— 188 Anspruch ab, als Arbeiter auch wirklich von der Gesellschaft beschäftigt zu werden. In andere Worte gefasst und einer ge nauen Idee von der Gerechtigkeit entsprechend forinulirt, liiess dies soviel, als behaupten, dass kein Unrecht, d. h. keine Ver letzung darin läge, wenn die nicht selbständigen Schichten oder gar die eigentlich Armen ihrem zufälligen Schicksal überlassen würden. Die übrigen Classen hätten nicht nOthig, irgendwie Gewissensregungen zu empfinden, wenn viele Bestandtheile der Gesellschaft dem Elend hüll los preisgegebon würden. Es sei ja die sündliche Vermehrungstendenz an allem Uebel schuld, und Niemand könne sich darüber beklagen, wenn er durcii Uebervölkerung leide. Wollten die Arbeiter die Löhne erhöht haben, so bestehe das einzige sichere Mittel darin, dass sie selbst ihre Zahl niederhielten. Mit dieser letzteren Empfehlung scheint es jedoch unserrn Reverend nicht einmal sonderlich Ernst gewesen zu sein. Der Anwalt der behäbigen Classen wusste sicherlich, dass cs mit einer solchen Minderung des Arbeitsangebots gute Wege hätte. Der Ausdruck dieses widerwärtigen Egoismus war in seiner nacktesten Gestalt in der ersten Ausgabe unter dem Schleier der Anonymität am stärksten gewesen. Auch noch die folgende hatte allzu greifbare Sätze enthalten, welche der klüger ge wordene Priester nachher wegliess oder abschwächte. Indessen blieb die Sache dieselbe, wenn auch die angreifbarsten Wort formeln in Wegfall kamen. Zuerst hatte sich der liebens würdige Grundgedanke dahin geäussert, dass diejenigen, für welche die Tafel des Lebens nicht besetzt wäre, sich wegzu begeben hätten, und dass dieses Gesetz auch wirklich von der Natur vollzogen werde. Später hatte sich die Haut solcher Gedanken etwas mehr geglättet, ohne dass jedoch das, was darin steckte, seinen Charakter irgend verändert hätte. Im Gegentheil war der ganze Gegenstand, Inhalt und Form zu sammengenommen, nur noch geeigneter geworden, seine Be wegungen auf dem schlüpfrigen Boden gehörig auszuführen. Hiezu dienten ihm wässerige, aus Reise werken zusärnmenge- tragene Beschreibungen, die man viele Seiten lang durchlesen kann, ohne einen einzigen eigentlichen Gedanken anzutreffen. Ferner wurden allerlei Gefühle von der bekannten zweideutigen Mischung angeregt, und die Darstellung schlängelte sich häufig genug am Leitfaden solcher Mixturen von erbaulicher Moral