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        <title>Das Finanzsystem des deutschen Reiches in politischer und wirtschaftlicher Beziehung</title>
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            <forname>Christian</forname>
            <surname>Grotewold</surname>
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        </author>
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            <idno>845394444</idno>
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        3)as ^inan3fi)ítein 
bes Deutzen %eid)es 
in politifdjer mb roirtfcbaftlicbet Begebung. Seine 
tëiniidjtung unb i)iitort|(i)e (Êntroidlung, feine 
Rebler, fonde Borfájlüge gu beten Beteiligung 
$on (Eíjr. (Srotetoolb 
£eip3tg 1906 • SSerlag oon (£arl ©raft îtoefdtel
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        « 
1 
4 
4
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        (£í)r. ©rotetoolb 
Das ginan3[9ftem 
bes Deutfdjen SReidjes
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        <pb n="9" />
        £a$ ginansfoftem 
bes Deutfdjen ‘¡Reines 
in politifdjer unb toirtfdjaftlidjer Schiebung. Seine 
(£inrid)tung unb biftorifcbe (Êntroidiung, feine 
geiler, fonde 33orfci)Iäge gu beren Sefeitigung. 
Son Pr. ©roteroolb. - 
Seidig 1906 • SBetlag »on (Earl Stuft ißoefM
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        Uni* 
Hiel. 
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        $erm SRddjsgeridjtsrat a. D. 
Hermann Soet^ïe 
3U ßetp3tg 
in $eteïjtung unb Danïbarïeit 
geunbmet vom SBerfaffer
        <pb n="12" />
        - - • ' 
- 
T 
í&gt; 
Vorwort* 
Die ©runblage unb ben erften ^Inftoft gu meiner oorliegenben 
SIrbeit gaben 2 Sßorträge, bie idj oor nicht langer 3eit über bie 
9?eiá)sfinan3gejet}gebung gehalten f&gt;abe. Deren beifällige 9luf= 
natjme unb oielfadf)e an midj gerichtete 2Bünfdje oeranlafeten mid), 
ihren gnljalt in erweiterter gorm einem größeren itreife ¿ugänglid) 
gu machen. 
Der 3wect, ben id) mit meiner Arbeit oerfolge, ift ein met)r= 
fairer. 
(Erftlid) mödjte id) bem and) in gebilbeten, ja fogar politifdj interef= 
fierten Greifen recht weit oerbreiteten Mangel an ftenntniffen über 
bie mit bem ginangwefen unferes 23aterlanbes gufammenhängem 
ben Dinge abljelfen, inbem id) eine turge, allgemein oerftänblidje 
Darftellung bes (États, ber finangwirtfchaftlichen ©efetjgebung unb 
iljrer ©ntwidlung bis in bie jüngfte ¿eit hinein gebe. Sobann 
mödjte ich ber görberung bes 9teidjsgebanïens, ber ja in unferer 
3eit burdj bie alles überwudjernben wirtfd)aftlid)en ¿ntereffen gu= 
rüdgebrängt wirb unb leiber nicht meljr fo fel)r bie SRidjtfchnur 
unferer ^olitil bilbet, wie bas in ber erften gugenb bes neuen 
$Keidjs ber gall war, baburdj bienlich fein, bafj idj bie öffentliche 
2tufmerïfamïeit einmal wieber auf bie 5totwenbigïeit eines felb= 
ftänbigen, bie fchwödjeren Geultem nicht nod) mehr belaftenben 
9%ei^sfteuerfgftems Ijinmeife. 3 U ^em 3^ede trete id) ber — leiber 
— nodj heri#enben Sluffaffung oon ben alleinfeligmachenben 
inbireiten 9leidjsfteuern entgegen. 
Die bas beutfdje ginangwefen behanbelnbe Literatur ift bis 
her nicht reich gewefen; erft bie o. Stengelfdjen ©efetje oon 1904 
unb 1906 hüben hier eine befrudjtenbe 2Bir!ung ausgeübt. 
Das befte ältere 2Berï, unb meines Stiffens bas einzige oolb 
ftänbige, ift wohl bie Gdjrift oon Dr. S. ¿ohn, „Die ginangen
        <pb n="13" />
        vu 
bes Deutzen Reichs", SBerlin 1899, meines fid) aber auf bloße 
Eingaben oon Xatfadjen befdEjrânït, unb abfichtlid) politifd) inbif* 
ferenl bleibt. 
(Bine weitere ^ubliïation, bie bie Reid)sfinangen im ©angen 
3um ©egenftanb i&gt;at, ift bas com ©et), ginangrat Rheinbolbt, 
Rtagbeburg 1904, oerfaßte 23üd)lein: „Das Reid)sfinangwefen" 
welkes, obwohl im Allgemeinen gleichfalls unpolitifd), bie gefeß* 
gebenden Xenben^en ber Regierungen oertreten möchte. 
Über bie Reidjsfinanjreform oon 1902 bis auf bie ©egen* 
wart ift bie Literatur reichlicher. — üöppe=Roftod, o. Rtapr* 
Stünden, o. 3agemann*0eibelberg, í)aben bagu bas 2ßort er* 
griffen. Alle ^aben fi^ aber für berufen gehalten, bie ^ntereffen 
ber ©ingelftaaten gegenüber bem Reid) in Sdjuß gu nehmen. 
Da wirb es i)o^e 3eit, baß aud) einmal jemanb für bas 
Reid) eintritt, benn felbft Rel)m=Straßburg, (bie Reidjsfinanjreform, 
ihre ©rünbe unb ihre Durchführung, Rtündjen 1903) ßheut fich, 
mit ber gorberung birelter Reichsfteuern ben ©ingelftaaten gu nahe 
gu treten, obwohl fonft bie Heine Schrift gum £efenswerteften 
gehört, was über bie $rage getrieben ift. 
Sdjliefolid) fei bie „Reichsfinangreform oon 1906" oon Dr. 
fiinf^mann, Stuttgart 1906, erwähnt, welche ihrem Xitel ent* 
fprechenb, nur bie finangpolitifche ©efeßgebung biefes ßaßres be= 
hanbelt, biefe allerbings fachgemäß unb grünblich. 
Riöge nun mein 23üd)lein an feinem lleinen Xeile bagu bei* 
tragen, ber Allgemeinheit unb bem beutfdjen Raterlanbe gu nüßen, 
aber allen benen gu fdjaben, bie bas Raterlanb gur mellenben üuh 
für ihre politifdjen ober materiellen Sonberintereffen machen 
möchten unb ¿um Xeil leiber feßon gemacht hüben. 
fieip3ig=©ohlis, im 3uli 1906. 
Chr. örotcwold.
        <pb n="14" />
        Inhaltsangabe 
SortDort 
(Einleitung 
Kapitel i 
Die bas 2finan3DcrpItnis bes SReidjs )U ben SBunbesftaaten 
regelnbcn Scrfaifungsbcftimmungen. 
Die (Einrillung bes (Etats. 
Kapitel n 
Die tnitorifcfje (Entroidlung ber SReicfjsfinanjen bis 1903. 
Kapitel m . . 
Die Situation beim Eintritt bes 5Reid)sfci)at}fefretärs 5ri)r. o. 
Stengel. Def|en SReformpläne. Die lex Stengel. Die 
@inangreform oon 1906. 
Kapitel IV 
©runbjätjlidje ftritif an ben inbiretten SReidjsfleuern 
Kapitel V 
©rünbe unb Umfang lünftiger ßinangbebürfniffe bes SReidjs. 
tBef^affung ber ;u beren Dedung erforberii^en SRittel 
burct) birette 5Reid)siteuern. 
Sdjlufttüort 
Seite 
VI—VII 
1— 4 
4— 56 
56— 68 
68—102 
102—117 
118—149 
149—150
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        Ginleitung. 
Die midjtigften gunbamente eines jeben, aber befonbers eines 
mobernen Staatsmefens finb feine ginangen. 
3n früheren 3eiten, als bie ©elbmirtf&lt;haft nicht bie aus s 
fdjliejjtidje 9îoIle fpielte, bie fie trente einnimmt, als oielmeljr nodj 
bie alte Staturalroirtfdjaft übermog, lag and) bas Sdjmergemidjt 
ber Staatsoermaltung mehr auf einem anberen ©ebiet. 
Die allgemeinen ftulturfortffritte, nicht gum menigften aber 
bie (Einführung ber geuermaffen, roeldje bie allmähliche Sßerbrän* 
gung ber mittelalterlichen SRitterljeere burdj Sölbnertruppen im 
(Befolge hatte, brachten oöllige ümmälgungen auf bem ©ebiet bes 
ftaatlicben ginangmefens mit fidf). Das £&gt;eeresmefen, früher ge* 
ftütjt auf Safallenbienft unb Äaturalleiftungen unb Äaturalliefe* 
rungen, begann in roachfenbem Mafje 5luftoenbungen baren ©elbes 
gu forbern, roeldje burdj bie alten Domanial* unb anbere berar* 
tige ©inïünfte nid)t mehr gebedt roerben tonnten. Überall be* 
gegnen mir baljer gegen 9lusgang bes Mittelalters einer lebhaften 
©ntmidlung ber bis bahin nur fcljr primitio gemefenen Steuer* 
mirtfdjaft, roeldje namentlich in ben Stabten oerhältnismäjjig früh 
fid) noch heute üblichen gormen näherte. 
Mährenb nun in ©nglanb unb grantreich btefe ©ntmidlung 
parallel lief gu einer ©rftartung ber ßentralregierungsgemalt, mar 
fie in Deutfdjlanb 23egleiterfd)einung, ja fogar teilmeife HrfacE)e 
bes Verfalls ber Raifermadjt unb ber Stärtung territorialer 
gürftenfelbftänbigteit. 
(Brotetoolb, ginanjfoftem. 
1
        <pb n="16" />
        2 
3ît früheren 3&lt;ri)rï}unberten, gut SBIütegeit bes alten ilaifer* 
turns, ßatte man oerfäumt, burcß S&lt;f&gt;affung reidjsfeitiger (£innaßme= 
quellen eine fefte ©runblage bet taiferlidjen Badjt aucß für bie 
¿utunft gu legen, metí bas unmittelbare 23ebürfnis bafür fehlte, 
ober bringenberen Aufgaben gegenüber an Bicßtigteit gurücttrat. 
2lls man aber bie Iftotroenbigteit ernannte, roar bie taiferlicße 
9Jladf)t [djon gu [eßr gegenüber ben erftarften Xerritorialfürften 
geßßroäcßt, als baß man bie Durdjfüßrung berartiger Baßnaßmen 
píte mit (Energie betreiben tonnen. 
5ln SBerfucßen bagu ßat es groar nicßt gefehlt, unb [eit ben 
Zagen ilaifer SKubolfs oon Ejabsburgs i[t gar oft „bet gemeine 
Pfennig“ ausgejdjrieben geroefen, aber ßöcß[t [eiten nur einge= 
gangen. (Es roar bies eine 5lrt oon 9teicßsoermögens[teuer, mei- 
[tens in £&gt;öße oon ca. 3°/ 0 , bie allerbings tooßl geeignet getoe[en 
roäre, ben eroigen ginangnöten bes ßeiligen römißßen 9tei&lt;ßs 
beut[cßer Nation abgußelfen. Slllein burcß aftioen unb pa[[ioen 
Biberftanb mußten dürften unb 33ölter es ungeacßtet aller 9leicßs= 
iagsbe[djlü[[e bod) immer toieber baßin gu bringen, baß nicßts 
rentes baraus rourbe. 
5tai[er #arl V. oerfudjte [ein £eil mit einem großartig ange= 
legten plan eines SReicßsgoIlfoftems — aber bie[er %er[u^ einer 
inbiretten 9lei&lt;ßsbe[teuerung teilte bas Gcßictfal [einer Vorgänger 
auf birettem 2Bege. 
So roar benn bas SReidj in ben lebten 3üßrßunberten [eines 
23e[teßens, angeroie[en auf bie [ogenannten Batritularumlagen 
ober 9tömermonate, b. ß. meßr ober roeniger freitoillige Beiträge 
ber dürften unb 9leicßs[töbte, oon ben en aber nur bie letzteren 
einigermaßen regelmäßig gaßlten. 
$lucß bei bem mißglücken 23er[ucß einer 9leugrünbung bes 
beut[cßen SReicßs um bie Bitte bes 19. 3aßrßunberts toar man 
auf jene 3^ ee prüágetommen, mit bemfelben ncgatioen (Erfolge: 
Die 2lnteilgaßlungen [eitens ber Beßrgaßl ber 93unbcsglieber 
gingen nicßt ein. Daßer mußten aucß bie fcßönften unb gtoecf= 
mäßigten 23e[cßlü[[e bes grantfurter Parlaments oßne [eben (Er= 
folg bleiben, roeil es eben überall an ben Bittein gu ißrer Durcß= 
füßrung feßlte.
        <pb n="17" />
        3 
3m neuen heutigen Beid) Ijctt man, in richtiger (Erfenntnis 
bie[er alten G^toädhen, nun non oornljerein bafür ge[orgt, bafj 
ZU ben Blatritularbeiträgen, non benen man aus [pater zu er- 
örternben ©rünben nid)t la[[en mochte, burdj eine Beilje reichs- 
eigener (Einnahmen (Ergänzungen traten, bie man [olange als aus- 
reidjcnb gelten la[[en tonnte, als bie Beidjsausgaben fiel) in be- 
[d)ränttem Bahmen gelten. 
Die Aufgaben, bie bas Beich zu erfüllen hat, nahmen unb 
nehmen inbe[[en [tetig zu. (Es roirb nun un[ere Aufgabe [ein, 
Zunäd)[t fe[tzu[tellen, melden ©ang bie (Entroictlung ber Bei^s- 
finanzen, rein ^i[tori[á) betrautet, bis fe^t genommen tjat. 2Bir 
toerben bann bie ©runb[ä^e, oon benen man [idj im Beidjsfcha^ 
amt bei oen oerfdjiebenen finanzpoIiti[dE)en Millionen hat leiten la[[en, 
einer 5tritit zu unterroerfen haben, unb toerben [o zu einem (Ein- 
blict in bie Übel[tänbe gelangen, bie un[erem heutigen Beichs- 
finanz[g[tem aníjaften. 
Die toenig[tens zum Zeil in Betätigung umge[et}te ©rtennt- 
nis bie[er leib er be[te^enben unerfreulichen Berl)ältni[[e hat ben 
[eit 1903 amtierenden Beidjs[&lt;hat}[efretär gr^r. o. Stengel zu 
[einer gerabe jetjt oerab[d)iedeten Beformgefetjgebung oeranlaftt, 
toelc^e, obwohl [ie in ihren einzelnen Zeilen bureaus ni¿)t 
über jebe Rritit ergaben, unb nicht frei oon gerabezu oerfeljlten 
Wa^na^men, aud) in ihrem gefamten ©rgebnis unzureichend i[t, 
boef) in einzelnen ihrer ©runbprinzipien oon bureaus richtigen 
©ebanfen ausgeht, unb einen entliehenen Schritt oonoärts 
bebeutet auf ber Bahn einer felb[tänbigen unb ge[unben (Ent- 
toictlung un[eres Bei&lt;hsfinanz[i)[tems. Bur barf bie ©e[e%gebung 
babei nicht [tehen bleiben, [onbern muh, ben Sehren ber mobernen 
3inanztoi[[en[chaft folgenb, unaufhaltfam fort[&lt;hreiten, allein in ber 
5tb[idjt, bem Beften bes Beides zu bienen, ohne Büd[idjt auf pri- 
oate ©elbbeutelintere[[en einflußreicher Beoölterungsfdhichten unb 
ohne bie Finanzen — ben Sebensnero bes Beides — zum ©egen- 
[tanb eines 5hil)hanbcl$ mit Parteien zu machen'beren ©runbfatj 
bureaus nießt immer lautet: suprema lex salus rei publicae esto. 
3nbe[[en bebürfen bie ©rünbe nodh [ehr ber Buftlärung, bie 
ben grhr. o. Stengel, einen ohne ßmeifel ho#6gabten unb tlar- 
l*
        <pb n="18" />
        — 4 — 
blicíenben Staatsmann, bagu beftimmen tonnten, mit feiner Reidjs* 
finangreform, oon beren Rotmenbigteit er boci) toie feiner fonft 
übergeugt ift, fogufagen auf fjalbem 2Bege fielen gu bleiben. ©s 
toirb für bie ©ef^iá)tf(^reibung eine intereffante Aufgabe fein, ben 
unter ber Dberflä^e bes politifdjen ßebens flieftenben oerfdt)ie* 
benen Strömungen innerhalb ber bunbeêftaatlidfen Regierungen 
unb ber Reidjstagsparteien nachgugehen, meldije auf bie ginang* 
reform ber 3 a h re 1903—1906 eingemirft ^aben. Diefe feiben 
Strömungen bürften auch ben Sdjlüffel bilben für manche anbere 
Vortommniffe auf bem ©ebiet unferer inneren unb äußeren &lt;po= 
Iitit, für bie uns fyeute nocí) befriebigenbe ©rtlärungen fehlen. 
Kapitel I. 
Die das ftrianzverhältms des Reichs zu den Bun 
des ftaaten regelnden Verfaffungsbeftimmungen. 
Die Einrichtung des Etats, 
2Bie bas heutige beutfcEje Reidj aus bem Rorbbeutfdjen Vunbe 
unb biefer in geroiffem Sinne aus bem preufpfifybeutfdfen 3°tf= 
oerein i)eroorgegangen ift, fo %aben fidf) auef) in feiner ginang* - 
gefetjgebung bie ©runbfätje erhalten, bie für feine Vorgänger, be= 
fonbers ben Rorbbeutfdjen 23unb, mafcgebenb geroefen finb. 
$atte man auf ber einen Seite bas Veftreben, bas Rei^ 
unabhängig neben unb über bie Vunbesglieber gu ftellen, fo 
toirften bem auf ber anberen Seite bie oerfdjiebenften gentrifu* 
g alen Mräfte unb ©inflüffe toieber entgegen, bie teils engherzigem 
^artitularismus, teils aber auch bered^tigten fachtid)cn Rüdfichten 
auf ben Staatshaushalt unb ben Staatsirebit ber SBunbesftaaten 
entfprangen. Die gange Reichsfinanggefetjgebung trägt bis auf 
ben heutigen Zag bas ©epräge bes ßompromiffes gmif^en bei* 
ben einanber entgegenroirtenben Strömungen. 2BüI)renb bie Reidjs* 
oerfaffung, im allgemeinen oon gentraliftif^em ©eifte burchmeljt, 
bem Reiche bie ©innahmen oor allem aus ben ßöllen, Verbrauchs* 
fteuern, bie oom Rorbbeutfdjen Vunbe übernommen mürben, gu* 
führen mollte, gelang es fpäter bem 3entrum, burdj bie berühmte
        <pb n="19" />
        granáenjtein[^c íttaufel, 3uerft emgefüïjrt mit bem 3otttarifgeïetî 
Dom 15. 3uli 1879, bies ^ringip gu burcífbredjen. 
9Bir geben im nadjSteljenben einen Sínsgng ber miájtigíten 
Bestimmungen ber BerfaíSung unb einiger Späterer ©efetue, bie für 
bie ©eftaltung ber Bei^sfinangen non Bebeutung geworben Sinb. 
Hue Hbfcbnitt n der Reídleverfaiïurig, betr. Reidisgefetz- 
gebung, 
Slrtilel 4. Der Beauftragung feitens bes Beidjs unb ber ©efetjgebung bes* 
felben unterliegen bie nadjftehenben Angelegenheiten : 
Slbfat} 2. Die 3oH= unb Hanbelsgefe^gebung unb bie für bie 3#ede bes Beid)s 
3U oerwenbenben Steuern. 
Hue Hbfcbnitt VT: Zoll- und Randelewefen» 
Slrtilel 35. Das Beidj ausfdfjlicfelicï) hat bie ©efetjgebung über bas gefamte 3oII= 
wefen, über bie Beteuerung bes im Bunbesgebiete gewonnenen Saljes unb Dabais, 
bereiteten Branntweins unb Bieres unb aus Büben ober anberen inlänbifdjen Erzeug* 
niffen bargeftellten 3uders unb Sgrups, über ben gegeufeitigen Schutj ber in ben ein* 
ßelnen Bunbesftaaten erhobenen Berbrauchsabgaben gegen Hintergehungen, fowie über 
bie Üftafjregeln, welche in ben 3oIlausf&lt;hlüffen ;ur Sicherung ber gemeinfamen 3olIgren3e 
erforberlid) finb. 
3n Bagern, Sßürttemberg unb Baben bleibt bie Beteuerung bes inlänbifchen 
länbifdjen Branntweins unb Bieres ber fianbesgefetjgebung rwrbehalten. Die Bunbes* 
ftaaten werben jeboch ihr Beftreben barauf rieten, eine Übereinftimmung ber ©efet}* 
gebung über bie Beteuerung auch biefer ©egenftänbe herbeiguführen. 
Slrtilel 36. Die (Erhebung unb Berwaltung ber 3öüe unb Berbrauchsfteuern 
bleibt jebent Bunbesftaate, foweit berfelbe fie bisher ausgeübt hat, innerhalb feines ©e* 
bietes überlaffen ufw. 
Slrtilel 38. Der (Ertrag ber 3ölle unb ber anberen in Slrtilel 35 be^eichneten 
Slbgaben, ledere foweit fie ber Beidjsgefehgebung unterliegen, flieht in bie Beähslaffe. 
Diefer (Ertrag befteht aus ben gefamten oon ben 3öHen unb übrigen Slbgaben 
aufgelommenen ©innahmen nad) Slbjug : 
1. ber auf ©efe^en ober allgemeinen Berwaltungsoorfchriten beruhenben Steuer* 
nergütungen unb Ermäßigungen ; 
2. ber Büderftattungen für unrichtige Erhebungen; 
3. ber Erhebungs* unb Berwaltungsloften unb ;war: 
a) bei ben 3&amp;llen bie Aoften, welche an ben gegen bas Sluslanb gelegenen ©rengen 
unb in bem ©ren^begirle für ben Schuß unb bie Erhebung ber 3 ö He notwenbig finb; 
b) bei ber Galafteuer bie Moflen, welche ;ur Befolbung ber mit Erhebung unb 
Montrollierung biefer Steuer auf ben Sal^werlen beantragten Beamten aufgewenbet 
werben; 
c) bei ber Büben^uderfteuer unb Dabalfteuer bie Bergütung, welche nach ben je* 
weiligcn Sefchlüffen bes Bunbesrates ben einzelnen Bunbesregierungen für bie Moflen 
ber Berwaltung biefer Steuern ;u gewähren ift; 
d) bei ben übrigen Steuern mit 15% ber ©efamteinnahme.
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        6 
Die aujjerljalb ber gemeinfdjaftltójen 3oIIgrcri3e liegenben ©ebiete tragen gu ben 
Ausgaben bes 5Retá)s buri% 3aI)Iung eines Sloerfums bei. 
Samern, SBürttemberg unb 93aben fjaben an bem in bie Keidfjsfaffe fliefcenben ©r= 
trage ber Steuern oon 93rantwein unb SBier unb an bem biefem (Ertrage entfpredjenben 
Zeile bes oorftefjenb ermähnten Sloerfums feinen Zeit. 
Hub Hbfcbmtt xii: Retcbefínanzen. 
SIrtifel 69. Sille ©innafjmen unb Ausgaben bes SReicfjs müffen für jebes 3af)r 
oeranfdfjlagt unb auf ben Keidf)sl)ausl)alts=©tat gebraut werben. Setjterer wirb oor 23e= 
ginn bes ©tatsjaljres nadj) folgenben ©runbfä^en buri$ ein ©efefc feftgeftellt. 
SIrtifel 70. 3ur 23eftreitung aller gemeinfcfjaftlidjen Ausgaben bienen gunädjft 
bie etwaigen Überfdmjfe ber Sorjaljre, fowie bie aus beu Rollen, ben gemeinfdf)aftlicf)en 
SBerbraud&amp;sfteuern unb aus bem tf3oft= unb Zelegrapljenwefen flie&amp;enben gemein|d^aft= 
Iid&amp;en ©innafjmen. gnfoweit biefelben burcf) biefe ©innaljmen nid^t gebedt werben, finb 
fie, falange Keidjsfteuern nid)t eingefüljrt finb, burd) ^Beiträge ber einzelnen 5Bunbes= 
ftaaten nad) SRafogabe iljrer SBeoöIferung aufjubringen, we#e bis gur $ö^e bes bubget= 
mäßigen Betrages bur^ ben Keid&amp;sfangler ausgef#ieben werben. (Urfprünglidfje Raffung 
im ga^re 1904 geänbert.) 
SIrtifel 71. Die gemeinfcfjaftlidjen Slusgaben werben in ber Kegel für ein gafjr 
bewilligt, fönnen jebodE) in befonberen gälten aud) für eine längere ¡Dauer bewilligt 
werben ... ; 
(folgen Übergangsbeftimmungen). 
Sir til el 72. Über bie Sterwenbung aller ©innaljmen bes Keidljs (ft burcf) ben 
SReid&amp;sfangler bem ®unbesrat unb bem Keidjstage gur [©ntlaftung jäfjrlid) Kennung 
3U legen. 
SIrtifel 73. 3n gälten eines aujjerorbentlidjen ®ebürfniffes fann im SB ege ber 
SReidEisgefetjgebung bie Slufnafjme einer Sintere, fowie bie Übernahme einer ©arantie gu 
Saften bes Keicfjs erfolgen. 
ObtDO^I einer fpateren (Epoche angeljörenb, Iaffen mir ber 
Information megen bereits i)ier ben 2BortIaut ber fdjon ermähnten 
grancíenfteinfdjen iUaufel in einigen mistigen ©efetjen folgen. 
§ $ des Zolltarifgefetzes vom 24. ]VIat 1885. 
Derjenige ©rtrag ber 3öHe unb ber Zabaffteuer, welcher bie Summe oon 
130000000 9JI. in einem gaf)re überfteigt, ijt ben einzelnen Sunbesftaaten nadE) 9#afp 
gäbe ber ®euölferung, mit welcher fie gu ben SRatrifularbciträgen fjerangegogen werben, 
31t überweifen. Diefe Überweifung erfolgt oorbeljaltlid) ber befinitioen Slbredmung gwi= 
f(%en ber SReid&amp;sIaffe unb ben ©ingefftaaten auf ©runb ber im SIrtifel 39 ber Keidjsoer» 
faffung erwähnten Quartaiseitratte unb begie^ungsweife ßa^resabf^lüffe. 
§39. des ©efetzes, betr. die Befteuerung des Branntweins, 
vom 24. ]funi 1887. 
Der ^Reinertrag ber ®erbraudf)sabgabe ift ben eingelnen ®unbesftaaten nadE) SJIafc 
gäbe ber matrifularmäfgigen ®eoölferung, mit welker fie gum ©ebiet ber ®ranntwein= 
fteuergemeinfdjaft gehören, gu überweifen.
        <pb n="21" />
        7 
gür bte burdf) bte (Erhebung unb SBerroaltung ber SIbgabe ben SBunbesjiaaiert er» 
tDúájíenben Rollen roirb nad() SJiafegabe ber nom Sunbesrat gu erlaiienben SBeftimmungen 
Vergütung gemäfjrt. 
ferner finbet fid) bte grandenfteinfehe 5Uau[el im Neidjsftem* 
pelgefetj oom 14. 3uni 1900. Damit ift aber bte ©ntwidlung bes 
tf)r gugrunbe liegertben ©ebanlens abge[d)loffen, unb brei 3 a h re 
[pater fdjon beginnt bie rüdläufige Denbeng ber ©efetjgebung ein* 
juje^en, welche gu itjrer [eljr erheblichen ©infdjraniung führt. Doch 
bamit greifen mir gu tu eit uor. 
Um im ©inllang mit ber Nerfaffung, bie für bie oerfchiebenen 
Aufgaben bes Neides erforberlidjen Mittel in überfidjtlicher unb 
ätnecfmäfgger SBeife anforbern unb über ihre geplante Nermen* 
bung bis ins eingelfte bem Sunbesrat unb Neidjstag berichten gu 
tonnen, h&lt;*t, wie bies in allen tonftitutionellen Staaten üblich ift, 
aud) bie Regierung bes beutfehen Neidjs alljährlich einen $aus* 
haltsplan gu entwerfen, ber oon ben gefetjgebenben gattoren bes 
^Reichs als „©tatsgefeb" gu uerabfehieben ift. 
Die eingehenbe Beratung biefer Negierungsoorlage, gewöhn* 
lieh bas midjtigfte ©reignis bes parlamentari[d)en Sehens, gibt auch 
bei uns, faft noch mehr als bei anberen Nationen, ben im Neides* 
tag oertretenen Parteien Neranlaffung, bei ben einzelnen Diteln 
bes ©tats all bas gur Spraye gu bringen, was fidj im Saufe 
bes 3aljres an SBemertens* ober Dabeinswertem im Neid) ereignet 
hat. Non biefer Gelegenheit wirb in ben letzten 3 a ^en ein fo 
ausgiebiger ©ebraud) gemalt, bah bie ©tatsberatung felbft er* 
heblid) barunter leibet. 
3m Einfang ber parlamentari[d)en ©efdf)i&lt;í)te bes beutfdjen 
Neidjs, turj nachbem ber griebe mit granfreich gefchloffen war 
unb normale Nerljältniffe ein^utreten begannen, war allerbings 
bie ^Rechnungslegung ber Negierung bem ^Reichstage gegenüber 
noch nidjt eine fo felbftoerftänbliche Sache geworben, wie fie es 
heute ift. Namentlich ber preufjifchen Nlilitäroermaltung wollte 
es gar nidf)t in ben Sinn, bah fie über ¡eben Pfennig ben ihr 
oft fo wenig fpmpatljifchen ßioitiften im Neidjstage Nebe nnb 
Antwort ftehen follte. Die Niemoiren ©ugen Nieters, beffen grobes 
Nerbienft cs ift, bie beutfdje parlamentarifdje ©tatstritit recht eigent*
        <pb n="22" />
        8 
lid) gefdjaffen gu ^aben, merfen mandes intereffanie Streiftidjt auf 
feue ßuftänbe unb bie fid) baran fdjliehenben Bebelämpfe. ©ne 
Sdjrift über bas ginangfpftem bes beutfdjen Beides mürbe unooll* 
ftänbig fein, menn fie nicht ber ^ernorragenben unb non leinem 
ber feigen 5lbgeorbneten mieber erregten ßeiftungen biefes 
ginangtritifers gebähte. Unb menn mir feine prinzipielle unb ba* 
í)er nur gu oft unfruchtbare Dppofition aud) nidjt billigen, fo 
ntüffen mir boá) nodj oielmehr bebauern, bafj regierungsfeitig nidjt 
einmal ber ernftlidje Berfucij gemalt ift, biefen SRiefengeift für 
pofitioe SOUtarbeit an ber Slusgeftaítung bes (Reidjsfinangfpftems 
in oerantmortlidjer Stellung gu geminnen (mancher gehler märe 
bann nidjt gemalt). 
©s ift nun eine ©igentümlidjteit ber Staatshaushaltspläne im 
©egenfat) gu prmaten Bubgets, bah h^ er bie Ausgaben an erfter 
Stelle ftehen. Das h&lt;*t feinen ©runb in bem Umftanbe, bah 
ber (prioatmann feine (Einnahmen als etmas gegebenes gu be* 
trachten gegmungen ift, monad) er, menn er rationell mirt* 
fünften mill, feine Ausgaben unter allen Umftänben einridjten 
muh- ^ebenfalls barf er auf bie Dauer nidjt mehr ausgeben, 
als er einnimmt. 
gn ber Staatsmirtfchaft ift es umgelehrt. Der Staat h&lt;*t 
gemiffe Ausgaben, mie bie für feine Sicherung nach aujjen hin, 
bie (Sehälter für feine Beamten ufm. unter allen Umftänben gu 
leiften unb muh bereu erforberlidjes SCRinimum als gegebene ©rohe 
in bie ^Rechnung ftellen, menn er nicht gur ©rfüllung feiner %luf* 
gaben unfähig m erb en mill. 
5Rit aller Sparfamteit freilidj, aber unter Berüdfidjtigung bes 
abfolut nötigen muh bah er 3unädjft ber Slusgabeetat aufgeftellt 
merben. 
Dem beutfchen Beidjsetat liegt, georbnet nadj ben oerfchie* 
benen Beichsbehörben, bas nachftehenbe Sterna gugrunbe, meldjes 
fich bur&lt;h ^ingutritt ober gortbleiben eingelner Kapitel je nach 
©rforbernis ber ^raris in ben eingelnen fahren gmar nidjt gang 
gleich bleibt, aber bod) feiten prinzipielle Berfchiebenljeitcn auf* 
meift. Die Kapitel gerfallen mieber in Xitel, bie inbeffen für bie 
(ßublilation bes ©tatsgefe^es nicht getrennt aufgeführt merben,
        <pb n="23" />
        unb bie Xitel roieber in ^ofitionen. 2Bir fetjen babei bie Ziffern 
ein für bas (Etatsjaljr 1875, als bes erften nadj Tilgung ber Äriegs= 
anleilje, aber nodj unter bem freit)änblerifd)en Zolltarif uom 17.3)Zai 
1870, begro. 1873 [tet)enben, fobann bes ¿tatsja^res 1881/82, nad) 
(Einführung bes gemäßigt [d)ut}3öllnerifdjen Zolltarifs uom 3at)re 
1879, ferner oon 1891 bis 1892, als bes letzten ber unter bem 
Ejodjfdjutfôoll oon 1887 ftetjenben 3 a h re &gt; unb bes Zaires 1903, 
forme 1905, an benen bie 2Bir!ungen ber fpäter ^u erörternben 
fogenannten lex Stengel erkennbar [inb.
        <pb n="24" />
        10 
Kapitel 23e3etdjnung bcr (Etatspoften 
fortdauernde Huegaben. 
1. I. 23unbesrat. Die erforberl. Ausgaben werbenfürje^t 
aus ben unter 5tap. 7 ausgefetjten gonbs mit Beitritten. 
2. II. Aeidjstag 
3. III. Aei^stangler unb Aeid^stanglei 
IV. Auswärtiges Amt. 
4. Auswärtiges Amt 
5. ©efanbtidjaften, 5ton|ulate unb Sdjutjgebiete . . . . 
6. Allgemeine $onbs 
6 a. -ftolonialuerwaltung 
Summe IV: 
V. Aeicfysamt bes Innern. 
7. Aeidjsamt bes 3 nnern 
7 a. Allgemeine $onbs 
7 b. Aeidjs!ommi[[ariate 
7 c. 33unbesamt für bas £eimatwefen 
7d. Sd)iffsuermej[ungsamt 
8. (Entfdjeibenbe Disgipíinarbe^brben .• . 
9. Beworben für bie Untersuchung non Seeunfällen . . 
10. Stati[ti[djes Amt 
11. AormaIeici)ungsiommi|fion 
12. (Sefunbljeitsamt 
12 a. Sßiolog. Anwalt für £anb= unb gorftwirt|d)aft . . . 
13. Patentamt 
13 a. Áeidjsneríidjerungsamt 
13 b. ^^p|ilaíif(^=te(^ni|(^e Aeidjsanftalt 
13 c. itanalamt 
Auffid)tsamt für &lt;J3rwatuer|id)erung 
Summe V: 
VI. Verwaltung bes Aeidjsïjeeres. 
14. JUiegsminifterium 
15. 3RiIitärta||enwe|en . . = 
Übertrag:
        <pb n="25" />
        11 
1875 
Ausgaben in 1000 9JI. 
1881/82 1891/92 1903 
1905 
1. _ 
2-i 391,8 
3. _ 
4. 1005,0 
5. 4385,3 
6. 238,3 
6a. 
511,6 
127,4 
1084,0 
4851,5 
496,3 
451,9 
144,7 
1860,5 
6907,8 
719,3 
757.2 
241,8 
2 552,6 
9389,8 
2044,0 
831.3 
760,4 
264,1 
2682,7 
9797.4 
2722.5 
959,6 
5628.6 
6431,8 
9487,6 14817,7 16162,2 
7. 
7a. 
7b. 
7c. 
7d. 
8. 
9. 
10. 
11. 
12. 
12a. 
13. 
13a. 
13b. 
13c. 
905.8 
107.8 
32.3 
28,6 
4,7 
191.9 
43.3 
706,2 
824.1 
45,8 
29,7 
4,6 
35,0 
513.1 
92,3 
127.2 
648.2 
827.8 
12195,6 
50,1 
29.9 
24.9 
2,5 
28.9 
815.9 
111.3 
194.4 
1071,9 
975.5 
273,3 
1384.7 
51067,7 
62.3 
30.4 
64,7 
6,0 
34.5 
1313.9 
208,6 
636,4 
3445.9 
1868,3 
375,2 
2481.8 
328,1 
1480,3 
59860,3 
72,7 
30.4 
70,1 
6,0 
36.5 
1564.0 
232,4 
583,6 
163,8 
3962.0 
1964.1 
401,3 
2580.2 
393 
1314,4 
u - 1689,5 
257,8 
3026,3 
15821.9 63308,5 73400,7 
1849,5 
260,5 
2379,7 
318,7 
3136,7 
447,8 
3280,4 
462.2 
1947,3 
2110.0 
2698,4 
3584,5 
3742.6
        <pb n="26" />
        12 
Kapitel Vegeidjnung ber ©tatspoften 
Übertrag: 
16. Vtilitärinbentanturen 
17. Vtilitärgeiftlidjieit 
18. Vtilitäriuftiäoermaltung 
19. ijötjere Truppenbefe^ts^aber 
20. ©ouoerneure, Jlommanbanten urtb ^Iatjmajore . . . 
21. Abjutanturoff^iere unb Offnere in befonberen Stel= 
tungen, forme Veamte bei benfetben 
22. ©eneralftab, ßanbesoermeffungsmefen 
23. Ingenieur« unb ^ionieriorps 
24. ©elboerpftegung bcr Gruppen 
25. Aaturaloerpftegung 
26. Vetteibung unb Ausrüftung ber Truppen 
27. ©arnifonoermaítungs* unb Seroismefen l 
28. ©arnifonbaumefen | 
29. SHilitärmebiginalroefen 
30. Vermattung ber Trainbepots unb Snftanbtjaltung ber 
getbgeräte 
31. Verpflegung ber ©rfat}= unb Aeferoemannfcfyaften ufm. 
32. Antauf ber Aemontepferbe 
33. Vermattung ber Aemontebepots 
34. Aeifetoften unb Tagegelber, Vorfpanm unb Transport 
ioften, llmgugstoften 
35. Vlilitärer3iet)ungs= unb Vitbungsmefen 
36. Alititärgefängnismefen 
37. Artillerie unb SBaffenmefen 
38. Tedjnifdje ^nftitute ber Artillerie 
39. gelungen, 3ngenieur=, ^3ionier= unb Vertetjrsmefen. . 
40. Vlo^nungsgetbguf^üffe 
41. Tioerfe Unterftütjungen 
42. 3ufd)uj3 3ur Atititörmitmentaffe 
43. Verriebene Ausgaben 
Übertrag: Summe:
        <pb n="27" />
        1875 
Ausgaben in 1000 
1881f82 1891)92 1903 
1947,3 
16. 1496,1 
17. 430,8 
18. 607,7 
19- 2 553,4 
20. 650,4 
21- 858,3 
22- 1295,4 
23. 1405,4 
24- 90 012,4 
25. 90621,0 
26. 21029,2 
27. 
28878,9 
29. 6087,6 
30. 456,8 
31. 1880,1 
32. 4 3 7 6,2 
33. 1646,5 
34. 4 5 31,4 
35. 2708,5 
36. 795,6 
37. 3 0 7 2,6 
38. 727,1 
39. 2162,9 
40. 7 076,2 
41. 82,7 
42. 924,3 
43. 106,6 
2110,0 
1635.3 
584.5 
658.5 
2525.1 
632.9 
922.9 
1479.3 
1545.6 
97432.1 
83394,6 
22849,0 
133 474,4 
I 377,2 
5992.6 
483.6 
2447.9 
5849.7 
2048.8 
5494,2 
4782.6 
868,2 
11977.3 
554.7 
2678.9 
7193.7 
79,5 
840,3 
58,3 
2698,4 
2091.0 
731.0 
726.0 
2830.0 
596.8 
1025.3 
2435.4 
1845.3 
119380,1 
99148,8 
22840,2 
41177,7 
580.8 
7 650,1 
1131.2 
2581,7 
9382.2 
2350,9 
8185.6 
5909.7 
873,6 
29440.3 
800,8 
2823.7 
8603.3 
126,9 
2200,1 
802,2 
3584.5 
3118.3 
1061,7 
1523.0 
3527.5 
662,0 
1227.3 
3549.9 
2497.3 
132353.2 
143478.3 
32428.0 
62236.9 
1887.1 
10439.5 
1748.2 
3460.0 
12 516,2 
3448.8 
9424.8 
8162.1 
845,2 
45,747,4 
1313,5 
3139.0 
11227,7 
1348.8 
3198.0 
2075.8 
278421,3 300971,7 380969,1 511230,0 
1905 
3742,6 
3248.9 
1086.4 
1778.5 
3532.5 
665.0 
1236.8 
3659.8 
1884.2 
132 622,8 
148428,4 
34015,2 
65781,0 
2007.2 
10902,4 
1781.4 
3448.5 
13262.9 
3625.3 
10375,3 
8426.8 
865,8 
47398.2 
1427.0 
6166.6 
11673.8 
1365.0 
3260.0 
2078.0 
529746.2
        <pb n="28" />
        51 apitei 
©ejeidjnung ber Cctatspoften 
44. 
44 a. 
Dagu: 
Btilitciruermaltung non Bapern 
Via. Reid()smtlitârgerici)t 
Rn kapern 
Übertrag: 
Summe VI: 
Summe Via: 
VII. Blartneuermaltung. 
45. Wer Btarinetabinet unb Dberíommanbo I 
46. früher Reidjsmarineamt | 
46. f. 1903 Rbmiralftab ber Spanne 
47. ¡Deutfdje Seemarte 
48. Stationsintenbanturen 
49. Rechtspflege 
50. Seelforge unb ©arnifonfcfyulmefen 
51. ©elbuerpflegung ber Btarineteile 
52. Betrieb ber ßlotte (^nbienfitjaltungen) ...... 
53. Raturaluerpflegung 
54. Betleibung 
55. ©arnifonuermaltungs* unb Sermsmefen 
56. 3Bo^nungsgeIb3ufchu^ 
57. Sanitätsmefen 
58. Reife-, 3Rarfd)= unb ßra^ttoften 
59. Bilbungsmefen 
60. ^[tanbljaltung ber flotte unb SBerftanlagen . . i 
61. SBaffenmefen unb Befeftigungen J 
62. baffem unb Redjnungsmefen 
63. Lüftern unb Bermeffungsmcfen 
64. Betriebene Busgaben 
0iergu 3entraluermaltung für bas Schutzgebiet 51iautfci)ou
        <pb n="29" />
        15 
1875 
Ausgaben in 1000 307. 
1881/82 1891/92 1903 
1905 
278421,3 
44 - 40 511.7 
44a. 
300971,7 
42941,6 
380969,1 
49684,1 
511230,0 
64023,2 
518,7 
26.2 
529746,2 
66197,2 
318933,0 343913,3 430653,2 575253,2 595943,4 
527,2 
26,8 
544.9 
554,0 
45. 
46. 
46. 
47. 
48. 
49. 
50. 
51. 
621.1 
61,8 
93,6 
14.5 
27.5 
4010.2 
52 - 2 6 52,7 
1998.3 
103,5 
391.8 
344.8 
284.0 
296.1 
84.0 
53 
54. 
55. 
56. 
57. 
58. 
59. 
60. 
61. 
62. 
63. 
64. 
6518,4 
110,0 
104.1 
617.6 
209.3 
163.9 
23,9 
37,7 
5158,4 
3145,2 
2217,8 
104.3 
694.3 
475.4 
473.6 
290.9 
113.7 
10626,7 
[ 2197,3 
152,2 
108.7 
62,1 
892,2 
233,6 
236.3 
31,4 
51,9 
9709,0 
9926.8 
3599.8 
124.3 
1079,5 
770.5 
705.3 
490.3 
162,1 
12390,9 
4494,2 
234.4 
192.6 
45. SReidjsnumneamt u. 9Karine= 
labinet. 
1570.4 
190.4 
339.4 
412.6 
104,9 
104.7 
20903,7 
23951,6 
1499.5 
357.7 
- 4417,9 
1525.7 
2870.8 
346,0 
24068,0 
8107,1 
656.4 
588.7 
1182,0 
71,8 
1650.0 
238.0 
359,7 
471.1 
142.2 
109.0 
24275.5 
26544,7 
1743.2 
396,4 
5071,9 
1827,7 
3297.0 
404.2 
26415.5 
9278,5 
734,6 
676.0 
1315.2 
96.4 
17 716,4 26810,9 45387,2 93269,3 105046,5
        <pb n="30" />
        16 
ilapitel Vegcidjnung ber (Etatspoften 
VIH. Veidjsjuftiauermaltung. 
65. Veidfjs-^uftiäamt 
66. Veidjsgeridjt 
Summe VIH: 
IX. Veidjsfd)atjamt. 
67. Veictjsfcfyatjamt 
68. Allgemeine gonbs I 
68a. Übermeifungen an bte Vunbesftaaten J 
68 b. 3ur Scíjulbentiígung aus bem (Ertrag ber ßölte unb 
Xabaífteuer 
69. Veicí)stommi[fariate 
Summe IX: 
70. X. 9?eicï)seifenbal)namt 
XI. &lt;Retd)SÎ&lt;i)ulb. 
71. Vermattung 
72. Verçinfung 
Summe XI:- 
73. XII. Vedjnungsïjof 
XIII. Allgemeiner ^enftonsfortbs. 
74. Vermattung bes Veidjsljeeres 
74 a. Aeidjsmiliiärgeridfyt 
75. Vermattung ber iaiferlidjen Vlarine 
76. 3mitnermattung 
76 a. Sonstige Vemittigungen 
Summe XIII: 
XIV. Veidjsinoatibenfonbs. 
77. Vermattung bes Veid^sinoalibenfonbs 
78. 3 u íd) u Í3 3 U ^ ert Soften ber Vermattung bes Aeidfstjeeres 
79. Snoalibenpenfionen ufm. infolge bes Krieges oon 1870/71 
80. ^noalibenpenfionen ufm. infolge ber Kriege oor 1870 
Übertrag:
        <pb n="31" />
        17 
1875 
Slusgaben in 1000 9Jt. 
1881/82 1891/92 1903 
1905 
65. 
66. 
139,4 
344,3 
444,8 
1242.3 
470,8 
1487,2 
337,7 
1807,8 
337,8 
1900,5 
483,7 
1687,1 
1958,0 
2145,4 
2238.2 
67 - 116,5 
68. 
68a. 1307,9 
422,1 
69743,4 
511,7 
3963,6 
383377,3 
686,0 
5416,3 
542092.0 
776,1 
20263,9 
189335,0 
68b. _ 
69. 414.9 
70. 
71. 
72. 
222,5 
5.1 
73 - 381,4 
74 - 19968,0 
74a. 
75. 
76. 
76a. 
212,1 
119,5 
20299.6 
77 - 59,8 
78 - 48,1 
79 - 26273,4 
80 * 765.4 
27146,7 
401,3 
433.3 
524.2 
266,1 
35,8 
11116,5 
302,3 
203,1 
55604,0 
401,1 
815,9 
98268,3 
477.3 
17 901,0 
455,1 
346.3 
617,9 
37 332,4 
1377,7 
926,5 
956,1 
70575,2 
4,4 
4819,5 
2050,9 
90,0 
519,0 
1839,3 70566,8 388285,9 548718,6 210893,9 
410,6 
769,9 
112840,0 
5,1 11152,3 55807,1 99084,2 113609,9 
983,8 
73032,6 
17,5 
5 692,6 
2471,8 
180.0 
18702,4 39636,6 77 540,0 81394,5 
65.9 
55.9 
24466,2 
4311,9 
28899,9 
86,4 
60,1 
20668,2 
3362,5 
24177,2 
76.9 74,1 
68.9 69,5 
31461,9 35189,9 
6 610,6 6427.2 
38218,3 41760,7 
2 
&lt;5 r o t e u&gt; o I b, Srinanjfoítem
        <pb n="32" />
        Capitel 
SBegetdjmmg ber (Etatspoften 
Übertrag: 
81. G^renjulagen an bte 3nt)aber bes eisernen üreuges uon 
1870/71 
82. ^3enftonen für ehemalige fran3ö[t[cf)e Vttlitärperfonen . 
83. ©nabenbemitltgungen, ^enjtonsjufcpfîe unb Unter= 
jtütjungen 
84. Snoalibenittïtitute 
Summe XIV: 
85. XV. $oft* unb Xetegraptjenuerroaltung. 
A. 3entraluermaítung 
B. Vetriebsuermaítung 
Summe XV: 
86. XVI. Vetdjsbruáeret . . . . 
87. XVII. (Eiïenbatjnoermattung. 
A. ßentraluermaltung 
B. Vetriebsuermaltung 
Summe XVII: 
einmalige Huagaben. 
a) Drbentlidjer (Etat. 
1. I. Veidjstag • . 
1 a. la. Vetdjsïan3ler unb VetcE) startet 
2. II. Vusmcirttges Vmt 
2 a. ilolontalnermattung 
3. III. Veidjsamt bes ßnnern 
4. IV. ^3o[t= unb ïelegrapljenttermaltung 
4 a. IVa. Vetcfysbrucïeret 
5. V. Vermattung bes Veidjsljeeres 
5 a. Va. Veid)stmlttargeridjt 
6. VI. Vermattung ber ïatjerlidjen Vîartne 
6a. 3ur Vermattung non itiautf^ou 
Summe VI:
        <pb n="33" />
        2* 
19 
1875 
Ausgaben in 1000 501. 
1881/82 1891/92 1903 
1905 
27146,7 
81. 
82. 
83. 
84. 
85. 
921.8 
506,7 
28899,0 
41,6 
655,4 
321,6 
397,5 
24177,2 38218,3 41760,7 
35,3 
333,1 
350,0 
335.4 
24,9 
78,8 
10320,4 
361,3 
22,9 
69,7 
15653,1 
356,7 
28575,2 30316,0 25231,0 49003,7 57 863,3 
Demon auf Aap. 68 ber fortbauernben Ausgaben übernommen: 14000,0 
bleiben: 43863,3 
3 004,7 
395778,1 
3082,6 
431273,2 
398782,8 434355,8 
86. — 
87. 
5586,7 
116,7 
66701,6 
5582,3 
120,7 
76625,7 
66818,3 76746,4 
1. 118,9 
la. — 
2- 1723,8 
2a. _ 
3. 386,7 
4. 3474,6 
4a. 
5- 45984,2 
5a. 
6- 31493,2 
6a. 
201.4 
387.4 
8838,6 
248,0 
52,179,3 
4293,5 
2476,7 
6480,1 
415,6 
40675,4 
11192,9 15270,5 
847,0 
17 879,6 
11122,0 
13424.9 
313,2 
43388.1 
69106.9 
12353.1 
525,8 
18465,3 
6712,8 
13194,8 
79,2 
76260,7 
7,8 
81530,5 
14,660,0 
81460,0 96190,5
        <pb n="34" />
        20 
ftapitel Vegeiä)nung ber (Etatspoften 
7. VII. Vei&lt;Ss¡u|tÍ3oermattung 
8. VIII. Veicfjsidjatjamt 
8a. VIII a. Veidjsfájulb 
„ „ Veidjseiíenbatjnamt 
„ Veá)nungsf)of 
8 b. „ (Eifenbatjnüermaltung 
„ Vttingmeten 
IX. Reíjlbetrag 
Summe a) Orbentlicfyer (Etat, einmalige Ausgaben: 
b) SlujferorbentlicSer (Etat. 
1. Vusmärtiges 2tmt, üoloniatabteilung 
2. Veidjsamt bes Innern J 
3. Vermattung bes Veictjstjeeres | 
4. Vermattung ber fai[erlict)en Vtarine 
5. Veicfysidjatjamt 
Vtün3mefen 
6. ^3oft= unb ZelegrapSenoermattung 
Veidjsbructerei 
7. (Eifenbatjnoermaltung 
Vetriebsfonbs 
8. Ausgaben infolge bes Krieges gegen RrantreicS . . . 
9. „ aus Slnlafc ber (Erpebition nadj Dftajien . . . 
10. „ „ „ „ „ „ DSW.=2ífrita . 
11. 3ur Dectung non Restbeträgen in früheren Ratjren. . 
3uj^ufe 3U ben einm. Ausgaben bes orbenttidjen (Etats
        <pb n="35" />
        21 
1875 
7. _ 
8- 646,1 
8a. 715,2 
54,4 
8b. 18328,1 
9052,0 
Ausgaben in 1000 9JI. 
1881/82 1891/92 1903 
131,6 
3456,7 
141,9 
10,8 
19532,5 
1,0 
593,5 
359,2 
53,4 
1,3 
100,0 
3105,0 
1905 
65,7 
500,0 
7423,0 
f. 1901: 48 309,6 f. 1903: 4 3 0 5,0 
70617,9 219950,6 223730,5 
1. 
a. 1 ) 
b. 2 ) 
a. 1 ) 
c. 3 ) 
4. i) 
5. i) 
3. 
26242.3 
2766,9 
95185.4 
24739,2 
4000,0 
4000,0 
29733,6 
47175,0 
3600.0 
5000.0 
32 987,6 
46929,0 
6. i) — 
1987,2 22095,0 27475,0 
7. _ 
4948,9 12410,0 16452,6 
8. 126679,9 
9. _ 
10. _ 
11. _ 
1694,0 
12332,8 12659,6 
__ 47083,1 
— f. 1903:2 039,9 
72102,4 
1) 2Ius bcr $Retd)sanleiI)e. 
2) Slus bem 5Reid)siagsgebäubefonbs. 3) SIus bem 5Retá)sfeítungsbaufonbs.
        <pb n="36" />
        22 
Capitel Me^eidjnung ber (Etatspoften 
Summe b) Mufeerorbentlidjer État 
„ a) £)rbentliá)er Étal 
„ ber einmaligen Ausgaben 
„ „ fortbauernben Musgaben . . . . 
Summe ber Musgaben: 
Kapitel Megeidjnung ber Étatspoften 
Ginnabtmn. 
1. I. 3öIle unb Merbrauá)s[teuern. 
Mus bem ¿ollgebtete. 
1. Solle 
2. £abat[teuer 
3. 3uáer[teuer: 9îlaterial[teuer 
„ Merbraudjsabgabe 
4. Sal3fteuer 
5. Mranntroeinfteuer. 
a. 9Jtaifcl)botticfy= unb 5Raterial[teuer . . . . . 
b. Mrennfteuer 
c. Merbraucfysabgabe unb 3uM)lag bagu . . . . 
6. Sdjaumtoeinfteuer 
7. Mraufteuer unb Übergangsabgabe uon SBier 1 ). . . 
Mon ben aufeerijalb ber SoIIgrenge liegenben Munbes= 
gebieten (Aversa). 
8. Solle unb Xabaifteuer 
Sucier unb Salgfteuer 
SJtaiidjbotticf)* unb Mranntroeinmaterialfteuer non 1903 
ab in!l. Sct)aummein|teuer 
9. Mraufteuer 
Mufterbem: Madjträgl. Éinnaíjmen begro. Müdga^íungen 
Summe I: 
1) Rieran §aben Sapent, SBürttemberg, Saben unb (Elfafcfiotljringen feinen ïetl.
        <pb n="37" />
        23 
1875 
238657,1 
395791,0 
63*448,1 
1875 
Ausgaben in 1000 9Ji. 
1881|82 1891/92 1903 1905 
_ 159870,0 199848,8 194226,8 
__ 70617,9 219950,6 223730,5 
98516,1 230487,9 419799,4 417 957,3 
513989.2 1014565,7 1997229,5 1762209,9 
612505.3 1245053,6 2417 028,9 2180167,2 
(Einnahmen in 1000 
1881182 1891/92 1903 1905 
1. 110604,6 
2. 810,2 
3. 40241,7 
4. 33247,0 
5 a. 41622,1 
b. — 
c. — 
6. — 
7. 15771,6 
181346,4 
6581,1 
70680.9 
36748.9 
35321,4 
378470,3 
11481,7 
9805,7 
55139,6 
42866.2 
19336.3 
99 504,9 
472563.0 
12312.0 
113629.0 
49073.0 
15631,7 24772,0 
108667,0 
4531,0 
30846,0 
536282.0 
11109.0 
130000.0 
52282.0 
18559,0 13524,0 
103954,0 
4531,0 
29521,0 
3105,7 
866,0 
343.7 
6179,8 
917,4 
429,8 
46,9 
11,1 
1,5 
192,0 
53,0 
18,3 
79,8 
246612,6 353837,4 641244.2 810252,9 %81284,4 
1.6
        <pb n="38" />
        Capitel 
23egeicf)nung ber (Etatspoften 
II. SReidjsftempelabgaben. 
2. 1. Spieltartenftempel. 
2. 2Be&lt;í)[elítempeIfteuer 
3. Stempelabgabe für SBertpapiere, ilaufgefdjäfte ufto., 
Sotterielofe unb Scï)iffsfracï)turïunben 
4. Statijtifdje ©ebüljr 
Summe II: 
5ín ftrebiten, roeldfye erjt im nädjften Saljre fällig 
toaren, flanben aus: 
bei Capitel 1: 
lit. 1. Solle 
, 2. ïabaïfteuer 
„ 3. 3uáerfteuer: 9Jtaterial[teuer 
23erbrauá)sabgabe 
„ 4. Salgfteuer 
„ 5. 23rannttoeinïteuer: 
9Jlai[djbottid^ unb 3CUateriaIfleuer 
SBerbraudjsabgabe . 
„ 6. 2loer[a non Sací)[en=2Beimar unb S.=(Eoburg . 
„ 7. 2loerja für 3öHe unb 33erbrauá)s[teuern . . 
bei Capitel 2: 
Xit. 1. Spielíartenftempel 
gu|ammen: 
3. III. %So|t= unb Xelegrapíjenoerroaltung. 
(Einnahme 
gortbauernbe Ausgaben 
amtfiin ift Überfdjujg: 
3a. IV. 9?eiá)sbrucíerei. 
(Einnahme 
gortbauernbe Ausgaben 
mtit^in ift Überfdjufc:
        <pb n="39" />
        25 
1775 
(Einnahmen in 1000 9JI. 
1881/82 1891/92 1903 
1905 
2. 6105,6 
13278.6 
39909,2 
8422.9 
12588.6 
2,4 
1006.9 
1028.4 
6389.4 
6105,9 
535,2 
1245,3 
7 784,8 
24063,4 
687,8 
1565.0 
11940.0 
78497.0 
1026.0 
18550.1 
9354,9 
86083.2 
7498,3 
19472,4 
3,4 
2209,6 
215,3 
40688.6 
4478,4 
70238,0 
25947,9 
8632,6 
10069,5 
56730.7 
19,9 
303,2 
1585.0 
11862,0 
71857,0 
1120.0 
II. 6105,6 14058,9 33781,3 93028,0 86424,0 
75208,6 143387,2 217 108,8 
114941.1 
109497.2 
«I- 5443.9 
145860,7 
121781,4 
234997,9 
213165.1 
456220,1 
398782,8 
517077,5 
434355,8 
24079,3 21832,8 (57 437,3) (82 721,7) 
3352.3 
2288.3 
5768,2 
4063,8 
7 906,0 
5586,7 
8520,0 
5582,3 
IV. 
1064.0 
1704,5 (2 319,3) (2937,7)
        <pb n="40" />
        26 
Capitel 23e3etdjnung ber (Etatsp often 
4. V. (Eifenbaí)noertoaltung. 
(Einnahme . 
gortbauernbe Ausgaben 
Vtitljin ift Überfluß: 
5. VI. Vanïroefen 
6.—17. VII. Verfcßiebene Venoaltungseinnaljmen . . . 
18. VIH. 2lus bem Veidjsinoatibenfonbs 
18a. (Villa). XRünjtoefen 1 ) 
19. IX. 3tnfen aus belegten Veidjsgelbern. . . . 
Überfdjüffe aus früheren fahren 
IXa. 3uf¿)u¿ bes außerorbentticßen (Etats . . . 
20. X. Vus ber Veräußerung non ^argelíen bes 
ehemaligen Stettiner geftungsterrains . . 
Xa. 3um Vusgleid) für bie nidf)t allen 23unbes= 
ftaaten gemeinfamen (Einnahmen . . . . 
22. XI. Vtatritular beitröge. 
1. Preußen 
2. Vapern 
3. Gad)[en 
4. ÜBürttemberg 
5. Vaben 
6. Reffen 
7. Vtectlenb urg=S ä) m erin 
8. SacIjfemSBeimar 
9. VWIenburg^Streliß 
10. Otbenburg 
11. Vraunfdjtoeig 
12. Sacßfen=9Jieiningen 
13. Sacßfen Ottenburg 
14. Sachfen=(£oburg=©otIja 
15. Vnljalt 
Übertrag:
        <pb n="41" />
        27 
1875 
(Einnahmen in 1000 
1881/82 1891/92 1903 
1905 
35004,1 
26045,0 
VI. 
VII. 
vin. 
Villa. 
IX. 
2255.0 
26381.3 
9052.0 
11964.3 
iXa. _ 
X. _ 
Xa. _ 
44274,0 
27 505,4 
57469,5 
36124,2 
87879,6 
66818,3 
2 631,1 
7 324,0 
30316,0 
5127,2 
8607.3 
9986.3 
25231,0 
484,6 
610,4 
15866.2 
41658.3 
49003,7 
104314,7 
76746,4 
V. 8959,1 16768,6 21345,3 (21061,3) (27 568,3) 
15767,5 
36939,9 
47 927,4 
— f. 1903: 240,9 
72102,4 — 
17 406,6 20876,3 
1. 
2. 
3. 
4. 
5. 
ü. 
7. 
8. 
9. 
10. 
U. 
12. 
13. 
14. 
32113,3 
15319,6 
3240.0 
5784.1 
4249,8 
1368,3 
639.1 
427.3 
137.4 
457,8 
387,6 
298.2 
214.5 
271.4 
15. 332,4 
52501,4 
20149,6 
5625,0 
7 281,4 
5185,5 
1806,7 
1129,4 
597.4 
195.1 
651.2 
667.3 
396,7 
297.5 
372.4 
435.6 
190803,0 
42 779,9 
21434,1 
15841.3 
11983.3 
6445.7 
3875.2 
2115.3 
662,8 
2301.1 
2509,5 
1447.8 
1087.9 
1339,7 
1672.1 
346825,9 
60961,4 
42286.3 
21707.6 
18802.6 
11258.3 
6112.3 
3 659,0 
1031.7 
4022.3 
4671.2 
2522.4 
1967.3 
2308,6 
3179.8 
163 776,0 
28282,2 
19957,8 
10145,7 
8874.5 
5320.5 
2887.5 
1724.0 
487,5 
1896.5 
2206.0 
1191,2 
926,0 
1090.6 
1501.7 
114893,4 143690,5 461283,9 531316,7 372019,7
        <pb n="42" />
        Capitel 
23egeidjnung ber Statspoften 
Übertrag: 
22. 16. Sd)toar3burg=Sonbersï)au[en 
17. Sdjtoar3burg=9UiboIftabt 
18. SBalbeá 
19. %eu&amp; alt. £inie 
20. SReuff jüngere £inie 
21. S&lt;í)aumburg=£ippe 
22. £ippe 
23. £übeá 
24. Bremen 
25. Hamburg 
26. Slfag=£otIjringen 
Summe XI: 
©efamtfumme bes orbentlidjen Stats: 
XII. Stufjerorbentlidfe Fedungsmittel. 
5Ius bem ‘iReidjstagsgebäubefonbs 
23. 2Ius Slnletíjen 
24. Sonstige aujjerorbentlidje Fettungsmittel. . . . . . 
5lus ber frangöfifdjen itriegstoftenentfcijäbigung unb ben 
oon berfelben aufgenommenen pinjen 
5lus bem 9teid)sfeftungsbaufonbs 
SIus bem ^etdjseifenbaljnbaufonbs 1 ) 
Summe XII: 
©cfamtfumme ber (Einnahmen: 
1) Die für 1875—-1881/82 unter 5Reidf)seiienbaf)nbaufonbs angeführten 3«^ïen finb 
5Inmertung. Fie obigen 3at)Ien finb für bie 3&lt;*f)re 1875, 
1881/82 unb 1891/92 ben Dr. S. (Eoljnfdjen Tabellen entnoim 
men, melden bie Otedjnungen gugrunbe liegen. Fie 3°^ en für 
1903 unb 1905 entflammen bem 9teidjsgefetjblatt unb berufen 
auf ben (Etatsgefetjen. 
Fie ben ©efetjen angeljängten 3ufammenjteIIungen ber ein*
        <pb n="43" />
        29 
(Einnahmen in 1000 Ri. 
1875 1881/82 1891/92 1903 
1905 
114893,4 143690,5 461283,9 531316,7 372019,7 
26- 2200,6 3810,9 11724,0 17315,4 8168,7 
XI. 68969,5 103288,5 326733,6 565856,2 266567,9 
185782,6 8442,6 — — 
— 15168,6 — — — 
118123,6) (3575,2) — — 
Xn - 185782,6 76017,0 322334,8 199848,8 194226,7 
571525,9 634041,0 1413896,1 2417028,9 2180167,2 
bereits in ben „aus bet franj5ii|d)en ftriegsenttd&amp;äbigung" mitentljalten. 
Seinen Summen geben mir nadjjteljenb in ber $orm, baft fort- 
bauernbe, einmalige orbentlidje unb aufterorbentliche ^ojten bei 
ben einzelnen Rermenbungsarten gufammengefaftt erjeheinen, um 
einen Rergleid) gu ermöglichen. 
ferner i[t gu bemerien, baft bei ben älteren Rechnungsjahren 
bie Überfthüfje aus ben Reichsbetrieben bei ben (Einnahmen er= 
16 - 100,5 
17 - 117,5 
137.6 495,9 816,0 384,3 
156.4 564,9 940,3 442,1 
111.6 381,2 582,6 275,2 
95,8 376,7 689,1 324,9 
188.4 745,2 1402,5 661,4 
67,6 250,7 433,9 204,9 
229,3 830,2 1394,5 660,2 
116,1 455,9 973,4 459,8 
290,0 1115,9 2263,9 1068,4 
792.6 3494,3 7 728,2 3 650,4 
82,8 
46,9 
170,4 
28- 68,2 
21 193,8 
25- 538,8 
2217180,1 1985940,4 
— 2766,9 — — 
52205,3 309381,3 194664,5 191471,4 
200,5 10186,6 5184,3 2755,3
        <pb n="44" />
        30 
feinen, toâïjrenb 1903 unb 1905, bcm ©ebraudj bes ©ejetes 
folgenb, bie Betriebsausgaben unb Betriebseinnahmen getrennt 
gegeben [inb. 
Scijliepdj i[t nod) gu ermähnen, ba&amp; in ben lebten Satiren 
SBieberljolung ber Musgaben. 
einmalige 
a. fortbauernbe. 
Ib. orbentlidjer ©tat. 
|c. aufcerorbentlidjer ©tat. 
d. gufammen. 
Summe I. Bunbesrat 
II. Beid^stag 
III. Beic^stangler unb SReid)s!angíei 
IV. Musroärtiges Mmt 
V. Beidjsamt bes 3 nnern 
a. 
b. 
c. 
d. 
a. 
b. 
c. 
d. 
a. 
b. 
c. 
d. 
a. 
b. 
c. 
d. 
a. 
b. 
c. 
d. 
n 
VI. Bermaltung bes Beid)sf)eeres
        <pb n="45" />
        31 
ber ©ebraudj eingefüljrt ift, einen befonberen „aufjerorbentlidjen 
Gtat", nom orbentlidjen ¿tat getrennt gn publ^teren, mas an 
ber Sacfye felbft nichts änbert, fonbern meï)r eine gorm ift 
(fieï)e 6. 38). 
Betrag für bas Bed)nungsjat)r 
1875 1881/82 1891/92 1903 1905 
391.8 511,6 451,9 757,2 760,4 
118.9 — — — — 
510,7 511,6 451,9 757,2 760,4 
127,4 144,7 241,8 264,1 
— 127,4 144/7 241,8 264,1 
5628,6 6431,8 9487,6 14817,7 16162,2 
1723,8 201,4 4293,5 18726,6 18991,1 
— — — — 3600,9 
_ 7352,4 6633,2 13781,1 33 544,3 38753,3 
1314,4 3026,9 16602,0 63308,5 73400,7 
386,7 887,4 2476,7 11122,0 6712,8 
— — 26242,3 4000,0 5000,0 
701,1 3914,3 45321,0 78430,5 85113,5 
318933,0 343913,3 430653,2 575253,2 595943,4 
45984,2 52179,3 40675,4 43388,1 76260,7 
— — 95185,4 29733,6 32987,6 
364917,2 396092,6 566514,0 648374,9 705191,7
        <pb n="46" />
        32 
Ausgaben 
einmalige 
a. foríbauernbe. 
Ib. orbentlid)er (Etat. 
|c. aufeerorbentlidjer (État, 
d. gufammen. 
Summe Vía. Seicfysmilitärgeridjt 
a. 
b. 
c. 
d. 
VII. Vermattung ber íaiferliájen Starine 
a. 
b. 
c. 
d. 
VIII. SeidjsjuftigDermaltung 
a. 
b. 
' c. 
d. 
IX. Sei^s|d)a^amt 
a. 
b. 
c. 
d. 
X. Seid)sei[eni&gt;af)namt 
XI. Seidjsfdjulb 
XII. Sedjnungsljof 
a. 
b. 
a. 
b. 
c. 
d. 
a. 
b. 
c. 
d.
        <pb n="47" />
        ©roteroolb, 3rinanj|g|tem. 
3 
33 
23etrag für bas SKedjnungsjaljr 
1875 1881/82 1891/92 1903 1905 
544,9 554,0 
7,8 
— — 544,9 561,8 
17 716,4 70566,8 45387,2 93269,3 105046,5 
31493,2 11192,9 15270,5 81460,0 96190,0 
— 24739,2 47175,0 46929,0 
49209,6 81759,7 "¡5396,9 211904,3 248166,0 
483,7 — 1958,0 2145,4 2238,2 
— 131,6 593,5 
483,7 131,6 2551,5 2145,4 2238,2 
1839.3 — 388285,9 548718,6 210893,9 
646,1 3456,7 359,2 1,3 65,7 
— — 4000,0 — — 
2485.4 3456,7 388645,1 548719,9 210959,6 
222,5 266,1 302,3 401,1 410,6 
222,5 266,1 302,3 401,1 410,6 
5,1 11152,3 55807,1 99084,2 113609,9 
715,2 141,9 - — — 
720.3 11294,2 55807,1 99084,2 133609,9 
381.4 477,3 617,9 956,1 983,8 
54,4 10,8 — 100,0 500,0 
435,8 488,1 617,9 1056,1 1483,8
        <pb n="48" />
        34 
Huscjaben 
einmalige 
a. fortbauembe 
b. orbentlictjer (Etat. 
c. aufrerorbentlidjer (Etat. 
d. 3u[ammen. 
Summe XIII. Slllgemeiner 93en[ionsfonbs 
XIV. SReidjsinoalibenfonbs 
XV. Sßofb unb Megrapíjenuerroaltung 
XVI. iHeicE)sbru(ierei 
„ XVII. (Eifenba^nuermaltung 
Fehlbeträge unb 3 u ïrf)üïï e 
1875 unb 1881/82 aus 9ínla&amp; bes Krieges non 1870/71 
1903 unb 1905 aus SInlafc ber (Erpebition nadj 0|ta|ien &lt; 
unb Süb=2ßejt-2ifrita
        <pb n="49" />
        3 
35 
Setrag für bas 9?ed)nungsjat)r 
1875 1881/82 1891/92 1903 1905 
20299,6 — 39036,9 77540,0. 81394,6 
20299,6 — 39036,9 77 540,0 81394,6 
28575,2 30316,0 25231,0 49003,7 43863,3 
28575,2 30316,0 25231,0 49003,7 43863,3 
109497,2 121781,4 213165,1 398782,8 434355,8 
3474,6 8838,6 6480,1 13424,9 13194,8 
— — 2766,9 22095,0 27475,0 
112971,8 130620,0 222412,1 434302,7 475025,6 
2288,3 4063,8 5586,7 5582,3 
— 248,0 415,6 313,2 79,2 
1987,2 — — 
~~ — 2536,3 6466,6 5899,9 5 661,5 
26045.0 27505,4 36124,2 66818,3 767463,3 
18328.1 19532,5 53,4 3105,0 7423,0 
— — 4948,9 12410,0 16452,6 
44373.1 47 037,9 41126,5 82333,3 791338,9 
— — — 48309,6 4305,0 
— — — 72102,4 2039,0 
120679.9 1694,0 — 12332,8 59742,7 
126679.9 1694,0 — 12332,8 59742,7
        <pb n="50" />
        Husgaben 
einmalige 
a. fortbauernbe. 
|b. orbentlidjer (£tat. 
|c. au^erorbentlic^er (Etat 
d. gufammen. 
gjiüngme^en 
a. 
b. 
c. 
d. 
Summe 
h 
I. 
II. 
III. 
IV. 
V. 
VI. 
VII. 
n 
VIII. 
tt 
Villa. 
Jt 
ft 
IX. 
X. 
tt 
XI. 
XII. 
Girmabme 
3öIIe unb 5Berbraud)S¡teuem 
91eid)s[tempeiabgaben 
^3o[t= unb Xelegrap^enuermaltung 1 ) 
91eid)sbru&lt;ierei *) 
(Sifenbahnuerroaltung 3 ) 
23anïœejen 
®er[c^iebene $era&gt;altungsnal)men ....... 
2íus bem SKeidjsinualibenfonbs 
93îün3U)eien 2 ) 
1905 Überfc^u^ aus 1903 \ 
3infen aus belegten SHeidjsgelbern | 
1903 unb 1905 gum Slusgleid) für bie nici)t allen 
23unbesjtaaten gemeinsamen (Einnahmen. 1891/92 
aus bei Söeräujjerung uon ^aigeííen bes ehema 
ligen Stettiner geftungsterrains • 
Siatrilularbeiträge 
Slufterorbentlidje Dedungsmittel 
Dagu 344^)3 gum orbentlidjen (Etat 
©efamtfumme: 
1) Die 3tffern für 1875, 1881/82, 1891/92 geben bie 9Moübcrfcf&gt;üffe, bie für 1903 
unb 1905 bie Srutto=Setriebseinna^men an. 
2) 93on 1891 ab bei Aap. VII. ncrre^nei.
        <pb n="51" />
        37 
1875 
Setrag für bas SRedjmmgsjatfr 
1881/82 1891/92 1903 
1905 
9052,0 
1.0 
9052,0 
1.0 
III. 
IV. 
V. 
VI. 
VII. 
VIII. 
Villa. 
I. 246612,6 
II 6105,6 
5443,9 
8959,1 
2255.0 
26381,3 
9052.0 
IX. 11964.3 
353837,4 
14058,9 
24079,3 
1064.0 
16768,6 
2631.1 
7324,0 
30316,0 
4656.2 
641244,2 
33781.3 
21832,8 
1704,5 
21345.3 
8607.3 
9986.3 
25231,0 
484,6 
810252,9 
93028,0 
456220,1 
7 906,0 
87879.6 
15 866,2 
41658,3 
49003.7 
881284.4 
86424,0 
517077.5 
8520,0 
104314,7 
15767,5 
36939,9 
47927,4 
240,9 
X. 
Xi. 
68969.5 
*ii 185782,6 
103288,5 
76017,0 
610,4 
326733,6 
322334,8 
17406,6 
565856,2 
199848,8 
72102,4 
20876,3 
266567,9 
194226,7 
571525,9 634041,0 1413896,1 2417028,9 2180167,2
        <pb n="52" />
        38 
2Bie aus ben norftehenben Tabellen erfidjtlich, verfallen bie 
Ausgaben in gmei ^auplilaffen, fortbauernbe unb einmalige, 
mäljrenb man bei ben (Einnahmen unterfdjeibet gm%en orbent* 
lidien unb aufjerorbentlichen. 3 ßne 3egei^nungen „orbentlid)“ unb 
„aufterorbenttidj“ finben audj 2Inmenbung auf bie einmaligen 2íus= 
gaben, je nadjbem fie burd) orbentíid)e ober aujferorbentlidje (Ein 
nahmen Dedung finben. ¿n ben lebten fahren roirb ein bejom 
berer aufterorbentlicher (Etat in Ausgabe unb (Einnahme aufge[tellt. 
Diefe SUlethobe ift leicht irreführend Der £ogi! mürbe es 
beffer entsprechen, nur foldje Ausgaben als „aufjerorbentlid)“ gu 
begegnen, bie es tatjächtidj aud) |inb, mie g. 23. bie Ko[ten für 
bie (Eljüiaeipebition ober ben £jererotrieg, mährenb h ß ute aud) 
nieles anbere barunter gu finben ift, jobalb bie Dedung bafür 
nid)t aus orbentIid)en (Einnahmen beschafft mirb 1 ). 
3m eingelnen ift gu ben 21usgabetiteln folgenbes gu be= 
merïen: 
I. 23unbesrat, 
II. ^Reichstag, 
III. SReidfsïangler unb 9^eidf)slanglei. 
Diefe brei Kategorien umfaßen bie ißerfonab unb 23ureau= 
ïoften ber gefetjgebenben gaítoren bes fReidfs. Dem Kaiser [tetjen 
non SReidjsmegen feine 23egüge gu, es merben ihm nur gemiffe 
Dispofitionsfonbs in $öh ß non 3 1 ¡ 2 Millionen SRarï gur 23erfü= 
gung gejtellt für gnabenmeife ^enfionsbemilligungen u. bergl. 
2tud) erfcijeint ein Soften für ßubienfthattung eines Kriegsfdjiffs 
für ben Kaiser im (Etat (ca. %— 1 | 2 Million). 
Dem $Reid)stangteramt lag urfprünglidj bie güljrung fait ber 
gefamten 2legierungsge|(häfte bes SReidjs ob, erft fpäter mürben 
bie übrigen SReidjsämter in ihrer heutigen ßorm errietet. (Es 
finb bies: 
bas 2Iusmartige 2lmt, 
bas ÍReid^samt bes 3unern, 
bas SReichsmarineamt, 
bas Dfei^sjuftigamt, 
1) Sgl. 5Reí)m, SRetdjsfmanjreform, Üftüncfoen 1903.
        <pb n="53" />
        39 
bas Veidhsfchatjamt, 
bas $Reid)sei[enbaIjnamt, 
bas Veichspoftamt, 
bas SReichsamt für bte Verwaltung ber 9?eid)seifenbaï)nen. 
Vile biefe Veichsämter, welche meiftens Staatsfetretären unter* 
fielen, bte aud) bisweilen bas gleiche ^Portefeuille int preufpfchen 
SOlinifterium inné haben, finb nun feine Vtinifterien in bem Sinne, 
wie in anberen Staaten. Die Staatsfetretäre finb formell nid)! 
bem Parlament, fonbern bem Veii^sfangler oerantwortlid), welker 
feinerfeits bie Verantw ortliá)íeit gegenüber bem Veidjstag unb 
bem Raifer trägt. 3 n ^ e ii en :f^ bas Verantwortlidjteitspringip in 
ber Verfaffung nod) nidf)t genügenb ausgebilbet, inbem de jure 
ber Veidjstabler burdj ben Veidjstag nicht befeitigt werben tann. 
Die Sdjaffung eines Veid)stolonialamts ift im griií)jat)r 1906 leib er 
00m Veidjstag abgeletjnt worben. Vermutlich wirb es aber im 
(Etat für 1907 bewilligt werben. (Einftweilen rangieren bie #0= 
Ionialausgaben beim (£tat bes 
auswärtigem Vmts (IV), 
bem ja bie ftolonialabteilung unterfteltt ift. Die fonftigen Ausgaben 
bes auswärtigen Vmts befielen in Vefolbungen für Votf^after, @e= 
fanbte, ©eneralfonfuln, Áonfuln ufw. unb bas ^3erfonaí bes aus* 
wärtigen Vmts in Verlin, fowie allgemeinen gonbs. (Entfprect)enb 
ber oerbefferten Vertretung bes Veidjs im Vuslanbe (Vermehrung 
ber Confuíate, (Erhebung non ftonfulaten gu General!onfutaten ufw.) 
ift ber (Etat bes auswärtigen Vmts im £aufe ber 3af)re fehr er* 
heblid) gewadjfen, abgefeljen oon ben ftoften ber Kolonien, bie, 
mit Ausnahme oon Dogo, ausnahmslos noch auf abfehbare ßeit 
3ufd)üffe erforbern werben. 3 m gangen Ijaben bie Kolonien bem 
Veid) fchon über i / i Vtilliarbe Moften oerurfad)t, wooon freilidf) 
bie ¿älfte auf ben §ererofrieg entfallen bürfte. Von leiderem 
abgefeljen, betrugen bie Rolonialausgaben, b. h- aus ber Vei^s* 
taffe ben Kolonien geleiftete ßuf^üffe in Vlillionen Vlarl: 
1895 1900 1905 
5,5 29,3 34,9 
Die einzelnen S^u^gebiete haben natürlich ihre eigenen
        <pb n="54" />
        40 
(Biais, tn b en en ber Vewhsgufchujg aïs (Einnaijmepoften erfcheint. 
Diefe einzelnen Kolonialetats finb bureaus oom Veichsetat getrennt. 
V. Das Veichsamt bes ßnnern 
u)ei[t nod) mefentlidj ^ö^ere 3 una h mcn feiner bauernben 2lus* 
gaben auf mie bas auswärtige 2lmt. V3âljrenb leyeres an fort* 
bauernben Ausgaben 
1892: 4, 1905: 16 Millionen Vlarl beanfpruchte, 
oerlangte biefes: 1892: 1, gegen 1905: 73 Millionen Vlarl. 
Diefe 3iffern geigen f^Iagenb, mie feijr bie Vufgabenlaft ber 
inneren Veidjsoermaltung infolge bes Vusbaus ber Veichsgefetj* 
gebung gemachfen ift. Vefonbers gilt bas oon ben Ausgaben 
für f ogialp olitifdfje 3##%, bie gang enorme Vnforberungen an 
bie Veid)siaffe ftellen, bie nodj ftänbig fteigen. Die in ben ^often 
„allgemeine gonbs" erfdjeinenben Knloften für Verficherungen be= 
trugen in Millionen Vlarl: 
1895 1900 1905 
18,2 32,5 51,5 
VÏ. Die Verwaltung bes Veidjsheeres 
ift eine ftaatsredjtlid) nidjt gang einfache Sadje. 
(Ein Veichsljeer gibt es eigentlich gar nidjt. 2Bir h^en ein 
preufjifdjes Heer, bem bie VZeljrgahl ber Kontingente ber Vunbes* 
ftaaten angefdjloffen ift. Daneben befielt, mit eigenem Kriegs* 
minifterium unb Verwaltungsapparat, eine födjfifdje unb württem* 
bergifdje Vrmee. Diefe brei Kontingente erhalten im (Etat jebes 
eine befonbere Spalte, wäljrenb eine oierte Spalte, bie nur bei 
unferer Vufftellung berüäfichtigt ift, bie (Öefamtfumme aufnimmt. 
Die bagrifdje Vrmee nimmt eine Sonberfteltung ein, bie auch im 
(Etat äußerlich gum Vusbrud iommt. 
(Ein Veidjslriegsminifterium gibt es nicht, beffen Munitionen 
übernimmt bas preufpfdje. Vur bie Kolonialtruppen finb, neben 
ber Vtarine, eigentliches Veid)smilitär. 
Die Verteibigung ber ©rengen h a i má)* 5 beftoweniger aber 
oon Vnfang an im (Einilang mit ben Veftimmungen ber Ver* 
faffung eine ber Hauptaufgaben bes Veidjs gebilbet. Die (Etats 
bes Heeres unb ber
        <pb n="55" />
        41 
Marine (VII) 
mit ihren enormen ©rforberniffen für &lt;per[onal= unb Sadfjausgaben 
haben baljer auch ftets bte höd)[ten Summen im Reichshaushalts= 
plan aufgumeifen gehabt. Sie finb baffer auch [lets ©egenftanb 
ber lebhafteren unb intereffanteften ^arlamentsbebatten im beut= 
fdf)en Reichstag gewefen. 
Refonbers hat es [ich babei um bie immer toieber erneut aufge= 
rollte ^ringipienfrage gehanbelt: Vergibt fid) ber Reichstag etwas 
an ¡einem ihm guftehenben Rusgabebewilligungsrecht, wenn er 
bie non ben oerbünbeteri Regierungen »erlangten Solbaten unb 
Skiffe in ber aud) »on ihm [elbft anerïannten Rtenge auf eine 
längere ^eriobe bewilligt, be^w. greift er ben ionftitutionellen 
Renten bes beutfdjen Rottes oor, wenn er über feine eigene 
Rtanbatsbauer hmaus bie feeres» unb Rtarineausgaben feftlegt? 
Die Rorbbeutfctje Runbesoerfaffung hatte einen Rtilitäretat 
im heutigen Sinne gar nicht getannt. Rrtitel 60 normierte 
bie griebenspräfengftärte bis 1871 auf 1% ber Runbesbeoölte- 
rung oon 1867, unb bem Runbesfelbherrn (5tönig SBilhelm I.) 
würben für ¡eben Rtann 225 later pro 3al)r 3ur Verfügung ge= 
[teilt, wooon [amtliche -ftoften gu beftreiten waren. Dies Spftem 
blieb bis 1874 intraft, unb würbe bann burd) bas jetjt gettenbe 
abgelöft, wonach auch ber Rtilitäretat titelweife bewilligt wirb. 
Die ©efetje, welche gur 3eit bie 0eeres= unb RtarineoerhäIt= 
niffe regeln, finb bie nachftehenb im Rusgug wiebergegebenen. 
©efeh betreffenb bie griebenspräfengftärte bes beutfchen 
feeres. Rom 15. Rpril 1905. 
§ i. 
©om 1. SIpril 1905 ab toirb bie gfriebenspräfenäftärte bes beulten ôeeres als 
3abresburcbi&lt;bnittsjtärle allmäi)li&lt;i) berart erhöbt, ba|} [ie im Kaufe bes ^Rechnungsjahres 
1909 bie 3abl oon 504665 (Gemeinen, (¡Befreiten unb ¡Dbergefreiten erreicht, unb im 
Kaufe bes ¡¡Rechnungsjahres 1910 auf 505839 erhöbt toirb. 
2In biefer griebenspräfengftärie finb beteiligt ©reuten, einfcbliefjlicb ber unter 
preufjijcber KRilitäroermaitung ftebenber Kontingente 
mit 392979 
Sapern ,, 55424 
SBürttemberg 19 725 
(Gemeinen, (Gefreiten unb Dbergefreiten ufto.
        <pb n="56" />
        42 
§ 2. 
3n Serbinbung mit ber burá) § 1 begegneten ©ríjbíjung bet @riebenspräfengftärle 
u)irb bie 3&lt;# bet Formationen 
bei bet Infanterie 
„ tfaoallerie 
„ gelbattillerie 
„ Fufeartillerie 
ben Pionieren 
„ Serleijrstruppen 
bem Drain 
feftgefefct. 
auf 633 ^Bataillone 
510 ©slabrons 
574 Salterien 
40 Sataillone 
29 
12 
23 
©efet), betreffcnb bie beutfdje glotte (2íusgug). 
%om 14. gum 1900. SUr. 21. 
%r. 2697, S. 255. 
SBir SBilljelm ufto. 
I. SdE)iffsbeftanb. 
§ 1. 
©s foil befielen : 
1. Die SdjIad)tflotte 
aus 2 glottenflaggfdfjiffen 
4 ©efdjtoabern gu je 8 Sinienfdjiffen 
8 gtofgen Rreugern 
24 Meinen Areugern. 
2. Die Sluslanbsflotte 
aus 3 großen Rreugern 
10 Meinen Areugern. 
3. Die SDlaterialreferoe 
aus 4 großen ßinienfd&amp;iffen 
3 großen Areugern 
4 Meinen ßteugetn. 
§ 2. 
Slusgenommen bei SdEjiffsoerluften folien erfetjt roerben: 
fiinienfdjiffe nad) 25 Sagten 
Areuger „ 20 
IV. ftoften. 
§ 5. 
Die Sereitftellung ber gut 2Iusfül)rung biefes ©efefces crforberlidjen SRittel unter» 
liegt ber jäljtlidjen geftftellung burd) ben Seidjsljausljaltsetat. 
§ 6. 
Fnforoeit oom 5Red&gt;nungsjaI)r 1901 ab ber ÜJIeljrbebarf an fortbauernben unb ein» 
maligen Ausgaben bes orbentlidjen ©tats ber ÍMlarineoerroaltung ben SJleljrertrag ber 
SReidjsftempelabgaben über bie Summe oon 53708000 ÜJÏ. hinaus überfteigt, unb ber 
Fehlbetrag nidit in ben fonftigen ©innaípnen bes 9?eid^s feine Dechmg finbet, barf ber 
leitete nid)t burd) ©r^ö^ung ober Sermelfrung ber inbiteMen, ben SRaffenoerbraud) be= 
Iaftenben 5Reid)sabgaben aufgebracht roerben ufro.
        <pb n="57" />
        § 5 unb 6 bienes ©efeftes bieten ein fraies Veifpiel bafür, 
mit melier 3i)ftemIofigïeit ijeute öfters ©efefte gemacht werben. 
SBährenb § 5 ängftlidf) an bem jährlichen Vubgetredfjt fidf) antlam* 
mert, mill § 6 bie ©efeftgebung für alle 3utunft barauf feftlegen, 
baft etwaiger Weftrbebarf ber Marine nid)t burd) Velaftung bes 
Vlaffenoerbraudhs aufgebracht werben [oll. ©in gwar [ei)r fd^öner 
©ebante, aber wer garantiert bafür, baft ber § 6 nid)t eines [cftönen 
Zages einfach wieber aufgehoben wirb? Daft beibe Paragraphen 
[ich ftaatsrechtlidh wiber[predhen, ift ben ©efeftgebern leiber ent* 
gangen. Sin ähnlidhen ©ebanienlofigïeiten ift unfere ©efeftgebungs* 
gefehlte leiber nidjt arm. 
3um Warinegefeft ift im Sommer 1906 noch eine ©rgängung 
bewilligt worben, gum 3n)edle ber Vermehrung ber groften Rreuger 
um 6 Schiffe (5 bei ber Sluslanbsflotte, 1 bei ber SJlaterialreferoe. 
Vor ©rlaft biefer ©efefte [teilten fi(h, nach bem Status für 
1900, bie effeitioen präfenggiffern wie folgt bar: 
Vtannfdhaften 
491136 
Unteroffiziere 
unb £anb* 
werlsmeifter 
81650 
0eer: 
£)ffi3icre 
Slrgte 
u. Veamte 
27730 
glotte: 
Pferbe 
102929 
©efchüfte 
(befpannte) 
3034 
gahgeuge 
19882 6367 3719 122 Schiffe 
(in!L Skiffs* (intl. Ded= (barunter 16 naá) 
jungen) offnere) 1890 gebaute £i* 
nienfd)iffe) 
10 Zorpebobiuifions* 
boote 
100 Zorpeboboote 
©injährigfreiwillige unb Rolonialtruppen finb nici)t eingerechnet. 
Da bie gefeftlich normierten Veftönbe für bas fianbljeer erft 1910, 
für bie Vlarine gar erft 1917 erreidjt werben [ollen, fo wirb man 
[id) bes 3weifels nicht erwehren tonnen, ob nid)t bie Veftim* 
mungen bis baíjin [á)on längft wieber überholt [ein werben. 
Sßo bleibt bann aber ber eigentlidje Sinn ber gangen ©e*
        <pb n="58" />
        44 
fehmadjerei biefes Stils, taenn roeber (Regierungen noch (Reichstag 
fidíj an ihre Vefd)iüffe gebunben galten? 
5Run läfft fidj freilich biefe grage !aum nom Stanbpunit ber 
ftaatsredjtlidjen X^eorie aus allein entleiben. ©s iann natür* 
Iid^ ieinem 3%) eifei unterliegen, baff ein burdj oerfaffungsgemäffes 
3ufammenmirien aller gefetggebenben gaitoren oerabfd)iebetes ©e= 
fetj falange gu $Red)t befteljt, bis es aufgehoben tairb. 3 U einer 
foldfen Aufhebung oon ©efetjen, meldfe ben Veftanb an Ejeer 
unb glatte feftlegen, ift aber auch bie (Regierung in jebem galt 
fd)on gef^ritten, rao fie eine Vermehrung für nötig hie#- Der 
ilonfliit inbeffen toäre auf ber anberen Seite fertig, taenn bie 
^Regierung auf ©runb folder ©efetje ßieferungsoerträge abftf)Iöffe, 
ber folgenbe (Reichstag bie gur ¿Bezahlung biefer Lieferungen er* 
forberlidjen Vlittel aber nid)t berailligte — ein galt, ber theoretifd) 
immerhin bentbar ift, taenn man fidf) auch m P raxl bislang noch 
immer geeinigt hat. 
Vom rein fachlichen Stanbpunlte aus tairb man, obfdjon man 
bie unoermeibliche Vefchräniung ber Vefd)lufffreiheit bes Vei&lt;hs= 
tags bebauern tairb, fdljlie^lidf) bie gefehlte geftlegung bes feeres 
unb Sdjiffsbeftanbes auf längere galfre nur billigen iönnen. 3)ie 
für bie Sicherheit bes (Reichs oeranttoörtlichen galtoren müffen 
eben toiffen, toorauf fie rechnen iönnen, unb im ©rnftfalle taffen 
fidj Kanonen, Schiffe unb ausgebilbete Truppen nidf)t einfach aus 
ber (Erbe ftampfen. 
(Räheres ©ingehen auf #eeres= unb Vtarinefragen liegt nicht 
im (Rahmen biefer bie ginangen bes Veidjs behanbelnben Schrift, 
nur fei unfer Stanbpunit iurg bahin prägifiert, bafr toir es be= 
grüßen mürben, menn man ein Spftem erfänbe, bas unter 2Bat) s 
rung ber ionftitutionellen Volisrecljte bo&lt;h ¡eben maffenfähigen 
Deutzen unter bie gähnen brächte, bamit bie Veoölierungsgm 
nähme ooll für unfere 2Bel)riraft ausgenu^t m erb en iönnte. Da= 
bei follte möglichft noch mehr als bisher auf technifdje Volliom* 
menheit ber SBaffen unb fonftigen Einlagen unb 5lusrüftungen 
gefehen merben, mäljrenb aller überflüffige unb fogar fd)äb= 
liehe Luius, mie grellfarbige teuere Laoallerieuniformen, blanie 
knöpfe ufm. oermieben merben follte.
        <pb n="59" />
        45 
Der Ausbau ber glotte nun befonbers läßt fid) motjl über 
haupt nt&lt;i)t nadfj ©runbfätjen burdjführen, bie alljährlich neuer 
gefeßlid^er Drbnung unterroorfen toerben. 9Jlan rotrb bafyer ben 
faßlichen (Erforberniffen in biefem gall moí)I crjt redjt ben Vor* 
rang oor fonftitutionellen Vebeníen laffen müffen, unb nolens 
volens ber ^Regierung auf bem non tí)r betretenen 2Beg ber ge* 
feßlidhen geftlegung ber Schiffsbauten auf galjre hinaus gu folgen 
haben, toenn man nidjt ©efaljr laufen mill, bie Vkljrfähigteit bes 
(Reiches gur See ferneren Sdjäbigungen ausgufeßen. 
VIII. Das Veichsjuftigamt ift in geroiffem Sinne ein ©ene* 
ralftab ohne §eere, inbem bie eigentliche ©eridf)tsbarieit Sache ber 
(Eingelftaaten ift. Der Ejauptpoften in biefem Xeil bes (Etats ent* 
fällt baher nur auf bas (Reichsgericht, ein kleinerer Xeil auf bas 
(Reichsfuftigamt felbft unb bie unter ihm arbeitenben Rommiffionen 
gur Vorbereitung oon Aei^sgefeßen, roie 3. V. für bas bürger* 
liehe ©efeßbud) eine foldje beftanb. 
fieiber ift ïeine Ausfidjt barauf oorhanben, baß bas traurige 
Vilb partifularer 3erriffenheit, meldjes bie (ßerfonaloerhältniffe in 
ber guftigpflege heute nocí) bieten, in abfehbarer 3eit oerfchmin* 
ben roirb. 
IX. Die (Erforberniffe bes (Reichsfehaßamts toeifen außer 
ben felbftoerftänblichen (ßerfonaluntoften ftets ben mehrere £&gt;un* 
berte oon VMionen 9Rar! betragenben (ßoften ber Übertoeifungen 
oon 3otl* unb Steuereinnahmen an bie Vunbesftaaten auf, auf 
©runb ber granctenfteinf^en Rlaufel, auf roelche mir fpäter näher 
eingehen. An biefer Stelle h^en mir nur ber technifdjen 3Re* 
thobe gu gebeuten, bie ben Abre^nungen gmif^en Veich unb 
Vunbesftaaten gugrunbe liegt. 3 u nächft fei bemertt, baß es eine 
eigentliche Veidjsiaffe nicht gibt. 3h rc ¿teile mirb oertreten burch 
bie fogenannte Veidjshauptlaffe, melchc eine befonbere Abteilung 
ber Veichsbant in Verlin bilbet unb im gangen über bare Ve= 
triebsmittel oon ca. 50 Vlillionen oerfügt, bie freilich für ben 
Vebarf nicht mehr ausreidjen. 
Die E&gt;aupttaffen ber Vunbesftaaten h^ben monattlidj bem 
Veich Abrechnung gu erftatten über alle für Rechnung bes (Reidjs 
gemalten (Einnahmen unb Ausgaben. 3 U ben (ßaffiopoften ber
        <pb n="60" />
        46 
Sunbesftaaten bem Reid) gegenüber gehören namentlid) bie auf 
©runb bes 3lrt. 36 ber Serfaffung erhobenen 3bííe unb Ser* 
braudjsfteuern, forme bte Roerfa, meldje gu galten [inb für bte 
aufcerljalb ber 3°H9 ren 3 cn Itegenben Reichsgebiete, forme feitens 
berjenigen (fübbeutfdjen) Staaten, meld)e ber Srau* unb Srannt* 
toetnfteuergememfdjaft fidf) nidjt anfdjloffen. ferner gehören baju 
bte in bem lebten Rlonat oeretnna^mte 2Bed)feIftempelfteuer, fo* 
fern btefe nid)t burd) bte Softtaffen fitest, ein ¿robíftel bes für 
bas (Etatsjaljr angefetjten Rlatritularbeitrags, forme fdjlieftlid) euen* 
tuelle Sermaltungseinnaljmen, Reid)S3ufd)üffe ufro. 
Die Ausgaben, bgm. Rttiopoften tonnen hefteten aus 3 a ^ s 
lungen für Rechnung ber Rtilitärbeljörben unb fonftigen im Ruf* 
trage bes Reichs gemalten Rufmenbungen. 
Die Regulierung erfolgt in bar auf bem Stege bes Reidjs* 
bantgirooerte^rs. 
Die f^on ermähnten Übermeifungen aus ber $ranctenfteinfd)en 
Mtaufel, gum 3mectbes Rusgteicfys ber Rtatrifularbeiträge finben bei 
biefen Rtonatsabredjnungen gunächft teine Serüdfidjtigung, fonbern 
roerben feitens bes Reidjs üierteljäl)rlid) oerredjnet. (Eine Rusnaljme 
mad)t nur Sägern, meines aud) feinerfeits oierteljä^rlid) abredjnet. 
X. Das Reidjseifenbaljnamt — root)! gu unterf^eiben oom 
Reichsamt gur Sermaltung ber Reidjseifenbahnen — ift eine Se= 
Ijörbe, ber bie oerfaffungsmöfpge Übermalung ber beutfdjen Sahn* 
betriebe obliegt. 
Die Moften für bas Reictjsamt gur Sermaltung ber Reidjs* 
eifenbaljnen erfdjeinen, mié audj bie bes Reid)spoftamts unb ber 
Reidjsbructerei bei ben (Etats biefer reidjseigencn Setriebe unb 
merben non uns, ba jene ilberfdjüffe abmerfen, unter ben (Ein* 
naf)mcquellen ermähnt. 
(Ebenfo merben mir XI. bie Reidjsfd)ulben unb XIV. ben 
Reidjsinoalibenfonbs bei ben (Einnahmen be^anbeln, mäfjrenb 
ber allgemeine ^Senfionsfonbs (XIII), ber gur 3ül)lung ber 
Senfionen für bie Sermaltung bes Reid^s^eers, ber Rlarine unb 
ber 3ioiIoermaltung bient, i)ier nur ber (Ermahnung aus Rüctfid)t 
auf bie Sollftänbigteit bebarf. 
Rad)bem in ber angegebenen 2Beije ber Reiüjsbebarf für bas
        <pb n="61" />
        47 
oom 1. April bis 31. ÄRörß Iaufcnbe C£tats]ai)r, melcftes [eil 1899 
ben Aamen bes 3at)tes füftrt, oon bem 8 / 4 mit iftm gufammen» 
fallen, feftgeftellt i[t, [inb burcft ben (Etat ber (Einnahmen bie gu 
[einer Dedung erforberlidjen Mittel gerbet gu [Raffen, £efttere 
[inb [elb[trebenb unter allen Um[tänben [o gu beme[[en, baft [ie 
ausreicften, meil anbemfalls bie baren Betriebsmittel ber Aei(fts= 
ftauptlaffe [eftr halb ausgegeben [ein mürben. Aeicften bafter bie 
eigenen (Einnahmen bes Aei^s nid)t aus, [o mü[[en eben auf an= 
berem 2Bege bie (Selber b eh afft merben. Soldje 2Bege gab es 
bislang gmei: bie Alatrilularbeitröge unb bie Anleiften (letztere 
[inb „aufterorbentlicfte“ Dedungsmittel), bie man leiber nur gu oft 
3U befreiten [i&lt;ft oeranlaftt gefeften ftat. 3nbe[[en, bie (Etats 
muftten „balancieren“, b. ft. bie Boranfcftläge ber Ausgaben muftten 
mit benen ber (Einnaftmen überein[timmen. Datfäcftlidj iönnen ja 
bie[e Boranfcftlage ben „3[tergebni[[en" ber Aedjnungen ni(ftt ge= 
nau gleid) [ein, mie benn 3. 23. bas 3aftr 1905 eine [eftr erfreuliche 
Hberrafcftung infofern bereitet ftat, als [eine „3fterträgni[fe“ ben 
„Sollbetrag“ ber (Einnaftmen [eftr mefentlicft überfliegen. Anberer= 
[eits lommt aucft bas ©egenteil oor, befonbers in gallen mie [ie 
ber ^ereroaufftanb 3. 23. huf. 
Da i[t benn bie Regierung öfters ge3toungen, bie bemilligten 
Ausgaben 3U überfcftreiten, unb muft auf bem 2Bege ber Ein= 
bringung oon Aacfttragsetats gnbemnität oerlangen — eine [lets 
[eftr miftlicfte unb ftaatsrecfttlicft nicftt einmanbfreie Sletftobe ber 
ginan3politii. Es mirb immer Aufgabe einer [orgfältigen unb 
lorrelten Regierung [ein, burcft re(ftt3eitige Einberufung ber gefeft= 
gebenben körperhaften — menn es [ein muft, 3U aufterorbentlicften 
Dagungen — Etatsüberfcftreitung tunlidjft 3U oermeiben. Derartige 
Aadjtragsetats [inb ja nicftt immer 3U umgeften, aucft lann es 
oorlommen, baft eine Regierung gerabe3U bie nationale ^[Iic^t 
ftat, nicftt bemilligte ©elber aus3ugeben, aber bas füllten ftöcftft 
[eltene Ausnaftmefälle bleiben. 
3[t nun naift Eingang aller 2lbred)nungen unb Aa&lt;ftmei[e 
bie Anfertigung bes Abfcftluffes für ein Etatsjaftr möglidj ge= 
roefen, [0 geftt bem Aeicftstag bie „Überficftt ber Aeicftsaus* 
gaben unb ^Einnaftmen“ 3U. Auf ©runb biefer Aacftmeifungen
        <pb n="62" />
        48 
ber tatfäcf)Iichett Geftaltung bes Reidjshaushaltes farm bann ber 
Reichstag feine Genehmigung bagu erteilen. Gr madjt biefe unter 
bem Vorbehalt ber Prüfung feitens bes (hinfidfjtlich ber Soften 
feines perfonals unter pofition XII. ber Ausgaben aufgeführten) 
Rechnungshofes, ber bis ins fleinfte Detail alle Rechnungen unb 
Reläge ber benfbar minutiöfeften 5tritiï unterwirft, unb groar fo= 
wohl htnfi^tltcE) ihrer tatfächlidf)en unb redf)nerif&lt;i)en Rid)tigfeit, als 
and) ^tnfid)tltci) ber Übereinftimmung ber gemadjten Ausgaben 
mit ben Gefeiten unb ben ¿Bewilligungen bes Reichstags. 
3m einzelnen ift in tedjnifcher ¿Begiehung gu ben Ginnahme= 
pofitionen nadjftehenbes gu erwähnen. 
I. 3öIle unb Rerbrauchsfteuern. Die 3öIIe, ihrer Rrt 
nach auf Gewicht, Raum ober Stücfgahl bafierte Ginfuhrabgaben 
würben erhoben bislang auf Grunb bes ßolltarifgefetjes oom 
24. 9Rai 1885, mit Rooellen oom 15. Rpril 1886 unb 21. De= 
gember 1887, abgeänbert burch bie unter Gaprioi guftanbe getom= 
menen £&gt;anbelsoerträge. Seit 1. Rtärg 1906 gilt bas ßolltarif; 
gefetj oom 25. Degember 1902 mit ben burd) bie fet)t geltenben 
Verträge bebingten Rnberungen. Gs ift erinnerlich, bah bas neue 
Darif gef eh oom Reichstage oerabfd)iebet würbe, ohne bah biefer 
in eine grünbliche ¿Beratung ber eingelnen Paragraphen, bgw. in 
bie Distuffion über bie oon ber ßommiffion befc^Ioffenen Rnbe= 
rungen bes Regierungsentwurfes eingetreten war. Dies ¿Borgehen 
bes aus 3entrum, ilonferoatioen unb leiber aud) bem großen 
Zeile ber Rationalliberalen gebilbeten Reichstagsmehrheit, welches 
nur möglich würbe burd) eine ad hoc befdfloffene Rnberung ber 
Gefdjäftsorbnung, hot ber ¿Reinheit bamals ben nicht unbegrüw 
beten ¿Borwurf eines Rechtsbruchs eingetragen (ogl. fiabanbs 
Ruherungen h^rgu). Die Rntwort bes Rolfs barauf aber war 
bie bei ben SBaljlen 1903 heiworgetretene rieftge 3unahme fogiaI= 
bemofratifd)er Stimmen. 
Rber niiht bas 3olltarifgefeh als foldfes liegt in praxi ber 
Grhebung ber 3ölle gugrunbe, fonbern betanntlich bie mit ben mid)= 
tigften Staaten feitens bes Reichs abgefdjloffenen Darifoerträge, 
bie wefentliche ¿Robifífationen bes urfprünglichen Darifs enthalten. 
Rus ben eingelnen ¿Beftimmungen bes Gefeites ift als
        <pb n="63" />
        49 
toefenlltá) Ijenjor^uíjeben, biejenige, melá)e feftfetjt, bafj für ge= 
miffe Ianbmirtfd)aftli&lt;f)e ^robuíte cine Mtinimalgrenje auã) oer= 
tragíid) nicí)t unterfdjritten merben barf, unb bie fog. lex Xrimbom, 
meld)e 23eftimmungen mir im SBortlaut folgen Iaffen. 5luf bte 
lex irimborn, ben § 15 bes Xarifgefetjes, íommen mir bei ber 
Seljanblung ber Steuergmeáe im IV. Äapitel eingeljenber gurud. 
2Ius3ug aus bem ßolltarifgefe^ nom 25. December 1902. 
mm. G. 303. (Mo. 52, 2917). 
2Ius § 1. Die folien bur&lt;h oertragsmäfjige Abmachungen 
(autonom) 
bet loggen nicht unter 5.— 2R. 7 — 2R. 
„ SBerçen unb Spal3 „ „ 5.50 „ 7.50 „ 
„ 2Ral3ger|te „ „ 4.— „ 10.25 „ 
M l&amp;afer .. m 5.-™ ,, 7.— tt 
für einen Doppe^entner ^erabgefetjt roerben. 
§ 15. ¿er auf ben Hopf ber Seoölierung bes beutfd&gt;en Keidfjs entfaltenbe Ketto&gt; 
3oIIertrag ber nach ben Darifftellen 1 (Koggen), 2 (SBeißen unb Spal3), 102 (Kinboielj), 
103 (Schafe), 105 (Gemeine), 107 unb 107 a (ßleifd) unb Sped), 160 (ÜJtet)I) bes 3oII= 
tarifs 3U oer3ollenben Sßaren, melier ben nach bem Durch fchnitte ber (Rechnungsjahre 
1898—1903 auf ben Hopf ber SBeoöIlerung entfallenben 5Retto3ollertrag berfelben SBaren 
überfteigt, ift 3ur (Erleichterung ber Durdhführung einer 2Bittoen= unb SBaifenoerforgung 
3U oerroenben. Über biefe Serftcherung ift burdf) ein befonberes ffiefet} Seftimmung 
3u treffen. 
Sis 3um 3n!rafttreten biefes ©efetjes finb biefe ÜRehrerträge für (Rechnung bes 
(Reichs an3ufammeln unb oe^inslid) an3ulegen. 
Dritt biefes ©efefc bis 3um 1. Januar 1910 nicht in Hraft, fo finb oon ba ab 
bie 3infen ber angefammelten 9JleI)rerträge, foroie bie eingeijenben 2Ref)rcrträge felbft 
ben ein3elnen Snoalibenoerficherungsanftalten nach ÜRaftgabe ber oon ihnen im oor^er« 
geljenben Safjre aufgebrachten 93erfidf)erungsbeiträge 3um 3mede ber 2ßittoen= unb 
Sßaifenoerforgung ber bei ihnen Serfidfjerten 3u übertoeifen. 
Die Unterftühung erfolgt auf ©runb eines oom Keichsoerfidherungsamte 3U ge= 
nehmigenben Statuts. 
Die 23erbraud)sfteuern finb, mie aud) bie 35IIe, mannigfachen 
$nberungen untermorfen gcmefen. 
3ur 3eit gelten folgenbe 23eftimmungen: 
a) Dabaisfteuer: inlcinbifd)er Dabai in fabrifationsfertigem 
3uftanbe unterliegt einer Abgabe oon 45 9M. pro 100 kg. Über 
bie 3iQGrettenfteuer merben mir im III. üapitel berieten. 
b) 3uderfteuer. Speziell an biefer ift fet)r oiel tjerumeiperimem 
tiert morben. 3^erft oerfteuerte man bas ^Rohmaterial, bie Müben, 
bann trat eine gabriiatfteuer hM3 u - 3ür eine berartige gorm 
Cßtoteroolb, 5inan3fg|(em. 4
        <pb n="64" />
        — 50- 
ber befteuerung toar es felbftoerftanblich, baft burdj einen burdf)= 
ans proljibitmen 3°H jebe Ronfurreng bes 2luslanbes fern ge* 
falten tourbe. Um bie ^nbufírie, un b namentlidj bie rüben* 
probugierenbe Sanbmirtfhaft inbeffen für bte burcf) bte h 0 i) c , 
ca. 100% uom Wert bes ¿uders betragenbe Abgabe fe^r rebu* 
gierte Slufna^mefâfjigïeit bes inlänbifhen SRarïts gu entfha* 
bigen, ging man gleichzeitig gu 5Iusfuf)rprämien über, meldfe ben 
(Ertrag ber gangen 3ucterbefteuerung redfjt einfhränlten unb im 
übrigen insofern ihren 3 IÜC( i verfehlten, als alle mit Deutfhlanb 
auf bem Weltmartt ioniurrierenben Staaten fie gleichfalls ein* 
führten, unb ferner g. b. bie bereinigten Staaten auch bamit ant* 
roorteten, baff fie einen Differengialgoll in £jöhe ber Prämien auf 
europäifcfjen 3 u ^er legten, im Sntereffe bes Smutjes ihrer eigenen 
^robultion. 
3ur 3^it gilt folgenbes: Prämien toerben nicht mehr gegaijlt 
(golge ber brüffeler Ronoention). Die inlänbifdje Steuer ift auf 
14 SR. pro 100 kg ermäßigt (feit 1. September 1903, toährenb fie 
früher 18, fpüter 20 SR. betrug). 
c) Die Sa lg ft eu er beträgt 12.— SW. pro 100 kg für gur 
menfdjlichen Nahrung beftimmtes Rohfulg (¿hlornatrium). gür * 
gu lanbroirtfd)aftlid)*tec^nifc^en 3 IDe ^ en brauchbares, für menfcEp 
liehen ©enuff aber unbrauchbar gemaltes Saig ift leine Steuer 
gu entrichten. 
d) Die 23 rauft eu er ift eine oom Rohmaterial erhobene 
Steuer getoefen, bie nicht für bas gange Reich, fonbern nur 
für bie 23raufteuergemeinf&lt;haft, b. h- Rorbbeutfchlanb unter 2lus* 
jdhluB uon bapern, baben, Württemberg unb ©Ifajf*Lothringen 
gegolten t)üt. Sie betrug je nach feiner 2lrt 4, 6 ober 8 SR. für 
ben Doppetgentner SRalg, begro. SRatgerfah- 
3m 3 a í) rc 1906 mürben burct) bie o. Stengelfhe ginang* 
reform bie im III. Kapitel gu befpre^enben Slnberungen ein* 
geführt. 
e) Die b rannt mein ft eu er. Dies ift ein öufferft tompli* 
giertes ©efetj ober richtiger eine gange Rette oon eingelnen ©e* 
fetjen unb Rooellen, bie fo uermictelt finb, baff mir ihre Details 
im Rahmen biefes bühlcins, bas ben 3%)ed oerfolgt, feine £efer
        <pb n="65" />
        51 
über bie (Srwtbgüge ber ¿Reid)sfinan3toirt[chaft aufguüören, nidjt 
roiebergeben iönrten. 
Die $aupt3Üge ber ©efetje finb bte folgertben: 
©rjtlid) toirb unterfdjieben 3toi[d)en: 
a) lanbtoirt[d)aftlichen ¿Brennereien, bas [mb foldje, bte 
ihre ¿Rebenprobuíte in eigenem fianbroirtfchaftsbetriebe nermenben 
unb nur mehlige ¿Rohftoffe oerarb eiten; 
b) ¿Dlaterialbrennereien, bie nur nid^tmef)Iige Stoffe, aufter 
¿6lela[[e, ¿Rüben unb ¿Rübenjaft brennen; 
c) gewerbliche ¿Brennereien, 3U benen alle übrigen gehören, 
bie nicht unter a) unb b) fallen. 
Die ¿Branntweinsteuer felbft 3erfäIIt in 3 b^m. 5 Unterarten: 
1. bie ¿Berbrauchsabgabe non 0,50 ¿61. für jebes fitter reinen 
2IlïoÎ)oIs unter, ober 0,70 SDZ. oon jebem fitter reinen Sllïoijols 
über bem ^ahresiontingent, welkes gleid) 4,5 fitter auf ben Äopf 
ber ¿Reichsbeoölierung abgüglich 3 fiiter für jeben 5topf ber füb= 
heutigen ¿Beoölierung feftgeje^t ift. 
Die[e ¿Bestimmungen (©e[et} 00m 16. ^uni 1895 unb 24.3uni 
1887) jinb im ein3elnen toieber oon äufeerft iompl^ierter ¿Be[d)affen= 
heit. Das für unjeren 3wed wesentlichste ift aber 3U ionftatieren, bafj 
aus biefer Differen3 oon 20 ¿ßfg. für ben fiiter reinen ¿Hlíohols 
fid) ein profit oon ca. 45 Millionen SCRarï ergibt für bie Xafdjen 
ber ¿Branntweinbrenner, meiner ber ¿ReidjslaSfe einfach oer= 
Ioren geht. 
Die lanbtoirtf^aftlidjen ¿Brennereien 3ahlen aufter ber er= 
wähnten ¿Berbraud)sabgabe nod): 
2. bie fogenannte 9Jtai[c^bottidf)fteuer, oon 1,31 ¿61. pro $&gt;eH 
toliter ¿Rauminhalt ber ¿ölaifchgefäfte unb für jebe ©inmaijdjung. 
Diejer Sah ermäßigt |i^ für Heinere ¿Betriebe. 
3. 2Birb oon gewerblichen unb ¿6!ela[[ebrennereien ein 3 U * 
Schlag 3ur ¿Berbrauchsabgabe oon 20 ¿61. pro 5&gt;eitoItter reinen 
¿ttlíoljols erhoben, ebenfalls mit getoiffen ©rma^igungen. 
4. ©ibt es eine ¿¿Raterialjteuer, bie biejenigen ¿Brennereien 
fahlen, welche Xreber, JObft, ¿Beerenfrüdjte ufro. oerarbeiten. 
5. Unterliegen [amtliche ¿Brennereien, bie im 3al)re mehr als 
300 ^eltoliter reinen ¿Hlíohols er3eugen, f^íie^íid) aud) ber foge= 
4*
        <pb n="66" />
        52 
nannten Vrennfteuer, bie mieber nach befonberen Tarifen erhoben 
mirb. Diefe btlbet inbeffen leine (Einnahmequelle für bas Veidj, 
fonbern nur einen burdjlaufenben ^often, ba iljr Ertrag für Vo= 
nifilationen oollftänbig gur Verausgabung gelangt. 
SBeitere Veftimmungen regeln bte Ausfuhroergütungen, bte 
Denaturierung ufm. 
Schließlich ift bei ben Verbrauchsabgaben bie Schoummeim 
fteuer gu ermähnen. 
Sinb bie Verbrauchsabgaben burch bie $orm ihrer (Erhebung 
in ben gabrilen bem großen ^ublitum nicht auf Schritt unb Dritt 
fühlbar, fo macht fich bie nun folgenbe klaffe ber Aeidjseimtahmen, 
II. bie Stempelabgaben, um fo unangenehmer bemerkbar. 
Selbft Abgaben, mie: 
1. ber SBechfelftempel, ber in feiner geringen non 1 ¡ 2 °¡ 00 
nicht brüdenb genannt m erb en ïann, finb ärgerlich burch bie ba= 
mit oerinüpften Umftänbe. Die nicht lorrelte Veadjtung audj ber 
nebenfää)li&lt;hiieu Vorfdjriften feßt ben Stempelpflihtigen argen 
Weiterungen unb eoentuell auch Strafen aus. Wir ftehen baher 
nicht an, uns als grunbfählidje Cöegner non Stempelabgaben auf 
Dolumente bes ^anbclsuerieljrs unb bes tägigen Gebens gu 
bezeichnen. 
¿tmas anberes ift es mit 
2. bem Spiclfartenftempel (Rartenfpiele non 36 ober meniger 
Vlättern 30 Pfennige, jebes anbere Spiel 50 Pfennige), ber bei 
Übergang ber Spiele in ben Verleljr erhoben mirb unb im übri 
gen als eine fehr befdjeibene £uiusfteuer auf einen entbehrlichen 
Artilel mirlt. 
Voltsmirtfchaftlidj t)ö&lt;hft gefährlich finb bagegen bie 
3. für gemöljnlidj unter bem Varncn ber Vörfenfteucrn gu= 
fammengefaßten Stempel auf Wertpapiere. Die ©efeßgebung hot 
hoffentlich über biefen fehr ber befinitioen Regelung bebürftigen 
^3unït ihr letztes Wort noch nicht gefprodjen. 
Vei ber Vehanblung ber Veichsfinanjreform oom ßaßre 1906 
im III. üapitel lommen mir auf biefe Angelegenheit, fomie auf 
bie noch beftehenben, bgm. neu eingeführten ilonnoffement*, gahr= 
larten= ufm. Stempel nodj äurüd.
        <pb n="67" />
        53 
4. i[i bie ©ebüljr 3U ermähnen, bie entrichtet mirb 
burd) Sluftleben oon Starten auf 2lusfuhr=, Durchfuhr* unb (£tn- 
fuhrbetlarationen. 
III.—V. ©innahmen aus bcu Seichsbetrieben. Die ©r* 
merbseintünfte bes Seid)s galten ¡ich im 33ergteici) gu berten ber 
©i^elftaaten, namentlich preufjen, auf einer feljr niebrigen Stufe, 
ba nurpoft* unb Xelegraph, Seidjsbruderei unb bie SeidjseiSen* 
bahnen, bie blofj bas be[^eibene Seh non 1737,5 km (in ©Ifaf)* 
ßothringen) umfaßen, ^ier in grage tommen. 
Dem gegenüber [tetjen ben Sunbesftaaten gehörige ©i¡en* 
baljniängen oon 49458,9 km, mit einem Nettoertrag für 1905 oon 
567,2 Stillionen, mährenb an ben Seidjsbaljnen netto nur 
3,7 Stillionen oerbient finb. 
3m gan3en ftellten ¡id) bie ÜberSdjüSSe ber reidjseigenen $e* 
triebe rote folgt in Stillionen Start: 
1895 1899 1900 1902 1905 
59,9 93,6 51,7 79,— 119,9 
Die ©rgebntfSe finb alfo aufeerorbentlidj fdjtoantenb, toie aus 
biefen 3at)Ien tjeroorgeljt. 
2luf bie Serfudje einer Sermehrung ber ©rmerbseintünfte 
bes Neides tommen mir nod) 3urüct. 
VI. Die (Einnahmen aus bem Santmefen berufen auf ber 
oertragsmäfoigen ©eminnbeteiligung bes Seid)s an ber Seidjsbant 
(©efet) 00m 7. 3uni 1899), monad) bas Neid) — als ©egen* 
leiftung für ¡eine ©arantie — % oon bemjenigen ©eminn bes 
Unternehmens erhält, ber 3^^ bes 180 Stillionen Start betra* 
genben ©runbtapitals übersteigt, nad) fernerm SU^ug oon ^ bes 
oerbleibenben Seftes 3ur Dotierung bes Seferoefonbs, bis folder 
60 Stillionen erreicht hat. 1905 erhielt bas Seid) 151 Stillionen. 
3u ben ©innahmen aus bem Santmefen gehört aud) noch 
ber ©rtrag ber Soten[teuer, ber 5°/ 0 pro 3 a h r au f bi ß ^ ms 
lauf befinblidjen, bie Steuerfreie Sotenrejeroe überSteigenben Seichs* 
bantnoten (unb aud) auf bie ber menigen fonft nod) be¡tehenben 
Sotenbanten) beträgt. 
VII. Die Ser m altungseinnahm en bes Seichs finb teils 
©ebühren, mie bie ©innahmen bes Patentamts, bes ausmärtigen
        <pb n="68" />
        54 
5ímts, bes -ftanalamts, bes 91eicßsgeri&lt;ßts, ber pßt)fiialifcß*tecßtti* 
fájen 9?etcí)sanftall ufa)., teils finb fie Mieten für bem SReicßsfistus 
gehörige (Srunbftüde urtb bergleicßen. 
VIH. Der ^eicßsittoalibenfonbs bilbete, ba er ßeroorgegan* 
gen raar aus einer Äüdftellung aus ber frangöfifdjen itriegsentfcßä* 
bigung unb gum (Etat nur in äußerlichem 3nfammenf)ang ftanb, 
lange 3aßre ßinbur^ einen in (Einnahme unb Ausgabe balancie* 
renben Sofien. ben leßten Satiren neigt er fidj aber feinem 
(Enbe gu, unb es muß auf Deäung ber früher bem ^noaliben* 
fonbs entnommenen Summen aus fonftigen 9teicßsmitteln23ebadjt 
genommen ajerben. 
Die ^ofition 
XI., SWatritularbeiträge, 
ift nadj ißrer finan30)irtf(ßaftli(ßen, ftaatsre&lt;ßtlicßen unb politifdjen 
Seite ßin nun bie intereffantefte unb bebeutungsoollfte bes (Ein* 
naßmeetats. Die grage ber SRatrifutarbeiträge bilbet baßer audj 
ben $jauptinßalt feber Distuffion über bas SReicßsfinangajefen. 
3ßrer ftaatsrecßtlidjen ©runblage (9IrtiteI 70 ber 23erfaffung) 
nadj taffen fid) bie Statrüularbeiträge am beften oergleicßen ben 
9tadjfd)uß3aßlungen oon 93erfidjerten einer auf (Eegenfeitigteit be= 
rußenben ©efellfcßaft, toenn bie orbentlüßen ^rämieneinnaßmen 
nid)t gur Dedung bes ©elbbebarfs ausgereicßt ßaben. Die 93er* 
ficßerten finb in biefem galt bie SBunbesftaaten, bie orbentlict)en 
Prämien, bie fonftigen 9teicßseinnaßmen, unb bas 9?eicß ift bie 
¿efellfcßaft. 
Durcß bie fog. Keine ßinangreform oom 3aßre 1904 unb bas 
©efeß oom 3. ^uni 1906 ßaben bie XUatrituIarbeiträge eine burcß* 
greif enbe Umgeftaltung erfaßren, bie mir bei ber 23efpredjung 
biefer (Eefeße im III. Kapitel erörtern. 
XII. 2tts außerorbent!i(ße Dedungsmittel tommen na&lt;ß 9luf* 
geßrung ber frangofifißen itriegsentfcßäbigung, teiber neben Keinen 
gelegentlichen Soften, nur nocß 
bie 9teidjsfcßulben 
in 23etrad)t. Diefe finb enttoeber funbierte (5Inleißen) ober nicßt 
funbierte Sdjaßanroeifungen unb im Umlauf befinblicße 9tcicßs*
        <pb n="69" />
        55 
taffenfdjeine — ntdjt gu oermedjfeln mit Seidfjsbantnoten, bie mit 
ben Seidjsfdjulben nidjts gu tun Ijaben, ba fie Scïjutbanertenntniffe 
eines juriftifd) bureaus aïs priant gu begeidjnenben ^nftituts finb. 
Der ¿insfujg ber Seidjsanleiïjen mar bis 1886 4°/ 0 . Son 1887 
bis 1890 mürben bie 2lnleii)en gu 3 1 / 2 °/ 0 begeben unb 1891 
glaubte man gum 3%igen Dppus übergeben gu tonnen. Dat= 
fädjlid) l)aben bie Seidjsanleiïjen ja ftéb millige ßei^ner gefum 
ben, aber gu gang bebauerlid) fdjledjten dürfen. Die ©rünbe 
bafür liegen in ber größeren Rapitalarmut Deutfdjlanbs im Ber= 
gleicl) gu girantreid) unb (Englanb, unb anbererfeits aud) barin, 
bafj bas beutfd)e Kapital meljr gu inbuftrieller Betätigung brängt, 
als bies g. B. bie oielen Keinen frangöfifdjen Sentiers tun, bie 
gern mögüdjft fidjer geljen molten. 
Die Belüftung bes Seidjsetats burdj bie 3infenlaft ift natürlid) 
eine feijr erljeblidje — fie betrug für 1905 intl. Bermaltungsfpefen 
113610000 St., bei einer Sdjulbenlaft oon 3,54 Stilliarben. Sad) 
ber Segierungsbentfdjrift über bie Susfütjrung ber Snteit)egefet$e 
feit 1875 uom 27. Óttober 1903 beträgt ber Rurs, gu meinem 
bie Sdjulboerfdjreibungen im Durdjfd)nitt begeben finb: 
a) für bie frühere 4°j 0 ige, je%t 3V 2 0 / 0 ige 
Seidjsfdjulb 99,0455 % 
b) für bie 3 %%tgeSetdjsfdE)ulb 101,10236 „ 
c) „ „ 3 „ „ 88,0203 „ 
fo bafj ber 3insfu^, gu meldjem bie Seidfjstaffe ben (Erlös gu oer= 
ginfcn tjat, fid) berechnet auf: 
3,5337% für a) 
3.4618., „ b) 
3.4083., „ c) 
ober burd)fd)nittlid) auf 3,4334%. 
Die oberfte .Kontrolle bes Seidjsfd)ulbenmefens liegt ber aus 
Stitgliebern bes Seid)stags unb Bunbesrats gebilbeten Seid)s= 
fdjulbentommiffion ob. 
Stafjgebenb für bie Bermaltung ber Seidjsfd)ulben ift bie 
Seic^sfd^ulbenoerorbnung oom 19. Stärg 1900, beren Beftirm 
mungen fidf) eng an bie ältere preujgifcfye Staatsfdjulbenorbnung 
anleljnen.
        <pb n="70" />
        56 
Von ben burdj bie Veidjsanieren begafften SJZittel haben 
Vermenbung gefunben in runben Summen: 
für bas ßanbheer girta 1,75 Vtilliarben 
„ bte Vlarine „ 0,75 „ 
„ ^oft* unb (Eisenbahnen „ 0,30 „ 
„ ben VorboftSeetanal „ 0,10 „ 
„ bie (Erpebitionen na&lt;h Oft* 
a|ien unb DSW.=5Ifri¿a „ 0,50 „ 
„ 3oIIanSdf)IÜSSe, VZüng* 
mefen ufm. „ 0,10 „ 
3,50 milarben 
Kapitel n. 
Die biftonfcbe Gntwichlung der Reicbefinanzen 
bis 1903. 
Die auf Seite 10—37 beigegebenen (Etatstabellen gejtatten 
uns, wenn mir bie einzelnen 3 a h re miteinanber Dergleichen, Sehr 
tiefgreifenbe (Einblide in bie (Entmicflung ber Veiihsfinangen bis 
gu bem Silbe, bas bieSe heute gemähren. V3ir iönnen in ihrer 
turgen, aber bennod) inhaltreidjen ©eSdjidjte uier ^erioben ober 
Abofen unterst eiben, unb ba mir gerabe am (Enbe ber brüten 
unb Veginn ber oierten Stehen, bie gang S^her nicht bie letzte, 
Sonbern mahrSdjeinlid) nur ein iurger Übergang gu einer fünften 
fein mirb, So mag ber 3eüpuntt jetjt nidf)t ungünstig gemähtt Sein 
gu einem Vüdblid auf bie brei oergangenen ^erioben unb einem 
Vusblid in bie gegenmärtige oierte unb iommenbe fünfte, mie ihn 
bas üorliegenbe Vüdjlein bieten mill. 
Die erSte ^ßeriobe tann man rechnen oom 3 a h re 1871—1879. 
Sie fällt guSammen mit ber fogenannten liberalen #ra unb ä)&amp; 
ratterifiert fid) bur&lt;h eine bureaus freihänbleriS^e 3oIlgeSet}gebung, 
ooIIStänbig bunhgeführt im 3uhte 1873. (Erleichtert mürbe biefe 
burdj ben geringen ¿eíbbebarf bes jungen Seidls, gu befSenDeciung 
bie oom Vorbbeutfdjen Vunbe übernommenen Verbrauchsabgaben 
auf Vranntmein, 3uüer, Saig, Vier ufm. oöllig ausreidjten, So=
        <pb n="71" />
        57 
Eoctt nidjt aus ber frangofifd)en Criegsentfd)äbigung Hliefenfum» 
men gur Dedung ber HRilitar* unb HRarineetats gur Verfügung 
ftanben. 
Die (Ergebniffe ber frangöfifdjen Contribution oerteilen fid) 
auf bie einzelnen ßa^re, inílufio ihrer 3infen mie folgt, mogegen 
bie folgen bes Crieges aud) allerbings nod) eine HRenge Coften oer= 
urfadjt hüben, bie bis 1882/83 eine ftänbige (Etatspofition bilben. 
Die beiben ^3often Dergleichen fid) miteinanber mie folgt in 
HRillionen HRarï: 
1872 1873 1874 1875 
Contribution 1134,6 1055,7 305,1 185,8 
folgen bes Crieges 959,4 966,3 253,4 126,7 
1876/77 1877/78 1878/79 1879/80 
5 /« 3# 
Contribution 100,1 32,6 33,9 30,9 
folgen bes Crieges 44,9 9,3 216,9 7,8 
1880/81 1881/82 1882/83 1883/84 
Contribution 14,2 8,4 5,5 1,0 
folgen bes Crieges 3,2 1,7 1,9 — 
1884/85 1885/85 1886/91 
Contribution 0,1 0,2 0,7 
folgen bes Crieges — — — 
3m ganzen betrugen bie Coften bes Crieges 3345960687 HR., 
einfdjliepdj ber im 3uliusturm hinterlegten 120 HRillionen unb 
bes 3nuaIibenfonbs (560 HRitlionen). 
Die frangöfifd)e Criegsentfchäbigung bradjte bagegen ein in!L 
3infen 4207096402 HRart. Der Überfchuff mürbe an bie (Eingeb 
ftaaten oerteilt. 
parlam entarifdj mürbe biefe erfte 3^it nadj ber SRei^sgrum 
bung ausgefiUlt gum Dei! burdj bie fdjon ermähnten 9?ebefd)Iachten 
gmifdjen (Eugen Hlidjter unb ber Regierung mit bem 3^1, bá 
letzterer bie 2ídjtung oor ber Solísoertretung unb bas 33erant- 
mortlidjteitsgefüljl gegenüber bem HZepstag gu ftärten. Dann 
tarn bie Culturíampfgeit unb barauf ber griebenfdjluft ber 9Zegie= 
rung mit bem 3entrum nach ^ cm ¿obe apiris IX.
        <pb n="72" />
        58 
©Ieid)geitig Ijatte toiftfdjaftlid) bas beutfdje 93oII eine fdjmeie 
strife buidjgumadjen gehabt, bie man in nielen Greifen auf bas in 
bei Sleii^sgefe^gebung [tieng buidjgefüljite „mandfyejteilidje“ ^lingip 
bei unbefdjiäntten miitfdjaftlidjen giei^eit bes Anbioibuums guiüd- 
gufü^ien fud)te, freilidf) mit Uniedjt — benn bie .ftiijis befdjiäntte 
fid) nidf)t allein auf Deutjdjtanb, fonbem fie eifdjütteite mie ein 
gemaltiges ©ibbeben bas SBiitjdjaftsleben bei gangen ginilijieiten 
SB eit. Angmijd)en, unb im 3ufammenl)ang mit jenei itiijis oolb 
gog fid) innei^alb bei Banbmiitfdjaft bei Umjd)mung nom $ieu 
I)anbels= gum SdjutggoIIibeal — analog gu iljiei GteIIungsänbe= 
iung im internationalen ©üteiaustaufd). ßiü^ei mai Deutjd)Ianb 
©etieibeeipoitlanb, unb fogai SImeiila fyatte beut^es ilom ge= 
lauft. Das änbeite fid) non (öiunb aus mit bei Slusbieitung bei 
23obentuItui jenfeits bes Dgeans. SJlit ben billigen ^3iobuttions= 
lobten bei auf jungfiäulidjem Soben möglichen ©itenfiotultui tonnte 
bie beutfd)e ßanbmiitfdjaft nidjt Sd)iitt galten. Die ©etieibepiobub 
tion mit bei buid) freilid) müijfame Antenfiotultui fet)i moI)I gu 
eimöglidjenben unb unbebingt lentablen ©igeugung non ©aiten* 
flüchten gu oeitaufdjen, bagu feljlt bem ©lofcgiunbbefit) bis auf 
ben heutigen Dag, abgefeljen non oeifdjminbenben Slusnaljmen, 
bie Anitiatioe unb bem tleinen ßanbmiit leibei oft bas Kapital 
^unb bie Anteiligen)Um bei unbeftieitbai ooitjanbenen SIot= 
läge in bei ßanbmiiifdjaft baljei auf anbeiem SBege fid) gu ei= 
medien, oeifudjte man es mit bei Agitation gegen ben gieüjanbel, 
um bie inlänbifdjen ftoinpieife buidj Sluff^Iag eines ©lenggolls 
gegenübei bem SBeltmaittpieife gu eiljöljen. Dei ©ifolg biefei 
^olitit ift ja genugfam belannt. Die 3öIIe tarnen, bie ©iunb= 
lente ftieg, abei bie ©lunbpieife fliegen aud), jo bafc bie ©iunb* 
lente im 33eil)ältnis biefelbe blieb. SJIan miebei^olte basfelbe 
Spiel einige SJlale — ben alleinigen Soiteil baoon Ratten bie 
glüdlidjen Beute, meldje ©ütei gu neitaufen in bei Sage maien. 
Dei nui piobugieienbe Banbmiit, bei $äd)tei, blieb in jeinei 
Stotlage unb bas beutfefje ftonfumentenpublitum begabte feit 
jenei 3eit SJlillionen unb abei SRillionen an 23iotgöIlen. ©ine 
lüdfidjtslofe SIgitation tonnte bei foldjen 3uftänben untei bem 
1) ngl. SBicfjuIIa, ipiantagenbau in Deuífá)Ianb, SBccIin 1905.
        <pb n="73" />
        59 
&lt;5á)Iagmort bes Srotmudjers brei XRilIionen beutlet 9?eiá)stags* 
mäljler bem ©efolge einer gartet einreiljen, bie bem beulten 
Seidjsgebanïen ben üampf auf Zob unb £eben gefdjmoren Ijat. 
Die pfpdjologifdjen Momente nun, bte Sismará in ben garren 
oor 1879 bagu oeranlaftten, feine ^olitit jene Sdjmantung oom 
grei^anbel gum SdjuhgoII ausfüljren gu Iaffen, finb fetjr tompli* 
vierter 3lrt. 2Bir jagen mit 2lbfid)t „feiner". Denn falange gürft 
Sismará bas Staatsruber führte, mürbe feine perfönlidje ^3oIiti! 
gemalt. Die tarnen feiner Staatsfetretäre finb fet)r gleidjgültig, 
im ©egenfat} gu heutigen Sertjältniffen. 
ßiberal mar er ja im ©runbe feines Borgens nie gemefen, 
unb f)atte ^longeffionen, mie bas allgemeine SKeiájstagsmafyíreájt 
moíjl mehr aus politifdjer Klugheit mie aus $ergensübergeugung 
gemaá)t. geht fct)ien iijm ber geitpuntt getommen, mo er mieber 
bas 9teid)sf($iff in bas ihm fpmpathifdjere ïonferaatioe galjrmaffer 
hinüberfteuern tonnte. Das burdj bie Aufhebung ber 50îaigefe^e 
oerföhnte gentrum Ieiftete ihm babei ijeeresfolge, unb bie 9ia* 
tionalliberalen, bie bie ©efatjr nidjt re^tgeitig erfannt Ratten, mur* 
ben na^ Sismarás eigenem 2ßort „an bie 2ßanb gebrüát, bajj 
fie quietfdjten". SRitbeftimmenb mochte auf Sismará audj bie 
meljr als nötig fd^arfe Dppofition ber greifinnigen, bamals gort* 
fdjrittspartei genannt, gemefen fein. 
S^Iie^Iii^ ift für bie erfte Seriobe ájaraíteriftifá) bas geilen 
einer 9?eidjsfchulb. Sis gum gaïjre 1875 mürbe bie Kriegsanleihe 
getilgt. (Erft 1876 mürbe mieber in fet)r befdjeibenem 3Ra^e auf 
Sdjulben gurüdgegriffen, bie im folgenben gahre als Anleihe 
funbiert mürben. 
2Benn man bas nüchterne ©ebiet ber ginangen menigftens 
burdj poetifdje 3Iusbrudsmeife etmas beleben mill, fo tonnte man 
biefe erfte ijteriobc mit 9îedjt als „bas golbene 3eitalter" be* 
getanen. 
ghm folgt leib er eins, bas feljr menig ben tarnen eines 
filbernen oerbient, inbem es fid) djaratterifiert burdj ein enormes 
5Inmad)fen ber Seidjsfdjulben, bie für biefe ^leriobe, als beren 
©nbe man bas galjr 1892/93 begegnen tann, folgenbe ©nt* 
midlung geigen, mel^e freilidj bamit nicht abgefd)Ioffen ift:
        <pb n="74" />
        60 
per 1. 5lprit ¡eben 3&lt;h re5 in Millionen Start: 
1878 1879 1880 1881 1882 1883 
72,2 138,9 218 267,8 319,2 349 
1884 1885 1886 1887 1888 1889 
373,1 410 440 486,2 721 883,8 
1890 1891 1892 1893 
1118 1317,8 1685,6 1740,8 
2Bie mir fdjort gefehen fyaben, erreichte bie fretfjänblertfcije 
3oHpoliiit Deutfhlcmbs mit bem 1879 ihr (Enbe. 
Die Xenbert3 ber burh bie Sdjutfôôlle begünstigten numeriSh 
fhwadjen, aber gefellfd^aftlid^ unb bamit polish i)5^ft einflufc* 
reifen Kreife ging nun bahin, fdf)rittmei[e gu immer ^ö^erem ¿oll* 
Sh# gu gelangen. Die Darifnoo eilen ber 3# re 1881, 1885, 
1887 begegnen bie (Etappen in bem Siegreichen (Eroberungsfelb* 
3uge ber Agrarier gegen bie Dafdjen ber Konsumenten. 
Der im 3ahr 1887 erreichte Korngoll uon 5.— St. per 100 kg 
erwies S^h benn aber bodf) als unhaltbar, So baf} (Eaprioi tatSäh' 
lieh eine „rettenbe Dat" oollbrachte, als er 1892 Seine mit Seht 
berühmt geworbenen 5janbelsoerträge abSd^Io^, burct) bie wenig* - 
Siens für ein Dutjenb 3ahre bie agrariShe Hochflut gurüdgebämmt 
würbe. 
Natürlich brauten bie enorm gesteigerten 3olISöt;e auf 5lrtiiel, 
bie unter allen HmStänben importiert werben müSSen, ba Deutsch* 
lanbs ^robultionsfähigleit barin nicht gur (Ernährung Seiner Stetig 
wad^Senben Soltsmengen ausreicht, auch wesentlich höhere 3oll= 
einnahmen. DieSe hätten nun wohl h^gereicht, bas Gleich finangiell 
auf eigene gii^e gu Stellen — bas tonnten aber bie föberaliSti* 
Sehen Herren oom 3entrum niht geShehen laSSen. 
Durch bie im 3olltarif oon 1879 guerSt gegen ben SBiber* 
Stanb namentlih 23ennigSens eingeführte granctenSteinShe Klaufel, 
So genannt nah bem 3entrumabgeorbneten ßrhr. o. grandenStein, 
bie bie bem Seich aus ben 3öllen unb einigen SerbrauhsSteuern 
guflie^enben (Einnahmen auf 130 Millionen feStfe^te, ben Seft ber 
(Einfünfte aus biefen Quellen aber ben (EingelStaaten überwies, 
ift bem SReihsfinangmefen ein arger ^ßfahl ins gleiSh getrieben,
        <pb n="75" />
        61 
ben ïjeraus3U3teï)en trofe feigem Semühen noZ niZt oöllig hat 
gelingen mollen. 
Rber auZ ber oom ßentrnm erhoffte Erfolg, bie @ingel= 
floaten burZ btefe Übermeifungen günfítger 311 ftellen, Irai 3uerfí 
gar nidjt, unb fpäter nur 3eitmeilig ein, menn auZ in ein3elnen 
3af&gt;ren feí)r grofee Summen (fief)e Dabeííe) 3ur Übermeifung ge* 
langen tonnten, 3n ben lebten fahren aber haben bie Rlatriïular* 
beitrage ftets bie Übenoeifungen überfliegen, fo bafe letztere über* 
haupt feinen Sinn unb 3®^ me ¿ r hatten, aïs ben, bie ginan3* 
be3ie^ungen 3roifcf)en ReiZ unb (Ein3elftaaten mögliZft 3U oermir* 
ren, inbem letztere nie in ber £age roaren, einen (Etat auf3uftellen, 
non bem fie mußten, bafe er audj richtig roar. Stets tonnte bas 
ReiZ noü) mit einer Rîatriïularforberung tommen, roetd^e bie 
fZönften ^Berechnungen umtoarf. Sei ber Sefeanblung ber oon 
Stengetf^en DentfZrift oom 3. fernher 1903 anläfetiZ ber fo* 
genannten tleinen f^inan3reform tommen mir auf biefe fragen 
nod) eingeljenber 3urüd (fieí&gt;e Capitel III). 
Die grancíenfteinfdje iUaufel hatte inbeffen auch Stimmung 
auf ber ßinten bes Reichstags gefunben. Rían freute fid) oor 
ber Riögtidhteit, bafe burdE) bie erhöhten 3ött e bem Reich Riittel 
3ufliefen tonnten, bie 3U einer oerfZmenberifZen ginan3politit 
hätten oerführen tonnen. Dem märe burdf) Seftimmungen ab* 
3uhelfen gemefen, bafe (Einnahmen, bie eine gemiffe Summe 
überfliegen, 3ur Schulbentilgung hätten oermanbt merben müffen 
— aber man unterlief) bas. gürft Sismardt mar mit ber Über* 
meifungsibee moht aus bem ©runbe 3ufrieben, meil er oon ber 
Daifa#, bafe ben ©in3elftaaten aus ber Reizstoffe grofee Summen 
übermiefen mürben, eine Steigerung ber Reid^sfreubigteit ermattete. 
$ür bie ^Beibehaltung ber ohne bie Übermeifungen oielleid)t 
naZ bamaliger Rnfüfet überflüffig merbenben Riatritularbeiträge 1 ) 
fpraZ überbies ein tonftitutionelles Rioment. Die Riatrifularbei* 
träge, bie }a ber jährlichen geftfefeung burd) ben Reistag unter* 
liegen, bilben ben einigen bemeglidjen ^often im (Etat, ©s tann 
alfo bas (EinnahmebemilligungsreZt bes Reistages nur in ihnen 
1) Über bie Begießungen gmi|d)en grandenfteinfeßer iUaufel unb SUlatritularbeiträgen 
ließe aueß Uapitel III. — Begrünbungen gu lex Stengel.
        <pb n="76" />
        62 
gum Slusbrud îommert. Oaher ift es allerbings für ben Seidjs* 
tag gang unmöglich auf bie Statritularbeiträge gu oergid)ten, wenn 
man ifjm nid)t burd) eine beœegltdje Steuer, bte nur (Eintommen 
ober Vermögen gum Objett haben tonnte, einen oolltoertigen (Er* 
faft böte. 
gür bie erften ^a^re erfolgten gunäd)ft gar teine bie SCRatri= 
tutarbeiträge überfteigenben Übertoeifungen. (Erft mit bem 3ahre 
1883/84 beginnen bie Übertoeifungen bie Stairitularbeiiräge gu 
überfteigen, erreichen ben £öhepuntt 1889/90 mit einer 3utoenbung 
an bie (Eingelftaaten oon ca. 140 Stillionen, unb fallen oon ba ab 
bis gum (Enbe ber ^3eriobe. Später finb nur nocí) in nier fahren, 
1895—1898, überfdf)üffige Übertoeifungen oorgefommen, fonft hat 
man ftets mit ungebectten Statritularb eiträgen gu rechnen gehabt. 
3ngtoifd)en toar bie allgemeine f^inanglage bes Seid)s toeit 
entfernt baoon, eine glängenbe genannt toerben gu tonnen. Oie 
Sdjulben muffen, bie allgemeinen Aufgaben bes Seid)s, nament* 
lid) auf fogialpolitifchem (Eebiet, forberten immer größere Summen. 
(Es ift angefidjts bes riefigen 3lntoad)fens ber Sei&lt;hsfd)ulben gerabe 
oon 1888 (721 Millionen) bis 1892 (1686 Stationen) bem Ser* 
faffer unbegreiflich, roie ein fonft Iefenstoertes Sud)(Seinholbt,Reichs* 
finangtoefen, Serlin 1904, S. 35) bie 3at)re 1888/92 bloft toegen 
ber hohen IXbertoeifungen als Ara ber fetten 3 a h re begegnen tann. 
3toar fehlte es nidjt an regierungsfeitigen Serfudjen gur Abhilfe. 
Oie Einträge, ein Íabaímonopol (1882), ein Srannttoeinmonopol 
(1886) gu fdjaffen, blieben ergebnislos. Steigerungen ber Seid)s* 
einnahmen mürben nur ergiett burd) bie fd)on befprod)enen 3oll= 
erhöhungen unb Anbetungen in ber Srannttoeinbefteuerung, bie 
nach langen Kämpfen Sinnahme fanben. Slllerbings entgog man 
bem Seid) auch h* er lieber bie birette Verfügung über bie (Ein* 
tünfte aus ber Sranntroeinfteuer, inbem man auch biefe übertoei* 
fungspflid)tig machte unb bem Seid) nur bie Stöglid)teit lieft, bie 
Statritularbeiträge ftärter angufpannen. Slber nicht nur bie finan* 
gielle, fonbern auch bie toirtf&lt;haftlid)e £age im beutf^en Seid) toar 
in ben acfttgiger 3ah ren ^ine erfreuliche. Oie Slustoanberungs* 
ftatiftif toies ungeheuere 3ah%n auf, ein fixeres 3eid)en bafür, 
baft ber toirtfchaftliche Organismus Oeutfcftlanbs fchtoer trantte.
        <pb n="77" />
        63 
(Es roar ber gegebene 2lugenblicf, auf allen fünften mil einer 
großzügigen ^Reform gu beginnen. Xeils rourbe biefe aber überhaupt 
gar ni&lt;i)t, ober bodf) auf oerleljrte SBeife oerfudjt, teils rourbe fie 
feinbfelig aufgenommen, unb teils tourbe fie fpater toieber rücf= 
gängig gemalt. 
SOlit biefer Reform enbet bie gtoeite unb beginnt bie britte 
^Periobe. Sei ber Slbgrengung ^iftorifd^er &lt;perioben iann man ja 
im 3toeifeI fein, an toeldjer Stelle ber (Einfdfjnitt am beften ge= 
maá)t toirb. Uns fdjeint es am gtoedmä^igften, if&gt;n ba gu rnadjen, 
too bie toidjtigfte unb erfreulid^fte 2l!tion unferer gefamten finang= 
politicen unb roirtf^aftli^en ¿erg an geni) eit in Araft trat, nämlici) 
ber SlbfdEjluff ber ¿aprioifd)en £&gt;anbelsuerträge 1892. gür eine 
allgemeine (Eefdjidjtfdjreibung bes beutf^en SReidjs toürbe fid) tool)l 
bas 3n^r 1888 mit ber Zljronbefteigung Raifer SBilljelm II. ober 1890 
mit ber Demiffion Sismarás als 2lbfci)luj3 empfehlen — für bie 
beutfdjeSollstoirtfdjaft bebeutetl892 einen fflSenbepunit. Die oiel oer= 
Iäfterten §anbelso ertrage, bie „rettenbe Xat", mittels ber ber „Wann 
oljne $alm unb 2lr" ben Agrariern einen Zeit ber 1887 glüdlid) 
eingebradjten Seule toieber entrifj, fie Ijaben eine %kriobe bes 
toirtfdjaftlidjen Sluffdjtoungs eingeleitet, bie unfer (Ertoerbsleben 
audj bafür gelräftigt Ijat, bie folgen ber ferneren Ärifis im 9In= 
fang bes neuen 3&lt;*l)ri)unberts rafci) unb grünblidj gu übertoinben. 
Seffer als feitenlange (Eiplilationen mögen folgenbe ßa^len 
ben riefigen 2luffdjtoung oeranfdjaulidjcn, ben (Eapriois ^3oIitit uns 
gebraut ^at. 
Die (Einfuhr ins beutfdf&gt;e SReici) betrug in Williarben War!: 
1894 1895 
4,285 7,046~ 
unb bie Slusfuljr aus iljm: 
3,051 5,692 
(Es Ijaben fidj alfo nid)t nur bie ßiffern bes Sltu&amp;enljanbels 
überhaupt gehoben, fonbern es Ijat fid) eine äujgerft erfreulid)e 
Serf^iebung bes ¿erfyñltniffes gtoifdjen (Einfuhr unb 2lusfut)r 
Ijerausgebilbet, bie Ijoffentlidj aud) für bie 3u!unft unter ben 
jetjt oiel ungünftigeren ¿erljältniffen anljält. We^r aber als biefe
        <pb n="78" />
        64 
3tffern bemeift bie ©eftaltung ber (Eintommens* unb Vermögens* 
oerhältniffe, in benen fidj ja bodj Schließlich bie Vefultate aller 
mirtfchaftlichen ^Betätigung bes 33oIïs nieberfdjlagen müffen. 
Das steuerpflichtige (Eintommen, fomie bas ergängungsfteuer* 
pflichtige Vermögen betrug in Preußen in VZilliarben SCRarï: 
Vermögen (ohne (Einfct)tuß ber Heineren Ver* 1895 1905 
mögen unter 6000 Vtart 64 82 1 / 2 
(Eintommen (ohne (Einfdjluß ber Heineren (Ein* 
tommen unter 900 9Jlart) 5,7 9,7 
Vedjnet man, entfpredjenb bem ungefähren Verhältnis ber 
(Eintoohner^ahl, biefe 3^h^n gu 3:5 um, fo erhalten mir am 
nähernb bie fürs Veidj gültigen Vetröge in SOtilliarben 9Jlart mit: 
1895 1905 
Vermögen ca. 105 ca. 137 
(Eintommen „ 9,5 „ 16 
2Bir oerbanten alfo ben (Eaprioifcijen ^anbelsoerträgen — 
ober bodj ihnen gum großen Zeit — eine Vermehrung unferes 
Vationaloermögens um mehr als 30 °/ 0 unb eine Erhöhung bes 
nationalen (Eintommens um faft 70 °/ 0 . 
Unb bo(h hat man trot) biefer glängenben Vefultate bas 
Spftem nicht beibehalten, fonbern hat fidj gu gollpolitifdhen (Eiperi* 
menten oerftanben, beren folgen heute noch nicht abgufeßen finb. 
Die erfolgreiche SBirtfamteit, bie in biefen fahren ber ßinang* 
minifter oon Vtiquel in Preußen entfaltete, mar ihm im Veidje 
nicht befcßieben. SMIjrenb feine (Eintommen* unb (Ergängungsfteuer 
in Preußen burchgingen unb feinem Vamen für immer einen ehren- 
oollen ^&gt;laß in ber (Eefdjidjte biefes ßanbes fidjern, hat er im Veidj 
teine glüctliche £&gt;anb gehabt. Seine Vei^sfinangrefprm ift nicht 
jju^Vermirilichung gelangt. 3hm fchmebte bei biefen Plänen bas 
3iel oor Vugen, erfttich eine geftlegung bes Verljältniffes gmifcßen 
Vtatritularbeiträgen unb Übermeifungen gu fchaffen — angefidjts 
bes 3urüctgehens ber letzteren, mas bie V3ahrfdjeinli&lt;híeit unge* 
bectter Vlatritularbeiträge mieber näher rüctte, — unb anbererfeits 
bie Veidjseinnahmen gu oermehren. Vber fomohl ber (Sefeßent* 
murf oon 1893, ber Vtehrübermeifungen oon 40 VtiHionen Vlart
        <pb n="79" />
        65 
gefeßlid) feftlegen, unb ber oort 1894, ber nur bestimmen mollte, 
baß bie Matriiularbeiträge bie Übermeifungen nid)t überfteigen 
bürflen, fanben beim SKeidjstag — mit Died)! — feinen Entlang. 
Dagu tarn, baß bie neuen Steuern, bie ben Einnahmen bes Dleidjs 
aufhelfen follten, I)öd)ft unpopulär, gum Xeil oollsmirtfd)aftlid) bireit 
gefährlich toaren. Es Ijanbelte fid^ um eine Xabaifabriiaü, eine 
Dleicßsmeim unb eine Quittungsftempelfteuer, oon benen mir ba= 
mais, baní bes feften Verhaltens bes SKeidjstags, oerfcßont blieben: 
Xeilmeife fielen uns biefe Steuern nod) in 2lusfid)t, unb menn 
ber jetjige Reichstag bamit befaßt m erb en foííte, fo ift bas Ve= 
fultat nidf)t abgufehen. £jat er bod) bie $ahrfartenfteuer ($ahr= 
farten finb aud) Quittungen!) gutgeheißen, mäßrenb bie neue Quit* 
tungsfteuer allerbings aud) ißm unannehmbar erfcßien. 
Erhöhungen ber Vranntmeim unb Vierfteuer mürben ba= 
mais gleichfalls abgelehnt. 1894 brachte eine Erhöhung bes 
Stempelgefeßes, ber fpäter (1900, 1906) meitere folgten, unb 1895 
unb 1896 3uder= unb Vranntmeinfteuernooellen, fomie 1902 bie 
Schaummeinfteuer. 
3m gangen hut bie Regierung fünfmal bie Vierfteuer er= 
höhen mollen (1875, 1879, 1880, 1881 unb 1892). Erft 1906 ift 
es ihr gelungen. 
Da im großen unb gangen alfo bie Steueroorlagen ber D?e= 
gierung ohne ben gemünfdjten (Erfolg geblieben maren — bei 
manchen ber bereinigten Erhöhungen, g. 33. einiger Stempelftcuern, 
hatten fid) bie erhofften Mehreinnahmen gleichfalls nid)t eingeftellt, 
ba anbererfeits bie geftlegung ber Matriiularbeiträge ebenfalls niiht 
geglüdt mar, fo ift bie gange ßinangreformaltion ber neungiger 
ßahre als eine ßette oon Mißerfolgen ber Regierung gu begeid)nen. 
Die ingmißhen immer meitcr road)fenben Sdjulbcn bes Dleidjs 
machten aber bod) auch für ben Reichstag ein Eingreifen gur um 
abmeislidjen Pflicht. ¿atte bas 3 e utrum burd) feine ^rändern 
fteinfehen ülaufeln einen großen Xeil ber Scßulb an ber gangen 
oerfaßrenen Sachlage, fo tarn oon feiner Seite aud) ein freilid) 
recht fd)üd)terner Verfud), Diemebur gu feßaffen unb menigftens 
etmas gur Sdjulbentilgung gu tun. Es mar bies bie lex Sieber 
oom 16. 2lpril 1896, monad) bie aus ber grandenfteinfd)en itlaufel 
©roteroolb, 3inanjfi)item. 5
        <pb n="80" />
        66 
bem Beid) guïommenben 130 TOItorten Sïïarï aus Sollen unb 
Berbraudjsabgaben auf 143 Btillionen erhöht mürben; mäljrenb 
bie $ölfte ber Über[ci)ü[[e über bie Blatrilularbeiträge gur Sdjub 
bentilgung Bermenbung finben [ollte. Spätere ©efetje, bte ftets 
non galt gu galt erlaßen mürben, ersten bte bem Bei^ gu= 
tommenbe Summe bis auf 170 Millionen unb gingen auf 3 / 4 
ber Überfdjüffe gur ßurüctjtellung für Sdjulbentilgung. 3m 
gangen mürben auf biefe 5lrt für ca. 142 Millionen Blar! Sdjulben 
getilgt. Dann hörten bie Überf&lt;hü[[e unb bamit bie Blöglid)teit 
meiterer leges Sieber auf. Sdjulben mürben aber meiter gemacht. 
Snnerljalb ber in Bebe fteljenben ^3eriobe oer[djoben fidj bie 
finanziellen Berljältnifie bes Beidjs mie folgt in Millionen Blarl: 
Ausgaben für 1892/93 1895/96 1899 1902 1905 
bas 0eer: 
bauernb 436 472 520 569 597 
einmalig 141 91 98 85 109 
für Blarine: 
bauernb 46 58 69 87 105 
einmalig 45 27 64 130 173 
Zusammen: 668 648 751 871 954 
(Einnahmen aus - 
Sollen unb 
Steuern 651 726 804 914 967 
u. ta. 80. SOTillioneti 
9íed)nungsübcrící)U¡¡ 
1893 
1896 
1899 
1902 
1905 
Sdjulben: 1741 2125 
2223 
3,5 
SDtilliarben 
Das gefährliche Moment liegt hier natürlich in bem riejigen 
2Ba&lt;hïen ber Sdjulben, bie bureaus nicht nur für Schaffung blei= 
benber SBerte, fonbern aud) als einfache Beihilfen gum orbenü 
lidien (Etat geforbert unb oom Reichstag prompt bemilligt mürben. 
Berfajfungsgemäh ift biefe Bereitmilligieit bes Beidjstags laum 
gemefen, benn bie Berfaffung jagt im 2lrt. 73, bah ^te Aufnahme 
einer Anleihe im gall aufrerorbentlidjen Bebürfniffes erfolgen foil. 
Dieses aufjerorbentlidje Bebürfnis liegt aber bodj entjdjieben nicht
        <pb n="81" />
        5* 
67 
oor, menn es ftdf) um Deáung orbentíiájer Ausgaben tjanbelt. 
©ine berartige ginangpolitit oerbient gerabegu bie Segeid^nung: 
fübameritanifdj. 
Seit Sbfdjluß ber ©apriuifdjen §anbelsoertrage f&gt;atle es nidjt 
an bert gdjäffigften Angriffen gegen biefen Staatsmann non 
redjtstjer gefehlt. Sein Sfritaoertrag mit ©nglanb mar ja aucf) 
gerabe ïein SZeiftermert — feine ¿anbelsoerträge aber finb es 
gemefen. Allein fdjon ber leibenfctjaftlictje ilampf unb bie maßlofe 
Agitation feitens ber Agrarier bagegen bemeijen es. Unb mie bie 
Regierung felbft bei ber an ben neuen Verträgen uon inbuftriel= 
1er Seite geübten ilritit gugegeben t)at — it)r ©efdfyrei oertjatlie 
nicf)t ungetjört. 3 a f) re 1898 mürbe ein Sei^stag gemäßlt, 
ber in ben Degemberbebatten uon 1902 geigte, mie ©efeße ge= 
mac^t merben muffen, bie tmm Stanbpunít bes Soltes oer= 
merflict), oom Stanbpunít ber gerabe infolge iljrer Sertretung im 
Parlament bie ©efeßgebungsmafdjine betjerrfctjenben ©efellfcfyafís* 
fdjictjt aber erftrebensmert erfdfjeinen. Die SZinoritat mürbe oer= 
gemaltigt, bie Regierung, beren urfprünglidjer ©ntmurf eines 
Xarifgefetjes gemäßigter geroefen mar, mict) gurütf, unb fo mürbe 
benn jener extreme agrarifdje Xarif oom 25. Degember 1902 ©e= 
feß, um am 1. SZärg 1906 in Rraft gu treten. 
Sa^fte^enb führen mir einige ber mistigen 3oIIfäße auf, 
um beren ©ntmictlung gu geigen in Start pro 100 kg: 
©ap rtois 
Verträge 
]9U2 
1885 
1879 
1X87 
autonom 
Sertrag 
Soggen 
SBeigen 
©erfte 
3.— 
i — 
8.50 
3.— 
1 — 
3.50 
7.50 
5.50 
1.50 
2.25 
0.50 
7.— 
1.30 
(gutter) 
5afer 
1.50 
5.— 
4.— 
2.80 
1.— 
1881 
SZeljl 
gleifdf) 
Aaffee 
Petroleum 
18.75 
10.50 
7.30 
2.-3 
7.50 
40. 
40.— 
40.— 
40.— 
40. 
40. 
6.— 
6.— 
6.— 
6.— 
15—17 
45. 
12.— 
35 
20.— 
20.—
        <pb n="82" />
        68 
Kapitel m. 
Die Situation beim Hntritt des Reieböfebatzfehretärö 
■prbr. V* Stengel. Defien Reformpläne. 
Die lex Stengel. Die finanzreform von 1906. 
3m 1903 mar in Deutfdjlanb ein neuer Veidjstag ge= 
wäljlt morben. Seiner 3u|ammen|e^ung nad) ähnelte er im 
großen unb gangen feinem Vorgänger, ber ben ßolliarif non 1902 
gemalt i&gt;atte, inbeffen maren bod) einige bemerlensmerte Vnbe* 
rungen gu oergeidjnen: ber Vunb ber £anbmirte batte feinen 
eigenen Stanbibaten mieber burd)gebrad)t, bagegen batten bie So= 
gialbemoiraten glängenbe (Erfolge gu oergeidjnen — bas Voll batte 
feine Slntmort auf ben 3otttarif in $orm gewaltigen Vnfdjmellen* 
laffens ber roten Stimmengaljlen gegeben. Sine Antwort, bie 
man bebauern mag, aber eine beutlidje Antwort! 
3n ber Verteilung ber parlamentarifdjen 9Jladjtuert)ältniffe mar 
aber wenig geänbert. Jtonferoatiue unb 3^ntrum tonnten aud) 
nadj ben 2Bat)len, wenn fie burdj einige Überläufer oerftärft mur= 
ben, bie ^olitif nad) (Befallen Ienïen, unb fie tjaben es nad) 
Kräften getan. 3m 5jerbft 1903 fanb ein Sßedjfel im Veid)S= 
fd)a^amt ftatt. Der bisherige Sd^atjfeiretär o. Xljielemann, ber 
Vater bes 3olítarifs, trat gurüd, um einem aus Vapern fommew 
ben Vadjfolger Vlatj gu madjen, bem grei^errn o. Stengel, einem 
Staatsmann, bem es mit ber Sanierung bes Veidjsfinangwefens 
¡ebenfalls ernft gu fein fdjeint, wenn er audj freilidj nid)t ber ge= 
rabe im Veic^sfc^a^amt felfr wünfd)enswerte fiarle Viann ift, ber 
burdjgreifenbe Reformen unter Vefeitigung aller üBiberftänbe ein= 
gufül)ren imftanbe ober willens ift. 
Ss war leine leiste Aufgabe, bie ber Söfung Ijarrte. Diefe 
ift audj bis fetjt nur unoolllommen gefunben worben. 
Der Veidjsetat balancierte, wie wir gefefyen Ijaben, nur no^ 
mit $ilfe oon 3ufdjuf3anleil)en. 
Die ungebedten VWrilularbeitröge, welche feit 3^ren gur 
Vegcl geworben waren, lafteten ferner auf ben Singelftaaten, bie
        <pb n="83" />
        69 
oergebens bie alíen ííbertoei[ungsüber[d)ü[[e, auf bie iljre (Etats 
3uge[d)nitten toaren, erhofften. 
3)a3u tarnen fo[t[pieIige ßriegsgüge (Q[ta[ien, [pater Süb* 
unb Qftafrita) unb ein toeiteres 2tmoad)fen ber ^Militär* unb 
9Jtarinebebürfni[[e. 
Die bem SReid) gnr Verfügung ftefjenben orbentlidjen (Ein* 
nahmen beftanben aus folgenben Quellen 1 ): 
I. 9?eid)s[teuern, bie ber 9teid)staf[e oerbleiben; redjnungs* 
mäßige Erträge in ^Millionen 9Mart: 
a) 3ucter[teuer 147 
b) Sal3[teuer 50 
c) 23rannttoeinroI)[toff[teuern 42 
d) Sdjaumtoeinfteuer 5 
e) 23rau[teuer unb SToerfa 45 
f) Spieltartenftempel 1,6 
g) 2Bed)[eI[tempeI 12,2 
h) 23antnotenfteuer 0,4 
i) ©ebü^ren für Statiftit ca. 1,0 
II. 9teid)s[teuern, oon benen bem IReid) nur ein Heiner Xeil 
oerbleibt: 
a) 3öIIe 521 
b) Dabaffteuer 13 
III. 9?eid)s[teuern, oon benen bem 5Reid) überhaupt nichts 
bleibt, to eil [old)e ooll gu übertoei[en [inb: 
a) 23örfen*, Ronno[[ement*, £ottcrie[tempeI. 79 
b) 23rannttoeinoerbraud)sabgabe .... 128 
Dagu treten, toie an anberer Stelle ausgefütprt, bie (Ein* 
nahmen aus ben reidjseigenen ^Betrieben unb 23enoaItungs3toeigen 
ober nötiger beren Überfdpiffe. Dod) reid)t bies betanntlid) nidjt 
aus ben 23ebarf gu beeten. Dafj ber ¿aupttrebs[d)aben ber éteidjs* 
finangen in bem leibigen §in* unb §er[d)ieben oon Ijunberten 
oon ¿Millionen 3teilen 9teid) unb (Ein3el[taaten liegt, bas legieren 
bie (£tatsauf[tellung unmöglid) ma^t, unb bem er[teren bie finan* 
3ieIIe Selb[tänbigteit raubt, toar 1903 freilid) [d)on lange ertannt. 
1) Dgl. SReinljolbt, 5Reid)sfinan3tDe|en.
        <pb n="84" />
        70 
£&gt;atte bodj ber babifefee ginangminifter Dr. 23udjenberger fdjon 
1902 bie folgenbe 2Iusbructsform bafür gefunbert: 
„ÏÏRit bem ©tunbfafc, bajg jebe ginangtDtrtfcfjaft in |i4 felber bic finangoíonomtfdEjen 
©runblagett if&gt;rer Grifteng gu fueren í)abe, ift bic SRatritularbeitragserljebung {¿»roer tn 
Ginílattg 311 bringen. Statt bafe bic größte ginanggemeinfcfiaft (bas ÜReid)) finangtell auf 
eigenen güfjcn fteijt, befinbet fie fie!) bauernb im 93crf)ältnis œeitge^enber 2Ibi&gt;ängigfeit 
non ben eingelftaatlidfen ginangmirtf^aften" 1). 
Urtb i)attc boef) Miquel ftfeon in ben 90 er ^aferen 5lrieg 
gegen bte SCRatriïuIarbeitrâge geführt! 2111e biefe Staatsmänner, 
auefe, tote mtr f efe en merben, grfer. o. Stengel, macfeen aber ben 
einen ílarbinalfefeler, bafe fie glauben, bas Soit tonne ofene birette 
SReidjsfteuern jemals auf bte #atritularbeiträge oergitfeten, ben 
eingigften ©tatspoften, mo bas ©innafemebemilligungsrecfet bes 
SKeicfestags fitfe betätigen îann. 
Die Sdjmierigieiten, bie fidj einer SReidjsfinangreform bisfeer 
entgegenftellten, featten gumeift auf parteipolitifefeem (Sebiet gelegen. 
Die 5lonferoatioen oormeg finb grunbfâfelidj ©egner jeber 
$iorm Don 23efteuerung, bie bem ©runbbefife nidjt einen (Eitra* 
profit geftattet. 
Die Sogiatbemotraten Iefenen, trofe iferer tfeeoretifcfeen ©e* 
neigtfeeit für birette Steuern, bodj fdjliefelidj alles ab, bie 2ibe= 
ralen allein finb bislang gu fdjmadj gemefen gu felbftänbiger 
Steuerpolitiï im SReidje — bleibt bas Zentrum, bas feine eigenen 
Ïï3ege gefet — mir merben f efe en, melifee. 
Unter folcfeen Sßerfeältniffen gefeörte allerbings ein gemiffer 
SCRut bagu, bas SReidjsfdjafeamt gu übernefemen. 
33on SInfang an ftanb feft, bafe bie ausfifeíaggebenbe fartei, 
bas Zentrum eben, nie feine ¿uftimmung für eine mirilidj burtfe* 
greifenbe, bas Übel an ber 2BurgeI faffenbe Reform geben mürbe. 
9ti(fet, als ob fiefe niefet auefe in biefer fartei einige tluge Äöpfe 
finben, bie einfefeen, mas bem SReidj not tut, unb bies bemilligen 
mödjten. £&gt;aben boefe fogar namfeafte ßentrumsabgeorbnete fitfe 
guftimmenb gegenüber biretten SReidjsfteuern oerfealten! 2lber 
burdjgreifenbe Staferegeln, bie notmenbig irgenbmo Slnftofe 
erregen müffen, finb oom ßentrum aus bem ©runbe nitfet gu er* 
marten, meil es, gufammengefüfert aus ben oerfefeiebenften gefell* 
1) Dgl. Gug. D. 3agemann, 3ur fRei^sfinangreform. G. 6, £eibclberg 1905.
        <pb n="85" />
        71 
fdjafttichen Schichten, nur burá) bie ïonfeffionelten ^ntereffen, in 
M gu einer für bas Slllgemeinmohl meift redjt unfru&lt;$t= 
baren ilompromijzpolitii oerurteilt ift. 
Dem wie fchon ermähnt aus ¿Bapern tommenben greiljerrn 
uon Stengel mar zunächft meniger an einer Stäriung ber ¿Reidjs= 
entnahmen als an einer ¿Befferung ber £age ber (Singelftaaten 
bem ¿Reich gegenüber gelegen. 
Sobann wollte er ber fteigenben ¿Berfdjulbung bes 5Heiá)s 
entgegentreten. 
Diesem Streben entsprang ber nachftehenbe ©efetjentmurf, 
ber mit einer fehr intereffanten unb bie Übetftanbe bes !Heid^s= 
finanzwefens fctjarf beteu^tenben ¿Begrünbung bem ¿Reichstag oor= 
gelegt mürbe. 
2Bir taffen ^ier beibes im 2BortIaut folgen, obwohl ber ©nt= 
murf in biefer Raffung ©efetjestraft nidf)t erlangt tjat, oielmeljr 
mefentlichen ¿änberungen unterworfen worben ift. Die ¿Begrüw 
bung ift aber fo djaraiteriftifd) für bie Stellung ber ¿Regierungen 
3u ben ¿Reichsfinanzen, baft fie ein wichtiges Orientierungsmal 
auch für biejenige ¿ßolitit bitbet, bie ber ¿Reid^sfinangreform oon 
1906 gugrunbe tag, unb wir wollen unferen ßefern bas interef* 
fante Doiument auch auf bie ©efaljr t)in nicht oorentljalten, bafj 
fein Inhalt, ber ¿Ratur ber Sadje nach, foweit er hiftorifct) ift, zum 
Zeit eine 2Biebert)oIung audj oon uns fdjon gebrachter iatfadhen 
in fid) fd^Iie^t. 2Bir benutzen babei bie ©elegenheit, gleichzeitig 
an einem oollftänbigen ¿Beifpiel gu zeigen, wie ein ©efet} bem 
¿Reichstag oorgelegt zu werben pflegt. 
(Entwurf eines ©efetjes, 
betreffenb 
¿Ünberung im ßinanzwefen bes ¿Reichs. 
2Bir 2BiIj)cIm, oon ©olles ©naben 35eut|d)er Raifer, Röntg oon ißreufoen ufto. 
oerorbncn im SRanten bes SHexdjs, nad) erfolgter 3u|limmung bes Sunbesrats unb 
bes SReidjstags roas folgt: 
§1. 
3Me Sorfdiriften über bie Übenoei(ung eines Teiles bes (Ertrages ber 3°lle unb 
ber labalfteuer, bann bes ©drags ber Stempelabgaben an bie Sunbesftaaten (§ 8 bes 
burd) bie ®elanntmad)ung oom 24. 2Rai 1885, 9teii%sgefe^bl. S. 111, oeröffentlid)ien 
3olItarifgefetjes, § 55 bes burd) ®etanntmad)ung oom 14. 3uni 1900, SReidjsgefetjbl.
        <pb n="86" />
        72 
S. 275, oeröffentlichten SeichsStempelgefehcs), fotoie bie Seftimmung § 2 bes ©efeps, 
belreffcnb Serwenbung non Slehrertrögen ber Seichseinnahmen unb Überweifungs= 
Steuern 3ur Schulbentilgung, oom 28. Siöq 1903 (Seichsgefepl. S. 109 werben auf= 
gehoben. 
§2. 
Strtüel 70 ber ScrfaSfung erhält folgenbe ftaffung: 
SIrtifel 70. 
„3ur Seftreitung aller gemeinschaftlichen orbcntlidjen Ausgaben bienen gunö# 
bie aus ben jölien unb gemeinsamen Steuern, aus bem ©ifenbahm, unb Iele= 
graphenwefen, forme aus ben übrigen Serwaliungs3weigen fliejfenben gemeinschaftlichen 
(Einnahmen, ^Soweit bie Ausgaben burd) biefe (Einnahmen ni&lt;i)t gebe# werben, finb 
fie, folange bie erforberlidfjen Sedungsmittel nicht auf anbere SBeife, insbefonbere burd) 
(Einführung weiterer Seichsfteuern befd^afft werben, burd) Seiträge ber einzelnen Sunbes= 
Staaten nach Slafigabe ihrer Seoölferung aufjubringen, welche in $öhe bes bubgetmäfjigen 
Betrages burdh ben Seichstan3ler ausgeschrieben werben, 3nfoweit biefe Seträge in ben 
Überweisungen ferne Dedung finben, finb fie ben Sunbesftaaten am ßahresfchlu^ in bem 
Stafje 3u erstatten, als bie übrigen orbentlichen (Einnahmen bes Seichs beffen Sebarf 
übersteigen. 
(Etwaige Überfchüffe aus ben $ erfahren bienen, infoweit burd) bas ©efe# über 
ben Seichsl;ausi)altsetat nicht ein anberes bestimmt wirb, ;ur Dedung gemeinschaftlicher 
auprorbentlidher Ausgaben". 
§3. 
Ser bubgetmöfeige Setrag ber oon ben Sunbesftaaten aufgubringenben 9Jîatritu= 
Iarbeiträge foil in ber Segel ben Setrag ber oon ihnen in ben fünf Sorfahren burd)= 
Schnittlid; empfangenen Überweisungen nicht überfteigen. 
§4. 
Siefes ©efe^ tritt mit bem 1. 2lpril 1904 in Kraft. 
Urtunblid) ufw. 
©egeben ufw. 
Segrünbung. 
A. 3m allgemeinen. 
I. Das Sebürfnis einer anberweiten Orbnung ber Seichsfinangen h»l 1*4 Schon 
feit langer 3eit fühlbar gemacht, unb an wiebcrholten Ser{ud;en, 2Banbel ;u Schaffen, 
I;at es nicht gefehlt. (Es fei hiec 3unädhft erinnert an bie betreffenben beiben ©efehes= 
oorlagen, mit benen bie gefepebenben Körperschaften bes Seichs in ben fahren 1893/94 
unb 1894/95 (Seid)stagsbrudfad;e Sr. 51 oon 1893/94 II. Geffion unb Sr. 115 oon 
1894/95 III. Seffion) befaßt würben. 
Seibe ©ntwürfe oerfolgten i;auptiä&lt;hlid; ben 3#cd, einesteils im 3ntcreffe ber 
ginangwirtSdhaft ber ©in^elftaaten ben gewaltigen, in ber beiligenben Tabelle Spalte 2 
bis 5 nachgewiefenen Sdhwantungen im Serhältniffc ber SRatriiularbeiträge ;u ben Über= 
Weisungen unb ben hürburd) bebingten we^felnben 2lnfprüd)cn bes Seichs an beren 
Haushalte ein 3^1 3U fetjen, anberfeits aber 3ugleid) bem Stetigen 2Bad;Sen ber Se(d)s= 
anleihen burd; Snfammlung unb Serwenbung oon Überfd;üfien 3ur Schulbentilgung wirb 
fam entgegen3uarbeiten. 
Seibe Sorlagen fanben nicht bie 3ufünumm9 bes Sepstags. 3 mm erhin hode 
ber ©ebante ber Serwenbung überfchüffiger Seichseinnahmen sur Schulbentilgung aud) 
im Seidhstage 2Bur3el gefaxt, unb auf feine ^nitiatioe würbe in biefer Sidjtung mit bem
        <pb n="87" />
        73 
©efeße nom 16. 2lpril 1896 (Seicßsgefeßbl. &lt;5. 103) menigftens für ein 3aljr ber erfle 
Stritt unternommen, um einer prattifcßen 3inan;reform näßer ;u tommen. 
Sadß bem Sorbilbe biefes erften Scßulbentilgungsgefeßes (fog. lex ßieber) mürben 
in ben folgenben 3 a fy*n weitere ©in;elgefeße oom 24. War; 1897 (Seicßsgefeßbl. S. 95), 
31. am; 1898 (Seicßsgefeßbl. S. 138), 24. War; 1899 (Seidjsgefeßbl. S. 189) unb 
oom 30. War; 1900 (Dîeidfjsgefe^bl. S. 173) erlajfen, roelcße fitf) oon bem ©efeße oom 
16. 2ipril 1896 namentlid) baburd) unterfißieben, baß anftatt ber $älfte nunmehr brei 
Wertete ber überf(ßüffigen Übermeifungsfteuern ;ur Serminberung ber Seüßsfcßulb be» 
ftimmt mürben. 
Der praftifcße (Erfolg biefer (Ein;elgefeße mar infofern fein geringer, als fie bie 
Scicßsfcßulb im gan;en um 142900000 W., ;uglei(ß aber bie erßeblicßen S^mantungen 
;roifcf)en Watrifularbeiträgen unb Übermeifungen menigftens nad) ber einen Seite ßin 
minbern ßalfen. Sie maren aber auf bas jeroeilige Sorßanbenfein oon Überfdjüffen bei 
ben Übermeifungen bafiert unb mußten baßer oerfagcn, fobalb bie Wriobe foldjer Über» 
fcßüffe oorüber mar. (Erft bie ;ur §erftellung bes ©leidjgemicßts im Seicßsßausßaltsetat 
für bas Secßnungsjaßr 1903 beßßloffene 3uf&lt;ßlußanleißc im Setrage oon 72102415 W. 
rüdte bas Sebürfnis ber Scßulbentilgung mieber in ben Sorbergtunb unb oeranlaßte 
bas ©efeö oom 28. War; 1903 (Seicßsgefeßbl. S. 109), burcß meines — nocß roeit über 
ben Saßmen ber früheren leges Sieber hinaus — oom 3a^re 1902 ab nidßt blos ber 
oolle Weßrertrag ber Übermeifungsfteuern gegenüber bem ©tatsfoll, fonbern au&lt;ß ein 
etroaiger Überftßuß bes Secßnungsjaßrcs 1903 in ber eigenen Wirtfcßaft bes Seicßs ;ur 
tunlicßft rafcßen (Entlaftung bes Seidßsßausßalts oon jener Sintere Sermenbung finben 
foltten. Der finan;ielle (Effeft biefes Sonbergefeßes läßt ficß oorerft oerläffig nur infofern 
überfein, als fid) bei ben Übermeifungsfteuern bes Secßnungsjaßres 1902 ein Weßr» 
ertrag oon 8404813 W. ergeben ßat, um ben fid) ber 2lnleißebebarf bes Seidjs minbert. 
2für bas Secßnungsjaßr 1903 ift ber mutmaßli^e Weßrertrag ber Übermeifungsfteuern 
gegenüber bem (EtatsfoII oorläufig auf 21844000 W. gefd)ößt. Sollte biefe Sfßäßung 
;utreffen, fo mürbe mit bem SIblaufe bes Secßnungsjaßres 1903 bie 3ufcßußanleiße bis 
auf einen Seft oon 41853602 W. getilgt fein. 
Die Sausßalie ber Sunbesftaaten mürben burd) obige ©efeße unb bie 2Irt ißrer 
Slnmenbung nur infofern beeinflußt, als ben Sunbesftaaten bie Slusficßt, aus überfeßüf» 
figen Übermeifungsfteuern 3u®enbungen oom Seicßc ;u erlangen, meßr unb meßr ent» 
;ogen mürbe, fo baß ißnen fcßließlicß nur nocß bas mit ber 3unaßme ber Übermeifungs» 
fteuern maeßfenbe Sifito oerblieb, für etmaige Fehlbeträge aus eigenen Sanbesmitteln 
auffommen ;u müffen. 3m ©egenfaße ;u ber ausgefproeßenen Slbficßt bes 2IrtifeI 70, 
Saß 2 ber Serfaffungi) ift bie irjößc ihrer effeitioen Selaftung burd) bas Seid) nun 
tatfäcßlicß nießt meßr burcß ben im Scicßsetat feftgeftcllten „bubgetmäßigen Setrag ber 
Watritularbeiträgc, fonbern nur burd) bie in teiner Weife oorßcr;ufeßenbe 3fteinnat)me 
ber mand)erlei Scßmanfungen unterliegenben Übermeifungen begren;t. Daß ißnen I)ier» 
burd) eine ßalbmegs oerläffige (Etatsaufftellung unb georbnete @inan;mirlfcßaf! ungemein 
erfeßmert ift, bebarf teiner meiteren Darlegung. 
Der oorliegenbe ©efeßentmurf nimmt ben ©runbgebanfen ber Seformentroürfe oon 
1893/94 unb 1894/95 mieber auf. 2lucß er mill einerfeits ben 2lnfprücßen ber (Ein;el» 
floaten auf eine rationellere ©eftaltung ihres finan;iellen Serßältniffcs ;um Seid)e tun» 
ließft gered)t merben, anbererfeits bem bebentlicßen Slnmacßfen ber Seicßsfcßulb (fiche 
1) Wan oergleicße bie Serßanblungen bes tonftituierenben Seicßstags oon 1867. 
Stenograpßifcße Sericßie Sanb l, S. 622 ff.
        <pb n="88" />
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Spalte 12 ber Tabelle) burch eine Regelung entgegenarbeiten, tueld^e bauernben ©ha» 
rafter hat unb barum einen nachhaltigeren (Erfolg oerfpredhen biirfte als (Ein^elgefe^e. 
f’Die gegenwärtige Borlage unterfcfjeibet fid) aber oon ben früheren Beformentwürfen 
wefentlidE) babur^, bajj fie bie unleugbar oorljanbenen Übelftänbe an ber SBurgel fafet 
unb fie oon bort aus gu heilen fudE)t, wälfrenb jene (Entwürfe fidEf melfr gur Aufgabe 
gefetjt Ratten, bie nachteiligen golgeerfcheinungen tiefer Iiegenber Urfadfjen tunlichft auf» 
¡¡uneben. 
Sie unterfdfeibet fidE) ferner oon jenen älteren Borlagen auch baburdE), bafj fie 
nid^t begleitet ift oon umfaffenben neuen Steuerprojetten, um bas mangelnbe ©Ieichge» 
roid^t (poifdjen Slusgaben unb ©innalfmen im Beichslfauslfalte toieber herguftellen. Bei 
bem offne 3toeifeI beftelfenben bringenben Bebürfnis, aucff ffier 2Banbel gu Raffen, 
hätte an fid) ber ©ebanfe naife gelegen, audff biefe Borlage mit foIdEjen Steueroorfchlägen 
311 oerfnüpfen. Bllein bei ber augenblidlidE) nocfj beftetyenben Ungewißheit, ob unb in 
welchem Umfange bie Bfelfrerträge, roeldEje oon bem 3olItarife oont 25. Deßember 1902 
(Beidfsgefetjbl. S. 303) 3U erwarten finb, gur irferftellung jenes ©leichgewichts ausreichen 
werben, erfdEjien es angemefjener, ben Borgängen oon 183/94 unb 1894/95 in biejer 
§infidE)t nidft gu folgen. 
SEnbererfeits ift nidjt 3U leugnen, baß in ber gina^gefetjgebung bes Beidfs Bfängel 
3utage getreten finb, bie einer rationellen 2BirtfdE)aftsfüi)rung ^inberlidE) im SBege fielen 
unb beren Befeitigung fdEjon an fid) einen wefentlidjen Srortfdjritt bebeuten würbe. ß§ier= 
mit 3U warten, bis ber neue 3oIEtarif in ftraft tritt, befielt fein genügenber 2Inlaß. 3^ 
©egenteil erfdtjeint es, wie unten bes näheren bargetan werben wirb, als burdEiaus 
3wedmäßig, eine ßinangreform in biefem Sinne f&lt;f»on jeßt in bie SBege 3U leiten; benn 
folange bie SBurgeln bes Übels befielen bleiben, würbe auch eine bemnädfjftige Befferung 
ber ßinanglage faum oon Dauer fein. 
Die befteffenben Übeifiänbe bürfen aber rnolfl, abgefelfen oon ber aucf) heute noch 
nicht oollftänbig überwunbenen, weit über Deutfdjlanbs ©reu3en fpnausgreifenben un= 
günftigen wirfchaftlichen Sage, beren Befferung nicht in unferer ÜJlacEjt ftelft, hauptfädjlich 
auf 3wei Urfachen gurüdguführen fein: einmal auf ben Umfang, welken bie urfprünglidf) 
in feffr befdfeibenen ©ren3en gehaltene fogenannte ßrandcnfteinfche iUaufel allmählich 
angenommen hat, unb bann auf bie Belfanblung ber „Überf#ffe ber Borjahre" in 
Slriifel 70, Saß 1 ber Berfaffung. 
II. Bei bem ^nfrafttreten bes 3aIHarifgefeßes oom 15 3uli 1979 würbe ber 
3aßresertrag ber 3ölle unb ber Dabaffteuer auf etwa 170 SRillioncn Blarf oeranfchlagt. 
§ieroon füllten gemäß § 8 jenes ©efeßes 130 Bfillionen Bfarf ber Beicßstaffe oer* 
bleiben, wälfrenb ber Beft oon beiläufig 40 Blillionen SRarf gur Überweifung an bie 
Bunbesftaaten beftimmt würbe. Diefe Überweifungen waren einerfeits gebadet als 
eine ben @in3elftaaien gebülfrenbe billige Gntjdf)äbigung für bas ihnen feiten bes Beicfjs 
ent3ogene Bedft ber inbireften Befteuerung; anbererfeits aber follte babureß bem Bei^s» 
hauslfaltseiat bie einige bewegliche, ber jährlichen Bewilligung bes Beichstags unter» 
Iiegenbe ©innalfmequelle, bie SRatrifularbeiträge, erhalten bleiben. 
3n ber ßolgeßeit würbe bie grandenfteinfehe iUaufel auch noch auf bie (Erträge 
Branntweinoerbrauchsabgabc nebft 3uf(hiag (§ 39 2Ibf. 1 unb § 42 IV bes ©efeßes, 
betreffenb bie Befteuerung bes Branntweins oom fg 3uni 1895 ' ^eicßsgefeßbl. 1895, 
S. 276) unb ber Beidjsftempelabgabe (§ 55 bes Beichsftempelgefeßes oom 14. 3uni 1900, 
Beicßsgefeßbl. S. 275) ausgebehnt. 
Durch bie natürliche (Entwidelung ber 3oNeinnahmen unb infolge ber fpäteren
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(Erßößung einzelner Dariffäße, insbefonbere für (Betreibe ufro., bann burcß ben Sit^u* 
tritt ber Branntweinoerbraucßsabgabe unb ber Stempelabgabe 311 ben Überweifungs= 
fteuern nahmen biefe im Saufe ber 3 e ü einen Umfang an, ber bei bem (Erlaffe bes 
3olltarifgefeßes oom 15. guli 1879 unmöglich oorausgefeßen werben tonnte. Die Tabelle 
läßt in Spalte 3 unb 8 bas nähere erfeßen. $ierna^ finb bie Überroeifungen (Spalte 3) 
non 38,2 Blillionen Blarl im (Etatsjaßr 1880181 auf (mutmaßlich) 542 Blillionen Blad 
im Rechnungsjahr 1903 angewad)(en. gür 1904 finb fie auf 553,9 Blillionen Blad 
oeranfcßlagt. Bon oorübergehenben, 3um Deil redht beträdjtlid^en Gdjroanlungen abge= 
fehen, haben im großen unb gan3en auch bie Blatrilularbeiträge eine ähnliche Steigerung 
erfahren. 3 n ben leßten fünf 3ah ren (feit 1899) haben fie bie Überroeifungen regeb 
mäßig nicht unerheblich Übertritten (fiehe Spalte 4 ber Dabelle). Da nun bas Reich 
bei roachfenbem Bebarf unb guneßmenber Berfcßulbung ben (Ertrag ber Uberroeifungs= 
fteuern für ben eigenen Saushalt nicht entbehren tonnte unb besßalb barauf bebaeßt fein 
mußte, ihn in bie gorm oon Blatrifularbeiträgen tunlichft roieber 3urüd3uerßalten, fo 
ergab fid) hieraus bie golge, baß in roadhfenbem Blaße fchlicßlich Sunberte oon ¿Millionen 
Blad alljährlich oöllig 3roed= unb nußlos gwifeßen bem Reich unb ben Bunbesftaaten, 
roenn auch großenteils nur in ben Büchern, hin unb ßergefeßoben werben mußten. Bber 
nicht nur als ßwedlos erwies fieß biefe Sachbehanblung, fonbern aueß als einer georb= 
neten ginan3wirtfcßaft im Reich nnb in ben Bunbesftaaten birett abträglich. Denn ab= 
gefehen oon ben enorm hohen unb noch immer machfenben Beträgen, in welchen bie 
Bunbesftaaten ihre Blatrilularbeiträge bem Reiche oor3ufchießen hatten, mußte ein folcßes 
Spftem in Berbinbung mit bem burcß bas Bnwacßfen ber Überroeifungsfteuern im 3n= 
tereffe ber Berminberung ber Reicßsfcßulb noch weiter bebingten Sonbergefeßen 3U einer 
fchwer 3U reeßtfertigenben Steigerung ber Haftung ber Bunbesftaaten für Busfälle bei 
ben Überroeifungsfteuern 1) unb gu einer fortfehreitenben Berbuntelung bes Reicßshaus= 
halts felbft führen. Klarheit unb Durcßficßtigleit eines Saushalts bilben aber bas gun= 
bament einer oorausfeßenben unb fparfamen B3irtf«haft. 3 C mehr es bem Reicßsl)aus= 
halt an biefem gunbamente gebricht, umfomeßr wächft bie ©efaßr, baß goIge3uftänbe 
eintreten, welcße in einer 3unehmenben Bcrjcßulbung bes Reichs ober in einer Über-- 
Iaftung ber (Ei^elftaatcn mit Blatrifularbeiträgen ober auch in beiben ihren Busbrud 
fittben. Sieten tomrnt nod), baß burd) bie grandenfteinfeße Alaufel in ihrem gegenmär» 
tigen Umfange bem Reid)e hinficßtlicß ber etatsmäßigen Beranfcßlagung feiner wießtigften 
(Einnahmen auch bie erforberli^e Bewegungsfreiheit mangelt, ein Umftanb, ber fieß na= 
mentlich unmittelbar oor unb in ben erften fahren nadß gntrafttreten bes neuen 3olI' 
tarifgefeßes nod) befonbers fühlbar machen mußte, wenn es nicht gelingen follte, noch 
red)i3eitig oorßer SBanbel 3U feßaffen; benn bie Beranfcßlagung bes (Ertrags ber 3&lt;W e 
auf ©runb ber üblichen graltionsrecßnung wirb bann in oielen gallen oerfagen. 
Dabei bebarf es nicht ber gä^licßen Beseitigung ber] grandenfteinfeßen RIaufel, 
es genügt ißre Bufßcbung in Bnfeßung jener Überroeifungsfteuern, welche erfaßrungs-- 
1) Der § 15 bes neuen 3oIItarifgefeßes (fog. lex Drimborn), wonach bie lünftigen 
Bleßreträge gewiffer Raßrungsmitte^ölle nießt meßr an bie (Ein3elftaaten überroiefen 
werben, fonbern ßur ginan3ierung einer Brbeiter=, 2Bitwen= unb SBaifenoerficßerung 
Berwenbung finben folien, würbe nun allerbings eine relatioc Blinberung ber Scßwaw 
(ungen im 3ft ber Überroeifungsfteuern unb bamit auch eine enlfprecßenbe (Einfcßränfung 
bes Rififos ber (Ein3elftaaten 3ur golge haben. Bllein abfolut würben fieß infolge ber (Er= 
ßößung anberer 3allfäße unb ber natürlichen gortentwidelung ber 3öHe jene Scßroanfuw 
gen unb bas hermit oerbunbene Rifito aueß in ber golge boeß noeß fteigern müffen.
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gemäß ben größten Scßwantungen unterworfen finb — bas finb bie ßölle (einfcßließlicß 
ber Dabatfteuer) unb bie Stempelabgaben. Die Sranntweinoerbraucßsabgabe (famt 
3ufcßlag) tann als Überweifungsfteuer unbebentlid) befielen bleiben. Sie ßat ben Sor» 
3ug, in ißrem (Ertrag, insbefonbere and) gegenüber bem (Etatsfoll, nur geringen Scßwan» 
Jungen unterworfen gu fein, wesßalb es bei Sefcßräntung ber grandenfteinf^en Rlaufel 
auf biefe Steuergattung aud) befonberer gefeßlicßen Staßnaßmen ßinficßtlich überfcßüffiger 
Überweifungsfteuern ufw. nicßt meßr beburfte. Der Setrag ber Sranntweinoerbraucßs» 
abgabe beziffert ficß auf über 100 SDÎilIïonen Start, ¡teilt firf) alfo gegenüber bem Se= 
trage oon 40 Stillioncn Start, ber urfprünglid) bei (Einführung ber ßrandenfteinfcßen 
Stlaufel als beweglicher ßattor im Reidhsßausßalte gur SSaßrung bes (Einnaßmebewil» 
Iigungsred)ts bes Reichstags für ausreicßenb erad^let worben war, auf mehr als bas 
3weieinhalbfache. Sei einer Reform ber grandenfteinfdjen illaufel bie Sranntweinoer» 
braucßsabgabe unberührt gu taffen, bürfte fich aber aud) nocß aus bem ©runbe empfehlen, 
weil Säuberungen in biefer §infid)t ohnebies burcß bie ben fübbeutfcßen Staaten einge» 
räumten Sonbcrrecßte erfcßwert wären (§ 47 2Ibf. 2 bes Sranntmeinfteuergefcßes). 
III. ©emäß Srtitel 70 Saß 1 ber Serfaffung folien gur Seftreitung aller gemein» 
famen (orbentlicßen) Ausgaben oor allem etwaige „Überfd)üffe ber Sorjaßre" bienen. 
Die Seftimmung war feinergeit aus ber Serfaffung bes Rorbbeutfcßen Sunbes über» 
nommen worben. 3 n bem urfprünglicßen (Entwürfe biefer Serfaffung war fie nicht ent» 
halten. 2Bie bie Serhanblungen bes tonftituierenben Seichstags (Stenograpßifche Se» 
richte oon 1867 Sb. 1, S. 622 ff.) entnehmen taffen, war fie bas (Ergebnis oon Sefdjlüffen 
über ein Slmenbement, beffen Sorausfeßungen fpäter hinfällig geworben waren. Racß 
ber in ber Schlußberatung (a. a. £). S. 725) feftgeftetlten Raffung ber Srlitel 70 ber 
Serfaffung finb unter jenen „Überfdiüffen" nur über Sebarf eingegangene „reichseigene 
(Einnahmen", nicht aber etwa aud) über Sebarf erhobene „Statritularbeiträge" gu oer» 
flehen, welch Ießtere überhaupt nur fubfibiär „bis gur jrjöße bes bubgelmäßigen Setrags" 
burch ben Reidhstangler ausgefeßrieben werben follten. (Ein folcher Unterfdjieb würbe* 
jebod) in ber Scaiis tatfäcßlid) nicht gemacht ; cs würben oielmehr bemnäd)ft alle etwaigen 
Überfcßüffe aus ben Sorjaßren ohne Rüdficßt auf ihre ©ntfteßung bem übernächftjährigen 
(Etat als orbentlüße (Einnahme gugefüßri. Diefes Serfaßren würbe auch nach (Einführung 
ber grandenfteinfeßen ítlaufel beibeßalten, wiewoßl es fraglich erfdßeinen modßte, ob fortan 
bei ben reichseigenen (Einnahmen, bie ja bureß bie Überweifungen an bie Sunbesftaaten 
erßeblicß gefcßmäßlert waren, Überfcßüffe im Sinne bes Slrtitel 70 ber Serfaffung fid) 
überhaupt noch ergeben tonnten. Die Sunbesftaaten erßoben jebod) gegen bie einmal 
eingebürgerte Sadjbcßanblung ißrerfeits teinen (Einfprucß. (Erft als im grüßjaßr 1901 
gelegentlich ber Serßanblungcn über ben (Entwurf eines Scßulbentilgungsgefcßes für 1901 
aus bem Reichstage heraus ber Serfucß unternommen würbe, gu 3 u,e ^en ber Sennin» 
berung ber Reicßsfcßulb außer etwaigen Überfcßüffcn bei ben Überweifungsfteuern auch 
bie „Überfcßüffe in ber eigenen SMrtfcßaft bes Reicßs" ßerangugießen, würben gegen ein 
folcßes Sorgeßen oom SunbcsratstifEß aus (unter Hinweis uf Slrtitel 70 ber Serfaf» 
fung) Sebenten erßoben unb würbe geltenb gcmad)t, baß berartige „Überfcßüffe" in ber 
Dat nur über Sebarf erhobene Statritularbeiträge barftelltcn, auf beren bcmnäcßftige 
(Erftattung bie (Eingelftaaten einen oerfaffungsmäßigen Snfprucß hätten (Serßanblungcn 
bes Reichstags oon 1900/02, Stcnograpßifdje Sericßte Sb. 3, S. 2109ff.). Dies hatte 
gur Sfolge, baß ein Scßulbcntilgungsgefeß für 1901, bas übrigens in (Ermangelung oon 
Überfcßüffcn talfäcßlicß aud) wirtungslos geblieben fein würbe, nießt gu ftanbe tarn. Da» 
gegen fanb gwei 3aßre fpäter in bas ©efeß oom 28. Siärg 1903 (Reicßsgefcßbl. S. 109) 
im ©inoerftänbniffe mit ben oerbünbeten Regierungen, welcße biesmal ißre grunbfäßlicßen
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Bebenten gurüdtreten Iteren, eine Beftimmung Bufnahme, monad) gur Dilgung ber 3u= 
fdjußanleihe and) ein in ber eigenen ¡ffiirtfchaft bes ¡Reichs im ¡Rechnungsjahr 1903 ¡id) 
etma ergebenber Überfdjuß Berroenbung finben ¡olí. Diefe Borgänge legen bie Erroä» 
gung nahe, ob es fid) nicht empfehlen roirb, für bie 3ulunft bie 3Jlaterie abroeidjenb oon 
Brtifel 70 ber Berfaffung grunbfäßlid) neu gu regeln. 
Die bisherige Beljanblung fraglicher Über¡d)ü¡¡e hat ¡id) ¡ebenfalls nicht bewährt. 
Die orbentlidjen (Einnahmequellen bes ¡Reichs finb gum meit übermiegenben Deil fchroan» 
tenber ¡Ratur, unb es erroadjfen hieraus einer rationellen Seroirlfchaftung bes ¡Reichs» 
haushalts ohnehin fdfjon erhebliche Sdjmierigleiten. 3ene Sä)roantungen roerben aber 
noch gefteigert, bie Sdjroierigteiten nodh oerfchärft, menn auch nod) bie roechfelnben unb 
nur gufälligen Überfdhüffe oergangener 3 a ^ re iro @tat als orbentlidje Dedungsmittel 93cr= 
menbung finben. Solche Überfchüffe iönnen geitmeife, bei günftigen Aonjuntturen, eine 
beträchtliche $öl)e erreichen. Sinb bann anftatt ber Überfchüffe fpäterhin Fehlbeträge 
aus ben Vorjahren gu übernehmen, ¡o müffen ¡id) hieraus allein fdhon für bie Balance 
bes Etats bie ernfteflen Bnftänbe ergeben. Dritt nun infolge ungültiger Aonjuntturen 
noch ein SRüdgang bes Ertrags ber orbentlichen Einnahmequellen hingu, fo geftaltet fi&lt;h 
bie £age bes ¡Reichshaushalts nodh umfo bebenflicher. Welche Sdhmantungen fid) groi- 
fd»en ben Überfd)üffen unb Fehlbeträgen in ber eigenen ¡ffiirtfchaft bes ¡Reichs fd)on bis= 
her ergeben haben, tft aus ber Dabelle (Spalte 6 unb 7) auf eine ¡Reihe oon Fahren 
gurüd erfidjtlidj. ¡Rad) ber in 2lusfid)t genommenen Einfdhräniung ber F*andenfteinfd)en 
ítlaufel auf bie Branntroeinoerbrauchsabgabe mürben biefe Sdjroantungen burd) ben 
§ingutritt ber mechfelnben Erträge ber 3ölle unb ber Stempelabgaben nod) erheblich ge» 
ftcigert roerben. 2Rit bem ©runbfaß, auf rein gufällige oorübergehenbe Einnahmen 
orbentliche Ausgaben gu bafieren, tann aber fein Haushalt auf bie Dauer beftehen. Es 
fdheint baher bringenb geboten, ben SIrtÜel 70 ber Berfaffung in biefem Ißunlte gu 
änbcrn unb nach bem Borbilb anberer Berfaffungen etmaige Überfchüffe aus ben Bor» 
(ähren lünftig als Dedungsmittel bem außerorbentlidien Etat gugufüfjren, roo fie, ¡oroeit 
im Etatsgefeße nicht anbcrs beftimmt roirb, gur Berminbcrnng bes Bnleißebebarfs ober 
gur Sdhulbentilgung Berroenbung gu finben hätten. Um inbeffen bie roirtfame Bnroen» 
bung ber neuen Beftimmung auch oertaffungsmäßig gu fidjern, roirb gugleid) burd) eine 
roeitere Bnberung bes Brtitel 70 ber Berfaffung außer 3roeifel gu ¡teilen fein, bah bie 
Bunbesftaaten eine Erftattung ber über ben rechnungsmäßigen Bebarf geleiftelen Wa» 
trifularbeiträge nur inforoeit beanfpruchen tonnen, als fie bie Wittel gur fieiftung biefer 
Beträge aus ihrem eigenen Haushalte gefchöpft unb nicht in ber Form oon Überroei» 
fungen oom ¡Reiche ¡elbft empfangen hoben. Bnbernfalls mären bie Bunbesftaaten in 
ber fiage, auch auf Srftattung ber burd) Überroeifungen gebedten Watritularbeiträge, 
foroeit fie ben rechnungsmäßigen Bebarf bes ¡Reichs überfteigen, Bnfprüche geltenb gu 
machen. Fhre Bnertennung hätte aber gur Folge, baß rechnungsmäßige Überfdjüffe in 
ber eigenen ¡ffiirtfchaft bes ¡Reichs überhaupt nicht mehr gur Berftigung ftänben. 
IV. Das ¡Reich tft bei feiner Errichtung gunäd)ft burd) Überlaffung ber 3blle unb 
gemeinfamen Berbraud)sfteuern, bann ber Einnahmen aus ben Betriebsoerroaltungen 
finangiell ausgeftattet roorben. Später traten noch eingelne roeitere ¡Reichsabgaben hingu. 
Die ÜRatrituIarbeilräge roaren oon Bnfang nur als eine fubfibäre Einnahmequelle, als 
eine 3lrt ¡Rotbehelf gebacht, oon bem nur äußerftenfalls, roenn gur Dedung ber ¡Reichs» 
ausgaben bie eigenen Einnahmen bes ¡Reichs nicht mehr gureichten, ©ebrauch gemacht 
roerben füllte. Buch bei ber fpäteren Einführung ber Frondenfteinßhen Rlaufel roar ba= 
oon ausgegangen, baß bie als beweglicher Fattor im ¡Reichshaushalte fernerhin beigube» 
haltenben SRatritularbeiträge fid» bod) regelmäßig innerhalb ber ©rengen, ber ben Eingel»
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ftaaten 3ugebilligten Überœeifungen beroegen mürben. 2Bie bie Tabelle (Spalte 2—5) 
erfeßen läßt, mar bies nací) bem gnlrafttreten ber grandenfteinfdßen íüaufel mit roentgen 
Slusnaßmen eine lange 9îeii&gt;e non Saßren ßinbureß audß tatfäcßlicß ber gall. (Erft nom 
gaßre 1899 an mirb bie Selaftung ber ©ingelftaaten mit ungebedten SJÎatrituIarbeitrâgen 
gu einer fäßrlid) roiebcrleßrenben. SJlit (Einfluß ber ißnen bureß ben Gtatsentrourf non 
1904 auferlegten fieiftungen beziffert biefe Selaftung fidß im gangen auf 120 SÜZillionen 
9JIar!. Um biefen Setrag minbern ¡id) bie Sülittel, roelcße ben (Eingelftaaten außerbem 
gur (Erfüllung roießtiger innerer Aulturaufgaben, beren Zräger fie finb, gur Verfügung 
ftänben. (Es erfeßeint aueß im eigenften gntereffe bes Seicßs gelegen, eine folcße Se= 
laftung ber §aus^alte ber (Eingelftaaten nießt gur Siegel roerben gu Iaffen. Das nerfaf» 
fungsmößige Siéent, bie Sunbesftaaten mit SDÎatriluIarbeitrâgen gu belaften, foil bem 
Seid) audß naeß ber Sorlage grunbfätglidß gemährt bleiben. 9iber einer gefunben, giel= 
bemühten ginangpoliti! entfpridßt es, non biefem nerfaffungsmäßigen SRedjte nur aus» 
naßmsroeife unb unter möglidßfter Sponung ber irjausßalte ber (Eingelftaaten ©ebraudß 
gu maeßen. ©ine ßufage in biefer Sicßtung biirfen bie Sunbesftaaten non bem norlie» 
genben ©efetgentrourf umfo meßr ermarten, als er ißnen mit ber norgefdjlagenen ©in» 
fdßräntung ber grandenfteinfdßen RIaufel ein ißnen gefeßlidß gufteßenbes Siedet unb gu» 
gleidß bie 9Iusficßt entgiefjt, für bie in ben leßten gaßren geleifteten 3ubußen in fpöteren 
SJleßrüberroeifungen mieberum einigen (Erfaß gu erlangen. 
B. 3m eingelnen. 
Sadß ber bem ©efetgentrourf im oorfteßenben gegebenen allgemeinen Segrünbung 
roerben bie ©ingelbeftimmungen nur noeß roeniger ©rläuterungen bebürfen. 
3u § i. 
Diefe Sefiimmung enthält bie Slufßebung ber grandenfteinfißen iUaufel in 21m 
feßung ber Solle unb ber Zabalfteuer, foroie ber Stempclabgaben. Die Seftimmungen 
im § 39, 2lbf. 1 unb § 42IV bes Sranntroeinfteuergefeßes, monad) bie (Erträge ber 
Sranntroeinoerbraucßsabgabe unb bes Sufdßlags gu berfelben ben Sunbesftaaten gu über» 
roeifen finb, folien befielen bleiben. 
Die Slufßebung bes § 2 bes Sdßulbentilgungsgefeßes nom 28. 9Jlärg 1903 (Seicßs» 
gefeßbl. S. 109) erfdfjeint als ßonfequeng ber Slufßebung bes § 8 bes älteren SoHtarif» 
gefeßes unb bes § 55 bes Seicßsftempelgefeßes. Sacß ©infdßränlung ber grandenftein» 
fdßen Alaufel auf bie 93ranntroeinoerbraudßsabgabe ift nießt meßr barauf gu reeßnen, baß 
bie redßnungsmößigen Überroeifungen bas ©tatsfoll nod) roefentlicß überfteigen roerben. 
3" § 2. 
9Ibegefeßen non ben im allgemeinen Zeile bereits eingeßenb begrünbeten mate» 
riellen Sinberungen bes Slrtilel 70 ber Serfaffung finb in ber neuen Seftimmung nur 
noeß einige rein rebaltionelle Serbefferungen ber früheren Raffung oorgefeßen. 
Die ©rftattung überßobener ffllatrilularbeiträge (SIrtilel 70, 9Ibf. 1, Saß 3) ift in 
ber gornt ber SInredßnung auf bie ßeiftungen bes folgenben gaßres gebaut. 
Die gaffung bes 2Ibf. 2 mürbe gugleid) ¡geftatten, je nad) Sebarf über bie 93er» 
roenbung ber Überfdßüffe befonbere Seftimmung gu treffen. 2ludß bie ausnaßmrocife 
93erroenbung folcßer Überfdßüffe gur ©ntlaftung bes orbentlicßen ©tats muß oorbeßalten 
bleiben; fie bürfje aber nur inforoeit $!aß gu greifen ßaben, als bies gur Slusgleidßung 
ungeroößnlicß großer Sdßroanlungen bei ben orbentlicßen ©innaßmen erforberlitß erfeßeint 
unb bie billige Südfidßtnaßme auf bie £musßalte ber ©ingelftaaten es erßcifißt, roenn
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embers ber 3 tr)C(î ber oorgefdjlagenen Säuberung, auf tunlidjftc Sparfamleit im 5Retd)s= 
Ijausfyalt unb SRinberung bes Slnletljebebarfs ^ingumirfen, nid)t oereitelt werben foil. 
3u§3. 
Diefe Beftimmung bringt ben in 3iffer IV ber allgemeinen Begrünbung ent= 
widelten ©ebanfen in ber ßorm einer Direftioe für bie Slufftcllung unb Finanzierung 
ber lünftigen Beidjsetats in einer 2Irt gum Slusbrude, weldje eine in ber Berfaffung be= 
grünbeten ausljilfsweifen Belüftung ber Bunbesftaaten mit SRatrifuIarbeiträgen burd) bas 
Gtatsgefet} aud) für bie Folge in feiner SBeife oorgreift. Da^ nad) bem 3"kafttreten 
bes ©efetjes unter ben „Überweifungen" nur nod) bie (Erträge ber Branntweinoeraud)s= 
abgabe famt 3ufd)Iag gu oerfteljen finb, roirb einer befonberen irjeroorljebung faum bebürfen. 
3u § 4. 
Da bas ffiefetj mit bem 1. SIpril 1904 in Rraft treten foil, fo bleiben für bas 
Bcdjnungsjaljr 1903, insbefonbere aud) fjinftdjtlid) ber Berwenbung etwaiger Überfd)üffe, 
bie feitfjerigen Beftimmungen mafjgebenb. 
Um 3U einer irtiifdjen SBürbigung biefes ©efetjentmurfs unb 
ber Slbdnberungen gu gelangen, bie ber 9teid)stag ¡päter baran 
uorgenommen I)at, mu| man ¡id) ¿undent bie ¡et)r oermidelten 
©igen¡d)aften unb 2Biríungen ber SRatriíuIarbeitrdge mieber oer= 
gegenmdrtigen. Die¡e ¡inb er¡tens ein Slusbrud ber $Reid)S¡out&gt;e* 
ränetät gegenüber ben ©inzel¡taaten, gmeiiens ¡inb ¡ie bas einzige 
23etätigungsobjeft bes ©innaíjmebemilligungsredfts bes 9?eid)stags 
unb brittens bilben ¡ie bas einzige SCRittel, bie 23elaftung ber 23e= 
oolferung burd) bie inbireíien $Keid)s¡teuern burdj eine teilmei¡e 
5Ibroäl3ung auf bie meljr burd) birelte Steuern alimentierten 
©inzeiftaaten gu milbern. 
SInbercrfeits aber ¡inb aud) bie 9ftatriíularbeitrdge — unb 
met)r nod) bie Übermeifungen — bie finanziellen glluftrationen 
bes goberalismus, ben ber 33erfaf¡er ais beutfdjgefinnter patriot 
bis aufs 9Jle¡¡er beídmpft unb gleichzeitig, ¡o ¡onberbar bas in 
bie¡em 3ufammen^ang aud) mirlt, ¡inb ¡ie bie emige Quelle be= 
rcdjtigter Sorge für bie bunbesftaatlidjen ginanzmini¡ter. Darum 
bebauern mir, baft mir noi^ 9JlatriiuIarbeiträge ftaben, aber mir 
íonnen auf leinen gall barauf nervten, menn nicf)t burd) birefte 
Steuern ein 5íguioaIent ge¡d)affen mirb. 
Das 5Redf)t aber, SRatrifularbeiträge zu ergeben, müftte bem 
Dleid) ¡elb¡t in ¡olcfyem gal! gemährt bleiben, benn anbernfalls 
mürbe letzteres auf ein mistiges Souoeränetätsredjt — bas bes 
©ingriffes in bie partilularen Waffen — oerzidjten. 2Bir ftreben
        <pb n="94" />
        80 
in 1000 3Jiasï. 
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1880/81 
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1884/85 
1885/86 
1886/87 
1887/88 
1888/89 
1889/90 
1890/91 
1891/92 
1892/93 
1893/94 
1894/95 
1895/96 
1896/97 
1897/98 
1898 
1899 
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1901 
1902 
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64146.8 
85203.9 
84827.3 
73955.3 
64040,2 
102 777,9 
119178.2 
170936.7 
207780.2 
215267.1 
301102.2 
316499.3 
316 301,8 
369036,6 
385433.3 
382 737,2 
399374,5 
419898.9 
454858.8 
489953.8 
527662.4 
570933,0 
580639.8 
565856,2 
577645.9 
38243.1 
68023,6 
83456.1 
85503,3 
105027,3 
115 792,3 
137056.7 
176324.0 
277801.2 
355033,9 
378914.5 
383377.3 
358925.1 
338758.8 
382 859,6 
400126.0 
414567.9 
433114.7 
467586.3 
476874.6 
508472.8 
555707.4 
556235.0 
542092.0 
553931.0 
25903,7 
17180,3 
1371,2 
30277,8 
2573,7 
13079,3 
19189.6 
15225.6 
24404.8 
23764,2 
23714.9 
m 
lit 
3JÏ. 
Dabei íjat bas SReámungs* 
jaïjr in ber eigenen 2Birt= 
fcfjaft bes SReidjs abge= 
¡#Io¡|en mit einem 
&amp; 
11548.0 
40987.1 
13014.4 
17878.5 
5387,3 
70021.0 
139766,8 
77812.3 
66878.0 
42623.3 
17388.8 
15193.4 
13215.8 
12727.5 
SJl. 
25077,1 
15743,5 
2347.7 
15148,2 
3951.2 
1140,0 
14200.0 
7172.2 
11869.7 
28467.1 
25357,4 
30576,9 
32487.1 
an. 
3ur ®#ulbentilgung. 
3ur Slbbiirbung cines 2inleií)e3uí&lt;í)u¡fes. 
3ur Serftärlung bes Betsiebsmitiel bes Meidfjsíjauptfúíie. 
®#a#ngsmei¡e. 5) Ma# bem ©atsentœurfe. 
12362,5 
1905.3 
5735.3 
17418.4 
22 352,2 
22886.5 
20383,7 
II 
II 
~ K 
U 
an. 
1932,6 
48422,8 
30722,5 
i) 20000,0 
i) 13000,0 
i) 50000,0 
i) 37 500,0 
1) 42400,0 
2 ) 30707,2 
8 ) 11682,8 
‘) 8404,8 
, ) 4 )21844,0
        <pb n="95" />
        81 
ober baí)in, bie 9teichsbefugni[[e gu erweitern, nicht [te gu 
[d)mälern. 
3n ben 9teid)stagsbebatien com Degember 1903 [inb neue 
©efidjtspunfte ïaum erwähnt worben. Die meiften SRebner waren 
[ich barin einig, bafj man auf ¡eben $all gu einer obligatori[djen 
Tilgung ber 9teict)s[chulben gelangen mü[[e, währenb bie Vorlage 
nur eine gelegentliche oorfieht, [ofern [idj nämlich rechnungsmäßige 
ilber[ci)ü[[e ber 3Nnnahmen über bie (£tatsfolIs ergeben. Da 
mehr oor ber £&gt;anb nicht gu erregen war, begnügte man [ich ba= 
mit, unb änberte an bem ®e[eßentwurf nur noch ben § 1, m= 
bem man, entgegen bem 9tegierungsentmurf, audj noch bie 9)tai[ä)= 
bottich 5 unb 23ranntweinmaterial[teuer ber ßranden[tein[^en 
MIau[eI unterwarf, biefe [onadj nur für ßölle, Tabat[teuer auf= 
hob, [o bah na ^ bem (Etat für 1905 immerhin noch 189 Millionen 
überweifungspflidjtig waren, benen 268 ^ SRillionen 9JlatriiuIar= 
beitrüge gegenüber treten, freilich werben biefe gum Teil infolge 
ber gün[tigen 9?echnungsergebni[[e für 1905 gurüctgegahlt werben 
tonnen. 
Das nach längeren $ert)anblungen er[t am 14. 9Jtai 1904 
publizierte, aber mit SRüctmirtung oom 1. 2íprií 1904 ab ausge= 
[tattete ©e[et} — parlamentan)*^ bie lex Stengel ober Heine 
ßinangreform genannt — erhielt enbgültig ben folgenben 2Bort= 
laut, ber, wie noch be[onbers bemertt [ei, ben 9JtatrituIarbeiträgen 
ben bur&lt;h bie 93erfa[[ung ur[prünglich gewollten prooi[ori[d)en (Eha= 
ratter nimmt, unb [ie gu einer befinitioen 9îei&lt;hseinri&lt;htung macht. 
©c[eh, betr. Mnbcrungen im ginangwefen bes Reichs. 
33om 14. Mtai 1904. 9to. 22, &lt;Rr. 4041, S. 169. 
2Bir SBilhelm u|io. 
§1. 
Die ®orfcf)rift über bie Überroeifung eines leiles bes (Ertrags ber 3öUe unb ber 
Dabatfteuer an bie Sunbcsjtaaten (§ 8 bes burd) bie Sefanntmadjung nom 24. 2Rai 
1885, 5R(5®. S. 111, üeröffentlid)ten 3°ntarifgeiet}es) wirb aufgehoben. 
Der ^Reinertrag ber iïRaifchbottid) : unb ®ranntmeinmaterialfteuer ift ben ein= 
Seinen SBunbesftaatcn nach SRafjgabc ber matritularmäjjigen Seoölterung, mit melier 
fie ;um Gebiet ber Sranttoeinfteuergemcinfchaft gehören, 3U übermeifen. 
§2. 
SIrtifel 70 ber Scrfaffung erhält folgenbe Raffung: 
©rottroolb, 3inan3¡i)[tem. 
6
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        82 
Slrtifel 70. 
3ur Seftreitung aller gememfd)aftlidE)en Ausgaben bienen junäd^it bte aus ben 
3öllen unb gemeiniamen Steuern, aus bem ©tfenba^w, S'# unb ïelegrapljenwefen, 
fowte aus ben übrigen Serwaltungsgwetgen fliefeenben gemetnfdfjaftlicf)en (Einnahmen. 
3nfowett bte Ausgaben burcf) btefe (Einnahmen ni&lt;i)t gebedt werben, ftnb fte burd) 
Setträge ber einzelnen Sunbesftaaten nad) ÜJla&amp;gabe tljrer Seoölterung au^ubrtngen 
weld&amp;e in §ö^e bes bubgetmäfeigen Setrags burd) ben Setd^stangler ausgefdjrieben wer= 
ben. 3nfoweit btefe Seiträge in ben Überweisungen feine 2)edung finben, ftnb fie ben 
Sunbesftaaten am 3&lt;4)resfd)luf3 in bem Slafje gu erstatten, als bte übrigen orbentlüijen 
(Einnahmen bes SRetdjs beffen Sebarf überfteigen. 
(Etwaige Überfdfjüffe aus ben Sorjaljren bienen, infoweit burd) bas ©efet} über 
ben 5Reicf)sl)ausI)altsetat nid)t ein anberes beftimmt wirb, ¡jur Dedung gemeinfdtjaftlidjer 
auf3erorbentlid)er Ausgaben. 
§3. 
Diefes ©efet} tritt mit SBirfung oom 1. 2lpril 1904 in Araft. 
UrfunblidE) ufw. 
(Es Ijatte ficij, tote ber Sergleid) bes ©efetjes mit bem (Ent= 
wurf ergibt, ber ¿Reid)stag alfo nicljt mit ber Sefdjräntung ber 
granctenfteinfdjen ftlaufel auf bie Sranntweinoerbraucfysabgabe be= 
fliehen, fonbern er ijatte aud) bie Sranntweinmateriab unb ¿IRaifd^ 
bottid)fteuer tjineinbegogen, weil it)m ber Soften oon SR. 100000000 
3U tlein erf^ien, als Urfadje für gegenüberfteljenbe SRatritular* 
beitrage in gleicher £ölje. ¿Man wünfdjte minbeftens 200 ¿Mil= 
Iionen ¿Mart ¿Matritularbeiträge als beweglichen gattor gu bemalten. 
Sebentlid) an bem ©efetj toar bie ¿Aufhebung bes Sdjulben* 
tilgungsgefetjes oon 1903, meines — eine ©elegen^eitsma^regel 
— ben 3mec! oerfolgte, bie fogenannten 3ufd)uf}anleil)en gu be= 
feitigen, unb in biefer ¿Ridjtung aud^ tatfödjlidj günftig gewirtt i&gt;at. 
(Es mufften in biefem galt alfo bie 3 n to e ff en bes 5Keici)s 
ifinter bie ber Sunbesftaaten gurücttreten. 
3m übrigen ftellte fid) bie lex Stengel als eine [et)r prooi= 
forifdje ¿Maßregel heraus, inbem toeber bie ¿Regelung ber ¿Matrb 
tularbeiträge, nodj bie nidjt obligatorifdje, auf 3ufallsergebniffe 
angetoiefene Sdjulbentilgung auf bie Dauer befriebigen tonnten. 
Das 3a^r 1904 forberte bod) toieber oon ben (Eingelftaaten 
40 3 / 4 ¿Millionen ungebeefte ¿Matritularbeiträge, unb 1905 gar 
79 ¿Millionen (bie allerbings, toie fd)on erwähnt, gum Deil gurüdt= 
gejault werben). 
Um gu geigen, wie fid) biefe ¿Matritularbeiträge auf bie (Ein= 
gelftaaten oerteilen, unb wie feljr fie in beren Subgets ftörenb
        <pb n="97" />
        83 
eingreifen — ißrer pro Mopf angenommenen Verteilung eutfpre= 
eßenb |ogar am ftöreubfteu in ben ärmeren Vunbesftaaten, geben 
mir naä)|te^enb (fieße S. 84—85) eine 3ufammeuftelluug, meiere 
bie ungebeten Vtatrifularbeiträge, beren Verhältnis gu ben ge= 
¡amten orbentlicßen (Einnahmen ber Vunbesftaaten unb beren C£in= 
rnoßnergaßlen geigt. 
2Bie nach bem ©efagten oorausgufeßen mar, unb tatsächlich 
feinen einigermaßen in bie Veicßsfinangangelegenßeiten einge= 
meihten überragen fonnte unb überragte, mar bie Heine ßinang= 
reform, melcße mit Steuerplänen nicht oerbunben mar, nur bas 
Vorfpiel 3U einer größeren Vftion, mit ber Deutf^Ianb im 3aßre 
1905—1906 beglüeft merben follte. $atte grßr. oon Stengel oon 
einer Stärfung ber Vcicßseinnaßmen 1904 noch 5lbftanb neßmen 
gu fönnen geglaubt, um feine meßr ben (Eingelftaaten gu gute 
fommenbe erfte Veform nießt gu gefäßrben, fo ßolte er bas Ver= 
fäumte nunmeßr naeß, inbem er im £erbft 1905 gleicß ein ganges 
Steuerbufett präfentierte — ein Vufett, beffen Vofen fieß freilich 
bureß einen auffallenben Veicßtum an Dornen ausgeießneten. 
Slnerfannt oerbient babei gunäcßft bie große Sorgfalt unb 
©rünblicßfeit gu merben, mit ber bie Vegiernng aueß biefen ©e= 
feßentmurf gu begrünben unb gu erläutern fueßte. Der (Entmurf 
mit ber Vegrünbung füllt nießt meniger als 147 große gmeifpaltige 
Duartfeiten unb entßält oiel äußerft interesantes ^Raterial. 
Die Vücfficßt auf ben beßßränften Vaum gebietet uns im 
beffen, unfern liefern baraus nur bas mießtigfte mitguteilen. 
Der Vegrünbung bes „©efeßes, betreffenb bie Crbnung bes 
Veicßsßausßalts unb bie Tilgung ber Veicßsfcßulb", bem Veicßs= 
tage oorgelegt am 28. Vooember 1905, entnehmen mir bas folgenbe: 
Die „(Einleitung" beginnt mörtlicß: 
Die Sereitjtellung ber für ben finanziellen SBebarf bes SReichs erforberlidjen 2RiticI 
bol fid) in ben lebten fahren ungemein fchroierig geftallel. Die gehlbetröge im 5Reid)s. 
hausíjalíe, melchc nach ben nerfaffungsred)tlid)en SBeflimmungen burch ïRatrifuIarbeitrage 
ber Sunbesftaaten zu beden gemefen mären, hoben, nom ^Rechnungsjahre 1901 an auf= 
wärls fteigenb, feil 1903 eine foldje £jöhc erreicht, bah ben SBunbesftaaten bie foforlige 
fieiftung bes aollen Setrags nicht mehr zugemulei merben ionnte, faille nicht insbe[on= 
bere für bie roirtfchafllicb fchmädieren unter ihnen bie finanzielle gnanfpruchnahme für 
bas SReich zu einer Zerrüttung ber eigenen Finanzen unb bamit ber finanziellen Selb* 
flänbigteit führen. 
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        84 — 
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Vían fieïjt, bas íjauptmotiu bes Veidjsfdjatjfelretärs ift aud) 
í)ter wieber rrteíjr bie Vüdfid)t auf bie (Einzelftaaten, ais ¿te auf 
bas Veid) felbft. 
Die Vegrünbung menbet ftdf) bann zu einer lurgen 93eleud)= 
tung ber finanzwirtf^aftlic^en ¿ntmidlung ber lebten 3^re, unb 
ermähnt bann bte neuen Aufgaben bes Veieis, beren finanzielle 
(Erforberniffe im einzelnen eingeljenber be^anbelt inerben. (5s 
finb bies: 
a) Der (djronifdje) geljlbetrag im Reidjsíjausíjalt. Dazu füf)rt 
bie Vegrünbung folgenbes aus: 
„Um 3U einer 3utreffenben Sdjätjung besjenigen Betrags ;u gelangen, melier gur 
Balancierung bes SReühsijaushalts mit ben ber SReichstaffe nerbleibenben Ginnahmen 
fehlt, i|t es erforberlidj and) bie 5Rad)trags états ;u berüdjid)tigen, ferner bie Beftimmung 
bes neuen Slrtitels 70 ber Berfaffung über bie $Rid)teinftellung etwaiger Überfchüffe in 
bie orbent!id)en Ginnahmen gleichfalls auf bie ^Rechnungsjahre oor 1904 anguwenben unb 
enblid) etwaige Fehlbeträge im 3ft nicht erft bem gweitfoigenben, fonbern fdjon bem» 
fenigen (Rechnungsjahre ßur iiaft ;u (teilen, in welchem jie entftanben finb. Danach 
ijaben bie Fehlbeträge ber Bed^nungsjahre 1901—1905 nach ben Gtats in runben Summen 
betragen': 
Die Vegrünbung erwäljnt je^t, bajz bie Xatfad)en ben Rei^s= 
tagsanfätjen infofern nidjt immer entfprodjen Ijaben, als bie an 
Stelle ber Regierungsanfd)Iäge eingefetjten (Einnaljmepoften nic^t 
immer in bem Umfange eingegangen finb. Unter Verüdfidjtigung 
ber tatfädjlidjen (Ergebniffe ¡teilen fidj folgenbe effeltioen geljlbe= 
träge heraus in Millionen Vlarï für: 
Da ferner, wie bie Vegrünbung fortfäfyrt, bie Rnmelbungcn 
(feitens ber Reffortbeljörben) zu ben (Statsuoranfdjlägen ftänbig 
in gewaltig wadjfenbem Ria^e wieberïeïjren, aud) wenn fie im 
Reidjstag geftridjen waren, fo iönne man jene Rbftridje nidjt als 
(Erfparniffe, fonbern nur als Vertagungen oon Ausgaben gelten Iaffen. 
3m 3ahre 
1901 
1902 
1903 
1904 
1905 
Bach bem com Bunbesrat 
uorgelegten Gtatscniwurf 
80,9 
57,1 
75,— 
83,4 
122,- 
SRillionen Wart. 
Bad) bem nom Beicïjstag 
t»erabf«i)iebeten Gtatsentmurf 
80,9 
22,6 
52,1 
45,8 
78,— 
1902 
1903 
1904 
53,3 
63,8 
56,1
        <pb n="100" />
        87 
3m gangen [teilt [id) ber gehlbetrag auf 80—90 Willionen. 
liefen Ausführungen wirb man [eine 3u[timmung ntdf)t oen 
[agen tonnen. 
3m Untertitel b beljanbelt bie Sdjrift bie 
Tilgung ber Aeichsfdjulb, 
inbem fie aud) ^ier gunäd^ft einen I)i[tori[d)en Südblid gibt, ber 
[id) mit bem oon uns ton gegebenen Silbe ber (Êntwidlung 
bedt. 2Bir entnehmen ihm bie nadjfteljenbe tabellante Darftel- 
lung ber (Sntwidelung ber Aeichstulben: 
X&gt;ic Stfiulb ift gefticgen 
9?edE)nungsial)r um auf 
1877/78 72,2 72,2 
1878/79 66,7 138,9 
1879/80 79,2 218,— 
1880/81 49,7 267,8 
1881/82 51,5 319,2 
1882/83 29,7 348,9 
1883/84 24,2 373,1 
1884/85 36,9 410,— 
1885/86 30,— 440 — 
1886/87 46,2 486,2 
1887/88 234,8 721,— 
1888/89 162,8 883,8 
1889/90 234,2 1118,— 
1890/91 199,8 1317,8 
1891/92 367,8 1685,6 
Die Sdjulb ift geftiegen 
SRetfmungsjaljr um auf 
1892/93 55,3 1740,8 
1893/94 174,9 1915,7 
1894/95 165,5 2081,2 
1895/96 14,— 2125,3 
1896/97 16,— 2141,2 
1897/98 41,— 2182,2 
1898 40,7 2223,— 
1899 75,5 2298,6 
1900 97,1 2395,6 
1901 417,9 2813,5 
1902 —, 2813,5 
1903 290,— 3103,5 
1904 100,— 3203,5 
1905 340,— 3543,5 
Millionen Wart. 
Diefe Tabelle mag gleidjgeitig bie nötige 3nu[tration gu um 
fern Ausführungen über bie Äeid)sf&lt;hulben im erften Xeil unferes 
Süd)Ieins liefern. 
75ie Segrünbung roeift in ihrem weiteren Fortgang barauf 
hin, bajg bereits [eit 1901 grunbföhlid) nur nod) bie folgenben 
Ausgaben auf Dedung aus Anleihemitteln oerwiefen worben [inb: 
1. geftungsbauten unb militante (Eifenbahnanlagen.
        <pb n="101" />
        2. Ausgaben für bte 2Beiterentmidtung ber SWarine, bet 3&lt;í)tffs= 
bauten ber über 6 °/ 0 bes Sdjiffsbauwerts ber glotte hinausgeßenbe 
23ebarf in ©eftalt eines 3uScßuSSes bes außerorbentlicßen (États (bies 
bebeutet alfo, taufmänniScß gebrochen, eine Abfcßreibung oon 6°/ 0 
auf ben 2Bert ber glotte, toas uns näßt eben reichlich erfd^eint!) 
3. Ausgaben ber (EiSenbaßnoermaltung für getoiffe Aeu= 
anlagen. 
4. Ausgaben für Anlagen oon Telegraphen unb gernjprecf) 5 
linien, Soweit Sie über ben regelmäßigen Ausbau ßinausgeßen. 
Tiefen ^3ringipien, wenn Sie au^ nicßt über jebe üritiï er. 
haben Sinb, wirb bodj ein erhebli^er 2Biberfpru&lt;h taum entgegen 
gu feßen Sein, unb ebenfowenig ben nun folgenben Ausführungen 
ber 23egrünbung, bie bartun Sollen, baß bie Befolgung ber obigen 
©runbfäße allein bas Aeicß nid)t oon ber burdj frühere Anleihen 
gef^affenen Scßulbenlaft befreien wirb, baß bagu oielmeßr eine 
gejeßlid) feStgelegte regelmäßige Sdjulbentilgung erforberlicf) \\t 
2öenn ber (Entwurf biefe mit 3 / 5 °/ 0 , gleidf) einem jährlichen Auf= 
wanb oon 21 % Millionen Sülari oorfd)Iägt, So hält bie SBegrüm 
bung bas für bas 9)linbefte, unb Stellt für bie 3u!unft eine (Er= 
hößung bieSes ^oftens in Ausjicht. 
2ßenn man auf ©runb bes bisherigen TurdjScßnittes oon 
122 Millionen jährlicher Sdjulbgunahme in bie 3uiunft blicft, So 
wirb man troß jener Tilgung no&lt;h mit einem jährlichen weiteren 
Anwachsen ber Aeicßsfdjulb oon 100 Millionen gu rechnen hoben! 
Tie Tilgung Sollte bodj, wenn Sie wirtSam Sein Soll, minbeStens 
ber burchSchrcittlidjen gaßresgunaßme, begrn. ber ßeute gleich ßoßen 
Aerginjung gleidjíommen! 1 ) 
Tie weiteren Titel c—k, meistens militärische gorberungen 
betreffenb, bie alle mit (Erläuterungen oerSeßen Sinb, brauchen wir 
ßier nur turg gu erwäßnen. gm gangen Stellt Sich bie in ber SBe= 
grünbung gegebene 
l) 2Iuf ©runb ber ¡eit 9Zieber¡d)rift bes obigen beiannt geworbenen ©rgebni¡¡e 
ber neuen Steuern fann man bereits ¡agen, bajj ii)r finanzieller (Effelt lein berartiger 
ift, bajf babur# eine grunbiätjlidje Sinberung in ber Slnleifjepolitif bes 5Heid&gt;es ermi)g= 
Ii$t werben wirb.
        <pb n="102" />
        89 
3ufammenfaffunng ber SBebarfsberecíjnung 
tote folgt: 
a) 23efeitigung ber ftänbigen Unterbiíang. . 
b) Sd)ulbentilgung 
c) (Entlüftung bes ^noalibenfonbs, minbeftens 
d) 23efeitigung bes (ßerfonalferoifes „ 
e) Regelung bes 95lilitärpenfionswefens „ 
f) (Erhöhung ber Sät}e ber 9ïaturaloerpflegung 
etwa 
g) (Erhöhung bes 9ïatural*Quartierferoifes in 
ben unteren 2lmtstlaffen ettoa . . 
h) Slufbefferung bes ÏBohnungsgelbgufchuffes 
für Unterbeamten, minbeftens . . . 
i) Durchführung ber (Erhöhung ber Gebens* 
präfengftärfe, fotoie ber gefe^Iichen 
$eftlegung ber gweijährigen Dienft* 
Seit, ettoa 
k) 33erftärfung ber 2Beí)rfraft bes (Reichs gur 
See, ettoa 
80—90 Millionen 
21,260 
10,9 
1,48 
18,— „ 
1,58 
0,232 
6,24 
30,— 
76,24 
gufammen: 245932000 SOI. 
bis 255 932000 „ 
3m $all ber 23ereitfteIIung ausreidfjenber neuer (Einnahmen 
gur Dectung biefer ^ SRilliarbe hofft bie (Reichsregierung infolge 
bes natürlichen tociteren SBachstums ber (Einiünfte aus ben bis* 
Jjerigen Quellen gwar bei fparfamfter 2Birtfchaft aud) ben übrigen 
Aufgaben bes Reichs geredet toerben gu tonnen, madjt aber hoch 
3toei bemerienstoerte Ausnahmen, für bie fie fi&lt;h in [ehr oorfich= 
tiger gorm bie gorberung weiterer SPÎittel oorbehält. (Es finb 
bies bie ca. 27 Millionen Slnforberungen an ben (Reid)sinoaliben* 
fonbs, bie im 3°^ re 1910, wo biefer aufgegehrt fein wirb, auf 
bas SReich übernommen werben müffen, unb bie ebenfalls fehr 
notwenbige (Erhöhung ber ¡¡Betriebsmittel ber ÍReichsfaffe. fietjtere 
ift freilich in %egug auf bie 3eit nicht bringlid), ba fidj bie Reichs* 
tnffe mit Sdjahanweifungen helfen fann, aber biefer 2Beg ift bes 
hohen Disfonts wegen recht foftpielig.
        <pb n="103" />
        90 
Der ^Ibfdjnitt 6 ber SBegrünbung befdjäftigt [id) mit ben 
neuen Steuern. Son ben oorfteljenb ermähnten 250 SJtillionen 
ginangbebarf i)offi bie Regierung eltoa Vio aus ben infolge bes 
neuen Xarifs gu ertoartenben Ijöljeren 3oIIeinna^men beden gu 
tonnen. 
(Es ftnb freilich in 2Birtlid)teit 70-80 SCRillionen Ijöljere 3oll= 
ergebniffe in 9lusjidjt gu nehmen, aber auf ©runb ber lex Xrim= 
born muffen ca. 2 / 3 baoon für 23erfid)erungsgwede gurüdgelegt 
werben. 
2Bir Ijaben Ijier alfo einSdjaufpiel, weldjes bas^erg jebes irgenb= 
wie mit finangwirtfdjaftlidjem Serftänbnis begabten Stannes mit 
Ijeller greube erfüllen wirb, namlid) bafj bas beutfcfye Sott jätjrlid) 
50 Stillionen Start Steuern begabten mu^ blofj weil es bem 3 en * 
trum gefallen ^at, aus rein agitatorifdjen ©rünben, wie wir nodj 
an anberer Stelle ausfüi&gt;ren, eine glei#ol)e Summe feftgulegen. 
(Es Ijeijgt bann in ber Segrünbung wörtlid) weiter: 
„Durch bte neuen Steuern bleiben immer noch 220—230 Willionen 3JlarI aufzu= 
bringen. Daf) biefe hohe Summe nidfjt burd) einen einzelnen Steuerzweig erbracht wer= 
ben lann, wirb feines weiteren 9lad)w eifes bebürfen. 
(Es galt baljer, fie möglichft nielen unb Ieijiungsfäljigen Schultern aufzuerlegen, 
um bie nun einmal nicht mehr nermeibbare erhebliche neue Selaftung ber Steuerzahler 
tunlichft geregt zu nerteilen. 
3u ihrer Aufbringung bebarf es aber ber Dpferwilligleit auf allen Seiten ber 
Seidfosbürger, fotnohl bei ben befi^enben Alaffen, wie bei ber großen Waffe bes beut= 
fdjen Solfes. 
Denn auch bie SBirfungen ber neuen Aufgaben bes 9?eicf)s lommen allen Ange= 
hörigen bes Seichs zu gute Sei einer burchgreifenben ginanjreform lieh fi&lt;h 
fomit eine Heranziehung audh ber ©egenftänbe bes ÜJlaffennerbraudjs, für Deutfdfjlanb 
alfo insbefonbere bes Sieres unb bes Dabais, fowic eine Heranziehung bes weitere 
Greife berührenben Serlehrs unb ffiüterumfat}es nidf)t zu umgehen. 3" allen gallen 
würbe aber herbei oerfudEjt, ben finanziell fdjwächeren Scrbraudjer im Serhältnis zu 
bem wohlfjaöenben Steuerzahler, fowie bie minber leijtungsfahigen ©ewerbetreibenbcn, 
foweit fold^e überhaupt in Witleibenfd&amp;aft gezogen werben, im ffierhältniffe zu ihren 
wirtf^aftlid) träftigeren Witbemerbern zu fdhonen". 
S3tc weit bas allerbings in ben ©efetjentwürfen ertennbar 
geworbene Streben ber Segierung, bie fd)wädjeren Schultern ge, 
ringer gu belaften, bei inbiretten Steuern überhaupt burdjfüljrbar 
ift, werben wir im nadjften Rapitel eingeljcnber erörtern. 
5jier werben wir uns barauf gu befdjrönien tfaben, turg bie 
Unterfd)iebe gwifdjen bem 9tegierungsentwurf unb ben oom 9teid)s=
        <pb n="104" />
        91 
lag b ef initio oerabfdjiebeten ©efeßen gu fixieren, ba ein tieferes 
(Eingehen auf ©inzeíheiten außerhalb bes ^Rahmens biefer Arbeit 
liegt, bie feine üritif gefe^geberif^er Details, fonbem nur eine 
foltfje ber bem SReichsfinanzfpftem gu ©runbe Iiegenben ^ringipien 
fein mill. 
a) Die Sraufteuer. 
Diefe lieferte in ben lebten fahren ©rgebniffe oon 40—50 
Millionen. Die 91egierungsoorlage mödjte aus bem Sierfonfum 
67 Millionen 9Rarf mehr herausziehen. 
Der § 3a bes (Entwurfes, begw. ©efeßes 
belaftet jeben Doppelzentner ber 
in einem Srauereibetrieb inner* 
halb eines ^Rechnungsjahres 
fteuerpflichtig werbenben Srau* 
ftoffe wie folgt: 
oon ben erften 250 dz 9R. 7.— 9R. 4.— 
„ „ folgenben 250 „ „ 8— „ 4.50 
500 „ „ 10.— „ 5.— 
oon ben folgenben 
2000 „ „ 11.— 1000 dz „ 5.50 
2000 „ „ 12.— 1000 „ „ 6.— 
oom bem ÍRefte „ 12.50 1000 „ „ 6.50 
1000 „ „ 7.— 
1000 „ „ 8.— 
1000 „ „ 9.— 
oon bem SRefte „ 10.— 
ÄRan fieljt, meid) gewaltige 5lbftrid)e ber 9?eidf)stag an biefer 
Steuer oorgenommen ^at, obwohl gerabe alfofyolíjaltige ©etränfe 
immer nod) am erften als geeignete Steuerobjefte gelten muffen, 
wenn fd)on bureaus inbireft befteuert werben foil. Sefonbers 
augenfällig ift bie günftigere Sehanblung namentlich ber mittleren 
Setriebe im ©efetj gegenüber bem ©ntwurf. 
2Bir muffen aber bod) bebauem, unb zwar ganz im ®tn s 
Hang mit ber ^Regierung, baß man nicht lieber aus bem Siere 
mehr herausgeholt hot, anftatt uns mit gabrfartenftempel unb
        <pb n="105" />
        92 
^ortoerppngen gu beglüden, roenn man, mas unserer Meinung 
nad) bas SRptige gemejen märe, nlci)t bie ©rb[d)aften ppr píte 
prangiepn mollen. 2lud) mären aus einer Reform ber 23rannt= 
meinjteuern (Slufpbung ber Liebesgabe) 40—50 Millionen gu 
píen gemejen. 
SBebenilp i[t bei ber 23rau[teuer ferner bie ©r[d)einung, 
baß ber auf bas eingelne ©las 23ier enlfallenbe Anteil ber Steuer 
erppng, ber freilid) an [id) nid)t gu pd) i[t, burd) ^Brauereien 
unb SBirte nad) oben abgerunbet mirb, moburd) eine meil größere 
ÄRepbelaftung bes Monjums entfteßt, als ber ©efeßgeber gemollt, 
bie überbies bem ^rioaliapital, nidf)t bem SKepe gu gute tommt. 
b) Die Xabaifteuer unb ßollerßößung 
ift nom ÜRepstag glatt abgelept, unb bamit finb 28 Millionen 
SOÎarï erpffter ©rtrag offen geblieben. 9Jtan iann fidf) beim Lejen 
ber 23egrünbung bem ©inbrud nicf)t entgiepn, baß allerbings in 
Deutpianb berXabal nod) mep bluten iann, benn bie 23ela[tuug 
oon 9JÎI. 1.17 pro Ropf ber SBeoölferung mit einer Steuer auf 
ein reines ©enußmittel i[t allerbings niebrig — niebrig aud) im 
SBerglep gu anberen ilulturjtaaten. 
Dapr iönnen mir bas ber 
c) 3igarrettenfteuer 
gu ©runbe Iiegenbe ^ringip einer ca. 10°/ 0 igen 3Bertbe[teuerung 
aud) npt oerbammen. $ier pt ber 9lepstag ben 9Iegierungs= 
entmurf, ber 9ftï. 3.— für 1000 23lättd)en ßigarettenpapier oor= 
[d)Iug, entpieben oerbe[[ert, inbem er bas ^Pringip ber geringeren 
23ela[tung bes billigem ©enußmittels ärmerer Greife bupgefüpt pt. 
d) Die Stempelabgaben. 
Die[er ©ejeßentmurf glieberte [p in folgenbe Zeile: 
1. Den Quittungsftempel neu gu Paffen gu einem 
fe[ten Säße oon 10 ^Pfg. für jebe 9JIÏ. 20 überfteigenbe Quittung, 
barunter aud) $o[tanmei[ungen. Die Regierung regnete auf einen 
©rtrag oon ca. 16000000 9Jiar!, unb oertrat bie Meinung, baß 
ber Stempel laum als läjtig im SSerïep empfunben roerben mürbe, 
ba oiele anbere Staaten ip aud) píten. ßrüpr in beut[d)cn 
23unbes[taaten eingefüpt gemejene Quittungsftempel pt man aber
        <pb n="106" />
        93 
abgejchafft, moI)I ïoum aus bem ©runbe, metí bie 23eoöIferung 
burd) [te an ein gu hohes Wag non Woljlgefühl gemöhnt morben 
mar. Dem ^Ret^slag gebührt gmeifellos ber Dan! bes ^ublifums, 
ba^ er uns menigftens non biejem „ftlebegejetj" frei gehalten hat. 
Alle bie[e Stempelabgaben finb ja bod) 23elajtungen bes 
Aerteljrs. Der 23erfel)r ijt aber fein ^ßrioatoergnügen einiger 
©rojjfapitalijten, fonbern er ijt, gum er^ebli^en Zeile menigjtens, 
ein Wittel gum (Ermerb. Durdj Äejteuerung ber (Ermerbsmittel er* 
jdf)mert man aber ben (Ermerb. ¿Richtiger erlernt es baljer, an 
Stelle ber (Ermerbsmittel, bie an jidj bem mit ober ohne (Erfolg 
um ben (Ermerb Arbeitenben jd^on fernere Aojten oerurjachen, 
ben (Ermerbserfolg gu besteuern, ¿rmerbserfolge finb aber nur ©in* 
tommen, Vermögen unb ¿Radjlajf. 
Wir oerurieilen aus bemjelben ©runbe ben 
2. ßrad)tur!unbenjtempel, ben ber ¿Reichstag in ber aus 
ber beigefügten Tabelle erjidjtlichen gorm ^at parieren Iaffen. 
Dagegen lernte er ben oon ber ¿Regierung oorgejdf)Iagenen Stempel 
auf ¿ßojtpatete ab, ber 5 ¿ßfg. auf 25 ¿Pfg.=¿]3adete unb 10 ¿ßfg. 
auf 50 ¿j3fg.=¿padlete betragen unb 17% Will. Warf (Ergebnis 
liefern jollte, mährenb bie Regierung oon gradjturfunbenjtempel 
23,1 Will, erhoffte. 
Das oon SBerie^rsfteuern im Allgemeinen gejagte gilt natür* 
lid) gang bejonbers oom 
3. Stempel auf ¿ßerfo nenfaljrfarten. Wenn anbere 
Staaten berartige rütfjtänbige Steuern ^aben, jo ijt bas für bas 
beutjdje ¿Reidj, bas bod) „in ber Welt ooran" jein mill, eigentlich 
fein ©runb, unjeren bemäljrten ©runbjat) bes billigen ¿Berfeljrs 
oufgugeben, trotjbem oie Regierung ihre ¿öorlage mit bem £in= 
weis auf bas Auslanb audj h^r gu oerteibigen juchte, fieiber ijt 
oud) biejer ©ntmurf It. beigefügter Tabelle ©ejetj gemorben. 
4. Die SBejteuerung ber ilraftfaljrgeuge ijt eine 3bee, 
mit ber man jid) im ^ringip mof)I einoerjtanben erflären fann. 
Aur oerlangt bie ©eredjtigieit, bajj bann aud) anbere £uiusfal)r* 
3euge mie (Equipagen, Dampf* unb Segeljachten ujm. gu einer 
Steuer herangegogen merben. 
Der (Ertrag ber Steuer mirb auf ca. 3 Willionen angenommen.
        <pb n="107" />
        94 
Die 2Ïnberungen, bie ber Veidjstag an ber Vegierungsoor= 
läge oorgenommen Ijat, bebeuten nun aber naturgemäß gang er= 
Ijeblidje Winbererträge, bte auf anbere Weife aufgebradjt werben 
mußten. 
Wan ridjtete baßer nod) 2 neue Vrten oon Stempelfteuern 
ein. Dies finb 
5. Der Stempel auf Vergütungen an 2Iuffid)tsräte, 
gemößnlid) Dantiemenfteuer genannt. Um nun ja nidf)t ben 
Vnfdjein gu ermeden, als ßanble es fid) ßier um eine 2Irt non 
©infommenfteuer, toas tatfädjlid) bodj ber galt ift, ßat man bie 
$orm einer Stempelung ber Vilangaufftelíung ber ©efellfcßaften 
gewählt. (Segen ben Stempel felbft ift nießts eingumenben, mir 
begrüßen ißn fogar als einen Stritt auf bem Wege gu bireften 
Veidjsfteuern, wenn bei ißm aud) nodj fdjücßtern bie gorm einer 
„Verfeßrsfteuer“ beibeßalten ift. 
6. 0at man bie fdjon befteßenbeStempelpflid)t berVftien 
weldje feit 1900 2°/ 0 betrug, auf folcße ©rünbungen ausgebeßnt, 
meiere über ißre 2lïtien feine Urîunben ausfertigen (fg. ungeborene 
SIftien). Wir finb oom Vftienftempel an fidf) gerabe feine befonbers 
warmen greunbe — ßat man aber ben Stempel für gebrudte 
Vftien, fo ift es nur geredet, audj bie ungebrudten gu oerfteuern. 
©erabe biefe letzteren finb nidjt im Verfeßr, bienen nidf)t bem ©r= 
werbe, fonbern finb als ©rwerbsrefultate meift in reidjen Familien* 
ßänben. Der Stempel wirb alfo nur feiten fdjwadje Steuerträger 
treffen. 
3m Übrigen bringen bie Vbänberungen bes Vörfenftempels 
einige längft erftrebte Verfeßrserleid)terungen, wenn audj nießt im 
gcmünfdjten Umfange. 
ginben fidj unter ben Stempelabgaben nun immerhin nod) 
einige, bie man nidjt bebingungslos gu oerbammen brauet, fo 
wenig fpmpatifdj eine berartige ©efeßgeberei aud) ift, fo oerbient 
bie fdjärffte Dppofition jenes ©efeß, woburdj bie ermäßigten 
Sofalportofäße ber ^oft für ^3oftfarten unb Drudfacßen befeitigt 
werben. 
Wir werben uns im nädjften Kapitel mit ber Vermenbung 
oon Staatseinrid)tungen als ginangquellen nod) eingeßenber be=
        <pb n="108" />
        95 
Huszug aus dem tarif zum Reicbaftempelgefetz. 
Ko. 
©egenftanb 
ber Befteuerungi 
Steuerfatj 
% I an. spfg. 
1 a) ^nlönbifdje Slftien u. bergl. 
b) Kuslänbifdje „ 
c) ÄU3EC 
(Einzahlungen barauf 
2 inlänbifdje für ben^anbel 
beflimmle 
a) Kenten u. Sdjulboerfd&amp;reb 
bungen 
b) auslönbtfdje bo. wenn non 
Staaten unb (Eifenbahnen 
c) SInbere auslänb. Kenten 
u. Schulboerfdjreibungen 
2 
2 Vt 
1 
0,6 
0,6 
1- 
1.50 
SInmerlung: 
©enuftfiheine, weldhe 
a) als (Erfatj erlofdjener 2Iftien 
ausgegeben werben 
b) alle übrigen 
1. inlänbifche 
2. auslänbifcfje 
3 3nlänbifd)e ÄommunaIeifen= 
bahnobligationen, fowie 
foldje oon föppothefem 
banten 
4 a) Aauf= unb fonftige 2In= 
fchaffungsgefchäfte 
1. SBertpapiere It. ¡Tarif 
Ko. 2 a, 2 b unb 3 
2. Slnteile oon bergred)tl. 
©ewerIfd)aff.(Auie)ufw. 
3. fonftige SBertpapiere 
It. ¡Tarif Ko. 1-3 
4. auslänbifchc Banlnofen 
unb fficlbforten 
b) fonftige Börfengefdjäffe 
0,2 
0,02 
0,1 
0,03 
0,02 
0,04 
0.50 
15.— 
20.— 
oom SBerte 
5 iiottericlofe 
a) inlänbif&lt;f)e 20 
b) auslänbifche 25 
Beregnung 
ber Stempelabgabe 
oom Kennwert 
per Stüd 
oom Betrage 
oom Kennwert 
per Stüd 
per Stüd 
per Stüd 
oom Kennwert 
oom SBerte bes gehanbelten 
©egenftanbes. ßm 2Irbi= 
tragegefchäft finb (Ermähi-- 
gungen oorgefehen. 
$ieroon finb befreit (Et- 
Zeugniffe aus eigenem 
Betrieb eines bes Ber= 
tragfdjliefcenben 
Bei a) oom Kennwert fömtl. 
fiofe, abzügl. Keidjsfteuer. 
Bei b) oon ben einzelnen 
fiofen.
        <pb n="109" />
        96 
5Ro. 
©egenftanb 
ber Befteuerung 
gracgturtunben im 3nlanb 
ausgeftellt ober »orgelegt 
a) Ronnoffemente im Bertegr 
mit bem fernen Stuslcmb 
b) bo. im 5Ral)oerteljr 
c) fonftige Ronnoffemente 
über gange fiabungen unter 
25.— 50t. gracgt 
über 25. 50t. grad)t 
galls Skiffe über 150 Ions 
unter 25 — 50t. gradjt 
über 25.— „ „ 
d) gradjtbriefe im inlänbifdjen 
(Eifenbagnoerlegr üb. 2Bag= 
gonlabungen 
grad)t unter 25.— 50t. 
„ über 25.— „ 
$erfonenfagrtarten auf in= 
länbifdje (Eifenbaijnen bei 
einem gatjrpreife »on 
megr als 0.60 bis 2.— 50Î. 
2*— 
5.— 
10 — 
20.— 
30.— 
40.— 
50 — 
, 5.- 
,10— 
,20.- 
, 30.— 
, 40.— 
. 50.— 
Sieuerfag 
% I 50Î. 5ßfg. 
III. 
m- 
5 
10 
20 
40 
60 
90 
140 
200 
1.— 
—.10 
Beregnung 
ber Stempelabgabe 
—.20 
—.50 
—.50 
1 — 
—.20 
—.50 
per Urtunbe ober Drans= 
portgefäfg, bodj »werben 
bei gang. Gdjiffslabungen 
folgenbe Säge erhoben: 
beigradjtunter^für Griffe 
25.— 50t. bas 
Doppelte ; 
bei größeren 
Beträgen bas 
günffacfje 
beigracijt unter 
25.— 50t. bas 
günffadje, 
bei größeren 
Beträgen bas 
3et)nfad)e 
unter 
200 cbm 
5Jtettoraum= 
geaalt 
für Skiffe 
über 
200 cbm 
galls üabegetoidjt bes 
5H3agens 
unter 5 Donnen bie §älfte 
10—15 „ bas lVafadje 
nebenfteijenber Säge, für 
jebe weiteren 5 Donnen 
£abegetoidE)t tritt bie £älfte 
bes Sages Ijingu. 
m 
II. 
WB- 
io 
20 
40 
80 
120 
180 
270 
400 
I. 
20 
40 
80 
160 
240 
360 
540 
800 
ttBagenllaffe »on jebem 
eingelnen gagrtaustoeis 
gür Dampf jd)iffe u. Bahnen, 
roeldje nur eine Klaffe 
führen, gelten bie Säge 
III. Klaffe, gür Dampf= 
fcgiffe mit mehreren KIaf= 
fen gelten bie Säge III. 
Klaffe für bie niebrigfie, 
unb bie für II. Klaffe für 
alle übrigen.
        <pb n="110" />
        mÊB 
— 97 — 
9îo. 
©egenftanb 
ber Sefteuerung 
8 a) ©rlaubnislarten für 5îrofl= 
fa^rgeuge gur $er|onen= 
beförberung 
1. Rrafträber 
2. Rraftmagen 
a) ni# melfr aïs 
6 ipferbeiräfte 
b) 6—10 
c) 10—25 
d) über „ 
3u 2. 2lls ©runbbelrag mit 
folgenben 3uf#ägen für 
jebeipferbelraft ober einen 
¡Teil baoon, roenn bas 
gal^eug befiel 
bis 3U 6 ipferbeträften 
6-10 
10—25 
barüber 
b) iHusIänbifdje Seiner 3a^Ien 
bei turgem 21ufentl)alt im 
3nlanbe folgenbe Sätje 
1. ürafträber für ni# 
länger als 30 läge 
2a) Arofiwagen 
bis 3U 5 lagen 
meffr als 5—30 „ 
Scrgütungen oon 2lftien=©e= 
fellf^aften, ©. m. b. 0, 
Aommanbitgefellf^aften 
auf Sitien in gorm oon 
ffietoinnanteil., ¡Tantiemen, 
©elfälter ufto. gejault an 
Slitglieber bes Suffi#s= 
rats. 
©efamte Sergütungsfummen 
unter 5000.— 2R. blei= 
ben frei. 
©ïotetoolb, SrinansMtem. 
Steuerfa^ 
% %R- m 
10.— 
3.— 
Berechnung 
ber Stempelabgabe 
Son jeber einzelnen Rarte. 
galls biefe ni# länger als 
4 Slonate gelten foil, er= 
mäßigt fi^ ber Setrag 
auf bie Hälfte, 
gaffrgeuge ;u gemerblidiem 
Serfonentransport unb 
foldje in beljörbl. Dienft 
bleiben frei. 
Son ber ©efamtfumme ber 
Sergütungen. 
Steuerpflichtig finb bie Si= 
langaufftellungen.
        <pb n="111" />
        98 
fcßäftigen, unb Ijaben an biefer 6teIIc nur barauf ßinguwei^en, 
baß es ber 9teid)spoftoerwaItung felber fef)r fonberbar oortam, mit 
&lt;J3ortoerIjöIjungen beglüdft gu werben, nacßbem cor einigen ßa^ren 
erft bie (Ermäßigung bes ßotatportos ber lereis gewefen toar, gu 
bem bie 2Iusbeí)nung bes ^3oftregaIs auf bie totalen ^rioatpoftcn 
gu Ijaben toar. 
Da ber SReidjstag bie (Einnahmen aus ben ^oftüberfcßüffen 
aber um ca. 2 5UtiIIionen tjötjer, als oeranfdjlagt toar in ben (Etat 
einfeßte, fo glaubte auci) ißrerfeits bie %Soft nicßt in ber fiage gu 
fein, auf bie ^ortoertjötjung gu oergidjten. Die fiinte bes SReidjs« 
tags propßegeite freilid) einen SRüctgang ber (Einnahme aus bem 
£)rtsoer!et)r, nacßbem bie 3a^re bes billigen fiotalportos gang er« 
f&gt;ebli(±)e (Einnatjmefteigerungen gebracht Ratten. 
Aie bie Xantiemenfteuer, fo begrüßen toir audj fdßließtidj bie 
(Erbfdfjaftsfteuer mit 23efteuerung auci) oon Sdjenïungen unter 
Sebenben als einen Sdjritt auf bem 2Bege gur bireften SReicßsfteuer. 
3m (Eingelnen ift an bem ©efeß, unb meßr nod) bem ur« 
fprünglicßen (Entwurf mandfjertei gu tabeln, g. 23. bie greißeit ber 
¿Regatten unb et)etilen Rinber oon ber Steuerpfticßt, toäßrenb bie 
unetjelicßen 6% galten, ferner oerbient bie fcßon im (Entwurf ent« 
tjattene unb oom ©efeß übernommene 23eftimmung fcßärfften Xabel, 
wonactj 5ßermäd)tniffe an üircßen ufw. nur 5% gaßlen folien, 
wäßrenb gerabe ber 2termögensübergang an bie tote $anb ©egen« 
ftanb einer faft bis gur Monfislation geßenben 23efteuerung fein 
foltte. ferner tft gu beiämpfen bie 23eftimmung bes § 1: 
„©egenftanb ber (Erbfcßaftsfteuer ift ber ©rwerb oon Xobes« 
wegen", unb gwar aus bem fetjr einfachen ©runbe, weit baburct) 
bie eingelnen (Erbfcßaftsteile, nicßt bie gange 9Zad)Iaßmaffe gur 23 e= 
fteuerung gelangen unb fomit in ©emäßtjeit oon § 10 bes ©e* 
feßes weit geringere finangietle (Ergebniffe liefern werben, als bie 
©efamtfumme auf ©runb ber %3rogreffion getan ßaben würbe. 
Daß aucß bie 2tgrarier es oerftanben ßaben, im 2tr. 16 für ficß 
ein (Estraprofitdjen gu fid^ern, inbem lanbmirtfctjaftlidje ©runbftüdte 
nidft nadß bem 23eriaufswerte, fonbern na^ bem (Ertragsmerte 
oerfteuert werben folien, oerbient bei unferen betannten 3uftönben 
eigentlich feiner befonberen (Erwähnung meßr. Oßneßin wirb burdj
        <pb n="112" />
        99 
§ 15, ber auch fd)on tm SRegierungsentmurfe enthalten mar, ben 
£anbmirten bereits ein Viertel ber Steuer geteuft. 
Der Tarif ber (Erbfchaftsfteuer lautet im ©efetj mie folgt: 
§ 10. 
Die C£rbfd)aftsfteucr beträgt: 
I. 4% 
1. für leibliche (Eltern; 
2. für ooll= unb halbbürtige ©efdnoifter, fomie für Slbiömmlinge erften 
©rates non ©efehtoiftern. 
II. 6 % 
1. für ©rofjeltern, entfernten ©orelten, 
2. „ Schu&gt;ieger= unt Stiefeltern, 
3. „ „ „ „ hinter, 
4. „ Slbtömmlinge gmeiten ©rates non ©efchmiftern, 
5. „ uneheliche oom ©ater anerfannte hinter unt teren Slblömmlinge, 
4. „ an iüntesftatt angenommene ©erfonen unt teren Slblömmlinge, 
fotoeit fich auf tiefe tie SBirlungen ter Sinnahmen an Rintesftati 
erftreden. 
HI. 8% 
1. für ©efdhmifter ter ©Item, 
2. „ ©erfd)mägerte im gmeiten ©rate ter Seitenlinie 
IV. 10% in allen übrigen gälten, ausgenommen lirchliche Sermächniffe (§ 12). 
Überfteigt ter ©Sert tes ©rmerbes ten Setrag oon 
20 000 ÜJlarl, fo toirt tas 1 Vio fache 
30000 „ 
50000 „ 
75000 „ 
100000 „ 
150000 „ 
200000 „ 
300000 „ 
400000 „ 
500000 „ 
600000 „ 
700000 „ 
800000 „ 
900000 ,, 
1 ©lillion „ 
ter im 2lbf. 1 beftimmten Sä^e erhoben. 
Der Schluß bes Paragraphen unb ber folgenbe § 11 ent* 
hält 23eftimmungen über (Ermäßigung unb Befreiung mm ber 
Steuer. 
Die ^Regierung berechnete bas (Ergebnis ihrer Vorlage auf 
ca. 72 Millionen 2Rarf, mooon 48 Millionen, glei^ %, bem Meid) 
7* 
l 2 /io 
l*/io 
l‘/io 
l 5 /io 
l 6 /io 
lVio 
l»/io 
l 9 /io 
2 
2 1 /io 
2 2 /io 
2 8 /io 
2*1 io 
2 5 /io
        <pb n="113" />
        100 
Zugute ïommen, wäljrenb x l s ben Tunbesftaaten oerbleiben foil, 
benen bis gum ßahre 1910 ihr bisheriger Durchfdpüttsertrag an 
©rbfchaftsfteuer allein aus ben reichsfteuerpflichtigen Kategorien 
gewährleiftet toirb. 
¿urá) bie Anbetungen bes ©efetjes im Teichstag ift ber ©r= 
trag nid^t unwefentlid), aber bod) nid^t ausreichenb, erhöbt roorben. 
3m ©angen regnete bie Regierung aus ihren Vorlagen ein 
Tefultat oon 230 Trillionen heraus, roöhrenb fid) nad) ben Teid)s= 
tagsbefdjlüffen nur 190 Trillionen ergeben bürften, infolge ber 
Ausfälle an Traufteuer, Xabaïfteuer, Ouittungsftempel. Tur&lt;h 
Ausbeljnung ber ©rbfdjaftsfteuer auf ©begatten unb Teszenbenten 
toare biefer gehlbetrag fofort gu heben getoefen. 
3)er ^Bericht ber Steueriommiffion bes Teidjstags beregnet 
bie (Ertrage ber bewilligten Steuern wie folgt: 
TZehrertrag ber Traufteuer 29 Trillionen Tïarï 
„ „ 3igarettenfteuer 14 
„ ber gradjturhmbenftempel 14 „ „ 
„ „ Perfonenfahrlartenftempels 50 „ „ 
„ ber Karten für Kraftfahrzeuge 3 „ „ . 
„ „ Vergütung ber Auffid)tsrats= 
mitglieber 10 „ „ 
„ „ ©rbfchaftsfteuer, Teichsanteil 48 „ „ 
„ „ Poftüberfdjüffe 12 „ 
3ufammen 180 Trillionen 
wozu nodj bet Stempel auf ungeborene Aftien tritt. 
Tiefe nun in Kraft getretenen Steuergefetje bilben Einlagen 
ZU bem bie eigentliche Teichsfinanzreform barftellenben ©efet}, 
betr. bie Anbetung bes Teidjshaushalts unb bie Tilgung ber 
Teidhsfdhulb oom 3. guni 1906, T©T. S. 620 (To. 31, Tr. 3248), 
bem fogenannten Trimtelgefetj, mit bem wir uns jetjt noch 3 U be= 
fdjäftigen hüben, ©s befteht aus 8 Paragraphen, oon benen ber 
erfte unb letjte bas gnirafttreten ber einzelnen Torf Triften be= 
hanbeln, welkes betr. bes gahrïartenftempels für ben 1. Auguft, 
betr. aller übrigen Torf^riften für ben 1. guli 1906 feftgefefct ift.
        <pb n="114" />
        101 
§ 2 beftimmt, baß alle ^Reineinnahmen aus ben oier ®e* 
[e^en ber Vei^staffe oerbleiben, fchliefct alfo bie ftrandfenfteinfche 
iUaufel aus, unb lä&amp;t nur ein Drittel non ber (Erbschaftssteuer 
ben Vunbesftaaten, mas gerechtfertigt iSt, meil eine (Erfchaftsfteuer 
in ben weitaus meisten Vunbesftaaten oorher beStanben hatte. 
§ 3 lautet: 
Ungebedle 2Ratrtfularbeiträge. Soroeil bie nad) 2Irl. 70 ber SReidjsoerfaffung non 
ben Sunbesflaaten aufgubringenben SCRatrifuIarbeiträge in einem 5Red)nungsjaf)re ben 
SoIIbelrag ber Übertoeifungen um meijr als 40 Pfennige auf ben Ropf ber Seuolferung 
überfteigen, roirb bie (Erhebung bes SRefjrbetrags für biefes SRedjnungsjafjr ausgefe^l. 
Sotoeil fid) ein foldjer SRefprbetrag aud) nad) SRedjnung ergibt, finbet beffen (Erhebung 
im bes brittfolgenben ^Rechnungsjahres ftatt. 
Damit bürfte bie Seit bem Veftehen bes tReidjs uergebens ge* 
Sudóte befinitioe ^Regelung ber 9Ratriiularb eiträge in ziemlich be* 
friebigenber SBeife gefunben fein. 9Ran hätte ja moljl für ge* 
rechter unb ¡jmedfmaftiger halten tonnen, wenn man bie Vlatrilu* 
larbeiträge bei biefer ihrer befinitioen Regelung nidjt mehr nadj 
ber Mopfgahl, fonbern nach bem Volfsoermögen ber Vunbesftaaten 
oeranlagt hatte, gumal man baburd) mertoolle, meil einheitliche 
ftatiftifche ©runblagen für eine Spätere $Reid)soermögensfteuer ge* 
funben hätte, aber ba fid) bie bunbesfiaatlidjen ^Regierungen So 
gufrieben gegeben haben, erübrigt es fid), päpstlicher als ber ^3apSt 
Sein 3u wollen. 
Dafj bie Vermehrung ber SRatritularbeiträge abhängig ge* 
macht wirb oon ben befinitioen tRechnungsergebniffen, unb eotl. 
ben Vetrag oon 40 %. pro 5topf überfteigenbe Summen erft im 
britten 3al)re eingegogen werben folien, ift im ^inblict auf bie 
2—3 jährigen (Etatsperioben oieler Vunbesftaaten oerftänblid). 
3ßarum biefe Vunbesftaaten in ben 35 fahren feit Veftehen bes 
Veicfjs aber nicht gu einjährigen Vubgetperioben übergegangen 
finb, wirb bamit auch nicht oerftänblidjer, fonbern bleibt fo un* 
fiar, wie es bislang war. 
§ 4 beftimmt — nach preufpfchem Vorgang — bah otinbeftens 
8 / 5 °lo bes Veid)sfchulbenbetrags jährlich gu tilgen finb. Dabei foil 
eine Vbfetjung oom VnleihefoII einer Sdjulbentilgung glei^gu* 
achten fein. 
Die Veftimmungen bes ©ejetes oom 14. 9Rai 1904 über bie
        <pb n="115" />
        102 
Sermenbung non Hberfdjüffen gut Sdjulbentilgung bleiben un= 
berührt. übrigen haben mir ber Sdjulbentilgung bei ber 
Sefpredjung ber allgemeinen Segrünbung f^on eingeljenber gebaut. 
§5,6 unb 7 enthalten Susfüljrungs*, Übergangs* unb Schluß* 
be[limmungen unb lammen für unferen 3med nidjt meljr in Setradjt. 
Südblidenb auf bie gange f$inangreform haben mir gu Ion* 
[latieren, bajg einige fragen ungelöft flehen bleiben: 
1. bie nidjt gebedten 40 Millionen bes ginangbebarfs, mie 
er ber Regierung notmenbig erfdjien. hierfür mirb Dedung nod) 
gu [Raffen fein, menn, mas laum angune^men, fold)e fid) nid)t 
burdj natürliches 2ßadjstum ber (Einnahmen einftellt; 
2. bie ungenügenbe Tilgung ber Seid)sf^ulben unb 
3. bie gemaltige Ungufrieben^eil bes ¿olíes mit einigen ber 
neuen Steuern, namentlich ber galjriartenfteuer unb ber nom 
Seidjstag als (Erfah bes ^oftanmeifungsftempels geraffenen 
&lt;PortoerIjöhung. 
Kapitel IV. 
©rundfätzUcbe Kritik an den indirekten 
Reicbefteuern. 
2ßir h^ben in ben brei norhergehenben itapiteln gefehen, 
meldje (Entmidelung bie Seid)sfinanggefet)gebung bis auf ben 
heutigen Zag genommen hat. 
Slit ber im norigen Rapitel befprodjenen großen Reform* 
altion riiefet bie britte ^eriobe ber ginanggefchid)te ab. 2ßas 
bie nierte uns bringen mirb, miffen mir einftmeilen nodj nicht ge* 
nau — eines fleht aber fd)on fehl feft — fie mirb ein geleitet burdj 
eine nid)t gu unter[d)ät}enbe (Erbitterung ber Seoöllerung über 
bie fo [ehr oermehrten, bie materiellen ^ntereffen bes (Eingelnen 
aufs empfinblid)[te berührenben unb auch tatfäd)lid^ ben ärmeren 
Zeil bes Solls fdjmer brüdenben inbirelten Steuern. 
2Bir haben im übrigen gefehen, baff bie Seichsausgaben 
ftänbig machfen, unb es ift nidjt gu ermarten, bah 3ulunft 
uns barin eine mefentlidje Snberung befdjeren mirb. 2Bir mer*
        <pb n="116" />
        ben im neideten Capitel [ogar giffernmäßig nadjmeifen, baß mir 
n °ä) mit erheblichen Mehrausgaben gang beftimmt gu reinen 
haben roerben, unb in Büdficßt barauf haben mir gu prüfen, ob 
bie bisherigen (Einnahmequellen bes Beidjs noeß [tarier in 21m 
fpru^ genommen merben iönnen, ober ob man barauf bebaeßt 
fein mu^ gang neue gu erfcßließen. 
(Bs geht aus bem in ben oorigen Kapiteln (Besagten oor 
allem bas fiar heroor, baß eine Steigerung ber Beicßseinnaßmen 
ni(^t gu ermöglichen ift bureß eine erneute fcßärfere SInfpannung 
ber Matrifufarbeiträge, unb ebenfomenig burdj Beibehaltung bes 
bisherigen „^umpfpftems", um einen menig frönen tarnen für 
eine folcße Sache gu gebrauchen. 
3)ie 2Bege, bie bem Beich gur Stäriung feiner (Einnahmen 
außerbem noch offen blieben, mären bie folgenben: 
a) Steigerung ber (Erträge feiner inbireften Steuern — eoen= 
tuell burdh Vermehrung ber Steuerobjefte. 
b) Schaffung birefter Beicßsfteuern, toogu burdh bie Srbfcßafts* 
[teuer unb Xantiemenfteuer ein Einfang gemacht ift, obmohl man 
beibe Steuerarten als inbirefte gu freieren geruht hot. 
c) Steigerung ber prioatmirtfdhaftlidhen Sinnahmen bes Beides, 
b. ß. berjenigen aus ben Srmerbsbetrieben, fei es aus fofeßen 
Bcicßsbetrieben, bie, mie $o[t unb Xelegrapß, 9?eicßsbruderei, 
Beicßseifenbaßnen, [cßon länger im Befiß bes Beicßs finb, fei es 
burch Schaffung neuer Beicßsunterneßmungen. 
Ss ift nun eine ber bebauerlicßften Tatsachen in ber gangen 
inneren Sefcßidjte bes Beicßs, baß bie großartige ßbee ber Sdßaf= 
fung eines einheitlichen Beidhseifenbaßnfgftems, beffen Sinnahmen 
ber Bekßsfaffe gugefloffen mären, melcße einft Bismards Seift 
entfprang, nicht oermirflicßt morben ift. ¿ötte Bismardf bie Bjälfte 
ber Snergie, bie er an bie Sinführung ber BgrargöIIe feßte, biefem 
[einer madhtoollcn ^erfönlidßfeit meit mürbigeren ^3rojeft gemibmet, 
fo befäße bas Beid) jeßt bas größte einheitlich geleitete Sifenbaßm 
neß ber 2BeIt, hätte feine ginangnot, aber bafür ein meiteres Banb 
feiner Sinheit oon gang unfaßbarem 2Berte. Bjeute, mo ein 
ober göberalismus ober gar ^artifutarismus an bie Stelle 
eines „bamals erflärlidfen, ftärferen unitarifeßen 3uges" ge=
        <pb n="117" />
        104 
treten ift (btejer Vusbrud finbet [tá) in ber Sdjrift bes lai[erlid)cn 
Unter[taats[elretärs a. D. Dr. ©eorg non Vtapr „Die Veid)sfinang* 
reform", S. 24, Stünden, Verlin 1902, Verlag non 9?. £)lben= 
bourg, ber überhaupt in [einer ¡eligen (£igen[ci)aft als Igl. baperi* 
[c^er 93rofe[[or ber Vationalölonomie bie (Eingel[taaten als bas in 
er[ter ßinie (Eii[tengbered)tigte gu betrauten [djeint), [inb berartige 
grofjgügige 3been natürlich nur nodj als ^i[tori[^e Vlerlmürbig* 
leiten gu ermähnen. 
ferner Ijat Sismare! bie [d)on ermähnte unb [el)r belannte 
ßbee einesDabalmonopols gehabt. 2ius9tüd[id)t auf un[ere blüljenbe 
3igarrem unb Daba!sinbu[trie l)at man non ber Vermirllidjung 
bes planes Vb[tanb genommen, eben[o non ber 9Jtiquel[djen Da* 
balfabrilat[teuer. Vom rein finangmänni[djen Stanbpunlt aus i[t 
bie in Deut[djlanb [o allgemein nerbreitete Abneigung gegen 
Staats* ober Veidjsmonopole [corner oerftänblidj. 
Das Dabaismonopol mürbe es bem Veid)e ermöglicht hüben, 
bem armen 9Kann [ein billiges ^feifd^en gu bela[[en, mährenb 
ber finanzielle Ertrag aus teuren 3igarrentaba!en unb nament* 
lid) ¿^ûretten hätte herausgemirt[ä)aftet merben lönnen. 
3n ben [iebgiger ober achtgiger fahren mürbe [eine Durch* 
füljrung niellei^t möglich unb aud) ohne [esmeren ooIfsmirt[dhaft= 
lid)en Sdjaben angängig geme[en [ein — l)eute i[t [ie bei ber 
[eitbern eingetretenen Sßeiterentmidelung ber 3nbu[ttie ein Um 
bing. 3 n gemi[[em Sinne i[t bas gu bebauern, benn Dabai, 
namentlich teurer Dabai, i[t ein ßurusartilel, ber [djon etmas 
bluten lann. 
ferner mu^ an bie[er Stelle nochmals bas Vranntmein* 
monopol ermähnt merben, meldjes [eitens ber preu[g[ci)en Vegie* 
rung im 3al)re 1886 angeregt mürbe. Die mögliche Verteuerung 
bes Drinlbranntmeins mürbe mol)l laum als ein [djmer ins (5e= 
midjt fallenber (Öegengrunb angeführt merben lönnen, falls bas 
^rojelt einmal mieber oon ben Doten aufer[tel)en [ollte, allein es 
[priäjt ein anberes Moment bagegen. Das i[t bie nicht gang 
unberechtigte Vefür^tung meiter ürei[e, ba[} bei ben ßujtönben, 
mie [ie nun einmal bei uns herrfdjen, bas Vranntmeinmonopol 
ein 3#üut meniger gur güllung ber Veid)s!a[[e, als gegen Ver*
        <pb n="118" />
        105 
armung ber agrarifdjen Brenner werben würbe, wie bies bie 
Branntweinsteuer mit ihrer Liebesgabe non jährlich 45 Millionen 
OJtarf tatfäcijlici) geworben ift, unb bas oom ©rafen Lan% ein= 
mal beantragte ©etreibehanbelsmonopol an unb für fid) fdfjon 
3U werben bestimmt fein follte. Stuf biefem 2Bege ift alfo nicht 
weiter gu tommen. 
Mían hat bann oerfuct)t, um wenigftens etwas gu erreichen, 
bie ©innahmen bes poftfistus gu h^ben, einmal burdj rigorofe 
Durchführung bes Bïonopols gegenüber ben prioaten Lofalpoften, 
anbererfeits neuerbings burd) bie fd)on befprodjenen, felbft oon 
ber Regierung nur mit SBiberftreben entgegengenommenen ^3orto= 
erhöhungen. 
Dabei oertennt man unferes ©rattens ben 3wed ber Poft, 
ber hoch barin befielen follte, möglid)ft billig bie Senbungen ber 
Meid)suntertanen gu beförbetn, aber nidjt barin, bajg man ben* 
jenigen Steuergahlern, bie in ber unangenehmen Lage finb, oiele 
Briefe fdjreiben gu miiffen, möglichft oiel (Selb aus ber Xafche gieht. 
§ter tommen wir überhaupt gu bem funbamentalen unb nicht 
gu überbrüdfenben Unterfdjieb, ber bie Líuffaffung bes Berfaffers 
biefer 3eüen, ber fid) babei in beroorragenb guter ©efeltfdjaft 
oieler unferer erften Mationatöfonomen unb Parlamentarier be- 
finbet, oon bem ©ebanten trennt, ber bem Meichsfteuerfpftem gu 
©runbe liegt: 
Das Meid)sfteuerfi)ftem fudf)t bem gu einer Busgabe burd) 
feine perfönlid)en Berhältniffe meift unentrinnbar unb unaus* 
weichlicf) gegwungenen Steuergahler baburdj bas für bie 3#ede 
bes Meidjs ja freiti^ unentbehrliche ©elb gu entgiehen, bah es ihn 
burd) feine inbiretten Steuern, burd) feine Beriehrsabgaben, burd) 
feine portofäije gwingt, etwas mehr in jebem ¿alte ausgugeben, 
als er fonft nötig hätte. Damit wirb jeber um fo ftärter belaftet, 
je öfter unb je mehr er gegmungen ift, bie betreffenbe Busgabe 
gu machen, bie fragliche Messeinrichtung gu benutzen. Der Bater 
einer gasreichen ^amitié g. B. muh ^tel Brot taufen, alfo gahlt 
er oiel Lorngott, ohne Müdfidjt barauf, ob er oiel ober wenig 
oerbient, ©in Laufmann hat oiel gu reifen unb oiele Briefe gu 
Sreiben — auf ihn entfällt alfo ein oerhältnismähig hoher Beitrag
        <pb n="119" />
        — 106 — 
ber (Erträge ber $aí)r!artenftempel unb ber ^oftüberfdjüffe. Der 
Beniner bagegen, ber melleidjt ein Junggeselle ift, ift nidjt ge= 
gmungen, ciel gu reifen, niel ^3orto gu uerfdfjreiben, niel Brot gu 
taufen. 2In itjm oerbient bas Beid) redjt wenig, es fei benn, bafe 
er ftarter Banker unb S^napstrinter märe. 2Bir fragen, roie oer= 
einigen fid) berartige Befteuerungsgrunbfätje mit ben bodj tjeute 
Stllgemeingut gemorbenen finangwiffenf^afttidjen Stnforberungen 
an ein rationelles Steuerfqftem? 
Der alte berühmte Stbam Smitlj I)at biefe, menn audj nidjt 
guerft, fo bodj in ilaffifdj gemorbener Jorm mie folgt fixiert: 
1. Das gSringip ber £eiftungsfät)igieit 
2. „ „ „ ^eftimmt^eit 
3. „ „ „ Bequemlid)feit 
4. „ „ „ billigen (Erfyebungstoften, 
inbem er folgenbe Xljefen bafür aufftellt: 
Adam Smith, Bd. V. ch. 2, part. 2: 
1. The Subjects of every state ought to contribute towards the support 
of the governement as nearly as possible, in proportion of their respective abi 
lities, that is, in proportion to the revenue, which they respectively enjoy under 
the protection of the state. (tßringip ber „£ei jtungsfâfyigíeit' 1 .) 
2. The tax which each individual is bound to pay ought to be certain and 
not arbitrary. The time of payment, the manner of payment, the quantity 
to be paid ought all to be clear and plain to the contributor and to every other 
person. (ißringip ber „gejtimmtljeit".) 
3. Every tax ought to be levied at the time or in the manner, in which 
it is most likely to be convenient for the contributor to pay it. ($rinjip ber 
„Sequemlidjíeit".) 
4. Every tax ought to be contrived as both to take out and to keep out 
of the pockets of the people as little as possible, over and above what it brings 
into, the public treasury of the state. Oßringip ber billigen „erljebungstojten".) 
Bbolpt) 2Bagner ï)at biefe ©runbfätje erweitert unb in ein 
Sqftem gebracht: 
I. Jinangpolitifdje ^ringipien: 
1. 2iusreid)enbf)eit ber Befteuerung 
2. Bemeglidjieit ber Befteuerung 
II. Boltswirtfdjaftlidje ^rin^ipien: 
3. 2Baí)í ridjtiger Steuerquellen 
4. „ „ Steuerarten.
        <pb n="120" />
        — 107 — 
III. ^rinßipien ber ©ere©tigfeit: 
5. Síllgemeinlfeit 
6. ©Iei©mäfjigfeit 
IV. Sßermaltungsprinßipien: 
7. SBeftimmtlfeit 
8. 33equemli©íeií 
9. Streben na© mögli©[t geringen ©rlfebungsíoften. 
©egen bte 9?i©tig!eit biefer Xljefen ergebt fi© fyeute faum 
no © eine ernft ßu neljmenbe Stimme, £anbelt es fi© aber ba* 
rum, biefe als unbebingt ma^gebenb anertannten gorberungen 
in bie präzis ßu überfein, [o ftöfjt ber ©efetjgeber überall ba 
auf ben entf©loffenften SBiberftanb, roo er au© nur bas fleinfte 
Sonberintereffe oerle^t. 
Xie ©rienntnis biefer Xatfa©e foil uns inbeffen ni©t Ifinbern, 
eingelfenb ßu prüfen, wie roeit bas Äei©sfteuerfqftem ben 2Bagner= 
fd^en ^rinßipien entfpri©t, beßm. wie ein Steuerfpftem bef©affen 
fein müjßte, bas ©nen ent[prä©e. 3 n einem weiteren 2lbf©nitt 
merben wir ßu unterfu©en Ifaben, wie [i© unter 3ngrunbelegung 
unferer realpolifif©en ÜBerffältniffe ein 3nftanb Iferbeifüljren liefje, 
ber bem 3&amp;eal roenigftens naife fommt. 2Bir werben babei au© 
ßu unterfudfen Ifaben, welche 3®ede mit einem rationellen Steuer* 
fqftem oerfolgt werben lönnen, unb welche nicf)t. 
£&gt;er wi©tigfte 3^ed jeber Slrt oon Steuer ift natürlirf) ber, 
Mittel für bie Staatslaffe ßu bef©affen. ©r becft fi© mit ben 
beiben finanßpoIitif©en ^rinßipien ber Stusreidfenbljeit unb 23e* 
megli©leit ber Steuer. Xajß unfere inbireften Äei©sfteuem nidft 
ausrei©en, ben ginanßbebarf bes SRei©s ßu beden, baoon ift f©on 
fo oiel im 23orl)ergeI)enben bie 9lebe gewefen, bafj mir barauf 
nid)t melfr einßugelfen braunen — fie erreichen alfo ©ren $aupt* 
3toed nur felfr unoolllommen, beßw. überhaupt ni©t. Das Ijat 
3um Xeil feinen ©runb in ber Unbemeglidfieit bes Spftems. ¿ei 
3ölten unb 33erbrau©sfteuern, bie ein für alle äJZal gefetjli© feft* 
gelegt finb, richtet fi© ber tat[ä©li©e ©rtrag na© ben wirtf©aft* 
li©en ¿erlfältniffen, ni©t na© ben ©tatserforberniffen. ©s I)at 
ni©t an ¿orf©lägen gefehlt, einen Xeil ber 3°Híât}e jä^rli©er 
5tormirung bur© ben 9îei©stag ßu unterwerfen — ein limbing 
whr 
4) 
Universität 
--3 
Kiel. 
*
        <pb n="121" />
        108 
aus bcm ©runbe, toeil baburdj bem ijanbel bie allergrößten 
Scßroierigteiten bereitet toorben ruaren, bte jebes jobbe ©ejdjäft 
unmöglid) madjen müßten, ^nbejjen ijt nur ein lei! ber beutjdjen 
3öIIe als ß-inanggolt gu begeidhnen. ©in anberer, größerer Zeit ijt 
gleicßjeitig Sdjußgolt, ber, tuie betannt, ben ßrued uerfolgt, bie ein* 
Ijeimijdje ^3robu!tion in bie ßage gu jeßen, einen um ben 3oII= 
betrag ßößeren ^3reis im 3oIIintanbe gu erzielen, als bie SBare 
auf bem SBeltmartt ruert ijt. 
Daraus folgt, baß, tuenn man, tuie bei uns, uon einem ßolt* 
jpjtem erroartet, baß es einmal bie Steidjsiajjen füllen, auf ber 
anberen Seite aber jetjr uiele SBaren, unb groar gerabe bie mit 
ben jidjerjten unb ßöd)jten ©infußrgiffern, uon ben ©rengen fern 
Ijalten joli, man in bem 3oütorif eigentlich 2 Seelen á la ßaujt 
oorausjeßt, bie jidj uöllig uon einanber trennen. 
©¿einseitig belajtet aber ber 3°ü auf eine SB are, bie gum 
Zeit importiert, gum Zeit im 3 n I an ï&gt; e probugiert ruirb, bie Ron* 
jumenten nidjt nur mit bem bem Staat gu gute tommenben 30IÍ 
auf bie importierte SB are, jonbern audj bie im ßntanb ergeugte SRenge 
gu ©unjten ber an 3aßt jtets unenblid) uiel geringeren ^robugenten 
mit bem Unterjdjieb gtoijdjen bem SBeltmarttspreis unb bem um ben 
3oIlbetrag ßößeren ßntanbspreis. Rojtet g. B. eine SB are 100 SRarï 
p. 100 kg 3oII, unb es m erb en baoon im beutjdjen Sleid) 1 SJtil* 
lion kg gebraust, toouon % importiert ruirb, jo gatjlt bas ^ublifum 
bem SReid) im 3 a ß re 100000 SRI. 3oII, aber ben inlänbifcßen ©rgeu* 
gern bes größeren Síejtes 900000 SRI. Überpreis. So äljnlid), nur 
in uiel größeren Beträgen redjnet jidj bie SBirtung ber ©etreibegölle 
aus. Die alte, gegnerijdje ©intoenbung, baß bas Sluslanb bie 
3öIIe begaßlte, nimmt ßeute tein SRen jd) meljr ernjt. Stud) bie 
Agrarier bebienen jidj ißrer jetten meljr. StIIerbings ßaben jie, im 
Bejiß ber brutalen ©eroalt, aud) gar nidjt metjr nötig gu argu* 
mentieren. 
Dem 3entrum, tuelcßes, tuie toir gcjeßen ßaben, in jeinen 
finangpolitijdjen SBaßnaßmen eine burcßaus unglüdlidje §anb 
geßabt ßat, unb groar bejonbers bestuegen, toeil es aus SRüdjicßt 
auf bie . bunte 3 u î ammen ï e ^ un 9 feiner SBäßter aus ben oer* 
jdjiebenjten Berufs* unb Bolfsttajjen auf bie ionjequente Durd)*
        <pb n="122" />
        füïjrung irgenb melier ©runbfätje oergidjten unb cinc aus lauter 
Halbheiten gufammengefetjte ftompromifjpolitit treiben mu^ tourbe 
nun mit %e(^t angft unb bange baoor, bafj es [eine 2Bäl)ler aus 
ber inbuftriellen Vrbeiterfdjaft mit [einer 3uftimmung gum ßolb 
tarif oon 1902 arg oer[timmen tonnte. Datier tourbe bie auf 
Seite 49 oon uns bem SBortlaut nad) toiebergegebene lex Xrimborn 
in bas 3°Iftarifge[et} einge[ct)altet, toonadj ein Zeit ber (Erträge 
ber lanbtoirtfdjaftlidjen Sdiu^ötte für eine 2Bittroen= unb V3ai[en= 
oerfi^erung gurüdgeftellt toerben [olí. 
Damit tourbe er[tens ber Verfolgung bes finangiellen 3¡eís 
ein toeiterer Vbbrud) getan, gtoeitens ber [ei)r mistige ©runbfatj 
ber (Einheit bes Vubgets bureprodjen, meiner, bisher in Deut[d)= 
Ianb [treng befolgt, bie Vertnüpfung getoiffer (Einnahmen mit ge* 
toiffen Ausgaben oerbietet, unb brittens, für bie Sadje ber $Re= 
littenoer[id)erung [elbft fet)r toenig gelei[tet. 
V3ir tommen bamit auf einen brüten ßioedt, ben man mit 
jebem Steuerfpftem oerbinben [ollte, toenn audj in anberer ßorm 
— bas ift ber fogialpoIitifd)e Steuergioed, ber mobern[te ©ebante 
ber gangen Steuerleljre. So toie ber ^entrumsabgeorbnete Drimborn 
fid) bas gebaut ^at, toirb er allerbings nidjtj erreicht. Die lex 
Xrimborn begroedt nur, bem Arbeiter bie i^m auf ber einen Seite 
aus ber Xafd)e genommenen ©rofdjen auf ber anberen groar nod) 
lange nid)t toieber ^ineingu[teden, aber it)m bod) bie 2lus[id)t gu 
ertoeden, bafc [einen Hinterbliebenen foId)e nad) [einem Dobe nodj 
mal toieber gu gute fommen tonnten — eine ßogif, bie l)öd)ftens 
bei 3entrumstoöt)iern ©tauben finben tann. 2Bem es toeniger 
an bloßem Stimmenfang, als an emftljaftem [ogiatem gort[d^ritl 
liegt, toürbe mit uns für richtiger galten, toenn eine einmal für 
nötig ertannte Ver[id)erungsform aud) unter Vereinigung ber bagu 
nötigen Viittel eingefüfjrt toürbe. Das t)at mit ber Steuerpotitif 
aber gunädjft gar nid)ts gu tun. Der [ogialpolitifdje Steuergmed 
liegt oielmeljr in ber 9üd)tung, baft burdj bie Steuer ein Vusgteid) 
in ber Verteilung bes Vefitjes berart herbeigeführt toirb, bafr ber 
Staat bie 3Bo#abenben [ehr [d)arf unb bie ärmeren [ehr gelinbe 
herangieljt. Die effeftioe üBirtung toirb natürlich einem oöltigen 
Vusgleid) niemals audj nur entfernt nalje tommen tönnen, benn
        <pb n="123" />
        110 
eine fo [djarfe Anziehung ber Steuerschraube gegen bie too^If)aben= 
ben Streife mürbe beren Ausmanberung unb bamit bte tDtrlfd^aft= 
lid)e Sernidjtung bes Staates bebeuten. 
2Bir nähern uns aber mit btefen Ausführungen bereits ben 
fragen, melche unter bem ©efichtspunite ber SollsmirtSchaft begm. 
ber ©ered)tigleit behanbelt merben müfjen. 
Sei bem fogialpolitiftf)en Steuergmed i[t aber aud) nod) bas 
oollsergiehliche unb poli^eilid^e Stoment gu berüü|iü)tigen. 
Diefes tommt für bas Seid) in grage 3. 23. bei Steuern auf 
gefunbljeitsfchäblidje ©enujfmittel, mie Aliohol, benen man ben 
Sebengmed ber SerbrauchsbeSdjränlung gugeftefjen möchte. 
(Einer f^arfen Sefteuerung geistiger ©etränle möchten mir 
baljer aud) nid)t miberSpred)en, nur bitten mir um Monfequeng 
unb fiogit audj h^ n - Stenn man bas bod) red)t ungefährliche 
Sier höher besteuert, foil man bie gabritation oollsoergiftenben 
Sdjnapfes nidjt noch auf Seidjstoften prämiieren. 
(Einer Seichsmeinfteuer tönnte man mohl nur guftimmen, 
menu [ie fid) auf fehr teure ©emäd)[e befd^ränfte; im 3 n tereffe bes 
ÜBingerftanbes mürbe fidf) eine Sefteuerung billiger S3eine oerbieten. 
2Bün[(hensmert märe es oom Sozialpolitischen Stanbpuntte aus 
übrigens, menn man reine ginanzgölle, mie ben auf ilaffee unb 
Dabai nadj bem Stert erhöbe, ftatt mie bei uns nad) bem ©emid)t. 
Der Heine Slann, ber eine billige 3iâ&lt;*rre, î^gen mir &amp;u 4 ^3fg. 
raudjt, zahlt barin, oorausgefe^t, ba^ [ie lein heimisches ©emädjs 
enthält, ebenfooiel 30IÍ, mie ber Sauger einer im ßnlanb oer= 
fertigten 25 &lt;Pfg. 3i9^rre, nämlich etma % %Sfg. ober etmas mehr, 
je nadj ©röfje ber 3i9^rren. SBäljrenb biefer Setrag aber bei 
ber billigen 3^9 arre faft 1 ¡ 10 bes ©efamtmertes im teleinljanbel 
unb etma 75—100% bes unoergolíten ©ro^h^nbelsmerts bes 
Dabais ausmacht, beträgt er bei 25 %Sfg. 3i9&lt;*rren nur 2°/ 0 
bes Sterts unb oielleidft nur ca. 10% bes Sohtabalmerts. Slit 
teaffee ift es ähnlid). Silliger Santoslaffee, mie er gum SlaSSem 
lonfum bient, loftet in Hamburg unoergollt heute noch ntd)t 
80 SH. p. 100 kg. unb unterliegt einem 3oll oon 40 SH., al[o 
50%. geinere Sorten merben 3mal |o teuer befahlt, ber 3oll 
beträgt bafür aber nur ebenfooiel, alfo ca. 17%.
        <pb n="124" />
        Ill 
ginangpolitifd) ift ja nun gegen NSertgöIle allerlei einguwenben, 
namentlich bas, ba^ hr (Ertrag bureaus nid)t feft fteht, inbem er 
nicht nur, wie beim ©ewihtsgoll, oon ber (Einfuhrmenge, fonbern 
auch oom Nfarftpreis abhängt. 
2Iu^ bereitet bie richtige (Erhebung grofje tehnifhe Sd)wie= 
rigfeiten, gang abgefehen baoon, bafj bie fortwährende $rojeft= 
macherei für Xabafbefteuerung £anbel unb ^nbuftrie in einer 
51rt unb 2Beife beunruhigen, bie ber ©ntwidelung biefer (bewerbe 
hinberlicher ift, als eine ein für allemal feftgelegte felbft recht hohe 
Steuer, auf bie man fid) bann einrid^ten würbe, immerhin ift 
nid^t abgufehen, warum man nidjt auch tn Deutfhlanb mit bem 
SBertgollfpftem fertig werben würbe, fo gut, wie bas ben Ver= 
einig ten Staaten gelingt, Nllerbings ift ein 2BertgolIfoftem gur 
alleinigen Vafis eines gangen Staatsfinangbaues oöllig ungeeig= 
net, wie bie Veifpiele oieler eawtifher Staaten geigen, beren Waffen 
in 3eüen wirtfhaftlicher Niebergänge ausnahmslos leer finb. 
Sßenn wir nun im gangen unfere bisherigen g-eftftellungen 
bahin reiapitulieren, baff unfer beutfdfes Neihsfteuerhftem rneber 
ausreid^enb, nod) beweglich, noch ouh fogialpolitifh empfehlens* 
wert ift, fo bebarf es eigentlich feiner langen Ausführungen mehr, 
bajg bie unter bas uolfsmirtfchaftliche ^ringip fallenbe Sluswahl 
ber Steuerquellen unb ber Steuerarten ben beutfdjen Staats^ 
männern entfliehen nicf)t geglüdft ift, wenigftens nicht oollftänbig. 
Vis Steuerquelle hot man, inbem man ben menfdjlichen Vebarf 
an Nahrungsmitteln ufw., ben ^anbelsoerfehr, bie ^robuftion 
oielgebrauchter ©egenftänbe (3nder, Vier ufw.), als Eingriffs: 
objefte auserfah, ausfhlieph im lebten ©runbe ben Vefh ber 
-ftonfumenten erfaßt, ohne gu fragen, ob folder Vefitj überhaupt 
unb wieoiel baoon oorhanben ift. 
Die Verteibiger inbirefter Steuern führen bafür an, baf} ber 
Verbraucher es in gewiffem NZafje in ber £anb höbe, gu regu= 
lieren, ob er oiel ober wenig Steuer galjlen wolle, inbem er feinen 
Verbrauch einfhränfe. Das trifft für nicht unbedingt gum ¿eben 
notwenbige Stoffe gu, unb für foldje möchten aud) wir bie im 
bireften Steuern nicht abfdjaffen. Nur notwenbige Lebensmittel 
foil man nicht gu Steuerobjeften machen, wenn auch nicht gu oer=
        <pb n="125" />
        112 
ïenrten ijt, baft ben 3öIIen auf Ianbmirtjdjaftlid)e ^robufte eine 
hohe Vebeutung aïs Rompenjationsobjeit für §anbeIsoertrags* 
oerljanblungen gutommt. Vus biefem ©runbe ijt aber ber § 1 
bes Üarifgejetjes, ber bie Verwertung ber ßötle gu Rompenjationen 
erheblidj einjdjrânït, bejonbers energtfc^ gu betämpfen. Viles in 
allem genommen, mürbe man jo oielleidjt gu einer Vrt oon ausge= 
be^ntem (Öenufp unb RuiusartiteI=3oII= unb Steuerjpjtem lommen, 
meines, bejonbers wenn teilmeije ad valorem tarifiert, bem 9teich 
ein red^t hübjdjes Sümmchen einbringen jollte, wenn aud) nid)t 
gerabe, mie heute, über 1 93tiIIiarbe bamit herausguwirtjdfaften märe. 
Vber allein bie Zatjad)e, bajf bas beutfd^e Volt jährlich 3 93til- 
Iiarben 93iart in Vltoljol anlegt, gibt jdjon einen ¿inmeis, mo 
hier noch bie Steuerjdjraube angegogen m erb en tonnte. 2Ber 
heute eine f^Iaf^e Seit mit 10 93t. begat)It, mirb jie moljl audj 
nodj trinten, menn jie 13 93Î. tojtet unb mer Raoiar gu 10 bis 
20 93t. bas Ijalbe Rilo ijgt, mirb iljn moí)l audj gu 15—30 93t. 
nod) nidjt jtehen lajjen ujm. 
3nlänbijdje ßuxusjteuern erjdjeinen allerbings weniger unb 
nur unter (Einjdjräntung empfehlenswert, weil jie ben Ronjum, 
bejjen immerhin mögliche Vejdjräntung jonjt gum Staben bes 
Vusíanbs erfolgt, auch gum 9tad)teil ber einheimijdjen ^3robub 
tion rebugieren tonnten. Vei ihrer (Einrichtung ijt baher mit be= 
jonberer Vorjidjt gu oerfahren. 
Vei unjerer, bem bejc^räntten 9taum gemäjf nur iurgen 
Rritit unjeres 3°^ unb Steuermejens muh uud) einer oon torn 
jeroatioer Seite ausgeljenben Anregung gebacht werben, nämlich 
bes im ©egenjatj gu unjerem bejtehenben (Einfuhrgolljpjtem auf 
Schaffung oon Vusfuljrgöllen gerichteten Vntrags Ranit} oom 
Frühjahr 1906, welcher folgenben Vusfuljrgolltarif oorjchlug, als 
Vnlage 5 gum jogenannten 93tantelgejet): 
1. Steintohlen 0.10 93t. p. 100 kg 
2. Vrauntohlen 0.05 „ „ 
3. Rots 0.15 „ 
4. Rali unb anbereDungjalge 0.02 „ „ 
5. ßumpen, b. h- Vbfälte oon 
Zeitilmaren u.gajerjtoffen 5.— „ „
        <pb n="126" />
        113 
6. fieberabfälle 5.— %R. p. 100 kg 
7. üautßhukabfälle 5.— „ „ 
Die Regierung hat alíen bie[en Vorfcfßägen gegenüber mit 
$Keá)t eine gurüähaltenbe Haltung gegeigt. (Einem ßohlengoli, 
ber naä) Berechnung bes Slntragftellers 22 Millionen hätte bringen 
können, [teilte [ie [ich noch am menigßen ablehnend gegenüber. 
Schließlich mürbe ber gange Eintrag abgelehnt. Die (Erfahrungen, 
bie (Englanb mit [einem anläßlich bes Burenkrieges eingeführten 
ftohlenea-portgoll gemalt hatte, ermutigten [ie aud) nicht gerabe 
gur Vadfjahmung. 3^nem üohlengoll i[t es mohl mit gu banken, 
baß Deutßhlanbs (Eiport oon „[djmargen Diamanten“ eine 3u* 
nähme geigt, ßmr einen beut[chen üohlenausfuhrgoll mürbe bas 
Spnbitat oorausßdhtlid^ bamit quittiert haben, baß es bem 9Ius* 
lanb gum alten greife geliefert, ben 3oII aber auf bie beut[djen 
Mon[umenten abgemälgt hätte. Unb ähnlich mürbe bie Sadje mit 
tfali gegangen [ein. 
Derartige Slusfuhrgölle [inb nur in [oldjen fiänbern mög* 
Iid^, bie ein SJlonopol in ben betreffenben Slrtüeln haben, 
ober hoch menig[tens in einer [oldfjen ¿age [inb, baß [ie oon 
Vetorßonsmaßregeln ber bena^teiligten 3 m P or iIänber nichts gu 
jürdßen haben unb mo ferner bie oom 3aíí betroffenen (Eipor* 
teure nid^t in ber Sage [inb, bie £a[t bem 3alanbskon[um auf* 
gubürben. 
Solche Berhältniße liegen oor g. B. in Braßlien, be[[en Kaffee* 
goll, unb in (Ehiíe, be[[en Saípetergoíí aííerbings finangiell oor* 
teilhaft funktionieren, ba bie billigen Braßlkaffees unb ber chile* 
ni[d^e Salpeter oom 2Beltmarft [dhle^terbings nicht entbehrt, oom 
inlänbifchen Monfum aber auch auf keinen gal! aufgenommen 
merben können, ba bie[er nid^t im Verhältnis gu ber rießgen tyxo* 
buktion [teht. 
(Eine Vtonopolßellung nimmt nun Deut[chlanb für Sohlen 
bekanntlich überhaupt nicht unb bei üali roenigßens nicht unbe* 
bingt ein, mogegen es einen rießgen 3alanbskon[um hat, beßen 
3ntere[[en, angeßchts ber einheitlich organißerien ^robuktion, begm. 
0anbel in ben beiben Artikeln, [ckjmerer Schäbigung hätten aus* 
ge[eßt [ein können. 
©rotcroolb, Sítnanjfoftem. 
8
        <pb n="127" />
        114 
¡Der ßumpem ober nötiger 2lbfall3oll feätte nur fefer geringe 
fmanstelle (Ergebniffe, aber befto größere (Efeitanen für ben 23er= 
kefer mit fiefe gebraut. 2ßie bie SRofeprobuttenfeänbler in einer (Ein= 
gäbe an ben SReifestag fefer ridtjtig ausfüferten, beruht ber ßuim 
penfeanbel auf einem 2lustauffe ber für bie einzelnen ^nbuftrien 
geeigneten Seiten 3toiffeen ben oerffeiebenen ßänbern. 
Deutffelanb importiert nidjt oiel toeniger ßumpen als es ei= 
portiert: 1905 2lusfufer 714100 dz 
(Einfuhr 584000 „ 
Dabei ift gu bemerken, bafe ber Mefereiport oon 130000 dz 
eine fonft nifet erreichte ÍRetorbgiffer ift. Dafe bie itunftmolb 
fabrikanten auf ber anbern Seite oon iferem Stanbpunite aus 
für einen ßumpenausfut^oll toaren, läfet fidE) oielleidjt begreifen, 
ba ifenen fein Spnbitat gegenüber ftei)t. f^reilidE) follten fie be= 
rüdfifetigen, bafe burfe; Sfeäbigung bes (Eiports möglifeermeife 
bie Sammeltätigkeit unrentabel unb baburfe bas inlänbiffee 
Material aufe für fie fefemer erfeälttife unb fomit teurer merben 
tonnte. $fenlifees gilt aufe oon ben fonftigen Slbfallforten. Der 
freie 23erfefer ift bemnafe aufe für bie 2lusfufer biefer Stoffe 
unbebingt gu oerteibigen. 
kommen mir fefet 3U ben ^ringipien ber (Eerefetigkeit, näm- 
liefe ber 2lllgemeinfeeit unb ber ßeiftungsfäfeigteit, fo müffen mir 
freilife gugeftefeen, bafe bie SReifesfteuem fefer allgemein mirlen, 
inbem fie ¡eben 9leifeseinmofener gleifemäfeig treffen, freiliefe mie 
aufe fifeon ausgefüfert, ofene alte 2lüekfifet auf feine ßeiftungs* 
fäfeigteit. Das %Softulat ber Slllgemeinfeeit einer Steuer feat feeute, 
mo es überall als felbftoerftänbliefe gilt, überfeaupt feine eigent* 
liefee aktuelle 23ebeutung, bie es einft featte, oerloren. 3 n früfeeren 
3aferfeunberten mar bekanntliefe bie 23erleifeung oon Steuerfreifeeiten 
an einzelne Familien unb gan^e beoorreefetigte Stänbe nifets feltenes. 
So ift 3. 23. im gan3en Mittelalter faft in allen Staaten bie ©eift= 
licfeteit fteuerfrei gemefen. 9to&lt;fe feeute erfreuen fiefe auf ©runb 
ber Mebiatifationsoerträge bie früfeer reiefesunmittelbaren Stanbes= 
fe erren einer ein3elftaatliefeen Steuerfreifeeit, melfee man erft jetjt 
ab3ulöfen fuefet. 
Den Jleidjsfteuern können fiefe aufe biefe nifet ent3iefecn, unb
        <pb n="128" />
        115 
ttmrben audj uon bireften 9?eid)sfteuern erfaßt werben, weil es 
ein beut^es Meid) im heutigen Sinne, bas burd) jene Ser- 
träge hätte nerpflic^tet werben fönnen, gur 3eit ihrer STbfaffung 
nicht gab. 
SBenn mir uns mit ber SUlgemeinheit ber Steuern alfo nidjt 
lange aufguhalten braunen, [o i[t um fo fdjmieriger bie ^orbe- 
rung ber ©leichmäftigieit gu be^anbeln. Unter ©ieid)mäjgigfeit i[t 
natürlici) nid)t gu uerfíeljen bie abfolute ©Ieidjmäftigteit, mie man 
fie früher bei ilopffteuern fannte — mit einer ÜBirïung gang ähnlich 
mie bie ber heutigen inbireiten Seidjsfteuern — fonbern bie reía- 
tme ©leidjmäjgigieit im Verhältnis gur mirtf&lt;haftiid)en fieiftungs- 
fäi)igteit bes Steuerträgers. Durch bie unbebingte Sotmenbig- 
feit, bie gur Dedung bes notbürftigen Unterhalts erforberlicfye 
(beíbfumme, bas fogenannte (Exiftengminimum, unter allen Um- 
ftänben uerausgaben gu müffen, i[t in unserer ^eit, in ber bie 
alte Saturaientlohnung auf ein giemlid) unerhebliches SZafc be- 
fd)ränft ift, jeber Sftenfd), infonber^eit jeber ^amilienoater, ge- 
gmungen, wenn er nicht ber öffentlichen 2Bohitätigfeit gur fiaft 
falten mill, minbeftens biefes ¿xiffengminimum für fidj unb bie 
Seinen gu uerbienen. (Es märe unter allen Umftänben billig, 
biefes (Exiftengminimum fteuerfrei gu Iaffen, mie es bie bireftenSteuern 
ber meiftcn Sunbesftaaten (nicht alíe) auch tun. Die inbireiten 
Seichsfteuern fönnen bas natürlich nicht, fie tragen uielmehr gur 
(Erhöhung ber (Exiftengminima burd) ihre Verteuerung ber fiebens- 
uiittel fepr erheblidf) bei 1 ). 
2Benn man nun bas (Exiftengminimum einer ermachfenen 
s Uerfon mit 600.— 9K. begiffert, mas gemif) niebrig gegriffen ift, 
fo fann man baraus folgenbe (theoretifche) Sîaxime abíeiten: 3ebe 
Steuer, bie biefe 600.— 9JÎ. nod) angreift, mirb, weil fie bas gur 
3n feinem fdjon gitierten $eft „Die $Rei&lt;f)sfinangreform“ bejeid^net Unferftaats= 
fefreiär a. D. t&gt;. îlîapr, 2lîünd)cn, es als einen ßbeatguftanb, wenn bie aus inbireften, 
fiar! ersten SReidjsfteuern gu ermöglidjenben Übermeifungen an bie (Eingetftaaten bagu 
führen mürben, baf} biefe alle ©nfommen unter 3000.— 2R. fteuerfrei liefen, als 2Ius 
gleich für bie uer#Itnismä^ig fiarte Selaftung biefer Sdjidjten bur^ bie SReidjsfteuern. 
^ebenfalls eine intereffante ßbee, aber ba bie untere tBefteuerungsgrenge ber Gidjerljeit 
wegen bod) roof)I reidjsgefeijlid) feftgelegt merben mü&amp;te, mo bleibt ba bie für jenen 
2luior fonft unantaftbare 5inangf)of)eit ber CEingelftaaten ? 
8*
        <pb n="129" />
        116 
©siftenz abfolut unentbehrliche 901inimum nod) metier fd)mälern 
mürbe, auf bie Dauer aud) burdj ^fänbung nidjt beizutreiben 
fein, Sterbient ein 9Jtann nun 1200.— 5R., fo mirb er, ba er 
Zmei nolle ©liftenzminima ermtrbi, bagegen f¿)on recfjt fteuerföijig 
fein, b. h- man mürbe ihm, immer theoretifdh betrachtet, im Waii» 
mum 50% Steuer auf erlegen tönnen, ehe er auf bas ©itftenz» 
minimum íjerabgebrüdt märe, ^emanb ber 6000 9¡R. (Eintommen 
t)ätte, mürbe mit 90% betaftet merben tönnen ufm. Xatfâá)Iidf) 
tommen auct) nodj anbere ©efid)tspunite in forage. 23or allem 
ift bas ©liftenzminimum teine tonftante ©röße. f^ür eine Familie, 
bie oon einem Steuerzahler ernährt mirb, ift es um faft ebenfo 
oielmal größer, als für eine ©inzelperfon, als bie gamilie größer 
als 1 ift. ferner tommen inbioibuelle unb regionale 53erfdjie» 
benheiten in grage. ©in 3. 23. für einen anfprudjslofen djinefi» 
fdjen 5tuli oötlig ausreichenbes ©liftenzminimum mürbe einen 
ameriianifchen Arbeiter nicht 3um 20. Xeil befriebigen, um gleich 
3toei ©.rtreme 3U nennen. 
2Iber menn mir bei beutfchen 23erhältniffen bleiben mollen, 
fo mirb fidh ein Lanbarbeiter bes Oftens mit einer meit geringeren 
Lebenshaltung begnügen als ein f^abritarbeiter bes 2ßeftens. 
3nbeffen bemeift bie Xljeorie nom ©liftenzminimum bodj, baß 
es möglich gemacht ift, eine ^erfon mit um fo höheren Prozenten 
ihres ©intommens zur Steuer heranzuziehen, als fidh biefes über bas 
burdjfdjnittliche ©liftenzminimum erhebt, mit ber ©inßhräntung, 
baß eine übermäßig ftarte „^rogreffion“ bie beften Steuerzahler 
Zur 2lusmanberung zmingen tonnte. Diefe Leiftungsfähigfeit eines 
Steuerzahlers, bie alfo im 2lllgemeincn fidj mit bem 2Badjfcn ber 
Differenz zmifdjen feinem ©intommen unb bem burchfchnittlictjcn 
©liftenzminimum immer günftiger geftaltet, im ©intlang mit bem 
©efeß oon ber abnehmenben Dringlid)teit ber 23ebürfniffe bei Über» 
fdjreitung bes abfolut Wotmenbigen, mirb aber eine nod) meit höhere, 
menn bas ©intommen bes Steuerzahlers nidjt nur bie grudft feiner 
Arbeit, fonbern audj ©rtrag eines Vermögens ift, unb biefe 
Leiftungsfähigteit zur Steuerzahlung hört anbererfeits nicht auf, 
menu bas ©intommen auch unter bas abfolute ©liftenzminimum 
finit, fobalb noch ein Vermögen ba ift.
        <pb n="130" />
        117 
(Es bebarf nad) bem Sorfteljenben feiner Ausführung mehr, 
bah Vermögen unb (Einfommen bie einigen ©runblagen für eine 
ber fieiflungsfäf)ig!eit bes Steuerzahlers wirflid) angemeffene Sc« 
fteuerung abgeben, benn fie finb bie einzigen Mittel um bie wirt* 
fd)aftlid)e £eiftungsfäl)igfeit, bie bod) nur nad) ihren (Erwerbser* 
folgen gemeffen werben fann, in 3iffern auszubrüden. 
Über bie Serwaltungsprinzipien ber Seftimmtheit ber Steuer 
(b. h- bafj ber Steuerzahler im Soraus genau erfährt, was er zu 
Zahlen h°t, bamit er [ich bañad) einridjten fann) ber 23equemlid)* 
feit unb ber billigen (Erhebungsfoften fönnen wir als z^mlidh 
felbftoerftänblid) hinweg gehen, nur fei feftgeftellt, bah bei in* 
bireften Steuern oon einer Seftimmtheit fo wenig bie Sebe fein 
fann, bah nur auf bem S3ege immerhin fchwanfenber Abfchätjungen 
bie inbirefte Steuerleiftung ber (Einzelnen ermittelt werben fann. 
(Ebenfo wenig fann oon einer Seftimmtheit im Sinne bes 
Staats gefprod)en werben, benn bas ßahr 1905 z- 2$. h a * e i n ï 0 
überrafdjenb günftiges (Ergebnis fürs Seid) infolge erfreulicher 
wirtfd)aftlid)er Serhältniffe geliefert, bah ntan wohl felbft im 
Seichsfchatjamt erftaunt gewefen ift. (Ebenfo im Sereid) ber Stög* 
Iid)feit liegt aber natürlich auch ein entfpredjenber Ausfall. 
ßür bas (Etatsjahr 1906 finb ja nun, wie im oorigen Äapitel 
ausführlich erörtert, für ca. 200 Stillionen Slarf weitere Stittel 
burd) bie ßinanzreformgefehe oom grilling 1906 bereit geftellt 
worben. 
Auf bie Dauer genügen werben audh biefe nicht, benn wir 
haben bereits gefehen, in wie ftarfem Stahe bie finanziellen An* 
forberungen bes Seidjs bisher gewadjfen finb, unb ba fein ©runb 
oorliegt, einen Südgang im ©elbbebarf bes Seichs zu erwarten, 
fonbern oielmeljr bas ©egenteil wahrfcheinlicher ift, fo ift es 
wohl an ber ßett, fid) barüber fiar zu werben, woher bie für bas 
Seid) in 3ufunft erforberlid) werbenben weiteren Stittel zu be* 
Raffen finb, in einer Sri unb Steife natürlich, bie ben in biefem 
Äapitel ausgeführten Anfprüdjen an bie (Eigenfchaften entfpre^en 
muh, bie ein mobernes Steuerfqftem befitjen foil.
        <pb n="131" />
        118 
Kapitel V. 
Gründe und Umfang künftiger ftnanzbedürfmffe 
dee Reichs* 
Befcbaffung der zu deren Deckung erforderlichen 
Mittel durch direkte Reichefteuern. 
(Es wirb nidjt an fieulen fehlen, bie [agen: meid) ein Kn* 
finn, jetjt non neuen Steuern gu reben, too bod) gerabe 200 3RiI* 
lionen 9Jtar! jährlicher (Einiünfte bewilligt worben [inb, bte bod) 
[elb[t bann fürs erfte ausreidjen, toenn wirllidj eine Steigerung 
ber SReidjsausgaben gu erwarten [tet)t. SOtan wirb babei ben 
neuen Zolltarif ins Treffen führen, ber ja burd) feine hohen Tarif* 
fätje allerbings eine wefentlid)e Steigerung ber 9?eidjseinnahmen 
oeranlaffen wirb, fo lange bie gegenwärtige günftige itonjunttur 
im ©efdjäftsleben anhält. Tie fieben mat 2Beifen bie fo fpredjen, 
oergeffen aber, baf) erftlid) bie neu geraffenen 9Sdjseinnaí)men 
um 40 Millionen hinter ben Dlegierungsforberungen gurüdbleiben, 
bafj ferner ein erhebli^er aber nicht genau beftimmter Teil ber 
größeren 3°U e i nna h men ^ttrd) bie lex Trimborn ber freien 23er* 
wenbung für SReidjsgwede entzogen ift, unb baff anbererfeits ber 
2íusbau ber fogialpoíitifd)en SSerfidjerungsgefehe, bie 23ebürfnif[e 
bes 3ttoalibenfonbs, bie Carine, weí&lt;^e bie Regierung ohne alle 
$rage weiter oerftärlen wirb unb oiele oiele anberen Tinge meljr 
gufammentommen werben, um in ben näd)[ten 3 a f) ren einen red)t 
beträdjtlidjen ECReljrbebarf an ©elbmitteln gu begrünben. 9tamentlid) 
wirb and) eine wirilidj ausreid^enbe Sdjulbentilgung feljr erheblidjc 
9Jlittel erforbern. Tagu iommt ferner, baff oiele ber neugefdfaffenen 
(ßefe^e, bie wie g. 23. %Sortoerl)öl)ung unb ber gal)riarten[tempel fo 
feljr bas ©epräge ber $Iüdjtigieit ober 23erfeljltheit fd)on jetjt geigen, 
baft ron ihre ©infül)rung Schwierigsten machte. 2Bie nun gar 
fr bas ^3ubli!um auf bie Tauer bamit abfinben wirb, ift eine 
gang anbere grage, bie wohl nur burd) balbigen (Erfat) ber un* 
populären Steuern burdj 23e[[eres ihre £öfung finben !ann. 
Ter SDtehrbebarf bes 9Sd)s Iäftt fid) natürlich nrt genau
        <pb n="132" />
        119 
Propheten, tote ja bas ^rop^egeten immer eine mipcfye Sache 
ijt, am meijten aber in ber ^oliiii. 
2ßir merben jebodf) immerhin einen brauchbaren Anhalt gemin= 
nen, wenn mir für bie Seidjsjchulbeniilgung gunä^jt einen Setrag in 
ber ungefähren Ejöhe ihres burchjd)nittlichen Anmachjens per 3^r, 
obgüglid) ber jdjon jetjt gejetjlid) fejtgelegten Xilgung oon ca. 
22 Stülionen ausmerfen, nämlidj 100 Millionen 
Sedjnen mir bie Ausbehnung ber 33er= 
jidjerungsgejehe auf SBitmen, 2Baijen, 
auf Srioatbeamte ujm., fomeit bagu 
ein Seidjsgujchuh in grage fommt, über 
ben (Ertrag ber lex Xrimborn hinaus 
ebenfalls mit 100 „ 
unb fügen mir meiter 100 „ 
für üranfe bes feeres unb ber Marine 
einj^Iiehíidh ^noalibenfonbs bei, [o 
glauben mir mit SOI!. 300 SOiillionen 
eine Sajis gemonnen gu hüben, auf ber mir eine üalfulation für 
birefte Seid)sjteuern aufbauen fönnen. £ajjen mir babei bie jehon 
jetjt ungebeten 40 Sölillionen einmal gang aujger Anfall Die Sor= 
jdhläge müjjen natürlidh jo eingerichtet merben, bah jie eine erhebe 
litf)e Steigerung ber (Ergebnijje gejtatten, ohne bie Solfsroohlfart gu 
fchäbigen. Sie müjjen auch darauf SHücïji^t nehmen, bah jie oieb 
leicht audj bie fernere hol&amp;e SMilßarbe pro 3 a h r aufgubringen 
hoben merben, bie bejehofft merben mühte, falls 1917 einmal ber 
¿olítarif oon 1902 ins alte (Eijen gemorfen unb eine freihänblerb 
jdje Regierung bas Ejeft in bie £&gt;anb beíommen mürbe. (Sang 
mürbe auch bieje nicht auf inbirefte Seid)sjteuern oergichten fönnen, 
aber im Sinne unjerer Ausführungen im oorigen üapitel mürbe 
jie gmeifeilos erhebliche Scbuftionen ber 3öIIe eintreten lajjen. 
(Es erjeheint uns, mie aus allem Sorhergejagten heroorgeht, 
aljo als fejtjtehenb, bah &amp; er ermähnte (Erjah burch „Sejjeres“ gang 
jicher nicht in ber Sichtung einer (Erhöhung unjerer 3öl!e unb Ser= 
braudjsjteuern gejuxt merben fann unb barf. ©ang abgejehen 
baoon, bah 3 um Deil bie 3öHe honbelsoertraglid) anberen Staaten 
gegenüber fejtgelegt jinb, ijt aud) bie, mie im oorigen Kapitel
        <pb n="133" />
        ausgefüíjrt, bureaus nidjt bem 3beal einer geregten Vefteuerung 
entfpredjenbe Velaftung bes Voltes burdj jene nidjt meljr einer 
(Erhöhung fähig. 
gr. 3- Reumann beregnet bie Velaftung bes ^Subíifums 
burdj unfere 3öIIc unb Verbraudjsfteuern auf ©runb bes alten 
tarifs raie folgt: 
beträgt bei 
einem 
(Eintommen 
oon 
Warf 
Sal3 
°/o 
3uäer 
unb 
itaffee 
°/o 
Die Selaftung burd) bie Steuern auf: 
$etro= 
leum 
Dabat 
lo 
(Beiftige 
©e= 
tränte 
% 
33rot, 
WeÇl, 
5Reis,Gago 
01 
Seit, 
Sped, 
Somalí 
°lo 
ßufammen 
oi 
über 10000 
4—10000 
2—4000 
1200—2000 
800—1200 
unter 800 
0,02 
0,05 
0,12 
0,19 
0,29 
0,56 
0,20 
0,42 
0,52 
0,62 
0,73 
0,37 
0,07 
0,21 
0,19 
0,28 
0,27 
0,38 
0,12 
0,18 
0,18 
0,12 
0,23 
0,02 
0,59 
0,41 
0,23 
0,49 
0,74 
0,40 
0,12—0,24 
0,31-0,62 
0,39—0,77 
0,95—1,89 
1,29—2,58 
2,70—5,39 
0,01—0,02 
0,02—0,05 
0,06—0,12 
0,08-0,17 
0,15—0,28 
0,08—0,16 
1,13—1,26 
1.60—1,94 
1.69— 2,13 
2,73—3,76 
3.70— 5,12 
4,51—7,28 
2Bir feljen an biefer Xabelle feljr Har, bafj bie gang unbe= 
bingt gum ¿eben notwenbigen Stoffe, toie Vrot unb Saig eine 
ununterbrochene Steigerung ber Velaftungsprogente oon ben 
höheren nad) ben nieberen (Eintommen gu aufweifen, roas fid) 
burdj bie Stabilität itjres Verbrauchs genugfam aufflärt. 
Vei Xabat, 3uder unb ilaffee, bie nur ©enuftmittel finb, 
bereu Verbraudj alfo eine (Einfdjräntung gulä^t, feljen roir eine 
Steigerung bis gur groeiten unterften ©ruppe, unb einen 5RU&amp; 
gang in ber lebten. Die Voilage, in ber fid) bie Angehörigen 
biefer illaffe befinben, ermöglicht eben gum Xeil nicht mehr bie 
Vefdjaffung biefer Stoffe. 
3m Vergleich bagu belaftet bie preufpfdje (Eintommenfteuer 
bie unterfte klaffe (fogar bis 900 9JÎ.) gar nicht, unb bie höheren 
Seichten, benen in ^reuften etwa 43 V 2 °/o ber ©efamtbeoölferung 
angehören, mit burdjfdjnittlidj ca. 2 °/ 0 auf ben #opf ber 3enfiten. 
3n anberen Vunbesftaaten ftellt fidj bas Verhältnis ber 
burdjfdjnittlidjen (Einfommenfteuerbelaftung bes eingelnen wie folgt 
(nadj Sßilljelm Vofther, ßinangwiffenfChaft, für (Enbe bes oorigen 
3ahrhunberts):
        <pb n="134" />
        121 
Swu&amp;ett 
Saufen 
Saben 
Reffen 
bes Solíes 
Start 
S.=2Beimat 
Dlbenburg 
Sraunfdnoeig 
S.^Sietnittgen 
S.=2IIlenburg 
S.=doburg=(5otba 
2Inf)alt 
Sd)iDar3burg=9tubolitabt 
„ Sonbers^aufen 
SBalbed 
Seujj j. £. 
Sdjaumburg-iitppe 
£tppe--25etmolb 
fiübed 
Sremen 
Hamburg 
4.— 
6.50 
3.80 
5.30 
7.20 
3.80 
2.60 
4.50 
5.20 
5.40 
3.50 
3.70 
4.50 
3.60 
5.70 
3.30 
4.20 
13.80 
19.30 
20.— 
auf ben Aopf 
bes ^enfilen 
Star! 
45.90 
18.10 
16.30 
23.30 
17.50 
12.90 
25.50 
28.20 
13.— 
24.80 
ca. 15.— 
11.40 
16.50 
16.— 
20.20 
12.50 
12.70 
46.— 
75.90 
89.10 
°/o bes (Ein; 
íommens 
2,0 
1,5 
%&amp;- 
I 
2,2 
1.5 
1 — 
2,1 
1,4 
1.9 
0,6 
? 
1.7 
? 
1.8 
1.6 
? 
2.9 
3,— 
3,— 
Sepn wir non ben £anfaftöbten, wo infolge ber Serquidung 
non Staats= unb üommunaíoerwaítung befonbere Serpltniffe 
oorliegen, ab, fo ergibt fid) aus biefen ^iff^rn, bafj bas beutfcp 
Bolt pro 5topf bes 3 en fiten im allgemeinen mit einer eingelftaaü 
Iicpn (Binfommenfteuer non nid)t mep als 2% unb nur in ^reufoen 
mit mep als 40 St. (nad) bem neuen ©efetj oom 1. 3&lt;inuar 1904 
ab in Äraft, wop nur Saufen nod) ppr, wenn aud) bie Dup= 
fc^nittsgiffer infolge bes tiefer liegenben Beginns ber Steuerpflicp 
niebriger bleibt) beíaftet ift, pro üopf ber Beoölferung aber nur 
mit etwa 4—5! 
Sergleicpn wir bamit einmal bie Serpltniffe im Meid)! 
3m 3ape 1905 ergaben bie 3ölle, Berbraud)S= unb Stempel 
abgaben gufammen etwas über 1 Stilliarbe Start. Das mad)t 
bei 60 Stillionen (Einwopern ca. 17 Start auf ben #opf ber 
Beoölferung, ober, wenn man 5 ^erfonen auf einen Steuerträger 
regnet (oon 3 e Pt en tann teine Sebe fein, ba es fid) um inbi= 
rette Steuern pnbelt), ca. 85 Start auf ben Steuerträger.
        <pb n="135" />
        122 
Diefe 3tffern finb umfo auffälliger, als es fid) bet ber ein= 
3elftaatlid)en, niebrigeren Selaftung um eine forgfam abgeftufte 
Rauheit, bie ben Firmen nur wenig, ben 9?eidjen aber ¡tarier be= 
laftet, wenn aud) immer nodj nidfjt entfernt in brüdenber 2Beife. 
Die 85 90îari inbireite $Keid)s[teuern brüden bagegen ben ärmeren 
Steuern 
9tad) 93oranfd)lägen bes 3a^res 1905. 
Staaten 
© ID 
ID 
11 
*1 
6? 
*: 
Deutfdjes 5Reid) 
Sreujjen 
Sägern 
Sarjen 
Württemberg 
Saben__ 
Reifen 
3(Redlenburg=Sd)tDerin 
Sad)jen=2Beimar 
9Redlenburg=StreIit3 
Olbenburg 
Sraun^meig 
Sadjfen=2Reiningen 
Sad)fen=2Utenburg 
Sad)fen=(Eoburg=©otl)a 
21nl)alt 
Sd)roar}burg=Sonbersi) 
„ SRubolftabt 
SBalbect 
SReufe ältere fiinie 
,, jüngere fitnte 
Sci)anmbnrg=fiippe 
Kippe 
fliibed 
Sremen 
Hamburg 
(Elfafrfiotfjringen 
Snnbesjiaaien 
SReid) u. Sunbesftaaten 
1083 898,4 
280 278,0 
87140,8 
60 894,6 
37269.3 
37873.3 
17046.0 
4145,6 
3 520,1 
508.7 
4413.8 
3 526,7 
1 805,0 
1 785,3 
2208.8 
3 250,5 
639,4 
660,0 
392.7 
577,3 
1 148,5 
291.8 
1046,1 
3 767,9 
14931.0 
47348.4 
31037,7 
227244,7 
39849.0 
51476,6 
22454,3 
20405,8 
12716.0 
3 677,1 
3218,5 
503.0 
3991.8 
3130,7 
1 765,2 
1499.9 
1 966,3 
3 007,0 
602,8 
634.5 
381,7 
542.5 
1 057,0 
264.0 
1004,1 
2 898,9 
12396.0 
40158,5 
13 707,3 
647 507,2 
1 731405,6 
470 553,2 
470553,2 
996795,4 
33,3 
44041,7 
5 658,0 
10 875,0 
11838,2 
330,0 
42,5 
109,4 
5,7 
136,8 
52,0 
7,0 
11,0 
22,0 
11,5 
106,0 
239,0 
309,2 
6 702,3 
l ) 87103,0 
42000,0 
60,0 
2 750,0 
4 203,8 
3130,0 
256,0 
210,0 
156,0 
70,0 
32,5 
134,2 
22,8 
448,0 
1 296,0 
4 073,1 
7928,1 
11000,0 
3 190,0 
*) 3 760,0 
1 190,0 
1425.5 
870.0 
, 170,0 
' 192,2 
212.0 
240.0 
39,8 
78.6 
158.0 
109,3 
36.6 
18,5 
12.7 
80,0 
5,0 
42,0 
315.0 
1 000,0 
2807.6 
2 700,0 
80 530,7 
1077326,1 
66 770,5 
153 873,5 
29652,8 
29652,8 
1) Darin bie Santnotenjteuer mit 658,5. 
2) Stempel unb (Erbjdjaftsfteuer im (Etat nid)t getrennt.
        <pb n="136" />
        123 
Steuerträger red&amp;t empfinblid), unb gestatten feine Steigerung 
mel)r. 
Die folgenbe genaue ^ufammen^telfung ber 9?eid^s= unb 
Staatsfteuereinnaljmen, entnehmen mir ben Bierteljafyrsfdjriften für 
Statiftif 1906, II. 189. 
und Zölle. 
Beträge in 1000 SRarf. 
2íuf ben Äopf 
ID 
11 
&lt;3- 
S3 
Ul 
% bes ®efamt=Sleuerertrags 
ID 
I s 
6,59 
6,45 
12,25 
10.35 
10.93 
11.35 
6,05 
8,87 
4,90 
10,00 
6,75 
7,04 
7,70 
8,56 
9,51 
7,45 
6,82 
6.59 
7.93 
7.59 
6,12 
7,23 
29,95 
$5,12 
52,27 
7,97 
1 
17,68 
0,00 
7,13 
1,35 
5,01 
6,34 
0,29 
0,07 
0,30 
0,06 
S? 
Sli 
r 
% ber gefamt. orbenll. (Einnahmen 
ID 
0,70 
0,23 
1,55 
1,22 
0,01 
*)- 
1,27 
2,25 
2,80 
0,42 
0,53 
0,33 
0,07 
0,19 
0,32 
0,08 
8,35 
8,35 
1,10 
1,06 
0,40 
3,90 
0,36 
0,14 
0,42 
0,32 
0,52 
0,89 
0,55 
0,76 
0,78 
0,28 
0,53 
0,53 
0,52 
0,16 
0,40 
0.69 
0,35 
0,45 
0,20 
0,53 
4,63 
5,76 
5,30 
4,61 
0,19 
0,58 
0,12 
0,30 
3,25 
4,45 
3,65 
1,57 
1,43 
19,11 
1,18 
2,73 
0,53 
0,53 
81,08 
45,73 
84,53 
60,25 
53,89 
74,60 
88,70 
91.43 
98,88 
90.44 
88,77 
97,80 
84.02 
89.02 
59,51 
97,28 
96,14 
97,20 
93,97 
92.03 
90,47 
95,99 
76,94 
83,02 
84,82 
44,16 
91,96 
0,01 
50,54 
9,29 
29,18 
31,25 
1,94 
1,02 
3.11 
1.12 
8,04 
14,99 
0,07 
*)- 
7,38 
11,10 
18,36 
6,18 
7,66 
2,36 
4,76 
4,42 
1,06 
2,80 
3,83 
1,01 
72,68 
27,18 
2,81 
1,60 
0,65 
21,60 
3,92 
1,47 
4,13 
3,92 
3,66 
6,18 
3,19 
3,76 
5.10 
4.10 
5,46 
7,82 
4.80 
6.81 
2,20 
4,40 
7,15 
3,36 
5,72 
2,80 
11,89 
8,68 
8,60 
25,54 
12,43 10,31 
62,22 8,89 
2,20 
6,96 
1,71 
4,01 
8,36 
6.70 
5,93 
8.70 
8,47 
8,81 
14.48 
13,54 
12,92 
12,23 
10,52 
22,81 
10.95 
17,62 
12.49 
17,07 
31.29 
26,66 
22.29 
17,02 
18.96 
28.29 
35,19 
42,62 
33,45 
24.91 
28,11 
37,50 
35.91 
24,60 
I s 
S3 
% 
#1 
« C 3 
P* 
47,46 
0,00 
9,74 
1,59 
6,56 
7,50 
0,32 
0,12 
0,77 
0,13 
2,85 
0,71 
0,21 
0,82 
1,43 
0,46 
4,58 10,99 
1,71 I 7,37 
1,03 
0,72 
0,28 
12,03 
4,15 
1,57 
0,00 
*)- 
1,66 
2,66 
3,01 
0,73 
0,93 
0,62 
1,46 
0,44 
1,00 
0,41 
0,71 
1,06 
0,72 
0,90 
0,84 
0,49 
1,36 
0,93 
0,96 
0,39 
1,64 
2,14 
0,68 
1,03 
0,55 
2,89 
4,34 
3,92 
3,64 
14,23 
0,83 
3,23 
0,63 
1,04 
3,06 
3,03 
2,51 
4,85 
1,88 
16,88 
1,56 
2,41 
0,69 
0,47
        <pb n="137" />
        124 
(Eine Regierung im Deutzen Reidj, ber baran liegt, bie 
halfen ber beutfdfen Arbeiter für eine nationale politif zurüd* 
Zugewinnen, toirb nun zweifellos in nid)t zu ferner 3eit, barauf 
bebaut fein muffen, bie ben ärmeren Zeit ber Reichsbeoölferung 
ferner brüdenbe Steuerlaft eipeblid) zu oerminbern, wenn bas 
"Meid) nidjt über furz ober lang ber (Sefaljr einer üataftroplje ent* 
gegen gehen foil. 
Daft bies jeboci) nur auf bem Wege ber (Einführung bireîter 
Reichsfteuern mit (Erfolg gesehen !ann, bezweifelt unb beftreitet 
im (Srunbe feines ^ergens eigentlich niemanb — bie neu ge* 
fd) offene (Erbfdjafts* unb Dantiemenfteuer, bie geplante Wefjrfteuer 
finb Hare unb beutlidfe 5lnzeichen bafür. 
prinzipiell menbet ebenfalls, abgefeljen oon einigen ganz 
rüdftönbigen Üonferoatioen, niemanb mehr etwas gegen birettc 
Reichsfteuern ein. Datfädflidj befteht aber bod) eine grofje 51 b* 
neigung gegen ihre (Einführung, unb zwar mit Rüdfidft auf bie 
Finanzlage ber (Einzelftaaten, oon benen bie allermeisten auf bie 
Erträge ihrer bireiten Steuern angewiefen finb. 
Die (Einmenbungen, bie man oon biefer Seite zu hören be* 
beiommt, finb zweifüßiger 5trt, einmal mehr theoretifch*ftaatsredjt^ 
lieber, unb anbererfeits praßifd)*finanzpolitifd)er. 
(Es gibt eine ileine 5lnzaf)I oon politifern, bie bie 5lnfid)t 
oertreten, birelte Reichsfteuem feien, wenn audj nidjt bireft oer* 
faffungswibrig, fo hoch ¡ebenfalls nidjt im (Einilang mit ihrem 
(Seifte. Die reidjsfeitige Einführung bireîter Steuern fei alfo eine 
51 rt etwa oon ungerechtfertigter ^Bereicherung bes Reichs auf 
Moften ber (Einzelftaaten. Der Wortlaut unb bie (Entftehungs* 
geeichte ber Reid)soerfaffung rechtfertigen biefe 5luffaffung in 
feiner Weife. 5lllerbings hut 5lbfat) 2 bes 5Irtifels 4 ber 53er* 
faffung, ber bie ber Reidjsgefetjgebung oorbeljaltenen Watericn 
enthält, urfprünglidj gelautet: „unb bie für bie ßwede bes Reichs 
Zu oerwenbenben inbireften Steuern." Das inhaltsfd)were Wort 
„inbireften“ ift inbeffen oom Reichstag geftridjen werben, unb bie 
¿erfaffung hot in bem fo geänberten Wortlaut bie ßuftimmung 
ber oerbünbeten Regierungen gefunben. 
53om rein ftaatsredjtlidjen Stanbpunft aus liegt bie Sache
        <pb n="138" />
        125 
alfo gang fiar. Damit i[t natürlich bie Beurteilung ber meßr fubjeï= 
ticen $rage, ob es ,,[cßön“ ober „billig" im Beicße [ei, [eine §anb 
au&lt;ß nad) bireften Steuern ausgu[treden, nacßbem es ben (Eingeb 
[taaten bie inbireften fdjon genommen ßabe, nocß nicßt erlebigt. 
2ßie [o oielfadf) gerabe in $inangfragen, gibt aucß ßier 
bcr ^orteten ©un[t unb £&gt;aß bie Antwort. 2Ber auf bem mirf- 
ließ f&gt;i[tori[d;en Stanbpunfte [teßt unb in ben (Eingel[taaten bie 
burcf) eine Bti[cßung oon Becßtsanfprücßen mit meßr ober toeniger 
(bemalt unb Hnredjt allmäßlitß gu oölferrecßtlidjer Selb[tänbigfeit 
gelangten Bermaltungsbegirfe ((baue unb Btarfgrafßßaften) ber 
er[ten Kai[er erblidt, in bem Beicße aber ben beut[d)en Bational- 
[taat, bas ßöcß[te oaterlänbißße ^beal oereßrt, ber toirb [eßr ge 
neigt [ein, aucß finangpolitifcß über bie Bn[prücße ber (Eingel[taaten 
ßinroeggufcßreiten, menn es bas Be[te bes großen (bangen gilt. 
2Ber aber im (Eingebaut, mie er nun einmal befteßt, [ein engeres 
Baterlanb [ießt, mit be[[en gür[tenßaus ißn altererbte Begießungen, 
oielleicßt [ogar perfönlicßer 2Irt, oerbinben, ber mirb ungern [eßen, 
menn bie eingeI[taatIicßenBorrecßte einem allmäßlicßen2tuf[augungs- 
progeß gum Opfer fallen. Die[er, immerßin oer[tänbIicße unb aci 
bare Bortifularismus, ben mir als bisfutable 2In[d)auung aner- 
fennen, menn mir ißn aucß troßbem [djarf befämpfen, mirb nun 
crgängt unb [efunbiert burcß bie größeren Scßaaren jener, bie ba 
glauben, in möglidjft [elb[tänbigen (Eingel[taaten, bie mei[t fein 
allgemeines 2BaßIrecßt ßaben, eßer ißre eigenartigen 3iele erreicßen 
gu fönnen, als im immerßin freißeitlidfier organi[ierten beut[reu 
Beicß. 3^ bie[en Kategorien geßören meite Krei[e oon ben Kon- 
[eroatioen unb aus bem 3ß^um, aI[o bas, mas man bie Be- 
aftion nennt, bie [cßon uon jeßer bem Beicßsgebanfen feinblicß 
gegenüber [tanb. 
Bllerbings i[t nidßt gu oerfennen, baß unter Hm[tänben bie 
(Einfüßrung birefter Beicßs[teuern tat[äd^Iid^ einen (Eingriff in bie 
ginangßoßeit ber (Eingebauten bebeuten fönnie. 
2ßer bem Begriff bie[er ^inangßoßeit aber feine [olcße £&gt;ocß- 
acßtung unb B3ert[cßäßung entgegenbringt, baß er bie[em „Be 
griff" bie realen ¿ebensintere[[en bes beutfcßen Beicßs ßintan- 
[eßen möcßte, ber mirb aucß gugeben, baß bies unter Hm[tänben
        <pb n="139" />
        126 
gau5 heilfam für einige (Eingelftaaten mit mißlicher ginangtage, 
anbererfeits aber gar nicht unbebingt nötig märe. 
Die beseitige Reichstagsmajorität unb bie Rfehrgahl ber oer= 
bünbeten Regierungen fteljen jebod) auf bem, wie uns fdjeint wenig 
glüdlicben, Stanbpunft, bafj bie gntereffen ber (Eingelftaaten, ober 
bas, mas fie fälfd)lid) bafür galten, gehont werben müßten, unb 
fo ift es unabmeislid), bieder grage eine ausführlichere Reljanblung 
gu wibmen, bie freilidf) untrennbar ift non ihrer fdfon angebeuteten 
praftifch=finangpolitifd)en Seite, bie non bem (Einwanb ausgeht, bah 
ein 3ugriff bes Reichs auf bie birelten Steuern bie (Eingelftaaten ent= 
weber ber fdjon je^t notwenbigen unb unentbehrlichen (Einfünfte 
gum Xeil berauben, ober bodj bie lebten Referoen für eine üinftig 
erforberlidje Steigerung ihrer Reoenüen ihnen entgiehen würbe. 
(Es liegt auf ber £janb, bah man biefem (Einwanb nicht ohne 
weiteres jebe ^Berechtigung abfpred^en lann, ben es h^nbelt fich 
hier um Dinge, bie weit erheblicher finb, als bie theoretifdfe Re= 
ber ei über bie ginangljoheit ber (Eingelftaaten, bie ihnen ja auch 
fein Rtenfd) nehmen will — ¡ebenfalls nidE)t de jure, was ja in 
biefem galle wohl bie ^auptfadje ift. 
Der Reidjsgebanfe h&amp;t gwar aud) in ben Greifen ber beutfdjen 
Runbesfürften unb ihrer Regierungen feit 1871 unleugbare gort= 
fdjritte gemacht. 2Bir haben ein einheitliches Reichsgericht, ein ßioib, 
Strafe unb ^rogehrecht, ein giemlich einheitliches Rtilitärgerid)tsmefen, 
aber wie wir fd)on öfters fonftatiert hüben, ift ber ^artifularis= 
mus bod) noch lange nidjt tot. 2Bir erfreuen uns, banf feiner 
3ählebigfeit, neben nielen anberen Rubimenten aus ber jd)led)ten 
alten 3 C ^ ouch nod) einer fo gerrifjenen Steuergefetjgcbung, bie 
nach Í 0 fielen oerfdjiebenen ©efidjtspunften geregelt wirb, bah man 
wirîlid) nur begrüben formte, wenn Reichstag unb SBunbesrat 
bamit nod) grünblid)er aufräumen würben, als mit ber ^artifw 
Iargefehgebung auf bem ©ebiet bes 3iml unb Strafredjts. 
¿in Rlid auf bie oergIeid)enbe(EinfommenfteuertabeIíe Seite 121 
geigt mit aller Deutlic^feit biefe Rerfdjiebenheiten. 2Bäre es benn 
wirflidj etwas fo friedliches, wenn ein Rei^sfleuergefeh beftimmen 
würbe, bah bk (Eingelftaaten ihren ginangbebarf aufgubringen 
hätten burd) progentualen Ruffdjlag auf bie bireften Reirsfteuern,
        <pb n="140" />
        127 
unb bic ©emeinben, fotoeit ©nen feine fonftigen Hilfsmittel gur 
Verfügung fteljen, bur© einen weiteren 3uf©Iag? SBürbe bas 
überhaupt ein wefentli©er (Eingriff in bie ginanghofjeit fein? 
Überbies geigt ein Blid auf bie Xabelle ber Steuerergebniffe 
S. 122-123, baß bie ©ingelftaaten in ber bireften Beteuerung 
no© lange ni©t an ber ©renge bes Rlögli©en angelangt finb. 
Den Kommunen eröffnen fi© aber bur© Übernahme non Straßem 
bahnen unb berartigen Betrieben, ferner bur© Huge ©runb= unb 
Bobenpolitif eine große Re©e non ©elbquetlen, bie no© lange 
ni©t genügenb in Singriff genommen, gefdjtoeige benn erf©öpft finb. 
©egen Borfdjlage ber oben ermähnten SIrt ift eingewenbet 
worben, baß befonbers bie Heinen ©üringif©en Staaten babur© 
in arge Bebrängnis geraten würben, wäfjrenb nací) Bismards 
Sßort biefe Staatsgebilbe, bie „ben Rlörtel gmif©en ben Quabern“ 
abgäben, im Rei©sintereffe unbebingt erhalten werben müßten. 
Dies Ießtere gugegeben, fo ift ni©t eingufe^en, ob es ni©t gerabe 
für jene Heinen Staaten ein Segen wäre, wenn fie unter bem 
Drud ber Berljältniffe gegwungen fein würben, fi© einen etwas 
weniger ioftfpieligen Berwaltungsapparat anguf©affen, als fie fid) 
jeßt Ieiften. Dur© 3 u f amr rcenlegung ber Berwaltungsfunitionen 
ber oerf©iebenen Heinen Regierungen in eine 3^riralbeßörbe ließe 
fi© f©on oiel errei©en. 
Xatfä©Ii© läßt fi© ni©t beftreiten — unb bies wirb uon 
crnft gu neljmenber Seite au© ïaum oerfu©t — baß in ben 
©ingelftaaten — ober bo© in ben weitaus meiften, bie bireften 
Steuern, wie f©on angebeutet, no© erfjößungsfäßig finb, nur 
wünf©en bie Bunbesftaaten biefe fogenannten Steuerreferoen gu 
behalten, für bie ©neu obliegenben, begw. in 3^funft fi© no© 
ergebenben fogenannten „Rulturaufgaben". Ratürli© würbe es 
ni©t meffr als logifdj unb re©t unb billig fein, baß bas Rei©, 
wenn es wirfli© in fof©er SBeife in bie bisherigen Steuerquellen 
ber Bunbesftaaten ein griffe, baß es fie gur (Erfüllung ihrer SIuf= 
gaben untaugli© ma©te, ©nen au© biefe Aufgaben abnähme, 
was f©ließli© nur im Rahmen ber allein erftrebensmerten nation 
nalen (Entwidelung liegen würbe. Bei einer foI©en Steigerung 
ber Rei©sma©t müßte freili© bafür geforgt werben, baß in Berlin
        <pb n="141" />
        128 
nicht etma ber befannte preufpfdje Sureauíratismus unb partis 
tutarismus, oor meid) legerem felbft Sismará graute, bie 3ügel 
in bie 0anb betäme, fonbem ber Reidjstag mürbe nur einer mehr 
beutfd) als preuhifd) füljlenben Regierung [olche 9Rad)tfülle an- 
oertrauen bürfen. 
Rtan fagt uon Seiten, bie ber nationalen Semegung oon 
1848 feinblid) gegenüberftehen, biefe höbe nichts erreicht, meil fie 
[ich nid)t an bie gegebenen Realitäten angefd)loffen höbe, unb 
madjt einen gleiten Sormurf benen, bie heute bireiten Reid^s= 
fteuern unb ber bamit oerbunbenen Rlachtftärfung bes Aaifers, 
bes Reid^slangíers unb bes Reichstags bas 2Bort reben. 
ßugegeben, bah 1848 gehler gemadjt morben finb, bie na= 
mentlich in einer Überfdjähung ber itraft ber nationalen Seme= 
gung beftanben, bie nidjt imftanbe mar, bie ihr feinblichen, par= 
tilulariftifchen unb realtionären Reigungen in ben eingelftaatlid^en 
Regierungen unb ben biefen naheftehenben einfíu^rei^en ©efell* 
f&lt;haftsireifen bauernb zu überminben, Reigungen, bie Ieiber 1866 
mit Slut abgemafdjen merben mußten, fo brauchen mir hoch 
nid)t immer auf feuern Stanbpunit ftehen zu bleiben. 2Bir glauben 
an eine 3utunft bes beutf^en Soltes, an einen Sieg bes nation 
naíen ©ebantens über ben ^artituíarismus auf ber einen unb 
ben Internationalismus auf ber anbern Seite. 
3ur Überführung biefes gbeals in bie Realität gibt es aber 
fein befferes RZittel, als bas gmar nüci)ternfte, aber mirtfamfte — 
bas (Selb, bie ginanzgefehgebung. 
©ine berartige ©efe^gebung im Deutfchen Reid) tann unb 
barf neben ihrem finanziellen 3u)ed nur bas 3^1 int Ruge hoben, 
ben Reidfsgebanten zu förbern burd) Sereinheitlichung ber Steuer 
gefetje, burd) geregte Serteilung ber fiaften auf Rrm unb Reid). 
Daburd) merben bem Sortifularismus unb ber Reaftion auf ber 
einen, ber Sozialbemoiratie auf ber anbern Seite burdj ©nt= 
Ziehung bes mirffamften Rgitationsftoffes terrains abgemonnen, 
für bie ©rfüllung ber Reichsaufgaben aber ausreidfenbe Rlittel 
bereit geftellt. 
R3enn mir aber berartige ho&lt;hgeftedte 3tde oerfolgen, z u 
bereu (Erreichung noch ntandjer harte Äampf mit SBort unb geber
        <pb n="142" />
        129 
nötig [ein roirb, [o ictnn man non uns oor allem oerlangen 
bag mir 
1. pofitio ertlären, roas mir roollen, b. f). betailtierte Sor= 
fdjlöge für ein bireftes 5Heidf)sfteuerfr)ftem machen, unb 
2. ben giffernmägigen Seroeis liefern, bag biefe Sor[djIäge 
tat|äci)Iici) bas (Ergebnis gu liefern imftanbe [inb, roas mir oer= 
[proben haben. 
9iad) bem oor[tel)enben fann es [id) aI[o nur barum Raubein, 
roie mir nommais gu[ammenfa[[en, burdj Steuern auf Einfommen 
unb Vermögen ber ¿Reidjsuntertanen ben [$inangbebarf bes ¿Reidjs 
in aud) für bie 3ufunft ausreidjenber 2írt gu beden. 3 U bie[em 
3roed fjaben mir ein Sgftem gu finben, bas er[tens bie Iei[tungs= 
fähigen Bürger ihrer £ei[tungsfähigteit entfpredjenb belaftet, groeü 
tens genügenb (Selb [c^afft, um bem ermähnten finangielten 
3tned nollauf gu genügen, brittens bie ^inangroirt[chaft ber Ein= 
gel[taaten nid)t ruiniert, oiertens ber Solfsroirt[djaft nid)t tjinber- 
lic^ in ben 2Beg tritt unb fdjlieglid) bas parlamentari[d)e (Ein- 
nahmeberoilligungsredjt noli refpeitiert. 
s JUan roenbe nici&gt;t ein, bag mir Utopien nadgagfen. Der 
Antrag ber ßrei[innigen Solfspartei auf Einführung einer ¿Reid)s= 
nermögens[teuer rourbe am 28. ¿Biärg 1906 groar mit 95 gegen 
63 Stimmen abgelehnt — ein [tärferer Se[uch bes £au[es auf 
ber hinten hätte aud) eine Annahme bringen iönnen. Die 2lb= 
leljnung beroeift alfo nichts. Die [charf gegnerifd^e Gattung ber 
¿Regierung, bie burd) [adjlidj [tidjhaltige ©rünbe nicht geftügt 
rourbe, lägt allerbings non biefer Seite für bie 3u!unft noch ni^k 
Schroierigieiten erroarten. Sei fortbauernbem 2Inroad)[en bes 
ßinangbebarfs möchten mir [djliegiid) aber ben Schagfefretär [eben, 
ber [id) [träuben mürbe, bie unbebingt erforberlidjen ¿Uíittel gu 
nehmen, falls ber ¿Reichstag [ie ihm anböte, roenn[d)on aus [o 
un[gmpathi[cher Quelle, roie aus bireften Steuern! 
Señor mir aber an bie (Entroidelung un[erer Sor[dhIäge im 
eingelnen h^rangehen, i[t es nötig, bag mir uns über bie Ber= 
teilung non Eintommen unb Sermögen im ¿Reiche ein möglichft 
genaues Silb machen. 
Dagu genügt, roenn mir uns bie 3 a hl cn ^ er Statiftif ¿ßreugens 
ffiroteœolb, glnan^qllem. 9
        <pb n="143" />
        130 
oorneljmen, unb biefe im Verhältnis oon 3:5 auf bas SRetd) 
(ca. 36 Vlitlionen (Einwohner gu ca. 60 VZillionen) umredjmen. 
Der Hnterfdjieb, ber firf) ergeben würbe aus bem Vorhanbenfein 
oon Vunbesftaaten mit burc^fc^nttíítá) ärmerer Veoölierung wirb 
wteber wettgemaci)t burdj fol^e mit fetjr woI)If)abenber Vürger* 
fdjaft, wie 3.23. Sadjfen unb bie $anfaftäbte. 
Va© bem Veridjt bes preufcifdjen ginangminifters an bas 
Vbgeorbnetenljaus nom 3a^re 1905 [teilte fid) bie Vermögens* 
oerteilung wie folgt bar: 
3m Vef© eines Vermögens non über 6000 9Jîarï waren im 
gangen 1379221 ^ßerfonen, bie mit ©ren Angehörigen eine Ve* 
oölferungsfdjicht oon ca. 5 ^Millionen, gleich etwa 14 °/ 0 ber ©e* 
famtbeoölierung oertreten. 
Das gefamte ergängungsfteuerpfli©tige Vermögen biefer 3en* 
fiten [teilte fiel) auf 82,4 Vtilliarben, mithin für [eben im Dur©* 
[©nitt auf ca. 60000 Wart. 
Da bie preufp[©e ©rgängungsfteuer nidjt progreffio ift, oiel* 
mehr für alle Vermögenslagen nur einen (Einheitsfatj oon x / 2 °/ 00 
iennt, [0 ergeben bie (Ermittelungen, bie auf ©runb ber (Ergänz 
gungsfteueroeranlagung aufgebaut finb, ein gang genaues Vilb - 
ber Vermögensoerteilung. 
(Es beträgt bie Angahl ber 3 en î^ en mü einem Vermögen 
oon mehr als: 
6000— 20000 m 674 351 = 48,89% ber (Befamt#! 
20000— 32000 „ 239922 = 17,40 „ „ 
32000— 52000 „ 188039 = 13,63 „ „ 
52000—100000 „ 146910 = 10,65 „ 
100000—200000 „ 72459 = 5,25 „ 
, 200000—500000 „ 38942 = 2,82 „ „ 
500000 bis 1 ^million 11189 = 0,81 „ 
1 bis 2 (Millionen 4 742 = 0,34 „ „ 
über 2 (Millionen 2667 = 0,19 „ 
3ntere[[anter ift aber nodj bie na©[tehenbe ^ufammenftel* 
lung, bie bie Steuerleiftung, unb bamit gang genau bie Vef©= 
oerhättniffe ber eingelnen ©nippen erlennen Iäftt. Von ben 
40 1 / 4 Vlillionen ©rgängungsfteuerleiftung würben aufgebra©t oon 
ben Vermögen oon meljr als:
        <pb n="144" />
        131 
6000— 20000 ÏÏR. 
20000— 32000 „ 
32000— 52000 „ 0 , 0 ¿ 
52000-100000 „ 5,15 
100000—200000 „ 5,08 
200000—500000 „ 6,— 
500000 bis 1 gftillion 3,99 
1 bis 2 StRillionen 3,04 
über 2 ÜJlillionen 6,72 
8,82% bes (SefamtfoIIs 
= 6,35 ,, 
— 6,48 „ „ 
= 12,79 „ 
= 12,61 „ 
= 14,91 „ 
= 0,00 „ ,, 
= 8,44 „ 
= 16,70 „ 
3.55 Millionen = 
2.56 
9Jlan [tef)l an bicfer 3ufammenftellung, bajg ein 21nteil Dort 
35°/ 0 bes mehr als 6000 Marf betragenben ^rioatbefitjes in 
§änben oon ben 18598 preufgfdfjen Steuerzahlern (= 1,35°/ 0 
ber . ^enftien) tft, bie mehr als ^ Million befi^en. pr bie 3u= 
Iäffigieit einer fcf)arf progreffioen (Einfommens= unb 23ermögens= 
befteuerung audfj im 9?eicf)e bebarf es nach pftftellung biefer 
3iffer eigentlich feines metieren ÜBemeifes mehr. 
Mit einer einfachen (Einfommens= unb Sermögensfteuer nad) 
2trt ber burdE) o. Miguel in %Sreu&amp;en eingeführten märe bem Mich 
inbeffen nicht geholfen. 
Die ©emeinben unb (Eingelftaaten hoben tatfädhlidh nament- 
lidh bie ©infommensfteuer fdfjon red^t ftarf in Slnfprud) genom= 
men, menn auch n0£ h nicht erfchöpfenb. 
^ebenfalls lö^t [ich aber aus einer einfadhen Midhseinfom= 
menfteuer allein ohne gärten nid^t bas berauschen, mas felbft 
nach Schaffung einer anfehnlichen Michsoermögensfteuer nodh an 
Mitteln gu bef^affen märe. 
Das gkingíp ber Differenzierung ber SBefteuerung mirb hier 
^lotj greifen müffen. Mdht jeber, ber mit anberen ein gleiches 
(Einfommen hot, ift mit biefen oon gleicher fteuerlicher £ei[tungs= 
fähigfeit. 
Dem pmilienoater gebührt (Erleichterung im Vergleich mit bem 
3unggefellen, ber alten 3ungfrau 1 ) unb bem finberlofen (Ehepaar. 
Dem ohne viel Mühe ermorbenen (Einfommen aus Kapital* 
renten fann eine ftärfere 23elaftung gugemutet merben, als fauer 
erarbeitetem fiohn für horte unb oolfsmirffchaftlidh nütjlidhe %e= 
rufstätigfeit. Der (Empfänger oon Kapitalrenten befit}! infolge 
l) Sögt. (Eugen o. ßagemann, ber biefe feljr ernfte ßrage mit einem SBifc erle= 
bigen ;u tönnen glaubt. 
9*
        <pb n="145" />
        132 
feines Kapitalbefitjes aufjerbem eine mirtfdtjaftlidt) weit gefiedertere 
Stellung als ber allein auf ben (Ertrag feiner Arbeit angewiefene. 
9lrbeitseintommen unb Kapitalrenten finb iljrer 2lrt nad) 
periobifdje ©intommen, bie fid) im großen (Sanken 3a^r für ßa^r 
wiebertjolen unb bei günftiger mirtf^aftli^er ©ntmidelung fogar 
fteigen. 
Das fteuerpflidjtige ©intommen betrug in %Sreufjen: 
1892 5,7 Williarben Wart 
1905 9,7 
Die burct) bie ^3eriobigität unb bie normale Steigerung ge* 
botene Sidjerljeit unb ©leid^mä^igteit machen bie beiben ermähnten 
(Eintommensarten befonbers geeignet, bie Bebürfniffe bes orbent* 
lidien bauernben (Etats gu tragen, mäljrenb man nidjtperiobifdfes 
(Eintommen, bas eine feljr Ijolfe Belaftung oertragen tann, redfyt 
gut für ben Spegialgwed einer aufjerorbentlidjen Sdfjulbentilgung 
befteuern tonnte. 3um nidjtperiobifcfjen (aud) aleattorifdjen ober 
zufälligen) genannten (Eintommen gehören ©rbfetjaften, ©efdjente, 
Witgiften, ©eminne aus Spiel, Wette, Konjuntturen ufro. 
Da mir eine ©rbfdjaftsfteuer, bie aud) ©efdjente unter Ke* 
benben mittrifft (fiel)e 3. Kapitel) bereits l)aben, tonnen biefe bei* 
ben ©intommensarten t)ier ausfdjeiben. Spiel* unb Konjunttur* 
gewinne füllten aber, wenn über eine gemiffe Summe hinaus* 
ge^enb, mit einer red)t tjocl) gu bemeffenben 9?eict)sabgabe belegt 
werben, fagen wir bei Heineren Summen, unter 1000 Wart, 10, 
bei größeren 20 °| 0 . Da es fid) l)ier um ßufallseintommen Ijanbelt, 
auf beffen Wieberlplung ber Steuergal)ler nidjt rechnen tann, wirb 
eine fdfjarfe Befteuerung biefer Ijäufig auf ungefet)lid)em ober 
üoltsmirtfctjafttid) nutjlofem ober gar fdtjäblid^em Wege erworbenen 
©intommen fo leidjt teine Sd)äbigung'ber Steuertraft bes Kanbes 
burd) Slusmanberung befürdjten laffen. 
Bei E&gt;anbelsgefd)äften unb Betriebsgcminnen oerfetjiebener 
3lrt wirb es oft fdjwer fein, bie 2lrt gu beftimmen, gu ber bas 
©intommen gu rechnen ift. Seljr Ijöufig wirb fi&lt;d ein ©efdjäfts* 
gewinn gufammenfetjen aus £oI)n für wirtlid) geleiftete taufmän* 
nifdje Berufsarbeit, Kapitalrente unb Konjuntturgewinn. Wan 
würbe Ijier, etwa burd) Drittelung, ober ßeftfe^ung eines für oer*
        <pb n="146" />
        îdjtebene 23randf)en oerfcïjiebenen 23erhältni[fes eine gefepdje %er= 
mutung zu Raffen haben, bie bann ^3Ia¿ greifen mü&amp;te, wenn 
ber Steuerbeiiarant {eine glaubhaften Angaben über bie %er* 
teilung feines (Einiommens auf bie brei Slrten machen !ann 
ober null. 
Diefe befonbere 23e[tcuerung einzelner 5Irten bes (Eintom* 
mens ift bureaus nichts neues. 2Bir haben im SReidf) eine CErb= 
f&lt;i)afts= unb iantiemenfteuer, Samern fennt eine Kapitalrenten* 
[teuer. Die [o oiel oerbreiteten ©runbfteuern finb nidjts anberes 
als eine fpezieíle 2Irt oon 23ermögensfteuem. 
93on oielen Seiten toirb eine SBehrfteuer (toie 1881 [df)on 
einmal uergebtich angeregt), oerlangt, b. h- ein 9ftann, melier 
nicht Solbat hat zu werben braunen — in erfter Kinie ber wegen 
Heiner {örperlidjer gehler, bie feine (Ermerbsfähigieit nid^t beein* 
trächtigen, freigetoorbene (Einjährig* greimillige unb biejenigen 
%%annfdhaften, bie [ich frei geloft haben — foil, getoiffermafjen als 
Ausgleich für bie bamit oermiebenen Koften bes militaricen 
Dienftes, eine Steuer entrichten. Diefer ©ebanie hat oiel be* 
ftedjenbes unb es liegt uns fern, ihm prinzipiell miberfpredfjen zu 
wollen, immerhin iaffen fid) fehr Cwerwiegenbe 23ebenfen ba* 
gegen anführen. Da ift gunöchft bas ibeale Wotio, wona^ bie 
33erteibigung bes 23ateríanbes eine (Ehre unb berjenige bebauerns* 
wert fei, ber ihrer nicht teilhaftig werben fönnte. Somit erfcheint 
es ben Verfechtern biefer 2Infid)t als hart unb ungerecht, ben 
armen bebauernswerten „Veichsirüppel" auch noch bafür zahlen 
ZU Iaffen, bafj er {eine Gelegenheit finbet, bes Königs 9W zu 
tragen. Das &lt;J3ubIiium bürfte barüber meift anberer 2Infid)t fein, 
was freilich nichts beweift gegen bie theoretifdje íRic^tigíeit jenes 
aus ¿ßiten h°I) er nationaler Vegeifterung in unfer nüchternes 
unb materielles flatter hinübergeretteten gbealismus. 3ßoIlte 
©ott, baj) mehr baoon in unferem Voli oorhanben wäre! 
So wie bie Dinge heute aber liegen, ift eine 2ßehrfteuer ent* 
fchieben populär, unb oon unferem Stanbpuntte aus, bie mir in 
ihr eine weitere, britte (Etappe auf bem 2ßeg zum bireiten Reichs* 
fpftem erblicien, auch bureaus wünCenswert. 3h r finanzieller 
(Effeit wirb freilidh unbebeutenb bleiben.
        <pb n="147" />
        134 
3h rer 23eraníagungsart nad) toare eine 2Beí)rfteuer benibar als 
ítopffteuer, bie heute mohl unmöglich ift, als (Ein!ommens= ober 
befonbers als 23ermögensfteuer. 2IIs Steuerträger täme enttoeber 
ber oom SOtilitärbienft befreite junge %)tann, ober, beim (Einjährig* 
greimitligen befonbers, ber unterí)aItsoerpfIidjtete 2Ifgenbent (33ater) 
in grage. 
Dies Steuerprojeit, bem bie gorm einer 23ermögensfteuer 
fidjer am bejten paffen mürbe, leitet uns über gur 23ermögensbe* 
fteuerung im allgemeinen. (Es ift ein unangefochtenes Dogma 
ber Steuerlehre, bah eine eigentliche 23ermögensfteuer, b. h- eine 
Steuer, bie aus bem Vermögen befahlt mirb, bureaus unftatt* 
haft ift, meil fie bem Sfíationaímoljíftanb fdjäblidj märe unb ba- 
her nur für Ariegsnöten unb bergleidjen gang aufgergemöhnlidje 
gälte anmenbbar erfdjeint. ©ine 23ermögensfteuer, mie fie fürs 
yieidf) nur in grage lommen iann, ift, mie 3. 23. bie preuhifdhe 
©rgängungsfteuer auch, nichts meiter als eine aus bem gahres= 
einlommen gahlbare Steuer, bie nur nad) bem Vermögen tarifiert 
mirb, um ber eigentlichen ©iniommensfteuer als „(Ergöngung" 
unb Morrettur gu bienen. Die ^ßrogreffion erreicht bei ber 23er= 
mögensfteuer nidjt entfernt bie 21usbehnungsmöglidjieit, mie bei 
(Einiommensbefteuerung. 
Überhaupt finb ber 2krmögensfteuer engere ©rengen gegogen 
als anberen Steuerformen. 
3n einem mirtfcijaftlid^ profperierenbem Staatsmefen erhöhen 
fid) inbeffen nid)t nur bie (Einlommen, fonbern naturgemäß aud) 
bie Vermögen. Diefe Zunahme betrifft befonbers bie großen mit 
hohem (Einlommen oerbunbenen 23efißtümer. So ftieg bas fteuer* 
pflichtige Vermögen in Preußen oon 
63,9 9JiiIIiarben im 3aljte 1895 
auf 82,4 „ „ „ 1905 
3h rer (Entfteljung nad) finb biefe 3unaßmen, bie, mie aus 
obigen 3 a hlen Ijeroorgeht, bureaus nicht niebrig finb, nun ent* 
meber bie 9?efte oon (Einlommen, melche bie (Empfänger gu ihrem 
Lebensunterhalt nicht gebraucht haben, bie fie erfparten — ober 
fie finb bas SRefuItat eines inneren 2Bertgumad)fes bes 23ermö= 
gens, bas gunädjft nidjt als (Einlommen in bie (Erfcßeinung tritt,
        <pb n="148" />
        135 
fonbern erft bei einem Verlauf non fiiegenfchaften, SBertpapieren u[r». 
als Soldjes in bie SBirflidjfeit überführt wirb. immerhin ift ber höhere 
2Bert oorhanben, unb es ift ein großes Serbien)! ber bobenrefor* 
mengen Bewegung, baft biefe wenigstens ben (Srunbwertguwachs 
ber SBefteuerung guguführen Sudf)t. (Es befielt aber fein ©runb, 2Bert* 
guwa^s anberer 3lrt, 3.35. Kursgewinne, unbeSteuert 3U IaSSen, unb 
aud) bie gurüdgelegten (EinfommensüberSd)üSSe bilben ein gang oor* 
gügli^es Steuerobjeft. 2Ber weit mehr oerbient, als er braucht, wirb 
So leidet aud) burd) I)oI)e Steuern nicht gur 3lbwanberung aus 
einem £anbe oeranla^t, bas iljm So Ijeroorragenbe (Erwerbsdjancen 
gewährt, baj} er erljeblidje Summen gurüdlegen tann. gm VnSchluf} 
an bie Vermögenssteuer gestaltet S# bie Veranlagung gu einer 
Sotten Steuer S^hr einfach: bie KlaSfierung beruht auf ber ©if* 
fereng gmifdjen gwei VermögensSteuerbeilarationen. 
Beoor wir nun gu ber giffernmä^igen Tarifierung unb (Er* 
gebnisberecfjnung ber im obigen oorgeS^lagenen Steuerarten über-- 
gehen, erübrigt es Sid) nodj, bie Steuerträger näher gu bestimmen. 
(Es iSt in ber mobernen SteuergeSe^gebung üblid), bie Klassierung, 
oon ber bie ^rogreffion ja abhängt, nach Vcrfonen oorgunehmen. 
Dies ^Pringip leibet an einem großen geiler, ber es gerabe wohl= 
habenben gamilien ermöglicht, erhebliche Teile ihres (Einfommens 
unb Vermögens ber Besteuerung gu entgiehen. Solange bie 
gamilie noch bie ©runblage unSeres gesamten fogialen unb Staat* 
liehen Gebens iSt — unb bas wirb \k hoffentlich in alle (Ewigfeit 
bleiben — Solange beSteht auch %in plauSibler ©runb, ben ga* 
milienbefih, begw. bas gamilieneinfommen nid^t auch gur (Erunb* 
läge ber SteuerflafSierung gu machen. 
3Benn g. B. ein Vtann 5000 Vf. gahreseinfommen hot unb 
Seine grau aus Vorbehaltsgut 1000 VI. 3inSen befommt, währenb 
jebes Kinb biejes (Ehepaars aus einem ßegat jährl# 500 Vt 
Vente erhält, jo rangiert heute bie grau in Brennen in ber 
niebrigjten SteuerflaSSe, währenb bie Kinber überhaupt frei bleiben. 
(Es honbeit Jid) aber bodh um eine gang Sieuerfräftige gamilie, 
ber für ihre 3Birtfd)aft bei brei Kinbem 7500 Vt. gur Verfügung 
Stehen. (Es ift fein (Brunb erstlich, weshalb nicht alle Vtitgtieber 
biefer gamilie ebenSo gut nach bem Gteuerfah ber Klaffe für
        <pb n="149" />
        136 
7500 SR. neranlagt werben folien, natürlid) jebes nur für ben 
Vetrag feines (Einfommens, als tote biefe Veranlagung ein f$a= 
milienljaupt trifft, bas 7500 9Jiar! aus feinem Vrbeitseinfommen 
allein erwirbt. 
3n ber uralten ^Guerftättenfteuer unb ber in unferen Sd)utj s 
gebieten eingefüljrten §üttenfteuer ^aben mir Analogien für bie 
0erangiel)ung ber 2Birtfd)aftseint)eit gur Vefteuerung, menigftens 
in gemiffem Sinne. 
^ebenfalls mürbe burd) biefe nur ber ©eredjtigïeit entfpre* 
dfenbe Veranlagungsform, bie mir aud) ber eingelftaatlid)cn Steuer 
gefelggebung empfehlen möchten, ein heute nod) faft brad)liegem 
bes ©ebiet einer p^eren Vefteuerungsmöglid)ieit erfdjloffen, bie 
für feinen Vetroffenen eine ungerechtfertigte £ärte bebeuten mürbe. 
3um Vergleich mit unferen jet)t folgenben betaillierten Vor= 
fcf)Iägen geben mir ©er gunädhft im Vusguge (S. 137) bie geltem 
ben (Einfommenfteuergefetje ber brei größten Vunbesftaaten unb 
nermeifen aud) auf bie oergleidfenbe ©egenüberftellung ber Steuer- 
ertrage im Veid) unb ben (Eingelftaaten 1905, Seite 122—123, 
unb auf bie Tabelle Seite 121. 
Tod) nun gu ben betaillierten Vorfdjlögen, benen mir 3 begm. 
4 Steuerarten gugrunbe legen, inbem mir bie Sonberfteuer auf 
3ufaIIseinfommen gunäd)ft bei Seite Iaffen. 
(Es finb bies: 
I. Veidfseinfommenfteuer 
a) Vrbeitseinfommen 
b) Kapitalertrag 
II. Veid)st&gt;ermögensfteuer 
III. Vermögensgumad)sfteuer. 
Deren Tarif ir un g benfen mir uns burd)füf)rbar auf ©runb 
ber nad)ftel)enben Tabellen. 
Tie 3ohI x » roeldje ben Gteuerfu^ begeidjnet, unterliegt ber 
jährlichen gefet)Ii&lt;i)en geftftellung im (Einflang mit bem Vubget. 
Sie begei^net ben ^rogentfah ber niebrigften Stufe. Tie 3ifí crn 
ber Tabelle geben bie %Srogreffion an. Ob biefe gu fdjarf gewählt 
ift, ober ob fie nod) in ber präzis etwas ftärfer angefpannt werben 
tonnte, hängt gang oon ben (Erfahrungen ab, bie man bamit
        <pb n="150" />
        g = = 
Die eínhommenfteuertañfe für: 
— 137 
I I I I I I I I I I I' 
ñ CO ^ 
OH(NW^iO«ÛO)OJJ 
g = 
111 
*3 W 
c c 
o © 
CO o o 
i-H O 
Ç=r 
¡¡ÏÏH2HZ22Z&amp;] 
O O 
VO ^ 
© © 
© 
JíJíeUiiidiiüfeíásssgsssi 
o o 
xH O 
tí O 05 
«OS 
VC-^, T- 
-e 
ssssilllllllillls 
oííícq'KCOCííNioac 
mmmué 
g = 
I I I I I I I M. M. I. I. I. I. I. I. L 
¡¡11111
        <pb n="151" />
        machen mürbe, unb läftt ftd^ unferer Sleinung nad) t^eorctifdf) 
meber bemeifen nod) beftreiten. Der ©egenbemeis märe nämlidj 
nid)t burd) lebhafte ^3rotefte, fonbern erft burdj tatfäd)lid) begtnnenbe 
Slbmanberung bes ©rofttapitals gu erbringen. 
2Bir mieberhoten, baft teuere bas benïbar fdjmerfte mirtfdjaft* 
lidje ltnglüd märe. (Es märe baljer gar nicht jo fd)Ied)t, menn 
jener in granireid) antäfelidf) ber $oincaréf&lt;í)en Steuerreform auf* 
getaufte Sorfdjlag einer internationalen Serhinberung bes Kapi* 
tais an ber Steuerhinterziehung burd) 3Ibmanberung feiner Ser* 
mirtlid^ung entgegengeführt merben tonnte. 5lber natürlich ift bas 
eine Utopie. 
3um 3med ber Xabellenberedjnung ift bie 3iffer x = 1 °/ 0 
angenommen morben (Seite 139). 
(Es ift nun freilich unmöglich, hierin einen gang ausführlichen 
©efetjentmurf niebergulegen, mie mir uns ben Slusbau ber biretten 
Seidjsfteuern auf ©runb oorftet)enber Xabelle im Sing einen oor* 
ftellen. 
3ur ©rläuterung biefer Xabelle möge baljer turg folgenbes 
bienen: 
gür bie Steuer auf Srbeitseintommen, mogu mir aud) auf - 
©runb oon ©efetjen ober Snftellungsoerträgen (nicht burd) 3(#ung 
oon Serfidfjerungsprämien) ermorbene ^enfionen gählcn, fdjlagen 
mir eine ÿrogreffion oon 1:10 oor. ßür niebrigere Kapitalien* 
teneintommen empfehlen mir einen um bie Hälfte h&amp;h eren Sah 
als für bie betr. Srbeitseintommen. Da aber bei Durchführung 
biefes ^3ringips bis in bie haften Klaffen bort infolge ber 
ftärteren ^rogreffion bie Selaftung ber Steuerzahler bod) eine gu 
ftarte merben mürbe, bürfte es richtig fein, oon 15000 Sit. ab bie 
gleichen Sätje für beibe Steuerarten gelten gu Iaffen, benen im 
Übrigen bie gleiche Klaffeneinteilung gugrunbe liegt. — (30 Klaffen 
fteigenb bis 50000 Sit. 
Die Sermögensfteuer mag beginnen in ber erften Klaffe mit 
bem niebrigen Satje oon 1 ¡ 20 bes Steuerfujges für bie niebrigfte 
SIrbeitseintommentlaffe unb im ^rogreffionsoerhältnis oon 1:4 
bis auf Vö fteigen. 
Die Sermögensgumadhsfteuer follte mit bem hoppelten Sah
        <pb n="152" />
        Klaffe Slrbeitseinlommen | Kapitalertrag ¡ Vermögen S erm âge nssju to act) s 
— 139 — 
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        <pb n="153" />
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— 140 — 
ber entfpredjenben 5lla[[e ber Arbeitsein!ommen[teuer beginnen, 
aber mit langsamer ^3rogre[[ton ebenfalls im Aerhältnis non 1:10 
ihre ^öd)fte Stufe er[t bei einem Aermögensgumadhs non über 
^4 Million erregen um bie ileinen Sparer niá)t gu [eljr gu 
treffen, beren Xätigteit befanntlid) für bie (Entmidlung bes National* 
nermögens non ber größten Aebeutung ift. ÎBir benien uns bie[e 
Steuer gemiffermaften als bie golge eines Witanre^ts bes Staates 
an bem unter bem Sdjmtj [einer (Einrichtungen ergielten mirtfdjaft* 
liehen gortfchritt [einer Bürger, g^^nfalls moljnt ber Aermögens* 
gumad)s[teuer bie[er (Eljaraiter in toeit ^ö^crem Alafte inne, als 
irgenb einer anberen Steuerart. Sie i[t bie Krönung eines nadj 
bem ^Sringip: „Ae[teuerung ber (Ermerbserfolge nidjt ber (Ermerbs* 
mittel" burdjgeführten Steuer[p[tems. 
3m Übrigen mag es gur Orientierung barüber, mir mir uns 
bie Ausführung biefer Aorfdjlage benien, an biefer Stelle ge 
nügen, nur noch einige £eit[ät}e bafür aufgu[tellen. Um eine 
oolle Anpa[[ung an bie mirt[ü)aftli^e £ei[tungsfäl)igieit bes Steuer 
trägers gu ergieten, mären gunächit folgenbe 3u[ci)läge begm. Ab* 
güge unb ^Befreiungen in Aor[djlag gu bringen: 
Oie untere ©renge bilbet für bie (Einiommensbefteuerung 
a) Aei !inberIo[en ^3erfonen ein (Einiommen oon 750 9Jli. 
b) Aei ^erfonen mit unterhaltsberechtigten Oe[genbenten (auch 
im galle freiroillig übernommener Unterljaltsoerpflichtung (Er* 
merbsunfähiger) erhöht [ich öie ©renge auf 1500 3% 
Aon ber Aermögensfteuer bleiben befreit: 
a) Vermögen unter 6000 3Ri. überhaupt, 
b) „ „ 30000 „ 
bei meniger als 1500 9ftl Xotaleiniommen ber betreffenben 2Birt* 
Waft 
Aon ber Aermögensgumachs[teuer bleiben befreit: 
a) 3unahmen unter 500 3Ri. 
b) Zunahmen burdj meldje bas oorhanbene Aermögen 
auf nicht mehr als 30000 AU. gebracht mirb, 
3ufci)läge auf bas ©efamtergebnis aller ihrer bireften Steuern 
gahlen:
        <pb n="154" />
        a) unoerljeiratete ^3er[onen, oljne unterhaltsberechtigte 
ober angenommene, erwerbsunfähige Angehörige mit 
einem (Einiommen oon mehr als 2500 331!. 25% 
b) fdjon wegen Steuerbefraubation oorbeftrafte ^erfonen 
bei einmaliger Aorftrafe 10% 
für jebe weitere Aorftrafe je 10% 
auf ben ©efamtfteuerbetrag inri, fonftiger 3 u f^iöge. 
Abzüge werben geftattet: 
a) für jebe oon ber Steuerwirtfdjaft freien Unterhalt em= 
pfangenbe erwerbsunfähige ^erfon 10 %, bis gum 
^ö^ftbetrage oon 50%, jebodj nur, falls Steuerträger 
weniger als 5000 331!. ¿intommen unb 100000 331!. 
Vermögen oerfteuern. 
b) oon ber (Einïommensbeïlaration bürfen abgefetjt werben: 
1. alle 3um (Erwerbe gehörigen Ausgaben, jebodj nicht ber 
eigene Unterhalt; 
2. Aerficherungsprämien aller Art. Gebens* unb Aentenoer= 
fid)erungen unterliegen inbeffen nadj ihrem jeweiligen 
Aapitalwert ber Aermögensfteuer; 
3. bie birerien Steuern bes laufenben 3&lt;*h res , in®- Sdjulgelbes; 
4. Sdjulb3in[en. 
Aon ber Aermögensbeilaration bürfen Sdjulben in Abgug 
gebracht werben, wenn audj fonft für bie Aermögensbeilaration 
bie hünbelsgefehli^en Acftimmungen über Srilangaufjtellung nur 
teilweife gelten iönnten. (Es müffen 3. A. ©runbjtüäe, A3 erb 
papiere, A3 aren ufw. 3U bem am Xage ber Deriaration er3ielbaren 
Aer!aufs= b^w. Kurswerte auf geführt werben, ba anbemfalls, 
wenn man bie ©runbfätje ber faufmännijchcn Ailan3 birett auf 
bie Steuerbeflaration übertragen, alfo bie ßnoentur nadj bem 
^3rin3ip ber Solibität möglichft niebrig bemeffen wollte, bies einer 
Steuerhinter3iehung gleich läme. 
A3egen ber Doppelbefteuerung oon ©efellfdjaften iönnte man 
mit einigen Aerfdjärfungen, bie beftehenben preufeif^en Aeftüm 
mungen auf bas Aeidf) übernehmen.
        <pb n="155" />
        142 
3ur33eraní&lt;í)aultcí)ung, wie unfereSteuerüorîcfylâgember^raiis 
arbeiten würben, geben wir im 9tadjfteljenben einige 23ei[piele: 
a) Gin i&gt;anbroerter betlariert im ßahr, nad) 2Ib3ug feines 5Berfi&lt;herungs= unb 
Steuergelbes, ein Gintommen oon 2000.— 50Î. (5llrbeitseintommen KI. 8). 
Gr ift oerljeiratet unb hat gmei Kinber, (omit ftellt fid) feine Steuerpflicht tote folgt, 
inbem angenommen wirb, bafj toeber er noch feine fjrau anberroeitiges Gintommen ober 
Vermögen befitjen: 
2000.— 50t. bei einem Steuerfufj x= % %, ben mir für alle Seifpiele 
fefttjalten; 
Kl. 8 h 1 Va o/o 22.50 „ 
Slbäug 2 Kinber 
à 10 o ,o=20°/o 4.50 „ 
is.- 50t. 
b) Gin 3 u, iggefelle Befi^t ein £aus, bas er für 100000 50t. oertaufen tann. Gr 
3iet)t baraus einen (Reingewinn oon 6000.— 50t. netto, nach 2tb3ug aller Steuern ufro., 
ba er lein frembes Gelb barin hat. 
Diefes oerbraust er aber nid)t gan3, fonbern bringt jebes 3at)r 1000 50t. baoon 
auf bie Sant, roo er ein Guthaben oon 10000 50t. hat, bas fidf) mit 3% oersinft, alfo 
weitere 300 50t. einbringt, bie er ebenfalls nicht oerbraud)t. ferner hat er 2000 50t. an 
einer Gffettenfpetulation oerbient, unb 500 50t. Honorar für eine gelegentliche fchriftfteb 
lerifche SIrbeit erhalten, roas er beibes ausgab. 
Demnach (teilten (ich feine Gefamtreoenüen wie folgt : 
a) 5Hrbeitseintommen 500.— 50t. 
b) Kapitalertrag 6 300— ,, 
c) 3ufaIIse(ntommen 2000.— „ 
8800.— 50t. 
Gr oerfteuert baoon in Klaffe 19 
I. als Gintommen 3roifd)en 8 unb 9000 50t. 
a) 3U 2 i k % fein 5îlrbeitseinïommen 500.— 50t. 12.50 50t. 
b) „ 3 Va „ «feinen Kapitalertrag 6300.— „ 196.90 „ 
c) „ 20 „ fein 3ufäll. Gintommen 2000.— „ 400.— „ 
II. als Vermögen oon HO000 50t. in 
Klaffe 10 à Vu % 50.— „ 
HL als 5Bermögens3uroad»s in Klaffe 2 
1 300 50t. 1 Va °/o 14.65 „ 
gufammen alfo 674.05 „ 
barauf 3ufd)Iag 25% 168.50 „ 
842.55 50t. 
c) Gin Stabsoffi3ier, oerheiratet, brei minberjährige Kinber, be3iet)t 
ein Gehalt oon 7200 50t., oon bem er nach einigen gefehlten Slb3Ügen 
noch 3U oerfteuern hot 
Seine Gattin hat ein 5Bermögen oon 200000 50t., er felber teins, 
jeboch bie brei Kinber aus einem 5öermäd)tnis je 50000 50t., fo bah bie 
gamilie im gan3en 350000 50t. befitjt, bie abroerfen &amp; 4% netto nach 
2tb3ug ber Steuern 
5Hb3ugsbered)tigt ift er (omit nicht mehr. 
6500 — 50t. 
14000 — 
ßufammen 20500,— 50t.
        <pb n="156" />
        143 
Son bem barin enthaltenen 3insgeminn ber Ainber rotrb inbeîfen 
nichts nerbraucht, ba bie SBirtfchaftsausgaben aus ben (Einfünften bes 
Staters unb ber Wutter beftritten toerben. 
(Es ergibt fid) alfo ein totaler Stermögensgumachs ber SBirtfdjaft 
non 6000 W. 
Within ftellt [ich bie Steuerpflicht 
a) bes Offiziers auf 
6500.— W. AI. 25 Slrbeitseinfommen ßmifchen 20 u. 22500 W. 
k 3*/« °/o 243.75 W. 
b) feiner (Sattin auf 
8000.— W. AI. 25 Aapitalertrag gleicher Sah toie oben 
300.— W. 
200000.— W. Sßermögen. AI. 13 ( l /&lt;—*/* Will.) 
k 1 he °/o 125.— „ 425.— „ 
c) ber Ainber auf 
je 2000.—W. AI. 25 Aapitalertrag gleicher Sah 
toie oben 75.— W. 
„ 50000.— „ Vermögen AI. 13 ( x /«—Va Will.) 
k Vie °/o 31.25 „ 
„ 2000.— „ Stermögensgumachs AI. 10 
(5500—6000 W.) k 2 8 /4°/o 55.— „ 
im ganzen mithin 1 Ainb 161.25 W. 
X 3 = 483.75 „ 
unb bie gan;e ffamilie 1152.50 „ 
Diefes 23eifpiel foil bie iUaffierungswirfung bei einer woljï* 
Ijabenben gamilie bemonftrieren. 9Jtan wirb gugeben, bafj ber 
Steuerbrucf oon ca. 1150 9JI. bei einem netto (Einfommen oon 
über 20000 3Rf. fein all gu [cpmmer ift, um fo weniger, als bie 
gamilie jebes 6000 $Rf. [paren fann. 
2Bir fommen jetjt gu ber ¿Berechnung bes aus biefer ¿Be* 
fteuerung gu erljoffenben (Ertrags, ber wir freilid) nur bie preufji* 
f^en3üf)Ien, wieber oon 3:5 umgeredjnet, gugrunbe legen fönnen, 
unb 3war werben wir ben für bie oorfteljenben ¿Beifpiele ge* 
brauchten Steuerfuf} x=V2°/o Bunädjft beibefyatten. Das 3ufaIIs= 
einfommen, bas in biefen 3iffem enthalten ift, aber nicfjt baraus 
ermittelt werben fann, werben wir nid)t befonbcrs berü&lt;ificf)tigen, 
oielme^r bie Pieren (Erträge aus feiner eoent. Sonberbefteuerung 
als [tille ¿Referoen bemalten. 
Das gefamte (Einfommen für 1905 in ¿Jkeufjen ift oeran* 
lagt mit
        <pb n="157" />
        144 
baoon entfallen unter Aidjtberüdfichtigung 
bet gefeilteren Stb^üge 
auf ©iniommen über 3000 95tï., mithin auf 
©iniommen con 900—3000 9Jtl. 
9tur für erftere Kategorie finb bie einzelnen ©rtoerbsquellen 
roi nachgetoiefen. ©s oerteilt fidj banadj bas ©iniommen tote folgt: 
I. aus Kapitaloermögen 1379500382 s Dli. 
II. „ ©runboermögen 1108927136 „ 
III. „ Raubet unb ©enterbe, ^Bergbau 1506952162 „ 
IV. „ ©eroinnbringenbe 23efd)äftigung 1261075947 „ 
Rechnet man bet ^lofition III, ©iniommen aus Raubet, ©enterbe 
unb ^Bergbau nun fo, bas man bte 5&gt;älfte bes erretten ©etoinns 
als Arbeitseiniommen unb bte anbere $alfte als Kapitalertrag 
annimmt, fo ergeben fid) als ungefähres SRefultat, ba I unb II 
3toeifellos Kapitalertrag unb IV Arbeitseiniommen finb 
2 fölilliarben Arbeitseiniommen 
3 1 / 4 %)tilliarben Kapitalertrag 
ober 3U 3:5 geregnet fürs Dleid) ca. 3,5 beßto. 5,5 9Jlilliarben. 
3)ie ©inlommen unter 3000 SRari betrugen für ^reuften 
4,4 SRilliarben. 
Daoon iann man auf ©runb ber latfadje, bafj biefe Schichten 
mit ca. 7 ÄRilliarben Vermögen gur ©rgängungsfteuer oeram 
lagt toaren, ettoa 0,3 s JUilliarbe als Kapitalrenteneinfommen 
regnen. 
©s ergeben fid) baraus fürs %eich folgenbe Ziffern: 
4,4 50lilliarben 
~Q&gt;3 „ 
4,1 SPlttlrorben x_5 = 5r)¡ ju¡atben 2r rbe ¡t S erttag 
plus obiger 3,5 „ „ 
9668607595 SRI. 
5256455627 „ 
4412151968 m. 
fotoie: 
10,3 mtilliarben Arbeitsertrag
        <pb n="158" />
        145 
0,3 ^■- = 0,5 Vtillionen Kapitalertrag 
+ 5,5 „ „ 
6,0 Vlilliarben Kapitalertrag 
Veibe ^ßofitonen erhöhen fid) nidjt unerfyebltdj baburch, bafj 
oben oorgeídjíagen ift, bie Steuerpflid)t bei 750 9Jtt. ftatt roie in 
^reufjen bei 900 3RI. beginnen gu laufen unb bie ÎBirtfchaften 
als foldje gu Steuereinheiten gu machen, roäljrenb fid) bie ge* 
ftatteten Slb^üge für unterí)aítsbere^tigte Verroanbte u. f. m. bent* 
lieh mit ben höheren ^Belüftungen ber Kinberlofen bie 2Bage halten 
bürften. 
Die 9,7 VüIIiarben Xotaleintommen in ^reu^en lieferten 
202 Millionen 9Jtarf Steuerertrag, bas ergibt einen Durchschnitts* 
fteuerfufc oon ca. 2 °/ 0 . 
9?ed)nen mir fürs SReich nur 1 °/ 0 als Durchfü)nitt für Vrbeits* 
eintommen, alfo ben halben Sah, ber in ^reuften gilt, mas, mie 
mir nod) fehen merben, ben gu&amp; oon x= 1 / 2 % lange nidjt erreicht, 
fo ergiebt bas 
l°/o auf 10,3 SOtilliarben 5lrbeitseintommen 103 5tRillionen 
ca. l 1 / 2 °/o auf 6 ÄRilliarben Kapitalertrag 90 „ 
193 Millionen 
(alfo genau fo oiel, roie bie Sämtlichen im Frühling 1906 bemil* 
ligten inbiretten Veidjsfteuern). 
Das gefamte Steuerpflichtige Vermögen betrug in ^3reufren 
ca. 82^ Vtilliarben, bas gibt à 3:5 fürs Gleich ca. 135 Vtilliarben. 
^reu^en 30g aus biefen 82V 2 VMiarben auf ©runb bes feften 
Steuerfufjes oon V/oo 40^ Millionen Vtart Steuer. 
üßie oorgefdjlagen, mollen mir ben Steuerfuft ber Vermögens* 
Steuer auf J / 20 , bas ber (Eintommenfteuer jemeils gu ©runbe ge* 
legten gu^es normieren. Das mürbe für unfere Veredjnung eben* 
falls x / 2 °/ 00 ergeben. 
3n Vüdfidht auf bie fcharfe ^rogreffion oon 1:4 ift bas als 
bureaus fidler gu betrauten, es enthält auch noch eine ftarte Ve* 
feroe für Slbgüge unb bergl. 
Dagu taltuliert, mürbe man im Reiche auf 67 V 2 Millionen 
(Ertrag aus ber Vermögenssteuer regnen tonnen. 
ffirotetoolb, 3inan3fi)flem. 
10
        <pb n="159" />
        — 146 — 
Sdjmieriger gestaltet [idj bie Aalfulation ber Sermögensgu* 
madjsjteuer. 
Das ergängungsfteuerpflidjtige Vermögen betrug in ^reufjen 
genau 
1905 — 82410,29 SUitlionen 
1895 — 63917,81 „ 
mithin meift es 18502,48 Millionen 9Jtar! 
3unaf)mein 10 3a^ren, gletd^ ca. 1,85 5CRtlItarben 5Rarf per 3^r auf. 
Dann finb aber alle Vermögen über 6000 9ftarf eingerechnet, 
röäljrenb uns l)ter nur bie über 30000 9ftarf angelen. Die 
Vermögen gmij%n 6 unb 32000 SOÎarï betragen aber ca. 15% 
bes Dotais. SRitljin finb mir gu ber Slnnaljme berechtigt, bafe fie 
mit hödjftens ca. 0,3 SRilliarben an ber jährlichen ßuna^me par* 
tigipieren. 
(Es mürbe aljo bemnadj eine ßlejtjumme oon 1,55 StRilliarben 
gur Annulation übrig bleiben. Der Sicherheit bes ©rgebnifjes 
megen unb in 9lüáfic^t auf bie Keinen fteuerfrei bleibenben ßu* 
nahmen unter 500 SR!., bie ja in jenen 1,55 ÄRilliarben noch immer 
enthalten finb, menn bei ben Vermögen über 30 begm. 32000 3Rarf 
biefe Keinen Sparerträge auch feine rechnerijd) erí&gt;ebli&lt;í)e ¿Rolle 
meljr fpielen bürften, motten mir nun ben ber ¿Berechnung für 
bas ¿Reich gugrunbe gu legenben Setrag nur auf 2% SRiKiarben 
annehmen unb als Steuerfufe im ¿Behältnis gu 1% als Durdj= 
fd)nitt ber ¿Krbeitseinfommenfteuer 2% einfetjen. 2ßir erhalten 
bann ein (Ergebnis oon 45 ¿Millionen ¿Mari bas unbebingt als 
fteigerungsfä^ig gu begegnen ift. 9luch ift nidfjt babei berüdf* 
fidjtigt, bajg bie gang Ijofyen ¿Bermogensgunaljmen mit ^of&gt;em 
Steuerjat} bas gröjgte Contingent gu ben Aontribuenten biefer 
Steuer ftelten merben. 
Der ©ejamtertrag ber Steucroorfd)läge mürbe fid) bemnadj 
mie folgt ftelten : 
aus bem Slrbeitseinfommen 103 Millionen 
„ „ Aapitalertrag 90 
„ Vermögen 67 V, 
„ Sermögensgumadjs 45 
alfo im ©angen 305 V* Millionen
        <pb n="160" />
        147 
SIbgefehen t»on Abzügen, bie ja unter Umftänben t&gt;ielleid)t 
(Einwirfungen auf bas ©efamtergebnis non 25°/ 0 auszuüben oer* 
möchten, tonnen wir bie oerfdhiebenen üaltulationsreferoen gern 
unb gut mit 200 SUillionen ¿tari bewerten. 23efonbers liegen 
bieje in unserer fdjarferen ^rogrefjion, wä^renb wir bes leisten 
Vergleichs wegen, zunäd)ft nur mit ber Analogie ber preußifd)en 
Vrogreffion geregnet hüben. 
2Bir bürfen alfo wot)! behaupten, baß ber ziffernmäßige 9iad)= 
weis, ber 9?eid)sbebarf fei aud) für bie 3u!unft nod) ohne allzu= 
¡tarte Velaftung ber woßl^abenben Greife unb ohne finanzielle 
Schwächung ber (Einzelftaaten burd) birette Steuern bequem unb 
ausreidjenb, ohne ungerechte gärten zu beden, uns gelungen i|t. 
— Um eu ent. noch uorßanbene Steptiter aber zu beiehren, werben 
wir aber eine ^3robe machen. 
Seiber enthält bie oom preußifdhcn ginanzminifter bem $aufe 
ber Vbgeorbneten überreichte Überfid)t über bie (Eintommenfteuer= 
unb (Ergänzungsfteueroeranlagung (1904—1905), ber wir unjer 
3at)Ienmateriat entnehmen, teine genauen Eingaben, mit wettern 
Verhältnis ¡id) bie (Eintommen ¡elbft auf bie Veoölterung oerteilen. 
Sie liefert biefen 2tuffd)Iuß nur für bie (Eintommenft euer ergebniffe 
welche nur ungefähre Schlüffe auf bie (Eintommen felbft zulaffen. 
Die 3enfiten mit einem (Eintommen oon: 900—3000 %Uart 
brauten auf an Steuer 56,8 Vlillionen. 3 U einem Steuerfaß 
oon 1 1 li °lo im ungefähren Durcßfchnitt entfprict)t bas einem (Ein 
tommen biefer Sdjidjt oon 4,5 Vtilliarben. 
Die Veredjnung für alle in jener Überfielt nachgewiefenen 
Stufen ergibt folgenbes 93ilb, bas natürlich uur auf annähembe 
Vidhtigteit Vnfprudh machen tann. 
Steuerftufe 
©teuerertrag 
annäijctnber 
Steuerfufe % 
(Etnlommenjummcn 
jirta 
900— 3000 5DÎ. I 56,8 amillonen 
4,5 amiliarben 
3 000— 6000 „ I 29,5 
6000— 9500 „ , 17,4 
9500— 30500 „ ! 32,9 
30500—100 000 „ i 24,6 
3 
1,3 
0,7 
1,1 
0,7 
0,7 
über 100000 „ j 26,8 
4 
lotai I 188 amillonen 
9,0 amiliarben 
10*
        <pb n="161" />
        148 
Diefe ^Betrüge entfpredjen ben $eranIagungsfolts abgügíid^ 
gewiffer 9lbgüge, roeld^e ber obigen preufpfdjen SBeredjnung ¿u= 
grunbe liegen. 9?edjnen wir nun bicfe ^Betrüge unter 3ugrunbe= 
Iegung ber bem Satj x= 1 / 2 °/o entfpredfenben ßalflen aufs fReid) 
um, fo erhalten wir bie nadjfteljenben ebenfalls nur annä^ernben 
9?efultate: 
Steuerkufen 
(preu&amp;ifdje | 3ícid)s= 
Ginïommmenfummen 
3:5 
iRct&lt;^sfteuerfufe 
im 
£&gt;ur&lt;i)fd)nitt 
(Reicfjserträge 
900— 3 000 m 
3 000— 6000 
6 000— 9 500 
9500— 30 500 
30500 — 100 000 
über 100 000 
4,5 amiliarb. 
1,3 
0,7 
1,1 
0,7 
0,7 
7,5 fflltlliarb. 
2,2 
1,2 
1,8 
1,15 
1,15 
1 % 
2 „ 
2V, „ 
3%„ 
5 „ 
5 „ 
75 2Rillionen 
44 
30 
67.5 
57.5 
57,5 
9,0 amiliarb. 15,0 ÎRilliarb, 
331,5 ^million. 
als (Ertrag allein ber SReidjsetnlommenfteuer. 
Dabei ift bie Ijöljere SBefteuerung bes Kapitalertrags aufjer 
$lnfa% gelaffen, wäljrenb im Übrigen bie 9lnnaljme bes Durd)= 
fdjnitts ber Steuerfüfoe innerhalb ber einzelnen Stufen mangels 
genaueren ftatiftifdjen Materials eine giemlid) williürlidje fein mufete. 
^ebenfalls aber beweift biefe 23ered)nung bas, was fie beweifen 
foil, nämlidj: bafj es gar nict)t nötig ift, um für bas 9leidj 3 bis 
400 Millionen burcl) bireite Steuern gu fdjaffen, einen audj nur ber 
Hälfte bes preufpfcfyen glei^tommenben Durdjfdfnittsfat} für bie 
baran beteiligte SReidfseiniommenfteuer %u normieren. 
gür bie 33ermögensfteuer ftellt fidf) bie gleite 23ered)nung 
wie folgt, inbem fid) aud) Ijier ein gang erljeblidfes ^lus ergibt: 
Steuerkufen 
(preuftifcftes ¡ 5Hei^s= 
Vermögen 
in SRilliarben 
Steuerfufc 
im Durd#niit 
Steuerertrag 
in Millionen 
Wart 
6— 20000 Wart 
20— 32 000 
32— 52000 
52—100000 
100—200000 
200—500000 
500—1 aitillion 
1—2 „ 
über 2 
7.1 
5.1 
7,6 
10,3 
10,2 
12,— 
8,— 
6,8 
13.5 
80.6 
12,— 
8,5 
12.5 
17,— 
17.— 
20,— 
13.3 
11.3 
22.5 
134,1 
°/o 
Vs2 »&gt; 
/»8 ,» 
Vã« » 
/2O » 
V.8 % 
Vl4 &gt;&gt; 
Vj2 " 
V10 „ 
3,15 
2,7 
4,46 
7,1 
8.5 
25,- 
9.5 
9,4 
22,5 
92,31
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        149 
(Die 2lbn&gt;eid)ungen gegen bie im Deact ermähnten 3^1^ ergaben ¡id) aus 2lb= 
jäfcen in ben preufeiidjen Angaben). 
©s geigt fp alfo f)ter ein Überfdjufj non ca. 50°/ 0 . 
Sei unfern Steueroorfdjlägen finb roir uns freilich über (Eins 
!Iar: bie Sadje mirb nur gehen, menu bie Steuerbetlaranten hm= 
fidftlp ber ©emiffenhaftigleit ihrer Deilarationen fp mufterhaft 
oerljalten. (Es mirb baijer erforberlp merben, mas eigentlich fp 
non felbft oerfteht, bie abfidf)tli(^e Steuerhintergiehung bem ge= 
möhnlpen Setrug glep gu ftellen. ÜBarum bas in ber bis= 
^erigen ©efetjgebung im allgemeinen npt gesehen ift, ift uns 
übrigens ftets ein Sätfel gemefen. Sdjliefjlp ift hoch Setrug 
immer Setrug, einerlei ob er gegen bie Staatstaffe ober gegen 
eine ^erfon gerietet mar. 
Àamentlp follte man ben Steuerbefraubanten aber an ben 
©elbbeutel gehen. Die bauernbe fdjärfere §erangieljung gur 
Steuer burd) allgemeinen 3ufdjlag, bk ©fr Pon ermähnten, mürbe 
groeifellos erfolgreich mirlen. 
Scblufewort* 
2ßir flehen jet)t am (Enbe unferer Ausführungen. Stenn mir 
uns nun auch leinen ^Huffionen barüber hingeben, bafe mir bie 
Sermirllpung unferer Sorpiäge für ein bireltes Sepsfteuer= 
fr)ftem npt fo halb erleben merben, fo finb mir bod) baoon feft 
übergeugt, bafj bie mieberholte Disiuffion biefer grage tn ber 
Öffentlichleit bei ber ihr gm eifellos innemohnenben merbenben 
straft bagu beitragen mirb, immer meitere Anhänger für ben ©e= 
banlen gu geminnen, gum 0eil unferes Saterlanbes. 
Die Stärlung unb Sanierung ber Sepsfinangen ift ja nicht 
allein ba$3iel, bas burdj bie birettenSepsftcuern erreicht merben foil. 
0öher als ber rein finangmirtpaftlpe ©rfolg flehen uns groei 
anbere ¿been: erftené bie Aüdgeminnung ber Arbeiter für ben 
SRepsgebanlen, bem in meiten Sollstreifen ni^ts abträglidjer ge= 
mefen ift als ber nur allgu berechtigte, menu au&lt;h agitatorifd) 
miffbraudjte ^inmeis auf ben „93rotmud)er“ unb ben „ßlaffenftaat" 
ber fein ©elb aus ben Xafdjen ber armen £eute nimmt, mährenb er
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        150 — 
bie rooí)lt)abenben fdhont, unb 510eitens bie Stärlung bes 9teicl)s® 
gebanïen r gegenüber partiïulariftifd)en unb föberaliftifchen 93e= 
ftrebungen. 
23eiben T len, ber (Entlaftung bes Sßolfs oon tnbtreften Steuern, 
unb ber feft m Sufammenfdjtoeifoung bes SReidjs roirb aber feine 
^Rafjregel btnc». bienen lönnen, als bie (Einführung birelter tReid)S® 
fteuern, beren Sknmrïlidjung feit ber iRei&lt;hsgrünbung einen ber 
i)auptfädjlid)ften ^3rogrammpunfte aller roirlli^ liberal unb national 
fühlenben beutfdi)en %Rönner gebilbet hat, unb bis gu ihrer (Er® 
iampfung bilben mufe unb roirb. 
Berichtigungen. 
Seite 35, XVIIa lies ftatt „767463,3“: „76746,4“ 
(1905) 
„ 35 „ d „ „ „791338,9“: „100622,0“ 
„ 49 ßeile 11 „ „ „Spalg“: „Spelg“ 
„ 104 „ 5 „ „ „SRationalöfonomie“: „Staatsredjts“.
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ber (Ertrage ber gaftrlartenftempel unb ber *!poftüberfcftüffe. Der 
Aentner bagegen, ber otelleidE)! ein ^unggefelle ift, ijt nttf)t ge= 
gwungen, niel gu reifen, niel glorio gu uerftftreiben, niel 35rot gu 
laufen. An iftm nerbient bas SReicft red)t rnenig, es fei benn, baft 
er ftarler Aaucfter unb S^napstrinler märe. 2Bir fragen, tnie ner- 
einigen fid} berartige 23efteuerungsgrunbfäfte mit ben bo&lt;ft fteute 
Allgemeingut geworbenen finangwiffenf(ftaftlid)en Anforberungen 
an ein rationelles Steuerfreiem? 
Der alte berühmte Abam Smitft ft at biefe, wenn aucft nicftt 
guerft, fo bocft in llaffifift geworbener gorm wie folgt fixiert: 
1. Das %Sringtp ber ßeiftungsfäftigleit 
2. „ „ „ SBeftimmtfteit 
3. „ „ „ %eguemli(ftleit 
4. „ „ „ billigen (Erftebungsloften, 
inbem er folgenbe Dftefen bafür aufftellt: 
Adam Smith, Bd. V. ch. 2, part. 2: 
1. The Subjects of every state ought to contribute towards the support 
of the governement as nearly as possible, in proportion of their respective abi 
lities, that is, in proportion to the revenue, which they respectively enjoy under 
the protection of the state. (^Srinjtp ber , ( £eiftungsfäf)iglett“.) 
2. The tax which each individual is bound to pay ought to be certain and 
not arbitrary. The time of payment, the manner of payment, the quantity 
to be paid ought all to be clear and plain to the contributor and to every other 
person. (ißringip ber „Seftimmtljeit".) 
3. Every tax ought to be levied at the time or in the manner, in which 
it is most likely to be convenient for the contributor to pay it. (ißringip ber 
„33equemlict)teit".) 
4. Every tax ought to be contrived as both to take out and to keep out 
of the pockets of the people as little as possible, over and above what it brings 
into, the public treasury of the state. (Ißringip ber billigen „Gr I) ebungs toft en“.) 
Abolpft SBagner ft at biefe (örunbfäfte erweitert unb in ein 
Spftem gebracht: 
I. ginangpolitifdje %Sringipien: 
1. Ausreicftenbfteit ber SBefteuerung 
2. 33emegli&lt;ftteit ber SBefteuerung 
II. Aollswirtfcftaftlicfte &lt;J3ringipien: 
3. ÎBaftl richtiger Steuerquellen 
4. „ „ Steuerarten.
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</TEI>
