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wie  so  häufig  heutzutage  gesagt  wird:  „die  Zeit  drängt
und  fordert  unabweislich  ein  Vorschreiten."  Die  Phrase
ist  eben  so  bequem  als  nichtssagend.  Denn  „die  Zeit"
kann  nichts  anderes  bedeuten,  als  die  zur  Zeit  bestehenden
Verhältnisse;  und  darin  liegt  gerade  für  uns  eine  Aufgabe,
nämlich:  zu  zeigen,  was  diese  Verhältnisse  sind,  —  welches
unter  ihnen  entstandene  Mißverhältnis  eine  Umgestaltung
ins  Werk  setzt,  —  woher  dies  Mißverhältniß  gekommen,  —
und  wo  die  nöthig  gewordene  Umgestaltung  hinaus  muß?
Es  ist  leicht  sagen:  „wir  befinden  uns  in  einer  Periode
des  geschichtlichen  oder  sozialen  Uebergangö",  —  es  kommt
nur  darauf  an,  zu  sagen:  von  was  zu  was  wir  übergehen,
und  durch  welche  Hebel  die  Bewegung  geschieht.  Dies
genügend  darzuthun,  würde  ein  umfassendes  Werk  erfordern;
doch  glauben  wir,  durch  einige  kurze  Andeutungen,  soviel,
als  unser  gegenwärtiger  Zweck  verlangt,  klar  machen  zu
können.
Woher  die  Feudaleinrichtungen  entstanden,  haben  wir
gezeigt.  Es  war  die  Zeit  der  Fehde  Aller  gegen  Alle:
„  Wo  Groß  und  Klein  sich  kreuz  und  quer  befehdeten,
Und  Brüder  sich  vertrieben,  tödteten;
Burg  gegen  Burg,  Stadt  gegen  Stadt,
Zunft  gegen  Adel  Fehde  hat,
Der  Bischof  mit  Kapitel  und  Gemeinde;
Was  sich  nur  ansah,  waren  Feinde.
Zn  Kirchen  Mord  und  Todtschlag,  vor  den  Thoren
Ist  jeder  Kauf-  und  Wandersmann  verloren,
Und  Allen  wuchs  die  Kühnheit  nicht  gering:
Denn  Leben  hieß:  sich  wehren!  —  "

Faust.  Theil  II