48

von  der  Ausübung  der  Gerechtigkeit  abhalten,  denn  der
Himmel  war  schon  eingestürzt,  das  Aergste  schon  hereingebrochen. ­
  Alles  mußte  wieder  aufgebaut  werden,  und  man
hatte  nicht  Zeit  für  die  geschichtlichen  Künsteleien  gewöhnlicher ­
  Regierungsmittel.  Mit  dem  Tode  vor  Augen  wollte
man  durch  Werke  der  Gerechtigkeit  das  richtende  Schicksal
sühnen.  Man  war  von  seinem  Rathe  verlassen  und  baute
allein  auf  Gott,  indem  man  nur  gerecht  zu  sein  sich  bestrebte. ­
  Man  mußte  die  Gerechten  anrufen,  sich  blindlings
in  ihre  Hände  geben.  Da  traten  auch  Männer  hervor,
welche  sich  getrauten,  das  gefallene  Vaterland  wieder  aufzurichten. ­
  Und  sie  stellten  das  Vaterland  her  —,  kräftiger,
größer,  sicherer,  als  es  jemals  gewesen,  ein  Ziel  der  Bewunderung ­
  und  Hochachtung  für  die  Mitwelt.  Diese  Männer ­
  waren  keine  Genies,  keine  überfeine  diplomatische  Köpfe,
sondern  nur  klug  durch  die  Erleuchtung  des  Rechtsgefühls
und  groß  durch  das  Vertrauen  auf  die  Kraft  einer  rein
humanen  Gesinnung.  Sie  suchten  nicht  nach  einer  geschichtlichen ­
  Basis,  sondern  räumten  allen  geschichtlichen
Schutt  hinweg,  um  ein  unerschütterliches  Fundament  auf
dem  Boden  des  Menschenrechts  für  ihren  Neubau  zu  gewinnen. ­
  Und  der  Bau  hat  sich  bewährt  und  steht  noch
fest,  und  ist  noch  Preußens  Stolz  und  Preußens  Burg.
Und  die  Zeit  jenes  Baues  ist  die  Zeit  der  wahren  Bedeutsamkeit ­
  Preußens  für  europäische  Kulturgeschichte,  —  eine
Zeit,  in  welcher  der  Geist  des  Rechts  allein,  über  alle
geschichtlichen  Rücksichten  sich  erhebend,  frei  schalten  durfte,
und  der  gerade  Gedanke  einmal  seine  Geltung  erhielt.  Will