RUSSLAND — Finanzen (Schulden). 75 scheiterte dort grösstentheils. Es ward versichert, das Anlehen sei darauf factisch zu einem gezwungenen im Inlande gemacht worden. Russischerseits widersprach man diesen Angaben, und behauptete viel mehr, das Anlehen sei im Auslande gelungen. — Im Dec. 1855 soll die Negocirung eines weitern Anlehens von 50 oder 110 Mill. S. -R. zu Hamburg gelungen sein, und zwar im Course von 82% (Vs <^6^ Summe ward auf Hamburg, % wurden auf Preussen und Holland gerechnet.) Es ist indessen nicht unglaublich, dass Russland selbst noch grössere Summen aus dem Auslande zu ziehen wusste. Die dessfallsigen Ope rationen wurden natürlich geheim gehalten. — Hiezu kamen: die Ver wendung von Metallvorräthen, welche zur Deckung der Credit-Billete bestimmt waren (wie oben erwähnt), und die Abgabenvermehrungen. Oie Regierung gab dem Papiergelde Zwangscours. Es zeigte ®ich auch hier, dass dies das sicherste Mittel ist, das Metallgeld ganz verschwinden zu machen. Schon im März 1854 wurden am Papier geld 20 Proz. verloren, indem der Rubel, sonst = 4 Frkn., nur noch 3 Er. 8 Cent, galt. Eine Ukase vom Jan. 1855 befahl, zur Milderung der Abgabenerhöhung (die man factisch nicht weiter steigern konnte) ^ie Ausgabe neuen Papiergeldes, das 3 Jahre nach dem Friedens schlüsse eingelöst werden soll. Kaum war der Friede abgeschlossen, so musste das russische Gouvernement die grössten Anstrengungen machen, um Silber im Auslande aufzukaufen (es geschah namentlich zu Frankfurt). Im inland. Verkehre war das Metallgeld ganz verschwunden. Wie schon angedeutet, besteht ausser der Russischen, auch noch eine Polnische und eine Finländische Schuld. Die erste (die polnische) betrug unmittelbar vor dem Kriege etwa 215 Mill. poln. Gulden (über 32V4 Mill. russ. S.-R.), wozu die neue Anlehensbelastung mit 3 Mill. S.-R. kam. Die vorstehenden Ziffern zusammengenommen geben indess nur ein sehr unvollständiges Bild von den der russ. Staatscasse auferlie genden Verbindlichkeiten. In Folge des absolutistisch-bureaucratischen Systems, wonach jede allgemeinere Thätigkeit, selbst im Gebiete der Industrie, des Handels und der Wohlthätigkeit, von der allerhöchsten Weisheit des Selbstherrschers und seiner Beamten geleitet werden müsse, hat die Regierung alle Creditanstalten im Reiche nicht nur unter ilire Obervormundschaft, sondern unter ihre Oberleitung und Ga rantie gestellt: sie alle sind gleichsam Staatsinstitute! Wir nennen Jie Pfandhäuser in St, Petersburg und Moskau, die Leili- und die Handelsbanken zu Petersburg, Moskau, Riga, Odessa, Cliarkow und in andern Städten. Wie nun die Regierung dafür, dass sie ihre »Garantie“ aussprach, in die Leitung und in die Gassen jener An stalten eingreift, lässt sich ahnen. Der Betrag der Passiven der ge dachten Institute ward am 1. Jan. 1853 zu 806’083,233 S.-R. ange geben. Dazu kamen noch in Polen etwa 3472 Mill. S.-R. „Von den 322172 Mill. Frkn., welche die russ. Banken erhielten, sind blos 84 Mill. (21 Mill. Rub.) durch Wechsel oder erhaltene Waaren re- präsentirt“ (L. Faucher, zu Ende 1854). Alle jene Passiven sollten aber versprochenermassen jederzeit rückzahlbar sein!