<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Georg Friedrich</forname>
            <surname>Kolb</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>834619415</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>DEUTSCHLAND — Kur-Hessen (Finanzen). 
181 
besetzten nach der Jenaer Schlacht französische Truppen das ganze 
Land; der Kurfürst entfloh. Hessen (mit Ausnahme von Hanau und 
Niederkatzenelnbogen) bildete den Kern des 1807 errichteten „Kö 
nigreichs Westfalenwelches in der Zeit seiner grössten Ausdehnung 
1120 Q. M. und 2V2 Mill. Menschen umfasste. (König: Napoleons 
jüngster Bruder Hieronymus [Jerome], Hauptstadt Cassel.) Nach der 
Leipziger Schlacht Restauration des Kurfürsten. Er hatte abzutreten: 
Katzenelnbogen an Nassau, die Herrschaft Messe an Hannover, und 
einige kleine Distrikte an W^eimar und Darmstadt; erhielt aber, den 
grössten Theil des Hochstifts Fulda, mehre Enclaven und einen Theil 
von Ysenburg zur Herstellung der Verbindung mit Niederhessen. 
Staatsgrundgesetz vom 5. Januar 1831. — 1850 Octroyirungen. 
FilUlllZCli« Dreijährige Budgets. Das für 1852—54 schloss so: 
Einnahme . . • 4’158,480 Thlr. 
Ausgabe 1852 . . . 4’653,930 
1853 u. 54 . 9’278,860 - 
Deficit 485,783'/g Thlr. ^ 
Ein neues Budget ist dermalen nicht vereinbart. Vielmehr for 
derte die Regierung vor einiger Zeit vom Landtage die Ermächtigung 
zu einem Anlehen von 200,000 Thlr. zur nachträglichen Deckung 
der Kriegsbereitschaft; welches Anlehen um so mehr nothwendig sei, 
als das Budget von 1852 — 54 mit einem Deficit von 298,103 (ei 
gentlich 485,783) Thlr. geschlossen, während keine Aussicht vorhan 
den, jene Kosten aus den Einnahmen der Finanzperiode 1855—57 
decken zu können. Die I. Kammer beschloss einstimmig, die Regie- 
rung zu ersuchen, „den Bestimmungen der §§. 14 und 118 der Ver 
fassung (über zeitige Vorlage des Budgets) endlich nachkommen zu 
wollen!“ Darauf antwortete die Regierung mit Vertagung der Kammern. 
Der Landtags-Abgeordnete Hildebrand berechnete (Antrag vom 
6. Dezember 1849): ” ' ’ - 
richten von 1846—48 
die Domänen 
- directen Steuern 
- Forsten 
- indirecten Steuern 
„Nach dem Finanzgesetz und den Finanzbe- 
bringen ein: 
die Verwaltung kostet; 
211,400 (zus. 27,4 Proz., wovon 
107,348 S 150,538 Thlr. Gehalte. 
386,655 = 53,3 Proz. 
192,548 = 17,8 
Ertrag 
519,100 
640,480 
739,200 
« IIIUIICCICII OliCUOlll 1081,580 - ; . , 
30,3 Proz. der gesummten Bodenfläche (1189,314 Kass. Acker) sin 
unmittelbares Staatseigenthum. — Man duldet SpielbanJcen zu Nau 
heim, Wilhelmsbad, Nenndorf und Hofgeismar. 
Unter den Ausgaben erschienen im Budget für 18 /51 die 
Kosten des Hofes mit 392,150, wovon 332,250 eigentliche Civilliste. 
Allein ausserdem befindet sich der Kurfürst im Genüsse der Hälfte 
des gemeinsamen Capitalvermögens, wonach seine Einkünfte auf 
660 000 bis 700,000 Thlr. steigen. — Für die Schuld waren nur 
202680 Thlr. bestimmt, allein der Bedarf wäre mindestens noch 
einmal so hoch, wenn man nicht die Zahlungen auf das grosse Lot- 
terieanlchen einseitig zurückgestellt hätte (s. unten). — Der Militär 
etat, 1836 713,668, erschien 1850 bereits mit 897,490, und ist seitdem 
weiter erhöht. Die Pensionen vermehrte man von 107,720 im 
Jahr 1836 bereits auf 284,540 Thlr.</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
