37 Macht und wahrscheinlich auch den bewußten Willen, menschliche (Gestalt, menschliche Vernunft und menschliche Sprache anzunehmen. Außerdem stellt der Herr Professor die Behauptung auf, daß die Entwickelung des einzelnen Thieres mit Einschluß des Menschen eine kurze Wiederholung aller derjenigen Veränderungen darstelle, welche dasselbe im Laufe seiner Stammesgeschichte von den ältesten Zeiten seines organischen Lebens bis zur Gegenwart durchgemacht habe. In seiner die Desccndenzlehre behandelnden Schrift hat der selbe den Satz an die Spitze gestellt: „Alles, was geschieht, ist eine Wirkung mechanischer Ursachen" und daraus die Ansicht entwickelt, daß dieselben Ursachen unter denselben Bedingungen stets gleiche Wirkungen hervorbringen müßten, weshalb auch jeder gegenwärtige Zustand der Dinge das nothwendige Resultat des Vergangenen und wieder die allein bestimmende Ursache für den nächstfolgenden Zustand der ^inge ergebe oder mit anderen Worten: „Die Gegen- lvart ergiebt sich als die nothwendige Folge der Vergangenheit und zugleich als die allein bestimmende Ursache für die Zukunft." Wäre diese Ansicht richtig, so würde jede Empsindung, ja der Gedanke, jeder Wille, der in uns auftaucht, das Ergebniß einer ehernen Nothwendigkeit sein, für welche die Bedingungen schon seit Ewigkeit in der Materie lägen. Ter Mensch hätte sonach keinen freien Willen, er wäre eine bloße unzurechnungsfähige lebendige Puppe, welche von unerbittlicher Nothwendigkeit gelenkt, aus der Erde er schiene, sich Futter suche, fortpflanze, um dann nach einiger Zeit fiir intmer spurlos zu verschwinden. Es gäbe dann keine Tugend und keine Sünde, denn der Mensch sei ja ein unzurechnungsfähiges Wesen, das denke, handle, wie es müsse, da all sein Denken und Thun aus nothwendigen Ursachen hervorgingen und sein ganzes Leben eine ununterbrochene Kette von Ursachen und Wirkungen bilde. Die nothwendigen Wirkungen unb nothwendigen Ursachen gewährten also dem Menschen einen Freibrief und Straflosigkeit für selbst die scheußlichsten Verbrechen, sie müßten von der mensch lichen Gesellschaft als Wirkungen mechanischer Ursachen unbeanstandet