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        Nr. Í ^ ^ d ^ 
EIGENTUM 
DES 
INSTITUTS 
FOR 
WELTWIRTSCHAFT 
KIEL 
BIBLIOTHEK
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        Deilcrge^eşi 
;u der 
Jciisdjtift -es Vereins für die Rübensncker-Indnstrie 
des Deutschen Reichs. 
WlHKHH» 
M Mà-Iàstm auf ®u6a. 
Für die Vereins-Mitglieder abgedruckt. 
Ml 
Kevtin 1887. 
Druck und Verlag der „Post'", Gaystler &amp; Co. 
Dimmer-Atraje 94.
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        Die Züà-ZMstrie ñus Cuba. 
iz 
Jriir die Vereins-Mitglieder zusanimengestelit 
von 
dem D eeeins - D ree cto errrrrr.
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        Hunnen, Jïlaasjc nuit ©nuirsitc. 
1 peso oder dollar — 8 Realen. 
1 peso oder dollar — 4 Mark — 5 Francs. 
1 Reale — 0,50 Mark 
1 peso oder dollar = 100 centavos. 
1 peseta — 1 Franc — 0,80 Mark. 
1 escudo Gold — 2,00 Mark. 
1 escudo — 100 céntimos = 1000 milésimos. 
1 caballería Landes = 18’h Hectar ziemlich genau. 
1 acre engl. — 40,408 Are. 
1 tonne = 2210 U (wird auch mit 2200 U span, berechnet). 
1 arroba — 25 U spanisch ----- 11 '/% kg. 
100 U spanisch = 46 kg- == 101 ’/2 U englisch. 
1 Faß Zucker (boucaiit, bocoy, hogshead) — 1500 U span, (auch 1450 
bez. 1600 U berechnet). 
1 Kiste Zucker (casa, box) == 400 U span, (auch zu 450 U berechnet). 
1 Sack Zucker = 250 u (neuerdings zu 270 bez. 300 U berechnet). 
1 Faß Melasse — 1400 U netto — 150 Gallonen. 
1 keg Melasse = 5'/2 Gallonen. 
1 Gallone — 4,54 Liter.
        <pb n="9" />
        T ~x 
Die Zrrciree-Irrdrrstŗîe ans Crrva&gt; 
1. Vorwort. 
Unsre Kenntniß non der Zucker-Industrie in den überseeischen Ländern 
ist eine sehr lückenhafte. Sie beruht zum nicht geringen Theile auf den 
Berichten der Deutschen Consularbeamten. Wiederholt ist der Wunsch laut 
geworden, eine Zusammenstellung dieser Berichte zu erhalten. Voraus 
gesetzt wurde dabei, das; die Zusammenstellung die auf einen bestimmten 
Zeitpunkt bezüglichen Nachrichten über alle in Betracht kommenden Länder 
zusammenfasse. Auf diese Weise glaubte man einen Ueberblick über die 
Gesannntlage der Kolonial- oder vielmehr Rohrzucker-Industrie zu erreichen. 
Stillschweigend schien man auch anzunehmen, das; damit dem Bedürfnisse 
des Handelsbetriebes abgeholfen werden könne. Allein die Consularberichte 
erscheinen in der Oeffentlichkeit durchweg geraume Zeit nach der Periode, für 
welche sie abgefaßt sind; fie erscheinen überdies auch nicht gleichzeitig, sondern 
je nach der Entfernung des Wohnsitzes des Berichterstatters und je nach 
verschiedenen andern Umständen der eine mehr oder weniger später als der 
andere. Die Berichte sind sodann nicht gleichmäßig abgefaßt: ivas in dem 
einen erwähnt worden, bleibt in dem andern verschwiegen; die Möglichkeit, 
zuverlässige Nachrichten oder überhaupt Nachrichten zu erlangen, ist in den 
verschiedenen Ländern keinesweges gleich. Sonnt würde eine Zusammen 
stellung der gedachten Art bei aller angewandten Mühe nur ein sehr un 
vollkommenes, mitunter täuschendes Bild darbieten; sie würde jedenfalls 
erst fertig vorgelegt werden können, wenn ihr Inhalt bereits der Ver 
gangenheit angehört und wenn die Aufmerksamkeit der Betheiligten sich 
wieder der Zukunft zugewendet hat. 
Was uns besonders fehlt, ist ein Einblick in die thatsächlich bestehenden 
Verhältnisse der überseeischen Länder, welche auf dem Weltmärkte mit ihrem 
Rohrzucker eine Rolle spielen. Eine genauere und zuverlässige Kenntniß 
dieser Verhältnisse würde uns befähigen, ein richtiges Urtheil zu fällen 
über alle dort vorkonnnenden Ereignisse ' und über das, was wir in Zu- 
kunft von dort zu hoffen oder..&lt;p fürchten haben. Hierzu können die 
Consularberichte einen schätzbaren Beitrag liefern, wenn alle diejenigen zu-
        <pb n="10" />
        — 4 — 
fammeitgeftem werben, wcid)e feit gasiteli über ein bestimmtes 2mib er= 
stattet worden sind. Eine solche Zusammenstellung muh auch darüber 
Klarheit schaffen, welche Lücken noch auszufüllen, welche Ungenauigkeiten 
zu berichtigen sind. , .. 
#rumi auSgeíjeiib l)at bas ^ereiiiS^irectormm amia# beauglid) 
ber Insel Cuba die vorhandenen Berichte bearbeitet. Gerade dieses Land 
wurde gewählt, weil eS von allen mit betn größten Contingent Rohr 
zucker auf dem Weltmärkte erscheint, weil ferner eS sich den größten Con- 
sumenten ber Gegenwart — die Vereinigten Staaten von Nordamerika — 
aiS ¡ei" eigen erobert i)at, enb# weil eS nad) einer weit oerbreiteten ^n= 
sicht bei vorschreitender Entwickelung binnen Kurzem noch weit gewaltigere 
mrnrn SMi-auderS ans bett 9^6^11,01% werfen oermag. Eo feimt= 
aei^net fid) biefeS Baitb gana uorangSweife als einen fnrd)tbaren ^ctt. 
bewerbet* ber Gurobäifd)eit 3nder=3ublt^^rie mtb iitSbefoiibere and) ber 
Deutschen. Bei ber Bearbeitung ber Berichte mußte in doppelter Be 
ziehung über dieselben hinausgegriffen werden. Einmal schien es noth- 
meitbig, baS ^^erftänbitif) ber 99^^1)6^111^611 bnrd) eine loemg^^elt0 übcr= 
flüchliche Uebersicht über Land und Leute und deren bisheriges Geschick zu 
unterstützen. Zum zweiten durfte neben den Angaben der Consularberichte 
nicht alles verschwiegen werden, was sonst über den Gegenstand sich gesag 
fand und was ebenso zur Ergänzung wie zur Klarstellung dienen konnte. 
Eine vollgültige Kritik zu üben reicht baS Material bei weitem nicht aus. 
Demohnerad)tet wäre es betn Zweck und der Absicht dieser Arbeit zuwider 
gewesen, wenn fie fid) tebiglid) ans bie einseitige Übergabe wit 9M)- 
Achten beschränkt hätte, denen bei aller Sorgfalt und Aufmerksamkeit doch 
nicht immer die Autorität ber Sachverständigen zugestanden werden darf. 
Mehr als jemals thut eine genaue Einsicht in die Lage der Industrie 
aller Bünber noti). % beutle %übenauder=3iibnftrie, aur Seit bie be= 
bcutenbfte in Europa, macht sich darauf gefaßt, einen harten Kampf gegen 
% feine näd)fteit 9iad)barn au beMen, oi)ite in gteid)em 9^aa^e wie bis# 
durch die Gesetzgebung unterstützt zu werden, eie muß alle ihre Kräfte 
animimeli, imb'wirb ben Gruft ber Bage bo^elt fd)wer embfiitbeit wenn 
and) ber Rohrzucker mit wachsender Mackst in den Kampf eintritt, été 
befindet sich von vornherein im Nachtheile insofern, alseine weitverbreitete 
Ansicht dem Zuckerrohre eine natürliche Ueberlegen# über bie Zuckerrübe 
zuschreibt. Zu den wichtigsten Aufgaben gehört es deshalb festzustellen, 
ob diese Ansicht durch wirkliche Thatsachen sich bewahrheiten läßt, oder ob 
sie sich als ein, aus den Kinderjahren des Rübenbaues herrührendes Vor- 
urtheil erweist. In der Reihe derjenigen Länder, welche seit lange als 
gesegnete Rohrgefilde gelten, steht obenan Cuba, diese seit fast 400 Jahren 
beit paniern gel)örigc 1061^1^^)6 3'#, weld)e, bnrd) %rud)tbarfeit beS 
BübeiiS mtb bnrd) baS mima begünstigt, einer alI^erorbclttlt^^e,t 9lnS=
        <pb n="11" />
        dehnung ihrer Produktion für fähig gehalten wird. Eine höchst niangel- 
hafte Verivaltung, ungenügende Verkehrsmittel, seltsame Arbeiterverhaltnisse, 
nüederholte und langjährige Unruhen, drückende Abgaben bei trauriger 
Finanzlage: kurzum, eine Vereinigung der unglücklichsten Umstände hat 
die Insel seit langen Jahren verhindert, ihre wirkliche Leistungsfähigkeit zu 
entwickeln. Daß sie demohnerachtet nicht nur nicht zu Grunde gegangen, 
sondern immer noch einen bestimmenden Einfluß auf dem Weltmärkte aus 
üben konnte, zeugt für ihre Widerstandsfähigkeit nnb für den Reichthum 
ihrer natürlichen Hilfsquellen, der ihr von jeher den Beinamen: „die 
Perle der Antillen" verschafft hat. 
Von größter Bedeutung ist hiernach die Beantwortung der Frage, 
was ein solches Land unter geordneten Verhältnissen zu erzeugen vermag. 
Die Beantwortung vorzubereiten, nicht sie bereits zu liefern, ist der 
Zweck der vorliegenden Arbeit. Statistische Nachrichten der Art, wie sie in 
Europäischen Staaten üblich, giebt es für Cuba nur in beschränktem und 
unvollkommenem Umfange. Ein nicht geringer Theil der Insel ist noch 
ziemlich unbekannt und dem Verkehr wenig zugänglich. Die vorhandenen 
Onellen, soweit sie für die Beschreibung der enbanifchen Zustände benutzbar 
waren, beschäftigen sich zumeist mit der politischen Geschichte und behandeln 
die gewerblichen Verhältnisse nur sehr kurz. Unsre Vereinsniitglieder mögen 
deshalb beim Lesen der nachstehenden Mittheilung sich gegemvürtig halten, 
daß damit kein erschöpfendes Werk geliefert werden soll, sondern nur 
eine Zusammenstellung, welche einer gründlicheren Bearbeitung die Wege 
weisen soll. 
2. Lage und Oertlichkeit von (Sitbo. 
Die Insel Cuba ist die größte der westindischen Antillen. Sie liegt 
in der Richtung von Osten nach Westen langgestreckt zwischen dem 74 
bis 85" westlicher Länge von Greenwich und dem 20 bis 23" nördlicher 
Breite, mit ihrer Nordküste fast bis zum Wendekreise des Krebses hin 
reichend. Sie beherrscht den Eingang zum mexikanischen Meerbusen, welcher 
in Kreisform durch die Küsten von Florida und Texas im Norden, durch 
die Küsten von Mexico bezw. von Iucatan im Westell und Süden gebildet 
wird, im Osten aber vom Atlantischen Meere zugänglich ist. In diesen 
Zugang ragt Cuba mit ihrer Westspitze so hinein, daß dadurch nördlich die 
Straße von Florida und südlich die Straße von Aukatan als Einfahrten 
nach Mexiko gebildet werden. Südwärts in gerader Richtung über das 
caraibische Meer gelangt man von Cuba nach der Landenge von Panama: 
sobald der dort in der Ausführung begriffene Canal die Verbindung zwischen 
beut caraibischen Meere und dem stillen Ocean eröffnet haben wird, dürfte 
auch Cuba sowohl politisch uñe im Handelsverkehr eine erhöhte Wichtigkeit
        <pb n="12" />
        erlangen. Ihre Lage erklärt zur Genüge die herzliche Zuneigung, welche 
die Bewohner der Vereinigten Staaten von Nordamerika seit Jahren für die 
Insel hegen und gelegentlich in sehr drastischer Weise zu erkennen ge 
geben haben. Der östliche Theil der Insel hat zu Nachbarn im Süden die 
den Engländern gehörige Insel Jamaica, und im Osten die Insel Hayti, 
welche in zwei Freistaaten, Hayti und Domingo, getheilt ist. 
Lage und Gestaltung der Insel lassen sie von vornherein als außer 
ordentlich günstig für den Handel und für die Cultur erscheinen Ihre 
weitausgedehnten Küsten gestatten an zahlreichen Stellen den Zugang der 
Wasserfahrzeuge; ihrer Lage mitten im Meere verdankt sie eine Abkühlung 
der tropischen Hitze durch die Seewinde. Allerdings sind im Norden wie 
im Süden ans lange Strecken hin ihrer Küste zahlreiche flehte Korallen- 
Jnseln und Riffe vorgestreut, welche unbewohnt und unbewohnbar der 
Schiffahrt Hindernisse bereiten. Selbst die größte dieser Inseln, die soge 
nannte isla de Pinos (Fichteninsel) im Südwesten von Ctlba, hat für Handel 
und Anbau gar keine Bedeutung. 
Ueber die Größe imb Bevölkerung von Cuba sind die Angaben 
schwankend und augenscheinlich wenig zuverlässig. Einschließlich der vor- 
erwähnten Jnselchen wird der Flächeninhalt cuts rund 119000 qkm oder 
2386 Ol Meilen beziffert, für die Hauptinsel Cuba allein nahezu 113000 qkm 
oder 2280 Ol Meilen; von anderen auf rund 118000 qkm oder 2158 Ol Meilen. 
Sie übertrifft danach an Größe die Königreiche Bayern und Württemberg 
mit dem Großherzogthum Baden zusammen, welche wenig mehr als 
110000 qkm Flächeninhalt haben. Die Längenausdehnung der Insel 
beträgt bis zu 1200 km in der Richtung von Osten nach Westen; ihre 
Breite in der Richtung von Norden nach Süden schwankt zwischen 38 und 
190 km. Die schmälste Stelle befindet sich im Westen zwischen Havana 
und Bayamo, die breiteste ani östlichen Ende der Insel. 
Die Seelenzahl hat im Lauf der Jahre anscheinend nicht unerheblich 
geschwankt. In Ermangelung zuverlässiger Nachrichten lassen sich bestimmte 
Zahlen kaum festhalten. Langjährige Unruhen sowie periodische Zufuhr 
von arbeitender Bevölkerung ergaben für verschiedene Jahre verschiedene 
Schätzungen. Unterschieden wird dabei zwischen den weißen Bewohnern, 
den freien Farbigen und den Sklaven. Die Beschaffenheit des Landes 
bedingt das Zusammendrängen der Bewohner in einzelne Gegenden mit 
lebhafterem Verkehr: dort darf die Bevölkerung als ziemlich dichte bezeichnet 
werden. Im Innern und besonders im hohen Gebirge sind weite Strecken 
nur wenig bewohnt, zur Zeit 511111 Theil auch wohl unbewohnbar. Die 
encyclopaedia britannica (Edinburg 1877) giebt die gestimmte Volkszahl 
für das Jahr 1860 auf 1 179715 Köpfe an, darunter 604610 Weiße, 
207735 freie Farbige und 367 370 Sklaven. Andererseits wird für das 
Jahr 1862 als cm ziemlich zutreffendes Ergebniß stattgefundener Zählungen
        <pb n="13" />
        7 
das folgende bezeichnet: überhaupt Seelen 1359438, abgesehen von etwa 
40000 Personen, welche une Reisende, Schiffer re. sich nur vorübergehend 
dort aufhielten und gegen deren hohe Zahl man wohl einiges Mißtrauen 
hegen darf! In der Gesammtzahl waren einbegriffen: 764730 Weiße, 
221417 freie Farbige und 368550 Sklaven. Dies würde also gegen I860 
eine sehr beträchtliche Zunahme der Seelenzahl beweisen. Von jeher hat 
sich, abweichend von der Mehrzahl der anderen Antillen, eine Mehrheit der 
weißen Bevölkerung herausgestellt. Ein Consulatsbericht aus dem Jahre 
1884 bc#d hic Beammo mis #04(11^^15^1684 0^11, imb btefelbe 
Zahl führt auch Block in seinem annuaire von 1885 an, während Min ci 
prio in seinem Jahrbuch von 1880 nur 1 400000 Einwohner vermerkt. 
Unter der erstgenannten Zahl sollen sich befunden haben: 977 992 Spanier 
und weiße Eingeborene neben 10632 Ausländern, 43 811 Chinesen und 
489249 Farbigen. In den geographischen Mittheilungen von Petermann 
finden sich die Angaben 
für 1850: 
ans 470 490 281#, 171 733 freie W#, 322 519 @flouen, gnf. 973 742 
für 1857: 
mii 564 698 28#, 216176 freio W#, 662 587 0Haoen, gnf. 1 443461 
für 1860: 
ans 632 797 28#, 189 848 stete garbile, 376 784 0Moüen, gnf. 1 199 429 
fiit 1869: 
ans 797 596 28#, 238 927 freie gar#, 363 288 Gfloocn, gnf. 1 399 811 
für 1879: 
auf 965 735 Weiße, 287 827 freie Farbige, 171 087 Sklaven, zus. 1 424 629. 
Die Zahl der Sklaven soll im Jahre 1874 noch 326 775 betragen haben, 
dann aber im Jahre 1877 auf 199094 und 1879 auf 171 087, wie eben 
angegeben, gefallen sein. Bei den vorstehenden Zahlen erregt namentlich 
die für 1857 angeführte Menge der Sklaven Aufmerksamkeit, weil sie ganz 
erheblich von derjenigen der vorherigen und der nachfolgenden Jahre ab 
weicht. Zwar soll die betreffende Zahl einer uon der cubanischeu Regierung 
veröffentlichten und als genauer und mehr zuverlässig bezeichneten Statistik 
entnommen sein: gleichwohl wird man ihre Richtigkeit deshalb allein nicht 
anerkennen dürfen. Im übrigen erklären sich die Schwankungen bei der 
Menge der Sklaven und freien Farbigen aus den Schicksalen der Insel, 
welche weiterhin Erwähnung finden werden. Die Angabe für 1879 rührt 
aus einer von der statistischen Section in Havana mitgetheilten Tabelle 
()et. Äad) bem Genf# bo8 ^#8 1878 so: bic Gedeng# fid) ans nbet= 
Ija# 1409 859 Mm# ijaben, banmter 1 190 839 Wo: bie begi'##! 
Angaben sind aber nicht frei von offenbaren Irrthümern, welche ihre 
Glaubwürdigkeit beeinträchtigen. Im Ganzen genommen wird man hier 
nach nicht erheblich fehlgreifen, wenn man die gegenwärtige gesammte
        <pb n="14" />
        8 
Einwohnerzahl auf rund 1 Millionen Seelen annimmt, was für die 
Beurtheilung des Consums und der Arbeiterverhältnisse von Wichtigkeit ist. 
Dabei mutz man die Vertheilung der Bevölkerung ans Stadt und Land 
un Auge behalten. Auch bezüglich der Städte sind die Angaben über die 
Seelenzahl außerordentlich verschieden. Für Havana allein wird eine solche 
von 200 bis 230 000 Bewohner und darüber angegeben. In den Handels 
nachweisen werden stets zehn Häfen aufgeführt, welche für den Verkehr 
der Insel Bedeutung haben. Nimmt man für diese, schlecht gerechnet, etwa 
300 000 Menschen, im Ganzen also die städtische Bevölkerung auf eine 
halbe Million Seelen an, so bleibt für das Platte Laild nicht mehr als 
höchstens eine Million übrig. Schon hieraus kann man auf die Arbeiter 
verhältnisse einen Schlutz ziehen. 
Was das Deutsche Element in Euba anbetrifft, so bestanden in der 
Havana dreißig selbstständige deutsche Firmen, und auf der ganzen Insel 
lebten etwa 300 Deutsche. Unter diesen befanden sich 4 Besitzer von Zucker 
pflanzungen und 2 Besitzer von Tabaksfabriken; zehn deutsche Versicherungs 
gesellschaften waren in Havana vertreten. Eine namhafte Vermehrung 
dürfte die Zahl der Deutschen seitdem wohl nicht erfahren haben. 
Es wäre ein Irrthum, sich die Insel Cuba als eine weite frucht 
bare und für jegliche Bebauung taugliche Ebene, gleichsam une einen Gar 
ten, vorzustellen. Vielmehr ist sie im Innern fast durchweg bergig, von 
Westen nach Osten in der Höhe ansteigend, im mittleren Theile bis zu 
600 m, im Süd-Osten bis zu 2400 m sich erhebend, dort ein wildes, zer 
klüftetes Kalkgebirge, vielfach mit dichtem Holzbestande. Zwischen diesem 
rauhen gebirgigen Innern und dem Meere zieht sich in breitem Gürtel ein 
Flachland, von zahlreichen Gewässern durchströmt. Die Beschaffenheit des 
Landes bedingt es, datz keiner der Flüsse einen längeren Lauf hat, und 
datz nur wenige von ihnen auf kurze Strecken in das Innere hinein schiff 
bar sind. Der größte ist der Rio Canto im Thal von Baynmo, welcher 
bei Manzanillo an der Südküste ins Meer mündet. 
Ganze Strecken des Binnenlandes sind noch wenig bekannt und die 
Kenntniß von der geologischen Beschaffenheit der Insel noch unzureichend, 
da es an regelmäßigen und gründlichen Forschungen bisher gefehlt hat. 
Die unwegsame Gebirgsgegend bietet den Ausständigen mie den flüchtigen 
Sklaven einen schwer zugänglichen Zufluchtsort; sie hat wesentlich zu der 
Wiederholung und Verlängerung der Unruhen beigetragen. Als Gesteine 
und Metalle, welche der Handel und das Gewerbe nutzt, werden aus 
älterer Zeit Gold, Silber, Kupfer, Magnet-Eisenstein, Gyps, Marmor und 
Jaspis erwähnt; auch Kohlen sollen gefunden sein, doch in unerheblicher 
und für gewerbliche Zwecke nicht hinreichender 'Menge und Güte. Gold 
ist seit Jahren nicht niehr aus dein Flußsande ausgewaschen, auch die 
Ausbeute an Silber war nicht von Belang. In neuerer Zeit scheint die
        <pb n="15" />
        Speculation sich wieder lebhafter mit der Ausbeutung von Minen zu be 
schäftigen, wenn auch über wirklich schaffende Thätigkeit die Berichte nur 
flüchtige Mittheilungen bringen. Bei der Provinzial-Negierung von Sau 
Jago de Cuba — deren Bezirk allerdings für Bergbau der ergiebigste sein 
dürfte — wurden im Jahre 1881 allein 276 Miueneoncessioueu auf Gold, 
Eisen, Kupfer, Blei, Kohle, Magnesium, Graphit und Quecksilber ein 
getragen. Selbst wenn davon nur ein geringer Theil zur Ausführung ge 
bracht worden, so beweist es doch, daft man die Bodenbeschaffenheit des 
Landes für lohnenden Bergbau geeignet hält, und es ist bis zur Stunde 
durch nichts bewiesen, daß mineralische Schätze nicht in bauwürdiger Menge 
vorhanden sein sollten. Freilich sind die Verkehrsverhültuisse für derartige 
Unternehmungen noch überaus ungünstig: jede derselben müßte sich erst 
ihre eigenen Wege und wohl auch die Eisenbahn für die Abfuhr ihrer Pro 
dukte nach dem Hafen oder Stapelplatze schaffen. Nur bezüglich des wich- 
tigsten Materials, der Steinkohle, scheint mau die Hoffnung aufgeben 311 
müssen, daß auf der Insel selbst irgend welche ergiebige Fundstelle ermittelt 
werden könnte. 
Das Klima der Insel wird als ein vortreffliches geschildert. Die 
Seeluft uiildert die tropische Hitze und bewirkt eine größere Gleichmäßigkeit 
der Temperatur während des Jahres. Die Südostküste, nach Norden hin 
durch hohe Berge begrenzt, ist heißer als die Nordküste. Für Havana ivird 
die Durchschnittstemperatur auf 20 ", für Sau Jago de Cuba auf rund 22 u 
angegeben. Die Feuchtigkeit, welche die Seewinde dem Laude zuführen, 
trügt dazu bei, daß auch Landstriche mit weniger fruchtbarem Boden sich 
durch üppige Vegetation auszeichnen. Die gewöhnliche Regenzeit fällt in 
die Monate von Mitte Mai oder von Juni bis zum November, von dann 
bis zum Mai herrscht zumeist trockene Witterung vor. Die Jahresberichte 
über den Ausfall der Zuckerrohreruteu lassen jedoch erkennen, daß die Aus 
nahmen voir dieser Regel zahlreich sind. Im Innern des Landes auf den 
Höhen ist die Temperatur natürlich eine wesentlich andere und je nach der 
'Oertlichkeit verschieden. Eine ältere Mittheilung giebt die jährliche Regen 
menge auf durchschnittlich 44" spanisch mit einem Maximum von 50'/ 2 
und einem Minimum von 32'/ 2 " au, die Zahl der Regentage aus dnrch- 
schuittlich 102. Gewitter sollen in der Havana während des ganzen Jahres, 
mit Ausnahme der Monate December und Januar, nicht selten sein. Erd- 
erschütterungen kommen im östlichen Theile der Insel vor; solche mit ver 
heerender Wirkung sind seit langer Zeit nicht gemeldet worden. Vor den 
Einwirkungen des Meeres, welche auf den kleineren Antillen sich gewaltig 
zeigen, sind die Küsten Cubas zwar durch die Kette kleiner vorliegender 
Inseln zielnlich geschützt; aber häufig genug wird über verderbliche 
Orkane geklagt, welche mehr oder weniger große Theile der Insel heim- 
suchen, wenn auch nicht mit der verheerenden Gewalt wie die östlich von
        <pb n="16" />
        Cuba gelegenen Inseln, welche dein Letzteren etwas Schutz zu gewähren 
scheinen. Das milde Klima gestattet der arnren Bevölkerung mit verhült- 
nißmäßig geringen Ausgaben für ihre Ernährung und Bekleidung auszu 
kommen ; es begünstigt indessen auch das Entstehen und die Verbreitung 
von Epidemieen, für welche die flachen und sumpfigen Küsten in: ivest- 
lichen Theile empfängliche Heerde bieten. Fahrzeuge, die von Central- 
Amerika her ansegeln, erblicken zunächst das westliche Vorgebirge San 
Antonio, gekrönt mit einem Leuchtthurme; rund herum ist das Land dort 
flach und sandig, und gewährt den Anblick einer traurigen und unbewohn 
ten Einöde; die zunächst dahinter liegenden Anhöhen sind so unbedeutend, 
das; sie in der Entfernung von einige!; Meilen in See nicht mehr sicht 
bar heraustreten. Die Scenerie wechselt, je näher man der Havana fournit 
deren Hafen zn den schönsten auf der Erde zählt. Im übrigen fallen die 
Küsten zumeist schroff gegen das Meer ab, in wechselnder Höhe. Größere 
und kleinere Buchten bildet das Meer, und an diese schließen sich mehrfach 
ausgedehnte Sümpfe, so namentlich in der Bai von Broa, an der Süd 
küste von Havana, gegenüber der Fichteninsel. In diesen Gegenden, wo 
auch der Zugang für Fahrzeuge schwierig ist, läßt das Klima zu wünschen 
übrig und beeinträchtigt die Ansiedelung. 
:r. Politische Gintheilung und Einrichtung. 
Cuba, am 28. Oktober 1492 durch Columbus entdeckt, ist seitdem mit 
geringen Unterbrechungen immer eine Colonie Spaniens geblieben. Es 
war früher in drei Departements eingetheilt: in das ivestliche mit der 
Hauptstadt Havana, dessen Einwohnerzahl auf 1 034 396 Seelen angegeben 
lourde; in das centrale oder mittlere mit Puerto principe als Hauptstadt 
und 75 726 Seelen, und in das östliche mit der Hauptstadt San Jago de 
Cuba (auch blos Cuba genannt) und mit etwa einer Viertelmiüion Be 
wohnern. Durch ein Gesetz vom 9. Juni 1878 wurde jedoch diese Ein- 
theilnng beseitigt und statt der drei Departemens wurden sechs Verwaltungs 
bezirke (Provinzen) geschaffen, welche nach den Hauptstädten ihre Namen 
erhielten und nach dem Census von 1878 nachstehende Volksmenge gehabt 
haben sollen: 
mit 438198 Bewohnern, worunter 383 850 Freie, 
„ 163862 „ „ 176857 „ 
„ 250728 „ „ 157 305 » 
„ 189220 „ „ 158118 ,, 
„ 55459 „ » 65949 * 
.. 312 392 ,, » 248 760 „ 
1. Havana . . . . 
2. San Jago de Cuba 
3. Matanzas . . . 
4. Pinar del Rio . . 
5. Puerto Principe. . 
6. Santa Clara. . . 
zusammen 1 409 859 Bewohner, worunter 1 190839 Freie.
        <pb n="17" />
        2* 
11 
Die Unrichtigkeit der Zahlen zu 2 und 5 liegt klar zu Tage. Sie macht 
natürlich auch die übrigen verdächtig. Schon oben ist darauf hingewiesen 
worden. Das Jahr 1878 war dasjenige, in welchem durch einen Friedells 
schluß die zehnjährige Insurrection ihre Endschaft erreichte. Daß ill solcher 
Zeit eiil ordnungsmäßiger Census Hütte aufgenommen werden können, ist 
schwer glaublich. Ebenso wenig glaublich erscheint es, daß gerade damals, 
nach zehnjährigem innerem Kriege, die Seelenzahl so wenig geringer ge- 
lvesell seill sollte, als jetzt. Die Zahlen zu berichtigen, fehlt es an anderen 
lind besseren Nachrichten. Jnlmerhin bestätigen auch sie, was oben über 
die ungleiche Vertheilung der Bevölkerung uild über die geringe Seelenzahl 
im Innern benlerkt lvordeil ist. 
Die Insel wurde zwar immer als eine unmittelbare Provinz voll 
Spanien betrachtet und steht insofern unter deln spanischen Coloilialminister 
ill Madrid. Allein in Wahrheit wird sie von einem Generalcapitain regiert, 
welcher seit dem Jahre 1777 schon mit der Selbstständigkeit eilles Vice- 
königs ausgerüstet ist und ziemlich ilnumschränkte Gewalt ausübt. Er 
wird vom Könige auf 3 bis 5 Jahre ernannt, hat den Rang eines General- 
lieutenants der spanischen Armee, uild ist das oberste Haupt der Civil-, 
Militair- uild der kirchlichen Gerichtsbarkeit auf der Insel. In die kirch 
liche Herrschaft über die sehr bigotte, römischkatholische Bevölkeruilg theilen sich 
zwei Erzbischöfe, deren einer seinen Sitz in Havana, der andere in Sail 
Jago de Cilba hat. Der Finanzverwaltung steht ein in Havana wohnender 
Generalintendant vor; die Insel hat ihre Ausgaben, auch diejenigen für 
Heer und Flotte, selbst zu decken nnb die Ueberschüsse an das Mutterland 
abzuliefern. Die gesetzgebende Gewalt steht bei ben Cortes bezw. bei der 
spanischen Regierung in Madrid, für welche Cuba immer nur eine spanische 
Provinz geblieben ist. Früher hatten Abgeordnete von Cuba Sitz und 
Stimme iil der Cortes; nachdem im Jahre 1812 das konstitutionelle System 
auf das spanische Amerika übertragen lvorden war. Die Verfassung von 
1837 aber bestimmte, ungeachtet des Widerspruchs der Vertreter von Cuba, 
iln Art. 80: „die überseeischen Provinzen lverden durch besondere Gesetze 
regiert werden". Diese Gesetze lvurden aber lliemals gegeben, wenn auch 
wiederholt, nnb so auch bei Abänderung der Verfassung int Jahre 1845 
versprochen. Mail fürchtete auch die beideil Inseln ebenso nne die Colonien 
des amerikanischen Continents zu verlieren, lvenn man ihnen Zugeständ- 
nisse lnachte. Für Cuba giebt es sonach nur Königliche Beschlüsse und die 
Anordnungen der spanischen Gewalten, une die Amtsgewalt des General- 
capitains. 
Unter denl Generalcapitain stehen die Gouverneure der sechs Pro- 
vinzen, uild unter dieseil ist für jeden der vorhandeneil 32 Gerichtsbezirke 
ein Gouverneur-Lieutenant eingesetzt. In den Städten hat ein ayuntamiento 
die Functionen eines Gemeinderathes, ist aber mit sehr geringer wirklicher
        <pb n="18" />
        Macht ausgerüstet. Militärisch ist die Insel in zu,ei Departements einge 
theilt: in daS von Havana für den Westen, und in das »an San lano 
be Cuba für ben Osten. 
2Uë volkstümliche Bezeichnungen haben sich trotz ber neuen Ein- 
theilung erhalten die Namen: vuelta abajo für den Theil westlich von 
Havana, einschließlich dieser Stabt; vuelta arriba für den südwestlichen 
^rhul einschließlich der Stabt Cieufuegos; las cinco villas für den mittleren 
-theil mit der Ltadt San Espirita; die tierra adentro für beit östlichen 
^Me bekannten Mängel ber spanischen Regierungsweise, welche seit 
uicleii SaWitten td)üii bog MMMmtb ^ girier Qc^öbtqt #, „m4eit 
sich in Cuba nicht minder fühlbar. Diese Insel ebenso wie bie anderen 
Wni#! (Monten #ten ^eiö olg bog mtei, beut WntWmtbe mübeiog 
Şchàtze zuzuführen, und als bog Feld, auf beut seine Söhne sich ans jede 
beliebige Weise bereichern könnten und bürsten. Die Zahl ber spanischen 
Beamten belief sich ins ungeheure: sie wirb gelegentlich ans viele Tausenbe 
beziffert. Das; sich Mißbrauche aller Art einschlichen ist danach begreiflich; 
aber sie wurden auch geduldet, so offenkundig sie auch vor Aller Augen 
lagen. Den besten Beweis dafür liefert ein in jüngster Zeit stattgehabter 
Vorfall, als in öffentlicher Sitzung des gesetzgebenden Körpers zit Madrid ein 
actiüer General beut Colonialminister gegenüber behauptete, wie dreist ans 
6itbo bie Verwaltung sich Vortheile zu verschaffen verstände. Für Niemanden 
war das eine Neuigkeit. Von jeher betrachtete man bie Colonien, und 
bis in die neueste Zeit auch Cuba, als ein bequemes Mittel, um heruuter- 
gekommeneit Hidalgo's wieder zu Vermögen zu verhelfen. Das General- 
Capitanat selbst war nur zu häufig die Belohnung für geleistete politische 
Dienste mit der stillschweigenden Erlaubniß sich zu bereichern. Die besten 
Aemter wurden an begünstigte Personen vergeben, oft genug an Leute, die 
man sogar im Mutterlande zu verwenden Anstand nahm. Die Wohlfahrt 
beg ßmtbeg blieb oufjcr Wm# fin .001^1 mtb Gd;## ## ni#,; 
ber moeDou mtr oufg ôuļjerfic 061110410^14. (g^iuerc ^obeit brüdteii 
ont jede Thätigkeit, auf jedes Gewerbe, hohe Ein- und Ausfuhrzölle 
hemmten die Entwickelung von Handel und Industrie. 
SM einem Bert# uom S^re 188o\ob eg bnmolg itodj nur 
Kilometer d. h. kaum 40 deutsche Meilen Staatsstraßen auf der Insel. 
Postverbindungen bestanden nur fünf, und auch diese nur auf kurze Strecken. 
Alle Staatsstraßen waren schlecht gehalten, wenn auch etwas weniger er 
bärmlich als die Gemeindestraßen; weder Geld noch Arbeit wurde auf ihre 
Besserung und Erhaltung verwendet. An Eisenbahnen gab es im Jahre 1879 
nur 1660 Kilometer, größtenteils in der Mitte des Landes, während tut 
Cften daran heute noch empfindlicher Mangel herrscht. In dem Landstriche 
östlich von Havana mit kalk- und lehmhaltigen Boden wird das Erdreich
        <pb n="19" />
        13 
der Wege durch die Regengüsse der nassen Jahreszeit zu einem bodenlosen 
Brei aufgeweicht, in der trocknen Jahreszeit zu einer von tiefen Geleisen 
durchschnittenen Tenne gehärtet. 
Die Küstenansdehnung ist, entsprechend der Gestaltung der Insel, 
außerordentlich groß: ihre Länge nicht weniger als rund 3750 Kilometer. 
Von größeren Meerbusen finb bemerkenswert!) an der Nordküste der non 
Nuevitas und der von Nipe, an der Südküste der von Guantanamo und 
der von Cienfnegos. An Hafenplätzen hat die Insel keinen Mangel, ob 
wohl ihre Zahl, soweit es sich um solche für größere Seeschiffe handelt, 
nicht so groß ist, als man bei der Küstenausdehnung erwarten könnte. 
Hinderlich sind namentlich die vorliegenden Jnselchen und Riffe, deren oben 
bereits gedacht worden. Die bemerkenswerthesten Hafenplütze sind folgende: 
a) An der Nordküste, und zwar in der Reihenfolge von 
Westen nach Osten: 
1. Havana, die Hauptstadt des Landes, deren Hafen als ein vor 
züglich schöner, geräumiger und sicherer Ankerplatz geschildert wird, 
mit Leuchtthurm, bequemer Einfahrt, und zu beiden Seiten durch 
Befestigungen geschützt. 
2. Matanzas, nicht weit von Havana entfernt, und gleich diesem 
der Südspitze von Florida gegenüber, deshalb für den Verkehr nach 
Nordamerika besonders günstig belegen. 
3. Cardenas, dessen Verkehr in den letzten Jahren wesentlich durch 
Zuzüge ails betn Innern zugenommen hat. 
4. Sagn a la grande, welches in Folge des Eisenbahnbaues jetzt 
auch Verkehrsplatz für die gut angebaute und bevölkerte Stadt und 
Gegend Santa Clara bildet. 
5. Caibarien, Hafenplatz für Stadt und Bezirk Reinedios (eigent 
lich San Inan de los Remedios genannt) ; die Lage dieses Hafens 
in einer feuchten Ebene, in der Nähe von Sümpfen, wird als un 
gesund bezeichnet. 
(&gt;. Jibara, der Hafen für die Stadt Holguin und Umgegend. 
7. Nuevitas, an der Bai gleichen Namens, hat nur untergeordnete 
Bedeutung. 
b) An der Südküste in der Richtung von Osten nach Westen: 
8. San Jago de Cuba mit dem Nebenhafen 
9. Guantánamo liegen nebeneinander an dem gleichnanügen Meer 
busen und stehen in gemeinsamen Handelsbeziehungen. 
10 Manzanillo, dessen Verkehr bisher nur unerheblich war. 
11. Trinidad de Cuba, Ausfuhrhafen für die im Innern belegene 
Stadt San Espiritn.
        <pb n="20" />
        12. Cienfuegos, im Südwesten der Insel, gegenüber der Halbinsel 
Aucatan, für den Verkehr nach Südamerika günstig gelegen, wurde 
erst tut Jahre 1817 gegründet durch den Obristlieutenant Clouet, 
welchen die Regierung mit der Schenkung eines Landstriches von 
100 Caballerins (etwa 1350 Hectare») belohnte; die dort von ihm 
gegründete Stadt vergrößerte sich sehr schnell und wurde von ihrem 
Gründer, der demnächst zum Gouverneur der Stadt und des Be 
zirkes ernannt wurde, nach dem damaligen spanischen Minister und 
früheren Geueral-Capitain von Cuba, Cien fuegos getauft. 
Andere kleinere Hafeuplätze können unerwähnt bleiben. Da die Land 
verbindung zwischen beit Küstenplätzen wegen der sehr schlechten Wege, zum 
Theil auch wegen der bergigen Gestaltung der Küsten, dem Verkehr nicht ge 
nügen konnte, so wurde derselbe früher fast ausschließlich durch Seeschiffe ver 
mittelt, und bedient sich auch heute noch versuchsweise kleiner Dampfer, 
namentlich zwischen den Häfen des Nordens und des Südwesteus. In 
dessen schon vor fünfzig Jahren begann mau seine Aufmerksamkeit auf den 
Eisenbahubau zu wenden. Um die Bedeutung solcher Neuerung zu ermessen, 
muß man die Höhe der Transportkosten auf den elenden, während eines 
großen Theiles des Jahres nicht fahrbaren Wegen im Innern kennen. 
Es wird aus beut Jahre 1830 berichtet, daß für den Transport aus dem 
Th al e vou Guines, welches etwa 12'/* deutsche Meilen südwestlich von 
Havana liegt, nach letzterem Platze die Kosten für die Fuhre Zucker auf 
25 % des Werthes, für eine Pipe Rum auf mehr als 50 % (nämlich 
10 Piaster), für Kaffee auf 12"/.,, für Tabak, je nach der Güte, auf 13 bis 
30 % des Werthes sich stellten. Der Ball der Eisenbahn von Havana nach 
Guines wurde deshalb von allen Seiten begünstigt, namentlich auch von 
den Grundbesitzern; sie wurde auf Kosten der Junta di fomento (Wohlfahrts 
ausschuß) vollendet und im Jahre 1842 au eine Gesellschaft verkauft. 
Demnächst wurde im Anschluß an diese Bahn ein Schienenweg west 
wärts über Sau Antonio nach Guauajai gebaut, ferner eine Fortsetzung 
iil gerader Richtung nach der Südküste bis Batabano, sowie eine Anschluß 
bahn in westlicher Richtung durch das Innere nach Pinos del Ilio, welches 
gegenwärtig Bezirksstadt für den westlichen Theil der Insel ist. Zur Zeit 
sind weiter noch folgende Schienenwege vorhanden: 
von Havana die Küste entlang nach Matanzas, von Matanzas 
südwärts zum Anschluß au die erwähnte Eisenbahn nach Guines 
und in südöstlicher Richtung zum Anschluß an die Fortsetzung 
dieser Bahn östlich von Guines; 
eine Bahn von Cardenas nach bem oben bezeichneten Anschlußorte, 
so daß zwischen den Häfen Matanzas und Cardenas auf diese 
Weise eine Verbindung hergestellt ist;
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        15 
eine Bahn in südwestlicher Richtung von Cardenas zur Verbindung 
mit derjenigen Bahn, welche von Sagua la Grande in gerader 
Richtung zur Südküste Lei Cienfuegos führt und welche zwei 
Anschlußbahnen von Norden bezw. von Süden her nach Santa 
Clara, der jetzigen Bezirksstadt, hat, sowie in westlicher Richtung 
mit der Bahn von Guines in Verbindung steht; 
eine Bahn von Trinidad nach der nordwestlich davon im Innern 
telegenen Stadt San Espiriti!, mit einer Anschlußbahn südwärts 
zur Küste bei Tunas; 
eine Bahn von Puerto Principe im Innern nach dem oben erwähnten 
Hafen Nuevitas an der Nordküste; 
eine Bahn von Jibara nach Holguin zur Erleichterung des Holz 
handels; 
endlich eine kleine, bereits vor langer Zeit angelegte Bahn von 
San Jago nach Moron, deren hauptsächlicher Zweck die För 
derung des Kupferbergbaus sein sollte. 
Diese Uebersicht läßt erkennen, daß der westliche Theil der Insel, und 
auch dieser vorzüglich in seiner nördlichen Hälfte ziemlich gut mit Eisen 
bahnen versorgt ist, daß namentlich eine solche in der Mitte durch die Insel 
von deren westlichster Bezirksstadt ans das Innere zur größeren Hälfte 
durchschneidet. Dagegen wird die Südküste und die östliche Hälfte der 
Insel noch viele Strecken aufweisen, welche der Eisenbahnen dringend 
bedürfen und ungeachtet der etwas schwierigen Bodenverhältnisse auch 
bauen können. 
4. Geschichtliches. 
Obwohl bereits 1492 entdeckt, wurde Cuba doch erst im Jahre 1508 als 
eine Insel erkannt, da man es bis zur völligen Umschiffung durch Sebastian 
Ocampo für einen östlichen Vorsprung des Amerikanischen Festlandes 
hielt. Nach der Besitzergreifung und der vollständigen Eroberung der Insel 
wurden einige Zeit hindurch die Eingeborenen milde behandelt und das 
Land schien einem blühenden Zustande entgegenzugehen. Allein die den 
damaligen spanischen Eroberern gemeinschaftliche Habsucht, gereizt durch 
die Vorstellung verborgener großartiger Goldschätze, und in Verbindung 
damit der Naeenhaß und der katholische Bekehrungseifer veranlaßte bald 
eine Verfolgung der eingeborenen Indianer, welche sich allmälig grausamer 
gestaltete. Bereits im Jahre 1532 sollen nach amtlichen Berichten nicht 
mehr als 4500 Ureinwohner übrig geblieben sein, wobei allerdings zu 
berücksichtigen, daß die Bewohnerzahl vor der Entdeckung schwerlich eine 
sehr große gewesen sein mag; gewiß ist, daß die fortdauernde Verfolgung 
im Jahre 1560 zur völligen Ausrottung führte.
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        16 
Die Hauptstadt der Insel war Anfangs das an der Südostküste 
belegene San Ingo de Cuba, welches im Jahre 1525 auch der Hauptsitz 
der kirchlichen Verwaltung wurde. Später mürbe der Sitz der Regierung, 
wegen der Angriffe der Seeräuber, nach Puerto del Principe in das Innere 
und dann von dort nach Havana gelegt. Diesen letzteren Namen führte 
ursprünglich eine an der Südküste, in der Gegend des heutigen Batabano 
gegründete Niederlassung. Sie wurde 1519 von den Einwohnern verlassen, 
welche sich nach der Nordküste, nach dem Porto Carenas, wandten und 
diesem Drte bei ihrer Niederlassung den Namen ihres bisherigen Wohn- 
platzes gaben. Bei der günstigen Lage entwickelte es sich schnell zu einem 
blühenden Handelshafen. Allein schon im Jahre 1538 erlag es zum ersten 
Male den Angriffen der Seeräuber. Anderthalb Jahrhunderte lang hatte 
die Insel unter den fortgesetzten Plünderungen der unter dem Namen der 
Flibustier bekannten Räuberhorden zu leiden. Immer und immer micber 
überfielen sie die Städte, stürmten sie mit gewaffneter Hand, raubten und 
plünderten alles Werthvolle, drangen bis in das Innere, brannten die 
Wohnstätten nieder und nMdeten die Bewohner. Der Schrecken, den die 
Flibustier durch ihre wilde Tapferkeit ltitb ihre Grausamkeit erregten, war 
so groß, daß lange Zeit hindurch kein Widerstand mehr versucht wurde; 
bei der ersten Annäherung der Segel floh alles in die Berge; viele ver 
ließen die Insel und wanderten nach Peru, Chili oder anderswohin aus; 
vergeblich suchte die Regierung der Auswanderung durch Androhung von 
Strafen und Confiscationen zu steuern. Bis zum Ende des 17. Jahr 
hunderts dauerte diese Plage fort. Die Südküste des westlichen Theiles 
der Insel blieb in Folge der Verheerungen verlassen, bis im Jahre 1817 
Clonet, mie erwähnt, zur Gründung von Cienfuegos schritt. Das 18. Jahr 
hundert begann für das Mutterland Spanien mit dem bekannten Erbfolge 
kriege, der schließlich die Krone an den Enkel Ludwig XIV. brachte und 
demnächst auf eine Reihe unfähiger Regenten übertrug. Dieser Krieg 
endete mit einem politischen und wirthschaftlichen Niedergänge, von dem 
sich Spanien seither nicht wieder erholt hat. Weitere Kriege im Laufe des 
Jahrhunderts folgten und wirkten nachtheilig auf die Colonicen, so auch 
auf Cuba zurück. Jnl Jahre 1762 wurde Havana von den Engländern 
erobert und die Insel besetzt; im folgenden Jahre jedoch gaben sie bei dem 
Friedensschluß dieselbe an Spanien im Tausch gegen Florida zurück. 
Als im Jahre 1717, bald nach dem Erbfolgekriege, die spanische Re 
gierung den Tabakshandel zum Monopol erklärte, erregte dies die Unzu 
friedenheit der Kubaner in dem Grade, daß ein schwerer Aufstand aus 
brach, dessen Besiegung nur mit Mühe gelang. 
Der Ausbruch der französischen Revolution im Jahre 1789 erweckte 
auch in den mit Sklaven überfüllten Colonieen Westindiens ernste Unruhen, 
welche in Cuba wegen der starken weißen Bevölkerung keine nachhaltige poli-
        <pb n="23" />
        — 17 
3 
tische Folge hotten : die Insel blieb dem Mutterlande erhalten. Desto schlimmer 
gestalteten sich die Verhältnisse in dem - benachbarten San Domingo, da 
mals unter französischer Herrschaft stehend. Bekanntlich wüthete dort der 
Aufstand Jahre lang und der Krieg wurde mit erbitterter Grausamkeit ge 
führt: den Franzosen gelang es nicht ihre Herrschaft wieder zu befestigen. 
Für Cuba hatte dieser Aufstand die glückliche Folge, daß eine größere An 
zahl wohlhabender Einwohner von Domingo sich dorthin flüchteten, ihr 
Vermögen, ihre Kenntnisse und Erfahrungen mitbrachten und wesentlich 
zur Entwickelung der Cultur beitrugen. Andrerseits freilich wurde durch 
diesen Zuzug der Begehr nach Sklavenarbeit vermehrt, der den Menschen 
handel förderte; für viele Jahre lang wurde Huoana der Mittelpunkt für 
diesen Handel, auch zur Versorgung aller spanischen Besitzungen in Amerika. 
Große Reichthümer wurden dadurch gewounen, aber auch der Grund ge 
legt zu den zerrüttenden Unruhen, unter denen die Insel bis in die neueste 
Zeit zu leiden hatte. Die Insel konnte sich durch eigene Kräfte dieser Un 
ruhen nicht erwehren; das Mutterland hatte ununterbrochen mit seinem 
eignen Schicksal zu kämpfen; es wurde von Beginn des jetzigen Jahrhun 
derts an zuerst durch die Napoleonische Eroberung und die daran sich 
knüpfenden Befreiungskriege, sodann durch die Verfassungskämpfe und die 
damit verbundene Intervention der französischen Bourbonen, ferner durch 
die langjährigen Kämpfe mit den Karlisten, und endlich durch die bis in 
die letzten Jahre hineinreichenden Thronstreitigkeiten gründlich zerrüttet. In 
zwischen hatte Spanien im Verlaufe der vielfachen Kriege mit fremden 
Mächten, sowie in Folge von Unabhüngigkeitskämpfen alle seine amerikani- 
schen Colonieen, mit Ausnahme von Cuba und Portorieo, verloren; in 
eignen Nöthen war es nicht nur außer Stande, diesen Colonieen zu Hilfe 
zu kommen und ihnen Mittel zur Beförderung ihres Wohlstandes zu ge 
währen, sondern es suchte, ohne Rücksicht ans deren Bedürfnisse, nach wie 
vor diese Inseln zu einer Geldquelle für sich zu machen. Daraus ent 
wickelten sich Zustünde, welche ans die Dauer unhaltbar erscheinen mußten. 
Eine steigende Unzufriedenheit griff in Cuba um sich. Ein nicht geringer 
Theil der wohlhabenderen Einwohner glaubte im Anschluß an die No'rd- 
amerikanischen Staaten einen Ausweg zu finden; die arbeitende Bevölkerung, 
die Farbigen, wurden durch das Beispiel von San Domingo verleitet, in 
der staatlichen Unabhängigkeit ihr Heil zu suchen. 
In den Vereinigten Staaten Nordamerikas herrschte eine starke 
Neigung für die Besitznahme Cuba's, insbesondere genährt durch die Be 
strebungen ihrer unter ähnlichen, wirthschnftlichen Verhältnissen den Anbau 
von Zucker, Kaffee, Baumwolle re. betreibenden Sklavenstaaten im Süden. 
Diese hofften, durch den Eintritt Cuba's in die Union zu einem über- 
wiegenden Einfluß auf die Handelspolitik derselben zu gelangen und die 
Nordstaaten in die Minderheit zurückzudrängen. Schon 1845 tauchte der
        <pb n="24" />
        18 
Vorschlag auf, Cuba käuflich zu erwerben und wenige Jahre später bildete 
sich eine Gesellschaft, welche zu diesem Zwecke 200 Millionen Dollars zu 
sammenzubringen beabsichtigte. Zugleich begannen unternehmende Männer 
den abentheuerlicheu Plan iu's Werk zu setzen: Cuba durch Freischaareu 
zu erobern. Ein Obrist White hatte dazu bereits eine ansehnliche Zahl ge- 
sammelt, als die Regierung der Vereinigten Staaten einschritt, nachdem sie 
offiziell auf das völkerrechtswidrige Unternehmen aufmerksam gemacht war. 
Dies hinderte nicht, daß ein anderer Abeutheurer, General Lopez, den 
Plan wieder aufnahm itub zur Ausführung schritt. Im Jahre 1849 
schiffte er sich zu der sogenannten Rouud-Jsland-Expeditton ein, mit der 
er allerdings kläglich scheiterte. Nichts desto weniger seegelte er im Mai 1850 
abermals aus und landete au der Nordküste, eroberte Cardenas, mußte es 
aber alsbald wieder räumen und sein Heil in der Flucht über See suchen. 
Im Juli 1851 machte er den dritten Versuch. Er seegelte von New-Orleans 
ab, landete bei Bahia Honda, drang in das Land vor, lieferte den spanischen 
Truppen mehrere unglückliche Gefechte, flüchtete in das unwegsame Gebirge, 
wurde gefangen und in Havana hingerichtet. Es ist schwer anzunehmen, 
daß diese wiederholten Unternehmungen, welche der Insel empfindlichen 
Schaden zufügten, ohne stillschweigende Nachsicht der amerikanischen Re 
gierung wirklich Hütten zur Ausführung gelangen können. Als im Jahre 1852 
England und Frankreich in Washington eine Koalition vorschlugen, um 
den Spaniern Cuba zu erhalten, antwortete die amerikanische Regierung 
ablehnend mit dem Bemerken, daß sie nichts bezüglich Cuba's zu veran 
lassen gedenke, so lange es unter spanischer Herrschaft stehe, daß sie aber 
(getreu ' der Monroedoktrin) dem Eingriff jeder andern Macht entgegen 
treten würde. Dies hinderte freilich nicht, daß im Januar 1854 der gesetz 
gebende Körper des Staates Louisiana eine Motion zu Gunsten der Ein 
verleibung Cuba's annahm, und ferner nicht, daß in demselben Jahre 1854 
der amerikanische Gesandte in Madrid der spanischen Regierung das An 
erbieten machte, Cuba gegen Zahlung von 200 Millionen Dollars zu über 
nehmen. Dabei war auf die gerade damals sehr ungünstigen politischen 
und finanziellen Verhältnisse Spaniens gerechnet: das Anerbieten wurde 
abgelehnt mit der Bemerkung, „Cuba verkaufen, heiße Spaniens Ehre ver 
kaufen". Zu gleicher Zeit kühlte sich der amerikanische Eifer für die Er 
werbung der Insel ab. Einerseits erwog man, daß der Zutritt eines neuen 
Sklavenstaates und die Vermehrung der Bevölkerung durch l'/ 2 Millionen 
bigotter Katholiken für die Union Gefahren berge; andrerseits waren in 
Cuba Maßregeln zur Beschränkung der Sklaverei iu's Leben getreten, 
welche in Louisiana Aufsehen und Unruhe erregten, so wenig sie in Cuba 
selbst friedliche Zustände zu schaffen und zu bewahren im Stande waren. 
Durch das Beispiel der Neger auf Domingo (Haiti) angeregt, hatten 
die Sklaven alls Cuba bereits im Jahre 1812 eine weit verzweigte Ver-
        <pb n="25" />
        19 
3* 
schwörung angezettelt, bereit Zweck die gänzliche Vernichtung ber Weißen 
gewesen sein soll. An ber Spitze berselben staub ein wohlhabenber freier 
Neger, Namens Aponte. Ein Zufall führte zur Entbeckung, ber Aufstanb 
würbe im Keine unterbrückt, bie Räbelsführer hingerichtet. Nicht immer 
gelang es in gleicher Weise, ben Anschlägen ber Neger zuvorzukommen. 
Die Aufstäube wieberholten sich. Im Jahre 1844 mußte ein solcher im 
Bezirke von Matanzas mit Gewalt unterbrückt werben. Im Jahre 1848 
erfolgte bie Freilassung ber Sklaven in ben benachbarten französischen 
Colonien: in Folge besten erhoben sich in Cuba bie Sklaven; ber Aufstanb 
konnte erst nach blutigen Kümpfen unterbrückt werben unb würbe mit 
harter Strenge bestraft. Im Jahre 1853 entstaub eine Empörung unter 
ben Solbaten in San Jago in Folge ber Bestrafung einiger Kameraben; 
man unterbrückte sie zwar, aber man begnabigte bie Schulbigen, weil man 
sie aus Besorgnis; vor einem allgemeinen Militäraufstanbe nicht wagte zu 
bestrafen. Im folgenben Jahre 1854 würbe eine Verschwörung in Baracoa, 
im Osten ber Insel, entbeckt, im nächsten Jahre 1855 bie bes Roman Pinto, 
welcher nach Töbtung bes Generalcapitains bie spanische Herrschaft be 
seitigen wollte. Die Negierung ließ sich burch alle biese Vorgänge nicht 
bewegen, bie politischen unb wirthschaftlichen Zustände zu bessern unb mehr 
nach ben Wünschen ber Cubaner zu orbiteli, wobei ihr freilich bie wüsten 
Zustänbe im eignen Hause zur Entschulbigung bienen. 
Die steigenbe Unzusriebenheit bes Laubes begünstigte eine neue Ver 
schwörung, welche bie Unabhängigkeit ber Insel bezweckte. Bereits im 
Sommer 1867 begannen bie Verhanblungen unter ben Verschworenen unb 
blieben ein volles Jahr lang ein Geheimniß ber Betheiligten. Im Oktober 
1868 traten bie Verschworenen offen hervor, verkünbeten bie Unabhängigkeit 
unb erklärten bie Insel zur Republik, ilibem sie zugleich eine provisorische 
Regierung einsetzten. Mehrere Jahre lang waren bie Aufstänbischen sieg 
reich gegen bie an Zahl überlegenen spanischen Truppen. Ein General- 
Capitain nach beut aiiberit versuchte mit Gewalt unb mit Strenge bie 
Unterbrückung, aber vergeblich. Im Innern ber Insel, in beut östlichen 
ltitb süböstlichen Theile war vornehmlich ber Sitz ber Empörung, zeitweise 
bemächtigte sie sich auch bes Bezirks von Matanzas. Weniger litt ber 
westliche Theil ber Insel unter beut unmittelbaren Einfluß ber Kämpfe 
unb es gelang ben Aufstänbischen nicht, sich ber Havana zu bemächtigen. 
Auch ber Versuch, bieselben burch bas Anerbieten von Amnestie unb von 
Reformen zu versöhnen, war fruchtlos, ba von einer Seite bie Unterwerfung 
unter bie Krone Spaniens, von ber anberen Seite bie Unabhängigkeit von 
berselben als erste Bebingung festgehalten würbe. Im Jahre 1873 lief 
bas amerikanische Schiff „Virginius" von New-Iork aus mit Mannschaft, 
Lebensmitteln unb Kriegsbebarf für bie Insurgenten ein. Der Gouverneur 
von San Jago ließ es burch ein Kanonenboot verfolgen unb unweit von
        <pb n="26" />
        Jamaica wegnehmen. Darüber entbrannte iwch ein Streit mit den Ver 
einigten Staaten, der durch die Nachgiebigkeit des schwachen Spaniens 
beigelegt wurde. Im Jahre 1874 wurden die Insurgenten zwar durch 
General Concha in blutiger Schlacht geschlagen: allein seine Kräfte reichten 
nicht zu, um diesen Sieg bis zur völligen Niederwerfung des Feindes zu 
verfolgen. Man kämpfte noch mehrere Jahre lang mit wechselndem 
Glücke und mit steigender Erbitterung, bis endlich am 8. April 1878 dem 
zehnjährigen Kriege durch den Frieden von Zanjón ein Ende gemacht 
wurde. Noch einmal loderte dann tut folgenden Jahre tut Osten die Em 
pörung auf, wurde aber schnell unterdrückt. 
m itimttMbate folgen bt# stub ¿u Deqctdjtteit: bet 
schmerzliche Verlust an Menschenleben bei einer ohnehin dünnen Bevölkerung; 
enorme Verluste ait Vermögen und beweglichem Eigenthum, itantentlich an 
Vieh aller Art; Verarntung der gesammten Einwohnerschaft; Mangel ait 
Wmle^ntllItq^Wt nub numebit; sBmwtftuitü mib ctiteá f# 
Meu ^ctíeg bet i!itbmeQM)cit bittet. 3it0be^üllbete #611 bte Budct= 
Pflanzungen gelitten: aus Rache oder zur Vertheidigung wurden sie nieder 
gebrannt' von Insurgenten inte von Regierungstruppen; sie sollten den 
einen wie den andern itici)t als Schlupfwinkel dienen. 
Ueber den Ursprung und den Verlauf der Sklaverei aus Cuba wird 
sich weiterhin Gelegenheit finden, das Nähere vorzutragen. Bald nach deut 
Friedensschlüsse von Zanjón hat die Regierung die gesetzliche Regelung der 
Sklavenemanzipation ernstlich in Angriff genommen. Allerdings lag eine 
dringende Nothwendigkeit dazu vor. Allein die Erfahrung aller Länder 
hat bewiesen, daß der Uebergang von der Zwangsarbeit zur freien Thätigkeit 
der Arbeiter für die erste Zeit nicht ohne Verlegenheiten und nicht ohne 
Erschütterung der Besitzverhältnisse abgeht: um wie viel mehr in Cuba, 
dessen wirthschaftliche Kräfte durch seine traurigen Schicksale fast erschöpft 
moten. W beenbigteiu Mftwtbe blieb bet Sittel iibetbieä bte m#be, 
die Kosten für eine verstärkte Heeresmacht ztt Lande und zur See aufzu 
bringen nub die aufgelaufenen Kriegsschulden zu verzinsen und ztt tilgen. 
Ungünstige Handelsconjuncturen kamen dazu: der Sturz einer Havaneser 
Bank nub verschiedener solider Häuser traten ein und vermehrten die 
Schwierigkeiten, ivelche sich einer ivirthschastlicheit Erstarkung entgegenstellten. 
5. Die finanziellen Verhältnisse. 
Schon vor dem zehnjährigen Ausstande war die wirthschaftliche Lage 
der Insel keine günstige imb keine gesunde. Es geschah nichts, um die 
natürlichen Hilfsmittel des Landes zu entwickeln. Da die Ueberschüsse nach 
dem Mutterlande abgeführt wurden, war die Insel nicht tut Stande, in
        <pb n="27" />
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(inten Zeiten Ersparnisse zurückzulegen Noch »er de,,,.letzte,. Amstande 
sollen jährlich 6 Millionen pesos (24 Millionen Mart) lahrlich nach spannn 
abaeliesert sein Ueber die Einnahme» und Ausgaben der Cuban,,chen Sre- 
gierung zuverlässige Zahlen zu erhalte,» hat „ieht gelingen.molle,» Das 
Mihverhältniß beider zu einander, kann man ans den tiold- und ell 
course,» mie ans der Höhe der Abgaben erkenne,» Die gesummten Mali- 
scheu Einnahmen der Insel wurden sür das Jahr 1859 angegeben aus rund 
25,S Millionen Dollar», für 1860 auf 26 Millionen und sur 1861 aus 
26 4 Millionen. Hiervon wurde damals etwa die Hälfte auf Unterhaltung 
des Heeres und der Marine verwendet. Die Folgezeit hat gelehrt, das; 
das Heer den Anforderungen nicht gewachsen war, welche der Kampf gegen 
die Insurgenten stellte. Namentlich deshalb wurde die lange Dauer bet, 
Änfitanbeß moo#. %ßü#itb beweiben bic 3# bei: uer= 
mehrt werden; nach hergestelltem Frieden blieb es vorerst bei der ^er- 
stärkung, und das Land hatte bei sehr geschwächten Hilfsmitteln die bedeu 
tend höheren Ausgaben zu tragen. Im Jahre 1884 wurden die Ausgaben 
fih baß aiScaWi: ani 30 mmoiten 3)oüai'ß imb em 31mentaiit= 
ici)ei: æa#! beinerît ba^ii, bai; bie oeiammte baiiialioe gwiemmte md)t 
hinreichen würde, um die Steuern zu decken, welche die Regierung würde 
erheben müssen; die eommerzielle und politische Lage der Insel sei eine 
oei'amcifdte. %ad)beni ein 3aï)i: Mtei: bie i#n#e 3teoiemiio iid) en^ 
schlossen hatte, die Schuld der Insel in eine Nationalschuld zu verwandeln, 
glaubte man für 1886 das Jahresbudget aus 26 Millionen Dollars 
¡104 Millionen Mark) ermäßigen zu können. Auch ein solcher Jahresbetrag 
wäre für ein Land von l'/ 2 Millionen Einwohnern, namentlich unter den 
obwaltenden ungünstigen Verhältnissen, noch ein drückend hoher. Man 
darf indessen bezweifeln, ob derselbe zur Deckung der wirklichen Ausgaben 
zureicht. Im annuaire von Maurice Block von 1885 werden die Aus- 
oaben liad) bem %ioraiii#Ge beß BnbQetß # 1882 ani "Wa# 
32 067 978 pesos angegeben, und dahin zerlegt: allgemeine Ausgaben, unter 
welche anscheinend auch die Ausgaben für die öffentliche Schuld begriffen 
sind: 11 795 999 p.; Justiz 966 584 p.; Kriegsverwaltung 8 885 011 p.; Ma 
rine 2 204 677 p.; Finanzverwaltung 1 459 288 p.; Inneres 5 592497 p.; 
öffentliche Arbeiten 1005462 p.; auswärtiges Amt 121 300 p. und Nieder 
lassung Fernando Po 37 160 p. Dagegen nimmt Minoprio in 
seinem Jahrbuch für das Jahr 1880 — also unmittelbar nach dem Auf 
staude — die Ausgaben auf rund 80 Millionen Dollars an,. denen eine 
Einnahme gegenüberstehe, die niemals mehr als 55 bis 60 Millionen be 
tragen habe. 'Nach dem statesman's yearbook für 1887 wurden in neuester 
Zeit noch auf der Insel 22457 Mann Soldaten gehalten, ungerechnet die 
Officiere, deren Anzahl in Spanien bekanntlich recht hoch ist; dazu noch 
eine Flotte von 35 Kanonenbooten. Daraus erklärt sich, daß die Etats
        <pb n="28" />
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ber Insel bei 104 Millionen Mark veranschlagter Einnahme ein wirkliches 
Gleichgewicht nicht erlangen können. Das statesman's yearbook selbst theilt 
and) aiiê bem Bub# ber 3%# für baö 3# 1885/86 nid, baß bie Gin= 
nahmen aus 27 V, Millionen, bie Ausgaben aus 81 '/,&gt; Millionen pesos ver 
anschlagt seien. Vorausgesetzt, baß bie veranschlagten Einnahmen wirklich 
voll eingehen, bleibt noch ein Fehlbetrag von 4 Millionen pesos ober 
16 Millionen Mark zu becken, für welchen bie Steuerkraft bes Laubes nicht 
weiter in Anspruch genommen werben kann. Nach biesem Bubget konnnen 
126 Millionen Mark ans etwa 1'/-&gt; Millionen Seelen, also 84 Mark auf 
ben Kopf ber Bevölkerung, bie zu einem erheblichen Theile aus farbigen 
Arbeitern besteht. 
Ueber bie Höhe ber öffentlichen Schuld finbet sich nun keine ziffer 
mäßige Angabe. Aus ben Mittheilungen über bie Etatsposteu läßt sich 
auch bie Höhe ber Jahreszinsen nicht ersehen. Ohne Zweifel erreicht bie 
öffentliche Schulb eine sehr bebentenbe Höhe, wie bies bei ben wiederholten 
unb langjährigen Unruhen begreiflich. Wieberholt wirb berichtet, baß sie 
für bie Insel unerträgliche Zustänbe herbeigeführt habe. Enblich mußte 
sich das Mutterlanb zur Abhilfe entsd)ließen. Man verwanbelte bie Sd)nlb 
ber Insel insofern zu einer Nationalschulb, baß man Schulbbriefe ber 
. v sii|eí Euba — bons hypothécaires — ausgab unb mit ber Garantie bes 
gestimmten Staates versah. Dabei muß man fid) vergegenwärtigen, baß 
Cuba staatsrechtlich immer nur eine Provinz Spaniens war, unb ferner 
baß bie elenbe Wirthschaft im Mutterland ihm ein Mehreres zu thun nicht 
erlaubte. Spanien war unb ist noch hellte finanziell in einer Weise zer 
rüttet, loie kaum ein anberer Staat tu Europa. Für bas Jähr 1881 
lvurbe seine Staatsschulb auf 512 Millionen Pfunb Sterling" b. i. auf 
10240 Millionen Mark angegeben. Diese ungeheure Last sonnte bas Land 
nicht tragen; man war zri einer Verständigung mit ben Staatsgläubigern 
gezwungen, in Folge deren eine Herabsetzung von Kapital nitb Zinsen 
herbeigeführt wurde. Trotz dieser Erleichterung betrug, ilach ben statistischen 
Mittheilungen, bie öffentliche Schuld Spaniens am 1. Januar 1884 noch 
6356 Millionen pesetas — 4 238 Millionen Mark. In dieser Summe lvar 
ohne Zweifel bie schwebende Schuld nicht inbegriffen: seither hat sie sich 
wieder ansehnlich erhöht. 
Mit beili sinkenden Wohlstände ber Insel machte sich bas Bedürfniß 
nach Kredit immer fühlbarer. In gleid)em Maße gestalteten fid) aber 
auch bie Bedingungen dafür ungünstiger. Dies bezeugen die vielfachen 
Nachrid)ten über bie Wechselcourse und Goldprämien. Sd)on int Jähre 1872 
wurde aus Matanzas über die Höhe ber Wechselcourse geklagt; im Jahre 
1873 stiegen diese Course in Havana während des Mai und Juni, stockten 
danil aber gänzlich, ìveil die Bank keine Wechsel diskontirte. Im Jahre 
1874 wurde aus Matanzas von einer panikartigen Entwerthung ber
        <pb n="29" />
        Wifnoteu beratet: bteWmie für Wölb fdjmanlle ömtfd)en 90 biß 100 % 
unb 190 btë 195%; ber Gourß cms Bonbon OO^age mar "" XTrVZ 
Jahres 105 bis 125%, stieg im Sommer bis zn 213 % unb hielt sich 5" 
Enbe bes Jahres noch ans 133 bis 175 %- 
In Spanien mürbe bnrch Verorbnnng vom 19. März 1374 bte bnrch 
Wefe^oont 28. pannar 1856 gegrünbete mans oon Spanien in eine 
9iationalban( mit einem Spital oon 100 #monen pesetas ; 
alle anbeten Zettel- unb Discontbanken als in Liqmbation besmblich atiait 
unb bereu Wen ferner nid)t sugeiaffen. % neue mant orni (Spanien 
SÄûJÄîşrS 
iS; - vi rsTÄÄ : &amp; u- 
pesetas zu leisten. 
Auf Cuba übernahm bte bortige Spanische Bank — banco español 
de la isla de Cuba - bie Vermittelung ber Finanzgeschäfte ber Regierung. 
3m Banfe ber geit fai) fid) bie Diegierung in ii)rer Welbbebrangntg oer= 
anlaßt, bie Bank, rnelche für eigene Rechnung Noten auszugeben befugt 
mar, fortan and) %ur Buêgabe oon Ņapiergelb fi'": Wnung 31t 
erniöd)tigen. mon biefer Wrntäd)tiguitg mürbe in fdpielier ^oige ein jo 
umfangreicher Gebrauch gemacht, baß bie Gelbverhältnisse ber Jiyel 
uieicntiid) barunter litten. Saë Şapiergelb ber 0ant mürbe t^atfädflid) 
zum gernohnlichen Zahlungsmittel. Schon für bas Jahr 1872 rntrb be 
richtet, baß bte Emission von 36 ans 44 Millionen pesos (b. i. 176 Mil 
lionen Mark) gestiegen sei; für später rntrb ber Umlauf auf 56 Millionen 
(gleich 224 Millionen Mark) angegeben; vielleicht ist er zeitrneise noch 
höbet qcmefcn. %od) für ben Busang beS MreS 1884 mirb er in einem 
Consnlatbericht auf 42 Millionen pesos (gleich 168 Millionen Atark) be- 
liffert Buß mtan^ag mirb betid#, bag baS %agio gegen Wölb 
anfangs nur 3% betrug, im3al)rel871 auf 5%% u»b 
auf 15% gestiegen fei; ant 31. December 1873 betrug bte granite fur 
Wölb bereite 100%, möi)renb gleid)¿eitig ber @terltngcour§ btö &amp;u 120% 
i)inauffprang. SBie fei)r foïd)e @d)manfungen unb grämten ben merM)r 
beeintröd)tigten unb für bie Wemerbetrcibenben eine Dueüe i)arter merlufte 
mürben, debars keiner Erörterung. 
3)ie 9iad)tbeile ber innern guftänbe mürben oerfd)ärft burd) bie lln= 
gunft der ansrnärtigen Verbinbnngen. Da Cuba seine Bcben^bebürfntffc 
fast au§fd)lie^ltd) oont Bnßlanbe be#)en mus) unb feine eigenen ^1^= 
nisse in bas Anslanb, besonbers nach Norbamerika, absetzt, so rntrb es von 
allen Vorgängen auf ben ^anbelöplätjen (SuropaS unb BinerW inertbar 
beeinMt: Ä sonnte bat)cr nid)t feisten, bag bte betannte ^anbemtfiß,
        <pb n="30" />
        welche Nordamerika und besonders New-York im Jahre 1873 betraf auf 
Cuba sehr empfindlich zurückwirkte. 
Im Jahre 1884 brach über die Insel eine schwere Krisis herein durch 
alwanL caja de ahorros, in be» 
ber Bem»#» ©loolen oíê saving, discounting and deno- 
sitbank begetdmel. 3)ie GmMimg i^et 8#imgcn im ^ebruor 1884 ct= 
■r . «rï™ 3 Plötzlich zur allgemeinen Ueberraschung: noch im Januar hatten 
¡ )ie - v(d ; eit a f u] ļ“ 5 % şiestanden, da sie bis zuletzt die glänzendsten Aus 
wege über ihre Lage gegeben. Tausende von weniger bemittelten Leuten 
niebetgelegl imb netïoten sie 4,13#; onbcte 
^â^blshacher wurden m ihren Sturz verwickelt. Nicht allein die un- 
nnttelbar damit verbundenen Verluste machten sich empfindlich merkbar; 
safi schlimmer noch war, daß das Vertrauen wieder schwand, welches sich 
seit i er Beendigung des Aufstandes durch den Frieden von Zaiijon im 
^ahie 1878 und seit Niederwerfung der kurzen Empörung non 1879 nur 
eben wiederzufinden begann. Ohnehin hat Cuba der Kreditanstalten für 
Wibel unb ßlemctbe mit ^t inenige. 9iod) einem non 
1884 gob e* bomolS miñet bet bmiíetnticn 61^0111140111 nodi: bic %= 
dustrialbank mit 1,6 Millionen Dollars Grnndcapital, die Bailk del com- 
mercio unb almacenes (2age#»fet) de Regla mil 3 Wmionen Gopiw 
bie boni imb ^lebe^oge non @011 Goloiino mit 1 9mion Go^iloi; enblicli 
bic bereits ^1001)11^ 6^oni^^^e anni silt Gnbo. ^e detien bet btei ersten 
Itonben bm^rneg unter W; bie bet leiden, mctd)e mil einem GoWtoi non 
Ķ Wimnen SoUotS otbcilcl, ftonben im Sonnot 1884 nodi 119% 
nn &amp;01 1884 bogegen m,t 85«/«, ein bentlid)eS 8^^611, mie ieíit 
bos olígemeuie ^etltonen fid) nod) bem Etuqe bet Gt^^otnt^bol^^ 
non ben SBonfen 3milclge3ogen I)otte. S)ie ^011146 Bons besorgt 
une erwähnt, die Geldgeschäfte der Regierung, macht ihr Vorschüsse, 
hat ios Vorrecht zur Ausgabe non Noten, und ist angeblid) ver- 
pflichtet, jährlich 8 7„ Dividende zu zahlen. In, Jahre 1883 ivurde 
zwar angeordnet, daß von ihren im Umlauf befindlichen Noten monatlich 
200000 pesos vernichtet werden sollten, und es wird auch behauptet daß 
d,c,e Anordnung noch ,884 wirklich befolgt fei, Gleichwohl sank damals 
der Notenwerth in einer bedrohlichen Weife. In Folge dessen erklärten 
me Kleinhändler, sie würden, da sie gegen Noten verkaufen müßten, den 
^tül^^önbíetlI, bie soft bmd)ioeg nur gegen (Mb Mibeln, il)te æet^ßid)^ 
tnngeii erst dann erfüllen, wenn die Noten wieder zu besserem Werthe ge- 
iangt ieien. 3)er ^61^4 im Sniietn sonn fidj nömiid) nur beS $obiet= 
gelbe* bedienen; die eingeführten Waaren werden dort auch nur gegen 
solche^ verhandelt; dagegen muß über die Ausfuhrartikel in Gold ab 
gerechnet werden, da für Cnbanisehes Papier außerhalb der Insel sick) kein 
Markt findet. Demgemäß werden auch in allen Hafenplätzen die Ausfuhr-
        <pb n="31" />
        4 
25 
Geschäfte auf Goldbasis gemacht und die Preise danach notirt. Nur in der 
schlimmsten Zeit des Aufstandes hat zeitweise au einigen Plätzen die Goldbasis 
verlassen werben müssen; den Bemühungen der betheiligten Kaufmann 
schaften gelang es aber, dieselbe — namentlich in Havana -und Matanzas 
— bald wieder herzustellen. Die Regierung läßt sich alle Abgaben und 
Zölle in Golde bezahlen; nur bezüglich der letzteren ist zeitweise gestattet 
worden, einen Theil durch Banknoten zu berichtigen. 
Die Einfuhr und Ausfuhr von Edelmetallen ist großen Schwankungen 
unterworfen, in der Mehrzahl der Jahre aber sehr beträchtlich. Früherhin 
ist bei der Ausfuhr von Golde eine Abgabe von 1 % %, von Silber eine 
solche von 2 V 4 °/u des Werthes erhoben worden. Jetzt unterliegt sie keinen 
Beschränkungen mehr. 
In Erwägung aller der vorerwähnten Umstände läßt sich denken, daß 
der Zinsfuß von Darlehnen auch für anerkannt zahlungsfähige Personen 
kein niedriger sein kann. Die überwiegende Mehrzahl der Pflanzer ist seit 
vieleil Jahren darauf angewiesen, sich die Geldmittel für den Betrieb ihres 
Geschäftes durch Darlehne in Erwartung guter Verlverthung ihrer Erzeug 
nisse zu beschaffen. Die Bedingungen, unter denen solche Vorschüsse ge 
währt werden, richten sich natürlich nach der Person, nach der Lage und 
der Beschaffenheit ihrer Pflanzung, nach den Verhältnissen des Geldmarktes 
und den Aussichten auf dem Zuckermarkte. Während des Aufstandes war 
es für die Grundbesitzer in den besonders davon betroffenen Provinzen des 
Ostens und des Centrums überhaupt nicht immer möglich Darlehne zu 
erhalten. In den Jahren 1879 und 1880 wird der Diskontosatz der Banken 
in Havana durchschnittlich zu 8% angegeben, und der billigste Zinsfuß 
für Landwirthe aus 1 bis 1 %% monatlich. Für das Jahr 1884 wurde 
berichtet, daß der Diskontosatz bisher 8% für kurze, und 10% für sechs 
monatliche Sichtwechsel betragen habe, nun aber auf 9 bez. 11 % gestiegen 
sei, sowie daß im Innern Geld kaum zu 2% monatlich zu erlangen sei. 
Aus Matanzas ivird für das Jahr 1883 berichtet: der Besitz, mit hohen 
Steuern schwer belastet, sei so entwerthet, daß kaum noch ein Verkauf be- 
werkstelligt werden könne; fast wöchentlich werde ein Etablissement ge 
schlossen; von dell 6000 Häusern der Stadt stände der vierte Theil leer. 
Inzwischen scheinen sich die Verhältnisse gebessert zu haben. Für das 
Jahr 1886 hebt ein Bericht hervor, daß die Capitalisten — im Hinblick auf eine 
gesegnete Ernte — keiil Bedenken mehr trügen Vorschüsse zu machen uild 
daß die Pflanzer wieder voll Zuversicht seien. 
Aus früheren Jahren ist wiederholt mitgetheilt worden, daß mau 
Pläne zur Errichtung von Hypotheken-Jnstituten oder landwirthschaftlichen 
Kreditanstalteil gemacht habe. Mit der Errichtullg einer solchen soll auch 
in der Stadt San Espiritu, Provinz Santa Clara, der Anfallg gemacht 
worden sein. Indessen hat Weiteres darüber bisher nicht verlautet. Mit
        <pb n="32" />
        26 — 
' 
Rücksicht auf die neuerdings sich mehr uud mehr vollziehende Trennung 
des Rohrbaues von der Verarbeitung des Rohres lvüre es von doppeltem 
Interesse, über die Wirksamkeit solcher Anstalten zu hören, welche aus die 
Kreditfähigkeit des Grundbesitzes einen merbareu Einfluß zu üben pflegen. 
ti. Zölle und Stenern. 
Unter den Klagen in den Berichten aus Cuba kehren fort uud fort 
die über die drückende Höhe der Abgaben wieder. 
Die Nachrichten über die inneren Steuern sind nur dürftig und be 
schränken sich auf folgendes: 
Ländliche wie städtische Grundstücke unterliegen einer Steuer von 
16o/o des Ertrages, mit Ausnahme der mit Tabak und mit Zuckerrohr be 
pflanzten Flächen, welche nur 2% zu entrichten haben. Ferner wird er 
hoben eine Abgabe von 6% von dem Nettoerträge des Verkaufes oder 
Austausches unbeweglicher Güter oder der Sklaven, so wie ein 6 proeentiger 
Zuschlag zu dieser Steuer. Sodann eine hohe Steuer beim Besitzwechsel 
durch Erbschaft; eine Steuer von den sogenannten cédulas personales d. h. 
Legitimationspapieren, zu deren Führung jeder Arbeiter verpflichtet ist; 
eine Steuer von 10°/ 0 auf liquide Renten, auf städtische Liegenschaften und 
vom Rindvieh. Die Einnahme aus der Stempelsteuer ist für das Budget 
von 1885/86 auf 2 '/4 Million pesos veranschlagt, die Steuer auf die 
Lotterie nahezu 2*/ g Millionen pesos. In der encyclopaedia britannica 
wird sogar ein impost, on cockfights erwähnt, der sich aber sonst nirgend 
angeführt findet, auch mehr den englischen als den spanischen Gebräuchen 
entsprechen würde. Aus dem Jahre 1868 wird eine allgemeine Erhöhung 
der unmittelbaren Abgaben um 10% gemeldet, welche zur Steigerung der 
Unzufriedenheit beigetragen zu haben scheint. Nach einem Berichte aus 
dem Jahre 1870 sollen die direkten Steuern damals die Höhe von 25% 
des Einkommens erreicht haben; für das 2. und 3. Quartal mußten die 
Steuern bis zu 16"/o ermäßigt und für das 4. Quartal ganz erlassen 
werden. 
Durch Verordnung vom 26. December 1882 wurde die Abgabe vom 
Personen- und Frachtverkehr also geregelt: 10% von dem Fahrpreise für 
die Passagiere auf den Eisenbahnen und den zur Küsten- und Lokalfahrt 
benutzten Dampfschiffen; 3% von dem Frachtgelde beim Waarentransport, 
bey bei dem Güterverkehr im Küsten- und Außenhandel von 2,50 bis 
6,25 pesetas Frachtgeld 12% c von der peseta, von 6,25 bis 12,50 pesetas 
Frachtgeld 25 c, bei 12,50 bis 25 pesetas Frachtgeld 50 c, und bei je 
25 pesetas mehr Frachtgeld nach 50 c von der Peseta. Es läßt sich nicht 
übersehen, ob diese Verkehrsabgabe im vollen Umfange wirklich zur Geltung
        <pb n="33" />
        gekommen: daß sie außerordentlich drückend war, ergaben die Klagen dar 
über. Die Pflanzer von Havana und Matanzas führten im Herbst 1886 
bei der Regierung in Madrid Beschwerde über die Höhe der Abgaben; sie 
verlangten nicht nur schleunige Aufhebung des Ausfuhrzolles von Zucker 
und Branntwein sowie Ermäßigung der Einfuhrzölle, namentlich derer von 
Maschinen, sondern auch eine Herabsetzung der sehr hohen Bahntarife um 
den dritten Theil. Im Einklang hiermit steht eine Erklärung der Eisen 
bahngesellschaft Cardenas-.Jucaro, welche zur Herabsetzung ihrer Tarife um 
30% sich bereit zeigte, sofern die Regierung die Abgabe von der Brutto- 
Einnahme der Bahn statt der bisherigen 16% auf 5% ermäßigen würde. 
Da die Insel Cuba die Etoffe zur Befriedigung der gewöhnlichen 
Lebensbedürfnisse nicht liefert und wahrscheinlich auch in Zukunft nicht, 
wenigstens nicht zur Genüge, liefern wird, so ist sie genöthigt, alles vom 
Auslande zu beziehen. Seit langen Jahren ist aber die Einfuhr durch starke 
Zölle belastet, welche für die Regierung zwar eine ergiebige Einnahme 
quelle bildeten, aber für die Bewohner der Insel von Jahr zu Jahr 
drückender wurden, je mehr der Wohlstand derselben in Niedergang gerieth. 
Die nothwendigsten Lebensbedürfnisse wurden außerordentlich dadurch ver- 
theuert, der zehnjährige Krieg hat den Viehbestand der Insel sehr verringert; 
die Fleischpreise waren zu enormer Höhe gestiegen; ihre Ermäßigung wurde 
verhindert durch hohe Einfuhrzölle ans lebendes Vieh, auf frisches Fleisch 
ans Südamerika, welches die hauptsächlichste Nahrung für die Sklaven 
genug zu beziehen; allein zu Gunsten der spanischen Mehlausfuhr liege ein 
so hoher Einfuhrzoll auf amerikanischem Mehl, daß es noch Rechnung 
brächte, Amerikanisches Getreide nach Spanien zu fahren, es dort zu ver 
mahle, l und dann das daraus gewonnene Mehl als spanisches nach Cuba 
zu bringen. Der vom Jahre 1870 ab in Kraft getretene Zolltarif für die 
Einfuhr nach Cuba war sehr eomplicirt; er enthielt nicht weniger als 614 
genau bestimmte Posten, welche wiederum in vier Klassen je nach der Her 
kunft der Waaren und nach der Nationalität der Schiffe abgestuft waren, 
nämlich: 
zumeist betrugen die der 2., 3. oder 4. Klasse das 2-, 3- oder 4fache der 
ersten. Zur Erläuterung mögen die nachstehenden Beispiele dienen, welche 
dem Zolltarif für die Insel Cuba vom 10. September 1869 entnommen 
sind. In den Sätzen ist der Kriegszuschlag bereits inbegriffen und der
        <pb n="34" />
        Escudo genau mit 2 Mark berechnet, wie auch als richtig anerkannt wor 
den ist. Danach waren zu erheben bei der Einfuhr von 
Roggen- und Maismehl, sowie Kleie, 
vom kg: in der 1. Klasse 0,008 esc., in der 2. 0,010, der 3. 0,021, der 4. 0,028 
5. Ij. uom 1,6 — 3,2 — 4,2 — 5,6 Sf.; 
Weizenmehl, 
von 100 kg: 4,5 — 9,0 — 9,39 — 11,02 escudo, 
d. h. vom D.-Ctr.: 9,0 — 18,0 — 18,78 — 22,04 Mark; 
Eisen w a aren, gemeine, für Ackerbau und Gewerbe, 
une Pflngschaaren, Pflüge, Karste u. dergl., 
vom kg: 0,016 — 0,032 — 0,042 — 0,056 escudo, 
5. ïj. Dom 3).=Gh\: 3,20 - 6,40 — 8,40 — 11,20 SW; 
Eisenwaaren, andere, wie Hackemesser u. dergl. 
vom kg: 0,054 — 0,108 — 0,144 — 0,192 escudo, 
5. ^ uom 10,80 — 21,60 — 28,80 — 38,40 SW, 
Eisenwaaren, feinere, zum Schneiden des Zuckerrohres, 
vom kg: 0,090 — 0,180 — 0,240 — 0,320 escudo, 
d. h. vom D.-Ctr.: 18,0 - 36,0 , — 48,0 — 64,0 Mark; 
Weißblech in Tafeln, 
vom kg: 0,027 — 0,055 — 0,073 — 0,097 escudo, 
d. h. vom D.-Ctr.: 5,40 - 11,0 — 14,60 — 19,40 Mark; 
Weißblech, Waaren daraus, 
vom kg: 0,098 — 0,196 — 0,261 — 0,348 escudo, 
5 i), uom 19,60 — 39,20 - 52,20 — 69,60 SW. 
Ausnahmsweise ungünstig gestellt waren die amerikanischen Waaren, welche 
auch bei der Einfuhr auf spanischen Fahrzeugen nach der 4. Klasse verzollt 
werden mußten, als Vergeltung dafür, daß seit 1864 schon die Vereinigten 
Staaten von Nordamerika auf die Erzeugnisse voll Cuba und Portorico 
einen Zuschlagszoll von 10% erhoben. Diese ausnahmsweise Haltung 
hörte erst in Folge eilles zwischen den Vereinigten Staaten und Spanien 
im Januar 1884 abgeschlossenen Vertrages auf, nach welchem vom 1. März 
1884 ab die Erzeugnisse der Ersteren bei der Einfuhr in Cuba gleich den 
übrigen Waaren verzollt werden sollten. Neuerdings ist ant 27. October 
1887 zwischen beiden Staateil eine Uebereinkunft geschlossen worden, wonach 
fortan die Erzeugnisse der Vereinigten Staaten, sowie die jedes anderen 
Landes, welche alls Fahrzeugen der Bürger der Vereinigten Staaten nach 
Cuba gebracht werden, hinsichts der Schiffahrtsabgaben und Zölle mit der 
Spanischen Flagge völlig gleich behandelt werden und keilte andere ttoch 
höhere Schiffahrtsabgaben oder Zölle entrichten sollen, als solche, benen 
die Spanischen Fahrzeuge oder deren Ladung unterliegen. Inzwischen 
wurde durch Gesetz vom 20. Juli 1882 der Zolltarif wesentlich abgeändert. 
Bisher hatte sich das Mutterland Spattieit auch gegen die Colonieen tvie
        <pb n="35" />
        29 
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        30 
u- dergl. mit einem weiteren Zuschlage von 15 % bedacht worden. Eine 
Erleichterung von diesen Zuschlägen aus die Einfuhrzölle hatte auch nach 
den aus dem Jahre 1886 herrührenden Berichten noch nicht stattgefunden. 
Ausfuhrzoll wird ans Cuba zwar nur von sechs Artikeln erhoben 
110111114 non 8u(fer, Melasse, Mum, SaM, 9Bad# imb ^olg. mietn bmnit 
işi ouch die Menge der Ausfuhrartikel im wesentlichen erschöpft. 
Durch Verordnung vom 22. Februar 1869 wurde der Ausfuhrzoll für 
den Verkehr nach Spanien, wie nach fremden Ländern festgesetzt: von der 
Ķiste Zucker ans 1 escudo, vom Faß Museovade aus 2'/ 2 escudo, vom 
Ballen Blättertabak auf 2 escudo, vom Tausend Cigarren auf 1 escudo. 
3)tefe Gâlje lunrben im ^ufe be§ Sa^-eg I860 ameimai obgeänbert, big 
der Zolltarif vom 10. September 1869 sie also bestimmte: von der Kiste 
Zucker 1,6 esc.; vom Faß Zucker 6 esc.; vom halben Faß (tiercon) 3 esc.; 
omit baril Zucker 1,5 esc.; vom Fas; miei de purga (Syrup) bis zu 
120 Gallonen 2 esc.; von der Pipe Rum 4 escudo; vom Tabak wurden 
seit dem 1. Januar 1872 erhoben für 100 Pfd. Blätter 4,13 Dollars, für 
das Tausend Cigarren 2,2fr Dollars. 
Auch die Ausfuhrzölle wurden während des Aufstandes durch Zu 
schläge, subsidio de guerra, erhöht und stiegen dadurch ans das zwei- bis vier 
fache. Eine Herabsetzung dieser Zuschläge trat erst im Jahre 1882 um 20 % 
ein, und insbesondere wurden sie von dem in der Provinz San Jago de 
Cuba erzeugten Nohtabak, soweit er aus den Häfen S. Jago, Gibara und 
Manzanillo ausgeführt würde, auf 50 % herabgesetzt, uni der durch den 
Ausstand besonders schwer betroffenen Provinz eine Erleichterung zu ge 
währen. Nur die Zuckerzölle blieben ausnahmsweise ans der 1869 fest 
gesetzten Höhe, bis für Zucker und Melasse vom 1. März 1875 der Aus 
fuhrzoll, einschließlich der Kriegszuschläge, in folgender Höhe erhoben wurde: 
glider in %ö))er big an 620 kg: per W 5,45pesos 
in Kisten bis zu 184 kg: „ Kiste 2,30 „ 
„ in Säcken bis zu 92 kg; „ Sack 1,15 „ 
Bei stärkerem Gewichte wurde außerdem ein Zuschlag erhoben für 
Oxhofte, halbe Oxhofte, Tierees oder Barrels von je 100 kg noch 88 cen 
tavos, für Kisten oder Säcke von je 100 kg noch 1,25 pesos. Ferner hatte 
zu zahlen 
Melasse in Fässern bis zu 600 kg per Faß 2 pesos und von je 
100 kg Mehrgewicht noch 33 centavos, sowie 
Num vom Faß 3 Va pesos. 
Bom 1. August 1885 ab wurde der Ausfuhrzoll vom Zucker ander- 
weit festgesetzt auf 40 cents (1,60 M.) für je 100 kg gereinigten (purgado), 
eentrifugirten oder raffinirten Zuckers, ans 35 cents (1,40 Mk.) für je 100 kg 
Museovadenzncker, und auf 13 cents (0,52 Mk.) für 100 kg Melasse: diese 
Beträge zahlbai halb in (bold und halb in Noten der Spanischen Bank
        <pb n="37" />
        31 
8888 
0CÍO æèl'ü««* der Hasen- und Schisssahrtsabgaben, di- in den kubanischen 
Hasen wie überall erhoben werden, ist nur hervorzuheben, datz an -ronnen- 
°°^^Während der Verkehr auf d-r"g°n7°n Insel sich mit den, einer schnellen 
sääs 
und sodann vom 1. October 1875 der ganze Betrag in Golde zu entrichten 
227 stand. 
7. Die Landes - Produkte. 
Von den Steuern imï&gt; Zöllen, bei denen die G-meind-abgaben und 
010 à Million Einwohner 
ans das platte Sand, nach Abzug der Bevölkerung für die Hasenplahe, ge 
rechnet werden können. Von b-dent-nd-r°n Städten giebt es nn Innern 
linr Ivenige: Pino del Rio im äußersten Westen, Puerto principe, Santa 
Clara, San Espirita und Holguin ini mittlere» Theile „nd d,e nennen»- 
werthesten. In keiner von ihnen hat sich irgend otite bemerkenswert!,-
        <pb n="38" />
        32 
SnbitfMe entwicfeít. 3n bili# natìiiiìd0 bie æcrarbeitunq ber 
Dabake. ^ibei abqejeijcii bauou, fiubet sich auch in ben Hafenplätzen nur 
maß bie €d)i^a# mit fid) brinqt, imb ber Raubet, ber 'ben Vertrieb ber 
Lanbesprobukte besorgt. 
Die Insel ist also bis heute noch recht eigentlich ein Ackerbau treibenbeS 
^anb, unb sie beschäftigt sich nur mit ber ersten Verarbeitung ber Erzeug 
nisse des Bobeuß, um sie verseubuugsfähig zu machen. Die Erzeugnisse 
werben ans ben Weltmarkt gebracht, wobei bie einheimische Rheberei nur 
einen sehr geringen Antheil in Anspruch nimmt. Vom Weltmarkt her 
merben ade Scbcnßbebiirfn# beißen, ni^^t attein biejenißen beß 101^,^611 
ßebenß, ļonbern aud) alle Slrtifei beß uerfeinertcn ^efd)madeß mib beß 
Luxus, wie Wirk- unb Webewaaren, Werke ber Metallverarbeitung jeber 
%rt, Ui)ren, Juwelen unb berßi. m. ^ie^ii^t, sowie bie eraciiqitnq mm 
mnee, Sabas unb Budcr finb aur Beit bie fast außf^^íle^ïid)en ^iifßq'ucnen 
ber Bewohner; außer biefen ist nur Honig ein Außfuhrartikel, unb früher- 
ļ)iu Holz in nicht unerheblichen Mengen, besten Ausfuhr wegen ber llnrnhen 
unb wegen ber schwierigen Beförberung sehr nachgelassen hat. Cacao 
galt früher als eine besonberß lohnenbe Frucht, boch scheint ihre Cultur 
niemals eine große Verbreitung gewonnen zu haben. Ans bem Jahre 1X43 
werben 59 Cacaopflanzungen erwähnt: in neuerer Zeit finben sich feine 
weiteren Angaben barüber. 
Jüereitß au (gnbc beß 16. 3a^r^uubertß I)atte bie f^anii^^ejirone mit 
Laubsd)eilkungeu auf Cuba begonueu. Erst in viel späterer Zeit schritt 
utan au einer Abgränznng ber Besitzungen, bie sich in hatos ober haciendas, 
Viehzüchtcreien, in corrales, Kleinwirthschaften, caballerías, Stickereien,' 
unb peonerías, Bauernwirthschaften schieben. Die zahlreichen Viehheerben 
mürben in sogenannten Potreros beherbergt, b. h. in Weibeflächen, welche 
bitrd) Hecken, Zäune ober Mauern abgegränzt waren. Lange galt in 
früheren Zeiten Viehzucht für baß angesehenste unb einträglichste Gewerbe: 
daher schreibt es sich, baß bis in bie neueste Zeit baß volksthümliche 
Flächenmaaß bie caballería ist. Die meisten Züchtereien, estancias, finben 
sich noch im Centrum ber Insel; Pferbe- unb Riubviehzucht waren im 
besten Aufschwünge namentlich in beit Bezirken von Santa Clara unb Puerto 
principe. Nach einer Angabe anß bem Jahre 1843 soll bie Zahl berselben 
damals 6950 neben 3450 Hütungen betragen haben; aus bem Anfange 
ber 1850er Jahre wirb bie Ausbehnung ber sämmtlichen Hütungen auf 
19 800, bie ber künstlichen Weiben auf 2750 qkm beziffert. Die zehnjährigen 
Unruhen, welche allgemein ben Wohlstanb ber Insel zerrütteten, schäbigten 
insbesonbere bie Viehzucht unb ihre Bestäube, ba gerabe im Innern ber 
3&gt;lsel ber Aufstanb aut ärgsten unb hartnäckigsten wüthete. Zn beut Be 
zirke von Puerto principe würbe sie fast zu Grnnbe gerichtet; auch im 
Bezirke vom S. Jago hat sie schwer gelitten. Das Ninbvieh bient größten-
        <pb n="39" />
        33 
theils als Zugthier; trotz ansehnlicher Bestände daran ist Rindfleisch im 
Innern des"Landes so hoch im Preise, dasz die Bevölkerung statt seiner 
den Stockfisch oder das getrocknete Fleisch aus Südamerika vorzieht. Die 
geringe Wohlhabenheit der Lente und die Zahl der katholischen Feiertage 
mag dazu ebenfalls beitragen. Zur Zucht werden Rinder aus Honduras 
und Columbien in ziemlich groszen Mengen eingeführt; die Thiere aus 
Texas haben sich nicht bewährt. Am Schlug des Jahres 1881. also etwa 
3 Jahre nach beendigtem Ausstand. Ivird das Ergebniß einer stattgehabten 
Viehzählung dahin angegeben: 
Provinz: 
Havana . . . 
Pinar del rio . 
Matanzas . . 
Puerto principe 
S. Clara . . 
G. Sano. . . 
SRiiib. 
217 478 
159578 
139579 
49186 
289659 
67 651 
Pferde. 
55024 
35113 
36255 
5401 
35204 
18178 
Maul 
thier. 
4815 
3549 
4654 
344 
3315 
3454 
Esel. 
78 
59 
16 
Schweine. 
64816 
63892 
40624 
23440 
101 635 
30232 
Ziegen 
u. 
Schaafe 
15901 
7077 
18606 
807 
11286 
6683 
Summa. 
358034 
269287 
239777 
79194 
434099 
126198 
zusammen: 
916131 185175 20131 ¡153, 324639,60360 1506589 
Im Jahre 1883 soll eine abermalige Zählung stattgefunden haben. 
Deren Ergebnis; ist jedoch nur für die Provinz Pinar del Rio bekannt ge- 
woibeii, wo man #en # 1872699ünbe?, 33208 #tbe, 4898 Waid- 
esci, 79 093 Gd)weine, 8 597 gießen wib Groase, im (Banden also 
323065 Stück, was eine beträchtliche Zunahme wäre. 
Seit bei- mite beß 16. 3o#iwbert8 soll bet Anbeut non (Mteibe 
ciuf Cuba seinen Anfang genommen haben, gleichzeitig der anderer Cultur- 
pinjen. 3ii baß 3# 1580 fe# man ben Beginn beß Sabafßbaueß; 
bte Spanier sollen ihn von den Eingeborenen überkommen haben, welche 
sie beteitß bei bet Wbedung bie fuuftioß getonten Blattet ton#! fa^n. 
iJUß der verbrauch in den öündern Europas stieg, sehte die spanische Re 
gierung eine gewisse Summe jährlich aus zum Ankaus von Blättern.. Bcilb 
darauf wurde befohlen, den Ernteüberschuß nach Spanien — insbesondere 
nad) Gemila - abauliefetn. Gd)on im Sa# 1636 wutbe eine Abgabe 
batons gcïegt nnb beten Wtag netbad)tet, biß man fid) cntid)toñ, bie 
Ernten in die Königliche Handelsniederlage abliefern zu lassen, den Rer- 
kaus von der Insel nack) dem Ausland ganz hemmte und sogar die Hamo- 
industrie verbot. Im Jahre 1817 wurde der Handel wieder freigegeben, 
jedock) mit Abgaben belegt, die mehrfach verändert worden sind. Im zechte 
1840 betrug der Ausfuhrzoll vom Centner 2'/ 4 bis (&gt;y 4 bez. 12'/ 4 Realen 
5
        <pb n="40" />
        34 
je nach der Beschaffenheit, und 4 Realen für das Tausend Cigarren. Die 
Ausfuhrzölle späterer Jahre sind oben kurz erwähnt worden. 
Der Tabaksban wird am stärksten im nordwestlichsten Theile der Insel 
betrieben, nicht unbedeutend auch int östlichen, namentlich im Bezirke von 
San Jago de Cuba; nur wenig im mittleren Theile. Der beste Tabak, 
der sogenannte Havana-Tabak im engeren Sinne, wächst in der vuelta abajo 
bei Havana; namentlich ein schmaler Landstrich von la Leña, bis zu dem 
Flüßchen 8an Juan y Martinez, am Fuße einer Hügelkette daselbst, ist es, 
welcher diese Tabakssorte berühmt gemacht hat. Im Handel unterscheidet 
man noch die eigentliche vuelto abajo und die partidos, jene im westlichen 
Theile der Insel bis zum Herraduraflusse, die zweiten bildet der Bezirk 
zwischen diesem Flusse und der Havana. Dem in ersterer Gegend gebauten 
Tabak wird wegen feineren und stärkeren Aromas der Vorzug gegeben. 
Ursprünglich wurden zum Anbau der Tabakpflanzen nur die zur Regenzeit 
überschwemlnten Uferländereien benutzt. Die vermehrte Nachfrage steigerte 
die Preise und reizte zur Benutzung auch anderer Ländereien. Nene Pflan 
zungen wurden angelegt und die bestehenden vergrößert; dazu kam, daß 
für die Ausfuhr, namentlich nach Deutschland, leichtere Sorten bevorzugt 
wurden: seither nub besonders seit etwa dreißig Jahren benutzt man auch 
die sogenannten sabanas, die Ländereien an bett Hügelketten entlang. In 
den Partidos, wo der Boden fetter ist, wird nur theilweise Tabak gebaut, 
die größere Hälfte diente zum Anbau des Zuckerrohrs und zu potreros 
(Viehzüchtereien). In der vuelta abajo ist vielfach der Anbau des Tabaks 
übertrieben worden und in Folge dessen der Boden ansgesogen. Die Pflanzer 
haben deshalb einige Jahre hindurch versucht, dem Ertrage mit Guano 
düngung nachzuhelfen, allein mit sehr ungünstigem Erfolge, insofern die 
Güte der Blätter dadurch beeinträchtigt wurde. Im Osten von Havana 
wird von den sogenannten remedios-Tabaken eine nicht unbedeutende Menge 
von geringerer, aber intmer noch geschützter Güte gewonnen; am lvenigsten 
Beachtung findet der im Osten bei San Jago, Gibara re. erzeugte Tabak. 
Während des Aufstandes haben namentlich die Pflanzer in den letztgenannten 
Distrieten Schaden gelitten, lvährend die in der Nähe der Havana wohn 
haften wenigstens von der Heimsuchung durch die Insurgenten fast ganz 
verschont blieben. Int Jahre 1880 sank die Ernte in der vuelta abajo auf 
einen außerordentlich geringen Ertrag herab. Der Grund dafür lag nicht 
blos in ungewöhnlich ungünstigen Witterungsverhältnissen, sondern auch 
in den Verheerungen durch den Tabaksivurm, welcher die noch zarte Pflanze 
abnagt und vernichtet, dessen Erscheinen sich seither auch wiederholt hat. 
Seit einer Reihe von Jahren werden übrigens nicht unbedeutende Mengen 
fremden Tabaks nach Cuba eingeführt, vermuthlich um für die starke Nach 
frage auszuhelfen. Diese Einfuhr fand zunächst ans Portorico statt und 
wurde eine Zeit lang geheim betrieben. Sie lvird auch gern in Abrede
        <pb n="41" />
        35 
^stellt, ohne Zweifel in der Ueberzeugung, daß diese Nachhilfe dem Ruhm 
be0^aoana=Saba!0 nid)t geiabe mar %ad) einem Benote au0 
bem\a(me 1870 mai bie @inful)i ^ßoitoiico gestattet moiben unb 
tu ^Jige beffen nal)in sie halb io eiljebl# 311, baß bie $100(113(0^6= 
gienmgen 0011 Matabas imb ^aoaiia bie @incneiniig be0 @infnl)ioeibot0 
beantiagten. 3)11# Beioibnung 00111 16. Dctobei 1876 oeibot bie Gu= 
banifd)e 9^63(611103 in bei Sl)at bie @infnl)i miß $oitonco, med angeblid) 
auf beni Umwege über Portorico auch Tabak aus Domingo, Houburas, 
æiimnieii unb'mntudi) na4 Gnba gelangte. 3)ie Bei:oibnung mnibe 
jedoch 0011 der Regierung in Madrid aufgehoben und die Einfuhr ra- 
hin beschränkt, daß sie oon Portorico aus nur nach dem Hafen von Havana 
erfolgen imb boit bei Sabas um nad) ooil)ei bn# @0^00^36 be= 
miiftei Uuteifud)unG an0gel)änbigt meibeu bmfe. @(061^)01^14 mai ai#, 
basi bei billige $oi;toiico=Sabat nad) bei jßaoaua 3oüfiei 0111361)011 bimste, 
mäbieub bei @iibaiitfd)c Sabaî in $oitoiico einem @11100113030: »on 3 3)0^010 
für den Centner unterlag. Seither hat die Einfuhr allmählich zugenommen. 
%n ^al)ie 1883 foden nid)t menigei al0 50000 Ballen oon boitl)ei ge= 
(ominen fein. bie0 iid)tio, so miiibe baian0 folgen, ba^ nid)t 11m 0011 
Portorico, sondern auch 0011 anbei0 woher der Tabak nach Euba gelangte, 
ba $oitoiieo anßei biejen 50000 Ballen nod) 39000 nad) 6banieii uiib 
80000 in# anbeten ßönbein au0oefüi)it l)ätte, mai)ienb e0 in %Wiid)tctt 
etwa halb soviel geerntet hat. r .. .. 4 
Zuoerläfsige Angaben über die Große der Tabakerzeugung laßen ltd) 
in Ermangelung ausreichender Statistik nicht machen Eine Mittelernte 
der vuelta abajo und der partidos schätzt man aus 200 000 Ballen. Auch 
die Ausfuhrlisten bieten nur ungenügende Angaben, da eine Menge -abut 
be0 Äi#il)i3olle0 wegen nnangeinelbct i'ibei bie Wnge geladen loü. 
Ueberdies werden in jenen Listen die Cigarren nur nach 1er Stückzahl, 
«cube Uebersicht, für deren Richtigkeit keine Bürgschaft zu übernehmen l,t: 
vuelta abajo 
und 
Pinar del Rio 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
Erzeugt wurden Ballen in der 
davon ausgeführt in 
Provinz 
S. Jago. 
143 024 
213 876 
154 313 
219 634 
93 705 
22 800 
28 700 
28 500 
45 350 
45 050 
Provinz 
S. Clara. 
zusammen: Ballen. 
20095 
32 965 
13 631 
42 975 
49 433 
185 919 
275 541 
196 444 
307 959 
188188 
2 
? 
141 763 
121 622 
181 282 
tausend 
Cigarren. 
? 
? 
176 207 
112215 
129 075 
5*
        <pb n="42" />
        36 
In den Jahren 1882 und 1883 wurden allein aus dem Hafen von Havana 
ausgeführt: 98 093 bezw. 96 757 Tausend Cigarren und 115 148 bezw. 
95 551 Ctr. Tabak; hiervon gingen nach den Vereinigten Staaten von 
Amerika: 44 934 bezw. 44 778 Tausend Cigarren und 78 286 bezw. 75 724 
Ctr. Tabak, nach Frankreich 15 427 bezw. 14 529 Tausend Cigarren und 
6855 bezw. 5221 Ctr. Tabak; nach Spanien 10 417 bezw. 11900 Cigarren 
und 26916 bezw. 14 261 Ctr. Tabak; nach Mexico und Südamerika 
27 136 bezw. 25 430 Tausend Cigarren und 3051 bezw. 342 Ctr. Tabak. 
Mau ersieht daraus, welch guter Abnehmer für Tabak trotz der eigenen 
Erzeugung die Vereinigten Staaten sind. Höchst auffallend ist, daß in der 
Statistik Deutschland — obwohl Bremen und Hamburg genannt werden 
— ganz ausfallen, obwohl bestimmt feststeht, daß ein sehr beträchtlicher 
Theil der Havainr-Ernte nach Deutschland geht, und nicht anzunehmen ist, 
das; derselbe auf das Conto der Vereinigten Staaten angeschrieben sein sollte. 
Sowenig lvie über das Gesaunntergebniß des Tabaksbaues, sowenig 
auch herrscht über seine Ausdehnung nach Zahl der Pflanzungen und nach 
dem bebauten Flächeninhalte Gewißheit. Für das Jahr 1843 findet sich 
eine Angabe von 8570 Tabakpflanzungen; für das Jahr 1856 eine Angabe 
von 9102 Pflanzungen mit einem ungefähren Flächeninhalte von 5000 
caballerías. Da eine caballería ziemlich genau gleich 13'/, Hektaren oder 
54 Morgen ist, so würde das für jede Pflanzung im Durchschnitt nicht 
mehr als etwa 7 Hectare oder 28 bis 30 Morgen ergeben. Man nimmt 
an, daß ein arbeitsamer Bauer mit Hilfe seiner Familie eine halbe Caballería 
Pflanzung bearbeiten samt : um sie tadelfrei zu bewirthschaften sollen aller 
dings durchschnittlich zwei Familien mit 4 Joch Ochsen auf die Caballería 
Tabak gerechnet werden müssen. Im klebrigen hat der Tabakbau den 
Vorzug, daß es dazu keiner kostbaren Anstalten und Maschinen bedarf, 
daß also der Anbau ein verhältnißmäßig geringes Betriebs- und Anlage- 
Capital erfordert. Ueberdies kann durch Zwischenban von anderen Früchten 
der Ertrag des Bodens erhöht werden. Im Jahre 1880 waren in Havana 
etlva 15 Cigarrenfabriken; deren Zahl steigt indessen bei reichlichen Ernten 
nicht unwesentlich, ganz abgesehen davon, daß in den umliegenden Ort 
schaften eine ausgedehnte Hausfabrikation betrieben wird. Die Zahl der 
Cigarren Verkäufer daselbst ist außerordentlich groß, entspricht aber dem 
starken Verbrauch des Inlandes, da auf Cuba alle Bewohner, nur die 
kleinsten Kinder ausgenommen, rauchen. Die Namen, unter denen man 
in Deutschland die Havanacigarren kauft, míe caballeros, partagas, dos 
Amigos etc., sind die Namen von Handelsfirmen der Havana. 
Der Kaffeebaum wurde früher in Cuba in nicht unerheblicher 
Menge angebaut. Der erste soll im Jahre 1748 aus Portorico dorthin 
gebracht worden sein, nachdem ihn die Engländer zwanzig Jahre früher 
iicid) Jamaika versetzt hatten. Französische Flüchtlinge, welche zur Zeit
        <pb n="43" />
        37 
bet Otenos niton not ebnet 100 Mten ouß 3)ointngo nad) (Suba Oetübet, 
sauten, gaben betn Anbau bes Kaffee einen größeren Aufschwung. 
ÿet ^affeebainn bebatf einet mannen Satteste,nbetafnt, meid)c ft^ 
fenilici) gleichmässig etch äff; notübetgefjenb netmag et eine Temperatur bis 
'^n + 7 obet 8 « G.' aneanboïten, bo^ bats iotd)e ntd)t &amp;n o^t mtebctîe#n. 
Aus ben Pflanzungen loetben die Bäume teihenweise in gleichmäßigen 
Bmt^(^^entän^cn geie^t, bet 0obcn iot#fig non llnftanf ftetgei)alfen; 
dutch Beschneiben läßt man sie in gleichmäßiges Höhe non 3 liefet siel) 
entmidefn ^te 3Bfnf0e3eit banetf ^net Dtiffef beß 3ai)teß; iìe ^aben, 
gíei4 niesen anbeten ttoMd)en Wangcn, gleid)#ig Bint# nnb ^tiid)te. 
In sotgsälfig gepflegten Baumschulen rnetben aus Saam'en ble Setzlinge 
gezogen, beten man sich bann zum Auspflanzen in bi e Kasseegärten bebtent; 
ini bristen 3af)te mitb bìe etftc @tnte #aiten. 0efanntftd) giebt eß eine 
große Anzahl netschiebeuet Kasseesorten; bet Anbau derselben iss säst übet 
bte gelammten Ttopenlänbet vetbreitet. Set (Albanische Kaffee hat niemals 
zu ben feinsten Gattungen int Handel gehört. 
Auf bet Insel Cuba mntbc bet Kaffee stutzet in bebentenbet Menge 
angebaut. Et gedeiht daselbst ant besten ans hoffenem Boden an sausten 
Bergabhängen. Hebet den llmsaug des jetzigen Anbaues, übet die Art 
besselbett, über Ertrag und dergl. geben die oorliegenden Beriehte seine 
Auskunft. Cine caballería Ļand soll zwisehen 5 bis 800 Arroben, d. h. 
12 500 biß 20000 iban, ^^^^nb^a^^ec#i^d)te geben; banact) fömen auf bte 
Vertat 026 biß 1480 111011. #mb obet 426 biß 680 kg. ButBenttbetfung, 
mie bet ^fían^et bei Met @tnte fid) fte#, icf)lcn bic notf)menbigen 9111= 
baftßbnnfte beai'igfid) bet Eelbftfoiten nnb bet gtn^^tbtet^e. Bot filnfaig 
Sagten noes) biíbetc bet jtaffee ^t 6uba einen ni# unmici)tigcn 90^^^= 
artifes ; jetzt kommt et habet wenig obet gar nicht in Betracht und eß 
werden nieht nnerchebliche Mengen sogar dorthin ausgeführt, ^nt Hatzte 
1843 sollen daselbst 1803 Kaffeepflanzungen (cafetales) bestanden haben, 
tun das Iaht 1856 noch immer 1670 mit einem Flächeninhalt von rund 
14000 caballerías; legt man die obige Ernteaugabe zu Grunde, so wären 
darauf 8—1200 000 D.-Ctt. Kaffeebohnen gewachsen. Seitdem abet haben 
die langjährigen Unruhen und die niedrigen Preise zu einer stetigen Brr- 
Minderung des Anbaues zusammengewirkt. Aus dem Jahre 1880 wird 
oon gan^ago, mo stufet stattet .Raftcebau betrieben mntbc, übet eine 
wiederum seht kleine Ernte berichtet; von feineren Sorten werde sannt 
für ben inneren Bedarf genügend gewonnen. Wenn dabei die Hoffnung 
ausgesprochen worben, daß bei ruhigeren Beiten der Anbau wieder steigen 
und bet Kaffeehanbel wieder wie ehemals blühen werde, so ist diese .piofs- 
nung bisher nicht in Erfüllung gegangen. Erst in bet alletneuesten Bett 
ioti," in Mgc bet nichtigen Bu^Mie nnb bet fteigenben 
bet den Pflanzern die Absicht bestehen, ben Kaffeepflanzungen sich wieder
        <pb n="44" />
        38 
mehr zuzuwenden. Gleichwohl ist in den Berichten aus San Jago de 
Cuba die Ausfuhr an Kaffee für das Jahr 1885 auf 510 635 sp. Pfund = 
2350 D.-Ctr. angegeben, ohne Bezeichnung des Bestimmungsortes, so das; 
derselbe wohl für den inneren Verbrauch des Nordens von Cuba bestimmt 
sein kann. Jedenfalls reicht dieser Ausfuhrbetrag weitaus nicht an die 
Einfuhrmenge. 
Holz wurde früher in bedeutenden Mengen ausgeführt: es unterlag 
auch einen: nicht unbeträchtlichen Ausfuhrzölle. Dasselbe kam besonders 
aus dem östlichen Theile der Insel, woselbst San Jago de Cuba der vor- 
uehmlichste Verschiffungsplah dafür ist. Es handelt sich dabei um Gelbholz 
und um Tischlerhölzer, wie Cedern und Mahagoni; im Innern ist Holguin 
ein Sammelplatz dafür, welches in Folge Eiseubahnbaues den Hafen Gibara 
benutzen wird. In den letzten Jahren hat auch diese Ausfuhr nachgelassen. 
Deutschland war früher Abnehmer für Cedern und Mahagoni: neuerdings 
wird aus San Jago berichtet, die Preise in Deutschland seien so gesunken, 
das; Verschiffungen dorthin Verluste bringen. 
Das; in älteren Zeiten Bergbau-Erzeugnisse verschiedener Gattung 
gewonnen sein sollen, ist bereits im Eingänge erwähnt. Seither lange ver 
nachlässigt, scheint der Bergbau neuerdings wieder in Aufnahme zu kommen 
und wird von der Regierung durch weitgehende Begünstigungen gefördert. 
Da Unternehmungen der Art in der Regel bedeutende Capitalien erfordern, 
solche aber auf der Insel selbst fehlen, so sind es auswärtige, besonders 
Nordamerikanische Unternehmer, welche die Ausbeutung von Bergwerken 
versuchen. Im Jahre 1883/84 begann eine im Jahre 1882 gegründete 
Gesellschaft, die Turagna Iron Company limited, welche über erhebliche 
Geldmittel verfügen soll, zur Ausbeutung der Eisenerzlager in der Provinz 
San Jago zu schreiten. Ihre Arbeiten scheinen Erfolg zu haben. Nach 
einem Berichte, aus dem Jahre 1885 war die Ausbeute der dortigen Eisen- 
minen eine durchaus befriedigende; die Verschiffung betrug bisher etwa 
7000 tons monatlich und es waren Anstalten getroffen, urn diese Menge 
fortan zu verdoppeln; die Ladungen gingen nach den, den Unternehmern 
gehörigen Steelton steelworks in Pennsylvanie::. Angeblich sollen noch 
enorme Eisenerzlager unverkauft liegen, zahlreiche Kupferminen entdeckt sein, 
ebenso Manganerzlager; amerikanische Gesellschaften sollen darum handeln, 
bis dahin ohne Erfolg. 
Bei weiten: die größte Bedeutung für die wirthschaftliche Lage der 
Insel hat zur Zeit und wird jedenfalls noch lange Zeit behaupten das 
Zuckerrohr. Die daruit bepflanzte Bodeufläche wird vermuthlich den 
größeren Theil der überhaupt in Cultur genommenen Aecker auf der Insel 
ausmachen; die Zahl der dabei betheiligten Grundeigenthümer, sowie der dort 
beschäftigten Arbeiter überwiegt ohne Zlveifel die der übrigen Culturarten; 
die daraus gewonnenen Erzeugnisse belaufen sich in: Durchschnitt der Jahre
        <pb n="45" />
        39 
auf minbcftcitS 80% beö Bntttoweú# bei ge)ammtcn 3(uöfni)i, wâ^ciib 
boüon etwa 10% «"Î Sabas, wenigen sonstigen %nä= 
fnhrartikel fällt. 
8. Das Zuckerrohr und die Pflanzungen. 
Das Zuckerrohr stammt ans Asien, nach einigen Angaben ans beni 
nod) anbeten auë bem mitüeien ästen obéi ouë Snbien. 3n 
Snbien joli bei gndei bcieitô uoi aweitanienb Sacien in (Bebiand) geweļen 
îein: angeblid)loden ¡ogai bie #neîen beteitë in oíteigeit # 311 
laffiniien oeiftanben haben, b a ci bei ihnen aïs Ķrhstall erwähnt wiib. 
Ans Jnbien soll bei Zucker bereits zu Zeiten bes Theophrastes (372/287 
0. Gi)i. @.) nutet betn minen ,,inbi)d)eë (&amp;ala" nod) Gnio# gcbiod)t 
wölben sein. Zn bes jìingeien I ini né (geboten 23 0. Ehr. Ģ.) Mit- 
^^111^^11 wid Inon iogot bic 0ef4teibnng beë Ganbiêgndet etiennen. 
Die Portugiesen kauften ben Zucket bei ihren Seefahrten nach Indien von 
ben bärtigen Eingeborenen als einen geheimnisvollen Stoss, ben sie lange 
für eine Art von Honig hielten, bet also nicht tiocken krystaüisirt gewesen 
zu sein scheint. Marco Polo gebenkt in seinen Reisebeschreibungen bet 
anbeieitnngöwei)e be)ìeïbcn. ^ie ^unft, ben ^ndet anë bein G# beë 
910^68 bnt'4 (Sieben anêan)d)eiben, )od iia^ @utopa in bet Witte beä 
15. Jahrhunberts gelangt sein. Da aber bereits viel früher bet Anbau 
des Rohies bort betrieben würbe, ist anzunehmen, bast auch seine Ver 
arbeitung schon eher bekannt würbe, wenn sie auch nicht gewerbsweise be 
trieben würbe. In Dresben soll bereits im Jahre 1597 eine Zuckersieberei 
(9t#neiic) beftonben ^aben. Mod) im 17. 3o^t^nnbctt mat betamiet in 
Deutschlanb so theuer, bas; nur Wohlhabende ihn sich verschaffen konnten: 
bie Ausbreitung bes Ģennsses von Dhee und Ķossee hat wesentlich zur 
Steigerung seines Verbrauches beigetragen. Die Einwirkung bet napoleoni* 
id)cn (Sontinentoiipeiie ani bie #1% nnb ben %etbtand) beê ^landeta 
ist bekannt, ebenso wie die als beten Folge zu betrachtenbe Entwickelung 
bet ^nbcnandet=3nbn^^tic. 3n öden mitten ^a^^n^^äbtcn gab e§ biß uot 
einigen Jahrzehnten sogenannte Zuckersiebereien, welche bie überseeischen 
Mo^andet, 1)014^4^(1) ;iit ben inlönbi)d)en ^6136^, toìrinitten. 6ie 
finb fast ausnahmslos eingegangen: in einigen Hafenplätzen sieht man bie 
alten Gebüube noch, entmebei leer ober zu anbeten Betriebsstätten um 
gewandelt. 
Durch die Araber soll das Zuckerrohr bereits im 9. Jahrhunbert nach 
bein süblichen Spanien verpflanzt worben sein. Sicher ist, bas; es zur Zeit bei 
Kreuzzüge nach Ey pern, Sicilien nnb Sübitalien kam. Portu gisst che Man;* 
lente brachten es im Jahre 1420 nach Mabeira nnb halb nachher Spanier 
no4 ben canati;d)en Snieln. 3m 301)16 150G wntbe e§ in ^Olningü ein=
        <pb n="46" />
        40 
geführt und verbreitete sich von hier aus sehr schnell über die anderen An 
tillen, einschließlich Cubas, und über die Nächstliegenden amerikanischen Küsten. 
Wenngleich größere Rohrpflanzungen ans Cuba bereits aus dem Jahre 1589 
erwähnt werden, so hat die Cultur des Zuckerrohrs dort sehr lange Zeit 
keinesweges die Ausdehnung gewonnen, wie auf den anderen Inseln. Erst 
als vor hundert Jahren in Folge der Revolution französische Flüchtlinge 
aus Domingo nach Cuba übersiedelten, wurde derselben größere Aufmerk 
samkeit zugewendet, und mit Hilfe der oou den neuen Ansiedlern mit 
gebrachten Erfahrungen und Geldmittel der Keim zu ihrem schnellen Wachs 
thum gelegt. Nicht unwesentlich trug dazu die Zerstörung der Pflan 
zungen auf Domingo bei, wodurch die Zuckerpreise eine sehr beträchtliche 
Steigerung erfuhren. Zugleich wurden die Bemühungen der französischen 
Flüchtlinge von der spanischen Negierung durch mancherlei Erleichterungen 
und Begünstigungen unterstützt. 
Der östlich von Havana belegene Landstrich, dessen Hauptplah jetzt Ma 
tanzas ist, wird von zahlreichen Hügelketten durchzogen, deren zerklüfteter dürrer 
Kalkboden, früher mit Wald bedeckt, sich zu keiner Cultur geeignet erwies, weil 
das Wasser nach den tiefer gelegenen Gegenden durchsickerte. Zwischen diesen 
Hügelketten und der schroff abfallenden Seeküste zieht sich ein welliger Landstrich 
hin, dessen mit Lehm stark gemischter Boden vornehmlich zu Kaffee- und Zucker- 
pflanzungen geeignet befunden wurde, nach dem Verschwinden der ersteren, 
fast ganz für die letzteren ausgenutzt wird. Hier ist zur Zeit der Haupt- 
sitz der Rohrzuckerindnstrie: dieselbe wird außerdem auch im Südosten der 
Insel in ausgedehntem Umfange, ans deren übrigen Theilen weniger stark 
betrieben. 
Die Zahl der Pflanzungen und den oou ihnen eingenommenen 
Flächeninhalt anzugeben, ist in Ermangelung einer Statistik des Bodens 
nicht möglich. Die sonst vorhandenen Angaben bieten keinen richtigen 
Anhalt dafür. In den letzteren scheint auch die Bedeutung des Wortes 
Pflanzung nicht immer in gleichem Sinne aufgefaßt zu sein. Ueberdies 
hat Zahl und Umfang der Pflanzungen in den Jahren des Aufstandes 
und nachher unter den betrübenden Wirkungen desselben, sehr gewechselt. 
Für das Jahr 1843 werden 1174, für 1856 1442 Zuckerpflanzungen an 
gegeben. Aus San Jago de Cuba wurde im Jahre 1873 berichtet: man 
habe im dortigen Bezirke nach amtlicher Ermittelung im Jahre 1868 
rund 2450 Pflanzungen gezählt, von denen inzwischen 1780 durch die In 
surgenten niedergebrannt und von den Eigenthümern verlassen seien; zugleich 
wird die Besorgniß ausgesprochen, daß nach der dermaligen Ernte von 
1872/73 noch Andere ihre Arbeiten einstellen, und ihre Neger verkaufen 
oder vermiethen werden; in dem Central- und Oriental-Bezirke stehe es 
ähnlich. Bestätigt wird dies durch einen Bericht aus Trinidad de Cuba 
vom Jahre 1876, wonach jährlich Pflanzungen von ihren Inhabern auf-
        <pb n="47" />
        41 
gegeben werben, theils wegen Heimsuchung durch die Insurgenten, theils 
wegen ber hohen Contribution«.'!!; in Folge dessen sei die Zahl der Pflan 
zungen seit Beginn des Ausstandes ans die Hülste zurückgegangen. AuS 
Matanzas wurde für daS Jahr 1879 mitgetheilt: dag die Zahl der in, 
Betriebe befindlichen Pflanzungen sich ans 1200 vermindert habe, und &gt;iir 
das Jahr 1880: es hatten davon nur 1100 gearbeitet. In dem Consulat», 
beriehte für 1880 wird die Zahl der Pflanzungen in Cuba überhaupt auf 
1200 angegeben, und in demjenigen auS den, Fahre 1884 wird bemerkt: 
schon seit zwei Jahren habe die Zahl der Pflanzungen um SO Proeent ab 
genommen und sei von rund 1400 ans 1100 gefallen; in, Bezirke von 
Puerto principe habe der Anbau fast ganz aufgehört, tin Bezir c von ali 
Jago sehr stark gelitten, lind in dem von 'S. Clara erheblich abgenommen, 
während er sich i», Westen der Insel besser gehalten habe. Aus neuester 
Zeit lauten die Mittheilungen wieder etwas hoffnungsvoller: nach franzo- 
sischen Fachblättern hätte man 1880 fast überall neue Felder für den Rohr 
ban bestimmt; andern Nachrichten znsolge soll es jetzt Nicht an Lenten fehlen, 
welche bereit sind, die verlassenen Pflanzungen z» erwerben ober zu über 
nehmen; das Vertrauen kehre zurück und eine Vermehrung bez. Vergrotzerung 
der Zuckerpflanzungen stehe in Aussicht. Immerhin s,„d derartige Mit 
theilungen mit Vorsicht aufzunehmen. &amp;ic stehen „nt manchen anderen 
Erscheinungen, z. B. bezüglich des Geldverkehrs und der Arbeiterverhaltmsse, 
nicht im Einklänge. Jedenfalls ist ihre Tragiveite nicht zu ermessen, so 
lange man nicht genauere Kennt,list von dem Umsange und der Cn'schassen- 
heit der Pflanzungen hat. Die oben erwähnten sind, abgesehen von ihren, 
ungenügenden Inhalte, nicht einmal unter sich übereinstimmend. Es ,,t 
schwer zu glauben, das, die Zahl in den 12 Jahren bis 1858 „ch i,m 
270 Pflanzungen vermehrt haben sollte, noch schwerer, das; sie m weiteren 
12 Jahren, bis 1868, im Osten allein sich ans 1000 mehr belaufen haben 
' 0Uh "®nä Zuckerrohr gehört zu der botanischen Familie der Gräser. 
Abgesehen von seinem Vorkommen im südlichen Europa, wo es schwerlich 
zu einer eoncurrenzjähigen Cultnrpflanze sich entwickeln wird, gedeiht es 
nur in den Trvpengegenden. Das gemeine Zuckerrohr, saccharumofficinale, 
soll dasjenige sein, welches ursprünglich von Asien her seme Wanderung 
nach Westen angetreten hat. Angeblich wäre auch dieses, von den Lpamern 
caña criolla genannt, von Ansang an ans Cuba gebaut worden, bl» vor 
100 Jahren durch Forster und Cook das Otaheitische Rohr, die cana de 
Otaheiti, mitgebracht worden sei. Dieses soll dann wegen seines größeren 
Sastreichthnms das andere schnell verdrängt haben. Man hat neuerlich 
verschiedene Sorten von Zuckerrohr mit Namen bezeichnet, welche - wie 
z.B. bengaleuse, taiteuse etc. - anscheinend dem Herkunftsort entnommen 
sind, deren Verschiedenheit aber vor einer wissenschaftlichen Kritik kaum
        <pb n="48" />
        Stand halten dürfte. Allein von wissenschaftlich botanischen Merkmalen 
abgesehen, ist gewiß, daß eine größere Zahl von Spielarten des Rohres 
angebaut wird, daß dieselben sich durch äußere Kennzeichen unterscheiden, 
daß sie in verschiedenen Gegenden sich verschieden verhalten, und daß ihr 
Zuckergehalt keineswegs allerwärts übereinstimmt. So wird ein violettes 
Rosa, saccharum violaceum Jus&gt;ieu, vielfach in Westindien und auch in 
( s iibci angebaut. Das chinesische Rohr soll daran kenntlich sein, daß es 
größtentheils mit Blattscheiden bedeckt ist; black Java hat seinen Namen 
ohne Zweifel auch von seinem äußeren Ansehen. Nach einem Berichte aus 
einein botanischen Garten in Nordamerika sollen daselbst nicht weniger als 
25 Arten Rohr gezogen worden sein, alle mit besonderen Namen und 
Kennzeichen ausgerüstet. Ohne Zweifel erzeugt die Natur, ähnlich iute bei 
der Rübe, mancherlei Spielarten von mehr oder minder Verschiedenheit, 
Werth und Dauerhaftigkeit. Genauere Nachrichten darüber fehlen bis jetzt. 
Auch fehlt es au ausreichenden Untersuchungen darüber, ob diese Rohrarten 
in Bezug auf Boden, Klima und Pflege eigenthümliche Ansprüche machen 
und ob sie sich durch besondere Eigenschaften auszeichnen. Daß auf Cuba 
Anstalten bestünden, um hierüber sowie sonst über die Zucht des Rohres 
Kenntniß zu erlangen, ist nicht bekannt geworden. Dagegen nässen wir, 
daß dergleichen Anstalten in den Vereinigten Staaten eingerichtet worden, 
sowie daß ans Java in den letzten Jahren — mit Hilfe Deutscher Assistenten 
— mehrere Versuchsstationen für Rohrcultur eingerichtet worden sind. 
Das Zuckerrohr braucht zur Vollendung seines Wachsthums je nach 
dem Klima eine Zeit von 12 bis 20 Monate. In den warnten Tropeu- 
ländern entwickelt es sich zu einem hohen schilfartigen Rohrgewächse mit 
langen breiten Blättern und großen Blüthenrispen, tvelche dicht bestanden 
und seidenartig glänzend sind. Die zweiblüthigen Aehren find mit Büscheln 
seidenartiger Haare umgeben, ihre Blüthen von verschiedener Farbe mit 
drei Staubfäden, zwei Stempeln und einem Fruchtknoten auf einem gipfel- 
ständigen Stengel ohite Blätter oder Knoten aufgesetzt, den die Pflanzer 
Flèche, Pfeil, nennen. Aus den Blüthen entwickeln sich je ¿tuet kleine 
längliche Körner mit einem Balg versehen. Die Pflanze hat einen dauern 
den, umherkriechenden Wurzelstock, aus welchetn mehrere vielknotige, ver 
schieden gefärbte Halme zu einer Höhe von 2Va bis 4 Meter emporschießen 
in einer Dicke von 24 bis 48 mm; diese Halme sind, gleich unseren Rohr- 
arten, in ihren Höhlungen mit einer zarten Haut ausgeschlagett oder getrennt 
und zu zwei Dritteln ihrer Länge mit einem saftigen Marke angefüllt. 
Die Blätter sind 1V 3 bis l*/ 2 Meter lang und haben eine starke tveißliche 
Mittelrippe. Die Blüthen stehen in ellenlangen pyramidalen Rispen ähnlich 
unserem Flieder. Die Dauer der Pflanze ist nach den vorhandenen An 
gaben sehr verschieden, scheint aber in Cuba eine längere zu sein als 
. anderwärts: möglich, daß mit dieser längeren Dauer auch die angeblich
        <pb n="49" />
        — 43 
S5Ä*5!rtS.ÄH 
ŞĶķķŞ 
wäää LîS 'ÄÄf’ » &gt;7 
manàl Planta nennt; der Schnitt des zweiten 3°hr°s HŞ Ņ à 
"S'SS'SE'Í?ä'.m- Ģ» 
zertheilt und anderweit verpflanzt. Indessen ist die «ern.ehrnn;, durch 
Stecklinge allgemein üblich; sie geschieht während Regenzeit m den Monate, 
Inni bis September. Tie Angenschmttlmge werden in der Entftrnnng 
â LSL'LL. Wu7»àt mrd'i.r an^rlb Diesen 
Gräben durchsurcht. Die nach der Ernte verbleibenden Mat er, welche oft 
kniehoch liegen, werden in der Regel untergegraben oder verbrannt. 
Alvaro Reynoso hat vor ein paar Jahren vorgeschlagen, durch 
sährliches Pflanzen von Stecklingen sür die gleichmässige Fortdauer der 
Stubben des Rohres darinbleiben; weder Walze noch Egge tonnten 
bei M„eS, wcid)cß bann in ben Suden nad)ge#au3t werben mune. 
0enulmng ber 311 2:age ftebenben ^uraeiftubben ernubL man at o 
nur eine non 3# 3" 3# Macube SSerunnberung beß Ģrnteertragw hŗ 
3ur %otijwenbi#t oütligcr 9ieu#an3nng. ^ad) &amp;el)nmo # man nad) 
ber Ernte bie Stubben sämmtlich herausnehmen, was mit 0üse etm* om 
zweier Pflüge ober eineß befonberen Gerätheß geschehen sonne ; man ichê 
bie Stubben braußen auf unb bedecke sie mit Erbe und Stroh, bis man ite 
weiter.braucht. Das Stroh, welches sich auf bein Felbe fmbet, tonne man 
oerbrennen ober nad) belieben foumoftiren: baß Unter#ugen )abe feinen 
%^^en. @0 werbe baß %elb gaii3 frei ginn ^unoen unb bearbeiten otme 
^iiibernm, sönne ###10 bestem, oebüngt unb 00111 mifraut gereinigt 
werben. Wenn bieß geidjetjen, so würben mit ba#cll#arigem WiiQe 
gurren ge¿ogen, wie man sie gewö^ntid) 311111 íjeritem.
        <pb n="50" />
        44 
Dann lege niait die Nohrstnbben mindestens 24 Stunden in Wasser und 
trenne die Wurzelstecklinge ab mit Gerathen beliebiger Art — deren es 
sehr einfache giebt —; diese Stecklinge seht man in die Furche so wie es 
für die Entwickelung der Knospe und Schößlinge am geeignetsten erscheint, 
ähnlich wie man es gegenwärtig mit den Lnftstecklingen zu machen pflegt; 
die untauglichen Stecklinge könne man zur Düngung mit in die Furche 
werfen; dann decke man letztere mit Erde und fahre nun sorgfältig mit 
denjenigen Handleistnngen fort, die man auf neuen Pflanzungen auch sonst 
ausführt. Auf diese Weise, meint Reynoso, werde man jährlich die 
gleiche Ernte erhalten in jedem Lande, wo man Rohr anbaue. Die Hand 
arbeit schätzt er nicht übergroß, vorausgesetzt, daß man genügendes Be- 
triebs-Capital habe, was in Cuba freilich nicht immer der Fall, wenigstens 
bis in die neueste Zeit nicht der Fall gewesen. 
Das Zuckerrohr verlangt nicht nur ein sehr warmes, sondern auch 
ein #1##^ .minta, ba e&amp; bit# let# ^abcii aicibet. 
Indessen scheinen die verschiedenen Rohrsorten in dieser Beziehung nicht 
gleichmäßig empfindlich zu sein oder sich dem Klima anzupassen. In den 
Vereinigten Staaten, Louisiana, besteht seit einigen Jahren eine Versuchs 
anstalt, Namens Magnolia-Station. In dem 15. Bericht derselben ans dem 
Jahre 1887 wird bezüglich der letzten Campagne, welche am 7. Novem- 
bee 1886 begann, folgendes erwähnt. In Magnolia Pflege man die 
dürren Rohrabgänge auf dem Felde zu verbrennen, sobald die Ernte be 
endigt sei. Im allgemeinen glaubten die Pflanzer, daß man dadurch die 
©tnbbcii bet (Befa^ beê @#iemi8 au##. Bie @##1111(1 in 9%aüiiü(ia 
habe den Gegenbeweis geliefert. Denn bereits am 17. November 1886 sei 
heftiger Frost eingetreten, wie er so früh bisher dort noch nicht beobachtet 
worden, ohne daß er dem Rohr geschadet habe. Dem Cubanischen Rohre 
würde man das schwerlich bieten dürfen. 
Dem gleichmäßigen Klima entsprechend soll auch die Bodenwärme 
sein: es darf keine zu heftige Ausstrahlung vorhanden sein. Während des 
Wachsthums mutz Regen reichlich und gleichförmig fallen, jedoch mit zeit 
weisen Unterbrechungen, damit die Sonnenstrahlen ihre Wirkung äußern 
können. Dagegen bedarf es zur Zeit der Ernte trocknen Wetters, da sonst 
das Rohr wässerig wird und leicht ait Zuckergehalt verliert; überdies ist 
der gewässerte Saft leichter zur Gährnng geneigt. Bei zu großer Trocken 
heit wird das Rohr vorzeitig reif, ähnlich wie dies auch bei den Rüben 
vorkommt: wenn auch mit solchem Rohre die Ernte schneller zu fördern ist 
und die Verarbeitung kürzere Zeit dauert, ist der Ausfall an Ausbeute 
doch nachtheilig. In manchen Jahren fällt während der Ernte der Regen 
so reichlich, daß dieselbe dadurch zeitweise ganz unterbrochen wird. Während 
des Aufstandes waren die Pflanzer vielmals genöthigt, wegen Mangels an 
Arbeitskräften oder in Aussicht auf mangelnde Absatzmöglichkeit das Rohr
        <pb n="51" />
        45 
zum Theil ungeschnitten ans dem Felde stehen zu lassen. Es läßt sich 
nicht annehmen, daß dieser nngeschnittene Theil für die Ernte des nächsten 
Jahres aufbewahrt und dann verarbeitet werden könnte. Wenn gelegent 
lich ein englischer Berichterstatter einmal erwähnt, es würden voraussicht 
lich erhebliche Rückstände aus dem Vorjahre aufgearbeitet werden, so 
beruht dies ohne ßmetfel auf einem Mißverständnisse. Das Rohr verlangt, 
daß der Boden stets genügende Feuchtigkeit besitze, ohne geradehin naß zu 
sein: in Ermangelung von Regenfällen müßte man daher zu künstlicher 
Bewässerung seine Zuflucht nehmen, was indessen auf Cuba nur in den 
¡ebensten ^11 11%# ist. ^tüde^t^ei^e Äßiiibe uetbotmi bo8 mit, 
stürmische zerraufen, entwurzeln oder schlagen c% nieder. Ev müssen also 
mancherlei Bedingungen zusammentreffen, um dem Rohr ein völlig gutev 
Gedeihen zu sichern. ' Am besten eignen sich dafür die Küstenstriche, sowie 
die niedrigen fruchtbaren Thäler der Flüsse. 
Die Ernte beginnt in der Regel mit dem December, je nach der 
mtenuiü mid) ctiimö ft%t; fk MW ^ i" ^ii mi mib mid) in ben 
Juni hinein zu dauern, bei trockner Witterung geht es rascher und ohne 
Unterbrechung vorwärts. Gleichzeitig mit dem schneiden des Rohren er 
folgt auch seine Verarbeitung, da es keine lange Aufbewahrung verträgt. 
Der Verbrauch an frischem Rohr zur Nahrung soll sehr bedeutend sein, da 
die Arbeiter im Felde, namentlich die Neger, reichlich davon genießen, 
dasselbe auch sonst als wohlschmeckende, gesunde und nahrhafte Speise gilt. 
Die Pflanzungen werden wegen der großen Feuersgefahr auf das sorg 
fältigste bewacht. Die geringste Unvorsichtigkeit vernichtet in kürzester Frist 
die üppigsten Ernten: die dürren flatternden Blätter werden von den 
Flammen ergriffen und tragen sie mit Blitzesschnelle weiter, so daß an 
Löschen gar nicht zu denken ist. Daraus erklärt sich, weshalb auch nach 
beendigtem Aufstande und völlig wieder hergestellter Ruhe so häufig be 
deutende Fenersbrünste in den Pflänzlingen gemeldet werden. Noch im 
Februar 1887 sollen z. B. im Bezirke von Matanzas allein ans den 
Pflanzungen Jaenrita und Europa ausgedehnte Felder, ans mehrere hundert 
Oxhoft Zucker geschätzt, ein Raub der Flammen geworden sein. 
Die Ernte pflegt man gleid)zeitig von verschiedenen Seiten zu be 
ginnen. Das Rohr wird niedergehauen, wobei man sich verschiedener 
durd)aus nicht künstlicher Geräthe bedient \ es wird in Bündel gebunden 
mit) ant Bndenni# i#)#, je bet Wmimiw bind) bie «eitet, 
durch Zugthiere oder besondere Beförderungsmittel. Das geschnittene Rohr 
kann in seiner ganzen Länge zur Mühle gebracht werden und wird in 
diesem Falle dort von den Arbeitern schichtweise nachgeschoben. Indessen 
ioR bie8 eine 11,1###% Belobmio be8 «#1110^8, cine mißletd)= 
mäßige Zuführung zu den Cylindern veranlassen, dadurch einen stoß 
weisen Gang der Mühle und eine zeitweise Verstopfung des zur Aufnahme
        <pb n="52" />
        46 
ber Bagasse bestimmten Geräthes herbeiführen, gitr Vermeidung dessen 
lässt man das Rohr ans dem Felde in Stücke von 1 bis 1,25 m Länge 
zerschneiden, und so zerschnitten auf eine Schiebebühne vor der Mühle auf 
schichten, wobei die Bühne zugleich als Zubringer dient. Hinter dem 
Mühlenwerke befindet sich eine ähnliche Vorrichtung, welche die abgepreßten 
Stücke, die Bagasse aufnimmt und fortführt. Ans den vorhandenen Be 
richten lägt sich nicht ersehen, ob dies Verfahren in Cuba sich großer Be 
liebtheit erfreut, was in Ansehung des Zustandes der Bagasse nicht ohne 
weiteres anzunehmen. Bei fortschreitender Verbreitung der Diffusion würde 
das Verfahren ohnehin seine Bedeutung verlieren. 
Früher war jede Pflanzung zugleich auch Zuckerfabrik; sie hatte ihre 
eigne Zuckermühle, verarbeitete selbst ihr eignes Rohr und nur das ihrige, 
stellte'daraus verkaufsfähigen Zucker her, allerdings zumeist in recht kunst 
loser Weise, und verhandelte ihn. Solche Pflanzungen führten von jeher 
den Namen ingenios. Sie waren von verschiedenem Umfange: über eine 
Omisse (Wbe 1)1110118^11061)611, uerbot bie ber ^erorbeìtiiiio 
binnen einer gegebenen Zeit und mit begränzten Mitteln und Arbeitskräften. 
Neuerdings hat eine wichtige Umgestaltung begonnen, nämlich die Bildung 
sogenannter ingenios centrales. Dieses sind Betriebs - Anstalten, 
welche die Verarbeitung des Rohres und die Herstellung von Zucker daraus 
zur ihrer eigentlichen Ausgabe machen, entweder ohne selbst überhaupt Rohr 
anzupflanzen oder indem sie, wenn sie einen Theil ihres Bedarfs selbst 
bauen, dies in getrennter Landwirthschaft bewirken. Das Verhältnis; 
dieser ingenios centrales gleicht also im wesentlichen demjenigen der 
Mehrzahl der deutschen Fabriken, welche ganz oder theilweise Kaufrüben 
verarbeiten. Sie sind nicht mit solchen Centralsabiiken zu vciwcchscln, 
meld)e 018 (20111111^# für bie ^^#1-1^6 niederer 3ndcrfobrifeii bei;# 
gemeinsamer Vollendung der Zucker dienen, welche z. B. die dorthin ge 
leisteten Säfte mehrerer Fabriken weiter verarbeiten. 
Vor einer näheren Erörterung dieser Neuerung mögen noch einige 
Bemerkungen über den Ernte-Ertrag und die Anbaukostcn Blaß finden. 
9. 0*'ntteevtrstfl und Zlnbauļosten. 
Um die Ergiebigkeit der Cubanischen Felder einigermaßen richtig 
beurtheilen zu können, wäre es nöthig zu wissen, welche^ Gewicht im 
Durchschnitt von einer gewissen Flüche abgeerntet wird, und umili es nicht 
möglich ist, das durchschnittliche Gewicht zu erfahren, dann wenigstens die 
miibeit: be&amp;. 9Rei^^=^e^id)te, aiut#" bcncn fid; bie Grtrüoe bmeßen. 
Sie 9ln#eit borüber finb leiber #r #rlid). Welded) luerben bie 
Schwierigkeiten erwähnt, denen die Ermittelung solcher Angaben unterliegt.
        <pb n="53" />
        47 
m fold)e gelten annähst biefelbeit llmstänbc, mcï^e and) in Kalibern mit 
tnel)r neorbncter ^emaltmtn obwalten. &amp;ie 9Se#iebenI)eit beß Wrageß 
tit verschiedenen fahren und tit verschiedenen Lande-otpeilen, sowie die Ver 
schiedenheit nach Maßgabe der Bodenverhältnisse und der Cultur tvar aus 
Guba feit 301)1^1)1^(1% um so messbarer, aiß bie anfierorbentlid) nngünftigen 
Bedingungen, unter denen die Pflanzer zu wirthsehaften hatten, d.i. innere 
Unruhen, Arbeitsmangel, Geldverlegenheiten aller Art , ihre Wirkungen 
fci)r nttlllei^^tllä^iQ ¿merten. S)aß ^(1101)1(11 bet ingenios bei Graem 
Olmo bcä Bildes iiibem man baß Mr unmittelbar nom gelbe m bie 
^11^6 brad)te nnb bomit fünf biß fed)ß donate lano sorts#, war einer 
Gewichtsermittelung deß Jahres ungünstig, und führte dazu, das; man nie 
mals die Ernte nach der Rohrmenge veranschlagte und angab, sondern 
stets it ad) der Zuck ernten ge, welche man zu gewinnen hasste bez. gewann. 
S)ie Mabeii líber bieie Mengen finb aber ftetß fe^r nnfid)ere nnb #0011= 
lende gewesen. Auch wettn sie zuverlässiger wären, würden sie feinen Anhalt 
für die Ermittelung des Erntegeivichts abgeben, weil man auch nicht 
annähernd für die einzelnen Jahre den Umfang der bebauten Helder fennt. 
Saan fournit ber starte Einfluss beß Betterß auf bie dritte nnb bic Äor= 
orbeitnno. B" Anfano beß 3af)reß 188G wnrbe anß ber janana gemelbet, 
das; wohl 80 bis 100 Tausend Tonnen ans dem Felde liegen bleiben wegen 
des ungünstigen Wetters; von letzterem hänge alles ab; wenn die Regelt 
arif vom Inni bis November günstig sei, so vermehre sid) die Ernte mit 
10 bis 20 7o nnb dann müßte während der Ernte bis Ende Mai trockenes 
Wetter herrschen, mit alles Rohr verarbeiten zn sonnen. And) wurde viel 
Rohr durch Feuer zerstört, vieles ans dem Felde gelassen, weil die niedrigen 
Zuckerpreise oder die hohen Selbstkosten eine vortheilhaste Berarbeitnng aus- 
fd)lof)en. @ß ist aljo nid)t tl)nniid), anß ber Stenge Bņder, wcld)c auf ber 
Insel jährlich angeblich erzeugt wird, einen Rückschluß ans den Geivichtv- 
ertrag der Rohrernte zn machen, ganz abgesehen davon, das; die Ausbeute 
cm Buder 00m ^o^rgcwid)te in aiwerläniocm ^rocellt^a^^e ni# besannt 
ist. Ans andere Weise Ermittelungen anzustellen, hat es bisher ohne 
Ziveisel um so mehr an Gelegenheit gefehlt, als die Berichte von doit aus 
drücklich anerkennen, wie schwierig es fei, selbst bei einer Wanderung durch 
die Hanptbezirke der Insel ein zntressendes Urtheil über den Rohrertrag zn 
bilben. 3m 3ai)re 1880 erfiürtcn Balbo #ucmo: über beit 
Ertrag der Ernte gingen die Meinungen ihrer Agenten in den Außenhäfen 
so weit auseinander, das; es fast unmöglich scheine, eine annähernd richtige 
Schätzung zn mad)en. Der Eine gebe für den Bezitk von Matanza^ das 
deficit gegen baß ^0^0^ auf mc^ alß 10 biß 12% an, ein Oberer 
aber ans 25%, ein dritter sogar ans 30%; in @ag"a ^ite man ans 
einen Slußfad 001t 25%, # Gorrefpoitbent bagegen beziffere t^t ans 40%; 
von Cardenas werde ein Minderertrag von 15 bis 20 % gemeldet, während
        <pb n="54" />
        48 
Andere ihn auf 30 % schätzen. Aehnliche Erfahrungen bietet fast jedes 
folgende Jahr. Die Angaben über die wahrscheinlichen Ernten werden 
ermäßigt oder erhöht, nicht allein nach Maßgabe der Witterung und ihres 
Wechsels, sondern auch nach Maßgabe anderer Umstünde, unter denen auch 
der Preisstand des Zuckers nicht an letzter Stelle sich befindet. 
Eine direct auf den Rohr-Ertrag bezügliche Mittheilung findet sich 
aus der Zeit vor etwa dreißig Jahren. Sie giebt den Ernte-Ertrag eines 
günstigen Jahres von der Caballeria ans nicht mehr als G 801 bis 
7 072 arrobas an, d. h. auf 171525 bis 176 800 //. spanisch. Da die 
Cavalleria ziemlich genau 13'/2 Hectare umfaßt, so wäre dies ein Ertrag 
von 12700 bis 13100//. oder 123 bis 124 Doppel-Etr. auf das Hectare. 
Diese Angabe, welche in die glücklichere Zeit lange vor der Revolution 
hineinreicht, kann wohl unzweifelhaft nicht der Wirklichkeit entsprechen. 
Eine Angabe ans neuerer Zeit rechnet auf eine Caballeria Rohrpflanznng 
durchschnittlich 50 Faß Zucker zu 690 kg bei einer 6 procentigen Ausbeute, 
also 34500 kg; danach kämen auf die Caballeria 558300 kg, also auf das 
Hectare rund 415 Doppel - Ctr. Rohr. In einem deutschen Consnlats- 
berichte aus dem Jahre 1884 wird der durchschnittliche Ertrag von der 
Caballeria ans 40000 arrobas zu rund 11% kg angegeben (genauer sind 
vier arrobas zu 25 //. span. - 46 kg); dies gäbe auf das Hectare rund 
350 Doppel - Ctr. Rohr. Dagegen sollen nach einer französischen Mit 
theilung ans dem Jahre 1885 die Pflanzer auf Cuba int allgemeinen von 
der Caballeria rund 575 000 bis 1 150 000 kg ernten, in einzelnen Bezirken 
ausnahmsweise sogar 1 725 000 kg; im Mittel 862 500 kg gerechnet, ergebe 
auf ein Hectare 63 519 kg oder 635 Doppel-Ctr. Rohr. Indessen giebt 
der ganze Inhalt dieser Mittheilung augenscheinlich eine zu optimistische 
Darstellung über die Erfolge der Pflanzer, denen schließlich sogar ein 
durchschnittlicher Gewinn von netto 353 Francs pro Hectare herausgerechnet 
wird. Mail darf obige Angabe deshalb wohl als eine zu hohe bezeichnen. 
Nimmt man das Millimum von 575000 kg als Durchschnittsertrag, so 
erhält man lviederuln rund 420 Doppel-Ctr. Rohr alls 1 Hectar. Die 
Mittheilung eiiles Correspondenten ans Cuba vom April 1887 giebt für 
die neuerdings in Aufnahme gekommenen Pflanzungen, welche nicht selbst 
ihr Rohr verarbeiten, svllderil es an die Centralanstalten abliefern, den 
Ertrag einer Caballeria int Osten bei einer Ausbeute voll 7% % auf 
165 biß 200 000 #. Wer 1. ^11% 3» 96 biß 98% mt mit bei» 0e= 
merken, daß allerdings auf mehr ausgenutzten Feldern des mittleren und 
westlichen Theiles der Insel nur 90 bis 125000 //. gewonnen würden. 
Danach berechnet sich ein Rohr-Ertrag für die ersteren von 750 bis 900, 
für die letzteren von 410 bis 570 Toppel-Ctr. auf 1 Hectar, was erheblich 
über die anderen Schätzungen hinausgeht. Solche Correspondenzen dürfen 
wohl überhaupt nur mit einiger Vorsicht aufgenommen werden.
        <pb n="55" />
        49 — 
Aus neuerer Zeit liege» Mittheilungen über den Rohr-Ertrag in der 
oben erwähnten Versuchsanstalt Magnoliastation in Louisiana vor. Sic 
verdienen angeführt zu werden, um wenigstens einen Vergleich zu er 
möglichen der siir Cuba wegen der Nachbarschaft und Concurren; der 
Zucker aus Luisiana von Interesse ist, bezüglich dessen aber ausdrücklich 
hervorgehoben werde» must, das, die Verhältnisse, unter denen dort der 
Rohrbau betrieben wird, wesentlich abweichen von denen in Cuba. Mau 
wird austerdem zu berücksichtigen haben, das; wahrscheinlich die Ernten 
einer Versuchsanstalt, welche aus einem kleinen Felde ans unbeschränkten 
Mitteln arbeitet, etwa« anders ausfallen, als im grasten landwirthschast- 
lichen Betriebe. ^ 
9W) bein Beri# übet bie Wi# in bet Gambagne 1885/86 
mürben bie gelber bet 9Kaqnoliaftotion am ^4. Septewbet 1885 non einem 
jdimeten Sturme ^eimgefu^^t. SlUeß starte 3%oí)t inntbe niebctgefd)lagen 
unb tarn in golge beffen nid)t gut ^eife. Blefem Itmftanbe luitb and) bie 
geringere gudetauébente 5ugei^^tleben. Bie Weiten (tolling season) be» 
gönnen am 13. November 1885 unb enbigten am 13. Januar 1886. Das 
ieljtc 9%oi)t mutbe am 1. Sammt 1886 gefdinittcn. 0ebfíamt maten übet» 
i)auļ)t 484 acres (1 acre gíeid) tnnb 40 %te), also etma 100 sedate, unb 
mie es scheint, fast bn rd) gängig mit bet violetten .) i o Í) t g a tt 11 n g, 511111 ïijeil 
einjährigen Schößlingen, zum Theil volljährige Pflanzen. Erläuternd mitb 
darüber bemerkt, bas; man freilich in Cuba von demselben Felde zehn bis 
zmölf Jahre lang Rohr schneide, ohne die Pflanzen zu erneuern; Klima 
und Bobenbedingungen seien so verschieden von denen in den Tropen, das; 
ohne Zweifel auch bie Beschaffenheit des Rohres dadurch beeinflußt werde. 
Sodann metben Ergebnisse von 26 bebauten Parzellen nach Größe und 
Rohrgewicht angegeben. Die Ernte von Schößlingen schwankt zwischen 
16,04 unb 23,55 tons bet acre, bet 510^0^11 mit Sd)ôf;= 
Ungen gab es nur 13,51 unb 15,84 tons; von bin volljährigen Pflanzen 
wurden zwisd)en 13,81 bis 24,67 tons gewonnen, der gesammte Durch- 
schnitt bet ganzen Ernte mat 19,20 tons ans l acte. Die Tonne mit 
2240 il engl, unb bas acre mit rund 40 Are berechnet, mürbe auf das 
Hectar eilte Durchschnittsernte von 488 D.-Etr. kommen. 
Die vorjährige Campagne begann nach bein erstatteten Berichte in . 
Ņîagnolia am 7. Rovember 1886 und mat bereits am 20. December be 
endigt. Das Wetter im Sommer mat nicht besonders günstig, und schon am 
17. November trat vorübergehend sehr scharfer Frost ein. Der Ertrag an Rohr 
war ungewöhnlich nichtig, fein Gehalt an gewinnbarem Zucker aber etwas 
grölet al§ in ben æot^a^ten. Bie Äußbcute mitb für 1885/86 auf 
2988 #. engi. an Riefet 1., 2. unb 3. Whiftä bet acre angegeben, für 
1886/87 auf nur "l964 #., so ba^ bet 9%inberertroq oon 6,66 tons 3101)1 
bet acre eine id)Uc#id)e 9Rinbctauöbeute oon 1024 #. ^udet ergeben i)abe; 
7
        <pb n="56" />
        die Ausbeute per ton Rohr sei iit der letzten Campagne außerordentlich 
befriedigend gewesen. Aus einer beigefügten Uebersicht ist ersichtlich, daß 
man überhaupt 7203,3 tons Rohr verarbeitete und daraus durchschnittlich 
per ton 120,47 U. I. Produkt, 40,53 II. Produkt und 58,17 //. Melasse 
machte: ein nicht gerade stolzes Ergebniß, da, ohne Reduction auf I. Pro 
dukt, nur fast 9,8 "/o des Rohrgewichtes gewonnen wurden, darunter kaum 
5'/27o I Produkt. Wenn angenommen wird, daß uñe tut Vorjahre die 
gestimmte Ackerfläche von 484 acres an der Ernte Antheil hatte, so würde 
auf das Hectar ein durchschnittlicher Nohrertrag von rund 380 D.-Ctr. 
kommen; legt man die Angaben über das Verhältniß des Zuckerertrages 
in den beiden Jahren zu Grunde, so würde mau etwas mehr als 360 D.-Ctr. 
für 1 Hectar herausrechnen können. 
Natürlich haben alle diese Rechnungen nur einen beschränkten Werth. 
Ihr Zweck ist auch nur, einerseits eine ungefähre Vorstellung von der Er 
giebigkeit einer Rohrpflanzung zu geben, andrerseits wenigstens vorläufig 
eine Vergleichung mit den Rübenernten zu ermöglichen. Mit dem Ge 
danken freilich muß mau sich vertraut machen, daß die Felder Cuba's nll- 
mählich wohl eine größere Fruchtbarkeit entwickeln werden, wenn ihre Be 
stellung mit mehr Umsicht und mit stärkeren Mitteln erfolgt. Behauptet 
wird, daß damit schon jetzt ein guter Anfang gemacht sei. Es wäre er- 
wüuscht zu wissen, in welchem Umfange dies bereits geschehen, und ob 
davon schon bei den Ernten der letzten Jahre ein Einfluß zu spüren ge- 
wesen. 
Nach biefeit Bemerkungen kann es nicht befremden, daß auch die 
Nachrichten über die Kosten einer Rohrernte nur äußerst spärlich vor 
handen sind. Bekanntlich hat man in Deutschland seit Jähren Berech 
nungen über den Selbstkostenpreis der Rüben aufgestellt, ohne zu einem 
anerkannt gültigen Resultate zu gelangen. Nicht viel anders würde es sich 
auch in Cuba verhalten, selbst meint man über die Ernteerträge genaueres 
wüßte. Allerdings fällt hier ein wesentliches Moment der Unsicherheit weg, 
nämlich die Vertheilung der Ausgaben auf die Ernten im Fruchtwechsel, 
da ein solcher bei der dauernden Rohrernte nicht stattfindet. Andrerseits aber 
wird es schwer sein, die Tilgungsrate, welche für die Anlage der Pflanzung 
zu rechnen wäre, auf die vorweg nicht zu bestimmende Anzahl von Jahren 
zu vertheilen, den richtigen Ansatz für die schwankenden Creditausgaben 
und Zinsen des Betriebscapitals zu finden, die wechselnde Höhe der Arbeits 
löhne, den Einfluß außergewöhnlicher Witterungsschläge imb der auf der 
Anlage wie auf der Arbeit ruhenden Lasten und Abgaben zutreffend zu 
bemessen. Die Selbstkosten werden sich in den verschiedenen Gegenden wie 
zu verschiedenen Zeiten natürlich verschieden berechnen, und es würde des 
halb längerer und umfassender Vergleichung zur Erlangung eines richtigen 
Durchschnittes bedürfen. Man muß auch anerkennen, daß weder die Jahre
        <pb n="57" />
        51 
der zehnjährigen Revolution noch die darauf folgenden Jahre mit ihren 
ungewöhnlichen Zuständen für dergleichen Erhebungen sehr geeignet 
waren. Mutz man sich deshalb zur Zeit mit einzelnen Mittheilungen be 
gnügen, so darf man denselben nur einen beschränkten Werth beimessen, 
weil ihnen in der Regel ganz oder zum guten Theil die Erläuterung 
darüber fehlt, auf welche Tätlichkeit und Bedingungen der Wirthschaft sie 
sich beziehen. 
Nach dem Consulatsberichte ans Havana vom Jahre 1884 hatte die 
Regierung zum Zwecke der Besteuerung umfangreiche Schätzungen 
über die thatsächlichen Kosten der zur Zuckerbereitung dienenden Pflanzun 
gen angestellt. Danach waren die Produktionskosten auf 668 pesos für 
die Caballería oder nahezu 200 Mark für 1 Heetar geschützt. Die Grund 
lagen der Schätzung werden leider verschwiegen. Es lässt sich ihre Richtigkeit 
also nicht prüfen. Aber gewitz kann dieser Satz kein allgemein gültiger 
sein, sondern unterliegt je nach Lage der Pflanzung, Bodenbeschaffenheit, 
Stärke der Betriebsmittel u. dergl. erheblichen Schwankungen. Die bereits 
erwähnte französische Mittheilung vorn Jahre 1885 erwähnt, datz die 
Centralfabriken zur Zeit bei einem Zuckerpreise von 28 7 2 fr. das Rohr 
mit 10,87 fr. per 1000 kg bezahlten, also den Doppel-Centner mit 1,087 fr. 
oder etwa 0,87 Mark; dabei werden die Kosten für Bestellung, Ernte re. 
auf 5,30 fr. für 1000 kg angegeben, also etwa 0,425 Mark für den Doppel- 
Centner, augenscheinlich ohne Rücksicht auf Abgaben unb Lasten, sowie auf 
Zinsen und Tilgung. Diese Rechnung ergiebt, wenn man für 1 Heetar die 
Ernte auf 400 D.-Ctr. anninnnt, rund 212 fr. oder rund 170 Mark 
Selbstkosten, was hinter der obigen amtlichen Ermittelung nicht unerheblich 
zurückbleibt und vermuthlich auch hinter dem thatsächlichen Durchschnitte. 
Ferner soll nach einer Mittheilung aus neuester Zeit eine Central 
fabrik bei Manzanillo das Rohr mit 16 doll. span, für 800 Arrobas be 
zahlen, und dieser Einkaufspreis wird als ein sehr billiger bezeichnet, da 
man anderwärts 10 bis 20 dollars zahle. Nun sind 800 Arrobas gleich 
20000 span. Pfunden oder 9200 kg = 92 D.-Ctr., und der span. Dollar- 
gleich 4 Mark; es berechnet sich danach der Preis des Rohres auf 70 bezw. 
83 bis 87 Pfg. für 1 D.-Ctr. Die letztere Zahl stimmt mit der oben 
berechneten überein; ob aber 70 bis 80 Pfennige pro Doppel-Centner für 
den Pflanzer wirklich lohnend sind, darf man bezweifeln, wenn man die 
bis in die neueste Zeit fortdauernden Klagen erwägt, datz der Anbau des 
Zuckerrohres bei den gegenwärtigen Preisen keinen Nutzen lasse. Als 
beachtenswerth, wenngleich wohl einer recht genauen Prüfung bedürftig, 
wird nachstehend noch' die Aufstellung von dein Werth, den Ausgaben und 
den Erzeugnissen einer Cubanischen Znckerpflanzung von durchschnittlichem 
Umfange angeführt, welche in der sugar cane 1886 ein Correspondent 
mittheilt. Derselbe nimmt als Beispiel eine Pflanzung voll 1000 Ackern 
7*
        <pb n="58" />
        • Ķiņņņ». ■ ■■ SK. 
52 
60 000 doll. 
80000 
gleich 30 kubanischen caballerías, int Werthe von rund 60 dollar oder 13 
Pfund Sterling per Acker, das Pfund Sterling nach deut Marktwerthe von 
4,44 doll, in spanischem Golde berechnet. Hiernach wäre 
der Grundwert!) 
dazu Gebäude, Zuckermühle, Siede-Apparate und sonstige 
stehende Maschinen 
bewegliche Maschinen, Pflüge, Waagen, Ackergeräthe, 
Schmiedewerkzeuge aller Art und soitstiger Zubehör- 
Fuhrpark, vollständiger, 1 530 „ 
5 737 „ 
204 „ 
500 „ 
148971 doll. 
1 000 
7200 
2 400 
3600 
75 Joch Ochsen 
12 Kühe 
6 Pferde, 2 Maulthiere _i 
zusammen 
ferner: Hausrath, Erleuchtungsgerüth, Oel, Fett, Farbeit und 
allerlei andere Werkstoffe 1000 doll. 
Arbeitslöhne, wovon ein verhältnitzmäßiger Abzug zu machen, 
wenn Weiber oder Knaben beschäftigt werden, und zwar 
10 bezw. 8Va doll, in der todten Jahreszeit und 14 
bezw. 10 doll, in den Betriebsmonaten: und zwar mt 
100 Neger oder Chinesen zu je 12 doll., also monatlich 
1200 doll., in 6 Monaten todter Jahreszeit . - - . 
Unterhalt derselben zu 4 doll, für jeden desgl. . . 
150 Neger oder Chinesen zu 18 doll, monatlich, für 
6 Monate Betriebszeit 16 200 
Unterhalt derselben zu 4 doll, desgl 
Besoldung der weißen Beamten, ttämlich: ein Aufseher 
1200, Feldaufseher 700, Viehwärter 400, Zimmer 
mann 300, Buchhalter 400, Wächter in der Be 
triebszeit 120, Mechaniker 425, Siedemeister 500, 
zusammen 
Staats- und Gemeindeabgaben _j_ 
zusammen 
Ausgaben zum und im Seehafen: 
Fracht voit der Bahnstatiott der Zuckerfabrik bis zum 
Hafenspeicher für 1000 Oxh. zu 3,50 doll. — • • 
Lagergeld zu 1 doll, per Oxh 
Maklergebühr mit 1 sh. 2 p. von 100 Pfund Sterling 
Kauftverth j_ 
überhaupt also Jahresausgabe 39 750 doll. 
Die Kosten für leere Gebinde sind außer Altsatz geblieben, tveil der 
Käufer int Hasen bei Bezahlung des gekaufteit Zuckers dem Pflanzer je 
4165 „ 
500 „ 
35065 doll. 
3 500 doll. 
1000 .. 
185
        <pb n="59" />
        53 
5 V 2 doll, dafür zurückrechnet. Hiergegen wird sodann die Ernte in fol- 
geiiber 98# gefd#!. % 1000 Met Banbeß ue#eilm f# ungefä# 
hi 165 Wer ober 5 caballerías eingegäunte 9ßie()meibc, ebenfooìeï für 
Baumgarten oder Holzung, Wege, Gebäude, Garten u. s. w.; G(&gt;(&gt; 3 / 3 Acker 
übet 20 caballerías bnrd^fd,nimid^ 12500 tons 9#t, 
welche geben: 10000 Karrenladungen zu 2 500 //• für die Zuckermühle, 
ferner oou fe 25000 fl. Bohr 1 hogshead Zucker, also im Ganzen 
1000 hogsheads mtSfoDübenaiidct im Äettogemi# bon 1450000 //.= 
725 tons, oder vom Acker l'/% hogshead gleich 2175 fl. Zucker. An- 
genommen ist, hon bie stessei ber Elidermi# gumeift mit 33iifd)ioerT, bie 
Kessel der Siedegeräthe mit Bagasse geheizt werden; ferner, das; die 
1000 hogsheads Zucker durchschnittlich in 100 Lagen fertiggestellt werden, 
bo Regentage unb %afd)inenbI;^^en bie regetmäf;ige Betriebß^elt untere 
brid)t,'fo bnf; blese ledete fid) ans 5 biß 6 munte außbebnt. eraeiigt 
werben also: 
1000 Faß Muskovadezucker zu 80", netto 1450000 fl. oder 
725 tons, meid)C 311 4'A real, ober 56'/4 cents für bie Ättobe 
ober 2'A cents für bnß Şfimb ergeben . . . 32625 doll. 
300 W mioffe gn 50», b. i. 51000 @nüonen 311 
15 doll., das Faß ^ 170 Gallonen . . . • 4 500 „ 
zusammen . . 37 125 doll. 
Gabel mttb bemerit, bas; bie Slußgaben einer #anaimg, meld)c 
Muskovabezucker macht, ungefähr gleich ständen mit einer, welche centri- 
fugirten Zucker fertigt. Der Unterschied sei nur der, daß die letztere noch 
Vacuumpfannen und Eentrisugen habe. Das Nettogewicht eine^ Fassen 
centrifugirten Zuckers betrage ungefähr 150 fl mehr als das^ bes Mus- 
kovadezuckers. Gerechnet seien 50 Faß auf die caballería; indessen erzeugen 
manche Pflanzungen bis zu 70 Faß, unb in diesem Falle sei der^ Werth 
des Ackers beträchtlich höher anzusetzen. Ein leeres 36 zölliges Faß — 
hogshead — wiege 200 fl-, der Muskovadezucker netto 14o0 ff., der centri- 
fugirte Zucker netto 1600 //. Für letzteren würde der Preis um 1 / 4 1 calen 
bro Ätmba i)öWi\ olle »"t nni#i)r 76 cents für Ne mroba ober 3 cents 
pro Pfund anzunehmen sein. Wird centrifngirier Zucker berechnet, dann 
darf nur die Hälfte Melasse in Ansatz kommen, also nur 150 Faß, und 
nur zum Preise von 10 dollars per Faß, also statt 4500 dollars nur 
1500 dollars; benn bei bet Bereitung non giWîooabeaiidet Mengte 
Fässer 14 Tage lang znm Ablaufen — purging — und von je 3 Faß 
erhält man ein Faß Melasse. 
miß biefen Angaben fid) bered#», baß bet Betfaffet bic 3#t= 
@rnte nom ^eetar ungefähr ans 450 G.=6tr. annimmt, maß 111111161^111 mit 
ben obigen migabenin einfiang fte#. feinen Bemeiiiiiigen iäge
        <pb n="60" />
        ■ - 
aber der Vortheil der Herstellung von centrifugirtem Zucker auf der Hand, 
da die erzeugten 1000 Faß zu dem höheren Preise etwa 12000 doll, mehr 
einbrächten, wogegen der Verlust an Melasse sowie die Unkosten der 
Centrifuge erheblich zurückstände. Uebrigens schließt die Rechnung bei einer 
Ausgabe von 39750 doll, und einer Einnahme von 37125 doll, mit einem 
Deficit von 2625 doll, und es findet sich darin gleichwohl kein Posten für 
Verzinsung und Tilgung des Anlagekapitals, und nichts für den Hausstand 
des Eigeuthümers. Das Anlagekapital setzt sich zusammen aus dem Boden 
werth mit 60000 doll., Gebäude und Maschinen 80000 doll, und sonstige 
Geräthe 11000 doll. In dem Consulatsberichte für 1884 wird zwar der 
Bodeupreis einer caballería zur Zuckerpflanzung geeigneten Landes als ein 
je nach den Verhältnissen sehr verschiedener bezeichnet, ime dies auch der 
Natur der Sache entspricht; als Durchschnitt aber wird für die caballería 
der Preis von 4000 pesos angegeben, d. h. der Hectar aus 1185 Mark. 
Hiernach wäre der in dem obigen Anschlage angesetzte Werth für 30 cabal 
lerías für einen sehr mäßigen zu erachten. Rechnet man im Durchschnitt 
für die gesammteu 150000 doll, an Zinsen und Tilgungsraten 10% , was 
für Cuba schwerlich zu hoch gerechnet ist, und läßt dabei das Betriebs 
kapital außer Ansatz, so treten zu den Ausgaben noch 15000 doll, hinzu, 
und es müßte der Zuckerpreis um mehr als 2 realen, also über 6 % realen 
steigen, um das Gleichgewicht zwischen Ausgabe und Einnahme herzustellen. 
Aus den einzelnen Posten ist ersichtlich, daß der größere Theil auf die 
eigentliche Rohrpflanzung trifft. Der Anschlag bezieht sich auf ein ingenio 
alter Art, welches nur seine eignen Ernten verarbeitet. Der Zucker-Ertrag 
ist nur mit 1 Faß zu 1450 #. netto auf 1000 arroben = 25 000 //. Rohr 
angesetzt. Der Preis von 4 % realen per Arroba Zucker ist gegen die 
früheren Jahre zwar nur niedrig, aber in neuerer Zeit keineswegs immer 
zu erlangen gewesen, er würde für diese Klasse der ingenios hiernach hinter 
der Grenze der Rentabilität zurückbleiben. 
In einem Consulatberichte vom Jahre 1884 wird dagegen angeführt: 
schlechte Preise und hohe Löhne hätten den Pflanzern nichts übrig gelassen; 
ohne Ueberschuß aber könnten dieselben nicht bestehen, denn ihrer seien nicht 
fünfzig unabhängig, alle übrigen sehr verschuldet; der Berichterstatter habe 
jetzt die Ueberzeugung gewonnen, daß, wenn der Pflanzer seinen eentri- 
fugirten Zucker für 5 realen = 62% cents per Arroba verkaufe, 
er die Selbstkosten und den Unterhalt für seine Familie damit decke. 
Was dabei unter die Selbstkosten gerechnet worden, ist nicht ersichtlich, da 
die Mittheilung durch keinerlei Berechnung oder Zahlenangabe unterstützt 
Indessen sind 5 realen per Arroba gleich 21 
für den D.-Ctr. 
und wenn dieser Preis in Cuba frei Hafenplatz angelegt werden muß, so 
ist er immerhin als ein hoher zu bezeichnen. In einem Berichte vom 
December 1886 wird bemerkt, es sei zwar Rohr genug für eine Ernte von
        <pb n="61" />
        55 
800000 Tonnen vorhanden, allein trotzdem schätze man sie nicht höher, als 
600000 Tonnen, da nur ingenios mit sehr guten Einrichtungen noch mit 
Nutzeil arbeiten könnten. 
S)ie %tage nod) tien ëelbftfofteii bea ^o^tca iniitbe íeid^et 311 be= 
antworten sein, wenn die Einrichtung von Centralfabriken bereits eine 
weitere Verbreitung gefunden hätte und ausreichende zuverlässige Nach 
richten darüber vorlägen, sowie wenn die Centralfabriken das Rohr von 
ben (ßfimiaeni in be? ^egcï gegen Bulling etnea bestimmten (Mbpmfea 
nach Gewicht kauften. Allein beides ist nicht der Fall. 
IO. Die Centralfabriken. 
Die Einrichtung von Centralfabriken ist keine Erfindung der 
neuesten Zeit: sie scheint sich in ähnlicher Weise aus den thatsächlichen Zu 
ständen heraus entlvickelt zu haben, mie in Deutschland die Actienfabriken 
vereinigter Grundbesitzer. Schon der Consulatsbericht über die wirthschaft- 
lid^ii 'ÍBei'#!!!# Gnbaa fiit baa 3a# 1877 etind# iíjiet mit nad)= 
stehender Ausführung. Bei den Schwierigkeiten, welche die Arbeiterfrage 
verursache, werde als das beste Mittel, die freie Arbeit für die Zucker 
industrie zu gewinnen, die Errichtung sogenannter ingenios centrales em 
pfohlen, d. h. den Eigenthümern großer Zuckerpflanzungen und solcher Land- 
Men, benen ea im ätbeitaftöften fût bie ^1181111(^1110 bet Wet #16, 
werde empfohlen, ihren Grundbesitz in kleinere Complexe zu theilen und 
letztere an freie Arbeiter zu verpachten; den Pächtern sei vertragsmäßig die 
Verpflichtung aufzuerlegen, auf den gepachteten Feldern Zuckerrohr zu bauen 
und es den' Verpächtern zur Verarbeitung abzuliefern. Die Ausführung 
dieses Planes würde naturgemäß zur Arbeitstheilung zwischen der Her- 
fteümig bea Wjtea mtb bet ßetfteGiing Weta Mteit imb mit et= 
#511%!! %ott^eiíelI oettiinbft M": wie ó- 61-4^68 ùntetene bea 
teta am Felbertrage unb Begünstigungen des Entstehens neuer Nieder 
lassungen und Ortschaften, woran es im Innern der Fusel sehr fehle, ^ann 
mitb #131106%!, b# einige ^^^m13et ble^en Şimi beteita mit Gtfolg 
durchgeführt hätten, eine allgemeine Durchführung sei noch nicht an 
gebahnt. In späteren Mittheilungen wird zur Empfehlung der Neuerung 
gesagt, bet Wone metbe berniì# #1, id)mete8 uo%ftigea Bto# 3U liefern, 
werde also seinen Acker sorgsamer bestellen, das Rohr besser pflegen und 
auch einen Begriff von Dünger bekommen, dessen Namen ihm bisher ebenso 
unbekannt gewesen seien, als seine Wirkungen; er bewache seine Felder 
aufmerksamer und da die einzelnen Pachtpflanzungen durch Baumpflanzun 
gen, Wege u. s. w. abgegränzt seien, werde es leichter sein, die vorkommenden 
Feuersbrünste zu beschränken. Der Colone binde sich allmählich an seinen
        <pb n="62" />
        Acker, suche dort seinen Hausstand zu gründen, und gewöhne sich an regel 
mäßige Arbeit und Ordnung. Bei der Arbeitstheilung vermöge Jeder der 
ihm obliegenden Aufgabe sich mit vollen Kräften zu widmen und mit seiner 
ganzen Intelligenz zu fördern, während andererseits für jeden der beiden 
Theile das Risico geringer werbe und ein kleineres Anlage- bez. Betriebs- 
Capital ausreiche. 
Diese Vorzüge des Systems sind so einleuchtend, das; man erwarten 
sollte, es hätte sich seit 1877 schnell verbreitet und heutigen Tages zum 
allein geltenden gemacht. Allein nach Berichten ans den Jahren 1886 und 
1887 giebt es in Cuba noch viele schlecht eingerichtete Fabriken, welche 
nur 6 bis 7% Zucker von ihrem Rohre gewinnen, zu einem Fas; Mus- 
kovadenzucker 12 bis 14000 arrobas Rohr verbrauchen, und nicht einmal 
einen Destillir-Apparat haben. Solchen Fabrikeil wird allerdings unrettbar 
der Untergang geweissagt, da sie sich neben den Central-Ingenios nicht halten 
können. Unvermögende Pftanzer sollen auch dadurch gelegentlich sich zu 
helfen suchen, daß sie vertragsmäßig einem Unternehmer für eine gewisse 
Zeit ihr Rohr, ihr Fuhrwerk und ihr Vieh überlassen, wogegen sie ihm für 
jedes Fas; Zucker, welches an der nächsten Bahnstation abgeliefert wird, 
einen verabredeten Satz zahlen. Dieses etlvas verzweifelte System der 
Fabrikarbeit ans Accord hat immerhin für einen unvermögenden Pflanzer 
den Vortheil, das; er nicht für das mangelnde Betriebscapital zu sorgen 
braucht, und daß er, da er natürlich bei Verabredung des Accordsatzes 
mit dem niedrigsten Zuckerpreise rechnet, mehr gegen Verlust geschützt ist 
und bei steigenden Preisen gewinnt. Das; dieses System auf Verbreitung 
teilten Anspruch machen kann, leuchtet ein: ohnehin ist bei den stets weichenden 
Preisen der letzten Jahre schwerlich viel Seegen dabei geblieben und seine 
Anwendung eine sehr beschränkte 
Der Deutsche Consulatsbericht für 1880 theilt mit: da die wenigsten 
Besitzer in der Lage seien, bessere Maschine anschaffen d. h. bezahlen zu 
können, sei neuerdings wiederum der Vorschlag aufgetaucht, ingeniös cen 
trales ins Leben zu rufen. Es habe sich auch eine Gesellschaft gebildet 
und in der Provinz Puerto Principe nahe bei Nuevitas eine solche Fabrik 
zu bauen begonnen, zu der die Maschinen in Frankreich bestellt seien; der 
Erfolg dieses Unternehmens werbe wohl für die Zukunft der Central 
fabriken entscheidend sein. Wie der Versuch ausgefallen, läßt sich aus 
späteren Mittheilungen nicht ersehen; zunächst wahrscheinlich recht ungünstig, 
denn der deutsche Consulatsbericht für 1884 bemerkt, daß in Folge der 
traurigen Verhältnisse die Zuckerproduktion in der Provinz Puerto Principe 
ganz aufgehört habe. Weiter wird darin mitgetheilt: erst in den 
letzten Jahren hätten einige Pflanzer angefangen, sich lediglich aus die 
Zuckerproduktion zu legen und das Rohr von Pächtern oder Colonisten 
zu kaufen, denen sie ihr Land überlassen haben. Dies System scheine aber
        <pb n="63" />
        —___— — 
- 57 — 
sizt^srs : =%r A: % 
asrÄ*rÄ^. îïjr 
ìstiÄ'ÄÄ-Ä^Ä; 
feiten zu kämpfen; die meisten Pflanzer seien bankerott oder gezwungen, 
3 @dtbem wSR'aäÏà fichât N«» Bicl [s 
liigaiP! 
■■
        <pb n="64" />
        58 
115 000 D.-Ctr.) gemacht haben und rechne für die nächste Campagne auf 
ehm 20000 gay. wirb behauptet, ba&amp; sülche ^aMeii ernes) in ber 
vorjährigen Ernte trotz der niedrigen Preise mit Gewinn gearbeitet haben; 
gutes Wetter und vervollkommnete Maschinen trügen hauptsächlich dazu 
bei. Uebereinstimmend hiermit wird in dein Berichte vom 31. März 1887 
Ķer die Magnoliastation erwähnt: die größte Centralfabrik Cuba's stelle 
täglich 175 bis 200000 #. Zucker her, ivas bei fünfmonatlicher Arbeit 
ohne Unterbrechung ans 130- 150 000 D.-Ctr. herauskäme, und daß diese 
Fabrik auch bei „jetzigen" Preisen noch Gewinn mache. 
. DK Frage wird allerdings sein, wie diese Centralfabriken ihren 
Rohstoff, das Rohr, bezahlen. Dies scheint nicht durchweg in gleicher 
Weise, namentlich nicht überall im Gelde zu geschehen. Bei dem großen 
Mangel an baaren Mitteln in den letzten zehn Jahren ist es erklärlich, 
daß man die Rohrlieferanten auf andere Weise zu befriedigen suchte und 
so scheint es, zum Theil wenigstens, noch jetzt geblieben zu sein. Aus 
Matanzas wird noch im Jahre 1887 berichtet, daß die Pflanzer daselbst 
zwar nicht mehr selbst ihr Rohr verarbeiten, sondern es den benachbarten 
Central-Ingenios liefern wollen, daß jedoch diese nur 2 dollars dafür 
bieten und es überhaupt vorziehen, 3'/% bis 4 arrobas Zucker für 
100 arrobas Rohr zu geben. Ebenso wurde aus Havana im Jahre 1886 
mitgetheilt, daß die Pflanzer für 100 arrobas Rohr 4 arrobas Zucker er 
hielten, dessen Geldwerth sich bei einem Preise von 5 realen ans 2 '/% dollars, 
bet einem Preise von 6 realen auf 3 dollars berechne. Dagegen heißt es 
in einem französischen Berichte aus dem Jahre 1885: daß eine Anzahl 
von Centralfabriken das Rohr je nach den Zuckerpreisen verschieden bezahlen; 
bei einem Preise von 54,35 fr. für 96 er Waare zahle man für 1000 kg 
Rohr 21,73 fr. (also für den Centner 87 Pfg.), bei 48,90 fr. nur 19,65 fr. 
und so weiter abgestuft bis zum Zuckerpreise von 32.60 fr. und einem 
Rohrpreise von 13,04 fr. (etwa 52 Pfg.); wenn der Preis unter 32 fr. 
finfe, werde eine besondere Abrede getroffen; zur Zeit sei der Zuckerpreis 
28,52 fr. und man zahle für das Rohr 10,87 fr., das wären für 1 Ctr. 
Zu 50 kg nur 43 '/% Pfg., ein überaus niedriger Preis, dessen Richtigkeit 
sich wohl anzweifeln läßt, besonders meint man erwägt, daß für den 
Fabrikanten 17,65 fr. übrig bleiben, und bei dem höchsten Zuckerpreise 
32,62 fr. Der Bericht über die Magnoliastation vom 31. Mürz 1887, 
dessen Verfasser Cuba selbst besucht hat, giebt bezüglich der Central-Ingenio 
Constantia an: sie kaufe ihr Rohr von Colonisten und unabhängigen 
Pflanzern zu einem Preise, der sich nach dem monatlichen Durch 
schnittspreise des Zuckers richte; die Verträge würden für mehrere 
Jahre abgeschlossen; sie enthalten auch Bestimmungen darüber, daß die 
Dichtigkeit des Saftes nicht unter einen gewissen Grad sinken dürfe, 
widrigenfalls die Fabrik einen Abzug am Preise machen dürfe; auch über
        <pb n="65" />
        59 
bie gctt ber 9#rernte ¡et 93erabrebung getroffen, sowie über eine 
fchäbigung in bent Falle, bag bas Rohr auf bent #elbe burch Feuer 
nietet loerbe. 3)tefe mt^etínng Hingt fel)r glattbwürbig: eS ist 
bebatiern, bag sie nie# burd) B4ïe"O"0O^Gtt erläutert ist. ebenso i 
bebaiterlid), bag weber über bie B# ^er uorganbenen Gentral=3ngentoS, 
ttod) über bie Menge bes Ķaufrohres eitvas genaueres feststeht. Rach einer 
#itt^eilltng auS bent Salare 1885 foü bie 9116^^1)1 ber 6cntral=3ngemoS 
min bestens bie Hälfte ihres Bebarfes selbst bauen : inbeffen ist t licht AU 
ersehen, ob biefer Bau tticht burch Bermittelung voit (Solotten itnb Pächtern 
erfolgt. Aus betn Fahr 1886 wirb angeführt, bag bcw neue System erst 
ans bett viertelt Theil ber gef ant tuten Anbaufläche angewenbet 
werbe, tv ähren b viele Fabriken ito ci) itaci) beut alten System arbeiten uitb 
mit beut Vorsteher einer Arbeiterbanbe über bas Schneiben bes Rohres 
mtb baß etnbriitgen gitr abfliegen, ^uS betn Anfang beë 
Sagreë 1887 wirb berietet, bag bereits 40% ber wirflicgeit Ütogrernte 
burch Kolonisten gewonnen mtb an ingeniös centrales geliefert werbe. 
Ohne ¿weifel wirb auch beim Ankauf bes Rohres halb bie Ratnral- 
lvirthfchaft von ber Gelbwirthfchaft oerbröngt werben. Der Colonist wartet 
nicht gern auf feine Einnahmen bis Antu Verkauf bes Buckers, bett er für 
fein Rohr erhält; er verliert babei Binsen, braucht Vorschüsse mtb tnitg sich 
mit beut Preise begnügen, bett man für bett Böller ihm bietet; citte Con 
trole über bie Güte bes Buckers hat er überbieë nicht. Aber auch ber 
Fabrikant kann nicht wünschen, in betn gelbbebürftigen Rohrlieferanten 
auf betn Zuckermarkte einem Coneurrenten zu begegnen, welcher bie 
Preise brückt. . 
Ueber bie Anlagekosteu einer solchen Cenkralfabrtk gaben mH feme 
Angaben. Ohne Bweìşel werben fie sehr verschieben fein. In vielen Fällen 
hat man wohl bie bestehenben Fabrikett, namentlich wenn sie schon mit 
besseren Einrichtungen versehen waren, beibehalten; hier mtb ba wirb matt 
sie beut grögeren Bebürfnig entfprechenb umgebaut ober burch Anbauten 
öergrögert haben. Auch bie Ausrüstung mit Maschinen wirb eine ungleich- 
tnägige fein, ba man schwerlich überall in ber Sage war, bie alten noch 
brauchbaren fortzuwerfen. Dagegen wirb es auch an ganz neuen Anlagen 
mtb Einrichtungen nicht fehlen. In neueren Berichten wirb ausbrücklich 
erwähnt, bag viele Fabriken mit neuen vollkommenen Maschinen mtb Ge- 
rötgen, 'aud) aus S)eutf d)lattb be^genen, ausgerüstet feien, einige 9W)= 
richten beuten auch barattf hin, bag bereits frembeS Kapital sich solchen 
Unternehmungen zuwenbet. Beispielsweise wirb mitgetheilt, bag baS groge 
Centralingenio Solebab bei Cienfuegos bas Eigeuthum von Atfin y &amp; Co. 
in Boston fei. Es liegt auch nahe, bag gerabc bie innigen Beziehungen 
ber Vereiitigkett Staaten zn einer Betheiligung bortiger (Kapitalisten ait 
gewerblichen Unternehmungen auf Cuba anregen. Um so weniger lägt sich
        <pb n="66" />
        bezweifeln, daß die Zukunft der cubanischeu Zuckerproduktion diesen cen 
tralen Betriebs-Anstalten gehört, welche es sicherlich auch als ihre Aufgabe 
erkennen werden, alle Neuerungen für ihren Betrieb zu versuchen, einzu 
führen und nutzbar zu machen. 
11. Pressen und Diffusion. 
In der Mehrzahl der ingenios wird der Saft noch gegenwärtig durch 
Pressen und zwar durch einfache Pressung mittelst einer Cylinder- 
(Walzen)presse gewonnen. Es wird behauptet, das; man ungeachtet neuerer 
Vervollkommnung des Verfahrens doch nur % oder höchstens 3 / 4 des im 
Rohr enthaltenen Saftes gewinnen könne. Es sei unmöglich, allen Saft 
aus den Zellen durch Druck heranszupressen; die mächtigsten Pressen hätten 
es nicht weiter als auf 75 bis 80 % Saft gebracht, und dies mit einer 
Kraftanstrengung, welche bei Pressen mit fünf Cylindern bis zu 100 Pferde 
kräften steige. Die gebräuchlichsten Pressen mit drei Cylindern ergeben 
nicht mehr als 60 bis 65 %, obwohl im Rohre bis zu 90 % Saft enthalten 
seien. In dem abgepreßten Rückstände des Rohres, dem bagazo oder 
bagasse, bleibe daher ein großer Theil Saft — und Zucker — zurück. 
Der mehrerwähnte Bericht über die Magnolia-Station vom Jahre 1886/7 
bemerkt bezüglich der in Cuba gebräuchlichen Mühlen: der gewaltige Um 
fang und die große Kraft derselben sei sehr bemerkenswerth; die Karren 
würden hoch beladen, und das Rohr hinauf geworfen ohne Rücksicht darauf, 
daß die Halme in der Längsrichtung des Karrens lägen, iute dies in 
Louisiana beachtet würde; die Mühlen würden sehr stark genährt, aber der 
durchschnittliche Procentsatz des abgepreßten Saftes sei ein niedriger, haupt 
sächlich wegen der holzigen Beschaffenheit des Rohres, bei welchem das 
Verhältniß des Mark und der Fasern beträchtlich ungünstiger sei als in 
Louisiana. 
Auch die Central-Ingenios bedienen sich des einfachen Preßverfahrens. 
Dasselbe liefert in Folge der concentrirteren Arbeitsweise immer noch 
bessere und billigere Ergebnisse als in den Pflanzungen alten Styles. Von 
einer solchen Centralfabrik aus der Gegend von Manzanillo wird ange 
führt : sie arbeite mit einer gewöhnlichen Drei-Walzen-Presse, niit einfacher 
Auspressung, habe auch in; übrigen nicht die vollkommensten Einrichtungen; 
gleichwohl ziehe sie aus dem von Lieferanten angekauften Rohre 77 2 % 
I. Produkt an centrisugirtem Zucker von 96 — 98% und außerdem 1% 
II. Produkts zu 89—90%- 
Neben der Presse mit drei Cylindern scheint die mit fünf Cylindern 
an; meisten Anwendung gefunden zu haben, indessen auch solche mit 
mehreren vorzukonnnen. Der Bericht über die Magnoliastation von 1886/87
        <pb n="67" />
        61 
erwähnt des Besuches uns der Carolina-Pflanzung bei Ciensuegos als eines 
besonders intcreffcmtcn. Dieje sei wohl die einzige Pflanzung m Cuba, 
welche ein-Mühle mit acht Cylindern besitze; dee Bagasse werden zwischen 
äsSŞ» 
lassezucker, in, Ganze» 10,68°/« aller Produkte vom Rohr erhalten. 
Der Gedanke lag nahe, statt der Pressung durch mehrere neben- 
¡fiSSISi 
durch abermaliges Pressen zu gewinnen. _ 
-Vas Versah«,, zwiefacher Pressung soll vor mehreren Jahren 
ÂKÂWíítr«“ 
auf sich ziehe; in einer Pflanzung habe man deshalb zwei Versuche bannt 
angestellt und folgende Ergebnisse erzielt. 
Erster Versuch: mit 312 arroban — 7800 jpa», Pfnnd nollsastigen 
Rohres, bei langsamem Druck, Die erste Bagasse wog e® waren 
alio 4600 il. d, i, 58,96 % East gewonnen. Augenscheinlich kan, die 
Bagasse aus der Mühle besser gepresst als grdtztentheils sonst aus den 
Pflanzungen Cuba's, Die ziveite Pressung ergab -23;&gt;0 it. Bagatz, also 
SM // Sait; allein dabei mutzten grotze Verluste &gt;°-gen Ausrutschens aus 
den Oessnungen und Verweheus durch den Wind sestgestellt werden, der 
Säst wurde deshalb gemessen und gab nahezu 6:&gt; gallone», welche nach 
Probeverwiegnug 687 ii. gleichkamen; berücksichtigt man di- dabei ent- 
sa,«s5ssaiasr„Ä 
zweite &gt;var so mit Fas-rnstosfen durchsetzt, datz er durch °n, Drahtnetz ge 
siebt werden mutzte. Auch nachher zeigte er noch eine sehr dunkle von Un 
reinigkeiten zeugende Farbe, ivelche die Folge er übern,atz,gen Pressung 
waren. Danach erscheint der East zweiter Pressung erheblich weniger 
werthvoll, da ein Theil seines Ge.oichtes Nicht von, Zucker sondern von 
fremden Stössen herrührt. Diese Erfahrung übrigens mcht neu, Als 
die alten Ps-rdemühlen durch Dampfdruck ersetzt wurden, inachte sich d,e
        <pb n="68" />
        62 
geringere Güte des Produkts überall merkbar. Der Zucker der Pflanzung 
Santa Anna z. B. war immer ein ausgezeichneter Muskovado für den 
unmittelbaren Genuß gewesen, gab aber nach Einführung der neuen Mühlen 
zu lebhaften Klagen Anlaß. 
01» folgenbcn Sage. &amp;aö moren nid)t 
volljährige Schößlinge. Die Maschine ging mit normaler Geschwindigkeit: 
Bon 7475 &lt;tl. kamen zunächst 3400 &lt;11 Bagasse, also 4075 //. Saft; sodann 
beim 2. Pressen 2550 //. Bagasse und also 850 €t. Saft, zus. : 4925 // 
= 74,51%, mono» 10,39% ouf Ne 2. $reffung fallen. Gine Trennung 
der Bagasse beider Pressungen fand nicht statt, die Verluste wurden also 
i#t mie beim e#» $86^1^6 beríidfid)tigt. S)a biefeë fid; 1)0146%: 
nub »»^#1^^01)11^1- gegen beu ®rud ermieë, fü mat eiu fold)eë Grgeb= 
utg erwartet und erklärt den größeren Vortheil der 2. Pressung, welche da 
nach für geringeres Rohr sich besser eignet. 
3n einem fran^iifd)en Gonfi,Möbeii# für baë 3al)r 1886 mirb 
baë Grgebnifj bo^eíter $reffung, in Beäug ouf bie Weit einet Gentml= 
fabris, welche ihr eigenes und sehr vorzügliches Rohr verarbeitet, also dar 
gestellt. Durch zwiefache Pressung erhält man 71,68% Saft, von 12,2° 
Dichtigkeit, woraus durch sachgemäße Behandlung fast 12% centrifngirten 
Zuckers und Melassezuckers erzielt würden. Die übrigen 9,3 % dès bei 
bet moWo# auf 21,3% festgestellten BudergeíioItcS I)obe man mit 
0,3 % in der Bagasse und mit 3 % in der nach dem zweiten Produkte 
verbliebenen Melasse ermittelt. Dies sei ein verhültnißmüßig vorzügliches 
Ergebniß, welches man allen Cubanischen Fabriken wünschen möchte. Ju- 
dessen sei es in der großen Praxis nicht leicht, eine so hohe Ausbeute durch 
wirthschaftlichen Betrieb zu erreichen. In den mit guten Maschinen ver 
sehenen und nach vervollkommnetem Verfahren betriebenen Fabriken gewinne 
man bei zwiefacher Pressung immerhin bereits durchschnittlich 10% % 
Busier vom Rohrgewichte, also ungefähr aus 8 bis 900 arroben ein Faß Zucker. 
Der Bericht, welchem diese Mittheilung entnommen ist, leidet jedoch augen 
scheinlich an sehr optimistischer Auffassung der Cubanischen Verhältnisse, 
wie dies aus anderen darin enthaltenen Aeußerungen hervorgeht. Aehnlich 
steht es mit einer anderen französischen Mittheilung aus dem Jahre 1885, 
welche folgende Ausbeute herrechuet: erste Pressung 64%, zweite Pressung 
7% gast, zusammen 71 % mit 17,8% 3»der, 0,75 pimeli, 0,26 galten, 
0,89 orgamf^^en gtoffen imb 80,30 Baffer; ^(##1 1,082 imb ateiii: 
heitsquotient 90,35; hieraus wurden hergestellt Füllmassen 12,14% mit 
84,0 Zucker, 2,95 Invert, 1,80 Salzen, 2,60 organischen Stoffen und 
8,05% Wasser; Quotient 91,95; geschleudert wurden daraus 74,10 % 
trockenen Zuckers, also 9% erstes Produkt, und außerdem noch 1,25 % 
Zweites Produkt. Daraus folgert der Berichterstatter dann, daß der 
Fabrikant noch 7,67 fr. verdiene, die Zuckerindustrie in Cuba sei also
        <pb n="69" />
        S3 
weit davon entfernt unterzugehen. Der Bericht wer die Magnoliastatiou 
vom Jahre 1886/87 erwähnt auch, das; die Centralfabrik Soledad, welche am 
Flusse Caunav bei Ciensuegoê liegt und den Herren Atki ns L Co in Boston 
gehört, mit zwiefacher Pressung arbeitet und den Sa, m üblicher Weise 
verarbeitet. Di- Ergebnisse der Ernte 1885/87 seien folgende gerne,m: 
Saft aus beni Rohre . , 
Dichtigkeit nach Beaumó 
Polarisation bes Saftes 
Reinheits-Coäffieient. . 
Zucker iin Safte . . . 
I. Produkt vom Rohre 
dessen Gehalt 
II. Produkt vom Rohre 
dessen Gehalt .... 
überhaupt Zucker vom Rohr 
Gehalt des ersten Ablaufs . 
Gehalt des zweiten Ablaufs 
e? 
66,79 
9,40 
15.29 
88.30 
10,21 
7,89 
96,61 
1,49 
88,00 
9,38 
50,36 
38,10' 
6% 
66,73 
10,17 
16,32 
88,86 
10,89 
8,50 
96,70 
1,53 
86,60 
10,03 
53,63 
38,00 
66,94 
10,70 
17.10 
88.43 
11.44 
9,02 
96,40 
1,82 
86,80 
10,84 
54.10 
41,50 
S3 
65,77 
11,00 
17,46 
88,10 
11,48 
8,88 
96,60 
1,75 
86,80 
10,63 
53,20 
39,70 
65,25 
11.19 
18.20 
90,00 
11.87 
8,98 
96,31 
2,08 
86.87 
11,06 
54,56 
40,43 
66,30 
10,49 
16,87 
88,74 
11,18 
8,66 
96,52 
1,74 
87,01 
10,40 
53,17 
39,55 
Endlich möge noch einer Correspondenz vom Jahre 1886 Erwähnung 
geschehen, worin neben der zweifachen auch eine dreifach e Pressung als 
ein neuerer Fortschritt bezeichnet wird \ bei der einfachen Pressung gewinne 
iimn 7'///o, bei bei; alveiceli 9 bi8 10% unb e8 uetblieben mit 
etwa 8 o/o in der Bagasse. 
&amp;et mi8 bei; Wlße fomiiicnbe Goß iß #8 bind) 310^^)61(6 net= 
unreinigt. Durch das Mikroskop soll auch nachgewiesen sein, dag sich in 
dem Zellgewebe des Rohres der Zucker erystallisirt in Zellen mit dünnen 
#eibeio'önbeii ootßnbet, ou8 beneit beioiibetS ba8 Símete be8 3^0^68 
beße#, luöiimib bo8 mbniiiiii, ^eitin, gaibßoße ii. ß iu. ßd) meljt m ben 
der Rinde näher liegenden dickwandigen Zellen sammele. Der ^ruck der 
Walzen in der Mühle zerstöre das Zellgewebe, mache den Saft zum 
Sammler aller fremden Stosse und begünstige dadurch die Gährung, welche 
weitere Verluste verursache. Bei zweifacher Pressung verfährt man. auch 
wohl so, dag man das einmal abgepreßte Rohr mit etwa-, Wasser, sei ew 
kaltes oder warmes, oder mit Dampf, oder mit verdünntem Safte anfeuchtet. 
Dieses Verfahren hat, angeblich bereits seit einer Reihe von Zähren, zu
        <pb n="70" />
        ir«8»RS 
— 64 — 
mannigfachen Entwürfen von Mühlen mit vielfachen Cylindern, mit und 
ohne feste Bagassiere, angeregt. Da es einen etwas dünnen Saft giebt, 
bedingt es verhältnißmäßig viel Feuerung; in vielen Gegenden sind aber 
die Fabriken ganz auf die Bagasse als Brennstoff angewiesen und können 
sich nicht leicht anderen verschaffen. Bei zwiefacher Pressung sich derselben 
Mühle zu bedienen, soll unvortheilhaft auf die Operationen der Fabrik 
zurückwirken, was leicht erklärlich ist. Im allgemeinen erreicht man durch 
zwiefache Pressung zwar eine vermehrte Ausbeute, aber keineswegs in 
gleichem Verhältniß zu der Menge des Saftes, da die Beschaffenheit des 
letzteren durch wiederholte Pressung wesentlich ungünstiger wird. Die 
bessere Ausbeute erhält deshalb ihren Ausdruck vornehmlich in den Nach 
produkten und in der Melasse. Um die Unreinigkeiten aus bem Safte 
auszuscheiden, bedient man sich mehr oder weniger dichter Drahtnetze. 
Allein auch bei sorgfältiger Reinigung bleiben noch leichtere Stosse darin, 
namentlich solche, welche von dem das Rohr bedeckenden Flaum herrühren 
und durch besondere Cylinder von verschiedenartiger Construction mittelst 
Rotation entfernt werden. Man hat auch die mechanische Filtration durch 
Gewebe versucht; angeblich lehrt die Erfahrung, daß die so vorbereiteten 
Säfte bei der Scheidung weniger Kalk erfordern und weniger schäumen. 
Die Berichte über die Magnolia-Station erwähnen der Kroog'scheu Filter 
und des Kleemann'schen Verfahrens und führen an, daß beides in Cuba 
mit Erfolg in Anwendung gekommen sei. 
Statt der zwiefachen Pressung hat man auch eine Art gemischten 
Verfahrens vorgeschlagen, indem man das Rohr in gewöhnlicher Weise 
zur Mühle bringt, dann aber die Bagasse in offenen Kübeln auslaugt. 
Allein dies erfordert sehr viel Handarbeit bei dem Füllen und Entleeren 
der Kübel, und überdies gab es sehr unreine Säfte, iute dies bei der 
äußern und innern Beschaffenheit der Bagasse kaum anders sein kann. 
Das Verfahren wird deshalb schwerlich eine große Verbreitung finden. 
Die Erfahrungen, welche die Rübenzucker erzeugenden Länder mit 
der Diffusion machten, lenkten natürlich die Aufmerksamkeit der Rohr 
zuckerländer aus die Frage, ob in gleicher oder ähnlicher Weise auch ein 
Auslaugen des Rohres mit Vortheil möglich sei. Abgesehen von den all 
gemeinen Ursachen, welche einer Verbreitung dieser immerhin kostspieligen 
Neuerung in Cuba entgegenstanden, waren es auch die Bedenken, welche 
die Größe des Wasserbedarfs, die Beschaffung genügetlden Brennstoffes und 
die zweckmäßige Zerkleinerung des Rohres erregen mußten. 
Schon im Jahre 1877 veröffentlichten die Ármales industrielles ein 
von Bou scar eu angegebenes Verfahren der Diffusion für Zuckerrohr. Er 
ging davon aus, daß die damals gebräuchlichen Geräthe ein Hinderniß für 
die erfolgreiche Anwendung der Diffusion seien. Wem: das Rohr schräg 
zur Achse und zur Richtung der holzigen Fasern in feine Scheiben ge-
        <pb n="71" />
        65 
Mjnitteii weiten, ļo ¿eiieibc eß fid) bind) bie imb ^eibemeguii^ nnb 
löse sich in Fasern ans; biese ballen sich in Klumpen, verstopfen bie Röhren, 
verzögern ober hemmen bie Arbeit imb vermehren bie Gefahr eintretenber 
@0^11110. @in einfac^cß mnßlon0en oï)iie «ließ ®nld)ln^len geiiiige obéi 
¿nin gwede ni^^t. S)ie)e Sd)wieiÍQÍeit will SBonßcoien bi# #11 38ei= 
Mieiiiibenuiiiben, inbem ei ans 10^)^ denteiteli bei S^iidjeí, UüG= 
ftönbic;eß nnb wet^obiì^^eë %nßlmi0en, 1111061)11^611611 ^0^61111111011^ l)in= 
wirkt nnb Einrichtungen zu leichter Hanbhabuug uub Reinigung bes 
Apparats trifft. 
Obwol)! #011 bmnaiß Beisi# mit blMn 3861101)1611 on| ®uobe= 
loupe sehr günstig ausgefallen sein sollen, hat bod) bie Diffusion nicht blos 
in Euba, souberu eines) anberwärts, nur langsam Fuß gesagt. In einem 
Berichte, welchen bei Leiter bei Versuchsanstalt für Louisiana, Stubbs, 
fin baß 3oI)i 1886 eiftottet ^t, beweist ei: bie #1011311110611 0011 2011^0110 
hatten noch viel zu leisten, um aus bie Höhe bei Rübenzuckerinbustrie zu 
gelangen; iubesseu bas Uebel ici erkannt uub man bestrebe sich, es zu 
i)eiieii; in bieiem Glutei 1887 weite bie Mnflon @e6ei#nb bei 
Versuche sein; wenn sie sich bewähre, baun werbe mau fortan mit bei 
Amerikanischen Probuktion zu rechnen haben. Aus Cuba wirb für bas 
Jahr 1885 mitgetheilt, baß Versuche mit bei Diffusion gemacht worben 
seien nnb über bas Verfahren Folgeubes angegeben: Um bie Auslaugung 
vorzubereiten, habe mau Anfangs vorgeschlagen, bas Rohr mittelst eines 
mit Sägen ausgerüsteten Cylinbers zu zerschäben. Allein biese Sagen 
hätten sich ungemein schnell verbraucht, bie Masse bes geernteten Rohres 
erwies sich für bie zweckmäßige praktische Durchführung bes Verfahrens zu 
groß, nnb bie ausgelaugten lleberbleibsel zeigten sich unbrauchbar für bie 
Feuerung. Man ging beshalb zu einem Cylinber über, welcher mit Armen 
behufs Verbrechens bcs Rohres bewaffnet war; bas Rohr würbe baun in 
einen burchlochten Cylinber gebracht uub barin bei Einwirkung bes Dampfes 
ausgesetzt. Dieses Verfahren beanspruchte jeboch sehr viele Arbeitskräfte 
nnb Hanbarbeit nnb würbe beshalb balb wicbei verlassen. Nächstbem ver 
suchte man eine Auslaugung bes Rohres in ähnlicher LLeise wie bei bei 
mibe. Taß 1X01)1 wnibe in fieineic (Stüde aeiiegt, ^01)61 ^ei ^de 
von 1 bis 2, bann jeboch von 3 bis 4 mm; bies bewirkte man burch 
Messer, welche in mannigfaltiger Anorbnnug in einer ober zwei Reihen zu 
einem Apparate vereinigt sinb. Man hat auch vorgeschlagen, bas Rohr in 
Stücke von 10 bis 15 cm zu zerschneiben nnb bann in eine Art von 
Rübenschneibe ober Rübenhobel zu bringen: baburch erhielt man zwar 
Späne 0011 bei Sänge bei 9M)#dc, allein bie gellen eiwieien fid) füi bie 
3)iTfnliüiißoibeit weļentlid) Iiii0ilii|ti0ei, oiß bei ben biiid)id)iiitteneii 
Rohrstücken. Behauptet wirb ferner, baß eine gut geleitete Diffusion ben 
Mt nm 11111 1 obci T// wcnigci bid)t Meie, olß bei iwn bei »1)16 
9
        <pb n="72" />
        — 66 — 
I 
kommende, dlls; er ebensoviel Glucose enthalte lote dieser, aber viel reiner 
und weniger dunkel gefärbt sen Die ausgelaugten Rohrstücke könnten durch 
die Mühle oder durch Pressen entwässert werden; man könne lie dann 
während eines Tages der Einwirkung der freien Lust aussetzen und in be 
sonders construirten Lesen verbrennen. Bemerkt wird ferner, da,, die 
Diskusion zwar die Mühlen und mit diesen cm nicht unerhebliches Anlage- 
Capital entbehrlich mache; allein sie verlange andrerseits besondere Unlage- 
kosten setze gutes Wasser voraus und bedinge einen stärkeren Verbrauch 
von Brennstoffen. Bei der Arbeit mit der Mühle und mit einmaliger 
Pressung genüge die trockne Bagasse zur Feuerung; bei ziviesacher Pressung 
bedürft man schon eines Zuschusses von anderen Brennstofsen - &gt;»&gt;- bei», 
auch bei der oben mitgetheilten Ausstellung der Selbstk°,tcn des Rohres 
iiir die Kessel der Zuckermühle die Heizung durch Buschwerk vorgesehen 
war -• sür die Diffusion stehe die Menge des auger der Bagasse ersorder- 
lichen Brennstofses noch nicht fest. Uedrigens könnten die durch Diffusion 
gewonnenen Säst- mehrere Stunden in freier Luft stehen, ohne zu gahren 
und zu ihrer Scheidung branche man weniger Kalk, Beides mag als 
richtig anerkannt werden, schon als eine Folge der grosiercn Reinheit der 
Säfte; allein eine Frist von „mehreren Stunden" will wenig lagen bc, 
der nionatelangen drängenden Fabrikarbeit während der Campagne, 
Eine andere Mittheilung aus dem Jahre 1886 bestätigt abermals, 
dag die Diffusionsarbeit auf Cuba noch nicht sich habe verbreiten koinieii, 
namentlich ivegen Mangels an Brennmaterial, und weil die Mittel zur 
Beschaffung der neuen Maschinen und Geräthe iiicht ausreichten. Das 
gleiche bemerkt eine Correspondenz aus dem Frühjahr 1887 unter Ver 
weisung auf die nothwendige stärkere Verdampsung und den dadurch be 
dingte,! Mehrverbrauch des äugelst kostspieligen Brennmaterials 
Indessen werden die Versuche nicht aushören und der Erfolg w.rd 
nicht ausbleiben, den» in allen Rohrzucker-Länder,, regt es sich Mit gleichem 
Eifer, Aus der jüngsten Zeit wird von Java mitgetheilt. dag d,c Ge,ell- 
schast von Fives-Lillcs einen Apparat zur Diffusion von Rohr und Bagage 
ausgestellt habe, der sich in der letzten Campagne gut bewährte. Das 
Schneiden des Rohres erfolge durch zivei Vorrichtungen, deren &gt;ede zehn 
Tonnen (10000 k K ) seiner Schnitzel in der Stunde liefern könne ; sie leien 
leicht zu handhaben und nicht den Störungen und Zufallen unterworfen 
wie die Mühlen, Die ausgelaugten Schnitzel ivürden in _ gewöhnlicher 
Weise abgepregt und gäben dann einen Brennstoff, der eben,° w,e frische 
Bagasse in besonderen Lesen verfeuert werden könne. Derartige Mit 
theilungen sind wohl mit einiger Vorsicht anfzunehnien: vorlauft« ,ollen 
sie auch nicht den Erfolg, sondern nur das eifrige Streben beweffen. 
Am 10 März 1886 erstattete Witch in Washington einen Bericht an 
da« landwirthschastliche Departement der Vereinigten Staaten über die An-
        <pb n="73" />
        67 
Wendung der Diffusion auf Zuckerrohr und Sorghum. Darin wird vor 
weg historisch erwähnt, daß das landwirthschaftliche Departement im 
Jahre 1883 bereits Versuche angeordnet habe. Im folgenden Jahre 1884 
habe der Congres; zu deren Fortsetzung in größerem Umfange die Geld 
mittel bewilligt. Im Jahre 1885 seien die Versuche fortgeführt worden 
„unter vielen Schwierigkeiten aber mit einem gewissen Grade von Erfolg"; 
es sei dann eine Diffusionsbatterie in Ottawa eingerichtet worden. Weiteres 
über die Art der Erfolge wird nicht angegeben, dagegen ausführlich be 
richtet über eine Informationsreise, welche zur Besichtigung von Diffnsions- 
anlagen in verschiedenen Fabriken in Frankreich, Spanien u. s. w. gemacht 
worden. In Paris traf der Berichterstatter einen Abgesandten aus Java, 
der ihm über die Versuche zur Einführung der Diffusivi; in Java im 
Jahre 1885 Mittheilungen machte, die natürlich nicht schlecht lauteten. 
Gelegentlich erwähnt der Berichterstatter auch, das; die Messer, welche in 
Java zum Rohrscheiden bei den beschriebenen Versuchen gebraucht wurden, 
von „der Sudenburger Maschinenfabrik in Magdeburg" gefertigt seien. 
Schließlich werden dann die Kosten einer Diffusionsbatterie nach den Gut 
achten Europäischer Fabrikanten angegeben, und zwar bei 16 Diffuseuren 
und ebensoviel Vorwärmern auf 15 674 Dollar (b. t. auf rund 67 000 Mk.) 
bei Baarzahlung; bei nur 12 Diffuseuren verringerten sich die Kosten um 
5000 Dollar (21 500 Mk.). 
Von Cuba's Diffusions-Anlagen ist in diesem Berichte nichts gesagt, 
was man wohl hätte erwarten dürfen, wenn sie damals dort bereits einige 
Ausdehnung erlangt hatten. Auch im Uebrigen muß man nach diesen 
Berichten annehmen, das; vor anderthalb Jahren die Einführung der 
Diffusion in Amerika und den Antillen noch nicht weit vorgeschritten war. 
12. Zuckergehalt des Rohres. 
Im Jahre 1885 brachte die Zeitschrift sugar cane die Mittheilung 
eines „Pflanzers mit 38jähriger Erfahrung", wonach die Pflanzer, 
welche Muskovadenzucker bereiten, nicht mehr als 60% des im Rohr 
enthaltenen Zuckers zur Verarbeitung bringen; Jedermann wisse, das; 
die Rüben erheblich weniger Zuckergehalt besitzen als das 
Rohr, und doch seien sie wirthschaftlich doppelt so produktiv als das 
letztere. Hiermit wird in der That nur die allgemeine Ansicht wiederholt,- 
welche auch heute, trotz der erheblich verbesserten Beschaffenheit der Rüben, 
als selbstverständlich eine natürliche Ueberlegenheit des Rohres über die 
Rübe anzunehmen pflegt. Die gewöhnliche Angabe kounnt darauf hinaus, 
dem Zuckerrohr einen Zuckergehalt von 18 bis 22% zuzuschreiben, also 
einen Durchschnitt von etwa 20 %. 
9
        <pb n="74" />
        68 
Die Frage, ob diese Angabe der Wirklichkeit entspricht, liegt um so 
näher, als danach zwischen dem theoretischen Zuckergehalte und der wirk 
lichen Ausbeute, soweit man letztere kennt, ein offenbares Mißverhältnis; 
besteht. Denn die meisten Nachrichten stimmen darin überein, daß bisher 
eine Ausbeute von 7% im Durchschnitt keine schlechte sei. Ist es nun in 
der That richtig, daß die übrigen 13 % als Fabrikationsverlust und als 
Brennmaterial in der Bagasse abgehen? Die Frage scheint für die Beur 
theilung der Zukunft um so dringender einer zutreffenden Beantwortung 
zu bedürfen, als event, mit fortschreitender Vervollkommnung der Arbeits 
weise sich der enorme Verlust sehr merkbar verringern würde, und anderer 
seits erleichterte Kohlenzufuhr und verbesserte Heizmethode zu der Erwägung 
führen müssen, ob es vortheilhaft ist, in der Bagasse etwa 8% Zucker zu 
verbrennen, um theuren anderen Brennstoff zu ersparen. Man nmß sich 
vergegenwärtigen, daß jedes Procent Mehrausbeute in Cuba eine Zucker 
menge von 80 000 Tonnen oder 1600000 Centnern bedeutet, wenn man 
die dortige Ernte auf nur 550 000 Tonnen jährlich mit 7 % Ausbeute 
schätzt. 
Hieraus ergiebt sich als eine der wichtigsten Aufgaben der Forschung; 
¿it etniütehi, iute gioì; bet Budet## beá Wtea in bet 3:# ist. 
Natürlich werden sich für die verschiedenen Erzengungsländer nicht geringe 
Verschiedenheiten ergeben. Voraussichtlich aber erhält man damit zugleich 
einen thatsächlichen Anhalt zur Erklärung dieser Verschiedenheiten. Sie 
werden ohne Zweifel auf Bodenbeschaffenheit, Klima, Behandlungsweise, 
Gattung des Rohres und ähnliche Momente zurückzuführen sein. Soweit 
es sich um Cuba handelt, fehlt es an Mittheilungen über das Ergebniß 
von Untersuchungen, welche von zuverlässigen Sachverständigen vorgenom 
men wurden. Die Erntezeit dauert dort fünf bis sechs Monate lang: es 
fehlt an Nachrichten, wie das Rohr am Anfang der Ernte und wie am 
Ende derselben sich verhält. Es würde von hohem Interesse sein, zu 
wissen, ob in früheren Jahren, als Cuba der Ruhe und des Friedens soivie 
einer gewissen Blüthe seiner Zuckerindustrie sich erfreute, das Rohr daselbst 
von besserer Beschaffenheit war als während und nach der Revolution. 
Und weiter wäre es von nicht minderem Interesse, das cubanische Rohr 
in seinem Verhalten mit dem Rohr anderer Länder zu vergleichen. In 
dessen vorläufig wird man auf solche Erwägungen verzichten müssen. 
In einer älteren Beschreibung der Insel aus dem Ende der 50er Jahre 
lvird erwähnt, daß, abgesehen vvn örtlichen Verschiedenheiten, das reife 
Rohr enthalte 18 bis 22% Zucker, 10% Holzfaser, 1% Salze und 71% 
Wasser. Eine nähere Begründung dieser Angaben fehlt: sie rührt ohne 
Zweifel von gelegentlichen Mittheilungen der Pflanzer her. Ein Bericht 
vom März 1885 aus der Havana bemerkt, man gewinne neuerdings zwar 
mehr Zucker dort aus dem Rohre als früher; allein trotz vortrefflicher,
        <pb n="75" />
        69 
zumeist aus Deutschlanb bezogener Maschinen bringe man cv noch nicht 
alß auf 7%, möljmib mon in ärnerüa nnb auf ben fran3Öfifd)en 
^ntiHen biß 31t 10"% erziele. Gin Verist onß Gienfuegoß sagt Don bein 
3#te ber^eitiger Grnte: boß 3%oí)i' fei gut, menu au^ etmaß ¿inner an 
Budergeljalt mìe baß Dorjäl)rige, nnb ber 0aft merbe ni# sinter bem Diel= 
gerní)mien uon 1873 aurüdbleiben. eine franaofif^e Gorrefponbena ^mn 
3a^re 1887 eraäi)lt Don einer Gentralfabrif, bie angcbli^ nur eigneß 3tol)r 
Dcrarbeitet nnb basselbe erst bei völliger kreise schneibet: ber Gehatt bes 
Saftes ber violetten Rohrart sei untersucht nnb bei ber Anachse gefunben 
mit 2l"3% guder, ©purcu non Glucose nnb 0,7 frember étoffe. Garnit 
fon ber Fabrik offenbar viel Rühmliches gesagt werben. Allein wenn man 
ben (#olt beß Gafteß ans Vo^gemi# 3urü#^rt, so bleibt and) bieß 
nicht unerheblich hinter ber laubläufigen Annahme zurück. 
3n ben Berichten über bie Arbeiten ber Magnoliastation werben 
gelegentlich aus Cuba mitgetheilt folgenbe 
Arbeits-Ergebnisse von San Lino, Centralfabrik, 
aus bein Jahre 1886. 
Dezember 
Januar- 
Februar 
März/April 
Saft aus bem Rohr. . . 
Beanrne-Grabe 
Brix-Grabe 
Zuckergehalt 
Glucose 
Reinheits-Coefficient 
Füllmasse, in °/ 0 beß Rohres. 
I. Probukt, von ber Füllmasse 
„ „ »/g vom Rohre . . 
II. Pro bukt, „ „ 
Polarisation beß I. Probukts . 
% 
% 
% 
71.50 
8,00 
14,20 
11.50 
1,45 
80,99 
11,09 
64,00 
7,10 
0,85 
95.50 
70,90 
8,80 
15,50 
13,02 
1,10 
84.00 
12,34 
65,59 
8,10 
1,10 
96.00 
70,29 
9,50 
16,80 
15,09 
0,70 
89,82 
13.40 
66.40 
8,90 
1,45 
96,50 
69,80 
10,50 
18,60 
16,55 
0,65 
90,04 
13,99 
67,90 
9,50 
1,55 
97,00 
Diese Angaben berul)en auf mtbeilung ber Besser: ob sie ^uben 
lässig ri#ig finb, last fid) ni# Seiber fel)lt eß an ben nö#gen 
Angaben über bic spenge ber Verarbeitung unb bie beß Wreß. 
Daģ Icljtereß oon guter Vef^^affcn^eit in fener Gamgagne mar, ge^ ai# 
miß anberen ^mit^^eiínngen l)erDor. 3n ber Gentralfabrif Eolebab bei 
^enfuegoß l;at man Hnterfu#mgen barüber angefteüt, iDelcl)e ^rart bie
        <pb n="76" />
        — 70 — 
größte Ausbeute mit den geringsten Unkosten gebe. Das Ergebniß dieser 
Untersuchungen war folgendes: 
Centralfabrik Soledad bei Cienfuegos. 
R o h r a r t 
Datum 
100% Rohr 
gaben 
© 
Crystalina . 
Red Ribbon 
h h 
Crystalina . 
h 
Dteb mboii 
Crystalina . 
Red Ribbon 
Crystalina . 
Red Ribbon 
Black Java 
Würg 26 
9%ör&amp; 26 
April 9 
April 9 
April 17 
April 17 
April 19 
April 19 
April 20 
April 20 
April 21 
April 21 
72,78 
73,17 
73,17 
71,58 
73,07 
70,29 
74,52 
76,23 
71,48 
71,85 
71,68 
71,64 
8Q 
Analyse des Saftes 
27,22 
26,83 
26,83 
28,42 
26,93 
29,71 
25,48 
23,77 
28,52 
28,15 
28,32 
28,36 
N- 
æ 
13,97 
13,54 
14,78 
12,81 
14.25 
12,93 
15,27 
15,63 
14,43 
14,37 
15.26 
14,75 
Bei Mittheilung dieser Tabelle fügt der Berichterstatter hinzu, diese und 
andere Untersuchungen beweisen, daß das schwarze Java-Rohr für jene 
Gegenden — d. h. also für den Bezirk Cienfuegos in dem westlichen Theile 
der Südküste Cuba's — den meisten Zucker gewinnen lasse. Er bemerkt 
auch, daß dergleichen Untersuchungen für Louisiana sehr werthvoll sein 
würden, wenn man sie dort anstelle: wonach anzunehmen, daß man es 
bisher nicht gethan. Indessen wird man anerkennen, daß solche ver 
einzelte Untersuchungen nur einen sehr beschränkten Werth haben, und daß 
sie, wenn sie sich nur auf ein oder zwei Jahre beziehen, als maßgebend 
nicht betrachtet werden dürfen. Für die vorliegende Frage folgt aus beiden 
Tabellen wenigstens soviel, daß selbst in Fabriken, ivelche als besonders 
gut geleitete und gut ausgerüstete bezeichnet werden, das Rohr nicht den 
ihm durchschnittlich zugeschriebenen Zuckergehalt zu erreichen scheint. 
Ueber die Untersuchungen, welche in der Magnoliastation und in der 
Versuchsstation Ottava gemacht worden sind, liegen in den aintlichen Be 
richten mehrere Angaben vor, ivelche sich auf die Zusammensetzung der 
Säfte und zum kleineren Theile auch aus den Gehalt der Rüben beziehen.
        <pb n="77" />
        71 
Sie kommen durchweg darauf hinaus, das; das Material, mit welchem dort 
gearbeitet wird, sehr weit hinter dem zurückbleibt, was nian erwarten sollte. 
mW T)iet bamuf märe amedloS, ba Me Ergebnisse für Ne 
Wpenqegenben feinen Wob# Gilben Mmum, and) ni# als Weid) 
fut (Suba^ bienen. Gie mürben #^#118 bei einet Emägung übet bie äSe= 
forgniffe, met# ^onifiana'ë guderinbuftrie ben 3)eutfd,en ßabtifen em= 
fiöüen in tetrad)! fonnnen. S)abei mote ni# 311 überfein, ba^ somo# 
Magnolia mie Ottawa etft feit btei 3aï)ten als Äetfudßftaüonen int 3Se= 
Dagegen oerbient Erwähnung, was neuere Berichte aiw Jaoa mit- 
#ilenT ^0^ finb bcfanntlid) feit ein paar 3#cn "irrere æetfu4S= 
stationen errichtet worden, an denen namentlich Deutsche Kräfte thätig sind. 
Von der Versud)sstation in Kagok — proefstation voor suickeniet in West- 
3aoa — (ßrooina E^ribon liegt bet britte Beri# beS 3a#8 1886 uor, 
derselbe beschäftigt sich mit dem derzeitigen Gedeihen des Rohres, auf der 
Station, feiner Beschaffenheit und, in längerer Auseinandersetzung, mit der 
&amp;ran#it, mei# baS Dio# befallen unb als eine W 6d)manmt be^net 
wird. Als Ergebniß von Rohruntersuchuugen findet sich dort fur sechs 
betriebene Proben ein Zuckergehalt oou 15,1 bis 18,5 °/ 0 , sowie von sechs 
zehn anderen Proben ein Zuckergehalt von 14,3-14,5 — 15,2—15,9 — 
16 _ 17 _ 18,2-18,3-18,4 unb 18,85%: bie mWI fonunt ans 
bie mittleren Wien non 16 bis 17 %. M bieS bleibt l)inter bet all= 
gemeinen minante aurüd: eS panbelt fid) babei um gefnnbeS ato# 
einer Versuchsstation, welches ohne Zweifel mit aller Sorgfalt angebaut 
unb be^nbelt motben ist unb beSiplb DorauSft#lid) über bem 3)^^= 
schnitt steht. m . .. 
Endlid) möge noch angeführt werden, ivas ber Leiter ber Versuchs 
anstalt für die Zuckerindustrie Louisianas, Stubbs in Baton rouge, bei 
(Belege,#!! feiner im 3a# 1886 auSgef#rten Weiten mit#ilte. 31ud) 
er betont, bau bie 3ufonnncnfe^^ung beS Dto^eS messele nü^^ ber Gattung, 
ber SBobenort, ber ^üngung, ben, Mima unb ber 3al)teSaett jmb nad) 
beni Stande ber Reste; Rohr erster Pflanzung sei anders als Schößlinge 
späterer Wte; GaS Sto# selbst fei ni# in aüen feinen 3#i!cn glcid) 311= 
fanmlengefe^^t. ®ie #anaer mi#n fe# mol)l, G# ber @el)ült enter 
Sorte stark abweiche von bein einer anbetn. Auf Ràion habe die Acter 
baustation 13 Sorten untersucht, welche dort angebaut unb nad) 20 Monaten 
geerntet waren; ihr Zuckergehalt sck)waukte zwisck)en 13 unb 21 %, ihr 
Gehalt au Glucose zwischen 0,07 bis zu 1,48%- Anlangend die Boden- 
beschaffenheit, so zögen die Pflanzer in Louisiana die schwarzen Böden den 
saudhaltigen vor. Die Düngung wirke verschieden sowohl auf das Aus- 
reifen beS ^reS, mie auf ben 3udergel)olt atarse 6tidftoffbüngung 
wirke immer nachtheilig. Bezüglich des Einflusses der Jieife wird bemerkt,
        <pb n="78" />
        daß auf Munian das Rohr nach zehn Monaten nur 11,21% Zucker Lei 
3,01% Glucose, dagegen nach zwanzig Monaten 21,03 % Zucker bei 
0,07 % Glucose zeigte. In Louisiana war im December das verarbeitete 
Rohr zuckerreicher als das im October. In den mittleren und unteren 
Theilen des Halmes finde sich der meiste Zucker. Die Rohre erster Pflanzung 
unterschieden sich wesentlich in der Structur, loie iui Zuckergehalte von den 
späteren Schößlingen. Bei jungem Rohr finde man im Halme stets gleich 
zeitig Zucker und Glucose. Je mehr das Rohr sich der Reife nähert, desto 
mehr wächst die Zuckermenge und vermindere sich die Glucose; letztere ver 
schwinde mitunter gänzlich. Wird das Rohr vor der Reife geschnitten, so 
steige der Gehalt an Glucose ans Kosten des Zuckergehaltes. 
Die Untersuchungen der Amerikanischen Stationen bestätigen diese 
allgemeine Bemerkungen: auf die Anführung von Einzelheiten über die 
Zuckermengen, welche in den unteren und oberen Theilen des Halmes, 
sowie in deil Blüthenstengeln gefunden wurden, kann verzichtet werden, 
weil sie für Cuba gar keine Bedeutung haben. 
13. Die Erzeugnisse der Rohrverarbeitung. 
Der vorerwähnte Bericht des Herrn Stnbbs beklagt die hohen Zucker- 
verluste im Schaum und in den Rückständen. Wellige Pflanzer, meint er, 
gebeil sich Rechenschaft davon, lvieviel im Laufe der Campagne ihnen in 
der Gosse verloreil gehe. Nach Untersuchungen stelle sich der geringste 
Verlust auf 4% des verarbeiteten Saftes, oft erreiche er aber 12 % und 
mehr. Der gesammte Verlust durch Inversion, durch Arbeit imb Rück 
stände schwanken zwischen 5 und 15% des Saftes. Vermuthlich wird 
dies Minimuin von 5% nur ausnahmsweise vorkommen, und jedenfalls 
da, lvo Ulan nicht Bagasse feuert. Das Maximum von 15 % würde da 
gegen einen sehr zuckerreichen Saft voraussetzen, lvenn überhaupt dabei miá) 
eine erhebliche Ausbeute an Zucker gewonnen ist. 
Mittheilungen solcher Art veranlassen zu der Frage, inwielveit eine 
verbesserte Arbeitsweise aus Cuba bereits Platz gegriffen hat. Im Jahre 
1879 wurde in einem Berichte ans Matanzas die Ernte als reichlich be- 
zeichnet mit dem Hinzufügen, daß dies zunl Theil auf Rechnung der ver 
besserten Arbeitsweise zu schreiben sei; die meisten benlittelten Pflanzer 
stellen Centrifugen alls imb das damit gewonnene Erzeugniß spiele bereits 
eine große Rolle alls der Insel. Hierbei muß man sich erinnern, daß im 
Jahre 1879 gerade die Revolution auf Cuba beendigt war. und daß über- 
einstimmend in anderen Berichten die Lage als eine ziemlich trostlose geschildert 
wird. Man ist deshalb berechtigt, der vorstehenden Mittheilung aus Ma- 
anzas nur eine enge örtliche Bedeutung beizumessen. Nach dem Consular-
        <pb n="79" />
        berichte vom Jahre 1880 arbeiteten damals die meisten ingeniös noch nach 
dem alten System, d. h. der Saft wurde mit Kalk angestellt, gekocht, 
abgeschäumt, über offenem Feuer eingedickt und in durchlöcherte Fässer 
gebracht; der darill verbleibende Zucker werde muscobado genannt, in 
trichterförmige und unten offeile Formen gefüllt, uild diese mit feuchtem 
Thon gedeckt; der in den Formen bleibende Zucker heiße purgado, die 
abtropfende Masse miei de purga. Da hierbei der Zuckerverlust zienilich 
stark sei, so hätten bereits eine Anzahl ingenios — etwa 250 von 1200 — 
auf die Beschaffung besserer Maschinen, namentlich Centrifugen. Bedacht 
genommen. Ein Bericht aus Eienfuegos sür 1884 besagt, das; neuerdings 
die Fabrikation von Muscovado mehr und mehr der Centrifugen-Arbeit 
weiche, lvas allerdings eine Verminderung der Melasse zur Holge habe. 
Allein noch ans dein Jahre 1887 wird ähnliches berichtet: Muskovado 
würde mehr inib mehr durch die Arbeit mit Vacuum und Centrifuge ver- 
drällgt und so eine bessere Ausbeute, sowie ein werthvolleres Erzeugnis; erreicht; 
lilit der Zeit müsse der Muskvvadozucker ganz verschwinden. Günstiger 
Md) lerntet eine ##1111111; 0118 bein Sa# 1886, nmiiod) 111(1111161)1' btei 
Viertel der ganzen Produktion der Insel aus centrifugirtem Zucker von 
95 bis 97 % bestehe. Andererseits wird in einer Correspondenz des Jahres 
1887 erwähnt, daß bei Verarbeitung des Rohres zwar manche Verbesse 
rungen eingeführt seien, die sich zum Theil auch gut bewährt hätten, allein 
die wichtigste Aufgabe sei noch nicht gelöst, nämlich die, den Zucker aus 
dem Rohre ganz oder doch zum größten Theile, zunächst in Saftform, 
herauszubringen. Dafür aber, daß in neuerer Zeit die Erzeugung von 
centrifugirten — trockenen — Zuckern erheblich gestiegen ist, spricht dcr 
Wechsel in der Verpackung zum Versand. Früher erfolgte die Ausfuhr 
größtentheils in Fässern (hogsheads, boucauts) zu 1450 //. span, netto, 
weniger in Kisten zu 410 span, netto und selten in Säcken, neuerdings 
W bie Äericibnng in Ma soft ##014 nub erfolgt iìbemtegenb in 
Säcken, deren Gehaltsgewicht aber allmählich zu wachsen scheint. Rach 
einer Mittheilung aus Havana wollen die dortigen Härmen nicht mehr 2 / 0 , 
sondern nur 1% Tara zulassen, da die Säcke statt wie früher 250 //., jetzt 
300 //. wägen; andererseits werden sie zu 270 //. netto angegeben. Daß 
sie mehr und mehr in Anwendung kommen, beweist, daß beispielslveise 1884 
in den Lagerhäusern von Matanzas kein einziger Sack, im Jahre 188.) 
dagegen schon 128000 lagen, während die Zahl der gelagerten Hässer in 
Wmict iinb mton# ooit 170000 mis 72000 #11#,1 luar. % 6öde 
kommen zum größten Theile aus England. 
Unter beni 12. #111887 le# SBiíei), Wtonb ber #111#!! # 
theilung, dem landwirthschaftlichen Departement de; Vereinigten Staaten 
in ^ßo^^inßtlUl einen Beri#, ben briden, über bie %erfn#ürbciteii ber 
^100110110)1011011 oor. Sn beiitfelbeii trögt er ond) ¡eine @110^111#,! über
        <pb n="80" />
        74 
die Verarbeitung des Rohres in Cuba vor mit dem Bemerken, das;, wenn 
man dort auch im Durchschnitt nicht besser arbeite als in Louisiana, doch 
viele Pflanzungen auch bessere Ergebnisse lieferten. Er schildert die Arbeit 
so. Beinl Verlassen der Mühle geht der Saft durch einen Vorwärmer, 
welcher die starke Hitze des double und triple eiset nutzt und einen erheb 
lichen Theil der Dämpfe condensirt. Das sei eine doppelte Ersparnis;: es 
vermindere die für die Fabrik erforderliche Wassermenge und bewirke einen 
merkbar geringeren Verbrauch von Brennstoff. Wenige Cubanische Fabriken 
hätten ausreichenden Wasserznflus;. Aus beni Vorwärmer gelangt der Saft 
in doppelt-bodige Pfannen von 750 gallonen Rauminhalt, genannt Scheide 
pfannen (defecators). Hier wird er erhitzt bis zur Siedehitze, dann ge 
klärt; der geklärte Saft wird abgezogen, der Schaum und die Niederschläge 
fließen in besondere Gefäße ab. Der Inhalt der letzteren wird bis zur 
Siedehitze erhitzt und dann durch Filter gepreßt; der geklärte Saft, ein 
schließlich dessen aus den Filterpressen, wird sofort eingedickt. Viele Fabriken 
wenden noch Hochdruck-Vacuumpfannen an. Das beste Verfahren, um die 
größte Ausbeute vom ersten Produkt zu erhalten, ist auf mittleres Korn zu 
arbeiten, bei möglichst niedriger Temperatur zu kochen und die Füllmasse 
so dick abzulassen als es der Abflußhahn irgend gestattet. Die Füllmasse 
wird in Bottiche geleitet und darin mehrere Stunden zum Abkühlen gelassen. 
Ueber die bisher gebräuchlichen Zuckersorten möge noch folgende über 
sichtliche Mittheilung Platz finden, welche allerdings schon aus dem 
Jahre 1880 herrührt In den Vereinigten Staaten von Amerika sowie in 
den englischen und spanischen Antillen unterscheidet man fünf Arten rohen 
Rohrzuckers: den Melado, die Muskovade, den Melassezucker, den clayed 
Zucker und i den centrifugal Zucker. 
Melado erhält man durch Eindicken des Saftes bis zur Krystallisa 
tion; nach der Abkühlung stellt sich das Erzeugnis; dar als ein Gemenge 
von Zucker und Melasse, reich an krystallisirbarem Zucker. So wird er in 
Fässer gefüllt und auf den Markt gebracht. 
Muskovade geht hervor aus kalter Krystallisation des mit Kalk 
geschiedenen und durch Verdampfen eingedickten Saftes. Während der Ver 
dampfung setzt er Unreinigkeiten und Schaum ab, die man abschöpft. Man 
bedient sich dabei einer Reihe von Pfannen, in denen der Syrup abläuft 
bei steigender Wärme. Angelangt beim Grade der Siedehitze läßt man 
ihn erkalten; die Masse bildet Krystalle, man läßt sie abtropfen und liefert 
sie als Muskovade auf den Markt. Was dabei abtropfte: die Ablauf- 
Melasse, dient zur Herstellung des sogenannten Melasse-Zuckers. Er 
wird einer Scheidung unterworfen, verdampft und bis zur Krystallisation 
eingedickt. 
Der gedeckte Zucker, clayed sugar, wird bereitet, indem man den 
eingedickten Syrup in Formen mit einem Verschluß an der Spitze bringt.
        <pb n="81" />
        75 
3ft bie Melasse fait nnb Wtaüifirt, so öffnet man ben %erf#iß nnb 
läßt ben Gm# abtroffen; man breitet eine lei# W# oon oerbnnntem 
3I)on über bie freigebiiebene Obe#d)e beß gncterß; baß ans biefe Beife 
eingefügte Baffer' ficfert bnrd) bie Masse nnb reinigt bie m^ftaHe; man 
erneuert bie Operation, sob alb ber Thon trocken ist, fährt bannt fort bis 
bie Oberfläche bes Zuckers gana weiß geworben, unb nimmt bann bie 
gormen ans. S)ie so ^erge^^ef^ten Brobe tljeilt man in brei Steile: ans 
ber Oberste b. I). ans ber (Brnnbfiä# ber Brobe finbet siet) ber me# 
Zucker, in ber Mitte ber gelbe nnb an ber Spitze ber braune Zucker. 
Die centrisi!girteli Zucker werben, wie ber 3iaine besagt, mit 
Schlenbermafchinen hergestellt. Dieses Verfahren giebt reine Zucker von 
schöner Beschaffenheit, wenn sie nicht künstlich gefärbt werben; es ist m 
Cuba feit Jahren in Anwenbnng gekommen. Die für bie Bereinigten 
Staaten bestimmten Centrifugals würben meistens künstlich gefärbt, um 
bem hohen Zollsätze zu entgehen, ba ber Cubazucker bort nur nach ber 
Farbe flaffirt würbe. Das Färben geschieht beim Ausschlenberu burch ein 
Klärsel von Caramel: im Jahre 1878 feien etma 60% biefer Mucker als 
unter Nr. 7 in ben Bereinigten Staaten zugelassen, obwohl nicht 20 / 0 
wirklich bahin gehörten. 
®ie Melassen enblid) finb baß Graeugniß beß Wropfenß bet ber 
natürlichen Absonbernng ber flüssigen von ben festen Theilen, sowie beim 
Ausschleubem. Als Syrupe würben bie Melassen ber Raffinerie bezeichnet. 
Der Muskovabezucker wirb je nach ber Güte als common, fair, ober- 
fair refining bezeichnet; clayed werben nach ber Farbe entsprechen!) beni 
hollänbischen Stanbarbmufter gehanbelt, Centrifugalzucker nach Polarisation. 
Die Preisnotirungen werben hauptsächlich für bie vier Sorten gegeben: 
clayed Nr. 12, current classes; centrifugals, Nr. 8/10, 92 biß 97; Musco- 
bados mit 87 biß 91, unb Melaffezncker, Nr. 6 biß 10, 85 biß 90% Pola 
risation; bazu bann Melasse mit 80 bis 88%. Lo lange ber Ausfuhrzoll 
vom Zucker nur nach ber Art ber Verpackung erhoben mürbe, b. h. pro 
Faß, Kiste rc. waren bie mehrwöchigen Centrifugalzucker günstiger gestellt, 
was zu ihrer Verbreitung ebenfalls beigetragen haben mag. 
Ueber bas Verhältniß, in welchem bie Ausbeuten an biefen ver- 
schiebenen Erzeugnissen nicht blos gegenüber bein Rohrgewichte, fonbern 
auch untereinanber stehen, fehlt es an Nachrichten; insbesondere ist nicht 
zu ersehen, wie groß bie Menge ber Melasse bei ben verschiebenen Ver 
fahren ist. Einen ungefähren Anhalt bafür bieten zwar bie Ausfuhrlisten, 
welche beweisen, baß bie Menge ber oerbíeibenben Melasse eine sehr be- 
beutenbe ist. Allein nicht übersehen läßt sich, was im 2aube zum Ver 
brauche ober zur weiteren Verarbeitung bient. 
Rum - auf ben Antillen Tafia genannt - ist ein Nebenprobukt 
ber Zuckerfabrikativn unb wirb gewonnen burch Vergähreu ber für bie 
10*
        <pb n="82" />
        Erzeugung von Zucker nicht mehr verwendbaren Melasse. Zwar findet sich 
die gelegentliche Behauptung, daß in einigen Fabriken mitttelst eines be 
sonders zu solchem Zwecke erfundenen Apparates auch Bagasse, iute sie aus 
der Mühle kommt, gebrannt werde und daß man auf diese Weise einen 
Alkohol herstelle, der sich vortheilhaft bei der Weiubereitung benutzen lasse. 
Indessen steht diese Angabe zur Zeit noch ziemlich vereinzelt und ohne 
Bestätigung da: die eubauischeu Fabriken können ohnehin der Bagasse als 
Brennstoff vorerst noch nicht entbehren. In neuerer Zeit soll auf Cuba 
die Erzeugung von Rum überhaupt zurückgegangen sein, angeblich weil in 
Folge der Verbreitung der Diffusion die Menge verwendbarer Melasse sich 
verringert hat. Der auf Cuba erzeugte Runt wird weniger geschätzt als 
derjenige der anderen Antillen, namentlich der von Jamaica. Die Ursache 
davon wird von Einigen der Verschiedettheit des auf den beiden Inseln 
angebauten Rohres zugeschrieben, von Andern der Verschiedenheit des Ver 
fahrens beim Vergühren, endlich noch von Anderen der Verschiedenheit der 
verwendeten Stoffe: in Jamaica soll matt der -- ohttehin vielleicht besseren 
— Melasse etwas Rohrsaft zusetzen. Der Hauptplatz für die Ausfuhr von 
Rum ist Matanzas. Im Jahre 1879 wurden von dort 12 464 Faß gegen 
6877 tttt Vorjahre, ausgeführt; int Jahre 1885 ebendort 6270 und 1886 
nur 5958 Faß. Die Hauptabsatzländer dafür sind Spanien und Süd 
amerika. Früher gingen nicht unerhebliche Mengen ttach Deutschland; 
indessen konnten vor einigen Jahren die dorthin versandten Posten nicht 
untergebracht werden und blieben lange auf Lager, wodurch die Neigung 
zu weiteren Sendungen abgekühlt wurde. Der Preis stand tttt Jahre 1886 
in Cuba auf 12'/% bis 15 cts. per Gallone. 
14. B r c nnstoff e. 
In weit höherem Grade als auf dem europäischen Festlande bildet 
in den Tropenländern, und besonders in Cuba, die Beschaffung der für 
den Fabrikbetrieb erforderlichen Brennstoffe eine Sorge für den Fabri 
kanten. Die Schwierigkeit wird vermuthlich allmählich noch wachsen, wenn 
nicht unvermuthete Bezugsquellen sich öffnen, da mit zunehmender Bevöl 
kerung und mit zunehmender Entwickelung der Gewerbthütigkeit auch der 
Bedarf an Brennstoffen znnehnien muß. An eine Aushilfe durch die 
neuerdings in die Welt eingeführtett electrischen Kräfte wird man in 
Cuba schwerlich denken können Vom Dampf abgesehen ließe sich nur auf 
eontinuirliche Wasserkraft dabei rechnen und eine solche steht den Fabriken 
wohl nie oder nur in den seltensten Fällen in nutzbarer Nähe zu Gebote. 
Brennholz giebt es in den knltivirten Theilen der Insel so gut ivie 
gar nicht. Auf ben Rohrpflanznngen hat man bisher allen Baumwuchs
        <pb n="83" />
        77 
: 
entfernt, so ba&amp; bort Ostens etwas 3Suid)ioet! 31t finben ist. 3" ^olge 
leichtfertiger Entwaldung finb nutzbare Holzbestände nur in abgelegenen 
uiib schwer zugänglichen Gegenden vorhanden. An stütz- nnb schiffbaren 
Gewässern fehlt es im Innern fast ganz, unb wie elend es mit den Bregen 
befteüt ist, würbe bereits frit# erwä^nt. ®er ^oía^anbeï, wcld)er aus 
bem Snnem nad) ben ^afenpïä^^en gu nod) betrieben wirb, betrifft wert^ 
node m^^í)bí8er. 9Ran taun 1)161110^ ermessen, 1001^0 greife für 3Stenn= 
holz angelegt werben mutzten, wenn die Jabriten darauf angelviefen 
wären. ' 
Wiederholt ist vorher bereits angedeutet loorben, datz zur ^&gt;eit noch 
das vornehmste Feuerungsmittel auf Euba die Bagasse bildet, d. h. bau 
durch die Muhle abgeprotzte ober aus andere Breise seines Gastev beraubte 
9(0^. 3ßirb ber Gaft in ber burd) ^reffen aewonnen, so so: bie 
vollftänbige Entsaftung nid)t möglich sein, weil bas Bi art des Bohren iote 
ein Gchwamm mirti, ber sofort wieder einsangt, sobald der Bruet nack)lätzt. 
Autzerbem bars and) bas Pressen nicht über einen gewissen Grad hinauf 
getrieben werden, weil ber bagazo seinen Brerth als Brennstoff verlöre, 
wenn man ihm den Zucker ganz ober nahezu ganz entzöge. Da er aus 
ber Mühle feucht herauskommt, ist er nicht sofort verwendbar, sondern 
wird im Garten ober Felde ausgebreitet, um an der Gonne zu trocknen, 
dann zur Mühle zurückgebracht und in der Nähe der Feuerung unter 
Dach aufbewahrt. Dies nimmt sehr viel Menschenkräfte in Anspruch: ein 
Bericht beziffert dieselben für eine mittelgrotze Plantage auf täglich 50 bis 
70 Menschen. Mag dies auch vielleicht zu hoch gegriffen fein, so leuchtet doch 
ein, welche Erschwerung des Betriebes darin liegt in einem Laube, wo ohnehin 
die Arbeitskräfte theuer und schwer zu schaffen sind. Dies hat neuerlich 
die Erfindung eines Apparats, des sogenannten &lt;^odal sehen, herbeigeführt, 
meiner bic Haffe bagasse auä ber gerabeSwegeS anr Senerftellc 
führt und auf dem Wege dorthin dnrck) die Hitze der Dampfkeffclseuer so 
weit troetnen (öfit, bas; sie oljne weiteres brennt, m. Vencer oon ber 
%agnolia=Gtation I)at einen folgen Apparat in ber Gcntrolfabrif Gau 
Binò bestätigt nnb beiucrtt, bas* berfetbe oon einer unab^ängigen ^af^^Ine 
getrieben werbe, bureaus ¡6##% arbeite unb fid) bcwät)rt ^be; bie 
(Sentratfabrit I)abe babnrd) etwa 150 Weiter erspart; nberbieS tönne man 
nun bei jcbeui Wetter arbeiten und bedürfe des &lt;LOimenscheins nicht, um 
bie Bagasse zu trocknen unb brennfähig zu inadjen. In der Atagnolia- 
Gtation t)ot man einen ¿um ^0^1611:1011 ber bagasse befonberS eonftrnirten 
Ofen angewendet, welcher in dem Wiley scheu Berichte für das Jahr 1885/6 
beschrieben ist und auch in der folgenden Campagne fick) bewährt hat. Der 
Berick)t vom Jahre 1886/7 bemerkt darüber, der in letzter Campagne 
errid)tete Bagaffebrenner habe befriedigende Dienste geleistet, der Kohlen- 
oerbrand) würbe inertbar uenninbert. genaue Werwiegungen wâ^ciib ber
        <pb n="84" />
        g 
— 78 — 
halben Arbeitsdauer wiesen in 21 Tagen einen Kohlenverbrauch vor: 
436 338 //. nach, also durchschnittlich per Tag 20 778 //. Von dein Zeit 
punkte ab, an welchem die Feuer angezündet wurden, bis zur gänzlichen 
Beendigung der Arbeiten verliefen 45 Tage und der gesammte Kohlenver 
brauch betrug danach 935 010 #.; die Gesammtmenge des während der 
Zeit hergestellten Zuckers belief sich auf 1 159 768 //; es kamen also auf 
je 1000 //. Zucker 906 //. oder 4,42 Kohlen. Darunter ist diejenige Kohlen 
menge nicht inbegriffen, welche zur Wiederbelebung des char verwendet 
werden mußte. Der Berichterstatter bemerkt schließlich, die Anstalt würde 
wohl ganz ohne Kohlen arbeiten können, wenn gewisse Einrichtungen 
getroffen und Vorbedingungen erfüllt würden. 
Diese Mittheilungen beweisen wenigstens so viel, daß man ernstlich 
bemüht ist, für eine vervollkommnete Art der Bagassefeuerung zu sorgen, 
und daß man mit seinen Bemühungen auch schon praktische Erfolge erreicht 
hat, selbst wenn letztere nicht so glänzend sein sollten, wie die vorgedachten 
Berichte sie schildern. Fabriken, welche mit Diffusion arbeiten, haben ver 
sucht, die Bagasse abzupressen und die Rückstände in Form von Ziegeln 
oder dergl. zu verbrennen. Es wird sich sehr fragen, ob diese Fabriken 
sich der neuerfundenen Oefen mit gleicher Leichtigkeit und Wirkung be 
dienen können, wie die mit der Mühle arbeitenden. 
Hiernach kommt neben der Bagasse für den Fabrikbesitzer nur die 
Kohle in Betracht. 
Auf der Insel Cuba selbst findet sich Kohle ebensowenig, mie auf den übri 
gen Antillen oder auf den benachbarten Küsten Mexicos und Mittel-Amerikas. 
Neuerdings beginnt man auf Cuba den Bergbau lvieder aufzunehmen und 
die Regierung wendet ihm mancherlei Begünstigungen zu. Die Ausfuhr 
an Erzen und Metallen jeder Art ist zollfrei; der Gruben- und Hütten 
betrieb wird weder mit Contributionen noch mit anderen Abgaben belastet; 
das Material für denselben wurde im Jahre 1883 für fünf Jahre vom 
Eingangszolle befreit und zahlten per Tonne Rauminhalt die Schiffe, 
welche damit beladen eingingen, nur 1,30 pesos Schiffahrts- und Hafen 
abgaben, Ballastschiffe, welche mit Eisenerz ausgingen, sogar nur 5 cents 
per Tonne. Ferner haben die Eisen- und Brennstoffgruben den Canon vom 
Grunde und Boden nicht zu entrichten, und ebensowenig die von Roh 
produkten sonst erhobene Steuer von 3 Procent. Endlich darf sogar fremde 
Steinkohle zuili Verbrauch im Bergbau und Hüttenbetriebe unter Nachweis 
der Verwendung vom Eingangszolle entlastet werden. Diese letztere Ver 
günstigung beweist zugleich, daß es durchaus an Gruben mangelt, welche 
Brennstoffe — insbesondere Kohlen — in irgend nennenswerther Menge 
und Güte zu Tage förderten, da sie nicht einmal für den eignen berg 
männischen Bedarf ausreichen. Die Frage, ob dergleichen im Verlauf der 
Zeit werden gefunden werden, ist zwar schwer zu beantworten, um so
        <pb n="85" />
        79 
fd)werer, aië ein nid,t geringer 3:í)eií bet Gebirge nod) wenig ober gar nid,t 
burd)fot1d)t ist. mietn bie 3Bai)t^eiidid)!eit iprid)t nid)t bafüt, bei bie 
geologi|d)e 0e|d)offen0eit beë Sanbeë, soweit sie eben besannt ist, ans ioldje 
Funborte nicht hinbeutet. . 
Früher würbe der Bebarf Cuba's an Kohlen zum grölen Theile, 
wenn nid)t gan¿, non Gnglanb auë gebedt, nnb ¿wat uotne^mlid) mit 
Garbiff^olilen. (Seit me^eten Sá#!! ist bie 3imetitan#e ^o^íe, weld^e 
angebti^ auö Şenì#anien be¿. ben Wiffiffipi ^etuntetfümmt, mit bet 
Englischen in ernstere Concurrenz getreten. Mau bars annehmen, daß bies 
in immer stärkerem Maasze geschehen wirb, beim bie Handelsbeziehungen 
bet Insel zu ben Vereinigten Staaten gestalten sich von Jahr zu Jahr 
inniger, unb namentlid) bet 6ubani)d)e Budet ge# ¿um bei weitem größten 
Steile botti)in, wâ^tenb bie Begüge Gnglanbë auf ein feting# geiunien 
sind. Sonach wirb bie Kohle eine wünscheuswerthe Nüdfracht für bie 
Amerikanischen Schiffe bilben, welche schon seit langer Zeit in übetwiegenbet 
Zahl mit ben Cubanischen Häfen, unb namentlich mit Havana unb Matanzas 
verkehren. In einet älteren Mittheilung wirb bet Preis in Havana für 
Amerikanische Steinkohlen aus 5 7 2 bis 7 pesos (24 bis 40 Mk.) für bie 
Sonne angegeben, für ßngliid)c Wen auf 6'/, bis 8 pesos (etwa 27 bië 
35 Mk.). Nach einer Correspoubenz aus betn Jahre 1887 stellt sich bet 
Preis für englische Kohle, welche im Ausgangshafen 7 sii per Tonne kostet, 
bis zur Pflanzung in Cuba auf etwa 40 sh, b. h. etwa 2 Mark für 
ben Centner von 50 kg, wobei natürtid) bie Lage ber Pflanzung einen 
ent)d)eibenben Hinflug auf bie Me beë #6# loco ^abtd auëiibt. 9# 
ben quarterly reports beë muerifani)d)cnSinana=S)epattenientë in m#ngton 
Würben nach Cuba einheimische Kohlen ausgeführt im ^ahre 1. ^uli 1870/71 
für 62945 Soüarë, im 3al)te 1881/82 für 409 970 S)oü, 1882/83 flit 
451925 ®od unb 1883/84 für 372 977 3)oü. Sßebet bie Me finb am 
gegeben, nod) bie Wengen, auë benen fid) bie steife beregnen liegen. 3n 
ber Nachweisung über bie gesummte Ausfuhr ber ^ahre 1883,84 unb 
1884/85 finben fiel) bie Wengen unb bet ftatifti^e SBertl) angefnl)tt: bet 
letztere berechnet sich bañad) per ton bituminöser Kohle für bas erstere 
W auf etwaë unter, für baë anbete Sal)t auf etwaë übet 3 3)üdatë 
get ton, also gana ei^eblid) mellt aïë bie oben angegebenen 7 sh pet ton. 
Die Englischen annual statements weisen ben Ausgang englischer Kohlen, unb 
zwar sowohl bes Anthracit, wie bet bituminösen Kohle, nach dem Spanischen 
Westinbien, also für Cuba unb Portorico zusammen, sowie für coals, cinders 
and fuel gemeinsam nach; bañad) gingen davon aus. 
im ^abt 1880 . . . 150792 tons im non 79 725 &amp; 
1881 . . . 169 635 „ „ „ „ 90 746 L 
1882 . . . 187 345 ,, „ « » 99 494 2 
1883 . . . 138487 „ „ „ ,, 75 246 2 
1884 . . . 116 798 , „ „ » 62408 2
        <pb n="86" />
        Der Durchschnittswert!) berechnet sich für die beiden letzten Fahre ans etwas 
mehr bez. etwas weniger als 10,8 sh per ton, also erheblich mehr üt% die 
vorgedachte Angabe, aber welliger als die amerikanische Statistik ergiebt. 
Man darf wohl annehmen, das; der hauptsächlichste A heil der englischen 
Ausfuhr auf Kohlen fällt, und cinders oder andere Brennstoffe für Euba 
und Portorico kaum in Frage kommen. Beigefügt ist cinc Zusammen 
stellung der vorhandenen Nachrichten über die Kohleneinfuhr nach Euba. 
Die vorstehenden Angaben gewähren auch insofern nur einen un 
genügenden Ueberblick, als daraus auf keine Weise zu entnehmen, wie hoch 
¡ici) mio# hie Wen bet ßenermin m 3).=6eiitiier gnder beloben. 
Summ#» oebm iie einen 906^1^ uon her ^chmierißfeit, mit melier hie 
^^111^)1^1' Gnbcsß qernhe beanqlid) her BminMfe a" fmiibîeit haben, 
iwb micuiel 911(1(11; iie an beböd)%ein ^0^(1)611 mit %eiicnmgeii buben, 
welche eine verstärkte Verwendung von Brennstoffen besorgen lassen. 
Eine noch größere Schwierigkeit aber haben die Pflanzer und 
%übn!imten Gnbo'Ö an beilegn bei her ###,18 w,t Wcitèf#en, 
welche ihnen bislang durch Sklaven gewährt wurden, welche aber fortan 
durch freie Arbeiter geleistet werden sollen. 
15. Die Sklaverei auf &lt;5uba. 
Man „mfe, bei 'Prüfern« der Ardeiterfeage, dessen eingedenk sein, das, 
die Sklaverei seit mehr als drei Jahrhunderten in Cuba besteht und dafe 
also alle Verhältnisse der Wirthschaft und des Verkehrs damit fest ver 
wachsen sind. Bekanntlich verdankt sie daselbst ihren Ursprung einer 
menschenfreundlichen Absicht, 
Die Portugiesen begannen gegen das Ende des loten Jahrhun 
derts bald nach ihrer Niederlassung in Guinea, von den Negerstammen 
des innern Afrika Menschen zu kaufen und sie nach ihren Colonien nament 
lich nach St. Thomas zu führen. In den ersten Jahren des l8, Jahr 
hunderts kamen dann die ersten Schwarzen nach Domingo (damals Hispa 
niola genannt). Zuerst im Jahre 1506 sollen die Spanier von den Por- 
tugiesen Neger gekauft und nach Cuba gebracht haben, und zwar als Ersah 
für die eingeborenen Indianer, welche auf das Grausamste behandelt wurden, 
die schwere Arbeit im Feld- und Bergbau nicht ertrugen und massenhaft 
dahingerafft wurden. Bartholomaeus de las Casas in Madrid be 
fürwortete deshalb bei der spanischen Regierung die Einfuhr von Negern 
nach den spanischen Colonien. Er ging von der doppelten Absicht ans, 
den Indianern Cuba's eine Erleichterung zu verschaffen und den einge- 
jührtcn Negern die Wohlthaten der katholischen Religion und der euro 
päischen Cultur zuzuwenden. Freilich wurde er darin bitter getäuscht,
        <pb n="87" />
        81 
r 
Nach einigem Widerstreben ging die Regierung auf den Vorschlag ein. 
ßönig jWV. im 3«# 1517 bem WatqnlS be la 0tefa em 
Ştiuiìegium meld)eô bi# Mott an bie @eiinefeii oetfanfte. 3m 3al)te 1518 
nmtbe bem Üünige oon Şotlngal gestattet, 400 GÍÍaoen abgaben# elm 
zuführen, ebenso dem Gouverneur von Brasilien. Im Jahre 1519 erhielt 
die Deutsche Handels-Gesellschaft Kunzmann und Becks das Recht, 
4000 Sklaven nach den spanischen Colonien zu bringen; es wurde später 
auch anderen Privatpersonen verliehen. Von den eingeführten Negern 
mm-be ein god mit 7Ştocent uom SBett^e ei^oben: im Sa# 1816 # 
Aübf 150 Met. - 3m 3a# 1535 etdötte ein j^anfinann ^etnanbo 
de Castro sich bereit in Cuba eine Zuckersiederei anzulegen, wenn chm 
bie abgabenfreie (Smfi# oon 50 Negern gestattet mfitbe. Seit 1562 be= 
theiligten sich auch die Engländer an dem Raubet; im Frieden von Utrecht 
1713 sicherten sie sich das Recht, binnen dreißig Jahren 144000 Neger 
sklaven in die spanischen Colonien einzuführen. Die Spanier selbst ge- 
ftatteten bie Ginfi# nod) i#n (Solonien anmeift ben 911^6^11^11 anbetet 
Nationen auf Grund besonderer Erlaubniß und gaben den Menschenhandel 
bot#! etft im 3a# 1784 frei. 
Seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts jedoch wurde dieser Han 
del als unsittlich 1111b verderblich bekämpft. Seine Gegner erhielten eine 
wesentliche Unterstützung durch den Kampf der Nordamerikanischen Colo 
nien gegen das Mutterland England um ihre Unabhängigkeit. Während 
dieses Kampfes stockte der Negerhandel nach den Südstaaten, und in den 
iiötbllc#! Staaten fprad) fid) bie offendile ^11111,^ nimmmniiben sät 
die Freilassung der Farbigen aus. Die französische Nationalversammlung 
beschloß im Jahre 1790 allen Negern die Freiheit zu geben. Die Folge 
mat bet @dauena#anb in Domingo, ble ÄuSiuoiibetnng franaöfiMet 
Besitzer nach Cuba und eine Beunruhigung aller Sklaven haltenden Län- 
bet 3n Gnglanb gene## 1792 baö üntetWS eine Bid, monad) mit 
bem 3a# 1795 bet englifd)e 6(1006111)01^61 ganoid) 011^01611 fodte; adeln 
baS Dbet^an&amp; oetfagte feine 81^1111110111^. @tft im 3ai)te 1806 ging 
bie abolition act of slavery bntd), meld)e ben 6(100601)01^61 mit bem 
1. Januar 1808 aufhob, ©eitbein wurde mit den betheiligten Staaten 
oetl)anbelt, mu fie 511 gleisen ^a^tegclll au bemegen. 3m Sa# 1817 
verpflichtete sich auch die Spanische Regierung gegen eine Entschädigung 
0011 400000 Şfnnb 6tetling, bie uödige Webnng bet Gdauetei binnen 
20 3a#n ^etbei#l^^ten. Steffen bet ^allbel mntbe ttolj adet ^et= 
ttöge nnb itoli bet Betfolgnng bntd) englifd)e Sa^aenge md)t nutet, 
btiidt 3m 3a# 1833 mutbe in ben englifd)en Golonieen, nutet fe^ 
(ofifmeliget e,itfd)öbignng bet #anaet, ben 6daoen bie %teiï)eit gegeben 
mit der Besd)ränkung, daß sie eine Zeitlang als Lehrlinge die Arbeit fort- 
^^en fodten. ^ieS ^611)011111^ etioieS fid) als ein so nnetquidlid)eS, ba^
        <pb n="88" />
        vom I. August 1838 ab auch diese Beschränkung aufhörte und die wirkliche 
Freilassung erfolgte. 
Ungeachtet des Vertrages von 1817 schloß die spanische Regierung 
ihre Augen gegenüber der Fortdauer des Sklavenhandels. Die Engländer 
ergriffen deshalb gewaltsame Maßregeln in Cuba, in Folge deren diejenigen 
Schwarzen, welche den Sklavenschiffen abgejagt und von den Engländern 
eigenmächtig au's Sctitb gesetzt waren, zur Verfügung des Gouverneurs 
gestellt wurden. Dieser überließ sie, dem Namen nach als freie Arbeiter, 
den Pflanzern gegen eine Vergütung von 6—7 Unzen Gold pro Kopf 
awiö# stuf etts 3#; ttstd) bi# 3st#§ flotte bet Wmiaet i# 
dem Gouverneur wieder vorzustellen; hatte daun der Manu keine Arbeit, 
die ihn ernährte, erlernt, so wurde er abermals dem Pflanzer auf einige 
Jahre überlassen. Da nun die Neger aus freien Stücken nicht leicht eine 
Beschäftigung zu erlernen geneigt sind, so blieb der Manu, obwohl dem 
Namen nach ein Freier, d. i. ein emancipado, sein ganzes Leben lang doch 
in Wirklichkeit Sklave; seine Lage war sogar noch übler, weil Niemand sich 
seiner annahm und seine Person stets zur freien Verfügung des Gouver 
neurs stand. . 
Wb noe#?, im Sa# 1848, etfoÏQte bie W#uiiQ bet sfíaüetet 
tit den französischen Colonien, im Jahre 1870 auch in den Vereinigten 
Staaten von Amerika nach langent und hartem Kampfe. Im Jahre 1871 
folgte bstit.it Brasilien mit der gleichen Maßregel, ebenso Dänemark, 
Schweden, die Niederlande auf ihren westindischen Besitzungen; endlich 
bequemte sich 1873 auch Spanien dazu, aber nur bezüglich der Insel Por- 
torico. Auf Cuba hatten inzwischen die Verhältnisse eine verhängnitzvolle 
Wendung genommen. 
Schon im Eingänge wurde erwähnt, daß die Negersklaven vielfach 
zu Aufständen gereizt wurden. So entdeckte man im Jahre 1812 die weit 
verzweigte Verschwörung des Aponte, eines freien Negers, und konnte sie 
nur mit blutiger Strenge unterdrücken. Unter späteren Unruhen ist dann 
bemerkenswerth die vom Jahre 1844 in dem Bezirke von Matanzas, und 
die von 1848 bei Gelegenheit der Freilassungen in dem französischen West- 
indien. Der Geueral-Capitaiu Pezuela erklärte zwar 1854 bei seinem 
feierlichen Einzüge in Havana: die Aufhebung der Sklaverei sei eine 
Ehrensache für Spanien und müsse erreicht iverden; er befahl auch, die 
emancipados in Freiheit zu setzen, so daß sie über ihre Arbeit zu eigenem 
Nutzen verfügen könnten. Allein alle diese Bestrebungen scheiterten au dem 
Widerstände der Pflanzer. Das Pronunciamento des General Prim zu 
Cadix im Jahre 1868 erweckte Anfangs nette Hoffnungen. In Madrid 
trat der gesetzgebende Körper zusammen, au ivelchem auch Cubanische Ab 
geordnete Theil nahmen. Eitt Antrag aus Aufhebung der Sklaverei wurde 
abgelehnt: durch das Gesetz vom 4. Juli 1870 — die sogenannte ley Mo-
        <pb n="89" />
        83 
0 
reto — würben vorbereitende Bestimmungen getroffen, bie fed od) biirci) bie 
inzwischen auf Cuba eingetretenen Ereignisse bereits überholt waren. Dort 
brach schon im October 1868 ber mehrfach erwähnte Ausstand los, ber 
erst nach zehn fahriger Dauer beendigt würbe. Er »wurde eingeleitet 
bi# eine notürlid) unwitffome Wíürung ber ļ)rooifortid)en Regierung 
ber Insurgenten über bie ltnob^öngigfeit ber 3"i^ ^"f^bung ber 
Efiooerei/ Wemi&amp;eid)uet wirb bie %rt beß muipfeß bi# bie $roclo= 
motion des General-Eapitains vom 4. April 1869 : ,,^$eber mehr als 
,,15f0l)rige, weiter ouMoíb feiner 0efi%ung getroffen wirb unb feine 
„Abwesenheit von bort nicht rechtfertigen kann, wirb auf ber stelle erschossen. 
„3ebe bewoí)nte ^efiljimg, weld)o nid)t eine weifte Sol)ne olß 3#en titrer 
„srieblichen Unterwerfung wehen läßt, wirb verbrannt." Die Aufständischen 
verkündigten dagegen: Erschießen aller Gefangenen mit alleiniger Ausnahme 
ber gemeinen Soldaten ber regulären Regierungstruppen, Verwüstung der 
Felder unb Pflanzungen rings um das feindliche Heer. Die Folge dieser 
Kriegführung war, daß z. B. schon im Jahre 1869 in beni Bezirke von 
Manzanillo keine ber 18 bisher vorhandenen Pflanzungen zu mahlen im 
Stande war, wegen Fenersbrünste unb Zerstörung. 
Der kaum abgeschlossene Frieden wurde 1879 durch ben Wieder- 
ansbrmh des Aufstandes gestört, wenn auch nur auf kurze Zeit; das kaum 
erwachende Vertrauen wurde von neuem erschüttert. Durch alle bisherigen 
Ereignisse hatte sich jedoch die Nothwendigkeit einer Abschaffung der Sklaverei 
erwiesen; auch die Pflanzer mußten sich derselben fügen; ihr Verhältniß 
ju ben Sklaven war ein unhaltbares geworden unb würbe ihnen häufig 
burd) verheerende Feuersbrünste fühlbar gemadit. Ein Gisch vom 12. &lt;ye- 
ïmmr 1880 schaffte endlich die Sklaverei mit nachstehenden Bestimmungen 
ob mi «Stelle beß beengen l(er^öItniffeß tritt 311110# ein botronot= 
ortigcß ®er frü^erc ^err, feißige potion, i)ot ben Sorbiße» 2Mimwg, 
Kleidung, Pflege in Krankheitsfällen unb Schulunterricht zn gewähren, 
außerdem einen booten Arbeitslohn: an Männer über 20 Jahre monatlich 
3S)oüorS, on füid)e 3wifd,en 18 ""b 20%# ölte 1 biß 2 ^#3. ^e 
körperliche'Züchtigung ist verboten; die Patronaten haben ihren ordentlichen 
Gerichtsstand, unb stub nur in Fällen von Meuterei, Aufruhr oder Störung 
ber bffentïid)en Me ber militörifd)en ^er^d)tßborfeit unterworfen. s3)oß 
$0110110^0011)0^1111) erlifd)t mit bem Slbïouf non ad)t ^ren. Sünf3#e 
nodi erlös) beß @efe%eß wirb oiiföi)rlid) ein ^eil ber $ütronoten nod, 
%ofigobe ii)reß mterß entloffen, so bof) nod) lierions uon weiteren brei 
goMen bie entioffiing oollftönbig burd)gefü^rt ist; fernere nier 30# üer= 
bleiben bie Gntloifencn unter ftootlid)er ^uffid)t unb treten erst nod) %b= 
Ions bicfer Stift i" ben ooücn @enim ber bürgerlid)en unb Mittfdjen 
3(0#. ^er Şotronot sonn 0114 bie 3^#, bie er bei feinem Wron nod) 
abzudienen hat, durch Zahlung einer nicht hohen Summe loskaufen. 
11*
        <pb n="90" />
        84 
Die Wirkungen des Gesetzes bei dessen Erlas; zu überseheu, war ein 
Ding der Unmöglichkeit. Um den Widerstand der Pflanzer nach Gebühr 
zu würdigen, mus; man sich erinnern, das; in allen anderen Tropenländern 
die Sklaverei nicht ohne augenblickliche schwere Erschütterung beseitigt 
werden konnte. Dergleichen lvar also auch für Cuba zu erwarten, und 
zwar um so mehr, " als Krieg und Noth alls die Vermehrung der Be 
völkerung eineil sehr ungünstigen Einfllls; geübt hatten nub deshalb ein 
Mangel ail Arbeitskräften vorauszusehen war. Auch war nací; allen bis 
herigen Erfahrungen 511 befürchten, das; die freigelassenen Neger in ihrer 
Trägheit und Bedürfnißlosigkeit zu ernster Arbeit sich llicht bequemen 
würden. 
Der Sklavenhandel lvar früher ein sehr einträgliches Geschäft gewesen. 
Er war es gebliebell, auch als er nicht mehr offen betrieben wurde. Die 
Gouverneure der Insel hatten zuiileist pro Kvpf einen bestimmten Betrag, 
angeblich eine Unze Goldes: ein Antheil der llur selten zurückgewiesen wurde. 
Noch gegen das Jahr 1860 hin betrilg der Preis eilles Sklaven bis 311 
1000 Piaster oder etwa 4400 Mark. So lange der Ersatz für den Abgang 
keine besonderen Schwierigkeiten hatte, wurden die Kräfte der Sklaven nils 
das Rücksichtsloseste ausgebeutet. Der Herr hatte alte oder sonst arbeits 
unfähige Sklaven bei sich zu unterhalten: er fanb es deshalb billiger, ihn 
bei Lebzeiten bis zlir Erschöpfung zil nutzen nnb dann durch einen neuen 
zu ersetzen. Als das letztere nicht mehr so leicht anging, ivnrde man in 
der Behandlung allerdings etwas vorsichtiger. . 
Die Negerverkäufe wurden noch vor dem letzten Aufstande in Havana 
durch eine Bekanntmachung im Tageblatt angekündigt. Dann drängte 
Alles im Vorsaale und nicht selten gab es heftigen Streit um den Eintritt 
in das Verkaufslocal. Wurde letzteres geöffnet, so stürzten sich die Kanf- 
liebhaber auf die feilgebotenen Neger, suchten ihrer möglichst viele bei Seite 
zu drängen und befühlten sie hier am ganzen Körper wie der Metzger das 
Rindvieh, damit ihnen kein etwaiger Fehler entgehe. Die „Stücke", 
welche nicht zusagen, wurden losgelassen, sofort von Anderen in Beschlag 
genommen und von Neuem betastet; die angekauften wurden mit einem 
Hemde bekleidet und fortgeführt. 
Ueber die Lebensweise der Neger auf den Pflanzungen läßt sich ein 
Bericht aus beni Jahre 1880 folgendermaaßen ans. 
Die Neger erhalten neben dem Lohne ihren täglichen Unterhalt. Die 
Nahrung besteht ans Reis, geriebenem Rindfleisch, süßen Kartoffeln, Mais, 
Pisang; hier nnb da werden auch Nationen von gesalzenen Fischen gegeben. 
Die Neger ziehen Maisspeisen vor. Fast auf allen Pflanzungen ist den 
Negern gestattet, ein Schwein und einige Hühner zu halten, auch ein Stück 
chen Land für ihren Bedarf zu bearbeiten; sie bauen aber nie etwas anderes 
als Mais oder Pisang; Gartengemüse sind ihnen unbekannt. Zwei Anzüge
        <pb n="91" />
        85 
jährlich reichen für ben -Bebarf cut Ķleìbung: cuts beut ütelbe arbeiten fit 
meist im bleibe ber 9iatnr. 30^ Witling ist gewühnlid) ein großeß 
steinernes Haus, bas ein langes Parallelogramm hübet nub nur einen 
Eingang bat. Sie Biwui^ liegen an ben mer (seiten eines großen ^ofe§, 
haben feiten genfter/ B^ei abfheiliingen finb oorhanben, eine für Männer, 
bie anbere für ßranen; aber amisten Reiben besteht eilte ungehinberte 
Verbindung. Die Bitumer zunächst eint Eingänge finb graf; nub hell unb 
haben Veranda ober Balkon: dort wohnt ber mayoral, ber Aufseher. Er weist 
bie Arbeit an, oerl)öngt (strafen ic. nach ben Snftrnttioiten beß Bermas 
terê. Gin lag in ber 9Bod)e — eß mus; nicht gerabe ber Sonntag fein — 
ist Ruhetag, Sie 0efit;er benachbarter ^^^anzungen rieten eß so ein, ba&amp; 
bie arbeiter nieiualß gleichzeitig feiern. Mehr unter bett Weitern ber 
Pflanzungen wirb nicht gestattet, mit Verbindungen, Intriguen u. bergt, zu 
verhüten. Die Neger haben nur wenige unb sehr bescheidene Freuden, 
b. h. sie tanzen unb fie liegen in ber sonne. Des Morgens um 5 Uhr 
beginnt bie Arbeit, bes Abends um G Uhr Hort sie auf, ohne Pause für 
Mahlzeiten; bann werben bie Sente in betn Weitßhaufe eingeschlossen. 
Berührung mit der Außenwelt haben sie ebensowenig wie häusliche Freuden. 
c%n ber legten gelt h*t fid) ihr Sooß etwa« gebessert, ba baß eigene 
interesse bie ^erren zwingt, mit mehr Milbe unb geringeren Äi#üd)en 
aufzutreten. .. 
Vorstehende Beschreibung mag vielleicht etwas zu günstig lauten. 
Samtige ^erid)te finb im allgemeinen mit %orfi# aufzunehmen, Sie 
aus englischen Febern geflossenen matten feiner Beit ins Schwarze, um 
auf endliche Aufhebung der Sklaverei hinzuwirken. Auch in Cuba hat 
matt bie Erfahrung gemacht, bas; ber freigeworbene Neger nur so viel 
arbeitet als nothwendig um nicht zu verhungern. Im Jahre 1886 unb 
1887 herrschte empfindlicher Mangel an Arbeitern auf betn Lande, obwohl 
in bett labten taufenbe uon Negern bettelnb herumlungerten. BBÖhrcnb 
ber @rnte sönnen fie in einem Monat 35 biß 45 Mart oerbienen unb baß 
ist genug für sie, um drei Monate lang zu leben unb zu faulenzen. Man 
fängt beöhalb an zu beboucru, bas; auf Gilbet nicht mehr Kaffee, Reiß, 
Mais ti bergt gebaut wirb, weil man in diesem Falle ben während ber 
Bucfer=Gambagne erforberlicben Weitern and) für baß übrige %ahr 8e= 
köfttgung geben tonnte. Saburd) würbe ber Weitßiohn fid) etwaß 
gleichmäßiger vertheilen. 
eine alte unb mit alten ^echöítniffen eng oerwad))eue Einrichtung 
wie bie stanerei tief; fid) natüríid) nid)t leid)tí)in beseitigen. Man mad)te 
fid) auf ben Sag ber Waffling gcfaf;t. Wmtb beß großen aufftanbeß 
konnten bie Bemühungen, Ersatz für bie Neger zu ftnbett, weder mit 
rechtem Eifer betrieben werben, noch auf nachhaltigen Erfolg rechnen, jw 
Jahre 1877 fottute in bett Bezirken von Havana unb Matanzas bie Ernte
        <pb n="92" />
        o 
— 86 — 
% 
wegen WeitmimnßelS nid)t uöüig eingebrad)t merben, maë um jo embfinb= 
mjer "mat, aïë fid) bereite bie Goncnrrena be§ Dlübeuaucîctë merfbar 
ma#. llnmitteïbar nad) bem mifftanbe, 1879, begonnen ue#iebene 
Gesellschaften, namentlich ber circulo de hacendados (Verein ber Gnts- 
hcfitjer), mit 3Serind)en anr mnfn^rnng freier Arbeiter, aber oijue merîbaren 
Erfolg. Ein anberer Versuch, Ostinbier anzuwerben, mißlang. Die Be 
mühungen, mit Anam einen Vertrag abzuschließen, verliefen fruchtlos. 
Weiße Arbeiter ans Spanien mürben bnrch Krankheiten bezimirt und 
weigerten sich, mit Schwarzen ans bem Felbe zusammen zu arbeiten. Die 
Einfuhr von Jnbianem ans Yucatan mürbe von ber Amerikanischen Re 
gierung verboten. Besser gelang es Anfangs mit Chinesen. 
Es bitbete sich eine besonbere Gesellschaft, welche Agenten in China 
unterhielt. Diese schlossen baselbst mit Chinesen ähnliche Verträge, wie 
bieienigen, bnrch welche heute noch in Europa Answanberer nach nber- 
ieeiid)cn Säubern mit bünnet 0eoöiternng gelodt merben. S)ie Sente 
nn#m fid) uerbfiid)ten, ad)t 3aí)re lang gegen einen So^t uon 4'/, dollar 
(goíb nmnatlid) an arbeiten; nad) Ablauf bieder Seit loüten sie anrüd= 
beforbert werben. Allein ans ben Pflanzungen mürben sie ans bas gram 
famfte beíjaubelt nnb gellten mie bie (^flauen; mit ^#1# ans ben 
Arbeitermangel versagte ihnen bie enbanische Regierung bie freie Rückfahrt 
nnb bestimmte, baß sie entmeber ans eigene Kosten heimkehren ober sich 
cmberweit verbürgen mußten. Nur wenige hatten sich so viel gespart: was 
in ihrer Heimath ein sehr reiäflicher Sohn schien, erwies sich hier nur 
eben znreichenb. Bei weitem bie meisten blieben nnb verpflichteten sich ans 
mettere 4 bis 6 Jahre. Allein ihre Behanblnng mar eine so harte, baß 
endlich bie chinesische Regierung bei ber spanischen Einspruch erhob nnb 
^gleich bie Ausfuhr von Arbeitern nach Cuba verbot. Am ITJNouembet 
1877 mürbe sobann zwischen bethen Mächten ein Vertrag geschlossen, worin 
ansbrncklich bestimmt mar, baß fernerhin Arbeiter nach bem Contracts- 
system nicht mehr verpflichtet werben bürsten. Den Chinesen, welche nach 
Cuba gelangten, mürben bie Rechte ber Angehörigen frernber Nationen 
gewährleistet; ein Generalconsul Chinas, behnfs besonberer Ueberwachnng 
ber Ausführung bieses Vertrages, mürbe in Havana zugelassen. . Bemerkens 
werth ist bie Bestimmung, baß, meint unter ben zur Zeit in Citba als 
Arbeiter lebenbett Chinesen sich Sente ans ber Klasse ber Bea nt ten ober 
Gelehrten fänben, bie Spanische Negierung biesen ein Schiff zur freien 
Heimkehr stellen werbe. Ans spanischer Seite hatte man gehofft, baß ans 
Grnnb bieses Vertrages nunmehr freie Arbeiter ans China nach Cuba 
herüberkommen mürben. Allein kein Chinese, ber bas Ueberfahrtsgelb zu 
bezahlett im Staube war, wollte sein Vaterlanb verlassen. Inzwischen 
sinb bie meisten Verträge mit ben bisherigen Arbeitern abgelaufen, nnb bie 
Pflanzer müssen nun bie ans ihren Verpflichtungen Entlassenen als freie
        <pb n="93" />
        87 
LņMļ-Lķ 
lich sein darf. Alles in allein gerechnet ergab sich hiergegen sur die von 
ben bearbeitete oon etma 50Vü. ^b 
ber Bum uou #iueieu imd) duba fid) tünfttg uueber fmbeu mm, meim 
das Anbeuten an die schlimme Vergangenheit verblatzt sein umb, lasch sich 
schwer übersehen: zur Zeit ist die Reise noch sehr weit uiid sehr kostspielig. 
16. Die Arbeitslöhne. 
% weide Bevölkenmg der Zusel ist im Vergleich zu der sarbigen 
Plantagen besd)äftigt: 
Sklaven 13 254, freie Arb. 4 632, Chinesen 2103, zns. 10 987, 
Havana, 
Matanzas 
Pinar del Rio 
Santa Clara 
S.Jago de Cuba „ 
43528, 
10197, 
19 212, 
4579, 
7 956, 
2177, 
4845, 
1175, 
8702, 
797, 
2965, 
51, 
60187, 
13171, 
27 022, 
5 817, 
zusammen: 90 782, freie ait. 20 785, Chinesen 14 618, #126185. 
¡srisrjsar-iaai 
UFT
        <pb n="94" />
        — 88 — 
1 
stattgefunden haben sollte. Für das Jahr 1884 ist einem Bericht die nach 
folgende Aufstellung zu entnehmen: 
Spanier u. Andere 
Weiße. 
4021 
439 
2820 
1 763 
94 
1 495 
Havana 
Pinar del Rio. . . 
Matanzas . . . . 
Santa Clara . . . 
Puerto Principe . . 
San Jago de Cuba L 
zusammen: 
Cubaner. 
307740 
125989 
138 544 
206613 
57 335 
141 771 
977992 
Chinesen. 
10190 
2558 
19 442 
10918 
263 
440 
10 632 
43 811 
Farbige. 
113 945 
53218 
122315 
102103 
11 553 
86115 
489 249' 
Summa. 
435896 
182204 
283121 
321397 
69245 
229821 
1521684 
Aus Matanzas wurde bereits für das Jahr 1884 berichtet, das; die 
Verordnung wegen Beseitigung der Sklaverei am 8. Mai 1880 veröffent 
licht und seither streng gehaudhabt wäre: in Folge dessen nehme 
die Menge der verpflichteten Arbeitskräfte mit jedem Monat ab. Ein 
englischer Bericht aus Havana vom Jahre 1886 findet die Klagen über 
Arbeitermangel übertrieben, weil man die letzte Ernte von 700000 tons 
ohne Schwierigkeit eingebracht habe; auch seien im laufenden Jahre nicht 
weniger als 45% Weiße auf den Feldern wie in den Fabriken beschäftigt 
gewesen, woraus folge, daß die schwarzen Arbeiter keineswegs unentbehrlich 
seien. Allein anderen Nachrichten zufolge sind nur wenige Weiße beim 
Landbau, und namentlich in den Pflanzungen beschäftigt; in solchem Falle 
erhalten sie gleichen Lohn und gleiche Verpflegung wie die Neger. Viel 
fach wird bezeugt, daß sie in beit Küstenstrichen das Klima nicht vertragen 
und die Arbeit auf die Dauer nicht zu leisten vermögen. Die Mehrzahl 
verdient sich ihr Brot in den Städten als Cigarrenmacher, Maurer, Zimmer 
leute, Fischer, Kutscher, Tagelöhner. Ihre Löhne sind sehr verschieden. 
Cigarreumacher werden nach der Stückzahl bez. nach der Größe der Cigarren 
gelöhnt, und ihr Verdienst kaun täglich auf 2 bis 2'/% doll, sich stellen. 
Maurer und Zimmerleute verdienen täglich 3 bis 3'/* doll. Kaufmanns 
diener erhalten anfangs 12 doll., in Vertrauensposten 40 doll, monatlich; 
Kutscher 12 bis 20 doll. Als Gesinde dienen faß ausschließlich Farbige; 
eine Köchin erhält 20 bis 25 doll, Hausmädchen 18 bis 20, Wäscherinnen 
25 bis 35 doll, monatlich. Hausdiener sind in der Regel geborene Spanier 
und erhalten 34 bis 40 doll. Gold monatlich: die andern Angaben ver 
stehen sich in Papiergeld. Aus den vorbemerkteuZahlen kann mau einen 
Rückschluß machen auf den Werth des Lohnes für Feldarbeiter, der ohne 
Hinblick auf solche Verhültnißzahleu als ein sehr reichlicher erscheinen könnte. 
Der bisherige Tagelohu auf den Pflanzungen hat zu verschiedenen 
Zeiten und in den verschiedenen Landestheilen sehr geschwankt. Während 
und nach der Insurrection war er im Centrum und im Osten der Insel 
besonders hoch, weil gerade dort der Aufstand am meisten ivüthete.
        <pb n="95" />
        89 
Die Kosten für einen Sklaven sind sehr schwer abzuschätzen, jeden- 
faßß an# 1# bein ¡emeilioeii @#mnnoe beß ^enf#ení)altbeïß f#maitfcnb. 
Nach einem Bericht aus 1880 schätzte man die Kosten eines Sklaven durch- 
f#mtm# auf monatM) 10 Dolías (40 Wciü), nnb amai- atbeilßfäbii;e nnb 
unfähige zusammengenommen. Das scheint niedrig gegriffen, jedenfalls 
ohne Anrechnung von Verzinsung und Tilgung des Kaufgeldes, ev wäre 
an# e#ebïi# niebtißet alß bet bainaliqe ßobn sät stete ^tbeilet. (Sine 
anbete m^emmo anß bemfeïbcn 3aí)te 1880 qiebt ben Bet# beß täo= 
lichen Unterhaltes ans 30 bis 40 cts, also monatlich etwa 9 bis 12 doll. 
(36 bis 48 Mark) an. Erwägt man ferner, das; ein gesunder kräftiger 
EMaue anm Şteife non 1000 biß 1500 baleni ücfnnft nnb bas; feine 
%tbeilßfäI)iofeit im S)ut#|#mtt ans 15 Sa^te angenommen miitbe, so maten 
alß ^iíom#We 66% biß 100 Sielet ia#!#, also inoliam# 
5V, biß 8Vs Si)aiet obet 4 biß 6'/, doll, olíanse#. 91nß bem 3o!)te 1^4 
wird berichtet: die patronirten Neger hätten monatlich baar 3 doll. (12 Ä) 
an erhalten und den Unterhalt, das mache einschließlich der Verzinsung 
nnb ^011,10 beß Slnfanfßcapitalß sät ben GHaoen etwa IT pesos (68 
monatlich. Das wäre eine Jahresansgabe von 816 Mark, die im Ver- 
ßlei# au bentf#en ^tbc^lßlü^lìen mäl)tenb bet Gampaone ni#t äbetniämo 
hoch erscheint, nämlich nur 2,25 Mark täglich. 
Der Lohn freier Arbeiter wird nach den Jahren und Gegenden 
oetf#ieben anheben. Sät 1880 beiseit #n ein @cti#t in ben Ņtoûinaeii 
Havana und Matanzas während der Erntezeit aus monatlich 17 bis 20 
dollars (68 biß 80 ^(0,1) anf;et bet ßoft, müi)tciib bet äbtiqen 3ai)teß= 
teil ans cima l)alb so 1)0#. Gin anbetet olei#aei%t æeti#l niiletf#eibet 
Lif#en bem 1^01)11 sät bie Meqet nnb sät Gi)inefen, nnb qiebt etfleten 
amifdien 15 b;ß 20 dollars (60 biß 80 Mats), (eueren amif#en 12 biß 15 
dollars (48 biß 60 mtf) an, üIci#follß neben beni 11111011)011. Änß 
&amp;an3ai;obe($nba (êäbofmifte) mitb sät 1883 qeinelbet, bie%tbcitßiöi)iic 
feien \cfliegeii, onte SGÏbatbeitet feien ni#t nutet 25 dollar (Mb (100 
^atn'u,Ib'w'u,o,Iom# au buben, ^aoeoen fai;t anß beinfclben San 
Jago ein Bericht sät 1884, man habe durch die sparsamste und sorgfältigste 
Wirthschaft die Selbstkosten wesentlich herabgedrnckt. darunter auch den 
WeiNo!),! biß ans 15 doll. (60 %W) inoliam# onf;et bet ßoft. Gin 
8cti#t anß ^aoalIa sät boffelbe 3oi)t 1884 ßiebl ben bißl)etii;eii 2i#n 
bet steten ^tbcilet ans etma 22 pesos (88 ^at1) an, be,nets! sebo#, nnt bem 
aUqemeiiien ^ücfquiig bet @ef#äfte feien an# bie Mi),ie ßefnnfen, nnb anmeilen 
±= 
foimnc' Auch für 188« erwähnen mehrere Berichte niedrigere Arbeitslöhne; 
&gt;2
        <pb n="96" />
        90 
so nus Trinidad de Cuba auf monatlich 10 bis 13 dollars (40 bis 52 Mark) 
neben der Kost; aus der Havana 8 bis 10 dollars (32 bis 40 Mark) gegen 
17 bis 20 dollars im Jahre vorher; beim Abschluß mit einer Arbeitercom 
pagnie seien für beit Mann 10 bis 14 pesos (40 bis 56 Mark) verabredet 
außer der Nahrung, die man ans etwa 6 pesos für den Monat schätze. 
In Trinidad hatte 1885 der Lohn zwischen 12 bis 18 dollars geschwankt: 
dort soll angeblich der Lohn überhaupt etwas billiger sein, als anderwärts, 
weil in der Umgegend mehr Leute vorhanden, die ans Nebenverdienst ange 
wiesen sind. Dagegen theilte Havana weekly report aus April 1886 mit, 
es sei immer noch Klage über Mangel an tüchtigen Arbeitern und über 
höhe Löhne; in San Jago de , Cuba sollen 1886 wieder wegen Arbeiter- 
mangels während der Ernte bis zu 4 M. täglich (also 30 dollars monat 
lich) gezahlt worden sein. Ein französisches Fachblatt meldete im Decem 
ber 1886, es werde viel über die Hohe der Arbeitslöhne gestritten: während 
Einige meinten, nicht über 12 dollars Gold (48 Mark) hinausgehen zu 
können, wollten Andere bei den dermaligen Zuckerpreisen bis zu 20 dollars 
(80 Mark) bewilligen. Schließlich möge noch einer Erklärung gedacht 
werden, welche die cubanischen Pflanzer 1886 dem Gouverneur auf dessen 
Anfrage abgegeben haben. Darin heißt es: der thatsächliche Arbeitslohn 
belaufe sich jetzt — im August 1886 — je nach der Gegend außer der 
Nahrung ans 15 bis 25 dollars (60 bis 100 Mark) monatlich, jedoch wäh 
rend der Ernte ans 25 bis 40 dollars (100 bis 160 Mark); die sofortige 
Freilassung der noch vorhandenen 25000 Sklaven und Patrvnirten werde 
ans die Zustände der Insel ohne Einfluß bleiben; die Zahl der beim Feld 
bau beschäftigten Arbeiter vertheile sich ans 45 000 Weiße, 30000 Chinesen 
und 125000 Neger, zusammen auf 200000 Kopfe; zur Aufrechterhaltung 
der Produktionsfähigkeit der Insel sei erforderlich die Einführung sofort 
von 100000 weißen Arbeitern, später von noch 400000 solchen oder in 
Ermangelung der Weißen, von Chinesen und Arbeitern von Manila. Aus 
dieser Erklärung leuchtet der Wunsch der Pflanzer nach einem Ueberfluß 
an Arbeitskräften und billigen Löhnen hervor: zur besseren Empfehlung 
ihrer Wünsche mögen sie die derzeitigen Verhältnisse etwas grell gefärbt 
haben. Die gesammte Zahl der Chinesen wurde für 1877 auf 14618, für 
1884 auf 43 811 Köpfe nachgewiesen; wenn jetzt nur 30000 angenommen 
werden, so steht das mit der Darlegung über die Einführung von Chinesen 
im Einklänge. Ob die Zahl von 45000 weißen Feldarbeitern richtig ge 
griffen ist, läßt sich bezweifeln. JnNnerhin darf man in der Erklärung 
eine Bestätigung der Behauptung finderl, daß es an Feldarbeitern wirklich 
mangelt, und ein Anerkenntnis; dafür, daß diesem Mangel nur schwer 
abzuhelfen ist, wenn inan nur auf China und Manila verweist. 
Beim Ueberblick über diese Nachrichten gewinnt es den Anschein, als 
ob die Arbeitslöhne an sich nicht vor: so erschreckender Höhe seien, daß sie
        <pb n="97" />
        91 
weit über europäische, namentlich deutsche Verhältnisse hinausgingen, Auch 
in Deutschland werden Gebäude sur die Unterbringung der Arbeiter während 
der Canipaqne gehalten, auch dort gewährt man die Kost, iiiid ein sage- 
lohn von l'/j bis 2 Mark steht gleich einem Cubanischen Monatslohn von 
11' bis 15 pesos. Allein die Arbeitszeit aus Cuba dauert zwiefach io 
lange wie i» Deutschland; hier ziehen die Arbeiter nach beendigter Cam- 
pagne weiter und der Fabrikherr kümmert sich nicht mehr um sie; in Cuba 
„mH ein iiicht geringer Theil gehalten werden, der sur die Hälfte des 
Fahres sonst entbehrlich wäre. An genaueren Angaben über die Zahl der 
Arbeiter killt es, namentlich darüber, ivievicl durchschnittlich je nach dem 
Umsanqe der Pflanzung und nach der Leistungsfähigkeit der Fabrik ersorder- 
lich sind und welchen Einflug auf das Bedürfnis; die Anwendung ver 
besserter Verfahren — wie der Diffusion —, vollkommnerer Maschinen um 
geeigneter Feuernngsanlagen ausübt. Erst aus solchen Angaben würde 
sich erkennen lassen, welchen Antheil die Arbeitslöhne an den Selb,tto,ten 
des Zuckers bisher gehabt haben und bei sparsamer Wirthschast häufig 
haben können. 
17. Selbstkosten des Zuckers, Höhe der Produktion 
und des Consums. 
Die Selbstkosten des Zuckers hängen wesentlich ab vom Preise de« 
Rohres von dem Preise der Brennstoffe und von der Höhe der Arbeits 
löhne," Je weniger man über diese Factoren Zuverlässiges weis;, desto 
weniger vermag man durch directe Rechnung die Selbstkosten auch nur 
annähernd zu finden. Auf anderen, Wege darüber Klarheit zu gewinnen ist 
angerordcutlich schwer deshalb, loeil ganz augenscheinlich die Insel Cuba 
sich in einem llebcrgangsstadium ans den verwickeltsten und unruhigsten 
Zuständen in mehr geordnete Verhältnisse befindet. Um indessen wenigstens 
einigen Anhalt zu gewähren, mögen die nachfolgenden Bemerkungen an- 
gesnhr^ner en^ ļg76 | afl(c ein Bericht aus Cardenas: die Preise 
liegen keinen Nutzen, weil die hohen Ausfuhrzölle und die starken KriegS- 
contribntionen zu schwer aus den Pflanzungen lasten. Nun sind in neuester 
Zeit die Ausfuhrzölle ermätzigt und dann ganz aufgehoben worden. Auch 
Ru,glich der Contridntionen und inneren Abgaben scheinen Erleichterungen 
bewilligt zu sein. Die Tragweite solcher Ersparnisse lägt sich ^ nicht îiber- 
scbeu Ohnehin haben unzweis-lhast die Kreditbedingungen sich gebessert 
und werde» voraussichtlich allmählich noch billiger werden. Solche Um 
stände dürfen bei der Vergleichung mit der Vergangenheit Nicht unbeachtet 
bleiben, 12 ,
        <pb n="98" />
        Ferner wird wiederholt in Berichten bemerkt, die Preise für Zucker 
ließen noch Nutzen oder ließen keinen Nutzen. Es fehlt aber an einer Er 
klärung darüber, ob dabei die Verwerthung aller Produkte, also namentlich 
auch der Melasse und des Rums in Ansatz gebracht ist. 
Aus San Jago de Cuba wurde für 1884 berichtet, daß die Preise 
binnen kürzester Frist um 1V» doll. (6 Mk.) sanken; durchschnittlich gaben 
Centrifugals orni 95—96%, etwa Nr. 10/13 entsprechend, nicht mehr als 
2% doll. (11 Mk.) für 100 Pfund span, (oder 46 kg); das sei erheblich 
weniger als die Selbstkosten: d. h. die Selbstkosten für solche Zucker- 
gehen über 24 Mark für den Doppel-Centner hinaus. 
Ein anderer Bericht über die Campagne von 1884/85 giebt folgendes 
an. Bei Beginn dieser Campagne betrugen die Herstellungskosten des 
Zuckers — (ohne nähere Angabe der Sorte oder dergl.) - für die arroba 
etnia 5 Realen oder 21,74 Mark für 100 kg; das sei verhültnißmüßig hoch, 
trotzdem alle Anzeichen für ein Sinken der Preise sprächen. Zu möglichst 
billigem Betriebe gezwungen sei es den Pflanzern jetzt (im December 1885 
ist der Bericht erstattet) gelungen, die Selbstkosten auf 4 Realen (d. h. auf 
17,4 Mk. für 100 kg) zu ermäßigen. 
Vom Februar 1885 brachte Havana weekly report eine Schätzung 
des Werthes eines Fasses Muskovado - Zuckers zu 1500 //. span, netto bei 
einem Preise von 3*/ 4 Realen per Arroba auf 24,37 doll. (97,48 Mk.) oder 
13,50 Mk. für 100 kg; andrerseits die Herstellungskosten mit Fracht und 
Lagergeld in Havana auf 25,50 doll. (102,0 Mk.), also nahezu 14,80 Mk. für 
100 kg; danach habe der Pflanzer einen Verlust von 1,13 doll, oder 
4,52 Mark an jedem Faß. Hinzugefügt wird, daß nach Angabe der Makler 
der derzeitige Preisunterschied zwischen Muskovado und Centrifugals ge 
ringer sei als je zuvor, nämlich nur '/2 bis 1 Real. Danach wären Cen 
trifugals damals höchstens mit 4'/4 Realen per Arroba abgegeben, d. I mit 
rund 18% Mark für den Doppel-Centner. 
Für das Jahr 1886 wird aus San Jago berichtet, eine nicht un 
günstig gelegene Zuckerpflauzuug könne 100 //. krystaüisirten Zucker von 
96% zum Preise von 2% bis 2% doll. Gold frei Hafenplatz (also San 
Jago oder Guantanamo) liefern und mache dabei noch Nutzen. Das 
wären Preise von 19,9 bis 21,74 Mark für 100 kg, wobei zu beachten, daß 
die Seefracht von San Jago nach Nordamerika höher steht als die von 
Havana oder Matanzas dorthin, der Zuckerpreis daselbst also sich niedriger 
stellen muß. 
Andere Berichte aus 1886 führen an, daß den Colonen das gelieferte 
Rohr mit 4 arroben Zucker für 100 arroben Rohr bezahlt wurde, also bei 
einem Zuckerpreise von 5 Realen mit 2'^ doll, (10 Mark), voir 6 Realen 
mit 3 doll. (12 Mark). Da die durchschnittliche Ausbeute in Cuba auf 7% 
geschätzt wird, so bleiben dem Fabrikbesitzer für sich 3 arroben Zucker zum
        <pb n="99" />
        — 93 — 
- 'r j ^ , fi 
%Be#e Don 15 biß 18 Realen b. i. 7,50 bea. 9,0 91(011 flit 3 arroben ober 
65'/, beg. 78,0 91W für 300 kg, wound) eine Ginnobme beß Sobrifmiten 
von 21,75 bez. 26 Mark herauskäme, ohne bie Unkosten für Lagerung uiib 
Verschiffung. Diese Einnahme geht beim Preise von 4 Realen per Arroba 
ouf 17,40'bea. 20,80 DIW aurüd. BBieuicl Äuķcn bobei bleibt, ist nid)t 
zu ermessen, bo alle näheren Angaben fehlen. 
eine fronaöfifd)e 91(4111)6(011^ miß 1885 ist bereits bei Bespreuung 
ber Selbstkosten bes Rohres erwähnt und als unzuverlässig bezeichnet 
worben Eie giebt bie kosten ber Berorbeitung beß ^reS einfd)lle^li^^ 
ber Silgung unb Berainfung onf nur 9,57 fr. für 100 kg on unb beregnet 
für beit Fabrikanten einen Netto - Gewinn von 7,67 fr. bei einem Zucker- 
preise oon 28,52 fr. (ober 22,80 Wort) für Robust oon 97%. 
(äiite Eorrespoubeuz aus Havana von 1887 endlich berechnet die 
Kosten ber Nohrverarbeitung einschließlich ber Fracht zum nächsten Hasen 
onf 6 doll ßlolb für 800 arrobas ober 20000 // sporn, sie nimmt eine muß' 
beute an oon 7%% I. "üb l"/o H. ^robust, also e^cblid) iiie^- oiß sonst 
anerkannt wirb; danach giebt es 1500 //. I. und 200 /7. II. Produkt ober, 
leideres rebuairt, überpmipt 1625 //. I. Şrobuft; boan Srad)t u. f. w. biß 
England 5,04 doll., so baß bie Waare franco England mit 9 sh 3 p per 
Eentiiveight engl, hingelegt wirb, also mit 18 Mark pro D.-Eentner. Dabei 
fommen onf ¿61-0^0411111^10)1611 beß Dlobreß per S.^Gtr. 310^- 0,26 91(011; 
Binsen unb Silgung beß ^nlogc: bea. Betriebs (Sopitola finb nid)t be= 
rechnet. . 
Der Raffinaden wirb nirgends gedacht. Auf Cuba giebt es nur 
eine einige Minerie, weld)e im S#e 1884 eingerid)tct nnb im Wpril 1885 
eingeweiht würbe: la rafineria de azúcar de Cardenas. Sie liegt bei betn 
Aaku Garbenaß, soll oortrefflid) ausgerüstet fein unb gute Grugnisse 
liefern. 9(od) einem Berid)te miß bem Sa^e 1886 foü sie in bem Be= 
triebßiol)re 1884/85 rnnb 72800 S.=Gtr. M^uder, nömlid) 71600 S).=Gtr. 
centrifngirten unb 1200 ^Gtr. gebedten uerorbeitet unb 67850 Sl^Gtr. 
Mnfnnn'be eraeugt paben, also 93,3% oow S),Geiitner 3toI)auder. .'^610011 
foücn onf ber Snfel selbst 45250 ^.=Gtr. oerae#, bie übrigen 22600 und) 
Barcelona verschifft worben fein. , . , , 
Der Confimi ber Jnselbevölkeruug wirb durchweg als ein lehr be= 
beutender bezeichnet, wenn auch bie Zahlenangaben darüber verschieben 
imiten Gin Beri# miß bem So# 1873 giebt ilpi mis 350000 m)tcn 
Buder nnb 50000 W 91(eloffe mi, woß für Buder oileiii fd)on über 
60000 Sonnen gäbe. Sn einem Beri# oon 1886 wirb er olß ein im 
^efenflid)en stetig gleid)inäf3Ìger beaeid)iiet, nnb auf minbeftenß 40000 tons 
jährlich beziffert. Abweichend hiervon wirb in bem Berichte von 1884 
eine stetige starke Abnahme des innern Verzehrs feit bem Fahre 1874 fest- 
gesetzt nnb legerer für 1864 mis 60000 Sonnen, für 1875/76 auf p 
je
        <pb n="100" />
        55000 Tonnen, für 1877/80 ciuf je 50000, für 1881 auf 45000, und für 
1882/83 auf jährlich 4000O Touueu angegeben. Indessen ist kaum anzu 
nehmen, daß in 1874 der Verzehr so viel bedeutender gewesen sein sollte, 
da in jenem Jahre der Aufstand bereits seinen Höhepunkt erreicht hatte. 
Ein Correspondent aus Havana vom Jahre 1886 bemerkt auch, er habe 
früher einen Verbrauch oou 40000 Tonnen für richtig gehalten, was bei 
einer Bevölkerung von 1 472000 Seelen fast 61 //. pro Kopf ausmache; 
indessen glaube er doch jetzt 50 OO0 Tonnen annehmen zu müssen. Aller 
dings rechnete ein Bericht aus Matanzas vom Jahre 1872 sogar 600000Kisten 
für den Verbrauch der Insel, aber ohne Angabe des Gelvichts der Kiste. 
Würde dieselbe, loie in dell letzten Jahren üblich, zu 16 arroben, gleich 
400 //. span., gerechnet, so gäbe das über 110000 Tonnen, für die damalige 
Bevölkerungszahl nahezu 80 kg auf den Kopf, und jedenfalls zu viel. Ein 
anderer Bericht alls 1881 nimmt nur ungefähr 300O0 Tonnen jährlich an, 
ein fernerer aus 1885 wieder 35O0O Tonnen, einer aus 1886 dann 40 000, 
und ein zweiter aus demselben Jahre nieint, daß die bisherige Schätzung 
von 4OOO0 Tonnen wohl zu gering ansfalle, man könne jetzt 50000 an 
nehmen. Dagegen geht eine Mittheilung aus 1887 wieder auf 35 000 Tonnen 
zurück. Die Angaben ans den letzten Jahren schwanken also zwischen 23 % 
und 33 Y, kg pro Kopf. Die Unsicherheit ist bei dem Mangel jeder Statistik 
und bei der Ungewißheit betreffs der Höhe der Verarbeitung wohl be 
greiflich. Man darf wohl annehlneil, das; vorerst eine wesentliche Steigerung 
des Verbrauchs kanln zìi erwarten ist. Jni übrigen kommt es aus die 
Höhe desselben nur all bei Schätzung der Produktion, welche sich zusammen 
setzt aus der ausgeführten Meilge und ans der verbrauchten bez. am Jahres 
schluß verbliebellen Menge, da eine Einfuhr überhaupt nicht stattfindet. 
Sv einfach danach die Sache zu liegen scheint, lvird gleichwohl auch 
die Jahres-Produktion verschieden angegeben. Die beifolgende Tabelle zeigt 
die Ausfuhr, Consnni und Beställde für die Jahre 1868 bis 1886. Sie 
stützt sich auf die deutschen Cousulatsberichte, deren Angaben den amtlichen 
Listen entnommen sein sollen. Die Genauigkeit dieser Listen wird gelegent- 
lich als eine sehr zweifelhafte bezeichnet; sie sollen durchaus nicht die ge- 
saininte Ausfuhr enthalten, lveil vieles heimlich ausgeführt lverde, um den 
Zoll zu sparen. Dies mag in der That geschehen. Nirgends wird den 
spanischen Zollbeamten Unbestechlichkeit nachgerühmt; Länder mit so aus 
gedehnter Küstengrenze loie Cuba silld überaus schwer von ben Zvllwüchtern 
( ;n bewachen. Es wäre daher wunderbar, wenn der Versuch einer Um- 
gehung des Ausgangszoües nicht, und nicht mit Erfolg gemacht wäre. 
Die Berichte der deutschen Consularbeamten werden durch das Handels 
archiv veröffentlicht. Leider geben die darin mitgetheilten Zahlen zu Zweifeln 
Anlaß. Die Angaben der Consuln in den einzelnen Hafenplätzen stimmen 
häufig nicht unter sich, und nicht mit denen in den Jahresberichten des Ge-
        <pb n="101" />
        95 
iieral-Consulats in Havana. Ein Beispiel dafür bieten die im Jahre 1886 
für bo6 3# 1885 uerôffentltcŅeii 0ertd)te: ber cmß Giens tiegoö giebt bie 
Probuktion auf 630000 Tonnen an, der ans Matanzas auf 590 000 Ton 
nen Zucker und 117 000 Tonnen Melasse gegen 551 000 bez. 120000 
Tonnen im Vorjahr; der aus Trinidad auf 700000 Tonnen gegen 650000 
Tonnen im Vorjahr; der ans Havana (Cuba) auf 6-bis 700000 Tonnen 
gegen 630135 Tonnen im Vorjahre, „von denen 80000 Tonnen im 
Äclbe blieben". miibeften^ über bnë %or#r 1884 sonnte bod) größere 
Einigkeit herrschen 
Die Angaben der alteren Berichte lauteten auf Fässer und Kisten, 
die späteren ans Tonnen; ein Mapftab für die deduction wird nicht ange 
führt. In neueren Berichten fehlt die Zahl der Säcke, bez. die Erläute- 
rung, ob und wie sie auf Gewicht reducirt find. Für Mehl beispielsweise 
wirb amar ber $retB ^r %ag aitgefi'dirt, md)t aber Snfiaít ober @emid)t 
des Fasses. Die Hauptberichte ans Havana, die sachlich bedeutendsten von 
allen, erscheinen überhaupt nicht mehr alljährlich. Für 1879 und 1880 
wurde ein solcher im Jahre 1881 veröffentlicht, für 1881, 1882 und 1883 
int Jahre 1884; seitdem ist noch kein solcher Generalbericht wieder er- 
schienen. 
Für die Höhe der Erzeugung von Zucker bez. Melasse m Euba 
finden sich vornehmlich, abgesehen von den beliebigen Schätzungen für die 
Jahresrenten, die Mittheilungen in Berichten des französischen Viceconsuls 
Hauterive in Cienfnegos, welcher ziemlich begeisterte Ansichten über die 
8rn#arfcit ber 3# #, in 0erid)tcn ber Slgcitten, noiiientlid) ber 
Firma Tobb, Hibalgo L Co. (später Hidalgo &amp; Go.) in Havana, 
welche vermuthlich, wenn sie wollen, gut unterrichtet sein können, und in 
den deutschen Eonsulatsberichten. 
#r bie ftiilieren Sa^e, biß oor beginn be§ ie^en ^^^ntaltbeö, geben 
düse Berichte die gesatmnte Ausbeute ait Zucker tutb Bkelasse, letztere auf 
Zucker reducirt, tu Tonnen zu 2240 //. also an: 
1862: 683 35.0 3:01111611, 1863: 682 290 Tonnen, 1864: 686 040 3:01111611, 
1865: 805 355 „ 1866: 820 830 „ 1867: 790 846 „ 
1868:1008400 „ 1869: 973287 „ 1870: 938894 „ 
1871: 691900 » 1872:1040900 „ 1873:1038487 „ 
.Aautertoe giebt für 1862 mir 500000 1,11b für 1869 mir 710000 3:om 
tien an. Im quarterly report ber Vereinigten Staaten für 1883/84 wird 
nach dem Havana weekly report die Ausfuhr an Zucker und Melasse, ohne 
Reduction der letzteren auf Zucker, mit 904 293 Tonnen für 1873, mit 
823 507 für 1872,"mit 623465 für 1871 oeraetdpict, also mit 134194 bea. 
217 393 und 68435 Tonnen niedriger, wobei für den Jahrevverzehr 
30—40 000 Tonnen zu verrechnen wären: es bleibt auch dann eine ganz
        <pb n="102" />
        — 98 - 
erhebliche Differenz aufzuklären. Noch schlimmer ist es, das; dasselbe Blatt, 
Havana weekly report, tut August 1883 die gesammte Produktion Cuba's 
für das Jahr 1873 auf 775 000 Tonnen, für 1872 auf 690 000 und für 
1871 auf 536 000 Tonnen allgiebt! Die Zahlen, welche der Generalbericht 
für 1881/83 in der HauptzusammensteÜung 2 (Handelsarchiv 1884 11. 720) 
bringt, stimmen mit denen des quarterly reports bez. des weekly report 
überein, sind also ohne Zweifel dem letzteren oder einer gemeinschaftlichen 
Quelle entnommen. Leider lägt auch diese Hauptzusammenftellung Be- 
denken zu. In der ebendaselbst S. 719 mitgetheilten Verkehrsübersicht für 
1882 und 1883 wird die Ausfuhr von Kisten ans Matanzas auf 17 221 
und in Summa auf 197 886 beziffert, wogegen auf der folgenden Seite 720 
statt dessen die Ziffern 14427 und 195 092 aufgeführt sind. 
Unter solchen Umständen wird man die Bedeutilng der Zahlen 
angaben nicht in der Genauigkeit der Einzelnheiten fillden, sondern tu der 
Vergleichung der Gesammtergebnisse. Diese weisen darauf hiil, das; auch 
vor dem Jahre 1868, d. h. vor Begiilll der Revolution, mehrere Jahre 
hindurch die Produktion der Insel nicht stärker war als nachher. Die 
sehr hohe Ernte von 1873 wird nicht allein darauf zurückgeführt, das; das 
Wetter sie ausnahmsweise begünstigte, sondern auch darauf, das; rilan 
allgeillein die Aufhebung der Sklaverei als nahe bevorstehend annahm nub 
deshalb so lange als möglich, bis zum Beginn der Regenzeit fortarbeitete. 
Die quarterly reports ergeben für die Jahre 1881, 1882, 1883 als ge- 
sammte Produktion an Zucker nub Melasse 544 953 bez. 669081 und 610138 
Tonnen, ohne den Jahresverzehr; für die Jahre 1885 und 1886 wird die 
Produktion in Berichten alls Matanzas auf rund 630000 tons bez. 675 000 
tons Zucker und 117 000 bez. 150 000 Tonnen Melasse angegeben; sie 
bleibeir danach hinter vielen älteren Jahrgängen nicht zurück. 
Die beigefügte Uebersicht lässt erkennen, inwieweit die Angaben der 
verschiedenen Berichterstatter von einander abweichen; auch eine Vergleichung 
mit der Tabelle B. zeigt keine Uebereinstimmung, Es wäre sehr lehrreich, 
wenn nach den Einfuhrlisten der Vereinigten Staateil ititb von England 
die angeschriebene Einfuhr mit der cubanischen Ausfuhr zusammengestellt 
werden könnte. In beit letzten Spalten der Tabelle 6. ist die Einfuhr 
von braunem Zucker aus Cuba nach den V. St, ailgegeben uitb aus 
Tonnen reducirt, ohile Hinzurechnung anderen Zuckers oder des Melado, 
der in der vorletzten Spalte sich aufgeführt findet. Dabei ist zu beachten, 
das; diese Angaben sich auf das mit dem jedesmaligen 30. Juni endigende 
Fiskaljahr beziehen, die anderen Spalteil ans das Kalenderjahr. Die 
Zahlen sind der amtlichen quarterly reports entnommen und können wohl 
als zuverlässig gelteil: höchstens mag man sie, wegen gelegentlichen 
Schmuggelnd, für etwas zu niedrig halten. Die Englischen statements 
fassen das ganze spanische Westindien zusammen: ihre Angaben waren also 
für eine Vergleichung nicht zu brauchen.
        <pb n="103" />
        ş mg» p-v T*" 
97 
Leider gestatten alle diese Zahlen keinen Schluß auf die künftige 
Leistungsfähigkeit der Insel. Denn Niemand vermag zu übersehen, inwie 
weit während der letzten Jahre bereits die besseren Zustände auf der Insel 
und die bessere Arbeit in den Fabriken mitgewirkt hat, Niemand and;, 
inwieweit eine Ausdehnung der Rohrpflanzungen und eine größere Er 
giebigkeit derselben in Aussicht steht. 
18. Schiffahrt und Handel. 
Der Seeverkehr der Insel hat lange Zeit unter den Bevorzugungen 
gelitten, welche der spanischen Flagge eingeräumt loaren. Ueberdies lasteten 
alls den Schissen schwere Abgaben und sie mußten sich in den Häfen 
allerlei chicanöse Maßregeln gefallen lassen, deren Fortdauer noch der 
Consulatsbericht von 1884 bezeugt. Ein Beispiel dafür bietet die Ver 
ordnung vom 2. April 1875, welche vorschreibt: Alle ausgehenden Fahr 
zeuge werden von einem Polizeibeamten besucht, welcher von den Pässen 
der Passagiere Einsicht nimmt. Passagiere ohne Paß werden sofort wieder 
ausgeschifft; sie haben 100 pesos Buße zu zahlen ev. 2 Monat Haft zu 
erleiden. Für jeden paßlosen Passagier zahlt der Capitän oder ev. der 
Consignatär 200 pesos Strafe; gleiche Strafe der Consignatär, der ohne 
Vorzeigung eiiles Passes den Fahrschein ausgiebt. Consignatäre fremder 
Schiffe haben 2 Stunden vor der Abfahrt dern Polizei-Inspector eine 
Liste der Passagiere zuzustellen, bei 100 pesos Strafe. 
Aus der vorerwähnten Tabelle über die Produktion ergiebt sich zugleich, 
welche Verschiebung im Laufe der Jahre bei dem Znckerhandel mit dem 
Auslande stattgefunden hat. Seit einiger Zeit erscheinen die Vereinigten 
Staaten von Nordmnerika nicht blos als die fast ausschließlichen Abnehmer 
der cubanischen Melasse, sondern auch als die von Jahr zu Jahr stärkeren 
Käufer für Zlicker, neben denen überhaupt nur noch das Mutterland 
Spanien in Betracht konunt. England, welches noch in den Jahren 1868 
bis 1870 ebensoviel oder mehr als die Vereinigten Staaten bezog, erhält 
neuerdings fast nichts mehr ans Cuba; ebenso ist Frankreich aus der 
Reihe der Bezngsländer ausgeschieden. Dem amerikanischen Verkehre kommt 
die kürzere Reise und die damit verbundene billigere Fracht zu statten. 
Ueberdies ist auch die Einfuhr aus den Vereinigten Staaten an wichtigen 
Bedarfsartikeln, wie an Mehl, Fleisch, Fett, Kohlen u. dergl. sowie an 
Edelmetallen, sehr bedeutend und in stetem Wachsen begriffen, so daß es 
an Rückfracht nicht fehlt. Auch einzelne Sonderbestinnnungen kommen 
beut Verkehr zu Gute, iute z. B. die, daß leere Fässer, welche nachweislich 
von Cuba mit Melasse ausgegangen waren, aus New-Iork zollfrei wieder 
dorthin eingebracht werden dürfen. Neuerdings sind auch der amerikanischen 
13
        <pb n="104" />
        Flagge dieselben Rechte eingeräumt, welche der spanischen zustehen und 
man darf danach eine nachhaltige Steigerung des Verkehrs zwischen der 
Insel und den Vereinigten Staaien voraussetzen. Wahrscheinlich wird sich 
diese Verbindung beider Länder nicht auf den Austausch von Waaren be 
schränken, sondern mehr und mehr die Ueberführung von Capitalien und 
unternehmungslustigen Männern zur Folge haben. 
Dem entspricht auch die stetige Zunahme der amerikanischen Flagge 
im cubanischen Schiffsverkehr. Eine Uebersicht über letzteren in seiner 
Gesammtheit zu geben, erwies sich wegen völlig unzureichender Nachrichten 
als unausführbar. Für die Schiffseingänge in den Hafen von Havana 
während der Jahre 1864 bis 1884 liegt eine Nachweisung bei, welche die 
Betheiligung der wichtigsten Flaggen zeigt. Früher war Havana mehr 
als jetzt der Mittelpunkt der überseeischen Handelsbeziehungen der Insel. 
Zwar die Ausfuhr von Zucker hat nicht nur nicht nachgelassen, sondern 
sich noch mehr dorthin gezogen. Die Eisenbahnverbindungen haben über 
haupt manche Aenderungen herbeigeführt. Erzeugnisse aus dem Bezirke 
von Santa Clara, die früher nach San Jago gingen, werden jetzt nach 
Cardenas gebracht, weil sie neben der Eisenbahnbeförderung dorthin, auch 
billigere Seefracht nach Nordamerika haben. Aus gleichem Grunde kommen 
jetzt viele Erzeugnisse aus betn Bezirke von Cienfuegos nach Havana. Die 
Tabelle über die Zuckerausfuhr läßt erkennen, daß die nördlichen, für den 
Verkehr nach Amerika günstig gelegenen drei Häfen Havana, Matanzas 
und Cardenas jetzt den Löwenantheil an der Ausfuhr haben. Anders 
steht es mit der Ausfuhr von Bergwerks-Produkten und Holz, tvelche frei 
lich an Bedeutung mit der des Zuckers vorerst sich nicht messen kann. 
Natürlich haben die Häfen von Matanzas und Cardenas bei steigender 
Ausfuhr auch an der Einfuhr einen größeren Antheil erlangt. Die süd 
lichen Plätze, namentlich auch Cienfuegos mit seinem trefflichen Hafen, sind 
für den Verkehr mit Central- und Südamerika mehr in den Vordergrund 
getreten. Die fremden Importeure behaupten deshalb, daß ihnen dadurch 
das Geschäft sehr erschwert sei; früher genügte ihnen die Kenntniß der 
Havana und die Verbindung mit diesem Platze; jetzt müßten sie sich mit 
der ganzen Insel befassen. Aus Cienfuegos wird bereits im Jahre 1877 
berichtet, es hätten sich drei Dansiffschiffs-Gesellschaften gebildet: eine unter- 
spanischer Flagge zur Verbindung nach Honduras, eine desgleichen für die 
Fahrt nach Liverpool; eine dritte unter amerikanischer Flagge für die Fahrt 
nach New-Jork; die beiden ersteren hätten Fahrzeuge von 800 bis 1000, 
die dritte von 1000 bis 1500 Tonnen Tragfähigkeit. Im Jahre 1880 
kamen nach Cienfuegos 45 Dampfer mit 56 299 Tonnen Tragfähigkeit, dar 
unter 33 Spanier mit 28 003 und 12 Amerikaner mit 28296 Tonnen Trag 
fähigkeit; im Jahre 1883 schon 78 Dampfer mit 101 614 Tonnen Tragfähig 
keit, worunter 45 Spanier und 14 Amerikaner. Noch beträchtlicher ist der
        <pb n="105" />
        13* 
99 
Schiffsverkehr von San Jago, welches vor Jahren von zahlreichen Dampfern 
der compagnie générale transatlantique angelaufen wurde. Im Jahre 1883 
kamen dort 218 Dampfer mit 241881 Tonnen Tragfähigkeit ein, darunter 
154 Spanier, 39 Amerikaner, 4 Engländer; im Jahre 1886 schon.303 Dampfer 
mit 296 590 Tonnen Tragfähigkeit, worunter 138 Spanier und 31 Ameri 
kaner, diese mit 45 755 Tonnen Tragfähigkeit. Da in demselben Jahre 1886 
nach Cienfuegos im Ganzen 253 und in Matanzas 342 Fahrzeuge ein 
gingen, so läßt sich die Bedeutung der Häfen ermessen, welche sich mit der 
Havana in den Verkehr theilen. 
Indessen behauptet die Havana wegen seiner günstigen Lage und als 
Hauptsitz der Regierung salvie als Centralpunkt des Handels, namentlich 
mit Tabak, innner den ersten Platz. Auch dort haben neben den Spaniern 
die amerikanischen Fahrzeuge den Hauptantheil, indem sie dein Tonnen 
gehalt nach mehr als den dritten Theil des gesammten Einganges für sich 
beanspruchen. Die englischen Fahrzeuge haben der Zahl nach beträchtlich 
abgenommen, der Aufschwung, den sie im Jahre 1881 nahmen, war nicht 
nachhaltig; der Tonnengehalt ist nach starken Schwankungen ungefähr der 
selbe uñe vor 20 Jahren. Deutsche Fahrzeuge haben sich nicht behaupten 
können: ohne Zlveifel der mangelnden Frachten wegen, da als Ausfuhr 
artikel für sie nur Tabak in Betracht konnnt und eine stetige Einfuhr sich 
noch nicht von Deutschland her entlvickelt hat. Das Gesannntbild läßt 
sich dahin zusammenfassen, daß zwar die Zahl der nach Havana kommenden 
Schiffe seit 1864 fast auf die Hälfte herabgesunken, ihr Tonnengehalt da 
gegen fast auf das Doppelte gestiegen ist. 
Wie überall haben auch hier die Dampfer den Segelschiffen den Rang 
abgelaufen. Zur Zeit gehen fünf regelmäßige Dampferlinien nach Europa, 
drei nach New-Aork, eine nach New-Orleans, vier nach Vera-Cruz, und 
drei nach St. Thomas. Dazu kommen eine Anzahl kleiner Küstendampfer, 
welche für den Verkehr der Insel selbst, nach wie vor, der Benutzung von 
Landwegen vorgezogen werden, besonders da, wo es an Eisenbahnen noch 
fehlt. Auf diese Weise ist den Segelschiffen die Aussicht ans Rentabilität 
fast ganz benommen und ihre Benutzung beschränkt sich mehr mld mehr 
auf Massenartikel, welche die Dampferfracht nicht tragen. 
Im Jahre 1868 wurde das unterseeische Kabel von Havana nach 
New-Nork dem Verkehr übergeben. In demselben Jahre wurde eine 
Dampferverbindung der Hamburg-Amerikanischen-Packet-Actien-Gesellschaft 
eingerichtet, der gegen Ende des Jahres dann auch der Norddeutsche Lloyd 
mit einer Verbindung zwischen Hamburg und Bremen nach Havana und 
New-Orleans folgte. Im Jahre 1879 kamen 16 Dampfer des Norddeut 
schen Lloyd und 14 Dampfer der Packet-Actien-Gesellschaft in Havana an. 
Noch ans betn Jahre 1880 wird berichtet, daß der Dampfer „Lotharingia" 
dieser Gesellschaft auf der Fahrt zwischen St. Thomas und Vera-Cruz den
        <pb n="106" />
        v&gt; 
«■BffflHÌWHE 
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îâà» 
100 
Hafen der Havana 24mal angelaufen habe. Dagegen wird für das Jahr 
1883 berichtet: Deutsche Dampfer seien bei dem Seeverkehr Havana's 
gar nicht mehr betheiligt, da die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt- 
Gesellschaft ebenso iute der Norddeutsche Lloyd ihre Schiffe ganz zurückge 
zogen hätten; bei den dermaligen Dampferfahrten kämen 12 größere und 
kleinere spanische Linien, 5 Nordamerikanische, 1 französische, 1 englische 
und 1 mexikanische in Betracht. Seither legen deutsche Dampfer nur selten 
dort an: den Verkehr nach Deutschland vermitteln vortheilhafter die frem 
den regelmäßigen Linien. Ohnehin wird in Havana das Lagergeld für 
wenige Tage eben so hoch berechnet iute für das ganze Jahr; der Ver 
sender kann also ohne Mehrkosten warten, bis einer der häufig ohne 
Ladung durchgehenden Dampfer ihm eine billige Verfrachtung erlaubt. 
Die Seefrachten haben während und in Folge der unruhigen Zeiten 
sowie wegen der wechselnden Höhe der Ernten sehr erhebliche Schwankungen 
erfahren. Auch die eigenthümlichen Geldverhältnisse haben dazu mitge- 
wirkt. Eigne Nhederei scheint in Havana oder sonst in Cuba nicht vor 
handen zu sein; fremden Rhedern aber kann die Seefracht nur in Golde 
berechnet werden. Um einen ungefähren Anhalt zur Beurtheilung zu 
bieten, ist in der beigefügten Tabelle eine Uebersicht der Seefrachten von 
Havana nach dem Kanal (Falmouth) per Ordre aus den Berichten zusam 
mengestellt für die Jahre 1862 bis 1885. Diese Fracht ist gewählt, weil 
sie am besten den Vergleich ermöglicht und für Europa ant wichtigsten ist, 
da die Kosten der Versendung nach England den Verkaufspreis des Zuckers 
daselbst mit bestimmen. Agentnrgebühren, Prämien u. dergl. sind bei den 
Zahlen der Tabelle nicht inbegriffen. Auch die Fracht nach den Vereinigten 
Staaten ist natürlich Schwankungen unterworfen, wenn auch weniger 
starken. Im Jahre 1875 notirte man Anfangs 1 bis l l / 2 dollars per 
ßtfte, an Gilbe beììelbett mtr '/, biß % dollar ber #te, ttitb 5'A bea. 
2 3 / 4 dollar per Faß Zucker, sowie 3% bez. l 3 / 4 dollar für das Faß 
Ueber die Geldwirthschaft der Insel ist schon in einem früheren Ab 
schnitte ausführlicher gesprochen worden. Der Tabelle E ist neben den 
Seefrachten eine Nachweisung des Wechselcourses ans London, 60 Tage 
Sicht, sowie eine Nachweisung der Prämien, welche für Spanisches Gold 
gezahlt werden mußten, gegeben und damit eine Nachweisnng der einge 
führten und ausgeführten Edelmetalle (Goldmünzen) verbunden. Für das 
Jahr 1874 mußte der Wechseleonrs in Papier der Bank von Havana an 
gegeben werden, weil damals die Geschäfte nicht ans Goldbasis gemacht 
wurden. Uebrigens muß bemerkt werden, daß die beharrliche Höhe des 
Courses nur eine scheinbare ist, weil für London usancemäßig das Pfund 
Sterling mit 4,44 pesos berechnet wird, während sonst ausnahmslos der 
peso gleich 5 fr. oder 4 Mark steht. Banknoten hatte die Bank von Ha-
        <pb n="107" />
        Dana am 30. Juni 1872 für 49 Millionen dollars (170 Millionen Mark) 
ausgegeben, wovon 12 Millionen für eigene Rechnung und 37 Millionen 
für Rechnung der Regierung. Wo in der Tabelle E bei einzelnen Jahren 
die Rubriken nicht ausgefüllt sind, hat die betreffende Zahl nicht ermittelt 
werden können. 
Endlich wird noch eine Nachweisung der Preise für Zucker beigefügt, 
loie sie in Havana notirt worden sind. Erst in neuerer Zeit werden sie 
gleichmäßig für die vier Sorten: clayed = gedeckter Zucker, centristigirter, 
Melassezucker und Muskovadezucker angegeben. In vielen Jahren haben 
die Preise je nach der Jahreszeit stark geschwankt: genauere Angaben 
hierüber finb vermieden worden, da es int wesentlichen nur darauf ankam, 
den nöthigen Anhalt zu einer Vergleichung der früheren und der neueren 
Verhältnisse im Ganzen zu bieten. Obwohl in Spanien selbst seit langer 
Zeit das metrische System für Maaß und Gewicht sowie das Decimal- 
system für die Valute eingeführt ist und gleiches auch neuerdings für die 
Colonieen angeordnet sein soll, rechnet man in Cuba immer noch nach 
spanischen Pfunden, Arroben und nach Realen. So verstehen sich auch die 
in der Tabelle angegebenen Preise als Realen per Arroba von 25 
spanisch. Eine Umrechnung ergiebt den Preis von 1 Real per Arroba 
gleich 4,35 Mark für 100 kg; von 1% Realen = 6,51 Mark, von 
2 Realen = 8,70 Mark, von 2 '/ 2 Realen = 10,87 u. s. w., von 4 Realen 
per Arroba gleich 17,39 Mark für den Doppelcentner. Uebrigens wird in 
einem Berichte ans dem Jahre 1885 behauptet, daß auf den Zuckermarkt 
in Havana die Londoner Preise, welche stets niedriger seien als die New- 
Norker, nur einen geringen Einfluß ausüben. Bei der weit überwiegenden 
Ausfuhr nach Nordamerika erscheint dies sehr glaublich. 
19. Schlnftwor t. 
Alles in Allem genommen scheint die Ansicht nicht unbegründet, daß 
Cuba jetzt, nachdem es eine Reihe von Jahren hindurch Frieden und Ruhe 
genossen, trotz der Mängel seiner Regierung ein geeignetes Feld für capital- 
kräftige Unternehntungen biete. Eine solche kündigte sich in etwas auf 
fälliger Weise bei Gelegenheit der Weltausstellung in Ainsterdam 1883 an. 
Was darüber durch den erstatteten Ausstellungsbericht bekannt geworden, 
möge hier Erwähnung finden. Es heißt dort also: 
Die spanischen Colonieen waren schwach vertreten. Von C u b a 
waren nur aus dem Bezirke von Ripe wenige Muster von braunen und 
hellbraunen Muscobaden, Konkretzucker, eingesandt und zwar von deut 
„.Verein für Landwirthschaft und Industrie auf Terrains in 
Ripe." Diese Gesellschaft, 1881 gegründet, hat ihren Sitz in Madrid
        <pb n="108" />
        und ein Bureau in Paris; die Direction führt Enrique Cuespo in Ma 
tanzas. Ihre Terrains, im nördlichen Theile der Insel belegen, umfassen 
eine Fläche von 75 726 ha. Zweck der Gesellschaft ist die Bepflanzung 
dieser Felder und die Gründung einer Stadt Nipe mit Hafen und 
Zubehör. Die amtliche Genehmigung ist bereits nachgesucht zur Her 
stellung eines Trockendocks sowie die Anerkennung des Hafens zur Ver 
meidung aller Zollschwierigkeiten. Eine Kirche, eine Schule, Gebäude für 
Arzt und Apotheke werden die ersten Gebäude sein. Man ist gegenwärtig 
auf einem 27 ha großen Terrain mit der Herstellung einer Centralfabrik 
beschäftigt, ivelche den Namen „Paris" führen, am 1. December 1884 den 
Betrieb beginnen und 10- bis 15 000 tons Zucker arbeiten soll. Zur Be 
pflanzung mit Rohr werden 2000 ha gerodet; eine Eisenbahn wird gebaut 
von der Bai von Ripe bis Magari, um die gefällten Bäume herabzuschassen 
und das Rohr der Fabrik zuzuführen. Die Steine werden von Havre 
gebracht. Die Colonisten, die sich niederlassen wollen, erhalten sofort 
cultivirbares Land, Thiere und Arbeitsgeräth, Terrain zum Bau von 
Wohnung und Stall; ferner Lebensmittel oder Geld, Saat für Zuckerrohr 
oder Tabak. Geldvorschüsse werden zu 6% verzinst, Vorschüsse von Vieh 
und anderen Artikeln zum Kostenpreise ohne Zinsen berechnet, und sind 
aus den Ernten der beiden ersten Jahre zu erstatten. Das Land wird 
auf 5 Jahre pachtfrei zur Benutzung gegeben. Das Zuckerrohr wird zu 
3 pesos per 100 arrob. (d. i. 15 fr. für 1150 kg — also etwa 1 Mark für 
100 kg Rohr —) von der Gesellschaft übernommen. Im 6. Jahre wird 
der Colonist Eigenthümer des Landes mit der Verpflichtung, dort zu bleiben 
und Rohr oder Tabak zu bauen; er hat eine Rente, ablösbar, von 500 pesos 
per Caballería (d. h. 2000 Mark für 13 '/ 2 ha) zu zahlen. Die Gegend 
ist gesund, große Wälder mit den besten Holzsorten sowie Wasser hinreichend 
vorhanden, der Boden fruchtbar, zu allen Culturen geeignet. Die Gesell 
schaft wird in jeder Weise von der Regierung unterstützt, die ihr, auf ihr 
Ersuchen um 500 Soldaten zu Arbeitszwecken, deren 3000 zur Verfügung 
gestellt hat. Ende März d. I. waren 300 Colonisten mit 500 Soldaten 
an der Arbeit, ein Magazin für Werkzeuge und Nahrungsmittel bereits 
fertig. Die erste Zuckerernte ergab 10000 tons; in der dritten nnd vierten 
hofft man auf 30000 tons zu kommen, was einen Werth von 15 Millionen fr. 
repräsentirt. 1500 kg Tabak wurden im Januar nach Frankreich verschickt 
und von sehr guter Qualität befunden. Auch won Mineralien wurden 
einige Tonnen verschifft. — Herr Rosenthal, Vertreter der Gesellschaft auf 
der Ausstellung, bemerkte, daß die Zucker nur ausgestellt worden, uni Ripe 
bekannt zu machen, nicht um mit andern Zuckern zu concurriren. In 
Ripe sei der Tagelohn sehr hoch, etwa 9 fr. per Tag, und da sei es die 
Aufgabe, möglichst rasch zu arbeiten, und nicht, ein vorzügliches Produkt 
herzustellen.
        <pb n="109" />
        Vicier Bericht, dem die französische Reelamesucht an der Stirn ge 
schrieben steht, sollte immerhin ein- thatsächlich- Grundlage von e,Niger 
Bedeutung erwarten lassen. Zn diesem Falle würden ohne Zweistl aà 
Berichte nicht darüber geschwiegen haben. Allein e» findet sich nur in 
einen, Berichte a.is San Zago sur 1882 erwähnt, dag c.iie spamsch-sranzo- 
sischc Gesellschaft mit den, Herzog de la Borre an der Spitze zusammen- 
«MW 
SMW 
strömen, welche Fortschritte wird dann Cuba nnt leinet Zuckerindustrie 
Frage, ob der Anbau des Rohres weiter als bisher ausgedehnt 
U,ne ®ie Selbstkosten der Pflanzungen, salvie der Fabriken werden sich 
«MW 
wird allmählich auch eine größere Ausbeute erzielt werden, dļw System 
der Central-Ingenios wird allgemeinere Anwendung ftnden und die bessere 
bringen.
        <pb n="110" />
        104 
Allein mit der Vermehrung dieser verkäuflichen Waare kann leicht 
eine Preisminderung Hand in Hand gehen, welche die Rentabilität der 
Betriebsanstalt und der Pflanzung in Frage stellt. In Deutschland 
herrscht ziemlich allgemein die Ansicht, daß, abgesehen von vorübergehenden 
Conjuncturen, der Zuckerpreis der letzten beiden Jahre für die Folge ungefähr 
beibehalten werden wird. Diesen Preis hat man nach den vorliegenden 
Nachrichten Ursache, für einen hinter den durchschnittlichen Selbstkosten der 
cubanischen Fabriken zurückbleibenden zu halten. Weitere Erfahrungen und 
Ermittelungen allein können den Nachweis liefern, das; dieser Preis in 
Zukunft noch einen angemessenen Ueberschuß über die Selbstkosten gelvährt. 
Andernfalls müßten Kapital und Kräfte sich ein vorteilhafteres Feld für 
ihre Thätigkeit suchen. Ob ein solches zu finden, läßt sich zur Zeit nicht 
übersehen: man sollte es aber nicht für unmöglich halten. 
In den obigen Zusammenstellungen ist auch der übrigen Natur- 
Erzeugnisse Cuba's erwähnt worden. Müßige Gelder und Kräfte werden 
zunächst auf diese ihr Augenmerk richten. Man hat den Kaffeeban ver 
nachlässigt. Die Zeiteil haben sich inzwischen geändert. Kaffee zahlt einen 
guten Preis. Zucker nicht. Anbaufähiges Land muß vorhanden sein für 
diese Cultur, da sie früher in größerem Umfange betrieben worden. Allem 
Anschein nach ist der Anbau lveder sehr schwierig, noch so kostspielig lvie 
die Rohrcultur und die Herstellung des Zuckers. 
Daß zur Zeit auf Cuba nicht soviel Tabak erzeugt wird als der 
Weltmarkt verlangt, geht schon aus der seltsamen Art der Bezüge ans 
Portorico hervor. Ohne Zweifel ist cubanischer Tabak eine leicht verkäuf 
liche und gilt bezahlte Waare. Abgesehen von den zehnjährigen Unruhen, 
welche den ausgedehnten Tabaksbezirken im Westen der Insel wenig ge 
schadet haben, sind die allgemeinen Calamitäten dem Tabakhandel ver 
muthlich ebenfalls sehr nachtheilig gewesen. Eine Ausdehnung des Tabaks 
baues lvird indessen wesentlich davon abhängen, ob geeignetes Land dafür 
vorhanden ist. Diese Frage läßt sich hier nicht beantworten. 
Alle Nachrichten stimmen darin überein, daß die Insel lnit ihrem 
Bedarf an Nahrungsmitteln auf die Bezüge aus dem Auslande angewiesen 
sei. Der Anbau von Reis, Mais ulld anderen Cerealien wird so gut wie 
gar nicht betrieben. Man sollte meinen, daß es in einem Lande lvie Cuba 
an Feldern nicht fehlen könnte, die sich für solchen Anbau eigilen. Wenn 
uiail von ausgedehnten Sumpfstrecken an verschiedenen Küstenpunkten liest, 
so liegt der Gedailke llahe, sie beispielsweise für den Reisbau herzurichten. 
Wenn die Einfuhr von Mehl aus Amerika und Spanien ein gewinn 
bringendes Geschäft ist, so sollte man glauben, daß der Getreidebau seinen 
Nutzen bringen müsse. 
Zur Zeit hat die Insel so gut wie gar feine Industrie. Bei fort 
schreitender Hebung der Landwirthschaft uild des Wohlstandes wird sich
        <pb n="111" />
        14 
105 
das Bedürfniß Herausstellen, in gewissem Umfange mancherlei selbst zu 
erzeugen, was jetzt vom Auslande bezogen wird, ohne daß die Insel gerade 
ein Mittelpunkt großartiger Fabrikthätigkeit zii werden brauchte. 
Ohnehin hat die Erfahrung der letzten Jahre bewiesen, daß es au 
Erzeugnissen des Bergbaues nicht fehlt, welche eine weitere Verarbeitung 
verlangen und belohnen. Sind die Eisenerze von San Jago werth, nach 
Amerika verschifft zu werden, so liegt es nahe, an ihre Verarbeitung im 
Lande selbst zu denken. Vermehrter Eisenbahnbau und vermehrte Fabrikthätig 
keit werden dazu wohl Anregung genug geben. 
Mit dem Holzreichthum der Insel ist man früher verschwenderisch 
genug umgegangen. Indessen scheint das Innere immer noch ansehnliche 
Mengen von Cedern, Mahagoni u. dergl. liefern zu können. Wenn bessere 
Wege und bessere sonstige Einrichtungen ein systematisches Ausbeuten der 
Holzbestände ermöglichen, dürfte auch die Frage aufgeworfen werden, ob 
es nicht vortheilhaft sei, statt der rohen oder roh vorgearbeiteten Stäinme 
lieber Halbfabrikate zu liefern, welche bessere Preise bringen und die Fracht 
leichter tragen. 
Die vorstehenden Bemerkungen haben nicht den Ztveck, die Zukunft 
der Insel vorauszusagen. Für derartige Weissagungen reicht die Kenntniß 
des Landes nicht aus. Sie sollen vielmehr nur einer Vorstellung begegnen, 
welche sich vielleicht hier und da eingefnnden oder eingebürgert hat: nämlich 
der, daß Cuba nur für die Zucker-Industrie sich eigne und mit deren Ge 
deihen stehe oder falle. Gewiß ivird Cuba immer Zucker erzeugen und mit 
diesem Erzeugnisse eine Rolle auf dem Weltmärkte spielen. Allein es hat 
uicht nöthig, zu seiner Erhaltung einen Verzweifluitgskampf einzugehen, 
bei dem es um jeden Preis produzirte, selbst wenn es dabei keinen Nutzen 
behielte. Zur Zeit befindet es sich in einem Uebergangsstadium. Hoffent 
lich belehren genauere und zuverlässige Nachrichten über die dortigen Zu- 
stände so, daß sich ein zutreffendes Urtheil über die Zukunft fassen läßt.
        <pb n="112" />
        li
        <pb n="113" />
        Kohlen - Ginfuhŗ naáy Gnvn. 
In Tonnen ;u 224V ^ engl. 
Jahr 
überhaupt 
aus 
England 
Amerika 
aus Amerika 
im 
Werthe vou 
dollars 
Preis per ton für 
a. Amerikanische 
b. englische 
von 
bis 
pesos 
1869 
1870 
1871 
1872 
1873 
1874 
1875 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
1881 
1882 
1883 
1884 
161 470 
145366 
89 346 
128187 
265 168 
176 587 
115092 
112560 
155 125 
252055 
174806 
140557 
168737 
138673 
176263 
) 161470 
140309 
91194 
112640 
220507 
101 347 
87362 
88556 
72797 
5057 
3331 
15 548 
44 661 
75240 
26262 
24 004 
81741 
0 - 
100319 
112401 
3 ) 
101142 
62945 
179469 
261214 
427 049 
282 098 
201724 
251 556 
277 704 
376702 
245 323 
372563 
MOMO 
451925 
372977 
=) 5Yz 
a. 6,0 b. lO'/z 
a. S'/2 b. IOV2 
a. 12 b. 15 
572 
a. 572 6. 674 
a. 9,0 b. lO'/s 
a. II72 b. 167« 
a. 15 b. 18 
8' 2 
a. 7 b. 8 
Bemerkungen: 
&gt;) Nach Havana weekly reports. 
2 ) Nach Berichten des Handelsarchivs. 
3 ) Nach den amtlichen quarterly reports aus Washington: Die Zahlen gelten für das 
Fiskaljahr bis 1. Juli. 
4 ) Desgleichen: Anthracit und bituminöse Kohle zusammen. 
3 ) Die annual statements fassen die Ausfuhr von Kohlen, Cinders und Fuel nach 
dem spanischen Westindien zusammen, ohne Trennung für Cuba: Die Angaben sind deshalb 
hier nicht angeführt. 
14 :
        <pb n="114" />
        — 108 
». 
Zucker-Ausfuhr uud Uro- 
Uach den im Aandelsarchiv 
Bezeichnn n g 
der 
1808. 
Fässer I Kisten 
1809. 
Fässer 
Kisten 
1870. 
Kisten 
a) Bestimmungsländer. 
V. St. Amerika 
Großbritannien 
Nordşnropa 
Frankreich 
Spanien nnd Süd-Enropa. 
Sonst 
b) Ansgangshäfen. 
Havana 
Matanzas 
Cardenas 
Sagna 
Caibarien 
S. Jago 
Trinidad 
Cienfuegos 
Guantanamo 
Andere Häfen 
Zusammen 
Oder in Tonnen . . . 
Verbrauch in Tonnen 
Bestände in Tonnen . 
448809 
109893 
2 558 
940 
202 
4 627 
24829 
82905 
70903 
110504 
53202 
46 776 
41994 
97 884 
20744 
549741 
483 858 
750990 
75125 
199 890 
217 354 
24 093 
1 340159 
339778 
46669 
8 078 
295 
653 
4813 
1179 
298 
1741922 
412906 
87 229 
30%) 
1 107 
313 
7197 
35649 
86 321 
71632 
94851 
43515 
22182 
41 769 
97 228 
18 674 
511822 
610 537 
606100 
44057 
198 784 
227 398 
14995 
1 308381 
324761 
51 012 
9966 
20 
248 
2800 
1401 
3 282 
1701871 
639406 
408100 
123111 
1393 
1918 
3210 
13335 
50417 
102166 
87 823 
102467 
53118 
40593 
29883 
86828 
495899 
672 200 
46327 
177 813 
266058 
25408 
1285029 
328586 
43626 
20365 
551068 1681705 
659 886 
*)62500 
11093 
9 D. i. 350000 bez. 360 000 Kisten zu 400 in. Tonnen zu 2 240 U umgerechnet.
        <pb n="115" />
        109 — 
dnktion dev Insel Onda. 
abgedruckten Serichten. 
1871. 
Fässer 
Kisten 
1872. 
Wer 
Kisten 
376 628 
34 230 
576 
7141 
529 
3476 
34890 
75060 
59 600 
77 280 
44710 
14180 
25 490 
66900 
20450 
551896 
273758 
36325 
50481 
197 761 
15 920 
953 800 
186 600 
41730 
3400 
350 
700 
1890 
452439, 642018 
81469 
303 
1000 
1819 
4989 
51089 
103 273 
103580 
101225 
51547 
11993 
25953 
77 604 
20573 
10257 
416153 1126141 
I 
470 941 
*)62500 
51250 
542019 
542294 
51843 
87 613 
182357 
19018 
1161178 
287339 
57138 
16 746 
185 
326 
683 
1503 
202 
1873. 
Wer 
622744 
89742 
744 
1619 
857 
3750 
Kisten 
499 095 
608298 
41558 
47 668 
217171 
10923 
59531 1 150099 
162760 205041 
1525098 
630862 
*)62500 
57 000 
154373 
117848 
50 472 
15867 
21 #5 
96186 
15755 
20 311 
719456 
52%% 
15177 
151 
626 
1050 
275 
1424 713 
1874. 
Wser 
Kisten 
714960 
*164300 
: 72018 
611 755 
37 801 
147 
547736 
353746 
12 969 
6068¡ 27991 
1479 156 139 
2828 
66271 
157 585 
128056 
110779 
52310 
12788 
21504 
90554 
20051 
200 
6918 
878578 
168 682 
43946 
12069 
105 
323 
1237 
559 
1875. 
Wer 
660098 1105 499 
I 
617656 
60000 
9 450 
628793 
76 840 
305 
6918 
1801 
2744 
90045 
168 591 
148338 
106 398 
59836 
12952 
21621 
90 412 
19 208 
Kisten 
426000 
466792 
22008 
61389 
165962 
5 550 
945251 
169216 
27 039 
1681 
225 
3 325 
964 
275 
717401 1147701 
661057 
55000 
12500
        <pb n="116" />
        Noch B. 
110 
Beze i ch n it n g 
der 
1870. 
Fässer ¡ Kisten 
1877. 
passer 
Kisten 
1878. 
Süsse 
Kisten 
1879. 
Süsser 
Kisten 
a) Bestimmungsländer. 
B. St. Amerika 
Großbritannien 
Nord Europa 
Frankreich 
Spanien und Süd-Enropa . . 
Sonst 
I») Ausgangshäfen. 
Havana 
Matanzas 
Cardenas 
Sagna 
Caibarien 
S. Jago 
Trinidad 
Cienfuegos 
Gnantanaino 
Andere Häfen 
Zusammen . 
Oder in Tonnen . . 
Verbrauch in Tonnen 
Bestände in Tonnen . 
5G8785 
56 882 
450 942 
133195 
15678 
12987 
162911 
11 139 
1 OG 098 
146136 
131132 
85010 
39250 
13 355 
19016 
68 M3 
20079 
628739 786852 
537 743 
55000 
14150 
597 671 
10269 
1322 
2 494 
835 
262832 
71200 
5264 
1814 
92589 
2152 
631656 
138248 
213020 
52700 
2069 
1793 
94738 
11415 
199128 
130676 
89 691 
55342 
31339 
11675 
12594 
57 MG 
23 860 
735 
155 727 
147 779 
118139 
76439 
36 859 
14 245 
12737 
65 285 
25485 
230206 
211404 
152270 
119 187 
49228 
10528 
10426 
83294 
21930 
3000 
328 991 
47 501 
3443 
1377 
45 
2108 
612141 
435 858 
652695 
375 735 
460810 
50000 
11000 
474429 
50000 
19 200 
892432 : 383465 
623935 
50 000 
27200 
*) Die Zahlen sind ans der Zeitschrift „Die deutsche Zucker-Industrie" entnommen. 
**) Die Nachrichten aus den einzelnen Häfen sind unvollständig und deshalb nicht aufgenommen. 
2123 #en, 280771 Göde; in 1886 : 35318 SM), 312 #cn, 575921 @äde.
        <pb n="117" />
        1880. 
Fässer 
681154 
28097 
4683 
3 272 
414 
Kisten 
115202 
35804 
2893 
4303 
79 472 
815 
628051 
19 351 
408 
10 610 
12041 
191240 200 496 
157818^ 24128 
119 584 
89 759 
45022 
11776 
10146 
75520 
24175 
3684 
2973 
22 
489 
857 
997 
502 
10831 
1881. 
Kisten 
94008 
10 030 
8 
91 
78805 
1570 
1882. 
Kisten 
788127 
12 607 
383 
1485 
8 393 
93604 
12612 
600 
2 
85897 
2377 
1883. 
Kisten 
598532 
4167 
2445 
4173 
189 522 157 942 
129 154 ; 23 475 
113 504 1 131 
87 175 1 486 
728724 241295 
460000 
50000 
22900 
39950 
8264 
10085 
71700 
17 035 
584 
666 973 191 323 
223 
812 
1104 
6149 
217 515 177 659 
151 917 17 221 
138 616 1 856 
115664 ' 3 269 
45906 
13031 
6 797 
79 242 
32467 
9 840 
449 067 
45000 
13179 
810995 
1150 
103273 
1113 
2000 
3 
57 258 
413 
1884. 
a. Fässer 
*)b. Tonin 
Kisten 
a. 660 656 152 436 
b. 436 899 
a. 5492 12047 
b. 5699 
a. 4071 107 
b. 272 
a. — I 251 
b. 48 
a. 1 8191106 964 
b. 21447 
a. 123151 5809 
b. 8709 
1885. 
Tonnen 
442899 
20 623 
1321 
40532 
7 826 
1886. 
Tonnen 
601 775 
55627 
5941 
158693 146808 
2495 
1680 
118179 
116300 
74335 
35174 - 
9 796 1 906 
8712 4825 
63048 , 2886 
25 693 190 
570 - 
19788k 
537859 
40000 
12000 
125480 
120009 
134 567 
215200 
9181 
9 393 
filO 500 164 «60 
405 255 
40000 
18177 
300 633 
43 840 
680689 1227 614 
473074 
30764 
512696 
9419 
663 343 
17 752 
Ans Matanzas gingen aus: in 1884: 120 834 Faß, 2 826 Kisten, 11 654 Säcke; in 1885: 75501 Faß,
        <pb n="118" />
        — 112 — 
C. 
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00 CN &gt;0 *0 4 
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2 9 8 8 
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3 8 
45 
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8 8 
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00 GO 
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M 
#/ 
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■) Nach Ruiz &amp; Co. 
r ) Entnommen aus „Die deutsche Zucker-Industrie." Für die zweite Hälfte jeden Jahres sind die Zufuhren nur abgeschätzt.
        <pb n="119" />
        113 
15 
Srhiffseingang int Hafen non Hanana. 
Jahr 
Amerikaner 
Zahl ' Tonnen 
210814 
209028 
270G8G 
285723 
363 G59 
378 G45 
361658 
335158 
417 725 
419 634 
454814 
407 403 
385879 
400170 
481752 
513 692 
493550 
462048 
496 736 
448 074 
455124 
Engländer 
Zahl I Tonnen 
180523 
185619 
147 796 
122173 
119451 
124522 
125572 
77504 
106261 
122743 
77 275 
81131 
53904 
95029 
109 941 
123 891 
120130 
215789 
186403 
172 236 
162456 
Spanier 
Zahl i Tonnen 
Deutsche 
Zahl! Tonnen 
überhaupt 
Zahl Tonnen 
215805 
184156 
190136 
170 281 
173 537 
142 320 
181792 
191022 
228416 
224 852 
179 296 
182011 
2015126 
244112 
269 836 
330166 
291481 
351180 
489903 
483 365 
398041 
698651 
686644 
732992 
692927 
768225 
799 545 
792 412 
731432 
899504 
921632 
836187 
766865 
746556 
835065 
979 949 
1 103439 
1020131 
1 114085 
1258 181 
1 177 363 
1126694
        <pb n="120" />
        E. Stcrrrd deŗ F vacilen, WecliMoorrvse, Goidpvñrnre 
rrnd Go nt anten - Girr- rrrrîr Arrsfrrizŗ. 
Fracht 
pro Tonne zn 
2240 H Zucker: 
Kanal per Ordre 
von 
sh. I p. 
I big 
sh.l p. 
Wechselconrs 
London GO Tage 
Prämie 
von 
°/o 
bis 
»/.. 
Prämie 
für Gold gegen 
Banknoten 
von 
»/" 
bis 
Ein- und Ausfuhr von Eontanten 
Ausfuhr 
dollars 
Einfuhr 
dollars 
darunter aus 
Amerika 
dollars 
a. Spanien 
b. Mexiko 
dollars 
.1862 
1863 
1864 
I860 
1866 
1867 
1868 
1860 
1870 
1871 
1872 
1873 
1874 
1875 
1876 
1877 
1878 
1879 
1880 
1881 
1882 
1883 
1884 
1885¡ 
1886 
52 11 
8,0 193/4 
11,0 1874 
14,8 
16"/,ü 
24 
21-24 j33-36'', 
105/125 159/213 
16' 
7-12 
12 
11 
14 
17 
15-16 
22 
207« 
207: 
207: 
Durchschn. 16,99 
16 
17 
17 
WA 
207: 
19 
20'/: 
14 
2'0 
17 
3 
10*3/4 
15 
100 
94-138 
1057: 
118 
90 
98 
37: 
7-3 
63/4 
257: 
100 
195 
-117 
138 
136 
125 
135 
Durchschn. 123'/: 
71 
62 
887: 
150 
105 
887: 
1517: 
100 
*) 
4,3,34 883 
.2Z9 307 
705 650 
455 700 
30,3 404 
2585 079 
4378942 
802099 
4 788373 
8351876 
7 982669 
7 507800 
1557 054 
1215986 
1767 605 
5 886 281 
37227611 8036362 
2370353 
2467433 
4 083 830 
4 356 659 
6 168553 
9243219 
4 728049 
1933108 16 807 796 
1 643 603 
2738000| 4095996 
4236 529! 3599695 
5 005 500 
480,3 507 
330 4,30 
6394504 
3.38,3007 
4 034 405 
004 3.30 
.330 804 
5081086 
5526447 
3 884 439 
3287 429; 
4 473 44,9 
454 838 
2803005: 
788 474| 
2624615 b. 1384322 
2616 837 b. 621634 
5 363 7,3,3 
5 470008 
0 545 485 
a. 1683 178 
a. 6 501427 
*) Die schräg gedruckten Zahlen sind den amtlichen quarterly reports der Vereinigten Staaten 
entnoinmen und gelten für das Fiskaljahr vom 1. Juli bis 30. Juni.
        <pb n="121" />
        — 115 
ZirrkeVpŗerş e xn G rr v cr. 
tu Realen per Arroda M 25 u span. 
90icl#= 
zucker 
von i bis 
clayed 
von I bis 
centrifugal 
von I bis 
Muscovado 
von ! bis 
1808 Januar 
Novbr. 
white 10 
brown 772 | 9 3 / 4 
» 8'A 10 
13 
IO 1 / 
14'/: 
1809 Januar 
Novbr. 
8' 
87, 
9'A 
1870 Januar 
Novbr. 
8V: 
ļ 7"/,c 87, 
white 127: 17'/2 
10 
107s 
1871 
10'/- 
8'/- 1 10 
10'/ 
1873 
1074 
12' 
14 
1873 
1874 3m,.*) 
Novbr. 
*) in Papier; 
centrifugals 8 Gold 
14 
15'/: 
20 
6/4 
22'/ 
23 
10 
12 
19'/: 
10 
2474 
14 1774 
77a 77a 
0%'8 8 
974 11 
11 I 12‘/4 
67,o 774 
1875 3m,.**) 
Novbr. 
**) ui Papier; 
centrifugals 674 
bis 7 3 /ö in Gold, 
und Muscovado 
47o—674 Gold. 
10 
17'/ 
137 
87: 
10 
17'hi 
187: 
57- 
1870 Januar 
Novbr. 
6'/, 
7-/s 
474 
4' 4 
97' 
774 
774 
1877 Januar 
Novbr. 
1274 
774 
9'A 
97 
0/4 
574 
1878 r. Quart 
II. „ 
III. „ 
IV. .. 
O74 
1879 I. Quart. 
II. „ 
^ : 
M / 
6'/4 
1880 . . 
6'/4 13'/4 
1881 Juni 
Oktober 
974 
11'/ 
117, 
117: 
97 
Durchschnitt 
1882 
974 
117 
87 
97s 
87s 
07s 
67 
1883 ®cptbr. 
Dezbr. 
87a 
87s 
674 
6'/- 
774 
074 
1884 aprii 
Mai 
77s 
574 
47s 
474 
37a 
07a 
37a 
074 
1885 aprii 
Juli 
Oktbr. 
4'/- 
574 
574 
474 
47: 
374 
374 
374 
57 4 
57- 
67a 
47 
47 
47 
4'/: 
1886 aprii 
Juli 
Oktbr. 
Dezbr. 
1887 April 
Juni 
57a 
374 
474 
37: 
0 '/4 
67: 
5‘/a 
474 
67 
47a 
67a 
4'‘/8 
47 
47 
57: 
674 
47: 
37 
37 
5'/4 
3'/4 
4'/4 
474 
374 
374 
5'/a 
57s 
37a 
37a 
5'/ 
47s 
37a 
5'/4 
37 
37: 
47 
37a 
4 0
        <pb n="122" />
        Buchdruckern der „Post", Kayßler &amp; Co.. Berlin, Zimmerstraße
        <pb n="123" />
        93'.'. 
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