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ches  Volk  ist  jemals  so  reif  gewesen?  Wo  ist  jemals  so
viel  Gewöhnung  an  Ordnung,  Liebe  für  Recht,  Ruhe  der
Ueberlegung,  Haß  des  Partheiwesens,  Geist  der  Toleranz
und  gründliches  Wissen  ins  Innere  des  Volks  gedrungen,
als  jetzt  in  Preußen?  Preußen  fühlt  sich  überreif.  Mit
allen  seinen  Trieben  und  Kräften  will  es  sich  vor  der  Welt
bethätigen.  Es  fühlt,  daß  eine  neue  Zeit  in  Europa  angegangen ­
  ist,  aber  sieht  sich  von  der  Theilnahme  an  derselben ­
  ausgeschlossen.  Es  mag  die  Ziethen'sche  Husarenjacke ­
  oder  den  Blücher'schen  Landwehrrock  anziehen,  den
Dessauer  Marsch  brummen  oder  das  Bccker'sche  Rheinlied
singen,  es  wird  nur  für  seine  naive  Wunderlichkeit  belächelt,
und  fühlt  sich  vor  der  Welt  gekränkt  und  innerlich  gedemüthigt.
  Es  schmachtet  im  Bedürfniß  eines  erhebenden
und  kräftigenden  Gefühls.  Es  erkennt,  daß,  zur  Zeit  des
Friedens  und  der  Aufklärung,  jene  Selbstachtung,  welche
allein  ein  würdiges  unb  schwunghaftes  Nationalitätsgefühl
einflößt,  nur  aus  der  Bethätigung  seiner  geistigen  und  sittlichen ­
  Selbstständigkeit  sich  schöpfen  läßt.  Es  will  in  der
bürgerlichen  Kulturgeschichte  jenen  ersten  Rang  einnehmen,
den  es  in  der  diplomatischen  Staatengeschichte  schon  lange
behauptet.
Und  wenn  wir  politische  Selbstständigkeit  erlangt  haben,
wird  sie  uns  Segen  bringen,  werden  wir  es  dabei  besser  haben?
Mit  dieser  Frage  begegnet  uns  die  große  Schaar  der  Zaghaften, ­
  welche  lieber  die  Uebel  ertragen,  die  sie  haben,  als
zu  unbekannten  fliehen.  Wir  wollen  auf  diese  Frage  eine
unumwundene  Antwort  geben,  nichts  vorspiegeln,  nichts