  Deutsches
Konsulat  (Amtsbezirk:  Provinz  Ostgotland); ­
  Akt.  Bol.  Norrköpings  Folkbank,
Dürrfö)).  (Suff.  @r.,  ©hub.  ßrcb.  m.  W.
A.  K.  —  Große  Schiffswerften  mit  mechanischen ­
  Werkstätten  (hier  siild  die  schwedischen ­
  Monitoren,  die  neuen  Dampfkanoncnbootc
  und  eine  Menge  andrer  Dampfschiffe ­
  gebaut  worden);  Baumwollspinnereien ­
  und-Webereien,  Zucker-,  Tabak-und
Papierfabrikeil  re.  -  N.  besitzt28  Fahrzeuge
(9  Dampfer)  für  inländische  Fahrt.  1878
liefen  ein:  275  Schiffe  von  52,914  Ton.
(34  Schiffe  von  4026  T.),  aus:  248  Schiffe
von  47,814  T.  Die  Einnahme  der  Zollstation
  betrug  1877:1,082,202  Mk.  Eingeführt ­
  werden:  Baumwolle,Kaffee,Zucker,
dann  Reis,  Tabak,  Wolle,  Wein  re.;  Ausfuhr ­
  :  Hafer,Planken,Zündhölzer,  dannEisen,
  Stahl,  Kupfer,  Bier,  Baumwollgewebe.
Norwegen  (Norge),  Königrelch,  mit
Schweden  (s.  d.)  unter  Einem  König
vereinigt,  hat  ein  Areal  von  318,195  qkm
(5778  OM.)  mit  (W5)  1,806,900  (Hmr.,
für  Ende  1878  auf  1,891,000  berechnet.
Es  hat  somit  die  geringe  Volksdichtigkeit
von  nur  316  auf  I  QMeilc.  Die  Auswanderung ­
  ist  eine  außerordentlich
große  und  zunehmende;  es  wanderten  aus
1836—45  :  6200  |  1856—65:  33350
1846-55:  32270  |  1866-75:  125000
1876  :  4355,  1877  :  3229,  1878:  4818
        <pb n="356" />
        Norwegen  (Urproduktion:  Ackerbau).

348

und  1880  über  Christiania  nach  Amerika
'14,056  Personen.  Das  Hauptziel  derselben
waren  die  Staaten  Wisconsin  und  Minnesota ­
  sowie  Kanada  in  Nordamerika.  Der
Nationalität  nach  gab  es  1875  außer
eigentlichen  Norwegern:  7594  Qnänen
(Finnländer),  14,645  ansässige  und  1073
nomadisierende  Lappen  u.  37,350Fremde,
darunter  2205  Dänen,  1471  Deutsche,
517  Engländer,  242  Russen,  235  Nordamerikaner, ­
  101  Schweizer  u.a.  Der  R  cligion
  nach  zählte  man  unter  einer  Gesamtbevölkerung ­
  von  1,806,900  Seelen
1875:  1,799,662  Lutheraner,  nur  502
Römisch-Katholische,  61.  Griechisch-Katholische ­
  ,  34  Israeliten  re.
I.  Urproduktion.
Man  kann  drei  Regionen  unterscheiden:
eine  ackerbauende  inr  SO.,  welche  auch
Holz  exportiert;  die  Fjelde  (öde  Bergflächen),
  welche  allein  der  Viehzucht  dienen, ­
  und  die  West-  und  Nordlüste  mit
ihrer  Fischereibevölkerung.
Der  Ackerbau  steht  noch  ans  niedriger ­
  Stufe,  und  der  Ertrag  genügt  nur  in
einigen  der  südlichsten  Ämter  sowie  in  den
Ämtern  Nord  -  und  Süddrontheim  dem
Bedarf;  es  ist  daher  eine  bedenteilde  Einsllhr,
  besonders  von  Dänemark,  Schweden, ­
  Rußland,  Preußen  und  Hambilrg,
notwendig.  Im  Durchschnitt  der  Jahre
1840—70  konnte  sich  N.  nur  ju  56  Proz.
mit  einheimischen  Brotfrüchten  versorgen.
1878  betrug  die  Einfuhr  von  Brotfrüchten ­
  (in  Millionen  Mark):
Überhaupt  Aus  Dculschlaud

Weizen.  .  .  0,7«  0,31
Roggen  .  .  22,19  8,40
Gerste  ...  7,37  2,45
Weizenmehl.  3,18  0,46
Roggen  mehl.  1,83  0,27
Andre  .  .  .  2,9»  Los

Zusammen:  37,55  13,oo

Dabei  wurden  nur  54,000  hl  Hafer  ausgeführt. ­
  Für  Getreide  und  Mehl  hatte
91.1878:  36,o  9%iK.  %.  gu  glieli,  im
bent  bie@iiifuķ  37,532,000%,  bic%uSfuhr
  nur  651,000  Mk.  betrug.  Der  Kartoffelbau ­
  ist  im  S.  ansehnlich  und  hat
in  den  letzten  Jahren  gure  Erträge,  durch-!^flìi.0ich
  7,2»  Mill,  hl,  geliefert;  die  in
Thätigkeit  befindlichen  25  Br  e  n  n  er  ei  en

prodllzierten  1877:  68,880  hl  50gradigen
Sprit,  von  dem  bedeutende  Erportmcngen
nach  Hamburg  gingen.  N.  bedarf  immer
noch  einer  Einfuhr  von  Kartoffeln.  Auch
die  Brauereien  erhöhen  den  Import
von  Getreide;  sie  nehmen  an  Zahl  beständig ­
  zu  undbetreiben  cinblühendeS  Exportgeschäft ­
  bis  nach  Südamerika  und  Australien.
  Obst-  und  Gartenbau  sind  unerheblich, ­
  und  der  Ertrag  bleibt  weit  hinter
dein  Gewinn  an  wilden  Beeren  zurück,
welche  man  selbst  im  höchsten  Norden  im
heißen  Sommer  sammelt.  Die  gesamte
Einfuhr  von  Nahrungs-  und  Gennßmitteln
  wertete  1878  (in  Millionen  Mark):
Aus
Überhaupt  Deutschland
Früchte,Gemüse,Kartoffeln  2,oo  1,20
Reis  0,59  0,45
Kaffee  9,70  5,31
Thee  0,10  0,0«
Zucker  und  Sirup  .  .  5,77  0,55
Andre  Kolonialwaren  .  0,07  0,27
Branntwein  und  Sprit  .  1,07  0,5o
Weine  I.01  0,91
Andre  Getränke  .  .  .  0,17  0,11
Tabak.  ._.  .  .  .  .  3,57  3,3»
Zusammen:  26,«7  12,«o
Der  Ausfuhrwert  betrug  2,696,176  Mk.,
wovon  auf  Getränke  1,605,632  (midi
Deutschland  1,423,520)  Mk.  entfallen;
das  übrige  verteilt  sich  ans  Kornwaren
(0,63  Mill.  Mk.),  Kaffeestlrrogate,  Feldkümmel, ­
  Beeren  re.,  Tabak.  Von  letzternr
wurden  1879  eingeführt  40,000  Ctr.
Blätter  im  Wert  von  2,6  Milt.  Mk.  Voit
deneingeführtenFabrikaten(672,000Mk.)
entfallen  auf  Cigarren  allein  659.680  Mk.
Die  Viehzucht  bildet  in  den  Gegenden,
welche  dem  Pflllg  unzugänglich  sind,  eine
Nahrungsquelle  für  sich  und  wird  fast  ans
schweizerisä)e  Weise  betrieben,  indem  man
die  Kühe  Mitte  Jllili  auf  die  Bergweiden
treibt,  wo  sie  sich  nach  der  knappen  Winterszeit ­
  erholen;  eö  werden  dann  auch  Butter
und  Käse  für  den  Export  bereitet.  Nack)
der  Viehzählung  von  1875  gab  eö  151,903
Pferde,  1,016,'595  Rinder.  1,686,806
GcMe,323,3643icüen,101,768G^^wcme.
Die  Zahl  der  gezähmten  Renntiere  wird
1865  auf  101,768  Stück  angegeben.  Der
Wert  diescrTiere  ist  kein  sehr  hoher;  in  der
        <pb n="357" />
        Norwegen  (Viehzucht,  Fischfang).

349

offiziellen  Landwirtschaftsstatistik  nimmt
inan  den  Wert  von  4  Renntieren  gleich
I  Rind  und  von  8  gleich  1  Pferd  an.  Der
Viehstand  Norwegens  ist  ein  relativ  bedeutender; ­
  1875  kamen  auf  1000  Bewohner ­
  562  Rinder,  933  Schafe,  56  Schweine.
Die  Rinder  sind  aber  klein,  daher  und  auch
infolge  der  schlechten  Ernährungsverhältnisse ­
  ist  die  Einfuhr  von  Vieh  ziemlich
stark.  Der  Viehhandel  1877  zeigte  in:
Einfuhr  Ausfuhr
Rinder  7054  110
Schafe  und  Ziege».  2091  8
Schweine  ....  13600  —
1878  betrug  der  Wert  der  Einfuhr  von  lebenden ­
  Tieren  983,920  Mk.,  der  Ausfuhr
57,680Mk.;  davon  entfielen  auf  Hamburg
bei  der  Einfuhr  3024,  bei  der  Ausfuhr  5264
Mk.  Zu  dieser  Mehreinfuhr  au  lebendem
Vieh  kommt  noch  eine  solche  von  Fleisch,
Speck  u.  a.,  die  sich  1877  auf  7,004,000
Mk.  bezifferte,  während  die  Ausfuhr  nur
225,000  Mk.  wertete.  1878  betrug  der
Wert  der  Einfuhr  (in  Millionen  Mark):
Überhaupt  Aus  Deutschland
Fleisch  und  Speck  .  5,2  0,4»
Butter  4,8  l,so
Andre  Eßwaren  von
Tieren  ....  1,5  0,23
Zusammen:  11,5  1,98
Dabei  wurden  1878  nur  für  1,6  Mill.  Mk.
tierische  Eßwaren  exportiert.  Au  der  Gesamteinfuhr, ­
  welche  1878  ohne  Abzug  der
Ausfuhr  den  Wert  von  74,o  Mill.  Mk.
erreichte,  partizipierte  Deutschland  mit
27,78  gm.
Der  Fischfang  nimmt  unter  allen
Erwerbszweigen  der  norwegischen  Bevölkerung ­
  die  erste  Stelle  ein,  nicht  nur,
weil  die  Bewohner  der  Nord  -  und  Westküste ­
  sich  ausschließlich  mit  ihm  beschäftigen ­
  und  seine  Erträge  für  die  Ernährung
der  gesamten  Bevölkerung  von  der  höchsten
Bedeutung  sind,  sondern  auch,  tveil  derselbe
die  bedeutendste  Quelle  des  Nationaleinkommens ­
  bildet.  Die  Dorsch-  (Kabeljau-)
Fischerei  wird  an  den  Lofoten  von  Ende
Januar  bis  Anfang  April  betrieben;  der
Fischwird  entweder  durch  Dörren  in  freier
Luft  zu  Stockfisch  (Törsisk)  oder  durch
Salzen  (wozu  man  graues  Seesalz  aus

Frankreich,  Spanien  und  Portugal  verwendet) ­
  zu  Klippfisch  bereitet.  Die  Leber
liefert  Thran  (1879  für  1,462  Mill.  Mk.),
Kopf  nndEingeweide  den  Fischgnano  (1879
für  1,913  Mill.  Mk.).  Der  Heringsfang
dauert  das  ganze  Jahr;  man  unterscheidet
Frühjahrs-,Fett-(Sommer-)  und  Großheringsfang. ­
  Der  letzte  dauert  von  November
bis  Anfang  Januar.  Andre  Fische  sind:
Makrelen,  Lachs,  ferner  Hummer.  Im
Durchschnitt  von  1876—78  waren  die
Mengen  der  gefangenen  Fische  folgende:
Dorsch  49,2  Mill.  Stück
Fetthcring  .  .  .  .  486000  Hcktol.
Kleinere  Sorten.  .  107000
Frühjahrshering.  .  146000
Mischungshering.  .  22000
Großhering  .  .  .  232000
Makrele  6,3  Mill.  Stück
Lachs  388000  Kilogr.
Hummer  .  .  .  .  1073000  Stück
Leber  146000  Hektol.
Rogen  52000
Fischköpfe  ....  21,2  Mill.  Stück
1879  stieg  der  Dorschfang  auf  61,450,000
Stück.  Im  Durchschnitt  von  1869—78
betrug  der  Wert  der  Gesamtausfnhr  von
Fischen  und  Fischereiprodukten  47,i  Mill.
Mk.,  darunter:
Dorsche  und  Produkte  davon.  27,7
Heringe  17,4
Andre  Fische  2,o
Im  Jahr  1878,  dessen  Ertrag  sehr  bedeutend ­
  gegen  das  Vorjahr  zurückblieb,
gelangten  folgende  Fischmaren  zur  Ausfuhr ­
  (Wert  in  Millionen  Mark)  :
Frische  Fische  .  0,98  Andre  Fische  .  l,u
Stockfisch  .  .  5,49  Fischrogen  .  .  1,79
Klippfisch  .  .  16,14  Fischguano.  .  l,ia
Hering  .  .  .11,21  Thran  .  .  .  6,iß
Hummer  -  -  0,48  Zusammen:  44,¿7
Von  dieser  Ausfuhr  nimmt  Deutschland
alö  stärkster  Konsument  23,3  Proz.  und
zwar  davon  dem  Wert  nach  59  Proz.  Heringe, ­
  29,2  Proz.  Thran;  Spanien  bezieht
19  Proz.  und  zwar  fast  ausschließlich
Klippfische,  demnächst  kommen  Schweden
und  Rußland  mit  19.  resp.  13,2  Proz.
und  in  absteigender  Folge  Italien,  Österreich, ­
  Niederlande,  England,  Frankreich.
Dänemark,  Wcstindicn,  Portugal,  Belgien, ­
  Brasilien  und  die  La  Plata-Staaten
Unter  den  norwegischen  Häfen  steht  Ber-
        <pb n="358" />
        350

Moüucßm  (##mibcî,  SBc^w).

gen,  auf  welches  40,s  Proz.  der  Ausfuhr
entfallen,  obenan;  es  folgen  Christiansund
mit  19,5,  Aalesund  8,3,  Stavanger  4,5,
Hammerfest  mit  4  Proz.  rc.  Aus  den  Distrikten ­
  Tromsö  und  Finnmarken  wird
jährlich  eine  Anzahl  kleiner  Fahrzeuge  für
die  Sommer-  imb  Hcrbstzcit  zuin  Fang
von  Robben,  Walrosseil  rc.  in  die  Gewässer ­
  von  Spitzbergen  und  Nowaja
Semlja  abgesandt.  1878  war  die  Zahl
der  dort  jagenden  Fahrzeuge  67  mit  402
Mann;  der  Fangwert  betrug  179,200  Mk.
Die  in  jenen  Gegenden  im  Sommer  unb
Herbst  betriebenen  Dorschfischcrcien  ergaben ­
  1878  einen  Gewinn  boíl  100,000  Mk.
Der  Fang  des  Eishais  (Hakjerring)  ergab ­
  aber  nur  53,700  Mk.  Viel  bedeutender ­
  ist  der  bei  Jan  Mayen  betriebene  Seehundsfang, ­
  der  1878:  65,500  Seehunde
im  Wert  von  967,680  Mk.  ergab,  sowie
der  Finnwalfang  am  Warangerfjord,  in
welchem  1878:  130  Wale  im  Wert  voir
295,230  Mk.  getütet  wurden.  Die  gefaulte ­
  Polarfischerei  ergab  somit  1878
eineil  Wert  von  rund'  1,6  Mill.  Mk.
Nach  der  Volkszählung  von  1875  war
die  Zahl  der  Hauptpersonen,  welche
vom  Fischfang  ausschließlich  oder  hauptsächlich ­
  leben,  36,540,  solcher,  welche  die
Fischerei  als  Nebengewerbe  betreiben,
28,781,  was  mit  Hinzurechnung  ihrer  Familien
  10  Proz.  der  Bevölkerung  ergibt.
Der  Holzhandel  steht  dem  vorigen
nahezu  ebenbürtig  zur  Seite.  Aus  der
Härte  der  Gesteine,  auf  denen  der  Wald
allein  eiileRente  abwerfen  kann,  resultieren
das  langsame  Wachstum,  die  schlanke  Höhe
des  Nadelholzes,  die  engen  Jahresringe,
endlich  aber  auch  der  hohe  Wert  des  norwegischeil ­
  Holzgewerks.  Anfang  der  Mer-Jahre
  dieses  Jahrhunderts  wurden  durchschilittlich
  669,000  cbm  Holz  exportiert,
Anfang  der  40er  Jahre  schon  1,043,000
cbm,  im  Durchschnitt
1865—69  :  2131360  Kubikm.
1870—74:  2347490
im  Wert  voll  48,6  Mill.  Mk.  jährlich.
Diesen  Wert  hat  die  Ausfuhr  nicht  wieder
erreicht,  obschon  die  Mengen  stiegen.  Ein
milder  Winter  setzt  Rußland,  Finnland
und  Schweden  in  den  Stand,  ihre  Holzvorräte ­
  auszuführen,  und  der  besonders

in  Londoil  überfüllte  Markt  drückt  dann
die  Preise.  1879  ging  der  Export,  welchcr
sich  1877  auf  833,400  Ton.  belief,  auf
706,950  T.  herunter.  Es  wurden  von
rohem  Holz  1878  eingeführt  für  2,3,  ausgeführt ­
  für  34,7  Mill.  Mk.  Aus  Deutschland ­
  kaiil  für  203,840  Mk.,  es  ging  dorthin ­
  für  2,8  Mill.  Mk.  Eine  damit  verknüpfte ­
  Industrie,  die  Holzschlei  sere  i,
hat  sich  aber  bedeutend  gehoben.  Es  sind
jetzt  21  Hvlzschleifereien  thätig,  welche  ca.
400,000  Ctr.  Masse  bereiten;  1878  wurden ­
  300,000  Ctr.  im  Wert  von  1,6  Mill.
Mk.  ausgeführt,  während  an  andern  Holzarbeiten ­
  für  765,000  Mk.  (die  Hälfte  von
Hamburg)  eingeführt  wurde.  Die  übrigeil
Holzveredelungöwerke:  Sägemühlen,  Hobelwcrke
  rc.,  stehen  auf  sehr  hoher  Stufe
der  Entwickelung,  sind  aber  in  jüngster
Zeit  durch  starke  Konkurrenz  sehr  gedrückt
worden.  Übrigens  wird  der  Hvlzbestand
durchaus  nicht  geschützt,  auch  keineswegs
erneuert;  nur  der  Staat  betreibt  geregelte
Forstwirtschaft.  Das  mit  Wald  bestandene
Areal  berechnet  O.  I.  Broch  auf  64,000
qkm  (1162  C#.),  b.  1).  20,a  Şroi.  bou
der  Gesamtfläche.  In  Christiania  und
Hamar  nimmt  der  Wald  35,  in  Bergen
nur  5,2  Proz.  ein.  Von  der  Holzausfuhr
geht  mehr  als  die  Hälfte  (55,3  Proz.)  nach
Großbritannien,  nächstdem  folgen  Frankreich ­
  (13,oProz.)und  Holland  (il,3Proz.&amp;gt;
Der  Bergbau  war  in  N.  niemals  von
größerer  Bedeutung,  hat  aber  in  den  letzten ­
  Jahren  noch  an  Umfang  verloren.
Die  Nickclwerke  mußten  der  Konkurrenz
neukaledonischer  Erze  weichen;  1876  wurden ­
  noch  120,000  Ctr.,  1877  nur  12,100
Ctr.  ausgeführt.  Von  ben  Kupfcrwerkcn
ist  Röraas  das  wichtigste,  doch  hat  seine
Produktion  sehr  abgenommen;  das  Gleiche
ist  von  den  Eisengrllben  zu  sagen,  von  denen ­
  sich  die  bedeutendste  bei  Soggcndal
befindet.  Ein  großer  Teil  der  früher  sehrzahlreichen
  Eisenwerke  hat  seine  Produktion ­
  eingestellt,  llnd  die  Erze  werden  direkt
ausgeführt.  Silber  wird  in  ben  Gruben
zu  Kongsberg  und  V  in  or  e  n  s  gewonnen. ­
  Ferner  ist  von  Wichtigkeit  die  Gewinnung ­
  von  Kobalt  und  Schwefelkies.
Dagegen  fehlt  es  an  Kohle,  doch  sind  Untersuchungen ­
  der  Steinkohlenlager  auf
        <pb n="359" />
        WÄSMWSÄ

m  *]

351

Norlvegcil  (Eishandel,  Andnstrie).

der  nördlich  gelegenen  Insel  Andö  begonnen. ­
  Steinkohle  wird  fast  ausschließlich
aus  England  eingeführt.  Auch  bei  Roh-Nlctalleil
  überwiegt  die  Einfuhr  die  Ausfuhr
  sehr  erheblich.  ES  betrug  1878  (m
Millionen  Mark)  :

Einfuhr
Steinkohle  ...  6,4
Andre  Mineralien  1,8
Rohmctalle.  .  .  4,2

Zusammen:  11,a

Ausfuhr
Mineralien  .  .
Schwefelkies  .  .
Andre  Erze  .  .
Kupfer  ....
Andre  Nohmetalle

0,49
0,59
0,84
1,61
0,34

Zusammen:  3,27
All  diesem  Handel  beteiligt  sich  Deutschland, ­
  speciell  Hambllrg,  in  lebhafter  Weise.
Selbstverständlich  ist  auch  daö  Bedürfnis
von  Salz  ein  sehr  starkes  ;  es  wurde  1878
für  über  1,65  Mill.  Mk.  importiert,  doch
nur  eine  geringe  Menge  aus  Deutschland.
Der  E  ì  S  h  a  n  d  e  l  ist  etwa  30  Jahre  ait.
Gletschereis  wird  von  den  südwestlichen
Küsten  nach  Euglaild,  Frankreich  und
Spanien  exportiert  und  zwar  im  Durchschnitt ­
  derJahre  1851—55  mir  8387  ¿on.,
ober  1871-75:125,971  'I.  1878  ivamt
die  Verhältnisse  sehr  ungünstig,  dennoch
belief  sich  der  Wert  des  exportierten  Eises
auf  1,2  Mill.  Mk.,  lvovon  77,168  Mk.  auf
Deutschland  entfallen.
II.  Industrie  und  Handel.
Industrie.  Von  den  industriellen
Etablissements  sind  namentlich  zu  erwähnen: ­
  die  (1870)  770  Sägemühlen  mit
10,432  Arbeitern,  in  der  Eisenindustrie
in  neuester  Zeit  die  Fabrikation  von  Fischangeln ­
  und  Hufeisen,  die  schon  erwähnten
Brennereien  und  Brauereien,  Glashütten
(1879:  5  in  Betrieb),  Baumwoll-und
Wollspinnerei  und  -Weberei,  die  auch
nach  Dänemark  und  Schlvcdcn  exportiert.
Schiffbau  (1875:  200  Werften  mit  6000
Arbeitern)  wird  besonders  alls  der  Strecke
von  Tonsberg  biö  Christiailia  betrieben.  ¡
Er  beschäftigt  sich  mit  der  Herstellung  klei-,
nerer  Fahrzeuge;  1.  Juli  1880  wurden
gebaut  80  Segelschiffe  von  34,000  Ton.
Mw  4  Dampfer  von  570  T.  Ausgeführt
wurden  9  Segelschiffe  von  1520  T.  und
59  Boote.  Hiilsichtlich  der  Metallfabrikatc
ist  N.  ganz  vom  Ausland  abhängig;  1879
wertete  der  Jiilport  5,94  Mill.  Mk.,  davon
deutsch  5,26  Mill.  Mk.,  von  Maschinen

1,5  Mill.  Mk.  Zündhölzer  werdell  in  18
Fabriken  hergestellt,  lvelchc  sehr  bedeutend
für  den  Export  arbeiten  (1879:  25,747
Ctr.  gegen  einen  Jiilport  voll  1000  Ctr.).
Auch  die  Brauereien  führen  ihre  Produkte
aus,  1878:  2,8  und  1879:  1,6  Mill.  Lit.,
davon  nach  Hamburg2,3,  resp.  1,3  Mill.  L.
Die  Brennerei  liefert  jährlich  6—7  Mill.  L.
zum  Verbrauch,  dazu  werden  noch  3—4
Mill.  L.  eingeführt.  Die  4besteheilde&amp;gt;l  Papierfabriken ­
  (Holzmasse)  arbeiten  hauptsächlich ­
  für  deil  Export  (1879:  62,000
Zollcentner  im  Wert  von  1,4  Mill.  Mk.
gegenüber  einer  Einfuhr  von  1  Mill.  Mk.).
Die  Produktion  deckt  aber  in  keinem  Zweig
(die  Holzindustrie  ausgenommen)  den  Bedarf, ­
  und  bedcutendeJmporte  müssen  stattfinden. ­
  Die  ansehnliche  und  wachsende
Einfuhr  von  Spinnstoffen  spricht  indes
für  den  Aufschwung  der  Spinnereien;  so
wurden  1878  eingeführt  für  zusammen
5,86  Mill.  Mk.,  nämlich:  Wolle  für  0,86
Mill.,  Baumwolle  für  2,46  Mill.,  Flachs
und  Hanf  (ca.  ein  Fünftel  aus  Deutschland) ­
  für2,54Mill.  Mk.  Die  Einfuhr  von
Produkten  der  Textiliildustrie  stieg  aber
1879  auf  21,4  (deutsch  7,3)  Milh  Mk.,
davon  Fabrikate  ans  Spinirstoffen  17,7
(deutsch  6,7)  Mill.  Mk.  Wie  bedeutend
die  Einfuhr  von  Mannfaktcn,  Fabrikaten ­
  rc.  ist,  geht  ans  nachstehender  Aufstellung ­
  hervor,  welche  zugleich  die  Beteiligung ­
  Deutschlands  liachweist.  Es  betrug
die  Einfuhr  1878  (in  Millionen  Mark):
Jndustrieproduktc
Garn
Gespinste  rc.
Metallfabrikate.
Mineralfabrikate
Schiffe
Maschinen  .  .  .
Wagen,  Instrumente, ­
  Uhren  rc..  .
Zusammen:

Aon  Deutsch
laud

Überhaupt

2,89

19,92

6,20

2,13

5,88

1,44

2,78

1,37

11,89

Dieser  Einfuhr,  welche  minderwertige  ^Artikel ­
  nicht  berücksichtigt,  steht  eine  Ausfuhr
gegenüber,  welche  bei  Miileralfabrikaten
und  Garnen  800,000,  bei  Gespinsten  uub
Metallarbeiten  ca.  500,000,  bei  Mannfakten
  aber  1,7  Mill.  Mk.  erreichte.
        <pb n="360" />
        352

Norwegen  (Handel,  Verkehrswesen).

Handel.  Die  bedeutendsten  Handelsplätze ­
  Norwegens  sind:  in  erster  Cinte
Christiania  nndBergen,dannDrainmen,
  Laurvig,  Christiansand,  Mandai,
Farsund,  Stavanger  und  Christiansund,
Drontheim,  Tromsö,  Hannnerfest,Wadsö,
Frederiksstad  und  Sarpsborg.  Boit  deni
Gesamtumsatz  entfallen  ans  bie  elf  Häfen
des  Christianiafjords  allein  48  Proz.  nnb
auf  die  fünf  Haupthäfen  des  Landes:
Christiania  17,  Bergen  9,i,  Frederiksstad
7,i,  Drannnen  6,8  und  Arendal  5,8  Proz.
—  Der  auswärtige  Handel  betrug  (in
Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
1877:  212,5  122,2
1878:  157.»  102,6
1879:  147,8  99,7
an  welchen  Summen  die  einzelnen  Verkehrsländer
  wie  folgt  partizipierten:
Einfuhr  Ausfuhr
Großbritannien  .  .  .  41.8  28,5
Deutschland  ....  39,s  19,i
Schweden  12,9  10,o
Dänemark  15,5  5,6
Rußland  18,i  3,7
Frankreich  4,3  6,9
Niederlande  5,9  6,2
Nach  Spanien  betrug  die  Ausfuhr  10,7
Mill.  Mk.,  nach  außereuropäischen  Ländern ­
  1,3  Mill.  Mk.,  während  die  Einfuhr
von  letzter»  3,4  Mill.  Mk.  wertete.  Zu
den  schon  nachgewiesenen  Posten  fügen
wir  noch  einige  der  bedeutendern  Handelsartikel ­
  für  1878  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Getreide  und  Mehl  .  .  .  37,5»  0,65
Genußmittel  26,87  12,80
Tiere  und  tierische  Nahrungsmittel
  12,50  2,04
Fische  und  Fischereiprodukte  —  45,u
Holz,  rohes  2,»o  34,70
Mineralien  und  Rohmetalle  11,90  2,30
Eis  —  1,20
Spinnstoffe  5,80  —
Jndustrieprodukte....  40,20  11,00
Aus  nachstehender  Tabelle  ist  die  wirtschaftliche ­
  Stellung  zu  ersehen,  welche  die
einzelnen  Produkte  des  Landes  einnehmen.
Die  gewählte  Periode  ist  die  der  Jahre
1866—76,  weil  das  Material  für  dieselben ­
  vollständig  vorliegt;  doch  weichen
die  Jahre  1877  und  1878  wesentlich  davon ­

  nicht  ab.  Der  Export  der  Produkte
verteilte  sich  in  Prozenten  folgendermaßen:

Produkte

Landwirtschaft.
Holz  und  Holzprodukte
Seehunds-  und  Walfang. ­
  Jagd  .  .
Fischerei  ....
Bergwerksprodukte:
roh
Halb-  u.Ganzfabrikat
Textilindustrie.  .
Andre  I  nd  usi  rie  pro
dukte  ....
Andre  Ausfuhrartikel
Fremde  Waren

1866—70  1871—75  1876

2,7
42.4
0,9
45.5
2,7
2.4
0,8
1.5
11,0
1,1

3.0
42.3
1.0
39.4
3,6
3.0
2,5
2,2
15,9
2,4

3,3
39.2
0,8
43.2
2,8
3,2
2,7
2,7
15,5
2,1

Der  Abstand  der  Erträge  des  Waldbctricbs
  und  der  Fischerei  von  dem  Werte  der
übrigen  Exportartikel  ist  so  bedeutend,  daß
das  Sinken  eines  oder  des  andern  dieser
wichtigen  Faktoren  den  wirtschaftlichen
Ruin  des  Landes  nach  sich  ziehen  müßte.
Für  die  Fischerei  ist  aber  der  vorzüglich  in
katholischen  Ländern  erfolgende  Absatz  aller
Fluktuationen  ungeachtet'cin  gesicherter.
III.  Berkchrstvescii.
Flüsse  und  Kanäle.  Die  an  der
schwedischen  Grenze  belegene  Reihe  von
Landseen  ist  durch  das  Frcderikhaldsche
Wassersystem  vermittelst  verschiedener  Kanäle ­
  miteinander  verbunden  und  eine
90  km  lange  Wasserstraße  hergestellt  worden, ­
  die  auch  durch  den  Stora-Lee  mit  dem
Wenersee  zusammenhangt.  Der  größte
Fluß  Norwegens,  der  Glommen,  ist  nur
stellenweise  schiffbar,  seine  Kanalisierung
hat  man  aufgegeben  und  statt  dessen  eine
Eisenbahn  von  Christiania  bis  Kongsvinger
  gebaut.  Von  lctzterm  Ort  fährt
ein  kleiner  Dampfer  aufwärts,  aber  auf
dem  See  Öiren,  den  er  durchfließt,  besteht
eine  lebhafte  Dampfschiffahrt.  Sein  Nebenfluß, ­
  dcr  Wormen,  ist  von  Eidsvold
bis  an  den  Mjösen  schiffbar  gemacht  worden. ­
  Ebenso  werden  von  Dampfschiffen
befahren  die  Seen  Randsfjord  in  Christiania, ­
  Tyrifjord  in  Buskerud  u.  a.  m.
E  i  s  e  n  b  a  h  n  e  n.  Ende  1880  waren  im
Betrieb  1222  km.  —  Post.  Eine  regelmäßige ­
  Postdanipfschifsahrt  verbindet  alle
Küstenortc  vom  Christianiafjord  bis  zum
        <pb n="361" />
        353

Norwegen  (Finanzen,  Kreditwesen  re.).  -

Warangerfjord,  im  Winter  nur  bis  Hammerfest.
  Im  Innern  ist  das  Reitpferd
oder  der  zwciräderige  Postkarren,  für  welchen ­
  die'  Bauern  entlang  der  Poststraße
Vorspann  zu  liefern  haben,  das  gewöhnliche ­
  Beförderungsmittel.  1879  wurden
in  904  Postämtern  13,311,909  Briefe,  davon ­
  924,612  Wertbriefe  mit  205,072,000
Mk.,  und  9,862,495  Journale  befördert.
Die  Einnahmen  beliefen  sich  ausi,638.788,
die  Ausgaben  auf  1,807,718  Mk.  N.  gehört ­
  zum  Weltpostverein.—Die  Staatstelegraphen ­
  hatten  Endel879:127  Stationen, ­
  ¿610  km  Linien  und  15,756  km
Drahte,  auf  welchen  1879  befördert  wurden ­
  436,779  interne,  111,445  internationale ­
  Depeschen;  vom  Ausland  wurden
empfangen  128,206,  im  Transit  3465,
im  ganzen  also  679,895  Depeschen.  Die
Einnahmen  beliefen  sich  auf  918,699,  die
Ausgaben  auf  1,043,394  Mk.  Die  Eisenbahntelegraphen ­
  hatten  Ende  1879:  115
Telegraphenämter,  1104km  Linien,  2125
km  Drähte  und  beförderten  27,435  Depeschen. ­
  Durch  Kabel  ist  N.  von  Arendal
über  Sylt  mit  Deutschland  und  von  Egersund
  mit  Schottland  (Peterhead)  verbunden. ­
  Die  Länge  der  eignen  unterseeischen
Linien  ist  367  km  mit  408  km  Drähten.
Schiffswesen.  Die  bedeutende  Ausdehnung ­
  der  Fischereien  und  die  günstige
Konfiguration  des  Landes  haben  es  dahin
gebracht,  daß  N.,  ein  so  dünn  bevölkertes
Land,  hinsichtlich  desTonncngehalts  seiner
Schiffe  unter  allen  europäischen  Staaten
den  zweiten  Rang  einnimmt.  Ende  1877
war  der  Stand  der  Handelsmarine:
Dampfer  .  .  306  von  51674  Tonnen
Segelschiffe  .  7942  -  1475015  »  _
Schiff»:  8248  von  1526689  Tonnen
Man  sieht,  daß  die  norwegische  Flotte  aus
einer  großen  Zahl  kleiner  Schiffe  besteht
'lud  di'e  Zahl  der  Dampfer,  noch  niehr  der
Tonnengehalt  derselben,  ein  verhältnismäßig ­
  geringer  ist.  Der  Reingewinn  der
ÄcebeTci  möbjüM  auf  20  3m.  3Rf.
geschäht.  Gegenwärtig  und  schon  fett  längerer ­
  Zeit  wirft  aber  die  Reederei  keinen  oder
doch  nur  einen  sehr  geringen  Verdienst  ab.
—  Der  Schiffsverkehr  1878  war:
eingelaufen  11387  Schiffe  von  1998054  Ton.
ausgelaufen  12281  -  -  1919042  -
handelsgeographie.

Bedeutende  DampfschiffahrtSgescllschaftcn
sind  die  Bergenske  og  Nordenfjeldske
Dampskibselskab  zu  Bergen  und  die  Söndenfjeldske
  Dampskibselskab  zu  Christiania. ­
  Konsulate  unterhält  Deutschland
in:  Christiania  (Bernfskonsulat),Arendal,
Bergen,  Christiansand,  Drammen,  Drontheim,
  Hammerfest,  Stavanger,  Tromsö,
Wadsö;  Vicekonsulate  in:  Aalesund,  Bodö,
Christiansund,  Frederikshald,  FrederikSstad,
  Grimstad,  Kragerö,  Laurvig,  Lillesand, ­
  Molde,  Moß,  Namsos,  Porögrund,
Sanncfund,  Tönsberg,Wardö;  außerdem
sieben  Konsularagenturcn.
IV.  Finanzen,  Kreditwesen  re.
Staatshaushalt.  Vom  1.  Juli
1878  bis  30.  Juni  1879  beliefen  sich  die
wirklichen  Einnahmen  auf  45,6  Mill.  Mk.,
die  Ausgaben  auf  54,4  Mill.  Mk.  Die
Einnahmen  bestanden  vornehmlich  aus
direkten  Steuern  (fast  80  Proz.  der  ordentlichen ­
  Einnahme)  und  zwar:  Zölle
(Einfuhr  und  Ausfuhr,  namentlich  Holz)
13,8  Mill.,  Branntweinsteuer  3,3  Mill.,
Malzsteuer  2,9  Mill.,  ferner  Eisenbahnen
3,2Atill.,  Eisenbahnanlcihe  10,8  Mill.  Mk.
Unter  den  Ausgaben  waren  die  bedeutendsten ­
  Posten  Ersenbahnbanten  13,i  Mill,
und  Armee  7,8  Mill.  Mk.  Das  Budget
hat  lvie  1877—78  mit  einem  Defizit  abgeschlossen, ­
  während  die  Vorjahre  immer
Überschüsse  ergaben.  —  Die  Staatsschuld ­
  belief  sich  30.  Juni  1879  auf  111,5
Mill.  Mk.,  davon  10,i  Mill.  Mk.  innere
Schuld.  Den  Passiven  stehen  Aktiva  im  Betrag ­
  von  94,3  Mill.  Mk.,  meist  in  Staatöeisenbahnaktien,
  gegenüber.
Kreditwesen.  Das  alleinige  Recht
zur  Notenausgabe  hat  die  N  o  r  w  c  g  i  s  ch  e
Reichs  bank  zu  Drontheim,  außerdem
bestehen  eine  Hypothekenbank,  eine  Darlehns-
  und  Diskontobank  sowie  andre
Privatbanken.  Die  Norwegische  Reichöbank,
  1816  unter  Garantie  der  Reichsstände
  gegründet,  hat  ein  Kapital  von
13,620,000  Mk.  Sie  gibt  Papiergeld  ans,
welches  Zwangsumlauf  hat  und  das  fast
ausschließliche  Nmlaufsmittel  des  Landes
bildet,  in  Abschnitten  zu  400,200,40,20,4,
2  und  ^/k  Krone.  Die  Bank  ist  Leib-,  Giro-,
Diskont-,  Depositen-  und  Zettelbank.
Geld,  Maße  und  Gewichte.  Mün-23
        <pb n="362" />
        354

Norwich  —  Nykarlebh.

Ş«:»  sind  seit  1.  Jan.  1877  die  Kronen,  wie
m  den  andern  skandinavischen  Staaten.  1
Krone  —  1307s.  12'/2  Pf.,  1  SpecieSthaler
=  4  Kronen.  1  Fuß  —31,37cm,  1  Meile
—  11,295  km.  1  Centner  —  49,8  kg.
Norwich  lspr.  nürrittsch),  Hauptstadt  der
engl.  Grafschaft  Norfolk,  am  Zusammenslnß
  der  schiffbaren  Flüsse  Wensum  und
Bare,  32  km  von  der  Nordsee  und  der
Great  Eastern-Eisenbahn;  (1879)  85,222
Einw.  London  and  Provincial  Bank,
National  Provincial  Bank  of  England.
Wichtig  sind  die  Seidenweberei,  Stiefel-,
Tuch-  und  Worstedfabrikation.  Berühmte
Senffabrik  mit  1100  Arbeitern.
Rosst  Be,  franz.  Insel  an  der  Nordwestküste
  von  Madagaskar,  193  qkm
(3  Va  QM.)  mit  (1877)  9360  Einw.  Die
Insel  ist  gut  bebaut,  uamentlich  mit  Reis
und  Kaffee,  welcher  crportiert  wird,  uud
mit  Zuckerrohr.  Die  Einfuhr  belief  sich
1877  auf  1,189,600,  die  Ausfuhr  auf
1,649,600  307s.;  es  kamen  145  Schiffe  an,
und  149  liefen  ans.
Nottingham  tspr.  -häm),  Hauptstadt  der
gleichuam.  engl.  Grafschaft,  an  der  Mündung ­
  der  schiffbaren  Lene  in  den  Trent
und  der  Great  Midland-  und  Great  Northern-Bahn;
  (1879)  169,396  Einw.  Deutsches ­
  Vicckonsulat;  Börse,  37.  Joint  Stock
Bank,  37.  and  Nottinghamshire  Banking
Co.  Spitzenfabrikation,  Strnnipfwirkerei,
Maschinenbau,  Baumwollspinnerei  u.  a.
Nowäja  Scmlja  (»Neuland«),  eine
zum  russ.  Gouvernement  Archangel  gehörige ­
  Insel,  östlich  vom  Karischen  Mèer
bespült  und  im  S.  durch  die  Karische
Meerenge  von  der  Insel  Waigatsch  getrennt, ­
  91,070  qkm  (1653  QM.),  besteht ­
  aus  zwei  durch  den  Matotschkin
Schar  getrennten  Hauptinseln.  Kvlonisationsversuche
  sind  bisher  gescheitert,  jedoch ­
  werden  jährlich  Jagdcrpeditioncn  ausgerüstet, ­
  welche  Felle,  Thran,  Eiderdaunen ­
  und  gesalzene  Fische  zurückbringen.
Nubien,  s.  Ägypten.
Nürnberg,  bedeutendste  Handelsstadt
des  Königreichs  Bayern,  im  Negierungsbezirk
  Mittelfranken,  am  Donau-Main-Kanal,
  Knotenpunkt  von  acht  Eisenbahnlinien; ­
  (1880)  99,889Einw.  Sitz  mchrerer
àsulate;  Handelskammer  für  Mitlelfrankcn,

  Handelsgericht,  Handelüappcllationsgericht.
  —  Die  Industrie  Nürnbergs ­
  ist  weltberühmt;  1876  zählte  man
567  Fabriken,  in  welchen  11,555  Personen
beschäftigt  waren.  Im  Betrieb  waren  143
Dampfmaschinen  mit  1790Pferdekräftcn,
14  Lokomobilen  mit  92  Pferdekräften,  12
Gasmotormaschinen  mit  12  Pferdekräften; ­
  88  Geschäfte  wurden  durch  Wasserkraft ­
  in  Bewegung  gesetzt.  Namentlich
nennenswert  ist  die  Fabrikation  von  beit
sogen.»Nürnberger  Waren«:  Spielzeuge,
Ouincaillerien  rc.,  ferner  von  Bleistiften, ­
  Maschinen  rc.  Mit  diesen  Produkten
treibt  N.  einen  bedeutenden  Erporthandel;
  1879  versandte  es  nach  den  Vereinigten ­
  Staateil  für  7,167,140  Mk.  Waren. ­
  1880  für  10,264,610  Mk.,  über
ein  Drittel  Spiegelglas  und  andres  Glas,
Spiel-  und  Galanteriewaren,  Tapisserie
und  Stickereien,  Bronzepulver  lind  Blattinetall,
  Leinwand  und  Leincnwaren.  Bleistifte ­
  und  Graphit,  Korbwaren,  Bunt-,
Gold-  und  Silberpapier  rc.  Nach  Spanien ­
  wurden  für  164,948  Mk.  Waren,
hauptsächlich  Waggonbestaudteile,  verschickt. ­
  —  Auf  den  Eisenbahnen  kamen
an  108,111  Ton.,  und  300,570  T.  gingen
ab.  Der  Post  wurden  1879  im  Durchschnitt ­
  täglich  11,072  Briefschaften  zugestellt; ­
  auf  Postanweisungen  wurden
eingezahlt  11,163.872  Mk.,  ausgezahlt
19,267,402  Mk.  Der  Telegraph  beförderte ­
  205,654  Depeschen.  —  Kreditwesen. ­
  Die  Reichsbankstelle  hatte  1880  einen
Gesamtumsatz  von  505,3Mill.  Mk.,  davon
Wechselverkehr  115  Mill.,  Giroverkehr385
Mill.Mk.  Ferner  bestehen  hier  die  Königl.
Bank  und  die  Bayrische  Notenbanksilia'lc.
Wechselkurse  wie  Frankfurt  a.  307.  Verkäufe ­
  auf  ordinär  kontant,  d.  h.  vier  Wochen
Kredit.  Der  Wurf  oder  das  Spießlein=5,
das  Klüppel  —  4  Stück.  —  Der  Mollin ­
  arkt  beginnt  1.  Juli  uud  dauert  drei
Tage.  Der  Umsatz  ans  dem  Viehmarkt
bezifferte  sich  1879  auf  10,504,755  Mk.
__  Nyborg,  Hafenstadt  auf  der  dän.  Insel
Fünen,  an  derJütland-Füncn-Bahn,  Station ­
  der  Dampferlinie  Schlotfeld  (Kiel);
(i860)  5402  Einw.  Deutsches  Konsulat.
Nykarleby,  Hafenstadt  im  fiimischeu
Gouvernement  Wasa,  Station  der  Lübeck
        <pb n="363" />
        Nyköping  —  Oder.

355

und  Finnland  -  Dampfschiffahrtsgesellschaft;
  (1875)  1198  Einw.  Deutsches  Konsulat. ­
  1879  liefen  54  Schiffe  ein.
Nyköping  lspr.  nlldschö.).  Hauptstadt
des  gleichnamigen  schweb.  Läns,  an  der
Orelösund  -  Friedrich  -  Wilhelmsbahn;
4500  Einw.  Deutsche«  Konsulat  (Amtsbezirk: ­
  Södermanland);  Södermanland
Ensk.  Bank,  Mälareprov.  Ensk.  Bank,
Kom.  Kontor.  Lebhafter  Getreidehandel.
1878  liefen  hier  41  Schiffe  ein  (4  deutsche).

Nystad,  Hafenstadt  im  sinn.  Gouvernement ­
  Abo-Björneborg,  am  Bottnischen ­
  Meerbusen;  (i873)  2930  Einw.
Deutsche  Konsularagentur  (rcssortiert  von
Abo).  Der  lebhafte  Handel  vertreibt  besonders ­
  Holz.  1878:  Einfuhr  486,960
Mk.  (deutsch  240,000  Mk.),  Ausfuhr
201,120  Mk.  ES  liefen  1878:  3  deutsche
Schiffe  von  804  Ton.  ein  und  ans;  aus
deutschen  Häfen  kamen  14,  dahin  gingen
6  Schiffe.

O.

Ob,  Hauptstrom  des  westlichen  Sibirien, ­
  4300  km  lang;  unter  seinen  Nebenflüssen ­
  ist  der  bedeutendste  der  2220
fan  lange  Jrtysch,  auf  welchem  Dampfer ­
  auswärts  bis  Buchtarminsk  verkehren. ­
  Der  mittlere  lind  obere  Teil  des  Ob
ist  auch  für  größere  Schiffe  fahrbar  und
bildet  ein  Glied  in  der  »Wasserstraße«
genannten  Verbindung  des  westlichen
und  östlichen  Sibirien,  welche,  am  Ostabhang ­
  des  Urals  beginnend,  aus  einem
Fluß  in  den  andern  führt,  wobei  nur
kurze  Landstrecken  zu  übersteigen  finb.
Der  Ob  ist  169  Tage  mit  Eis  bedeckt;  im
Durchschnitt  beginnt  das  Aufbrechen  des
Eises  7.  Mai.  '  Seit  1845  wird  er  von
Dampfschiffen  befahren  (jetzt  16),  und  die
Mündung  (Obischcr  Meerbusen)  ist
mehrmals  von  Europa  aus  durch  Schiffe
erreicht  worden.
Océanien,  die  über  den  ganzen  Stillen
Ocean  in  Gruppen  oder  einzelnen  Fragmenten ­
  verstreute  Inselwelt,  welche  folgende ­
  Teile  umfaßt:

Neuguinea  u.  Nebeninseln ­

Neuseeland  u.  Nebeninseln
  .  .  .
Melanesien.  .
Polynesien  .  .
Sandwichinseln
Mikronesien.  .
Zusammen:

QM.  QMeil.  Bewohn.
807956  14673  550000

272989  4958
145855  2  649
9797  179
17008  309
3530  64

477344
606800
130400
58000
84650

1257129  22832  1907190

Die  Bevölkerung  ist  im  W.  schwarz,  im
östlichen  Teil  braun,  dazu  einige  Europäer, ­

  Malaien,  Chinesen.  Die  Inseln
sind  teils  vulkanisch,  teils  niedrige  Korallenbildungen. ­
  Die  Vegetation  zeigt  im
W.  noch  Gewürzpflanzen  und  Sagopalmen, ­
  weiter  östlich  nur  Kokospalmeil,
Brotfruchtbäume,  Pandanus.  Pamö,  Bataten, ­
  Taro,  Bananen,  Papicrmaulbeerbaum,
  Sandelholz.  Von  Tieren  sind  nur
Schweine,  Hunde,  Hühner  den  Inseln
eigen,  Pferde  und  Rinder  aber  seit  einigen ­
  Jahren  auf  vielen  eingeführt.  Haupthandelsartikel
  sind:  Kopra,  Zucker,
Baumwolle,  auch  Reis,  Mais,  Orangen, ­
  Kakao,  Kaffee.  Die  wichtigsten  Handelsgebietc
  sind:  Neuseeland,  die  Sandwichinscln,
  die  Viti-Jnselu,  die  Samoagruppe ­
  mitTonga  und  Tahiti  mit  Murca.
Vgl.  die  einzelnen  Artikel.
Oder,  einer  der  Hauptströme  Deutschlands, ­
  900  km  lang,  wovon  772  auf
Preußen  entfallen.  BeiRatibor  in  Schlesien ­
  wird  sie  für  kleine,  bei  Oppeln  fürgrößere
  Kähne  fahrbar;  bei  Breslau,  wo
sie  eine  Breite  von  176  m  hat,  trägt  sie
Fahrzeuge  von  200  Ton.  Ladungsfähigkeit. ­
  Durch  den  69,5  km  langen  Finowkanal
  ist  sie  mit  der  Havel  und  einige
Meilen  oberhalb  Frankfurt  durch  den  24
km  langen  Friedrich-Wilhelms-  oder
Müll  roser  Kanal  mit  der  Spree
verbunden.  Sie  mündet  unterhalb  Stettin ­
  in  das  Stettiner  oder  Pommersche
Haff,  das  durch  die  Inseln  Usedom  und
Wollin  von  der  Ostsee  getrennt  ist,  mit  dieser
aber  wieder  durch  drei  stark  auöflicßende
Ströme:  Dievcnow,  Swine,  Peene,  in
23*
        <pb n="364" />
        35G

Odessa.

Verbindung  steht.  Das  preußische  Odergebiet ­
  umfaßt  folgende  Wasserstraßen:

Odergebiet

Oder  bis  Meer
Mündungsarme
Rechtsseitige  Ne
benflüsse  .
Linksseitige  Ne
benflüsse  .
Warthe.  .  .
Nebenflüsse
Warthe.  .  .
Odergebiet:

Davon  befahrbar  mit
Tiefgang  von

der

772,4
92,8
135,7
165,9
358,0

120,4  301,o  194,1
92,i

3,o

45,7
115,7
68,o

28,8
290,0

277,7  —  234,7  37,7
1802,5  222,2  765,7  550,6

s  a
11
150,3
90,0
18,4
5,3
264,0

Die  Tiefe  der  O.  beträgt  bei  niedrigem
Wasserstand  oberhalb  Glogau  nur  0,9,  von
Glogau  bis  Schwedt  1  in,  die  Breite  bei
Ratlbor  über  30,  bei  Oppeln  78,  bei
Bricg  132,  bei  Breslau  176  und  im  Oderbruch ­
  250  m.  Durch  das  starke  Gefalle
und  die  Wassermengen,  welche  ihm  mehrere ­
  reißende  Gebirgsströme  beim  Schmelzen ­
  des  Schnees  zuführen,  wird  die  Schifffahrt ­
  sehr  erschwert,  und  im  Hochsommer
ruht  dieselbe  oft  eine  Zeitlang.  Von  Stettin ­
  kann  die  O.  mit  Seeschiffen  befahren
werden.  Auf  der  O.  weiden  vorzüglich
Steinkohlen,  Holz,  Steine,  Getreide,
Obst,  Fische  rc.  verschifft.
Odessa,  wichtigster  Hafen  (mit  Frcihafenprivilegium)
  und  Handelsplatz  des
Schwarzen  Meers  im  russischen  Gouvernement ­
  Cherson,  Endstation  der  Bahnen:
  O.-Lembcrg,  O.-Jassy,  O.-Charkow;
Station  der  Dampferlinien:  Sloman  u.
Komp.  (Hamburg),  Nederl.  Stoomboot
Maatschappij,  Österreich.-Ungar.  Lloyd,
Nuss.  Dampfschiffges.  (hier  domiziliert),
Messageries  maritimes,  Royal  Mail
Steam  Packet  Co.,  Westcotts-Linie  (Antwerpen), ­
  Wilson-Linie  (Hull);  (i873)
184,819  Einw.  Deutsches  (Berufs-)  Generalkonsulat ­
  (Amtsbezirk:  die  Stadthauptmannschaft ­
  O.,  die  Gouvernements
Bessarabien,  Cherson,  Jekaterinoslaw,
àurien  und  Astrachan  sowie  das  Gebiet
der  Donischen  Kosaken)  ;  Handelsgericht,
Handelskammer;  Zollamt;  Börse,  Kontor

der  Staatsbank;  Transportgesellschaft
Nadeshda.  —  Die  Industrie  (Dampfmühlen ­
  ,  Malz-,  Likör-,  Schwefelsäureund
  Maschinenfabriken,  Brauereien  und
Brennereien)  lieferte  1874  in  166  Fabriken ­
  mit  3715  Arbeitern  einen  Produktionswert ­
  von  46,4  Mill.  Mk.  Aus  den
nahen  Salzgarten  wurden  1875:  24
Mill,  kg  Salz  gewonnen.  Unter  10
Buchhandlungen  sind  4,  unter  7  Zeitungen
1  deutsche.  —  Nach  Petersburg  ist  O.  die
wichtigste  russische  Handelsstadt,  namentlich ­
  für  den  Getreideerport.  Der  gesamte
Handel  wertete  1878  in  Einfuhr  142,
Ausfuhr  416,o  Mill.  Mk.  Haupthandelsartikcl
  (in  Millionen  Mark):

Einfuhr
Steinkohle.  .  .  14,7
Lcinenwaren  .  .  15,o
Säcke  ....  14,4

Ausfuhr

144,0
37,7
21,2

Weizen
Roggen
Gerste  .
Ferner  wurden  eingeführt  (in  Werten  absteigend ­
  von  8,s  auf  4  Mill.  Mk.):  Roheisen, ­
  Früchte.  Öle,  Tabak,  Thee,  Rohbaumwolle, ­
  Petroleum,  Gips  -  und  Alabasterwaren, ­
  Kaffee;  ausgeführt  (in  Werten ­
  von  9,6  —  1,6  Mill.  Mk.):  Weizenmehl, ­
  Mais,  Rapssaat,  Wolle,  Tiere,
Hafer,  Leinsaat,Spiritus,  Zucker,  Kaviar.
Doch  ist  in  jüngster  Zeit  amerikanischer
Weizen  selbst  hierher  gebracht  und  Kapwolle ­
  direkt  über  O.  nach  Moskau  geführt
worden,  eine  Folge  der  mangelhaften
Einrichtung  der  Lagerräume  und  Verkehrsanstalten. ­
  —  Die  Reederei  der
Stadt  zählte1875:192  Schiffevon  63,680
Ton.,  davon84Dampfermit8270Pferdekräften,
  meist  Eigentum  der  Russischen
Dampfschisfahrtsgesellschaft,  welche  Fahrten ­
  durch  den  Suczkanal  bis  Ostasien
macht.  Es  liefen  1878  ein:  1923  Schisse
von  1,366,060  Ton.  (deutsch  1912  T.h
in  der  Küstenschiffahrt,  wozu  nur  russische ­
  Schiffe  berechtigt,  3008  Schiffe  von
883,707  T.  —  O.  ist  Annahmestelle  der
europäisch  -  indischen  Telegraphenlinie».
Die  Messe  (Kreuzerhöhungs-Jahrmarkt)
beginnt  14.  Sept.  —  Platzgebräuche.
Man  verkauft  nach  dem  Tschetwert  :  Gerste,
Roggen  (feuchten  nach  dem  Pud),  Weizen, ­
  den  letzten  sowie  Mehl  auch  nach  dem
Pud.  Wechselkurse  notiert  man  auf
Amsterdam,  Antwerpen,  Hamburg,  Li-
        <pb n="365" />
        357

Ofen  —
Vorno,  London,  Triest,  Wien  3  Monate
dato,  Genua  75,  Moskau  60,  Petersburg
90Tage  dato,  Konstantinopel  und  Smyrna
21  Tage  nach  Sicht.
Ofen,  s.  Pest.
Offenbach,  Stadt  in  der  helf.  Provinz ­
  Starkenburg,  am  Main  (mit  Schiffbrücke) ­
  und  an'  der  Frankfurt-Bebraer
Bahn;  (1880)  28,628  Einw.  Handelskammer ­
  ;  Hauptzollamt;  Reichöbanknebenstelle,
  Bankverein  zu  O.,  Sparkasse.  —
O.  hat  eine  große  Anzahl  Fabriken  für
die  verschiedensten  Gegenstände  (Wagen,
Maschinen,  Tabak.  Druckerschwärze,  Ehcmikalien,Pfeffernüsse,Lebkuchenrc.).
  Von
Waren  wurden  1880  in  die  allgemeine  Niederlage ­
  zugeführt  213,718  kg,  ausgeführt
494,402  kg;  davon  (in  Kilogrammen):
Zugang  Abgang
Wein  20225  16012
Tabaksblätļer  .  .  48580  30313
Tabakstengel.  .  .  141872  —
Per  Bahn  kamen  an  76,082  Ton.,  eö
gingen  ab  19,726  T.  Güter.  Ait  Oktroi
wurden  vom  1.  Jan.  1879  bis  1.  April
1880  erhoben  246,054  Mk.  —  Die  Post
beförderte  1880:  2,322,450  Briefsendungen, ­
  Postanweisungen  8,958,325  Mk.  ;
der  Telegraph  beförderte  21,692  Telegramme; ­
  die  Einnahmen  beider  Departements ­
  (inkl.  22,592  Mk.  Wcchselstempel)
betrugen  280,364  Mk.
Ogowe',  großer,  in  den  Atlantischen
Ocean  mündender  Strom  im  äquatorialen ­
  Westafrika.  Die  Franzosen  beanspruchen
  das  Gebiet  bis  zur  Einmündung  des
von  S.  kommenden  Nebenflusses  Ngunie.
Am  O.  sind  zahlreiche,  namentlich  Hamburger, ­
  Faktoreien,  die  besonders  Kautschuk ­
  erportieren.
Oldenburg,  zum  Deutschen  Reiche  gehöriges ­
  Großherzogtum,  besteht  aus  drei
gesonderten  Gebieten:  dem  an  der  Nordsee, ­
  der  untern  Weser  und  an  der  Hunte
liegenden  Herzogtlim  O.  (5375,oi  qkm),
dein  im  östlichen  Holstein  bclcgenen  Fürstentum
  Lübeck  (535,21  qkm)  und  dem
Fürstentum  Birkenseld  (502,87  qkm)  am
südöstlichen  Abhang  desHuuörückens  Die
Bodenfläche  beträgt  6414  qkm  (11b,49
OM.)  mit  (isso)  337,454  Eiuw.^Die  Bevölkerung ­
  ist  zum  allergrößten  Teil  pro-Onega.

  '
testantisch  (von  314.591  im  Jahr  1876:
242,945,  nur  71,205  Katholiken  und
1484  Israeliten).  Es  wanderten  1879:
357Personen  aus.  —  Prodnktion.Von
dem  Gesamtareal  sind  35  Proz.  Ödland,
nur  29  Proz.  Äcker  und  Gärten,  23  Proz.
Wiesen  und  Weiden  und  9  Proz.  Wald.
Hauptkulturen  sind  Roggen  und  Hafer
(1878  auf  61,521,  resp.  35,950  Im),
außerdem  Buchweizen  in  den  Moorgegenden, ­
  wo  das  Land  durch  Brennen  (Hcrauch)
  vorbereitet  wird.  Die  Viehzucht
ist  bedeutend;  1873  zählte  man  33,827
Pferde,  214,498  Rinder,  194,151  Schafe,
55,917  Schweine.  Reichen  Ertrag  gewährt ­
  die  Fischerei.  Der  Holzbcstand  ist
nur  im  Herzogtum  Birkenseld  von  Belang. ­
  —  Die  I  n  d  u  st  r  i  e  ist  unbedeutend;
nach  der  Gewerbezählung  von  1875  gab
es  21,279  Hauptbetriebe  mit  38,756  darin
beschäftigten  Personen.  Bedeutender  ist
die  Schiffahrt.  Die  Reederei  umfaßte
1879:347  Segelschiffe  (keiueDampfschisfe)
von  61,998  Ton.  Die  bedeutendsten  Häfen ­
  sind:  Brake,  Elsfleth,  Varel  und
Hooksiel.  —  Die  Eisenbahnen  hatten  1.
April  1880  eine  Länge  von  311,7  km,  davon ­
  278,7  km  Staatsbahnen.—Von  Kreditanstalten ­
  sind  zu  nennen:  dieOldenburgische
  Landesbank  (Kapital:  1,200,000
Ml.)  und  die  Oldenburgische  Spar  -  und
Leihbank  (1,200,000  Atk.).  -Konsuln
unterhält  Bayern  in  Bremen,  Preußen
in  Brake  und  Bremen.—  Staatshaushalt. ­
  Die  Einnahmen  der  drei  LandeSteilc
betrugen  1880:  6,290,200  Mk.,  davon
direkte  Steuern  2,158,000,  Staatsgut
1,770,364,  Eisenbahnen  1,178,000  Mk.;
die  Ausgaben  6,669,327  Mk.,  davon  für
die  Staatsschuld  1,531,009  Mk.  Letztere
betrug  Ende  1879:37,009,532  Atk.  Atatrikularbeitrag
  1881—82:  651,238  Atk.
Onega,  nächst  dem  Ladoga  der  größte
europäische  Binnensee,  im  russ.  Gouvernement ­
  Oloncz,  9752  qkm  (177  QM.).  Er
ist  durchschnittlich  156  Tage  zugefroren.
Seit  1832  wird  er  von  Dampfern  befahren. ­
  Zwischen  der  Mündung  der  Wytegra
und  dem  Swir,  dem  einzigen  Abfluß  des
O.  in  den  Ladoga,  ist  der  68  km  lange,
23  m  breite  und  2,u  m  tiefe  Onegakanal
angelegt  worden.
        <pb n="366" />
        358

Onega  -
Onega,  Stadt  im  ruff.  Gouvernement
Archangel,  an  der  Mündung  des  gleichnamigenFlusses;
  (1878)2500  Einw.  Welitsches ­
  Vicekonsulat;  Zollamt.
Oporto,  s.  Porto.
Oranje-Freistaut,StaatinSndafrika,
111,497  qkm  (2025  QM.)  mit  80,000
Weißen,  wozu  noch  ca.  70,000Eingeborne
kommen.—Produktiv  n.  Das  Land  eignet ­
  sich  am  meisten  zur  Viehzucht,  doch  findet ­
  man  auch  Steinkohlen,  Eisen  und  andre
Erze,  selbst  Gold,  und  im  östlichsten  und
gebirgigen  Teil  werden  Weizen,  Atais  und
Kafferkorn  gebaut.  Die  Ausfuhr  besteht
fast  ausschließlich  in  Wolle,  daneben  in
Straußenfedern  und  Rinderhäuten.  Sie
nimmt  ihren  Weg  zum  größten  Teil  über
Port  Elizabeth  (s.  d.).  Die  Telegraphenlinicn
  baden  eine  Länge  von  441
km.  —  Die  Staatseinnahmen  bestehen ­
  in  Einschreibegebühren,  Steuer  auf
Grundbesitz,  Gelverbestetler  u.  a.  Im  Finanzjahr ­
  1879—80  betrugen  die  Einnahmen ­
  8,104,160,  die  Ausgaben  2,638,940
Mk.  Schulden  hat  der  Staat  nicht,  vielmehr
  ein  bedeutendes  Vermögen.—Kreditanstalten ­
  sind:  die  Nationalbank
(Kapital:  1,994,700  Mk.)  mit  einem  Notenumlauf ­
  voit  771,060  Mk.,  sodann  die
1879  gegründete  Bank  of  Africa.  —  Der
Freistaat  hat  in  Berlin  einen  Generalkonsul ­
  für  das  Deutsche  Reich.  —  Münzen,
Maße  ilnd  Gewichte  sind  die  englischen.
—  Die  Hauptstadt  ist  Bloemfoentein
  (s.  d.).
Orel,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
russ.  Gouverilenlentö,  an  der  Mündung
des  Orlik  in  die  schiffbare  Oka  und  den
Linien  Moskau-Charkow  und  Dünaburg ­
  -O.;  0873)  44,281  Einw.  Ressort
des  deutschen  Konsuls  in  Moskau;  Abteilung ­
  der  Staatsbank,  Oreler  Kommerzbank; ­
  Transportgesellschaft  Nadeshda.  Die
Stadt  hat  iiber  100  industrielle  Etablissements, ­
  besonders  für  die  Fabrikation  von
Hanfprodukten,  Grütze,  Talglichten,  Maschinell, ­
  Ziegeln  und  Grünspan.  Lebhafter
Handel  mit  diesen  Produkten.
Orenburg,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  russ.  Gouvernements,  an  der  Eisenbahn ­
  Ssamara-O.;  (iws)  35,623  Einw.
yieltort  des  deutschen  Konsuls  in  MoS--

  Osaka.
kau;  Abteilung  der  Staatsbank,  Stadt.
Kommunalbank;  Transportges.Radeshda.
Jährlich  kommen  hier  über  100  Karawanen
  aus  Bochara,  Ehiwa,  Chokand  uird
Taschkent  an,  welche  die  Produkte  dieser
Länder,  besonders  BaninwoUe,Vieh,Seide,
Fette  u.  a.,  gegen  gewebte  Stoffe,  Metallwaren,
  Zucker,  Getreide  rc.  eintauschen.
Orinoko,  schiffbarer  Strom  in  Südamerika ­
  (Venezllela),  entspringt  ans  der
Sierra  Parime  nild  fällt  nach  2500  km
langem  Lauf  tu  vielen  Armen  in  ben  Atlantischen ­
  Ocean.
Oristano,  Hafenstadt  auf  der  Westseite
der  Insel  Sardinien,  an  der  Bahn  O.-Cagliari;
  (i87i)  6996  Einw.  Deutsche
Konsularagentur;  Salzsiederei,  Thunfischfang,
  Getreidehandel.
Orkneys  (spr.  ürknehs),  brii.  Inselgruppe,
zwischen  der  Nordsee  und  dem  Atlantischen
Ocean,  durch  den  10  km  breiten  Pentland
Firth  von  der  Nordspitze  Schottlands  getrennt. ­
  Die  67  Inseln  habeil  ein  Areal
von  642  qkm  (11,7  OM.),  doch  sind  nur
29  belvohnt  und  zwar  von  31,274  Seelen.
Die  Federn  der  zahlreichenSee-  lind  Landvögel ­
  bilden  einen  wichtigen  Handelsartikel. ­
  Die  Fischerei  (Heringe)  beschäftigt ­
  an  600  Boote  und  2500  Menschen;
wichtig  ist  auch  das  Kelpbrennen.  Die  Jnseül
  besitzen  41  Seeschiffe  von  2200  Ton.
Orleans  (spr.  orlàgh).  Hauptstadt  des
franz.  Departements  Loiret,  am  rechten
Ufer  der  Loire  ilnd  am  Chemin  d'OrlêailS
et  Ronen;  (iH7o)  49,896  Einw.  Handelskammer; ­
  Börse,  Filiale  der  Bank  voir
Frankreich,  Société  generale,  Eskomptebank,
  Sparkasse  (1873:  17  Filialen  und
23,260  Einlagen  mit  5,2  Mill.  Mk.  Guthaben).
  —  Die  Industrie  ist  sehr  vielseitig  ;
dem  Handel  dienen  außer  den  genannten
Eisenbahnen  die  schiffbare  Loire  mit  den
von  ihr  zur  Seilte  abzweigenden  Kanälen
vonO.,  Briare  und  Loing.  Hanptarlikel  des
Handels  sind:  Schafwolle  (von  der  Bearne
und  Sologne),  Wein(aus  dem  Orléanais),
Getreide,  Öl,  Seife,  Käse  (Olivet),  Salz,
Branntwein,  Bauholz.
Osaka,  Stadt  ansderSndwestküsteder
japan.  Insel  Nippon,  an  der  Mündung  des
JedogawaflusseS  in  die  Osakabai  und
durch  Eisenbahn  mit  Hiogo  nnb  Kioto  ver-
        <pb n="367" />
        Oskarshamn  —  Österreichbunden,
  seit  1868  dem  fremden  Handel  geöffnet; ­
  (1877)  284,105  Einw.,  darunter  44
Fremde  (8  Firmen)  und  zwar  5  Deutsche
(5  Firmen),  2  Schweizer  (2  Firmen),  9
Amerikaner  (1  Firma).  Münzstätte  sur
Japan  (605  Bedienstete).  Das  Einlaufen
größerer  Schiffe  in  den  Hafen  verhindert
eine  Barre,  doch  besteht  Dampserverkehr
mit  Hiogo  (s.  d.),  über  welches  auch  der
Handelsverkehr  mit  dem  Ausland  steht.
Oskarshamn,  Hafenstadt  in  der  schweb.
Provinz  Kalmar,  an  der  BahnO.-Näsfjö;
0«78)  5348Einw.  DeutscheKonsularagentur;
  Kalmar  Afdeln.  Kontor,  O.  Ensk.
Bank,  Smal.  Ensk.  Banks  Afd.  K.  Starker ­
  Export  von  Holz  und  zwar  1877  außer
andern,  1,5  Mill.  Kubikfuß  Grubenstützen,
2  Mill.  Kubikfuß  Bretter  und  Planken  und
2.5  Mill.  Kubikfuß  Faßdauben.  Es  liefen
4878  ein:  250  25,657  %o„.,
aus:  370  von  43,521  T.
Osmanischcs  Reich,  s.  Türkisches
Reich.
Osnabrück,  Hauptstadt  einer  Landdrostei ­
  in  der  preuß.  Provinz  Hannover,  an
der  Haase,  Knotenpunkt  der  Eisenbahnen
von  Löhne  (Köln-Mindener  Eisenbahn)
nach  Rheine  und  von  Hamburg  nach  Benloo,
  von  welchen  hier  noch  eine  Bahn  nach
Oldenburg  abzweigt;  (isso)  32,817  Einw.
Handelskammer;  Hauptsteucramt;  Reichsbankstelle ­
  (1880  Gesamtumsatz:  1023)0(1.
Mk.),  Osnabrücker  Bank,  Filiale  der
Oldenburger  Spar-  und  Leihbank.  Die
Stadt  besitzt  verschiedene  Fabriken  in  Eisen,
Draht,  Papier,  Maschinen,  Leinen-  und
Baumwollwaren  rc.  und  treibt  lebhaften
Handel  mit  Pferden,  Rindvieh,  Schinken, ­
  Leinwand,  Getreide,  Droguen.
Ostende,  Stadt  in  der  belg.  Provinz
Westflandern  an  der  Nordsee,  durch  Kanäle ­
  mit  Gent,  Nieuport  und  Dünkirchen
verbunden,  Endpunkt  der  Eisenbahnlinie
Köln-Lüttich-Mecheln-O.,  Station  der
Dampfer  der  General  Steam  Navigation
Go.  (London);  (1874)  16,533  Einw.  Deutsches ­
  Konsulat  (Amtsbezirk  :  Westflandern
außer  dem  Distrikt  RoulerS,  YpreS  und
Courtray);  Handelskammer;  Handelsgericht; ­
  freies  Entrepot;  Börse.  —  O.  war
früher  durch  den  Transitverkehr  von  England ­
  nach  Deutschland  wichtiger;  jetzt  maklngarn

  (Areal,  Bevölkerung).  359
chen  ihm  Antwerpen  und  Rotterdam,  besonders ­
  aber  Vlissingen,  das  schon  den
rößten  Teil  der  Güter  an  sich  gezogen  hat,
edeutende  Konkurrenz.  ES  transitieren
besonders  Baumwolle,Kleider,Kurzwaren,
Kunstgegenstände,  rohe  Seide,  Wolle  und
Seidenwaren;  1879  war  der  Wert  des
Transits  von  England  nach  Deutschland
2,086,216  Mk.  Die  Einfuhr  belief  sich  1879
auf  21,86  Mill.  Mk.,  davon  aus  England
für  13,622,557  Mk.,  aus  Deutschland
(Holz.  Butter)  3,448,951  Mk.  Der  gesamte ­
  Holzimport  bctrugl879:4,130,912
Mk.  Die  Ausfuhr  nach  England  betrug
17,"  Mill.  Mk.,  bestehend  in  Butter,
Fleisch,  Pferden,  Flachs,  Hopfen,  Wolle,
Cichorie,  Eiern  rc.  Es  liefen  1878:  669
Schisse  ein  von  221,710  Ton.  (30  deutsche
Schisse  von  5991  T  ).  Zum  Hasen  gehören ­
  nur  6  Seeschiffe,  anßerdcn,  134
Fischerboote  von  5564  T.,  welche  für
1,690,742  Mk.  frische  und  gesalzene  Fische
importierten.  —  Platzgebräuche.  Einfuhrwaren ­
  verkauft  man  gegen  bar,  andre
Waren  auf  3  Monate  Kredit.
Österreich  -  Ungarn,  ein  aus  zwei
Staatsgebieten  oder  Reichshälftcii,  nämlich ­
  dem  österreichischen  Staatsgebiet
(Kaisertum  Österreich)  oder  de»  im
ReichSrat  vertretenen  Ländern  und  dem
ungarischen  Staatsgebiet  oder  den  Ländern ­
  der  ungarischen  Krone,  zusammengesetztes ­
  Reich,  nimmt  unter  den  europäischen ­
  Staaten  in  Bezug  auf  Flächenmhalt
  und  Volkszahlden  dritten  Rang  ein.

Übersicht:  Seite
I.  Areal  und  Bevölkerung  359
II.  Urproduktion  360
A.  Ackerbau  (360).  B.  Viehzucht  (363).
C.  Forstwirtschaft  (364).  I).  Bergbau ­
  (365).
III.  Industrie  367
IV.  Handel  3Ì39
V.  Verkehrswesen  370
VI.  Finanzen  371
VII.  Kreditwesen  372
VIII.  Geld,  Alaste  und  Gewichte  ....  372

I.  Areal  und  Bevölkerung.
Der  Flächeninhalt  der  Monarchie  beträgt:
1)  Kaisertum  Österreich  .  .  300208  OKil.
2)  Länder  der  Ungar.  Krone  324045
Österreich-Ungarn  624253  QK:l.
        <pb n="368" />
        8G0

Österreich-Ungarn  (Urproduktion:  Ackerbau).

Die  Bevölkerung  der  im  Neichsrat  vertretenen ­
  Länder  betrug  nach  der  Volkszählung ­
  vom  31.  Dez.  1880:  22,130,684
(O^en  20,394,980  im  3#  1869),  bic
der  Länder  der  Ungar.  Krone  15,610,729
Einw.  (gegen  15,509,455  in  1869),  die
Bevölkerung  der  ganzen  Monarchie  also
37,741,413  Bewohner  und  zwar:

Länder

A.  Im  Reichsrat
vertreteneLänder.
Österreich  unt.d.  Enns
Österreich  ob  der  Enns
Salzburg
Steiermark  ....
Kärnten
Kram
Görz  und  Gradisca  .
Triest
Istrien
Tirol
Vorarlberg  ....
Böhmen
Mähren
Schlesien
Galizien
Bukowina  ....
Dalmatien  ....

Zusammen:
B.  Länder  der  ungar.
  Krone  (1880).
Ungarn-Siebenbürgen
Kroatien  -  Slawonien
Fiume
Grenzgebiet....

Zusammen:

Flächeninhalt
QKil.  QM.

19824
11997
7166
22454
10373
9988
2953
94
4941
26725
2602
51956
22230
5148
78477
10451
12829

300208

280430
23263
20
20332

360
218
130
408
188
181
54
2
90
485
47
944
404
93
1425
190
233

5452

5092,9
422.6
0,4
343.6

5859,3

Bevölkerung ­
  1880

2329021
760879
163566
1212367
348670
481176
210241
144437
295854
805326
107364
5557134
2151619
565772
5953170
569599
474489

22130684

13700005
1191845
21363
697516

15610  729

324045
NachderNat  ion  alitât  verteilte  sich  die
Bevölkerung  von  1869  (35,906,035  Seelen) ­
  :Deutsche  9,180,000(in  den  ehemals
deutschen  Landesprovinzen  7,370,000,  in
Ungarn  1,765,000,  Militärgrenze45,000);
Slawen  16,446,000  (Tschechen,  Mähren ­
  und  Slowaken  6,730,000,  Polen
2.380.000,  Ruthenen  3,104,000,  Slowenen!,260,000, ­
  Kroaten!,424,000,  Serben
1.520.000,  Bulgaren26,000);  Magyaren ­
  5,506,000;  Romanen  3,503,000
(Italiener  530,700,  Friauler  51,200  in
Görz,  Ladiner  18,000  in  Tirol,  Dakoromanen
  2,895,700,  Albanesen  3500,  Griechen ­
  und  Zingare»  3200);  Armenier

18,000;  Zigeuner  156,000;  Juden
1,167,000;  andre  Europäer  (Franzosen,
Briten,  Türken  rc.)  26,000.
Die  Konfessionen  waren  1869  wie
folgt  vertreten:  Länder
des  Reichsrats  der  Ungar.  Krone
Lateinischer  Ritus  16395675  7  558558
Griechischer  Ritus  2842168  1  599628
Armenischer  Ritus  3146  5133
Oriental.  Griechen  461511  2589319
Orient.  Armenier.  1208  646
Lutheraner  .  .  .  252327  1113508
Reformierte.  .  .  111935  2  031243
Israeliten  .  .  .  822220  553641
Den  Rest  bilden  Unitarier  (besonders  in
Ungarn)  und  andre  Sekten.  —  Die  Auswanderung ­
  betrug  1861—66:  10,886,
stieg  aber  1867—70  auf  27,333  (davon
22,765  aus  Böhmen)  und  1871—75  auf
35,080  (davon  21,887  aus  Böhmen).
II.  Urproduktion.
A.  Ackerbau.
Der  Boden  ist  im  allgemeinen  fruchtbar  ;
von  dem  Gesamtareal  nimmt  die  produktive ­
  Fläche  89,03  Proz.,  die  unproduktive
10,97  Proz.  ein.  Die  letztere  wird  durch
die  Gipfel  und  Kämme  der  Hochgebirge,
die  obern  Teile  des  Karstes  und  der  dalmatischen ­
  Höhenzüge,  einzelne  Sümpfe
und  Moore  (in  Ungarn)  und  kleine,  mit
Flugsand  bedeckte  Strecken  gebildet.  Die
erzeugungsfähige  Fläche  besteht  aus:
Ackerland  .  .  .  3658,ss  gcogr.  OMeile»
Weinland....  108,95  -
Wiesen  und  Gärten  1396,67  -
Weiden  .  .  .  1627,56  -
Waldungen  .  .  .  3298,46  -  -
Zusammen:  10  090,49  geogr.  QMeilen
Von  den  beiden  Reichöhälften  besitzen
die  im  Reichsrat  vertretenen  Länder  5084,
die  Länder  der  ungarischen  Krone  5006
QM.  produktiven  Landes,  von  unproduktiver ­
  Fläche  die  erstem  367  QM.,  die
letztem  875  QM.  Bei  natürlichem  Bodenreichtum ­
  und  relativ  dünner  Bevölkerung ­
  ergeben  sich  fast  jährlich  Überschüsse.
Nach  den  Erhebungen  für  Österreich,  das
zu  diesem  Zweck  in  101  Gebiete  geteilt  ist,
und  für  Ungarn  aus  12—13,000  Einzelerhebungen
  beträgt  die  Durchschnittsernte
(in  Millionen  Hektoliter):
        <pb n="369" />
        Österreich  -  Ungarn  (Ackerbau).

361

Weizen  .
Roggen  .
Gerste.  .
Hafer  .  .
Mais  .  .
Halbfrucht
Buchweizen  u.  Hirse
Zusammen

Österreich  Ungam  Zusammen

12,3
24.8
15.9
29.9
5.2
3.2

19.4
15.4
10.4
12.5
16,8
3,5
0,8

91,8

78,8

31.7
40,2
26.8
42,4
22,0
3,5
4,0
170,1

In  Kroatien  und  Slawonien  soll
Ņļiniinalernte  betragen:
Weizen  .  .  .  601700  Hcktol.

Roggen
Gerste.
Hafer.
Mais.

344400
307500
639600
1476000

Zusammen:  3369200  Hektol.
Danach  ist  das  Produktionsquantum  in  der
westlichen  Hälfte  größer  als  in  der  östlichen,
und  auch  die  relativen  Bodenerträge  sind  in
Österreich  erheblich  höher  als  in  Ungarn;
aber  dennoch  bezieht  die  dichtere  industrielle
Bevölkerung  Österreichs  namhafte  Beträge
von  der  agrikolen  Bevölkerling  Ungarns.
Darüber  hinaus  sind  aber  in  der  "Regel
Überschüsse  zur  Ausfuhr  ins  Ausland  geblieben ­
  ;  1874  zeigte  allerdings  einen  Mehrimport ­
  von  5,838,000  Etr.  Ein  Mehrimport ­
  von  Roggen  und  Mais  hat  auch
ziemlich  häufig  stattgefunden.  1871  hatte
der  Umsatz  im  Getreidehandel  164,6  Mill.
Mk.  betragen,  drei  Jahre  später  war  derselbe ­
  auf  290,67  Mill.  Mk.  gestiegen  und
erreichte  1880  den  Wert  von  372,a  Mill.
Mk.  und  zwar  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Getreide  und  Hiilfcnfriichtc  104,9  150,o
Mahlprodukte.  ...  .  22,5  94,o
Zusammen:  127,4  244,9
Diese  Werte,  welche  eine  Einfuhr  von
8.306,726,  eine  Ausfuhr  von  8,719,292
Etr.  repräsentieren,  verteilen  sich  auf  folgende ­
  Hauptposten  (in  Millionen  Eentìì^v):
  Einfuhr  Ausfuhr

Weizen.  .  -
Roggen  .  .
Gerste  .  .  .
Hofer  .  .  .
Mais  .  .  .
Mahlprodukte

2,94
1,09
0,34
0,18
2,63
0,8«

1,89
0,64
2,22
0,71
0,53
1,41

Zusammen:  7,98  7,4o

Die  Ausfuhr  nach  Deutschland  auf  der
Donau  und  Eisenbahn  ist  eine  sehr  beträchtliche. ­
  Allerdings  besteht  dieselbe  nicht
allein  in  den  Produkten  des  Landes,  sondern ­
  auch  in  den  Ernteergebnissen  der
untern  Donauländer.  Eine  Specialität
Österreich-Ungarns  aber  ist  der  Mehlhandel,
  indem  es  durch  seine  vorzüglichen
Mahlprodnkte  auf  allen  Märkten  erfolgreich ­
  aufzutreten  vermag.  Der  Handel  mit
Deutschland,  welcher  gegen  die  Vorjahre
sehr  bedeutend  gefallen  war,  betrug  1880
(mio,met):  sw#,
Weizen  17705  83263
Roggen  13133  63420
Gerste  1942  151473
Hafer  4729  57474
Mais  427  19472
Hlllsenfriìchte  ...  1046  15619
Mehl  30944  22616
Malz  375  33428
Reis  undMaiö  werden  am  meisten  in  Ungarn ­
  und  Kroatien-Slawonien  gebaut.
—  Hinsichtlich  des  Kartoffelbaus
nimmt  Ö.  unter  den  europäischen  Staaten ­
  die  vierte  Stelle  ein;  die  Ernte  von
1878  berechnet  man  auf  91,8  Mill.  hl.
Die  Sudetenländer,  Galizien,  Niederösterreich, ­
  Nordungarn  sind  die  vornehmsten
Produktionsgebiete.  Indessen  deckt  der
Ertrag  den  Bedarf  doch  nicht  immer,  und
eine  Mehreinfuhr  findet  statt;  1880  aber
betrug  die  Einfuhr  139,047,  die  Ausfuhr
127,928  Etr.
Flachs  und  Hanf  werden  in  allen
Ländern  der  Monarchie  gebaut,  doch  ist
im  österreichischen  Staatsgebiet  der  Flachs,
im  ungarischen  der  Hanf  überwiegend.
Mit  Flachs  waren  1878  bestellt  94,431  ha,
welche  einen  Ertrag  von  40,630  Ton.
gaben.  Diese  Produktion  genügt  den  Bedürfnissen ­
  der  Industrie  nicht,  welche  sich
namentlich  in  Böhmen  (im  Reichenberger
Handelskammerbezirk,  auf  den  63  Proz.
aller  Spindeln  des  Reichs  einfallen)  stark
entwickelt  hat;  Trautenau  ist  dort  Centralpunkt. ­
  So  wurden  1880  noch  236,645  Etr.
Flachs  importiert  und  nur  44,181  Etr.
exportiert.  Die  Hanfspinnerei  wird  in  der
Regel  in  den  Flachsgarnspinnereien  betrieben, ­
  doch  spielt  diese  Industrie  in  Triest
eine  wichtige  Rolle,  und  für  Jute  besteht
        <pb n="370" />
        362

Österreich  -  Ungarn  (Ackerbau).

eme  Fabrik  mit  2840  Spindeln  in  Simmering ­
  bei  Wien.  In  der  Leinen-,  Hanfund
  Juteindnstric  waren  1877  überhaupt
thätig:  342,508  Spindeln,  500Kraftstühlc
und  60,000  Handstühle.  Die  Anöfuhrlisten
  zeigen,  daß  Österreich  von  gröbern
Waren  (Packleinwand  nnd  Säcken)  importiert, ­
  daß  dagegen  bei  Leinengarn  nnd
Lcinenwaren  die  Ansfuhr  überwiegt.  Von
Deutschland  führte  es  1880:  723  Ton.
Garn  und  495  T.  Seilerwaren  ein,  dahin
5468  T.  Garn  und  653  T.  Leinwand  ans.
Hinsichtlich  der  Tabakkultur  steht  Ö.
unter  den  europäischen  Staaten  obenan.
Der  Anbau  sowohl  wie  die  Fabrikation  ist
Staatömonopol.  1877bezifferte  sich  dieProduktion
  vonTabaksblättern  anf61,698.000
kg,  davon  57,164,800  kg  aus  Ungarn  nnd
4,534,100kg  aus  Österreich,  wo  diese  Kultur ­
  in  Galizien,  Südtirol  und  der  Bukowina ­
  gepflegt  wird.  Aber  die  Fabrikation,
welche  37  meist  großartige  Etablissements
beschäftigt,  bedarf  auswärtiger  Zufuhren.
Deutsche,  türkische  liiib  überseeische  Rohtabakc
  werden  zu  Cigarren,  Cigaretten,
Rauch-  und  Schnupftabak  verarbeitet.
Den  Umfang  dieser  Industrie  illustriert
nachstehende  Tabelle:
Österreich  1873  Ungarn  1872
Fabriken  27  10
Arbeiter  27453  10666
Cigarren  (Mill.  Stück).  1239,«  529,3
Rauchtabak  (Tausd.Ctr.)  526,4  213,5
Schnupftabak  (Tsd.  Ctr.)  '  48,5  3,2
Der  Rohtabak  für  die  ararischen  Fabriken
geht  zollfrei  ein.  Die  Einfuhr  belief  sich  I
1879  auf  99,488.  1880  auf  121,964  Ctr.  ;
der  Export  von  Tabakfabrikaten  ist  indes
nicht  so  viel  größer,  um  den  Ausfall  auszugleichen. ­
  Von  allen  Tabakfabrikaten
wurden  1880  eingeführt  34,465,  ausge-  ¡
führt  14,878Ctr.  Die  frühersehrbeträcht-  ļ
liehe  Mehreinfnhr  von  Tabak  nnd  Tabakfabrikaten ­
  ist  zwar  bedeutend  gesunken,
won  261,699  Gir.  in  1874  auf  84,339  Gtr.
in  1880;  allein  noch  im  letzten  Jahr  war
der  Eiilfnhrwert  43,9  Mill.  Mk.  gegen
einen  Ausfuhrwert  von  16,9  Mill.  Mk.
Die  Zuckerrübenkultnr  ist  eine  sehr
ausgebreitete;  1876  waren  damit  in  Östereeich
  (namentlich  Böhmen  und  Mähren)
168,009  ha,  in  Ungarn  18,685  ha  bestellt.

Die
21

ie  Zahl  der  Fabriken  war  in  Österreich
■3  (Böhmen  159),  in  Ungarn  18;  im
ganzen  wurden  12,930,67i  metr.  Ctr.
Rüben  versteuert.  Die  Gewinnung  von
Rübenzucker  ist  sehr  entwickelt;  der  Ertrag
war  allerdings  großen  Schwankungen
unterworfen,  er  betrug  in  der  Kampagne
1875-76:  3,602,76900'.,mql878-79
auf  7,800,000  Ctr.;  1879-80  ergab  aber
nur  4,178,200  Ctr.  Der  Export  ist  ein
recht  bedeutender  und  versorgt  hauptsächlich ­
  Italien,  Rumänien  und  den  Orient.
1879  bewegte  sich  der  Zuckerhandcl  in  folgenden ­
  Grenzen  (in  metrischen  Centnern):
Einfuhr  Ausfuhr
ZfCù  :  :  :  :  232,,M
Sirup  uud  Melasse  11147  139010
Der  Hopfe  »bau  ist  in  Böhmen  von
sehr  großer  Wichtigkeit,  namentlich  ist  die
Umgebung  von  Saaz  berühmt;  in  Ungarn
wird  er  nur  in  sehr  geringem  Maß  betrieben. ­
  Die  Jahresproduktion  von  ca.
100,000  Ctr.  liefert  noch  sehr  ansehnliche
Mengen  zur  Ausfuhr;  1880  betrug  dieselbe ­
  30,262  Ctr.  gegen  eine  Einfuhr  von
nur  7621  Ctr.
Auch  der  Anbau  von  Raps  ist  in  Ungarn ­
  sehr  bedeutend  und  findet  sonst  noch
in  Galizien,  Böhmen,  Schlesien,  Siebenbürgen ­
  statt,  nnd  die  Ausfuhr  ist  stets
eine  recht  ansehnliche  (1880:  403,125  Ctr.
gegen  einen  Import  von  nur  58,753  Ctr.).
Die  übrigen  Produkte  des  Landbaus:
Fenchel  und  Kümmel,  Anis,  Gelbholz,
Krapp,  Mohn,  türkischer  Pfeffer,  Safran,
Baumwolle  (Dalmatien)  sind  aber  von
weit  geringerm  Belang.
Für  den  Handel  wichtig  ist  der  Anbau
von  Gemüse,  der  namentlich  in  Mähren
zu  bedeutender  Entwickelung  gekommen
ist  nnd  auch  bei  Görz  betrieben  wird.  Noch
größer  ist  aber  die  Produktion  von  Obst;
echte  Kastanien  kommen  mitunter  in  ganzen ­
  Wäldern  vor,  Orangen,  Citronen,
Feigen  und  Granatäpfel  sind  in  mehreren
südlichen  Gegenden  zu  finden.  Olivenpflanzungen ­
  befinden  sich  in  Dalmatien,
wo  die  Ernte  von  1874:  258,982  hl  Öl
ergab,  in  Istrien  nnd  Südtirol.  —  Hinsichtlich ­
  des  Weinbaus  steht  Ö.  unter
den  europäischen  Staaten  an  dritter
        <pb n="371" />
        .  Österreich-Ungarn  (Viehzucht).  363

Stelle.  Wie  schon  oben  angegeben,  sind
108,95  QM.  mit  Wein  bepflanzt,  und  die
durchschnittliche  Jahresproduktion  wird
auf  20  Mill,  hl  geschätzt.  Einzelne  Weine
werden  an  Güte  weder  voir  spanischen  noch
italienischen  übertroffen,  die  große  Masse
Üt  mittelgut.  Von  der  Gesamtproduktion
tonnncn  auf  Ungarn  und  Nebenländer
80  Pro;.,  ans  Niederösterreich5Proz.,  auf
Steiermark  4  Proz.,  auf  das  Küstenland
und  Dalmatien  je  3  Proz.,  auf  Tirol  und
Mähren  je  1*,',  Proz.,  auf  Kram  I  Proz.,
auf  Böhmen  nur  0,2  Proz.  DerWeinhandcl
  ist  demnach  ein  lebhafter,  und  der  Export
ist  in  den  beiden  letzten  Jahren  von  14,2
Mill,  auf  29,2  Mill.  Mk.  Wert  gestiegen.
Für  1880  betrug  die  Einfuhr  29,861  Etr.,
die  Ausfuhr  904,490  Etr.  Dabei  wurden
don  frischem  Obst  308,510  Etr.,  von  zubereitetem ­
  156,368  Etr.  exportiert,  während
sur  22,2  Mill.  Mk.  zur  Einfuhr  gelangte.
Zur  Förderung  der  Landwirtschaft  bestehen ­
  in  Österreich  240  Vereine  mit  317
Filialen,  in  Ungarn  66  Vereine.  Um  dem
Grundbesitzerzü  mäßigen  Zinsen  Betriebsund
  Verbesserungskapitalien  zuzuführen,
bestehen  folgende  Institute:  die  Österrelch.-Ungar.
  Bank  (als  Hypothekenbank),
die  Allgemeine  österreich.  Bodenkreditanstalt, ­
  die  Österreich.  Hypothekar-,  Kreditund
  Vorschnßbank,  die  Österreich.  Hypothekenbank, ­
  die  Wiener  Hypothekenkasse,  die
Österreich.  Central-Bodenkreditbank,  die
Österreich.Hypothekarrentcnbank,dieRealkreditbank
  und  die  Österreich.  Aktiengesellschaft ­
  für  Bodenkultur,  alle  in  Wien;  die
Böhm.  Hypothekenbank  (Landesbank),  die
Landwirtschaftl.Kreditbank  und  die  Böhm.
Bodenkreditgesellschaft  in  Prag,  der  Kredit-und ­
  Hypothekenverein  in  Saaz,  die
Schles.  Bodenkreditanstalt  (Landesbank)
in  Troppan,  der  Schles.  Realkreditverein
daselbst,  der  Galiz.Bodenkreditverein(Landeöanstalt),
  die  Galiz.  Aktienhypothekenbank ­
  intb  die  Galiz.  Rustikalkreditanstalt
in  Lemberg,  die  Galiz.  Bodenkreditanstalt
in  Krakau,  das  Ungar,  (wechselseitige)
Bodenkrcditinstitut,  die  Ungar.  Hypothekenbank, ­
  die  Ungar,  allgemeine  Bodenkreditaktiengesellschaft
  und  die  Volks-Bodenkreditanstalt ­
  in  Budapest,  die  Ban  -  und
Bodenkreditbank  in  Ödenbnrg.

N.  Bichzucht.
Trotz  günstiger  Vorbedingungen  hat
dieser  Erwcrbözweig  nicht  die  Stufe  erreicht, ­
  U'elche  er  einnehmen  müßte.  Nach
der  Zählung  von  1869  gab  es:
Pferde  .  .  3569434  Ziegen  .  .  1522055
Rinder  .  .  15776702  Schweine  .  6994752
Schafe  .  .  20103395
Von  den  beiden  Reichshälften  ist  die  ungarische ­
  die  eigentliche  Heimat  der  Pferde;
ans  sie  entfallen  2,179,811  Stück  der  Gesamtzahl. ­
  Daher  vermag  das  Land  stets
zu  exportieren;  so  wurden  I  880eingeführt
7677,  ausgeführt  37,449  Pferde.  Der
Bestand  der  Fleischtiere  ist  kein  so  überaus ­
  reicher;  cs  entfallen  nämlich  auf  1000
Einwohner  357  Rinder,  564  Schafe  und
196  Schweine.  Aber  der  Handel  ist  ein
sehr  lebhafter.  Ans  Serbien  und  den
Donaufürstentümern  wird  Vieh  eingeführt, ­
  um  seinen  Weg  weiter  nach  W.  zu
nehmen.  1880  war  der  Handel  in  :

Einfuhr  Ausfuhr
Rinder  59908  49998
Schafe  50584  371932
Schweine  ....  225721  273643

Dazu  kommt  noch  ein  ziemlich  starker  Posten ­
  von  Wildbret,  von  frischem  Fleisch  re.
Der  Wert  dieses  Handels  wurde  1880  berechnet ­
  in  der  Einfuhr  auf  25,946,694  Mk.,
in  der  Ausfuhr  auf  87,334,572  Mk.  Was
den  jährlichen  einheimischen  Konsum  betrifft, ­
  so  ergeben  sich  folgende  Resultate:
330,000  Pferde-,850,000  Ochsen-,900,000
Kuh-  und  1,900,000Jungviehhäute,  dann
5  Mill.  Schaf  -  und  500,000  Ziegenfelle.
Trotzdem  werden  beträchtliche  Mengen  von
Häuten  und  Fellen  wie  auch  von  Haaren
und  Borsten  importiert;  1880  betrug  (in
Eentnern):  Einfuhr  Ausfuhr
Kalbfelle  2510  22101
Schaf  -  und  Ziegenfelle  .  59031  19103
Hasen-  und  Kaninchenfelle  1412  2418
Andre  Felle  83743  21217
Haare  und  Borsten  .  .  7557  3  041
Der  Wert  dieses  Handels  betrug  in  der
Einfuhr  47,8  Mill.,  in  der  Ausfuhr  26,4
Mill.  Mk.  Die  sehr  verbreitete  Lederindustrie ­
  hat  namentlich  im  fabrikmäßigen  Betrieb ­
  große  Fortschritte  gemacht.  In  Wien
und  Umgebung  sowie  andern  Gegenden  bestehen ­
  bedeutende  Etablissements,  welche
        <pb n="372" />
        I

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lisi  ;!Î4

364

Österreich  -  Ungarn  (Forstwirtschaft).

zum  Teil  vorzügliche  Artikel  liefern;  indes ­
  wird  doch  der  heimische  Bedarf  nicht
gedeckt.  Von  Fabrikaten,  welche  in  namhaften ­
  Mengen  zur  Ausfuhr  gelangen,
sind  Schuhwarcn  und  Handschuhe  zu  nennen. ­
  Auch  Ledergalanteriewaren  und  andre
feine  Lederwaren  werden  viel  ausgeführt.
1879  war  der  Handel  mit  Leder  und  Lederwaren ­
  (in  Centnern):
Einfuhr  Ausfuhr
Sohlen  und  andres  Leder.  .  63905  .  8413
Feines  Leder  4714  1569
Grobe  und  Schuhmacherwaren  1802  7746
Feine  Lederwaren  ....  1458  9735
Von  andern  tierischen  Produkten  sind
noch  Federn,  von  denen  1880:  33,178(50'.,
(Sicr,  wovon  272,042  Etr.  exportiert  wurden, ­
  und  Käse  zu  neunen.  —  Der  österreichische ­
  Bieherport  geht  ausschließlich  über
die  deutsche  Grenze.  Daher  war  das  Verbot ­
  der  Einfuhr  Ende  1877,  als  man
Maßregeln  gegen  die  Einschleppung  der
Rinderpest  nahm,  von  der  nachteiligsten
Wirkung  für  diesen  Handel,  und  der  Ausfall ­
  bezifferte  sich  auf  nicht  weniger  als  40
Mill.Mk.  1880  wurden  nach  Deutschland
eingeführt:  366,141  Schweine,  41,934
Schafe,  34,866  Rinder,  13,281  Pferde.
Die  Wollproduktion  des  Kaiserreichs ­
  schaßt  man  auf  48,5  Mill.  Pfd.  pro
Jahr.  In  Mähren  und  Schlesien,  Böhmen, ­
  Nieder-  und  Oberösterreich  wird  edle
Schafzucht  getrieben,  die  dort  schon  die
Zucht  der  gewöhnlichen  Rassen  überwiegt.
Die  Wollindustrie  ist  besonders  in  Mähren, ­
  Böhmen,  Schlesien,  Ober-  undNiedcrösterrcich
  thätig.  Der  Verbrauch  von  Rohwolle ­
  (auf  ca.  70  Mill.  Pfd.  veranschlagt)
ist  daher  weit  bedeutender  als  die  Produktion; ­
  1880  wurden  eingeführt231,402
Etr.,  ausgeführt  112,582  Etr.,  und  obschon ­
  die  Streichaarnspinnerei  die  höchste
Stufe  der  Vollkommenheit  erreicht  hat
und  mit  0875)  563,694  Spindeln,  22,000
Handstühlen  und  1906  Kraftstühlen  arbeitet, ­
  während  die  Kammgarnspinnerei
über  77,410  Spindeln,  13,704  Handstühle
  und  4424  Kraftstühle  verfügt,
io  entspricht  doch  die  Garnproduktion
durchaus  nicht  den  Bedürfnissen;  1880
s.chbortierte  man  von  Garnen  aller  Art
",¿13  (50.,  wahrend  der  Export  nur

12,886  Etr.  erreichte.  Indessen  führt  £&amp;gt;.
fertige  Ware  aus,  namentlich  Web-  und
Wirkwaren,  deren  Wert  1880:  48,2  Mül.
Mk.  erreichte,  während  die  Einfuhr  nahe
an  22  Mill.  Mk.  betrug.
Seidenzucht  wird  hauptsächlich  in
Südtirol,  dann  in  Görz  gepflegt  und  die
jährliche  Produktion  auf  20,000  Etr.  Kokons ­
  geschätzt.  Die  Rohseide  wird  auf
110,722  Spindeln,  7800  Haudftübleu  und
700  Kraftstühleu  verarbeitet.  Für  Ungarn
nimmt  man  eine  jährliche  Produktion  von
300Rohseide  an.  1880  betrug  (in  Millionen ­
  Mark):  Einfuhr  Ausfuhr
Rohseide  .  .  .  34,8  13,s
SeideiNvaren.  .  34,3  6,i
Jagd  und  Fischerei  sind  Nebenbeschäftigungen ­
  ;  die  erstere  findet  reiche
Beute  in  den  ausgedehnten  Waldungen.
Die  Teichwirtschaft  in  Böhmen,  Mähren
und  zum  Teil  in  Österreich  verdient  besondere ­
  Erwähnung;  Flüsse  und  Seen
sind  sehr  fischreich.  Für  die  Küstenbewohncr,
  namentlich  von  Istrien  und  Dalmatien, ­
  ist  die  Seefischerei  von  Bedeutung.
Doch  müssen  große  Quantitäten  eingefllhrt
  werden,  namentlich  von  Heringen
(1880:  65,280  Etr.)  und  Stocksiscbcii
(10,935  Etr.).  Die  Einfuhr  wertete  1830:
7,9  Mill.,  die  Ausfuhr  2,3  Mill.  Mk.
U.  Forstwirtschaft.
Der  Wald  ist  eine  sehr  ergiebige  Einnahmequelle ­
  der  Monarchie;  er  nimmt
fast  ein  Drittel  der  produktiven  Bodenfläche
  ein  und  fehlt  nur  in  einigen  Strichen, ­
  z.  B.Dalmatien,  wo  nur  Niederwald
existiert,  über  1 h  der  Waldungen  ist  Eigentum ­
  des  Staats.  Man  berechnet  das  dürchschuittlicheJahreSerträgniSanBreun-und

Banholz  auf  200  Mill.  Kubikfuß.  Wie
wichtig  der  Holzhandel  für  das  Land  ist,
zeigt  eine  Aufstellung  der  Bewegung  in
den  vornehmsten  Holzsorten  (iuCentnern)  :
Einfuhr  Ausfuhr
Brennholz  .  .  .  719232  1991624
Säjzewarrn  .  .  .  116391  5174512
Faßdauben  ...  7949  751606
Andres  Werkholz  .  688723  8768499
Auch  die  Nebennutzungen  der  Wälder:
Eicheluug,  Pottasche,  Harz,  Teer,  Lohe,
Sumach,  Serpentin  u.  a.  liefern  sehr  beachtenswerte ­
  Handelsartikel.
        <pb n="373" />
        3G5

Österreich  -  Ungarn  (Bergbau).

I&amp;gt;.  Bergbau.
Au  Mannigfaltigkeit  der  Erze  und  andrer ­
  Mineralien  übertrifft  die  Monarchie
bielleicht  alle  übrigen  europäischen  Staaten, ­
  doch  sind  die  Lagerstätten  in  vcrhältņismästig
  geringem  Maß  benutzt.  Ohne
Rücksicht  auf  den  Ertrag  nutzbarer  Steine
und  Erdarteu  mag  man  den  Geldwert  der
Montanprodukte  auf  mehr  als  240  Mill.
Mk.  jährlich  veranschlagen,  wovon  auf
huttenmaßig  verarbeitete  Erze  86  Mist.,
gala  68  9WU.,  4(i  Wiß.,
Braunkohlen  40  Mill.Mk.  entfallen.  Am
reichsteil  sind  Ungarn  mit  51,6  Mill.,  Böhmen ­
  mit  51  Mill.,  Galizien  mit  27  Mill.,
Siebenbürgen  mit  20,6  Mill.,  Oberösterreich ­
  mit  1  2,«Mill.,  Mähren  mit  12,4  Mill.
Mk.  Produktionswert,  danach  Kärnten,
Kram,  Tirol,  Salzburg  u.  a.  Inl  Bergund
  Hüttenbetrieb  waren  1876  beschäftigt: ­
  iil  Österreich  91,056,  in  Ungarn
±4,917,  zusammen  135,834  Personen.
Gold  und  Silber  liefern  hauptsächllch
  Siebenbürgen  und  Ungarn,  Silber
bor  allem  Böhnlen.  Nach  Soetbeer  wurden ­
  von  1493-1875  gefördert:  7,770,135
%  Gilbet  im  Bert  bon  1398,c  Wiü.  ^f.
und  460,650  kg  Gold  int  Wert  von
4285,2  Mill.  Mk.  In  den  letzten  Jahren
Zeigte  sich  eine  stete  Zunahme  derSilberausbeute
  in  Böhmen,  aber  auch  die  Golderträge
habe»  zugenommen.  Die  Gewinnung  Voll
Gold  betrug  (in  Kilogrammen):
Österreich  Ungarn  Zusammen
1870:  13,6  1890,0  1903,6
1877:  8,7  1704,7  1713,4
1878:  10,9  1807,2  1824,l
1879  stieg  der  Goldertrag  Österreichs  auf
17  kg.  Die  Silbererträge,  welche  früher ­
  mehr  aus  Ungarn  kamen,  lvcrdcn  jetzt
vorzugsweise  von  Österreich  geliefert.  1871
stammten  von  einem  Gesamtertrag  von
'46,468,5  kg  Silber  aus  Österreich  16,341
kg,  ausUngarn20,l27,5kg.  Jetzt  hat  sich
das  Verhältnis  umgekehrt.  Es  kamen  ans  :
Österreich  Ungarn  Zusammen
1876:  25166,0  22784,4  47950,4
1877:  27168,9  20506,4  47675,3
1878  :  29090,5  19571,1  48661,0
4879  war  Österreichs  Silbergewinnnng
stuf  29,534,7  kg  gewachsen.  Während  Einfuhr ­
  und  Ausfuhr  von  Gold  1879  und

1880  ziemlich  konstant  blieben,  die  erste
mit  ca.  42,5  Mill.,  die  zweite  mit  6,5  Mill.
Mk.,  fiel  bei  Silber  die  erste  von  82,7  Mill,
auf  13,9  Mill.  Mk.,  während  die  zweite
von  9,9  Mill.  auf  30,7  Mill.  Mk.  stieg.
Mit  guten  E  i  f  c  n  e  r  z  e  n  ist  Ö.  reich  bedacht, ­
  sie  finden  sich  in  den  Alpenländern
(von  vorzüglicher  Güte  in  Steiermark),
in  den  Sudeten  und  Karpathen.  Die  Gesamtförderung ­
  erreichte  1873  ihren  Höhepunkt ­
  mit  1,588,256  Ton.  im  Wert  von
13,099,888  Mk.,  sank  aber  von  da  ab  und
betrug  1879  nur  628,246  T.  Früher
führte  Österreich  beträchtliche  Mengen  von
Erzen  ein,  1872  noch  15,675  T.;  jetzt  übersteigt ­
  die  Ausfuhr  (1866  erst  22  T.)  die
Einfuhr  sehr  ansehnlich.  1880  wurden
Eisenerze  eingeführt  259,094  Ctr.,  aus-Q#)rt
  508,322  Gtr.
Kupfererze  liefert  hauptsächlich  Ungarn ­
  ,  in  geringerm  Maß  Tirol,  Steiermark, ­
  Kram;  Zinn  Böhmen  ;  Zink  Galizien, ­
  Krain,  Kroatien;  Schwefel  Kroatien,
Galizien,  Böhmen;  Graphit  Böhmen,
Steiermark,  Mähren  und  Nicderösterreich  ;
andre  Produkte  sind:  Antimon,  Schwefelerz, ­
  Alaun,  Vitriolschiefcr,  Asphalt,  Petroleum ­
  in  Galizien,  doch  werden  die  dortigen ­
  reichen  Erdölquellcn  noch  sehr  wenig
ausgebeutet  und  dorthin  sogar  moldauisches ­
  und  walachisches  Petroleum  importiert. ­
  Österreich  (ohne  llngaru)  produzierte ­
  1879  aus  seinen  Werken:  86,795
Ctr.  Schwefelerz,  1,171,249  Ctr.  Alaun
und  Vitriolschiefer,  34,337  Ctr.  Braunstein, ­
  114,909  Ctr.  Graphit,  wobei  die
Heiden  ersten  Posten  eine  Zunahme,  die
letzten  eine  Abnahme  gegen  das  Vorjahr
zeigen.  Der  Handel  mit  den  wichtigsten
Produkten  gestaltete  sich  1880  (in  metrischeu
  (Initiiern):  ^mstch,  »Ģ
Bleierz  372  24728
Zinkerz  201  21985
Aïobsllt  und  Nickelerze  175  2326
Graphit  3356  84171
Mineralöle  .  .  .  .1148506  10113
Auch  die  Steinbrüche  liefern  bedeutende
Erportmengen  von  Kalk,  Gips,  Schiefer,
Marmor  und  andern  Steinen  sowie  Erden ­
  zum  technischen  Gebrauch.
Die  Koh  len  Produktion  Österreichs  ist
        <pb n="374" />
        366

Österreich--Ungarn  (Kohlen-  und  Hüttenproduktion).

in  der  jüngstenZeit  mächtig  gestiegen  ;  1865
hatte  dieselbe  nur  50,693,030  Ctr.  geliefert, ­
  1879  betrug  die  Förderung  vonBraunkohle
  158,118,704  Ctr.,  von  Steinkohle
107,572,098Ctr.,einkvlossalerAufschwu»g
gegen  die  Vorjahre.  Die  Steinkohlenreviere ­
  liegen  längs  einer  Linie,  welche  bei
Pilsen  an  der  bayrischen  Grenze  beginnt
und  bis  nach  Galizien  an  die  russische
Grenze  reicht.  Doch  sind  die  Lager  wenig
ausgedehnt  und  häufig  schwer  abzubauen.
Die  Braunkohle»,  unerschöpflich  und  leicht
abzubauen,  eignen  sich  für  die  verschiedensten ­
  industriellenZwecke  wie  für  den  Hausbedarf. ­
  Das  ausgedehnteste  Becken  dehnt
sich  am  südlichen  Abhang  des  Erzgebirge«
aus  und  nimmt  mit  seiner  jährlichen  Forderung ­
  von  4,8  Mill.  metr.  Ton.  unter
allen  Kohlenrevieren  Österreichs  den  ersten
Rang  ein.  An  den  Steinkohlenbergwerken
waren  beschäftigt  399  Dampfmaschinen,
an  den  Braunkohlenbergwerken  475.  Wie
sehr  die  Monarchie  vom  Ausland  für  die
eine  Art  der  Kohle  abhängig  ist,  während
sie  die  andre  verschickt,  zeigeil  die  nachstehenden ­
  Ziffern  für  1880:
Einfuhr  Ausfuhr
Braunkohlen.  .  72024  27054516
Steinkohlen  .  .21602453  3117039
Koks  386252  177042
Das  böhmische  Braunkohlenbecken,  in
welchem  auch  viel  englisches  und  belgisches
Kapital  investiert  ist,  mit  den  Produktionscentren
  Karbitz-Mariaschein  und
Dux-Ossegg  hat  sein  Hauptabsatzgebict
vornehmlich  in  Norddeutschland,  aber  sogar ­
  in  der  Schweiz  und  im  Elsaß.  1880
wurden  nach  Deutschland  3,066,546  Ton.
ausgeführt.  Weder  Verkokung  der  Braunkohle ­
  noch  der  Steinkohle  haben  bisher  sehr
günstige  Nesilltate  geliefert,  doch  erzeugt
die  Donau  -  Dampfschiffahrtögescllschaft
für  ihren  eignen  Bedarf  Briquetts  aus
Fünfkirchner  Steinkohle,  und  auch  in
Ostrau  werden  Briquetts  fabriziert.  Auch
Torflager  werden  in  Tirol,  Böhmen
und  Salzburg  ausgebeutet  und  liefern  nennenswerte ­
  Beiträge  zur  Ausfuhr.  Die
Gesamteinfuhr  von  Kohle  und  Koks  betrug ­
  1880:  44,3  Mill.  Mk.  gegen  eine
Ausfuhr  von  72.2  Mill.  Alk.  Der  Geldwert ­
  der  Produktion  von  Eisenerzen  und

Kohle  wird  für  1879  auf  80,7  Mill.  Ml.
berechnet.
Die  Hüttenproduktion  hat  indes
mit  dem  großen  wirtschaftlichen  Aufschwung ­
  des  letztenJahrzehntS  nichtSchritt
gehalten.  Die  Anzahl  der  Hohöfen  im  Betrieb ­
  sank  stufenweise  von  121  in  1874
auf  75  in  1879;  im  letzten  Jahr  wurden
5,119,062Ctr.Frischroheisen  und  597,723
Ctr.  Gußroheisen,  zusammen  für  41,«Mill.
Mk.,  hergestellt.  Auch  in  den  übrigen  Zweigen ­
  ist  kein  Fortschritt  erkennbar.  Die  Produktion ­
  war  (in  metrischen  Centner»):
1878  1870
Quecksilber  ...  3700  4  285
Blei  56112  59803
Glätte  35425  32012
Zink  36226  32807
Bemerkenswert  ist  der  Aufschwung,
den  in  kurzer  Zeit  die  Erzeugung  von
Bessemer-  und  Martinstahl  genommen
hat.  1864  wurden  erst  3057  Ctr.  Martinstahl ­
  in  2  Werken  hergestellt.  1878
lieferten  11  Werke  1,035,904  Ctr.  Die
Produktion  von  Martinstahl  ist  noch
jünger,  sie  datiert  von  1870.  Damals
lieferten  2  Werke  2986  Ctr.,  1878  stellten
5  Werke  258,886  Ctr.  her.  Nach  der
offiziellen  Statistik  bestanden  1876  in
Österreich  crkl.  Ungarn  folgende  Anlagen:
Anlagen  Kessel

Hohöfen  27  107
Eisenwerke  29  265
Eisengießereien  ....  28  30
Eisen-,  Stahl-,  Walz-  und
Puddlingswerke  ...  53  508

An  Salz  ist  die  Monarchie  außerordentlich ­
  reich.  Unerschöpfliche  Steinsalzlager
  existieren  in  den  Karpathen,  namentlich ­
  zu  Wieliezka  und  Bochnia  in  Galizien,
Marinaros  in  Ungarn  ;  Salz  gewinnt  man
auch  aus  der  künstlichen  Sole  in  den  Alpen ­
  und  der  natürlichen  in  Galizien,  Bukowina, ­
  Ungarn,  Meersalz  an  deristrischen
und  dalmatischen  Küste.  Die  Salzproduktion ­
  durch  9017  Arbeiter  wertete  1879:
43,3  Mill.  Mk.  und  zwar  (in  Centnern):
Steinsalz  .  1093276  Seesalz  .  .  780174
Sudsalz.  .  2966444  j  Zndnstriesalz  252764
Gewinnung  und  Verkauf  sind  Staatömonopol,
  nur  die  Erzeugung  von  Seesalz
  ist  Privaten  freigegeben,  lvelche  aber
        <pb n="375" />
        r

Österreich-Ungarn  (Industrie).

367

das  Produkt  dein  Ärar  zu  verkaufen  vdcr
auszuführen  gehalten  sind.  Der  Export
übersteigt  den  Import  in  der  Regel  um
ein  Erhebliches;  1880  betrug  der  erste
157,047  Ctr.,  der  zweite  808,094  Etr.
Mit  Hinzurechnung  aller  nicht  angeführten ­
  minder  wichtigen  Erzeugnisse  stellt  sich
der  Geldwert  (loco  Grube  imb  Hütte,  in
miüwmWW):  um,  'lg?,.,
Bergwerksprodukte  .  .  .  78,4  80,7
Hüttenprodukte  ....  44,g  41,8
Salinenprodukte....  43,l  43,4
Der  Gesamtwert  der  Bcrgban-  imb
Hüttenproduktion,  nach  Abzug  des  Werts
der  verhütteten  Erze,  beziffert  sich  1878
tnit  106,2  Mill.  Aik.  und  ist  gegenüber
1877  um  1.45  Mill.  Mk..  gegen  1876
aber  um  6,6  Mill.  Mk.  geringer.  Demgemäß ­
  hat  sich  auch  die  Zahl  der  Arbeiterdon
  92,315  in  1876  auf  91,706  in  1878
reduziert.
III.  Industrie.
,  Als  Forderuugömittel  der  Industrie
sind  in  erster  Linie  die  Handels-  und
Gewerbekammern  zu  betrachten,  von  denen ­
  im  österreichischen  Staatsgebiet  29,
im  ungarischen  13  bestehen;  ferner  aber
auch  die  Gewerbevercinc,  von  welchen
wir  nur  einige  nennen  können:  Niederösterreichischer
  Gewerbeverein,  Österreichischer ­
  Ingenieur-  und  Architektenverein, ­
  Verein  der  österreichischen  Industriellen, ­
  Centralvercin  für  Rübenzuckerindustrie
  und  Verein  für  die  österreichische
Eisenindustrie  in  Wien,  der  Ungarische
Landesindustrieverein  und  der  Landesgcwerbebund
  in  Budapest  u.  a.  Am  meisten ­
  zu  Hauö  ist  die  gewerbliche  Produktion ­
  in  Böhmen,  Mähren,  Schlesien,
Niedcröfterreich  und  Vorarlberg.  Nach  der
Zählung  von  1869  waren  bei  der  gewerblichen ­
  Industrie  2,920,280  Personen  beschäftigt,davon ­
  inCisleithanien2,273,316,
Ungarn  646,964.
Die  Textilindustrie  stellte  hierzu
das  stärkste  Kontingent,  nämlich  890,951
Arbeiter  (797,398  in  Eisleithanien  und
93,553  in  Ungarn).  Mehr  als  die  hierher ­
  gehörigen  Industrien  in  Wolle,  Hanf,
Seide,  von  denen  wir  schon  oben  gesprochen ­
  haben,  ist  es  die  BaumwoNindnstrie,

welche  Erwähnung  verdient.  Dieselbe
1875:  1,497,333  @#,^1,,,
55,000  Handstühle  und  22,877  Kraftstühle.
  Der  Rohstoff  muß  fast  ausschließlich ­
  eingeführt  werden,  1880  betrug  dieser
Import  649,228  Ctr.  ;  nur  40,643  Etr.
gelangten  zur  Ausfuhr.  Aber  auch  die
Garne,  namentlich  über  Nr.  39,  müssen
zum  großen  Teil  importiert  werden;  1880
wurden  von  verschiedenen  Baumwollgarnen ­
  eingeführt  115,329  Ctr.,  ausgeführt ­
  5128  Ctr.  Besser  steht  es  mit  der
Weberei,  welche  in  erster  Reihe  in  Böhmen, ­
  namentlich  im  Neichenberger  Handelskam ­
  nierbezirk,  in  Mähren,  Schlesien,
Niederösterreich,  Vorarlberg  zu  Hauö  ist.
Die  Hauptprodnktion  besteht  in  Kattun,
namentlich  Druckkattun.  Der  Handel  mit
den  hauptsächlichsten  Baumwollgewebeu
ergab  1880  folgende  Resultate:  Einfuhr
8273  Ctr.,  Ausfuhr  26,816  Ctr.  Baum
Wollsamte  werden  in  Böhmen  (Warnsdorf ­
  undllnihebung)  in  besonderer  Vollendung ­
  gearbeitet,  aber  dennoch  überwiegt
derErport(1880:1666Ctr.  gegen  431Ctr.).
Die  Industrie  in  Atetallen  ist  eine
außerordentlich  vielseitige.  Leider  bestehen
aber  keine  offiziellen  Nachweise  über  die
Produktion,  nur  über  die  Zahl  der  Anlagen ­
  haben  wir  Angaben.  1876  bestanden  :
Etablissements  Kessel
Maschiiienschlosscreicn  ...  25  29
Drahtstift-  und  Drahtfabriken  31  35
Metallwarenfabriken.  ...  36  62
Andre  Eisenwarenfabriken.  .  28  36
Maschinenfabriken  ....  122  242
Maschinenwcrkstätten  ...  71  136
Mit  Fabrikaten  aller  Richtungen  tritt
Ö.  im  Handel  in  bedeutendem  Maß  auf,
namentlich  aber  exportiert  eö  Sensen,  Sicheln, ­
  Futterklingen,  grobe  Waren  aus
Guß-  und  Schmiedeeisen  wie  aus  Stahl,
Drahtstifte,  Schrauben,  emailliertes  Geschirr, ­
  feine  Eisenwaren,  überhaupt  feine
Metallwaren,  während  es  andre  Waren,
wie  Nähnadeln,  Schreibfcdcru,  Schneidewerkzeuge,
  mehrvomAusland  bezieht.  Doch
ist  auch  in  den  obengenannten  Artikeln
wie  in  allen  andern  der  Metallindustrie
die  Einfuhr  recht  beträchtlich  und  balanciert
in  vielen  Fällen  mit  dem  Export.  Das
Gleiche  ist  von  der  sehr  vielscitigcnJndnstrie
        <pb n="376" />
        3G8

Österreich-Ungarn  (Industrie).

m  Maschinen  und  Werkzeugen  zu  sagen,
obschon  hier  int  allgemeinen  die  Einfuhr
eine  stärkere  ist,  so  bei  landwirtschaftlichen
und  andern  Maschinen  aus  Holz  und  Eisen,
Lokomobilen.  Ganz  besonders  stark  aber
tritt  die  Kurzwarenindustrie  im  Export
auf.  Der  Mehrerport  von  Gold-  und
Silbergespinsten,  sonstigen  Gold-  und
Silbcrarbeiten,  Waren  aus  Bernstein,
Schildpatt  rc.  und  andern  feinen  kurzen
Waren  überstieg  1879:  550,000  kg.
Die  Fabrikation  keramischer  Produkte ­
  hat  sich  in  den  letzten  Decentsten
zu  bedeutender  Höhe  emporgeschwungen,
namentlich  befindet  sich  aber  diePorzellanund
  Glasindustrie  auf  einer  sehr  hohen
Stufe.  Die  Porzellanmannfaktur
beschränkt  sich  ausschließlich  auf  Böhmen,
wo  1877:  25  große  Fabriken  in  Thätigkeit
standen,  während  Ungarn  nur  2  auszuweisen ­
  hatte.  In  Nordböhmen  ist  die  Erzeugung ­
  von  Siderolithwarcn  von  Wichtigkeit. ­
  In  der  Umgegend  von  Wien  u.  a.  O.
hat  die  Ziegelfabrikation  kolossale  Dimensionen ­
  angenommen.  1880  wurden  (in
metrischen  Centnern)
eingeführt  ausgeführt
Ziegel  419141  273324
Gemeine  Thouwaren  .  15357  48825
Siderolithwareu  ...  27  1157
Feine  Öfen  und  Kacheln  4491  223
Thonwaren  5784  17  722
Porzellan  2117  20098
In  der  Glasfabrikation  steht  Ö.
auf  der  höchsten  Stufe;  1877  zählte  man
288  Etablissements,  davon  61  in  Ungarn. ­
  Von  den  227  zu  Österreich  gehörigen ­
  entfallen  wieder  152  auf  Böhmen.
Den  Glanzpunkt  der  böhmischen  Glasindustrie ­
  bildet  aber  die  Erzeugung  von
Krystallglas;  von  sehr  großer  Bedeutung
ist  auch  die  Glaskurzwarenindustrie,  welche
mindestens  10,000  Arbeiter  beschäftigt.
Ungarn  liefert  meist  nur  ordinäres  Glas
für  den  Export  nach  der  Türkei  und  den
Donaufürstentümern,  während  die  österreichische, ­
  speciell  die  böhmische,  Industrie
ihre  Erzeugnisse  über  die  ganze  Welt  versendet. ­
  Die  Bedeutung  dieses  Erwcrbszweigs
  werden  am  besten  nachstehende  für
1880  geltende  Ziffern  illustrieren.  Es  betrug ­
  (m  metrischen  Centnern)  :

Einfuhr  Ausfuhr
Hohlglas  18041  150429
Spiegelglas,  roh.  .  .  .  1091  28815
GlaSbehange  rc.  .  .  .  .  2  192  20  640
Glas,  weiß  und  farbig  .  2320  67943
Glas-  und  Emailware»  .  626  30441
Holzwaren  bilden  ein  beachtenswertes ­
  Objekt  der  industriellen  Thätigkeit, ­
  namentlich  in  Wien.  Ein  wichtiger
Exportartikel  sind  Möbel  aus  gebogenem
Holz,  namentlich  in  Mähren  in  zwei  großen
Fabriken  angefertigt.  Die  Verfertigung
von  Schnitzwaren  beschäftigt  eine  weit
verbreitete  Hausindustrie.  Bei  den  feinsten ­
  Holzwaareu,  mit  Ausnahme  von
Knöpfen,  überwiegt  indessen  die  Einfuhr.
1880-war  (in  metrischen  Centnern):
Einfuhr  Ausfuhr
Holzwaren,  gemeinste  .  .138688  178636
Fourniere.  2340  9638
Parkette  270  11787
Möbel  aus  gebogenem  Holz  123  2004
Andre  feine  Holzwaren.  .  5153  106227
Die  es)eintfd)e  Industrie  steht  der  andrer ­
  Staaten,  zumal  Deutschlands,  nach;,
doch  tritt  sie  fabrikmäßig  in  Böhmen,
Niederösterreich,  Schlesien  u.  a.  O.  auf.
Schwefel-  und  Salzsäure  werden  ausgeführt, ­
  dagegen  wird  Soda,  besonders
englische,  in  bedeutender  Menge  (1880:
148,626  Ctr.)  importiert.  Überhaupt
überwiegt  bei  fast  allen  Posten  die  Einfuhr
erheblich;  nur  Zündhölzchen  werden,  namentlich ­
  in  Böhmen  und  Nicderösterreich,
in  solchen  Mengen  hergestellt,  daß  ein  Export ­
  nach  allen  Weltgegendeu  stattfindet.
In  bescheidenerm  Maß  erscheint  die  Lichtefabrikation ­
  auf  dem  Weltmarkt.  1880
wurden  (in  metrischen  Centnern)
eingeführt  ausgeführt
Zündwaren,  gemeine  .  8418  48322
Kerzen  1908  4  580
Die  Bierbrauerei  steht  auf  sehr  hoher
Stufe.  Die  Produktion  stieg  von  7,718,243
hl  in  1867  auf  12,176,875  hl  in  1876.
Dabei  hat  freilich  die  Zahl  der  Brauereien ­
  abgenommen,  in  demselben  Zeitraum ­
  von  2935  auf  2449,  iveil  dieser  Industriezweig ­
  mehr  und  mehr  Domäne  deö
Großbetriebs  wird.  Von  den  2449  Etablissements ­
  entfallen  2249  auf  Österreich, ­
  200  auf  Ungarn,  und  von  der
        <pb n="377" />
        869

Österreich-Ungarn
Gesamterzeugung  entfallen  40  Proz.  auf
Böhmen,  23  aufNicdcrösterreich.  Die  bedeutendste ­
  Produktion  haben  die  Etablissements ­
  von  Schwechat  (400,000  hl),  Graz
(340,000  lil),  Pilsen  (300,000hl),  Budapest ­
  (240,000  hl);  der  Export  ist  ein  sehr
bedeutender;  1880wurden  von  Bier  in  Fässern ­
  und  Flaschen  eingeführt  nur  10,282
-tr.,  aber  ausgeführt  305,194  Etr.  Sehr
slnsehnlieh  ist  die  Ausfuhr  nach  Deutschland ­
  (1878:  194,280  Etr.),  weit  über  die
Hälfte  alles  exportierten  Bierö.
,  Branntweinbrennereien  bestanden
18?C&amp;gt;  in  beiden  Reichöhälften  159,431,  in:
Österreich  Ungarn
Gewerbsmäßige  .  .  .  2237  786
Landwirtschaftliche  .  .  63055  03353
Die  größten  Etablissements  besinden  sich
ur  Ungarn,  Galizien,  der  Bukowina,  Böhmen, ­
  Mähren,  Schlesien.  Nosoglio  und
Liköre  werden  in  größer»  Mengen  in  Dalmatien, ­
  Mähren,  Böhmen  und  Niederasterreich ­
  erzeugt,  so  daß  immer  bedeutende
Mengen  für  den  Export  übrig  sind.  1880
betrug  (in  metrischen  Centnern):
Einfuhr  Ausfuhr
Ņlkohol  u.  Branntwein  aller  Art  10233  202064
Liköre  529  2911
Für  Österreich  allein  zählte  mani  879:1122
größere,  40,383  kleinere  Brennereien.
IV.  Handel.
Nach  dem  von  ben  Regierungen  beider
Reichshälften  1866  abgeschlossenen  Zollund
  Handclöbündnis  bilden  die  beiden
Staatsgebiete  dcrMonarchic  ein  Zoll-  und
Handelsqebiet.  Dllrch  Gesetz  vom  20.  Dez.
1879  sind  die  frühern  'Zollausschlüsse
Istrien  und  Dalmatien,  ferner  die  chcmaligen
  Freihäfen  (ausgenommen  Triest
und  Fiume)  in  das  österreichisch-ungarische ­
  Zollgebiet  einbezogen  worden.  Der
Zollansschlnß  von  Brody  wurde  ebenfalls
aufgehoben  und  ein  gemeinsamer  Zollverband ­
  mit  Bosnien  und  der  Herzegowina
hergestellt.  Die  tirolische  Gemeinde  Jungholz ­
  gehört  zum  Deutschen  Zollverein.  Der
autonome  österreichisch-ungarische  Zolltarif ­
  trat  1.  Jan.  1879  ins  Leben.  Nur
mit  Italien  wurde  1.  Febr.  1879  ein  Vertragstarif ­
  stipulicrt  mit  Gültigkeitsdauer
bis  Ende  1887.  Diese  Tarifbegünstigun-Handelsgeographic.


(Industrie,  Handel).
gen  fanden  durch  Verträge  mit  Deutschland ­
  (16.  Dez.  1878)  und  Frankreich  (20.
Jan.  1879)  auch  auf  diese  LänderAnwendung.
  Der  Handelsvertrag  mit  Deutschland ­
  wurde  31.  Dez.  1879  bis  30.  Juni
1880,  später  bis  30.  Juni  1881  mit  Einschränkungen ­
  (Zölle  auf  Getreide,  Malz,
Holz  re.,  Erhöhung  der  Zölle  auf  Leinen,
Glas.Thonwarcn,  Papier  rc.)  verlängert.
Der  i  n  n  e  r  e  H  a  n  d  e  l  unterliegt  keinerlei ­
  Beaufsichtigung  und  Beschränkung  ;  von
dem  auswärtigen  Handel  entfallen
auf  den  Eintritt  lind  Austritt  zu  Land  84,5
Proz.  und  zwar  auf  die  Grenzen  gegen
Deutschland  65  Proz.  (vorzugsweise  über
Sachsen,dann  überSüddcutschland,endlich
über  Preußen),  gegen  Rußland  6  Proz.,
die  Türkei  nebst  Donanfürstentümern  8,8
Proz.,  Italien  4,3  Proz.,  SchweizO.zProz.
Auf  den  Sceanßenhandcl  kommen  nur  15,5
Proz.  und  zwar  überwiegend  mit  dem  Einund ­
  Ausgangspunkt  Triest,  auf  das  1879
von  dcrEinfnhr  in  allen  Häfen  (7,476,696
Etr.)  entfielen  5.538,791  Etr.,  von  der
Mugs#  (5,526,232GK.)abcr  3,578,637
Etr.  Der  Wert  des  auswärtigen  Handels
war  (in  Millionen  Mark):

Einfuhr  Ausfuhr
1875:  1098,g  1101,8
1876:  1068,6  1190,4
1877:  1110,4  1324,o
1878:  1104,2  1309,4
1879:  1062,6  1350,2
1880:  1311,6  1380,0

Nach  Klassen  geordnet,  betrug  der  Warenverkehr ­
  1880  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr

Kolonialwaren  und  Südfrüchte  .  76,7  124,6
Tabak  und  Tabakfabrikate  .  .  55,3  19,o
Garten-  und  Feldfrüchte  .  .  .  166,7  260,s
Tiere  und  tierische  Produkte  .  .  98,8  150,6
Fette  und  Öle  30,3  27,9
Brenn  -  und  Baustoffe  ....  52,2  153,i
Getränke  und  Eßwaren.  ...  9,3  48,3
Färb  -  und  Gerbstoffe,  Harze  .  52,3  152,i
Webstoffe,  Garne  290,o  94,9
Gewebe,  Kleider  115,i  107,8
Waren  ausBorsten,Fasern.!&amp;gt;iohrrc.  14,o  20,8
Holz-,  Glas  -,  Thonwaren  .  .  35,6  89,9
Metalle  und  Metallwaren  .  .  39,8  59,o
Land-  und  Wasserfahrzeuge  .  .  0,2  15,o
Instrumente,  Maschinen,  Kurzw.  50,6  97,7
Salz,  Chemikalien,  Farbwaren.  28,7  30,o
Bücher  und  Kunstgegenstände.  .  32,i  18,2
Abfälle  6,o  11,2

24
        <pb n="378" />
        4

r:

Österreich  -  Ungarn  (Verkehrswesen).

In  den  obigen  Summen  sind  Edelmetalle
nnd  Münzen  nicht  inbegriffen;  ihr  Wert
betrug  1880  :  in  der  Einfuhr  57,6  Mill.
Mk.  (Gold  42,7,  Silber  13,9),  in  der  Aus-¡#37,2«.
  m.  ((Mb  6,5,@iiber  30,c).
Das  österreichischeWcchselrecht  istbiö
arif  einige  unwesentliche  Änderungen  das
allgemeine  deutsche.  —  Konsulate.  Das
Deutsche  Reich  unterhalt  in  Budapest  einen
(Berufs-)  Generalkonsul,  dessen  Ressort
ganz  Ungarn  ist,  Handelskonsuln  in  Bozen, ­
  Fiume,  Brünn,  Nagusa;  in  Triest
sind  ein  Generalkonsul  undVicekonsul,in
Wien  einKonsul  und  Vicekonsul  angestellt.

V.  Verkehrswesen.
1)  Die  Lange  der  Landstraßen  betrug ­
  1876  in  der  ganzen  Monarchie  93,600
km,  davon:  Österreich  53,651,  Ungarn
39,948.  Staatsstraßen  waren  21,644,
andre  öffentliche  Straßen  71,955  km.
2)  Die  Wasserstraßen  hatten  eine
Länge  von  9063,7  km  und  zwar:
Schiffbare  Flüsse  .  7716,80  Kilom.
Kanäle  ....  702,94
Seen  643,98

Davon  waren  mit  Dampfschiffen  befahren
in  Österreich  704,i  km,  in  Ungarn  2749,o
km,  zusammen  3454  km.  Die  wichtigste
Wasserstraße  ist  dieD  o  n  a  u(s.d.),von  deren
Lauf  1350  km  dem  Kaiserreich  angehören  ;
ihre  schiffbaren  Nebenflüsse  sind  links:  die
March,  Waag,  Gran,  Eirel,  Theiß,  Bega,
Temes,  Aiuta,  Sereth,  Prnth  :  rechts:  Inn,
Traun,  Enns,  Leitha,  Naab,  Sarviz,  Dran
und  Save.  Die  Elbe  (s.  d.),  in  Österreich
entspringend,  nimmt  dort  die  von  Budweis
  an  schiffbare  Moldau  (s.  d.)  auf.
Von  dem  in  Österreich  538  km  langen
Lauf  der  Weichsel  (s.  d.)  sind  254  km
schiffbar.  Die  Etsch  ist  von  Bozen  ab
schiffbar.  Auch  der  Dnjestr,  welcher
Galizien  in  einer  Länge  von  455  km  durchströmt, ­
  ist  im  untern  Teil  seines  Laufs
schiffbar  und  wird  seit  Ende  1880  mit
Dampfern  befahren.
3)  Eisenbahnen.  Im  März  1880
standen  18,300  km  im  Betrieb,  davon:
Gemeinsame  österreichisch-ungarische ­
  Eisenbahnen  ....  5318  Kilo»,.
Österreichische  Eisenbahnen  .  .  8641
Ungarische  Eisenbahnen  .  .  .  4341

Auf  dem  ganzen  Bahnnetz  wurden  1879
36,3  Mill.  Personen  und  45,6  Mill.  Ton.
Güter  befördert;  die  Einnahmen  betrugen
402,i  Mill.  Mk.  Durch  die  Zinsgarantien,
  welche  der  Staat  Eisenbahngesellschaften ­
  gewährt  (1880:42,i  Mill.  Mk.),
ist  derselbe  so  belastet  worden,  daß  die  Negierung ­
  in  Österreich  den  Betrieb  der  Krön  =
Prinz  Rudolf-Bahn,  welche  in  elf  Jahren
(1868—78)  85  Mill.  Mk.  Zuschüsse  erforderte, ­
  1.  Jan.  1880  übernahm.  Die
Waagthalbahn  wurde  1879  von  der  ungarischen ­
  Negierung  angekauft.  Drei  neue
Anschlüsse  an  das  Ausland:  in  Pontafel,
  Predeal  und  Orsova-Verciorova,  wurden ­
  1879  gewonnen.  In  Bosnien  wurden
drei  Bahnstrecken  :  Brod-Busud,  die  Boönabahn
  von  Busud  biö  Zenica  und  Banjaluka-Doberlin, ­
  zusammen  298,6  km,  eröffnet. ­
  Um  einen  direkten  Weg  nach  der
Schweiz  zu  gewinnen,  wurde  der  Ban  der
Arlbergbahn  (s.  d.)  unternommen.  Nach
dem  österreichisch-ungarisch-serbischen  Vertrag ­
  ist  Ö.  verpflichtet,  die  Anschlußbahnen
an  die  zu  erbauende  serbische  Bahn  binnen ­
  drei  Jahren  zu  vollenden.
4)  Die  Post  hatte  1878:  5986  Anstalten, ­
  davoll  4006  in  Österreich  und  1980  in
Ungarn.  1878  wurden  von  Briefen,  Postkarten, ­
  Drucksachen  und  Zeitullgen  befördert ­
  in  Österreich:  319,980,  in  Ungarn:
117,870  Mill.  Die  finanziellen  Resultate
waren  folgende  (in  Millionen  Mark):
Österreich  Ungarn
Einnahmen  .  .  30,4  11,2
Ausgaben.  .  .  28,6  9,3
5)  Telegraphen.  1880betrugdie  Länge
der  Linien  in  Österreich  34,626  kni,  in  Uilgarn
  14,502  km,  die  Länge  der  Drähte
aber  90,999,  resp.  52,918  km,  so  daß  die
gesamten  Telegraphen  49,128  km  Linien
und  143,917  km  Leitungen  hatten,  die
unterirdischen  Linien  eine  Länge  von  26
km  mit  488  km  Leitungen,  die  untermeerischen
  177  km  mit  187  km  Drähten,
die  pneumatischen  Röhren  12  km  Länge.
Aufgegeben  wurden  1878:  8,190,803  Depeschen, ­
  davon  6,358,476  Privatdepeschen.
Die  Einnahmen  betrugen  8,96  Mill.  Mk.,
die  Ausgaben  aber  10,2  Mill.  Mk.  Mit
dem  1.  April  1879  trat  der  Worttarif  in
Kraft,  was  eine  Verminderung  der  An-
        <pb n="379" />
        r

Österreich-Ungarn  (Finanzen).

371

zahl  der  Depeschen,  aber  eine  Erhöhung
der  Einnahmen  zur  Folge  hatte.
6)  Die  Handelsflotte  bestand  1.
Jan.  1881  alls  536  Seeschiffen  von
283,461  Ton.,  1470  großen  Küstenfahrern ­
  von  7507  T.,  7586  kleinen  Schiffen
"nd  Fischerbarken  von  40,467  T.,  zusammen ­
  8192  Fahrzeugen  von  331,438  T.,
davon  113  Dampfschiffe  von  63,970  T.
und  zwar  75  Dampfer  langer  Fahrt  von
62,101  T.—Der  Verkehr  der  österreichischungarischen ­
  Handelöflottc  in  fremden  Ländern ­
  war  1879:

Eingelaufen
Schiffe  I  Tonnen
3137
4519

1118345
3844865

7656  4963210

Ausgelaufen
Schiffe  I  Tonnen

3130
4520

1108247
3845993

7650  4  954240

Schiffe
Skgclschiffe.
Dampfer  .
Zusammen:
7)  S  ch  i  f  S  v  e  r  k  c  h  r.  Unter  sämtlichen
Häfen  der  Monarchie  (93  im  österreichischen, ­
  11  im  ungarischen  Staatsgebiet)
nimmt  Triest  die  bei  weitem  erste  Stelle
ein.  Andre  wichtige  Hafen  sind:  Pola,
Görz,  Gradisca,  Lussin  piccolo,  Pirano,
Frume,  Zara,  unter  welchen  Fiume  als
eigentliches  ungarisches  See-Emporium
größere  Bedeutung  hat.  Die  wichtigste
Seeschiffahrtsunternehmung  ist  der  Österreich.-Ungar.
  Lloyd  (s.  T  r  i  e  st).Schiffsverkehr
  aller  Häfen  der  Monarchie  war  1879:

Schiffe

Angckoninicn
Schiffe  I  Tonnen

Abgegangen
Schiffe  I  Tonnen

Segelschiffe.  31216  1097879  31051  1088251
Dampfer  .  17488  4395403  17493  4402166
Zusammen:  48  7041  5493282  48544  ¡5490417
Davon  waren  österreichische  im  Eingang
39,577  Schiffe  von  4,731,498  T.,  deutsche
56  ooii  24,446  %.
VI.  KllllNM.
1)  Staatshaushalt.
Jede  Neichshälfte  hat  für  die  eignen
Angelegenheiten  ein  besonderes  Budget,
für'die  gemeinsamen  Angelegenheiten  ein
gemeinsames  Budget.  Von  dem  nach  Abzug ­
  der  gemeinsamen  Zollgefälle  verbleibenden ­
  Bedarf  haben  die  im  Rcichsrat
vertretenen  Länder  70  Proz.,  Ungarn  30
Proz.  aufzubringen.  Die  Finanzverhaltnisse

  sind  sowohl  in  Österreich  als  in  Ungarn ­
  unbefriedigend;  nur  1872  und  1873
hatte  Cisleithanien  kein  Defizit.  Allerdings ­
  sind  in  beiden  Neichshälften  sehrgroße
  Summen  für  Eisenbahnzlvecke  verwendet ­
  worden.  Das  Budget  der  Gesamtmonarchie
  für  1880  balanciert  in  Einnahme ­
  und  Ausgabe  mit  232  Mill.  Mk.,
wovon  147,7  Mill.  Mk.  durch  Matrikularbeiträge
  der  österreichischen,  67,6  Mill.
Mk.  durch  solche  der  ungarischen  Länder
zu  decken  sind.  Für  das  Heer  allein  wurden
203,2  Mill.  Mk.  erfordert.  —  Das  Budget ­
  der  im  Rcichsrat  vertretenen
Länder  für  1880  gibt  die  Ausgaben  auf
825,5  Mill.,  die  Einnahmen  auf  800
Mill.  Mk.  Das  resultierende  Defizit  ist
durch  Steuer-erhöhung  zu  decken.  Die  Einnahmen ­
  aus  denselben  beliefen  sich:  direkte ­
  Steuern  182,2  Mill.,  indirekte  132,2
Mill.  Mk..  ferner  Tabaksmonopol  118
Mill.  Mk.  Von  den  Ausgaben  beansprucht
die  Staatsschuld  allein  236  Mill.  Mk.  —
In  den  Ländern  der  ungarischen
K  r  o  «  e  wurde  für  1880  die  Einnahme  auf
472  Mill.,  die  Ausgabe  auf  506  Mill.  Mk.
veranschlagt.  Unter  den  Einnahmen  sind
die  Grundsteuer  mit  77,6  Mill.  Mk.  und
das  Tabaksmonopol  mit  55,9  Mill.  Mk.
Die  bedeutendsten  Posten  unter  den  Ausgaben ­
  sind  für  die  ungarische  Schuld  86,7
Mill.,  österreichische  Schuld  60,s  Mill.
Mk.  Für  Zinsvorschüsse  an  Eisenbahnen
find  20,4  Mill.  Mk.  angesetzt.  Von  den
in  Kroatien  und  Slawonien  erhobenen
direkten  und  indirekten  Steuern  fließen
55  Proz.  in  den  gemeinschaftlichen  ungarischen ­
  Staatsschatz,  wovon  das  Königreich ­
  45  Proz.  zur  Bestreitung  der  Ausgaben ­
  für  innere  Angelegenheiten  wieder
zurückerhält.  1878  war  dieser  Betrag  6,3
Mill.  Mk.,  während  sich  die  Gesamteinnahme, ­
  der  eine  etwas  geringere  Ausgabe
gegenübersteht,  auf  6,6  Mill.  Mk.  belief.
2)  Staatsschuld.
Die  österreichische  Schuldgeschichte  ist
für  daö  Land  keine  ehrenvolle.  Von  1811
bis  1868  erfolgten  nicht  weniger  als  drei
verhüllte  Staatöbankerotte.  Beim  letzten
(1868)  wurde  eine  Konvertierung  ber
gewöhnlichen  Staatsobligationen  angeordnet ­
  mit  'einem  Abzug  am  Zinsertrag
24*
        <pb n="380" />
        372

Österreich-Ungarn  (Kreditwesen  rc.).

unter  der  Bezeichnung  einer  Steuer  von
16  Proz.  Die  gemeinsame  schwebende
Schuld  betrug  1.  Jan.  1879:  824  Mill.
Mk.,  davon  728  Mill,  in  Staatsnvten
und  96  Mill,  in  partial-hypothekarischen
Anweisllngen.  Das  Papiergeld  bestand
ans  Abschnitten  von  1  Fl.:  86,821,499
Fl.,  von  5  Fl.:  117,137,240  Fl.,  von  50
Fl.:  160,043,650  Fl.  Die  Staatsschuld
der  im  Reichsrat  vertretenen  Länder  belief ­
  sich  auf  6371,8  Mill.  Mk.,  davon
5808,5  Mill.  Mk.  konsolidierte  Schuld.
Die  Kosten  der  Schuld  an  Verzinsung,
Tilgung  rc.  betrugen  1879:  298,6  Mill.
Mk.,  wozu  Ungarn  60,6  Mill.,  Österreich
238  Mill.  Mk.  beisteuerten.  Außer  dieser
gemeinsameit  Staatsschuld  der  österreichisch-ungarischen ­
  Monarchie  hat  Ungarn ­
  noch  eine  besoildere,  deren  Stand
Ende  1877  nach  Abzug  der  Amortisation
sich  auf  1330,8  Mill.  Mk.  bezifferte.  Dieser ­
  Schuld  steht  ein  Vermögen  des  ungarischen ­
  Staats  von  1525  Mill.  Mt.  gegenüber, ­
  bestehend  in  Bergwerken,  Eisenbahnen, ­
  Domänen,  Forsteit  rc.
VII.  Kreditwesen.
Die  Monarchie  besaß  1880:  212  Banken ­
  und  Anstalten  für  den  hypothekarischen, ­
  Geschäfts-  und  industriellen  Kredit,
von  welcher  eine  einzige  das  Recht  der  Notenausgabe ­
  besitzt,  nämlich  die  seit  30.
Sept.  1878  an  Stelle  der  Österreichischen
Nationalbank  getretene  Österreichisch-U
  n  g  a  r  i  s  ch  e  B  a  n  k  (Kapital  :  180  Mill.
Mk.),  deren  Wirksamkeit  sich  auf  den  ganzen ­
  Umfang  des  Reichs  erstreckt.  Ihre
Noten  lauten  auf  10,100  und  1000  Fl.;
sie  haben  Zwangsumlauf  und  werden,
mit  Ausnahme  der  Zollkasscn,  an  allen
öffentlichen  Kassen  zum  Nennwert  in  Zahlung ­
  genommen.  Von  den  emittierten
Noten  erhält  die  Bankanstalt  zu  Wien  70,
die  zu  Budapest  30  Proz.  Der  Gesamtumsatz ­
  betrug  1880:  2334,4  Mill.  Mk.,
der  Metallschatz  am  Jahresschluß  130
Mill.  Mk.  Gold  und  216,6  Mill.  Mk.
Silber,  der  Banknotenumlauf  657,2  Mill.
Mk.,  der  Wechselverkchr  1096,4  Mill.,  der
Giroverkehr  1465,4  Mill.  Mk.  Die  Bank
hat  25  Zweiganstalten.  —  Von  1869—73
wurden  nicht  weniger  als  1005  Aktiengesellschaften ­

  mit  einem  Nominalkapital  von
8  Milliarden  Mark  gegründet.  Davon  traten ­
  682  Gesellschaften  mit  5  Milliardeil
Nominalkapital  wirklich  inö  Leben,  aber
schon  im  September  1874  waren  123  in
Liquidation,  37  im  Konkurs  und  6  in
Fusion,  also  im  ganzen  166  Gesellschaften
mit  2046  Mill.  Mk.  nominal.  Für  1880
haben  wir  folgende  Übersicht  der  österreichisch ­
  -  ungarischen  Associationen  :

Gesellschaften

Banken  und  Kreditinstitute  171
Sparkassen  651
Genossenschaften  ....  165
Dampfschiffahrtsgesell  sch.  .  11
Pferdebahnen  6
Omnibnsgesellschaftcn  .  .  6
Verschied.  Verkehrsanstalten  9
Inland.  Versich.  -  Anstalten  57
Ausland.  -  -  44
Ballgesellschaften  ....  38  19  1
Jndustriegesellschaften  .  .  336  38  9
Dazu  noch  Eisenbahnen:  im  Betrieb  62,
im  Bau  5,  konzessioniert  11,  also  im  ganzen ­
  1723  wirtschaftliche  Individualitäten,
wovon  1034  auf  Österreich,  651  auf  Ungarn, ­
  48  auf  Kroatien  und  Slawonien
kommen.
Ende  1878  war  die  Zahl  der  Lebensversicherungen ­
  18,  in  welchen  versichert
waren:  auf  den  Todesfall  223,773,739
Fl.,  den  Erlebensfall  48  Mill.  Fl.,  auf
jährliche  Renten  585,000  Fl.  Die  Zahl
der  Sparkassen  war  Ende  1879  in  Österreich ­
  324  mit  einem  Gesanitguthaben  von
1398,7  Mill.  Mk.,  in  Ungarn  gab  es  Ende
1875:  298  Sparkassen  mit  347,3  Mill.
Mk.  Einlagen.
VIII.  Geld,  Maße  und  Kewichte.
In  Ö.  herrscht  Silberwährung.  Das
Zollpfund  feinen  Silbers  wird  zu  45  Fl.
(geteilt  in  100  Neukreuzer)  ausgeprägt.
Die  Entwertung  des  Silbers  hat  seit
Mitte  1879  eine  effektive  Silbercirkulation ­
  herbeigeführt,  tvelche  die  wertvollen ­
  Noten  schon  längst  aus  dem  Verkehr ­
  verdrängt  haben  würde,  wenn  nicht
die  Attömünzungen  rechtzeitig  sisticrt
        <pb n="381" />
        Osterrisöer  —  Ostindien  (Areal,  Bevölkerung,  Produktion).  373

worden  wären,  um  den  Papiergeldumlanf
zu  erhalten.  Daö  französische  Atas;  -  und
GewichtSsystein  ist  seit  1.  Jan.  1870  obligatorisch. ­

Österrisöer,  Hafenstadt  im  uorweg.
Amt  NedenäS,  auf  einer  Landspitze  im
Skagerrak;  (i87g)  2488  Einw.  Deutsche
Konsularagentnr  (ressortiert  voir  Arendal);
  bedeutende  Reederei.
Ostindien  (auch  blos;  Indien  oder
Englisch-Indisches  Kaiserreich  genannt), ­
  daö  wichtigste  Kolonialgebiet  der
britischen  Krone,  zum  Teil  im  ünmittelbaren
  Besitz  derselben,  zumTeilunterVasallenfnrsten,
  343  an  Zahl,  von  denen
153  Lehnsträger  der  englischen  Kroire,  die
übrigen  Aftervasallen  und  Lehnsträger  indischer
  Fürsten  sind,  iltach  den  letzten  Erbebungen ­
  waren  1873  Flächeninhalt  und
Bevölkerung:
QKilom.  QMcileil  Bewohner
Brit.  Besitzungen  2329201  42301  191095445
Tributärstaaten  .  1444922  26241  49203053
Zusammen:  3  774123  08542  240298498
Nach  der  Abstammung  scheidet  sich  die  Bevölkerung ­
  der  britischen  Besitzungen  (der
drei  Präsidentschaften:  Bengalen,  Madras
und  Bombay)  ohne  die  Vasallenstaaten  in  :

Hindu  149130185
Mohammedaner  40227552
Nichtindische  Asiaten  ....  540989
Mischlinge  100402
Briten  75734
Andre  Europäer  38453
Amerikaner,  Afrikaner  rc.  .  .  6961
Unbekannter  Nationalität  .  .  434772

Unter  den  Europäern  befinden  sich,  soweit
bekannt,  755  Deutsche.  Hinsichtlich  der
Beschäftigung  werden  aufgeführt:  37'As
Mill.  Ackerbauer,  95,000  Kamel-  und
Elefantentrciber,  Fuhrleute,  Jäger,
3,441,000  Handeltreibende,  8,747,000
Handwerker,  2,265,000  der  nichtproduzierenden
  Klasse.  Auf  der  Halbinsel  Vorderindien ­
  werden,  abgesehen  von  zahlreichen ­
  Dialekten,  23  verschiedene  Sprachen ­
  geredet,  in  Birma  verhältnismäßig
noch  mehr.  Kasten  existieren  in  den  Nordwestprovinzen ­
  nicht  weniger  als  337,  in
Bengalen  an  1000.
Die  Auswanderung  von  Kulis  betrug ­

  1878:  von  Kalkutta  18,488,  von
Madras  3890,  von  französischen  Häfen
2804,  zusammen  25,182  Seelen.  Davon
gingen  nach  britischen  Kolonien  19,693,
nach  französischen  Kolonien  5165,  nach
Surinam  324.
Produktion.
Ackerb  a  u.  Die  Bodenbeschaffenheit  ist
eine  sehr  mannigfaltige:  fruchtbare,  wohlbewässcrte
  Ebenen,  dürre  Wüsten,  wie
das  Thar  im  NW.,  daö  20,720  qkm  (376
QM.)  große  Ran,  je  llach  der  Jahreszeit
ein  Salzsumpf,  ein  Salzsee  oder  ein
Meereöarm;  hohe  Plateaus  mit  vielen
Thälern,  wie  anderNordgrenzedcrHima
laya.  Vom  Ackerfeld  sind  zwischen  60  und
83  Proz.  mit  Nahrungögetrcidc  bepflanzt,
4—6  Proz.  entfallen  auf  Sämereien,  8—
20  Proz.  auf  Gespinstpflanzen,  Indigo,
Kaffee  ».  a.  —  Reis  wird  im  ganzen
Land  gebaut;  die  hauptsächlichsten  in  den
Handel  kommenden  Varietäten  sind:
Bengalreis,  Patna-,  Rangun-  und  Arrakanreiö.
  Man  hat  die  Reisgewinnung
von  ganz  Indien  mit  Einschluß  der  Vasallenstaaten ­
  wohl  etwas  zu  hoch  auf
1200—1300  Mill.  Ctr.  geschätzt.  Dieses
Quantum  wird  aber  nicht  im  Land  verbraucht, ­
  und  cs  sind  in  den  letzten  acht
Jahren  mindestens  17  Mill.  Ctr.  jährlich ­
  exportiert  worden,  1872—73  sogar
22,973,797  (Str.  1877—78  betniß  bei:
Export  18,211,388  Ctr.  im  Wert  von
137,8  Mill.  Mk.  Die  bedeutendsten  Anssuhrhäfen
  für  Reis  sind  :  Rangun,  Akyab,
Basscin,  Moulmen  und  Kalkutta  (s.d.).—
Weizen  wurde  schon  in  den  60er  Jahren
in  kleinern  Quantitäten  (im  Maximum
870,000  lil)  exportiert.  Die  englische  Regierung ­
  hob,  um  den  Anbau  zu  erleichtern, ­
  1873  den  Ausfuhrzoll  auf  und  sorgte
für  billigen  Transport  zu  den  Seehäfen.
Schon  jetzt  sollen  die  unmittelbaren  Besitzungen ­
  jährlich  87—101  Mill.  Ill,  die
Tributärstaaten  aber  14,5  Mill,  hl  produzieren, ­
  ein  Gesamtbetrag,  welcher  den
der  Vereinigten  Staaten  und  Rußlands
überragt.  1872—73  betrug  die  Ausfuhr
erst  394,010  Ctr.  im  Wert  von  3,354,000
Alk.  1873  —  74  hob  sich  dieselbe  auf
1,755,954  Ctr.  im  Wert  von  16,552,000
Mk.  und  erreichte  1877—78  :  6,104,985
        <pb n="382" />
        374

Ostindien  (Produktion  ^Ackerbau).

Ctr.  im  Wert  vou  71,4  Mill.  Mk.  Von
dem  Gesamtgllantllm  der  Ausfuhren
waren  stets  80—92  Proz.  nach  England
gegangen,  das  übrige  nach  Frankreich,
Belgien,  Italien,  Malta,  Mauritius,
den  Strait  Settlements.  Aber  die  1878—
1879inJndienansgebrochene  Hungersnot
schränkte  den  Export  so  gewaltig  ein,  daß
England  1878  nur  1,8  Mill.  Ctr.  und
1879  nur  887,006  Ctr.  erhalten  konnte.
Der  Gesamterport  von  Cerealien  aller
Art  betrug  4879—80:197,2  Mill.Mk.—
Für  den  lokaleir  Verbrauch  werden  Hülsenfrüchtc
  und  Gemüse  in  größerm  Maß
gebaut;  Kartoffeln  stub  eingeführt  worden
und  gedeihen  auf  größer»  Erhebungen  im
Nilgiri-  undHimalayagebirge.—  Kaffee
baut  man  nur  im  S.,  in  Madras,  Maissur,
  Kurg,  Travankor  und  Kotschin.  Die
englische  Regierung  hat  dieser  Kulturaußerordentlich
  viel  Aufmerksamkeit  zugewandt,
  so  daß  sich  der  Export  von  50,000
Ctr.  1856—57  auf  371,986  Ctr.  1875
bis  1876  hob.  Dürre,  Blattkrankhcit  und
der  Bohrkäfer  haben  in  den  letzten  Jahren
große  Verwüstungen  angerichtet;  doch
wurde  1879-80  für  32,»  Mill.  Mk.  ausgeführt. ­
  Der  indische  Kaffee  (Malabar
odcr  Maissur)  steht  an  Qualität  dem
Mokka  nahe,  ist  aber  großbohnig  und
wenig  aromatisch;  der  Madraökafsee  aus
den  Wynaadbergen  zählt  zu  den  besserir
Sorten.  —  Der  Theestrauch  wächst
in  Assam  wild;  1835  legte  die  Regierung
Versnchsgärten  zuerst  in  Bakhmipnr,  sodann ­
  in  Joypur  an.  Auch  in  Katschar
und  Silhct  fand  man  wilden  Thee  und
begann  die  Kultur  dort  wie  in  Dardschiling.
  Indes  ist  Bengalen  die  einzige
Provinz,  in  welcher  Thee  im  großen  erzeugt ­
  wird;  doch  nimmt  das  Areal  ailch
in  Madras  und  in  den  Nordwestprovinzen ­
  zu.  Die  Pflanzer  sind  meist  Chinesen.
Für  1877—78  veranschlagte  man  die  Ernte
von  ganz  O.  schon  auf  25  Mill.  Pfd.  Auch
der  relative  Ertrag  der  Thecpflanzungcil
ist  gestiegen,  ebenso  soll  sich  die  Qualität
stetig  bessern.  1873—74  betrug  der  Cr-W
  19,s  M.  #.,  1879-80  war  et
auf  30,4  Mill.  Pfd.  im  Wert  von  61
Mill.  Mk.  gestiegen.  Der  größte  Teil  desselben ­
  richtet  sich  nach  England,  wo  sich

indischer  Thee  einer  steigenden  Beliebtheit
erfreut.  Das  Quantum  war  in  Einfuhr
1860:1,4  Mill.,  1878:  35,4  Mill.  Pfd.;
1872  machten  die  indischen  Zufuhren  kaum
10  Proz.,  1878  aber  fast  23  Proz.  des  Gcsamtimportö
  aus.  —  In  ähnlicher  Weise
hat  der  Tabakbau  zugenommen,  der
namentlich  in  der  Präsidentschaft  Bombay
gepflegt  wird.  In  den  auswärtigen  Handel ­
  gelangt  wenig,  da  mit  wachsender  Produktion ­
  der  stets  starke  Verbrauch  gleichen
Schritt  hält.  Der  Export  hat  sogar  gegen
früher  bedeutend  nack,gelassen  (1874—75
für  4,659,080  Mk.,  1877—78  nur  noch
für  1,915,260  Mk.).  —  Der  Anbau  von
Mohn  (inBengalen,  Behar  und  Malwa)
ist  wegen  des  daraus  bereiteten  und  als
Handelsartikel  hochwichtigen  Opiums
für  Indien  von  der  größten  kommerziellen
Bedeutung.  In  Bengalen  ist  die  Mohnkultur
  ein  Monopol  der  Regierung,  in
Bombay  und  Malwa  unterliegt  das  Produkt ­
  einer  starken  Besteuerung.  Die
Opiumbereitung  ist  die  größte  Einnahmequelle ­
  Indiens,  und  der  Export  wertete
1879—80:286,5  Mill.  Mk.  Derselbe  geht
fast  ausschließlich  nach  China.  Dort  wurden ­
  1879  eingeführt:

Malwa  .  .  .
Patna  .  .  .
Benares.  .  .
Andre  Sorten.

133,o  Milt.  Mark
50,7  -  .
36.1  -  -
14.2  -  -

Zusammen:  234,o  Mill.  Mark
Zucker  wird  entweder  ans  dem  Zuckerrohr ­
  dargestellt,  oder  aus  dem  Safte  der
Dattelpalmen  abdestilliert;  letztere  Bcreitlingsart
  ist  im  Zunehmen.  Anbau  sowohl
als  Ausfuhr  sind  stetig  steigend.  Der  Export ­
  betrug  1872-73  nur  294,818  Ctr.,
stieg  1876-77  auf  1,093,625  Ctr.  und
wird  1877  —  78  ans  844,125  Ctr.  im
Wert  von  15  Mill.  Mk.  angegeben.  Dabei ­
  ist  der  lokale  Konsum  weit  größer  als
sonst  irgendwo.
Unter  den  Farbstoffen,  welche  besonders ­
  kultiviert  und  ausgeführt  werden
(Krapp,  Safflor,  Drachenblut  rc.),  nimmt
Indigo  den  ersten  Rang  ein,  obschon
allerdings  in  neuerer  Zeit  manche  chemische ­
  Fabrikate  diesen  Kulturen  Abbruch
thun.  Die  Ausfuhr  wertete  1879—80:
        <pb n="383" />
        375

Ostindien  (Produktion:  Baumwolle,  Jute).

58,944,520  Mk.,  von  Farbstoffen  aller
Art  1878  —  79:  75,277,200  Mk.  —
Unter  den  Gespinstpflanzen  steht  die
Baumwolle  obenan.  Die  ausgedehntesten ­
  Pflanzungen  finden  sich  in:  mittlern
Indien,  in  den  Landschaften  Berar,
Centralprovinzen,  Bombay  und  den  angrenzenden ­
  Vasallenstaaten.  Am  geschätztesten ­
  im  Handel  sind  die  Sorten  Hinganghat ­
  und  Amraoti  aus  Centralindien,
Dhollcrah  aus  Gudschcrat  lutb  Dharwar
in  Südwestindien.  Der  amerikanische
Bürgerkrieg  war  der  Grund  für  den  Aufschwung ­
  dcö  ostindischen  Baumwollbaus,
früher  war  von  den  Erträgen  für  den
Export  wenig  übrig.  Unter  der  eifrigen
Förderung  der  englischen  Regierung  stieg
der  Ertrag  von  462,000  Ballen  1858  auf
2,2  3m.  Wen  1872.  Mer  bag  &amp;lt;#tdische
  Produkt  hat  dem  amerikanischen
doch  aus  die  Dauer  erfolgreiche  Konkurrenz ­
  nicht  machen  können,  und  derErport,
welcher  1874-75:  5,600,086  Etr.  im
Wert  von  305,2  Mill.  Mk.  erreichte,  siel
bis  1878-79  auf  2,966,570  Ctr.  im  Wert
von  158,2  Mill.  Mk.,  stieg  indes  1879-1880
  auf  222,:)  3m  m  @nüiaiib  i(t
Hauptkonsument,  doch  nimmt  Österreich
in  immer  größerm  Mast  an  diesem  Handel ­
  teil.  Aber  wenn  die  Ausfuhren  abgenommen ­
  haben,  so  hat  sich  der  Verbrauch
im  Land  um  so  mehr  gesteigert.  Man
schlägt  den  Konsum  von  Rohbaumwolle
auf  295  Mill.  Pfd.  an.  Dabei  wird  daö
Quantum  des  englische,:  Imports  an
Garnen,  Geweben  re.  ans  330  Mill.  Pfd.
angegeben.  Sourit  wäre  O.  Englands
bester  Kunde,  denn  man  berechnet  die  gesamte ­
  englische  Ausfuhr  von  Baumwollmanufakten
  auf  1041,7  Mill.  Pfd.  Aber
seit  einigen  Jahren  sind  Spindeln  und
Webstühle  in  mehreren  Teilen  des  Landes
entstanden.  Die  schnelle  Zunahme  dieser
Industrie  bekunden  nachstehende  Ziffern:
Etablissements  Webstiihlc  Spindeln
1875—  76  :  47  0139  1100112
1876—  77:  51  10385  1244206
1877—  78:  55  10533  1289  705
WO#  biefer  3nb#ic  ^  W  %
Handels  mit  dem  fertigen  Fabrikat  ist
Bombay;  voir  den  53  Etablissements
befanden  sich  dort  41  ( 8 A  auf  der  Insel

Bombay,  1 U  in  Gudschcrat),  5  in  Kalkutta, ­
  je  2  in  Madras  rrnd  Khanpnr.
Schon  führt  O.  eigne  Garne  und  Gewebe ­
  aus:  1869  für  26  Mill.,  1879-80
für  32,4  Mill.  Mk.;  indes  haben  sich  die
fremden  Zufuhren  seit  zehn  Jahren  auf  der
ziemlich  konstanten  Höhe  von  360—400
Mill.  Mk.  erhalten.  Wie  der  amerikanische
Krieg  indische  Baumwolle  zu  grösterer  Beachtung ­
  brachte,  so  lenkte  der  Krimkrieg
die  Aufmerksamkeit  englischer  Spinner
auf  eine  andre  Gespinstpflanze,  die  Jute.
Noch  vor  20  Jahren  nur  zum  Hausbedarf
gepflanzt,  wird  diese  heute  so  wichtige  Textilpflanze ­
  jetzt  in  ausgedehntem  Maß  für
den  Handel  kultiviert.  1828  wurden  erst
364  Etr.  roher  Jute  im  Wert  von  1240
Mk.  exportiert;  1862  wertete  die  Ausfuhr
10  Mill.,  1873  aber  100  Mill.  Mk.  Die
Exportmengen  sind  seit  jener  Zeit  kaum
gestiegen,  1873—74:  6,127,279  Ctr.  und
1878—79:  6,021.382  Ctr.,  wohl  aber  der
Wert,  welcher  in  jencirr  ersten  Jahr  68,7
Mill.  Mk.  betrug,  im  letzten  76  Mill.  Mk.
und  1879—80:  87,4  Mill.  Mk.  erreichte.
Der  Stillstand  in  der  Ausfuhr  bedeutet
indes  nicht  Stillstand  in  der  Produktion,
denn  Jirdicn  verbraucht  immer  mehr  von
dem  Rohstoff  iir  seinen  eignen  Fabriken.
1879  waren  21  große  Etablissenrentö  mit
über  6500  Kraftstühlen  im  Gang,  ivelche
jährlich  über  100Mill.  Jutesäcke  herstellen.
Dazu  kommen  noch:  sogen.  Gnnnycloth,
Sackleinwand,  Teppiche,  Seilerwaren,
deren  Ausfuhr  sich  1879—80  auf  23,o
Mill.  Mk.  bezifferte.  Die  Ausfuhr  des
Rohstoffs  richtet  sich  namentlich  nach  Großbritannien ­
  und  Irland,  wo  indes  einige
Fabrikanten  sich  entschlossen  haben,  ihre
Etablissements  in  das  mit  weit  billigern
Arbeitskräften  ausgerüstete  O.  zu  verlegen; ­
  ebenso  gehen  Exporte  nach  Frankreich
(Dünkirchen),  Deutschland,  das  1879:
14,705  Ctr.  Rohjute  für  seine  Spinnereien ­
  bezog,  nach  den  Vereinigten  Staaten, ­
  wohin  1879:  69,590  Ton.  Rohjnte
exportiert  wurden.  Säcke  sindcn  Absatz
vornehmlich  in  Australien,  Ägypten,  England ­
  und  deil  Vereinigten  Staaten.
Einen  bedeutenden  Exporthandel  treibt
Indien  mit  Samen,  von  denen  1878—
1879:12,187,000  Ctr.  verschifft  wurden,
        <pb n="384" />
        4

DBHH

37  G

::

'M

Ostindien  (Produktion:  Viehzucht).

darunter  Leinsamen  7,198,M0Ctr.,  Nübsameu
  3,193,000  Ctr.,  Gingellysamen
(»ach  Frankreich)  1,158,000  Ctr.,  zusammen ­
  für  93,5  Mill.,  1879-80  fur  93,7
Uà  kl,  5JÍ1,
Viehzucht.  Dieselbe  ist  im  allgemeinen ­
  nicht  stark,  denn  läßt  man  einige  Provinzen, ­
  für  welche  Zählungen  fehlen,  außer
Betracht,  so  fallen  auf  100  EiiNv.  36  Rinder, ­
  18  Schafe,  1  Pferd,  1  Esel.  Aber  in
den  Hauptackerbangegenden  ist  der  Rindviehstand
  drei  -  bis  fünfmal  dichter.  Das
Hornvieh  ist  teils  Büffel-,  teils  Zeburasse:
Milch  ist  das  Lieblingsgetränk  der  bessern
Klassen,  auch  wird  sic  gebuttert,  und  zerlassene ­
  Butter  (Ghi)  bildet  einen  sehr  bedeutenden ­
  Konsumartikcl.  Doch  wird  das
Vieh  schlecht  gepflegt,  meist  sich  selbst  überlasten, ­
  obwohl  dem  Inder  die  Kuh  heilig
ist.  Außer  diesen  Haustieren  gibt  es  noch
zahlreiche  frei  umherschwärmende  Büffelherden,
  deren  Zahl  man  in  Britisch-Birma
allem  auf  l,200,000Köpfe  schätzt.  Indien
exportierte  1875  an  24  V,  Mill.  Stück  von
Hauten  und  Fellen  und  zwar  aus  Bengalen ­
  16,412,000,  Madras  6,616,000,
Bombay  1,360,000  Stück.  1879  —  80
hatte  dieser  Export  einen  Wert  von  74,8
Mill.  Mk.  Hierin  ist  allerdings  der  Ertrag ­
  derJagd  eingeschlossen,  von  deren  Ergiebigkeit ­
  man  sich  einen  Begriff  machen
kann,  wenn  man  hört,  daß  1877  von
reißenden  Tieren  allein  22,821  Stück  erlegt ­
  wurden.  In  demselben  Jahr  hatten
Viehzüchter  53,197  Stück  Vieh  durch  wilde
Tiere  verloren.  —  Die  Schafe,  welche  in
den  weniger  dicht  bewohnten  Distrikten  gezogen ­
  werden  (so  im  Pandschab),  sind  meist
ärmliche  Tiere  mit  harter  und  vielfach  farbiger ­
  Wolle  ;  die  Wollproduktion  zu  schätzen
ist  unmöglich,  die  Ausfilhr  wird  1879—
1880  auf  21,9  Mill.  Mk.  angegeben.  In
den  Nordwestprovinzen,  dem  Sitz  derSchafzucht,
  ist  auch  die  Tuchweberei  zu  Hans.
Bedeutender  als  die  Schafzucht  ist  aber  die
Aufzucht  von  Ziegen;  im  Himalaya,  in
Afghanistan  und  Tibet  liefern  diese  Tiere
das  Material  zu  den  weltberühmten  Kaschmirshawls.
  Sehr  ungenügend  für  den
Bedarf  ist  die  Pferdezucht,  da  die  einheimi-Tlere
  gu  klein  sind,  ein  schwereres
Gewicht  zu  tragen.  Die  Reiterei  der  indischen ­

  Armee  wird  daher  durch  Zufuhren
voll  Pferden  alls  Australien  und  beni  Kapland ­
  versorgt.  —  Die  Seidenzucht
wird  vornehmlich  in  Bengalen  (°Ao  der
ganzen  Ernte),  außerdem  un  Pandschab,
Centralindien,  Maissur  und  den  südlichen
Distrikten  von  Bombay  gepflegt.  In  Nordindien
  gewinnt  man  eine  dunkle,  feste,
aber  grobe  Seide  von  dem  Tussehfalter.
Doch  ist  das  Produkt  im  allgemeinen  eiil
mittelmäßiges,  indem  weder  Bevölkerung
noch  Regierung  die  nötige  Sorgfalt  aufwenden. ­
  Daher  nimmt  auch  die  Seidenzucht ­
  ab,  und  die  Importe  von  Rohseide
zur  Verarbeitung  in  Bombay  und  im
Pandschab  sind  viel  bedeutender  als  die
Ausfuhren,  welche  nur  durch  die  schlechten
Ernten  Europas  in  jüngster  Zeit  belebt
wurden.  DerRohseidenerport  betrug  1874  :
2,239,917  $fb.  i,„  iwi  22,o  BÜK.
Mk.,  siel  aber  bis  1879—80auf  10,3Mill.
Mk.  Die  ostindische  Seide,ifabrikation
üesert  Stoffe  mit  sehr  schönen  Mustern:
Tücher  (Bandanas),  Samt,  Bänder,
zahlreiche  Faşonartikel;  dabei  bezog  das
Land  1878  von  England  für  5,8  Mill.
%  3c.,  für  2v,  am.
Mk.  Webstoffe  ohne  die  Scidengarne,
welche  einen  nicht  nnwesentlichen  Posten
ausmachten.
Wald  findet  sich  in  O.  als  Hochwald
nur  in  den  Gebirgen;  dichter  Niederwald
(Dschangeln)  breitet  sich  an  vielen  Stelleil
ini  gewellten  Terrain  und  in  ungesunden
oder  unfruchtbaren  Niederungen  aus;  er
liefert  Brennholz  und  in  eiiizelnen  hochstämmigen ­
  Bäulnen  und  dem  üppig  hervorschießenden
  Bambusrohr  auch  Bauholr
Früher  nahm  man  an,  daß  der  Waldbc-Itand
  100,000  qkm  umfasse;  man  weiß
jetzt  jedoch,  daß  die  Ausdehnung  eine  weit
Die  technisch  wichtigsten  Bäume

höhere  ist
stilb:  der  Teat  bäum,  wovon  man  in  neuester
Zeit  300,000  Stämme  in  Bombay  angepflanzt ­
  hat,während  man  zugleich  die  Teak
Waldungen  für  Staatseigentum  erklärte;
ferner  Schwarzholz,  Ebenholz,  Sandelholz,
Bambus  n.  a.  Die  Ausfuhr  von  Hölzern
hatte  1878  einen  Wert  von  8,335,200  Mk.
Wichtige  Waldproduktc  sind  ferner  :  Myrobalanen,
  Stocklack,  für  welchen  O.  fast
ein  Monopol  besitzt,  Kautschuk  (1879  nach
        <pb n="385" />
        Ostindien  (Produktion:  Aeraban).  377

England  allein  10,201  Ctr.).  Bemerkenswert ­
  sind  die  Anpflanzungen  von  Chinarindenbäuinen
  im  östlichen  Himalaya  und
in  den  Nilgiribergen.
AnMineralschätzen  istO.  reich,  indes ­
  ist  davon  noch  wenig  gefördert  worden.
Die  größte  Berühmtheit  hat  es  durch  seine
Diamanten  erlangt,  wofür  es  der  älteste
Fundort  ist.  In  einer  einzigen  der  vielen
Gruben  waren  1669:  60,000  Menschen  beschäftigt, ­
  und  noch  im  vorigen  Jahrhundert
brachten  die  Gruben  von  Pannach  den
Marathenfürsten  jährlich  800,000  Mk.
(früher  das  Doppelte)  ein.  Jetzt  sind  sic
fast  unbeniltzt  und  die  Diamantgräberei
unbedeutend.  Madras  ist  immer  noch  der
Stapelplatz  für  den  indischen  Diamanthandel ­
  sowie  der  Sitz  für  indische  Diamantschleifern. ­
  Gold  ist  in  Riffen  nur
ait  zwei  Stellen  entdeckt  worden,  zu  Ko-&amp;gt;ar
  in  Maissur  und  im  Distrikt  Wyuaad
  (Madras);  doch  ist  die  Ausbeute  von
irher,  auch  auö  den  Goldseisen,  eine  sehr
unbedeutende  gewesen,  und  O.  bezieht  sein
Gold  und  Silber  immer  von  Europa.
Bon  1835—76  betrug  der  Nettoimport
dieser  Edelmetalle  nicht  weniger  als  6137,6
Mill.  Mk.  und  zwar:  Gold  2044,8  Mill.
Mk.  .  Silber  4092,8  Mill.  Mk.  Die  Wertbeträge ­
  sind  stets  großen  Schwankungen
unterworfen  gewesen;  sie  hatten  1869—70
einen  Marimnmwert  für  Gold  von  111
Mill.  Mk.  bei  einer  Einfuhr  von  146,4
Mill.  Mk.  in  Silber.  In  jüngster  Zeit
sind  aber  die  Importe  von  Gold  im  Verhältnis ­
  zum  Silber  sehr  unbedeutend  geworden, ­
  denn  sie  betrugen  1877—78  nur
9,3  Mill.  Mk.  gegen  293,5  Mill.  Mk.  Silber; ­
  dabei  wurde  sogar  mehr  Gold  von  O.
uiib  zwar  von  Bombay  nach  England  exportiert, ­
  als  eingeführt.  Zinn  gibt  cö  in
Birma,  Kupfer  in  Radschputana;  aber
am  wichtigsteit  muß  in  der  Zukunft  die
Erschließung  der  Eisen-  und  Kohlenlager
Werden.  Die  Kohlcnfclder  Indiens  sind
ans  88,200  qkm  berechnet  worden.  Sie
liegen  fast  alle  in  einer  Region,  die  nördlich ­
  vom  Ganges  begrenzt  ist  und  sich  südlich ­
  über  die  Godaweri  erstreckt,  während
sie  in  ostwestlicher  Richtung  von  der  Umgegend ­
  von  Kalkutta  bis  zum  Narbada
Zeichen.  Nur  einige  wenige  liegen  südlich

von  dieser  Region.  Das  Hauptgebiet  ist  das
von  Naniganj  am  Damnda,  südwestlich
vom  Ganges,  nordwestlich  von  Kalkuttanahezu
  alle  Kohle,  die  in  Indien  gewonncu
  wird,  kommt  von  dort.  Die  abbauwürdige
  Kohle  tvird  auf  14—16,000  Mill.
Ton.  geschätzt,  so  gut  wie  die  europäische
ist  sie  aber  nicht.  Jetzt  sind  44  Kohlenwerke
  mit  61  Dampfmaschinen  imBclrieb,
und  Eisenbahnen  führen  bis  zu  den  Hauptwerken. ­
  Die  bengalischen  Bahnen  brauchen
jetzt  diese  Kohle,  während  die  Madras-  und
Bombay-Bahnen  ihre  Maschinen  immer
noch  mit  englischer  Kohle  heizen.  Die
Ostindische  Eisenbahn  fördert  aus  ihrem
Komplex  von  Kohlengruben  täglich  800
Ton.  Kohlen,  verbraucht  die  Hälfte  selbst
und  verkauft  die  andre.  Die  Ausbeute  wird
für  1875  ans  500,000  T.  geschätzt.  Die
Zufuhren  englischer  Kohle  sind  aber  immer
noch  im  Steigen  begriffen;  sie  betrugen
Tonnen  Wert
1878:  404780  4,2  Mill.  Mk.
1879:  487810  4,5  -
1879—80  war  der  Wert  der  Gesamteinfuhr ­
  auf  22,8  Mill.  Mk.  gewachsen.  Eisenerz ­
  ist  in  starken  Ablagerungen  in  Madras
und  mehreren  andern  Gegenden  vorhanden, ­
  auch  sind  die  Eisenerze  von  Madras
stark  magnetisch,  enthalten  70  Proz.  metallisches ­
  Eisen  und  stehen  air  Qualität
den  schwedischen  gleich.  Der  Bergbau  ans
Eisen  ist  auch  uralt,  und  doch  werden  diese
Schätze  in  sehr  geringem  Maß  ausgebeutet. ­
  Die  Anfänge  einer  größer»  Eisenindustrie ­
  existierten  schon  früher,  doch  sind
die  einzelnen  Unternehmungen  nach  und
nach  zu  Grunde  gegangen.  Nennenswert
sind  die  beiden  Hohöfen  der  Bengal  Iron
Works  Co.  im  Burrakurdistrikt,  160  km
von  Kalkutta,  und  die  zwei  der  nicht  weit
davon  entfernten  Bengal  Eoal  Eo.  Die
Einfuhr  von  Eisen  und  Eisenwaren  aus
England  belief  sich  1879  auf  30,7  Mill.
Mk.  Die  Inder  sind  aber  berühmt  wegen ­
  der  Anfertigung  eines  vorzüglichen
Stahls,  welcher  den  Namen  »Wootz«  erhalten ­
  hat,  und  das  Wardhathal  in  den
Centralprovinzen  scheint  alle  Bedingungen
zli  besitzen,  einst  ein  wahres  »Indian
Black  Country«  werden  zn  können.  Unter
den  verschiedenen  Fabrikaten  der  Eisen-
        <pb n="386" />
        378  Ostindien  (Industrie,  Handel,  Verkehr).

industrie,  welche  ihren  Weg  aus  England
nach  O.  nehmen,  sind  namentlich  aufzuführen: ­
  Dampfmaschinen  1879  im  Wert
von  15,416,200  Mk.,  andre  Maschinen  im
Wert  von  15,515,280  Mk.  Die  Waffenschmiede ­
  liefern  noch  immer  sehr  schone
Ware,  doch  ist  ihr  Gewerbe  zurückgeganzen,
  seitdem  das  Waffentragen  im
eigentlichen  Indien  verboten  ist;  die  Anfertigung ­
  von  Handwerkszeug  ist  aber  die
denkbar  einfachste.
Von  andcrnJndustrien  sind  nur  wenige ­
  nennenswert:  die  Lederindustrie,
die  in  Bengalen,  Hindostán,  Pandschab,
Madras  ihreHauptsitzc  hat,  und  dieTöPserei,
  welche  sehr  allgemein  verbreitet  ist;
doch  bezog  O.  1879  airs  England  für
2,959,160Mk.TöPferwaren.  GlaSfabrikation
  wird  sehr  wenig  betrieben,  nur  im
bunten  Glasschmuck  hat  es  Centralindieir
weit  gebracht.  Die  Werte  der  Importe  waren ­
  1879:  aus  England  für  1,991,320
Mk.,  aus  englischen  Kolonien  und  dem
Ausland  für  930,440  Mk.  Geistige  Getränke ­
  aus  Reis,  Zucker,  Datteln  rc.  sind
eine  Specialität  Indiens;  von  diesen  Fabrikaten ­
  wird  eine  Steiler  erhoben.  Der
inländische  Arrak  hat  wohlverdienten  Nils.
Im  westlichen  Himalaya  haben  Europäer
in  jüngster  Zeit  Bierbrauereien  angelegt;
auch  wird  dort  für  diese  Hopfeir  gebaut.
England  importierte  aber  1879  :  80,270
Fässer  im  Wert  von  5,542,400  Mk.
Handel.
Während  1813  der  auswärtige  Handel
auf  140  Mill.  Mk.  Wert  geschätzt  wurde
und  1834  ans  290  Mill.  Mk.  gestiegeir
war,  brachte  ihn  der  russisch-englische  Krieg
infolge  der  Nachfrage  nach  Hanf,  Jute  rc.
auf  1115  Mill.  Mk.,  welcher  Betrag  sich
durch  den  amerikanischen  Bürgerkrieg  und
die  durch  ihn  hervorgerufene  Baumwollkultur
  in  Indien  auf  1495  Mill.  Mk.
steigerte.  Nach  1866—67,  wo  der  Handclöwert
  die  Höhe  von  2500  Mill.  Mk.
zeigte,  stellte  sich  ein  Rückgang  ein;  in  den
beiden  letzten  vorliegenden  Jahren  waren
die  Werte  des  Warenhandelö  folgende  (in
Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
1878—  79:  731,6  1217,8
1879-  80  :  794,8  1343,6

An  dem  Außenhandel  Indiens  partizipierten ­
  Großbritannien  mit  53,8  Proz.,
China  mit  14,  Frankreich  mit  5,  Italien
mit  2,5,  Vereinigte  Staaten  mit  3,2,  Österreich ­
  mit  1,3  Proz.  rc.  Die  indischen  Handelsplätze ­
  hatten  vor  der  Vollendung  deö
Suezkanals,  durch  welchen  1879—80  ca.
78'At  Proz.  der  Waren  und  sämtliches
Edelmetall  in  1067  Schiffen  passierten,
eine  andre  Stellung  zueinander;  Kalkutta
übertraf  Bombay  um  über  100  Mill.  Mk.
an  Umsatz.  Jetzt  kommen  vom  Außenhandel ­
  auf  Kalkutta  42,9  Proz.,  Bombay
38,2,  Madras  5.  Rangun  5,  Karatschi  1,8
Proz.  Auf  den  Landhandel  mit  Afghanistan, ­
  Ccntralasien  und  dem  innern  Asien
kommen  kaum  2Proz.  Früher  wurden  die
Sendungen  indischer  Landesprodukte  fast
ausschließlich  durch  Silbersendungen  beglichen; ­
  in  letzter  Zeit  ist  die  Saldierung
inimmergrößermMaß  durch  Regierungswechsel ­
  (Council  Bills)  und  Gegenforderungen ­
  Englands  aus  Anlehen,  Vorschüssen ­
  rc.  geschehen.  Die  Bezahlung
durch  India  Council  Bills  betrug  1865—
1866:  140  9Rf.,  1872-73:  278,«
Mill.  Mk.  und  1877—78:202,«Mill.  Mk.
Die  Einfuhr  von  Edelmetallen  sank  inzwischen ­
  von  487,8  Mill.Mk.  1865—66  bis
auf  62  Mill.Mk.  1875—76,  sie  stieg  nur
infolge  der  Hungersnot  und  der  dadurch
hervorgerufenen  Slibventionen  der  englischen ­
  Regierung  1877—78  wieder  auf
202.«  Mill.  Mk.  und  betrug  1879  —80:
233,i  Mill.  Mk.  bei  einer  Ausfuhr  von  38,«
Mill.  Mk.  Die  Abnahmen  der  Silbersendungen
  sind  in  der  zunehmenden  Vorliebe ­
  der  Einwohner  für  Gold  zu  suchen.
Verkehrswesen.
Als  Wasserstraßen  sind  die  indischen
Flüsse  meist  von  geringem  Werte;  die
bedeutendsten  sind  der  Ganges  mit  dem
Brahmaputra  und  der  Indus.  Am  regelmäßigsten ­
  wird  der  Brahmaputra  von
Passagier-  und  Frachtdampfern  befahren.
Großer»  Einfluß  auf  den  Frachtverkehr  haben ­
  die  Bewässerungskanäle,  deren  Hauptzuleitungsgräben ­
  zugleich  der  Schiffahrt
dienen.  Auf  der  Wasserstraße  des  Ganges
verkehren  auf  der  Fahrt  nach  und  von
dem  Oberland  täglich  durchschnittlich  100
Schiffe  mit  einer  Ladung  von25—40Ctr.
        <pb n="387" />
        379

Ostindien  (Finanzen,  Kreditwesen).

Von  Eisenbahnen  standen  31.  Dez.
1878  im  Betrieb  13,221  km,  davon
3494  km  StaatSbahncn  und  9727  km
Privatbahnen.  Die  dem  Verkehr  übergebenen ­
  Linien  zeigteir  eine  Einnahme  von
208,1  Mill.  Mk.,  eine  Ausgabe  von  104,i
Mill.  Mk.  Der  gesamte  Aufwand  betrug
WS  31.  1880  :  2482,5  Mid.  9Rf.
(garantierte  Privatbahnen  1946,g  Mill.,
Staatsbahnen  515,o  Mill.  Mk.)  und
das  Gesamtertragnis  107,4  Mill.  Mk.
(StaatSbahncn  6,2  Mill.  Mk.).  —  DaS
Postwesen  ist  feitl854  nach  europäischem
Muster  organisiert.  Der  Postsatz  im  Inland ­
  ist  ein  einheitlicher  von  6  Pence;
den  Satz  mit  dem  Ausland  bestimmt  England, ­
  das  1876  sür  O.  zum  Weltpostverein
trat.  Befördert  wurden  1877—78  in
4107  Postämtern  1k  5,089,336  Briefe  und
10,999,758  Zeitungen.  Die  Einnahmen
beliefen  sich  ans  6,121,780  Mk,  die  Ausgaben ­
  aus  7,043,720  Mk.  DieTelcgraphenlinien
  hatten  31.  März  188(i  eine
Länge  von  33,040  km,  die  Drähte  von
83,600  km;  die  unterseeischen  Linien
waren  142  km,  die  Leitungen  waren  180
km  lang.  In  239  Telegraphenämtern
wurden  1878:  1,431.452  Depeschen  befördert; ­
  die  Einnahnren  beliefen  sich
auf  6,121,780  Mk.,  die  Ausgaben  ans
7,043,720  Mk.  Für  die  Welttelegravhic
ist  O.  die  große  Heerstraße  geworden.  Mit
Europa  ist  es  verbunden  durch  die  große
Linie,  welche  über  Kleinasien  und  Persien ­
  nach  Bombay  führt;  von  Madras
führt  ein  Kabel  über  Singapur  nach  China
und  Japan  sowie  nach  Australien.  —
Die  Zeitungen  erscheinen  entweder  in
englischer  Sprache  oder  in  der  Sprache  der
Eingebornen  oder  in  beiden  Sprachen  zugleich. ­
  Man  zählte  1877  im  ganzen  488
Blätter,  davon:  in  englischer  Sprache
161,  in  der  Sprache  der  Eingebornen  267,
in  beiden  Sprachen  60.
Die  Handelsflotte  zählte  1875  —
1876  von  kleinen  einheimischen  Schiffen
3337  von  215,471  Ton.  Die  Dampferflotte ­
  der  British  India  Steam  Navigation ­
  Co.  vermittelt  den  Verkehr  aller
bedeutenden  Häfen  Ostindiens  untereinander ­
  sowie  mit  denen  am  Persischen ­
  Golf  und  in  Hintcrindien.  Andre

Dampferlinien  sind:  für  Bombay  und
Kalkutta  Österreichisch-Ungarischer  Lloyd,
Peninsular  and  Oriental  Steam  Navigation ­
  Co.  (auch  für  Madras),  Società  Rubattiuo
  (Genua),  für  Bombay  die  Hall-Linie
  (London),  für  Kalkutta  die  Harrison-Linie
  (Liverpool)  und  die  Messageries
maritimes  (auch  für  Madras).  —  Konsulate ­
  unterhält  Deutschland  in:  Akyab,
Bassein,  Bombay,  Coconada,  Kalkutta,
Karatschi,  Madras,  Moulmen,  Rangun;
Agenturen  in  Chittagong  und  Tuticorin.
In  allen  Häfen  liefen  1877—78  ein:
6353  Schiffe  von  2,877,649  Ton.,  aus:
6184  Schiffe  von  2,876,730  T.  An  diesem ­
  Verkehr  beteiligten  sich  die  Hauptländer ­
  in  folgender  Weise:
Schiffe  Tonnen
Großbritannien  .  .  3853  4352380
Britisch.  Indien  .  .  3017  418774
Vereinigte  Staaten  .  137  162535
Italien  191  158178
Frankreich  ....  223  126312
Deutschland....  93  75433
Der  Verkehr  deutscher  Schiffe  nimmt  von
Jahr  zu  Jahr  ab.  —  In  der  Küstenschiffahrt ­
  liefen  1875—76  ein:  156,780
Fahrzeuge  von  6,728,488  Ton.,  davon
britische  3927  von  3,466,508  T.,  britischostindische ­
  2223  von  728,303  T.,  fremde
2680  von  195,425  T.,  einheimische  kleine
Fahrzeuge  149,630  von  2,519,831  T.
Finanzen,  Kreditwesen  rr.
Staatshaushalt.  DasJahr  l875—
1876  hatte  noch  eine  Mehreinnahme  von
33,4  Mill.  Mk.  aufzuweisen,  aber  1876
bis  1877  stellte  sich  ein  Defizit  von  43,6
Mill.,  1877—78  von  70,9  Mill.  Mk.  ein.
Dagegen  betrug  1878—79  die  Einnahme
1304,  Ausgabe  1263,s  Mill.  Mk.  Von
den  Ausgaben  waren  986,3  Mill,  in  Indien ­
  und  277  Mill.  Mk.  in  England  gemacht ­
  worden.  Der  bedeutendste  Posten
in  der  Einnahme  ist  die  Grundsteuer,
welche  sich  1878-79  auf  446,c  Mill.  Mk.
bezifferte,  nächstdem  Opiumsteller  188
Mill.;  das  Salznionopol,  eine  sehr
drückende  Abgabe  für  die  arme  Bevölkerung, ­
  welche"  das  Salz  mit  200  Mk.  pro
Tonne  bezahlen  muß  und  daher  oft  statt
desselben  salzige  Erden  genießt,  brachte
138,8  Mill.  Mk.,  die  Eisenbahnen  und
        <pb n="388" />
        380

Ottawa.

andre  öffentliche  Anlagen  131,5  Mill.  Belauf  von  100  Pfd.  Sterl.  inkl.:  IV»
Mk.  re.  Unter  den  Ausgaben  erforderte  Schilling,  über  100  —  200  Pfd.  Sterl.:
das  Heer  328,3  Mill.  Mk.,  die  Staats-  3  Schill'.,  über  200—  500  Pfd.  Sterl.:
schuld  91,5  Mill.,  zur  Abwehr  der  Hun-  4  Schill,  rc.;  für  inländische  Wechsel  ist
gersnot  6,3,  aber  im  Vorjahr  106,9  Mill.,  der  Stempel  bei  größer»  Beträgen  höher.
Eisenbahnen  und  Garantien  an  Eisen-  Das  Maximum  der  gesetzlich  erlaubten
bahngesellschafteu  126,6  Mill.  Mk.  Die  Zinsen  ist  für  ganz  Britisch-Indien  12
Kosten  des  afghanischen  Kriegs,  24  Mill.  Proz.  jährlich.
Mk.,  sind  trotz  der  Proteste  der  Bewohner  Geld,  Maße  und  Gewichte.  Die
und  der  Regierung  Indiens  von  England  Währung  ist  eineSilbervaluta.  DieKomcmf
  die  Einkünfte  des  Landes  übertragen  panie-Rupie  (Münzeinheit)  hat  10,69  g
worden.  und  ist  also  dem  Wert  nach  gleich  1,93
Die  Staatsschuld  ist  zum  Teil  ent-  Mk.  Bei  den  Zoll-  und  Hafenabgaben
standen  durch  Anleihen  für  Eisenbahn-  wird  die  Rupie  in  100  Eent  geteilt,
bauten,  dann  aber  auch  zur  Linderung  Bon  fremden  Münzen  notiert  man  cngder
  so  häufig  wiederkehrenden  Hungers-  lische  Sovereigns,  spanische  und  merikanot.
  Ende  1877  beliefen  sich  die  dadurch  nische  Dublonen,  holländische  Dukaten
veranlaßten  Ausgaben  auf  320  Milt.  Mk.,  und  von  Silbermünzen  spanische  und
wovon  185  Mill,  auf  die  kurz  vorherge-  merikanischePiasterundfranzösischeFünfgangeue
  kamen;  1878  war  wiederum  eine  frankstücke.  Staatspapiergeld  sind  die
Summe  von  106,9  Mill.  Mk.  zu  dem-  Geldscheine  der  Regierung  (Government
selben  Zweck  nötig.  Am  31.  März  1878  Currency  Notes),'  welche  von  der  damit
war  der  Betrag  der  Staatsschuld  2933,7  betrauten  Abteilung  der  indischen  Regie-Mill.
  Mk.,  davon  konsolidierte  2692,6  rung  (Paper  Currency  Department  of
Mill,  (zahlbar  in  Indien  1499,i  Mill.,  the  Government  of  India)  seit  1862
in  England  1193,5  Mill.)  Mk.,  nicht-  ausgegeben  werden.  Die  Cirkulation
konsolidierte  241,i  Mill.  Mk.  1879  be-  beschränkt  sich  auf  die  größern  Plätze,
trug  die  Gesamtschuld  2757,4  Mill.  Mk.  Außer  diesem  und  dem  Papiergeld  emú
Krcditwesen.  Die  Anzahl  der  B  ank  -  ger  Banken  (s.  oben)  laufen  die  Roten
institute  ist  eine  sehr  große;  die  be-  der  Bank  von  England  um.  Maße  und
deutendsten,  welche  Etablissements  oder  Gewichte  sind  in  sehr  großer  Mannig-Zweiganstalten
  in  den  größern  Städten  faltigkeit  vertreten.  Das  Göß  ist  gleich
haben,  sind:  die  Bank  for  India,  Een-  dem  englischen  Pard;  Steinkohle  verkauft
trat  Bank  of  Western  India,  Chartered  man  nach  dem  englischen  Ton.  Das  bri-Bank
  of  India,  Australia  and  China,  tisch-ostindische  Normalgewicht  ist  das  in-Chartered
  Mercantile  Bank  of  India,  Lon-  bische  Mönn  —  37,3  kg,  bei  dem  Faktoreidon ­
  and  China,  Delhi  and  London  Bank,  aewicht  hat  das  Mönn  33,scs  kg’.  Vgl.
Hongkong  and  Shanghai  Banking  Co.,  Bombay,  Kalkutta.
Comptoir  d'Escompte  de  Paris,  Agra  Ottawa,  Hauptstadt  der  brit.  Domi-Bank,
  Uncovered  Service  Bank,  Allaha-  nion  of  Canada,  an  der  Mündung  des
bad  Bank,  New  Bank  vf  Bombay,  Bank  Rideauflusseö  in  den  Ottawa  rind  der
os  Upper  India,  Bank  of  Madras  u.  a.  Eisenbahn  Quebec-Toronto;(is7i)  21,545
Die  Bank  für  Indien  und  die  Central-  Einw.  Ressort  des  deutschen  Konsuls  in
bank  des  westlichen  Indien  geben  Noten  Montreal;  Bank  vf  Montreal,  Bank  vf
aus.  Das  Wechselrecht  ist  mit  wenigen  British  North  America.  In  der  Nähe  lic-Ausnahmen
  das  englische.  Der  Wechsel-  gen  zahlreiche  Sägemühlen,  welche  für
stempel  beträgt  für  fremde  Wechsel  bis  zum  den  lebhaften  Handel  mit  Holz  arbeiten.
        <pb n="389" />
        Pacasiiiciyo  —  Palermo.

381

Parasmayo,  Hafenstadt  in  Peru  ;  (mvc)
1  091  Einw.  Ausfuhr  voir  Zucker  (1877:
2,5  Mill,  kg),  Reis,  Metallen,  nu  ganze» ­
  4,5  Milt.  Mk.  Eingelaufene  Schiffe:
317  vou  324,395  Tou.
Padang,  Hauptstadt  der  uiedcrländ.
Residentschaft  P.-Bovenlande,  auf  der
Westküste  der  Insel  Sumatra  und  an
der  Mündung  des  Flusses  P.;  ca.  10,000
Einw.  Ressort  des  deutschen  Konsuls  in
Batavia;  Javasche  Banlageutur.  Bedeutender ­
  Handelsplatz  für  Kaffee  (11  Mill,
kg  jährlich),  Kamphcr,  Pfeffer,  Benzoe,
î  Paderborn,  Kreisstadt  im  preuß.  Regierungsbezirk ­
  Minden,  an  der  Linie
Münster-Warburg;  (isso)  14,679  Einw.
Reichöbaukncbcnstelle  und  Vorschußverein
(cingetrageneGenossenschaft).  Wollmarkt;
lebhafter  Handel  mit  Bich  und  Früchten.
Padstow  (spr.  -sto),  Hafenstadt  in  der
engl.  Grafschaft  Cornwall;  (i87o)  2500
Einw.  Deutsches  Vicekousulat  (Amtsbezirk: ­
  P.  und  Bude).  Starke  Fischerei.
.  Padua,  Hauptstadt  der  gleichnamigen
ltal.  Provinz,  am  Bacchiglione,  von  dem
hier  ein  Kanal  nach  der  nahen  Brenta
führt,  durch  einen  Kanal  auch  mit  der
Etsch  verbunden,  und  an  der  Venedig-Bologna-Eisenbahn; ­
  0878)  66,206  Einw.
Ressort  des  deutschen  Konsuls  in  Venedig;
Handels  -  und  Gewerbekammer,  Handelsgericht ­
  ;Nationalbanksiliale.  Jährlich  zwei
M  e  s  s  e  n  :  die  erst  e  vom  10.—30.  Juni,  die
zweite  vom  7.—31.  Okt.
Pakhoi,  chines.  Traktatshafen  auf  der
Insel  Hainau;  25,000  Einw.  Englisches
Konsulat;  Seezollamt.  1879:  Einfuhr
773,832,  SWf#  1,955,232  9%f.  @0
verkehrte»  1879  hier  28  Dampfer  (kein
deutscher)  vou  10,166  Tou.
Palauinseln,  s.  Mikronesien.
Palcmbang,  wichtiger  Handelsplatz  im
nordöstlichen  Sumatra,  am  FlußP.,  welcher ­
  in  die  Malakkastraße  strömt;  25—
30,000  Einw.  Lebhafter  Handel  mit
Pfeffer  und  Zinn.  Die  Stadt  hat  ein  Fort
und  eine  niederländische  Besatzung.  -
Palermo,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  ital.  Provinz  auf  der  Insel  Sicilien,

P.
einer  der  wichtigsten  Hafen-  und  Handelsplätze ­
  Italiens,  am  gleichnamigen  Busen
deö  Tyrrhenischen  Meers  und  der  Bahn
Palermo-Girgenti;  Station  der  Dampferlinieu:
  Slomau  u.  Ko.  und  R.  Sloman
  jun.  (beide  zu  Hamburg),  Rederl.
Stoomboot  Maatschappij,  Cunard-und
Leyland-  Linien,  Messageries  maritimes,
Niedcrl.  Dampfschifsgesellschaft,  Società
Florio  (hier  domiziliert),  Rocco  Piaggio,
Rubattino,  Comp.  Fraissinet  (alle  drei
zu  Genna),  Wilson-Linie  (Hull);  (i878)
231,836®  im».  Deutsches  Konsulat(Amtsbezirk:
  die  Küste  östlich  bis  Kap  Orlando,
westlich  bis  Trapani);  Handelskammer,
Handelsgericht;  Börse,  Filiale  der  Nationalbauk,
  Banco  Siciliano,  Credito  Sicilian ­
  o.  Jährlich  eine  besuchte  Messe  (»Christiuenmesse«).
  —  Zu  den  vorzüglichsten
Kunstcrzengnisscn  gehören:  Tischlerarbeiten ­
  und  Stühle,  letztere  nebst  Körben,
Seilen  rc.  aus  den  Blättern  der  Chamærops
  liuinilis  verfertigt;  ferner  Steinschleifereien ­
  (namentlich  schöne  Tischplatten). ­
  —  P.  ist  der  Sitz  der  größten  italienischen ­
  Handelsflotte  (über  40
Dampfer).  Im  Hafen  verkehrten  1877
in  internationaler  Fahrt  936  Schisse
von  602,615  Ton.,  in  der  Küstcnfahrt
6568  Schiffe  von  1,254,137  T.  Von
Deutschland  liefen  65  Schiffe  von  39,448
T.  ein.  Die  Einfuhr  besteht  vornehmlich
in  Banmwoll-  und  Schafwollwaren,
Steinkohlen,  Holz-  und  Holzarbeitern  Metallwaren, ­
  Kurzwaren,  Cerealien,  Mehl,
Kolonialwaren  und  Droguen,  Stearinkerzen, ­
  Maschinen,  Porzellan  u.  a.,  zusammen ­
  im  Jahreswert  von  20  Mill.  Mk.  ;
Ausfuhr  in  sicilischen  Erzeugnissen,  wie:
Weizen,  Wein,  Öl,  Seide,  Marmor,  wertvolle ­
  Steine,  Thunfische  und  Sardellen.
—  Platzgebräuche.  Man  verkauft  Einfuhrwaren ­
  zollfrei  und  auf  4  —  6  Monate ­
  Kredit  (Rum  für  das  engl.  Gallon),
Ausfuhrwaren  frei  an  Bord  und  gegen
bar;  Gewichtswaren  für  100  kg,  Citronen ­
  für  die  Kiste.  Wechselkurse  notiert
man  auf  Amsterdam,  Frankfurt  a.  M.,
Hamburg,  London,  Paris  90  Tage  dato,
        <pb n="390" />
        382

Pàia  —  P
Lyon  '70,  Marseille,  Triest  und  Wien,
italienische  Plätze  60,  aber  Messina  und
Neapel  15  Tage  dato.
Palma  (Ciudad  de  loö  Palmas),
Hauptstadt  der  span.  Provinz  der  Balearen, ­
  auf  der  Insel  Mallorca  (an  der
Bahn  P.-Monacar);  0877)  58,224  Einw.
Deutsches  Konsulat;  Börse,  Creditio  Balear. ­
  —  1874  liefen  hier  ein:  1260  Schiffe
Von  88,742Ton.  Ausfuhr:  Wein,  Oliven,
Mandelöl,  Südfrüchte,  Liköre,  Pottasche,
Häute,  Lederwaren,  Käse,  grobe  irdene
Waren,  Branntwein,  Seife,  Schweine;
Einfuhr:  Getreide  und  Mehl,  Kolonialwaren, ­
  Baumwolle,Eisen,  Manufakturen,
Glaö  und  Porzellan,  Werk-  und  Bauholz,
Stockfisch,  englische  Steinkohlen,  Petroleum. ­
  —  Wechselkurse  notiert  man  lote
Madrid  auf  London,  Paris,  Amsterdam.
Panama,  wichtiger  Freihafen  und
Hauptstadt  des  gleichnamigen  Staats  der
Republik  Kolumbien  (s.  b.),  cut  der  Nordseite ­
  des  Golfs  von  P.  (Stiller  Ocean)
ttttb  ant  Ausgangspunkt  der  Eisenbahn
Colon  (Aspiuwall)-P.;  Statioit  der  Hamburg-Amerikanischen ­
  Paketfahrt-Aktiengesellschaft, ­
  Royal  Mail  Strain  Packet  Co.,
Westindia  and  Pacific  Steamship  Co.;
(1872)  18,378  Einw.,  meist  Nordamerikaner. ­
  Deutsches  Konsulat;  Post  und  Zollamt; ­
  Banco  de  Colombia,  Banco  de  P.,
London  Bank  of  Mexico  and  South  America. ­
  —  Der  Handel  ist  vornehmlich  Transithandel ­
  und  in  den  Händen  der  Nordamerikaner. ­
  1873  betrug  die  Einfllhr  12
Mill.,  die  Ausfuhr  8  Mtll.  Mk.  Hauptausfuhrartikel ­
  toaren:  Indigo  (7,2  Mill.
Mk.)nud  Häute  (660,000Mk.).  Es  liefen
ein:  80  amerikanische  Schisse  von  114,122
Ton.,  59  englische  von  88,773  T.,  12
französische  von  12,912  T.
Panama-Eisenbahn,  die  1850—55
von  einer  Gesellschaft  New  Uorker  Kapitalisten ­
  erbaute,  73  km  lange  Bahn  über
den  Isthmus  von  Panamá  (Wasserscheide
80  in  ü.  M.)  zwischen  Colon  am  Atlantischen ­
  Ocean  und  der  Stadt  Panamá  ant
Stillett  Meer.  Sie  kürzt  den  Seeweg  vom
O.  Amerikas  nach  San  Francisco  uitd
Valparaiso  bedeutend  ab,  hat  aber  seit  der
Eröffnung  der  Pacificbahn  und  durch  die
Errichtung  direkter  Linien  nach  der  Westnama-Kanal.


küstc  Südamerikas:  Kosmos,  Belgian
Royal  Mail,  Pacific  Steam  Navig.
Co.  u.  a.,  sehr  verloren.  Die  Gesellschaft
zahlt  jährlich  1  Mill.  Mk.  an  Kolumbien.
1879  wurden  161,743  Ton.  Güter  (Kakao,
Kaffee,  Indigo,  Steinnüsse,  Baumwolle,
Chinarinde,  Zucker)  und  23,729  Passassi"^ ­
  befördert.  Die  Einnahmeu  betrugcit
7,i  Mtll.,  die  Ausgaben  4,7  Mill.  Mk.
Panama-Kanal,  die  von  Lessepö  geplante ­
  Verbindung  des  Atlant.  Occanö
(Asplttwall  oder  Colon)  mit  dem  Stillen
Meer  (Panamá),  welcher  von  der  Limonoder
  Navybai  zur  Reede  von  Panamá
führen  soll.  Die  gaitze  Länge  des  Kanals
würde  73  km  betragen,  wovon  eine  Strecke
von  5870  m  auf  einen  durch  das  Gebirge,
tvelcheö  die  Landenge  durchzieht,  zu  grabenden ­
  Tunnel  fallen.  Die  Kanalsohle  soll
an  beiden  Enden  im  Meer  eine  Breite  von
100  m  erhalten  und  sich  gleichmäßig  auf
22  m  verschmälcru.  Letztere  Breite  soll  sie
durch  den  ganzen  Verlauf  des  Kanals  behalten. ­
  Im  Alluvialland  soll  die  Spiegelbreite ­
  50,  resp.  56  m,  im  festen  Fels  nur
32,  resp.  22  m  betragen.  Von  10  zu  10
km  sollen  Ausweicheplätze,  im  ganzen  von
5  km  Länge,  auf  die  73  km  des  Kanals
geschaffen  tverden.  Die  Tiefe  ist  am  atlanttschcu
  Eingang  8,5  km  unter  Mittelwasser. ­
  Im  Golf  von  Panama  muß  die
Tiefe  10,54  m  sein  wegen  der  größerit
Differenz  zwischen  Ebbe  und  Flut.  Die
Sohle  des  Kanals  wird  deshalb  auf  73
km  gleichmäßig  um  2  m  fallen.  In  der
Wasserlinie  soll  der  Tunnel  24  m  Breite
erhalten  und  von  4  m  über  dieser  mit
ovalem  Querschnitt  eingewölbt  werden.
Die  Gewölbhöhe  über  dem  Spiegel  soll
34  m  betragen,  so  daß  nur  die  größten
Schiffe^  ihre  obern  Stengen  abzunehmen ­
  hätten  (die  größten  Panzer-  oder
Transportschiffe  haben  16  m  Breite  und
8  m  Tiefgang).  Bei  Aspinwall  ist  die
Erbauung  eines  Schutzdantms  von  500m
Länge  beabsichtigt.  Zur  Borauöbcstimmuitg
  der  mutmaßlichen  Retttabilität  hat
man  berechnet,  daß  1889  ein  Durchgangsverkehr ­
  von  7,250,000  Ton.  zu  erwarten
ist.  Bei  einer  Abgabe  von  8  Mk.  für  die
Tonne  erhielte  man  von  Anfang  an  58
Mill.  Mk.,  also  nach  Abzug  der  Unter-
        <pb n="391" />
        Papeete  —  Paraguay.

383

haltungskosteil  »och  fast  10  Proz.  von  bent
Anlagekapital  von  560  Mill.  Mk.  Die
Abkürzung  der  Seewege  durch  beu  Kanal,
den  die  Schisse  in  sechs  Stunden  passieren
könnten,  betragt  zwischen  Europa  und  den
Tropengebieten  des  Stillen  Meers  etwa
2500  Seemeilen  oder  30  Tage  für  Dampfer, ­
  zwischeil  New  Pork  und  China  1000,
Peru,  Chile  oder  Japan  1400  Seemeilen
"nd  zwischen  New  Pork  und  Sail  Franosco,
  den  mexikanischen  Häfen  sowie
Guayaquil  sogar  3000Seemeilen  oder  40
Tage  per  Dampfer.  Nach  den  Berechnungen
  von  Lesseps  würde  das  Werk  bei  achtlahriger
  Dauer  ails  höchsteils  674,400,000
Mk.  zu  stehen  kommen;  indes  hofft  man,
daß  die  wirkliche  Allsgabe  600  Mill.  Mk.
uicht  überschreiten  werde.
Papeete,  s.  Tahiti.
Papenburg,wichtigsterSeehandelsplah
der  Landdrostei  Osnabrück,  Kreis  Meppeil,
durch  einen  8  km  langen  Kanal  mit  der
Ems  verbunden;  (isso)  6724  Einw.  Handelskammer; ­
  Papeilburger  Bank.  Der
früher  bedeutende  Schiffbau  (22  Werften)
wurde  1880  nur  ilvch  auf  3  Wersten  belieben ­
  ;  bedeutend  ist  der  Holzhandel  mit
Hobelwerken.  P.  besaß  1880:  137  Seeschiffe ­
  von  20,429  Ton.  1879  kamen  an:
232  beladene  Schiffe  (93  unbeladene)  mit
18,173  T.,  eö  gingen  ab:  255  Schiffe
(74  unbeladene)  mit  19,863  T.
Para  (Belem),  Hauptstadt  der  gleichnamigen
  Provinz  Brasiliens,  am  südlichen
llfer  deö  P.  gcnannteil  Südarms  des  Amazonenstroms, ­
  Station  der  Dampferlinie
Red  Croß  (Liverpool);  36,000  Einw.
Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:  Provinz
Grño  P.);  Handelsgericht;  New  London
and  Brazil  Bank,  Valico  Cvlnmercial  de
P.  Mit  Pernambuco,  Bahia  u.  a.  steht
P.  in  unterseeischer  telegraphischer  Verbindung; ­
  der  Hasen  ist  geräumig,  aber
verschlammt.  1877  liefen  117  Dampfschiffe ­
  lind  102  Segelschiffe  von  165,690
Ton.  ein,  darunter  6  deutsche  Segelschiffe
von  1247  T.  1877  betrug  die  Einfuhr
15,525,000  Mk.,  die  Ausfuhr  24,887,120
Mk.  Letztere  besteht  vornehmlich  in  :  Kautschuk ­
  (7,322,043  kg),  Kakao  (2,411,704
kg),  Nüssen,  trocknen  und  gesalzenen  Häufen, ­
  chilenischen  Strohhüten,  Chinarinde

von  Bolivia,  Kopa'ivabalsam  n.  a.,  die
Einfuhr  in:  Schuhzeug,  Wachs,  Butter,
frischeil  Früchten,  Reis,  Bohnen,  Baum
Wollstoffen,  Steinkohlen,  Eisenwaren  re.
Der  direkte  Import  aus  Deutschland  bezifferte ­
  sich  nur  auf  6576  Mk.  —  Platzgebräuche. ­
  Von  Einfuhrwaren  verkauft
  man  Estiva-Artikel  (Faßwaren)  in
2  und  4,  2,  4  und  6,3,6  und  9  Monaten, ­
  trockne  Waren  (Fabrikate)  iil  6,  9
und  12  Monaten  zahlbar,  Landesprodukte ­
  gegen  bar,  oft  and)  mit  Vorschüssen.
Wechsel  auf  England  nub  Frankreich  60
und  90  Tage  nach  Sicht.
Paraguay,  Strom  in  Südamerika,
entspringt  in  der  brasil.  Proviirz  Matogrosso
  und  vereinigt  sich  nach  2,660  km
langem  Lailf  an  der  Südlvestgrenze  des
Staats  P.  oberhalb  Corrientes  mit  dem
Parauä.  ^  Bis  Cuyabä  in  der  Provinz
Matogrosso  wird  er  von  Dampfern  befahren. ­

Paraguay,  Freistaat  in  Südamerika,
238,290  qkm  (4328  QM.)  mit  (iste)
293,844  Einw.  (gegen  1857:  1,337,431
Einw.).  Von  6000  Fremden  waren:  2500
Italiener,  600  Portugiesen,  250  Spanier,
150  Österreicher,  120  Franzosen,  90  Deutsche, ­
  80  Englällder.—Produktion.  Das
Land  ist  sehr  fruchtbar.  Hauptkultureu
sind  Paraguaythee  (Verba  mate),  Tabak,
Kaffee;  die  Viehzucht  ist  ansehnlich.  Hauptmarkte
  für  die  Landesprodukte  sind  Buenos
Ayres  und  Montevideo,  wo  dieselben  gegen ­
  europäische  Jndustrieerzeugnissc  umgetauscht ­
  werden.  Es  wertete  (in  Mark):
1878  1879
Einfuhr  .  .  .  3188936  3  824576
Ausfuhr  .  .  .  2696352  6329368
Einfuhrzoll  .  .  738148  866396
Hauptartikel  der  Einfuhr  sind  :Schirtings,
Kattune,  Tuche,  Sackleineil  zumVerpackeil
von  Tabak  und  Aerba,  Zucker,  Salz,  Eisen,
Lichte,Bier,  Wein.  Aus  Deutschland  kommen ­
  hierher:  Eisenwarcu,  Steingut,  Bier,
Möbel,  Spielsachen,  Papier,  Manufakturwaren. ­
  Ausgeführt  wurden  1879:  Verba
mate'  4,7  Mill,  kg,  Tabak  2,9  Mill,  kg,
ferner  Nindshäute,  Cigarreil,  Stärke,
Gerbrinde,  Orangen,  Orangenblätteressenz,Iaborandi. ­
  Deutschland  nimmt  besonders ­
  Tabak  (namentlich  den  wohlfeilen
        <pb n="392" />
        384

Paramaribo  —  Paris.

Pito),  neuerdings  auch  Nerba.—Hauptverkehrsstraße ­
  ist  der  mit  Dampfern
befahrene  Rio  P.;  eine  Eisenbahn  und
Telegraphenlinie  von  72  km  Länge  führt
von  Asuncion  nach  P.  Die  Post  (P.  gehört ­
  zum  Weltpostverein)  empfing  1878
vomAusland  31,584  Sendungen  (10,946
Briefe,  16,561  Pakete  und  Drucksachen)
und  verschickte22,532Sendungen  (11,000
Briefe,  11,532  Pakete);  von  Asuncion  gingen ­
  ins  Innere  6906  Sendungen  (3180
Briefe,  3786  Pakete).  Einnahme:  7000
Mk.  —  Finanzen.  Haupteinnahme  ist
bet  3oK  aits  Ghifi#  (1878  :  722,884
Mk.),  der  Ausfuhrzoll  wurde  1877  aufgehoben; ­
  die  Ausgaben  (ohne  Zinsen  für
die  Schuld,  Verpflegung  des  Heers  u.  a.)
waren  1880:1,080.124  Mk.  Die  äußere
Staatsschuld  besteht  in  einer  nominellen ­
  Schuld  an  Brasilien,  Argentinien  und
Uruguay  außer  Kriegsentschädigungen
an  die  Bewohner  von  Brasilien  und  Argentinien. ­
  In  England  wurden  1871  und
1872  Anleihen  voir  1,914,200  Mk.  und
1,096,600  Mk.  gemacht,  für  die  seit  1874
keine  Zinsen  gezahlt  wurden.  Die  innere
Schuld  ist  jetzt  sehr  unbedeutend.  —
Deutsches  Vicekonsulat  in  Asuncion.
Münzen.  Eigne  Gold-und  Silbermünzen
  prägt  der'Staat  nicht;  es  laufen
spanische,  mexikanische  imb  südamerikanische
  Silberpiaster  um.  Man  rechnet  nach
Pesos  ober  Piastern  (4  Mk.  10  Pf.).  Zahlungen ­
  müssen  zu  einem  Drittel  in  barem
Geld  geleistet  werden.  Die  Allsgabe  von
Staatspapiergeld  wurde  1875  ans  350,000
Pesos  beschränkt.  Man  geht  jetzt  mit
der  Einlösung  vor.  Wechselwesen  besteht ­
  fast  gar  nicht,  selbst  mit  Buenos
Ayreö  selten.  Stempel  (obligatorisch)
für  Wechsel,  Quittungen  und  Verträge
über  50—100  Pesos:  2  Realen  (1  Mk.),
100—200  Pesos:  3  Realen  rc.  Maße.
Der  Pie  (Fuß)  —  0,279  m,  die  Vara
(Elle)  —  0,8  in;  die  Fanega  —  288
Lit.,  der  Barril  96,9  L.,  die  Pipa  —  6
BarrilS.  Gewichte.  Die  Libra  —  0,46
kg,  die  Arroba  =  11,5  kg,  der  Quintal  =
4  Arrobas,  die  Tonelade  =  20  Quintals.
Paramaribo,  Hauptstadt  und  Hafen
der  niederländ.  Kolonie  Guayana,  30  km
oberhalb  der  Mündung  des  Surinam  in

den  Atlantischen  Ocean,  Station  der  Dampfer
  der  Compagnie  genérale  transatlantique; ­
  (1879)  22,299  Einw.  Deutsches  Konsulat; ­
  Surinamische  Bank.  Der  ganze
Handel  der  Kolonie  mit  dem  Anöland
geht  über  P.  1879  wertete  die  Einfuhr
6,lj)0,910Mk.,  dieAusfuhr  6,432,280Mk.
Ausgeführt  wurden  :  Zuckerl  3,570,694kg,
Goldstaub  540  kg,  Kakao  1,113,345  kg,
Baumwolle,  Melasse,  Rum;  eingeführt:
Mehl,  Reis,  Fleisch,  Butter,  Wein.  1877
liefen  ein:  201  Schisse  von  20,884  Ton.
Parana,  Strom  Südamerikas,  der  sich
oberhalb  Buenos  Ayres  mil  dem  Uruguay
vereinigt,  worauf  dann  der  auö  beiden
Flüssen  gebildete  Strom  den  Namen  La
Plata  erhält.  Er  hat  eine  Stromlänge
voir  3560km,  ist  bis  Corrientes  für  Kriegsschifsc
  fahrbar  und  da,  wo  er  sich  mit  dem
Paraguay  (s.  d.)  vereinigt,  300  m  breit.
Paranaguá,  Hafenstadt  in  der  brasil.
Provinz  Parana,  Station  der  Hamburg-Südamerikan.
  Dampfschiffahrtöges;  5000
Einw.  Deutsches  Konsulat  (für  die  Provinz ­
  Paraná).  In  P.  und  Antonina  wertete ­
  1879  die  Einfuhr  2,i  Mill.,  die  Ausfuhr ­
  2,9  Mill.  Mk.  1879  liefen  ein:  58
Schiffe  (4deutsche)von35,843Ton.,  auö:
130  Schiffe  (10  deutsche)  von  54,820  T.
Paris,  Hauptstadt  Frankreichs,  an  der
Seine  und  den  fünf  Bahnlinien:  P.-Lyon-Mcditerranee,
  Chemin  de  fer  d'Orléans,
Chemin  de  fer  de  l'Est,  Chemin  de  fer  du
Nord,  Chemin  de  fer  de  l'Ouest;  (leso)
2,095,000  Einw.  Die  Stadt  bedeckt  cine
Oberfläche  von  7802  Im,  wovon  714  Im
auf  daö  Flußbett  derSeine  entfallen.  Die
Straßen  hatten  1877  eine  Länge  von  877,
die  Abzugökanale  von  571  km  ,  die  unterirdischen ­
  Gasleitungen  von  1829km.  1879
wurden  218,813,875  cbm  Gas  verbraucht
und  dafür  45,5  Mill.Mk.  vereinnahmt.—
Die  J  il  d  u  st  r  i  e  von  P.  steht  auf  sehr  hoher
Stufe,  u.  ein  sehr  großerTeil  seinerVevölkerung
  ist  industriell  beschäftigt.  Von(i876)
1,988,806  Einw.  waren  404,408  männliche ­
  und  411,632  weibliche  Arbeiter.  Namentlich ­
  das  Lurusgewerbe  ist  eine  Specialität ­
  der  Stadt.  Die  »Articles  deP.«
sind  unübertroffen;  Ausgezeichnetes  wird
in  der  Goldschmicdekunst,  im  Wagenbau,
  in  der  BekleidungS-  und  Kurzwaren-
        <pb n="393" />
        38

Paris.

industrie  geleistet.  Der  Proviantierung
dienen  die  in  zwölf  Pavillons  zerfallenden
Centralhallen  nebst  zahlreichen,  auf  die
einzelnen  Stadtviertel  verteilten  Märkten,
die  alte,  aus  dem  Jahr  '1763  datierende
Getreidchalle  und  das  große  Weinentrepot,
dessen  Keller  über  1  Mill,  hl  Wein  fassen
können.  Von  Eßwarcn  betrug  die  Einfuhr ­
  1879:  250,963,444  kg,  davon:
«sfianci  und  Wild  .  .  23486205  Kilonr.
Schlachtfleisch  und  Wurst  168214642
See-  und  Flußfische  .  .  25724414
Butter  10057  765
Eier  16203784
Davon  wurde  aber  ein  beträchtlicher  Teil
wieder  ausgeführt.  Von  steuerpflichtigen
Getränken  betrug  die  Einfuhr:
Wein  4408898  Hektol.
Alkohol  und  Liköre  .  .  125212
Äpfel-,  Virnenwein  ».  dgl.  56  752
Bier  223  651
zusammen  4,814,513  hl.  Voll  Baumaterialien ­
  wurden  eingeführt:
Kalk  und  Kommt  .  '.  .  102071198  Kilonr.
«ips  5074422  Hektol.
Bausteine,  Lehm  u.  a.  .  818617  Kbkm.
Ziegelsteine  63511298  Stück
Schmiede  -  und  Gußeisen  61704513  Kilogr.
eine  bedeutende  Zunahme  gegen  frühere
Jahre,  hervorgerufen  durch  die  stark  entwickelte ­
  Bauthätigkeit.  Der  Oktroi  brachte
1879:  109  Mill.,  1880:  114  Mill.  Mk.,
davon  1880:  Lebensmittel  23,i,  Getränke
49,c,  andre  Flüssigkeiten  11,i,  Brennmaterial ­
  8,7,  Baumaterial  8,2,  Nutzholz  4,6,
Viehfutter  3,9  Mill.  Mk.  1878  bezifferte
sich  die  Einfuhr  mit  278,«  Mill.  Mk.,
die  Ausfuhr  auf  361,8  Mill.  Mk.  —
Den  Verkehr  innerhalb  der  Stadt  vermittelten ­
  1879:  623  voitures-omnibus
mit  8378  Pferden,  welche  91,248,432
Reisende  beförderten,  und  233  voiturestramways
  mit  3218  Pferden,  welche
58,505,744  Reisende  beförderten;  außerdem ­
  gab  es  ca.  6700  voitures  de  place  et
mixtes.—Handelsanstaltensind:  die
Börse,  Handelskammer,  Syndikalkammer
der  Handels-  und  Assekuranzmäkler,  Handelsgericht, ­
  Fabrikgericht.  Von  bedeutenden
Bankeil  sind  außer  der  Bank  von  Frankreich ­
  (s.  Frankreich,  S.  201)  zu  nennen: ­
  Banque  de  Paris  et  des  Pays-Bas,
Banque  Impériale  Ottomane,  Banque
Haiidelsgeonraphie.

Franco-Autrichienne-Hongroise,  Banque
Franco-Egyptienne,  Comptoir  d'Escompte
de  Paris,  Crédit  somier  de  France,  Société ­
  générale  poilr  favoriser  le  développement ­
  dit  commerce  et  de  l'industrie.  Société ­
  de  Crédit  mobilier  en  France,  Succursale ­
  dll  Crédit  Lyonnais,  Anglo-Peruvian
  Bank  rc.  —  Unter  den  Transportgesellschaften ­
  ist  die  der  Messageries  nationales ­
  zu  nennen.  Bor  das  Handelsgericht ­
  wurden  1879:  60,050Streitsachen
gebracht;  angemeldet  wurden  1653  Insolvenzen ­
  und  1696  Gesellschafteil  mit
einem  Gesamtkapital  von  744  Mill.  Mk.;
Ende  1880  wurden  600  Mill.  Mk.  neuer
Aktien  und  Obligationen  emittiert.  Die
Sparkasse  von  P.  zählte  Ende  1878:
304,074  Einzahler  mit  einem  Kapital  von
46  Mill.  Mk.  —  Das  Budget  für  1880
zeigt  einen  Bedarf  von  186,9  Mill.  Mk.
1879  betrugen  die  Einnahmen  194,6  Mill.
m.,bie  %uë#en  223,3  mH.  m,Won
173,4  Mill.  Mk.  ordentliche  und  49,&amp;lt;&amp;gt;Mill.
Mk.  allßerordentliche  Ausgaben.  Von  den
Einnahmen  entfielen  auf  den  Oktroi  105,9
Mill.  Mk.  Die  Schulden  stammen  fast
ausschließlich  aus  der  Regiernngszeit  Napoleons ­
  III.  Am  31.  Dez.  1878  berechnete
mau  den  Gesamtschuldbetrag  auf  1589,7
Mill.  Mk.  Ein  Teil  dieser  Summe
wurde  zuni  Ankauf  voit  Brücken  (Austerlitz,
  Eite,  des  Arts,  Louis  Philippe)  und
Kanälen  (St.  Martin,  St.Maur,  Ourcq,
St.  Denis),  Wasserlverken  rc.  verwendet.
—  Platzgebräuche.  Bei  Gewichtswaren ­
  stellt  man  die  Preise  für  1  oder
100kg,  bei  Zucker  für  159,  fetten  Ölen  für
100  kg.  Liefcrungskänfe  von  Weizenmehl
in  30  Tagen,  von  Rüböl  auf  das  Einfache ­
  oder  Mehrfache  von  5000  kg,  Spiritus ­
  auf  do.  von  155  hl  rc.  Verkäufe
gewöhnlich  gegen  Accept  des  Käufers
von  28  Tagen  bis  längstens  3  Monaten.
Wechselkurse  notiert  man  kurze  und
lange  Sicht  auf  Amsterdam,  Augsburg,
Berlin,  Frankfurt  a.  Bk.,  Hamburg,
Lissabon  und  Porto,  Madrid,  Barcelona,
Bilbao  und  Cadiz,  Petersburg,  Triest  und
Wien,  New  Bork;  langeSicht  auf  London,
belgische,  italienische  und  schweizerische
Bankplätzc.  Diskont  rechnet  die  Bank  von
Frankreich  stets  für  mindestens  10  Tage.
25
        <pb n="394" />
        886

Parma  -
.  Parma,  Hauptstadt  der  gleichnamigen
ital.  Provinz,  an  der  Eisenbahnlinie  Piacenza-Bologna;
  (ms)  41,107  Einw.  Ressort ­
  des  deutschen  Konsuls  in  Bologna;
Handelskammer,Handelsgericht.  JmJuni
eine  Messe  für  den  Seidenhandel.
Passan,  Stadt  im  bahr.  Regierungsbezirk ­
  Niederbayern,  an  der  Mündung
der  Inn  und  der  Jlz  in  die  Donau  und
der  LinieNegensburg-P.-Wicn,  Station
der  Donau  -  Dampfschiffahrtsgesellschaft;
(isso)  15,306  Einw.  Handels-  und  Gewerbekannner.
  Von  Handelsartikeln  sind
zu  nennen  die  Passauer  Schmelztiegel
(vorzugsweise  in  Obernzell  verfertigt).
Lebhafter  Salz-  und  Speditionshandel;
1879  kamen  hier  an:  zu  Thal  223  Schisse
mit  9409  Ton.  und  51  Flöße  mit  13,829
I.,  %u  Bern  895  6#c  mit  71,999  %.
Auf  den  Eisenbahnen  wurden  1878  abgefertigt ­
  146,579  T.,  wofür  eine  Einnahme
von  1,319,401  Mk.  erzielt  wurde.
Patna,  Hauptstadt  deö  gleichnamigen
Bezirks  in  der  Provinz  Behar  der  briti'schostind.
  Präsidentschaft  Bengalen,  am  Ganges ­
  und  an  der  Kalkutta-Lahor-Eisenbahn; ­
  (1872)  158,900  Einw.,  davon  80
Proz.  Hindu.  Ressort  des  deutschen  Konsuls ­
  in  Kalkutta;  Bank  of  Bengal.  Der
bedeutende  Handel  der  Stadt  richtet  sich
namentlich  nach  Nepal  und  Kalkutta  und
wird  von  Kaufleuten  aus  den  verschiedensten ­
  Ländern  Asiens  und  Europas  (darunter ­
  22  Deutschen)  betrieben.
Patras,  wichtigster  Handelsplatz  Westgriechenlands,
  am  gleichnam.  Meerbusen;
Station  der  Dampfcrlinicn:  Rederl.
Stoomboot  Maatschappij,  Österr.-Ungar.
Lloyd,  Cunard-  und  Leyland-Linien  (Liverpool); ­
  (1871)  19,641  Einw.  Deutsches
Konsulat  (Amtsbezirk:  P.,  der  Golf  von
Lepanto,  die  Küste  von  Akarnanien  bis
zum  Golf  von  Arta  und  der  nördliche
Peloponnes);  Handelskammer,  Handelsgericht; ­
  Banque  hellénique  de  credit  generale, ­
  Jon.  Bank,  Griech.  Nationalbank.
1879  liefen  einschließlich  der  Küstenfahrer
ein:  4055  Schiffe  von  272357  Tonnen
aus:  4083  -  -  272679
(davon  2  deutsche  mit  1758  T.).  Die  Einfuhr ­
  betrug  11,7  Mill.Mk.,  davon  aus  England ­
  für  3,s,  aus  Österreich  für  4,i  Mill.

-  Peking.
Mk.,  und  bestand  vornehmlich  in  Geweben,
Getreide  und  Mehl,  Holz,  Kolonialwaren ­
  rc.;  die  Ausfuhr  dagegen  wertete  11,»
Mill.  Mk.  und  bestand  außer  Korinthen
(10,4  Mill.  Mk.)  in  Fellen,  Valonen,
Wein  rc.  England  allein  nahm  von  der
Gesamtsumme  für  8,6  Mill.  Mk.  Waren.
Der  Verkehr  mit  Deutschland  bezifferte  sich
in  der  Ausfuhr  auf  nur  86,256  Mk.  —
Wechselkurse  notiert  man  auf  London,
Paris  und  Marseille,  Frankfurt  a.  M.,
Triest  und  Wien  3  Monate  dato.  Man
verkauft  Korinthen  auf  4  Monate  Kredit
in  Drachmen  für  1000  Pfd.  engl.
Paumotuinseln,  s.  Polynesien.
Pavía,  Hauptstadt  der  gleichnamigen
ital.  Provinz  in  der  Lombardei,  durch
Eisenbahn  mit  Mailand,  Cremona,  Vogherà ­
  und  Alessandria  verbunden,  am  Ticino ­
  (von  hier  ans  schiffbar),  von  welchem
hier  ein  Kanal,  der  Naviglio  grande,  nach
Mailand  führt  ;  (1878)27,666  Einw.  Ressort ­
  des  deutschen  Konsuls  in  Mailand;
Handelssenat;  Filiale  der  Nationalbank,
Banca  popolare  di  P.  Der  Handel  vertreibt ­
  besonders  die  Bodcnprodukte  der
Umgebung.
Payta,  Hafenstadt  in  Peru,  an  der
Bahn  P.-Piura;  (1876)  2396  Einw.  1877  :
Einfuhr  1,352,668  Mk.  (deutsch  192,924
Mk.  Baumwoll-  und  Wollwaren,  Bier,
Lichte),  Ausfuhr  2,025,268  Mk.  (Baumwolle, ­
  Strohhüte).  Eingelaufen  sind  215
Schisse  (1  deutsches)  von  166,337  Ton.
Peiho,s.Eh  i  n  a,Verkehrswesen  f  6.99).
Peipus,  Sec  in  Rußland,  zwischen  den
Gouvernements  Esthland,  Livland,  Pskow,
St.  Petersburg,  mißt  mit  dem  Warmen  u.
Pskowschen  See  3513  qkm  (63,8  OM.).
Peking  (Pekin),Hauptstadt  des  chines.
Reichs,  an  einem  (für  Boote  von  100  Lasten
von  der  Mündung  20  km  aufwärts  schissbaren)
  Zufluß  deö  Peiho,  mit  einer  Einwohnerzahl,
  deren  Schätzung  zwischen
500,000  n.  1,650,000  schwankt.  Russische
Kolonie,  Gesandtschaften  der  Vereinigten
Staaten,  Deutschlands,  Frankreichs,  Englands, ­
  Japans  und  Rußlands.  Hafen,
VorortiiubHandelsplatz  fürP.istTients
  in.  Postvcrbindllng  durch  chinesische  Anstalten ­
  mit  den  entferntesten  Plätzen  dcö
Reichs,  mit  Kiachta  durch  russische  Post.
        <pb n="395" />
        Penang  —  Persien.

387

Penang,  s.  Pinang.
Penzance  (spr.  pc'imsanz),  Hafenstadt  m
der  engl.  Grafschaft  Cornwall,  an  der
Mountsbai  des  AtlantischenOceans  ;  (i8?i)
10,414  Einw.  Deutsches  Vicekonsulat
(Amtsbezirk:  P.,  Mountsbay,  St.  Jves
und  Hayle).
Pernambuco  (Fernambuco)  oder
(amtlich)  Recife,  Hauptstadt  der  brasil.
Provinz  P.,  an  der  Mündung  des  Capibaribe
  in  den  Atlantischen  Ocean,  an  der
P.-  Eisenbahn;  Station  der  Dampferlinien: ­
  Harrison,  Lamport  und  Holt,  Pacific ­
  Steam  Navigation  Co.  (alle  von  Liverpool), ­
  Royal  Mail  Steam  Packet  Co.,
United  States  and  Brazil  Steamship  Co.
(New  Pork),  Messageries  maritimes,  Société ­
  Chargeurs  reunis  (Havre);  U872)
116,671Einw.  DeutschesKonsulathAmtsbezirk:
  die  Provinzen  P.,  Rio  Grande  de
Norte  und  Parahyba  de  Norte);  Handelsgericht; ­
  Börse,  English  Bank  os  Rio  de
Janeiro,  New  London  and  Brazil  Bank.
—  P.  ist  der  Sitz  vieler  europäischen  Handelshäuser. ­
  1879  liefen  hier  ein:  965
Schiffe  (177Dampfer),  davon79  deutsche;
abgegangen  sind  937  Schisse  (137  Dampfer), ­
  davon  79  dentsche.  Die  Ausfuhr  besteht ­
  vornehmlich  inZucker  (1879:  98,420
Ton.)  und  Baumwolle  (60,318  Ballen).
Insgesamt  war  der  Wert  der  Einfuhr
37,600,000  Mt.,  der  Ausfuhr  25,250,000
Mk.  Von  England  allein  wurden  für
22,3  Mill.  Mk.  Waren  eingeführt,  und
dorthin  gingen  für  11,i  Mill.  Aik.  Die
Einfuhr  von  Deutschland  bezifferte  sich  auf
1,022,158  Mk.  —  Wechselkurse  wie
Rio  de  Janeiro;  Einfuhrwaren  verkauft
man  auf  8—12  Monate  Kredit.
Pcrnau,  Kreisstadt  im  rufs.  Gouvernement ­
  Livland,  an  der  Mündung  des
gleichnain.  Flusses,  Station  derDainpfer
derLivlaud-DainpfschiffahrtsgeschLübeck);
0873)  9568  Einw.  Deutsches  Konsulat;
Zollamt;PernauerGemeindebank,  Filiale
der  Pleskauer  Kommerzbank;  Transport-#.(1879:14,7
  Mill.  Mk.),  hauptsächlich
Flachs,  Leinsaat,  Getreide;  nach  Deutschland ­
  für  695,187  Mk.  Einfuhr:  1,051,482
Mk.  (davon  deutsch  808,880  Mk.),  namentlich ­

  Salz,  Steinkohle,  Petroleum.
Eingelaufen  1878:  170  (48  deutsche)
Schiffe  von  36,557  Ton.
Perpignan  (spr.  .pìnjang),  Hauptstadt
des  franz.  Departements  Ostphrenäen  und
vormalige  Grafschaft  Roussillon,  11  km
vom  Mittelländ.  Meer,  an  dem  Chemin
du  Midi;  0876)  24,379  Einw.  Warenbörse; ­
  Handelskammer,  Handelsgericht;
Filiale  der  Bank  von  Frankreich.  Der
Handel  vertreibt  namentlich  Wein  (Rivesaltes
  u.  a.),  Spirituosen,  Wolle,  Öl,
Honig.
Persien  (im  Land  selbst  Iran  genannt), ­
  asiat.  Monarchie,  1,648,195
qkm  (29,933  QM.)  mit  ca.  7  Mill.
Einw.,  davon  30  Proz.  Nomaden,  ebensoviel ­
  Städtebewohner  und  40Proz.Landbewohner. ­
  Der  Abstammung  nach  sind
etwa  3  Mill.  Perser,  1  Mill.  Turktataren,
außerdem  Turkmenen,  Armenier,  Juden,
Arabcrrc.—  Hauptprodukte  sind:  vorzüglicher ­
  Weizen,  Gerste  und  andres  Getreide ­
  ,  Hülsenfrüchte,  Wein  in  mehreren
Provinzen  (sehr  berühmt  ist  der  von  Schiraz,
  doch  dem  europäischen  Geschmack  wenig
zusagend);  außerdem  werden  Reis  und
Maulbeerbäume  in  Fülle  am  Kaspischen
Meer  gebaut,  wo  die  Seide  ein  wichtiger
Handelsartikel  ist.  Aus  Georgien  und
Chorasan  wurden  1874  noch  400,000  kg,
aber  1878  nur  200,000  kg  Seide  ausgeführt. ­
  Dort  wird  auch,  ebenso  wie  in  Gitan ­
  und  Masenderan,  viel  Zuckerrohr  gebaut. ­
  Andre  vegetabilische  Handelsartikel
sind:  Gummitragant,  Asa  fötida,  Gelbbeeren,
  Safran,  Henna  und  Krapp;  ferner: ­
  Tabak,  Indigo,  Opium  (jährlich
140,000  kg),  Baumwolle.  Es  sind  aber
nur  10  Proz.  des  Areals  bebaut  und  75
Proz.  wüstes  Land.  Bon  Mineralien  werden ­
  nur  etwas  Eisen,  Blei  und  Kupfer
in  der  primitivsten  Weise  ausgebeutet.  --Die
  Industrie  beschränkt  sich  auf  die
Anfertigung  von  Kupfergeraten,  Filigranarbeiten, ­
  damascierten  Waffen,  fein
ciselierten  Basen,  namentlich  aber  von
Shawls  und  Teppichen.  —  Der  Handel
hat  sich  infolge  des  Mangels  an  schiffbaren ­
  Flüssen  und  Seehäfen,  der  hohen
Binitenzölle,  der  Schwierigkeit  des  Transports
  auf  den  schlechten  Landstraßen,  auf
25*
        <pb n="396" />
        388

Perth  —  Peru.

Pferden,  Kamelen  und  Maultieren  nicht
entwickeln  können.  Der  Hauptbetrieb  des
Handelsverkehrs  ist  meist  in  den  Händen
der  Armenier  und  der  Parsen.  Handelsverträge ­
  wurden  seit  dem  zwischenRußland
und  P.  im  Frieden  von  Turkmantschai
(22.  Febr.  1828)  abgeschlossenen  Vertrag
mit  mehreren  andern  europäischen  Mächten ­
  eingegangen.  Die  Ausfuhr  persischer
Stoffe  und  Erzeugnisse  nahm  zuerst  ihren
Weg  über  Astrachan  und  Tiflis,  dann,
als  sich  die  Dampfschiffahrt  auf  dem
Schwarzen  Meer  entwickelte,  vermittelst
großer  Karawanenzüge  von  Tebriz  über
Erzerum  nach  Trapczunt,  das  sich  zum
Stapelplatz  für  den  europäisch-persischen
Warenaustausch  emporschwang.  Durch
den  Bau  der  Bahn  von  Poti  nach  Tislis,
die  nach  Tebriz  fortgesetzt  werden  soll.  ist
aber  Poti  an  die  Stelle  von  Trapezunt
getreten.  Wie  hoch  sich  der  Warenumsatz ­
  beziffert,  ist  nicht  genau  festzustellen; ­
  die  Einfuhr  schwankt  zwischen  30
und  30  Mill.  Mk.,  die  Ausfuhr  steht  in
guten  Jahren  noch  höher.  Hauptausfuhrartikel ­
  sind:  Rohseide,  Seidenabfälle,  Tabak, ­
  Opium,  Teppiche,  Shawls,  Felle,
getrocknete  Früchte,  Baumwolle,  Kaviar
pud  Hausenblase.  Die  Haupteinfuhrartikel ­
  sind:  Baumwollwaren  und  andre
Webstofse,  Glaswaren.  Tuch,  Porzellan,
Zucker.  Papier,  Thee,  Roheisen,  Kupfer.
Die  Regierung  erhebt  als  Zoll  sowohl
für  Einfuhr  als  Ausfuhr  5  Proz.  in  natura, ­
  doch  wird  auch  ein  Entgelt  angenommen. ­
  Schiffsverkehr  wird  durch  die
Dampfer  der  British  India  Steam  Navigation ­
  Co.  in  den  beiden  Häfen  Rescht  und
Buschir  vermittelt.  —  Postanstalten
sind  neuerdings  unter  der  Leitung  von
österreichischen  Beamten  errichtet  worden.
Die  Zahl  der  Büreaus  ist  jetzt  40,  auf
welchen  1877:  300,000  Briefe  befördert
wurden  und  zwar  350,000  im  innern
und  10,000  im  internationalen  Verkehr.
Die  Einnahme  betrug  etwa  72,000  Mk.
Telegraphenleitungen  wurden  von
Engländern  errichtet,  deren  große  Überlandlinie ­
  mitten  durch  P.  hindurchführt.
Ņpn  dieser  abgesehen,  bestehen  jetzt  in  P.
-»432  km  Limen  und  9113  km  Drähte,
auf  denen  1878  ca.  500,000  Depeschen

befördert  wurden.  Die  Einnahmen  des
Departements  beliefen  sich  auf  280,000
Mk.  —  Konsulate  unterhält  Deutschland ­
  in  P.  nicht,  wohl  aber  England,  Rußland,
  Frankreich,  die  Niederlaiide  und  die
Türkei  in  Buschir,  Rescht,  Tauris  u.  a.
Ein  Handelsrecht  besteht  nicht;  Verträge
zwischen  Europäern  und  persischen  Unterthanen ­
  sind  nur  klagbar,  wenn  dieselben
von  dem  Konsulat  des  europäischen  Kaufmanns ­
  uní)  dem  Abteilungschef  der  Statthalterei ­
  vidimiert  sind.  —  Die  Einkünfte ­
  des  Monarchen  (Schah  oder
Schah  in  Schah)  fließen  aus  Grund-,
Kopf-,  Gewerbesteuer  und  andern  direkten ­
  Auflagen,  Zöllen  und  unregelmäßigen
Steuern,  welche  willkürlich  erhoben  werden. ­
  1870  betrugen  die  Einnahmen  27,8
Mill.  Mk.  in  Geld  und  5  Mill.  Mk.  in
Produkten,  int  ganzen  32,8  Mill.  Alk.
Eine  Staatsschuld  besteht  nicht.  —■
Hauptmünze  in  P.  ist  das  Toman
(Dukaten  —  8,i  Mk.).  Gewichte  sind  das
kleine  Man,  das  gebräuchlichste  zu  2,9  kg,
das  Man  von  Tebriz  (man  bedient  sich
dort  auch  des  russischen  Pud  oder  Pfundes) ­
  —  4,6  kg,  das  Man-i-schal)  (im
Rohseidenhandel  gebräuchlich)  —  5,9  kg,
das  Man  von  Meragha  (Ascrbeidschan)
—  5,7  kg,  daö  Mau  von  Karadagh  (im
Seidenhandel)  —  8  kg,  das  große  (13,8
kg)  itub  das  kleine  (11,8  kg)  von  Rei
(in  Irak  ttttb  Farsi  st  an),  das  Karawanen-Man
  —  7,4  kg.  Eine  Kamellast  —  30
Karawanen-Man,  eine  Esellast—20—25
Man-i-schah.  Maße:  Zer  Schalst  —  l,ia
m,  Zer  Mokäsar  —  1  m;  Getreide,  Holz,
Flüssigkeiten  werden  nach  dem  Gewicht
verkauft.
Perth,  Hauptstadt  der  britisch-austral.
Kolonie  Westaustralien,  am  Schwanenfluß,
  durch  Eisenbahn  mit  der  Hafenstadt
Freemantle  verbunden;  0879)  7000
Einw.  Western  Australian  Bank,  National ­
  Bank  of  Australasia.
Peru,  Republik  (seit28.Juli  1821)  an
der  Westküste  von  Südamerika,  1,119,941
qkm  (20,339  QM.)  mit  0876)  3,050,000
Einw.,  davon  Indianer  1,554,078,  Mef%n
  669,457,  Bkißc  371,197,  Mmcr
52,588,  Asiaten  51,186.  Der  Religion
nach  zahlte  man  2,644,055  Katholiken,
        <pb n="397" />
        5087  Protestanten,  498  Juden,  49,466
andre.  Von  18,082  Europäern  waren
Italiener  6990,  Franzosen  2647,  Spanier
1699,  Deutsche  1672.
In  dem  oben  Küstenstrich  liegen  die
Handelsstädte;  angebaut  ist  der  Westabhang ­
  der  Andes,  auf  dem  kalten  Hochland
wird  Bergbau  betrieben,  auf  dein  unbebauten ­
  fruchtbaren  Osthang  gewinnt  man
Chinarinde  und  Koka.  Die  Industrie  ist
nicht  nennenswert.  Sehr  wichtig  ist  aber
der  Bergbau  auf  Edelmetal  le.  Von
1833—75  wurden  Gold  und  Silber  im
Wert  von  6,076,264,500  Mk.  gewonnen,
davon  Silber  5,619,960,000  Mk.  Vornehmlich ­
  wichtig  sind  die  Silberminen
bou  Cerro  de  Paseo;  andre  Metalle  sind
Kupfer  und  Quecksilber,  weit  wichtiger
aber  sind  Salz,  Salpeter  und  Guano.
Die  beiden  letzten  Produkte  bilden  jetzt  den
wertvollsten  Teil  der  Ausfuhr.  Der  Handel ­
  befindet  sich  durchaus  in  fremden
(vielen  deutschen)  Händen.  Mit  Ausschluß ­
  von  Salpeter  und  Guano  wertete
1877  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  .  .  96,7,  davon  deutsch  11,i
Ausfuhr  .  .  126,6,  -  -  7,9
Die  Ausfuhr  von  Salpeter  betrug
4,580,357  Ctr.  (1878:  5,909,113  Etr.),
die  von  Guano  279,983  Ton.  im  Wert
von  32,»Mill.Mk.  Andre  Hauptauöfubrartikel
  waren  1877  :  Zucker  (54,7  Mill,
kg),  Baumwolle,  Metalle,  Salz,  Wolle,
Reis  und  Chinarinde.  Der  Wert  der  Ausfuhr ­
  (außer  Salpeter  imb  Guano)  verteilte ­
  sich  auf  nachstehende  Hauptgebiete
(in  Millionen  Mark):
England  .  .  80,7  I  Frankreich  .  .  13,o
Chile....  17,o  I  Deutschland  .  7,9
Guano  wurde  vornehmlich  exportiert  (in
Millionen  Mark)  nach:
England  .  .  12.2  I  Deutschland.  .  2,6
Belgien  ...  4,3  I  Verein.  Staaten  2,i
Die  Einfuhr  aus  Deutschland  besteht  vornehmlich ­
  in  Baumwott-  und  Wollwaren,
Bier,  Stearinlichten,  Lebensmitteln,  Mobilicu
  und  fertigen  Kleidern,  Steinkohle,
x.  -  BmicWc
Häfen  sind  (dem  Rang  nach):  Callao,
%Tica,3q^^^qne,Woacnbo,@d(^bcm),Şu
sagua.  In  alle  37  Häfen  Perus  liefen  1877

ein:  9176  Schiffe  (5503Da»iPfer)  von  7  210  383  Ton
aus:  8696  -  (6267  -  )  -  7034353  -
unter  deutscher  Flagge  177  ein,  152  aus;
von  deutschen  Häfen  kamen  35,  nach  deutschen ­
  Häfen  gingen  19  Schiffe.  Die  Handelsflotte ­
  zählte  1876:147  Schiffe  von
49,860  Ton.  —  Die  Länge  der  Eisenbahnen ­
  1878  war  1852  km;  nach  Vollendung ­
  des  geplanten  Netzes  wird  dieselbe
2740  km  betragen.  Die  Länge  der  Telegraphenlinien ­
  war  2336  km.  '—  Deutsche
Konsulate  (keine  Berufskonsnln)  residieren ­
  in:  Arequipa,  Callao,  Jquique,
Tacna;  Konsularagentcn  in  Arica  und
Islay.  —  Banken  sind:  Banco  del  Arequipa, ­
  Banco  del  Callao,  Banco  Nacional
de  Peru,  Banco  Garantizado,  Banco  de  la
Providencia,  Banco  de  Piura,  Banco  de
Tacna,  von  auswärtigen  die  London  Bank
of  Mexico  and  South  America.  Die  erstgenannten ­
  fünf  einheimischen  Banken
wurden  1875  ermächtigt,  ihren  Notenumlauf ­
  von  zusammen  9,100,000  Soles
(36,4  Mill.  Mk.)  auf  15  Mill.  Soles  und
1875  abermals  um  5,333,333  Soles  zu
vermehren.  Die  1878  angefangene  Verbrennung ­
  von  Papiergeld  wurde  bald  sistiert.
  DasWechselrech  t  basiertauf  dem
spanischen.  —  Die  Finanzen,  schon  vorher ­
  in  trauriger  Lage  (der  Staatsbankerott ­
  wurde  nur  abgewendet  durch  den  Ertrag ­
  der  teils  verpachteten,  teils  in  Regie
verwalteten  Guano  -  und  Salpcterlager),
sind  durch  den  Krieg  mit  Chile  vollends  zerrüttet ­
  worden.  Nach  einer  Abrechnung  von
1876  betrugen  dieCinnahmen266,406,656
m.,  bie  %'nanabcii  260,252,488  3Rf.,  bie
Staatsschuld  855,530,752  Mk.,  davon  innere ­
  99,8  Mill.,  äußere  663,7  Mill.  Mk.
(wofür  Zinsen  schon  seit  1876  nicht  mehr
gezahlt  wurden),  schwebende  92  Mill.  Mk.
Seitdem  hat  sich  der  Stand  der  Schulden
bedeutend  erhöht.  —  Münzen.  Mau
rechnet  nach  Soles  zu  100  Centavos;  der
Sol  —  4  Mk.  20  Pf.  Papiergeld  sind  die
seit  Ende  1878  unter  Verantwortlichkeit
des  Staatsschatzes  ausgegebenen  Noten
für  81,333,332  Mk.,  doch  werden  diese
Noten  von  den  Eingeborncn  statt  des
Silbergcldö  nicht  genommen.  Das  Wert-Verhältnis
  zwischen  Münzen  und  Papier
war  1878:  nordamerikan.  Doppel-Eagle
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        ir

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&amp;gt;  :&amp;gt;

(20  Dollars)—37  Sotes,  cimi.  Sovereign
—  9  Soles,  20-Frankstück  —  6  Soles
50  Centavos,  span.  Doblan  —  26  Soles;
Pernan.  Sol  —  1  Sol  50  Cent.,  span.
Piaster  =  1  Sol  65  Cent.  —  Wechselkurse ­
  notiert  man  in  Lima,  Callao,  Arequipa ­
  und  Tacna  nach  Sicht  auf  London
60  und  90  Tage,  auf  Paris  und  Hamburg
90  Tage,  auf  New  Pork  u.  a.  60  Tage.
Das  Wechselrecht  ist  wie  das  spanische.
Maße  undGewichte  sind  die  metrischen.
Pest,  Hauptstadt  des  Königreichs  Ungarn, ­
  die  seit  1873  vereinigten  Städte  P.,
Ofen  (magyarisch  Bnda)  und  Altofen
umfassend,  die  zu  einem  einzigen  Gemeinwesen ­
  unter  dem  Namen  Budapest  vereinigt ­
  sind.  P.  liegt  am  linken,  Ofen  am
rechten  Donauufer.  Die  Bevölkerung  betrug ­
  1881:369,821  Einw.  (ohne  Militär),
wovon  ans  P.  283.649,  aus  Ofen  75,716
Bewohner  kamen.  —  In  Bezug  auf  Industrie ­
  und  Handel  nimmt  P.  in  Ungarn
weitaus  den  ersten  Rang  ein.  Die  hauptsächlichsten ­
  Jndttstriezweige  sind:  der
Maschinenbau  mit  18  Fabriken,  der
Schiffbau,  vertreten  durch  die  Donan-DampfschisfahrtsgcsellschaftznAltofen.mit

2000  Arbeitern,  die  Mnhlenindnstrie  mit
12  großen  Dampfmühlen  und  mehr  als
2500  Arbeitern,  2  staatliche  Tabakfabriken
mit  2000  Arbeitern,  Wollwäscherei  u.  a.
Bedeutender  aber  ist  der  Handel,  der
durch  die  natürliche  Wasserstraße  der  Donau ­
  und  die  hier  zusammenlanfenden
Eisenbahnen  gefördert  wird.  P.  ist  wichtig
als  Stapelplatz  der  Donau-Dampfschiffsahrtsgesellschaft.
  Hauptobjckt  des  Handels
ist  Getreide  (besonders  Weizen),  wovon
im  zehnjährigen  Durchschnitt  (1865—74)
4,730,000  nietr.  Ctr.  zugeführt  wurden,
um  teilweise  verarbeitet  und  als  Mehl  nach
Triest  und  weiter  über  See  ausgeführt  zu
werden.  Der  größte  Teil  des  Getreides
wird  aber  wieder  ausgeführt.  Nächstwichtig
  ist  Wolle;  Kammwolle  geht  ins  Ausland, ­
  Tuch-  und  Zackelwolle  nach  Österreich; ­
  der  jährliche  Export  erreicht  75,000
mctr.  Ctr.  Von  Spiritus  werden  ca.  60,000
ist  jährlich  besonders  nach  Italien  und  den
Donaufürstentümern  exportiert.  Dann
à  in,  namentlich  der  an  den  Abhängen
de-ö  Udlersbergs  und  Schwabenbergs  wachsende ­

  rote;  Ölsaat  und  Klecsamcn  (besonders ­
  fiir  Österreich-Ungarn),  Tabak,  der
teils  in  den  hiesigen  kaiserlichen  Fabriken
verarbeitet,  teils  exportiert  wird;  Pfla"-men
  aus  Bosnien  und  Serbien,  Honig,
Wachs,  Schweinefett,  Speck,  Borstenvieh
(in  die  zu  Steinbruch,  dein  Centralplatz
für  diesen  Handel,  befindlichen  Mastställe
werden  jährlich  484,000  Stück  Schweine
aus  Niederungarn,  Siebenbürgen,  Serbien ­
  und  Rumänien  zugeführt),  ferner ­
  Binderholz  und  Faßdauben  (jährlich
275,000  metr.  Ctr.),  Steinkohlen  für  eignen ­
  Konsum,  Pottasche,  Bettfedern,  die
ausschließlich  nach  dem  Ausland  exportiert
werden,  rc.  Manufakturwaren  werden  aus
Österreich,  England,  dem  Elsaß  u.  a.  bezogen. ­
  —  Förderungsmittel  des  Verkehrs ­
  sind:  eine  Waren-  und  Effektenbörse,
Fruchtbörse  mit  eignem  Schiedsgericht,
Mehlbörse,  Müllertag,  jährlicher  internationaler ­
  Getreide-  und  Saatenmarkt;
Handelsgericht,  Wechselgericht,  Wechselobcrgericht;
  Handels-  und  Gewcrbekammcr,
  Kornhallc.  Jährlich  werden  hier  vier
sehr  besuchte  Messen  oder  Märkte  abgehalten, ­
  von  denen  jede  an  einem  Montag
beginnt  und  14  Tage  dauert:  dcrJosephimarkt
  im  März,  der  Medardiniarkt  im
Mai  und  Juni,  der  Johannis-Enthauptungsmarkt ­
  im  August,  der  Lcopoldimarkt
im  November.  Zahltag  ist  der  Mittwoch
der  zweiten  Marktwochc.  Zwischenmesscn
finden  im  Januar  und  Juli  statt,  letztere
besonders  für  Wolle,  die  überhaupt  der
wichtigste  Handelsartikel  auf  den  Messen
ist.  —  Kreditwesen.  Von  Banken  existieren ­
  hier  außer  einer  Filiale  der  Österreichisch-Ungarischen ­
  Bank  noch  16  andre,
von  welchen  die  bedeutendsten  sind:  die
Anglo-Hungarian  Bank  (Kapital  16  Mill.
Mk.),  Allgemeine  Ungarische  Municipalkrcditbank
  (8  Mill.  Mk.),  Franko-Ungarische ­
  Bank  (20  Mill.),  Ungarische  Allgemeine ­
  Kreditbank  (24  Mill.  Mk.);  ferner
7  Sparkassen,  4  Bodenkreditanstaltcn  (darunter ­
  die  Ungarische  Allgemeine  Bodenkreditaktiengesellschaft ­
  mit  einem  Kapital
von  20  Mill.  Mk.),  3  Spar-  und  Vorschußvereine,
  Volksbank,  9  Versicherungsgesellschaften. ­
  —  Die  Finanzlage  der  Stadt
war  1875  bei  einer  Bevölkerung  von
        <pb n="399" />
        391

Peterhead  —
295,254  Einw.  folgende:  Einnahmen
12,438,188  Wf.  (1,006,540  m.  (tttf;ctordentliche),
  Ausgaben  13,047,964  Ml.
(3,04l,470ailßcrordentlichc),Aktivvermö-(im
  84,683,548,  25,708,586
.  Peterhead  (spr.  şşr-hedd),  Hafenstadt
ur  der  schott.  Grafschaft  Aberdeen,  an  der
Nordsee  und  an  der  Bahn  P.-Aberdeen;
(1870)  8621  Einw.  Deutsches  Vicekonsulat.
P.  ist  Centralstation  für  den  schottischen
Heringsfang.  Derselbe  wurde  1880  auf
1660  Booten  betrieben  und  ergab  474,96
Mill.  Stück  (Wert  10,34  Mill.  Ml.),  davon ­
  Vs  nach  Deutschland.  Export  1879:
7,?Mill.Mk.  là&amp;gt;licfen2l  deutsche  Schisse
uiit  Heringen,  4  mit  Bauholz  aus.
Petersburg,  s.  Sankt  Petersburg.
Petschöra,  Fluß  in  Rußland,  entspringt
am  Westabhang  des  nördlichen  Urals  int
Gouvernement  Perm  (Kreis  Tscherdyn)
und  mündet  nach  1750  km  langem  Lauf
in  das  Nördliche  Eismeer.  Die  P.  wird
schon  im  obern  Lauf  schiffbar,  ist  zwar
nur  127  Tage  eisfrei,  aber  doch  für  die
Schiffahrt  von  großer  Bedeutung,  indem
sie  den  Tauschhandel  zwischen  Tscherdyn
(Getreide  und  Lein)  und  dem  Norden
(Felle  und  andreJagdprodukte)  vermittelt.
Pforzheim,  wichtigste  Fabrikstadt  des
Großherzogtums  Baden,  an  der  Badischen
und  Wurttemberger  Staatsbahn;  (isso)
23,684  Einw.  Steuer-  und  Zollamt;
Neichöbanknebenstelle,  Pforzheiiner  Bankverein. ­
  Fabrikation  von  Bijouteriewaren
für  Spanien,  Italien,  Brasilien  u.a.,  1880
in  366Fabriken  mit  4048  Arbeitern,  welche
ans  11,280,000  Mk.  Gold,  620,000  Mt.
Silber  und  3  Mill.  Mk.  Steinen,  Korallen ­
  re.  für  22  Mill.  Mk.  Ware  herstellten.
Philadelphia,  die  bedeutendste  Stadt
des  Nordamerika».  Staats  Pennsylvanicn
und  der  Bevölkerung  nach  die  zweite  der
Union,  154  km  vom  Atlantischen  Ocean,
zwischen  den  beiden  schiffbaren  Flüssen
Delaware  und  Schuylkill,  an  den  Bahnlinien: ­
  New  Port-Washington  und  New
Bork-Cleveland;  Station  der  Eunard-Dampfer,
  Royal  Mail  Steam  Packet  Co.,
Red  Star-Linie;  (isso)  846,984  Einw.,
darunter  (is77)  50,750  Deutsche.  Deutsches ­
  Konsulat  (Amtsbezirk:  P.und  Delaware); ­
  Hanptmünzstätte  der  Bereinigten

Philadelphia.
Staaten;  Handelskammer;  Börse.  —Nach
New  Pork  ist  P.  die  wichtigste  FabrikstadtderBercinigtenStaatcn.
  Schon  1870
zahlte  man  8339  gewerbliche  Anstalten  mit
1877  Dampfmaschinen  und  137,876  Arbeitern, ­
  welche  Rohstoffe  im  Wert  von
1339  Mill.  Mk.  herstellten.  Unter  den
industriellen  Produkten  nehmen  dem  Wert
nach  den  vornehmsten  Rang  ein:  raffinierter ­
  Zucker,  Wollwaren,  Kleider,  Bücher ­
  und  Zeitungen,  Teppiche,  Stiefel
und  Schuhe,  Baumwollwaren,  Worsted,
Papier,  Patentarzneimittel  (für  25  Mill.
Mk.),  Maschinen,  Dampfwagen,  Dampfmaschinen, ­
  Dampfkessel  ».  Eisenwaren.—
Der  Handel  ist  von  großer  Bedeutung
und  wird  durch  die  vorzüglichen  Bcrkehrövcrhaltuisse
  unterstützt.  Die  größten  Handelsschiffe ­
  können  in  den  Delaware  einlaufen ­
  und  an  den  Kais  anlegen,  die  mit
bcu  besten  Vorrichtungen  für  die  Verladung ­
  der  Waren  versehen  sind.  Im
Winter  wird  das  Fahrwasser  durch  drei  mit
Dampfkraft  versehene  »Eiöboote«  offen
gehalten.  Die  Reederei  der  Stadt  bestand ­
  1878  aus  2948  Schiffen  (258  Dampfer) ­
  von  210,862  Ton.  1877  liefen
ein:  1164  Schiffe  von  712188  Tonnen
aus:  1134  -  -  730959
Im  Küstenverkehr  liefen  1234  Schisse  von
590,714  T.  ein  und  1326  Schiffe  voit
731,609  T.  aus.  1879  liefen  66  deutsche
Schiffe  ein  und  58  ans.  Die  Gesamteinfuhr ­
  wertete  82  Mill.  Mk.,  speciell  aus
Deutschland  895,763  Mk.  Letztere  bestand
in  Chemikalien,  Papiermaterial,  Düngesalz, ­
  Modewaren,  Stangeneiscn.  Wollwaren ­
  u.  a.  Rechnet  man  zu  der  obigen
Summe  noch  die  über  New  Bork  eingeführten ­
  Waren  im  Betrag  von  2,914,867
Mk.,  so  stellt  sich  der  Gesamteinftthrwert
aiti  ntitb  85  (1880:151)  WM.  WÜ.  Bie
Gesamtausfuhr  bezifferte  sich  auf  158,9
(1880:  208,4)  Mill.  Mk.,  speciell  nach
Deutschland  für  9,3  Mill.Mk.,  wovon  auf
Petroleum  allein  8,8  Mill.  Mk.  entfallen. ­
  Die  Pctroleumauöftthr  überhaupt  an
rohem  und  gereinigtem  Petroleum,  Naphtha ­
  und  Benzin  betrttg  1880:  207,9  Mill.
Lit.  im  Wert  von  31,5  Mill.  Mk.  Noch
bedeutender  ist  indes  die  Ausfuhr  voit  Brotstoffen
  int  Wert  von  44,9  Mill.  Mk.  und
        <pb n="400" />
        302

Philippinen  —  Pisa.

von  Provisionen  mit  nahezu  gleichem
Wert.  In  Bezug  auf  deu  Wert  uehmeu
unter  den  Verkehrsländern  die  ersten  Stellen ­
  ein  bei  der  Einfuhr:  Belgien,  Französisch-Westindicn,
  England,  Italien,  Cuba,
Venezuela  ;  bei  der  Ausfuhr  :  England,  Belgien, ­
  Italien,  Cuba,  Portugal.—Der  Gesamtumsatz ­
  im  Clearinghousebetrugl878:
6650,70  Mill.,  1879:  8420,16  Mill.  Mt.
Philippinen,  die  nordöstlichste  Inselgruppe ­
  des  Ostindischeu  Archipels,  etwa
1200  Inseln  mit  einem  Gesamtareal  von
295,585  qkm  (5368  D9R.)  mit  7,450,000
Einw.,  wovon  ca.  170,600  qkm  (3098
QM.)  mit  1,232,544  Einw.  im  Besitz  der
Spanier  sind.  Unter  den  Einwohnern  befinden ­
  sich  7000  Spanier  und  Kreolen,
12.000  Chinesen,  20,000  spanische  und
240.000  chinesische  Mestizen.  Etwa  5  Vs
Milt,  sind  Christen.  Deu  eigentlichen  Kern
der  Inselgruppe  bildet  die  Insel  Luzon,
nächst  dieser  Mindanao.  Hauptprodukte ­
  sind:  Reis,  Zucker,  Tabak,  Kaffee,
Manilahanf,  Baumwolle,  Zimt,  Pfeffer,
Indigo.  Gold  und  Eisen  sind  überall  vorhanden, ­
  auch  Steinkohle,  Schwefel,  Quecksilber. ­
  Ein  lebhafter  Küstenhandel  wird
von  Chinesen  betrieben.  Der  Außenhandel
nimmt  seinen  Weg  über  Ma  ni  la  (s.  d.).
Phönixinseln,  s.  Polynesien.
P  iarcnza  (spr.  -tschenndsa),  Hauptstadt  der
gleichnamigen  ital.  Provinz,  nahe  dem  rechten ­
  llfer  des  Po,  an  derMailand-Anconabahn;
  (1878)  31,544  Einw.  Ressort  des
deutschen  Konsuls  in  Mailand;  Filiale  der
Nationalbank.  P.  ist  wichtig  alsEisenbahnstation,
  da  sich  hier  die  Bahnen  aus  deu  industriellen ­
  u.volkrcichenOrtcudcrLombardei,
  Piemonts  und  Liguriens  zu  der  großen
mittelitalienischen  Bahnlinie  vereinigen.
Pilla»,  Vorhafen  für  Königsberg,  Elbing ­
  und  Brannsberg,  wo  die  nach  genannten ­
  Plätzen  bestimmten  Seeschiffe
bleiben  oder  durch  Leichterschiffe  gelöscht
tverden  müssen;  (i880)  3222  Einw.  1879
liefen  ein  :  2147Schiffe  von  1,243,112  cbm,
davon  730  Dampfer  von  897,323  cbm;
aus:  2034  Schiffe  von  1,219,954  cbm,
davon  714  Dampfer  von  859,668  cbm.
Pilsen,  Hauptort  einer  böhm.  Bezirkshauptmannschaft, ­
  an  der  Mündung  der
Rad  busa  in  die  Mies  (Beraun),  der  Böhmischen ­

  West-,  Franz-Josephs-,  P.-Pricscner
  und  P.-Klattauer  Bahn;  (isso)  37,593
Einw.  (Deutsche  und  Tschechen).  Handelskammer; ­
  Filiale  der  Österr.-Ungar.
Bank  und  der  Böhm.  Eskomptebank.  —
1870  bestanden  in  P.  703  Gewerb  -  und
45  Fabrikunternehmungen,  welche  35
Dampfmaschinen  von  406  Pferdekräften
besaßen,  7211  Arbeiter  beschäftigten  und
einen  Produktionswert  von  21  Mill.  Mk.
ergaben.  Zwei  berühmte  Bierbrauereien
erzeugen  jährlich  mehr  als  300,000  hl
Bier,  das  nach  allen  Richtungen  exportiert
wird.  P.  hat  vier  stark  besuchte  Messen:
18.9mg,  1.3»Ii,  26.  Mmg.,  18.  9tou.,
letztere  mit  Wollrnarkt,  und  betreibt  Handel ­
  namentlich  mit:  Wolle,  Bettfedern,  Leder, ­
  Manufakturwaren,  Kurz-und  Wirkwaren, ­
  Pferden  und  Hornvieh.
Pinang  (Penang)  oder  Prince  of
Wales-Insel,  zu  der  britisch-i»d.  Kolonie ­
  Strait  Settlements  gehörige  Insel,
an  der  Westküste  der  Halbinsel  Malakka,
mit  (wo  61,797  Einw.,  mit  Einschluß  der
gegenüber  auf  dem  Festland  liegenden  Provinz ­
  Wellesley  133,230  Einw.,  meist  Malay ­
  en  und  Chinesen.  Hauptort  und  Freihafen ­
  ist  Georgetown  auf  P.  Deutsches ­
  Konsulat;  Chartered  Mercantile
Bank  of  India,  Chartered  Bank  of  India,
Australia  and  China.  1879  wertete  die
ems#  87,49m  (bw#  692,202)91(5,
die  Ausfuhr  (Zinn,  Zucker,  Pfeffer,  Muskatnüsse, ­
  Nelken,  Tapioka,  Stuhlrohr,
Häute,  Kautschuk  ».  a.)  94,-,  Mill.  Mk.
Es  liefen  1716  Schiffe  (27  deutsche)  ein
und  1707  (26  deutsche)  aus.
Piräeuö,  der  Hafen  von  Athen  (s.  d.),
am  Golf  von  Ägina,  Station  der  Dampfer ­
  des  Österreich.-Ungarischen  Lloyd,
Messageries  maritimes,  Società  Florio,
Frayssinet,  Khedivie  (ägypt.)  ;  (is7o)  21,618
Einw.  Deutsches  Vicekonsulat;  Börse.
1879  verkehrten  hier  7657  Schiffe  von
864,610  So».  (iW.  183,528%.,  fm»g.
161,724  %.,  ößm'.=u»oar.  108,390  %.).
Die  Lloyddampfer  brachten  1879  für  5,i
Mill.  Mk.  Waren.  Der  Verkehr  nimmt
rasch  zu,  da  die  Bedürfnisse  immer  weniger ­
  durch  Zwischenhändler  aus  Syra,  sondern ­
  durch  direkte  Zufuhren  gedeckt  werde».
Pisa,  Hauptstadt  der  gleichnamigen
        <pb n="401" />
        393

Pisagua  -
itat.  Provinz,  am  Arno  nnd  Knotenpunkt
von  vier  Bahnen  ;  (1878)  50,317  Einw.  Handelskammer ­
  ;  Filiale  der  Nationalbank,
Hypotheken-  u.  Depositenbank,  Volksbank.
Der  Handel  ist  jetzt  zumeist  auf  Livorno
übergegangen,  und  der  Hauptverkehr  besteht ­
  im  Handel  mit  Öl  aus  der  Umgegend.
Pisagua,  Hafenplatz  im  südl.  Peril;
(iw«)  2131  Einw.  Die  Einfuhr  1877
wettete  3,426,772  9Rf.  (23,756  anö
Deutschland),  die  Ausfuhr  von  Salpeter
betrug  1,161,058  Ctr.  Es  liefen  437
Schiffe  (4  deutsche)  von  324,032  Ton.  ein.
Pisco,  Hafenstadt  in  Peru,  an  der
Bahn  Lima-P.;  (i87c)  2648  Einw.  Einfuhr ­
  (Baumwoll-  und  W  ollwaren  re.)
1877:  840,012  (bciitfd)  68,608)Dis.,  Ausfuhr ­
  (Baumwolle,  Zucker,  Metalle,  Salz)
4,955,560  (ben#  422,624)  Dis.  Girn
gang:  253  Schiffe  von  403,814  Ton.
.  Piteä,  Hafenstadt  in  der  schweb.  Probinz ­
  Norrland;  (1878)  2212  Einw.  Deutsches ­
  Vicekonsulat  (Amtsbezirk:  die  Vogtei ­
  P.);  Vcsterbottens  Ensk.  Bank  Afdel.
Kontor.  Ausfuhr  von  Holz,  Butter,  Pelzwerk, ­
  Renntierfleisch  und  Renntierhänten.
1879  liefen  ein  :  300  Schiffe  von  70,938
Ton.,  aus:  431  Schiffe  von  95,506  T.
Pittsburg,  Hauptstadt  der  Grafschaft
Alleghany  im  nordamerikan.  Staat  Pennsylvanien,
  am  Zusammenfluß  des  Alleghany ­
  und  Monongahela,  welche  hier  den
Ohio  bilden,  und  durch  Eisenbahnen  und
Kanäle  mit  allen  bedeutenden  Plätzen  der
Union  verbunden;  (i88o)  156,381  Einw.
Ressort  des  deutschen  Konsuls  in  Philadelphia; ­
  Central  Bank,  United  Savings
and  Deposit  Bank  u.  a.  —  In  der  Räche
unerschöpfliche  Lager  von  Eisenerzen  und
Kohle.  Man  zählte  1879  in  Stadt  und
Umgebung  an  500  Fabriken,  darunter  34
Walzwerke  mit  790  Puddelöfen,  12,000—
13,000  Arbeitern  und  einer  Produktionsfähigkcit
  von  500,000  Ton.,  6  Nägelfabriken ­
  'mit  472  Nägelmaschinen.  Die  Stahlfabriken ­
  lieferten  600,000  T.  Schienen;
die  Jahresproduktion  von  75  Glashütten
Überstieg  25  Mill.  Mk.;  in  244  Kohlengruben ­
  waren  18,000,  bei  3600  Koksöfen
2500  Menschen  beschäftigt.  Auf  dem  Ohio
wurden  1878  mit  184  Schleppdampfern
2,435,723  1879:1,461,860  ß#

-  Plojescht.'
verschifft.  Durch  Deutsche  ist  die  Gärtnerei ­
  zu  großer  Blüte  gelangt,  so  daß  Obst  ein
bedeutender  Ausfuhrartikel  geworden  ist.
Hanptausfuhrartikel  sind:  Steinkohlen,
Eisen  und  Petroleum.  —  Der  Gesamtumsatz ­
  im  Clearinghouse  betrug  1878:
796,ic  9m.,  1879:  915,iß  9m.  9Rf.
Pizzo,  Hafenstadt  in  der  ital.  Provinz
Kalabrien,  Station  der  Dampferlinie
Florio  (Palermo);  (mi)  8239  Einw.
Deutsches  Vicekonsulat  (Amtsbezirk:  die
Küste  nördlich  bis  Paola,  südlich  bis
Palmi).  Schiffsverkehr  1875:  1249
Schiffe  mit  174,367  Ton.  Thunfischfang
und  Korallenfischerei.
Plattensce(Balaton),  dergrößteSec
Ungarns,  76km  lang,  11—15km  breit  und
690  qkm  (13,7  QM.)  groß.  Die  Schifffahrt ­
  wird  oft  durch  Stürme  gefährdet
nnd  ist  von  geringer  Bedeutung.  Tägliche
Dampferverbindung  zwischen  der  Eisenbahnstation ­
  Sio-Fok  am  Ostufer  und  dem
Badeort  Füred  am  Westnfer.
Plauen,  Stadt  der  sächs.  Kreishauptmannschaft ­
  Zwickau,  einer  der  wichtigsten
Fabrikorte  Sachsens,  an  der  Elster  und
den  Eisenbahnen  Leipzig-Hof  nnd  Gera-Eger;
  (isso)  35,069  Einw.  Handels-  und
Gewerbekammer;  ReichsbanlNebenstelle,
Vorschußverein,  Sparkasse.—Mittelpunkt
für  die  Weberei  weißerBaumwollwaren
(»Plaucnsche  Waren«)  in  Deutschland;
ferner:  Weißstickereien,  Verfertigung  von
Konfektionswaren  und  feiner  Wäsche,
Banmwoll-  und  Vigognespinnereien,  bedeutende ­
  Bleichen,  Färbereien  und  Appretnranstaltcn.
  Besuchte  Viehmärkte  nnd
lebhafter  Handel  mit  den  Fabrikaten.  Die
Zahl  der  Handweber  sank  aber  von  470
mit  541  Stühlen  in  1876  auf  294  mit
304  Stühlen  in  1880.  —  Per  Eisenbahn
wurden  1879  versandt  16,057,250  kg,
empfangen  101,127,975  kg.  Mit  der  Post
gingen  ein:  1,106,316  Briefsendungen,
16,116,444  Mk.  in  Briefen  und  Paketen
mit  Wertangabe  und  3,819,406  Mk.  auf
Postanweisungen.  Auf  dem  Telegraphenamt ­
  wurden  14,262  Telegramme  aufgegeben ­
  nnd  14,850  empfangen.
Plojescht,  Stadt  in  Rumänien  (Walachei), ­
  Station  der  Eisenbahnlinie  Bukarest-Roman-Czernowitz
  und  der  Linie  P.-
        <pb n="402" />
        394

Plymouth  -
Predeal;  (1073)  33,000  Ei»w.  Ressort  beò
deutschen  Konsuls  in  Bllkarest.  Nafsiilcrie
und  Destillation  des  in  der  Nähe  gewonnenen ­
  Petroleums.  Ansehnlicher  Wollhandel ­
  und  sonstiger  Verkehr  mit  Kronstadt ­
  und  Siebenbürgen.
__  Plymouth  (spr.pll'mmoth),  stark  befestigte
Seestadt  in  der  engl.  Grafschaft  Devon,
am  Plymouthsnnd,  einer  Bai  des  Kanals,
und  an  der  Cornwall  and  South  Devon-Eisenbahn;
  Station  der  Dampferlinien:
Orientlinie,  Royal  Mail  Steam  Packet
Co.,  Union  Steamship  Co.,  Hamburg-Anlerikan.
  Paketfahrt-Attienges.;  (i«7í&amp;gt;)
74,293  Einw.  ;  das  daranstoßende  Devonport ­
  hat  (1880)  75,700  Einw.,  so  dast
sich  die  Gesamtbevölkerung  auf  149,993
Seelen  beläuft.  DeutschesKonsulat;  Bank
von  England,  Devon  and  Cornwall  Bankiirg
  Co.,  London  and  SouthWestern  Bank.
Das  Astuarium  des  Tamer  bildet  den  Hafen ­
  für  die  Kriegsschiffe,  das  Astuarium  des
Plym,  Cativater,  den  für  die  Kauffahrer.  —
P.  besitzt  360  Schiffe  von  42,000  Ton.  und
führte  1879  für  29,2  Mill.  Mk.  Waren
(Weizen,  Mehl,  Rindvieh,  Kartoffeln,
Zucker,  Petroleum,  Hanf  n.  a.)  vom  Ausland ­
  ein  und  für  2,u  Mill,  britische  Produkte, ­
  namentlich  Kaolin,  dahin  and.
Schiffsverkehr  1878:  1,105,652  Ton.;
1880  liefen  93  deutsche  Schiffe  ein.
Po,  größter  Fluß  Italiens,  entspringt
nahe  der  französischen  Grenze  am  östlichen
Abhang  des  Monte  Biso  und  fällt  nach
527  Irin  langem  Lauf  durch  eine  sumpfige
Ebene  in  zahlreichen  Armen  ins  Meer.
Er  ist  eine  bedeutende  Verkehrsstraße  und
wird  von  Dampfern  befahren.  Die  bedeutendsten ­
  mit  ihm  in  Verbindung  stehenden
Kanäle  sind  der  Kanal  Cavour,  Naviglio
Grande  und  Naviglio  di^Pavia.
Point  de  Galle  (spr.  point  de  gall),  Hafenstadt ­
  air  der  Südwestküste  der  brit.  Insel
Ceylon,  Station  der  Dampferlinien:  Messageries ­
  maritimes,Peninsular  andOriental
  Steam  Navigation  Co.,  Società  Rubattino;
  (i87i)  47,954  Einw.  Deutsches
Konsulat  (Amtsbezirk:  P.  mit  der  Südprovinz ­
  der  Insel  Ceylon);  Oriental  Bantrug
  Corporation.  Der  deutsche  Schisssvertchr
  ist  gering  (1879  nur  drei  Schiffe).
Poltiers  (spr.  pöatje'h),  Hauptstadt  des

-  Polynesien.
franz.  Departements  Vienne,  am  Zusammenfluß ­
  des  Clain  und  des  Boivre  uild
an  der  Eisenbahn  von  TourS  nach  Bordeanr,
  von  der  hier  Linien  nach  Angers,
Rochefort  und  Lyon  abzweigen;  (1876)
31,692  Einw.  Handels-  und  Gewerbekammer; ­
  Filiale  der  Bank  von  Frankreich.
Bedeutende  Loh-  und  Weißgerberei,  Zubereitung ­
  von  Gänsebälgen  für  den  Export ­
  nach  Amerika  (jährlich  40—50,000
Stück),  Bereitung  von  vorzüglichem  Käse
(Montbernage)  und  Bier  (15,000  hl  jährlich) ­
  ic.  Starker  Handel  mit  Kleefarnen
und  andern  Sämereien,  Wolle,  Wein,
Korn,  Hanf,  Lein,  Honig,  Wachs,  Gänsefedern ­
  u.  a.
Pola,  Stadt  im  öflerreich.  Kronland
Istrien,  mit  vortrefflichem  Hafen,  Centralpnnkt
  der  öftere.-nngar.  Kriegsmarine
(der  Kanal  von  Fasana  dient  als  Vorhafen), ­
  durch  die  Eisenbahn  P.-Divaz;a  mit
dem  Binnenland  in  unmittelbarer  Verbindung, ­
  StationderDampser  desÖsterr.-Ungar.
  Lloyd;  (isso)  23,950  Einw.  (ohne
die  Garnison).  Hinsichtlich  des  Toniicngchalts
  der  hier  verkehrenden  Schiffe  steht
P.  nur  Triest  nach.  1879  sind  im  Hafen
von  P.  1785  Schiffe  mit  230,774  Ton.
ein-  und  1779  Schiffe  mit230,091  T.  ausgelaufen. ­
  Die  Einfuhr  betrug  1875:  353
T.im  Wertvon  12,sMill.Mk.,  dieAuSfuhr
229,253  T.  im  Wert  von  nur  1,6  Mill.
Mk.  In  den  Hafen  von  Fasana  liefen
außerdem  ein:  1170  Schiffe  von  84,833
T.;  die  Einfuhr  betrug  dort  9011  T.
im  Wert  von  340,424  Mk.,  die  Ausfuhr
11,544  T.  im  Wert  von  352,664  Mk.
Poltawa,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  russ.  Gouvernements,  an'  der  Eisenbahnlinie ­
  Charkow-Balta;  (1873)  33,979
Einw.  Ressort  des  dclitschcil  Konsuls  in
Odessa;  Abteilung  der  Staatsbank,  Filiale
der  Krementschug-Kommerzbank.  Starker
Handel  mit  Rindvieh,  Getreide,  Wachs.
Am  St.  Eliastag  sehr  bedeutende  Messe
mit  einem  Umsatz  von  45  —76  Mill.  Mk.
Hauptartikcl  ist  Wolle,  von  welcher  6—8
Mill,  kg  zugeführt  werden.
Polynesien,  die  im  Stillen  Ocean  verstreuten ­
  Inselgruppen,  im  W.  von  175°
östl.  L.  und  südlich  vom  Äquator  (aber
mit  Attönahme  der  Viti-Jnseln),  umfaßt:
        <pb n="403" />
        395

Ponce  —  Port  au  Prince.

Tongainsel»  .  .  .
Samoainsà  .  .  .
Inseln  zwischen  obigen
Ellicegrnppe  .  .  .  .
Nnion-&amp;lt;Tokola»-)Jnseln
Phönixinseln  .  .
Manchili-Inseln.
Fanninginsel».  .
Hervey.  (ñook-)  Insel«
Tttbnai
CocietätSinselii  .  .
Pauinotu  mit  Pitcairn
und  Osterinsel  .  .
MarkesaS  ....

QKil.  QMeil.  Bewohn.

997
2787
431
37
14
42
137
&amp;lt;&amp;gt;68
368
286
1650

18
51
8
0,7
0,2
0,8
2,5
12
6,7
5
30

25000
36800
16064
2503
514
59
1600
200
7400
1350
27000

1100  20  6162
1274  23  5754

Ganz  Polynesien:  9791  178  130400
Politisch  gehören  den  Franzosen  von  den
Societätsinseln  Tahiti,  Mourea  und  Nebeninseln,
  dann  Tubuai,  Vavitao  und
Oparo,  der  Paumotu-Archipel  mit  Gambierinseln, ­
  im  ganzen  2388  qkm  (4.3  QM.)
mit  28,200  Einw.  ;  die  Engläitder  habeil
die  kleinen  Inseln  Caroline,  Starbuck,
Malden  (79  Einw.)  und  Fanning  (150
Einw.)  beseht,  die  Amerikaner  Nukunono
  und  Solitaria  (Uniongrnppe),  Howland, ­
  Baker,  Mac  Kean,  Gardner  (Pbönirgruppe),
  Samarang,  Walker,  Christmas ­
  (Fanninggruppe),  Tongarewa  und
Flint  (Manihlti-Jnseln).  Die  kleinen
englischen  uild  amerikanischen  Inseln  sind
wegen  der  Gewinnung  von  Guano  wichtig.
Ponre,  Hascnplatz  an  der  Südküste  der
span.-westind.  Insel  Puerto  Nico,  Station
der  Dampferlinien:  Hamburg-Amerikan.
Paketfahrtaktienges.,  Royal  Atail  Steam
Packet  Co.;  ca.  15,000  Einw.  Deiltsches
Vicekonsnlat  und  mehrere  deutsche  Handlungshäuser. ­
  1879  wertete  die  Einfuhr
17,26  Mill.  Mk.  (davon  aus  Deutschland
1,49  Mill.),  die  Ausfuhr  (Zucker  und  Melasse, ­
  Kaffee,  Tabak)  11,96  Mill.  Mk.
(davon  nach  Deutschland  für  30,448  Mk.
Kaffee).  1879  verkehrten  hier  434L-chifse
(123  Dampfer)  von  169,380  Ton.,  davon
deutsche  39  (24  Dampfer)  von  39,028  T.
Ponditschcrri  (Pondicherry),  franz.
Besitzung  auf  der  Küste  Koromandel  in
Vorderindien,  291  qkm  (5,3  QM.)  mit
Os??)  152,397  Einw.  Hauptprodukte  sind
Reis  und  Baumwolle.  Die  Stadt  P.  mit
49,000  Einw.  ist  Station  der  Dampfer
der  Messageries  maritimes;  mechanische

Baumwolllveberei  (135  Stühle).—  Man
rechnet  nach  Sternpagoden  (8  Frank  40
Cent.)  undP.-Rupien  (4Frank  40Cent.).
Es  gilt  daö  französische  Handelsrecht.
Poole  (spr.  puhl),  Hafenstadt  in  der
engl.  Grafschaft  Dorset,  am  Kanal;  (wi)
10,097  Einw.  Deutsches  Vicekonsnlat;
Austernfischerei.  Wert  der  Einfuhr  1879:
1,8  Mill.,  der  Ausfuhr  0,2».  Mk.  1879
verkehrten  hier  15  deutsche  Schiffe.
Porsgrund,  Stadt  im  norweg.  Amt
Bratöbcrg,  am  Skagerrak;  3521  Einw.
Deutsches  Vicekonsulat  (Amtsbezirk:  die
ZolldistrikteSkien,  P.,  Brevig,Langesund).
Port  Adelaide,  wichtigster  Hafen  der
brit.-austral.  Kolonie  Südaustralien,  8km
von  Adelaide,  Station  der  Dampfer  der
Orientlinie;  (i87o)  2885  Eiuw.  Deutsches
Vicekonsnlat.  1879:  22  deutsche  Schiffe.
Portalegre,  s.  Porto  Alegre.
Port  Alfred,  Hafenplatz  in  der  brit.
Kapkolvnic,  Station  der  Dampferlinien:
Colonial  Mail  (London)  und  Union
Steamship  Co.  (Southampton);  (1875)
987  Einw.  Deutsches  Vicekonsnlat.  1879
wertete  die  Einfuhr  3,4  Mill.  Mk.,  die  Ausfuhr ­
  (Wolle,  Häute,  Felle)  942,500  Mk.  ;
139  Schiffe  von  132,541  Ton.  liefen  ein
ltnd  aus,  davon  22  deutsche  von  3003  T.
Port  au  Prinre  (spr.  pohr  o  priingtz),
Hauptstadt  der  Negerrepublik  Hayti,  auf
der  Westküste  der  Insel,  am  Golf  von  Gonade; ­
  Station  der  Hamburg-Amerikan.
Paketfahrtaktienges.,  Nopal  Mail  Steamship ­
  Co.,  Atlas  Co.,  der  spanischen  Linie
Herreira,  Comp,  generale  transatlantique, ­
  Harrison-Linie  und  Westindia  and
Pacific  Steamship  Co.  (Liverpool);  ca.
35.000  Einw.  Deutsches  Vernfökonsulat
für  die  Insel  Hayti.  1879  wertete  dicEinfnhr
  (Industrieprodukte,  Zucker,  Spirituosen ­
  u.  a.)  8,4  Mill.  Mk.,  davon  deutsch
728.000  Mk.;  die  Ausfuhr  bestand  in:
Kaffee  151,149  Säcke  (20  Mill.  Pfd.),
Blattholz  13,956,000  Pfd.,  Mahagoniholz. ­
  Wachs,  Kakao,  Ochsenhäuten,  Honig,
Gummi,  Kupfer,  Baumwolle.  Es  liefen
1879  ein:  172  Dampfer  von  235,671
Ton.  (33  deutsche  von  59,306  T.)  und  91
Segler  von  16,875  T.  (4  deutsche  von  939
T.).  —  P  l  atz  g  c  b  rä  u  ch  e.  Atan  verkauft
Kaffee,  Kakao,  Tabak,  Pike  für  100  Pari-
        <pb n="404" />
        396

Port  de  Bouc  -
ser  Pfd.,  Mahagoniholz  für  1000  Kttbikfuß,
  andre  Hölzer  für  1000Pfd.,  Baumwolle ­
  für  lund  100  Pfd.,  Landeserzeugnisse
gegen  bar,  auch  (besonders  Kaffee)  gegen
Tratten  ans  London  und  Paris,  Einfuhrwaren ­
  gegen  1—2  Monate  Kredit.
Port  de  Bouc  (spr.  portât),  Hafenstadt
im  franz.  Departement  Bouches  du  Rhone.
Deutsches  Vicekonsulat  (Amtsbezirk:  P.,
Martigues  und  Port  St.  Louis).  Küstcnverkehr
  1879:  51,050  Ton.
Port  lwPaix  (spr.pvrd'päh),  Hafenstadt
an  der  Nordküste  der  Insel  Hayti;  2500
Einw.  Deutsche  Konsularagentnr.  1879
kamen  an:  24  Schiffe  (6  deutsche)  von
11,789  Ton.,  es  gingen  ab:  25  Schiffe  (6
deutsche)  von  12,219  T.  Die  Einfuhr
wertete  408,000  (deutsch  60,000)  Mk.,
die  Ausfuhr  780,000  (Kaffee  436,000,
Blattholz  344,000)  Mk.
Port  Elizabeth  (spr.  pohrt  clissabeth),
Hafenstadt  der  östlichen  Provinz  dcö  Kaplands, ­
  an  der  Algoabai  und  durch  Eisenbahn ­
  mit  Graaf  Reinet  und  Grahamötown
  verbunden;  Station  der  Dampferlinien: ­
  Cape  ofGoodHope  Steamship  Co.
und  Colonial  Mail  (London),  Union
Steamship  Co.  (Southampton);  0875)
13,049  Einw.  Deutsches  Konsulat;  Cape
of  Good  Hope  Bank,  Bank  of  Africa,
Standard  Bank  of  British  South  Africa.
Hier  konzentriert  sich  der  Ein  -  und  Ausfuhrhandel ­
  der  gesamten  östlichen  Distrikte,
und  so  hat  P.  jetzt  die  Kapstadt  als  Handelshafen ­
  langst  überflügelt.  1879  wertete
die  Einfuhr  59,2  Mill.  Mk.,  die  Ausfuhr
44,4  gm.  9Rf.,  bawii  Me  30,9  SRiK.,
Straußenfedern  7,8  Mill.,  Angoraziegenhaar ­
  2,5  Mill.  Mk.  Es  liefen  ein:  523
Schiffe  (99  fremde)  von  590,766  Toil.
Port  Hahtien,  s.  Kap  Hayti.
Port  Louis  (spr.  pohrt  lü-ihs),  Hauptstadt ­
  der  brit.  Insel  MallritiuS;  0878)
65,800Einw.  DeutschesKonsulat;  Oriental ­
  Banking  Corp.,  Banque  commerciale
de  Mallrice,  Cl)artered  Mercantile  Bank
of  India.  Fabrikation  von  Metallwaren.
1880  liefen  37  deutsche  Schiffe  ein,  35  anö.
Port  Natal,  s.  D'Urban.
P  orto(O  porto),  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  portug.  Distrikts  in  der  ehemaligen ­
  Provinz  Douro,  die  zweite  Stadt

-  Porto  Alegre.
Portugals,  Hasen  -  und  Handelsstadt  ersten ­
  Ranges,  durch  Eisenbahn  mit  Lissabon
  rind  Braga  verbunden,  am  Douro,  8
km  oberhalb  seiner  Mündung;  Station
der  Dampferlinien:  Norddeutscher  Lloyd,
Leyland-Linie(Liverpool),R.Slonian)uv.
(Hamburg);  0878)  108,346  Einw.  Deutsches ­
  Konsulat;  Börse,  Banco  Allianca,
Banco  commercial  do  P.,-  Banco  Lusitano, ­
  Banco  UniSo  u.  ci.  —  P.  ist  nächst
Lissabon  Hauptsitz  der  portugiesischen  Industrie; ­
  namentlich  sind  Baumwoll-und
Wollspinnerei,  Fabrikation  reiner  undgemischterSeidenstoffe,
  Wachstuch-undHutfabrikation,
  Metallgießerei,  Gerberei,  Lederfabrikation ­
  und  Brauerei  hervorzuheben. ­
  Der  Haupthandelsartikel  ist  immer
noch  Wein  trotz  der  mehr  um  sich  greifenden ­
  Verheerungen  der  Phylloxera.  1880
wurden  62,641  Pipen  oder  33,i  Mill  Lit.
(nach  England  15,4,  Brasilien  14,p  Mill.,
Deutschland  981,522  L.)  Wein  im  Wert
von  29,2  gm.  Mk.  ausgeführt.  Andre
Ausfuhrartikel  sind:  Orangen,  gRandeln,
Zwiebeln,  Kork;  Hornvieh  nach  England
(1880:  16,386  0#»).  Bk
Einfuhrartikel  waren  1880:  Mais  (24,3
Mill,  kg),  Weizen  (14,5  Mill,  kg),  Zucker
(8,9  Mill,  kg),  Sprit  1,618,451  (deutsch
1,024,185)  Sit.,  SaW  239,743  kg,  fes
ner  Mehl,  Baumwoll-,  Woll-  und  Seidenwaren, ­
  Häute  und  Leder,  Flachs,  Rohzucker,
  Reis,  Stockfisch,  Faßdauben.  Der
Schiffsverkehr  ist  ein  sehr  reger;  1880
liefen  16  deutsche  Schiffe  von  3938  Ton.
ein;  anö  deutschen  Häfen  kamen  29  fremde
Schiffe,  nach  deutschen  Häfen  gingen  15
fremde  Dampfer.  —  Kreditwesen.  Von
Banken  bestehen  hier  11  selbständige  Institute ­
  und  26  Filialen  auswärtiger  Banken. ­
  Die  Noten  der  Handelsbank  von  P.
(Banco  commercial  do  P.)  sind  lokales
Privatpapiergeld.  Wechselkurse  rc.  wie  in
Lissabon.
Porto  Alcgrc(Port  alegre),  Hauptstadt ­
  der  brasil.  Provinz  São  Pedro  do
Sul,  am  Jacnhy,  Station  der  Hamburg-Südamerikan.
  Dampfschiffahrtsgcs.;  ca.
25,000  Einw.,  worunter  viele  deutsche
Kaufleute  und  Industrielle.  —  P.  ist  Mittelpunkt ­
  der  deutschen  Kolonien  in  der
Provinz;  eine  42,5  km  lange  Eisenbahn
        <pb n="405" />
        Porto  Ferrajo  —  Portugal  (Areal,  Bevölkerung).

397

führt  über  São  Leopoldo  nach  Neuhamburg. ­
  DieEittfuhr  (jährlich  11  Mill.  Mk.)
wird  fast  nur  durch  deutsche  Firmen  vermittelt. ­
  Ausfuhrartikel  sind:  Tabak(1879:
1,704,900  kg),  Mate  und  Produkte  des
Ackerbaus  und  der  Viehzucht.  1880  liefen
-0  deutsche  Schiffe  ein,  18  aus.
Porto  Ferrajo,  Hauptstadt  der  Insel
Elba,  an  der  Nordküste,  Station  der  Dampfer ­
  der  Società  Rubattiuo  (Genua);
6000  Einw.  Deutsche  Konsularageutur;
Thuufischfaug,  Ausfuhr  von  Eisenerzen
Ustd  Salz.  Schiffsverkehr  1875:  2330
Schiffe  mit  76,450  Ton.
Port  of  Spain  (spr.  pohrt  of  sspchn),
Hauptstadt  und  Hafen  der  britisch-westìud.
  Insel  Trinidad,  auf  der  nördlichen
Westküste,  am  Golf  von  Paria;  Station
der  Dampferlinien  :  Comp,  generale  transatlantique, ­
  Harrison-Liuie  (Liverpool),
Royal  Mail  Steam  Packet  Co.,  Westindia
and  Pacific  Steanlship  Co.  ;  (i879&amp;gt;  22,000
Einw.  Deutsches  Konsulat  für  die  Insel
Trinidad;  Colonial  Bank.  Außer  den
Produkten  von  Trinidad  (s.  d.)  werden
die  der  Orinokohäfen  von  hier  ausgeführt.
Partorirò,  f.  Puerto  Rico.
Porto  Santo  Stefano,  Hafenstadt  in
der  ital.  Provinz  Toscana,  Station  der
Dampferlinien  Florio  u.  Ko.  unb  Società
Rubattiuo.  Deutsche  Konsularageutur
(ressortiert  von  Livorno).
PortSaid,  Hafenstadt  im  nordöstlichen
Ägypten,  am  Mittelländischen  Meer,  dem
Nordende  des  Suezkanals;  Station  der
Dampferliuicn:  Österreich.-Ungar.  Lloyd,
Rufs.  Dampfschiffahrtsges.  (Odessa),  Messageries ­
  maritimes,  Nieder!.  Dampfschiffges.,
  Peninsular  and  Oriental  Co.,  Società ­
  Rubattiuo  u.a.  ;  (m5)  12,000  Einw.
Deutsches  Konsulat;  Banque  Ottomane,
Credit  Lyonnais.  1879  liefen  ein:  1885
Schiffe  (1838  Dampfer)  von  2,263,692
Ton.,  davon  im  Lokalverkehr  408  Schiffe
(362  Barnier)  Do»  363,857  I.  %í.
Suezkanal.
Portsmouth  (spr.  pührtsmöth),  Seestadt
in  der  engl.  Grafschaft  Southampton,  mit
ausgezeichnetem  Hafen  (Kriegshafeu)  ;
087g)  131,821  Einw.  Als  Handelshafen
ist  P.  aber  von  ganz  untergeordneter  Bedeutung; ­
  es  besitzt  300  Seeschiffe  von

20,000  Ton.  Gehalt  und  fiihrte  1879  für
4,508,340  Mk.  Ware  ein,  aber  nur  für
180,740  Mk.  britischeProdukte  aus.  1879
verkehrten  hier  25  deutsche  Schiffe.
Port  Stanley  (spr.  Ostimi),  Hafenplatz
auf  einer  der  Falklandinseln  (s.  d.).  Deutsches ­
  Konsulat;  Etat,  der  Kosmosdampfer.
Portugal,  konstitutionelles,  in  beiden
Geschlechtern  erbliches  Königreich,  mit  Kolonien
  in  Afrika  und  Asien.  Das  eigentliche ­
  Königreich  besteht  aus  Festland  imb
Inseln  und  zerfällt  adininistrativ  in  21
Distrikte.  Nach  der  Zählung  von  1878  war  :

Länder

Festland
Azoren
Madeira

Zusammen:

Areal
OKU.  QM.

89625
2888
815

02828

1627,7
48.4
14.8

1685,9

Bevölkerung ­


4848551
264352
182221

4745124

Dazu  die  auswärtigen  Besitzungen:

Gebiete

1)  Afrika:
Kapverdische
Inseln  .  .
Guinea  .  .
São  Thome
Principe.  .
Ajuda  ..  .
Angola  .  .
Mosambik.

Jahr

1875
1878
1877
1870
1878
?

Zusammen:
2)  Asien:
JndischeBesitzungen
  .
Macao  rc.
Timor  und
Cambing.

1877
1871

Zusammen:

Insgesamt:

OKU.

8851
69
029
151
35
809400
991150

1806  400

3855
11,75

16300
19667

1828455

QM.

69,94
1,19
16,88
2,75
0,04
14  700,  oo
18  000,  oo

32806,40

60,9:1
0,2

296.00
357.1

33206,1

Bevölkerung ­


90  704
9282
18266
2665
4500
2000000
350000

2557600

444987
77230

300000
822217

3644000

Die  herrschende  Religion  ist  die  katholische; ­
  die  Zahl  der  Protestanten  und  Israeliten ­
  ist  unbedeutend.  Die  Auswanderung ­
  richtet  sich  fast  ausschließlich  nach
Brasilien;  1870  —  74  verließen  durchschnittlich ­
  9365  Personen  das  Land.  Von
fremden  Nationalitäten  sind  bemerkenswert ­
  die  Zigeuner  und  ca.  4000  freie  Neger, ­
  außerdem  viele  Farbige  und  Kreolen.
        <pb n="406" />
        898

Portugal  (Urproduktion).

Der  Ackerbau  wird  vernachlässigt;  zu
seiner  Förderung  besteht  in  Lissabon  der
Cre'dit  Foncier.  1877  waren:

Kulturen

Weizen
Roggen
Gerste
Hafer
Mais.

Bestellte
Fläche
Hektar

260000
270000
7000
?
520000

Ernte
Hektol.

2793269
2340000
1000000
7128000

Zusammen:  1057000  13261269
Außerdem  wird  auch  Neis  (auf  4000  ha
ca.  150,000  hl)  gewonnen,  doch  wird  diese
Kultur  aus  sanitatlichcn  Rücksichten  nicht
sehr  gefördert.  Der  Bedarf  des  Landes
wird  darum  auch  keineswegs  gedeckt,  und
die  Einfuhren  überragen  die  Ausfuhren
sehr  bedeutend;  in  1876,  einem  allerdings
anormalen  Jahr,  loar  das  Quantum  der
Einfuhr  au  Weizen,  Gerste,  Mais,  Reis,
Hülsenfrücksteu  und  Mehl  94,289,269  kg
(SBeiaeii  45,927,963,  miß  36,441,860
kg).  —  Die  Wertrelation  der  Einfuhr
und  Ausfuhr  ergeben  die  nachstehenden
letzten  Ausweise  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
1876:  20,6t  1,26
1877:  14,13  1,82
Dagegen  ist  der  Weinbau  von  hervorragender ­
  Bedcutmlg;  P.  ist  ein  Weinland
ersten  Ranges  und  nimmt  unter  den  Wein
produzierenden  LändernEuropas  die  fünfte
Stelle  ein.  Auf  189,500  ha  gewinnt  man
jährlich  ca.  5  Mill,  hl  Wein.  Die  wichtigste ­
  Gegend  ist  die  am  Douro  (Alto
Douro),  woher  die  Portweine  kommen
(500,000  hl  auf  30,882  ha);  vom  R.
kommt  der  Bino  Verde,  in  der  Mitte
der  sogen.  Bairrada  wachsen  gute  weiße
und  rote  Weine,  andre  im  N.  und  S.
vom  Tejo,  welche  auch  dem  Bordeaux-,
Rhein-  und  Muskatwein  gleichen.  1874
wurden  302,014  hl  exportiert,  davon
191,008  nach  England,  88,710  nach  Brasilien. ­
  Porto  allein  exportierte  1879:
26  %RiH.  Kit.  im  %Bert  von  23,3
Mk.,  Lissabon  1878  für  6  Mill.  Mk.  Der
Ertrag  von  Orangen  ist  ein  enormer,  1874
gelangten  ca.  340  Mill,  zur  Ausfuhr;
von  Citronen  werden  jährlich  ca.  33  Mill.

geerntet;  von  Feigen  wurden  6,95  Mill,
kg,  von  Zwiebeln  38,65  Mill,  kg  exportiert. ­
  Die  Ausfuhr  von  Olivenöl  aus  Lissabon ­
  allein  wertete  1878:  1,6  Mill.  Mk.
—  Der  Viehstaud  ist  relativ  nicht  bedeutend; ­
  es  entfallen  auf  1000  Einw.  157
Rinder,  746  Schafe  und  243  Schweine.
Rach  der  letzten  Zählung  (1870)  gab  es:
Pferde  .  .  88000  Schafe.  .  2977454
Maultiere.  50600  Ziegen  .  936869
Esel.  .  .  137950  Schweine.  971085
Rinder  .  .  624568
Ein  lebhafter  Handel  mit  lebendem  Rindvieh ­
  nach  England  hat  sich  in  neuester
Zeit  entwickelt,  so  daß  1878  aus  Porto
schon  für  5,3  Mill.  Mk.  dorthin  exportiert
wurden.  Dabei  werden  aber  nicht  unerhebliche ­
  Posten  von  Butter  eingeführt
(1878  nach  Lissabon  für  2,9  Mill.  Mk.).
Für  Wolle  besteht  ein  Markt  zu  Evora,
auf  welchem  jährlich  ca.  600,000  kg  zusammenkommen, ­
  und  der  Umsatz  erreicht
9  Mill.  Mk.  —  Der  Waldbcstand  beträgt ­
  11,2  Proz.  des  Gesamtareals;  unter
den  Waldprodukten  spielt  Kork  die  Hauptrolle, ­
  der  Export  von  Korkholz  aus  Lissabon ­
  belief  sich  1878  auf  4,5  Mill.  Mk.
Der  ausgedehnteste  Forst  ist  der  aus  Seekiefern
  bestehende  königliche  Wald  von
Leiria.  Der  Import  von  Holz  u.  dgl.
ist  aber  ein  sehr  ansehnlicher,  1876  für
959.000  Mk.  gegen  einen  Export  von
1.186.000  Mk.—Der  Bergbau  hat  sich
in  der  letzten  Zeit  sehr  stark  entwickelt.
Anfang  1878  loaren  276  Werke  konzessioniert, ­
  welche  ein  Areal  von  40,851  ha  beanspruchen; ­
  im  Betrieb  waren  indes  nur
80  Werke.  Die  Gesamtproduktion  von
1802—75  gibt  die  offizielle  Statistik  auf
27,772,670  Ctr.  im  Wert  von  75,6  Mill.
Mk.  an;  davon  kamen  auf:
Eisenkies  .  .  50,«  Manga».  .  .  5,i
Kohle  .  .  .  10,7  Blei  .  ...  1,5
Kupfer  ...  5,8
Die  Eisengewinnung  ist  ohne  alle  Bedeutung, ­
  und  so  bezieht  P.  seinen  Bedarf  an
Eisen-  und  Eisenwaren  fast  ausschließlich
aus  England.  Bon  dort  kommt  auch  der
größte  Teil  der  verbrauchten  Steinkohle;
1872  wurde  die  Produktion  auf  12,387
Ton.  berechnet;  1875  wurde  für  3,8  Mill.
Aik.  Kohle  eingeführt.  Überhaupt  bezifferte
        <pb n="407" />
        Portugal  (Industrie,  Handel,  Verkehr).

809

sich  der  Handel  mit  Mineralien  und  Metallen ­
  Í877  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Mineralien  ...  9,i  9,3
Metalle  ....  12,7  8,o
An  Salz,  das  meistens  aus  den  Marinhas(Gruben
  im  Salzschlamin  derMeereöküste)
  gewonnen  wird,  ist  P.  sehr  reich.
Der  Export,  namentlich  von  Setnbal  aus,
ist  ein  sehr  bedeutender.  —  Die  Fischer.ei
  ist  cinc  recht  ansehnliche  und  erzielt
eitlen  jährlichen  Absatz  von  5,34  —  6,75
Mill.  Mk.  Auch  hat  mail  der  Austernstscherei
  ans  den  zahlreichen  Austerubäukeu
einige  Aufmerksamkeit  zugewaildt.
.  Die  Industrie  ist  sehr  beschränkt.  Es
gibt  ca.  290  Banmwoll-,  159  Woll-  nnb
39  Seidenmannfakturen,  eine  große  Leinenmanufaktur
  (308  Arbeiter)  in  Torres
sliovas.  Andre  Fabrikate  sind:  Hüte,Goldllnd
  Silberarbeitcn,  namentlich  ans  Filigran, ­
  Glas  und  Porzellan  und  Lederwaren, ­
  die  auch  exportiert  werden.  Doch  ist
das  Land  für  Jndustrieprodukte  vorwiegend ­
  auf  das  Anslaild  angewiesen.
Handel.  Der  bedeuteildste  Verkehr  besteht ­
  in  Lissabon,  nächstwichtig  ist  Porto.
Das  wichtigste  Verkehrslaild  ist  aber  England ­
  ,  auf  welches  die  Hälfte  deö  gesamten
Umsatzes  entfällt,  dann  Frankreich,  Spanien, ­
  Vereinigte  Staaten,  Brasilien.  Nach
den  letztcil  Ausweisen  bezifferte  sich  der
Wert  des  Handels  (in  Millionen  Mark):
Eiufuhr  Ausfuhr
1875:  160,5  108,5
1876:  155,4  102,o
1877:  143,8  110,6
.-Die  Beteiligung  der  Hanptverkehrsländer
  &amp;gt;var  1877  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfllhr
England  61,9  56,2
Frankreich  23,3  9,0
Brasilien  11,9  23,9
Spanien  13,0  7,2
Vereinigte  Staaten  .  .  9,7  3,4
Deutschland  ....  5,o  4,o
Portugiesische  Kolonien  3,4  3,5
Schweden  -  Norwegen  .  8,4  0,1
Belgien  3,e  0,4
Die  Hauptartikel  des  Warenverkehrs
waren  1877  die  nachstehenden  (Wert  in
Millionen  Mark)  :

Getreide....
Obst  und  Samen
Wein  u.  andre  Getränke
Kolonialwaren  .  .
Tiere  und  tierische  Nah
rungsmittel.  .  .
Häute  und  Felle.  .
Mineralien....
Metalle
Holz,  Kork....
Spinnstoffe  und  Gewebe
Thon  -  und  Glaswaren
Droguen  rc.  ...
Verschiedene  Fabrikate

Einfuhr
14,i
3,6
1,8
18,0

23,2
13.0
9,1
12.7
4.5
27.8
1.5
1,7
12.0

Ausfuhr
1,8
9,9
51,3
3.6
13,5
1.3
9.3
8.0
6.1
1.7
0,2
1,2
1.8

Verkehrswesen.  Im  Innern  hat
man  in  neuerer  Zeit  Straßen  in  bedeutender ­
  Ausdehnung  angelegt:  bis  1874
an  Landstraßen  auf  Staatskosten  3136
km,  auf  Distrittskosten  701  km,  aus
städtische  Kosten  130  km.  An  schiffbaren
Flüssen  hat  P.  eine  ziemliche  Anzahl:  der
Minho  40  km  schiffbar,  Douro  in  der
ganzen  Strecke  von  der  Grenze  an  schiffbar, ­
  Vollga  42  km,  Mondego  84  km,
Tejo  von  der  Grenze  ab,  Sado  61  km,
Mira  20  km,  der  Guadiana  von  Mertola
  ab;  doch  fehlt  den  meisten  der  Verkehr.
—  Die  Eisenb  ahnen  hatten  Ende  1880
eine  Länge  von  1248,5  km,  zur  selben  Zeit
warcn450krn  inlBau;  außerdem  war  der
Bau  einer  Eisenbahn  von  Lissabon  nach
Pombal  (180  km)  beschlossen.  —  Die  P  0  st
(P.mit  seinen  Kolonien  gehört  zum  Weltpostverein) ­
  hatte  im  September  1880  aus
dem  Festland  816  Postämter,  auf  den  Azoren ­
  27,  auf  Madeira  und  Porto  Santo
20.  Im  internen  Postverkehr  wurden  in
allen  drei  Gebieten  befördert:  12,342,133
Briefe,  7,315,915  Journale,  1,415,646
Drucksachen,  Warenproben  und  Postkarten; ­
  im  internationalen  Verkehr,  einschließlich ­
  der  portugiesischen  Kolonien,
3,372,456  Briefe,  Journale,  Drucksachen,
Warenproben  und  Postkarten.  Die  Einnahmen ­
  betrugen  1878—79:  2,053,056
Mk.—DieTelegraphenlinien  hatten
Ende  1878  eine  Länge  von  37JI  km  mit
8042  km  Drähten  und  191  Telegraphenämtern; ­
  1878  wurden  662,708  Depeschen
befördert;  die  Einnahme  deö  Departements ­
  betrug  1877:  1,068,863  Mk.  —
Schiffs  we  sen.  Der  Bestand  der  Han-
        <pb n="408" />
        400  Portugal.

delsflotte  1879  war:  42  Dampfer  von
12,848  cbm  und  512  Segelschiffe  langer
Fahrt  von  83,489  cbm,  zusammen  554
Schiffe  von  96,337  cbm.  —  Der  Schiffsverkehr ­
  war  1877:
Eingelaufen:
7966  Segelschiffe  von  913000  Kubikm.
2671  Dampfer  -  2101000
Ausgelaufen:
7859  Segelschiffe  von  910000  Kubikm.
2680  Dampfer  -  2398000
Die  fremden  Schiffe  hatten  davon  einen
Tonnengehalt  beimEinlauf  von  2,429,000
Ton.,  beim  Auslauf  von  2,521,000  T.
Die  Zahl  der  Segelschiffe  überwiegt,  aber
der  Tonnengehalt  der  Dampfer  ist  doppelt ­
  so  groß,  2,101,000  gegen  913,000  T.
beim  Einlauf,  und  dabei  entfielen  auf  die
frcmdeuSchifse  1,970,000,  resp.  661,000T.
Konsulate  unterhält  Deutschland  in
Lissabon  und  Porto,  Vicckonsulate  iuFaro,
Lagos,  Setubal,  Villa  Nova  de  Portimão.
Finanzen.  Man  arbeitet  schon  seit
langen  Jahren  mit  einem  jährlichen  Defizit; ­
  die  Bemühungen,  ein  Gleichgewicht
in  Einnahme  und  Ausgabe  herzustellen,
haben  sich  völlig  unzulänglich  erwiesen.
Es  betrilgen  (in  Millionen  Mark):
Einnahmen  Ausgaben
1878—  79:  113,04  126,os
1879-  80:  117,59  149,27
Dazu  kommt  noch  das  Budget  der  Kolonien, ­
  welches  im  Finanzjahr  1879—80
ein  Minus  von  823,846  Mk.  aufwies.  Die
Einnahmen  betrugen  8,7,  die  Ausgaben  9,5
Mill.  Mk.  —  Diesen  Verhältnissen  gemäß ­
  ist  die  S  t  a  a  t  s  s  ch  u  ld  nicht  unerheblich ­
  gestiegen.  Eiil  großer  Teil  ist  freilich
durch  Eisenbahnanlagen  entstanden.  Früher ­
  kam  die  Regierung  ihren  Verpflichtungen ­
  gegen  die  ausländischen  Gläubiger
nicht  nach,  und  in  jüngsterZeit  mußteman
Anleihen  aufnehmen,  um  die  verfallenen
Zinsen  zu  bezahlen.  Daher  waren  Anleihenschwer ­
  unterzubringen.  So  mußten
von  der  1877er  Anleihe'  von  130  Mill,
m.  noch  1878:  50  9m.  9Rf.  gu  3  ißtog.
im  Kurs  von  50  in  London  zur  Subskription ­
  aufgelegt  tverdcn.  Am  30.  Juni  1878
iwiiv  der  Stand  der  Staatsschuld:  neuere
Schuld  1664,8  Mill.  Mk.  (davon  äußere

984,7  Mill.  Mk.),  ältere  zu  konvertierende
Schuld  8,5  Mill.  Mk.  Die  Barverzinsungen
  1877—78  bctrugcn47,4Mill.Mk.,
die  rückständigen,  in  Schuldtiteln  bezahlten ­
  Obligationen  22,2  Mill.  Mk.
Kreditwesen.  Es  bestehen  in  P.  24
Banken,  unter  denen  die  »Bank  von  P.«
zu  Lissabon  die  bedeuteildste  ist.  Sie  wurde
1822  als  Bank  von  Lissabon  mit  2500
Mill.  Reis  Kapital  auf  Aktien  gegründet,
später  wurde  das  Kapital  auf'  das  Doppelte ­
  erhöht  und  1846  durch  Vereinigung
mit  der  Confiança-Bank  zur  jetzigen  Anstalt ­
  erweitert.  Sie  macht  namentlich
Diskont-  und  Leihgeschäfte  und  hat  das
alleinige  Recht  zur  Notenausgabe.  Jetzt
beziffert  sich  ihr  Kapital  auf  35,6  Mill.  Mk.
Eine  Zweigbank  besteht  zu  Porto.  Die
niedrigsten  Stücke  lauten  auf  lO  Milrcis
(45  Mk.),  kommen  daher  im  Kleinverkehr
sehr  wenig  vor.  1877  wurden  sogen.
Kupfernsten,  d.  h.  nur  in  Kupfer  eiu'lösbare
  Noten,  ausgegeben,  weil  die  Menge
der  unklaufenden  Goldmünzen  stark  abnahm. ­
  Das  Wechsclrecht  ist  dem  französischen, ­
  resp.  dem  spanischen  nachgebildet. ­
  Der  Wechsclstempel  beträgt  1  pro
Mille,  und  zwar  20  Reis  von  5—20  Milreiö,
  100Reis  von  über20—lOOMilreiS;
200  Reis  von  über  100-200  Milreis  re.
Geld,  Maße  und  Gewichte.  Es
herrscht  reine  Goldwährung;  Silber  gilt
nur  als  Scheidemünze.  Die  Corona
—  5  Milreis  —  7,i  g  mit  u /m  Feinehalt. ­
  Atan  rechnet  nach  Reis,  Milreis
1000R.)  und  Conto  deReis(l  Mill.R.).
Thatsächlich  wird  der  llmlauf  durch  englische ­
  ganze  und  halbe  Sovereigns  bewerkstelligt, ­
  deren  Wert  gesetzlich  auf  4500,  resp.
2250  Reis  normiert  ist.  Längen  m  a  ß  e
sind:  der  Palmo  de  craveiro  —  22  cm,  die
Pie  —  j  Va  Palmo  —  33  cm;  die  Milha
hat  9389  Vs  Palmos  —  2,065  m.  Flächenmaß: ­
  der  Gcira  —  58,36  Ar.  Getreidemaße: ­
  der  Moio  zu  15  Fangas,  die  Fanga
—  55,30  Lit.  Flüssigkeitsma'ß:  die  Almnda
(Almade)—16,748.;  Weinmaß:  die  Pipa
zu  26  Almudas  —  435,24  L.  Auch  wird
die  Weinpipe  von  Porto  zu  534,  die  Pipe
von  Lissabon  für  alle  Flüssigkeiten  zu
504  L.  berechnet.  Gewicht:  das  Arratel
hat  0,459  kg.  Das  1868  eingeführte
        <pb n="409" />
        401

Posen  —  Prag.

metrische  System  ist  noch  nicht  allgemein
iil  Gebrauch  gekommen.
Posen  (poln.  Poznan),  Hauptstadt
des  gleichnamigen  preuß.  Regierungsbezirks, ­
  an  der  Warthe,  Knotenpunkt  von  sechs
Eisenbahnen;  (i880)  64,733  Einw.  Handelskammer ­
  ;  Getreidebörse  (Handelssaal).
Den  Umsatz  der  Produkte  befördern  drei
jährliche  Ai  es  sen,  von  welchen  die  Iohannismesse
  (»Johannisversur«)  die  bedeutendste ­
  ist.  Außerdem  fiirdet  jährlich
vom  11.-13.  Juni  ein  Wollmarkt  statt.
Der  Handel  vertreibt  namentlich  polnische
und  russische  Landesprodukte:  Holz,  Getreibc,
  Me,  %#,  gelle,  $(mf,
Bettfederu,  Tabak,  Honig,  Hopfen,  Wachs
u.  a.  Die  Bedeutung  des  Handels  zcigtder
Güterverkehr  folgender  Eisenbahnlinien.
Derselbe  war  18m  (in  Metertonnen):
Empfang  Versand
Oberschlesische  Eisenbahn.  194670  87  513
Märkisch-Posener  Eiscnb.  42611  96702
Posen-Kreuhburger  Eisenb.  88762  3  897

Bei  dem  Postamt  in  P.  gingen  1878
ein:  2,837,052  Briefsendungcn,  auf  Postanweisungen ­
  wurden  8,009,460  Mk.  einund ­
  10,157,275  Mk.  ausgezahlt.  Auf  der
T  cl  e  g  r  a  p  h  e  n  station  wurden  63,362  Telegramme ­
  aufgegeben,  und  58,802  kamen
an.  —  Kreditwesen.  Die  Reichsbankhauptstelle ­
  hatte  1880  einen  Gesamtumsatz ­
  von  312,680,000  Mk.,  davon  Wechselverkehr
  138,316,600  Mk.,  Giroverkehr
108,484,800  Mk.  Andre  Geldinstitute:
Posener  Krcditverein  (eingetragene  Genossenschaft), ­
  Bank  für  Landwirtschaft
und  Industrie,  Provinzialakticnbank  des
Großherzogtums  P.  —  Platzgebrauche.
Man  verkauft  Weizen  für  1050  kg,
Roggen  1000,  Gerste  925,  Hafer  625,
Buchweizen  875,  Hülsenfrüchte  1125,
Raps  und  Leinsamen  für  925  kg,  Spiritus ­
  wie  Berlin.  Kahnfracht  für  Getreide
wird  für  den  Mispel  von  1050  kg  bedungen. ­

Poti,  Hafenstadt  in  der  russisch-kaukas.
  Statthalterschaft,  an  der  Eisenbahn ­
  P.-  Kutais;  Station  der  Dampferlinien: ­
  Ncderl.  Stoomboot  Maatschapgj,
  w.  (Ob#)
Westcotts-Linie  (Antwerpen);  (wo)  8000
Einw.  Ressort  des  deutschen  Konsuls  m

Haiidelsgeographie.

Tiflis.  P.  ist  für  den  Handelsverkehr  mit
Persien  sehr  wichtig  und  wird  nach  Vollendung ­
  der  Eisenbahn  zum  Kaspischeil
Meer  noch  mehr  gewinnen;  1878  betrilg
die  Einfuhr  4,5  Mill.,  die  Ausfuhr  18,o
am.  m.
Potsdam,  Hauptstadt  der  preuß.  Provinz ­
  Brandenburg,  an  der  Havel  und  der
Berlin-P.-Magdeburger  Bahn;  (isso)
48,346  Einw.  Hauptsteueramt;  Potsdamer ­
  Kreditbank.  Fischerei,  Obst-  uudBlumenzucht;
  lebhafte  Schiffahrt  aufderHavel.
Prag,  Hauptstadt  des  Königreichs  Böhmen, ­
  nach  Größe  und  Bevölkerung  die
dritte  Stadt  der  österreichisch-ungarischen
Monarchie,  an  beiden  Ufern  der  Moldau, ­
  Knotenpunkt  sieben  verschiedener  Eisenbahnen ­
  (Österr.  Staatsbahn,  Österr.
Nordwestbahn  mit  der  Anschlußlinie  nach
Lissa,  Franz  -  Josephs  -  Bahn,  Buschtiehrader
  Bahn,  Turnan-Kralup-  Prager
Bahn,  Böhmische  Westbahn,  P.-Durer
Bahn);  (1880)  159,602  Einw.  (ohne  Vororte). ­
  Handels-  und  Gewerbekammer;
Waren-  und  Effektenbörse  (zugleich  Wechsel- ­
  und  Geldbörse,  seit  1871);  Böhmische ­
  Industrie-  und  Produktenhalle
(ein  Aktienunternehmen).  Als  Wechselund
  Merkantilgericht  fungiert  der  Magistrat ­
  der  Stadt.  —  In  Bezug  auf  I  n  -
du  st  rie  ist  P.  die  wichtigste  Stadt  Böhmens. ­
  1874  zählte  man  (ohne  Vorstädte
und  Vororte)  im  ganzen  11,302  Handels- ­
  und  Gewerbsunternehmungen.  Davon ­
  hatten  zum  Gegenstand  ihres  Betriebs ­
  434  das  Baugewerbe;  212  erzeugten ­
  Maschinen,  Werkzeuge,  Instrumente
und  Transportmittel,  532  Metallwaren,
113  Thon-,  Glas  -  und  Steinwaren,  381
chemische  Produkte,  3394  Nahrungs-  und
Genußmittel,  1787  gewebte,  gewirkte  und
dergleichen  Stoffe  und  Arbeiten  daraus,
2220  Lederwaren,  Pelzwerk,  Papierwaren, ­
  Stroh-,  Fischbein-  und  ähnliche
Waren;  467  lieferten  Erzeugnisse  der
Kunstgewerbe,  803  trieben  Handel  im  engern ­
  Sinn.  —  Die  Moldau  ist  bei  P.
durchschnittlich  nur  2,75  in  tief,  und  da
innerhalb  der  Stadt  Wehre  angebracht  sind,
so  ist  die  Schiffahrt  eine  beschränkte.  Dem
Personenverkehr  auf  der  Moldau  oberhalb
P.  dienen  zwei  Dampfboote  der  Prager
26
        <pb n="410" />
        402

Pregel  —  Preußen  (Areal,  Bevölkerung).

Moldau  -  Dampfschiffahrtsges.,  für  den
Güterverkehr  auf  der  untern  Moldau  und
Elbe  die  Schiffe  der  Prager  Dampf-  und
Segelschiffahrtsges.,  für  den  Lokalverkehr
die  Pferdebahn.  —  Geld-  und  Kreditinstitute ­
  sind:  dieBörse/.welche  in  Bezug
auf  das  Warengeschäft,  namentlich  in
Zucker,  von  großer  Bedeutung  ist,  die
Böhmische  Sparkasse,  das  hervorragendste
Prager  Kreditinstitut,  mit  eineni  Einlagenstand ­
  von  140  Mill.  Mk'.,  ferner
die  Städtische  Sparkasse,  sieben  Borschußkassen, ­
  eine  Filiale  der  Österreichisch-Ungarischen ­
  Bank  mit  einem  Geldverkehr
von  jährlich  460  Mill.  Mk.,  eine  Filiale
der  Österreichischen  Kreditanstalt,  dieHypothekenbank
  des  Königreichs  Böhmen  (80
Mill.  Mk.  Kapital),  die  Landwirtschaftliche ­
  Kreditbank  und  acht  andre  Bankinstitute. ­
  —  Märkte.  Ein  Zuchtvieh  -  und
Maschinenmarkt  wird  jährlich  abgehalten  :
Messen:  3.  Febr.,  14.  Juni  und  25.
Sept.,  jede  zu  14  Tagen;  ein  Wollmarkt
von  fünf  Tagen  24.  Juni.  —  Platzgcbrau
  che.  Atan  verkauft  Getreide  vielfach ­
  nach  dem  Gewicht:  Weizen  prima  für
.132,  gewöhnlichen  für  130  Pfd.,  Roggen
125  und  122,  Gerste  115  und  110  Psd.,
Zucker,  Sirup  und  Melasse  für  denZollcentner,
  Baumwollgarn  Nr.  6—8  für  den
Wiener  Centner,  Nr.  20  und  fernere  für
das  Pack  von  10  engl.  Pfd.  Wechselkurse ­
  wie  in  Wien.
Pregel,  Fluß  in  der  preuß.  Provinz
Ostpreußen,  entsteht  2  km  westlich  von
Insterburg  und  mündet  nach  134  km
langem,  durchweg  schiffbarem  Laus  8  km
unterhalb  Königsberg  ins  Frische  Haff.
Mit  Deime,  Alle,  den  masurischen  Wasserstraßen ­
  und  dem  Großen  Friedrichsgraben
mißt  das  gauzcGebict  des  P.397krn,  wovon
29,8  km  mit  einem  Tiefgang  von  1,5  m,
139,1  km  mit  1  m,  152  km  mit  0,75  m
und  76  km  mit  unter  0,75  m  Tiefgang  befahren ­
  werden  können.  Der  Große  Friedrichsgraben ­
  und  der  Seckenburger  Kanal
verbinden  den  P.  mit  der  Memel.
Preußen,  der  wichtigste  Staat  im  Deutschen ­
  Reich,  besteht  im  wesentlichen  aus
einem  zusatnmenhäilgenden  Gebiet,  das
"ue  Anzahl  von  kleinern  Staaten  umlchließt.
  Getrennt  vomprcußischcn  Staatsgebiet ­

  sind  außer  mehreren  Enklaven  innerhalb ­
  der  von  P.  umschlossenen  Staaten ­
  die  KreiseSchleusiiigc»,Schmalkalden
und  Ziegenrück  sowie  die  Exklaven  Wandersleben ­
  in  Thüringen  und  Hohenzoüern
in  Süddeutschland.  Dem  Flächeninhalt
nach  nimmt  P.  unter  den  europäischen
Staaten  die  siebente  Stelle  ein  ;  sein  Areal
beträgt  ohne  die  Haffe  und  Gewässer  der
Ostsee  348,246  qkm  (6311,2  OM.)  mit
(1880)27,260,331  Einw.,  welche  sich  auf  die
einzelnen  Provinzen  wie  folgt  verteilen:

Provinzen

Ostpreußen  .
Westpreuße»
Brandenburg
Pommern  .
Posen.  .  .
Schlesien.  .
Sachsen  .  .
Schleswig-Holst
Hannover  .
Westfalen  .
Hessen-Nassau
Rheinland  .
Hohenzollern

am.

26978
25502
39897
30107
28954
40291
25245
18841
38426
20200
15685
26980
1143

QM.

671.5
462.8
724.5
547,0
525.8
731.7
458.4
339.5
698.8
366.8
288,7
489.9
20,7

Einwohner ­


1930408
1402498
3383560
1538454
1700943
4003223
2311067
1124862
2117629
2042672
1553344
4073738
67579

Bon  der  Bevölkerung  1875  (25,742,404)
warenl6,636,990Pwtestauten,8,625,840
i  Katholiken  und  339,790  Israeliten.  Die
meisten  Protestanten  leben  in  Ostpreußen,
Brandenburg,  Pommern,Sachsen,Schleswig-Holstein, ­
  Hannover,  die  meisten  Katholiken ­
  in  Posen  und  Rheinland  ;  in  Schlesien, ­
  Westpreußeu  und  Westfalen  stehen
beide  Konfessionen  ziemlich  gleich.  —  A  us  -
wauderung.  Es  wanderten  aus  Bremen, ­
  Hamburg,  Stettin  und  Antwerpen
aus  1878:16,141  und  1879:19,211  über
deutsche  Häfen,  1939  über  Antwerpen,  zusammen ­
  21,150  Personen.
„  U  r  p  r  o  d  u  k  t  i  o  n.  Bon  dem  Gesamtarcal
sind  50  Proz.  Acker  und  Weinberge,  20
Proz.  Wiesen  und  Weiden,  23  Proz.  Forst.
Das  meiste  Ackerland  haben  Posen,  Sach-!
  sen,  Schleswig-Holstein,  Schlesien,  Pom-I
  ment,  West-  und  Ostpreußen  (62,  resp.  61,
58,56,55,54  und  51  Proz.),  das  wenigste
Hessen-Nassau  (40)  und  Hannover  (33
Proz.).  Den  meisten  Wald  haben  Hessen-Nassau
  (40),  Brandenburg  (32)  und
I  Rheinland  (31  Proz.).  —  Bestellt  wa-
        <pb n="411" />
        403

Preußen  (Urproduktion,  Industrie).

reu  1878  mit  Getreide  und  Kartoffeln
10,730,393  im,  davon  mit:
Nonnen  .  4470463  !  Weizen.  .  1026773
Hafer.  .  2465992  ş  Kartoffeln  1880241
Den  meisten  Weizen  baueil  Schlesien,
Sachsen  nndNheinland.  Die  Ernte  betrug
1878  (in  Millionen  Tonnen):  Weizen
1,6,  Roggen  5,i,  Gerste  1,3,  Hafer  3,4,
Kartoffeln  17,i.  Mit  Flachs  waren  92,316
sta.,  mit  Hanf  3947  im,  mit  Hopfen  4087
sta,  mit  Tabak  18,016  Im  (Ernte:  29,889
Ton.  Tabaksblätter)  bebailt.
Der  Vieh  st  a  n  d  war  nach  der  Zählung
von  1873:
Pferde  .  22824351  Schafe  .  19666794
Rinder  .  8639514  |  Schweine  4294926
Die  meisten  Pferde  haben:  Ostpreußen,
Schlesien,  Brandenburg,  die  meisten  Rinder: ­
  Schlesien,  Rheinland,  Hannover,
die  meisten  Schafe:  Pommern,  Posen,
Brandenburg,  Schlesien,  Hannover,  Sachen. ­
  Die  Anzahl  der  Merinos  betrug
8,160,189,  der  veredelten  Fleischschafe
1,827,919.  Die  jährliche  Wollprodnktion
erreicht400,000Etr.  —  Fischerei  wurde
1872  in  der  Ostsee  von  9575,  im  Haff
bon  5042,  in  der  Nordsee  von  1313  Fischern ­
  betrieben.  Heringe,  Flundern,
Wachse,  Makrelen  werden  in  der  Ostsee,
Sprotten,  Schellfische  und  Austern  in  der
Nordsee  gefangen.  Störe  fängt  mail  in
der  Elbe  und  im  Frischen  Haff  (Elbkaviar,
Kaviar  von  Pillan),  Lachse  im  Rhein
(Salm).  —  Für  den  Bergbau  ist  der
Staat  in  sii  nf  ObcrbergamtSbezirke  geteilt  :
Eresian,  Halle,  Klausthal,  Dortmund,
%oi;it.  Das  wichtigste  Mineral  ist  die
Steinkohle,  1879  betrug  die  Ausbeute  (besonders ­
  Oberbergämter  Dortmund  und
Breslau)  37,674,647  Ton.  im  Wert  von
174,892,804  Mk.  ;  dann  Braunkohle  1879  :
0,278,276  %.  (28,865,388  m.),  bavoii
allein  in  der  Provinz  Sachsen  8,543,794
T.  Die  Produktion  von  Erzen  ergab  1879
solgende  Mengen  und  Werte:
Eisenerze  .  .'3149075  Ton.  19940876  Mk.
Zinkerze.  .  .  589254  -  8042273  -
Bleierze.  .  .  145895  -  17256396  -
Kupfererze.  .  398812  «  10072016  °
Nennenswert  sind  Schtvefelkies  (1  Mill.
'Nk.),  Manganerze  n.  a.  Von  Steinsalz
wurden  142,857  T.  (851,568  Mk.),  von

#0#!%  228,660  %.  (5,488,488  9%f.)
Chlorkalium  32.006  T.  (3,337,835  Mk.)
Glaubersalz  18,250  T.  (1,128,117  Mk.),'
auch  schwefelsaures  Kali  und  Thonerde,
Alaun  u.  a.  gewonnen.  Nickel-  und  Qnecksilbererze
  findet  man  im  Regierungsbezirk
Wiesbaden,  Gold-  und  Silbererze  auf  dem
Oberharz,  aber  in  unbedeutender  Menge.
I  n  d  u  st  r  i  e.  Nach  der  Gewerbezahlung
von  1875  gab  es  in  P.  1,623,591  Betriebe ­
  mit  höchstens  fünf  Gehülfen,  45,513
mit  niehr  als  fünf  Gehülfen,  132,497
Nebenbetriebe,  wobei  im  ganzen  3,625,918
Personen  beschäftigt  waren.  1879  wurden
gezählt  38,649  Dampfkessel  und  36,054
Dampfmaschinen.  Nach  den  Provinzen  geordnet, ­
  gab  cs  1875:

Provinzen

Ostpreußen  .  .  .
Westpreußen  .  .
Brandenburg  .  .
Pommern  .  .  .
Posen
Schlesien.  .  .  .
Sachsen  ....
Schleswig-Holstein
Hannover  .  .  .
Westfalen  .  .  .
Hessen-Nassau  .
Rheinland  .  .  .
Hoheuzollcrn  .  .

Motoren

Zusammen:

2997
2458
8572
3661
4053
11784
9078
2583
5208
7860
4321
12895
163

75633

Dampfmotoren ­


406
543
3488
862
627
4129
3811
708
1691
4338
910
7364
13

Pferdekräfte ­


5475
7681
50117
13793
7416
92882
45013
10604
28004
163808
11286
214183
179

28890  650441

Die  industriereichsten  Provinzen  sind:  die
Rheinprovinz,  Westfalen,  Schlesien,  Brandenburg, ­
  Sachsen  und  Hessen-Nassau.  Die
Verhüttung  der  Erze  ergab  1879  folgende
Mengen  und  Werte:

Tonnen  Mark
Roheisen  .  .  1584269  87253827
Zink  ....  96484  29740827
Blei  ....  66086  18502774
Kupfer  ...  9881  12772002
Schwefelsäure.  74369  4  516796

Von  Silber  wurden  121,438  kg  im
Wert  von  18,042,704  Mk..  von  Gold  70
kg  im  Wert  von  195,929  Mk.  gewonnen ­
  ausier  einer  großen  Anzahl  andrer
Produkte.  Der  Wert  der  Gustlvarclt  zweiter ­
  Schmelzung  betrug  49,6  Mill.,  von
Schwcißeisenfabrikaten  119,3  Mill.,  von
Fluheisenfabrikaten  103,3  Mill.  Mk.  Die
26*
        <pb n="412" />
        404

Preußen  (Handel,  Verkehr,  Finanzen).

Sitze  der  Eisenindustrie  sind  die  Kohlendistrikte
  von  Schlesien,  Westfalen,  Rheinland. ­
  Die  Textilindustrie  ist  namentlich
vertreten  in  der  Rheinprovinz,  Schlesien,
Westfalen,  Hannover,  die  Papierfabrikation ­
  in  den  Regierungsbezirken  Aachen,
Arnsberg  und  Liegnitz,  Lederfabrikation  in
der  Rheinprovinz,  Westfalen,  Hessen-Nassau. ­
  Brauerei  wird  am  stärksten  in  Brandenburg, ­
  Rheinland,  Schlesien,  Sachsen
betrieben,  1879—80  in  8651  Brauereien
14,080,000  lil  Bier;  Brennerei  namentlich ­
  in  Schlesien,  Brandenburg,  Posen,
1879—80  in  7102  Brennereien  à,564,370
14  (vgl.  Deutschland,  S.  126).  In25k
Zuckerfabriken  (davon  139  in  der  Provinz
Sachsen)  mit  1972  Dampfmaschinen  von
22,674  Pferdekrästen  wurden  1879—80:
2.866,339  Ctr.  Rohzucker,  1,3  Mill.  Ctr.
Melasse  re.  hergestellt  und  eine  Steuer
von  59,843,903  Mk.  entrichtet.
Der  Handel  Preußens  wird  gefördert ­
  durch  die  410  km  lange  Nordsee-  und
die  1244  km  lange  Ostsecküste.  Die  bedeutendsten ­
  Häfen  sind:  Memel,  Königsberg, ­
  Pillau,  Neufahrwasser  (Danzig),
Swineinünde,  Stettin,  Stralsund,  Kiel,
Flensburg,  Tönning,  Altona,  Harburg,
Geestemünde,  Wilhelmshaven,  Emden,
Brake,  Leer.  Der  Bestand  der  Seeschiffe
in  P.  (nur  Handelsschiffe  gerechnet)  war
1.  Jan.  1880:
Segelschiffe  .  3035  von  443597  Tonnen
Dampfer.  .  158  -  36793
Die  bedeutendsten  Plätze  für  den  auswärtigen ­
  Handel  sind:  Berlin,  Breslau,
Posen,  Danzig,  Stettin,  Frankfurt  a.M.,
Frankfurt  a.  O.,  Altona,  Hannover,  Köln,
Barmen,  Elberfeld,  Krefeld.  Messen
werden  in  Frankfurt  a.  M.  und  Frankfurt ­
  a.  O.  abgehalten,  Woll  Märkte  in
Berlin,  Breslau,  Königsberg,  Posen,
Stettin,  Landsberg  (Warthe),  Stralsund,
Hildesheim,  Paderborn,  Kassel,  Hannover
(jährlicher  Umsatz  250,000  Etr.  Wolle).
Jahrmärkte  finden  in  2675  Orten  statt.
V  e  r  k  e  h  r  s  w  e  s  e  n.  Die  Länge  der  schiffbaren ­
  Flüsse  und  Kanäle  beträgt  9306
km,  davon  haben  119  Flüsse  7645  km  (934
für  Seeschiffe)  und  90  Kanäle  1661  km.
7^  Die  Länge  der  Eisenbahnen  war
1.  April  1880  auf  20,680,9  km  gestiegen,

wovon  11,641  km  Staatsbahncn,  3628
km  Privatbahnen  unter  Staatsverwaltung ­
  und  5411,2  km  unter  eigner  Verwaltung. ­
  Dazu  kommen  noch  von  Grubcnund
  Industriebahnen  1019krnLokomotivbahnen
  und  174  km  Pferdebahnen.  1878
waren  die  Betriebsergebnisse  (in  Millionen ­
  Mark):

Bohnen
Staatsbahnen  .  .
Privatbahnen  unter
Staatsverwaltung
Privatbahnen  unter
eigner  Verwaltung
Zusammen:

Anlagekapital ­

1325
1115
2449
4889

Einnahmen

156
127
267
550

Ausgaben ­

98
71
141
310

Die  Länge  der  Staatschausseen  belief
sich  1875  auf  22,102,  die  der  übrigen
Chausseen  auf  30,135  km.  Post  und
Telegraphie  sind  Angelegenheiten  des
Deutschen  Reichs.  —  Konsulate  unterhalten ­
  in  P.  nachstehende  deutsche  Staaten: ­
  Baden  in  Stettin;  Bayern  in  Aachen
und  Frankfurt  a.  M.  ;  Bremen  und  Hamburg ­
  in  Danzig.  Memel,  Stettin;  Hessen
m  Frankfurt  a.  M.;  Lübeck  in  Memel,
Stettin,  Stralsund;  Mecklenburg-Schwerin ­
  in  Danzig,  Königsberg,  Memel,  Stettin; ­
  Oldenburg  in  Danzig,  Pillau,  Stettin, ­
  Tönning;  Neuß  jüngere  Linie  in
Frankfurt  a.  M.;  Königreich  Sachsen  in
Frankfurt  a.  M.,  Harburg,  Köln,  Stettin; ­
  Sachsen-Weimar  und  Sachsen-Koburg-Gotha
  in  Frankfurt  a.M.;  Sachse»
Meiningen  in  Frankfurt  a.  M.  und
Münden;  Württemberg  in  Franksurt  a-M.
  und  Köln.
Finanzen.  Das  Etatsjahr  beginnt
seit  1877  niit  1.  April.  Nach  dem  Staatshaushaltsetat ­
  für  1881  —  82  belaufen
sich  Einnahmen  und  Ausgaben  auf  je
799,200,589  Mk.  Unter  den  Einnahmen
figurieren  mit  den  bedeutendsten  Posten:
Domänen  und  Forsten  75,8  Mill.,  direkte
Steuern  161,5  Mill.,  indirekte  Steuern
93,6  Mill.,  Bergbau,  Hütten  und  Salinen ­
  79  Mill.,  Eisenbahnen  20,7  Mill.,
Zölle  und  Tabaksteuer  24,5  Mill.  Mk-Unter
  den  Ausgaben  sind  213,5  Mill-Mk.
  für  öffentliche  Arbeiten  (143  Mill-Mk.fürEisenbahnverwaltnng),
  85,gMill-
        <pb n="413" />
        405

Preveía  —  Puerto  Plata.

Mk.  für  die  öffentliche  Schuld,  52,5  Mill.
Mk.  Matrikularbeitrag  an  das  Reich,  39
Mill.  Mk.  für  das  Ministerium  deröffentllchen
  Arbeiten  ausgesetzt.  Die  direkten
Steuern  find  von  1872  bis  1880—81  in
solgenderWeife  gestiegen:  Grundsteuer  Von
Ai  Mill,  auf  41,i  Mill.  Mk.,  Gebäudeteuer
  von  14,4  Mill,  auf  27  Mill.  Mk.,
Einkommensteuer  von  16,9  Mill,  auf  31,6
Mill.  Mk.,  Klassensteuer  von  39,5  Mill,
«us  41,5  Mill.  Mk.  bei  Auslassung  der
untersten  Stufen  seit  1874.  Ein  großer
4eil  der  Ausgaben  ist  durch  Anleihen  geeckt ­
  worden,  doch  auch  durch  Überschüsse
uns  den  Vorjahre»,  welche  1875:  39,2
Mill.  Mk.,  aber  1879—80  nur  287,305
Mk.  betrugen.  —  Die  Staatsschulden ­
  betrugen  nach  dem  Etat  1878—79:
1.097,322,279  Mk.,  wovon  93,107,143
Mk.  Schulden  der  neuen  Landesteile:
Schleswig-Holstein,  Hannover,  Kurhessen
141,4  Wi#  %#»  (26,69m.),  Ww
Homburg  und  Frankfurt  (19,7Mill.)  sind.
Kreditwesen.  Von  den  Banken  ist
die  bedeutendste  die  Reichsbank  zu  Berlin
(s.  D  cu  t  f  ch  l  a  nd,  Kreditwesen,  S.  163)  ;
smdre  Banken  von  größerer  Wichtigkeit  bethen ­
  in:  Aachen,  Barmen,  Berlin,  Bielefeld, ­
  Breslau,  Danzig,  Elberfeld,  Essen,
Frankfurt  a.  M.,  Halle,  Hannover,  Kiel,
Koblenz,  Köln,  Königsberg,  Köslin,  Kottduö,
  Magdeburg,  Posen,  Stettin  (vgl.
D  e  u  t  s  ch  l  a  n  d  und  die  betreffenden  Plätze  ;
desgleichen  über  Spar-und  Hülfskassen
  s.  Deutschland,  S.  163).
Prctieza,  Bczirköhauptort  und  Hafenstadt ­
  im  türk.  Wilajet  Janina,  Station
der  Dampfer  des  Österreich.-Ungar.  Lloyd;
ea.  6000  Einw.  Schiffsverkehr  1878:  einstelaufen ­
  2537  Schiffe  von  39,644  Ton.
(58  Lloyddampfer  von  20,709  T.).  Die
Einfuhr  (Eßwaren,  Spirituosen  und  Webwaren)
  betrug  2,6  Mill.,  die  Ausfuhr  (Öl,
Käse,  Butter,  getrocknete  Fische,  Häute,
Vieh,  Valonen,  Getreide)  2,25  Mill.  Mk.
Prince  Edwards  -  Insel  (wr.  prmss
Edwards-),  britisch-nordamerikau.  Insel  im
südwestlichen  Teil  deS  St.  LorcnzbufenS,
Eit  1.  Juli  1873  Provinz  der  Dominion
of  Canada;  5628  qkm  (102  QM.)  mit
04,000  Einw.  Hauptstadt.Charlottetown ­
  mit  8807  Einw.

Prince  of  Wales-Insel,  s.  Pinang.
Puebla,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
mexikan.  Staats,  an  einer  Zweigbahn  der
Mexiko-Veracruz-Eisenbahn;  (i88o)70,000
Einw.  Deutsches  Vicekonsnlat.  Industrie
i»  Wolle,  Baumwolle,  Hüten,  Fayence,
Glas,  Seife,  Gold-  und  Silberwaren;
Handel  mit  Getreide  und  Mehl.
Puerto  Caballos,  f.  P  u  ê  r  t  o  C  o  r  t  e  s.
Puerto  Cabello  (,'pr.  -bclljo),  Hafenstadt
in  der  Republik  Venezuela,  Station  der
Dampferlinien:  Hamburg-Amerikan.  Paketfahrtaktiengef.,
  Comp,  générale  transatlantique, ­
  Harrison-Linie  (Liverpool),
Royal  Mail  Steam  Packet  Co.,  Société
Chargeurs  réunis  (Havre);  ca.  10,000
Einw.  Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:
die  Staaten  Carabobo,  Barquisimeto,
Barami  und  Porlugueza).  1877  betrug
die  Einfuhr  24,i  Mill.  Mk.  (deutsch  5,8
Mill.  Mk.),  die  Ausfuhr  (Kaffee,  Farbholz,
  Kakao,  Felle,  Indigo,  Baumwolle,
Zuckeru.  a.)  32,i  Mill.Mk.,  davon  deutsch
9,i  Mill.  Mk.  1880  liefen  90  deutsche
Schiffe  ein  und  aus.  —  Wechfelgeschäft
  meist  mit  London.
Puerto  Cortes  (P  u  ê  r  t  o  C  a  b  a  l  l  o  s),
Hafenstadt  der  centralamerikan.  Republik
Honduras;  8000  Einw.  Deutsches  Vicekousulat;
  Filiale  der  Banco  Racional.
Puerto  Montt,  Hauptstadt  der  chile».
Provinz  Llanquihue,  mit  gutem  Hafen;
(1875)  2030  Einw.  (500  Deutsche).  Deutsches ­
  Vicekonsnlat.  1878  betrug  die  Einfuhr
  824,694  Mk.,  die  Ausfuhr  (Holz,  Getreide, ­
  Sohlleder,  Honig)  1,007,728  Mk.
Puerto  Plata,  Hafenstadt  an  der  Nordküste
  der  Republik  Santo  Domingo,  Station ­
  der  Dampserlinien:  Hamburg-Amerikan. ­
  Paketfahrtakticnges.,  Comp,  generale ­
  transatlantique,  Hamburg-Südamerika». ­
  DampfschiffahtSges.  ;  ca.  4000
Einw.  Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:
das  Land  nördlich  deS  Gebirges  Cibao,  von
Monte  Cristy  bis  zur  Bai  von  Samana).
1879  wertete  die  Einfuhr  2,56  Mill.  Mk.,
die  Ausfuhr  (Tabak,  Mahagoniholz,  Kaffee, ­
  Honig)  2,57  Mill.  Mk.  Es  liefen
1879  ein:  121  Schiffe  von  5105  Ton.  der
Segelschiffe  (darunter  15  deutsche,  wovon
11  Dampfer).—Platzgebräuche.  Man
verkauft  Mahagoniholz  für  1000  Pariser
        <pb n="414" />
        406

Puerto  Principe  —  Quebec.

Quadratfuß,  andre  Hölzer  für  2000  Pariser ­
  Pfund,  Honig  für  das  englische  Gallon,
Manufatte  auf  5—6,  Genußmittel  auf
2  gRomtte  ßrcbit.  %I.  @t.  Stomas.
Puerto  Prinripc,  Stadt  im  Innern
der  spanisch-westind.  Insel  Cuba,  durch
Eisenbahn  mit  dem  Hafen  San  Fernando
de  Nuevitas  verbunden;  30,685  Einw.
Cigarrenfabrikation  und  lebhafter  Handel.
Puerto  Rico  (Port  or  ico),  spanischwestind.
  Insel,  9315  qkm  (169  QM.)  mit
(ms)  729,445  eimu.  (201,323  WWßc,
121,007  Mulatten,  38,283  Neger).  —
Produkte.  Schwefel,  Blei,  Gold,  Eisen,
Kupfer,  Silber  sind  vorhanden,  werdeir
aber  gar  nicht,  Hartholz,  Farbholz,  Balsam, ­
  Harze  und  Faserstoffe  nur  wenig
ausgebeutet.  Über  die  Einfuhr,  welche
namentlich  in  Fleisch,  Fischen,  Mehl,  Kohlen ­
  ,  Reis,  Manufakten,  Kartoffeln  und
Spirituosen  besteht,  sind  genaue  Daten
nicht  m  geben.  Deutschland  führt  Mannfaktc
  (durch  zwei  spanische  Dampferlinien
via  Liverpool)  ein.  Die  Ansfuhr  wertete
1879:  43,640,000  3Rf.,  Won  Wer  1,5
Mill.Ctr.,  Kaffee  314,127,  Tabak  38,618
6tr.,  Melasse  20,2  Mill.  Lit.,  ferner
Haute,  Alais,  Starke,  Rum.  Haupthäfcn
  der  Insel  sind:  Sait  Juan  de  P.,
Mayaguez,  Ponce,  Aguadilla  unb  Arroyo. ­
  Ohne  die  Postdampfer  liefen  1879
ein:  248  Schiffe  von  39,578  Ton.  (deutsch
2114ï.).  —  Die  Finanzen  siitd  in  liicht
sehr  erfreulichem  Zustand.  Im  Budget
für  1879—80  waren  die  Ausgaben  auf
14,026,000  Mk.  berechnet.  —  Deutschland
hat  in  der  Hailptstadt  P.  einen  Konsul,
von  km  die  Bicekonsuln  zu  Aguadilla,
Arroyo,  Mayaguez  und  Ponce  ressortieren.
Die  gleichnamige  Hauptstadt  (auch
S  a  n  I  u  a  n  d  e  P.),  an  der  Nordküste,  mit
gntem,  8—14  m  tiefem  Hafen;  Station
der  Dainpferlinien:  Hainbnrg  -  Anierikan.

  Daulpfschiffahrtsgcs.,  Comp,  generale
transatlantique,Lopezü.Ko.(Cadiz),  Royal
Mail  Steam  Packet  Co.;  0873)  24,000
Einw.  DeutschesKonsulat  fürdieJnselP.
Eingeführt  wurden  aus  Deutschland:
Spirituoscu,  Reis,  Kartoffeln  re.  (  1879  für
201,500  Mk.).  Ausgeführt  wurden  1879  :
Zucker  (243,525  Ctr.,  meist  nach  den  Bereinigten ­
  Staaten),  Kaffee  (39,520  Ctr.),
Tabak  (11,889  Ctr.),  ferner  Rum,  Melasse,
Hallte  u.a.  1879gingen22  deutsche  Schiffe
(12  Dampfer)  ein.  —  Platzgcbrauchc.
Man  verkauft  Lebensmittel  '  auf  4—8,
Mannfakte  9—12  Moliate  Kredit.  ZahlungSzeit
  ist  die  Erntezeit  (Kaffee:  Dezember ­
  bis  April,  Zucker:  Janiiar  bis  Juni,
Tabak:  Mai  bis  September);  Erzeugnisse
der  Insel  gegen  bar.  Wechselkurse
notiert  man  auf  London  und  Hamburg
90,  Vereinigte  Staaten  60,  St.  Thomaö
30  Tacze,  Paris  6  Alónate  nach  Sicht.
Puerto  Santa  Maria,  Stadt  in  der
span.Provinz  Cadiz,  an  der  Mündung  des
Guadalete  lind  der  Bahn  Cordova-Sevilla-Cadiz,
  Station  der  Hamblirger  Dampfer
Sloman  u.  Ko.;  0878)  22,125Einlv.  Lcrschiffuugsplatz
  für  den  Jercs-  (Sherry-)
Wein  (Ausfuhr  1877:  90,045  hl,  1878:
60,000  lil).  Der  Handel  geht  über  Cadiz.
Pugwash,  Hafenplatz  inBritisch-Nordamerika
  (Neilschottland).  Deutsche  Kousularagentur
  (ressorticrt  von  Halifar).
Punta  Arenas,  Hauptausfnhrhafen
der  Republik  Costarica,  am  Stillen  Ocean,
Station  der  Dainpferlinien:  Kosmos,
Pacific  Steam  Navigation  Co.,  Royal
Mail  Steam  Packet  Co.  ;  ca.  8000  Einw.
Deutsches  Bicekonsulat.  S.  Costarica.
Pyrgos,  Hafenstadt  in  der  griech.  Nomarchie
  Achara  unb  Eliö,  am  Ionischen
Meer;  (i87o)  6140  Einw.  Deutsche  Kousularagentilr
  (ressorticrt  von  Patras);
Griechische  Nationalbauk;  Fischerei.

Q.

Queber  (engl.,  spr.  kwibbea),  Hauptstadt
der  gleichnam.  britisch-amerikan.  Provinz,
an  der  Mündung  des  St.  EharleSflusfes  in
den  Lorenzstronl  und  der  Bahn  Q.-Toronto; ­

  Station  der  Dampfer  der  Allailund
  Beaver-Linien  (Liverpool),  Temperley-Linie
  (London);  0871)  59,699  Einw.
DcntschesKonsulat;  Zollhaus;Bvrse,Bank
        <pb n="415" />
        Queensland  —  Ramsgate.

407

of  Montreal,  Q.  Bank.  Der  Hafen  zwischen ­
  der  Stadt  und  der  unterhalb  gelegnen ­
  Insel  Orleans  ist  vollkommen  sicher
und  bis  50  m  tief,  infolge  des  Eisgangs
aber  nur  von  April  bis  Ende  November
offen.  Die  Handelsflotte  der  Stadt  zählte
1879:  859  Schiffe  (118  Dampfer)  von
112,320  Ton.  1878  liefen  666  Schiffe  von
016,523  T.  (11  deutsche  von  595IT.)  ein,
072  Schiffe  voir  603,705  T.  (9  deutsche
bon  6539  T.)  arrs.  Hauptausfuhrartikel
şi»d:  Holzundaudre  Waldprodukte,  Pelzloerk,
  geräucherte  Fische  und  Getreide.
_  Queensland  (spr.  kwihnsländ).  britische ­
  Kolonie  im  nordöstlichen  Australien,
1,730,721  qkm  (31,432  QM.)  mit  (is70)
217,851  Gimo.  (20.000  ^c^t^d)C,  17,000
Chinesen,  5000  Polynesier).  Es  wanderten ­
  1879  ein:  13,828,  aus:  11,150  Personen. ­
  —  Produktion.  Nur  ein  kleiner
Teil  im  SO.  ist  bisher  angesiedelt.  Klima
und  Boden  eignen  sich  für  tropische  Kulturen; ­
  bisher  werden  nur  Zucker  und  etwas
Barrmwolle  kultiviert,  vonKörnerfrüchteir
Mais  und  im  S.  Weizen.  Der  Ackerbau  ist
aber  nicht  bedeutend  (Ertrag  1878—79:
444,00014  Mais,33,000  iüWeizeu  re.).  Bedeutender ­
  istdieViehzucht;manzähltel880  :
Pferde.  .  163083  I  Schafe.  .  6065034
Rinder  .  2800633  ş  Schweine.  64686
Ausgeführt  werden:  Wolle  (  1879  für  24,8
Mill.  Mk.),  Talg.  Felle,  Fleischkonserven.
Aon  Mineralien  werden  ausgebeutet  namentlich: ­

  Gold  (auf  den  Alluvialfeldern
im  hohen  Norden,  besonders  durch  Chinesen), ­
  Kupfer,  Zinn,  Steinkohle.  Ausfuhr
1879:  Wb  füt  20,5  9m.  W.,  bann
Kupfer  0,7  Mill.,  Zinn  (weit  verbreitet)2,4
Mill.Mk.  Die  Ausfuhr  besteht  neben  diesen
Produkten  noch  in  Rum  und  wertete  1879:
68,7  Mill.  Mk.,  die  Einfuhr  (61,o  Mill.
Mk.)  in  Fabrikaten  und  Mehl.  —  Der
bedeutendste  Hafen  der  Kolonie  ist  B  r  i  S  -
baue  (s.d.),  nächstdem  Rockhampton  und
Gladstone.  In  allen  Häfen  verkehrten
1879  :  2512  ©#(  bon  1,256,394  So,,.
Die  Handelsflotte  zählte  43  Seedampfer
von  18,715  T.  und  115  Flußdampfer  von
5272  T.  —  Länge  der  Eisenbahnen
1879  :  809,  im  Bau  491  km;  der  Telegraphenlinien ­
  9446  km.  Die  Post  beförderte ­
  1879  in  240  Büreaus  4,416,161
Briefe  und  3,942,210  Zeitungen.  Ein
deutsches  Konsulat  besteht  in  Brisbane.
—  Die  Staatseinnahmen  betrugen
1879:29,2  Mill.,  die  Ausgaben  33,6  Mill.,
die  Staatsschuld  203,8  Mill.  Mk.  —  Kreditwesen. ­
  Die  sechs  Banken  der  Kolonie ­
  hatten  1880  ein  Kapital  von  104  Mill.
Mk.  und  zahlten  Dividenden  von  10—
25  Proz.  —  Geld  rc.  englisch.
Quito  (spr.  kito),  Hauptstadt  der  südamerikan.
  Republik  Ecuador;  80,000  Einw.
Banco  de  Q.  Woll-  und  Baumwollmauufakte,
  Zwirn-,  Spitzen-,  Band-  und
Strumpfwaren;  starker  Handel.

dl

Raab,  Hauptort  des  gleichnamigen
Ungar.  Komitatö,  an  der  Mündung  der
bon  Körmend  au  schifsbareu  Raab  in  die
Kleine  oder  Wieselburger  Donau  uud  der
Eiseilbahn  Wien-Neuszöny;  (isso)  21,739
Einw.  Raaber  Handelsbank.  Große
Pferdemärkte  und  lebhafter  Handel,  besonders ­
  mit  Getreide.
Rabat,  Hafenstadt  (für  Fes)  in  Marokko, ­
  am  Atlantischen  Ocean,  Station
der  Marokko  Linie  (London);  (is7s)  32,000
Einw.,  darunter  3—4000  Inden  und  50
Europäer.  Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk: ­
  die  Küstenstädte  R.,  Sale,  Mehediah
und  die  Küste  von  Baharah  bis  Mitte

Wegs  zwischen  R.  und  Casablanca).  Der
fuhr  63,544  Mk.  Schiffsverkehr  1879:
95  Schisse  von  28,665  Ton.
Ragüsa,  feste  Hafenstadt  im  Österreich,
Königreich  Dalmatien.  Station  der  Dampfer ­
  des  Österreichisch-Ungarischen  Lloyd;
(ISSO)  6319  Einw.  Deutsches  Konsulat.
Der  Haiidel  mit  der  Türkei  ist  mehr  Transit-und ­
  Speditions-als  Aktivhandel.  1879
liefen  beladen  ein:  538  Schiffe  mit  17,823
Ton.,  auö:  526  Schiffe  mit  17,530  T.  —
Wechselkurse  wie  Wien  und  Triest.
Ramsgate  (spr.  rämmsgct),  Hafenplatz
        <pb n="416" />
        408

Randers  —  Reggio.

unb  Seebad  in  der  engl.  Grafschaft  Kent,
an  der  London  und  Chatham-Eisenbahn;
(1871)  14,640  Einw.  Deutsches  Vicekonfnlat
  für  R.  und  Margate;  National  Provincial ­
  Bank  of  England.  4879  verkehrten ­
  hier  6  deutsche  Schiffe.
Randers,  Amtsstadt  in  Jütland,  11
km  von  der  Mündung  der  Enden  -Aa  in
den  Randersfjord,  an  der  Dänisch-Jütländischen
  Bahn;  (1872)  11,400  Einw.
Deutsches  Konsulat;  N.  DiSconto-  vg
Sparebank.  Die  Ausfuhr  besteht  hauptsächlich ­
  in  Getreide,  Pferden  und  Vieh.
Vom  Ausland  kamen  1878:  252  Schiffe
von  18,868  Ton.,  dorthin  gingen:  241
Schiffe  von  18,854  T.  1880  verkehrten
hier  31  deutsche  Schiffe  von  3280  Ton.
Rangun,  Freihafen  und  Hauptstadt
vonBritisch-Birma  in  Hinteriudieu,  32km
von  der  See,  jedoch  von  Seefchisfen  auf
dem  gleichnamigen  Fluß  bequem  zu  erreichen; ­
  Station  der  Dampfer  der  British
India  Steam  Navigation  Co.;  (1876)
108,000  Einw.  (darunter  1871:  1926
Engländer,  81  Deutsche  und  3181  Chinesen). ­
  Deutsches  Konsulat;  Bank  of  Bengal, ­
  Chartered  Bank  of  India,  Comptoir
d'Escompte  de  Paris;  mehrere  deutsche
Handelshäuser.  1879  führte  N.  aus:
Reis  ....  506953  Ton.  („ach  Europa  340342)
Teakholz..  22910  -  (  -  -  7362)
Katechu.  ..  10298  -  (  -  -  4400)
Baumwolle  28479  Ballen  (  -  .  10837)
In  allen  dieseil  Gegenständen  war  1878
die  Ausfuhr  erheblich  höher  gewesen.  An
dem  Hallpterport  von  Reis  nahm  Deutschland ­
  mit  41,244  Ton.  in  33  Segelschiffen
und  1  Dampfer  teil.  Die  Einfuhr  besteht ­
  vornehmlich  in  Baumwoll-  unb  Seide,lwaren, ­
  wobei  Deutschland  in  nicht  unbedeutendem ­
  Maß  partizipiert.  R.  ist
durch  den  Telegraphen  mit  Kalkutta  verbunden. ­
  1879  verkehrten  hier  34  deutsche
Schiffe,  darunter  1  Dampfer  der  Flensburger ­
  Dampf  schisfahrtsgesellschaft.  —  Platzgebräuche.
  Man  verkauft  Weizen  und
Reis  für  100  Körbe,  den  letztem  auch  für
112  engl.  Pfd.,  Baumwolle  für  daö  eugufche
  Pfund,  Katechu  und  viele  andre
ßt  100  9#  (l,c  kg),  Senf#;
nu -  das  Ton;  Landesprodukte  gegen  bar,
l-mfuhrwaren  ciuf  4  Concite  Kredit.

Raumo,  Hafenstadt  im  russ.  Großfürstentum ­
  Finnland,  am  Bottnischen  Mecrbttseu;
  (1875)  3305  Einw.  Deutsche  Kousularageutur;
  Nord.  Aktienbanken.  Einfuhr ­
  1879:424,554  (deutsch  237,123)Mk.;
Ausfuhr,  meist  Holz,  458,222  (deutsch
270,350)  Mk.  Aus  deutschen  Häfen  liefen ­
  75  Schiffe  von  11,812  Ton.  ein.
Rertfe,  s.  Pernambuco.
Regensburg,  Hauptstadt  des  bahr.  Regierungsbezirks ­
  Oberpfalz  und  R.,  rechts
an  der  Donau,  dem  Einfluß  des  Neacu
gegenüber,  an  der  Bayrischen  Staatsbahn;
Station  der  Donandampffchifsahrtsgesellschaft;
  (1880)  34,360  Einw.  Handelskammer ­
  ;  Hauptzollamt;Neichöbanknebenstelle,
  Königliche  Filialbauk,  Agentur  der
Bayrischen  Notenbank.  —  Die  Industrie
ist  durch  eine  Anzahl  verschiedener  Zweige
vertreten.  Der  Handel  (Spcditions-  und
Transithandel)  ist  sehr  lebhaft,  vertreibt  besonders ­
  Getreide  und  wird  außer  den  Eisenbahnen ­
  gefördert  durch  DampfschifsSverbiudung
  liber  Passan  und  Linz  mit  Wien,
auch  durch  den  Donau-Main-Kanal,  der
unweit  R.  beiKelheim  in  dieDouau  mündet. ­
  Auf  den  Eisenbahnen  wurden  1878
abgefertigt  150,721  Ton.  Güter.
.  Reggio  (spr.  re'ddscho),  1)  Hauptstadt  der
ital.  Provinz  R.  nell'  Emilia,  amTasfonekanal,
  einer  Abzweigung  des  Naviglio  di
R.,  u.  der  Eisenbahn  Alessandria-Ancona;
(1878)  50,550  Einw.  Ressort  des  deutschen
Konsuls  in  Bologna;  Sparkasse(Einlagen
8  Mill.  Mk.).  Ansehnlicher  Handel  mit
Seide,  Wein,  Reis,  Flachs,  Hanfleinwand
und  Holz,  besonders  Schiffbauholz.
2)  Hauptstadt  der  ital.  Provinz  R.  di
Calabria,  an  der  Meerenge  von  Messina
und  der  Eisenbahn  von  R.  nach  Eatanzaro;
  (1878)  37,598  Einw.  Deutsches  Bicekoufulat
  (Amtsbezirk:  die  Küste  voit  Palmi
bis  Catanzaro);  Handelskammer,  Handelstribunal;
  Zollamt.  Fabrikation  von
Essenzen  (aus  Citronenschalen  und  Bergamotten), ­
  diversen  Artikeln  ans  dem  Barte
der  Steckmuschel  (Handschuhe,  Mützen,
Schuhwaren)  u.  a.  Ausgeführt  werden:
Olivenöl,  Flechtweidc,  getrocknete  Früchte
(1877:  3,397,414kg),  Gcibe,  %ei„;  ei»,
geführt:  Kolonialwaren,  Getreide,  Steinkohle,
  Eisen  rc.  ¿2,421,771  kg).
        <pb n="417" />
        409

Reichenberg  —  Reuß.

Reichenberg,  Stadt  in  Böhmen,  an  der
Neiße,  Knotenpunkt  der  drei  Bahnlinien
nach  Pardubitz,  Zittau  und  Görlitz;  (isso)
27,300  ein».  Handelskammer,  Handelsgericht; ­
  Hauptzollamt;  Filiale  derÖsterreich.-Nngar.
  Bank,  Neichcnberger  Bank,
Gegenseitiger  Vorschußvcrein.  —  R.  ist
der  Centralpunkt  der  nordböhmischenTuchindustrie,
  welche  durch  30  größere  und
400  kleinere  Unternehmungen  vertreten
ist,  die  bei  günstigem  Geschäftsgang  etwa
4500  Stühle  (nur  150  mechanische)  und
7000  Arbeiter  beschäftigen  und  meist  glatte
Stosse  (Tuch  und  Peruvienne,  jährlich
150,000  Stück  im  Wert  von  20  Milt.
Mk.)  erzeugen.  In  Verbindung  damit
Streichgarnspinnerei,  Färberei  und  Appretur ­
  von  Wollstoffen;  doch  sind  auch
andre  Industriezweige  :  Kammgarnspinnerei, ­
  Maschinenbau,  Fabrikation  von  Weberkämmen
  und  Kratzen,  stark  vertreten.
Reims  (Rheims,  spr.  riings),  Arrondissementshauptstadt ­
  im  franz.  Departe-Ulent
  Marne,  rechts  an  der  VcSle  und
dem  Kanal  von  der  Aisne  zur  Marne,
Knotenpunkt  von  fünf  Eisenbahnen  des
Eisenbahnnetzes  zwischen  Paris,  Brüssel,
Straßburg;  (1876)  80,098  Einw.  Handelskammer, ­
  Handelsgericht;  Filiale  der  Bank
don  Frankreich,  Société  generale,  Comptoir ­
  d'Escompte,  Warenbörse.—Unter  den
Industriezweigen  obenan  steht  die  sehr  bedeiltende
  Schaftvolliudustrie:  Merinos,
Shawls,  Flanelle,  feine  Tuchsorten  und
Nouveautees  in  Kleiderstoffen;  sie  beschäftigt ­
  ca.  260,000  Spindeln,  350  Kammmaschinen, ­
  6250  mechanische  und  5850
Handstühle  mit  9500  Arbeitern  (ohne  die
zu  Hanse  beschäftigten  Personen).  Der
Jahreswert  der  erzeugten  Waren  beträgt
68  Mill.  Mk.  Der  Handel  befaßt  sich  na-Mentlich
  mit  dem  Vertrieb  von  Wolle  und
den  Reimser  Schaswollartikcln  sowie  mit
dein  hier  präpariertet:  Champagnerweinen, ­
  für  welche  R.  den  Haupthandelsplatz
bildet  (jährlich  über  5  Mill.  Flaschen).
Remscheid,  Stadt  im  preuß.  Rcgielungsbezirk
  Düsseldorf,  bares)  Zweigbahn
Mittershausen-R.)  mit  der  Bergisch-MärkischenBabn
  verbunden;U880)  30,043
Einw.  Reichsbanknebcnstelle,  Volksbank
(eingetragene  Genossenschaft);  Hauptsitz

der  Fabrikation  von  Eisen-  lind  Stahlwaren, ­
  deren  zahlreiche  Artikel  (»Remscheider
  Waren«)  nach  Rtlßlaild,  Österreich, ­
  Frankreich,  England,  Spanien  aab
Amerika  exportiert  werden.
Retalhuleu,Stadtimcentralamerikan.
Freistaat  Guatemala,  am  Stillen  Ocean.
Deutsches  Vicekonsnlat  für  die  Departements ­
  R.  aab  Quetzaltenango.  Hafen  ist
Champerico,  aus  dein  1878—79  durch  die
Dampfer  der  Pacific  Mail  Steamship
Co.  10,2  Mill.  Psd.  Kaffee  ausgeführt
wurden,  davon  nach  Deutschland  2,7  Mill.
Psd.  ;  die  Einfuhr  wertete  764,400  Mk.
Rctimo,  Hafenplatz  auf  der  türk.  Insel
Kandia,  Station  der  Dampferlinien:  Nederlandsche
  Stoomboot  Maatschappij  und
Österreichisch-Ungarischer  Lloyd.
Reunion  (spr.  nünjongh,  früher  Bourbon), ­
  den  Franzosen  gehörige  Insel  im
Indischen  Ocean,  1330  km  von  der  Ostküste ­
  Afrikas;  1979  qkm  (35,95  QM.)
mit  (1877)  182,130  Einw.,  davon  123,216
Farbige  (importierte  Kulis).  Zuckcrplantagen
  nahmen  1877:  39,613  ha  der  gesamten ­
  Kulturfläche  (70,415  ha)  ein,  davoii
  Saite  1877—78  :  807,680,  1878—
1879:  660,000  Ctr.  ;  ferner  baut  man
Kaffee,  Tabak,  Kakao  u.  a.  Der  Verkehr
geht  besonders  nach  Frankreich.  1877
liefen  ein:  215  Schisse,  aus:  220  Schiffe;
Einfuhr:  18,6  Mill.,  Ausfuhr:  24,9  Mill.
Mk.  Hauptort  ist  St.  Denis  auf  der
Nordwestküste  mit  23,000Einw.  —  Wechselkurse ­
  notiert  man  auf  Paris  und  Marseille. ­
  Geld  läuft  aus  allen  Ländern  um;
Maße  und  Gewichte  sind  die  metrischen.
Neuß,  zwei  souveräne  deutsche  Fürstentümer: ­
  R.  ältere  Lini  e  (N.-Greiz)  und
N.  jüngere  Linie  (N.-Schleiz-Gera),
auö  zwei  getveiuitcn  Teilen  bestehend:
einem  nördlichen  (Unterland)  und  einem
größer»  südlichen  (Oberland),  mit  einem
Flächeninhalt  von  1146  qkm  (20,8  OM.)
mit  (1880)  152,047  Einw.,  wovon  auf  die
ältere  Linie  316  qkm  (5,7  OM.)  mit
50,782  Einw.,  auf  die  jüngere  Linie  829
qkm(15,i  OM.)  mit  101,265  Einw.  kommen. ­
  Die  Bevölkerung  ist  fast  durchweg
protestantisch;  1871  lebten  in  R.  ältere
Linie  nur  150  Katholiken  und  19  Juden,
in  N.  jüngere  Linie  nur  187  Katholiken
        <pb n="418" />
        410

Reutlingen  —  Rhein.

und  34Jnden.—Produktiv  II.  Voll  dom
Areal  sind  40,5,  resp.  39  Proz.  Äcker  und
Garten,  18,8,  resp.  19,9  Proz.  Wiesen  und
Reiben,  37,7,  #.  22,8  %koa.  ßorftimib.
Gebaut  werden  vornehmlich:  Roggen,  Hafer, ­
  Gerste,  Kartoffeln,  Weizen.  Die  Vichzilcht,
  namentlich  Viehmästung,  ist  bedeutend; ­
  einWollmarkt  wird  9.  Jllni  zu  Gera
abgehalten.  Von  den  Waldilngen  sind  in
R.  ältere  Linie  50  Proz.  im  Besitz  dcö
Staats,  in  R.  jüngere  Linie  48  Proz.  im
Besitz  des  Fürsten.  Bcrgbait  wird  nur
in  R.  jüngere  Linie  getrieben,  und  zwar
gewinnt  man  etwas  Braunkohlen,  Eisenund
  Kupfererze  sowie  Kochsalz  (Heinrichshall). ­
  Von  Industrien  sind  bedeutend: ­
  die  Wollwarenindustrie  in  Greiz,  die
Strnmpfwarenindustrie  in  Zeulenroda,
die  Fabrikation  von  Kanrinwollwaren  ill
Gera  u.  a.  Wichtigste  Handelsartikel  sind
in  der  Einfuhr:  Kohlen,  Wollgaril,
Kolonialwaren,  Getreide;  in  der  Ausfuhr: ­
  Webstoffe,  gewirkte  Waren,  Holz,
Rindvieh,  Butter.  —  Staatshaushalt ­
  ö  e  t  a  t.  1)  A  l  t  e  r  e  L  i  n  i  e.  Für  1880,
1881,1882  betragen  Einnahmen  ilnd  Ausgaben ­
  586,754,  resp.577,153  nnd581,372
Mk.  Hauptposten  bei  den  Einnahmen  sind
direkte  Steuern  (290,978  Mk.),  bei  den
Ausgaben  Matriknlarbeiträge  (1881  —
1882:  95,823  Mk.).  Verzinsliche  Staatsschuld ­
  1880:  906,300  Mk.,  unverzinsliche ­
  118,995  Mk.,  zusammen  1,025,295
Mk.  —  2)  Jüngere  Linie.  Für  die
Finanzperiode  1881—83  ist  die  Feststellung ­
  bisher  nicht  erfolgt;  für  1878—80
ist  jedes  Jahr  mit  einer  Einnahme  von
1,117,146  Mk.  lind  einer  Allsgabe  von
1,115,168  Mk.  angesetzt.  Matríknlarbeitrag
  1881—82:188,405  Mk.  Verzinsliche
Staatsschuld  1880:1,040,550  Mk.,  unverzinsliche ­
  (Vorschub  ans  der  Reichskasse)
319,452  m.,  ankamen  1,359,982  9)1!.
—  Kreditwesen.  Banken  bestehen  in
Gera:  Gemer  Bank  (Kapital:  6,600,000
Mk.),  Gemer  Handelsbank  (2,066,300
Mk.);  auch  eine  Reichsbankstclle.
Reutlingen,  Hauptstadt  des  Württemberg. ­
  Schwarzwaldkrcises,  ail  der  Eiseilbahn ­
  vonPlochingen  nachVillingen;  (i880)
)",615  Eiilw.  Handels-  uild  Gewerberanlmer;
  Hanptsteueramt;  Reichsbanknebenstellc.

  Ansehnliche  iildustrielle  Thätigkeit ­
  in  Baumwollspinnerei  und  -Weberei, ­
  Fabrikation  von  Tuch,  Spitzcil,  Borten ­
  K.  und  Handel  mit  den  Fabrikaten
und  mit  Naturprodukten.
Reval,Haupt-  und  Hafenstadt  deö  russ.
Gouvernements  Esthland,  am  Finnischen
Mecrbnseil  und  der  Eisenbahil  Petersburg-R.; ­
  Station  der  Dampferliilicn:
Hanseatische  Dampfschiffgesellschaft  (Lübeck), ­
  Neue  Dampferkompanie  (Stettin),
R.  Slomail  .jun.  (Hamburg),  St.  Petersburger ­
  Dampfs  chi  ffgescll  schaft,  Nederlandsche
  Stoomboot  Biaatschappij;  (i8?0
31,269  Einw.  (32  Proz.Deutsche).  Deutsches ­
  Konsulat  (Amtsbezirk:  Gouvernement ­
  Esthland  mit  Allsnahnre  von  Kräin-Holm);
  Abteilung  der  Staatsbank;  Kompanie ­
  llladeshda.  —  Bedeutender  Exporthafen ­
  fürGctrcide,  Flachs,  Hede,  Spiritus,
welche  Artikel  von  Revaler  Kaufleuten
auf  eigne  Rechnung  ausgeführt  werden.
Ein-  nub  Ausfuhr  sind  in  beständigem
Wachsen  (znmTeil  aniKostcn  derpreußischen
  Ostseehäfen);  1879  betrug  die  Einfuhr ­
  402,5  Mill.,  die  Ausfuhr  84,8  Milt.
Mk.,dieZotteinnahme  17,6  Mill.  Mk.  Von
der  Einfuhr  entfielen  ails  Baumwolle  113,3
Mill.,  Garne  63  Mill.Maschinen  49  Mill.,
Rohmetalle  25,6  Mill.  Mk.,  demnächst
Mannfakte  aller  Art,  chenlische  Produkte,
Wachs,  Gummi,  Harz,  Leder  und  Rauchwaren, ­
  Kolonialwaren  rc.;  Hauptposten
der  Ausfuhr:  Roggen  37,i  Mill.,  Hafer
11  Mill.,  Flachs  6,4  Mill.,  Leinsamen  5,i
Mill.  Mk.,  dann  Hede,  Grütze,  Sprit,
Roßhaar,  Borsten,  Weizen  (1879:  1,6,
aber  1878:13,s  9RÌ6.  9)».),  lawuerf  )c.
Deutschland  ist  am  Handel  in  erster  Linie
beteiligt.  Im  Schiffsverkehr  liefen  1879
ein:  857Schisse  von208,862Ton.,  davon
547  Dampfer  von  168,769  T.;  ans:  877
Schiffevon  208,186  T.,  davon  566  Dampfer ­
  von  167,992  T.  Unter  den  eingelaufenen ­
  waren  193  deutsche  (141  Dampfer)
von  37,494  T.  Die  Schiffahrt  ist  im  Winter
oft  wochenlang  durch  Eis  gehindert,  doch  soll
dieselbe  künftig  durch  eigens  dazn  erbaute
Dampfeisbrecher  offen  gehalten  werden.
Rheims,  s.  Reims.
Rhein,  der  ansehnlichste  Fluß  Deutschlands ­
  und  in  merkantiler  Beziehung  der
        <pb n="419" />
        411

Rhone.

wichtigste  Strom  Europas,  vou  der  Quelle
bis  zur  Mündung  1000  km  lang,  wovon
auf  Deutschland  694,6km  kommen.  Schiffbar ­
  für  Kähne  wird  der  R.  schon  bei  Chur;
alle  Schiffahrt  wird  aber  durch  den  Rheinfall ­
  bei  Schaffhansen  unterbrochen  nub  ist
bei  dem  Kleinen  Laufen  nur  zur  Zeit  niedrigen ­
  Wasserstands  möglich;  den  Höllenhaken ­
  oberhalb  Rheinfelden  müssen  Schiffe
mit  größter  Vorsicht  passieren.  Später
stehen  der  Schiffahrt  keine  Hindernisse  im
Weg;  die  früher  alö  gefährlich  geltenden
Stellen:  Bingerloch,  Wilde  Gefährt  (zwischen ­
  Bacharach  und  Kaub)  und  die  Bank

(bei  Goar)  sind  durch  Sprengungen  ihres
den  Verkehr  hindernden  Charakters  beraubt ­
  worden.  Für  Verbesserungen  aller
Art  wurden  187o  von  den  einzelnen  Uferstaaten
  4,334,284  Ark.  verausgabt  und
zwar  von  Baden  748,424,  Elsaß-Lothringen ­
  963,840,  Bayern  381,170,  Hessen ­
  121,442,  Preußen  1,090,779  und  den
Niederlanden  1,028,629  Mk.  Die  Tiefe  dcü
Rheinsbeträgt  im  normalen  Zustand  indcr
oberrheinischen  Tiefebene  1,5—6,  zwischen
Mainz  und  Köln  4—5,  bei  Düsseldorf  sogar ­
  16  m.  Das  ganze  deutsche  Rheingebiet ­
  ist  für  die  Schiffahrt  nutzbar  wie  folgt:

Bezeichnung  der  Wasserstraße

chlsfbarc

Strecke

Rhein  (von  Konstanz  bis  Bimmen)  .  .
Rechtsseitige  Nebenflüsse  (Neckar,  Main-Linksseitige
  'Nebenflüsse  (III.  Mosel).  .
Elsaß-Lothringische  Kanäle
Nhcingebiet:
Rheinhäfen  sind  im  Deutschen  Reich:
Kehl,  Maran,  Leopoldshafen,  Germersheim, ­
  Speier,  Mannheim,  Ludwigshafen,
Worms,  Rosengarten,  Gernsheim,  Gustavsburg, ­
  Mainz,  Biebrich.  Schierstein,
Bingen,  Oberlahnstein,  Koblenz,  Köln,
Neuß,  Düsseldorf,  Hochfeld,  Duisburg,
Ruhrort,  Wesel;  in  den  Niederlanden:
Arnheim,  Utrecht,  Amsterdam,  Nimwegen, ­
  Tiel,  Bommel,  Dordrecht  und
Rotterdam.  Die  Mehrzahl  derselben  sind
zugleich  Winterhäfen.  Die  Schiffahrt  hat
sich  seit  der  Aufhebung  sämtlicher  Abgaben ­
  auf  dem  R.  sehr  bedeutend  gehoben.
Am  23.  Juli  1868  trat  auf  Anregung
Preußens  die  RheinschiffahrtS-Ceñir ­
  alkvm  mission  in  Mannheim  zusammen, ­
  und  17.  Okt.  1868  wurde  von
den  Bevollmächtigten  der  Uferstaaten  eine
Akte  unterzeichnet,  nach  welcher  die  Schifffahrt ­
  auf  dem  R.  und  seinen  Nebenflüssen ­
  von  Basel  bis  ins  offene  Meer,
aufwärts  wie  abwärts,  den  Fahrzeugen
aller  Nationen  gestattet  ist.  Die  Mitglieder ­
  dieser  Kommission  sind  Bevollmächtigte ­
  von  Baden,  Bayern,  Elsaß-Lothringen, ­
  Hesse»,  Niederlande,  Preußen.  Der

Davon  befahrbar  mit  Tiefgang  von

1,8  m  Im  0,75  m

unter
0,75  m

In  Kilometern

004.6
1107,o
617.7
370,5

2780,8

436,1
5,2
20,2
63,8

534,8

62,7
387,3
312,8
306,7

1060,0

68,7
804.6
101,4

474,7

127,1
400,6
174,8

711,8

Verkehr  auf  dem  R.  ist  fortwährend,  im
3#  1878  geme»  1877  »m  13,870,425
Ctr.  und,  wenn  der  Verkehr  der  unmittelbar ­
  am  R.  bei  Duisburg  gelegenen  Fabriken ­
  für  1878  mit  einbegriffen  wird,  sogar
um  17  Mill.  Ctr.,  gestiegen,  d.  h.  beträgt  ca.
168  Mill.  Ctr.  Der  Verkehr  aus  Deutschland ­
  nach  den  Niederlanden  und  Belgien
bezifferte  sich  1878  auf  40,354,831  Ctr.
und  umgekehrt  22,739,634  Ctr.  Auf  dem
N.verkehrten  1880:2820Segelschiffe  und
Schleppkähne,  davon  1305  deutsche  mit
einer  Tragfähigkeit  von  5,993,504  Ctr.,
1425  niederländische  (4,371,054  Ctr.),
74  belgische  (245,809  Ctr.).  10  englische
(19,190  Ctr.),zusammen  10,642,555Ctrg
außerdem  294  Dampfschiffe  (155  deutsche,
112  niederländische,  27  belgische).  Der
Gesamtverkehr  einschließlich  der  Flöße  betrug ­
  1878:  in  deutschen  Häfen  98,316,814
Ctr.,  in  niederländischen  66,550,936  Ctr.,
an  der  preußisch-niederländischen  Grenze
63,094,475  Ctr.  und  in  den  Häfen  zu
Mannheim  19,154,145  Ctr.  über  den  N.-Nhönekanal
  s.  Rhöne.
Rhône,  Fluß  in  der  Schweiz  und  Frankreich, ­
  812krnlang,  entspringt  im  schweizer.
        <pb n="420" />
        412

Ride
Kanton  Wallis  und  fällt,  ein  großes  Delta
bildend,  unterhalb  Arles  in  mehreren  Armen ­
  ins  Mittelmeer.  Die  Schiffahrt  auf
dem  N.ist  auch  mit  Dampfschiffen  sehr  gefährlich, ­
  da  der  Fluß  einen  sehr  reißenden
Lauf  hat,  auch  sein  Bett  oft  verändert
und  die  Mündungen  sehr  versandet  sind.
Indessen  sind  in  neuester  Zeit  die  Felsen,
über  die  und  zwischen  denen  der  Fluß  hindurchstürzt, ­
  größtenteils  gesprengt,  die
versandeten  Mündungen  durch  den  Kanal
von  Beaucaire  umgangen  und  so  der  ganze
Stromlauf  vom  Mal  pertniö  an  bis  ins
Mittelmeer  für  Segel-  und  Dampfschiffe
fahrbar  gemacht  worden.  Mit  dem  Rhein
ist  der  R.  durch  den  R.-Rheinkanal
verbunden.  Derselbe  ist  322  km  lang
und  1,6  m  tief,  hat  auf  der  Abdachung
nach  dem  R.  zu  bei  einem  Gefälle  von
172  m  70  Schleusen,  auf  der  Rheiuseite
bei  206  m  Gefälle  85  Schleusen  und  trägt
Schiffe  bis  140  Ton.  Ladung  (meist  Bauund
  Brennholz).  Er  beginnt  in  Frankreich ­
  bei  St.  Jean  de  Loöne  an  der  Saône
und  führt  über  Mülhausen  und  Neubreisach ­
  bei  Straßburg  in  die  III.  Unterhalb
  Mülhausen  trennt  sich  ein  Seitenkanal ­
  und  mündet  nach  28  km  langem ­
  Lauf  bei  Hüningen  in  den  Rhein.
Andre  Kanäle  sind:  der  ArleSkanal
auf  der  Ostseite  des  östlichen  Mündungsarms, ­
  welcher  in  den  Hafen  von  Bouc
führt;  der  Be  au  ca  ire  kan  al,  welcher
auf  der  Westseite  des  westlichen  Mündungsarms ­
  mit  dein  Bourgidoukanal  und
dem  Etang  kan  al,  durch  diesen  mit  dem
Languedockanal  (Eanal  bii  Midi)
und  durch  diesen  mit  der  Garonne  in  Verbindung ­
  steht.  Durch  den  Kanal  von
Burgund  ist  die  Seine,  durch  den  Can
  a  l  d  u  E  e  n  t  r  c  die  Loire  mit  dein  Rhönegebiet
  in  Verbindung  gesetzt.
Ribe,  Hauptstadt  bcë  gleichnamigen
dän.  Amtes  in  Südjütland,  3  km  von  der
Nordsee,  an  der  Dänisch-Jütländischeu
Bahn;  (i860)  3932  Einw.  Deutsche  Konsularagentur;
  Diskontobank.
Richmond  (spr.  rittschmond),  Hauptstadt
des  Nordamerika!!.  Staats  Virginia,  am
unken  Ufer  desJamesflusses,  Knotenpunkt
von  snuf  Eisenbahnen;  (1880)  63,803  Einw.
Deut,ches  Konsulat  für  Virginia;  Bank  of

—  Riga.
Virginia  und  andre  Banken;  Tabakbörse;
Zollamt.  —  Unter  den  Industrien  sind
vor  allen  wichtig:  die  Tabakfabrikatiou
(Kautabak),  Eisenwerke,  in  welchen  Maschinen ­
  und  Eisenbahiuvagen  gebaut  werden ­
  (in  den  Tredegarwerten  allein  3000
Menschen),  Kornmühlen,  Bauinwollfabriken
  rc.  Die  gewerbliche  Thätigkeit  wird
wesentlich  unterstützt  durch  die  reichen
Steinkohlen-  und  Eisenlager  der  Umgegend. ­
  —  Der  Hafen  der  Stadt  ist  sehr
gut,  Schiffe  bis  3  m  Tiefgang  können  zur
Stadt  gelangen.  1876  belief  sich  die
direkte  Ausfuhr  von  Tabak,  Mehl  rc.  auf
15'/2  Mill.  Mk.,  die  Einfuhr  auf  weniger ­
  als  1  Mill.  Mk.  1879  waren  Haupteinfuhrartikel ­
  :  Kaffee  (7100  Säcke)  und
Salz  aus  Liverpool,  Hauptausfuhrartikel
nach  Europa:  Tabak,  Weizenmehl  und
Petroleum.  Von  ersterm  wurden  1879
direkt  verschifft  31,681  Fässer  und  4593
Fässer  Stengel,  davon  nach  Bremen  1738
Fässer  Tabak  und  500Fässer  Stengel.  Ferner ­
  wurden  exportiert:  Petroleum,  Baumwolle, ­
  Reifen,  Eisenbahnschwellen  (nach
Deutschland),  Mais  rc.  Von  Weizenmehl
ging  nach  Südamerika  für  3,s  Mill.  Mk.
1879  verkehrten  hier  12  deutsche  Schiffe.
Riga,  Hauptstadt  des  russ.  Gouvernements ­
  Livland,  an  der  Düna,  11  km
von  ihrer  Mündung  in  den  Rigaer  Busen,und ­
  den  Bahnen  Dünabnrg-R.,  Rigabahn, ­
  Mitauer  Bahn;  Station  der  Dampserliuien:
  Livländische  DampfschiffahrtsgcseUschaft
  (Liibeck),  Perlb.  Dampfschiffreederei ­
  (Hamburg),  Stettin-Rigaer
Dampfschisfgesellschaft;  (1872)  102,590
Einw.  (jetzt  l  20—130,000),  davon  fast  die
Hälfte  Deutsche.  Deutsches  Gencralkonsulat(AmtSbezirk:Kurland
  undLivland);
Zollhaus;  Börse,  Kontor  der  Reichsbank,
Rigaer  Börsenbank,  Rigaer  Gesellschaft
für  gegenseitigen  Kredit,  Rigaer  Kommerzbank, ­
  Rigaer  Stadt-DiSkoiitobank.  —
Die  Industrie  ist  vertreten  durch  Wollund
  Baumwollmanufakturen,.  Fabriken
für  Tabak,  Korke,  Stärke  k.;  wichtiger
aber  ist  der  jetzt  sehr  auf  Kosten  der  preußischen ­
  Ostseehäfen  aufblühende  Handel.
Seeschiffe  können  auf  der  Düna  bis  zur
Schiffbrücke  gelangen,  hoch  liegt  der  Hafen ­
  bei  der  Festung  Dünamünde  an  der
        <pb n="421" />
        Riligkjöbing  —  Rio  de  Janeiro.

413

Mündung  des  Flusses.  Trotzdem  löschen
uiib  laden  aber  die  meisten  Schisse  an
den  neu  ausgebauten,  ausgedehnten  Kais
bei  R.  oder  in  dem  zu  diesem  Zweck  angelegten ­
  Vorhafen  bei  Mühlgraben,  etwa
alls  dem  halben  Weg  zwischen  R.  und
Dünamünde.  1879  liefen  2769  Schiffe  von
964,506  Ton.  (1325Dampfer  von  658,604
T.)  ein;  davon  waren  britische  533,  deutsche ­
  807,  russische  428.  Haupthandelsartikelwaren
  (in  Millionen):
Einfuhr  Ausfuhr

Steinkohle  145,7  Kilogr.
Schienen.  41,o  -
Eisen  .  .  74,o  -
Salz  .  .  19,5

Dîoggcu  .  3,o  Hektol.
Hafer  .  .  3,8
Flachs.  .  37.»  Kilogr.
Holz  .  .  97,7  Mark

ferner  bei  der  Einfnhr  :  Gußeisen,  Heringe,
Lokomotiven,  Wolle,  Petroleum,  Wein,
Soda,  Kaffee,  Baumwolle,  Korkholz,  Harz;
bei  dcrAusfuhr:Spiritus(1879:9,sMill.
Grad),  Hanf,  Lein-  und  Hanfsaat  re.  Die
Einfuhr  zur  See  belief  sich  1879  ans  99,5
Mill.,  die  Ausfuhr  auf  132,6  Mill.  Mk.
Auf  Deutschland  entfielen  1878  von  dem
Einfuhrwert  32,6  Mill.,  von  dem  Ausfuhrwert ­
  22,5  Mill.  Mk.
Ringkjöbing  (fpr.  -köbmg),  Hauptstadt
des  gleichnamigen  dän.  Amtes  in  Jütland,
an  der  Ostseite  des  Fjords  von  R.  und  der
Jütländischeu  Bahn;  (isso)  2035  Einw.
Deutsches  Konsulat  für  das  Amt  R.;
R.  Bank.  Fischerei  und  Dampfschiffahrt.
Rio  de  Janeiro  (gewöhnlich  kurz  R  i  o),
Hauptstadt  des  Kaisertums  Brasilien,  am
westlichen  Ufer  der  gleichnamigen  Bai  deö
Atlantischen  Oceans  und  den  Bahnen
R.-Santos,  R.-Petropolis;  Station  der
Dampferlinien  :  Hamburg  -  Südamerikanische ­
  Dampfschiffahrtsgesellschaft,  Norddeutscher ­
  Lloyd,  Belgian  Royal  Mail
Comp.,  Lavarello  u.  Komp.  (Genua),  Lamport ­
  and  Holt,  Pacific  Steam  Navigation
Co.(Liverpool),  Royal  Mail  Steam  Packet
Co.,  Rocco  Piaggio  (Genua),  Société
generale  de  transports  maritimes,  United ­
  States  aud  Brazil  Steamship  Co.
(New  Bork),  Société  Chargeurs  réunis
(Havre);  (is72)  228,743,  mit  den  Vorstädten ­
  274,972  Einw.  Deutsches  Konsulat ­
  (Amtsbezirk:  die  Hauptstadt  und
die  Provinzen  R.,  Minas  GeraeS  und
Espirito  Santo);  Münze;  Börse,  Bank  os

Brazil,  Commercial  Bank  of  R.,  English
Bank  of  R.,  New  London  and  Brazil
Bank.—Die  I  n  d  u  st  r  i  c  umfaßt  namentlich ­
  :  Zuckersiederei,  Branntweinbrennerei,
Tabak-  und  Cigarrenfabrikation,  Baumwollmanufakturrc.—Der
  Handel  wird
großenteils  durch  hier  etablierte  englische,
deutsche  und  französische  Handelshäuser
betrieben.  R.  ist  Hauptstapelplatz  Brasiliens ­
  wie  der  gesamten  Ostküste  Südamerikas. ­
  Ein  Trockendock  zur  Reparaturgroßer
  Schisse  befindet  sich  auf  der  Jlha
das  Cobras,  andre  in  den  Buchten  von
Saüde  und  Samböa.  1879  liefen  2941
Schisse  von  1,465,606  Ton.  ein,  2954
von  1,660,905  T.  aus;  1880  kamen  194
deutsche  Schiffe  au,  und  189  liefen  aus.
Die  Ausfuhr  besteht  in  Kaffee  (1879
das  höchste  Quantum:  3,535,183  Säcke
zu  60  kg),  Zucker  (62,527  Säcke),  Tabak
(1,309,864  kg).  Von  Zuckerbranntwcin
wurden  18,300  Pipen  ein-  und  1935  Pipen ­
  ausgeführt.  Andre  Erportartikel  sind:
Hörner,  Häute,  Tapioka  (8521  Fässer),
Jacarandaholz  (10,752  Blöcke);  weiche
Bauhölzer  werden  auch  in  steigendem
Maß  eingeführt.  Die  Einfuhr  besteht
namentlich  in  Weizenmehl(1879:406,506
Fässer,  meist  aus  Nordamerika,  aber  auch
aus  Triest  und  Genua),  Steinkohle
(195,930  T.,  davon  192,151  aus  England, ­
  2617  auö  Deutschland),  Butter  aus
Frankreich,  Weinen,  Cement,  Petroleum,
Geweben  (davon  44,848  baumwollene,
8398  wollene,  IMI  Ballen  Leinen),  in  gedörrtem ­
  Fleisch  (vom  La  Plata  und  Rio
Grande),  Eisen-  und  Kurzwaren  rc.
Platzgebräu  che.  Mau  verkauft
Kaffee,  Zucker,  Baumwolle  für  15  kg,
Reis  für  60  kg,  Salz  für  40  Lit.,  amerikanisches ­
  und  Tricstcr  Mehl  für  das  Faß,
Jacarandaholz  für  das  Dutzend  Blöcke,
Bordeaurwciu  in  Kisten,  Bier  für  das
Dutzend  Flaschen,  Spiritus  für  das  englische ­
  Gallon;  Landeöerzeugnissc  gegen  bar.
von  Einfuhrwaren:  Manufakte  auf  12
Monate,  Proviant  gegen  Wechsel  auf  6—
8  Monate  oder30  Tage.  Wechselkurse
notiert  mau  auf  Hamburg  und  Bremen
90  Tage  nach  und  auf  Sicht,  auf  London,
Paris,  Havre,  Marseille,  Antwerpen,
Lissabon,  Porto  90  u.  60  Tage  nach  Sicht.
        <pb n="422" />
        414

Nio  be  la  Plata,  Vereinigte  Staaten  des  —  Rom.

Rio  de  la  Plata,  Vereinigte  Staaten ­
  des,  s.  Argentinische  Republik.
Rio  Grande  do  Sul,  Haupthafen  de:
gleichnamigen  brasil.  Provinz,  am  Nio
Grande,  unweit  seiner  Mündung  in  den
Atlantischen  Ocean,  und  an  der  Eisenbahn
San  Pedro;  Station  der  Hambnrg-Südamerikan.
  Dampfschiffahrtsges.,des  Norddeutschen ­
  Lloyd,  Lamport  and  Holt;  ca
19,000  Einw.  (viele  Deutsche).  Deutsches
Konsulat  (Amtsbezirk:  die  Comarcas  von
R.,  Piratiny  und  Vage  in  der  Provinz
R.);  New  London  and  Brazil  Bank.  Du
Einfuhr  besteht  in:  Mehl,  Salz,  Steinkohle, ­
  Wein,  Spirituosen,  Baumwollwa
reu,  Schuhwerk  rc.  (Zolleinnahme  1879
4,8  Mill.  Mk.);  die  Ausfuhr  in:  Häuten
Haar,  Wolle,  Tabak,  Maniokmehl,  Fett
Perba  mats,  gedörrtem  Fleisch.  1870  klarierten ­
  588  Schiffe  (40  deutsche)  ein.
Rjäsan,  Hauptstadt  des  gleichnamiger
rnss.  Gouvernements,  am  schiffbaren  Trubasch, ­
  2  km  von  dessen  Mündung  in  du
Oka,  und  an  der  Bahnlinie  Moskau-Kos
low;  «  19,990  Einw.  Ressort  bei
deutschen  Konsuls  in  Moskau;  Abteiluiw
der  Staatsbank,Stadtbank,  Rjäsaner  Ha,u
dclsbank;  Agentur  der  Transportgesellschaft ­
  Nadeshda.  Der  sehr  lebhafte  Handel ­
  befördert  Getreide  und  Vieh  (nach  Moskau), ­
  dann  Leinsaat,  Salz  und  Holz.
Rochefort  (».  röschföhr),  Arrondissementöhauptstadt
  im  franz.  Departement
Charente-Inferieure,  an  der  Charente,
15  km  von  deren  Mündung  in  den  Atlantischen ­
  Ocean,  und  an  der  Eisenbahn
von  Nantes  nach  Bordeaux;  (ib7g)  25,454
Einw.  Deutsches  Konsulat;  Handelskammer, ­
  Handelsgericht.  Der  Hafen  ist  Schiffen ­
  von  jedem  Tonnengchalt  zugänglich
und  besteht  aus  dem  Kriegshafen  und
dem  Handelshafen  mit  zwei  Bassins.  Der
7  km  aufwärts  gelegene  und  zu  R.  gehörige ­
  Hafen  von  Tonnay-Charente  1st
für  Schisse  von  000  Ton.  zugänglich.  Aus
beiden  Häfen  liefen  1875  aus:  bei  der  internationalen ­
  Schiffahrt  282  Schisse  mit
78,951  T.  (vornehmlich  nach  England),
SPSS'S;»

Salz,  Getreide,  Mehl,  Kohlen,  Bauholz,
Pferde,  Rindvieh,  gesalzene  Fische  und
Kolonialwaren.
Rochelle,  La  (spr.  röschal),  stark  befestigte
Hauptstadt  des  franz.  Departements  Charente-Jnfêrieure,
  am  Atlantischen  Ocean,
der  Insel  Re  gegenüber,  an  der  Bahn  von
Nantes  nach  Bordeaux;  (i87c)  19,080
Einw.  Deutsches  Konsulat;  Börse,  Filiale ­
  der  Bank  von  Frankreich.  1875  liefen
ein:  238  Schiffe  langer  Fahrt  mit  34,005
Ton.,  3526  Küstenfahrer  mit  108,481  T.
(1880:  5  deutsche  Schiffe  ein  und  auö).
Vom  Stocksischfang  brachten  26  Schiffe
2871  T.  von  2,0  79,849  kg  frischen:  und
64,199  kg  getrocknetem  Stockfisch  ein.
Rochester  (spr.  röttschest'r),  Stadt  in  der
engl.  Grafschaft  Kent,  am  schifsbaren
Medway  und  der  London-Chatham-  und
Dover-Eisenbahn;  (i87i)  18,352  Einw.
Deutsches  Vicekonsulat;  London  and
County  Bank,  London  and  Provincial
Bank.  Zum  Hafen  gehören  843  Schisse
voit  36,880  Ton.  Die  Einfuhr  wertete
0  Mill.,  die  Ausfuhr  8  Mill.  Mk.  1879
verkehrten  hier  37  deutsche  Schiffe.
Rodosto,  Hafenstadt  im  türk.  Wilajet
Adrianopel,  am  Marmarameer,  Station
der  Dampferlinien  :  Comp.  Fraissinet  (Genua) ­
  und  Messageries  maritimes;  ca.
17,000  Einw.  Deutsche  Konsularagentur;
  Weinhandel.
Rom,  Haupt-  und  Residenzstadt  des
Königreichs  Italien,  am  Tiber,  etwa  39
km  von  seiner  Mündung  ins  Tyrrhenische
Meer,  und  durch  Eisenbahnen  mit  Florenz,
Livorno.  Ancona  und  Neapel  verbunden;
(i860)  303,383  Einw.  Deutsches  Konsulat
(Amtsbezirk:  siidlich  bis  Frosinone,  östlich
bis  znm  Sabiner-  und  Albanergebirge  und
nördlich  bis  Orvieto);  Handelskammer,
Handelsgericht;  Börse,  Nationalbank,
Banca  Romana.  —  Industrie  und  Handel
sind  nicht  von  großem  Belang.  Eingeführt ­
  werden  namentlich:  Kolonialwaren,
gesalzene  und  getrocknete  Fische,  Manufaktnrwaren,
  Wein,  getrocknete  Trauben,
Orangen,  Feigen,  Marmor  und  Farbhölzer,anch
  Getreide;  ausgeführt  werden:
Haute,  Lammfelle,  Lumpen,  Pottasche,
Weinstein,  Getreide  und  als  Ballast  die
vortreffliche  Puzzolanerde  aus  der  Um-
        <pb n="423" />
        Rosario  —  Rotterdam.

415

gegend.  —  Die  Schulde»  der  Stadt  R.  be-#,^fi(#l.^c3.187Gauf33,957,9ü2^f.

—  Platzgebrauche.  Man  verkauft  Einfuhrwaren ­
  gegen  bar(4—6Proz.  Diskont),
häufiger  auf  6—7  Monate  Kredit  gegen
Accept.  Wechselkurse  notiert  mau  auf
Paris,  Marseille,  Lyon,  London,  Augsburg, ­
  Wien,  Triest  90  Tage  dato.
Rosario,  Hafenstadt  tut  Staat  Santa
Fe  der  Argentinischen  Republik,  am  Paraná ­
  und  der  Bahn  Buenos  Ayres-Cordova; ­
  Station  der  Dampferlinien:  Norddeutscher ­
  Lloyd,  Lamport  and  Holt,  Messageries ­
  maritimes,  Pacific  Steam  Navig.
Co.:  (i860)  28,523  Einw.  DeutschesKonsulat ­
  für  dieProvinzSantaFê;  BancoProbincial
  Suce.,  London  and  River  Plate
Bank.  1879  liefen  22  deutsche  Schiffe  ein.
Rostock,  größte  Stadt  und  wichtigster
Handelsplatz  Mecklenburgs,  am  linken
llfer  der  Warnow,  die  sich  hier  sehr  erweitert ­
  und  12  km  nördlich  in  die  Ostsee
mündet,  und  an  der  Mecklenburgischen
Friedrich  -  Franz  -  Eiscllbahil  (Hagenow  -
Schwerin  -R.);  (mo)  43,422  Einw.
Hauptsteueramt;  Reichsbanknebenstelle,
Rostocker  Bank,  Rostockcr  Gewerbebank,
Börse  und  Börseuvereiu,  Mecklenburgischer ­
  Handelsverein,  Kaufmannskompanie ­
  (eine  kaufmännische  Korporation  für
den  gesamten  Rostockcr  Haudclsstand),
Gewandschneider-  (Tuchhändler-)  Kompanie, ­
  Krämerkompanie.  —  Die  Industrie ­
  ist  bedeutend  und  durch  eine  große
Anzahl  verschiedener  Fabriken  vertreten.
Wichtiger  ist  R.  durch  Schiffahrt  und
Handel.  1879  liefen  hier  beladene
Schiffe  ein:  639  von  58,440  Ton.,  aus:
21  t  von  23,803  T.  ;  dazu  in  Ballast  oder
leer  eingelaufen:  36  Schiffe  von  6490
T.,  ausgelaufen:  446  von  43,884  T.  Die
eigne  Flotte  der  Stadt  war  1880:  346
Schiffe  (10  Dampfer)  mit  103,735  T.,
somit  besitzt  R.  in  der  Ostsee  die  größte
Handelsflotte.  Für  den  Gctreidehandcl  ist
R.  einer  der  wichtigsten  Plätze  «n  der  Ostsee. ­
  Gegenstände  der  Ausfuhr  sind:  Getreide, ­
  Wolle,  Flachs,  Fleisch  rc.,  während ­
  vorzüglich  Kolonial-  und  Eiseuwaren,
Wein,  Steinkohlen,  Petroleum,  Holz,  Heringe ­
  eingeführt  werden.  Ende  Juni  jedes
Jahrs  hält  die  Wollniederlage  eine  Art

Wollmarkt  (zwei  Tage);  auch  eine  jährliche ­
  Messe  und  ein  Viehmarkt  werden  gehalten. ­
  Im  Januar  und  Juni  jedes  Jahrs,
im  sogen.  Automi-  und  JohanniStcrmin,
wird  der  hauptsächlichste  Geldverkchr  des
ganzen  Landes  in  R.  vermittelt.
Rostow,  Kreis-  und  Hafenstadt  im
russ.  Gouvernement  Jekaterinoslaw,  am
Don,  Knotenpunkt  des  Landverkehrs  im
O.  Reurußlands,  den  einerseits  die  Bahnen ­
  nach  Taganrog-Slawiansk-Charkow
und  Woronesh,  anderseits  die  nach  Wladikawkas
  im  Verein  mit  der  großen  Handelsstraße ­
  nach  den  Wolgamündnngen
vermitteln;  (mo)  44,453  Einw.  Deutsches ­
  Konsulat;  Zollamt;  Filiale  der
Staatsbank,  Städtische  ».  Kommerzbank,
Kreditverein  auf  Gegenseitigkeit,  Kreditverein
  der  Handlungsdiener:  Filiale  der
Transportgesellschaft  Nadeshda.  Wegen
der  geringen  Tiefe  des  Don,  welcher  einen
natürlichen  Hafen  bildet,  müssen  sämtliche ­
  Ausfuhrwaren  entweder  in  Lichtern
(1879:  1644)  oder  per  Bahn  nach  Taganrog ­
  geführt  werden.  Die  Küsten-und
Flußschiffahrt  zahlte  2838  Ankünfte  gegen
2223  Abfahrten.  Die  hauptsächlichsten
Einfuhrwaren  waren  1879:  Holz  (10,9
Mill.),  Eisen  (9,6  Mill.),  Eisen  und  Ku-ÜCMcratc
  (5,c  3)üK.),  laW  (8  %RUf.),
Manufakturwaren  (11,8  Mill.),  Wolle
(16  Mill.),  Talg  (5,i  Mill.Mk.).  Ausgeführt ­
  wird  in  erster  Linie  Getreide  (1879  :
24  Mill.kss),  ferner:  Lein-,Öl-  und  Hanfsamen, ­
  Wolle,  Butter,  Rindertalg  u.  a.
Rotterdam,  Bezirkshauptstadt  in  der
niederländ.  Provinz  Südholland,  an  der
Maas,  18  km  von  deren  Mündung  in
dieNordsee,  Knotenpunkt  derNiederländ.-Rhein.Bahn,
  der  Ricdcrländ.Staatsbahn
und  der  Holländ.  Bahn.  Station  der  Dampferlinien ­
  :  PerlbergerDampfschiffreedcrei
(Hamburg),  Great  Eastern  Railway  Co.,
Gen.  Steam  Navig.  Co.,  der  hier  domizilierten: ­
  Niederländ.  Dampfschiffrecderei,
Maas-Dampfschiffges.  und  Rotterdamer
Lloyd,  Nederl.  Stvomboot  Maatschappij
(Amsterdam),  Rhein.  Dampfschiffges.
(Ludwigshafen);  0878)  147,082  Einw.
Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:  der  Teil
zwischen  Rhein  und  Ostcrschcldc);  Handelskammer, ­
  freies  Entrepot;  Börse,  be-
        <pb n="424" />
        416  Roubaix
sondere  Kornbörse,  Rotterdamsche  Bank,
RotterdamscheHaudclvcrceniging.  —  Für
den  Verkehr  sehr  förderlich  sind  die  vortrefflichen ­
  Häfen,  ans  welchen  Seeschiffe
bis  mitten  in  die  Stadt  hinein  gelangen,
so  dass  die  Waren  unmittelbar  an  den
Magazinen  ein-  und  ausgeladen  werden
können.  Einklariert  wurden  1879:  3438
Schiffe  mit  4,698,837  cbm,  darunter  736
Segclschiffcmit735,668nnd2702  Dampfschiffe ­
  mit  3,963,169  cbm,  wovon  deutsche
48(1880:166)  Seglern.  145(1880:189)
Dampfer  mit  zusammen  214,642  cbm.
R.  ist  auch  ein  gesuchter  Auswandererhafen, ­
  1879  wurden  4927  Personen  nach
New  Pork  befördert.  R.ist  ein  Hauptmarkt
für  Getreide,  Kolonialwaren,  Tabak,  Thee,
Zinn,  Zucker,  Spczereieu,  Baumwolle,
Reis,  Häute,  Petroleum,  welche  hier  wie
in  Amsterdam  in  ungeheuren  Quantitäten ­
  aufgestapelt  werden.  —  Plaggebräuche.
  Man  verkauft  Getreide,  Mehl,
Hülscnfrüchte,  Ölsamen  für  100  kg,  eigentliche ­
  Gewichtswaren  für  '/2  (Kaffee)
oder  50  kg,  Butter  50,  Petroleum  100  kg.
Wechselkurse  wie  Amsterdam.
Roubaix  (spr.  rubäh),  Stadt  im  franz.
Departement  Nord,  Arrondissement  Lille,
am  gleichnamigen  Kanal  und  an  der  Nordbahn ­
  (Li  nie  Lille  -  Courtray)  ;  (1876)  74,946
Cinw.  Ressort  des  deutschen  Konsuls  in
Dünkirchen;  Gcwerbekannner;  Filiale  der
Bank  von  Frankreich,  Société  générale,
Crédit  du  Nord.  —  N.  ist  der  Mittelpunkt
einer  sehr  bedeutenden  Industrie,  welche
namentlich  Webwaren  aus  reiner  Schafwolle, ­
  dann  gemischte  Stoffe  aus  Wolle,
Baumwolle  und  Seide  zu  einem  jährlichen
Produktionswert  von  146  Mill.  Mk.  herstellt. ­
  Die  hauptsächlichsten  »Artikel  von
R.«sind:  gemusterteHosen-,  Westen-Mäntel- ­
  und  Rockstoffe,  Shawls,  Samt,  NonveallteeS
  in  Damenkleidern,  Barege,  Orleans, ­
  Möbelstoffe.  Diese  Produkte,  ebenso
wie  Schafwolle,  Garne  und  Kohle,  sind
Hauptgegenstände  des  lebhaften  Handels.
Rouen  (spr.  ru-äiig),  Hauptstadt  des
franz.  Departements  Seine-Inferieure,
an  der  Seine  und  der  Eisenbahn  Paris-Havre;
  (1876)  104,836  Einw.  Deutsches
Bicekonsulat;  Handelskammer,  Handetsgericht,
  Fabrikgericht;  Entrepôt  réel  für

—  Ruhr.
ausländische  Waren,  Gctreidchalle,  Hallen ­
  für  Garne  und  Gewebe;  Börse,  Filiale
der  Bank  von  Frankreich,  Société  generale, ­
  Comptoir  d'Escompte  de  R.  —  Die
Industrie  der  Stadt  steht  außerordentlich ­
  hoch;  in  der  Baumwollindustrie
(etwa  160  Spinnereien  mit  1,400,000
Spindeln,  welche  vorwiegend  Garne  in
gröbern  Nummern,  meist  aus  ostiudiscber
  Baumwolle,  erzeugen)  behauptet  Rgegenwärtig
  den  ersten  Plag  in  ganz
Frankreich;  die  Baumwollweberei  (meist
auf  dem  Land  betrieben)  liefert  namentlich ­
  die  sogen.  »Ronenneries«  (Stoffe  aus
ganz  oder  teilweise  gefärbten  Garnen)
im  jährlichen  Wert  von  ca.  64  Mill.  Mk.
Der  Handel  der  Stadt  ist  sehr  bedeutend.
R.,  120  km  von  der  Scinemündung  entfernt, ­
  hat  den  Charakter  eines  Seehafens,
indent  die  Flut  so  hoch  steigt  und  so  lange
anhält,  daß  Dampfer  von  800  Ton.  bequem ­
  einfahren  können.  1880  liefen  5189
(4178  beladene)  Schiffe  mit  1,459,626  T.
eilt  und  aus.  Der  Hauptanteil  der  Schifffahrt ­
  koinmt  auf  den  Verkehr  mit  England  :
britische  Schiffe  liefen  1880:  1248  von
427,226  Zou.  ci»,  1255  001%  432,155  Z.
aus;  die  Zahl  der  deutschen  Schiffe  betrug
in  Ein-  und  Ausgang  53  von  20,421  T.
Bei  der  Küstenschiffahrt  (hauptsächlich  ins
Verkehr  mit  Havre)  liefen  1880  ein:  816
Schiffe,  aus:  619.  Hauptartikel  der  Ausfuhr ­
  nach  dem  Ausland  (1878  für  36,2
Mill.  Mk.)  sind:  Zucker,  Cerealien,  Wein,
bearbeitete  Steine  und  Baumaterialien;
der  Einfuhr  (1878:  75,7  Mill.  Mk.):
Kohle,  Öl,  Rohbaumwolle,  Kaffee,  Schafwollwaren,
  Getreide,  Ölsaat,  Bauholz,
Obst  und  Schafwolle.—P  latzgebräuche.
Der  Verkäufer  kann  Zahlung  24  Stunden
nach  Lieferung,  selbst  vor  Abnahme  verlangen; ­
  Kreditverkäufe  gewöhnlich  auf  30,
bei  Baumwollgeweben  60  Tage  Ziel.
Roulers  (Rousse  la  ere),  Stadt  iu
der  belg.  Provinz  Westflandcrn,  an  der
Eisenbahn  Courtray  -  Brügge;  (i870
16,345  Einw.  DeutschesKonsulat  (Amtsbezirk ­
  :  der  Distrikt  von  R.,  Npres  und
Courtray);  Banque  Nationale  Succ.;
Baumwoll-  und  Wollzeugfabriken.
Ruhr,  rechtsseitiger,  232  km  langer  Nebenfluß ­
  des  Rheins,  der  im  Rcgierungs-
        <pb n="425" />
        Rumänien  (Areal,  Bevölkerung,  Urproduktion).

417

bezirk  Arnsberg  entspringt  und  bei  Ruhrort ­
  mündet.  Die  R.  wird  in  ihrer  letzten ­
  Hälfte  über  32  m  breit  und  ist  auf
eine  Strecke  von  80  km  für  Schisse  von
600—800  Ctr.  fahrbar.
Rumänien,  konstitutionelles  und  erbliches ­
  Königreich  (seit  März  1881),  früher ­
  Tributärstaat  der  Türkei,  seit  Mai
1877  unabhängig  voir  derselberr  und  im
Berliner  Kongreß  1878  alö  selbständig  anerkannt. ­
  Es  besteht  arrs  den  beiden  Fürstentümern ­
  Moldau  uird  Walachei  und
dcrDobrndscha,  welche  R.  für  den  an  Rußland ­
  wieder  zurückgegebenen  Teil  von
Bessarabien  (deir  Rußland  1857  abtreten
mußte)  erhielt.  Der  Flächeninhalt  beträgt
leßt  129,947  qkm  (2360  QM.).  Bei  der
ersten  rrnd  einzigen  Volkszählung  (1859—
i860)  zählte  man  4,424,961  Einw.,  heute
schätzt  nrair  die  Zahl  auf  5,376,000,  wovon
4,:r  Mill.  Rilmänen,  nächstdem  400,000
Juden,  200,000Zigeuner,  85,000  Slawen,
39.000  Deutsche,  29,500  Magyaren,  8000
Armenier,  5ÒÓ0  Griechen  rc.,  zusammen
770.000  Nicht-Rumänen.  Die  Mehrzahl
der  Bevölkerung,  ca.  4,529,000,  bekennt
şich  zur  griechischen  Kirche;  demnächst  gibt
es  Israeliten  400,000,Römisch-Katholische
114,200,  Protestanten  13,800,  Armenier
8000,  Mohamnredancr  2000  u.  a.  m.
Urproduktion.  Der  Ackerbau  ist
die  Hauptbeschäftigung  der  Bewohner,
von  denen  mehr  als  drei  Viertel  zur  Klasse
der  Bauern  gehören.  Der  Boden  ist  sehr
fruchtbar,  die  Bodenbearbeitung  aber  eine
sehr  rohe.  Nach  Prozenten  kommen  auf:
Acker-,  Garten-  und  Weinland  20,4  Pro;.
Wiesen  und  Weiden  ....  31,7
Waldungen  16,8  -
Unproduktive  Fläche  ....  31,s
Unter  den  Kulturen  figuriert  in  erster  Linie
Mais,  dasHauptnahrnngSmittel  des  Land-Manns;
  nebst  Weizen  und  Gerste  ist  derselbe ­
  der  wichtigste  Exportartikel.  Die  Kartofselkultur
  ist  beschränkt.  Die  Ernte  war
1876:  40  Mill,  hl,  davon  Mais  22,d,
Weizen  7,5,  Gerste  6,4,  Hafer  1,4,  Roggen
1  Mill.  hl.  Die  Ausfuhr,  welche  ihren
Weg  meist  über  Braila  und  Galatz,  weniger
über  Galatz,  aber  auch  in  bedeutendem
Maß  stromaufwärts  nimmt,  betrug  1876:
129,9  Mill.  Mk.,  siel  infolge  deS  Kriegs
Handelsgeographie.

1877  auf  64,3  Mill.  Mk.,  betrug  aber  1878  -
129,9,1879:146,r,  Mill.  Mk.,  davon  1879
nach  Deutschland  für  l,i  Mill.  Mk.  Von
der  1878er  Ausfuhr  entfallen  auf  die  einzelnen ­
  Getreidearten  folgende  Summen:

Weizen
Mais
Gerste

52.9
45.9
18,1

Roggen
Andres
Zusammen:  129,9

10,i
2,9

Die  Ausfuhr  von  Getreide  macht  von  der
Gesamtausfuhr  ca.  73  Proz.  aus,  tvovon
31,9  Pro;,  auf  die  Türkei,  27,a  Proz.  ans
England,  22,8  Proz.  auf  Frankreich,  7,2
Proz.  auf  Österreich-Ungarn,10,9  Proz.  auf
andre  Staaten  entfallen.  Auf  dem  englischen ­
  Markt  ist  aber  das  rumänische  Getreide ­
  wegen  seiner  Unreinheit  infolge  des
Ansdreschens  auf  Tennen  durch  Pferde
nicht  mehr  so  gesucht  wie  früher.  An  dem
Gcsamtimport  Englands  von  Weizen,
Mais,  Gerste  nahm  R.  1868—70  mit  4,
1876  nur  mit  1  Proz.  teil.  Die  Ausfuhr
von  Hafer,  Hirse,  Bohnen  und  Leinsaat
ist  nicht  bedeutend.  Die  jährliche  Produktion ­
  von  Flachs  und  Hanf  erreicht  50,000
Ctr.  Sehr  verbreitet  ist  dagegen  der  Anbau ­
  von  Raps,  und  der  voii  Tabak  ist  besonders ­
  ausgedehnt  im  Distrikt  Jlfov,
nächstdem  in  Vlasca  und  Teleorman;  1876
ergab  dieseKnltnreineErntc  von  2,072,158
kg.  Weinbau  wird  namentlich  am  Fuß
der  Karpathen  getrieben,  und  man  berechnet
die  durchschnittliche  Jahresproduktion  auf
1  Mill.  lil.  Der  Viehstand  ist  im  Verhältnis ­
  zur  Bevölkerung  ein  recht  ansehnlicher ­
  ;  auf  1000  Einw.  kommen  110  Pferde,
409Ninder,1064Schafeu»dl86Schwei»e.
Nach  der  Zählung  von  1866  gab  eö:
Pferde  .  506104  |  Schafe  .  4824900
Rinder  .  2750568  ş  Schweine.  1088737
Daher  ist  dcrViehexport  ein  sehr  bedeutender, ­
  derselbe  wertete  1879:15,8  Mill.  Akk.
gegen  eine  Einfuhr  von  6,4  Mill.  Mk.;  dazu
kommen  tierische  Nahrungsmittel  mit
einer  Einfuhr  von  2,i,  einer  Ausfuhr  von
3,8  Mill.  Mk.—DerMineralreichtum
wird  bisher  wenig  benutzt,  doch  enthält  der
Boden  Silber,  Blei,  Eisen,  Kupfer,  auch
Steinkohle.  Gewonnen  werden  nur  Salz
und  Petroleum;  beide  werden  auch  ausgeführt, ­
  1875  von  dem  ersten  für3,4Mill.
Mk.  Petroleum  findet  man  im  nordöst-27
        <pb n="426" />
        418

Rumänien  (Industrie,  Handel,  Verkehr).

lichen  Teil  der  Walachei  und  dein  westlichen ­
  Teil  der  Moldail;  ed  quillt  and
Brunnen  von  50—120  in  Tiefe.  Fabriken ­
  zur  Reinigung  desselben  bestehen  in
Plojescht,  Galatz,  Braila  und  Bukarest.
Der  Bruttoertrag  der  Brunnen  betrug
1873:  174,400  hl  (1862:  37,730  hl  ),
der  Wert  der  Ausfuhr  von  ungereinigtem
Petroleum  1871:  857,600  Mk.,  von
gereinigtem  535,408  Mk.  —  Der  Export
richtet  sich  großenteils  und  zunehmend
nach  Galizien.
Die  industrielle  Thätigkeit  ist  eine
äußerst  geringe  und  beschränkt  sich  auf  die
Vermahlung  von  Getreide,  wofür  7073
Mühlen  (1,2  Proz.  durch  stabile  Dampfmaschinen,
  3  Proz.  durch  Lokomobilen,  der
Rest  durch  Wasser  betrieben)  bestehen,
auf  Branntweinbrennereien  (2000)  und
Brauereien  (80).  Für  die  Fabrikation,
Kauf  und  Verkauf,  Einfuhr  von  Tabak  erlangte ­
  1872  eine  Gesellschaft  ein  Monopol
auf  15Jahre;  große  Regiefabriken  bestehen
nr  Bukarest  und  Jassy.
n-Svr  h#  ÜCÍC
städtische  Accisen  und  leidet  durch  den
Mangel  au  Kreditaustalten  sowie  durch
die  Monopolisierung  des  Salz-  undTabakverkaufs.
  Die  Ausfuhr  der  Bodenerzeugnisse ­
  wird  ferner  erschwert  durch  die  teuern
Verkehrsmittel.  Der  Gesamtwert  ded
Warenhandels  betrug  1879  in  Einfuhr
203,6  Mill.,  Ausfuhr  190,9  Mill.  Mk.;
die  Zolleinahmen  8,4,  resp.  1,6  Mill.  Mk.
Nahezu  die  Hälfte  deö  Gesamtwerts  der
Einfuhr  entfällt  auf  Österreich-Ungarn.
An  deut  Handel  mit  dem  FürstentlMl  nahmen ­
  die  einzelnen  Länder  in  folgender  Weise
teil  (Wert  in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Österreich-Ungarn.  09,o  55,i
England  ....  40,4  30,3
Frankreich....  12,4  14,2
Deutschland  .  .  .  14,8  1,2
Türkei  u.  Bulgarien  16,7  39,2
Rußland  ....  8,4  4,8
Italien  1,2  6,2
Der  Nest  kommt  auf  Belgien,  Serbien
und  andre  Länder.  Die  wichtigsten  Warentlassen
  dem  Wert  nach  waren  bei  der

Mk.,  Metalle  und  Metallwaren  32,6
Mill,  (deutsch  4,i  Mill.)  Mk.,  Felle  und
Lederwaren  26  Mill,  (deutsch  1,2  Mill.)
Mk.,  Kolonialwaren  13,3  Mill,  (deutsch
266,462)  Alk.,  Papier  und  Papierwaren
8,4  Mill.  (denlsch  564,430)  Mk.,  Holz
und  Holzwarcn8,1  Atill.  (deutsch237,407)
Mk.,  ferner  in  absteigender  Folge  lebende
Tiere,  Mineralien,  Irden-  und  Glas-«Yw
 C ] 1 '  Ôļe,  Fette,  Wachs,  Cerealien  und
Mehl  u.  a.;  bei  der  Ausfuhr:  Cerealien
und  Mehl  146.6  Mill,  (deutsch  l,i  Mill.)
Mk.,  Vieh  15  Mill.,  Obst  7,i  Mitt.  Mk.,
ferner  Felle,  Haute  und  Lederwaren,  Webstoffe
  und  Fabrikate  daraus,  .Holz  und
Holzwaren.
Konsulate.  Bcrilfökonsulate  unterhält ­
  Deutschland  in:  Bukarest,  Galatz,
Jassy;  Vicekvnsuln  in:  Braila,  Giurgewo,
Kustendsche;  Konsularagenten  in:  Bvtnschan
  und  Krajowa.  —  DaS  HandelSund
  Wechsele  echt  ist  das  französische.
V  e  r  k  c  h  r  s  &amp;gt;v  e  s  e  n.  Die  Länge  der
Eisenbahnen  Ende  1879  war:  1388
hm  davon  Staatsbahnen  180  km,  Privatbahnen ­
  1208  km;  im  Ban  waren  90
à  Die  Post  beförderte  1879  in  233
Riming  9,659,671  Wese,  460,659
karten,  5,166,231  Drucksachen  re.:  Einnahme ­
  4,064,798  Mk.  Die  Telegraphen ­
  hatten  Ende  1879  eine  Länge  von
5328  km  mit  8324  km  Drähten  (unterirdische ­
  Linien  11  km  mit  56  km  Drähten. ­
  untermeerische  6  km  mit  8  km  Drähten); ­
  1678  wurden  11,175,777  Depeschen ­
  befördert  und  1,631,580  Mk.  vereinnahmt. ­
  —  Der  Schiffsverkehr  (ein
sehr  schwacher  während  des  russisch-türkiscW
  ßncgg)  #  M  1878  «uf  scine
frühere  Höhe  und  nahm  in  beit  folgenden
Jahren  beträchtlich  zu.  In  den  wichtigsteil
Donauhafen  war  derselbe  1878:

Häfen

Galah.  .
Braila  .
Giurgewo
Severin  .
Stirbey  .
Andre.  .
Zusammen

Eingelaufen
Schiffe  Tonnen

4038
3231
781
617
574
1888

Ausgelaufen
Schiffe  Tonnen

552677
603373
117104
125184
45829
259060

11  129  1703317

4022
3097
810
610
512
1915
10966
        <pb n="427" />
        419

Rumänien  (Finanzen,
Hauptwasserstraße  ist  die  Donau,  auf
welcher  die  Dampfer  der  Donau'Dampfschiffahrtsgesellschaft
  in  ihrer  ganzen  Länge
verkehren.  BisBraila  gelangen  aber  durch
die  Sulinamündung  (s.  Donau)  die
Dampfer  der  Nederlandsche  Stvomboot
Maatschappij,  deö  Österreichisch-Ungarischen ­
  Lloyd,  der  Carnegie-Linie  (London),
Messageries  maritimes,  Westcotts-Linie
(Antwerpen).  Außerdem  ist  der  Prnth
schiffbar.
.Finanzen.  Die  Ausgaben  haben  in
frühern  Jahren  die  Einnahmen  oft  sehr  bedeutend ­
  überschritten,  und  dieFinanzen  sind
Ul  keineswegs  günstiger  Lage.  Das  Defizit
betrug  1880:  5,5  Mill.  Mk.  Für  1881—
1882  beziffert  daö  Budget  95,7  Mill.  Mk.
für  Einnahmen  und  Ausgaben.  Bei  den
Einnahmen  sind  die  direkten  Stenern  mit
21,a  Mill.,  die  indirekten  mit  35,»  Mill.
Mk.,  bei  den  Ausgaben  die  für  die  Staatsschuld ­
  mit38,iMill.Bļk.  veranschlagt.  Bei
derS  ta  ats  schuld  belief  sich  die  noch  nicht
getilgte  fundierte  Schuld  1.  Jan.  1880  auf
%5,3  mir.  ii#  20,7  wm.  m.  «ig
Restsumme  der  für  Ablösung  der  Frondienste ­
  begebenen  Anleihe,  also  auf  376
Mill.  Mk.'  Die  schwebende  Schuld  betrug,
mit  Einschluß  von  39,i  Mill.  Mk.  Schatzbvnds
  und  21  Mill.  Mk.  sonstigem  Papiergeld. ­
  68,1  At  ill.  Alk.
Kreditwesen.  1875  wurde  die  durch
die  Regierung  ans  Aktien  gegründete  und
auf  25  Jahre  konzessionierte  Banque  de
Roumanie  in  Bukarest  mit  Zweigbank
in  Galatz  eröffnet.  Sie  besitzt  ein  Aktienkapital ­
  von  32  Milt.  Mk.  Die  Bank  hat
das  Recht,  Noten  auszugeben,  die  aber  keinen ­
  Zwangsumlauf  haben,  und  deren  Noten ­
  nie  das  Dreifache  des  in  ihren  Kassen
vorhandenen  Edelmetalls  überschreiten
dürfen.  Diese  Noten  sind  also  Privatpapiergeld. ­
  Außerdem  bestehen:  dieBankvon
Bukarest  ebenda  mit  einem  Kapital  von
12,8  Mill.  Mk.,  zwei  andre  Banken  und
ein  Bodenkreditinstitut  (Credit  foncier).
Das  gesamte  Aktienkapital  aller  Banken
beträgt  62,6  Mill.  Mk.  Wechselkurse
werden  in  Bukarest  und  Galatz  (s.  d.)
notiert.  Der  gewöhnliche  Diskontfuß  ist
bei  völlig  sichern  Wechseln  20  Proz.,  bei
minder  sichern  25  —  30  Proz.  pro  Jahr.

Kreditwesen,  Geld  re.).
Neuerdings  verkaufen  französische  und  englische ­
  Häuser  auf  6  Monate  Kredit  oder
auf  4  Monate  nach  Ankunft  der  Ware.
Der  gesetzliche  Zinsfuß  ist  10  Proz.  pro
Jahr,  der  gewöhnliche  bei  Völliger  Sicherheit ­
  10—15  Proz.,  bei  kaufmännischen
Geldgeschäften  in  der  Regel  12  Proz.
Geld,  Maße  und  Gewichte.  In  R.
herrscht  Doppelwährung.  Seit  1861  ist
eine  neue  Münze  geschaffen  worden,  »Romana«, ­
  später  »Leu«  (Mehrzahl:  Lei)  gegenannt,
  genau  dem  französischen  Frank
gleich,  geteilt  in  100  Bani.  In  Gold  werden ­
  Stücke  zu  20,  10  und  5  Lei',  in  Silber ­
  zu  2,1  und  Va  Leu  ausgeprägt.  Außerdem ­
  schon  oben  erwähnten  Papiergeld  der
Banque  de  Roumanie  laufen  seit  1878  auf
den  Inhaber  lautende  unverzinsliche  Hypothekarscheine ­
  um  in  Abschnitten  von
5,10,  20,  50,100  und  500  Lei',  zu  deren
Ausgabe  die  Negierung  ermächtigt  wurde.
Die  Emission  besorgt  der  Credit  foncier,
welchem  der  Staat  für  48  Mill.  Mk.
Staatsgüter  verpfändet  hat.  Auf  die  als
Sicherheit  hinterlegten  Pfandbriefe  imBetrag
  von  24-32  Mill.  Mk.  hat  jene  Bank
Papiergeld  im  gleichen  Betrag  an  die  Regierung ­
  zu  liefern.  DieTilgung  erfolgt  binnen
längstens  sieben  Jahren.  Alle  Staatskassen ­
  nehmen  das  Papier  zum  Nennwert
an  und  tauschen  es  auf  Verlangen  gegen
bar  um.  In  neuester  Zeit  cirkuliert  sehr
häufig  der  russische  Silberrubel,  welchem
die  Negierung  einen  den  Metallwert  ivcit
übersteigenden  Umlaufspreis  gegebeil  hat,
und  der  daher  das  übrige  Metallgeld  zil
verdrängen  droht.
Die  Einführung  des  französischenM  a  ß  -
systems  ist  zwar  beschlossen,  aber  bislang ­
  thatsächlich  noch  nicht  erfolgt;  nur
bei  den  Eisenbahnen  rechnet  man  nach
Kilometern.  Die  Maße  und  Gewichte  sind
auch  noch  in  den  beiden  Teilen  deSFürstcntnms
  verschieden.  Flächenmaß  ist  der  Pogon=11,79qm.
  Hohlmaße:  Bedra,  in  der
Walachei  —12,88  Lit.,  in  der  Moldau  —
15,2  L.;  Oka  dort  1,28,  hier  1,52  L.  Man
hat  auch  die  Benennung  »Liter«,  dasselbe
umfaßt  aber  in  der  Walachei  nur  0,32,  in
der  Moldau  nur  0,38  stanz.  L.  Gewicht: ­
  Oka,  in  der  Walachei  1,27186  kg-,
in  der  Moldau  1,29i  kg.

27
        <pb n="428" />
        420  Russisches  Reich  (Areal,'  Bevölkerung,  Produktion).

Russisches  Reich  (Rußland),  großes
Kaiserreich  in  Osteuropa  und  Nordasieu.
Übersicht:  Seite
I.  Areal  und  Bevölkerung  .  .  .  420
II.  Produktion  und  Industrie.  .  .  420
Ackerbau  (420).  Viehzucht  (420).
Forstwirtschaft  und  Jagd  (429).
Fischerei  (429).  Bergbau  (430).
III.  Handel  432
IV.  Verkehrswesen  435
V.  Finanzen  436
Kreditwesen  437
Geld,  Maße  und  Gewichte  .  .  438

I.  Areal  und  Bevölkerung.
Das  ungeheure  Läudergcbiet  reicht  von
17»  50'  bis  90°  16'  osti.  L.'  v.  Gr.  und  von
39°  bis  78°  4'  nördl.  Br.  Vor  dem  Berliner ­
  Frieden  hatte  das  russische  Reich
ein  Areal  von  21,733,968  qkm  (394,712
OM.)  mit  86,586,000  Einw.  ;  durch  den
Friedensschluß  hat  eS  in  Bessarabicu  einen
Zuwachs  von  9274  qkm  mit  127,000
Einw.,  iil  Armenien  vou  25,769  qkm  erhalten, ­
  so  daß  jetzt  Areal  und  Bevölkerung
für  die  Hauptteile  sind:

Gebiete

Europäisches  Rußland  .  .
Königreich  Polen  .  .  .
Großfiirstentum  Finnland
.Kaukasicn
Sibirien
Centralasieii......

Jahr

1870
1870
1877
1873—70
1873

Russisches  Reich:
Diese  Gesamtfläche  von  über  395,000
QM.  kommt  einem  Sechstel  aller  Kontinentalräume ­
  gleich  ;  das  europäische  Rußland ­
  mit  Finnland,  Polen  und  Kaukasien
nlacht  aber  56  Proz.  von  Europa  aus  oder
nahezu  das  Elffache  dcSDeutschcnRcichs.—
Die  Auswanderung  ist  unbedeutend;
1879  zogen  aber  50,000  meist  mohammedanische ­
  Familien  aus  demGouveruemeut
Kuta'lö,  nachdem  sie  unter  russische  Herrschaft ­
  gekommen  waren,  in  das  türkischeGebiet
  hinüber.  Dllrch  Verba  un  un  g  vollzieht ­
  sich  eine  Verschiebung  innerhalb  des
russischen  Gebiets;  infolge  der  Urteile  der
Gemeinden  wurden  1870—76:  36,165
Männer  nach  Sibirien  verwiesen,  delie»
27,277  Frauen  und  Kinder  freiwillig  folgten. ­
  —  Der  Religioll  nach  teilt  sich
die  Bevölkerung  von  1870  in:  Griechen
57.161.000,  Armenier  535,000,  Katholiken
6.780.000,  Protestanten  4,132,000,Illden
2.298.000,  Mohammedaner  5,662,000,
Heiden  481,000.  Die  griechisch-katholische
Religion  ist  außer  im  europäischen  Rußland ­
  auch  in  Sibirien  und  Kaukasien  stark
vertreten;  die  Katholiken  sind  zu  Va  in
Polen,  zu  V«  im  europäischen  Rußland,
Protestanten  verhältnismäßig  am  meisten
in  Finnland,  Juden  am  stärksten  in
Polen  und  den  Nachbarprovinzen,  Mo-QKilom.


4918407,7
127316.5
373530,2
464950,7
12495109,0
3380587,1

21759973,7

OMeilen

89324,1
2312,2
6  783.8
8443,14
226924,2
01395,0

Einwohner
05991910
0771974
1990847
5028  344
3440302
4505870
88329313

395182,3
hammcdaner  in  Orenburg,  Kasan,  Ssamara,
  Kaukasien  und  Sibirien,  Heiden
am  meisten  in  Sibirien.  Astrachan  und
Orenburg.  —  Nationalitäten  rechnet
man  im  russischen  Reich  112,  welche  ca.
40  verschiedene  Sprachen  oder  Mundarten
sprechen.  Der  russische  Hauptstainm  ist
aber  überwiegend  zahlreich.  Nach  einer
Schätzung  von  Buschen  sind  Slawen:
Rilsscu  53,470,000  (71  Proz.  derGesanltbcvölkcrung),
  Polen  4,860,000,  Bulgaren ­
  41,000,  Serben  30,000,  zusammen
58,400,000  —  76  Proz.  ;  andre  Stämme:
Finnen  4,630,000,  Tataren  (Türken)
4.760.000,  Litauer  2,420,000,  Rumänen
780.000,  Armenier  800,000,  Tscherkessen
540.000,  Mongolen  500,000,  Amerikaner ­
  50,000,  Deutsche  830,000,  Schweden
150.000,  Suben  2,290,000  imb  (8nc#cM
50.000,  zusam.  Nichtslawen  18,620,000.
II.  Produktion  und  Vndnstrie.
Ein  großer  Teil  des  Reichs  ist  bisher
noch  völlig  unbenutzt,  wohl  auch  nnbcnntzbar,
  so  dieTuudren  im  nördlichen  europäischen ­
  Rußland,  noch  viel  mehr  in  Sibirien.
A.  Ackerbau.
Dieselbe  nimmt  unter  allen  Erwerbszwcigen
  die  erste  Stelle  ein  und  zwar  vorzüglich ­
  durch  den  ausgedehnten,  weit  über
        <pb n="429" />
        Russisches  Reich  (Ackerbau:  Getreide).

421

den  einheimischen  Bedarf  hinausgehenden
Getreidebau,  dann  auch  durch  die  Kultur
von  Flachs,  Hanf,  Zuckerrüben,  die  mit
dein  Getreide-  und  Kartoffelbau  verknüpfte
Brennerei,  den  Anbau  von  Tabak  re.
1)  Der  Getreidebau  ist  am  bedeutendsten ­
  im  südlichen  Teil,  im  Gebiet  der
»schwarzen  Erde«,  wo  vornehmlich  Bessarabien
  Getreide  weit  über  seinen  eigncil
Bedarf  hinaus  produziert.  Das  Verhältnis ­
  dieses  Gebiets  zu  dem  übrigen  Rußland ­
  illustriert  folgende  Tabelle:

Gebiete

Gebiet  der
Schwarze»  Erde
Finnlaird  und
Rvrdrußland.  .
Polnische  u.  baltische ­
  Provinzen

Einw.
in  Tausenden ­

39546
27476
7970

Reinertrag
Mill.
Hektol.
304,v
98,u
42,9

Für  ein
Korn

4,

4,51

Zusaiilmen:  74992  445,8  3,9
Gegen  diese  Produktion  des  europäischeil
Rußland  tritt  die  der  andern  Gebietsteile ­
  völlig  zurück,  denn  es  cntfalleir  auf:
Europäisches  Rußland  .  .  434,i  Mill.  .Hektol.
Kankasien  30,i  -  -
Sibirien  und  Centralasien  .  22,9  -  -
Dem  Weizenbau  im  südlichen  Sibirien
stehen  nicht  klimatische  Hindernisse,  wohl
aber  die  bisher  außerordentlich  schwierigen
Transportverhältnisse  entgegen.  Sibirischer ­
  Weizen  hat  indeö  schon  alls  dem  Ob
und  dem  Seeweg  feinen  Weg  nach  Europa
gefunden.  Wie  stark  die  Zunahme  des
Getreidebaus  gewesen  ist,  beweist  die  Steigerung ­
  des  Ernteertrags  von  525  Mill.  Id
in  1845  auf  640  Mill,  hl  in  1870  und
682  Mill,  hl  i»  1878.
Die  bestellte  Fläche  und  der  Ertrag  der
einzeltlen  Getrerdearteu  werden  für  1877
offiziell  berechnet  in  Millionen:
Ackerfläche  Ertrag
Hektar  Hcktvl.
Roggeil  ....  28.9  226,7
Hafer  13,2  178,a
Weizen  ....  10,i  89,9
demnächst  Gerste  und  Buchweizen  mit
Arealeil  von  5,6,  resp.  4,6  Mill,  lin  und
Erträgen  von  44,6,  resp.  29,8  Mill.  hl.

Der  Wert  der  gesamten  Ernte  wurde  auf
5400  Mill.  Mk.  berechnet.  Bon  der  Höhe
des  Ernteertrags  hängt  heute  wesentlich
die  wirtschaftlicheLage  desLandes  ab,  denn
Getreide  gewinnt  als  Exportartikel  von
Jahr  zu  Jahr  an  Bedeutung.  Im  Durch!
schnitt  der  Jahre  1810—13  betrug  die
Ausfuhr  erst  3,6  Mill,  hl,  aber  1814—43
schon  4,6  Mill,  uild  1844—53:11,6  Mill,
hl.  Voir  da  ist  sic  stetig  gestiegell  und  erreichte ­
  1878  ihre  Höhe  mit  88,6  Mill.  hl.
1879  betrug  sie  nur  83,i  Mill,  hl,  und
1880  ist  sie  infolge  der  Mißernte  in  ben
südlichen  Distrikten  eine  sehr  schwache  gewesen.
  Ja,  Amerikaner  habeil  es  sogar
versucht,  Getreide  in  die  Häfen  des  Schwarzen ­
  Meers  unb  der  Ostsee  zu  führen.  Die
Auöfllhr  von  1879  zeigte  die  folgenden
Hauptposten:
Weizen  29  Mill.  Hektol.  |  Hafer  16  Mill.  Hektol.
Roggen  25  -  -  I  Gerste  6  -  -
Welchen  Gewinn  dieser  Handel  dem  Land
bringt,  ist  daraus  ersichtlich,  daß  der  GcsamNvert
  der  Alisfuhr  aller  Cerealien
(außer  obigen:  Mais,  Erbsen,  Mehl  re.)
1865  erst  197,4  Mill.  Mk.  betrug,  bis  1876
auf  655,4  Mill.  Mk.  stieg  und  1878  den
Wert  von  1223,6Mill.  Alk.  erreichte.  Allerdings ­
  wird  der  noch  ilicht  berechnete  Wert
der  Ausfuhr  von  1879  weit  geringer  sein,
der  für  1880  seinen  Vorgängern  aber  gewaltig ­
  nachstehen.  Von  beut  1879  ausgeführten ­
  Getreide  sind  69  Mill,  hl  auf  dem
Seeweg  und  nur  12,5  Mill.,  also  nicht  ein
Fünftel,  mit  der  Eisenbahn,  beziehungsweise ­
  auf  den  Flüssen  Niemen  und  Weichsel ­
  verfrachtet  worden.  Der  Menge  des
ausgeführten  Getreides  nach  rangieren  die
russischen  Seehäfen  wie  folgt  (in  Millionen ­
  Hektoliter):

Petersburg-Krow
stadi  ....  16,8
Odessa  ....  14,s
Riga  8,9
Nikolajew  ...  6,5

Reval.  .
Taganrog
Rostow  .
Sebastopol
Archangel

4.8
2.9
2,9
1,3
0,6

Deil  ersten  Nang,  welchen  Odessa  bisher
unter  deil  Getreide  ausführenden  Häfen
eingenommen  hat,  fangen  ihm  jetzt  die  Ostseehäfen ­
  durch  die  Volleildung  neuer  Schienenwege ­
  an  streitig  zu  machen;  indessen
eiltfallen  noch  immer  1879  auf  die  fünf
Pontnshäfen:  Odessa,  Nikolajew,  Seba-
        <pb n="430" />
        422  Russisches  Reich  (Ackerbau:  Kartoffel,  Brennerei,  Flachs).

Aol,  Taganroa,  Rostow  ungefähr  29
Mm.  hl,  also  inehr  als  der  dritte  Teil  der
ganzen  russischen  Getreideausfuhr  und
mehr  als  die  Hälfte  des  exportierten  Weizens ­
  ;  die  oben  genannten  Ostseehäfen  führten ­
  29  l k  Mill,  hl  aus,  das  verbleibende
Drittel  fällt  auf  die  andern  Ostseehäfen
(darunter  Liban),  die  des  Schwarzen
Meers  und  den  Landtransport.  Der  letztere
(namentlich  über  Grajewo  unb  Wirballen)
hat  bedeutend  abgenommen,  von  6,r  Mill.
Iil  in  1878  auf  2,5  Mill,  in  1879;  dagegen
wuchs  dcrErport  überNeszawa  nachDanzig
  von  1,3  Mill,  auf  1,7  Mill.  hl.  Für
Weizen  sind  die  Häfen  des  Schwarzen  und
Asowschen  Meers,  für  Roggen  und  Hafer
die  der  Ostsee  Erportgrenzen.
Die  Bestimmungsländer  für  russisches
Getreide  sind  in  erster  Linie  Deutschland
uitb  England,  dann  Holland,  Österreich,
Schweden  und  Norwegen,  Frankreich  und
Belgien.  Weizen  geht  vorzugsweise  nach
England,  Deutschland,  Österreich;  Roggen
nach  Deutschland,  Holland,  Schweden  und
Norwegen;  Gerste  nach  England,  Deutschland ­
  und  Frankreich.  Von  dem  ausgeführten ­
  Getreide  entfielen  1877  auf  Deutschland ­
  34  Proz.,  ans  England  28Proz.  Ein
großer  Teil  des  nach  Deutschland  exportierten ­
  Getreides  wird  nach  Holland,  Belgien, ­
  Norwegen  u.  a.  wieder  ausgeführt.
Das  meiste  Weizenmehl  geht  nach  England, ­
  Deutschland  und  Rumänien,  das
Noggenmehl  fast  ausschließlich  nach  Schweden ­
  und  Norwegen.  Man  berechnete  1877
den  Wert  des  russischen  Getreidehandels
auf  854,5  Mill.  Mk.,  davon:  Einfuhr  5,3
Mill.  Mk.,  Ausfuhr  849,2  Mill.  Mk.
Die  jährliche  Kartoffelproduktion
schätzt  man  auf  11  Mill.  Ton.  Von  Handel ­
  damit  ist  nicht  die  Rede.  .Fur  Spiritusbrennerei ­
  wird  die  Kartoffel  nur
in  den  polnischen  und  baltischen  Provinzen
verwandt,  in  den  mittclrussischcn  Provinzen ­
  ersetzt  sie  der  viel  ivertvollerc  Roggen.
Bon  den  3,56  Mill,  hl,  welche  1872-73
w  Rußland  (außer  Finnland  und  Polen)
produziert  wurden,  fallen  40  Proz.  ans
wen  Gouvernements  derSchwarzenErde.
lind)  Frucht-  und  Traubenbranntweinbrennerei
  (1876  gab  es44Etablissements)
wird  betrieben,  so  daß  bedeutende  Mengen

für  den  Export  vorhanden  sind,  der  1879:
31,2  Mill,  kg  (229,9  Mill.  Grad)  betrug.
Der  Export  zeigt  bedeutende  Fluktuationen. ­
  1872  erreichte  er  einen  Wert  von  6,4
Mill.  Mk.,  stieg  1874  auf  21,4  Mill.  ;  1877
hatte  er  einen  Wert  von  14,2  Mill.  Mk.,
1878  von  7  Mill.  Mk.
2)Dic  Flachskn  ltnr  nimmt  in  volkswirtschaftlicher ­
  Bedeutung  die  zweite  Stelle
ein;  sie  wird  betrieben  zur  Gewinnung  des
Faserstoffs  sowohl  als  des  Samens.  Als
Gespinstpflanze  wird  Flachs  kultiviert  vornehmlich ­
  in  Pskow,  aber  auch  in  vielen
andern  Gouvernements,  so  in  neuester
Zeit  in  großartigem  Maßstab  in  Twer.
Fn  Schlaglcin  wird  Flachs  namentlich  in
Bessarabien  und  in  Südrußland  gebaut.
Die  russischen  Bauern  betreiben  aber  diese
Kultur  sehr  allgemein  für  ihren  Hausbedarf, ­
  und  so  steht  dieselbe  ebenso  wie  die  Bearbeitung ­
  des  Flachses  noch  ans  sehr  niedriger ­
  Stufe.  Dennoch  beherrscht  Rußland
den  Weltmarkt.  Von  dem  gesamten  1878
in  Europa  mit  Flachs  bestellten  Areal
von  1,406,790  lia  entfielen  auf  Rußland
781,070  ha:  von  der  Gesamtproduktion
von  513,064  Ton.  kamen  auf  Rußland
244,928  T.  Dabei  scheinen  Areal  wie
Produktion  bedeutend  unterschätzt  zu  sein.
1879  war  die  Ausfuhr  wieder  auf  das  Niveau ­
  von  1877  gelangt,  nachdem  sic  1878
bedeutend  gesunken  war.  Der  Export
war:  Flachs  18,5  Mill,  kg,  Flachshede  2,i
Mill.  kg.  Die  bedeutendsten  Erportgebicte
sind:  Deutschland  und  England,  die  je  8
Mill.kg  jährlich,  Frankreich,  das2,7Mill,
kg  jährlich  nimmt,  dann  Österrcick),  Schweden ­
  und  Norwegen,  Dänemark,  Holland,
Belgien,  Portugal,  Vereinigte  Staaten.
Der  Wert  dieser  Ausfuhr  betrug  1878:
Flachs  181,  Flachshede  13,3  Milk.  Mk.
Dazu  kommt  noch  der  früher  freilich  weit
wichtigere  Posten  von  Leinsaat,  wovon
1878  für  114,9  Mill.  Mk.  ausgeführt
wurde  und  zwar  vornehmlich  nach  England, ­
  Holland,  Deutschland,  Belgien  und
Frankreich.  Die  Hauptorte,  an  welchen
der  russische  Flachs  von  den  Agenten  deutscher, ­
  holländischer  und  irländischer  Häuser
aufgekauft  wird,  sind:  Ostrow,  Grodno,
Wilna,  Riga  und  Pskow.  Am  stärksten
ist  die  Ausfuhr  über  Wirballen,  demnächst
        <pb n="431" />
        r

Russisches  Reich  (Ackerbau:  Flachs,  Hanf,  Baumwolle).  423

über  Riga,  Kronstadt,  Petersburg,  Sos-%
  Dioice.  Nach  Deutschland  gelangten  1877  :
75,4  Mill,  kg  Flachs  und  3,280,000  kg
Flachshede.  Flachsspinnereien  bestanden ­
  1877  im  ganzen  20  mit  114,734
Spindeln  und  16,820  Arbeitern  mit-einem
Produktionöwert  von  29,154,192  Nik.  Am
wichtigsten  ist  diese  Industrie  in  den  Gouvernements ­
  Kostroma,  Jaroslaw,  Petersburg, ­
  Wladimir,  Wologda,  Kasan,  Njäsan,
Livland.  Der  frühere  bedeutende  Export
bon  Leinengarn  ist  aber  sehr  heruntergegangen, ­
  1879  wurden  nur  noch  97,318  kg
exportiert  und  zwar  fast  ausschließlich  nach
England.  Die  Leinweberei  hat  ihre
Sitze  nahezu  in  denselben  Gouvernements,
doch  überragt  Wladimir  alle  andern;  1877
belief  sich  die  Zahl  der  fabrikmäßigen  Webereien ­
  auf  67  mit  14,022  Webstühlcn,
11,427  Arbeitern  und  einem  Fabrikationswert ­
  voir  27,5  Mill.  Mk.  Dabei  bildet  die
Verarbeitung  dcö  Flachses  auch  das  Oblckt
  einer  sehr  ansehnlichen  Hausindustrie;
inan  schätzt  die  Zahl  der  Spinnerinnen
auf  3  Mill.,  der  Weber  auf  500,000,  welche
außerhalb  der  Fabriken  für  die  Leinensudnstrie
  arbeiten,  und  die  Leinwand  der
saroölawschen,  wjatkaschcn  und  kostromaschen
  Bauern  geht  im  Hausierhandel
durch  gailz  Rußland.  Der  hohe  Schutzzoll
(30  Proz.  von  dem  angegebenen  Wert)
hat  der  Leinenindustrie,  namentlich  in
Polen  und  Jaroslaw,  sehr  emporgeholfen.
Doch  werden  wegen  besserer  Bleiche  noch
immer  starke  Posten,  besonders  von  Belfast ­
  (früher  voir  Bielefeld),  importiert.
Leinene  Säcke,  ehemals  ein  starker  Importartikel, ­
  sind  durch  Jutcsäcke  verdrängt
und  zwar  durch  eine  Hamburger  Firma,
welche  aus  ihrer  Fabrik  zu  Dundee  jährlich ­
  10  Mill.  Stück  importiert.  Der  Import ­
  von  Leinenwaren  stieg  von  6,i  Mill.
Mk.  iil  1878  alls  6,6  Mitt.  Mk.  in  1879.
Dagegen  hob  sich  der  Export  von  Packleinwalid,
  fast  der  einzige  Ausfuhrartikel,
boil  2,5  Mill,  auf  3,5  Mill.  in.  Der
Zoll  auf  leinene  Waren  beträgt  30  Proz.
bonl  Wert.
3)  Der  Hanfbau  ist  nicht  ganz  so
wichtig.  Hier  ist  das  wichtigste  Gouvernement ­
  Orel,  uächstdem  Tschcrnigow,  Kursk,
Ssmolcnsk  u.  a.  Den  Gesamtwert  aller

Produkte,  inkl.  der  Gespinste,  schätzt
man  auf  80  Mill.  Mk.  jährlich.  Man
zählte  1877:  113  Hanfspinnereien  und
Seilcrwarcnfabrikcn  mit  4995  Arbeitern
und  einem  Produktionswert  von  15,3  Mill.
Mk.  Hauptsitze  derIndustrie  sind  dieGouvernements
  Petersburg  (6,4  Mill.  Mk.),
Siuco  (3,8  9m.  9%f.),  bnwt  Ob#,  3^
roslaw,  Orel  n.  a.  Auch  hier  ist  die  Hausindustrie ­
  sehr  ausgebildet.  Der  Handel
mit  Hanf,  Hanfhede  und  Hanfsaat  zeigte
1879  eine  bedeutende  Belebung  gegen  1878;
nur  in  Hanfgarnen  zeigte  sich  ebenso  wie
in  Leinengarnen  ein  bemerkenswerter
Rückgang.  1878  betrug  der  Wert  der
Ausfuhr  von  Hanf  und  Hanffabrikaten
(meist  über  Rlga  uild  Wirballen)  56,a
Mill.  Mk..  davon  Hanf  50,6  Mill.,  Hanfgarn ­
  5,6  Mill.  Mk.  Wichtig  ist  auch  der
Export  von  Stricken  und  Tauen,  der
1877:  3,910,440  kg  (3,18  9m.  9%f.),
1879:  3,910,990  kg  betrug.
Ferner  ist  an  dieser  Stelle  der  bedeutende ­
  Handel  mit  Öl  samen  und  Ölkucheil
  zu  nennen,  von  denen  1878  zusammen ­
  ein  Wertbetrag  voir  31,9  Mill.
Mk.  exportiert  wurde;  die  Ausfuhr  1879
betrug:  von  Ölsamcn  12,4  Mill.,  voir  Ölkuchen ­
  27,4  Mill.  kg.
4)  Die  Banmwotlkultur  ist  nur  in
wenigen  Teilen  Rußlands  möglich,  sie
wird  im  Kaukasus,  im  Kreis  Knta'ls  und
einigen  centralasiatischen  Strichen  betrieben; ­
  doch  ist  diese  Produktion,  welche  man
für  ganz  Centralasien  auf  ca.  54  Mill,  kg
veranschlagt,  durchaus  ungenügend  für
den  Bedarf  der  rnsfifchen  Spinnereien,
auch  steht  daö  hier  gewonnene  Material
dem  amerikanischen  an  Reinheit  und  Güte
bedeutend  nach;  man  führte  ein  1878:
103,7  9m.  kg  (285  9m.  9)1!.),  1879:
94,i  Mill,  kg;  davon  kamen  %  über  Reval.
Die  meisten  und  großartigsten  Spinnereien ­
  befinden  sich  in  und  um  Moskau
und  Petersburg,  dann  in  Wladimir,  in
den  baltischen  und  polnischen  Provinzen,
in  Twer.  1877  produzierten  67  Spinnereien ­
  mit  2,796,283  Spindeln  und  48,672
Arbeitern  Baumwollgarn  im  Wert  von
142,6  Mill.  Mk.  Die  Beteiligung  der  einzelnen ­
  Gouvernements  zeigt  die  auf  S.
424  gegebene  Tabelle.
        <pb n="432" />
        424

Russisches  Reich  (Baumwollkultur).

Die  Baiimļvollst&amp;gt;ii»lereie»  Rusjlniidö  1877.

Spindeln
Mule  Water  I  Zus.

Ar

beiter

691604

58516

750120

6450

615382

25044

640426

16037

353934

48764

402698

10217

182560

28096

210656

4020

99462

4088

103550

1800

68769

26420

95198

2500

26676

26676

500

4200

4200

L40

5564

5564

300

2100

400
43160
107592
40076
382156

_•  -

173480

216640

2890

173896

281488

2847

16500

56576

901

67  ¡2414127

Gouvernements ­

Petersburg
Moskau.  .
Wladimir.
Twer  .  .  .
Jaroslaw.
Rjäsan  .  .
Ssmolensk
Kaluga  .  .
Kasan.  .  .
Perm  .  .  .
Weichsel.  .
Baltische  .
Finnland.
Zus.:
Der  Handel  mit  Baumlvollgarnen  ist
durch  die  neueste  Gesetzgebung  sehr  erschwert ­
  worden  und  der  Import  durch
den  Zoll  von  3,25  Rubel  pro  Pud  (30,4
Mk.  pro  16,4  kg)  auf  feine  Garne  von
Nr.  60  aufwärts  beschränkt,  da  diese  in
Rußland  nicht  gesponnen  werden  ;  man  bezieht ­
  sie  aus  England  und  zwar  in  steigen-«sæsit

v st t  ihren  Grund  in  der  zunehmenden  Ausdehnung ­
  der  Webereien;  von  den  1877
m  Russland  und  Finnland  existierten  106
mit  54,566  Webstühlen  und  62,567  Arbeitern, ­
  welche  baumwollene  Stoffe  im  Wert
von  190,7  Mill.  Mk.  herstellten.  Dabei
besteht  noch  eine  Anzahl  von  Zitzfabriken,
namentlich  in  den  Gouverueiiients  Moskau ­
  und  Wladimir;  1877  im  ganzen  98
Fabriken  mit  20,600  Arbeitern  und  einem
Produktionswert  von  112  Mill.  Mk.  Am
intensivsteil  wird  die  Baumwollweberei  betrieben ­
  iil  den  Gouvernements  Moskau,
Wladimir,  Petersburg,  in  den  baltischen
Provinzen  und  Polen  (s.  unten).
»  D^r  Zoll  fürBaumwollgewebe  beträgt
28  Kopeken  bis  1  Rubel  20  Kopeken  vom

Rußland  eine  sehr  bedeutende  Rolle;  der
hohe  Zoll  von  50  Kopeken  pro  russisches
Pfund  macht  indessen  die  Einfuhr  unmöglich. ­
  Die  Zahl  der  Druckmaschinen
betrug  290,  davon  235  im  Moskauer  Bezirk, ­
  34  im  St.  Petersburger  und  21  int
Lodzer;  das  für  die  Zitzfabriken  wichtige
Albumin  (zur  Fixierung  pulverförmiger
Farben)  aus  Eiern  und  Blut  wird  (1879:
123,000  kg)  in  Petersburg,  Moskau  re.
hergestellt.  Dennoch  ist  der  Import  von
solchen  Stoffen,  welche  den  Zoll  tragen
können,  in  den  letzten  Jahren  bedeutend
gestiegen;  er  betrug
1877  :  468482  Kilogr.
1878:  1054848  ,
1879:  1389655  -
2  796  283  ¡48672  Dir  BaumwolNvcbercicn  Rußlands  1877.

Gouvernements
Petersburg
Moskau.
Wladimir
Twer.  .
Jaroslaw
Rjäsan  .
Ssmolensk
Kasan  .
Kostroma
Perm  .
An  der  Weichsel
Baltische
Finnland

Webereien ­


Webstiihlc


6606
16283
13421
5053
944
349
500
35
3675
75
44171
2016
1192

Arbeiter

5244
20819
17463
5112
1300
440
700
60
5295
170
3446
1514
1004

Zusammen:  |  106  (  545661  62567
Mit  der  zunehmenden  Ausdehnung  der
Textilindustrie  hängt  der  Import  von
Farbstoffen  zusammen,  deren  Wert  sich
1878  auf  58,5  Mill.  Mk.  belief.  Anilin
und  Alizarin  sowie  llltramarin  liefert  fast
ausschließlich  Delttschlaud.  Türkischrotgarnfärberei ­
  wird  von  7  Fabriken  im
Moskauer  Bezirk  mit  einem  Prodnktioiiöwert
  von  16,8  Mill.  Mk.  betrieben,  1879
wurden  aber  115,000  kg  Notgarn  eingcsührt.
  Mit  Türkischrot-  Stückfärberei  beschäftigen ­
  sich  17  größere  Etablissements,
Welche  1879:1,500,000  Stücke  fertig  stellten. ­
  Der  Import  von  Indigo  allein  betruR
  1879:798,988kg.  Rin  ben  3nbiüo,
Handel  ist  besonders  Petersburg  von  Bedeutung. ­
  Indigo  zahlt  einen  Zoll  von  3
Rubel  vom  Pud,  d.h.  59,46  Mk.  für  100  k«'.
        <pb n="433" />
        425

Russisches  Reich  (Ackerbau:
5)  Der  Weinbau  liefert  eine  jährliche
Traubenlese  von  365  Mill,  kg;  am  stärksten ­
  wird  derselbe  betrieben  in  Bessarabien,
Kuta'is  und  Tiflis.  Die  jährliche  Produktion ­
  von  Most  erreicht  15  Mill.  Eimer;
doch  ist  der  Export  sehr  unbedeutend,  ca.
544.000  Mk.  jährlich,  dem  ein  Import
von  8  Mill.  Mk.  gegenübersteht.  Im
Jahr  1879,  das  eine  sehr  erhebliche  Zunahme ­
  ausweist,  war  die  Einfuhr:
Wein  in  Fässern.  14743(50  Kilogr.
Wein  in  Flaschen  262106  Flaschen
Champagner  .  .  748745  -
Die  stärkste  Einfuhr  findet  nach  Petersburg ­
  statt,  wohin  fast  die  Hälfte  alles  importierten ­
  WeinS  gelangt.  Nach  dem  russischen ­
  Zolltarif  wird  Wein  in  Fässern  mit
2  Rubel  30  Kopeken  das  Pud  (in  Deutschland ­
  24  Mk.  pro  100  kg,  also  etwa  die
Hälfte  des  russischen  Zolles),  Champagner
mit  1  Rubel  die  Flasche,  sonstiger  Flaschenwein ­
  mit  33  Kopeken  die  Flasche  verzollt.
6)  Der  Tabakbau  wird  besonders
in  Kleinrußland,  Bessarabien  mit  den
Dnjestruferländern,  den  deutschen  Niederlassungen ­
  an  der  Wolga  und  in  der  Krim
betrieben.  1878  bestanden  117,419  Tabakpflanzungen, ­
  welche  einen  Ertrag  von
71.958.000  kg  brachten.  Trotz  dieser  bedeutenden ­
  Produktion  führt  Rußland  aber
immer  noch  auS  der  Türkei  und  Amerika
ein,  denn  die  Qualität  ist  gering;  nur  in
Bessarabien  und  der  Krim  baut  man  bessere ­
  türkische  und  amerikanische  Sorten,
auch  in  Kaukasien  (Jahreöertrag  440,000
kg);  der  sibirische  (jährlich  1,2  Mill,  kg)
ist  sehr  mittelmäßig.  1878  wurden  Tabak
und  Cigarren  im  Wert  von  15,oMill.Mk.
eingeführt;  1879  belief  sich  die  Einfuhr  auf
2.084.000  kg,  die  Ausfuhr  auf  2,414,000
kg.  Der  Verbrauch  von  Tabak  ist  in  Rußland ­
  ein  verhältnismäßig  geringer;  während ­
  im  Deutschen  Reich  1,8  kg  auf  den
Kopf  der  Bevölkerung  entfällt,  kommt  auf
jeden  Russen  nur  l h  kg.  Rohtabak  zahlt
nach  dem  Gesetz  von  1877  einen  Zoll  von
277,48  Mk.  pro  100  kg  (14  Rubel  pro
Pud),  Cigarren  1744,16  Alk.  für  100  kg.
Daher  ist  die  vor  1877  ansehnliche  Einfuhr ­
  von  Blättertabak  sehr  schnell  gefallen  ;
sie  betrug  1876  noch  8,4  Mill.,  aber  1878
nur  1,4  Mill.  kg.

:  Wein,  Tabak,  Zuckerrüben).
7)  Der  Zuckerrübenbau  und  die  Gewinnung
  von  Rübenzucker  sind  vornehmlich ­
  in  Kiew  (die  Hälfte  der  ganzen  Produktion) ­
  zu  Hause,  demnächst  in  Rjäsan,
Warschau,  Podolien,  Charkow,  Tschernigow,
  Kursk  u.  a.  Rußlands  nimmt  in
dieser  Hinsicht  schon  die  vierte  Stelle  unter
den  europäischen  Staaten  ein.  Die  Gesamtproduktion ­
  betrug  in  der  Kaiiipagne  1879
bis1880:4,9O0,000Ctr.  RussischerZucker
'  kam  zum  erstenmal  Ende  1876  auf  den
;  europäischen  Markt.  Die  damals  erfolgte
Erhöhung  dcr  Acciserückerstattung  auf  den
vollen  Betrag  der  gezahlten  Accise,  das
Siiiken  der  russischen  Valuta,  die  schlechten ­
  Ernten  in  Westeuropa  und  den  Kolonien ­
  begünstigten  diese  Versuche.  Auf
seiner  1877  erreichten  Höhe  konnte  sich
der  Export  freilich  bei  veränderten  Verhältnissen ­
  (guten  Rübenernten  in  Westeuropa, ­
  mittelmäßigen  in  Rußland)  nicht
halten,  dafür  hat  aber  der  Import  so
gut  wie  ganz  aufgehört.  Er  betrug  1879
nur  10,200  kg  gegen  eine  Ausfuhr  von
2,607,600  kg.  1877  hatte  der  Wert  der
Ausfuhr  52,5  Mill.  Mk.  betragen,  1878
war  derselbe  auf  4,3  Mill.  Mk.  (4,870,800
kg)  gefallen.  Ausfuhrstationen  für  russischen'Zucker ­
  sind  Odessa,  die  österreichische
Grenzstation  WolotschiSk,  für  polnischen
Zucker  Grajewo  an  der  preußischen  Grenze.
Die  Ausfuhr  nach  Deutschland  sank  von
355,880  kg  1878  auf  152,420  kg  1879.
Schokoladen-  und  Konfektfabriken  bestehen ­
  namentlich  in  Moskau,  dann  in
Petersburg,  Warschau  re.  Deutschland,
namentlich  Berlin,  liefert  dazu  Bilder,
Etiketten  re.,  Zinnfolie  (Frankfurt  a.  M.,
Nürnberg,  Breslau).
8)  Thee  wird  zwar  in  Rußland  nirgends
kultiviert,  bildet  aber  ein  unentbehrliches
Volksnahrungsmittel.  Die  Einfuhr  hat
sich  seit  einer  langen  Reihe  von  Jahren
zwischen  11  Vs  und  13  Mill,  kg  bewegt.
Die  Haupteinfuhr  von  Thee  geschieht  über
London  und  Königsberg;  von  dort  nimmt
er  seinen  Weg  nach  den  Zollämtern  von
Moskau,  wo  1879:  1148,000  kg  verzollt
wurden,  und  über  Wirballen.  Außerdem
sind  bedeutende  Theehäfcn  noch:  Petersburg, ­
  Odessa,  Reval.  Der  Thee  über  die
europäische  Grenze  zahlt  einen  Zoll  von
        <pb n="434" />
        426

Russisches  Reich  (Thee,  Kaffee:  Viehzucht).

305,2ir  —  436  Mk.  pro  100  kg.  Über
die'^europäische  Grenze  wurden  1877:
6,126,450  kg,  Akt  1878:12,152,777  kg
importiert,  dagegen  über  die  asiatische
1877:  10,953,862  kg  imb  1878:
13;237,736  kg.  Der  Import  über  die
letzte  Strecke  ist  also  noch  immer  der  stärkere, ­
  die  Einfuhr  zur  See  nimmt  indes
in  weit  größerm  Matz  zu.  Außerdem  besteht ­
  von  den  asiatischen  Importen  ein
großer  Teil  in  Ziegelthee.  Der  Wert  des
1878  importierten  Thees  beziffert  sich  auf
175,3  Mill.  Mk.,  davon  für  118  Mill.
Mk.  über  die  europäische  und  für  56,4
Mill.  Mk.  über  die  asiatische  Grenze,  was
für  die  weit  höhere  Qualität  des  erstern
spricht.  Der  »Kiachtasche«  Thee  ist  in
Kisten  verpackt,  welche  innen  mit  Papier
und  Palmblättern  ansgeschlagen  und  in
Felle  genäht  sind;  bei  dem  »Kantonschen«
(der  über  London  kommt)  haben  die  Kisten
innen  eine  Bleiverkleidung.  Kiachtathce
wird  für  die  ganze  Kiste,  Kantonthee  pro
Nettopfnnd  gehandelt.  —  Kaffee  wird  in
weit  geringerm  Matz  konsumiert.  Dem
obenerwähnten  Einfuhrwert  von  Thee
steht  für  1878  nur  ein  solcher  von  18,2
Mill.  Mk.  gegenüber.  Doch  ist  die  Einfuhr ­
  eine  sehr  stark  wachsende,  sie  betrug
1877:  4,7  Mill,  kg  und  1879:  7,7  Mill,
kg.  Der  Kaffee,  meist  mittlere  und  höhere
Sorten,  wird  zum  größten  Teil  über  Petersburg, ­
  20  Prozf  über  das  Schwarze
Meer,  besonders  Odessa,  importiert.  Der
Zoll  beträgt  29,73  Mk.  für  100  kg.
B.  Viehzucht.
DaS  russische  Reich  steht  in  Bezug  ans
seinen  Reichtum  an  Bich  nicht  hoch;  während ­
  auf  1000  Bewohner  in  Deutschland
384  Rinder,  609  Schafe  und  173  Schweine
kommen,  entfallen  auf  dieselbe  Zahl  der
Bewohner  in  Rußland  343  Rinder,  699
Schafe  und  151  Schweine.  Nur  in  den
Gouvernements  Tannen,  Donprovinz,
Astrachan  und  den  ciökaukasischcn  Distriktcn
  ist  Viehzucht  die  Haupteinnahmequclle
der  Bewohner.  Nach  der  Viehzählung  von
1872  gab  es  im  europäischen  Rußland:
Pferde  .  16354000  !  Schafe  .  48823000
Rinder  .  23076000  |  Schweine  10544000
Der  Viehbestand  scheint  aber  in  jüngster
Zeit  eher  ab-  als  zugenommen  zu  haben.

Pferde  werden  wesentlich  zu  Land,
namentlich  über  Wirballen,  Grajewo  und
Wolotschisk,  exportiert.  Die  meisten  Pferde
gehen  nach  Deutschland,  1875:  28,000
von  33,000  Stück,  1876:  26,000  von
42,000  Stück.  1877  war  die  Ausfuhr
wegen  des  Kriegs  verboten  und  siel  auf
370,  stieg  aber  schon  1878  auf  15,648  und
1879  auf  32,864  Stück.
Schlachtvieh.  Das  Rindvieh,
das  Rußland  ausfiihrt,  ist  ausschließlich
Schlachtvieh,  da  es  als  Zuchtvieh  keinen
Wert  hat.  Dem  Handel  treten  indes  mehrere
  Hindernisse  entgegen:  häufige  Viehseuchen ­
  und  dadurch  bedingte  Absperrungen ­
  der  Grenze;  der  geringe  Flcischgehalt
(Durchschnittsgewicht  328  kg,  Durchschnittswert ­
  195  Mk.)  der  russischen  Rinder, ­
  so  daß  dieselben  einer  Nachmast  bedürfen; ­
  die  großen  Entfernungen,  Kosten  und
die  langsame  Beförderung  alls  den  russischen ­
  Eisenbahnen.  DieAusfuhr  vonOchscn
und  Kühen  erreichte  ihre  Höhe  1869  mit
136,636  Stück  und  betrug  1879  (ähnlich
den  Vorjahren)  47,504  Stück.  Sic  geht
über  die  Landesgrenze  (Österreich-Ungarn
41,263  Stück,  Deutschland  5669  Stück),
wenig  über  das  Schwarze  Meer.  Der  Export ­
  von  Schafen  (1877:  271,683)  geht
zu  Vs—Va,  der  von  Schweinen  (738,534)
zn  Vs  —  a U  nach  Deutschland.  Der  Gesamtwert ­
  der  Ausfuhr  aller  Tiere  belief
M  1878  auf  53,8  9KHI.  9Kf.
TierischeProdukte.  Den  ersten  Platz
nimmt  hier  unbestritten  die  Wolle  ein.
Nur  mit  diesem  Produkt  tritt  die  ausgedehnte ­
  Schafzucht  bedeutend  in  den  Verkehr. ­
  Die  meisten  der  Schafe  gehören  aber
noch  den  unveredelten  Rasseil  au.  Von  den
43,143,200  Schafen,  welche  man  1875  im
europäischen  Rußland  (ohne  Finnland
und  Kaukasus)  zählte,  waren  Landschafe
35,143,200,  9Rcriuo6  8,500,000.  (Da'
gesamte  Schafbcstaud  in  ganz  Rußland
wird  aber  in  neilester  Zeit  auf  65,4  Mill.
Stück  geschätzt  und  deren  Wollproduktion
alls  177,i  Mill.kg,  so  daß  Rußlandnahezu
die  Hälfte  der  gesamten  Produktion  Europas, ­
  ca.  403,6  Mill,  kg,  liefert.  Von  diesem ­
  Ertrag  führt  Rußland  bedeutende
Quantitäten  aus,  während  es  zugleich
wachsende  Mengen  vom  Ausland  bezicht
        <pb n="435" />
        427

Russisches  Reich  (tierische  Produkte).

Der  Handel  mit  Rohwolle  wertete  (in
Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
1876:  40,o  38,1
1877:  36,8  71,o
1878:  78,4  39,7
Die  Qualität  der  ausgeführten  Wolle  ist
eine  geringe,  solche,  welche  sich  zur  Tep-Pichfavrikation
  und  zur  Herstellung  von
groben  Tuchen  eignet.  Deutschland  iiitb
England  sind  die  Abnehmer  für  Landwolle
(1877:  8,2,  resp.  6,6  Mill,  kg),  Österreich-Ungarn
  für  Merinowolle  (1877:  7/.Mill,
kg).  Sowohl  die  Abnahme  der  Ausfuhr
als  die  Annahme  der  Einfuhr  ist  auf  die
vermehrte  Thätigkeit  der  inländischen
Wollindustrie  zurückzuführen.  Zur  Einfuhr ­
  gelangen  übrigens  nur  bessere  Sorten, ­
  besonders  zur  Tnchfabrikation  geeignete ­
  Kammwollen,  welche  namentlich  aus
Deutschland,  England  und  Rumänien
kommen.  Der  Haupthandel  mit  Merinowolle ­
  findet  in  Charkow,  Kiew,  Moskau ­
  statt,  der  für  gewöhnliche  Wolle  in
Moskau  und  Nishnij  Nowgorod;  außerdem ­
  sind  bedeutende  Exportplätze:  Reval,
Riga,  Odessa,  letzteres  für  Merinowolle.
Der  Eingangszoll  für  Rohwolle  ist
4,36Mk.  pro  100kg(22Kopeken  pro  Pud),
für  gefärbte  und  künstliche  Wolle  8,72  Mk.
(44  Kopeken).  Ein  sehr  ansehnlicher  Teil
der  Schafwolle  wird  übrigens  zu  Pclzwcrk
verarbeitet  und  somit  der  Wollprodnktion
entzogen.  Die  Lammfelle  der  in  den  östlichen ­
  und  südöstlichen  Gouvernements
gezogenen  Fettschwanzschafe  kommen  als
»Baranken«  in  den  Handel.  Die  Anfertigung ­
  von  Schafpelzen  beschäftigt  im
Kreise  Schuja  (Wladimir)  mehr  als  30
Dörfer  mit  5000  Personen;  1877  wurden ­
  dort  2V»Mill.  Rohfelle  angekauft  und
600,000Pelze  sowie  60,000  Fellhandschuhe
im  Wert  von  10,6  Mill.  Mk.  angefertigt.
Der  W  ollverbrauch  ist  ein  sehr  ansehnlicher; ­
  in  dieser  Hinsicht  steht  Rußland
nur  Frankreich  und  England  nach,  sein
jährlicher,  dnrch  die  klimatischen  Berhältnisse
  bedingter  Konsum  beziffert  sich  auf
106,5  Mill,  kg  (in  Deutschland  nur  83
Mill.  kg).  Daher  hat  sich  schon  eine  ziemlich ­
  lebhafte  Industrie  entwickelt.  Es  be-  •
standen  1877:  25  Wollspinnereien  (16  m

Moskau)  mit  15  Dampfmaschinen,  3163
Arbeitern  und  einem  Produktionswert  von
7,7  Mill.  Mk.  Diese  Spinnereien  liefern
iildcö  nicht  genügendes  Material  für  die
russischen  Webereien;  daher  importierte
Rußland  von  Wollgarn:
1877:  2509200  Kilogr.
1878:  5716974
1879  :  5484783

Der  Zoll  für  Wollgarn  beträgt  89,19
Mk.  (4  Rubel  50  Kopeken)  pro  100  kg.
DieWollwcberei  entwickelt  sich  zwar
mehr  und  mehr,  vermag  aber  dem  einheimischen ­
  Bedarf  keineswegs  zu  genügen.
Die  Tuchproduktion  steht  voran.  &amp;lt;sie  hat
ihren  Hanptsitz  in  Moskau,  das  nahezu
die  Hälfte  des  ganzen  Produktions  Werts
liefert,  ist  aber  auch  sehr  bedeutend  in
Ssimbirsk,  Petersburg,  Tambow,  Grodno
u.  a.  Die  Zahl  der  Fabriken  1877  war
294,  der  Webstühle  14,044,  mit  welchen
54,583  Arbeiter  für  123,2  Mill.  Mk.
Ware  lieferten.  Für  andre  Wollwaren
bestanden  außerdem  225  Fabriken  mit
13,934  Webstühlen  und  20,309  Arbeitern
und  einem  Produktionswert  von  54  Mill.
Mk.  Diese  Industrie,  früher  weit  verbreitet,
wird  jetzt  nur  in  den  Gonvernementö
Moskau,  Grodno  und  Livland  betrieben.
Für  Teppichweberei  bestehen  in  Moskau
und  Tambow  10  Fabriken,  welche  mit
607  Arbeitern  für  1,225,000  Mt.  Ware
jährlich  erzeugen.  Die  Teppichsabrikation
ist  aber  in  ausgedehntem  Maß  Hausindustrie, ­
  namentlich  in  den  östlichen  Gouvernements ­
  jenseit  der  Wolga,  in  den  tatarischen ­
  Gouvernements  und  im  Kaukasus.
Die  Filzfabrikation  ist  zwar  nicht  Großindustrie, ­
  aber  schon  nennenswert.  DerJmport
  vonWollfabrikatcn  muß  aber  immernoch ­
  in  bedeutender  Weise  die  Bedürfnisse
befriedigen  helfen;  derselbe  betrug  1877:
1.2  Mill,  kg,  1878:  1,9  Mill,  und  1879:
2.3  Mill.  kg.  Der  Wert  der  Einfuhr  war
1875  noch  51,5  Mill.  Mk.  gewesen,  siel
bis  1877  auf  20,9  Mill.  Mk.  und  betrug
1878:  33,6  Ditti.  Mk.  ;  über  die  asiatische
Grenze  wurde  1878  für  4,2  Mill.  Mk.  exportiert. ­
  Die  Zollsätze  sind  außerordentlich ­
  hoch;  der  Zoll  auf  wollene  Gewebe
beträgt  10  Kopeken  bis  3  Rubel  pro  Pfund,
i).  ï).  79,28-2378,40  9kl.  für  100  kg.
        <pb n="436" />
        iRBHSlmra

p  rii

Él:

lisi,

428

Russisches  Reich  (tierische  Produkte,  Seidenzucht).

S  ei  d  e  u  z  u  ch  t  wird  iu  einigen  südlichen
Gouvernements  betrieben,  die  Produktion
ist  indessen  unbedeutend,  und  Rußland
führt  daher  für  seine  Seidenfabriken  große
Mengen  ausländischer,  namentlich  italienischer. ­
  Seide  ein.  Zur  Herstellung  geringerer ­
  Waren  braucht  man  transkaukasische ­
  und  persische  Seide.  Die  Einfuhr
stieg  in  jüngster  Zeit  enorm  und  zwar  von
164,000  kg  in  1877  auf  446,700  kg  in
1878  und  560,900  kg  in  1879.
Der  Wert  der  eingeführtenSeide  betrug
1878:  38,1  Mill.  Mk.  Rohseide  ist  mit
einem  Einfuhrzoll  von  9,90—99  Mk.
pro  100  kg  belegt.  Die  Einfuhr  vonSeidenwaren
  zeigt  seit  1877  wieder  eine  steigende ­
  Tendenz;  sie  betrug  1877  :  58,548
kg,  stieg  1878  auf  104,678  kg,  1879
auf  106,174  kg.  Der  Wert  der  Einfuhr
1878  war:  über  die  europäische  Grenze  9,6
Mill.  Mk.  (1875:  21  Mill.  Mk.).  über  die
asiatische  Grenze  5,9  (1875:  0,72)  Mill.
Mk.  Der  Zoll  auf  Seideuwaren  ist  1—5
Rubel  vom  Pfund,  d.  h.  792—3964  Mk.
für  100  kg.  Die  Weberei  hat  ihren  Sitz
in  der  ltmgegend  von  Moskau  und  ist
hauptsächlich  Hausindustrie;  die  dabei
verwendeten  Garne  bezieht  man  aus  Mailand, ­
  auch  aus  Lyon.  Deutschlands  Anteil ­
  an  dem  Seidenhandel  ist  nicht  nennenswert. ­

Bon  andern  tierischen  Produkten,  welche
in  den  Handel  gelangen,  sind  die  wichtigsten: ­
  Butter,  Talg,  Knochen.  Butter ­
  wird  schon  seit  längerer  Zeit  exportiert; ­
  die  Ausfuhr  war  1871'  am  bedeutendsten, ­
  damals  wurden  3,886,800
kg  ausgeführt;  iu  den  Jahren  1878
und  1879  betrug  der  Export  2,855,404,
resp.  3,250,480  kg.  Für  Käsebereitung
ist  der  Kreis  Kortschewa  im  Gouvernenient
  Twer  Mittelpunkt;  1876  wurden
246,230  kg  meist  über  Odessa  ausgeführt. ­
  Talg  war  früher  als  sehr  bedeutender ­
  Exportartikel  aufgeführt;  seitdem
aber  Amerika  und  Australien  den  europäischen ­
  Markt  mit  ihren  Produkten  zu  überschwemmen ­
  anfingen,  hat  sogar  ein  Import ­
  in  größerm  Maßstab  begonnen:  der
Export  von  Talg  betrug  1877  noch  18,2
•Whit,  kg,  aber  1879  nur  noch  0,i  Mill,
und  dabei  wurden  im  letzten  Jahr

7,143,512  kg  importiert;  es  fand  also,
und  zwar  zum  erstenmal,  eine  Mehreinfuhr ­
  statt.  Der  Export  von  Talg  nimmt
seinen  Weg  fast  ausschließlich  über  Petersburg-Kronstadt, ­
  welchen  Weg  auch
die  Einfuhr  wählt.  Knochen  bildeten
in  früherer  Zeit  einen  wertvollen  Exportgegenstand;
  1872  brachte  diese  Ausfuhr
2.592.000  m.,  1878  mir  no#  480,000
Mk.  Die  Menge  im  ersten  Jahr  war
16.646.000  kg,  im  zweiten  4,723,200kg;
1879  betrug  sie  sogar  nur  noch  938,474
kg.  Dieser  Rückgang  erklärt  sich  aus
der  steigenden  Ausfuhr  von  Knochenmehl
und  Knochenschrot,  1879  ca.  45  Mill,  kg,
nach  England,  Deutschland  und  nach
Schweden  als  Düngstosf.  Unverarbeitete
Knochen  zahlen  einen  Ausfuhrzoll  von
2  Mk.  pro  100  kg.  —  Andre  wichtige
Exportartikel  sind  Borsten  und  rohe
Häute;  von  Borsten  wurden  1878:
2,312,400  kg,  1879:  1,886,000  kg,  von
Dm  Ickten  1879  :  3,522,720  kg  ans#:;
führt,  und  zwar  nimmt  diese  Ausfuhr
ihren  Weg  über  St.  Petersburg.  Zu
gleicher  Zeit  werden  aber  noch  bedeutende
Mengen  von  Häuten  eingeführt,  welche
in  den  russischen  Gerbereien  teilweise  zu
Juchten  verarbeitet  werden.  Die  Ausfuhr
von  Leder  ist  indes  starken  Schwankungen
unterworfen  und  in  jüngster  Zeit  sehr  heruntergegangen; ­
  sie  betrüg  1878:  598,420,
1879:479,716  kg.  Bei  diesem  Ausfall  ist
Juchtenleder  allein  mit  einem  Minus  von
114,800kg  beteiligt.  Die  Summe  derAusfuhr
  an  Vieh  und  nüchtigern  tierischen  Produkten ­
  beziffert  sich  demnach  für  1878  auf
146  Mill.  Mk.  und  zwar  (iu  Millionen):

Vieh
Wolle
Seide.
Borsten

Tasi,  .
Knochen
Eier  .

C.  Forstwirtschaft  »iid  Jngd.
Die  dritte  Quelle  des  Nationaleinkommens ­
  ,  dem  Wert  nach  die  zweite,  ist  der
Waldbestand.  In  den  Gouvernements
Wologda,  Olonez,  Perm,  Wjatka,  Nowgorod ­
  und  Finnland  sind  92,8—52,3  Proz.
der  Gesamtfläche  mit  Wald  bedeckt;  doch
ist  die  Produktion  hier  eingeschränkt,  weil
die  Flüsse  nur  3—4  Monate  eisfrei  sind.
Der  Holzverbrauch  in  andern  Gegenden
        <pb n="437" />
        Russisches  Reich  (Forstwirtschaft,  Jagd,  Fischerei).

429

ist  aber  ein  kolossaler,  namentlich  sind  die
großen  Industriestädte  in  weitem  Umkreis
von  Höh  entblößt.
Bis  1874  hatte  die  Holzausfuhr
eine  stets  steigende  Tendenz;  die  Höhe
dieses  Jahrs  mit  106,5  Mill.  Mk.  ist  nie
wieder  erreicht  worden.  Der  Export  betrug ­
  (in  Millionen  Mark)  :
1876:  99,2  I  1878:  97,5
1877:  100,3  I  1879:  80,7
Bei  dem  Holzexport  ist  in  erster  Linie
Riga  beteiligt,  und  von  den  Landzollämtern ­
  ist  der  Verkehr  über  Neszawa  (Zollstätte
  an  der  Weichsel)  am  bedeutendsten;
letzterer  nahm  im  verflossenen  Jahr  sogar
erheblich  zu,  während  der  Verkehr  ans  dem
Seeweg  fast  durchweg  eine  Abnahme  zeigte
In  Millionen  Mark  gingen  1879  über:

Riga  .  .
Kronstadt.
Archangel.

24,8
11.2
4,5

Neszawa.
Sosnowice

28.4
1.8

Nach  Deutschland  (ebenso  nach  Frankreich, ­
  den  Niederlanden  und  Belgien)  werden ­
  fast  ausschließlich  dünne,'halb-bis
andcrthalbzöllige  Weißholzbrctter  ausgeführt; ­
  nach  England  gehen  Planken  und
Rotholzbrettcr.  —  Die  Pottasche-Ausfuhr, ­
  welche  früher  sehr  einträglich  war,
ist  jetzt  auf  ein  Viertel  dessen  reduziert,
das  sie  vor  sechs  Jahren  betrug,  eine  Folge
einesteils  der  vermehrten  Nachfrage  inländischer ­
  Fabriken,  andernteilS  ker  Verdrängung ­
  der  Pottasche  durch  die  wohlfeilere ­
  Soda.  Die  Einfuhr  von  Soda
stieg  von  26,2  Mill,  kg  in  1878  auf  27,9
Mill,  kg  in  1879.  Der  Zoll  beträgt  10-30
  Kopeken  vom  Pud,  d.  h.  1,98—5,96  Mk.
für  100  kg.  Vor  20  Jahren  betrug  die
jährliche  Ausfuhr  von  Pottache  noch
über  13  Mill,  kg,  1879  ist  sie  «ns.984,000
kg  gefallen.  Der  Handel  nimmt  seinen
Weg  fast  ausschließlich  über  Petersburg-Kronstadt.
  Dort  wurden  1879:  2391
Fässer  gebracht  und  verschifft,  d.h  686  Fässer ­
  weniger  als  int  Vorjahr.  —  Teer  ist
ein  andres  wichtiges  Produkt  derrnssischen
Wälder.  Die  allein  von  der  ländlichen  Bevölkerung ­
  im  N.  jährlich  bereitete!Menge
von  Teer  und  Pech  wird  zu  132  Mill,  kg
veranschlagt.  Die  Atlsfuhr  wertete  1877
über  2  Mill.  Mk.

Der  Pelzhandel  hat  seinen  Mittelpunkt ­
  ans  derMesse  zu  NishnijNowgorod,
welche  sich  an  die  im  Februar  stattfindende
zu  Jrbit  anschließt;  hierher  strömen  über
Moskau  die  russischen  Pelzvorrate,  um
teils  über  Petersburg  nach  Europa  (75
Proz.  nach  Leipzig),  teils  nach  Amerika
(über  Leipzig)  zu  gehen.  Die  Artikel  für
die  Türkei  gehen  nach  Taganrog,  die  für
Persien  und  Centralasien  nach  Asow.
Die  Ausfuhr  nach  Europa,  welche  1877:
839.000  kg  betragen  hatte,  fiel  1878  auf
621.000  kg,  stieg  1879  aber  wieder  auf
1.081.000  kg.  Der  Wert  des  importierten
Pelzwcrks,  das  besonders  in  Leipzig  für  den
Marktzugerichtet  wird,  ist  ein  weit  höherer
als  der  des  ausgeführten.  Das  Verhältnis ­
  war  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
1876:  13,5  8,5
1877:  8,o  5,3
1878:  17,o  3,5
Die  Einfuhr  aus  Asien  besteht  vornehmlich ­
  in  Baranken,  Füchsen  und  Mardern.
Über  die  orenburgische,  sibirische  und  kaukasische ­
  Douane  wurden  1877  eingeführt
für  0,8  Milt.  Mk.,  ausgeführt  für  2,3
Mill.  Mk.  Pelzwerk.  Seit  I860  hat  dieser
Handel  stark  eingebüßt.
n.  Fischerei.
Die  Fischerei  ist  einer  der  wichtigsten
Zweige  der  nationalen  Industrie  Rußlands. ­
  Man  hat  denJahrcöwert  der  Fischereiprodnkte
  im  europäischen  Rußland  mit
Ausnahme  Finnlands  auf  80  Mill.  Mk.
berechnet  und  zwar:
Kaspisches  Meer.  48,0  Weißes  Meer  .  .  3,2
Asowschcs  Meer.  12,8  Schwarzes  Meer.  1,8
Baltisches  Meer.  4,o  Flüsse  und  Seen.  7,2
Dennoch  führt  Rußland  sehr  kbeitteiibe
Mengen  von  Fischen  ein;  so  zahlte  es  für
Fische1875:21,i,  1876:17,9,  1877:12,5
Mill.  Mt.  Den  Hauptbestandteil  dieser
Einfuhr  bilden  Heringe,  die  über  Petersburg, ­
  Riga,  Reval  und  zu  Land  über  Warschau, ­
  Wirballen,  Grajewo  und  Alerandrowo
  kommen.  Der  Import  von  Fischen
betrug  (in  Millionen  Kilogramm):
1878  1879
Hering,  gesalzener.  .  69,5  55,8
Andre  Fische  ...  .  10,7  14,7
        <pb n="438" />
        430

Russisches  Reich  (Bergbau:  Gold,  Silber,  Blei,  Eisen).

Der  Export  besteht  fast  ausschließlich
in  Kaviar  und  Fischleim;  von  Kaviar
wird  jährlich  für  3,2  Mill.  Mk.  ausgeführt, ­
  Fischleim  (Hansenblase)  nimmt
seinen  Weg  ausschließlich  über  Petersburg; ­
  1878  wurden  81,744  kg  exportiert
und  zwar  von  Stör  47,730  kg,  von
Wels  34,014  kg.
K.  Bergbau.
Da«  russische  Reich  besitzt  einen  außerordentlichen ­
  Reichtum  an  Mineralien,
doch  kaun  die  Produktion  den  Bedarf  nicht
befriedigen.  Dem  inländischen  Verbrauch
liefert  sie  von  Eisen  69,  von  Stahl  und
Stahlschienen  45,  Kupfer  27,  Zink  49,
Kohlen  58,  Salz  82,  Petroleum  73,  Schwefel ­
  6  Proz.  In  allen  Gruben  und  Hütten,
ausschließlich  der  Salinen,  waren  1879:
282,319  Arbeiter  beschäftigt.  Ohne  die
Goldschmelzeil  arbeiteten  in  den  Hütten
971  Maschinen  mit  64,364  Pferdckräften.
1)  Gold,  Silber  und  Blei.  Gold
wird  namentlich  in  den  Gouvernements
Jaklltök,  Jeilisseiök  und  Irkutsk,  sodann
in  TranSbaikalien,  Perm,  Amur,  Orenburg, ­
  Tomsk  u.  a.  gefuilden.  Die  Gesamtproduktion ­
  alles  Goldes  von  1741—
1875  beträgt  nach  Soetbeer  1,033,655  kg
im  wn  2,883,897,450  m.
cieli  1879  war  die  Ausbeute  42,181  kg.
Während  die  Goldproduktion  zugenommen ­
  hat,  zeigt  Silber  einen  Rückgang.
Mit  Blei  wird  es  in  24  Grilben,  vornehmlich ­
  in  Tomsk,  dann  auch  in  Transbaikalien
  und  im  Terekgebiet,  gewonnen,
uildzwar  lieferten  1879  die  7  Silberhütten
(5  in  Tomsk)  mit  111  Öfen  11,464  kg
Silber  und  1,398,608  kg  Blei.  Der  Ertrag ­
  von  Silber  ist  aber  gegen  frühere
Jahre  enorm  gesunken,  ebenso  der  Wert;
mail  gewann  Äiro(ļïi  ä0ci . t  ju  TOnr!
1821—30  :  232600  4187000
1871—75:  57480  2060000
Die  Gesamtproduktion  alles  Silbers  von
1741  ■—  1875  beträgt  nach  Soetbeer
2,428,940  kg,  %  437,209,200
Das  gewonnene  Edelmetall  wandert  zum
bei  weitem  größten  Teil  in  die  Münzen
bes  Landes,  um  vou  dort  ins  Ausland
ì'oÄìckt  zu  werden.  Geprägt  wurden
18:8:  34,582,048  Rubel  in  Gold  und

16,361,263  Rubel  in  Silber.  Voit  1700—
1878  wurden  geprägt  und  in  Umícntf  gesetzt: ­
  Goldmünzen  877,629,348  Rubel,
Silbermünzen  498,981,263  Rubel,  dazu
1828—45  noch  4,250,000  Rubel  in  Platin, ­
  das  man  im  nördlichen  Perm,  teilweise ­
  im  Goldsand,  findet;  diese  Münzen
sind  indes  jetzt  fast  alle  eingezogen.
Der  Handel  mit  Blei  zeigt  eine  beträchtliche ­
  und  ziemlich  konstante  Einfuhrmenge,
  die  sich  1879  auf  19  Mill,  kg
belief;  nach  Petersburg  gelangen  zwei
Drittel  des  ganzen  Imports.  Der  Zoll
für  Blei  ist  l),oo  Mk.  pro  100  kg.
2)  Eisenerze  sind  außerordentlich  weit
verbreitet;  am  reichsten  ist  aber  Perm,
das  dieHälfte  allerProdukte  liefert.  1876
wurden  aus  1311  Gruben  1011,9  Mill,
kg  Erze  gefördert;  151  Schmelzöfen,  254
Hohöfen,  681  Stahlöfen  lieferten  1879
(in  Millionen  Kilogramm)  :
Roheisen  .  .  .  416,s  Stahl  88,a
Eisen  in  Banen,  Stahlschienen  .  .  55,4
Stangen,Blcch-c.  272,a  Eisenwaren.  .  .  53,i
Durch  den  schwierigen  Verkehr  ist  Eisen  in
Rußland  teurer  als  in  irgend  einem  andern ­
  Land.  Rach  1875  stand  Eisen  in  Polen
doppelt  so  hoch  als  in  Deutschland  un  d  England; ­
  im  Innern,  z.  B.  in  Tula,  sind  die
Preise  noch  viel  höher.  Natürlich  trägt  dazu
auch  der  hohe  Zoll  bei.  Derselbe  ist  jetzt  für
100  kg»  (in  Mark):  bei  Gußeisen  0,so,
Sorteneiscn  6,94,  Eisenblech  9,91,  Schieneneisen ­
  3,76,  Schmiedearbeit  19,82,  Stahl
15,86,  Schlosscrarbeit  49—89  Mk.  Trotzdem ­
  bezieht  Rußland  das  Roheisen  zumeist ­
  vom  Ausland,  5  der  bedeutendsten
Fabriken  für  Schienen  (2  je  in  Petersburg ­
  und  Warschau,  1  in  Berdjanök)  ausschließlich. ­
  Die  Einfuhr  betrug  1879
399,6  Mill,  kg,  nämlich:
Gußeisen  .  .  185,3  I  Schienencisen  .  2,8
Sorteneisen  .  98,4  Besseincrschic-Eisenblcch.
  .  30,3  |  neu.  .  .  .  73,8
Im  Vorjahr  war  die  Einfuhr  von  Schienencisen ­
  und  Bessemerschienen  doppelt  so
hoch  gewesen.  Eine  in  neuester  Zeit  eingesetzte ­
  Kommission  zur  Reform  der  Eisenund
  Maschinenzölle  hat  übrigens  der  Regierung ­
  vorgeschlagen,  die  Einfuhr  von
Roheisen  für  zollfrei  zu  erklären.
        <pb n="439" />
        431

Russisches  Reich  (Bergbau:
3)  Kupfer  ist  dem  Rang  nach  daö
dritte  Produkt  der  uralischen  Bergwerke;
1376  lieferten  71  Gruben  103  Mill,  kg
Erze,  aus  welchen  1879  in  23  Hütten
mit  233  Öfen  2,521,080  kg  Kupfer  hergestellt ­
  wurden.  Hauptsist  der  Kupferindustrie ­
  ist  Perm.  Andre  Montanprodukte ­
  sind:  Nickel  von  Perm  (1876:
173,512  kg  Erz),  etwas  Kobalt  von
Jelissawetpol(1876:  7544kg)  undZink,
das  man  in  Petrokow  gewinnt,  wo  3
Hütten  mit  127  Öfen  1879:  4,647,527  kg
Rohzink  lieferten.  —  Die  Metallindustrie ­
  beschäftigte  1876  in  931  Giessereien, ­
  Eisenhütten  und  Fabriken  für  Metallarbeiten, ­
  Schmttcksacheu  re.  58,000
Arbeiter,  welche  jährlich  820  Mill-  kg
Waren  liefern.  Die  Einfuhr  von  landwirtschaftlichen ­
  Maschinen  und  Geräten
ist  frei,  itnb  doch  hat  sich  die  Zahl  der  Fabriken ­
  landwirtschaftlicher  Maschinen  von
1870—76  um  41  Proz.  gehoben;  1876
bestanden  203  Fabriken  mit  einem  Produktionswert
  von  14,9  Mill.  Mk.,  davon
kamen  68  auf  14  Weichsel-  und  nordwestliche ­
  Gouvernements,  25  auf  6  Stcppengouvernements,
  21  auf  11  Wolgagonvernements,
  14  auf  3  südwestliche  und  11
auf  3  baltische  Gouvernements.  Auch  gewisse ­
  Maschinen  der  Textilindustrie  tragen ­
  keinen  Zoll.  Dagegen  sind  für  andre
Maschinen  unb  Maschinenteile  folgende
Zollsätze  eingeführt  uird  zwar  für  100  kg
in  Mark:  bei  Lokomotiven  und  kupferiren
Maschinenteilen  24,78,  Lokomobilen  5,95,
andernMaschinen  u.  Maschinenteilen  5,95,
Dampfmaschinen  für  Schiffe  5,95  Mk.
Augenblicklich  besteht  eine  Agitation,  welche
die  Erhöhung  dieser  Zölle  und  die  Verzollung ­
  landwirtschaftlicher  Maschinell  bezweckt. ­
  Der  Import  von  Maschinen  betnm
  1878:  52,8  9%iH.,  1879  :  41  9m.
kg  nnb  bet  Bett  1878:177,4  WM.  9)11.
ncüm  65  9)0(0  m.  in  1877.  Det  3nn
Port  von  Metallwaren  stieg  von  55,i  Mill.
9Nk.  in  1877  auf  74,9  Mill.  Alk.  in  1878
und  nahm  auch  1879  noch  zu.
4)  Steinkohle  wird  vornehmlich  un
Gouvernement  Don  (mehr  als  die  Hälfte),
aber  noch  in  einer  großen  Zahl  andrer
Gouvernements  gefunden.  Wie  groß  die
Ausdehnung  der  russischen  Kohlenlager

Kupfer,  Kohle,  Petroleum).
und  wie  gering  ihre  Ausbeute  ist,  erhellt
aus  folgenden  Zahlen.  Die  Oberfläche  der
Kohlenlager  wird  veranschlagt  für  Rußland ­
  auf  51,000,  für  England  auf27,000,
für  Deutschlaild  auf  10,800  qkm.  Dabei
ist  aber  die  jährliche  Ausbeute  in  England
136,764,  in  Deutschland  50,569,  in  Rußland ­
  1879:  2526  Mill,  kg,  und  nach  einem
amtlicheil  Bericht  werden  im  S.  Rußlands ­
  folgende  Mengeil  (in  Millionciì
Kilogramm)  konsumiert:
Rufs.  Kohle  E»gl.  Kohle
1)  Eisenbahnen  ....  405,o  83,g
2)  Kriegs-  u.  Handelsflotte  95,2  96,4
3)  Fabriken  58,o  49,2
4)  Städte  145,8  50,8
Zusammen:  704,o  280,o
Während  also  hier  fast  zwei  Drittel  des
Konsums  auf  einheimische  Kohle  fallen,
ist  im  N.  das  Umgekehrte  der  Fall,  beim
voll  den  1812Mill,  kg  Kohle,  welche  1878
importiert  wurden,  kamen  via  Ostsee  1026
Mill.,  via  Schwarzes  Meer  492  Mill.,
über  die  polnische  Grenze  (schlesische  und
österreichische  Kohle)  294  Mill.  kg.  Man
hat  auch  versucht,  westfälische  Kohle  einzuführeil;
  der  höhere  Preis,  bedingt  durch
deil  Landtransport  zum  Verschiffungshafen, ­
  hat  ihre  Konkurrenz  mit  der  englischen ­
  bisher  verhindert.  Deutsche  Koks
werden  schon  seit  1875  regelmäßig  importiert. ­
  Beide,  Steinkohle  und  Koks,  sind
zollfrei;  trotzdem  wird  an  der  preußischpolnischen
  Grenze  ein  Schutzzoll  von  Vs
Kopeke  pro  Pud,  d.  h.  1.83  Mk.  pro  100
kg,  erhoben.  Der  Wert  der  Einfuhr  stieg
von  27.8  Mill.  Mk.  in  1875  auf  41,5  Mk.
in  1877  nnb  55,4  9m.  9Rf.  in  1878.
DieEinfuhrmengenbctrngen  1878:1822,i
Mill,  kg,  1879:1487  Mill.  kg.
5)  Petroleum  ist  bisher  in  großen
Quantitäten  eingeführt,  1878:32,82)010
kg,  1879:  27,9  9m.  kg;  eö  lüßt  fi#
aber  voraussehen,  daß  diese  Einfuhr  mit
der  Zeit  gänzlich  aufhören,  ja  daß  Rußland ­
  aus  einem  importierenden  ein  exportierendes ­
  Land  werden  wird.  Der  Hauptsitz ­
  der  russischen  Petroleumindustrie  ist
Baku;  dort  entdeckte  man  an  beiden  Ufern
des  Kaspischen  Meers  reiche  QlleUen  und
traf  mich  schnell  Anstalten,  so  daß  jetzt  große
        <pb n="440" />
        432

Russisches  Reich  (Bergbau:  Steinsalz;  Handel).

eiserne  Dampfer  bis  unmittelbar  an  die
Produttionsstätte  heranfahren  ltitb  die
Produkte  unmittelbar,  ohne  Verpackung
in  Fässer,  aufnehmen  können,  nur  sie  auf
der  Wolga  nach  denr  Innern  zu  transportieren. ­
  Dabei  geben  sich  die  russischen
Fabrikanten  große  Mühe,  die  Qualität
des  Produkts  so  gut  wie  möglich  herzustellen ­
  ,  und  russisches  Petroleum  ist  selbst
in  Petersburg  15—20  Proz.  billiger  als
amerikanisches.  Daraus  in  Nishnij  Nowgorod ­
  angefertigtes  Schmieröl  hat  schon
in  Belgien  Eingang  gefunden.  Mit  der
Gewinnung  von  Photogen  sind  iur  Kreis
Baku  195Etablissimentö  beschäftigt,  welche
1878:  123  Mist.  kg  Photogen  lieferten.
Die  Produktion  von  Petroleum  bezifferte
sich  1879  auf  103  Mill,  kg,  die  von  Naphtha ­
  auf  250,9  Mill.  kg.  Der  Export  von
Baku  nach  der  Wolga  iiber  Astrachan
betrug  in  allein  1878:  162  Mill,  kg,
1879:  76,8  Mill.  kg.  Der  Import  aus
dem  Ausland  geht  zurück;  es  wurden
1878:  32,6,  1879  :  28  mH.  kg  ein#:
führt,  ein  Drittel  davoir  über  Petersburg.
Dort  kamen  1879  schon  40,000  Faß  russisches ­
  Petroleum  gegen  64/00  Faß  amerikanisches ­
  zum  Konsilm.
6)  Stein  salz  lager  von  großer  Ausdehnung ­
  besitzt  Rußland  in  Astrachan,
Uralsk,  Eriwan,  die  schon  seit  längerer
Zeit  bearbeitet  werden;  in  neuester  Zeit
entdeckte  man  enorme  Lager  in  Charkow
und  Jekaterinoslaw.  Durch  Verdunstung
erhält  man  Salz  in  Perm,  Astrachan,
Taurien  u.  a.  1875  lieferten  die  südrussischen ­
  und  südsibirischcn  Salzseen  319,8
Mill.,  die  Siedereien  237,8  Mill.,  die
Steinsalzbergwerkc  65,6  Mill.  kg.  Die
Gesamtproduktion  schwankt  je  nach  der
Hitze  des  Sommers  (für  die  Gewinnung
ails  den  Salzseeil  inaßgebcnd)  zwischen
600  und  850  Mill,  kg  und  betrug  1879  :
781,9  Mill,  kg,  so  daß  Rußland  immer
noch  genötigt  war,  einzuführen,  1878:
166,4  Mill,  kg  int  Wert  von  20,a  Mill.
Mk.;  1879  betrug  die  Einfuhr  146,4
Mill.  kg.  Der  Z  ol  l  für  Kochsalz  betragt
7,63  Mk.  pro  100  kg.  Die  Einfuhr  findet
statt  über  die  Ostseehäfen  und  die  polnischen ­
  Laudzollämter,  aber  nicht  über  daS
Schwarze  Meer.

III.  Handel.
Der  Binnenhandel  ist  ein  sehr
bedelitender  und  wird  namentlich  durch
Messen  ilnd  Jahrmärkte  vermittelt.  Am
wichtigsten  sind  die  Messen  von  Jrbit  in
Sibirien  und  die  von  Nishnij  Nowgorod.
Der  auswärtige  Handel  zeigt  feit  einer
Reihe  von  Jahren  eine  schnell  steigende
Tendenz,  obschon  das  starre  Schutzzoll
system  den  Verkehr  erheblich  erschwert.
1877  wurde  danir  noch  die  Bestimmung
hinzugefügt,  daß  die  Zölle  in  Gold  statt  in
Papier  entrichtet  werden  müssen.  Diese
Zolleinnahmen  sind  bezeichnend  genug  für
den  Handel  Rußlands.  All  der  europäischrussischen
  Grenze  betrugen  dieselben  1870
erst  40  Mill.  Rubel  Kredit,  aber  1879  nicht
weniger  als  91,4  Mill.Rubel—61,i  Mill-Rubel
  Metall  oder  195,5  Mill.  Mk.,  wovou
  alls  Thee  allein  49,9  Mill.  Mk.  entfallen. ­
  Auf  Rohmetalle  kommen  17,3  Mill.,
auf  Metallfabrikate  7,  auf  Salz  12,a,  auf
Getränke  10,3,  auf  Baumwollgarn  9,8,
auf  Baumwollfabrikate  4,2,  alls  Wollfabrikate
  6,5,  auf  Leinenfabrikate  3,3  und
auf  Seidenfabrikate  2,4  Mill.  Mk.  Das
wichtigste  Zollamt  ist  Moskau  mit  56  Mill.,
ilächstdem  Petersburg  mit  30,7,  Reval  (das
ans  Kosten  des  vorigen  an  Bedeutung
rasch  wächst)  mit  17,7,  Odessa  mit  16,
Riga  mit  11,9,  Warschau  mit  10,6  Mill.
Mk.  Wirballen  hat  seit  1870  über  3,2
Mill.  (1870:10,6,1879:  6,4  Mill.)  Mk.
eingebüßt,  dagegen  ist  Libail  in  demselben
Zeitraum  auf  Kosten  Königsbergs  von
563,200  ans  2,512,000  Mk.  gestiegen.
Obschon  die  Zollabgaben  dem  Gesetz  gemäß ­
  in  Goldwährung  erhoben  werden,  so
nehmen  gewisse  vonl  Finanzminister  bezeichnete ­
  Zollämter  doch  auch  ausländische
Goldmünzen  sowie  die  Koupons  bestimmter ­
  russischen  Staatspapiere  und  Eiscnbahnobligationen
  zu  normierten  Preisen
als  Zahlung  an.  Für  vier  Zollämter  ist
auch  die  Annahme  von  Noten  der  Deutschen
  Reichsbank  und  der  frühern  Preußischen ­
  Bank  zu  100  ,  500  und  1000  Mk.
zum  Preis  von  30 4 /r,  Kopeken  für  die
deutsche  Mark  angeordnet.  Zum  Zweck
der  bcguemcru  Bezahlung  der  Zölle  in
Gold  gibt  die  russische  Reichöbank  seit  1877
sogen.  Goldbillete  auf  10,  50  und  100
        <pb n="441" />
        433

Russisches  Reich  (Handel).

Rubel  aus,  welche  gegen  Einlieferuug  russischer ­
  und  ausländischer  Goldmünzen,
Goldbarren,  Noten  der  russischen  Rcichsbank
  und  der  Bank  von  England,  Anweisungen ­
  voir  Bergverwaltungeu  ans  Gold
"nd  von  Koupons  verschiedener  russischen
Staats-  und  Eisenbahnobligationcn  zu
festgesetzten  Preisen  erlangt  werden  könne».
Uber  den  Handel  des  Jahrs  1879  liegen
nur  Angaben  vor,  welche  sich  auf  die  einund ­
  ausgeführten  Mengen  beziehen  und
die  im  Vorhergehenden  im  einzelnen  behandelt ­
  worden  sind;  die  Berechnung  der
Werte  ist  erst  bis  1878  vollendet  worden.
Die  nachstehenden  Übersichten  beziehen  sich
auf  das  europäische  Rußland  allein,  über
den  Handel  Finnlands  s.  d.  Den  mächtigen ­
  Aufschwung  des  russischen  auswärtig ­
  e  n  H  a  n  d  e  l  S  während  des  verflossenen
DecenniumS  kennzeichnen  nachstehendeZiffern.
  ES  betrug  (in  Millionen  Mark)  die

Jahr

über  die
europ.
Grenze

Nach
Finnland ­


über  die
asiatische
Grenze

8».
saínmen


186«
1872
1875
1878

1869
1872
1875
1878

Wareneinfuhr:

790,7
997,i
1153,9
1908,8

30,1
19.8
37.8
39,4

25,3
29,8
30.7
29.8

Warenausfuhr:
1022,i
1304.0
1596,5
1784.0

15.0
26.0
36,2
31,4

57.3
61.4
66,0
89,9

846,1
1046,7
1222,4
1978,0

1094,4
1392,0
1699,3
1905,9

Sowohl  Import  als  Erport  hatten  also
die  Wertsummen  der  Zeit  vor  der  Zollerhöhung
  weit  überflügelt.  Allerdings  werden ­
  wir  den  Handel  von  1878  im  Zusammenhang ­
  mit  dem  Vorjahr  betrachten  müssen, ­
  da  die  in  letzterm  herrschenden,  durch
den  Krieg  auferlegten  Beschränkungen
eine  sehr  bedeutende  Verminderung  der
Einfuhr  zur  Folge  hatten,  welche  sich  durch
den  gesteigerten  Import  von  1878  auszugleichen ­
  suchte.  Es  wurden  eingeführt
1877  für  1027,3  Mill.,  1878  für  1905,9
gm.  9%r.  mm;,  34«?
zusammen  für  2933,2  Mill.  Mk.,  so  daß
bei  gleicher  Verteilung  auf  beide  Jahre  nur
1166,i  Mill.  Mk.  entfallen,  eine  Summe,
welche  weder  an  die  von  18  &amp;lt;6  noch  an  die
Handelsgeographie.

von  1875  heranreicht.  Daö  Anwachsen
der  Handelswerte  bei  der  Ausfuhr  war
dagegen  ein  konstantes  uiid  überraschend
schnelles.  Mit  Rücksicht  auf  die  verschiedenen ­
  Grenzstrcckcn  läßt  sich  für  1878  gegen ­
  1877  bei  deni  Erport  eine  Zunahme
und  zwar  über  die  europäische  Grenze  um
17,36,  über  die  asiatische  um  34,36  Proz.
konstatieren,  wogegen  der  Erport  nachFinnland
  eine  Abnahme  um  3,29  Proz.  zeigt.
Dagegen  nahm  derJmport  um  85,5i  Proz.
zu  und  zwar  über  die  europäische  Grenze
um  nicht  weniger  als  91,35,  aus  Finnland
um  8,08  Proz.,  über  die  asiatische  Grenze
um  36,78  Proz.  Die  Ein-  und  Ausfuhr
von  Münze  uttb  Barren  zeigt  für  Rußland
  noch  günstigere  Resultate.  Die  Ausfuhr, ­
  lvelche  sich  in  frühern  Jahren  im
Durchschnitt  auf  60,8  Mill.  Mk.  gehalten
hatte,  sprang  1876  plötzlich  auf33O,4Mill.
Mk.  Der  Import,  welcher,  allerdings  bei
sehr  großen  Schwankungen,  im  Durchschnitt ­
  einen  Wert  von  32  Mill.  Mk.  erreichte, ­
  belief  sich  1876  nur  auf  17,3  Mill.
Mk.  Ebenso  schnell,  lvie  die  Ausfuhr  sank,
ist  aber  nun  die  Einfuhr  gestiegen;  sie  bezifferten ­
  sich  (in  Millionen  Mark)  :
Einfuhr  Ausfuhr
1877:  35,o  61,o
1878:  52,9  45,3
eine  Folge  der  seit  1877  in  Kraft  getretenen ­
  Goldzölle.  Der  W  a  r  e  n  h  a  n  d  e  l
wurde  in  den  letzten  Jahren  begünstigt
durch  mehrere  Umstände.  Das  Aufblühen
von  Handel  und  Industrie  nach  dem  Friedensschluß, ­
  die  reiche  Ernte  von  1877,  die
gute  von  1878,  der  niedrige  Stand  der
Valuta  begünstigten  den  Erport.  DerJmport ­
  verdankt  seinen  Aufschwung  dem
Wiederaufleben  der  Industrie  nach  den
empfindlichen  Schädigungen  durch  den
Fall  der  Moskauer  Diskontobank  1876
und  den  Krieg  von  1877,  und  die  Einfuhr
von  zollpflichtigen  Rohstoffen  und  Halbfabrikaten, ­
  wie  Metalle,  Wolle,  Farben,
Chemikalien,  Baumwolle,  Baumwollgarn
  und  Seide,  wie  auch  von  der  Bearbeitung ­
  derselben  dienenden  Maschinen
und  Apparaten  stieg  schnell.  Von  dem
Erport  kommen  mehr  als  zwei  Drittel
auf  Nahrungsmittel  und  zwar  von  die-28
        <pb n="442" />
        434

Russisches  Reich  (Handel).

sen  wiederum  der  überwiegende  Teil  auf
Getreide,  dein  dann  Vieh  und  Spiritus
folgen.  Es  kommen  dann  Rohstoffe  und
Halbfabrikate,  welche  beinahe  das  Drittel
der  Ausfuhr  repräsentieren.  Unter  diesen
Artikeln  sind  die  bedeutendsten:  Flachs,
Leinsaat,  Holz,  Flachsgarn,  Hanf,  Rohwolle, ­
  alle,  mit  Ausnahme  boíl  Flachsgarn,
Rohstoffe  und,  wie  die  vorhergehenden,
Produkte  der  Landwirtschaft.  Der  Export
von  Fabrikaten,  ein  verschwindend  kleiner,
besteht  in  rohen  Erzeugnissen,  wie  Taue,
Stricke,  Sackleinwand;  nur  über  die  asiatische ­
  Grenze  gingen  Wollfabrikate  im
Wert  von  eiiiigen  hunderttausend  (früher
für  mehrere  Millionen)  Rubel.  Der  Export ­
  von  Fabrikaten  über  alle  drei  Grenzen ­
  ging  zurück,  während  der  Import  in
allen  drei  Richtungen  erheblich,  bei  der  europäischen ­
  Grenze  um  98  Proz.,  zunahm.
In  folgendem  geben  wir  eine  Übersicht
über  die  Ein-  und  Allsfuhr  aller  Waren
1878,  nach  Klassen  geordnet,  die  Werte  in
Millioneil  Mark  berechnet.  Die  hauptsächlichsten ­
  zollfreien  Waren  sind:  Rohbaumwolle, ­
  Steinkohle,  Bücher,  Noten  und
Karten,  landwirtschaftliche  Maschinen,
rohe  Haute,  Pflanzen  und  Samen,  Kalk
und  Cement.  Der  auswärtige  Handel  des
europäischen  Rußland  (ohne  Finnland)
betrug  1878  (in  Millionen  Mark):
1)  liber  die  europäische  Grenze:
Einfuhr  Ausfuhr

[  Zollfreie  Waren  ....  455,8  —
Nahrungsmittel  ....  274,i  1273,3
Rohstoffe  u.  Halbfabrikate  624,2  61V,g
Fabrikate  und  Manufatte  430,5  15,7
2)  Von  und  nach  Finnland:
Nahrungsmittel  ....  7,o  27,8
Rohstoffe  u.  Halbfabrikate  10,2  5,4
Fabrikate  13,8  6,i
3)  Uber  die  asiatische  Grenze:
Zollfreie  Waren  ....  7,o  —
Nahrungsmittel  ....  68,2  4,2
Rohstoffe  u.  Halbfabrikate  4,5  16,0
Fabrikate  10,2  9,3

Der  Gesamtverkehr  über  die  europäisch!
Grenze  bezifferte  sich  1878  auf  3683/
àll.  Mk.,  eine  Summe,  welche  sich  übe:
me  verschiedenen  Grenzstrecken  in  nächste
hender  Weise  verteilt  (in  Millionen  Mark)

Einfuhr  Ausfuhr

Weißes  Meer  2,6  32,3
Baltische  Häfen  lohne  Finnland)  754,2  596,2
Südliche  Häfen  I60,o  707,5
Europäische  Landesgrenze  .  .  866,9  572,8

Für  Deutschland  ist  der  Verkehr  über
die  baltischen  Häfen  und  die  Landesgrcnze
allein  wichtig,  denn  nur  auf  diesem  Weg
wird  der  deutsche  Handel  vermittelt,  und
zwar  nimmt  Deutschland  im  Handel  mit
Rußland  unter  allen  Nationen  die  erste
Stelle  ein,  immer  in  der  Einfuhr,  oft  auch
in  der  Ausfuhr.  Von  der  Gesamteinfuhr
von  1908,8  Mill.  Mk.  nnd  der  Gesamtansfuhr
  von  1784,6  Mill.  Mk.  in  1878
entfallen  auf:
Einfuhr  Ausfuhr
Deutschland  841,9  561,0
England  517,1  611,5
Österreich-Ungarn....  86,1  169,2
Frankreich  64,9  264,6
Niederlande  26.4  103,4
Schweden  unto  Norwegen  .  9,6  44,8
Italien  30,7  47,4
Türkei  26.2  50,6
Vereinigte  Staaten  .  .  .  36,6  1,0
China  57,3  6.2
Persien  22.4  8,5

Wegen  der  Einzelheiten  des  Handels
mit  Finnland  verweisen  wir  auf  beit  betreffenden ­
  Artikel;  der  Handel  über  die
asiatische  Grenze  vollzieht  sich  an  drei  Punkten: ­
  in  Tranökaukasien,  im  Astrachaner
Hafen,  sodann  übcr  Kiachta  und  auf  dem
Amur.  Der  Handel  in  Tranökaukasicn
  hatte  1878  einen  Wert  in  Einfuhr
von  9,83m.,  Ausfuhr  6,3  Mill.Mk.  Die
wichtigsten  Einfuhrartikel  sind  Früchte
ilnd  Baumwollfabrikate,  während  bei  der
Ausfuhr  Seide  mit  5,7  Mill.  Mk.  die  erste
Rolle  spielt.  Im  Astrachaner  Hafen
bestand  die  Einfuhr  vornehmlich  in  Rohbaumwolle ­
  (3,2  Mill.  Mk.)  und  Früchten,
während  die  Ausfuhr  als  Hauptpostcn
Metall  aufführt;  1878  war  die  Einfuhr
8,2  Milt.,  die  Ausfuhr  3,i  Mill.  Mk.  Der
Verkehr  mit  China  über  Kiachta  (s.  d.)
nnd  auf  dem  Amur  ist  weit  bedeutender;
hier  wertete  1878  die  Einfuhr  57,s  Mill.,
die  Ausfuhr  6,6  Mill.  Mk.  Erstere  bestand
wie  immer  fast  nur  in  Thee  (55,71  Mill.
Mk.),  unter  der  letzter«  spielen  Fabrikate,
namentlich  wollene,  die  erste  Rolle.
        <pb n="443" />
        435

Russisches  Reich  (Verkehrswesen).

Konsulate.  Berufskonsuln  unterhält ­
  Deutschland  in:  Kiew,  Kowno,  Moskau, ­
  Odessa,  St.  Petersburg,  Tiflis,  War-Ichau;Handelükonsuln
  in:  Archangel,  Berdjanök,
  Libau,  Narwa,  Periran,  Reval,
Riga,  Rostow,  Windau;  Vicekonsuln  irr:
Arensburg,  Taganrog,  Kertsch,  Kronstadt,
Rikolajew,  Onega;  einen  Konsularagenten
  in  Kedabeg.  '
Das  Wcchselrecht  von  1832  (mehrfach, ­
  besonders  durch  Verordnung  v.  1862,
ergänzt)  gilt  für  ganz  Rnstland  außer  Polen ­
  und  Finnland  (s.  d.).  Alle  Wechsel,
welche  in  ausländischer  Wahrung  ohne  in
cincinJndossainentvorgcschricbcneirKurs
zu  russischer  Währung  ausgestellt  sind,
werden  anr  Verfalltag  zruir  DreirnonatsdilrchschnittSkurS
  des  lesiteli  KurSbörsentagö
  (Dienstag  und  Freitag)  umgerechnet
und  einkassiert.  Der  Wcchselstempel
beträgt  biö  50Rrrbcl:  5  Kopeken,  50—100
Rubel:  10  Kopeken,  100—200  Rubel:  15
Kopeken  n.  s.  f.  steigend  um  10  Kopeken
für  jedeö  Hnirdert  bis  1000  Rubel.
IV.  Verkehrswesen.
1)  Für  Landstraßen  hat  man  in
Rußland  außerordentlich  wenig  gethan.
Im  Winter  treten  Schnee  und  Schlitten
als  eine  bequeme  Form  des  Verkehrs  ein,
aber  im  Sommer  sind  iiaineritlich  inr  Gebiet ­
  der  Schwarzen  Erde  die  Wege  völlig
grundlos.  1868  gab  es  in  28  Gouvernements ­
  noch  gar  keine  Chausseen;  im  ganzen ­
  Reich  war  die  Länge  aller  Steinwege
nur  1138  geogr.  Meilen.
2)  W  a  ss  e  r  str  aß  en.  Das  Terrain  des
europäischen  Rußland  besitzt  eine  große
Anzahl  iiatürlichcr  Wasserstraßen,  die  dadurch ­
  „och  wertvoller  werden,  daß  sie  bei
ansehnlicher  Tiefe  ein  geringes  Gefälle  haben, ­
  wodilrch  die  Bergfahrt  nicht  erschwert
wird  ltird  der  künstlichen  Verbindung  mittelst ­
  Kanäle  nur  geringe  technische  Schwierigkeiten ­
  inr  Weg  steheir.  Von  der  Newa
zur  Wolga,  also  voir  der  Ostsee  zum  Kaspischen ­
  Meer,  führen  drei  Kanäle:  der
kleine  Wischni  -  Wolotschokkanal,  der
Tichwinkanal  und  der  wichtige  Marinekanal
  zwischen  Oircga-  uird  Weißem  See
(Bjclo  Osero),  auf  welchem  zwei  Drittel
aller  Waren  von  RhbinSk  nach  Petersburg ­

  gehen.  Zwischen  dem  Eismeer  und
Kaspischen  Meer  stellt  der  Kanal  des  Herzogs ­
  Alexander  von  Württemberg  mit
Hülfe  desMarinckanalS  eine  Verbindung
her,  indem  er  den  Weißen  See  nrit  der
Ssuchona  (Dwina)  verknüpft.  Der  von
der  Kama  zur  Wytschegda  itiib  Dwina
führende  Jekaterincnkanal  wird  kaum
noch  benutzt.  Von  der  Ostsee  zum  Schwarzen ­
  Meer  führen  drei  Kanäle:  der  Königsoder ­
  Dnjcpr-Bugkanal,  der  Oginökischc
Kanal  (Pripet  und  Riemen),  der  Beresinakanal
  (Düna-Beresina-Dnjcpr).  Die
Gesamtlänge  aller  fahrbaren  Wasserstraßen ­
  war  1868:  5760  geograph.  Meilen;
davon  entfallen  auf  Kanäle  107,  kanalisierte ­
  Flüsse712,  natürliche  Wasserstraßen
4941  Meilen.  Von  den  letzter»  macht  das
Stromgebiet  der  Wolga  allein  die  Hälfte,
nämlich  2470  Meilen,  aus;  eS  folgen  das
Gebiet  des  Schwarzen  und  des  Asowscheu
Meers  mit  1417,  das  der  Ostsee  mit  930
und  des  Weißen  Meers  nrit  417  Meilen.
Ohne  Nebenflüsse  ist  die  schiffbare  Länge
voir  Wolga  483,  Dnjepr  260,  Don  210,
Dwina  124  Meilen.  Hinsichtlich  des  Gesamtwerts ­
  aller  Frachten  steht  die  Wolga
mit  48,  hinsichtlich  des  Gesamtgewichts
die  Newa  nrit  41  Proz.  obenan;  von  letzterm
  entfallen  auf  die  Wolga  mir  29  Proz.
1852  war  die  Zahl  der  Flnßdampfer  nur
83,  aber  bis  1869  hatte  sic  sich  aus  623
(400  Schleppdampfer)  nrit  45,131  Pferdekräfterr
  gehoberr.  Auf  denr  Wolgasystem
allein  bcwcgtcrr  sich  423  Dampfer  mit
33,700  Pfcrdekräfteil.  Früher  mußten
Waren  ans  denr  Weg  von  Astrachan  nach
Rybinsk  überwintern,  jetzt  können  sie  in
einem  Sommer  den  Weg  mache,r.  In  jedem ­
  Frühjahr  setzen  sich  drei  große  Karawanen ­
  von  Kähnen  in  Bewegung:  von
Bjeloi  und  Pvrjctschja  die  Düna  abwärts
nach  Riga;  eine  zweite  von  Orel  und  Oka
abwärts  nachNishnij  Nowgorod  und  dann
die  Wolga  bergauf;  eine  dritte  von  der
obern  Wolga  '  über  Twer  und  Wischni-Wolotschok
  'nach  Nowgorod  am  Jlmcnsee
und  nach  der  Newa.  Die  Fahrzeuge  verkauft ­
  man  am  Endpunkt  der  Fahrt  in  der
Regel  als  Brennholz.  Doch  ist  die  Bedeutung ­
  dieser  Verkehrswege  drtrch  den  strengen ­
  Winter  sehr  beeinträchtigt.  Im  N.
28*
        <pb n="444" />
        436

Nllssisches  Reich  (Verkehrswesen,  Finanzen).

sind  die  Flüsse  und  Seen  7-8  Monate,  im
'Nlttlern  Rußland  5-6,  im  S.  3  Monate
mit  Eis  bedeckt.  Noch  weniger  nutzbar  sind
die  sibirischen  Flüsse:  Der  Ob  ist  bei
Barnaul  im  Mittel  167  Tage  lang  gefroren, ­
  doch  wird  er  nebst  dem  Jrtysch  und
Tom  regelmäßig  von  Dampfern  befahren;
durch  seine  Mündung  fiub  von  Europa
schon  öfters  Dampfer  bis  Tobolsk  gelangt.
Der  Ien  i  s  sei  ist  bei  JenisseiSk  170  Tage
mit  Eis  bedeckt,  auch  seine  Mündung  haben
europäische  Dampfer  erreicht.  Die  Lena
ist  bei  Jakutsk  204  Tage  gefroren,  imi)
die  Mündung  bleibt  zuweilen  das  ganze
Jahr  geschloffen.  Durch  diese  Mündung
ging  aber  der  Dampfer  Lena,  welcher  jetzt
auf  dem  Fluß  verkehrt.  Die  Zugänglichkeit ­
  aller  dieser  Strome  vom  N.  Europas
aus  hängt  von  dem  Stande  deö  Eises  in
dem  Karischeu  Meer  wesentlich  ab.  Der
Amur  kann  dagegen  auf  einer  Strecke
von  4000lern  mit  Dampfern  befahren  werden; ­
  regelmäßige  Dampfschiffahrt  besteht
zwischen  der  Mündung  und  Ust-Skrjelka
und  seinem  Nebenfluß,  dem  Ussuri.
3)  ®te  Eisenbahnen  hatten  ohne  die
finnländischen  Linien  eine  Länge  1.  Jan.
1874  von  16.249  km,  1.  Juli  1880  schon
von  22,644  km;  1879  wurden  befördert:
29,469,431  Passagiere.  3,777,649  Soldaten, ­
  112  Mill,  kg  Eilgüter,  33,495  Mill,
kg  Frachtgüter.  Die  Gesamteinnahmen
bezifferten  sich  auf  665,7  Mill.  Mk.  Außer
der  großen  asiatischen  Bahn,  die  Sibirien
durchschneiden  soll,  sind  zahlreiche  Linien
in  Finnland,  denr  Kaukasus  und  Polen
projektiert,  auch  eine  Bahn  von  Orenburg
nach  Ufa,  374km,  in  Aussicht  genommen.
—  Der  Postverkehr  fand  1878  statt  in
4374  Büreauö  auf  152,320  km,  davon:

Eisenbahnen  21484  km
Poststraßen.  96203  -
Seelinieil  .  8783  -
Flußlinien.  9867  -

Chausseen  .  7844  km
Feldwege  .  7562  -
Binnenseen.  622  »

Auf  diesen  Verkehrsstraßen  wurden  befördert ­
  :  94,8  Mill.  Briefe,  3,2  Mill.  Kreuzbandsendungen,
  8  Mill.  Pakete,  8  Mill.
Wertsendungen  mit  1152  Mill.  Rubel
und  1,75  Mill,  andre  Sendungen.  Der
Arkauf  von  Postwertzeichen  hob  sich  von
60V»  Mill.  Stück  pro  1877  auf  67  Mill,
pro  1878.  —  Der  Stand  der  Telegraphen ­

  war  I.Jan.  1879:100,188  km  Linien ­
  und  196,170km  Leitungen  nndzwar:

Staatstelegraph  .  .  .  .  75281  143814
Eisenbahntelegraph  .  .  .  20273  43418
Angloindischer  Telegraph  .  3645  7800
Große  Nordische  Telegraphcnges.
  (Alandskabel)  .  99  99
Privattelegraphcn  ...  504  653
Polizeitelegraphen  ...  386  386
Die  unterirdischen  Linien  hatten  eine
Länge  von  196  km  mit  244  km  Drähten,
die  unterseeischen  von  356  km  mit  475  km
Drähten,  davon  255  km  zwischen  Baku
undKrassnowodSk.  Befördert  wurden  1878
in  2534  Stationen:  4,710,120  interne,
983,696  internationale  und  67,915  Transittelegramme. ­
  Gesamteinnahmen  pro
1878  :  22,i  MHU.  3Rf.,  16,7
Mill.  Mk.,  Reingewinn:  5,4  Mill.  Alk.
4)  H  a  n  d  e  l  ö  f  l  o  t  t  c.  Am  1.  Jan.  1877
umfaßte  die  russische.Handelsflotte  3296
Segelschiffe  von  333,416  Ton.  und  248
Dampfschiffe  von  70,056  T.  Davon  beaste»: ­
  Odessa  426  (121  Dampfer),  Nikolaiew3(1
  (5  Dampfer),  Riga  221  (30
Dampfer)  und  Petersburg  101  (24  Dampfer). ­
  1879  zählte  man  3643  Segelschiffe
(308,230'Eol1.)u:^b259^am^fc1^(74,324
T.).  —  Schiffsverkehr  1878:

Scegebiete

Angekommen
Schiffe  Tonnen

Abgegangen
Schiffe  Tonnen

WeißesMeer
Ostsee  .  .  .
Schwarzes
Meer  .  .
Kaspisches
Meer  .  .
Zusammen:

781
8133

6994
597

97445
1380  536

1848304
51141

813
8145

6918
421

98548
1392592

1804918
42595

16505

3377426

16297

3338643

Von  dein  Gesamttonnengehalt  der  eingelaufenen ­
  Schiffe  entfielen  auf  Englaiid
1,430,745  T.,  auf  Rußland  438,906  T.,
Deutschland  306,482  T..  Skandinavien
283,933  ßWicit  213,276  I.  ,c.
den  16,505  eingelaufenen  Schiffen  waren
5947  Dampfer.
V.  Knallst».
Staatshaushalt.  Die  Einkünfte
haben  fast  niemals  den  Ausgaben  entsprochen; ­
  nach  1815  fand  sich  bis  1872  nur
fünfmal  ein  Überschuß,  1878  und  1879
        <pb n="445" />
        437

Russisches  Reich  (Kreditwesen,  Geld  rc.).

aber  beträchtliche  Mehreinnahmen.  Nach
dein  Budget  für  1881  balancieren  Einnahmen ­
  und  Ausgaben  mit  2295,o  Mill.
Mk.  Unter  den  Einnahmen  figurieren
die  aus  direkten  Steuern  mit  431,6  Mill.
Mk.,  auö  indirekten  mit  1205,iMill.  Mk.,
Staatsdomänen  mit  108,5  Mill,  und  Regalien ­
  mit  84,2Mill.  Atk.  Unter  den  Ausgaben ­
  beansprucht  das  Kriegsministerium
01,7  Mill.,  die  Staatsschuld  618,6  Mill.
Mk.,  davon  452,5  Mill,  für  Anleihen  und
166,i  Mill,  für  Eisenbahnobligationcn.
Der  Eisenbahnfonds  verlangt  eine  Ausgabe ­
  von  44,i  Mill.  Mk.,  dagegen  werden
durch  Rückerstattung  215,i  Mill.  Mk.  vereinnahmt. ­
  1875  betrugen  die  Ausgaben
für  die  Staatsschuld  erst  344  Mill.  Mk.
Überhaupt  haben  sich  die  Ausgaben  fortdauernd ­
  gesteigert,  1875  betrugen  sie  1738
Mill.  Mk.  Außerdem  bestehen  noch  sogen.
Kommunallasten,  welche  aber  keineswegs
ausschließlich  zu  Kommunalzwecken  bestimmt ­
  sind  ;  vielmehr  wird  ein  großer  Teil
zur  Bestreitung  allgemeiner  Staatsbedürfnisse ­
  verwandt.  Eö  gibt  sogen.  Kommunallasten ­
  für  eigentliche  Staatszwcckc,  zur
Deckung  von  Gonvernementsbedürfnissen
und  für  wirkliche  Kommnnalzwecke.  Die
städtischen  Bedürfnisse  stiegen  1869  aber
nur  in  10  Städten  über  3,200,000  Mk.
Die  Staatsschuld  betrug  1.  Jan.
1879:  2,594.195,215  Papierrubel  (zum
Kurs  von  193,80),  davon  fundierte  Schuld
1,531.384.829,  nicht  eingetragene  Schuld
1,062,810,396  Rubel.  Dazu  kommen
noch  die  Schulden  der  Staatskasse  mit
1,196,135,691  Rub.,  so  daß  sich  die  Gesamtschuld ­
  auf  3,790,330,906  Rub.  belief. ­
  Diesen  Schulden  stehen  alsForderungen
  des  Staats  gegenüber  1,401,285,006
Papier  rubel  für  Vorschüsse  anEisenbahnund
  industrielle  Gesellschaften,  so  daß  die
eigentliche  Staatsschuld  2,389,045,900
Papierrubel  oder  1429  Mill.  Metallrnbcl
(4573  Mill.  Mk.)  betrug.
VI.  Kreditwesen,  Geld  etc.
In  Rußland  bestehen  3  Staatskreditanstalten:
  die  Reichsbank  ut  Petersburg,
die  Bank  von  Polen  und  die  Bank  von
Finnland.  Die  Reichsbank  wurde
I860  durch  Reorganisation  der  frühern

Kommerzbank  mit  einem  Kapital  von
66,480,000  Mk.  gegründet.  Sie  lourde
mit  der  Verwaltung  und  dem  Vertrieb  der
1843  im  Betrag  von  170,221,800  Rnb.,
in  Abschnitten  von  100,  50,  25,  10,5,
3  und  1  Rub.,  ausgegebenen  Reichskreditb ­
  ill  et  e,  mit  welchen  Assignationen
im  Betrag  von  595,776,000  Rnb.  eingelöst ­
  wurden,  betraut.  Staatöpapicr  sind
außerdem  noch  die  5proz.  Reichsbankbillete,
  eine  Art  verzinslicher  Noten  der
Reichsbank  in  Stücken  zu  1000,  500,150
und  100  Rnb.,  und  die  Şi-sproz.  Reichsschatzbillete
  zu  50  Rub.  Dieses  Staatöpapiergeld
  hat  (mit  Ausnahme  Finnlands) ­
  Zwangöumlauf  und  ist  durch  das
gesamte,  auf  3—4000  Mill.  Silberrubel
oder  10—13  Milliarden  Mark  berechnete
StaatSvcrmögen  garantiert.  Der  Betrag ­
  der  ungedeckten  Kredilbillete  ohne  die
temporäre  Cirkulation  der  58  Filialen
steht  in  keinem  andern  Land  gleich  hoch.
1860  betrug  derselbe  2035  Mill.  Mk.,
giug  aber  dann  herunter  und  belief  sich
1879  auf  1754,9  Mill.  Mk.  Der  metallische ­
  Barschatz,  welcher  1875  noch  746,8
Mill.  Mk.  betragen  hatte,  war  1879  auf
559,4  Mill.  Mk.  gesunken.  Der  Betrag
der  ungedeckten  Noten  hatte  sich  also  zwar
um  73,64  Mill,  verringert,  dafür  hatte
der  Barbestand  aber  um  187,4  Mill.  Mk.
abgenommen.  Staatspapicrgeld  find  auch
die  für  Polen  bestimmten  Noten  der
Bank  von  Polen  (Kapital:  25,920,000
Mk.)  und  die  für  Finnland  bestimmten
Noten  der  B  a  n  k  v  o  n  F  i  n  n  l  a  n  d  in  Helsingfors ­
  (s.  F  in  nl  a  n  d).  Außerdem  bestanden ­
  1875  im  eigentlichen  Rußland:
35  Kommerz-  und  12  Agrarbanken  auf
Aktien  (mit  einem  Grundkapital  von  324,-i
Mill.  Mk.),  2  Agrarbanken  des  gegenseitigen ­
  Kredits,  267  städtische,  auf  dem
Prinzip  der  solidarischen  Haftbarkeit  beruhende ­
  Banken,  53  gegenseitige  und
städtische  Krcditgesellschaften,  unter  welchen ­
  die  bedeutendsten  waren:  die  Internationale ­
  Bank  (Kavital:  42  Mill.  Mk.),
Eentralbank  des  russischen  BodcnkreditS
(Kapital:  19,440,000Mk.),  Wolga-Kama-Handclsbank
  (gleiches  Kapital),  Privathandelsbank ­
  und  Leih-  und  Diskontobank
mit  je  16,2  Mill.  Mk.,  alle  in  Petersburg,
        <pb n="446" />
        438

Rllstfchuk  —  Saar.

»iWNLWL«
CÄA))ikr:  16,200,0003%^.),!.  a.  Dag
plergeld  der  russischen,  zur  Notenausgabe ­
  berechtigten  Kreditbanken  erreichte
1875  mit  2559,i  Mill.Mk.  Nennwert  den
höchsten  Betrag,  welcher  1879  auf  2314,a
JJitls.  Mk.  beruntergegangen  war.
Geld,  Maße  und  Gewichte.  Es
herrscht  reine  Silbcrwährung  (1  Rub.  —
20,732  g  mit  HH8 /iooo  Feingehalt);  die  geprägten ­
  Goldmünzen  unterliegen  dem
Kurswert.  Der  Umlauf  besteht  thatsächlich ­
  ut  Reichsbanknoten  und  Staatöpalnergcld
  mit  Zwangökurs.  so  daß  seht  der
Sllberrubel  im  Verkehr  nicht  mehr  sichtbar ­
  und  nur  im  Ausland,  namentlich  in
Rumänien,  vorhanden  ist.  Was  man
letzt  Silberrubel  nennt,  ist  nichts  an-%
  n(g  Mer,  bag  a&amp;amp;S  SHcMWb
völlig  verdrängt  hat.  Die  Reichskrèditbillete
  (s  oben)  bilden  gegenwärtig  die
herrschende  Valuta,  und  das  Silberlnrant
bat  eul  beträchtliches  Aufgeld  (1875:
™  t  3"  Fuutland  (s.  d.)  herrscht
-ÖOU  —  30  cm;  Saschene  oder  Klafter
=  2,133  m;  Werst  zu  500  Saschenen  —
l,°siG7  km  ;  6,995  Werst  —  1  geogr.  Meile.
Dessiatine  —  1,092  Im;  5,022  Dessjatinen
—  1  QMeile.  Getreidemaß:  der  Tschet-¡uert
  =  209,ooi  Bit.;  suscita,imß:  ber
Wedro  —  12,2989  L.  Gewichte:  das
Pud  zu  40  Pfund  russisch  —  16,38  kg;
dasBerkowelz  (Schisfögetvicht)  —10  Pud;
100  Pfund  russisch  —  40,95  kg.

Rilstschttk  (Rusenk),  Hafenstadt  des
5'llrstcntuinö  Bulgarien,  an  der  Mündung
  des  Loin  in  die  Donau,  Station  der
Bahn  R.-Warna;  (1871)  23,000  Einw.,
darunter  10,800  Türken,  7700  Bulgaren,
1000  Juden,  800  Walachei!  und  Serben,
500  Zigeuner.  400  Westeuropäer.  Deutsches ­
  Konsulat.  Von  Jndustrieprodukten
stud  namentlich  schwarze  Thongefäße  berühmt. ­
  Der  Handel  auf  der  Donau  ist
äußerst  lebhaft;  1878  betrug  die  Einfuhr
7'947,040,  die  Ausfuhr  1,116,320  Mk.
Rybinsk,  Kreisstadt  im  rnss.  Gouvernement ­
  Jaroölaw,  rechts  an  der  Wolga
lind  der  Bahnstrecke  R.-Bolagoyc,  Knotenpunkt ­
  des  großen  russischen  Kanalsystems ­
  zwischenNewa,  Dwina  und  Wolga
(d.  h.  zwischen  dem  Baltischen,  Weißen
und  dem  Kaspischen  u.  Schwarzen  Meer);
(1870)  15,047  Einw.  Ressort  des  deutschen ­
  Konsuls  in  Moskau;  Abteilung  der
Staatsbank,  Filiale  der  Wolga-Kama-Bank;
  Transportgesellschaft  Nadeshda.  Bedeutender ­
  Handelsverkehr  auf  der  Wolga
von  und  nach  Petersburg  mit  Manntakturwaren
  und  Metallsabrikaten  (von  Petersburg ­
  lind  Moskau),  Getreide  aus  den
Wolganiedernngcn,  Lein-  und  Hanfsaat,
Butter,  Talg,  Fischen.  Tabak,  Pottasche,
Salz,  Spiritus,  Häuten,  Wolle,  Eisen,
Holz.  Der  Verkehr  beläuft  sich  auf  ca.
7000  Schiffe  mit  800—1000  Mill,  kg
Ladung  int  Wert  von  96—128  Mill.
Mk.  und  verteilt  sich  ans  acht  Wolgahafen.
Der  Platzhaiidel  setzt  ca.  6V,  Mill.  Mk.
um,  wovon  1,120,000  Mk.  auf  beit  Septembermarkt
  kommen.

S.

Saale,  1)  Sächsische  S.,  entspringt
aus  dem  Fichtelgebirge  und  fällt  nach  364
km  langem  Lauf  südöstlich  von  Barby
links  in  die  Elbe.  Im  obern  Lauf  wird
ne  viel  zum  Flößen  benutzt;  von  Naumburg ­
  ab  ist  sie  durch  Korrektion  und  15
Schleusen  für  Kähne  zu  150-200  Ton.
Aìffbar.  Es  sind  22,5'  «  m  Ketten  gelegt,

gicrungöbeztrkNntcrfranken,  112km  lang,
mundet  bei  Gmünden  in  den  Main.  Sic
i,t  von  Gräfcndorf  15  km  schiffbar.
Saar,  Hauptzufluß  der  Mosel,  246
km  lang,  von  Saargcntünd  abwärts  auf
119  km  schiffbar,  durch  den  64  km  langenSaarkanal
  mit  dem  Rhein-Marnekanal
  verbunden.  An  der  Mündung  ist
sie126mbreit.  Güdingen  Passierten  1878
zu  Thal:  374  beladene  Frachtschiffe  mit
        <pb n="447" />
        Sabanilla  —  Sachsen.

439

33,755  Ton.  n.  2807  unbetabene,  zu  Berg:
3400  belatene  Schisse  mit  57  7,530  T.
Sabanilla  (Sabanilla,  spr.  -illja),
Hafenstadt  in  der  südamerikan.  Republik
Kolumbien,  an  der  Mündnng  des  Magdalenenstroms
  ins  Karibische  Meer  und
der  Bahn  S.-Barranquilla;  Station  der
Dampferlinien:  Hamburg-Amerikan.  Paketsahrtaktienges.,
  Royal  Mail  Steam
Packet  Co.,  Comp,  géilérale  transatlantrgne,
  Harrison-Linie  (Liverpool),  Rotterdamer
  Lloyd,  Westindia  and  Pacifie  Steamship ­
  Co.:  (1870)  11,595  Einlv.—Die  Ausfuhr ­
  wertete  1879:  41,c  Mill.  LNk.  und
bestand  in:  Gold  und  Silber  13,9  Mstl.,
Chinarinde  11,8,  Kaffee  5,9  Mill.  Mt.,
Tabak,  Häuten,  Rindvieh  u.  a.  Sie  ging
meist  nach  London,  New  York,  Bremen
(2,8  Mill.),  Hamburg  (1,4  Mill.);  die
Ausfuhr  nach  Deutschland  nimmt  ab.  Die
Einfuhr  (gewebte  Stosse,  ^Nahrungsmittel, ­
  Spirituosen)  wertete  1879:  33,i  Mill.
Mk.,  davon  deutsch  2,2  Mill.  Mk.  Die
Zölle  sind  kürzlich  um  40  Proz.  erhöht
worden.  1880  liefen  32  deutsche  Schiffe
(23  Dampfer  von  40,908  Ton.  und  9
Segelschiffe  von  2121  T.)  ein.
Sachalin,  rusf.  Insel  im  Ochotökischen
Meer,  vor  der  Mündung  des  Amurflnsses;
  03,000  qkm  (1155  QM.)  mit  (1878)
1000  Einw.  Die  Insel  hat  mächtige  Kohlenlager ­
  ,  der  Ertrag  an  Getreide  ist  aber
unsicher  und  eine  Zufuhr  unerläßlich.
Sachsen,  Königreich  in  Mitteldeutschland, ­
  seiner  Bevölkerung  nach  der  dritte,
seinem  Flächeninhalt  nach  der  fünfte
Staat  des  Deutschen  Reichs;  14,993  qkm
(272,28  QM.)  mit  (isso)  2,970,220,  dagegen ­
  1875:  2,760,580  Einw.  ES  hat
somit  die  dichteste  Bevölkerung  unter  allen
deutschen  Staaten  (184  auf  den  QKilometer).
  Dem  Bekenntnis  nach  zählte
Man  1875:  2,604,341  Lutherische,  73,349
Römisch-Katholische,  9851  Reformierte  rc.
In  der  nördlichen  Lcuksitz  wohnen  noch
50.727  Wenden.  Ausgewandert  sind
1879:1689  Personen.  —  Produktion.
Vvn  dem  Gesamtareal  sind  54,3  Proz.
Acker  und  Gärten,  13,5  Proz.  Wiesen
"»b  2Beibe,i,  27,7  #03.  %oi#nb  iwb
nur  1,4  Proz.  Ödland.  Die  L  a  n  dw  lr  t  -
schaft,  gesördert  durch  fünf  landwirtschaftliche ­

  Kreisvereine  und  400Zweigvereine, ­
  steht  ans  hoher  Stufe;  bestellt  waren
1878  mit  Roggen  223,074  ha,  mit  Hafer ­
  174,011,  mit  Kartoffeln  114,705,  mit
Weizen  45,573,  mit  Gerste  35,408  ha.
Von  Handelspflanzen  nahmen  Ölsaaten
5310  ha,  Flachs  4904  ha  ein.  —  Die
Viehzählung  1873  ergab:  115,607
mrbc,  647,074  Dünbcr,  200,830  Gd^ifc
und  301,091  Schweine.  Ein  Landgestnt  besteht ­
  zu  Moritzburg,  Stammschäfereien  an
mehreren  Orten  ;  doch  ist  dieSchafzncht  sehr
heruntergegangen.  Wollmärkte  finden  zii
Leipzig,  Dresden,  Bautzen  und  Reichenbach
  statt.  —  Das  W  a  l  d  a  r  e  a  l  (418,124
ha)  ist  zwar  ansehnlich,  doch  bedarf  S.  bedeutender ­
  Einfuhren  aus  Böhmen  (Elbe)
und  Preußen.  —  Der  Bergbau  ist  bedeutend. ­
  Von  Steinkohlen  (Becken  von
Zwickau  und  Lilgau,  Becken  des  Plauischen
  Grundes)  wurden  1879  gesördert
3,310,653  Ton.  im  Wert  von  22,303,835
Mk.,  von  Braunkohlen  (Grimma,  Oschatz,
Bautzen,  Zittau)  580,335  T.  im  Wert
von  1,975,474  Mk.  Doch  wird  sehr  viel
Braunkohle  aus  Böhmen  auf  der  Elbe
und  Eisenbahnen  eingeführt.  Im  Erzgebirge ­
  waren  1875:  2065  Torfstiche  un
Betrieb,  welche  ca.  10  Mill.  Stück  Ziegel
ergaben.  Vorzügliche  Bausteine  liefert  das
Elbsandsteingebirge;  dort  gab  es  1879:
64  Steinbruchkomplere  und  539  Steinbrüche, ­
  auö  denen  jährlich  4  Mill.  Ctr.
Sandstein  (ca.  750,000  Mk.)  verschifft
werden.  Der  Bergbau  liefert  ferner  Wismuh,
  8Iei=,  @ifcn=,  bo#  metden
  auch  viele  fremde  (spanische,  chilenische ­
  u.  a.)  Erze  verhüttet;  der  Wert  des
sasa
Schwefelsäure  487,102,  Kupfervitriol
525,609  Mk.  Von  Eisenfabrikaten  werteten ­
  Gilßwaren  n.  Schmelzung  7,410,320,
Schmiedeeisen  n.  Stahl  1,665,765,  Flußeisenfabrikate
  1,705,560  Mk.  Im  Bergbau, ­
  Hütten-  und  Salinenwesen  waren
1875  beschäftigt  32,008  Personen,  davon
19,981  in  der  Kohlenindnstrie.  —  Wichtig
ist  die  Fabrikation  von  Maschinen  (Chemnitz), ­
  Thonwaren,  Chemikalien  (Leipzig).
Obenan  unter  den  Industrien  steht  in-
        <pb n="448" />
        440

Sachsen-Altenburg.

WcŞe  1875:
r.?\?80  Personen  beschäftigte.  Hanptsitz
fur  die  Lemenindustrie  ist  die  Lausitz,  für
Posamenten  Annaberg,  Taiilburierstickerei
Eibenstock.  Baumwollene  Musseline  kommen ­
  aus  dem  Voigtland;  Strnmpfwirkerei
wird  in  Chemnitz,  Bandfabrikation  in
Pulsnitz  getrieben.  Wollene  und  halbwollene ­
  Waren  fertigen  Kamenz,  Bischofswerda, ­
  Glauchau,  Meerane,  Bautzen  u.  a.,
Cigarren  die  Kreishauptmanilschaft  Leipzig. ­
  Pianinos  Dresden  und  Leipzig,  Uhren
Glashütte  und  Karlsfcld,  musikalische
Jnstruinente  Klingenthal  unb  Marknenkrrchen;
  1879  gab  es  4974  feststehende
Dampfkessel,  davon  1206  bei  der  Tertillndnstrie.
  —  Für  den  Handel  ist  Leipzig
nnt  seinen  Messen  Mittelpunkt.  Eingeführt ­
  werden  namentlich:  Kolonialwaren,
Slidfrüchte,  Salz,  Getreide,  Seide,  Baumwolle, ­
  Wein,  Twist,  Pelzwarcn,  Glas,
Luruswaren;  ausgeführt:  Woll-,  Baumwoll-
  und  Leinenwaren,  Zwirn,  Garn,
Spitzen,  Pelzwaren,  Maschinen,  Steinkohlen, ­
  Porzellan,  Saiidstein,  Bücher,  chemische ­
  Präparate.  Nach  den  Vereinigten
Staaten  wurden  1879  aus  den  Konsulatsbezirken ­
  Chemnitz,  Dresden  u.  Leipzig  ansfik55,978,121
  m.mrnL  Dm
à'kehr  dienen  die  Elbe  (s.  d.),  die  Chausseen ­
  (1875:  2793  km)  und  die  Eiienbahnen,
  1.  April  1880:2090  km,  davon
Staatsbahnen  2000,49,  Privatbahnen
89,86  km.  Mit  der  Post  kamen  1879  an  :
69,001,954  Briefe  und  Pakete  ohne  Wert,
1,091,502  Stück  mit  843,165,912  Mk.
Wert.  Der  Telegraph  beförderte  in  308
Ämtern  1,552,323  Telegramme.—  Handelskammern ­
  bestehen  in  Chemnitz,
Dresden,  Leipzig.  —  Konsulate  unterhalten ­
  (Dresden,  Leipzig,  Chemnitz):  Argentinien, ­
  Baden,  Bayern,  Belgien,  Bolivia, ­
  Bremen,  Chile,  Dänemark,  Frankreich, ­
  Griechenland,  Großbritannien,
Hessen,  Italien,  Niederlande,  Österreich,
Peru,  Portugal,  Rußland,  Schweden,
Spanien,  Türkei,  Uruguay,  Bereinigte
Staaten,  Württemberg;  eigne  Konsulate
unterhält  S.  in  Frankfurt  a.  M.,  Harburg,
München,  Stettin,  Stuttgart.—Kr  e  d  i  t  -
v  ese,,.  VonBanken  sind  namentlich  zu
nennen:  Chemnitzer  Stadtbank  (Kapital:

510,000  Mk.),  Sächsische  Bank  zu  Dresden ­
  (30Mill.Mk.),  Leipziger  Kassenverein
(3  Mill.  Mk.),  alle  drei  Hettclbanken,  ferner ­
  Chemnitzer  Bankverein  (3  Mill.  Mk.),
Dresdener  Bank  (9,6  Mill.  Mk.),  Kreditanstalt ­
  für  Industrie  und  Handel  zu
Dresden  (1,8  Mill.  Mk.),  Leipziger  Bank
(18  Mill.  Alk.),  Allgemeine  Deutsche
Kreditanstalt  (30  Mill.  Mk.).  Leipziger
Dlökontogescllschaft  (3  Mill.  Mk.).  Leipziger ­
  Hypothekenbank  l  300,000  Mk.),  Oberlausitzer ­
  Bank  in  Zittau  (3  Mill.  Mk.),
ZwickauerBank(1,5Mill.  Mk.).  Sparkassen ­
  gab  es  1878:  161  mit  einem  Gcsamtgilthaben
  voir  261,647,201  Mk.,  Altersversorgungs-
  und  Jnvalidenkassen  19
mit  4106  Mitgliedern  und  540,966  Mk.
Vermögen,  Sterbekassen  552  mit  150.780
Mitgliedern  und  1,639,319  Mk.  Vermögen. ­

  —  Staatshaushalt.  Die  Budgets ­
  für  1880  uno  1881  balancieren  in
Einnahme  imb  Ausgabe  mit  63,759,587
Sãs
şşļ^ê?0Mk.  von  Staatseisenbahncn,
6,(72.400  Mk.  von  Forsten  und  Jagd)
und  27,058,675  Mk.  ans  Steuern  und
Abgaben  (20,861,710Mk.  direkteStenern,
5,665,905  Mk.  Zölle  undKonsnmsteuern).
Bei  den  Ausgaben  sind  die  für  Verzinsung
der  Staatsschuld  (23.978,698  Mk.)  und
Tilgung  derselben  (6,117,665  Mk.)  die
bedeutendsten.  Außerdem  besteht  ein  außerordentliches ­
  Budget  mit  1,091,200  Alk.
Matriknlarbeitrag  1881—82:  5,624,998
Mk.  —  Die  Staatsschuld  (zum  großeil
Teil  für  Eisenbahnbauteil  aufgenommen)
betrug  1.  Jan.  1880:  675,570,475  Mk.
Sachsen-Altenburg,  zunl  Deutschen
Reiche  gehöriges  Herzogtum,  besteht  aus
zwei  durch  reußische  Lande  getrennteil  Gebietsteilen, ­
  dem  Ost-  oder  altenburgischen
Kreis  und  dem  West-  oder  Saal-Eisenburgischen ­
  Kreis;  1322  qkm  (24  OM.)
mit  (1880)  155,062,  dagegen  1875:145,844
Einw.,  fast  ausschließlich  Protestanten.—
Produktion.  Vom  Gesamtareal  sind
58  Proz.  Äcker  und  Gärten,  10  Proz.  Wiesen ­
  und  Weiden,  28  Proz.  Forstland  und
nur  3,6  Proz.  Hausräume  und  Ödland,
j  Hauptkulturen  sind:  Roggen,  Hafer,  Kari
  toffeln,  Gerste  und  Weizen,  ferner  Ölsaaten
        <pb n="449" />
        441

Sachsen-Koburg-Gotha  —  Sachsen-Meiningen.

und  Flachs.  Nach  der  Viehzählung  von
1873  cS  57,428  Minbet,  8892  Bferbc,
30,771  Schafe  und  37,552  Schweine.
Pferdemärkte  und  Wollmarkte  werden  zu
Altenburg  gehalten.  Der  Bergbau  lieferte
1879:  585,578  Ton.  Braunkohlen  im
Wert  von  1,080,427  Mk.  -  Industrie.
Nach  der  Gewerbezählung  von  1875  gab  eS
12,094  Hauptbetriebe  mit  27,074  Personen ­
  (1349  bei  Leiuweberei,  1284  bei  Tabakfabrikation,
  1024  beim  Braunkohlenbergbau, ­
  926  bei  Dreh-  und  Schuihwarcu,  814
bei  Kammgarnweberei  re.);  1879  zählte
man  224  feststehende  Dampfkessel.  —  Ausgeführt ­
  werden:  Getreide,  Vieh,  Braunkohlen, ­
  Holz,  Porzellan,  GlaS,  Handschuhe ­
  u.  a.  Das  Herzogtum  gehört  zum
Thüringischen  Zoll-  u.  Haudelsvcrein.  —
Länge  der  Chausseen  419  km;  btc  Elsenbahnen ­
  (Privatbahnen)  hatten  1.  April
1880  eine  Länge  von  8,6km.  —  Kreditwesen. ­
  In  der  Stadt  besteht  die  Allgemeine ­
  Deutsche  Kreditanstalt,  im  Herzogtum ­
  (1875)  12  Sparkassen  mit  6,058,527
Mk.  Aktivbestand.  —  Staatshaushalt. ­
  Der  Etat  für  1881—83  beziffert
sich  auf  2,418,131  Mk.  Im  Etat  1878-1880
  balancieren  Einnahmen  und  Ausgaben ­
  mit  2,274,347  Mk.  Hauptposten
sind  bei  den  Einnahmen:  aus  dem  Staats-Vermögen
  938,956  Mk.,  Steuern  und  Abgaben ­
  855,815  Mk.;  bei  den  Ausgaben
verlangen  Reichszwccke206,831Mk.,  MatriM(¡üeürM
  1881-82:  297,448  9Rf.;
die  Staatsschuld  beträgt  74,233  Mk.
Der  Vermögensstand  bei  der  Staatsverwaltung ­
  war  Ende  1879  :  Aktiva  6,475,430
1.801,263  m.
Sachsen-Koburg-Gotha,  zum  Deutschen ­
  Reiche  gehöriges  Herzogtum,  besteht
aus  zwei  getrennten  Herzogtümern,  Koburg ­
  und  Gotha,  zu  welchen  noch  mehrere ­
  Parzellen  gehören;  1968  qkm  (35,74
QM.)  mit  (isso)  194,479,  dagegen  1875  :
182,599  Eiuw.,  fast  nur  Protestanten.  —
Produktion.  Hauptbeschäftigung  ist
Landbau.  Von  dem  Gesamtareal  ist  nur
l,i  Proz.  Ödland,  53  Proz.  sindAcker  und
Gärten,  12  Proz.  Wiesen  und  Werden,  30
Best#  waTenl878im
Hafer  16,582ha,  mit  Roggen  15,007,  mit
Weizen  11,251,  mit  Gerste  11,064,  mit

Kartoffeln  9250ha.  Die  Viehzählung  von
1873  ergab  7318  Pferde,  59,340  Rinder,
108,424  Schafe  und  39,144  Schweine.
Bergbau  wird  auf  Steinkohlen  (1879:  268
Ton.)  und  Manganerze  (1168  T.  im  Wert
von  78,224Mk.)betrieben;  Salz(3255T.)
gewinnt  man  aus  Sole.  —  Industrie,
iltach  der  Gewerbezählung  von  &amp;gt;875  gab  es
15,627  Hauptbetriebe  mit  31,938  Personen; ­
  Hauptgegenständc  der  Industrie  sind
die  Fabrikation  von  Korbwaren,  Marmorwaren,
  Pfeifen  (Ruhla),  Glas,  Kammgarn, ­
  Plüsch  rc.  Das  Herzogtum  gehört
zum  Thüringischen  Zoll-  unb  Handelsverein. ­
  —  Die  Landstraßen  haben  eine
Lange  von  721  km,  die  Eisenbahnen
(1.  April  1880)  26,4  km,  davon  9,1  km
Staatsbahncn.  —  Kreditanstalten
sind  :  die  Gothaer  Privatbank  (Kapital:  5,4
Mill.  Mk.),  Koburg-Gothaische  Krcditsellschaft
  (6  Mill.Mk.),  Deutsche  Grundkreditbank ­
  zu  Gotha  (10,5  Mill.  Mk.).
Zu  Gotha  bestehen  auch  eine  Feuerversicherungs-
  und  eine  Lebcnsversicherungsbank,
beide  sehr  bedeutende  Institute,  und  ein
Vicekonsulat  für  Brasilien;  ein  eignes  Konsulat ­
  unterhält  S.  in  Frankfurt  a.  M.  —
Staatshaushalt.  Der  Staatskassenctat
  1877—81  balanciert  in  Einnahme
und  Ausgabe  mit  3,312,100  Mk.,  da-D0,1
  878,900,  2,433,200
Mk.  Hauptposten  sind  bei  den  Einnahmen ­
  :  direkte  Steuern  1,328,039,  indirekte
617,999,  Staatsdomänen  638,805  Mk.  ;
bei  den  Ausgaben:  Staatsschuld  536,645
Mk.,  Matrikularbeitrag  1881  —  82:
372,409  Mk.  Der  Stand  der  Staats-SSSH®

Sachsen-Meiningen,  zum  Deutschen
Reiche  gehöriges  Herzogtum,  besteht  außer
dem  Hauptlaud  aus  der  Herrschaft  Kranichfeld, ­
  der  Grafschaft  Kambura  und  elf
kleineruParzellen;  2468  qkm  (44,8  QM.)
mit  (isso)  207,147,  dagegen  1875:194,494
Einw.  (darunter  2043  Katholiken,  1594
Juden).  —  Produktion.  Von  dem  Gesanrtareal
  entfallen  auf  Acker  und  Gärten
53  Proz.,  Wiesen  und  Weiden  12  Pro;.,
Wald  30  Proz.  Bestellt  waren  1878  mit
        <pb n="450" />
        442

Sachsen-Weimar-Eisenach.

Roggen  20,616  lin,  Hafer  17,022,  Kartoffeln ­
  11,296,  Weizen  9737,  Gerste  6639
ha.  Die  Erträge  sind  so  niedrig,  daß  noch
z&amp;gt;vei  Siebentel  deö  Bedarfs  eingeführt
werden  müssen.  Nennenswert  ist  der
Hopfenbau.  Nach  der  Viehzählung  voir
1873  gab  eö  4531  Pferde,  70,160  Rinder,
85,000  Schafe  und  37,564  Schweine.
Die  Forstwirtschaft  ist  von  großer  Bedeutung. ­
  Der  Bergbau  liefert  Steinkohlen
lind  Eisenerze,  Schiefer  der  östliche  Teil,
wo  (namentlich  bei  Lehesten)  1880:  39,787
Ton.  (1,877,313  Mk.)  gebrochen  wurden,
ferner  Marmor,  Porzellanerde,  Farberde.
Die  Salinen  zu  Salzungen  undNeusulza
Hcfcrtm  1880:19,527  %.  (503,028  3Rf.),
Friedrichshall  das  bekannte  Bitterwasfey.
  —  Industriell  waren  1875  in
15,627  Hauptbetrieben  31,938  Personen
nnd  (1879)  163  feststehende  Dampfkessel
beschäftigt.  Die  bedeutendsten  Industriezweige ­
  sind  dasHütteuwcsen  (1880:28,769
Ton.  Roheisen,  8720  T.  Flußeisenfabrikate ­
  u.  a.,  überhaupt  in  71  Werken  für
5,335,950  Mk.),  die  Verfertigung  feinerer
Holzwarcn,  Tuchfabrikation,  Lederbcreitling,
  Spinnerei  ilnd  Weberei  undPapiermacheefabrikation.
  Der  Sonneberger  Distrikt ­
  (s.  Sonneberg)  betreibt  ein  Welthandelsgeschäft.
  —Der  Handel  geht  über
Europa  nach  Amerika  und  andern  Erdteilen. ­
  Das  Land  gehört  zum  Thüringischen ­
  Zoll-  und  Handelsverein.  Hauvtausfuhrartikel:
  Vieh,  Häute,  Wolle,  Leder,
Leinen,  balnnwollene  und  wollene  Waren,
Salz,  GlaS,  Porzellan,  Kaolin,  Marmel,
Holz  und  Holzwaren,  Wetzsteine  und  Schiefertafeln, ­
  Pech,  Kienruß  rc.—-  Die  Straßen
hatten  1877  eine  Länge  von  1505  km,  die
Eisenbahnen  von  191,i  km,  davon
20,97  km  Staatsbahncn.  —  Kreditanstalten ­
  sind  die  Mitteldeutsche  Kreditbank ­
  (Kapital:  37,5  Mill.  Mk.)  und  die
Deutsche  Hypothekenbailk  (9,602,880
Mk.),  beide  in  Meiningen.  —  Ein  Konsulat
  der  Vereinigten  Staaten  besteht  zu
Sonneberg,  und  eigne  Konsulate  unterhält
S.  in  Frankfurt  a.  M.  und  Münden.  —
Staatshaushalt.  Nach  dem  Voranschlag ­
  1880  —82  betrugen  die  Einnahmen
  4,640,565  Mk.,  davon  Domänentasie
  2,075,500,  LaudeSkasse  2,565,065

Mk.;  die  Ausgaben  4,123,100  Mk.,  davon
Staatsschuld'59!,500  Mk.,  Matrikularbeitrag
  1881-82:  396,669  3Wf.  Die
Staatsschuld  war  31.  Dez.  1879:
12,262,678  (@lfc,t#n#ulb  7,226,598)
Mk.,  wogegen  Aktiva  im  Betrag  von
11,588,44o  Mk.  standen.
Sachsen  -  Weimar  -  Eisenach,  zum
Deutschen  Reich  gehöriges  Großherzogtum,
besteht  ans  drei  getrennten  größer»  Teilen ­
  :  dem  Eisenacher,  Weimarer  und  Nenstädtcr
  Kreis,  mit  den  Enklaven  Osthciiu
(in  Bayern),  Ilmenau,  Allstedt  und  Oldisleben ­
  und  einer  Anzahl  kleinerer  Parzellen; ­
  3593  qkm  (65,03  QM.)  mit  (isso)
309,503,  baßegm  1875:  292,933  @inn\
(barunter  9535  Katholiken  unb  1081  Inden). ­
  —  Produktion.  Von  dem  Gesamtareal ­
  sind  56  Proz.  Acker  und  Gärten, ­
  12  Proz.  Wiesen  und  Weiden,  25
Proz.  Wald.  Bestellt  waren  1878  mit
Roggen  34,824  ha,  mit  Hafer  30,789,
mit  Gerste  26,997,  mit  Weizen  20.079,
mit  Kartoffeln  18,331  ha;  auch  Ölsaat
und  Flachs  werden  in  größcrm  Umfang
gebaut.  Zur  Förderung  der  Landwirtschaft ­
  besteht  eine  Landeökreditkasse.  Die
Viehzählung  von  1873  ergab:  15,547
Pferde,  112,296  Rinder,  21%,874  Schafe
und  78,141  Schweine.  Eilt  Wollmarkt
wird  in  Weimar  abgehalten.  Bergbail
und  Hüttenwesen  sind  nicht  von'Belang. ­
  —  Industriell  waren  1875  in
21,585  Hauptbetrieben  41,918  Personen
beschäftigt;  1879  wurden  182  feststehende
Dampfkessel  gezählt.  Ani  bedeutendsten
sind:  Streichgarn-  und  Kammgarnspinnerei
  und-Weberei,  Strumpfwirkerei  (namentlich ­
  in  Apolda),  Fabrikation  von  Posamenten, ­
  Schnitzwaren,  Pfeifen  (Ruhla)
u.  a.  —  Das  Großherzogtum  gehört  ziti»
Thüringer  Zoll-  und  Handelsverein.  Ausgeführt ­
  werden:  Getreide,  Obst,  Holz,
Wacholderbeeren,  Pottasche,  Wolle,  Woll-,
Baumwoll-  u.  Lcinenwaren,  Strumpfwaren, ­
  Ruhlaer  Kurzwaren,  Porzellan  rc.—
Die  Chausseen  hatten  1865  eine  Länge
von  898  km,  verschiedene  Eisenbahnen
durchkreuzen  das  Land.  —  Kreditinstitute ­
  sind  die  Weimarische  Bank(Kapital:
10,856,428  Mk.),  Landeskreditkasse;  (1875)
12  Sparkassen  mit  16,8  Mill.  Mk.  Einla-
        <pb n="451" />
        443

Sahara  —  Saint-Etienne.

gen.  Konsulate  unterhält  S.  in  Frankfurt ­
  a.M.  und  Stuttgart.  —  Staatshaushalt. ­
  Der  Etat  1881—83  schließt
mit  6,319,970  Mk.  in  Einnahme  und
6,283,190  Mk.  in  Ausgabe  ab.  Für  die
Finanzperiode  1878—80  sind  die  Einnahmen ­
  mit  6,760,805,  die  Ausgaben  mit
6,736,881  Mk.  berechnet.  Hauptposten  bei
ben  erstem:  Fiskalvermögen  2,651,750,
Einkommensteuer  1,787,350,  indirekte
Steuern  1,039,030Mk.;  von  den  letztem
kommen  auf  Bundeszwecke  1,387,700,
Staatsschuld  375,754,  Matriknlarbeitrag
1881—82:  597,434  m.
schuld,  welche  durch  Aktivkapitalien
mehr  als  gedeckt  ist,  betrug  Ende  1879:
6,807,701  W.
Sahara,  großes,  incisi  wüstes  Gebiet
&amp;gt;n  Nordafrika,  vom  Atlantischen  Ocean
im  W.  biö  zur  Kette  der  ägyptischen  und
nnbischcn  Oasen  in  einer  Länge  von  5200
km  und  einer  Breite  voir  ungefähr  1500
km,  hat  einen  ungefähren  Flächenraum
von  6,277,000  qkm  (114,000  QM.).
Die  einzigen  für  den  Handel  in  Betracht
kommenden  Produkte  sind  das  überall
verbreitete  Salz,  daS  in  großen  Quantitäten ­
  nach  dem  Sudan  geführt  wird,  ferner: ­
  Salpeter,  Natron,  Alaun.  Der
Hauptzweck  des  Binnenhandels  besteht  iir
dem  Austailsch  voir  Bich  unb  Salz  an  die
Bewohner  der  Nigerlander  gegen  Goldstaub, ­
  Sklaven,  Elfenbein,  Getreide.  Die
ersten  drei  Handelsgcgenstände  werden
dann  mit  Straußenfedern,  Alaun  und
Gummi  nach  den  Küstenländern  im  W.
und  N.  geführt,  um  gegen  Waffen,  Pulver ­
  und  Kleidungsstoffe  eingetauscht  zu
werden.  Den  größten  Teil  der  europäischen ­
  Waren  erhalt  die  S.  vom  Mittel-Meer
  her,  doch  beginnt  man  schon,  einen
großen  Teil  der  Waren  über  den  Senegal ­
  und  Niger  zu  beziehen.  Hauptverkehrsstraße, ­
  auf  welcher  sich  die  großen
Karawanenzüge  bewegen,  ist  von  O.
nach  W.  die  große  Centralstraßc  von  Tripolis ­
  über  Mursnk  und  das  durch  seinen
Salzreick'tum  imb  Salzhandel  wichtige
Bilma  nach  Knka  am  Tschadsee.  Bon  Añades ­
  in  Air  (südlich  von  Mursnk)  laufen
Straßen  nach  Süden  aus:  nach  Gagho  am
Niger,  nach  Wnrno  nndSokoto  imFulbe-Ncich

  Gando  und  über  Damergn  und
Katsena  nach  Kano  im  Herzen  des  Sudan.
Bon  Algerien  führt  die  Hauptstraße  nach
Timbuktu  über  Gardaja  im  Lande  der
Mzabiten  und  El  Golea  nach  Tuat,  von
da  nach  Südwesten  über  Mabruk  an  den
Niger.  Die  westliche  S.  hat  ihre  Karawanenverbindungen
  zwischen  dem  Senegal
und  Südmarokko  über  Aderer.  —  Bon  den
Projekten,  welche  in  neuerer  Zeit  gemacht
worden  sind,  run  das  ungeheure  Gebiet
mehr  dem  Handel  zu  eröffnen,  ist  der  geplante ­
  Bau  einer  Eisenbahn  von  A  lgier  aus
über  Jnsalah  nach  Timbuktu  zu  nennen.
Saida,  Hafenplatz  im  Liwa  Beirut  der
asiatisch-türk.  Provinz  Syrien;  11,000
Einw.  Deutsches  Bicckonsulat  (ressortiert
von  Aleppo).
Saigon  (Saig  un),  Hauptstadt  der
franz.  Kolonie  Kotschinchina  in  Hinterindien, ­
  der  bedeutendste  Platz  zwischen  Singapur ­
  und  Hongkong  für  den  europäischen
Handel,  im  Delta  der  zum  Koi-loi-rap
(Saigon)  zusammenströmenden  Flüsse,  96
km  vom  Meer,  aber  zur  Flutzeit  für
Seeschiffe  erreichbar;  60—70,000  Einw.,
davon  1107  Europäer.  S.  ist  Freihafen;
1879  liefen  außer  den  Dampfern  der
Messageries  maritimes  ein:  241  Schiffe
von  192,000  Ton.  (91  deutsche  von  56,505
%.),  wtg:  424  @4#  won  382,514  %.
(57  deutsche  von  27,451  T.).  Die  Ausfuhr ­
  :  Reis  (1879  für  46,7  Mill.  Mk.),
Silber,  Fische,  Baumwolle  rc.,  bezifferte
sich  1879  auf  53,9  Mill.  Mk.;  die  Einfuhr, ­
  bestehend  in  Silber(20,4Mill.  Mk.),
Droguen,  Mehl,  Gnnnysäcken,  Opium,
Seidenwareu,  Thee,  Geweben,  Wem  u.a.,
wertete  39,3  Mill.  Mk.
Saint  Christopher  (spr.  fiennt  krisstof'r),

Saint-Denis  (spr.  ssäng-dömh),  Hauptstaudt
  der  franz.  Insel  Reunion,  auf  der
Nordseite  derselben;  Station  der  Dampfer
der  Messageries  maritimes;  0877)  32,050
Einw.  Britisches  Konsulat;  Banque  coloniale ­
  ,  Credit  agricole  et  commercial.
Saint  -  Etienne  (spr.  ssängt  -  ctjann),
Hauptstadt  des  franz.  Departements  Loire,
unfern  der  Loire,  Knotenpunkt  von  Eisenbahnen ­
  nach  Lyon,  Roanne,  Montbrison
und  Le  Puy;  (is7o)  117,537  Einw.  Han-
        <pb n="452" />
        4

444

Saint  John  —  Saint  Lonis.

Vi  I

dclskammer;  Filiale  der  Bank  von  Frankreich, ­
  Société  generale.  —  Das  Kohlenbecken, ­
  dessen  Mittelpunkt  S.  bildet,  hat
eine  Ausdehnung  von  32  km  in  der  Länge
ilnd  8  km  in  der  Breite,  ist  das  reichste  in
ganz  Frankreich  und  liefert  meist  ausgezeichnete ­
  Steinkohle  (1873  durch  16,MO
Arbeiter  über  38  Mill.  Ctr.).  Daran
schließt  sich  die  metallurgische  Industrie
mit  großen  Eisenwerken,  Bessemer-  und
Martinstahlhütten,  Schienenwalzwerken,
Fabrikation  von  Waffen,  besonders  Schußwaffen, ­
  Kriegsmaterial,  Panzerplatten  rc.
S.  besitzt  eine  Konditionierungsanstalt  für
Seide,  in  welcher  1879:189,769  kg  konditioniert ­
  wurden;  netto  verwogen  wurden ­
  1878:  259,648  und  1879:'  193,997
kg.  Nächst  Lyon  ist  S.  der  wichtigste  Platz
für  Seide  in  Frankreich.  Diese  Industrie
beschäftigt  1t),000  Stühle  und  liefert  jährlich ­
  Waren  im  Wert  von  52  Mill.  Mk.
Saint  John  (spr.  fftttnt  dschonn),  Hafen
m  der  fernab.  Provinz  Nenbraunschweig
in  Britisch-Nordamerika,  mit  ausgezeichnetem, ­
  nie  durch  Eis  gesperrten  Hafen,
Station  der  Dampfer  der  Anchor-Linie;
(187!,)  29,009  Einw.  Deutsches  Konsulat
(Amtsbezirk:  die  Grafschaften  Westmoreland, ­
  Albert,  S.,  Charlotte);  Bank  of
New  Brunswick,  Bank  of  Montreal.  —
Haupterwerbszweige  sind  Fischerei,  Schiffbau ­
  und  Holzhandel,  welcher  aber  in  letzter ­
  Zeit  sehr  gelitten  hat.  Die  Ausfuhr
von  Holz  bestand  1880  in  259,944  Ton.
Dielen,  10,035  T.  Birken-  und  2444  T.
Tannenholz.  In  S.  und  den  übrigen
Häfen  von  Nenbraunschweig  liefen  1880
ein  und  aus:  7deutsche  Schiffevon4242T.
Im  Hafen  wurden  registriert  41  Schiffe
von  14,014  T.,  und  es  gingen  nicht  weniger ­
  als  34  Schiffe  von  15,409  T.  verloren.
Saint  Johttö  (spr.  ssennt  dschöhiis),
Hauptstadt  der  brit.  Insel  Neufundland,
an  der  Ostküste,  mit  vortrefflichem  Hafen,
Station  der  Dampfer  der  Allan-Linie;
0872)  22,553  Einw.  Deutsches  Konsulat
(Amtsbezirk:  S.  und  Harbour  -  Grace);
Union  Bank  of  New  Foundland.  Haupt-^fchäftigung
  sind  Seefischerei  und  Handel.
1880  wurden  ausgeführt:  Stockfische  für
24,2  Mill.  Mk.,  Robbenthran  für  3,3,
Kupfererz  fur  2,5  Mill.  Mk.,  ferner  Stockfischthran, ­

  Robbenfelle,  Salme,  Heringe,
Präservierte  Hummern  u.  a.,  zusammen
im  Wert  von  35,655,460  Mk.
Saint  Kitts  (spr.  Rennt  kitts,  Saint
Christopher),  britisch-westind.  Jnsel  der
Kleinen  Antillen,  mit  Anguilla  267  qkm
(4,85  QM.  )  und  (1871)  28.169  Einw.  Produkte ­
  sind:  Zucker  (Export  1877:107,353
Ctr.),  Rum  und  Melasse.  Die  Einfuhr
betrug  1878:  3,462,340  Mk.,  die  Ausfuhr
4,049,680Mk.  ;  Schiffsverkehr57,000Ton.
Das  Kolonialbudget  zeigte  in  Einnahme
640,680  Mk.,  in  Ausgabe  616,340  Mk.;
Kolonialschuld  94,000  Mk.
Saint  Louis  (spr.  ssemit  Nus),  1)  wichtigste
Handelsstadt  des  nordamerikan.  Staats
Missouri,  am  rechten  Ufer  des  Mississippi,
32  km  unterhalb  der  Mündung  des  Missouri ­
  und  1863  km  (dem  Stromlanf  nach)
oberhalb  New  Orleans,  Knotenpnnkt
zahlreicher  Bahnen  (S.-Chicago,  S.-Cincinnati);
  durch  eine  680  m  lange
Brücke  mit  drei  Bögen,  von  Eadö  1869—
4871  für  40  Mill.  Mk.  errichtet,  mit  East
S.  verbunden;  fisso)  375,000Einw.,  worunter ­
  59,000  Deutsche.  Deutsches  (Berufs-) ­
  Konsulat  (Amtsbezirk:  Missouri,
Kansas,  Colorado,  Neumeriko,  Arkansas,
Tennessee,  Mississippi,  Louisiana,  Teraö,
Indian  Territory  sowie  die  Counties
St.  Clair,  Madison  und  Monroe  des
Staats  Illinois);  Handelskammer,  Zollamt ­
  Clearinghouse  (Umsatz  1879:2350,7t
Mill.  Mk.);  zahlreiche  Banken,  darunter
Empire  Bank  of  S.,  Fourth  National
Bank.  —  Als  Fabrikstadt  nimmt  S.
einen  hervorragenden  Rang  ein;  1870
zählte  man  bereits  4579  gewerbliche  Anstalten ­
  mit  40,856  Arbeitern  und  einem
Produktionswert  von  436  Mill.  Mk.,  der
1874  schon  auf  960  Mill.  Mk.  gestiegen
war.  In  der  Vorstadt  Ca  ra  n  d  ole  t  'befinden ­
  sich  großartige  Walzwerke,  Gießereien, ­
  Eisen-  und  Zinkhütten.  Man
zählte  30  Kornmühlen;  es  gibt  großartige
Schweineschlächtcreien,  Zuckersiedereien,
Glashütten,  Tischlerwerkstätten,  Tabakund
  Farbenfabriken,  Maschineiibauantalten
  rc.  In  der  Nähe  der  Stadt  wird
Bergbau  auf  Eisen  getrieben.  —  Der  sehr
bedeutende  Handel  hat  sich  in  überraschender ­
  Weise  entwickelt,  namentlich
        <pb n="453" />
        445

Saint-Malo  —  Saint-Omer.

der  Verkehr  über  die  nuil  regulierte  Mississippimündung. ­
  Die  Ausfuhr  nach  iibersceischeu
  Häfen  stieg  von  19,166  Ton.  nt  1875
auf  135,406  T.  in  1879,  speciell  der  direkte
Verkehr  mit  England  von  15,667  T.  aus
129,243  T.,  mit  Deutschland  von  360  auf
690  (1878:  1190)  T.  Haìlptstapekartlkel
sind:  Getreide,  Vieh  und  infolge  deö  erleichterten ­
  Verkehrs  seit  1872  auch  Baumwolle. ­
  1872  wurden  erst  36,421  Ballen,
aber  1878  schon  338,340  Ballen  eingebracht. ­
  In  den  30  Mühlen  wurde,l  ai,S
2  Miß.  lil  1,960,000  FässcrMehl  bereitet,
dabei  wurden  noch  1,300,000  Fässer  eingeführt, ­
  so  daß  sich  die  Gesamtinenge  deö  in
denHandcl  gebrachten  Mehls  ausò,633,87  ~
Fässer  belief.  Der  Handel  mit  Schlachtvieh ­
  hat  sich  enorm  gehoben;  1878  wurden ­
  406,235  Rinder,  168,095  Schafe
und  1,451,634  Schweine  geschlachtet  und
zum  größten  Teil  verpackt  und  verschickt.
Fleisch,  Schinken  und  Speck  gehen  fast  ausschließlich ­
  über  atlantische  Häfen,  ebenso
Mehl  (1879:  619,093  Fässer),  Baumwolle
(214,323  Ballen),  Weizen  und  Mais
nur  152,968,  resp.  223,706  hl,  dagegen
über  New  Orleans  1,i  Mill.,  resp.  1,6Mill,
hl  ;  ferner  wurden  ausgeführt  :  637,977
Pfd.  Schmalz,  494,584  Pfd.  Talg,  187,656
Pfd.  Häute.  —  Platzgebränche.  Man
verkauft  Steinkohle  für  das  Bushel  von
80  Pfd.  Wechselkurse  wie  New  York.
2)  S.  Senegal.
Saint-Malo  (spr.  ssäng-malö),  Arrondissementshauptstadt
  und  Seestadt  im
franz.  Departement  Ille-et-Vilaine,  am
Kanal  (La  Manche)  und  einer  Zweigbahn
der  Französischen  Westbahn;  0876)  10,061
Einw.  Deutsches  Konsulat;  Handelskammer. ­
  Warenbörse.  Stocksischfang.  In  den
Hafen  liefen  1875  ein:  1098  Seeschiffe
mit  149,181  Ton.,  aus:  1180  n,it  162,102
T.,  dazu  etwa  600  Küstenfahrer  mit
20,000  T.  Der  bedeutendste  Verkehr  ist
mit  England;  dorthin  führt  man  Vieh,
Geflügel,  Eier,  Butter  rc.,  wahrend  Salz,
Holz,  Kohlen,  Getreide,  Fische  rc.  zur
Etr.  Heringen  und  2000  Ctr.  Thran.  _
Saint-Äazaire  (spr.sjäna-nasar),  Hafenstadt ­
  und  Arrondissenleiìtshauptstadt  un

franz.  Departement  Loirc-Jnfêricnre,  ans
einem  Vorgebirge  zwischen  dem  Atlantischen ­
  Ocean  und  dem  rechten  Ufer  der  hier
einmündenden  Loire,  Station  der  Orlèansbahn;
  0876)  14,761  Einw.  Deutsches
Vicekonsulat.  —  Der  Hafen  besteht  aus
zwei  Bassins,  von  welchen  das  eine  eine
Fläche  von  lOVa  ha  einnimmt,200  Schiffe
aufnehmen  kann  und  von  Kais  in  einer
Ausdehnung  von  1650  m  eingefaßt  ist,
während  das  zweite  Bassin  eine  Fläche
von  20  ha  bedeckt,  mit  Trockendocks  versehen ­
  ist  und  hauptsächlich  der  Marine
dient.  Regelmäßige  Dampfervcrbindung
durch  die  Compagnie  générale  transatlantique ­
  besteht  mit  Belle-Jsle,  Lorient,  Bordeaux, ­
  Lissabon,  Vigo,  Cadiz;  von  hier
laufen  Paketboote  nach  den  Antillen,
Cayenne  und  Mexiko.  1875  liefen  671
Schisse  mit  282,542  Ton.  ein,  609  Schisse
mit  263,916  T.  aus.  Dazu  kommen
an  420  ein-  und  ebensoviel  ausgelaufene
Küstenfahrzuge  mit  40,000  T.  1879  liefen ­
  hier  23  deutsche  Schiffe  ein.  Eingeführt ­
  werden  namentlich:  Kohle,  Holz,
Kaffee,  Indigo,  Tabak,  Dungstofse,  Ölsaat, ­
  Chinarinde,  Baumwollwaren,  Reis;
ausgeführt:  Gold-  und  Juwelierarbeiten,
Lederwaren,  Schaswollfabrikate,  Kleider
und  Wäsche,  Baumwollwaren,  Knöpfe,
Kaffee,  Wein,  Fische,  Butter,  Holz,  Papier, ­
  Eier,  Flachs  -  und  Hanfwaren,  zubereitete ­
  Felle,  Seidenwaren,  Filzhütc  rc.
Das  Zollamt  von  S.  ist  eins  der  bedeutendsten ­
  in  Frankreich;  1875  kamen  zur
»«ass:

won  50  dim.  m.  iwb  640^00  6tr.
Exportwaren  im  Wert  von  62  Mill.  Mk.
Saint-Omer  (spr.  ssängt-omar),  Arrondissementshauptstadt ­
  im  franz.  Departement ­
  Pas  de  Calais,  am  Zusammenfluß
der  schiffbaren  Aa  und  des  Neuffossekanalö
und  an  der  Eisenbahn  von  Lille  nach  Calais; ­
  0876)  21,404  Einw.  Ressort  des  deutschen ­
  Konsuls  in  Dünkirchen.  Bedeutende
Fabrikthätigkcit,  namentlich  Woll-  und
Baumwollspinnerei,  Zwirnerei  und  Fabrikation ­
  von  Stickereien,  Tuch,  Posamenten,
Tabak  (besonders  der  als  »S.«  bekannte
Schnupftabak).  Handel  mit  Getreide,
Wein,  Flachs,  Öl,  Torf,  Kohlen,Bier,Tabak, ­
  Eiern,  Geflügel,  Obst  und  Spitzen.
        <pb n="454" />
        44G

Saint-Pierre  et  Miquelon  —  Samanà.

Samt-Pierre  et  Miquelon  lspr.ssäng
pj'ir  e  inik'lüiiñ),  franz.  Fischereiniederlassung ­
  nn  südlichen  Neufundland;  235  à
(4,3  QM.)  mit  (1877)  53  38  Einw.,  während ­
  des  Stockfischfangs  (15.  März  bis  15.
Nov.)  über  15,000  Seelen.  Die  meisten
der  von  Frankreich  eingeführten  Waren
werden  mit  Stockfisch  bezahlt;  Einfuhr
1877:  7,a,  WuSf#  9,2  WW.  m.;  (g  Iicfeit
  ein  :  1527,  aus:  1497  Schiffe.  Von
Münzen  laufen  nordamerikanische  und
spanisch-amerikanische  um.
Saint-Quentin  (spr.  ssäng  -  kangtäng),
Arrondlssementshauptstadt  im  franz.  Departement ­
  Aisne,  an  der  Somme  und
am  Kanal  S.,  Station  der  Nordbahn
(Pariö-Brüssel);  (mo)  37,980  Einw.
Handelskammer;  Filiale  der  Bank  von
Frankreich.  S.  ist  eine  der  gewerbreichsten
Städte  des  nördlichen  Frankreich  und  beschäftigt ­
  als  Centrum  einer  ausgebreiteten
Manufaktur-industrie  ungefähr  130,000
Arbeiter  in  ca.  800  Betriebsstätten.  Namentlich
  werden  fabriziert:  Woll-  und
Baumwollgarne  und  Gewebe,  auch  Kncker,
Maschinen  rc.  Ansehnlicher  Handel  mit
dleseil  Erzeugnissen  sowie  mit  Leinen,
Garn,  Kurz-,  Eisen-,  Blech-  und  Kupferwaren, ­
  Schlachtvieh,  Pferden,  Getreide  rc.
Saint  Viuceut  (spr.  sscnnt  wimĢt),  brit.
Insel  der  Kleinen  Antillen,  381  qkm
(0,M  QM.)  mit  (1871)  35,688  Eimv.  Produkte: ­
  Zucker,  Rum,  Arrowroot,  Kakao,
Kaffee,  Baumwolle.  Wert  der  Ausfuhr
1878  (worllnter  129,390  Ctr.  Kucker)
3,231,140  9%f.,  bst  3,007,940
Mk.  ;  Schiffsverkehr  42,000  Ton.  Das
Kolonialbudget  zeigte  eine  Einnahme  von
576,840,  eine  Ausgabe  von  695,800  Mk.
.  Salavcrry,  Ausfuhrhafen  für  Zucker
ui  Peru,  wovon  1877  exportiert  wurden
28  Mill,  kg;  die  GesamtauSfnhr  wertete
24,9  Mill.Mk.,  die  Einfuhr  320,392  Mk.,
davon  deutsch  30,552  Mk.  Schiffsverkehr
311  (4  deutsche)  Schiffe  von  246,731  Ton.
Salerno,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  ital.  Provinz,  am  Nordende  des  nach
ihr  benannten  Golfs  des  Mittelländischen
Meers,  durch  Eisenbahn  mit  Neapel  verbunden; ­
  (1878)  30,993  Einw.  Ressort  des
deutschen  Konsuls  in  Neapel;  Handelskammer, ­
  Hauptzollamt;  Filiale  der  Nationalbank; ­

  Baumwollspinnerei  und  -Weberei ­
  und  lebhafter  Handel.  1875  liefen
eilt  und  aus:  272  Schiffe  mit  21,637  Ton.
Salomon8insclii(Nengeorgia).I»-selgruppe
  im  StillenOcean,'zu  Melanesien
gehörig,  anü  sieben  großen  nnd  einerMcngc
kleinerJnseln  bestehend,  insgesamt43,900
qkm  (797,2  OM.)  mit  ca.  350,000  Einw.
Hauptprodukte  sind:  Palmen,  Brotfrucht,
Zuckerrohr,  Harze,  Gewürze,  wilde
Schweine,  Schaltiere,  etwas  Gold.
Saloniki,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  türk.  Wilajets  im  Hintergrund  des
Meerbusens  von  S.,  an  der  Bahnlinie  S.-Mitrowitza;
  ca.  80,000  Einw.,  worunter
6—8000  Griechen  und  50,000  Fildcn  (spanischer ­
  Abkunft).  Nächst  Konstantiiiopel
und  Smyrna  ist  S.  der  tviclnigste  Seehandelsplatz ­
  der  Türkei.  Der  Hafen  ist
sicher  und  groß  und  wird  von  Schiffen
aller  Nationen  besucht.  Den  Handel  mit
dem  Ausland  vermitteln  namentlich  die
Dampfer  der  Nederl.  Stoomboot  MaatfWi,
  bc9  Ößemi^^is^^:U„üar.  ^b,
Messageries  maritimes,  Società  Florio
und  eine  Hamburger  Linie.  1874—75
liefen  4397  Schiffe  von  253,385  Toil,  ein
lind  ans.  Die  Einfuhr,  welche  früher
noch  .bedeutender  war,  berechnete  mail
damals  auf  49  Mill.  Mk,  die  Ausfilhr
(Getreide,  Baumwolle,  Wolle,  Seide.  Tabak ­
  rc.)  auf  24,7  Mill.  Mk.
Salzburg,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  Herzogtums  im  Erzherzogtum  Österreich ­
  ob  der  Enns,  an  der  Salzach  und  beit
Eisenbahnen  S.-München  und  S.-Linz,'
(mo)  22,825  Einw.  nebst  3400  Mann
Militär.  Haiidels-  lind  Gewerbekammer,
Merkailtil-  und  Wechselgericht;  Gewerblicher ­
  Borschußverein.  Die  Industrie  ist
durch  22  Fabriken,  meist  in  der  Umgebung
der  Stadt,  vertreten.  Die  wichtigsten  voit
ihnen  erzeugten  Artikel  sind:  musikalische
Instrumente  (Orgclii),  Eisenwaren,  Marmorgalanteriewaren, ­
  Cement  u.  a.  Der
Handel  mit  diesen  Produkten  ist  bedeutend.
Samanà,  Hafenstadt  der  westind.  Jnel
  Santo  Domingo,  an  der  Nordostküstc,
Station  der  Dampfer  der  Hamburg-Amcrikan.
  Dampfschiffges.  und  der  Royal  Mail
Steam  Packet  Eo.;  2000  Einw.  Ressort
deö  deutschen  Konsuls  in  Santo  Doniingo.
        <pb n="455" />
        Samarang  —  San  Francisco.

447

Samarang,  Hauptstadt  der  gleichna-'nigeii
  niebcvlänb.  Residentschaft  auf  der
Nordküste  der  Insel  Java,  au  einer  tiefen
Blicht  der  Suildasee  und  durch  Eisenbahn
mit  Surakarta  und  Dschogdschokcrta  verbunden; ­
  StationderDampferlinieu:  Niederländische ­
  Dampfschisfgesellschaft  (Amsterdam) ­
  uiid  des  Notterdamer  Lloyd;
50.000  Einw.,  darunter  viele  Chinesen.
Deutsches  Konsulat;Handclskammer;Javasche
  Bankagentur,  Chartered  Bank  of
India,  Chartered  Mercantile  Bank  of  India, ­
  Niederländisch-Indische  Handelsbank.
1880  verkehrten  hier  28  deutsche  Schisse
(1  Dampfer)  von  11,984  Ton.
Sambesi  (Zambes  i),  größter  Fluß
des  südöstlichen  Afrika,  entspringt  als
Liba  in  dem  Sumpssee  Dilolo  und  ergießt
sich  nach  2200  km  langem  Lauf  durch  ein
breites  Delta  in  sieben  Hauptarmen  in
den  Indischen  Ocean.  Für  die  Schiffahrt
ist  der  S.  wegen  seiner  versandeten  Mündung,
  vieler  seichten  Stellen,  Stromschnellen ­
  lind  Katarakte  von  geringer  Wichtigkeit.
Samoa  -  (Schiffer-)  Inseln,  unabhängige ­
  Gruppe  von  14  Inseln  im  südlichen ­
  Großeii  Ocean;  2787  qkm  (50,6
QM.)  mit  (1874)  36,800  Einw.,  davon
2500  Fremde.  Die  größten  Inseln  sind:
Upo  ln  mit  16,568  tziiiw-,  Savaii  mit
12,530  und  Tutuila  mit  3746  Einw.
Hauptprodllkte  (mb:  Kopra  (getrocknete
Kokosnuß),  Baumwolle,  Lichtnüsse,  welche
hier  und  auf  ben  Tonga-,  Ellice-,  Gilbert-,
Marshall-  imb  Karolinengruppen  gewonnen ­
  und  von  A  p  i  a  auf  Upolu  aus  verschifft
werden.  —  Die  Ausfuhr  wertete  1879:
2,427,600  Mk.,  davoii  7000  Ton.  Kopra
2.058.000  Mk.,  543.700  Psd.  Baumwolle
323.400  Mk.,  100  T.  Lichtnüsse  u.  ci.
Von  dem  Gesamtwert  kamen  770,700
Mk.  von  der  Samoagruppe,  557,760
Mk.  voir  der  Tongagrnppe  und  635,260
Mk.'  von  der  Vitigruppe.  Durch  deutsche ­
  Erporteiire  wurdeir  versandt  für
2.381.400  Mk.  und  zwar  für  2,369,640
Mk.  nach  Europa.  Die  Einfuhr,  hauptsächlich ­
  Manusakte,  Kleider,  Schisssvorrätc,
  Provisionen,  Tabak,  wertete
1,254,120  Mk.,  davon  deutsch  987,420
Mk.  —  Frenndschaftö-  u.  Handelsverträge
mit  den  Vereinigten  Staaten  18(8,  wodurch ­

  Papopago  auf  Tutilila  amerikan.
Kohlenhafen;  Frcundschafts-  lind  Aļeistbegünstigungsvertrag
  mit  Deutschland
1879,  wodurch  Saluafata  deutscher  Hafen
für  Kriegsschiffe  und  Aèagazinc;  Frenndschaftsvertrag
  mit  England  1879.  1879
verkehrten  hier  119  Schisse  (66  deutsche).
Samoö,  Insel  im  Ageischeu  Meer  unter ­
  einem  der  Türkei  tributaren  Fürsten,
550  qkm  (10  QM.)  mit  (1879)  37,080
meist  griechischen  Bewohnern.  Hauptstadt
und  Ausfuhrhafen  ist  Bathy;  dort  verkehrteil ­
  1878:  58  Dampfer  (57  britische)
von  15,638  Ton.  und  3239  Segelschiffe
(2335  samische)  voll  35,881  T.  Die  Handelsmarine ­
  zählt  310  Schiffe  von  6506  T.
bet  3»fcl  1878:  1,08  MW.  Mf.,
davon  Rosinen  753,109,  Wein  584,566,
Häute!  95,962,Branntwein  94,344Mk.—
Die  Post  beförderte  20,636  Briefe  und
14,422  Zeitschriften,  der  Telegraph  1802
Depeschen.  —  Das  Budget  1880—81  gibt
die  Staatseillnahmen  zu  620,929,  die  Ausgaben ­
  zu  620,669  Mk.  an,  davon  72,000
Mk.  Tribut  au  die  Pforte.  Eine  Schuld
ist  nicht  vorhandeil.  —  Konsuln  haben
hier:  Deutschland,  Frankreich,  Griechenland, ­
  Italien,  Österreich-Ungarn.
Samsun,  Hauptstadt  eines  LiwaS  im
asiatisch-türk.Wilajet  Trapezunt,  Station
der  Dampferlinien:  Nederlandschc  Stovmboot
  Maatschappij,  Österreichisch-Ungarischer ­
  Lloyd,  Russische  Dampfschiffahrtsgesellschaft,
  Messageries  maritimes;  20,MO
Einw.  Ressort  des  deutschen  Bicekonsuls
i,i  901#*.  1879  (valete  bie  engt
(Baumwollmanufakte  u.  a.)  IbMlll.  Mk.,
die  Ausfuhr  (Weizen,  Tabak  rc.)  10,o  Mill.
Mk.  ES  verkehrten  hier  185  Dampfer
von  165,982  Ton.  und  61  Segelschiffe.
Sandhurst  lspr.  sslndhörrst),  Stadt  lil
der  austral.  Kolonie  Victoria,  inmitten
reicher  Goldfelder  und  au  der  Bahn  von
Melbourne  zum  Murray,  mit  (1881)  35,460
Einw.,  darunter  6572  Goldgräber  (1062
Chinescii).  Bank  of  Australasia,  Bank  of
New  South  Wales,  Bank  of  Victoria.
Sandwichinsrln,  s.  Hawaii.
San  Francisco,  Hafenstadt  des  nordamerikan.
  Staats  Kalifornien,  an  der  45
km  langen,  durch  das  Goldiie  Thor  mit
dem  Ocean  in  Verbindung  stehenden  Bai
        <pb n="456" />
        448

Scin  Jose.

von  &amp;lt;5.,  Endpunkt  der  Süd-Pacificbahn;
eine  Dampffähre  führt  nach  dem  ßeqcm
nberllegenden  Oakland,  dem  Endpunkt  der
Central-Pacificbahn;  Station  der  Hamburg-Amerikanische» ­
  Dampfschiffahrtsqesellschaft;
  (isso)  233,956  Einw.  (40,000
Deutsche  und  30,000  Chinesen).  Deutsches
(Berufs-)  Konsulat  (Amtsbezirk:  Oregon,
Nevada,  Kalifornien,  Washington,Idaho,
lltah,  Arizona  und  Montana);  Handelskammer, ­
  Börse;  zahlreiche  Banken,  darunter ­
  die  London  and  S.  Bank.  —  Die
I  n  d  u  st  r  i  e  der  Stadt  ist  ansehnlich  ;  1875
gab  es  120  Cigarrenfabriken  mit  4000
Arbeitern,  meist  Chinesen,  welche  1878
über  108  Mill.  Cigarren  fabrizierten,  20
Stiefelfabriken  mit  2000  Arbeitern,  16
Eisengießereien  mit  1230,  2  Wollwebereien ­
  mit  900  Arbeitern,  4  Anstalten  für
das  Einmachen  von  Früchten  (1878:
0,155,000  Büchsen),  20  Möbelschreinereien, ­
  10  Fabriken  für  hölzerneJalousien,
Fensterrahmen  und  Thüren,  große  Fuckerrafsinerien,
  Glaswerke,  Champagnerfabrlken
  (eine  lieferte  1878:12,000  Kisten)
u.  a.  —  S.  ist  der  Ausfuhrhafen  für  die
Produkte  der  Pacificküste,  welche  1878  in
Gold  163,6,  Silber  162,7,  Blei  11  Mill.
Ml.,  Quecksilber  (62,476  Flaschen),  Weizen, ­
  Gerste,  Obst.  Wein  und  Wolle  bestanden. ­
  Bon  dem  Wollertrag  Kaliforniens ­
  mit  der  aus  Oregon  und  sonst  zugesandten ­
  Wolle,  im  ganzen  21,9  WiK  kg,
wurden  über  19  Mill,  kg  (29,4  Mill.
Mk.)  meist  per  Eisenbahn  verschickt.  Die
Ausfuhr  zur  See  wertete  1879:  153,5
(1880:  156,3)  Mill.  Mk.,  davon  einheimische ­
  Produkte  124  Mill.  Mk.  und  zwar:

Weizen
Mehl.
Wolle

80.9
10.9
9,7

Quecksilber.  6,4
Gerste  .  .  3,2
Wein...  4,o

nächstdem  Lachö,  Bauholz,  Branntwein,
Borax.  Von  Edelmetallen  und  Münzen
wurden  1879  ausgeführt  für  110,i  Mill.
Mk.,  davon  Goldmünzen  und  Goldbarren
51,8,  Silberbarren  33,ckMill.Mk.  DerWarenexport
  der  Central-Pacificbahn  wurde
auf  126Mill.  Mk.  geschätzt.  Fast  sämtlicher
Weizen  geht  nach  England,  Mehl  hanptsachllch
  nach  China  und  England;  Wolle
wird  meist  perEisenbahn  versandt,fürLachs
slnd  England  und  Australien  die  bedeutendsten ­

  Abnehmer,  für  Wein  New  Pork,  für
Quecksilber  China  n.  Mexiko;  Edelmetalle
gehen  fast  ausschließlich  nach  China.  Die
Einfuhr  ausländischer  Waxen  zur  See  und
zu  Land  wertete  1879:161,9(1880:173,s)
Mill.  Mk.,  davon  (in  Millionen  Pfund):
Kaffee  .  13,47  I  Reis.  .  46,29
Zucker  .  55,32  |  Thee.  .  19,98
Der  letzte  kommt  zum  größten  Teil  auSJapan,
  Zucker  aus  Hawaii,  Reis  aus  China,
Kaffee  aus  Centralamerika.  Sonst  werden
importiert:  Wein,Tabak,Steinkohle,Säcke
(21  Mill.Stück),  Pelze  (Umsatz  der  Alaska-Kompanie
  7,i  Mill  Mk.),  Ellenwaren,
Nägel,  Schnhwerk,  Kleider,  Teppiche  u.  a.
Von  deutschen  Waren  wurden  1879  für
1,167,121  Mk.  importiert,  hauptsächlich:
Vaumwollfabrikate,  Quincaillerien  und
Glaswaren.  Die  Umsätze  im  Clearinghouse ­
  waren  1878:  2977,38  Mill.,  1879:
2323,44  m.  %  5  &amp;amp;mbcmwfw
hatten  ein  Kapital  von  145,3  Mill..  4
Zweiggeschäfte  fremder  Banken  von  49,8
und  9  Sparbanken  von  194  Mill.  Mk.  —
Der  S  ch  i  f  f  s  v  e  r  k  e  h  r,  welcher  durch  den
in  langen  Sea-Wall  sehr  erleichtert
wird,  nimmt  stetig  zu;  1879  liefen  ein:
3600  Schiffe  von  1,609,530  Ton.,  aus:
978  Schiffe  von  1,097,955  T.  Fremde
Schiffe  waren  von  den  eingelaufenen  214
bon  236,651  T.,  von  den  ausgelaufenen
230  Don  249,397  Z.  über  (^0,^1116  lour
den  mit  Dampfern  für  8,99  Mill.,  um  das
Kap  Horn  mit  Klippern  für  63,8  Mill.
Mk.  Waren  gebracht.  1879  liefen  14
(1878  :  22)  deutsche  Schiffe  von  27.976
cbm  ein.  Die  Stadt  ist  auch  Station
für  die  Walfänger,  von  denen  1879:
22  einliefen  und  17,413  Fässer  Thran,
127,464  kg  Fischbein,  16,433  kg  Walroßzähne ­
  rc.  brachten.—Die  Schuld  derStadt
belief  sich  auf  12,6  Mill.  Mk.  Wechselkurse ­
  notiert  man  auf  London,  Paris,
Hamburg  auf  Sicht,  10  und  60  Tage
nach  Sicht,  auf  Valparaiso,  Lima,  Mexiko,
Havana  30  Tage  nach  Sicht.  Verkäufe
gewöhnlich  auf  45  ,  60  ,  30  Tage  Kredit.
San  Jose  (spr.  -chhosc),  Hauptstadt  des
centralamerikan.  Staats  Costarica;  ca.
25,000  Einw.  Deutsches  Konsulat  für
den  Freistaat  Costarica;  Banco  Nacional,
Banco  Anglo-Costarizense.
        <pb n="457" />
        449

San  José  de  Cuenta  -
San  José  de  Cuenta,  Flußhafen  in
der  südamerikau.  Republik  Kolumbien,
amMagdalenenstrom;  4000  Einw.  Deutsches ­
  Konsulat  (Amtsbezirk:  die  Departements ­
  S.  und  Ocaua).  1878  Wert  der
Ausfuhr  7,4  Mill.  Mk.,  davon  Kaffee  6,4
Mill.  Mk.,  Chinarinde  960,000  Mk.;  ber
Einfuhr  (Manufatto,  Salz)  6,4Mill.  Mk.
Es  liefen  446  Segelschiffe  ein.
,  San  Jose  de  Guatemala,  Hafenstadt
lNt  centralamerikan.  Staat  Guatcntala,
ant  Stillen  Ocean,  Station  der  Dantpfer
der  Royal  Mail  Steam  Packet  Co.;  ca.
10,000  Einw.  Deutsche  Konsularagentur.
San  Inan  (spr.  -chhuãn),  Fluß  in  Centralamerika, ­
  Ausfluß  des  Sees  von  Nicaragua, ­
  mündet  nach  190  km  langem
Lauf  bei  San  Juan  del  Norte  (s.  d.)  ins
Karibische  Meer.  Trotz  einiger  Stromschnellen
  wird  er  von  Dampfern  befahren.
Für  den  Verkehr  über  ben  Isthmus  von
Nicaragua  ist  der  S.  wichtig,  cS  sollte  ein
Etied  des  zur  Verbindung  der  beiden
Oceane  projektierten  Kanalsystems  bilden.
San  Juan  del  Norte  (spr.  .chhuãn.),
bon  den  Engländern  Grey  town  genannt, ­
  Hascnplatz  in  der  centralamerikan.
Republik  Nicaragua,  an  der  Mündung
des  San  Juan;  ca.  1000  Einw.  (meist
Fremde).  Deutsches  Konsulat  für  S.  und
die  Mosguitoküste.
SanJnail  de  PuertoRiro  (spr.-chhusn-),
s.  Puerto  Rico.
Sankt  Bernhard,  s.  Alpenstraßen.
Sankt  Gallen,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  schweizer.  Kantons,  an  der  Vereinigten ­
  Schweizer  Bahn;  (isso)  21,359
Einw.  Bank  in  S.,  DeutscheSchweizerische
Kreditanstalt,  St.  Gallische  Hypothekcukasse,
  Eidgenössische  Bank,  Kantonalbank.
Baumwollspinnerei  (367,587  Spindeln),
Zwirnerei  (34,294  Spindeln),  Weberei
(7719  Maschinen-  und  11,787  Handstühle); ­
  Appretur,  Färberei,  Druckerei;
Stickereien  (15,915  Stickmaschinen  mit24
Mill.  Mk.  Produktionswert),  wozu  jährlich
für  5Mill.Mk.  Baumwolltüchcr  von  Manchester ­
  kommen.  Export  nach  allen  Ländern
Europas,  den  Vereinigten  Staaten  (1880:
20,7  Mill.  Mk.,  davon  Stickereien  18,
Baumwollgewebe  1,5,  Seidcnwarein  1
Ai  ill.Mk.)j  nach  Ostindien  und  der  Levante.
Handclsgeographie.

-  Sankt  Petersburg.
Sankt  Gotthard,  s.  Alpeuftraßeu.
SanktHelena,  brit.  Insel  im  südlichen
Ocean,  123  qkm  (2,2  QM.)  mit  (wi)
6241  Einw.  (meistens  Negern).  Die  Insel ­
  ist  wichtig  für  die  Verproviantierung
und  Wasserversorgung  vorüberfahrende'r
Schisse;  1880  liefen  562  Schiffe  von
428,854  Ton.  ein,  darunter  17  deutsche
von  7239  T.  und  44  amerikanische  Walfänger ­
  von  11,551  T.  Die  Einfuhr
(Manufatte,  Lebensmittel  rc.)  wertete
1878:1/14,080  9M.,  bie  (%koviant,
  Wasser)  755,060  Mk.  Öffentliche
Einnahmen  254,360,  Ausgaben  265,300
Mk.,  öffentliche  Schuld  261,800  Mk.  —
Hauptstadt  ist  Jamestown  mit  5000
Einw.  Deutsches  Konsulat;  Station  der
Dampfer  der  Colonial  Mail-Linie  (London) ­
  und  der  Union  Steamship  Co.
(Southampton).
Sankt  Lorenzstrom,  der  wichtigste
Strom  des  brit.  Nordamerika  und  einer
der  größten  der  Welt,  von  seinem  Ausfluß ­
  aus  den  Großen  Seen  bis  zum  St.
Lorenz-Busen  1088  km.  Die  größten  Seeschiffe ­
  können  bis  Quebec,  136  km  oberhalb ­
  der  Mündung,  gelangen,  Schiffe  von
600  Ton.  bis  nach  Montreal.  Oberhalb
Quebec  ist  der  Fluß  gewöhnlich  vom  Dezember ­
  bis  April  mit  Eis  bedeckt.  Der
untere  Teil  friert  nie,  doch  hindert  der
Eisgang  im  Frühling  die  Schiffahrt.
Sankt  Petersburg,  Residenz  und
zweite  Hauptstadt  des  russischen  Reichs,
an  der  Mündung  der  Newa  in  den  Finnischen ­
  Meerbusen  und  den  Bahnen  nach
Warschau,  Moskau,  Helsingfors,  Reval;
Station  der  Dampferlinien:  Hanseatische
Dampsschiffahrtsgesellschaft  und  Lübecker
Dampfschisfahrtsgcsellschaft(Lübeck),Ncue
Dampferkompanie  (Stettin),  R.  Stornan ­
  jun.  (Hamburg),  St.  Petersburger
Dampfschiffgesellschaft  (hier  domiziliert);
(i860)  667,963  Einw.  Deutsches  Berufskousulat
  (Amtsbezirk:  die  Gouvernements
Wologda,  Olonez,  Nowgorod,  S.  außer
Kreis  Narwa,  Pskow,  Witebsk,  Mohilew,
Minsk);  Münzstätte,  Börse,  Kommerzkollegium ­
  (Handelsgericht).  —  Als  Fabrikstadt ­
  steht  S.  allen  Städten  des  russischen ­
  Reichs  voran;  1876  zählte  man  621
Fabriken  und  größere  Werkstätten  mit
29
        <pb n="458" />
        450

Sauft  Thomas  —  San  Lucar  de  Barraineda.

32,399  männlichen  und  8756  weiblichen
Arbeitern,  welche  jährlich  Waren  im  Wert
von  268,2  Mill.  Mk.  produzierten.  —
Die  Bedingungen  für  den  Verkehr.sind
von  Natur  nicht  günstig.  Größere  Schiffe
müssen  in  Kronstadt,  dem  eigentlichen
Hafen  der  Stadt,  bleiben,  da  S.  nur  einen
kleinen  Hasen  für  Kauffahrer  mit  nicht
über  2,3  m  Tiefgang  hat.  Die  Waren
werden  daher  in  Kronstadt  auf  Lichterschiffe
  verladen.  Die  Regierung  unternahm ­
  1874  den  Bau  eines  Seckanals
vom  südlichen  Kronstädter  Fahrwasser  in
gerader  Richtung  zum  Westende  der  Stadt,
von  dessen  Gesamtlänge  von  30  km  über
17  km  auf  den  offenen  Seeteil  desselben
entfallen.  Die  Kosten  waren  auf  19,5
Mill.  Mk.  berechnet,  und  die  Arbeiten  sollten ­
  binnen  sechs  Jahren  beendet  sein.  In
entgegengesetzter  Richtung  soll  daun  auck
die  Krümmung  abgeschnitten  werden,
welche  die  Newa  in  ihrem  untern  Lauf
macht,  und  endlich  ist  durch  die  Gesellschaft ­
  für  das  Entrepot  von  Waren  mit
einem  Gründungökapital  von  18,4  Mill.
Mk.  ein  neuer  Hafen  eingerichtet  worden.
In  der  Stadt  selbst  konzentriert  sich  der
Handel  in  den  Kaufhöfen  (»Gostinnoi-,
Apraxin-,  Tschukin-Dwor«),  im  »Kruglij-Rynvk«
  (runder  Markt)  an  der  Moika,  im
&amp;gt;&amp;gt;Pustoj-Rynok«(leercrMarkt)cnnLitcinij,
im  »Nikolskij-Rynok«  bei  der  Nikolaikirche
und  in  dem  Hauptviktualienmarkt,  der
»Sennaja«  (Neumarkt).  Ein  Pferdeeifenbahunetz
  dehnt  sich  über  die  Inseln  und
selbst  die  weniger  bewohnten  Gegenden  aus.
In  S.  und  Kronstadt  kamen  1880  an:
2889  Schiffe  (1701  Segelschiffe  und  1188
Dampfer),  davon  783  britische,  692  deutsche, ­
  290  dänische,  404  norwegische,  304
schwedischere.,  außerdem  535  Küstenfahrer
(276  Segelschiffe  und  259  Dampfer).  Der
Gesamtwert  der  Einfuhr  wurde  1874  auf
308,5  Mill.  Mk.,  der  Ausfuhr  cuts  86,4
Mill.  Mk.  berechnet.  Seitdem  ist  die  letztere ­
  bedeutend  gestiegen;  1880  waren
Hauptposten  derselben:  Roggen  4  Mill,
kl,  Weizen  0,36,  Hafer  6,7,  Leinsamen  1,8
Mill,  kl,  Flachs  und  Flachshede  37,7
Mill,  kg,  Hanf  3,8,  Ölkuchen  10,9  Mill,
kg,  außerdem  Borsten,  Bretter,  Matten
u.  a.  Eingeführt  wurden  1879  :  Steinkohle

577,6  Mill,  kg,  Eisen  115,2,  Bessemer
schienen  17,5,  Baumwolle  9,3,  Leuchtöl
8,i,  Salz  11,2,  Heringe  6,5  Mill,  kg,  ferner ­
  Wein,  Thee,  Kaffee,  Soda  u.  a.  —
Kreditwesen.  Außer  der  rtissischen
Reichsbank  bestehen  hier:  die  Petersburger
Diskontobank,  Petersburger  Privathan
delöbank,  Russ.  Bank  für  auswärtigen
Handel,  Banque  Internationale  de  Commerce, ­
  Credit  Lyoiluaiö,  Wolga-Kama-Kommcrzbank.
  —  Platzgcbräuchc.
Direkte  Geschäfte  mit  dem  Ausland  sind
selten;  auöläildischc  Kaufleute  halten  hier
Kontore,  welche  Bestellungen  voiil  Auöland
  kommissionöiveise  vollziehen  und  für
Rechnung  russischer  Kaufleute  importieren. ­
  Einfuhnvaren  verkauft  man  gegcil
Wechsel  von  2—12  Monaten,  Ausfuhrwaren ­
  gegen  bar.  Wechselkurse  notiert
man  auf  Amsterdam,  Antwerpen,  Brüssel,
Hamburg,  London,  Paris,  Augsburg,
Konstantinopcl,  Smyrna,  Wien',  Triest
3  Monate,  Berlin  15  Tage  dato.  Amtlich^ ­
  Notierungen  Dienstag  und  Freitag.
SanktThomas.dänisch-westind.Jnsel,
86  qkm  (1,5?  OM.)  mit  (wo)  14,007
Eulw.,  einer  der  Hauptstapelplätze  Weftindienö
  und  Kreuzungspnukt  der  Dampferlinicn:
  Hamburg-Amerikau.  Dampfschiffahrtögesellschaft,
  Compagnie  generale
transatlantique,  Harrifon-Linie  nndWesiindia
  Pacific  Steamship  Co.  (Liverpool),
Royal  Mail  Steam  Packet  Co.  —  1879
liefen  2316  Schiffe  (414  Dampfer)  mit
910,138  Ton.  ein,  davon  201  deutsche  (83
Dampfer)  von  13,042,662  T.  Die  Einfuhr, ­
  welche  gegen  das  Vorjahr  um  beinahe ­
  ein  Drittel  zurückgegangen,  wer-Wel880:
  553,570  Wh,  'bevon  bei#
44,824  Mk.  —  Hauptstadt  ist  Charlotte ­
  -  Amalia.  Deutsches  Konsulat
für  S.  und  Ste.  Croix;  Bank  of  S.,  Colonial ­
  Bank.  —  Mau  rechnet  im  Handel
nach  Pesos;  Wechselrecht,  Maße  und
Gewichte  sind  die  dänischen.  Wechselkurse ­
  notiert  man  ans  London,  Paris,
Bordeaux,  Hamburg,  Kopenhagen,  Amsterdam ­
  90,  New  Pork  60  Tage  nach
Sicht.  Einfuhrwaren  werden  auf  Kredit,
Ausfuhrtvaren  gegen  bar  verkauft.
'  San  Lürar  de  Barramkda,  Hafenstadt ­
  in  der  span.  Provinz  Cadiz,  unweit  der
        <pb n="459" />
        451

San  Luis  Potasi  —  Sansibar.

Mündung  des  Guadalquivir;  (is77)  22,177
Einw.DeutschesVicekonsulat.Weinhandel.
San  Luis  Potasi,  Hauptstadt  deö
gleichnamigen  meritan.  Staats;  (isso)
45  000  Einw.  DeutschesKonsulat;  Handel ­
  mit  Vieh,  Häuten,  Talg.
San  Marino,  Republik  inMcktellta-Uen
  unter  dem  Schutz  des  Königs  von
Italien,  02  qkm  (1,12  QM.)  mit  (1874)
7816  Einw.  Staatseinnahmen  1865—72
durchschnittlich  90,050,  Ausgaben  87,730
Mk.  ;  eine  Staatsschuld  existiert  nicht.
San  Miguel,  eine  der  Azoren  (s.  d.).
DeutschesKonsulat.  Jährlich  laufen  ca.300
Schiffe  an,1880:8deutsche  von8559Tan.
Sannesund,  s.  Sarpsborg.
San  Paolo  de  Loanda,  portng.  Besitzung ­
  in  Angola,  (Westküste  von  Afrika).
Deutsches  Konsulat.
San  Remo,  Hafenstadt  in  der  ital.
Provinz  Porto  Maurizio,  an  der  Bucht
von  Genua  und  der  Eisenbahn  Genua-Nizza;
  (1871)  7927  Einw.  Deutsches  Bicekonfulat
  (Amtsbezirk:  das  Gebiet  zwischen
der  französischen  Grenze,  Savona  und
Cuneo);  Hauptzollamt,  Handelsgericht;
Banca  de'  Depositi  e  Sconti.
San  Salvador,  zwar  die  kleinste,  aber
die  am  besten  kultivierte  und  am  dichtesten
bevölkerte  der  fünsRepubliken  Centralamerikas; ­
  18,720  qkm  (340  QM.)  mit  (iS78)
482,422  Einw.  (Indianer  und  Mischlinge,
kaum  20,000  Weiße).  —  Hauptprodukte ­
  sind:  Kaffee,  Indigo,  Tabak,  Reis,
Balsam,  Gummi,  Käse.  Bon  Mineralien
gewinnt  man  Silber;  auch  Gold,  Blei,
Eisen  und  Kohle  finden  sich.  Wichtig  war
früher  die  Kochenillezucht.  —  Der  Handel
richtet  sich  hauptsächlich  nach  England,
Vereinigte  Staaten,  Frankreich,  Deutschland. ­
  Die  Haupthäfen  sind:  La  Union,
La  Libertad  und  Acajutla,  welche  1879
von  94  Dampfschiffen  von  83,299  Ton.
und  26  Segelschiffen  (8  deutschen)  von
9866  T.  angelaufen  wurden.  1879  wertete ­
  die  Einfuhr  10,2  Mill.,  die  Ausfuhr
16,5  Mill.  Mk.,  davon  Kaffee  8,7,  Indigo
5,7,  Rohsilber  7,8,  Rohzucker  6,4,  außerdem ­
  Mnskovade,  Balsam,  Reis,  Gummi,
Tabak,  Silbererze.  Bei  der  Einfuhr
sind  Baumwoll-  und  Kurzwaren  Hauptposten. ­
  Der  Einfuhrzoll  betragt  auf  fast

sämtliche  Waren  60  Proz.  voin  Werte
der  Fakturen,  die  daher  zu  fniedrig  angesetzt ­
  werden.  Ein-  und  Ausfuhr  gehen
meist  nach  England.  —  Ein  deutsches
Konsulat  besteht  in  der  Hauptstadt
S.  mit  20,000  Einw.  Eine  Bank  existiert ­
  nicht.  —  Die  Einnahmen  betrugen
1876:  7,8  3R(M.,  bic  ÄuS#m  7,4  üm.
Mk.  —  Man  rechnet  nach  Pesos—4  Mk.
Wechselrecht  ist  daö  spanische,  Maße  und
Gewichte  die  alten  spanischen:  1  Vara  —
84  cm;  1  Quintal  zu  4  Arrobas  —  46
kg,  1  Fanega  —  6  Quintals.
San  Sebastian,  Hauptstadt  der  span.
Provinz  Guipúzcoa,  am  Biskayischen
Meerbusen  und  an  der  Bahn  Palencia-Bayonne;
  (is77)  21,355  Einw.  Deutsche«
Konsulat;  Banco  de  España  Suee.  Fabrikation ­
  von  Ankern,  Segeltuch  u.  a.
Sansibar  (Zanzibar),  Sultanat  an
der  afrikan.  Qstküste,  umfaßt  die  gleichnamige ­
  Insel  und  den  gegenüberliegenden ­
  Küstenstrich  von  10°  südl.  Br.  bis
2°  nördlich  vom  Äquator.  Auf  der  Insel
wohnen  100,000  Einw.,  meist  Neger;
herrschender  Stamm  sind  die  Araber.
Städte  sind:  Sansibar  80,000,  Mombas
  13—15,000,  Quiloa  10—15,000
Einw.  —  Der  Handel  derJnsel  befindet  sich
in  den  Händen  englischer,  französischer,
amcrikanischerund  deutscherFirmen.  Nach
den  letzten  Ausweisen  von  1875  betrug
die  Gesamteinfuhr  (Manufatte,  Metallund
  Baumwollwaren,  Perlen,  Waffen,
Pulver)  6,6  Mill.  Mk.,  die  Ausfuhr
(Elfenbein,  Nelken,  Sesamsamen,  Haute,
Gummikopal,  Kauris)  6  Mill.  Mk.  Hier
ansässige  deutsche  (Hamburger)  Häuser
führten  1880  ein:  Manufaktnrwarcn,
Waffen,  Pulver,  Perlen  re.  für  3,626,435
m.,  AM«  füt  1,883,737  m.  Skwou
waren  Hauptposten  in  der  Einfuhr:  Manufatte ­
  2,113,335  Mk.,  Baumwollwaren
203,411  Mk.;  in  der  Ausfuhr:  Elfenbein
602,296  Mk.,  Nelken  316,360  Mk.  Es
liefen  1880  ein:  102  Schiffe  von  105,095
Ton.,  darunter  13  deutsche  von  6065  T.
—  Die  S  t  adtS.  an  der  Ostküste  der  Insel ­
  ist  Station  der  Union  Steamship  Co.
(Southampton)  und  hat  80,000  Einw.
Deutsches  Konsulat.  —  Wechsel  werden
aufBolnbay,  Maskat  undMokka  gezogen;
29*
        <pb n="460" />
        452

Santa  Ana  —  Santiago  be  Cuba.

doch  zahlt  man  meist  in  Produkten,  Zinssust
  8  12^0^.  Münzen.  Man  rechnet
nach  amerikanischen  Golddollars  zu  400
Cent.  Andre  Wertmesser  sind:  Banmwollzenge
  (Meritimi),  Glas-  und  Porzellanperlen, ­
  Messingdrähte.  Maste.  Für
großeQuantitäten:  dasDschesla  —  158%
kg-  bei  Kauris,  129  Vá  kg  bei  ungeschälteiii
  Reis,  Hirse,  176,9  kg  bei  geschältem
Reis,  208%  kg  bei  Ladungen  von  der
afrikanischen  Küste.  Als  Raummaß  hat
das  Dschesla  205,7  Lit.  Gewichte.  Das
Frasla  hat  16Ve  kg.  Danach  verkauft
man  Elfenbein,  Gewürznelken,  Gummi
n.  a.  Das  Kändh  ist  20—22  Frasla.  Der
Sack  tviegt  20  kg;  die  Kordscha  begreift
20  Stück  einer  Ware.  —  Beste  Zeit  zum
Einkauf  von  trocknen  Häuten,  Orseille
zweiter  Qualität  und  schwarzem  Sesam
'st  Zannar  und  Februar,  von  Kauris,  Kopal
  Orseille  erster  Qualität  und  weißem
Sesam  Mai  bis  September,  Kokosnüssen
Zumbis  Mai  inkl.,  Gewürznelken  und  Piment ­
  Juli  bis  Dezember  inkl.
Santa  Ana,  Hafenstadt  im  centralamenkan.
  Freistaat  San  Salvador  (s.  d.).
Deutsches  Konsulat.
Santa  Cruz  de  Teneriffa,  Hauptstadt
der  zu  den  span.  Kanarien  gehörigen  Insel ­
  Teneriffa,  Station  derDampferlinicn:
Asnean  Steamship  Co.  (London),  Allan-Lune
  (Bordeaux),  Belgian  Royal  Mail,
Lopez  u.  Komp.  (Cadiz),  Société  Chargeurs
reunis  (Havre);  19,800  Einw.  Deutsches
Konsulat  (Amtsbezirk:  die  Kanarischen
Inseln  ohne  Gran  Canaria).
Santa  Cruz-Inseln,  s.  M  e  l  a  n  e  s  i  e  n.
Santa  Fe  de  Bogotá,  s.  Bogotá.
Santa  Lucia,  britisch-westind.  Insel
Zum  Gouvernement  der  Windwardinscln
gehörig;  614  qkm  (11  QM.)  mit  (i877)
.35,467  Einw.  Angebaut  werden:  Mucker,
Kaffee,  Kakao,  Baumwolle.  Ausgeführt
wurden  1877:  95,138  Ctr.  Zucker;  die
Gcsamtausfuhr  ivertete  3,580,000,  die
Einfuhr  3,220,000  Mk.;  der  Schiffsverkehr ­
  betrug  34,000  Ton.  Die  Kolonialeinnahmen ­
  und  -Ailsgaben  waren  560,000,
880,000  m.  G.  ne#it
-Haupt-Santo
  Marta,  Hauptstadt  des  Staats

Magdalena  in  der  südamerikan.  Republik
Kolumbien,  am  Karibischen  Meer;  (i870)
5472  Einw.  Zollamt.  1878  liefen  ein:
58  Segelschiffe  von  9593  Ton.  und  24
Dampfer  von  28,296  T.;  die  Einfuhr
betrug  694,252,  die  Ausfuhr  121,296  Mk.
Santander,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  span.  Provinz,  am  Biskayischeu
Meerbusen,  nächst  Coruña  der  wichtigste
Hafen  an  der  spanischen  Nordküstc,  'gewissermaßen ­
  der  Hafen  von  Madrid;  Endpunkt ­
  der  Bahn  Madrid-Medina-S.,  Station ­
  der  Dampfcrlinien:  Slomanu.KomP.
(Hamburg),  Comp.  Fraissinet  (Genua),
Lopez  u.  Komp.  (Cadiz),  Pacific  Steam
Navigation  Co.  (Liverpool);  (I877)  41,021
Einw.  Deutsches  Konsulat  für  die  Provinz
S.;  Handelsgericht;  Banco  de  España
Succ.,  Banco  de  S.  —  Große  Bierbrauereien, ­
  Cigarren-  it.  Papierfabriken,  Eisengießereien ­
  je.  Die  Einfuhr  (Maschinenteile,
Z"àr,  Tabak,  Stockfisch,  Gewebe,  Steinkohle, ­
  Petroleum,  Getränke  rc.)  schätzt
iim,,  nu  47  Sm  Skf.  bic  ¿lö'
fubj  nuf  46,8  9kiü.  3)if.  bestaub
(tp-iner  kleiner  Nebenhäfen)  1879  in
342  mi^äLcr^^mlurkg
Zinkerz,  Wein,  Konserven  n.  a.  Die  Erze
gehen  meist  nach  England.  1879  verkehrten ­
  hier  2133  Schisse,  davon  9  deutsche
(3  Dampfer)  von  zusammen  2969  Ton.
Santiago,Hauptstadt  der  südamerikan.
Republik  Chile,  durch  Eisenbahn  mit  dem
Hafen  Valparaiso  verbunden,  mit  (Ģ)
!  50,367  Einw.(inkl.  Vorstädte).  Deutsches
Konsulat;  Banco  Nacional  de  Chile,
Banco  de  Valparaiso.  Vgl.  Valparaiso.
Santiago  de  Cuba,  Hafenstadt  an  der
Sudosiküste  der  spanisch  -westind.  Insel
Cuba,  Station  der  Compagnie  generale
transatlantique  (St.  Nazaire),  der  Liverpooler
  Dampferlinie  Fletcher  and  Co.;
(1861)  36,752  Einw.  Deutsches  Konsulat.
Die  Ausfuhr  (inkl.  Gnantânamo)  wertete
1878:  14,2  Mill.  Mk.,  davon  Zucker  8,9,
Kakao  2.3,  Kaffee  1,4  Mill.  Mk.,  außerdem
Rum,  Tabak,  letzterer  fast  ausschließlich
nach  Deutschland,  das  für  605,500  Mk.
bezog.  1879  verkehrten  hier  370  Schisse
(3  deutsche)  von  176,930  Ton.  —  Wechselkurse ­
  notiert  man  ans  London'  Pa-
        <pb n="461" />
        Santo  Domingo
ns,  spanische  u.  nordamerikanische  Plätze
60  Tage  nach  Sicht  und  kurze  Sicht.
Santo  Domingo  (Dominikanische
Republik),  der  östlich  gelegene  der  beiden ­
  Freistaaten  auf  Hayti,  53,344  qkm
(968,7  QM.)  mit  ca.  250,000Einw.  (meist
Mulatten).  —  Die  wichtigsten  A  u  s  f  u  h  r  -
Produkte  sind:  Tabak,  Zucker,  Kaffee,
Honig,  Wachs,  Mahagoniholz  und  andre
Rutz-  sowie  Farbhölzer.  1879  betrug  der
Wert  der  Ausfuhr  4,  nr  Mill.  Mk.,  dcrEinftthr
  4,88  Mill.  Mk.  Der  Handel  geht  über
die  beiden  Häfen  Puerto  Plata  (s.  d.)  und
Santo  Domingos),  unten).  —  Die  Finanzen ­
  sind  in  sehr  ungeordnetem  Zustand;
nach  einem  Budget  von  1875  balancieren
Einnahmen  und  Ausgaben  mit  3,583,667
Mk.  Eine  1869  in  London  kontrahierte
Schuld  von  15,154,0002Jif.  ist  1870  repudiiert
  worden.  —  Banken  existieren  nicht.
Das  Wechselrecht  ist  das  französische.
Man  rechnet  nach  Pesos  —  4  Mk.  ;  eignes
Geld  wird  nicht  geprägt,  es  laufen  meist
amerikanische  Münzen  um.  Maße  und  Gewichte ­
  sind  die  alten  Pariser;  bei  Jmportwaren
  und  Zöllen  gelten  die  englischen.
—  Die  gleichnamige  H  anptst  adt  auf  der
Südküste  der  Insel  ist  Station  der  Royal
Mail  Steam  Packet  Co.,  hat  ca.  20,000
Einw.  Deutsches  Konsulat  für  das  Land
südlich  des  Gebirges  Cibao  und  die  Bai
von  Samana;  Zollhaus.  1879  liefen  141
Schiffe  (62  Dampfer)  von  63,501  Ton.
ein  und  aus  (darunter  5  deutsche).  Die
Einfuhr  wertete  2,323,300  Mk.,  die  Ansfuhr
  (die  obengenannten  Produkte  der
Insel  nebst  Kakao,  Häuten  unb  Ochsen)
1,563,209  m.
Santos,  Hafenstadt  in  der  brasilischen
Provinz  São  Paulo,  auf  der  Insel  São
Picente;  Station  der  Dampferlinien:
Hamburg-Südamerikanische  Dampfschifffahrtögesellschaft,
  Norddeutscher  Lloyd,
Royal  Mail  Steam  Packet  Co.,  Société
Ehargeurs  réunis;  ca.  10,000  Einw.  Deutsches ­
  Konsulat;  English  Bank  of  Rio  deJa-"eiro,
  New  London  and  Brazil  Bank.  S.  i)t
der  Hafen  von  São  Paulo  und  nächst  Rio
de  Janeiro  der  wichtigste  Ausfuhrhafen
für  Kaffee  (1879:  1,170,895  Säcke),  welcher ­
  besonders  nach  Deutschland  (328,432
Säcke)  und  England  geht.  Deutsche  Schiffe

&amp;gt;  —  Sardinien.  453
liefen  hier  1879  ein:  81  (58  Dampfer)
und  aus:  77  (57  Dampfer).
Santo  Stefano,  s.  Porto  Santo
Stefano.
São  Francisco  do  Sul  (wr.ssäung-),Hafenstadt ­
  ill  der  brasil.  Provinz  Santa  Catharina; ­
  8600  Einw.  Deutsche  Konsnlaragentur
  (ressortiert  von  Blumenau).
Sao  Luis  de  Maranhão  (spr.  stau»g
lms  de  maraiijâung),  Hafenstadt  in  der  brasil. ­
  Provinz  Maranhão;  40,000  Einw.
Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:  die  Provinz ­
  Maranhão);  New  London  and  Brazil
Bailk,  Banque  de  Maranhão.
Saône  (spr.  ssohn),  Fluß  in  Frankreich,
entspringt  auf  den  Monts  Faucilles  (Vogesen) ­
  und  fällt  nach  einem  Laufe  von  455
km,  wovon  365  schiffbar,  bei  Lyon  rechts
iil  den  Rhone.  Sie  wird  bei  Port  sur  S.
für  kleinere  Fahrzeuge  sowie  bei  Chalón ­
  für  Dampfboote  schiffbar  unb  steht
durch  den  Kanal  bu  Centre  (bei  Chalón
abgehend)  mit  der  Loire  sowie  durch  ben
Kanal  von  Burgund  und  den  Rhöne-Rheinkanal
  (ersterer  bei  St.  Jean  de  Losne,
letzterer  bei  St.  Symphorien  abgehend)
mit  Seine  und  Rhein  in  Verbindung.
São  Paulo  tspr.sssung),  Hanptstadr  der
gleichnainigen  brasilischenKüstenproviiiz;
(1872)  25,000  Einw.  (darunter  ca.  1000
Deutsche).  Deutsches  Konsulat;  New
London  and  River  Plate  Bank.  Der
Hafen  der  Stadt  ist  das  74  km  entfernte
Santos  (s.d.),  über  welches  fast  der  ganze
Export  geht.  Die  Einfuhr  deutscher  Artikel
beziffert  sich  auf  höchstens  i  Mill.  Mk.
Saragossa  (Zaragoza),  Hauptstadt
der  gleichnamigen  span.  Provinz,  rechts
am  Ebro  sowie  am  Kaiserkanal  und  den
Eisenbahnlinien  Madrid-Barcelona  und
Bilbao-S.;  (1877)  84,575  Einw.  Filiale
der  Bank  von  Spanien,  Banco  de  Credito
de  S.  Die  früher  blühende  Jndnstrie  ist
sehr  heruntergegangen,  doch  ist  der  Handel ­
  recht  lebhaft.
Sarawak,  Landschaft  auf  der  Nordlvestküste
  de.r  Insel  Borneo  (s.  d.)  von
3580  qkm  (65  OM.).  Die  gleichnamige
H  a  u  p  t  st  a  d  t  hat  15,000  Einw.
Sardinien,  zum  Königreich  Italien
gehörige  Insel  im  Mittelländischen  Meer,
367  km  lang,  101  —  144  km  breit;
        <pb n="462" />
        454

Sarpsborg  —  Schanghai.

24,342,%  (¡km  (442,oi  OW.)  mit  ((g,,^
1878)667,427  Einw.—Hanptprodnkte  und
Ausfuhrartikel  sind:  Wein,  Vieh,  Blei,
Eisenerz,  Seesalz  (ca.  2  Mill.  Ctr),  Korallen, ­
  Thunfische,  Weizeil,  Ölsaat;  eingeführt ­
  werden:  Kolonialwaren,  Baumwoll-
  und  Wollwarcn,  Steinkollle.  '—Die
wichtigsten  Häfen  sind:  Cagliari,  La  Maddalena, ­
  Porto  Lorres,  Carloforte  und  Terranova; ­
  der  Schiffsverkehr  beläuft  sich  auf
ca.  5100  ein-  und  ausgelaufene  Schiffe  mit
620,000  Ton.  —  Eisenbahnen  gehen  von
Cagliari  nach  Oristano  und  Iglesias,  von
Porto  Torres  über  Sassari  nach  Ozieri.  —
Ein  deutsches  Konsulat  besteht  in  Cagliari.
Sarpöborg  (Sannesu  „  b),  Stadt  im
norweg.  Amt  Smaalenene,  am  Glommen
und  der  Bahn  Christiania-Frederikshald;
(1876)  3  330  Einw.  Deutsches  Vicekonsulat
filr  den  Zollstättedistrikt  S.  1879  liefen
48  deutsche  Schiffe  von  1104  Ton.  ein
SSSgã»'
Sarthe  (spr.  ssLrt),  Fluß  im  nordwestl.
Frankreich,  entspringt  im  Departement
T  rne  und  fällt  nach  2Ï6  km  langem  Lauf,
wovon  128  km  schiffbar,  als  Maine  (nach
dem  Zusammenfluß  mit  der  Mayenne)
nicht  weit  von  Angers  in  die  Loire.
Sassari  (spr.  ss-),  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  ital.  Provinz  auf  der  'Insel
Sardinien,  durch  Eisenbahn  mit  Porto
Torres  und  Ozieri  verbunden;  (1878)
34,150Einw.  Deutsche  Konsnlaragentnr;
Handelskammer;  Filiale  der  Nationalbank,
  Banca  di  S.  Hafen  für  S.  ist
Porto  Torres.

Savanilla,  f.  Sabanilla.
Salía,mah,  Fluß  in  den  Vereinigten ­
  Staaten  von  Nordamerika,  entspringt
auf  der  Grenze  von  Südcarolina  und
Georgia  und  fällt  nach  800  km  langem
2auf  unterhalb  S.  City  in  den  Atlantischen ­
  Ocean.  Von  der  Mündung  bis
S.  City  (25  km)  ist  er  für  große  Seeschiffe, ­
  von  Juni  bis  November  für  Flußdampfer ­
  bis  Augusta  (400  km)  fahrbar.
Savannah  City,  größte  Stadt  und  bedeutendster ­
  Handelsplatz  im  Nordamerika,,.
Dtaat  Georgia,  amSavannahflnß  und  an
nach  drei  verschiedenen  Richtungen  führenden ­

  Eisenbahnen;  (isso)  30,681  Einw.
Deutsches  Konsulat;  Börse;  Zollhaus;
Merchant's  National  Bank,  Southern
Bank  of  Georgia.  —  1879  liefen  ein  :  313
Schiffe  von  220,034  T.,  aus:  239  Schiffe
von  181,361  T.  Deutsche  Schiffe  verkehrten ­
  1879  hier  36  von  28,214  T.  Hauptausfuhrartikel ­
  sind:  Banimvolle  ("1879:
701,487  Ballen  im  Wert  von  135,wo
Mill.  Mk.),  Bauholz  (vornehmlich  nach
Südamerika  und  England)  für  913,680
Mk.,  ferner  Harz  und  Terpentinöl  (nach
Deutschland  für  222,650  Mk.),  Reis,
Häute  rc.  Die  Einfuhr  bestand  besonders
in  Kaffee  (für  1,302,840  Mk.),  dann  Salz,
Superphosphat,  Melasse,  Roheisen  re.
1880  wertete  die  Einfuhr  2,0  Mill.,  die
Ausfuhr  100,77  Mill.  Mk.
Save,  700  km  langer  Fluß  Österreichs,
der  bei  Belgrad  in  die  Donau  fällt.  Die
Regulierung  des  sehr  verwilderten  LanfS
ist  in  jüngster  Zeit  in  Angriff  genommen
worden.

T-avona,  Hafenstadt  in  der  ital.  Provinz ­
  Genua,  am  Meerbusen  von  Genua
(HÜ)  cut  der  Bahn  Turin-Nizza;  (is7S)
26,512  Einw.  Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk: ­
  die  Stadt  S.  mit  Hafen);  Handelskammer, ­

  Handelsgericht,  Hauptzollamt; ­
  Banca  Nazionale,  Banca  di  S.  —
1879  liefen  ein:  1343  Schiffe  von  242,229

Ton.  Aus  England  wurden  1879:291,691
T.  Steinkohle  importiert,  ferner  30,416
T.  Getreide  vornehmlich  aus  Rußland.
Auf  der  Bahnstrecke  S.-Ventimiqlia  wurden ­
  1879  befördert  für  29,i  Mill.  Mk.
Vieh  und  Güter,  davon  Rindvieh  6,.-.Mill.
Mk.,  ferner  Butter,  Fleisch,  Käse.
Schanghai,  wichtigste  chines.  Handelsstadt ­
  und  Freihafen  in  der  Provinz
Kiangsu,  20  km  von  der  Küste  an  dem
für  Seeschiffczugänglichen  Wusnng,  einem
Zufluß  des  Jantsekiang;  Station  der
Dampferlinicn:  Deutsche  Dampfschiffreederei
  zu  Hamburg,  Österreichisch-Nngarischer
  Lloyd,  Messageries  maritimes,  Peninsular ­
  and  Oriental  Steam  Navigation
Co.,  Royal  Mail  Steam  Packet  Co.,  Società ­
  Nnbattino,  Union  Steamship  Co.
(London);  (1879)269,000Eiinv.,  darunter
1051  Ausländer  (200  Deutsche)  und  160
fremde  (26  deutsche)  Firmen.  Deutsches
        <pb n="463" />
        Schaumburg-Lippe  —  Schwarzburg  -  Rudolstadt.

455

(Berufs-)  Generalkonsulat  (Amtsbezirk:
die  Provinzen  Kiangsu,  Nganhwni,  Hupe,
Klangst  sowie  Stadt  unb  Gebiet  von  Wentschauin
  der  Provinz  Tschekia»g);Handelökammer,
  Direktion  des  Seezollamts;  Agra
Bank,  Chartered  Bank  ofJndia,Australia
and  China,  Chartered  Mercantile  Bank
ef  India,  London  and  China,  Comptoir
^Escompte  de  Paris,  mih

Hongkong  and
Shanghai  Banking  Corporation  it.  a.;
Chinesische  Gesellschaft  für  Versicherung,
Handelsgeschäfte  und  Schiffahrt,  welche  die
Flotte  der  Amerikanischen  Fluß-  und  Küstengesellschaft
  ankaufte.  1879  verkehrten
hier  2183  Schiffe  von  1,528,996  Ton.
(1458  Dampfer  von  1,301,601  T.),  davon
97  deutsche  (76  Dampfer)  von  45,298  T.—
S.  ist  Hauptplatz  für  dcnTheeerportu.dcn
Opiumhandel.  Der  Wert  des  direkten  auswärtigen ­
  Handels  betrug  1879  in  der  Einfuhr ­
  379,9  Milt.  Mk.,  in  der  Ausfuhr  186,8
Mill.  Mk.  Hauptposten  bei  beiden  waren:
Einfuhr:
152,7  Metalle.  .  18,i
112,9  Fensterglas  ll,i
26,4  Holz...  6,9
Ausfuhr:
113,i  I  Strohgeflechte  7,3
52,2  I  Seidenstoffe.  3,o
ferner  bei  der  Einfuhr:  Giilseilg,  Kohle,
Petroleum,  Trepang,  Agar-Agar,  Zündhölzer;
  bei  der  Ausfuhr:  Seidenstoffe,
Zucker,  Medizinen,  Häute.  Die  hiesigen
deutschen  Geschäftshäuser  führen  namentlich ­
  Tuche  ein,  für  die  Regierung:  Waffen, ­
  Torpedos,  Munition  u.  a.

Opium  .  .  .
Baumwollstoffe
Wollstoffe  .  .
Rohseide.  .  .
Thee

sten  1875:  33,133  ein»,  (fast  ausschließlich ­
  Protestanten).  —  Produktion.
Hauptbeschäftigung  ist  Laildbau:  45  Proz.
sind  Äcker  und  Gärten,  19  Proz.  Wiesen
und  Weiden,  23  Proz.  Wald.  Hauptkulturen ­
  sind:  Roggen,  Hafer,  Weizen,  Kartoffeln, ­
  Gerste,  welche  Überschüsse  zurAussuhrliefern.
  Vichstand  1873:2866Pferde,
10,365  SRinbcr,  6963  @441:  "»b  9083
Schweine;  die  beiden  letztcil  werden  auögebetrieben.
  Ausgeführt  werden  :  Holz,  Leinwand, ­

  Garn,  Wolle,  Getreide,  Hammel,
Steinkohlen.  —  Das  Fürstentum  besitzt
24,33  km  Staatsbahnen  und  steht  unter
preußischer  Zoll-  und  Postverwaltuilg.  —
Staatshaushalt.  Der  Landeskassenetat ­
  1880—81  berechnet  Einnahmen  und
Ausgaben  mit  507,293  Mk.  Matriknlarbcitmg
  1880-81:  67,575  9Rf.
Schktieningen  (Schcvelingcn),  Fischerdorf ­
  und  berühmtes  Seebad  in  der
niedcrländ.  Provinz  Südhollaild,  an  der
Nordsee,  dllrch  unterseeischen  Telegraphen
mit  der  englischen  Küste  verbunden;  (1875)
7965  Ein».  Deutsches  Vicekonfulat.
Schiedam  lfpr.  s-chiedami,  Hafenstadt
in  der  niedcrländ.  Provinz  Südholland,
an  der  Mündung  der  Schie  m  die  Maas
und  der  Bahn  Rotterdam-Helder;  (1875)
19,274  Ein».  Deutsche  Konsularagentur; ­
  Börse.  Große  Geneverbrennereien
(über  220)  und  starke  Schiffahrt.
Schoa,  s.  Abessinien.
Schwarzburg  -  Rudolstadt,  souveränes, ­
  zum  Deutschen  Reiche  gehöriges  Fürstentum,
  942,15  qkm  (17,i  QM.),  wovon ­
  735  qkm  (13,35  QM.)  auf  die  Oberherrschaft ­
  (Rudolstadt)  und  207  qkm  (3,76
QM.)  auf  die  Unterherrschaft  (Frankenhansen) ­
  kommen,  mit  (1880)  80,149  gegen
1875:  76,676  meist  protestantischen  Einwohnern. ­
  —Produktion.  Von  dem  Gesamtareal ­
  entfallen  41  Proz.  auf  Acker  und
Gärten,  10  Proz.  aufWiesen  und  Weiden,
45  Proz.  auf  Wald.  Hauptkulturen  sind:
Roggen,  Kartoffeln,  Hafer,  Gerste,  Weizen.
Nack  der  Viehzählung  1873  gab  es  2528
P  erde,  21,321  Rinder,  5l,918Schafeund
15,530  Schweine.  Wollmärkte  zu  Rudolstadt ­
  und  Frankenhansen.  Der  Bergbau
liefert  Braunkohlen  (1879:  39,537Ton.),
Eisen-  und  Alanncrze,  die  Saline  zu  Frankenhausen
  Kochsalz.  —  Industrie.  1875
zählte  man  5541  Hauptbetriebe  mit  12,538
Personen.  Das  bedeutendste  Gewerbe  ist  die
Porzellaniiidustrie,  dann  die  Fabrikation
von  Glas,  Musikinstrumenten,  chemischen
Präparaten,  Streichgarn  rc.  —  1875  bestanden ­
  acht  Sparkassen  mit  4,243,696
Mk.  Einlagen.  —  Die  Unterherrschast
steht  unter  preußischer  Zollverwaltung,  die
Oberherrschaft  gehört  zum  Thüringischen
Zollverein.  —  Staatshaushalt.  Der
        <pb n="464" />
        456

Schwarzburg  -  Gondershausen  -  Schweden  (Areal  re.).

Etat  fur  btc  Jahre  1879  -81  beziffert
Einnahmen  und  Ausgaben  mit  1,772,270
Mk.  Die  Staatsschuld  betrug  4,420,704
Mk.,  dagegen  Aktiva  3,235,795  Mk.  Matnkularbeitrag
  1881—82:  156,379  Mk.
Schwarzburg  -  Sondcrshansen,  souveränes, ­
  zum  Deutschen  Reiche  gehöriges
Fürstentum,  862,n  qkm  (15,7  QM.),
wovon  auf  die  Unterherrschaft  519  qkm
(9,-iQM.),  auf  die  Oberherrschaft  343qkm
(6,2  QM.)  kommen,  mit  (wo)  71,083
liegen  1875:  67,480  meist  protestantischen
Einwohnern.—Produktion.  Von  dem
Gesamtarcal  entfallen  59  Proz.  auf  Äcker
und  Gärten,  7  Proz.  auf  Wiesen  und  Weiden, ­
  30  Proz.  auf  Wald.  Gebaut  werden ­
  namentlich:  Roggen,  Hafer,  Weizen,
Kartoffeln,  Gerste,  Nach  der  Viehzählung
1873  #  cg  3738  «ßferbe,  20,573  Ümbc¿,
82,488  Schafe  und  18,077  Schweine.  Salz
wird  ans  Sole  gewonnen.  —  Industrie
Nach  der  Gewerbezählung  von  1875  gab
es  4560  Hauptbetriebe  mit  10,608  Personen. ­
  Von  Bedeutung  sind  die  Porzellan- ­
  und  Glasfabrikation.  Handschuhfabrikation
  u.  a.  —  Kreditwesen  In
der  Hauptstadt  Sondershausen  besteht  die
Schwarzburgische  Landesbank,  im  Land
(1875)  vier  Sparkassen  mit  1,568,940  m.
Einlagen.—&amp;gt;  Die  Unterherrschaft  steht  unter ­
  preußischer  Zollverwaltung,  die  Oberherrschaft ­
  gehört  zum  Thüringischen  Zollverein. ­
  —  Staatshaushalt.  Der  Etat
für  die  Jahre  1880—83  berechnet  die
Einnahmen  auf  2,119,391,  die  Ausgaben
auf  2,083,316  Die  betrug
  1.  Jan.  1880:  3,498,755  Mk.,  wovon ­
  Landeüschuld  1,4.19,668,  Kammer-[#(0
  2,079,087  m.  mtrifuWeitnw
1881—82:137,625  9Rf.
Schweden,  die  östliche  Hälfte  derSkandinav.
  Halbinsel,  mit  der  westlichen  Hälfte
Norwegen  (s.  d.)  seit  dem  Frieden  von
Kiel  (14.  Jan.  1814)  und  durch  die  Bundcsakte
  (»RikSakten«)vom  6.  Aug.  1815  durch
Personalunion  vereinigt.  Jedes  Reich  hat
seme  besondere  Verfassung  und  Volksvertretung ­
  sowie  Heer  und  Flotte,  aber  seit
öcmeinschaftlichen  Münzfuß,  dem
auch  Dänemark  beigetreten  ist.  —  S.  hat

mit  (1880)  4,597,300  Einw.  Nach  der
Konfession  zerfiel  die  Bevölkerung  1870
(4,168,525  Seelen)  in  4,162,087  Lutheraner, ­
  573Nömisch-Katholische,  1836Jöraeliten
  u.  a.  Der  Nationalität  nach  waren
von  12,015Fremden:  2856Dc,ltsche,2795
Dänen,  806  Russen,  355  Engländer.  Die
^àaàrung,  welche  sich  fast  ausschließlich ­
  nach  den  Vereinigten  Staateil
wendet,  ist  stets  sehr  beträchtlich  gewesen;
^51—60  betrug  dieselbe  durchschnittlich
1690,  1861—70  durchschnittlich  12,245
Personen;  1869  erreichte  sic  ihren  Höhepunkt ­
  mit  39,064,  siel  danach  bis  1877
auf  7610  und  stieg  1879  wieder  auf
13,115  allein  über  Gotenbnrg.
I.  Urproduktion.
Nur  ein  kleiner  Teil  der  Gesamtfläche
eignet  sich  für  die  Kultur.  Zwar  habeil
die  siidlichen  Provinzen  einen  fruchtbare»
Boden,  aber  der  Norden  ist  von  Gebirgszügen ­
  oder  von  Wäldern,  Mooren  und
See»  bebe#,  Wu#  bag  ^ima  giebt  bem
Anbau  eme  Grenze.  Von  dem  Gesamtareal
  entfallen  o0,2  Proz.anfunproduktive
Flache  und  natürliche  Weiden,  39,r,  Proz.
stuf  Waldungen,  4,ü  Proz.  auf  Wiesen  und
nur  5,8  Proz.  auf  Acker-  und  Gartenland.
Ackerbau.  Weizen  baut  man  nur  in
den  siidlichen  und  mittlern  Provinzen  in
den  nördlichen  Provinzen  Gerste  zu  Brotkorn; ­
  in  Lappland  wird  Getreide  aber  fast
gar  nicht  gebaut.  Der  Betrieb  ist,  gefördert ­
  durch  die  landivirtschaftliche  Akademie
m  Stockholm  und  die  Haushaltnngögesellschaften
  in  den  Provinzen,  rationell
und  der  Ertrag  bedeutend.  1878  wurden
geerntet  34,864,000  kl  Getreide,  davon
18.405.000  hl  Hafer.  Der  Wert  der  Gesainternte
  wurde  für  1875  auf  264  Mill.,
187  7  auf  213,6  Mill.  Mk.  berechnet.  Erportiert
  werden  regelinäßig  bedeutende
Mengen  von  Hafer  nach  England,  etwas
Gerste  nach  England,  Holland.  Norwegen;
dagegen  müssen  Roggen  und  Mehl  'aus
Riißland  und  Dänemark  eingeführt  werden. ­
  1880  wurden  4,100,000  Kubikfuß
Roggen  und  1,192,000  Ctr.Mehlein-  und
21.650.000  Kubikfuß  Hafer  und  2  Mill.
Kubikfuß  Gerste  ausgeführt.  Der  Wert
der  Ausfuhr  übersteigt  in  der  Regel  den  der
Einfuhr  erheblich;  in  Mill.  Mk.  war  die
        <pb n="465" />
        457

Schweden  (Urproduktion:  Ackerbau,  Viehzucht,  Fischerei)

Einfuhr  Ausfuhr
1876:  21,o  49,8
1877:  48,3

32,6

1878  :  40,1

43,3

DicKartoffelkulturist  ganz  allgemein
verbreitet:  1878  erntete  man  18,9  Mill,
hl,  und  sowohl  Kartoffeln  wie  Getreide
werden  in  bedeutender  Menge  zurBranntweinbrennerei ­
  verwendet,  durchschnittlich
iil  jedem  Jahr  von  den  ersteil  2,226,000
hl,  von  dem  zweiten  445,200  hl.  Der
Brennereibetrieb  im  großen  ist  erst
gegen  25  Jahre  alt,  jetzt  bcsteheil  etwa  500
Dcnupfbrennereien.  Eine  besondere  Industrie ­
  ist  die  Fabrikation  des  sogen,  schwedischen ­
  PuilscheS  auch  für  den  Export.  Daran
schließt  sich  die  Brauerei,  1878  in  112
Etablissements  betrieben,  welche  mit  1618
Arbeitern  einen  Produktionswert  von  7,9
Mill.  Mk.  jährlich  erzeugten.  Die  Ausfuhr ­
  stieg  1880  auf  6,2  Mill.  Lit.,  dabei ­
  wurden  aber  3,182,400  (aus  Frankreich ­
  allein  2,033,200)  L.  eingeführt.  —
Zuckerrübenbau  hat  man  erst  in  der
letzten  Zeit,  aber  mit  auögezeichiletein  Erfolg ­
  begonnen;  wie  gering  jedoch  die  Produktion ­
  gegenüber  dem  Konsum  ist,  beweist ­
  die  Einfuhr  von  736,000  Ctr.  Zucker
und  130,000  Etr.  Sirup  in  1880  gegenüber ­
  einer  ganz  unbedeutenden  Ausfuhr.
Die  Einfuhr  bestand  neben  31  Mill.  Pfd.
Rafsiiiade  in  42  Mill.  Pfd.  Rohzucker,
der  1878  in  nenn  Zuckerfabriken  auf  einen
Wert  von  17,5  Mill.  Mk.  verarbeitet
wurde.  —Gemüse  und  Obstbali  gedeihen
inl  Süden,  nicht  aber  der  Weinbau,  und
die  Einfuhr  von  Wein  in  Fässern  (1880:
56,000  Ctr.)  und  Flaschen  (525,000  Lit.)
ist  beträchtlich.  Wie  bedeuteiid  der  Import ­
  von  den  aufgeführten  und  verwandten ­
  Nahrnngs-  lind  Gcnußmitteln  ist,
zeigt  die  Handelsbilanz  für  1878.  In
Millionen  Mark  betrug  die
Einfuhr  Ausfuhr
Getrcidc  und  Produkte  davon.  40,0  43,3
Kolonialwaren  48,1  0,2
Spirituosen  und  andre  Getränke  6,5  °' 3
Zusammen:  94,9  43,8
An  Kaffee  alleili  wurden  1879  :  242,000
Ctr.,  1880:  265,000  Ctr.  importiert.  —
Auch  derAnbau  von  Flachs  lind  Hanf  Mt

bedeutend,  namentlich  in  der  Provinz  Wcsternorrland,
  Flachs  im  ganzen  ans  15,187
ha,  die  einen  Ertrag  von  4763  Ton.  ergaben. ­
  Doch  genügt  diese  Produktion  dem
Bedarf  ebensowenig  wie  die  von  Tabak,
welcher  bcsoiiders  um  Stockholm  und  bei
Ahns  angepflanzt  wird  linb  1877  eine
Ernte  von  144,700  kg  lieferte.  Dazu
wurden  noch  91,000(Sir.  Rohtabak  importiert, ­
  um  die  110  Fabriken  zu  versorgen,
deren  Jahresproduktion  einen  Werr  von
12,1  Milt.  Mk.  erreichte.
Die  Viehzucht  ist  bedeutend  und  der
Viehrcichtum  im  Verhältnis  zur  Bevölkerung ­
  groß.  In  S.  kommen  auf  1000
Einw.  105  Pferde,  482  Rinder,  342  Schafe
und  35  Schweine.  Nach  der  Viehzählung
von  1873  gab  es:  Pferde  455,907,  Rinder
2,181,394,  Schafe  1,695,434,  Schweine
421,795.  Im  N.  hakteil  die  Lappeil  100
bis  200,000  Stück  Renntiere.  Die  Ausfuhr ­
  voll  Fleischtieren,  welche  sich  uament
lich  nach  Norwegen  richtet,  ist  daher  eine
sehr  beträchtliche;  1880  betrug  einer  sehr
kleineil  Einfuhr  gegenüber  die  Ausfuhr
von  Rindern  34,000,  von  Schafen  29,500,
von  Schweinen  21,800  Stück.  Indes  werden ­
  Speck,  Butter  und  Käse  iilbcdeuteildeu
Quantitäten  eingeführt,  1880  :  360,000,
resp.  80,000  und  9400  Ctr.;  Butter  ist
aber  ein  bedeiitender  Exportartikel  (1880:
124,000  Ctr.).  Durch  Errichtung  von
Meiercischulen,  llmherrcisenden  Meieristen ­
  u.  a.  wird  von  der  Regieruilg  viel
für  zweckmäßigere  Benutzung  der  Produkte ­
  gethan.  '  Der  jährliche  Wert  der
Viehzucht  nach  Abziig  des  Unterhalts  der
Zugtiere  und  von  %  Betriebskosten  wird
auf  160  Milt.  Mk.  veranschlagt.  Auch  von
andern  Produkten  der  Viehzucht  führte
S  bedeutende  Posten  ein,  so  1880  von
rohen  Häuten  und  Fellen  51,000Ctr.,  von
Talg  29,000  Ctr.,  während  die  Ausfuhr
sehr  unbedeutend  war.  Die  jährliche  Wollproduktion
  wird  auf  3  Mill.  Pfd.  geschätzt,
dazu  führte  S.  1879  noch  20,000  Ctr.
und  1880:  28,000  Ctr.  ein.
Die  Fischerei  ist  nur  au  der  Küste  des
Skagerraks  und  des  Kattegats  eincHauptnahruugsguellc,
  in  ben  übrigen  Gegenden ­
  ist  sie  Nebenbcschäftigullg.  Die  Erträge ­
  sind  keilleswcgö  zllrcichend.  Die

!

im
        <pb n="466" />
        458  Schweden  (Urproduktion:  Fischerei,  Forstwirtschaft,  Bergbau).

Lachs-  und  Binnenfischerei  wird  sehr  häufig ­
  durch  die  spät  insJahrhinein  dauernde
Bedeckung  der  Landsccn  mit  Eis  beeinträchtigt, ­
  und  die  Heriugsfischerei,  welche  durch
das  frühere  Raubsystem  mit  engmaschigen
Netzen  sehr  geschädigt  wurde,  hat  erst  in
neuester  Zeit  an  der  Westküste  von  Gotenbnrg
  befriedigende  Resultate  ergeben;  im
Winter  1877—78  wurden  210,000  Ton.
Heringe  gefangen,  doch  wurden  1880  eingeführt ­
  982,000  Kubikfuß  von  gesalzenem
Hering  bei  einer  sehr  geringen  Ausfuhr.—
Die  Jagd  war  früher  sehr  ergiebig,  ist
aber  jetzt  von  untergeordneter  Bedeutung.
Die  Waldungen  bilden  eine  außerordentlich ­
  wichtige  Quelle  des  Nationalwohlstands. ­
  Man  kann  annehmen,  daß
175,690  qkm  (3190  QM.)  mit  Wald  bestanden ­
  sind,  davon  20  Proz.  dem  Staat
und  Gemeinden  gehörig.  80  Proz.  Privaten. ­
  Die  Eichenwaldungen  gehören  alle
dem  Staat.  Den  jährlichen  Verbrauch
schätzt  man  auf  1190  Mill.  Kubikfuß,  wovon
  940  Mill,  als  Brennholz  verbraucht
werden;  viel  wird  zum  Hauserbau,  zu
Zäunen  K.  verwandt,  und  ca.  100  Mill.
Kubikfuß  werden  ausgeführt.  Die  Holzausfuhr ­
  geht  zu  50  Proz.  nach  England,
20  Proz.  nimmt  Frankreich.  Holz  wird
aber  nach  alten  Ländern  aller  Weltteile
ausgeführt.  Die  wichtigsten  Erporthäfen
für  diesen  Handel  sind:  Haparanda,  Lutea,
Pitea,  Umea,  Hernösand,  Snndsvall,  Söderhamn,
  Geste,  Söderkvping,  Westervik,
Oskarshamn,  Kalmar,  Gotenburg,  Nddevalla
  neben  25  kleinern  Plätzen,  aus  welchen ­
  1880  exportiert  wurden:
Balken  und  Sparren  .  .  15,8  Mill.  Kubikf.
Bretter  und  Planken  .  .  104,8
außerdem  Bauholz  und  Masten,  Grubenstützen, ­
  Bretter  und  Plankeneitden,  Brennholz, ­
  Faßdauben,  Schindeln,  Schwellen,
Leisten,  Ruderhölzer  re.  1878  betrug  (in
Millionen  Mark)  die
Einfuhr  Ausfuhr
Unbearbeitetes  Holz.  .  0,9  77,1
Bearbeitetes  Holz  .  .  1,8  9,4
3»  frühern  Jahren  standen  die  Werte  weit
hoher.  Dieselben  sind  überhaupt  bei  Anwachsen ­
  der  Exportmengen  (1879  um  9
7%  gegen  1878)  so  heruntergegangen,
frei:  Nutzen  oft  ein  illusorischer  wurde.

Zur  Unterstützung  des  schwedischen  Holzhandels ­
  wurde  1879  unter  dem  Schutz
und  derKontrollc  des  Staats  der  »Garanticvercin
  der  Sägenbesitzer«,  ein  Geldinstitut ­
  auf  Aktien,  gegründet.  Der  Export ­
  erfolgt  zum  allergrößten  Teil  aus  den
Häfen  des  Bottnischen  Meerbusens;  da
dieselben  aber  etwa  sechs  Monate  durch  Eis
verschlosseil  sind,  so  muß  die  geplante  Bahn
Sllndsvall-Drontheim  von  der  größten
Bedeutung  für  diesen  Handel  werden.
Der  Bergbau  ist  sehr  alt  und  liefert
in  erster  Linie  Eisen,  daö  beste  der  Welt,
da  es  fast  ganz  frei  von  Phosphor  ist
(0,05—0,oo3  Proz.)  und  noch  großenteils
mit  Holzkohle  ausgesch  niolzen  wird.  Außer
dem  ungeheuren  Erzreichtum  beiGellivara
und  andern  Stellen  in  Lappland  befinden
sich  die  größten  und  mächtigsten  Lager
in  dem  Gürtel,  welcher  sich,  von  O.  nach
W.  gehend,  von  Upland  uild  dem  südlichen ­
  Gestrikland  durch  Westmanland
und  Nerike  und  das  südliche  Dalarne  nach
dem  östlichen  Teil  von  Wermland  erstreckt.
1879  wurden  aus  304  Eisengrubcn
15,115,184  Ctr.  Eisenerz  gewonnen,  eine
bedeutende  Abnahme  gegen  frühere  Jahre,
und  1880  führte  man  702,000  Ctr.  aus.
Kupfererze,  welche  früher  aber  in  weit
bcdeutcndern  Mengen,  namentlich  von
dem  Großen  Kupferberg  (Stora  Kopparberget)
  bei  Falun,  gefördert  wurden,
nehmen  an  Wichtigkeit  die  zweite  Stelle
ein;  1878  wurden  aus22Gruben611,800
Ctr.  Kupfererze  gewonnen,  aus  31  Gruben ­
  212,121  Ctr.  Silber-  und  Bleierze,
aus  21  Gruben  959,708  Ctr.  Zinkerz,  ferner ­
  Manganerz,  Kobalterz,  Nickelerz  und
Schwefelkies.  Kohle  findet  sich  in  den
Steinkohlenflözen  von  Höganäs,  Lilleshon ­
  und  Helsingborg  in  der  Landschaft
Stane  (Schonen);  doch  sind  nur  einige
Kohlen  koksfähig  und  auch  diese  nur  in
geringem  Maß.  1879  betrug  die  Kohlenausbeute ­
  aus  6  Gruben  4,884,180  Kubikfttß,
  es  müssen  daher  trotz  des  massenhaften ­
  Verbrauchs  von  Holz  als  Brennstoff ­
  immer  noch  Steinkohle  und  Kots
importiert  werden  und  zwar  1880:  42,8
Mill.  Kubikfuß.  Salz  wird  nur  in  ungenügender ­
  Menge  gewonnen,  und  1880
wurden  2,5  Mill.  Kubikfuß  eingeführt.
        <pb n="467" />
        WM»

Schweden  (Eisen-,  Textilindustrie  u.  «.).

459

II.  Industrie.
Nach  der  schwedischen  Gewerbestatistik
bestanden  Ende  1878  im  ganzen  Königreich ­
  2828  Fabriken  mit  55,815  Arbeitern ­
  und  einem  Fabrikationswert  von
162,6  Mill.  Mk.,  was  eine  Verminderung
der  Fabriken  gegen  1877  um  40,  eine
Verminderung  der  Arbeiter  um  5274  und
des  Fabrikationswerts  um  65,i  Milt.  Mk.
zeigt.  Ihren  Fabrikationswerten  nach  geordnet, ­
  waren  Ende  1878  die  bedeutendsten ­
  Industriezweige:

Betriebe

Fabrikationswert ­

Mill.Mk.

Arbeiter ­


ken

-:i

n&amp;gt;

105(1

3918

3212

3584

(418

110

2118

1618

112

3558

1729

676

1469

2047

Gießereien  und  mecha
Nische  Werkstätten
Zuckerraffinerien  .
Baumwollspinnereien
Baumwallwebereien
Tuchfabriken.  .  .
Tabakfabriken  .  .
Papierfabriken  .  .
Brauereien  .  .  .
Streichholzfabriken.
Lederfabriken.  .  .
Mechan.  Tischlereien
Glasbläsereien  .  .
demnächst  Färbereien,  Fabriken  von  Ziegeln, ­
  Ehemikalien,  Eisen-  und  Stahlwaren, ­
  Öl,  GaS,  Papiermasse,  Seife,  Porzellan ­
  ,  Stearinlichten  rc.
Die  Eisenindust  r  i  ebeschäftigte  18  &amp;lt;  3:
182  Hohöfen,  270Stangcncisenwerke  und
27  Stahlwerke,  in  welchen  8,058,494  Etr.
stioheisen,  4,929,840  Etr.  Stangeneiscn
iind  650,020  Etr.  Stahl  fabriziert  wurden. ­
  In  der  Metallindustrie  sind  die
Fabriken  zu  Eskilstuna  berühnlt.  Unter
den  mechanischen  Werkstätten  steht  in  erster ­
  Reihe  die  1822  in  Verbindung  mit
dem  Götakanal  gegründete  bei  Mótala
mit  ihren  Filialen  zu  Gotenburg  (Lindholvien) ­
  und  Norrköping,  die  2300  Arbeiter
beschäftigt,  und  deren  Produktion  einen
Jahreöwert  von  über  6  Mill.  Mk.  repra-Eisen

  und  Stahl  6  Mill.  Etr.,  davon
Stangeneisen  allein  3  Mill.  Etr.,  nächstdem
  Platten  und  Bandeisen,  Roheisen,
Luppen,  Stahl,  Nägel.  Die  Einfuhr  von
Fabrikaten  ist  indes  ziemlich  bedeutend,
doch  hat  die  Einfuhr  von  Maschinen  und
Geräten  sehr  bedeutend  abgenommen;
1874  war  der  Wert  19  Mill.,  1880  nur
4,7  Mill.  Mk.,  eine  Folge  der  ungünstigen
ökonomischen  Lage  des  Landes.  —  Von
andern  Metallen  kommen  für  den  Handel ­
  nur  noch  Kupfer  und  Zinkblende
in  Betracht;  von  dem  ersten  wurden  1880:
14,000  Etr.,  von  der  zweiten  427,000
Etr.  exportiert.  Gewonnen  wurden  4879:
19,132  Etr.  Kupfer,  6688  Etr.  Schwefel,
3188  Pfd.  Silber,  787  Pfd.  Gold  nebst
Nickel,  Alaun,  Blei  u.  a.
Die  Textilindustrie  ist  in  manchen
Provinzen  nur  Hausindustrie,  namentlich ­
  in  Elfsborg,  das  1878  an  20,e  Mill.
Fuß  Baumwoll-  und  Wollgewebe  lieferte;
über  den  eignen  Verbrauch  fabrizieren
Leinengewebe:  Gefleborg  (l,i  Mill.  Fuß)
und  Westnorrland,  Leinen-  und  Wollgewebe: ­
  Halland,  Verschiedenes:  Skaraborg
und  Södermanland.  Der  Hauptsitz  der
fabrikmäßigen  Woll-  und  Banmwollindnstrie
  ist  Norrköping.  Der  Banmwollkonsum
  ist  in  rascher  Zunahme,  1880  wurden ­
  21,5  Mill.  Pfd.  importiert;  dabei  sind
die  Einfuhren  von  Fabrikaten  immer  noch
sehr  beträchtlich:  1880  von  baumwollenen
Geweben  1,950,000  Pfd.,  von  ganz-  und
halbwollenen  4,700,000,  von  ganz  -  und
halbseidenen  142,000,  von  leinenen  und
Wciicn  2,128,000  #.  Der  SmW  ift
indes  bedeutend;  18(8  betrug  (in  Millionen ­
  Mark)  die  Einfuhr  Ausfuhr
Manufatte  vou  Gewebe»  .  36,2  3,o
Gewebe  0,3
Garn  und  Zwirn....  6,6  0,3
3,o

Zusammen:  56,3
Nach  Ellison  beträgt  dcr  Baumwollkonsnm
von  S.  und  Norwegen  durchschnittlich  24,8
Mill.  Pfd.  pro  Jahr,  dazu  werden  von
England  eingeführt  an  Garnen,  Gewc-S&amp;amp;SÄteSÄ«

*&amp;gt;-•  smS  pro  Kopf.
Die  Papierfabrikation  liefert  zum

serais  cyasren  savnzu.ee.  -y».
Stahlplatten  für  Schlffbauzweckc  sind
vorzüglich.  1880  betrug  die  Ausfuhr  von
        <pb n="468" />
        460

Schweden  (Handel,  Verkehrswesen).

Papier  aus  Holzmasse;  die  größte
Fabrik  befindet  sich  bei  Korndal  (Gotenbnrg);
  der  Export  ist  schon  bedeutend  und
betrug  1880:166,000  Ctr.  gegen  eine  Einfuhr ­
  von  23,000  Ctr.,  der  von  Holzmasse
222,000  Ctr.  —  Durch  Zündhölzchen
ist  besonders  Jönköping  berühmt,  in
dessen  Fabrik  allein  1500  Leute  arbeiten;
1879  wurden  170,000,1880:229,000  Ctr.
exportiert  und  zwar  nach  allen  Teilen  der
Welt.  —  Von  andern  Fabrikaten  ist  Leder, ­
  wozu  Häute  und  Felle  aus  Amerika
und  Ostindien  eingeführt  werden,  nennenswert. ­
  Damit  hangt  die  Handschnhsabrikation
  zusammen,  welche  im  Ausland  durch
ihre  namentlich  in  Skäne  angefertigten
Klippingshandschuhe  (gants  de  Suede)
von  ungefärbtem  Leder  bekannt  ist.  Die
1878  bestehenden  zwölf  Handschuhfabriken
lieferten  mit  454  Arbeitern  für  690,620
Mk.  Ware.  —  Für  Porzellan  bestehen
zwei  Fabriken  in  Rörstrand  und  Gnstafsberg
  mit  einein  Prodnktionswert  von  1,8
aitili.Mk.  Porzellan  wie  Glas  gehen  nach
Norwegen  und  Rußland.
HI.  Handel.

Die  drei  Hanpterportartikel  Schwedens
find:  Holz,  Eisen  und  Getreide,  und  für
alle  biet  sind  die  Werte  in  den  letzten
Jahren  in  ganz  erstaunlicher  Weise  gefallen. ­
  In  Millionen  Mark  war  die  Ausfuhr ­
  von:  1874  1876  1878
Stangen-  und  Roheisen  .  30,o  23,o  21,6
Brettern,  Balken,  Planken  106,7  99,5  62,8
Getreide  46,  o  50,7  41,2

Der  Gesamtwert  des  Handelsuinsatzes  betnm
  1877  :  581,c  Will.  Wf.,  1878:  474,c
Milt.  Mk.  1878  betrug  (mit  Einschluß
von  Gold  und  Silber)  der  Wert  der  Einf#
  268,9,  ber  206,4  WiK.  Wf.,
welche  sich  auf  die  einzelnen  Länder  in
nachstehender  Weise  verteilten:

Einfuhr  Ausfuhr
Deutschland  63,6  13,  o
England  71,2  104,3
Dänemark  46,7  23,5
Rußland  und  Finnland  .  29,5  5,3
Frankreich  g,o  29,  i

Niederlande  il,»
Norwegen  12,9
Belgien  7(5
Vereinigte  Staaten...  8,5

5.7
7.8
9.9
0,5

An  dem  Umsatz  mit  Deutschland  partizipierte ­
  mit  mehr  als  der  Hälfte  Lübeck,
nächstdem  Preußen  und  Hamburg.  Lübeck
importiert  namentlich  Gewebe  und  Manufakte,
  Maschinen,  Kaffee,  Wolle  u.  a.,
Preußen  Getreide,  Mehl  und  Fucker,  Hamburg ­
  Kaffee  u.  a.,  Bremen  Tabak.  Holz,
Streichhölzchen,  Eisen  sind  die  bedeutendsten ­
  Ausfuhrartikel.  Der  Umsatz  des  Jahrs
1878  verteilte  sich  in  folgender  Weise  (in
Millionen  Mark):

Einfuhr  Ausfuhr
Lübeck  35,68  5,23
Preußen  ....  16,52  4,11
Hamburg  ....  5,91  2,so
Bremen  5,52  0,10

der  Rest  auf  Mecklenburg  und  Oldenburg.
Die  wenig  günstige  Lage  des  Handels  uiib
Verkehrs  zeigt  sich  auch  in  der  verminderten ­
  Anzahl  von  Gesellschaften,  welche  in
den  letzten  Jahren  gegründet  wurden.  Die
Zahl  derselben  war  1874:  215,1878  nur
68.  Von  der  letzten  Zahl  waren  4  Eiseilbahngesellschaften, ­
  29  Industrie-  und  Fabrlkgesellschaftcn,
  16  Reedereigcsellschaften,
  11  Handels-  und  Ökonomiegesellschaften ­
  nnd8  andre,  zusammen  mit  einein
Kapital  von  mindestens  11,2  Mill.  und
höchstens  25  Mill.  Mk.
IV.  Bcrkchrslvkscn.
Die  Kommunikationsmittel  lassen  noch
manches  zu  wünschen  übrig.  Für  Wegeanlagen ­
  wurden  1876:  849,856  Mk.  veranschlagt, ­
  wozu  der  Staatöbeitrag  34,0
Proz.  betrug;  für  Brücken-  und  Hafenbauten ­
  800,509  Mk.,  davon  Staatsbcitrag
  26,5  Proz.;  für  Wasservertiefungen
und  -Ableitungen  765,642  Mk.,  davon
Staatsbeitrag  40,6  Proz.  —  Die  K  a  n  ä  l  e
und  kanalisierten  Gewässer  haben  eine
Länge  von  ca.  800  km.  Die  bedeutendsten
sind:  der  Götakanal  zwischen  Wenersee
und  Ostsee,  Trollhättakanal  zwischen
Wenersee  und  Dîorbfec,  Ströms-Hclinskanal
  zwischen  Mälar-  und  Barkensee
in  Datarne,  Söderteljekanal  zwischen
Mälarsec  und  Ostsee,  Hjelmarkanal  zwischcn
  Hjelmarsee  und  Mälarsee,  Dalslandskanal
  zwischen  Wenersee  und  dem
Stora  Lee.  Die  zahlreichen  Seen  des  südlichen ­
  Teils  iverden  fast  sämtlich  von
Dampfschiffen  befahren.  —  Die  Flüsse
        <pb n="469" />
        Schweden  (Finanzen,  Kreditwesen).

461

sind  meist  durch  Fälle  für  Schiffahrt  untauglich ­
  :  der  größte,  Luleaelf,  ist  nur  30km,
der  Angerman  50  km  dis  Skelleftea  von
der  Mündung  schiffbar.  Die  Falle  andrer
hat  man  durch  Kanäle  zu  umgehen  gewußt. ­
  —Die  E  i  s  e  nb  a  h  «  e  n  hatten  18  i  9
eine  Lange  von  5674  km,  davon  S-taatsbahnen
  1037,  Privatbahnen  3737  km.
Die  Einnahmen  der  Staatsbahnen  betrugen ­
  1878:16,252,000  Mk.  -  Das  Telegraphennetz ­
  umfaßte  Ende  1879  in  Linien ­
  11,304  km,  in  Leitungen  29,026  km
(unterseeische  90krn  mit  127  krnDrähtcn);
die  Zahl  dcrStationen  betrug  758,  wovon
177  Staats-,  581  Eiscubahntelegraphenstationen.
  Befördert  wurden  859,968,  davon ­
  511,432  inländische,  Telegramme.  Die
Einnahmen  betrugen  1,305,275,  die  Ausgaben ­
  1,485,075  Mk.  Ein  98  km  langes ­
  Kabel  wird  von  S.,  Dänemark  und
Deutschland  gemeinsam  unterhalten.  —
Die  Post  beförderte  1878  in  1963  Postämtern ­
  60,477,864  Postsendungen;  1877
war  der  Wert  der  versicherten  Sendungen
707,787,183  Mk.,  der  auf  Postauweisungen ­
  eingezahlten  Beträge  4,052,446  Mk.
@tminWn  1878:  5,274,873,  WuSgabcit
5,306,656  Ms.  „  ,
Schiffswesen,  a)  Schiffsbestand.
Die  gesamte  Handelsflotte  bestand  Ende
1878'aus  4315  Fahrzeugen  von  536,610
Ton.,  davon  Segelschiffe  3563  von  454,491
T.,  Dampfer  752  von  82,119  T.;  hiervon ­
  wurden  2019  Schiffe  (169  Dampfer)
voit  437,527  T.  zur  ausländischen  Fahrt
verwandt.  —  h)  S  ch  i  f  s  s  v  e  r  k  e  h  r.  Die
Zahl  der  in  allen  Häfen  Schwedens  1878
eingelaufenen  Schiffe  betrug  21,010  mit
3,107,597  Ton.,  nämlich  13,618  Segelmit
  1,825,896  I.,  7392  Dom)#
mit  1,281,701  T.  Darunter  waren:  60(5
^110^  von  592,755  %.,735  bnti%  voit
269,866  T.,  1112  deutsche  von  183,2&amp;lt;0
T.,  demnächst  finnische,  holländische,  fran
rrirjrL  SiMtfsrsiau  link  strive

zösische,  russische.  Voir  deutschen,  nut  schivedi
  chen  Häfen  verkehrenden  Dampferlmtcu
sind  zu  nennen:  Schwedische  Dampfschiffbürg),
  ferner  die  Ncdcrlandsche  Stoomboot
  Maatschappij  (Amsterdam).  Bon  betn

gesamten  Tounengehalt  kommt  und  geht
über  ein  Drittel  von  und  nach  England;
cs  folgen:  Däiiemark,  Deutschlaiid,  Norwegen, ­
  Frankreich,  Rußland  re.  —  Ko  nf
  ul  ate  iluterhält  Deutschland  in:  Stockholm ­
  (Bcrusskonsulat  für  das  Königreich),
Geste,  Gotenburg,  Helsüigborg,  Hernösand,
  Kalmar,  Karlshamn,  Karlökrona,
Landskrona,  Malmö,  Norrköping,  Nhköping.Söderhamn,
  Sundswall,  Westervik,
Wiüby,  Nstad;  Vicekonsulate  in:  Hudiksvall,
  Jönköping,  Luleä,  Pitea,  Skelleftea,
Nmea;  Konsularagenturen  in:  Cimbrishamn,
  Engelholm,  Fjellbacka,  Koiigsbacka,
Lysekil,  Marstrand,  Oskarshamn,  Rohuehamn,
  Strömstad,  Trelleborg,  Warberg.
V.  Finanzen,  Kreditwesen  re.
Nicht  allein  der  größte  Teil  der  Armee,
auch  viele  Beamte  und  Geistliche  erhalten
ihre  Einkünfte  auö  gewissen  Kronländcreien,
  bereu  Ertrag  nicht  in  das  Btldgct
aufgenommen  wird.  Auch  die  Ausgaben
werden  zum  größten  Teil  voll  den  Gemeinden ­
  und  Provinzialkörperschafteil  bestritten. ­
  Das  Rechnungsjahr  begilint  mit
1.  April.  Nach  dem  Budget  für  1881
balancierten  die  Einnahmen  und  Ausgaben ­
  mit  84Mill.Mk.;  von  den  Einnahmen ­
  waren  ordentliche  20,  außerordentliche ­
  61,6  (Zölle  29,o,  Branntweinsteuer
16.8)  Mill.  Mk.;  von  den  Ausgaben  ordentliche ­
  63,8,  für  die  Ncichsschuld  22,a
Mill,  mt  —  Die  Staatsschuld  setzt
sich  zusammen  aus  einer  inländischen  und
einer  ausläildischcn.  Am  31.  Dez.  1879
betrug  die  erste  38,.-&amp;gt;Mill.  Mk.,  die  zweite
204.siMill.  Mk.  Mit  Hinzurechnung  dcr
nichtkousolidierteu  Anleihe  von  1879  (3,4
Mill.  Mk.)  belief  sich  die  gesamte  Schiild
auf  246,8  Mill.  Mk.  Die  schwedischen
Eisenbahnen  wurden  Ende  1879  auf  212,8
Kreditwesen.  Die  Zahl  der  Banken
war  1879  neben  der  RcichSbank:  Zettelbanken
  30,  Kreditgcscllschafteu  undAltienbankeu
  ohne  Emissionsrecht  16.  Die
Reichöbank  zu  Stockholm  ist  eine  unter ­
  Garantie  der  drei  Stäiide  gegründete
Staatöanstalt;  sie  hat  ein  Kapital  von
28,500,000  Mk.,  gibt  Noten  in  Stücketl
zu  1,  5,  10,  50,  100  und  1000  Kronen
aus;  der  Betrag  derselben  zusammen  mit
        <pb n="470" />
        462

Schweidnitz  —  Schweiz  (Areal,  Bevölkerung).

den  auf  Darlehen  gegen  Depositen  innestehenden
  und  den  cirkulierenden  Postwechseln ­
  der  Bank  darf  deren  Barvorrat
samt  andern  Deckungsvaluten  um  höchstens ­
  30  Mill.  Kronen  (33,6  Mill.  Mk.)
überschreiten.  Das  Kapital  der  30  Privatzettelbanken ­
  belief  sich  Ende  1879  auf
59,235,800  Kronen.  Ende  1879  war  der
finanzielle  Stand  sämtlicher  Banken  und
Kreditgesellschaftcn  folgender:
Depositenkonto.  .  .  .  217169571  Mark
Girokonto  52456697  -
Wechseldiskontierungen.  128630805  -
Banknotenumlauf  .  .  90508423  -
Barbestand  52663356  -
Die  Zahl  der  Sparbanken  war  Ende
1876:  325,  in  welchen  727,043  Einleger
ein  .Guthaben  von  159,981,793  Mk.
besaßen.
Geld,  Maße  und  Gewichte.  Durch
Münzverträge  vom  18.  Okt.  1872  und
27.  Mai  1873  mit  Norwegen  und  Dänemark ­
  hat  S.  die  reine  Goldwährung  angenommen ­
  und  auf  Grundlage  derselben
einen  Münzbund  geschlossen.  '  Man  rechnet ­
  nach  Kronen  zu  100  Öre  (vgl.  Dänemark). ­
  Der  Fuß  (Fot)  —  29,69  cm  ;  die
schwedische  Meile  hat  10,688,6  m,  die
schwedische  Quadratmeile  11,424,7  ha;  die
Kanne  =  2,6m  Lit.  Die  Tonne  (Getreidemaß
  zu  63  Kannen)  —  164,88  L.  ;  100
Pfd.  (1  Etr.)  schwedisch  =  85,015  Follpfilnd.
  Daö  Skeppnnd  (Schiffspfnnd)  =
170  kg.  1  Tnnnland  =  0,49366  ha;  1
TllNIia  =  1,6489  lil.
Schweidnitz,Kreisstadt  imRegicrungsbezirk
  Breslau  der  Preuß.  Provinz  Schlesien, ­
  an  der  Eisenbahil  von  Liegnitz  nach
Kamen;;  (I88O)  22,177  Einw.  Handelskammer; ­
  Hanptsteueramt.  In  der  Umgegend ­
  starker  Anbau  von  Flachs,  Obst  und
Zuckerrüben  sowie  Znckerfabrikeil.  Fabrikation ­
  von  Maschinen,  Stiften  und
Muttern,  Nadeln,  Bier  (»Schweidnitzer
Schöps«)  u.  a.  S.  ist  Hauptgetreidemarkt ­
  für  die  nahen  Gcbirgskrcisc.
Schwei,ifurt,  Bezirksamtsstadt  im
bayr.  Regierungsbezirk  Unterfranken,  am
rechten  Ufer  deö  Mains  und  an  der  Bamdelögcricht;

  Hauptzollamt;  Königliche  Filialbank.
  Auf  den  Rindvieh-  und  Schafmärkten ­
  betragt  der  Zutrieb  jährlich  25—
30,000  Stück  Rindvieh  (wovon  5—6000
schwere  Zugochsen  im  Wert  von  5  Mill.
Mk.  jährlich  nach  Norddentschland  ausgeführt ­
  werden)  und  40—45,000  Schafe.
Schweiz,  Föderativrepublik  auf  Grund
der  29.  Mai  1874  von  der  Bundesversammlung ­
  für  angenommen  erklärten ­
  Bundesverfassung,  mit  einem  Areal
von  41,213  qkm  (748,1  QM.)  und  (isso)
2,846,102  Einw.  —  Der  Nationalität ­
  nach  gab  eö  1870  unter  einer  Bevölkerung ­
  von  2,669,147  Seelen  2,517,60»
oder  94,3  Proz.  Schweizer  und  150,907
oder  5,7  Proz.  Ausländer,  darunter  62,228
Franzosen,  57,245Deutsche,  ^^Italiener, ­
  5872  Österreicher,  2297  Engländer, ­
  1599  Russen,  ferner  Amerikaner,
Belgier,  Spanier,  Niederländer,  Schweden ­
  und  Norweger,  Dänen  rc.  lltach
Haushaltungen  zählte  man  384,538
deutsche,  133575  französische,  30,079  italienische, ­
  8/78  romanische.  —  Religion
  e  n.  Man  unterscheidet  vierprotestantische
Kantone:  Appenzell-Außerroden,  Zürich, ­
  Waadt,  Schaffhausen;  nenn  katholische: ­
  Zug,  Luzern,  Unterwalden,  Schwyz,
Appenzell-Jnnerroden,  Wallis,  Uri  uiib
Tessin;  die  übrigen,  in  welchen  beide  Konfessionen ­
  sich  die  Wage  halten,  werden  als
gemischt  bezeichnet.  In  der  ganzen  S.  zählte
man  1880:  1,666,984  (58%)  Evangelische, ­
  1,161,055  (40°/o)Katholiken,10,683
(0,4%)  andre  Christen  und  7380  (0,3%)
Israeliten.  —  Über  die  A  u  s  w  a  n  d  e  r  u  n  g
nach  überseeischen  Ländern  geben  uns  20
Kantone  Auskunft.  Aus  diesen  wanderten ­
  1868—77  durchschnittlich  3516  Personen ­
  ans;  1869  wanderten  5206  Personen, ­
  1877  nur  1691,  aber  1878  wieder
2608  (1602  nach  Nordamerika,  570  nach
Südamerika,  144  nach  Australien  rc.)  aus.
I.  Urproduktion.
Bon  dem  Gesamtareal  sind  31  Proz.
unproduktiv,  69  Proz.  produktiv;  letztere
verteilen  sich  folgendermaßen:
Ackerland  und  Gärten  .  .  .  14,5
Weinland  0,7
Wiesen  und  Weiden....  34,y
Waldungen  19,0
        <pb n="471" />
        Schweiz  (Urproduktion:  Ackerbau,  Viehzucht).

463

Die  Landwirtschaft  kann  demnach
nicht  genügend  für  den  Konsum  produzieren', ­
  obschou  man  annimmt,  daß  einige
Kantone:  Luzern,  Solothurn,  Frerbnrg
unb  Schaffhausen,  keiner  Zufuhr  bedürfen.
Nach  einer  Schätzung  beläuft  sich  die  durchschnittliche ­
  Jahresernte  voii:
Weizen  auf  756000  hl  I  Gerste  ouf  504000  hl
Roggen  -  5060000  hl  &amp;gt;  Hafer  -  1872000  hl
Dem  großen  Verbrauch  entsprechend
sind  die  'schnell  zunehmenden  Zufuhren,
1880:  3,570,093  Ctr.  und  zwar:
Weizen  2704106  Ctr.  &amp;gt;  Hafer.  .  278370  Etr.
Roggen  27888  .  Mais.  .  287373  -
Gerste  .  160510  -  ¡  Erbsenrc.  21747  -
dazu  noch  172,974Ctr.  Mehl  und  137,025
Ctr.  Malz.  Der  größte  Teil  dieser  Zufuhr
kommt  aus  Deutschland  (zum  Teil  österreichischen ­
  Ursprilngs)  und  auö  Frankreich, ­
  und  zwar  besteht  die  deutsche  fast
ausschließlich  in  Weizen.  Die  Ausfuhr,
höher  als  in  frühern  Jahren,  betrug  nur
35,240  Ctr.  Mehl.  —  Ebenso  ungenügend ­
  ist  die  Kartoffelproduktion,
welche  1880  eine  Einfuhr  von  280,454
Ctr.  verlangte,  während  die  Ausfuhr  nur
9272  Ctr.  betrug.  Überhaupt  ist  die  landwirtschaftliche ­
  Produktion  nach  allen  Richtungen ­
  unzulänglich,  selbst  in  Obst  und
Wem,  obgleich  eö  einige  reiche  Obstund ­
  Weiugebiete  gibt.  So  betrug  die  Einfuhr ­
  von  Wein  iil  Fässern  1880:  aus
Frankreich  470,912  Ctr.,  aus  Deutschland
163,763  Ctr.,  aus  Italien  104,650  Ctr.,
aus  Österreich  (in  außerordentlich  schneller ­
  Zunahme)  274,999  Ctr.  außer  einer
Einfuhr  von  Wein  in  Flaschen,  welche
sich  auf  6765  Ctr.  bezifferte.
Die  V  i  e  Hz  u  ch  t  ist  bedeutend  wichtiger;
schon  die  große  Ausdehnung  der  Wiesen
und  Weiden  (34,8  Proz.  deö  Gesamtareals) ­
  bedingt  das.  Nach  der  Zählung
von  1876  war  der  Wert  der  Maultiere
lind  Maulesel  1,3  Mill.  Mk.,  der  Bienenft“
  Älf  JS
SÄÄ  8Ş
138  unb  125  ©Wiiie.
Nindviehstand  ist  also  cm  ziemlich  hoher,
und  in  der  That  gehen  leben  Herbst

Transporte  von  »Welschlandvieh«  nach
Italien;  dafür  ist  der  Import  aber  von
andrer  Seite  um  so  stärker.  Nachstehende
Zahlen  zeigen  die  Veweguug  des  Vieh-Handels
  für  1880:  ^
6146  2  008
104036  81036
64331  14008
68880  15507

Pferde  .  .
Rinder  .  .
Schafe  nnd  Ziegen
Schweine  .

Auch  die  übrigen  Produkte  der  Viehzucht
sind,  Käse  allein  ausgeuommen,  für
den  Bedarf  ganz  ungenügend.  Der  Handel ­
  mit  Fleisch  balanciert  in  Einfuhr
und  Ausfilhr.  Butter  wird  zumeist  aus
Deutschland,  1880  im  Betrag  von  50,520
Ctr.,  importiert,  Eier  36,382  Ctr.,  Geflügel ­
  13,508  Ctr.  rc.  Dagegen  ist  allerdings ­
  Käse  ein  sehr  bedeutender  Exportartikel.
  1880  betrug  die  Einfuhr  13,254,
die  Ausfuhr  217,189  Ctr.  Frankreich
nimmt  nach  beiden  Richtungen,  soivohl
beim  Import  als  beim  Export,  die  erste
Stelle  ein,  während  Deutschland  in  zweiter ­
  Stelle  steht.  Von  dort  wurden  1880
importiert  4264  Ctr.,  dahin  exportiert
62,611  Ctr.  Käse.  Die  berühmtesten  Sorten ­
  liefern:  das  Greyerzcr  Land,  das  Saanen-,
  Emmen-,  Maderancr-  imb  Nrsernthal
  und  das  Tavetsch.  Von  sonstigen  tierischen ­
  Produkten  siild  als  im  Handel  wichtig ­
  zu  nennen  (in  metrischen  Centnern):
Einfuhr  Ausfuhr
Federn  und  Flaum  .  .  2  782  169
Liante  und  Felle  .  .  .  9966  47476
Wolle  23238  8  530
Die  Mehrausfuhr  voll  Fellen  ist  bezeichncild
  für  den  Stand  der  schweizerrschcil
Ledcriudustrie,  welche  durchweg  auf  die
Einfuhr  augewieseil  ist,  wahrend  der
Mehrimport  von  Wolle  keineswegs  Emancipatiou
  vom  fremden  Markt  bedeutet,  denn
starke  Mengen  Von  Wollgarn  lind  Wollwaren
  werden  besonders  aus  Deutfchland
  und  Frankreich  eingeführt.  —  Nennenswert ­
  sind  ferner  die  Bieueuzucht
(man  zählte  178.000  Bieueustöcke)  und
die  Seidenzucht,  welche  in  einigen  mildern ­
  Thälern  gedeiht.  Aber  1880  wurden
doch  2841  Ctr.  Honig  importiert,  und  die
Einfuhr  von  Seidenkokons  und  Seidenabfällcn
  belief  sich  auf  15,268  Ctr.,  die
        <pb n="472" />
        464

Schweiz  (Bergbau,  Industrie).

vou  Rohseide  auf  27,398  Ctr.,  während
von  erster»  2180,  von  letzterer  12,059  Ctr.
zur  Ausfuhr  gelaugten?
Das  Waldareal  ist  im  allgemeinen
klein  (19  Proz.  der  Gesamtfläche);  Wald
ist  aber  infolge  leichtsinniger  Verwüstung
in  manchen  Kantonen,  sogar  Bergkantonen,
  sehr  wenig  zu  finden,  und  die  Einfuhr
  muß  daher  ergänzend  eintreten.  In
den  schweizerischen  Handelsausweisen  sind
für  die  Einfuhr  von  Holz  nur  die  Mengen, ­
  für  die  Ausfuhr  nur  die  Werte  angegeben ­
  ;  es  läßt  sich  daher  keilt  genügend
treues  Bild  von  der  Bedeutung  des  Holzhandels ­
  geben.  DieZahlen  waren  für1880  :
Einfuhr  Ausfuhr
Bau-  und  Nutzholz  883  982  Ctr.  2,a  Mill.  Mark
Brennholz  .  .  .  1117378  -  0.4  -
Bretter  rc.  .  .  .  497  721  -  4.8  -
Der  Handel  mit  rohem  Bauholz  richtet
sich  vornehmlich  nach  Deutschland,  derjcuige
  mit  vorgearbeiteten  Hölzern  vorwiegend ­
  nach  Frankreich.
Der  Bergbau  ist  lulbedeutend,  von
Belang  ist  nur  die  Produktion  von  Eisenerzen, ­
  welche  aber  von  der  1855  erreichten ­
  höchsten  Ziffer  (28,984  Ton.)  bis  auf
weniger  als  die  Hälfte  zurückgegangen  ist.
Ebenso  ist  die  Erzeugung  von  Roheisen
über  die  niedrige  Prodnktionsziffer  von
10,000  Ton.  nie  hinausgekommen  und  beträgt ­
  jetzt  nur  wenig  mehr  als  die  Hälfte.
Diese  schwache  Produktion  hängt  mit  dem
Mangel  an  Brennstoffen  zusammen;  1870
wurden  nur  17,367  Ton.  Kohle  im  Wert
voit  166,627  Mk.  gefördert,  und  seit  jener
Zeit  hat  ein  nennenswerter  Aufschwung
nickt  stattgefunden.  Die  schweizerische  Industrie ­
  kann  allerdings  infolge  der  glücklichen ­
  Versorgung  mit  Wasserkraft  der
Kohle  eher  entrateli  als  andre  Länder,  doch
bezicht  sie  jährlich  ein  bedeutendes  Quantum ­
  vom  Ausland,  1880:  6,552,023  Ctr.,
davon  5,285,252  Ctr.  auö  Deutschland.
Dagegen  ist  die  S.  reich  an  Steinen:
Marmor,  Schiefer  u.  a.  Salz  gewinnt
man  in  Baselland  (Schweizerhall),  Ber
(Waadt),  Rheinfelden  und  Ryburg  (Aargau).
  jährlich  ca.  530,000  Ctr.  Kein  Land
besitzt  eine  größere  Zahl  von  Heilquellen.
II.  Industrie.
Die  Industrie  ist  die  Hauptstütze  des

nationalen  Wohlstands.  Nach  der  Aufnahnle
  von  1870  waren  489,059  Menschen ­
  dabei  beschäftigt  (bei  der  Landwirtschaft ­
  und  Viehzucht  543,208).  In  manchen ­
  Zweigen,  &amp;gt;vic  der  Industrie  in  Baumwolle, ­
  Seide,  Uhren,  Schmuckwaren  und
Maschinen,  reiht  sich  die  S.  den  ersten
Fabrikländern  an.
Die  B  a  u  m  w  o  ll  i  n  d  u  str  i  e  hat  ihren
Hauptsitz  in  der  Ostschweiz,  namentlich
iil  den  Kantonen  Zürich,  Glarus,  St.
Gallen  und  Appenzell.  Zu  ihrem  Bedarf
wurden  1880  :  222,444  Ctr.  Rohbaumwolle ­
  und  11,944  Ctr.  Abfälle  eingeführt.
Die  Zahl  der  Spindeln  betrug  1873:
2,059,000,  zugleich  waren  über  16,000
mechanische  Webstühle  in  Thätigkeit.  Die
Maschiiicnstickerei,  erst  1840  begründet,
beschäftigt  in  den  Kantonen  St.  Gallen,
Appenzell  und  Thurgau  über  10,000
Maschinen  und  17,000  Arbeiter;  für  Färberei ­
  und  Druckerei  ist  Glarus  dasHauptgebiet.
  Im  Handel  mit  Rohbaumwolle
nimmt  Frankreich  die  erste,  Deutschland
die  zweite  Stelle  ein;  im  Handel  mit  dem
fertigen  Fabrikat  haben  die  beiden  Läilder
die  Rollen  vertauscht.  Doch  ist  hierbei  der
Durchfuhrverkehr  nach  andern  Ländern,
namentlich  überseeischen,  eingeschlossen.
In  vielen  Absatzgebieten  macht  die  Schweizer ­
  Industrie  englischem  Fabrikat  zähe
Konkurrenz.  Außer  einigen  minder  wichtigen ­
  Produkten  vertrieb  der  Handel  1880
folgende  Posten  (in  metrischen  Centner»):
Einfuhr  Ausfuhr
Rohbaumwolle  .  .  222444  2  375
Abfälle  11944  14537
Baumwollgarn.  .  15561  69699
Baumwollwaren  .  34574  132512
Die  Seidenindustrie  hat  ihre  Hauptsitze ­
  in  Zürich  und  Basel,  jenes  in  Kleiderstoffen, ­
  dieses  in  Bändern.  Das  Hauptabsatzgebiet
  sind  die  Vereinigten  Staaten,
doch  sängt  die  dort  aufblühende  Seidenindustrie ­
  an,  der  S.  immer  stärkere  Konkurrenz ­
  zu  machen.  1880  wurden  21,737
Ctr.  Seidenbänder  und  10,752  Ctr.  Seidenstoffe ­
  exportiert.
Auch  in  der  ehemals  weit  bedeutender»
Uhrenindustrie  treten  die  Vereinigten
Staaten  als  gefährliche  Konkurrenten  ans.
Die  Sitze  dieser  Industrie  sind  Genf  und  der
        <pb n="473" />
        Schweiz  (Industrie,  Handel).

465

Jura,  namentlich  der  Neuenburger  Jura.
Der  Wert  der  Uhrenproduktion  betrug
1873  im  Kanton  Neuenburg  32  Mill.
Mk.,  in  Genf  und  der  übrigen  S.  38,4
Mill.  Mk.  ;  seitdem  hat  dieser  Wert  um
mindestens  eilt  Drittel  abgcnomnlcn,  wogegen ­
  sich  die  Produktion  der  Vereinigten
Staaten  (früher  das  Hauptabsatzgebiet)
mehr  als  verdreifacht  hat.  Nach  der  schweizerischen ­
  Statistik,  welche  nur  Gewichtsangaben ­
  liefert,  wurden  1880  von  Wanduhren ­
  nndUhrenteilen  1004  Ctr.  ein-  und
170  Ctr.  ausgeführt;  bei  Taschenuhren
und  seinen  Uhren  betrug  der  Import  4jj
Ctr.,  der  Export  1203  Etr.
Danach  wäre  dem  Gewicht  uach  dieEmfnhr
  beträchtlicher  als  die  Ausfuhr,  und
da  letztere  zum  großen  Teil  in  Massen
gewöhnlicher,  billiger  Uhren  für  die  Douansürstentümer
  und  Rußland  besteht,
Frankreich  aber  mit  geschmackvollen  Lurusuhren
  sehr  starke  Konkurrenz  macht,  so
dürfte  dies  wohl  auch  dem  Wert  nach  sein.
Auch  die  Schweizer  Juwelierarbeit,
welche  besonders  tit  Genf  ihren  Sitz  hat,
findet  in  Frankreich  und  Deutschland  so
erfolgreiche  Konkurrenten,  daß  die  Einfilhr
  die  Ausfuhr  weit  übersteigt.
Die  Maschinenwerkstatten  find
zum  Teil  sehr  bedeutend;  namentlich  in
Zürich,  Olten  und  Winterthur  befinden
sich  großartige  Etablissements,  aus  welchen ­
  einige  der  Dampfer  hervorgegangen
sind,  welche  die  Schweizer  Seen  befahren.
Und  hier  arbeitet  die  S.  allerdings  erfolgreich ­
  für  den  Export.  1880  war  (tu  metrischen ­
  Centnern):
Einfuhr  Ausfuhr
Lokomobilen  HO  3170
Landwirtschaftliche  Maschinell.  1330  0299
Andre  Maschinen  20437  41865
Maschmenbcstandteile.  .  .  .  33164  73008
Fast  in  allen  Posten  war  die  Ausfuhr  gegen ­
  das  Vorjahr  sehr  erheblich  gestiegen.
In  andern  Gegenständen  der  Metallindustrie ­
  übersteigt  der  Import  ben  Export
sehr  bedeutend;  namentlich  Eisenbahnmaterial
  ist  in  vorwiegendem  Maß  und
Wt)##  auü  G)eu#ia„b
geführt  worden,  daö  übrigens  auch  m
andern  Zweigen  der  Metallindustrie  den
Markt  beherrscht.
Handelsgeographie.

ill.  Handel.
Seit  1848  ist  das  Zollwesen  an  den
Bund  übergegangen  und  die  Zölle  an  die
Grenze  verlegt.  Die  Überwachung  der
Grenze  ist  unter  sechs  Zollgebiete:  Basel,
Schaffhausen,  Chur,  Lugano,  Lausanne,
Genf,  verteilt.  Man  kennt  fast  nur  noch
Einfuhrzölle,  und  der  Tarif  belastet  hauptsächlich ­
  Luxusartikel.  Die  Hauptgeschäftsplätze ­
  sind:  Basel,  Genf,  Zürich  uud
St.  Gallen.  Nur  für  einige  Artikel
werden  die  Werte  veröffentlicht,  für  alle
andern  aber  die  GewichtSmengcn  oder  die
Stückzahl;  1880  betrug:
Einfuhr  Ausfuhr
I.  Zollfrei  (in  Tausenden
Ctr.)  .  .  .  .  .  .  2051  655
II.  Zollpflichtige  Gegenstände
(nach  Zahl)  :
Tiere  243693  113828
Bienenstöcke  283
Zusammen:  243976  113828
III.  Zollpflichtig  nach  Wert  (in  Mill.  Mark)
Holz  und  Holzkohle  .  .  —  6.»
Fuhrwerke  u.  dgl..  .  .  O.so  —
Mühlsteine  O.oo  —

0,42

6,o

410

63

Zusammen:
IV.  Zollpflichtig  nach  Gewicht
(in  Tausenden  Etr.)
Verzehrungsgcgcnstände,
Getränke,  Tabak  .  .  6145
Tierbestandteile,  Leder  u.
Lederwaren  ....  92
Erze,  Metalle  und  Metallwaren ­
  946  273
Spinnstoffe  und  Waren  452  328
Papier,  Bücher  re.  .  .  45  38
Apotheker-  u.  Farbwaren  665  158
Holz,  Holzwaren  ...  2113  96
Glas-  und  Töpferwaren  37?  112
Erden  und  Steine.  .  .  798  169
Erdharze,  Pflanzen,  Rinde,, ­
  6658  160
Quincaillerie  .  .  •  •  ^  n
Zusammen:  18335

1830

Die  Güterbewegung  nahm  ihren  Weg
über  folgende  Grenzstrecken  (in  Tausenden ­
  Centner)  :  Einfuhr  Ausfuhr
Deutschland  .  .  11364.0  1130,2
Frankreich.  .  .  6909,l  1002,2
Österreich  .  .  .  2040,7  221,4
Italien....  071,3  130,  o
Ein  hervorragendes  Absatzgebiet  für  die
Schweizer  Industrie  sind  die  Vereinigten
30
        <pb n="474" />
        466

Schweiz  (Verkehr,  Finanzen,  Kreditwesen).

Staaten  ;  im  Durchschnitt  der  Jahre  1864
bis  1878  betrug  der  Export  dorthin  45,2
Mül.  Mt.  ;  1878  hatte  er  nicht  ganz  48,7
Mill.  Mk.  betragen,  stieg  aber  1879  auf
55,o  Mill.  Mk.  Die  Hauptposten  waren
im  letzten  Jahr:  Seide  und  Seidenwaren
29,9  Mill.  Mk.,  Stickereien  15,i  Mill.
Mk.,  Uhren  und  Uhrenbestandteile  4,2
Mill.  Mk.,  nächstdenl  Stroh-  und  Roßhaargeflechte,
  Käse,  Baunlwoll-  und  Wollgewcbe,
  Leder,  Musikdosen  re.
Konsulate  unterhält  Deutschland  in:
Basel,  Genf  und  Zürich.
IV.  Verkehrswesen.

Die  Alpenstraßen  bilden  die  großen
Verkehrsadern  zwischen  Nord-  und  Südeuropa ­
  schon  seit  alten  Zeiten  (vgl.  Alpe ­
  nstr  aß  en).  —  Die  Flüsse  sind  für
den  Verkehr  von  wenig  Bedeutung,  die
großen  SchweizerSeen  werden  aber  sämtlich ­
  mit  Dampfern  befahren.  Zuerst  begann ­
  1823  die  Dampfschiffahrt  auf  dem
Genfer  See,  dann  folgte  1824  der  Bodensee, ­
  1826  der  Lago  Maggiore,  1827  der
Neuenburger  See.  Eine  neue  Periode
brachte  die  Dampfschiffahrt  dem  Züricher,
Vierwaldstätter,  Thuner  und  Murtensee
(1835)  sowie  dem  Brienzer  See  (1839);
zuletzt  kamen  der  Zuger  See  (1852),  LuganerSee
  (1856),  Lac  des  Brenets(1875)
uub  der  Vieler  See.  Gegenwärtig  werden ­
  sämtliche  Seen  von  113  Dampfern
befahren,  darunter  2  Trajektschiffc  auf
dem  Bodensee.  (Näheres  s.  unter  den  einzelneir
  Artikeln.)
Die  Eisenbahnen  hatten  1.  Jan.
1881  eine  Länge  von  2542  km,  davon
2479  km  Normal-  und  63  km  Specialbahnen. ­
  1880  war  die  Einnahme
von  Reisenden  20,5  Mill.,  Gütern  23,5
Mill.,  zusammen  44  Mill.  Mk.  —  Die
Post  beförderte  1879  in  800  Büreaus
und  2019  Ablagen:  71,746,881  Briefsendungen, ­
  49,324,278  Schweizer  Zeitungen ­
  im  Innern  der  S.,  3,034,859  ans
Deutschland  und  Österreich  eingegangen,
21,645,319  Druckschriften,  Warenmuster ­
  X.  und  Zeitschriften  aus  dein  übrigen
  Ausland,  845,117  Reisende.  Ein-.BWL,
  9(u#kn  10,4
)xa?;  "H'  ~  elegraphen  hatten
loo  )  folgende  Längen:  Staatstelcgra-Phen

  6563  km  Linien  mit  16,058  km
Drähten.  Staatsstationen  1005,  Bahnstationen ­
  103,  Zahl  der  Apparate  1478,  Personale ­
  1583.  Befördert  wurden  2,842,340
Telegramme,  darunter  1,751,018  interne
und  753,887  internationale.  Die  Einnahmen ­
  beliefen  sich  1880  ans  1,8  Mill.,
die  Ausgaben  auf  1,5  Mill.  Mk.

Staatshaushalt.  Der  Bund  erhebt
an  indirekten  Steuern  nur  Zölle;  andre
Steuern,  beinahe  12  Mill.  Mk.,  werden
in  den  einzelnen  Kantonen  erhoben,  wodurch ­
  sich  die  Last  der  indirekten  Stenern
pro  Kopf  auf  7,8  Mk.  (1876  noch  10  Mk.)
erhöht.  Das  Budget  für  1881  stellte  die
Einnahmen  auf  36,390,800  Mk.,  die  Ausgaben ­
  auf  36,648,400  Mk.  Die  Hauptposten
  der  Einnahmen  waren  Zölle  12.4,
Post  12,3  Mill.  Mk.;  bei  den  Ausgaben ­
  Militär  12,3  Mill.  Mk.  —  Die
Staatsschuld  belief  sich  Ende  1879
M  bäum  23,5  WM.
Mk.  Staatsanleihen.  Dieser  Schuld  steht
aber  ein  Bundesvermögen  von  34,g  Mill.
Mk.  gegenüber.  Neben  der  BundeSschnld
  gab  eS  noch  202,2  Mill.  Mk.  kantonale ­
  Anleihen,  denen  aber  ein  Kantonalvermögen ­
  von  364,9  Mill.  Mk.  gegenübersteht. ­
  Der  Überschuß  der  Aktiva  bei  der
Bundeöschuld  hat  sich  seit  1860  um  mehr
als  13  Mill.  Mk.  vermindert.  Der  Vermögensstand
  des  Bundes  imb  der  Kantone ­
  ist  demnach  (in  Millionen  Mark):

Kantone  .  .  364,9  202,2  162,7
Der  Bund  .  34,9  25,8  9,i
Zusammen:  399,8  228,0  171,8
Kreditwesen.  1878  besaß  die  S.  34
Zettelbanken  mit  einem  eingezahlten  Kapital ­
  von  84,6  Mill.  Mk.,  10  größere  Kreditanstalten ­
  und  10  Hypothekenbanken,
zusammen  54  Bank-  und  Kreditinstitute
mit  einem  Aktienkapital  von  72  Mill.
Mk.  Das  größte  Aktienkapital  besitzen  die
Eidgenössische  Bank  in  Bern  und  dieZüricher
  Kantonalbank  mit  je  9,6  Mill.  Mk.
und  die  Kantonalbank  von  Bern  mit  6,4
Mill.  Mk.  Die  Notenausgabe  aller  Banken ­
  belief  sich  Anfang  1878  auf  84,0  Mill.
        <pb n="475" />
        467

Scilly-Inseln
Mk.,  der  durchschnittliche  Notenumlauf
auf  66,8  Mill.  Mk.  Von  diesen  Banken
haben  24  ein  Konkordat  abgeschlossen,
wonach  sie  ihre  Noten  gegenseitig  zum
Nennwert  annehmen.  Die  Centralstelle,
eine  Art  Clearinghouse,  ist  die  Bank  von
Zürich.  Nach  der  Generalbilanz  vom  60.
Okt.  1880  hatten  diese  24  Konkordatsbanken ­
  zusammen  90,5  Mill.  Mk.  eingezahltes ­
  und  anöstehendcs  Aktienkapital,
82,4  Mill.  Mk.  Notenumlauf;  die  Aktiva ­
  und  Passiva  balancierten  mit  535,i
Geld,  Maste  und  Gewichte.  Sett
1.  Jan.  1877  ist  das  französische  System
vollständig  eingeführt,  nachdem  dies  schon
früher  (1851)  mit  Münze  und  Gewicht
geschehen  war.  Die  amtlichen  Bezeichnungen ­
  sind  säst  durchgängig  die  französischen.
Srilly-Jnseln  (spr.  stilli-).  brit.  Inselgruppe ­
  im  Atlantischen  Ocean,  zur  Grafschaft ­
  Cornwall  gehörig;  nur  fünf  Inseln
sind  bewohnt.  Auf  der  Insel  St.  Mary
der  Hauptort  Hughtown.  Deutsches  Bicekonsulat.
  Leuchttürme  auf  St.  Agnes  und
Bishops  Rock.  1879  verkehrten  hier  12
deutsche  Schiffe.
Seine  (spr.  ssähn),  Flust  Frankreichs,
entspringt  im  Departement  Côte  d'Or,
auf  dem  "Plateali  von  Laiigres  und  mündet ­
  nach  770  km  langem  Lauf  zwischen
Havre  und  Honsteur  in  10  km  breiter
Mündung  in  den  Kanal  (La  Manche).
Die  S.  wird  bei  Mareilly  (von  der  Mündung ­
  der  Aube  an)  schiffbar,  ist  von  Ronen
an  auch  für  Seeschiffahrt  zugänglich  und
hat  sehr  lebhafte  Dampfschiffahrt.  Milder
Somme,  Schelde,  Maas,  dem  Rhein,
Rhône,  der  Saône  und  Loire  steht  sie
durch  Kanäle  in  Verbindung.
Semmering,  s.  Alpenstraßen.
Senegal,  Fluß  an  der  Westküste
Afrikas,  entsteht  aus  zahlreichen  Quellströmen,
  von  denen  der  Kokoro,  Basing
unb  der  Faleme  die  bedeutendsten  sind.
Die  Länge  des  S.  von  der  Basingguelle
bis  zur  'Mündung  in  den  Atlantischen
Ocean  wird  auf  1850  km  angegeben.  B&amp;gt;S
Podor,  270  km  von  der  Mündung,  wo
der  Strom  eine  Breite  voll  über  300  m
bei  einer  Tiefe  von  fast  8  m  tyat,  i(t^  bic
Flut  bemerkbar,  mit  welcher  selbst  ^ee-—

  Serbien.
schiffe  so  weit  aufwärts  gelangen  können.
In  der  Regenzeit  ist  der  Strom  bis  den
Felnkataratten  bei  Medine  fahrbar.
Senegal,  franz.  Besitzung  an  der  Westküste ­
  Afrikas,  im  Gebiet  der  Flüsse  S.und
Gambia,  bestehend  aus  den  beiden  Arrondissements ­
  St.  Louis  mit  Bakol  undGorêe
mit  Dakar;  ca.220,000  cikm(4000QM.)
mit  (1877)  136,047  (1876  noch  193,486)
Einw.,  davon  in  St.  Louis  63,365,  in
Goree  72,682.  Die  Einfuhr  betrug  1877
in  St.  Louis  6,2,  in  Goree  4,5  Mill.  Mk.
In  St.  Louis  liefen  1878  :  87  Schiffe
ein,  80  aus,  in  Goree  578  ein  und  558
aus.  Die  Abnahme  der  fremden  Schiffe
ist  eine  ganz  außerordentliche:  1878  liefen ­
  ein  in  Goree  34,  in  St.  Louis  1  fremdes ­
  Schiff.
Srptimer,  s.  Alpenstraßen.
Serajcwo  (Bosna  Serai),  Hauptstadt ­
  Bosniens,  in  einer  Ebene;  (wo)
21,377  Einw.  Deutsches  Lerufükonsnlat
für  Bosnien  und  die  Herzegowina.  Centralstelle ­
  für  Karawanen,  die  nach  allen
Teilen  der  Türkei  abgehen.
Serbien,  früher  der  Türkei  tributäres,
seit  dem  Frieden  von  Berlin  13.  Juli  1878
unabhängiges  Fürstentum  mit  erblicher
Herrscherfamilie  und  Konstitution  seit  8.
Juni  1869.  Durch  den  Berliner  Kongreß
erhielt  S.  einen  Zuwachs  im  Süden  von
11,097  qkm  mit  (1879)  506,000  Seelen;
sonach  beträgt  das  Gcfamtareal  jetzt
48,657  (bisher  37.560)  qkm  (884  QM.)
mit  (1879)  1,682,452Eilttv.  Der  Nationalität ­
  nach  waren  1866:  127,545
Walachen,  24,607  Zigeuner,  ca.  2589
Deutschere.  Nach  derReligion  verteilten
sich  die  1,353,890  Einw.  des  alten  Gebiets
auf  1,341,041  Griechisch-Katholische,  6176
Mohammedaner,  4161  Römisch-Katholische, ­
  2049  Juden,  463  Protestanten.
Produktion.  Daö  Land  ist  äußerst
fruchtbar  und  die  Gebirge  mit  Waldungen ­
  bedeckt,  auch  ist  die  Regierung  bestrebt,
die  Bodenkultur  zu  heben;  doch  befindet
sich  der  Ackerbau,  welcher  die  fast  ausschließliche ­
  Beschäftigung  der  Bewohner
bildet,  noch  auf  sehr  niedriger  Stufe.
Hanptfrncht  ist  Mais,  demnächst  Weizen.
Die  Jahresernte  von  Getreide  wird  offiziell ­
  berechnet  auf:  1,8  Mill,  hl  Mais,  1,4
30*
        <pb n="476" />
        4

..  r#."v".UMl

408

Serbien.

Mill.  Ill  Weizen,  1  Mill,  hl  Gerste,  außerdem ­
  Roggen,  Hafer  re.,  im  ganzen  auf
5,040,000  hl.  Der  Handel  mit  Getreide
bewegt  sich  einesteils  die  Donau  abwärts
zur  Ausfuhr  über  die  Sulinamüuduug,
zum  größer»  Teil  aber  den  Stronl  aufwärts. ­
  Der  gesamte  Umsatz  ist  nicht  bedeutend, ­
  1875  wurde  für  900,000  Mt.
ein-  und  für  2,890,000  Mk.  ausgeführt.
Vou  der  Ausfuhr  bestehen  2 /s  in  Weizen,
Vs  in  Mais.  Hans  und  Tabak  werden  in
allen  Kreisen  des  Landes  gebaut.
Me  Viehzucht  ist  eine  außerordentlich
starke.  Nach  der  letzten  Zählung  von  1866
gab  es:  122,985  Pferde,  741,425  Rinder,
2,677,319  Schafe,  1,291,164  Schweine.
Es  kommen  deimlach  hier  auf  1000  Bewohner ­
  609  Rinder,  2201  Schafe  und  1062
Schweine,  eine  außerordentlich  hohe  und
weit  über  die  Bedürfnisse  der  Bevölkerung
hinausgehende  Zahl,  die  denn  auch  einen
lebhaften  Handel  mit  Vieh  zur  Folge  gehabt ­
  hat.  Es  wurden  1877
eingeführt  ausgeführt
Rinder  3495  24536
Schafe  und  Ziegen.  11301  70866
Schweine  ....  1209  374092
Der  Wert  der  Ausfuhr  von  Schlacht-und
Zllchtvieh  wird  für  1875  auf  18,047,000
Mk.  berechnet,  während  die  Einfilhr  sich
aus  554,000SOW.  bezifferte.  Dazu  noch  ein
ansehnlicher  Export  von  Schaf-  und  Ziegenfellen ­
  (1875:  1,117,134  Stück).  Der
Biehhaildel  bildet  bei  weitem  die  wichtigste
Einnahmequelle  des  Landes.
Die  industrielle  Thätigkeit  des
Landes  ist  eine  sehr  unbedeutende;  die  Regierung ­
  beabsichtigt,  dieselbe  durch  Erhöhung ­
  der  Einfuhrzölle  imb  durch  Erteilung ­
  von  Privilegien  zu  heben;  so  wurde
1879  einer  Gesellschaft  in  Belgrad  ein
solches  zur  Anfertigung  von  Zündhölzchen ­
  verliehen.
Der  Handel  ist  fast  ausschließlich  in
serbischen  Händen;  Kommissionsgeschäfte
und  Agenturen  haben  Deiltsche  und  Judeil.
  Hauptstapelplatz  für  den  auswärtigen ­
  Handel  ist  Belgrad;  ansehnliche  Handelsplätze ­
  sind:  Schabatz,  Semendria  und
Poscharewatz.  Der  Handelsverkehr  wertete

Mk.  Der  Wert  des  gesamten  Durchfuhr!) ­
  an  dels  wird  für  1874  auf
5,974,898  Mk.  angegeben,  wovon  der
größte  Teil  auf  den  österreichisch-türkischen
Handel  entfällt.  Der  Umsatz  mit  dem
Ausland  verteilte  sich  1874  auf  folgende
Länder  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Österreich-Ungarn  .  .  19,8  23,9
Rumänien  1,4  0,8
Türkei  4,2  4,i
Zusammen:  25,4  28,3
Bei  der  Einfuhr  nehmen  Manufatte  und
Kolonialwaren  die  erste  Stelle  ein,  bei  der
Ausfuhr  vornehmlich  Vieh,  Getreide,  Getränke. ­
  Allster  Österreich-Ungarn  beteiligen ­
  sich  au  der  Einfuhr  noch:  Deutschland
mit  4,640,000  Mk.  jährlich  (hauptsächlich
Mannfakturwaren,  Kurzwaren,  Leder,
Eisenwaren  und  Quincaillerie,  Kupferwaren,
  Häute,  Gold-  und  Silbergespiuste,
Salz),  England  mit  4,700,000  Mk.
(Garne,  Americans  »ab  andre  Webwareu),
  die  Schweiz  mit  800,000  Mk.  (gewebte ­
  Stoffe)  und  Frankreich  mit  320,000
Mk.  (Kurzwaren,  Nouvcauteeö  re.).
An  Verkehrswegen  besitztS.  außer
Donau,  Save  und  Trina  gute  Straßen,
aber  keine  Eisenbahnen.  Zu  der  nach  den
Bcstimmuilgell  des  Berliner  Kongresses
in  drei  Jahren  auszuführenden'  Linie
Belgrad-Nisch  sind  die  Vorarbeiten  im
Gang.  Inzwischen  kommt  ein  großer  Teil
derEiusllhr,  namentlich  die  englische,  über
Saloniki,  wohin  auch  eine  Dampferlinie
von  Hamburg  aus  eingerichtet  wurde.
Auch  beabsichtigen  englische  Kapitalisten,
die  Linie  Nisch-Vranja-ÜSküb  zu  bauen
und  so  die  Verbiuduilg  Serbiens  mit  Saloniki ­
  vollkommener  herzustellen.  —  Die
Postanstalten  (1875:  54  an  Zahl)  beförderten ­
  1875:  Privatbricfe  710,064,
amtliche  Briefe  und  Pakete  575,821,  erst,
die  Zeitungen.  Die  Einnahmen  waren
199,391,  Ausgaben  401,039  Mk.,—Die
Telegraphenlinien  hatten  1874  eine
Länge  von  1461  km,  Länge  der  Drähte
2146  km,  Zahl  der  Stationen  37  (1879:
60).  ES  wilrdcn  1874  befördert:  95,002
interne,  56,880  internationale,  13,374
Dienstdepeschen,  zusammen  165,256  Depeschen. ­
  —  Ein  Bernfskonsnlat  (Ge-
        <pb n="477" />
        Setúbal  —  Sevilla.

469

neralkonsulat)  unterhält  Deutschland  in
Belgrad.
Finanzen.  Nach  dein  Budget  für
1880  betragen  die  Einnahmen  16  Mill.
Mk.,  davon  Personalsteuer  8,a,  Zölle  2
9m  m.  ;  bk  Wussten  15,6  WtQ.  ÜRi.
Eine  Staatsschuld  wurde  infolge  des
Kriegs  1876  kontrahiert,  sie  beträgt  28
Mill.  Mk.
Kreditwesen.  Seit  1869  ist  eine
Kreditanstalt  in  Belgrad  gegründet  und
danach  der  hypothekarische  Zinsfuß  ans
6  Proz.  normiert  worden.  Der  gesetzliche ­
  unb  landesübliche  Zinsfuß  ist  aber
12  Proz.  ;  zu  diesem  Satz  wurden  auch
Wechsel  diskontiert,  seit  1863  aber  gewöhnlich ­
  zu  6  Proz.  Der  Zinsfuß  auf  Grund
von  Schuldscheinen  oder  Wechseln  beträgt
40—200  Proz.  Das  Handelsgesetzbuch ­
  (seit  1860  publiziert)  enthält  wesentlich ­
  Bestiminungcn  des  Code  de  commerce ­
  ,  in  das  Wechselrecht  ist  auch  vieles
aus  der  deutschen  Wechselordnung  aufgenommen; ­
  sehr  weniges  ist  eigentümlich.
Eine  Börse  oder  ähnliches  Institut  existiert
nicht.  Für  Preise  der  Wechsel  sind  die
Wiener  Kursnotierungen,  noch  mehr  das
Lokalbcdürfnis  maßgebend.  Seit  1865
hat  sich  der  früher  fast  verloren  gegangene
Kredit  des  serbischen  HandclSstands  wieder ­
  bedeutend  gehoben,  und  die  Zahlungsfristen ­
  nähern  sich  iminer  mehr  den  im  übrigen ­
  Europa  üblichen.  Der  deutsche  Kaufmann
  pflegt  sich  über  den  Rechnungsbetrag ­
  ein  Accept  auf  kürzere  oder  längere
Frist  geben  zu  lassen.  Während  aber  der
Belgrader  Großhändler  in  Triest  per  complant
  kauft  und  sonst  Wechsel  auf  3—6  Monate ­
  gibt,  muß  er  dem  Abnehmer  im  Innern ­
  in  der  Regel  bis  ein  Jahr  kreditieren.
Geld,  Maße  und  Gewichte.  In  S.
herrscht  Doppelwährung.  Durch  das  Gesetz ­
  vom  10.  Dez.  1878  wurde  die  Geldrechnung ­
  nach  Steuer-  und  Handelspiastern
  abgeschafft  und  das  Dinar-  (Franken-) ­
  System  alö  definitiv  gültig  erklärt
sowie  die  Prägung  der  Goldmünzen  zu
20  und  10  Dinar  und  der  Silbermünzen
&amp;amp;u  5,  2,  1  und  0,50  Dinar  verordnet.  Die
Herstellung  der  Münzsorten  hatte  nach
dem  Vertrag  vom  Juni  1879  der  Credit
foncier  de  France  bis  Ende  1879  übernommen ­

  Papiergeld  wurde  in  Abschnitten ­
  zu  100,  20,  10,  5  und  1  Dinar-Anfang
  1877  ausgegeben;  die  gesamte
Emission  soll  6  Mill.  Dinar  betragen.
Dieses  Geld  hat  ZwangSnmlanf  und  soll
bei  allen  Staatskassen,  Zollämtern  rc.  bei
Zahlungen  Annahme  zum  Nennwert  finden. ­
  Maße  sind  meist  die  nretrischen:
der  Arschin  bat  71  cm;  für  Getreide  hat
die  Okka  1,28  kg.  Der  Tovar  von  100
Okka  ist  Hauptpreisnorm  für  Gewichtswaren ­
  ;  er  ist  auch  die  sogen.  Pferdelast,  der
Warentransport  wird  nämlich  meist  auf
Pferden  bewerkstelligt.
Setubal  (St.  Ubes),  Hafen-  u.  Handelsstadt ­
  in  der  portug.  Provinz  Estremadnra,
  30km  südöstlich  von  Lissabon,  an
der  Mündung  des  Sado  in  die  Bai  von
S.  und  an  der  portugiesischen  Südbahn
(Lissabon-Barreiro-S.);  20,000  Einw.
Deutsches  Vicekonsulat  (Amtsbezirk:  das
Küstenland  südlich  bis  Sines  einschließlich). ­
  S.  ist  das  Emporium  des  portugiesischen ­
  Salzhandels.  1880  luden  hier  8
deutsche  Schiffe  von  2553  Ton.  Salz.
Severn  (spr.  ssihw'rn),  Fluß  in  England,
entspringt  in  Wales  und  mündet  nach  299
km  langem  Lauf  tu  großen:  Busen  in  den
Kanal  von  Bristol.  Bei  Welshpool,  244
km  oberhalb  seiner  Mündung,  wird  er  für
Barken  fahrbar;  bis  Gloucester  gelangen
Seeschiffe  voit  350  Ton.  Die  Flut  geht
bis  Shrewsbury  hinauf  und  steigt  ai:  der
Mündung  zuweilen  18  m.  Durch  Kanäle
ist  der  S.  mit  der  Themse,  dem  Trent,
Humber  und  Mersey  verbunden.
Sevilla  (spr.  ssewilja),  Hauptstadt  der
gleichnamigen  span.  Provinz  (Andalusien), ­
  am  Guadalquivir,  der  bis  hierher
für  Seeschiffe  fahrbar  ist,  durchEisenbahn
mit  Cadiz,  Cordova  und  Huelva  verbunden, ­
  mit  (1877)  133,938  Einw.  DetttscheS
Konsulat  für  die  Provinz  S.;  Münzstätte;
Banco  de  España  Suc.,  Banco  de  S.  -  -
Eisengießerei,  Maschinen-  und  Porzellanfabrikation,
  Baumwoll-  und  Scidcnmannfaktnr,
  Salpetersiederei,  Fabrikation  voit
Schokolade,  Amidon,  Pasta,  PiattinoS,  Lakritzen ­
  ,  Schnupftabak  (Spaniol  von  S.),
Korkstöpseln.  —  AlsHattdelsplatz  hat
sich  S.  in  jüngster  Zeit  außerordentlich  gehobelt. ­
  1878  war  der  Wert  aller  über  das
        <pb n="478" />
        470

Sfofë-Zollamt
  aus  dem  Ausland  eingegangenen
Waren  22,u  Mill.  Ml.  ohne  die  einheimischen ­
  Waren  (9  Mill.  Ml.  Wert).  Die
Zolleinnahmen  beliefen  sich  auf  9,660,000
Mk.  Einfuhr:  Tannenholz,  Steinkohle
und  Koks,  Eisen,  Weißblech,  Eisenbahnschienen, ­
  Stockfisch,  Zucker,  Quincaillerie,
Draht,  Käse,  Butter,  Baumwoll-,  Wolluub
  Seidenwaren,  Petroleum,  Mehl,
Wein;  Ausfuhr:  Olivenöl,  Oliven,  Korkimb
  Süßholz,  Südfrüchte,  Blei,  silberhaltige ­
  Erze,  Eisen,  Quecksilber,  Wolle,  Getreide, ­
  Mais,  Bohnen,  Kichererbsen,  Zwieback,Kleie, ­
  Seife,  Guano,  Wein.  Es  liefen
1880  eilt  :  1922  Handelsschiffe  von  303,979
Ton.  (352  Dampfer  von  232,715  T.),  von
deutschen  Schiffen  1879  nur  6  von  920  T.
ein  und  aus.
Sfaks  (Sfakes),  Hafenplatz  in  der
afrikan.  Regentschaft  Tunis,  am  Mittelmeer ­
  ,  Station  der  Dampfer  der  Società
Rubattiiw  (Genua)  ;  ca.  6000  Einw.  Deutsches ­
  Vicekonsulat.  1877  liefen  492  Schiffe
ein  und  487  aus.
Shannon  (spr  schannon),  Hauptfluß  Irlands, ­
  entspringt  aus  dem  See  Clean
(Connaught)  und  fällt  nach  350  km  langem ­
  Lauf,  einen  90km  langen  Mündungsbusen
  bildend,  in  den  Atlantischen  Ocean.
Der  S.  ist  schiffbar  von  seinem  Austritt
aus  dem  Lough  Allen  an;  gefährliche  Stellen ­
  werden  durch  Kanäle  umgangen.  Große
Schiffe  fahren  aufwärts  bis  Föhnes,  90
km  unterhalb  Limerick.  Mit  Dublin  ist
der  S.  durch  den  Grand  und  Royal  Canal ­
  verbunden.
Shetlandinseln  (spr.  schêtàd-l,  engl.
Inselgruppe  nordöstlich  von  Schottland,
von  den  südlicher  gelegenen  Inseln  durch
einen  75  km  breiten  Kanal  getrennt,  im
ganzen  117  Inseln,  von  denen  aber  nur
30  bewohnt  sind,  mit  einem  Flächeninhalt
von  1590  qkm  (28,5  QM.)  mit  31,608
Einw.,  welche  Handel  mit  den  Landesprodukten
  «.Ergebnissen  der  Fischerei  treiben.
Shields  (spr.  schihlds),  Hafenstadt  in
England,  bestehend  aus  North  S.  und
South  S.,  an  beiden  Ufern  des  Tyne  und
an  dessen  Mündung  in  die  Nordsee;  (wo)
45,336  Einw.  Deutsche  Konsularagentur;
Börse;  Schiffswerfte.  Val.  Newcastle.
Shoccham  (spr.  (chührhäm),  Hafenstadt

Sibirien.
in  der  engl.  Grafschaft  Süsser,  an  der  Mündung ­
  des  Adur  in  den  Kanal;  (mi)  3678
Einw.  Deutsches  Vicekonsulat  (Amtsbezirk: ­
  S.,  Brighton,  Newhaven  undLittlehampton).
  Zum  Hafen  gehörten  1876:
137  Schisse  von  28,462  Ton.;  es  liefen
806  Schisse  von  90.608  T.  ein  (1879:  J6
deutsche).  Einfuhr  1879:  4,4  Mill.,  Ausfuhr ­
  52,100  Mk.
Siam,  großes  Reich  in  Hinterindien,
begreift  außer  dem  eigentlichen  S.  einen
Teil  der  Laoländer  und  einige  Schutzstaaten
auf  der  Halbinsel  Malakka;  726,850  qkm
(13,200  QM.)  mit  5,750,000  Einw.
(eigentliche  Siamesen  2  Mill.,  Chinesen  u.
Malaien  je  1  Mill.,  Lao  2  Mill.).  Herrschende ­
  Religion  ist  der  Buddhismus.
Hauptprodukte  und  Ausfuhrartikel
sind:  Reis,  Teakholz,  wovon  ausgedehnte
Waldungen  vorhanden  sind,Zucker,  Harze,
Häute  und  Hörner,  Ölsamen,  Droguen,
Farbstoffe.  —  Der  auswärtige  Handel  konzentriert ­
  sich  in  der  Hauptstadt  Bangkok
(s.  d.),  wo  Deutschland  ein  Berufskonsulat
für  das  Königreich  S.  unterhält.  Handelsverträge ­
  sind  geschlossen  worden  mit
Deutschland,  Österreich,  Italien,  Niederlanden, ­
  Schweiz,  England.  —  Einfuhrwaren ­
  verkauft  man  auf  3—4  Monate
Kredit,  Landeöprodutte  kauft  man  gegen
bar.—  Geld.  Man  rechnet  nach  Bat  aus
Silber  (zu  4  Salung)  —  2  Mk.  50  Pf.;
Goldmünzen  sind  das  Tschaug  —  80  Bat
und  das  Tumbling—4  Bat.  Im  Innern
Münzen  von  Kupfer,  Glas,  Email,  Porzellan. ­
  Die  Europäer  rechnen  nach  Piastern
zu  100  Eentavoö.  Wechselkurse  notiert
man  auf:  Singapur,  Hongkong  und  London. ­
  —  Maße  sind:  das  Wa  =  2mund
das  englische  Pard,  für  Tcatholz  das  Johl
—  0,4  cbm;  Gewicht  das  Pikul  (zu  50
Kättys  ll  16  Taels)  —  60,5  kg.  —  Die
Einkünfte  des  Herrschers  fließen  aus
Naturalabgaben,  Kopfsteuern  (der  Chinesen ­
  u.  a.),  Monopolen  (Opium,  Spielhäuser)
  und  Zöllen  und  sollen  jährlich  15
Mill.  Mk.  betragen,  welcher  Betrag  indes
zum  größten  Teil  durch  die  nur  nominell
besoldeten  Beamten  unterschlagen  wird.
Sibirien,  großes,  zum  russ.  Reiche  gehöriges ­
  Gebiet  in  Nordasien,  geteiit  in
zwei  Militärbezirke  :  West-  und  Ostsibirien,
        <pb n="479" />
        Sicilien  —  Silistria.

471

zusammen  12,495,109  qkm  (226,924
QM.)  mit  (1873)3,440,362  Einw.—  Produkte ­
  sind  namentlich:  Gold  in  Jakutsk,
Jenisseisk  nnb  Irkutsk,  auch  Amur  und
Tomsk,  Silber  und  Blei  namentlich  in
Tomsk  (5Silberhütten),Kupfer  in  Tomsk,
Eisen  in  Irkutsk,  Jeniffeisk,  Tomsk,  Kohlen ­
  in  Tomsk  und  im  Küstengebiet  am
Stillen  Ocean,  Salz  in  Tobolsk,  Tomsk,
Jenisseisk,  Jakutsk,  Graphit  in  großen
Lagern;  Steinschleiferci  wird  im  Altai  betrieben. ­
  Hauptsitz  des  Ackerbaus  ist  der
äußerst  fruchtbare  Kulturstreifen  im  Süden ­
  am  Fuß  des  Gebirges,  wo  namentlich
Weizen  und  Roggen  schon  zur  Ausfuhr  gebaut ­
  werden.  Die  Jagd  war  früher  ergiebiger, ­
  liefert  aber  noch  große  Mengen  für
die  Messen  zu  Jrbil.  —  Der  Handel  mit
China  über  Kiachta  war  ehemals  von
großer  Vedcutnng,  nimmt  aber  seit  derErrichtnng
  direkten  Verkehrs  zur  See  sehr
ab,  da  bis  Moskau  der  Transport  zu  Land
1—1V4  Jahr,  seewärts  nur  2—3  Monate ­
  in  Anspruch  nimmt.  Die  bedeutendsten ­
  Handelsplätze  sind:  Tomsk,  Tobolsk,
Irkutsk,  Krasnojarsk,  Kiachta,  Jenisseisk,
Tjumen,  wo  Abteilungen  der  Staatsbank
und  Filialen  der  Transportgesellschaft
Nadeshda  bestehen.—  Eisenbahnen  existieren ­
  noch  nicht,  doch  ist  der  Plan  einer  Verbindung ­
  von  Orenburg  mit  Tobolsk-Irkutsk ­
  ins  Auge  gefaßt;  seit  1871  durchschneidet ­
  der  Telegraph  S.  seiner  ganzen
Länge  nach  und  ist  durch  Kabel  mit  Japan
verbunden.  Die  kaiserliche  Post  erreicht
alle  Garnisonen,  die  entlegensten  nur  einmal ­
  im  Jahr.—über  die  sibirischen  Flüsse
und  ihre  Nutzbarkeit  für  den  Handel  vgl.
Russisches  Reich  (S.  4.36).
Sicilien,  zu  Italien  gehörige,  durch  die
nur  5  km  breite  Straße  von  Messina  von
demselben  getrennte  Insel;  29,241  qkm
1531  cmj  mit  (1879)  2,798,672
■—  Hauptprodukte  und  Ausfuhrartikel
sind:  Weizen,  Wein  (Marsala  u.  a.),  Rosinen, ­
  Olivenöl,  Agrumen  und  andre  Snofrüchte,
  Mandeln,  Haselnüsse,  Johannisbrot, ­
  Sumach,  Schwefel  (1880:  285,i
Mill,  kg),  Steine,  Thunfische,  Korallen,
%)Wbc,  iM  cwgeführt
  werden:  Baumwoll-  und  Wollwaren,
  Kolonialwaren,  Cerealien,  Maunfakte,

  Steinkohle  ».  a.  für  ca.  56  Mill.
Mk.  —  In  sämtlichen  Häfen  liefen  1875
ein:  3667Seeschiffe  von783,320Ton.und
33,794  Küstenschisse  mit  2,752,846  T.
Die  Dampfergesellschaft  Florio  u.  Ko.  zu
Palermo  unterhält  Verbindungen  mit  allen
bedeutenden  Mittelmeerhäfen.  Den  größten ­
  Verkehr  haben  Messina,  Palermo,  Catania. ­
  —  Die  Flüsse  sind  für  den  Verkehr
von  keinem  Nutzen;  Eisenbahnen  bestehen
in  Lange  von  530  km.  —  Ein  deutsches
Berufskonsulat  besteht  in  Messina,  ein
Konsulat  in  Palermo,  Vicekonsnlate  zu
Catania,  Girgenti,  Licata,  Trapani.
Siegen,  Kreisstadt  in  der  prcnß.  Provinz ­
  Westfalen,  Regierungsbezirk  Arnsberg, ­
  an  der  Sieg,  der  Köln-Mindener
und  Bergisch-Märkischcu  Eisenbahn;  (isso)
15,020  Einw.  Handelskammer.  Ansehnliche ­
  Fabrikthätigkeit,  in  der  Nähe  Eisen-,
Blei-,  Kupfer-  und  Zinkgruben;  die  Förderung ­
  im  Handelskammerbezirk  betrug
1879:  440,956,170  kg  (5,457,163  Mf.).
Auf  den  Eisenbahnen  war  1879:
Ankunft  Abgang
Belgisch.Märkische  .  85440  42244  Ton.
Köln  -  Mindener  .  .  358504  538814  -
Die  P  o  st  beförderte  :  953,748  Briefsendungen,
  19,980  Pakete  und  Geldsendungen
mit  25,042,329  Mk.  Wert,  auf  Postanweisungen
  3)999,056  Mk.,  der  Telegraph ­
  18,534  Telegramme.  —  Kreditiv ­
  c  s  c  n.  Die  Neichsbankstellc  (inkl.  Nebenstelle ­
  znDillenburg)  hatte  einen  Umsatz
von  79,225,400  Mk.;  außerdem  bestehen
hier  ein  Krcditverein  (eingetragene  Genossenschaft) ­
  und  eine  Sparkasse.
Sierra  Leone,  bitt.  Kolonie  in  Oberguinea
  (Westafrika),  2600  qkm  (47  OM.)
iiiit  (um)  38,936  Einw.  (meist  befreite
Neger,  wenige  Weiße  und  Mulatten).  Die
Ausfuhr  besteht  in  Kokosnüssen,  Sesam,
Ingwer,  Erdnüssen,  Kautschuk,  Palmöl,
1878  im  Wert  von  5,9  Mill.Mk.;  die  Einfuhr ­
  :  Getränke,Tabak,  Pulver,Manufatte,
5,5  Mill.Mk.  Schiffsverkehr^?,000T0U.
1878  betrugen  die  Kolonialeinnahmen
1,262,500  Mk.,  Ausgaben  1,065,120  Mk.,
die  Kolonialschuld  1,320,000  Mk.  -
Hauptstadt  ist  Freetown  (s.  d.).
Silistria,  Hafenstadt  im  Fürstentum
Bulgarien,  an  der  Donau;  8000  Einw.
        <pb n="480" />
        472

Simoiistowil  —  Sfittavi.

(Mohammedaner,Bulgaren,Griechen,Juden). ­
  Auf  der  Donau  wurde  1878  in  beiden
Richtungen  eingeführt  für  2,4  Mill.Mk.,
ausgeführt  für  270,480  Alk.
Simonstown  (spr.sseimonstaun),  Hafenstadt ­
  in  der  britisch-afrikan.  Kapkolonie.
Deutsches  Vicekonsulatfürden  S.-Distrikt.
Simplon,  s.  Alpenstrasten.
Singapur  (Singapore),  Handelsund ­
  Freihafen  ans  der  gleichnamigen  brit.
Insel,  an  der  Südspitze  der  Halbinsel  Atalakka;
  Station  für  die  Dampferlinien:
Deutsche  Dampfschiffreederei  (Hamburg),
Flensburger  Dampfschiffahrtögesellschaft,
Österreich.-Ungar.  Lloyd,  Messageries  maritimes, ­
  Peninsular  and  Oriental  Steain
Navigation  Co.,  Società  Nnbattino  (Genna), ­
  Union  Steamship  Co.  (Southampton); ­
  97,111  E.iuw.  (58,000  Chinesen,
350  Europäer).  Deutsches  Berufskonsulat ­
  für  Stadt  uud  Insel  S.;  Handelskammer; ­
  Chartered  Mercantile  Bank  of
India,  London  and  China,  Oriental  Banking ­
  Corporation,  Chartered  Bank  os  India, ­
  Australia  and  China,  Hongkong  and
Shanghai  Banking  Corporation.—  S.  ist
Stapelplatz  für  Hinterindien,  das  von  hier
aus  mit  europäischen  Waren  versorgt  wird.
Hauptauöfuhrartikel:  Gambir,'  Zinn,
Sago,  Pfesfer,  Guttapercha,  Muskatnüsse,
Tapioka,  Rotang,  Häute,  Hörner,  India- ­
  und  Borneorubber,  Katechu,  Dammaraharz, ­
  Benzoe,  vegetabilischer  Talg.
Es  wertete  1879  die  Einfuhr  206,6  Mill.
Mk.,  die  Ausfuhr  206,8  Mist.  Mk.  Nach
Gebieten  verteilt,  kamen  (in  Millionen
Mark)  auf:  Einfuhr  Ausfuhr
Britische  Koloiiicu  ....  84,o  33,8
England  48,7  33,8
Niederländisch  -  Ostindien  .  .  46,6  51,6
.Halbinsel  Malakka....  19,t  19,2
Siam  23,7  19,o
Französisch-Ostindien  .  .  .  10,5  16,3
Cö  folgen:  Frankreich,  China,  Vereinigte
Staaten  u.  a.  ;  Deutschland  führte  für  &amp;amp;,3
Mill.Mk.  direkt  ein  und  für  1,4  Mill.  Mk.
aus.  Die  direkten  deutschen  Importe  bestehen ­
  namentlich  in  Bier,  Woll-,  Baumwoll-,
  Glas-  und  Eisenwaren,  Lichten,
Vutz-  und  Strumpfwaren,  Kurz-  und
-Uiesserschniiedewaren,  Schienen,  Strcichwlzeru.
  Chinesische  Kaufleute  habeu  den

Verkauf  von  Opium  für  30,000,  von
Spirituosen  für  5000Doll.  monatlich  von
der  Regierung  gepachtet.  1879  liefen  1943
Schiffe  von  1,510,497Ton.  ein  (131  deutsche ­
  von  92,678  T.,  davon  34  Dampfer
von  33,130  T.)  und  2236  Schiffe  voll
1,300,168  T.  aus  (drei  Viertel  unter  britischer ­
  Flagge).  —  Geld.  Man  rechnet  nach
Dollars;  Zahlmittel  sind  der  spanische  und
mexikanische  Silberpiaster,  amerikanische
Dollar,  japancsischc  Silberjcn.  Maß:  das
englische  2)ard;  Gewicht:  das  chinesische,
bei  Einfuhrwaren  das  englische.  —  Platzgebränche.
  Atan  verkauft  europäische
Ware»  auf  3  Monate  Kredit,  chinesische
und  ostindische  2—3,  Opium  2  Atonale,
Erzeugnisse  der  Insel  gegen  bar.  Wechselkurse ­
  werden  notiert  auf  London  6
Monate,  Paris,  Australien  und  China  30,
Kalkutta,  Bombay,  Atad  ras,  Raugun  3,
30,  60  Tage  nach  Sicht.
Sistowa,  Hafenstadt  im  Fürstentum
Bulgarien,  an  der  Donau,  Station  der
Donau  -  Dampfschiffahrtö  -  Gesellschaft;
20,000  Eiuw.  1878  wurde  in  beiden
Richtungen  eingeführt  für  5,859,506  Mk.,
ausgeführt  für  1,339,024  Mk.
Siut  (A  s  s  i  u  t),  Hauptstadt  von  Oberägypten, ­
  am  Nil,  durch  Eisenbahn  mit
Kairo  verbunden;  ca.  27,500  Einw.
Deutsche  Kousularagentnr.  Hanptstapelplatz
  für  den  Verkehr  zwischen  Kairo  und
Dar  Fur  nebst  Sennar.
Skanderun,  s.  Alcxandrette.
Skellefträ,  Stadt  im  schweb.  Län
Westerbotten,  an  der  Mündung  der  Skellcstcäelf
  in  den  Bottnischen  Meerbusen;
700  Einw.  Deutsches  Vicekonsulat  (Amtsbezirk: ­
  die  nördliche  Vogtei  der  Provinz
Westerbotten);  Vesterbott.  Ensk.  Bank
Asdel.  Kontor.  Es  liefen  1877  ein:  400
Schiffe  von  88,844  Ton.,  davon  28  deutsche. ­
  Der  Export  bestand  in  3,264,739  Kn  -
bikfuß  Planken  und  Bretter,  2,903,444
Kubikfuß  Sparren  und  Balken,  72,279
Kubikfuß  Plankenenden,  21,000  Ctr.
Teer  und  5344  Ctr.  Stangeneisen  im
Wert  von  3%  Mill.  Atk.  Ein  großer
Teil  der  Schiffe,  nämlich  132,  ging  mit
Holzwaren  und  Teer  nach  deutschen  Häfen.
Skutari,  Stadt  im  türk.  Wilajet
Stambul,  am  Bosporus,  Konstantinopel
        <pb n="481" />
        Smyrna  —  Sophia.

473

gegenüber,  und  mit  Jsmid  durch  Eisenbahn ­
  verbunden;  7(4—80,000  Einw.;
Stapelplatz  der  mit  den  asiatischen  Karawanen ­
  ankommenden,  für  Konstantinopel ­
  bestimmten  Waren.
Smyrna  (Jsmid),  Hauptstadt  des
asiatisch-türk.  WilajetS  A'r'din  und  wichtigster ­
  Handelsplatz  Kleinasiens,  am  gleichnamigen ­
  Meerbusen  und  den  Eisenbahnen ­
  S.-Alaschehr  und  S.-Aì'din;  Station
der  Dampferlinien:  Österreich.  -  Ungar.
Lloyd,  9tnss.Dampfschiffahrtsgcs.,Cunard-Linie,
  Messageries  maritimes,  Westcotts-Linic
  (Antwerpen);  ca.  150,000  Einw.
(Va  Mohammedaner,  10—15,000Juden,
Griechen,  zahlreiche  Franzosen,  Engländer, ­
  Deutsche).  Deutsches  Berufskonsulat
(Amtsbezirk:  das  anatolische  Küstenland
südlich  von  Adramit  bis  Tarsus  uub  die
zugehörigen  Inseln  allster  Eypcrn  lind
Kandia);  Handelsgericht;  Imperial  Otto-Nlan
  Bank.  —  Der  Handel  wertete  1879  in
Einfuhr  93,7  Mill.  Mk.,  in  Ausfuhr  88,:
Mill.  Mk.  Von  der  Einfuhr  kommen  auf
Baumwoll-  u.  Leineillnanllfakte  27  Mill.,
Baliinwollgaril  6,8  Mill.,  Wollwaren  uild
Wollgarn  3,7,  Leder  3,2,  Zucker  3,i,  Kaffee
2,9,  Eisen  2,8,  Quincaillerie  2,6  Mill.
Mk.;  von  der  Ausfuhr  auf  Valonen  14,4
Mill.,  Opinm7,7,  Rosinen  6,7,Schwämme
5.8,  Baumwolle  5,6,  Tabak  4,i,  Feigen
3.9,  Díioei,Bí  2,4  MHd.  MH.  ^»^4:
land  ist  bei  der  Einfuhr  (Baumwolluiid
  wollene  Modewaren)  mit  2,9  Mill.,
bei  der  Ausfuhr  (Rosinen  lind  Olivenöl)
Mit  5,7  Mill.  Mk.  beteiligt.  S.  hat  mit
fast  allen  wichtigern  Mittelmcerhäfen  tägliche ­
  Dampferverbindüng;  1879  liefen  ein:
1450  Schiffe  von  878,013  Ton.  (davon
759  Dampfer  von  796,769  T.),  aus:
101  Schisse  von  884,855  T.;  unter  den
Flaggen  stehen  die  österreichische,  englische
und  französische  obenan.  —  Platzgebräu ­
  ch  e.  Man  verkauft  Einfuhrwaren
auf  30—90  Tage  Kredit,  an  die  Kleinhändler ­
  im  Bazar  gegen  schriftliche  Zahluilgsversprechcn
  (»Temcssnr«)  in  3—5
Terminen  von  je  61  Tagen,  an  Kleinhändler ­
  der  Frankenstraste  auf  6—9  Molate ­
  Ziel,  an  Kolouialwarenhändler  gegen
Promessen,  zahlbar  in  zwei-bis  dreimal
51  Tagen,  Ausfuhrwaren  gegen  bar.  Bei

dem  Opiumhandel  bedient  man  sich  eines
Sachkenners,  welcher  gegen  Vs  Proz.  Kommission ­
  die  Güte  der  Ware  verbürgt.
Wechselkurse  notiert  man  auf  London,
Paris,  Marseille,  Triest,  Genua  3  Monate ­
  dato
Societatsinseln,  s.  Gesellschaftsinseln. ­

Söderhamn,  Stadt  int  schweb.  Sän
Gefleborg,  unweit  des  Bottnischen  Meerbusens, ­
  ail  der  Bahn  S.-BollnäS;  (1874)
6164  Einw.  Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk: ­
  die  südliche  Vogtei  Helsingland  der
Provinz  Gefleborg);  Gefleborg  Läns  Enskilda
  Bank  Afdel.  Kontor,  Helsinglands
Ensk.  Ballk,  MälarcprovinS.  Ensk.  Bank.
1878  liefen  ein:  476  Schiffe  von  152,227
Ton.  (65  deutsche  von  22,869  T.),  aus:
623  Schisse  voir  186,414  T.  Bedeutender
Holzexport,  welcher  1877:  ca.  15  Mill.
Kubikfuß  Bretter  und  Planken,  1,»  Mill.
Kubiksust  Bretter-  und  Plankenenden,
ferner  Dalken  und  Sparren,  Masten,  Baitholz,
  Fastdaubcn  mnsaßte.
Soerabaja,  s.  Surabaja.
Sofia,  s.  Sophia.
Solingen,  Kreisstadt  im  streust.  Regierungsbezirk ­
  Düsseldorf,  unweit  der
Wupper,  an  einer  Zweigbahn  der  Linie
Haan-Deutz;  (isso)  15,937  Einw.  Handelskammer ­
  ;  Reichsbanknebenstelle(l879  :
Snfaffo  3,506,808  MH.,
4,236,739  MH.),  Whwt  BW  (1879:
Unlschlag  16,472,765  Mk.);  Mittelpunkt
der  bergischeu  Eisen-  und  Stahlwarenfabrikation; ­
  per  Bahn  gingen  1879:91,191
Ton.  Güter  ein  und  8797  T.  aus.
Sonntbcrg,  Kreisstadt  im  Herzogtum
Sachsen-Meiningen,  au  der  Zweigbahn
Kobnrg-S.;  (Ş)  8662  Einw.  Konsulat
der  Vereinigten  Staaten;  Mittelpunkt  der
vielen  umliegenden  Fabrikorte,  in  welchen,
wie  in  der  Stadt  selbst,  die  sogen.  »Souneberger
  Spiclwarcn«  (aus  Holz  und  Papiermache«:), ­
  Glas-,  Porzellan-  und  Eisenwaren
  geliefert  und  von  hier  aus  jährlich
in  alle'Weltgegcnden  verschickt  werden.
Export  nach  den  Vereinigten  Staaten
1879:4,920,051  MH.,  1880:  6,836,382
MH.  (mehr  als  ein  Drittel  Spielwaren  und
Phautasicartikel).
Sophia,  Hauptstadt  des  Fürstentums
        <pb n="482" />
        ©omit  —

Spanien  (Areal,  Bevölkerung,  Kolonien).

Bulgarien;  ca.  18,000  Eiinv.  (darunter:
obOO  Türken,  6500  Bulgaren,  5000  Inden ­
  und  1000  Zigeuner).'  Deutsches  (Berufs-) ­
  Generalkonsulat  für  Bulgarien.
Sorau,  Kreisstadt  int  preuß.  'RegierungsbezirkFrankfurta.O.,anderNieder-

  -  Märkischen  (Berlin  -  Kohlfurt),
Oberschlesischen  und  der  Halle-Gubcn-Soraner
  Eisenbahn;  (isso)  13,924  Einw.
Handelskammer;  Reichsbanknebenstcllc,
Kredit-  und  Diökontovercin.  In  der
Nähe  der  Stadt  Braunkohlengruben,
welche  1879:  3,401,264  hl  im  Wert  von
591,313  Mk.  förderten.  S.  hat  eine  ansehnliche ­
  Industrie  und  treibt  lebhaften
Handel.  Auf  der  Oberschlesischeu  Eisenbahn ­
  allein  wurden  versandt  28,524,  empfangen ­
  96,543  Ton.  Güter  ohne  ben
Durchgangsverkehr.
Southampton  (spr.  ssauthämmt'n),  Hafenstadt ­
  in  der  engl.  Grafschaft  Hampshire,
an  einer  Bucht  des  Kanals  und  der  London ­
  and  Southwestern-Eisenbahn;  Station ­
  der  Dampferlinien:  Norddeutscher
Lloyd,  Belgian  Royal  Mail,  Niederst
Dampfschiffgesellschaft,  Peninsular  and
Oriental  Steam  Navigation  Co.,  Royal
Mail  Steam  Packet  Co.,  Union  Steamship ­
  Co.  (die  drei  letzten  hier  domiziliert),
Wilson-Linie  (Hull);  (mi)  53,741  Einw.
Deutsches  Konsulat;  Hampshire  Banking
Co.,  National  Provincial  Bank  of  England, ­
  WiltshireandDorsetBanking  Co.  —
1879  gehörten  zum  Hafen  319  Schiffe
von  71,233  Ton.  Die  Peninsular  and
Oriental  Coinp.  besitzt  50  Dampfer  von
2016—4800  T.  und  250—850  Pferdckräften;
  sie  empfing  1879  für  die  Beförderung ­
  der  Post  nach  Indien,  China
undJapan  8,596,000Mk.,  fürdenaustralischen ­
  Kontrakt  1,844,819  Mk.,  für  den
italienischen  354,825  Mk.  Die  Royal
Mail  Steam  Packet  Co.  besitzt  27  Dampfer
von  1015—3805  T.  mit  160—600  Pferdekräften ­
  und  inacht  Fahrten  nach  Westindien, ­
  Centralamerika,  Brasilien,  La  Plata,
Ostasien.  1879  betrug  der  Gehalt  der  eingelaufenen ­
  Schiffe  1,395,409  T.;  Einfuhr
15.1,135,460  Mk.,  Ausfuhr  britischer  Pro-Wic
  178,092,440m.  Dcu#cr@d)W*=verkehr
  1879:132  von  211,834  T.
Spalato,  Hafenstadt  in  dem  gleichnamigen ­

  österreich.  Bezirk  in  Dalmatien,
am  Kanal  Brazza  und  der  Bahn  Siveric-S.,
  Station  des  Öftere.-Ungar.  Lloyd;
(i860)  13,248  Eimv.  Handels-  und  Ge-Werbekammer;
  Zoll-,  Hafen-  und  Steueramt; ­
  Prima  Banca  popolare  Dalmata.
Weberei  in  Seide  und  Wolle,  Gerberei,
Fischerei,  Handel  mit  Salz-  und  Rauchfleisch, ­
  Olivenöl,  Wein,  Feigen.  Durchfuhrhandel ­
  und  Niederlaasverkehr  mit  der
Türkei.  Es  liefen  1879  ein:  1807  Schisse
von  234,849  Ton.,  aus:  1816  Schisse  von
235,723
Spanien,  Königreich  Westeuropas,
einschließlich  der  Balearen  500,443  qkm
(9088,r,  QM.)  mit  (1877)  16,333,293
Einw.,  darunter  40,741  Fremde.  Dazu
kommen  noch  die  überseeischen  Besitzungen  :

Kolonien

In  Afrika
Kanarische  Insel»
Fernando  Po,  Corisco, ­
  Elobey  und
Annobon.  Territorium ­
  von  San
Juan
I  »  Amerika.
Cuba
Puerto  Rico  (mit
Vieques)  .  .  .
In  Asien.  .  .
Philippinen.  .
Marianen.  .  .
Palau-Jnseln  und
Westkarolinen
Karolinen  .  .  .

OKil.

9  728
7624

2104
128148
118833
9315
302590
300000
1140
750
700

QM.

176,0
138,4

38,2
2327.3
2158,1
169,1
5495.3
5448,8
20,7

Bewohner ­


315400
280388

35000
2061500
1400000
661494
6887000
6300000
8200
14000
54800

Zusammen:  440466  7999,2  8714000
Die  Spanier  sind  ein  Gemisch  verschiedener ­
  Völker;  das  maurisch-arabische  Element
  ist  in  Andalusien  vorherrschend;  in
den  Thälern  der  Sierra  Nevada  und  den
Alpujarras  wohnen  60,000  Moriöken,  in
der  Sierra  Morena  1000  Nachkommen
deutscher  Kolonisten;  außerdem  45,000
Zigeuner  und  wenige  Juden.  —  Die  katholische ­
  Religion  herrscht  vor;  die
Akatholiken  schätzt  man  auf  120,000.
I.  Urproduktion.
Der  Landbau  bildet  die  Hauptqnelle
des  Nationaleinkommens,  da  sich  der
größte  Teil  der  Bevölkerung  mit  ihm  bc-
        <pb n="483" />
        Spanien  (Urproduktion:  Ackerbau).  475

schäftigt;  die  Art  und  Weise  der  Bearbeitung ­
  ist  aber  in  vielen  Gegenden  eine
äußerst  mangelhafte.  Von  dem  Gesamtareal
  sind  39,4  Proz.  unproduktiv,  von
den  übrigen  60,6  Proz.  sind:

Ackerland  und  Gärten.  26,i  Proz.
Weinland  2,8  -
Olivenpstanzungen  .  .  1,7  -
Wiesen  und  Weiden  .  13,7
Waldungen  16,a  -

Man  unterscheidet  sieben  Kulturregiouen:
  die  Region  des  Zuckerrohrs,  der
Orange,  deö  Ölbaumö,  des  Weinstocks,
der  Cerealien,  der  Wiesen  und  Triften,
der  Heiden.  Weizen,  Roggen  und  Gerste
werden  in  den  nördlichen  Provinzen  gebaut, ­
  Mais  und  Reis  (besonders  in  der
Provinz  Valencia)  in  den  südlichen  Provinzen, ­
  Erbsen  in  großer  Menge,  ebenso
Kartoffeln.  Den  Gesamtwert  der  Getreideernte ­
  schätzte  man  1878  auf  1625,6  Mill.
Mk.  1877  erportierte  S.  für  41,8  Mill.
Mk.  Getreide,  wogegen  es  nur  4,7  Mill.
Mk.  importierte;  1878  und  1879  war
aber  infolge  von  Mißernte  der  Import
17,7,  resp.  43,4  Mill.  Mk.,  der  Export  nur
16,4,  resp.  12,7  Mill.  Mk.  Die  Einfuhr ­
  bestand  1878  in  Weizen  und  Weizenmehl ­
  neben  Gerste,  Roggen  und  Mais,
die  Ausfuhr  vornehmlich  in  Weizenmehl
35  Mill,  kg,  Weizen  15,3,  Gerste  3,9,  Regsten ­
  5,i,  Kichererbsen  3,4,  Hafer  6,i,  Reis
2.2  Mill,  kg  re.  —  Gewürze,  wie  Safran
(Export  1877:  2,2  Mill.  Mk.).  Anis,  Kümmel, ­
  bilden  wichtige  Ausfuhrartikel.
Von-höchster  Bedeutung  ist  aber  die  Obstzricht,
  welche  nicht  nur  längs  der  Küste
und  in  den  südlichen  Provinzen,  auch  in
den  warmen  Flußthälern  des  Nordens
die^  verschiedensten  Südfrüchte  liefert.
1878  wurden  von  frischen  und  getrockneten ­
  Früchten  (ohne  Weintrauben  und  Rosinen) ­
  15,9  Mill,  kg  ausgeführt,  davon
Orangen  796  Mill.  Stück,  Mandeln  1.7
Mill,  kg,  Haselnüsse  5,8  Mill.,  Citronen
4.3  Mill.  kg.  Die  O  l  i  v  e  n  k  n  11  u  r  ist  vornehmlich ­
  in  Andalusien,  Murcia,  Valencia
und  Aragonien  zu  Hause;  von  dem  hieraus, ­
  auch  aus  Erdpistazien  (besonders  m
Valencia)  gewonnenen  Öl  wurden  18  c  8
24,6  Mill,  kg  ausgeführt.  -  Den  ersten
Rang  aber  beansprucht  der  Weinbau.

Die  berühmtesten  Weine  sind  die  andalnsischen
  Sherryweine,  besonders  die  von
Irres  de  la  Frontera,  Puerto  de  Santa
Maria  lind  Malaga,  von  deilkatalonischen
Weinen  die  Sorten  von  Rens  und  Tarragona, ­
  von  den  Valenciaweinen  die
schwarzen  von  Vellicarlo,  lvclche  viel  zum
Verschneiden  des  Rotweins  nach  Frankreich ­
  gehen.  Der  Export  von  Wein  nach
Frankreich  ist  überhaupt  seit  dem  Auftreten ­
  der  Traubenkrankheit  enorm  gewachsen. ­
  Auch  der  Valdepeñas  und  die  Älicantiner
  Weine  sind  geschätzt.  Die  Weinernte ­
  1878  betrug  28  Mill,  hl  und  wertete ­
  564  Mill.  Mk.  Nächstwichtig  ist  die
Ausfuhr  von  Rosinen,  namentlich  von
Malaga  und  Almería;  auch  frische  Trauben ­
  werden  massenweise  verschickt.  1878
wurden  ausgeführt  (in  MillionenKilogr.):
Weine:  |  Edle  Weine  .  .  11,4
Jeres  u.  Porto  .  23,&amp;amp;  Rosinen.  .  .  .  33,4
Gewöhnliche.  .  232,4  ļ  Weintrauben.  .  11,9
Damit  hängt  auch  die  wachsende  Branntwein- ­
  und  Essigproduktion  zusammen,  die
indessen  dem  Bedarf  keineswegs  genügt.
Man  importiert  viel  Sprit,  namentlich
aus  Deutschland(Berlin),  in  neuester  Zeit
allch  aus  den  Vereinigten  Staaten,  um
denselben  den  Weinen  zuzusetzen;  1878:
138,379  lil.  —  Znckerrohrban  wird
durch  die  Einfuhrzölle  (welche  man  neuerdings ­
  gegenüber  einer  starken  Opposition
der  Pflanzer  für  den  Zucker  von  Cuba  aufzuheben ­
  versucht)  begünstigt  und  nimmt
zugleich  mit  der  Verarbeitung  desselben
m  den  südlichen  Provinzen,  besondersMalaga,
  stark  zu;  auch  hat  man  Zuckerrüben
zubauen  angefangen.  Der  Import  betrug
1878:  29,227,003  kg.  Dagegen  ist  der
Tabakbau,  um  die  westindischen  Kolonien ­
  zu  schützen,  verboten.  Eine  Zusammenstellung ­
  des  Handels  mit  vegetabilischen ­
  Nahrungsmitteln,  wobei  Kakao  mit
8  und  Kaffee  mit  2  Mill.  Mk.  in  der  Einfuhr ­
  vertreten  sind,  Tabak  aber  sich  aller
Berechnung  entzieht,  ergibt  für  1878  (in
Millionen  Mark):  Einfuhr  Ausfuhr
Getreide  17,7  16,4
Getränke  8,5  111,2
Kolonialwaren  .  .  .  31,o  5,6
Früchte  und  Samen  .  1,3  /  44,o
Zusammen:  58,5  177/2
        <pb n="484" />
        476

Spanien  (Urproduktion:  Viehzucht,  Forstkultur,  Bergbau).

Vaumwolltultur,  früher  ausehnlich,
  hat  jetzt  fast  ganz  aufgehört,  und
S.  führte  1879:  38,4  Mill,  kg  Rohbaumwolle ­
  eilt  ;  dagegen  gewinnt  dasEspartogras
  als  Ausfuhrartikel  hervorragende
Bedeutung.  Diese  früher  wenig  beachtete
Pflanze  findet  sich  auf  wüsten  und  von
der  Kultur  verlassenen  Strecken,  namentlich ­
  von  Alicante  bis  Cartagena.  1878
wurden  ausgeführt:  roh31Mill.  kg,  bearbeitet ­
  1,2  Mill.  kg.  Weniger  wichtig  ist
die  Ausfuhr  von  Süßholz,  das  immer
weniger  roh,  mehr  ertrakt-  und  teigartig  in
den  Handel  gelaugt,  und  von  dem  man
1879:  2,5  Mill,  kg  exportierte.
DieViehzueht  ist  immer  noch  sehr  ausehnlich
  und  bildet  einen  wichtigen  Faktor
im  Handel,  doch  wendet  mau  nur  auf  die
Zucht  von  Mauleseln  und  Eseln  Sorgfalt. ­
  Nach  der  Zahlung  von  1865  gab  es

Den  Jahresgewinn  sämtlicher  Erzeugiiisse
  der  Viehzucht  schätzt  man  auf340Mill.
Mk.  Der  Zdandel  mit  î'ipivn  mth  tieris

Werbe  .  .  680373  Schafe  .  .  22468909
fôfel  .  .  .  1298334  Schweine  .  4351736
Maultiere  .  1021512  Ziegen  .  .  4531228
Rinder  .  .  2967303  Kamele.  .  3181
Der  Export  von  Rindvieh,  welcher  von
der  Nordküste  nach  England  geht,  ist
durch  die  amerikanischen  Sendungen  schon
ebenso  wesentlich  affiziert  worden  wie  die
Ausfuhr  von  Cerealien;  so  betrug  die  Ausfuhr ­
  von  Vieh  1879  nur  noch  124,436
Stück  gegen  eine  Einfuhr  von  165,748
Stück.  Das  ausgeführte  Vieh  ist  aber  von
höherm  Wert;  1879  wertete  dasselbe  6,5
Bkill.  Mk.,  das  eingeführte  4,6  Mill.  Mk.
Die  spanische  Wolle  war  früher  weit  wertvoller, ­
  auch  das  Quantum  der  Produktion
weit  größer.  Man  führte  1879:  1,6  Mill,
kg  ein  und  bessere  einheimische  Sorten
(3,8  Mill,  kg)  aus.  Auch  die  Gerbereien
sind  für  ihre  Zufuhr  von  Häuten  und
Fellen  vom  Ausland  abhängig,  denn  während ­
  die  Ausfuhr  nicht  nennenswert  ist,
kamen  1879:  7,5  Mill.  kg  ins  Land.
Auch  die  Fischerei,  welche  an  den  Küsten ­
  von  Biscaya,  Galicien,  Audalusieu,
Valencia  und  Katalonien  viele  Tausende
beschäftigt  und  Thunfische,  Sardinen,
Sardellen  und  Salme  auf  den  Markt
bringt,  vermag  den  Bedarf  nicht  zu  beşi'àgen,
  denn  noch  1879  führte  S.  40,i
Mi«,  kg  Klipp-  und  Stockfisch  von  Skandinavien ­
  und  Nenfundland  ein.

Der  Handel  mit  Tieren  und  tierischen ­
  Nahrnngsmitteln  wertete  1878  in
der  Einfuhr  15,6  Milt.  Mk.,  in  der  Ausfuhr, ­
  10,6  Mill.  Mk.
Die  Seidenzucht,  vornehmlich  zu
Hause  in  den  Provinzen  Valencia,  Murcia ­
  und  Katalonien,  war  früher  von  weit
größerer  Wichtigkeit.  Die  Seidenernteii
ergaben  1873:  130,000kg,  aber  1877  nur
66,000  kg,  und  während  die  Ausfuhr
1877:  3078  kg  betrug,  hob  sie  sich  1878
auf  10,546  kg.  Dabei  hob  sich  derJmport
auf  144,582  kg.  —  Kochenillezucht
wird  seit  einigen  Jahren  um  Malaga  und
Motril  in  großem  Maßstab  betrieben.
Der  Forstwirtschaft  wendet  man  in
neuerer  Zeit  mehr  Aufmerksamkeit  zu.
Manche  Gegenden  sind  schon  völlig  baumlos, ­
  obschon  andre  vorzüglichen  Waldwuchs
  zeigen.  Doch  ist  S.  für  sein  Nutzholz, ­
  namentlich  seine  Küpereieu,  zum
größten  Teil  von  Norwegen  und  Schweden ­
  wie  von  Nordamerika'abhängig;  1877
wurden  von  dort  für  19.»  Mill.  Mk.  Hölzer ­
  eingeführt.  Dagegen  liefert  Katalonien
von  seinen  Korkeichen  einen  sehr  wichtigen
Ausfuhrartikel.  Der  Export  von  Kork
betrug  1878:  Pfropfen  2,232,443,000
Stück,  Platten  und  Stücke  2,748,058
kg  it.  a.
Der  Mineralreicht  u  m  ist  ein  außerordentlich ­
  großer,  doch  wird  er  sehr  unvollkommen ­
  ausgebeutet.  Mit  Ausnahme
der  Quecksilbergruben  und  einiger  Salzwerke ­
  sind  sämtliche  Werke  in  den  Händen ­
  von  Privaten.  1869  waren  bes  der
Gewinnung  von  Erzen  und  Metallen  in
3276  Gruben  über  45,000  Arbeiter  beschäftigt. ­
  Nach  den  letzten  Erhebungen
sind  die  bedeutendsten  Silberbergwerke
in  den  Provinzen  Almeria,  Guadalajara
und  Tarragona.  Quecksilber  kommt  aus
zwölf  Minen  Von  Almadén,  wo  3000  Arbeiter ­
  beschäftigt  sind.  Eisenerz  wird
vornehmlich  in  Biscaya,  Guipúzcoa,  Navarra, ­
  Santander,  Oviedo  und  Granada
gewonnen,  und  die  bedeutendsten  Eisenhütten ­
  befinden  sich  in  den  Provinzen  Navarra, ­
  Oviedo,  Sevilla  und  Alicante.  Au
Kupfer  besitzt  die  Provinz  Huelva  große
        <pb n="485" />
        477

Spanien  (Bergbau,  Industrie).

Lager;  1873  wurden  die  Minen  von  Rio
Tinto  an  ein  Syndikat  von  Londoner  und
Hamburger  Firmen  um  19,2  Mill.  Mk.
verkauft,  die  von  Tharsis  gehören  schon
länger  einer  englischen  Gesellschaft.  Für
den  Bleibergbau,  worin  S.  alle  Länder
Europas  übertrifft  (von  einer  Jahresproduktion ­
  von  4,884,000  Ctr.  kommen
1,095,000  Ctr.  ans  ©.),  sind  Hauptsitze:
Murcia,  Almeria  und  Jaen.  Gakmei-(
  Zink  -)  Erze  fördert  man  in  Santander,
Guipúzcoa,  'Murcia,  Granada,  Malaga
"nd  Almeria.  Die  Erze  werden  meist  nach
Belgien  ausgeführt  und  dort  verhüttet.
Im  Durchschnitt  ergaben  der  Bergbau
und  Hüttenbetrieb  folgende  Mengen:
Silber  ....  22500  Kilogr.
Quecksilber.  .  .  20640  Ctr.
Roheisen  .  .  .  722000  -
Kupfer  ....  38500  -
Blei  1000000  -
Zink......  20640  -
Kohle  ....  1158240  °
Salz  8000000  -
Braunstein.  .  .  350000  -
Schwefel  .  .  .  16500  -

DaöHüttenwescn  hält  aber  mit  dem  Bergbail
  nicht  Schritt,  daher  wird  ein  großer
Teil  der  Erze  exportiert,  Eisenerze  namentlich ­
  nach  England,  zu  welchem  Zweck
besoildere  Dampferliuicn  zwischen  Bilbao
und  englischen  Häfen  bestehen.  DieFirma
Krupp  in  Essen  besitzt  bedeutende  Eisenerzgruben ­
  bei  Bilbao,  aus  denen  sie  täglich ­
  400  Ton.  Erz  fördert.  Zuln  Transport ­
  derselben  dienen  (außer  gemieteten)
fünf  eigne  Dampfer  von  7800  T.  Silbererze ­
  gehen  zum  großen  Teil  ebenfalls
nach  Dclltschland  (Freiberg,  Harz).  Die
Ausfllhr  von  Erzen  wertete  1878:  41,7
Mill.  Mk.,  davon  Kupfererze  32,7,  Eisenerae
  9,9,  (Mmeiene  3,i  gm.  9%f.  Die
Ausfuhr  von  Metallen  fiel  1878  ans  46,4
Mill.  Mk.  von  62,4  Mill.  Mk.  in  1877;
davon  kamen  im  letzten  Jahr  auf  Blei
48,2,  ans  Quecksilber  12,7  Mill.  Mk.,  während ­
  die  Einfllhr  von  Nohmetallcn  gleichfalls ­
  siel  und  zwar  von  10,i  Mill.  Mk.
in  1877  auf  6,2  Mill.  Mk.  in  1878.  -
Steinkohle  ist  über  ein  Areal  von
900,000  ha  verbreitet,  wovon  auf  die
Bliebe  272,250,  Bur#
121,000,  Sorio  121,000,  Leon  90,750,

Patencia  90,750,  Teruel  60,500,  Santander ­
  60,500  ha  entfallen.  Man  schätzt
die  jährliche  Produktion  auf  600,000  metr.
T.,  1878  mußten  aber  noch  761,557  metr.
T.  im  Wert  von  20,8  Mill.  Mk.  zum  größten ­
  Teil  aus  England  eingeführt  werden.
—  Salz  wird  sowohl  vom  Staat  in  20
Haupt-  und  12  Unteranstaltcn  als  von
Privaten  und  zwar  sowohl  aus  Gruben
als  aus  Seewasscr  (Salzgärten)  gewonnen, ­
  letzteres  besonders  in  den  Lagunen
an  der  Bai  von  Cadiz,  am  untern  Guadalquivir, ­
  auf  Jviza,  bei  Torrevieja  u.  a.
Die  Ausfuhr  1878  betrug  246,6  Mill.  kg.
li.  Industrie.
Die  Industrie  ist  zum  großen  Teil  durch
die  Hülfe  des  Auslands  sowohl  mit  Kapital ­
  als  Menschenkräften  gefördert  worden. ­
  Zu  ihrer  Unterstützung  dienen  außer
den  Handelskammern  der  Jndustricverein
zu  Madrid,  Gewerbvereine  (in  neuerer  Zeit
gebildet)  und  Industrieausstellungen.  Von
dem  Gesamtertrag  aller  Industrien  entfällt ­
  0-  auf  Mühlen,  %  auf  Ölpressen,
Vs  auf  Baumwollspinnereien  und  -Webereien. ­
  —  Die  Mühlenindttstrie  hat
ihren  Hauptsitz  in  Altkastilien;  den  Wert
der  jährlichen  Produktion  aller  Wind-,
Wasser-  und  Dampfmühlen  schätzt  man
auf  50  Mill.  Mk.  An  sie  schließt  sich  die
Herstellung  von  Suppenteigcn  an,  welche
in  zunehmendem  Maß  (1878  mit  1,8  Mill,
kos)  am  Erport  teilnimmt.  —  Brauereien ­
  sind  in  den  meisten  größcrn
Städten  und  zwar  durch  Deutsche  angelegt
worden,  doch  findet  deutsches  Erportbicr
guten  Absatz  und  verdrängt  das  englische.
Dabei  bezieht  man  Hopfen  ausschließlich
von  Deutschland.  Auch  die  Brenilcrcien
sind  von  Wichtigkeit  (s.  oben).  Die  Herstellung ­
  von  Konserven  aller  Art  bildet
einen  nächtigen  Industriezweig,  der  1878:
2,2  Mill,  kg  in  denHandel  brachte.  Zucke  rraffinerien,
  welche  Kolonialzucker  verarbeiteten, ­
  bestehen  schon  seit  längerer  Zeit
im  südlichen  S.;  mit  dem  wachsenden
Zuckerrohrbau  beginnt  sich  auch  diese  Industrie ­
  zu  heben.  —  Die  Tabakfabrikation ­
  ist  Staatsmonopol;  große  Fabriken
bestehen  zu  Sevilla  (die  größte),  Madrid,
Santander,  Gijon,  Coruña,  Valencia  und
Alicante.  Die  Blätter  kommen  aus  Cuba,
        <pb n="486" />
        478

Spanien  (Industrie).

Puerto  Rico,  beu  Philippinen,  aber  auch
aus  Deutschland:  Baden,  Pfalz,  Magdeburg. ­
  Erwähnenswert  sind  noch:  die  «Seifensiederei, ­
  Gerberei  und  die  Lederindustrie
ilberhaupt  (friiher  weit  wichtiger),  deren
Produkte  (Korduan  unb  Saffian)  einen
großen  Ruf  hatten;  Fabrikation  von  Handschllhen
  und  Schuhzeug  besonders  auf  ben
Balearen,  das  nach  ben  Kolonien  geht.  —
Die  Eisenindustrie  ist  namentlich  in
Katalonien  stark  vertreten.  In  Barcelona,
Malaro,  Bich,  Rens  u.  a.  bestehen  große
Eisengießereien;  Dampfmaschinen  '  und
Maschinen  andrer  Konstruktionen,  in
neuester  Zeit  namentlich  für  Zuckerfabriken, ­
  werden  dort  hergestellt;  doch  steht  die
Leistungsfähigkeit  dieser  Anstalten  weit
hinter  den  Änforderuitgen  des  Landes.
Ebenso  ist  S.  für  seinen  Bedarf  an  Maschinen ­
  ,  Maschinenteilen.  Telegraphenapparaten, ­
  Schiffen  vom  Ausland  abhängig. ­
  Der  Import  von  Metall  und  Metallfabrikaten ­
  betrug  1878:  Eisen  und  Werkzeuge ­
  59,i  kg-,  Maschinen,  Maschinenteile,
Telegraphenapparate  10,7,  Messingdraht
4,7  Mill,  kg,  ferner  Stahl,  Weißblech,
Schiffe  u.  a.  Diesem  Import  steht  ein
ganz  geringer  Export  von  Eisenwaren  gegenüber. ­
  Die  deutsche  Stahlindustrie  hat
hier  mit  dem  größten  Erfolg  die  englische,
belgische  und  französische  Konkurrenz  geschlagen. ­
  Der  Bochumer  Verein  und  die
Firma  Krupp  in  Essen  lieferten  1879:
38,000  Ton.  Stahlschienen,  Radreifen  re.
an  dieMadriderEiscnbahndirektion.  Nähnadeln ­
  kommen  fast  ausschließlich  aus
Iserlohn,  Schereir  und  Messer  aus  Solingen, ­
  und  deutscher  Eisendraht  findet
bedeutenden  Absatz.  —  Glas  wird  in
einer  Anzahl  von  Fabriken  (größte  zu
Gijon)  fabriziert,  doch  meist  nur  geringere ­
  Sorten;  die  bessern,  auch  Fensterglas, ­
  werden  eingeführt,  nicht  zum  kleinsten ­
  Teil  von  Deutschland;  1878  betrug
der  Import  3,i  Mill.kg.  —  Die  Baumwot
  (industrie  hat  ihre  Sitze  hauptsächlich ­
  in  Barcelona  und  Tarragona,  im
Thal  des  Llobregat.  In  Katalonien  allein ­
  waren  1873  thätig  1400  Maschinen
mit  12,000  Pferdekräften.  48,000  Webstuhleu
  und  1,250,000  Spindeln.  1876
betrug  die  Zahl  sämtlicher  Baumwollspiudeln

  ill  S.  1,775,000.  Katalonien  ist  auch
Hauptsitz  der  Woll  iit  du  strie,  namentlich ­
  Barcelona,  Manresa,  Tarrasa.  Man
zählte  1873  über  5800  Webstühle  mit
8700  Arbeitern  und  160,000  Spindeln.
Seidenweberei  wird  mit  3100  Stühleit
  in  Madrid,  Valencia,  Barcelona,
Granada,  Toledo,  Sevilla  betrieben.  Auch
die  Flachs  spin  nere  iundLeinwcb  crei
sind  am  stärksten  in  Katalonien,  wo  von
1000  mechanischen  Stühlen  400  und  von
5000  Handstühlen  2500  zu  finden  sind.
Doch  arbeiten  diese  Industrien  nur  für  den
einheimischen  Markt,  der  vom  Ausland
immer  sehr  große,  allerdings  abnehmende
Mengen  bezieht.  Es  betrug  1877  der  Wert
der  Einfuhr  (in  Millionen  Mark)  von:
Baulliwollgļirir
Baumwollgewkben  .  .  .
Hanf-  und  Leinengarn.  .
Hanf-  und  Lcincngcweben
Wollgeweben
Seidengewcben
Mischgeweben

1.1
9.2
21,4
3.3
14,8
4.4
1,6

In  jüngster  Zeit  ist  der  Import  von  Garnen, ­
  Geweben  und  Seilerwaren  aber  bedeutend ­
  heruntergegangen  ;  er  betrug  1877  :
57,9,  1878:  39,8  Mill.  Mk.,  zunl  großen
Teil  die  Folge  der  gesteigerten  Produktion ­
  der  einheimischen  Industrie.  Speciell
die  deutschen  Produkte:  baumwollene  und
wollene  Strumpfwaren,  namentlich  aus
Apolda  und  Chemnitz,  Hand-  und  Maschinenstickereien ­
  aus  Sachsen,  konfektionierte ­
  Filz-  und  Strickwaren,  gedruckte
Tücher,  halbwollene  Zeuge  und  Futterstoffe, ­
  weiße  und  schwarze  Spitzen,  Wäsche
werden  in  zunehmendem  Maß  eingeführt.
Deutsche  Nähzwirne  (Göggingen  bei  Augsburg) ­
  machen  den  englischen  bereits  bedeutende ­
  Konkurrenz.  Aachener  Tuche  behaupten ­
  sich  gegen  alle  andern,  und  deutsche,
dem  spanischen  Geschmack  entsprechende
Teppiche  finden  guten  Absatz.  —In  Posamenten ­
  ist  zwar  eine  ansehnliche  Thätigkeit, ­
  doch  reicht  dies  keineswegs  hin  für
den  ansehnlichen  und  wachsenden  Bedarf;
1878  wurden  189,452  kg  Posamenten
und  244,724  kg  Knöpfe  eingeführt.—Die
Papierfabrikation  hat  ihren  Sitz  in
Barcelona  und  Gerona;  1877  gab  es  33
Fabriken  mit  42  Papiermaschinen.  Diese
        <pb n="487" />
        Spanien  (Handel,  Verkehrswesen).

479

Industrie  arbeitet  jetzt  schon  bedeutend  für
den  Export,  namentlich  nach  Westindicn;
1878  betrug  derselbe  1,8  Btill.  kg  gegen
eine  Einfuhr  von  8,6  Mill.  kg'.  Deutsches
Papier  aller  Art,  auch  Tapeten  werden  in
bedeutenden  Quantitäten  bezogen;  Österreich ­
  liefert  das  feine  Papier  zunr  Einwickeln ­
  der  Orangen.
IH.  Hniidek.
Der  Handel  Spaniens  ist  in  früherer
Zeit  durch  die  Biirgerkriege  sehr  zerrüttet
und  durch  ein  rigoröses  Prohibitivsystem
behindert  worden.  Im  Juli  1877  wurden
fast  alle  cinzuführcndeir  Waren  mit  einer
Zollerhöhung  (derecho  extraordinario)
belegt,  wodurch  der  Zoll  ans  viele  deutsche
Fabrikate  um  25  Proz.,  bei  Leder  und
Lederwaren  sogar  um  fast  das  Dreifache
stieg.  Die  seit  Juli  1878  erfolgte  Zollermäßigung
  hat  indes  die  Einfuhr  belebt.
Sehr  erschwerend  wirkt  aber  noch  immer
die  Handhabung  der  Zollgesetze,  wonach
Geldstrafen  auch  beiJrrtümern  eingezogen
werden,  selbst  wenn  eine  Absicht,  zu  täuschen, ­
  gar  nicht  vorliegen  kann.
Nach  den  Ausweisen  des  spanischen
Generalzollamts  bezifserte  sich  (in  Millionen ­
  Mark):
1870  1877  1878
Einfuhr  .  .  .  355,5  326,7  318,2
Ausfuhr  .  .  .  313,2  363,5  345,o
Für  1877  lassen  sich  die  hauptsächlichsten
Waren  nach  ihren  Werten  (in  Millionen
Mark)  folgendermaßen  ordnen:
Einfuhr  Ausfuhr
Rohbaumwolle  .  62,o  Wein  ....  104,o
Steinkohle.  .  .  22,8  Blei  48,2
Hanf-  u.  Leingarn  21,4  Weizenmehl  .  .  26,4
Zucker  ....  19,4  Rosinen  .  .  .  21,2
Hvlzer  ....  19,3  Vieh  12,7
Schiefer,  Bitu-  Quecksilber  .  .  12,7
men  u.  .  .  .  15,6  Eisenerz  .  .  .  9,o
Wollgewebe  .  .  14,8  Weizen....  9,8
Häute  und  Felle  14,2  Orangen  ...  9,i
Stockfisch  .  .  .  13,2  Kork  7,2
Branntwein  .  .  11,8  Öl  6,o
Maschinen.  .  .  11,0  Esparto.  .  .  .  5,e
Eisen  ».Werkzeuge  10,4  Konserven  ...  5,2
Schiffe  ....  9,9
1876  verteilte  sich  der  Handel  auf  die  vcrschicdenen
  Hauptländcr  folgendermaßen
(in  Millionen  Mark):

Einfuhr  Ausfuhr
England  114,8  142,8
Frankreich  130,o  72,7  '
Vereinigte  Staaten  .  .  47,8  9,6
Portugal  3,5  15,8
Schweden  und  Norwegen  12,8  2,6
Belgien  13,s  7,o
Italien  13,o  3,6
Deutschland  5,8  6,3
Rußland  3,9  2,i
Algerien  8,2  6,5
Gibraltar  6,2  l,o
Britisch-Amerika  .  .  .  4,6  0,4
Dänemark  l,o  l,o
Von  der  deutschen  Einfuhr  Ilnd  Ausfuhr
fielen  ans  Hamburg  allein  zwei  Drittel.
Infolge  des  schwunghaft  betriebenen
Schmuggelhandelö  (besonders  über  Gibraltar) ­
  entzieht  sich  ein  großer  Teil  der
Waren  der  Kontrolle,  alle  Werte  sind  daher ­
  ungenau.  Die  wichtigsten  Häfen
dem  Wert  ihrer  Güterbewegung  nach  sind:
Barcelona,  Cadiz,  Santander,  Alicante,
Malaga,  Bilbao,  Valencia,  Sevilla,  San
Sebastian,  Cartagena,  Coruña,  Tarragona, ­
  Vigo,  Huelva,  Ferrol,  Palma.  An
der  288  Seemeilen  langen  Seeküste  Spaniens ­
  befinden  sich  116  Häfen,  56  am
Atlantischen  Ocean  und  60  am  Mittelmeer, ­
  manche  derselben  allerdings  der  Verbesserung ­
  sehr  bedürftig.  In  Alicante,
Barcelona,  Cartagena,  Tarragona  und
Valencia  sind  solche  mit  einem  Kostenaufwand ­
  von  über  16  Mill.  Mk.  ausgeführt.
Die  Küste  wird  durch  118  Leuchttürme
für  die  Schiffahrt  sicher  gemacht.
Konsulate  unterhält  Deutschland  in:
Barcelona  (Berufskonsulat  für  das  Königreich ­
  S.),  Alicante,  Almería,  Bilbao,
Cadiz,  Cartagena,  Coruña,  Ferrol,  Gijon, ­
  Huelva,  Madrid,  Mahon,  Malaga,
Palma,  San  Sebastian,  Santander,  Sevilla, ­
  Tarragona,  Torrevieja,  Valencia,
Vigo;  Vicckonsulate  in:  Adra,  AlgesiraS,
Badajoz,  Vellicarlo,  Cordova,  Granada,
Jrun,  Jviza,  Jercö,  Linares,  Marbella,
San  Lucar  de  Barrameda,  Torrox;  eine
Konsularagentur  in  Altea.
IV.  Verkehrswesen.
An  natürlichen  Wasserstraßen  ist
S.  arm.  Unter  den  Flüssen  ist  nur  ein
einziger,  welcher  bei  hohem  Wasserstand
streckenweise  befahren  werden  kann,  nam-
        <pb n="488" />
        480

Spanien  (Finanzen,  Kreditwesen  re.).

lich  der  Ebro.  Der  Guadalquivir,  Guadiana ­
  und  Minho  sind  nur  ein  Stück  von
der  Mündung  hinauf  fahrbar.  Bei  der
Binnenschiffahrt  kommen  sie  gar  nicht  in
Betracht.  Von  Kanälen  sind  der  Kaiserkanal ­
  (100  km  lang,  3,25  m  tief  und  an
der  Oberfläche  23,5  m  breit),  der  156  km
lange  Kastilische,  der  Manzanares-  und  der
San  Carlo-Kanal  zu  nennen  ;  doch  werden
dieselben,  mit  Ausnahme  des  ersten,  zur
Schiffahrt  wenig  benutzt.  Die  Ges  amtlänge
aller  schiffbaren  Flüsse  beträgt  1277  km,
wovon  jedoch  nur  481  während  deö  ganzen
Jahrs,  796  nur  zn  Zeiten  geniigendes
Wasser  haben.  Die  Kanäle  sind  693  km
lang,  doch  nur  212  km  wirklich  benutzbar.
Von  Eisenbahnen  standen  1.  Jan.
1878:  6199  km  im  Betrieb.  Die  Länge
der  Telegraphenlinien  war  1879:
15,870km,  der  Drähte  40,053  km.  Die  unterirdischen ­
  Linien  hatten  eine  Länge  von
112  km  mit  305  km  Drähten,  die  unterseeischen ­
  Linier:  von  269  km  (nur  eindrähtige ­
  Kabel).  In  324  StaatstelegraphenbüreauS
  und  12  Privatbüreauö  wurden ­
  1877:2,023,579  Depeschen  befördert,
wovon  1,023,579  innere  und  393,958  internationale, ­
  Die  Einnahmen  beliefen  sich
auf  3,138,984  Mk.,  die  Ausgaben  auf
3,301,520  Mk.  Die  P  o  st  beförderte  1877
in  2530  Postanstalten:  78,486,000  Briefe
und  1,040,000  Postkarten,  5,767,000
Drucksachen  u.  Warenproben,  38,479,000
Zeitungen;  die  Einnahmen  betrugen
7,228,080,  bic  5,948,240  9Kf.
Die  Handelsmarine  zählte  1.  Jan.
1877  an  Seeschiffen:  2685  Segelschiffe
von  381,070  Ton.  und  230  Darnpfer  von
176,250  T.,  zusammen  2915  Schiffe  von
557,320  %.
V.  ñinnitzen,  Kreditwesen  re.
Die  Finanzen  sind  dllrch  den  letzten
Bürgerkrieg  außerordentlich  zerrüttet  worden, ­
  die  Schuld  hat  sich  seit  1868  mehr
als  verdoppelt,  unb  die  Einnahmen  sind
in  der  Regel  hinter  den  Ausgaben  zurückgeblieben.
  Das  Budget  1879—80  ergab
für  die  Einnahmen  649,9  Mist.  Mk.,  davon ­
  direkteSteuern  20Mill.,  indirekte  110,5
Mist.,  Zölle  91,2,  Stempel  und  Staatsmonopole ­
  174,2  Mill.Mk.  Die  Ausgaben  beliefen ­
  sich  auf  662,5  Mill.  Mk'.,  davon

231,6  Mist.  Mk.für  die  öffentliche  Schuld.
Die  Staatsschuld  betrug  30.Juli  1879  :
10,332,8  Mill.  Mk.  (davon  8295,5  konsolidierte), ­
  wofür  cm  Zinsen  jährlich  87,2
Mist.  Mk.  gezahlt  wurden.
Kreditwesen.  Durch  Gesetz  voin  19.
März  1874  wurde  die  Kreditcirkulation
in  einer  einzigen  Nationalbank,  der  Bank
von  S.,  konzentriert  und  zu  ihren  Gunsten ­
  die  Aufhebung  aller  andern  Zcttelund
  Diskontbanken  angeordnet.  Die
Bank  von  S.  (Banco  de  España)  wurde
1858  auf  Aktien  errichtet  mit  Grundkapital ­
  von  80  Mist.  Mk.,  das  auf  100  Mill.
Mk.  erhöht  werden  kann.  Die  Dauer  der
Bank  ist  ans  30  Jahre  festgesetzt.  Sie  hat
dem  Staatsschatz  ein  Darlehen  von  100
Mill.  Mk.  zu  gewähren,  dessen  Einzahluugs-
  und  Rückzahlungstermine,  Zinsen
und  Garantie  Gegenstand  eines  besondern
Übereinkommens  sind.  Die  Noten  der
Bank  von  S.  sind  jetzt  das  einzige  Papiergeld ­
  des  Landes.  Die  höchsten  Abschnitte
dürfen  nicht  auf  mehr  als  1000  Pesetas
(==  800  Mk.)  lauten,  wahrend  die  Werthöhe
  der  einzelnen  Stücke  dem  Ermessen
der  Anstalt  überlassen  ist.  Die  Bank  darf
Noten  biö  zu  500  Mist.  Pesetas  (400  Mist.
Mk.)  Nennbetrag,  also  das  Fünffache  ihres
Kapitals,  ausgeben;  doch  muß  mindestens
ein  Viertel  des  Betrags  der  umlaufenden
Noten  durch  Münzen,  Gold-  und  Silberbarren ­
  in  den  Kassen  der  Bank  gedeckt  sein.
Die  Noten  werden  bei  Zahlungen  an  die
Regierung  für  voll  angenommen.  Am
30.  Sept.  1878  waren  von  diesen  Noten
131,840,780  Mk.  im  Umlauf,  davon  in
mbnb  69,937,240  9Rf.,  in  ben  äweiü'
banken  61,903,540  Mk.  Die  Zweigbanken,
14  an  der  Zahl,  bestehen  in  :  Alicante,  Barcelona, ­
  Bilbao,  Cadiz,  Jereö,  Malaga,
Murcia,  Pontevedra,  San  Sebastian,
Santander,  Saragossa,  Sevilla,  Valencia,
Wíaboiib.
Geld,  Maße  und  Gewichte.  Alan
rechnet  nach  der  Verordnung  von  1871,
gültig  für  aste  spanischen  Besitzungen
außer  den  Philippinischen  Inseln,  nach
Pesetas  zu  100  Centesimos.  Die  Währung
ist  Doppelwährung,  dieGrundbestimmunaen
  der  lateinischen  Münzkonvention
(s.  Frankreich)  werden  beobachtet.  Die
        <pb n="489" />
        481

Spezia  —
Peseta  ist  danach  gleich  dem  französischen
Frank.  Man  prägt  Goldstücke  von  5—
JOO  Pesetas  und  Silbcrstücke  von  Hb—
5  Pesetas.  ES  ist  obligatorisch,  bis  zu
100  Pesetas  in  Silber  in  einer  Zahlung
anzunehmen;  die  Negierung  behält  sich
vor,  festzusetzen,  wann  diese  Verpflichtung
aufhören  soll.  Bon  früher  geprägten  Sübermünzen
  sind  erwähnenswert,  weil  sie
außerhalb  Spaniens  noch  als  Zahlmittel
umlaufen:  die  eckigen  Peruanos,  die  scheibenförmigen ­
  Mejicanos,  auch  Eolnnarios
od.  Colonnati  (»Säulenpiaster«)  genannt,
dann  die  vor  1848  geprägten  Pesos  dnroS,
Duros  oderPesos  fuertes,  gewöhnlich  »spanische ­
  Piaster«  genannt,  die  ebenso  wie  die
nach  1848  geprägten  (mit  den  Säulen  ans
beiden  Seiten)  nach  den  Killten  von  Afrika,
Ostindien  und  bcsoitdcrS  China  gewandert
und  Weltmünzen  gewordcir  sind.  Von
fremden  Münzen  laufen  um:  der  französische ­
  Frank  und  die  italienische  Lira,
beide  der  Peseta  gleichgeltend.  Papiergeld, ­
  das  einzige  des  Landes,  und  Privatpapiergeld ­
  sind  die  Noten  der  Bank  von  S.
(s.  oben).  —  Maße  und  Gewichte  sind
die  französischen  metrischen,  gesetzlich  schon
seit  1852;doch  werden  noch  heute  an  vielen
Orten  die  ältern,  selbst  im  Großhandel,
gebraucht.  Bei  allen  spanischen  Zollste  len
sind  die  neuen  Größen  seit  1856  eingeführt.
Spezia,  Hafenstadt  in  der  ital.  Provinz ­
  Genua,  am  Golf  von  S.  und  der
Eisenbahn  Genua-Livorno;  (i878)  26,o44
Einw.  Deutsches  Vicekonsulat;  Hauptzollamt;
  Cassa  di  Sconto.  Industrie  in
Hanfleinwand,  Leder,  Möbeln.  1879  liefen ­
  ein:  661  Schiffe  von  42,732  Ton.,
aris:  672  Schiffe  von  43,522  T.  Der
Handel  zeigte  1879  in:  Einfuhr  1,2  Mill.,
Ausfuhr  0,8  Mill.  Mk.
Spitzbergen,  bald  zu  Europa,  bald  zu
Amerika  gerechnete  Inselgruppe  im  Nördlichen ­
  Eismeer,  besteht  aus  drei  größern
Inseln  sowie  mehreren  Eilanden.  welche
ein  Gesamtareal  von  ca.  77,000  qkm
(1400  QM.)  einnehmen.  Eingeborne  oder
ansässige  Bewohner  gibt  eö  nicht;  rnstzschc
%cr  Wen  fid)  meiere  3#c  bort
netten,  nnb  w%cnb
nate  werden  die  Inselli  bl)N  ^alşişchsangern
  besucht.
Himdelsgeographic.

Stavanger.
Splügen,  s.  Alpenstraßen.
Ssamara,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
  russ.  Gouvernements,  an  der  Mündung ­
  des  Flusses  S.  in  die  Wolga;  (i«75)
51,247  Einw.  Ressort  des  deutschen  Konsuls
  in  Moskau;  Abteilung  der  Staatsbank, ­
  Filiale  der  Wolga-Kama-Bank;
Transportgesellschaft  Nadeshda.DieStadt
hat  25  Fabriken  (hauptsächlich  Talgsiedereien), ­
  welche  Waren  im  Wertvon4,8Mill.
Mk.  liefern.  DerHandelvertreibt  namentlich ­
  Getreide  lind  oreilburgischcs  Salz.
Sfaratow,  Hauptstadt  des  gleichnamigcn
  russ.  Gouvernements,  an  der  Wolga
und  der  Eisenbahn  Moskau-S.;  (ms)
85,220  Einw.  Ressort  beò  deutschen  Konsuls ­
  in  Moskau;  Abteilung  der  Rcichsbank,
  Filiale  der  Wolga-Kama-Bank;
Transportgesellschaft  Nadcshda.  Starker
Handel  mit  Getreide  und  Salz  ans  dem
Eltonsee  und  bedeutende  Fischerei  in  der
Wolga.  Ein  Jahrmarkt  wird  im  Oktober
und  November  gehalten.
SsimbirSk,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  rnsf.  Gouvernements,  zwischen  der
Wolga  und  Swiaga;  (i875)  26,822  Einw.
Ressort  des  deutschen  Konsuls  in  Moskau;
Abteilung  der  Staatsbank,  Filiale  der
Wolga-Kama-Bank;  Transportgesellschaft
Nadcshda.  Großer  Kaufhof  und  jährlich
eine  viel  besuchte  Messe.
Staßfurt,  Stadt  im  prenß.  Regierungsbezirk ­
  Magdeburg,  an  einer  Zweigbahn ­
  derMagdeburg-Halberstädtcrnnd  der
Berlin-Metzer  Bahn;  (isso)  12,197  Einw.
Große  chemische  Fabriken  für  Chlorkalium. ­
  Düngesalze,  Glaubersalz,  Brom,
Pottasche,  Salzsäure  u.a.  Das  (1839  erbäte) ­
  königl.  Steinsalzbergwcrk  forderte
1880:  4,362,064  Ctr.  Carnallit,  dasPrivatbcrgwerk
  Neu-S.  3,883,491  Ctr.  diverse ­
  Salze.
Stavanger,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  Amtes  im  südwestlichen  Norwegen,
am  Buknfjord  und  der  Bahnlinie  S.-Ekcrsund;
  Station  der  Dampferlinicn:
R.  Sloman.jun.  (Hamburg)  und  Bergenske
  og  lltordenfjeldske  Dampskibselskab;
  (1878)20,288  Einw.  Deutsches  Konsulat ­
  (Amtsbezirk:  das  Amt  S.);  fliorges
Banks  Kontor,  S.-Kreditbank,  S.-Privatbank.— ­
  Die  Einfuhr  besteht  aus  :  Mehl,
31
        <pb n="490" />
        482

©tettin  —  Stilfser  Joch.

Getreide,  Reis,  Kaffee,  Wollwaren,  Tabaksblättern, ­
  Butter,  Malz,  von  denen  das
meiste  aus  Deutschland  kommt,  Steinkohle, ­
  Zucker  rc.  Die  Ausfuhr  ist  viel  geringer, ­
  daher  auch  die  meisten  Schiffern
Ballast  ausgehen,  und  besteht  in:  Fischen,
Hummern,  Fellen,  Schwefelkies.  Es  liefen ­
  1878  ein:  509  Schiffe  (161  Dampfer)
von  62,970  Ton.,  aus:  483  Schiffe  (118
Dampfer)  von  69,443  T.  1879  liefen  9
deutsche  Schiffe  von  937  T.  ein.
Stettin,  Hauptstadt  der  prenß.  Provinz ­
  Pommern  und  des  gleichnamigen
Regierungsbezirks,  der  erste  Sechandelsplatz ­
  des  preußischen  Staats,  an  beiden
Ufern  der  Oder  und  Knotenpunkt  mehrerer ­
  Bahnen;  Station  der  Dampferlinien:
Neue  Dampferkompanie  und  S.-Kopcnhagener
  Dampfschiffgesellschaft,  S  -Rigaer
Dampfschiffgesellschaft,  Vereinigte  Dampfschiffgesellschaft ­
  (alle  hier  domiziliert),  Nederlandsche
  Stoomboot  Maatschappij,  R.
Sloman  jun.  (Hamburg);  (isso)  91,745
Einw.  Konsulate  für:  Belgien,  Brasilien,
Costarica,  Dänemark,  England,  Italien,
Niederlande,  Österreich,  Portugal,  Rußland, ­
  Santo  Domingo,  Schweden  und
Norwegen,  Spanien,  Bereinigte  Staaten  ;
von  deutschen  Staaten  für:  Baden,Bremen,
Hamburg,  Lübeck,  Mecklenburg-Schwerin,
Oldenburg,  Königreich  Sachsen;  Börse,
See-  und  Handelsgericht,  kaufmännisches
Schiedsgericht,  Gewerbegericht.  —  Unter
den  Industrien  sind  namentlich  zu
nennen:  die  Stettiner  Maschinenbau-Aktiengesellschaft ­
  Vulkan,  welche  1879:  24
Dampfmaschinen  von  473  Pferdekräften,
8  Dampfhämmer  von  131  Ctr.  und  2378
Arbeiter  beschäftigte,  dabei  24  Lokomotiven,
6  Dampfer  re.  herstellte;  außerdem  noch  2
andre  Maschinenbauanstalten  und  Schiffbauwerften
  mit  252,  resp  248  Arbeitern,
3  Portlandcementfabrikcn,  welche  1879
zusammen  409,867  Ctr.  seewärts,  namentlich ­
  nach  Rußland,  exportierten,  Schamottefabrik, ­
  große  Getreide  -  ilnd  Ölmühlen, ­
  3  chemische  und  ebensoviel  Zuckerfabriken, ­
  Cichoriendarre,  Metalldosen-  unb
Wichsefabrik.  —  Die  Reederei  umfaßte
1.  Jan.  1879:209  Schiffe,  davon  124  Sestelschifse,
  33  Scedampfer  und  52  Fluß-  und
ägsicrdampfer  von  zusammen  44,524

Ton.  ES  liefen  iil  den  Hafen  ein:  1480
Dampfer  mit  507,450  T.  und  1645  Segler ­
  mit  167,815  T.,  zusammen  3125
Schiffe,  davon  deutsche  1814,  englische  589,
dänische  231,  schwedische  205,  norwegische
175  rc.  Im  Seeverkehr  gingen  1879  Waren

aus

Ctr.  Mark
16098365  169174489
9553121  110109483

Per  Bahn  wurden  8,968,379  Ctr.  ein
ilnd  7,192,813  Ctr.  ausgeführt,  so  daß
sich  der  gesamte  Verkehr  mit  Einschluß
dessen  auf  der  Oder  auf  25,097,445  Ctr.
im  Eingang  und  16,888,007  Ctr.  im  AnSgang
  belief.  Zur  See  wurden  namentlich
eingeführt:  Getreide  48,4  Mill.  Mk.,  Heringe ­
  14,3  Mill,  Kaffee  8,5  Mill.,  Öle  7,6
Mill.,  Petroleum  6,4  Mill.,  Schmalz  5,5
Mill.,  Wollgarn  5  Mill.,  Baumwollgarn
4,i  Mill.  Mk.,  dann  Roheisen,  Flachs  und
Hanf,  Rohbaumwolle  re.  Allsgeführt  wurden ­
  namentlich:  Getreide  14,9  Mill.  Mk.,
Zucker  14,i  Mill.,  Kupfer  6,8  Mill.,  Mehl
6,3  Mill.,  Kartoffeln  6,2  Mill.,  Öle  5,2
Mill.,  Zink  4,5  Mill.,  Maschinen  4,2  Mill.
Mk.,  dann  Wein,  Branntwein,  Holz.  Die
Einfuhr  von  Getreide  besteht  fast  ausschlicßlich
  in  Roggen,  die  Ausfllhr  in
Hafer  und  Weizeil.  Nach  den  Vercinigtcil
Staaten  wurden  aus  dem  Handelökammcrbezirk
  1879  ausgeführt  fur  1,141,682
Mk.  Wcnc,  (Maschinen  rc.).  —  Die  Post
beförderte  1879:  9,402,576  Briessendungen ­
  und  Warenproben,  durch  Postanweisung ­
  39,454,866  Mk.,  Briefe  und  Pakete
mit  Wertangabe  194,281,610  Mk.  rc.  —
Kreditwesen.  Bei  derReichöbankhanptstelle
  war  der  Gesamtunisatz  1880:  579,5
Mill.  Mk.,  davon  Wechselverkehr  178,4
Mill.  Mk.,  Giroverkehr  340  Mill.  Mk.
Andre  Geldinstitute:  Kreditvcrein  (eingetragene ­
  Genossenschaft),  Nationale  Hypotheken-Kreditgesellschaft. ­
  —  Platz  gebrällche.
  Man  verkauft  Steinkohle'und
Koks  für  die  Last  von  40hl,  Getreide,  Mehl,
Hülsenfrüchte  nach  dem  Gewicht  wie  in  Berlin, ­
  Spiritus  do.,  Heringe  für  die  Tonne,
Rum  und  Arrak  für  30  Viertel.  Zahlung
durch  drei  Monatsaccepte  oder  bar  mit  Diskont. ­
  —  W  0  llma  r  k  t  vom  16.—  I  Z.Jnni.
Steyr,  Paß  1
Stilfser  Jocht

s.  Alpenstraßen.
        <pb n="491" />
        Stockholm  —  Stralsund.

483

Stockholm,  Hauptstadt  und  wichtigste
Fabrik-  und  Handelsstadt  Schwedens,  am
Ausfluß  des  MälarseeS  in  die  Ostsee,  Endstation ­
  der  Bahnen  nach  Gotcnburg,  Upsala, ­
  Enköping;  Station  der  Dampferlinien:
  9feue  Dampferkompanie  (Ste  ­
tin).  Schwedische  Dampffchisfgesellschaft
(Lübeck),  Nederlandsche  StoombootMaatschappij
  ,  R.  Sloman  juu.  (Hamburg),
Sbea  Aktiebolag  (hier  domiziliert);  (iwa)
173423  Ew.  Deutsches  (Berufs-)  Generalkonsulat
  (Amtsbezirk:  Königreich  Schweden, ­
  engerer  Amtsbezirk:  Provinz  S.);
Münzstätte;  Großhandelssocietät,  Manufakturgericht,
  Handelskammer;  Borse,
Sveriges  Riksbanken,  Aktiebolag  S.  Folksbank, ­
  Mälareprovinsern  Enskilda  Baiik,
Skandin.  Kredit  Aktiebolag,  Staues  Enskilda
  Bks.  Afdel.  Kontor.  S.  Enskrlda  Bk.,
Snndsvall  Ensk.  Bks.  Afdel.  Kontor.  —
Die  Industrie  ist  lebhaft,  die  meisten
Gewerbe  werden  fabrikmäßig  betrieben;  es
bestehen  mehrere  Anckerrasfinerien,  Tabak-,
Seiden-  und  Bandfabriken,  mechanische
Werkstätten  (drei  große),  Stearin-  und
Talgfabriken,  Lein-  und  Banmwollzeugwebereicn,
  Lederfabriken,  Eisengießereien  re.,
1875  im  ganzen  373  Fabriken  (darunter  43
nicht  im  Betrieb),  deren  Fabrikate  einen
bon  37,462,432  9%f.  #ten.—%eij
kehr.  Die  innere  Kommunikation  wird
durch  viele  kleine  Dampfschiffe,  Ommbnfle
und  Pferdebahnen  besorgt.  Mit  Petersburg
sowie  mit  deil  schwedischen  Häsen  ist  S.
durch  regelmäßige  Dampferlinien  verbunden. ­
  1879  liefen  1264  Schiffe  von  318,934
Ton.  ein  und  1210  Schiffe  von  303,882
T.  aus.  Es  liefen  103  deutsche  Schisse,
darunter  41  Dampfer,  von  21,776  T.  ein
und!)8  ans.  Die  Handelsflotte  der
Stadt  zählte  Ende  1879:  66  Segelschiffe
von  11,974  T.  und  84  Dampfer  von  17,411
T.  Unter  deli  ausgeführten  Wareil  stehen
in  erster  Linie:  Hafer  3,o  Mill.  Kubik,ich,
Bretter  und  Planken  299,712  Kubikfuß,
ferner  Branntwein,  Ölkuchen,  Kupfer,
W;.  Dk  Gins"*):
nientlich  in:  Baumwolle,  Garnen,  Ölen,
@teinM)Ie,  Wß,  polle,  (Sc
webeil,  Roggen,  Reis,  Fellen,  Heringen  re.

—  Plaszgebräuche.  Man  verkauft  Ansfuhrwaren
  gegen  bar,  Einfuhrwaren  auf
3  —  9  Monate  Kredit.  Wechselkurse
notiert  man  auf  Amsterdam,  Berlin,
Hamburg,  London,  Paris,  Petersburg  90
Tage  nach  Sicht  und  kurze  Sicht,  auf  Kopenhagen ­
  8,  Lübeck  67  Tage  dato.
Stockton  on  Tees  (spr.  fítócft’n  onn  tihs),
Hafenstadt  in  der  engl.  Grafschaft  Durham ­
  ,  an  der  Mündung  des  Tees  in  die
Teesbai  und  der  Northeastern-Eisenbahn;
(1871)  27,738  Einw.  Deutsche  Konsularagcntnr;
  Darlington  Distriet  Banking
Co.,  National  Provincial  Bank  of  England. ­
  Anni  Hafen  gehörten  1876  :  28
Schisse  von  3749  Ton.  ES  liefen  1876:
734  von  100,793  %.  (in  (1879:
5  deutsche).  Die  Einfuhr  vom  Ausland
tWetc  1879:  2,9  9mm.,  bie  Mugs#
britischer  Produkte  dorthin  315,840  Mk.
Stornoway  (spr.  -ueh),  Hafenstadt  auf
der  Ostküste  der  Hebrideninsel  Lewis  ;(i8?i)
2498  Einw.  Deutsches  Vieekonfulat  für
Long  Island;  National  Bank  of  Scotland. ­
  1879  wertete  die  Einfuhr  46,360
Mk.,  die  Ausfuhr  1,746,460  Mk.
Strait  Settlements  (spr.  sstreht  semmentr),
  engl.  Kolonie  auf  der  Halbinsel
Malakka,  bestehend  aus  den  Gebieten  Singapur, ­
  Pinang  mit  Wellesley,  Malakka;
3742  qkm  (68  QM.)  mit  350,000  Einw.
—  Die  A  u  s  f  nhr  besteht  in:  Guttapercha,
Gambir,  Pfeffer,  Kautschuk,  Hörnern
unb  Lünten,
Tapioka,  Gewürz,  Farbstoffen,  Thee,  Kaffee,
  üaW,  »"b
1879:  317,i  Mill.  Mk.,  wahrend  die  Einfuhr ­
  339,2  Mill.  Mk.  betrug.  Schiffsverkehr ­
  4,391,000Ton.  —  Finanzen.  Nach
dem  Kolonialbudget  betrugen  1879  die
Einnahmen  7,746,260  Mk.,  die  Ansgaben
  7,679,000  9Rf.  .  ,
Stralsund,  Hauptstadt  des  gleichnanngeil
  Regierungsbezirks  in  der  preuß.  Provinz ­
  Pommern,  an  der  Vorpommerschen
(Älngermünde-Stralsnnd)  sowie  der  Berliner ­
  Nordbahn;  (isso)  29,492  Einw.  Konsulat ­
  fürBelgicn;  Handelskammer;  Hauptzollamt. ­
  —  Die  Industrie  ist  mannigfaltig, ­
  doch  nicht  sehr  bedeutend.  —  Die
Reederei  umfaßte  1.  Jan.  1880:  290
Schiffe  von  47,164Ton.  In  der  Seeschiff-31*
        <pb n="492" />
        484  Straßburg
fahrt  gingen  1879  ein:  528  Schisse  von
48,310  Ton.,  aus:  215  Schiffe  von  44,307
4.  In  der  Binnenschifsahrt  gingen  1778
Schiffe  von  141,291  cbm  ein  und  ebenso
viele  aus.  Der  Warenverkehr  war  1879  :
Einfuhr  Ausfuhr
Seewärts  .  .  .  &amp;lt;532680  191085  Ctr.
Binnenwärts  .  .  992812  285245  -
Die  Vorpommersche  Eisenbahn  brachte
an  Gütern  10,058,800  kg  und  führte
10,239,400  kg  fort,  die  Berliner  Nordbahn ­
  brachte  5,405,752  und  führte  fort
5,294,056  Ctr.  —  Kreditwesen.  Der
Gesamtumsatz  der  Neichsbankstelle  war
1880:  61,924,500  Mt.,  davon  Wechselverkehr ­
  30,8  Aitili.,  Giroverkehr  22,7  Btill.  Mk.
—  Platzgcbräuche.  Man  verkauft  Getreide, ­
  Hülsenfrüchtc,  Ölsaaten,  Rüböl,
Spiritus  wie  Stettin;  die  Last  —12  Ton.,
bei  nngehöhtein  Hering  13  T.;  das  Wall
—  8i  &amp;gt;  Stück.  —  Der  hiesige  W  o  l  I  in  a  r  k  t
dauert  zwei  Tage,  die  Zeit  richtet  sich  nach
dein  Poscncr  und  Brcölancr  Wollinarkt,
gewöhnlich  zwischen  5.  und  15.  Juli,  iinincr
  aber  vor  dein  Berliner  und  Stettiner,
denen  der  hier  unverkauft  gebliebene  Teil
der  Wolle  zuführt  wird.
Straßburg,  Hauptstadt  des  deutschen
Reichslands  Elsaß-Lothringen,  5  km  vom
Rhein,  an  der  schiffbaren  III,  die  4  km
unterhalb  der  Stadt  in  den  Rhein  mündet, ­
  dein  Rhein-Rhvnelanal  und  Rhein-Marnckanal,
  den  Eisenbahnen  nach  Basel,
Barr,  Paris,  Metz,  Mainz,  Mannheim,
Kehl;  (i860)  106,000  Einw.  Handelskammer; ­
  Hauptsteueramt.  —  linter  den  zahlreichen ­
  In  du  st  rie  Produkten  haben  die
Gänseleberpasteten  und  das  hier  gebraute
Bier  besondern  Ruf.  Handelsgeg'enstände
sind  namentlich:  Steinkohlen,  Kolonialwaren, ­
  Eisen,  Getreide,  Wein,  Holz,Gänseleberpasteten, ­
  Sauerkraut,  Schinken,  Hopfen, ­
  Krapp,  Senfsamen,  Gartengewächse
der  verschiedensten  Art  x.  Der  Ertrag  des
Oktrois  1879  war  520,449  Mk.  für  Flüssigkeiten ­
  (339,765  für  Bier,  117,075  für
Wein)  und  90,507  Mk.  für  Eßwaren.  —
Die  Post  beförderte  4,944,942  Briefsendllngen,
  2,749,823  Zeitungen  rc.;  cs  wurden ­
  155,241  Telegramme  befördert.  Die
Reichöbankhauptstelle  hatte  1880  einen
Umsatz  von  570  Mill.  Mk.,  davon  Wechsel-—

  Stuttgart.
verkehr  205,6,  Giroverkehr  342,8  WiK.  Mk.
—  Platzgebrauche.  Man  verkauft  Getreide, ­
  Biais,  Mehl,  Ölsaatcn  für  100  kg,
Hopfen  für  50  kg,  Elsässer  Manufatte
2  Proz.  Diskont  und  30  Tage  Kredit  oder
ohne  Diskont  auf  120  Tage  Kredit.  —
Jährlich  werden  hier  zwei  große  Märkte
gehalten:  der  Johannismarkt,  welcher
26.  Juni  beginnt,  und  der  Weihnachtsmarkt, ­
  welcher  26.  Dez.  anfangt.
Strömstad,  Hafenstadt  im  schweb.Län
Gotcnburg,  am  Skagerrak  und  der  Bahn
nach  Frederikshald;  (1878)  2205  Einw.
Deutsche  Kwnsularagentur;GöteborgsEnskilda
  Banks  Afdel».  Kontor.  Es  liefen
1878  ein:  1420  Schiffe  von  49,035  Ton.
Stuttgart,  Haupt  -  und  Residenzstadt
des  Königreichs  Württemberg,  eUva  3  km
vom  Neckar,an  der  Württemberger  Staatsbahn; ­
  (i860)  117,021  Einw.  Konsulate
für:  Argentinien,  Belgien,  Frankreich,
Italien,  Niederlande,  Österreich,  Schweiz,
Vereinigte  Staaten  ;  von  deutschen  Staaten
für  :  Bayern,  Königreich  Sachsen,  Sachsen-Weimar;
  Handels-  und  Gewerbekammer;
Hauptfteueramt;  BörsehTagcsbörse,Wechsel-, ­
  Geld-,  Fonds-  und  Aktienbörse),  süddeutsche ­
  Jndnstriebörse  (Baumwollbörse),
beide  zusammen  bilden  den  Börsenverein;
Weinbörsenverein,  Landesproduktcnbörsc;
Württembergischer  Handelsverein,  Süddeutscher ­
  Buchhändlerverein;  Handelsschiedsgericht ­
  für  Buchhändler;  württembergisches
  Musterlager  unter  Leitung  der
Centralstelle  für  Gewerbe  und  Handel.  —
Unter  den  zahlreichen  Indu  st  r  i  e  n  treten
ganz  besonders  hervor:  die  Bierbrauereien,
die  Farben-,  Pianoforte-,  Harmonium-,
Kassen-,  Möbel-,  Parkettboden-,  Cigarren-, ­
  Chemikalien-  und  Wagcnfabriken,
die  Glockengießereien  und  die  Fabrikation
von  Reiseartikeln.  —  Der  Handel  ist  in
allen  Ztvcigen  bedeutend.  Im  Buchhandel,
der  hier  1881:115  Buch-  und  Kunsthandlungen ­
  ausweist,  nimmt  S.  nach  Leipzig  den
ersten  Rang  inDeutschlandein.  Die  sogen,
»süddeutsche  Buchhandlermesse«  (d.  h.  die
Abrechnungen  der  süddeutschen  Buchhändler), ­
  auch'»Psingstmcsse«  genannt,  findet ­
  jährlich  im  Juni  statt.  Zwei  große
Markte  werden  jährlich  gehalten,  die
»Maimesse«  und  die  »Christmesse«  (letz-
        <pb n="493" />
        Suakim  —  Suez.

485

teve  bis  24.  Dez.  inkl.).  Die  jährliche
Tuchmesse,  von  dreitägiger  Dauer  im  August,
  beschränkt  sich  auf  den  Großhandel  in
wollenen  und  halbwollenen  Stoffen  aller
Art.  Nach  den  Vereinigten  Staaten  wnrdcn
  1879  ausgeführt:  Korsette  (998,346
Mk.),  getrocknetes  Obst  und  Nüffe(932,256
Wh),  ^arbeit  (255,545  m.),
(177,246  Mk.),  Leder,  Leinenwaren,Bijoutericwaren,
  illustrierte  Zeitschriften,Banmwvllwaren
  rc.,  zusammen  für  2,698,000
Mk.  (aber  1880  für  3,653,189  Mk.).  —
Kreditwesen.  Die  Rcichsbankhauptstclle
hatte  1880  einen  Gesamtumsatzvonl.034,7
Mill.Mk.,  davon  Wechselverkehr  298,  Giroverkehr ­
  711,3  Mill.  Mk.  ;  außerdem  bestehen ­
  hier:  die  Württemb.  Notenbank,
Württemb.  Vereinsbank,  Württemb.  Hy-Potbckenbank,
  Württemb.  Kreditvcrein.—
Platzgebräuche.  Man  verkauft  Baumwollgarn ­
  für  daö  englische  Pflmd,  Cops
(Spindelaarn)  für  daö  deutsche  Pfund,
Baumwollzeuge  alls  höchstens  6  Monate
Kredit;  bei  Weißwaren  erfolgt  Zahlung
oft  erst  nach  8,  9,12  Monaten.  Wechselkurse ­
  notiert  man  ans  Amsterdam,  Antwerpen, ­
  Attgsbilrg,  Berlin,  Bremen,  Hamburg, ­
  London,  Paris,  Schweizer  Plätze,
Wien  wie  Frankfurt  a.  M.
Suakim,  wichtige  Hafenstadt  in  Nubien, ­
  am  Noten  Meer,  auf  einer  Insel;
mit  dein  Vorort  Kef  8000  Eiirw.  Von  hier
führen  Karawanenstraßeir  nach  Berber
am  Nil  und  Kassala  in  Taka.
Sudan  (Nigritien,  Nigerland),
im  weitern  Sinn  außer  den:  langen  und
breiten  Thal  des  mittlern  Nigerlaufö  die
Länder:  Bambarra,  Dschinni,  Haussa,
Borinl,  Mandara,  Baghirmi,  Wadar,
Dar  Fur  re.  Die  ägyptische  GeschästösprachebezeichnetmitSudänland(Beled
  es
S.)  bcsoilderü  die  Länder  Dar  Fur,  Korbofan,
  Ehartum  uub  Sennar.
Südaustralien,  britisch-ailstral.  Kolonie, ­
  die  sich  quer  durch  den  Kontinent  vom
GiMiAei,  3,^%^,;  Occmi  ct:
streckt;  2,341,611  qkm  (42,526  QM.)
mit  (isso)  262,379  Einw.,  darunter  ca.
30,000  Deutsche.  ES  wanderten  1879  ein:
13,480,  (ma-.  9137
liehe  Teil  ist  für  Ackerbau  und  Weinbau
zum  Teil  sehr  geeignet,  der  bei  wertem

größere  Teil  aber  nur  Weideland;  im
N.  am  Indischen  Ocean  würden  tropische ­
  Kulturen  gedeihen.  Von  Mineralien
findet  man  namentlich  Kupfer  (1879  für
7,3  Mill.Mk.),  aber  auch  Eisen  in  großer
Menge,  dochunbenutzt,  Wismut,  Blei,Silber, ­
  Gold  (besonders  im  Nordterritorium
am  Indischen  Ocean).  Im  Innern  große
wüste,  wasscrlose  Strecken.  —  H  a  u  p  t  k  u  l  -
tur  ist  Weizen,  daneben  Gerste,  Hafer,
Kartoffeln  uild  Wein;  1878  wurden  geerntet ­
  :  3,«Mill.Iü  Weizen,  6  Mitl.lllGerste
und  1,7  Mill,  hl  Hafer.  Die  Ausfuhr  von
Weizen  undMehlbetrug1879:32,962,240
Mk.  Wichtiger  indes  ist  die  Viehzucht;
1879  zählte  man  130.052Pfcrde,  266,217
Rinder  und  6,140,396  Schafe.  Der  Export ­
  von  Wolle  betrug  39,697,580  Mk.  —
Die  gesamte  Ausfuhr  erreichte  1879:
94,254,540  Mk.,  die  Einfuhr  (meist  'Mail ­
  ufakte,Thee,Zucker,Salz  rc.)  100,283,000
Mk.,  davon  48,027,980  Mk.  ans  England.
—  Schiffsverkehr.  Es  liefen  1879
ein:  1092  Schiffe  von  467,729  Ton.,  ans:
1039  Schiffe  von  465,162  T.  Die  Postdampfer ­
  der  Peninsular  and  Oriental
Steam  Navigation  (so.  verkehren  regelmäßig ­
  auf  der  Reede  von  Glenelg  (Adelaides, ­
  ebenso  laufen  die  Dampfer  der
Orientlinie  Port  Adelaide  an.  Zwischen
letzterm  unb  Melbourne  zwei  regelmäßige
Dampferlinien.  Auf  dem  Murray  mit
Murrumbidgee  und  Darling  verkehren  40
Dampfer  mit  50  Schleppkähnen.  Die
Handelsflotte  bestand  1879  ans  264
Schiffen  von  29,089  Ton.,  davon  71  Dampfer ­
  von  7206  T.  —  Die  Eisenbahnen
hatten  1879  eine  Länge  von  894  km  (im
Bau  403  km),die  Telegraphenlinien
von  7029  km  mit  9494  km  Leitungen.
Die  Post  beförderte  1879  in  461  Bureaus
8,849,743  Briefe  und  4,657,254  Zeitungen. ­
  —  Eilt  deutsches  Konsulat  besteht
in  Adelaide,  ein  Vicekonsnlat  in  Port
Adelaide.  —  Finanzen.  StachdemBudget
  1879—80  betrugen  die  Einnahmen
36,623,280Mk.,  die  Ausgaben  37,062,260
Mk.,  die  Schuld  der  Kolonie  l.Juli  1880:
197,310.000  Mk.  Geld,  Maße  und  Gewichte ­
  sind  die  englischen.
Suez  (Sués),  Stadt  in  Uilterägyptcn,
an  der  'Nordspitze  des  Roten  Meers,  wel-
        <pb n="494" />
        486

Suezkanal  -
ches  hier  in  den  Golf  von  S.  ausläuft,
und  an  der  Mündung  des  Suezkanals  in
denselben;  Station  der  Dampferlinien:
Österreichisch-Ungar.  Lloyd,  Nussische
Dampfschiffgesellschaft,  Peninsular  and
Oriental  Co.,  Messageries  maritimes,
Società  Nubattino;  ca.  10,000  Einw.
Deutsches  Kousnlat;  Crédit  Lyonnais,  Ottoman ­
  Bank.  1877  gingen  ein  und  aus:
1936  Schiffe  von  2,084,858  Ton.,  davon
beladeil  1918  Schisse  von  1,066,583  T.
Suezkanal,  der  das  Mittelländische
und  das  Rote  Meer  verbindende  Schisffahrtskanal
  von  Suez  nach  Port  Saio,
welcher  16.  Nov.  1869  nach  zehnjähriger
Arbeit  eröffnet  wurde.  Die  Lange  des  Kanals ­
  beträgt  160  km,  die  Breite  am  Wasserspiegel ­
  58—100  m,  an  der  Sohle  22  m,
die  Tiefe  8  m.  Die  effektive  Durchfahrtözeit
  betrug  1879  im  Mittel:  17  Stunden
12  Minuten,  mit  der  Anlegefrist  bei  Tag
und  Nacht  40  Stunden  30  Minuten.  In
das  Mittelmeer  bei  Port  Sard  sind  zwei
ungeheure  Molen  von  2300  und  1600  m
Länge  hinausgebaut.  Die  Gesamtkosten
für  den  Bau  und  die  erste  Einrichtung  des
Kanals  betrugen  bis  Ende  1876:  397,5
Mill.  Mk.,  von  denen  256  Mill.  Mk.  durch
Aktienzeichilnngen  ailfgebracht  wurden,
während  der  Chedivc  den  Nest  deckte.  Letzterm ­
  kaufte  England  1875  die  übernommenen, ­
  noch  unplacierten  Aktien  (177,602
Stück  im  Wert  von  70  Mill.  Mk.)  ab.
Der  Wert  der  Gebäude  und  des  Inventars
wurde  Ende  1874  auf  16,4  Mill.  Mk.  angeschlagen. ­
  Seit  1872  haben  sich  beständig
Überschüsse  ergeben;  1879  betrugen  die
Einnahmen  24,7,  die  Ausgaben  22,4  Mill.
Mk.  Die  Einnahmen  werden  statutenmäßig ­
  folgendermaßen  verteilt:  cs  fallen
nach  Zahlung  von  5  Proz.  Zinsen  für  das
Aktienkapital  71  Proz.  auf  die  Aktionäre,
15  Proz.  an  die  ägyptische  Regierung,  10
Proz.  an  die  Gründer  der  Gesellschaft  und
je  2Proz.an  dieDirektion  uilddas  Personal
der  Gesellschaft.  Es  passierten  den  Kanal
1878:  159.1  Schiffe  mit  1291535  Tonne»
1879:  1477  -  -  3236942
1880  :  2017  .  -  4378964
Von  den  1879  durchpassierten  Schissen
toaren  :  1035  Handelödampfer,  298  Postdampfer,
  55  Transportschiffe,  32  Schlep-•

  Sunderland.
per,  1  Segelschiff,  11  Korvetten,  3  Kanonenboote, ­
  14  Avisos,  7  Kreuzer,  7  Jachten,
4  Bagger.  An  Personen  gingen  42,75a
Mann  Truppen,  26,697  Eiviliften  und
12,672  Pilger  dlirch  den  Kanal.  Nach
den  Flaggen  war  die  Frequenz  1880:
Schiffe  Tonnen
England  1579  2247306
Frankreich  ....  103  177701
Holland  69  124083
Österreich-Ungarn.  .  60  75820
Italien  52  71009
Spanien  05  50245
Deutschland  ....  08  08162
Viel  unbedeutender  waren  Zahl  undTonnengehalt
  türkischer,  ägyptischer,  russischer, ­
  norwegischer,  dänischer,  portugiesischer ­
  und  andrer  Fahrzeuge.
Suliiiamündung,  s.  Donau.
Sumatra,  die  größte  derSundainseln,
umfaßt  nebst  den  Inseln  der  Westküste
443.234  ,jkm(8049,oCm.)  mit  3,704,000
Einw.  —  Von  den  Produkte  n  der  Jusel
kommen  zur  Ausfuhr:  Reis,  Kaffee,  Tabak, ­
  Kassia,  Pfeffer,  Muskatnuß,  Indigo,
Sago,  Baitmwolle,  Kautschuk,  Kampher,
Ricinusöl,  Wachs,  eßbare  Vogelnester,
Elfenbein,  Nutz-  und  Farbhölzer;  von  Mineralien ­
  finden  sich  reichlich:  Gold,  Kupfer,
Zinn,  Eisen  und  Steinkohle.  Bis  auf
wenige  Landstriche  im  NW.  gehört  die  Insel ­
  den  Holländern;  ihr  Gebiet  umfaßt:
OKiloni.  QMeilen  Bewohner
Westküste  mit  Inseln  105559  2402  1979000
»ensillen  .  .  .  .24778  450  107000
Lampo»»  ....  20400  480  118000
Palembang  .  .  .  88101  1000  570000
Das  übrige  Gebiet,  168,366  qkm  (3057,7
QM.)  mit  900,000Einw.,  steht  unter  ein
heimischen  Fürsten.  Ausfuhrhäfen  find
Padang  und  PalembanA.
Sunderland  lfpr.  ffonnd'rland),  Seestadt
in  der  engl.  Grafschaft  Dllrham,  an  der
Mündung  des  Wear  in  die  Nordsee  und
au  der  Northeastern-Bahn;  (isso)  118,927
Einw.  Deutsches  Konsulat  ;NationalProvincial
  Bank  of  England.  —  Die  Stadt
hat  große  Schiffswerften  (2600  Arbeiter;
der  Bruttoraumgehalt  der  hier  1879  gebauten ­
  Schiffe  beträgt  90,583  Ton.),
Maschinenbauwerkstättcn,  Ankerschmieden
  K.  Zum  Hafen  gehörten  1879:  555
        <pb n="495" />
        Sundsvall
Schisse  (181  Dampfer)  von  207,773  Ton.;
1  879  liefen  hier  7529  Schiffe  (2776  Dampfer) ­
  von  2,041,766  T.  ein,  davon  deutsche ­
  268  (153  Dampfer).  Der  Handel  ist
in  den  letzten  Jahren  beständig  gesunken.
Nach  dem  Ausland  wurden  1879  britische
Produkte  im  Wert  von  9,6&amp;lt;&amp;gt;2,700  Mk.  ausgeführt ­
  und  für8,916,480  Mk.  eingeführt.
Haupthandelsartikel  ist  Steinkohle  (Ans-1879:
  3,276,744  Zoll.).
Sundtzvall,  bedeutender  Ausfuhrhafen
für  Holz  an  der  norrländischen  Küste
(Schweden)  und  der  Eisenbahn  S.-Torp-1)0111,
  künftig  Endpunkt  der  großen  Qnerbahu
  nach  Drontheim;  0878)  8476  Einw.
Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:  die  Vogtes ­
  Modelpad  der  Prov.  Westernorrland).
S.  Enskilda  Bank,  Aktiebol.  S.Hbk.,  Kreditaktiebol.
  S.  —  1878  liefen  ein:  1055
uo»  310,927  Zoll.  (1879:  111
deutsche  Schisse  von  27,520  T.),  aus:  1221
Schiffe  von.351,591  T.  Es  wurden  1877
ausgeführt  (in  Millionen  Kubikfust):

Bauholz  und  Masten  .....  4,«
Balken  und  Sparren  .....  7,2
Bretter  und  Planken  16,5
Bretter-  und  Plankenende»  .  .  .  l,o

ferner  Grubenstützen  (393,576  K  nbikfuß),
Faßdauben,  Bandstöcke,  Rnderhölzer  n.  a.
Surabaja,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  niederländ.  Provinz  an  der  Nordküstc
der  Insel  Java,  mit  90,000  Einw.  Deutsches ­
  Konsulat;  Javaschc  Bankagentur,
Chartered  Bank  of  India,  Australia  and
China,  Niederländisch-Indische  Bank,
Chartered  Mercantile  Bank  of  India,
London  and  China.  1880  liefen  hier  33
deutsche  Schiffe  ein,  30  aus.  —  Wechselkurse ­
  notiert  man  auf:  Holland,  England,
Singapur,  China.
Surinam,  s.  Guayana  3).
Svaneke,  Hafenstadt  auf  der  bau.  Insel ­
  Vornholm;  (isso)  1250  Einw.  Deutsches ­
  Konsulat.  .
Swansea  (spr.  sswannssih),  Stadt  m  der
Grafschaft  Glamorgan  im  engl.  Fürstentum ­
  Wales,  an  der  Mündung  des  Tawc
in  die  Swanseabai  des  Vristolkanals  und
an  der  Great  Western  and  Midland-  sowie
der  London  and  Northwestern-Eisenbahn;
(1871)  56,995  Einw.  Deutsches  Vicekonfulat;
  Glamorganshire  Banking  Co.,  S.

-  Sydney.  487
Bank.—  Der  Import  besteht  hauptsächlich
in  Zinn-  und  Kupfererzen  für  die  großen
Schmelzwerke  in  der  Nahe  der  Stadt  aus
Chile,  Spanien,  Australien  u.  a.,  Holz,
Getreide.  Kartoffeln,  die  letzten  besonders
aus  Deutschland.  Die  Ausfuhr  britischer
Produkte:  Steinkohle,  dann  Roheisen,
Schienen.  Kupfer,  Bleche,  wertete  1879:
16,307,880  Mk.,  die  Einfuhr  40,229,540
Mk.  —  Zum  Hafen  gehören  309  Schisse
von  32,436  Ton.  ;  1876  liefen  7709  Schiffe
von  1,068,062  T.  ein,  1879:  36  deutsche
Schisse.
Swatau,  chines.  Traktatshafen  in  der
Provinz  Kwangtung,  mit  30,000  Einw.,
darunter  154  Fremde  (31  Deutsche)  und
10  fremde  Firmen  (2  deutsche);  Sitz  eines
deutschenVicckonsnls,  Direktors  des  chinesischen ­
  Seezollamts;  Hongkong  andShanghai
  Banking  Corporation.  Der  Wert  des
direkten  auSwärtigenHandelsbetrugl878:
die  Einfuhr  45,5  Mill.  Mk.,  die  Ausfuhr
6,8  Mill.  Mk.  1879  verkehrten  hier  1082
Schiffe  (800  Dampfer)  von  687,297  Ton.,
davon  178  deutsche  von  84,768  T.
Swinemünde,  Hafenstadt  im  prenß.
Regierungsbezirk  Stettin,  ans  der  Insel
Usedom,  an  der  Mündung  der  Swine  (s.
Oder)  in  die  Ostsee  und  der  Bahn  Stralsund ­
  -S.;  (1880)  7977  Einw.  Handelskammer ­
  ;  Reichsbanknebenstelle,  Vorschußverein
  (eingetragene  Genossenschaft).  Es
liefen  1879  ein:  618  Schiffe  von  192.593
Ton.,  auS:  606  Schiffe  von  187,859  T.
Sydney,  Haupt-  und  Hafenstadt  in
der  britisch»austral.  Kolonie  Neusüdwales,
am  Port  Jackson,  Ausgangspunkt  der
Eisenbahnen  ins  Innere;  Station  der
Dampfcrlinien:  Peninsular  and  Orie»
tal  Co.,  Orientlinie,  Eastern  and  Australian ­
  Mail  Steam  Co.,  Pacific  Mail  Co.,
Colonial  Mail,  R.  Sloman  (Hamburg);
(issi)  222,133  Einw.  Deutsches  (Berufs-)
Generalkonsulat;  Münzstätte;  Börse,
Handelskammer;  Australian  Joints  Stock
Bank,  Bank  of  Australasia,  Bank  of  New
South  Wales,  Bank  of  New  Zealand.
Citybank,  Commercial  Banking  Co.  of
S.,  Uuionbauk  of  Australia  u.  a.  Bedeutende ­
  Leder-,  Schuhzeug-  und  Kleiderfabriken, ­
  großartige  Docks  und  Schifsswersten.
  —  1878  liefen  1242  Schiffe  ein
        <pb n="496" />
        i

if

488

Syra  —  Tahiti.

ii
I

Hill  il

lilis

Kills

i

■u

'Ll

(12  deutsche  von  5472  Ton.).  Fast  die  gesamte ­
  Ein-  und  Ausfuhr  der  Kolonie  Ncusüdwales
  (s.  d.)  kommt  und  geht  über  S.  —
P  latzgeb  rä  u  ch  c.  Einfuhrwaren  verkauft
man  auf  3  —  6  Monate;  Deckung  durch
Wechsel  30—00  Tage  nach  Sicht  zahlbar,
häufig  durch  Versteigerung.  Wechselkurse
  notiert  man  auf  Loudon  30,  60,90
Tage  nach  Sicht,  auf  New  Pork,  Colombo.
Shra,  gricch.  Insel,  eine  der  Kykladen,
80  qkm  (1,45  QM.)  mit  einer  Einwohnerzahl ­
  (inkl.  Giura)  von  26,946  und  der
Hauptstadt  Hermupolis.  Deutsches  Konsulat; ­
  Griechische  Nationalbank.  —  Die
Insel  i|t  Station  für  die  Dampferlinien:
dîedcrl.  Stoomboot  Maatschappij,  Österreichisch-Ungarischer ­
  Lloyd,  Carnegie-Linie ­
  (London),  Cunard-  Linie  (Liverpool),
Messageries  maritimes,  Westcotts-  Linie
(Antwerpen).  Der  Handel  ist  vorwiegend
Kommissions-  und  Speditionshandel  und
versorgt  fast  ausschließlich  sämtliche  Inseln ­
  des  Archipels.  1876  liefen  6232  Schiffe
von  896,460  Ton.  ein  und  0070  Schiffe
von  787,188  T.  aus.  Die  Einfuhr
wertete  18,y  Mill.  Mk.,  die  Ausfuhr
(Schwämme,  Schmirgel,  Häute,  Seide,
Kokons)  4,6  Mill.M  k.  -P  l  a  tz  g  c  b  r  ä  n  ch  e.

Man  verkauft  Manufakte,  Quincaillerie,
Rohhäute,  Droguen  auf  dreimal  90  Tage
Ziel,  Kolonialtvaren,  Metalle,  Schießpulver ­
  meist  gegen  bar.  W  e  ch  se  l  k  u  r  s  c  notiert ­
  man  auf  London,  Marseille,  Paris,
Triest  4  Monate  dato.
SyraknösSi  racnsa),Hauptstadt  der
gleichnamigen  Provinz  an  der  Ostküste
von  Sicilien,  am  Jonischen  Meer;  (me)
23,287  Einw.  Report  des  deutschen  Konsuls ­
  in  Catania;  Nationalbank,  Banco
di  Sicilia;  Handelskammer.  Im  Hasen
liefen  1875:  1871  Schisse  mit  169,379
Ton.  ein  und  ans.  —  Platzgebräuche.
Mail  verkauft  Landeöprodukte  gegen  bar,
Einfuhrwaren  auf  2  und3Monate  Kredit.
Szegcdin,  königliche  Freistadt  im  um
gar.Komitat  Csongräd,  am  Zusammenfluß
der  Maros  und  der  Theiß,  über  die  eine
Schiffbrücke  und  eine  Eisenbahnbrücke  führen, ­
  Station  der  Pest-Temesvarer  Eisenbahn, ­
  welche  hier  die  Alföld-Fiumaner
Bahn  schneidet;  (isso)  74,094Einw.  Handels- ­
  und  Gcwerbebank,  S.-Esongrädcr
Sparkasse.  Szcgediner  Sparkasse,  Handwcrkerbank.
  Bedeutender  Handel  mit  Getreiden. ­
  Holz.  SehrfrequcnteJahrmärktc.
Lebhafter  Schiffsverkehr  auf  der  Theiß.

T.

Täbris,  s.  Tebriz.
Tacna,  Stadt  im  glcichnainigen  peruanischen ­
  Departement,  in  den  Andes,
durch  Eisenbahn  mit  dem  Hafen  Arica
verbunden;  (i876)  7738  Einw.  Deutsches
Konsulat  (Amtsbezirk:  die  Departements
T.  und  Moquegua);  Banco  deT.  Wechselkurse ­
  ailf:  London,  Paris,  Hamburg.
Taganrog,  wichtiger  Ausfuhrhafen  für
Getreide  int  russ.  Gouvernement  Jekaterinoölaw,
  an  den  Bahnen  T.-Tiflis  nndT.-Moskau;
  Station  der  Rnssischen  Dampfschiffahrtsgesellschaft ­
  (Odessa)  und  Westcotts-Linie ­
  (Antwerpen);  (me)  48,186
Iş'inw.  Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk:
die  Stadthauptmannschaft  T.  und  das  Land
der  Donischen  Kosaken  am  rechten  Ufer
des  Don);  Börse,  Abteilung  der  Staatsvank,
  Azoff-Don-Kommerzbank,  Filiale

der  Rostower  Kommerzbank;  TranSportgesellschaft
  Nadeshda.  —  1879  wertete  die
Einfuhr  (Steinkohle,  Wein,  Bier,  Petroleum, ­
  Südfrüchte,  Maschinen  rc.)  25,9
Mill.  Mk.,  die  Ausfuhr  (Weizen,  Leinund
  Rapssamen,  Wolle,  Kaviar  re.)  198,46
Mill.  Mk.  1879  liefen  ein  und  aus:  920
Schiffe  (247  Dampfer)  von  359,250Ion.,
davon  deutsche  2  von  1369  T.
Tahiti  (Tatti),  größte  und  wichtigste
der  Gescllschaftöinseln,  früher  unter  französischem ­
  Schutz,  1880  in  direkten  Besitz
Frankreichs  übergegangen;  mit  Murêa
und  Nebeninseln  1179  qkm  (21,4  QM.)
mit  (1876)  21,936  Einw.  (darunter  122
Deutsche,  606  Engländer  und  Amerikaner,
1633  Franzosen).  —  Hauptkulturen
sind:  Kokosnüsse,  Baumwolle,  Kakao  und
Orangen.  Von  Papeete,  dem  Hanptort
        <pb n="497" />
        489

Taiwan  -
und  Hauptausfuhrhafen  mit  deutschem
Konsulat  für  die  Gcsellschaftöinseln,  wurden ­
  1879  exportiert:  Perlmutterschalen
925,196  Mk.,  Baumwolle  775,418  Mk.,
Kopra  280,189  Mk.,  scruer  Zitronensaft,
Apfelsinen  rc.,  int  ganzen  für  2,17  Mill.
Mk.  Nach  Hamburg  ging  von  Papeete
und  Raiatea  (westlich  voi:  T.)  für  1,37  Mill.
Mk.,  nach  San  Francisco  für  525,744  Mk.
In  Papeete  und  Raiatea  liefen  5  deutsche
Schisse  ein  und  aus,  ferner  50  Jnselschoner
  unter  deutscher  Flagge.  Der  Großhandel
  ist  in  den  Händen  englischer,  beats
scher  und  nordamerikanischer  Häuser.  —
Länge  der  Eisenbahnlinien  33  km.  —
Geld,  Maße  und  Gewichte  sind  meist
französische;  Wechsel  auf  England  3  Monate ­
  nach  Sicht,  Regierungswechsel  ans
Paris  20—30  Tage.  Käufe  gegen  bar.
Taiwan,  chines.  Traktatshafen  auf  der
Insel  Formosa,  mit  ca.  100,000  Einw.,
gehört  zum  Ressort  deö  deutschen  Vicekonsnls
  in  Takao  (s.  d.).
Tajo,  einer  der  Hauptflüsse  der  Pyrenäischen
  Halbinsel,  entspringt  in  Spanien
an  der  Grenze  von  Neukastilien  und  Aragonien ­
  und  fällt  nach  890km  langem  Lauf
in  mehreren  Armen  in  die  Bai  von  Lissabon. ­
  Die  regelmäßige  Schiffahrt  beginnt
bei  Abranteö,  Barken  gehen  noch  50  km
weiter  hinauf.  Bei  Santarenr  beginnt  die
Dampfschiffahrt,  bis  hierher  befahren  ihn
auch  Seeschiffe.
Takao  (Taken),  chines.Traktatshafen
auf  der  Insel  Formosa,  135,000  Einw.
(36  Fremde  in  5  Firmen).  Deutsches  Vieekonsulat;
  Seezollamt.  In  T.  und  dem
benachbarten  Taiwan  verkehrten  1879:
309  Schiffe  (96  Dampfer)  von  104,372
Ton.  (112  deutsche  von  32,751  T.).  Im
auswärtigen  Handel  war  die  Einfuhr  10,3,
die  Ausfuhr  12,2  Mill.Mk.;  der  Bankverkehr ­
  geht  über  Hongkong.
Talcahuano,  Hafen  von  Concepcion
ill  Chile,  an  der  Bahn  T.-Chillan;  0875)
17,496  Einw.  Im  auswärtigen  Handel
wertete  1876  die  Einfuhr  2,u  Mill.,  die
Ausfuhr  4,5  Mill.  Mk.  Schiffsverkehr
1877  (Januar  bis  Juni):  212  Segelschiffe
und  13  l  Dampfer.  .  .  ,  ,
Tamatava,  wichtigster  Handelsplatz
der  Insel  Madagaskar,  an  der  O,lknste

-  Tanger.
derselben,  befestigt;  ca.  3000  Einw.  Deutsches ­
  Konsulat.  Vgl.  Madagaskar.
Tammcrfors,  bedeutendste  Fabrikstadt
Finnlands,  im  Län  Tavastehuö,  an  der
Bahn  HclsingforS-T.;  0875)  8500  Einw.
Deutsche  Koilsnlaragentnr;  Finlands
Bankkontor,  Kontor  der  Nord.  Aktienbank
für  Handel  und  Industrie,  Föreniiigsbanken
  Filialkontor.  Baumwoll-  und  Leinenspinnerei,
  Papier-  nndWollwarcnsabriken.
Tampico,  wichtige  Handelsstadt  im
meritan.  Staat  Tamaulipas,  am  Golf
von  Mexiko;  Stativi:  der  Dampferlinien:
Hambllrg  -  Amerikanische  Dampfschiffsahrtsgesellschaft
  und  Westindia  and  Pacific
Steamship  Co.  (Liverpool);  (i880)  5000
Einw.  Deutsches  Konsulat  für  den  Staat
Tamaulipas.  1878  wertete  die  Einfuhr
(Manufaktur-,  Kurz-,  Glas-  und  Eisenwaren) ­
  3,6  Mill.  Mk.,  die  Ausfuhr  (Bargeld, ­
  Henneqnen,  Zarsa,  Häute  und  Felle,
Gelbholz,  Honig)  3,8  Mill.  Mk.,  davon
nach  Hamburg  48,800  Mk.  Der  Verkehr
geht  meist  nach  den  Vereinigten  Staaten.
Tamsui,  chines.  Traktatshafen  ans  Formosa, ­
  zusammen  mit  Kilung  ca.  86,500
Einw.  (40  Fremde  in  5  Firmen,  keine  deutsche). ­
  Deutsches  Vicckonsulat;  Seezollamt. ­
  1879  wertete  der  direkte  auswärtige
Handel  in  Einfuhr  3,867,780,  Ausfuhr
491,004  Mk.;  Schiffsverkehr  1879:  294
Schisse  (132  Dampfer)  von  88,828  Ton.,
darunter  42  deutsche  von  11,098  T.
Tandscha,  s.  Langer.
Tanganjika,  großer  Sec  un  Innern
von  Ostafrika,  enthält  süßes  Wasser,  ist
750  km  lang  und  durchschnittlich  52  km
bņit.  Er  wird  des  Handels  wegen  von
Kähnen  der  Eingebornen  und  arabischen
DhauS  befahren.  Der  wichtigste  Ort  an
seinem  Ostgcstade  ist  Kawele  oder  lldschidschi
  mit  arabischer  Niederlassung.
Tanger  (Tandscha),  bcbeutenbftcv
Seehandelsplatz  in  Marokko,  am  westlichen
Eingang  der  Straße  von  Gibraltar;  Stativi:' ­
  der'Dampferlinicn:  R.  Sloinanguu.
(Hamburg),  Morocco  Line  (Loiidoi:)  u.  a.;
13—20,000  Einw.,  darunter  6—7000
Juden  und  1500—2000  Europäer.  Deutsches ­
  (Berufs-)  Generalkonsulat.  Die  hiesigen ­
  Konsuln  sii:d  die  politischen  Vertreter ­
  ihrer  Staaten  beim  Sultan,  und  da
        <pb n="498" />
        490

Tantal)
Europäer  in  der  Hauptstadt  nicht  wohnen
dürfen,  so  residiert  der  Minister  der  auswärtigen ­
  Angelegenheiten  in  T.  Der  Handel ­
  liegt  iu  den  Händen  derEngländer  und
Franzosen;  1879  war  der  Wert  der  Einfuhr ­
  (Baumwollwaren,  Zucker,  Seide,
Mehl,  Tuche)  7,291,940  Mk.,  Ausfuhr
(Ochsen,  Pantoffeln,  Rinderhäute,  Eier,
Fleisch)  3,605,740  Mk.  Deutschland  führte
Cement,  Seife,  Kartoffeln  für  2140  Mk.
ein.  —  1879  verkehrten  hier  6.35  Schiffe
(1  deutsches)  von  94,056  Ton.
Tantah,  Stadt  in  Unterägypten,  an
der  Bahn  Alexandrieil-Suez;  60,000  Einlv.
Deiltsche  Konsularagentllr.  Im  August
berühmte  Messe,  zu  lvelcher  au  500,000
Menschen  zusammenströmen.
Tarent,  befestigte  Seestadt  in  der  ital.
Provinz  Lecce,  am  Golf  von  T.  und  der
Bahn  Reggio-Bari;  Station  der  Dampferlinieu:
  Nederl.  Stoomboot  Maatschappij,
  Österreichisch-Ungar.  Lloyd,  Società ­
  Florio  (Genua);  (1876)  29,258  Eiuw.
Deutsches  Bicekonsulat  für  T.  und  den
Golf  von  T.;  Hauptzollamt.  —1879  wertete ­
  die  Einfuhr  (Petroleum,  Droguen,
Eisen  rc.)  l.Eill.Mk.,  die  AusfuhrsOlivenöl,
  Getreide,  Dnngmittel  rc.)  9,8  Mill.
Mk.  Es  liefen  ein:  357  Schiffe  (7  deutsche)
voil  117,795  Ton.,  aus:  359  Schiffe  von
117,939  T.
Tarragona,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  span.  Provinz,  am  Mittelländischen
Meer  und  der  Bahn  Barcelona-Alicante;
Station  der  Dampferlinieu:  R.  Slomau
.juu.  (Hamburg)  unb  Paqiletbots  à  vapeur ­
  Espagnols  (Sevilla);  (W7)  23,046
Eiuw.  Deutsches  Konsulat  für  die  Provinz ­
  T.;  Española  de  descuento  Caja  de
T.;  Seidenweberei  und  Garnspinnerei.—
1879  betrug  die  Ausfuhr  zur  See  (Wein,
Mandeln,  Haselnüsse,  Weinsprit,  Papier ­
  rc.)  23  Mill.  Mk.,  davon  nach  Deutschland ­
  0,4  Mill.  Mk.;  die  Einfuhr  (Getreide,
Holz,  Steinkohle,  Schwefel,  Fastdailbeu,
Stockfisch  rc.)  10  Mill.  Mk.,  davon  aus
Deutschland(Sprit  und  Salzmehl)  2  Mill.
Mk.  Jndustrieartikel  werden  über  Barcelona ­
  und  Valencia  eingeführt.  Es  ver-,^24
  0^^  Wn
10  717  T^"''  bcmm  er  18  deutsche  von

—  Tebriz.
Tasmania  (früher  Vandiemensl
  and),  britisch  -austral.  Insel  au  der  östlichen ­
  Südspitze  des  Australkontinents,  von
demselben  durch  die  Baßstraße  getrennt;
67,894  qkm  (1233  QM.)  mit  (187!,)
112,469  Eimv.,  darunter  506  Deutsche.  Es
wanderten  1879  ein:  10,578,  aus:  9932
Personen.  —  Daö  Klima  ist  weniger  heiß
und  trocken  als  auf  dem  Festland,  daher  gedeihen ­
  alle  europäischen  Obstsorten  (Ausfuhr ­
  von  Muö  uudObst  1879  für  34Mill.
Mk.).  Hauptprodukte  des  Laudbauö
find  Weizen  (1878:  18,921  hl)  und  Hafer
(8862  hl).  Nach  der  Viehzählung  von
1879  gab  c9:  24,578  #ibc,  1¿9,091
Rinder,  1,834,441  Schafe  und  38.312
Schweine.  Große  Mengen  von  Pelztieren
(Känguruh,  Opossum).  Bergbau  wird
auf  Gold  (1879  wurden  25,249  Unzen
für  2  Mill.  Mk.  gewonnen),  Zinn,  Kohle
betrieben;  doch  sind  auch  andre  Metalle
vorhanden.  Der  Walfang  ergab  1878
in  11  Schiffen  von  3156  Ton.  einen  Ertrag ­
  von  338,400  Mk.  —  Der  Handel
führte  1879  namentlich  Wolle  und  Zinn
(6,060.000  Mk.),  auch  Gold  (2,914,000
Mk.),  Schmuckwareu  aus  Muscheln,  Hopfen ­
  und  Früchte  aus,  im  ganzen  für
26,021,940  Mk.;  die  Einfuhr  wertete
25,349,500  Mk.  In  allen  Häfen  der  Kolonie ­
  liefen  1879:  723  Schiffe  vou  189,087
Tou.  ein,  723  von  192,808  T.  ans.  —
Die  Zahl  der  in  T.  heimischen  Schiffe  war
1879:  215  Schiffe  von  19,915  T.  Die
Eisenbahnen  hatten!879  eineLängevon
276  km,  die  Telegraphenlinien  von  1320,
die  Drähte  von  1456  km.  Mit  Victoria
ist  T.  von  Launceston  durch  Kabel  verbunden. ­
  Die  Post  beförderte  1879  in  191
Ämtern  2,466,109  Briefe  und  2,040,902
Zeitungen.  —  Finanzen.  In  Hobarttowu
  und  Launceston  bestehen  5  Banketablissements, ­
  deren  Aktiva  und
Passiva  31.  März  1830  je  45,9  Mill.
Mk.  betrugeil.  Das  Kolonialbudget  zeigte
1879  eine  Einnahme  von  7,507,340  Mk.,
Ausgabe  8,116,760  Mk.,  Staatsschuld
35,736,000  Mk.  -  Hauptstadt  istHobarttown
  (s.  d.).
Tebriz  (Täbris),  Hauptstadt  der  pers.
Provinz  Aserbeidschan  und  wichtigster
Handelsplatz  Persiens,  mit  100,000  Eiuw.
        <pb n="499" />
        Teheran  —  Thorn.

491

Bedeutender  Transitverkehr  über  Eriwan,
Tiflis  und  Poti  zwischen  Europa  u.Persieii.
Teheran,  Hauptstadt  des  pers.  Reichs;
ca.  200,000  Einw.  Für  den  europäischen
Verkehr,  der  vornehmlich  aus  der  Straße
von  Poti  über  Tiflis,  Eriwan,  Tebriz  lind
Kazwin  hierher  stattfindet,  ist  T.  von
großer  Wichtigkeit.
Teignmouth  (spr.  te'hnmauth),  Hafenstadt ­
  in  der  engl.  Grafschaft  Devon,  an  der
Mündung  des  Leign  in  den  Kanal;  (mi)
0751  Einw.  Deutsche  Konsularagentur.
Die  Einfuhr  wertete  1879:  895,080  Mk.,
die  Ausfuhr  157,840  Mk.
TencdoS,  türk.  Insel  im  Ägeischcn
Meer,  13  km  lang,  3—6  km  breit  ,  mit
7000  Einw.  Von  Bedeutung  sind:  Weinbau, ­
  Branntwein-  u.  Essigbereitung.  Ausgeführt ­
  wurden  1878:  Wein  tür  388,800
Mk.,  Branntwein  13,000  Mk.  Der  Import ­
  (zum  Teil  durch  den  Österreichisch-Ungarischen
  Lloyd)  betrug  1878:486,580
Mk.,  der  Export  411,524  Mk.
Teneriffa  (Tenerife),  die  größte,
reichste  und  bevölkertste  der  Kanarischen
Inseln  (s.  d.)  ;  2278  qkm  (41,4QM.)  mit
30,000  Einw.  Der  trefflich  bewässerte  und
äußerst  fruchtbare  Boden  bringt  Datteln,
Kokospalmen,  Bananen,  Drachenbäume,
Pisang  und  den  vorzüglichen  Wein  (Kanariensekt).
  Hauptstadt  ist  San  ta  Cruz.
Tkpic,  Ort  in  dem  meritan.  Staat  Jalisco. ­
  Deutsches  Konsulat  für  Kanton  T.
Terceira  (spr.  terffc-ira),  eine  der  Azoreninseln,
  im  Centrum  der  Gruppe;  578  qkm
(IOV2  QM.)  mit  46,526Einw.  Deutsches
Konsulat  für  den  Distrikt  Angra.
Terminas,  s.  L  a  g  n  n  a  d  e  T  e  r  m  i  n  0  s.
Ternate,  s.  Molncken.
Terranova,  Hafenstadt  in  der  ital.
Provinz  Caltanisetta  (Sicilien),  Station
der  Dampferlinien:  Società  Florio  e
und  Rubattino  (Genua);  (i87i)  14,686
Einw.  Deutsches  Vicekonsulat.  Thunfisch- ­
  und  Sardellenfang.  Die  Einfuhr
1878  wertete  959,000  Mk.,  die  Ausfuhr
(Soda.  Schwefel,  Baumwolle)  1,72  Mill.
Mk.  Schiffsverkehr  1878:  304  Schiffe
von  6752  Ton.  .  _  .
Texcl,  niederländ.  Insel  an  der  Nordküste
  der  Provinz  Nordholland.  Deutsches
Vicekonsulat.

Theiß  (Ungar.Tisza),  der  größte  Nebenfluß
  der  Donau  und  nach  ihr  der  Hauptfluß ­
  Ungarns,  entsteht  an  der  galizischen
Grenze  ans  der  Vereinigung  der  Schwarzen ­
  und  Weißen  T.  und  fällt  nach  1308km
langem  Lauf  unterhalb  Neusatz  in  die  Donau. ­
  Schiffbar  wird  sic  bei  Szigcth,  fürgrößere
  Fahrzerige  von  der  Hernadmün
dung;  von  Tokay  ab  wird  sie  voir  den
Dampfern  der  T.-Dampfschifsahrtsgesell
schaft  befahren.  Durch  den  Bâcser  oder
Franzenskanal  wird  die  Stronrfahrt  von
360  auf  110  km  abgekürzt.  Durch  den
99  km  langeil  Bcgakanal  ist  sie  mit  der
Teines  verbunden.
Themse  (engl.  Thames),  der  wichtigste ­
  Fluß  Englands,  entspringt  im  S.
von  Chelterrham  und  fällt  nach  364  km
langem  Lauf  unterhalb  Sheerneß  in  die
Nordsee.  Die  Breite  des  Flnsseö  beträgt
an  der  Mündung  7  km,  bei  Gravesend
noch  731  m,  bei  der  Londonbrücke  244  m.
Die  Flut  steigt  alle  12  Strmden  4—6  m
senkrechter  Höhe  mit  einer  Schnelligkeit
von  3—5  km  auf  die  Stunde,  so  daß
Schiffe  bis  zu  800  Ton.  in  die  Catherinedocks ­
  dicht  bei  London  einlaufen  können. ­
  Die  wichtigsten  von  der  T.  ausgehenden ­
  Kanäle  sind:  T.-und  Severnlanal,
  Orfordkanal,  Wills-  und  Berkskanal, ­
  Grand  Junction-Kanal.
Thistcd,  Amts-und  Hafenstadt  im  dän.
Stift  Aalborg,  anr  irördlichen  Ufer  des
Limfjords  und  der  Jütlandbahn;  (isso)
4182  Einw.  Deutsches  Konsulat  (Amtsbezirk: ­
  die  Westküste  des  Amtes  T.  bis
zum  Aggerkanal);  T.  Bank.  Fischerei;
Getreidehandel.  1880  verkehrten  hier  15
deutsche  Schisse  von  2180  Ton.
Thorn,  Kreisstadt  und  Festung  im
prenß.  Regierilngsbezirk  Marienwerder,
an  der  Weichsel,  über  die  eine  1000  m
lange  Eisenbahnbrückc  führt,  und  der  Linie
  Schneidcmühl  -  Bromberg  -T.  -Insterburg ­
  der  Preußischen  Ostbahn  (mit  Abzwcigungeil
  nach  Warschau  nub  Posen);
(isso)  20,614  Einw.  Handelskammer;
Reichsbankstelle  (1880:  Gesamtumschlag
103,5  Mill.  Mk.,  davon  Wechsel  53,3  Mill.,
Giroverkehr  39,7  Mill.  Mk.)  ;  Hauptzollamt. ­
  Der  Warenverkehr  der  Stadt  belief
sich  1878  in  Ein-  und  Ausgang:
        <pb n="500" />
        492

Thuner  See  —  Timbuktu.

EiiMiig  Ausgang
Ostbahn  ....  55263  45066  Tonnen
Oberschlesischc  Bahn  475153  21089
Weichsel  8622  7932
Auf  der  Weichsel  gingen  1878  beladen
dnrch  zu  Thal:  1900  Schisse  von  204,53b
%on.  imb  290  üoii  952,168%.,  m
Berg:  955  Schisse  von  55,286  T.,  dazu
283  unbeladen.
Thuner  See,  See  im  schweizer.  Kanton ­
  Bern,  47,9  km  groß,  216  m
tief  und  560  m  n.  9Jf.,  von  der  Aare
durchflossen,  die  ihn  mit  dem  Brienzer
See  verbindet.  Beide  Seen  werden  (seit
1835)  von  10  Dampfern  befahren  (9  Raddampfern ­
  und  1  Schraubcndampfer,  Trajektschiff ­
  der  BLdclibahn)  mit  522  Pferdekräften ­
  und  Raum  für  5950  Personen,
Eigentum  der  Vereinigten  Dampfbootgesellschaft ­
  des  Thuner  und  Brienzer  Sees
in  Thun.
Tiber,  HanplflnßdesmittlernJtalien,
370  km  lang.  Schiffbar  ist  er  von  der
Mündung  der  Nera,  von  Rom  aus  auch
für  kleine  Dampfer  und  Segelschiffe  bis
180  Ton.
Tiel,  Stadt  in  der  uiederländ.Provinz
Geldern,  Station  der  Niederländischen
Dampfschiffreederei  (Rotterdam);  8600
Einw.  Deutsches  Vicekonsulat.
Tientsin,  Traktatshafen  der  chines.
Provinz  Petschili,  am  Ausfluß  des  Großen
Kanals  in  den  Peiho,  45  km  vom  Meer;
920,000  Einw.,  darunter  207  Fremde
(16  Deutsche)  in  6  Firmen  (3  deutschen).
Deutsches  Berufskonsnlat  (Jurisdiktionsbezirk: ­
  T&amp;gt;,  engerer  Amtsbezirk:  die  Provinz ­
  Pct  schisi).  —  T.  ist  Hafen  für  Peking
und  wichtigster  Stapelplatz  fürden  russischchinesischen
  Landhandel.  Mittelst  Schiffe
fremder  Bauart  betrug  1878  die  Einfuhr
140,8  Mill.  Mk.,  davon  chinesische  Waren
für  90,5  Mill.,  fremde  für  47,3  Mill.  Mk.
Bon  der  letzter»  Summe  entfallen  auf:
Opiunl  13,8,  Schilling  11,5,  Tuch  3,9
und  Drilch  3,5  Mill.  Mk.  Die  Ausfuhr
zur  See  betrug  1878:  12,a  Mill.  Mk.
ş  Ştrohgeflechte,  Pferde-  und  Kamelhaare,
Haute,  Felle  re.).  Ans  Deutschland  kommen: ­
  Nähnadeln,  Kupfer,  Tuch;  dahin
gehe,,:  Strohgeflechte,  Kamel-,  Ziegenund
  Schafwolle,  Borsten.  Federn,  Felldecken ­

  K.  1879  verkehrten  hier  867  Schiffe
(635  Dampfer)  von  521,971  Ton.,  davon ­
  94  deutsche  von  29,382  T.  Von  T.
nach  Taku  besteht  eine  Telegraphenlinic.
Tifliö,  Hauptstadt  des  russisch-asiat.
Gouvernements  Georgien,  erste  Fabrikund
  Handelsstadt  der  Kaukasusländer:
0876)  104,024  Einw.  Deutsches  Berufskonsulat ­
  (Amtsbezirk:  die  kaukasische
Statthalterschaft);  Abteilung  der  Staatsbank, ­
  Kommerzbank,  Bank  für  gegenseitigen ­
  Kredit.  —  Für  den  Handel  erhielt  T.
erst  Bedeutung  durch  die  Kunststraße  über
den  Kaukasus  und  die  Poti-T.-Bahn.  T.
hat  eine  Zollniederlage,  in  welcher  aste
Arten  asiatischer,  europäischer  und  kolonialer ­
  Waren  deponiert  werden,  sowohl
zur  Entnahme  gegen  Zollentrichtung  als
zur  Wiederausfuhr  im  Lauf  eines  Jahrs,
vom  Tag  des  Eingangs  in  einen  der
kaukasischen  Häfen  oder  Grenzposten  an  gerechnet. ­
  —  Wechselverkehr  besteht  mit:
Moskau,  Trapezunt,  Konstantinopel.
Tigris,  einer  der  Hauptströme  von
Vorderasien,  entspringt  in  mehreren
Quellflüssen  in  Kurdistan  am  Taurus
und  vereinigt  sich  nach  1500  km  langem
Lauf  mit  dem  Euphrat  zum  Schat't  el
Arab  (vgl.  Eu  P  h  rat).  Von  Mosul  au
ist  der  T.  für  Flöße  schiffbar.
Tilsits  Kreisstadt  im  preuß.  Regierungsbezirk ­
  Gumbinnen,  am  Einfluß  der
Tilse  in  die  Memel,  über  welche  seit  1875
eine  Brücke  für  die  T.-Memeler  Eisenbahn ­
  führt;  (1880)  21,394  Einw.  Handelskammer; ­
  Hauptzollamt.  —  Durch  die
Schiffbrücke  passierten  1878  von  beladenen ­
  Schiffen  zu  Thal:  2368  Schiffe  mit
189,856  Ton.,  zu  Berg:  517  Schiffe  mit
30,195  T.;  dazu  1718  Flöße  mit  357,400
T.  zu  Thal  und  1838  unbeladene  Schisse
zu  Berg.  Die  Eisenbahn  beförderte  80,695
T.  —  Kreditwesen.  Die  Reichsbankstelle ­
  hatte  1880  einen  Umsatz  von  32
Mill.  Mk.,  davon  Wechselverkehr  21  Mill.,
Giroverkehr  7,9  Mill.  Mk.  —  Bedeutender ­
  Pferdemarkt  von  3  Tagen  Dauer  (30.
Sept.);  2  Wollmärkte  (17.  Juni  und  20.
Sept.),  jeder  von  6  Tagen  Dauer.
Timbuktu,  altberühmte  Handelsstadt
im  nordwestlichen  Sudán  in  Afrika,  am
Südrand  der  Sahara,  nominell  zum
        <pb n="501" />
        493

Timor  —
Fulbestaat  Massina  gehörig,  aber  unter
dem  Einfluß  der  Tuareg.  Die  ansässige
Bevölkerung  zählt  etwa  13,000  Seelen,
fast  ausschließlich  Mohammedaner.  Eingeführt ­
  werden  namentlich:  Gold,  Kolanüsse, ­
  Salz,  von  europäischen  Manufakturen: ­
  Baumwollzeuge,  rotes  Tuch,  Matratzen, ­
  Leibbinden,  Spiegel,  Messer,  ferner
Thee,  Zucker  re.,  von  arabischen  Waren
besonders  Tabak  und  aus  Tuat  Datteln.
Ausfuhrartikel  sind  in  erster  Linie  Sklaven, ­
  daun:  Straußenfedern,  Elfenbein,
Gold,  Gummi,  Wachs  n.  a.
^  Timor,  die  bedeutendste  der  Kleinen
Sundainseln  im  Indischen  Ocean,  3009
qkm  (546QM.)'mit  000.000Einw.  (Papua ­
  und  malaiische  Mischlinge).  Wichtigste
Ausfuhrartikel  sind:  Sandelholz,  Vieh,
Wachs,  Schildkröten  und  Metalle  (Gold,
Kupfer,  Eisen);  eingeführt  werden  Manufaktur- ­
  und  Metallwaren.  Den  nordöstlichen ­
  Teil  (250,000  Einw.)  beanspruchen ­
  die  Portugiesen,  den  größer»
südwestlichen  Teil  (350,000  Einw.)  die
Niederländer.  Hauptstadt  ist  Kupang.
Tirnowa,  Stadt  im  Fürstentum  Bulgarien ­
  und  Mittelpunkt  deS  bulgarischen ­
  Handels,  Ausgangspunkt  mehrerer
Straßen  über  den  Balkan  (überGabrowa
nach  dein  Schipkapaß,  über  Slataritza  und
Jlena  nach  Sliwno),  mit  12,000  Einw.
Seidenzucht.
Titicacasee,  großer  Sec  im  südöstlichen ­
  Teil  von  Peru  imb  im  westlichen
Teil  von  Bolivia,  150  km  lang,  60  km
breit  und  8300  qkm  (151  QM.)  groß,
bis  zu  218  m  tief.  Er  wird  mit  Dampfbooten ­
  befahren.
Tobago,  britisch-westind.  Insel,  295
qkm  (5,4  OM.)  groß  mit  (1878)  18,650
Einw.  (meist  freie  und  zum  Ehristcntnm
  bekehrte  Neger).  Hanptprodukte  sind:
Zucker,  Rum,  Kokosnüsse.  1878  war  der
Wert  der  Einfuhr  828,120,  der  Ausfuhr
I,  340,080  Mt.;  der  Schiffsverkehr  betrug
II,  000  Ton.  Das  Kolonialbudget  zeigte
in  Einnahme  286,720  und  in  Ausgabe
291,920  Mt.
Tobolsk,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
russ.  Gouvernements  in  Westsibirien,  an
der  Mündung  des  Tobol  in  den  Jrtysch;
0872)  17.427Einw.  Abteilung  derStaats-Tönsberg.


bank,  TvbolskischeBank;  Transportgesellschaft ­
  Nadeshda.  Handel  mit  Landesprodnktcn
  gegen  Einfuhr  von  Jndnstrieprodukten
  des  europäischen  Rußland.
Tokio  (Jedo),  amtlicher  Name  der
Hauptstadt  von  Japan,  liegt  ails  der
Ostküste  der  Insel  Nippon,  durch  Eisenbahn ­
  mit  Jokohama  verbunden;  mit  Vorstädten ­
  0880)  1,042,888  Einw.  Deutsches
Generalkonsulat  (Amtsbezirk:  Japan,
Jurisdiktionsbezirk:  die  den  Konsulaten
nicht  zugewiesenen  Teile  des  japanesischen
  Reichs).  Der  Verkehr  mit  Europa
imb  Amerika  geht  über  Jokohama.
Tokolouinseln,  s.  Polynesien.
Tomi,  Hafenstadt  in  der  chiten.  Provinz ­
  Concepción,  mit  087-;)  3529  Einw.
Hanptausfuhrartikel  ist  Weizen;  1877
wertete  die  Einfuhr  142,466,  die  Ausf#
  2,051,518  m.;  1877  Qaimm:  Mg
Juni)  verkehrten  hier  118  Segelschiffe
und  55  Dampfer.
Tomsk,  Hauptort  des  gleichnamigen
russ.  Gouvernements,  am  Tom;  (i87o)
25,605  Einw.  Abteilung  der  Staatsbank.
Tomskische  Bank;  Transportgesellschaft
Nadeshda.  Der  Telegraph  beförderte  1874  :
68,969  Depeschen,  ein  Zeichen  für  den  lebhaften ­
  Handel,  dem  die  künftige  Bahn  im
Jrtyschthal  noch  größer»  Aufschwung  geben ­
  wird.
Tongainskln,  Archipel  im  südlichen
Großen  Ocean,  bestehend  aus  der  Hafulu-Hu-Gruppe
  mit  derHauptinsel  Wawan,
  Hapaiigrnppe  und  Tongagruppe  mit
Tongatabu  und  Ena;  1049  qkm  mit
25,000  Einw.  (christlicher  Religion).  Industrieschule ­
  und  Gymnasium.  Durch
Frenndschastsvertrag  1876  erhielt  Deutschland ­
  das  Recht  zur  Errichtung  einer  Kohlenstation
  ans  Wawau.  Handel  und  Schifffahrt ­
  s.  Samoainseln.
Tönning  (T  ön  n  i  n  g  e  n),  Hafenstadt
in  der  preuß.  Provinz  Schleswig-Holstein,
an  der  Altona-Kieler  und  Marschbahn;
0880)  3130  Einw.  Darlehnsbank,  Volksbank ­
  (eingetragene  Genossenschaft).  Es
liefen  1879  ein:  228  Schiffe  von  69,885
Ton.,  ans:  193  Schiffe  von  71,266  T.
Tönsberg,  Stadt  in  dem  norweg.  Amt
Jarlsberg  undLanrvig;  (i87c)  5174  Einw.
Deutsches  Vicekonsulat  für  den  Zollstätte-
        <pb n="502" />
        494  Toronto  -
distrikt  T.  ;  TönSberger  Privatbank.  1879
liefeil  hier  9  deutsche  Schisse  von  251T.  ein.
Toronto,  Hauptstadt  der  britisch-ameritan.
  Provinz  Ontario,  au  der  westlichen
Nordküste  des  Ontarioseeö,  an  einem  vortrefflichen ­
  Hafen  und  der  Bahn  Quebec-T-;
  (1871)  56,092  Einw.  Deutsches  Konsulat; ­
  Bank  of  British  North  America, ­
  Merchant  Bank  of  Canada,  T.
Bank,  Canadian  Expreß  Co.;  Börse  Zollamt. ­
  Durch  seine  günstige  Lage  ist  T.  der
Haupthafen  der  westlichen  Distrikte  Kanadas; ­
  1879  betrug  der  Wert  der  Einfuhr
47,45  Mill.  Mk.,  der  Ausfuhr  14,38  Mill.
Mk.,  davon  kanadische  Erzeugnisse  14,14
Mill.  Mk.  Die  Einfuhrzölle  brachten  9,74
Min.
Torrevicja,  Seestadt  in  der  span.  Provinz ­
  Alicante  (Valencia),  am  Mittelländischen ­
  Meer;  (1877)  8165  Einw.  Deutsches
Konsulat  (Amtsbezirk:  die  Provinz  Alicante, ­
  südlich  von  Segura).  1879  liefen
hier  60  Schisse  (4  deutsche)  von  12,408
Ton.  ein.  Die  Einfuhr,  vornehmlich  Weizen ­
  (994,727  kg),  wertete  598,996  Mk.;
ausgeführt  wurden  248,553  Ctr.  Salz.
Torrox,  Stadt  in  der  span.  Provinz
Malaga;  (im)  7174  Einw.  Deutsches'
Vicekonsulat.
Toulon  (spr.  tulong),  wichtiger  Kriegsund ­
  Handelshafen  im  franz.  Departement ­
  Var,  an  der  Linie  Marseille-Nizza;
(1876)  61,382  Einw.  Börse;  Handelskammer ­
  ,  Handelsgericht.  Regelmäßige
Dampfschiffahrt  nach  den  Häfen  des  Mittelmeers. ­
  1876  liefen  80  Seeschiffe  mit
15,173  Ton.  ein,  außerdem  350  Küstenfahrer ­
  mit  19,500  T.
Toulouse  (spr.  tulühs),  Hauptstadt  des
franz.  Departements  Obergaronne,  an
der  hier  bereits  schiffbaren  Garonne  und
am  Anfang  des  Canal  du  Midi,  Station
der  Eisenbahn  Marseille-Nizza;  (1876)
120,208  Einw.  Handelskammer,  Handelsgericht, ­
  Fabrikgericht,  Entrepot  réel.  —
Fabrikation  von  Stahl-  und  andern
Metallwaren,  insbesondere  Sensen  u.  Sicheln ­
  (jährlich  3  Mill.  Stüñ),  Stückgießeŗei
  rc.  —  Der  Handel  vertreibt:  Getreide,
Mehl,  Wein,  Gemüse,  Bauholz,  Marmor, ­
  Branntwein.  Wolle,  Käse,  Seife,  Öl,
Spezereien,  Entenleber-  und  Trüffclpa--

  Trapezunt.
steten,  Eisen  und  Fabrikate  der  Industrie ­
  it.  a.  —  Jährlich  25.  Juni  und  25.
Aug.  Wollmärkte  mit  starkem  Umsatz
in  Wollwaren.
Tours  (spr.  tuhr),  Hauptstadt  des  franz.
Departements  Indre-et-Loire,  an  der
Loire  und  dem  Chemin  d'Orléans;  (i876)
48,325  Einw.  Handelsgericht;  Filiale  der
Bank  von  Frankreich,  Société  generale.
Industrie  in  Woll-,  Banmwoll-  und  Seidenstoffen ­
  (Gros  de  T.),  Teppichen  rc.
Weinbau  und  starker  Handel.
Transvaal,  unter  britischem  Protektorat ­
  stehende  Republik  in  Südafrika;
294,581  qkm  (5349,9  QM.)  mit  etwa
315,000  Einw.,  darunter  nur  25—30,000
Weiße.  Hauptprodnkte  sind:  Kohle  in
großen  Lagern,  Eisen,  Kupfer,  Blei,
Zinn,  silberhaltiger  Bleiglanz,  Graphit,
Nickel,  Kobalt,  Gold,  Mais,  Kasferkorn,
Hirse,  Bohnen,  Erbsen,  Erdmandelu,
Melonen,  Zuckerrohr,  Rinder,  Schafe,
Pferde.  Die  Ausfuhren  (über  Natal)  bestehen ­
  in:  Straußenfedern,  Wolle,  Elfenbein, ­
  Rindvieh,  Getreide,  Häuten,  Gold
und  etwas  Diamanten.
Trapani,  Hafen-  und  Hauptstadt  der
gleichnamigen  ital.  Provinz,  an  der  äußersten ­
  Westküste  der  Insel  Sicilien,  Station
der  Florio-  (Palermo)  Dampfer;  (1876)
36,045  Einw.  Deutsches  Vicekonsulat.
1877  verkehrten  hier  in  internationaler
Fahrt  591  Schiffe  von  97,652  Ton.,  in
der  Küstenfahrt  4068  Schiffe  von  260,353
T.  Auf  die  Schwammfischerei  gingen
aus  dem  Bezirk  14  Schiffe  von  243  T.'
Trapezunt,  wichtigste  Hafenstadt  der
asiat.  Türkei,  am  Schwarzen  Meer,  Station ­
  der  Dampferlinien:  Nederlandsche
Stoomboot  Maatschappij,  Österreichischllngarischer
  Lloyd,  RussischeDampfschissfahrtsgesellschaft,
  Messageries  maritimes;
40-50,OOOEimv.  Hauptstapel-  und  Speditionsplatz ­
  zwischen  Europa  und  Lorderasieu,
  doch  hat  der  Handel  durch  die  Veruachlässignug
  der  Straßen  im  Innern,
die  türkischen  Zollplackereien  und  die  Bahn
Poti-Tiflis  neuerlich  sehr  gelitten.  Der
Handelswert  betrug  1879  in  Einfuhr
31,4  Mill.,  Ausfuhr  11,4  Mill.  Mk.  Von
der  ersten  kommen  auf  Baumwollmauufakte
  8,7  Mill.  Mk.,  dann  Nahrungs-
        <pb n="503" />
        495

Trave  -
mittel,  Kurzwaren,  Thee  u.  a.  Nach  Persien ­
  wurde  durchgeführt  für  14,2  Mill.
Mk.  (Baumwollmanufakte  12,2  Mill.Mk.,
Tuch,  Thee,  Zucker).  Die  Ausfuhr  besteht
in  :  Tabak,  Mais,  Nüssen,  Nußbaumauswüchsen ­
  u.  a.  AuS  Persien  transitieren
Teppiche,  Shawls  u.  a.  1879  verkehrten
hier  330  Seeschiffe,  davon  311  Dampfer
von  274,515  Ton.
Trave,  Fluß  in  Norddeutschland,  entspringt ­
  in  dem  zu  Oldenburg  gehörigen
Amt  Ahrensbök  und  fallt  nach  112  km
langem  Lauf,  wovon  38  km  schiffbar,  bei
Travemünde  in  die  Lübische  Bucht.  Sie
trägt  von  Lübeck  ab  Schiffe  bis  zu  5  m
Tiefgang.  Durch  die  Stecknitz  und  den
Stecknitzkanal  steht  sie  mit  der  Elbe  in
Verbindung.
Trclleborg,  Hafenstadt  in  der  schweb.
Provinz  Malmö,  an  der  Lund-T.-Bahn,
Station  der  Schwedischen  Dampfschiffgesellschaft ­
  (Lübeck);  0878)  2288  Einw.
Deutsche  Konsularagentur;  Skänes  Ensk.
Bank  Afdelning  Kontor.
Trier,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
preuß.  Regierungsbezirks  in  der  preußischen ­
  Nheinprovinz,  rechts  an  der  Mosel; ­
  Station  der  Saarbahn  (T.-Saarbrücken), ­
  der  Eifelbahn  (T.-Köln)  und
der  Berlin-Metzer  Bahn;  (isso)  24,141
Einw.  Handelskammer,  Handelsgericht;
Hauptsteueramt.  —  Der  Handel  vertreibt
auf  der  Mosel  namentlich  Moselweine,
Vieh  uitd  Holz.  An  Gütern  beförderte  die
Neue  Mosel  -  Dampfschiffahrtsgesellschaft
1878:  40,330  kg;  die  Rheinische  Eisenbahngesellschaft ­
  ankommend  26,052  Ton.,
abgehend  15,406  T.;  die  Königliche  SaarbrückenerBahu
  52,095  T.  —  Kreditwese ­
  ».  Die  Negierungshauptkasse  hatte  1878
eineEinnahme  von  28,184,431,  eineAus-26,898,586
  m.
Triest,  Freihafen  und  wichtigster  Seehandelsplatz ­
  der  österreichisch-ungar.  Monarchie ­
  und  reichSnnmittelbare  Stadt  mit
einem  Gebiet  von  94  qkm,  am  Meerbusen
von  T.  und  am  Ausgang  der  Linie  Wien-T.;
  Station  der  Dampferlinien:  Österreichisch-Ungarischer ­
  Lloyd  (hier  domiziliert), ­
  Nederlaudsche  Stoombvot  Maatschappij.Cunard-und
  Leyland-(Liverpool),
Wilson-Linie  (Hull),  Società  Florio  (Pa-1

-  Triest.
termo);  (isso)  141,333  Einw.  Deutsches
Generalkonsulat;  Handels-  und  Gewerbekammer
  ;  Handels-  und  Seegericht;  Hauptzollamt; ­
  Börse,  Filiale  der  Österreichisch-Ungarischen
  Bank,  Banca  commerciale
Triest.,  Filiale  der  Unionbank,  der  Österreichischen ­
  Kreditanstalt  x.  —  Seine  Bedeutung ­
  verdankt  T.  dem  Handel,  der
sich  einerseits  nach  dein  Innern  der  österreichisch-ungarischen ­
  Monarchie,  anderseits ­
  namentlich  durch  Vermittelung  der
Gesellschaft  des  Österreichisch-Ungarischen ­
  Lloyd  nach  der  Levante,  dem
Roten  Meer,  Indien,  China  und  Japan,
nach  dem  Schwarzen  Meer  und  der  Donau,
dem  Archipel  und  den  Adriatischen  Küsten
sowie  durch  andre  Vermittelung  nach  England ­
  und  Amerika  richtet.  Der  Österreichisch-Ungarische ­
  Lloyd,  bestehend  auö  drei
Sektionen:  denvereinigten  Versicheruugskammern
  ,  der  litterarisch-historischen  Abteilung ­
  mit  eigner  Druckerei  u.  der  Dampfschiffahrtsgesellschaft, ­
  besaß  1.  Jan.  1880:
71  Dampfer  von  17,010  Pferdekräften
und  91,380  Ton.,  erbaut  mit  einem  Kostenaufwand ­
  von  51,7  Mill.  Mk.  (dabei
waren  3  Dampfer  im  Bau),  ivelche  1879
in  1412  Reisen  1,381,698  Seemeilen  zurücklegten ­
  ;  sie  beförderten  355,352(1878:
607,109)  Reisende,  262,2  Mill.  Mk.  in
Geldern,  4,614,016  Ctr.  Waren  und
29,767  Tiere.  Die  Fahrten  ergaben  eine
Einnahme  von  16  Mill.  Mk.  Die  Gesellschaft ­
  besitzt  großartige  Schiffswerften.
Andre  bedeutende  Anstalten  sind  die  Fabriken ­
  des  Stabilimento  für  Maschinen
für  die  größten  Dampfer  und  Panzerplatten. ­
  Zwei  große  Dampfmühlen  versenden ­
  Mehl,  die  Drehersche  Brauerei  ihr
Bier  nach  allen  Teilen  der  Welt.  Zur  See
werden  eingeführt:  Rohbaumwolle  und
Baumwollmanufakte,  Kaffee,  Pfeffer  und
Südfrüchte,  Getreide  und  Mehl,  Häute,
Seefische,  Steinkohle,  Farbholz,  Faßdauben, ­
  Öle,  Petroleum,  Schwefel,  Wolle
und  Wollmanufakte;  ausgeführt  werden:
Getreide,  Hülsenfrüchte,  Mehl,  Hölzer,
Kaffee,  Zucker,  Pfeffer,  Baumwolle  und
Baumwollmanufakte,  Steinkohle,  Wolle
Bier,  Spiritus,  Rum,  Papier,  Spielkarten, ­
  Citronenkisten  und  Zündhölzer.  Die
Einfuhr  wertete  1879:  289,743,746  Mk.,
        <pb n="504" />
        496

Trinidad  -
davon  aus  Italien  54,o  Btill.  Mk.,  England ­
  41,6  Mill.,  Britisch-Asicn  40,i  Mill.,
Türkei  31,8  Mill.,  Vereinigte  Staaten
21,2,  Ägypten  20,8,  Brasilien  17,  Rußland ­
  15,6  Mill.  Mk.  ic.  5  die  Ausfuhr
wertete  233,206,882  Mk.,  davon  nach  der
Türkei  59,4  Mill.,  nach  Italien  40,i  Mill.,
England  20,2  Mill.,  Ägypten  12  Mill.,
Griechenland  und  Frankreich  11,2  Mill.
Mk.  Zu  Land  wertete  die  Einfuhr  210,4
Mill.,  die  Ausfuhr  190,8  Mill.  Mk.  —
In  dem  Hafen  können  die  größten  Seeschiffe ­
  verkehren;  1880  liefen  ein:  7208
Schiffe  (34  deutsche)  von  1,111,931  Ton.,
aus:  7200  Schiffe  (43  deutsche)  von
1,121,642T.  —  Platzgebräuchc.  Man
verkauft  gegen  bar  mit  2  —  3  Proz.  Diskont, ­
  Talg,  Schweinefett  und  Speck  nur
bar,  Rübsamen  mit  2,  inländisches  Rüböl
mit  3V%,  ausländisches  mit  2,  Olivenöl
mit  2*/2,  Spiritus  mit  4'/%,  Zucker  mit
5'/-und0Proz.Diskont.  Wechselkurse
wie  Wien,  doch  notiert  man  nicht  auf
Breslau,  München,  Zürich,  selten  auf  Amsterdam ­
  und  Hamburg,  aber  auf  Korfu,
Zante,  Malta,  Konstantinvpel,  Smyrna
31  Tage  nach  Sicht.
Trinidad,  britisch-westind.  Insel,  die
größte  und  südlichste  der  Kleinen  Antillen,
an  der  östlichen  Nordküste  von  Venezuela,
vor  der  Mündung  des  Orinoko;  4544
qkm  (82,5  QM.)  mit  (WO  109,038
Einw.  —  Hauptprodukt  ist  Zucker,  ferner: ­
  Kaffee,  Baumwolle,  Tabak,  Kakao,
Indigo,  Eedernholz,  auch  Steinkohle.  1879
war  die  Einfuhr  (Manufakturwaren,Bauholz, ­
  Lebensmittel)  44,465,426  Mk.,  die
Ausfuhr  (Zucker,  Kakao  u.a.)  45,294,892
Mk.  Von  Deutschland  kamen  für  324,482
Mk.,  dahiil  gingen  für  215,191  Mk.  Waren.
  Es  liefen  2689  (28  deutsche)  Schiffe
von  772,463  Ton.  ein  unb  2597  (26  deutsche) ­
  von  689,968  T.  ans.  Rach  dem  Kolonialbudget ­
  betrug  1879  die  Einnahme
8,501,880,  bic  9(1^50  7,519.720  Wf.,
die  Schuld  5,287,000  Mk.  Vgl.  Port
of  Spain.
Trinidad  de  Cuba,  StadtanderSüdküste
  der  spanisch-westind.  Insel  Cuba,  an
der  Casildabai;  11,000  Einw.  Deutsches
Vicekonsulat.  Eingeführt  werden  :  Lebensmittel. ­
  Küpereieffekten,  Vieh;  die  AuS--

  Tripolis.
fuhr  (1878:  13,641  Fässer  Zucker,  3673
Fässer  Melasse,  1520  Lit.  Honig)  betrllg
1872  weit  über  das  Doppelte  unb  schloß
beträchtlicheQuantitäten  Num  ein.  Ebenso
ist  der  Schiffsverkehr  gefallen;  1878  kamen ­
  nur  43  Schiffe  von  14,742  Ton.  an,
davon  33  amerikanische  von  11,321  T.
Tripolis,  türk.  Wilajct,  der  östlichste
unter  den  Staaten  der  Berberei,  am  Mittelländischen ­
  Meer,  zwischen  Tunis  und
Ägypten,  umfaßt  ciitschließlich  Fezzanö
und  Barkas  1,033,349qkrn(18,767QM.)
mit  (1877)  1,010,000  Einw.,  in  den
Städten  Mauren,  auf  dem  Land  arabische ­
  Berbern  und  Beduinen,  zahlreiche
Juden,  in  der  Stadt  T.  auch  Europäer.
Die  Beduinen  treiben  vorwiegend  Viehzucht, ­
  die  Mauren  Handel,  meist  Karawancnhandel.
  —  Produktion.  Man
baut  Weizen,  Krapp,  Safran,  Lotosbohnen, ­
  Datteln,  Südfrüchte  aller  Art,  Oliven, ­
  Johannisbrot  und  gewinnt  aus  den
Seen  und  Sümpfen  an  der  Küste  Salz
und  Schwefel.  An  den  Küsten  bedeutende,
durch  Griechen  mit  300  Barken  betriebene
Schwammfischcrei  (Ertrag  1879:  560,000
Mk.).—Der  Handel  mit  dem  Ausland  geht
fast  ausschließlich  über  die  Haupthäfcn  T.
und  Benghasi;  im  Innern  ist  Mursnk  ein
wichtiger  Handelsplatz.  Ausgeführt  wurden ­
  1879  über  Tripolis  für  9  Mill.  Mk.
Waren,  davon  Straußenfedern  4,5  Mill.,
Espartograö  2,8  Mill.,  Elefantenzähne  0,5
Mill.  Mk.,  ferner  Rindvieh  (»ach  Malta),
Seesalz,  Strohmatten  u.a.,  überBeng
  h  a  s  i  für  3,5  Mill.  Alk.  Eingeführt  wurden ­
  1879  über  Tripolis  für  6,9  Mill.  Mk.,
über  Benghasi  für  1,8  Mill.  Mk.  Waren, ­
  davon  Baumwollmannfatte  4,4  (englische ­
  4)  Mill.,  Kolonialwaren  1,9,  Gerste
1,8  Mill.  Mk.,  ferner  Woll-  und  Seidenwaren, ­
  Eisen,  Weizen,  Glasperlen  rc.
—  Bei  Rechtsstreitigkeiten  unter  Ausländern ­
  tritt  die  Konsulargerichtsbarkeit  ein,
und  die  Gesetze  der  betreffenden  Länder
sind  maßgebend.  Streitigkeiten  zwischen
Ausländern  und  Eingebornen  entscheidet
ein  gemischter  Gerichtshof,  aus  dem  Konsul
und  den  Lokalbehörden  bestehend.  Eignes
Geld  hat  T.  nicht;  es  laufen  neben  Münzen ­
  neuerer  türkischer  Prägung  tunesische
Münzen  um,  alte  spanische  Dublonen,
        <pb n="505" />
        Tripolis  —  Tschinkiang.

497

venetianische  Zechinen,  holländische  Dukaten, ­
  hauptsächlich  aber  Maria-Theresiathaler,
  französische  und  spanische  silberne
Fünsfrankstücke.
Die  gleichnamige  H  a  n  p  t  st  a  d  t  hat  etwa
30,000  Einw.;  englisches,  französisches,
österreichisches  Konsulat;  Station  der
französischen  Transatlantique-  und  der
Rubattino-  (Genua)  Dampfer.  1879  liefen ­
  hier  ein  :  719  Schiffe  von  195,523  Ton.,
aus:  701  Schisse  von  190,369  T.,  in
Benghasi:  481  Schiffe  von  51,696  T.
Tripolis  (Tarabulus),  Stadt  im
asiatisch-türk.  Wilajet  Schäm  (Syrien),
Station  der  Dampferlinien:  Messageries
maritimes,  Russische  DampfschifsahrtSgesellschaft;
  ca.  17,000  Einw.  Deutsches
Vicekonsillat.  Ausfuhr  von  Rohseide,  Olivenöl, ­
  Seife,  Weizen  und  Mehl,  Sesam,
Orangen,Schwämmen,  Wolle,  Kartoffeln,
Lumpen,  Knochen  u.  a.  Europäische  Waren ­
  werden  über  Beirut  importiert.  Eine»
Wechselkurs  notiert  man  auf  England.
Tristan  da  Cunha,  brii.  Inselgruppe
im  südatlantischen  Ocean,  südwestlich  vom
Kap  der  Guten  Hoffnung,  deren  größte
116  qkm  (2,i  QM.)  umfaßt.  Günstiger
Plast  zum  Wasscrcinnehmcn  für  Seefahrer, ­
  welche,  nach  Indien  oder  Australien  bestimmt, ­
  nicht  am  Kap  anlegen  wollen.  Die
Kolonie  zählte  1875:  85  Köpfe  und  steht
unter  dem  Schust  des  Kapaouverncurs.
Tromsö,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
vorweg.  Amtes  auf  der  8  km  langen  Insel ­
  T.,  Station  der  Dampferlinien:  R.
Stornan  jun.  (Hamburg)  und  Bergenske
og  Nordenfjeldske  Dampskibselskab;  0876)
5443  Einw.  Deutsches  Konsulat  (Zolldistrikt ­
  T.);  Norges  Banks  Kontor,  T.
Sparebank.  —  Ausfuhr  von  Fischen,
Thran,  Nickel,  Fellen  für  ca.  2  Milt.  Mk.
jährlich.  Einfuhr  von  Roggenmehl,  Spirituosen, ­
  Tabak,  Baumwoll-  und  Wollgeweben,
  Steinkohle,  Bauholz.  1878  liefen
ein:  127  Schiffe  (13  deutsche)  von  35,928
Ton.,  aus:  159  Schiffe  (13  deutsche)
von  45,926  T.  Aus  Deutschland  kamen
44  Schiffe  von  19,573  T.,  dahin  gingen
39  Schiffe  von  16,774  T.
Troppa»,  Hauptstadt  vonÖsterreichlsch-Schlesien,
  an  der  Oppa  sowie  an  der  Mährisch-Schlesischen ­
  Centralbahn  und  an  der
Handelsgeographie.

Zweigbahn  T.-Schönbrnnn  der  Nordbahn; ­
  (1880)  19,239  Einw.  Handels-  und
Gewcrbekaimner  ;  Filiale  der  Österreichisch-Ungarischen
  Bank,  Agentur  der  Brünner
Filiale  der  K.  K.  Kreditanstalt  für  Handel
und  Gewerbe,  Vorschußverein  T.  Bedeutende ­
  Tuchfabrikation,  namentlich  vonMilitärtuch,
  Bierbrauerei  und  große  Märkte.
Trohes  (spr.troa),  Hauptstadt  des  franz.
Departements  Aube,  an  der  Seine,  am
Oberseinekanal  und  an  der  Ostbahn;  0876)
41,275  Einw.  Handelskammer,  Handelsgericht ­
  ;  Filiale  der  Bank  von  Frankreich,
Société  generale,  Banque  de  l'Aube.  —
Spinnereien  für  Wolle  imb  Baumwolle,
Fabrikeil  in  leinenen,  baunuvollenen  und
wollenen  Stoffen  rc.  —  Märkte  von  15
Tage,:  beginnen  am  ersten  Montag  der
Fastenzeit  und  1.  Sept,  für  Waren  aller
Art,  Gründonnerstag  für  Schinken,  am
ersten  Sonnabend  des  Juni  für  Wolle.  —
Plastgebräuche.  Strumpfwaren  und
Gewebe  verkauft  mail  »koiltant«,  d.  h.  in
Bons  (Cartes  de  Sous)  oder  Wechselil  auf
3—4  Monate.  Zahlbar  foutant  in  T.
heißt  in  90—180  Tagen.
Tschifu,  Traktatshafen  in  der  chines.
Provinz  Schantung,  mit  35,000  Einw.,
davon  145  Fremde  (24Deutsche)  in  9  Firmen ­
  (2deutschen).  DeutschesBicekonsular
für  die  Provinz  Schantung;  Hongkong
and  Shanghai  Banking  Corporation.  Am
Handel  sind  die  Chinesen  stark  beteiligt;
1879  betrug  die  Einfuhr  47,i  Mill.  Mt.
(davon  Opium  3,2  Mill.,  Schirting  5,2
Mill.,  Tuch  3,i  Mill.  Mk.),  die  AuSfuhr
36,i  Mill.  Mk.  (davon  Strohgeflechte  3,9
Mill.,  Bohnenknchen  5,7  Mill.,  Seide  und
Scidc'llgewebe  2,8  Mill.  Mk.).  1879  verkehrten
  hier  1376  Schiffe  (857  Dampfer)
von  804,365  Ton.,  davon  287  deutsche
von  106,113  T.
Tschinkiang,  Traktatshafen  in  der
chines.  ProvinzKiangsu,  amJantsckiang:
130,000  Einw.,  davon  50  Fremde  mit
11  Firmen  (keine  deutsche);  Seezollamt.
1879  betrug  die  fremde  Netto-Einfuhr
59,4  Mill.  Mk.,  einheimische  Einfuhr  18
Mill.  Mk.,  Ausfuhr  4,6  Mill.  Mk.  1879
verkehrten  hier  2835  Schiffe  (1372Dampfer) ­
  von  1,478,789  Ton.,  davon  66  deutsche ­
  Schiffe  von  12,570  T.
32
        <pb n="506" />
        408

Tuamotuinseln  —  Tunis.

.  Tuamotuinseln,  s.  Paumotulnseln.

Tubuai-Inseln,  s.  Polynesien.
Tula,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
russ.  Gouvernements,  an  der  Upa  und
der  Eisenbahn  Moskau-Orel;  (1S7S)
57,374  Einw.  Ressort  des  deutschen  Konsuls ­
  in  Moskau;  Bank  der  Alexandra-Waisenanstalt;
  Transportgesellschaft  Nadeshda.
  Die  große  Gewehrfabrik  beschäftigt ­
  über  7000  Arbeiter  und  liefert  jährlich ­
  70,000  Gewehre,  eine  große  Menge
blanker  Waffen,  Stahl-  und  Eisenwaren.
Berühmt  ist  das  »Tulametall«  (Niello).
Im  ganzen  bestehen  hier  116  Fabriken.
Tunis,  Gebiet  in  Nordafrika  unter
französischer  Oberhoheit,  118,400  qkm
(2150  QM.)  mit  2,100,000  Einw.  (Arabern, ­
  Mauren,  Berbern),  sämtl.  Mohamincdaner
  außer  45,000  Juden,  25,100
Katholiken.  400  Griechisch-Katholischen,
100  Protestanten.  —  Das  Land  ist  im
O.  flach  und  unfruchtbar,  im  S.,  in  einer
Depression,  liegen  die  sumpfigen  Salzseen ­
  (»Schotts«),  welche  man  nach  Durchstechung ­
  der  Landenge  von  Gabes  mit
dem  Mittelmeer  zu  verbinden  gedenkt.
Der  Ackerbau  wird  sehr  mangelhaft  betrieben, ­
  ebenso  der  Bergbau  aus  Blei  und
Quecksilber.  Der  Handel  konzentriert  sich  in
der  H  a  u  p  t  st  a  d  t  T.  (mit  dem  Hafen  G  o  -
letta)  und  geht  auch  über  Sfakeö,  Susa
und  Dscherba.  Die  Ausfuhr  (Weizen,
Esparto,  Wolle,  Gerste,  Ochsen,  Datteln,
Olivenöl,  Wachs,  Häute,  Schwämme,
Baumwoll-  und  Leincngewebe,  Fes,  Butter, ­
  Honig)  tuértete  1879:  2,735,329  Mk.
Durch  unkluge  Besteuerung  ging  der  Export
  von  1872-78  bei  Olivenöl  von  über
5  Mill.  Mk.  ans  120,201  Mk.,  bei  Dattebt
  Don  630,352  9Rf.  auf  235,529  3Rf.
herunter.  Im  Jmporthandel  beherrscht
England  den  Markt;  derselbe  betrug  1879:
з,  567,200  Mk.  und  bestand  inBaumwollund
  Leinenwaren,  Rohseide,  Woll-und
Seidenwaren,  Häuten  und  Fellen,  Farbwaren,
  vergoldeten  Artikeln  und  Juwelen, ­
  Quincaillerie  und  Kurzwaren,  Medikamenten. ­
  Die  Karawanen  aus  dem
Innern  bringen  über  Ghadames,  Wargla
и.  a.:  Senna,Straußenfedern,  Goldsand,
oumim,  Elfenbein  und  nehmen  dafür

Tuch,  Musseline,  Seidenzeuge,  rotes  Leder, ­
  Gewürze,  Waffen  und  Kochenille  zurück. ­
  —  Die  Handelsflotte  zählt  etwa
410  Schiffe  vou  12,000  Ton.  Der
Schiffsverkehr  war  1877:
(Einstallst  Ausgang
Tunis  (Goletta)  .  .  447  441
Susa  260  259
Sfaks  492  487
meist  italienische  Schiffe,  demnächst  französische, ­
  spanische  rc.—Die  E  i  s  e  n  b  a  h  n  c  it
haben  60  km  Länge;  an  eine  französische
Gesellschaft  ist  eine  Linie  bis  zur  algerischen ­
  Grenze  konzessioniert.  Ein  französisches ­
  und  ein  italienisches  Postbürcau
besteht  in  der  Hauptstadt.  Die  964  km
langen  Telegraphenlinien  sind  französisch. ­
  —  Ein  deutsches  Generalkonsulat ­
  besteht  in  der  Hauptstadt  T.,  Vicekonsulate
  in  Goletta  und  Sfakes.
Die  Regierung  durch  den  Bei  war  früher
willkürlich  und  despotisch;  seit  Anfang
1881  wird  dieselbe  faktisch  durch  Frankreich
ausgeübt.  Infolge  der  Einstellungen  der
Zinszahlungen  ist  unter  Mitwirkung  der
interessierten  Machte  England,  Italien
und  Preußen  eine  Art  europäische  Kontrolle ­
  zustande  gekommen;  durch  diese
»europäischeFinanzkommission«  ward  die
äußere  Schuld  auf  100  Mill.  Mk.  reduziert. ­
  Zu  ihrer  Verzinsung  und  eventuellen ­
  Amortisierung  trat  der  Bei  die
Zolleinnahmcn  u.  a.  ab,  welche  durch  die
1872  eingetretene  Zollerhöhung  von  4
auf  8  Proz.  vermehrt  wurden.  G:tii  neues
Darlehen  von  516,000  Alk.  wurde  der
Regierung  1879  von  der  Franco-Tunesischen ­
  Bank  zu  dem  sehr  niedrigen  Zinsfuß ­
  von  8Vr  Proz.  bewilligt.  Nach  dem
Budget  1874—75  beliefen  sich  die  Einnahmen ­
  auf  5,4  Mill.  Mk.,  nämlich  Ausfuhrzölle ­
  2,s  Mill.  Mk.,  ferner  Einfuhrzölle, ­
  Taxen  auf  Olivenbäume,  Tabaksund
  Salzmouopol  rc.;  die  Ausgaben  auf
5  Mill.  Mk.,  davon  öffentliche  Schuld
4,46  Mill.  Mk.
Geld.  Mau  rechnet  nach  Sbilicn  oder
Piastern—50  Pfennig  deutsche  Währung. ­
  Valuta  ist  Silberwährung.  Die
Rechnnugen  ansässiger  fremden  Kaufleute
werden  in  Frankenwährung  gestellt.  Umlaufende ­
  Goldmünzen:  zu  o,  10,  25,  50
        <pb n="507" />
        Tunis  —  Türkisches  Reich  (Areal,  Bevölkerung,  Produktion).  499

und  100  Piaster;  Silbermünzen:  zu  Vs,
1—5  Piaster;  außerdem  die  Goldinilnzcn
Braufm#  3Wie»9  nnb  93elnien9;  baß
goldne  20-Frankstück  wechselt  zwischen  32
lind  34  Vr  Piaster.  Im  Frühjahr  187,
ward  das  neue  türkische  Papiergeld  (bre
sogen.  »Kaimes«)  eingeführt.—Die  1873
eröffnete  Englisch-Tunesische  Bank  hat
speciell  ben  Verkehr  in  Wechseln  auf  europäische ­
  Platze  zimi  Gegenstaiid.  Handelöunb
  Wechselrecht  eristieren  nicht.  .Fmssuß
12  Proz.  pro  Anno.  —  Maße.  Der  Pik
oder  Draa  hat  für  Wollzeuge  0,667  m,  für
Seidenwaren  0,637  m,  für  Banmwollwaren
  0,484  in.  Der  Kastö  ist  =  640  Sit.
und  hält  an  Gewicht  bei  Weizen  500—525
kg,  bei  Gerste  360—400  kg;  fur  Wem
die  Millerole  von  Marseille  (s.  d.),  sur
Öl  der  Mettär  zu  20,iG  Lit.  Gewichte.
Der  Kantär  ist  —  50,688  kg;  daö  Rottel
ist  für  Öl,  Oliven,  Butter,  Homg  —0,568
kg.  Bei  Landfrachten  rechnet  man  nach
Kamellasten  und  Esellasten.
Tunis,  Hauptstadt  des  vorigen,  45  km
von  der  Küste,  am  Salzsee  Bahira,  dilrch
den  Kanal  von  Goletta  mit  dem  Meer
verbunden,  au  beit  Bahucu  T.-Goletta,
Z.^aibo,  Gtatioii  ber  Beum
pferlinien:  Società  Florio  (Palermo),
Società  Rubattiuo  (Genua),  Valêru
Frères  et  Fils  (Atarseille);  ca.  125,000
Einw.,  darunter  30,000  Juden  und
12,000  Europäer.  Deutsches  Generalkonsulat; ­
  Sanitätsrat,  bestehend  aus
sämtlichen  Konsuln,  dem  ersten  Hofarzt
und  drei  tunesischen  Beamten.  Ansehnliche ­
  Industrie  in  Seidenweberei,  roten
3R(%n  (ge8),  Saffian,  Baffen.  Skr
Handel  geht  nach  Marseille,Genua,  Ägypten, ­
  der  Levante,  Jimerafrika;  18/8  wertete ­
  die  Einfuhr  5,7,  die  Ausfuhr  3,6  Mill.
Mt.  In  den  Hasen  Goletta  liefen  em:
737  Schiffe  (257  Dampfer)  von  152,342
Ton.,  davon  deutsch  093  T.,—Platzgeb ­
  r  ä  n  ch  e.  Man  verkauft  Einfuhrwaren ­
  auf  90—120  Tage  gegen  Äcceptc
auf  die  Einschiffungshäfcn.  Die  Waren
Wechselkurse  notiert  man  ans  Marseille

90  Tage  dato,  auf  Paris,  Genna,  Livorno,
Messina,  London  5—10  Tage  nach  Sicht.
Turin,  Hauptstadt  der  gleichnamigen
ital.  Provinz,  am  Einfluß  der  Dora  Riparia ­
  in  den  Po  und  der  Oberitalienischen
Eisenbahn;  (1878)  214,200  Einw.  Deutsches ­
  Konsulat;  Handels-  und  Agrikulturkammer,
  Handelsgericht,  Börse,  Seidenprobieramt,
  Konditionierungsanstalt  für
Seide;  Banca  Nazionale,  Banca  di  Sconto
e  Sete;  Fabriken  für  Tuch,  Baumwollzcug,
Seidenwaren,  Teppiche,  Papier  rc.  —
Platzgebräuche.  Als  Tara  darf  nur
die  wirkliche  gerechnet  werden.  Wechselkurse ­
  rc.  wie  Genua.
Türkisches  Reich  (Osmanisches
Reich,  Türkei),  die  gesamte  Ländermasse, ­
  welche  unter  der  Herrschaft  des  Sultans ­
  in  Konstantinopcl  steht  und  Teile  der
sogen.  Balkanhalbinsel  in  Europa,  Kleinasien, ­
  Syrien,  Teile  von  Armenien,  Kurdistan ­
  und  Arabien  sowie  den  Nordosten
von  Afrika  umfaßt,  teils  unmittelbare  Besitzungen, ­
  teils  tributäre  Staaten.  Nach
den  Abtretungen  an  Rußland  (in  Asien),
125,769  qkm  (4689  QM.),  an  Rumänien ­
  (Dobrudscha),  14,860  qkm  (270
OM.),  Serbien,  11,097  qkm  (202  QM.),
Montenegro,  5109  qkm  (  93  QM.),  und
England  (Cypetn),  9601  qkm  (174  QM.),
in  Summa:  66,436  qkm  (1207  OM  ),
ist  der  Bestand  deö  türkischen  Reichs  jetzt
folgender  (s.  die  Tabelle  auf  S.  500).
Rationalitäten  und  Konfessionen ­
  sind  für  das  ganze  Reich  zisfermäsug
SÄÄÄ«“
Fn  den  asiatischen  Besitzungen  nimmt
man  an:  10  Mill.  Osmanen,  1  Mill.
Griechen,  2  Mill.  Armenier,  1  Mill.  Araber ­
  und  1  Mill.  Kurden.  Die  Gesamtzahlen ­
  stimmen  aber  weder  in  dem  einen
noch  dem  andern  Fall  mit  unsrer  auf  S.
500  gegebenen  Berechnung  überein.
I.  Produktion.
Der  Boden  der  europäischen  Türkei  ist
im  allgemeinen  sehr  fruchtbar,  nur  29
Proz.  des  GesamtarcalS  gehören  der  unproduktiven ­
  Fläche  an;  allein  aus  Mangel
an  Arbeitskräften,  Kapitalien  und  Ver-32*
        <pb n="508" />
        500

Türkisches  Reich  (Produktion:  Ackerbau,  Vieh-,  Scidenzucht).
Areal  mito  BetiLlkeruiig  des  türkischen  Reichs.

Besitzungen
I)  Europäische  Besitzungen:
Unmittelbare  Besitzungen
Autonome  Provinz  Ostrumelieu  .  .
Bosnien,  Herzegowina  und  Novipasar
Tributäres  Fürstentum  Bulgarien  .

2)  Asiatische  Besitzungen:
Unmittelbare  Besitzungen  .  .
Tributäres  Fürstentum  Samos

Zusammen

3)  Afrikanische  Besitzungen:
Wilajet  Tripolis  .  .  .  .
DU  Ägypten  .  .
.  Tunis  .  .  .

Zusammen:

Schuhstaaten

Zusammen:
Das  türkische  Reich:

OKiloin.

170475
35387
60484
63865

339211

1889055
550

1889605
1033349
2986915
116348

OMeilen

3259
643
1098
1160
6160

34307
10

4136612

34317
18  767
54246
2113
75126

6365428

115603

Bewohner

4790000
815513
1326440
1965500
8897400

10132900
37701

16170600
1010000
17419980
2100000
20529980

45598000

bludungswegcu  sind  selbst  die  prachtvollften
  Flächen  völlig  verödet.  Von  den  71
Proz.  der  produktiven  Fläche  entfallen  auf:
Acker-,  Garten-  und  Weinland  .  40  Proz.
Wiesen  und  Weide»  17  -
Waldungen  14  -
Trotz  der  außerordentlich  primitiven  und
unbeholfenen  Ackerbauinethode  sind  die
Erträge  noch  immer  sehr  ansehnlich.  Mit
Einschluß  der  Ernten  von  Bulgarien,
Bosnien  und  Herzegowina  berechnet  sich
die  jährliche  Getreideproduktion  der
europäischen  Türkei  auf:

Weizen  16890000Hektl.
Roggen  5195000
Gerste.  8723000

Hafer.  1948  000  Hektl.
Mais.  6430000  -

Die  Ausfuhr  geht  teils  über  die  Seehäfen
des  Reichs,  teils  über  die  Donaumündung
und  die  Donau  aufwärts;  die  Quantitäten ­
  entziehen  sich  jeder  Berechnung.  Auch
die  teilweise  sehr  fruchtbaren  Strecken
Kleinasiens  und  Syriens  sind  arg  verbint
  gibt  es  große  wasserlose
Wilsten.  Getreide  wird  aber  aus  Kleinasien
  und  Syrien  ausgeführt.  Über  A  g  y  p  -
ten,  Tunis,  Tripolis,  Bosnien,
Bulgarien,  Kreta,  Sainos  vgl.  die
einzelnen  Artikel.
Unter  den  Handelspsianzen  nimmtT  abal
  die  erste  Stelle  ein.  Die  Produktion  der
diel  Hauptgebiete:  Numelien,  Anatolien

und  Syrien  ist  in  mittlern  Jahren  18Mill.
ķg,  wovon  eilt  bedeutender  Teil  zur  Ausfuhr ­
  gelangt.  —  B  aumwvll  e  wird  namentlich ­
  in  Anatolien  produziert  und  zum
kleinen  Teil  in  Smyrna  und  Umgegend
verarbeitet.  Der  bei  weitem  größte  Teil
(61—77,000  Ballen)  wird  über  Smyrna
ausgeführt.  Andre  wichtige  Kulturen,
welche  zur  Ausfuhr  beitragen,  find:  Mohnbau ­
  (zur  Opiumgewinnung),  Sesam,
Hanf,  Flachs,  Krapp  und  Raps.  Bon  Bedeutung ­
  ist  der  Obstbau,  »aiuentlich  sind
Pflaumenbäume  sehr  geschätzt;  Citronen-,
Orangen-  und  Granatbäuiue  wachsen  in
Epirus,  Thessalien  und  Südalbauien.
Die  Weinkultur  ist  vernachlässigt,  obschon
die  Trauben  ausgezeichnet  sind.
Die  Viehzucht  bildet  eine  Haupterwerbsguelle
  der  Landbewohner.  Die  Pferde
sind  zwar  kräftig,  aber  klein,  dagegen  Esel
und  Maulesel  schön.  Die  Schweinezucht
ist  am  stärksten  in  Bosnien  und  Herzegowina. ­
  Sehr  bedeutend  ist  die  Schafzucht,
namentlich  in  Albanien,  und  die  Wollausfuhr
  auö  der  europäischen  Türkei,  die
sich  besonders  nach  Frankreich  richtet,
wertet  jährlich  im  Durchschnitt  an  20
Mill.Mk.  Die  asiatische  Türkei  produziert
ca.  8  Mill.  Zollpfuud  im  Jahr.
Die  Seidenzucht  war  ehemals  viel
wichtiger,  hat  indes  infolge  der  Preis-
        <pb n="509" />
        Türkisches  Reich  (Industrie,  Handel,  Verkehr).

501

schwankungen  in  jüngster  Zeit  sehr  bedeutend ­
  abgenommen.  Die  Produktionsgebiete
sind  in  dereuropäischen  Türkei  die  WüajetS
von  Volo,  Saloniki  und  Adrianopel,  in
Asien  Anatolien  (besonders  die  Umgegend
von  Brussa)  und  Syrien.  Die  Seidenernten ­
  fielen  in  Europa  von  163,000  kg
im  Jahr  1874  cms  64,000  kg  im  Jahr
1878,  und  aus  Asien  betrugen  die  Zufuhren ­
  1874  noch  376,700,  1878  aber  nur
250.000  kg  und  zwar  auö  Anatolien
85.000  kg,  aus  Syrien  165,000  kg.  ,
Der  Bergbau  liegt  gänzlich  daineder,
  obschon  reiche  Lager  von  Erzen,  namentlich ­
  in  Bosnien  (nahezu  60  Proz.
Eisengehalt),  vorhanden  sind.  Dort  werden ­
  in  der  primitivsten  Weise  etwa  o—
6000  Ton.  Roheisen  im  Jahr  erzeugt.
Auch  in  Kleinasien  und  im  Libanon  finden
sich  hochhaltige,  zum  Teil  kolossale  Eisenlagerstätten, ­
  die  aber  ebensowemg  benutzt
werden.  Kohlenlager  sind  an  vielen
Stellen  nachzuweisen,  doch  existiert  bis  jetzt
im  ganzen  türkischen  Reich  nur  ein  emzigcs
  aufgeschlossenes  Kohlenlager  beiEregü
ui  der  asiatischen  Türkei,  am  südlichen
Ufer  des  Schwarzen  Meers;  bie  jährliche
SßroWtioit  belauft  M  mir  mi
125.000  Ton.  Eine  deutsche  Gesellschaft
hat  begonnen,  die  Lager  der  Insel  Imlen
  groß,  wird  aber  ebenfalls  auf  unverantwortliche ­
  Weise  verwüstet.  ZurAusfuhr
  gelangen:  Bretter,  Pfosten,  Schissbcu*
  imb  SRaßeu,  ebenso  Wone»,
die  im  Wilajet  Janina  wie  m  Kleinasien
in  großen  Mengen  gewonnen  werden.
II.  Industrie  und  Handel.
Die  G  e  w  e  rb  t  h  ä  t  i  gk  e  i  t  steht  auf  sehrniedriger
  Stufe.  Die  Versuche  ausländischer ­
  wie  inländischer  Kapitalisten,  irgend

eingeführten  Waren  auf  430  Mill.  Mk.,
der  ausgeführten  auf  397Mill.Mk.  angegeben. ­
  Nach  den  Tabellen  der  türkischen
Zollbehörde  betrug  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
1873—  74:  356,5  214,l
1874—  75:  333,3  172,6
1875—  76:  312,6  192,9
1876—  77:  259,9  ?
Die  durchschnittliche  Einfuhr  nach  den
Hasenplätzen  Konstantinopel,  Saloniki,
Smyrna,  Beirut,  Alerandrette,  Cyperu,

Baöra,  Samsun  und  Trapezunt  beträgt
nach  andrer  Berechnung  jährlich  395,6
Mill.  Mk.,  woran  beteiligt  sind:  England
mit  192  Mill.,  Frankreich  mit  58,8  Mill.,
Deutschland  mit  30  Mill.,  Österreich  mit
27,2  Mill.,  Rußland  mit  25,6  Mill.,  die
Schweiz  mit  16  Mill.  Mk.  Die  Ausfuhr ­
  beläuft  sich  danach  auf  374  Mill.
Mk.  Dazu  kommt  der  Handelsverkehr  der
Insel  Kandia  mit  17,5  Mill.  Mk.  Einfuhr ­
  und  11,9  Mill.  Mk.  Ausfuhr;  ferner ­
  Einfuhr  in  Bosnien  und  Herzegowina
9,3  Mill.  Mk.,  Ausfuhr  von  5,5  Mill.
Mk;  dann  die  Handelsbetvegung  der  Donauhäfen ­
  mit  6,8  Mill.  Mk.  Ein-  und
5,6  Mill.  Mk.  Ausfuhr,  was  für  den
frühern  Besitzstand  des  Reichs  eine  jährliche ­
  Einfuhr  von  nahe  au  430  Mill.  Mk.
und  eine  Ausfuhr  von  397  Mill.  Akk.
ergibt.  Hauptausfuhrartikel  sind:  Getreide, ­
  Tabak,  Wolle,  Opium,  Meerschaum, ­
  Rosenessenz,  Gummi,  Häute,
Baumwolle,  Früchte,Wein,  Hou,g,  Wachs,
Maroquin,  Krapp,  Teppiche.  —  CingegSSH*

und  der  Schweiz  und  überhaupt  jede  Art
von  Manufakten  und  Fabrikaten  sowie
Kolonialwaren,  Petroleum,  Steinkohlen
(aus  England)  re.
III.  Verkehrswesen.
An  schiffbaren  Flüssen  ist  die  Türkei
sehr  arm;  in  Europa  ist  ein  Teil  der  Marina ­
  das  einzige  schiffbare  Binnenwasser,
in  Asien  ist  nur  der  Euphrat  (s.  d.)  von
Bedeutung  für  den  Verkehr.  —  Der
Landverkehr  über  die  persische  Grenze
wurde  an  vier  von  siebenGrenzplätzen  1879
durch  23,867  Pferde,  21,346  Maultiere
        <pb n="510" />
        502

Türkisches  Reich  (Finanzen,  Kreditwesen  rc.)&amp;gt;

Ud  5308  Kamele  bewerkstelligt  und
38,  t/7  Kollr  transportiert.  —  Die
Eisenbahnen  hatten  1879  in  Europa
E  Länge  von  1469  km;  in  Asien  waren
394  km  gebaut,  davon  280—290  im  Betrieb. ­
  Geplant  ist  die  Ausführung  einer
Bahn  von  Adana  über  Bagdad  bis'Basra
am  Persischen  Golf.  —  Die  Post  beförderte ­
  1874  in  34  Postanstalten:
2,439,000  Briefe  und  Postkarten,  75,000
Warenproben  und  Drucksachen,  1,250,000
Zeitungen,  zusammen  3,764,000  Sendungen. ­
  Einnahme:  2,753,130.  Ausgabe:
1,856,398  Ml.  —  Die  Telegraphen
des  Staats  hatten  1878  eine  Hänge  von
27,497  km,  die  Drähte  von  52,142  km
mit  417  Bureaus.  Die  Zahl  der  aufgegebenen ­
  internen  Depeschen  belief  sich
aus  523,230,  der  internationalen  auf
291.453,  der  offiziellen  auf  530,019,  iin
ganzen  J  ,344,702.  Einnahme:  2,782,590,
Ausgabe:  4,428.899  Mk.  —  Der  Schiffsverkehr ­
  in  allen  Häfen  des  türkischen
Reichs  war  1878—79  folgender:
Schiffe  Tonnen
Konstantinopel,  Küstengependen
des  Mittelländ.  u.  Schwarzen
Meers,  des  Bosporus.  .  .  183737  19513559
Smyrna  (inkl.  Küstenfahrzeuge)  5565  845064
Rotes  Meer  4704  429848
Persischer  Meerbusen  ....  894  131483
Regelmäßige  Dampsfchiffsvcrbindungen
werden  zwischen  den  Hauvtseeplätzen  der
Türkei  und  den  Häfen  deö  Schwarzen
und  Adriatischen  Meers  wie  des  westlichen
Mittelmeerbeckenö  (Odessa,  Triest,  Brindisi, ­
  Messina,  Marseille  k.)  durch  die
Messageries  maritimes  und  die  österreichischen ­
  Lloyddampfcr  unterhalten.  —
Die  Handelsflotte  wird  auf  220  Segelschiffe ­
  weiter  Fahrt  von  34,500  Ton.
und  11  Dampfer  von  3350  T.  angegeben;
mit  Einrechiulng  der  Küstenfahrer  soll
der  Gehalt  181,500  T.  betragen.
Konsulate.  In  den  uiunittelbaren
Besitzungen  (wegen  der  mittelbaren  vgl.
die  betreffenden  Artikel)  unterhält  Deutschland
  Berufskonsuln  in:Beirut,Jerllsalein,
Kale  Sultania,  Konstantinopcl,  Smyrna;
Handelskonsuln  in  :  Aleppo  und  Saloniki  ;
Blcekonsnln  in:  Alerandrette,  Damaskus,
Haussa,  Jaffa,  Lattakich,  Saida,  Tripolis;

Konsularagenten  in:  Antiochia,  Cavalla,
Rodosto.
IV.  Finanzen,  Kreditwesen  rr.
Die  seit  1863  aufgestellten  Budgets
haben  regelmäßig  Überschüsse  ergeben,  was
aber  thatsächlich  auf  Täuschung  beruhte.
Das  Budget  für  1879—80  gibt  die  Einnahmen ­
  auf256,4Mill.,  die  Ausgaben  auf
234,7  Mill.  Mk.  an.  Danach  stellt  sich  ein
Uberschuß  von  21,7  Mill.  Mk.  heraus,
allein  dies  günstige  Resultat  ist  nur  scheinbar, ­
  da  243  Mill.  Mk.  an  Zinsen  für  die
Staatsschuld  nicht  bezahlt  werden.  So
müssen  z.  B.  die  Zinsen  für  die  von  Frankreich ­
  und  England  garantierte  Anleihe  im
Betrag  von  2,2  Mill.  Mk.  von  diesen
Mächten  selbst  gezahlt  werden.  Aber  die
Einnahmen  dürften  sich  auch  bedeutend
verringern,  wenn  es  nicht  gelingt,  neue
Anleihen  31t  emittieren.  Ein  Fünftel  der
Steuern  wird  zur  Einziehung  des  Papiergelds ­
  benutzt  werden  müssen.  Da  die
anbern  vier  Fünftel  sowie  die  Zollgebühren ­
  in  Silber  entrichtet  werden,  sö  wird
sich  ein  Verlust  von  6-10  Proz.  ergeben,
so  daß  also  das  Finanzjahr  1879—80
»nt  einem  Defizit  von  61  Mill.  Mk.  abschließen ­
  dürfte.  —  Die  Staatsschuld
war  bis  zum  Krimkrieg  höchst  unbedeutend
(ca.  192  Mill.  Mk.);  1855—56  wurde
dann  mit  einer  Anleihe  von  349  Mill.
Mk.  und  der  von  Jahr  zu  Jahr  steigenden
Ausgabe  von  Papiergeld  der  Grund  zii
dem  Ruin  der  türkischen  Finanzen  gelegt;
1879—80  war  die  dafür  zu  zahlende  8inSsnmme285,4Mill.
  Mk.  Ziemlich  alle  nennenswerten ­
  Einnahmen  sind  für  die  verschiedcnenAnlehen
  verpfändet  worden.  Der
ägyptische  Tribut  muß  direkt  an  die  Bank
von  England  abgeführt  werden;  die  Zölle
von  Konstantinopel  sind  für  das  Ansehen
von  1855,  der  Ertrag  der  verschiedenen
Zehnten  für  die  von  1860,  der  Ertrag  des
Tabaks-  und  Salzmonopols  für  die  voll
1862,  andre  direkte  Abgaben  für  die  von
1863,  die  Abgaben  von  den  Schafherdcil
in  Rumelien,  von  den  Kupferbergwerken
und  verschiedenen  Steuern  in  Syrien  für
die  von  1865,  der  Zehnte  in  den  Donauprovinzen ­
  für  die  Anleihe  von  1869,  der
Ertrag  der  Eisenbahnen  für  jene  von  1871
verpfäildet.
        <pb n="511" />
        Turksinseln  —  Ulm.

503

Kreditwesen.  1875  erhielt  die  Banque ­
  Imperiale  Ottomane  in  Konstantinopel
  das  Recht  der  alleinigen  und  um
beschränkten  Notenausgabe.  Die  Noten
sollten  ans  nicht  weniger  als  100  Piaster
lauten  und  zn  einem  Drittel  durch  Goldmünzen ­
  gedeckt  sein.  DaS  Kapital  der
Bank  beträgt  200  Mill.  Mk.,  wovon  100
Mill.  Mk.  eingezahlt  sind.  Die  Bank  ist
bis  1913  konzessioniert  nnd  wird  von  einem
in  Paris  nnd  London  tagenden  Komitee
von  26  Mitgliedern  geleitet.  Sie  ist  Finanzagent
  der  Regierung.  ,
Geld,  Maße  nnd  Gewichte.  Die
Währung  ist  nominell  Gold,  in  Wirklichkeit ­
  Papier.  Ende  1877  waren  fiiv  1700
Mill.  Piaster  Papiergeld  (Kaimcs)  ausgegeben, ­
  il  nd  Ende  1878  zahlte  man  359
Piaster  Papier  für  100  Piaster  Goldmünze, ­
  so  tief  war  der  Wert  der  crstern
gesnnkeii.  In  der  Mehrzahl  der  Provinzen
nimmt  man  übrigens  dieKaimcsgar  nicht
an.  Gerechnet  wird  nach  Piastern  zu  40
Para,  im  Wert  voll  19  Pf.  Bei  sehr  bcdentcndcn
  Zahlungen  rechnet  niaii  i,ach
Beuteln  (Kis  oder  Keser)  zu  500  Piaster. ­
  —  Maße  sind:  die  Draa,  der  Pik  für
Seide  und  Tücher  zu  68,58  cm,  die  Endasch ­
  für  alle  andern  Manufatte  zn  65,25
cm;  Getreidemaß  der  Fortin  von  4  Kilos,
das  Kilo  zu  35,27  Lit.  ;  Flüssigkeitömaß  bie

Alma  oder  Almud  zu  5,2  L,;  Gewicht  die
Okka  zu  1,2785  kg.  Gesetzlich  eingeführt
(seit  1871),  aber  nicht  allgemein  im  Gebrauch ­
  ist  das  Deeimalsystem.
Turksinseln,  britisch  -westind.  Jiiscln,
  die  südöstlichsten  der  Bahamainseln,
nördlich  von  Hayti;  25  qkm  (0,46  QM.)
mit  (1874)  2845  Einw.  Die  Gruppe  ist
wichtig  wegen  der  SalzgewiiiNiiiig.  1878
belief  sich  die  Einflihr  auf  400,000,  die
Ausfuhr  auf  540,000  Mk.,  die  Schisssbeweguiig
  auf  96,000  Ton.  Kolonialeinnahme
  180,000,  Ausgabe  120,000
Mk.  Die  T.  gehören  seit  1881  zum  Weltpostverein. ­

Tutikorin,  Hafenstadt  an  der  südlichen
Ostküste  der  britisch-ostind.  Präsidentschaft
Madras,  am  Golf  von  Manaar;  (1872)
10,565  Einw.  Deutsche  Koiisularagciitiir;
Bank  of  Madras.
Twer,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
rujf.  Gouvernements,  an  der  Petersburg-Moskauer
  Eisenbahii,  zu  beiden  Seiten
der  hier  213  m  breiten  Wolga  ;  (1875)  38,248
Einw.  Ressort  des  deutschcipKonsulö  in
Moskau;  AbteilllNg  der  Staatsbank;
Transportgesellschaft  Nadeshda;  28  Fabriken. ­
  Als  Eisenbahnstation  und  Wolgahafen
  hat  T.  einen  sehr  bedeutenden  Zwischenhandel, ­
  dessen  wichtigste  Gegenstände
Getreide  und  MetaNfabrikatc  bilden.

u.

Ubes,  St.,  s.  Setubal.
Urayali,  einer  der  Hauptquellstilpe  des
Amazonenstroms,  entspringt  unter  deni
Namen  Apurimac  in  der  peruanischen  Provinz ­
  Canas  und  mündet  nach  2200  km
langem  Lauf  gegenüber  Nauta  in  denMaranon.
  Er  ist  zur  Hälfte  für  Dampfschiste
fahrbar  und  wird  eine  Hauptverkehrsstraße
im  innern  Südamerika  werden.
Uleäborg,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  Gouvernements  in  Finnland,  an  der
Mündung  des  Nleaelf  in  den  Bottnischen
vernement  U.,  Agentur  der  Nord.  Aktienbank ­
  für  Handel  nnd  Industrie,

lands  Bank  Kontor,  Föreningsbanken  Filial ­
  Kontor.  on
Ulm,  Hauptstadt  des  Württemberg.  Donaukreises,
  an  der  Donau,  die  hier  die
Blau  aufnimint  und  dadurch  schOlbar
wird,  wichtiger  Eisenbahnknotenpunkt  (Linien ­
  nach  Bruchsal,  Würzburg,  Offingen
(Regensburg  und  München),  Kempten,
Friedrichshafen  unb  Schasfhausen  )  ;  (i88o)
32,754  Einw.  Handels-  und  Gewerbekammer,
  Hauptsteueramt;  Relchsbanknebenstellc,
  Gewcrbcbank.  —  ll.  ist  einer  der
wichtigsten  Handels-  nnd  Jndustrieplätze
Württembergs.  Außer  starker  Lein-  und
Baunlwollw'eberei  ist  hier  eine  große  Zahl
von  Gewerben  in  größerm  Maßstab  vertreten. ­
  Der  Holz-,  Produkten  -  und  Spe-
        <pb n="512" />
        504

limed  —  Uruguay.

ditionshandel  der  Stadt  ist  sehr  bedeutend.
Messen  werden  14.  Juni  unb  16.  Dez.
Ş C «rJ» etI '  7  Tagen;  Lederinessen
l.mrg  mtb  20.@C|)L,  jebe  2  laße;  3:114=messen
  (Markt  für  Gewebe  und  Strickwaren) ­
  8.  März  unb  11.  Oft.;  Weltmarkt ­
  17.  Juni,  3  Tage.
Umca,  Hauptstadt  des  schwed.  Laus
Westerbotten,  an  der  Mündung  desUmeäcls;
  (E)  2589  Einw.  Deutsches  Vicelousulat(Amtsbezirk:
  südliche  Vogtei  derProvmz
  Westerbvtten),  Vesterbotteus  Ensk.
Bank.  Starke  Ausfuhr  von  Holz  (1877:
^,6  Mill.  Kubikfuß  Bretter  und  Planken, ­
  125,026  Kubikfust  Balken  und  Sparren, ­
  ferner  Bretter-und  Plankenenden,
Faßdauben,  Bauholz,  Masten  re.),  Teer,
(o  deutsche  von  1039  T.),  aus:  167  Schiffe
von  40,083  T.
Ungarn,  Königreich,  die  östliche  Hälfte
der  vsterreichlsch-ungar.  Monarchie,  besteht
aus  dem  eigentlichen  U.,  dem  ehemaligen
  Sieben  b  ü  rgc  n.  Fi  u  in  e  samt
Gebiet,  K  r  o  a  t  l  e  n,  S  l  a  w  o  n  i  c  n  und  der
gWitargrenge;  322,628  qkm  (5859
§M.)  mit  (isso)  15,610,729  Eiuw.  Das
Wettere  s.  Österreich-Ungarn.
Unioninseln,  s.  Polynesien.
Unstrut,  Fluß  in  der  preuß.  Provinz
Sachsen,  entspringt  auf  dem  Eichsfeld
ilild  mündet  nach  172  km  langem  Lauf
unterhalb  Naumburg  in  die  Saale.  Bon
Bretlebeu  ist  sie  durch  zwölf  Schleusen
fur  Ileme  Fahrzeuge  schiffbar  gemacht.
Uruguay,  Freistaat  in  Südamerika,
unter  einem  Präsidenten  und  Gesetzgebendcn
  Körper,  umfaßt  186,920  qkm  (3394,7
QM.)  mit  (18801438,245  Einw.  DieEinwaudcrung
  (meistItaliener)  betrug  in
den  sechsJahren  von  1866—71  im  ganzen
^03-682,  erreichte  1873  eine  Höhe  von
24,339  Kopsen,  siel  aber  später  bedeutend
und  belief  sich  1879  auf  10,710;  dagegen
WitWc,1  1879:  7009  ^erfo„c,l  attl-Produktion.
  Der  Boden  ist  mit  Aus-N.mne
  einiger  sandigen  Striche  au  der
,  ""e  und  einiger  stcppcnartigen  im  IngWKWSZ

Ģ  Blehstand  wird  für  1877  angegeben ­

  auf  6,327,000  Rinder,  13,005,000
Schafe  und  12,701  Schweine.  Mehr  als
625,000  Tiere  wurden  1876  geschlachtet,
bereit  Fleischwert  man  auf  13,400,000
Mk.  schätzte;  im  ersten  Halbjahr  1879
Machtete  mau  über  1,455,000  Rinder.
Das  Etablissement  zu  Fray  Bentos,  in
welchem  »LiebigS  Fleischertrakt«  hergestellt
wird,  beschäftigt  400—500  Leute  und  liefert ­
  allein  für  10  Mill.  Mk.  Fleischwaren
jährlich.  Die  Ausfuhr  von  Pferden  und
Rlndvieh  hatte  1878  einen  Wert  von  6,5
Mltt  Mk.,  von  Salzfleisch  14,2  Mill.,
Fletschkonserven  und  Fleischertrakt  2Mill.
Mk.  Dazu  kommt  noch  die  diel  bedeutendere
Ausfuhr  andrer  tierischen  Produkte,  welche
die  Ziffer  der  Gesamtausfuhrprodutte  der
Viehzucht  1878  auf  66,2  Mill.  Mk.  brachten, ­
  während  sich  die  Ausfuhr  aller  Erzeugnisse ­
  des  Staats  auf  74,8  Mill.  Mk.
bezifferte.  Von  der  ersten  Summe  kommen
a»  Häute  21,5.  Mill.,  auf  Wolle  12,9  Mill,
mis  Wü  7  3  gm.  m.,  ber  Dien  ans  Gd#
e '  Roßhaare  rc.  Früher  nicht  beachtete
Gegenstände  sind  usichtige  Exportartikel
Morden.  Die  Ausfuhr  des  aus  tierischen
?-fhen  hergestellten  Guanos  stieg  von
si  '2,40%  Ton.  in  1872  auf  über  5  Mill.  T.
m  1878.  Der  Export  von  Wolle  richtet
sich  wie  der  Argentiniens  meist  nach  Antwerpen, ­
  Havre,  Bordeaux.
Der  Land  bau  entwickelt  sick'  bei  zunehmender ­
  Ansiedelung  mehr  und  mehr,
si&amp;gt;  daß  statt  der  frühern  Einfuhr  von
Brotstoffen  eineAusfuhrstattfindet,  welche
außer  Mais  von  155  Ton.  Mehl  in  1875
auf  9081  T.  in  1877  stieg  und  1878'
2,021,(lOOg^.  wertete.  ¿od)ißber%der:
bail  (welcher  besonders  von  Deutschen  gepflegt ­
  wird)  eben  so  wie  der  Gewerbflet  ß
noch  wenig  entwickelt.  —  Die  Wälder
teferil  vortreffliches  Bauholz,  aber  ailch
sie  werden  nichts  weniger  als  rationell
ausgebeutet.
Der  Handel,  meist  in  den  Händen
von  Engländern  und  Deutschen,  nimmt
feinen  Weg  zum  bei  weitem  größten  Teil
über  Montevideo.  Die  Einfuhr  hatte  1873
eine  Höhe  von  84,i  Mill.  Mk.  Wert  erreicht, ­
  von  der  sie  aber  schnell  herunterging ­
  und  1876  den  niedrigsten  Stand  mit
51,2  Mill.  Mk.  erreichte.  Die  Ausfuhr
        <pb n="513" />
        Utrecht.

505

siel  in  nicht  ganz  so  bedeutender  Weise.
Beide  haben  sich  aber  wieder  gehoben,  und
die  Ausfuhr  ist  1878  auf  eine  früher  nicht
erreichte  Höhe  gestiegen.  1878  war  der
Wert  der  Einfuhr  02  Mill.  Mk.,  Ausfllhr
  68  Mill.  Mk.  Doch  kann  man  bei
dem  schwunghaften  Schmuggelhandel  diese
Ziffern  »m  wenigstens  ein  Drittel  höher
stellen.  Die  Einfuhr  besteht  in  Fabrikaten
und  Manusakten  jeder  Art,  die  Ausfuhr
in  den  oben  angegebenen  Landesprodukten.
1878  war  die  Beteiligung  der  einzelnen
Verkehrslandcr  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
England  21,o  18,5
Brasilien  8,4  18,2
Frankreich  11,*  13,5
Belgien  1,6  7,6
Vereinigte  Staaten.  .  4,2  4,7
Cuba  ......  1,8  4,7
Argentinien  ....  1,8  2,5
Italien  3,7  1,2
Deutschland  ....  3,5  0,3
Natürliche  Verkchrsstraße  ist  der
La  Plata-Strom,  weiter  hinaus  »U.«
genannt  und  auf  eine  große  Strecke  von
Dampfern  befahren.  Die  Länge  der  Eisenbahnen ­
  war  1879:  375V*  kni.  Die
Post  beförderte  1878  in  234  Ämtern
1,023,004  Briefe  und  1,185,012  Drucksachen; ­
  die  Einnahmen  betrugen  539,228
Mk.  Die  Telegraphenlinien  haben
einschließlich  eines  160  km  langen  Kabels ­
  eine  Länge  von  1219  km  mit  20Stationen, ­
  ans  denen  40,361  (27,137  interne,
13,207  internationale)  Depeschen  befördert ­
  wurden.  —  Fast  der  ganze  Schiffsverkehr ­
  geht  über  Montevideo  (s.  d.).
Konsulate.  Ein  Berufskonsul  residiert ­
  in  Montevideo,  ebenda  und  in  Paysandü
  Vicckonsnln.  —  Die  Handelsgesetzgcbung
  basiert  alls  derjenigen
der  Argentinischen  Republik.—  Banken.
In  Montevideo  haben  die  Mercantile
Bank  of  the  River  Plate  und  die  London
and  River  Plate  Bank  Etablissements
errichtet.
Finanzen.  Die  Staatseinnahmen ­

  betrugen  1878:  37  Mill.  Mk.,  davon ­
  Zölle  22,8  Mill.  Mk.  1876  loaren
die  Einnahmen  mit  34  Mill.,  die  Ausgaben ­
  mit  18,2  Mill.  Mk.  berechnet;  faktisch ­
  waren  die  Ausgaben  weit  höher,
lvelche  früher  zlim  großen  Teil  durch  Anleihen ­
  aufgebracht  wurden.  —  Die
Staatsschuld  belief  sich  1.  Jan.  J880
auf  205,8  Mill.  Mk.,  davon  innere  Schulden ­
  132,4  Mill.  Mk.,  auswärtige  Schulden ­
  73,4  Mill.  Mk.  Die  Zinsen  werden
scit  i.  Jan.  1878  für  die  ganze  ausländische
Schuld  gezahlt.  Für  die  Inhaber  der  innern ­
  Schuld  ist  durch  Konvention  vom20.
Febr.  1878  bestimmt  lvorden,  daß  die  Regierung ­
  jeden  Monat  der  Kommission  der
Bondsinhabcr  der  konsolidierten  innern
Schuld  420,000  Mk.  zu  zahlen  hat,  welche
zur  Tilgung  der  Schuld  zu  verwenden  sind.
Gel  d  rc.  Seit  1877  besteht  reine  Goldwährung. ­
  Man  rechnet  nach  Pesos  nacionales, ­
  welche  einen  Wert  von  4  Mk.  29
Pf.  haben.  Thatsächlich  herrschte  früher
Papierwährung,  doch  haben  sich  die  Verhältnisse ­
  gebessert,  und  das  Papiergeld,
wovon  1876:  5  Pesos  für  1  Peso  Goldmünze ­
  gegeben  wurden,  wird  fortgesetzt
eingezogen.  Im  März  1878  hatte  die
Goldmünze  nur  noch  29  Proz.  Aufgeld
gegen  Papiergeld,  dessen  Betrag  damals
24  Mill.  Mk.  Wert  überstieg.—Die  M  a  ß  c
und  Gewichte  sind  gesetzlich  die  französischen ­
  metrischen.
Utrecht,  Hauptstadt  der  gleichnamigen
niederländ.  Provinz,  am  Alten  Rhein,  von
dem  hier  die  Vecht  nach  der  Zuidersee  und
die  Vaart  nach  dem  Lek  abgehen,  ist  von
zwei  Kanälen  oder  Armen  des  Alten
Rheins  durchschnitten.  Knotenpunkt  der
Nieder!.  Rheinbahn,  Niedcrl.  Staatöbahn,
Niedcrl.  Centralbahn;  (ms)  68,280  ein».
Die  Industrie  erstreckt  sich  auf  Fabrikation ­
  von  Geweben,  Maschinen  (von  3
Eisenbähngesellschaften),  landwirtschaftlichen ­
  Geräten,  Cigarren,  Porzellan,  chemischen ­
  Produkten  rc.  Der  Handel  vertreibt
außer  den  Jndustrieprodnkten  besonders
Käse  u.  Butter,  auch  andre  Landesprodukte.
        <pb n="514" />
        50G

Valdivia  —  Valparaiso.

i&amp;gt;s

Valdivia,Hafenstadt  derglcichnamigcn
Provinz  iit  Chile,  Station  der  Kosmosdampfer; ­
  (1875)  3872  Einw.  Deutsches
Konsulat  für  die  Provinz  V.;  Banco  Nacional. ­
  Deutsche  Brennereien  und  Brauereien ­
  (eine  der  letztem  versendet  monatlich ­
  125,000  Lit.  Bier).  Die  Einfuhr  ist
fast  ausschließlich  deutsch;  ausgeführt  werden ­
  Sohlleder  (1879  nach  Deutschland
2  mus.  kg),  (5  mid.  kg  i#
England),  Holz.
Valencia,  1)  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  span.  Provinz,  an  der  Bahn
Barcelona-Alicante;  4  km  von  der  Hafenstadt ­
  Villa  Grao,  wo  die  Dampferlinien
Messageries  maritimes,  Paquetbots  à
Vapeur  Espagnols  (Sevilla)  und  Noca  u.
Ko.  (Barcelona)  verkehren;  (1877)  143,856
Einw.  Deutsches  Konsulat  für  die  ProvinzV.
  ;  Handelskammer,  Banca  deEspaña
Succ.  —  Seidenweberei,  Seifensiederei,
Fabrikation  von  Aznlijos  mosaicos,  Maschinen ­
  für  Reis-  undZuckermühlen  rc.  —
Eingeführt  werden  :  Stockfisch,  Steinkohle,
Holz,  Eisen,  Kolonialwaren;  ausgeführt
wurden  1879:  Wein  (365,000  di',  meist
nach  Frankreich),  Apfelsinen  (1  Vs  Mill.Kistcn,
  davon  1  Mill,  nach  England,  250,000
nach  Frankreich,  175,000  nach  den  VereinigtenStaaten),
  Rosinen  (466,076Ctr.),
Safran(98,7OOPfd.  im  Wert  von3Mill.
Mk.),  ferner  Weinstein,  Öl,  Mandeln,
Anis,  Cigarcttenpapier,  Nudeln  u.  a.  Der
direkte  Export  nach  Deutschland  ist  unbedeutend. ­
  1879  liefen  ein:  3476  Schiffe
von  744,762  Ton.,  deutsche  mit  6628  T.
Platzgebräuch  e.  Man  verkauft  deutsche
Artikel  "gegen  bar  oder  6  Monate  Kredit
(nach  Ablauf  Wechsel  von  3  Monaten).
Wechselkurse  wie  Madrid.
2)  Hauptstadt  der  Provinz  Carabobo
in  Venezuela,  60  km  vom  Karibischen
Meer,  mit  (1873)  28,594  Einw.  Hafen  ist
Puerto  Cabello.  In  der  Umgegend  sehr
fruchtbare  Zuckerrohrfelder  und  Kaffeeplantagen. ­

Valentia,  Insel  in  der  Dinglebai  an
der  Sudwestküste  von  Irland,  mit  vorzüglichem ­
  Hase».  Von  hier  führen  drei  1858,

1865  und  1873  gelegte  Telegraphenkabel
nach  der  Trinitybai  Neufundlands.
Valetta,  La,  Haupt-  und  Hafenstadt
der  brit.  Insel  Malta,  Station  der  Dampferlinien:
  Peninsular  and  Oriental
Steamship  Co.,  Nederl.  Stoomboot  Maatschappij,Carnegie-Linie(London),
  Ennardund
  Leyland-Linie  (Liverpool),  Società
Florio  (Palermo),  Società  Rnbattino
(Genua),  Westcotts-Linie  (Antwerpen);
(1871)  75,000  Einw.  Deutsches  Konsulat
für  die  Insel  Malta  ;  Anglo-Maltese  Bank,
Malta  Bank.  Vgl.  Malta.
Valladolid,  Hauptstadt  der  gleichna
migen  span.  Provinz,  am  Pisuerga  und
am  Kanal  von  Kastilien,  Station  der
Nordbahn;  (1877)  52,206  Einw.  Ressort
des  deutschen  Konsuls  in  Santander;  Filiale ­
  der  Bank  von  Spanien.  Bedeutende
Eisengießerei,  Fabriken  für  Papier,Tuch  re.
und  Brauereien.  Große  Messe  20.  Sept.
Valparaiso,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  chiten.  Provinz,  die  bedeutendste
Sec-  und  Handelsstadt  an  der  Westküste
Südamerikas,  an  der  Bai  von  V.  und  der
V.-Santiago-Bahn;  Station  der  Dampferlinien: ­
  Kosmos,  Belgian  Royal  Mail,
Pacific  Steam  Navigation  Co.  (Liverpool),
Royal  Mail  Steam  Packet  Co.;  (1875)
97,737  Einw.  Deutsches  Generalkonsulat ­
  (Amtsbezirk:  die  Provinzen  V.,  Aconcagua, ­
  Coquimbo  und  Maule);  Börse,
Handelsgericht,  Hanptzollamt;  Banco  Na
cional  de  Chile,  Banco  deV.,  London  Bank
of  Mexico  and  South  America.  —  Die
Stadt  besitzt  große  Transitmagazine,  einen
vortrefflichen  Hafen  und  ist'  ber  Mittelpunkt ­
  des  Handels  und  der  Industrie  von
ganz  Chile.  1876  betrug  zur  See  die  Einfuhr ­
  vom  Ausland  135,4  Mill.  Mk.,  die
Ausfuhr  dahin  1878:  62,6  Mill.  Mk.;
letztere  besteht  namentlich  in  Silbererz,
Kupferprodukten,  Weizen,  Honig,  Wachs.
In  den  letzten  Jahren  ist  der  Handel
gesunken;  die  Zolleinnahmen  sielen  trotz
cr#ter  ÜÖUc  üon  22,9  Miß.  9Rf.  in  1877
ans  22,9  mtiß.  SRf.  in  1878.  93.  iß  ber
Haupthafen  des  Landes;  1879  liefen  ein:
1007  Schiffe  von  635,850  Ton.,  anö:
        <pb n="515" />
        Vandiemensland  —  Venezuela.

&amp;gt;07

1024  Schiffe  von  634,150  T.  (davon  30
deutsche  von  25,776  T.).  —  Platzgeb
  rauche.  Man  verkauft  Landeserzeugnisse ­
  gegen  bar  (oft  mit  Vorschuß),  Mehl
auf  6  Monate  Kredit;  Einfuhrwaren  auf
6  (Zucker  8—10)  Monate  Kredit.  Wechselkurse ­
  notiert  man  auf  London,  Paris,
Hamburg,  Berlin  90  Tage,  Vereinigte
Staaten  60  Tage  nach  Sicht.
Vandicmenöland,  f.  Tasmania.
Vathy,  s.  Samos.
Venedig,  Hauptstadt  der  ital.  Provinz
Venetien,  am  gleichnamigen  Golf  des
Adriatifchen  Meers  und  der  Oberitalienischeu
  Bahn;  Station  der  Dampferlinien: ­
  Nederl.  Stoombvot  Maatschappij,
Cunard  und  Leyland  Line  (Liverpool),
Messageries  maritimes,  Società  glorio
(Palermo),  Wilson  Line  (Hull);  (1878)
125,276  Einw.  Deutsches  Konsulat(Amtsbezirk:
  die  Küste  von  der  österreichischen
Grenze  bis  Ravenna  ausschließlich,  sodann
Udine,  Treviso,  Padua,  Vicenza,  Verona
und  Rovigo);  Börse,  Handels-  und  Gewerbekammer; ­
  Handels-,  Wechsel-  und
Seegcricht;  Filiale  der  Nationalbank,
Banco  di  Credito  Veneto.  —  Die  Industrie ­
  der  Stadt  liefert  namentlich  Goldund
  Silberwaren,  Seidenstoffe,  Glas  und
Steingut;  auch  wird  viel  Schiffbare  betrieben. ­
  Daö  Arsenal  nimmt  eine  ganze
Insel  ein  und  umfaßt  alle  zum  Schiffbau
nötigen  Werkstätten.  —  Seit  1874  ist  V.
nicht  mehr  Freihafen,  aber  1877  sind  Freilager ­
  errichtet  worden,  welche  auf  die  Steigerung ­
  des  Transithandelö  günstig  eingewirkt
  haben.  Große  Docks  sind  angelegt,
und  um  deil  größten  Dampfern  die  direkte
Verladung  auf  die  Eisenbahn  möglich  zu
machen,  ist  eine  Mcerstation  (Stazione
marittima)  derselben  errichtet  worden.  Als
Vorhäfen  dienen  Lido  (für  kleine  Schiffe)
und  Malamocco.  1879  liefen  ein:  2797
Schiffe  von  642,469  Ton.  (686  Dampfer
von  474,544  T.),  aus:  2796  Schiffe  von
637,740  T.  (680  Dampfer  von  469,204
T.);  von  deutschen  Schiffen  gingen  ein
und  aus:  5  Schiffe  von  2594  T.  Die
deutsche  Einfuhr  zur  See  betrug  1878
nur  5760  Mk.  Überhaupt  betrug  1879
zur  See  die  Einfuhr  128,3  Mill.,  die  Ausfuhr ­
  42,8  Mill.  Mk.  sowie  per  Eisenbahn

Ausfuhr  Einfuhr

Muren

8«

S®

5T-  3

und  Fluß  die  Einfuhr  75,4Mill.,  die  Ausfuhr ­
  107,5  Mill.  Mk.,  so  daß  sich  die  Gesamteinfuhr ­
  auf  203,7  Mill.,  die  Gesamtausfuhr ­
  auf  150,3  Mill.  Mk.  bezifferte.
Hauptpostcn  des  Handels  waren  1879  (in
Millionen  Mark):

Getreide  und  Mehl  .
Sle
Kolonialwaren  .  .
Rohseide
Hanf
Andre  Webstosfe  .  .
Manufatte....
Kohle  und  Koks  .  .

5,o
0,o
0,o
0,1
10,0
0,1
8,4
0,2

21,7
lß,G
7.0
9.1
1.2
11,9
2,8
3,3

Andre  wichtige  Handelsartikel  sind:  Vieh
und  Fleisch,  Käse,  Häute  und  Felle,  Fische,
Getränke,  Früchte,  Metalle,  Schwefel,
Medizinalieu  und  Mineralwässer.  Von
der  Einfuhr  lieferte  Ostindien  für  25,3
Mill.  Mk.,  Italien  für  22,5  Mill.,  Österreich-Ungarn ­
  für  19,i  Mill.,  England
für  13,6  Mill.,  Rußland  für  13,4  Mill.,
Rumänien  für  11,3  Mill.,  Vereinigte
Staaten  für  5,^  Mill.  Mk.,  dann  Türkei, ­
  Griechenland,  Japan,  Skandinavien
u.  a.  An  der  Ausfuhr  nahm  Österreich-Ungarn
  mit  12,3  Mill.,  England  mit
10,6  Mill.,  Italien  mit  9,4  Mill.,  Ostindien ­
  mit  3,8Mill.  Mk.  teil.  —  Platzgebräuche. ­
  Verkauf  gewöhnlich  auf  Kredit
(4—6  Monate),  bei  Barzahlung  Diskont
(Zucker  3,  Olivenöl  6,  Mandeln  )!  Pro;.).
Wechselkurse  notiert  man  wie  Genua
auf:  Amsterdam,  Augsbllrg,  München,
Berlin,  Frankfurt  a.  M.,  Hamburg,
Triest.  —  Ein  größerer  14tägiger  Markt
beginnt  am  Himmelfahrtstag.
Venezuela,  Föderativrepublik  in  Südamerika, ­
  1,137,615  qkm  (20,660,3  QM.)
mit  (1873)  1,784,197  Einw.,  bis  auf  1  Proz.
Kreolen,  Mischlinge,  namentlich  Mulatten ­
  und  Sambos;  Zahl  der  Fremden  ca,
24,000.—Daö  Land  istteils  gebirgig,  teils
besteht  cs  ansLlanos  und  Savannen  (Tiefebenen). ­
  Erdbeben  sind  nicht  ungewöhnlich. ­
  Obgleich  die  heiße  Zone  vom  Meer
(La  Guaira  hat  29°  C.)  bis  700  in  reicht
        <pb n="516" />
        508

Veracruz  —  Vereinigte  Staaten.

so  ist  daö  gelbe  Fieber  doch  selten.  Die  Pflanzenwelt ­
  ist  sehr  reich:  Sassaparille,  Kautschuk, ­
  Sassafras,  Vanille,  Tonkabohnen,
Fieberrinde,  Gummi,  Farbstoffe,  Tolubalsam.—Produktion.
  Geballt  werden  :
vorzüglicherKasfee  (jährlich  ca.6—7(X&amp;gt;,  000
Ctr.),  Bauniwolle  (abnehmend),  Zucker,
Tabak.  Gold  findet  man  in  der  Provinz
Guayana(Upata),  Kupfer  beiAroasdurch
eine  englischeGesellschaftgewonnen),Phosphatguano ­
  auf  der  Insel  Orchila,  Salz
und  Natron  an  mehreren  Orten.  Der
Handel  wird  ausschließlich  von  Fremden,
namentlich  Deutschen,  vermittelt.  1878
wertete  die  Einfuhr  60,2  Mill.  Mk.,  die
Ausfuhr  64,5  Mill.  Mk.  Eingeführt  werden: ­
  Weizenmehl  (Vereinigre  Staaten),
Eisen  -  und  Baumwollwareu  (England);
aus  Deutschland:  Eisen-  und  Stahlwaren,
Porzellan  und  Glas,  Bekleidungsstoffe,
Bier,  Papier,  Gold-  und  Silberwaren  re.
Hauptsächliche  Exportartikel  waren  1878:
Kaffee  45,6  Mill.,  Kakao  6  Mill.,  Gold
5,4  Mill.,  Baumwolle  2,2  Mill.,  Ziegenund
  Rehfelle  1,9  Mill.  Mk.
Auf  die  Hauptverkehrsländer  verteilt
war  1878  (in  Millionen  Mark):

Deutschland
England.
Frankreich  .  .  .
Vereinigte  Staaten
Britisch-Indien  .

.Einfuhr  Ausfuhr
.  8.8  20,  i
17,2  2,3
10,o  12,3
10,4  19,4
4,8  5,8

Dem  auswärtigen  Handel  sind  die  Hafen ­
  La  Guaira,  Puerto  Cabello,  Vela,
Ciudad  Bolivar  und  Maracaibo  geöffnet.
In  alle  Häfen  von  V.  liefen  1876  ein:
ca.  4500  Schiffe  von  310,000  Ton.  Mit
Europa,  Nordamerika  und  Westindien  ist
V.  durch  folgende  Dampferlinien  verbunden: ­
  die  Hamburg-Amerikanische  Dampfschiffahrtsgesellschaft,
  Compagnie  genérale
transatlantique,  Royal  Mail  Steam
Packet  Co.,  Harrison-Linie,  Westindia
and  Pacific  Steamship  Co.  Der  obere
Lauf  des  Orinoko,  der  untere  des  Apure
und  der  Rio  Meta  werden  mit  Dampfern
befahren.—Eine  Eisenbah  nvon  113km
Lange  verbindet  Tucäcas  mit  den  Kupferminen ­
  von  Aron.  —  Postämter  (V.  gehört ­
  zum  Weltpostverein)  gab  eS  1.  Jan.
1880:  136  und  65  Postlinicn.  —  Von

Telegraphenlinien  waren  I.Sept.  1880
imBetrieb  539  km.  —  Eine  Bank  existiert
nicht.  —  Konsulate  unterhält  Deutschland ­
  in:  Caracas(Berufs-Generalkonsul),
Ciudad  Bolivar,  La  Guaira  und  Puerto
Cabello.  —  Wechselrecht  ist  das  spanische.
Die  Finanzen  befinden  sich  in  keiner
günstigen  Lage;  1876—77  betrugen  die
Einnahmen  18,7  Mill.  Mk.,  die  Äusgabeu
  17,8  Mill.  Mk.;  die  äußere  Schuld
war  31.  Dez.  1879  :  220  Mill.,  die  innere
Schuld  30.  Juli  1879:  51,8  Mill.  Mk.
Zur  Tilgung  der  Schuld  waren  1880—
1881:  384,000  Mk.  bestimmt.  —  Münzen ­
  werden  in  Gold  und  Silber  geprägt;
Münzeinheit  ist  der  Venezuelano  zu  100
Centajos  —  4  Mk.  5  Pf.  Maße  und
Gewichte  sind  die  metrischen.
Veracruz,  Haupthandelshafen  der  Republik ­
  Mexiko,  am  Mexikan.  Meerbusen
und  der  Bahn  Mexiko-V.;  Station  der
Dampferliuicn:  Hamburg-Amerikanische
DampfschiffahrtSgcsellschaft,  Comp,  generale ­
  transatlantique,  Harrison-Linie  (Liverpool), ­
  Royal  Mail  Steam  Packet  Co.,
Lopez  u.  Ko.  (Cadiz),  United  States  and
Mexican  Mail  Steamship  Co.  (New
Pork),  White  Croß-Linie  (Antwerpen);
(isso)  16,848  Einw.,  darunter  viele  Europäer. ­
  Deutsches  Konsulat  für  den  Staat
V.;  London  Bank  of  Mexico.  Die  Ausfuhr ­
  (1879:  79,g  Mill.  Mk.)  bestand  in
Silber  (58,3  Mill.),  Gold  (6,7  Mill.),
Kaffee  (5,9  Mill.),  Zucker  (2,4  Mill.),  Vanille ­
  (1,2  Mill.  Mk.),  in  Häuten,  Fellen,
Tabak.  1878  liefen  11  deutsche  Schiffe
von  3007  Ton.  ein.
Vereinigte  Staaten  von  Nordamerika, ­
  Föderativrepublik  durch  die  Unabhängigkeitserklärung ­
  vom  4.  Jnli  1776
und  die  Konstitution  vom  17.  Sept.  1787
mit  der  Bundeshauptstadt  Washington.
Übersicht:

I.  Arrak,  Bolks,ahl.
Seite
EilNvaiiderung  .  .  509
Nationalität.  .  .  509
II.  Produktion.
1)  Ackerbau  .  .  509
Getreide  ....  509
Reis  511
Zuckerrohr  .  .  .511
Tabak  511

Seite
Kaffee,  Thee  .  .  512
Wein.Bier.SchnaPs  512
Kartoffeln  .  •  •  512
Bauniwolle  .  .  .  512
Bauinwollindustrie  513
Flachs,  Hanf,  Jute  513
2)  Viehzucht  .  .  514
Rinder,  Schweine,
Schafe  ....  514
        <pb n="517" />
        Vereinigte  Staaten  (Areal,  Bevölkerung,  Produktion).

509

Seite
.  514
.  514
.  515
.  515
.  515

Butter,  Käse
Häute,  Leder
Wolle  .  .  .
Seidenbau  .
Fischerei  .  .
Forstwirtschaft  und
Jagd  ...
5)  Bernbau  .
Gold  und  Silber
Eisen  ....
Eisen-  uild  Stahl
industrie  .  .
Kupfer,  Blei,
Quecksilber  .
Zinn,  Zink  .  .
Kohle  ....
Petroleum  .  .
HI.  Handel.
Ein-  und  Ausfuhr  519
Clearinghouses.  .  521
Bankerotie  .  .  .  521

510
516
510
517
517
518
518
519
519

521
521

522
523
523
523
524
524

IV.  Verkehrswesen.
Seite
Wasserstraßen  .  ,
Eisenbahnen.  .  .
Post
Telegraphen.  .  ,
V.  Schisja  „rt,
Handelsflotte  .
Schiffsverkehr  .
VI.  Finanzen
Staatshaushalt
Zölle  ....
Staatsschuld.  .
Schulden  der  Ein
zelstaaten  .  .
VH.  Kreditwesen.
Bankett  .  .  .  .524
Wechselrecht,  Wechselstempel ­
  .  .  .  525
VIII.  Geld  re.
Währung,  Münzcil  525
Staatspapiergeld  .  520
Maße,  Gewichte  .  526
I.  Areal  und  Bevölkernng.
Das  Gesamtareal  der  38  Staaten  mit
dem  Distrikt  Columbia,  deu  neun  Territorien ­
  (inkl.  Alaska)  und  dem  Indianergebiet
  beträgt  9,336,680  qkm  (169,509,6
QM.)  mit  (1880)50,152,595  Einw.  (1870  :
38,115,641).  Die  Chinesen  wuchsen  von
63,254  Köpfen  in  1870  auf  105,679  in
1880  an;  davon  lebten  in  Kalifornien
75,000,  in  Oregon  9500.  Von  der  Censusbevölkerung ­
  waren  6,577,497  Farbige.
DieZahlderNeger  vermehrte  sich  wahrend
der  Sklavenzeit  1850—60  uni  22,i  Pro;.,
1860—70  aber  nur  um  9,9  Proz.  Die
Zahl  der  Deutschen  und  Personen  deutscher ­
  Abstammung  kann  man  gegemvärtig
auf  11  Va  Mill,  veranschlagen;  von  1815
bis  1879  wandelten  ca.  3,700,000  Deutsche, ­
  speciell  1880:  103,116  Deutsche,  ei».
In  den  großen  Städten  lebten  1877
Deutsche:  in  New  Pork  151,000,  in  St.
Louis  59,000,  in  Chicago  52,300,  in  Philadelphia ­
  50,750,  in  Cincinnati  50,000.
Die  Einwanderung  überhaupt  wird
in  der  Periode  1820—80  auf  10,138,758
Menschen  berechnet;  1873  stieg  dieselbe  auf
437,004,  siel  daun  bis  1877  auf  130,503,
ist  aber  1879  und  1880  wieder  enorm  ge-York,
  Boston,  Philadelphia,  Baltimore
New  Orleans  und  San  Francisco  4o?,2^)  (
Einwanderer  an.  Die  1880  auf  i0*

Dampfschiffen  in  New  York  angekommenen ­
  327,371  Einwanderer  verteilen  sich
in  Bezug  auf  ihre  Nationalität  folgendermaßen: ­
  Vereinigtes  Königreich  113,380
(Irland  66,399,  England  33,768,  Schottland ­
  9625,  Wales  3588),  Deutschland
103,116,  Schweden  und  Norwegen  45,154
(Schweden  35,217,  Norwegen  9937),
Österreich-Ungarn  18,739  (Böhmen  7606,
Ungarn  6672,  übriges  Österreich  4461),
Italien  11,190,  Schweiz  8223,  Rußland
und  Polen  7693,  Dänemark  5577,  Frankrei4
  4087,  ßoHanb  3259,  Belnicii  1309,
Westindien  1298,  Spanien  931,  China,
Südamerika  rc.  2267.
II.  Produktion.
1)  Ackerbau.  Die  Hauptbeschäftigungen ­
  der  Bevölkernng  bilden  in  vorwiegendem ­
  Maß  Ackerbau  und  Viehzucht,  in  den
südlichen  Staaten  Plantagenwirlschast.
Nach  dem  Census  von  1870  verteilte  sich
die  über  zehn  Jahre  alte  Einwohnerschaft
ans  die  hauptsächlichsten  Erwerbszweige
wie  folgt:
Landwirtschaft  5922471
Industrie  und  Bergbau  .  .  2707421
Handel  und  Verkehr.  .  .  .  1191238
Persönliche  Dienstleistungen  .  2084793
Die  Fortschritte,  welche  derselbe  in  den
letzten  zehn  Jahren  machte,  sind  enorm;
das  bestellte  Areal  stieg  von  7,6  Mill,  ha,
tu  1870  auf  41,2  Mill,  ha  in  1879,  und
zwar  waren  bestellt  mit:
Weizen....  13288547  Hektar
Mais  ....  21483205
Roggen  .  .  .  656698  -
Hafer  ....  5332456  -
Gerste  ....  724565  -
Bis  1878  waren  283  Mill,  lia  der  öffentlichen ­
  Ländereien  (ohne  Texas  und
Alaska)  vermessen  und  veräußert  worden,
doch  blieben  noch  immer  292  Mill,  ha  (zum
großen  Teil  aber  wüstes  Land)  zur  Verfügung. ­
  Das  Landamt  der  Vereinigten
Staaten  veräußerte  1877—78:  3,515,053
ha  Land,  davon  ein  Zehntel  gegen  Zahlung
von  1  '/*  und2  Vz  Doll.  pro  Acre  ;  1,787,975
ha  als  Heimstätten  zu  80  oder  160  Acres
(32  und  64  ha)  an  neue  Ansiedler,  756,911
ha  an  Ansiedler,  welche  je  5  Acres  (2  ha)
mit  Bäumen  bepflanzt  hatten,  den  Nest
        <pb n="518" />
        510

Vereinigte  Staaten  (Ackerbau:  Getreide).

an  Eisenbahnen,  Schulen  u.  a.  Das  Centrum ­
  des  Anbaus  rückt  immer  weiter  nach
W.  vor,  von  1849  —  77  um  mehr  als  8
Längengrade,  von  85°  24'  westl.  L.  im
ersten  bis  zu  89°  6'westl.  L.  im  letzten  Jahr.
Von  den  Erträgen  der  W  e  i  z  e  n  -  u.M  a  i  s  -
ernten  entfielen  (in  Prozenten)  ans:

Staaten

1849  1859  1869  1879

Der  atlantischen  Küste  30  24  20  14
Östlich  vom  Mississippi  58  55  53  49
Westlich  vom  Mississippi  12  21  27  37
1879  produzierten  (in  Millionen  Hekîàŗ):
  mis  Weizen
Neucngland  und  5  andre
östliche  Staaten.  .  .  36,7  16,5
13  südliche  Staaten  .  .  110,i  14,o
Die  westlichen  ....  339,o  166,4
J&amp;gt;l  dem  letzten  Gebiet  hat  somit  ein  außerordentlicher ­
  Aufschwung  stattgefunden.
Man  schätzt  den  Verkauf  lind  die  Besiedelung ­
  von  Ländereien  1878  im  W.,  NW.
und  SW.  auf  über  7  Mill,  ha,  und  deren
Ansiedler  auf  600,000  Köpfe,  von  denen
540.000  aus  Neuengland-,  Mittel-  und
andern  Staaten  östlich  vom  Mississippi  kamen. ­
  Außerdem  erhieltTeras  200,OOOneue
Einwohner,  Kansas  125,000,  Nebraska
100,000,  Minnesota  50,000,  Dakota
100.000  je.,  welche  sich  zum  größten  Teil
dem  Ackerbau  widmeten.  Demzufolge  sind
auch  die  Erntemengen  in  rascher  Folge
gestiegen;  sic  betrugen  1865—66:  391
Mill,  lil,  aber  1879-80:  847,7  Mill.  hl.
Ill  dem  letzten  Jahr  waren  Areal,  Ertragsmenge
  und  Wert  folgende:
In  Tausenden  In  Mill.

Mais.  .'
Weizen  .
Roggen  .
Hafer.  .
Buchweizen

Hektol.
512512
160383
7424
85184
5565

Mark
2469,o
1842,4
61.0
512,4
32.1

Zusammen:  771068  4918,4
Diese  ungeheuren  Mengen  gelangen
zum  größten  Teil  auf  den  europäischen,
vorzugsweise  den  englischen,  Markt,  in
nicht  unbedeutendem  Maß  auch  nach
Mittel-  und  Südamerika,  zuweilen  nach
Australien;  ja  selbst  nach  Rußland,  dein
größten  Konkurrenten  der  Vereinigten

Staaten,  ist  in  neuester  Zeit  Getreide  erportiert
  worden.  1868—69  betrug  die
Ausfuhr  13,8  Mill,  hl,  1879  —  80  war
dieser  Betrag  auf  97  Mill,  hl  gestiegen.
Davon  beanspruchten:  Weizen  53,6  Mill.,
Mais  34,3  Mill,  hl;  der  Rest  kam  auf
Weizenmehl,  Hafer,  Roggen,  Gerste,
Maismehl.  Doch  findet  bei  Gerste  ein  beständiger ­
  Mehrimport  statt,  der  sich  1880
auf  2,i  Mill,  hl  steigerte.
Die  Wertbeträge  hielten  nicht  immer
gleichen  Schritt  mit  den  Erportmengen;
so  ging  der  Wert  bei  Mais  um  22  Mill.
Mk.  herunter,  obschon  das  Quantunl  um
mehr  als  290,000  hl  gestiegen  war,  und
auch  bei  andern  Getreidearten  Hielt  die
Preissteigerung  keineswegs  Schritt  mit
der  Zunahme  der  Menge.  Immerhin  waren ­
  dieselben  kolossal  genug.  1826—30
betrug  der  durchschnittliche  Wert  der  Ausfuhr ­
  33,9  Mill.  Mk.,  20  Jahre  später
(1846—50)  schon  113,8  Mill.  ;  nach  abermals ­
  20  Jahren  hatte  sich  dieser  Wert
nahezu  verdoppelt  und  war  auf  221  Mill.
Mk.  gestiegen,  und  1880  hatte  er  den  Betrag ­
  von  1216,4  Mill.  Mk.  erreicht;  dagegen ­
  verschwindet  die  Einfuhr  vollständig.
Gleichmäßig  mit  dieser  Produktion  hat
sich  die  Mühlenindustrie  großartig  entwickelt. ­
  Am  1.  Juli  18Ü0  zählte  man
13,870  Flour  Manufactories,  deren  jährliche ­
  Erträgnisse  sich  auf  1900  Mill.  Mk.
belaufen;  1879—80  wurden  4  Mill.  Fässer
  Mehl  (zn  196  Pfd.)  ausgeführt.
Der  Handel  mit  Brotstvffen  wertete ­
  1880  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Weizen  2,4  800,3
Weizenmehl  .  .  .  .  0,i  148,2
Mais  0,3  233,8
Maismehl,  Maizena  .  0,2  14,3
Hafer  O.o  1,3
Gerste  18,o  3,8
Roggen  1,5  9,9
Andre  Körnerfrüchte.  .  1,4  5,3
Zusammen:  25,o  1216,4
Unter  den  übrigen  Produkten  figurieren  in
der  Ausfuhr  Brot  und  Zwieback  mit  2,9
Mill.  Mk.  Die  größten  Getreidemärkte
und  Stapelplätze  im  Jnnern  sind  :  Chicago,
Milwaukee,  Toledo,  Detroit,  Cleveland,
St.  Louis  und  Dulnth.  Dorthin  gelan-
        <pb n="519" />
        Vereinigte  Staaten  (Ackerbau:  Zuckerrohr,  Tabak).

511

gen  große  Mengen  von  Weizen  und  Mais
auf  den  natürlichen  Wasserstraßen,  Kanälen ­
  und  Eisenbahnen,  welche  namentlich  in
jüngster  Zeit  geschaffen  worden  sind,  uni
dann  von  Chicago  und  Milwaukee  auf
den  Seen  nach  Eric  und  Buffalo  und  weiter ­
  per  Bahn  nach  New  Aork,  Baltimore,
Philadelphia  u.  a.  befördert  ru  werden.
Wetteifernd  haben  sich  die  Eisenbahnen
bemüht,  in  der  Verfrachtung  von  Getreide
das  Möglichste  zu  leisten.  Bon  1872—76
ging  der  Frachtsatz  von  33  Cent  pro
Bushel  auf  17  Cent  herunter.  Die  Fracht
pro  Bushel  Getreide  von  Chicago  via  Baltimore, ­
  Philadelphia,  New  Pork  oder
Moiitreal  ilach  Liverpool  betrug  iiur  34,ic
bis  36,30  Cent;  somit  kostete  die  Landfracht
ungefähr  dasselbe  wie  die  Seefracht.  Die
Fracht  auf  den  Kanälen  ist  erheblich  billiger; ­
  1872  betrug  dieselbe  noch  42  Cent,
1878  nur  9  Cent  pro  Bushel.  —  Reis
baut  man  vorwiegend  in  Südcarolina  (der
Carolinareis  gilt  als  der  vorzüglichste),
aber  auch  in  Georgia,  Nordcarolina,  Louisiana, ­
  Mississippi,  Alabama,  Florida,  in
andern  Staaten  weniger.  Diese  Kultur
ging  nach  dem  Krieg  so  bedeutend  zurück,
daß'  der  Ertrag,  welcher  1860:  187  Mill.
Pfd.  betrug,  sich  1870  nur  auf  73  Mill.
Pfd.  belief.  Jetzt  ist  mau  in  zunehmendcm
  Maß  auf  die  Einfuhr  angewiesen,
welche  von  41,4  Mill.  Pfd.  1878  sich  aus
70,3  Mill.  Pfd.  1879  und  auf  51,9  Mill.
Psd.  in  1880  steigerte.  In  demletztenJahr
bezifferte  sich  der  Wertbetrag  auf  5,5  Mill.
Mk.  —  Auch  der  Zuckerrohrbau  hat
durch  den  Krieg  gewaltig  gelitten.  Zuckerrohr ­
  bauen  die  Golfstaaten,  namentlich
Louisiana,  und  dieser  Staat  allein  produzierte ­
  1861:  459  Mill.  Pfd.  Zucker,  dagegen ­
  1870  nur  81  Mill.  Pfd.  Indes  hat
die  Zuckerrohrerzeugung  in  jüngster  Zeit
wieder  zugenommen.  Mit  Einscbluß  von
Ahornzucker,  der  namentlich  aus  Vermont,
Massachusetts,  New  Hampshire,  Ohio  iiub
New  Bork  kommt,  von  Sorghumzucker
(aus  China  tu  die  Weststaaten  eingeführt)
und  etwas  Rübenzucker  betrug  die  amcrrkanische
  Zuckerproduktion  nach  dem  offtziellen
  Bericht  1870:  60,4  Mill,  kg,  aber
1880:  170  Mill.  kg.  Nun  ist  aber  der
Zuckerverbrauch  in  der  Union  cm  sehr  bedeutender; ­

  man  hat  denselben  für  1879
auf  743,174  Tonnen,  d.  h.  auf  14,8kg  pro
Kopf,  berechnet.  Daher  ist  derImport,  der
namentlich  von  Cuba  kommt,  ein  außerordentlich ­
  starker;  abgesehen  von  kleinen  Posten ­
  raffinierten  und  Kandiszuckers,  wurden ­
  1880  für  355,3  Mill.  Mk.  eingeführt,
davon  Rohzucker  313,9  Mill.  Mk.,  Melasse ­
  36,5  Mill.  Mk.,  Meladc  und  Zuckcrrohrsirup
  4,9  Mill.  Mk.  Dein  steht  eine
Ausfuhr  von  nur  13,8  Mill.  Mk.  cinheimischcn
  Zuckers  gegenüber,  aber  es  ist  bemerkenswert, ­
  daß  dieselbe  fast  ausschließlich ­
  in  Raffinade  besteht.  Unter  den  Stapelplätzen ­
  steht  New  Pork  obenan;  ihm
schließen  sich  Boston,  Baltimore,  Philadelphia, ­
  New  Orleans,  Portland  an.  —
Für  Tabak  ist  die  Union  das  wichtigste
Prodnktionsgebiet.  Die  Kultur  wird  in
20  Staaten,  am  ausgedehntesten  in  Kentucky ­
  (80,000  ha),  Virginia  (40,000ha),
Missouri  und  Tennessee  (je  25,000  ha),
demnächst  iil  Ohio,  Maryland,  Nordcarolina ­
  und  Indiana,  betrieben.  Man  berechnete ­
  die  bestellte  Fläche  1877  auf
298,000  ha,  1878  auf  nur  232,000  ha
und  den  Ertrag  im  ersten  Jahr  auf  580
Mill.,  im  zweiten  auf  429,sMill.  Pfd.  Der
Wert  der  Ernten  sank  demgemäß  voir  170,5
Mill,  in  1877  auf  108,i  Mill.  Mk.  in
1878.  Voir  1868—78  war  aber  der  Wert
eines  Pfuildes  Tabak  von  10,6  Cent  auf
6  Ceut  gefallen.  Trotz  dieser  Produktion
besteht  ein  ziemlich  ansehnlicher"  Handel
mit  fremden  Produkten  und  Fabrikaten
(Cigarren),  von  denen  nur  cm  kleiner
Teil  das  Saub  wieder  verläßt;  vou  3  Mill,
kg  Blättern,  welche  1878-79  eingeführt
wurden,  gingen  llur  179,000  kg  wieder
aus,  ebenso  voll  281,000  kg  Cigarren
nur  ca.  32,000  kg.  Der  Export  aller
Sorten  Tabak  bezifferte  sich  1879—80
auf  77,3  Mill.  Mk.,  wovoil  auf  Blättertabak ­
  allein  68,8  Mill.  Mk.  kommen,  der
Rest  auf  Cigarren,  Schnupftabak  und
andre  Fabrikate.  Unter  allen  außereuropäischeil ­
  Ländern,  welche  insgesamt  ein
Quailtum  von  208  Mill,  kg  Rohtabak
im  Wert  von  227  Mill.  Mk.  in  dcil
Welthandel  liefern,  stehen  die  Vereinigteil
Staaten  obenan.  Sie  lieferil  dazu  mehr
alö  die  Hälfte  der  Menge  und  nahezll  die
        <pb n="520" />
        512  Vereinigte  Staaten  (Kaffee,
Hälfte  des  Gesamtwerts.-Kaffee.  Das
Ägrikulturdepartement  zu  Washington  erließ ­
  1877  ein  Cirkular  an  einige  Staatenregierungeu
  in  betreff  des  Anbaus  des
Kaffeebaums.  Man  bezeichnete  Florida,
Niederkalifornien  und  einen  Teil  von
Texas  als  für  die  Kasfekultnr  besonders
geeignet;  auch  sind  die  Anbauversuche  in
Kalifornien  von  gutem  Erfolg  begleitet
gewesen.  Die  Quantität  des  gewonnenen
Kaffees  ist  indes  nicht  nennenswert,  und
somit  sind  die  Vereinigten  Staaten  fast
allein  auf  den  Jnrport  angewiesen.  Von
sämtlichen  jährlich  in  den  Welthandel
kommenden  Mengen,  welche  auf  IOV2
Mill.  Ctr.  veranschlagt  werden,  wird  beinahe ­
  ein  Drittel  in  den  Vereinigten
Staaten  zurückbehalten;  die  Einfuhr  betrug ­
  1880:  446,850,727  Pfd.  im  Wert
von  253,5  Mill.  Mk.  Davon  wurde  nur
ein  sehr  kleiner  Teil  wieder  ausgeführt.
Der  bedeutendste  nordamerikanische  Kaffeemarkt ­
  ist  New  Bork,  dann  Baltimore,
New  Orleans,  Philadelphia.  Bei  weitem
der  größte  Teil  kommt  aus  Brasilien,  dann
folgen:  La  Guaira  und  Puerto  Cabello,
Java  und  Sumatra,  Hapti,  Costarica,
Kolumbien  u.  a.  Kaffee  geht  zollfrei  ein.  —
Thee.  Auch  mit  der  Einführung  dieser
Kultur  sind  Versuche  gemacht  worden,
bisher  noch  im  kleinen.  Der  Verbrauch
pro  Kopf  ist  etwa  17a  Pfd.,  war  aber  1873
nicht  weniger  als  27a  Pfd.  pro  Kopf.
Auch  Thee  geht  zollfrei  ein.  Die  Importe,
WeSe  1880:  72,162,936  «ßfb.  im  %Bcrt
von  83,i  Mill.  Mk.  betrugen,  gehen  zum
größten  Teil  über  New  Bork,  das  Hauptstapelplatz
  für  Thee  ist.  Ein  andrer  wichtiger ­
  Theehafen  ist  San  Francisco,  besonders ­
  für  japanesischen  Thee;  dort  wurden
1879:19,977,672  Pfd.,  davon  14,092,816
Pfd.  japanesischer,  importiert.  Nur  ein  geringer ­
  Teil  (1879  für  1,5  Mill.Mk.)  wird
von  dort  nach  Britisch-Columbia,  Mexiko,
Hawaii  u.  a.  wieder  ausgeführt.  —
Wein  wird  in  vielen  Staaten  gebaut;
außer  Los  Angelos  und  andern  Strichen
Kaliforniens  sind  namentlich  die  Gegend
von  Cincinnati,  die  Mündung  des  Missouri ­
  unb  die  Gegend  von  St.  Louis  sowie
das  Thal  des  Wabash  zu  nennen.  1879
wurden  bereits  62,495  hl  aus  Kalifornien

Thee,  Wein,  Vier,  Kartoffeln).
exportiert,  d.  h.  in  andre  Staaten,  denn
der  gesamte  Weincxport  der  Union  (ausländische ­
  Weine  eingerechnet)  belief  sich
1879  und  1880  auf  17,565,  resp.  58,857
hl.  Die  Einfuhr  von  Wein  in  Fässern  und
Flaschen  wertete  1880:  23,4  Mill.  Mk.  —
Bier  und  Spirituosen  werden  schon
seit  langer  Zeit  in  großartigen  Etablissements ­
  hergestellt.  Namentlich  sind  viele
Brauereien  von  Deutschen  errichtet  wor
den.  In  den  Weststaaten  wurden  schon  1860
für  46  Mill.  Mk.  destillierte  Spirituosen
und  für  26  Mill.Mk.  gebrannte  Malzflüssigkeiten ­
  hergestellt.  Der  meiste  Spiritus
wird  aus  Getreide  gebrannt;  schon  macht
dieses  amerikanische  Produkt  dem  europäischen ­
  lebhafte  Konkurrenz,  so  z.  B.  dein
bisher  fast  allein  gangbaren  deutschen  auf
dem  spanischen  Markt.  1880  betrug  der
Wert  des  Handels  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Spirituosen...  8,8  12,6
Bier  2,8  1,2
Kartoffeln  baut  man  vorilehmlich  iu
den  mittlern  und  westlichen  Staaten;  die
durchschnittliche  Ernte  wird  auf  54,18  Mill,
lil  berechnet,  1879  betrug  dieselbe  65,4
Mill.  hl.  Die  Ausfuhr  ist  in  den  letzten
Jahren  ganz  erstaunlich  gestiegen,  1880
bezifferte  sich  dieselbe  alls  243,600  hl  im
Wert  von  2,18  Mill.  Mk.  gegen  eine  Einfuhr ­
  von  252.350  hl  im  Wert  von  l,i
(1879:  5.6)  Mill.  Mk.
Die  Baumwolle  beansprucht  den
zweiten  Platz  unter  den  Produkten  des
Ackerbaus.  Sie  wird  gebaut  längs  der
ganzen  atlantischen  Küste  von  34°  ».  Br.
bis  nach  Arkansas  und  TexaS  hinein.
Allein  nicht  nur  in  den  eigentlichen  Südstaaten,
  auch  in  der  ganzen  Zone  zwischen
dem  43.  und  33.  Breitengrad  könnte  die
Baumwollkultur  mit  Vorteil  betriebe»
werden.  Die  geschätzteste  unter  allen  Arten
ist  die  sogen.  »Sea  Island«,  die  auf  den
Gcstadcinseln  an  den  Küsten  von  Carolina
und  Georgia  wächst.  Die  Ernten  waren:
1878  —  77:  4  485  423  Balleu
1877  —  78:  4811265  -
1878—79,:  5073531
1879  —  80:  5757597
welche  im  letzten  Jahr  einen  Wert  von
970  Mill.  Mk.  repräsentierten.
        <pb n="521" />
        Vereinigte  Staaten  (Baumwollindustrie,  Flachs,  Hanf,  Jute).  513

Das  Gewicht  eines  solchen  Ballens
W  unb2W,s  k&amp;amp;.
1748  wurden  die  ersten  sieben  Ballen  ausgeführt; ­
  von  da  ab  stieg  der  Export  schnell,
bi*  bet  @ec#onSkicn  bic  Wtur  ioemschränkte,
  daß  England  in  den  Jahren  1862
und  1863:  71,  resp.  68  Proz.  seines  Bedarfs ­
  durch  indische  Baumwolle  deckte  und
ma  7,  tefp.  9,4^0%.
DaS  Verhältnis  änderte  sich  mdeS  bald,
und  1870  war  Amerika  wiederum  ut  feine
frühere  Stellung  eingetreten.  Der  Export
v.  Baumwolle  war  (in  Tausenden  Ballen)  :
Nach  Nach  d.  europ.
England  Kontinent
1877  __  78:  2036,7  1309,a
1878  —  79:  2058,5  1409,0
1879—80:  2555,0  1311,0
&amp;lt;\ n  diesen  drei  Jahren  wurden  also
3,346,640,  resp.  3,467,565  und  3,866,000
Ballen  exportiert.  Diese  andauernd  steigende ­
  Tendenz  wurde  beibehalten,  obschon
sich  der  Verbrauch  im  Land  selbst  von  Jahr
zu  Jahr  mehrte;  von  1,549,422  Ballen
187^—78  stieg  derselbe  auf  1,804,000
Ballen  1879—80.  Wahrend  von  der  Gesamtproduktion ­
  des  Landes  70  Proz.  ins
Ausland,  namentlich  ltach  England,  ausgeführt ­
  wurden,  behielt  man  30  Proz.
zum  eignen  Verbrauch  zurück.
DieBaumwollindustrretst  am  stärksten ­
  vertreten  in  den  Neuengland-Staaten,
auf  welche  von  der  gesamten  Baumwollfabrikation
  mehr  als  70  Proz.  des  Kapitals,
mehr  als  68  Proz.  des  Produkts,  fast  78
Proz.  der  gedruckten  Stoffe  und  etwa  (  o
Proz.  aller  Baumwollfabrikate  entfallen
und  davon  wiederum  48  Proz.  auf  Masti ­
  ist  New  Hampsachusettsallein.

  Nächstdemist  —  c  ,
shire  der  wichtigste  Staat,  ihm  folgt  Penn
sylvanien;  New  Yorks  Produktion  hat
nur  den  halben  Wert  der  letztem.  Am  1.
Juli  1880  zählte  man  230,223  Webstühle
und  10,921,147  Spindeln,  auf  welchen
biadi  181,628  Skbeiter  1,586,481  BaOrn
Baumwolle  im  Jahr  verarbeitet  wurden.
mächtig  die  einheimische  Produktion  auf
den  Import  wirkt  und  sich  dabei  stetig
SKÄPö
Hlmdelsgeographie.

Einfuhr  Ausfuhr
1874  —  75:  116,5  17,1
1878  —  79:  83,7  45,8
1879  —  80:  126,0  42,0
Bei  der  Einfuhr  beanspruchen  Strumpfund
  Wirkwaren  den  Löwenanteil  mit  31,5
Mill.  Mk.,  bei  der  Ausfuhr  sind  ungefärbte
Manufakte  mit  24,s  Mill.  Mk.  und  gefärbte ­
  Mannfakte  mit  12,a  Mill.  Mk.  die
Hauptposten.
Der  Anbail  andrer  Gcspinstpflanzeti
steht  dagegen  sehr  zurück.  F  l  a  ch  Sbaut  man
nantentlich  in  Kentucky,  außerdem  iti  New
York,  Ohio  ilnd  Virginia,  Hanf  in  Kentucky ­
  und  Missouri.  Beide  werden  in  wenig
bedeutetidem  Maß  in  Massachusetts  und
New  York  verwebt.  Dagcgeti  ist  die  Anfertigung ­
  von  Hanf-und  Manilatauwerk  von
Bedeutung,  ein  Viertel  der  Gesamtproduktion ­
  entfällt  auf  Massachusetts.  Die  größten ­
  Fabriketi  bestehen  tu  Brooklyn  und
Williamsburg;  34  Etablissemetits  fertigen
jährlich  für  43  Mill.  Mk.  Hanfsäcke  zur
Baumwollverpackung.  DieLeitienindttstrle
ist  aber  durchaus  nicht  exportfähig,  und
die  Industrie  selbst  scheint  im  Rückgang
begriffen,  beim  die  Jmportmengen  deö
Rohstoffs  uehineil  ab,  während  das  Fabrikat ­
  in  immer  größerm  Maßstab  zugeführt ­
  wird.  1880  wurden  für  65,3  Mill.
Mk.  Waren  importiert,  davon  roher  Flachs
nur  für  3,8  Mill.  Mk.,  aber  Ellenwareu
für  78,4  Mill.  Mk.  und  andre  Fabrikate
fia  15,9  WW.  Ms.,  tuüWib  bein  mety
über  nur  ein  Ausfuhrwert  von  2,6  Mill.
Mk.  für  Ölkuchen  zu  setzen  ist.
S)ie  ^  a  li  f  i  n  b  u  M  e  wma;
SÄÄÄ'Ä
12,6  Mill.  Mk.  roher  Hanf  und  fur  ca.
SÄÄ
eine  Ausfuhr  von  5,3  Mill.  Mk.  gegenüber, ­
  welche  zum  großen  Teil  in  Tauen,
Stricken,  Säcken  rc.  bestand.  Die  Einfuhr
von  Jute  aus  Ostindien  ist  von  jährlich
wachsender  Bedeutung;  dieser  Webstosf
wird  ili  deii  großen  Fabriken  von  Massachusetts ­
  und  Rhode-Island  verarbeitet;.
Jutesäcke  werden  aber  in  großen  Mengen
33
        <pb n="522" />
        Bereinigte  Staaten  (%#%!#:  0nU(r,  ^(e,  &amp;amp;Me).

eingeführt,  1879  allein  nach  San  Francisco ­
  21  Mill.  Strick.  1880  war  der
Wert  des  Imports  von  Nohjute  21  Mill.,
von  Fabrikaten  7,2  Mill.  Mk.
Die  wichtigern  Produkte  der  Landwirtschaft, ­
  deren  Exportwerte  vor  anderir  hervorragen, ­
  sind:  Baumwollsamenöl,  wovon ­
  jährlich  für  9-10  Mill.,  Sämereien,
wovon  9  Mill.,  Hopfen,  wovon  8—9
Mill.,  und  Obst  (namentlich  Apfel),  wovon ­
  jährlich  für  ca.  6  Mill.  Mk.  ausgeführt ­
  werden.
2)  Viehzucht.  Nach  einer  amtlichen
Schätzung  von  1879  war  der  Viehbestand:
Pferde  10938700
Maulesel  ....  1713100
Rinder  33234500
Schafe  38123800
Schweine  ....  34766100
'  so  daß  also  auf  1000  Einw.  653  Rinder,
764  Schafe  und  690  Schweine  entfallen;
Nordamerika  ist  alsoverhältnismäßiaweit
reicher  an  Vieh  als  alle  europäischen  Staaten, ­
  in  denen  auf  1000  Bewohner  nur
310  Rinder,  682  Schafe  und  156  Schweine
kommen.  Und  gerade  diejenigen  Teile  der
llnion,  welche  die  schwächste  Bevölkerung
haben,  zeigen  den  bedeutendsten  Viehstand,
denn  auf  1000  Einw.  kommen  in  Texas
4000  Rinder  und  2000  Schweine,  in  Illinois ­
  lOOORinder  u.  ebenso  viele  Schweine,
in  Iowa  1000  Rinder  und  2000  Schweine,
in  Missouri550Rinder  u.  1500  Schweine.
Ähnlich  stehen  die  Verhältnisse  in  Colorado, ­
  Kansas,  Nebraska  u.  a.  Außer  den
von  den  Ansiedlern  gezogenen  Viehherden
schwärmen  nach  Horace  Greeleyö  Angabe
im  W.  große,  bis  u00,000  Haupt  zählende
Lüffelherden  umher.
In  Amerika  richtete  man  sehr  bald  sein
Augenmerk  darauf,  den  zunehmenden  Überschuß ­
  in  marktfähigem  Zustand  nach  Europa ­
  zu  führen.  AufJmporte  von  gesalzenem ­
  Fleisch  folgten  Versendungen  von
Fleisch  1875,  das  man  durch  Refrigeratoren ­
  frisch  erhält,  und  lebendem  Vieh,  das
man  durch  eigens  dazu  gebaute  Dampfer
nach  Liverpool  bringt.  Aber  obschon  die
Zahl  der  lebend  hinübergeführten  Tiere
m  starkem  Maß  zunimmt,  so  verringert
flch  doch  die  Thätigkeit  der  großen  Schlcichtund
  Verpacknngöanstalten  in  Chicago,

New  Bork,  Boston,  Baltimore,  Cincinnati,
St.  Louis,  Milwaukee,  Louisville  und
Indianapolis  keineswegs;  1875—76  wurden ­
  in  diesen  Städten  allein  9,169,451
Schweine  geschlachtet  und  verpackt,  1877
bis  1878  aber  12,301,589  Schweine.  Der
Wert  der  Vieh-  und  Fleischausfuhr  stieg
von  173  Mill.Mk.  in  1874-75  auf  495
mn.  m.  in  1879-80.
Speciell  in  dem  letzten  Jahr  wertete
die  Ausfuhr  (in  Millionen  Mark)  :

Rinder  56,4
Schafe  3.7
Schweine  1,7
Frisches  Rindfleisch....  31,2
Gesalzenes  Rindfleisch...  12,  i
Speck  und  Schinken  .  .  .  214,1
Fleischkonserven  33,1
Schweinefleisch  24,8
Frisches  Hammelfleisch  .  .  0,7
Schmalz  117,2

Die  Butterbereitung  ist  besonders
stark  in  New  York,  Pennsylvanien,  Ohio,
Illinois,  während  für  Kä  se  die  wichtigsten
Staaten  New  York  und  Ohio  sind.  Dabei
bestehen  großartige  Kunstbutter-  (Oleomargarin-)
  Fabriken,  welche  die  Quantitäten ­
  des  Exports  schwellen.  Diese  Ausfuhr ­
  geht  zum  bei  weitem  größten  Teil
nach  England,  doch  hat  amerikanische
Butter  ihren  Weg  auch  schon  nach  Deutschland ­
  gefunden;  1880  wertete  die  Ausfuhr
von  Butter  28,9  Mill.  Mk.,  von  Käse
51,i  9WK.  Ms.
Häute  bilden  trotz  des  großen  Viehreichtums ­
  einen  hochwichtigen  Artikel  der
Einfuhr;  so  wrirden  1880  für  126  Mill.
Mk.  eingeführt,  während  nur  für  gegen
4,5  Mill.  Mk.  Häute  ins  Ausland  gingen.
Ein  sehr  großer  Teil  wird  aber  in  verarbeitetem ­
  Zustand  exportiert,  namentlich  hat
die  Ausfuhr  von  Sohlleder  großartige  Dimensionen ­
  erreicht.  Dann  bestehen  Fabriken ­
  von  Schuhzeng,  deren  Fabrikationswert ­
  1870  auf  597  Mill.  Mk.  geschätzt
wurde,  in  Massachusetts,  Philadelphia,
New  York  u.  a.  Der  Export  der  einheimischen ­
  Industrie  wertete  1880  (in  Millionen ­
  Mark):
Feines  Leder  2,8
Sohlleder  u.  a.  ...  •  •  21,4
Schuhwcrk  1,8
Andre  Lederwaren  ....  2,4
        <pb n="523" />
        Vereinigte  Staaten  (Wolle,  Seidenbau;  Fischerei).

515

Mí*  cubre  wi#oe  ^robuste  ber  %#'
ÄSSÄÄ
resp.  7,i  Mill.  Mk.  berechnet  sind,  an.
Wolle.  Die  Wollproduktwn  von
38,123,800  Schafen,  welche  dieVeremrgtcn
  Staaten  1879  besaßen,  schaßt  man
1879  au(  104,6  am.  kg.  3"btefenoon
den  eignen  Herden  gelieferten  Mengen  fuhren ­
  sie  noch  bedeutende  Ouantrtaten,  na-SÄÄS5

bis  1880:  57,6  Mill,  kg,  während  sich  die
Ausfuhr  auf  ganz  unbedeutende  Ouantrtäten
  belief.  Der  gesamte  Wollverbrauch
in  den  amerikanischen  Industneanstalten
beziffert  sich  demnach  auf  111,oMill.,  resp.
betragen.  Nach  dem  Census  von  18/0
beschäftigten  die  Wollfabriken,  welche
am  stärksten  in  Massachusetts,  nächstdem
in  Rhode-Island,  Connecticut,  New
Hampshire,  New  York  vertreten  sind,
135,369  Arbeiter  und  lieferten  Fabrikate
im  Wert  von  634,2  Mill.  Mk.  Seitdem
ist  diese  Gelverbthätigkeit  noch  mehr  gestiegen ­
  und  arbeitet  sogar  schon  für  den
exportiert.  Doch  ist  die  Einfuhr  von  Wollwaren
  immer  eine  sehr  erhebliche;  sie  bezifferte ­
  sich  1880  auf  142,3  Mill.  Mk.,
davon  Frauenkleiderstoffe  64,5  Mill.,  Tuch
und  Kasimir  45,2  Mill.  Mk.,  ferner
Shawls,  Teppiche  und  Strumpfwaren.
Seidenbau  ist  schon  seit  Jahren  versucht ­
  worden;  Kalifornien  scheint  auch
sehr  geeignet  dafür  zu  sein,  und  Sacramento ­
  County  allein  besitzt  über  3  Mrll.
Maulbeerbäume.  Indes  sind  die  schon
zahlreichen  Fabriken  in  Connecticut,  New
York,  Pennsylvanien  u.  a.  durchaus  von
den  Importen  von  Rohseide  aus  China
und  Japan  abhängig,  welche  sich  1880
auf  50,49m  9Kf.  beliefen;  M,#ibc  ßel)t
zollfrei  ein.  In  gleichem  Maß  wie  diese
Einfuhr  ist  die  Produktion  voii  Seiden-R
  ey&amp;amp;sra;
oon20,9  am.  min  1879-  (Begcmow::
tig  beschäftigen  sich  279  Firmen  mit  der

Seidenfabrikatioii,  die  meisten  in  New
York,  New  Jersey,  Pennsylvanien,  Connecticut ­
  und  Massachusetts.  Das  so  angelegte ­
  Kapital  beläuft  sich  auf  72  Mill.
Mk.;sie  beschäftigen  18,000  Arbeiter,  zahleii
  jährlich  24  Mill.  Mk.  und  produzieren
jährlich  Waren  im  Wert  von  108  Mill.
Mk.  Dennoch  belief  sich  die  Einfuhr  1880
ans  135,9  am.  937s.
3)  Fischerei  wird  in  ziemlich  ausgedehntem ­
  Maß  sowohl  an  der  Ost-als  an  der
Westküste  betrieben.  Auf  Grund  des  Vertrags ­
  von  Washiiigton  (1871)  haben  Angehörige ­
  der  Vereinigteii  Staaten  das
Recht,  iii  deil  Küstengewässern  von  Kanada ­
  bis  auf  3  engl.  Meilen  (ca.  5  km)
vom  Land  zu  fischen,  lvogegen  die  kanadischen ­
  Fischer  in  gleicher  Weise  bis  zu  39°
uördl.Br.  hinabgehen  dürfen.  Da  aber  die
von  Kanada  eingeräumten  Rechte  wertvoller ­
  fini),  so  haben  1877  die  Vereinigten
Staaten  eine  Entschädigungssumme  von
23,i  Mill.  Mk.  gezahlt.  Der  Hafen  Gloucester ­
  ist  Hauptsitz  der  Seefischerei  der
Neuengland-Staaten.  Der  Wert  von
gesalzenem  und  frischem  Fisch,  Austern
(die  viel  nach  England  exportiert  werden)
und  sonstigen  Fischereiergebnissen,  außer
Wal,  von  April  1878  bis  Juni  1879
wird  auf  ca.  16  Mill.  9Kf.  angegeben,
der  Ertrag  des  Walfangs  aber  auf  über
8  Mill.  Mk.  Der  Bestand  der  amerrkanischen
  Walfangflotte  war  1.  Jan.  1880:
119  Schiffe  und  Barken,  11  Briggs  und
48  Schoner  von  zusammen  39,433  Ton.,
wovon  allein  auf  New  Bedford  1-.5  Fahrzeuge ­
  von  zusammen  31,899  T.  eiltfallen.
Früher  wurde  der  Walfang  in  ganz  auderm
  Maßstab  betrieben;  während  derselbe ­
  1869  inl  llordpacifischen  Ocean  noch
38,275  Fässer  Thran  ergab,  sank  der  Ertraßl879
  ans  17,118  5#^  M  geringer
  ist  der  Walfang  in  der  Hudsonöbar.
Am  wichtigsten  ist  vielleicht  der  Lachsfang
an  der  pacifischen  Küste,  wo  1879  m
47  Lachsbereitnngsanstalten  von  Oregon,
Britisch-Columbra  und  Alaska  604,5/0
Büchsen  Lachs  im  Wert  von  13,7  Mill.
Mk.  zum  Versand  geliefert  wurden.  Sehrwichtig
  ist  der  Austernhandel,  bei  welchem
24,502  Personen  thätig  sind.  Unter  den
bei  diesem  Handel  beschäftigten  Staaten
33*
        <pb n="524" />
        )16

nimmt  Maryland  die  erste  Stelle  ein.  In
den  Gewässern  dieses  Staats  wurden  1879
bis  1880  an  370  Mill.  Lit.  Austern  gefangen, ­
  wovon  231  Mill.  L.  (meist  in
Baltimore)  eingemacht,  70  Mill.  L.  in  der
Schale  verschifft  wurden.  Der  Export  von
Fischereiprodukten  der  Vereinigten  Staaten ­
  belief  sich  1880  auf  rund  20,3  Mill.
Mk.,  wovon  über  die  Hälfte  auf  Fischkonserven ­
  (nicht  gesalzen  oder  geräuchert),  3,5
Mill.  Mk.  auf  Walrat  und  Thran  kommen. ­
  Die  Einfuhr  von  Fischen  und  Fischereiprodnkten
  betrug  6,9  Mill.  Mark.
4)  ß  erst  wirt  schaftu.  Jagd.  Früher
bedeckten  große  Waldungen  die  Neuengland-Staaten; ­
  diese  sind  jedoch  meist  zerstört ­
  ,  uttb  schon  macht  sich  der  nachteilige
Einfluß  geltend.  Der  »Far  West«  (Kansas, ­
  Oregon  rc.)  weist  aber  noch  reiche  Waldungen ­
  auf,  und  Anpflanzungen  werden
auf  den  baumlosen  Prairien  gemacht.  Ein
Teil  der  Holzausfuhr  nimmt  seinen  Weg
über  die  Seen  und  den  St.  Lorenzstrom
und  zählt  daher  zum  kanadischen  Export;
doch  genug  verläßt  noch  die  Häfen  der
llniou,  um  die  Erportziffer  zu  einer  sehr
ansehnlichen  zu  machen.  Unter  den  ausgeführten ­
  Holzwaren  der  einheimischen
Erzeugung  sind  die  Hauptpostcn  für  1880
(ln  Millionen  Mark):
Bretter,  Planken  rc  17,o
Dauben,  Stäbe  rc  14,7
Banholz  ........  9,2
Hausgerät  6,9
Die  gesamte  einheimische  Ausfuhr  hatte
einen  Wert  voll  65,9  Mill.  Mk.;  dabei
wurden  für  27,7  Mill.  Mk.  Waren  eingeführt, ­
  unter  denen  Bretter  und  Planken ­
  mit  dem  ansehnlichen  Posten  von
21,4  Mill.  Mk.  figurieren.
Die  Jagd  liefert  noch  immer  reiche
Erträge  an  Pelzwerk.  Nelv  Porker  Handelshäitser
  unterhalten  an  den  Seen  permanente ­
  Agenturen,  und  auf  Alaska  hat
die  Amerikanische  Kompanie  ihr  Hauptquartier. ­
  Die  Ausfuhr  von  Pclzwerk  stieg
iu  letzter  Zeit  sehr  bedeutend,  von  20,3
Mill.  Mk.  in  1879  auf  22,7  Mill.  Mk.  in
2°80  Dagegen  wurden  im  letzten  Jahr
îàÜ.  Mk.  Pelzhäute  eingeführt.
Bergban  und  Hüttellwesen.
Bereinigten  Staaten  besitzen  einen

Reichtum  all  Mineralien  wie  wenige  Länder ­
  der  Erde;  auch  ist  die  Produktion  iu
rascher  Zunahme  begriffen,  keineswegs
aber  so  groß,  wie  mau  erwarten  sollte.
Gold  und  Silber.  Die  Ausbeute
von  Edelmetalleil  war  bis  zur  Entdeckung
der  Goldminen  ill  Kalifornien  auf  die
südlichsten  Teile  der  Allegham)«,  namenttich
  deren  Ostabhänge  in  Virginia,  Nordund
  Südcarolina  und  Georgia  unb  deren
Westabfälle  in  Tennessee  unb  Alabama,
beschränkt.  Seit  1824  sind  dort  90  Mill.
Mk.  an  Gold  ausgebeutet  worden,  eine
Summe,  welche  gegen  die  Produktion
Kaliforniens  gar  nicht  mehr  in  Betracht
kommt.  Jetzt  sind  die  zehn  westlich  von  den
Rocky  Mountains  gelegenen  Staaten  und
Territorien,  unter  diesen  voran  Nevada
und  Kalifornien,  die  HauptproduktionSgebiete,
  und  unter  allen  Minen  steht  wiederum ­
  der  Conistockaang  obenan,  welcher ­
  1860—79  für  nahe  an  1277  Mill.
Mk.  Gold  und  Silber  lieferte.  Die  gesamte ­
  Edclmetallproduktion  der  Vereinigten ­
  Staaten  1821—75  berechnet  A.  Soetbeer
  auf  6,601,689,000  Mk.,  davon:
Silber  .  .  .  948870000  Mark
Gold  ....  5652819000  .
Für  die  nächstfolgenden  Jahre  gibt  die
offizielle  Statistik  die  Produktion  folgeudermaßcn
  an  (in  Millioneil  Mark)  :

Gold  Silber
1876:  167,8  162.9
1877:  107,9  167,2

Gold  Silber
1878:  215,0  190,2
1879:  163,4  171,4

Während  die  Golderträge  beständig  abnahmen, ­
  stiegen  die  Silbererträge  in  noch
schnellerer  Weise.  Alte  hervorragende  Gebiete ­
  verlieren  allerdings  mehr  iutb  mehr
an  Bedeutung.  So  war  in  dem  schon  erwähnten ­
  CoiiistockgangdieGcwinnung  von
(Mb  1877  i#  74,5  mim.  mis.,  1879
aber  nur  noch  15,i  Mill.  Mk.,  die  von
Silber  1877:  84,4  Mill.  Mk.  und  1879:
21,8  Mill.  Mk.  Und  auch  in  der  ganzen
Nevada,  in  Kalifornien  und  in  Utah  ist
der  Rückgang  bedeutend,  nur  in  Colorado
und  Dakota  haben  sich  die  Erträge  gesteigert. ­
  Die  Ausfuhr  erreichte  zur  Zeit
der  kolossalen  Notenemissionen  eine  enorme
Höhe;  1864  betrug  der  Exportüberschuß
nicht  weniger  als  387,7  Btill.  Mk.,  1872:
        <pb n="525" />
        Vereinigte  Staaten  (Bergbau:  Eisen,  Eisen-  und  Stahlindustrie).  517

323,8  Mill.,  1876  nur  noch  170,5  Mill.,
und  1880  hatte  sich  das  Verhältnis  gewendet, ­
  und  ein  Importüberschuß  von
284,2  SRiü.m.  pellte  ßd)  I)erau&amp;amp;  ben
vier  letzten  Jahren  war  (in  Mill.  Mark)  :

Jahr

1877
1878
1879
1880

Einfuhr

171,4
125,2
85,3
390,6

Ausfuhr

235.0
141,5
105.0
100,4

Davon  eigne
Produktion

181,o
113,4
73,o
73,7

Die  Abnahme  der  Ausfuhr  hängt  mit  der
Aufnahme  der  Barzahlungen  zusammen.
Eise  ii.  Fast  in  allen  Staaten  der
Union  sind  Eisenerze  zu  finden;  doch  sind
dieselben  von  sehr  verschiedener  Qualität, ­
  und  obschon  sie  fast  sämtlich  einen
hoben  Eisengehalt  besitzen,  so  haben  sie
doch  auch  zu  gleicher  Zeit  zu  häufig  einen
bedeutenden  Phosphorgehalt,  der  sie  für
die  Stahlerzeugung  untauglich  macht;
auch  fehlt  eö  an  Erzen  mit  größer»!  Mangangehalt.
  Ferner  steht  der  Entwickelung
der  Eisenindustrie  die  große  Entfernung
der  Eisenerze,  namentlich  der  reichern  und
reinern,  von  den  großen  Kohlenbecken
entgegen.  Die  gesamte  Erzproduktion
wird  in  neuester  Zeit  wie  folgt  geschätzt:
Metr.  Ton.
1)  Östliche  Magneteiscncrzzone  .  .  —  1320800
(wovon  Lake  Champlain-Region
325  280,  New  Jersey  629  920,  Cornwall
  254000,  andre  106600  Ton.)
2)  Östliche  Brauneisenerzzone  ...  —  304800
3)  Lake  Superior  -  Region  ....  —  1016000
4)  Missouri.  Region  —  335280
5)  Andre  Erzregione»  =  579120
Der  Hauptsitz  der  Eisenindustrie  ist
in  Pennsylvanien  (1880:  40  Proz.  der
Gesamtproduktion),  nächstdem  in  New
Pork,  New  Jersey,  Massachusetts,  Virginia. ­
  1880  wurden  1005  Hohöfen  und
Walzmühlen  gezählt,  von  denen  aber  ein
beträchtlicher  Teil  unthätig  war  (1877
waren  beispielsweise  nur  236  im  Betrieb).
Ihre  Produktionsfähigkeit  schätzt  man
pro  Tag  auf  19,248  Ton.,  pro  Jahr  auf
7,265  000  T.;  ihre  wirkliche  Leistung  aber
iß  Geringer,  ße  betrng  1978  gcgenübcr
  einer  Produktionsfahigkeit  von
5  Will.  I.  nur  2  WiH.  baß  m  Men
Werken  veranlagte  Kapital  betrug  1880:

923,9  Will.  Wf.  ©eit  1873  befanb  ß#
die  Eisenindustrie  in  gedrückter  Lage;  die
damals  und  schon  vorher  sehr  bedeutende
Produktion  von  Roheisen  ging  schnell  herunter, ­
  zeigt  aber  in  den  letzten  Jahren
einen  bedeutenden  Aufschwung.  Dieselbe
betrm1873:2,854,558Zon.,  ßelbiß  1876
auf  2,093,236  I.,  iß  aber  1879  auf
3,070,875  T.  gestiegen.  Mau  berechnet,
daß  die  Produktion  von  1880  die  von  1879
noch  übersteigen  wird.
Die  noch  junge  B  e  s  se  m  e  r  st  ah  l  i  n  d  u  -
strìe  —es  existierten  1879:11  Werke  (davon ­
  5  in  Pennsylvanien)  mit  20,000  Arbeitern ­
  —  hat  sich  seit  ihren  Ansängen
1867,  wo  sie  2277  GroßtouneuStahlschieneu
  produzierte,  kolossal  schnell  entwickelt;
1879  lieferten  die  obengenannten  Werke
606,369  Ton.  Dabei  fiel  aber  während
dieses  Zeitraums  der  Preis  von  697,3  Mk.
auf  203  Mk.  pro  Tonne.  Für  1880  wird
die  Produktion  auf  miudestcuS  700,000
T.  veranschlagt.  Während  die  Bessemerstahlindustrie ­
  niemals  einen  Rückgang
oder  auch  nur  einen  Stillstand  zeigte
(die  Differenzen  zweier  Jahre  betragen
mehrfach  über  100,000  T.),  ging  die
Produktion  von  Schienen  in  den  Walzwerken ­
  von  einemMarimum  von900,000
1.1872  auf  323,0001.1878  gurüd;  bic
Produktion  von  1879  schätzt  mau  ans
450,000  T.,  für  1880  aus  700,000  T.  Die
gesamte  Produktion  von  Walzeisen  (Schienen, ­
  Blecheisen)  war  1878:  1,335,769  T.
gegen  1,713,840  T.  in  1877.  Dagegen  wurden ­
  von  Stahl  fabriziert  i  87  /  :  637,3-1-%.,
  1878:  819,814  baoon:
Bessemerstahl  732226  Tonnen
Gußstahl  42906  -
Siemensstahl  36126  -
Paddel-  und  Cementfiahl.  .  8556
Diese  gesteigerte  Thätigkeit  ist  namentlich
dem  Aufschwung  des  Eisenbahnbaus  zu
verdanken,  welcher,  bei  einer  Produktion
von  650,000  Ton.  Stahlschienen  und
450,000  T.  Eisenschienen  in  1879,  1880
eine  Einfuhr  von  86,414  T.  Eisen-  und
Stahlschienen  bewirkte.  Die  vermehrte
Nachfrage  nach  Schienen  aller  Art  war
denn  auch  der  Grund,  warum  der  Export ­
  von  Schienen  sehr  bedeutend  eingeschränkt ­
  wurde,  von  einem  Wert  von
        <pb n="526" />
        518  Vereinigte  Staaten  (Bergbau:  Kupfer,  Quecksilber,  Kohle  rc.).
1,365,000  Mk.  iu  1878  auf  978,000  Mk.
m  1879  und  137,533  Mk.  in  1880.  Auch
in  andern  Zweigen  der  Eisenindnstrie  sind
ein  Rückgang  des  Exports,  eine  Zunahme
der  Einfuhr  bemerkbar;  der  auf  allen  Gebieten ­
  gesteigerten  Thätigkeit  und  daraus
resultierenden  Nachfrage  konnte  die  einheimische ­
  Produktion  nicht  genügen.  Die
Jmportzifsern  mußten  daher  steigen,  während ­
  der  Export  sich  einschränkte.  Der  Handel ­
  mit  Eisen  und  Stahl  und  Waren'aus
denselben  wertete  (in  Millionen  Mark)  :
1878  1879  1880
Einfuhr  .  .  .  38,2  39,9  226,8
Ausfuhr  .  .  .  60,5  57,i  52,9
1879  kamen  von  der  Ausfuhr  auf  amerikanische ­
  Fabrikate  54,6  Mill.  Mk.,  wovon
auf  Lokomotiven,  andre  Maschinen  und
Maschinenteile  allein  17,8  Mill.  Mk.,  auf
Feuerwaffen  9,i  Mill.  Mk.  entfallen.  Bei
dem  Import  erschienen  1880  als  Hauptposten: ­
  Roheisen  mit  61,5  Mill.  Mk.,
Stangencisen  mit  21,8,  Stahl  mit  19,3,
Schienen  mit  11,7,  Messerschniiedcwarcn
mit  7,i,  Maschinen  und  Maschinenteile
mit  5,  Feuerwaffen  mit  3,5  Mill.  Mk.
Unter  den  obigen  Produkten  der  Eisenindustrie ­
  sind  weder  die  in  bedeutenden
Mengen  exportierten  landwirtschaftlichen
Geräte  und  Maschinen  noch  auch  die
Nähmaschinen,  Wagen  und  Kutschen  x.
einbegriffen.  Die  Amerikaner  waren  frühzeitig ­
  darauf  hingewiesen,  die  mangelnden
Arbeitskräfte  durch  Maschinen  zu  ersetzen,
und  sie  sind  ebenso  scharfsinnig  in  dem
Erfinden  geeigneter  Werkzeuge  wie  in  der
Vervollkommnung  der  einmal  vorhandenen ­
  gewesen.  Ihre  Werkzeuge  und  Maschinen ­
  stehen  daher  unübertroffen  da  und
finden  ihren  Weg  in  die  verschiedensten
Länder;  die  Ausfuhr  bezifferte  sich  1880
auf  9,2  Mill.  Mk.  Noch  ausgedehnter

fast  ist  der  Handel  mit  Nahmaschinen,
wovon  1878  für  nahe  an  7  Mill.,  1879
und  1880  für  6,9  Mill.  Mk.  exportiert
wurden.  1878  waren  die  Hauptkäufer:
Deutschland  ....  2263000  Mark
England  1953000  -
Mexiko  642  600  .
Australien  462000  .
Kupfererze  sind  gleichfalls  sehr  weit
verbreitet,  die  jährliche  Produktion  veranschlagt ­

  man  jetzt  auf  200,000  Ctr.;  die
Mehrausfuhr  des  Jahrs  1879  von  Kupfer
und  Kupferwaren  erreichte  die  Hohe  von
11  Mill.  Mk.,  verwandelte  sich  jedoch  1880
in  eine  Mehreinfuhr  von  2  Mill.  Mk.  —
Blei  findet  sich  in  sehr  vielen  Gegenden, ­
  am  bedeutendsten  sind  indes  die  Bleibergwerke ­
  im  W.;  Aus-  und  Einfuhr
balancieren  zuweilen,  wiesen  aber  1880
einen  Überschuß  der  letztem  über  die  erstere ­
  von  11  Mill.  Mk.  auf.  —  Quecksilber ­
  haben  schon  seit  geraumer  Zeit  die
Minen  von  Nen-Almaden  bei  San  Francisco ­
  geliefert;  die  Prodllktion  davon  betnigl878:63,000%I&amp;lt;#m,
  1879:73,000
Flaschen,  und  der  Export  betrug  1879:
3,62  Mill.,  1880:  3,57  Mill.  Pfd.  im
Wert  von  5,9  Mill.,  resp.  5,7  Mill.  Mk.
—  Auch  andre  Metalle  lverden  gefunden, ­
  so  Zink,  von  dem  schon  ansehnliche ­
  Mengen  jährlich  zur  Ausfuhr  gelangen; ­
  indes  muß  Zinn  in  bedeutendem ­
  Wert  eingeführt  werden.  Der  Import ­
  von  Zinn  in  Tafeln  erreichte  1880
einen  Wert  von  72,6  Mill  Mk.,  während
der  Exportwert  von  Zinn  und  Zinnwaren
568,000  Mk.  kaum  überstieg.
Kohle.  Die  Ausdehnung  des  kohleführenden ­
  Areals  wird  sehr  verschieden
hcrechnet.  Nimmt  man  nur  Rücksicht  aut
die  Flächen,  welche  mit  aller  Wahrscheinlichkeit ­
  flözführend  sind,  so  kommen  auf:
QKilom.
1)  Das  Anthracitgebiet  von  Reuengland  1295
2)  Die  Anthracite  Pennsylvaniens  .  .  1217
3)  Das  appalachische  Kohlenfcld.  .  .  152804
4)  Das  Bassin  von  Michigan.  ,
5)  Das  centrale  Gebiet  ....
6)  DaS  Missourifeld  ....

17352
121725
202012

Zusammen:  496405
Andre  Berechnungen,  wie  die  von  Dana
und  Laur,  nehmen  die  Ausdehnung  des
Areals  als  weit  größer  an.  DaS  wichtigste
Kohlenfeld  istdasvonPennsylvanien,  dem
in  wirtschaftlicher  Beziehung  daS  appalachische ­
  zunächst  steht.  Die  übrigen  Gebiete ­
  stehen  diesen  weit  nach.  Bon  der
Gesamtausbeute  1879  (59,8  Mill.  Ton.)
kamen  ausPennsylvanicn26,i4,  auSOHio
14,5  Mill.  T.  Die  KohlenanSbente  würde
aber  weit  höher  sein,  wenn  nicht  durch
maßlose  Verschwendung  deS  Kohlenkleiiiö
        <pb n="527" />
        Vereinigte  Staaten  (Bergbau:  Petroleum;  Handel).

&amp;gt;19

ein  außerordentlich  großer  Haldenverlust,
den  man  auf  ein  Dritteil  der  gesamten
Kohlenförderung  schätzt,  herbeigeführt
würde.  Der.Handel  mit  Kohlen  bewegt
bituminöse  Kohle  222,634  T.  und  em»
geführt  477,517  T.  bituminöse  Kohle.
Die  Werte  waren  bei  der  Einfuhr  6,7
Mill.,  bei  der  Ausfuhr  8,3  Mill.  Mk.
P  e  t  r  o  l  e  u  m.  Das  eigentliche  Olgebtet
ist  noch  immer  Pennsylvanien,  obschon
auch  ìli  Westvirginia,  in  Ohio,  Kentucky,
in  Kalifornien  lind  andern  Staaten  OIquelk,,
  wßkrm.  ^ie  Mtg
1859  erst  82,000  150  Bit,  1879
hatte  dieselbe  16,917,606  Faßerrelcht.  Von
1860  bis  (Sube  1877  sollen  aus  den  pennsylvauischeil
  Ölfeldern  90  Mill.  Faß  Petroleum ­
  gewonnen  worden  sein,  welche
einen  Geldwert  von  ca.  900  Mill.  Mk.
repräsentieren.  Ausgeführt  wurden  1879  :
10,i  Mill.,  1880:  8,5  Mill.  Faß.  Die
HauptanSfuhrhäfen  waren  1880:
New  Pork  ....  1003,2  Mill.  Liter
Philadelphia  .  .  .  207,s
Baltimore  ....  £&amp;gt;7,7
Boston  19.r
Richmond  ....  4,2
Portland  ....  0,5
Der  vierte  Teil  sämtlicher  Verschiffungen
im  Hafen  von  New  Pork  geht  nach  Deutschland ­
  (Bremen,  Hamburg,  Stettin,  Königsberg, ­
  Danzig  und  Lübeck),  doch  fehlt
unter  den  Abnehmern  kein  Land.  Von
New  York  allein  wurden  1877  verschifft
(in  Millionen  Liter)  nach:

Bremen
Antwerpen
London.  .
Havre  .  .
Liverpool  .

169,2
76.0
63.2
49.2
38.0

Rotterdam  .
Cork  .  .  .
Triest.  .  .
Kopenhagen

37.0
30,4
30,4
28.0

1880  gefallen.  Von  der  letzten  Summe  entfallen ­
  auf  Brennöl  allein  151,2  Mill.  Mk.
IV.  Kandel.
Da  die  Ernten  1878,  1879  und  1880
ausgezeichnet  waren;  während  auf  dem
europäischen  Koiltinent,  namentlich  in
Frankreich  und  England,  die  Erträge
weit  unter  dem  Mittel  blieben,  so  besserte
sich  die  wirtschaftliche  Lage  des  Landes  ausnehmend. ­
  Welchen  Umfang  der  Handel  in
den  drei  letzten  Fiskaljahren  (1.  Juli  bis
30.  Juni)  gewonnen  hat,  geht  aus  folgenden ­
  Zahlen  hervor  (in  Millionen  Mark):

Nach  Holländisch  -  Ostindien  gingen  43
Mill.,  nach  China  und  Britisch-Ostindien
40  Mill.,  nach  Gibraltar  und  Malta  30
Mill.,  nach  Brasilien  16  Mill.,  nachAà
ten  12  Mill.  Lit.,  mt  ganzen  an  1175  Mrll.
L  4880  betrug  das  Quantum  des  Exports

Ware»

1877—78  1878—79  1879—80

Zollfreie  .  .
Zollpflichtige.

Einfuhr:
718,0  I  599,3  I
1242,4  1273,0

874,9
1930,ß

Gesamteinfuhr:  |  1961,o  |  1872,3  |  2805,4
Ausfuhr:
Einheimische  .  .  I  2972,81  2931,91  3460,4
Ausländische  .  .  ļ  87,4  |  50,8  |  49,i
Gesamtausfuhr:  |  3060,21  2982,71  3509,5
Gcsamthandel:  |  5021,2  |  4855,o  |  6314,9
Der  Gesamthandel  weist  demnach  immer
steigende  Ziffern  auf  und  zwar  im  vergangenen ­
  Jahr  einen  Betrag,  den  er  selbst
in  der  günstigsten  Zeit,  1872—73  und
1873—74,  nicht  erreichte.  Allein  dieses
Anwachsen  ist  lediglich  den  steigenden  Ausfilhrziffern
  zuzumessen,  da  die  Einfuhr
mehr  mtb  mehr  eine  rückläufige  Bewegimg
  er#,  äiffcrrnmo  ^kb  bies  Bclegt
  durch  die  folgende  Übersicht,  in  wel-#
  bic  mtocmf#,  b.  &amp;amp;  b,e  ®cfcmiteinfuhr
  abzüglich  der  nach  fremden  Landern ­
  wieder  exportierten  Einfuhrwaren,
und  die  Ausfuhr  einheimischer  Waren
(ohne  Edelmetalle  und  Münzen  daraus)
nebeneinander  gestellt  find.  Jil  Mtllionen
  Mark  lvar:
Nettoeinfuhr

1865:
1868:
1871:
1874:
1877:
1879:
1880:

880,3
1448.2
2124,4
2312,1
1841,7
1790,0
2756.3

Ausfuhr
574,9
1131.4
1799,2
2391,9
2972.8
2931.8
3460.4

Die  Einfuhr  hat  feit  1873  um  rund  32
Proz.  ab-,  die  Ausfuhr  dagegen  in  demsel-
        <pb n="528" />
        520

Vereinigte  Staaten  (Handel).

Aàum  um  38  Proz.  zugenommen.
Die  Mehremfuhr,  welche  früher  die  Regel
war  und  1872  ihre  Höhe  mit  766,i  Mill.
JJif.  erreichte,  hat  sich  in  eine  noch  bedeutendere ­
  Mehrausfuhr  verwandelt,  welche
1880  auf  704,i  Mill.  Mk.  gestiegen  war.
Die  Ausfuhr  der  Union  besteht  noch  vorwiegend ­
  aus  landwirtschaftlichen  Erzeugnissen ­
  und  andern  Rohprodukten;  daneben
treten  aber  doch  schon  so  bedeutende  Posten
amerikanischer  Fabrikate  auf,  daß  wir  mit
Recht  darauf  rechnen  dürfen,  daß  sich  in
der  Zukunft  der  Markt  für  das  ausländische ­
  Fabrikat  noch  mehr  beschränken  wird.
Welche  llmwandlung  sich  innerhalb  eines
Decenninms  vollzogen  hat,  zeigt  nachstehende ­
  Tabelle  recht  auffällig.  Der  Ausfuhrwert ­
  der  hauptsächlichsten  Artikel  einheimischer ­
  Erzeugung  war  (inMill.Mk.):
1870  1880
Brot  und  Brotstoffe  303,4  1219,3
Baumwolle  953,4  681,7
Tierische  Nahrungsmittel  .  .  .  122,5  595,3
Petroleum  127,7  169,2
Eisen.  Stahl  und  Waren  daraus  46,2  52,9
Baumwollwaren  15,9  42,0
Leder  und  Lederwaren  ....  2,7  28,4
Lebende  Tiere  4,9  gi,
Zucker  und  Melasse  2,8  l¿a
Ackcrbauwerkzeuge  4,2  9,2
Steinkohle  5,5  ío's
Õõst  8,5  4,6
Hanf  und  Waren  daraus  ...  2,8  5,3
Uhren  2,4  6,i

sicht.  Es  nahmen  1880  am  Handel  (in
Prozenten)  teil:

Länder

England.
Frankreich
Deutschland
Belgien  .
Niederlande
Italien  .
Cuba.  .
Mexiko  .  ,
Brit.-Wcstindien
Brasilien
Ostindien
China
Japan

Einfuhr

31,53
10,38
7,82
1.77
1,04
1,64
9,80
4,94
1,08
7.78
3,15
3,20
2,17

Ausfuhr
einheiln,  fremde

54,74
12,oo
6,83
4,09
2,05
1,50
1,32
3,25
0,73
1,03
0,27
0,13
0,31

23,97
10,04
6.57
3,75
2,74
0,04
2.58
23,12
15,40
0,93
0,01
0,23

Zusammen:  1601,7  2900,4
In  diesen  letzten  zehn  Jahren  ist  demnach ­
  der  Ausfuhrwert  um  rund  907  Mill.
Mk.  gestiegen.  Die  AnSfuhrmengen  sind
aber  einesteils  in  ungleich  größerm  Maß
gewachsen,  andernteilö  wurden  sie  gegen
die  Borjahre,  teilweise  wenigstens,'durch
den  im  letzten  Jahr  schnell  steigenden  einheimischen ­
  Verbrauch  eingeschränkt.
Unter  allen  Ländern,  welche  mit  den
Vereinigten  Staaten  im  Handelsverkehr
stehen,  nimmt  England  die  erste  Stelle
ein;  voll  dem  Gesamthaildcl  der  Vereinigten ­
  Staaten  fallen  ans  das  Vereinigte  Königreich ­
  nicht  weniger  als  44,rProz.  Wenn
wlr  diejenigen  Staaten  unberücksichtigt
lasten,  welche  sich  mit  weniger  als  2  Proz.
LÆ««  oder  der  andern  Richtung
beteiligten,  so  erhalten  wir  folgende  über-Das

  Deutsche  Reich  nimmt  bei  der  Einfuhr ­
  die  fünfte,  bei  der  Ausfuhr  die  dritte
Stelle  ein,  welch  letztere  es  auch  im  Gcsamthandel
  beansprucht,  indem  es  mit
7,87  Proz.  nur  England  (44,19  Proz.)
iitib  Frankreich  (11,86  Proz.)  nachsteht.
?^ä°luten  Zahlen  für  1878-79  sind
(m  Millionen  Mark)  folgende:
Einfuhr  von  Deutschland  149,1
.  Ausfuhr  nach  .  239,4
Die  Handelsbeziehungen  Deutschlands  zu
den  Vereinigten  Staaten  haben  sich  tu
kurzer  Zeit  in  außerordentlich  schneller
Weise  entwickelt;  während  aber  früher  die
Handelsbilanz  für  beide  Läiider  ziemlich
gleich  günstig  lag,  tritt  Deutschland  jetzt  auf
dem  amerikanischen  Markt  mehr  als  Käufer ­
  denn  als  Verkäufer  ans.  Der  Import
deutscher  Waren  betrug  im  Durchschnitt
der  dreiJahre  1860-62  über  51  Proz.dcö
Gesamtumsatzes  zwischen  beideii  Ländern,
1877—79  aber  nicht  mehr  als  38  Proz.
Der  Export  aus  der  Union  nach  Deutschland ­
  besteht  zum  großen  Teil  (69  Proz.)
aus  Gegenständen,  welche  der  Urproduktion ­
  angehören,  namentlich:  Rohbaumwolle, ­
  Brot  und  Brotstoffe,  Fleischkonserven, ­
  Schmalz,  Speck  re.,  frisches  Fleisch
und  Schlachttiere,  Petroleum,  außerdem
Ackerbaugerätschaften,  landwirtschaftliche
und  gewerbliche  Dampf  -  und  Arbeitsmachinen,
  Nähmaschinen,  andre  Produkte
der  Metallindustrie,  Leder  und  Lederwaren ­
  re.,  im  ganzen  1879  und  1880  für  je
239,1  am/m.
Die  Ausfuhr  deutscher  Produkte  nach
        <pb n="529" />
        Vereinigte  Staaten  (Handel;  Verkehrswesen).  521

den  Vereinigten  Staaten  nimmt  nicht
immer  den  bireften  Weg;  sie  geht  vielfach
über  die  Niederlande,  England,  Belgien,
zum  kleinen  Teil  über  Frankreich.  Dagegen ­
  führte  Deutschland  1878—79  fur
2,i  Mill.  Mk.  österreichische  und  für  5.6
Mill,  schweizerische  Fabrikate  aus.  Die
Hauptstärke  des  deutschen  Exports  liegt
vor  allem  in  den  Erzeugnissen  der  Tertilindustrie,
  dann  auch  der  chemischen  und
einzelner  Zweige  der  Metallindustrie.  An
der  gesamten  Einfuhr  von  Baumwollw
  aren  nimmt  England  mit  54,17  Proz.,
Deutschland  mit  35,w  Proz.  teil.  Nächstbedeutend ­
  ist  die  deutsche  Einfuhr  von
Seiden  waren,  worin  Frankreich,  das
mit  54,9  gegen  unsre  28,4  Proz.  beteiligt ­
  ist,  allein  voranstellt.  Bei  der  Einfuhr ­
  von  Wollwarcn  ist  Deutschland  weniger ­
  stark  beteiligt,  ebensowenig  bei  Leinenwaren, ­
  welche  fast  ausschließlich  aus  England ­
  kommen.  Auch  der  Importwert
deutscher  Chemikalien  und  Farbwaren  ist
ein  verhältnismäßig  unbedeutender  und
bei  dem  hohen  Stande  dieser  Industrie  in
Deutschland  und  der  Zollfreiheit  sehr  vieler ­
  Gegenstände  derselben  ein  unbegreiflicher. ­
  Die  Einfuhr  von  Deutschland  stieg
in  jüngster  Zeit  bedeutend,  von  149,5Mill,
m.  in  1879  auf  232,5  M.  fDif.  in  4880.
Clearinghouses.  Die  Umsätze  in
den  22  Clearinghouses  der  Union  während ­
  der  letzten  Jahre  geben  ein  beredtes
Bild  von  dem  geschäftlichen  Aufschwung
wahrend  dieser  Zeit.  Der  Umsatz  ist
von  118,9  Milliarden  Mark  in  1878  auf
163,4  Milliarden  in  1879,  also  um  mehr
als  37  Proz.,  gestiegen.  Drei  Viertel
dieser  Summe  entfallen  auf  New  3)oü
(Umsatz  126  Milliarden),  welches  auch
relativ,  mit  alleiniger  Ausnahme  von
Kansas,  den  größten  Aufschwung,  nämlich
um  46  Proz.  gegen  1878,  zeigt.  Nur  von
Kansas  City  mit  66  Proz.  wird  eS  übertroffen, ­
  ein  Hinweis  auf  die  außerordentliche ­
  Entwickelung  des  »Far  West«.  Charakteristisch ­
  ist  der  Rückgang  bei  San  Francisco ­
  um  21,9  Proz.,  was,  wie  die  verhältni8n#ÍQ
  bet  0anfeïotk,bcr
dort  dominierenden  Socialdemokratie  zugeschrieben ­
  wird.  .
Bankerotte.  Als  cm  günstiges  Zeichen ­

  für  wiederkehrende  Prosperität  muß
die  Verminderung  nicht  allein  der  Anzahl
der  Fallissements,  sondern  auch  der  Passiva ­
  angesehen  werden,  welche  1879  angemeldet ­
  wurden.  Nach  dem  Cirkular  der
Mercaiitile  Agency  von  Dun,  Barlow
u.  Komp,  in  New  Pork  war  1879  die  Zahl
der  Bankerotte  6658,  aber  1880  nur
4735  und  die  Siimme  der  Passiva  im  letzten ­
  Jahr  nur  275,9  Mill.Mk.  gegen  412,2
Mill.  Mk.  in  1879  und  984,5  Mill.  Mk.
in  1878.  Am  ungünstigsten  war  das
Verhältnis  in  den  pacifischen  Staaten;
dort  kam  1879  ein  Bankerott  auf  45  Geschäfte ­
  ,  in  den  östlicheil  auf  85,  in  den
Südstaaten  auf  93,  in  den  Mittelstaateii
auf  100  und  in  den  westlichen  Staaten
auf  159  Geschäfte.
Konsulate.  Das  Deutsche  Reich  unterhält ­
  Berufskonsuln  in:  Chicago,  Cincinnati, ­
  New  Nork,  San  Francisco,  St.
Louis;  Handelskonsuln  in:  Baltimore,
Boston,  Charleston,  Galveston,  Mobile,
New  Orleans,  Philadelphia,  Richmond,
Savannah,  Wilmington;  Vicekonsuln  in
Darien  und  Norfolk;  Konsularagenten
ili  Jndiaiiola  und  Washington.
V.  Verkehrswesen.
1)  Wasserstraßen.  Die  hauptsächlichsten ­
  derselbeii  sind  die,  welche  die  westlichen
und  nordwestlichen  Staaten  mit  Montreal ­
  durch  die  Seen,  den  St.  Lorenzstrom
und  die  kanadische,i  Kanäle  verbinden,  die
Wasserstraße  zwischen  denWest-nndNordweststaateii
  nnb  dem  Hafen  von  New  Pork
über  die  Seen,  den  Eriekanal  und  den  Hudsonfluß,
  der  Missisippi  und  seine  Nebenflüsse. ­
  Mehr  als  30  Kanäle  in  einer  Gesanitlänge
  von  6474  km  erleichtern  die
Schiffahrt.  Dennoch  bewegt  sich  selbst  von
schweren  Gütern,  wie  Kohle  u.  Eisen,  weitaus ­
  der  größte  Teil  auf  den  Eisenbahnen.
2)  Eisenbahnen.  Ein  Eisenbahnnetz ­
  wie  die  Vereinigten  Staaten  hat  kein
andres  Land;  es  steht  dem  Schieucnnetz
von  ganz  Europa  nur  um  20,000  km
nach  und  breitet  sich  jetzt  wieder  in  ungeahnter ­
  Weise  anö.  Am  1.  Jan.  4880  betrugdieGesamtlängeallerBahnen169,424

km,  davon  137,040  km  Hanptgeleise  und
32,384  km  Hülfs-,  Neben-  und  Verbindungögeleise.
  DaS  riesige  Anwachsen  in
        <pb n="530" />
        522

bereinigte  Staaten  (W,  G#a#).

%  %%
ffisfsnásfe.sL*?.«“

LchwTÄLZMLL

bahnen  gebaut  worden.  Doch  nahm  die
^ange  der  Lünen,  dank  der  Getreideproduktion
  des  »Far  West-  und  der  Edelmetallgewlnnung
  westlich  von  Missouri,
beßanbm  %u.  ^Die  %(ftßaateu  imb  lern:
tonen  besitzen  setzt  weit  die  meisten  Bah-$®
 u  Euler  Gesamtlänge  von  (1379)
iül
"'"erbrochenen  Arbeiten  sind
Ş  wieder  aufgenommen;  die  Nord-^u
  %i0maixf  bue#
gÄfÄSÄSÄ
."" b .  Şt.  Louis-San  Franciscodie
  fundierten  Schulden  9586,5  Mill''
die  schwebenden  Schulden  658,9  Mill.  Mk.,'
bie  ^10(1:^0^011  923,G3Riü.  m.  (Der
Verkehr  auf  den  Bahnen  nahm  enorm
Zu,  nicht  aber  die  Einnahmen;  so  wurden
m.  Dennoch  wurde  aus  den  amerikanischen ­
  Bahnen  ein  größerer  Reingewinn  erz-elt,
  der  sich  1873  auf  735,2  Mill.  Mk.,
e  gezeigt,  ans  923,6  %%iK.
Mk.  beziperte.  Indes  sind  bei  diesen  Bahnen ­
  ungeheure  Summen  verloren  gegangen; ­
  die  Fallimente  von  1872—76  bezifferten
  sich  auf  3200  Mill.  Mk.,  so  daß  mit
Hinzurechnung  der  Konkurse  von  1877
mindestens  4  Milliarden  Mark  in  Eisenbahneffekten ­
  geopfert  sein  mögen.
IMO  befaßen
die  Vereinigten  Staaten  42,989  Post-1879—80

  betrugen  die  Einnahmen  133,s
Mill.,  die  Ausgaben  146,2  Mill.  Mk.
4)  T  e  l  e  g  r  a  p  h  e  n.  Die  Zahl  der  Telegraphenämter ­
  war  1880:11,317,  die  Länge
derLliiien  171,3641cm  (erkl.Privat-,  Eisenbahnen- ­
  und  Gouvernementslinien),  auf
welchen  33,155,991  Telegramme  befördert
wurden.  Die  Westerii  Union  Telegraph
Co.  hatte  30.Juni  1880  imBetrieb  137,032
km  Linien,  373,654  km  Drähte  mit  9077
Telegraphenämtern,  die  Atlantic  and  Pa-"fic
  Telegraph  Co.  13,930  km  Linien,
35,874  km  Drähte  mit  223  Ämtern.  Die
erste  Gesellschaft  beförderte  29,216,509,
die  zweite  1,269,510  Telegramme.  Noch
bedeutender  alö  die  letzte  ist  die  American
Union  Tel.  Co.  (2,670,972  Telegramme).
Diese  drei  Gesellschaften  haben  sich  I.Jan.
1881  zu  einer  einzigen  vereinigt;  außerdem ­
  bestehen  die  Dominion,  American
Rapid  und  International  Ocean  Tel.  Co.
In  12  Städten  sind  45,575  Telephone  eingerichtet,
  in  der  ganzen  Union  96,000
km  trabte.  JDur#  fünf  ßaW  smb  bie
Bereinigten  Staaten  mit  Europa  verbunden, ­
  von  Kap  Romano  läuft  ein  Kabel
nach  Havana,  konzessioniert  ist  das  längst
geplante  Kabel  von  San  Francisco  über
die  Muten  nach  Japan.
VI.  Schiffahrt.
4)DieH  an  dels  flott  e  der  Bereinigten
Staaten  hat  trotz  des  riesig  wachsenden
Handels  keine  erheblichen  Fortschritte  gemacht, ­
  sie  ist  im  Gegenteilzurückgeganqen;
denn  während  die  Handelsmarine  1861
einen  Tonnengehalt  von  5,539,813  Ton.
hatte,  wies  sie  1880,  einschließlich  sämtlicher
Flußschiffe  und  Kanalboote,  nur  24,712
Fahrzeuge  von  4,068,034  T.  auf,  davon:
Schiffe  Tonnen
Segelschiffe  .  .  .  16820  2366258
Dampfschiffe.  .  .  4717  1211558
Kannlboote  ...  1235  106590
Barken  1930  383629

Der  Beschäftigung  nach  verteilte  sich
18/9  der  Tonnengehalt  wie  folgt:  ausländischer ­
  Verkehr  1,451,505  Ton.,  Küsten- ­
  und  Binnenverkehr  2,598,183  T.,
Walfischfang  40,028  T.,  Stockfisch-  und
Makrelenfang  79,885  T.  —  Auf  die  verschiedenen ­
  Häfen  verteilte  sich  die  Handels-
        <pb n="531" />
        W»WWW»W&amp;gt;»W&amp;gt;W&amp;gt;W

Vereinigte  Staaten  (Finanzen,  Staatshaushalt,  Zölle).

523

Schiffe  Tonnen
Atlantische  und  Golfkiiste  18147  2  716779
Paci  fische  Küste  ....  1143  272  361
Nördliche  Seen  ....  3127  605102
Westliche  Flüsse  ....  2295  473792
Die  Bedeutung  der  amerikauischeu
Handelsflotte  für  den  auswärtigen  Handel ­
  ist  von  Jahr  zu  Jahr  zurückgegangen;
während  der  Prozentsatz  der  in  amerikanischen ­
  Fahrzeugen  verschifften  Ein-  und
Ausfuhr  1825  '  noch  92,5  Proz.  betrug,
sank  derselbe  bis  1880  ans  17,6  Proz.  herab.
2)  S  ch  i  f  f  s  v  e  r  ke  h  r.  Von  der  Küstenschiffahrt ­
  sind  fremde  Schiffe  durch  Gesetz
ausgeschlossen;  den  Verkehr  mir  dem  Ausland ­
  vermitteln  vornehmlich  letztere.  Die
amerikanischen  nahmen  am  ausländischen
Verkehr  1850  —  60  noch  mit  70  Proz.,
^  s

1880  aber  nur  noch  mit  17,6  Proz.  teil.
Die  Schiffsbewegung  war  1879  in  I&amp;lt;

Fahrt:

anger

Schiffe

Amerikanische
Fremde  .  .

Eingegangen
Schiffeş  Tonnen

9093  3  350853
24301  13949164

Ausgegangen
Schiffeş  Tonnen

8909  354439
23903  13739268

Zusammen:  33394117300017  32812114093707
Dazu  kommt  die  amerikanische  Küstcnschiffahrt;
  es  gingen  1878  ein:  74,843
Schiffe  von  34,142,785  Ton.,  aus:  74,219
Wn  32,906,672  %.
VII.  Finanzen.
Staatshaushalt.  Die  Bundessinanzen
  haben  seit  längerer  Zeit  einen
jährlichen  Überschuß  ergeben,  welcher
zur  Reduktion  der  namentlich  durch  den
Krieg  gegen  den  Süden  geschwellten
Schuld  verwendet  werden  konnte.  Sowohl ­
  Einnahmen  als  Ausgaben  haben
sich  stetig  verringert;  die  ersten  betrugen
1865:  5956,4  1880:  1400,7
Mill.  Mk.;  die  zweiten  1865:  5419,3
Mill.  Mk.  und  1880:  721,9  Mill.  Mk
Außer  zur  Reduktion  der  Schuld  haben
die  Überschüsse  auch  zur  Beseitigung  oder
Ermäßigung  mancher  drückenden  Steuern
und  Gebühren  beigetragen.  Zolle  und
die  alö  »Inland  Revenue«  erhobenen
Steuern  sind  die  Hauptquellen  der  Einnahmen. ­
  Direkte  Abgaben  werden  zwar
nicht  von  der  Bundesregierung,  wohl  aber

von  den  Regierungen  der  einzelnen  Staaten ­
  erhoben.  Von  den  Bundeseinnahmen
für  1879—80  entfallen  auf  Zölle  783,s
Mill.,  Landverkauf  4,2  Mill.,  Inland  Revenue ­
  520,8  Mill.  Mk.  1836  brachten  die
Landverkäufe  noch  fast  105  Mill.  Mk.  ein.
Das  Budget  1880—81  beziffert  die  Einnahmen ­
  auf  1,209,600,000  Mk.,  die  Ausgaben ­
  auf  1,000,730,379  Mk.
Die  Zölle  dienen  nicht  nur  als  eine  ergiebige ­
  und  bequeme  Einnahmequelle,  auch
als  ein  Schutzmittel  der  heimischen  Industrie. ­
  Thee,  Kaffee,  Fische,  rohe  Baumwolle, ­
  Farbhölzer,  Gummi,  Öl,  Rohseide,
Lunchen  und  andre  Rohprodukte  sowie
Gold  und  Silber  zahlen  keinen  Zoll.  Dagegen ­
  wird  von  sämtlichen  Manufakturwaren
  sowie  zahlreichen  Halbfabrikaten
und  Rohstoffen  ein  Schutzzoll  erhoben,  der
im  Durchschnitt  43  Proz.  vom  Wert  beträgt ­
  und  in  einzelnen  Fällen  100  Proz.
übersteigt.  Baumwoll-,  Leinen-,  Wollund
  Seidenwaren  zahlen  zwischen  30  und
77  Proz.,  Eisen  und  Stahl  30—50,  Tabak
nndCigarren  66—90,  Zucker  25—50,Reis
93,  ßäfc  22,  25,  %9em  50—78,
Branntwein  99  und  andre  Spirituosen
bis  zu  346  Proz.  Die  sogen.  Inland
Revenue  umfaßt  besonders  Verzehrungssteuern ­
  (Bier  1  Doll,  das  Faß,  Spirituosen ­
  90  Cent  das  Gallon,  Liköre  2  Doll.
40  Cent  das  Dutzend,  Cigarren  6  Doll,
das  Tausend,  Tabak  24  Cent  das  Pfund);
ferner  Gewerbesteuern,  die  von  Brauereien,
Branntweinbrennereien,  Cigarrenhändlcrn
  und  Fabrikanten,  Wirten  und  Bankiers ­
  zu  zahlen  sind;  dann  Stempelgebühren ­
  (Stamp  taxes)  für  Marken  im  Wert
von  1—6  Cent,  die  jedem  Fläschchen  oder
Kästchen  aufgeklebt  werden  müssen,  welches
Zündhölzer,  Pillen,  Salben,  Toilettebedürfnisse ­
  ii.  dgl.  enthält.  Geldanweisungen ­
  (checks)  und  Spielkarten  müssen
gestempelt  werden-  —  Von  der  Inland  Revenue, ­
  1880  im  Betrag  von  520,8  Mill.
Mk.,  entfallen  aut:  Spirituosen  257,o,
Stempelgebühren  32,s,  Banken  und  Bankiers ­
  14,i,  Tabak  163,2,  Bier  u.  Wein  53,9,
verschiedenes1,6Mill.Mk.DieErhebungsfosten
  beliefen  sich  auf  18,9  Mill.  Mk.  oder
3,7  Proz.  des  Reinertrags.  Bei  der  Zollverwaltung ­
  betrugen  diese  Kosten  6  Proz.
        <pb n="532" />
        524

Vereinigte  Staaten  (Staatsschuld;  Kreditwesen).

Nà-LLSchKLHL
(-oÄ?bonds  mit  dem  bedeutendsten  Posten
ß  k  402,2  3Rf.).
Jlnbre  bebeutcnbe  soften  finb:  (136,1^116,1
3u  (Silbe  bea  Unabhangigkeitsknegs
  soll  sich  die  Schuld
der  Vereinigten  Staaten  ans  176  Mill.
Mk.  belaufen  haben.  Die  Schuld  stica
aber  feĢr  baíb  auf  315  WM.  Wf.  2onigranfreicbfiir
  50,4
ME  gekauft.  Nach  dem  Krieg  war
bte  S^iíb  1816  auf  519,e  M.  SOif.  ae=UteScri.
  Dann  kam  1819  die  Erwerbung
Floridas  von  Spanien  um  21  Mill.  Mk.,
mit  Teraö  wurden  42  Mill.  Mk.  Schulden
  uberiwinmen,  für  Kalifornien  zahlte
,  .  -  Mk.  gezahlt.  Dann  kam  der  Bürgeraber
  mail  hat  berechnet,  dast  mit  Einschluß
aller  Verluste:  Zerstörungen,  Beschädigunaen.
  Bensiiinci,  Sí»  sevst««  w..t_

ten.  Wenn  so  die  Bundesregierung  ihre
Schuldenlast  von  Jahr  zu  Jahr  verminderte, ­
  so  sind  im  Gegenteil  die  Schulden
der  Staaten,  Grafschaften  und  Gemeinden
m  wahrhaft  erschreckender  Weise  gewachsen.
»SSÄ5
letztere  Summe  verteilt  sich  aus  die  einzelucu
  Staatcugruppcn  wie  folgt:
Neuengland.  .  .  210053958

Mittelstaaten
Südliche  .
Westliche.
Pacific

193624815
478662420
153574512
19099033

Zungen,  Pensionen  rc.,die  Kosten  der  Aufhebung ­
  der  Sklaverei  sich  aus  ca.  38  Milliarden ­
  Mark  belaufen.  Als  besondere  Einkünfte ­
  sind  hierzu  erwähnen  der  Landverkaus,
  welcher  1796-1880  über  863  Mill.
Mk  ergab,  und  die  von  England  infolge
des  Spruchs  des  Genfer  Schiedsgerichts  gezahlte
  Entschädigung  von  69,15  Mill.  Mk.
Zur  Reduktion  der  ungeheuren  Schuldsumme ­
  machte  man  die  größten  Anstrengungen ­
  und  hat  eö  erreicht,  daß  innerhalb
des  Zeitraums  von  1865  nach  Aufhören
bea  jfrieoa  Bia  1.3uK  1880  eine  Äermtnderung
  um  nicht  weniger  als  4336  Mill.
Mk.  eingetreten  ist;  1865  war  der  Betrag
der  verzinslichen  Schuld  11,576,9  Mist.
%r  j)=  imb  6prog.  S^ufb  in  eine
Mss-r«
Schulden  der  einzelnen  Staa-Die

  Schulden  der  Südstaaten  hatten
erreicht  und  sind  seitdem  durch  teilstana,
  Südcarolina  und  Tennessee  haben
durch  einen  Federstrich  ihre  Schuld  aus
"f/^^o"^^rbcaroima,  ^11=nefota,
  Arkansas  repudiieren  einen  Teil
der  von  ihnen  kontrahierten  Schulden.
Manche  Staaten  sind  thatsächlich  baukrott
  bicicn  ©täbten  stc#  ein  (,kici)ea
bwor.  ^a^er  iß  beim  auds)  in
fast  allen  Staaten  das  Recht  der  Gemeinden, ­
  Schulden  zu  kontrahieren,  vcrsassuugSmäßig
  eingeschränkt  worden.
_  VIII.  Kreditwesen.
Eine  Staatsbank  existiert  nicht,  wohl
aber  eine  nroße  Wn^i  bon  ^r^batbanfen,
fur  welche  1863  ein  Bundeöbaukgesetz  gegeben ­
  wurde,  dessen  hauptsächlichste  Bestiininuiigen
  die  folgenden  sind:  1)  Wenigstens
ein  Drittel  des  Kapitals  seder  Bank  muß
aiwUuionsobligationen  bestehen,  ivelche  int
(5^^a^^alntbe^o"iert^erbeu.2)3ebe(Banf,
welche  Papiergeld  ausgeben  ivill,  inuß  dcm
Schatzamt  einen  entsprechenden  Betrag
von  Unionsobligationen  deponieren  und
erhält  dafür  90  Proz.  des  Betrags  in
Bankzetteln.  3)  Der  Nennwert  der  Bankzettel
  ist  auf  300  Mill.  Doll.  (960  Mill.
Mk.)  festgesetzt,  welche  unter  die  einzclneii
  Staaten  nach  ihrer  Einwohnerzahl
und  ihrem  Handelsverkehr  verteilt  werden. ­
  (Später  ist  die  Höhe  dieser  Summe
        <pb n="533" />
        525

Vereinigte  Staaten  (Banken,  Geld,  Maße  und  Gewichte).

nicht  fixiert,  sondern  von  dem  Betrag  der
Deckungsmittel  abhängig  gemacht  worden.)
4)  Jede  Bank  ist  verpflichtet,  ihre  eignen
Bankzettel  auf  Verlangen  gegen  StaatSpapiergeld
  einzulösen.  Mit  Ausnahme  der
Barzahlungen  steht  das  Papiergeld  auf
pari.  5)  Jede  Bank  ist  gesetzlich  verpflichtet, ­
  25  Proz.  ihrer  Zettelemission  und  25
Proz.  ihrer  sonstigen  Verbindlichkeiten
in  Staatspapiergeld  oder  in  Metallgeld
vorrätig  zu  haben.  6)  Die  Regierung
setzt  sich  vierteljährlich  durch  Kommissare
von  dem  Stande  der  Finanzen  und  der
Geschäfte  einer  jeden  Bank  in  Kenntnis.
linter  dies  Gesetz,  das  später  einige  Modifikationen ­
  erfuhr,  steNteu  sich  fast  aste  damals ­
  existierenden  Banken  und  wurden
dadurch  arcs  »Staatenbauten«  nun  sogen.
Nation  alb  a  nkeu.  Dieselben  können
von  mindestens  fünf  Personen  gegründet
werden;  ihr  Grundkapital  muß  mindestens
100,000  Doll.,  in  großen  Städten  200,000,
in  kleinen  Städten  ausnahmöweise50,000
Dost.  betragen.  Ihre  Noten  dürfen  nur  in
Abschnitten  von  1,  2,  3,  5,10,20,50,100,
500  und  1000  Doll,  bestehen.  Jede  Natioualbank
  zahlt  1  Proz.  Bundessteuer  vom
durchschnittlichen  jährlichen  Notenumlauf,
'/-Proz.vom  Depositenbetrag  und  VrProz.
von  dem  nicht  in  Bundesobligationen  angelegten ­
  Kapital.  Dagegen  müssen  die  Staatcnbankcn
  10  Proz.  vom  durchschnittlichen
Betrag  ihrer  umlaufenden  Noten  zahlen.
Die  6529  Banken  der  Vereinigten  Staaten ­
  hatten  1880  ein  Kapital  von  2730,a
Mill.  Mk.  und  Depositen  im  Betrag  von
9323,a  MM.  9Rf.  imb  amt:

Geldinstitute

3#

Kopit.  I  Depos.
Mill.  Mark

Nationalbankcn.  .  .  .
Staaten-  u.  Privatbanken
Sparbanken  mit  Kapital
Sparbanken  ohne  Kapital

2076
3798
29
629

1915,0
798,4
16,8

3783,4
2105,9
145,3
8288,6

Die  1.  Sept.  1880  bestehenden  2072  Nationalbanken ­
  hatten  ein  Kapital  von  1907,7
Mist.  Mk.,  Noten  im  Nennwert  von  1486,4
Mist.  Mk.  im  Umlauf  und  außerdem  für
1444,i  gm.  Mk.  sogen.  Goldnoten  (Banknoten, ­
  in  Gold  rückzahlbar).  (Uber  das
Papiergeld  s.  unten  Geld.)  Das  Wechsel ­
  r  c  ch  t  ist  das  englische.  Der  Wechselstempelist2

  Cent,  ebenso  hoch  der  Stempel
auf  Bank-Checks,  Anweisungen  aller  Art.
IX.  Geld,  Maste  „nd  Gewichte.
Seit  1792  bestand  Doppelwährung,  die
anfangs  1:15,  seit  1834  genau  1:15,988
war.  Nach  Entdeckung  der  kalifornischen
Goldfelder  und  dem  Süllen  der  Goldpreise
fing  das  Silber  an  abzuströmen,  und  1853
mußte  der  Münzfuß  der  Silberscheidemünze ­
  nach  der  Relation  1:14,88  verändert ­
  werden.  Von  1853—73  war  von
Metastwährung  faktisch  nicht  die  Rede,
es  herrschte  Papierwährung.  Das  Gesetz
vom  12.  Febr.  1873  erklärte  die  reine
Goldwährung  als  Grundlage  des  vorzubereitenden ­
  Hartgeldumlaufs;  die  Ausprägung ­
  von  5-Dostarstücken  wurde  untersagt ­
  und  der  Golddollar  im  Gewicht
von  25,8  Grains  Gold  als  Währungömünze
  erklärt.  Der  1.  Jan.  1879  wurde
als  Termin  der  Wiederaufnahme  derBarzahütngeu
  fixiert.  Durch  die  25.  Febr.
1878  erfolgte  Annahme  der  Blandschen
Silberbill  wilrde  nominell  Doppelwährung ­
  eingeführt  und  Silberdostars  als  Legal-Tendermünze ­
  im  Gewicht  von  412Vs
Grains  mit  9 /io  Feingehalt  dem  Golddollar ­
  von  25,8  Grains  mit  9 /io  Feingehalt
gleichgestellt,  also  wieder  die  Wertrelation
von  i  :  15,988  gesetzlich  fixiert.  Die  Annahme ­
  des  Silberdollars  im  Privatverkehr
darf  thatsächlich  ausgeschlossen  werden;
Ende  1878  stand  er  um  17  Proz.  niedriger ­
  als  der  Golddollar  und  um  16  V2  Proz.
niedriger  als  der  Papierdollar.  Die  Wertrelation ­
  stand  Anfang  1880  wie  1:17,88.
gNünzen  sind:  1)  Goldmünzen:  der
Dollar,  Stücke  zu  3  Doll.,  Eagle  zu  10,
halber  Eagle  zu  5,  Viertel-Eagle  zu  2V%,
Doppel-Eagle  zu  20  Doll.;  für  Kalifornien ­
  wurden  mehrere  Jahre  lang  50-  und
90-Dollarstücke  geprägt.  2)Silbermünzen:
der  Standard-Silberdostar  zu  100  Cent,
halber  Dollar,  Viertel-Dollar,  Dime  zu  10
Cent.  Für  Ostasien  wurde  früher  der  Trade-Dollar
  geprägt,  der  dem  mexikanischen  und
alten  spanischen  Konkurrenz  machen  sollte,
sich  aber  nicht  dieselbe  Beliebtheit  erwarb.
Der  gesamte  Geldumlauf  war  Ende  1879:
1,111,150,651  Doll.,  wovon  683,943,799
wWcr,  305,750,497m@oIb,45,206,370
in  Silber  Full  Legal  Tender,  76,250,156
        <pb n="534" />
        526

Verona  —  Victoria.

îņ  Silber  limited  Tender,  unter  den  letz
ten  8,500,000  Trade-Dollars.
Staatspapiergeld  sind  (einem  Verfassungsgrundsatz ­
  zuwider,  nach  welchem
weder  die  Union  noch  die  einzelnen  StaatenPapiergeld
  ausgeben  dürfen)  seit  1861:
die  United  States  Notes,  die  sogen.  Greenbacks, ­
  zuerst  in  Stücken  von  1  —1000
Doll.,  seit  1.  Jan.  1879  in  Stücken  von
¿000  und  10,000  Doll.;  ferner  Fractio
nal  Currency,  Papierkleingeld,  in  Scheinen ­
  von  2,5,10,25  und  50  Cent;  endlich
Demand  Notes,  die  bei  Vorzeigung  in
Gold  bezahlt  werden  müssen,  und  Gold
Certificates,  Certisikate  über  Golddepositen
in  den  Münzstätten  (erlaubtes  Marimunt
100  Mill.  Doll.).  Am  1.  Juli  1880  waren ­
  im  Umlauf:  Greenbacks  346,681,016
Doll.  Nennwert,  Demand  Notes  60,975
Doll.,  Fractional  Currency  17,214,954
Doll.  10  Cent.  1864  wurde  Gold  mit  bis
285  Proz.  in  Papierdollars  bezahlt,  1870
nut  bis  123^/8  Proz.  ;  seit  Wiederaufnahme
der  Barzahlungen  steht  es  auf  pari,  über
Privatpapiergeld  s.  unter  Banken.
Maße  und  Gewichte  sind  meist  die
engllschen.  Der  Acre  —  40,4671  Ar,  der
Hektar  —  2,47  Acres.  640  Acres  =  1
ameritan.  OMeile.  Die  Meile  hat  l,eog
MW  —  0,217  geogr.  Meile;  die  geogr.
QlNeile  —  21,26  amerikanischen.  —  Der
Futz  (foot)  —  30'/2  cm,  das  Uard  =
0,9u  ni.  —  Der  Centner  (cwt.)  i&amp;gt;at  112
Pfd.;  das  Pfund  —  0,151  kg.  —  Das
Bushel  zu  8  Gallons  —  35,21  Lit.;  das
Gallon  zu  8  Pints  —  3,79  L.
Verona  (spr.  we-),  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  ital.  Provinz,  an  der  Etsch  und
der  oberitalienischen  Eisenbahn  (Linien
nach  Venedig  und  Mailand,  nach  Tirol
über  den  Brenner,  nach  Mantua  und  Modena); ­
  (1876)  66,086  Einw.  Ressort  des
deutschen  Konsuls  in  Venedig;  Handelsund ­
  Gewerbekammer,  Handelsgericht,
Hauptzollaint;  Filiale  der  Nationalbank;
zahlreiche  Seidenfilanden.  Bedeutender
Handel  mit  Seide,  Wein,  Getreide,  Öl  u.  a.,
Dransithandel  nach  Deutschland,
è^ei  ziemlich  bedeutende  Messen.
Versailles  (spr.  wcrss-ij),  Hauptstadt  des
Departements  Seine-et-Oise,  19
à  sndwestltch  von  Paris,  durch  zwei

Eisenbahnen,  die  Linksufer-  und  die
Nechtsuferbahn,  mit  den  beiden  Seineufern ­
  von  Paris  verbunden;  (1876)  49,552
Einw.  Handelsgericht;  Filiale  der  Bank
von  Frankreich,  Société  générale.
Mareggio  (spr.  wiarcddscho),  Hafenstadt
in  der  ital.  Provinz  Lucca,  am  Mittelmeer,
  an  der  Eisenbahn  Pisa-Genua;
(1871)  9371  Einw.  Deutsche  Konsularagentur;
  Hauptzollamt.  Schiffsverkehr  1875:
2341  Schiffe  mit  89,554  Ton.
Viktoria,  1)  kit.  Kolonie  an  der  Südküste
  vonAnstralien,  229,078  qkm  (4160,3
QM.)  mit  (1881)  855,796  Einw.  (20,000
Chinesen,  15,000  Deutsche).  Es  wanderten
1879  ein:  44,384,  aus:  39,212  Perso-Produktion.
  Das  Land  ist  zum

großen  Teil  fruchtbar  undbeieinemKlima
wie  das  Süditaliens  für  die  verschiedensten
Produkte  geeignet.  Ackerbau  wird  auf
568.000  lia  betrieben,  wovon  1877—78:
2.463.000  bl  %ßet&amp;amp;en,  718,000  bl  .Wer,
115,(DO  Ton.  Kartoffeln,  Gerste  rc.  geerntet ­
  wurden.  Au  Brotstoffeu  wurde  1879
11,685,800  Mk.  importiert  und  für
~,1j8,J40  Mk.  Mehl  exportiert.  Weit
wichtiger  ist  die  Vi  eh  zu  cht,  deren  Bestand
1879  war:  210,105  Pferde,  1,184,843
Rinder,  9,379,276  Schafe  und  177,373
Schweine;  daher  eine  starke  Ausfuhr  von
Produkten  derselben  und  zwar  1879:
Wolle  105,392,680  Mk.  (zum  Teil  aus
NeusüdwaleS),  Talg  3,017,340  Mk.,
Fleischkonserven  1,707,420  Mk.,  Butter
528,340  W,  Aase  665,940  SIR!.  (Der
Bergbau  auf  Gold  war  früher  die  bedeutendste ­
  Einnahmequelle  der  Kolonie,
von  1851—79  war  der  Ertrag  sämtlicher ­
  Werke  3905  Mill.  Mk.,  doch  nimmt
er  mehr  und  mehr  ab  ;  ausgeführt  wurden
1879  für  52,561,240  Mk.  '  Weniger  wichtig ­
  sind  die  Erträge  von  Zinn,  Silber,
Antimon,  Kohle.  —  Die  industrielle
3##%  M^^&amp;amp;fÜüte  1880:  33,247
on  nt.  Der  Ha  n  d  el  konzentriert  sich  in  der
Hauptstadt  Melbourne,  auf  die  82  Proz.
der  Einfuhr,  90  Proz.  der  Ausfuhr  entfallen; ­
  1879  war  der  Wert  der  Einfuhr
300,7  Mill.  Mk.,  der  Ausfuhr  249,1  Mill.
Mk.  Der  Handel  auf  dem  Murray  nimmt
rasch  zu;  in  vier  Flußhäfen  liefen  1879
eilt:  378Fahrzeuge  von  64,002Ton.,  aus:
        <pb n="535" />
        527

Vierwaldstätter  See  —  Vlissingen.

365  Fahrzeuge  von  62,916  T.;  über  diese
Häfeir  gingen  nach  Neusüdwales  für  60
Mill.  Mk.  Waren.  In  allen  Häfen  derKolonie
  liefen  1879  ein:  2084  Schiffe  (1194
Dampfer)  von  963,087  Ton.,  aus:  2083
Schiffe  (1200  Dampfer)  von  977,135  T.
Darunter  deutsche:  im  Eingang  16  Segelschiffe ­
  von  7929  T.,  im  Ausgang  10
Segelschiffe  und  4  Dampfer  von  6815  T.
Die  Handelsflotte  bestand  1879  aus
361  Seeschifseu  (71  Dampfern)  von  61,984
T.  und  318  Flußfahrzeugen  (38  Dampfern) ­
  von  36,974  T.  Melbourne  ist  Sch
von  13  koloniellcn  Dampfergesellschaften. ­
  —  Die  Eisenbahnen  hatten  1879
eine  Länge  von  1810  km,  im  Ban  119  km;
dieTelegraphenlinien  von  5076  km,
im  Vau  37  km.  Die  Post  beförderte  1879
in  1069  Postämtern:  23,215,648  Briefe,
10,075,407  Zeitungen  rc.  —  Ein  deutsches ­
  Konsulatbesteht  in  Melbourne.  —
Das  Kolonialbudget  zeigte  1879  :Ein-,mimic
  92,4  Mid.  9%f.,  9Iu8#e  96,7
Mill.  Mk.,  Kolonialschuld  (30.  Juni
1880)  401,1  Mill.  Mk.  —  Die  13  Banken
der  Kolonie  hatten  Mitte  1880  Passiva
356,4  amn.  m.,  mba  506,„  gwu.
Mk.  Es  gab  1879:11  Sparkassen  mit  16,8
Mill.  Mk.  und  172Postsparkassen  mit  12,5
Mill.  Mk.  Einlagen.  —  G  e  l  d,  M  a  ß  e  und
Gewichte  sind  die  englischen.
2)  Hauptstadt  von  Britisch-Columbia,
an  der  Südostspitze  der  Vancouveriiisel;
ca.  6000  Einlv.  Deutsches  Konsulat  für
die  Provinz  Britisch-Eolumbia.
Vierwaldstätter  See,  von  den  »vier
Waldstätten«  Uri,  Schwyz,  Unterwalden
und  Luzern  eingefaßter  See  mit  einergrößten
  Tiefe  von  200  m,  einer  Länge  von  37
km  und  einem  Areal  von  113,86  qkm;  die
mittlere  Höhe  des  Wasserspiegels  ist  437
m  ü.  M.  Außer  von  gewöhnlichen  Ruderund
  Segelschiffen  wird  der  See  (seit  1836)
von  14  Dampfern  (4  Salondampfern)  von
825  Pferdckräften  und  Raum  für  7200
Personen  befahren,  Eigentum  der  Bereinigten ­
  Dampfbootgesellschaft  des  Vierwaldstätter ­
  Sees  in  Luzern.  An  seinem
Westende  liegt  die  Stadt  Luzern,  Endpunkt ­
  für  mehrere  Eisenbahnen.
Vigo,  Seestadt  in  der  span.  Provinz
Pontevedra  (Galicien),  an  der  gleichnanugen

  Bucht  des  Atlantischen  Oceans  und
der  Bahn  V.-Orense  ;  Station  der  Dampferlinien: ­
  Messageries  maritimes,  Pacific ­
  Steam  Navigation  Co.  (Liverpool),
Royal  Mail  Steam  Packet  Co.;  0877)
13,146  Einw.  Deutsches  Konsulat  für  die
Provinz  Pontevedra.  Bedeutender  Sardinen- ­
  und  Thunsischfang.  Einfuhr:  Kakao, ­
  Zucker,  Stockfische,  Branntwein  (zumeist ­
  aus  Deutschland),  Schwefel,  Steinkohle, ­
  Petroleum.  Ausfuhr  (1878:  2,i
Mill.  Mk.):  Ochsen,  Eier,  Sardellen.
Virginische  Inseln,  s.  Jungferninseln.

Viti-  (Fidschi-)  Inseln,  brit.  Inselgruppe ­
  im  Stillen  Ocean,  20,801  qkm
(377,8  OM.)  mit  0879)  120,659  Einw.,
davon  1902  Europäer,  3200  Polvnesier,
107,098  Eingeborne.  Von  den  225  Inseln ­
  der  Gruppe  sind  etwa  100  bewohnt,
alle  durch  große  Fruchtbarkeit  ausgezeichnet. ­
  —  Hauptkulturen:  Kokosnüsse,
Zuckerrohr,  Baumwolle,  Kaffee,  Mais.
Eingeführt  sind  Rinder  (ca.  7000)  und
Schweine.  Ausgeführt  wurden  1878:
Kopra  (der  getrocknete  Kern  der  Kokosnuß) ­
  2,443,880  Mk.,  Baumwolle  414,000
Mk.  (im  Oktober  1879  waren  2390  Acres
damit  bepflanzt)  u.a.  Der  gesamte  Export
betrug  1878:  3,857,300  Mk.  gegen  eine
Einfuhr  (Schnittwaren,  Eisenwaren,
Fleisch,  Bauholz,  Bier,  Getränke  rc.)  von
3,652,540  Mk.—  Schiffsverkehr  1879
(vornehmlich  in  Levuka):  eingelaufen  131
Schiffe  von  28,967  Ton.,  ausgelaufen  125
Schiffe  von  28,085  T.;  1879  verkehrten  in
der  Hauptstadt  Levuka  9  und  in  Loma  :&amp;gt;
deutsche  Segelschiffe.  Die  Post  beförderte
1877:  73,700Briefe,  75,850Zeitungen  rc.
Mit  Sydney  besteht  regelmäßige  Dampferverbindung. ­
  —  Ein  deutsches  Konsulat
besteht  in  Levuka.—F  in  an  z  e  n.  Nach  dem
Kolonialbudget  für  1879  betrugen  dieEinnahnien
  1,355,420  Mk.,  die  Ausgaben
1,422,160,  die  Kolonialschuld  1,718,000
Mk.  —  Geld,  Maße  und  Gewichte
sind  die  englischen.
Vlaardingen,  s.  Makassar.
Vlissingen,  Hafenstadt  in  der  niederland. ­
  Provinz  Zeeland,  an  derMündung
derWesterfchelde,  auf  der  Südküste,  an  der
Niederländischen  Staatsbahn;  Station
        <pb n="536" />
        528

Vorderindien  —  Warberg.

der  Dampferlinieu  :  Hamburg  -  Anierikamsche
  Dampfschiffahrtsgesellschaft  und
der  hier  domizilierten  Zeeland-Dan,pfşchlffgesellschaft;
  (1876)  10,004  Einw.
Durch  großartige  Hafenbauten  ist  V.  z,&amp;gt;
einem  Handelshafen  ersten  Ranges  gemacht ­
  worden  imb  bereitet  Ostende  jetzt
lebhafte  Konkurrenz.  Der  Außenhafen
hat  eine  Länge  von  660  m  und  eine  Tiefe

von  mehr  als  10  m  bei  hohem,  6—7  m
bei  niedrigem  Wasserstand.  Die  Hafenmündung
  ist  180  m  breit.  Die  beiden  innern ­
  Häfen  sind  450  und  400  m  lang
bei  einer  Breite  von  100—200  m.  Die
Tiefe  kann  auf  8,as  m  gebracht  werden.
Mit  England  (Oueensborough)  steht  V.
in  täglicher  DampfschiffSverblndung.
Vorderindien,  f.  Ostindien.

30.

Waag,  linker  Nebenfluß  der  Donau,
entsteht  aus  der  Weißen  und  Schtvarzcn
W.,  welche  oberhalb  Hradek  zusammenstießen, ­
  und  mündet  bei  Guta  in  den  sogen.
Preßburger  Donauarm,  welcher  sich  unter
dem  Namen  W.-Donau  bei  Komorn  mit
der  Donau  vereinigt.  Die  W.  ist  297  km
lang  und  kann  von  Schiffen  von  150—
200  metr.Ctr.  befahren  werden,  bei  hohem
Wasserstand  bis  Fargasd  und  Sellye.
Wada'i,  Königreich  im  eigentlichen
Sudán,  444,550  qkm  (8073,5  OM.)
mit  2,600,000  Einw.  Der  Boden  ist
nicht  besonders  fruchtbar,  aber  keineswegs ­
  dürftig.  Der  König  ist  der  einzige,
alles  monopolisierende  Kaufherr.  Es  gibt
drei  Erportwege  für  W.  Der  erste  führt
nach  N.  über  Kufara  nach  Bengasi  am
Mittelmeer  und  nach  Ägypten;  auf  ihm
werden  Sklaven  (Beute  der  Hetzjagden
im  S.)  und  Straußenfedern  ausgeführt.
Der  andre  geht  über  Borku  und'  Tibesti
nach  Tripolis,  der  dritte  durch  Dar  Fnr
nach  dem  Nil.  Straußenfedern,  Sklaven,
Elfenbein  und  Tamarinden  bilden  auch
hier  die  Haupterportartikel.
Wadfö  (Badfö),  Hafenstadt  im  norweg.
  Amt  Finnmarken,  am  Warangerfjord ­
  Station  der  Dampfer  von  R.  Sloman
  jun.  (Hamburg)  und  der  Bergenske
og  Nordenfjeldske  Dampskibselskab;  0876)
1761  Einw.  Deutsches  Konsulat  für  den
Zollstättedistrikt  W.  1878  betrug  die  Einfuhr ­
  (Roggenmehl,  Steinkohle,  Thran,
Holz,  Fische)  691,040  Mk.,  davon  deutsch
201,600  Mk.;  die  Ausfuhr  (Thran  und
K)l'128,395  3%f.,  baren  beutst
436,800  Mk.  Es  liefen  ein:  200  Schiffe
(11  deutsche)  von  25,730  Ton.

Walachei,  das  südlichere  der  zum  Staat
Rumänien  vereinigten  Donaufürstentümer,
  73,234  qkm  (1330  QM.)  mit  über
2V2  Mill.  Einw.  Bgl.  Rumänien.
Waldeck,  zum  Deutschen  Reiche  gehöriges ­
  Fürstentum  im  nordwestlichen  Deutschland, ­
  besteht  aris  zwei  getrennten  Teilen,
dem  eigentlichen  Fürstentum  W.  und  dem
Fürstentum  Pyrmoilt,  zusanimen  1055
qkm(19,17  QM.)  mit  (isso)  56,261  Einw.,
fast  ausschließlich  Protestanten.  —  Produktion. ­
  Von  dem  Gesamtareal  entfallen
auf  Acker  und  Gärten  43  Pro;.,  alls  Wiesen
und  Weiden  14,  auf  Wald  38Proz.  Hauptkulturen
  sind:  Roggen,  Gerste,  Kartoffeln,
Weizen.  Der  Viehstand  war  1873:  5726
Pferde,  19,749  Rinder,  59,860  Schafe
uild  15,320  Schweine.  Bergbau  wird  auf
Eisenerze  (1879:  7155  Ton.)  und  Manganerze ­
  betrieben.  Besuchte  Bäder  sind
Pyrmont  und  Wildungen  (Export  von
Wildunger  Wasser  jährlich  320,000  Flaschen). ­
  —DieJndustrie  ist  unbedeutend.
Nach  der  Gewerbezählung  von  1875  gab
es  3447  Hauptbetriebe  mit  5603  beschäftigten ­
  Personen.  —  Staatshaushalt.
Für  1880  sind  die  Einnahmen  und  Ausgaben ­
  mit  973,404  Mk.  berechnet.  Die
Staatsschuld  war:  waldeckische  Anleihe
1.  Mai  1881:  2,198,700,  pyrmontsche
Anleihe  !.  März  1881:  271,800  Mk.  Matrikularbeitrag
  1880—81:  111,648  Mk.
Warberg,  Stapelstadt  im  schweb.  Län
Halland,  am  Kattegat  und  an  der  Bahn  W.-Boraö;
  Station  für  die  Dainpferlinien:
SchwedischeDaylpfschiffgesellschaft(Lübeck)
und  Hallands  Angbäts  Aktiebolag;  (1878)
2863  Einw.  Deutsche  Konsularagentur;
Hallands  Enfkilda  Banks  Filiale  Kontor.
        <pb n="537" />
        529

Warde  —
Warde  (Varde),  Hafenstadt  im  ban.
Amt  Ribe,  an  der  dänisch-jütischen  Bahn;
(1880)  3497  Einw.  Deutsche  Konsularagentur;
  W.  Bank.
'  Wardst  (Vardö),  Hafenstadt  im  norweg.Amt
  Finnmarken,  Station  der  Berg,
og  Nordenfjeldöke  Dampskibselskab;  (i876)
1355  Einw.  Deutsches  Vicekonsulat  für
den  Zollstättcdistrikt  W.  1879  verkehrten
hier  12  deutsche  Schiffe  von  2159  Ton.
Warna,  Hafenstadt  im  Fürstentum
Bulgarien,  am  Schwarzen  Bteer,  an  der
Bahn  Bukarest-W.;  Station  der  Dampferlinien: ­
  Österreichisch-Ungar.  Lloyd,
Nederlandsche  Stoomboot  Maatschappij,
Donau  -  Dampfschiffahrtögescllschaft;  ca.
25,000  Einw.  Österrreichisches  Vicekonsulat. ­
  Jährliche  Messe  23.  Mai.  Einfuhr
ca.  14,a  MÜH.  m.,  15,2  M.
Mk.  Telegraphische  Verbindung  durch
Kabel  besteht  mit  Konstantinopel  (262
km)  und  Balaklawa  (540  km).
Warschau,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  rusf.  Gouvernements,  am  linken
Weichselnser  und  den  Eisenbahnen  nach
Myslowitz,  Lodz,  Wilna,  Brest-Litowsk;
(1877)  308,548  Einw.  Deutsches  Berufskonsulat; ­
  Börse,  Jndustrierat,  Warschauer
Kommerzbank,  Diskontobank,  Gesellschaft ­
  für  gegenseitigen  Kredit.  —  Industrie. ­
  Die  Stadt  besitzt  267  Fabriken  mit
9983  Arbeitern  und  einer  Produktion  von
53,3Mill.Mk.,  wovoulOMill.  aufTabak,
4.8  Mill,  auf  Destillationen,  7,2  Mill,  auf
Bier,  3,5  Mill,  auf  Mühlen,  8  Mill,  auf
Öl,  ebensoviel  auf  Wagen,  4  Mill,  auf  musikalische ­
  Instrumente,  8,8  Mill,  auf  Maschinen ­
  ,  1,6  Mill,  auf  Gold-  und  Silberwaren, ­
  9,6  Mill,  auf  andre  Metallarbeiten,
8.8  Mill,  auf  Gas,  7,2  Mill,  auf  chemische
Fabrikate,  8,8  Mill,  auf  Gerbereien,  1,6
Mill.  Mk.  auf  Seife  kommen.  W.  ist
Hauptstapelplatz  für  den  Verkehr  von  ganz
Polen.  Jährlich  finden  hier  zweiMess
  e  u  statt,  die  indessen  nur  für  das  Inland
Wichtigkeit  haben;  die  eine  dauert  vom
25.  Juni  bis  15.  Juli,  die  andre  vom  November ­
  an  drei  Wochen.  Bedeutend  aber  ist
der  gewöhnlich  im  Juni  abgehaltene  Wollmarkt,
  welcher  4—6  Tage  dauert.  Viele
Produkte  der  Stadt  finden  ihren  Absatz
bis  nach  Sibirien:  Schuhe,  Stiefel,  Klei
Handelsgeographie.

Waterford.
der,  Blumen  u.  a.  Hauptgegenstände  der
Ausfuhr  find:  Flachs  und  Flachshede,
Hanf,  Rohwolle,  Öltrcber,  Roggen.  Eingeführt ­
  werden  namentlich:  Wein,  Heringe,
Petroleum,  Eisen,  Lokomotiven,  Schienen,
Lein.  Die  Handelsbewegnng  in  den  Hauptwaren ­
  war  1878  und  1879  folgende:
Einfuhr:  1878  1879
Lein  ....  2587012  Mk.  1844272  kg
Heringe  .  .  .  2547392  kg  1323616  -
Eisen  ....  4933984  -  652368  -
Lokomotiven  re.  6204892  -  514832  -
Ausfuhr:  1878  1879
Roggen  .  .  .  2886296  Mk.  942416  kg
Ältreber.  .  .  736736  kg  1343568  -
Flachs  .  .  .  5894672  -  1184800  -
Rohwolle  .  .  2600416  -  913888  -
Platzgebräuche.  Bei  Holz  zahlt  der
Käufer  ein  Drittel  der  Kaufsumme  sofort,
für  den  Rest  gibt  er  einen  nach  8  Monaten ­
  zahlbaren  Wechsel,  den  er  gewöhnlich
mit  6—8  Proz.  Abzug  selbst  diskontiert.
Wechselkurse  notiert  man  auf:  Berlin,
Danzig,  Breslau,  Stettin,  Hamburg,  London, ­
  Paris,  Wien,  Petersburg,  Moskau.
Warthe,  der  bedeutendste  Nebenfluß
der  Oder,  entspringt  auf  dem  nördlichen
Abhang  des  Krakauer  Gebirges  und  mündet ­
  nach  712  km  langem  Lauf  unterhalb
Küstrin  in  die  Oder.  '  Schiffbar  ist  sie  auf
425  km  (von  Kon  in).  Zu  Deutschland
(Preußen)  gehören  358  km,  davon  sind
68  km  mit  Booten  von  1  m,  290  km  mit
Booten  von  0,75  m  Tiefgang  befahren.
^'#1,1  Mficrtm  1879  ¿n  #,1:  2612
beladene  Schiffe  mit  218,469  Ton.  und  55
unbeladene,  zu  Berg:  820  beladene  Schisse
mit  58,746  T.  und  1659  unbeladene.
Washington  (spr.  üöschingt'n),  Bundeshauptstadt ­
  der  Vereinigten  Staaten,  am
Potomac,  auf  dem  Schiffe  von  4  m  Tiefgang ­
  bis  zur  Stadt  gelangen  können;
(1880)  147,307  Einw.,  davon  ca.  50,000
Neger.  Deutsche  Konsularagentur.  Handel ­
  und  Industrie  sind  unbedeutend.
Waterford,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  irischen  Grafschaft,  oberhalb  der  Mündung ­
  des  Suir  in  den  Hafen  von  W.;
(1871)  15,986  Einw.  Deutsches  Vicekonsulat; ­
  Bank  of  Ireland,  Provincial  Bank
of  Ireland.  Der  Hafen  ist  Schiffen  bis  zu
2000  Ton.  zugänglich.  Lebhafter  Handel
34
        <pb n="538" />
        530

Weichsel  —  Weser.

mit  England,  mit  welchem  es  durch  die
nach  Liverpool,  Milford  und  Bristol  führenden ­
  Dampferlinien  verbunden  ist.  1879
wertete  die  Einfuhr  13,436,900  Mk.,  die
Ausfuhr  britischer  Produkte  147,580  Mk.
Weichsel,  großer  Fluß,  der  in  Österreichisch-Schlesien ­
  auf  deu  Beskiden  entspringt, ­
  durch  Galizien,  Polen  u.  Preußen
fließt  und  nach  1050  km  langem  Lauf  bei
Neufahrwasser  in  die  Ostsee  mündet.
Schiffbar  wird  die  W.  nach  Aufnahme  der
Przemsa  (auf  der  Greuze  zwischen  Polen
und  Galizien)  für  kleine,  bei  Krakau  für
mittlere  Fahrzeuge,  bei  Zawichost,  unterhalb ­
  der  Mündung  des  San,  für  größere
Fahrzeuge;  Seeschiffe  gehen  bis  Danzig.
Durch  den  Brombcrger  (Netze-)  Kanal  ist
die  W.  mittelbar  mit  der  Oder  in  schiffbare ­
  Verbindung  gesetzt.  Die  zu  Preußen
gehörige  Länge  der  W.  und  die  schiffbare
Strecke  der  zu  ihrem  Gebiet  gehörigen
Flüsse  und  Kanäle  sind  438,1  km,  davon
W.  bis  Meer  251,8  km,  wovon  5,3  km
mit  unter  0,75  m  Tiefgang,  231,4  km
mit  einem  solchen  von  1  m  und  15,i  km
mit  einem  solchen  von  1,5  m  befahrbar.
Die  Nebenarme  der  Weichselmündung,
84,4  km,  können  nur  einen  Tiefgang  von
unter  0,75  m  vertragen.  Die  rechtsseitigen
Nebenflüsse  und  Kanäle  haben  eine  Länge
von47,5km,  die  linksseitigen  von  54,4km,
ohne  deu  Elbing-Oberländer  Kanal(s.d.).
Der  Bestand  der  zur  W.  gehörigen  Schiffe
im  preußischen  Gebiet  war  31.  Dez.  1877  :
600  von  35,913  Ton.,  darunter  48  Dampfer ­
  (47  eiserne)  von  2027  T.  Thorn
passierten  1878  zu  Thal:  1900  beladene
Schiffe  mit  204,535  T.  und  290  Flöße
mit  952,168  T.,  außerdem  5  unbcladene
Schiffe  und  2156  unbeladene  Flöße;  zu
Berg:  955  beladene  Schiffe  mit  55,286  T.
und  283  unbeladene.  —  Bon  Deutschland
wurden  1880  nach  Rußland  eingeführt:
63,«  Mill,  kg  Waren,  davon  Steinkohle
17,8  Mill.,  Schamottesteine  11,i  Mill.,
Weifen  9,2  3RÍÍÍ.,  Goba  2,8  9%iK.,  @cment
  3,7  Mill,  kg,  ferner  Salz,  Asphalt,
Harz,  Steine  re.  Von  Rußland  kamen
72,900  Ton.  Getreide,  Holz,  Feldsteine  in
1483  Kähnen,  außerdem  2205  Flöße.
Weimar,  Haupt-  und  Restdenzstadt
ves  GroßherzogtnmS  Sachsen-Wennar-Eiscnach,

  an  der  Jlin  und  an  der  Thüringischen ­
  Eisenbahn  mit  Abzweigung  nach
Gera;  (i875)  17,522  Einw.  Weiinarischc
Bank,  Vorschußverein  (eingetragene  Genossenschaft). ­
  —Märkte  für  Schafe,  Wolle,
Vieh,  Ölfrüchte  u.  Zwiebeln.  Auf  dein  Wollmarkt
  14.  und  15.  Juni  werden  nur  nüttelfeine,
  seine  u.  feinste  Wollsorten  zum  Verkauf ­
  gebracht.  Vgl.  Sachsen-Weimar.
Wellington,  Haupt-  und  Hafenstadt
in  Neuseeland,  mit  (1878)  18,953  Einw.
Sitz  eines  deutschen  Konsuls;  Bank  of
Australasia,  Bank  of  New  Zealand.
Wentschau,  Traktatshafen  in  der  chines.
Provinz  Tschikiang;  83,000  Einw.  Ressort ­
  deödcutschen  Konsulats  in  Schanghai;
Seezvllamt.  Die  fremde  Nettoeinfuhr  betrug ­
  1879:1,2  Mill.  Mk.,  die  einheimische
369,630  9Rf.,  bic  Mnaf#  325,278  ^f.
1879  liefen  ein:  60  Schiffe  (52  Dampfer)
von  17,906  Ton.  (6  deutsche  von  810  T.).
Wesel,  Stadt  im  preuß.  Regierungsbezirk ­
  Düsseldorf,  am  Einfluß  der  Lippe
in  den  Rhein,  Knotenpunkt  für  die  Oberhausen ­
  -  Arnheimer,  Benloo  -  Hamburger,
W.-Bocholter  und  W.-Genneper  Bahn;
(1880)  20,592  Einw.  Handelskammer,
Hauptsteueramt;  Niederrheinische  GütcrassekuranzgescUschaft,
  Agenturen  der  Kölnischen ­
  u.  Düsseldorfer  Dampfschiffahrtsgesellschaft, ­
  der  Niederländischen  Dampfschiffreederei ­
  und  der  Amsterdamer  Rhijn
Stoomboot  Maatschappij.  —  Die  Rheinbrücke
  passierten  1878:  30,617  Dampfund
  Segelschiffe  und  75  Flöße.  Bei  dem
Hauptsteueramt  wurden  67,957  Ctr.  Güter ­
  abgefertigt.  In  dem  Hafen  wurden
1878—79  angebracht  zu  Berg  219,815,
zu  Thal  677,940  Ctr.,  abgefahren  zu
Weg  62,653,  gu  210,530  Gti\
Weser,  einer  der  Hauptflüsse  Deutschlands, ­
  entsteht  durch  die  Vereinigung  der
Werra  mit  der  Fulda  bei  Han'növersch-Münden
  und  fällt  nach  451  km  langem
Lauf  unterhalb  Bremerhaven  in  die  Nordsee. ­
  Bis  Vegesack  aufwärts  ist  die  W.  für
Seeschiffe  fahrbar  und  trägt  bis  Münden
aufwärtsKähne  von  200Ton.  Doch  ist  sie
in  ihrem  obern  und  mittlern  Lauf  im  Sommer ­
  oft  monatelang  nicht  zu  befahren.  Regelmäßige ­
  Dampferfahrten  finden  jetzt  nur
zwischen  Karlshafcn  undHameln  und  von
        <pb n="539" />
        r

Vifi

531

Westaustralien  —  Westindien.

LZremen  abwärts  statt.  Die  W.  ist  mit
der  Elbe  durch  den  16,4  km  langen  Oste-Hammekanal
  und  mit  der  Ems  durch  den
EmS-Huntekanal  verbunden.  Das  ganze
Wesergebiet  umfaßt  eine  schiffbare  Länge
vvir  1175  km,  davon  kommen  auf  bie
Quellflüsse  der  W.  631,2  km,  die  nur  mit
einem  Tiefgang  von  unter  0,75  in  befahren
werden  können.  Die  schiffbare  Strecke  der
W.  beträgt  435  km,  davon  können  135,6
km  mit  einem  Tiefgang  von  0,75  m,  ¿30
km  mit  einem  solchen  von  1  m  und  /0
km  mit  einem  solchen  von  1,5  m  befahren
werden.  Die  rechtsseitigen  Nebenflüsse
haben  eine  schiffbare  Länge  von  374,7  km,
die  linksseitigen  von  33,o  km.  Die  Flotte
der  W.  (Fluß-  und  Kanalschifse)  bestand
31.  Dez.  1877  aus  426  Schiffen  von
38,905  Ton.,  davon  417  Segelschiffe  (33
eiserne)  von  38,186  T.,  und  18  eisernen
Dampfern  (719  T.).  In  Bremen  kamen
1879  auf  der  Oberweser  an:  439  beladene
mit  82,438  %.  mib  281  g#c,  eö
gingen  aufwärts  ab:  440  beladene  Schiffe
und  107unbeladene(54,722T.).  DieSeehandelsflotte
  der  W.  bestand  1879  aus  557
Schiffen  (320  bremischen,  181  oldenburgischeu,
  56  preußischen)  von  357,250  T.
Der  wichtigste  Weserhafen  ist  Bremen.
Wcstaustralicn,  brit.Kolonie  inAustralien,
  den  ganzen  großen  westlichen  Teil
des  Kontinents  umfassend  ;  2,527,283  qkm
(45,898QM.)  mit  (i879)28,668  Einw.  ES
wanderten  1879  ein:  214,  ans:  278  Personen. ­
  —  Produktion.  Ein  außerordentlicher ­
  Teil  ist  wüst  und  unbewohnbar,
angesiedelt  sind  nur  der  Südwesten  und
einige  Punkte  an  der  West-  und  Nordküste.
Hauptbeschäftigung  ist  Viehzucht;  1879
zählte  man  32,411  Pferde,  60,617  Rinder,
1,109,860  Schafe  und  20,397  Schweine;
1879  mui-bc  für  3,505,688  9%f.  WßoHe  er
portiert.  Der  Ackerbau  produziert  namentlich ­
  Weizen  und  Gerste,  nicht  immer
genug  für  den  Bedarf.  Der  Bergb  au  auf
Blei  und  Kupfer  ist  unbedeutend,  obschon
reiche  Lager  vorhanden  sind.  Die  Wälder
liefern  das  harte  Jarrah-  (Export  1879:
1,394,840  Mk.)  und  das  Sandelholz
Wert  der  Einfuhr  1879  war  8,141,980

9%f.,  bet  Muss#  8,958,260  m.  —
In  den  Häfen  der  Kolonie  verkehrten
1879:  324  Fahrzeuge  (84  Dampfer)  von
170,037  Ton.  (davon  15  deutsche  von  4452
T.).  Die  Handelsflotte  der  Kolonie  zählte
1879:  107  Segelschiffe  von  6364  T.  und
6  Dampfer  von  277  T.  —  Die  Eisenbahnen ­
  hatten  1879  eine  Länge  von  116
km,  die  Telegraphenlinien  von  2524
km.  Die  Post  beförderte  1878  in  58  Postämtern ­
  836,344  Briefe  und  680,642  Zeitungen ­
  und  Pakete.  Die  Postdampfer  der
Peninsular  and  Oriental  Co.  legen  bei
King  George's  Sund  an.  —  Fin  anz
  en.  Das  Kolonialbudget  zeigte  1879  eine
Einnahme  von  3,926,300  Mk.,  Ausgabe
2,906,240  Mk.  ;  Kolonialschuld  1.  Jan.
1880:  7,220,000  3)».  —  @8  bereit  3
Banken  und  14  Postsparkassen.  —  Geld,
Maße  und  Gewichte  sind  die  englischen.
Westervik,  Stapelstadt  im  schweb.  Län
Kalmar,  an  der  Mündung  der  Gamlebybucht,
  mit  gutem  Hafen,  Station  der
Schwedischen  Dampsschifsahrtsgcscllschaft
zu  Lübeck;  (1878)  6007  Einw.  Deutsches
Konsulat  (Amtsbezirk  :  Zollkammerdistrikt
W.);  Kalmar  Ensk.  Bank  Afdel.  Kontor,
Smälands  E.  B.  A.  K.  Lebhafter  Handel
mit  Waldprodukten.  Es  liefen  1877  vom
Ausland  ein:  196  Schiffe,  1878  von
Deutschland:  19  Schiffe  von  1933  Ton.
Wcstindien(WestindischeJnscln),
der  Archipel,  welcher  sich  von  der  Mündung
des  Orinoko  bis  zu  den  Halbinseln  Florida
und  Pucatan  erstreckt.  Man  teilt  sie  in:
Antillen,  Bahamainscln,  Jungfern- ­
  und  W  i  n  dw  a  r  d  i  n  s  el  n.  Areal
und  Bevölkerung  sind  wie  folgt:
OKilom.  QMeilen  Bewohner
216674  3935,0  3418700
14535  264,1  39162
694  12,6  47  509
11294  205,0  867750
1281  23,2  34858

Große  Antillen  &amp;gt;
Bahamainscln
Jungferninjeln
Kleine  Antillen
Windwardinseln

4407979

Zusammen:  244478  4439,o
Mit  Ausnahme  von  Hayti  und  Santo  Domingo, ­
  welche  selbständige  Staaten  bilden,
und  einigen  unbewohnten  Inseln  sind
alle  übrigen  Inseln  Kolonien  der  fünf
europäischen  Staaten:  Spanien,  England,
Frankreich,  Holland  und  Dänemark.  Politisch ­
  verteilt  sich  demnach  W.  wie  folgt:
34*
        <pb n="540" />
        á

£mnt&amp;amp;ŗ i

mş

582

Wettersee  —  Wien.

OKiloin.  QMeileir  Einw.
Spanische  Kolonien  128147  2327.»  2  OGI  500
Britische  Kolonien  .  34500  626,8  1126062
Französ.  Kolonien  .  2858  51,o  345035
Holland.  Kolonien.  1130  20,5  42506
Dänische  Kolonien.  359  6,5  37600
Ha'lti  23911  434,»  550000
Santo  Domingo  .  53344  968,7  250000
Unbewohnte  Inseln  231  4,2  —

Zusammen:  244480  4440,o  4412700
©ie  spanischen  Besitzungen  bestehen  aus
Cuba,  Puerto  Rico  und  einigen  kleinen
Inseln;  die  britischen  aus  Jamaica,  Trinidad, ­
  den  Leeward-,  Windwardinseln  und
deil  Bahamas;  die  französischen  aus  Martlnique,
  Guadeloupe,  einem  Teil  von  St.
Martin  und  St.  Barthélemy;  die  niedcrlandlschen
  aus  Eurassao  und  benachbarten
Inseln  nebst  einem  Teil  von  St.  Martin.
...  Şàrsee  (Wettern),  Landsee  im
südlichen  Schweden,  200  km  lang,  bis  50
km  bmt,  1898,6  qkm  groß.  Vgl.  Schweden, ­
  Verkehrswesen  (S.  460).
Weymouth  tspr.  ucmoth),  Hafenstadt  in
der  engl.  Grafschaft  Dorset,  au  der  London ­
  and  Southwestern-Eisenbahn;  (i87i)
lo  2o9  Einw.  Deutsches  Vicekousulat
(%niM5(girr:  %ribport);
1879  loerteie  bk
şnhr  11,604,420  Mk.,  die  Ausfuhr  britische/ ­
  Produkte  (Portlandstcin)  5,704,080
Mk.  Es  verkehrten  hier  8  deutsche  Schiffe.
Wiborg,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
Gouvernements  im  Großfürstentuin  Finnland, ­
  an  der  Bilcht  Trangösund  des  Finnischen ­
  Meerbusens  imb  der  Bahn  Peteröburg-Helsingforö,
  Station  der  Lübeck  unb
Flnnland  -  DampfschiffahrtSgesellschaft;
(1875)  13,460  Einw.  Deutsches  Konsulat;
Fmlands  Bank  Kontor,  Nordische  Aktienbank ­
  für  Handel  und  Industrie,  Filiale
der  Föreuingsbauk,  Wasa  Aktienbank;
Transportgesellschaft  Nadeshda.  Die  Einfuhr ­
  (Kaffee,  Roggenmehl,  Manufakturttnd
  Kurzwaren,  Salz)  betrug  6,i  Mill.,
Ausfuhr  (Butter,  Planken)  5,9  Mill.
Mk  1879  liefen  ein:  630  Schiffe  C68
d"Ş),  aus:  638  Schiffe  (76  deutsche).
Wlck,  Hauptstadt  der  schott.  Grafschaft
.Ņ  h"esi,  an  einer  geräumigen  Bai,  mit

Hallptsitz  der  schottischen  Heringssischerei,
lvelche  1879  in  597  Booten  63,094  Fässer
Heringe  einbrachte.  Der  gesamte  Fang  an
der  Ostküste  ergab  516,406  Fässer.  Die
Einfuhr  wertete  586,200  Mk.,  die  Ausfuhr ­
  britischer  Produkte  3,353,440  Mk.
Widdin,  befestigter  Douauhafen  in
Bulgarien,  am  rechten  Ufer  der  Donau,
Station  der  Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft; ­
  ca.20,000Einw.  DieKaufleutc
sind  meist  Juden  und  Bulgaren.  Die
Bewohner  fertigen  Gold-  und  Silberfiligran ­
  und  treiben  Fischerei  und  Handel.
Wien,  Reichshauptstadt  des  österreichischen ­
  Kaiserstaats,  am  rechten  Ufer  der  Donau, ­
  von  einemArmderselben(dem  sogen.
Donaukanal)  durchschnitten,  Knotenpuilkt
der  Kaiserin  Elisabeth-Bahn,  Kaiser  Ferdinands-Nordbahn, ­
  Kaiser  Franz-Josephs-Bahn,
  Österreichischen  Nordwestbahn, ­
  Österreichischen  Staatsbahn,  Südbahn; ­
  (isso)  707,532  Einw.  (ohne  die
24,000  Mann  starke  Garnison  und  die
amöif  SBororte,  1880  :  306,164
Einw.  zählten).  —  W.  ist  die  erste  Industriestadt ­
  der  Monarchie.  Namentlich
hat  sich  die  Thätigkeit  der  Bewohner  der
Produktion  von  Luxusartikeln  und  dem
Gebiet  des  Kunstgetverbeö  zugewendet.
Unter  den  zahlreichen  Industriezweigen
können  hier  nur  einige  genannt  werden, ­
  für  welche  bestimmte  Jahresausweise ­
  vorliegen.  Die  20  Brauereien  von
W.  und  Umgegend  erzeugten  1878—
1879:  2,188,00  i  hl  Bier,  unter  ihnen  die
größte  in  Schwechat  413,790  hl,  und  in
absteigender  Folge  kommen  die  zu  St.
Marx,  Liesing,  Hütteldorf,  Ottakring,
Nußdorf,  Simmering,  Brunn,  die  letzte
mit  101,250  hl.  Die  Seidentrocknungsanstalt ­
  ,  deren  Umsatz  ca.  50  Proz.  des
Gesamtbedarfs  Wiens  umfaßt,  trocknete
1878:  99,958  kg.  In  dem  Hauptpunzierungsamt
  wurden  1879  erzeugt:  2268,c
kg  vergoldeter  und  656  kg  reiner  Silberdraht. ­
  3  Lokomotivfabriken  lieferten  61  Lokomotiven, ­
  36  Tender  und  8  Lokomobilen,
wovon  19Lokomotiven  und  14Tender  ins
Ausland  (meist  nach  Rumänien)  gingen.
Nach  der  letzten  Erhebung  war  Ende  1879
die  Zahl  der  Gewerbe  52,224,  welche  eine
Steller  von  2,i  Mill.  Mk.  zahlten.
        <pb n="541" />
        Wiesbaden.

533

Mehr  noch  durch  seinen  Handel  istW.
nicht  allein  da«  wirtschaftliche  Centrum
Österreichs,  sondern  auch  die  erste  Handelsstadt ­
  des  östlichen  Europa.  Zum  Konsum ­
  wurden  1879  eingeführt:

Eier  .  63121091  St.
Geflügel  1081204  -
Hühner  .  645192  -
Rinder  .  226444  -
Schweine  150092  -
Schafe  .  62  655  -
Hasen  .  91085  -
Butter  .  33242  Ctr.

Wein  .  .  262300  hl
Bier.  .  .  731090  -
Schnaps  .  29773  -
Mehl,  Brot  816  714  Ctr.
Hafer  .  .  244221  -
Kohle,Koks4408377  -
Holz  .  .  452159  cbm
Käse  .  .  10  638  Ctr.

Haudelsaustalten  sind:  die  Borse(Efsetten-
  und  Warenbörse,  Frucht-  u.  Mehlbörse),
  Börsenkammer,  für  Streltigkelten
aus  Börsengeschäften:  Schiedsgericht  deS
GeldpapierverkchrS  und  Schiedsgericht  des
Warenverkehrs,  Giro  -  und  Kassenverein,
niederösterreichische  Handels  -  und  Gewerbekammer, ­
  das  städtische  Lagerhaus  mit
einem  Fassungsraum  von  47,000  qm,  in
welchem  1879:  894,035  Ctr.  ein-  und
713,890  Ctr.  ausgelagert  tvurden.  Andre
großartige  Lagerhäuser  sind  die  derllnionbank
  (Fassnngsraum:  320,000  Ctr.),
der  Donau  -  Dampfschiffahrtsgesellschaft
(225,000  Ctr.)u.  a.  Von  Transportgewerben ­
  bestanden  Ende  1879:  2685,
davon  47Eisenbahngesellschaften,  2  Pferdeeisenbahnen, ­
  2  Dampfschiffahrtsunternehmuugen.
  Die  ältere  Wiener  TramwahgeseÜschaftbeförderte1879:22,587,910

Personen  mit  520  Wagen  und  vereinnahmte ­
  4,8  Mill.  Mk.,  die  Neue  Wiener
Tramwaygesellschaft  besaß  48  Wagen.
Mail  zählte  1879:  711  Omnibusse,  828
Lohnkutscher  und  1043  Inhaber  einspänniger ­
  Lohnwagen.—  Kreditwesen.  Die
Zahl  der  Banken  und  Kreditinstitute  bezifferte ­
  sich  Ende  1879  auf  14  mit  einem
Kapital  voll  416  Mill.  Mk.  Die  wichtigsten ­
  sind:  die  Österr.-  Ungar.  Bank,  Kreditanstalt, ­
  Niederösterr.  Eskomptegesellschaft,
  Erste  österr.  Sparkasse,  Auglo-Österr.
  Bank,  Wiener  Giro-  und  Kassenverein, ­
  Unionbank,  Wiener  Bankverein,
Österr.  Bodenkrcditanstalt,  Allgemeine
Depositenbank,  Allgemeine  Verkehrsbank,
Wiener  Lombard-  und  ESkomptebank.  —
Jährlich  werden  zwei  große  Märkte  von
14tägiger  Dauer  gehalten:  der  FruhjahrSmarkt

  (Jubilate),  anr  Montag  nach
Jubilate,  und  der  Herbstmarkt  (Allerheiligen), ­
  2.  Nov.  beginnend.  Der  internationale ­
  Getreidemarkt  wird  an  zwei  Tagen
im  August  gehalten;  mit  ihm  ist  eine
Specialausstellung  von  Getreide  und  von
Maschinen  für  Müllerei,  Brauerei,  Bäckerei ­
  und  Spiritusfabrikation  verbunden.—
Der  Haushaltsetat  der  Stadt  W.  zeigte
1876'  eine  Einnahme  von  30,381,414
9m.  ^f.,%u9ßabe  bon  29,233,272m.;
der  größte  Hauptposten  unter  den  Ausgaben ­
  ist  die  Tilgung  und  Verzinsung
der  Gemeindeschuld  (1876:  9  Mill.  Mk.).
Der  Vermögensstand  der  Stadtgemeinde
belief  sich  Ende  1876  auf  139,c  Mill.Mk.,
darunter  95,a  privatrechtliches  unbewegliches ­
  Vermögen,  der  Passivstand  auf  126,6
3MÍ.  m  —  Platzgebräuche.  Man
verkauft  im  Großverkehr  Getreide  gegen
bar  oder  Accepte  von  3  Monaten  dato,
Malz,  Stärke,  Melasse,  Spiritus  und  die
meisten  Rohprodukte  gegen  bar,  Rohzucker,
Farbwaren,  Droguen  auf  4  Monate  Kredit, ­
  gegen  Accept  oder  für  bar  mit  2  Proz.
Diskont,  Manufatte  und  Rohbaumwolle
auf  6  Monate  Kredit  oder  bar  mit  3  Proz.
Diskont,  Baumwollgarn  auf  4,  Rohseide
auf  7  Monate  Kredit,  bei  Barzahlung
3Vs  Proz.  Diskont.  Man  rechnet  gewöhnlich ­
  reine  Tara.  Wechselkurse  notiert
man  3  Monate  dato  auf  Amsterdam,  Augsburg, ­
  Berlin,  Brüssel,  Frankfurt  a.  9)t.,
Hamburg,  London,  Mailand,  Marseille,
München,  Paris,  Petersburg,  Zürich.
Wiesbaden,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  Regierungsbezirks  der  preuß.
Provinz  Hessen-Nassau,  an  den  Bahnen
W.-Frankfurt  und  W.-Oberlahnstein;
(1880)  50,238  Einw.  Handelskammer,
Handelsgericht;  Reichsbanknebenstelle;
Bierbrauerei  rc.  —  Die  Bedeutung  der
Stadt  beruht  auf  ihren  Mineralquellen,
welche  1879  von  70,178  Kurgästen  besucht
wurden.  ZurErnährung  der  Bevölkerung
wurden  1879  zugeführt  und  konsumiert:
789,778  Sit.  2B(in,  242,358  S.  E#=wein,
  332,458  L.  Branntwein,  7,160,096
L.  Bier,  19,519  Rinder  und  Kälber,
12,968  Schweine,  6219  Schafe,  389,880
Pfd.  Fleisch,  2,5  Mill.  Pfd.  Brot  rc.  —  Das
Telegraphenamt  hatte  eine  Einnahme
        <pb n="542" />
        534

Wilhelmshaven  -  Woronesh.

von  60,811  Mk.  für  46,153  aufgegebene
Telegramme.  —  Die  Reichöbanknebeustelle
^^Ģ-şş^'"^ììî»lsatzvon6,9Z6.000Mk.
Wilhelmshaven,  zur  preuß.  Laudbroļiei
  Stund)  gehörige,  aber  ganz  von  oldenburgischem
  Gebiet  mnschlossene  Stadt
am  Jadebusen,  an  der  Bahn  W.-Oldenburg; ­
  (1880)  10,158  Einw.  Oldenburger
Spar-  und  Leihbank,  Vorsd)uß-  und  Kredttverein.
  1879  liefen  ein:  621  Sck)iffe
von  19,384  Ton.,  auS:  565  (500  leer  oder
m  Ballast)  von  14,774  T.  Durd)  dieAbnahme
  des  Watteuverkehrs  sank  derSchiffsßcgcM
  W  SSorial):  bebmtenb.
Wilmington,Stadt  im  nordamerikan.
Staat  Nordearolina,  30  km  oberhalb  der
Munduug  des  Cape  Fear-Flustes  und  der
Eisenbahn  New  York-Washington;  (isso)
17,361  Einw.  Deutsd)es  Konsulat;  First
National  Bank  of  W.,  Bank  of  New  Han-?on^^H^b78
  besuchten  414  Schifft  von
125,100  Ton.  (70  deutsche  von  24,300  T.)
den  Hafen.  Ausgeführt  lverden:  Bau-ÄSÄSf«

'î.àuņiwolle,  Terpentinöl,  Harz.
Ģ.îIna,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
litauisch  -rust.  Gouvernements,  an  den
#n#ncii:  ßömßöbero#.,
W.  -  Peteröbllra,  Nomny  -  W.  -  Libali:
0875)  64,200  Einw.  Ressort  des  deutschen ­
  Konsuls  iu  Kowuo;  Abteilung  der
Staatsbank,  Wilnaer  Privat-Handelsbank,
  Slgrarbank;  Transportgesellschaft
Nadcshda.  —Der  Handel  mit  Deutschland
betrug  iu  der  Einfuhr  1874:  3  Mill.  Mk.,
1879  nur  noch  960,000  Mk.;  nalnentlich
die  Einfuhr  auö  Berlin  und  Leipzig  ist
zurückgegangen.  Die  Ausfuhr  besteht  in:
Getreide,  Flachs,  Leinsamen,  Holz  re.
Wrndau,  Hafenstadt  in  der  russ.  Promu; ­
  Kurland,  Station  der  Livland-Dampfschiffahrtsgesellschaft
  zu  Lübeck;
0875)  4108  Einw.  Deutsches  Konsulat
(Amtsbezirk:  der  iiördliche  Teil  von  Kurland); ­
  Windauische  Gemeiudebank.  Die
Ausfuhr  (Bretter,  Schwellen,  Balken,
Ansaat,  Getreide,  Teer,  Peck)  rc.)  wertete
1'-80:  4,456,209  Mk.,  die  Einfuhr  (Pc-EsLßUWW


Ton.  ein,  205  von  36,898  T.  aus;  deiltschc
Schiffe  liefen  57  ein  und  aus.
Windwardinseln,  s.  We  st  in  dien.
Wisby,  Hanptort  der  schived.Jnsel  Gottland, ­
  an  der  Westküste,  durch  Dampferlinien ­
  mit  Stockholm  und  Westcrvik  verbunden; ­
  (1878)  69  94  Einw.  Deutsches  Konsulat ­
  (Amtsbezirk:  JnselGottland);  Riksbaukens
  Afdel.  Kontor,  Gottlands  Ensk.
Bank.  Die  Einfuhr  aus  dem  Slusland
bestand  1877  in:  Salz,  Steinkohle,  Tabak
und  Cigarren,  Kaffee,  Reis,  Zucker,  Spirituosen ­
  und  Geweben,  alle  (außer  Salz  und
Steinkohle)  auö  Deutschland;  die  Ausfuhr
ln:  Getreide  (11,420  Kilbikfuß),  Zündhölzd)cn
  (135,465  Gh.),  #0%  (492,167  Äm
biksuß)  und  Kalksteinen.  1878  liefen  hier
zwei  deutsche  Schiffe  von  480  Ton.  ein.
Wismar,  zweite  See-  und  Handelsstadt
des  Großherzogtums  Mecklenburg-Schwerin, ­
  an  der  Ostsee  und  der  Bahn  W.-Hagenow;
  15,000  Einw.  Konsulate  für  Belgien, ­
  Niederlande,  Preußen;  Bereiuöbauk-Aktiengesellschaft,
  Vorschußverein  (eingetragene ­
  ..Geuosseuschaft).  Die  Reederei,
früher  über  10,000  Ton.,  ist  sehr  heruntergegangen. ­
  1879  liefen  ein:  414  Schiffe
(34  unbeladene)  von  51,722  T.,  aus:  417
Schisse  (278  unbeladene)  von  50,578  T.
Wjatka,  Hauptstadt  und  Haupthcndelsplatz
  des  gleichnamigen  russ.Gouvernementö,
  an  der  Wjatka  und  der  Bahn  nach
Nishnij  lltowgorod;  (i87ü)  21,240  Einw.
Ressort  des  deutschen  Konsuls  in  Moskau; ­
  Abteilung  der  Reichsbank,  Filiale  der
Wolga-Kama-Bank.  Bedeutende  Fabrikation ­
  von  Wachs-,  Stearin  -  und  Talglichten
  fouite  Leder.  Großer  Jahrmarkt.
Worcester  (spr.  wühsst'r),  Hauptstadt  der
gleichnamigen  engl  Grafschaft,  am  Severn
und  der  Great  Western-Eisenbahn;  (i87i)
33,226  Einw.  Getreide-  und  Hopfenbörse,
Lederhalle;  National  Provincial  Bank  of
England,  W.  City  and  County  Bank.  Fabrikation ­
  von  Porzellan  tuid  Handschuhen.
Woronesh,  Hauptstadt  des  gleichnaloon
  vusi  rUrtituAVMfitMMMiA  unweit  beò

Mlgen  rüst.  Gouvernements,  -
Einflusses  der  Wolga  iu  den  Don  und  an
der  Eisenbahn,  die  von  W.  nach  Rostow
zum  Asowschen  Meer  führt;  (i87i)  42,150
Einw.  Ressort  des  deutschen  Konsuls  in
Moskau  ;  Abteilung  der  Staatsbank,  Kom-
        <pb n="543" />
        535

Wosnessensk  —
merzbank;  Transportées.  Nadcshda.  Handel ­
  mit  Getreide,  Zucker,Sonnenblumenöl.
WoSnessenvk  (Jwanowo-W.),  Fabrikstadt ­
  im  rnss.  Gouvernement  Wladimir, ­
  amUwod,das  »russische  Manchester«  ;
(1873)  3289  Einw.,  dazil  15,000  nicht  ansässige ­
  Fabrikarbeiter.  Es  bestauben  1879  :
35  Kattundruckercien,  8  Bleichereien,  6
Vaumwollwcbcreieu,  Eiscngiesterelcu,  chemische ­
  Fabriken  x.  In  allen  Fabriken  arbeiten ­
  130  Dampfkessel  mit  45i5  Pferdekräften. ­
  103  Dampfmaschinen  nut  1433
Pferdekräften,  71  Druckmaschinen,  22,2o0
Spindeln,  2692  Webstnhle.  Als  Brennmaterial ­
  wird  mir  Hol)  (jährlich  400,000
cbm  zu  32  Mk.)  verbraucht.  Die  Kattunfabriken ­
  produzieren  2—3  Mill.  Stück  im
Wert  von  75—90  Mill.  Mk.  An  Kaliko
(Mitkall)  werdeil  1,2  Mill.  Stuck  im  Wert
von  20,8  Mill.  Mk.  gewebt.  Garn  wird
bis  690,000  kg  versponnen.  In  den  Gießereien ­
  werden  1,804,000  kg  Eisen  gegossen,
Dampfkessel  im  Wert  von  1,040,000  Mk.
werden  angefertigt,  ferner  Maschinen  für
Webereien,  Spinnereien,  Druckereien.  —
Großer  Jahrmarkt  14.  (26.)  Sept.
Wuhu,  chines.  Traktatshafen  in  der
Provinz  Nganhwui,  am  Jantsekiang  und
durch  schiffbare  Kanäle  mit  dem  Thee  erzengenden ­
  Hinterland  verbunden;  40,000
Einw.  Seczollamt.  Der  Wertbetrag  deö
Handels  mittelst  fremder  Schiffe  betrug
1879:  die  fremde  Nettoeinfuhr  13,»  Milt.,
die  einheimische  3,6  Mill.,  die  Ausfuhr  3,8
Mill.  Mk.  1879  verkehrten  hier  1363
Schiffe  (1248  Dampfer)  von  1,215,833
Ton.,  davon  12  deutsche  von  1482  T.
Württemberg,  Königreich  in  Süddeutschland, ­
  der  Größe  nach  der  dritte,
der  Einwohnerzahl  nach  der  vierte  der
deutschen  Bundesstaaten.  Als  Exklaven
liegen  im  Badischen  und  Hohenzollern  je
fünf  Ortschaften.  Der  Flächeninhalt  ist
19,503,7  qkm  (354,28  QM.)  mit  (isso)
1,970,132  Einw.  gegen  1875:1,881,505
Einw.  Unter  den  1,818,539  Einw.  von
1871  gab  es:  1,248,860  Protestanten,
553,542  Katholiken,  12,245  Inden.  ES
wanderten  1879  ans  1970  Personen.  —-Produktion.
  Von  dem  Gcsamtareal
sind  46  Proz.  Äcker  und  Gärten,  18Proz.
Wiesen  und  Weiden,  31  Proz.  Wald.

Württemberg.
Hauptkultnr  ist  Spelz,  dann  Hafer,
weniger  Gerste,  Kartoffeln,  Roggen  und
Weizen.  Getreide  wird  regelmäßig  ausgeführt, ­
  namentlich  in  die  Schweiz  und  Vorarlberg, ­
  aber  auch  eingeführt  aus  Bayern,
Ungarn,  Nilßland,  Amerika.  Bedeutend
ist  der  Hopfeubau,  dem  1878:64521m  gewidmet ­
  waren;  auch  Hanf,  Flachs  und  Olsaaten
  werden  ansehnlich  kultiviert  ,  desgleichen ­
  der  Gemüse-  und  vornehmlich  der
Obstbau  (vgl.  über  letzter»  Deutschland,
S.  129);  Weinberge  gab  es  1878:  23,366
lin,  und  der  durchschnittliche  Ertragbeläuft
sich  auf  435,000  hl.  Die  Waldungen,
590,943  Im,  liefern  bedeutende  Mengen
von  Ban-und  Nutzholz,  Rinde,  Samen  re.
in  den  Handel.  —  Die  Viehz  äh  lung  von
1873  ergab:  96.970  Pferde,  946,228  Rinder, ­
  577,290  Schafe,  267,350  Schweine.
Hundczüchtung  wird  in  Leonberg  und
Stuttgart  mit  Erfolg  betrieben.  —  Der
Bergbau  lieferte  1879:5796Ton.Eisencrze,'
  die  Salinen  zu  Hall,  Fricdrichshall,
  Wilhelmshall  und  Sulz  28,621  T.
Kochsalz  im  Wert  von  857,147  Mk.  In
drei  Eisenhütten  wurden  2020  T.  Roheisen ­
  rc.  erzeugt  und  5868  T.  (1,487,233
Mk.)Gnßwarcn  zweiter  Schmelzung  nebst
1320  T.  (711,440  Mk.)  Schmiedeeisen  und
Stahl  und  178  T.Flußeisenfabrikaten.  —
Industrie.  Nach  der  Gewerbczählung
von  1875  gab  es  148,679  Hauptbetriebe
mit  286,859  beschäftigten  Personen  ;  1879
gab  cö  1194  feststehende  Dampfkessel.  Zur
Förderung  der  Gewerbe  und  Industrie
besteht  in  Stuttgart  die  Centralstclle  für
Gewerbe  und  Handel.  Die  Industrie  ist
eine  außerordentlich  vielseitige  und  arbeitet ­
  stark  für  den  Export;  als  Verlagsplatz ­
  nimmt  Stuttgart  im  S.  die  Stellung
ein,  die  Leipzig  für  Norddcutschland  beansprucht. ­
  —  M  ä  r  k  t  c.  Flachsmärkte  werden
ju  Kalw,  Welzheim,  Tübingen  und  JSny,
Weltmärkte  zu  Kirchheim,  Heilbronn,
Ulm,  Tuttlingen,  Stuttgart  und  Ellwangen
  gehalten.  —  Hauptspeditionsplätze
  sind:  Heilbronn,  Stuttgart,  Friedrichshafen, ­
  Ulm.  —  Die  direkte  Ausfuhr
Württembergs  nach  den  Vereinigten  Staaten ­
  wird  für  1879  auf  11,331,642  Mk.  angegeben. ­
  Die  wichtigstenErportartikel  sind:
Korsette,  getrocknetes  Obst  und  Nüsse,  Far-
        <pb n="544" />
        HHHMMnHBHnlHaHHBWEHMaHBHHIBnMH

MÄşşķchà

II

536

Würzburg  —  York.

à,  Droguen,  Leder.  -  Dampfschifffahrt
  findet  auf  dem  untern  Neckar  und
dem  Bodensee  statt;  auf  letzterm  wird  sie
vom  Staat  betrieben.  —  Die  E  i  s  e  n  b  a  h  -
uen  sind  meist  in  Händen  des  Staats,  1.
Ņpril  1880:1504,6  km,  davon  1487,5  km
Staatsbahnen.  Die  Post  beförderte  1878
W1879:19,s9m.Briefe,  3,i9m.Wsartén,
  3,6  Mick.  Drucksachen,  81,6  Mill.
Zeitungen;  das  Gesamtgewicht  der  Packverseudungen
  war  10,039,439  kg,  der  Wert-Mmg
  ber  @elbfcnbnngen  365,559,038
Mk.  Einnahmen  1878-79:  3,748,949
SRi.,  3,286,272  Bis.  -^ic
Telegraphenlinien  hatten  1878  eine
Lange  von  2633  km  mit  7093  km  Leitungen ­
  und  363  Ämtern.  Es  wurden
aufgegeben  269,866  interne  Privat-  und
125,420  Staats-  und  Diensttelegrainme,
die  Zahl  der  internationalen  Telegramme
mar  500,039,  gnfantmen  895,325.  Bic
Einnahmen  betrugen  471,508,  die  Auö-#cn
  1878-79:  396,648  9Rf.  %,#iq
1881  wurden  Post-  und  Telegraphenverwaltuug
  zu  einer  Verwaltung  verschmolzen. ­
  —  Durch  Konsuln  sind  in  Stuttgart ­
  vertreten:  Bayern,  Königreich  Sachsen ­
  und  Sachsen-Weimar;  dagegen  unterhält ­
  W.  Konsuln  in:  Karlsruhe,  München,
Bremen,  Hamburg,  Lübeck,  Köln,  Frankfurt ­
  a.  M.,  Dresden.  —  Kreditwesen.
Bon  Banken  sind  zu  nennen:  die  Württembergische ­
  Notenbank,  Zettelbank  (Kapital: ­
  9  Mill.  Mk.),  Württembergische
Vereinsbank  (15  Mill.  Mk.),  Württembergische
  Hypothekenbank  (5,4  Mill.  Mk.),
sämtlich  in  Stuttgart;  die  Rcichsbank  hat

eine  Hauptstelle  in  Stuttgart.  Die  Landessparkasse ­
  hatte  Mitte  1877:  31,533,320
Mk.,  die  Oberaiiitssparkassen  23,5  Mill.,
bte  übrigen  12  Mill.  Mk.  Einlagen.  —
Staatshaushalt.  Die  Einiiahnlenbetnigcn
  1880-81:49,958,400%%,  Won
Eisenbahnen  13,729,000,  direkte  Steuern
12,522,215,  inbircMc  10,745,256  m.;
die  Ausgaben  53,674,593  Mk.,  davon  für
die  Staatsschuld  21,740,451  Mk.  Letztere
belief  sich  19.  April  1879  auf  376,756,196
Mk.,davonEisenbahnschnld289Mill.Mk.
Wurzburg,  Hauptstadt  des  bayr.  RegicriingsbezirkS
  Unterfranken,  zu  beiden
Seiten  dcSMainS,  Knotenpunkt  der  Eisenbahnen ­
  nach  Aschaffenburg  (Frankfurt  und
Darnistadt),  Bamberg,  Nürnberg,  Gunzenhausen ­
  (München)  und  Heidelberg;
(isso)  51,017  Einw.  Handelskammer,
Wechsel-  und  Merkantilgericht  erster  und
zweiter  Instanz;  Neichsbanknebenstcllc,
Königliche  Filialbank,  Bayrische  Notenbankfiliale, ­
  Würzburger  Volksbauk,  Verkauföhalle
  (Getvcrbehalle)  mit  Uuterstntzungskasse.
  —  Unter  den  industriellen
Anstalten  sind  das  Etablissement  in  Oberzell ­
  zur  Herstellung  von  Schnellpressen,
ferner  bedeutende  Bierbrauereien,Fabriken
von  Instrumenten,  Tabak,  Karten  rc.  zu
erwähnen.  In  der  Nähe  Weinberge  von
1200ha,  welche  in  guten  Jahren  für  5  Mill.
Mk.  Wein  liefern.  Sehr  bedeutend  ist  der
Handel  mit  Wein,  Natur  -  und  Kunstprodukten. ­
  Auf  der  Eisenbahn  wurden  1878:
144,770  Ton.  Güter  abgefertigt.  W.  hat
drei  Messen,  einen  Wollmarkt,  Getreideschranne, ­
  Viktualieu-  und  Viehmärkte.

X,  I.

Xeres,  s.  Jercs.
Yarmouth  (spr.  järmöth.  Great  Y.),
Küstenstadt  in  der  engl.  Grafschaft  Norfolk, ­
  an  der  Great  Eastern-Eisenbahn;
0871)  41,820  Cimo.  Deutsches  Vicckonsulat
  für  H.  und  Blakeney;  National  Provincial ­
  Bank  of  England;  Kornbörse.
Hauptstation  des  englischen  Heringsfangs
bloaters).  Der  Hafen  ist  nur  kleinen
Şwlfsen  zugänglich;  1879  gingen  hier  ein

und  auS:  43  deutsche  Schiffe.  1879  betrug
die  Einfuhr  vom  Ausland  7,689,760  Mk.',
die  Ausfuhr  britischer  Produkte  dorthin
896,660  ÜRf.
Beddo  (Jedo),  s.  Tokio.
Bork,  Hauptstadt  der  gleichnamigen
engl.  Grafschaft,  an  der  Mündung  des
Fosse  in  die  Ouse  und  der  London  and
Northwestern-Eisenbahn;  (i87i)  43,769
Einw.  Yorkshire  Banking  Co.,  %).  Union
        <pb n="545" />
        537

Mad  —  Zittau.

Banking  Co.  Die  Industrie  liefert  namentlich: ­
  Maschinen,  Eisenwaren,  Glas,
Kutschen,  Leinwand.  .
Wad,  Stapelplatz  an  der  Sudtnste  des
schweb.  Laus  MalmöhuS,  gewöhnlicher
Überfahrtsort  nach  Deutschland  (Stralsundund
  Lübeck)  und  durch  Zweigbahn  Mit
der  Linie  Stockholm-Malmö  verbunden,
Station  der  Hamburger  Dampferlune

R.  Sloman  jmi.  ;  0878)  69  03  Einw.
Deutsches  Konsulat  (die  VogteiJngelstads
der  Provinz  Christianstad  und  von  der
Provinz  Malmö  dieKüste  westlich  bis  zum
Hörte-ä);  ChristianstadS  Ensk.  Banks  Afd.
Kontor,  SkäneS  Ensk.  B.  A.K.  Lebhafter
Handel,  besonders  mit  Getreide.  Es  liefen
1878  ein:  423  Schisse  von  49,958  Ton.
(29  deutsche  von  2475  T.).

Z.

Zacatecas,  Hauptstadt  des  gleichnamigen ­
  meritan.  Staats  und  nach  Guanasuato
  die  berühmteste  Bergwerksstadt  Merikos
  von  Silberminen  umgeben,  nnt
0876)  16,000  Einw.  Deutsches  Vicekonsulat;
  Cigarreufabrikation;  Transithandel. ­

Zagazig,  Ort  in  Untcraaypten,  an  der
Bahn  von  Alexandrien  nachSuez.  Deutsche
Konsularaacntur.
Zambesi,  s.  Sambesi.
Zante  (Zakyuthos),  Hauptstadt  der
gleichnamigen  ionischen  Insel,  an  deren
Ostküste;  Station  der  Dampferlinien:
Österreich.  -  Ungar.  Lloyd  und  Nederlandsche
  Stoomboot  Akaatschappij;  (i8?o)
17,156  Einw.  Deutsches  Vicekonsulat;
Jonische  Bank,  Zollhaus  und  Onarantäncanstalten.
  1878  liefen  ein  und  auS:
787  Schiffe  von  236,041  Ton.,  darunter ­
  271  Dampfer  von  174,119  T.  Die
Ausfuhr  (Korinthen,  Olivenöl,  Ölselfe)
wettete  1879:  3,059,306  m.,  1878  mit
2,038,640  m.  iDic  @5^1^  (1879:
2,609,700  Mk.)  besteht  hauptsächlich  in
Getreide  (1879  für  1,102,000  Mk.),  das
in  erster  Reihe  Rußland  liefert;  an  der
Einfuhr  der  übrigen  Artikel  (Wollwareu,
Petroleum,  Tonnen,  Kohlen)  ist  Österreich ­
  -Ungarn  am  meisten  beteiligt.
Zanzibar,  s.  Sansibar.
Zara,  Hauptstadt  des  öpcrreich.Königreichs
  Dalmatien,  am  Adriatischen  Meer
iwb  (imitami  ^1)34  fatimi
pferlinien:  Österreichrsch-UngarrscherLloyd
und  Società  Florio;  (isso)  10,215  Emw.,
welche  sich  besonders  mit  Brennerei  von
Rosoglio  (Maraschino)  beschäftigen,  wovon ­

  jährlich  200,000  Flaschen  exportiert
werden.  Eine  Glasfabrik  erzeugt  die  nötigen ­
  Flaschen.  Die  Einfuhr  belauft  sich  auf
ca.  5,6,  die  Ausfuhr  auf  2,6  Mill.  Mk.  1879
liefen  1807  Schisse  mit  234,849  Ton.  ein,
davon  672  Dampfer  von  201,510  T.
Zaragoza,  s.  Saragossa.
Zierikzce  (jpr.  sihŞ,  Stadt  in  der
uiederläud.  Provinz  Zeeland,  Hauptort
der  Insel  Schouven;  0876)  7617  Einw.
Deutsche  Kvusularagentur;  Austcrnfang.
Zittau,  die  wichtigste  und  volkreichste
Stadt  in  der  sächs.  KreiShauptmaunschaft
Bautzen,  am  linken  Ufer  der  Mandau,
Knotenpunkt  der  Löbau-Z.-Reichenberger
(Verbindung  mit  Prag  und  Wien),  Gvrlitz-Zittauer
  und  Z.-Warnsdorfcr  Eisenbahn; ­
  0880)22,313  Einw.  Handels-  und
Gewerbekammer;  Reichsbanknebenstclle,
Filiale  der  Sächsischen  Bank  zu  Dresden,
Oberlausitzer  Bank,  Spar-  und  Vorschuß-Verein
  (eingetragene  Genossenschaft).—Z.
ist  Hauptsitz  des  sächsischen  Damast-  und
Leimvandhandelö.  In  der,Nähe  mehrere
Braunkohlengruben  und  in  den  großen
Stadtdörfcru  wichtige  Fabriken  in  Leinwand, ­
  Damast,  Baumwollwaren  u.  a.;
wichtig  sind:  Brauerei,  Brennerei,  Eisengießerei. ­
  Die  Zahl  der  Industrieanlagen
mit  Dampfbetrieb  betrug  1878:4.6  Mit  80
Dampfkesseln  von  1617  berechneten  (660
ausgeübten)  Pferdekräften  u.  111  Dampfmaschinen. ­
  Auf  ben  Eisenbahnen  wurden
1878  an  Gütern  befördert  (in  Tonnen):
Angekommen  Abgegangen
Zittau-Warnsdorf.  20603  8937
Zittau-Reichenberg  8276  10143
Görlitz-Zittau  .  .  38223  13505
        <pb n="546" />
        )38

Zuger  See  —  Zwickau.

gei  ber  M  QiHQm  1879  ein:  844,668
^/îMàngeN'  22,320  Sendungen  mit
16,3(4,600  SÜft.  Wert,  aufgegebene  Postanweisungen ­
  2,555,065  Mk.  Telegramme
wurden  1880  aufgegeben  19,566,  es  kamen ­
  an  20,888.  Die  Oberlansitzcr  Bank
(WM:  2,7  gm.  giti.)  batte  1880  einen
Umsatz  von  155,4  Mill.  Mk.
Zuger  See,  Sec  in  beit  schweizer.  Kantonen ­
  Zug  und  Schwyz,  13,5  km  lang,  4,5
km  breit,  417m  ü.M.,  mit  192  m  größter
Trefe  und  38,5  qkm  Areal.  Dampfschiffahrt ­
  begann  1852;  jetzt  befahren  den  See
3  Dampfer  von  112  Pferdekräften  und
Raum  für  1230  Personen  zwischen  Zug
und  Arth,  Eigentum  derDampfbootgesellschaft
  fürdenZ.S.  inZug.  SeitEröffnung
der  ersten  Rigibahn  (Viznau-Knlm,  1871)
!stng  diese  Bedeutung  zurück,  bis  auch  die
Bergbahn  Arth-Kulm  eröffnet  wurde.
Zürich,  Hauptstadt  des  gleichnamigen
schweizer.  Kantons,  am  Züricher  See  und
der  hier  aus  demselben  ausfließenden  Limmat
  sowie  an  der  Vereinigten  Schweizer,
Nordost-  tlnd  Ütliberg-Bahn;  (isso)  25,102,
mit  den  Vorstädten  76,052  Einw.  Deutsches ­
  Konsulat  (Amtsbezirk:  die  Kantone
Z.,  Schafshausen,  Thurgau,  Appenzell,
St.  Gallen,  Glarus,  Schwyz,  Zug,  Unterwalden, ­
  Uri  und  Graubünden);  Handelskammer, ­
  Handelsgericht,  Getreidebörse ­
  mit  Schiedsgericht  für  Streitigkeiten ­
  aus  Getreidegeschäften,  Kaufmännisches ­
  Direktorium  (eine  Art  Innung);
Schweizer  Kreditanstalt,  Züricher  Kantonalbanr.
  —  Z.  ist  der  Sammelpunkt  der  industriellen ­
  und  merkantilen  Thätigkeit  des
Kantons  und  Centrum  des  gesamten  ostschweizerischen ­
  Handels.  Jährlich  werden
hier  zwei  Jahrmärkte  gehalten.  Die  sogen.
Frühlingömesse  beginnt  am  dritten  Donnerstag ­
  nach  Pfingsten,  die  Herbstmesse
am  ersten  Donnerstag  nach  Kirchweih.
Außerdem  eine  Ledermesse  jährlich  gegen
Ende  August  von  dreitägiger  Datier.  —
Platzgebräuche.  Verkäufe  erfolgen  auf
30  Tage  Kredit  mit  2  Pro;.  Diskont.  Bei

Bauntwolle  bringt  man  5  Proz.  Tara  in
Abzug.  Wechselkurse  notiert  man  wie
Basel  auf  Amsterdam,  Augsburg,  Belgien, ­
  Frankfurt  a.  M.,  Berlin,  Leipzig,
London,  Paris,  Lyon,  Marseille.
Züricher  Sec  (Z  ü  ri  ch  sc  e),  See  in  den
schweizer.  Kantonen  Zürich,  Schwyz  und
St.  Gallen,  39,7  km  lang,  fast  4,5km  breit,
409rnü.M.,  mit  143  in  größter  Tiefe  und
einem  Areal  von  87,78  qkm.  Durch  den
Eisenbahndamm  von  Rapperswyl  nach
Httrden  wird  der  noch  immer  mit  Dampfern ­
  befahrene  Obersee  vom  nordwestlich
liegenden  größern  Teil  abgetrennt.  Am
Nordufer  ist  RapperswylKnotenpunkt  für
mehrere  Eisenbahnlinien,  am  Südnfer
läuft  die  Bahn  von  Zürich  überHorgen  und
Richterswyl  nach  Lachen.  Dampfer  verkehren ­
  auf  dem  Z.  S.  seit  1835;  jetzt  besteht
die  Flotte  der  Schweizerischen  Vtordüstbahngesellschaft
  zu  Zürich  ails  12  Dampfern  von
558  Pferdekräftcn  und  Raum  für  6150

Dampfern  von  595  Pferdekräften.
Zwickau,  Hauptstadt  der  gleichnamigen ­
  sächs.  Kreishauptmannschaft,  an  der
Mulde,  wichtiger  Knotenpunkt  des  fächsischen
  westlichen  Staatseisenbahnsystemö;
es  steht  durch  eine  Zweigbahn  nach  Werdau
mit  der  Sächsisch-Bayrischen  Bahn  (Leipzig-Hof) ­
  in  Verbindung,  istKopfstationder
Z.  -  Chemnitz  -  Riesaer,  der  Z.  -  Schwarzenberger
  und  der  Z.-Falkensteiner  Eisenbahn
und  hat  zahlreiche  Eisenbahnen  nach  den
umliegenden  großen  Steinkohlenbergwerken, ­
  welche  die  Hauptquelle  des  Reichtums
der  ganzen  Gegend  bilden.  Z.  zählte  1880:
35,135  Einw.,  hat  ein  Hauptsteueramt,
Reichsbanknebenstelle,  Zwickaner  Bank,
Vorschußverein  (eingetragene  Genossenschaft) ­
  und  treibt  lebhaften  Getreide-,  Leinen-, ­
  Woll-  u.  Steinkohlenhandel.  Jährlich ­
  werden  zwei  Wollmärkte  gehalten:  der
erste  am  Montag  nach  Rogate  (im  Mai
oder  gegen  Ende  April),  der  zweite  15.  Juni.
        <pb n="547" />
        n

StotiRisdit  UdklñAkil  übet  lUeltlianûel  unii  MMMlichr.
Der  Warciil,andel  aller  Länder  der  Erde.

Länder

Großbritannien  (1880)  ....
Frankreich  (1880)
Deutschland  (1880)
Rußland  (1878)
Österreich  -  Unflstvu  (1880)  .  .  •
Niederlande  (1879)
Belgien  (1879)
Italien  (1880)
Türkei
Spanien  (1878)
Schweden  (1878)
Dänemark  (1878)
Rumänien  (1880)
Norwegen  (1879)
Portugal  (1878)
Finnland  (1878)
Griechenland  (1878)  ....
Serbien  (1875)
Vereinigte  Staaten  (1880  —  81)  •
Brasilien  (1878-79)  .  .  .  •
Kanada  (1879-80)
Cuba  (1878)
Argentinien  (1879)
Peru  (1877)
Mexiko  (1874—75)
Chile  (1878)
Britisch-Westindien  (1878).  .  .
Uruguay  (1878)
Venezuela  (1878)
Zentralamcrika  (1878)  .  .  •  •
Puerto  illico  (1878)
Kolumbien  (1879)
Französisch  -  Westindien  (1877)  .
Britisch-Guayana  (1879)  .  .  .
Hayti  (1877)
Ecuador  (1879)
Bolivia  (1878)
St.  Pierre  et  Miquelon  (1877)  .
Niederländisch-Guayana  (1879).
Santo  Domingo  (1880).  .  .  .
Britisch-Honduras  (1879)  .  .  .
Französisch-Guayana  (1877)  .
Bermuda  (1879)  .  •  •

Einfuhr  Ausfuhr

Gesamter  Außenhandel
Insgesamt  |  Pro  Kopf

Mill.  Mk.  Mill.  Mk.  Mill.  Alk.

Europa:

8199.8
3926.0
2876,4
1978.0
1311.0
1489.8
1260.0
979.1
460,o
818,8
268.2
213.8
204,2
147.8
144.9
102,7
96,2
25,0
28921,2

4456,2
2720.5
3099.5
1905,9
1380,0
088,8
060,9
904,5
397.0
345.0
206,4
171.0
175.1
99.7
94.8
70,6
60,4
28,o

Amerika:

4577,4

41995,1
6488,0
827.0
629,8
403,5
370.0
256.7
218.0
228,1
220,1
130.0
124.7
118.8
104.8
102.9
100.1
93,2
64,1
53,5
42.0
16,4
12.0
9.0
6.0
6,5
6,2

«948,0

19635,0

Mark

002

i  '

132

607

405

103

192

137

135

l'-.i

I  h,

3-i

  i

290

159

2KO

390

32-"

185

VI

170

I  13

¡80
        <pb n="548" />
        540

Der  Warenhandel  aller  Länder.

Länder

Britisch.  Indien  (1879—80)
China  (1879)
Straits  Settlements  (1879)
Niederländisch  -  Indien  (1878)
Japan  (1879—80)  .  .  .
Ceylon  (1878)
Philippinen  (1879)  .  .  .
Kotschinchina  (1876)  .  .  .
Russisch.  Asien  (1877)  .  .
Siam  (1879)
Persien
Französisch-Indien  (1877).
Labuan  (1878)

Victoria  (1879)....
Neusüdwales  (1879)  .  .
Neuseeland  (1879).  .  .
SUdaustralien  (1879).  .
Queensland  (1879)  .  .
Tasmanien  (1879)  .  .
Hawaii  (1878)
Westaustralien  (1879)  .
Neukaledonien  (1877)  .
Viti-Inseln  (1879)  .  .
Tahiti  (1880)
Samoa  und  Tonga  (1879)
Markcsas  (1874)  .  .  .  .

Ägypten  (1879)
Algerien  (1877)
Kapland  (1879)  .....’
Mauritius  (1879).  .  .
Natal  (1880)
Reunion  (1877)  ......
Marokko  (1880)
Senegal  (1877)
Tripolis  (1879)
Lagos  (1879)
Goldküste  (1879)  .  .  .
Tunis  (1878)
Sansibar  (1875)
Sierra  Leone  (1878)  .  .  .
Gambia  (1878)
Mayotta  und  Nosst  Be  (1877)
Gaboon  (1878)
St.  Helena  (1878)  ....
Übersicht.
Europa
Amerika  .  .  .
Asien
Australien  .
Afrika....  !

j  Pro  Kopf

Einfuhr

Ausfuhr

Insgesamt

Mill.  Mk

Mill.  Mk

Mill.  Mk

Mark

794,8

11140.5

2108,8

490,4

400,7

927,1

009,2

017,1

656,8

1875

197,1

290,2

490,3

120.5

98,o

219,i

99.0

88,8

188,4

72.0

75,2

147,2

49,4

48,3

97,7

G6,o

22.2

88.2

21.8

42,8

64,o

11,0

00,3

21,1

10,0

01,7

110

1  260

Asien:

2  278,1

2  788,1

t)088,5

000,7

249,1

549,8

618

283,0

261,7

544,7

Ti.  I

167,0

114,0

282,5

60H

100.3

95,2

195,

7'.6

61,0

68,7

100,3

6'iS

25,3

26.0

51.3

■161

12.8

14,0

26,8

•162

18,0

629

1811

191

Australien

!)70,o

8*&amp;gt;0,1

1  820,1

l'i'i

105.8

278.7

::si

170,3

106,0

280.2

141,0

70,3

214,9

215

09,0

54.0

90,o

25S

46,7

17,8

64,5

151

18.0

24,o

40,5

242

17,0

15,1

02,7

10,8

14.7

25,

I  :

12.5

21.2

11,5

21,1

9,5

18,7

10,7

18,0

17,1

171

11,4

290

;,:;h

205

Afrika

«11,1

6.  &amp;gt;2.5

12«3,o

177

20921,2
4577,4
2278,1
973.0
611.1

18070,9
6048.0
2788.1
850,1
652,5

l::  ,

41995,1
10635,0
5088,5
1823,1
1263,0

280

266

499

177

60805,3

02060,8

28  HO

271

Zusammen
        <pb n="549" />
        Welthandel  (Getreide  und  Mehl  —  Kaffee  —  Thee).

541

Getvoide.
Durchschnittliche  Ernten  der  Hauptländer.

Mill.
Vereinigte  Staaten ­
  .  .  .
Rußland  .  .
Deutschland  .
Frankreich  .
Österr.-Ungarn
Großbritannien
Spanien  .  .
Italien  .  .
Britisch.  Ostin
dien.  .  .
Rumänien  .
Japan.  .  -

Hektol.
680.7
589.8
312.4
250.0
170.1
126.5
104,7
102,0
100,o
76,8
40,0

Kanada.
Schweden
Algerien
Dänemark
Belgien.
Niederlande
Ägypten
Australien
Portugal
Chile.  .
Norwegen
Serbien.
Griechenland

Mill.  Hektol.

30,2
29,8
27,0
23.7
23.5
19.4
17.8
14.4
6,3
6,0
5,o
5.0
4.0

Handel  mit  Getreide  und  Mehl.

Länder

Einfuhr ­


Aus-  Gesamtfuhr ­
  umsah

in  Millionen  Mark

Vereinigte  Staaten
Großbritannien
Deutschland  .
Rußland
Frankreich
Österreich  -  Ungarn
Belgien.
Niederlande
Britisch-Ostindien
Rumänien
Italien.
Kanada.
Schweiz.
Schweden
Dänemark
Spanien
Ägypten
Algerien
Norwegen
Australien
Griechenland
Mauritius
Portugal
Chile.  .
Japan  .
Tunis  .
Argentinien

Zusammen
Nach  Erdteile»
Europa.
Amerika.
Asien.  .
Afrika  .
Australien

25.0
1225,2
688,0
5,3
448,6
127.4
199.0
162.5
10.5
4,0
94,3
54,7
85.0
40.0
23.0
30.5
0,o
37.6
20,5
17.0
14.1

1216,4
14,0
350.1
849.2
42.2
244.0
64.5
65.5
197.2
146.0
45.2
62.5
43.3
50.2
14.4
44,7
40.2
0,7
25.2

1,8
15,0
9.0
4.0
1.0

3316,3  3549,8

3206,7
80,0
10.5
18.5

1932,6
1295,8
206,2
89,8
25,2

1242,3
1239,2
1038,1
854.5
490,8
372,3
264.1
228,0
207,7
151.2
139.5
117.2
85.0
83,3
73,8
44.0
44.7
40.8
38.2
25.2
20,5
17.0
15.0
15,0
9.0
4.0
1.0

Kñffeo.
Aussuhr  der  Hanptproduktionsländrr.

Brasilien  .  .
Java.  .  .  .
Ceylon  .  .  .
Venezuela  .  .
Hayti  .  .  .
Britisch-Jndien
Puerto  Rico  .
Costarica  .  .

Mill.  Mk.
.  255,3
.  133,1
.  60,0
.  45,0
.  40,o
32,5
30,0
24,2

Liberia.  .  .  .
Guatemala  .  .
San  Salvador  .
Brit.-Westiudien
Kolumbien  .  .
Manila  .  .  .
Aden  .  .  .  .
Franz.  -  Westind.

Mill.  Mk.
.  14,o
.  13,o
8,7

6,5
6,0

5.0
3.0

Verbrauch  pro  Kops  i»  de»  Hauptländcr».
Kilogr.  Kilogr.
Belgien  .  .  .  4,41  Frankreich  .  .  l,oo
Niederlande  .  .  3,si  Österr.  -  Ungarn  0,73
Schweiz  .  .  .  3,38  Italien  .  .  .  0,47
Verein.  Staaten  2,00  Großbritannien.  0,41
Dänemark  .  .  2,41  Portugal.  .  .  0,34
Deutschland  .  .  2,27  Spanien  .  .  .  0,u
Schweden.  .  .  1,80  Rußland.  .  .  0,oo
Verbrauch  der  fünf  stärksten  Konsumenten.
»  1878  1879
Vereinigte  Staaten.  2  201160  Ctr.  2  964  600  Ctr.
Deutscher  Zollverein  1700640  -  1964444  -
Frankreich.  ...  901400  -  924000  -
Österreich-Ungarn.  481686  -  239692  -
England  .  .  .  .  250060  -  263083  -
Zusammen:  5534946  Ctr.  6355819  Ctr.
Die  acht  HauPtentrcpotS  Europas  (1880).
Vorräte  Zufuhren
England.  .  .  14350  Tonnen  76710  Tonnen
Hamburg
Antwerpen
Havre.  .
Bordeaux
Marseille
Triest.  .
Holland  .

6865.0
5139,3
1376.1
216,7
108,3
25,2

7500
3300
16200
4700
5300
3600
18750

79450
39070
50500
9170
19620
11210
60600

Zusammen:  73700  Tonnen  346330  Tonnen
Ausfuhr  der  Hanptproduktionsländer.
China  199,0  Mill.  Mark
Japan  29,8
Britisch  -  Indien  .  .  .  61,0
Brasilien  (Mate)  ...  6,1
Java  4,i
Verbrauch  pro  Kops.
Kilogr.

Großbritannien  .
Verein.  Staaten.
Niederlande  .  .
Dänemark.  .  .
Rußland  .  .
Deutschland  .

2,4
1,3
0,4
0,2
0,08
0,05

Frankreich.  .  .
Belgien  .  .  .
Schwed.u.Norw.
Spanien  u.  Portugal ­
  .  .  .
Italien  .  .  .

Kilogr.
0,04
0,ni
0,003
0,002
0,ooi
        <pb n="550" />
        542

Welthandel  (Zucker  -  Tabak).

Zrrrtrev.
Nur  für  die  Produktion  von  Nllbenzulker  in  curo«
pfuschen  Ländern  liegen  bestiimnte  Daten  vor:
die  Erzeugung  von  Rohrzucker  ist  blos;  für  we,rige
Gebiete  ziffermäßig  nachgewiesen.
Rohrzuckerexport.
Mill.  Mk.

Cuba  ....  226,i
Java  ....  112,9
Brit.  «  Westindien  81,l
Peru  54,9
Puerto  Rico  .  .  52,5
Mauritius.  .  .  51,9
Brasilien  .  .  .  49,i
Philippinen  .  .  43,9
Britisch-Guayana  37,7
Britisch  -  Indien  .  30,o
Guadeloupe  .  .  25,v
Ruben,uckerproüuktio»  lin  Centner»).
1878—79:  1879
Frankreich
Deutschland

Formosa
Reunion
Hawaii.
Martinique
Ägypten
China  .
Barbados
Surinam
San  Salvador
Queensland
Natal  .  .

Mill.  Mk.
20,7

16.»
14.5
14,9
13.6
13,2
11.4
9,5
6.4
5.5
2.1

Österreich-Ungarn  .
Rußland  und  Polen
Belgien
Holland  und  andre  Länder

8640000
8400000
7800000
4300000
1410000
.  600000

-80:
9245000
6929000
4178000
1595000
600000

Zusammen:  31150000  27447000
Zuckerhandel  Cnropas  und  der  Bereinigten
Staate»  don  Nordamerika.
Einfuhr  Ausfuhr
Mill.  Mk.  Mill.  Nik.

Großbritannien  .
Bereinigte  Staaten
Frankreich  .  .  .
Niederlande  .  .
Deutschland  .  .
Österreich  -  Ungarn
Belgien.  .  .  .
Italien....
Schweden  .  .
Spanien  .  .
Dänemark.  .
Norwegen.  .
Rußland  .  .

452,9
355,3
73.0
82.0
5,3
0.4
17.2
58.6
24.6
19,4
14.2
5,s

35,4
13,8
118,9
85.0
89,6
86,2
49.0

1,9

1,8

Ziickrrverbranch  pro  Kopf  der  Bevölkerung.

Neusüdwales.  .
Victoria  .  .  .
Neuseeland  .  .
Queensland  .  .
Südanstralien  .
Großbritannien.
Verein.  Staaten
Dänemark  .  .
Belgien  .  .  .
Niederlande  .  .

Kilogr.
46.0
44.0
41.5
39.6
32.0
29.4
19.3
12.5
10.3
8.4

Frankreich  .
Schweiz  .  .
Deutschland  .
Öftere.  -  Ungarn
Portugal.  .
Schweden.  .
Rußland  .  .
Spanien  .  .
Griechenland.
Türkei.  .  .

Kilogr.
U
7.3
6,5
4.0
3.4
3,4
3.1
2,9
2.1
1,1

®4tlnth.
Ausfuhr  von  Roytalmk  uns  außrrruropäischru
Ländern.
Kilogr.  Wert  in  Mark
144580000  112461000

Bereinigte  Staaten
Cuba....
Brasilien  .  .
Türkei  .  .  .
Kolumbien.  .
Santo  Domingo
Puerto  Nico  .
Philippinen  .
Britisch-Indien
Japan  .  .  .
Peru....
China  .  .  .
San  Salvador
Argentinien  .
Bolivia  .  .  .
Ecuador.  .  .

7  757100
13330000
8200000
5  797600
5371800
2240700
15498600
1680000
1416300
388100
672800
257  700
73000
15000
7000

52800000
15470000
12000000
8520000
8000000
7200000
5836000
1915000
993000
873000
648000
262000
81000
66000
10000

Zusammen:  207285700  227135000
Tabaksbau  in  Europa.

Länder

Bebautes
Areal
Hektar

Produktion
pro  Hektar!  Total
Ctr.  Ctr.

Belgien.  .
Dänemark.
Deutschland
Finnland  .
Frankreich.
Italien.  .
Niederlande
Österreich  .
Ungarn.  .
Rumänien.
Rußland  .
Schweden  .
Schweiz.  .
Serbien.  .

1693
?
18016
?
11313
5045
1759
5128
52118
?
51  590
2000
500
1409

26,04
?
33,20
?
25,72
16,48
48.00
19,52
13,08
?
27,89
15.00
40.00
14.00

44722
2520
597780
4000
307350
83124
84848
90682
1233978
41443
1439160
30000
20000
19  726

Durchschnittlicher  Tabaksverbrauch  pro  Kops  der
Bevölkerung.
Kilogr.

Vereinigte  Staate,
Niederlande
Belgien  .
Schweiz  .
Österreich«  Ungar,
Deutschland.
Schiveden  .

3.1
2,6
2,5
2.3
1,9
1,9
1.2

Rußland.
Serbien  .
Frankreich
Italien  .
Rumänien
Dänemark
Finnland.

Kilogr.
.  0,9
.  0,875
.  0,85
.  0,7
.  0,2
&amp;gt;  0,1
&amp;gt;  0,1

Das  TabakSmouopol
besteht  in  Frankreich,  Österreich-  Ungarn,  Italien,
Portugal,  Rumänien,  Spanien.
        <pb n="551" />
        543

Welthandel  ((Sisen  —  Kohle).

Gr  sen.
Noheiscnproduktion  der  Svelt.

Großbritannien  6400800  Tonnen
Vereinigte  Staaten  ....  2301200  -
Deutschland  19&amp;amp;3200
IST.  :  :  :,  :  :  :  *5S  :
Österreich-Ungarn  •  •  •  •  421700
SSV  :::::::  2SS  :
A:"»'«  «SS  ;
Spanien  45800
Afrika  30000
Italien  24900
Tllrkei  12000
Kanada  ....••••  10000  -
Mexiko  7  000  '
Schweiz  6300  -
Portugal  2  400  -
Norwegen  2200  -
Ncusüdwalcs  1 000
Zehnjährige  Produktion  der  nenn  Hanptlnnder.
I860:  12753000  Ton.  1874:  13566000  Ton.
1870:  11155000  -  1875:  13833000  -
1871:  12  793000  -  1876:  13542000  -
1872:  14489000  -  1877:  13640000  -
1873:  14751000  -  1878:  13976000  -
Eisen-  und  Stahlfabrikation.
Eisenfabrikate  Stahlfabrikate

Großbritannien  .
Vereinigte  Staate»
Deutschland  .  .
Frankreich  .  .  .
Belgien  ....
Österreich  -  Ungarn
Rußland.  .  .  .
Schiveden  u.  Norweg
Spanien....
Italien  ....
Andre  Länder.  .

Tonnen
3500000
1602000
1150000
883000
503000
300000
245000
191000
35000
24000
70000

Handel  mit  Roheisen  und  Rohstahl.
Einfuhr  Ausfuhr
Tonnen  Tonnen
Großbritannien  ....  137000  1  428000
Deutschland  417000  562500
Holland  493400  347000
Schweden  —  300  000
Rußland  283700
Vereinigte  Staaten  .  .  .  232800  3200
Belgien  207200  5400
Österreich  -  Ungarn  .  .  .  38300  20500
Spanien  44400
Italien  42400
Ko!)le.
Kohlenproduktion  der  Welt.
Großbritannien  132655000  Tonnen
Vereinigte  Staaten  .  .  .  69200000
Deutschland  53400000
Frankreich  17096000  -
Belgien  14899000
Österreich-Ungarn.  .  .  .  14884000  -
China  3000000
Rußland  2526000
NeusüdwaleS  1583000  -
Britisch  -  Nordamerika  .  .  805000
Spanieir  729000  -
Britisch-Indien  ....  500000  -
Chile  400000
Japan  396000  -
Neuseeland  139000  -
Asiatische  Türkei  ....  110000  -
Italien  102000
Queensland  53000  -
Schweiz  19000  -
Portugal  12000  -

Zusammen:  8503000  1  065000
Bksscmcrstaylwcrke  1880.

Deutschland  .  .
Vereinigte  Staaten
Großbritannien  .
Frankreich  .  -  •
Belgien.  .  .  •
Österreich  -  Ungarn
Rußland  .  .  .
Schweden  .  .  .
Zusammen

—  “sr

Arcale  der  bedeutendsten  Kohlensclder.
China  600000  QKilom
Vereinigte  Staaten  ....  582000
Ostindien  105000  -
Rußland  51  ooo
Großbritannien  27  000  -
Deutschland  10800  -
Frankreich  5800
Belgien  2  700  -
Entwickelung  der  jlohlenprodnktion  in  sechs
Hauptländer».
(In  Millionen  Tonnen)
I860  1866  1872  1878
Großbritannien  .  .  85,4  103,  i  125,s  132,o
Vereinigte  Staaten  .  15.2  22.i  45,7  59,s
Deutschland.  .  .  .  12,»  28,2  42,a  53,4
Frankreich  ....  8,s  12,3  15,9  17,i
Belgien  9.«  12,8  15,  o  14,9
Österreich-Ungarn  .  3,5  4,9  10,4  14,9
Zusammen:  134,»  183,4  255,4  292,7
        <pb n="552" />
        544

SMtfjanbeí  (ïôoïïc  —  Baumivolle).

Totalwcrt  der  Kohleiiausbente.
X  1917,i  Mill.  Mark
Bereinigte  Staaten.  .  .  .  700,«  -

Zusammen:  2017,i  Mill.  Mark
Kohleilt,erbrailch  in  sechs  Hanptläiidcrir.

Großbritannien  .
Vereinigte  Staaten
Deutschland.  .  .
Frankreich  .  .  .
Österreich  -  Ungarn
Belgien  .  .  .  .

Überhaupt
121307000  Ton.
49  750000  -
47600000  -
23850000  -
12345000  -
10526000  -

Pro  Kopf
3,g  Ton.
1.1  -
1.1  -
0,6  -
0.3  -
2,0  -

Kohlenhandel  der  wichtigsten  Länder.
Einfuhr  Ausfuhr
Mill.  Tonnen  Mill.  Tonnen

Großbritannien
Deutschland  .
Frankreich  .  .
Österreich  -  Ungarn
Belgien  .  .  .
Niederlande.  .
Rußland.  .  .
Italien  .  .  .
Neusüdwales  .
Britisch  -  Asien.

0,5
5.0
6,2
2,2
0,7
2,9
1,5
1,3
1.0

16,4
7,2
0,5
3,0
4,4
0,4

1,0

MoUe.
Wollproduktion  sämtlicher  Handelsgebiete.  Wollhandel  der  bedeutendsten  Industrie-Mill.
  Kilogr.  "  '
Rumänien.  .  .  9,7
6.0
5,8
4,7
Türkei  4,o
3.0

Mill.  Kilogr.
Rußland  .  .  .  177,6
Australien  .
Argentinien.
Großbritannieil
Frankreich  .
Dentschland.
Spanien  .  .
Uruguay  .

164.7
118.7
68.3
43.4
35.0
33.0
32.5

Österr.  -  Ungarn  24,2

Kapland.
Italien

22,9
17,o

Britisch  -  Indien  11,7

Natal  .
Algcrieii
Portugal
Asiatische
Dänemark
Norivegen
Schweden
Peru.  .
Nicdcrlaiidc
Belgien.
Schweiz.

3.4
3.2
3.0
1.0
1.2
0,9

Großbritannien.  .  .
Frankreich
Dentschland  .  .  .  .
Rußland
Belgien
Niederlande  .  .  .  .
Vereinigte  Staaten  .
Österreich-Ungarn.  .
Italien
Schweiz

stauten.
Einfuhr
Mill.  Kilogr.
181,i
146,7
68.7
6,2
46.5
22.5
18,1
11,0
13,1
3.7

Ausfuhr
Mill.  Kilogr.
93.3
27.0
14,2
47.0
1,9
19.4
2,8
5,o
1,8
1,4

KarrrnnroUe.
Herkunftsländer  der  Baninwolle.

Länder

In  Millionen  Pfund

1831-35

Amerika  .  .  .
Brasilien.  .  .
Mestindien  rc.  .
Ostindien  rc.  .
Ägypten,  Smyrna ­
  rc.  .  .  .
Zusammen:

495,9
30,o
9,5
34,2
26,4
596,0

1836-40

585,7
25.3
13.4
56.5
30,1

711,0

1841-45

816,3
18,0
9,4
72,o
23.8

941,0

1846-50

964,2
23.8
6,3
86,7

1851-55

1254,7
27,1
6,3
134,8
60,o

1482,9

1856-60

1633,7
27,7
7,2
207,9
57,0

1933,5

1861-65

531,7
30,2
14,0
491.3
191.4

1205,2

1866-70

1108,7
99,9
33.2
576,5
190,9

2009,2

1871-75

1682,3
108,8
42,3
538,6
2.38,0
2609,0

1876-78

2068.8
55,4
16,2
418,7
283,2
2842,3

Verbrauch  bon  Bau,»wolle  in  Europa  und  Amerika.

Länder

England  .  .  .
Frankreich  .  .
Übriges  Europa
Verein.  Staateii
Zusammen:

In  Millionen  Pfund

1831-35

295,2
89.0
53.1
68,7

1836-40

405,7
127,3
81,1
96,9

1841-45

521.3
157.3
109,9
152,5

506,0  I  711,0  I  941,0

1846-50

569,8
142.4
158,0
240.5

1110,7

1851-55

750.1
178.1
273.3
281.4

1482,0

1856-60|l861-05|1866-70

947,3  628,0  973,8
225,5  175,1  222,21
401,9  280,3  431,2j
358,8  181,2  381,9

1933,5  I  1265,2  I  2009,1

1871-7511876-78

1228,0  1227,8

856,0

974.0

524,7

639.0

2609,9  I  2842,3
        <pb n="553" />
        ■

üSolMàâ

Welthandel  (Baumwolle,  Baumwollwaren).

Die  Spinnlrast  der  einzelnen  Lander.

Verbrauch  m
Millionen
engl.  Pfund

Auf  1000
Einw.  kommen
Spindeln

Pro  Spindel
engl.  Pfd.

Spindeln

Lânder

I  180

39500000
10921000
5000000
4800000
2800000
1  87(1000
1800000
1775000
900000
800000
310000
230000
36000

1264,0
690.0
197.0
228.0
120,0
56.0
106,9
67,2
24.0
27,9
18.0
9,8
?

England  und  Indien
Vereinigte  Staaten
Frankreich
Deutschland
Rußland
Schweiz
Österreich  -  Ungarn
Spanien
Italien
Belgien
Schweden  und  Norwegen  .  .  .  .
Holland
Griechenland  •  •
Zusammen:

218

i

108

675

I":;

Il  I

215

2810,0

70  742000

60449000
10921000
1209700

2156,0
690,0
92,o

Hauptgebiete:  Europa  .  .  .
Verein.  Staaten

Ostindien.  .
Zusammen

182

2938,0

72579700

Verbrauch  von  Banmtuolle  und  Baumwollwaren  in  allen  Landern  der  Erde.

Garne,  Gewebe  ic.  aus
Euglaiid  zugeführt
Mill.  Pfd.  lPfd.  pr.Kopf

Totalverbrauch

Rohbaumwolle
Mill.  Pfd.  ş  Pfd.  pr.Kopf

Lander

Mill.  Pfd.  Pfd.  pr.  Kopf

15,30

42.5
50.8
60.6
314,3
249.0
195,7
32.8
105,6
6,9
103,9
109,2
5,0
37,0
145.1

15,30
3,34
8,09
5.83
6,23
5,72
3,94
3,75

42,5
13.8
43,2
249,1
230,0
195,7
24.8
79.9

Schweiz
Niederlande....
Belgien
Deutschland....
Frankreich  ....
Großbritannien  .  .
Schweden  und  Norwegei
Spanien  und  Portugal
Griechenland  .  -  •
Italien  und  Malta  .
Österreich-Ungarn  .
Dänemark  ....
Türkei.  Rumänien  -c.
Rußlaiid....

13,7

10,41

43,1

11,3

17,4

3,26

7,35

65,2

1,52

6,77

19,9

0,54

5,72

5,21

1,27

4.90

25,7

1,21

4.75

4,75

3.55

52,8
101,3

1,96

51,1

1,59

2,92

2,71

0,21

2,47

0,47

2.40

2,40

37,0

1,68

0,03

142,

1,65

4,52

1459,3

0,89

Europa

289,8

1175,0

3,63

38.0
625,0
1100,0
85.0
30.0

1,54

1,54

38,0

Türkei,  Persien  ic.
Indien  .  .  .  .
China
Japan  .  •  ■  •
Siam,  Java  rc.  .

2.50

330.0

1.32

295,0
1000,o
65,0

1,18

2,62

100,o

0,23

2,39

2,57

20,0

0,59

1,98

2.40

2,40

30,0

2,48

1878,0
34.0
711,5
15.0
163,0

0,69

518,0

Asien
Ägypten  und  Nordafrika
Ver.  Staaten  u.  Kanada
Australien
Andre  Gebiete  .  .  .  .

1360,0
689,5

1,79

2,oo

2,oo

34,o

14,20

0,45

22,o

12,8

5,66

15,0

5.66

163,0

4260,8
3b

2,98

0,74

1041,8

2,24

3225,1

Die  Erde:
Handelsgeographic.
        <pb n="554" />
        54G

%ü#mibcl  (&amp;lt;&amp;amp;ibe  -  GbcïmeMe).  .
Korde.
Die  Cride,lernten  der  bedeutendsten  Staute»  Europas.  (Nach  Ncumann-Spallart.)

Länder

Italien  .  .
Frankreich  .
Spanien  .
Türkei  .  .
Griechenland

Zusainmen:

China  .
Japan  .
Ostindien
Persien  .
Syrien  .
Türkei  .
Algerien.

Zusammen:
Total:

In  Kilogrammen

1874

2860000
731000
131600
163000
13000

3898600

1875

2606000
731000
115100
130700
16000

3598800

1876

993000
155000
85500
93700
16000

1343200

1877

Die  Bezugsländcr  Europas.
4197300  4308700  4481000
568100  691900  1055400
004200  386400  564800
400000  310000  310000
170700  135700  117500
206000  152000  105000
6300  18700
0652400

6146300

10044900

5991000

9589800

7995000

1506000
872000
66000
67  700
11000
2522  700

3740000
1040000
671700
310000
140000
75000
18700
5995400

1878

8518100

2666000
608000
55000
64000
10000
3403000

3963000
925000
358000
200000
165000
85000
18000
5714000
9117000

Rohseidengewinnung  der  Welt.
şş'7°pa  3460000  Kilogr.
Andre  Erdteile  10715200
Zusammen:  14175200  Kilogr.
Bcrwieguiigc»  von  Seide.

Aubenas  .
Avignon.  .
Basel  .  .
Krefeld  .  .
St.  Etienne
Lyon.  .  .
Privas  .  .

1878:  1879:
04813  Kilogr.  52051  Kilogr.
88309  -  57574
52604  -  45586
3808  -  6179
259648  -  193997
1303904  -  1491465
6114  -  9373

Zusammen

1779200  Kilogr.  1856225  Kilogr.

Die  Konditionierungen  von  Seide  187».

Kilogr.
Lyon  .  .  .  3032028
Mailand  .  .  2781185
Turin  .  .  .  804870
Zürich  .  .  .  666298
Florenz  .  .  651548
Elberfeld  .  .  436293
Basel  .  .  .  294110
Aubenas  .  .  204186
Como  .  .  .  194847
St.  Etienne  .  189769
Avignon  .  .  164422

Kilogr.
Lecco  .  .  .  150225
Bergamo  .  .  144127
Wien  .  .  .  103505
Krefeld...  49543
London.  .  .  48879
Privas...  40713
Brescia.  .  .  24391
Udine  .  .  .  29505
Rimes  .  .  .  11054
Ancona.  .  .  14275

21  Anstalten:  10,035,773  Kilogr.

,  GdelinotnUe.

Silberproduktiou  und  Prägung.

Periode

1831-40
1841-50
1851-60
1861-70
1871-80

Produktion
Kilogr.

2000000
2400000
11300000
12300000
10800000

Mill.
Mk.

107.4
140.5
161,a
219.6
402,2

Prägung
Kilogr.  I  'ļļļf'
nicht  ermittelt
nicht  ermittelt
7491001  134,8
993  6001  178,9
1454  8001  262,0

Münzal&amp;gt;-


Kilogr.
47000
51000
51000
47000
46000

Goldproduktion  und  Prägung.

Periode

1831-40
1841-50
1851-00
1861—70
1871—80

Produktion
Kilogr.  M.Mk.

20300
54800
201800
188500
170300

56
153
563
520
475

Prägung
Kilogr.  M.Mk.

247220
207010
265680

690
577
741

Münzal&amp;gt;-


Kilogr.
ca.  300
-  400
-  500
-  700
-  800
        <pb n="555" />
        Welthandel  (Edelmetalle).
Die  Edclinetattprodnktio»  der  Sveli  1498—1875.  (Nach  A.  Soetbeer.l

547

Länder

Nach  Gewicht
Silber  I  Gold
Kilogr.  Kilogr.

Nach  dem  Wert
Silber  I  Gold  ļ  Zusammen

In  Tausenden  Mark

Mexiko
Bolivia
Vereinigte  Staaten  .  -
Peru
Australien
Kolumbien
Rußland
Brasilien
Österreich-Ungarn.  •  •
Afrika
Deutschland  .  .  •  •  •„
Verschiedene  europäische  Lander
Andre  außereuropäische  Länder

Zusammen

76205400
37  717600
5271500
31222000

2428940
7  770135
7904910
7382000
2609000
2000000

180511485

265040
294000
2026100
163550
1812000
1214500
1033625
1037050
400050
731600

263600
151600

9453315

13716972
6789168
948870
5619960

437209
1398624
1422884
1328760
469620
360000

32492067

739462
820260
5652819
456304
5055480
3388455
2883897
2893370
1285214
2041164

735444
422964

14456434
7609428
0601689
6076264
5055480
3388455
3321106
2893370
2083838
2041164
1422884
1328760
1205064
782964

26374833  58866900

Verhältnis  der  Gold-  und  Silbergewinnung  zu  einander  und  durchschnittliche  Wcrtrelation.

Perioden

Silber  im  Wert  von
Tausend  Mark  Prozent

Gold  im  Wert  von
Tausend  Mark!  Prozent

Gesamtwert
Tausend  Mark

1493  —  1600
1601  —  1700
1701  —  1800
1801  —  1850

Zusammen:
1851-1855
1856  —  1860
1861  —  1865
1866  —  1870
1871  —  1875

In  diesen  25  Jahren:

Total:

4051166
6702876
10267164
5890275

66,2
72.8
65.9
64,1

1993176
2504095
5301502
3305801

20911481
797504
814493
990954
1205202
1772483

67.3
22.4
22,1
27.7
31,o
42.7

13104574
2  755362
2874537
2582452
2677005
2380902

5580636

29,2

13270258

32492117

55,2

26374832

33.8
27,2
34,1
35.9

6044292
9206971
15568066
9196076

32,7
77.0
77,9
72.3
69.0
57.3

70,8

44,8

40016005
3552866
3689030
3573406
3882207
4153385

18850894

58866899

Ehrliche  Verwendung  von  Silber  zu  industriellen ­
  Zwecke».

Länder

Bruttoverbrauch ­

Kilogr.
fein

Abzug
für  altes
Metall
Proz.

Vereinigte  Staaten
Deutschland  .  .  .
Frankreich....
Großbritannien.  .
Österreich-Ungarn.
Rußland  .  .  -  -
Schweiz
Italien
Andre  Länder  .  .
Zusammen:

120000
100000
100000
90000
40000
40000
32000
25000
53000
600000

Nettoverbrauch ­

Kilogr.
feilt

15
25
25
20
20
20
25
25

102000
75000
75000
72000
32000
32000
24000
19000
40000
471000

Jährliche  Verwendung  von  Gold  zu  industrielle» ­
  Zwecke».

Länder

Bruttovcrbrauch

Kilogr.
fein

Großbritannien  .  .
Frankreich....
Vereinigte  Staaten.
Deutschland  .  .  .
Schweiz
Italien
Österreich  -  Ungarn  .
Rußland  ....
Übrige  Kulturländer

Zusammen:

20000
21000
15000
14700
15000
6000
2900
3000
5000
102600  I  19
QF.*

Abzug
für  altes
Metall
Pro;.

Nettoverbrauch ­

Kilogr.
fein

15
20
10
20
25
25
15
20
20

17000
16900
13500
11760
11250
4500
2465
2400
4000
83  775
        <pb n="556" />
        548

Eisenbahnen.
Die  Eisenbahnen  der  Erde.

Länder

Europa.
Deutschland
Großbritannien.  .  .  .
Frankreich
Rußland  (ohne  Finnland)
Ästerreich-Ungarn.  .  .
Italien

Spanien
Schweden
Belgien
Schweiz
Niederlande
Däneinark
Rumänien
Türkei.  .
Portugal.
Norlvegen.
Finnland.
Luxemburg
Bulgarien
Griechenland

Zusammen:
Amerika.
Vereinigte  Staaten  .  .
Kanada
Brasilien
Peru
Argentinische  Republik  .
Chile
Cuba
Mexiko
Uruguay
Bolivia
Costarica
Venezuela.  .  ...  .
Kolumbien
Britisch-Guayana.  .  .
Honduras
Paraguay
Jamaica
Ecuador
Barbados

Kiloin.

Zusammen:
Asien.
Ostindien  (brit.)  .  .  .
Kaukasten
Kleinasien  .  .  .
Ceylon
Japan....

Zusammen:

33388
28910
26  776
22644
19200
9529
6895
5872
4067
2623
1938
1550
1474
1280
1249
1222
873
342
224
12

170068
150716
9888
3058
2510
2317
1689
1350
1095
376
290
131
113
106
96
90
72
43
41
10

173991
13858
1004
394
371
190
121

15938

Auf  100,000
Einw.
Kilom.

73.0
82.0
72.5
31.6
50,9
33.7
42.1
128,2
73,4
92.3
48.7
78.0
27.4
18.4
27.1
62.1
45,2
166,7
11.4
0,8

53,6
300,5
227,2
27.5
82.0
97.6
70,4
93.0
11.0
84,1
12,9
70,8
6.»
3,8
40.0
25.0
24.6
7.7
3,0
6.8

175,1

17,8
6.0
2,0
6,8
0,3

Länder

Afrika.

Kapland  .
Ägypten  .
Algerien  .
Tunis  .  .
Natal  .  .
Mauritius

Zusammen
Australien.
Neuseeland  .  .
Victoria  .  .  .
Ncusiidwalcs  .
Südaustralien  .
Queensland.  .
Tasmanien  .  .
Westaustralien  .
Tahiti....

Zusammen
Gesamtsumme

Kilom.

1540
1494
1140
250
165
106
4695
1884
1810
1184
899
809
278
116
33

Auf  100,000
EiiUv.
Kilom.

7013

371  705

78.3
8.0
4.0
11,9
46.3
29,7
2,2
420.4
203,7
207.9
352.0
377.9
249.0
404,2
165.0
195.4  ~
25,4

Entwickelung  des  Eisenbahnnetzes  der  einzelnen
Erdteile.

Ende

Europa
Kilom.

S"  Asien
Kilom.  Kilom.

Australien ­

Kilom.

1,9

1830
1835
1840
1845
1850
1855
1860
1865
1870
1875
1880

245
646
3057
9162
23766
34027
51544
75149
103744
142807
170068

Afrika
Kilom.

87
1773
5534
8262
14256
33837
53235
62  735
96398
133914
173991

251
1397
5568
8132
12302
15938

33
264
825
1812
2820
7013

446
837
1773
2279
4695

Das  Eisenbahnnetz  der  Erde  1871—80.
Kilom.  Kilom.
1871:  235375  1876  :  309641
1872:  251032  1877:  321272
1873:  270071  1878:  337451
1874:  283090  1879:  344192
1875:  294122  1880:  371705
        <pb n="557" />
        Postverkehr.

549

RinnnjicNe  Resultate  der  bedeutendste»  Eisenbahnländer  Europas  und  der  Bereinigten  Staaten
187!)  —  80«

Länder

Belgien.  .
Dänemarl.
Deutschland
Baden  .
Bayern  .
Preußen.
Sachsen.
Wiirtteinberg
Elsaß-Lothringei
Frankreich.  -
Großbritannien
Italien.  -  -
Niederlande  .
Norlvegen  .  -
Österreich-Ungarn
Rußland  .
Schweden  .
Schweiz.  .
Verein.  Staaten  v.  N.  »7

Anlagekosten
Im  ganzen  |  Pro  Kil.
Mill.  Mk.  Mark

Bruttoeinnahme

Verkehr

Pro  Kil
Mark

Im  ganzen
Mill.  Mk.

Fracht

Passagiere

Tonnen

3#

1  200,22
180,00
8133,30
390.00
1008,88
5202,78
640.10
371,54
520.00
7  905,30
14352,08
2015,14
427,78
53,80
4516,00
6515,50
392,50
612.10

19050,04  140600

279070
116128
281541
300000
246000
262  700
315350
269200
297000
346700
504460
245  700
190000
66220
262000
321700
85886
240000

53939000
5853000
189513800
10222700
23697  700
114402300
18396800
11734300
11060000
150342000
562762000
30204300
14815000
1524000
40750500
28934000
7319600
21523800
263000000

29588700
941200
140343600
3663700
8811200
105114200
11432600
.  2971900
8350000
68801000
212188000
8371700
3527500
884000
45056000
26136300
4949500
5509200

109,398
11,410
819,970
28,314
90,760
565,900
57,956
27,040
50,ooo
739,176
1235,840
131,748
35,002
4,902
384,660
471,080
33,048
46,122

280000000  I  2116,040

25440
7361
24866
21780
22136
28580
28500
19600
28600
32420
43438
16067
16000
6  052
22363
23263
7232
18100
15617

Statistik  des  Posttierkehrs.
Europa  (1879).

Länder
Großbritannien  .
Deutschland  .  -
Reichspostgebiet
Bayern  .  .  -
Württemberg  .
Frankreich  .  -  -
Österreich-Ungarn
Österreich  allein
Italien  .  .  -
Russisches  Reick
Belgien  .
Schweiz  .
Spanien.
Niederlande
Schtvcden
Dänemark
Norlvegen
Portugal
Rumänien
Griechenland
Luxemburg
Türkei  .
Serbien  .
Europa

Briefe  und
Postkarten
auf  lEiuw

Drucksachen
und
Warenproben

Zeitungs

Briefe  und
Postkarten

Anstalten ­


Zusammen

nummern

35,o

1681984600
1353793530
1151816018
154180374
47797138
1017043000
476042000
361715000
316015000
203530250
194341742
145751337
123772000
103793373
55882000
50343490
23174404
22861000
9293210
4554000
4303000
3764000
1285885

1299307600

133  796000
446545923
342961048
82009723
21575157
240373000
98792000
66748000
80  780000
84457299
69  712  000
52359137
38479000
34858810
23013000
24879891
9862  495
8146000
2227  986
1867  000
968000
1250000
?

248881000

13  912

16.8

759324303

147923299

9188

17,8

670794210

138060  760

7

11,0

66209014

5961637

1311

11,2

22321079

511

14,0

518132000

802

25X533000

332565000

5980

446X5000

11,7

259470000

35497000

173104000

62131000

3200

4374

108250391

10822560

17,4

28041000

96588742

25,2

21645319

2838

71746881

4.8

5767000

2530

79526000

17,1

68934563

1290

2184000

1963

30  OK.'  «

13,1

25463599

l.Vi

13311909

904

1  141000

13571000

863

7065224

233

2687000

145

11,1

1056000
75000
J
832893178

2  279  000

2439000

334

1285885

1352367540  5791527821

11,0

54462  3606267097
        <pb n="558" />
        550

Länder

Vereinigte  Staaten  (1879)
Kanada  (1878).  .  .  .
Brasilien  (1879)  .  .  .
Chile  (1878)  ....
Argentinien  (1878)  .  .
Mexiko  (1879)  ....
Peru  (1873)
Uruguay  (1878)  .  .  .
Kolumbien  (1879)  .  .
Britisch.  Guayana  (1877)
Martinique  (1877)  .  .  .
Guadeloupe  (1877)  .  .  .
Guatemala  (1877)  .  .  .
Französ.-Guayana  (1877)
Nieder!.-Guayana  (1877)
Amerik
Britisch.  Indien  (1878)
Japan  (1879)  .  .  .
Nieder!.-Indien  (1877)
Hongkong  (1877)  .  .
Persien  (1877)  .  .  .
Kotschinchina  (1877)  .

Asie,
Victoria  (1879)  .  .
Neuseeland  (1879)  .
Neusüdwales  (1879)  .
Südaustralien  (1879)
Queensland  (1879)  .
Tasmanien  (1879)  .
Westaustralien.  (1879)
Neukaledonien  (1877)
Viti-Inseln  (1879)  ^
Australien
Algerien  (1877)  .  .  .
Ägypten  (1879)  .  .  .
Reunion  (1877)  .  .  .

Afrika

Die  ganze  Erde

Postvcrkehr  (Weltpostverein).
Die  übrigen  Erdteile.

Post.
ämter

40855
5378
1265
343
?
832
?
234
146
?
?
?
?
?
?

Briefe  u.  Postkarten
Auf  1
Eiuw.

Zusammen

Warenproben


Zeitungen
und  Drucksachen ­


1193651474
53685000
16180584
7078693
5045563
3409420
3088816
1023004
932958
519299
278  911
289795
176679
55511

23,80
18,xo
1,46
2,95
4.10
0,67
1,40
2,33
0,31
2,70
2.10
2,10
0,15
3,50

5197000
?
14993

28880  0,50

49053
4107
3927
90
1
40
?

1285444587
112760640
36979689
3753068
392017
389100
330883

1446
74
121

29697000
9973148
?
8693544
2  702597
2819  763
724657
1185012
?
71934
73619
22262
42268
3229
6644

Zusammen

1223348474
68855948
16180584
15787230
7752160
6229183
3813Í73
2208016
932958
591233
352530
313503
218947
58814
35645

4,41
0,82
1,08
0,so
3,oo
0,05
0,23

5213634
1619073
400515
16794
170
450
683

8165
1069
846
1908
461
240
198
58
?
?

56015677
10255863
9715082
1764537
37800
3800
59277

154605397
23215648
21457295
18312120
8849  743
4416161
2466109
836404
158271
73  700

0,91
23.9
46.3
24.9
30.3
20,2
21.9
29,2
9,1
36,8

4780
217

217

79  785451
6800757
2579500

26,9
2,37
0,14

409845  3,40

9  790102  j  1,97

2037685
3091364
1395616
490800
285518
128  346

2494

21836359
10075407
10057944
10699700
4657254
3942210
2040902
680642
36803
75850

5394138

1109

1109

wurde  begründet  auf  deutsche  Initiative  durch
den  9.  Okt.  1874  zu  Bern  abgeschlossenen  Allgemeinen ­
  Postvereinsvertrag  und  erweitert  durch  den
Pariser  Vertrag  vom  1.  Inni  1878.  Ihm  gehören
letzt  an:
Europa  ganz;  von  Asien:  Aden,  Afghanistan. ­
  Asiatisches  Rußland,  Asiatische  Türkei,  Belutsch,stan. ­
  Birma.  Britisch-  und  Nicderländisch-Jndien,
  Ceylon,  China  (die  britischen  Postan-^E°n).
  Cypern,  Japan,  Labuan.  Maskat,  Per-,
  Phllippnien,  Straits  Settlements)  von

116677  5135  892  634  j  8,86  1845539  744
Drr  Weltpostverein

42266  712
?
831000
211576

1346678698
124635576
47195286
5534399
429987
393350
390843
178579441
36382419
32910855
29502620
13506997
8643889
4635357
1517046
195074
152044
127446301
6800757
3410500
622530

1042576  10833787

1473528870  7455066048

Afrika:  Ägypten,  Algerien,  Liberia.  Marokko,
Mauritius,  Ober-  und  Niedergninea,  alle  portugiesischen ­
  und  französischen  Kolonien,  Sansibar,
Tripolis,  Tunis;  von  Amerika:  Argentinien,
Brasilien,  Britisch-Amerika,  Chile,  Dominikanische ­
  Republik,  Ecuador,  Falklandinseln,  Grönland, ­
  Guatemala,  Guayana.  Honduras,  Kolumbien, ­
  Mexiko,  Paraguay,  Per»,  San  Salvador,
Uruguay,  Venezuela,  Vereinigte  Staaten,  Westindien;
  von  Australien:  die  Karolinen,  Mañanen, ­
  Markcsas,  Neuguinea,  Neukaledonien,  Tahiti.
        <pb n="559" />
        Telegraphenverkehr.
Statistik  des  Telegraphenverkehrs.
Das  Tclegraphenwcscn  Mer  Lander.

551

Länder

Kilometerlänge

der  Linien  der  Drähte

Europa.
Belgien
Bulgarien
Dänemark
Deutschland
Frankreich
Griechenland
Großbritannien
Italien
Luxemburg
Montenegro
Niederlande
Norwegen
Österreich  -  Ungarn
Portugal
Rumänien
Russisches  Reich
Schweden
Schweiz  •  •
Serbien
Spanien
Türkei  (itili.  Asten)  .  .  .  -  •  •
Zusammen:
Amerika.
Bereinigte  Staaten
Kanada
Mexiko
Guatemala
Honduras
Costarica
Cuba
Puerto  Rico
Venezuela
Kolumbien
Ecuador
Peru
Bolivia
Paraguay
Brasilien
Uruguay
Argentinien
Chile  .  .  •  •

Zusammen:

5410
2057
3448
00855
04275
3518
41311
25533
310
444
3701
8010
49128
4253
5239
88587
11304
0552
1401
15870
25440

3#

der  Anstalten ­


433300
177000
17034
14822
1807
1040
320
4500
750
539
2900
338
2552
702
72
0942
1219
7  757
7102

23572
3021
9118
238420
182518
4515
183815
84101
527
?
13055
15  750
143917
9719
8324
204034
29020
10007
2140
40053
49121

708
31
272
9292
5184
83
5330
2231
43
15
380
244
3480
107
195
2475
759
1104
37
358
417

248242

1201971
388000
20142
?
2101
?
'{
?
?

3237

15820

470732")

32823
9500
829
317
52
?
10
187
'I
30
10
53
15
123
20
182
89

der  Telegramme ­


5124870
07019
1015273
14920702
17370172
390452
20  704475
5900083
58000
?
2  704794
701397
10422198
080518
845850
0383070
1010208
2014338
105250
2012748
1277019

100514308
35000000
11420QP
?
185000
?
?
?
'(
?
124000
?
125000
?
?
232000
40301
214714
138179

Auf  10,000
qkm  entfallen ­

Kilom.
Linien

11429  I  37201254  s)

1830
322
900
1230
1210
078
1308
802
1187
408
1141
271
789
458
420
40')
278
1590
300
317
117

749
189
21
77
177
80
51
387
800
5
35
5
18
0
3
8
05
37
223

01

'1  Nir  das  europäische  Rußland,  inkl.  Finnland  und  mit  Kaukasus,  allein  122.
")  Wo  bei  einigen  Ländern  Angaben  über  die  Drahtlänge  fehlen,  ist  die  Limenlangc  fur  dieselben
gerechnet  worden.
■f)  Nur  für  obige  itenn  Lander.
        <pb n="560" />
        552

Telegrapheiwerkchr.

Länder

Asien.
Britisch-Indien  .  .  .
Ceylon
Persien
Niederländisch  -  Indien  .
Kotschinchina  .  .  .  .
Philippinen
China
Japan

Zusammen:
Australien.
Reusüdwales
Victoria
Südaustralien
Queensland
Westaustralien
Tasmanien
Neuseeland
Neukaledonien
Hawaii  ’  ’

Afrika.
Ägypten
Algerien  und  Tunis.  .
Senegambien  .  .  .  .
Kapland
Oranje-Freistaat.  .  .

Zusammen:

Zusammen:
DasTelegraphennetzdcrErde.
Europa
Amerika
Asien  ;
Australien
Afrika

Die  ganze  Erde:

Kilometerlünge
der  Linien  der  Drähte

33040
1308
5192
5861
1634
1200
40
6380

83600
?
8873
7413
1669
1500
?
14260

Zahl

der  Anstalten ­


1321
?
66
79
30
37
39
182

der  Telegramme ­


1660886
'(
500000
396039
47  757
?
?
1272756

54655
12099
5151
7070
9608
2496
1175
5768
1044
64

44475
7985
6984
415
2543
441

117315
19998
9289
9550
12860
2532
1495
14880
1104
?

71708
13345
10059
415
3101

1754
273
256
147
161
27
79
214
13
?

3877438
1175218
1017484
515648
514292
?
88832
1448943
17430
?

18368
433366
248  242
54655
44475
18368

26920
1261971
476732
117315
71708
26920

1170
181
162
11
92
-

4777847

473131
1023672

183120
?

446
32823
11429
1754
1170
446

799106  I  1954646  I  47622

1679923
100514308
37201254
3877438
4777847
1679921

148050770

Der  internationale  Telegraphenvertrag
wurde  17.  Mai  1865  von  20  europäischen  Regie-Hingen
  zu  Paris  unterzeichnet.  Danach  wurden  der
sogen.  Zwanzig-Worte-Tarif  und  eine  gemeinsame
  Münzwährung  in  Franken  angenommen.  Auf
dem  zweiten  internationalen  Telcgraphenkongreß
zu  Wien  1868  traten  Indien,  Japan,  Persien  und
die  Türkei  bei;  auch  wurden  die  hohen  Tarife  herabgesetzt ­
  und  ein  internationales  Telegraphenbüreau
zu  Bern  errichtet.  Die  dritte  Konferenz  tagte  1872
m  Rom.  die  vierte  1875  in  St.  Petersburg,  die
Mi#  1879  in  London;  auf  der  letzten  wurde  der
Worttarif  wenigstens  im  Prinzip  angenommen,  und
i  gungen  bei  Depeschen  bis  15  Worte  traten
*•  April  1880  ein.  ""!t  tu.r  „

Auf  10,000
qkm  entfallen ­

Kilom.
Linien

87
204
31
32
292
40

115

12
151
225
23
56
10
171
211
611
38

49
29
81
19
43
39

749
61
12
49
6

173

Mit  diesem  Datum  sind  Verträge ­

  abgeschlossen  mit:  Österreich-Ungarn.  Belgien
Danemark,  Niederlande.  Schweiz  (Grundtaxe  40'
Worttaxe  10  Pf.),  England,  Helgoland,  Nortvcgen'
Schweden  (Grundtaxe  40,  Worttaxe  20  Pf.),  Bul-'
stiirien,  Spanien,  Portugal  (1  Mark  und  20  Pf.)'
Bosnien  und  Herzegowina,  Italien,  Montenegro.
Rumänien,  Serbien  (75  Pf.  und  15  Pf.),  Korfu.
Ionische  Inseln,  Malta,  russischer  Kaukasus  (2  Mk.
und  40  Pf.),  europäisches  Russland  (40  Pf.  und
25  Pf.),  europäische  Türkei  und  griechisches  Festland ­
  (2  Mk.  und  40  Pf.),  Frankreich  (Worttaxe
16  Pf.).  Die  Begründung  eines  Wclttclegraphenvereins
  wird  womöglich  auf  der  für  1884  zu  Berlin
anberaumten  Telegraphenkonferenz  gelingen.
        <pb n="561" />
        Telegraphenverkehr.
Die  nicht  durch  die  Lust  Bfjoflciten  Linien.

553

Länder

Deutschland....
Österreich-Ungar»  .
Rußland
Schweden  ....
Norwegen  .  .  .  •
Dänemark  ....
Großbritannien  .  .
Niederlande.  .  .  •
Belgien
Schweiz
Frankreich  ....
Spanien
Rumänien  ....
Algerien  und  Tunis.
Indoeuropäische  Linie
Britisch  -  Indien  .  .
Niederländisch  -  Indien
Kotschinchina  .  .  .
Japan

Zusammen:

In  Kilometern

Unterirdische
Linien  Drähte

3606
26
IOC

1
713
71
11
60
400
112
11
25

5421

24064
488
244

58
15228
712
232
270
0753
305
56
205

52524

Unterseeische
Linien  Drähte

60
177
356
00
367
163
1002
125

2554
260
6
4
2236
142
104
20
48

153
187
475
127
408
662
6350
350

2000
260
0
4
3181
180
104
20
100

8722

15188

Pneumatische
Röhren

83

187

Die  großen  Kabelgesellschasten  31.  Dezember  1880.

Name  der  Gesellschaft

Anglo-American  .  .  .  .
Black  Sea
Brazilian  Submarine.  .  .
Cuba  Submarine  ....
Direct  Spanish
Direct  United  States.  .  .
Eastern
Eastern  and  South  African
Eastern  Extension  ....
German  Union
Great  Northern
Mediterranean  Extension  .
Montevideo»  and  Brazilian
Platino-Brasileira.  .  .  .
Subinarine
Westindia  and  Panama.  .
Western  and  Brazilian  .  .
West  Coast  of  America  .  .

Zusammen:

Länge  in  nautischen ­
  Meile»
zu  1855  m

10688
350
3667
042
808
2083
16387
3  853
10430
224
4  850
204
200
1058
600
4068
2517
1600

65528

Grundkapital
Mark

140000000
2600000
26000000
4400000
3406180
26278000
107500000
10000000
61150000
3300000
32000000
3040000
2060400
0620600
6764500
25704600
36064000
8042000

518010280

Reservefonds
Mark

4010620
60000
5802460
707300
41560
4000000
6000000
500000
4345360
580620
3252620
218500
10000
141440
1738180
830000
100000

32347660

Dividende
Prozent
3 1 /«
5
6
6
5
5
6
6
10
Vh
3
IV»
2 3 /4
10

Rein  europäischen  Verkehr  haben  die  Gesellschaften: ­
  Black  Sea,  Direct  Spanish,  German
Union,  Mediterranean  Extension  und  Submarine;
gemischten  Verkehr:  Anglo-American,  Brazilian ­
  Submarine.  Direct  United  States,  Eastern,

Eastern  and  South  African,  Eastern  Extension
Great  Northern;  rein  außereuroPäischenVerkchr:
  Cuba  Submarine,  Montevideo»  aud  Brazilian, ­
  Platino-Brasileira,  Westindia  and  Panama,
Western  and  Brazilian,  West  Coast  of  America.
        <pb n="562" />
        554

Dampfschiffahrtslinien.

Übersicht  der  Dampsschiffahrtslinieņ.
die  dem  Buch  £&amp;gt;cißcstct&amp;gt;cnc  »Übersichtskarte  des  Weltverkehrs«.)

Postdampferlinicn
(1  Seemeile  =  1,85  km)

Entf.
Seemeilen ­


Fahrzeit ­

Tage

I.  Deutsche  Linien.
1)  Nordamcrikanische  Fahrt.
a)  Norddeutscher  Lloyd:
Bremerhaven-New  Pork  .  .  .
Bremerhaven-Baltimore  .  .  .
Bremerhaven-New  Orleans  .  .
b)  Hamburg-Amerikanische
Paketfahrtaktiengesellschast:

Hamburg-New  York  ....
2)  Westindische  Fahrt.
Hamburg.Amerikan.  Paketfahrtaktiengesellschaft: ­

Hamburg-Colon
Colon-Hamburg
St.  Thomas  -  Port  au  Prince  -  SL
Thomas
Hamburg-Ponce-Colon  !  .’
Colon  -  Ponce  -  Hamburg  .  .
St.  Thomas-Puerto  Plata-Sü
Thomas
Hamburg  -  Veracruz  -  Tampico  .
Tampico-Veracruz-Hamburg  .
3)  Siidaincriknnische  Fahrt.
a)  Kosmos:
Hamburg  -  Montevideo  -  Callao  .
b)  Hamburg  -  Südamerikan.
Dampfschjffgescllschaft:
Hamburg-Nio  de  Janeiro-Santos
Hamburg-Buenos  Ayres  .  .  .
o)  Norddeutscher  Lloyd:
Bremerhaven  -  Rio  de  Janeiro-Santos

Bremerhaven-Buenos  Ayres.  .
4)  Asiatische  Fahrt.
Deutsche  Dampfschiffsrecderei:

Hamburg-Suez-Schanghai  .  .
5)  Australische  Fahrt.
Nob.  M.  Slaman  u.  Komp.:
Hamburg  -  Kapstadt  -  Sydney  .  .
».  ßnlitischo  Linien.
1)  Nordamcrikanische  Fahrt.
a)  Juman-,  White  Star-  und
C  unard  -  Linie  n  :
Liverpool-Neto  Pork  ....  3y28  11

3565
3879
5270

3040

5547
5523
1270
5642
5593
772
6333
6135

11247  67

5  795
6655

6040
7427

10974  48

13645  56

Postdampferlinien
(1  Seemeile  =  1,85  km)
b)  Allan-Linie:
Liverpool-Quebec
Liverpool-Halifax
Halifax-Bermuda
2)  Westindische  Fahrt.
a)  Westindia  and  Pacific
Steamship  Co.:
Liverpool-Colon
Liverpool  -  Veracruz  -  Progreso  .
b)  Royal  Mail  Steam  Packet
Co.:
Southampton  -  Jamaica  -  Colon
via  St.  Thomas  .  .  .  .
via  Barbados
Davon  Zweiglinien:
St.  Thomas-Puerto  Rico  .
St.  Thomas-Veracruz  .  .
St.  Thomas-Trinidad-Demerara-Barbados
  .
Barbados-Trinidad  .
Barbados-St.  Thomas
Colon-Sabanilla  .  .
Colon-Greytown  ....
Southampton  -  Sabanilla  -  Colon
3)  Sndainerikanische  Fahrt.
a)  Pacific  Steam  Navigation ­
  Co.:
Liverpool  -  Callao
Panamä  -  Callao  -  Valparaiso  .
b)  Liverpool  and  Northern
Brazil  Mail:
Liverpool-Ccara
c)  Liverpool  Brazil  and  River ­
  PlateSt.  Navig.  Co.:
Liverpool-BuenoS  Ayres-Rosario
Bordeaux-Buenos  Ayres  .  .  .
ci)  Royal  Mail  Steam  Packet
Co.:
Southampton-Buenos  Ayres  .
Southampton-Pernambuco-Bucnos
  Ayres
e)  Lamport  and  Holt:
Antwerpen-Buenos  Ayres  .  .
4)  Afrikanische  Fahrt.
a)  African  Steamship  Co.  u.
British  and  African  St.
Navig.  Co.  abwechselnd:
Liverpool-Mndeira-OId  Calabar

Entf.
Seemeilen ­


2636
2  450
730

5097
5220

5125
5370
70
1878
1894
346
513
345
248
5248

11159
3067

Fahrzeit ­

Tage

10

4703

6600
0190

30

4700  30
        <pb n="563" />
        Dampfschiffahrtslinien.

555

Postdampferlinien
(1  Seemeile  =  1,85  km)

Guts.
Seemeilen ­


Fahrzeit ­

Tage

Postdainpferlinien
(1  Seemeile  —  1,85  km)

Guts.
Seemeilen ­


Fahrzeit ­

Tage

b)  Union  Steamship  Go.:
Plymouth-Kapstadt-Natal  .  .
Zweiglinie:  Natal-Sansibar  .
c)  Colonial  Mail  Line:
Dartmouth-Kapstadt-Natal.  .
d)  British  India  SteamNavigation
  Go.:
Aden  -  Sansibar
e)  Peninsular  and  Oriental
Steam  Navigation  Go.:
Brindisi-Alexandrien  .  .  .  .
6)  Asiatische  Fahrt.
a)  Peninsular  and  Oriental
Steam  Navigation  Go.:
Southampton-Suez.  .  .
Suez-Aden-Bombay  .  .
Suez-Point  de  Galle  .  .
Point  de  Galle-Kalkutta  .
Bombay-Schanghai.  .  .
Zweiglinie:Hongkong-Jokohama
b)  British  India  Steam  Navigation ­
  Go.:
Bombay-Karratschi-Basra  .  .
6)  Australische  Fahrt.
a)  Peninsular  and  Oriental
St.  Navigation  Go.:
Point  de  Galle-Adelaide-Melbourne ­
  -  Sydney
b)  British  India  Steam  Navigation ­
  Go.:
London  -  Suez  -  Singapore  -  Brisbane ­
  .  .
c)  Orientlinie:
Plymouth  -  Kapstadt  -  Sydney  .
Hl.  Ziranzösische  Linien.
1)  Westindische  Fahrt.
Gomp.  generale  transatlantique: ­

St.  Razaire  -  Colon
Zweiglinien:  Port  de  France
(Martinique)  -  Cayenne.  .
St.  Nazairc-Veracruz  .  .  .  .
Zweiglinien:
St.  Thomas-Venezuela  .  .
St.  Thomas-Jamaica  .  .
Havre  -  Colon
2)  Siidamerikanische  Fahrt,
a)  Messageries  maritimes:
Bordeaux-Buenos  Ayres  .  .  .

6690
2020
6  770
1770
825

3155
2972
3442
1315
4841
1620

1710

5382

11591
12820

4926
1075
5560
859
1065
5554

26

6254  26

b)  Société  générale  be
Transports  maritimes:
Marseille-Buenos  Ayrcs  .  .  .
3)  Mtttelnicerfahrt.
a)  Comp,  generale  transatlantique: ­

Marseille-Algier
Marseille-Oran
Marseille  -  Bona  -  Tunis  .  .  .
b)  Messageries  maritimes:
Marseille  -  Neapel-Alexandrien  .
Marseille  -  Syra  -  Alexandrien  .
Marseille  -  Smyrna  -  Konstantinopel ­

Konstantinopel  -  Trapezunt  .  .
4)  Asiatische  Fahrt.
Messagerie?  maritimes:
Marseille-Suez-Jokohama  .  .
Zweiglinien:
Aden-Mauritius
Point  de  Galle-Kalkutta.  .
Singapore-Batavia.  .  .  .
Hongkong-Schanghai  .  .  .
IV.  Österreichische  Linien.
Österreichisch-Ungarischer
Lloyd:
Triest-Syra-Smyrna  .  .  .  .
Triest-Alexandrien
Konstantinopel  -  Alexandrien  :
1)  Ägyptische  Linie  ....
2)  Syrische  Linie
Alexandrien-Beirut
Konstantinopel  -  Trapezunt  -  Batum ­

V.  Italienische  Linien.
a)  Rubattino  u.  Komp.:
Genua-Tunis
Zweiglinie:  Tunis-Sfaks-Tripolis-Malta ­

Neapel  -  Alexandrien
b)  Lavarello  u.  Piaggio:
Genua  -  Cadiz  -  Buenos  Ayres  .
Genua-Barcelona-Bucnos  Ayres
c)  Florio  u.  Komp.:
Neapel-Palermo-Tunis  .  .  .

6090

417
534
585
1464
2505
1525
537

9705
2487
1280
550
870

1285
1201
849
1337
427
623

558

678
1053

6219
6207

399

25

1  Va
2
2 3 /4
7
15
8
3Va

44

9
6
5-/4
8  Va
3

3-/4
5V4

2Va
        <pb n="564" />
        'U  ;

■Itisi

Fahrzeit ­

Tage

-“fee«

iseMssKssswiias

g  ■  —

55G

Schiffsverkehr  aller  Länder.

(Slits.
Seemeile» ­


Fahr.
zeit
Tage

Eiits.
Seemeile» ­


Postdampferlinien
(1  Seemeile  —  1,8S  km)

Postdainpferlinien
(1  Seemeile  —  1,85  km)

VI.  Pioderlündischo  Linien.
a)  Stoomvaart  Maatschap-Pij
  »Nederland«:
(Amsterdam)-Neapel-Batavia  .
b)  Nederl.-Jnd.  Stoomvaart
Maatschappij:
Singapore-Batavia  ....

IX.  AineriKcrnisclie  Linien

GMM

UGO

560

VII.  Spanische  Linien.

Lopez  ».  Komp.:
Cadiz-Havana  .  .  .
Santander-Havana.  .
Cadiz-Kanarische  Inseln
Singapore-Manila  .  .

Vili.  portugiesische  Linien.

'.XT"

1179

fei.

■IMis

4220

3  Va

lilis

I-'.Ml

Comp.  geral  Portugueza  de
Navegacao  a  vapor:
Lissabon-Madeira-Azoren  .  .
Lissabon.  Azoren  I  ?go

a)  New  Jork  -  Havana  and
Mexican  Mail  Steamship ­
  Co.,  Clyde  Line,  I.
E.  Ward  and  Co.:
New  Zork-Havana
b)  Quebec  and  Gulf  Ports
St.  Co.:
New  Pork  -  Bermuda  -  St.Thomas
New  Orleans-Belize  ....
c)  Pacific  Mail  Steamship
Co.:
San  Francisco-Victoria  .  .  .
San  Francisco-Panama  .  .  .
San  Francisco-Sydney  .  .  .
San  Francisco-Hongkong  .  .
à)  Occidental  and  Oriental
_6t.  N.  Co.:
San  Francisco-Hongkong  .  .
X.  Japanische  Linio.
Mitsu  Bishi  Co.:
Jokohama-  Schanghai  ....

1483
820

780
3555
7218
6370

4
17
27
26

Schiffsverkehr  aller  Länder  (in  Tonnen  A,  1000  kg).
Tonnen

Großbritannien  125352000
Vereinigte  Staaten  96321000
Ztalien  25253000
Türkisches  Reich  20920000
Frankreich  20910000
Niederlande  17622000
Deutschland  14763000
China  (Traktatshäfen)  ....  13927000
Spanien  11056000
Österreich-Ungarn  9917000
Ägypten  8926000
Britisch-Australien  8218000
Griechenland  8126000
Russisches  Reich  7  970  000
Brasilien  7789000
Chile  7234000
Portugal  6322000
Schweden  6215000
Kanada  6088000
Britisch.  Indien  5754000
Prlgien  5309000
Straits  Settlements  4391000
Lapland  4478000
3917000
Niederländisch.  Indien  3861000

Tonnen
Dänemark  3756000
Rumänien  3355000
Algerien  2772000
Britisch  -  Westindten  2610000
Ceylon  2560009
Argentinien  1563000
Japan  (geöffnete  Häfen)  ....  1284000
Hayti.  .  .  1253000
Kolumbien  1171000
Cuba  1020000
Mexiko  1000000
Uruguay  806000
Marokko  733000
Venezuela  620000
Neufundland  593000
Mauritius  560000
Tunis  505000
Siam  468000
Tripolis  437000
Lagos  348000
Hawaii  !  ,  326000
Natal  263000
Ecuador  230000
Sansibar  210000
Santo  Domingo  133000
        <pb n="565" />
        Seedampfergesellschaften.
Die  größten  Seedliuchsergesellschlisten  der  Welt.

557

Gesellschaft
1)  Peninsular  andOricntal
  Steam  Nav.  Co.
2)  Messageries  maritim.
3)  Pacific  Steam  N.  Co.
4)  Lsterr.  -  Ungar.  Lloyd
5)  ytorddeutschcr  Lloyd.
6)  CunardSteamshipCo.
7)  Brit.  India  St.  N.  Co.
8)  Anchor  -Linie  .  .  .
g)  Cie  generale  transatlantique ­
  ....
10)  Wilson  u.  Co..  .  .
11)  Royal  Mail  St.  Packet
Co
12)  Pacific  Mail  St.  Co.
13)  Russ.  Dampfschiffges.
14)  Liverpool,  Brazil  and
River  Plate  St.  N.  Co.
15)  Hamb.-Amer.  Packetfahrt-Akt.-Ges.
  .  .
16)  Allan-Linie  .  .  .
17)  Henderson  -Linie  .  .
18)  Oricntlinie  .  .  .  .
19)  RationalSteamsh.Co.
20)  Rabattino  u.  Co..  .
21)  White  Star-Linie  .
22)  Leyland  u.  Co.  .  .
23)  Gen.  Steam  N.  Co..
24)  Florio  u.  Co.  .  .  .
25)  Ocean  Steamship  Co.
26)  Union  Steamship  Co.
27)  Oceanic  St.  N.  Co..
28)  National-Lime  .  .
29)  Rob.M.Sloman  u.Co.
30)  Inman-Linie  .  .  .
31)  Dominion-Linie  .  .
32)  Lopez  u.  Co.  .  .  .
33)  Harrison  -  Linie  .  .
34)  Guión  -Linie  .  .  .
35)  Hall-Linie  .  .  .'.
36)  Sied  Star-Linie  .  .
37)  Westindia  and  Pacific
Steamship  Co.  .  .
38)  Nederl.  -  Jnd.  Stooin-Vaart
  Maatschappij
39)  Morgan  u.  Co.  .  .
40)  Nelson,  Donkin  u.  Co.
41)  MMegor  .  .  .  .
42)  Société  Anonyme  de
Navlg.  Belge  -  Américaine ­

43)  Nederlandsch  Stoomboot
  Maatschappij  .

Hafen

London
Paris
Liverpool
Triest
Bremen
Liverpool
London
Glasgow
Paris
Hull
London
New  Bork
Odessa
Liverpool
Hamburg
Glasgow
Glasgow
London
Liverpool
Genua
Liverpool
Liverpool
London
Genua
Liverpool
Southampton ­

Liverpool
London
Hamburg
Liverpool
Liverpool
Cadiz
Liverpool
Liverpool
London
Antwerpen
Liverpool
Batavia
New  Bork
London
Glasgow

Antwerpen
Amsterdam

Tonnen

157  763
113846
99286
91380
85946
81  756
81531
79622
67056
66913
65876
61137
60723
59401
57547
52471
52358
51981
51506
46897
44555
43866
43157
37624
37624
34378
34190
33892
33800
32878
32360
29998
29720
26100
25821
25000
23519
23339
23288
22315
22119

22094
22005

Gesellschaft

44)  Mos;  Steamship  Co.
45)  Australasian  St.N.Co.
46)  MercantilcStcamship
Co
47)  Brit.  and  African
Steamship  Co.  .  .
48)  Papnyanni  u.  Co.  .
49)  Deutsche  Dampfschiffreederei ­

50)  Stoomvaart  Maatschappij ­
  »Nederland«
51)  Det  Forenade  Dampskibselskab
  .  .  .  .
52)  OlanoLarrinage  u.Co.
53)  Valéry  Frères  et  Fils
54)  Glyn  and  Son  .  .
55)  Fenwick  and  Son.  .
56)  White  Croß  -  Lurie  .
57)  Cie  des  Chargeurs
Reunis
58)  Mestoli  and  Co.  .  .
59)  Société  generale  de
Transports  maritimcs
  à  vapeur.  .  .
60)  Hutchinson  u.  Macintyre

61)  Briggs  Sons  and  Co.
62)  Great  Eastern  St.  Co.
63)  Robinson  aild  Co.  .

64)  Gray

65)  Haiilburg  -Südamerika». ­
  Dampfschiffges..
66)  Liverpool  and  Great
Western  Steamsh.Co.
67)  London  and  Northwestern ­
  Railway  Co.
68)  Adamson  and  Short
69)  China  Navigat.  Co..
70)  Barrow  Steamsh.  Co.
71)  Nieder!.  -  Amerika».
Dainpfschiffgescllsch.  .
72)  Telegraph  Construction ­
  and  Maintenance
Co
73)  Eastern  StcamshipCo
74)  Fraissinet  et  Cie
75)  State  Line  .  .
76)  Currie  ».  Co.  .
77)  Mitsu  Bishi  Co.
78)  »Kosmos«  .  .
79)  Milburn  .  .  .
80)  Clyde  and  Co.

Hafen

Liverpool
Sydney
London
Liverpool
Liverpool
Hamburg
Rotterdam
Kopcnhag.
Bilbao
Marseille
Liverpool
London
Antwerpen

Havre
Sunderland

Marseille
Newcastle
w
London
North-Shields

W.-Hartlepool

Hamburg
Liverpool
London
N.  Shields
London
Barrow
Rotterdam

London
Barrow
Marseille
Glasgow
Leith
Japan
Hamburg
London
New  Bork

Tonnen

21847
21660
21410
21259
21227
21000
20752
20309
19992
19924
19872
19809
19800
19792
19684
19490
19384
19151
18916
18368
18254
18249
17535
17213
17078
16606
16300
16147

15135
15041
15001
14764
14313
14099
13682
13675
13608
        <pb n="566" />
        558

Handelsflotten  der  Welt.

Die  Almdelsşilltteit  der  ñbeit  (nach  ihrem  wirklichen  Bestand).

Länder

Dampfer
Zahl  I  Tonnen

Segelschiffe
Zahl  I  Tonnen

Zusammen
Zahl  j  Tonnen

1)  Großbritannien  .
2)  Vereinigte  Staaten
3)  Norwegen.  .  .
4)  Britisch-Amerika  .
5)  Deutschland  .  .
6)  Frankreich.  .  .
7)  Italien.  .  .  .
8)  Schweden  .  .  .
8)  Griechenland.  .
10)  Japan....
11)  Spanien')  .  .
12)  Europ.  Rußland
13)  Niederlande  .  .
14)  Finnland  .  .  .
15)  Britisch-Australie
16)  Dänemark.  .  .
17)  Österreich  *)  .  .
18)  Brasilien  .  .  .
19)  Britisch-Asien  .
20)  Argentinien  .  .
21)  Portugal  .  .
22)  Nicderltindisch-Asi
23)  Ungarn')  .  .  .
24)  Ägypten  .  .  .
25)  Span.-Amerika')
26)  Mexiko....
27)  Belgien')  .  .  .
28)  Peru
29)  Chile  ....
30)  Spanisch.Asien')
31)  Europäische  Türke
32)  Hayti  ....
33)  ChinasenroP.Bana
34)  Russisch.  Asten  .
35)  Asiatische  Türkei
36)  Britisch-Afrika  .
37)  Kolumbien  .  .
38)  Guatemala  .  .
39)  San  Salvador  .
40)  Nicaragua  .  .
41)  Bolivia.  .  .  .
42)  Hawaii.  .  .  .
43)  Tunis  ....
44)  Algerien  .  .  .
45)  Portugiesisch-Afüka
46)  Costarica  .  .  .
47)  Niederst-Amerika
48)  Dänisch-Amerika
49)  Uruguay  .  .  .
50)  Honduras.  .  .
51)  Rumänien  ').  .  .
52)  Portugiesisch-Asien

Die  ganze  Erde'"):

4841
3091
306
642
374
588
151
552
12
165
237
242
79
176
578
189
81
?
131
160
33
40
2
30
59
?
34
8
30
28
10
?
33

..  4722536f)|  128043s)
’)  Vgl.  die  Bemerkungen  auf  folgender  Seite.

12924  s)

2596202
647218
51674
88532
196343
275305
72666
81527
4940
41407
103038
68  788
66083
9724
72088
52218
61631
?
40036
23081
11246
17350
426
28965
20239
?
42327
1768
9022
6834
5658
?
22910
'(
488
?
?
?
?
?
414
1205
703

31

449

21238
16040
7942
8422
4403
14939
7  759
3019
2024
18916*
1524
3051
927
1827
1745
3072
408
'{
842
6378
442
314
170
555
230
?
24
139
106
254
152

15
?
250
?
?
'(
'I
?
44
554
148
54
?
77
24
?
?
6
9

4262054
2039474
1475015
1234820
974943
730075
920640
428560
419478
364617"
291680
271414
269668
293921
197935
207803
173852
?
130001
117447
73508
62589
74596
30909
39158
?
9493
48092
30733
32092
28153
?
20000
'1
17064
?
?
'{
?
?
6339
4903
5436
3616
'(
3234
2965

1048
1129

15298464  s)

25884
19131
8248
9064
4777
15527
7910
3571
2036
19081"
1761
3293
1006
2003
2323
3261
489
755
973
6438
475
354
172
585
289
350
58
147
136
282
162
144
33
15
124
257
100
106
64
80
38
45
558
148
62
40
77
25
37
30
7
9

7833141
1686692
1526689
1323352
1171286
1005380
993306
510087
424418
406024")
394698
340202
335  751
303645
270023
260021
235483
232  000
170037
140528
84749
79939
75022
59874
59397
54000
51820
49860
39755
38926
33811
28000
22910
20000
19509
17522
16000
16000
9000
9000
7000
6  753
6118
5436
4319
4000
3234
2996
2828
1800
1497
1129

142540  I  20394967
        <pb n="567" />
        Handelsflotten  der  Welt.

559

Bemerkungen  zur  Tabelle  S.  558.  ")  Nur  Schiffe  über  60  Tou.  **)  Darunter  18,714
Dschoukeu  von  328,566  T.  """)  über  die  Handelsflotten  von  Arabien  (Maskat),  Persien,  Siam,
Tripolis  fehlen  die  Angaben,  f)  Ohne  Brasilien,  Mexiko,  Hayti,  Centralamerika,  Kolumbien,  Bolivia,
Uruguay,  Asiatische  Türkei,  von  welchen  nur  die  in  Kol.  6  und  7  aufgeführten  Angaben  vorliegen.

Die  Hauptländrr  nach  ihrer  Leistungsfähigkeit.
Mit  Ausscheidung  aller  Fahrzeuge  unter  50  Ton.  u.  Rechnung  einer  Dampfertonne  —  drei  Seglcrtounen.

Länder

Dampfer
55

Segelschiffe
sw  55

Zusammen
«  M  wirkliche  Berechnete
^  Tonnen  Tonne»

1)  Großbritannien  .
2)  Bereinigte  Staaten
3)  Nortvegen  .  .  .
4)  Deutschland.  .  .
5)  Frankreich  .  .  .
6)  Britisch-Amerika  .
7)  Italien  ....
8)  Schweden.  .  .  .
9)  Spanien  ....
10)  Niederlande  .  .  .
11)  Europäisches  Rußland
12)  Österreich....
13)  Britisch-Australien
14)  Dänemark  .  .  .
15)  Japan  ....
16)  Finnland.  .  .  .
17)  Britisch-Asien  .  .
18)  Griechenland  .  .
19)  Belgien  ....
20)  Niederländisch-Indien
21)  Portugal.  .  .  .
22)  Spanisch  -  Amerika
23)  Ungarn  ....
24)  Spanisch-Asien  .

Zusammen

3514
1779
182
266
387
324
119
266
287
76
191
81
264
127
88
36
114
20
34
40
23
59
2
28

2566237
617054
48720
177483
270717
82288
62277
77187
103038
66024
67098
61631
60438
51030
40699
6257
39559
10183
42327
17350
10962
20239
426
6834

13022
6679
4434
3137
3143
4073
2708
1916
1524
913
1924
408
878
1148
1646
1018
547
1085
24
314
370
230
170
254

3998082
1849501
1393115
909820
606161
1119564
882479
396714
291680
269114
233188
173852
170577
174548
150576
247992
119598
199367
9493
62589
70924
39158
74596
32092

16536
8458
4616
3403
3530
4397
2827
2182
1761
989
2115
489
1142
1275
1734
1054
661
1105
58
354
393
289
172
282

6564319
2466555
1441835
1087303
876878
1201802
944756
473901
394718
335138
300286
235483
231015
225578
191275
254249
159157
209550
51820
79939
81886
59397
75022
38926

11696793
3700663
1539275
1442269
1418312
1366278
1069310
628275
600794
467186
434482
358745
351891
327638
272673
266  763
238275
229916
136474
114639
103810
99875
75874
52594

8257  4  506108  51565  13474780  59822  17980788  26992804

Die  Schiffstonncn  verschiedener  Länder.

Seestaaten

Argentinien
Belgien  .
Brasilien  .
Dänemark.
Deutschland
Finnland  .
Frankreich.
Griechenland
Großbritannien
Italien.  .  .

Nettoraumgehalt
Kubikmeter  Negistcrtons

1,95
2,83
1,88
5,52
2,12
5,19
2,83
3,18
2,83
2,75

0,09
1,0
0,59
1,95
0,75
1,83
1,0
1,12
1,0
0,97

Eeestaaten

Mexiko  .  .  .
Niederlande  .  .
Norwegen.  .  .
Österreich-Ungarn
Portugal  .  .  .
Rußland  (Last)  .
Schweden  (Nyläst)
Spanien  ....
Ber.  Staaten  f.  Segler
Ber.  Staat,  f.  Dampfer

Nettoraumgehalt
Kubikmeter  Registertons

1,95
2,12
5,89
2,37
2,37
4,15
8.98
2,83
2,75
1.98

0,09
0,75
2,08
0,84
0,84
1,40
3,17
1,0
0,9
0,7
        <pb n="568" />
        560

Münzen  aller  Länder.

Münzen,  Maße  und  Gewichte.
Die  Gold-  und  Silbermünzen  aller  Länder.
Reduktionsnorm  für  die  Feststellung  des  berechneten  Werts  in  Goldmark:  1  kg  feines  Gold  —  2790
deutsche  Goldmark  —  15Va  kg  Silber;  1  g  feines  Silber  —  18  deutsche  Pfennige.  Nicht  aufgeführte
Stücke  haben  Werte  nach  Verhältnis.

Länder

Rcp&amp;gt;

Rico
niblik

Ägypten  .
Arabien.  .
Argentinien
Australien.
Belgien.  .
Birma  .  .
Bolivia.  .
Brasilien  .
Centralamerika
Ceylon  .
Chile.  .
China').
Cuba  u.  Puerto
Dänemark.
Deutschland
Dominikan.
Ecuador
Finnland  .
Frankreich.
Griechenland
Großbritannien
Hawaii.  .
Hayti  .  .
Italien.  .
Japan  .  .

Kanada.  .
Kolumbien.
Kotschinchina
Liberia  .  .
Madagaskar'
Marokko  .
Mexiko  .  .
Niederlande
Norwegen  .
Österreich-Ungarn
Ostindien  (Vrit.)
.  (Franz.)
-  (Nieder!.)

0  —  Gold-.
8  =  Silber-,
  I)  —
Doppelwährung ­


Goldmünzen

Benennung  der  Stücke

100  Piaster  (Lira)  .  .

Onza  oder  Doblan  .
Sovereign  (Pfd.  Sterl.)
40  Franken  ....
Onza  à  10  Escudos  .
20  Milreis  ....
20  Pesos
s.  Britisch-Ostindien
Condor  à.  10  Pesos  .
keine  eignen
s.  Spanien
20  Kronen  ....
20  Mark  (Doppelkronc)
keine  eignen
Halbe  Goldonza  .  .
s.  Rußland
100  Franken:  .  .  .
100  Drachmen  .  .  .
Sovereign  (Pfd.  Sterl.)
keine  eignen
keine  eignen
100  Lire  lFranken)  .
20  Jen
engl,  und  amcrikan.
Onza  od.  Doppelkondor
keine  eignen
keine  eignen
keine  eignen
Onza  de  Oro  .  .
Hidalgo  ....
10  Gulden  .  .  .
20  Kronen  .  .  .
8  Gulden  (—  20  Fr.)
Mohur  k  15  Rupien
Sternpagode.  .  .
10  Gulden  .  .  .

Wert  in
deutsch.
Goldmark ­


20,75

61,588
20,429
32,40
62,078
45,848
80,10
38,30

22,50
20.00
31,80
81.00
81,oo
20,429

81,00
83,70

81,00

66,07
41,306
16,874
22,50
16,20
29,83
8,024
16,874

Silbermünzen

Benennung  der  Stücke

Piaster
Moccath(120M.—100
Maria-Theres.-Thlr.)
Peso
Shilling
Frank
Brit.  -  ostind.  Rupie  .
Boliviano
Milreis
Peso  à  8  Reales  .  .
s.  Britisch-Ostindien
Peso  (Dollar)  .  .  .
keine  eignen
s.  Spanien
Krone  à  100  Öre  .  .
Mark
keine  eignen
Peso
Mark«  à  100  Penili  .
Frank
Drachme  à  100  Lepta
Shilling
keine  eignen
keine  eignen
Lire
Jen  à  100  Sen.  .  .
Trade  -  Dollar  .  .  .
engl,  und  ainerikan.
Columbano  (Peso).  .
keine  eignen
keine  eignen
keine  eignen
Mitskal  k  10  Nckias  .
Peso  Duro  (Piaster)  .
Gulden  k  100  Cents  .
Krone
Gulden
Kompanie-Rupie  .  .
Rupie  v.  Ponditscherri
Gillden

Wert  in
deutsch.
Goldinark

0,202
3,50
4,384
0,941
0,81
1,924
4,05
2,025
4,05
4,05

1,08
0,90
4,06
0,751
0,751
0,761
0,941

0,751
4,367
4,409
4,05

4,355
4,398
1,701
1,08
2,00
1,924
1,968
1,701

')  China  prägt  weder  Gold-  noch  Silbermünzen.  Rechnungseinheit  ist  der  Haikuan-Tael  im
Wert  von  6  Mark  40  Pf.  Spanische  und  mexikanische  Piaster,  auch  Silber  nach  Gewicht  sind
Zahlungsmittel.
")  Im  Umlauf  sind  englische  und  amerikanische  Münzen,  auch  gebraucht  man  Silber  nach  Gewicht.
        <pb n="569" />
        561

Maße  und  Gewichte  aller  Länder.

Länder

Paraguay
Persien.
Peru.  .
Portugal
Rumänien
Rußland
Schweden
Schweiz.
Serbien.
Siam  .
Spanien
Tahiti  .
Tripolis
Tunis  .
Türkei  .
Uruguay
Venezuela
Vereinigte  Staaten

6  —  Gold-,
S  —  Silber-, ­
  D  —
Doppelwährung ­


Goldmünzen

Benennung  der  Stücke

Wert  in
deutsch.
Goldmark


keine  eignen
Toman....
20  Sol  (100  Fr.)
Krone  (Coroa)
20  Lek  .  .  .
Hnlbimperial
20  Kronen.  .
20  Franken  .

20  Pesetas

ttslik  (100  Piaster).
Üslik  (100  Piaster).
Doblon  (10  Pesos)
Doppel-Eagle  .  .

9,868
81,oo
45,387
16,20
16,736
22,50
16,20

16,20

18,441
18,441
43,416
83,957

Silbermünzcn

Benennung  der  Stücke

Wert  in
deutsch.
Goldmark


keine  eignen
Krone  à.  20  Schahis
Sol  à.  100  Centavos
Tostao  à  100  Reis.
Lëu  à.  100  Bani  .
Rubel  à  100  Kopeke»
Krona
Frank
Dinar  ä  100  Para
Bat  oder  Tikai  .  .
Peseta
Frank
türk.  Piaster  .  .  .
Rial  Sedili  (Piaster)
Piaster  —  40  Para
Peso  —100  Centesimos
Venezolano  .  .
Dollar  ....
Trade  -  Dollar  .

0,826
4,05
0,412
0,761
3,239
1,08
0,761
0,751
2,543
0,751
0,751
0,18
0,507
0,179
4,205
4,05
4,330
4,409

Die  Maß-  und  Gewichtseinheiten  aller  Länder.

Länder

Längenmaße

Hohlmaße
6-Getreide,  x-Flüssigkeit ­


Gewichte

Ägypten.  .  .
Argentinien  .
Australien  .  .
Belgien  .  .  .
Birma  .  .  .
Bolivia  .  .  .
Brasilien  .  .
Ccntralamcrika
Chile.  .  .  .
China  .  .  .
Dänemark  .  .
Deutschland  .
Dominik.  Rep..
Ecuador.  .  .
Frankreich  .  .
Griechenland  .
Großbritannien
Hayti.  .  .  .
Italien  .  .  .
Japan  .  .  .

metrische  Maße
1  Braze  à  2  Vara
s.  Großbritannien
metrische  Maße
1  Teong.  .  .  .
1  Vara  .  .  .  .

173

metrische  Maße
1  Vara  .  .  .
metrische  Maße
Covid.  .  .  .

Alen  (Elle)  à  2  Fuß
metrische  Maße
1  Vara  .  .  .  .
metrische  Maße
Pik  à  10  Palmas
1  Yard  à  3  Fuß.

Ardeb  zu  24  Rubehz.  .
1  Fanega  à.  12AlmudaS  6
1  Barile  à  32  Frascos  P
s.  Großbritannien
metrische  Maße
nach  Gctvicht
1  Fanega  G
1  Cantara  F....
wie  Portugal
metrische  Maße

Sei  6
F  nach  Gewicht
1  Tonne  à  8  Scheffel  .
Anker  à.  39  Pott  .  .  .
metrische  Maße
1  Fanega  &amp;amp;  200  Li  tras,
metrische  Maße

1  Aune  .  .  .
metrische  Maße
1  Ken  .  .  .

1  Quarter  à  8  Bushels  G
1  Gallon  à.  4  Quarts  F
1  Gallon  à  2  PotS  F  .
metrische  Maße
Kok  à.  100  Sjoo  G  .  .
Sjoo  à,  10  Goo  F  .  .

179
137
76

55,48
16,14

122

139
37,7

105,7

290,59
4,54
3,79
175
1,74

metrische  Gewichte
IQuintalälOOLibras
s.  Großbritannien
metrische  Gctvichte
1  Ms  h  100  Kaiats
IQuintal  à  4Arrobas
1  Quintal  à  4Arrobas
metrische  Gewichte
Piknl  à.  100  Kättis
Centner  ìi  100  Pfd.
Schiffspfund  .  .  .
metrische  Gewichte
IQuintal  à  4Arrobas
metrische  Gewichte
MinaälbOODrachm.
1  Pfund  .  .  .  .
1  Hundredweight  .
1  Quintal  à  100  Pfd.
metrische  Gewichte
1  Pikul  à  100  Kättis

46

1,06
45,9
58,75
46,01
60.5
50
160
46.5

1,5
0,45
50,80
48.95
57.96

Handclsgcographic.

36
        <pb n="570" />
        562

Maße  nub  Gewichte  aller  Länder.  —  Abkürzungen.

Länder

Kanada  .
Kolumbien
Kotschinchina
Liberia
Madagaskar
Marokko.
Mexiko  .
Niederlande
Norwegen

Österr.-Ungarn
Ostindien

Paraguay
Persien  .
Peru.  .
Portugal
Rumänien
Rußland.
Schweden
Schweiz  .
Serbien  .
Siam.  .
Spanien.

Tripolis.
Tunis  .
Türkei  .

Uruguay  .  .
Venezuela  .  .
Verein.  Staaten

Längenmaße

s.  Großbritannien
Vara
Thuok  .  .  .  .
1  Pard  à  3  Fuß.
1  Rähf  .  .  .  .
1  Dhra  .  .  .  .
metrische  Maße

El
1  Alen  à  2  Fuß.
metrische  Maße
1  Goes;  (Bombay)
1  Pard  (Madras)
1  Covid.  .
1  Vara  .  .
Goes  -  Schah
1  Vara  .  .
metrische  Maße
Khalebi  (Moldau)
Khalebi(Malachci)
Arschin  (Elle)  .  .
Alil  (Elle)  .  .  .
Elle  à  2  Fuß  .  .
Arschin  .  .  .  .
Juta
metrische  Maße
Vara  &amp;amp;  3  Pies  .
Draa  Eudasch.  .
Draa  arabisch.  .
Zirai  (Meter)  .  .
Pik
Eudash  .  .  .  .

Vara....
Vara....
Pard  à  3  Fuß

0,85
0,64
0,91
1,18
0,57

0,62

0,69
0,91
0,46
0,93
1,12
0,84

0,63
0,68
0,71
0,59
0,60
0,71
0,98
0,83
0,67
0,49
1
0,69
0,65
0,85
0,84
0,91

Hohlmaße
G  —Getreide,  1?—Flüssigkeit ­


Gewichte

s.  Großbritannien
metrische  Maße
Hao  G
wie  Großbritannien

1  Muhd  .  .  .
metrische  Maße
1  Barril  I 1  .  .
1  Zak  à  100  Koppen  0
1  Kan  P
Tönde  à  120  Pots  G  .
Pot  oder  Maß  P  .  .  .
metrische  Maße
Imperial  Gallon  .  .  .
Kandi-Reis  G  .  .  .  .
Kan  in  Batavia  P  .  .
1  Fanega
1  Artaba  G
Fanega  G
Cantara  F
metrische  Maße
1  Kilo  G
1  Viadra  à  10  Otta  F.
Tschetwcrt  G  .  .  .  .
Medro  à  10  Kruschka  P
Tunna  à  03  Kannor  G.
Tunua  à  48  Kannor  P.
Malter  à  100  Iminî  G.
Saum  ii  100  Maß  P  .
Oka  P
nach  Gewicht
metrische  Maße
Fanega  G  .  .  .
Cantara  (Wein)  .
Ueba  à  4  Temen  G
KafiS  ii  16  Ueba  .
Silici  (Hektoliter)  G
Fortin  ii  4  Kilo  G
Eultschck  (Liter)  P
Alma  für  Öl  .  .
Fanega  ....
Arroba  ....
Bushel  ii  8  Gallons  G
Gallon  à  8  PintS  P.

14
75,6
100
1
139
0,97
4.5
881
1.5
55
65.2
55,5
16,1

394
14.2
210
12.3
164,9
125,6
150,o
150,o
1,75

55,6
16,1
107,3
496
100
144
1
5,2
55.0
16.1
35,24
3,79

s.  Großbritannien
metrische  Gewichte
Kahn
wie  Großbritannien

1  Artal  ii  2  Unzen
metrische  Gewichte
1  Quintal.  .  .
Pond

Centner  à  100  Pfd
metrische  Gewichte
Bazar-Maund  .
Factory  -  Maund
1  Vis  zu  100  Kaiats
Quintal.  .  .
MauudiilOOvMiska
Quintal.  .  .

metrische  Gewichte
Kantar  ii  44  Qkka
Pud  ii  40  Pfd.  .
Sentirne  ii  loo  Skalspund

Centner  ii  100  Pfd.
Tovar  ii  100  Oken.
Pikul  ii  50  Kättis  .
metrische  Gewichte
Quintal  à  4  Arrobas
Kantar  ii  40  Oka  .
Kantar  ii  100  Rottel
Kantar  ii  100  Velici
Kantar  à  44  Oka  .

Libra
Quintal  à  4  Arrobas
Hundredweight  à  112
Mo.

6,24

0,46

50

37.20
33,87
1,66
46
4,o
46

56
16,38
}42,50
50
127,80
60,47
46
48.82
50,68
50
56

0,46
31,01
50,80

Abkürzungen  der  metrischen  Maß-  und  Gcwichtsbezeichnungen.

A.  Längenmaße.
Kilometer  km
Meter  in
Centimeter  cm
Millimeter  mm
w.  Flächenmaße.
Quadratkilometer  .  .  .  qkm
Hektar  ha

Ar  a
Quadratmeter  ....  qm
Quadratcentimeter  .  .  qcm
Quadratmillimeter  .  .  qmm
C.  Körpermaße.
Kubikmeter  cbm
Hektoliter  hl
Liter  l

Kubikcentimeter  .  .  .  ccm
Kubikmill«ieter  .  .  •  cmm
».  Gewichte.
Tonne  t
Kilogramm  -  •  •  •  .  kg
Gramm  g
Milligramm  ....  mg

I  Kilogr.  j
        <pb n="571" />
        30*

Handels-  und  Freundschaftsverträge  Deutschlands.  563
Handels-  und  Frenndschaftsverträge  Deutschlands.

Vcrtragsstaateu

China  .  .
Chile  .  .
Siam  .  .
Türkei.  .
Frankreich.

Liberia
Belgien  .  .  .  .
England  .  .  .  .
Italien  .  .  .  .
Spanien  .  .  .  .
Japan
Schweiz  .  .  .  .
Mexiko
Sa»  Salvador.  .
Portugal.  .  .  .
Persien  .  .  .  .
Costarica.  .  .  .
Tonga.  ...  .
Samoa  .  .  .  .
Hawaii  .  .  .  .
Madagaskar.  .  .
Österreich-Ungarn.
Rumänien  .  .  ,

Datum  des  Abschlusses

2.
1.
7.
20.
1)  2.
2)  10.
31.
22.
30.
31.
30.
20.
13.
28.
13.
2.
11.
18.
1.
24.
31.
23.
10.

Sept.  1861
Febr.  1862
Febr.  1862
März  1862
Aug.  1862
Mai  1871
Oft.  1867
Mai  1865
Mai  1865
Mai  1865
März  1868
Febr.  1869
Mai  1869
Aug.  1869
Juni  1870
März  1872
Juni  1873
Mai  1875
Rov.  1876
Jan.  1879
Juni  1880
Ende  1880
Mai  1881
Juli  1881

Endtermin

Ein  Jahr  nach  Kündigung

Ende  1890
Unkündbar
Ein  Jahr  nach  Kündigung

31.  Dez.  1881
Ein  Jahr  »ach  Kündigung

30.  Juni  1886
22.  Dez.  1881
Ein  Jahr  nach  Kündigung
Unkündbar
Ein  Jahr  nach  Kündigung
Unkündbar

31.  Dez.  1887
10.  Juli  1891

Die  bedeutendsten  Banken  Enrocas  und  Amerikas.
l.  September  1881.

B  a  n  k  e  ir

Deutsche  Reichsbank  .
Bank  von  England.  .
Bank  von  Frankreich  .
Österreich.-Ungar.  Bank
Russische  Staatsbank  .
Nationalbank  von  Belgien  .
Niederländische  Bank  .  .  .
Schweizer.  Konkordatsbanken
Canadian  Chartered  Banks.
Nationalbanken  der  Vereinigten ­
  Staaten

Kapital
Mark
120000000
292200000
146000000
180000000
66480000
32000000
27200000
90500000
272815000

Aktiva

Barbestand
Mark

563860000
470340000
1486100000
362640000
489820000
75480000
214440000
30040000
60200000

Diskont  und
Vorschüsse
Mark

367440000
770420000
1439520000
244520000
1006920000
220440000
152580000
402480000

1830400000  437200000  4164000000  257200000  3  868800000

Passiva

Notenumlauf
Mark

712600000
538640000
2045520000
630040000
518920000
253860000
325600000
64220000
92100000

Depositen
Mark
167480000
637860000
687180000

55880000
25160000

302780000
        <pb n="572" />
        Verzeichnis  der  Statistischen  Überfichte«.

Welthandel.
Übersicht  des  Warenhandels  aller  Länder  .
Getreide  und  Mehl.
Durchschnittliche  Ernte  der  Hauptländer.  .
Handel  mit  Getreide  und  Mehl
Kaffee.
Ausfuhr  der  Hauptproduktionsländer.  .  .
Verbrauch  pro  Kopf  in  den  Hauptländern
Verbrauch  der  Hauptländer
Die  Hauptentrepots  Europas  .  .  .’  ’  ‘
Thee.
Ausfuhr  der  Hauptproduktionsländer.  .  .
Verbrauch  pro  Kopf

Seite

539

541
541

541
541
541
541

541
541

Die  Bczugsländer  Europas
Rohseidengewinnung  der  Welt  .  ]  '  ]
Verwiegungen  (Verkauf)  ....
Konditionierungen  (Trocknungen)  !

Seite
546
546
546
546

_  Edelmetalle.
Silberprodnktion  und  Prägung.  .
Goldproduktion  und  Prägung  .  .  540
Edelmetallproduktion  der  Welt  1405-1875  '  547
Verhältnis  der  Gold-  und  Silbcrgetvinnung
und  Wertrelatiou  547
Verwendung  von  Gold  und  Silber  zu  industriellen
  Zwecken  547

Zucker.
Nohrzuckercxport
Rübenzuckerproduktion  !  !  !
Zuckerhandel  Europas  und  der  Ver.  Staaten
Zuckervcrbrauch  pro  Kopf
,  Tabak.
Ansfuhr  von  Rohtabak  aus  außereuropäischen ­
  Ländern
Tabaksbau  in  Europa
Tabaksverbrauch  pro  Kopf
Tabaksmonopol
Eisen.
Roheisenproduktion  der  Welt
Zehnjährige  Produktion  der  Hanptläiider  ]
Eisen-  und  Stahlfabrikation
Die  Bcsseinerstahlwcrke  1880.  ...
Handel  mit  Roheisen  und  Rohstahl  .
Kohle.
Kohlenproduktioil  der  Welt
Areale  der  bedeutendsten  Kohlenfelder  !
Entwickelung  der  Kohlenproduktion  .  .
Totalwcrt  der  Kohlenausbente
Kohlenverbrauch  der  Hauptländer  ....
Kohlenhandel
Wolle.
Produktion  sämtlicher  Handelsgebiete.  .  .
Wollhandel  der  bedeutendsten  Staaten  .  .
Baumwolle.
Produktionsländer
Verbrauch  in  Europa  und  Amerika  .  .  .
Spinnkraft  der  einzelnen  Länder  ....
Verbrauch  von  Baunttvolle  und  Bauinwollwaren

Seide.
Seidenernten  Europas

542
542
542
542

542
542
542
542

543
543
543
543
543

543
543
543
544
544
544

544
544

544
544
545

Weltverkehr.

Eisenbahnen.
Die  Eisenbahnen  der  Erde  548
Entwickelung  des  Eisenbahnnetzes  ....  548
Finanzielle  Resultate  549
Post.
Statistik  des  Postvcrkehrs  aller  Länder:
I.  Europäische  Länder  549
II.  Die  übrigen  Erdteile  55g
Der  Weltpostverein  .  .  .  559
Telegraphen.
Telegraphenverkehr  aller  Länder  ....  551
Der  internationale  Telegraphenverlrag  .  .  552
Unterirdische,  unterseeische  re.  Leitungen  .  .  553
Statistik  der  großen  Kabelgesellschaften  .  .  553
Schiffahrt.
Übersicht  der  wichtigern  Dampferlinien  .  .  554
Der  Schiffsverkehr  aller  Länder  55g
Die  größten  Seedampfergesellschaften  der  Welt  557
Die  Handelsflotten  der  Welt  (2  Tabellen).  558
Die  Schiffstonnen  verschiedener  Länder  .  .  559

Münzen,  Maste  und  Gewichte  re.
Die  Gold-  und  Silbcrmünzcn  aller  Länder  560
Die  Maß-  und  Gewichtseinheiten  aller  Länder  561
Abkürzungen  d.  metrischen  Maßbezeichnungen  562

Handels  -  und  FreundschaftsVerträge  Deutsch.
545  lands
Die  bedeutendsten  Banken  Europas  und
546  Amerikas

563
563

Druck  vom  Bibliographische»  Institut  in  Leipzig.
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WELTVERKEHRS.

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liuļh'iii  f.Oi

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¡  i  !  Rock
\  A  IT  S  T  R  J\  Lļl  E  ï

Erklärung

1  ständet-  dm  Vetíiimrtrcre/n

Liļ'.âķ

i.unacr  tirs  Wr.lt/
Z/entsehr  Schifft-Englische
  -  -
frfULXÜs.
Oc&amp;amp;tcrrcù'h.
Zta/iit/iischc

Mctlertii/uZ.  Schiffe
Sita/lische  -  -
Jbrtuffies.  -  -
Ybncrtkan.  -  -
Russische  ..  .,

Vttl/&amp;gt;'ii/’(f¡.\

X.S.Wali

te&amp;amp;ámäiL

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m»j‘2

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Sffii

Colonial  •  u.  Segelschiffe.  Landstrassen  -  Verbùulunq
Eisenbahnen  7Wcgraj&amp;gt;?u7i

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Knidi  -Alleluitic  '¿7  j

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anges,  in  d.  Buchbinderei
H.Sperling.Leipiig.
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