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        <title>Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde</title>
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            <forname>Georg Friedrich</forname>
            <surname>Kolb</surname>
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            <idno>834619415</idno>
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      <div>SOCIALSTATISTIK — Uebervölkerung. 
373 
versäumt ward und wird. Nur der Befürchtung, dass es schlim 
mer werde, wollten wir entgegen treten. 
Allein lässt sich eine dauernde Verbesserung denken bei einer Ver 
mehrung der Menschen in mathematischer Progression? so hören 
wir fragen. Indessen beweist die Erfahrung, dass eine soIche Vermeh 
rung geradezu eine Illusion ist. Sie existirt gar nicht in Wiiklichkeit. Die 
allerdings colossale Volksvermehrung nach den Kriegen hat sich nicht 
nur nicht in gleicher Weise fortgesteigert, sondern sie hat vielmehi 
(vergleichsweise) abgeuonunen. Es betrug die Vermeinung nach Pio- 
conten unter der Bevölkerung in 
(Jahre) Frankreich England 
1821—30 6,89 15,89 
31—40 5,07 14,27 
41-50 4,49 13,00 
(Jahre) Freussen 
1831—39 14,49 
1840—46 7,93 
1847—52 5,10 
1852—55 1,57 
Diese Ziffern beweisen gewiss keine geometrische Progression, 
und wenn überhaupt eine Progression sich ergab, so ist der Grund 
unzweifelhaft in dem Emporblühen der Industrie, er ist in der ganzen 
reichen Entfaltung des Lebens zu suchen, wonach sich die Masse, 
namentlich des britischen Volkes, ungeachtet seiner so sehr ver 
mehrten Anzahl, heute ungemein besser befindet, als vor anderthalb 
Jahrhunderten. 
Alle Berechnungen über die Zeit der Verdoppelung der Ein 
wohnerzahl in den verschiedenen Ländern Deutschlands , erwiesen sich 
nach den Resultaten der beiden letzten Bevölkerungsaufnahmen, zumal 
in sämmtlichen Theilen des Zollvereins, als rein unbrauchbar. — Bei je 
der Aufnahme, in der kurzen Spanne Zeit von je 3 Jahren, gestal 
tete sich das Verhältniss anders. Und insbesondere sind da, wo sonst 
die allerstärkstc Zunahme stattfand, (z. B. in der bayer. Pfalz, in Hes 
sen-Darmstadt, Baden, Württemberg, Preussen etc.) nicht nur im All 
gemeinen enorme Verminderungen eingetreten, sondern es hat sich 
sogar, statt jede r Zunahme, vielfach eine positive, mitunter ungeheuere 
Abnahme der Volkszahl ergeben — in der kleinen bayer. Rheinpfalz 
allein eine Verminderung von 24,142 Menschen in nur 3 Jahren, — 
also von beinahe 4 Proc. (3,94%). Das sprechendste Beispiel gegen 
die Lehre von der mathematischen Progression der Volksvermehrung 
(mit ihren vermeintlich verderblichen Wirkungen) bietet aber Frank 
reich dar. In keinem Lande unsers Continentes sind Ansässigma- 
chung, Verehelichung, Freizügigkeit, Gewerbsbetrieb und Gütertheil- 
barkoit mehr erleichtert, als hier. In natürlicher Folge davon, 
überdies in Betracht der climatischen Verhältnisse und des schon 
südländischen Volkscharakters, — müsste jeder blose Theoretiker 
annchmen, dass gerade hier eine Uebervölkerung unvermeidlich ein- 
treten werde. Statt deren scheu wir, dass die Volksvermehrung in 
gar keinem andern der Grossstaten so langsam voranschreitet, als 
eben hier in Frankreich. Gehen wir in eine nähere Untersuchung 
ein, so gelangen wir mitunter zu den überraschendsten Thatsachen, 
z. Íb. zu dem Factum, dass — ungeachtet eines Steigens der Bevöl-</div>
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