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        <title>Die Zucker-Industrie auf Cuba</title>
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        Nr.  Í  ^  ^  d  ^

EIGENTUM
DES
INSTITUTS
FOR
WELTWIRTSCHAFT
KIEL

BIBLIOTHEK
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        73

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        Deilcrge^eşi
;u  der
Jciisdjtift  -es  Vereins  für  die  Rübensncker-Indnstrie
des  Deutschen  Reichs.

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M  Mà-Iàstm  auf  ®u6a.

Für  die  Vereins-Mitglieder  abgedruckt.

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Kevtin  1887.

Druck  und  Verlag  der  „Post'",  Gaystler  &amp;amp;  Co.
Dimmer-Atraje  94.
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        Die  Züà-ZMstrie  ñus  Cuba.

iz

Jriir  die  Vereins-Mitglieder  zusanimengestelit

von

dem  D  eeeins  -  D  ree  cto  errrrrr.
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        Hunnen,  Jïlaasjc  nuit  ©nuirsitc.

1  peso  oder  dollar  —  8  Realen.
1  peso  oder  dollar  —  4  Mark  —  5  Francs.
1  Reale  —  0,50  Mark
1  peso  oder  dollar  =  100  centavos.
1  peseta  —  1  Franc  —  0,80  Mark.
1  escudo  Gold  —  2,00  Mark.
1  escudo  —  100  céntimos  =  1000  milésimos.
1  caballería  Landes  =  18’h  Hectar  ziemlich  genau.
1  acre  engl.  —  40,408  Are.
1  tonne  =  2210  U  (wird  auch  mit  2200  U  span,  berechnet).
1  arroba  —  25  U  spanisch  -----  11  '/%  kg.
100  U  spanisch  =  46  kg-  ==  101  ’/2  U  englisch.
1  Faß  Zucker  (boucaiit,  bocoy,  hogshead)  —  1500  U  span,  (auch  1450
bez.  1600  U  berechnet).
1  Kiste  Zucker  (casa,  box)  ==  400  U  span,  (auch  zu  450  U  berechnet).
1  Sack  Zucker  =  250  u  (neuerdings  zu  270  bez.  300  U  berechnet).
1  Faß  Melasse  —  1400  U  netto  —  150  Gallonen.
1  keg  Melasse  =  5'/2  Gallonen.
1  Gallone  —  4,54  Liter.
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        T  ~x

Die  Zrrciree-Irrdrrstŗîe  ans  Crrva&amp;gt;

1.  Vorwort.
Unsre  Kenntniß  non  der  Zucker-Industrie  in  den  überseeischen  Ländern
ist  eine  sehr  lückenhafte.  Sie  beruht  zum  nicht  geringen  Theile  auf  den
Berichten  der  Deutschen  Consularbeamten.  Wiederholt  ist  der  Wunsch  laut
geworden,  eine  Zusammenstellung  dieser  Berichte  zu  erhalten.  Vorausgesetzt ­
  wurde  dabei,  das;  die  Zusammenstellung  die  auf  einen  bestimmten
Zeitpunkt  bezüglichen  Nachrichten  über  alle  in  Betracht  kommenden  Länder
zusammenfasse.  Auf  diese  Weise  glaubte  man  einen  Ueberblick  über  die
Gesannntlage  der  Kolonial-  oder  vielmehr  Rohrzucker-Industrie  zu  erreichen.
Stillschweigend  schien  man  auch  anzunehmen,  das;  damit  dem  Bedürfnisse
des  Handelsbetriebes  abgeholfen  werden  könne.  Allein  die  Consularberichte
erscheinen  in  der  Oeffentlichkeit  durchweg  geraume  Zeit  nach  der  Periode,  für
welche  sie  abgefaßt  sind;  fie  erscheinen  überdies  auch  nicht  gleichzeitig,  sondern
je  nach  der  Entfernung  des  Wohnsitzes  des  Berichterstatters  und  je  nach
verschiedenen  andern  Umständen  der  eine  mehr  oder  weniger  später  als  der
andere.  Die  Berichte  sind  sodann  nicht  gleichmäßig  abgefaßt:  ivas  in  dem
einen  erwähnt  worden,  bleibt  in  dem  andern  verschwiegen;  die  Möglichkeit,
zuverlässige  Nachrichten  oder  überhaupt  Nachrichten  zu  erlangen,  ist  in  den
verschiedenen  Ländern  keinesweges  gleich.  Sonnt  würde  eine  Zusammenstellung ­
  der  gedachten  Art  bei  aller  angewandten  Mühe  nur  ein  sehr  unvollkommenes, ­
  mitunter  täuschendes  Bild  darbieten;  sie  würde  jedenfalls
erst  fertig  vorgelegt  werden  können,  wenn  ihr  Inhalt  bereits  der  Vergangenheit ­
  angehört  und  wenn  die  Aufmerksamkeit  der  Betheiligten  sich
wieder  der  Zukunft  zugewendet  hat.
Was  uns  besonders  fehlt,  ist  ein  Einblick  in  die  thatsächlich  bestehenden
Verhältnisse  der  überseeischen  Länder,  welche  auf  dem  Weltmärkte  mit  ihrem
Rohrzucker  eine  Rolle  spielen.  Eine  genauere  und  zuverlässige  Kenntniß
dieser  Verhältnisse  würde  uns  befähigen,  ein  richtiges  Urtheil  zu  fällen
über  alle  dort  vorkonnnenden  Ereignisse  '  und  über  das,  was  wir  in  Zukunft
  von  dort  zu  hoffen  oder..&amp;lt;p  fürchten  haben.  Hierzu  können  die
Consularberichte  einen  schätzbaren  Beitrag  liefern,  wenn  alle  diejenigen  zu-
        <pb n="9" />
        —  4  —
fammeitgeftem  werben,  wcid)e  feit  gasiteli  über  ein  bestimmtes  2mib  erstattet
  worden  sind.  Eine  solche  Zusammenstellung  muh  auch  darüber
Klarheit  schaffen,  welche  Lücken  noch  auszufüllen,  welche  Ungenauigkeiten
zu  berichtigen  sind.  ,  ..
#rumi  auSgeíjeiib  l)at  bas  ^ereiiiS^irectormm  amia#  beauglid)
ber  Insel  Cuba  die  vorhandenen  Berichte  bearbeitet.  Gerade  dieses  Land
wurde  gewählt,  weil  eS  von  allen  mit  betn  größten  Contingent  Rohrzucker ­
  auf  dem  Weltmärkte  erscheint,  weil  ferner  eS  sich  den  größten  Consumenten
  ber  Gegenwart  —  die  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika  —
aiS  ¡ei"  eigen  erobert  i)at,  enb#  weil  eS  nad)  einer  weit  oerbreiteten  ^nsicht
  bei  vorschreitender  Entwickelung  binnen  Kurzem  noch  weit  gewaltigere
mrnrn  SMi-auderS  ans  bett  9^6^11,01%  werfen  oermag.  Eo  feimtaei^net
  fid)  biefeS  Baitb  gana  uorangSweife  als  einen  fnrd)tbaren  ^ctt.
bewerbet*  ber  Gurobäifd)eit  3nder=3ublt^^rie  mtb  iitSbefoiibere  and)  ber
Deutschen.  Bei  ber  Bearbeitung  ber  Berichte  mußte  in  doppelter  Beziehung ­
  über  dieselben  hinausgegriffen  werden.  Einmal  schien  es  nothmeitbig,
  baS  ^^erftänbitif)  ber  99^^1)6^111^611  bnrd)  eine  loemg^^elt0  übcrflüchliche
  Uebersicht  über  Land  und  Leute  und  deren  bisheriges  Geschick  zu
unterstützen.  Zum  zweiten  durfte  neben  den  Angaben  der  Consularberichte
nicht  alles  verschwiegen  werden,  was  sonst  über  den  Gegenstand  sich  gesag
fand  und  was  ebenso  zur  Ergänzung  wie  zur  Klarstellung  dienen  konnte.
Eine  vollgültige  Kritik  zu  üben  reicht  baS  Material  bei  weitem  nicht  aus.
Demohnerad)tet  wäre  es  betn  Zweck  und  der  Absicht  dieser  Arbeit  zuwider
gewesen,  wenn  fie  fid)  tebiglid)  ans  bie  einseitige  Übergabe  wit  9M)-Achten
  beschränkt  hätte,  denen  bei  aller  Sorgfalt  und  Aufmerksamkeit  doch
nicht  immer  die  Autorität  ber  Sachverständigen  zugestanden  werden  darf.
Mehr  als  jemals  thut  eine  genaue  Einsicht  in  die  Lage  der  Industrie
aller  Bünber  noti).  %  beutle  %übenauder=3iibnftrie,  aur  Seit  bie  bebcutenbfte
  in  Europa,  macht  sich  darauf  gefaßt,  einen  harten  Kampf  gegen
%  feine  näd)fteit  9iad)barn  au  beMen,  oi)ite  in  gteid)em  9^aa^e  wie  bis#
durch  die  Gesetzgebung  unterstützt  zu  werden,  eie  muß  alle  ihre  Kräfte
animimeli,  imb'wirb  ben  Gruft  ber  Bage  bo^elt  fd)wer  embfiitbeit  wenn
and)  ber  Rohrzucker  mit  wachsender  Mackst  in  den  Kampf  eintritt,  été
befindet  sich  von  vornherein  im  Nachtheile  insofern,  alseine  weitverbreitete
Ansicht  dem  Zuckerrohre  eine  natürliche  Ueberlegen#  über  bie  Zuckerrübe
zuschreibt.  Zu  den  wichtigsten  Aufgaben  gehört  es  deshalb  festzustellen,
ob  diese  Ansicht  durch  wirkliche  Thatsachen  sich  bewahrheiten  läßt,  oder  ob
sie  sich  als  ein,  aus  den  Kinderjahren  des  Rübenbaues  herrührendes  Vorurtheil
  erweist.  In  der  Reihe  derjenigen  Länder,  welche  seit  lange  als
gesegnete  Rohrgefilde  gelten,  steht  obenan  Cuba,  diese  seit  fast  400  Jahren
beit  paniern  gel)örigc  1061^1^^)6  3'#,  weld)e,  bnrd)  %rud)tbarfeit  beS
BübeiiS  mtb  bnrd)  baS  mima  begünstigt,  einer  alI^erorbclttlt^^e,t  9lnS=
        <pb n="10" />
        dehnung  ihrer  Produktion  für  fähig  gehalten  wird.  Eine  höchst  niangelhafte
  Verivaltung,  ungenügende  Verkehrsmittel,  seltsame  Arbeiterverhaltnisse,
nüederholte  und  langjährige  Unruhen,  drückende  Abgaben  bei  trauriger
Finanzlage:  kurzum,  eine  Vereinigung  der  unglücklichsten  Umstände  hat
die  Insel  seit  langen  Jahren  verhindert,  ihre  wirkliche  Leistungsfähigkeit  zu
entwickeln.  Daß  sie  demohnerachtet  nicht  nur  nicht  zu  Grunde  gegangen,
sondern  immer  noch  einen  bestimmenden  Einfluß  auf  dem  Weltmärkte  ausüben ­
  konnte,  zeugt  für  ihre  Widerstandsfähigkeit  nnb  für  den  Reichthum
ihrer  natürlichen  Hilfsquellen,  der  ihr  von  jeher  den  Beinamen:  „die
Perle  der  Antillen"  verschafft  hat.
Von  größter  Bedeutung  ist  hiernach  die  Beantwortung  der  Frage,
was  ein  solches  Land  unter  geordneten  Verhältnissen  zu  erzeugen  vermag.
Die  Beantwortung  vorzubereiten,  nicht  sie  bereits  zu  liefern,  ist  der
Zweck  der  vorliegenden  Arbeit.  Statistische  Nachrichten  der  Art,  wie  sie  in
Europäischen  Staaten  üblich,  giebt  es  für  Cuba  nur  in  beschränktem  und
unvollkommenem  Umfange.  Ein  nicht  geringer  Theil  der  Insel  ist  noch
ziemlich  unbekannt  und  dem  Verkehr  wenig  zugänglich.  Die  vorhandenen
Onellen,  soweit  sie  für  die  Beschreibung  der  enbanifchen  Zustände  benutzbar
waren,  beschäftigen  sich  zumeist  mit  der  politischen  Geschichte  und  behandeln
die  gewerblichen  Verhältnisse  nur  sehr  kurz.  Unsre  Vereinsniitglieder  mögen
deshalb  beim  Lesen  der  nachstehenden  Mittheilung  sich  gegemvürtig  halten,
daß  damit  kein  erschöpfendes  Werk  geliefert  werden  soll,  sondern  nur
eine  Zusammenstellung,  welche  einer  gründlicheren  Bearbeitung  die  Wege
weisen  soll.
2.  Lage  und  Oertlichkeit  von  (Sitbo.
Die  Insel  Cuba  ist  die  größte  der  westindischen  Antillen.  Sie  liegt
in  der  Richtung  von  Osten  nach  Westen  langgestreckt  zwischen  dem  74
bis  85"  westlicher  Länge  von  Greenwich  und  dem  20  bis  23"  nördlicher
Breite,  mit  ihrer  Nordküste  fast  bis  zum  Wendekreise  des  Krebses  hinreichend. ­
  Sie  beherrscht  den  Eingang  zum  mexikanischen  Meerbusen,  welcher
in  Kreisform  durch  die  Küsten  von  Florida  und  Texas  im  Norden,  durch
die  Küsten  von  Mexico  bezw.  von  Iucatan  im  Westell  und  Süden  gebildet
wird,  im  Osten  aber  vom  Atlantischen  Meere  zugänglich  ist.  In  diesen
Zugang  ragt  Cuba  mit  ihrer  Westspitze  so  hinein,  daß  dadurch  nördlich  die
Straße  von  Florida  und  südlich  die  Straße  von  Aukatan  als  Einfahrten
nach  Mexiko  gebildet  werden.  Südwärts  in  gerader  Richtung  über  das
caraibische  Meer  gelangt  man  von  Cuba  nach  der  Landenge  von  Panama:
sobald  der  dort  in  der  Ausführung  begriffene  Canal  die  Verbindung  zwischen
beut  caraibischen  Meere  und  dem  stillen  Ocean  eröffnet  haben  wird,  dürfte
auch  Cuba  sowohl  politisch  uñe  im  Handelsverkehr  eine  erhöhte  Wichtigkeit
        <pb n="11" />
        erlangen.  Ihre  Lage  erklärt  zur  Genüge  die  herzliche  Zuneigung,  welche
die  Bewohner  der  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika  seit  Jahren  für  die
Insel  hegen  und  gelegentlich  in  sehr  drastischer  Weise  zu  erkennen  gegeben ­
  haben.  Der  östliche  Theil  der  Insel  hat  zu  Nachbarn  im  Süden  die
den  Engländern  gehörige  Insel  Jamaica,  und  im  Osten  die  Insel  Hayti,
welche  in  zwei  Freistaaten,  Hayti  und  Domingo,  getheilt  ist.
Lage  und  Gestaltung  der  Insel  lassen  sie  von  vornherein  als  außerordentlich ­
  günstig  für  den  Handel  und  für  die  Cultur  erscheinen  Ihre
weitausgedehnten  Küsten  gestatten  an  zahlreichen  Stellen  den  Zugang  der
Wasserfahrzeuge;  ihrer  Lage  mitten  im  Meere  verdankt  sie  eine  Abkühlung
der  tropischen  Hitze  durch  die  Seewinde.  Allerdings  sind  im  Norden  wie
im  Süden  ans  lange  Strecken  hin  ihrer  Küste  zahlreiche  flehte  Korallen-Jnseln
  und  Riffe  vorgestreut,  welche  unbewohnt  und  unbewohnbar  der
Schiffahrt  Hindernisse  bereiten.  Selbst  die  größte  dieser  Inseln,  die  sogenannte ­
  isla  de  Pinos  (Fichteninsel)  im  Südwesten  von  Ctlba,  hat  für  Handel
und  Anbau  gar  keine  Bedeutung.
Ueber  die  Größe  imb  Bevölkerung  von  Cuba  sind  die  Angaben
schwankend  und  augenscheinlich  wenig  zuverlässig.  Einschließlich  der  vorerwähnten
  Jnselchen  wird  der  Flächeninhalt  cuts  rund  119000  qkm  oder
2386  Ol  Meilen  beziffert,  für  die  Hauptinsel  Cuba  allein  nahezu  113000  qkm
oder  2280  Ol  Meilen;  von  anderen  auf  rund  118000  qkm  oder  2158  Ol  Meilen.
Sie  übertrifft  danach  an  Größe  die  Königreiche  Bayern  und  Württemberg
mit  dem  Großherzogthum  Baden  zusammen,  welche  wenig  mehr  als
110000  qkm  Flächeninhalt  haben.  Die  Längenausdehnung  der  Insel
beträgt  bis  zu  1200  km  in  der  Richtung  von  Osten  nach  Westen;  ihre
Breite  in  der  Richtung  von  Norden  nach  Süden  schwankt  zwischen  38  und
190  km.  Die  schmälste  Stelle  befindet  sich  im  Westen  zwischen  Havana
und  Bayamo,  die  breiteste  ani  östlichen  Ende  der  Insel.
Die  Seelenzahl  hat  im  Lauf  der  Jahre  anscheinend  nicht  unerheblich
geschwankt.  In  Ermangelung  zuverlässiger  Nachrichten  lassen  sich  bestimmte
Zahlen  kaum  festhalten.  Langjährige  Unruhen  sowie  periodische  Zufuhr
von  arbeitender  Bevölkerung  ergaben  für  verschiedene  Jahre  verschiedene
Schätzungen.  Unterschieden  wird  dabei  zwischen  den  weißen  Bewohnern,
den  freien  Farbigen  und  den  Sklaven.  Die  Beschaffenheit  des  Landes
bedingt  das  Zusammendrängen  der  Bewohner  in  einzelne  Gegenden  mit
lebhafterem  Verkehr:  dort  darf  die  Bevölkerung  als  ziemlich  dichte  bezeichnet
werden.  Im  Innern  und  besonders  im  hohen  Gebirge  sind  weite  Strecken
nur  wenig  bewohnt,  zur  Zeit  511111  Theil  auch  wohl  unbewohnbar.  Die
encyclopaedia  britannica  (Edinburg  1877)  giebt  die  gestimmte  Volkszahl
für  das  Jahr  1860  auf  1  179715  Köpfe  an,  darunter  604610  Weiße,
207735  freie  Farbige  und  367  370  Sklaven.  Andererseits  wird  für  das
Jahr  1862  als  cm  ziemlich  zutreffendes  Ergebniß  stattgefundener  Zählungen
        <pb n="12" />
        7

das  folgende  bezeichnet:  überhaupt  Seelen  1359438,  abgesehen  von  etwa
40000  Personen,  welche  une  Reisende,  Schiffer  re.  sich  nur  vorübergehend
dort  aufhielten  und  gegen  deren  hohe  Zahl  man  wohl  einiges  Mißtrauen
hegen  darf!  In  der  Gesammtzahl  waren  einbegriffen:  764730  Weiße,
221417  freie  Farbige  und  368550  Sklaven.  Dies  würde  also  gegen  I860
eine  sehr  beträchtliche  Zunahme  der  Seelenzahl  beweisen.  Von  jeher  hat
sich,  abweichend  von  der  Mehrzahl  der  anderen  Antillen,  eine  Mehrheit  der
weißen  Bevölkerung  herausgestellt.  Ein  Consulatsbericht  aus  dem  Jahre
1884  bc#d  hic  Beammo  mis  #04(11^^15^1684  0^11,  imb  btefelbe
Zahl  führt  auch  Block  in  seinem  annuaire  von  1885  an,  während  Min  ciprio ­
  in  seinem  Jahrbuch  von  1880  nur  1  400000  Einwohner  vermerkt.
Unter  der  erstgenannten  Zahl  sollen  sich  befunden  haben:  977  992  Spanier
und  weiße  Eingeborene  neben  10632  Ausländern,  43  811  Chinesen  und
489249  Farbigen.  In  den  geographischen  Mittheilungen  von  Petermann
finden  sich  die  Angaben
für  1850:
ans  470  490  281#,  171  733  freie  W#,  322  519  @flouen,  gnf.  973  742
für  1857:
mii  564  698  28#,  216176  freio  W#,  662  587  0Haoen,  gnf.  1  443461
für  1860:
ans  632  797  28#,  189  848  stete  garbile,  376  784  0Moüen,  gnf.  1  199  429
fiit  1869:
ans  797  596  28#,  238  927  freie  gar#,  363  288  Gfloocn,  gnf.  1  399  811
für  1879:
auf  965  735  Weiße,  287  827  freie  Farbige,  171  087  Sklaven,  zus.  1  424  629.
Die  Zahl  der  Sklaven  soll  im  Jahre  1874  noch  326  775  betragen  haben,
dann  aber  im  Jahre  1877  auf  199094  und  1879  auf  171  087,  wie  eben
angegeben,  gefallen  sein.  Bei  den  vorstehenden  Zahlen  erregt  namentlich
die  für  1857  angeführte  Menge  der  Sklaven  Aufmerksamkeit,  weil  sie  ganz
erheblich  von  derjenigen  der  vorherigen  und  der  nachfolgenden  Jahre  abweicht. ­
  Zwar  soll  die  betreffende  Zahl  einer  uon  der  cubanischeu  Regierung
veröffentlichten  und  als  genauer  und  mehr  zuverlässig  bezeichneten  Statistik
entnommen  sein:  gleichwohl  wird  man  ihre  Richtigkeit  deshalb  allein  nicht
anerkennen  dürfen.  Im  übrigen  erklären  sich  die  Schwankungen  bei  der
Menge  der  Sklaven  und  freien  Farbigen  aus  den  Schicksalen  der  Insel,
welche  weiterhin  Erwähnung  finden  werden.  Die  Angabe  für  1879  rührt
aus  einer  von  der  statistischen  Section  in  Havana  mitgetheilten  Tabelle
()et.  Äad)  bem  Genf#  bo8  ^#8  1878  so:  bic  Gedeng#  fid)  ans  nbet=Ija#
  1409  859  Mm#  ijaben,  banmter  1  190  839  Wo:  bie  begi'##!
Angaben  sind  aber  nicht  frei  von  offenbaren  Irrthümern,  welche  ihre
Glaubwürdigkeit  beeinträchtigen.  Im  Ganzen  genommen  wird  man  hiernach ­
  nicht  erheblich  fehlgreifen,  wenn  man  die  gegenwärtige  gesammte
        <pb n="13" />
        8

Einwohnerzahl  auf  rund  1  Millionen  Seelen  annimmt,  was  für  die
Beurtheilung  des  Consums  und  der  Arbeiterverhältnisse  von  Wichtigkeit  ist.
Dabei  mutz  man  die  Vertheilung  der  Bevölkerung  ans  Stadt  und  Land
un  Auge  behalten.  Auch  bezüglich  der  Städte  sind  die  Angaben  über  die
Seelenzahl  außerordentlich  verschieden.  Für  Havana  allein  wird  eine  solche
von  200  bis  230  000  Bewohner  und  darüber  angegeben.  In  den  Handelsnachweisen ­
  werden  stets  zehn  Häfen  aufgeführt,  welche  für  den  Verkehr
der  Insel  Bedeutung  haben.  Nimmt  man  für  diese,  schlecht  gerechnet,  etwa
300  000  Menschen,  im  Ganzen  also  die  städtische  Bevölkerung  auf  eine
halbe  Million  Seelen  an,  so  bleibt  für  das  Platte  Laild  nicht  mehr  als
höchstens  eine  Million  übrig.  Schon  hieraus  kann  man  auf  die  Arbeiterverhältnisse ­
  einen  Schlutz  ziehen.
Was  das  Deutsche  Element  in  Euba  anbetrifft,  so  bestanden  in  der
Havana  dreißig  selbstständige  deutsche  Firmen,  und  auf  der  ganzen  Insel
lebten  etwa  300  Deutsche.  Unter  diesen  befanden  sich  4  Besitzer  von  Zuckerpflanzungen ­
  und  2  Besitzer  von  Tabaksfabriken;  zehn  deutsche  Versicherungsgesellschaften ­
  waren  in  Havana  vertreten.  Eine  namhafte  Vermehrung
dürfte  die  Zahl  der  Deutschen  seitdem  wohl  nicht  erfahren  haben.
Es  wäre  ein  Irrthum,  sich  die  Insel  Cuba  als  eine  weite  fruchtbare ­
  und  für  jegliche  Bebauung  taugliche  Ebene,  gleichsam  une  einen  Garten, ­
  vorzustellen.  Vielmehr  ist  sie  im  Innern  fast  durchweg  bergig,  von
Westen  nach  Osten  in  der  Höhe  ansteigend,  im  mittleren  Theile  bis  zu
600  m,  im  Süd-Osten  bis  zu  2400  m  sich  erhebend,  dort  ein  wildes,  zerklüftetes ­
  Kalkgebirge,  vielfach  mit  dichtem  Holzbestande.  Zwischen  diesem
rauhen  gebirgigen  Innern  und  dem  Meere  zieht  sich  in  breitem  Gürtel  ein
Flachland,  von  zahlreichen  Gewässern  durchströmt.  Die  Beschaffenheit  des
Landes  bedingt  es,  datz  keiner  der  Flüsse  einen  längeren  Lauf  hat,  und
datz  nur  wenige  von  ihnen  auf  kurze  Strecken  in  das  Innere  hinein  schiffbar ­
  sind.  Der  größte  ist  der  Rio  Canto  im  Thal  von  Baynmo,  welcher
bei  Manzanillo  an  der  Südküste  ins  Meer  mündet.
Ganze  Strecken  des  Binnenlandes  sind  noch  wenig  bekannt  und  die
Kenntniß  von  der  geologischen  Beschaffenheit  der  Insel  noch  unzureichend,
da  es  an  regelmäßigen  und  gründlichen  Forschungen  bisher  gefehlt  hat.
Die  unwegsame  Gebirgsgegend  bietet  den  Ausständigen  mie  den  flüchtigen
Sklaven  einen  schwer  zugänglichen  Zufluchtsort;  sie  hat  wesentlich  zu  der
Wiederholung  und  Verlängerung  der  Unruhen  beigetragen.  Als  Gesteine
und  Metalle,  welche  der  Handel  und  das  Gewerbe  nutzt,  werden  aus
älterer  Zeit  Gold,  Silber,  Kupfer,  Magnet-Eisenstein,  Gyps,  Marmor  und
Jaspis  erwähnt;  auch  Kohlen  sollen  gefunden  sein,  doch  in  unerheblicher
und  für  gewerbliche  Zwecke  nicht  hinreichender  'Menge  und  Güte.  Gold
ist  seit  Jahren  nicht  niehr  aus  dein  Flußsande  ausgewaschen,  auch  die
Ausbeute  an  Silber  war  nicht  von  Belang.  In  neuerer  Zeit  scheint  die
        <pb n="14" />
        Speculation  sich  wieder  lebhafter  mit  der  Ausbeutung  von  Minen  zu  beschäftigen, ­
  wenn  auch  über  wirklich  schaffende  Thätigkeit  die  Berichte  nur
flüchtige  Mittheilungen  bringen.  Bei  der  Provinzial-Negierung  von  Sau
Jago  de  Cuba  —  deren  Bezirk  allerdings  für  Bergbau  der  ergiebigste  sein
dürfte  —  wurden  im  Jahre  1881  allein  276  Miueneoncessioueu  auf  Gold,
Eisen,  Kupfer,  Blei,  Kohle,  Magnesium,  Graphit  und  Quecksilber  eingetragen. ­
  Selbst  wenn  davon  nur  ein  geringer  Theil  zur  Ausführung  gebracht ­
  worden,  so  beweist  es  doch,  daft  man  die  Bodenbeschaffenheit  des
Landes  für  lohnenden  Bergbau  geeignet  hält,  und  es  ist  bis  zur  Stunde
durch  nichts  bewiesen,  daß  mineralische  Schätze  nicht  in  bauwürdiger  Menge
vorhanden  sein  sollten.  Freilich  sind  die  Verkehrsverhültuisse  für  derartige
Unternehmungen  noch  überaus  ungünstig:  jede  derselben  müßte  sich  erst
ihre  eigenen  Wege  und  wohl  auch  die  Eisenbahn  für  die  Abfuhr  ihrer  Produkte ­
  nach  dem  Hafen  oder  Stapelplatze  schaffen.  Nur  bezüglich  des  wichtigsten
  Materials,  der  Steinkohle,  scheint  mau  die  Hoffnung  aufgeben  311
müssen,  daß  auf  der  Insel  selbst  irgend  welche  ergiebige  Fundstelle  ermittelt
werden  könnte.
Das  Klima  der  Insel  wird  als  ein  vortreffliches  geschildert.  Die
Seeluft  uiildert  die  tropische  Hitze  und  bewirkt  eine  größere  Gleichmäßigkeit
der  Temperatur  während  des  Jahres.  Die  Südostküste,  nach  Norden  hin
durch  hohe  Berge  begrenzt,  ist  heißer  als  die  Nordküste.  Für  Havana  ivird
die  Durchschnittstemperatur  auf  20  ",  für  Sau  Jago  de  Cuba  auf  rund  22 u
angegeben.  Die  Feuchtigkeit,  welche  die  Seewinde  dem  Laude  zuführen,
trügt  dazu  bei,  daß  auch  Landstriche  mit  weniger  fruchtbarem  Boden  sich
durch  üppige  Vegetation  auszeichnen.  Die  gewöhnliche  Regenzeit  fällt  in
die  Monate  von  Mitte  Mai  oder  von  Juni  bis  zum  November,  von  dann
bis  zum  Mai  herrscht  zumeist  trockene  Witterung  vor.  Die  Jahresberichte
über  den  Ausfall  der  Zuckerrohreruteu  lassen  jedoch  erkennen,  daß  die  Ausnahmen ­
  voir  dieser  Regel  zahlreich  sind.  Im  Innern  des  Landes  auf  den
Höhen  ist  die  Temperatur  natürlich  eine  wesentlich  andere  und  je  nach  der
'Oertlichkeit  verschieden.  Eine  ältere  Mittheilung  giebt  die  jährliche  Regenmenge ­
  auf  durchschnittlich  44"  spanisch  mit  einem  Maximum  von  50'/ 2
und  einem  Minimum  von  32'/ 2 "  au,  die  Zahl  der  Regentage  aus  dnrchschuittlich
  102.  Gewitter  sollen  in  der  Havana  während  des  ganzen  Jahres,
mit  Ausnahme  der  Monate  December  und  Januar,  nicht  selten  sein.  Erderschütterungen
  kommen  im  östlichen  Theile  der  Insel  vor;  solche  mit  verheerender ­
  Wirkung  sind  seit  langer  Zeit  nicht  gemeldet  worden.  Vor  den
Einwirkungen  des  Meeres,  welche  auf  den  kleineren  Antillen  sich  gewaltig
zeigen,  sind  die  Küsten  Cubas  zwar  durch  die  Kette  kleiner  vorliegender
Inseln  zielnlich  geschützt;  aber  häufig  genug  wird  über  verderbliche
Orkane  geklagt,  welche  mehr  oder  weniger  große  Theile  der  Insel  heimsuchen,
  wenn  auch  nicht  mit  der  verheerenden  Gewalt  wie  die  östlich  von
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        Cuba  gelegenen  Inseln,  welche  dein  Letzteren  etwas  Schutz  zu  gewähren
scheinen.  Das  milde  Klima  gestattet  der  arnren  Bevölkerung  mit  verhültnißmäßig
  geringen  Ausgaben  für  ihre  Ernährung  und  Bekleidung  auszukommen ­
  ;  es  begünstigt  indessen  auch  das  Entstehen  und  die  Verbreitung
von  Epidemieen,  für  welche  die  flachen  und  sumpfigen  Küsten  in:  ivestlichen
  Theile  empfängliche  Heerde  bieten.  Fahrzeuge,  die  von  Central-Amerika
  her  ansegeln,  erblicken  zunächst  das  westliche  Vorgebirge  San
Antonio,  gekrönt  mit  einem  Leuchtthurme;  rund  herum  ist  das  Land  dort
flach  und  sandig,  und  gewährt  den  Anblick  einer  traurigen  und  unbewohnten ­
  Einöde;  die  zunächst  dahinter  liegenden  Anhöhen  sind  so  unbedeutend,
das;  sie  in  der  Entfernung  von  einige!;  Meilen  in  See  nicht  mehr  sichtbar ­
  heraustreten.  Die  Scenerie  wechselt,  je  näher  man  der  Havana  fournit
deren  Hafen  zn  den  schönsten  auf  der  Erde  zählt.  Im  übrigen  fallen  die
Küsten  zumeist  schroff  gegen  das  Meer  ab,  in  wechselnder  Höhe.  Größere
und  kleinere  Buchten  bildet  das  Meer,  und  an  diese  schließen  sich  mehrfach
ausgedehnte  Sümpfe,  so  namentlich  in  der  Bai  von  Broa,  an  der  Südküste ­
  von  Havana,  gegenüber  der  Fichteninsel.  In  diesen  Gegenden,  wo
auch  der  Zugang  für  Fahrzeuge  schwierig  ist,  läßt  das  Klima  zu  wünschen
übrig  und  beeinträchtigt  die  Ansiedelung.

:r.  Politische  Gintheilung  und  Einrichtung.
Cuba,  am  28.  Oktober  1492  durch  Columbus  entdeckt,  ist  seitdem  mit
geringen  Unterbrechungen  immer  eine  Colonie  Spaniens  geblieben.  Es
war  früher  in  drei  Departements  eingetheilt:  in  das  ivestliche  mit  der
Hauptstadt  Havana,  dessen  Einwohnerzahl  auf  1  034  396  Seelen  angegeben
lourde;  in  das  centrale  oder  mittlere  mit  Puerto  principe  als  Hauptstadt
und  75  726  Seelen,  und  in  das  östliche  mit  der  Hauptstadt  San  Jago  de
Cuba  (auch  blos  Cuba  genannt)  und  mit  etwa  einer  Viertelmiüion  Bewohnern. ­
  Durch  ein  Gesetz  vom  9.  Juni  1878  wurde  jedoch  diese  Eintheilnng
  beseitigt  und  statt  der  drei  Departemens  wurden  sechs  Verwaltungsbezirke ­
  (Provinzen)  geschaffen,  welche  nach  den  Hauptstädten  ihre  Namen
erhielten  und  nach  dem  Census  von  1878  nachstehende  Volksmenge  gehabt
haben  sollen:
mit  438198  Bewohnern,  worunter  383  850  Freie,
„  163862  „  „  176857  „
„  250728  „  „  157  305  »
„  189220  „  „  158118  ,,
„  55459  „  »  65949  *
..  312  392  ,,  »  248  760  „

1.  Havana  .  .  .  .
2.  San  Jago  de  Cuba
3.  Matanzas  .  .  .
4.  Pinar  del  Rio  .  .
5.  Puerto  Principe.  .
6.  Santa  Clara.  .  .

zusammen  1  409  859  Bewohner,  worunter  1  190839  Freie.
        <pb n="16" />
        2*

11

Die  Unrichtigkeit  der  Zahlen  zu  2  und  5  liegt  klar  zu  Tage.  Sie  macht
natürlich  auch  die  übrigen  verdächtig.  Schon  oben  ist  darauf  hingewiesen
worden.  Das  Jahr  1878  war  dasjenige,  in  welchem  durch  einen  Friedellsschluß ­
  die  zehnjährige  Insurrection  ihre  Endschaft  erreichte.  Daß  ill  solcher
Zeit  eiil  ordnungsmäßiger  Census  Hütte  aufgenommen  werden  können,  ist
schwer  glaublich.  Ebenso  wenig  glaublich  erscheint  es,  daß  gerade  damals,
nach  zehnjährigem  innerem  Kriege,  die  Seelenzahl  so  wenig  geringer  gelvesell
  seill  sollte,  als  jetzt.  Die  Zahlen  zu  berichtigen,  fehlt  es  an  anderen
lind  besseren  Nachrichten.  Jnlmerhin  bestätigen  auch  sie,  was  oben  über
die  ungleiche  Vertheilung  der  Bevölkerung  uild  über  die  geringe  Seelenzahl
im  Innern  benlerkt  lvordeil  ist.
Die  Insel  wurde  zwar  immer  als  eine  unmittelbare  Provinz  voll
Spanien  betrachtet  und  steht  insofern  unter  deln  spanischen  Coloilialminister
ill  Madrid.  Allein  in  Wahrheit  wird  sie  von  einem  Generalcapitain  regiert,
welcher  seit  dem  Jahre  1777  schon  mit  der  Selbstständigkeit  eilles  Vicekönigs
  ausgerüstet  ist  und  ziemlich  ilnumschränkte  Gewalt  ausübt.  Er
wird  vom  Könige  auf  3  bis  5  Jahre  ernannt,  hat  den  Rang  eines  Generallieutenants
  der  spanischen  Armee,  uild  ist  das  oberste  Haupt  der  Civil-,
Militair-  uild  der  kirchlichen  Gerichtsbarkeit  auf  der  Insel.  In  die  kirchliche ­
  Herrschaft  über  die  sehr  bigotte,  römischkatholische  Bevölkeruilg  theilen  sich
zwei  Erzbischöfe,  deren  einer  seinen  Sitz  in  Havana,  der  andere  in  Sail
Jago  de  Cilba  hat.  Der  Finanzverwaltung  steht  ein  in  Havana  wohnender
Generalintendant  vor;  die  Insel  hat  ihre  Ausgaben,  auch  diejenigen  für
Heer  und  Flotte,  selbst  zu  decken  nnb  die  Ueberschüsse  an  das  Mutterland
abzuliefern.  Die  gesetzgebende  Gewalt  steht  bei  ben  Cortes  bezw.  bei  der
spanischen  Regierung  in  Madrid,  für  welche  Cuba  immer  nur  eine  spanische
Provinz  geblieben  ist.  Früher  hatten  Abgeordnete  von  Cuba  Sitz  und
Stimme  iil  der  Cortes;  nachdem  im  Jahre  1812  das  konstitutionelle  System
auf  das  spanische  Amerika  übertragen  lvorden  war.  Die  Verfassung  von
1837  aber  bestimmte,  ungeachtet  des  Widerspruchs  der  Vertreter  von  Cuba,
iln  Art.  80:  „die  überseeischen  Provinzen  lverden  durch  besondere  Gesetze
regiert  werden".  Diese  Gesetze  lvurden  aber  lliemals  gegeben,  wenn  auch
wiederholt,  nnb  so  auch  bei  Abänderung  der  Verfassung  int  Jahre  1845
versprochen.  Mail  fürchtete  auch  die  beideil  Inseln  ebenso  nne  die  Colonien
des  amerikanischen  Continents  zu  verlieren,  lvenn  man  ihnen  Zugeständnisse
  lnachte.  Für  Cuba  giebt  es  sonach  nur  Königliche  Beschlüsse  und  die
Anordnungen  der  spanischen  Gewalten,  une  die  Amtsgewalt  des  Generalcapitains.

Unter  denl  Generalcapitain  stehen  die  Gouverneure  der  sechs  Provinzen,
  uild  unter  dieseil  ist  für  jeden  der  vorhandeneil  32  Gerichtsbezirke
ein  Gouverneur-Lieutenant  eingesetzt.  In  den  Städten  hat  ein  ayuntamiento
die  Functionen  eines  Gemeinderathes,  ist  aber  mit  sehr  geringer  wirklicher
        <pb n="17" />
        Macht  ausgerüstet.  Militärisch  ist  die  Insel  in  zu,ei  Departements  eingetheilt: ­
  in  daS  von  Havana  für  den  Westen,  und  in  das  »an  San  lano
be  Cuba  für  ben  Osten.
2Uë  volkstümliche  Bezeichnungen  haben  sich  trotz  ber  neuen  Eintheilung
  erhalten  die  Namen:  vuelta  abajo  für  den  Theil  westlich  von
Havana,  einschließlich  dieser  Stabt;  vuelta  arriba  für  den  südwestlichen
^rhul  einschließlich  der  Stabt  Cieufuegos;  las  cinco  villas  für  den  mittleren
-theil  mit  der  Ltadt  San  Espirita;  die  tierra  adentro  für  beit  östlichen
^Me  bekannten  Mängel  ber  spanischen  Regierungsweise,  welche  seit
uicleii  SaWitten  td)üii  bog  MMMmtb  ^  girier  Qc^öbtqt  #,  „m4eit
sich  in  Cuba  nicht  minder  fühlbar.  Diese  Insel  ebenso  wie  bie  anderen
Wni#!  (Monten  #ten  ^eiö  olg  bog  mtei,  beut  WntWmtbe  mübeiog
Şchàtze  zuzuführen,  und  als  bog  Feld,  auf  beut  seine  Söhne  sich  ans  jede
beliebige  Weise  bereichern  könnten  und  bürsten.  Die  Zahl  ber  spanischen
Beamten  belief  sich  ins  ungeheure:  sie  wirb  gelegentlich  ans  viele  Tausenbe
beziffert.  Das;  sich  Mißbrauche  aller  Art  einschlichen  ist  danach  begreiflich;
aber  sie  wurden  auch  geduldet,  so  offenkundig  sie  auch  vor  Aller  Augen
lagen.  Den  besten  Beweis  dafür  liefert  ein  in  jüngster  Zeit  stattgehabter
Vorfall,  als  in  öffentlicher  Sitzung  des  gesetzgebenden  Körpers  zit  Madrid  ein
actiüer  General  beut  Colonialminister  gegenüber  behauptete,  wie  dreist  ans
6itbo  bie  Verwaltung  sich  Vortheile  zu  verschaffen  verstände.  Für  Niemanden
war  das  eine  Neuigkeit.  Von  jeher  betrachtete  man  bie  Colonien,  und
bis  in  die  neueste  Zeit  auch  Cuba,  als  ein  bequemes  Mittel,  um  heruutergekommeneit
  Hidalgo's  wieder  zu  Vermögen  zu  verhelfen.  Das  General-Capitanat
  selbst  war  nur  zu  häufig  die  Belohnung  für  geleistete  politische
Dienste  mit  der  stillschweigenden  Erlaubniß  sich  zu  bereichern.  Die  besten
Aemter  wurden  an  begünstigte  Personen  vergeben,  oft  genug  an  Leute,  die
man  sogar  im  Mutterlande  zu  verwenden  Anstand  nahm.  Die  Wohlfahrt
beg  ßmtbeg  blieb  oufjcr  Wm#  fin  .001^1  mtb  Gd;##  ##  ni#,;
ber  moeDou  mtr  oufg  ôuļjerfic  061110410^14.  (g^iuerc  ^obeit  brüdteii
ont  jede  Thätigkeit,  auf  jedes  Gewerbe,  hohe  Ein-  und  Ausfuhrzölle
hemmten  die  Entwickelung  von  Handel  und  Industrie.
SM  einem  Bert#  uom  S^re  188o\ob  eg  bnmolg  itodj  nur
Kilometer  d.  h.  kaum  40  deutsche  Meilen  Staatsstraßen  auf  der  Insel.
Postverbindungen  bestanden  nur  fünf,  und  auch  diese  nur  auf  kurze  Strecken.
Alle  Staatsstraßen  waren  schlecht  gehalten,  wenn  auch  etwas  weniger  erbärmlich ­
  als  die  Gemeindestraßen;  weder  Geld  noch  Arbeit  wurde  auf  ihre
Besserung  und  Erhaltung  verwendet.  An  Eisenbahnen  gab  es  im  Jahre  1879
nur  1660  Kilometer,  größtenteils  in  der  Mitte  des  Landes,  während  tut
Cften  daran  heute  noch  empfindlicher  Mangel  herrscht.  In  dem  Landstriche
östlich  von  Havana  mit  kalk-  und  lehmhaltigen  Boden  wird  das  Erdreich
        <pb n="18" />
        13

der  Wege  durch  die  Regengüsse  der  nassen  Jahreszeit  zu  einem  bodenlosen
Brei  aufgeweicht,  in  der  trocknen  Jahreszeit  zu  einer  von  tiefen  Geleisen
durchschnittenen  Tenne  gehärtet.
Die  Küstenansdehnung  ist,  entsprechend  der  Gestaltung  der  Insel,
außerordentlich  groß:  ihre  Länge  nicht  weniger  als  rund  3750  Kilometer.
Von  größeren  Meerbusen  finb  bemerkenswert!)  an  der  Nordküste  der  non
Nuevitas  und  der  von  Nipe,  an  der  Südküste  der  von  Guantanamo  und
der  von  Cienfnegos.  An  Hafenplätzen  hat  die  Insel  keinen  Mangel,  obwohl ­
  ihre  Zahl,  soweit  es  sich  um  solche  für  größere  Seeschiffe  handelt,
nicht  so  groß  ist,  als  man  bei  der  Küstenausdehnung  erwarten  könnte.
Hinderlich  sind  namentlich  die  vorliegenden  Jnselchen  und  Riffe,  deren  oben
bereits  gedacht  worden.  Die  bemerkenswerthesten  Hafenplütze  sind  folgende:
a)  An  der  Nordküste,  und  zwar  in  der  Reihenfolge  von
Westen  nach  Osten:
1.  Havana,  die  Hauptstadt  des  Landes,  deren  Hafen  als  ein  vorzüglich ­
  schöner,  geräumiger  und  sicherer  Ankerplatz  geschildert  wird,
mit  Leuchtthurm,  bequemer  Einfahrt,  und  zu  beiden  Seiten  durch
Befestigungen  geschützt.
2.  Matanzas,  nicht  weit  von  Havana  entfernt,  und  gleich  diesem
der  Südspitze  von  Florida  gegenüber,  deshalb  für  den  Verkehr  nach
Nordamerika  besonders  günstig  belegen.
3.  Cardenas,  dessen  Verkehr  in  den  letzten  Jahren  wesentlich  durch
Zuzüge  ails  betn  Innern  zugenommen  hat.
4.  Sagn  a  la  grande,  welches  in  Folge  des  Eisenbahnbaues  jetzt
auch  Verkehrsplatz  für  die  gut  angebaute  und  bevölkerte  Stadt  und
Gegend  Santa  Clara  bildet.
5.  Caibarien,  Hafenplatz  für  Stadt  und  Bezirk  Reinedios  (eigentlich ­
  San  Inan  de  los  Remedios  genannt)  ;  die  Lage  dieses  Hafens
in  einer  feuchten  Ebene,  in  der  Nähe  von  Sümpfen,  wird  als  ungesund ­
  bezeichnet.
(&amp;gt;.  Jibara,  der  Hafen  für  die  Stadt  Holguin  und  Umgegend.
7.  Nuevitas,  an  der  Bai  gleichen  Namens,  hat  nur  untergeordnete
Bedeutung.
b)  An  der  Südküste  in  der  Richtung  von  Osten  nach  Westen:
8.  San  Jago  de  Cuba  mit  dem  Nebenhafen
9.  Guantánamo  liegen  nebeneinander  an  dem  gleichnanügen  Meerbusen ­
  und  stehen  in  gemeinsamen  Handelsbeziehungen.
10  Manzanillo,  dessen  Verkehr  bisher  nur  unerheblich  war.
11.  Trinidad  de  Cuba,  Ausfuhrhafen  für  die  im  Innern  belegene
Stadt  San  Espiritn.
        <pb n="19" />
        12.  Cienfuegos,  im  Südwesten  der  Insel,  gegenüber  der  Halbinsel
Aucatan,  für  den  Verkehr  nach  Südamerika  günstig  gelegen,  wurde
erst  tut  Jahre  1817  gegründet  durch  den  Obristlieutenant  Clouet,
welchen  die  Regierung  mit  der  Schenkung  eines  Landstriches  von
100  Caballerins  (etwa  1350  Hectare»)  belohnte;  die  dort  von  ihm
gegründete  Stadt  vergrößerte  sich  sehr  schnell  und  wurde  von  ihrem
Gründer,  der  demnächst  zum  Gouverneur  der  Stadt  und  des  Bezirkes ­
  ernannt  wurde,  nach  dem  damaligen  spanischen  Minister  und
früheren  Geueral-Capitain  von  Cuba,  Cien  fuegos  getauft.
Andere  kleinere  Hafeuplätze  können  unerwähnt  bleiben.  Da  die  Landverbindung ­
  zwischen  beit  Küstenplätzen  wegen  der  sehr  schlechten  Wege,  zum
Theil  auch  wegen  der  bergigen  Gestaltung  der  Küsten,  dem  Verkehr  nicht  genügen ­
  konnte,  so  wurde  derselbe  früher  fast  ausschließlich  durch  Seeschiffe  vermittelt, ­
  und  bedient  sich  auch  heute  noch  versuchsweise  kleiner  Dampfer,
namentlich  zwischen  den  Häfen  des  Nordens  und  des  Südwesteus.  Indessen ­
  schon  vor  fünfzig  Jahren  begann  mau  seine  Aufmerksamkeit  auf  den
Eisenbahubau  zu  wenden.  Um  die  Bedeutung  solcher  Neuerung  zu  ermessen,
muß  man  die  Höhe  der  Transportkosten  auf  den  elenden,  während  eines
großen  Theiles  des  Jahres  nicht  fahrbaren  Wegen  im  Innern  kennen.
Es  wird  aus  beut  Jahre  1830  berichtet,  daß  für  den  Transport  aus  dem
Th  al  e  vou  Guines,  welches  etwa  12'/*  deutsche  Meilen  südwestlich  von
Havana  liegt,  nach  letzterem  Platze  die  Kosten  für  die  Fuhre  Zucker  auf
25  %  des  Werthes,  für  eine  Pipe  Rum  auf  mehr  als  50  %  (nämlich
10  Piaster),  für  Kaffee  auf  12"/.,,  für  Tabak,  je  nach  der  Güte,  auf  13  bis
30  %  des  Werthes  sich  stellten.  Der  Ball  der  Eisenbahn  von  Havana  nach
Guines  wurde  deshalb  von  allen  Seiten  begünstigt,  namentlich  auch  von
den  Grundbesitzern;  sie  wurde  auf  Kosten  der  Junta  di  fomento  (Wohlfahrtsausschuß) ­
  vollendet  und  im  Jahre  1842  au  eine  Gesellschaft  verkauft.
Demnächst  wurde  im  Anschluß  an  diese  Bahn  ein  Schienenweg  westwärts ­
  über  Sau  Antonio  nach  Guauajai  gebaut,  ferner  eine  Fortsetzung
iil  gerader  Richtung  nach  der  Südküste  bis  Batabano,  sowie  eine  Anschlußbahn ­
  in  westlicher  Richtung  durch  das  Innere  nach  Pinos  del  Ilio,  welches
gegenwärtig  Bezirksstadt  für  den  westlichen  Theil  der  Insel  ist.  Zur  Zeit
sind  weiter  noch  folgende  Schienenwege  vorhanden:
von  Havana  die  Küste  entlang  nach  Matanzas,  von  Matanzas
südwärts  zum  Anschluß  au  die  erwähnte  Eisenbahn  nach  Guines
und  in  südöstlicher  Richtung  zum  Anschluß  an  die  Fortsetzung
dieser  Bahn  östlich  von  Guines;
eine  Bahn  von  Cardenas  nach  bem  oben  bezeichneten  Anschlußorte,
so  daß  zwischen  den  Häfen  Matanzas  und  Cardenas  auf  diese
Weise  eine  Verbindung  hergestellt  ist;
        <pb n="20" />
        15

eine  Bahn  in  südwestlicher  Richtung  von  Cardenas  zur  Verbindung
mit  derjenigen  Bahn,  welche  von  Sagua  la  Grande  in  gerader
Richtung  zur  Südküste  Lei  Cienfuegos  führt  und  welche  zwei
Anschlußbahnen  von  Norden  bezw.  von  Süden  her  nach  Santa
Clara,  der  jetzigen  Bezirksstadt,  hat,  sowie  in  westlicher  Richtung
mit  der  Bahn  von  Guines  in  Verbindung  steht;
eine  Bahn  von  Trinidad  nach  der  nordwestlich  davon  im  Innern
telegenen  Stadt  San  Espiriti!,  mit  einer  Anschlußbahn  südwärts
zur  Küste  bei  Tunas;
eine  Bahn  von  Puerto  Principe  im  Innern  nach  dem  oben  erwähnten
Hafen  Nuevitas  an  der  Nordküste;
eine  Bahn  von  Jibara  nach  Holguin  zur  Erleichterung  des  Holzhandels; ­

endlich  eine  kleine,  bereits  vor  langer  Zeit  angelegte  Bahn  von
San  Jago  nach  Moron,  deren  hauptsächlicher  Zweck  die  Förderung ­
  des  Kupferbergbaus  sein  sollte.
Diese  Uebersicht  läßt  erkennen,  daß  der  westliche  Theil  der  Insel,  und
auch  dieser  vorzüglich  in  seiner  nördlichen  Hälfte  ziemlich  gut  mit  Eisenbahnen ­
  versorgt  ist,  daß  namentlich  eine  solche  in  der  Mitte  durch  die  Insel
von  deren  westlichster  Bezirksstadt  ans  das  Innere  zur  größeren  Hälfte
durchschneidet.  Dagegen  wird  die  Südküste  und  die  östliche  Hälfte  der
Insel  noch  viele  Strecken  aufweisen,  welche  der  Eisenbahnen  dringend
bedürfen  und  ungeachtet  der  etwas  schwierigen  Bodenverhältnisse  auch
bauen  können.

4.  Geschichtliches.
Obwohl  bereits  1492  entdeckt,  wurde  Cuba  doch  erst  im  Jahre  1508  als
eine  Insel  erkannt,  da  man  es  bis  zur  völligen  Umschiffung  durch  Sebastian
Ocampo  für  einen  östlichen  Vorsprung  des  Amerikanischen  Festlandes
hielt.  Nach  der  Besitzergreifung  und  der  vollständigen  Eroberung  der  Insel
wurden  einige  Zeit  hindurch  die  Eingeborenen  milde  behandelt  und  das
Land  schien  einem  blühenden  Zustande  entgegenzugehen.  Allein  die  den
damaligen  spanischen  Eroberern  gemeinschaftliche  Habsucht,  gereizt  durch
die  Vorstellung  verborgener  großartiger  Goldschätze,  und  in  Verbindung
damit  der  Naeenhaß  und  der  katholische  Bekehrungseifer  veranlaßte  bald
eine  Verfolgung  der  eingeborenen  Indianer,  welche  sich  allmälig  grausamer
gestaltete.  Bereits  im  Jahre  1532  sollen  nach  amtlichen  Berichten  nicht
mehr  als  4500  Ureinwohner  übrig  geblieben  sein,  wobei  allerdings  zu
berücksichtigen,  daß  die  Bewohnerzahl  vor  der  Entdeckung  schwerlich  eine
sehr  große  gewesen  sein  mag;  gewiß  ist,  daß  die  fortdauernde  Verfolgung
im  Jahre  1560  zur  völligen  Ausrottung  führte.
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        16

Die  Hauptstadt  der  Insel  war  Anfangs  das  an  der  Südostküste
belegene  San  Ingo  de  Cuba,  welches  im  Jahre  1525  auch  der  Hauptsitz
der  kirchlichen  Verwaltung  wurde.  Später  mürbe  der  Sitz  der  Regierung,
wegen  der  Angriffe  der  Seeräuber,  nach  Puerto  del  Principe  in  das  Innere
und  dann  von  dort  nach  Havana  gelegt.  Diesen  letzteren  Namen  führte
ursprünglich  eine  an  der  Südküste,  in  der  Gegend  des  heutigen  Batabano
gegründete  Niederlassung.  Sie  wurde  1519  von  den  Einwohnern  verlassen,
welche  sich  nach  der  Nordküste,  nach  dem  Porto  Carenas,  wandten  und
diesem  Drte  bei  ihrer  Niederlassung  den  Namen  ihres  bisherigen  Wohnplatzes
  gaben.  Bei  der  günstigen  Lage  entwickelte  es  sich  schnell  zu  einem
blühenden  Handelshafen.  Allein  schon  im  Jahre  1538  erlag  es  zum  ersten
Male  den  Angriffen  der  Seeräuber.  Anderthalb  Jahrhunderte  lang  hatte
die  Insel  unter  den  fortgesetzten  Plünderungen  der  unter  dem  Namen  der
Flibustier  bekannten  Räuberhorden  zu  leiden.  Immer  und  immer  micber
überfielen  sie  die  Städte,  stürmten  sie  mit  gewaffneter  Hand,  raubten  und
plünderten  alles  Werthvolle,  drangen  bis  in  das  Innere,  brannten  die
Wohnstätten  nieder  und  nMdeten  die  Bewohner.  Der  Schrecken,  den  die
Flibustier  durch  ihre  wilde  Tapferkeit  ltitb  ihre  Grausamkeit  erregten,  war
so  groß,  daß  lange  Zeit  hindurch  kein  Widerstand  mehr  versucht  wurde;
bei  der  ersten  Annäherung  der  Segel  floh  alles  in  die  Berge;  viele  verließen ­
  die  Insel  und  wanderten  nach  Peru,  Chili  oder  anderswohin  aus;
vergeblich  suchte  die  Regierung  der  Auswanderung  durch  Androhung  von
Strafen  und  Confiscationen  zu  steuern.  Bis  zum  Ende  des  17.  Jahrhunderts ­
  dauerte  diese  Plage  fort.  Die  Südküste  des  westlichen  Theiles
der  Insel  blieb  in  Folge  der  Verheerungen  verlassen,  bis  im  Jahre  1817
Clonet,  mie  erwähnt,  zur  Gründung  von  Cienfuegos  schritt.  Das  18.  Jahrhundert ­
  begann  für  das  Mutterland  Spanien  mit  dem  bekannten  Erbfolgekriege, ­
  der  schließlich  die  Krone  an  den  Enkel  Ludwig  XIV.  brachte  und
demnächst  auf  eine  Reihe  unfähiger  Regenten  übertrug.  Dieser  Krieg
endete  mit  einem  politischen  und  wirthschaftlichen  Niedergänge,  von  dem
sich  Spanien  seither  nicht  wieder  erholt  hat.  Weitere  Kriege  im  Laufe  des
Jahrhunderts  folgten  und  wirkten  nachtheilig  auf  die  Colonicen,  so  auch
auf  Cuba  zurück.  Jnl  Jahre  1762  wurde  Havana  von  den  Engländern
erobert  und  die  Insel  besetzt;  im  folgenden  Jahre  jedoch  gaben  sie  bei  dem
Friedensschluß  dieselbe  an  Spanien  im  Tausch  gegen  Florida  zurück.
Als  im  Jahre  1717,  bald  nach  dem  Erbfolgekriege,  die  spanische  Regierung ­
  den  Tabakshandel  zum  Monopol  erklärte,  erregte  dies  die  Unzufriedenheit ­
  der  Kubaner  in  dem  Grade,  daß  ein  schwerer  Aufstand  ausbrach, ­
  dessen  Besiegung  nur  mit  Mühe  gelang.
Der  Ausbruch  der  französischen  Revolution  im  Jahre  1789  erweckte
auch  in  den  mit  Sklaven  überfüllten  Colonieen  Westindiens  ernste  Unruhen,
welche  in  Cuba  wegen  der  starken  weißen  Bevölkerung  keine  nachhaltige  poli-
        <pb n="22" />
        —  17

3

tische  Folge  hotten  :  die  Insel  blieb  dem  Mutterlande  erhalten.  Desto  schlimmer
gestalteten  sich  die  Verhältnisse  in  dem  -  benachbarten  San  Domingo,  damals ­
  unter  französischer  Herrschaft  stehend.  Bekanntlich  wüthete  dort  der
Aufstand  Jahre  lang  und  der  Krieg  wurde  mit  erbitterter  Grausamkeit  geführt: ­
  den  Franzosen  gelang  es  nicht  ihre  Herrschaft  wieder  zu  befestigen.
Für  Cuba  hatte  dieser  Aufstand  die  glückliche  Folge,  daß  eine  größere  Anzahl ­
  wohlhabender  Einwohner  von  Domingo  sich  dorthin  flüchteten,  ihr
Vermögen,  ihre  Kenntnisse  und  Erfahrungen  mitbrachten  und  wesentlich
zur  Entwickelung  der  Cultur  beitrugen.  Andrerseits  freilich  wurde  durch
diesen  Zuzug  der  Begehr  nach  Sklavenarbeit  vermehrt,  der  den  Menschenhandel ­
  förderte;  für  viele  Jahre  lang  wurde  Huoana  der  Mittelpunkt  für
diesen  Handel,  auch  zur  Versorgung  aller  spanischen  Besitzungen  in  Amerika.
Große  Reichthümer  wurden  dadurch  gewounen,  aber  auch  der  Grund  gelegt ­
  zu  den  zerrüttenden  Unruhen,  unter  denen  die  Insel  bis  in  die  neueste
Zeit  zu  leiden  hatte.  Die  Insel  konnte  sich  durch  eigene  Kräfte  dieser  Unruhen ­
  nicht  erwehren;  das  Mutterland  hatte  ununterbrochen  mit  seinem
eignen  Schicksal  zu  kämpfen;  es  wurde  von  Beginn  des  jetzigen  Jahrhunderts ­
  an  zuerst  durch  die  Napoleonische  Eroberung  und  die  daran  sich
knüpfenden  Befreiungskriege,  sodann  durch  die  Verfassungskämpfe  und  die
damit  verbundene  Intervention  der  französischen  Bourbonen,  ferner  durch
die  langjährigen  Kämpfe  mit  den  Karlisten,  und  endlich  durch  die  bis  in
die  letzten  Jahre  hineinreichenden  Thronstreitigkeiten  gründlich  zerrüttet.  Inzwischen ­
  hatte  Spanien  im  Verlaufe  der  vielfachen  Kriege  mit  fremden
Mächten,  sowie  in  Folge  von  Unabhüngigkeitskämpfen  alle  seine  amerikanischen
  Colonieen,  mit  Ausnahme  von  Cuba  und  Portorieo,  verloren;  in
eignen  Nöthen  war  es  nicht  nur  außer  Stande,  diesen  Colonieen  zu  Hilfe
zu  kommen  und  ihnen  Mittel  zur  Beförderung  ihres  Wohlstandes  zu  gewähren, ­
  sondern  es  suchte,  ohne  Rücksicht  ans  deren  Bedürfnisse,  nach  wie
vor  diese  Inseln  zu  einer  Geldquelle  für  sich  zu  machen.  Daraus  entwickelten ­
  sich  Zustünde,  welche  ans  die  Dauer  unhaltbar  erscheinen  mußten.
Eine  steigende  Unzufriedenheit  griff  in  Cuba  um  sich.  Ein  nicht  geringer
Theil  der  wohlhabenderen  Einwohner  glaubte  im  Anschluß  an  die  No'rdamerikanischen
  Staaten  einen  Ausweg  zu  finden;  die  arbeitende  Bevölkerung,
die  Farbigen,  wurden  durch  das  Beispiel  von  San  Domingo  verleitet,  in
der  staatlichen  Unabhängigkeit  ihr  Heil  zu  suchen.
In  den  Vereinigten  Staaten  Nordamerikas  herrschte  eine  starke
Neigung  für  die  Besitznahme  Cuba's,  insbesondere  genährt  durch  die  Bestrebungen ­
  ihrer  unter  ähnlichen,  wirthschnftlichen  Verhältnissen  den  Anbau
von  Zucker,  Kaffee,  Baumwolle  re.  betreibenden  Sklavenstaaten  im  Süden.
Diese  hofften,  durch  den  Eintritt  Cuba's  in  die  Union  zu  einem  überwiegenden
  Einfluß  auf  die  Handelspolitik  derselben  zu  gelangen  und  die
Nordstaaten  in  die  Minderheit  zurückzudrängen.  Schon  1845  tauchte  der
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        18

Vorschlag  auf,  Cuba  käuflich  zu  erwerben  und  wenige  Jahre  später  bildete
sich  eine  Gesellschaft,  welche  zu  diesem  Zwecke  200  Millionen  Dollars  zusammenzubringen ­
  beabsichtigte.  Zugleich  begannen  unternehmende  Männer
den  abentheuerlicheu  Plan  iu's  Werk  zu  setzen:  Cuba  durch  Freischaareu
zu  erobern.  Ein  Obrist  White  hatte  dazu  bereits  eine  ansehnliche  Zahl  gesammelt,
  als  die  Regierung  der  Vereinigten  Staaten  einschritt,  nachdem  sie
offiziell  auf  das  völkerrechtswidrige  Unternehmen  aufmerksam  gemacht  war.
Dies  hinderte  nicht,  daß  ein  anderer  Abeutheurer,  General  Lopez,  den
Plan  wieder  aufnahm  itub  zur  Ausführung  schritt.  Im  Jahre  1849
schiffte  er  sich  zu  der  sogenannten  Rouud-Jsland-Expeditton  ein,  mit  derer ­
  allerdings  kläglich  scheiterte.  Nichts  desto  weniger  seegelte  er  im  Mai  1850
abermals  aus  und  landete  au  der  Nordküste,  eroberte  Cardenas,  mußte  es
aber  alsbald  wieder  räumen  und  sein  Heil  in  der  Flucht  über  See  suchen.
Im  Juli  1851  machte  er  den  dritten  Versuch.  Er  seegelte  von  New-Orleans
ab,  landete  bei  Bahia  Honda,  drang  in  das  Land  vor,  lieferte  den  spanischen
Truppen  mehrere  unglückliche  Gefechte,  flüchtete  in  das  unwegsame  Gebirge,
wurde  gefangen  und  in  Havana  hingerichtet.  Es  ist  schwer  anzunehmen,
daß  diese  wiederholten  Unternehmungen,  welche  der  Insel  empfindlichen
Schaden  zufügten,  ohne  stillschweigende  Nachsicht  der  amerikanischen  Regierung ­
  wirklich  Hütten  zur  Ausführung  gelangen  können.  Als  im  Jahre  1852
England  und  Frankreich  in  Washington  eine  Koalition  vorschlugen,  um
den  Spaniern  Cuba  zu  erhalten,  antwortete  die  amerikanische  Regierung
ablehnend  mit  dem  Bemerken,  daß  sie  nichts  bezüglich  Cuba's  zu  veranlassen ­
  gedenke,  so  lange  es  unter  spanischer  Herrschaft  stehe,  daß  sie  aber
(getreu  '  der  Monroedoktrin)  dem  Eingriff  jeder  andern  Macht  entgegentreten ­
  würde.  Dies  hinderte  freilich  nicht,  daß  im  Januar  1854  der  gesetzgebende ­
  Körper  des  Staates  Louisiana  eine  Motion  zu  Gunsten  der  Einverleibung ­
  Cuba's  annahm,  und  ferner  nicht,  daß  in  demselben  Jahre  1854
der  amerikanische  Gesandte  in  Madrid  der  spanischen  Regierung  das  Anerbieten ­
  machte,  Cuba  gegen  Zahlung  von  200  Millionen  Dollars  zu  übernehmen. ­
  Dabei  war  auf  die  gerade  damals  sehr  ungünstigen  politischen
und  finanziellen  Verhältnisse  Spaniens  gerechnet:  das  Anerbieten  wurde
abgelehnt  mit  der  Bemerkung,  „Cuba  verkaufen,  heiße  Spaniens  Ehre  verkaufen". ­
  Zu  gleicher  Zeit  kühlte  sich  der  amerikanische  Eifer  für  die  Erwerbung ­
  der  Insel  ab.  Einerseits  erwog  man,  daß  der  Zutritt  eines  neuen
Sklavenstaates  und  die  Vermehrung  der  Bevölkerung  durch  l'/ 2  Millionen
bigotter  Katholiken  für  die  Union  Gefahren  berge;  andrerseits  waren  in
Cuba  Maßregeln  zur  Beschränkung  der  Sklaverei  iu's  Leben  getreten,
welche  in  Louisiana  Aufsehen  und  Unruhe  erregten,  so  wenig  sie  in  Cuba
selbst  friedliche  Zustände  zu  schaffen  und  zu  bewahren  im  Stande  waren.
Durch  das  Beispiel  der  Neger  auf  Domingo  (Haiti)  angeregt,  hatten
die  Sklaven  alls  Cuba  bereits  im  Jahre  1812  eine  weit  verzweigte  Ver-
        <pb n="24" />
        19

3*

schwörung  angezettelt,  bereit  Zweck  die  gänzliche  Vernichtung  ber  Weißen
gewesen  sein  soll.  An  ber  Spitze  berselben  staub  ein  wohlhabenber  freier
Neger,  Namens  Aponte.  Ein  Zufall  führte  zur  Entbeckung,  ber  Aufstanb
würbe  im  Keine  unterbrückt,  bie  Räbelsführer  hingerichtet.  Nicht  immer
gelang  es  in  gleicher  Weise,  ben  Anschlägen  ber  Neger  zuvorzukommen.
Die  Aufstäube  wieberholten  sich.  Im  Jahre  1844  mußte  ein  solcher  im
Bezirke  von  Matanzas  mit  Gewalt  unterbrückt  werben.  Im  Jahre  1848
erfolgte  bie  Freilassung  ber  Sklaven  in  ben  benachbarten  französischen
Colonien:  in  Folge  besten  erhoben  sich  in  Cuba  bie  Sklaven;  ber  Aufstanb
konnte  erst  nach  blutigen  Kümpfen  unterbrückt  werben  unb  würbe  mit
harter  Strenge  bestraft.  Im  Jahre  1853  entstaub  eine  Empörung  unter
ben  Solbaten  in  San  Jago  in  Folge  ber  Bestrafung  einiger  Kameraben;
man  unterbrückte  sie  zwar,  aber  man  begnabigte  bie  Schulbigen,  weil  man
sie  aus  Besorgnis;  vor  einem  allgemeinen  Militäraufstanbe  nicht  wagte  zu
bestrafen.  Im  folgenben  Jahre  1854  würbe  eine  Verschwörung  in  Baracoa,
im  Osten  ber  Insel,  entbeckt,  im  nächsten  Jahre  1855  bie  bes  Roman  Pinto,
welcher  nach  Töbtung  bes  Generalcapitains  bie  spanische  Herrschaft  beseitigen ­
  wollte.  Die  Negierung  ließ  sich  burch  alle  biese  Vorgänge  nicht
bewegen,  bie  politischen  unb  wirthschaftlichen  Zustände  zu  bessern  unb  mehr
nach  ben  Wünschen  ber  Cubaner  zu  orbiteli,  wobei  ihr  freilich  bie  wüsten
Zustänbe  im  eignen  Hause  zur  Entschulbigung  bienen.
Die  steigenbe  Unzusriebenheit  bes  Laubes  begünstigte  eine  neue  Verschwörung, ­
  welche  bie  Unabhängigkeit  ber  Insel  bezweckte.  Bereits  im
Sommer  1867  begannen  bie  Verhanblungen  unter  ben  Verschworenen  unb
blieben  ein  volles  Jahr  lang  ein  Geheimniß  ber  Betheiligten.  Im  Oktober
1868  traten  bie  Verschworenen  offen  hervor,  verkünbeten  bie  Unabhängigkeit
unb  erklärten  bie  Insel  zur  Republik,  ilibem  sie  zugleich  eine  provisorische
Regierung  einsetzten.  Mehrere  Jahre  lang  waren  bie  Aufstänbischen  siegreich ­
  gegen  bie  an  Zahl  überlegenen  spanischen  Truppen.  Ein  General-Capitain
  nach  beut  aiiberit  versuchte  mit  Gewalt  unb  mit  Strenge  bie
Unterbrückung,  aber  vergeblich.  Im  Innern  ber  Insel,  in  beut  östlichen
ltitb  süböstlichen  Theile  war  vornehmlich  ber  Sitz  ber  Empörung,  zeitweise
bemächtigte  sie  sich  auch  bes  Bezirks  von  Matanzas.  Weniger  litt  ber
westliche  Theil  ber  Insel  unter  beut  unmittelbaren  Einfluß  ber  Kämpfe
unb  es  gelang  ben  Aufstänbischen  nicht,  sich  ber  Havana  zu  bemächtigen.
Auch  ber  Versuch,  bieselben  burch  bas  Anerbieten  von  Amnestie  unb  von
Reformen  zu  versöhnen,  war  fruchtlos,  ba  von  einer  Seite  bie  Unterwerfung
unter  bie  Krone  Spaniens,  von  ber  anberen  Seite  bie  Unabhängigkeit  von
berselben  als  erste  Bebingung  festgehalten  würbe.  Im  Jahre  1873  lief
bas  amerikanische  Schiff  „Virginius"  von  New-Iork  aus  mit  Mannschaft,
Lebensmitteln  unb  Kriegsbebarf  für  bie  Insurgenten  ein.  Der  Gouverneur
von  San  Jago  ließ  es  burch  ein  Kanonenboot  verfolgen  unb  unweit  von
        <pb n="25" />
        Jamaica  wegnehmen.  Darüber  entbrannte  iwch  ein  Streit  mit  den  Vereinigten ­
  Staaten,  der  durch  die  Nachgiebigkeit  des  schwachen  Spaniens
beigelegt  wurde.  Im  Jahre  1874  wurden  die  Insurgenten  zwar  durch
General  Concha  in  blutiger  Schlacht  geschlagen:  allein  seine  Kräfte  reichten
nicht  zu,  um  diesen  Sieg  bis  zur  völligen  Niederwerfung  des  Feindes  zu
verfolgen.  Man  kämpfte  noch  mehrere  Jahre  lang  mit  wechselndem
Glücke  und  mit  steigender  Erbitterung,  bis  endlich  am  8.  April  1878  dem
zehnjährigen  Kriege  durch  den  Frieden  von  Zanjón  ein  Ende  gemacht
wurde.  Noch  einmal  loderte  dann  tut  folgenden  Jahre  tut  Osten  die  Empörung ­
  auf,  wurde  aber  schnell  unterdrückt.
m  itimttMbate  folgen  bt#  stub  ¿u  Deqctdjtteit:  bet
schmerzliche  Verlust  an  Menschenleben  bei  einer  ohnehin  dünnen  Bevölkerung;
enorme  Verluste  ait  Vermögen  und  beweglichem  Eigenthum,  itantentlich  an
Vieh  aller  Art;  Verarntung  der  gesammten  Einwohnerschaft;  Mangel  ait
Wmle^ntllItq^Wt  nub  numebit;  sBmwtftuitü  mib  ctiteá  f#
Meu  ^ctíeg  bet  i!itbmeQM)cit  bittet.  3it0be^üllbete  #611  bte  Budct=Pflanzungen
  gelitten:  aus  Rache  oder  zur  Vertheidigung  wurden  sie  niedergebrannt' ­
  von  Insurgenten  inte  von  Regierungstruppen;  sie  sollten  den
einen  wie  den  andern  itici)t  als  Schlupfwinkel  dienen.
Ueber  den  Ursprung  und  den  Verlauf  der  Sklaverei  aus  Cuba  wird
sich  weiterhin  Gelegenheit  finden,  das  Nähere  vorzutragen.  Bald  nach  deut
Friedensschlüsse  von  Zanjón  hat  die  Regierung  die  gesetzliche  Regelung  der
Sklavenemanzipation  ernstlich  in  Angriff  genommen.  Allerdings  lag  eine
dringende  Nothwendigkeit  dazu  vor.  Allein  die  Erfahrung  aller  Länder
hat  bewiesen,  daß  der  Uebergang  von  der  Zwangsarbeit  zur  freien  Thätigkeit
der  Arbeiter  für  die  erste  Zeit  nicht  ohne  Verlegenheiten  und  nicht  ohne
Erschütterung  der  Besitzverhältnisse  abgeht:  um  wie  viel  mehr  in  Cuba,
dessen  wirthschaftliche  Kräfte  durch  seine  traurigen  Schicksale  fast  erschöpft
moten.  W  beenbigteiu  Mftwtbe  blieb  bet  Sittel  iibetbieä  bte  m#be,
die  Kosten  für  eine  verstärkte  Heeresmacht  ztt  Lande  und  zur  See  aufzubringen ­
  nub  die  aufgelaufenen  Kriegsschulden  zu  verzinsen  und  ztt  tilgen.
Ungünstige  Handelsconjuncturen  kamen  dazu:  der  Sturz  einer  Havaneser
Bank  nub  verschiedener  solider  Häuser  traten  ein  und  vermehrten  die
Schwierigkeiten,  ivelche  sich  einer  ivirthschastlicheit  Erstarkung  entgegenstellten.

5.  Die  finanziellen  Verhältnisse.
Schon  vor  dem  zehnjährigen  Ausstande  war  die  wirthschaftliche  Lage
der  Insel  keine  günstige  imb  keine  gesunde.  Es  geschah  nichts,  um  die
natürlichen  Hilfsmittel  des  Landes  zu  entwickeln.  Da  die  Ueberschüsse  nach
dem  Mutterlande  abgeführt  wurden,  war  die  Insel  nicht  tut  Stande,  in
        <pb n="26" />
        21

(inten  Zeiten  Ersparnisse  zurückzulegen  Noch  »er  de,,,.letzte,.  Amstande
sollen  jährlich  6  Millionen  pesos  (24  Millionen  Mart)  lahrlich  nach  spannn
abaeliesert  sein  Ueber  die  Einnahme»  und  Ausgaben  der  Cuban,,chen  Sregierung
  zuverlässige  Zahlen  zu  erhalte,»  hat  „ieht  gelingen.molle,»  Das
Mihverhältniß  beider  zu  einander,  kann  man  ans  den  tiold-  und  ell
course,»  mie  ans  der  Höhe  der  Abgaben  erkenne,»  Die  gesummten  Malischeu
  Einnahmen  der  Insel  wurden  sür  das  Jahr  1859  angegeben  aus  rund
25,S  Millionen  Dollar»,  für  1860  auf  26  Millionen  und  sur  1861  aus
26  4  Millionen.  Hiervon  wurde  damals  etwa  die  Hälfte  auf  Unterhaltung
des  Heeres  und  der  Marine  verwendet.  Die  Folgezeit  hat  gelehrt,  das;
das  Heer  den  Anforderungen  nicht  gewachsen  war,  welche  der  Kampf  gegen
die  Insurgenten  stellte.  Namentlich  deshalb  wurde  die  lange  Dauer  bet,
Änfitanbeß  moo#.  %ßü#itb  beweiben  bic  3#  bei:  uermehrt
  werden;  nach  hergestelltem  Frieden  blieb  es  vorerst  bei  der  ^erstärkung,
  und  das  Land  hatte  bei  sehr  geschwächten  Hilfsmitteln  die  bedeutend ­
  höheren  Ausgaben  zu  tragen.  Im  Jahre  1884  wurden  die  Ausgaben
fih  baß  aiScaWi:  ani  30  mmoiten  3)oüai'ß  imb  em  31mentaiitici)ei:
  æa#!  beinerît  ba^ii,  bai;  bie  oeiammte  baiiialioe  gwiemmte  md)t
hinreichen  würde,  um  die  Steuern  zu  decken,  welche  die  Regierung  würde
erheben  müssen;  die  eommerzielle  und  politische  Lage  der  Insel  sei  eine
oei'amcifdte.  %ad)beni  ein  3aï)i:  Mtei:  bie  i#n#e  3teoiemiio  iid)  en^
schlossen  hatte,  die  Schuld  der  Insel  in  eine  Nationalschuld  zu  verwandeln,
glaubte  man  für  1886  das  Jahresbudget  aus  26  Millionen  Dollars
¡104  Millionen  Mark)  ermäßigen  zu  können.  Auch  ein  solcher  Jahresbetrag
wäre  für  ein  Land  von  l'/ 2  Millionen  Einwohnern,  namentlich  unter  den
obwaltenden  ungünstigen  Verhältnissen,  noch  ein  drückend  hoher.  Man
darf  indessen  bezweifeln,  ob  derselbe  zur  Deckung  der  wirklichen  Ausgaben
zureicht.  Im  annuaire  von  Maurice  Block  von  1885  werden  die  Ausoaben
  liad)  bem  %ioraiii#Ge  beß  BnbQetß  #  1882  ani  "Wa#
32  067  978  pesos  angegeben,  und  dahin  zerlegt:  allgemeine  Ausgaben,  unter
welche  anscheinend  auch  die  Ausgaben  für  die  öffentliche  Schuld  begriffen
sind:  11  795  999  p.;  Justiz  966  584  p.;  Kriegsverwaltung  8  885  011  p.;  Marine ­
  2  204  677  p.;  Finanzverwaltung  1  459  288  p.;  Inneres  5  592497  p.;
öffentliche  Arbeiten  1005462  p.;  auswärtiges  Amt  121  300  p.  und  Niederlassung ­
  Fernando  Po  37  160  p.  Dagegen  nimmt  Minoprio  in
seinem  Jahrbuch  für  das  Jahr  1880  —  also  unmittelbar  nach  dem  Aufstaude ­
  —  die  Ausgaben  auf  rund  80  Millionen  Dollars  an,.  denen  eine
Einnahme  gegenüberstehe,  die  niemals  mehr  als  55  bis  60  Millionen  betragen ­
  habe.  'Nach  dem  statesman's  yearbook  für  1887  wurden  in  neuester
Zeit  noch  auf  der  Insel  22457  Mann  Soldaten  gehalten,  ungerechnet  die
Officiere,  deren  Anzahl  in  Spanien  bekanntlich  recht  hoch  ist;  dazu  noch
eine  Flotte  von  35  Kanonenbooten.  Daraus  erklärt  sich,  daß  die  Etats
        <pb n="27" />
        22

ber  Insel  bei  104  Millionen  Mark  veranschlagter  Einnahme  ein  wirkliches
Gleichgewicht  nicht  erlangen  können.  Das  statesman's  yearbook  selbst  theilt
and)  aiiê  bem  Bub#  ber  3%#  für  baö  3#  1885/86  nid,  baß  bie  Ginnahmen
  aus  27  V,  Millionen,  bie  Ausgaben  aus  81  '/,&amp;gt;  Millionen  pesos  veranschlagt ­
  seien.  Vorausgesetzt,  baß  bie  veranschlagten  Einnahmen  wirklich
voll  eingehen,  bleibt  noch  ein  Fehlbetrag  von  4  Millionen  pesos  ober
16  Millionen  Mark  zu  becken,  für  welchen  bie  Steuerkraft  bes  Laubes  nicht
weiter  in  Anspruch  genommen  werben  kann.  Nach  biesem  Bubget  konnnen
126  Millionen  Mark  ans  etwa  1'/-&amp;gt;  Millionen  Seelen,  also  84  Mark  auf
ben  Kopf  ber  Bevölkerung,  bie  zu  einem  erheblichen  Theile  aus  farbigen
Arbeitern  besteht.
Ueber  bie  Höhe  ber  öffentlichen  Schuld  finbet  sich  nun  keine  ziffermäßige ­
  Angabe.  Aus  ben  Mittheilungen  über  bie  Etatsposteu  läßt  sich
auch  bie  Höhe  ber  Jahreszinsen  nicht  ersehen.  Ohne  Zweifel  erreicht  bie
öffentliche  Schulb  eine  sehr  bebentenbe  Höhe,  wie  bies  bei  ben  wiederholten
unb  langjährigen  Unruhen  begreiflich.  Wieberholt  wirb  berichtet,  baß  sie
für  bie  Insel  unerträgliche  Zustänbe  herbeigeführt  habe.  Enblich  mußte
sich  das  Mutterlanb  zur  Abhilfe  entsd)ließen.  Man  verwanbelte  bie  Sd)nlb
ber  Insel  insofern  zu  einer  Nationalschulb,  baß  man  Schulbbriefe  ber
. v sii|eí  Euba  —  bons  hypothécaires  —  ausgab  unb  mit  ber  Garantie  bes
gestimmten  Staates  versah.  Dabei  muß  man  fid)  vergegenwärtigen,  baß
Cuba  staatsrechtlich  immer  nur  eine  Provinz  Spaniens  war,  unb  ferner
baß  bie  elenbe  Wirthschaft  im  Mutterland  ihm  ein  Mehreres  zu  thun  nicht
erlaubte.  Spanien  war  unb  ist  noch  hellte  finanziell  in  einer  Weise  zerrüttet, ­
  loie  kaum  ein  anberer  Staat  tu  Europa.  Für  bas  Jähr  1881
lvurbe  seine  Staatsschulb  auf  512  Millionen  Pfunb  Sterling"  b.  i.  auf
10240  Millionen  Mark  angegeben.  Diese  ungeheure  Last  sonnte  bas  Land
nicht  tragen;  man  war  zri  einer  Verständigung  mit  ben  Staatsgläubigern
gezwungen,  in  Folge  deren  eine  Herabsetzung  von  Kapital  nitb  Zinsen
herbeigeführt  wurde.  Trotz  dieser  Erleichterung  betrug,  ilach  ben  statistischen
Mittheilungen,  bie  öffentliche  Schuld  Spaniens  am  1.  Januar  1884  noch
6356  Millionen  pesetas  —  4  238  Millionen  Mark.  In  dieser  Summe  lvar
ohne  Zweifel  bie  schwebende  Schuld  nicht  inbegriffen:  seither  hat  sie  sich
wieder  ansehnlich  erhöht.
Mit  beili  sinkenden  Wohlstände  ber  Insel  machte  sich  bas  Bedürfniß
nach  Kredit  immer  fühlbarer.  In  gleid)em  Maße  gestalteten  fid)  aber
auch  bie  Bedingungen  dafür  ungünstiger.  Dies  bezeugen  die  vielfachen
Nachrid)ten  über  bie  Wechselcourse  und  Goldprämien.  Sd)on  int  Jähre  1872
wurde  aus  Matanzas  über  die  Höhe  ber  Wechselcourse  geklagt;  im  Jahre
1873  stiegen  diese  Course  in  Havana  während  des  Mai  und  Juni,  stockten
danil  aber  gänzlich,  ìveil  die  Bank  keine  Wechsel  diskontirte.  Im  Jahre
1874  wurde  aus  Matanzas  von  einer  panikartigen  Entwerthung  ber
        <pb n="28" />
        Wifnoteu  beratet:  bteWmie  für  Wölb  fdjmanlle  ömtfd)en  90  biß  100  %
unb  190  btë  195%;  ber  Gourß  cms  Bonbon  OO^age  mar  ""  XTrVZ
Jahres  105  bis  125%,  stieg  im  Sommer  bis  zn  213  %  unb  hielt  sich  5"
Enbe  bes  Jahres  noch  ans  133  bis  175  %-In
  Spanien  mürbe  bnrch  Verorbnnng  vom  19.  März  1374  bte  bnrch
Wefe^oont  28.  pannar  1856  gegrünbete  mans  oon  Spanien  in  eine
9iationalban(  mit  einem  Spital  oon  100  #monen  pesetas  ;
alle  anbeten  Zettel-  unb  Discontbanken  als  in  Liqmbation  besmblich  atiait
unb  bereu  Wen  ferner  nid)t  sugeiaffen.  %  neue  mant  orni  (Spanien
SÄûJÄîşrS
iS;  -  vi  rsTÄÄ  :  &amp;amp;  upesetas
  zu  leisten.
Auf  Cuba  übernahm  bte  bortige  Spanische  Bank  —  banco  español
de  la  isla  de  Cuba  -  bie  Vermittelung  ber  Finanzgeschäfte  ber  Regierung.
3m  Banfe  ber  geit  fai)  fid)  bie  Diegierung  in  ii)rer  Welbbebrangntg  oeranlaßt,
  bie  Bank,  rnelche  für  eigene  Rechnung  Noten  auszugeben  befugt
mar,  fortan  and)  %ur  Buêgabe  oon  Ņapiergelb  fi'":  Wnung  31t
erniöd)tigen.  mon  biefer  Wrntäd)tiguitg  mürbe  in  fdpielier  ^oige  ein  jo
umfangreicher  Gebrauch  gemacht,  baß  bie  Gelbverhältnisse  ber  Jiyel
uieicntiid)  barunter  litten.  Saë  Şapiergelb  ber  0ant  mürbe  t^atfädflid)
zum  gernohnlichen  Zahlungsmittel.  Schon  für  bas  Jahr  1872  rntrb  berichtet, ­
  baß  bte  Emission  von  36  ans  44  Millionen  pesos  (b.  i.  176  Millionen ­
  Mark)  gestiegen  sei;  für  später  rntrb  ber  Umlauf  auf  56  Millionen
(gleich  224  Millionen  Mark)  angegeben;  vielleicht  ist  er  zeitrneise  noch
höbet  qcmefcn.  %od)  für  ben  Busang  beS  MreS  1884  mirb  er  in  einem
Consnlatbericht  auf  42  Millionen  pesos  (gleich  168  Millionen  Atark)  beliffert
  Buß  mtan^ag  mirb  betid#,  bag  baS  %agio  gegen  Wölb
anfangs  nur  3%  betrug,  im3al)rel871  auf  5%%  u»b
auf  15%  gestiegen  fei;  ant  31.  December  1873  betrug  bte  granite  fur
Wölb  bereite  100%,  möi)renb  gleid)¿eitig  ber  @terltngcour§  btö  &amp;amp;u  120%
i)inauffprang.  SBie  fei)r  foïd)e  @d)manfungen  unb  grämten  ben  merM)r
beeintröd)tigten  unb  für  bie  Wemerbetrcibenben  eine  Dueüe  i)arter  merlufte
mürben,  debars  keiner  Erörterung.
3)ie  9iad)tbeile  ber  innern  guftänbe  mürben  oerfd)ärft  burd)  bie  llngunft
  der  ansrnärtigen  Verbinbnngen.  Da  Cuba  seine  Bcben^bebürfntffc
fast  au§fd)lie^ltd)  oont  Bnßlanbe  be#)en  mus)  unb  feine  eigenen  ^1^=nisse
  in  bas  Anslanb,  besonbers  nach  Norbamerika,  absetzt,  so  rntrb  es  von
allen  Vorgängen  auf  ben  ^anbelöplätjen  (SuropaS  unb  BinerW  inertbar
beeinMt:  Ä  sonnte  bat)cr  nid)t  feisten,  bag  bte  betannte  ^anbemtfiß,
        <pb n="29" />
        welche  Nordamerika  und  besonders  New-York  im  Jahre  1873  betraf  auf
Cuba  sehr  empfindlich  zurückwirkte.
Im  Jahre  1884  brach  über  die  Insel  eine  schwere  Krisis  herein  durch
alwanL  caja  de  ahorros,  in  be»
ber  Bem»#»  ©loolen  oíê  saving,  discounting  and  denositbank
  begetdmel.  3)ie  GmMimg  i^et  8#imgcn  im  ^ebruor  1884  ct=■r
  .  «rï™ 3  Plötzlich  zur  allgemeinen  Ueberraschung:  noch  im  Januar  hatten
¡ )ie -  v(d ; eit  a f u]  ļ“ 5  %  şiestanden,  da  sie  bis  zuletzt  die  glänzendsten  Auswege ­
  über  ihre  Lage  gegeben.  Tausende  von  weniger  bemittelten  Leuten
niebetgelegl  imb  netïoten  sie  4,13#;  onbcte
^â^blshacher  wurden  m  ihren  Sturz  verwickelt.  Nicht  allein  die  unnnttelbar
  damit  verbundenen  Verluste  machten  sich  empfindlich  merkbar;
safi  schlimmer  noch  war,  daß  das  Vertrauen  wieder  schwand,  welches  sich
seit  i  er  Beendigung  des  Aufstandes  durch  den  Frieden  von  Zaiijon  im
^ahie  1878  und  seit  Niederwerfung  der  kurzen  Empörung  non  1879  nur
eben  wiederzufinden  begann.  Ohnehin  hat  Cuba  der  Kreditanstalten  für
Wibel  unb  ßlemctbe  mit  ^t  inenige.  9iod)  einem  non
1884  gob  e*  bomolS  miñet  bet  bmiíetnticn  61^0111140111  nodi:  bic  %=dustrialbank
  mit  1,6  Millionen  Dollars  Grnndcapital,  die  Bailk  del  commercio
  unb  almacenes  (2age#»fet)  de  Regla  mil  3  Wmionen  Gopiw
bie  boni  imb  ^lebe^oge  non  @011  Goloiino  mit  1  9mion  Go^iloi;  enblicli
bic  bereits  ^1001)11^  6^oni^^^e  anni  silt  Gnbo.  ^e  detien  bet  btei  ersten
Itonben  bm^rneg  unter  W;  bie  bet  leiden,  mctd)e  mil  einem  GoWtoi  non
Ķ  Wimnen  SoUotS  otbcilcl,  ftonben  im  Sonnot  1884  nodi  119%
nn  &amp;amp;01  1884  bogegen  m,t  85«/«,  ein  bentlid)eS  8^^611,  mie  ieíit
bos  olígemeuie  ^etltonen  fid)  nod)  bem  Etuqe  bet  Gt^^otnt^bol^^
non  ben  SBonfen  3milclge3ogen  I)otte.  S)ie  ^011146  Bons  besorgt
une  erwähnt,  die  Geldgeschäfte  der  Regierung,  macht  ihr  Vorschüsse,
hat  ios  Vorrecht  zur  Ausgabe  non  Noten,  und  ist  angeblid)  verpflichtet,
  jährlich  8  7„  Dividende  zu  zahlen.  In,  Jahre  1883  ivurde
zwar  angeordnet,  daß  von  ihren  im  Umlauf  befindlichen  Noten  monatlich
200000  pesos  vernichtet  werden  sollten,  und  es  wird  auch  behauptet  daß
d,c,e  Anordnung  noch  ,884  wirklich  befolgt  fei,  Gleichwohl  sank  damals
der  Notenwerth  in  einer  bedrohlichen  Weife.  In  Folge  dessen  erklärten
me  Kleinhändler,  sie  würden,  da  sie  gegen  Noten  verkaufen  müßten,  den
^tül^^önbíetlI,  bie  soft  bmd)ioeg  nur  gegen  (Mb  Mibeln,  il)te  æet^ßid)^
tnngeii  erst  dann  erfüllen,  wenn  die  Noten  wieder  zu  besserem  Werthe  geiangt
  ieien.  3)er  ^61^4  im  Sniietn  sonn  fidj  nömiid)  nur  beS  $obietgelbe*
  bedienen;  die  eingeführten  Waaren  werden  dort  auch  nur  gegen
solche^  verhandelt;  dagegen  muß  über  die  Ausfuhrartikel  in  Gold  abgerechnet ­
  werden,  da  für  Cnbanisehes  Papier  außerhalb  der  Insel  sick)  kein
Markt  findet.  Demgemäß  werden  auch  in  allen  Hafenplätzen  die  Ausfuhr-
        <pb n="30" />
        4

25

Geschäfte  auf  Goldbasis  gemacht  und  die  Preise  danach  notirt.  Nur  in  der
schlimmsten  Zeit  des  Aufstandes  hat  zeitweise  au  einigen  Plätzen  die  Goldbasis
verlassen  werben  müssen;  den  Bemühungen  der  betheiligten  Kaufmannschaften ­
  gelang  es  aber,  dieselbe  —  namentlich  in  Havana  -und  Matanzas
—  bald  wieder  herzustellen.  Die  Regierung  läßt  sich  alle  Abgaben  und
Zölle  in  Golde  bezahlen;  nur  bezüglich  der  letzteren  ist  zeitweise  gestattet
worden,  einen  Theil  durch  Banknoten  zu  berichtigen.
Die  Einfuhr  und  Ausfuhr  von  Edelmetallen  ist  großen  Schwankungen
unterworfen,  in  der  Mehrzahl  der  Jahre  aber  sehr  beträchtlich.  Früherhin
ist  bei  der  Ausfuhr  von  Golde  eine  Abgabe  von  1  %  %,  von  Silber  eine
solche  von  2  V 4  °/u  des  Werthes  erhoben  worden.  Jetzt  unterliegt  sie  keinen
Beschränkungen  mehr.
In  Erwägung  aller  der  vorerwähnten  Umstände  läßt  sich  denken,  daß
der  Zinsfuß  von  Darlehnen  auch  für  anerkannt  zahlungsfähige  Personen
kein  niedriger  sein  kann.  Die  überwiegende  Mehrzahl  der  Pflanzer  ist  seit
vieleil  Jahren  darauf  angewiesen,  sich  die  Geldmittel  für  den  Betrieb  ihres
Geschäftes  durch  Darlehne  in  Erwartung  guter  Verlverthung  ihrer  Erzeugnisse ­
  zu  beschaffen.  Die  Bedingungen,  unter  denen  solche  Vorschüsse  gewährt ­
  werden,  richten  sich  natürlich  nach  der  Person,  nach  der  Lage  und
der  Beschaffenheit  ihrer  Pflanzung,  nach  den  Verhältnissen  des  Geldmarktes
und  den  Aussichten  auf  dem  Zuckermarkte.  Während  des  Aufstandes  war
es  für  die  Grundbesitzer  in  den  besonders  davon  betroffenen  Provinzen  des
Ostens  und  des  Centrums  überhaupt  nicht  immer  möglich  Darlehne  zu
erhalten.  In  den  Jahren  1879  und  1880  wird  der  Diskontosatz  der  Banken
in  Havana  durchschnittlich  zu  8%  angegeben,  und  der  billigste  Zinsfuß
für  Landwirthe  aus  1  bis  1  %%  monatlich.  Für  das  Jahr  1884  wurde
berichtet,  daß  der  Diskontosatz  bisher  8%  für  kurze,  und  10%  für  sechsmonatliche ­
  Sichtwechsel  betragen  habe,  nun  aber  auf  9  bez.  11  %  gestiegen
sei,  sowie  daß  im  Innern  Geld  kaum  zu  2%  monatlich  zu  erlangen  sei.
Aus  Matanzas  ivird  für  das  Jahr  1883  berichtet:  der  Besitz,  mit  hohen
Steuern  schwer  belastet,  sei  so  entwerthet,  daß  kaum  noch  ein  Verkauf  bewerkstelligt
  werden  könne;  fast  wöchentlich  werde  ein  Etablissement  geschlossen; ­
  von  dell  6000  Häusern  der  Stadt  stände  der  vierte  Theil  leer.
Inzwischen  scheinen  sich  die  Verhältnisse  gebessert  zu  haben.  Für  das
Jahr  1886  hebt  ein  Bericht  hervor,  daß  die  Capitalisten  —  im  Hinblick  auf  eine
gesegnete  Ernte  —  keiil  Bedenken  mehr  trügen  Vorschüsse  zu  machen  uild
daß  die  Pflanzer  wieder  voll  Zuversicht  seien.
Aus  früheren  Jahren  ist  wiederholt  mitgetheilt  worden,  daß  mau
Pläne  zur  Errichtung  von  Hypotheken-Jnstituten  oder  landwirthschaftlichen
Kreditanstalteil  gemacht  habe.  Mit  der  Errichtullg  einer  solchen  soll  auch
in  der  Stadt  San  Espiritu,  Provinz  Santa  Clara,  der  Anfallg  gemacht
worden  sein.  Indessen  hat  Weiteres  darüber  bisher  nicht  verlautet.  Mit
        <pb n="31" />
        26  —

'

Rücksicht  auf  die  neuerdings  sich  mehr  uud  mehr  vollziehende  Trennung
des  Rohrbaues  von  der  Verarbeitung  des  Rohres  lvüre  es  von  doppeltem
Interesse,  über  die  Wirksamkeit  solcher  Anstalten  zu  hören,  welche  aus  die
Kreditfähigkeit  des  Grundbesitzes  einen  merbareu  Einfluß  zu  üben  pflegen.

ti.  Zölle  und  Stenern.
Unter  den  Klagen  in  den  Berichten  aus  Cuba  kehren  fort  uud  fort
die  über  die  drückende  Höhe  der  Abgaben  wieder.
Die  Nachrichten  über  die  inneren  Steuern  sind  nur  dürftig  und  beschränken ­
  sich  auf  folgendes:
Ländliche  wie  städtische  Grundstücke  unterliegen  einer  Steuer  von
16o/o  des  Ertrages,  mit  Ausnahme  der  mit  Tabak  und  mit  Zuckerrohr  bepflanzten ­
  Flächen,  welche  nur  2%  zu  entrichten  haben.  Ferner  wird  erhoben ­
  eine  Abgabe  von  6%  von  dem  Nettoerträge  des  Verkaufes  oder
Austausches  unbeweglicher  Güter  oder  der  Sklaven,  so  wie  ein  6  proeentiger
Zuschlag  zu  dieser  Steuer.  Sodann  eine  hohe  Steuer  beim  Besitzwechsel
durch  Erbschaft;  eine  Steuer  von  den  sogenannten  cédulas  personales  d.  h.
Legitimationspapieren,  zu  deren  Führung  jeder  Arbeiter  verpflichtet  ist;
eine  Steuer  von  10°/ 0  auf  liquide  Renten,  auf  städtische  Liegenschaften  und
vom  Rindvieh.  Die  Einnahme  aus  der  Stempelsteuer  ist  für  das  Budget
von  1885/86  auf  2  '/4  Million  pesos  veranschlagt,  die  Steuer  auf  die
Lotterie  nahezu  2*/ g  Millionen  pesos.  In  der  encyclopaedia  britannica
wird  sogar  ein  impost,  on  cockfights  erwähnt,  der  sich  aber  sonst  nirgend
angeführt  findet,  auch  mehr  den  englischen  als  den  spanischen  Gebräuchen
entsprechen  würde.  Aus  dem  Jahre  1868  wird  eine  allgemeine  Erhöhung
der  unmittelbaren  Abgaben  um  10%  gemeldet,  welche  zur  Steigerung  der
Unzufriedenheit  beigetragen  zu  haben  scheint.  Nach  einem  Berichte  aus
dem  Jahre  1870  sollen  die  direkten  Steuern  damals  die  Höhe  von  25%
des  Einkommens  erreicht  haben;  für  das  2.  und  3.  Quartal  mußten  die
Steuern  bis  zu  16"/o  ermäßigt  und  für  das  4.  Quartal  ganz  erlassen
werden.
Durch  Verordnung  vom  26.  December  1882  wurde  die  Abgabe  vom
Personen-  und  Frachtverkehr  also  geregelt:  10%  von  dem  Fahrpreise  für
die  Passagiere  auf  den  Eisenbahnen  und  den  zur  Küsten-  und  Lokalfahrt
benutzten  Dampfschiffen;  3%  von  dem  Frachtgelde  beim  Waarentransport,
bey  bei  dem  Güterverkehr  im  Küsten-  und  Außenhandel  von  2,50  bis
6,25  pesetas  Frachtgeld  12%  c  von  der  peseta,  von  6,25  bis  12,50  pesetas
Frachtgeld  25  c,  bei  12,50  bis  25  pesetas  Frachtgeld  50  c,  und  bei  je
25  pesetas  mehr  Frachtgeld  nach  50  c  von  der  Peseta.  Es  läßt  sich  nicht
übersehen,  ob  diese  Verkehrsabgabe  im  vollen  Umfange  wirklich  zur  Geltung
        <pb n="32" />
        gekommen:  daß  sie  außerordentlich  drückend  war,  ergaben  die  Klagen  darüber. ­
  Die  Pflanzer  von  Havana  und  Matanzas  führten  im  Herbst  1886
bei  der  Regierung  in  Madrid  Beschwerde  über  die  Höhe  der  Abgaben;  sie
verlangten  nicht  nur  schleunige  Aufhebung  des  Ausfuhrzolles  von  Zucker
und  Branntwein  sowie  Ermäßigung  der  Einfuhrzölle,  namentlich  derer  von
Maschinen,  sondern  auch  eine  Herabsetzung  der  sehr  hohen  Bahntarife  um
den  dritten  Theil.  Im  Einklang  hiermit  steht  eine  Erklärung  der  Eisenbahngesellschaft ­
  Cardenas-.Jucaro,  welche  zur  Herabsetzung  ihrer  Tarife  um
30%  sich  bereit  zeigte,  sofern  die  Regierung  die  Abgabe  von  der  Brutto-Einnahme
  der  Bahn  statt  der  bisherigen  16%  auf  5%  ermäßigen  würde.
Da  die  Insel  Cuba  die  Etoffe  zur  Befriedigung  der  gewöhnlichen
Lebensbedürfnisse  nicht  liefert  und  wahrscheinlich  auch  in  Zukunft  nicht,
wenigstens  nicht  zur  Genüge,  liefern  wird,  so  ist  sie  genöthigt,  alles  vom
Auslande  zu  beziehen.  Seit  langen  Jahren  ist  aber  die  Einfuhr  durch  starke
Zölle  belastet,  welche  für  die  Regierung  zwar  eine  ergiebige  Einnahmequelle ­
  bildeten,  aber  für  die  Bewohner  der  Insel  von  Jahr  zu  Jahr
drückender  wurden,  je  mehr  der  Wohlstand  derselben  in  Niedergang  gerieth.
Die  nothwendigsten  Lebensbedürfnisse  wurden  außerordentlich  dadurch  vertheuert,
  der  zehnjährige  Krieg  hat  den  Viehbestand  der  Insel  sehr  verringert;
die  Fleischpreise  waren  zu  enormer  Höhe  gestiegen;  ihre  Ermäßigung  wurde
verhindert  durch  hohe  Einfuhrzölle  ans  lebendes  Vieh,  auf  frisches  Fleisch

ans  Südamerika,  welches  die  hauptsächlichste  Nahrung  für  die  Sklaven

genug  zu  beziehen;  allein  zu  Gunsten  der  spanischen  Mehlausfuhr  liege  ein
so  hoher  Einfuhrzoll  auf  amerikanischem  Mehl,  daß  es  noch  Rechnung
brächte,  Amerikanisches  Getreide  nach  Spanien  zu  fahren,  es  dort  zu  vermahle, ­
  l  und  dann  das  daraus  gewonnene  Mehl  als  spanisches  nach  Cuba
zu  bringen.  Der  vom  Jahre  1870  ab  in  Kraft  getretene  Zolltarif  für  die
Einfuhr  nach  Cuba  war  sehr  eomplicirt;  er  enthielt  nicht  weniger  als  614
genau  bestimmte  Posten,  welche  wiederum  in  vier  Klassen  je  nach  der  Herkunft ­
  der  Waaren  und  nach  der  Nationalität  der  Schiffe  abgestuft  waren,
nämlich:

zumeist  betrugen  die  der  2.,  3.  oder  4.  Klasse  das  2-,  3-  oder  4fache  der
ersten.  Zur  Erläuterung  mögen  die  nachstehenden  Beispiele  dienen,  welche
dem  Zolltarif  für  die  Insel  Cuba  vom  10.  September  1869  entnommen
sind.  In  den  Sätzen  ist  der  Kriegszuschlag  bereits  inbegriffen  und  der
        <pb n="33" />
        Escudo  genau  mit  2  Mark  berechnet,  wie  auch  als  richtig  anerkannt  worden ­
  ist.  Danach  waren  zu  erheben  bei  der  Einfuhr  von
Roggen-  und  Maismehl,  sowie  Kleie,
vom  kg:  in  der  1.  Klasse  0,008  esc.,  in  der  2.  0,010,  der  3.  0,021,  der  4.  0,028
5.  Ij.  uom  1,6  —  3,2  —  4,2  —  5,6  Sf.;
Weizenmehl,
von  100  kg:  4,5  —  9,0  —  9,39  —  11,02  escudo,
d.  h.  vom  D.-Ctr.:  9,0  —  18,0  —  18,78  —  22,04  Mark;
Eisen  w  a  aren,  gemeine,  für  Ackerbau  und  Gewerbe,
une  Pflngschaaren,  Pflüge,  Karste  u.  dergl.,
vom  kg:  0,016  —  0,032  —  0,042  —  0,056  escudo,
5.  ïj.  Dom  3).=Gh\:  3,20  -  6,40  —  8,40  —  11,20  SW;
Eisenwaaren,  andere,  wie  Hackemesser  u.  dergl.
vom  kg:  0,054  —  0,108  —  0,144  —  0,192  escudo,
5.  ^  uom  10,80  —  21,60  —  28,80  —  38,40  SW,
Eisenwaaren,  feinere,  zum  Schneiden  des  Zuckerrohres,
vom  kg:  0,090  —  0,180  —  0,240  —  0,320  escudo,
d.  h.  vom  D.-Ctr.:  18,0  -  36,0  ,  —  48,0  —  64,0  Mark;
Weißblech  in  Tafeln,
vom  kg:  0,027  —  0,055  —  0,073  —  0,097  escudo,
d.  h.  vom  D.-Ctr.:  5,40  -  11,0  —  14,60  —  19,40  Mark;
Weißblech,  Waaren  daraus,
vom  kg:  0,098  —  0,196  —  0,261  —  0,348  escudo,
5  i),  uom  19,60  —  39,20  -  52,20  —  69,60  SW.
Ausnahmsweise  ungünstig  gestellt  waren  die  amerikanischen  Waaren,  welche
auch  bei  der  Einfuhr  auf  spanischen  Fahrzeugen  nach  der  4.  Klasse  verzollt
werden  mußten,  als  Vergeltung  dafür,  daß  seit  1864  schon  die  Vereinigten
Staaten  von  Nordamerika  auf  die  Erzeugnisse  voll  Cuba  und  Portorico
einen  Zuschlagszoll  von  10%  erhoben.  Diese  ausnahmsweise  Haltung
hörte  erst  in  Folge  eilles  zwischen  den  Vereinigten  Staaten  und  Spanien
im  Januar  1884  abgeschlossenen  Vertrages  auf,  nach  welchem  vom  1.  März
1884  ab  die  Erzeugnisse  der  Ersteren  bei  der  Einfuhr  in  Cuba  gleich  den
übrigen  Waaren  verzollt  werden  sollten.  Neuerdings  ist  ant  27.  October
1887  zwischen  beiden  Staateil  eine  Uebereinkunft  geschlossen  worden,  wonach
fortan  die  Erzeugnisse  der  Vereinigten  Staaten,  sowie  die  jedes  anderen
Landes,  welche  alls  Fahrzeugen  der  Bürger  der  Vereinigten  Staaten  nach
Cuba  gebracht  werden,  hinsichts  der  Schiffahrtsabgaben  und  Zölle  mit  der
Spanischen  Flagge  völlig  gleich  behandelt  werden  und  keilte  andere  ttoch
höhere  Schiffahrtsabgaben  oder  Zölle  entrichten  sollen,  als  solche,  benen
die  Spanischen  Fahrzeuge  oder  deren  Ladung  unterliegen.  Inzwischen
wurde  durch  Gesetz  vom  20.  Juli  1882  der  Zolltarif  wesentlich  abgeändert.
Bisher  hatte  sich  das  Mutterland  Spattieit  auch  gegen  die  Colonieen  tvie
        <pb n="34" />
        29

&amp;gt;
Ş
mŞZZMZ
        <pb n="35" />
        30

u-  dergl.  mit  einem  weiteren  Zuschlage  von  15  %  bedacht  worden.  Eine
Erleichterung  von  diesen  Zuschlägen  aus  die  Einfuhrzölle  hatte  auch  nach
den  aus  dem  Jahre  1886  herrührenden  Berichten  noch  nicht  stattgefunden.
Ausfuhrzoll  wird  ans  Cuba  zwar  nur  von  sechs  Artikeln  erhoben
110111114  non  8u(fer,  Melasse,  Mum,  SaM,  9Bad#  imb  ^olg.  mietn  bmnit
işi  ouch  die  Menge  der  Ausfuhrartikel  im  wesentlichen  erschöpft.
Durch  Verordnung  vom  22.  Februar  1869  wurde  der  Ausfuhrzoll  für
den  Verkehr  nach  Spanien,  wie  nach  fremden  Ländern  festgesetzt:  von  der
Ķiste  Zucker  ans  1  escudo,  vom  Faß  Museovade  aus  2'/ 2  escudo,  vom
Ballen  Blättertabak  auf  2  escudo,  vom  Tausend  Cigarren  auf  1  escudo.
3)tefe  Gâlje  lunrben  im  ^ufe  be§  Sa^-eg  I860  ameimai  obgeänbert,  big
der  Zolltarif  vom  10.  September  1869  sie  also  bestimmte:  von  der  Kiste
Zucker  1,6  esc.;  vom  Faß  Zucker  6  esc.;  vom  halben  Faß  (tiercon)  3  esc.;
omit  baril  Zucker  1,5  esc.;  vom  Fas;  miei  de  purga  (Syrup)  bis  zu
120  Gallonen  2  esc.;  von  der  Pipe  Rum  4  escudo;  vom  Tabak  wurden
seit  dem  1.  Januar  1872  erhoben  für  100  Pfd.  Blätter  4,13  Dollars,  für
das  Tausend  Cigarren  2,2fr  Dollars.
Auch  die  Ausfuhrzölle  wurden  während  des  Aufstandes  durch  Zuschläge, ­
  subsidio  de  guerra,  erhöht  und  stiegen  dadurch  ans  das  zwei-  bis  vierfache. ­
  Eine  Herabsetzung  dieser  Zuschläge  trat  erst  im  Jahre  1882  um  20  %
ein,  und  insbesondere  wurden  sie  von  dem  in  der  Provinz  San  Jago  de
Cuba  erzeugten  Nohtabak,  soweit  er  aus  den  Häfen  S.  Jago,  Gibara  und
Manzanillo  ausgeführt  würde,  auf  50  %  herabgesetzt,  uni  der  durch  den
Ausstand  besonders  schwer  betroffenen  Provinz  eine  Erleichterung  zu  gewähren. ­
  Nur  die  Zuckerzölle  blieben  ausnahmsweise  ans  der  1869  festgesetzten ­
  Höhe,  bis  für  Zucker  und  Melasse  vom  1.  März  1875  der  Ausfuhrzoll, ­
  einschließlich  der  Kriegszuschläge,  in  folgender  Höhe  erhoben  wurde:
glider  in  %ö))er  big  an  620  kg:  per  W  5,45pesos
in  Kisten  bis  zu  184  kg:  „  Kiste  2,30  „
„  in  Säcken  bis  zu  92  kg;  „  Sack  1,15  „
Bei  stärkerem  Gewichte  wurde  außerdem  ein  Zuschlag  erhoben  für
Oxhofte,  halbe  Oxhofte,  Tierees  oder  Barrels  von  je  100  kg  noch  88  centavos, ­
  für  Kisten  oder  Säcke  von  je  100  kg  noch  1,25  pesos.  Ferner  hatte
zu  zahlen
Melasse  in  Fässern  bis  zu  600  kg  per  Faß  2  pesos  und  von  je
100  kg  Mehrgewicht  noch  33  centavos,  sowie
Num  vom  Faß  3  Va  pesos.
Bom  1.  August  1885  ab  wurde  der  Ausfuhrzoll  vom  Zucker  anderweit
  festgesetzt  auf  40  cents  (1,60  M.)  für  je  100  kg  gereinigten  (purgado),
eentrifugirten  oder  raffinirten  Zuckers,  ans  35  cents  (1,40  Mk.)  für  je  100  kg
Museovadenzncker,  und  auf  13  cents  (0,52  Mk.)  für  100  kg  Melasse:  diese
Beträge  zahlbai  halb  in  (bold  und  halb  in  Noten  der  Spanischen  Bank
        <pb n="36" />
        31

8888
0CÍO  æèl'ü««*  der  Hasen-  und  Schisssahrtsabgaben,  di-  in  den  kubanischen
Hasen  wie  überall  erhoben  werden,  ist  nur  hervorzuheben,  datz  an  -ronnen-°°^^Während
  der  Verkehr  auf  d-r"g°n7°n  Insel  sich  mit  den,  einer  schnellen
sääs
und  sodann  vom  1.  October  1875  der  ganze  Betrag  in  Golde  zu  entrichten
227  stand.

7.  Die  Landes  -  Produkte.
Von  den  Steuern  imï&amp;gt;  Zöllen,  bei  denen  die  G-meind-abgaben  und
010  à  Million  Einwohner
ans  das  platte  Sand,  nach  Abzug  der  Bevölkerung  für  die  Hasenplahe,  gerechnet ­
  werden  können.  Von  b-dent-nd-r°n  Städten  giebt  es  nn  Innern
linr  Ivenige:  Pino  del  Rio  im  äußersten  Westen,  Puerto  principe,  Santa
Clara,  San  Espirita  und  Holguin  ini  mittlere»  Theile  „nd  d,e  nennen»-werthesten.
  In  keiner  von  ihnen  hat  sich  irgend  otite  bemerkenswert!,-
        <pb n="37" />
        32

SnbitfMe  entwicfeít.  3n  bili#  natìiiiìd0  bie  æcrarbeitunq  ber
Dabake.  ^ibei  abqejeijcii  bauou,  fiubet  sich  auch  in  ben  Hafenplätzen  nur
maß  bie  €d)i^a#  mit  fid)  brinqt,  imb  ber  Raubet,  ber  'ben  Vertrieb  ber
Lanbesprobukte  besorgt.
Die  Insel  ist  also  bis  heute  noch  recht  eigentlich  ein  Ackerbau  treibenbeS
^anb,  unb  sie  beschäftigt  sich  nur  mit  ber  ersten  Verarbeitung  ber  Erzeugnisse ­
  des  Bobeuß,  um  sie  verseubuugsfähig  zu  machen.  Die  Erzeugnisse
werben  ans  ben  Weltmarkt  gebracht,  wobei  bie  einheimische  Rheberei  nur
einen  sehr  geringen  Antheil  in  Anspruch  nimmt.  Vom  Weltmarkt  her
merben  ade  Scbcnßbebiirfn#  beißen,  ni^^t  attein  biejenißen  beß  101^,^611
ßebenß,  ļonbern  aud)  alle  Slrtifei  beß  uerfeinertcn  ^efd)madeß  mib  beß
Luxus,  wie  Wirk-  unb  Webewaaren,  Werke  ber  Metallverarbeitung  jeber
%rt,  Ui)ren,  Juwelen  unb  berßi.  m.  ^ie^ii^t,  sowie  bie  eraciiqitnq  mm
mnee,  Sabas  unb  Budcr  finb  aur  Beit  bie  fast  außf^^íle^ïid)en  ^iifßq'ucnen
ber  Bewohner;  außer  biefen  ist  nur  Honig  ein  Außfuhrartikel,  unb  früherļ)iu
  Holz  in  nicht  unerheblichen  Mengen,  besten  Ausfuhr  wegen  ber  llnrnhen
unb  wegen  ber  schwierigen  Beförberung  sehr  nachgelassen  hat.  Cacao
galt  früher  als  eine  besonberß  lohnenbe  Frucht,  boch  scheint  ihre  Cultur
niemals  eine  große  Verbreitung  gewonnen  zu  haben.  Ans  bem  Jahre  1X43
werben  59  Cacaopflanzungen  erwähnt:  in  neuerer  Zeit  finben  sich  feine
weiteren  Angaben  barüber.
Jüereitß  au  (gnbc  beß  16.  3a^r^uubertß  I)atte  bie  f^anii^^ejirone  mit
Laubsd)eilkungeu  auf  Cuba  begonueu.  Erst  in  viel  späterer  Zeit  schritt
utan  au  einer  Abgränznng  ber  Besitzungen,  bie  sich  in  hatos  ober  haciendas,
Viehzüchtcreien,  in  corrales,  Kleinwirthschaften,  caballerías,  Stickereien,'
unb  peonerías,  Bauernwirthschaften  schieben.  Die  zahlreichen  Viehheerben
mürben  in  sogenannten  Potreros  beherbergt,  b.  h.  in  Weibeflächen,  welche
bitrd)  Hecken,  Zäune  ober  Mauern  abgegränzt  waren.  Lange  galt  in
früheren  Zeiten  Viehzucht  für  baß  angesehenste  unb  einträglichste  Gewerbe:
daher  schreibt  es  sich,  baß  bis  in  bie  neueste  Zeit  baß  volksthümliche
Flächenmaaß  bie  caballería  ist.  Die  meisten  Züchtereien,  estancias,  finben
sich  noch  im  Centrum  ber  Insel;  Pferbe-  unb  Riubviehzucht  waren  im
besten  Aufschwünge  namentlich  in  beit  Bezirken  von  Santa  Clara  unb  Puerto
principe.  Nach  einer  Angabe  anß  bem  Jahre  1843  soll  bie  Zahl  berselben
damals  6950  neben  3450  Hütungen  betragen  haben;  aus  bem  Anfange
ber  1850er  Jahre  wirb  bie  Ausbehnung  ber  sämmtlichen  Hütungen  auf
19  800,  bie  ber  künstlichen  Weiben  auf  2750  qkm  beziffert.  Die  zehnjährigen
Unruhen,  welche  allgemein  ben  Wohlstanb  ber  Insel  zerrütteten,  schäbigten
insbesonbere  bie  Viehzucht  unb  ihre  Bestäube,  ba  gerabe  im  Innern  ber
3&amp;gt;lsel  ber  Aufstanb  aut  ärgsten  unb  hartnäckigsten  wüthete.  Zn  beut  Bezirke ­
  von  Puerto  principe  würbe  sie  fast  zu  Grnnbe  gerichtet;  auch  im
Bezirke  vom  S.  Jago  hat  sie  schwer  gelitten.  Das  Ninbvieh  bient  größten-
        <pb n="38" />
        33

theils  als  Zugthier;  trotz  ansehnlicher  Bestände  daran  ist  Rindfleisch  im
Innern  des"Landes  so  hoch  im  Preise,  dasz  die  Bevölkerung  statt  seiner
den  Stockfisch  oder  das  getrocknete  Fleisch  aus  Südamerika  vorzieht.  Die
geringe  Wohlhabenheit  der  Lente  und  die  Zahl  der  katholischen  Feiertage
mag  dazu  ebenfalls  beitragen.  Zur  Zucht  werden  Rinder  aus  Honduras
und  Columbien  in  ziemlich  groszen  Mengen  eingeführt;  die  Thiere  aus
Texas  haben  sich  nicht  bewährt.  Am  Schlug  des  Jahres  1881.  also  etwa
3  Jahre  nach  beendigtem  Ausstand.  Ivird  das  Ergebniß  einer  stattgehabten
Viehzählung  dahin  angegeben:

Provinz:

Havana  .  .  .
Pinar  del  rio  .
Matanzas  .  .
Puerto  principe
S.  Clara  .  .
G.  Sano.  .  .

SRiiib.

217  478
159578
139579
49186
289659
67  651

Pferde.
55024
35113
36255
5401
35204
18178

Maulthier. ­

4815
3549
4654
344
3315
3454

Esel.

78
59
16

Schweine.
64816
63892
40624
23440
101  635
30232

Ziegen
u.
Schaafe
15901
7077
18606
807
11286
6683

Summa.
358034
269287
239777
79194
434099
126198

zusammen:

916131  185175  20131  ¡153,  324639,60360  1506589

Im  Jahre  1883  soll  eine  abermalige  Zählung  stattgefunden  haben.
Deren  Ergebnis;  ist  jedoch  nur  für  die  Provinz  Pinar  del  Rio  bekannt  gewoibeii,
  wo  man  #en  #  1872699ünbe?,  33208  #tbe,  4898  Waidesci,
  79  093  Gd)weine,  8  597  gießen  wib  Groase,  im  (Banden  also
323065  Stück,  was  eine  beträchtliche  Zunahme  wäre.
Seit  bei-  mite  beß  16.  3o#iwbert8  soll  bet  Anbeut  non  (Mteibe
ciuf  Cuba  seinen  Anfang  genommen  haben,  gleichzeitig  der  anderer  Culturpinjen.
  3ii  baß  3#  1580  fe#  man  ben  Beginn  beß  Sabafßbaueß;
bte  Spanier  sollen  ihn  von  den  Eingeborenen  überkommen  haben,  welche
sie  beteitß  bei  bet  Wbedung  bie  fuuftioß  getonten  Blattet  ton#!  fa^n.
iJUß  der  verbrauch  in  den  öündern  Europas  stieg,  sehte  die  spanische  Regierung ­
  eine  gewisse  Summe  jährlich  aus  zum  Ankaus  von  Blättern..  Bcilb
darauf  wurde  befohlen,  den  Ernteüberschuß  nach  Spanien  —  insbesondere
nad)  Gemila  -  abauliefetn.  Gd)on  im  Sa#  1636  wutbe  eine  Abgabe
batons  gcïegt  nnb  beten  Wtag  netbad)tet,  biß  man  fid)  cntid)toñ,  bie
Ernten  in  die  Königliche  Handelsniederlage  abliefern  zu  lassen,  den  Rerkaus
  von  der  Insel  nack)  dem  Ausland  ganz  hemmte  und  sogar  die  Hamoindustrie
  verbot.  Im  Jahre  1817  wurde  der  Handel  wieder  freigegeben,
jedock)  mit  Abgaben  belegt,  die  mehrfach  verändert  worden  sind.  Im  zechte
1840  betrug  der  Ausfuhrzoll  vom  Centner  2'/ 4  bis  (&amp;gt;y 4  bez.  12'/ 4  Realen
5
        <pb n="39" />
        34

je  nach  der  Beschaffenheit,  und  4  Realen  für  das  Tausend  Cigarren.  Die
Ausfuhrzölle  späterer  Jahre  sind  oben  kurz  erwähnt  worden.
Der  Tabaksban  wird  am  stärksten  im  nordwestlichsten  Theile  der  Insel
betrieben,  nicht  unbedeutend  auch  int  östlichen,  namentlich  im  Bezirke  von
San  Jago  de  Cuba;  nur  wenig  im  mittleren  Theile.  Der  beste  Tabak,
der  sogenannte  Havana-Tabak  im  engeren  Sinne,  wächst  in  der  vuelta  abajo
bei  Havana;  namentlich  ein  schmaler  Landstrich  von  la  Leña,  bis  zu  dem
Flüßchen  8an  Juan  y  Martinez,  am  Fuße  einer  Hügelkette  daselbst,  ist  es,
welcher  diese  Tabakssorte  berühmt  gemacht  hat.  Im  Handel  unterscheidet
man  noch  die  eigentliche  vuelto  abajo  und  die  partidos,  jene  im  westlichen
Theile  der  Insel  bis  zum  Herraduraflusse,  die  zweiten  bildet  der  Bezirk
zwischen  diesem  Flusse  und  der  Havana.  Dem  in  ersterer  Gegend  gebauten
Tabak  wird  wegen  feineren  und  stärkeren  Aromas  der  Vorzug  gegeben.
Ursprünglich  wurden  zum  Anbau  der  Tabakpflanzen  nur  die  zur  Regenzeit
überschwemlnten  Uferländereien  benutzt.  Die  vermehrte  Nachfrage  steigerte
die  Preise  und  reizte  zur  Benutzung  auch  anderer  Ländereien.  Nene  Pflanzungen ­
  wurden  angelegt  und  die  bestehenden  vergrößert;  dazu  kam,  daß
für  die  Ausfuhr,  namentlich  nach  Deutschland,  leichtere  Sorten  bevorzugt
wurden:  seither  nub  besonders  seit  etwa  dreißig  Jahren  benutzt  man  auch
die  sogenannten  sabanas,  die  Ländereien  an  bett  Hügelketten  entlang.  In
den  Partidos,  wo  der  Boden  fetter  ist,  wird  nur  theilweise  Tabak  gebaut,
die  größere  Hälfte  diente  zum  Anbau  des  Zuckerrohrs  und  zu  potreros
(Viehzüchtereien).  In  der  vuelta  abajo  ist  vielfach  der  Anbau  des  Tabaks
übertrieben  worden  und  in  Folge  dessen  der  Boden  ansgesogen.  Die  Pflanzer
haben  deshalb  einige  Jahre  hindurch  versucht,  dem  Ertrage  mit  Guanodüngung ­
  nachzuhelfen,  allein  mit  sehr  ungünstigem  Erfolge,  insofern  die
Güte  der  Blätter  dadurch  beeinträchtigt  wurde.  Im  Osten  von  Havana
wird  von  den  sogenannten  remedios-Tabaken  eine  nicht  unbedeutende  Menge
von  geringerer,  aber  intmer  noch  geschützter  Güte  gewonnen;  am  lvenigsten
Beachtung  findet  der  im  Osten  bei  San  Jago,  Gibara  re.  erzeugte  Tabak.
Während  des  Aufstandes  haben  namentlich  die  Pflanzer  in  den  letztgenannten
Distrieten  Schaden  gelitten,  lvährend  die  in  der  Nähe  der  Havana  wohnhaften ­
  wenigstens  von  der  Heimsuchung  durch  die  Insurgenten  fast  ganz
verschont  blieben.  Int  Jahre  1880  sank  die  Ernte  in  der  vuelta  abajo  auf
einen  außerordentlich  geringen  Ertrag  herab.  Der  Grund  dafür  lag  nicht
blos  in  ungewöhnlich  ungünstigen  Witterungsverhältnissen,  sondern  auch
in  den  Verheerungen  durch  den  Tabaksivurm,  welcher  die  noch  zarte  Pflanze
abnagt  und  vernichtet,  dessen  Erscheinen  sich  seither  auch  wiederholt  hat.
Seit  einer  Reihe  von  Jahren  werden  übrigens  nicht  unbedeutende  Mengen
fremden  Tabaks  nach  Cuba  eingeführt,  vermuthlich  um  für  die  starke  Nachfrage ­
  auszuhelfen.  Diese  Einfuhr  fand  zunächst  ans  Portorico  statt  und
wurde  eine  Zeit  lang  geheim  betrieben.  Sie  lvird  auch  gern  in  Abrede
        <pb n="40" />
        35

^stellt,  ohne  Zweifel  in  der  Ueberzeugung,  daß  diese  Nachhilfe  dem  Ruhm
be0^aoana=Saba!0  nid)t  geiabe  mar  %ad)  einem  Benote  au0
bem\a(me  1870  mai  bie  @inful)i  ^ßoitoiico  gestattet  moiben  unb
tu  ^Jige  beffen  nal)in  sie  halb  io  eiljebl#  311,  baß  bie  $100(113(0^6=gienmgen
  0011  Matabas  imb  ^aoaiia  bie  @incneiniig  be0  @infnl)ioeibot0
beantiagten.  3)11#  Beioibnung  00111  16.  Dctobei  1876  oeibot  bie  Gubanifd)e
  9^63(611103  in  bei  Sl)at  bie  @infnl)i  miß  $oitonco,  med  angeblid)
auf  beni  Umwege  über  Portorico  auch  Tabak  aus  Domingo,  Houburas,
æiimnieii  unb'mntudi)  na4  Gnba  gelangte.  3)ie  Bei:oibnung  mnibe
jedoch  0011  der  Regierung  in  Madrid  aufgehoben  und  die  Einfuhr  rahin
  beschränkt,  daß  sie  oon  Portorico  aus  nur  nach  dem  Hafen  von  Havana
erfolgen  imb  boit  bei  Sabas  um  nad)  ooil)ei  bn#  @0^00^36  bemiiftei
  Uuteifud)unG  an0gel)änbigt  meibeu  bmfe.  @(061^)01^14  mai  ai#,
basi  bei  billige  $oi;toiico=Sabat  nad)  bei  jßaoaua  3oüfiei  0111361)011  bimste,
mäbieub  bei  @iibaiitfd)c  Sabaî  in  $oitoiico  einem  @11100113030:  »on  3  3)0^010
für  den  Centner  unterlag.  Seither  hat  die  Einfuhr  allmählich  zugenommen.
%n  ^al)ie  1883  foden  nid)t  menigei  al0  50000  Ballen  oon  boitl)ei  ge=(ominen
  fein.  bie0  iid)tio,  so  miiibe  baian0  folgen,  ba^  nid)t  11m  0011
Portorico,  sondern  auch  0011  anbei0  woher  der  Tabak  nach  Euba  gelangte,
ba  $oitoiieo  anßei  biejen  50000  Ballen  nod)  39000  nad)  6banieii  uiib
80000  in#  anbeten  ßönbein  au0oefüi)it  l)ätte,  mai)ienb  e0  in  %Wiid)tctt
etwa  halb  soviel  geerntet  hat.  r  ..  ..  4
Zuoerläfsige  Angaben  über  die  Große  der  Tabakerzeugung  laßen  ltd)
in  Ermangelung  ausreichender  Statistik  nicht  machen  Eine  Mittelernte
der  vuelta  abajo  und  der  partidos  schätzt  man  aus  200  000  Ballen.  Auch
die  Ausfuhrlisten  bieten  nur  ungenügende  Angaben,  da  eine  Menge  -abut
be0  Äi#il)i3olle0  wegen  nnangeinelbct  i'ibei  bie  Wnge  geladen  loü.
Ueberdies  werden  in  jenen  Listen  die  Cigarren  nur  nach  1er  Stückzahl,
«cube  Uebersicht,  für  deren  Richtigkeit  keine  Bürgschaft  zu  übernehmen  l,t:

vuelta  abajo
und
Pinar  del  Rio

1876
1877
1878
1879
1880

Erzeugt  wurden  Ballen  in  der

davon  ausgeführt  in

Provinz
S.  Jago.

143  024
213  876
154  313
219  634
93  705

22  800
28  700
28  500
45  350
45  050

Provinz
S.  Clara.

zusammen:  Ballen.

20095
32  965
13  631
42  975
49  433

185  919
275  541
196  444
307  959
188188

2
?
141  763
121  622
181  282

tausend
Cigarren.

?
?
176  207
112215
129  075

5*
        <pb n="41" />
        36

In  den  Jahren  1882  und  1883  wurden  allein  aus  dem  Hafen  von  Havana
ausgeführt:  98  093  bezw.  96  757  Tausend  Cigarren  und  115  148  bezw.
95  551  Ctr.  Tabak;  hiervon  gingen  nach  den  Vereinigten  Staaten  von
Amerika:  44  934  bezw.  44  778  Tausend  Cigarren  und  78  286  bezw.  75  724
Ctr.  Tabak,  nach  Frankreich  15  427  bezw.  14  529  Tausend  Cigarren  und
6855  bezw.  5221  Ctr.  Tabak;  nach  Spanien  10  417  bezw.  11900  Cigarren
und  26916  bezw.  14  261  Ctr.  Tabak;  nach  Mexico  und  Südamerika
27  136  bezw.  25  430  Tausend  Cigarren  und  3051  bezw.  342  Ctr.  Tabak.
Mau  ersieht  daraus,  welch  guter  Abnehmer  für  Tabak  trotz  der  eigenen
Erzeugung  die  Vereinigten  Staaten  sind.  Höchst  auffallend  ist,  daß  in  der
Statistik  Deutschland  —  obwohl  Bremen  und  Hamburg  genannt  werden
—  ganz  ausfallen,  obwohl  bestimmt  feststeht,  daß  ein  sehr  beträchtlicher
Theil  der  Havainr-Ernte  nach  Deutschland  geht,  und  nicht  anzunehmen  ist,
das;  derselbe  auf  das  Conto  der  Vereinigten  Staaten  angeschrieben  sein  sollte.
Sowenig  lvie  über  das  Gesaunntergebniß  des  Tabaksbaues,  sowenig
auch  herrscht  über  seine  Ausdehnung  nach  Zahl  der  Pflanzungen  und  nach
dem  bebauten  Flächeninhalte  Gewißheit.  Für  das  Jahr  1843  findet  sich
eine  Angabe  von  8570  Tabakpflanzungen;  für  das  Jahr  1856  eine  Angabe
von  9102  Pflanzungen  mit  einem  ungefähren  Flächeninhalte  von  5000
caballerías.  Da  eine  caballería  ziemlich  genau  gleich  13'/,  Hektaren  oder
54  Morgen  ist,  so  würde  das  für  jede  Pflanzung  im  Durchschnitt  nicht
mehr  als  etwa  7  Hectare  oder  28  bis  30  Morgen  ergeben.  Man  nimmt
an,  daß  ein  arbeitsamer  Bauer  mit  Hilfe  seiner  Familie  eine  halbe  Caballería
Pflanzung  bearbeiten  samt  :  um  sie  tadelfrei  zu  bewirthschaften  sollen  allerdings ­
  durchschnittlich  zwei  Familien  mit  4  Joch  Ochsen  auf  die  Caballería
Tabak  gerechnet  werden  müssen.  Im  klebrigen  hat  der  Tabakbau  den
Vorzug,  daß  es  dazu  keiner  kostbaren  Anstalten  und  Maschinen  bedarf,
daß  also  der  Anbau  ein  verhältnißmäßig  geringes  Betriebs-  und  Anlage-Capital
  erfordert.  Ueberdies  kann  durch  Zwischenban  von  anderen  Früchten
der  Ertrag  des  Bodens  erhöht  werden.  Im  Jahre  1880  waren  in  Havana
etlva  15  Cigarrenfabriken;  deren  Zahl  steigt  indessen  bei  reichlichen  Ernten
nicht  unwesentlich,  ganz  abgesehen  davon,  daß  in  den  umliegenden  Ortschaften ­
  eine  ausgedehnte  Hausfabrikation  betrieben  wird.  Die  Zahl  der
Cigarren  Verkäufer  daselbst  ist  außerordentlich  groß,  entspricht  aber  dem
starken  Verbrauch  des  Inlandes,  da  auf  Cuba  alle  Bewohner,  nur  die
kleinsten  Kinder  ausgenommen,  rauchen.  Die  Namen,  unter  denen  man
in  Deutschland  die  Havanacigarren  kauft,  míe  caballeros,  partagas,  dos
Amigos  etc.,  sind  die  Namen  von  Handelsfirmen  der  Havana.
Der  Kaffeebaum  wurde  früher  in  Cuba  in  nicht  unerheblicher
Menge  angebaut.  Der  erste  soll  im  Jahre  1748  aus  Portorico  dorthin
gebracht  worden  sein,  nachdem  ihn  die  Engländer  zwanzig  Jahre  früher
iicid)  Jamaika  versetzt  hatten.  Französische  Flüchtlinge,  welche  zur  Zeit
        <pb n="42" />
        37

bet  Otenos  niton  not  ebnet  100  Mten  ouß  3)ointngo  nad)  (Suba  Oetübet,
sauten,  gaben  betn  Anbau  bes  Kaffee  einen  größeren  Aufschwung.
ÿet  ^affeebainn  bebatf  einet  mannen  Satteste,nbetafnt,  meid)c  ft^
fenilici)  gleichmässig  etch  äff;  notübetgefjenb  netmag  et  eine  Temperatur  bis
'^n  +  7  obet  8  «  G.'  aneanboïten,  bo^  bats  iotd)e  ntd)t  &amp;amp;n  o^t  mtebctîe#n.
Aus  ben  Pflanzungen  loetben  die  Bäume  teihenweise  in  gleichmäßigen
Bmt^(^^entän^cn  geie^t,  bet  0obcn  iot#fig  non  llnftanf  ftetgei)alfen;
dutch  Beschneiben  läßt  man  sie  in  gleichmäßiges  Höhe  non  3  liefet  siel)
entmidefn  ^te  3Bfnf0e3eit  banetf  ^net  Dtiffef  beß  3ai)teß;  iìe  ^aben,
gíei4  niesen  anbeten  ttoMd)en  Wangcn,  gleid)#ig  Bint#  nnb  ^tiid)te.
In  sotgsälfig  gepflegten  Baumschulen  rnetben  aus  Saam'en  ble  Setzlinge
gezogen,  beten  man  sich  bann  zum  Auspflanzen  in  bi  e  Kasseegärten  bebtent;
ini  bristen  3af)te  mitb  bìe  etftc  @tnte  #aiten.  0efanntftd)  giebt  eß  eine
große  Anzahl  netschiebeuet  Kasseesorten;  bet  Anbau  derselben  iss  säst  übet
bte  gelammten  Ttopenlänbet  vetbreitet.  Set  (Albanische  Kaffee  hat  niemals
zu  ben  feinsten  Gattungen  int  Handel  gehört.
Auf  bet  Insel  Cuba  mntbc  bet  Kaffee  stutzet  in  bebentenbet  Menge
angebaut.  Et  gedeiht  daselbst  ant  besten  ans  hoffenem  Boden  an  sausten
Bergabhängen.  Hebet  den  llmsaug  des  jetzigen  Anbaues,  übet  die  Art
besselbett,  über  Ertrag  und  dergl.  geben  die  oorliegenden  Beriehte  seine
Auskunft.  Cine  caballería  Ļand  soll  zwisehen  5  bis  800  Arroben,  d.  h.
12  500  biß  20000  iban,  ^^^^nb^a^^ec#i^d)te  geben;  banact)  fömen  auf  bte
Vertat  026  biß  1480  111011.  #mb  obet  426  biß  680  kg.  ButBenttbetfung,
mie  bet  ^fían^et  bei  Met  @tnte  fid)  fte#,  icf)lcn  bic  notf)menbigen  9111=baftßbnnfte
  beai'igfid)  bet  Eelbftfoiten  nnb  bet  gtn^^tbtet^e.  Bot  filnfaig
Sagten  noes)  biíbetc  bet  jtaffee  ^t  6uba  einen  ni#  unmici)tigcn  90^^^=artifes
  ;  jetzt  kommt  et  habet  wenig  obet  gar  nicht  in  Betracht  und  eß
werden  nieht  nnerchebliche  Mengen  sogar  dorthin  ausgeführt,  ^nt  Hatzte
1843  sollen  daselbst  1803  Kaffeepflanzungen  (cafetales)  bestanden  haben,
tun  das  Iaht  1856  noch  immer  1670  mit  einem  Flächeninhalt  von  rund
14000  caballerías;  legt  man  die  obige  Ernteaugabe  zu  Grunde,  so  wären
darauf  8—1200  000  D.-Ctt.  Kaffeebohnen  gewachsen.  Seitdem  abet  haben
die  langjährigen  Unruhen  und  die  niedrigen  Preise  zu  einer  stetigen  Brr-Minderung
  des  Anbaues  zusammengewirkt.  Aus  dem  Jahre  1880  wird
oon  gan^ago,  mo  stufet  stattet  .Raftcebau  betrieben  mntbc,  übet  eine
wiederum  seht  kleine  Ernte  berichtet;  von  feineren  Sorten  werde  sannt
für  ben  inneren  Bedarf  genügend  gewonnen.  Wenn  dabei  die  Hoffnung
ausgesprochen  worben,  daß  bei  ruhigeren  Beiten  der  Anbau  wieder  steigen
und  bet  Kaffeehanbel  wieder  wie  ehemals  blühen  werde,  so  ist  diese  .piofsnung
  bisher  nicht  in  Erfüllung  gegangen.  Erst  in  bet  alletneuesten  Bett
ioti,"  in  Mgc  bet  nichtigen  Bu^Mie  nnb  bet  fteigenben
bet  den  Pflanzern  die  Absicht  bestehen,  ben  Kaffeepflanzungen  sich  wieder
        <pb n="43" />
        38

mehr  zuzuwenden.  Gleichwohl  ist  in  den  Berichten  aus  San  Jago  de
Cuba  die  Ausfuhr  an  Kaffee  für  das  Jahr  1885  auf  510  635  sp.  Pfund  =
2350  D.-Ctr.  angegeben,  ohne  Bezeichnung  des  Bestimmungsortes,  so  das;
derselbe  wohl  für  den  inneren  Verbrauch  des  Nordens  von  Cuba  bestimmt
sein  kann.  Jedenfalls  reicht  dieser  Ausfuhrbetrag  weitaus  nicht  an  die
Einfuhrmenge.
Holz  wurde  früher  in  bedeutenden  Mengen  ausgeführt:  es  unterlag
auch  einen:  nicht  unbeträchtlichen  Ausfuhrzölle.  Dasselbe  kam  besonders
aus  dem  östlichen  Theile  der  Insel,  woselbst  San  Jago  de  Cuba  der  voruehmlichste
  Verschiffungsplah  dafür  ist.  Es  handelt  sich  dabei  um  Gelbholz
und  um  Tischlerhölzer,  wie  Cedern  und  Mahagoni;  im  Innern  ist  Holguin
ein  Sammelplatz  dafür,  welches  in  Folge  Eiseubahnbaues  den  Hafen  Gibara
benutzen  wird.  In  den  letzten  Jahren  hat  auch  diese  Ausfuhr  nachgelassen.
Deutschland  war  früher  Abnehmer  für  Cedern  und  Mahagoni:  neuerdings
wird  aus  San  Jago  berichtet,  die  Preise  in  Deutschland  seien  so  gesunken,
das;  Verschiffungen  dorthin  Verluste  bringen.
Das;  in  älteren  Zeiten  Bergbau-Erzeugnisse  verschiedener  Gattung
gewonnen  sein  sollen,  ist  bereits  im  Eingänge  erwähnt.  Seither  lange  vernachlässigt, ­
  scheint  der  Bergbau  neuerdings  wieder  in  Aufnahme  zu  kommen
und  wird  von  der  Regierung  durch  weitgehende  Begünstigungen  gefördert.
Da  Unternehmungen  der  Art  in  der  Regel  bedeutende  Capitalien  erfordern,
solche  aber  auf  der  Insel  selbst  fehlen,  so  sind  es  auswärtige,  besonders
Nordamerikanische  Unternehmer,  welche  die  Ausbeutung  von  Bergwerken
versuchen.  Im  Jahre  1883/84  begann  eine  im  Jahre  1882  gegründete
Gesellschaft,  die  Turagna  Iron  Company  limited,  welche  über  erhebliche
Geldmittel  verfügen  soll,  zur  Ausbeutung  der  Eisenerzlager  in  der  Provinz
San  Jago  zu  schreiten.  Ihre  Arbeiten  scheinen  Erfolg  zu  haben.  Nach
einem  Berichte,  aus  dem  Jahre  1885  war  die  Ausbeute  der  dortigen  Eisenminen
  eine  durchaus  befriedigende;  die  Verschiffung  betrug  bisher  etwa
7000  tons  monatlich  und  es  waren  Anstalten  getroffen,  urn  diese  Menge
fortan  zu  verdoppeln;  die  Ladungen  gingen  nach  den,  den  Unternehmern
gehörigen  Steelton  steelworks  in  Pennsylvanie::.  Angeblich  sollen  noch
enorme  Eisenerzlager  unverkauft  liegen,  zahlreiche  Kupferminen  entdeckt  sein,
ebenso  Manganerzlager;  amerikanische  Gesellschaften  sollen  darum  handeln,
bis  dahin  ohne  Erfolg.
Bei  weiten:  die  größte  Bedeutung  für  die  wirthschaftliche  Lage  der
Insel  hat  zur  Zeit  und  wird  jedenfalls  noch  lange  Zeit  behaupten  das
Zuckerrohr.  Die  daruit  bepflanzte  Bodeufläche  wird  vermuthlich  den
größeren  Theil  der  überhaupt  in  Cultur  genommenen  Aecker  auf  der  Insel
ausmachen;  die  Zahl  der  dabei  betheiligten  Grundeigenthümer,  sowie  der  dort
beschäftigten  Arbeiter  überwiegt  ohne  Zlveifel  die  der  übrigen  Culturarten;
die  daraus  gewonnenen  Erzeugnisse  belaufen  sich  in:  Durchschnitt  der  Jahre
        <pb n="44" />
        39

auf  minbcftcitS  80%  beö  Bntttoweú#  bei  ge)ammtcn  3(uöfni)i,  wâ^ciib
boüon  etwa  10%  «"Î  Sabas,  wenigen  sonstigen  %näfnhrartikel
  fällt.

8.  Das  Zuckerrohr  und  die  Pflanzungen.
Das  Zuckerrohr  stammt  ans  Asien,  nach  einigen  Angaben  ans  beni
nod)  anbeten  auë  bem  mitüeien  ästen  obéi  ouë  Snbien.  3n
Snbien  joli  bei  gndei  bcieitô  uoi  aweitanienb  Sacien  in  (Bebiand)  geweļen
îein:  angeblid)loden  ¡ogai  bie  #neîen  beteitë  in  oíteigeit  #  311
laffiniien  oeiftanben  haben,  b  a  ci  bei  ihnen  aïs  Ķrhstall  erwähnt  wiib.
Ans  Jnbien  soll  bei  Zucker  bereits  zu  Zeiten  bes  Theophrastes  (372/287
0.  Gi)i.  @.)  nutet  betn  minen  ,,inbi)d)eë  (&amp;amp;ala"  nod)  Gnio#  gcbiod)t
wölben  sein.  Zn  bes  jìingeien  I  ini  né  (geboten  23  0.  Ehr.  Ģ.)  Mit-^^111^^11
  wid  Inon  iogot  bic  0ef4teibnng  beë  Ganbiêgndet  etiennen.
Die  Portugiesen  kauften  ben  Zucket  bei  ihren  Seefahrten  nach  Indien  von
ben  bärtigen  Eingeborenen  als  einen  geheimnisvollen  Stoss,  ben  sie  lange
für  eine  Art  von  Honig  hielten,  bet  also  nicht  tiocken  krystaüisirt  gewesen
zu  sein  scheint.  Marco  Polo  gebenkt  in  seinen  Reisebeschreibungen  bet
anbeieitnngöwei)e  be)ìeïbcn.  ^ie  ^unft,  ben  ^ndet  anë  bein  G#  beë
910^68  bnt'4  (Sieben  anêan)d)eiben,  )od  iia^  @utopa  in  bet  Witte  beä
15.  Jahrhunberts  gelangt  sein.  Da  aber  bereits  viel  früher  bet  Anbau
des  Rohies  bort  betrieben  würbe,  ist  anzunehmen,  bast  auch  seine  Verarbeitung ­
  schon  eher  bekannt  würbe,  wenn  sie  auch  nicht  gewerbsweise  betrieben ­
  würbe.  In  Dresben  soll  bereits  im  Jahre  1597  eine  Zuckersieberei
(9t#neiic)  beftonben  ^aben.  Mod)  im  17.  3o^t^nnbctt  mat  betamiet  in
Deutschlanb  so  theuer,  bas;  nur  Wohlhabende  ihn  sich  verschaffen  konnten:
bie  Ausbreitung  bes  Ģennsses  von  Dhee  und  Ķossee  hat  wesentlich  zur
Steigerung  seines  Verbrauches  beigetragen.  Die  Einwirkung  bet  napoleoni*
id)cn  (Sontinentoiipeiie  ani  bie  #1%  nnb  ben  %etbtand)  beê  ^landeta
ist  bekannt,  ebenso  wie  die  als  beten  Folge  zu  betrachtenbe  Entwickelung
bet  ^nbcnandet=3nbn^^tic.  3n  öden  mitten  ^a^^n^^äbtcn  gab  e§  biß  uot
einigen  Jahrzehnten  sogenannte  Zuckersiebereien,  welche  bie  überseeischen
Mo^andet,  1)014^4^(1)  ;iit  ben  inlönbi)d)en  ^6136^,  toìrinitten.  6ie
finb  fast  ausnahmslos  eingegangen:  in  einigen  Hafenplätzen  sieht  man  bie
alten  Gebüube  noch,  entmebei  leer  ober  zu  anbeten  Betriebsstätten  umgewandelt. ­

Durch  die  Araber  soll  das  Zuckerrohr  bereits  im  9.  Jahrhunbert  nach
bein  süblichen  Spanien  verpflanzt  worben  sein.  Sicher  ist,  bas;  es  zur  Zeit  bei
Kreuzzüge  nach  Ey  pern,  Sicilien  nnb  Sübitalien  kam.  Portu  gisst  che  Man;*
lente  brachten  es  im  Jahre  1420  nach  Mabeira  nnb  halb  nachher  Spanier
no4  ben  canati;d)en  Snieln.  3m  301)16  150G  wntbe  e§  in  ^Olningü  ein=
        <pb n="45" />
        40

geführt  und  verbreitete  sich  von  hier  aus  sehr  schnell  über  die  anderen  Antillen, ­
  einschließlich  Cubas,  und  über  die  Nächstliegenden  amerikanischen  Küsten.
Wenngleich  größere  Rohrpflanzungen  ans  Cuba  bereits  aus  dem  Jahre  1589
erwähnt  werden,  so  hat  die  Cultur  des  Zuckerrohrs  dort  sehr  lange  Zeit
keinesweges  die  Ausdehnung  gewonnen,  wie  auf  den  anderen  Inseln.  Erst
als  vor  hundert  Jahren  in  Folge  der  Revolution  französische  Flüchtlinge
aus  Domingo  nach  Cuba  übersiedelten,  wurde  derselben  größere  Aufmerksamkeit ­
  zugewendet,  und  mit  Hilfe  der  oou  den  neuen  Ansiedlern  mitgebrachten ­
  Erfahrungen  und  Geldmittel  der  Keim  zu  ihrem  schnellen  Wachsthum ­
  gelegt.  Nicht  unwesentlich  trug  dazu  die  Zerstörung  der  Pflanzungen ­
  auf  Domingo  bei,  wodurch  die  Zuckerpreise  eine  sehr  beträchtliche
Steigerung  erfuhren.  Zugleich  wurden  die  Bemühungen  der  französischen
Flüchtlinge  von  der  spanischen  Negierung  durch  mancherlei  Erleichterungen
und  Begünstigungen  unterstützt.
Der  östlich  von  Havana  belegene  Landstrich,  dessen  Hauptplah  jetzt  Matanzas ­
  ist,  wird  von  zahlreichen  Hügelketten  durchzogen,  deren  zerklüfteter  dürrer
Kalkboden,  früher  mit  Wald  bedeckt,  sich  zu  keiner  Cultur  geeignet  erwies,  weil
das  Wasser  nach  den  tiefer  gelegenen  Gegenden  durchsickerte.  Zwischen  diesen
Hügelketten  und  der  schroff  abfallenden  Seeküste  zieht  sich  ein  welliger  Landstrich
hin,  dessen  mit  Lehm  stark  gemischter  Boden  vornehmlich  zu  Kaffee-  und  Zuckerpflanzungen
  geeignet  befunden  wurde,  nach  dem  Verschwinden  der  ersteren,
fast  ganz  für  die  letzteren  ausgenutzt  wird.  Hier  ist  zur  Zeit  der  Hauptsitz
  der  Rohrzuckerindnstrie:  dieselbe  wird  außerdem  auch  im  Südosten  der
Insel  in  ausgedehntem  Umfange,  ans  deren  übrigen  Theilen  weniger  stark
betrieben.
Die  Zahl  der  Pflanzungen  und  den  oou  ihnen  eingenommenen
Flächeninhalt  anzugeben,  ist  in  Ermangelung  einer  Statistik  des  Bodens
nicht  möglich.  Die  sonst  vorhandenen  Angaben  bieten  keinen  richtigen
Anhalt  dafür.  In  den  letzteren  scheint  auch  die  Bedeutung  des  Wortes
Pflanzung  nicht  immer  in  gleichem  Sinne  aufgefaßt  zu  sein.  Ueberdies
hat  Zahl  und  Umfang  der  Pflanzungen  in  den  Jahren  des  Aufstandes
und  nachher  unter  den  betrübenden  Wirkungen  desselben,  sehr  gewechselt.
Für  das  Jahr  1843  werden  1174,  für  1856  1442  Zuckerpflanzungen  angegeben. ­
  Aus  San  Jago  de  Cuba  wurde  im  Jahre  1873  berichtet:  man
habe  im  dortigen  Bezirke  nach  amtlicher  Ermittelung  im  Jahre  1868
rund  2450  Pflanzungen  gezählt,  von  denen  inzwischen  1780  durch  die  Insurgenten ­
  niedergebrannt  und  von  den  Eigenthümern  verlassen  seien;  zugleich
wird  die  Besorgniß  ausgesprochen,  daß  nach  der  dermaligen  Ernte  von
1872/73  noch  Andere  ihre  Arbeiten  einstellen,  und  ihre  Neger  verkaufen
oder  vermiethen  werden;  in  dem  Central-  und  Oriental-Bezirke  stehe  es
ähnlich.  Bestätigt  wird  dies  durch  einen  Bericht  aus  Trinidad  de  Cuba
vom  Jahre  1876,  wonach  jährlich  Pflanzungen  von  ihren  Inhabern  auf-
        <pb n="46" />
        41

gegeben  werben,  theils  wegen  Heimsuchung  durch  die  Insurgenten,  theils
wegen  ber  hohen  Contribution«.'!!;  in  Folge  dessen  sei  die  Zahl  der  Pflanzungen ­
  seit  Beginn  des  Ausstandes  ans  die  Hülste  zurückgegangen.  AuS
Matanzas  wurde  für  daS  Jahr  1879  mitgetheilt:  dag  die  Zahl  der  in,
Betriebe  befindlichen  Pflanzungen  sich  ans  1200  vermindert  habe,  und  &amp;gt;iir
das  Jahr  1880:  es  hatten  davon  nur  1100  gearbeitet.  In  dem  Consulat»,
beriehte  für  1880  wird  die  Zahl  der  Pflanzungen  in  Cuba  überhaupt  auf
1200  angegeben,  und  in  demjenigen  auS  den,  Fahre  1884  wird  bemerkt:
schon  seit  zwei  Jahren  habe  die  Zahl  der  Pflanzungen  um  SO  Proeent  abgenommen ­
  und  sei  von  rund  1400  ans  1100  gefallen;  in,  Bezirke  von
Puerto  principe  habe  der  Anbau  fast  ganz  aufgehört,  tin  Bezir  c  von  ali
Jago  sehr  stark  gelitten,  lind  in  dem  von  'S.  Clara  erheblich  abgenommen,
während  er  sich  i»,  Westen  der  Insel  besser  gehalten  habe.  Aus  neuester
Zeit  lauten  die  Mittheilungen  wieder  etwas  hoffnungsvoller:  nach  franzosischen
  Fachblättern  hätte  man  1880  fast  überall  neue  Felder  für  den  Rohrban ­
  bestimmt;  andern  Nachrichten  znsolge  soll  es  jetzt  Nicht  an  Lenten  fehlen,
welche  bereit  sind,  die  verlassenen  Pflanzungen  z»  erwerben  ober  zu  übernehmen; ­
  das  Vertrauen  kehre  zurück  und  eine  Vermehrung  bez.  Vergrotzerung
der  Zuckerpflanzungen  stehe  in  Aussicht.  Immerhin  s,„d  derartige  Mittheilungen ­
  mit  Vorsicht  aufzunehmen.  &amp;amp;ic  stehen  „nt  manchen  anderen
Erscheinungen,  z.  B.  bezüglich  des  Geldverkehrs  und  der  Arbeiterverhaltmsse,
nicht  im  Einklänge.  Jedenfalls  ist  ihre  Tragiveite  nicht  zu  ermessen,  so
lange  man  nicht  genauere  Kennt,list  von  dem  Umsange  und  der  Cn'schassenheit
  der  Pflanzungen  hat.  Die  oben  erwähnten  sind,  abgesehen  von  ihren,
ungenügenden  Inhalte,  nicht  einmal  unter  sich  übereinstimmend.  Es  ,,t
schwer  zu  glauben,  das,  die  Zahl  in  den  12  Jahren  bis  1858  „ch  i,m
270  Pflanzungen  vermehrt  haben  sollte,  noch  schwerer,  das;  sie  m  weiteren
12  Jahren,  bis  1868,  im  Osten  allein  sich  ans  1000  mehr  belaufen  haben
' 0Uh "®nä  Zuckerrohr  gehört  zu  der  botanischen  Familie  der  Gräser.
Abgesehen  von  seinem  Vorkommen  im  südlichen  Europa,  wo  es  schwerlich
zu  einer  eoncurrenzjähigen  Cultnrpflanze  sich  entwickeln  wird,  gedeiht  es
nur  in  den  Trvpengegenden.  Das  gemeine  Zuckerrohr,  saccharumofficinale,
soll  dasjenige  sein,  welches  ursprünglich  von  Asien  her  seme  Wanderung
nach  Westen  angetreten  hat.  Angeblich  wäre  auch  dieses,  von  den  Lpamern
caña  criolla  genannt,  von  Ansang  an  ans  Cuba  gebaut  worden,  bl»  vor
100  Jahren  durch  Forster  und  Cook  das  Otaheitische  Rohr,  die  cana  de
Otaheiti,  mitgebracht  worden  sei.  Dieses  soll  dann  wegen  seines  größeren
Sastreichthnms  das  andere  schnell  verdrängt  haben.  Man  hat  neuerlich
verschiedene  Sorten  von  Zuckerrohr  mit  Namen  bezeichnet,  welche  -  wie
z.B.  bengaleuse,  taiteuse  etc.  -  anscheinend  dem  Herkunftsort  entnommen
sind,  deren  Verschiedenheit  aber  vor  einer  wissenschaftlichen  Kritik  kaum
        <pb n="47" />
        Stand  halten  dürfte.  Allein  von  wissenschaftlich  botanischen  Merkmalen
abgesehen,  ist  gewiß,  daß  eine  größere  Zahl  von  Spielarten  des  Rohres
angebaut  wird,  daß  dieselben  sich  durch  äußere  Kennzeichen  unterscheiden,
daß  sie  in  verschiedenen  Gegenden  sich  verschieden  verhalten,  und  daß  ihr
Zuckergehalt  keineswegs  allerwärts  übereinstimmt.  So  wird  ein  violettes
Rosa,  saccharum  violaceum  Jus&amp;gt;ieu,  vielfach  in  Westindien  und  auch  in
( s iibci  angebaut.  Das  chinesische  Rohr  soll  daran  kenntlich  sein,  daß  es
größtentheils  mit  Blattscheiden  bedeckt  ist;  black  Java  hat  seinen  Namen
ohne  Zweifel  auch  von  seinem  äußeren  Ansehen.  Nach  einem  Berichte  aus
einein  botanischen  Garten  in  Nordamerika  sollen  daselbst  nicht  weniger  als
25  Arten  Rohr  gezogen  worden  sein,  alle  mit  besonderen  Namen  und
Kennzeichen  ausgerüstet.  Ohne  Zweifel  erzeugt  die  Natur,  ähnlich  iute  bei
der  Rübe,  mancherlei  Spielarten  von  mehr  oder  minder  Verschiedenheit,
Werth  und  Dauerhaftigkeit.  Genauere  Nachrichten  darüber  fehlen  bis  jetzt.
Auch  fehlt  es  au  ausreichenden  Untersuchungen  darüber,  ob  diese  Rohrarten
in  Bezug  auf  Boden,  Klima  und  Pflege  eigenthümliche  Ansprüche  machen
und  ob  sie  sich  durch  besondere  Eigenschaften  auszeichnen.  Daß  auf  Cuba
Anstalten  bestünden,  um  hierüber  sowie  sonst  über  die  Zucht  des  Rohres
Kenntniß  zu  erlangen,  ist  nicht  bekannt  geworden.  Dagegen  nässen  wir,
daß  dergleichen  Anstalten  in  den  Vereinigten  Staaten  eingerichtet  worden,
sowie  daß  ans  Java  in  den  letzten  Jahren  —  mit  Hilfe  Deutscher  Assistenten
—  mehrere  Versuchsstationen  für  Rohrcultur  eingerichtet  worden  sind.
Das  Zuckerrohr  braucht  zur  Vollendung  seines  Wachsthums  je  nach
dem  Klima  eine  Zeit  von  12  bis  20  Monate.  In  den  warnten  Tropeuländern
  entwickelt  es  sich  zu  einem  hohen  schilfartigen  Rohrgewächse  mit
langen  breiten  Blättern  und  großen  Blüthenrispen,  tvelche  dicht  bestanden
und  seidenartig  glänzend  sind.  Die  zweiblüthigen  Aehren  find  mit  Büscheln
seidenartiger  Haare  umgeben,  ihre  Blüthen  von  verschiedener  Farbe  mit
drei  Staubfäden,  zwei  Stempeln  und  einem  Fruchtknoten  auf  einem  gipfelständigen
  Stengel  ohite  Blätter  oder  Knoten  aufgesetzt,  den  die  Pflanzer
Flèche,  Pfeil,  nennen.  Aus  den  Blüthen  entwickeln  sich  je  ¿tuet  kleine
längliche  Körner  mit  einem  Balg  versehen.  Die  Pflanze  hat  einen  dauernden, ­
  umherkriechenden  Wurzelstock,  aus  welchetn  mehrere  vielknotige,  verschieden ­
  gefärbte  Halme  zu  einer  Höhe  von  2Va  bis  4  Meter  emporschießen
in  einer  Dicke  von  24  bis  48  mm;  diese  Halme  sind,  gleich  unseren  Rohrarten,
  in  ihren  Höhlungen  mit  einer  zarten  Haut  ausgeschlagett  oder  getrennt
und  zu  zwei  Dritteln  ihrer  Länge  mit  einem  saftigen  Marke  angefüllt.
Die  Blätter  sind  1V 3  bis  l*/ 2  Meter  lang  und  haben  eine  starke  tveißliche
Mittelrippe.  Die  Blüthen  stehen  in  ellenlangen  pyramidalen  Rispen  ähnlich
unserem  Flieder.  Die  Dauer  der  Pflanze  ist  nach  den  vorhandenen  Angaben ­
  sehr  verschieden,  scheint  aber  in  Cuba  eine  längere  zu  sein  als
.  anderwärts:  möglich,  daß  mit  dieser  längeren  Dauer  auch  die  angeblich
        <pb n="48" />
        —  43

S5Ä*5!rtS.ÄH
ŞĶķķŞ
wäää  LîS  'ÄÄf’  »  &amp;gt;7

manàl  Planta  nennt;  der  Schnitt  des  zweiten  3°hr°s  HŞ  Ņ  à

"S'SS'SE'Í?ä'.m-  Ģ»
zertheilt  und  anderweit  verpflanzt.  Indessen  ist  die  «ern.ehrnn;,  durch
Stecklinge  allgemein  üblich;  sie  geschieht  während  Regenzeit  m  den  Monate,
Inni  bis  September.  Tie  Angenschmttlmge  werden  in  der  Entftrnnng
â  LSL'LL.  Wu7»àt  mrd'i.r  an^rlb  Diesen
Gräben  durchsurcht.  Die  nach  der  Ernte  verbleibenden  Mat  er,  welche  oft
kniehoch  liegen,  werden  in  der  Regel  untergegraben  oder  verbrannt.
Alvaro  Reynoso  hat  vor  ein  paar  Jahren  vorgeschlagen,  durch
sährliches  Pflanzen  von  Stecklingen  sür  die  gleichmässige  Fortdauer  der
Stubben  des  Rohres  darinbleiben;  weder  Walze  noch  Egge  tonnten
bei  M„eS,  wcid)cß  bann  in  ben  Suden  nad)ge#au3t  werben  mune.
0enulmng  ber  311  2:age  ftebenben  ^uraeiftubben  ernubL  man  at  o
nur  eine  non  3#  3"  3#  Macube  SSerunnberung  beß  Ģrnteertragw  hŗ
3ur  %otijwenbi#t  oütligcr  9ieu#an3nng.  ^ad)  &amp;amp;el)nmo  #  man  nad)
ber  Ernte  bie  Stubben  sämmtlich  herausnehmen,  was  mit  0üse  etm*  om
zweier  Pflüge  ober  eineß  befonberen  Gerätheß  geschehen  sonne  ;  man  ichê
bie  Stubben  braußen  auf  unb  bedecke  sie  mit  Erbe  und  Stroh,  bis  man  ite
weiter.braucht.  Das  Stroh,  welches  sich  auf  bein  Felbe  fmbet,  tonne  man
oerbrennen  ober  nad)  belieben  foumoftiren:  baß  Unter#ugen  )abe  feinen
%^^en.  @0  werbe  baß  %elb  gaii3  frei  ginn  ^unoen  unb  bearbeiten  otme
^iiibernm,  sönne  ###10  bestem,  oebüngt  unb  00111  mifraut  gereinigt
werben.  Wenn  bieß  geidjetjen,  so  würben  mit  ba#cll#arigem  WiiQe
gurren  ge¿ogen,  wie  man  sie  gewö^ntid)  311111  íjeritem.
        <pb n="49" />
        44

Dann  lege  niait  die  Nohrstnbben  mindestens  24  Stunden  in  Wasser  und
trenne  die  Wurzelstecklinge  ab  mit  Gerathen  beliebiger  Art  —  deren  es
sehr  einfache  giebt  —;  diese  Stecklinge  seht  man  in  die  Furche  so  wie  es
für  die  Entwickelung  der  Knospe  und  Schößlinge  am  geeignetsten  erscheint,
ähnlich  wie  man  es  gegenwärtig  mit  den  Lnftstecklingen  zu  machen  pflegt;
die  untauglichen  Stecklinge  könne  man  zur  Düngung  mit  in  die  Furche
werfen;  dann  decke  man  letztere  mit  Erde  und  fahre  nun  sorgfältig  mit
denjenigen  Handleistnngen  fort,  die  man  auf  neuen  Pflanzungen  auch  sonst
ausführt.  Auf  diese  Weise,  meint  Reynoso,  werde  man  jährlich  die
gleiche  Ernte  erhalten  in  jedem  Lande,  wo  man  Rohr  anbaue.  Die  Handarbeit ­
  schätzt  er  nicht  übergroß,  vorausgesetzt,  daß  man  genügendes  Betriebs-Capital
  habe,  was  in  Cuba  freilich  nicht  immer  der  Fall,  wenigstens
bis  in  die  neueste  Zeit  nicht  der  Fall  gewesen.
Das  Zuckerrohr  verlangt  nicht  nur  ein  sehr  warmes,  sondern  auch
ein  #1##^  .minta,  ba  e&amp;amp;  bit#  let#  ^abcii  aicibet.
Indessen  scheinen  die  verschiedenen  Rohrsorten  in  dieser  Beziehung  nicht
gleichmäßig  empfindlich  zu  sein  oder  sich  dem  Klima  anzupassen.  In  den
Vereinigten  Staaten,  Louisiana,  besteht  seit  einigen  Jahren  eine  Versuchsanstalt, ­
  Namens  Magnolia-Station.  In  dem  15.  Bericht  derselben  ans  dem
Jahre  1887  wird  bezüglich  der  letzten  Campagne,  welche  am  7.  Novembee
  1886  begann,  folgendes  erwähnt.  In  Magnolia  Pflege  man  die
dürren  Rohrabgänge  auf  dem  Felde  zu  verbrennen,  sobald  die  Ernte  beendigt ­
  sei.  Im  allgemeinen  glaubten  die  Pflanzer,  daß  man  dadurch  die
©tnbbcii  bet  (Befa^  beê  @#iemi8  au##.  Bie  @##1111(1  in  9%aüiiü(ia
habe  den  Gegenbeweis  geliefert.  Denn  bereits  am  17.  November  1886  sei
heftiger  Frost  eingetreten,  wie  er  so  früh  bisher  dort  noch  nicht  beobachtet
worden,  ohne  daß  er  dem  Rohr  geschadet  habe.  Dem  Cubanischen  Rohre
würde  man  das  schwerlich  bieten  dürfen.
Dem  gleichmäßigen  Klima  entsprechend  soll  auch  die  Bodenwärme
sein:  es  darf  keine  zu  heftige  Ausstrahlung  vorhanden  sein.  Während  des
Wachsthums  mutz  Regen  reichlich  und  gleichförmig  fallen,  jedoch  mit  zeitweisen ­
  Unterbrechungen,  damit  die  Sonnenstrahlen  ihre  Wirkung  äußern
können.  Dagegen  bedarf  es  zur  Zeit  der  Ernte  trocknen  Wetters,  da  sonst
das  Rohr  wässerig  wird  und  leicht  ait  Zuckergehalt  verliert;  überdies  ist
der  gewässerte  Saft  leichter  zur  Gährnng  geneigt.  Bei  zu  großer  Trockenheit ­
  wird  das  Rohr  vorzeitig  reif,  ähnlich  wie  dies  auch  bei  den  Rüben
vorkommt:  wenn  auch  mit  solchem  Rohre  die  Ernte  schneller  zu  fördern  ist
und  die  Verarbeitung  kürzere  Zeit  dauert,  ist  der  Ausfall  an  Ausbeute
doch  nachtheilig.  In  manchen  Jahren  fällt  während  der  Ernte  der  Regen
so  reichlich,  daß  dieselbe  dadurch  zeitweise  ganz  unterbrochen  wird.  Während
des  Aufstandes  waren  die  Pflanzer  vielmals  genöthigt,  wegen  Mangels  an
Arbeitskräften  oder  in  Aussicht  auf  mangelnde  Absatzmöglichkeit  das  Rohr
        <pb n="50" />
        45

zum  Theil  ungeschnitten  ans  dem  Felde  stehen  zu  lassen.  Es  läßt  sich
nicht  annehmen,  daß  dieser  nngeschnittene  Theil  für  die  Ernte  des  nächsten
Jahres  aufbewahrt  und  dann  verarbeitet  werden  könnte.  Wenn  gelegentlich ­
  ein  englischer  Berichterstatter  einmal  erwähnt,  es  würden  voraussichtlich ­
  erhebliche  Rückstände  aus  dem  Vorjahre  aufgearbeitet  werden,  so
beruht  dies  ohne  ßmetfel  auf  einem  Mißverständnisse.  Das  Rohr  verlangt,
daß  der  Boden  stets  genügende  Feuchtigkeit  besitze,  ohne  geradehin  naß  zu
sein:  in  Ermangelung  von  Regenfällen  müßte  man  daher  zu  künstlicher
Bewässerung  seine  Zuflucht  nehmen,  was  indessen  auf  Cuba  nur  in  den
¡ebensten  ^11  11%#  ist.  ^tüde^t^ei^e  Äßiiibe  uetbotmi  bo8  mit,
stürmische  zerraufen,  entwurzeln  oder  schlagen  c%  nieder.  Ev  müssen  also
mancherlei  Bedingungen  zusammentreffen,  um  dem  Rohr  ein  völlig  gutev
Gedeihen  zu  sichern.  '  Am  besten  eignen  sich  dafür  die  Küstenstriche,  sowie
die  niedrigen  fruchtbaren  Thäler  der  Flüsse.
Die  Ernte  beginnt  in  der  Regel  mit  dem  December,  je  nach  der
mtenuiü  mid)  ctiimö  ft%t;  fk  MW  ^  i"  ^ii  mi  mib  mid)  in  ben
Juni  hinein  zu  dauern,  bei  trockner  Witterung  geht  es  rascher  und  ohne
Unterbrechung  vorwärts.  Gleichzeitig  mit  dem  schneiden  des  Rohren  erfolgt ­
  auch  seine  Verarbeitung,  da  es  keine  lange  Aufbewahrung  verträgt.
Der  Verbrauch  an  frischem  Rohr  zur  Nahrung  soll  sehr  bedeutend  sein,  da
die  Arbeiter  im  Felde,  namentlich  die  Neger,  reichlich  davon  genießen,
dasselbe  auch  sonst  als  wohlschmeckende,  gesunde  und  nahrhafte  Speise  gilt.
Die  Pflanzungen  werden  wegen  der  großen  Feuersgefahr  auf  das  sorgfältigste ­
  bewacht.  Die  geringste  Unvorsichtigkeit  vernichtet  in  kürzester  Frist
die  üppigsten  Ernten:  die  dürren  flatternden  Blätter  werden  von  den
Flammen  ergriffen  und  tragen  sie  mit  Blitzesschnelle  weiter,  so  daß  an
Löschen  gar  nicht  zu  denken  ist.  Daraus  erklärt  sich,  weshalb  auch  nach
beendigtem  Aufstande  und  völlig  wieder  hergestellter  Ruhe  so  häufig  bedeutende ­
  Fenersbrünste  in  den  Pflänzlingen  gemeldet  werden.  Noch  im
Februar  1887  sollen  z.  B.  im  Bezirke  von  Matanzas  allein  ans  den
Pflanzungen  Jaenrita  und  Europa  ausgedehnte  Felder,  ans  mehrere  hundert
Oxhoft  Zucker  geschätzt,  ein  Raub  der  Flammen  geworden  sein.
Die  Ernte  pflegt  man  gleid)zeitig  von  verschiedenen  Seiten  zu  beginnen. ­
  Das  Rohr  wird  niedergehauen,  wobei  man  sich  verschiedener
durd)aus  nicht  künstlicher  Geräthe  bedient  \  es  wird  in  Bündel  gebunden
mit)  ant  Bndenni#  i#)#,  je  bet  Wmimiw  bind)  bie  «eitet,
durch  Zugthiere  oder  besondere  Beförderungsmittel.  Das  geschnittene  Rohr
kann  in  seiner  ganzen  Länge  zur  Mühle  gebracht  werden  und  wird  in
diesem  Falle  dort  von  den  Arbeitern  schichtweise  nachgeschoben.  Indessen
ioR  bie8  eine  11,1###%  Belobmio  be8  «#1110^8,  cine  mißletd)=mäßige
  Zuführung  zu  den  Cylindern  veranlassen,  dadurch  einen  stoßweisen ­
  Gang  der  Mühle  und  eine  zeitweise  Verstopfung  des  zur  Aufnahme
        <pb n="51" />
        46

ber  Bagasse  bestimmten  Geräthes  herbeiführen,  gitr  Vermeidung  dessen
lässt  man  das  Rohr  ans  dem  Felde  in  Stücke  von  1  bis  1,25  m  Länge
zerschneiden,  und  so  zerschnitten  auf  eine  Schiebebühne  vor  der  Mühle  aufschichten, ­
  wobei  die  Bühne  zugleich  als  Zubringer  dient.  Hinter  dem
Mühlenwerke  befindet  sich  eine  ähnliche  Vorrichtung,  welche  die  abgepreßten
Stücke,  die  Bagasse  aufnimmt  und  fortführt.  Ans  den  vorhandenen  Berichten ­
  lägt  sich  nicht  ersehen,  ob  dies  Verfahren  in  Cuba  sich  großer  Beliebtheit ­
  erfreut,  was  in  Ansehung  des  Zustandes  der  Bagasse  nicht  ohne
weiteres  anzunehmen.  Bei  fortschreitender  Verbreitung  der  Diffusion  würde
das  Verfahren  ohnehin  seine  Bedeutung  verlieren.
Früher  war  jede  Pflanzung  zugleich  auch  Zuckerfabrik;  sie  hatte  ihre
eigne  Zuckermühle,  verarbeitete  selbst  ihr  eignes  Rohr  und  nur  das  ihrige,
stellte'daraus  verkaufsfähigen  Zucker  her,  allerdings  zumeist  in  recht  kunstloser ­
  Weise,  und  verhandelte  ihn.  Solche  Pflanzungen  führten  von  jeher
den  Namen  ingenios.  Sie  waren  von  verschiedenem  Umfange:  über  eine
Omisse  (Wbe  1)1110118^11061)611,  uerbot  bie  ber  ^erorbeìtiiiio
binnen  einer  gegebenen  Zeit  und  mit  begränzten  Mitteln  und  Arbeitskräften.
Neuerdings  hat  eine  wichtige  Umgestaltung  begonnen,  nämlich  die  Bildung
sogenannter  ingenios  centrales.  Dieses  sind  Betriebs  -  Anstalten,
welche  die  Verarbeitung  des  Rohres  und  die  Herstellung  von  Zucker  daraus
zur  ihrer  eigentlichen  Ausgabe  machen,  entweder  ohne  selbst  überhaupt  Rohr
anzupflanzen  oder  indem  sie,  wenn  sie  einen  Theil  ihres  Bedarfs  selbst
bauen,  dies  in  getrennter  Landwirthschaft  bewirken.  Das  Verhältnis;
dieser  ingenios  centrales  gleicht  also  im  wesentlichen  demjenigen  der
Mehrzahl  der  deutschen  Fabriken,  welche  ganz  oder  theilweise  Kaufrüben
verarbeiten.  Sie  sind  nicht  mit  solchen  Centralsabiiken  zu  vciwcchscln,
meld)e  018  (20111111^#  für  bie  ^^#1-1^6  niederer  3ndcrfobrifeii  bei;#
gemeinsamer  Vollendung  der  Zucker  dienen,  welche  z.  B.  die  dorthin  geleisteten ­
  Säfte  mehrerer  Fabriken  weiter  verarbeiten.
Vor  einer  näheren  Erörterung  dieser  Neuerung  mögen  noch  einige
Bemerkungen  über  den  Ernte-Ertrag  und  die  Anbaukostcn  Blaß  finden.

9.  0*'ntteevtrstfl  und  Zlnbauļosten.
Um  die  Ergiebigkeit  der  Cubanischen  Felder  einigermaßen  richtig
beurtheilen  zu  können,  wäre  es  nöthig  zu  wissen,  welche^  Gewicht  im
Durchschnitt  von  einer  gewissen  Flüche  abgeerntet  wird,  und  umili  es  nicht
möglich  ist,  das  durchschnittliche  Gewicht  zu  erfahren,  dann  wenigstens  die
miibeit:  be&amp;amp;.  9Rei^^=^e^id)te,  aiut#"  bcncn  fid;  bie  Grtrüoe  bmeßen.
Sie  9ln#eit  borüber  finb  leiber  #r  #rlid).  Welded)  luerben  bie
Schwierigkeiten  erwähnt,  denen  die  Ermittelung  solcher  Angaben  unterliegt.
        <pb n="52" />
        47

m  fold)e  gelten  annähst  biefelbeit  llmstänbc,  mcï^e  and)  in  Kalibern  mit
tnel)r  neorbncter  ^emaltmtn  obwalten.  &amp;amp;ie  9Se#iebenI)eit  beß  Wrageß
tit  verschiedenen  fahren  und  tit  verschiedenen  Lande-otpeilen,  sowie  die  Verschiedenheit ­
  nach  Maßgabe  der  Bodenverhältnisse  und  der  Cultur  tvar  aus
Guba  feit  301)1^1)1^(1%  um  so  messbarer,  aiß  bie  anfierorbentlid)  nngünftigen
Bedingungen,  unter  denen  die  Pflanzer  zu  wirthsehaften  hatten,  d.i.  innere
Unruhen,  Arbeitsmangel,  Geldverlegenheiten  aller  Art  ,  ihre  Wirkungen
fci)r  nttlllei^^tllä^iQ  ¿merten.  S)aß  ^(1101)1(11  bet  ingenios  bei  Graem
Olmo  bcä  Bildes  iiibem  man  baß  Mr  unmittelbar  nom  gelbe  m  bie
^11^6  brad)te  nnb  bomit  fünf  biß  fed)ß  donate  lano  sorts#,  war  einer
Gewichtsermittelung  deß  Jahres  ungünstig,  und  führte  dazu,  das;  man  niemals ­
  die  Ernte  nach  der  Rohrmenge  veranschlagte  und  angab,  sondern
stets  it  ad)  der  Zuck  ernten  ge,  welche  man  zu  gewinnen  hasste  bez.  gewann.
S)ie  Mabeii  líber  bieie  Mengen  finb  aber  ftetß  fe^r  nnfid)ere  nnb  #0011=lende
  gewesen.  Auch  wettn  sie  zuverlässiger  wären,  würden  sie  feinen  Anhalt
für  die  Ermittelung  des  Erntegeivichts  abgeben,  weil  man  auch  nicht
annähernd  für  die  einzelnen  Jahre  den  Umfang  der  bebauten  Helder  fennt.
Saan  fournit  ber  starte  Einfluss  beß  Betterß  auf  bie  dritte  nnb  bic  Äororbeitnno.
  B"  Anfano  beß  3af)reß  188G  wnrbe  anß  ber  janana  gemelbet,
das;  wohl  80  bis  100  Tausend  Tonnen  ans  dem  Felde  liegen  bleiben  wegen
des  ungünstigen  Wetters;  von  letzterem  hänge  alles  ab;  wenn  die  Regeltarif ­
  vom  Inni  bis  November  günstig  sei,  so  vermehre  sid)  die  Ernte  mit
10  bis  20  7o  nnb  dann  müßte  während  der  Ernte  bis  Ende  Mai  trockenes
Wetter  herrschen,  mit  alles  Rohr  verarbeiten  zn  sonnen.  And)  wurde  viel
Rohr  durch  Feuer  zerstört,  vieles  ans  dem  Felde  gelassen,  weil  die  niedrigen
Zuckerpreise  oder  die  hohen  Selbstkosten  eine  vortheilhaste  Berarbeitnng  ausfd)lof)en.
  @ß  ist  aljo  nid)t  tl)nniid),  anß  ber  Stenge  Bņder,  wcld)c  auf  ber
Insel  jährlich  angeblich  erzeugt  wird,  einen  Rückschluß  ans  den  Geivichtvertrag
  der  Rohrernte  zn  machen,  ganz  abgesehen  davon,  das;  die  Ausbeute
cm  Buder  00m  ^o^rgcwid)te  in  aiwerläniocm  ^rocellt^a^^e  ni#  besannt
ist.  Ans  andere  Weise  Ermittelungen  anzustellen,  hat  es  bisher  ohne
Ziveisel  um  so  mehr  an  Gelegenheit  gefehlt,  als  die  Berichte  von  doit  ausdrücklich ­
  anerkennen,  wie  schwierig  es  fei,  selbst  bei  einer  Wanderung  durch
die  Hanptbezirke  der  Insel  ein  zntressendes  Urtheil  über  den  Rohrertrag  zn
bilben.  3m  3ai)re  1880  erfiürtcn  Balbo  #ucmo:  über  beit
Ertrag  der  Ernte  gingen  die  Meinungen  ihrer  Agenten  in  den  Außenhäfen
so  weit  auseinander,  das;  es  fast  unmöglich  scheine,  eine  annähernd  richtige
Schätzung  zn  mad)en.  Der  Eine  gebe  für  den  Bezitk  von  Matanza^  das
deficit  gegen  baß  ^0^0^  auf  mc^  alß  10  biß  12%  an,  ein  Oberer
aber  ans  25%,  ein  dritter  sogar  ans  30%;  in  @ag"a  ^ite  man  ans
einen  Slußfad  001t  25%,  #  Gorrefpoitbent  bagegen  beziffere  t^t  ans  40%;
von  Cardenas  werde  ein  Minderertrag  von  15  bis  20  %  gemeldet,  während
        <pb n="53" />
        48

Andere  ihn  auf  30  %  schätzen.  Aehnliche  Erfahrungen  bietet  fast  jedes
folgende  Jahr.  Die  Angaben  über  die  wahrscheinlichen  Ernten  werden
ermäßigt  oder  erhöht,  nicht  allein  nach  Maßgabe  der  Witterung  und  ihres
Wechsels,  sondern  auch  nach  Maßgabe  anderer  Umstünde,  unter  denen  auch
der  Preisstand  des  Zuckers  nicht  an  letzter  Stelle  sich  befindet.
Eine  direct  auf  den  Rohr-Ertrag  bezügliche  Mittheilung  findet  sich
aus  der  Zeit  vor  etwa  dreißig  Jahren.  Sie  giebt  den  Ernte-Ertrag  eines
günstigen  Jahres  von  der  Caballeria  ans  nicht  mehr  als  G  801  bis
7  072  arrobas  an,  d.  h.  auf  171525  bis  176  800  //.  spanisch.  Da  die
Cavalleria  ziemlich  genau  13'/2  Hectare  umfaßt,  so  wäre  dies  ein  Ertrag
von  12700  bis  13100//.  oder  123  bis  124  Doppel-Etr.  auf  das  Hectare.
Diese  Angabe,  welche  in  die  glücklichere  Zeit  lange  vor  der  Revolution
hineinreicht,  kann  wohl  unzweifelhaft  nicht  der  Wirklichkeit  entsprechen.
Eine  Angabe  ans  neuerer  Zeit  rechnet  auf  eine  Caballeria  Rohrpflanznng
durchschnittlich  50  Faß  Zucker  zu  690  kg  bei  einer  6  procentigen  Ausbeute,
also  34500  kg;  danach  kämen  auf  die  Caballeria  558300  kg,  also  auf  das
Hectare  rund  415  Doppel  -  Ctr.  Rohr.  In  einem  deutschen  Consnlatsberichte
  aus  dem  Jahre  1884  wird  der  durchschnittliche  Ertrag  von  der
Caballeria  ans  40000  arrobas  zu  rund  11%  kg  angegeben  (genauer  sind
vier  arrobas  zu  25  //.  span.  -  46  kg);  dies  gäbe  auf  das  Hectare  rund
350  Doppel  -  Ctr.  Rohr.  Dagegen  sollen  nach  einer  französischen  Mittheilung ­
  ans  dem  Jahre  1885  die  Pflanzer  auf  Cuba  int  allgemeinen  von
der  Caballeria  rund  575  000  bis  1  150  000  kg  ernten,  in  einzelnen  Bezirken
ausnahmsweise  sogar  1  725  000  kg;  im  Mittel  862  500  kg  gerechnet,  ergebe
auf  ein  Hectare  63  519  kg  oder  635  Doppel-Ctr.  Rohr.  Indessen  giebt
der  ganze  Inhalt  dieser  Mittheilung  augenscheinlich  eine  zu  optimistische
Darstellung  über  die  Erfolge  der  Pflanzer,  denen  schließlich  sogar  ein
durchschnittlicher  Gewinn  von  netto  353  Francs  pro  Hectare  herausgerechnet
wird.  Mail  darf  obige  Angabe  deshalb  wohl  als  eine  zu  hohe  bezeichnen.
Nimmt  man  das  Millimum  von  575000  kg  als  Durchschnittsertrag,  so
erhält  man  lviederuln  rund  420  Doppel-Ctr.  Rohr  alls  1  Hectar.  Die
Mittheilung  eiiles  Correspondenten  ans  Cuba  vom  April  1887  giebt  für
die  neuerdings  in  Aufnahme  gekommenen  Pflanzungen,  welche  nicht  selbst
ihr  Rohr  verarbeiten,  svllderil  es  an  die  Centralanstalten  abliefern,  den
Ertrag  einer  Caballeria  int  Osten  bei  einer  Ausbeute  voll  7%  %  auf
165  biß  200  000  #.  Wer  1.  ^11%  3»  96  biß  98%  mt  mit  bei»  0emerken,
  daß  allerdings  auf  mehr  ausgenutzten  Feldern  des  mittleren  und
westlichen  Theiles  der  Insel  nur  90  bis  125000  //.  gewonnen  würden.
Danach  berechnet  sich  ein  Rohr-Ertrag  für  die  ersteren  von  750  bis  900,
für  die  letzteren  von  410  bis  570  Toppel-Ctr.  auf  1  Hectar,  was  erheblich
über  die  anderen  Schätzungen  hinausgeht.  Solche  Correspondenzen  dürfen
wohl  überhaupt  nur  mit  einiger  Vorsicht  aufgenommen  werden.
        <pb n="54" />
        49  —

Aus  neuerer  Zeit  liege»  Mittheilungen  über  den  Rohr-Ertrag  in  der
oben  erwähnten  Versuchsanstalt  Magnoliastation  in  Louisiana  vor.  Sic
verdienen  angeführt  zu  werden,  um  wenigstens  einen  Vergleich  zu  ermöglichen ­
  der  siir  Cuba  wegen  der  Nachbarschaft  und  Concurren;  der
Zucker  aus  Luisiana  von  Interesse  ist,  bezüglich  dessen  aber  ausdrücklich
hervorgehoben  werde»  must,  das,  die  Verhältnisse,  unter  denen  dort  der
Rohrbau  betrieben  wird,  wesentlich  abweichen  von  denen  in  Cuba.  Mau
wird  austerdem  zu  berücksichtigen  haben,  das;  wahrscheinlich  die  Ernten
einer  Versuchsanstalt,  welche  aus  einem  kleinen  Felde  ans  unbeschränkten
Mitteln  arbeitet,  etwa«  anders  ausfallen,  als  im  grasten  landwirthschastlichen
  Betriebe.  ^
9W)  bein  Beri#  übet  bie  Wi#  in  bet  Gambagne  1885/86
mürben  bie  gelber  bet  9Kaqnoliaftotion  am  ^4.  Septewbet  1885  non  einem
jdimeten  Sturme  ^eimgefu^^t.  SlUeß  starte  3%oí)t  inntbe  niebctgefd)lagen
unb  tarn  in  golge  beffen  nid)t  gut  ^eife.  Blefem  Itmftanbe  luitb  and)  bie
geringere  gudetauébente  5ugei^^tleben.  Bie  Weiten  (tolling  season)  be»
gönnen  am  13.  November  1885  unb  enbigten  am  13.  Januar  1886.  Das
ieljtc  9%oi)t  mutbe  am  1.  Sammt  1886  gefdinittcn.  0ebfíamt  maten  übet»
i)auļ)t  484  acres  (1  acre  gíeid)  tnnb  40  %te),  also  etma  100  sedate,  unb
mie  es  scheint,  fast  bn  rd)  gängig  mit  bet  violetten  .)  i  o  Í)  t  g  a  tt  11  n  g,  511111  ïijeil
einjährigen  Schößlingen,  zum  Theil  volljährige  Pflanzen.  Erläuternd  mitb
darüber  bemerkt,  bas;  man  freilich  in  Cuba  von  demselben  Felde  zehn  bis
zmölf  Jahre  lang  Rohr  schneide,  ohne  die  Pflanzen  zu  erneuern;  Klima
und  Bobenbedingungen  seien  so  verschieden  von  denen  in  den  Tropen,  das;
ohne  Zweifel  auch  bie  Beschaffenheit  des  Rohres  dadurch  beeinflußt  werde.
Sodann  metben  Ergebnisse  von  26  bebauten  Parzellen  nach  Größe  und
Rohrgewicht  angegeben.  Die  Ernte  von  Schößlingen  schwankt  zwischen
16,04  unb  23,55  tons  bet  acre,  bet  510^0^11  mit  Sd)ôf;=Ungen
  gab  es  nur  13,51  unb  15,84  tons;  von  bin  volljährigen  Pflanzen
wurden  zwisd)en  13,81  bis  24,67  tons  gewonnen,  der  gesammte  Durchschnitt
  bet  ganzen  Ernte  mat  19,20  tons  ans  l  acte.  Die  Tonne  mit
2240  il  engl,  unb  bas  acre  mit  rund  40  Are  berechnet,  mürbe  auf  das
Hectar  eilte  Durchschnittsernte  von  488  D.-Etr.  kommen.
Die  vorjährige  Campagne  begann  nach  bein  erstatteten  Berichte  in  .
Ņîagnolia  am  7.  Rovember  1886  und  mat  bereits  am  20.  December  beendigt. ­
  Das  Wetter  im  Sommer  mat  nicht  besonders  günstig,  und  schon  am
17.  November  trat  vorübergehend  sehr  scharfer  Frost  ein.  Der  Ertrag  an  Rohr
war  ungewöhnlich  nichtig,  fein  Gehalt  an  gewinnbarem  Zucker  aber  etwas
grölet  al§  in  ben  æot^a^ten.  Bie  Äußbcute  mitb  für  1885/86  auf
2988  #.  engi.  an  Riefet  1.,  2.  unb  3.  Whiftä  bet  acre  angegeben,  für
1886/87  auf  nur  "l964  #.,  so  ba^  bet  9%inberertroq  oon  6,66  tons  3101)1
bet  acre  eine  id)Uc#id)e  9Rinbctauöbeute  oon  1024  #.  ^udet  ergeben  i)abe;
7
        <pb n="55" />
        die  Ausbeute  per  ton  Rohr  sei  iit  der  letzten  Campagne  außerordentlich
befriedigend  gewesen.  Aus  einer  beigefügten  Uebersicht  ist  ersichtlich,  daß
man  überhaupt  7203,3  tons  Rohr  verarbeitete  und  daraus  durchschnittlich
per  ton  120,47  U.  I.  Produkt,  40,53  II.  Produkt  und  58,17  //.  Melasse
machte:  ein  nicht  gerade  stolzes  Ergebniß,  da,  ohne  Reduction  auf  I.  Produkt, ­
  nur  fast  9,8  "/o  des  Rohrgewichtes  gewonnen  wurden,  darunter  kaum
5'/27o  I  Produkt.  Wenn  angenommen  wird,  daß  uñe  tut  Vorjahre  die
gestimmte  Ackerfläche  von  484  acres  an  der  Ernte  Antheil  hatte,  so  würde
auf  das  Hectar  ein  durchschnittlicher  Nohrertrag  von  rund  380  D.-Ctr.
kommen;  legt  man  die  Angaben  über  das  Verhältniß  des  Zuckerertrages
in  den  beiden  Jahren  zu  Grunde,  so  würde  mau  etwas  mehr  als  360  D.-Ctr.
für  1  Hectar  herausrechnen  können.
Natürlich  haben  alle  diese  Rechnungen  nur  einen  beschränkten  Werth.
Ihr  Zweck  ist  auch  nur,  einerseits  eine  ungefähre  Vorstellung  von  der  Ergiebigkeit ­
  einer  Rohrpflanzung  zu  geben,  andrerseits  wenigstens  vorläufig
eine  Vergleichung  mit  den  Rübenernten  zu  ermöglichen.  Mit  dem  Gedanken ­
  freilich  muß  mau  sich  vertraut  machen,  daß  die  Felder  Cuba's  nllmählich
  wohl  eine  größere  Fruchtbarkeit  entwickeln  werden,  wenn  ihre  Bestellung ­
  mit  mehr  Umsicht  und  mit  stärkeren  Mitteln  erfolgt.  Behauptet
wird,  daß  damit  schon  jetzt  ein  guter  Anfang  gemacht  sei.  Es  wäre  erwüuscht
  zu  wissen,  in  welchem  Umfange  dies  bereits  geschehen,  und  ob
davon  schon  bei  den  Ernten  der  letzten  Jahre  ein  Einfluß  zu  spüren  gewesen.

Nach  biefeit  Bemerkungen  kann  es  nicht  befremden,  daß  auch  die
Nachrichten  über  die  Kosten  einer  Rohrernte  nur  äußerst  spärlich  vorhanden ­
  sind.  Bekanntlich  hat  man  in  Deutschland  seit  Jähren  Berechnungen ­
  über  den  Selbstkostenpreis  der  Rüben  aufgestellt,  ohne  zu  einem
anerkannt  gültigen  Resultate  zu  gelangen.  Nicht  viel  anders  würde  es  sich
auch  in  Cuba  verhalten,  selbst  meint  man  über  die  Ernteerträge  genaueres
wüßte.  Allerdings  fällt  hier  ein  wesentliches  Moment  der  Unsicherheit  weg,
nämlich  die  Vertheilung  der  Ausgaben  auf  die  Ernten  im  Fruchtwechsel,
da  ein  solcher  bei  der  dauernden  Rohrernte  nicht  stattfindet.  Andrerseits  aber
wird  es  schwer  sein,  die  Tilgungsrate,  welche  für  die  Anlage  der  Pflanzung
zu  rechnen  wäre,  auf  die  vorweg  nicht  zu  bestimmende  Anzahl  von  Jahren
zu  vertheilen,  den  richtigen  Ansatz  für  die  schwankenden  Creditausgaben
und  Zinsen  des  Betriebscapitals  zu  finden,  die  wechselnde  Höhe  der  Arbeitslöhne, ­
  den  Einfluß  außergewöhnlicher  Witterungsschläge  imb  der  auf  der
Anlage  wie  auf  der  Arbeit  ruhenden  Lasten  und  Abgaben  zutreffend  zu
bemessen.  Die  Selbstkosten  werden  sich  in  den  verschiedenen  Gegenden  wie
zu  verschiedenen  Zeiten  natürlich  verschieden  berechnen,  und  es  würde  deshalb ­
  längerer  und  umfassender  Vergleichung  zur  Erlangung  eines  richtigen
Durchschnittes  bedürfen.  Man  muß  auch  anerkennen,  daß  weder  die  Jahre
        <pb n="56" />
        51

der  zehnjährigen  Revolution  noch  die  darauf  folgenden  Jahre  mit  ihren
ungewöhnlichen  Zuständen  für  dergleichen  Erhebungen  sehr  geeignet
waren.  Mutz  man  sich  deshalb  zur  Zeit  mit  einzelnen  Mittheilungen  begnügen, ­
  so  darf  man  denselben  nur  einen  beschränkten  Werth  beimessen,
weil  ihnen  in  der  Regel  ganz  oder  zum  guten  Theil  die  Erläuterung
darüber  fehlt,  auf  welche  Tätlichkeit  und  Bedingungen  der  Wirthschaft  sie
sich  beziehen.
Nach  dem  Consulatsberichte  ans  Havana  vom  Jahre  1884  hatte  die
Regierung  zum  Zwecke  der  Besteuerung  umfangreiche  Schätzungen
über  die  thatsächlichen  Kosten  der  zur  Zuckerbereitung  dienenden  Pflanzungen ­
  angestellt.  Danach  waren  die  Produktionskosten  auf  668  pesos  für
die  Caballería  oder  nahezu  200  Mark  für  1  Heetar  geschützt.  Die  Grundlagen ­
  der  Schätzung  werden  leider  verschwiegen.  Es  lässt  sich  ihre  Richtigkeit
also  nicht  prüfen.  Aber  gewitz  kann  dieser  Satz  kein  allgemein  gültiger
sein,  sondern  unterliegt  je  nach  Lage  der  Pflanzung,  Bodenbeschaffenheit,
Stärke  der  Betriebsmittel  u.  dergl.  erheblichen  Schwankungen.  Die  bereits
erwähnte  französische  Mittheilung  vorn  Jahre  1885  erwähnt,  datz  die
Centralfabriken  zur  Zeit  bei  einem  Zuckerpreise  von  28  7 2  fr.  das  Rohr
mit  10,87  fr.  per  1000  kg  bezahlten,  also  den  Doppel-Centner  mit  1,087  fr.
oder  etwa  0,87  Mark;  dabei  werden  die  Kosten  für  Bestellung,  Ernte  re.
auf  5,30  fr.  für  1000  kg  angegeben,  also  etwa  0,425  Mark  für  den  Doppel-Centner,
  augenscheinlich  ohne  Rücksicht  auf  Abgaben  unb  Lasten,  sowie  auf
Zinsen  und  Tilgung.  Diese  Rechnung  ergiebt,  wenn  man  für  1  Heetar  die
Ernte  auf  400  D.-Ctr.  anninnnt,  rund  212  fr.  oder  rund  170  Mark
Selbstkosten,  was  hinter  der  obigen  amtlichen  Ermittelung  nicht  unerheblich
zurückbleibt  und  vermuthlich  auch  hinter  dem  thatsächlichen  Durchschnitte.
Ferner  soll  nach  einer  Mittheilung  aus  neuester  Zeit  eine  Centralfabrik ­
  bei  Manzanillo  das  Rohr  mit  16  doll.  span,  für  800  Arrobas  bezahlen, ­
  und  dieser  Einkaufspreis  wird  als  ein  sehr  billiger  bezeichnet,  da
man  anderwärts  10  bis  20  dollars  zahle.  Nun  sind  800  Arrobas  gleich
20000  span.  Pfunden  oder  9200  kg  =  92  D.-Ctr.,  und  der  span.  Dollargleich
  4  Mark;  es  berechnet  sich  danach  der  Preis  des  Rohres  auf  70  bezw.
83  bis  87  Pfg.  für  1  D.-Ctr.  Die  letztere  Zahl  stimmt  mit  der  oben
berechneten  überein;  ob  aber  70  bis  80  Pfennige  pro  Doppel-Centner  für
den  Pflanzer  wirklich  lohnend  sind,  darf  man  bezweifeln,  wenn  man  die
bis  in  die  neueste  Zeit  fortdauernden  Klagen  erwägt,  datz  der  Anbau  des
Zuckerrohres  bei  den  gegenwärtigen  Preisen  keinen  Nutzen  lasse.  Als
beachtenswerth,  wenngleich  wohl  einer  recht  genauen  Prüfung  bedürftig,
wird  nachstehend  noch'  die  Aufstellung  von  dein  Werth,  den  Ausgaben  und
den  Erzeugnissen  einer  Cubanischen  Znckerpflanzung  von  durchschnittlichem
Umfange  angeführt,  welche  in  der  sugar  cane  1886  ein  Correspondent
mittheilt.  Derselbe  nimmt  als  Beispiel  eine  Pflanzung  voll  1000  Ackern
7*
        <pb n="57" />
        •  Ķiņņņ».  ■  ■■  SK.

52

60  000  doll.

80000

gleich  30  kubanischen  caballerías,  int  Werthe  von  rund  60  dollar  oder  13
Pfund  Sterling  per  Acker,  das  Pfund  Sterling  nach  deut  Marktwerthe  von
4,44  doll,  in  spanischem  Golde  berechnet.  Hiernach  wäre
der  Grundwert!)
dazu  Gebäude,  Zuckermühle,  Siede-Apparate  und  sonstige
stehende  Maschinen
bewegliche  Maschinen,  Pflüge,  Waagen,  Ackergeräthe,
Schmiedewerkzeuge  aller  Art  und  soitstiger  Zubehör-Fuhrpark,
  vollständiger,  1  530  „
5  737  „
204  „
500  „
148971  doll.

1  000

7200
2  400

3600

75  Joch  Ochsen
12  Kühe
6  Pferde,  2  Maulthiere  _i
zusammen
ferner:  Hausrath,  Erleuchtungsgerüth,  Oel,  Fett,  Farbeit  und
allerlei  andere  Werkstoffe  1000  doll.
Arbeitslöhne,  wovon  ein  verhältnitzmäßiger  Abzug  zu  machen,
wenn  Weiber  oder  Knaben  beschäftigt  werden,  und  zwar
10  bezw.  8Va  doll,  in  der  todten  Jahreszeit  und  14
bezw.  10  doll,  in  den  Betriebsmonaten:  und  zwar  mt
100  Neger  oder  Chinesen  zu  je  12  doll.,  also  monatlich
1200  doll.,  in  6  Monaten  todter  Jahreszeit  .  -  -  .
Unterhalt  derselben  zu  4  doll,  für  jeden  desgl.  .  .
150  Neger  oder  Chinesen  zu  18  doll,  monatlich,  für
6  Monate  Betriebszeit  16  200
Unterhalt  derselben  zu  4  doll,  desgl
Besoldung  der  weißen  Beamten,  ttämlich:  ein  Aufseher
1200,  Feldaufseher  700,  Viehwärter  400,  Zimmermann ­
  300,  Buchhalter  400,  Wächter  in  der  Betriebszeit ­
  120,  Mechaniker  425,  Siedemeister  500,
zusammen
Staats-  und  Gemeindeabgaben  _j_
zusammen
Ausgaben  zum  und  im  Seehafen:
Fracht  voit  der  Bahnstatiott  der  Zuckerfabrik  bis  zum
Hafenspeicher  für  1000  Oxh.  zu  3,50  doll.  —  •  •
Lagergeld  zu  1  doll,  per  Oxh
Maklergebühr  mit  1  sh.  2  p.  von  100  Pfund  Sterling
Kauftverth  j_
überhaupt  also  Jahresausgabe  39  750  doll.
Die  Kosten  für  leere  Gebinde  sind  außer  Altsatz  geblieben,  tveil  der
Käufer  int  Hasen  bei  Bezahlung  des  gekaufteit  Zuckers  dem  Pflanzer  je

4165  „
500  „
35065  doll.

3  500  doll.
1000  ..

185
        <pb n="58" />
        53

5  V 2  doll,  dafür  zurückrechnet.  Hiergegen  wird  sodann  die  Ernte  in  folgeiiber
  98#  gefd#!.  %  1000  Met  Banbeß  ue#eilm  f#  ungefä#
hi  165  Wer  ober  5  caballerías  eingegäunte  9ßie()meibc,  ebenfooìeï  für
Baumgarten  oder  Holzung,  Wege,  Gebäude,  Garten  u.  s.  w.;  G(&amp;gt;(&amp;gt; 3 / 3  Acker
übet  20  caballerías  bnrd^fd,nimid^  12500  tons  9#t,
welche  geben:  10000  Karrenladungen  zu  2  500  //•  für  die  Zuckermühle,
ferner  oou  fe  25000  fl.  Bohr  1  hogshead  Zucker,  also  im  Ganzen
1000  hogsheads  mtSfoDübenaiidct  im  Äettogemi#  bon  1450000  //.=725
  tons,  oder  vom  Acker  l'/%  hogshead  gleich  2175  fl.  Zucker.  Angenommen
  ist,  hon  bie  stessei  ber  Elidermi#  gumeift  mit  33iifd)ioerT,  bie
Kessel  der  Siedegeräthe  mit  Bagasse  geheizt  werden;  ferner,  das;  die
1000  hogsheads  Zucker  durchschnittlich  in  100  Lagen  fertiggestellt  werden,
bo  Regentage  unb  %afd)inenbI;^^en  bie  regetmäf;ige  Betriebß^elt  untere
brid)t,'fo  bnf;  blese  ledete  fid)  ans  5  biß  6  munte  außbebnt.  eraeiigt
werben  also:
1000  Faß  Muskovadezucker  zu  80",  netto  1450000  fl.  oder
725  tons,  meid)C  311  4'A  real,  ober  56'/4  cents  für  bie  Ättobe
ober  2'A  cents  für  bnß  Şfimb  ergeben  .  .  .  32625  doll.
300  W  mioffe  gn  50»,  b.  i.  51000  @nüonen  311
15  doll.,  das  Faß  ^  170  Gallonen  .  .  .  •  4  500  „
zusammen  .  .  37  125  doll.
Gabel  mttb  bemerit,  bas;  bie  Slußgaben  einer  #anaimg,  meld)c
Muskovabezucker  macht,  ungefähr  gleich  ständen  mit  einer,  welche  centrifugirten
  Zucker  fertigt.  Der  Unterschied  sei  nur  der,  daß  die  letztere  noch
Vacuumpfannen  und  Eentrisugen  habe.  Das  Nettogewicht  eine^  Fassen
centrifugirten  Zuckers  betrage  ungefähr  150  fl  mehr  als  das^  bes  Muskovadezuckers.
  Gerechnet  seien  50  Faß  auf  die  caballería;  indessen  erzeugen
manche  Pflanzungen  bis  zu  70  Faß,  unb  in  diesem  Falle  sei  der^  Werth
des  Ackers  beträchtlich  höher  anzusetzen.  Ein  leeres  36  zölliges  Faß  —
hogshead  —  wiege  200  fl-,  der  Muskovadezucker  netto  14o0  ff.,  der  centrifugirte
  Zucker  netto  1600  //.  Für  letzteren  würde  der  Preis  um  1  / 4 1  calen
bro  Ätmba  i)öWi\  olle  »"t  nni#i)r  76  cents  für  Ne  mroba  ober  3  cents
pro  Pfund  anzunehmen  sein.  Wird  centrifngirier  Zucker  berechnet,  dann
darf  nur  die  Hälfte  Melasse  in  Ansatz  kommen,  also  nur  150  Faß,  und
nur  zum  Preise  von  10  dollars  per  Faß,  also  statt  4500  dollars  nur
1500  dollars;  benn  bei  bet  Bereitung  non  giWîooabeaiidet  Mengte
Fässer  14  Tage  lang  znm  Ablaufen  —  purging  —  und  von  je  3  Faß
erhält  man  ein  Faß  Melasse.
miß  biefen  Angaben  fid)  bered#»,  baß  bet  Betfaffet  bic  3#t=@rnte
  nom  ^eetar  ungefähr  ans  450  G.=6tr.  annimmt,  maß  111111161^111  mit
ben  obigen  migabenin  einfiang  fte#.  feinen  Bemeiiiiiigen  iäge
        <pb n="59" />
        ■  -

aber  der  Vortheil  der  Herstellung  von  centrifugirtem  Zucker  auf  der  Hand,
da  die  erzeugten  1000  Faß  zu  dem  höheren  Preise  etwa  12000  doll,  mehr
einbrächten,  wogegen  der  Verlust  an  Melasse  sowie  die  Unkosten  der
Centrifuge  erheblich  zurückstände.  Uebrigens  schließt  die  Rechnung  bei  einer
Ausgabe  von  39750  doll,  und  einer  Einnahme  von  37125  doll,  mit  einem
Deficit  von  2625  doll,  und  es  findet  sich  darin  gleichwohl  kein  Posten  für
Verzinsung  und  Tilgung  des  Anlagekapitals,  und  nichts  für  den  Hausstand
des  Eigeuthümers.  Das  Anlagekapital  setzt  sich  zusammen  aus  dem  Bodenwerth ­
  mit  60000  doll.,  Gebäude  und  Maschinen  80000  doll,  und  sonstige
Geräthe  11000  doll.  In  dem  Consulatsberichte  für  1884  wird  zwar  der
Bodeupreis  einer  caballería  zur  Zuckerpflanzung  geeigneten  Landes  als  ein
je  nach  den  Verhältnissen  sehr  verschiedener  bezeichnet,  ime  dies  auch  der
Natur  der  Sache  entspricht;  als  Durchschnitt  aber  wird  für  die  caballería
der  Preis  von  4000  pesos  angegeben,  d.  h.  der  Hectar  aus  1185  Mark.
Hiernach  wäre  der  in  dem  obigen  Anschlage  angesetzte  Werth  für  30  caballerías ­
  für  einen  sehr  mäßigen  zu  erachten.  Rechnet  man  im  Durchschnitt
für  die  gesammteu  150000  doll,  an  Zinsen  und  Tilgungsraten  10%  ,  was
für  Cuba  schwerlich  zu  hoch  gerechnet  ist,  und  läßt  dabei  das  Betriebskapital ­
  außer  Ansatz,  so  treten  zu  den  Ausgaben  noch  15000  doll,  hinzu,
und  es  müßte  der  Zuckerpreis  um  mehr  als  2  realen,  also  über  6  %  realen
steigen,  um  das  Gleichgewicht  zwischen  Ausgabe  und  Einnahme  herzustellen.
Aus  den  einzelnen  Posten  ist  ersichtlich,  daß  der  größere  Theil  auf  die
eigentliche  Rohrpflanzung  trifft.  Der  Anschlag  bezieht  sich  auf  ein  ingenio
alter  Art,  welches  nur  seine  eignen  Ernten  verarbeitet.  Der  Zucker-Ertrag
ist  nur  mit  1  Faß  zu  1450  #.  netto  auf  1000  arroben  =  25  000  //.  Rohr
angesetzt.  Der  Preis  von  4  %  realen  per  Arroba  Zucker  ist  gegen  die
früheren  Jahre  zwar  nur  niedrig,  aber  in  neuerer  Zeit  keineswegs  immer
zu  erlangen  gewesen,  er  würde  für  diese  Klasse  der  ingenios  hiernach  hinter
der  Grenze  der  Rentabilität  zurückbleiben.
In  einem  Consulatberichte  vom  Jahre  1884  wird  dagegen  angeführt:
schlechte  Preise  und  hohe  Löhne  hätten  den  Pflanzern  nichts  übrig  gelassen;
ohne  Ueberschuß  aber  könnten  dieselben  nicht  bestehen,  denn  ihrer  seien  nicht
fünfzig  unabhängig,  alle  übrigen  sehr  verschuldet;  der  Berichterstatter  habe
jetzt  die  Ueberzeugung  gewonnen,  daß,  wenn  der  Pflanzer  seinen  eentrifugirten
  Zucker  für  5  realen  =  62%  cents  per  Arroba  verkaufe,
er  die  Selbstkosten  und  den  Unterhalt  für  seine  Familie  damit  decke.
Was  dabei  unter  die  Selbstkosten  gerechnet  worden,  ist  nicht  ersichtlich,  da
die  Mittheilung  durch  keinerlei  Berechnung  oder  Zahlenangabe  unterstützt

Indessen  sind  5  realen  per  Arroba  gleich  21

für  den  D.-Ctr.

und  wenn  dieser  Preis  in  Cuba  frei  Hafenplatz  angelegt  werden  muß,  so
ist  er  immerhin  als  ein  hoher  zu  bezeichnen.  In  einem  Berichte  vom
December  1886  wird  bemerkt,  es  sei  zwar  Rohr  genug  für  eine  Ernte  von
        <pb n="60" />
        55

800000  Tonnen  vorhanden,  allein  trotzdem  schätze  man  sie  nicht  höher,  als
600000  Tonnen,  da  nur  ingenios  mit  sehr  guten  Einrichtungen  noch  mit
Nutzeil  arbeiten  könnten.
S)ie  %tage  nod)  tien  ëelbftfofteii  bea  ^o^tca  iniitbe  íeid^et  311  beantworten
  sein,  wenn  die  Einrichtung  von  Centralfabriken  bereits  eine
weitere  Verbreitung  gefunden  hätte  und  ausreichende  zuverlässige  Nachrichten ­
  darüber  vorlägen,  sowie  wenn  die  Centralfabriken  das  Rohr  von
ben  (ßfimiaeni  in  be?  ^egcï  gegen  Bulling  etnea  bestimmten  (Mbpmfea
nach  Gewicht  kauften.  Allein  beides  ist  nicht  der  Fall.

IO.  Die  Centralfabriken.
Die  Einrichtung  von  Centralfabriken  ist  keine  Erfindung  der
neuesten  Zeit:  sie  scheint  sich  in  ähnlicher  Weise  aus  den  thatsächlichen  Zuständen ­
  heraus  entlvickelt  zu  haben,  mie  in  Deutschland  die  Actienfabriken
vereinigter  Grundbesitzer.  Schon  der  Consulatsbericht  über  die  wirthschaftlid^ii
  'ÍBei'#!!!#  Gnbaa  fiit  baa  3a#  1877  etind#  iíjiet  mit  nad)=stehender
  Ausführung.  Bei  den  Schwierigkeiten,  welche  die  Arbeiterfrage
verursache,  werde  als  das  beste  Mittel,  die  freie  Arbeit  für  die  Zuckerindustrie ­
  zu  gewinnen,  die  Errichtung  sogenannter  ingenios  centrales  empfohlen, ­
  d.  h.  den  Eigenthümern  großer  Zuckerpflanzungen  und  solcher  Land-Men,
  benen  ea  im  ätbeitaftöften  fût  bie  ^1181111(^1110  bet  Wet  #16,
werde  empfohlen,  ihren  Grundbesitz  in  kleinere  Complexe  zu  theilen  und
letztere  an  freie  Arbeiter  zu  verpachten;  den  Pächtern  sei  vertragsmäßig  die
Verpflichtung  aufzuerlegen,  auf  den  gepachteten  Feldern  Zuckerrohr  zu  bauen
und  es  den'  Verpächtern  zur  Verarbeitung  abzuliefern.  Die  Ausführung
dieses  Planes  würde  naturgemäß  zur  Arbeitstheilung  zwischen  der  Herfteümig
  bea  Wjtea  mtb  bet  ßetfteGiing  Weta  Mteit  imb  mit  et=#511%!!
  %ott^eiíelI  oettiinbft  M":  wie  ó-  61-4^68  ùntetene  bea
teta  am  Felbertrage  unb  Begünstigungen  des  Entstehens  neuer  Niederlassungen ­
  und  Ortschaften,  woran  es  im  Innern  der  Fusel  sehr  fehle,  ^ann
mitb  #131106%!,  b#  einige  ^^^m13et  ble^en  Şimi  beteita  mit  Gtfolg
durchgeführt  hätten,  eine  allgemeine  Durchführung  sei  noch  nicht  angebahnt. ­
  In  späteren  Mittheilungen  wird  zur  Empfehlung  der  Neuerung
gesagt,  bet  Wone  metbe  berniì#  #1,  id)mete8  uo%ftigea  Bto#  3U  liefern,
werde  also  seinen  Acker  sorgsamer  bestellen,  das  Rohr  besser  pflegen  und
auch  einen  Begriff  von  Dünger  bekommen,  dessen  Namen  ihm  bisher  ebenso
unbekannt  gewesen  seien,  als  seine  Wirkungen;  er  bewache  seine  Felder
aufmerksamer  und  da  die  einzelnen  Pachtpflanzungen  durch  Baumpflanzungen, ­
  Wege  u.  s.  w.  abgegränzt  seien,  werde  es  leichter  sein,  die  vorkommenden
Feuersbrünste  zu  beschränken.  Der  Colone  binde  sich  allmählich  an  seinen
        <pb n="61" />
        Acker,  suche  dort  seinen  Hausstand  zu  gründen,  und  gewöhne  sich  an  regelmäßige ­
  Arbeit  und  Ordnung.  Bei  der  Arbeitstheilung  vermöge  Jeder  der
ihm  obliegenden  Aufgabe  sich  mit  vollen  Kräften  zu  widmen  und  mit  seiner
ganzen  Intelligenz  zu  fördern,  während  andererseits  für  jeden  der  beiden
Theile  das  Risico  geringer  werbe  und  ein  kleineres  Anlage-  bez.  Betriebs-Capital
  ausreiche.
Diese  Vorzüge  des  Systems  sind  so  einleuchtend,  das;  man  erwarten
sollte,  es  hätte  sich  seit  1877  schnell  verbreitet  und  heutigen  Tages  zum
allein  geltenden  gemacht.  Allein  nach  Berichten  ans  den  Jahren  1886  und
1887  giebt  es  in  Cuba  noch  viele  schlecht  eingerichtete  Fabriken,  welche
nur  6  bis  7%  Zucker  von  ihrem  Rohre  gewinnen,  zu  einem  Fas;  Muskovadenzucker
  12  bis  14000  arrobas  Rohr  verbrauchen,  und  nicht  einmal
einen  Destillir-Apparat  haben.  Solchen  Fabrikeil  wird  allerdings  unrettbar
der  Untergang  geweissagt,  da  sie  sich  neben  den  Central-Ingenios  nicht  halten
können.  Unvermögende  Pftanzer  sollen  auch  dadurch  gelegentlich  sich  zu
helfen  suchen,  daß  sie  vertragsmäßig  einem  Unternehmer  für  eine  gewisse
Zeit  ihr  Rohr,  ihr  Fuhrwerk  und  ihr  Vieh  überlassen,  wogegen  sie  ihm  für
jedes  Fas;  Zucker,  welches  an  der  nächsten  Bahnstation  abgeliefert  wird,
einen  verabredeten  Satz  zahlen.  Dieses  etlvas  verzweifelte  System  der
Fabrikarbeit  ans  Accord  hat  immerhin  für  einen  unvermögenden  Pflanzer
den  Vortheil,  das;  er  nicht  für  das  mangelnde  Betriebscapital  zu  sorgen
braucht,  und  daß  er,  da  er  natürlich  bei  Verabredung  des  Accordsatzes
mit  dem  niedrigsten  Zuckerpreise  rechnet,  mehr  gegen  Verlust  geschützt  ist
und  bei  steigenden  Preisen  gewinnt.  Das;  dieses  System  auf  Verbreitung
teilten  Anspruch  machen  kann,  leuchtet  ein:  ohnehin  ist  bei  den  stets  weichenden
Preisen  der  letzten  Jahre  schwerlich  viel  Seegen  dabei  geblieben  und  seine
Anwendung  eine  sehr  beschränkte
Der  Deutsche  Consulatsbericht  für  1880  theilt  mit:  da  die  wenigsten
Besitzer  in  der  Lage  seien,  bessere  Maschine  anschaffen  d.  h.  bezahlen  zu
können,  sei  neuerdings  wiederum  der  Vorschlag  aufgetaucht,  ingeniös  centrales ­
  ins  Leben  zu  rufen.  Es  habe  sich  auch  eine  Gesellschaft  gebildet
und  in  der  Provinz  Puerto  Principe  nahe  bei  Nuevitas  eine  solche  Fabrik
zu  bauen  begonnen,  zu  der  die  Maschinen  in  Frankreich  bestellt  seien;  der
Erfolg  dieses  Unternehmens  werbe  wohl  für  die  Zukunft  der  Centralfabriken ­
  entscheidend  sein.  Wie  der  Versuch  ausgefallen,  läßt  sich  aus
späteren  Mittheilungen  nicht  ersehen;  zunächst  wahrscheinlich  recht  ungünstig,
denn  der  deutsche  Consulatsbericht  für  1884  bemerkt,  daß  in  Folge  der
traurigen  Verhältnisse  die  Zuckerproduktion  in  der  Provinz  Puerto  Principe
ganz  aufgehört  habe.  Weiter  wird  darin  mitgetheilt:  erst  in  den
letzten  Jahren  hätten  einige  Pflanzer  angefangen,  sich  lediglich  aus  die
Zuckerproduktion  zu  legen  und  das  Rohr  von  Pächtern  oder  Colonisten
zu  kaufen,  denen  sie  ihr  Land  überlassen  haben.  Dies  System  scheine  aber
        <pb n="62" />
        —___—  —

-  57  —
sizt^srs  :  =%r  A:  %
asrÄ*rÄ^.  îïjr
ìstiÄ'ÄÄ-Ä^Ä;
feiten  zu  kämpfen;  die  meisten  Pflanzer  seien  bankerott  oder  gezwungen,
3 @dtbem  wSR'aäÏà  fichât  N«»  Bicl [s
liigaiP!
■■
        <pb n="63" />
        58

115  000  D.-Ctr.)  gemacht  haben  und  rechne  für  die  nächste  Campagne  auf
ehm  20000  gay.  wirb  behauptet,  ba&amp;amp;  sülche  ^aMeii  ernes)  in  ber
vorjährigen  Ernte  trotz  der  niedrigen  Preise  mit  Gewinn  gearbeitet  haben;
gutes  Wetter  und  vervollkommnete  Maschinen  trügen  hauptsächlich  dazu
bei.  Uebereinstimmend  hiermit  wird  in  dein  Berichte  vom  31.  März  1887
Ķer  die  Magnoliastation  erwähnt:  die  größte  Centralfabrik  Cuba's  stelle
täglich  175  bis  200000  #.  Zucker  her,  ivas  bei  fünfmonatlicher  Arbeit
ohne  Unterbrechung  ans  130-  150  000  D.-Ctr.  herauskäme,  und  daß  diese
Fabrik  auch  bei  „jetzigen"  Preisen  noch  Gewinn  mache.
.  DK  Frage  wird  allerdings  sein,  wie  diese  Centralfabriken  ihren
Rohstoff,  das  Rohr,  bezahlen.  Dies  scheint  nicht  durchweg  in  gleicher
Weise,  namentlich  nicht  überall  im  Gelde  zu  geschehen.  Bei  dem  großen
Mangel  an  baaren  Mitteln  in  den  letzten  zehn  Jahren  ist  es  erklärlich,
daß  man  die  Rohrlieferanten  auf  andere  Weise  zu  befriedigen  suchte  und
so  scheint  es,  zum  Theil  wenigstens,  noch  jetzt  geblieben  zu  sein.  Aus
Matanzas  wird  noch  im  Jahre  1887  berichtet,  daß  die  Pflanzer  daselbst
zwar  nicht  mehr  selbst  ihr  Rohr  verarbeiten,  sondern  es  den  benachbarten
Central-Ingenios  liefern  wollen,  daß  jedoch  diese  nur  2  dollars  dafür
bieten  und  es  überhaupt  vorziehen,  3'/%  bis  4  arrobas  Zucker  für
100  arrobas  Rohr  zu  geben.  Ebenso  wurde  aus  Havana  im  Jahre  1886
mitgetheilt,  daß  die  Pflanzer  für  100  arrobas  Rohr  4  arrobas  Zucker  erhielten, ­
  dessen  Geldwerth  sich  bei  einem  Preise  von  5  realen  ans  2  '/%  dollars,
bet  einem  Preise  von  6  realen  auf  3  dollars  berechne.  Dagegen  heißt  es
in  einem  französischen  Berichte  aus  dem  Jahre  1885:  daß  eine  Anzahl
von  Centralfabriken  das  Rohr  je  nach  den  Zuckerpreisen  verschieden  bezahlen;
bei  einem  Preise  von  54,35  fr.  für  96  er  Waare  zahle  man  für  1000  kg
Rohr  21,73  fr.  (also  für  den  Centner  87  Pfg.),  bei  48,90  fr.  nur  19,65  fr.
und  so  weiter  abgestuft  bis  zum  Zuckerpreise  von  32.60  fr.  und  einem
Rohrpreise  von  13,04  fr.  (etwa  52  Pfg.);  wenn  der  Preis  unter  32  fr.
finfe,  werde  eine  besondere  Abrede  getroffen;  zur  Zeit  sei  der  Zuckerpreis
28,52  fr.  und  man  zahle  für  das  Rohr  10,87  fr.,  das  wären  für  1  Ctr.
Zu  50  kg  nur  43  '/%  Pfg.,  ein  überaus  niedriger  Preis,  dessen  Richtigkeit
sich  wohl  anzweifeln  läßt,  besonders  meint  man  erwägt,  daß  für  den
Fabrikanten  17,65  fr.  übrig  bleiben,  und  bei  dem  höchsten  Zuckerpreise
32,62  fr.  Der  Bericht  über  die  Magnoliastation  vom  31.  Mürz  1887,
dessen  Verfasser  Cuba  selbst  besucht  hat,  giebt  bezüglich  der  Central-Ingenio
Constantia  an:  sie  kaufe  ihr  Rohr  von  Colonisten  und  unabhängigen
Pflanzern  zu  einem  Preise,  der  sich  nach  dem  monatlichen  Durchschnittspreise ­
  des  Zuckers  richte;  die  Verträge  würden  für  mehrere
Jahre  abgeschlossen;  sie  enthalten  auch  Bestimmungen  darüber,  daß  die
Dichtigkeit  des  Saftes  nicht  unter  einen  gewissen  Grad  sinken  dürfe,
widrigenfalls  die  Fabrik  einen  Abzug  am  Preise  machen  dürfe;  auch  über
        <pb n="64" />
        59

bie  gctt  ber  9#rernte  ¡et  93erabrebung  getroffen,  sowie  über  eine
fchäbigung  in  bent  Falle,  bag  bas  Rohr  auf  bent  #elbe  burch  Feuer
nietet  loerbe.  3)tefe  mt^etínng  Hingt  fel)r  glattbwürbig:  eS  ist
bebatiern,  bag  sie  nie#  burd)  B4ïe"O"0O^Gtt  erläutert  ist.  ebenso  i
bebaiterlid),  bag  weber  über  bie  B#  ^er  uorganbenen  Gentral=3ngentoS,
ttod)  über  bie  Menge  bes  Ķaufrohres  eitvas  genaueres  feststeht.  Rach  einer
#itt^eilltng  auS  bent  Salare  1885  foü  bie  9116^^1)1  ber  6cntral=3ngemoS
min  bestens  bie  Hälfte  ihres  Bebarfes  selbst  bauen  :  inbeffen  ist  t  licht  AU
ersehen,  ob  biefer  Bau  tticht  burch  Bermittelung  voit  (Solotten  itnb  Pächtern
erfolgt.  Aus  betn  Fahr  1886  wirb  angeführt,  bag  bcw  neue  System  erst
ans  bett  viertelt  Theil  ber  gef  ant  tuten  Anbaufläche  angewenbet
werbe,  tv  ähren  b  viele  Fabriken  ito  ci)  itaci)  beut  alten  System  arbeiten  uitb
mit  beut  Vorsteher  einer  Arbeiterbanbe  über  bas  Schneiben  bes  Rohres
mtb  baß  etnbriitgen  gitr  abfliegen,  ^uS  betn  Anfang  beë
Sagreë  1887  wirb  berietet,  bag  bereits  40%  ber  wirflicgeit  Ütogrernte
burch  Kolonisten  gewonnen  mtb  an  ingeniös  centrales  geliefert  werbe.
Ohne  ¿weifel  wirb  auch  beim  Ankauf  bes  Rohres  halb  bie  Ratnrallvirthfchaft
  von  ber  Gelbwirthfchaft  oerbröngt  werben.  Der  Colonist  wartet
nicht  gern  auf  feine  Einnahmen  bis  Antu  Verkauf  bes  Buckers,  bett  er  für
fein  Rohr  erhält;  er  verliert  babei  Binsen,  braucht  Vorschüsse  mtb  tnitg  sich
mit  beut  Preise  begnügen,  bett  man  für  bett  Böller  ihm  bietet;  citte  Controle ­
  über  bie  Güte  bes  Buckers  hat  er  überbieë  nicht.  Aber  auch  ber
Fabrikant  kann  nicht  wünschen,  in  betn  gelbbebürftigen  Rohrlieferanten
auf  betn  Zuckermarkte  einem  Coneurrenten  zu  begegnen,  welcher  bie
Preise  brückt.  .
Ueber  bie  Anlagekosteu  einer  solchen  Cenkralfabrtk  gaben  mH  feme
Angaben.  Ohne  Bweìşel  werben  fie  sehr  verschieben  fein.  In  vielen  Fällen
hat  man  wohl  bie  bestehenben  Fabrikett,  namentlich  wenn  sie  schon  mit
besseren  Einrichtungen  versehen  waren,  beibehalten;  hier  mtb  ba  wirb  matt
sie  beut  grögeren  Bebürfnig  entfprechenb  umgebaut  ober  burch  Anbauten
öergrögert  haben.  Auch  bie  Ausrüstung  mit  Maschinen  wirb  eine  ungleichtnägige
  fein,  ba  man  schwerlich  überall  in  ber  Sage  war,  bie  alten  noch
brauchbaren  fortzuwerfen.  Dagegen  wirb  es  auch  an  ganz  neuen  Anlagen
mtb  Einrichtungen  nicht  fehlen.  In  neueren  Berichten  wirb  ausbrücklich
erwähnt,  bag  viele  Fabriken  mit  neuen  vollkommenen  Maschinen  mtb  Gerötgen,
  'aud)  aus  S)eutf  d)lattb  be^genen,  ausgerüstet  feien,  einige  9W)=richten
  beuten  auch  barattf  hin,  bag  bereits  frembeS  Kapital  sich  solchen
Unternehmungen  zuwenbet.  Beispielsweise  wirb  mitgetheilt,  bag  baS  groge
Centralingenio  Solebab  bei  Cienfuegos  bas  Eigeuthum  von  Atfin  y  &amp;amp;  Co.
in  Boston  fei.  Es  liegt  auch  nahe,  bag  gerabc  bie  innigen  Beziehungen
ber  Vereiitigkett  Staaten  zn  einer  Betheiligung  bortiger  (Kapitalisten  ait
gewerblichen  Unternehmungen  auf  Cuba  anregen.  Um  so  weniger  lägt  sich
        <pb n="65" />
        bezweifeln,  daß  die  Zukunft  der  cubanischeu  Zuckerproduktion  diesen  centralen ­
  Betriebs-Anstalten  gehört,  welche  es  sicherlich  auch  als  ihre  Aufgabe
erkennen  werden,  alle  Neuerungen  für  ihren  Betrieb  zu  versuchen,  einzuführen ­
  und  nutzbar  zu  machen.

11.  Pressen  und  Diffusion.
In  der  Mehrzahl  der  ingenios  wird  der  Saft  noch  gegenwärtig  durch
Pressen  und  zwar  durch  einfache  Pressung  mittelst  einer  Cylinder-(Walzen)presse
  gewonnen.  Es  wird  behauptet,  das;  man  ungeachtet  neuerer
Vervollkommnung  des  Verfahrens  doch  nur  %  oder  höchstens  3 / 4  des  im
Rohr  enthaltenen  Saftes  gewinnen  könne.  Es  sei  unmöglich,  allen  Saft
aus  den  Zellen  durch  Druck  heranszupressen;  die  mächtigsten  Pressen  hätten
es  nicht  weiter  als  auf  75  bis  80  %  Saft  gebracht,  und  dies  mit  einer
Kraftanstrengung,  welche  bei  Pressen  mit  fünf  Cylindern  bis  zu  100  Pferdekräften ­
  steige.  Die  gebräuchlichsten  Pressen  mit  drei  Cylindern  ergeben
nicht  mehr  als  60  bis  65  %,  obwohl  im  Rohre  bis  zu  90  %  Saft  enthalten
seien.  In  dem  abgepreßten  Rückstände  des  Rohres,  dem  bagazo  oder
bagasse,  bleibe  daher  ein  großer  Theil  Saft  —  und  Zucker  —  zurück.
Der  mehrerwähnte  Bericht  über  die  Magnolia-Station  vom  Jahre  1886/7
bemerkt  bezüglich  der  in  Cuba  gebräuchlichen  Mühlen:  der  gewaltige  Umfang ­
  und  die  große  Kraft  derselben  sei  sehr  bemerkenswerth;  die  Karren
würden  hoch  beladen,  und  das  Rohr  hinauf  geworfen  ohne  Rücksicht  darauf,
daß  die  Halme  in  der  Längsrichtung  des  Karrens  lägen,  iute  dies  in
Louisiana  beachtet  würde;  die  Mühlen  würden  sehr  stark  genährt,  aber  der
durchschnittliche  Procentsatz  des  abgepreßten  Saftes  sei  ein  niedriger,  hauptsächlich ­
  wegen  der  holzigen  Beschaffenheit  des  Rohres,  bei  welchem  das
Verhältniß  des  Mark  und  der  Fasern  beträchtlich  ungünstiger  sei  als  in
Louisiana.
Auch  die  Central-Ingenios  bedienen  sich  des  einfachen  Preßverfahrens.
Dasselbe  liefert  in  Folge  der  concentrirteren  Arbeitsweise  immer  noch
bessere  und  billigere  Ergebnisse  als  in  den  Pflanzungen  alten  Styles.  Von
einer  solchen  Centralfabrik  aus  der  Gegend  von  Manzanillo  wird  angeführt ­
  :  sie  arbeite  mit  einer  gewöhnlichen  Drei-Walzen-Presse,  niit  einfacher
Auspressung,  habe  auch  in;  übrigen  nicht  die  vollkommensten  Einrichtungen;
gleichwohl  ziehe  sie  aus  dem  von  Lieferanten  angekauften  Rohre  77 2 %
I.  Produkt  an  centrisugirtem  Zucker  von  96  —  98%  und  außerdem  1%
II.  Produkts  zu  89—90%-Neben
  der  Presse  mit  drei  Cylindern  scheint  die  mit  fünf  Cylindern
an;  meisten  Anwendung  gefunden  zu  haben,  indessen  auch  solche  mit
mehreren  vorzukonnnen.  Der  Bericht  über  die  Magnoliastation  von  1886/87
        <pb n="66" />
        61

erwähnt  des  Besuches  uns  der  Carolina-Pflanzung  bei  Ciensuegos  als  eines
besonders  intcreffcmtcn.  Dieje  sei  wohl  die  einzige  Pflanzung  m  Cuba,
welche  ein-Mühle  mit  acht  Cylindern  besitze;  dee  Bagasse  werden  zwischen
äsSŞ»
lassezucker,  in,  Ganze»  10,68°/«  aller  Produkte  vom  Rohr  erhalten.
Der  Gedanke  lag  nahe,  statt  der  Pressung  durch  mehrere  neben-¡fiSSISi

durch  abermaliges  Pressen  zu  gewinnen.  _
-Vas  Versah«,,  zwiefacher  Pressung  soll  vor  mehreren  Jahren
ÂKÂWíítr«“
auf  sich  ziehe;  in  einer  Pflanzung  habe  man  deshalb  zwei  Versuche  bannt
angestellt  und  folgende  Ergebnisse  erzielt.
Erster  Versuch:  mit  312  arroban  —  7800  jpa»,  Pfnnd  nollsastigen
Rohres,  bei  langsamem  Druck,  Die  erste  Bagasse  wog  e®  waren
alio  4600  il.  d,  i,  58,96  %  East  gewonnen.  Augenscheinlich  kan,  die
Bagasse  aus  der  Mühle  besser  gepresst  als  grdtztentheils  sonst  aus  den
Pflanzungen  Cuba's,  Die  ziveite  Pressung  ergab  -23;&amp;gt;0  it.  Bagatz,  also
SM  //  Sait;  allein  dabei  mutzten  grotze  Verluste  &amp;gt;°-gen  Ausrutschens  aus
den  Oessnungen  und  Verweheus  durch  den  Wind  sestgestellt  werden,  der
Säst  wurde  deshalb  gemessen  und  gab  nahezu  6:&amp;gt;  gallone»,  welche  nach
Probeverwiegnug  687  ii.  gleichkamen;  berücksichtigt  man  di-  dabei  entsa,«s5ssaiasr„Ä

zweite  &amp;gt;var  so  mit  Fas-rnstosfen  durchsetzt,  datz  er  durch  °n,  Drahtnetz  gesiebt ­
  werden  mutzte.  Auch  nachher  zeigte  er  noch  eine  sehr  dunkle  von  Unreinigkeiten ­
  zeugende  Farbe,  ivelche  die  Folge  er  übern,atz,gen  Pressung
waren.  Danach  erscheint  der  East  zweiter  Pressung  erheblich  weniger
werthvoll,  da  ein  Theil  seines  Ge.oichtes  Nicht  von,  Zucker  sondern  von
fremden  Stössen  herrührt.  Diese  Erfahrung  übrigens  mcht  neu,  Als
die  alten  Ps-rdemühlen  durch  Dampfdruck  ersetzt  wurden,  inachte  sich  d,e
        <pb n="67" />
        62

geringere  Güte  des  Produkts  überall  merkbar.  Der  Zucker  der  Pflanzung
Santa  Anna  z.  B.  war  immer  ein  ausgezeichneter  Muskovado  für  den
unmittelbaren  Genuß  gewesen,  gab  aber  nach  Einführung  der  neuen  Mühlen
zu  lebhaften  Klagen  Anlaß.
01»  folgenbcn  Sage.  &amp;amp;aö  moren  nid)t
volljährige  Schößlinge.  Die  Maschine  ging  mit  normaler  Geschwindigkeit:
Bon  7475  &amp;lt;tl.  kamen  zunächst  3400  &amp;lt;11  Bagasse,  also  4075  //.  Saft;  sodann
beim  2.  Pressen  2550  //.  Bagasse  und  also  850  €t.  Saft,  zus.  :  4925  //
=  74,51%,  mono»  10,39%  ouf  Ne  2.  $reffung  fallen.  Gine  Trennung
der  Bagasse  beider  Pressungen  fand  nicht  statt,  die  Verluste  wurden  also
i#t  mie  beim  e#»  $86^1^6  beríidfid)tigt.  S)a  biefeë  fid;  1)0146%:
nub  »»^#1^^01)11^1-  gegen  beu  ®rud  ermieë,  fü  mat  eiu  fold)eë  Grgebutg
  erwartet  und  erklärt  den  größeren  Vortheil  der  2.  Pressung,  welche  danach ­
  für  geringeres  Rohr  sich  besser  eignet.
3n  einem  fran^iifd)en  Gonfi,Möbeii#  für  baë  3al)r  1886  mirb
baë  Grgebnifj  bo^eíter  $reffung,  in  Beäug  ouf  bie  Weit  einet  Gentmlfabris,
  welche  ihr  eigenes  und  sehr  vorzügliches  Rohr  verarbeitet,  also  dargestellt. ­
  Durch  zwiefache  Pressung  erhält  man  71,68%  Saft,  von  12,2°
Dichtigkeit,  woraus  durch  sachgemäße  Behandlung  fast  12%  centrifngirten
Zuckers  und  Melassezuckers  erzielt  würden.  Die  übrigen  9,3  %  dès  bei
bet  moWo#  auf  21,3%  festgestellten  BudergeíioItcS  I)obe  man  mit
0,3  %  in  der  Bagasse  und  mit  3  %  in  der  nach  dem  zweiten  Produkte
verbliebenen  Melasse  ermittelt.  Dies  sei  ein  verhültnißmüßig  vorzügliches
Ergebniß,  welches  man  allen  Cubanischen  Fabriken  wünschen  möchte.  Judessen
  sei  es  in  der  großen  Praxis  nicht  leicht,  eine  so  hohe  Ausbeute  durch
wirthschaftlichen  Betrieb  zu  erreichen.  In  den  mit  guten  Maschinen  versehenen ­
  und  nach  vervollkommnetem  Verfahren  betriebenen  Fabriken  gewinne
man  bei  zwiefacher  Pressung  immerhin  bereits  durchschnittlich  10%  %
Busier  vom  Rohrgewichte,  also  ungefähr  aus  8  bis  900  arroben  ein  Faß  Zucker.
Der  Bericht,  welchem  diese  Mittheilung  entnommen  ist,  leidet  jedoch  augenscheinlich ­
  an  sehr  optimistischer  Auffassung  der  Cubanischen  Verhältnisse,
wie  dies  aus  anderen  darin  enthaltenen  Aeußerungen  hervorgeht.  Aehnlich
steht  es  mit  einer  anderen  französischen  Mittheilung  aus  dem  Jahre  1885,
welche  folgende  Ausbeute  herrechuet:  erste  Pressung  64%,  zweite  Pressung
7%  gast,  zusammen  71  %  mit  17,8%  3»der,  0,75  pimeli,  0,26  galten,
0,89  orgamf^^en  gtoffen  imb  80,30  Baffer;  ^(##1  1,082  imb  ateiii:
heitsquotient  90,35;  hieraus  wurden  hergestellt  Füllmassen  12,14%  mit
84,0  Zucker,  2,95  Invert,  1,80  Salzen,  2,60  organischen  Stoffen  und
8,05%  Wasser;  Quotient  91,95;  geschleudert  wurden  daraus  74,10  %
trockenen  Zuckers,  also  9%  erstes  Produkt,  und  außerdem  noch  1,25  %
Zweites  Produkt.  Daraus  folgert  der  Berichterstatter  dann,  daß  der
Fabrikant  noch  7,67  fr.  verdiene,  die  Zuckerindustrie  in  Cuba  sei  also
        <pb n="68" />
        S3

weit  davon  entfernt  unterzugehen.  Der  Bericht  wer  die  Magnoliastatiou
vom  Jahre  1886/87  erwähnt  auch,  das;  die  Centralfabrik  Soledad,  welche  am
Flusse  Caunav  bei  Ciensuegoê  liegt  und  den  Herren  Atki  ns  L  Co  in  Boston
gehört,  mit  zwiefacher  Pressung  arbeitet  und  den  Sa,  m  üblicher  Weise
verarbeitet.  Di-  Ergebnisse  der  Ernte  1885/87  seien  folgende  gerne,m:

Saft  aus  beni  Rohre  .  ,
Dichtigkeit  nach  Beaumó
Polarisation  bes  Saftes
Reinheits-Coäffieient.  .
Zucker  iin  Safte  .  .  .
I.  Produkt  vom  Rohre
dessen  Gehalt
II.  Produkt  vom  Rohre
dessen  Gehalt  ....
überhaupt  Zucker  vom  Rohr
Gehalt  des  ersten  Ablaufs  .
Gehalt  des  zweiten  Ablaufs

e?
66,79
9,40
15.29
88.30
10,21
7,89
96,61
1,49
88,00
9,38
50,36
38,10'

6%

66,73
10,17
16,32
88,86
10,89
8,50
96,70
1,53
86,60
10,03
53,63
38,00

66,94
10,70
17.10
88.43
11.44
9,02
96,40
1,82
86,80
10,84
54.10
41,50

S3

65,77
11,00
17,46
88,10
11,48
8,88
96,60
1,75
86,80
10,63
53,20
39,70

65,25
11.19
18.20
90,00
11.87
8,98
96,31
2,08
86.87
11,06
54,56
40,43

66,30
10,49
16,87
88,74
11,18
8,66
96,52
1,74
87,01
10,40
53,17
39,55

Endlich  möge  noch  einer  Correspondenz  vom  Jahre  1886  Erwähnung
geschehen,  worin  neben  der  zweifachen  auch  eine  dreifach  e  Pressung  als
ein  neuerer  Fortschritt  bezeichnet  wird  \  bei  der  einfachen  Pressung  gewinne
iimn  7'///o,  bei  bei;  alveiceli  9  bi8  10%  unb  e8  uetblieben  mit
etwa  8  o/o  in  der  Bagasse.
&amp;amp;et  mi8  bei;  Wlße  fomiiicnbe  Goß  iß  #8  bind)  310^^)61(6  netunreinigt.
  Durch  das  Mikroskop  soll  auch  nachgewiesen  sein,  dag  sich  in
dem  Zellgewebe  des  Rohres  der  Zucker  erystallisirt  in  Zellen  mit  dünnen
#eibeio'önbeii  ootßnbet,  ou8  beneit  beioiibetS  ba8  Símete  be8  3^0^68
beße#,  luöiimib  bo8  mbniiiiii,  ^eitin,  gaibßoße  ii.  ß  iu.  ßd)  meljt  m  ben
der  Rinde  näher  liegenden  dickwandigen  Zellen  sammele.  Der  ^ruck  der
Walzen  in  der  Mühle  zerstöre  das  Zellgewebe,  mache  den  Saft  zum
Sammler  aller  fremden  Stosse  und  begünstige  dadurch  die  Gährung,  welche
weitere  Verluste  verursache.  Bei  zweifacher  Pressung  verfährt  man.  auch
wohl  so,  dag  man  das  einmal  abgepreßte  Rohr  mit  etwa-,  Wasser,  sei  ew
kaltes  oder  warmes,  oder  mit  Dampf,  oder  mit  verdünntem  Safte  anfeuchtet.
Dieses  Verfahren  hat,  angeblich  bereits  seit  einer  Reihe  von  Zähren,  zu
        <pb n="69" />
        ir«8»RS

—  64  —

mannigfachen  Entwürfen  von  Mühlen  mit  vielfachen  Cylindern,  mit  und
ohne  feste  Bagassiere,  angeregt.  Da  es  einen  etwas  dünnen  Saft  giebt,
bedingt  es  verhältnißmäßig  viel  Feuerung;  in  vielen  Gegenden  sind  aber
die  Fabriken  ganz  auf  die  Bagasse  als  Brennstoff  angewiesen  und  können
sich  nicht  leicht  anderen  verschaffen.  Bei  zwiefacher  Pressung  sich  derselben
Mühle  zu  bedienen,  soll  unvortheilhaft  auf  die  Operationen  der  Fabrik
zurückwirken,  was  leicht  erklärlich  ist.  Im  allgemeinen  erreicht  man  durch
zwiefache  Pressung  zwar  eine  vermehrte  Ausbeute,  aber  keineswegs  in
gleichem  Verhältniß  zu  der  Menge  des  Saftes,  da  die  Beschaffenheit  des
letzteren  durch  wiederholte  Pressung  wesentlich  ungünstiger  wird.  Die
bessere  Ausbeute  erhält  deshalb  ihren  Ausdruck  vornehmlich  in  den  Nachprodukten ­
  und  in  der  Melasse.  Um  die  Unreinigkeiten  aus  bem  Safte
auszuscheiden,  bedient  man  sich  mehr  oder  weniger  dichter  Drahtnetze.
Allein  auch  bei  sorgfältiger  Reinigung  bleiben  noch  leichtere  Stosse  darin,
namentlich  solche,  welche  von  dem  das  Rohr  bedeckenden  Flaum  herrühren
und  durch  besondere  Cylinder  von  verschiedenartiger  Construction  mittelst
Rotation  entfernt  werden.  Man  hat  auch  die  mechanische  Filtration  durch
Gewebe  versucht;  angeblich  lehrt  die  Erfahrung,  daß  die  so  vorbereiteten
Säfte  bei  der  Scheidung  weniger  Kalk  erfordern  und  weniger  schäumen.
Die  Berichte  über  die  Magnolia-Station  erwähnen  der  Kroog'scheu  Filter
und  des  Kleemann'schen  Verfahrens  und  führen  an,  daß  beides  in  Cuba
mit  Erfolg  in  Anwendung  gekommen  sei.
Statt  der  zwiefachen  Pressung  hat  man  auch  eine  Art  gemischten
Verfahrens  vorgeschlagen,  indem  man  das  Rohr  in  gewöhnlicher  Weise
zur  Mühle  bringt,  dann  aber  die  Bagasse  in  offenen  Kübeln  auslaugt.
Allein  dies  erfordert  sehr  viel  Handarbeit  bei  dem  Füllen  und  Entleeren
der  Kübel,  und  überdies  gab  es  sehr  unreine  Säfte,  iute  dies  bei  der
äußern  und  innern  Beschaffenheit  der  Bagasse  kaum  anders  sein  kann.
Das  Verfahren  wird  deshalb  schwerlich  eine  große  Verbreitung  finden.
Die  Erfahrungen,  welche  die  Rübenzucker  erzeugenden  Länder  mit
der  Diffusion  machten,  lenkten  natürlich  die  Aufmerksamkeit  der  Rohrzuckerländer ­
  aus  die  Frage,  ob  in  gleicher  oder  ähnlicher  Weise  auch  ein
Auslaugen  des  Rohres  mit  Vortheil  möglich  sei.  Abgesehen  von  den  allgemeinen ­
  Ursachen,  welche  einer  Verbreitung  dieser  immerhin  kostspieligen
Neuerung  in  Cuba  entgegenstanden,  waren  es  auch  die  Bedenken,  welche
die  Größe  des  Wasserbedarfs,  die  Beschaffung  genügetlden  Brennstoffes  und
die  zweckmäßige  Zerkleinerung  des  Rohres  erregen  mußten.
Schon  im  Jahre  1877  veröffentlichten  die  Ármales  industrielles  ein
von  Bou  scar  eu  angegebenes  Verfahren  der  Diffusion  für  Zuckerrohr.  Er
ging  davon  aus,  daß  die  damals  gebräuchlichen  Geräthe  ein  Hinderniß  für
die  erfolgreiche  Anwendung  der  Diffusion  seien.  Wem:  das  Rohr  schräg
zur  Achse  und  zur  Richtung  der  holzigen  Fasern  in  feine  Scheiben  ge-
        <pb n="70" />
        65

Mjnitteii  weiten,  ļo  ¿eiieibc  eß  fid)  bind)  bie  imb  ^eibemeguii^  nnb
löse  sich  in  Fasern  ans;  biese  ballen  sich  in  Klumpen,  verstopfen  bie  Röhren,
verzögern  ober  hemmen  bie  Arbeit  imb  vermehren  bie  Gefahr  eintretenber
@0^11110.  @in  einfac^cß  mnßlon0en  oï)iie  «ließ  ®nld)ln^len  geiiiige  obéi
¿nin  gwede  ni^^t.  S)ie)e  Sd)wieiÍQÍeit  will  SBonßcoien  bi#  #11  38ei=Mieiiiibenuiiiben,
  inbem  ei  ans  10^)^  denteiteli  bei  S^iidjeí,  UüGftönbic;eß
  nnb  wet^obiì^^eë  %nßlmi0en,  1111061)11^611611  ^0^61111111011^  l)inwirkt
  nnb  Einrichtungen  zu  leichter  Hanbhabuug  uub  Reinigung  bes
Apparats  trifft.
Obwol)!  #011  bmnaiß  Beisi#  mit  blMn  3861101)1611  on|  ®uobeloupe
  sehr  günstig  ausgefallen  sein  sollen,  hat  bod)  bie  Diffusion  nicht  blos
in  Euba,  souberu  eines)  anberwärts,  nur  langsam  Fuß  gesagt.  In  einem
Berichte,  welchen  bei  Leiter  bei  Versuchsanstalt  für  Louisiana,  Stubbs,
fin  baß  3oI)i  1886  eiftottet  ^t,  beweist  ei:  bie  #1011311110611  0011  2011^0110
hatten  noch  viel  zu  leisten,  um  aus  bie  Höhe  bei  Rübenzuckerinbustrie  zu
gelangen;  iubesseu  bas  Uebel  ici  erkannt  uub  man  bestrebe  sich,  es  zu
i)eiieii;  in  bieiem  Glutei  1887  weite  bie  Mnflon  @e6ei#nb  bei
Versuche  sein;  wenn  sie  sich  bewähre,  baun  werbe  mau  fortan  mit  bei
Amerikanischen  Probuktion  zu  rechnen  haben.  Aus  Cuba  wirb  für  bas
Jahr  1885  mitgetheilt,  baß  Versuche  mit  bei  Diffusion  gemacht  worben
seien  nnb  über  bas  Verfahren  Folgeubes  angegeben:  Um  bie  Auslaugung
vorzubereiten,  habe  mau  Anfangs  vorgeschlagen,  bas  Rohr  mittelst  eines
mit  Sägen  ausgerüsteten  Cylinbers  zu  zerschäben.  Allein  biese  Sagen
hätten  sich  ungemein  schnell  verbraucht,  bie  Masse  bes  geernteten  Rohres
erwies  sich  für  bie  zweckmäßige  praktische  Durchführung  bes  Verfahrens  zu
groß,  nnb  bie  ausgelaugten  lleberbleibsel  zeigten  sich  unbrauchbar  für  bie
Feuerung.  Man  ging  beshalb  zu  einem  Cylinber  über,  welcher  mit  Armen
behufs  Verbrechens  bcs  Rohres  bewaffnet  war;  bas  Rohr  würbe  baun  in
einen  burchlochten  Cylinber  gebracht  uub  barin  bei  Einwirkung  bes  Dampfes
ausgesetzt.  Dieses  Verfahren  beanspruchte  jeboch  sehr  viele  Arbeitskräfte
nnb  Hanbarbeit  nnb  würbe  beshalb  balb  wicbei  verlassen.  Nächstbem  versuchte ­
  man  eine  Auslaugung  bes  Rohres  in  ähnlicher  LLeise  wie  bei  bei
mibe.  Taß  1X01)1  wnibe  in  fieineic  (Stüde  aeiiegt,  ^01)61  ^ei  ^de
von  1  bis  2,  bann  jeboch  von  3  bis  4  mm;  bies  bewirkte  man  burch
Messer,  welche  in  mannigfaltiger  Anorbnnug  in  einer  ober  zwei  Reihen  zu
einem  Apparate  vereinigt  sinb.  Man  hat  auch  vorgeschlagen,  bas  Rohr  in
Stücke  von  10  bis  15  cm  zu  zerschneiben  nnb  bann  in  eine  Art  von
Rübenschneibe  ober  Rübenhobel  zu  bringen:  baburch  erhielt  man  zwar
Späne  0011  bei  Sänge  bei  9M)#dc,  allein  bie  gellen  eiwieien  fid)  füi  bie
3)iTfnliüiißoibeit  weļentlid)  Iiii0ilii|ti0ei,  oiß  bei  ben  biiid)id)iiitteneii
Rohrstücken.  Behauptet  wirb  ferner,  baß  eine  gut  geleitete  Diffusion  ben
Mt  nm  11111  1  obci  T//  wcnigci  bid)t  Meie,  olß  bei  iwn  bei  »1)16
9
        <pb n="71" />
        —  66  —

I

kommende,  dlls;  er  ebensoviel  Glucose  enthalte  lote  dieser,  aber  viel  reiner
und  weniger  dunkel  gefärbt  sen  Die  ausgelaugten  Rohrstücke  könnten  durch
die  Mühle  oder  durch  Pressen  entwässert  werden;  man  könne  lie  dann
während  eines  Tages  der  Einwirkung  der  freien  Lust  aussetzen  und  in  besonders ­
  construirten  Lesen  verbrennen.  Bemerkt  wird  ferner,  da,,  die
Diskusion  zwar  die  Mühlen  und  mit  diesen  cm  nicht  unerhebliches  Anlage-Capital
  entbehrlich  mache;  allein  sie  verlange  andrerseits  besondere  Unlagekosten
  setze  gutes  Wasser  voraus  und  bedinge  einen  stärkeren  Verbrauch
von  Brennstoffen.  Bei  der  Arbeit  mit  der  Mühle  und  mit  einmaliger
Pressung  genüge  die  trockne  Bagasse  zur  Feuerung;  bei  ziviesacher  Pressung
bedürft  man  schon  eines  Zuschusses  von  anderen  Brennstofsen  -  &amp;gt;»&amp;gt;-  bei»,
auch  bei  der  oben  mitgetheilten  Ausstellung  der  Selbstk°,tcn  des  Rohres
iiir  die  Kessel  der  Zuckermühle  die  Heizung  durch  Buschwerk  vorgesehen
war  -•  sür  die  Diffusion  stehe  die  Menge  des  auger  der  Bagasse  ersorderlichen
  Brennstofses  noch  nicht  fest.  Uedrigens  könnten  die  durch  Diffusion
gewonnenen  Säst-  mehrere  Stunden  in  freier  Luft  stehen,  ohne  zu  gahren
und  zu  ihrer  Scheidung  branche  man  weniger  Kalk,  Beides  mag  als
richtig  anerkannt  werden,  schon  als  eine  Folge  der  grosiercn  Reinheit  der
Säfte;  allein  eine  Frist  von  „mehreren  Stunden"  will  wenig  lagen  bc,
der  nionatelangen  drängenden  Fabrikarbeit  während  der  Campagne,
Eine  andere  Mittheilung  aus  dem  Jahre  1886  bestätigt  abermals,
dag  die  Diffusionsarbeit  auf  Cuba  noch  nicht  sich  habe  verbreiten  koinieii,
namentlich  ivegen  Mangels  an  Brennmaterial,  und  weil  die  Mittel  zur
Beschaffung  der  neuen  Maschinen  und  Geräthe  iiicht  ausreichten.  Das
gleiche  bemerkt  eine  Correspondenz  aus  dem  Frühjahr  1887  unter  Verweisung ­
  auf  die  nothwendige  stärkere  Verdampsung  und  den  dadurch  bedingte,! ­
  Mehrverbrauch  des  äugelst  kostspieligen  Brennmaterials
Indessen  werden  die  Versuche  nicht  aushören  und  der  Erfolg  w.rd
nicht  ausbleiben,  den»  in  allen  Rohrzucker-Länder,,  regt  es  sich  Mit  gleichem
Eifer,  Aus  der  jüngsten  Zeit  wird  von  Java  mitgetheilt.  dag  d,c  Ge,ellschast
  von  Fives-Lillcs  einen  Apparat  zur  Diffusion  von  Rohr  und  Bagage
ausgestellt  habe,  der  sich  in  der  letzten  Campagne  gut  bewährte.  Das
Schneiden  des  Rohres  erfolge  durch  zivei  Vorrichtungen,  deren  &amp;gt;ede  zehn
Tonnen  (10000  k K )  seiner  Schnitzel  in  der  Stunde  liefern  könne  ;  sie  leien
leicht  zu  handhaben  und  nicht  den  Störungen  und  Zufallen  unterworfen
wie  die  Mühlen,  Die  ausgelaugten  Schnitzel  ivürden  in  _  gewöhnlicher
Weise  abgepregt  und  gäben  dann  einen  Brennstoff,  der  eben,°  w,e  frische
Bagasse  in  besonderen  Lesen  verfeuert  werden  könne.  Derartige  Mittheilungen ­
  sind  wohl  mit  einiger  Vorsicht  anfzunehnien:  vorlauft«  ,ollen
sie  auch  nicht  den  Erfolg,  sondern  nur  das  eifrige  Streben  beweffen.
Am  10  März  1886  erstattete  Witch  in  Washington  einen  Bericht  an
da«  landwirthschastliche  Departement  der  Vereinigten  Staaten  über  die  An-
        <pb n="72" />
        67

Wendung  der  Diffusion  auf  Zuckerrohr  und  Sorghum.  Darin  wird  vorweg ­
  historisch  erwähnt,  daß  das  landwirthschaftliche  Departement  im
Jahre  1883  bereits  Versuche  angeordnet  habe.  Im  folgenden  Jahre  1884
habe  der  Congres;  zu  deren  Fortsetzung  in  größerem  Umfange  die  Geldmittel ­
  bewilligt.  Im  Jahre  1885  seien  die  Versuche  fortgeführt  worden
„unter  vielen  Schwierigkeiten  aber  mit  einem  gewissen  Grade  von  Erfolg";
es  sei  dann  eine  Diffusionsbatterie  in  Ottawa  eingerichtet  worden.  Weiteres
über  die  Art  der  Erfolge  wird  nicht  angegeben,  dagegen  ausführlich  berichtet ­
  über  eine  Informationsreise,  welche  zur  Besichtigung  von  Diffnsionsanlagen
  in  verschiedenen  Fabriken  in  Frankreich,  Spanien  u.  s.  w.  gemacht
worden.  In  Paris  traf  der  Berichterstatter  einen  Abgesandten  aus  Java,
der  ihm  über  die  Versuche  zur  Einführung  der  Diffusivi;  in  Java  im
Jahre  1885  Mittheilungen  machte,  die  natürlich  nicht  schlecht  lauteten.
Gelegentlich  erwähnt  der  Berichterstatter  auch,  das;  die  Messer,  welche  in
Java  zum  Rohrscheiden  bei  den  beschriebenen  Versuchen  gebraucht  wurden,
von  „der  Sudenburger  Maschinenfabrik  in  Magdeburg"  gefertigt  seien.
Schließlich  werden  dann  die  Kosten  einer  Diffusionsbatterie  nach  den  Gutachten ­
  Europäischer  Fabrikanten  angegeben,  und  zwar  bei  16  Diffuseuren
und  ebensoviel  Vorwärmern  auf  15  674  Dollar  (b.  t.  auf  rund  67  000  Mk.)
bei  Baarzahlung;  bei  nur  12  Diffuseuren  verringerten  sich  die  Kosten  um
5000  Dollar  (21  500  Mk.).
Von  Cuba's  Diffusions-Anlagen  ist  in  diesem  Berichte  nichts  gesagt,
was  man  wohl  hätte  erwarten  dürfen,  wenn  sie  damals  dort  bereits  einige
Ausdehnung  erlangt  hatten.  Auch  im  Uebrigen  muß  man  nach  diesen
Berichten  annehmen,  das;  vor  anderthalb  Jahren  die  Einführung  der
Diffusion  in  Amerika  und  den  Antillen  noch  nicht  weit  vorgeschritten  war.

12.  Zuckergehalt  des  Rohres.
Im  Jahre  1885  brachte  die  Zeitschrift  sugar  cane  die  Mittheilung
eines  „Pflanzers  mit  38jähriger  Erfahrung",  wonach  die  Pflanzer,
welche  Muskovadenzucker  bereiten,  nicht  mehr  als  60%  des  im  Rohr
enthaltenen  Zuckers  zur  Verarbeitung  bringen;  Jedermann  wisse,  das;
die  Rüben  erheblich  weniger  Zuckergehalt  besitzen  als  das
Rohr,  und  doch  seien  sie  wirthschaftlich  doppelt  so  produktiv  als  das
letztere.  Hiermit  wird  in  der  That  nur  die  allgemeine  Ansicht  wiederholt,-welche
  auch  heute,  trotz  der  erheblich  verbesserten  Beschaffenheit  der  Rüben,
als  selbstverständlich  eine  natürliche  Ueberlegenheit  des  Rohres  über  die
Rübe  anzunehmen  pflegt.  Die  gewöhnliche  Angabe  kounnt  darauf  hinaus,
dem  Zuckerrohr  einen  Zuckergehalt  von  18  bis  22%  zuzuschreiben,  also
einen  Durchschnitt  von  etwa  20  %.

9
        <pb n="73" />
        68

Die  Frage,  ob  diese  Angabe  der  Wirklichkeit  entspricht,  liegt  um  so
näher,  als  danach  zwischen  dem  theoretischen  Zuckergehalte  und  der  wirklichen ­
  Ausbeute,  soweit  man  letztere  kennt,  ein  offenbares  Mißverhältnis;
besteht.  Denn  die  meisten  Nachrichten  stimmen  darin  überein,  daß  bisher
eine  Ausbeute  von  7%  im  Durchschnitt  keine  schlechte  sei.  Ist  es  nun  in
der  That  richtig,  daß  die  übrigen  13  %  als  Fabrikationsverlust  und  als
Brennmaterial  in  der  Bagasse  abgehen?  Die  Frage  scheint  für  die  Beurtheilung ­
  der  Zukunft  um  so  dringender  einer  zutreffenden  Beantwortung
zu  bedürfen,  als  event,  mit  fortschreitender  Vervollkommnung  der  Arbeitsweise ­
  sich  der  enorme  Verlust  sehr  merkbar  verringern  würde,  und  andererseits ­
  erleichterte  Kohlenzufuhr  und  verbesserte  Heizmethode  zu  der  Erwägung
führen  müssen,  ob  es  vortheilhaft  ist,  in  der  Bagasse  etwa  8%  Zucker  zu
verbrennen,  um  theuren  anderen  Brennstoff  zu  ersparen.  Man  nmß  sich
vergegenwärtigen,  daß  jedes  Procent  Mehrausbeute  in  Cuba  eine  Zuckermenge ­
  von  80  000  Tonnen  oder  1600000  Centnern  bedeutet,  wenn  man
die  dortige  Ernte  auf  nur  550  000  Tonnen  jährlich  mit  7  %  Ausbeute
schätzt.
Hieraus  ergiebt  sich  als  eine  der  wichtigsten  Aufgaben  der  Forschung;
¿it  etniütehi,  iute  gioì;  bet  Budet##  beá  Wtea  in  bet  3:#  ist.
Natürlich  werden  sich  für  die  verschiedenen  Erzengungsländer  nicht  geringe
Verschiedenheiten  ergeben.  Voraussichtlich  aber  erhält  man  damit  zugleich
einen  thatsächlichen  Anhalt  zur  Erklärung  dieser  Verschiedenheiten.  Sie
werden  ohne  Zweifel  auf  Bodenbeschaffenheit,  Klima,  Behandlungsweise,
Gattung  des  Rohres  und  ähnliche  Momente  zurückzuführen  sein.  Soweit
es  sich  um  Cuba  handelt,  fehlt  es  an  Mittheilungen  über  das  Ergebniß
von  Untersuchungen,  welche  von  zuverlässigen  Sachverständigen  vorgenommen ­
  wurden.  Die  Erntezeit  dauert  dort  fünf  bis  sechs  Monate  lang:  es
fehlt  an  Nachrichten,  wie  das  Rohr  am  Anfang  der  Ernte  und  wie  am
Ende  derselben  sich  verhält.  Es  würde  von  hohem  Interesse  sein,  zu
wissen,  ob  in  früheren  Jahren,  als  Cuba  der  Ruhe  und  des  Friedens  soivie
einer  gewissen  Blüthe  seiner  Zuckerindustrie  sich  erfreute,  das  Rohr  daselbst
von  besserer  Beschaffenheit  war  als  während  und  nach  der  Revolution.
Und  weiter  wäre  es  von  nicht  minderem  Interesse,  das  cubanische  Rohr
in  seinem  Verhalten  mit  dem  Rohr  anderer  Länder  zu  vergleichen.  Indessen ­
  vorläufig  wird  man  auf  solche  Erwägungen  verzichten  müssen.
In  einer  älteren  Beschreibung  der  Insel  aus  dem  Ende  der  50er  Jahre
lvird  erwähnt,  daß,  abgesehen  vvn  örtlichen  Verschiedenheiten,  das  reife
Rohr  enthalte  18  bis  22%  Zucker,  10%  Holzfaser,  1%  Salze  und  71%
Wasser.  Eine  nähere  Begründung  dieser  Angaben  fehlt:  sie  rührt  ohne
Zweifel  von  gelegentlichen  Mittheilungen  der  Pflanzer  her.  Ein  Bericht
vom  März  1885  aus  der  Havana  bemerkt,  man  gewinne  neuerdings  zwar
mehr  Zucker  dort  aus  dem  Rohre  als  früher;  allein  trotz  vortrefflicher,
        <pb n="74" />
        69

zumeist  aus  Deutschlanb  bezogener  Maschinen  bringe  man  cv  noch  nicht
alß  auf  7%,  möljmib  mon  in  ärnerüa  nnb  auf  ben  fran3Öfifd)en
^ntiHen  biß  31t  10"%  erziele.  Gin  Verist  onß  Gienfuegoß  sagt  Don  bein
3#te  ber^eitiger  Grnte:  boß  3%oí)i'  fei  gut,  menu  au^  etmaß  ¿inner  an
Budergeljalt  mìe  baß  Dorjäl)rige,  nnb  ber  0aft  merbe  ni#  sinter  bem  Dielgerní)mien
  uon  1873  aurüdbleiben.  eine  franaofif^e  Gorrefponbena  ^mn
3a^re  1887  eraäi)lt  Don  einer  Gentralfabrif,  bie  angcbli^  nur  eigneß  3tol)r
Dcrarbeitet  nnb  basselbe  erst  bei  völliger  kreise  schneibet:  ber  Gehatt  bes
Saftes  ber  violetten  Rohrart  sei  untersucht  nnb  bei  ber  Anachse  gefunben
mit  2l"3%  guder,  ©purcu  non  Glucose  nnb  0,7  frember  étoffe.  Garnit
fon  ber  Fabrik  offenbar  viel  Rühmliches  gesagt  werben.  Allein  wenn  man
ben  (#olt  beß  Gafteß  ans  Vo^gemi#  3urü#^rt,  so  bleibt  and)  bieß
nicht  unerheblich  hinter  ber  laubläufigen  Annahme  zurück.
3n  ben  Berichten  über  bie  Arbeiten  ber  Magnoliastation  werben
gelegentlich  aus  Cuba  mitgetheilt  folgenbe

Arbeits-Ergebnisse  von  San  Lino,  Centralfabrik,
aus  bein  Jahre  1886.

Dezember

Januar-Februar



März/April

Saft  aus  bem  Rohr.  .  .
Beanrne-Grabe
Brix-Grabe
Zuckergehalt
Glucose
Reinheits-Coefficient
Füllmasse,  in  °/ 0  beß  Rohres.
I.  Probukt,  von  ber  Füllmasse
„  „  »/g  vom  Rohre  .  .
II.  Pro  bukt,  „  „
Polarisation  beß  I.  Probukts  .

%

%
%

71.50
8,00
14,20
11.50
1,45
80,99
11,09
64,00
7,10
0,85
95.50

70,90
8,80
15,50
13,02
1,10
84.00
12,34
65,59
8,10
1,10
96.00

70,29
9,50
16,80
15,09
0,70
89,82
13.40
66.40
8,90
1,45
96,50

69,80
10,50
18,60
16,55
0,65
90,04
13,99
67,90
9,50
1,55
97,00

Diese  Angaben  berul)en  auf  mtbeilung  ber  Besser:  ob  sie  ^uben
lässig  ri#ig  finb,  last  fid)  ni#  Seiber  fel)lt  eß  an  ben  nö#gen
Angaben  über  bic  spenge  ber  Verarbeitung  unb  bie  beß  Wreß.
Daģ  Icljtereß  oon  guter  Vef^^affcn^eit  in  fener  Gamgagne  mar,  ge^  ai#
miß  anberen  ^mit^^eiínngen  l)erDor.  3n  ber  Gentralfabrif  Eolebab  bei
^enfuegoß  l;at  man  Hnterfu#mgen  barüber  angefteüt,  iDelcl)e  ^rart  bie
        <pb n="75" />
        —  70  —

größte  Ausbeute  mit  den  geringsten  Unkosten  gebe.  Das  Ergebniß  dieser
Untersuchungen  war  folgendes:
Centralfabrik  Soledad  bei  Cienfuegos.

R  o  h  r  a  r  t

Datum

100%  Rohr
gaben

©

Crystalina  .
Red  Ribbon
h  h
Crystalina  .
h
Dteb  mboii
Crystalina  .
Red  Ribbon
Crystalina  .
Red  Ribbon
Black  Java

Würg  26
9%ör&amp;amp;  26
April  9
April  9
April  17
April  17
April  19
April  19
April  20
April  20
April  21
April  21

72,78
73,17
73,17
71,58
73,07
70,29
74,52
76,23
71,48
71,85
71,68
71,64

8Q

Analyse  des  Saftes

27,22
26,83
26,83
28,42
26,93
29,71
25,48
23,77
28,52
28,15
28,32
28,36

Næ



13,97
13,54
14,78
12,81
14.25
12,93
15,27
15,63
14,43
14,37
15.26
14,75

Bei  Mittheilung  dieser  Tabelle  fügt  der  Berichterstatter  hinzu,  diese  und
andere  Untersuchungen  beweisen,  daß  das  schwarze  Java-Rohr  für  jene
Gegenden  —  d.  h.  also  für  den  Bezirk  Cienfuegos  in  dem  westlichen  Theile
der  Südküste  Cuba's  —  den  meisten  Zucker  gewinnen  lasse.  Er  bemerkt
auch,  daß  dergleichen  Untersuchungen  für  Louisiana  sehr  werthvoll  sein
würden,  wenn  man  sie  dort  anstelle:  wonach  anzunehmen,  daß  man  es
bisher  nicht  gethan.  Indessen  wird  man  anerkennen,  daß  solche  vereinzelte ­
  Untersuchungen  nur  einen  sehr  beschränkten  Werth  haben,  und  daß
sie,  wenn  sie  sich  nur  auf  ein  oder  zwei  Jahre  beziehen,  als  maßgebend
nicht  betrachtet  werden  dürfen.  Für  die  vorliegende  Frage  folgt  aus  beiden
Tabellen  wenigstens  soviel,  daß  selbst  in  Fabriken,  ivelche  als  besonders
gut  geleitete  und  gut  ausgerüstete  bezeichnet  werden,  das  Rohr  nicht  den
ihm  durchschnittlich  zugeschriebenen  Zuckergehalt  zu  erreichen  scheint.
Ueber  die  Untersuchungen,  welche  in  der  Magnoliastation  und  in  der
Versuchsstation  Ottava  gemacht  worden  sind,  liegen  in  den  aintlichen  Berichten ­
  mehrere  Angaben  vor,  ivelche  sich  auf  die  Zusammensetzung  der
Säfte  und  zum  kleineren  Theile  auch  aus  den  Gehalt  der  Rüben  beziehen.
        <pb n="76" />
        71

Sie  kommen  durchweg  darauf  hinaus,  das;  das  Material,  mit  welchem  dort
gearbeitet  wird,  sehr  weit  hinter  dem  zurückbleibt,  was  nian  erwarten  sollte.
mW  T)iet  bamuf  märe  amedloS,  ba  Me  Ergebnisse  für  Ne
Wpenqegenben  feinen  Wob#  Gilben  Mmum,  and)  ni#  als  Weid)
fut  (Suba^  bienen.  Gie  mürben  #^#118  bei  einet  Emägung  übet  bie  äSeforgniffe,
  met#  ^onifiana'ë  guderinbuftrie  ben  3)eutfd,en  ßabtifen  emfiöüen
  in  tetrad)!  fonnnen.  S)abei  mote  ni#  311  überfein,  ba^  somo#
Magnolia  mie  Ottawa  etft  feit  btei  3aï)ten  als  Äetfudßftaüonen  int  3Se=Dagegen
  oerbient  Erwähnung,  was  neuere  Berichte  aiw  Jaoa  mit-#ilenT
  ^0^  finb  bcfanntlid)  feit  ein  paar  3#cn  "irrere  æetfu4Sstationen
  errichtet  worden,  an  denen  namentlich  Deutsche  Kräfte  thätig  sind.
Von  der  Versud)sstation  in  Kagok  —  proefstation  voor  suickeniet  in  West-3aoa
  —  (ßrooina  E^ribon  liegt  bet  britte  Beri#  beS  3a#8  1886  uor,
derselbe  beschäftigt  sich  mit  dem  derzeitigen  Gedeihen  des  Rohres,  auf  der
Station,  feiner  Beschaffenheit  und,  in  längerer  Auseinandersetzung,  mit  der
&amp;amp;ran#it,  mei#  baS  Dio#  befallen  unb  als  eine  W  6d)manmt  be^net
wird.  Als  Ergebniß  von  Rohruntersuchuugen  findet  sich  dort  fur  sechs
betriebene  Proben  ein  Zuckergehalt  oou  15,1  bis  18,5  °/ 0 ,  sowie  von  sechszehn ­
  anderen  Proben  ein  Zuckergehalt  von  14,3-14,5  —  15,2—15,9  —
16  _  17  _  18,2-18,3-18,4  unb  18,85%:  bie  mWI  fonunt  ans
bie  mittleren  Wien  non  16  bis  17  %.  M  bieS  bleibt  l)inter  bet  allgemeinen
  minante  aurüd:  eS  panbelt  fid)  babei  um  gefnnbeS  ato#
einer  Versuchsstation,  welches  ohne  Zweifel  mit  aller  Sorgfalt  angebaut
unb  be^nbelt  motben  ist  unb  beSiplb  DorauSft#lid)  über  bem  3)^^=schnitt
  steht.  m  .  ..
Endlid)  möge  noch  angeführt  werden,  ivas  ber  Leiter  ber  Versuchsanstalt ­
  für  die  Zuckerindustrie  Louisianas,  Stubbs  in  Baton  rouge,  bei
(Belege,#!!  feiner  im  3a#  1886  auSgef#rten  Weiten  mit#ilte.  31ud)
er  betont,  bau  bie  3ufonnncnfe^^ung  beS  Dto^eS  messele  nü^^  ber  Gattung,
ber  SBobenort,  ber  ^üngung,  ben,  Mima  unb  ber  3al)teSaett  jmb  nad)
beni  Stande  ber  Reste;  Rohr  erster  Pflanzung  sei  anders  als  Schößlinge
späterer  Wte;  GaS  Sto#  selbst  fei  ni#  in  aüen  feinen  3#i!cn  glcid)  311=fanmlengefe^^t.
  ®ie  #anaer  mi#n  fe#  mol)l,  G#  ber  @el)ült  enter
Sorte  stark  abweiche  von  bein  einer  anbetn.  Auf  Ràion  habe  die  Acterbaustation ­
  13  Sorten  untersucht,  welche  dort  angebaut  unb  nad)  20  Monaten
geerntet  waren;  ihr  Zuckergehalt  sck)waukte  zwisck)en  13  unb  21  %,  ihr
Gehalt  au  Glucose  zwischen  0,07  bis  zu  1,48%-  Anlangend  die  Bodenbeschaffenheit,
  so  zögen  die  Pflanzer  in  Louisiana  die  schwarzen  Böden  den
saudhaltigen  vor.  Die  Düngung  wirke  verschieden  sowohl  auf  das  Ausreifen
  beS  ^reS,  mie  auf  ben  3udergel)olt  atarse  6tidftoffbüngung
wirke  immer  nachtheilig.  Bezüglich  des  Einflusses  der  Jieife  wird  bemerkt,
        <pb n="77" />
        daß  auf  Munian  das  Rohr  nach  zehn  Monaten  nur  11,21%  Zucker  Lei
3,01%  Glucose,  dagegen  nach  zwanzig  Monaten  21,03  %  Zucker  bei
0,07  %  Glucose  zeigte.  In  Louisiana  war  im  December  das  verarbeitete
Rohr  zuckerreicher  als  das  im  October.  In  den  mittleren  und  unteren
Theilen  des  Halmes  finde  sich  der  meiste  Zucker.  Die  Rohre  erster  Pflanzung
unterschieden  sich  wesentlich  in  der  Structur,  loie  iui  Zuckergehalte  von  den
späteren  Schößlingen.  Bei  jungem  Rohr  finde  man  im  Halme  stets  gleichzeitig ­
  Zucker  und  Glucose.  Je  mehr  das  Rohr  sich  der  Reife  nähert,  desto
mehr  wächst  die  Zuckermenge  und  vermindere  sich  die  Glucose;  letztere  verschwinde ­
  mitunter  gänzlich.  Wird  das  Rohr  vor  der  Reife  geschnitten,  so
steige  der  Gehalt  an  Glucose  ans  Kosten  des  Zuckergehaltes.
Die  Untersuchungen  der  Amerikanischen  Stationen  bestätigen  diese
allgemeine  Bemerkungen:  auf  die  Anführung  von  Einzelheiten  über  die
Zuckermengen,  welche  in  den  unteren  und  oberen  Theilen  des  Halmes,
sowie  in  deil  Blüthenstengeln  gefunden  wurden,  kann  verzichtet  werden,
weil  sie  für  Cuba  gar  keine  Bedeutung  haben.

13.  Die  Erzeugnisse  der  Rohrverarbeitung.
Der  vorerwähnte  Bericht  des  Herrn  Stnbbs  beklagt  die  hohen  Zuckerverluste
  im  Schaum  und  in  den  Rückständen.  Wellige  Pflanzer,  meint  er,
gebeil  sich  Rechenschaft  davon,  lvieviel  im  Laufe  der  Campagne  ihnen  in
der  Gosse  verloreil  gehe.  Nach  Untersuchungen  stelle  sich  der  geringste
Verlust  auf  4%  des  verarbeiteten  Saftes,  oft  erreiche  er  aber  12  %  und
mehr.  Der  gesammte  Verlust  durch  Inversion,  durch  Arbeit  imb  Rückstände ­
  schwanken  zwischen  5  und  15%  des  Saftes.  Vermuthlich  wird
dies  Minimuin  von  5%  nur  ausnahmsweise  vorkommen,  und  jedenfalls
da,  lvo  Ulan  nicht  Bagasse  feuert.  Das  Maximum  von  15  %  würde  dagegen ­
  einen  sehr  zuckerreichen  Saft  voraussetzen,  lvenn  überhaupt  dabei  miá)
eine  erhebliche  Ausbeute  an  Zucker  gewonnen  ist.
Mittheilungen  solcher  Art  veranlassen  zu  der  Frage,  inwielveit  eine
verbesserte  Arbeitsweise  aus  Cuba  bereits  Platz  gegriffen  hat.  Im  Jahre
1879  wurde  in  einem  Berichte  ans  Matanzas  die  Ernte  als  reichlich  bezeichnet
  mit  dem  Hinzufügen,  daß  dies  zunl  Theil  auf  Rechnung  der  verbesserten ­
  Arbeitsweise  zu  schreiben  sei;  die  meisten  benlittelten  Pflanzer
stellen  Centrifugen  alls  imb  das  damit  gewonnene  Erzeugniß  spiele  bereits
eine  große  Rolle  alls  der  Insel.  Hierbei  muß  man  sich  erinnern,  daß  im
Jahre  1879  gerade  die  Revolution  auf  Cuba  beendigt  war.  und  daß  übereinstimmend
  in  anderen  Berichten  die  Lage  als  eine  ziemlich  trostlose  geschildert
wird.  Man  ist  deshalb  berechtigt,  der  vorstehenden  Mittheilung  aus  Maanzas
  nur  eine  enge  örtliche  Bedeutung  beizumessen.  Nach  dem  Consular-
        <pb n="78" />
        berichte  vom  Jahre  1880  arbeiteten  damals  die  meisten  ingeniös  noch  nach
dem  alten  System,  d.  h.  der  Saft  wurde  mit  Kalk  angestellt,  gekocht,
abgeschäumt,  über  offenem  Feuer  eingedickt  und  in  durchlöcherte  Fässer
gebracht;  der  darill  verbleibende  Zucker  werde  muscobado  genannt,  in
trichterförmige  und  unten  offeile  Formen  gefüllt,  uild  diese  mit  feuchtem
Thon  gedeckt;  der  in  den  Formen  bleibende  Zucker  heiße  purgado,  die
abtropfende  Masse  miei  de  purga.  Da  hierbei  der  Zuckerverlust  zienilich
stark  sei,  so  hätten  bereits  eine  Anzahl  ingenios  —  etwa  250  von  1200  —
auf  die  Beschaffung  besserer  Maschinen,  namentlich  Centrifugen.  Bedacht
genommen.  Ein  Bericht  aus  Eienfuegos  sür  1884  besagt,  das;  neuerdings
die  Fabrikation  von  Muscovado  mehr  und  mehr  der  Centrifugen-Arbeit
weiche,  lvas  allerdings  eine  Verminderung  der  Melasse  zur  Holge  habe.
Allein  noch  ans  dein  Jahre  1887  wird  ähnliches  berichtet:  Muskovado
würde  mehr  inib  mehr  durch  die  Arbeit  mit  Vacuum  und  Centrifuge  verdrällgt
  und  so  eine  bessere  Ausbeute,  sowie  ein  werthvolleres  Erzeugnis;  erreicht;
lilit  der  Zeit  müsse  der  Muskvvadozucker  ganz  verschwinden.  Günstiger
Md)  lerntet  eine  ##1111111;  0118  bein  Sa#  1886,  nmiiod)  111(1111161)1'  btei
Viertel  der  ganzen  Produktion  der  Insel  aus  centrifugirtem  Zucker  von
95  bis  97  %  bestehe.  Andererseits  wird  in  einer  Correspondenz  des  Jahres
1887  erwähnt,  daß  bei  Verarbeitung  des  Rohres  zwar  manche  Verbesserungen ­
  eingeführt  seien,  die  sich  zum  Theil  auch  gut  bewährt  hätten,  allein
die  wichtigste  Aufgabe  sei  noch  nicht  gelöst,  nämlich  die,  den  Zucker  aus
dem  Rohre  ganz  oder  doch  zum  größten  Theile,  zunächst  in  Saftform,
herauszubringen.  Dafür  aber,  daß  in  neuerer  Zeit  die  Erzeugung  von
centrifugirten  —  trockenen  —  Zuckern  erheblich  gestiegen  ist,  spricht  dcr
Wechsel  in  der  Verpackung  zum  Versand.  Früher  erfolgte  die  Ausfuhr
größtentheils  in  Fässern  (hogsheads,  boucauts)  zu  1450  //.  span,  netto,
weniger  in  Kisten  zu  410  span,  netto  und  selten  in  Säcken,  neuerdings
W  bie  Äericibnng  in  Ma  soft  ##014  nub  erfolgt  iìbemtegenb  in
Säcken,  deren  Gehaltsgewicht  aber  allmählich  zu  wachsen  scheint.  Rach
einer  Mittheilung  aus  Havana  wollen  die  dortigen  Härmen  nicht  mehr  2  / 0 ,
sondern  nur  1%  Tara  zulassen,  da  die  Säcke  statt  wie  früher  250  //.,  jetzt
300  //.  wägen;  andererseits  werden  sie  zu  270  //.  netto  angegeben.  Daß
sie  mehr  und  mehr  in  Anwendung  kommen,  beweist,  daß  beispielslveise  1884
in  den  Lagerhäusern  von  Matanzas  kein  einziger  Sack,  im  Jahre  188.)
dagegen  schon  128000  lagen,  während  die  Zahl  der  gelagerten  Hässer  in
Wmict  iinb  mton#  ooit  170000  mis  72000  #11#,1  luar.  %  6öde
kommen  zum  größten  Theile  aus  England.
Unter  beni  12.  #111887  le#  SBiíei),  Wtonb  ber  #111#!!  #
theilung,  dem  landwirthschaftlichen  Departement  de;  Vereinigten  Staaten
in  ^ßo^^inßtlUl  einen  Beri#,  ben  briden,  über  bie  %erfn#ürbciteii  ber
^100110110)1011011  oor.  Sn  beiitfelbeii  trögt  er  ond)  ¡eine  @110^111#,!  über
        <pb n="79" />
        74

die  Verarbeitung  des  Rohres  in  Cuba  vor  mit  dem  Bemerken,  das;,  wenn
man  dort  auch  im  Durchschnitt  nicht  besser  arbeite  als  in  Louisiana,  doch
viele  Pflanzungen  auch  bessere  Ergebnisse  lieferten.  Er  schildert  die  Arbeit
so.  Beinl  Verlassen  der  Mühle  geht  der  Saft  durch  einen  Vorwärmer,
welcher  die  starke  Hitze  des  double  und  triple  eiset  nutzt  und  einen  erheblichen ­
  Theil  der  Dämpfe  condensirt.  Das  sei  eine  doppelte  Ersparnis;:  es
vermindere  die  für  die  Fabrik  erforderliche  Wassermenge  und  bewirke  einen
merkbar  geringeren  Verbrauch  von  Brennstoff.  Wenige  Cubanische  Fabriken
hätten  ausreichenden  Wasserznflus;.  Aus  beni  Vorwärmer  gelangt  der  Saft
in  doppelt-bodige  Pfannen  von  750  gallonen  Rauminhalt,  genannt  Scheidepfannen ­
  (defecators).  Hier  wird  er  erhitzt  bis  zur  Siedehitze,  dann  geklärt; ­
  der  geklärte  Saft  wird  abgezogen,  der  Schaum  und  die  Niederschläge
fließen  in  besondere  Gefäße  ab.  Der  Inhalt  der  letzteren  wird  bis  zur
Siedehitze  erhitzt  und  dann  durch  Filter  gepreßt;  der  geklärte  Saft,  einschließlich ­
  dessen  aus  den  Filterpressen,  wird  sofort  eingedickt.  Viele  Fabriken
wenden  noch  Hochdruck-Vacuumpfannen  an.  Das  beste  Verfahren,  um  die
größte  Ausbeute  vom  ersten  Produkt  zu  erhalten,  ist  auf  mittleres  Korn  zu
arbeiten,  bei  möglichst  niedriger  Temperatur  zu  kochen  und  die  Füllmasse
so  dick  abzulassen  als  es  der  Abflußhahn  irgend  gestattet.  Die  Füllmasse
wird  in  Bottiche  geleitet  und  darin  mehrere  Stunden  zum  Abkühlen  gelassen.
Ueber  die  bisher  gebräuchlichen  Zuckersorten  möge  noch  folgende  übersichtliche ­
  Mittheilung  Platz  finden,  welche  allerdings  schon  aus  dem
Jahre  1880  herrührt  In  den  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  sowie  in
den  englischen  und  spanischen  Antillen  unterscheidet  man  fünf  Arten  rohen
Rohrzuckers:  den  Melado,  die  Muskovade,  den  Melassezucker,  den  clayed
Zucker  und  i  den  centrifugal  Zucker.
Melado  erhält  man  durch  Eindicken  des  Saftes  bis  zur  Krystallisation; ­
  nach  der  Abkühlung  stellt  sich  das  Erzeugnis;  dar  als  ein  Gemenge
von  Zucker  und  Melasse,  reich  an  krystallisirbarem  Zucker.  So  wird  er  in
Fässer  gefüllt  und  auf  den  Markt  gebracht.
Muskovade  geht  hervor  aus  kalter  Krystallisation  des  mit  Kalk
geschiedenen  und  durch  Verdampfen  eingedickten  Saftes.  Während  der  Verdampfung ­
  setzt  er  Unreinigkeiten  und  Schaum  ab,  die  man  abschöpft.  Man
bedient  sich  dabei  einer  Reihe  von  Pfannen,  in  denen  der  Syrup  abläuft
bei  steigender  Wärme.  Angelangt  beim  Grade  der  Siedehitze  läßt  man
ihn  erkalten;  die  Masse  bildet  Krystalle,  man  läßt  sie  abtropfen  und  liefert
sie  als  Muskovade  auf  den  Markt.  Was  dabei  abtropfte:  die  Ablauf-Melasse,
  dient  zur  Herstellung  des  sogenannten  Melasse-Zuckers.  Er
wird  einer  Scheidung  unterworfen,  verdampft  und  bis  zur  Krystallisation
eingedickt.
Der  gedeckte  Zucker,  clayed  sugar,  wird  bereitet,  indem  man  den
eingedickten  Syrup  in  Formen  mit  einem  Verschluß  an  der  Spitze  bringt.
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        75

3ft  bie  Melasse  fait  nnb  Wtaüifirt,  so  öffnet  man  ben  %erf#iß  nnb
läßt  ben  Gm#  abtroffen;  man  breitet  eine  lei#  W#  oon  oerbnnntem
3I)on  über  bie  freigebiiebene  Obe#d)e  beß  gncterß;  baß  ans  biefe  Beife
eingefügte  Baffer'  ficfert  bnrd)  bie  Masse  nnb  reinigt  bie  m^ftaHe;  man
erneuert  bie  Operation,  sob  alb  ber  Thon  trocken  ist,  fährt  bannt  fort  bis
bie  Oberfläche  bes  Zuckers  gana  weiß  geworben,  unb  nimmt  bann  bie
gormen  ans.  S)ie  so  ^erge^^ef^ten  Brobe  tljeilt  man  in  brei  Steile:  ans
ber  Oberste  b.  I).  ans  ber  (Brnnbfiä#  ber  Brobe  finbet  siet)  ber  me#
Zucker,  in  ber  Mitte  ber  gelbe  nnb  an  ber  Spitze  ber  braune  Zucker.
Die  centrisi!girteli  Zucker  werben,  wie  ber  3iaine  besagt,  mit
Schlenbermafchinen  hergestellt.  Dieses  Verfahren  giebt  reine  Zucker  von
schöner  Beschaffenheit,  wenn  sie  nicht  künstlich  gefärbt  werben;  es  ist  m
Cuba  feit  Jahren  in  Anwenbnng  gekommen.  Die  für  bie  Bereinigten
Staaten  bestimmten  Centrifugals  würben  meistens  künstlich  gefärbt,  um
bem  hohen  Zollsätze  zu  entgehen,  ba  ber  Cubazucker  bort  nur  nach  ber
Farbe  flaffirt  würbe.  Das  Färben  geschieht  beim  Ausschlenberu  burch  ein
Klärsel  von  Caramel:  im  Jahre  1878  feien  etma  60%  biefer  Mucker  als
unter  Nr.  7  in  ben  Bereinigten  Staaten  zugelassen,  obwohl  nicht  20  / 0
wirklich  bahin  gehörten.
®ie  Melassen  enblid)  finb  baß  Graeugniß  beß  Wropfenß  bet  ber
natürlichen  Absonbernng  ber  flüssigen  von  ben  festen  Theilen,  sowie  beim
Ausschleubem.  Als  Syrupe  würben  bie  Melassen  ber  Raffinerie  bezeichnet.
Der  Muskovabezucker  wirb  je  nach  ber  Güte  als  common,  fair,  oberfair
  refining  bezeichnet;  clayed  werben  nach  ber  Farbe  entsprechen!)  beni
hollänbischen  Stanbarbmufter  gehanbelt,  Centrifugalzucker  nach  Polarisation.
Die  Preisnotirungen  werben  hauptsächlich  für  bie  vier  Sorten  gegeben:
clayed  Nr.  12,  current  classes;  centrifugals,  Nr.  8/10,  92  biß  97;  Muscobados
  mit  87  biß  91,  unb  Melaffezncker,  Nr.  6  biß  10,  85  biß  90%  Polarisation; ­
  bazu  bann  Melasse  mit  80  bis  88%.  Lo  lange  ber  Ausfuhrzoll
vom  Zucker  nur  nach  ber  Art  ber  Verpackung  erhoben  mürbe,  b.  h.  pro
Faß,  Kiste  rc.  waren  bie  mehrwöchigen  Centrifugalzucker  günstiger  gestellt,
was  zu  ihrer  Verbreitung  ebenfalls  beigetragen  haben  mag.
Ueber  bas  Verhältniß,  in  welchem  bie  Ausbeuten  an  biefen  verschiebenen
  Erzeugnissen  nicht  blos  gegenüber  bein  Rohrgewichte,  fonbern
auch  untereinanber  stehen,  fehlt  es  an  Nachrichten;  insbesondere  ist  nicht
zu  ersehen,  wie  groß  bie  Menge  ber  Melasse  bei  ben  verschiebenen  Verfahren ­
  ist.  Einen  ungefähren  Anhalt  bafür  bieten  zwar  bie  Ausfuhrlisten,
welche  beweisen,  baß  bie  Menge  ber  oerbíeibenben  Melasse  eine  sehr  bebeutenbe
  ist.  Allein  nicht  übersehen  läßt  sich,  was  im  2aube  zum  Verbrauche ­
  ober  zur  weiteren  Verarbeitung  bient.
Rum  -  auf  ben  Antillen  Tafia  genannt  -  ist  ein  Nebenprobukt
ber  Zuckerfabrikativn  unb  wirb  gewonnen  burch  Vergähreu  ber  für  bie
10*
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        Erzeugung  von  Zucker  nicht  mehr  verwendbaren  Melasse.  Zwar  findet  sich
die  gelegentliche  Behauptung,  daß  in  einigen  Fabriken  mitttelst  eines  besonders ­
  zu  solchem  Zwecke  erfundenen  Apparates  auch  Bagasse,  iute  sie  aus
der  Mühle  kommt,  gebrannt  werde  und  daß  man  auf  diese  Weise  einen
Alkohol  herstelle,  der  sich  vortheilhaft  bei  der  Weiubereitung  benutzen  lasse.
Indessen  steht  diese  Angabe  zur  Zeit  noch  ziemlich  vereinzelt  und  ohne
Bestätigung  da:  die  eubauischeu  Fabriken  können  ohnehin  der  Bagasse  als
Brennstoff  vorerst  noch  nicht  entbehren.  In  neuerer  Zeit  soll  auf  Cuba
die  Erzeugung  von  Rum  überhaupt  zurückgegangen  sein,  angeblich  weil  in
Folge  der  Verbreitung  der  Diffusion  die  Menge  verwendbarer  Melasse  sich
verringert  hat.  Der  auf  Cuba  erzeugte  Runt  wird  weniger  geschätzt  als
derjenige  der  anderen  Antillen,  namentlich  der  von  Jamaica.  Die  Ursache
davon  wird  von  Einigen  der  Verschiedettheit  des  auf  den  beiden  Inseln
angebauten  Rohres  zugeschrieben,  von  Andern  der  Verschiedenheit  des  Verfahrens ­
  beim  Vergühren,  endlich  noch  von  Anderen  der  Verschiedenheit  der
verwendeten  Stoffe:  in  Jamaica  soll  matt  der  --  ohttehin  vielleicht  besseren
—  Melasse  etwas  Rohrsaft  zusetzen.  Der  Hauptplatz  für  die  Ausfuhr  von
Rum  ist  Matanzas.  Im  Jahre  1879  wurden  von  dort  12  464  Faß  gegen
6877  tttt  Vorjahre,  ausgeführt;  int  Jahre  1885  ebendort  6270  und  1886
nur  5958  Faß.  Die  Hauptabsatzländer  dafür  sind  Spanien  und  Südamerika. ­
  Früher  gingen  nicht  unerhebliche  Mengen  ttach  Deutschland;
indessen  konnten  vor  einigen  Jahren  die  dorthin  versandten  Posten  nicht
untergebracht  werden  und  blieben  lange  auf  Lager,  wodurch  die  Neigung
zu  weiteren  Sendungen  abgekühlt  wurde.  Der  Preis  stand  tttt  Jahre  1886
in  Cuba  auf  12'/%  bis  15  cts.  per  Gallone.

14.  B  r  c  nnstoff  e.
In  weit  höherem  Grade  als  auf  dem  europäischen  Festlande  bildet
in  den  Tropenländern,  und  besonders  in  Cuba,  die  Beschaffung  der  für
den  Fabrikbetrieb  erforderlichen  Brennstoffe  eine  Sorge  für  den  Fabrikanten. ­
  Die  Schwierigkeit  wird  vermuthlich  allmählich  noch  wachsen,  wenn
nicht  unvermuthete  Bezugsquellen  sich  öffnen,  da  mit  zunehmender  Bevölkerung ­
  und  mit  zunehmender  Entwickelung  der  Gewerbthütigkeit  auch  der
Bedarf  an  Brennstoffen  znnehnien  muß.  An  eine  Aushilfe  durch  die
neuerdings  in  die  Welt  eingeführtett  electrischen  Kräfte  wird  man  in
Cuba  schwerlich  denken  können  Vom  Dampf  abgesehen  ließe  sich  nur  auf
eontinuirliche  Wasserkraft  dabei  rechnen  und  eine  solche  steht  den  Fabriken
wohl  nie  oder  nur  in  den  seltensten  Fällen  in  nutzbarer  Nähe  zu  Gebote.
Brennholz  giebt  es  in  den  knltivirten  Theilen  der  Insel  so  gut  ivie
gar  nicht.  Auf  ben  Rohrpflanznngen  hat  man  bisher  allen  Baumwuchs
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        77

:

entfernt,  so  ba&amp;amp;  bort  Ostens  etwas  3Suid)ioet!  31t  finben  ist.  3"  ^olge
leichtfertiger  Entwaldung  finb  nutzbare  Holzbestände  nur  in  abgelegenen
uiib  schwer  zugänglichen  Gegenden  vorhanden.  An  stütz-  nnb  schiffbaren
Gewässern  fehlt  es  im  Innern  fast  ganz,  unb  wie  elend  es  mit  den  Bregen
befteüt  ist,  würbe  bereits  frit#  erwä^nt.  ®er  ^oía^anbeï,  wcld)er  aus
bem  Snnem  nad)  ben  ^afenpïä^^en  gu  nod)  betrieben  wirb,  betrifft  wert^
node  m^^í)bí8er.  9Ran  taun  1)161110^  ermessen,  1001^0  greife  für  3Stennholz
  angelegt  werben  mutzten,  wenn  die  Jabriten  darauf  angelviefen
wären.  '
Wiederholt  ist  vorher  bereits  angedeutet  loorben,  datz  zur  ^&amp;gt;eit  noch
das  vornehmste  Feuerungsmittel  auf  Euba  die  Bagasse  bildet,  d.  h.  bau
durch  die  Muhle  abgeprotzte  ober  aus  andere  Breise  seines  Gastev  beraubte
9(0^.  3ßirb  ber  Gaft  in  ber  burd)  ^reffen  aewonnen,  so  so:  bie
vollftänbige  Entsaftung  nid)t  möglich  sein,  weil  bas  Bi  art  des  Bohren  iote
ein  Gchwamm  mirti,  ber  sofort  wieder  einsangt,  sobald  der  Bruet  nack)lätzt.
Autzerbem  bars  and)  bas  Pressen  nicht  über  einen  gewissen  Grad  hinaufgetrieben ­
  werden,  weil  ber  bagazo  seinen  Brerth  als  Brennstoff  verlöre,
wenn  man  ihm  den  Zucker  ganz  ober  nahezu  ganz  entzöge.  Da  er  aus
ber  Mühle  feucht  herauskommt,  ist  er  nicht  sofort  verwendbar,  sondern
wird  im  Garten  ober  Felde  ausgebreitet,  um  an  der  Gonne  zu  trocknen,
dann  zur  Mühle  zurückgebracht  und  in  der  Nähe  der  Feuerung  unter
Dach  aufbewahrt.  Dies  nimmt  sehr  viel  Menschenkräfte  in  Anspruch:  ein
Bericht  beziffert  dieselben  für  eine  mittelgrotze  Plantage  auf  täglich  50  bis
70  Menschen.  Mag  dies  auch  vielleicht  zu  hoch  gegriffen  fein,  so  leuchtet  doch
ein,  welche  Erschwerung  des  Betriebes  darin  liegt  in  einem  Laube,  wo  ohnehin
die  Arbeitskräfte  theuer  und  schwer  zu  schaffen  sind.  Dies  hat  neuerlich
die  Erfindung  eines  Apparats,  des  sogenannten  &amp;lt;^odal  sehen,  herbeigeführt,
meiner  bic  Haffe  bagasse  auä  ber  gerabeSwegeS  anr  Senerftellc
führt  und  auf  dem  Wege  dorthin  dnrck)  die  Hitze  der  Dampfkeffclseuer  so
weit  troetnen  (öfit,  bas;  sie  oljne  weiteres  brennt,  m.  Vencer  oon  ber
%agnolia=Gtation  I)at  einen  folgen  Apparat  in  ber  Gcntrolfabrif  Gau
Binò  bestätigt  nnb  beiucrtt,  bas*  berfetbe  oon  einer  unab^ängigen  ^af^^Ine
getrieben  werbe,  bureaus  ¡6##%  arbeite  unb  fid)  bcwät)rt  ^be;  bie
(Sentratfabrit  I)abe  babnrd)  etwa  150  Weiter  erspart;  nberbieS  tönne  man
nun  bei  jcbeui  Wetter  arbeiten  und  bedürfe  des  &amp;lt;LOimenscheins  nicht,  um
bie  Bagasse  zu  trocknen  unb  brennfähig  zu  inadjen.  In  der  Atagnolia-Gtation
  t)ot  man  einen  ¿um  ^0^1611:1011  ber  bagasse  befonberS  eonftrnirten
Ofen  angewendet,  welcher  in  dem  Wiley  scheu  Berichte  für  das  Jahr  1885/6
beschrieben  ist  und  auch  in  der  folgenden  Campagne  fick)  bewährt  hat.  Der
Berick)t  vom  Jahre  1886/7  bemerkt  darüber,  der  in  letzter  Campagne
errid)tete  Bagaffebrenner  habe  befriedigende  Dienste  geleistet,  der  Kohlenoerbrand)
  würbe  inertbar  uenninbert.  genaue  Werwiegungen  wâ^ciib  ber
        <pb n="83" />
        g

—  78  —

halben  Arbeitsdauer  wiesen  in  21  Tagen  einen  Kohlenverbrauch  vor:
436  338  //.  nach,  also  durchschnittlich  per  Tag  20  778  //.  Von  dein  Zeitpunkte ­
  ab,  an  welchem  die  Feuer  angezündet  wurden,  bis  zur  gänzlichen
Beendigung  der  Arbeiten  verliefen  45  Tage  und  der  gesammte  Kohlenverbrauch ­
  betrug  danach  935  010  #.;  die  Gesammtmenge  des  während  der
Zeit  hergestellten  Zuckers  belief  sich  auf  1  159  768  //;  es  kamen  also  auf
je  1000  //.  Zucker  906  //.  oder  4,42  Kohlen.  Darunter  ist  diejenige  Kohlenmenge ­
  nicht  inbegriffen,  welche  zur  Wiederbelebung  des  char  verwendet
werden  mußte.  Der  Berichterstatter  bemerkt  schließlich,  die  Anstalt  würde
wohl  ganz  ohne  Kohlen  arbeiten  können,  wenn  gewisse  Einrichtungen
getroffen  und  Vorbedingungen  erfüllt  würden.
Diese  Mittheilungen  beweisen  wenigstens  so  viel,  daß  man  ernstlich
bemüht  ist,  für  eine  vervollkommnete  Art  der  Bagassefeuerung  zu  sorgen,
und  daß  man  mit  seinen  Bemühungen  auch  schon  praktische  Erfolge  erreicht
hat,  selbst  wenn  letztere  nicht  so  glänzend  sein  sollten,  wie  die  vorgedachten
Berichte  sie  schildern.  Fabriken,  welche  mit  Diffusion  arbeiten,  haben  versucht, ­
  die  Bagasse  abzupressen  und  die  Rückstände  in  Form  von  Ziegeln
oder  dergl.  zu  verbrennen.  Es  wird  sich  sehr  fragen,  ob  diese  Fabriken
sich  der  neuerfundenen  Oefen  mit  gleicher  Leichtigkeit  und  Wirkung  bedienen ­
  können,  wie  die  mit  der  Mühle  arbeitenden.
Hiernach  kommt  neben  der  Bagasse  für  den  Fabrikbesitzer  nur  die
Kohle  in  Betracht.
Auf  der  Insel  Cuba  selbst  findet  sich  Kohle  ebensowenig,  mie  auf  den  übrigen ­
  Antillen  oder  auf  den  benachbarten  Küsten  Mexicos  und  Mittel-Amerikas.
Neuerdings  beginnt  man  auf  Cuba  den  Bergbau  lvieder  aufzunehmen  und
die  Regierung  wendet  ihm  mancherlei  Begünstigungen  zu.  Die  Ausfuhr
an  Erzen  und  Metallen  jeder  Art  ist  zollfrei;  der  Gruben-  und  Hüttenbetrieb ­
  wird  weder  mit  Contributionen  noch  mit  anderen  Abgaben  belastet;
das  Material  für  denselben  wurde  im  Jahre  1883  für  fünf  Jahre  vom
Eingangszolle  befreit  und  zahlten  per  Tonne  Rauminhalt  die  Schiffe,
welche  damit  beladen  eingingen,  nur  1,30  pesos  Schiffahrts-  und  Hafenabgaben, ­
  Ballastschiffe,  welche  mit  Eisenerz  ausgingen,  sogar  nur  5  cents
per  Tonne.  Ferner  haben  die  Eisen-  und  Brennstoffgruben  den  Canon  vom
Grunde  und  Boden  nicht  zu  entrichten,  und  ebensowenig  die  von  Rohprodukten ­
  sonst  erhobene  Steuer  von  3  Procent.  Endlich  darf  sogar  fremde
Steinkohle  zuili  Verbrauch  im  Bergbau  und  Hüttenbetriebe  unter  Nachweis
der  Verwendung  vom  Eingangszolle  entlastet  werden.  Diese  letztere  Vergünstigung ­
  beweist  zugleich,  daß  es  durchaus  an  Gruben  mangelt,  welche
Brennstoffe  —  insbesondere  Kohlen  —  in  irgend  nennenswerther  Menge
und  Güte  zu  Tage  förderten,  da  sie  nicht  einmal  für  den  eignen  bergmännischen ­
  Bedarf  ausreichen.  Die  Frage,  ob  dergleichen  im  Verlauf  der
Zeit  werden  gefunden  werden,  ist  zwar  schwer  zu  beantworten,  um  so
        <pb n="84" />
        79

fd)werer,  aië  ein  nid,t  geringer  3:í)eií  bet  Gebirge  nod)  wenig  ober  gar  nid,t
burd)fot1d)t  ist.  mietn  bie  3Bai)t^eiidid)!eit  iprid)t  nid)t  bafüt,  bei  bie
geologi|d)e  0e|d)offen0eit  beë  Sanbeë,  soweit  sie  eben  besannt  ist,  ans  ioldje
Funborte  nicht  hinbeutet.  .
Früher  würbe  der  Bebarf  Cuba's  an  Kohlen  zum  grölen  Theile,
wenn  nid)t  gan¿,  non  Gnglanb  auë  gebedt,  nnb  ¿wat  uotne^mlid)  mit
Garbiff^olilen.  (Seit  me^eten  Sá#!!  ist  bie  3imetitan#e  ^o^íe,  weld^e
angebti^  auö  Şenì#anien  be¿.  ben  Wiffiffipi  ^etuntetfümmt,  mit  bet
Englischen  in  ernstere  Concurrenz  getreten.  Mau  bars  annehmen,  daß  bies
in  immer  stärkerem  Maasze  geschehen  wirb,  beim  bie  Handelsbeziehungen
bet  Insel  zu  ben  Vereinigten  Staaten  gestalten  sich  von  Jahr  zu  Jahr
inniger,  unb  namentlid)  bet  6ubani)d)e  Budet  ge#  ¿um  bei  weitem  größten
Steile  botti)in,  wâ^tenb  bie  Begüge  Gnglanbë  auf  ein  feting#  geiunien
sind.  Sonach  wirb  bie  Kohle  eine  wünscheuswerthe  Nüdfracht  für  bie
Amerikanischen  Schiffe  bilben,  welche  schon  seit  langer  Zeit  in  übetwiegenbet
Zahl  mit  ben  Cubanischen  Häfen,  unb  namentlich  mit  Havana  unb  Matanzas
verkehren.  In  einet  älteren  Mittheilung  wirb  bet  Preis  in  Havana  für
Amerikanische  Steinkohlen  aus  5  7 2  bis  7  pesos  (24  bis  40  Mk.)  für  bie
Sonne  angegeben,  für  ßngliid)c  Wen  auf  6'/,  bis  8  pesos  (etwa  27  bië
35  Mk.).  Nach  einer  Correspoubenz  aus  betn  Jahre  1887  stellt  sich  bet
Preis  für  englische  Kohle,  welche  im  Ausgangshafen  7  sii  per  Tonne  kostet,
bis  zur  Pflanzung  in  Cuba  auf  etwa  40  sh,  b.  h.  etwa  2  Mark  für
ben  Centner  von  50  kg,  wobei  natürtid)  bie  Lage  ber  Pflanzung  einen
ent)d)eibenben  Hinflug  auf  bie  Me  beë  #6#  loco  ^abtd  auëiibt.  9#
ben  quarterly  reports  beë  muerifani)d)cnSinana=S)epattenientë  in  m#ngton
Würben  nach  Cuba  einheimische  Kohlen  ausgeführt  im  ^ahre  1.  ^uli  1870/71
für  62945  Soüarë,  im  3al)te  1881/82  für  409  970  S)oü,  1882/83  flit
451925  ®od  unb  1883/84  für  372  977  3)oü.  Sßebet  bie  Me  finb  am
gegeben,  nod)  bie  Wengen,  auë  benen  fid)  bie  steife  beregnen  liegen.  3n
ber  Nachweisung  über  bie  gesummte  Ausfuhr  ber  ^ahre  1883,84  unb
1884/85  finben  fiel)  bie  Wengen  unb  bet  ftatifti^e  SBertl)  angefnl)tt:  bet
letztere  berechnet  sich  bañad)  per  ton  bituminöser  Kohle  für  bas  erstere
W  auf  etwaë  unter,  für  baë  anbete  Sal)t  auf  etwaë  übet  3  3)üdatë
get  ton,  also  gana  ei^eblid)  mellt  aïë  bie  oben  angegebenen  7  sh  pet  ton.
Die  Englischen  annual  statements  weisen  ben  Ausgang  englischer  Kohlen,  unb
zwar  sowohl  bes  Anthracit,  wie  bet  bituminösen  Kohle,  nach  dem  Spanischen
Westinbien,  also  für  Cuba  unb  Portorico  zusammen,  sowie  für  coals,  cinders
and  fuel  gemeinsam  nach;  bañad)  gingen  davon  aus.
im  ^abt  1880  .  .  .  150792  tons  im  non  79  725  &amp;amp;
1881  .  .  .  169  635  „  „  „  „  90  746  L
1882  .  .  .  187  345  ,,  „  «  »  99  494  2
1883  .  .  .  138487  „  „  „  ,,  75  246  2
1884  .  .  .  116  798  ,  „  „  »  62408  2
        <pb n="85" />
        Der  Durchschnittswert!)  berechnet  sich  für  die  beiden  letzten  Fahre  ans  etwas
mehr  bez.  etwas  weniger  als  10,8  sh  per  ton,  also  erheblich  mehr  üt%  die
vorgedachte  Angabe,  aber  welliger  als  die  amerikanische  Statistik  ergiebt.
Man  darf  wohl  annehmen,  das;  der  hauptsächlichste  A  heil  der  englischen
Ausfuhr  auf  Kohlen  fällt,  und  cinders  oder  andere  Brennstoffe  für  Euba
und  Portorico  kaum  in  Frage  kommen.  Beigefügt  ist  cinc  Zusammenstellung ­
  der  vorhandenen  Nachrichten  über  die  Kohleneinfuhr  nach  Euba.
Die  vorstehenden  Angaben  gewähren  auch  insofern  nur  einen  ungenügenden ­
  Ueberblick,  als  daraus  auf  keine  Weise  zu  entnehmen,  wie  hoch
¡ici)  mio#  hie  Wen  bet  ßenermin  m  3).=6eiitiier  gnder  beloben.
Summ#»  oebm  iie  einen  906^1^  uon  her  ^chmierißfeit,  mit  melier  hie
^^111^)1^1'  Gnbcsß  qernhe  beanqlid)  her  BminMfe  a"  fmiibîeit  haben,
iwb  micuiel  911(1(11;  iie  an  beböd)%ein  ^0^(1)611  mit  %eiicnmgeii  buben,
welche  eine  verstärkte  Verwendung  von  Brennstoffen  besorgen  lassen.
Eine  noch  größere  Schwierigkeit  aber  haben  die  Pflanzer  und
%übn!imten  Gnbo'Ö  an  beilegn  bei  her  ###,18  w,t  Wcitèf#en,
welche  ihnen  bislang  durch  Sklaven  gewährt  wurden,  welche  aber  fortan
durch  freie  Arbeiter  geleistet  werden  sollen.

15.  Die  Sklaverei  auf  &amp;lt;5uba.
Man  „mfe,  bei  'Prüfern«  der  Ardeiterfeage,  dessen  eingedenk  sein,  das,
die  Sklaverei  seit  mehr  als  drei  Jahrhunderten  in  Cuba  besteht  und  dafe
also  alle  Verhältnisse  der  Wirthschaft  und  des  Verkehrs  damit  fest  verwachsen ­
  sind.  Bekanntlich  verdankt  sie  daselbst  ihren  Ursprung  einer
menschenfreundlichen  Absicht,
Die  Portugiesen  begannen  gegen  das  Ende  des  loten  Jahrhunderts ­
  bald  nach  ihrer  Niederlassung  in  Guinea,  von  den  Negerstammen
des  innern  Afrika  Menschen  zu  kaufen  und  sie  nach  ihren  Colonien  namentlich ­
  nach  St.  Thomas  zu  führen.  In  den  ersten  Jahren  des  l8,  Jahrhunderts ­
  kamen  dann  die  ersten  Schwarzen  nach  Domingo  (damals  Hispaniola ­
  genannt).  Zuerst  im  Jahre  1506  sollen  die  Spanier  von  den  Portugiesen
  Neger  gekauft  und  nach  Cuba  gebracht  haben,  und  zwar  als  Ersah
für  die  eingeborenen  Indianer,  welche  auf  das  Grausamste  behandelt  wurden,
die  schwere  Arbeit  im  Feld-  und  Bergbau  nicht  ertrugen  und  massenhaft
dahingerafft  wurden.  Bartholomaeus  de  las  Casas  in  Madrid  befürwortete ­
  deshalb  bei  der  spanischen  Regierung  die  Einfuhr  von  Negern
nach  den  spanischen  Colonien.  Er  ging  von  der  doppelten  Absicht  ans,
den  Indianern  Cuba's  eine  Erleichterung  zu  verschaffen  und  den  eingejührtcn
  Negern  die  Wohlthaten  der  katholischen  Religion  und  der  europäischen ­
  Cultur  zuzuwenden.  Freilich  wurde  er  darin  bitter  getäuscht,
        <pb n="86" />
        81

r

Nach  einigem  Widerstreben  ging  die  Regierung  auf  den  Vorschlag  ein.
ßönig  jWV.  im  3«#  1517  bem  WatqnlS  be  la  0tefa  em
Ştiuiìegium  meld)eô  bi#  Mott  an  bie  @eiinefeii  oetfanfte.  3m  3al)te  1518
nmtbe  bem  Üünige  oon  Şotlngal  gestattet,  400  GÍÍaoen  abgaben#  elm
zuführen,  ebenso  dem  Gouverneur  von  Brasilien.  Im  Jahre  1519  erhielt
die  Deutsche  Handels-Gesellschaft  Kunzmann  und  Becks  das  Recht,
4000  Sklaven  nach  den  spanischen  Colonien  zu  bringen;  es  wurde  später
auch  anderen  Privatpersonen  verliehen.  Von  den  eingeführten  Negern
mm-be  ein  god  mit  7Ştocent  uom  SBett^e  ei^oben:  im  Sa#  1816  #
Aübf  150  Met.  -  3m  3a#  1535  etdötte  ein  j^anfinann  ^etnanbo
de  Castro  sich  bereit  in  Cuba  eine  Zuckersiederei  anzulegen,  wenn  chm
bie  abgabenfreie  (Smfi#  oon  50  Negern  gestattet  mfitbe.  Seit  1562  betheiligten
  sich  auch  die  Engländer  an  dem  Raubet;  im  Frieden  von  Utrecht
1713  sicherten  sie  sich  das  Recht,  binnen  dreißig  Jahren  144000  Negersklaven ­
  in  die  spanischen  Colonien  einzuführen.  Die  Spanier  selbst  geftatteten
  bie  Ginfi#  nod)  i#n  (Solonien  anmeift  ben  911^6^11^11  anbetet
Nationen  auf  Grund  besonderer  Erlaubniß  und  gaben  den  Menschenhandel
bot#!  etft  im  3a#  1784  frei.
Seit  der  Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts  jedoch  wurde  dieser  Handel ­
  als  unsittlich  1111b  verderblich  bekämpft.  Seine  Gegner  erhielten  eine
wesentliche  Unterstützung  durch  den  Kampf  der  Nordamerikanischen  Colonien ­
  gegen  das  Mutterland  England  um  ihre  Unabhängigkeit.  Während
dieses  Kampfes  stockte  der  Negerhandel  nach  den  Südstaaten,  und  in  den
iiötbllc#!  Staaten  fprad)  fid)  bie  offendile  ^11111,^  nimmmniiben  sät
die  Freilassung  der  Farbigen  aus.  Die  französische  Nationalversammlung
beschloß  im  Jahre  1790  allen  Negern  die  Freiheit  zu  geben.  Die  Folge
mat  bet  @dauena#anb  in  Domingo,  ble  ÄuSiuoiibetnng  franaöfiMet
Besitzer  nach  Cuba  und  eine  Beunruhigung  aller  Sklaven  haltenden  Länbet
  3n  Gnglanb  gene##  1792  baö  üntetWS  eine  Bid,  monad)  mit
bem  3a#  1795  bet  englifd)e  6(1006111)01^61  ganoid)  011^01611  fodte;  adeln
baS  Dbet^an&amp;amp;  oetfagte  feine  81^1111110111^.  @tft  im  3ai)te  1806  ging
bie  abolition  act  of  slavery  bntd),  meld)e  ben  6(100601)01^61  mit  bem
1.  Januar  1808  aufhob,  ©eitbein  wurde  mit  den  betheiligten  Staaten
oetl)anbelt,  mu  fie  511  gleisen  ^a^tegclll  au  bemegen.  3m  Sa#  1817
verpflichtete  sich  auch  die  Spanische  Regierung  gegen  eine  Entschädigung
0011  400000  Şfnnb  6tetling,  bie  uödige  Webnng  bet  Gdauetei  binnen
20  3a#n  ^etbei#l^^ten.  Steffen  bet  ^allbel  mntbe  ttolj  adet  ^etttöge
  nnb  itoli  bet  Betfolgnng  bntd)  englifd)e  Sa^aenge  md)t  nutet,
btiidt  3m  3a#  1833  mutbe  in  ben  englifd)en  Golonieen,  nutet  fe^
(ofifmeliget  e,itfd)öbignng  bet  #anaet,  ben  6daoen  bie  %teiï)eit  gegeben
mit  der  Besd)ränkung,  daß  sie  eine  Zeitlang  als  Lehrlinge  die  Arbeit  fort-^^en
  fodten.  ^ieS  ^611)011111^  etioieS  fid)  als  ein  so  nnetquidlid)eS,  ba^
        <pb n="87" />
        vom  I.  August  1838  ab  auch  diese  Beschränkung  aufhörte  und  die  wirkliche
Freilassung  erfolgte.
Ungeachtet  des  Vertrages  von  1817  schloß  die  spanische  Regierung
ihre  Augen  gegenüber  der  Fortdauer  des  Sklavenhandels.  Die  Engländer
ergriffen  deshalb  gewaltsame  Maßregeln  in  Cuba,  in  Folge  deren  diejenigen
Schwarzen,  welche  den  Sklavenschiffen  abgejagt  und  von  den  Engländern
eigenmächtig  au's  Sctitb  gesetzt  waren,  zur  Verfügung  des  Gouverneurs
gestellt  wurden.  Dieser  überließ  sie,  dem  Namen  nach  als  freie  Arbeiter,
den  Pflanzern  gegen  eine  Vergütung  von  6—7  Unzen  Gold  pro  Kopf
awiö#  stuf  etts  3#;  ttstd)  bi#  3st#§  flotte  bet  Wmiaet  i#
dem  Gouverneur  wieder  vorzustellen;  hatte  daun  der  Manu  keine  Arbeit,
die  ihn  ernährte,  erlernt,  so  wurde  er  abermals  dem  Pflanzer  auf  einige
Jahre  überlassen.  Da  nun  die  Neger  aus  freien  Stücken  nicht  leicht  eine
Beschäftigung  zu  erlernen  geneigt  sind,  so  blieb  der  Manu,  obwohl  dem
Namen  nach  ein  Freier,  d.  i.  ein  emancipado,  sein  ganzes  Leben  lang  doch
in  Wirklichkeit  Sklave;  seine  Lage  war  sogar  noch  übler,  weil  Niemand  sich
seiner  annahm  und  seine  Person  stets  zur  freien  Verfügung  des  Gouverneurs ­
  stand.  .
Wb  noe#?,  im  Sa#  1848,  etfoÏQte  bie  W#uiiQ  bet  sfíaüetet
tit  den  französischen  Colonien,  im  Jahre  1870  auch  in  den  Vereinigten
Staaten  von  Amerika  nach  langent  und  hartem  Kampfe.  Im  Jahre  1871
folgte  bstit.it  Brasilien  mit  der  gleichen  Maßregel,  ebenso  Dänemark,
Schweden,  die  Niederlande  auf  ihren  westindischen  Besitzungen;  endlich
bequemte  sich  1873  auch  Spanien  dazu,  aber  nur  bezüglich  der  Insel  Portorico.
  Auf  Cuba  hatten  inzwischen  die  Verhältnisse  eine  verhängnitzvolle
Wendung  genommen.
Schon  im  Eingänge  wurde  erwähnt,  daß  die  Negersklaven  vielfach
zu  Aufständen  gereizt  wurden.  So  entdeckte  man  im  Jahre  1812  die  weitverzweigte ­
  Verschwörung  des  Aponte,  eines  freien  Negers,  und  konnte  sie
nur  mit  blutiger  Strenge  unterdrücken.  Unter  späteren  Unruhen  ist  dann
bemerkenswerth  die  vom  Jahre  1844  in  dem  Bezirke  von  Matanzas,  und
die  von  1848  bei  Gelegenheit  der  Freilassungen  in  dem  französischen  Westindien.
  Der  Geueral-Capitaiu  Pezuela  erklärte  zwar  1854  bei  seinem
feierlichen  Einzüge  in  Havana:  die  Aufhebung  der  Sklaverei  sei  eine
Ehrensache  für  Spanien  und  müsse  erreicht  iverden;  er  befahl  auch,  die
emancipados  in  Freiheit  zu  setzen,  so  daß  sie  über  ihre  Arbeit  zu  eigenem
Nutzen  verfügen  könnten.  Allein  alle  diese  Bestrebungen  scheiterten  au  dem
Widerstände  der  Pflanzer.  Das  Pronunciamento  des  General  Prim  zu
Cadix  im  Jahre  1868  erweckte  Anfangs  nette  Hoffnungen.  In  Madrid
trat  der  gesetzgebende  Körper  zusammen,  au  ivelchem  auch  Cubanische  Abgeordnete ­
  Theil  nahmen.  Eitt  Antrag  aus  Aufhebung  der  Sklaverei  wurde
abgelehnt:  durch  das  Gesetz  vom  4.  Juli  1870  —  die  sogenannte  ley  Mo-
        <pb n="88" />
        83

0

reto  —  würben  vorbereitende  Bestimmungen  getroffen,  bie  fed  od)  biirci)  bie
inzwischen  auf  Cuba  eingetretenen  Ereignisse  bereits  überholt  waren.  Dort
brach  schon  im  October  1868  ber  mehrfach  erwähnte  Ausstand  los,  ber
erst  nach  zehn  fahriger  Dauer  beendigt  würbe.  Er  »wurde  eingeleitet
bi#  eine  notürlid)  unwitffome  Wíürung  ber  ļ)rooifortid)en  Regierung
ber  Insurgenten  über  bie  ltnob^öngigfeit  ber  3"i^  ^"f^bung  ber
Efiooerei/  Wemi&amp;amp;eid)uet  wirb  bie  %rt  beß  muipfeß  bi#  bie  $roclomotion
  des  General-Eapitains  vom  4.  April  1869  :  ,,^$eber  mehr  als
,,15f0l)rige,  weiter  ouMoíb  feiner  0efi%ung  getroffen  wirb  unb  feine
„Abwesenheit  von  bort  nicht  rechtfertigen  kann,  wirb  auf  ber  stelle  erschossen.
„3ebe  bewoí)nte  ^efiljimg,  weld)o  nid)t  eine  weifte  Sol)ne  olß  3#en  titrer
„srieblichen  Unterwerfung  wehen  läßt,  wirb  verbrannt."  Die  Aufständischen
verkündigten  dagegen:  Erschießen  aller  Gefangenen  mit  alleiniger  Ausnahme
ber  gemeinen  Soldaten  ber  regulären  Regierungstruppen,  Verwüstung  der
Felder  unb  Pflanzungen  rings  um  das  feindliche  Heer.  Die  Folge  dieser
Kriegführung  war,  daß  z.  B.  schon  im  Jahre  1869  in  beni  Bezirke  von
Manzanillo  keine  ber  18  bisher  vorhandenen  Pflanzungen  zu  mahlen  im
Stande  war,  wegen  Fenersbrünste  unb  Zerstörung.
Der  kaum  abgeschlossene  Frieden  wurde  1879  durch  ben  Wiederansbrmh
  des  Aufstandes  gestört,  wenn  auch  nur  auf  kurze  Zeit;  das  kaum
erwachende  Vertrauen  wurde  von  neuem  erschüttert.  Durch  alle  bisherigen
Ereignisse  hatte  sich  jedoch  die  Nothwendigkeit  einer  Abschaffung  der  Sklaverei
erwiesen;  auch  die  Pflanzer  mußten  sich  derselben  fügen;  ihr  Verhältniß
ju  ben  Sklaven  war  ein  unhaltbares  geworden  unb  würbe  ihnen  häufig
burd)  verheerende  Feuersbrünste  fühlbar  gemadit.  Ein  Gisch  vom  12.  &amp;lt;yeïmmr
  1880  schaffte  endlich  die  Sklaverei  mit  nachstehenden  Bestimmungen
ob  mi  «Stelle  beß  beengen  l(er^öItniffeß  tritt  311110#  ein  botronotortigcß
  ®er  frü^erc  ^err,  feißige  potion,  i)ot  ben  Sorbiße»  2Mimwg,
Kleidung,  Pflege  in  Krankheitsfällen  unb  Schulunterricht  zn  gewähren,
außerdem  einen  booten  Arbeitslohn:  an  Männer  über  20  Jahre  monatlich
3S)oüorS,  on  füid)e  3wifd,en  18  ""b  20%#  ölte  1  biß  2  ^#3.  ^e
körperliche'Züchtigung  ist  verboten;  die  Patronaten  haben  ihren  ordentlichen
Gerichtsstand,  unb  stub  nur  in  Fällen  von  Meuterei,  Aufruhr  oder  Störung
ber  bffentïid)en  Me  ber  militörifd)en  ^er^d)tßborfeit  unterworfen.  s3)oß
$0110110^0011)0^1111)  erlifd)t  mit  bem  Slbïouf  non  ad)t  ^ren.  Sünf3#e
nodi  erlös)  beß  @efe%eß  wirb  oiiföi)rlid)  ein  ^eil  ber  $ütronoten  nod,
%ofigobe  ii)reß  mterß  entloffen,  so  bof)  nod)  lierions  uon  weiteren  brei
goMen  bie  entioffiing  oollftönbig  burd)gefü^rt  ist;  fernere  nier  30#  üerbleiben
  bie  Gntloifencn  unter  ftootlid)er  ^uffid)t  unb  treten  erst  nod)  %b=Ions
  bicfer  Stift  i"  ben  ooücn  @enim  ber  bürgerlid)en  unb  Mittfdjen
3(0#.  ^er  Şotronot  sonn  0114  bie  3^#,  bie  er  bei  feinem  Wron  nod)
abzudienen  hat,  durch  Zahlung  einer  nicht  hohen  Summe  loskaufen.
11*
        <pb n="89" />
        84

Die  Wirkungen  des  Gesetzes  bei  dessen  Erlas;  zu  überseheu,  war  ein
Ding  der  Unmöglichkeit.  Um  den  Widerstand  der  Pflanzer  nach  Gebühr
zu  würdigen,  mus;  man  sich  erinnern,  das;  in  allen  anderen  Tropenländern
die  Sklaverei  nicht  ohne  augenblickliche  schwere  Erschütterung  beseitigt
werden  konnte.  Dergleichen  lvar  also  auch  für  Cuba  zu  erwarten,  und
zwar  um  so  mehr,  "  als  Krieg  und  Noth  alls  die  Vermehrung  der  Bevölkerung ­
  eineil  sehr  ungünstigen  Einfllls;  geübt  hatten  nub  deshalb  ein
Mangel  ail  Arbeitskräften  vorauszusehen  war.  Auch  war  nací;  allen  bisherigen ­
  Erfahrungen  511  befürchten,  das;  die  freigelassenen  Neger  in  ihrer
Trägheit  und  Bedürfnißlosigkeit  zu  ernster  Arbeit  sich  llicht  bequemen
würden.
Der  Sklavenhandel  lvar  früher  ein  sehr  einträgliches  Geschäft  gewesen.
Er  war  es  gebliebell,  auch  als  er  nicht  mehr  offen  betrieben  wurde.  Die
Gouverneure  der  Insel  hatten  zuiileist  pro  Kvpf  einen  bestimmten  Betrag,
angeblich  eine  Unze  Goldes:  ein  Antheil  der  llur  selten  zurückgewiesen  wurde.
Noch  gegen  das  Jahr  1860  hin  betrilg  der  Preis  eilles  Sklaven  bis  311
1000  Piaster  oder  etwa  4400  Mark.  So  lange  der  Ersatz  für  den  Abgang
keine  besonderen  Schwierigkeiten  hatte,  wurden  die  Kräfte  der  Sklaven  nils
das  Rücksichtsloseste  ausgebeutet.  Der  Herr  hatte  alte  oder  sonst  arbeitsunfähige ­
  Sklaven  bei  sich  zu  unterhalten:  er  fanb  es  deshalb  billiger,  ihn
bei  Lebzeiten  bis  zlir  Erschöpfung  zil  nutzen  nnb  dann  durch  einen  neuen
zu  ersetzen.  Als  das  letztere  nicht  mehr  so  leicht  anging,  ivnrde  man  in
der  Behandlung  allerdings  etwas  vorsichtiger.  .
Die  Negerverkäufe  wurden  noch  vor  dem  letzten  Aufstande  in  Havana
durch  eine  Bekanntmachung  im  Tageblatt  angekündigt.  Dann  drängte
Alles  im  Vorsaale  und  nicht  selten  gab  es  heftigen  Streit  um  den  Eintritt
in  das  Verkaufslocal.  Wurde  letzteres  geöffnet,  so  stürzten  sich  die  Kanfliebhaber
  auf  die  feilgebotenen  Neger,  suchten  ihrer  möglichst  viele  bei  Seite
zu  drängen  und  befühlten  sie  hier  am  ganzen  Körper  wie  der  Metzger  das
Rindvieh,  damit  ihnen  kein  etwaiger  Fehler  entgehe.  Die  „Stücke",
welche  nicht  zusagen,  wurden  losgelassen,  sofort  von  Anderen  in  Beschlag
genommen  und  von  Neuem  betastet;  die  angekauften  wurden  mit  einem
Hemde  bekleidet  und  fortgeführt.
Ueber  die  Lebensweise  der  Neger  auf  den  Pflanzungen  läßt  sich  ein
Bericht  aus  beni  Jahre  1880  folgendermaaßen  ans.
Die  Neger  erhalten  neben  dem  Lohne  ihren  täglichen  Unterhalt.  Die
Nahrung  besteht  ans  Reis,  geriebenem  Rindfleisch,  süßen  Kartoffeln,  Mais,
Pisang;  hier  nnb  da  werden  auch  Nationen  von  gesalzenen  Fischen  gegeben.
Die  Neger  ziehen  Maisspeisen  vor.  Fast  auf  allen  Pflanzungen  ist  den
Negern  gestattet,  ein  Schwein  und  einige  Hühner  zu  halten,  auch  ein  Stückchen ­
  Land  für  ihren  Bedarf  zu  bearbeiten;  sie  bauen  aber  nie  etwas  anderes
als  Mais  oder  Pisang;  Gartengemüse  sind  ihnen  unbekannt.  Zwei  Anzüge
        <pb n="90" />
        85

jährlich  reichen  für  ben  -Bebarf  cut  Ķleìbung:  cuts  beut  ütelbe  arbeiten  fit
meist  im  bleibe  ber  9iatnr.  30^  Witling  ist  gewühnlid)  ein  großeß
steinernes  Haus,  bas  ein  langes  Parallelogramm  hübet  nub  nur  einen
Eingang  bat.  Sie  Biwui^  liegen  an  ben  mer  (seiten  eines  großen  ^ofe§,
haben  feiten  genfter/  B^ei  abfheiliingen  finb  oorhanben,  eine  für  Männer,
bie  anbere  für  ßranen;  aber  amisten  Reiben  besteht  eilte  ungehinberte
Verbindung.  Die  Bitumer  zunächst  eint  Eingänge  finb  graf;  nub  hell  unb
haben  Veranda  ober  Balkon:  dort  wohnt  ber  mayoral,  ber  Aufseher.  Er  weist
bie  Arbeit  an,  oerl)öngt  (strafen  ic.  nach  ben  Snftrnttioiten  beß  Bermas
terê.  Gin  lag  in  ber  9Bod)e  —  eß  mus;  nicht  gerabe  ber  Sonntag  fein  —
ist  Ruhetag,  Sie  0efit;er  benachbarter  ^^^anzungen  rieten  eß  so  ein,  ba&amp;amp;
bie  arbeiter  nieiualß  gleichzeitig  feiern.  Mehr  unter  bett  Weitern  ber
Pflanzungen  wirb  nicht  gestattet,  mit  Verbindungen,  Intriguen  u.  bergt,  zu
verhüten.  Die  Neger  haben  nur  wenige  unb  sehr  bescheidene  Freuden,
b.  h.  sie  tanzen  unb  fie  liegen  in  ber  sonne.  Des  Morgens  um  5  Uhr
beginnt  bie  Arbeit,  bes  Abends  um  G  Uhr  Hort  sie  auf,  ohne  Pause  für
Mahlzeiten;  bann  werben  bie  Sente  in  betn  Weitßhaufe  eingeschlossen.
Berührung  mit  der  Außenwelt  haben  sie  ebensowenig  wie  häusliche  Freuden.
c%n  ber  legten  gelt  h*t  fid)  ihr  Sooß  etwa«  gebessert,  ba  baß  eigene
interesse  bie  ^erren  zwingt,  mit  mehr  Milbe  unb  geringeren  Äi#üd)en
aufzutreten.  ..
Vorstehende  Beschreibung  mag  vielleicht  etwas  zu  günstig  lauten.
Samtige  ^erid)te  finb  im  allgemeinen  mit  %orfi#  aufzunehmen,  Sie
aus  englischen  Febern  geflossenen  matten  feiner  Beit  ins  Schwarze,  um
auf  endliche  Aufhebung  der  Sklaverei  hinzuwirken.  Auch  in  Cuba  hat
matt  bie  Erfahrung  gemacht,  bas;  ber  freigeworbene  Neger  nur  so  viel
arbeitet  als  nothwendig  um  nicht  zu  verhungern.  Im  Jahre  1886  unb
1887  herrschte  empfindlicher  Mangel  an  Arbeitern  auf  betn  Lande,  obwohl
in  bett  labten  taufenbe  uon  Negern  bettelnb  herumlungerten.  BBÖhrcnb
ber  @rnte  sönnen  fie  in  einem  Monat  35  biß  45  Mart  oerbienen  unb  baß
ist  genug  für  sie,  um  drei  Monate  lang  zu  leben  unb  zu  faulenzen.  Man
fängt  beöhalb  an  zu  beboucru,  bas;  auf  Gilbet  nicht  mehr  Kaffee,  Reiß,
Mais  ti  bergt  gebaut  wirb,  weil  man  in  diesem  Falle  ben  während  ber
Bucfer=Gambagne  erforberlicben  Weitern  and)  für  baß  übrige  %ahr  8eköfttgung
  geben  tonnte.  Saburd)  würbe  ber  Weitßiohn  fid)  etwaß
gleichmäßiger  vertheilen.
eine  alte  unb  mit  alten  ^echöítniffen  eng  oerwad))eue  Einrichtung
wie  bie  stanerei  tief;  fid)  natüríid)  nid)t  leid)tí)in  beseitigen.  Man  mad)te
fid)  auf  ben  Sag  ber  Waffling  gcfaf;t.  Wmtb  beß  großen  aufftanbeß
konnten  bie  Bemühungen,  Ersatz  für  bie  Neger  zu  ftnbett,  weder  mit
rechtem  Eifer  betrieben  werben,  noch  auf  nachhaltigen  Erfolg  rechnen,  jw
Jahre  1877  fottute  in  bett  Bezirken  von  Havana  unb  Matanzas  bie  Ernte
        <pb n="91" />
        o

—  86  —

%

wegen  WeitmimnßelS  nid)t  uöüig  eingebrad)t  merben,  maë  um  jo  embfinbmjer
  "mat,  aïë  fid)  bereite  bie  Goncnrrena  be§  Dlübeuaucîctë  merfbar
ma#.  llnmitteïbar  nad)  bem  mifftanbe,  1879,  begonnen  ue#iebene
Gesellschaften,  namentlich  ber  circulo  de  hacendados  (Verein  ber  Gntshcfitjer),
  mit  3Serind)en  anr  mnfn^rnng  freier  Arbeiter,  aber  oijue  merîbaren
Erfolg.  Ein  anberer  Versuch,  Ostinbier  anzuwerben,  mißlang.  Die  Bemühungen, ­
  mit  Anam  einen  Vertrag  abzuschließen,  verliefen  fruchtlos.
Weiße  Arbeiter  ans  Spanien  mürben  bnrch  Krankheiten  bezimirt  und
weigerten  sich,  mit  Schwarzen  ans  bem  Felbe  zusammen  zu  arbeiten.  Die
Einfuhr  von  Jnbianem  ans  Yucatan  mürbe  von  ber  Amerikanischen  Regierung ­
  verboten.  Besser  gelang  es  Anfangs  mit  Chinesen.
Es  bitbete  sich  eine  besonbere  Gesellschaft,  welche  Agenten  in  China
unterhielt.  Diese  schlossen  baselbst  mit  Chinesen  ähnliche  Verträge,  wie
bieienigen,  bnrch  welche  heute  noch  in  Europa  Answanberer  nach  nberieeiid)cn
  Säubern  mit  bünnet  0eoöiternng  gelodt  merben.  S)ie  Sente
nn#m  fid)  uerbfiid)ten,  ad)t  3aí)re  lang  gegen  einen  So^t  uon  4'/,  dollar
(goíb  nmnatlid)  an  arbeiten;  nad)  Ablauf  bieder  Seit  loüten  sie  anrüdbeforbert
  werben.  Allein  ans  ben  Pflanzungen  mürben  sie  ans  bas  gram
famfte  beíjaubelt  nnb  gellten  mie  bie  (^flauen;  mit  ^#1#  ans  ben
Arbeitermangel  versagte  ihnen  bie  enbanische  Regierung  bie  freie  Rückfahrt
nnb  bestimmte,  baß  sie  entmeber  ans  eigene  Kosten  heimkehren  ober  sich
cmberweit  verbürgen  mußten.  Nur  wenige  hatten  sich  so  viel  gespart:  was
in  ihrer  Heimath  ein  sehr  reiäflicher  Sohn  schien,  erwies  sich  hier  nur
eben  znreichenb.  Bei  weitem  bie  meisten  blieben  nnb  verpflichteten  sich  ans
mettere  4  bis  6  Jahre.  Allein  ihre  Behanblnng  mar  eine  so  harte,  baß
endlich  bie  chinesische  Regierung  bei  ber  spanischen  Einspruch  erhob  nnb
^gleich  bie  Ausfuhr  von  Arbeitern  nach  Cuba  verbot.  Am  ITJNouembet
1877  mürbe  sobann  zwischen  bethen  Mächten  ein  Vertrag  geschlossen,  worin
ansbrncklich  bestimmt  mar,  baß  fernerhin  Arbeiter  nach  bem  Contractssystem
  nicht  mehr  verpflichtet  werben  bürsten.  Den  Chinesen,  welche  nach
Cuba  gelangten,  mürben  bie  Rechte  ber  Angehörigen  frernber  Nationen
gewährleistet;  ein  Generalconsul  Chinas,  behnfs  besonberer  Ueberwachnng
ber  Ausführung  bieses  Vertrages,  mürbe  in  Havana  zugelassen.  .  Bemerkenswerth ­
  ist  bie  Bestimmung,  baß,  meint  unter  ben  zur  Zeit  in  Citba  als
Arbeiter  lebenbett  Chinesen  sich  Sente  ans  ber  Klasse  ber  Bea  nt  ten  ober
Gelehrten  fänben,  bie  Spanische  Negierung  biesen  ein  Schiff  zur  freien
Heimkehr  stellen  werbe.  Ans  spanischer  Seite  hatte  man  gehofft,  baß  ans
Grnnb  bieses  Vertrages  nunmehr  freie  Arbeiter  ans  China  nach  Cuba
herüberkommen  mürben.  Allein  kein  Chinese,  ber  bas  Ueberfahrtsgelb  zu
bezahlett  im  Staube  war,  wollte  sein  Vaterlanb  verlassen.  Inzwischen
sinb  bie  meisten  Verträge  mit  ben  bisherigen  Arbeitern  abgelaufen,  nnb  bie
Pflanzer  müssen  nun  bie  ans  ihren  Verpflichtungen  Entlassenen  als  freie
        <pb n="92" />
        87

LņMļ-Lķ
lich  sein  darf.  Alles  in  allein  gerechnet  ergab  sich  hiergegen  sur  die  von
ben  bearbeitete  oon  etma  50Vü.  ^b
ber  Bum  uou  #iueieu  imd)  duba  fid)  tünfttg  uueber  fmbeu  mm,  meim
das  Anbeuten  an  die  schlimme  Vergangenheit  verblatzt  sein  umb,  lasch  sich
schwer  übersehen:  zur  Zeit  ist  die  Reise  noch  sehr  weit  uiid  sehr  kostspielig.

16.  Die  Arbeitslöhne.
%  weide  Bevölkenmg  der  Zusel  ist  im  Vergleich  zu  der  sarbigen
Plantagen  besd)äftigt:
Sklaven  13  254,  freie  Arb.  4  632,  Chinesen  2103,  zns.  10  987,

Havana,
Matanzas
Pinar  del  Rio
Santa  Clara
S.Jago  de  Cuba  „

43528,
10197,
19  212,
4579,

7  956,
2177,
4845,
1175,

8702,
797,
2965,
51,

60187,
13171,
27  022,
5  817,

zusammen:  90  782,  freie  ait.  20  785,  Chinesen  14  618,  #126185.
¡srisrjsar-iaai

UFT
        <pb n="93" />
        —  88  —

1

stattgefunden  haben  sollte.  Für  das  Jahr  1884  ist  einem  Bericht  die  nachfolgende ­
  Aufstellung  zu  entnehmen:
Spanier  u.  Andere
Weiße.
4021
439
2820
1  763
94
1  495

Havana
Pinar  del  Rio.  .  .
Matanzas  .  .  .  .
Santa  Clara  .  .  .
Puerto  Principe  .  .
San  Jago  de  Cuba  L
zusammen:

Cubaner.
307740
125989
138  544
206613
57  335
141  771
977992

Chinesen.
10190
2558
19  442
10918
263
440

10  632

43  811

Farbige.
113  945
53218
122315
102103
11  553
86115
489  249'

Summa.
435896
182204
283121
321397
69245
229821
1521684

Aus  Matanzas  wurde  bereits  für  das  Jahr  1884  berichtet,  das;  die
Verordnung  wegen  Beseitigung  der  Sklaverei  am  8.  Mai  1880  veröffentlicht ­
  und  seither  streng  gehaudhabt  wäre:  in  Folge  dessen  nehme
die  Menge  der  verpflichteten  Arbeitskräfte  mit  jedem  Monat  ab.  Ein
englischer  Bericht  aus  Havana  vom  Jahre  1886  findet  die  Klagen  über
Arbeitermangel  übertrieben,  weil  man  die  letzte  Ernte  von  700000  tons
ohne  Schwierigkeit  eingebracht  habe;  auch  seien  im  laufenden  Jahre  nicht
weniger  als  45%  Weiße  auf  den  Feldern  wie  in  den  Fabriken  beschäftigt
gewesen,  woraus  folge,  daß  die  schwarzen  Arbeiter  keineswegs  unentbehrlich
seien.  Allein  anderen  Nachrichten  zufolge  sind  nur  wenige  Weiße  beim
Landbau,  und  namentlich  in  den  Pflanzungen  beschäftigt;  in  solchem  Falle
erhalten  sie  gleichen  Lohn  und  gleiche  Verpflegung  wie  die  Neger.  Vielfach ­
  wird  bezeugt,  daß  sie  in  beit  Küstenstrichen  das  Klima  nicht  vertragen
und  die  Arbeit  auf  die  Dauer  nicht  zu  leisten  vermögen.  Die  Mehrzahl
verdient  sich  ihr  Brot  in  den  Städten  als  Cigarrenmacher,  Maurer,  Zimmerleute, ­
  Fischer,  Kutscher,  Tagelöhner.  Ihre  Löhne  sind  sehr  verschieden.
Cigarreumacher  werden  nach  der  Stückzahl  bez.  nach  der  Größe  der  Cigarren
gelöhnt,  und  ihr  Verdienst  kaun  täglich  auf  2  bis  2'/%  doll,  sich  stellen.
Maurer  und  Zimmerleute  verdienen  täglich  3  bis  3'/*  doll.  Kaufmannsdiener ­
  erhalten  anfangs  12  doll.,  in  Vertrauensposten  40  doll,  monatlich;
Kutscher  12  bis  20  doll.  Als  Gesinde  dienen  faß  ausschließlich  Farbige;
eine  Köchin  erhält  20  bis  25  doll,  Hausmädchen  18  bis  20,  Wäscherinnen
25  bis  35  doll,  monatlich.  Hausdiener  sind  in  der  Regel  geborene  Spanier
und  erhalten  34  bis  40  doll.  Gold  monatlich:  die  andern  Angaben  verstehen ­
  sich  in  Papiergeld.  Aus  den  vorbemerkteuZahlen  kann  mau  einen
Rückschluß  machen  auf  den  Werth  des  Lohnes  für  Feldarbeiter,  der  ohne
Hinblick  auf  solche  Verhültnißzahleu  als  ein  sehr  reichlicher  erscheinen  könnte.
Der  bisherige  Tagelohu  auf  den  Pflanzungen  hat  zu  verschiedenen
Zeiten  und  in  den  verschiedenen  Landestheilen  sehr  geschwankt.  Während
und  nach  der  Insurrection  war  er  im  Centrum  und  im  Osten  der  Insel
besonders  hoch,  weil  gerade  dort  der  Aufstand  am  meisten  ivüthete.
        <pb n="94" />
        89

Die  Kosten  für  einen  Sklaven  sind  sehr  schwer  abzuschätzen,  jedenfaßß
  an#  1#  bein  ¡emeilioeii  @#mnnoe  beß  ^enf#ení)altbeïß  f#maitfcnb.
Nach  einem  Bericht  aus  1880  schätzte  man  die  Kosten  eines  Sklaven  durchf#mtm#
  auf  monatM)  10  Dolías  (40  Wciü),  nnb  amai-  atbeilßfäbii;e  nnb
unfähige  zusammengenommen.  Das  scheint  niedrig  gegriffen,  jedenfalls
ohne  Anrechnung  von  Verzinsung  und  Tilgung  des  Kaufgeldes,  ev  wäre
an#  e#ebïi#  niebtißet  alß  bet  bainaliqe  ßobn  sät  stete  ^tbeilet.  (Sine
anbete  m^emmo  anß  bemfeïbcn  3aí)te  1880  qiebt  ben  Bet#  beß  täolichen
  Unterhaltes  ans  30  bis  40  cts,  also  monatlich  etwa  9  bis  12  doll.
(36  bis  48  Mark)  an.  Erwägt  man  ferner,  das;  ein  gesunder  kräftiger
EMaue  anm  Şteife  non  1000  biß  1500  baleni  ücfnnft  nnb  bas;  feine
%tbeilßfäI)iofeit  im  S)ut#|#mtt  ans  15  Sa^te  angenommen  miitbe,  so  maten
alß  ^iíom#We  66%  biß  100  Sielet  ia#!#,  also  inoliam#
5V,  biß  8Vs  Si)aiet  obet  4  biß  6'/,  doll,  olíanse#.  91nß  bem  3o!)te  1^4
wird  berichtet:  die  patronirten  Neger  hätten  monatlich  baar  3  doll.  (12  Ä)
an  erhalten  und  den  Unterhalt,  das  mache  einschließlich  der  Verzinsung
nnb  ^011,10  beß  Slnfanfßcapitalß  sät  ben  GHaoen  etwa  IT  pesos  (68
monatlich.  Das  wäre  eine  Jahresansgabe  von  816  Mark,  die  im  Verßlei#
  au  bentf#en  ^tbc^lßlü^lìen  mäl)tenb  bet  Gampaone  ni#t  äbetniämo
hoch  erscheint,  nämlich  nur  2,25  Mark  täglich.
Der  Lohn  freier  Arbeiter  wird  nach  den  Jahren  und  Gegenden
oetf#ieben  anheben.  Sät  1880  beiseit  #n  ein  @cti#t  in  ben  Ņtoûinaeii
Havana  und  Matanzas  während  der  Erntezeit  aus  monatlich  17  bis  20
dollars  (68  biß  80  ^(0,1)  anf;et  bet  ßoft,  müi)tciib  bet  äbtiqen  3ai)teßteil
  ans  cima  l)alb  so  1)0#.  Gin  anbetet  olei#aei%t  æeti#l  niiletf#eibet
Lif#en  bem  1^01)11  sät  bie  Meqet  nnb  sät  Gi)inefen,  nnb  qiebt  etfleten
amifdien  15  b;ß  20  dollars  (60  biß  80  Mats),  (eueren  amif#en  12  biß  15
dollars  (48  biß  60  mtf)  an,  üIci#follß  neben  beni  11111011)011.  Änß
&amp;amp;an3ai;obe($nba  (êäbofmifte)  mitb  sät  1883  qeinelbet,  bie%tbcitßiöi)iic
feien  \cfliegeii,  onte  SGÏbatbeitet  feien  ni#t  nutet  25  dollar  (Mb  (100
^atn'u,Ib'w'u,o,Iom#  au  buben,  ^aoeoen  fai;t  anß  beinfclben  San
Jago  ein  Bericht  sät  1884,  man  habe  durch  die  sparsamste  und  sorgfältigste
Wirthschaft  die  Selbstkosten  wesentlich  herabgedrnckt.  darunter  auch  den
WeiNo!),!  biß  ans  15  doll.  (60  %W)  inoliam#  onf;et  bet  ßoft.  Gin
8cti#t  anß  ^aoalIa  sät  boffelbe  3oi)t  1884  ßiebl  ben  bißl)etii;eii  2i#n
bet  steten  ^tbcilet  ans  etma  22  pesos  (88  ^at1)  an,  be,nets!  sebo#,  nnt  bem
aUqemeiiien  ^ücfquiig  bet  @ef#äfte  feien  an#  bie  Mi),ie  ßefnnfen,  nnb  anmeilen
±=foimnc'
  Auch  für  188«  erwähnen  mehrere  Berichte  niedrigere  Arbeitslöhne;
&amp;gt;2
        <pb n="95" />
        90

so  nus  Trinidad  de  Cuba  auf  monatlich  10  bis  13  dollars  (40  bis  52  Mark)
neben  der  Kost;  aus  der  Havana  8  bis  10  dollars  (32  bis  40  Mark)  gegen
17  bis  20  dollars  im  Jahre  vorher;  beim  Abschluß  mit  einer  Arbeitercompagnie ­
  seien  für  beit  Mann  10  bis  14  pesos  (40  bis  56  Mark)  verabredet
außer  der  Nahrung,  die  man  ans  etwa  6  pesos  für  den  Monat  schätze.
In  Trinidad  hatte  1885  der  Lohn  zwischen  12  bis  18  dollars  geschwankt:
dort  soll  angeblich  der  Lohn  überhaupt  etwas  billiger  sein,  als  anderwärts,
weil  in  der  Umgegend  mehr  Leute  vorhanden,  die  ans  Nebenverdienst  angewiesen ­
  sind.  Dagegen  theilte  Havana  weekly  report  aus  April  1886  mit,
es  sei  immer  noch  Klage  über  Mangel  an  tüchtigen  Arbeitern  und  überhöhe ­
  Löhne;  in  San  Jago  de  ,  Cuba  sollen  1886  wieder  wegen  Arbeitermangels
  während  der  Ernte  bis  zu  4  M.  täglich  (also  30  dollars  monatlich) ­
  gezahlt  worden  sein.  Ein  französisches  Fachblatt  meldete  im  December ­
  1886,  es  werde  viel  über  die  Hohe  der  Arbeitslöhne  gestritten:  während
Einige  meinten,  nicht  über  12  dollars  Gold  (48  Mark)  hinausgehen  zu
können,  wollten  Andere  bei  den  dermaligen  Zuckerpreisen  bis  zu  20  dollars
(80  Mark)  bewilligen.  Schließlich  möge  noch  einer  Erklärung  gedacht
werden,  welche  die  cubanischen  Pflanzer  1886  dem  Gouverneur  auf  dessen
Anfrage  abgegeben  haben.  Darin  heißt  es:  der  thatsächliche  Arbeitslohn
belaufe  sich  jetzt  —  im  August  1886  —  je  nach  der  Gegend  außer  der
Nahrung  ans  15  bis  25  dollars  (60  bis  100  Mark)  monatlich,  jedoch  während ­
  der  Ernte  ans  25  bis  40  dollars  (100  bis  160  Mark);  die  sofortige
Freilassung  der  noch  vorhandenen  25000  Sklaven  und  Patrvnirten  werde
ans  die  Zustände  der  Insel  ohne  Einfluß  bleiben;  die  Zahl  der  beim  Feldbau ­
  beschäftigten  Arbeiter  vertheile  sich  ans  45  000  Weiße,  30000  Chinesen
und  125000  Neger,  zusammen  auf  200000  Kopfe;  zur  Aufrechterhaltung
der  Produktionsfähigkeit  der  Insel  sei  erforderlich  die  Einführung  sofort
von  100000  weißen  Arbeitern,  später  von  noch  400000  solchen  oder  in
Ermangelung  der  Weißen,  von  Chinesen  und  Arbeitern  von  Manila.  Aus
dieser  Erklärung  leuchtet  der  Wunsch  der  Pflanzer  nach  einem  Ueberfluß
an  Arbeitskräften  und  billigen  Löhnen  hervor:  zur  besseren  Empfehlung
ihrer  Wünsche  mögen  sie  die  derzeitigen  Verhältnisse  etwas  grell  gefärbt
haben.  Die  gesammte  Zahl  der  Chinesen  wurde  für  1877  auf  14618,  für
1884  auf  43  811  Köpfe  nachgewiesen;  wenn  jetzt  nur  30000  angenommen
werden,  so  steht  das  mit  der  Darlegung  über  die  Einführung  von  Chinesen
im  Einklänge.  Ob  die  Zahl  von  45000  weißen  Feldarbeitern  richtig  gegriffen ­
  ist,  läßt  sich  bezweifeln.  JnNnerhin  darf  man  in  der  Erklärung
eine  Bestätigung  der  Behauptung  finderl,  daß  es  an  Feldarbeitern  wirklich
mangelt,  und  ein  Anerkenntnis;  dafür,  daß  diesem  Mangel  nur  schwer
abzuhelfen  ist,  wenn  inan  nur  auf  China  und  Manila  verweist.
Beim  Ueberblick  über  diese  Nachrichten  gewinnt  es  den  Anschein,  als
ob  die  Arbeitslöhne  an  sich  nicht  vor:  so  erschreckender  Höhe  seien,  daß  sie
        <pb n="96" />
        91

weit  über  europäische,  namentlich  deutsche  Verhältnisse  hinausgingen,  Auch
in  Deutschland  werden  Gebäude  sur  die  Unterbringung  der  Arbeiter  während
der  Canipaqne  gehalten,  auch  dort  gewährt  man  die  Kost,  iiiid  ein  sagelohn
  von  l'/j  bis  2  Mark  steht  gleich  einem  Cubanischen  Monatslohn  von
11'  bis  15  pesos.  Allein  die  Arbeitszeit  aus  Cuba  dauert  zwiefach  io
lange  wie  i»  Deutschland;  hier  ziehen  die  Arbeiter  nach  beendigter  Campagne
  weiter  und  der  Fabrikherr  kümmert  sich  nicht  mehr  um  sie;  in  Cuba
„mH  ein  iiicht  geringer  Theil  gehalten  werden,  der  sur  die  Hälfte  des
Fahres  sonst  entbehrlich  wäre.  An  genaueren  Angaben  über  die  Zahl  der
Arbeiter  killt  es,  namentlich  darüber,  ivievicl  durchschnittlich  je  nach  dem
Umsanqe  der  Pflanzung  und  nach  der  Leistungsfähigkeit  der  Fabrik  ersorderlich
  sind  und  welchen  Einflug  auf  das  Bedürfnis;  die  Anwendung  verbesserter ­
  Verfahren  —  wie  der  Diffusion  —,  vollkommnerer  Maschinen  um
geeigneter  Feuernngsanlagen  ausübt.  Erst  aus  solchen  Angaben  würde
sich  erkennen  lassen,  welchen  Antheil  die  Arbeitslöhne  an  den  Selb,tto,ten
des  Zuckers  bisher  gehabt  haben  und  bei  sparsamer  Wirthschast  häufig
haben  können.

17.  Selbstkosten  des  Zuckers,  Höhe  der  Produktion
und  des  Consums.
Die  Selbstkosten  des  Zuckers  hängen  wesentlich  ab  vom  Preise  de«
Rohres  von  dem  Preise  der  Brennstoffe  und  von  der  Höhe  der  Arbeitslöhne," ­
  Je  weniger  man  über  diese  Factoren  Zuverlässiges  weis;,  desto
weniger  vermag  man  durch  directe  Rechnung  die  Selbstkosten  auch  nur
annähernd  zu  finden.  Auf  anderen,  Wege  darüber  Klarheit  zu  gewinnen  ist
angerordcutlich  schwer  deshalb,  loeil  ganz  augenscheinlich  die  Insel  Cuba
sich  in  einem  llebcrgangsstadium  ans  den  verwickeltsten  und  unruhigsten
Zuständen  in  mehr  geordnete  Verhältnisse  befindet.  Um  indessen  wenigstens
einigen  Anhalt  zu  gewähren,  mögen  die  nachfolgenden  Bemerkungen  angesnhr^ner
  en^  ļg76  | afl(c  ein  Bericht  aus  Cardenas:  die  Preise
liegen  keinen  Nutzen,  weil  die  hohen  Ausfuhrzölle  und  die  starken  KriegScontribntionen
  zu  schwer  aus  den  Pflanzungen  lasten.  Nun  sind  in  neuester
Zeit  die  Ausfuhrzölle  ermätzigt  und  dann  ganz  aufgehoben  worden.  Auch
Ru,glich  der  Contridntionen  und  inneren  Abgaben  scheinen  Erleichterungen
bewilligt  zu  sein.  Die  Tragweite  solcher  Ersparnisse  lägt  sich  ^  nicht  îiberscbeu
  Ohnehin  haben  unzweis-lhast  die  Kreditbedingungen  sich  gebessert
und  werde»  voraussichtlich  allmählich  noch  billiger  werden.  Solche  Umstände ­
  dürfen  bei  der  Vergleichung  mit  der  Vergangenheit  Nicht  unbeachtet
bleiben,  12 ,
        <pb n="97" />
        Ferner  wird  wiederholt  in  Berichten  bemerkt,  die  Preise  für  Zucker
ließen  noch  Nutzen  oder  ließen  keinen  Nutzen.  Es  fehlt  aber  an  einer  Erklärung ­
  darüber,  ob  dabei  die  Verwerthung  aller  Produkte,  also  namentlich
auch  der  Melasse  und  des  Rums  in  Ansatz  gebracht  ist.
Aus  San  Jago  de  Cuba  wurde  für  1884  berichtet,  daß  die  Preise
binnen  kürzester  Frist  um  1V»  doll.  (6  Mk.)  sanken;  durchschnittlich  gaben
Centrifugals  orni  95—96%,  etwa  Nr.  10/13  entsprechend,  nicht  mehr  als
2%  doll.  (11  Mk.)  für  100  Pfund  span,  (oder  46  kg);  das  sei  erheblich
weniger  als  die  Selbstkosten:  d.  h.  die  Selbstkosten  für  solche  Zuckergehen
  über  24  Mark  für  den  Doppel-Centner  hinaus.
Ein  anderer  Bericht  über  die  Campagne  von  1884/85  giebt  folgendes
an.  Bei  Beginn  dieser  Campagne  betrugen  die  Herstellungskosten  des
Zuckers  —  (ohne  nähere  Angabe  der  Sorte  oder  dergl.)  -  für  die  arroba
etnia  5  Realen  oder  21,74  Mark  für  100  kg;  das  sei  verhültnißmüßig  hoch,
trotzdem  alle  Anzeichen  für  ein  Sinken  der  Preise  sprächen.  Zu  möglichst
billigem  Betriebe  gezwungen  sei  es  den  Pflanzern  jetzt  (im  December  1885
ist  der  Bericht  erstattet)  gelungen,  die  Selbstkosten  auf  4  Realen  (d.  h.  auf
17,4  Mk.  für  100  kg)  zu  ermäßigen.
Vom  Februar  1885  brachte  Havana  weekly  report  eine  Schätzung
des  Werthes  eines  Fasses  Muskovado  -  Zuckers  zu  1500  //.  span,  netto  bei
einem  Preise  von  3*/ 4  Realen  per  Arroba  auf  24,37  doll.  (97,48  Mk.)  oder
13,50  Mk.  für  100  kg;  andrerseits  die  Herstellungskosten  mit  Fracht  und
Lagergeld  in  Havana  auf  25,50  doll.  (102,0  Mk.),  also  nahezu  14,80  Mk.  für
100  kg;  danach  habe  der  Pflanzer  einen  Verlust  von  1,13  doll,  oder
4,52  Mark  an  jedem  Faß.  Hinzugefügt  wird,  daß  nach  Angabe  der  Makler
der  derzeitige  Preisunterschied  zwischen  Muskovado  und  Centrifugals  geringer ­
  sei  als  je  zuvor,  nämlich  nur  '/2  bis  1  Real.  Danach  wären  Centrifugals ­
  damals  höchstens  mit  4'/4  Realen  per  Arroba  abgegeben,  d.  I  mit
rund  18%  Mark  für  den  Doppel-Centner.
Für  das  Jahr  1886  wird  aus  San  Jago  berichtet,  eine  nicht  ungünstig ­
  gelegene  Zuckerpflauzuug  könne  100  //.  krystaüisirten  Zucker  von
96%  zum  Preise  von  2%  bis  2%  doll.  Gold  frei  Hafenplatz  (also  San
Jago  oder  Guantanamo)  liefern  und  mache  dabei  noch  Nutzen.  Das
wären  Preise  von  19,9  bis  21,74  Mark  für  100  kg,  wobei  zu  beachten,  daß
die  Seefracht  von  San  Jago  nach  Nordamerika  höher  steht  als  die  von
Havana  oder  Matanzas  dorthin,  der  Zuckerpreis  daselbst  also  sich  niedriger
stellen  muß.
Andere  Berichte  aus  1886  führen  an,  daß  den  Colonen  das  gelieferte
Rohr  mit  4  arroben  Zucker  für  100  arroben  Rohr  bezahlt  wurde,  also  bei
einem  Zuckerpreise  von  5  Realen  mit  2'^  doll,  (10  Mark),  voir  6  Realen
mit  3  doll.  (12  Mark).  Da  die  durchschnittliche  Ausbeute  in  Cuba  auf  7%
geschätzt  wird,  so  bleiben  dem  Fabrikbesitzer  für  sich  3  arroben  Zucker  zum
        <pb n="98" />
        —  93  —

-  'r  j  ^  ,  fi

%Be#e  Don  15  biß  18  Realen  b.  i.  7,50  bea.  9,0  91(011  flit  3  arroben  ober
65'/,  beg.  78,0  91W  für  300  kg,  wound)  eine  Ginnobme  beß  Sobrifmiten
von  21,75  bez.  26  Mark  herauskäme,  ohne  bie  Unkosten  für  Lagerung  uiib
Verschiffung.  Diese  Einnahme  geht  beim  Preise  von  4  Realen  per  Arroba
ouf  17,40'bea.  20,80  DIW  aurüd.  BBieuicl  Äuķcn  bobei  bleibt,  ist  nid)t
zu  ermessen,  bo  alle  näheren  Angaben  fehlen.
eine  fronaöfifd)e  91(4111)6(011^  miß  1885  ist  bereits  bei  Bespreuung
ber  Selbstkosten  bes  Rohres  erwähnt  und  als  unzuverlässig  bezeichnet
worben  Eie  giebt  bie  kosten  ber  Berorbeitung  beß  ^reS  einfd)lle^li^^
ber  Silgung  unb  Berainfung  onf  nur  9,57  fr.  für  100  kg  on  unb  beregnet
für  beit  Fabrikanten  einen  Netto  -  Gewinn  von  7,67  fr.  bei  einem  Zuckerpreise
  oon  28,52  fr.  (ober  22,80  Wort)  für  Robust  oon  97%.
(äiite  Eorrespoubeuz  aus  Havana  von  1887  endlich  berechnet  die
Kosten  ber  Nohrverarbeitung  einschließlich  ber  Fracht  zum  nächsten  Hasen
onf  6  doll  ßlolb  für  800  arrobas  ober  20000  //  sporn,  sie  nimmt  eine  muß'
beute  an  oon  7%%  I.  "üb  l"/o  H.  ^robust,  also  e^cblid)  iiie^-  oiß  sonst
anerkannt  wirb;  danach  giebt  es  1500  //.  I.  und  200  /7.  II.  Produkt  ober,
leideres  rebuairt,  überpmipt  1625  //.  I.  Şrobuft;  boan  Srad)t  u.  f.  w.  biß
England  5,04  doll.,  so  baß  bie  Waare  franco  England  mit  9  sh  3  p  per
Eentiiveight  engl,  hingelegt  wirb,  also  mit  18  Mark  pro  D.-Eentner.  Dabei
fommen  onf  ¿61-0^0411111^10)1611  beß  Dlobreß  per  S.^Gtr.  310^-  0,26  91(011;
Binsen  unb  Silgung  beß  ^nlogc:  bea.  Betriebs  (Sopitola  finb  nid)t  berechnet.
  .
Der  Raffinaden  wirb  nirgends  gedacht.  Auf  Cuba  giebt  es  nur
eine  einige  Minerie,  weld)e  im  S#e  1884  eingerid)tct  nnb  im  Wpril  1885
eingeweiht  würbe:  la  rafineria  de  azúcar  de  Cardenas.  Sie  liegt  bei  betn
Aaku  Garbenaß,  soll  oortrefflid)  ausgerüstet  fein  unb  gute  Grugnisse
liefern.  9(od)  einem  Berid)te  miß  bem  Sa^e  1886  foü  sie  in  bem  Betriebßiol)re
  1884/85  rnnb  72800  S.=Gtr.  M^uder,  nömlid)  71600  S).=Gtr.
centrifngirten  unb  1200  ^Gtr.  gebedten  uerorbeitet  unb  67850  Sl^Gtr.
Mnfnnn'be  eraeugt  paben,  also  93,3%  oow  S),Geiitner  3toI)auder.  .'^610011
foücn  onf  ber  Snfel  selbst  45250  ^.=Gtr.  oerae#,  bie  übrigen  22600  und)
Barcelona  verschifft  worben  fein.  ,  .  ,  ,
Der  Confimi  ber  Jnselbevölkeruug  wirb  durchweg  als  ein  lehr  bebeutender
  bezeichnet,  wenn  auch  bie  Zahlenangaben  darüber  verschieben
imiten  Gin  Beri#  miß  bem  So#  1873  giebt  ilpi  mis  350000  m)tcn
Buder  nnb  50000  W  91(eloffe  mi,  woß  für  Buder  oileiii  fd)on  über
60000  Sonnen  gäbe.  Sn  einem  Beri#  oon  1886  wirb  er  olß  ein  im
^efenflid)en  stetig  gleid)inäf3Ìger  beaeid)iiet,  nnb  auf  minbeftenß  40000  tons
jährlich  beziffert.  Abweichend  hiervon  wirb  in  bem  Berichte  von  1884
eine  stetige  starke  Abnahme  des  innern  Verzehrs  feit  bem  Fahre  1874  festgesetzt
  nnb  legerer  für  1864  mis  60000  Sonnen,  für  1875/76  auf  p

je
        <pb n="99" />
        55000  Tonnen,  für  1877/80  ciuf  je  50000,  für  1881  auf  45000,  und  für
1882/83  auf  jährlich  4000O  Touueu  angegeben.  Indessen  ist  kaum  anzunehmen, ­
  daß  in  1874  der  Verzehr  so  viel  bedeutender  gewesen  sein  sollte,
da  in  jenem  Jahre  der  Aufstand  bereits  seinen  Höhepunkt  erreicht  hatte.
Ein  Correspondent  aus  Havana  vom  Jahre  1886  bemerkt  auch,  er  habe
früher  einen  Verbrauch  oou  40000  Tonnen  für  richtig  gehalten,  was  bei
einer  Bevölkerung  von  1  472000  Seelen  fast  61  //.  pro  Kopf  ausmache;
indessen  glaube  er  doch  jetzt  50  OO0  Tonnen  annehmen  zu  müssen.  Allerdings ­
  rechnete  ein  Bericht  aus  Matanzas  vom  Jahre  1872  sogar  600000Kisten
für  den  Verbrauch  der  Insel,  aber  ohne  Angabe  des  Gelvichts  der  Kiste.
Würde  dieselbe,  loie  in  dell  letzten  Jahren  üblich,  zu  16  arroben,  gleich
400  //.  span.,  gerechnet,  so  gäbe  das  über  110000  Tonnen,  für  die  damalige
Bevölkerungszahl  nahezu  80  kg  auf  den  Kopf,  und  jedenfalls  zu  viel.  Ein
anderer  Bericht  alls  1881  nimmt  nur  ungefähr  300O0  Tonnen  jährlich  an,
ein  fernerer  aus  1885  wieder  35O0O  Tonnen,  einer  aus  1886  dann  40  000,
und  ein  zweiter  aus  demselben  Jahre  nieint,  daß  die  bisherige  Schätzung
von  4OOO0  Tonnen  wohl  zu  gering  ansfalle,  man  könne  jetzt  50000  annehmen. ­
  Dagegen  geht  eine  Mittheilung  aus  1887  wieder  auf  35  000  Tonnen
zurück.  Die  Angaben  ans  den  letzten  Jahren  schwanken  also  zwischen  23  %
und  33  Y,  kg  pro  Kopf.  Die  Unsicherheit  ist  bei  dem  Mangel  jeder  Statistik
und  bei  der  Ungewißheit  betreffs  der  Höhe  der  Verarbeitung  wohl  begreiflich. ­
  Man  darf  wohl  annehlneil,  das;  vorerst  eine  wesentliche  Steigerung
des  Verbrauchs  kanln  zìi  erwarten  ist.  Jni  übrigen  kommt  es  aus  die
Höhe  desselben  nur  all  bei  Schätzung  der  Produktion,  welche  sich  zusammensetzt ­
  aus  der  ausgeführten  Meilge  und  ans  der  verbrauchten  bez.  am  Jahresschluß ­
  verbliebellen  Menge,  da  eine  Einfuhr  überhaupt  nicht  stattfindet.
Sv  einfach  danach  die  Sache  zu  liegen  scheint,  lvird  gleichwohl  auch
die  Jahres-Produktion  verschieden  angegeben.  Die  beifolgende  Tabelle  zeigt
die  Ausfuhr,  Consnni  und  Beställde  für  die  Jahre  1868  bis  1886.  Sie
stützt  sich  auf  die  deutschen  Cousulatsberichte,  deren  Angaben  den  amtlichen
Listen  entnommen  sein  sollen.  Die  Genauigkeit  dieser  Listen  wird  gelegentlich
  als  eine  sehr  zweifelhafte  bezeichnet;  sie  sollen  durchaus  nicht  die  gesaininte
  Ausfuhr  enthalten,  lveil  vieles  heimlich  ausgeführt  lverde,  um  den
Zoll  zu  sparen.  Dies  mag  in  der  That  geschehen.  Nirgends  wird  den
spanischen  Zollbeamten  Unbestechlichkeit  nachgerühmt;  Länder  mit  so  ausgedehnter ­
  Küstengrenze  loie  Cuba  silld  überaus  schwer  von  ben  Zvllwüchtern
( ;n  bewachen.  Es  wäre  daher  wunderbar,  wenn  der  Versuch  einer  Umgehung
  des  Ausgangszoües  nicht,  und  nicht  mit  Erfolg  gemacht  wäre.
Die  Berichte  der  deutschen  Consularbeamten  werden  durch  das  Handelsarchiv ­
  veröffentlicht.  Leider  geben  die  darin  mitgetheilten  Zahlen  zu  Zweifeln
Anlaß.  Die  Angaben  der  Consuln  in  den  einzelnen  Hafenplätzen  stimmen
häufig  nicht  unter  sich,  und  nicht  mit  denen  in  den  Jahresberichten  des  Ge-
        <pb n="100" />
        95

iieral-Consulats  in  Havana.  Ein  Beispiel  dafür  bieten  die  im  Jahre  1886
für  bo6  3#  1885  uerôffentltcŅeii  0ertd)te:  ber  cmß  Giens  tiegoö  giebt  bie
Probuktion  auf  630000  Tonnen  an,  der  ans  Matanzas  auf  590  000  Tonnen ­
  Zucker  und  117  000  Tonnen  Melasse  gegen  551  000  bez.  120000
Tonnen  im  Vorjahr;  der  aus  Trinidad  auf  700000  Tonnen  gegen  650000
Tonnen  im  Vorjahr;  der  ans  Havana  (Cuba)  auf  6-bis  700000  Tonnen
gegen  630135  Tonnen  im  Vorjahre,  „von  denen  80000  Tonnen  im
Äclbe  blieben".  miibeften^  über  bnë  %or#r  1884  sonnte  bod)  größere
Einigkeit  herrschen
Die  Angaben  der  alteren  Berichte  lauteten  auf  Fässer  und  Kisten,
die  späteren  ans  Tonnen;  ein  Mapftab  für  die  deduction  wird  nicht  angeführt. ­
  In  neueren  Berichten  fehlt  die  Zahl  der  Säcke,  bez.  die  Erläuterung,
  ob  und  wie  sie  auf  Gewicht  reducirt  find.  Für  Mehl  beispielsweise
wirb  amar  ber  $retB  ^r  %ag  aitgefi'dirt,  md)t  aber  Snfiaít  ober  @emid)t
des  Fasses.  Die  Hauptberichte  ans  Havana,  die  sachlich  bedeutendsten  von
allen,  erscheinen  überhaupt  nicht  mehr  alljährlich.  Für  1879  und  1880
wurde  ein  solcher  im  Jahre  1881  veröffentlicht,  für  1881,  1882  und  1883
int  Jahre  1884;  seitdem  ist  noch  kein  solcher  Generalbericht  wieder  erschienen.

Für  die  Höhe  der  Erzeugung  von  Zucker  bez.  Melasse  m  Euba
finden  sich  vornehmlich,  abgesehen  von  den  beliebigen  Schätzungen  für  die
Jahresrenten,  die  Mittheilungen  in  Berichten  des  französischen  Viceconsuls
Hauterive  in  Cienfnegos,  welcher  ziemlich  begeisterte  Ansichten  über  die
8rn#arfcit  ber  3#  #,  in  0erid)tcn  ber  Slgcitten,  noiiientlid)  ber
Firma  Tobb,  Hibalgo  L  Co.  (später  Hidalgo  &amp;amp;  Go.)  in  Havana,
welche  vermuthlich,  wenn  sie  wollen,  gut  unterrichtet  sein  können,  und  in
den  deutschen  Eonsulatsberichten.
#r  bie  ftiilieren  Sa^e,  biß  oor  beginn  be§  ie^en  ^^^ntaltbeö,  geben
düse  Berichte  die  gesatmnte  Ausbeute  ait  Zucker  tutb  Bkelasse,  letztere  auf
Zucker  reducirt,  tu  Tonnen  zu  2240  //.  also  an:
1862:  683  35.0  3:01111611,  1863:  682  290  Tonnen,  1864:  686  040  3:01111611,
1865:  805  355  „  1866:  820  830  „  1867:  790  846  „
1868:1008400  „  1869:  973287  „  1870:  938894  „
1871:  691900  »  1872:1040900  „  1873:1038487  „
.Aautertoe  giebt  für  1862  mir  500000  1,11b  für  1869  mir  710000  3:om
tien  an.  Im  quarterly  report  ber  Vereinigten  Staaten  für  1883/84  wird
nach  dem  Havana  weekly  report  die  Ausfuhr  an  Zucker  und  Melasse,  ohne
Reduction  der  letzteren  auf  Zucker,  mit  904  293  Tonnen  für  1873,  mit
823  507  für  1872,"mit  623465  für  1871  oeraetdpict,  also  mit  134194  bea.
217  393  und  68435  Tonnen  niedriger,  wobei  für  den  Jahrevverzehr
30—40  000  Tonnen  zu  verrechnen  wären:  es  bleibt  auch  dann  eine  ganz
        <pb n="101" />
        —  98  -

erhebliche  Differenz  aufzuklären.  Noch  schlimmer  ist  es,  das;  dasselbe  Blatt,
Havana  weekly  report,  tut  August  1883  die  gesammte  Produktion  Cuba's
für  das  Jahr  1873  auf  775  000  Tonnen,  für  1872  auf  690  000  und  für
1871  auf  536  000  Tonnen  allgiebt!  Die  Zahlen,  welche  der  Generalbericht
für  1881/83  in  der  HauptzusammensteÜung  2  (Handelsarchiv  1884  11.  720)
bringt,  stimmen  mit  denen  des  quarterly  reports  bez.  des  weekly  report
überein,  sind  also  ohne  Zweifel  dem  letzteren  oder  einer  gemeinschaftlichen
Quelle  entnommen.  Leider  lägt  auch  diese  Hauptzusammenftellung  Bedenken
  zu.  In  der  ebendaselbst  S.  719  mitgetheilten  Verkehrsübersicht  für
1882  und  1883  wird  die  Ausfuhr  von  Kisten  ans  Matanzas  auf  17  221
und  in  Summa  auf  197  886  beziffert,  wogegen  auf  der  folgenden  Seite  720
statt  dessen  die  Ziffern  14427  und  195  092  aufgeführt  sind.
Unter  solchen  Umständen  wird  man  die  Bedeutilng  der  Zahlenangaben ­
  nicht  in  der  Genauigkeit  der  Einzelnheiten  fillden,  sondern  tu  der
Vergleichung  der  Gesammtergebnisse.  Diese  weisen  darauf  hiil,  das;  auch
vor  dem  Jahre  1868,  d.  h.  vor  Begiilll  der  Revolution,  mehrere  Jahre
hindurch  die  Produktion  der  Insel  nicht  stärker  war  als  nachher.  Die
sehr  hohe  Ernte  von  1873  wird  nicht  allein  darauf  zurückgeführt,  das;  das
Wetter  sie  ausnahmsweise  begünstigte,  sondern  auch  darauf,  das;  rilan
allgeillein  die  Aufhebung  der  Sklaverei  als  nahe  bevorstehend  annahm  nub
deshalb  so  lange  als  möglich,  bis  zum  Beginn  der  Regenzeit  fortarbeitete.
Die  quarterly  reports  ergeben  für  die  Jahre  1881,  1882,  1883  als  gesammte
  Produktion  an  Zucker  nub  Melasse  544  953  bez.  669081  und  610138
Tonnen,  ohne  den  Jahresverzehr;  für  die  Jahre  1885  und  1886  wird  die
Produktion  in  Berichten  alls  Matanzas  auf  rund  630000  tons  bez.  675  000
tons  Zucker  und  117  000  bez.  150  000  Tonnen  Melasse  angegeben;  sie
bleibeir  danach  hinter  vielen  älteren  Jahrgängen  nicht  zurück.
Die  beigefügte  Uebersicht  lässt  erkennen,  inwieweit  die  Angaben  der
verschiedenen  Berichterstatter  von  einander  abweichen;  auch  eine  Vergleichung
mit  der  Tabelle  B.  zeigt  keine  Uebereinstimmung,  Es  wäre  sehr  lehrreich,
wenn  nach  den  Einfuhrlisten  der  Vereinigten  Staateil  ititb  von  England
die  angeschriebene  Einfuhr  mit  der  cubanischen  Ausfuhr  zusammengestellt
werden  könnte.  In  beit  letzten  Spalten  der  Tabelle  6.  ist  die  Einfuhr
von  braunem  Zucker  aus  Cuba  nach  den  V.  St,  ailgegeben  uitb  aus
Tonnen  reducirt,  ohile  Hinzurechnung  anderen  Zuckers  oder  des  Melado,
der  in  der  vorletzten  Spalte  sich  aufgeführt  findet.  Dabei  ist  zu  beachten,
das;  diese  Angaben  sich  auf  das  mit  dem  jedesmaligen  30.  Juni  endigende
Fiskaljahr  beziehen,  die  anderen  Spalteil  ans  das  Kalenderjahr.  Die
Zahlen  sind  der  amtlichen  quarterly  reports  entnommen  und  können  wohl
als  zuverlässig  gelteil:  höchstens  mag  man  sie,  wegen  gelegentlichen
Schmuggelnd,  für  etwas  zu  niedrig  halten.  Die  Englischen  statements
fassen  das  ganze  spanische  Westindien  zusammen:  ihre  Angaben  waren  also
für  eine  Vergleichung  nicht  zu  brauchen.
        <pb n="102" />
        ş  mg»  p-v  T*"

97

Leider  gestatten  alle  diese  Zahlen  keinen  Schluß  auf  die  künftige
Leistungsfähigkeit  der  Insel.  Denn  Niemand  vermag  zu  übersehen,  inwieweit ­
  während  der  letzten  Jahre  bereits  die  besseren  Zustände  auf  der  Insel
und  die  bessere  Arbeit  in  den  Fabriken  mitgewirkt  hat,  Niemand  and;,
inwieweit  eine  Ausdehnung  der  Rohrpflanzungen  und  eine  größere  Ergiebigkeit ­
  derselben  in  Aussicht  steht.

18.  Schiffahrt  und  Handel.
Der  Seeverkehr  der  Insel  hat  lange  Zeit  unter  den  Bevorzugungen
gelitten,  welche  der  spanischen  Flagge  eingeräumt  loaren.  Ueberdies  lasteten
alls  den  Schissen  schwere  Abgaben  und  sie  mußten  sich  in  den  Häfen
allerlei  chicanöse  Maßregeln  gefallen  lassen,  deren  Fortdauer  noch  der
Consulatsbericht  von  1884  bezeugt.  Ein  Beispiel  dafür  bietet  die  Verordnung ­
  vom  2.  April  1875,  welche  vorschreibt:  Alle  ausgehenden  Fahrzeuge ­
  werden  von  einem  Polizeibeamten  besucht,  welcher  von  den  Pässen
der  Passagiere  Einsicht  nimmt.  Passagiere  ohne  Paß  werden  sofort  wieder
ausgeschifft;  sie  haben  100  pesos  Buße  zu  zahlen  ev.  2  Monat  Haft  zu
erleiden.  Für  jeden  paßlosen  Passagier  zahlt  der  Capitän  oder  ev.  der
Consignatär  200  pesos  Strafe;  gleiche  Strafe  der  Consignatär,  der  ohne
Vorzeigung  eiiles  Passes  den  Fahrschein  ausgiebt.  Consignatäre  fremder
Schiffe  haben  2  Stunden  vor  der  Abfahrt  dern  Polizei-Inspector  eine
Liste  der  Passagiere  zuzustellen,  bei  100  pesos  Strafe.
Aus  der  vorerwähnten  Tabelle  über  die  Produktion  ergiebt  sich  zugleich,
welche  Verschiebung  im  Laufe  der  Jahre  bei  dem  Znckerhandel  mit  dem
Auslande  stattgefunden  hat.  Seit  einiger  Zeit  erscheinen  die  Vereinigten
Staaten  von  Nordmnerika  nicht  blos  als  die  fast  ausschließlichen  Abnehmer
der  cubanischen  Melasse,  sondern  auch  als  die  von  Jahr  zu  Jahr  stärkeren
Käufer  für  Zlicker,  neben  denen  überhaupt  nur  noch  das  Mutterland
Spanien  in  Betracht  konunt.  England,  welches  noch  in  den  Jahren  1868
bis  1870  ebensoviel  oder  mehr  als  die  Vereinigten  Staaten  bezog,  erhält
neuerdings  fast  nichts  mehr  ans  Cuba;  ebenso  ist  Frankreich  aus  der
Reihe  der  Bezngsländer  ausgeschieden.  Dem  amerikanischen  Verkehre  kommt
die  kürzere  Reise  und  die  damit  verbundene  billigere  Fracht  zu  statten.
Ueberdies  ist  auch  die  Einfuhr  aus  den  Vereinigten  Staaten  an  wichtigen
Bedarfsartikeln,  wie  an  Mehl,  Fleisch,  Fett,  Kohlen  u.  dergl.  sowie  an
Edelmetallen,  sehr  bedeutend  und  in  stetem  Wachsen  begriffen,  so  daß  es
an  Rückfracht  nicht  fehlt.  Auch  einzelne  Sonderbestinnnungen  kommen
beut  Verkehr  zu  Gute,  iute  z.  B.  die,  daß  leere  Fässer,  welche  nachweislich
von  Cuba  mit  Melasse  ausgegangen  waren,  aus  New-Iork  zollfrei  wieder
dorthin  eingebracht  werden  dürfen.  Neuerdings  sind  auch  der  amerikanischen
13
        <pb n="103" />
        Flagge  dieselben  Rechte  eingeräumt,  welche  der  spanischen  zustehen  und
man  darf  danach  eine  nachhaltige  Steigerung  des  Verkehrs  zwischen  der
Insel  und  den  Vereinigten  Staaien  voraussetzen.  Wahrscheinlich  wird  sich
diese  Verbindung  beider  Länder  nicht  auf  den  Austausch  von  Waaren  beschränken, ­
  sondern  mehr  und  mehr  die  Ueberführung  von  Capitalien  und
unternehmungslustigen  Männern  zur  Folge  haben.
Dem  entspricht  auch  die  stetige  Zunahme  der  amerikanischen  Flagge
im  cubanischen  Schiffsverkehr.  Eine  Uebersicht  über  letzteren  in  seiner
Gesammtheit  zu  geben,  erwies  sich  wegen  völlig  unzureichender  Nachrichten
als  unausführbar.  Für  die  Schiffseingänge  in  den  Hafen  von  Havana
während  der  Jahre  1864  bis  1884  liegt  eine  Nachweisung  bei,  welche  die
Betheiligung  der  wichtigsten  Flaggen  zeigt.  Früher  war  Havana  mehr
als  jetzt  der  Mittelpunkt  der  überseeischen  Handelsbeziehungen  der  Insel.
Zwar  die  Ausfuhr  von  Zucker  hat  nicht  nur  nicht  nachgelassen,  sondern
sich  noch  mehr  dorthin  gezogen.  Die  Eisenbahnverbindungen  haben  überhaupt ­
  manche  Aenderungen  herbeigeführt.  Erzeugnisse  aus  dem  Bezirke
von  Santa  Clara,  die  früher  nach  San  Jago  gingen,  werden  jetzt  nach
Cardenas  gebracht,  weil  sie  neben  der  Eisenbahnbeförderung  dorthin,  auch
billigere  Seefracht  nach  Nordamerika  haben.  Aus  gleichem  Grunde  kommen
jetzt  viele  Erzeugnisse  aus  betn  Bezirke  von  Cienfuegos  nach  Havana.  Die
Tabelle  über  die  Zuckerausfuhr  läßt  erkennen,  daß  die  nördlichen,  für  den
Verkehr  nach  Amerika  günstig  gelegenen  drei  Häfen  Havana,  Matanzas
und  Cardenas  jetzt  den  Löwenantheil  an  der  Ausfuhr  haben.  Anders
steht  es  mit  der  Ausfuhr  von  Bergwerks-Produkten  und  Holz,  tvelche  freilich ­
  an  Bedeutung  mit  der  des  Zuckers  vorerst  sich  nicht  messen  kann.
Natürlich  haben  die  Häfen  von  Matanzas  und  Cardenas  bei  steigender
Ausfuhr  auch  an  der  Einfuhr  einen  größeren  Antheil  erlangt.  Die  südlichen ­
  Plätze,  namentlich  auch  Cienfuegos  mit  seinem  trefflichen  Hafen,  sind
für  den  Verkehr  mit  Central-  und  Südamerika  mehr  in  den  Vordergrund
getreten.  Die  fremden  Importeure  behaupten  deshalb,  daß  ihnen  dadurch
das  Geschäft  sehr  erschwert  sei;  früher  genügte  ihnen  die  Kenntniß  der
Havana  und  die  Verbindung  mit  diesem  Platze;  jetzt  müßten  sie  sich  mit
der  ganzen  Insel  befassen.  Aus  Cienfuegos  wird  bereits  im  Jahre  1877
berichtet,  es  hätten  sich  drei  Dansiffschiffs-Gesellschaften  gebildet:  eine  unterspanischer
  Flagge  zur  Verbindung  nach  Honduras,  eine  desgleichen  für  die
Fahrt  nach  Liverpool;  eine  dritte  unter  amerikanischer  Flagge  für  die  Fahrt
nach  New-Jork;  die  beiden  ersteren  hätten  Fahrzeuge  von  800  bis  1000,
die  dritte  von  1000  bis  1500  Tonnen  Tragfähigkeit.  Im  Jahre  1880
kamen  nach  Cienfuegos  45  Dampfer  mit  56  299  Tonnen  Tragfähigkeit,  darunter ­
  33  Spanier  mit  28  003  und  12  Amerikaner  mit  28296  Tonnen  Tragfähigkeit; ­
  im  Jahre  1883  schon  78  Dampfer  mit  101  614  Tonnen  Tragfähigkeit, ­
  worunter  45  Spanier  und  14  Amerikaner.  Noch  beträchtlicher  ist  der
        <pb n="104" />
        13*

99

Schiffsverkehr  von  San  Jago,  welches  vor  Jahren  von  zahlreichen  Dampfern
der  compagnie  générale  transatlantique  angelaufen  wurde.  Im  Jahre  1883
kamen  dort  218  Dampfer  mit  241881  Tonnen  Tragfähigkeit  ein,  darunter
154  Spanier,  39  Amerikaner,  4  Engländer;  im  Jahre  1886  schon.303  Dampfer
mit  296  590  Tonnen  Tragfähigkeit,  worunter  138  Spanier  und  31  Amerikaner, ­
  diese  mit  45  755  Tonnen  Tragfähigkeit.  Da  in  demselben  Jahre  1886
nach  Cienfuegos  im  Ganzen  253  und  in  Matanzas  342  Fahrzeuge  eingingen, ­
  so  läßt  sich  die  Bedeutung  der  Häfen  ermessen,  welche  sich  mit  der
Havana  in  den  Verkehr  theilen.
Indessen  behauptet  die  Havana  wegen  seiner  günstigen  Lage  und  als
Hauptsitz  der  Regierung  salvie  als  Centralpunkt  des  Handels,  namentlich
mit  Tabak,  innner  den  ersten  Platz.  Auch  dort  haben  neben  den  Spaniern
die  amerikanischen  Fahrzeuge  den  Hauptantheil,  indem  sie  dein  Tonnengehalt ­
  nach  mehr  als  den  dritten  Theil  des  gesammten  Einganges  für  sich
beanspruchen.  Die  englischen  Fahrzeuge  haben  der  Zahl  nach  beträchtlich
abgenommen,  der  Aufschwung,  den  sie  im  Jahre  1881  nahmen,  war  nicht
nachhaltig;  der  Tonnengehalt  ist  nach  starken  Schwankungen  ungefähr  derselbe ­
  uñe  vor  20  Jahren.  Deutsche  Fahrzeuge  haben  sich  nicht  behaupten
können:  ohne  Zlveifel  der  mangelnden  Frachten  wegen,  da  als  Ausfuhrartikel ­
  für  sie  nur  Tabak  in  Betracht  konnnt  und  eine  stetige  Einfuhr  sich
noch  nicht  von  Deutschland  her  entlvickelt  hat.  Das  Gesannntbild  läßt
sich  dahin  zusammenfassen,  daß  zwar  die  Zahl  der  nach  Havana  kommenden
Schiffe  seit  1864  fast  auf  die  Hälfte  herabgesunken,  ihr  Tonnengehalt  dagegen ­
  fast  auf  das  Doppelte  gestiegen  ist.
Wie  überall  haben  auch  hier  die  Dampfer  den  Segelschiffen  den  Rang
abgelaufen.  Zur  Zeit  gehen  fünf  regelmäßige  Dampferlinien  nach  Europa,
drei  nach  New-Aork,  eine  nach  New-Orleans,  vier  nach  Vera-Cruz,  und
drei  nach  St.  Thomas.  Dazu  kommen  eine  Anzahl  kleiner  Küstendampfer,
welche  für  den  Verkehr  der  Insel  selbst,  nach  wie  vor,  der  Benutzung  von
Landwegen  vorgezogen  werden,  besonders  da,  wo  es  an  Eisenbahnen  noch
fehlt.  Auf  diese  Weise  ist  den  Segelschiffen  die  Aussicht  ans  Rentabilität
fast  ganz  benommen  und  ihre  Benutzung  beschränkt  sich  mehr  mld  mehr
auf  Massenartikel,  welche  die  Dampferfracht  nicht  tragen.
Im  Jahre  1868  wurde  das  unterseeische  Kabel  von  Havana  nach
New-Nork  dem  Verkehr  übergeben.  In  demselben  Jahre  wurde  eine
Dampferverbindung  der  Hamburg-Amerikanischen-Packet-Actien-Gesellschaft
eingerichtet,  der  gegen  Ende  des  Jahres  dann  auch  der  Norddeutsche  Lloyd
mit  einer  Verbindung  zwischen  Hamburg  und  Bremen  nach  Havana  und
New-Orleans  folgte.  Im  Jahre  1879  kamen  16  Dampfer  des  Norddeutschen ­
  Lloyd  und  14  Dampfer  der  Packet-Actien-Gesellschaft  in  Havana  an.
Noch  ans  betn  Jahre  1880  wird  berichtet,  daß  der  Dampfer  „Lotharingia"
dieser  Gesellschaft  auf  der  Fahrt  zwischen  St.  Thomas  und  Vera-Cruz  den
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        v&amp;gt;

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100

Hafen  der  Havana  24mal  angelaufen  habe.  Dagegen  wird  für  das  Jahr
1883  berichtet:  Deutsche  Dampfer  seien  bei  dem  Seeverkehr  Havana's
gar  nicht  mehr  betheiligt,  da  die  Hamburg-Amerikanische  Packetfahrt-Gesellschaft
  ebenso  iute  der  Norddeutsche  Lloyd  ihre  Schiffe  ganz  zurückgezogen ­
  hätten;  bei  den  dermaligen  Dampferfahrten  kämen  12  größere  und
kleinere  spanische  Linien,  5  Nordamerikanische,  1  französische,  1  englische
und  1  mexikanische  in  Betracht.  Seither  legen  deutsche  Dampfer  nur  selten
dort  an:  den  Verkehr  nach  Deutschland  vermitteln  vortheilhafter  die  fremden ­
  regelmäßigen  Linien.  Ohnehin  wird  in  Havana  das  Lagergeld  für
wenige  Tage  eben  so  hoch  berechnet  iute  für  das  ganze  Jahr;  der  Versender ­
  kann  also  ohne  Mehrkosten  warten,  bis  einer  der  häufig  ohne
Ladung  durchgehenden  Dampfer  ihm  eine  billige  Verfrachtung  erlaubt.
Die  Seefrachten  haben  während  und  in  Folge  der  unruhigen  Zeiten
sowie  wegen  der  wechselnden  Höhe  der  Ernten  sehr  erhebliche  Schwankungen
erfahren.  Auch  die  eigenthümlichen  Geldverhältnisse  haben  dazu  mitgewirkt.
  Eigne  Nhederei  scheint  in  Havana  oder  sonst  in  Cuba  nicht  vorhanden ­
  zu  sein;  fremden  Rhedern  aber  kann  die  Seefracht  nur  in  Golde
berechnet  werden.  Um  einen  ungefähren  Anhalt  zur  Beurtheilung  zu
bieten,  ist  in  der  beigefügten  Tabelle  eine  Uebersicht  der  Seefrachten  von
Havana  nach  dem  Kanal  (Falmouth)  per  Ordre  aus  den  Berichten  zusammengestellt ­
  für  die  Jahre  1862  bis  1885.  Diese  Fracht  ist  gewählt,  weil
sie  am  besten  den  Vergleich  ermöglicht  und  für  Europa  ant  wichtigsten  ist,
da  die  Kosten  der  Versendung  nach  England  den  Verkaufspreis  des  Zuckers
daselbst  mit  bestimmen.  Agentnrgebühren,  Prämien  u.  dergl.  sind  bei  den
Zahlen  der  Tabelle  nicht  inbegriffen.  Auch  die  Fracht  nach  den  Vereinigten
Staaten  ist  natürlich  Schwankungen  unterworfen,  wenn  auch  weniger
starken.  Im  Jahre  1875  notirte  man  Anfangs  1  bis  l l / 2  dollars  per
ßtfte,  an  Gilbe  beììelbett  mtr  '/,  biß  %  dollar  ber  #te,  ttitb  5'A  bea.
2 3 / 4  dollar  per  Faß  Zucker,  sowie  3%  bez.  l 3 / 4  dollar  für  das  Faß
Ueber  die  Geldwirthschaft  der  Insel  ist  schon  in  einem  früheren  Abschnitte ­
  ausführlicher  gesprochen  worden.  Der  Tabelle  E  ist  neben  den
Seefrachten  eine  Nachweisung  des  Wechselcourses  ans  London,  60  Tage
Sicht,  sowie  eine  Nachweisung  der  Prämien,  welche  für  Spanisches  Gold
gezahlt  werden  mußten,  gegeben  und  damit  eine  Nachweisnng  der  eingeführten ­
  und  ausgeführten  Edelmetalle  (Goldmünzen)  verbunden.  Für  das
Jahr  1874  mußte  der  Wechseleonrs  in  Papier  der  Bank  von  Havana  angegeben ­
  werden,  weil  damals  die  Geschäfte  nicht  ans  Goldbasis  gemacht
wurden.  Uebrigens  muß  bemerkt  werden,  daß  die  beharrliche  Höhe  des
Courses  nur  eine  scheinbare  ist,  weil  für  London  usancemäßig  das  Pfund
Sterling  mit  4,44  pesos  berechnet  wird,  während  sonst  ausnahmslos  der
peso  gleich  5  fr.  oder  4  Mark  steht.  Banknoten  hatte  die  Bank  von  Ha-
        <pb n="106" />
        Dana  am  30.  Juni  1872  für  49  Millionen  dollars  (170  Millionen  Mark)
ausgegeben,  wovon  12  Millionen  für  eigene  Rechnung  und  37  Millionen
für  Rechnung  der  Regierung.  Wo  in  der  Tabelle  E  bei  einzelnen  Jahren
die  Rubriken  nicht  ausgefüllt  sind,  hat  die  betreffende  Zahl  nicht  ermittelt
werden  können.
Endlich  wird  noch  eine  Nachweisung  der  Preise  für  Zucker  beigefügt,
loie  sie  in  Havana  notirt  worden  sind.  Erst  in  neuerer  Zeit  werden  sie
gleichmäßig  für  die  vier  Sorten:  clayed  =  gedeckter  Zucker,  centristigirter,
Melassezucker  und  Muskovadezucker  angegeben.  In  vielen  Jahren  haben
die  Preise  je  nach  der  Jahreszeit  stark  geschwankt:  genauere  Angaben
hierüber  finb  vermieden  worden,  da  es  int  wesentlichen  nur  darauf  ankam,
den  nöthigen  Anhalt  zu  einer  Vergleichung  der  früheren  und  der  neueren
Verhältnisse  im  Ganzen  zu  bieten.  Obwohl  in  Spanien  selbst  seit  langer
Zeit  das  metrische  System  für  Maaß  und  Gewicht  sowie  das  Decimalsystem
  für  die  Valute  eingeführt  ist  und  gleiches  auch  neuerdings  für  die
Colonieen  angeordnet  sein  soll,  rechnet  man  in  Cuba  immer  noch  nach
spanischen  Pfunden,  Arroben  und  nach  Realen.  So  verstehen  sich  auch  die
in  der  Tabelle  angegebenen  Preise  als  Realen  per  Arroba  von  25
spanisch.  Eine  Umrechnung  ergiebt  den  Preis  von  1  Real  per  Arroba
gleich  4,35  Mark  für  100  kg;  von  1%  Realen  =  6,51  Mark,  von
2  Realen  =  8,70  Mark,  von  2  '/ 2  Realen  =  10,87  u.  s.  w.,  von  4  Realen
per  Arroba  gleich  17,39  Mark  für  den  Doppelcentner.  Uebrigens  wird  in
einem  Berichte  ans  dem  Jahre  1885  behauptet,  daß  auf  den  Zuckermarkt
in  Havana  die  Londoner  Preise,  welche  stets  niedriger  seien  als  die  New-Norker,
  nur  einen  geringen  Einfluß  ausüben.  Bei  der  weit  überwiegenden
Ausfuhr  nach  Nordamerika  erscheint  dies  sehr  glaublich.

19.  Schlnftwor  t.
Alles  in  Allem  genommen  scheint  die  Ansicht  nicht  unbegründet,  daß
Cuba  jetzt,  nachdem  es  eine  Reihe  von  Jahren  hindurch  Frieden  und  Ruhe
genossen,  trotz  der  Mängel  seiner  Regierung  ein  geeignetes  Feld  für  capitalkräftige
  Unternehntungen  biete.  Eine  solche  kündigte  sich  in  etwas  auffälliger ­
  Weise  bei  Gelegenheit  der  Weltausstellung  in  Ainsterdam  1883  an.
Was  darüber  durch  den  erstatteten  Ausstellungsbericht  bekannt  geworden,
möge  hier  Erwähnung  finden.  Es  heißt  dort  also:
Die  spanischen  Colonieen  waren  schwach  vertreten.  Von  C  u  b  a
waren  nur  aus  dem  Bezirke  von  Ripe  wenige  Muster  von  braunen  und
hellbraunen  Muscobaden,  Konkretzucker,  eingesandt  und  zwar  von  deut
„.Verein  für  Landwirthschaft  und  Industrie  auf  Terrains  in
Ripe."  Diese  Gesellschaft,  1881  gegründet,  hat  ihren  Sitz  in  Madrid
        <pb n="107" />
        und  ein  Bureau  in  Paris;  die  Direction  führt  Enrique  Cuespo  in  Matanzas. ­
  Ihre  Terrains,  im  nördlichen  Theile  der  Insel  belegen,  umfassen
eine  Fläche  von  75  726  ha.  Zweck  der  Gesellschaft  ist  die  Bepflanzung
dieser  Felder  und  die  Gründung  einer  Stadt  Nipe  mit  Hafen  und
Zubehör.  Die  amtliche  Genehmigung  ist  bereits  nachgesucht  zur  Herstellung ­
  eines  Trockendocks  sowie  die  Anerkennung  des  Hafens  zur  Vermeidung ­
  aller  Zollschwierigkeiten.  Eine  Kirche,  eine  Schule,  Gebäude  für
Arzt  und  Apotheke  werden  die  ersten  Gebäude  sein.  Man  ist  gegenwärtig
auf  einem  27  ha  großen  Terrain  mit  der  Herstellung  einer  Centralfabrik
beschäftigt,  ivelche  den  Namen  „Paris"  führen,  am  1.  December  1884  den
Betrieb  beginnen  und  10-  bis  15  000  tons  Zucker  arbeiten  soll.  Zur  Bepflanzung ­
  mit  Rohr  werden  2000  ha  gerodet;  eine  Eisenbahn  wird  gebaut
von  der  Bai  von  Ripe  bis  Magari,  um  die  gefällten  Bäume  herabzuschassen
und  das  Rohr  der  Fabrik  zuzuführen.  Die  Steine  werden  von  Havre
gebracht.  Die  Colonisten,  die  sich  niederlassen  wollen,  erhalten  sofort
cultivirbares  Land,  Thiere  und  Arbeitsgeräth,  Terrain  zum  Bau  von
Wohnung  und  Stall;  ferner  Lebensmittel  oder  Geld,  Saat  für  Zuckerrohr
oder  Tabak.  Geldvorschüsse  werden  zu  6%  verzinst,  Vorschüsse  von  Vieh
und  anderen  Artikeln  zum  Kostenpreise  ohne  Zinsen  berechnet,  und  sind
aus  den  Ernten  der  beiden  ersten  Jahre  zu  erstatten.  Das  Land  wird
auf  5  Jahre  pachtfrei  zur  Benutzung  gegeben.  Das  Zuckerrohr  wird  zu
3  pesos  per  100  arrob.  (d.  i.  15  fr.  für  1150  kg  —  also  etwa  1  Mark  für
100  kg  Rohr  —)  von  der  Gesellschaft  übernommen.  Im  6.  Jahre  wird
der  Colonist  Eigenthümer  des  Landes  mit  der  Verpflichtung,  dort  zu  bleiben
und  Rohr  oder  Tabak  zu  bauen;  er  hat  eine  Rente,  ablösbar,  von  500  pesos
per  Caballería  (d.  h.  2000  Mark  für  13  '/ 2  ha)  zu  zahlen.  Die  Gegend
ist  gesund,  große  Wälder  mit  den  besten  Holzsorten  sowie  Wasser  hinreichend
vorhanden,  der  Boden  fruchtbar,  zu  allen  Culturen  geeignet.  Die  Gesellschaft ­
  wird  in  jeder  Weise  von  der  Regierung  unterstützt,  die  ihr,  auf  ihr
Ersuchen  um  500  Soldaten  zu  Arbeitszwecken,  deren  3000  zur  Verfügung
gestellt  hat.  Ende  März  d.  I.  waren  300  Colonisten  mit  500  Soldaten
an  der  Arbeit,  ein  Magazin  für  Werkzeuge  und  Nahrungsmittel  bereits
fertig.  Die  erste  Zuckerernte  ergab  10000  tons;  in  der  dritten  nnd  vierten
hofft  man  auf  30000  tons  zu  kommen,  was  einen  Werth  von  15  Millionen  fr.
repräsentirt.  1500  kg  Tabak  wurden  im  Januar  nach  Frankreich  verschickt
und  von  sehr  guter  Qualität  befunden.  Auch  won  Mineralien  wurden
einige  Tonnen  verschifft.  —  Herr  Rosenthal,  Vertreter  der  Gesellschaft  auf
der  Ausstellung,  bemerkte,  daß  die  Zucker  nur  ausgestellt  worden,  uni  Ripe
bekannt  zu  machen,  nicht  um  mit  andern  Zuckern  zu  concurriren.  In
Ripe  sei  der  Tagelohn  sehr  hoch,  etwa  9  fr.  per  Tag,  und  da  sei  es  die
Aufgabe,  möglichst  rasch  zu  arbeiten,  und  nicht,  ein  vorzügliches  Produkt
herzustellen.
        <pb n="108" />
        Vicier  Bericht,  dem  die  französische  Reelamesucht  an  der  Stirn  geschrieben ­
  steht,  sollte  immerhin  ein-  thatsächlich-  Grundlage  von  e,Niger
Bedeutung  erwarten  lassen.  Zn  diesem  Falle  würden  ohne  Zweistl  aà
Berichte  nicht  darüber  geschwiegen  haben.  Allein  e»  findet  sich  nur  in
einen,  Berichte  a.is  San  Zago  sur  1882  erwähnt,  dag  c.iie  spamsch-sranzosischc
  Gesellschaft  mit  den,  Herzog  de  la  Borre  an  der  Spitze  zusammen-«MW

SMW
strömen,  welche  Fortschritte  wird  dann  Cuba  nnt  leinet  Zuckerindustrie
Frage,  ob  der  Anbau  des  Rohres  weiter  als  bisher  ausgedehnt
U,ne ®ie  Selbstkosten  der  Pflanzungen,  salvie  der  Fabriken  werden  sich
«MW
wird  allmählich  auch  eine  größere  Ausbeute  erzielt  werden,  dļw  System
der  Central-Ingenios  wird  allgemeinere  Anwendung  ftnden  und  die  bessere
bringen.
        <pb n="109" />
        104

Allein  mit  der  Vermehrung  dieser  verkäuflichen  Waare  kann  leicht
eine  Preisminderung  Hand  in  Hand  gehen,  welche  die  Rentabilität  der
Betriebsanstalt  und  der  Pflanzung  in  Frage  stellt.  In  Deutschland
herrscht  ziemlich  allgemein  die  Ansicht,  daß,  abgesehen  von  vorübergehenden
Conjuncturen,  der  Zuckerpreis  der  letzten  beiden  Jahre  für  die  Folge  ungefähr
beibehalten  werden  wird.  Diesen  Preis  hat  man  nach  den  vorliegenden
Nachrichten  Ursache,  für  einen  hinter  den  durchschnittlichen  Selbstkosten  der
cubanischen  Fabriken  zurückbleibenden  zu  halten.  Weitere  Erfahrungen  und
Ermittelungen  allein  können  den  Nachweis  liefern,  das;  dieser  Preis  in
Zukunft  noch  einen  angemessenen  Ueberschuß  über  die  Selbstkosten  gelvährt.
Andernfalls  müßten  Kapital  und  Kräfte  sich  ein  vorteilhafteres  Feld  für
ihre  Thätigkeit  suchen.  Ob  ein  solches  zu  finden,  läßt  sich  zur  Zeit  nicht
übersehen:  man  sollte  es  aber  nicht  für  unmöglich  halten.
In  den  obigen  Zusammenstellungen  ist  auch  der  übrigen  Natur-Erzeugnisse
  Cuba's  erwähnt  worden.  Müßige  Gelder  und  Kräfte  werden
zunächst  auf  diese  ihr  Augenmerk  richten.  Man  hat  den  Kaffeeban  vernachlässigt. ­
  Die  Zeiteil  haben  sich  inzwischen  geändert.  Kaffee  zahlt  einen
guten  Preis.  Zucker  nicht.  Anbaufähiges  Land  muß  vorhanden  sein  für
diese  Cultur,  da  sie  früher  in  größerem  Umfange  betrieben  worden.  Allem
Anschein  nach  ist  der  Anbau  lveder  sehr  schwierig,  noch  so  kostspielig  lvie
die  Rohrcultur  und  die  Herstellung  des  Zuckers.
Daß  zur  Zeit  auf  Cuba  nicht  soviel  Tabak  erzeugt  wird  als  der
Weltmarkt  verlangt,  geht  schon  aus  der  seltsamen  Art  der  Bezüge  ans
Portorico  hervor.  Ohne  Zweifel  ist  cubanischer  Tabak  eine  leicht  verkäufliche ­
  und  gilt  bezahlte  Waare.  Abgesehen  von  den  zehnjährigen  Unruhen,
welche  den  ausgedehnten  Tabaksbezirken  im  Westen  der  Insel  wenig  geschadet ­
  haben,  sind  die  allgemeinen  Calamitäten  dem  Tabakhandel  vermuthlich ­
  ebenfalls  sehr  nachtheilig  gewesen.  Eine  Ausdehnung  des  Tabaksbaues ­
  lvird  indessen  wesentlich  davon  abhängen,  ob  geeignetes  Land  dafür
vorhanden  ist.  Diese  Frage  läßt  sich  hier  nicht  beantworten.
Alle  Nachrichten  stimmen  darin  überein,  daß  die  Insel  lnit  ihrem
Bedarf  an  Nahrungsmitteln  auf  die  Bezüge  aus  dem  Auslande  angewiesen
sei.  Der  Anbau  von  Reis,  Mais  ulld  anderen  Cerealien  wird  so  gut  wie
gar  nicht  betrieben.  Man  sollte  meinen,  daß  es  in  einem  Lande  lvie  Cuba
an  Feldern  nicht  fehlen  könnte,  die  sich  für  solchen  Anbau  eigilen.  Wenn
uiail  von  ausgedehnten  Sumpfstrecken  an  verschiedenen  Küstenpunkten  liest,
so  liegt  der  Gedailke  llahe,  sie  beispielsweise  für  den  Reisbau  herzurichten.
Wenn  die  Einfuhr  von  Mehl  aus  Amerika  und  Spanien  ein  gewinnbringendes ­
  Geschäft  ist,  so  sollte  man  glauben,  daß  der  Getreidebau  seinen
Nutzen  bringen  müsse.
Zur  Zeit  hat  die  Insel  so  gut  wie  gar  feine  Industrie.  Bei  fortschreitender ­
  Hebung  der  Landwirthschaft  uild  des  Wohlstandes  wird  sich
        <pb n="110" />
        14

105

das  Bedürfniß  Herausstellen,  in  gewissem  Umfange  mancherlei  selbst  zu
erzeugen,  was  jetzt  vom  Auslande  bezogen  wird,  ohne  daß  die  Insel  gerade
ein  Mittelpunkt  großartiger  Fabrikthätigkeit  zii  werden  brauchte.
Ohnehin  hat  die  Erfahrung  der  letzten  Jahre  bewiesen,  daß  es  au
Erzeugnissen  des  Bergbaues  nicht  fehlt,  welche  eine  weitere  Verarbeitung
verlangen  und  belohnen.  Sind  die  Eisenerze  von  San  Jago  werth,  nach
Amerika  verschifft  zu  werden,  so  liegt  es  nahe,  an  ihre  Verarbeitung  im
Lande  selbst  zu  denken.  Vermehrter  Eisenbahnbau  und  vermehrte  Fabrikthätigkeit ­
  werden  dazu  wohl  Anregung  genug  geben.
Mit  dem  Holzreichthum  der  Insel  ist  man  früher  verschwenderisch
genug  umgegangen.  Indessen  scheint  das  Innere  immer  noch  ansehnliche
Mengen  von  Cedern,  Mahagoni  u.  dergl.  liefern  zu  können.  Wenn  bessere
Wege  und  bessere  sonstige  Einrichtungen  ein  systematisches  Ausbeuten  der
Holzbestände  ermöglichen,  dürfte  auch  die  Frage  aufgeworfen  werden,  ob
es  nicht  vortheilhaft  sei,  statt  der  rohen  oder  roh  vorgearbeiteten  Stäinme
lieber  Halbfabrikate  zu  liefern,  welche  bessere  Preise  bringen  und  die  Fracht
leichter  tragen.
Die  vorstehenden  Bemerkungen  haben  nicht  den  Ztveck,  die  Zukunft
der  Insel  vorauszusagen.  Für  derartige  Weissagungen  reicht  die  Kenntniß
des  Landes  nicht  aus.  Sie  sollen  vielmehr  nur  einer  Vorstellung  begegnen,
welche  sich  vielleicht  hier  und  da  eingefnnden  oder  eingebürgert  hat:  nämlich
der,  daß  Cuba  nur  für  die  Zucker-Industrie  sich  eigne  und  mit  deren  Gedeihen ­
  stehe  oder  falle.  Gewiß  ivird  Cuba  immer  Zucker  erzeugen  und  mit
diesem  Erzeugnisse  eine  Rolle  auf  dem  Weltmärkte  spielen.  Allein  es  hat
uicht  nöthig,  zu  seiner  Erhaltung  einen  Verzweifluitgskampf  einzugehen,
bei  dem  es  um  jeden  Preis  produzirte,  selbst  wenn  es  dabei  keinen  Nutzen
behielte.  Zur  Zeit  befindet  es  sich  in  einem  Uebergangsstadium.  Hoffentlich ­
  belehren  genauere  und  zuverlässige  Nachrichten  über  die  dortigen  Zustände
  so,  daß  sich  ein  zutreffendes  Urtheil  über  die  Zukunft  fassen  läßt.
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        li
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        Kohlen  -  Ginfuhŗ  naáy  Gnvn.
In  Tonnen  ;u  224V  ^  engl.

Jahr

überhaupt

aus

England

Amerika

aus  Amerika
im
Werthe  vou
dollars

Preis  per  ton  für
a.  Amerikanische
b.  englische

von

bis

pesos

1869
1870
1871
1872
1873
1874
1875
1876
1877
1878
1879
1880
1881
1882
1883
1884

161  470
145366
89  346
128187
265  168
176  587
115092
112560
155  125
252055
174806
140557
168737
138673
176263

)  161470
140309
91194
112640
220507
101  347
87362
88556
72797

5057
3331
15  548
44  661
75240
26262
24  004
81741

0  -

100319
112401

3 )

101142
62945
179469
261214
427  049
282  098
201724
251  556
277  704
376702
245  323
372563
MOMO
451925
372977

=)  5Yz

a.  6,0  b.  lO'/z
a.  S'/2  b.  IOV2
a.  12  b.  15
572
a.  572  6.  674

a.  9,0  b.  lO'/s
a.  II72  b.  167«
a.  15  b.  18
8'  2
a.  7  b.  8

Bemerkungen:
&amp;gt;)  Nach  Havana  weekly  reports.
2 )  Nach  Berichten  des  Handelsarchivs.
3 )  Nach  den  amtlichen  quarterly  reports  aus  Washington:  Die  Zahlen  gelten  für  das
Fiskaljahr  bis  1.  Juli.
4 )  Desgleichen:  Anthracit  und  bituminöse  Kohle  zusammen.
3 )  Die  annual  statements  fassen  die  Ausfuhr  von  Kohlen,  Cinders  und  Fuel  nach
dem  spanischen  Westindien  zusammen,  ohne  Trennung  für  Cuba:  Die  Angaben  sind  deshalb
hier  nicht  angeführt.

14 :
        <pb n="113" />
        —  108

».

Zucker-Ausfuhr  uud  Uro-Uach
  den  im  Aandelsarchiv

Bezeichnn  n  g
der

1808.
Fässer  I  Kisten

1809.

Fässer

Kisten

1870.

Kisten

a)  Bestimmungsländer.
V.  St.  Amerika
Großbritannien
Nordşnropa
Frankreich
Spanien  nnd  Süd-Enropa.
Sonst

b)  Ansgangshäfen.
Havana
Matanzas
Cardenas
Sagna
Caibarien
S.  Jago
Trinidad
Cienfuegos
Guantanamo
Andere  Häfen

Zusammen

Oder  in  Tonnen  .  .  .
Verbrauch  in  Tonnen
Bestände  in  Tonnen  .

448809
109893
2  558
940
202
4  627
24829
82905
70903
110504
53202
46  776
41994
97  884
20744
549741

483  858
750990
75125
199  890
217  354
24  093
1  340159
339778
46669
8  078
295
653
4813
1179
298
1741922

412906
87  229
30%)
1  107
313
7197
35649
86  321
71632
94851
43515
22182
41  769
97  228
18  674

511822

610  537
606100
44057
198  784
227  398
14995
1  308381
324761
51  012
9966
20
248
2800
1401
3  282

1701871

639406

408100
123111
1393
1918
3210
13335
50417
102166
87  823
102467
53118
40593
29883
86828

495899
672  200
46327
177  813
266058
25408
1285029
328586
43626
20365

551068  1681705
659  886
*)62500
11093

9  D.  i.  350000  bez.  360  000  Kisten  zu  400  in.  Tonnen  zu  2  240  U  umgerechnet.
        <pb n="114" />
        109  —

dnktion  dev  Insel  Onda.
abgedruckten  Serichten.

1871.

Fässer

Kisten

1872.

Wer

Kisten

376  628
34  230
576
7141
529
3476

34890
75060
59  600
77  280
44710
14180
25  490
66900
20450

551896
273758
36325
50481
197  761
15  920
953  800
186  600
41730
3400
350
700
1890

452439,  642018

81469
303
1000
1819
4989

51089
103  273
103580
101225
51547
11993
25953
77  604
20573
10257

416153  1126141
I
470  941
*)62500
51250

542019

542294
51843
87  613
182357
19018

1161178
287339
57138
16  746
185
326
683
1503
202

1873.

Wer

622744
89742
744
1619
857
3750

Kisten

499  095
608298
41558
47  668
217171
10923

59531  1  150099
162760  205041

1525098

630862
*)62500
57  000

154373
117848
50  472
15867
21  #5
96186
15755
20  311
719456

52%%
15177
151
626
1050
275
1424  713

1874.

Wser

Kisten

714960
*164300
:  72018

611  755

37  801
147

547736

353746
12  969
6068¡  27991
1479  156  139

2828
66271
157  585
128056
110779
52310
12788
21504
90554
20051
200

6918
878578
168  682
43946
12069
105
323
1237
559

1875.

Wer

660098  1105  499
I
617656
60000
9  450

628793
76  840
305
6918
1801
2744
90045
168  591
148338
106  398
59836
12952
21621
90  412
19  208

Kisten

426000
466792
22008
61389
165962
5  550

945251
169216
27  039
1681
225
3  325
964
275

717401  1147701
661057
55000
12500
        <pb n="115" />
        Noch  B.

110

Beze  i  ch  n  it  n  g
der

1870.

Fässer  ¡  Kisten

1877.

passer

Kisten

1878.

Süsse

Kisten

1879.

Süsser

Kisten

a)  Bestimmungsländer.
B.  St.  Amerika
Großbritannien
Nord  Europa
Frankreich
Spanien  und  Süd-Enropa  .  .
Sonst

I»)  Ausgangshäfen.
Havana
Matanzas
Cardenas
Sagna
Caibarien
S.  Jago
Trinidad
Cienfuegos
Gnantanaino
Andere  Häfen

Zusammen  .

Oder  in  Tonnen  .  .
Verbrauch  in  Tonnen
Bestände  in  Tonnen  .

5G8785
56  882

450  942
133195
15678
12987
162911
11  139

1  OG  098
146136
131132
85010
39250
13  355
19016
68  M3
20079

628739  786852
537  743
55000
14150

597  671
10269
1322
2  494
835

262832
71200
5264
1814
92589
2152

631656
138248

213020
52700
2069
1793
94738
11415

199128
130676
89  691
55342
31339
11675
12594
57  MG
23  860

735

155  727
147  779
118139
76439
36  859
14  245
12737
65  285
25485

230206
211404
152270
119  187
49228
10528
10426
83294
21930
3000

328  991
47  501
3443
1377
45
2108

612141

435  858

652695

375  735

460810
50000
11000

474429
50000
19  200

892432  :  383465
623935
50  000
27200

*)  Die  Zahlen  sind  ans  der  Zeitschrift  „Die  deutsche  Zucker-Industrie"  entnommen.
**)  Die  Nachrichten  aus  den  einzelnen  Häfen  sind  unvollständig  und  deshalb  nicht  aufgenommen.
2123  #en,  280771  Göde;  in  1886  :  35318  SM),  312  #cn,  575921  @äde.
        <pb n="116" />
        1880.

Fässer

681154
28097
4683
3  272
414

Kisten

115202
35804
2893
4303
79  472
815

628051
19  351
408
10  610
12041

191240  200  496
157818^  24128

119  584
89  759
45022
11776
10146
75520
24175
3684

2973
22
489
857
997
502
10831

1881.

Kisten

94008
10  030
8
91
78805
1570

1882.

Kisten

788127
12  607
383
1485
8  393

93604
12612
600
2
85897
2377

1883.

Kisten

598532
4167

2445
4173

189  522  157  942
129  154  ;  23  475
113  504  1  131
87  175  1  486

728724  241295
460000
50000
22900

39950
8264
10085
71700
17  035
584
666  973  191  323

223
812
1104
6149

217  515  177  659
151  917  17  221
138  616  1  856
115664  '  3  269
45906
13031
6  797
79  242
32467
9  840

449  067
45000
13179

810995

1150

103273
1113
2000
3
57  258
413

1884.

a.  Fässer
*)b.  Tonin

Kisten

a.  660  656  152  436
b.  436  899
a.  5492  12047
b.  5699
a.  4071  107
b.  272
a.  —  I  251
b.  48
a.  1  8191106  964
b.  21447
a.  123151  5809
b.  8709

1885.
Tonnen

442899
20  623
1321
40532
7  826

1886.
Tonnen

601  775

55627
5941

158693  146808

2495
1680

118179
116300
74335
35174  -
9  796  1  906
8712  4825
63048  ,  2886
25  693  190
570  -

19788k

537859
40000
12000

125480
120009
134  567

215200
9181
9  393

filO  500  164  «60
405  255
40000
18177

300  633

43  840

680689  1227  614
473074
30764

512696

9419

663  343

17  752

Ans  Matanzas  gingen  aus:  in  1884:  120  834  Faß,  2  826  Kisten,  11  654  Säcke;  in  1885:  75501  Faß,
        <pb n="117" />
        —  112  —

C.

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■)  Nach  Ruiz  &amp;amp;  Co.
r )  Entnommen  aus  „Die  deutsche  Zucker-Industrie."  Für  die  zweite  Hälfte  jeden  Jahres  sind  die  Zufuhren  nur  abgeschätzt.
        <pb n="118" />
        113

15

Srhiffseingang  int  Hafen  non  Hanana.

Jahr

Amerikaner
Zahl  '  Tonnen

210814
209028
270G8G
285723
363  G59
378  G45
361658
335158
417  725
419  634
454814
407  403
385879
400170
481752
513  692
493550
462048
496  736
448  074
455124

Engländer
Zahl  I  Tonnen

180523
185619
147  796
122173
119451
124522
125572
77504
106261
122743
77  275
81131
53904
95029
109  941
123  891
120130
215789
186403
172  236
162456

Spanier
Zahl  i  Tonnen

Deutsche
Zahl!  Tonnen

überhaupt
Zahl  Tonnen

215805
184156
190136
170  281
173  537
142  320
181792
191022
228416
224  852
179  296
182011
2015126
244112
269  836
330166
291481
351180
489903
483  365
398041

698651
686644
732992
692927
768225
799  545
792  412
731432
899504
921632
836187
766865
746556
835065
979  949
1  103439
1020131
1  114085
1258  181
1  177  363
1126694
        <pb n="119" />
        E.  Stcrrrd  deŗ  F  vacilen,  WecliMoorrvse,  Goidpvñrnre
rrnd  Go  nt  anten  -  Girr-  rrrrîr  Arrsfrrizŗ.

Fracht
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2240  H  Zucker:
Kanal  per  Ordre

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sh.  I  p.

I  big
sh.l  p.

Wechselconrs
London  GO  Tage
Prämie

von
°/o

bis
»/..

Prämie
für  Gold  gegen
Banknoten

von
»/"

bis

Ein-  und  Ausfuhr  von  Eontanten

Ausfuhr
dollars

Einfuhr
dollars

darunter  aus

Amerika
dollars

a.  Spanien
b.  Mexiko
dollars

.1862
1863
1864
I860
1866
1867
1868
1860
1870
1871
1872
1873
1874
1875
1876
1877
1878
1879
1880
1881
1882
1883
1884
1885¡
1886

52  11

8,0  193/4
11,0  1874
14,8
16"/,ü
24
21-24  j33-36'',
105/125  159/213

16'

7-12
12
11
14
17

15-16
22
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207:
207:

Durchschn.  16,99

16
17
17
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207:
19
20'/:
14

2'0
17
3
10*3/4
15
100
94-138
1057:
118
90
98

37:
7-3
63/4
257:
100
195
-117
138
136
125
135

Durchschn.  123'/:

71
62
887:
150

105
887:
1517:
100

*)

4,3,34  883
.2Z9  307
705  650
455  700
30,3  404
2585  079

4378942
802099
4  788373
8351876
7  982669
7  507800
1557  054
1215986
1767  605
5  886  281

37227611  8036362

2370353
2467433
4  083  830
4  356  659

6  168553
9243219
4  728049
1933108  16  807  796
1  643  603
2738000|  4095996
4236  529!  3599695
5  005  500
480,3  507
330  4,30

6394504
3.38,3007
4  034  405
004  3.30
.330  804
5081086
5526447
3  884  439
3287  429;
4  473  44,9
454  838
2803005:
788  474|
2624615  b.  1384322
2616  837  b.  621634
5  363  7,3,3
5  470008
0  545  485

a.  1683  178

a.  6  501427

*)  Die  schräg  gedruckten  Zahlen  sind  den  amtlichen  quarterly  reports  der  Vereinigten  Staaten
entnoinmen  und  gelten  für  das  Fiskaljahr  vom  1.  Juli  bis  30.  Juni.
        <pb n="120" />
        —  115

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von  I  bis

Muscovado
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1808  Januar
Novbr.

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brown  772  |  9 3 / 4
»  8'A  10

13

IO 1 /

14'/:

1809  Januar
Novbr.

8'

87,

9'A

1870  Januar
Novbr.

8V:

ļ  7"/,c  87,
white  127:  17'/2

10

107s

1871

10'/-8'/-

  1 10

10'/

1873

1074

12'

14

1873

1874  3m,.*)
Novbr.

*)  in  Papier;
centrifugals  8  Gold

14

15'/:
20

6/4

22'/
23

10

12

19'/:

10

2474
14  1774
77a  77a
0%'8  8
974  11
11  I  12‘/4
67,o  774

1875  3m,.**)
Novbr.

**)  ui  Papier;
centrifugals  674
bis  7 3 /ö  in  Gold,
und  Muscovado
47o—674  Gold.

10

17'/

137

87:

10

17'hi

187:

57-1870

  Januar
Novbr.

6'/,

7-/s

474

4'  4

97'

774

774

1877  Januar
Novbr.

1274
774

9'A

97

0/4

574

1878  r.  Quart
II.  „
III.  „
IV.  ..

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1879  I.  Quart.
II.  „
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6'/4

1880  .  .

6'/4  13'/4

1881  Juni
Oktober

974

11'/

117,
117:

97

Durchschnitt
1882

974

117

87

97s

87s

07s

67

1883  ®cptbr.
Dezbr.

87a

87s

674

6'/-774



074

1884  aprii
Mai

77s

574

47s

474
37a

07a

37a

074

1885  aprii
Juli
Oktbr.

4'/-574

574

474

47:

374

374

374

57 4

57-67a



47

47

47

4'/:

1886  aprii
Juli
Oktbr.
Dezbr.
1887  April
Juni

57a

374

474

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674

47:

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474

374

374

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37a

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47s

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47

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        Buchdruckern  der  „Post",  Kayßler  &amp;amp;  Co..  Berlin,  Zimmerstraße
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