178 den Interessenten vielfach bekannt gewesen sein muss. Wie aber auch die Malthussche Bevölkerungsidee streng genommen nicht viel mehr als die Erneuerung eines uralten Irrthums und die Aufnahme einer zugleich naheliegenden und beschränkten Reflexion gewesen sei, wird sich in Bezug auf den rein theore tischen Bestandtheil bald zeigen. In praktischer Beziehung mag aber Malthus sein volles originales Recht behalten, wegen der Rohheit seiner Anschauungen und der Widerwärtigkeit seiner Gesinnung berüchtigt zu bleiben und als Typus einer im schlechteren Sinne des Worts menschenfeindlichen, durch und durch inhumanen Geistesart zu gelten. Das Loben dieser Person wird uns in den wenigen Zügen, die uns hier angehen, schon hinreichende Fingerzeige bieten und uns individuell die corrumpirto Theorie erklärlich machen, welche mit ihm ver knüpft gewesen ist. 2. Malthus (1766—1834) aus der Grafschaft Surrey, wid mete sich als jüngerer Sohn einer wohlhabenden Familie der Theologie und wirkte auch thatsächlich als Glied der anglicani- schen Kirche. Die Schriftstellerei war seine Nebenbeschäfti gung. Er begann dieselbe mit einigem Erfolg auf Veranlassung einer Godwinschen Veröffentlichung, indem er dagegen seiner seits 1798 und zwar anonym eine nicht umfangreiche Arbeit unter dem Titel „Versuch über die Principien der Bevölke rung etc.” erscheinen Hess. Nach 5 Jahren, in welche einige Reisen auf dem Festlande gefallen waren, gab er als zweite Auflage eine durch empirisches Material erweiterte Umarbei tung heraus, die als neues Buch zu gelten pflegt und in den folgenden Auflagen schliesslich auf drei Bände anschwoll. Bald nach dieser zweiten Publication wurde er Professor der Ge schichte und politischen Oekonomie am ostindischen Gesell schafts-Colleg zu Haileybury und blieb in dieser Stellung die drei Jahrzehnte bis zu seinem Tode. Stellt man sich vor, dass er daneben stets ein geistlicher Diener blieb, wie er gewesen, und dass er nun noch andere Schriften fertigte, die noch mehr nach politischer Oekonomie aussahen als sein Bovölkorungsbuch, so hat man ein Bild von den Hauptzügen seines Treibens. Doch fehlt noch ein unter andern Umständen weniger merk würdiger Zug, der aber für den Vertreter der Idee der Bevölke rungshemmung eine ganz besondere Bedeutung hat. Der Pfarrer Malthus heirathete nach der zweiten Ausgabe seines bevölke-