-* 20 *— Zur See musste »Maria Dorothea'« in Folge erlittener Havarien längere Zeit hindurch unthätig bleiben, minderte die lang andauernde Pest den Zufluss der Beisendeu und stellten sich überdies bereits die Vorläufer jener türkisch-englischen Cooperation ein. welche später der Donau-Dampfschiffahrts - Gesellschaft zur See gefährlich werden sollte. Der Kapudan Pascha erliess nämlich ein Verbot an die Rechtgläubigen, österreichische Schifte zu benützen, und englische Concurrenz suchte mittelst zweier Dampfer, des »Levant« und »Crescent«, den gesellschaftlichen Schiffen in den levantinischen Gewässern ein Paroli zu biegen: aber ohne Erfolg. Auch das Verbot der türkischen Behörden wurde auf Andrängen der österreichischen Regierung zurückgenommen: ja es gelang sogar, den Transport der Baarsendungen des türkischen Münzamtes zwischen Constantinopel und Smyrna gegen die Gewährleistung zu erlangen, welche bei Benützung des Landweges die Districte und Gemeinden zu tragen hatten. Damit war auch die Uebernahme der Geldsendungen der Kaufmannschaft entschieden und eine neue Quelle nicht unbedeutender Erträge erschlossen. ln Folge dessen war auch das Ergebniss des Jahres 1835 im Grossen und Ganzen ein befriedigendes. Die Zahl der Reisenden betrug 17.727; die in Verwendung gestandenen Schifte lieferten ein Bruttoerträgniss von 86.370 fl. beziehungsweise ein Reinerträgniss von 44.074 fl. Dies ermunterte die Gesellschaft, neben der Vermehrung der Zahl der Donaudampfer auch den Bau zweier neuer Seeschiffe (»Fürst Clemens Metternich« und »Stambul«) mit aller Energie zu betreiben, von denen ersteres bestimmt war, die Linie Constantinopel-Trapezunt zu nehmen und dort der englischen Concurrenz zu begegnen, während der »Stambul« mit Maschinen von 160 Pferdekräften und grösserem Waarenladungsraum die »Maria Dorothea« abzulösen hatte. Der Bau neuer Schiffe, die Einrichtung der Eigenregie, wie die Inbetriebsetzung der Schiffswerfte erheischten aber neue und grosse Summen, weshalb beschlossen wurde, das durch die Emissionen der vorangegangenen Jahre auf 1,000.000 fl. C. M. gebrachte Grundcapital um eine Million Gulden zu erhöhen. Dabei zeigte sich, wie sehr sich das Vertrauen der Actionäre in die Solidität und Prosperität der Unternehmung gekräftigt hatte. Während in der ersten Zeit ihres Bestandes Jahre vergingen, bevor die Action der einzelnen Emissionen vollständig abgesetzt wurden, genügte 1836 eine halbstündige Vorbesprechung vor der Generalversammlung, um die Subscription auf die in Antrag gebrachte Summe auch schon schliessen zu können. Heben wir noch hervor, dass im Jahre 1836 auch die schon früher angeregte Selbst versicherung der Schifte durch Begründung eines eigenen Assecuranzfondes nach dem Vorgänge der Rheder in England, Holland und den Vereinigten Staaten zur Durchführung gelangte, und für die Abnützung der Schilfe, Maschinen und Materialien ein zweiter Reservefond angelegt wurde, der den statutarischen als einen Schatz erscheinen liess, aus dem hei eventuellen Unglücksfallen geschöpft werden könne, ohne den Ersatz dafür auf eine für die Actionäre fühlbare Weise holen zu müssen, so liegt auf der Hand, dass das Unternehmen der Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft nicht allein an Umfang und territorialer Ausdehnung, sondern auch an innerer Gonsolidirung gewonnen hatte. Ernste Sorge bereitete nur der Mangel an brauchbarer Kohle; denn mit der Vermehrung der Zahl der Schiffe stieg auch der Bedarf an Brennstoff für dieselben. So reich aber auch heute die Ausbeute der Kohlengruben in Oesterreich ist, damals waren noch wenige derselben aufgeschlossen. Die Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft hatte bis dahin ihren Kohlenbedarf für die Seeschiffe aus, England, für die Flussschiffe aus den Gruben von Brennberg, Moliács und Oravitza gedeckt. Daneben wurden auch •Steinkohlen