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        <title>Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde</title>
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            <forname>Georg Friedrich</forname>
            <surname>Kolb</surname>
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      <div>DEUTSCHT.AND — Bayern (Sociales). 
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man aber zur Einreibung schreiten wollte, fehlte es gerade in der 
Hälfte der Regierungsbezirke, nämlich in der Pfalz, Ober- und Unter 
franken und in Schwaben, an der nöthigen Anzahl junger Männer, 
um das Contingent vollständig stellen zu können, — grossentheils 
Folge der heimlichen Auswanderungen, um sich der Conscription zu 
entziehen. (Nach Massgabc der 1832 und 1833 Geborenen sollte die 
Pfalz 2211 M. liefern; cs waren aber nur noch 1218 vorhanden, 
worunter gerade zumeist die Untauglichen.) In dem den Kammern 
vorgclegten Etat ist, da eine wirkliche Einreihung nicht stattfand, 
folglich Kosten nicht erwachsen, von diesem ganzen Institute der 
„eingereihten Assentirten“ keine Rede. 
Landwehr. Dem Gesetze gemäss soll dieselbe allenthalben bestehen ; 
sie ist aber thatsächlich nur in den grössern Städten und ausserdem auf 
dem Papiere vorhanden ; in der Pfalz fand man es nicht für zweckmässig, 
sie auch nur dem Namen nach zu organisiren. Die Einrichtung ist jeden 
falls dermalen ohne alle praktische Bedeutung. (Auf dem Papiere er 
scheint eine Landwehr von 54,410 M. Infanterie und 2600 Cavallerie.) 
Festungen. Ingolstadt und Germersheim (beide neu erbaut, erstes 
mit einem Aufwandc von 18 Va Mill., letztes mit einem von etwa 
13 Mill.), Landau (Bundesfestung, im Frieden blos von Bayern zu 
besetzen). In Ulm hat Bayern das Mitbesatzungsrecht (Neu-Ulm liegt 
auf bayerischem Gebiete). Ausserdem einige kleine festen Punkte : 
Marienburg bei Würzburg etc. 
Geschichtliche Notizen. Die Kriegsmacht Pfalz-Bayerns vor 1789 
ward auf 24,000 M. berechnet, wovon jedoch nur 7000 präsent wa 
ren. Die Kriege zur Rheinbundszeit, 1805, 7 und 9 (besonders in 
Tirol) erheischten viele Menschenopfer, und wenn auch keine bayer. 
Truppen nach Spanien gesendet wurden, so ging dagegen im Russ. 
Feldzuge fast das ganze Contingent von 30,000 M. zu Grunde. Die 
höchste Formation des bayerischen Heeres betrug ungefähr 47,000 
M., also selbst in der Napoleonischen Kriegszeit wenig mehr als die 
Hälfte der jetzigen. Nach dem Rieder Vertrage ungemeine Anstren 
gungen; Vermehrung der Armee auf 86,000 M., (freilich ohne damit 
die erwarteten diplomatischen Erfolge erlangen zu können). 
Sóplale VerllciKiiissc* Ueber Ansässigmachung, Gewerbs- 
freiheit u. s. w. herrschen in den Gebieten links und rechts des 
Rheines geradezu entgegengesetzte Principien. In den 7 älteren Re 
gierungsbezirken gelten die Grundsätze der Beschränkung, in der Pfalz 
(aus der Zeit der Vereinigung mit Frankreich her) jene der Freiheit. 
— In den erstbezeichneten Gebictstheilen hat sich nicht nur das 
Zunftwesen erhalten, sondern auch (jedoch erst seit der 2. Hälfte des 
18. Jahrhunderts) das System der Realrechte ausgcbildet. Zu An 
fänge des 19. Jahrhunderts (1802, bes. Verordnung v. 1. Dec. 1804) 
suchte man diesen Zustand zu brechen, allein nicht durch Einführung 
voller Gewerbsfreiheit, sondern indem man den Gewerbsbetrieb von 
dem bureaucratischen Ermessen, von der Ertheilung einer Concession 
durch die Behörden, abhängig machte, und solche Concessionen in 
grosser Anzahl verlieh. Durch Verordnung vom 2. Oct. 1811 ward</div>
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