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        <title>Das Finanzsystem des deutschen Reiches in politischer und wirtschaftlicher Beziehung</title>
        <author>
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            <forname>Christian</forname>
            <surname>Grotewold</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
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          <msIdentifier>
            <idno>845394444</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
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        3)as  ^inan3fi)ítein
bes  Deutzen  %eid)es
in  politifdjer  mb  roirtfcbaftlicbet  Begebung.  Seine
tëiniidjtung  unb  i)iitort|(i)e  (Êntroidlung,  feine
Rebler,  fonde  Borfájlüge  gu  beten  Beteiligung
$on  (Eíjr.  (Srotetoolb

£eip3tg  1906  •  SSerlag  oon  (£arl  ©raft  îtoefdtel
        <pb n="5" />
        «
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4
4
        <pb n="6" />
        (£í)r.  ©rotetoolb
Das  ginan3[9ftem
bes  Deutfdjen  SReidjes
        <pb n="7" />
        £a$  ginansfoftem
bes  Deutfdjen  ‘¡Reines
in  politifdjer  unb  toirtfdjaftlidjer  Schiebung.  Seine
(£inrid)tung  unb  biftorifcbe  (Êntroidiung,  feine
geiler,  fonde  33orfci)Iäge  gu  beren  Sefeitigung.
Son  Pr.  ©roteroolb.  -

Seidig  1906  •  SBetlag  »on  (Earl  Stuft  ißoefM
        <pb n="8" />
        Uni*

Hiel.
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        <pb n="9" />
        $erm  SRddjsgeridjtsrat  a.  D.
Hermann  Soet^ïe
3U  ßetp3tg
in  $eteïjtung  unb  Danïbarïeit
geunbmet  vom  SBerfaffer
        <pb n="10" />
        -  -  •  '

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í&amp;gt;

Vorwort*
Die  ©runblage  unb  ben  erften  ^Inftoft  gu  meiner  oorliegenben
SIrbeit  gaben  2  Sßorträge,  bie  idj  oor  nicht  langer  3eit  über  bie
9?eiá)sfinan3gejet}gebung  gehalten  f&amp;gt;abe.  Deren  beifällige  9lufnatjme
  unb  oielfadf)e  an  midj  gerichtete  2Bünfdje  oeranlafeten  mid),
ihren  gnljalt  in  erweiterter  gorm  einem  größeren  itreife  ¿ugänglid)
gu  machen.
Der  3wect,  ben  id)  mit  meiner  Arbeit  oerfolge,  ift  ein  met)rfairer.

(Erftlid)  mödjte  id)  bem  and)  in  gebilbeten,  ja  fogar  politifdj  intereffierten
  Greifen  recht  weit  oerbreiteten  Mangel  an  ftenntniffen  über
bie  mit  bem  ginangwefen  unferes  23aterlanbes  gufammenhängem
ben  Dinge  abljelfen,  inbem  id)  eine  turge,  allgemein  oerftänblidje
Darftellung  bes  (États,  ber  finangwirtfchaftlichen  ©efetjgebung  unb
iljrer  ©ntwidlung  bis  in  bie  jüngfte  ¿eit  hinein  gebe.  Sobann
mödjte  ich  ber  görberung  bes  9teidjsgebanïens,  ber  ja  in  unferer
3eit  burdj  bie  alles  überwudjernben  wirtfd)aftlid)en  ¿ntereffen  gurüdgebrängt
  wirb  unb  leiber  nicht  meljr  fo  fel)r  bie  SRidjtfchnur
unferer  ^olitil  bilbet,  wie  bas  in  ber  erften  gugenb  bes  neuen
$Keidjs  ber  gall  war,  baburdj  bienlich  fein,  bafj  idj  bie  öffentliche
2tufmerïfamïeit  einmal  wieber  auf  bie  5totwenbigïeit  eines  felbftänbigen,
  bie  fchwödjeren  Geultem  nicht  nod)  mehr  belaftenben
9%ei^sfteuerfgftems  Ijinmeife.  3 U  ^em  3^ede  trete  id)  ber  —  leiber
—  nodj  heri#enben  Sluffaffung  oon  ben  alleinfeligmachenben
inbireiten  9leidjsfteuern  entgegen.
Die  bas  beutfdje  ginangwefen  behanbelnbe  Literatur  ift  bisher ­
  nicht  reich  gewefen;  erft  bie  o.  Stengelfdjen  ©efetje  oon  1904
unb  1906  hüben  hier  eine  befrudjtenbe  2Bir!ung  ausgeübt.
Das  befte  ältere  2Berï,  unb  meines  Stiffens  bas  einzige  oolb
ftänbige,  ift  wohl  bie  Gdjrift  oon  Dr.  S.  ¿ohn,  „Die  ginangen
        <pb n="11" />
        vu

bes  Deutzen  Reichs",  SBerlin  1899,  meines  fid)  aber  auf  bloße
Eingaben  oon  Xatfadjen  befdEjrânït,  unb  abfichtlid)  politifd)  inbif*
ferenl  bleibt.
(Bine  weitere  ^ubliïation,  bie  bie  Reid)sfinangen  im  ©angen
3um  ©egenftanb  i&amp;gt;at,  ift  bas  com  ©et),  ginangrat  Rheinbolbt,
Rtagbeburg  1904,  oerfaßte  23üd)lein:  „Das  Reid)sfinangwefen"
welkes,  obwohl  im  Allgemeinen  gleichfalls  unpolitifd),  bie  gefeß*
gebenden  Xenben^en  ber  Regierungen  oertreten  möchte.
Über  bie  Reidjsfinanjreform  oon  1902  bis  auf  bie  ©egen*
wart  ift  bie  Literatur  reichlicher.  —  üöppe=Roftod,  o.  Rtapr*
Stünden,  o.  3agemann*0eibelberg,  í)aben  bagu  bas  2ßort  er*
griffen.  Alle  ^aben  fi^  aber  für  berufen  gehalten,  bie  ^ntereffen
ber  ©ingelftaaten  gegenüber  bem  Reid)  in  Sdjuß  gu  nehmen.
Da  wirb  es  i)o^e  3eit,  baß  aud)  einmal  jemanb  für  bas
Reid)  eintritt,  benn  felbft  Rel)m=Straßburg,  (bie  Reidjsfinanjreform,
ihre  ©rünbe  unb  ihre  Durchführung,  Rtündjen  1903)  ßheut  fich,
mit  ber  gorberung  birelter  Reichsfteuern  ben  ©ingelftaaten  gu  nahe
gu  treten,  obwohl  fonft  bie  Heine  Schrift  gum  £efenswerteften
gehört,  was  über  bie  $rage  getrieben  ift.
Sdjliefolid)  fei  bie  „Reichsfinangreform  oon  1906"  oon  Dr.
fiinf^mann,  Stuttgart  1906,  erwähnt,  welche  ihrem  Xitel  ent*
fprechenb,  nur  bie  finangpolitifche  ©efeßgebung  biefes  ßaßres  behanbelt,
  biefe  allerbings  fachgemäß  unb  grünblich.
Riöge  nun  mein  23üd)lein  an  feinem  lleinen  Xeile  bagu  bei*
tragen,  ber  Allgemeinheit  unb  bem  beutfdjen  Raterlanbe  gu  nüßen,
aber  allen  benen  gu  fdjaben,  bie  bas  Raterlanb  gur  mellenben  üuh
für  ihre  politifdjen  ober  materiellen  Sonberintereffen  machen
möchten  unb  ¿um  Xeil  leiber  feßon  gemacht  hüben.
fieip3ig=©ohlis,  im  3uli  1906.

Chr.  örotcwold.
        <pb n="12" />
        Inhaltsangabe

SortDort
(Einleitung
Kapitel  i
Die  bas  2finan3DcrpItnis  bes  SReidjs  )U  ben  SBunbesftaaten
regelnbcn  Scrfaifungsbcftimmungen.
Die  (Einrillung  bes  (Etats.
Kapitel  n
Die  tnitorifcfje  (Entroidlung  ber  SReicfjsfinanjen  bis  1903.
Kapitel  m  .  .
Die  Situation  beim  Eintritt  bes  5Reid)sfci)at}fefretärs  5ri)r.  o.
Stengel.  Def|en  SReformpläne.  Die  lex  Stengel.  Die
@inangreform  oon  1906.
Kapitel  IV
©runbjätjlidje  ftritif  an  ben  inbiretten  SReidjsfleuern
Kapitel  V
©rünbe  unb  Umfang  lünftiger  ßinangbebürfniffe  bes  SReidjs.
tBef^affung  ber  ;u  beren  Dedung  erforberii^en  SRittel
burct)  birette  5Reid)siteuern.
Sdjlufttüort

Seite
VI—VII
1—  4
4—  56
56—  68
68—102
102—117
118—149
149—150
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        Ginleitung.

Die  midjtigften  gunbamente  eines  jeben,  aber  befonbers  eines
mobernen  Staatsmefens  finb  feine  ginangen.
3n  früheren  3eiten,  als  bie  ©elbmirtf&amp;lt;haft  nicht  bie  aus s
fdjliejjtidje  9îoIle  fpielte,  bie  fie  trente  einnimmt,  als  oielmeljr  nodj
bie  alte  Staturalroirtfdjaft  übermog,  lag  and)  bas  Sdjmergemidjt
ber  Staatsoermaltung  mehr  auf  einem  anberen  ©ebiet.
Die  allgemeinen  ftulturfortffritte,  nicht  gum  menigften  aber
bie  (Einführung  ber  geuermaffen,  roeldje  bie  allmähliche  Sßerbrän*
gung  ber  mittelalterlichen  SRitterljeere  burdj  Sölbnertruppen  im
(Befolge  hatte,  brachten  oöllige  ümmälgungen  auf  bem  ©ebiet  bes
ftaatlicben  ginangmefens  mit  fidf).  Das  £&amp;gt;eeresmefen,  früher  ge*
ftütjt  auf  Safallenbienft  unb  Äaturalleiftungen  unb  Äaturalliefe*
rungen,  begann  in  roachfenbem  Mafje  5luftoenbungen  baren  ©elbes
gu  forbern,  roeldje  burdj  bie  alten  Domanial*  unb  anbere  berar*
tige  ©inïünfte  nid)t  mehr  gebedt  roerben  tonnten.  Überall  be*
gegnen  mir  baljer  gegen  9lusgang  bes  Mittelalters  einer  lebhaften
©ntmidlung  ber  bis  bahin  nur  fcljr  primitio  gemefenen  Steuer*
mirtfdjaft,  roeldje  namentlich  in  ben  Stabten  oerhältnismäjjig  früh
fid)  noch  heute  üblichen  gormen  näherte.
Mährenb  nun  in  ©nglanb  unb  grantreich  btefe  ©ntmidlung
parallel  lief  gu  einer  ©rftartung  ber  ßentralregierungsgemalt,  mar
fie  in  Deutfdjlanb  23egleiterfd)einung,  ja  fogar  teilmeife  HrfacE)e
bes  Verfalls  ber  Raifermadjt  unb  ber  Stärtung  territorialer
gürftenfelbftänbigteit.
(Brotetoolb,  ginanjfoftem.

1
        <pb n="14" />
        2

3ît  früheren  3&amp;lt;ri)rï}unberten,  gut  SBIütegeit  bes  alten  ilaifer*
turns,  ßatte  man  oerfäumt,  burcß  S&amp;lt;f&amp;gt;affung  reidjsfeitiger  (£innaßmequellen
  eine  fefte  ©runblage  bet  taiferlidjen  Badjt  aucß  für  bie
¿utunft  gu  legen,  metí  bas  unmittelbare  23ebürfnis  bafür  fehlte,
ober  bringenberen  Aufgaben  gegenüber  an  Bicßtigteit  gurücttrat.
2lls  man  aber  bie  Iftotroenbigteit  ernannte,  roar  bie  taiferlicße
9Jladf)t  [djon  gu  [eßr  gegenüber  ben  erftarften  Xerritorialfürften
geßßroäcßt,  als  baß  man  bie  Durdjfüßrung  berartiger  Baßnaßmen
píte  mit  (Energie  betreiben  tonnen.
5ln  SBerfucßen  bagu  ßat  es  groar  nicßt  gefehlt,  unb  [eit  ben
Zagen  ilaifer  SKubolfs  oon  Ejabsburgs  i[t  gar  oft  „bet  gemeine
Pfennig“  ausgejdjrieben  geroefen,  aber  ßöcß[t  [eiten  nur  eingegangen.
  (Es  roar  bies  eine  5lrt  oon  9teicßsoermögens[teuer,  mei-[tens
  in  £&amp;gt;öße  oon  ca.  3°/ 0 ,  bie  allerbings  tooßl  geeignet  getoe[en
roäre,  ben  eroigen  ginangnöten  bes  ßeiligen  römißßen  9tei&amp;lt;ßs
beut[cßer  Nation  abgußelfen.  Slllein  burcß  aftioen  unb  pa[[ioen
Biberftanb  mußten  dürften  unb  33ölter  es  ungeacßtet  aller  9leicßsiagsbe[djlü[[e
  bod)  immer  toieber  baßin  gu  bringen,  baß  nicßts
rentes  baraus  rourbe.
5tai[er  #arl  V.  oerfudjte  [ein  £eil  mit  einem  großartig  angelegten
  plan  eines  SReicßsgoIlfoftems  —  aber  bie[er  %er[u^  einer
inbiretten  9lei&amp;lt;ßsbe[teuerung  teilte  bas  Gcßictfal  [einer  Vorgänger
auf  birettem  2Bege.
So  roar  benn  bas  SReidj  in  ben  lebten  3üßrßunberten  [eines
23e[teßens,  angeroie[en  auf  bie  [ogenannten  Batritularumlagen
ober  9tömermonate,  b.  ß.  meßr  ober  roeniger  freitoillige  Beiträge
ber  dürften  unb  9leicßs[töbte,  oon  ben  en  aber  nur  bie  letzteren
einigermaßen  regelmäßig  gaßlten.
$lucß  bei  bem  mißglücken  23er[ucß  einer  9leugrünbung  bes
beut[cßen  SReicßs  um  bie  Bitte  bes  19.  3aßrßunberts  toar  man
auf  jene  3^ ee  prüágetommen,  mit  bemfelben  ncgatioen  (Erfolge:
Die  2lnteilgaßlungen  [eitens  ber  Beßrgaßl  ber  93unbcsglieber
gingen  nicßt  ein.  Daßer  mußten  aucß  bie  fcßönften  unb  gtoecfmäßigten
  23e[cßlü[[e  bes  grantfurter  Parlaments  oßne  [eben  (Erfolg
  bleiben,  roeil  es  eben  überall  an  ben  Bittein  gu  ißrer  Durcßfüßrung
  feßlte.
        <pb n="15" />
        3

3m  neuen  heutigen  Beid)  Ijctt  man,  in  richtiger  (Erfenntnis
bie[er  alten  G^toädhen,  nun  non  oornljerein  bafür  ge[orgt,  bafj
ZU  ben  Blatritularbeiträgen,  non  benen  man  aus  [pater  zu  erörternben
  ©rünben  nid)t  la[[en  mochte,  burdj  eine  Beilje  reichseigener
  (Einnahmen  (Ergänzungen  traten,  bie  man  [olange  als  ausreidjcnb
  gelten  la[[en  tonnte,  als  bie  Beidjsausgaben  fiel)  in  be-[d)ränttem
  Bahmen  gelten.
Die  Aufgaben,  bie  bas  Beich  zu  erfüllen  hat,  nahmen  unb
nehmen  inbe[[en  [tetig  zu.  (Es  roirb  nun  un[ere  Aufgabe  [ein,
Zunäd)[t  fe[tzu[tellen,  melden  ©ang  bie  (Entroictlung  ber  Bei^sfinanzen,
  rein  ^i[tori[á)  betrautet,  bis  fe^t  genommen  tjat.  2Bir
toerben  bann  bie  ©runb[ä^e,  oon  benen  man  [idj  im  Beidjsfcha^
amt  bei  oen  oerfdjiebenen  finanzpoIiti[dE)en  Millionen  hat  leiten  la[[en,
einer  5tritit  zu  unterroerfen  haben,  unb  toerben  [o  zu  einem  (Einblict
  in  bie  Übel[tänbe  gelangen,  bie  un[erem  heutigen  Beichsfinanz[g[tem
  aníjaften.
Die  toenig[tens  zum  Zeil  in  Betätigung  umge[et}te  ©rtenntnis
  bie[er  leib  er  be[te^enben  unerfreulichen  Berl)ältni[[e  hat  ben
[eit  1903  amtierenden  Beidjs[&amp;lt;hat}[efretär  gr^r.  o.  Stengel  zu
[einer  gerabe  jetjt  oerab[d)iedeten  Beformgefetjgebung  oeranlaftt,
toelc^e,  obwohl  [ie  in  ihren  einzelnen  Zeilen  bureaus  ni¿)t
über  jebe  Rritit  ergaben,  unb  nicht  frei  oon  gerabezu  oerfeljlten
Wa^na^men,  aud)  in  ihrem  gefamten  ©rgebnis  unzureichend  i[t,
boef)  in  einzelnen  ihrer  ©runbprinzipien  oon  bureaus  richtigen
©ebanfen  ausgeht,  unb  einen  entliehenen  Schritt  oonoärts
bebeutet  auf  ber  Bahn  einer  felb[tänbigen  unb  ge[unben  (Enttoictlung
  un[eres  Bei&amp;lt;hsfinanz[i)[tems.  Bur  barf  bie  ©e[e%gebung
babei  nicht  [tehen  bleiben,  [onbern  muh,  ben  Sehren  ber  mobernen
3inanztoi[[en[chaft  folgenb,  unaufhaltfam  fort[&amp;lt;hreiten,  allein  in  ber
5tb[idjt,  bem  Beften  bes  Beides  zu  bienen,  ohne  Büd[idjt  auf  prioate
  ©elbbeutelintere[[en  einflußreicher  Beoölterungsfdhichten  unb
ohne  bie  Finanzen  —  ben  Sebensnero  bes  Beides  —  zum  ©egen-[tanb
  eines  5hil)hanbcl$  mit  Parteien  zu  machen'beren  ©runbfatj
bureaus  nießt  immer  lautet:  suprema  lex  salus  rei  publicae  esto.
3nbe[[en  bebürfen  bie  ©rünbe  nodh  [ehr  ber  Buftlärung,  bie
ben  grhr.  o.  Stengel,  einen  ohne  ßmeifel  ho#6gabten  unb  tlarl*
        <pb n="16" />
        —  4  —
blicíenben  Staatsmann,  bagu  beftimmen  tonnten,  mit  feiner  Reidjs*
finangreform,  oon  beren  Rotmenbigteit  er  boci)  toie  feiner  fonft
übergeugt  ift,  fogufagen  auf  fjalbem  2Bege  fielen  gu  bleiben.  ©s
toirb  für  bie  ©ef^iá)tf(^reibung  eine  intereffante  Aufgabe  fein,  ben
unter  ber  Dberflä^e  bes  politifdjen  ßebens  flieftenben  oerfdt)ie*
benen  Strömungen  innerhalb  ber  bunbeêftaatlidfen  Regierungen
unb  ber  Reidjstagsparteien  nachgugehen,  meldije  auf  bie  ginang*
reform  ber  3 a h re  1903—1906  eingemirft  ^aben.  Diefe  feiben
Strömungen  bürften  auch  ben  Sdjlüffel  bilben  für  manche  anbere
Vortommniffe  auf  bem  ©ebiet  unferer  inneren  unb  äußeren  &amp;lt;po=Iitit,
  für  bie  uns  fyeute  nocí)  befriebigenbe  ©rtlärungen  fehlen.
Kapitel  I.
Die  das  ftrianzverhältms  des  Reichs  zu  den  Bundes ­
  ftaaten  regelnden  Verfaffungsbeftimmungen.
Die  Einrichtung  des  Etats,
2Bie  bas  heutige  beutfcEje  Reidj  aus  bem  Rorbbeutfdjen  Vunbe
unb  biefer  in  geroiffem  Sinne  aus  bem  preufpfifybeutfdfen  3°tfoerein
  i)eroorgegangen  ift,  fo  %aben  fidf)  auef)  in  feiner  ginang*  -
gefetjgebung  bie  ©runbfätje  erhalten,  bie  für  feine  Vorgänger,  befonbers
  ben  Rorbbeutfdjen  23unb,  mafcgebenb  geroefen  finb.
$atte  man  auf  ber  einen  Seite  bas  Veftreben,  bas  Rei^
unabhängig  neben  unb  über  bie  Vunbesglieber  gu  ftellen,  fo
toirften  bem  auf  ber  anberen  Seite  bie  oerfdjiebenften  gentrifu*
g  alen  Mräfte  unb  ©inflüffe  toieber  entgegen,  bie  teils  engherzigem
^artitularismus,  teils  aber  auch  bered^tigten  fachtid)cn  Rüdfichten
auf  ben  Staatshaushalt  unb  ben  Staatsirebit  ber  SBunbesftaaten
entfprangen.  Die  gange  Reichsfinanggefetjgebung  trägt  bis  auf
ben  heutigen  Zag  bas  ©epräge  bes  ßompromiffes  gmif^en  bei*
ben  einanber  entgegenroirtenben  Strömungen.  2BüI)renb  bie  Reidjs*
oerfaffung,  im  allgemeinen  oon  gentraliftif^em  ©eifte  burchmeljt,
bem  Reiche  bie  ©innahmen  oor  allem  aus  ben  ßöllen,  Verbrauchs*
fteuern,  bie  oom  Rorbbeutfdjen  Vunbe  übernommen  mürben,  gu*
führen  mollte,  gelang  es  fpäter  bem  3entrum,  burdj  bie  berühmte
        <pb n="17" />
        granáenjtein[^c  íttaufel,  3uerft  emgefüïjrt  mit  bem  3otttarifgeïetî
Dom  15.  3uli  1879,  bies  ^ringip  gu  burcífbredjen.
9Bir  geben  im  nadjSteljenben  einen  Sínsgng  ber  miájtigíten
Bestimmungen  ber  BerfaíSung  unb  einiger  Späterer  ©efetue,  bie  für
bie  ©eftaltung  ber  Bei^sfinangen  non  Bebeutung  geworben  Sinb.
Hue  Hbfcbnitt  n  der  Reídleverfaiïurig,  betr.  Reidisgefetzgebung,

Slrtilel  4.  Der  Beauftragung  feitens  bes  Beidjs  unb  ber  ©efetjgebung  bes*
felben  unterliegen  bie  nadjftehenben  Angelegenheiten  :
Slbfat}  2.  Die  3oH=  unb  Hanbelsgefe^gebung  unb  bie  für  bie  3#ede  bes  Beid)s
3U  oerwenbenben  Steuern.
Hue  Hbfcbnitt  VT:  Zoll-  und  Randelewefen»
Slrtilel  35.  Das  Beidj  ausfdfjlicfelicï)  hat  bie  ©efetjgebung  über  bas  gefamte  3oIIwefen,
  über  bie  Beteuerung  bes  im  Bunbesgebiete  gewonnenen  Saljes  unb  Dabais,
bereiteten  Branntweins  unb  Bieres  unb  aus  Büben  ober  anberen  inlänbifdjen  Erzeug*
niffen  bargeftellten  3uders  unb  Sgrups,  über  ben  gegeufeitigen  Schutj  ber  in  ben  ein*
ßelnen  Bunbesftaaten  erhobenen  Berbrauchsabgaben  gegen  Hintergehungen,  fowie  über
bie  Üftafjregeln,  welche  in  ben  3oIlausf&amp;lt;hlüffen  ;ur  Sicherung  ber  gemeinfamen  3olIgren3e
erforberlid)  finb.
3n  Bagern,  Sßürttemberg  unb  Baben  bleibt  bie  Beteuerung  bes  inlänbifchen
länbifdjen  Branntweins  unb  Bieres  ber  fianbesgefetjgebung  rwrbehalten.  Die  Bunbes*
ftaaten  werben  jeboch  ihr  Beftreben  barauf  rieten,  eine  Übereinftimmung  ber  ©efet}*
gebung  über  bie  Beteuerung  auch  biefer  ©egenftänbe  herbeiguführen.
Slrtilel  36.  Die  (Erhebung  unb  Berwaltung  ber  3öüe  unb  Berbrauchsfteuern
bleibt  jebent  Bunbesftaate,  foweit  berfelbe  fie  bisher  ausgeübt  hat,  innerhalb  feines  ©e*
bietes  überlaffen  ufw.
Slrtilel  38.  Der  (Ertrag  ber  3ölle  unb  ber  anberen  in  Slrtilel  35  be^eichneten
Slbgaben,  ledere  foweit  fie  ber  Beidjsgefehgebung  unterliegen,  flieht  in  bie  Beähslaffe.
Diefer  (Ertrag  befteht  aus  ben  gefamten  oon  ben  3öHen  unb  übrigen  Slbgaben
aufgelommenen  ©innahmen  nad)  Slbjug  :
1.  ber  auf  ©efe^en  ober  allgemeinen  Berwaltungsoorfchriten  beruhenben  Steuer*
nergütungen  unb  Ermäßigungen  ;
2.  ber  Büderftattungen  für  unrichtige  Erhebungen;
3.  ber  Erhebungs*  unb  Berwaltungsloften  unb  ;war:
a)  bei  ben  3&amp;amp;llen  bie  Aoften,  welche  an  ben  gegen  bas  Sluslanb  gelegenen  ©rengen
unb  in  bem  ©ren^begirle  für  ben  Schuß  unb  bie  Erhebung  ber  3 ö He  notwenbig  finb;
b)  bei  ber  Galafteuer  bie  Moflen,  welche  ;ur  Befolbung  ber  mit  Erhebung  unb
Montrollierung  biefer  Steuer  auf  ben  Sal^werlen  beantragten  Beamten  aufgewenbet
werben;
c)  bei  ber  Büben^uderfteuer  unb  Dabalfteuer  bie  Bergütung,  welche  nach  ben  je*
weiligcn  Sefchlüffen  bes  Bunbesrates  ben  einzelnen  Bunbesregierungen  für  bie  Moflen
ber  Berwaltung  biefer  Steuern  ;u  gewähren  ift;
d)  bei  ben  übrigen  Steuern  mit  15%  ber  ©efamteinnahme.
        <pb n="18" />
        6

Die  aujjerljalb  ber  gemeinfdjaftltójen  3oIIgrcri3e  liegenben  ©ebiete  tragen  gu  ben
Ausgaben  bes  5Retá)s  buri%  3aI)Iung  eines  Sloerfums  bei.
Samern,  SBürttemberg  unb  93aben  fjaben  an  bem  in  bie  Keidfjsfaffe  fliefcenben  ©rtrage
  ber  Steuern  oon  93rantwein  unb  SBier  unb  an  bem  biefem  (Ertrage  entfpredjenben
Zeile  bes  oorftefjenb  ermähnten  Sloerfums  feinen  Zeit.
Hub  Hbfcbmtt  xii:  Retcbefínanzen.
SIrtifel  69.  Sille  ©innafjmen  unb  Ausgaben  bes  SReicfjs  müffen  für  jebes  3af)r
oeranfdfjlagt  unb  auf  ben  Keidf)sl)ausl)alts=©tat  gebraut  werben.  Setjterer  wirb  oor  23eginn
  bes  ©tatsjaljres  nadj)  folgenben  ©runbfä^en  buri$  ein  ©efefc  feftgeftellt.
SIrtifel  70.  3ur  23eftreitung  aller  gemeinfcfjaftlidjen  Ausgaben  bienen  gunädjft
bie  etwaigen  Überfdmjfe  ber  Sorjaljre,  fowie  bie  aus  beu  Rollen,  ben  gemeinfdf)aftlicf)en
SBerbraud&amp;amp;sfteuern  unb  aus  bem  tf3oft=  unb  Zelegrapljenwefen  flie&amp;amp;enben  gemein|d^aft=Iid&amp;amp;en
  ©innafjmen.  gnfoweit  biefelben  burcf)  biefe  ©innaljmen  nid^t  gebedt  werben,  finb
fie,  falange  Keidjsfteuern  nid)t  eingefüljrt  finb,  burd)  ^Beiträge  ber  einzelnen  5Bunbesftaaten
  nad)  SRafogabe  iljrer  SBeoöIferung  aufjubringen,  we#e  bis  gur  $ö^e  bes  bubgetmäßigen
  Betrages  bur^  ben  Keid&amp;amp;sfangler  ausgef#ieben  werben.  (Urfprünglidfje  Raffung
im  ga^re  1904  geänbert.)
SIrtifel  71.  Die  gemeinfcfjaftlidjen  Slusgaben  werben  in  ber  Kegel  für  ein  gafjr
bewilligt,  fönnen  jebodE)  in  befonberen  gälten  aud)  für  eine  längere  ¡Dauer  bewilligt
werben  ...  ;
(folgen  Übergangsbeftimmungen).
Sir  til  el  72.  Über  bie  Sterwenbung  aller  ©innaljmen  bes  Keidljs  (ft  burcf)  ben
SReid&amp;amp;sfangler  bem  ®unbesrat  unb  bem  Keidjstage  gur  [©ntlaftung  jäfjrlid)  Kennung
3U  legen.
SIrtifel  73.  3n  gälten  eines  aujjerorbentlidjen  ®ebürfniffes  fann  im  SB  ege  ber
SReidEisgefetjgebung  bie  Slufnafjme  einer  Sintere,  fowie  bie  Übernahme  einer  ©arantie  gu
Saften  bes  Keicfjs  erfolgen.
ObtDO^I  einer  fpateren  (Epoche  angeljörenb,  Iaffen  mir  ber
Information  megen  bereits  i)ier  ben  2BortIaut  ber  fdjon  ermähnten
grancíenfteinfdjen  iUaufel  in  einigen  mistigen  ©efetjen  folgen.
§  $  des  Zolltarifgefetzes  vom  24.  ]VIat  1885.
Derjenige  ©rtrag  ber  3öHe  unb  ber  Zabaffteuer,  welcher  bie  Summe  oon
130000000  9JI.  in  einem  gaf)re  überfteigt,  ijt  ben  einzelnen  Sunbesftaaten  nadE)  9#afp
gäbe  ber  ®euölferung,  mit  welcher  fie  gu  ben  SRatrifularbciträgen  fjerangegogen  werben,
31t  überweifen.  Diefe  Überweifung  erfolgt  oorbeljaltlid)  ber  befinitioen  Slbredmung  gwif(%en
  ber  SReid&amp;amp;sIaffe  unb  ben  ©ingefftaaten  auf  ©runb  ber  im  SIrtifel  39  ber  Keidjsoer»
faffung  erwähnten  Quartaiseitratte  unb  begie^ungsweife  ßa^resabf^lüffe.
§39.  des  ©efetzes,  betr.  die  Befteuerung  des  Branntweins,
vom  24.  ]funi  1887.
Der  ^Reinertrag  ber  ®erbraudf)sabgabe  ift  ben  eingelnen  ®unbesftaaten  nadE)  SJIafc
gäbe  ber  matrifularmäfgigen  ®eoölferung,  mit  welker  fie  gum  ©ebiet  ber  ®ranntweinfteuergemeinfdjaft
  gehören,  gu  überweifen.
        <pb n="19" />
        7

gür  bte  burdf)  bte  (Erhebung  unb  SBerroaltung  ber  SIbgabe  ben  SBunbesjiaaiert  er»
tDúájíenben  Rollen  roirb  nad()  SJiafegabe  ber  nom  Sunbesrat  gu  erlaiienben  SBeftimmungen
Vergütung  gemäfjrt.
ferner  finbet  fid)  bte  grandenfteinfehe  5Uau[el  im  Neidjsftem*
pelgefetj  oom  14.  3uni  1900.  Damit  ift  aber  bte  ©ntwidlung  bes
tf)r  gugrunbe  liegertben  ©ebanlens  abge[d)loffen,  unb  brei  3 a h re
[pater  fdjon  beginnt  bie  rüdläufige  Denbeng  ber  ©efetjgebung  ein*
juje^en,  welche  gu  itjrer  [eljr  erheblichen  ©infdjraniung  führt.  Doch
bamit  greifen  mir  gu  tu  eit  uor.
Um  im  ©inllang  mit  ber  Nerfaffung,  bie  für  bie  oerfchiebenen
Aufgaben  bes  Neides  erforberlidjen  Mittel  in  überfidjtlicher  unb
ätnecfmäfgger  SBeife  anforbern  unb  über  ihre  geplante  Nermen*
bung  bis  ins  eingelfte  bem  Sunbesrat  unb  Neidjstag  berichten  gu
tonnen,  h&amp;lt;*t,  wie  bies  in  allen  tonftitutionellen  Staaten  üblich  ift,
aud)  bie  Regierung  bes  beutfehen  Neidjs  alljährlich  einen  $aus*
haltsplan  gu  entwerfen,  ber  oon  ben  gefetjgebenben  gattoren  bes
^Reichs  als  „©tatsgefeb"  gu  uerabfehieben  ift.
Die  eingehenbe  Beratung  biefer  Negierungsoorlage,  gewöhn*
lieh  bas  midjtigfte  ©reignis  bes  parlamentari[d)en  Sehens,  gibt  auch
bei  uns,  faft  noch  mehr  als  bei  anberen  Nationen,  ben  im  Neides*
tag  oertretenen  Parteien  Neranlaffung,  bei  ben  einzelnen  Diteln
bes  ©tats  all  bas  gur  Spraye  gu  bringen,  was  fidj  im  Saufe
bes  3aljres  an  SBemertens*  ober  Dabeinswertem  im  Neid)  ereignet
hat.  Non  biefer  Gelegenheit  wirb  in  ben  letzten  3 a ^en  ein  fo
ausgiebiger  ©ebraud)  gemalt,  bah  bie  ©tatsberatung  felbft  er*
heblid)  barunter  leibet.
3m  Einfang  ber  parlamentari[d)en  ©efdf)i&amp;lt;í)te  bes  beutfdjen
Neidjs,  turj  nachbem  ber  griebe  mit  granfreich  gefchloffen  war
unb  normale  Nerljältniffe  ein^utreten  begannen,  war  allerbings
bie  ^Rechnungslegung  ber  Negierung  bem  ^Reichstage  gegenüber
noch  nidjt  eine  fo  felbftoerftänbliche  Sache  geworben,  wie  fie  es
heute  ift.  Namentlich  ber  preufjifchen  Nlilitäroermaltung  wollte
es  gar  nidf)t  in  ben  Sinn,  bah  fie  über  ¡eben  Pfennig  ben  ihr
oft  fo  wenig  fpmpatljifchen  ßioitiften  im  Neidjstage  Nebe  nnb
Antwort  ftehen  follte.  Die  Niemoiren  ©ugen  Nieters,  beffen  grobes
Nerbienft  cs  ift,  bie  beutfdje  parlamentarifdje  ©tatstritit  recht  eigent*
        <pb n="20" />
        8

lid)  gefdjaffen  gu  ^aben,  merfen  mandes  intereffanie  Streiftidjt  auf
feue  ßuftänbe  unb  bie  fid)  baran  fdjliehenben  Bebelämpfe.  ©ne
Sdjrift  über  bas  ginangfpftem  bes  beutfdjen  Beides  mürbe  unooll*
ftänbig  fein,  menn  fie  nicht  ber  ^ernorragenben  unb  non  leinem
ber  feigen  5lbgeorbneten  mieber  erregten  ßeiftungen  biefes
ginangtritifers  gebähte.  Unb  menn  mir  feine  prinzipielle  unb  ba*
í)er  nur  gu  oft  unfruchtbare  Dppofition  aud)  nidjt  billigen,  fo
ntüffen  mir  boá)  nodj  oielmehr  bebauern,  bafj  regierungsfeitig  nidjt
einmal  ber  ernftlidje  Berfucij  gemalt  ift,  biefen  SRiefengeift  für
pofitioe  SOUtarbeit  an  ber  Slusgeftaítung  bes  (Reidjsfinangfpftems
in  oerantmortlidjer  Stellung  gu  geminnen  (mancher  gehler  märe
bann  nidjt  gemalt).
©s  ift  nun  eine  ©igentümlidjteit  ber  Staatshaushaltspläne  im
©egenfat)  gu  prmaten  Bubgets,  bah  h^ er  bie  Ausgaben  an  erfter
Stelle  ftehen.  Das  h&amp;lt;*t  feinen  ©runb  in  bem  Umftanbe,  bah
ber  (prioatmann  feine  (Einnahmen  als  etmas  gegebenes  gu  be*
trachten  gegmungen  ift,  monad)  er,  menn  er  rationell  mirt*
fünften  mill,  feine  Ausgaben  unter  allen  Umftänben  einridjten
muh-  ^ebenfalls  barf  er  auf  bie  Dauer  nidjt  mehr  ausgeben,
als  er  einnimmt.
gn  ber  Staatsmirtfchaft  ift  es  umgelehrt.  Der  Staat  h&amp;lt;*t
gemiffe  Ausgaben,  mie  bie  für  feine  Sicherung  nach  aujjen  hin,
bie  (Sehälter  für  feine  Beamten  ufm.  unter  allen  Umftänben  gu
leiften  unb  muh  bereu  erforberlidjes  SCRinimum  als  gegebene  ©rohe
in  bie  ^Rechnung  ftellen,  menn  er  nicht  gur  ©rfüllung  feiner  %luf*
gaben  unfähig  m  erb  en  mill.
5Rit  aller  Sparfamteit  freilidj,  aber  unter  Berüdfidjtigung  bes
abfolut  nötigen  muh  bah  er  3unädjft  ber  Slusgabeetat  aufgeftellt
merben.
Dem  beutfchen  Beidjsetat  liegt,  georbnet  nadj  ben  oerfchie*
benen  Beichsbehörben,  bas  nachftehenbe  Sterna  gugrunbe,  meldjes
fich  bur&amp;lt;h  ^ingutritt  ober  gortbleiben  eingelner  Kapitel  je  nach
©rforbernis  ber  ^raris  in  ben  eingelnen  fahren  gmar  nidjt  gang
gleich  bleibt,  aber  bod)  feiten  prinzipielle  Berfchiebenljeitcn  auf*
meift.  Die  Kapitel  gerfallen  mieber  in  Xitel,  bie  inbeffen  für  bie
(ßublilation  bes  ©tatsgefe^es  nicht  getrennt  aufgeführt  merben,
        <pb n="21" />
        unb  bie  Xitel  roieber  in  ^ofitionen.  2Bir  fetjen  babei  bie  Ziffern
ein  für  bas  (Etatsjaljr  1875,  als  bes  erften  nadj  Tilgung  ber  Äriegsanleilje,
  aber  nodj  unter  bem  freit)änblerifd)en  Zolltarif  uom  17.3)Zai
1870,  begro.  1873  [tet)enben,  fobann  bes  ¿tatsja^res  1881/82,  nad)
(Einführung  bes  gemäßigt  [d)ut}3öllnerifdjen  Zolltarifs  uom  3at)re
1879,  ferner  oon  1891  bis  1892,  als  bes  letzten  ber  unter  bem
Ejodjfdjutfôoll  oon  1887  ftetjenben  3 a h re &amp;gt;  unb  bes  Zaires  1903,
forme  1905,  an  benen  bie  2Bir!ungen  ber  fpäter  ^u  erörternben
fogenannten  lex  Stengel  erkennbar  [inb.
        <pb n="22" />
        10

Kapitel  23e3etdjnung  bcr  (Etatspoften

fortdauernde  Huegaben.
1.  I.  23unbesrat.  Die  erforberl.  Ausgaben  werbenfürje^t
aus  ben  unter  5tap.  7  ausgefetjten  gonbs  mit  Beitritten.
2.  II.  Aeidjstag
3.  III.  Aei^stangler  unb  Aeid^stanglei
IV.  Auswärtiges  Amt.
4.  Auswärtiges  Amt
5.  ©efanbtidjaften,  5ton|ulate  unb  Sdjutjgebiete  .  .  .  .
6.  Allgemeine  $onbs
6  a.  -ftolonialuerwaltung
Summe  IV:
V.  Aeicfysamt  bes  Innern.
7.  Aeidjsamt  bes  3 nnern
7  a.  Allgemeine  $onbs
7  b.  Aeidjs!ommi[[ariate
7  c.  33unbesamt  für  bas  £eimatwefen
7d.  Sd)iffsuermej[ungsamt
8.  (Entfdjeibenbe  Disgipíinarbe^brben  .•  .
9.  Beworben  für  bie  Untersuchung  non  Seeunfällen  .  .
10.  Stati[ti[djes  Amt
11.  AormaIeici)ungsiommi|fion
12.  (Sefunbljeitsamt
12  a.  Sßiolog.  Anwalt  für  £anb=  unb  gorftwirt|d)aft  .  .  .
13.  Patentamt
13  a.  Áeidjsneríidjerungsamt
13  b.  ^^p|ilaíif(^=te(^ni|(^e  Aeidjsanftalt
13  c.  itanalamt
Auffid)tsamt  für  &amp;lt;J3rwatuer|id)erung
Summe  V:
VI.  Verwaltung  bes  Aeidjsïjeeres.
14.  JUiegsminifterium
15.  3RiIitärta||enwe|en  .  .  =
Übertrag:
        <pb n="23" />
        11

1875

Ausgaben  in  1000  9JI.
1881/82  1891/92  1903

1905

1.  _
2-i  391,8
3.  _
4.  1005,0
5.  4385,3
6.  238,3
6a.

511,6
127,4
1084,0
4851,5
496,3

451,9
144,7
1860,5
6907,8
719,3

757.2
241,8
2  552,6
9389,8
2044,0
831.3

760,4
264,1
2682,7
9797.4
2722.5
959,6

5628.6

6431,8

9487,6  14817,7  16162,2

7.
7a.
7b.
7c.
7d.
8.
9.
10.
11.
12.
12a.
13.
13a.
13b.
13c.

905.8
107.8
32.3
28,6
4,7
191.9
43.3

706,2
824.1
45,8
29,7
4,6
35,0
513.1
92,3
127.2
648.2

827.8
12195,6
50,1
29.9
24.9
2,5
28.9
815.9
111.3
194.4
1071,9
975.5
273,3

1384.7
51067,7
62.3
30.4
64,7
6,0
34.5
1313.9
208,6
636,4
3445.9
1868,3
375,2
2481.8
328,1

1480,3
59860,3
72,7
30.4
70,1
6,0
36.5
1564.0
232,4
583,6
163,8
3962.0
1964.1
401,3
2580.2
393

1314,4

u -  1689,5
257,8

3026,3

15821.9  63308,5  73400,7

1849,5
260,5

2379,7
318,7

3136,7
447,8

3280,4
462.2

1947,3

2110.0

2698,4

3584,5

3742.6
        <pb n="24" />
        12

Kapitel  Vegeidjnung  ber  ©tatspoften
Übertrag:
16.  Vtilitärinbentanturen
17.  Vtilitärgeiftlidjieit
18.  Vtilitäriuftiäoermaltung
19.  ijötjere  Truppenbefe^ts^aber
20.  ©ouoerneure,  Jlommanbanten  urtb  ^Iatjmajore  .  .  .
21.  Abjutanturoff^iere  unb  Offnere  in  befonberen  Steltungen,
  forme  Veamte  bei  benfetben
22.  ©eneralftab,  ßanbesoermeffungsmefen
23.  Ingenieur«  unb  ^ionieriorps
24.  ©elboerpftegung  bcr  Gruppen
25.  Aaturaloerpftegung
26.  Vetteibung  unb  Ausrüftung  ber  Truppen
27.  ©arnifonoermaítungs*  unb  Seroismefen  l
28.  ©arnifonbaumefen  |
29.  SHilitärmebiginalroefen
30.  Vermattung  ber  Trainbepots  unb  Snftanbtjaltung  ber
getbgeräte
31.  Verpflegung  ber  ©rfat}=  unb  Aeferoemannfcfyaften  ufm.
32.  Antauf  ber  Aemontepferbe
33.  Vermattung  ber  Aemontebepots
34.  Aeifetoften  unb  Tagegelber,  Vorfpanm  unb  Transport
ioften,  llmgugstoften
35.  Vlilitärer3iet)ungs=  unb  Vitbungsmefen
36.  Alititärgefängnismefen
37.  Artillerie  unb  SBaffenmefen
38.  Tedjnifdje  ^nftitute  ber  Artillerie
39.  gelungen,  3ngenieur=,  ^3ionier=  unb  Vertetjrsmefen.  .
40.  Vlo^nungsgetbguf^üffe
41.  Tioerfe  Unterftütjungen
42.  3ufd)uj3  3ur  Atititörmitmentaffe
43.  Verriebene  Ausgaben

Übertrag:  Summe:
        <pb n="25" />
        1875

Ausgaben  in  1000
1881f82  1891)92  1903

1947,3
16.  1496,1
17.  430,8
18.  607,7
19-  2  553,4
20.  650,4
21-  858,3
22-  1295,4
23.  1405,4
24-  90  012,4
25.  90621,0
26.  21029,2
27.
28878,9
29.  6087,6
30.  456,8
31.  1880,1
32.  4  3  7  6,2
33.  1646,5
34.  4  5  31,4
35.  2708,5
36.  795,6
37.  3  0  7  2,6
38.  727,1
39.  2162,9
40.  7  076,2
41.  82,7
42.  924,3
43.  106,6

2110,0
1635.3
584.5
658.5
2525.1
632.9
922.9
1479.3
1545.6
97432.1
83394,6
22849,0
133  474,4
I  377,2
5992.6
483.6
2447.9
5849.7
2048.8
5494,2
4782.6
868,2
11977.3
554.7
2678.9
7193.7
79,5
840,3
58,3

2698,4
2091.0
731.0
726.0
2830.0
596.8
1025.3
2435.4
1845.3
119380,1
99148,8
22840,2
41177,7
580.8
7  650,1
1131.2
2581,7
9382.2
2350,9
8185.6
5909.7
873,6
29440.3
800,8
2823.7
8603.3
126,9
2200,1
802,2

3584.5
3118.3
1061,7
1523.0
3527.5
662,0
1227.3
3549.9
2497.3
132353.2
143478.3
32428.0
62236.9
1887.1
10439.5
1748.2
3460.0
12  516,2
3448.8
9424.8
8162.1
845,2
45,747,4
1313,5
3139.0
11227,7
1348.8
3198.0
2075.8

278421,3  300971,7  380969,1  511230,0

1905
3742,6
3248.9
1086.4
1778.5
3532.5
665.0
1236.8
3659.8
1884.2
132  622,8
148428,4
34015,2
65781,0
2007.2
10902,4
1781.4
3448.5
13262.9
3625.3
10375,3
8426.8
865,8
47398.2
1427.0
6166.6
11673.8
1365.0
3260.0
2078.0
529746.2
        <pb n="26" />
        51  apitei

©ejeidjnung  ber  Cctatspoften

44.

44  a.

Dagu:
Btilitciruermaltung  non  Bapern

Via.  Reid()smtlitârgerici)t
Rn  kapern

Übertrag:

Summe  VI:

Summe  Via:
VII.  Blartneuermaltung.
45.  Wer  Btarinetabinet  unb  Dberíommanbo  I
46.  früher  Reidjsmarineamt  |
46.  f.  1903  Rbmiralftab  ber  Spanne
47.  ¡Deutfdje  Seemarte
48.  Stationsintenbanturen
49.  Rechtspflege
50.  Seelforge  unb  ©arnifonfcfyulmefen
51.  ©elbuerpflegung  ber  Btarineteile
52.  Betrieb  ber  ßlotte  (^nbienfitjaltungen)  ......
53.  Raturaluerpflegung
54.  Betleibung
55.  ©arnifonuermaltungs*  unb  Sermsmefen
56.  3Bo^nungsgeIb3ufchu^
57.  Sanitätsmefen
58.  Reife-,  3Rarfd)=  unb  ßra^ttoften
59.  Bilbungsmefen
60.  ^[tanbljaltung  ber  flotte  unb  SBerftanlagen  .  .  i
61.  SBaffenmefen  unb  Befeftigungen  J
62.  baffem  unb  Redjnungsmefen
63.  Lüftern  unb  Bermeffungsmcfen
64.  Betriebene  Busgaben
0iergu  3entraluermaltung  für  bas  Schutzgebiet  51iautfci)ou
        <pb n="27" />
        15

1875

Ausgaben  in  1000  307.
1881/82  1891/92  1903

1905

278421,3
44 -  40  511.7

44a.

300971,7
42941,6

380969,1
49684,1

511230,0
64023,2

518,7
26.2

529746,2
66197,2

318933,0  343913,3  430653,2  575253,2  595943,4

527,2
26,8

544.9

554,0

45.
46.
46.
47.
48.
49.
50.
51.

621.1

61,8
93,6
14.5
27.5
4010.2
52 -  2  6  52,7
1998.3
103,5
391.8
344.8
284.0
296.1
84.0

53
54.
55.
56.
57.
58.
59.
60.
61.
62.
63.
64.

6518,4
110,0
104.1

617.6
209.3
163.9
23,9
37,7
5158,4
3145,2
2217,8
104.3
694.3
475.4
473.6
290.9
113.7
10626,7
[  2197,3
152,2
108.7

62,1
892,2

233,6
236.3
31,4
51,9
9709,0
9926.8
3599.8
124.3
1079,5
770.5
705.3
490.3
162,1
12390,9
4494,2
234.4
192.6

45.  SReidjsnumneamt  u.  9Karinelabinet.


1570.4
190.4
339.4
412.6
104,9
104.7
20903,7
23951,6
1499.5
357.7
-  4417,9
1525.7
2870.8
346,0
24068,0
8107,1
656.4
588.7
1182,0
71,8

1650.0
238.0
359,7
471.1
142.2
109.0
24275.5
26544,7
1743.2
396,4
5071,9
1827,7
3297.0
404.2
26415.5
9278,5
734,6
676.0
1315.2
96.4

17  716,4  26810,9  45387,2  93269,3  105046,5
        <pb n="28" />
        16

ilapitel  Vegcidjnung  ber  (Etatspoften

VIH.  Veidjsjuftiauermaltung.
65.  Veidfjs-^uftiäamt
66.  Veidjsgeridjt
Summe  VIH:
IX.  Veidjsfd)atjamt.
67.  Veictjsfcfyatjamt
68.  Allgemeine  gonbs  I
68a.  Übermeifungen  an  bte  Vunbesftaaten  J
68  b.  3ur  Scíjulbentiígung  aus  bem  (Ertrag  ber  ßölte  unb
Xabaífteuer
69.  Veicí)stommi[fariate
Summe  IX:
70.  X.  9?eicï)seifenbal)namt
XI.  &amp;lt;Retd)SÎ&amp;lt;i)ulb.
71.  Vermattung
72.  Verçinfung
Summe  XI:-73.
  XII.  Vedjnungsïjof
XIII.  Allgemeiner  ^enftonsfortbs.
74.  Vermattung  bes  Veidjsljeeres
74  a.  Aeidjsmiliiärgeridfyt
75.  Vermattung  ber  iaiferlidjen  Vlarine
76.  3mitnermattung
76  a.  Sonstige  Vemittigungen
Summe  XIII:
XIV.  Veidjsinoatibenfonbs.
77.  Vermattung  bes  Veid^sinoalibenfonbs
78.  3 u íd) u Í3  3 U  ^ ert  Soften  ber  Vermattung  bes  Aeidfstjeeres
79.  Snoalibenpenfionen  ufm.  infolge  bes  Krieges  oon  1870/71
80.  ^noalibenpenfionen  ufm.  infolge  ber  Kriege  oor  1870
Übertrag:
        <pb n="29" />
        17

1875

Slusgaben  in  1000  9Jt.
1881/82  1891/92  1903

1905

65.
66.

139,4
344,3

444,8
1242.3

470,8
1487,2

337,7
1807,8

337,8
1900,5

483,7

1687,1

1958,0

2145,4

2238.2

67 -  116,5
68.
68a.  1307,9

422,1
69743,4

511,7
3963,6
383377,3

686,0
5416,3
542092.0

776,1
20263,9
189335,0

68b.  _
69.  414.9

70.
71.
72.

222,5
5.1

73 -  381,4

74 -  19968,0
74a.
75.
76.
76a.

212,1
119,5

20299.6

77 -  59,8
78 -  48,1
79 -  26273,4
80 *  765.4

27146,7

401,3

433.3

524.2

266,1
35,8
11116,5

302,3
203,1
55604,0

401,1
815,9
98268,3

477.3
17  901,0
455,1
346.3

617,9
37  332,4
1377,7
926,5

956,1
70575,2
4,4
4819,5
2050,9
90,0

519,0

1839,3  70566,8  388285,9  548718,6  210893,9

410,6
769,9
112840,0

5,1  11152,3  55807,1  99084,2  113609,9

983,8
73032,6
17,5
5  692,6
2471,8
180.0

18702,4  39636,6  77  540,0  81394,5

65.9
55.9
24466,2
4311,9
28899,9

86,4
60,1
20668,2
3362,5
24177,2

76.9  74,1
68.9  69,5
31461,9  35189,9
6  610,6  6427.2

38218,3  41760,7
2

&amp;lt;5  r  o  t  e  u&amp;gt;  o  I  b,  Srinanjfoítem
        <pb n="30" />
        Capitel

SBegetdjmmg  ber  (Etatspoften

Übertrag:
81.  G^renjulagen  an  bte  3nt)aber  bes  eisernen  üreuges  uon
1870/71
82.  ^3enftonen  für  ehemalige  fran3ö[t[cf)e  Vttlitärperfonen  .
83.  ©nabenbemitltgungen,  ^enjtonsjufcpfîe  unb  Unterjtütjungen

84.  Snoalibenittïtitute
Summe  XIV:
85.  XV.  $oft*  unb  Xetegraptjenuerroaltung.
A.  3entraluermaítung
B.  Vetriebsuermaítung
Summe  XV:
86.  XVI.  Vetdjsbruáeret  .  .  .  .
87.  XVII.  (Eiïenbatjnoermattung.
A.  ßentraluermaltung
B.  Vetriebsuermaltung
Summe  XVII:
einmalige  Huagaben.
a)  Drbentlidjer  (Etat.
1.  I.  Veidjstag  •  .
1  a.  la.  Vetdjsïan3ler  unb  VetcE)  startet
2.  II.  Vusmcirttges  Vmt
2  a.  ilolontalnermattung
3.  III.  Veidjsamt  bes  ßnnern
4.  IV.  ^3o[t=  unb  ïelegrapljenttermaltung
4  a.  IVa.  Vetcfysbrucïeret
5.  V.  Vermattung  bes  Veidjsljeeres
5  a.  Va.  Veid)stmlttargeridjt
6.  VI.  Vermattung  ber  ïatjerlidjen  Vîartne
6a.  3ur  Vermattung  non  itiautf^ou
Summe  VI:
        <pb n="31" />
        2*

19

1875

Ausgaben  in  1000  501.
1881/82  1891/92  1903

1905

27146,7

81.
82.
83.
84.

85.

921.8

506,7

28899,0

41,6
655,4

321,6
397,5

24177,2  38218,3  41760,7

35,3
333,1
350,0
335.4

24,9
78,8
10320,4
361,3

22,9
69,7
15653,1
356,7

28575,2  30316,0  25231,0  49003,7  57  863,3
Demon  auf  Aap.  68  ber  fortbauernben  Ausgaben  übernommen:  14000,0

bleiben:  43863,3
3  004,7
395778,1

3082,6
431273,2

398782,8  434355,8

86.  —
87.

5586,7

116,7
66701,6

5582,3

120,7
76625,7

66818,3  76746,4

1.  118,9
la.  —
2-  1723,8
2a.  _
3.  386,7
4.  3474,6
4a.
5-  45984,2
5a.
6-  31493,2
6a.

201.4
387.4
8838,6
248,0
52,179,3

4293,5
2476,7
6480,1
415,6
40675,4

11192,9  15270,5

847,0
17  879,6
11122,0
13424.9
313,2
43388.1
69106.9
12353.1

525,8
18465,3
6712,8
13194,8
79,2
76260,7
7,8
81530,5
14,660,0

81460,0  96190,5
        <pb n="32" />
        20

ftapitel  Vegeiä)nung  ber  (Etatspoften
7.  VII.  Vei&amp;lt;Ss¡u|tÍ3oermattung
8.  VIII.  Veicfjsidjatjamt
8a.  VIII  a.  Veidjsfájulb
„  „  Veidjseiíenbatjnamt
„  Veá)nungsf)of
8  b.  „  (Eifenbatjnüermaltung
„  Vttingmeten
IX.  Reíjlbetrag
Summe  a)  Orbentlicfyer  (Etat,  einmalige  Ausgaben:
b)  SlujferorbentlicSer  (Etat.
1.  Vusmärtiges  2tmt,  üoloniatabteilung
2.  Veidjsamt  bes  Innern  J
3.  Vermattung  bes  Veictjstjeeres  |
4.  Vermattung  ber  fai[erlict)en  Vtarine
5.  Veicfysidjatjamt
Vtün3mefen
6.  ^3oft=  unb  ZelegrapSenoermattung
Veidjsbructerei
7.  (Eifenbatjnoermaltung
Vetriebsfonbs
8.  Ausgaben  infolge  bes  Krieges  gegen  RrantreicS  .  .  .
9.  „  aus  Slnlafc  ber  (Erpebition  nadj  Dftajien  .  .  .
10.  „  „  „  „  „  „  DSW.=2ífrita  .
11.  3ur  Dectung  non  Restbeträgen  in  früheren  Ratjren.  .
3uj^ufe  3U  ben  einm.  Ausgaben  bes  orbenttidjen  (Etats
        <pb n="33" />
        21

1875

7.  _
8-  646,1
8a.  715,2
54,4
8b.  18328,1
9052,0

Ausgaben  in  1000  9JI.
1881/82  1891/92  1903

131,6
3456,7
141,9
10,8
19532,5
1,0

593,5
359,2

53,4

1,3

100,0
3105,0

1905

65,7

500,0
7423,0

f.  1901:  48  309,6  f.  1903:  4  3  0  5,0

70617,9  219950,6  223730,5

1.
a.  1 )
b.  2 )
a. 1 )
c.  3 )
4.  i)
5.  i)

3.

26242.3
2766,9
95185.4
24739,2
4000,0

4000,0

29733,6
47175,0

3600.0
5000.0

32  987,6
46929,0

6.  i)  —

1987,2  22095,0  27475,0

7.  _

4948,9  12410,0  16452,6

8.  126679,9
9.  _
10.  _
11.  _

1694,0

12332,8  12659,6
__  47083,1
—  f.  1903:2  039,9
72102,4

1)  2Ius  bcr  $Retd)sanleiI)e.
2)  Slus  bem  5Reid)siagsgebäubefonbs.  3)  SIus  bem  5Retá)sfeítungsbaufonbs.
        <pb n="34" />
        22

Capitel  Me^eidjnung  ber  (Etatspoften
Summe  b)  Mufeerorbentlidjer  État
„  a)  £)rbentliá)er  Étal
„  ber  einmaligen  Ausgaben
„  „  fortbauernben  Musgaben  .  .  .  .
Summe  ber  Musgaben:
Kapitel  Megeidjnung  ber  Étatspoften
Ginnabtmn.
1.  I.  3öIle  unb  Merbrauá)s[teuern.
Mus  bem  ¿ollgebtete.
1.  Solle
2.  £abat[teuer
3.  3uáer[teuer:  9îlaterial[teuer
„  Merbraudjsabgabe
4.  Sal3fteuer
5.  Mranntroeinfteuer.
a.  9Jtaifcl)botticfy=  unb  5Raterial[teuer  .  .  .  .  .
b.  Mrennfteuer
c.  Merbraucfysabgabe  unb  3uM)lag  bagu  .  .  .  .
6.  Sdjaumtoeinfteuer
7.  Mraufteuer  unb  Übergangsabgabe  uon  SBier 1 ).  .  .
Mon  ben  aufeerijalb  ber  SoIIgrenge  liegenben  Munbesgebieten
  (Aversa).
8.  Solle  unb  Xabaifteuer
Sucier  unb  Salgfteuer
SJtaiidjbotticf)*  unb  Mranntroeinmaterialfteuer  non  1903
ab  in!l.  Sct)aummein|teuer
9.  Mraufteuer
Mufterbem:  Madjträgl.  Éinnaíjmen  begro.  Müdga^íungen
Summe  I:
1)  Rieran  §aben  Sapent,  SBürttemberg,  Saben  unb  (Elfafcfiotljringen  feinen  ïetl.
        <pb n="35" />
        23

1875

238657,1
395791,0
63*448,1
1875

Ausgaben  in  1000  9Ji.
1881|82  1891/92  1903  1905
_  159870,0  199848,8  194226,8
__  70617,9  219950,6  223730,5
98516,1  230487,9  419799,4  417  957,3
513989.2  1014565,7  1997229,5  1762209,9
612505.3  1245053,6  2417  028,9  2180167,2
(Einnahmen  in  1000
1881182  1891/92  1903  1905

1.  110604,6
2.  810,2
3.  40241,7
4.  33247,0
5  a.  41622,1
b.  —
c.  —
6.  —
7.  15771,6

181346,4
6581,1
70680.9
36748.9
35321,4

378470,3
11481,7
9805,7
55139,6
42866.2
19336.3
99  504,9

472563.0
12312.0
113629.0
49073.0

15631,7  24772,0

108667,0
4531,0
30846,0

536282.0
11109.0
130000.0
52282.0

18559,0  13524,0

103954,0
4531,0
29521,0

3105,7

866,0
343.7

6179,8

917,4
429,8

46,9
11,1
1,5
192,0

53,0
18,3

79,8

246612,6  353837,4  641244.2  810252,9  %81284,4

1.6
        <pb n="36" />
        Capitel

23egeicf)nung  ber  (Etatspoften

II.  SReidjsftempelabgaben.
2.  1.  Spieltartenftempel.
2.  2Be&amp;lt;í)[elítempeIfteuer
3.  Stempelabgabe  für  SBertpapiere,  ilaufgefdjäfte  ufto.,
Sotterielofe  unb  Scï)iffsfracï)turïunben
4.  Statijtifdje  ©ebüljr
Summe  II:
5ín  ftrebiten,  roeldfye  erjt  im  nädjften  Saljre  fällig
toaren,  flanben  aus:
bei  Capitel  1:
lit.  1.  Solle
,  2.  ïabaïfteuer
„  3.  3uáerfteuer:  9Jtaterial[teuer
23erbrauá)sabgabe
„  4.  Salgfteuer
„  5.  23rannttoeinïteuer:
9Jlai[djbottid^  unb  3CUateriaIfleuer
SBerbraudjsabgabe  .
„  6.  2loer[a  non  Sací)[en=2Beimar  unb  S.=(Eoburg  .
„  7.  2loerja  für  3öHe  unb  33erbrauá)s[teuern  .  .
bei  Capitel  2:
Xit.  1.  Spielíartenftempel
gu|ammen:
3.  III.  %So|t=  unb  Xelegrapíjenoerroaltung.
(Einnahme
gortbauernbe  Ausgaben
amtfiin  ift  Überfdjujg:
3a.  IV.  9?eiá)sbrucíerei.
(Einnahme
gortbauernbe  Ausgaben

mtit^in  ift  Überfdjufc:
        <pb n="37" />
        25

1775

(Einnahmen  in  1000  9JI.
1881/82  1891/92  1903

1905

2.  6105,6

13278.6
39909,2
8422.9
12588.6
2,4
1006.9

1028.4
6389.4
6105,9
535,2

1245,3
7  784,8
24063,4
687,8

1565.0
11940.0
78497.0
1026.0

18550.1
9354,9
86083.2
7498,3
19472,4
3,4
2209,6
215,3

40688.6
4478,4
70238,0
25947,9
8632,6
10069,5
56730.7
19,9
303,2

1585.0
11862,0
71857,0
1120.0

II.  6105,6  14058,9  33781,3  93028,0  86424,0

75208,6  143387,2  217  108,8

114941.1
109497.2
«I-  5443.9

145860,7
121781,4

234997,9
213165.1

456220,1
398782,8

517077,5
434355,8

24079,3  21832,8  (57  437,3)  (82  721,7)

3352.3
2288.3

5768,2
4063,8

7  906,0
5586,7

8520,0
5582,3

IV.

1064.0

1704,5  (2  319,3)  (2937,7)
        <pb n="38" />
        26

Capitel  23e3etdjnung  ber  (Etatsp  often
4.  V.  (Eifenbaí)noertoaltung.
(Einnahme  .
gortbauernbe  Ausgaben
Vtitljin  ift  Überfluß:
5.  VI.  Vanïroefen
6.—17.  VII.  Verfcßiebene  Venoaltungseinnaljmen  .  .  .
18.  VIH.  2lus  bem  Veidjsinoatibenfonbs
18a.  (Villa).  XRünjtoefen 1 )
19.  IX.  3tnfen  aus  belegten  Veidjsgelbern.  .  .  .
Überfdjüffe  aus  früheren  fahren
IXa.  3uf¿)u¿  bes  außerorbentticßen  (Etats  .  .  .
20.  X.  Vus  ber  Veräußerung  non  ^argelíen  bes
ehemaligen  Stettiner  geftungsterrains  .  .
Xa.  3um  Vusgleid)  für  bie  nidf)t  allen  23unbesftaaten
  gemeinfamen  (Einnahmen  .  .  .  .
22.  XI.  Vtatritular  beitröge.
1.  Preußen
2.  Vapern
3.  Gad)[en
4.  ÜBürttemberg
5.  Vaben
6.  Reffen
7.  Vtectlenb  urg=S  ä)  m  erin
8.  SacIjfemSBeimar
9.  VWIenburg^Streliß
10.  Otbenburg
11.  Vraunfdjtoeig
12.  Sacßfen=9Jieiningen
13.  Sacßfen  Ottenburg
14.  Sachfen=(£oburg=©otIja
15.  Vnljalt

Übertrag:
        <pb n="39" />
        27

1875

(Einnahmen  in  1000
1881/82  1891/92  1903

1905

35004,1
26045,0

VI.
VII.
vin.
Villa.
IX.

2255.0
26381.3
9052.0
11964.3

iXa.  _

X.  _

Xa.  _

44274,0
27  505,4

57469,5
36124,2

87879,6
66818,3

2  631,1
7  324,0
30316,0
5127,2

8607.3
9986.3
25231,0
484,6

610,4

15866.2
41658.3
49003,7

104314,7
76746,4

V.  8959,1  16768,6  21345,3  (21061,3)  (27  568,3)

15767,5
36939,9
47  927,4

—  f.  1903:  240,9
72102,4  —

17  406,6  20876,3

1.
2.
3.
4.
5.
ü.
7.
8.
9.
10.
U.
12.
13.
14.

32113,3
15319,6
3240.0
5784.1
4249,8
1368,3
639.1
427.3
137.4
457,8
387,6
298.2
214.5
271.4

15.  332,4

52501,4
20149,6
5625,0
7  281,4
5185,5
1806,7
1129,4
597.4
195.1
651.2
667.3
396,7
297.5
372.4
435.6

190803,0
42  779,9
21434,1
15841.3
11983.3
6445.7
3875.2
2115.3
662,8
2301.1
2509,5
1447.8
1087.9
1339,7
1672.1

346825,9
60961,4
42286.3
21707.6
18802.6
11258.3
6112.3
3  659,0
1031.7
4022.3
4671.2
2522.4
1967.3
2308,6
3179.8

163  776,0
28282,2
19957,8
10145,7
8874.5
5320.5
2887.5
1724.0
487,5
1896.5
2206.0
1191,2
926,0
1090.6
1501.7

114893,4  143690,5  461283,9  531316,7  372019,7
        <pb n="40" />
        Capitel

23egeidjnung  ber  Statspoften

Übertrag:
22.  16.  Sd)toar3burg=Sonbersï)au[en
17.  Sdjtoar3burg=9UiboIftabt
18.  SBalbeá
19.  %eu&amp;amp;  alt.  £inie
20.  SReuff  jüngere  £inie
21.  S&amp;lt;í)aumburg=£ippe
22.  £ippe
23.  £übeá
24.  Bremen
25.  Hamburg
26.  Slfag=£otIjringen
Summe  XI:
©efamtfumme  bes  orbentlidjen  Stats:
XII.  Stufjerorbentlidfe  Fedungsmittel.
5Ius  bem  ‘iReidjstagsgebäubefonbs
23.  2Ius  Slnletíjen
24.  Sonstige  aujjerorbentlidje  Fettungsmittel.  .  .  .  .  .
5lus  ber  frangöfifdjen  itriegstoftenentfcijäbigung  unb  ben
oon  berfelben  aufgenommenen  pinjen
5lus  bem  9teid)sfeftungsbaufonbs
SIus  bem  ^etdjseifenbaljnbaufonbs 1 )
Summe  XII:
©cfamtfumme  ber  (Einnahmen:
1)  Die  für  1875—-1881/82  unter  5Reidf)seiienbaf)nbaufonbs  angeführten  3«^ïen  finb
5Inmertung.  Fie  obigen  3at)Ien  finb  für  bie  3&amp;lt;*f)re  1875,
1881/82  unb  1891/92  ben  Dr.  S.  (Eoljnfdjen  Tabellen  entnoim
men,  melden  bie  Otedjnungen  gugrunbe  liegen.  Fie  3°^ en  für
1903  unb  1905  entflammen  bem  9teidjsgefetjblatt  unb  berufen
auf  ben  (Etatsgefetjen.
Fie  ben  ©efetjen  angeljängten  3ufammenjteIIungen  ber  ein*
        <pb n="41" />
        29

(Einnahmen  in  1000  Ri.
1875  1881/82  1891/92  1903

1905

114893,4  143690,5  461283,9  531316,7  372019,7

26-  2200,6  3810,9  11724,0  17315,4  8168,7
XI.  68969,5  103288,5  326733,6  565856,2  266567,9

185782,6  8442,6  —  —
—  15168,6  —  —  —
118123,6)  (3575,2)  —  —
Xn -  185782,6  76017,0  322334,8  199848,8  194226,7
571525,9  634041,0  1413896,1  2417028,9  2180167,2
bereits  in  ben  „aus  bet  franj5ii|d)en  ftriegsenttd&amp;amp;äbigung"  mitentljalten.
Seinen  Summen  geben  mir  nadjjteljenb  in  ber  $orm,  baft  fortbauernbe,
  einmalige  orbentlidje  unb  aufterorbentliche  ^ojten  bei
ben  einzelnen  Rermenbungsarten  gufammengefaftt  erjeheinen,  um
einen  Rergleid)  gu  ermöglichen.
ferner  i[t  gu  bemerien,  baft  bei  ben  älteren  Rechnungsjahren
bie  Überfthüfje  aus  ben  Reichsbetrieben  bei  ben  (Einnahmen  er=16

 -  100,5
17 -  117,5

137.6  495,9  816,0  384,3
156.4  564,9  940,3  442,1
111.6  381,2  582,6  275,2
95,8  376,7  689,1  324,9
188.4  745,2  1402,5  661,4
67,6  250,7  433,9  204,9
229,3  830,2  1394,5  660,2
116,1  455,9  973,4  459,8
290,0  1115,9  2263,9  1068,4
792.6  3494,3  7  728,2  3  650,4

82,8

46,9

170,4
28-  68,2
21  193,8
25-  538,8

2217180,1  1985940,4

—  2766,9  —  —
52205,3  309381,3  194664,5  191471,4
200,5  10186,6  5184,3  2755,3
        <pb n="42" />
        30

feinen,  toâïjrenb  1903  unb  1905,  bcm  ©ebraudj  bes  ©ejetes
folgenb,  bie  Betriebsausgaben  unb  Betriebseinnahmen  getrennt
gegeben  [inb.
Scijliepdj  i[t  nod)  gu  ermähnen,  ba&amp;amp;  in  ben  lebten  Satiren

SBieberljolung  ber  Musgaben.

einmalige

a.  fortbauernbe.
Ib.  orbentlidjer  ©tat.
|c.  aufcerorbentlidjer  ©tat.
d.  gufammen.

Summe  I.  Bunbesrat

II.  Beid^stag

III.  Beic^stangler  unb  SReid)s!angíei

IV.  Musroärtiges  Mmt

V.  Beidjsamt  bes  3 nnern

a.
b.

c.
d.

a.
b.
c.

d.

a.
b.
c.
d.

a.

b.
c.
d.

a.
b.

c.
d.

n

VI.  Bermaltung  bes  Beid)sf)eeres
        <pb n="43" />
        31

ber  ©ebraudj  eingefüljrt  ift,  einen  befonberen  „aufjerorbentlidjen
Gtat",  nom  orbentlidjen  ¿tat  getrennt  gn  publ^teren,  mas  an
ber  Sacfye  felbft  nichts  änbert,  fonbern  meï)r  eine  gorm  ift
(fieï)e  6.  38).

Betrag  für  bas  Bed)nungsjat)r
1875  1881/82  1891/92  1903  1905

391.8  511,6  451,9  757,2  760,4
118.9  —  —  —  —

510,7  511,6  451,9  757,2  760,4
127,4  144,7  241,8  264,1

—  127,4  144/7  241,8  264,1
5628,6  6431,8  9487,6  14817,7  16162,2
1723,8  201,4  4293,5  18726,6  18991,1
—  —  —  —  3600,9
_  7352,4  6633,2  13781,1  33  544,3  38753,3
1314,4  3026,9  16602,0  63308,5  73400,7
386,7  887,4  2476,7  11122,0  6712,8
—  —  26242,3  4000,0  5000,0
701,1  3914,3  45321,0  78430,5  85113,5
318933,0  343913,3  430653,2  575253,2  595943,4
45984,2  52179,3  40675,4  43388,1  76260,7
—  —  95185,4  29733,6  32987,6
364917,2  396092,6  566514,0  648374,9  705191,7
        <pb n="44" />
        32

Ausgaben
einmalige

a.  foríbauernbe.
Ib.  orbentlid)er  (Etat.
|c.  aufeerorbentlidjer  (État,
d.  gufammen.

Summe  Vía.  Seicfysmilitärgeridjt

a.
b.

c.

d.

VII.  Vermattung  ber  íaiferliájen  Starine

a.
b.

c.
d.

VIII.  SeidjsjuftigDermaltung

a.
b.
'  c.
d.

IX.  Sei^s|d)a^amt

a.

b.

c.
d.

X.  Seid)sei[eni&amp;gt;af)namt

XI.  Seidjsfdjulb

XII.  Sedjnungsljof

a.
b.

a.
b.
c.
d.

a.
b.
c.
d.
        <pb n="45" />
        ©roteroolb,  3rinanj|g|tem.

3

33

23etrag  für  bas  SKedjnungsjaljr
1875  1881/82  1891/92  1903  1905

544,9  554,0
7,8

—  —  544,9  561,8
17  716,4  70566,8  45387,2  93269,3  105046,5
31493,2  11192,9  15270,5  81460,0  96190,0
—  24739,2  47175,0  46929,0
49209,6  81759,7  "¡5396,9  211904,3  248166,0
483,7  —  1958,0  2145,4  2238,2
—  131,6  593,5

483,7  131,6  2551,5  2145,4  2238,2
1839.3  —  388285,9  548718,6  210893,9
646,1  3456,7  359,2  1,3  65,7
—  —  4000,0  —  —
2485.4  3456,7  388645,1  548719,9  210959,6
222,5  266,1  302,3  401,1  410,6

222,5  266,1  302,3  401,1  410,6
5,1  11152,3  55807,1  99084,2  113609,9
715,2  141,9  -  —  —

720.3  11294,2  55807,1  99084,2  133609,9
381.4  477,3  617,9  956,1  983,8
54,4  10,8  —  100,0  500,0

435,8  488,1  617,9  1056,1  1483,8
        <pb n="46" />
        34

Huscjaben
einmalige

a.  fortbauembe
b.  orbentlictjer  (Etat.
c.  aufrerorbentlidjer  (Etat.
d.  3u[ammen.

Summe  XIII.  Slllgemeiner  93en[ionsfonbs

XIV.  SReidjsinoalibenfonbs

XV.  Sßofb  unb  Megrapíjenuerroaltung

XVI.  iHeicE)sbru(ierei

„  XVII.  (Eifenba^nuermaltung

Fehlbeträge  unb  3 u ïrf)üïï e

1875  unb  1881/82  aus  9ínla&amp;amp;  bes  Krieges  non  1870/71
1903  unb  1905  aus  SInlafc  ber  (Erpebition  nadj  0|ta|ien  &amp;lt;
unb  Süb=2ßejt-2ifrita
        <pb n="47" />
        3

35

Setrag  für  bas  9?ed)nungsjat)r
1875  1881/82  1891/92  1903  1905

20299,6  —  39036,9  77540,0.  81394,6

20299,6  —  39036,9  77  540,0  81394,6
28575,2  30316,0  25231,0  49003,7  43863,3

28575,2  30316,0  25231,0  49003,7  43863,3
109497,2  121781,4  213165,1  398782,8  434355,8
3474,6  8838,6  6480,1  13424,9  13194,8
—  —  2766,9  22095,0  27475,0
112971,8  130620,0  222412,1  434302,7  475025,6
2288,3  4063,8  5586,7  5582,3
—  248,0  415,6  313,2  79,2
1987,2  —  —
~~  —  2536,3  6466,6  5899,9  5  661,5
26045.0  27505,4  36124,2  66818,3  767463,3
18328.1  19532,5  53,4  3105,0  7423,0
—  —  4948,9  12410,0  16452,6
44373.1  47  037,9  41126,5  82333,3  791338,9
—  —  —  48309,6  4305,0
—  —  —  72102,4  2039,0

120679.9  1694,0  —  12332,8  59742,7
126679.9  1694,0  —  12332,8  59742,7
        <pb n="48" />
        Husgaben
einmalige

a.  fortbauernbe.
|b.  orbentlidjer  (£tat.
|c.  au^erorbentlic^er  (Etat
d.  gufammen.

gjiüngme^en

a.
b.
c.

d.

Summe

h

I.
II.
III.
IV.
V.
VI.
VII.

n

VIII.

tt

Villa.

Jt
ft

IX.
X.

tt

XI.
XII.

Girmabme

3öIIe  unb  5Berbraud)S¡teuem
91eid)s[tempeiabgaben
^3o[t=  unb  Xelegrap^enuermaltung 1 )
91eid)sbru&amp;lt;ierei  *)
(Sifenbahnuerroaltung 3 )
23anïœejen
®er[c^iebene  $era&amp;gt;altungsnal)men  .......
2íus  bem  SKeidjsinualibenfonbs
93îün3U)eien 2 )
1905  Überfc^u^  aus  1903  \
3infen  aus  belegten  SHeidjsgelbern  |
1903  unb  1905  gum  Slusgleid)  für  bie  nici)t  allen
23unbesjtaaten  gemeinsamen  (Einnahmen.  1891/92
aus  bei  Söeräujjerung  uon  ^aigeííen  bes  ehemaligen ­
  Stettiner  geftungsterrains  •
Siatrilularbeiträge
Slufterorbentlidje  Dedungsmittel
Dagu  344^)3  gum  orbentlidjen  (Etat
©efamtfumme:

1)  Die  3tffern  für  1875,  1881/82,  1891/92  geben  bie  9Moübcrfcf&amp;gt;üffe,  bie  für  1903
unb  1905  bie  Srutto=Setriebseinna^men  an.
2)  93on  1891  ab  bei  Aap.  VII.  ncrre^nei.
        <pb n="49" />
        37

1875

Setrag  für  bas  SRedjmmgsjatfr
1881/82  1891/92  1903

1905

9052,0

1.0

9052,0

1.0

III.
IV.
V.
VI.
VII.
VIII.
Villa.

I.  246612,6
II  6105,6
5443,9

8959,1
2255.0
26381,3
9052.0

IX.  11964.3

353837,4
14058,9
24079,3
1064.0
16768,6
2631.1
7324,0
30316,0
4656.2

641244,2
33781.3
21832,8
1704,5
21345.3
8607.3
9986.3
25231,0
484,6

810252,9
93028,0
456220,1
7  906,0
87879.6
15  866,2
41658,3
49003.7

881284.4
86424,0
517077.5
8520,0
104314,7
15767,5
36939,9
47927,4
240,9

X.
Xi.

68969.5

*ii  185782,6

103288,5
76017,0

610,4
326733,6
322334,8

17406,6
565856,2
199848,8
72102,4

20876,3
266567,9
194226,7

571525,9  634041,0  1413896,1  2417028,9  2180167,2
        <pb n="50" />
        38

2Bie  aus  ben  norftehenben  Tabellen  erfidjtlich,  verfallen  bie
Ausgaben  in  gmei  ^auplilaffen,  fortbauernbe  unb  einmalige,
mäljrenb  man  bei  ben  (Einnahmen  unterfdjeibet  gm%en  orbent*
lidien  unb  aufjerorbentlichen.  3 ßne  3egei^nungen  „orbentlid)“  unb
„aufterorbenttidj“  finben  audj  2Inmenbung  auf  bie  einmaligen  2íusgaben,
  je  nadjbem  fie  burd)  orbentíid)e  ober  aujferorbentlidje  (Einnahmen ­
  Dedung  finben.  ¿n  ben  lebten  fahren  roirb  ein  bejom
berer  aufterorbentlicher  (Etat  in  Ausgabe  unb  (Einnahme  aufge[tellt.
Diefe  SUlethobe  ift  leicht  irreführend  Der  £ogi!  mürbe  es
beffer  entsprechen,  nur  foldje  Ausgaben  als  „aufjerorbentlid)“  gu
begegnen,  bie  es  tatjächtidj  aud)  |inb,  mie  g.  23.  bie  Ko[ten  für
bie  (Eljüiaeipebition  ober  ben  £jererotrieg,  mährenb  h ß ute  aud)
nieles  anbere  barunter  gu  finben  ift,  jobalb  bie  Dedung  bafür
nid)t  aus  orbentIid)en  (Einnahmen  beschafft  mirb 1 ).
3m  eingelnen  ift  gu  ben  21usgabetiteln  folgenbes  gu  bemerïen:

I.  23unbesrat,
II.  ^Reichstag,
III.  SReidfsïangler  unb  9^eidf)slanglei.
Diefe  brei  Kategorien  umfaßen  bie  ißerfonab  unb  23ureauïoften
  ber  gefetjgebenben  gaítoren  bes  fReidfs.  Dem  Kaiser  [tetjen
non  SReidjsmegen  feine  23egüge  gu,  es  merben  ihm  nur  gemiffe
Dispofitionsfonbs  in  $öh ß  non  3 1 ¡ 2  Millionen  SRarï  gur  23erfügung
  gejtellt  für  gnabenmeife  ^enfionsbemilligungen  u.  bergl.
2tud)  erfcijeint  ein  Soften  für  ßubienfthattung  eines  Kriegsfdjiffs
für  ben  Kaiser  im  (Etat  (ca.  %— 1 | 2  Million).
Dem  $Reid)stangteramt  lag  urfprünglidj  bie  güljrung  fait  ber
gefamten  2legierungsge|(häfte  bes  SReidjs  ob,  erft  fpäter  mürben
bie  übrigen  SReidjsämter  in  ihrer  heutigen  ßorm  errietet.  (Es
finb  bies:
bas  2Iusmartige  2lmt,
bas  ÍReid^samt  bes  3unern,
bas  SReichsmarineamt,
bas  Dfei^sjuftigamt,

1)  Sgl.  5Reí)m,  SRetdjsfmanjreform,  Üftüncfoen  1903.
        <pb n="51" />
        39

bas  Veidhsfchatjamt,
bas  $Reid)sei[enbaIjnamt,
bas  Veichspoftamt,
bas  SReichsamt  für  bte  Verwaltung  ber  9?eid)seifenbaï)nen.
Vile  biefe  Veichsämter,  welche  meiftens  Staatsfetretären  unter*
fielen,  bte  aud)  bisweilen  bas  gleiche  ^Portefeuille  int  preufpfchen
SOlinifterium  inné  haben,  finb  nun  feine  Vtinifterien  in  bem  Sinne,
wie  in  anberen  Staaten.  Die  Staatsfetretäre  finb  formell  nid)!
bem  Parlament,  fonbern  bem  Veii^sfangler  oerantwortlid),  welker
feinerfeits  bie  Verantw  ortliá)íeit  gegenüber  bem  Veidjstag  unb
bem  Raifer  trägt.  3 n ^ e ii en  :f^  bas  Verantwortlidjteitspringip  in
ber  Verfaffung  nod)  nidf)t  genügenb  ausgebilbet,  inbem  de  jure
ber  Veidjstabler  burdj  ben  Veidjstag  nicht  befeitigt  werben  tann.
Die  Sdjaffung  eines  Veid)stolonialamts  ift  im  griií)jat)r  1906  leib  er
00m  Veidjstag  abgeletjnt  worben.  Vermutlich  wirb  es  aber  im
(Etat  für  1907  bewilligt  werben.  (Einftweilen  rangieren  bie  #0=Ionialausgaben
  beim  (£tat  bes
auswärtigem  Vmts  (IV),
bem  ja  bie  ftolonialabteilung  unterfteltt  ift.  Die  fonftigen  Ausgaben
bes  auswärtigen  Vmts  befielen  in  Vefolbungen  für  Votf^after,  @efanbte,
  ©eneralfonfuln,  Áonfuln  ufw.  unb  bas  ^3erfonaí  bes  aus*
wärtigen  Vmts  in  Verlin,  fowie  allgemeinen  gonbs.  (Entfprect)enb
ber  oerbefferten  Vertretung  bes  Veidjs  im  Vuslanbe  (Vermehrung
ber  Confuíate,  (Erhebung  non  ftonfulaten  gu  General!onfutaten  ufw.)
ift  ber  (Etat  bes  auswärtigen  Vmts  im  £aufe  ber  3af)re  fehr  er*
heblid)  gewadjfen,  abgefeljen  oon  ben  ftoften  ber  Kolonien,  bie,
mit  Ausnahme  oon  Dogo,  ausnahmslos  noch  auf  abfehbare  ßeit
3ufd)üffe  erforbern  werben.  3 m  gangen  Ijaben  bie  Kolonien  bem
Veid)  fchon  über  i / i  Vtilliarbe  Moften  oerurfad)t,  wooon  freilidf)
bie  ¿älfte  auf  ben  §ererofrieg  entfallen  bürfte.  Von  leiderem
abgefeljen,  betrugen  bie  Rolonialausgaben,  b.  h-  aus  ber  Vei^s*
taffe  ben  Kolonien  geleiftete  ßuf^üffe  in  Vlillionen  Vlarl:
1895  1900  1905
5,5  29,3  34,9
Die  einzelnen  S^u^gebiete  haben  natürlich  ihre  eigenen
        <pb n="52" />
        40

(Biais,  tn  b  en  en  ber  Vewhsgufchujg  aïs  (Einnaijmepoften  erfcheint.
Diefe  einzelnen  Kolonialetats  finb  bureaus  oom  Veichsetat  getrennt.
V.  Das  Veichsamt  bes  ßnnern
u)ei[t  nod)  mefentlidj  ^ö^ere  3 una h mcn  feiner  bauernben  2lus*
gaben  auf  mie  bas  auswärtige  2lmt.  V3âljrenb  leyeres  an  fort*
bauernben  Ausgaben
1892:  4,  1905:  16  Millionen  Vlarl  beanfpruchte,
oerlangte  biefes:  1892:  1,  gegen  1905:  73  Millionen  Vlarl.
Diefe  3iffern  geigen  f^Iagenb,  mie  feijr  bie  Vufgabenlaft  ber
inneren  Veidjsoermaltung  infolge  bes  Vusbaus  ber  Veichsgefetj*
gebung  gemachfen  ift.  Vefonbers  gilt  bas  oon  ben  Ausgaben
für  f  ogialp  olitifdfje  3##%,  bie  gang  enorme  Vnforberungen  an
bie  Veid)siaffe  ftellen,  bie  nodj  ftänbig  fteigen.  Die  in  ben  ^often
„allgemeine  gonbs"  erfdjeinenben  Knloften  für  Verficherungen  betrugen
  in  Millionen  Vlarl:
1895  1900  1905
18,2  32,5  51,5
VÏ.  Die  Verwaltung  bes  Veidjsheeres
ift  eine  ftaatsredjtlid)  nidjt  gang  einfache  Sadje.
(Ein  Veichsljeer  gibt  es  eigentlich  gar  nidjt.  2Bir  h^en  ein
preufjifdjes  Heer,  bem  bie  VZeljrgahl  ber  Kontingente  ber  Vunbes*
ftaaten  angefdjloffen  ift.  Daneben  befielt,  mit  eigenem  Kriegs*
minifterium  unb  Verwaltungsapparat,  eine  födjfifdje  unb  württem*
bergifdje  Vrmee.  Diefe  brei  Kontingente  erhalten  im  (Etat  jebes
eine  befonbere  Spalte,  wäljrenb  eine  oierte  Spalte,  bie  nur  bei
unferer  Vufftellung  berüäfichtigt  ift,  bie  (Öefamtfumme  aufnimmt.
Die  bagrifdje  Vrmee  nimmt  eine  Sonberfteltung  ein,  bie  auch  im
(Etat  äußerlich  gum  Vusbrud  iommt.
(Ein  Veidjslriegsminifterium  gibt  es  nicht,  beffen  Munitionen
übernimmt  bas  preufpfdje.  Vur  bie  Kolonialtruppen  finb,  neben
ber  Vtarine,  eigentliches  Veid)smilitär.
Die  Verteibigung  ber  ©rengen  h a i  má)* 5  beftoweniger  aber
oon  Vnfang  an  im  (Einilang  mit  ben  Veftimmungen  ber  Ver*
faffung  eine  ber  Hauptaufgaben  bes  Veidjs  gebilbet.  Die  (Etats
bes  Heeres  unb  ber
        <pb n="53" />
        41

Marine  (VII)
mit  ihren  enormen  ©rforberniffen  für  &amp;lt;per[onal=  unb  Sadfjausgaben
haben  baljer  auch  ftets  bte  höd)[ten  Summen  im  Reichshaushaltsplan
  aufgumeifen  gehabt.  Sie  finb  baffer  auch  [lets  ©egenftanb
ber  lebhafteren  unb  intereffanteften  ^arlamentsbebatten  im  beutfdf)en
  Reichstag  gewefen.
Refonbers  hat  es  [ich  babei  um  bie  immer  toieber  erneut  aufgerollte
  ^ringipienfrage  gehanbelt:  Vergibt  fid)  ber  Reichstag  etwas
an  ¡einem  ihm  guftehenben  Rusgabebewilligungsrecht,  wenn  er
bie  non  ben  oerbünbeteri  Regierungen  »erlangten  Solbaten  unb
Skiffe  in  ber  aud)  »on  ihm  [elbft  anerïannten  Rtenge  auf  eine
längere  ^eriobe  bewilligt,  be^w.  greift  er  ben  ionftitutionellen
Renten  bes  beutfdjen  Rottes  oor,  wenn  er  über  feine  eigene
Rtanbatsbauer  hmaus  bie  feeres»  unb  Rtarineausgaben  feftlegt?
Die  Rorbbeutfctje  Runbesoerfaffung  hatte  einen  Rtilitäretat
im  heutigen  Sinne  gar  nicht  getannt.  Rrtitel  60  normierte
bie  griebenspräfengftärte  bis  1871  auf  1%  ber  Runbesbeoölterung
  oon  1867,  unb  bem  Runbesfelbherrn  (5tönig  SBilhelm  I.)
würben  für  ¡eben  Rtann  225  later  pro  3al)r  3ur  Verfügung  ge=[teilt,
  wooon  [amtliche  -ftoften  gu  beftreiten  waren.  Dies  Spftem
blieb  bis  1874  intraft,  unb  würbe  bann  burd)  bas  jetjt  gettenbe
abgelöft,  wonach  auch  ber  Rtilitäretat  titelweife  bewilligt  wirb.
Die  ©efetje,  welche  gur  3eit  bie  0eeres=  unb  RtarineoerhäItniffe
  regeln,  finb  bie  nachftehenb  im  Rusgug  wiebergegebenen.
©efeh  betreffenb  bie  griebenspräfengftärte  bes  beutfchen
feeres.  Rom  15.  Rpril  1905.
§  i.
©om  1.  SIpril  1905  ab  toirb  bie  gfriebenspräfenäftärte  bes  beulten  ôeeres  als
3abresburcbi&amp;lt;bnittsjtärle  allmäi)li&amp;lt;i)  berart  erhöbt,  ba|}  [ie  im  Kaufe  bes  ^Rechnungsjahres
1909  bie  3abl  oon  504665  (Gemeinen,  (¡Befreiten  unb  ¡Dbergefreiten  erreicht,  unb  im
Kaufe  bes  ¡¡Rechnungsjahres  1910  auf  505839  erhöbt  toirb.
2In  biefer  griebenspräfengftärie  finb  beteiligt  ©reuten,  einfcbliefjlicb  ber  unter
preufjijcber  KRilitäroermaitung  ftebenber  Kontingente
mit  392979
Sapern  ,,  55424
SBürttemberg  19  725
(Gemeinen,  (Gefreiten  unb  Dbergefreiten  ufto.
        <pb n="54" />
        42

§  2.
3n  Serbinbung  mit  ber  burá)  §  1  begegneten  ©ríjbíjung  bet  @riebenspräfengftärle
u)irb  bie  3&amp;lt;#  bet  Formationen

bei  bet  Infanterie
„  tfaoallerie
„  gelbattillerie
„  Fufeartillerie
ben  Pionieren
„  Serleijrstruppen
bem  Drain

feftgefefct.

auf  633  ^Bataillone
510  ©slabrons
574  Salterien
40  Sataillone
29
12
23

©efet),  betreffcnb  bie  beutfdje  glotte  (2íusgug).
%om  14.  gum  1900.  SUr.  21.
%r.  2697,  S.  255.
SBir  SBilljelm  ufto.
I.  SdE)iffsbeftanb.
§  1.
©s  foil  befielen  :
1.  Die  SdjIad)tflotte
aus  2  glottenflaggfdfjiffen
4  ©efdjtoabern  gu  je  8  Sinienfdjiffen
8  gtofgen  Rreugern
24  Meinen  Areugern.
2.  Die  Sluslanbsflotte
aus  3  großen  Rreugern
10  Meinen  Areugern.
3.  Die  SDlaterialreferoe
aus  4  großen  ßinienfd&amp;amp;iffen
3  großen  Areugern
4  Meinen  ßteugetn.
§  2.
Slusgenommen  bei  SdEjiffsoerluften  folien  erfetjt  roerben:
fiinienfdjiffe  nad)  25  Sagten
Areuger  „  20
IV.  ftoften.
§  5.
Die  Sereitftellung  ber  gut  2Iusfül)rung  biefes  ©efefces  crforberlidjen  SRittel  unter»
liegt  ber  jäljtlidjen  geftftellung  burd)  ben  Seidjsljausljaltsetat.
§  6.
Fnforoeit  oom  5Red&amp;gt;nungsjaI)r  1901  ab  ber  ÜJIeljrbebarf  an  fortbauernben  unb  ein»
maligen  Ausgaben  bes  orbentlidjen  ©tats  ber  ÍMlarineoerroaltung  ben  SJleljrertrag  ber
SReidjsftempelabgaben  über  bie  Summe  oon  53708000  ÜJÏ.  hinaus  überfteigt,  unb  ber
Fehlbetrag  nidit  in  ben  fonftigen  ©innaípnen  bes  9?eid^s  feine  Dechmg  finbet,  barf  ber
leitete  nid)t  burd)  ©r^ö^ung  ober  Sermelfrung  ber  inbiteMen,  ben  SRaffenoerbraud)  be=Iaftenben
  5Reid)sabgaben  aufgebracht  roerben  ufro.
        <pb n="55" />
        §  5  unb  6  bienes  ©efeftes  bieten  ein  fraies  Veifpiel  bafür,
mit  melier  3i)ftemIofigïeit  ijeute  öfters  ©efefte  gemacht  werben.
SBährenb  §  5  ängftlidf)  an  bem  jährlichen  Vubgetredfjt  fidf)  antlam*
mert,  mill  §  6  bie  ©efeftgebung  für  alle  3utunft  barauf  feftlegen,
baft  etwaiger  Weftrbebarf  ber  Marine  nid)t  burd)  Velaftung  bes
Vlaffenoerbraudhs  aufgebracht  werben  [oll.  ©in  gwar  [ei)r  fd^öner
©ebante,  aber  wer  garantiert  bafür,  baft  ber  §  6  nid)t  eines  [cftönen
Zages  einfach  wieber  aufgehoben  wirb?  Daft  beibe  Paragraphen
[ich  ftaatsrechtlidh  wiber[predhen,  ift  ben  ©efeftgebern  leiber  ent*
gangen.  Sin  ähnlidhen  ©ebanienlofigïeiten  ift  unfere  ©efeftgebungs*
gefehlte  leiber  nidjt  arm.
3um  Warinegefeft  ift  im  Sommer  1906  noch  eine  ©rgängung
bewilligt  worben,  gum  3n)edle  ber  Vermehrung  ber  groften  Rreuger
um  6  Schiffe  (5  bei  ber  Sluslanbsflotte,  1  bei  ber  SJlaterialreferoe.
Vor  ©rlaft  biefer  ©efefte  [teilten  fi(h,  nach  bem  Status  für
1900,  bie  effeitioen  präfenggiffern  wie  folgt  bar:

Vtannfdhaften

491136

Unteroffiziere
unb  £anb*
werlsmeifter
81650

0eer:
£)ffi3icre
Slrgte
u.  Veamte
27730
glotte:

Pferbe

102929

©efchüfte
(befpannte)
3034

gahgeuge
19882  6367  3719  122  Schiffe
(in!L  Skiffs*  (intl.  Ded=  (barunter  16  naá)
jungen)  offnere)  1890  gebaute  £i*
nienfd)iffe)
10  Zorpebobiuifions*
boote
100  Zorpeboboote
©injährigfreiwillige  unb  Rolonialtruppen  finb  nici)t  eingerechnet.
Da  bie  gefeftlich  normierten  Veftönbe  für  bas  fianbljeer  erft  1910,
für  bie  Vlarine  gar  erft  1917  erreidjt  werben  [ollen,  fo  wirb  man
[id)  bes  3weifels  nicht  erwehren  tonnen,  ob  nid)t  bie  Veftim*
mungen  bis  baíjin  [á)on  längft  wieber  überholt  [ein  werben.
Sßo  bleibt  bann  aber  ber  eigentlidje  Sinn  ber  gangen  ©e*
        <pb n="56" />
        44

fehmadjerei  biefes  Stils,  taenn  roeber  (Regierungen  noch  (Reichstag
fidíj  an  ihre  Vefd)iüffe  gebunben  galten?
5Run  läfft  fidj  freilich  biefe  grage  !aum  nom  Stanbpunit  ber
ftaatsredjtlidjen  X^eorie  aus  allein  entleiben.  ©s  iann  natür*
Iid^  ieinem  3%)  eifei  unterliegen,  baff  ein  burdj  oerfaffungsgemäffes
3ufammenmirien  aller  gefetggebenben  gaitoren  oerabfd)iebetes  ©efetj
  falange  gu  $Red)t  befteljt,  bis  es  aufgehoben  tairb.  3 U  einer
foldfen  Aufhebung  oon  ©efetjen,  meldfe  ben  Veftanb  an  Ejeer
unb  glatte  feftlegen,  ift  aber  auch  bie  (Regierung  in  jebem  galt
fd)on  gef^ritten,  rao  fie  eine  Vermehrung  für  nötig  hie#-  Der
ilonfliit  inbeffen  toäre  auf  ber  anberen  Seite  fertig,  taenn  bie
^Regierung  auf  ©runb  folder  ©efetje  ßieferungsoerträge  abftf)Iöffe,
ber  folgenbe  (Reichstag  bie  gur  ¿Bezahlung  biefer  Lieferungen  er*
forberlidjen  Vlittel  aber  nid)t  berailligte  —  ein  galt,  ber  theoretifd)
immerhin  bentbar  ift,  taenn  man  fidf)  auch  m  P raxl  bislang  noch
immer  geeinigt  hat.
Vom  rein  fachlichen  Stanbpunlte  aus  tairb  man,  obfdjon  man
bie  unoermeibliche  Vefchräniung  ber  Vefd)lufffreiheit  bes  Vei&amp;lt;hstags
  bebauern  tairb,  fdljlie^lidf)  bie  gefehlte  geftlegung  bes  feeres
unb  Sdjiffsbeftanbes  auf  längere  galfre  nur  billigen  iönnen.  3)ie
für  bie  Sicherheit  bes  (Reichs  oeranttoörtlichen  galtoren  müffen
eben  toiffen,  toorauf  fie  rechnen  iönnen,  unb  im  ©rnftfalle  taffen
fidj  Kanonen,  Schiffe  unb  ausgebilbete  Truppen  nidf)t  einfach  aus
ber  (Erbe  ftampfen.
(Räheres  ©ingehen  auf  #eeres=  unb  Vtarinefragen  liegt  nicht
im  (Rahmen  biefer  bie  ginangen  bes  Veidjs  behanbelnben  Schrift,
nur  fei  unfer  Stanbpunit  iurg  bahin  prägifiert,  bafr  toir  es  begrüßen
  mürben,  menn  man  ein  Spftem  erfänbe,  bas  unter  2Bat) s
rung  ber  ionftitutionellen  Volisrecljte  bo&amp;lt;h  ¡eben  maffenfähigen
Deutzen  unter  bie  gähnen  brächte,  bamit  bie  Veoölierungsgm
nähme  ooll  für  unfere  2Bel)riraft  ausgenu^t  m  erb  en  iönnte.  Dabei
  follte  möglichft  noch  mehr  als  bisher  auf  technifdje  Volliom*
menheit  ber  SBaffen  unb  fonftigen  Einlagen  unb  5lusrüftungen
gefehen  merben,  mäljrenb  aller  überflüffige  unb  fogar  fd)äbliehe
  Luius,  mie  grellfarbige  teuere  Laoallerieuniformen,  blanie
knöpfe  ufm.  oermieben  merben  follte.
        <pb n="57" />
        45

Der  Ausbau  ber  glotte  nun  befonbers  läßt  fid)  motjl  überhaupt ­
  nt&amp;lt;i)t  nadfj  ©runbfätjen  burdjführen,  bie  alljährlich  neuer
gefeßlid^er  Drbnung  unterroorfen  toerben.  9Jlan  rotrb  bafyer  ben
faßlichen  (Erforberniffen  in  biefem  gall  moí)I  crjt  redjt  ben  Vor*
rang  oor  fonftitutionellen  Vebeníen  laffen  müffen,  unb  nolens
volens  ber  ^Regierung  auf  bem  non  tí)r  betretenen  2Beg  ber  ge*
feßlidhen  geftlegung  ber  Schiffsbauten  auf  galjre  hinaus  gu  folgen
haben,  toenn  man  nidjt  ©efaljr  laufen  mill,  bie  Vkljrfähigteit  bes
(Reiches  gur  See  ferneren  Sdjäbigungen  ausgufeßen.
VIII.  Das  Veichsjuftigamt  ift  in  geroiffem  Sinne  ein  ©ene*
ralftab  ohne  §eere,  inbem  bie  eigentliche  ©eridf)tsbarieit  Sache  ber
(Eingelftaaten  ift.  Der  Ejauptpoften  in  biefem  Xeil  bes  (Etats  ent*
fällt  baher  nur  auf  bas  (Reichsgericht,  ein  kleinerer  Xeil  auf  bas
(Reichsfuftigamt  felbft  unb  bie  unter  ihm  arbeitenben  Rommiffionen
gur  Vorbereitung  oon  Aei^sgefeßen,  roie  3.  V.  für  bas  bürger*
liehe  ©efeßbud)  eine  foldje  beftanb.
fieiber  ift  ïeine  Ausfidjt  barauf  oorhanben,  baß  bas  traurige
Vilb  partifularer  3erriffenheit,  meldjes  bie  (ßerfonaloerhältniffe  in
ber  guftigpflege  heute  nocí)  bieten,  in  abfehbarer  3eit  oerfchmin*
ben  roirb.
IX.  Die  (Erforberniffe  bes  (Reichsfehaßamts  toeifen  außer
ben  felbftoerftänblichen  (ßerfonaluntoften  ftets  ben  mehrere  £&amp;gt;un*
berte  oon  VMionen  9Rar!  betragenben  (ßoften  ber  Übertoeifungen
oon  3otl*  unb  Steuereinnahmen  an  bie  Vunbesftaaten  auf,  auf
©runb  ber  granctenfteinf^en  Rlaufel,  auf  roelche  mir  fpäter  näher
eingehen.  An  biefer  Stelle  h^en  mir  nur  ber  technifdjen  3Re*
thobe  gu  gebeuten,  bie  ben  Abre^nungen  gmif^en  Veich  unb
Vunbesftaaten  gugrunbe  liegt.  3 u nächft  fei  bemertt,  baß  es  eine
eigentliche  Veidjsiaffe  nicht  gibt.  3h rc  ¿teile  mirb  oertreten  burch
bie  fogenannte  Veidjshauptlaffe,  melchc  eine  befonbere  Abteilung
ber  Veichsbant  in  Verlin  bilbet  unb  im  gangen  über  bare  Vetriebsmittel
  oon  ca.  50  Vlillionen  oerfügt,  bie  freilich  für  ben
Vebarf  nicht  mehr  ausreidjen.
Die  E&amp;gt;aupttaffen  ber  Vunbesftaaten  h^ben  monattlidj  bem
Veich  Abrechnung  gu  erftatten  über  alle  für  Rechnung  bes  (Reidjs
gemalten  (Einnahmen  unb  Ausgaben.  3 U  ben  (ßaffiopoften  ber
        <pb n="58" />
        46

Sunbesftaaten  bem  Reid)  gegenüber  gehören  namentlid)  bie  auf
©runb  bes  3lrt.  36  ber  Serfaffung  erhobenen  3bííe  unb  Ser*
braudjsfteuern,  forme  bte  Roerfa,  meldje  gu  galten  [inb  für  bte
aufcerljalb  ber  3°H9 ren 3 cn  Itegenben  Reichsgebiete,  forme  feitens
berjenigen  (fübbeutfdjen)  Staaten,  meld)e  ber  Srau*  unb  Srannt*
toetnfteuergememfdjaft  fidf)  nidjt  anfdjloffen.  ferner  gehören  baju
bte  in  bem  lebten  Rlonat  oeretnna^mte  2Bed)feIftempelfteuer,  fo*
fern  btefe  nid)t  burd)  bte  Softtaffen  fitest,  ein  ¿robíftel  bes  für
bas  (Etatsjaljr  angefetjten  Rlatritularbeitrags,  forme  fdjlieftlid)  euen*
tuelle  Sermaltungseinnaljmen,  Reid)S3ufd)üffe  ufro.
Die  Ausgaben,  bgm.  Rttiopoften  tonnen  hefteten  aus  3 a ^ s
lungen  für  Rechnung  ber  Rtilitärbeljörben  unb  fonftigen  im  Ruf*
trage  bes  Reichs  gemalten  Rufmenbungen.
Die  Regulierung  erfolgt  in  bar  auf  bem  Stege  bes  Reidjs*
bantgirooerte^rs.
Die  f^on  ermähnten  Übermeifungen  aus  ber  $ranctenfteinfd)en
Mtaufel,  gum  3mectbes  Rusgteicfys  ber  Rtatrifularbeiträge  finben  bei
biefen  Rtonatsabredjnungen  gunächft  teine  Serüdfidjtigung,  fonbern
roerben  feitens  bes  Reidjs  üierteljäl)rlid)  oerredjnet.  (Eine  Rusnaljme
mad)t  nur  Sägern,  meines  aud)  feinerfeits  oierteljä^rlid)  abredjnet.
X.  Das  Reidjseifenbaljnamt  —  root)!  gu  unterf^eiben  oom
Reichsamt  gur  Sermaltung  ber  Reidjseifenbahnen  —  ift  eine  Se=Ijörbe,
  ber  bie  oerfaffungsmöfpge  Übermalung  ber  beutfdjen  Sahn*
betriebe  obliegt.
Die  Moften  für  bas  Reictjsamt  gur  Sermaltung  ber  Reidjs*
eifenbaljnen  erfdjeinen,  mié  audj  bie  bes  Reid)spoftamts  unb  ber
Reidjsbructerei  bei  ben  (Etats  biefer  reidjseigencn  Setriebe  unb
merben  non  uns,  ba  jene  ilberfdjüffe  abmerfen,  unter  ben  (Ein*
naf)mcquellen  ermähnt.
(Ebenfo  merben  mir  XI.  bie  Reidjsfd)ulben  unb  XIV.  ben
Reidjsinoalibenfonbs  bei  ben  (Einnahmen  be^anbeln,  mäfjrenb
ber  allgemeine  ^Senfionsfonbs  (XIII),  ber  gur  3ül)lung  ber
Senfionen  für  bie  Sermaltung  bes  Reid^s^eers,  ber  Rlarine  unb
ber  3ioiIoermaltung  bient,  i)ier  nur  ber  (Ermahnung  aus  Rüctfid)t
auf  bie  Sollftänbigteit  bebarf.
Rad)bem  in  ber  angegebenen  2Beije  ber  Reiüjsbebarf  für  bas
        <pb n="59" />
        47

oom  1.  April  bis  31.  ÄRörß  Iaufcnbe  C£tats]ai)r,  melcftes  [eil  1899
ben  Aamen  bes  3at)tes  füftrt,  oon  bem  8 / 4  mit  iftm  gufammen»
fallen,  feftgeftellt  i[t,  [inb  burcft  ben  (Etat  ber  (Einnahmen  bie  gu
[einer  Dedung  erforberlidjen  Mittel  gerbet  gu  [Raffen,  £efttere
[inb  [elb[trebenb  unter  allen  Um[tänben  [o  gu  beme[[en,  baft  [ie
ausreicften,  meil  anbemfalls  bie  baren  Betriebsmittel  ber  Aei(ftsftauptlaffe
  [eftr  halb  ausgegeben  [ein  mürben.  Aeicften  bafter  bie
eigenen  (Einnahmen  bes  Aei^s  nid)t  aus,  [o  mü[[en  eben  auf  anberem
  2Bege  bie  (Selber  b  eh  afft  merben.  Soldje  2Bege  gab  es
bislang  gmei:  bie  Alatrilularbeitröge  unb  bie  Anleiften  (letztere
[inb  „aufterorbentlicfte“  Dedungsmittel),  bie  man  leiber  nur  gu  oft
3U  befreiten  [i&amp;lt;ft  oeranlaftt  gefeften  ftat.  3nbe[[en,  bie  (Etats
muftten  „balancieren“,  b.  ft.  bie  Boranfcftläge  ber  Ausgaben  muftten
mit  benen  ber  (Einnaftmen  überein[timmen.  Datfäcftlidj  iönnen  ja
bie[e  Boranfcftlage  ben  „3[tergebni[[en"  ber  Aedjnungen  ni(ftt  genau
  gleid)  [ein,  mie  benn  3.  23.  bas  3aftr  1905  eine  [eftr  erfreuliche
Hberrafcftung  infofern  bereitet  ftat,  als  [eine  „3fterträgni[fe“  ben
„Sollbetrag“  ber  (Einnaftmen  [eftr  mefentlicft  überfliegen.  Anberer=[eits
  lommt  aucft  bas  ©egenteil  oor,  befonbers  in  gallen  mie  [ie
ber  ^ereroaufftanb  3.  23.  huf.
Da  i[t  benn  bie  Regierung  öfters  ge3toungen,  bie  bemilligten
Ausgaben  3U  überfcftreiten,  unb  muft  auf  bem  2Bege  ber  Einbringung
  oon  Aacfttragsetats  gnbemnität  oerlangen  —  eine  [lets
[eftr  miftlicfte  unb  ftaatsrecfttlicft  nicftt  einmanbfreie  Sletftobe  ber
ginan3politii.  Es  mirb  immer  Aufgabe  einer  [orgfältigen  unb
lorrelten  Regierung  [ein,  burcft  re(ftt3eitige  Einberufung  ber  gefeftgebenben
  körperhaften  —  menn  es  [ein  muft,  3U  aufterorbentlicften
Dagungen  —  Etatsüberfcftreitung  tunlidjft  3U  oermeiben.  Derartige
Aadjtragsetats  [inb  ja  nicftt  immer  3U  umgeften,  aucft  lann  es
oorlommen,  baft  eine  Regierung  gerabe3U  bie  nationale  ^[Iic^t
ftat,  nicftt  bemilligte  ©elber  aus3ugeben,  aber  bas  füllten  ftöcftft
[eltene  Ausnaftmefälle  bleiben.
3[t  nun  naift  Eingang  aller  2lbred)nungen  unb  Aa&amp;lt;ftmei[e
bie  Anfertigung  bes  Abfcftluffes  für  ein  Etatsjaftr  möglidj  geroefen,
  [0  geftt  bem  Aeicftstag  bie  „Überficftt  ber  Aeicftsaus*
gaben  unb  ^Einnaftmen“  3U.  Auf  ©runb  biefer  Aacftmeifungen
        <pb n="60" />
        48

ber  tatfäcf)Iichett  Geftaltung  bes  Reidjshaushaltes  farm  bann  ber
Reichstag  feine  Genehmigung  bagu  erteilen.  Gr  madjt  biefe  unter
bem  Vorbehalt  ber  Prüfung  feitens  bes  (hinfidfjtlich  ber  Soften
feines  perfonals  unter  pofition  XII.  ber  Ausgaben  aufgeführten)
Rechnungshofes,  ber  bis  ins  fleinfte  Detail  alle  Rechnungen  unb
Reläge  ber  benfbar  minutiöfeften  5tritiï  unterwirft,  unb  groar  fowohl
  htnfi^tltcE)  ihrer  tatfächlidf)en  unb  redf)nerif&amp;lt;i)en  Rid)tigfeit,  als
and)  ^tnfid)tltci)  ber  Übereinftimmung  ber  gemadjten  Ausgaben
mit  ben  Gefeiten  unb  ben  ¿Bewilligungen  bes  Reichstags.
3m  einzelnen  ift  in  tedjnifcher  ¿Begiehung  gu  ben  Ginnahmepofitionen
  nadjftehenbes  gu  erwähnen.
I.  3öIle  unb  Rerbrauchsfteuern.  Die  3öIIe,  ihrer  Rrt
nach  auf  Gewicht,  Raum  ober  Stücfgahl  bafierte  Ginfuhrabgaben
würben  erhoben  bislang  auf  Grunb  bes  ßolltarifgefetjes  oom
24.  9Rai  1885,  mit  Rooellen  oom  15.  Rpril  1886  unb  21.  Degember
  1887,  abgeänbert  burch  bie  unter  Gaprioi  guftanbe  getommenen
  £&amp;gt;anbelsoerträge.  Seit  1.  Rtärg  1906  gilt  bas  ßolltarif;
gefetj  oom  25.  Degember  1902  mit  ben  burd)  bie  fet)t  geltenben
Verträge  bebingten  Rnberungen.  Gs  ift  erinnerlich,  bah  bas  neue
Darif  gef  eh  oom  Reichstage  oerabfd)iebet  würbe,  ohne  bah  biefer
in  eine  grünbliche  ¿Beratung  ber  eingelnen  Paragraphen,  bgw.  in
bie  Distuffion  über  bie  oon  ber  ßommiffion  befc^Ioffenen  Rnberungen
  bes  Regierungsentwurfes  eingetreten  war.  Dies  ¿Borgehen
bes  aus  3entrum,  ilonferoatioen  unb  leiber  aud)  bem  großen
Zeile  ber  Rationalliberalen  gebilbeten  Reichstagsmehrheit,  welches
nur  möglich  würbe  burd)  eine  ad  hoc  befdfloffene  Rnberung  ber
Gefdjäftsorbnung,  hot  ber  ¿Reinheit  bamals  ben  nicht  unbegrüw
beten  ¿Borwurf  eines  Rechtsbruchs  eingetragen  (ogl.  fiabanbs
Ruherungen  h^rgu).  Die  Rntwort  bes  Rolfs  barauf  aber  war
bie  bei  ben  SBaljlen  1903  heiworgetretene  rieftge  3unahme  fogiaIbemofratifd)er
  Stimmen.
Rber  niiht  bas  3olltarifgefeh  als  foldfes  liegt  in  praxi  ber
Grhebung  ber  3ölle  gugrunbe,  fonbern  betanntlich  bie  mit  ben  mid)=tigften
  Staaten  feitens  bes  Reichs  abgefdjloffenen  Darifoerträge,
bie  wefentliche  ¿Robifífationen  bes  urfprünglichen  Darifs  enthalten.
Rus  ben  eingelnen  ¿Beftimmungen  bes  Gefeites  ift  als
        <pb n="61" />
        49

toefenlltá)  Ijenjor^uíjeben,  biejenige,  melá)e  feftfetjt,  bafj  für  gemiffe
  Ianbmirtfd)aftli&amp;lt;f)e  ^robuíte  cine  Mtinimalgrenje  auã)  oertragíid)
  nicí)t  unterfdjritten  merben  barf,  unb  bie  fog.  lex  Xrimbom,
meld)e  23eftimmungen  mir  im  SBortlaut  folgen  Iaffen.  5luf  bte
lex  irimborn,  ben  §  15  bes  Xarifgefetjes,  íommen  mir  bei  ber
Seljanblung  ber  Steuergmeáe  im  IV.  Äapitel  eingeljenber  gurud.
2Ius3ug  aus  bem  ßolltarifgefe^  nom  25.  December  1902.
mm.  G.  303.  (Mo.  52,  2917).
2Ius  §  1.  Die  folien  bur&amp;lt;h  oertragsmäfjige  Abmachungen
(autonom)
bet  loggen  nicht  unter  5.—  2R.  7  —  2R.
„  SBerçen  unb  Spal3  „  „  5.50  „  7.50  „
„  2Ral3ger|te  „  „  4.—  „  10.25  „
M  l&amp;amp;afer  ..  m  5.-™  ,,  7.—  tt
für  einen  Doppe^entner  ^erabgefetjt  roerben.
§  15.  ¿er  auf  ben  Hopf  ber  Seoölierung  bes  beutfd&amp;gt;en  Keidfjs  entfaltenbe  Ketto&amp;gt;
3oIIertrag  ber  nach  ben  Darifftellen  1  (Koggen),  2  (SBeißen  unb  Spal3),  102  (Kinboielj),
103  (Schafe),  105  (Gemeine),  107  unb  107  a  (ßleifd)  unb  Sped),  160  (ÜJtet)I)  bes  3oIItarifs
  3U  oer3ollenben  Sßaren,  melier  ben  nach  bem  Durch  fchnitte  ber  (Rechnungsjahre
1898—1903  auf  ben  Hopf  ber  SBeoöIlerung  entfallenben  5Retto3ollertrag  berfelben  SBaren
überfteigt,  ift  3ur  (Erleichterung  ber  Durdhführung  einer  2Bittoen=  unb  SBaifenoerforgung
3U  oerroenben.  Über  biefe  Serftcherung  ift  burdf)  ein  befonberes  ffiefet}  Seftimmung
3u  treffen.
Sis  3um  3n!rafttreten  biefes  ©efetjes  finb  biefe  ÜRehrerträge  für  (Rechnung  bes
(Reichs  an3ufammeln  unb  oe^inslid)  an3ulegen.
Dritt  biefes  ©efefc  bis  3um  1.  Januar  1910  nicht  in  Hraft,  fo  finb  oon  ba  ab
bie  3infen  ber  angefammelten  9JleI)rerträge,  foroie  bie  eingeijenben  2Ref)rcrträge  felbft
ben  ein3elnen  Snoalibenoerficherungsanftalten  nach  ÜRaftgabe  ber  oon  ihnen  im  oor^er«
geljenben  Safjre  aufgebrachten  93erfidf)erungsbeiträge  3um  3mede  ber  2ßittoen=  unb
Sßaifenoerforgung  ber  bei  ihnen  Serfidfjerten  3u  übertoeifen.
Die  Unterftühung  erfolgt  auf  ©runb  eines  oom  Keichsoerfidherungsamte  3U  genehmigenben
  Statuts.
Die  23erbraud)sfteuern  finb,  mie  aud)  bie  35IIe,  mannigfachen
$nberungen  untermorfen  gcmefen.
3ur  3eit  gelten  folgenbe  23eftimmungen:
a)  Dabaisfteuer:  inlcinbifd)er  Dabai  in  fabrifationsfertigem
3uftanbe  unterliegt  einer  Abgabe  oon  45  9M.  pro  100  kg.  Über
bie  3iQGrettenfteuer  merben  mir  im  III.  üapitel  berieten.
b)  3uderfteuer.  Speziell  an  biefer  ift  fet)r  oiel  tjerumeiperimem
tiert  morben.  3^erft  oerfteuerte  man  bas  ^Rohmaterial,  bie  Müben,
bann  trat  eine  gabriiatfteuer  hM3 u -  3ür  eine  berartige  gorm
Cßtoteroolb,  5inan3fg|(em.  4
        <pb n="62" />
        —  50-ber
  befteuerung  toar  es  felbftoerftanblich,  baft  burdj  einen  burdf)=ans
  proljibitmen  3°H  jebe  Ronfurreng  bes  2luslanbes  fern  ge*
falten  tourbe.  Um  bie  ^nbufírie,  un  b  namentlidj  bie  rüben*
probugierenbe  Sanbmirtfhaft  inbeffen  für  bte  burcf)  bte  h 0 i) c ,
ca.  100%  uom  Wert  bes  ¿uders  betragenbe  Abgabe  fe^r  rebu*
gierte  Slufna^mefâfjigïeit  bes  inlänbifhen  SRarïts  gu  entfha*
bigen,  ging  man  gleichzeitig  gu  5Iusfuf)rprämien  über,  meldfe  ben
(Ertrag  ber  gangen  3ucterbefteuerung  redfjt  einfhränlten  unb  im
übrigen  insofern  ihren  3 IÜC( i  verfehlten,  als  alle  mit  Deutfhlanb
auf  bem  Weltmartt  ioniurrierenben  Staaten  fie  gleichfalls  ein*
führten,  unb  ferner  g.  b.  bie  bereinigten  Staaten  auch  bamit  ant*
roorteten,  baff  fie  einen  Differengialgoll  in  £jöhe  ber  Prämien  auf
europäifcfjen  3 u ^er  legten,  im  Sntereffe  bes  Smutjes  ihrer  eigenen
^robultion.
3ur  3^it  gilt  folgenbes:  Prämien  toerben  nicht  mehr  gegaijlt
(golge  ber  brüffeler  Ronoention).  Die  inlänbifdje  Steuer  ift  auf
14  SR.  pro  100  kg  ermäßigt  (feit  1.  September  1903,  toährenb  fie
früher  18,  fpüter  20  SR.  betrug).
c)  Die  Sa  lg  ft  eu  er  beträgt  12.—  SW.  pro  100  kg  für  gur
menfdjlichen  Nahrung  beftimmtes  Rohfulg  (¿hlornatrium).  gür  *
gu  lanbroirtfd)aftlid)*tec^nifc^en  3 IDe ^ en  brauchbares,  für  menfcEp
liehen  ©enuff  aber  unbrauchbar  gemaltes  Saig  ift  leine  Steuer
gu  entrichten.
d)  Die  23  rauft  eu  er  ift  eine  oom  Rohmaterial  erhobene
Steuer  getoefen,  bie  nicht  für  bas  gange  Reich,  fonbern  nur
für  bie  23raufteuergemeinf&amp;lt;haft,  b.  h-  Rorbbeutfchlanb  unter  2lus*
jdhluB  uon  bapern,  baben,  Württemberg  unb  ©Ifajf*Lothringen
gegolten  t)üt.  Sie  betrug  je  nach  feiner  2lrt  4,  6  ober  8  SR.  für
ben  Doppetgentner  SRalg,  begro.  SRatgerfah-3m
  3 a í) rc  1906  mürben  burct)  bie  o.  Stengelfhe  ginang*
reform  bie  im  III.  Kapitel  gu  befpre^enben  Slnberungen  ein*
geführt.
e)  Die  b  rannt  mein  ft  eu  er.  Dies  ift  ein  öufferft  tompli*
giertes  ©efetj  ober  richtiger  eine  gange  Rette  oon  eingelnen  ©e*
fetjen  unb  Rooellen,  bie  fo  uermictelt  finb,  baff  mir  ihre  Details
im  Rahmen  biefes  bühlcins,  bas  ben  3%)ed  oerfolgt,  feine  £efer
        <pb n="63" />
        51

über  bie  (Srwtbgüge  ber  ¿Reid)sfinan3toirt[chaft  aufguüören,  nidjt
roiebergeben  iönrten.
Die  $aupt3Üge  ber  ©efetje  finb  bte  folgertben:
©rjtlid)  toirb  unterfdjieben  3toi[d)en:
a)  lanbtoirt[d)aftlichen  ¿Brennereien,  bas  [mb  foldje,  bte
ihre  ¿Rebenprobuíte  in  eigenem  fianbroirtfchaftsbetriebe  nermenben
unb  nur  mehlige  ¿Rohftoffe  oerarb  eiten;
b)  ¿Dlaterialbrennereien,  bie  nur  nid^tmef)Iige  Stoffe,  aufter
¿6lela[[e,  ¿Rüben  unb  ¿Rübenjaft  brennen;
c)  gewerbliche  ¿Brennereien,  3U  benen  alle  übrigen  gehören,
bie  nicht  unter  a)  unb  b)  fallen.
Die  ¿Branntweinsteuer  felbft  3erfäIIt  in  3  b^m.  5  Unterarten:
1.  bie  ¿Berbrauchsabgabe  non  0,50  ¿61.  für  jebes  fitter  reinen
2IlïoÎ)oIs  unter,  ober  0,70  SDZ.  oon  jebem  fitter  reinen  Sllïoijols
über  bem  ^ahresiontingent,  welkes  gleid)  4,5  fitter  auf  ben  Äopf
ber  ¿Reichsbeoölierung  abgüglich  3  fiiter  für  jeben  5topf  ber  fübheutigen
  ¿Beoölierung  feftgeje^t  ift.
Die[e  ¿Bestimmungen  (©e[et}  00m  16.  ^uni  1895  unb  24.3uni
1887)  jinb  im  ein3elnen  toieber  oon  äufeerft  iompl^ierter  ¿Be[d)affenheit.
  Das  für  unjeren  3wed  wesentlichste  ift  aber  3U  ionftatieren,  bafj
aus  biefer  Differen3  oon  20  ¿ßfg.  für  ben  fiiter  reinen  ¿Hlíohols
fid)  ein  profit  oon  ca.  45  Millionen  SCRarï  ergibt  für  bie  Xafdjen
ber  ¿Branntweinbrenner,  meiner  ber  ¿ReidjslaSfe  einfach  oer=Ioren
  geht.
Die  lanbtoirtf^aftlidjen  ¿Brennereien  3ahlen  aufter  ber  erwähnten
  ¿Berbraud)sabgabe  nod):
2.  bie  fogenannte  9Jtai[c^bottidf)fteuer,  oon  1,31  ¿61.  pro  $&amp;gt;eH
toliter  ¿Rauminhalt  ber  ¿ölaifchgefäfte  unb  für  jebe  ©inmaijdjung.
Diejer  Sah  ermäßigt  |i^  für  Heinere  ¿Betriebe.
3.  2Birb  oon  gewerblichen  unb  ¿6!ela[[ebrennereien  ein  3 U *
Schlag  3ur  ¿Berbrauchsabgabe  oon  20  ¿61.  pro  5&amp;gt;eitoItter  reinen
¿ttlíoljols  erhoben,  ebenfalls  mit  getoiffen  ©rma^igungen.
4.  ©ibt  es  eine  ¿¿Raterialjteuer,  bie  biejenigen  ¿Brennereien
fahlen,  welche  Xreber,  JObft,  ¿Beerenfrüdjte  ufro.  oerarbeiten.
5.  Unterliegen  [amtliche  ¿Brennereien,  bie  im  3al)re  mehr  als
300  ^eltoliter  reinen  ¿Hlíohols  er3eugen,  f^íie^íid)  aud)  ber  foge=4*
        <pb n="64" />
        52

nannten  Vrennfteuer,  bie  mieber  nach  befonberen  Tarifen  erhoben
mirb.  Diefe  btlbet  inbeffen  leine  (Einnahmequelle  für  bas  Veidj,
fonbern  nur  einen  burdjlaufenben  ^often,  ba  iljr  Ertrag  für  Vonifilationen
  oollftänbig  gur  Verausgabung  gelangt.
SBeitere  Veftimmungen  regeln  bte  Ausfuhroergütungen,  bte
Denaturierung  ufm.
Schließlich  ift  bei  ben  Verbrauchsabgaben  bie  Schoummeim
fteuer  gu  ermähnen.
Sinb  bie  Verbrauchsabgaben  burch  bie  $orm  ihrer  (Erhebung
in  ben  gabrilen  bem  großen  ^ublitum  nicht  auf  Schritt  unb  Dritt
fühlbar,  fo  macht  fich  bie  nun  folgenbe  klaffe  ber  Aeidjseimtahmen,
II.  bie  Stempelabgaben,  um  fo  unangenehmer  bemerkbar.
Selbft  Abgaben,  mie:
1.  ber  SBechfelftempel,  ber  in  feiner  geringen  non  1 ¡ 2 °¡ 00
nicht  brüdenb  genannt  m  erb  en  ïann,  finb  ärgerlich  burch  bie  bamit
  oerinüpften  Umftänbe.  Die  nicht  lorrelte  Veadjtung  audj  ber
nebenfää)li&amp;lt;hiieu  Vorfdjriften  feßt  ben  Stempelpflihtigen  argen
Weiterungen  unb  eoentuell  auch  Strafen  aus.  Wir  ftehen  baher
nicht  an,  uns  als  grunbfählidje  Cöegner  non  Stempelabgaben  auf
Dolumente  bes  ^anbclsuerieljrs  unb  bes  tägigen  Gebens  gu
bezeichnen.
¿tmas  anberes  ift  es  mit
2.  bem  Spiclfartenftempel  (Rartenfpiele  non  36  ober  meniger
Vlättern  30  Pfennige,  jebes  anbere  Spiel  50  Pfennige),  ber  bei
Übergang  ber  Spiele  in  ben  Verleljr  erhoben  mirb  unb  im  übrigen ­
  als  eine  fehr  befdjeibene  £uiusfteuer  auf  einen  entbehrlichen
Artilel  mirlt.
Voltsmirtfchaftlidj  t)ö&amp;lt;hft  gefährlich  finb  bagegen  bie
3.  für  gemöljnlidj  unter  bem  Varncn  ber  Vörfenfteucrn  gufammengefaßten
  Stempel  auf  Wertpapiere.  Die  ©efeßgebung  hot
hoffentlich  über  biefen  fehr  ber  befinitioen  Regelung  bebürftigen
^3unït  ihr  letztes  Wort  noch  nicht  gefprodjen.
Vei  ber  Vehanblung  ber  Veichsfinanjreform  oom  ßaßre  1906
im  III.  üapitel  lommen  mir  auf  biefe  Angelegenheit,  fomie  auf
bie  noch  beftehenben,  bgm.  neu  eingeführten  ilonnoffement*,  gahrlarten=
  ufm.  Stempel  nodj  äurüd.
        <pb n="65" />
        53

4.  i[i  bie  ©ebüljr  3U  ermähnen,  bie  entrichtet  mirb
burd)  Sluftleben  oon  Starten  auf  2lusfuhr=,  Durchfuhr*  unb  (£tnfuhrbetlarationen.

III.—V.  ©innahmen  aus  bcu  Seichsbetrieben.  Die  ©r*
merbseintünfte  bes  Seid)s  galten  ¡ich  im  33ergteici)  gu  berten  ber
©i^elftaaten,  namentlich  preufjen,  auf  einer  feljr  niebrigen  Stufe,
ba  nurpoft*  unb  Xelegraph,  Seidjsbruderei  unb  bie  SeidjseiSen*
bahnen,  bie  blofj  bas  be[^eibene  Seh  non  1737,5  km  (in  ©Ifaf)*
ßothringen)  umfaßen,  ^ier  in  grage  tommen.
Dem  gegenüber  [tetjen  ben  Sunbesftaaten  gehörige  ©i¡en*
baljniängen  oon  49458,9  km,  mit  einem  Nettoertrag  für  1905  oon
567,2  Stillionen,  mährenb  an  ben  Seidjsbaljnen  netto  nur
3,7  Stillionen  oerbient  finb.
3m  gan3en  ftellten  ¡id)  bie  ÜberSdjüSSe  ber  reidjseigenen  $e*
triebe  rote  folgt  in  Stillionen  Start:
1895  1899  1900  1902  1905
59,9  93,6  51,7  79,—  119,9
Die  ©rgebntfSe  finb  alfo  aufeerorbentlidj  fdjtoantenb,  toie  aus
biefen  3at)Ien  tjeroorgeljt.
2luf  bie  Serfudje  einer  Sermehrung  ber  ©rmerbseintünfte
bes  Neides  tommen  mir  nod)  3urüct.
VI.  Die  (Einnahmen  aus  bem  Santmefen  berufen  auf  ber
oertragsmäfoigen  ©eminnbeteiligung  bes  Seid)s  an  ber  Seidjsbant
(©efet)  00m  7.  3uni  1899),  monad)  bas  Neid)  —  als  ©egen*
leiftung  für  ¡eine  ©arantie  —  %  oon  bemjenigen  ©eminn  bes
Unternehmens  erhält,  ber  3^^  bes  180  Stillionen  Start  betra*
genben  ©runbtapitals  übersteigt,  nad)  fernerm  SU^ug  oon  ^  bes
oerbleibenben  Seftes  3ur  Dotierung  bes  Seferoefonbs,  bis  folder
60  Stillionen  erreicht  hat.  1905  erhielt  bas  Seid)  151  Stillionen.
3u  ben  ©innahmen  aus  bem  Santmefen  gehört  aud)  noch
ber  ©rtrag  ber  Soten[teuer,  ber  5°/ 0  pro  3 a h r  au f  bi ß  ^ ms
lauf  befinblidjen,  bie  Steuerfreie  Sotenrejeroe  überSteigenben  Seichs*
bantnoten  (unb  aud)  auf  bie  ber  menigen  fonft  nod)  be¡tehenben
Sotenbanten)  beträgt.
VII.  Die  Ser  m  altungseinnahm  en  bes  Seichs  finb  teils
©ebühren,  mie  bie  ©innahmen  bes  Patentamts,  bes  ausmärtigen
        <pb n="66" />
        54

5ímts,  bes  -ftanalamts,  bes  91eicßsgeri&amp;lt;ßts,  ber  pßt)fiialifcß*tecßtti*
fájen  9?etcí)sanftall  ufa).,  teils  finb  fie  Mieten  für  bem  SReicßsfistus
gehörige  (Srunbftüde  urtb  bergleicßen.
VIH.  Der  ^eicßsittoalibenfonbs  bilbete,  ba  er  ßeroorgegan*
gen  raar  aus  einer  Äüdftellung  aus  ber  frangöfifdjen  itriegsentfcßä*
bigung  unb  gum  (Etat  nur  in  äußerlichem  3nfammenf)ang  ftanb,
lange  3aßre  ßinbur^  einen  in  (Einnahme  unb  Ausgabe  balancie*
renben  Sofien.  ben  leßten  Satiren  neigt  er  fidj  aber  feinem
(Enbe  gu,  unb  es  muß  auf  Deäung  ber  früher  bem  ^noaliben*
fonbs  entnommenen  Summen  aus  fonftigen  9teicßsmitteln23ebadjt
genommen  ajerben.
Die  ^ofition
XI.,  SWatritularbeiträge,
ift  nadj  ißrer  finan30)irtf(ßaftli(ßen,  ftaatsre&amp;lt;ßtlicßen  unb  politifdjen
Seite  ßin  nun  bie  intereffantefte  unb  bebeutungsoollfte  bes  (Ein*
naßmeetats.  Die  grage  ber  SRatrifutarbeiträge  bilbet  baßer  audj
ben  $jauptinßalt  feber  Distuffion  über  bas  SReicßsfinangajefen.
3ßrer  ftaatsrecßtlidjen  ©runblage  (9IrtiteI  70  ber  23erfaffung)
nadj  taffen  fid)  bie  Statrüularbeiträge  am  beften  oergleicßen  ben
9tadjfd)uß3aßlungen  oon  93erfidjerten  einer  auf  (Eegenfeitigteit  berußenben
  ©efellfcßaft,  toenn  bie  orbentlüßen  ^rämieneinnaßmen
nid)t  gur  Dedung  bes  ©elbbebarfs  ausgereicßt  ßaben.  Die  93er*
ficßerten  finb  in  biefem  galt  bie  SBunbesftaaten,  bie  orbentlict)en
Prämien,  bie  fonftigen  9teicßseinnaßmen,  unb  bas  9?eicß  ift  bie
¿efellfcßaft.
Durcß  bie  fog.  Keine  ßinangreform  oom  3aßre  1904  unb  bas
©efeß  oom  3.  ^uni  1906  ßaben  bie  XUatrituIarbeiträge  eine  burcß*
greif  enbe  Umgeftaltung  erfaßren,  bie  mir  bei  ber  23efpredjung
biefer  (Eefeße  im  III.  Kapitel  erörtern.
XII.  2tts  außerorbent!i(ße  Dedungsmittel  tommen  na&amp;lt;ß  9luf*
geßrung  ber  frangofifißen  itriegsentfcßäbigung,  teiber  neben  Keinen
gelegentlichen  Soften,  nur  nocß
bie  9teidjsfcßulben
in  23etrad)t.  Diefe  finb  enttoeber  funbierte  (5Inleißen)  ober  nicßt
funbierte  Sdjaßanroeifungen  unb  im  Umlauf  befinblicße  9tcicßs*
        <pb n="67" />
        55

taffenfdjeine  —  ntdjt  gu  oermedjfeln  mit  Seidfjsbantnoten,  bie  mit
ben  Seidjsfdjulben  nidjts  gu  tun  Ijaben,  ba  fie  Scïjutbanertenntniffe
eines  juriftifd)  bureaus  aïs  priant  gu  begeidjnenben  ^nftituts  finb.
Der  ¿insfujg  ber  Seidjsanleiïjen  mar  bis  1886  4°/ 0 .  Son  1887
bis  1890  mürben  bie  2lnleii)en  gu  3 1 / 2 °/ 0  begeben  unb  1891
glaubte  man  gum  3%igen  Dppus  übergeben  gu  tonnen.  Datfädjlid)
  l)aben  bie  Seidjsanleiïjen  ja  ftéb  millige  ßei^ner  gefum
ben,  aber  gu  gang  bebauerlid)  fdjledjten  dürfen.  Die  ©rünbe
bafür  liegen  in  ber  größeren  Rapitalarmut  Deutfdjlanbs  im  Bergleicl)
  gu  girantreid)  unb  (Englanb,  unb  anbererfeits  aud)  barin,
bafj  bas  beutfd)e  Kapital  meljr  gu  inbuftrieller  Betätigung  brängt,
als  bies  g.  B.  bie  oielen  Keinen  frangöfifdjen  Sentiers  tun,  bie
gern  mögüdjft  fidjer  geljen  molten.
Die  Belüftung  bes  Seidjsetats  burdj  bie  3infenlaft  ift  natürlid)
eine  feijr  erljeblidje  —  fie  betrug  für  1905  intl.  Bermaltungsfpefen
113610000  St.,  bei  einer  Sdjulbenlaft  oon  3,54  Stilliarben.  Sad)
ber  Segierungsbentfdjrift  über  bie  Susfütjrung  ber  Snteit)egefet$e
feit  1875  uom  27.  Óttober  1903  beträgt  ber  Rurs,  gu  meinem
bie  Sdjulboerfdjreibungen  im  Durdjfd)nitt  begeben  finb:
a)  für  bie  frühere  4°j 0 ige,  je%t  3V 2 0 / 0 ige
Seidjsfdjulb  99,0455  %
b)  für  bie  3  %%tgeSetdjsfdE)ulb  101,10236  „
c)  „  „  3  „  „  88,0203  „
fo  bafj  ber  3insfu^,  gu  meldjem  bie  Seidfjstaffe  ben  (Erlös  gu  oerginfcn
  tjat,  fid)  berechnet  auf:
3,5337%  für  a)
3.4618.,  „  b)
3.4083.,  „  c)
ober  burd)fd)nittlid)  auf  3,4334%.
Die  oberfte  .Kontrolle  bes  Seidjsfd)ulbenmefens  liegt  ber  aus
Stitgliebern  bes  Seid)stags  unb  Bunbesrats  gebilbeten  Seid)sfdjulbentommiffion
  ob.
Stafjgebenb  für  bie  Bermaltung  ber  Seidjsfd)ulben  ift  bie
Seic^sfd^ulbenoerorbnung  oom  19.  Stärg  1900,  beren  Beftirm
mungen  fidf)  eng  an  bie  ältere  preujgifcfye  Staatsfdjulbenorbnung
anleljnen.
        <pb n="68" />
        56

Von  ben  burdj  bie  Veidjsanieren  begafften  SJZittel  haben
Vermenbung  gefunben  in  runben  Summen:
für  bas  ßanbheer  girta  1,75  Vtilliarben
„  bte  Vlarine  „  0,75  „
„  ^oft*  unb  (Eisenbahnen  „  0,30  „
„  ben  VorboftSeetanal  „  0,10  „
„  bie  (Erpebitionen  na&amp;lt;h  Oft*
a|ien  unb  DSW.=5Ifri¿a  „  0,50  „
„  3oIIanSdf)IÜSSe,  VZüng*
mefen  ufm.  „  0,10  „
3,50  milarben

Kapitel  n.
Die  biftonfcbe  Gntwichlung  der  Reicbefinanzen
bis  1903.
Die  auf  Seite  10—37  beigegebenen  (Etatstabellen  gejtatten
uns,  wenn  mir  bie  einzelnen  3 a h re  miteinanber  Dergleichen,  Sehr
tiefgreifenbe  (Einblide  in  bie  (Entmicflung  ber  Veiihsfinangen  bis
gu  bem  Silbe,  bas  bieSe  heute  gemähren.  V3ir  iönnen  in  ihrer
turgen,  aber  bennod)  inhaltreidjen  ©eSdjidjte  uier  ^erioben  ober
Abofen  unterst  eiben,  unb  ba  mir  gerabe  am  (Enbe  ber  brüten
unb  Veginn  ber  oierten  Stehen,  bie  gang  S^her  nicht  bie  letzte,
Sonbern  mahrSdjeinlid)  nur  ein  iurger  Übergang  gu  einer  fünften
fein  mirb,  So  mag  ber  3eüpuntt  jetjt  nidf)t  ungünstig  gemähtt  Sein
gu  einem  Vüdblid  auf  bie  brei  oergangenen  ^erioben  unb  einem
Vusblid  in  bie  gegenmärtige  oierte  unb  iommenbe  fünfte,  mie  ihn
bas  üorliegenbe  Vüdjlein  bieten  mill.
Die  erSte  ^ßeriobe  tann  man  rechnen  oom  3 a h re  1871—1879.
Sie  fällt  guSammen  mit  ber  fogenannten  liberalen  #ra  unb  ä)&amp;amp;
ratterifiert  fid)  bur&amp;lt;h  eine  bureaus  freihänbleriS^e  3oIlgeSet}gebung,
ooIIStänbig  bunhgeführt  im  3uhte  1873.  (Erleichtert  mürbe  biefe
burdj  ben  geringen  ¿eíbbebarf  bes  jungen  Seidls,  gu  befSenDeciung
bie  oom  Vorbbeutfdjen  Vunbe  übernommenen  Verbrauchsabgaben
auf  Vranntmein,  3uüer,  Saig,  Vier  ufm.  oöllig  ausreidjten,  So=
        <pb n="69" />
        57

Eoctt  nidjt  aus  ber  frangofifd)en  Criegsentfd)äbigung  Hliefenfum»
men  gur  Dedung  ber  HRilitar*  unb  HRarineetats  gur  Verfügung
ftanben.
Die  (Ergebniffe  ber  frangöfifdjen  Contribution  oerteilen  fid)
auf  bie  einzelnen  ßa^re,  inílufio  ihrer  3infen  mie  folgt,  mogegen
bie  folgen  bes  Crieges  aud)  allerbings  nod)  eine  HRenge  Coften  oerurfadjt
  hüben,  bie  bis  1882/83  eine  ftänbige  (Etatspofition  bilben.
Die  beiben  ^3often  Dergleichen  fid)  miteinanber  mie  folgt  in
HRillionen  HRarï:
1872  1873  1874  1875
Contribution  1134,6  1055,7  305,1  185,8
folgen  bes  Crieges  959,4  966,3  253,4  126,7
1876/77  1877/78  1878/79  1879/80
5 /«  3#
Contribution  100,1  32,6  33,9  30,9
folgen  bes  Crieges  44,9  9,3  216,9  7,8
1880/81  1881/82  1882/83  1883/84
Contribution  14,2  8,4  5,5  1,0
folgen  bes  Crieges  3,2  1,7  1,9  —
1884/85  1885/85  1886/91
Contribution  0,1  0,2  0,7
folgen  bes  Crieges  —  —  —
3m  ganzen  betrugen  bie  Coften  bes  Crieges  3345960687  HR.,
einfdjliepdj  ber  im  3uliusturm  hinterlegten  120  HRillionen  unb
bes  3nuaIibenfonbs  (560  HRitlionen).
Die  frangöfifd)e  Criegsentfchäbigung  bradjte  bagegen  ein  in!L
3infen  4207096402  HRart.  Der  Überfchuff  mürbe  an  bie  (Eingeb
ftaaten  oerteilt.
parlam  entarifdj  mürbe  biefe  erfte  3^it  nadj  ber  SRei^sgrum
bung  ausgefiUlt  gum  Dei!  burdj  bie  fdjon  ermähnten  9?ebefd)Iachten
gmifdjen  (Eugen  Hlidjter  unb  ber  Regierung  mit  bem  3^1,  bá
letzterer  bie  2ídjtung  oor  ber  Solísoertretung  unb  bas  33erantmortlidjteitsgefüljl
  gegenüber  bem  HZepstag  gu  ftärten.  Dann
tarn  bie  Culturíampfgeit  unb  barauf  ber  griebenfdjluft  ber  9Zegierung
  mit  bem  3entrum  nach  ^ cm  ¿obe  apiris  IX.
        <pb n="70" />
        58

©Ieid)geitig  Ijatte  toiftfdjaftlid)  bas  beutfdje  93oII  eine  fdjmeie
strife  buidjgumadjen  gehabt,  bie  man  in  nielen  Greifen  auf  bas  in
bei  Sleii^sgefe^gebung  [tieng  buidjgefüljite  „mandfyejteilidje“  ^lingip
bei  unbefdjiäntten  miitfdjaftlidjen  giei^eit  bes  Anbioibuums  guiüdgufü^ien
  fud)te,  freilidf)  mit  Uniedjt  —  benn  bie  .ftiijis  befdjiäntte
fid)  nidf)t  allein  auf  Deutjdjtanb,  fonbem  fie  eifdjütteite  mie  ein
gemaltiges  ©ibbeben  bas  SBiitjdjaftsleben  bei  gangen  ginilijieiten
SB  eit.  Angmijd)en,  unb  im  3ufammenl)ang  mit  jenei  itiijis  oolb
gog  fid)  innei^alb  bei  Banbmiitfdjaft  bei  Umjd)mung  nom  $ieu
I)anbels=  gum  SdjutggoIIibeal  —  analog  gu  iljiei  GteIIungsänbeiung
  im  internationalen  ©üteiaustaufd).  ßiü^ei  mai  Deutjd)Ianb
©etieibeeipoitlanb,  unb  fogai  SImeiila  fyatte  beut^es  ilom  gelauft.
  Das  änbeite  fid)  non  (öiunb  aus  mit  bei  Slusbieitung  bei
23obentuItui  jenfeits  bes  Dgeans.  SJlit  ben  billigen  ^3iobuttionslobten
  bei  auf  jungfiäulidjem  Soben  möglichen  ©itenfiotultui  tonnte
bie  beutfd)e  ßanbmiitfdjaft  nidjt  Sd)iitt  galten.  Die  ©etieibepiobub
tion  mit  bei  buid)  freilid)  müijfame  Antenfiotultui  fet)i  moI)I  gu
eimöglidjenben  unb  unbebingt  lentablen  ©igeugung  non  ©aiten*
flüchten  gu  oeitaufdjen,  bagu  feljlt  bem  ©lofcgiunbbefit)  bis  auf
ben  heutigen  Dag,  abgefeljen  non  oeifdjminbenben  Slusnaljmen,
bie  Anitiatioe  unb  bem  tleinen  ßanbmiit  leibei  oft  bas  Kapital
^unb  bie  Anteiligen)Um  bei  unbeftieitbai  ooitjanbenen  SIotläge
  in  bei  ßanbmiiifdjaft  baljei  auf  anbeiem  SBege  fid)  gu  eimedien,
  oeifudjte  man  es  mit  bei  Agitation  gegen  ben  gieüjanbel,
um  bie  inlänbifdjen  ftoinpieife  buidj  Sluff^Iag  eines  ©lenggolls
gegenübei  bem  SBeltmaittpieife  gu  eiljöljen.  Dei  ©ifolg  biefei
^olitit  ift  ja  genugfam  belannt.  Die  3öIIe  tarnen,  bie  ©iunblente
  ftieg,  abei  bie  ©lunbpieife  fliegen  aud),  jo  bafc  bie  ©iunb*
lente  im  33eil)ältnis  biefelbe  blieb.  SJIan  miebei^olte  basfelbe
Spiel  einige  SJlale  —  ben  alleinigen  Soiteil  baoon  Ratten  bie
glüdlidjen  Beute,  meldje  ©ütei  gu  neitaufen  in  bei  Sage  maien.
Dei  nui  piobugieienbe  Banbmiit,  bei  $äd)tei,  blieb  in  jeinei
Stotlage  unb  bas  beutfefje  ftonfumentenpublitum  begabte  feit
jenei  3eit  SJlillionen  unb  abei  SRillionen  an  23iotgöIlen.  ©ine
lüdfidjtslofe  SIgitation  tonnte  bei  foldjen  3uftänben  untei  bem
1)  ngl.  SBicfjuIIa,  ipiantagenbau  in  Deuífá)Ianb,  SBccIin  1905.
        <pb n="71" />
        59

&amp;lt;5á)Iagmort  bes  Srotmudjers  brei  XRilIionen  beutlet  9?eiá)stags*
mäljler  bem  ©efolge  einer  gartet  einreiljen,  bie  bem  beulten
Seidjsgebanïen  ben  üampf  auf  Zob  unb  £eben  gefdjmoren  Ijat.
Die  pfpdjologifdjen  Momente  nun,  bte  Sismará  in  ben  garren
oor  1879  bagu  oeranlaftten,  feine  ^olitit  jene  Sdjmantung  oom
grei^anbel  gum  SdjuhgoII  ausfüljren  gu  Iaffen,  finb  fetjr  tompli*
vierter  3lrt.  2Bir  jagen  mit  2lbfid)t  „feiner".  Denn  falange  gürft
Sismará  bas  Staatsruber  führte,  mürbe  feine  perfönlidje  ^3oIiti!
gemalt.  Die  tarnen  feiner  Staatsfetretäre  finb  fet)r  gleidjgültig,
im  ©egenfat}  gu  heutigen  Sertjältniffen.
ßiberal  mar  er  ja  im  ©runbe  feines  Borgens  nie  gemefen,
unb  f)atte  ^longeffionen,  mie  bas  allgemeine  SKeiájstagsmafyíreájt
moíjl  mehr  aus  politifdjer  Klugheit  mie  aus  $ergensübergeugung
gemaá)t.  geht  fct)ien  iijm  ber  geitpuntt  getommen,  mo  er  mieber
bas  9teid)sf($iff  in  bas  ihm  fpmpathifdjere  ïonferaatioe  galjrmaffer
hinüberfteuern  tonnte.  Das  burdj  bie  Aufhebung  ber  50îaigefe^e
oerföhnte  gentrum  Ieiftete  ihm  babei  ijeeresfolge,  unb  bie  9ia*
tionalliberalen,  bie  bie  ©efatjr  nidjt  re^tgeitig  erfannt  Ratten,  mur*
ben  na^  Sismarás  eigenem  2ßort  „an  bie  2ßanb  gebrüát,  bajj
fie  quietfdjten".  SRitbeftimmenb  mochte  auf  Sismará  audj  bie
meljr  als  nötig  fd^arfe  Dppofition  ber  greifinnigen,  bamals  gort*
fdjrittspartei  genannt,  gemefen  fein.
S^Iie^Iii^  ift  für  bie  erfte  Seriobe  ájaraíteriftifá)  bas  geilen
einer  9?eidjsfchulb.  Sis  gum  gaïjre  1875  mürbe  bie  Kriegsanleihe
getilgt.  (Erft  1876  mürbe  mieber  in  fet)r  befdjeibenem  3Ra^e  auf
Sdjulben  gurüdgegriffen,  bie  im  folgenben  gahre  als  Anleihe
funbiert  mürben.
2Benn  man  bas  nüchterne  ©ebiet  ber  ginangen  menigftens
burdj  poetifdje  3Iusbrudsmeife  etmas  beleben  mill,  fo  tonnte  man
biefe  erfte  ijteriobc  mit  9îedjt  als  „bas  golbene  3eitalter"  be*
getanen.
ghm  folgt  leib  er  eins,  bas  feljr  menig  ben  tarnen  eines
filbernen  oerbient,  inbem  es  fid)  djaratterifiert  burdj  ein  enormes
5Inmad)fen  ber  Seidjsfdjulben,  bie  für  biefe  ^leriobe,  als  beren
©nbe  man  bas  galjr  1892/93  begegnen  tann,  folgenbe  ©nt*
midlung  geigen,  mel^e  freilidj  bamit  nicht  abgefd)Ioffen  ift:
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        60

per  1.  5lprit  ¡eben  3&amp;lt;h re5  in  Millionen  Start:
1878  1879  1880  1881  1882  1883
72,2  138,9  218  267,8  319,2  349
1884  1885  1886  1887  1888  1889
373,1  410  440  486,2  721  883,8
1890  1891  1892  1893
1118  1317,8  1685,6  1740,8
2Bie  mir  fdjort  gefehen  fyaben,  erreichte  bie  fretfjänblertfcije
3oHpoliiit  Deutfhlcmbs  mit  bem  1879  ihr  (Enbe.
Die  Xenbert3  ber  burh  bie  Sdjutfôôlle  begünstigten  numeriSh
fhwadjen,  aber  gefellfd^aftlid^  unb  bamit  polish  i)5^ft  einflufc*
reifen  Kreife  ging  nun  bahin,  fdf)rittmei[e  gu  immer  ^ö^erem  ¿oll*
Sh#  gu  gelangen.  Die  Darifnoo  eilen  ber  3# re  1881,  1885,
1887  begegnen  bie  (Etappen  in  bem  Siegreichen  (Eroberungsfelb*
3uge  ber  Agrarier  gegen  bie  Dafdjen  ber  Konsumenten.
Der  im  3ahr  1887  erreichte  Korngoll  uon  5.—  St.  per  100  kg
erwies  S^h  benn  aber  bodf)  als  unhaltbar,  So  baf}  (Eaprioi  tatSäh'
lieh  eine  „rettenbe  Dat"  oollbrachte,  als  er  1892  Seine  mit  Seht
berühmt  geworbenen  5janbelsoerträge  abSd^Io^,  burct)  bie  wenig*  -
Siens  für  ein  Dutjenb  3ahre  bie  agrariShe  Hochflut  gurüdgebämmt
würbe.
Natürlich  brauten  bie  enorm  gesteigerten  3olISöt;e  auf  5lrtiiel,
bie  unter  allen  HmStänben  importiert  werben  müSSen,  ba  Deutsch*
lanbs  ^robultionsfähigleit  barin  nicht  gur  (Ernährung  Seiner  Stetig
wad^Senben  Soltsmengen  ausreicht,  auch  wesentlich  höhere  3olleinnahmen.
  DieSe  hätten  nun  wohl  h^gereicht,  bas  Gleich  finangiell
auf  eigene  gii^e  gu  Stellen  —  bas  tonnten  aber  bie  föberaliSti*
Sehen  Herren  oom  3entrum  niht  geShehen  laSSen.
Durch  bie  im  3olltarif  oon  1879  guerSt  gegen  ben  SBiber*
Stanb  namentlih  23ennigSens  eingeführte  granctenSteinShe  Klaufel,
So  genannt  nah  bem  3entrumabgeorbneten  ßrhr.  o.  grandenStein,
bie  bie  bem  Seich  aus  ben  3öllen  unb  einigen  SerbrauhsSteuern
guflie^enben  (Einnahmen  auf  130  Millionen  feStfe^te,  ben  Seft  ber
(Einfünfte  aus  biefen  Quellen  aber  ben  (EingelStaaten  überwies,
ift  bem  SReihsfinangmefen  ein  arger  ^ßfahl  ins  gleiSh  getrieben,
        <pb n="73" />
        61

ben  ïjeraus3U3teï)en  trofe  feigem  Semühen  noZ  niZt  oöllig  hat
gelingen  mollen.
Rber  auZ  ber  oom  ßentrnm  erhoffte  Erfolg,  bie  @ingelfloaten
  burZ  btefe  Übermeifungen  günfítger  311  ftellen,  Irai  3uerfí
gar  nidjt,  unb  fpäter  nur  3eitmeilig  ein,  menn  auZ  in  ein3elnen
3af&amp;gt;ren  feí)r  grofee  Summen  (fief)e  Dabeííe)  3ur  Übermeifung  ge*
langen  tonnten,  3n  ben  lebten  fahren  aber  haben  bie  Rlatriïular*
beitrage  ftets  bie  Übenoeifungen  überfliegen,  fo  bafe  letztere  über*
haupt  feinen  Sinn  unb  3®^  me ¿ r  hatten,  aïs  ben,  bie  ginan3*
be3ie^ungen  3roifcf)en  ReiZ  unb  (Ein3elftaaten  mögliZft  3U  oermir*
ren,  inbem  letztere  nie  in  ber  £age  roaren,  einen  (Etat  auf3uftellen,
non  bem  fie  mußten,  bafe  er  audj  richtig  roar.  Stets  tonnte  bas
ReiZ  noü)  mit  einer  Rîatriïularforberung  tommen,  roetd^e  bie
fZönften  ^Berechnungen  umtoarf.  Sei  ber  Sefeanblung  ber  oon
Stengetf^en  DentfZrift  oom  3.  fernher  1903  anläfetiZ  ber  fo*
genannten  tleinen  f^inan3reform  tommen  mir  auf  biefe  fragen
nod)  eingeljenber  3urüd  (fieí&amp;gt;e  Capitel  III).
Die  grancíenfteinfdje  iUaufel  hatte  inbeffen  auch  Stimmung
auf  ber  ßinten  bes  Reichstags  gefunben.  Rían  freute  fid)  oor
ber  Riögtidhteit,  bafe  burdE)  bie  erhöhten  3ött e  bem  Reich  Riittel
3ufliefen  tonnten,  bie  3U  einer  oerfZmenberifZen  ginan3politit
hätten  oerführen  tonnen.  Dem  märe  burdf)  Seftimmungen  ab*
3uhelfen  gemefen,  bafe  (Einnahmen,  bie  eine  gemiffe  Summe
überfliegen,  3ur  Schulbentilgung  hätten  oermanbt  merben  müffen
—  aber  man  unterlief)  bas.  gürft  Sismardt  mar  mit  ber  Über*
meifungsibee  moht  aus  bem  ©runbe  3ufrieben,  meil  er  oon  ber
Daifa#,  bafe  ben  ©in3elftaaten  aus  ber  Reizstoffe  grofee  Summen
übermiefen  mürben,  eine  Steigerung  ber  Reid^sfreubigteit  ermattete.
$ür  bie  ^Beibehaltung  ber  ohne  bie  Übermeifungen  oielleid)t
naZ  bamaliger  Rnfüfet  überflüffig  merbenben  Riatritularbeiträge 1 )
fpraZ  überbies  ein  tonftitutionelles  Rioment.  Die  Riatrifularbei*
träge,  bie  }a  ber  jährlichen  geftfefeung  burd)  ben  Reistag  unter*
liegen,  bilben  ben  einigen  bemeglidjen  ^often  im  (Etat,  ©s  tann
alfo  bas  (EinnahmebemilligungsreZt  bes  Reistages  nur  in  ihnen
1)  Über  bie  Begießungen  gmi|d)en  grandenfteinfeßer  iUaufel  unb  SUlatritularbeiträgen
ließe  aueß  Uapitel  III.  —  Begrünbungen  gu  lex  Stengel.
        <pb n="74" />
        62

gum  Slusbrud  îommert.  Oaher  ift  es  allerbings  für  ben  Seidjs*
tag  gang  unmöglich  auf  bie  Statritularbeiträge  gu  oergid)ten,  wenn
man  ifjm  nid)t  burd)  eine  beœegltdje  Steuer,  bte  nur  (Eintommen
ober  Vermögen  gum  Objett  haben  tonnte,  einen  oolltoertigen  (Er*
faft  böte.
gür  bie  erften  ^a^re  erfolgten  gunäd)ft  gar  teine  bie  SCRatritutarbeiträge
  überfteigenben  Übertoeifungen.  (Erft  mit  bem  3ahre
1883/84  beginnen  bie  Übertoeifungen  bie  Stairitularbeiiräge  gu
überfteigen,  erreichen  ben  £öhepuntt  1889/90  mit  einer  3utoenbung
an  bie  (Eingelftaaten  oon  ca.  140  Stillionen,  unb  fallen  oon  ba  ab
bis  gum  (Enbe  ber  ^3eriobe.  Später  finb  nur  nocí)  in  nier  fahren,
1895—1898,  überfdf)üffige  Übertoeifungen  oorgefommen,  fonft  hat
man  ftets  mit  ungebectten  Statritularb  eiträgen  gu  rechnen  gehabt.
3ngtoifd)en  toar  bie  allgemeine  f^inanglage  bes  Seid)s  toeit
entfernt  baoon,  eine  glängenbe  genannt  toerben  gu  tonnen.  Oie
Sdjulben  muffen,  bie  allgemeinen  Aufgaben  bes  Seid)s,  nament*
lid)  auf  fogialpolitifchem  (Eebiet,  forberten  immer  größere  Summen.
(Es  ift  angefidjts  bes  riefigen  3lntoad)fens  ber  Sei&amp;lt;hsfd)ulben  gerabe
oon  1888  (721  Millionen)  bis  1892  (1686  Stationen)  bem  Ser*
faffer  unbegreiflich,  roie  ein  fonft  Iefenstoertes  Sud)(Seinholbt,Reichs*
finangtoefen,  Serlin  1904,  S.  35)  bie  3at)re  1888/92  bloft  toegen
ber  hohen  IXbertoeifungen  als  Ara  ber  fetten  3 a h re  begegnen  tann.
3toar  fehlte  es  nidjt  an  regierungsfeitigen  Serfudjen  gur  Abhilfe.
Oie  Einträge,  ein  Íabaímonopol  (1882),  ein  Srannttoeinmonopol
(1886)  gu  fdjaffen,  blieben  ergebnislos.  Steigerungen  ber  Seid)s*
einnahmen  mürben  nur  ergiett  burd)  bie  fd)on  befprod)enen  3ollerhöhungen
  unb  Anbetungen  in  ber  Srannttoeinbefteuerung,  bie
nach  langen  Kämpfen  Sinnahme  fanben.  Slllerbings  entgog  man
bem  Seid)  auch  h* er  lieber  bie  birette  Verfügung  über  bie  (Ein*
tünfte  aus  ber  Sranntroeinfteuer,  inbem  man  auch  biefe  übertoei*
fungspflid)tig  machte  unb  bem  Seid)  nur  bie  Stöglid)teit  lieft,  bie
Statritularbeiträge  ftärter  angufpannen.  Slber  nicht  nur  bie  finan*
gielle,  fonbern  auch  bie  toirtf&amp;lt;haftlid)e  £age  im  beutf^en  Seid)  toar
in  ben  acfttgiger  3ah ren  ^ine  erfreuliche.  Oie  Slustoanberungs*
ftatiftif  toies  ungeheuere  3ah%n  auf,  ein  fixeres  3eid)en  bafür,
baft  ber  toirtfchaftliche  Organismus  Oeutfcftlanbs  fchtoer  trantte.
        <pb n="75" />
        63

(Es  roar  ber  gegebene  2lugenblicf,  auf  allen  fünften  mil  einer
großzügigen  ^Reform  gu  beginnen.  Xeils  rourbe  biefe  aber  überhaupt
gar  ni&amp;lt;i)t,  ober  bodf)  auf  oerleljrte  SBeife  oerfudjt,  teils  rourbe  fie
feinbfelig  aufgenommen,  unb  teils  tourbe  fie  fpater  toieber  rücfgängig
  gemalt.
SOlit  biefer  Reform  enbet  bie  gtoeite  unb  beginnt  bie  britte
^Periobe.  Sei  ber  Slbgrengung  ^iftorifd^er  &amp;lt;perioben  iann  man  ja
im  3toeifeI  fein,  an  toeldjer  Stelle  ber  (Einfdfjnitt  am  beften  gemaá)t
  toirb.  Uns  fdjeint  es  am  gtoedmä^igften,  if&amp;gt;n  ba  gu  rnadjen,
too  bie  toidjtigfte  unb  erfreulid^fte  2l!tion  unferer  gefamten  finangpoliticen
  unb  roirtf^aftli^en  ¿erg  an  geni)  eit  in  Araft  trat,  nämlici)
ber  SlbfdEjluff  ber  ¿aprioifd)en  £&amp;gt;anbelsuerträge  1892.  gür  eine
allgemeine  (Eefdjidjtfdjreibung  bes  beutf^en  SReidjs  toürbe  fid)  tool)l
bas  3n^r  1888  mit  ber  Zljronbefteigung  Raifer  SBilljelm  II.  ober  1890
mit  ber  Demiffion  Sismarás  als  2lbfci)luj3  empfehlen  —  für  bie
beutfdjeSollstoirtfdjaft  bebeutetl892  einen  fflSenbepunit.  Die  oiel  oer=Iäfterten
  §anbelso  ertrage,  bie  „rettenbe  Xat",  mittels  ber  ber  „Wann
oljne  $alm  unb  2lr"  ben  Agrariern  einen  Zeit  ber  1887  glüdlid)
eingebradjten  Seule  toieber  entrifj,  fie  Ijaben  eine  %kriobe  bes
toirtfdjaftlidjen  Sluffdjtoungs  eingeleitet,  bie  unfer  (Ertoerbsleben
audj  bafür  gelräftigt  Ijat,  bie  folgen  ber  ferneren  Ärifis  im  9Infang
  bes  neuen  3&amp;lt;*l)ri)unberts  rafci)  unb  grünblidj  gu  übertoinben.
Seffer  als  feitenlange  (Eiplilationen  mögen  folgenbe  ßa^len
ben  riefigen  2luffdjtoung  oeranfdjaulidjcn,  ben  (Eapriois  ^3oIitit  uns
gebraut  ^at.
Die  (Einfuhr  ins  beutfdf&amp;gt;e  SReici)  betrug  in  Williarben  War!:
1894  1895
4,285  7,046~
unb  bie  Slusfuljr  aus  iljm:
3,051  5,692
(Es  Ijaben  fidj  alfo  nid)t  nur  bie  ßiffern  bes  Sltu&amp;amp;enljanbels
überhaupt  gehoben,  fonbern  es  Ijat  fid)  eine  äujgerft  erfreulid)e
Serf^iebung  bes  ¿erfyñltniffes  gtoifdjen  (Einfuhr  unb  2lusfut)r
Ijerausgebilbet,  bie  Ijoffentlidj  aud)  für  bie  3u!unft  unter  ben
jetjt  oiel  ungünftigeren  ¿erljältniffen  anljält.  We^r  aber  als  biefe
        <pb n="76" />
        64

3tffern  bemeift  bie  ©eftaltung  ber  (Eintommens*  unb  Vermögens*
oerhältniffe,  in  benen  fidj  ja  bodj  Schließlich  bie  Vefultate  aller
mirtfchaftlichen  ^Betätigung  bes  33oIïs  nieberfdjlagen  müffen.
Das  steuerpflichtige  (Eintommen,  fomie  bas  ergängungsfteuer*
pflichtige  Vermögen  betrug  in  Preußen  in  VZilliarben  SCRarï:
Vermögen  (ohne  (Einfct)tuß  ber  Heineren  Ver*  1895  1905
mögen  unter  6000  Vtart  64  82 1 / 2
(Eintommen  (ohne  (Einfdjluß  ber  Heineren  (Ein*
tommen  unter  900  9Jlart)  5,7  9,7
Vedjnet  man,  entfpredjenb  bem  ungefähren  Verhältnis  ber
(Eintoohner^ahl,  biefe  3^h^n  gu  3:5  um,  fo  erhalten  mir  am
nähernb  bie  fürs  Veidj  gültigen  Vetröge  in  SOtilliarben  9Jlart  mit:
1895  1905
Vermögen  ca.  105  ca.  137
(Eintommen  „  9,5  „  16
2Bir  oerbanten  alfo  ben  (Eaprioifcijen  ^anbelsoerträgen  —
ober  bodj  ihnen  gum  großen  Zeit  —  eine  Vermehrung  unferes
Vationaloermögens  um  mehr  als  30  °/ 0  unb  eine  Erhöhung  bes
nationalen  (Eintommens  um  faft  70  °/ 0 .
Unb  bo(h  hat  man  trot)  biefer  glängenben  Vefultate  bas
Spftem  nicht  beibehalten,  fonbern  hat  fidj  gu  gollpolitifdhen  (Eiperi*
menten  oerftanben,  beren  folgen  heute  noch  nicht  abgufeßen  finb.
Die  erfolgreiche  SBirtfamteit,  bie  in  biefen  fahren  ber  ßinang*
minifter  oon  Vtiquel  in  Preußen  entfaltete,  mar  ihm  im  Veidje
nicht  befcßieben.  SMIjrenb  feine  (Eintommen*  unb  (Ergängungsfteuer
in  Preußen  burchgingen  unb  feinem  Vamen  für  immer  einen  ehrenoollen
  ^&amp;gt;laß  in  ber  (Eefdjidjte  biefes  ßanbes  fidjern,  hat  er  im  Veidj
teine  glüctliche  £&amp;gt;anb  gehabt.  Seine  Vei^sfinangrefprm  ift  nicht
jju^Vermirilichung  gelangt.  3hm  fchmebte  bei  biefen  Plänen  bas
3iel  oor  Vugen,  erfttich  eine  geftlegung  bes  Verljältniffes  gmifcßen
Vtatritularbeiträgen  unb  Übermeifungen  gu  fchaffen  —  angefidjts
bes  3urüctgehens  ber  letzteren,  mas  bie  V3ahrfdjeinli&amp;lt;híeit  unge*
bectter  Vlatritularbeiträge  mieber  näher  rüctte,  —  unb  anbererfeits
bie  Veidjseinnahmen  gu  oermehren.  Vber  fomohl  ber  (Sefeßent*
murf  oon  1893,  ber  Vtehrübermeifungen  oon  40  VtiHionen  Vlart
        <pb n="77" />
        65

gefeßlid)  feftlegen,  unb  ber  oort  1894,  ber  nur  bestimmen  mollte,
baß  bie  Matriiularbeiträge  bie  Übermeifungen  nid)t  überfteigen
bürflen,  fanben  beim  SKeidjstag  —  mit  Died)!  —  feinen  Entlang.
Dagu  tarn,  baß  bie  neuen  Steuern,  bie  ben  Einnahmen  bes  Dleidjs
aufhelfen  follten,  I)öd)ft  unpopulär,  gum  Xeil  oollsmirtfd)aftlid)  bireit
gefährlich  toaren.  Es  Ijanbelte  fid^  um  eine  Xabaifabriiaü,  eine
Dleicßsmeim  unb  eine  Quittungsftempelfteuer,  oon  benen  mir  bamais,
  baní  bes  feften  Verhaltens  bes  SKeidjstags,  oerfcßont  blieben:
Xeilmeife  fielen  uns  biefe  Steuern  nod)  in  2lusfid)t,  unb  menn
ber  jetjige  Reichstag  bamit  befaßt  m  erb  en  foííte,  fo  ift  bas  Vefultat
  nidf)t  abgufehen.  £jat  er  bod)  bie  $ahrfartenfteuer  ($ahrfarten
  finb  aud)  Quittungen!)  gutgeheißen,  mäßrenb  bie  neue  Quit*
tungsfteuer  allerbings  aud)  ißm  unannehmbar  erfcßien.
Erhöhungen  ber  Vranntmeim  unb  Vierfteuer  mürben  bamais
  gleichfalls  abgelehnt.  1894  brachte  eine  Erhöhung  bes
Stempelgefeßes,  ber  fpäter  (1900,  1906)  meitere  folgten,  unb  1895
unb  1896  3uder=  unb  Vranntmeinfteuernooellen,  fomie  1902  bie
Schaummeinfteuer.
3m  gangen  hut  bie  Regierung  fünfmal  bie  Vierfteuer  erhöhen
  mollen  (1875,  1879,  1880,  1881  unb  1892).  Erft  1906  ift
es  ihr  gelungen.
Da  im  großen  unb  gangen  alfo  bie  Steueroorlagen  ber  D?egierung
  ohne  ben  gemünfdjten  (Erfolg  geblieben  maren  —  bei
manchen  ber  bereinigten  Erhöhungen,  g.  33.  einiger  Stempelftcuern,
hatten  fid)  bie  erhofften  Mehreinnahmen  gleichfalls  nid)t  eingeftellt,
ba  anbererfeits  bie  geftlegung  ber  Matriiularbeiträge  ebenfalls  niiht
geglüdt  mar,  fo  ift  bie  gange  ßinangreformaltion  ber  neungiger
ßahre  als  eine  ßette  oon  Mißerfolgen  ber  Regierung  gu  begeid)nen.
Die  ingmißhen  immer  meitcr  road)fenben  Sdjulbcn  bes  Dleidjs
machten  aber  bod)  auch  für  ben  Reichstag  ein  Eingreifen  gur  um
abmeislidjen  Pflicht.  ¿atte  bas  3 e utrum  burd)  feine  ^rändern
fteinfehen  ülaufeln  einen  großen  Xeil  ber  Scßulb  an  ber  gangen
oerfaßrenen  Sachlage,  fo  tarn  oon  feiner  Seite  aud)  ein  freilid)
recht  fd)üd)terner  Verfud),  Diemebur  gu  feßaffen  unb  menigftens
etmas  gur  Sdjulbentilgung  gu  tun.  Es  mar  bies  bie  lex  Sieber
oom  16.  2lpril  1896,  monad)  bie  aus  ber  grandenfteinfd)en  itlaufel
©roteroolb,  3inanjfi)item.  5
        <pb n="78" />
        66

bem  Beid)  guïommenben  130  TOItorten  Sïïarï  aus  Sollen  unb
Berbraudjsabgaben  auf  143  Btillionen  erhöht  mürben;  mäljrenb
bie  $ölfte  ber  Über[ci)ü[[e  über  bie  Blatrilularbeiträge  gur  Sdjub
bentilgung  Bermenbung  finben  [ollte.  Spätere  ©efetje,  bte  ftets
non  galt  gu  galt  erlaßen  mürben,  ersten  bte  bem  Bei^  gutommenbe
  Summe  bis  auf  170  Millionen  unb  gingen  auf  3 / 4
ber  Überfdjüffe  gur  ßurüctjtellung  für  Sdjulbentilgung.  3m
gangen  mürben  auf  biefe  5lrt  für  ca.  142  Millionen  Blar!  Sdjulben
getilgt.  Dann  hörten  bie  Überf&amp;lt;hü[[e  unb  bamit  bie  Blöglid)teit
meiterer  leges  Sieber  auf.  Sdjulben  mürben  aber  meiter  gemacht.
Snnerljalb  ber  in  Bebe  fteljenben  ^3eriobe  oer[djoben  fidj  bie
finanziellen  Berljältnifie  bes  Beidjs  mie  folgt  in  Millionen  Blarl:
Ausgaben  für  1892/93  1895/96  1899  1902  1905
bas  0eer:
bauernb  436  472  520  569  597
einmalig  141  91  98  85  109
für  Blarine:
bauernb  46  58  69  87  105
einmalig  45  27  64  130  173
Zusammen:  668  648  751  871  954
(Einnahmen  aus -
Sollen  unb
Steuern  651  726  804  914  967
u.  ta.  80.  SOTillioneti
9íed)nungsübcrící)U¡¡

1893

1896

1899

1902

1905

Sdjulben:  1741  2125

2223

3,5

SDtilliarben

Das  gefährliche  Moment  liegt  hier  natürlich  in  bem  riejigen
2Ba&amp;lt;hïen  ber  Sdjulben,  bie  bureaus  nicht  nur  für  Schaffung  bleibenber
  SBerte,  fonbern  aud)  als  einfache  Beihilfen  gum  orbenü
lidien  (Etat  geforbert  unb  oom  Reichstag  prompt  bemilligt  mürben.
Berfajfungsgemäh  ift  biefe  Bereitmilligieit  bes  Beidjstags  laum
gemefen,  benn  bie  Berfaffung  jagt  im  2lrt.  73,  bah  ^te  Aufnahme
einer  Anleihe  im  gall  aufrerorbentlidjen  Bebürfniffes  erfolgen  foil.
Dieses  aufjerorbentlidje  Bebürfnis  liegt  aber  bodj  entjdjieben  nicht
        <pb n="79" />
        5*

67

oor,  menn  es  ftdf)  um  Deáung  orbentíiájer  Ausgaben  tjanbelt.
©ine  berartige  ginangpolitit  oerbient  gerabegu  bie  Segeid^nung:
fübameritanifdj.
Seit  Sbfdjluß  ber  ©apriuifdjen  §anbelsoertrage  f&amp;gt;atle  es  nidjt
an  bert  gdjäffigften  Angriffen  gegen  biefen  Staatsmann  non
redjtstjer  gefehlt.  Sein  Sfritaoertrag  mit  ©nglanb  mar  ja  aucf)
gerabe  ïein  SZeiftermert  —  feine  ¿anbelsoerträge  aber  finb  es
gemefen.  Allein  fdjon  ber  leibenfctjaftlictje  ilampf  unb  bie  maßlofe
Agitation  feitens  ber  Agrarier  bagegen  bemeijen  es.  Unb  mie  bie
Regierung  felbft  bei  ber  an  ben  neuen  Verträgen  uon  inbuftriel=1er
  Seite  geübten  ilritit  gugegeben  t)at  —  it)r  ©efdfyrei  oertjatlie
nicf)t  ungetjört.  3 a f) re  1898  mürbe  ein  Sei^stag  gemäßlt,
ber  in  ben  Degemberbebatten  uon  1902  geigte,  mie  ©efeße  gemac^t
  merben  muffen,  bie  tmm  Stanbpunít  bes  Soltes  oermerflict),
  oom  Stanbpunít  ber  gerabe  infolge  iljrer  Sertretung  im
Parlament  bie  ©efeßgebungsmafdjine  betjerrfctjenben  ©efellfcfyafís*
fdjictjt  aber  erftrebensmert  erfdfjeinen.  Die  SZinoritat  mürbe  oergemaltigt,
  bie  Regierung,  beren  urfprünglidjer  ©ntmurf  eines
Xarifgefetjes  gemäßigter  geroefen  mar,  mict)  gurütf,  unb  fo  mürbe
benn  jener  extreme  agrarifdje  Xarif  oom  25.  Degember  1902  ©efeß,
  um  am  1.  SZärg  1906  in  Rraft  gu  treten.
Sa^fte^enb  führen  mir  einige  ber  mistigen  3oIIfäße  auf,
um  beren  ©ntmictlung  gu  geigen  in  Start  pro  100  kg:

©ap  rtois
Verträge

]9U2

1885

1879

1X87

autonom

Sertrag

Soggen
SBeigen
©erfte

3.—

i  —

8.50

3.—

1  —

3.50

7.50

5.50

1.50

2.25

0.50

7.—

1.30

(gutter)

5afer

1.50

5.—

4.—

2.80

1.—

1881

SZeljl
gleifdf)
Aaffee
Petroleum

18.75

10.50

7.30

2.-3

7.50

40.

40.—

40.—

40.—

40.

40.

6.—

6.—

6.—

6.—

15—17

45.

12.—

35

20.—

20.—
        <pb n="80" />
        68

Kapitel  m.
Die  Situation  beim  Hntritt  des  Reieböfebatzfehretärö
■prbr.  V*  Stengel.  Defien  Reformpläne.
Die  lex  Stengel.  Die  finanzreform  von  1906.
3m  1903  mar  in  Deutfdjlanb  ein  neuer  Veidjstag  gewäljlt
  morben.  Seiner  3u|ammen|e^ung  nad)  ähnelte  er  im
großen  unb  gangen  feinem  Vorgänger,  ber  ben  ßolliarif  non  1902
gemalt  i&amp;gt;atte,  inbeffen  maren  bod)  einige  bemerlensmerte  Vnbe*
rungen  gu  oergeidjnen:  ber  Vunb  ber  £anbmirte  batte  feinen
eigenen  Stanbibaten  mieber  burd)gebrad)t,  bagegen  batten  bie  Sogialbemoiraten
  glängenbe  (Erfolge  gu  oergeidjnen  —  bas  Voll  batte
feine  Slntmort  auf  ben  3otttarif  in  $orm  gewaltigen  Vnfdjmellen*
laffens  ber  roten  Stimmengaljlen  gegeben.  Sine  Antwort,  bie
man  bebauern  mag,  aber  eine  beutlidje  Antwort!
3n  ber  Verteilung  ber  parlamentarifdjen  9Jladjtuert)ältniffe  mar
aber  wenig  geänbert.  Jtonferoatiue  unb  3^ntrum  tonnten  aud)
nadj  ben  2Bat)len,  wenn  fie  burdj  einige  Überläufer  oerftärft  murben,
  bie  ^olitif  nad)  (Befallen  Ienïen,  unb  fie  tjaben  es  nad)
Kräften  getan.  3m  5jerbft  1903  fanb  ein  Sßedjfel  im  Veid)Sfd)a^amt
  ftatt.  Der  bisherige  Sd^atjfeiretär  o.  Xljielemann,  ber
Vater  bes  3olítarifs,  trat  gurüd,  um  einem  aus  Vapern  fommew
ben  Vadjfolger  Vlatj  gu  madjen,  bem  grei^errn  o.  Stengel,  einem
Staatsmann,  bem  es  mit  ber  Sanierung  bes  Veidjsfinangwefens
¡ebenfalls  ernft  gu  fein  fdjeint,  wenn  er  audj  freilidj  nid)t  ber  gerabe
  im  Veic^sfc^a^amt  felfr  wünfd)enswerte  fiarle  Viann  ift,  ber
burdjgreifenbe  Reformen  unter  Vefeitigung  aller  üBiberftänbe  eingufül)ren
  imftanbe  ober  willens  ift.
Ss  war  leine  leiste  Aufgabe,  bie  ber  Söfung  Ijarrte.  Diefe
ift  audj  bis  fetjt  nur  unoolllommen  gefunben  worben.
Der  Veidjsetat  balancierte,  wie  wir  gefefyen  Ijaben,  nur  no^
mit  $ilfe  oon  3ufdjuf3anleil)en.
Die  ungebedten  VWrilularbeitröge,  welche  feit  3^ren  gur
Vegcl  geworben  waren,  lafteten  ferner  auf  ben  Singelftaaten,  bie
        <pb n="81" />
        69

oergebens  bie  alíen  ííbertoei[ungsüber[d)ü[[e,  auf  bie  iljre  (Etats
3uge[d)nitten  toaren,  erhofften.
3)a3u  tarnen  fo[t[pieIige  ßriegsgüge  (Q[ta[ien,  [pater  Süb*
unb  Qftafrita)  unb  ein  toeiteres  2tmoad)fen  ber  ^Militär*  unb
9Jtarinebebürfni[[e.
Die  bem  SReid)  gnr  Verfügung  ftefjenben  orbentlidjen  (Ein*
nahmen  beftanben  aus  folgenben  Quellen 1 ):
I.  9?eid)s[teuern,  bie  ber  9teid)staf[e  oerbleiben;  redjnungs*

mäßige  Erträge  in  ^Millionen  9Mart:
a)  3ucter[teuer  147
b)  Sal3[teuer  50
c)  23rannttoeinroI)[toff[teuern  42
d)  Sdjaumtoeinfteuer  5
e)  23rau[teuer  unb  SToerfa  45
f)  Spieltartenftempel  1,6
g)  2Bed)[eI[tempeI  12,2
h)  23antnotenfteuer  0,4
i)  ©ebü^ren  für  Statiftit  ca.  1,0
II.  9teid)s[teuern,  oon  benen  bem  IReid)  nur  ein  Heiner  Xeil
oerbleibt:
a)  3öIIe  521
b)  Dabaffteuer  13

III.  9?eid)s[teuern,  oon  benen  bem  5Reid)  überhaupt  nichts
bleibt,  to  eil  [old)e  ooll  gu  übertoei[en  [inb:
a)  23örfen*,  Ronno[[ement*,  £ottcrie[tempeI.  79
b)  23rannttoeinoerbraud)sabgabe  ....  128
Dagu  treten,  toie  an  anberer  Stelle  ausgefütprt,  bie  (Ein*
nahmen  aus  ben  reidjseigenen  ^Betrieben  unb  23enoaItungs3toeigen
ober  nötiger  beren  Überfdpiffe.  Dod)  reid)t  bies  betanntlid)  nidjt
aus  ben  23ebarf  gu  beeten.  Dafj  ber  ¿aupttrebs[d)aben  ber  éteidjs*
finangen  in  bem  leibigen  §in*  unb  §er[d)ieben  oon  Ijunberten
oon  ¿Millionen  3teilen  9teid)  unb  (Ein3el[taaten  liegt,  bas  legieren
bie  (£tatsauf[tellung  unmöglid)  ma^t,  unb  bem  er[teren  bie  finan*
3ieIIe  Selb[tänbigteit  raubt,  toar  1903  freilid)  [d)on  lange  ertannt.
1)  Dgl.  SReinljolbt,  5Reid)sfinan3tDe|en.
        <pb n="82" />
        70

£&amp;gt;atte  bodj  ber  babifefee  ginangminifter  Dr.  23udjenberger  fdjon
1902  bie  folgenbe  2Iusbructsform  bafür  gefunbert:
„ÏÏRit  bem  ©tunbfafc,  bajg  jebe  ginangtDtrtfcfjaft  in  |i4  felber  bic  finangoíonomtfdEjen
©runblagett  if&amp;gt;rer  Grifteng  gu  fueren  í)abe,  ift  bic  SRatritularbeitragserljebung  {¿»roer  tn
Ginílattg  311  bringen.  Statt  bafe  bic  größte  ginanggemeinfcfiaft  (bas  ÜReid))  finangtell  auf
eigenen  güfjcn  fteijt,  befinbet  fie  fie!)  bauernb  im  93crf)ältnis  œeitge^enber  2Ibi&amp;gt;ängigfeit
non  ben  eingelftaatlidfen  ginangmirtf^aften"  1).
Urtb  i)attc  boef)  Miquel  ftfeon  in  ben  90  er  ^aferen  5lrieg
gegen  bte  SCRatriïuIarbeitrâge  geführt!  2111e  biefe  Staatsmänner,
auefe,  tote  mtr  f  efe  en  merben,  grfer.  o.  Stengel,  macfeen  aber  ben
einen  ílarbinalfefeler,  bafe  fie  glauben,  bas  Soit  tonne  ofene  birette
SReidjsfteuern  jemals  auf  bte  #atritularbeiträge  oergitfeten,  ben
eingigften  ©tatspoften,  mo  bas  ©innafemebemilligungsrecfet  bes
SKeicfestags  fitfe  betätigen  îann.
Die  Sdjmierigieiten,  bie  fidj  einer  SReidjsfinangreform  bisfeer
entgegenftellten,  featten  gumeift  auf  parteipolitifefeem  (Sebiet  gelegen.
Die  5lonferoatioen  oormeg  finb  grunbfâfelidj  ©egner  jeber
$iorm  Don  23efteuerung,  bie  bem  ©runbbefife  nidjt  einen  (Eitra*
profit  geftattet.
Die  Sogiatbemotraten  Iefenen,  trofe  iferer  tfeeoretifcfeen  ©e*
neigtfeeit  für  birette  Steuern,  bodj  fdjliefelidj  alles  ab,  bie  2iberalen
  allein  finb  bislang  gu  fdjmadj  gemefen  gu  felbftänbiger
Steuerpolitiï  im  SReidje  —  bleibt  bas  Zentrum,  bas  feine  eigenen
Ïï3ege  gefet  —  mir  merben  f  efe  en,  melifee.
Unter  folcfeen  Sßerfeältniffen  gefeörte  allerbings  ein  gemiffer
SCRut  bagu,  bas  SReidjsfdjafeamt  gu  übernefemen.
33on  SInfang  an  ftanb  feft,  bafe  bie  ausfifeíaggebenbe  fartei,
bas  Zentrum  eben,  nie  feine  ¿uftimmung  für  eine  mirilidj  burtfe*
greifenbe,  bas  Übel  an  ber  2BurgeI  faffenbe  Reform  geben  mürbe.
9ti(fet,  als  ob  fiefe  niefet  auefe  in  biefer  fartei  einige  tluge  Äöpfe
finben,  bie  einfefeen,  mas  bem  SReidj  not  tut,  unb  bies  bemilligen
mödjten.  £&amp;gt;aben  boefe  fogar  namfeafte  ßentrumsabgeorbnete  fitfe
guftimmenb  gegenüber  biretten  SReidjsfteuern  oerfealten!  2lber
burdjgreifenbe  Staferegeln,  bie  notmenbig  irgenbmo  Slnftofe
erregen  müffen,  finb  oom  ßentrum  aus  bem  ©runbe  nitfet  gu  er*
marten,  meil  es,  gufammengefüfert  aus  ben  oerfefeiebenften  gefell*

1)  Dgl.  Gug.  D.  3agemann,  3ur  fRei^sfinangreform.  G.  6,  £eibclberg  1905.
        <pb n="83" />
        71

fdjafttichen  Schichten,  nur  burá)  bie  ïonfeffionelten  ^ntereffen,  in
M  gu  einer  für  bas  Slllgemeinmohl  meift  redjt  unfru&amp;lt;$tbaren
  ilompromijzpolitii  oerurteilt  ift.
Dem  wie  fchon  ermähnt  aus  ¿Bapern  tommenben  greiljerrn
uon  Stengel  mar  zunächft  meniger  an  einer  Stäriung  ber  ¿Reidjsentnahmen
  als  an  einer  ¿Befferung  ber  £age  ber  (Singelftaaten
bem  ¿Reich  gegenüber  gelegen.
Sobann  wollte  er  ber  fteigenben  ¿Berfdjulbung  bes  5Heiá)s
entgegentreten.
Diesem  Streben  entsprang  ber  nachftehenbe  ©efetjentmurf,
ber  mit  einer  fehr  intereffanten  unb  bie  Übetftanbe  bes  !Heid^sfinanzwefens
  fctjarf  beteu^tenben  ¿Begrünbung  bem  ¿Reichstag  oorgelegt
  mürbe.
2Bir  taffen  ^ier  beibes  im  2BortIaut  folgen,  obwohl  ber  ©ntmurf
  in  biefer  Raffung  ©efetjestraft  nidf)t  erlangt  tjat,  oielmeljr
mefentlichen  ¿änberungen  unterworfen  worben  ift.  Die  ¿Begrüw
bung  ift  aber  fo  djaraiteriftifd)  für  bie  Stellung  ber  ¿Regierungen
3u  ben  ¿Reichsfinanzen,  baft  fie  ein  wichtiges  Orientierungsmal
auch  für  biejenige  ¿ßolitit  bitbet,  bie  ber  ¿Reid^sfinangreform  oon
1906  gugrunbe  tag,  unb  wir  wollen  unferen  ßefern  bas  interef*
fante  Doiument  auch  auf  bie  ©efaljr  t)in  nicht  oorentljalten,  bafj
fein  Inhalt,  ber  ¿Ratur  ber  Sadje  nach,  foweit  er  hiftorifct)  ift,  zum
Zeit  eine  2Biebert)oIung  audj  oon  uns  fdjon  gebrachter  iatfadhen
in  fid)  fd^Iie^t.  2Bir  benutzen  babei  bie  ©elegenheit,  gleichzeitig
an  einem  oollftänbigen  ¿Beifpiel  gu  zeigen,  wie  ein  ©efet}  bem
¿Reichstag  oorgelegt  zu  werben  pflegt.
(Entwurf  eines  ©efetjes,
betreffenb
¿Ünberung  im  ßinanzwefen  bes  ¿Reichs.
2Bir  2BiIj)cIm,  oon  ©olles  ©naben  35eut|d)er  Raifer,  Röntg  oon  ißreufoen  ufto.
oerorbncn  im  SRanten  bes  SHexdjs,  nad)  erfolgter  3u|limmung  bes  Sunbesrats  unb
bes  SReidjstags  roas  folgt:
§1.
3Me  Sorfdiriften  über  bie  Übenoei(ung  eines  Teiles  bes  (Ertrages  ber  3°lle  unb
ber  labalfteuer,  bann  bes  ©drags  ber  Stempelabgaben  an  bie  Sunbesftaaten  (§  8  bes
burd)  bie  ®elanntmad)ung  oom  24.  2Rai  1885,  9teii%sgefe^bl.  S.  111,  oeröffentlid)ien
3olItarifgefetjes,  §  55  bes  burd)  ®etanntmad)ung  oom  14.  3uni  1900,  SReidjsgefetjbl.
        <pb n="84" />
        72

S.  275,  oeröffentlichten  SeichsStempelgefehcs),  fotoie  bie  Seftimmung  §  2  bes  ©efeps,
belreffcnb  Serwenbung  non  Slehrertrögen  ber  Seichseinnahmen  unb  Überweifungs=Steuern
  3ur  Schulbentilgung,  oom  28.  Siöq  1903  (Seichsgefepl.  S.  109  werben  aufgehoben.

§2.
Strtüel  70  ber  ScrfaSfung  erhält  folgenbe  ftaffung:
SIrtifel  70.
„3ur  Seftreitung  aller  gemeinschaftlichen  orbcntlidjen  Ausgaben  bienen  gunö#
bie  aus  ben  jölien  unb  gemeinsamen  Steuern,  aus  bem  ©ifenbahm,  unb  Ielegraphenwefen,
  forme  aus  ben  übrigen  Serwaliungs3weigen  fliejfenben  gemeinschaftlichen
(Einnahmen,  ^Soweit  bie  Ausgaben  burd)  biefe  (Einnahmen  ni&amp;lt;i)t  gebe#  werben,  finb
fie,  folange  bie  erforberlidfjen  Sedungsmittel  nicht  auf  anbere  SBeife,  insbefonbere  burd)
(Einführung  weiterer  Seichsfteuern  befd^afft  werben,  burd)  Seiträge  ber  einzelnen  Sunbes=Staaten
  nach  Slafigabe  ihrer  Seoölferung  aufjubringen,  welche  in  $öhe  bes  bubgetmäfjigen
Betrages  burdh  ben  Seichstan3ler  ausgeschrieben  werben,  3nfoweit  biefe  Seträge  in  ben
Überweisungen  ferne  Dedung  finben,  finb  fie  ben  Sunbesftaaten  am  ßahresfchlu^  in  bem
Stafje  3u  erstatten,  als  bie  übrigen  orbentlichen  (Einnahmen  bes  Seichs  beffen  Sebarf
übersteigen.
(Etwaige  Überfchüffe  aus  ben  $  erfahren  bienen,  infoweit  burd)  bas  ©efe#  über
ben  Seichsl;ausi)altsetat  nicht  ein  anberes  bestimmt  wirb,  ;ur  Dedung  gemeinschaftlicher
auprorbentlidher  Ausgaben".
§3.
Ser  bubgetmöfeige  Setrag  ber  oon  ben  Sunbesftaaten  aufgubringenben  9Jîatritu=Iarbeiträge
  foil  in  ber  Segel  ben  Setrag  ber  oon  ihnen  in  ben  fünf  Sorfahren  burd)=Schnittlid;
  empfangenen  Überweisungen  nicht  überfteigen.
§4.
Siefes  ©efe^  tritt  mit  bem  1.  2lpril  1904  in  Kraft.
Urtunblid)  ufw.
©egeben  ufw.
Segrünbung.
A.  3m  allgemeinen.
I.  Das  Sebürfnis  einer  anberweiten  Orbnung  ber  Seichsfinangen  h»l  1*4  Schon
feit  langer  3eit  fühlbar  gemacht,  unb  an  wiebcrholten  Ser{ud;en,  2Banbel  ;u  Schaffen,
I;at  es  nicht  gefehlt.  (Es  fei  hiec  3unädhft  erinnert  an  bie  betreffenben  beiben  ©efehesoorlagen,
  mit  benen  bie  gefepebenben  Körperschaften  bes  Seichs  in  ben  fahren  1893/94
unb  1894/95  (Seid)stagsbrudfad;e  Sr.  51  oon  1893/94  II.  Geffion  unb  Sr.  115  oon
1894/95  III.  Seffion)  befaßt  würben.
Seibe  ©ntwürfe  oerfolgten  i;auptiä&amp;lt;hlid;  ben  3#cd,  einesteils  im  3ntcreffe  ber
ginangwirtSdhaft  ber  ©in^elftaaten  ben  gewaltigen,  in  ber  beiligenben  Tabelle  Spalte  2
bis  5  nachgewiefenen  Sdhwantungen  im  Serhältniffc  ber  SRatriiularbeiträge  ;u  ben  Über=Weisungen
  unb  ben  hürburd)  bebingten  we^felnben  2lnfprüd)cn  bes  Seichs  an  beren
Haushalte  ein  3^1  3U  fetjen,  anberfeits  aber  3ugleid)  bem  Stetigen  2Bad;Sen  ber  Se(d)sanleihen
  burd;  Snfammlung  unb  Serwenbung  oon  Überfd;üfien  3ur  Schulbentilgung  wirb
fam  entgegen3uarbeiten.
Seibe  Sorlagen  fanben  nicht  bie  3ufünumm9  bes  Sepstags.  3 mm erhin  hode
ber  ©ebante  ber  Serwenbung  überfchüffiger  Seichseinnahmen  sur  Schulbentilgung  aud)
im  Seidhstage  2Bur3el  gefaxt,  unb  auf  feine  ^nitiatioe  würbe  in  biefer  Sidjtung  mit  bem
        <pb n="85" />
        73

©efeße  nom  16.  2lpril  1896  (Seicßsgefeßbl.  &amp;lt;5.  103)  menigftens  für  ein  3aljr  ber  erfle
Stritt  unternommen,  um  einer  prattifcßen  3inan;reform  näßer  ;u  tommen.
Sadß  bem  Sorbilbe  biefes  erften  Scßulbentilgungsgefeßes  (fog.  lex  ßieber)  mürben
in  ben  folgenben  3 a fy*n  weitere  ©in;elgefeße  oom  24.  War;  1897  (Seicßsgefeßbl.  S.  95),
31.  am;  1898  (Seicßsgefeßbl.  S.  138),  24.  War;  1899  (Seidjsgefeßbl.  S.  189)  unb
oom  30.  War;  1900  (Dîeidfjsgefe^bl.  S.  173)  erlajfen,  roelcße  fitf)  oon  bem  ©efeße  oom
16.  2ipril  1896  namentlid)  baburd)  unterfißieben,  baß  anftatt  ber  $älfte  nunmehr  brei
Wertete  ber  überf(ßüffigen  Übermeifungsfteuern  ;ur  Serminberung  ber  Seüßsfcßulb  be»
ftimmt  mürben.
Der  praftifcße  (Erfolg  biefer  (Ein;elgefeße  mar  infofern  fein  geringer,  als  fie  bie
Scicßsfcßulb  im  gan;en  um  142900000  W.,  ;uglei(ß  aber  bie  erßeblicßen  S^mantungen
;roifcf)en  Watrifularbeiträgen  unb  Übermeifungen  menigftens  nad)  ber  einen  Seite  ßin
minbern  ßalfen.  Sie  maren  aber  auf  bas  jeroeilige  Sorßanbenfein  oon  Überfdjüffen  bei
ben  Übermeifungen  bafiert  unb  mußten  baßer  oerfagcn,  fobalb  bie  Wriobe  foldjer  Über»
fcßüffe  oorüber  mar.  (Erft  bie  ;ur  §erftellung  bes  ©leidjgemicßts  im  Seicßsßausßaltsetat
für  bas  Secßnungsjaßr  1903  beßßloffene  3uf&amp;lt;ßlußanleißc  im  Setrage  oon  72102415  W.
rüdte  bas  Sebürfnis  ber  Scßulbentilgung  mieber  in  ben  Sorbergtunb  unb  oeranlaßte
bas  ©efeö  oom  28.  War;  1903  (Seicßsgefeßbl.  S.  109),  burcß  meines  —  nocß  roeit  über
ben  Saßmen  ber  früheren  leges  Sieber  hinaus  —  oom  3a^re  1902  ab  nidßt  blos  ber
oolle  Weßrertrag  ber  Übermeifungsfteuern  gegenüber  bem  ©tatsfoll,  fonbern  au&amp;lt;ß  ein
etroaiger  Überftßuß  bes  Secßnungsjaßrcs  1903  in  ber  eigenen  Wirtfcßaft  bes  Seicßs  ;ur
tunlicßft  rafcßen  (Entlaftung  bes  Seidßsßausßalts  oon  jener  Sintere  Sermenbung  finben
foltten.  Der  finan;ielle  (Effeft  biefes  Sonbergefeßes  läßt  ficß  oorerft  oerläffig  nur  infofern
überfein,  als  fid)  bei  ben  Übermeifungsfteuern  bes  Secßnungsjaßres  1902  ein  Weßr»
ertrag  oon  8404813  W.  ergeben  ßat,  um  ben  fid)  ber  2lnleißebebarf  bes  Seidjs  minbert.
2für  bas  Secßnungsjaßr  1903  ift  ber  mutmaßli^e  Weßrertrag  ber  Übermeifungsfteuern
gegenüber  bem  (EtatsfoII  oorläufig  auf  21844000  W.  gefd)ößt.  Sollte  biefe  Sfßäßung
;utreffen,  fo  mürbe  mit  bem  SIblaufe  bes  Secßnungsjaßres  1903  bie  3ufcßußanleiße  bis
auf  einen  Seft  oon  41853602  W.  getilgt  fein.
Die  Sausßalie  ber  Sunbesftaaten  mürben  burd)  obige  ©efeße  unb  bie  2Irt  ißrer
Slnmenbung  nur  infofern  beeinflußt,  als  ben  Sunbesftaaten  bie  Slusficßt,  aus  überfeßüf»
figen  Übermeifungsfteuern  3u®enbungen  oom  Seicßc  ;u  erlangen,  meßr  unb  meßr  ent»
;ogen  mürbe,  fo  baß  ißnen  fcßließlicß  nur  nocß  bas  mit  ber  3unaßme  ber  Übermeifungs»
fteuern  maeßfenbe  Sifito  oerblieb,  für  etmaige  Fehlbeträge  aus  eigenen  Sanbesmitteln
auffommen  ;u  müffen.  3m  ©egenfaße  ;u  ber  ausgefproeßenen  Slbficßt  bes  2IrtifeI  70,
Saß  2  ber  Serfaffungi)  ift  bie  irjößc  ihrer  effeitioen  Selaftung  burd)  bas  Seid)  nun
tatfäcßlicß  nießt  meßr  burcß  ben  im  Scicßsetat  feftgeftcllten  „bubgetmäßigen  Setrag  ber
Watritularbeiträgc,  fonbern  nur  burd)  bie  in  teiner  Weife  oorßcr;ufeßenbe  3fteinnat)me
ber  mand)erlei  Scßmanfungen  unterliegenben  Übermeifungen  begren;t.  Daß  ißnen  I)ier»
burd)  eine  ßalbmegs  oerläffige  (Etatsaufftellung  unb  georbnete  @inan;mirlfcßaf!  ungemein
erfeßmert  ift,  bebarf  teiner  meiteren  Darlegung.
Der  oorliegenbe  ©efeßentmurf  nimmt  ben  ©runbgebanfen  ber  Seformentroürfe  oon
1893/94  unb  1894/95  mieber  auf.  2lucß  er  mill  einerfeits  ben  2lnfprücßen  ber  (Ein;el»
floaten  auf  eine  rationellere  ©eftaltung  ihres  finan;iellen  Serßältniffcs  ;um  Seid)e  tun»
ließft  gered)t  merben,  anbererfeits  bem  bebentlicßen  Slnmacßfen  ber  Seicßsfcßulb  (fiche
1)  Wan  oergleicße  bie  Serßanblungen  bes  tonftituierenben  Seicßstags  oon  1867.
Stenograpßifcße  Sericßie  Sanb  l,  S.  622  ff.
        <pb n="86" />
        74

Spalte  12  ber  Tabelle)  burch  eine  Regelung  entgegenarbeiten,  tueld^e  bauernben  ©ha»
rafter  hat  unb  barum  einen  nachhaltigeren  (Erfolg  oerfpredhen  biirfte  als  (Ein^elgefe^e.
f’Die  gegenwärtige  Borlage  unterfcfjeibet  fid)  aber  oon  ben  früheren  Beformentwürfen
wefentlidE)  babur^,  bajj  fie  bie  unleugbar  oorljanbenen  Übelftänbe  an  ber  SBurgel  fafet
unb  fie  oon  bort  aus  gu  heilen  fudE)t,  wälfrenb  jene  (Entwürfe  fidEf  melfr  gur  Aufgabe
gefetjt  Ratten,  bie  nachteiligen  golgeerfcheinungen  tiefer  Iiegenber  Urfadfjen  tunlichft  auf»
¡¡uneben.
Sie  unterfdfeibet  fidE)  ferner  oon  jenen  älteren  Borlagen  auch  baburdE),  bafj  fie
nid^t  begleitet  ift  oon  umfaffenben  neuen  Steuerprojetten,  um  bas  mangelnbe  ©Ieichge»
roid^t  (poifdjen  Slusgaben  unb  ©innalfmen  im  Beichslfauslfalte  toieber  herguftellen.  Bei
bem  offne  3toeifeI  beftelfenben  bringenben  Bebürfnis,  aucff  ffier  2Banbel  gu  Raffen,
hätte  an  fid)  ber  ©ebanfe  naife  gelegen,  audff  biefe  Borlage  mit  foIdEjen  Steueroorfchlägen
311  oerfnüpfen.  Bllein  bei  ber  augenblidlidE)  nocfj  beftetyenben  Ungewißheit,  ob  unb  in
welchem  Umfange  bie  Bfelfrerträge,  roeldEje  oon  bem  3olItarife  oont  25.  Deßember  1902
(Beidfsgefetjbl.  S.  303)  3U  erwarten  finb,  gur  irferftellung  jenes  ©leichgewichts  ausreichen
werben,  erfdEjien  es  angemefjener,  ben  Borgängen  oon  183/94  unb  1894/95  in  biejer
§infidE)t  nidft  gu  folgen.
SEnbererfeits  ift  nidjt  3U  leugnen,  baß  in  ber  gina^gefetjgebung  bes  Beidfs  Bfängel
3utage  getreten  finb,  bie  einer  rationellen  2BirtfdE)aftsfüi)rung  ^inberlidE)  im  SBege  fielen
unb  beren  Befeitigung  fdEjon  an  fid)  einen  wefentlidjen  Srortfdjritt  bebeuten  würbe.  ß§iermit
  3U  warten,  bis  ber  neue  3oIEtarif  in  ftraft  tritt,  befielt  fein  genügenber  2Inlaß.  3^
©egenteil  erfdtjeint  es,  wie  unten  bes  näheren  bargetan  werben  wirb,  als  burdEiaus
3wedmäßig,  eine  ßinangreform  in  biefem  Sinne  f&amp;lt;f»on  jeßt  in  bie  SBege  3U  leiten;  benn
folange  bie  SBurgeln  bes  Übels  befielen  bleiben,  würbe  auch  eine  bemnädfjftige  Befferung
ber  ßinanglage  faum  oon  Dauer  fein.
Die  befteffenben  Übeifiänbe  bürfen  aber  rnolfl,  abgefelfen  oon  ber  aucf)  heute  noch
nicht  oollftänbig  überwunbenen,  weit  über  Deutfdjlanbs  ©reu3en  fpnausgreifenben  ungünftigen
  wirfchaftlichen  Sage,  beren  Befferung  nicht  in  unferer  ÜJlacEjt  ftelft,  hauptfädjlich
auf  3wei  Urfachen  gurüdguführen  fein:  einmal  auf  ben  Umfang,  welken  bie  urfprünglidf)
in  feffr  befdfeibenen  ©ren3en  gehaltene  fogenannte  ßrandcnfteinfche  iUaufel  allmählich
angenommen  hat,  unb  bann  auf  bie  Belfanblung  ber  „Überf#ffe  ber  Borjahre"  in
Slriifel  70,  Saß  1  ber  Berfaffung.
II.  Bei  bem  ^nfrafttreten  bes  3aIHarifgefeßes  oom  15  3uli  1979  würbe  ber
3aßresertrag  ber  3ölle  unb  ber  Dabaffteuer  auf  etwa  170  SRillioncn  Blarf  oeranfchlagt.
§ieroon  füllten  gemäß  §  8  jenes  ©efeßes  130  Bfillionen  Bfarf  ber  Beicßstaffe  oer*
bleiben,  wälfrenb  ber  Beft  oon  beiläufig  40  Blillionen  SRarf  gur  Überweifung  an  bie
Bunbesftaaten  beftimmt  würbe.  Diefe  Überweifungen  waren  einerfeits  gebadet  als
eine  ben  @in3elftaaien  gebülfrenbe  billige  Gntjdf)äbigung  für  bas  ihnen  feiten  bes  Beicfjs
ent3ogene  Bedft  ber  inbireften  Befteuerung;  anbererfeits  aber  follte  babureß  bem  Bei^s»
hauslfaltseiat  bie  einige  bewegliche,  ber  jährlichen  Bewilligung  bes  Beichstags  unter»
Iiegenbe  ©innalfmequelle,  bie  SRatrifularbeiträge,  erhalten  bleiben.
3n  ber  ßolgeßeit  würbe  bie  grandenfteinfehe  iUaufel  auch  noch  auf  bie  (Erträge
Branntweinoerbrauchsabgabc  nebft  3uf(hiag  (§  39  2Ibf.  1  unb  §  42  IV  bes  ©efeßes,
betreffenb  bie  Befteuerung  bes  Branntweins  oom  fg  3uni  1895  '  ^eicßsgefeßbl.  1895,
S.  276)  unb  ber  Beidjsftempelabgabe  (§  55  bes  Beichsftempelgefeßes  oom  14.  3uni  1900,
Beicßsgefeßbl.  S.  275)  ausgebehnt.
Durch  bie  natürliche  (Entwidelung  ber  3oNeinnahmen  unb  infolge  ber  fpäteren
        <pb n="87" />
        75

(Erßößung  einzelner  Dariffäße,  insbefonbere  für  (Betreibe  ufro.,  bann  burcß  ben  Sit^u*
tritt  ber  Branntweinoerbraucßsabgabe  unb  ber  Stempelabgabe  311  ben  Überweifungsfteuern
  nahmen  biefe  im  Saufe  ber  3 e ü  einen  Umfang  an,  ber  bei  bem  (Erlaffe  bes
3olltarifgefeßes  oom  15.  guli  1879  unmöglich  oorausgefeßen  werben  tonnte.  Die  Tabelle
läßt  in  Spalte  3  unb  8  bas  nähere  erfeßen.  $ierna^  finb  bie  Überroeifungen  (Spalte  3)
non  38,2  Blillionen  Blarl  im  (Etatsjaßr  1880181  auf  (mutmaßlich)  542  Blillionen  Blad
im  Rechnungsjahr  1903  angewad)(en.  gür  1904  finb  fie  auf  553,9  Blillionen  Blad
oeranfcßlagt.  Bon  oorübergehenben,  3um  Deil  redht  beträdjtlid^en  Gdjroanlungen  abgefehen,
  haben  im  großen  unb  gan3en  auch  bie  Blatrilularbeiträge  eine  ähnliche  Steigerung
erfahren.  3 n  ben  leßten  fünf  3ah ren  (feit  1899)  haben  fie  bie  Überroeifungen  regeb
mäßig  nicht  unerheblich  Übertritten  (fiehe  Spalte  4  ber  Dabelle).  Da  nun  bas  Reich
bei  roachfenbem  Bebarf  unb  guneßmenber  Berfcßulbung  ben  (Ertrag  ber  Uberroeifungsfteuern
  für  ben  eigenen  Saushalt  nicht  entbehren  tonnte  unb  besßalb  barauf  bebaeßt  fein
mußte,  ihn  in  bie  gorm  oon  Blatrifularbeiträgen  tunlichft  roieber  3urüd3uerßalten,  fo
ergab  fid)  hieraus  bie  golge,  baß  in  roadhfenbem  Blaße  fchlicßlich  Sunberte  oon  ¿Millionen
Blad  alljährlich  oöllig  3roed=  unb  nußlos  gwifeßen  bem  Reich  unb  ben  Bunbesftaaten,
roenn  auch  großenteils  nur  in  ben  Büchern,  hin  unb  ßergefeßoben  werben  mußten.  Bber
nicht  nur  als  ßwedlos  erwies  fieß  biefe  Sachbehanblung,  fonbern  aueß  als  einer  georbneten
  ginan3wirtfcßaft  im  Reich  nnb  in  ben  Bunbesftaaten  birett  abträglich.  Denn  abgefehen
  oon  ben  enorm  hohen  unb  noch  immer  machfenben  Beträgen,  in  welchen  bie
Bunbesftaaten  ihre  Blatrilularbeiträge  bem  Reiche  oor3ufchießen  hatten,  mußte  ein  folcßes
Spftem  in  Berbinbung  mit  bem  burcß  bas  Bnwacßfen  ber  Überroeifungsfteuern  im  3ntereffe
  ber  Berminberung  ber  Reicßsfcßulb  noch  weiter  bebingten  Sonbergefeßen  3U  einer
fchwer  3U  reeßtfertigenben  Steigerung  ber  Haftung  ber  Bunbesftaaten  für  Busfälle  bei
ben  Überroeifungsfteuern  1)  unb  gu  einer  fortfehreitenben  Berbuntelung  bes  Reicßshaushalts
  felbft  führen.  Klarheit  unb  Durcßficßtigleit  eines  Saushalts  bilben  aber  bas  gunbament
  einer  oorausfeßenben  unb  fparfamen  B3irtf«haft.  3 C  mehr  es  bem  Reicßsl)aushalt
  an  biefem  gunbamente  gebricht,  umfomeßr  wächft  bie  ©efaßr,  baß  goIge3uftänbe
eintreten,  welcße  in  einer  3unehmenben  Bcrjcßulbung  bes  Reichs  ober  in  einer  Über--Iaftung
  ber  (Ei^elftaatcn  mit  Blatrifularbeiträgen  ober  auch  in  beiben  ihren  Busbrud
fittben.  Sieten  tomrnt  nod),  baß  burd)  bie  grandenfteinfeße  Alaufel  in  ihrem  gegenmär»
tigen  Umfange  bem  Reid)e  hinficßtlicß  ber  etatsmäßigen  Beranfcßlagung  feiner  wießtigften
(Einnahmen  auch  bie  erforberli^e  Bewegungsfreiheit  mangelt,  ein  Umftanb,  ber  fieß  namentlich
  unmittelbar  oor  unb  in  ben  erften  fahren  nadß  gntrafttreten  bes  neuen  3olI'
tarifgefeßes  nod)  befonbers  fühlbar  machen  mußte,  wenn  es  nicht  gelingen  follte,  noch
red)i3eitig  oorßer  SBanbel  3U  feßaffen;  benn  bie  Beranfcßlagung  bes  (Ertrags  ber  3&amp;lt;W e
auf  ©runb  ber  üblichen  graltionsrecßnung  wirb  bann  in  oielen  gallen  oerfagen.
Dabei  bebarf  es  nicht  ber  gä^licßen  Beseitigung  ber]  grandenfteinfeßen  RIaufel,
es  genügt  ißre  Bufßcbung  in  Bnfeßung  jener  Überroeifungsfteuern,  welche  erfaßrungs--1)

  Der  §  15  bes  neuen  3oIItarifgefeßes  (fog.  lex  Drimborn),  wonach  bie  lünftigen
Bleßreträge  gewiffer  Raßrungsmitte^ölle  nießt  meßr  an  bie  (Ein3elftaaten  überroiefen
werben,  fonbern  ßur  ginan3ierung  einer  Brbeiter=,  2Bitwen=  unb  SBaifenoerficßerung
Berwenbung  finben  folien,  würbe  nun  allerbings  eine  relatioc  Blinberung  ber  Scßwaw
(ungen  im  3ft  ber  Überroeifungsfteuern  unb  bamit  auch  eine  enlfprecßenbe  (Einfcßränfung
bes  Rififos  ber  (Ein3elftaaten  3ur  golge  haben.  Bllein  abfolut  würben  fieß  infolge  ber  (Erßößung
  anberer  3allfäße  unb  ber  natürlichen  gortentwidelung  ber  3öHe  jene  Scßroanfuw
gen  unb  bas  hermit  oerbunbene  Rifito  aueß  in  ber  golge  boeß  noeß  fteigern  müffen.
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        76

gemäß  ben  größten  Scßwantungen  unterworfen  finb  —  bas  finb  bie  ßölle  (einfcßließlicß
ber  Dabatfteuer)  unb  bie  Stempelabgaben.  Die  Sranntweinoerbraucßsabgabe  (famt
3ufcßlag)  tann  als  Überweifungsfteuer  unbebentlid)  befielen  bleiben.  Sie  ßat  ben  Sor»
3ug,  in  ißrem  (Ertrag,  insbefonbere  and)  gegenüber  bem  (Etatsfoll,  nur  geringen  Scßwan»
Jungen  unterworfen  gu  fein,  wesßalb  es  bei  Sefcßräntung  ber  grandenfteinf^en  Rlaufel
auf  biefe  Steuergattung  aud)  befonberer  gefeßlicßen  Staßnaßmen  ßinficßtlich  überfcßüffiger
Überweifungsfteuern  ufw.  nicßt  meßr  beburfte.  Der  Setrag  ber  Sranntweinoerbraucßs»
abgabe  beziffert  ficß  auf  über  100  SDÎilIïonen  Start,  ¡teilt  firf)  alfo  gegenüber  bem  Setrage
  oon  40  Stillioncn  Start,  ber  urfprünglid)  bei  (Einführung  ber  ßrandenfteinfcßen
Stlaufel  als  beweglicher  ßattor  im  Reidhsßausßalte  gur  SSaßrung  bes  (Einnaßmebewil»
Iigungsred)ts  bes  Reichstags  für  ausreicßenb  erad^let  worben  war,  auf  mehr  als  bas
3weieinhalbfache.  Sei  einer  Reform  ber  grandenfteinfdjen  illaufel  bie  Sranntweinoer»
braucßsabgabe  unberührt  gu  taffen,  bürfte  fich  aber  aud)  nocß  aus  bem  ©runbe  empfehlen,
weil  Säuberungen  in  biefer  §infid)t  ohnebies  burcß  bie  ben  fübbeutfcßen  Staaten  einge»
räumten  Sonbcrrecßte  erfcßwert  wären  (§  47  2Ibf.  2  bes  Sranntmeinfteuergefcßes).
III.  ©emäß  Srtitel  70  Saß  1  ber  Serfaffung  folien  gur  Seftreitung  aller  gemein»
famen  (orbentlicßen)  Ausgaben  oor  allem  etwaige  „Überfd)üffe  ber  Sorjaßre"  bienen.
Die  Seftimmung  war  feinergeit  aus  ber  Serfaffung  bes  Rorbbeutfcßen  Sunbes  über»
nommen  worben.  3 n  bem  urfprünglicßen  (Entwürfe  biefer  Serfaffung  war  fie  nicht  ent»
halten.  2Bie  bie  Serhanblungen  bes  tonftituierenben  Seichstags  (Stenograpßifche  Se»
richte  oon  1867  Sb.  1,  S.  622  ff.)  entnehmen  taffen,  war  fie  bas  (Ergebnis  oon  Sefdjlüffen
über  ein  Slmenbement,  beffen  Sorausfeßungen  fpäter  hinfällig  geworben  waren.  Racß
ber  in  ber  Schlußberatung  (a.  a.  £).  S.  725)  feftgeftetlten  Raffung  ber  Srlitel  70  ber
Serfaffung  finb  unter  jenen  „Überfdiüffen"  nur  über  Sebarf  eingegangene  „reichseigene
(Einnahmen",  nicht  aber  etwa  aud)  über  Sebarf  erhobene  „Statritularbeiträge"  gu  oer»
flehen,  welch  Ießtere  überhaupt  nur  fubfibiär  „bis  gur  jrjöße  bes  bubgelmäßigen  Setrags"
burch  ben  Reidhstangler  ausgefeßrieben  werben  follten.  (Ein  folcher  Unterfdjieb  würbe*
jebod)  in  ber  Scaiis  tatfäcßlid)  nicht  gemacht  ;  cs  würben  oielmehr  bemnäd)ft  alle  etwaigen
Überfcßüffe  aus  ben  Sorjaßren  ohne  Rüdficßt  auf  ihre  ©ntfteßung  bem  übernächftjährigen
(Etat  als  orbentlüße  (Einnahme  gugefüßri.  Diefes  Serfaßren  würbe  auch  nach  (Einführung
ber  grandenfteinfeßen  ítlaufel  beibeßalten,  wiewoßl  es  fraglich  erfdßeinen  modßte,  ob  fortan
bei  ben  reichseigenen  (Einnahmen,  bie  ja  bureß  bie  Überweifungen  an  bie  Sunbesftaaten
erßeblicß  gefcßmäßlert  waren,  Überfcßüffe  im  Sinne  bes  Slrtitel  70  ber  Serfaffung  fid)
überhaupt  noch  ergeben  tonnten.  Die  Sunbesftaaten  erßoben  jebod)  gegen  bie  einmal
eingebürgerte  Sadjbcßanblung  ißrerfeits  teinen  (Einfprucß.  (Erft  als  im  grüßjaßr  1901
gelegentlich  ber  Serßanblungcn  über  ben  (Entwurf  eines  Scßulbentilgungsgefcßes  für  1901
aus  bem  Reichstage  heraus  ber  Serfucß  unternommen  würbe,  gu  3 u,e ^en  ber  Sennin»
berung  ber  Reicßsfcßulb  außer  etwaigen  Überfcßüffcn  bei  ben  Überweifungsfteuern  auch
bie  „Überfcßüffe  in  ber  eigenen  SMrtfcßaft  bes  Reicßs"  ßerangugießen,  würben  gegen  ein
folcßes  Sorgeßen  oom  SunbcsratstifEß  aus  (unter  Hinweis  uf  Slrtitel  70  ber  Serfaf»
fung)  Sebenten  erßoben  unb  würbe  geltenb  gcmad)t,  baß  berartige  „Überfcßüffe"  in  ber
Dat  nur  über  Sebarf  erhobene  Statritularbeiträge  barftelltcn,  auf  beren  bcmnäcßftige
(Erftattung  bie  (Eingelftaaten  einen  oerfaffungsmäßigen  Snfprucß  hätten  (Serßanblungcn
bes  Reichstags  oon  1900/02,  Stcnograpßifdje  Sericßte  Sb.  3,  S.  2109ff.).  Dies  hatte
gur  Sfolge,  baß  ein  Scßulbcntilgungsgefeß  für  1901,  bas  übrigens  in  (Ermangelung  oon
Überfcßüffcn  talfäcßlicß  aud)  wirtungslos  geblieben  fein  würbe,  nießt  gu  ftanbe  tarn.  Da»
gegen  fanb  gwei  3aßre  fpäter  in  bas  ©efeß  oom  28.  Siärg  1903  (Reicßsgefcßbl.  S.  109)
im  ©inoerftänbniffe  mit  ben  oerbünbeten  Regierungen,  welcße  biesmal  ißre  grunbfäßlicßen
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        77

Bebenten  gurüdtreten  Iteren,  eine  Beftimmung  Bufnahme,  monad)  gur  Dilgung  ber  3ufdjußanleihe
  and)  ein  in  ber  eigenen  ¡ffiirtfchaft  bes  ¡Reichs  im  ¡Rechnungsjahr  1903  ¡id)
etma  ergebenber  Überfdjuß  Berroenbung  finben  ¡olí.  Diefe  Borgänge  legen  bie  Erroä»
gung  nahe,  ob  es  fid)  nicht  empfehlen  roirb,  für  bie  3ulunft  bie  3Jlaterie  abroeidjenb  oon
Brtifel  70  ber  Berfaffung  grunbfäßlid)  neu  gu  regeln.
Die  bisherige  Beljanblung  fraglicher  Über¡d)ü¡¡e  hat  ¡id)  ¡ebenfalls  nicht  bewährt.
Die  orbentlidjen  (Einnahmequellen  bes  ¡Reichs  finb  gum  meit  übermiegenben  Deil  fchroan»
tenber  ¡Ratur,  unb  es  erroadjfen  hieraus  einer  rationellen  Seroirlfchaftung  bes  ¡Reichs»
haushalts  ohnehin  fdfjon  erhebliche  Sdjmierigleiten.  3ene  Sä)roantungen  roerben  aber
noch  gefteigert,  bie  Sdjroierigteiten  nodh  oerfchärft,  menn  auch  nod)  bie  roechfelnben  unb
nur  gufälligen  Überfdhüffe  oergangener  3 a ^ re  iro  @tat  als  orbentlidje  Dedungsmittel  93crmenbung
  finben.  Solche  Überfchüffe  iönnen  geitmeife,  bei  günftigen  Aonjuntturen,  eine
beträchtliche  $öl)e  erreichen.  Sinb  bann  anftatt  ber  Überfchüffe  fpäterhin  Fehlbeträge
aus  ben  Vorjahren  gu  übernehmen,  ¡o  müffen  ¡id)  hieraus  allein  fdhon  für  bie  Balance
bes  Etats  bie  ernfteflen  Bnftänbe  ergeben.  Dritt  nun  infolge  ungültiger  Aonjuntturen
noch  ein  SRüdgang  bes  Ertrags  ber  orbentlichen  Einnahmequellen  hingu,  fo  geftaltet  fi&amp;lt;h
bie  £age  bes  ¡Reichshaushalts  nodh  umfo  bebenflicher.  Welche  Sdhmantungen  fid)  groifd»en
  ben  Überfd)üffen  unb  Fehlbeträgen  in  ber  eigenen  ¡ffiirtfchaft  bes  ¡Reichs  fd)on  bisher
  ergeben  haben,  tft  aus  ber  Dabelle  (Spalte  6  unb  7)  auf  eine  ¡Reihe  oon  Fahren
gurüd  erfidjtlidj.  ¡Rad)  ber  in  2lusfid)t  genommenen  Einfdhräniung  ber  F*andenfteinfd)en
ítlaufel  auf  bie  Branntroeinoerbrauchsabgabe  mürben  biefe  Sdjroantungen  burd)  ben
§ingutritt  ber  mechfelnben  Erträge  ber  3ölle  unb  ber  Stempelabgaben  nod)  erheblich  ge»
ftcigert  roerben.  2Rit  bem  ©runbfaß,  auf  rein  gufällige  oorübergehenbe  Einnahmen
orbentliche  Ausgaben  gu  bafieren,  tann  aber  fein  Haushalt  auf  bie  Dauer  beftehen.  Es
fdheint  baher  bringenb  geboten,  ben  SIrtÜel  70  ber  Berfaffung  in  biefem  Ißunlte  gu
änbcrn  unb  nach  bem  Borbilb  anberer  Berfaffungen  etmaige  Überfchüffe  aus  ben  Bor»
(ähren  lünftig  als  Dedungsmittel  bem  außerorbentlidien  Etat  gugufüfjren,  roo  fie,  ¡oroeit
im  Etatsgefeße  nicht  anbcrs  beftimmt  roirb,  gur  Berminbcrnng  bes  Bnleißebebarfs  ober
gur  Sdhulbentilgung  Berroenbung  gu  finben  hätten.  Um  inbeffen  bie  roirtfame  Bnroen»
bung  ber  neuen  Beftimmung  auch  oertaffungsmäßig  gu  fidjern,  roirb  gugleid)  burd)  eine
roeitere  Bnberung  bes  Brtitel  70  ber  Berfaffung  außer  3roeifel  gu  ¡teilen  fein,  bah  bie
Bunbesftaaten  eine  Erftattung  ber  über  ben  rechnungsmäßigen  Bebarf  geleiftelen  Wa»
trifularbeiträge  nur  inforoeit  beanfpruchen  tonnen,  als  fie  bie  Wittel  gur  fieiftung  biefer
Beträge  aus  ihrem  eigenen  Haushalte  gefchöpft  unb  nicht  in  ber  Form  oon  Überroei»
fungen  oom  ¡Reiche  ¡elbft  empfangen  hoben.  Bnbernfalls  mären  bie  Bunbesftaaten  in
ber  fiage,  auch  auf  Srftattung  ber  burd)  Überroeifungen  gebedten  Watritularbeiträge,
foroeit  fie  ben  rechnungsmäßigen  Bebarf  bes  ¡Reichs  überfteigen,  Bnfprüche  geltenb  gu
machen.  Fhre  Bnertennung  hätte  aber  gur  Folge,  baß  rechnungsmäßige  Überfdjüffe  in
ber  eigenen  ¡ffiirtfchaft  bes  ¡Reichs  überhaupt  nicht  mehr  gur  Berftigung  ftänben.
IV.  Das  ¡Reich  tft  bei  feiner  Errichtung  gunäd)ft  burd)  Überlaffung  ber  3blle  unb
gemeinfamen  Berbraud)sfteuern,  bann  ber  Einnahmen  aus  ben  Betriebsoerroaltungen
finangiell  ausgeftattet  roorben.  Später  traten  noch  eingelne  roeitere  ¡Reichsabgaben  hingu.
Die  ÜRatrituIarbeilräge  roaren  oon  Bnfang  nur  als  eine  fubfibäre  Einnahmequelle,  als
eine  3lrt  ¡Rotbehelf  gebacht,  oon  bem  nur  äußerftenfalls,  roenn  gur  Dedung  ber  ¡Reichs»
ausgaben  bie  eigenen  Einnahmen  bes  ¡Reichs  nicht  mehr  gureichten,  ©ebrauch  gemacht
roerben  füllte.  Buch  bei  ber  fpäteren  Einführung  ber  Frondenfteinßhen  Rlaufel  roar  baoon
  ausgegangen,  baß  bie  als  beweglicher  Fattor  im  ¡Reichshaushalte  fernerhin  beigube»
haltenben  SRatritularbeiträge  fid»  bod)  regelmäßig  innerhalb  ber  ©rengen,  ber  ben  Eingel»
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        78

ftaaten  3ugebilligten  Überœeifungen  beroegen  mürben.  2Bie  bie  Tabelle  (Spalte  2—5)
erfeßen  läßt,  mar  bies  nací)  bem  gnlrafttreten  ber  grandenfteinfdßen  íüaufel  mit  roentgen
Slusnaßmen  eine  lange  9îeii&amp;gt;e  non  Saßren  ßinbureß  audß  tatfäcßlicß  ber  gall.  (Erft  nom
gaßre  1899  an  mirb  bie  Selaftung  ber  ©ingelftaaten  mit  ungebedten  SJÎatrituIarbeitrâgen
gu  einer  fäßrlid)  roiebcrleßrenben.  SJlit  (Einfluß  ber  ißnen  bureß  ben  Gtatsentrourf  non
1904  auferlegten  fieiftungen  beziffert  biefe  Selaftung  fidß  im  gangen  auf  120  SÜZillionen
9JIar!.  Um  biefen  Setrag  minbern  ¡id)  bie  Sülittel,  roelcße  ben  (Eingelftaaten  außerbem
gur  (Erfüllung  roießtiger  innerer  Aulturaufgaben,  beren  Zräger  fie  finb,  gur  Verfügung
ftänben.  (Es  erfeßeint  aueß  im  eigenften  gntereffe  bes  Seicßs  gelegen,  eine  folcße  Selaftung
  ber  §aus^alte  ber  (Eingelftaaten  nießt  gur  Siegel  roerben  gu  Iaffen.  Das  nerfaf»
fungsmößige  Siéent,  bie  Sunbesftaaten  mit  SDÎatriluIarbeitrâgen  gu  belaften,  foil  bem
Seid)  audß  naeß  ber  Sorlage  grunbfätglidß  gemährt  bleiben.  9iber  einer  gefunben,  gielbemühten
  ginangpoliti!  entfpridßt  es,  non  biefem  nerfaffungsmäßigen  SRedjte  nur  aus»
naßmsroeife  unb  unter  möglidßfter  Sponung  ber  irjausßalte  ber  (Eingelftaaten  ©ebraudß
gu  maeßen.  ©ine  ßufage  in  biefer  Sicßtung  biirfen  bie  Sunbesftaaten  non  bem  norlie»
genben  ©efetgentrourf  umfo  meßr  ermarten,  als  er  ißnen  mit  ber  norgefdjlagenen  ©in»
fdßräntung  ber  grandenfteinfdßen  RIaufel  ein  ißnen  gefeßlidß  gufteßenbes  Siedet  unb  gu»
gleidß  bie  9Iusficßt  entgiefjt,  für  bie  in  ben  leßten  gaßren  geleifteten  3ubußen  in  fpöteren
SJleßrüberroeifungen  mieberum  einigen  (Erfaß  gu  erlangen.
B.  3m  eingelnen.
Sadß  ber  bem  ©efetgentrourf  im  oorfteßenben  gegebenen  allgemeinen  Segrünbung
roerben  bie  ©ingelbeftimmungen  nur  noeß  roeniger  ©rläuterungen  bebürfen.
3u  §  i.
Diefe  Sefiimmung  enthält  bie  Slufßebung  ber  grandenfteinfißen  iUaufel  in  21m
feßung  ber  Solle  unb  ber  Zabalfteuer,  foroie  ber  Stempclabgaben.  Die  Seftimmungen
im  §  39,  2lbf.  1  unb  §  42IV  bes  Sranntroeinfteuergefeßes,  monad)  bie  (Erträge  ber
Sranntroeinoerbraucßsabgabe  unb  bes  Sufdßlags  gu  berfelben  ben  Sunbesftaaten  gu  über»
roeifen  finb,  folien  befielen  bleiben.
Die  Slufßebung  bes  §  2  bes  Sdßulbentilgungsgefeßes  nom  28.  9Jlärg  1903  (Seicßs»
gefeßbl.  S.  109)  erfdfjeint  als  ßonfequeng  ber  Slufßebung  bes  §  8  bes  älteren  SoHtarif»
gefeßes  unb  bes  §  55  bes  Seicßsftempelgefeßes.  Sacß  ©infdßränlung  ber  grandenftein»
fdßen  Alaufel  auf  bie  93ranntroeinoerbraudßsabgabe  ift  nießt  meßr  barauf  gu  reeßnen,  baß
bie  redßnungsmößigen  Überroeifungen  bas  ©tatsfoll  nod)  roefentlicß  überfteigen  roerben.
3"  §  2.
9Ibegefeßen  non  ben  im  allgemeinen  Zeile  bereits  eingeßenb  begrünbeten  mate»
riellen  Sinberungen  bes  Slrtilel  70  ber  Serfaffung  finb  in  ber  neuen  Seftimmung  nur
noeß  einige  rein  rebaltionelle  Serbefferungen  ber  früheren  Raffung  oorgefeßen.
Die  ©rftattung  überßobener  ffllatrilularbeiträge  (SIrtilel  70,  9Ibf.  1,  Saß  3)  ift  in
ber  gornt  ber  SInredßnung  auf  bie  ßeiftungen  bes  folgenben  gaßres  gebaut.
Die  gaffung  bes  2Ibf.  2  mürbe  gugleid)  ¡geftatten,  je  nad)  Sebarf  über  bie  93er»
roenbung  ber  Überfdßüffe  befonbere  Seftimmung  gu  treffen.  2ludß  bie  ausnaßmrocife
93erroenbung  folcßer  Überfdßüffe  gur  ©ntlaftung  bes  orbentlicßen  ©tats  muß  oorbeßalten
bleiben;  fie  bürfje  aber  nur  inforoeit  $!aß  gu  greifen  ßaben,  als  bies  gur  Slusgleidßung
ungeroößnlicß  großer  Sdßroanlungen  bei  ben  orbentlicßen  ©innaßmen  erforberlitß  erfeßeint
unb  bie  billige  Südfidßtnaßme  auf  bie  £musßalte  ber  ©ingelftaaten  es  erßcifißt,  roenn
        <pb n="91" />
        —  79

embers  ber  3 tr)C(î  ber  oorgefdjlagenen  Säuberung,  auf  tunlidjftc  Sparfamleit  im  5Retd)s=Ijausfyalt
  unb  SRinberung  bes  Slnletljebebarfs  ^ingumirfen,  nid)t  oereitelt  werben  foil.
3u§3.
Diefe  Beftimmung  bringt  ben  in  3iffer  IV  ber  allgemeinen  Begrünbung  entwidelten
  ©ebanfen  in  ber  ßorm  einer  Direftioe  für  bie  Slufftcllung  unb  Finanzierung
ber  lünftigen  Beidjsetats  in  einer  2Irt  gum  Slusbrude,  weldje  eine  in  ber  Berfaffung  begrünbeten
  ausljilfsweifen  Belüftung  ber  Bunbesftaaten  mit  SRatrifuIarbeiträgen  burd)  bas
Gtatsgefet}  aud)  für  bie  Folge  in  feiner  SBeife  oorgreift.  Da^  nad)  bem  3"kafttreten
bes  ©efetjes  unter  ben  „Überweifungen"  nur  nod)  bie  (Erträge  ber  Branntweinoeraud)sabgabe
  famt  3ufd)Iag  gu  oerfteljen  finb,  roirb  einer  befonberen  irjeroorljebung  faum  bebürfen.
3u  §  4.
Da  bas  ffiefetj  mit  bem  1.  SIpril  1904  in  Rraft  treten  foil,  fo  bleiben  für  bas
Bcdjnungsjaljr  1903,  insbefonbere  aud)  fjinftdjtlid)  ber  Berwenbung  etwaiger  Überfd)üffe,
bie  feitfjerigen  Beftimmungen  mafjgebenb.
Um  3U  einer  irtiifdjen  SBürbigung  biefes  ©efetjentmurfs  unb
ber  Slbdnberungen  gu  gelangen,  bie  ber  9teid)stag  ¡päter  baran
uorgenommen  I)at,  mu|  man  ¡id)  ¿undent  bie  ¡et)r  oermidelten
©igen¡d)aften  unb  2Biríungen  ber  SRatriíuIarbeitrdge  mieber  oergegenmdrtigen.
  Die¡e  ¡inb  er¡tens  ein  Slusbrud  ber  $Reid)S¡out&amp;gt;e*
ränetät  gegenüber  ben  ©inzel¡taaten,  gmeiiens  ¡inb  ¡ie  bas  einzige
23etätigungsobjeft  bes  ©innaíjmebemilligungsredfts  bes  9?eid)stags
unb  brittens  bilben  ¡ie  bas  einzige  SCRittel,  bie  23elaftung  ber  23eoolferung
  burd)  bie  inbireíien  $Keid)s¡teuern  burdj  eine  teilmei¡e
5Ibroäl3ung  auf  bie  meljr  burd)  birelte  Steuern  alimentierten
©inzeiftaaten  gu  milbern.
SInbercrfeits  aber  ¡inb  aud)  bie  9ftatriíularbeitrdge  —  unb
met)r  nod)  bie  Übermeifungen  —  bie  finanziellen  glluftrationen
bes  goberalismus,  ben  ber  33erfaf¡er  ais  beutfdjgefinnter  patriot
bis  aufs  9Jle¡¡er  beídmpft  unb  gleichzeitig,  ¡o  ¡onberbar  bas  in
bie¡em  3ufammen^ang  aud)  mirlt,  ¡inb  ¡ie  bie  emige  Quelle  bercdjtigter
  Sorge  für  bie  bunbesftaatlidjen  ginanzmini¡ter.  Darum
bebauern  mir,  baft  mir  noi^  9JlatriiuIarbeiträge  ftaben,  aber  mir
íonnen  auf  leinen  gall  barauf  nervten,  menn  nicf)t  burd)  birefte
Steuern  ein  5íguioaIent  ge¡d)affen  mirb.
Das  5Redf)t  aber,  SRatrifularbeiträge  zu  ergeben,  müftte  bem
Dleid)  ¡elb¡t  in  ¡olcfyem  gal!  gemährt  bleiben,  benn  anbernfalls
mürbe  letzteres  auf  ein  mistiges  Souoeränetätsredjt  —  bas  bes
©ingriffes  in  bie  partilularen  Waffen  —  oerzidjten.  2Bir  ftreben
        <pb n="92" />
        80

in  1000  3Jiasï.

G

«B

&amp;lt;?¡1  £

E  t=I



an.

1880/81
1881/82
1882/83
1883/84
1884/85
1885/86
1886/87
1887/88
1888/89
1889/90
1890/91
1891/92
1892/93
1893/94
1894/95
1895/96
1896/97
1897/98
1898
1899
1900
1901
1902
1903
1904  s)
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2)
3)
4)

S
¡K1
Mil

9JÎ.

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«  *

1!

931.

Die  93unbes(taaten  fjabcn
¡omit
î|l
&amp;amp;
!|®

9JÎ.

64146.8
85203.9
84827.3
73955.3
64040,2
102  777,9
119178.2
170936.7
207780.2
215267.1
301102.2
316499.3
316  301,8
369036,6
385433.3
382  737,2
399374,5
419898.9
454858.8
489953.8
527662.4
570933,0
580639.8
565856,2
577645.9

38243.1
68023,6
83456.1
85503,3
105027,3
115  792,3
137056.7
176324.0
277801.2
355033,9
378914.5
383377.3
358925.1
338758.8
382  859,6
400126.0
414567.9
433114.7
467586.3
476874.6
508472.8
555707.4
556235.0
542092.0
553931.0

25903,7
17180,3
1371,2

30277,8
2573,7

13079,3
19189.6
15225.6
24404.8
23764,2
23714.9

m
lit

3JÏ.

Dabei  íjat  bas  SReámungs*
jaïjr  in  ber  eigenen  2Birtfcfjaft
  bes  SReidjs  abge=¡#Io¡|en
  mit  einem

&amp;amp;

11548.0
40987.1
13014.4
17878.5
5387,3
70021.0
139766,8
77812.3
66878.0
42623.3

17388.8
15193.4
13215.8
12727.5

SJl.

25077,1
15743,5

2347.7
15148,2
3951.2
1140,0
14200.0
7172.2
11869.7
28467.1
25357,4
30576,9
32487.1

an.

3ur  ®#ulbentilgung.
3ur  Slbbiirbung  cines  2inleií)e3uí&amp;lt;í)u¡fes.
3ur  Serftärlung  bes  Betsiebsmitiel  bes  Meidfjsíjauptfúíie.
®#a#ngsmei¡e.  5)  Ma#  bem  ©atsentœurfe.

12362,5

1905.3
5735.3
17418.4
22  352,2
22886.5
20383,7

II
II

~  K
U
an.

1932,6
48422,8
30722,5
i)  20000,0

i)  13000,0
i)  50000,0
i)  37  500,0
1)  42400,0
2 )  30707,2
8 )  11682,8
‘)  8404,8
, ) 4 )21844,0
        <pb n="93" />
        81

ober  baí)in,  bie  9teichsbefugni[[e  gu  erweitern,  nicht  [te  gu
[d)mälern.
3n  ben  9teid)stagsbebatien  com  Degember  1903  [inb  neue
©efidjtspunfte  ïaum  erwähnt  worben.  Die  meiften  SRebner  waren
[ich  barin  einig,  bafj  man  auf  ¡eben  $all  gu  einer  obligatori[djen
Tilgung  ber  9teict)s[chulben  gelangen  mü[[e,  währenb  bie  Vorlage
nur  eine  gelegentliche  oorfieht,  [ofern  [idj  nämlich  rechnungsmäßige
ilber[ci)ü[[e  ber  3Nnnahmen  über  bie  (£tatsfolIs  ergeben.  Da
mehr  oor  ber  £&amp;gt;anb  nicht  gu  erregen  war,  begnügte  man  [ich  bamit,
  unb  änberte  an  bem  ®e[eßentwurf  nur  noch  ben  §  1,  mbem
  man,  entgegen  bem  9tegierungsentmurf,  audj  noch  bie  9)tai[ä)=bottich
 5  unb  23ranntweinmaterial[teuer  ber  ßranden[tein[^en
MIau[eI  unterwarf,  biefe  [onadj  nur  für  ßölle,  Tabat[teuer  aufhob,
  [o  bah  na ^  bem  (Etat  für  1905  immerhin  noch  189  Millionen
überweifungspflidjtig  waren,  benen  268  ^  SRillionen  9JlatriiuIarbeitrüge
  gegenüber  treten,  freilich  werben  biefe  gum  Teil  infolge
ber  gün[tigen  9?echnungsergebni[[e  für  1905  gurüctgegahlt  werben
tonnen.
Das  nach  längeren  $ert)anblungen  er[t  am  14.  9Jtai  1904
publizierte,  aber  mit  SRüctmirtung  oom  1.  2íprií  1904  ab  ausge=[tattete
  ©e[et}  —  parlamentan)*^  bie  lex  Stengel  ober  Heine
ßinangreform  genannt  —  erhielt  enbgültig  ben  folgenben  2Bortlaut,
  ber,  wie  noch  be[onbers  bemertt  [ei,  ben  9JtatrituIarbeiträgen
ben  bur&amp;lt;h  bie  93erfa[[ung  ur[prünglich  gewollten  prooi[ori[d)en  (Eharatter
  nimmt,  unb  [ie  gu  einer  befinitioen  9îei&amp;lt;hseinri&amp;lt;htung  macht.
©c[eh,  betr.  Mnbcrungen  im  ginangwefen  bes  Reichs.
33om  14.  Mtai  1904.  9to.  22,  &amp;lt;Rr.  4041,  S.  169.
2Bir  SBilhelm  u|io.
§1.
Die  ®orfcf)rift  über  bie  Überroeifung  eines  leiles  bes  (Ertrags  ber  3öUe  unb  ber
Dabatfteuer  an  bie  Sunbcsjtaaten  (§  8  bes  burd)  bie  Sefanntmadjung  nom  24.  2Rai
1885,  5R(5®.  S.  111,  üeröffentlid)ten  3°ntarifgeiet}es)  wirb  aufgehoben.
Der  ^Reinertrag  ber  iïRaifchbottid) :  unb  ®ranntmeinmaterialfteuer  ift  ben  ein=Seinen
  SBunbesftaatcn  nach  SRafjgabc  ber  matritularmäjjigen  Seoölterung,  mit  melier
fie  ;um  Gebiet  ber  Sranttoeinfteuergemcinfchaft  gehören,  3U  übermeifen.
§2.
SIrtifel  70  ber  Scrfaffung  erhält  folgenbe  Raffung:
©rottroolb,  3inan3¡i)[tem.

6
        <pb n="94" />
        82

Slrtifel  70.
3ur  Seftreitung  aller  gememfd)aftlidE)en  Ausgaben  bienen  junäd^it  bte  aus  ben
3öllen  unb  gemeiniamen  Steuern,  aus  bem  ©tfenba^w,  S'#  unb  ïelegrapljenwefen,
fowte  aus  ben  übrigen  Serwaltungsgwetgen  fliefeenben  gemetnfdfjaftlicf)en  (Einnahmen.
3nfowett  bte  Ausgaben  burcf)  btefe  (Einnahmen  ni&amp;lt;i)t  gebedt  werben,  ftnb  fte  burd)
Setträge  ber  einzelnen  Sunbesftaaten  nad)  ÜJla&amp;amp;gabe  tljrer  Seoölterung  au^ubrtngen
weld&amp;amp;e  in  §ö^e  bes  bubgetmäfeigen  Setrags  burd)  ben  Setd^stangler  ausgefdjrieben  werben.
  3nfoweit  btefe  Seiträge  in  ben  Überweisungen  feine  2)edung  finben,  ftnb  fie  ben
Sunbesftaaten  am  3&amp;lt;4)resfd)luf3  in  bem  Slafje  gu  erstatten,  als  bte  übrigen  orbentlüijen
(Einnahmen  bes  SRetdjs  beffen  Sebarf  überfteigen.
(Etwaige  Überfdfjüffe  aus  ben  Sorjaljren  bienen,  infoweit  burd)  bas  ©efet}  über
ben  5Reicf)sl)ausI)altsetat  nid)t  ein  anberes  beftimmt  wirb,  ¡jur  Dedung  gemeinfdtjaftlidjer
auf3erorbentlid)er  Ausgaben.
§3.
Diefes  ©efet}  tritt  mit  SBirfung  oom  1.  2lpril  1904  in  Araft.
UrfunblidE)  ufw.
(Es  Ijatte  ficij,  tote  ber  Sergleid)  bes  ©efetjes  mit  bem  (Entwurf
  ergibt,  ber  ¿Reid)stag  alfo  nicljt  mit  ber  Sefdjräntung  ber
granctenfteinfdjen  ftlaufel  auf  bie  Sranntweinoerbraucfysabgabe  befliehen,
  fonbern  er  ijatte  aud)  bie  Sranntweinmateriab  unb  ¿IRaifd^
bottid)fteuer  tjineinbegogen,  weil  it)m  ber  Soften  oon  SR.  100000000
3U  tlein  erf^ien,  als  Urfadje  für  gegenüberfteljenbe  SRatritular*
beitrage  in  gleicher  £ölje.  ¿Man  wünfdjte  minbeftens  200  ¿Mil=Iionen
  ¿Mart  ¿Matritularbeiträge  als  beweglichen  gattor  gu  bemalten.
Sebentlid)  an  bem  ©efetj  toar  bie  ¿Aufhebung  bes  Sdjulben*
tilgungsgefetjes  oon  1903,  meines  —  eine  ©elegen^eitsma^regel
—  ben  3mec!  oerfolgte,  bie  fogenannten  3ufd)uf}anleil)en  gu  befeitigen,
  unb  in  biefer  ¿Ridjtung  aud^  tatfödjlidj  günftig  gewirtt  i&amp;gt;at.
(Es  mufften  in  biefem  galt  alfo  bie  3 n to e ff en  bes  5Keici)s
ifinter  bie  ber  Sunbesftaaten  gurücttreten.
3m  übrigen  ftellte  fid)  bie  lex  Stengel  als  eine  [et)r  prooiforifdje
  ¿Maßregel  heraus,  inbem  toeber  bie  ¿Regelung  ber  ¿Matrb
tularbeiträge,  nodj  bie  nidjt  obligatorifdje,  auf  3ufallsergebniffe
angetoiefene  Sdjulbentilgung  auf  bie  Dauer  befriebigen  tonnten.
Das  3a^r  1904  forberte  bod)  toieber  oon  ben  (Eingelftaaten
40 3 / 4  ¿Millionen  ungebeefte  ¿Matritularbeiträge,  unb  1905  gar
79  ¿Millionen  (bie  allerbings,  toie  fd)on  erwähnt,  gum  Deil  gurüdtgejault
  werben).
Um  gu  geigen,  wie  fid)  biefe  ¿Matritularbeiträge  auf  bie  (Eingelftaaten
  oerteilen,  unb  wie  feljr  fie  in  beren  Subgets  ftörenb
        <pb n="95" />
        83

eingreifen  —  ißrer  pro  Mopf  angenommenen  Verteilung  eutfpreeßenb
  |ogar  am  ftöreubfteu  in  ben  ärmeren  Vunbesftaaten,  geben
mir  naä)|te^enb  (fieße  S.  84—85)  eine  3ufammeuftelluug,  meiere
bie  ungebeten  Vtatrifularbeiträge,  beren  Verhältnis  gu  ben  ge=¡amten
  orbentlicßen  (Einnahmen  ber  Vunbesftaaten  unb  beren  C£inrnoßnergaßlen
  geigt.
2Bie  nach  bem  ©efagten  oorausgufeßen  mar,  unb  tatsächlich
feinen  einigermaßen  in  bie  Veicßsfinangangelegenßeiten  eingemeihten
  überragen  fonnte  unb  überragte,  mar  bie  Heine  ßinangreform,
  melcße  mit  Steuerplänen  nicht  oerbunben  mar,  nur  bas
Vorfpiel  3U  einer  größeren  Vftion,  mit  ber  Deutf^Ianb  im  3aßre
1905—1906  beglüeft  merben  follte.  $atte  grßr.  oon  Stengel  oon
einer  Stärfung  ber  Vcicßseinnaßmen  1904  noch  5lbftanb  neßmen
gu  fönnen  geglaubt,  um  feine  meßr  ben  (Eingelftaaten  gu  gute
fommenbe  erfte  Veform  nießt  gu  gefäßrben,  fo  ßolte  er  bas  Verfäumte
  nunmeßr  naeß,  inbem  er  im  £erbft  1905  gleicß  ein  ganges
Steuerbufett  präfentierte  —  ein  Vufett,  beffen  Vofen  fieß  freilich
bureß  einen  auffallenben  Veicßtum  an  Dornen  ausgeießneten.
Slnerfannt  oerbient  babei  gunäcßft  bie  große  Sorgfalt  unb
©rünblicßfeit  gu  merben,  mit  ber  bie  Vegiernng  aueß  biefen  ©efeßentmurf
  gu  begrünben  unb  gu  erläutern  fueßte.  Der  (Entmurf
mit  ber  Vegrünbung  füllt  nießt  meniger  als  147  große  gmeifpaltige
Duartfeiten  unb  entßält  oiel  äußerft  interesantes  ^Raterial.
Die  Vücfficßt  auf  ben  beßßränften  Vaum  gebietet  uns  im
beffen,  unfern  liefern  baraus  nur  bas  mießtigfte  mitguteilen.
Der  Vegrünbung  bes  „©efeßes,  betreffenb  bie  Crbnung  bes
Veicßsßausßalts  unb  bie  Tilgung  ber  Veicßsfcßulb",  bem  Veicßstage
  oorgelegt  am  28.  Vooember  1905,  entnehmen  mir  bas  folgenbe:
Die  „(Einleitung"  beginnt  mörtlicß:
Die  Sereitjtellung  ber  für  ben  finanziellen  SBebarf  bes  SReichs  erforberlidjen  2RiticI
bol  fid)  in  ben  lebten  fahren  ungemein  fchroierig  geftallel.  Die  gehlbetröge  im  5Reid)s.
hausíjalíe,  melchc  nach  ben  nerfaffungsred)tlid)en  SBeflimmungen  burch  ïRatrifuIarbeitrage
ber  Sunbesftaaten  zu  beden  gemefen  mären,  hoben,  nom  ^Rechnungsjahre  1901  an  aufwärls
  fteigenb,  feil  1903  eine  foldje  £jöhc  erreicht,  bah  ben  SBunbesftaaten  bie  foforlige
fieiftung  bes  aollen  Setrags  nicht  mehr  zugemulei  merben  ionnte,  faille  nicht  insbe[onbere
  für  bie  roirtfchafllicb  fchmädieren  unter  ihnen  bie  finanzielle  gnanfpruchnahme  für
bas  SReich  zu  einer  Zerrüttung  ber  eigenen  Finanzen  unb  bamit  ber  finanziellen  Selb*
flänbigteit  führen.

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        84  —

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        86

Vían  fieïjt,  bas  íjauptmotiu  bes  Veidjsfdjatjfelretärs  ift  aud)
í)ter  wieber  rrteíjr  bie  Vüdfid)t  auf  bie  (Einzelftaaten,  ais  ¿te  auf
bas  Veid)  felbft.
Die  Vegrünbung  menbet  ftdf)  bann  zu  einer  lurgen  93eleud)=tung
  ber  finanzwirtf^aftlic^en  ¿ntmidlung  ber  lebten  3^re,  unb
ermähnt  bann  bte  neuen  Aufgaben  bes  Veieis,  beren  finanzielle
(Erforberniffe  im  einzelnen  eingeljenber  be^anbelt  inerben.  (5s
finb  bies:
a)  Der  (djronifdje)  geljlbetrag  im  Reidjsíjausíjalt.  Dazu  füf)rt
bie  Vegrünbung  folgenbes  aus:
„Um  3U  einer  3utreffenben  Sdjätjung  besjenigen  Betrags  ;u  gelangen,  melier  gur
Balancierung  bes  SReühsijaushalts  mit  ben  ber  SReichstaffe  nerbleibenben  Ginnahmen
fehlt,  i|t  es  erforberlidj  and)  bie  5Rad)trags  états  ;u  berüdjid)tigen,  ferner  bie  Beftimmung
bes  neuen  Slrtitels  70  ber  Berfaffung  über  bie  $Rid)teinftellung  etwaiger  Überfchüffe  in
bie  orbent!id)en  Ginnahmen  gleichfalls  auf  bie  ^Rechnungsjahre  oor  1904  anguwenben  unb
enblid)  etwaige  Fehlbeträge  im  3ft  nicht  erft  bem  gweitfoigenben,  fonbern  fdjon  bem»
fenigen  (Rechnungsjahre  ßur  iiaft  ;u  (teilen,  in  welchem  jie  entftanben  finb.  Danach
ijaben  bie  Fehlbeträge  ber  Bed^nungsjahre  1901—1905  nach  ben  Gtats  in  runben  Summen
betragen':

Die  Vegrünbung  erwäljnt  je^t,  bajz  bie  Xatfad)en  ben  Rei^stagsanfätjen
  infofern  nidjt  immer  entfprodjen  Ijaben,  als  bie  an
Stelle  ber  Regierungsanfd)Iäge  eingefetjten  (Einnaljmepoften  nic^t
immer  in  bem  Umfange  eingegangen  finb.  Unter  Verüdfidjtigung
ber  tatfädjlidjen  (Ergebniffe  ¡teilen  fidj  folgenbe  effeltioen  geljlbeträge
  heraus  in  Millionen  Vlarï  für:

Da  ferner,  wie  bie  Vegrünbung  fortfäfyrt,  bie  Rnmelbungcn
(feitens  ber  Reffortbeljörben)  zu  ben  (Statsuoranfdjlägen  ftänbig
in  gewaltig  wadjfenbem  Ria^e  wieberïeïjren,  aud)  wenn  fie  im
Reidjstag  geftridjen  waren,  fo  iönne  man  jene  Rbftridje  nidjt  als
(Erfparniffe,  fonbern  nur  als  Vertagungen  oon  Ausgaben  gelten  Iaffen.

3m  3ahre

1901
1902
1903
1904
1905

Bach  bem  com  Bunbesrat
uorgelegten  Gtatscniwurf
80,9
57,1
75,—
83,4
122,-SRillionen
  Wart.

Bad)  bem  nom  Beicïjstag
t»erabf«i)iebeten  Gtatsentmurf

80,9
22,6
52,1
45,8
78,—

1902

1903

1904

53,3

63,8

56,1
        <pb n="98" />
        87

3m  gangen  [teilt  [id)  ber  gehlbetrag  auf  80—90  Willionen.
liefen  Ausführungen  wirb  man  [eine  3u[timmung  ntdf)t  oen
[agen  tonnen.
3m  Untertitel  b  beljanbelt  bie  Sdjrift  bie

Tilgung  ber  Aeichsfdjulb,
inbem  fie  aud)  ^ier  gunäd^ft  einen  I)i[tori[d)en  Südblid  gibt,  ber
[id)  mit  bem  oon  uns  ton  gegebenen  Silbe  ber  (Êntwidlung
bedt.  2Bir  entnehmen  ihm  bie  nadjfteljenbe  tabellante  Darftellung
  ber  (Sntwidelung  ber  Aeichstulben:

X&amp;gt;ic  Stfiulb  ift  gefticgen
9?edE)nungsial)r  um  auf
1877/78  72,2  72,2
1878/79  66,7  138,9
1879/80  79,2  218,—
1880/81  49,7  267,8
1881/82  51,5  319,2
1882/83  29,7  348,9
1883/84  24,2  373,1
1884/85  36,9  410,—
1885/86  30,—  440  —
1886/87  46,2  486,2
1887/88  234,8  721,—
1888/89  162,8  883,8
1889/90  234,2  1118,—
1890/91  199,8  1317,8
1891/92  367,8  1685,6

Die  Sdjulb  ift  geftiegen
SRetfmungsjaljr  um  auf
1892/93  55,3  1740,8
1893/94  174,9  1915,7
1894/95  165,5  2081,2
1895/96  14,—  2125,3
1896/97  16,—  2141,2
1897/98  41,—  2182,2
1898  40,7  2223,—
1899  75,5  2298,6
1900  97,1  2395,6
1901  417,9  2813,5
1902  —,  2813,5
1903  290,—  3103,5
1904  100,—  3203,5
1905  340,—  3543,5

Millionen  Wart.

Diefe  Tabelle  mag  gleidjgeitig  bie  nötige  3nu[tration  gu  um
fern  Ausführungen  über  bie  Äeid)sf&amp;lt;hulben  im  erften  Xeil  unferes
Süd)Ieins  liefern.
75ie  Segrünbung  roeift  in  ihrem  weiteren  Fortgang  barauf
hin,  bajg  bereits  [eit  1901  grunbföhlid)  nur  nod)  bie  folgenben
Ausgaben  auf  Dedung  aus  Anleihemitteln  oerwiefen  worben  [inb:
1.  geftungsbauten  unb  militante  (Eifenbahnanlagen.
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        2.  Ausgaben  für  bte  2Beiterentmidtung  ber  SWarine,  bet  3&amp;lt;í)tffsbauten
  ber  über  6  °/ 0  bes  Sdjiffsbauwerts  ber  glotte  hinausgeßenbe
23ebarf  in  ©eftalt  eines  3uScßuSSes  bes  außerorbentlicßen  (États  (bies
bebeutet  alfo,  taufmänniScß  gebrochen,  eine  Abfcßreibung  oon  6°/ 0
auf  ben  2Bert  ber  glotte,  toas  uns  näßt  eben  reichlich  erfd^eint!)
3.  Ausgaben  ber  (EiSenbaßnoermaltung  für  getoiffe  Aeuanlagen.

4.  Ausgaben  für  Anlagen  oon  Telegraphen  unb  gernjprecf) 5
linien,  Soweit  Sie  über  ben  regelmäßigen  Ausbau  ßinausgeßen.
Tiefen  ^3ringipien,  wenn  Sie  au^  nicßt  über  jebe  üritiï  er.
haben  Sinb,  wirb  bodj  ein  erhebli^er  2Biberfpru&amp;lt;h  taum  entgegen
gu  feßen  Sein,  unb  ebenfowenig  ben  nun  folgenben  Ausführungen
ber  23egrünbung,  bie  bartun  Sollen,  baß  bie  Befolgung  ber  obigen
©runbfäße  allein  bas  Aeicß  nid)t  oon  ber  burdj  frühere  Anleihen
gef^affenen  Scßulbenlaft  befreien  wirb,  baß  bagu  oielmeßr  eine
gejeßlid)  feStgelegte  regelmäßige  Sdjulbentilgung  erforberlicf)  \\t
2öenn  ber  (Entwurf  biefe  mit  3 / 5 °/ 0 ,  gleidf)  einem  jährlichen  Aufwanb
  oon  21  %  Millionen  Sülari  oorfd)Iägt,  So  hält  bie  SBegrüm
bung  bas  für  bas  9)linbefte,  unb  Stellt  für  bie  3u!unft  eine  (Erhößung
  bieSes  ^oftens  in  Ausjicht.
2ßenn  man  auf  ©runb  bes  bisherigen  TurdjScßnittes  oon
122  Millionen  jährlicher  Sdjulbgunahme  in  bie  3uiunft  blicft,  So
wirb  man  troß  jener  Tilgung  no&amp;lt;h  mit  einem  jährlichen  weiteren
Anwachsen  ber  Aeicßsfdjulb  oon  100  Millionen  gu  rechnen  hoben!
Tie  Tilgung  Sollte  bodj,  wenn  Sie  wirtSam  Sein  Soll,  minbeStens
ber  burchSchrcittlidjen  gaßresgunaßme,  begrn.  ber  ßeute  gleich  ßoßen
Aerginjung  gleidjíommen! 1 )
Tie  weiteren  Titel  c—k,  meistens  militärische  gorberungen
betreffenb,  bie  alle  mit  (Erläuterungen  oerSeßen  Sinb,  brauchen  wir
ßier  nur  turg  gu  erwäßnen.  gm  gangen  Stellt  Sich  bie  in  ber  SBegrünbung
  gegebene

l)  2Iuf  ©runb  ber  ¡eit  9Zieber¡d)rift  bes  obigen  beiannt  geworbenen  ©rgebni¡¡e
ber  neuen  Steuern  fann  man  bereits  ¡agen,  bajj  ii)r  finanzieller  (Effelt  lein  berartiger
ift,  bajf  babur#  eine  grunbiätjlidje  Sinberung  in  ber  Slnleifjepolitif  bes  5Heid&amp;gt;es  ermi)g=Ii$t
  werben  wirb.
        <pb n="100" />
        89

3ufammenfaffunng  ber  SBebarfsberecíjnung

tote  folgt:
a)  23efeitigung  ber  ftänbigen  Unterbiíang.  .
b)  Sd)ulbentilgung
c)  (Entlüftung  bes  ^noalibenfonbs,  minbeftens
d)  23efeitigung  bes  (ßerfonalferoifes  „
e)  Regelung  bes  95lilitärpenfionswefens  „
f)  (Erhöhung  ber  Sät}e  ber  9ïaturaloerpflegung
etwa
g)  (Erhöhung  bes  9ïatural*Quartierferoifes  in
ben  unteren  2lmtstlaffen  ettoa  .  .
h)  Slufbefferung  bes  ÏBohnungsgelbgufchuffes
für  Unterbeamten,  minbeftens  .  .  .
i)  Durchführung  ber  (Erhöhung  ber  Gebens*
präfengftärfe,  fotoie  ber  gefe^Iichen
$eftlegung  ber  gweijährigen  Dienft*
Seit,  ettoa
k)  33erftärfung  ber  2Beí)rfraft  bes  (Reichs  gur
See,  ettoa

80—90  Millionen
21,260
10,9
1,48
18,—  „

1,58
0,232
6,24

30,—
76,24

gufammen:  245932000  SOI.
bis  255  932000  „
3m  $all  ber  23ereitfteIIung  ausreidfjenber  neuer  (Einnahmen
gur  Dectung  biefer  ^  SRilliarbe  hofft  bie  (Reichsregierung  infolge
bes  natürlichen  tociteren  SBachstums  ber  (Einiünfte  aus  ben  bis*
Jjerigen  Quellen  gwar  bei  fparfamfter  2Birtfchaft  aud)  ben  übrigen
Aufgaben  bes  Reichs  geredet  toerben  gu  tonnen,  madjt  aber  hoch
3toei  bemerienstoerte  Ausnahmen,  für  bie  fie  fi&amp;lt;h  in  [ehr  oorfichtiger
  gorm  bie  gorberung  weiterer  SPÎittel  oorbehält.  (Es  finb
bies  bie  ca.  27  Millionen  Slnforberungen  an  ben  (Reid)sinoaliben*
fonbs,  bie  im  3°^ re  1910,  wo  biefer  aufgegehrt  fein  wirb,  auf
bas  SReich  übernommen  werben  müffen,  unb  bie  ebenfalls  fehr
notwenbige  (Erhöhung  ber  ¡¡Betriebsmittel  ber  ÍReichsfaffe.  fietjtere
ift  freilich  in  %egug  auf  bie  3eit  nicht  bringlid),  ba  fidj  bie  Reichs*
tnffe  mit  Sdjahanweifungen  helfen  fann,  aber  biefer  2Beg  ift  bes
hohen  Disfonts  wegen  recht  foftpielig.
        <pb n="101" />
        90

Der  ^Ibfdjnitt  6  ber  SBegrünbung  befdjäftigt  [id)  mit  ben
neuen  Steuern.  Son  ben  oorfteljenb  ermähnten  250  SJtillionen
ginangbebarf  i)offi  bie  Regierung  eltoa  Vio  aus  ben  infolge  bes
neuen  Xarifs  gu  ertoartenben  Ijöljeren  3oIIeinna^men  beden  gu
tonnen.
(Es  ftnb  freilich  in  2Birtlid)teit  70-80  SCRillionen  Ijöljere  3ollergebniffe
  in  9lusjidjt  gu  nehmen,  aber  auf  ©runb  ber  lex  Xrimborn
  muffen  ca.  2 / 3  baoon  für  23erfid)erungsgwede  gurüdgelegt
werben.
2Bir  Ijaben  Ijier  alfo  einSdjaufpiel,  weldjes  bas^erg  jebes  irgenbwie
  mit  finangwirtfdjaftlidjem  Serftänbnis  begabten  Stannes  mit
Ijeller  greube  erfüllen  wirb,  namlid)  bafj  bas  beutfcfye  Sott  jätjrlid)
50  Stillionen  Start  Steuern  begabten  mu^  blofj  weil  es  bem  3 en *
trum  gefallen  ^at,  aus  rein  agitatorifdjen  ©rünben,  wie  wir  nodj
an  anberer  Stelle  ausfüi&amp;gt;ren,  eine  glei#ol)e  Summe  feftgulegen.
(Es  Ijeijgt  bann  in  ber  Segrünbung  wörtlid)  weiter:
„Durch  bte  neuen  Steuern  bleiben  immer  noch  220—230  Willionen  3JlarI  aufzubringen.
  Daf)  biefe  hohe  Summe  nidfjt  burd)  einen  einzelnen  Steuerzweig  erbracht  werben
  lann,  wirb  feines  weiteren  9lad)w  eifes  bebürfen.
(Es  galt  baljer,  fie  möglichft  nielen  unb  Ieijiungsfäljigen  Schultern  aufzuerlegen,
um  bie  nun  einmal  nicht  mehr  nermeibbare  erhebliche  neue  Selaftung  ber  Steuerzahler
tunlichft  geregt  zu  nerteilen.
3u  ihrer  Aufbringung  bebarf  es  aber  ber  Dpferwilligleit  auf  allen  Seiten  ber
Seidfosbürger,  fotnohl  bei  ben  befi^enben  Alaffen,  wie  bei  ber  großen  Waffe  bes  beutfdjen
  Solfes.
Denn  auch  bie  SBirfungen  ber  neuen  Aufgaben  bes  9?eicf)s  lommen  allen  Angehörigen
  bes  Seichs  zu  gute  Sei  einer  burchgreifenben  ginanjreform  lieh  fi&amp;lt;h
fomit  eine  Heranziehung  audh  ber  ©egenftänbe  bes  ÜJlaffennerbraudjs,  für  Deutfdfjlanb
alfo  insbefonbere  bes  Sieres  unb  bes  Dabais,  fowic  eine  Heranziehung  bes  weitere
Greife  berührenben  Serlehrs  unb  ffiüterumfat}es  nidf)t  zu  umgehen.  3"  allen  gallen
würbe  aber  herbei  oerfudEjt,  ben  finanziell  fdjwächeren  Scrbraudjer  im  Serhältnis  zu
bem  wohlfjaöenben  Steuerzahler,  fowie  bie  minber  leijtungsfahigen  ©ewerbetreibenbcn,
foweit  fold^e  überhaupt  in  Witleibenfd&amp;amp;aft  gezogen  werben,  im  ffierhältniffe  zu  ihren
wirtf^aftlid)  träftigeren  Witbemerbern  zu  fdhonen".
S3tc  weit  bas  allerbings  in  ben  ©efetjentwürfen  ertennbar
geworbene  Streben  ber  Segierung,  bie  fd)wädjeren  Schultern  ge,
ringer  gu  belaften,  bei  inbiretten  Steuern  überhaupt  burdjfüljrbar
ift,  werben  wir  im  nadjften  Rapitel  eingeljcnber  erörtern.
5jier  werben  wir  uns  barauf  gu  befdjrönien  tfaben,  turg  bie
Unterfd)iebe  gwifdjen  bem  9tegierungsentwurf  unb  ben  oom  9teid)s=
        <pb n="102" />
        91

lag  b  ef  initio  oerabfdjiebeten  ©efeßen  gu  fixieren,  ba  ein  tieferes
(Eingehen  auf  ©inzeíheiten  außerhalb  bes  ^Rahmens  biefer  Arbeit
liegt,  bie  feine  üritif  gefe^geberif^er  Details,  fonbem  nur  eine
foltfje  ber  bem  SReichsfinanzfpftem  gu  ©runbe  Iiegenben  ^ringipien
fein  mill.
a)  Die  Sraufteuer.
Diefe  lieferte  in  ben  lebten  fahren  ©rgebniffe  oon  40—50
Millionen.  Die  91egierungsoorlage  mödjte  aus  bem  Sierfonfum
67  Millionen  9Rarf  mehr  herausziehen.
Der  §  3a  bes  (Entwurfes,  begw.  ©efeßes
belaftet  jeben  Doppelzentner  ber
in  einem  Srauereibetrieb  inner*
halb  eines  ^Rechnungsjahres
fteuerpflichtig  werbenben  Srau*
ftoffe  wie  folgt:
oon  ben  erften  250  dz  9R.  7.—  9R.  4.—
„  „  folgenben  250  „  „  8—  „  4.50
500  „  „  10.—  „  5.—
oon  ben  folgenben
2000  „  „  11.—  1000  dz  „  5.50
2000  „  „  12.—  1000  „  „  6.—
oom  bem  ÍRefte  „  12.50  1000  „  „  6.50
1000  „  „  7.—
1000  „  „  8.—
1000  „  „  9.—
oon  bem  SRefte  „  10.—
ÄRan  fieljt,  meid)  gewaltige  5lbftrid)e  ber  9?eidf)stag  an  biefer
Steuer  oorgenommen  ^at,  obwohl  gerabe  alfofyolíjaltige  ©etränfe
immer  nod)  am  erften  als  geeignete  Steuerobjefte  gelten  muffen,
wenn  fd)on  bureaus  inbireft  befteuert  werben  foil.  Sefonbers
augenfällig  ift  bie  günftigere  Sehanblung  namentlich  ber  mittleren
Setriebe  im  ©efetj  gegenüber  bem  ©ntwurf.
2Bir  muffen  aber  bod)  bebauem,  unb  zwar  ganz  im  ®tn s
Hang  mit  ber  ^Regierung,  baß  man  nicht  lieber  aus  bem  Siere
mehr  herausgeholt  hot,  anftatt  uns  mit  gabrfartenftempel  unb
        <pb n="103" />
        92

^ortoerppngen  gu  beglüden,  roenn  man,  mas  unserer  Meinung
nad)  bas  SRptige  gemejen  märe,  nlci)t  bie  ©rb[d)aften  ppr  píte
prangiepn  mollen.  2lud)  mären  aus  einer  Reform  ber  23ranntmeinjteuern
  (Slufpbung  ber  Liebesgabe)  40—50  Millionen  gu
píen  gemejen.
SBebenilp  i[t  bei  ber  23rau[teuer  ferner  bie  ©r[d)einung,
baß  ber  auf  bas  eingelne  ©las  23ier  enlfallenbe  Anteil  ber  Steuer
erppng,  ber  freilid)  an  [id)  nid)t  gu  pd)  i[t,  burd)  ^Brauereien
unb  SBirte  nad)  oben  abgerunbet  mirb,  moburd)  eine  meil  größere
ÄRepbelaftung  bes  Monjums  entfteßt,  als  ber  ©efeßgeber  gemollt,
bie  überbies  bem  ^rioaliapital,  nidf)t  bem  SKepe  gu  gute  tommt.
b)  Die  Xabaifteuer  unb  ßollerßößung
ift  nom  ÜRepstag  glatt  abgelept,  unb  bamit  finb  28  Millionen
SOÎarï  erpffter  ©rtrag  offen  geblieben.  9Jtan  iann  fidf)  beim  Lejen
ber  23egrünbung  bem  ©inbrud  nicf)t  entgiepn,  baß  allerbings  in
Deutpianb  berXabal  nod)  mep  bluten  iann,  benn  bie  23ela[tuug
oon  9JÎI.  1.17  pro  Ropf  ber  SBeoölferung  mit  einer  Steuer  auf
ein  reines  ©enußmittel  i[t  allerbings  niebrig  —  niebrig  aud)  im
SBerglep  gu  anberen  ilulturjtaaten.
Dapr  iönnen  mir  bas  ber
c)  3igarrettenfteuer
gu  ©runbe  Iiegenbe  ^ringip  einer  ca.  10°/ 0 igen  3Bertbe[teuerung
aud)  npt  oerbammen.  $ier  pt  ber  9lepstag  ben  9Iegierungsentmurf,
  ber  9ftï.  3.—  für  1000  23lättd)en  ßigarettenpapier  oor=[d)Iug,
  entpieben  oerbe[[ert,  inbem  er  bas  ^Pringip  ber  geringeren
23ela[tung  bes  billigem  ©enußmittels  ärmerer  Greife  bupgefüpt  pt.
d)  Die  Stempelabgaben.
Die[er  ©ejeßentmurf  glieberte  [p  in  folgenbe  Zeile:
1.  Den  Quittungsftempel  neu  gu  Paffen  gu  einem
fe[ten  Säße  oon  10  ^Pfg.  für  jebe  9JIÏ.  20  überfteigenbe  Quittung,
barunter  aud)  $o[tanmei[ungen.  Die  Regierung  regnete  auf  einen
©rtrag  oon  ca.  16000000  9Jiar!,  unb  oertrat  bie  Meinung,  baß
ber  Stempel  laum  als  läjtig  im  SSerïep  empfunben  roerben  mürbe,
ba  oiele  anbere  Staaten  ip  aud)  píten.  ßrüpr  in  beut[d)cn
23unbes[taaten  eingefüpt  gemejene  Quittungsftempel  pt  man  aber
        <pb n="104" />
        93

abgejchafft,  moI)I  ïoum  aus  bem  ©runbe,  metí  bie  23eoöIferung
burd)  [te  an  ein  gu  hohes  Wag  non  Woljlgefühl  gemöhnt  morben
mar.  Dem  ^Ret^slag  gebührt  gmeifellos  ber  Dan!  bes  ^ublifums,
ba^  er  uns  menigftens  non  biejem  „ftlebegejetj"  frei  gehalten  hat.
Alle  bie[e  Stempelabgaben  finb  ja  bod)  23elajtungen  bes
Aerteljrs.  Der  23erfel)r  ijt  aber  fein  ^ßrioatoergnügen  einiger
©rojjfapitalijten,  fonbern  er  ijt,  gum  er^ebli^en  Zeile  menigjtens,
ein  Wittel  gum  (Ermerb.  Durdj  Äejteuerung  ber  (Ermerbsmittel  er*
jdf)mert  man  aber  ben  (Ermerb.  ¿Richtiger  erlernt  es  baljer,  an
Stelle  ber  (Ermerbsmittel,  bie  an  jidj  bem  mit  ober  ohne  (Erfolg
um  ben  (Ermerb  Arbeitenben  jd^on  fernere  Aojten  oerurjachen,
ben  (Ermerbserfolg  gu  besteuern,  ¿rmerbserfolge  finb  aber  nur  ©in*
tommen,  Vermögen  unb  ¿Radjlajf.
Wir  oerurieilen  aus  bemjelben  ©runbe  ben
2.  ßrad)tur!unbenjtempel,  ben  ber  ¿Reichstag  in  ber  aus
ber  beigefügten  Tabelle  erjidjtlichen  gorm  ^at  parieren  Iaffen.
Dagegen  lernte  er  ben  oon  ber  ¿Regierung  oorgejdf)Iagenen  Stempel
auf  ¿ßojtpatete  ab,  ber  5  ¿ßfg.  auf  25  ¿Pfg.=¿]3adete  unb  10  ¿ßfg.
auf  50  ¿j3fg.=¿padlete  betragen  unb  17%  Will.  Warf  (Ergebnis
liefern  jollte,  mährenb  bie  Regierung  oon  gradjturfunbenjtempel
23,1  Will,  erhoffte.
Das  oon  SBerie^rsfteuern  im  Allgemeinen  gejagte  gilt  natür*
lid)  gang  bejonbers  oom
3.  Stempel  auf  ¿ßerfo  nenfaljrfarten.  Wenn  anbere
Staaten  berartige  rütfjtänbige  Steuern  ^aben,  jo  ijt  bas  für  bas
beutjdje  ¿Reidj,  bas  bod)  „in  ber  Welt  ooran"  jein  mill,  eigentlich
fein  ©runb,  unjeren  bemäljrten  ©runbjat)  bes  billigen  ¿Berfeljrs
oufgugeben,  trotjbem  oie  Regierung  ihre  ¿öorlage  mit  bem  £inweis
  auf  bas  Auslanb  audj  h^r  gu  oerteibigen  juchte,  fieiber  ijt
oud)  biejer  ©ntmurf  It.  beigefügter  Tabelle  ©ejetj  gemorben.
4.  Die  SBejteuerung  ber  ilraftfaljrgeuge  ijt  eine  3bee,
mit  ber  man  jid)  im  ^ringip  mof)I  einoerjtanben  erflären  fann.
Aur  oerlangt  bie  ©eredjtigieit,  bajj  bann  aud)  anbere  £uiusfal)r*
3euge  mie  (Equipagen,  Dampf*  unb  Segeljachten  ujm.  gu  einer
Steuer  herangegogen  merben.
Der  (Ertrag  ber  Steuer  mirb  auf  ca.  3  Willionen  angenommen.
        <pb n="105" />
        94

Die  2Ïnberungen,  bie  ber  Veidjstag  an  ber  Vegierungsoorläge
  oorgenommen  Ijat,  bebeuten  nun  aber  naturgemäß  gang  er=Ijeblidje
  Winbererträge,  bte  auf  anbere  Weife  aufgebradjt  werben
mußten.
Wan  ridjtete  baßer  nod)  2  neue  Vrten  oon  Stempelfteuern
ein.  Dies  finb
5.  Der  Stempel  auf  Vergütungen  an  2Iuffid)tsräte,
gemößnlid)  Dantiemenfteuer  genannt.  Um  nun  ja  nidf)t  ben
Vnfdjein  gu  ermeden,  als  ßanble  es  fid)  ßier  um  eine  2Irt  non
©infommenfteuer,  toas  tatfädjlid)  bodj  ber  galt  ift,  ßat  man  bie
$orm  einer  Stempelung  ber  Vilangaufftelíung  ber  ©efellfcßaften
gewählt.  (Segen  ben  Stempel  felbft  ift  nießts  eingumenben,  mir
begrüßen  ißn  fogar  als  einen  Stritt  auf  bem  Wege  gu  bireften
Veidjsfteuern,  wenn  bei  ißm  aud)  nodj  fdjücßtern  bie  gorm  einer
„Verfeßrsfteuer“  beibeßalten  ift.
6.  0at  man  bie  fdjon  befteßenbeStempelpflid)t  berVftien
weldje  feit  1900  2°/ 0  betrug,  auf  folcße  ©rünbungen  ausgebeßnt,
meiere  über  ißre  2lïtien  feine  Urîunben  ausfertigen  (fg.  ungeborene
SIftien).  Wir  finb  oom  Vftienftempel  an  fidf)  gerabe  feine  befonbers
warmen  greunbe  —  ßat  man  aber  ben  Stempel  für  gebrudte
Vftien,  fo  ift  es  nur  geredet,  audj  bie  ungebrudten  gu  oerfteuern.
©erabe  biefe  letzteren  finb  nidjt  im  Verfeßr,  bienen  nidf)t  bem  ©rwerbe,
  fonbern  finb  als  ©rwerbsrefultate  meift  in  reidjen  Familien*
ßänben.  Der  Stempel  wirb  alfo  nur  feiten  fdjwadje  Steuerträger
treffen.
3m  Übrigen  bringen  bie  Vbänberungen  bes  Vörfenftempels
einige  längft  erftrebte  Verfeßrserleid)terungen,  wenn  audj  nießt  im
gcmünfdjten  Umfange.
ginben  fidj  unter  ben  Stempelabgaben  nun  immerhin  nod)
einige,  bie  man  nidjt  bebingungslos  gu  oerbammen  brauet,  fo
wenig  fpmpatifdj  eine  berartige  ©efeßgeberei  aud)  ift,  fo  oerbient
bie  fdjärffte  Dppofition  jenes  ©efeß,  woburdj  bie  ermäßigten
Sofalportofäße  ber  ^oft  für  ^3oftfarten  unb  Drudfacßen  befeitigt
werben.
Wir  werben  uns  im  nädjften  Kapitel  mit  ber  Vermenbung
oon  Staatseinrid)tungen  als  ginangquellen  nod)  eingeßenber  be=
        <pb n="106" />
        95

Huszug  aus  dem  tarif  zum  Reicbaftempelgefetz.

Ko.

©egenftanb
ber  Befteuerungi

Steuerfatj
%  I  an.  spfg.

1  a)  ^nlönbifdje  Slftien  u.  bergl.
b)  Kuslänbifdje  „
c)  ÄU3EC
(Einzahlungen  barauf
2  inlänbifdje  für  ben^anbel
beflimmle
a)  Kenten  u.  Sdjulboerfd&amp;amp;reb
bungen
b)  auslönbtfdje  bo.  wenn  non
Staaten  unb  (Eifenbahnen
c)  SInbere  auslänb.  Kenten
u.  Schulboerfdjreibungen

2
2  Vt
1
0,6
0,6
1-1.50



SInmerlung:
©enuftfiheine,  weldhe
a)  als  (Erfatj  erlofdjener  2Iftien
ausgegeben  werben
b)  alle  übrigen
1.  inlänbifche
2.  auslänbifcfje
3  3nlänbifd)e  ÄommunaIeifenbahnobligationen,
  fowie
foldje  oon  föppothefem
banten
4  a)  Aauf=  unb  fonftige  2Infchaffungsgefchäfte

1.  SBertpapiere  It.  ¡Tarif
Ko.  2  a,  2  b  unb  3
2.  Slnteile  oon  bergred)tl.
©ewerIfd)aff.(Auie)ufw.
3.  fonftige  SBertpapiere
It.  ¡Tarif  Ko.  1-3
4.  auslänbifchc  Banlnofen
unb  fficlbforten
b)  fonftige  Börfengefdjäffe

0,2
0,02
0,1
0,03
0,02
0,04

0.50
15.—
20.—

oom  SBerte

5  iiottericlofe
a)  inlänbif&amp;lt;f)e  20
b)  auslänbifche  25

Beregnung
ber  Stempelabgabe
oom  Kennwert
per  Stüd
oom  Betrage

oom  Kennwert

per  Stüd
per  Stüd
per  Stüd
oom  Kennwert

oom  SBerte  bes  gehanbelten
©egenftanbes.  ßm  2Irbitragegefchäft
  finb  (Ermähi--gungen
  oorgefehen.
$ieroon  finb  befreit  (Et-Zeugniffe
  aus  eigenem
Betrieb  eines  bes  Bertragfdjliefcenben

Bei  a)  oom  Kennwert  fömtl.
fiofe,  abzügl.  Keidjsfteuer.
Bei  b)  oon  ben  einzelnen
fiofen.
        <pb n="107" />
        96

5Ro.

©egenftanb
ber  Befteuerung

gracgturtunben  im  3nlanb
ausgeftellt  ober  »orgelegt
a)  Ronnoffemente  im  Bertegr
mit  bem  fernen  Stuslcmb
b)  bo.  im  5Ral)oerteljr

c)  fonftige  Ronnoffemente
über  gange  fiabungen  unter
25.—  50t.  gracgt
über  25.  50t.  grad)t
galls  Skiffe  über  150  Ions
unter  25  —  50t.  gradjt
über  25.—  „  „
d)  gradjtbriefe  im  inlänbifdjen
(Eifenbagnoerlegr  üb.  2Baggonlabungen

grad)t  unter  25.—  50t.
„  über  25.—  „
$erfonenfagrtarten  auf  inlänbifdje
  (Eifenbaijnen  bei
einem  gatjrpreife  »on
megr  als  0.60  bis  2.—  50Î.

2*—
5.—
10  —
20.—
30.—
40.—
50  —

,  5.-,10—

,20.-,
  30.—
,  40.—
.  50.—

Sieuerfag
%  I  50Î.  5ßfg.

III.
m-5

10
20
40
60
90
140
200

1.—
—.10

Beregnung
ber  Stempelabgabe

—.20
—.50
—.50
1  —

—.20
—.50

per  Urtunbe  ober  Dransportgefäfg,
  bodj  »werben
bei  gang.  Gdjiffslabungen
folgenbe  Säge  erhoben:
beigradjtunter^für  Griffe
25.—  50t.  bas
Doppelte  ;
bei  größeren
Beträgen  bas
günffacfje
beigracijt  unter
25.—  50t.  bas
günffadje,
bei  größeren
Beträgen  bas
3et)nfad)e

unter
200  cbm
5Jtettoraumgeaalt


für  Skiffe
über
200  cbm

galls  üabegetoidjt  bes
5H3agens
unter  5  Donnen  bie  §älfte
10—15  „  bas  lVafadje
nebenfteijenber  Säge,  für
jebe  weiteren  5  Donnen
£abegetoidE)t  tritt  bie  £älfte
bes  Sages  Ijingu.

m
II.
WBio

20
40
80
120
180
270
400

I.
20
40
80
160
240
360
540
800

ttBagenllaffe  »on  jebem
eingelnen  gagrtaustoeis
gür  Dampf  jd)iffe  u.  Bahnen,
roeldje  nur  eine  Klaffe
führen,  gelten  bie  Säge
III.  Klaffe,  gür  Dampffcgiffe
  mit  mehreren  KIaffen
  gelten  bie  Säge  III.
Klaffe  für  bie  niebrigfie,
unb  bie  für  II.  Klaffe  für
alle  übrigen.
        <pb n="108" />
        mÊB

—  97  —

9îo.

©egenftanb
ber  Sefteuerung

8  a)  ©rlaubnislarten  für  5îroflfa^rgeuge
  gur  $er|onenbeförberung

1.  Rrafträber
2.  Rraftmagen
a)  ni#  melfr  aïs
6  ipferbeiräfte
b)  6—10
c)  10—25
d)  über  „
3u  2.  2lls  ©runbbelrag  mit
folgenben  3uf#ägen  für
jebeipferbelraft  ober  einen
¡Teil  baoon,  roenn  bas
gal^eug  befiel
bis  3U  6  ipferbeträften
6-10
10—25
barüber
b)  iHusIänbifdje  Seiner  3a^Ien
bei  turgem  21ufentl)alt  im
3nlanbe  folgenbe  Sätje
1.  ürafträber  für  ni#
länger  als  30  läge
2a)  Arofiwagen
bis  3U  5  lagen
meffr  als  5—30  „
Scrgütungen  oon  2lftien=©efellf^aften,
  ©.  m.  b.  0,
Aommanbitgefellf^aften
auf  Sitien  in  gorm  oon
ffietoinnanteil.,  ¡Tantiemen,
©elfälter  ufto.  gejault  an
Slitglieber  bes  Suffi#srats.

©efamte  Sergütungsfummen
unter  5000.—  2R.  bleiben
  frei.

©ïotetoolb,  SrinansMtem.

Steuerfa^
%  %R-  m

10.—

3.—

Berechnung
ber  Stempelabgabe

Son  jeber  einzelnen  Rarte.
galls  biefe  ni#  länger  als
4  Slonate  gelten  foil,  ermäßigt
  fi^  ber  Setrag
auf  bie  Hälfte,
gaffrgeuge  ;u  gemerblidiem
Serfonentransport  unb
foldje  in  beljörbl.  Dienft
bleiben  frei.

Son  ber  ©efamtfumme  ber
Sergütungen.
Steuerpflichtig  finb  bie  Silangaufftellungen.
        <pb n="109" />
        98

fcßäftigen,  unb  Ijaben  an  biefer  6teIIc  nur  barauf  ßinguwei^en,
baß  es  ber  9teid)spoftoerwaItung  felber  fef)r  fonberbar  oortam,  mit
&amp;lt;J3ortoerIjöIjungen  beglüdft  gu  werben,  nacßbem  cor  einigen  ßa^ren
erft  bie  (Ermäßigung  bes  ßotatportos  ber  lereis  gewefen  toar,  gu
bem  bie  2Iusbeí)nung  bes  ^3oftregaIs  auf  bie  totalen  ^rioatpoftcn
gu  Ijaben  toar.
Da  ber  SReidjstag  bie  (Einnahmen  aus  ben  ^oftüberfcßüffen
aber  um  ca.  2  5UtiIIionen  tjötjer,  als  oeranfdjlagt  toar  in  ben  (Etat
einfeßte,  fo  glaubte  auci)  ißrerfeits  bie  %Soft  nicßt  in  ber  fiage  gu
fein,  auf  bie  ^ortoertjötjung  gu  oergidjten.  Die  fiinte  bes  SReidjs«
tags  propßegeite  freilid)  einen  SRüctgang  ber  (Einnahme  aus  bem
£)rtsoer!et)r,  nacßbem  bie  3a^re  bes  billigen  fiotalportos  gang  er«
f&amp;gt;ebli(±)e  (Einnatjmefteigerungen  gebracht  Ratten.
Aie  bie  Xantiemenfteuer,  fo  begrüßen  toir  audj  fdßließtidj  bie
(Erbfdfjaftsfteuer  mit  23efteuerung  auci)  oon  Sdjenïungen  unter
Sebenben  als  einen  Sdjritt  auf  bem  2Bege  gur  bireften  SReicßsfteuer.
3m  (Eingelnen  ift  an  bem  ©efeß,  unb  meßr  nod)  bem  ur«
fprünglicßen  (Entwurf  mandfjertei  gu  tabeln,  g.  23.  bie  greißeit  ber
¿Regatten  unb  et)etilen  Rinber  oon  ber  Steuerpfticßt,  toäßrenb  bie
unetjelicßen  6%  galten,  ferner  oerbient  bie  fcßon  im  (Entwurf  ent«
tjattene  unb  oom  ©efeß  übernommene  23eftimmung  fcßärfften  Xabel,
wonactj  5ßermäd)tniffe  an  üircßen  ufw.  nur  5%  gaßlen  folien,
wäßrenb  gerabe  ber  2termögensübergang  an  bie  tote  $anb  ©egen«
ftanb  einer  faft  bis  gur  Monfislation  geßenben  23efteuerung  fein
foltte.  ferner  tft  gu  beiämpfen  bie  23eftimmung  bes  §  1:
„©egenftanb  ber  (Erbfcßaftsfteuer  ift  ber  ©rwerb  oon  Xobes«
wegen",  unb  gwar  aus  bem  fetjr  einfachen  ©runbe,  weit  baburct)
bie  eingelnen  (Erbfcßaftsteile,  nicßt  bie  gange  9Zad)Iaßmaffe  gur  23  efteuerung
  gelangen  unb  fomit  in  ©emäßtjeit  oon  §  10  bes  ©e*
feßes  weit  geringere  finangietle  (Ergebniffe  liefern  werben,  als  bie
©efamtfumme  auf  ©runb  ber  %3rogreffion  getan  ßaben  würbe.
Daß  aucß  bie  2tgrarier  es  oerftanben  ßaben,  im  2tr.  16  für  ficß
ein  (Estraprofitdjen  gu  fid^ern,  inbem  lanbmirtfctjaftlidje  ©runbftüdte
nidft  nadß  bem  23eriaufswerte,  fonbern  na^  bem  (Ertragsmerte
oerfteuert  werben  folien,  oerbient  bei  unferen  betannten  3uftönben
eigentlich  feiner  befonberen  (Erwähnung  meßr.  Oßneßin  wirb  burdj
        <pb n="110" />
        99

§  15,  ber  auch  fd)on  tm  SRegierungsentmurfe  enthalten  mar,  ben
£anbmirten  bereits  ein  Viertel  ber  Steuer  geteuft.
Der  Tarif  ber  (Erbfchaftsfteuer  lautet  im  ©efetj  mie  folgt:
§  10.
Die  C£rbfd)aftsfteucr  beträgt:
I.  4%
1.  für  leibliche  (Eltern;
2.  für  ooll=  unb  halbbürtige  ©efdnoifter,  fomie  für  Slbiömmlinge  erften
©rates  non  ©efehtoiftern.
II.  6  %
1.  für  ©rofjeltern,  entfernten  ©orelten,
2.  „  Schu&amp;gt;ieger=  unt  Stiefeltern,
3.  „  „  „  „  hinter,
4.  „  Slbtömmlinge  gmeiten  ©rates  non  ©efchmiftern,
5.  „  uneheliche  oom  ©ater  anerfannte  hinter  unt  teren  Slblömmlinge,
4.  „  an  iüntesftatt  angenommene  ©erfonen  unt  teren  Slblömmlinge,
fotoeit  fich  auf  tiefe  tie  SBirlungen  ter  Sinnahmen  an  Rintesftati
erftreden.
HI.  8%
1.  für  ©efdhmifter  ter  ©Item,
2.  „  ©erfd)mägerte  im  gmeiten  ©rate  ter  Seitenlinie
IV.  10%  in  allen  übrigen  gälten,  ausgenommen  lirchliche  Sermächniffe  (§  12).
Überfteigt  ter  ©Sert  tes  ©rmerbes  ten  Setrag  oon
20  000  ÜJlarl,  fo  toirt  tas  1  Vio  fache
30000  „
50000  „
75000  „
100000  „
150000  „
200000  „
300000  „
400000  „
500000  „
600000  „
700000  „
800000  „
900000  ,,
1  ©lillion  „
ter  im  2lbf.  1  beftimmten  Sä^e  erhoben.
Der  Schluß  bes  Paragraphen  unb  ber  folgenbe  §  11  ent*
hält  23eftimmungen  über  (Ermäßigung  unb  Befreiung  mm  ber
Steuer.
Die  ^Regierung  berechnete  bas  (Ergebnis  ihrer  Vorlage  auf
ca.  72  Millionen  2Rarf,  mooon  48  Millionen,  glei^  %,  bem  Meid)
7*

l 2 /io
l*/io
l‘/io
l 5 /io
l 6 /io
lVio
l»/io
l 9 /io
2
2 1 /io
2 2 /io
2 8 /io
2*1  io
2 5 /io
        <pb n="111" />
        100

Zugute  ïommen,  wäljrenb  x l s  ben  Tunbesftaaten  oerbleiben  foil,
benen  bis  gum  ßahre  1910  ihr  bisheriger  Durchfdpüttsertrag  an
©rbfchaftsfteuer  allein  aus  ben  reichsfteuerpflichtigen  Kategorien
gewährleiftet  toirb.
¿urá)  bie  Anbetungen  bes  ©efetjes  im  Teichstag  ift  ber  ©rtrag
  nid^t  unwefentlid),  aber  bod)  nid^t  ausreichenb,  erhöbt  roorben.
3m  ©angen  regnete  bie  Regierung  aus  ihren  Vorlagen  ein
Tefultat  oon  230  Trillionen  heraus,  roöhrenb  fid)  nad)  ben  Teid)stagsbefdjlüffen
  nur  190  Trillionen  ergeben  bürften,  infolge  ber
Ausfälle  an  Traufteuer,  Xabaïfteuer,  Ouittungsftempel.  Tur&amp;lt;h
Ausbeljnung  ber  ©rbfdjaftsfteuer  auf  ©begatten  unb  Teszenbenten
toare  biefer  gehlbetrag  fofort  gu  heben  getoefen.
3)er  ^Bericht  ber  Steueriommiffion  bes  Teidjstags  beregnet
bie  (Ertrage  ber  bewilligten  Steuern  wie  folgt:
TZehrertrag  ber  Traufteuer  29  Trillionen  Tïarï
„  „  3igarettenfteuer  14
„  ber  gradjturhmbenftempel  14  „  „
„  „  Perfonenfahrlartenftempels  50  „  „
„  ber  Karten  für  Kraftfahrzeuge  3  „  „  .
„  „  Vergütung  ber  Auffid)tsratsmitglieber
  10  „  „
„  „  ©rbfchaftsfteuer,  Teichsanteil  48  „  „
„  „  Poftüberfdjüffe  12  „
3ufammen  180  Trillionen
wozu  nodj  bet  Stempel  auf  ungeborene  Aftien  tritt.
Tiefe  nun  in  Kraft  getretenen  Steuergefetje  bilben  Einlagen
ZU  bem  bie  eigentliche  Teichsfinanzreform  barftellenben  ©efet},
betr.  bie  Anbetung  bes  Teidjshaushalts  unb  bie  Tilgung  ber
Teidhsfdhulb  oom  3.  guni  1906,  T©T.  S.  620  (To.  31,  Tr.  3248),
bem  fogenannten  Trimtelgefetj,  mit  bem  wir  uns  jetjt  noch  3 U  befdjäftigen
  hüben,  ©s  befteht  aus  8  Paragraphen,  oon  benen  ber
erfte  unb  letjte  bas  gnirafttreten  ber  einzelnen  Torf  Triften  behanbeln,
  welkes  betr.  bes  gahrïartenftempels  für  ben  1.  Auguft,
betr.  aller  übrigen  Torf^riften  für  ben  1.  guli  1906  feftgefefct  ift.
        <pb n="112" />
        101

§  2  beftimmt,  baß  alle  ^Reineinnahmen  aus  ben  oier  ®e*
[e^en  ber  Vei^staffe  oerbleiben,  fchliefct  alfo  bie  ftrandfenfteinfche
iUaufel  aus,  unb  lä&amp;amp;t  nur  ein  Drittel  non  ber  (Erbschaftssteuer
ben  Vunbesftaaten,  mas  gerechtfertigt  iSt,  meil  eine  (Erfchaftsfteuer
in  ben  weitaus  meisten  Vunbesftaaten  oorher  beStanben  hatte.
§  3  lautet:
Ungebedle  2Ratrtfularbeiträge.  Soroeil  bie  nad)  2Irl.  70  ber  SReidjsoerfaffung  non
ben  Sunbesflaaten  aufgubringenben  SCRatrifuIarbeiträge  in  einem  5Red)nungsjaf)re  ben
SoIIbelrag  ber  Übertoeifungen  um  meijr  als  40  Pfennige  auf  ben  Ropf  ber  Seuolferung
überfteigen,  roirb  bie  (Erhebung  bes  SRefjrbetrags  für  biefes  SRedjnungsjafjr  ausgefe^l.
Sotoeil  fid)  ein  foldjer  SRefprbetrag  aud)  nad)  SRedjnung  ergibt,  finbet  beffen  (Erhebung
im  bes  brittfolgenben  ^Rechnungsjahres  ftatt.
Damit  bürfte  bie  Seit  bem  Veftehen  bes  tReidjs  uergebens  ge*
Sudóte  befinitioe  ^Regelung  ber  9Ratriiularb  eiträge  in  ziemlich  be*
friebigenber  SBeife  gefunben  fein.  9Ran  hätte  ja  moljl  für  ge*
rechter  unb  ¡jmedfmaftiger  halten  tonnen,  wenn  man  bie  Vlatrilu*
larbeiträge  bei  biefer  ihrer  befinitioen  Regelung  nidjt  mehr  nadj
ber  Mopfgahl,  fonbern  nach  bem  Volfsoermögen  ber  Vunbesftaaten
oeranlagt  hatte,  gumal  man  baburd)  mertoolle,  meil  einheitliche
ftatiftifche  ©runblagen  für  eine  Spätere  $Reid)soermögensfteuer  ge*
funben  hätte,  aber  ba  fid)  bie  bunbesfiaatlidjen  ^Regierungen  So
gufrieben  gegeben  haben,  erübrigt  es  fid),  päpstlicher  als  ber  ^3apSt
Sein  3u  wollen.
Dafj  bie  Vermehrung  ber  SRatritularbeiträge  abhängig  ge*
macht  wirb  oon  ben  befinitioen  tRechnungsergebniffen,  unb  eotl.
ben  Vetrag  oon  40  %.  pro  5topf  überfteigenbe  Summen  erft  im
britten  3al)re  eingegogen  werben  folien,  ift  im  ^inblict  auf  bie
2—3  jährigen  (Etatsperioben  oieler  Vunbesftaaten  oerftänblid).
3ßarum  biefe  Vunbesftaaten  in  ben  35  fahren  feit  Veftehen  bes
Veicfjs  aber  nicht  gu  einjährigen  Vubgetperioben  übergegangen
finb,  wirb  bamit  auch  nicht  oerftänblidjer,  fonbern  bleibt  fo  un*
fiar,  wie  es  bislang  war.
§  4  beftimmt  —  nach  preufpfchem  Vorgang  —  bah  otinbeftens
8 / 5  °lo  bes  Veid)sfchulbenbetrags  jährlich  gu  tilgen  finb.  Dabei  foil
eine  Vbfetjung  oom  VnleihefoII  einer  Sdjulbentilgung  glei^gu*
achten  fein.
Die  Veftimmungen  bes  ©ejetes  oom  14.  9Rai  1904  über  bie
        <pb n="113" />
        102

Sermenbung  non  Hberfdjüffen  gut  Sdjulbentilgung  bleiben  unberührt.
  übrigen  haben  mir  ber  Sdjulbentilgung  bei  ber
Sefpredjung  ber  allgemeinen  Segrünbung  f^on  eingeljenber  gebaut.
§5,6  unb  7  enthalten  Susfüljrungs*,  Übergangs*  unb  Schluß*
be[limmungen  unb  lammen  für  unferen  3med  nidjt  meljr  in  Setradjt.
Südblidenb  auf  bie  gange  f$inangreform  haben  mir  gu  Ion*
[latieren,  bajg  einige  fragen  ungelöft  flehen  bleiben:
1.  bie  nidjt  gebedten  40  Millionen  bes  ginangbebarfs,  mie
er  ber  Regierung  notmenbig  erfdjien.  hierfür  mirb  Dedung  nod)
gu  [Raffen  fein,  menn,  mas  laum  angune^men,  fold)e  fid)  nid)t
burdj  natürliches  2ßadjstum  ber  (Einnahmen  einftellt;
2.  bie  ungenügenbe  Tilgung  ber  Seid)sf^ulben  unb
3.  bie  gemaltige  Ungufrieben^eil  bes  ¿olíes  mit  einigen  ber
neuen  Steuern,  namentlich  ber  galjriartenfteuer  unb  ber  nom
Seidjstag  als  (Erfah  bes  ^oftanmeifungsftempels  geraffenen
&amp;lt;PortoerIjöhung.

Kapitel  IV.
©rundfätzUcbe  Kritik  an  den  indirekten
Reicbefteuern.
2ßir  h^ben  in  ben  brei  norhergehenben  itapiteln  gefehen,
meldje  (Entmidelung  bie  Seid)sfinanggefet)gebung  bis  auf  ben
heutigen  Zag  genommen  hat.
Slit  ber  im  norigen  Rapitel  befprodjenen  großen  Reform*
altion  riiefet  bie  britte  ^eriobe  ber  ginanggefchid)te  ab.  2ßas
bie  nierte  uns  bringen  mirb,  miffen  mir  einftmeilen  nodj  nicht  ge*
nau  —  eines  fleht  aber  fd)on  fehl  feft  —  fie  mirb  ein  geleitet  burdj
eine  nid)t  gu  unter[d)ät}enbe  (Erbitterung  ber  Seoöllerung  über
bie  fo  [ehr  oermehrten,  bie  materiellen  ^ntereffen  bes  (Eingelnen
aufs  empfinblid)[te  berührenben  unb  auch  tatfäd)lid^  ben  ärmeren
Zeil  bes  Solls  fdjmer  brüdenben  inbirelten  Steuern.
2Bir  haben  im  übrigen  gefehen,  baff  bie  Seichsausgaben
ftänbig  machfen,  unb  es  ift  nidjt  gu  ermarten,  bah  3ulunft
uns  barin  eine  mefentlidje  Snberung  befdjeren  mirb.  2Bir  mer*
        <pb n="114" />
        ben  im  neideten  Capitel  [ogar  giffernmäßig  nadjmeifen,  baß  mir
n °ä)  mit  erheblichen  Mehrausgaben  gang  beftimmt  gu  reinen
haben  roerben,  unb  in  Büdficßt  barauf  haben  mir  gu  prüfen,  ob
bie  bisherigen  (Einnahmequellen  bes  Beidjs  noeß  [tarier  in  21m
fpru^  genommen  merben  iönnen,  ober  ob  man  barauf  bebaeßt
fein  mu^  gang  neue  gu  erfcßließen.
(Bs  geht  aus  bem  in  ben  oorigen  Kapiteln  (Besagten  oor
allem  bas  fiar  heroor,  baß  eine  Steigerung  ber  Beicßseinnaßmen
ni(^t  gu  ermöglichen  ift  bureß  eine  erneute  fcßärfere  SInfpannung
ber  Matrifufarbeiträge,  unb  ebenfomenig  burdj  Beibehaltung  bes
bisherigen  „^umpfpftems",  um  einen  menig  frönen  tarnen  für
eine  folcße  Sache  gu  gebrauchen.
3)ie  2Bege,  bie  bem  Beich  gur  Stäriung  feiner  (Einnahmen
außerbem  noch  offen  blieben,  mären  bie  folgenben:
a)  Steigerung  ber  (Erträge  feiner  inbireften  Steuern  —  eoentuell
  burdh  Vermehrung  ber  Steuerobjefte.
b)  Schaffung  birefter  Beicßsfteuern,  toogu  burdh  bie  Srbfcßafts*
[teuer  unb  Xantiemenfteuer  ein  Einfang  gemacht  ift,  obmohl  man
beibe  Steuerarten  als  inbirefte  gu  freieren  geruht  hot.
c)  Steigerung  ber  prioatmirtfdhaftlidhen  Sinnahmen  bes  Beides,
b.  ß.  berjenigen  aus  ben  Srmerbsbetrieben,  fei  es  aus  fofeßen
Bcicßsbetrieben,  bie,  mie  $o[t  unb  Xelegrapß,  9?eicßsbruderei,
Beicßseifenbaßnen,  [cßon  länger  im  Befiß  bes  Beicßs  finb,  fei  es
burch  Schaffung  neuer  Beicßsunterneßmungen.
Ss  ift  nun  eine  ber  bebauerlicßften  Tatsachen  in  ber  gangen
inneren  Sefcßidjte  bes  Beicßs,  baß  bie  großartige  ßbee  ber  Sdßaffung
  eines  einheitlichen  Beidhseifenbaßnfgftems,  beffen  Sinnahmen
ber  Bekßsfaffe  gugefloffen  mären,  melcße  einft  Bismards  Seift
entfprang,  nicht  oermirflicßt  morben  ift.  ¿ötte  Bismardf  bie  Bjälfte
ber  Snergie,  bie  er  an  bie  Sinführung  ber  BgrargöIIe  feßte,  biefem
[einer  madhtoollcn  ^erfönlidßfeit  meit  mürbigeren  ^3rojeft  gemibmet,
fo  befäße  bas  Beid)  jeßt  bas  größte  einheitlich  geleitete  Sifenbaßm
neß  ber  2BeIt,  hätte  feine  ginangnot,  aber  bafür  ein  meiteres  Banb
feiner  Sinheit  oon  gang  unfaßbarem  2Berte.  Bjeute,  mo  ein
ober  göberalismus  ober  gar  ^artifutarismus  an  bie  Stelle
eines  „bamals  erflärlidfen,  ftärferen  unitarifeßen  3uges"  ge=
        <pb n="115" />
        104

treten  ift  (btejer  Vusbrud  finbet  [tá)  in  ber  Sdjrift  bes  lai[erlid)cn
Unter[taats[elretärs  a.  D.  Dr.  ©eorg  non  Vtapr  „Die  Veid)sfinang*
reform",  S.  24,  Stünden,  Verlin  1902,  Verlag  non  9?.  £)lbenbourg,
  ber  überhaupt  in  [einer  ¡eligen  (£igen[ci)aft  als  Igl.  baperi*
[c^er  93rofe[[or  ber  Vationalölonomie  bie  (Eingel[taaten  als  bas  in
er[ter  ßinie  (Eii[tengbered)tigte  gu  betrauten  [djeint),  [inb  berartige
grofjgügige  3been  natürlich  nur  nodj  als  ^i[tori[^e  Vlerlmürbig*
leiten  gu  ermähnen.
ferner  Ijat  Sismare!  bie  [d)on  ermähnte  unb  [el)r  belannte
ßbee  einesDabalmonopols  gehabt.  2ius9tüd[id)t  auf  un[ere  blüljenbe
3igarrem  unb  Daba!sinbu[trie  l)at  man  non  ber  Vermirllidjung
bes  planes  Vb[tanb  genommen,  eben[o  non  ber  9Jtiquel[djen  Da*
balfabrilat[teuer.  Vom  rein  finangmänni[djen  Stanbpunlt  aus  i[t
bie  in  Deut[djlanb  [o  allgemein  nerbreitete  Abneigung  gegen
Staats*  ober  Veidjsmonopole  [corner  oerftänblidj.
Das  Dabaismonopol  mürbe  es  bem  Veid)e  ermöglicht  hüben,
bem  armen  9Kann  [ein  billiges  ^feifd^en  gu  bela[[en,  mährenb
ber  finanzielle  Ertrag  aus  teuren  3igarrentaba!en  unb  nament*
lid)  ¿^ûretten  hätte  herausgemirt[ä)aftet  merben  lönnen.
3n  ben  [iebgiger  ober  achtgiger  fahren  mürbe  [eine  Durch*
füljrung  niellei^t  möglich  unb  aud)  ohne  [esmeren  ooIfsmirt[dhaftlid)en
  Sdjaben  angängig  geme[en  [ein  —  l)eute  i[t  [ie  bei  ber
[eitbern  eingetretenen  Sßeiterentmidelung  ber  3nbu[ttie  ein  Um
bing.  3 n  gemi[[em  Sinne  i[t  bas  gu  bebauern,  benn  Dabai,
namentlich  teurer  Dabai,  i[t  ein  ßurusartilel,  ber  [djon  etmas
bluten  lann.
ferner  mu^  an  bie[er  Stelle  nochmals  bas  Vranntmein*
monopol  ermähnt  merben,  meldjes  [eitens  ber  preu[g[ci)en  Vegie*
rung  im  3al)re  1886  angeregt  mürbe.  Die  mögliche  Verteuerung
bes  Drinlbranntmeins  mürbe  mol)l  laum  als  ein  [djmer  ins  (5emidjt
  fallenber  (Öegengrunb  angeführt  merben  lönnen,  falls  bas
^rojelt  einmal  mieber  oon  ben  Doten  aufer[tel)en  [ollte,  allein  es
[priäjt  ein  anberes  Moment  bagegen.  Das  i[t  bie  nicht  gang
unberechtigte  Vefür^tung  meiter  ürei[e,  ba[}  bei  ben  ßujtönben,
mie  [ie  nun  einmal  bei  uns  herrfdjen,  bas  Vranntmeinmonopol
ein  3#üut  meniger  gur  güllung  ber  Veid)s!a[[e,  als  gegen  Ver*
        <pb n="116" />
        105

armung  ber  agrarifdjen  Brenner  werben  würbe,  wie  bies  bie
Branntweinsteuer  mit  ihrer  Liebesgabe  non  jährlich  45  Millionen
OJtarf  tatfäcijlici)  geworben  ift,  unb  bas  oom  ©rafen  Lan%  einmal
  beantragte  ©etreibehanbelsmonopol  an  unb  für  fid)  fdfjon
3U  werben  bestimmt  fein  follte.  Stuf  biefem  2Bege  ift  alfo  nicht
weiter  gu  tommen.
Mían  hat  bann  oerfuct)t,  um  wenigftens  etwas  gu  erreichen,
bie  ©innahmen  bes  poftfistus  gu  h^ben,  einmal  burdj  rigorofe
Durchführung  bes  Bïonopols  gegenüber  ben  prioaten  Lofalpoften,
anbererfeits  neuerbings  burd)  bie  fd)on  befprodjenen,  felbft  oon
ber  Regierung  nur  mit  SBiberftreben  entgegengenommenen  ^3ortoerhöhungen.

Dabei  oertennt  man  unferes  ©rattens  ben  3wed  ber  Poft,
ber  hoch  barin  befielen  follte,  möglid)ft  billig  bie  Senbungen  ber
Meid)suntertanen  gu  beförbetn,  aber  nidjt  barin,  bajg  man  ben*
jenigen  Steuergahlern,  bie  in  ber  unangenehmen  Lage  finb,  oiele
Briefe  fdjreiben  gu  miiffen,  möglichft  oiel  (Selb  aus  ber  Xafche  gieht.
§ter  tommen  wir  überhaupt  gu  bem  funbamentalen  unb  nicht
gu  überbrüdfenben  Unterfdjieb,  ber  bie  Líuffaffung  bes  Berfaffers
biefer  3eüen,  ber  fid)  babei  in  beroorragenb  guter  ©efeltfdjaft
oieler  unferer  erften  Mationatöfonomen  unb  Parlamentarier  befinbet,
  oon  bem  ©ebanten  trennt,  ber  bem  Meichsfteuerfpftem  gu
©runbe  liegt:
Das  Meid)sfteuerfi)ftem  fudf)t  bem  gu  einer  Busgabe  burd)
feine  perfönlid)en  Berhältniffe  meift  unentrinnbar  unb  unaus*
weichlicf)  gegwungenen  Steuergahler  baburdj  bas  für  bie  3#ede
bes  Meidjs  ja  freiti^  unentbehrliche  ©elb  gu  entgiehen,  bah  es  ihn
burd)  feine  inbiretten  Steuern,  burd)  feine  Beriehrsabgaben,  burd)
feine  portofäije  gwingt,  etwas  mehr  in  jebem  ¿alte  ausgugeben,
als  er  fonft  nötig  hätte.  Damit  wirb  jeber  um  fo  ftärter  belaftet,
je  öfter  unb  je  mehr  er  gegmungen  ift,  bie  betreffenbe  Busgabe
gu  machen,  bie  fragliche  Messeinrichtung  gu  benutzen.  Der  Bater
einer  gasreichen  ^amitié  g.  B.  muh  ^tel  Brot  taufen,  alfo  gahlt
er  oiel  Lorngott,  ohne  Müdfidjt  barauf,  ob  er  oiel  ober  wenig
oerbient,  ©in  Laufmann  hat  oiel  gu  reifen  unb  oiele  Briefe  gu
Sreiben  —  auf  ihn  entfällt  alfo  ein  oerhältnismähig  hoher  Beitrag
        <pb n="117" />
        —  106  —

ber  (Erträge  ber  $aí)r!artenftempel  unb  ber  ^oftüberfdjüffe.  Der
Beniner  bagegen,  ber  melleidjt  ein  Junggeselle  ift,  ift  nidjt  gegmungen,
  ciel  gu  reifen,  niel  ^3orto  gu  uerfdfjreiben,  niel  Brot  gu
taufen.  2In  itjm  oerbient  bas  Beid)  redjt  wenig,  es  fei  benn,  bafe
er  ftarter  Banker  unb  S^napstrinter  märe.  2Bir  fragen,  roie  oereinigen
  fid)  berartige  Befteuerungsgrunbfätje  mit  ben  bodj  tjeute
Stllgemeingut  gemorbenen  finangwiffenf^afttidjen  Stnforberungen
an  ein  rationelles  Steuerfqftem?
Der  alte  berühmte  Stbam  Smitlj  I)at  biefe,  menn  audj  nidjt
guerft,  fo  bodj  in  ilaffifdj  gemorbener  Jorm  mie  folgt  fixiert:
1.  Das  gSringip  ber  £eiftungsfät)igieit
2.  „  „  „  ^eftimmt^eit
3.  „  „  „  Bequemlid)feit
4.  „  „  „  billigen  (Erfyebungstoften,
inbem  er  folgenbe  Xljefen  bafür  aufftellt:
Adam  Smith,  Bd.  V.  ch.  2,  part.  2:
1.  The  Subjects  of  every  state  ought  to  contribute  towards  the  support
of  the  governement  as  nearly  as  possible,  in  proportion  of  their  respective  abilities, ­
  that  is,  in  proportion  to  the  revenue,  which  they  respectively  enjoy  under
the  protection  of  the  state.  (tßringip  ber  „£ei  jtungsfâfyigíeit' 1 .)
2.  The  tax  which  each  individual  is  bound  to  pay  ought  to  be  certain  and
not  arbitrary.  The  time  of  payment,  the  manner  of  payment,  the  quantity
to  be  paid  ought  all  to  be  clear  and  plain  to  the  contributor  and  to  every  other
person.  (ißringip  ber  „gejtimmtljeit".)
3.  Every  tax  ought  to  be  levied  at  the  time  or  in  the  manner,  in  which
it  is  most  likely  to  be  convenient  for  the  contributor  to  pay  it.  ($rinjip  ber
„Sequemlidjíeit".)
4.  Every  tax  ought  to  be  contrived  as  both  to  take  out  and  to  keep  out
of  the  pockets  of  the  people  as  little  as  possible,  over  and  above  what  it  brings
into,  the  public  treasury  of  the  state.  Oßringip  ber  billigen  „erljebungstojten".)
Bbolpt)  2Bagner  ï)at  biefe  ©runbfätje  erweitert  unb  in  ein
Sqftem  gebracht:
I.  Jinangpolitifdje  ^ringipien:
1.  2iusreid)enbf)eit  ber  Befteuerung
2.  Bemeglidjieit  ber  Befteuerung
II.  Boltswirtfdjaftlidje  ^rin^ipien:
3.  2Baí)í  ridjtiger  Steuerquellen
4.  „  „  Steuerarten.
        <pb n="118" />
        —  107  —
III.  ^rinßipien  ber  ©ere©tigfeit:
5.  Síllgemeinlfeit
6.  ©Iei©mäfjigfeit
IV.  Sßermaltungsprinßipien:
7.  SBeftimmtlfeit
8.  33equemli©íeií
9.  Streben  na©  mögli©[t  geringen  ©rlfebungsíoften.
©egen  bte  9?i©tig!eit  biefer  Xljefen  ergebt  fi©  fyeute  faum
no ©  eine  ernft  ßu  neljmenbe  Stimme,  £anbelt  es  fi©  aber  ba*
rum,  biefe  als  unbebingt  ma^gebenb  anertannten  gorberungen
in  bie  präzis  ßu  überfein,  [o  ftöfjt  ber  ©efetjgeber  überall  ba
auf  ben  entf©loffenften  SBiberftanb,  roo  er  au©  nur  bas  fleinfte
Sonberintereffe  oerle^t.
Xie  ©rienntnis  biefer  Xatfa©e  foil  uns  inbeffen  ni©t  Ifinbern,
eingelfenb  ßu  prüfen,  wie  roeit  bas  Äei©sfteuerfqftem  ben  2Bagnerfd^en
  ^rinßipien  entfpri©t,  beßm.  wie  ein  Steuerfpftem  bef©affen
fein  müjßte,  bas  ©nen  ent[prä©e.  3 n  einem  weiteren  2lbf©nitt
merben  wir  ßu  unterfu©en  Ifaben,  wie  [i©  unter  3ngrunbelegung
unferer  realpolifif©en  ÜBerffältniffe  ein  3nftanb  Iferbeifüljren  liefje,
ber  bem  3&amp;amp;eal  roenigftens  naife  fommt.  2Bir  werben  babei  au©
ßu  unterfudfen  Ifaben,  welche  3®ede  mit  einem  rationellen  Steuer*
fqftem  oerfolgt  werben  lönnen,  unb  welche  nicf)t.
£&amp;gt;er  wi©tigfte  3^ed  jeber  Slrt  oon  Steuer  ift  natürlirf)  ber,
Mittel  für  bie  Staatslaffe  ßu  bef©affen.  ©r  becft  fi©  mit  ben
beiben  finanßpoIitif©en  ^rinßipien  ber  Stusreidfenbljeit  unb  23e*
megli©leit  ber  Steuer.  Xajß  unfere  inbireften  Äei©sfteuem  nidft
ausrei©en,  ben  ginanßbebarf  bes  SRei©s  ßu  beden,  baoon  ift  f©on
fo  oiel  im  23orl)ergeI)enben  bie  9lebe  gewefen,  bafj  mir  barauf
nid)t  melfr  einßugelfen  braunen  —  fie  erreichen  alfo  ©ren  $aupt*
3toed  nur  felfr  unoolllommen,  beßw.  überhaupt  ni©t.  Das  Ijat
3um  Xeil  feinen  ©runb  in  ber  Unbemeglidfieit  bes  Spftems.  ¿ei
3ölten  unb  33erbrau©sfteuern,  bie  ein  für  alle  äJZal  gefetjli©  feft*
gelegt  finb,  richtet  fi©  ber  tat[ä©li©e  ©rtrag  na©  ben  wirtf©aft*
li©en  ¿erlfältniffen,  ni©t  na©  ben  ©tatserforberniffen.  ©s  I)at
ni©t  an  ¿orf©lägen  gefehlt,  einen  Xeil  ber  3°Híât}e  jä^rli©er
5tormirung  bur©  ben  9îei©stag  ßu  unterwerfen  —  ein  limbing

whr

4)

Universität

--3

Kiel.

*
        <pb n="119" />
        108

aus  bcm  ©runbe,  toeil  baburdj  bem  ijanbel  bie  allergrößten
Scßroierigteiten  bereitet  toorben  ruaren,  bte  jebes  jobbe  ©ejdjäft
unmöglid)  madjen  müßten,  ^nbejjen  ijt  nur  ein  lei!  ber  beutjdjen
3öIIe  als  ß-inanggolt  gu  begeidhnen.  ©in  anberer,  größerer  Zeit  ijt
gleicßjeitig  Sdjußgolt,  ber,  tuie  betannt,  ben  ßrued  uerfolgt,  bie  ein*
Ijeimijdje  ^3robu!tion  in  bie  ßage  gu  jeßen,  einen  um  ben  3oIIbetrag
  ßößeren  ^3reis  im  3oIIintanbe  gu  erzielen,  als  bie  SBare
auf  bem  SBeltmartt  ruert  ijt.
Daraus  folgt,  baß,  tuenn  man,  tuie  bei  uns,  uon  einem  ßolt*
jpjtem  erroartet,  baß  es  einmal  bie  Steidjsiajjen  füllen,  auf  ber
anberen  Seite  aber  jetjr  uiele  SBaren,  unb  groar  gerabe  bie  mit
ben  jidjerjten  unb  ßöd)jten  ©infußrgiffern,  uon  ben  ©rengen  fern
Ijalten  joli,  man  in  bem  3oütorif  eigentlich  2  Seelen  á  la  ßaujt
oorausjeßt,  bie  jidj  uöllig  uon  einanber  trennen.
©¿einseitig  belajtet  aber  ber  3°ü  auf  eine  SB  are,  bie  gum
Zeit  importiert,  gum  Zeit  im  3 n I an ï&amp;gt; e  probugiert  ruirb,  bie  Ron*
jumenten  nidjt  nur  mit  bem  bem  Staat  gu  gute  tommenben  30IÍ
auf  bie  importierte  SB  are,  jonbern  audj  bie  im  ßntanb  ergeugte  SRenge
gu  ©unjten  ber  an  3aßt  jtets  unenblid)  uiel  geringeren  ^robugenten
mit  bem  Unterjdjieb  gtoijdjen  bem  SBeltmarttspreis  unb  bem  um  ben
3oIlbetrag  ßößeren  ßntanbspreis.  Rojtet  g.  B.  eine  SB  are  100  SRarï
p.  100  kg  3oII,  unb  es  m  erb  en  baoon  im  beutjdjen  Sleid)  1  SJtil*
lion  kg  gebraust,  toouon  %  importiert  ruirb,  jo  gatjlt  bas  ^ublifum
bem  SReid)  im  3 a ß re  100000  SRI.  3oII,  aber  ben  inlänbifcßen  ©rgeu*
gern  bes  größeren  Síejtes  900000  SRI.  Überpreis.  So  äljnlid),  nur
in  uiel  größeren  Beträgen  redjnet  jidj  bie  SBirtung  ber  ©etreibegölle
aus.  Die  alte,  gegnerijdje  ©intoenbung,  baß  bas  Sluslanb  bie
3öIIe  begaßlte,  nimmt  ßeute  tein  SRen  jd)  meljr  ernjt.  Stud)  bie
Agrarier  bebienen  jidj  ißrer  jetten  meljr.  StIIerbings  ßaben  jie,  im
Bejiß  ber  brutalen  ©eroalt,  aud)  gar  nidjt  metjr  nötig  gu  argu*
mentieren.
Dem  3entrum,  tuelcßes,  tuie  toir  gcjeßen  ßaben,  in  jeinen
finangpolitijdjen  SBaßnaßmen  eine  burcßaus  unglüdlidje  §anb
geßabt  ßat,  unb  groar  bejonbers  bestuegen,  toeil  es  aus  SRüdjicßt
auf  bie  .  bunte  3 u î ammen ï e ^ un 9  feiner  SBäßter  aus  ben  oer*
jdjiebenjten  Berufs*  unb  Bolfsttajjen  auf  bie  ionjequente  Durd)*
        <pb n="120" />
        füïjrung  irgenb  melier  ©runbfätje  oergidjten  unb  cinc  aus  lauter
Halbheiten  gufammengefetjte  ftompromifjpolitit  treiben  mu^  tourbe
nun  mit  %e(^t  angft  unb  bange  baoor,  bafj  es  [eine  2Bäl)ler  aus
ber  inbuftriellen  Vrbeiterfdjaft  mit  [einer  3uftimmung  gum  ßolb
tarif  oon  1902  arg  oer[timmen  tonnte.  Datier  tourbe  bie  auf
Seite  49  oon  uns  bem  SBortlaut  nad)  toiebergegebene  lex  Xrimborn
in  bas  3°Iftarifge[et}  einge[ct)altet,  toonadj  ein  Zeit  ber  (Erträge
ber  lanbtoirtfdjaftlidjen  Sdiu^ötte  für  eine  2Bittroen=  unb  V3ai[enoerfi^erung
  gurüdgeftellt  toerben  [olí.
Damit  tourbe  er[tens  ber  Verfolgung  bes  finangiellen  3¡eís
ein  toeiterer  Vbbrud)  getan,  gtoeitens  ber  [ei)r  mistige  ©runbfatj
ber  (Einheit  bes  Vubgets  bureprodjen,  meiner,  bisher  in  Deut[d)=Ianb
  [treng  befolgt,  bie  Vertnüpfung  getoiffer  (Einnahmen  mit  ge*
toiffen  Ausgaben  oerbietet,  unb  brittens,  für  bie  Sadje  ber  $Relittenoer[id)erung
  [elbft  fet)r  toenig  gelei[tet.
V3ir  tommen  bamit  auf  einen  brüten  ßioedt,  ben  man  mit
jebem  Steuerfpftem  oerbinben  [ollte,  toenn  audj  in  anberer  ßorm
—  bas  ift  ber  fogialpoIitifd)e  Steuergioed,  ber  mobern[te  ©ebante
ber  gangen  Steuerleljre.  So  toie  ber  ^entrumsabgeorbnete  Drimborn
fid)  bas  gebaut  ^at,  toirb  er  allerbings  nidjtj  erreicht.  Die  lex
Xrimborn  begroedt  nur,  bem  Arbeiter  bie  i^m  auf  ber  einen  Seite
aus  ber  Xafd)e  genommenen  ©rofdjen  auf  ber  anberen  groar  nod)
lange  nid)t  toieber  ^ineingu[teden,  aber  it)m  bod)  bie  2lus[id)t  gu
ertoeden,  bafc  [einen  Hinterbliebenen  foId)e  nad)  [einem  Dobe  nodj
mal  toieber  gu  gute  fommen  tonnten  —  eine  ßogif,  bie  l)öd)ftens
bei  3entrumstoöt)iern  ©tauben  finben  tann.  2Bem  es  toeniger
an  bloßem  Stimmenfang,  als  an  emftljaftem  [ogiatem  gort[d^ritl
liegt,  toürbe  mit  uns  für  richtiger  galten,  toenn  eine  einmal  für
nötig  ertannte  Ver[id)erungsform  aud)  unter  Vereinigung  ber  bagu
nötigen  Viittel  eingefüfjrt  toürbe.  Das  t)at  mit  ber  Steuerpotitif
aber  gunädjft  gar  nid)ts  gu  tun.  Der  [ogialpolitifdje  Steuergmed
liegt  oielmeljr  in  ber  9üd)tung,  baft  burdj  bie  Steuer  ein  Vusgteid)
in  ber  Verteilung  bes  Vefitjes  berart  herbeigeführt  toirb,  bafr  ber
Staat  bie  3Bo#abenben  [ehr  [d)arf  unb  bie  ärmeren  [ehr  gelinbe
herangieljt.  Die  effeftioe  üBirtung  toirb  natürlich  einem  oöltigen
Vusgleid)  niemals  audj  nur  entfernt  nalje  tommen  tönnen,  benn
        <pb n="121" />
        110

eine  fo  [djarfe  Anziehung  ber  Steuerschraube  gegen  bie  too^If)abenben
  Streife  mürbe  beren  Ausmanberung  unb  bamit  bte  tDtrlfd^aftlid)e
  Sernidjtung  bes  Staates  bebeuten.
2Bir  nähern  uns  aber  mit  btefen  Ausführungen  bereits  ben
fragen,  melche  unter  bem  ©efichtspunite  ber  SollsmirtSchaft  begm.
ber  ©ered)tigleit  behanbelt  merben  müfjen.
Sei  bem  fogialpolitiftf)en  Steuergmed  i[t  aber  aud)  nod)  bas
oollsergiehliche  unb  poli^eilid^e  Stoment  gu  berüü|iü)tigen.
Diefes  tommt  für  bas  Seid)  in  grage  3.  23.  bei  Steuern  auf
gefunbljeitsfchäblidje  ©enujfmittel,  mie  Aliohol,  benen  man  ben
Sebengmed  ber  SerbrauchsbeSdjränlung  gugeftefjen  möchte.
(Einer  f^arfen  Sefteuerung  geistiger  ©etränle  möchten  mir
baljer  aud)  nid)t  miberSpred)en,  nur  bitten  mir  um  Monfequeng
unb  fiogit  audj  h^ n -  Stenn  man  bas  bod)  red)t  ungefährliche
Sier  höher  besteuert,  foil  man  bie  gabritation  oollsoergiftenben
Sdjnapfes  nidjt  noch  auf  Seidjstoften  prämiieren.
(Einer  Seichsmeinfteuer  tönnte  man  mohl  nur  guftimmen,
menu  [ie  fid)  auf  fehr  teure  ©emäd)[e  befd^ränfte;  im  3 n tereffe  bes
ÜBingerftanbes  mürbe  fidf)  eine  Sefteuerung  billiger  S3eine  oerbieten.
2Bün[(hensmert  märe  es  oom  Sozialpolitischen  Stanbpuntte  aus
übrigens,  menn  man  reine  ginanzgölle,  mie  ben  auf  ilaffee  unb
Dabai  nadj  bem  Stert  erhöbe,  ftatt  mie  bei  uns  nad)  bem  ©emid)t.
Der  Heine  Slann,  ber  eine  billige  3iâ&amp;lt;*rre,  î^gen  mir  &amp;amp;u  4  ^3fg.
raudjt,  zahlt  barin,  oorausgefe^t,  ba^  [ie  lein  heimisches  ©emädjs
enthält,  ebenfooiel  30IÍ,  mie  ber  Sauger  einer  im  ßnlanb  oerfertigten
  25  &amp;lt;Pfg.  3i9^rre,  nämlich  etma  %  %Sfg.  ober  etmas  mehr,
je  nadj  ©röfje  ber  3i9^rren.  SBäljrenb  biefer  Setrag  aber  bei
ber  billigen  3^9 arre  faft  1 ¡ 10  bes  ©efamtmertes  im  teleinljanbel
unb  etma  75—100%  bes  unoergolíten  ©ro^h^nbelsmerts  bes
Dabais  ausmacht,  beträgt  er  bei  25  %Sfg.  3i9&amp;lt;*rren  nur  2°/ 0
bes  Sterts  unb  oielleidft  nur  ca.  10%  bes  Sohtabalmerts.  Slit
teaffee  ift  es  ähnlid).  Silliger  Santoslaffee,  mie  er  gum  SlaSSem
lonfum  bient,  loftet  in  Hamburg  unoergollt  heute  noch  ntd)t
80  SH.  p.  100  kg.  unb  unterliegt  einem  3oll  oon  40  SH.,  al[o
50%.  geinere  Sorten  merben  3mal  |o  teuer  befahlt,  ber  3oll
beträgt  bafür  aber  nur  ebenfooiel,  alfo  ca.  17%.
        <pb n="122" />
        Ill

ginangpolitifd)  ift  ja  nun  gegen  NSertgöIle  allerlei  einguwenben,
namentlich  bas,  ba^  hr  (Ertrag  bureaus  nid)t  feft  fteht,  inbem  er
nicht  nur,  wie  beim  ©ewihtsgoll,  oon  ber  (Einfuhrmenge,  fonbern
auch  oom  Nfarftpreis  abhängt.
2Iu^  bereitet  bie  richtige  (Erhebung  grofje  tehnifhe  Sd)wierigfeiten,
  gang  abgefehen  baoon,  bafj  bie  fortwährende  $rojeftmacherei
  für  Xabafbefteuerung  £anbel  unb  ^nbuftrie  in  einer
51rt  unb  2Beife  beunruhigen,  bie  ber  ©ntwidelung  biefer  (bewerbe
hinberlicher  ift,  als  eine  ein  für  allemal  feftgelegte  felbft  recht  hohe
Steuer,  auf  bie  man  fid)  bann  einrid^ten  würbe,  immerhin  ift
nid^t  abgufehen,  warum  man  nidjt  auch  tn  Deutfhlanb  mit  bem
SBertgollfpftem  fertig  werben  würbe,  fo  gut,  wie  bas  ben  Vereinig
  ten  Staaten  gelingt,  Nllerbings  ift  ein  2BertgolIfoftem  gur
alleinigen  Vafis  eines  gangen  Staatsfinangbaues  oöllig  ungeeignet,
  wie  bie  Veifpiele  oieler  eawtifher  Staaten  geigen,  beren  Waffen
in  3eüen  wirtfhaftlicher  Niebergänge  ausnahmslos  leer  finb.
Sßenn  wir  nun  im  gangen  unfere  bisherigen  g-eftftellungen
bahin  reiapitulieren,  baff  unfer  beutfdfes  Neihsfteuerhftem  rneber
ausreid^enb,  nod)  beweglich,  noch  ouh  fogialpolitifh  empfehlens*
wert  ift,  fo  bebarf  es  eigentlich  feiner  langen  Ausführungen  mehr,
bajg  bie  unter  bas  uolfsmirtfchaftliche  ^ringip  fallenbe  Sluswahl
ber  Steuerquellen  unb  ber  Steuerarten  ben  beutfdjen  Staats^
männern  entfliehen  nicf)t  geglüdft  ift,  wenigftens  nicht  oollftänbig.
Vis  Steuerquelle  hot  man,  inbem  man  ben  menfdjlichen  Vebarf
an  Nahrungsmitteln  ufw.,  ben  ^anbelsoerfehr,  bie  ^robuftion
oielgebrauchter  ©egenftänbe  (3nder,  Vier  ufw.),  als  Eingriffs:
objefte  auserfah,  ausfhlieph  im  lebten  ©runbe  ben  Vefh  ber
-ftonfumenten  erfaßt,  ohne  gu  fragen,  ob  folder  Vefitj  überhaupt
unb  wieoiel  baoon  oorhanben  ift.
Die  Verteibiger  inbirefter  Steuern  führen  bafür  an,  baf}  ber
Verbraucher  es  in  gewiffem  NZafje  in  ber  £anb  höbe,  gu  regulieren,
  ob  er  oiel  ober  wenig  Steuer  galjlen  wolle,  inbem  er  feinen
Verbrauch  einfhränfe.  Das  trifft  für  nicht  unbedingt  gum  ¿eben
notwenbige  Stoffe  gu,  unb  für  foldje  möchten  aud)  wir  bie  im
bireften  Steuern  nicht  abfdjaffen.  Nur  notwenbige  Lebensmittel
foil  man  nicht  gu  Steuerobjeften  machen,  wenn  auch  nicht  gu  oer=
        <pb n="123" />
        112

ïenrten  ijt,  baft  ben  3öIIen  auf  Ianbmirtjdjaftlid)e  ^robufte  eine
hohe  Vebeutung  aïs  Rompenjationsobjeit  für  §anbeIsoertrags*
oerljanblungen  gutommt.  Vus  biefem  ©runbe  ijt  aber  ber  §  1
bes  Üarifgejetjes,  ber  bie  Verwertung  ber  ßötle  gu  Rompenjationen
erheblidj  einjdjrânït,  bejonbers  energtfc^  gu  betämpfen.  Viles  in
allem  genommen,  mürbe  man  jo  oielleidjt  gu  einer  Vrt  oon  ausgebe^ntem
  (Öenufp  unb  RuiusartiteI=3oII=  unb  Steuerjpjtem  lommen,
meines,  bejonbers  wenn  teilmeije  ad  valorem  tarifiert,  bem  9teich
ein  red^t  hübjdjes  Sümmchen  einbringen  jollte,  wenn  aud)  nid)t
gerabe,  mie  heute,  über  1  93tiIIiarbe  bamit  herausguwirtjdfaften  märe.
Vber  allein  bie  Zatjad)e,  bajf  bas  beutfd^e  Volt  jährlich  3  93til-Iiarben
  93iart  in  Vltoljol  anlegt,  gibt  jdjon  einen  ¿inmeis,  mo
hier  noch  bie  Steuerjdjraube  angegogen  m  erb  en  tonnte.  2Ber
heute  eine  f^Iaf^e  Seit  mit  10  93t.  begat)It,  mirb  jie  moljl  audj
nodj  trinten,  menn  jie  13  93Î.  tojtet  unb  mer  Raoiar  gu  10  bis
20  93t.  bas  Ijalbe  Rilo  ijgt,  mirb  iljn  moí)l  audj  gu  15—30  93t.
nod)  nidjt  jtehen  lajjen  ujm.
3nlänbijdje  ßuxusjteuern  erjdjeinen  allerbings  weniger  unb
nur  unter  (Einjdjräntung  empfehlenswert,  weil  jie  ben  Ronjum,
bejjen  immerhin  mögliche  Vejdjräntung  jonjt  gum  Staben  bes
Vusíanbs  erfolgt,  auch  gum  9tad)teil  ber  einheimijdjen  ^3robub
tion  rebugieren  tonnten.  Vei  ihrer  (Einrichtung  ijt  baher  mit  bejonberer
  Vorjidjt  gu  oerfahren.
Vei  unjerer,  bem  bejc^räntten  9taum  gemäjf  nur  iurgen
Rritit  unjeres  3°^  unb  Steuermejens  muh  uud)  einer  oon  torn
jeroatioer  Seite  ausgeljenben  Anregung  gebacht  werben,  nämlich
bes  im  ©egenjatj  gu  unjerem  bejtehenben  (Einfuhrgolljpjtem  auf
Schaffung  oon  Vusfuljrgöllen  gerichteten  Vntrags  Ranit}  oom
Frühjahr  1906,  welcher  folgenben  Vusfuljrgolltarif  oorjchlug,  als
Vnlage  5  gum  jogenannten  93tantelgejet):
1.  Steintohlen  0.10  93t.  p.  100  kg
2.  Vrauntohlen  0.05  „  „
3.  Rots  0.15  „
4.  Rali  unb  anbereDungjalge  0.02  „  „
5.  ßumpen,  b.  h-  Vbfälte  oon
Zeitilmaren  u.gajerjtoffen  5.—  „  „
        <pb n="124" />
        113

6.  fieberabfälle  5.—  %R.  p.  100  kg
7.  üautßhukabfälle  5.—  „  „
Die  Regierung  hat  alíen  bie[en  Vorfcfßägen  gegenüber  mit
$Keá)t  eine  gurüähaltenbe  Haltung  gegeigt.  (Einem  ßohlengoli,
ber  naä)  Berechnung  bes  Slntragftellers  22  Millionen  hätte  bringen
können,  [teilte  [ie  [ich  noch  am  menigßen  ablehnend  gegenüber.
Schließlich  mürbe  ber  gange  Eintrag  abgelehnt.  Die  (Erfahrungen,
bie  (Englanb  mit  [einem  anläßlich  bes  Burenkrieges  eingeführten
ftohlenea-portgoll  gemalt  hatte,  ermutigten  [ie  aud)  nicht  gerabe
gur  Vadfjahmung.  3^nem  üohlengoll  i[t  es  mohl  mit  gu  banken,
baß  Deutßhlanbs  (Eiport  oon  „[djmargen  Diamanten“  eine  3u*
nähme  geigt,  ßmr  einen  beut[chen  üohlenausfuhrgoll  mürbe  bas
Spnbitat  oorausßdhtlid^  bamit  quittiert  haben,  baß  es  bem  9Ius*
lanb  gum  alten  greife  geliefert,  ben  3oII  aber  auf  bie  beut[djen
Mon[umenten  abgemälgt  hätte.  Unb  ähnlich  mürbe  bie  Sadje  mit
tfali  gegangen  [ein.
Derartige  Slusfuhrgölle  [inb  nur  in  [oldjen  fiänbern  mög*
Iid^,  bie  ein  SJlonopol  in  ben  betreffenben  Slrtüeln  haben,
ober  hoch  menig[tens  in  einer  [oldfjen  ¿age  [inb,  baß  [ie  oon
Vetorßonsmaßregeln  ber  bena^teiligten  3 m P or iIänber  nichts  gu
jürdßen  haben  unb  mo  ferner  bie  oom  3aíí  betroffenen  (Eipor*
teure  nid^t  in  ber  Sage  [inb,  bie  £a[t  bem  3alanbskon[um  auf*
gubürben.
Solche  Berhältniße  liegen  oor  g.  B.  in  Braßlien,  be[[en  Kaffee*
goll,  unb  in  (Ehiíe,  be[[en  Saípetergoíí  aííerbings  finangiell  oor*
teilhaft  funktionieren,  ba  bie  billigen  Braßlkaffees  unb  ber  chile*
ni[d^e  Salpeter  oom  2Beltmarft  [dhle^terbings  nicht  entbehrt,  oom
inlänbifchen  Monfum  aber  auch  auf  keinen  gal!  aufgenommen
merben  können,  ba  bie[er  nid^t  im  Verhältnis  gu  ber  rießgen  tyxo*
buktion  [teht.
(Eine  Vtonopolßellung  nimmt  nun  Deut[chlanb  für  Sohlen
bekanntlich  überhaupt  nicht  unb  bei  üali  roenigßens  nicht  unbe*
bingt  ein,  mogegen  es  einen  rießgen  3alanbskon[um  hat,  beßen
3ntere[[en,  angeßchts  ber  einheitlich  organißerien  ^robuktion,  begm.
0anbel  in  ben  beiben  Artikeln,  [ckjmerer  Schäbigung  hätten  aus*
ge[eßt  [ein  können.
©rotcroolb,  Sítnanjfoftem.

8
        <pb n="125" />
        114

¡Der  ßumpem  ober  nötiger  2lbfall3oll  feätte  nur  fefer  geringe
fmanstelle  (Ergebniffe,  aber  befto  größere  (Efeitanen  für  ben  23erkefer
  mit  fiefe  gebraut.  2ßie  bie  SRofeprobuttenfeänbler  in  einer  (Eingäbe
  an  ben  SReifestag  fefer  ridtjtig  ausfüferten,  beruht  ber  ßuim
penfeanbel  auf  einem  2lustauffe  ber  für  bie  einzelnen  ^nbuftrien
geeigneten  Seiten  3toiffeen  ben  oerffeiebenen  ßänbern.
Deutffelanb  importiert  nidjt  oiel  toeniger  ßumpen  als  es  eiportiert:
  1905  2lusfufer  714100  dz
(Einfuhr  584000  „
Dabei  ift  gu  bemerken,  bafe  ber  Mefereiport  oon  130000  dz
eine  fonft  nifet  erreichte  ÍRetorbgiffer  ift.  Dafe  bie  itunftmolb
fabrikanten  auf  ber  anbern  Seite  oon  iferem  Stanbpunite  aus
für  einen  ßumpenausfut^oll  toaren,  läfet  fidE)  oielleidjt  begreifen,
ba  ifenen  fein  Spnbitat  gegenüber  ftei)t.  f^reilidE)  follten  fie  berüdfifetigen,
  bafe  burfe;  Sfeäbigung  bes  (Eiports  möglifeermeife
bie  Sammeltätigkeit  unrentabel  unb  baburfe  bas  inlänbiffee
Material  aufe  für  fie  fefemer  erfeälttife  unb  fomit  teurer  merben
tonnte.  $fenlifees  gilt  aufe  oon  ben  fonftigen  Slbfallforten.  Der
freie  23erfefer  ift  bemnafe  aufe  für  bie  2lusfufer  biefer  Stoffe
unbebingt  gu  oerteibigen.
kommen  mir  fefet  3U  ben  ^ringipien  ber  (Eerefetigkeit,  nämliefe
  ber  2lllgemeinfeeit  unb  ber  ßeiftungsfäfeigteit,  fo  müffen  mir
freilife  gugeftefeen,  bafe  bie  SReifesfteuem  fefer  allgemein  mirlen,
inbem  fie  ¡eben  9leifeseinmofener  gleifemäfeig  treffen,  freiliefe  mie
aufe  fifeon  ausgefüfert,  ofene  alte  2lüekfifet  auf  feine  ßeiftungs*
fäfeigteit.  Das  %Softulat  ber  Slllgemeinfeeit  einer  Steuer  feat  feeute,
mo  es  überall  als  felbftoerftänbliefe  gilt,  überfeaupt  feine  eigent*
liefee  aktuelle  23ebeutung,  bie  es  einft  featte,  oerloren.  3 n  früfeeren
3aferfeunberten  mar  bekanntliefe  bie  23erleifeung  oon  Steuerfreifeeiten
an  einzelne  Familien  unb  gan^e  beoorreefetigte  Stänbe  nifets  feltenes.
So  ift  3.  23.  im  gan3en  Mittelalter  faft  in  allen  Staaten  bie  ©eiftlicfeteit
  fteuerfrei  gemefen.  9to&amp;lt;fe  feeute  erfreuen  fiefe  auf  ©runb
ber  Mebiatifationsoerträge  bie  früfeer  reiefesunmittelbaren  Stanbesfe
  erren  einer  ein3elftaatliefeen  Steuerfreifeeit,  melfee  man  erft  jetjt
ab3ulöfen  fuefet.
Den  Jleidjsfteuern  können  fiefe  aufe  biefe  nifet  ent3iefecn,  unb
        <pb n="126" />
        115

ttmrben  audj  uon  bireften  9?eid)sfteuern  erfaßt  werben,  weil  es
ein  beut^es  Meid)  im  heutigen  Sinne,  bas  burd)  jene  Serträge
  hätte  nerpflic^tet  werben  fönnen,  gur  3eit  ihrer  STbfaffung
nicht  gab.
SBenn  mir  uns  mit  ber  SUlgemeinheit  ber  Steuern  alfo  nidjt
lange  aufguhalten  braunen,  [o  i[t  um  fo  fdjmieriger  bie  ^orberung
  ber  ©leichmäftigieit  gu  be^anbeln.  Unter  ©ieid)mäjgigfeit  i[t
natürlici)  nid)t  gu  uerfíeljen  bie  abfolute  ©Ieidjmäftigteit,  mie  man
fie  früher  bei  ilopffteuern  fannte  —  mit  einer  ÜBirïung  gang  ähnlich
mie  bie  ber  heutigen  inbireiten  Seidjsfteuern  —  fonbern  bie  reíatme
  ©leidjmäjgigieit  im  Verhältnis  gur  mirtf&amp;lt;haftiid)en  fieiftungsfäi)igteit
  bes  Steuerträgers.  Durch  bie  unbebingte  Sotmenbigfeit,
  bie  gur  Dedung  bes  notbürftigen  Unterhalts  erforberlicfye
(beíbfumme,  bas  fogenannte  (Exiftengminimum,  unter  allen  Umftänben
  uerausgaben  gu  müffen,  i[t  in  unserer  ^eit,  in  ber  bie
alte  Saturaientlohnung  auf  ein  giemlid)  unerhebliches  SZafc  befd)ränft
  ift,  jeber  Sftenfd),  infonber^eit  jeber  ^amilienoater,  gegmungen,
  wenn  er  nicht  ber  öffentlichen  2Bohitätigfeit  gur  fiaft
falten  mill,  minbeftens  biefes  ¿xiffengminimum  für  fidj  unb  bie
Seinen  gu  uerbienen.  (Es  märe  unter  allen  Umftänben  billig,
biefes  (Exiftengminimum  fteuerfrei  gu  Iaffen,  mie  es  bie  bireftenSteuern
ber  meiftcn  Sunbesftaaten  (nicht  alíe)  auch  tun.  Die  inbireiten
Seichsfteuern  fönnen  bas  natürlich  nicht,  fie  tragen  uielmehr  gur
(Erhöhung  ber  (Exiftengminima  burd)  ihre  Verteuerung  ber  fiebensuiittel
  fepr  erheblidf)  bei 1 ).
2Benn  man  nun  bas  (Exiftengminimum  einer  ermachfenen
s Uerfon  mit  600.—  9K.  begiffert,  mas  gemif)  niebrig  gegriffen  ift,
fo  fann  man  baraus  folgenbe  (theoretifche)  Sîaxime  abíeiten:  3ebe
Steuer,  bie  biefe  600.—  9JÎ.  nod)  angreift,  mirb,  weil  fie  bas  gur
3n  feinem  fdjon  gitierten  $eft  „Die  $Rei&amp;lt;f)sfinangreform“  bejeid^net  Unferftaatsfefreiär
  a.  D.  t&amp;gt;.  îlîapr,  2lîünd)cn,  es  als  einen  ßbeatguftanb,  wenn  bie  aus  inbireften,
fiar!  ersten  SReidjsfteuern  gu  ermöglidjenben  Übermeifungen  an  bie  (Eingetftaaten  bagu
führen  mürben,  baf}  biefe  alle  ©nfommen  unter  3000.—  2R.  fteuerfrei  liefen,  als  2Ius
gleich  für  bie  uer#Itnismä^ig  fiarte  Selaftung  biefer  Sdjidjten  bur^  bie  SReidjsfteuern.
^ebenfalls  eine  intereffante  ßbee,  aber  ba  bie  untere  tBefteuerungsgrenge  ber  Gidjerljeit
wegen  bod)  roof)I  reidjsgefeijlid)  feftgelegt  merben  mü&amp;amp;te,  mo  bleibt  ba  bie  für  jenen
2luior  fonft  unantaftbare  5inangf)of)eit  ber  CEingelftaaten  ?

8*
        <pb n="127" />
        116

©siftenz  abfolut  unentbehrliche  901inimum  nod)  metier  fd)mälern
mürbe,  auf  bie  Dauer  aud)  burdj  ^fänbung  nidjt  beizutreiben
fein,  Sterbient  ein  9Jtann  nun  1200.—  5R.,  fo  mirb  er,  ba  er
Zmei  nolle  ©liftenzminima  ermtrbi,  bagegen  f¿)on  recfjt  fteuerföijig
fein,  b.  h-  man  mürbe  ihm,  immer  theoretifdh  betrachtet,  im  Waii»
mum  50%  Steuer  auf  erlegen  tönnen,  ehe  er  auf  bas  ©itftenz»
minimum  íjerabgebrüdt  märe,  ^emanb  ber  6000  9¡R.  (Eintommen
t)ätte,  mürbe  mit  90%  betaftet  merben  tönnen  ufm.  Xatfâá)Iidf)
tommen  auct)  nodj  anbere  ©efid)tspunite  in  forage.  23or  allem
ift  bas  ©liftenzminimum  teine  tonftante  ©röße.  f^ür  eine  Familie,
bie  oon  einem  Steuerzahler  ernährt  mirb,  ift  es  um  faft  ebenfo
oielmal  größer,  als  für  eine  ©inzelperfon,  als  bie  gamilie  größer
als  1  ift.  ferner  tommen  inbioibuelle  unb  regionale  53erfdjie»
benheiten  in  grage.  ©in  3.  23.  für  einen  anfprudjslofen  djinefi»
fdjen  5tuli  oötlig  ausreichenbes  ©liftenzminimum  mürbe  einen
ameriianifchen  Arbeiter  nicht  3um  20.  Xeil  befriebigen,  um  gleich
3toei  ©.rtreme  3U  nennen.
2Iber  menn  mir  bei  beutfchen  23erhältniffen  bleiben  mollen,
fo  mirb  fidh  ein  Lanbarbeiter  bes  Oftens  mit  einer  meit  geringeren
Lebenshaltung  begnügen  als  ein  f^abritarbeiter  bes  2ßeftens.
3nbeffen  bemeift  bie  Xljeorie  nom  ©liftenzminimum  bodj,  baß
es  möglich  gemacht  ift,  eine  ^erfon  mit  um  fo  höheren  Prozenten
ihres  ©intommens  zur  Steuer  heranzuziehen,  als  fidh  biefes  über  bas
burdjfdjnittliche  ©liftenzminimum  erhebt,  mit  ber  ©inßhräntung,
baß  eine  übermäßig  ftarte  „^rogreffion“  bie  beften  Steuerzahler
Zur  2lusmanberung  zmingen  tonnte.  Diefe  Leiftungsfähigfeit  eines
Steuerzahlers,  bie  alfo  im  2lllgemeincn  fidj  mit  bem  2Badjfcn  ber
Differenz  zmifdjen  feinem  ©intommen  unb  bem  burchfchnittlictjcn
©liftenzminimum  immer  günftiger  geftaltet,  im  ©intlang  mit  bem
©efeß  oon  ber  abnehmenben  Dringlid)teit  ber  23ebürfniffe  bei  Über»
fdjreitung  bes  abfolut  Wotmenbigen,  mirb  aber  eine  nod)  meit  höhere,
menn  bas  ©intommen  bes  Steuerzahlers  nidjt  nur  bie  grudft  feiner
Arbeit,  fonbern  audj  ©rtrag  eines  Vermögens  ift,  unb  biefe
Leiftungsfähigteit  zur  Steuerzahlung  hört  anbererfeits  nicht  auf,
menu  bas  ©intommen  auch  unter  bas  abfolute  ©liftenzminimum
finit,  fobalb  noch  ein  Vermögen  ba  ift.
        <pb n="128" />
        117

(Es  bebarf  nad)  bem  Sorfteljenben  feiner  Ausführung  mehr,
bah  Vermögen  unb  (Einfommen  bie  einigen  ©runblagen  für  eine
ber  fieiflungsfäf)ig!eit  bes  Steuerzahlers  wirflid)  angemeffene  Sc«
fteuerung  abgeben,  benn  fie  finb  bie  einzigen  Mittel  um  bie  wirt*
fd)aftlid)e  £eiftungsfäl)igfeit,  bie  bod)  nur  nad)  ihren  (Erwerbser*
folgen  gemeffen  werben  fann,  in  3iffern  auszubrüden.
Über  bie  Serwaltungsprinzipien  ber  Seftimmtheit  ber  Steuer
(b.  h-  bafj  ber  Steuerzahler  im  Soraus  genau  erfährt,  was  er  zu
Zahlen  h°t,  bamit  er  [ich  bañad)  einridjten  fann)  ber  23equemlid)*
feit  unb  ber  billigen  (Erhebungsfoften  fönnen  wir  als  z^mlidh
felbftoerftänblid)  hinweg  gehen,  nur  fei  feftgeftellt,  bah  bei  in*
bireften  Steuern  oon  einer  Seftimmtheit  fo  wenig  bie  Sebe  fein
fann,  bah  nur  auf  bem  S3ege  immerhin  fchwanfenber  Abfchätjungen
bie  inbirefte  Steuerleiftung  ber  (Einzelnen  ermittelt  werben  fann.
(Ebenfo  wenig  fann  oon  einer  Seftimmtheit  im  Sinne  bes
Staats  gefprod)en  werben,  benn  bas  ßahr  1905  z-  2$.  h a *  e i n  ï 0
überrafdjenb  günftiges  (Ergebnis  fürs  Seid)  infolge  erfreulicher
wirtfd)aftlid)er  Serhältniffe  geliefert,  bah  ntan  wohl  felbft  im
Seichsfchatjamt  erftaunt  gewefen  ift.  (Ebenfo  im  Sereid)  ber  Stög*
Iid)feit  liegt  aber  natürlich  auch  ein  entfpredjenber  Ausfall.
ßür  bas  (Etatsjahr  1906  finb  ja  nun,  wie  im  oorigen  Äapitel
ausführlich  erörtert,  für  ca.  200  Stillionen  Slarf  weitere  Stittel
burd)  bie  ßinanzreformgefehe  oom  grilling  1906  bereit  geftellt
worben.
Auf  bie  Dauer  genügen  werben  audh  biefe  nicht,  benn  wir
haben  bereits  gefehen,  in  wie  ftarfem  Stahe  bie  finanziellen  An*
forberungen  bes  Seidjs  bisher  gewadjfen  finb,  unb  ba  fein  ©runb
oorliegt,  einen  Südgang  im  ©elbbebarf  bes  Seichs  zu  erwarten,
fonbern  oielmeljr  bas  ©egenteil  wahrfcheinlicher  ift,  fo  ift  es
wohl  an  ber  ßett,  fid)  barüber  fiar  zu  werben,  woher  bie  für  bas
Seid)  in  3ufunft  erforberlid)  werbenben  weiteren  Stittel  zu  be*
Raffen  finb,  in  einer  Sri  unb  Steife  natürlich,  bie  ben  in  biefem
Äapitel  ausgeführten  Anfprüdjen  an  bie  (Eigenfchaften  entfpre^en
muh,  bie  ein  mobernes  Steuerfqftem  befitjen  foil.
        <pb n="129" />
        118

Kapitel  V.
Gründe  und  Umfang  künftiger  ftnanzbedürfmffe
dee  Reichs*
Befcbaffung  der  zu  deren  Deckung  erforderlichen
Mittel  durch  direkte  Reichefteuern.
(Es  wirb  nidjt  an  fieulen  fehlen,  bie  [agen:  meid)  ein  Kn*
finn,  jetjt  non  neuen  Steuern  gu  reben,  too  bod)  gerabe  200  3RiI*
lionen  9Jtar!  jährlicher  (Einiünfte  bewilligt  worben  [inb,  bte  bod)
[elb[t  bann  fürs  erfte  ausreidjen,  toenn  wirllidj  eine  Steigerung
ber  SReidjsausgaben  gu  erwarten  [tet)t.  SOtan  wirb  babei  ben
neuen  Zolltarif  ins  Treffen  führen,  ber  ja  burd)  feine  hohen  Tarif*
fätje  allerbings  eine  wefentlid)e  Steigerung  ber  9?eidjseinnahmen
oeranlaffen  wirb,  fo  lange  bie  gegenwärtige  günftige  itonjunttur
im  ©efdjäftsleben  anhält.  Tie  fieben  mat  2Beifen  bie  fo  fpredjen,
oergeffen  aber,  baf)  erftlid)  bie  neu  geraffenen  9Sdjseinnaí)men
um  40  Millionen  hinter  ben  Dlegierungsforberungen  gurüdbleiben,
bafj  ferner  ein  erhebli^er  aber  nicht  genau  beftimmter  Teil  ber
größeren  3°U e i nna h men  ^ttrd)  bie  lex  Trimborn  ber  freien  23er*
wenbung  für  SReidjsgwede  entzogen  ift,  unb  baff  anbererfeits  ber
2íusbau  ber  fogialpoíitifd)en  SSerfidjerungsgefehe,  bie  23ebürfnif[e
bes  3ttoalibenfonbs,  bie  Carine,  weí&amp;lt;^e  bie  Regierung  ohne  alle
$rage  weiter  oerftärlen  wirb  unb  oiele  oiele  anberen  Tinge  meljr
gufammentommen  werben,  um  in  ben  näd)[ten  3 a f) ren  einen  red)t
beträdjtlidjen  ECReljrbebarf  an  ©elbmitteln  gu  begrünben.  9tamentlid)
wirb  and)  eine  wirilidj  ausreid^enbe  Sdjulbentilgung  feljr  erheblidjc
9Jlittel  erforbern.  Tagu  iommt  ferner,  baff  oiele  ber  neugefdfaffenen
(ßefe^e,  bie  wie  g.  23.  %Sortoerl)öl)ung  unb  ber  gal)riarten[tempel  fo
feljr  bas  ©epräge  ber  $Iüdjtigieit  ober  23erfeljltheit  fd)on  jetjt  geigen,
baft  ron  ihre  ©infül)rung  Schwierigsten  machte.  2Bie  nun  gar
fr  bas  ^3ubli!um  auf  bie  Tauer  bamit  abfinben  wirb,  ift  eine
gang  anbere  grage,  bie  wohl  nur  burd)  balbigen  (Erfat)  ber  un*
populären  Steuern  burdj  23e[[eres  ihre  £öfung  finben  !ann.
Ter  SDtehrbebarf  bes  9Sd)s  Iäftt  fid)  natürlich  nrt  genau
        <pb n="130" />
        119

Propheten,  tote  ja  bas  ^rop^egeten  immer  eine  mipcfye  Sache
ijt,  am  meijten  aber  in  ber  ^oliiii.
2ßir  merben  jebodf)  immerhin  einen  brauchbaren  Anhalt  geminnen,
  wenn  mir  für  bie  Seidjsjchulbeniilgung  gunä^jt  einen  Setrag  in
ber  ungefähren  Ejöhe  ihres  burchjd)nittlichen  Anmachjens  per  3^r,
obgüglid)  ber  jdjon  jetjt  gejetjlid)  fejtgelegten  Xilgung  oon  ca.
22  Stülionen  ausmerfen,  nämlidj  100  Millionen
Sedjnen  mir  bie  Ausbehnung  ber  33erjidjerungsgejehe
  auf  SBitmen,  2Baijen,
auf  Srioatbeamte  ujm.,  fomeit  bagu
ein  Seidjsgujchuh  in  grage  fommt,  über
ben  (Ertrag  ber  lex  Xrimborn  hinaus
ebenfalls  mit  100  „
unb  fügen  mir  meiter  100  „
für  üranfe  bes  feeres  unb  ber  Marine
einj^Iiehíidh  ^noalibenfonbs  bei,  [o
glauben  mir  mit  SOI!.  300  SOiillionen
eine  Sajis  gemonnen  gu  hüben,  auf  ber  mir  eine  üalfulation  für
birefte  Seid)sjteuern  aufbauen  fönnen.  £ajjen  mir  babei  bie  jehon
jetjt  ungebeten  40  Sölillionen  einmal  gang  aujger  Anfall  Die  Sorjdhläge
  müjjen  natürlidh  jo  eingerichtet  merben,  bah  jie  eine  erhebe
litf)e  Steigerung  ber  (Ergebnijje  gejtatten,  ohne  bie  Solfsroohlfart  gu
fchäbigen.  Sie  müjjen  auch  darauf  SHücïji^t  nehmen,  bah  jie  oieb
leicht  audj  bie  fernere  hol&amp;amp;e  SMilßarbe  pro  3 a h r  aufgubringen
hoben  merben,  bie  bejehofft  merben  mühte,  falls  1917  einmal  ber
¿olítarif  oon  1902  ins  alte  (Eijen  gemorfen  unb  eine  freihänblerb
jdje  Regierung  bas  Ejeft  in  bie  £&amp;gt;anb  beíommen  mürbe.  (Sang
mürbe  auch  bieje  nicht  auf  inbirefte  Seid)sjteuern  oergichten  fönnen,
aber  im  Sinne  unjerer  Ausführungen  im  oorigen  üapitel  mürbe
jie  gmeifeilos  erhebliche  Scbuftionen  ber  3öIIe  eintreten  lajjen.
(Es  erjeheint  uns,  mie  aus  allem  Sorhergejagten  heroorgeht,
aljo  als  fejtjtehenb,  bah  &amp;amp; er  ermähnte  (Erjah  burch  „Sejjeres“  gang
jicher  nicht  in  ber  Sichtung  einer  (Erhöhung  unjerer  3öl!e  unb  Serbraudjsjteuern
  gejuxt  merben  fann  unb  barf.  ©ang  abgejehen
baoon,  bah  3 um  Deil  bie  3öHe  honbelsoertraglid)  anberen  Staaten
gegenüber  fejtgelegt  jinb,  ijt  aud)  bie,  mie  im  oorigen  Kapitel
        <pb n="131" />
        ausgefüíjrt,  bureaus  nidjt  bem  3beal  einer  geregten  Vefteuerung
entfpredjenbe  Velaftung  bes  Voltes  burdj  jene  nidjt  meljr  einer
(Erhöhung  fähig.
gr.  3-  Reumann  beregnet  bie  Velaftung  bes  ^Subíifums
burdj  unfere  3öIIc  unb  Verbraudjsfteuern  auf  ©runb  bes  alten
tarifs  raie  folgt:

beträgt  bei
einem
(Eintommen
oon
Warf

Sal3
°/o

3uäer
unb
itaffee
°/o

Die  Selaftung  burd)  bie  Steuern  auf:

$etroleum


Dabat

lo

(Beiftige
©etränte

%

33rot,
WeÇl,
5Reis,Gago
01

Seit,
Sped,
Somalí
°lo

ßufammen

oi

über  10000
4—10000
2—4000
1200—2000
800—1200
unter  800

0,02
0,05
0,12
0,19
0,29
0,56

0,20
0,42
0,52
0,62
0,73
0,37

0,07
0,21
0,19
0,28
0,27
0,38

0,12
0,18
0,18
0,12
0,23
0,02

0,59
0,41
0,23
0,49
0,74
0,40

0,12—0,24
0,31-0,62
0,39—0,77
0,95—1,89
1,29—2,58
2,70—5,39

0,01—0,02
0,02—0,05
0,06—0,12
0,08-0,17
0,15—0,28
0,08—0,16

1,13—1,26
1.60—1,94
1.69—  2,13
2,73—3,76
3.70—  5,12
4,51—7,28

2Bir  feljen  an  biefer  Xabelle  feljr  Har,  bafj  bie  gang  unbebingt
  gum  ¿eben  notwenbigen  Stoffe,  toie  Vrot  unb  Saig  eine
ununterbrochene  Steigerung  ber  Velaftungsprogente  oon  ben
höheren  nad)  ben  nieberen  (Eintommen  gu  aufweifen,  roas  fid)
burdj  bie  Stabilität  itjres  Verbrauchs  genugfam  aufflärt.
Vei  Xabat,  3uder  unb  ilaffee,  bie  nur  ©enuftmittel  finb,
bereu  Verbraudj  alfo  eine  (Einfdjräntung  gulä^t,  feljen  roir  eine
Steigerung  bis  gur  groeiten  unterften  ©ruppe,  unb  einen  5RU&amp;amp;
gang  in  ber  lebten.  Die  Voilage,  in  ber  fid)  bie  Angehörigen
biefer  illaffe  befinben,  ermöglicht  eben  gum  Xeil  nicht  mehr  bie
Vefdjaffung  biefer  Stoffe.
3m  Vergleich  bagu  belaftet  bie  preufpfdje  (Eintommenfteuer
bie  unterfte  klaffe  (fogar  bis  900  9JÎ.)  gar  nicht,  unb  bie  höheren
Seichten,  benen  in  ^reuften  etwa  43  V 2  °/o  ber  ©efamtbeoölferung
angehören,  mit  burdjfdjnittlidj  ca.  2  °/ 0  auf  ben  #opf  ber  3enfiten.
3n  anberen  Vunbesftaaten  ftellt  fidj  bas  Verhältnis  ber
burdjfdjnittlidjen  (Einfommenfteuerbelaftung  bes  eingelnen  wie  folgt
(nadj  Sßilljelm  Vofther,  ßinangwiffenfChaft,  für  (Enbe  bes  oorigen
3ahrhunberts):
        <pb n="132" />
        121

Swu&amp;amp;ett
Saufen
Saben
Reffen

bes  Solíes
Start

S.=2Beimat
Dlbenburg
Sraunfdnoeig
S.^Sietnittgen
S.=2IIlenburg
S.=doburg=(5otba
2Inf)alt
Sd)iDar3burg=9tubolitabt
„  Sonbers^aufen
SBalbed
Seujj  j.  £.
Sdjaumburg-iitppe
£tppe--25etmolb
fiübed
Sremen
Hamburg

4.—
6.50
3.80
5.30
7.20
3.80
2.60
4.50
5.20
5.40
3.50
3.70
4.50
3.60
5.70
3.30
4.20
13.80
19.30
20.—

auf  ben  Aopf
bes  ^enfilen
Star!

45.90
18.10
16.30
23.30
17.50
12.90
25.50
28.20
13.—
24.80
ca.  15.—
11.40
16.50
16.—
20.20
12.50
12.70
46.—
75.90
89.10

°/o  bes  (Ein;
íommens

2,0
1,5
%&amp;amp;-I

2,2
1.5
1  —
2,1
1,4
1.9
0,6
?
1.7
?
1.8
1.6
?
2.9
3,—
3,—

Sepn  wir  non  ben  £anfaftöbten,  wo  infolge  ber  Serquidung
non  Staats=  unb  üommunaíoerwaítung  befonbere  Serpltniffe
oorliegen,  ab,  fo  ergibt  fid)  aus  biefen  ^iff^rn,  bafj  bas  beutfcp
Bolt  pro  5topf  bes  3 en fiten  im  allgemeinen  mit  einer  eingelftaaü
Iicpn  (Binfommenfteuer  non  nid)t  mep  als  2%  unb  nur  in  ^reufoen
mit  mep  als  40  St.  (nad)  bem  neuen  ©efetj  oom  1.  3&amp;lt;inuar  1904
ab  in  Äraft,  wop  nur  Saufen  nod)  ppr,  wenn  aud)  bie  Dupfc^nittsgiffer
  infolge  bes  tiefer  liegenben  Beginns  ber  Steuerpflicp
niebriger  bleibt)  beíaftet  ift,  pro  üopf  ber  Beoölferung  aber  nur
mit  etwa  4—5!

Sergleicpn  wir  bamit  einmal  bie  Serpltniffe  im  Meid)!
3m  3ape  1905  ergaben  bie  3ölle,  Berbraud)S=  unb  Stempel
abgaben  gufammen  etwas  über  1  Stilliarbe  Start.  Das  mad)t
bei  60  Stillionen  (Einwopern  ca.  17  Start  auf  ben  #opf  ber
Beoölferung,  ober,  wenn  man  5  ^erfonen  auf  einen  Steuerträger
regnet  (oon  3 e Pt en  tann  teine  Sebe  fein,  ba  es  fid)  um  inbirette
  Steuern  pnbelt),  ca.  85  Start  auf  ben  Steuerträger.
        <pb n="133" />
        122

Diefe  3tffern  finb  umfo  auffälliger,  als  es  fid)  bet  ber  ein=3elftaatlid)en,
  niebrigeren  Selaftung  um  eine  forgfam  abgeftufte
Rauheit,  bie  ben  Firmen  nur  wenig,  ben  9?eidjen  aber  ¡tarier  belaftet,
  wenn  aud)  immer  nodj  nidfjt  entfernt  in  brüdenber  2Beife.
Die  85  90îari  inbireite  $Keid)s[teuern  brüden  bagegen  ben  ärmeren

Steuern
9tad)  93oranfd)lägen  bes  3a^res  1905.

Staaten

©  ID

ID

11
*1

6?

*:

Deutfdjes  5Reid)
Sreujjen
Sägern

Sarjen
Württemberg
Saben__
Reifen
3(Redlenburg=Sd)tDerin
Sad)jen=2Beimar
9Redlenburg=StreIit3
Olbenburg
Sraun^meig
Sadjfen=2Reiningen
Sad)fen=2Utenburg
Sad)fen=(Eoburg=©otl)a
21nl)alt
Sd)roar}burg=Sonbersi)
„  SRubolftabt
SBalbect
SReufe  ältere  fiinie
,,  jüngere  fitnte
Sci)anmbnrg=fiippe
Kippe
fliibed
Sremen
Hamburg
(Elfafrfiotfjringen
Snnbesjiaaien
SReid)  u.  Sunbesftaaten

1083  898,4
280  278,0
87140,8
60  894,6
37269.3
37873.3
17046.0
4145,6
3  520,1
508.7
4413.8
3  526,7
1  805,0
1  785,3
2208.8
3  250,5
639,4
660,0
392.7
577,3
1  148,5
291.8
1046,1
3  767,9
14931.0
47348.4
31037,7

227244,7
39849.0
51476,6
22454,3
20405,8
12716.0
3  677,1
3218,5
503.0
3991.8
3130,7
1  765,2
1499.9
1  966,3
3  007,0
602,8
634.5
381,7
542.5
1  057,0
264.0
1004,1
2  898,9
12396.0
40158,5
13  707,3

647  507,2
1  731405,6

470  553,2
470553,2

996795,4
33,3
44041,7
5  658,0
10  875,0
11838,2
330,0
42,5
109,4
5,7

136,8
52,0

7,0
11,0
22,0
11,5

106,0
239,0
309,2
6  702,3

l )  87103,0
42000,0
60,0
2  750,0
4  203,8
3130,0
256,0

210,0
156,0
70,0
32,5
134,2

22,8
448,0
1  296,0
4  073,1
7928,1

11000,0
3  190,0
*)  3  760,0
1  190,0
1425.5
870.0
,  170,0
'  192,2
212.0
240.0
39,8
78.6
158.0
109,3
36.6
18,5
12.7
80,0
5,0
42,0
315.0
1  000,0
2807.6
2  700,0

80  530,7
1077326,1

66  770,5
153  873,5

29652,8
29652,8

1)  Darin  bie  Santnotenjteuer  mit  658,5.
2)  Stempel  unb  (Erbjdjaftsfteuer  im  (Etat  nid)t  getrennt.
        <pb n="134" />
        123

Steuerträger  red&amp;amp;t  empfinblid),  unb  gestatten  feine  Steigerung
mel)r.
Die  folgenbe  genaue  ^ufammen^telfung  ber  9?eid^s=  unb
Staatsfteuereinnaljmen,  entnehmen  mir  ben  Bierteljafyrsfdjriften  für
Statiftif  1906,  II.  189.

und  Zölle.
Beträge  in  1000  SRarf.

2íuf  ben  Äopf

ID

11

&amp;lt;3-S3



Ul

%  bes  ®efamt=Sleuerertrags

ID

I s

6,59
6,45
12,25
10.35
10.93
11.35
6,05
8,87
4,90
10,00
6,75
7,04
7,70
8,56
9,51
7,45
6,82
6.59
7.93
7.59
6,12
7,23
29,95
$5,12
52,27
7,97

1

17,68
0,00
7,13
1,35
5,01
6,34
0,29
0,07
0,30
0,06

S?

Sli
r

%  ber  gefamt.  orbenll.  (Einnahmen

ID

0,70
0,23

1,55
1,22
0,01
*)-1,27

2,25
2,80
0,42

0,53
0,33

0,07
0,19
0,32
0,08

8,35
8,35

1,10
1,06
0,40
3,90

0,36
0,14
0,42

0,32
0,52
0,89
0,55
0,76
0,78
0,28
0,53

0,53
0,52
0,16
0,40
0.69
0,35
0,45
0,20

0,53

4,63
5,76
5,30
4,61

0,19
0,58
0,12
0,30
3,25
4,45
3,65
1,57

1,43
19,11

1,18
2,73

0,53
0,53

81,08
45,73
84,53
60,25
53,89
74,60
88,70
91.43
98,88
90.44
88,77
97,80
84.02
89.02
59,51
97,28
96,14
97,20
93,97
92.03
90,47
95,99
76,94
83,02
84,82
44,16

91,96
0,01
50,54
9,29
29,18
31,25
1,94
1,02
3.11
1.12

8,04
14,99
0,07
*)-7,38

11,10
18,36
6,18

7,66
2,36

4,76
4,42

1,06
2,80
3,83
1,01

72,68
27,18

2,81
1,60
0,65
21,60

3,92
1,47
4,13

3,92
3,66
6,18
3,19
3,76
5.10
4.10
5,46

7,82

4.80
6.81
2,20
4,40
7,15
3,36
5,72
2,80

11,89
8,68
8,60
25,54

12,43  10,31
62,22  8,89

2,20
6,96
1,71
4,01
8,36
6.70
5,93
8.70

8,47
8,81
14.48
13,54
12,92
12,23
10,52
22,81
10.95
17,62
12.49
17,07
31.29
26,66
22.29
17,02
18.96
28.29
35,19
42,62
33,45
24.91
28,11
37,50
35.91
24,60

I s

S3

%

#1

«  C  3
P*

47,46
0,00
9,74
1,59
6,56
7,50
0,32
0,12
0,77
0,13

2,85
0,71

0,21
0,82
1,43
0,46

4,58  10,99
1,71  I  7,37

1,03
0,72
0,28
12,03

4,15
1,57
0,00
*)-1,66

2,66
3,01
0,73

0,93
0,62

1,46
0,44
1,00

0,41
0,71
1,06
0,72
0,90
0,84
0,49
1,36

0,93
0,96
0,39
1,64
2,14
0,68
1,03
0,55

2,89

4,34
3,92
3,64
14,23

0,83
3,23
0,63
1,04
3,06
3,03
2,51
4,85

1,88
16,88

1,56
2,41

0,69
0,47
        <pb n="135" />
        124

(Eine  Regierung  im  Deutzen  Reidj,  ber  baran  liegt,  bie
halfen  ber  beutfdfen  Arbeiter  für  eine  nationale  politif  zurüd*
Zugewinnen,  toirb  nun  zweifellos  in  nid)t  zu  ferner  3eit,  barauf
bebaut  fein  muffen,  bie  ben  ärmeren  Zeit  ber  Reichsbeoölferung
ferner  brüdenbe  Steuerlaft  eipeblid)  zu  oerminbern,  wenn  bas
"Meid)  nidjt  über  furz  ober  lang  ber  (Sefaljr  einer  üataftroplje  ent*
gegen  gehen  foil.
Daft  bies  jeboci)  nur  auf  bem  Wege  ber  (Einführung  bireîter
Reichsfteuern  mit  (Erfolg  gesehen  !ann,  bezweifelt  unb  beftreitet
im  (Srunbe  feines  ^ergens  eigentlich  niemanb  —  bie  neu  ge*
fd)  offene  (Erbfdjafts*  unb  Dantiemenfteuer,  bie  geplante  Wefjrfteuer
finb  Hare  unb  beutlidfe  5lnzeichen  bafür.
prinzipiell  menbet  ebenfalls,  abgefeljen  oon  einigen  ganz
rüdftönbigen  Üonferoatioen,  niemanb  mehr  etwas  gegen  birettc
Reichsfteuern  ein.  Datfädflidj  befteht  aber  bod)  eine  grofje  51  b*
neigung  gegen  ihre  (Einführung,  unb  zwar  mit  Rüdfidft  auf  bie
Finanzlage  ber  (Einzelftaaten,  oon  benen  bie  allermeisten  auf  bie
Erträge  ihrer  bireiten  Steuern  angewiefen  finb.
Die  (Einmenbungen,  bie  man  oon  biefer  Seite  zu  hören  be*
beiommt,  finb  zweifüßiger  5trt,  einmal  mehr  theoretifch*ftaatsredjt^
lieber,  unb  anbererfeits  praßifd)*finanzpolitifd)er.
(Es  gibt  eine  ileine  5lnzaf)I  oon  politifern,  bie  bie  5lnfid)t
oertreten,  birelte  Reichsfteuem  feien,  wenn  audj  nidjt  bireft  oer*
faffungswibrig,  fo  hoch  ¡ebenfalls  nidjt  im  (Einilang  mit  ihrem
(Seifte.  Die  reidjsfeitige  Einführung  bireîter  Steuern  fei  alfo  eine
51  rt  etwa  oon  ungerechtfertigter  ^Bereicherung  bes  Reichs  auf
Moften  ber  (Einzelftaaten.  Der  Wortlaut  unb  bie  (Entftehungs*
geeichte  ber  Reid)soerfaffung  rechtfertigen  biefe  5luffaffung  in
feiner  Weife.  5lllerbings  hut  5lbfat)  2  bes  5Irtifels  4  ber  53er*
faffung,  ber  bie  ber  Reidjsgefetjgebung  oorbeljaltenen  Watericn
enthält,  urfprünglidj  gelautet:  „unb  bie  für  bie  ßwede  bes  Reichs
Zu  oerwenbenben  inbireften  Steuern."  Das  inhaltsfd)were  Wort
„inbireften“  ift  inbeffen  oom  Reichstag  geftridjen  werben,  unb  bie
¿erfaffung  hot  in  bem  fo  geänberten  Wortlaut  bie  ßuftimmung
ber  oerbünbeten  Regierungen  gefunben.
53om  rein  ftaatsredjtlidjen  Stanbpunft  aus  liegt  bie  Sache
        <pb n="136" />
        125

alfo  gang  fiar.  Damit  i[t  natürlich  bie  Beurteilung  ber  meßr  fubjeïticen
  $rage,  ob  es  ,,[cßön“  ober  „billig"  im  Beicße  [ei,  [eine  §anb
au&amp;lt;ß  nad)  bireften  Steuern  ausgu[treden,  nacßbem  es  ben  (Eingeb
[taaten  bie  inbireften  fdjon  genommen  ßabe,  nocß  nicßt  erlebigt.
2ßie  [o  oielfadf)  gerabe  in  $inangfragen,  gibt  aucß  ßier
bcr  ^orteten  ©un[t  unb  £&amp;gt;aß  bie  Antwort.  2Ber  auf  bem  mirfließ
  f&amp;gt;i[tori[d;en  Stanbpunfte  [teßt  unb  in  ben  (Eingel[taaten  bie
burcf)  eine  Bti[cßung  oon  Becßtsanfprücßen  mit  meßr  ober  toeniger
(bemalt  unb  Hnredjt  allmäßlitß  gu  oölferrecßtlidjer  Selb[tänbigfeit
gelangten  Bermaltungsbegirfe  ((baue  unb  Btarfgrafßßaften)  ber
er[ten  Kai[er  erblidt,  in  bem  Beicße  aber  ben  beut[d)en  Bational-[taat,
  bas  ßöcß[te  oaterlänbißße  ^beal  oereßrt,  ber  toirb  [eßr  geneigt ­
  [ein,  aucß  finangpolitifcß  über  bie  Bn[prücße  ber  (Eingel[taaten
ßinroeggufcßreiten,  menn  es  bas  Be[te  bes  großen  (bangen  gilt.
2Ber  aber  im  (Eingebaut,  mie  er  nun  einmal  befteßt,  [ein  engeres
Baterlanb  [ießt,  mit  be[[en  gür[tenßaus  ißn  altererbte  Begießungen,
oielleicßt  [ogar  perfönlicßer  2Irt,  oerbinben,  ber  mirb  ungern  [eßen,
menn  bie  eingeI[taatIicßenBorrecßte  einem  allmäßlicßen2tuf[augungsprogeß
  gum  Opfer  fallen.  Die[er,  immerßin  oer[tänbIicße  unb  acibare ­
  Bortifularismus,  ben  mir  als  bisfutable  2In[d)auung  anerfennen,
  menn  mir  ißn  aucß  troßbem  [djarf  befämpfen,  mirb  nun
crgängt  unb  [efunbiert  burcß  bie  größeren  Scßaaren  jener,  bie  ba
glauben,  in  möglidjft  [elb[tänbigen  (Eingel[taaten,  bie  mei[t  fein
allgemeines  2BaßIrecßt  ßaben,  eßer  ißre  eigenartigen  3iele  erreicßen
gu  fönnen,  als  im  immerßin  freißeitlidfier  organi[ierten  beut[reu
Beicß.  3^  bie[en  Kategorien  geßören  meite  Krei[e  oon  ben  Kon-[eroatioen
  unb  aus  bem  3ß^um,  aI[o  bas,  mas  man  bie  Beaftion
  nennt,  bie  [cßon  uon  jeßer  bem  Beicßsgebanfen  feinblicß
gegenüber  [tanb.
Bllerbings  i[t  nidßt  gu  oerfennen,  baß  unter  Hm[tänben  bie
(Einfüßrung  birefter  Beicßs[teuern  tat[äd^Iid^  einen  (Eingriff  in  bie
ginangßoßeit  ber  (Eingebauten  bebeuten  fönnie.
2ßer  bem  Begriff  bie[er  ^inangßoßeit  aber  feine  [olcße  £&amp;gt;ocßacßtung
  unb  B3ert[cßäßung  entgegenbringt,  baß  er  bie[em  „Begriff" ­
  bie  realen  ¿ebensintere[[en  bes  beutfcßen  Beicßs  ßintan-[eßen
  möcßte,  ber  mirb  aucß  gugeben,  baß  bies  unter  Hm[tänben
        <pb n="137" />
        126

gau5  heilfam  für  einige  (Eingelftaaten  mit  mißlicher  ginangtage,
anbererfeits  aber  gar  nicht  unbebingt  nötig  märe.
Die  beseitige  Reichstagsmajorität  unb  bie  Rfehrgahl  ber  oerbünbeten
  Regierungen  fteljen  jebod)  auf  bem,  wie  uns  fdjeint  wenig
glüdlicben,  Stanbpunft,  bafj  bie  gntereffen  ber  (Eingelftaaten,  ober
bas,  mas  fie  fälfd)lid)  bafür  galten,  gehont  werben  müßten,  unb
fo  ift  es  unabmeislid),  bieder  grage  eine  ausführlichere  Reljanblung
gu  wibmen,  bie  freilidf)  untrennbar  ift  non  ihrer  fdfon  angebeuteten
praftifch=finangpolitifd)en  Seite,  bie  non  bem  (Einwanb  ausgeht,  bah
ein  3ugriff  bes  Reichs  auf  bie  birelten  Steuern  bie  (Eingelftaaten  entweber
  ber  fdjon  je^t  notwenbigen  unb  unentbehrlichen  (Einfünfte
gum  Xeil  berauben,  ober  bodj  bie  lebten  Referoen  für  eine  üinftig
erforberlidje  Steigerung  ihrer  Reoenüen  ihnen  entgiehen  würbe.
(Es  liegt  auf  ber  £janb,  bah  man  biefem  (Einwanb  nicht  ohne
weiteres  jebe  ^Berechtigung  abfpred^en  lann,  ben  es  h^nbelt  fich
hier  um  Dinge,  bie  weit  erheblicher  finb,  als  bie  theoretifdfe  Reber
  ei  über  bie  ginangljoheit  ber  (Eingelftaaten,  bie  ihnen  ja  auch
fein  Rtenfd)  nehmen  will  —  ¡ebenfalls  nidE)t  de  jure,  was  ja  in
biefem  galle  wohl  bie  ^auptfadje  ift.
Der  Reidjsgebanfe  h&amp;amp;t  gwar  aud)  in  ben  Greifen  ber  beutfdjen
Runbesfürften  unb  ihrer  Regierungen  feit  1871  unleugbare  gortfdjritte
  gemacht.  2Bir  haben  ein  einheitliches  Reichsgericht,  ein  ßioib,
Strafe  unb  ^rogehrecht,  ein  giemlich  einheitliches  Rtilitärgerid)tsmefen,
aber  wie  wir  fd)on  öfters  fonftatiert  hüben,  ift  ber  ^artifularismus
  bod)  noch  lange  nidjt  tot.  2Bir  erfreuen  uns,  banf  feiner
3ählebigfeit,  neben  nielen  anberen  Rubimenten  aus  ber  jd)led)ten
alten  3 C ^  ouch  nod)  einer  fo  gerrifjenen  Steuergefetjgcbung,  bie
nach  Í 0  fielen  oerfdjiebenen  ©efidjtspunften  geregelt  wirb,  bah  man
wirîlid)  nur  begrüben  formte,  wenn  Reichstag  unb  SBunbesrat
bamit  nod)  grünblid)er  aufräumen  würben,  als  mit  ber  ^artifw
Iargefehgebung  auf  bem  ©ebiet  bes  3iml  unb  Strafredjts.
¿in  Rlid  auf  bie  oergIeid)enbe(EinfommenfteuertabeIíe  Seite  121
geigt  mit  aller  Deutlic^feit  biefe  Rerfdjiebenheiten.  2Bäre  es  benn
wirflidj  etwas  fo  friedliches,  wenn  ein  Rei^sfleuergefeh  beftimmen
würbe,  bah  bk  (Eingelftaaten  ihren  ginangbebarf  aufgubringen
hätten  burd)  progentualen  Ruffdjlag  auf  bie  bireften  Reirsfteuern,
        <pb n="138" />
        127

unb  bic  ©emeinben,  fotoeit  ©nen  feine  fonftigen  Hilfsmittel  gur
Verfügung  fteljen,  bur©  einen  weiteren  3uf©Iag?  SBürbe  bas
überhaupt  ein  wefentli©er  (Eingriff  in  bie  ginanghofjeit  fein?
Überbies  geigt  ein  Blid  auf  bie  Xabelle  ber  Steuerergebniffe
S.  122-123,  baß  bie  ©ingelftaaten  in  ber  bireften  Beteuerung
no©  lange  ni©t  an  ber  ©renge  bes  Rlögli©en  angelangt  finb.
Den  Kommunen  eröffnen  fi©  aber  bur©  Übernahme  non  Straßem
bahnen  unb  berartigen  Betrieben,  ferner  bur©  Huge  ©runb=  unb
Bobenpolitif  eine  große  Re©e  non  ©elbquetlen,  bie  no©  lange
ni©t  genügenb  in  Singriff  genommen,  gefdjtoeige  benn  erf©öpft  finb.
©egen  Borfdjlage  ber  oben  ermähnten  SIrt  ift  eingewenbet
worben,  baß  befonbers  bie  Heinen  ©üringif©en  Staaten  babur©
in  arge  Bebrängnis  geraten  würben,  wäfjrenb  nací)  Bismards
Sßort  biefe  Staatsgebilbe,  bie  „ben  Rlörtel  gmif©en  ben  Quabern“
abgäben,  im  Rei©sintereffe  unbebingt  erhalten  werben  müßten.
Dies  Ießtere  gugegeben,  fo  ift  ni©t  eingufe^en,  ob  es  ni©t  gerabe
für  jene  Heinen  Staaten  ein  Segen  wäre,  wenn  fie  unter  bem
Drud  ber  Berljältniffe  gegwungen  fein  würben,  fi©  einen  etwas
weniger  ioftfpieligen  Berwaltungsapparat  anguf©affen,  als  fie  fid)
jeßt  Ieiften.  Dur©  3 u f amr rcenlegung  ber  Berwaltungsfunitionen
ber  oerf©iebenen  Heinen  Regierungen  in  eine  3^riralbeßörbe  ließe
fi©  f©on  oiel  errei©en.
Xatfä©Ii©  läßt  fi©  ni©t  beftreiten  —  unb  bies  wirb  uon
crnft  gu  neljmenber  Seite  au©  ïaum  oerfu©t  —  baß  in  ben
©ingelftaaten  —  ober  bo©  in  ben  weitaus  meiften,  bie  bireften
Steuern,  wie  f©on  angebeutet,  no©  erfjößungsfäßig  finb,  nur
wünf©en  bie  Bunbesftaaten  biefe  fogenannten  Steuerreferoen  gu
behalten,  für  bie  ©neu  obliegenben,  begw.  in  3^funft  fi©  no©
ergebenben  fogenannten  „Rulturaufgaben".  Ratürli©  würbe  es
ni©t  meffr  als  logifdj  unb  re©t  unb  billig  fein,  baß  bas  Rei©,
wenn  es  wirfli©  in  fof©er  SBeife  in  bie  bisherigen  Steuerquellen
ber  Bunbesftaaten  ein  griffe,  baß  es  fie  gur  (Erfüllung  ihrer  SIufgaben
  untaugli©  ma©te,  ©nen  au©  biefe  Aufgaben  abnähme,
was  f©ließli©  nur  im  Rahmen  ber  allein  erftrebensmerten  nation
nalen  (Entwidelung  liegen  würbe.  Bei  einer  foI©en  Steigerung
ber  Rei©sma©t  müßte  freili©  bafür  geforgt  werben,  baß  in  Berlin
        <pb n="139" />
        128

nicht  etma  ber  befannte  preufpfdje  Sureauíratismus  unb  partis
tutarismus,  oor  meid)  legerem  felbft  Sismará  graute,  bie  3ügel
in  bie  0anb  betäme,  fonbem  ber  Reidjstag  mürbe  nur  einer  mehr
beutfd)  als  preuhifd)  füljlenben  Regierung  [olche  9Rad)tfülle  anoertrauen
  bürfen.
Rtan  fagt  uon  Seiten,  bie  ber  nationalen  Semegung  oon
1848  feinblid)  gegenüberftehen,  biefe  höbe  nichts  erreicht,  meil  fie
[ich  nid)t  an  bie  gegebenen  Realitäten  angefd)loffen  höbe,  unb
madjt  einen  gleiten  Sormurf  benen,  bie  heute  bireiten  Reid^sfteuern
  unb  ber  bamit  oerbunbenen  Rlachtftärfung  bes  Aaifers,
bes  Reid^slangíers  unb  bes  Reichstags  bas  2Bort  reben.
ßugegeben,  bah  1848  gehler  gemadjt  morben  finb,  bie  namentlich
  in  einer  Überfdjähung  ber  itraft  ber  nationalen  Semegung
  beftanben,  bie  nidjt  imftanbe  mar,  bie  ihr  feinblichen,  partilulariftifchen
  unb  realtionären  Reigungen  in  ben  eingelftaatlid^en
Regierungen  unb  ben  biefen  naheftehenben  einfíu^rei^en  ©efell*
f&amp;lt;haftsireifen  bauernb  zu  überminben,  Reigungen,  bie  Ieiber  1866
mit  Slut  abgemafdjen  merben  mußten,  fo  brauchen  mir  hoch
nid)t  immer  auf  feuern  Stanbpunit  ftehen  zu  bleiben.  2Bir  glauben
an  eine  3utunft  bes  beutf^en  Soltes,  an  einen  Sieg  bes  nation
naíen  ©ebantens  über  ben  ^artituíarismus  auf  ber  einen  unb
ben  Internationalismus  auf  ber  anbern  Seite.
3ur  Überführung  biefes  gbeals  in  bie  Realität  gibt  es  aber
fein  befferes  RZittel,  als  bas  gmar  nüci)ternfte,  aber  mirtfamfte  —
bas  (Selb,  bie  ginanzgefehgebung.
©ine  berartige  ©efe^gebung  im  Deutfchen  Reid)  tann  unb
barf  neben  ihrem  finanziellen  3u)ed  nur  bas  3^1  int  Ruge  hoben,
ben  Reidfsgebanten  zu  förbern  burd)  Sereinheitlichung  ber  Steuer
gefetje,  burd)  geregte  Serteilung  ber  fiaften  auf  Rrm  unb  Reid).
Daburd)  merben  bem  Sortifularismus  unb  ber  Reaftion  auf  ber
einen,  ber  Sozialbemoiratie  auf  ber  anbern  Seite  burdj  ©nt=Ziehung
  bes  mirffamften  Rgitationsftoffes  terrains  abgemonnen,
für  bie  ©rfüllung  ber  Reichsaufgaben  aber  ausreidfenbe  Rlittel
bereit  geftellt.
R3enn  mir  aber  berartige  ho&amp;lt;hgeftedte  3tde  oerfolgen,  z u
bereu  (Erreichung  noch  ntandjer  harte  Äampf  mit  SBort  unb  geber
        <pb n="140" />
        129

nötig  [ein  roirb,  [o  ictnn  man  non  uns  oor  allem  oerlangen
bag  mir
1.  pofitio  ertlären,  roas  mir  roollen,  b.  f).  betailtierte  Sorfdjlöge
  für  ein  bireftes  5Heidf)sfteuerfr)ftem  machen,  unb
2.  ben  giffernmägigen  Seroeis  liefern,  bag  biefe  Sor[djIäge
tat|äci)Iici)  bas  (Ergebnis  gu  liefern  imftanbe  [inb,  roas  mir  oer=[proben
  haben.
9iad)  bem  oor[tel)enben  fann  es  [id)  aI[o  nur  barum  Raubein,
roie  mir  nommais  gu[ammenfa[[en,  burdj  Steuern  auf  Einfommen
unb  Vermögen  ber  ¿Reidjsuntertanen  ben  [$inangbebarf  bes  ¿Reidjs
in  aud)  für  bie  3ufunft  ausreidjenber  2írt  gu  beden.  3 U  bie[em
3roed  fjaben  mir  ein  Sgftem  gu  finben,  bas  er[tens  bie  Iei[tungsfähigen
  Bürger  ihrer  £ei[tungsfähigteit  entfpredjenb  belaftet,  groeü
tens  genügenb  (Selb  [c^afft,  um  bem  ermähnten  finangielten
3tned  nollauf  gu  genügen,  brittens  bie  ^inangroirt[chaft  ber  Eingel[taaten
  nid)t  ruiniert,  oiertens  ber  Solfsroirt[djaft  nid)t  tjinberlic^
  in  ben  2Beg  tritt  unb  fdjlieglid)  bas  parlamentari[d)e  (Einnahmeberoilligungsredjt
  noli  refpeitiert.
s JUan  roenbe  nici&amp;gt;t  ein,  bag  mir  Utopien  nadgagfen.  Der
Antrag  ber  ßrei[innigen  Solfspartei  auf  Einführung  einer  ¿Reid)snermögens[teuer
  rourbe  am  28.  ¿Biärg  1906  groar  mit  95  gegen
63  Stimmen  abgelehnt  —  ein  [tärferer  Se[uch  bes  £au[es  auf
ber  hinten  hätte  aud)  eine  Annahme  bringen  iönnen.  Die  2lbleljnung
  beroeift  alfo  nichts.  Die  [charf  gegnerifd^e  Gattung  ber
¿Regierung,  bie  burd)  [adjlidj  [tidjhaltige  ©rünbe  nicht  geftügt
rourbe,  lägt  allerbings  non  biefer  Seite  für  bie  3u!unft  noch  ni^k
Schroierigieiten  erroarten.  Sei  fortbauernbem  2Inroad)[en  bes
ßinangbebarfs  möchten  mir  [djliegiid)  aber  ben  Schagfefretär  [eben,
ber  [id)  [träuben  mürbe,  bie  unbebingt  erforberlidjen  ¿Uíittel  gu
nehmen,  falls  ber  ¿Reichstag  [ie  ihm  anböte,  roenn[d)on  aus  [o
un[gmpathi[cher  Quelle,  roie  aus  bireften  Steuern!
Señor  mir  aber  an  bie  (Entroidelung  un[erer  Sor[dhIäge  im
eingelnen  h^rangehen,  i[t  es  nötig,  bag  mir  uns  über  bie  Berteilung
  non  Eintommen  unb  Sermögen  im  ¿Reiche  ein  möglichft
genaues  Silb  machen.
Dagu  genügt,  roenn  mir  uns  bie  3 a hl cn  ^ er  Statiftif  ¿ßreugens
ffiroteœolb,  glnan^qllem.  9
        <pb n="141" />
        130

oorneljmen,  unb  biefe  im  Verhältnis  oon  3:5  auf  bas  SRetd)
(ca.  36  Vlitlionen  (Einwohner  gu  ca.  60  VZillionen)  umredjmen.
Der  Hnterfdjieb,  ber  firf)  ergeben  würbe  aus  bem  Vorhanbenfein
oon  Vunbesftaaten  mit  burc^fc^nttíítá)  ärmerer  Veoölierung  wirb
wteber  wettgemaci)t  burdj  fol^e  mit  fetjr  woI)If)abenber  Vürger*
fdjaft,  wie  3.23.  Sadjfen  unb  bie  $anfaftäbte.
Va©  bem  Veridjt  bes  preufcifdjen  ginangminifters  an  bas
Vbgeorbnetenljaus  nom  3a^re  1905  [teilte  fid)  bie  Vermögens*
oerteilung  wie  folgt  bar:
3m  Vef©  eines  Vermögens  non  über  6000  9Jîarï  waren  im
gangen  1379221  ^ßerfonen,  bie  mit  ©ren  Angehörigen  eine  Ve*
oölferungsfdjicht  oon  ca.  5  ^Millionen,  gleich  etwa  14  °/ 0  ber  ©e*
famtbeoölierung  oertreten.
Das  gefamte  ergängungsfteuerpfli©tige  Vermögen  biefer  3en*
fiten  [teilte  fiel)  auf  82,4  Vtilliarben,  mithin  für  [eben  im  Dur©*
[©nitt  auf  ca.  60000  Wart.
Da  bie  preufp[©e  ©rgängungsfteuer  nidjt  progreffio  ift,  oiel*
mehr  für  alle  Vermögenslagen  nur  einen  (Einheitsfatj  oon  x / 2  °/ 00
iennt,  [0  ergeben  bie  (Ermittelungen,  bie  auf  ©runb  ber  (Ergänz
gungsfteueroeranlagung  aufgebaut  finb,  ein  gang  genaues  Vilb  -
ber  Vermögensoerteilung.
(Es  beträgt  bie  Angahl  ber  3 en î^ en  mü  einem  Vermögen
oon  mehr  als:
6000—  20000  m  674  351  =  48,89%  ber  (Befamt#!
20000—  32000  „  239922  =  17,40  „  „
32000—  52000  „  188039  =  13,63  „  „
52000—100000  „  146910  =  10,65  „
100000—200000  „  72459  =  5,25  „
,  200000—500000  „  38942  =  2,82  „  „
500000  bis  1  ^million  11189  =  0,81  „
1  bis  2  (Millionen  4  742  =  0,34  „  „
über  2  (Millionen  2667  =  0,19  „
3ntere[[anter  ift  aber  nodj  bie  na©[tehenbe  ^ufammenftel*
lung,  bie  bie  Steuerleiftung,  unb  bamit  gang  genau  bie  Vef©=oerhättniffe
  ber  eingelnen  ©nippen  erlennen  Iäftt.  Von  ben
40 1 / 4  Vlillionen  ©rgängungsfteuerleiftung  würben  aufgebra©t  oon
ben  Vermögen  oon  meljr  als:
        <pb n="142" />
        131

6000—  20000  ÏÏR.
20000—  32000  „
32000—  52000  „  0 , 0 ¿
52000-100000  „  5,15
100000—200000  „  5,08
200000—500000  „  6,—
500000  bis  1  gftillion  3,99
1  bis  2  StRillionen  3,04
über  2  ÜJlillionen  6,72

8,82%  bes  (SefamtfoIIs
=  6,35  ,,
—  6,48  „  „
=  12,79  „
=  12,61  „
=  14,91  „
=  0,00  „  ,,
=  8,44  „
=  16,70  „

3.55  Millionen  =
2.56

9Jlan  [tef)l  an  bicfer  3ufammenftellung,  bajg  ein  21nteil  Dort
35°/ 0  bes  mehr  als  6000  Marf  betragenben  ^rioatbefitjes  in
§änben  oon  ben  18598  preufgfdfjen  Steuerzahlern  (=  1,35°/ 0
ber .  ^enftien)  tft,  bie  mehr  als  ^  Million  befi^en.  pr  bie  3u=Iäffigieit
  einer  fcf)arf  progreffioen  (Einfommens=  unb  23ermögensbefteuerung
  audfj  im  9?eicf)e  bebarf  es  nach  pftftellung  biefer
3iffer  eigentlich  feines  metieren  ÜBemeifes  mehr.
Mit  einer  einfachen  (Einfommens=  unb  Sermögensfteuer  nad)
2trt  ber  burdE)  o.  Miguel  in  %Sreu&amp;amp;en  eingeführten  märe  bem  Mich
inbeffen  nicht  geholfen.
Die  ©emeinben  unb  (Eingelftaaten  hoben  tatfädhlidh  namentlidh
  bie  ©infommensfteuer  fdfjon  red^t  ftarf  in  Slnfprud)  genommen,
  menn  auch  n0£ h  nicht  erfchöpfenb.
^ebenfalls  lö^t  [ich  aber  aus  einer  einfadhen  Midhseinfommenfteuer
  allein  ohne  gärten  nid^t  bas  berauschen,  mas  felbft
nach  Schaffung  einer  anfehnlichen  Michsoermögensfteuer  nodh  an
Mitteln  gu  bef^affen  märe.
Das  gkingíp  ber  Differenzierung  ber  SBefteuerung  mirb  hier
^lotj  greifen  müffen.  Mdht  jeber,  ber  mit  anberen  ein  gleiches
(Einfommen  hot,  ift  mit  biefen  oon  gleicher  fteuerlicher  £ei[tungsfähigfeit.

Dem  pmilienoater  gebührt  (Erleichterung  im  Vergleich  mit  bem
3unggefellen,  ber  alten  3ungfrau 1 )  unb  bem  finberlofen  (Ehepaar.
Dem  ohne  viel  Mühe  ermorbenen  (Einfommen  aus  Kapital*
renten  fann  eine  ftärfere  23elaftung  gugemutet  merben,  als  fauer
erarbeitetem  fiohn  für  horte  unb  oolfsmirffchaftlidh  nütjlidhe  %erufstätigfeit.
  Der  (Empfänger  oon  Kapitalrenten  befit}!  infolge
l)  Sögt.  (Eugen  o.  ßagemann,  ber  biefe  feljr  ernfte  ßrage  mit  einem  SBifc  erlebigen
  ;u  tönnen  glaubt.

9*
        <pb n="143" />
        132

feines  Kapitalbefitjes  aufjerbem  eine  mirtfdtjaftlidt)  weit  gefiedertere
Stellung  als  ber  allein  auf  ben  (Ertrag  feiner  Arbeit  angewiefene.
9lrbeitseintommen  unb  Kapitalrenten  finb  iljrer  2lrt  nad)
periobifdje  ©intommen,  bie  fid)  im  großen  (Sanken  3a^r  für  ßa^r
wiebertjolen  unb  bei  günftiger  mirtf^aftli^er  ©ntmidelung  fogar
fteigen.
Das  fteuerpflidjtige  ©intommen  betrug  in  %Sreufjen:
1892  5,7  Williarben  Wart
1905  9,7
Die  burct)  bie  ^3eriobigität  unb  bie  normale  Steigerung  ge*
botene  Sidjerljeit  unb  ©leid^mä^igteit  machen  bie  beiben  ermähnten
(Eintommensarten  befonbers  geeignet,  bie  Bebürfniffe  bes  orbent*
lidien  bauernben  (Etats  gu  tragen,  mäljrenb  man  nidjtperiobifdfes
(Eintommen,  bas  eine  feljr  Ijolfe  Belaftung  oertragen  tann,  redfyt
gut  für  ben  Spegialgwed  einer  aufjerorbentlidjen  Sdfjulbentilgung
befteuern  tonnte.  3um  nidjtperiobifcfjen  (aud)  aleattorifdjen  ober
zufälligen)  genannten  (Eintommen  gehören  ©rbfetjaften,  ©efdjente,
Witgiften,  ©eminne  aus  Spiel,  Wette,  Konjuntturen  ufro.
Da  mir  eine  ©rbfdjaftsfteuer,  bie  aud)  ©efdjente  unter  Ke*
benben  mittrifft  (fiel)e  3.  Kapitel)  bereits  l)aben,  tonnen  biefe  bei*
ben  ©intommensarten  t)ier  ausfdjeiben.  Spiel*  unb  Konjunttur*
gewinne  füllten  aber,  wenn  über  eine  gemiffe  Summe  hinaus*
ge^enb,  mit  einer  red)t  tjocl)  gu  bemeffenben  9?eict)sabgabe  belegt
werben,  fagen  wir  bei  Heineren  Summen,  unter  1000  Wart,  10,
bei  größeren  20  °| 0 .  Da  es  fid)  l)ier  um  ßufallseintommen  Ijanbelt,
auf  beffen  Wieberlplung  ber  Steuergal)ler  nidjt  rechnen  tann,  wirb
eine  fdfjarfe  Befteuerung  biefer  Ijäufig  auf  ungefet)lid)em  ober
üoltsmirtfctjafttid)  nutjlofem  ober  gar  fdtjäblid^em  Wege  erworbenen
©intommen  fo  leidjt  teine  Sd)äbigung'ber  Steuertraft  bes  Kanbes
burd)  Slusmanberung  befürdjten  laffen.
Bei  E&amp;gt;anbelsgefd)äften  unb  Betriebsgcminnen  oerfetjiebener
3lrt  wirb  es  oft  fdjwer  fein,  bie  2lrt  gu  beftimmen,  gu  ber  bas
©intommen  gu  rechnen  ift.  Seljr  Ijöufig  wirb  fi&amp;lt;d  ein  ©efdjäfts*
gewinn  gufammenfetjen  aus  £oI)n  für  wirtlid)  geleiftete  taufmän*
nifdje  Berufsarbeit,  Kapitalrente  unb  Konjuntturgewinn.  Wan
würbe  Ijier,  etwa  burd)  Drittelung,  ober  ßeftfe^ung  eines  für  oer*
        <pb n="144" />
        îdjtebene  23randf)en  oerfcïjiebenen  23erhältni[fes  eine  gefepdje  %ermutung
  zu  Raffen  haben,  bie  bann  ^3Ia¿  greifen  mü&amp;amp;te,  wenn
ber  Steuerbeiiarant  {eine  glaubhaften  Angaben  über  bie  %er*
teilung  feines  (Einiommens  auf  bie  brei  Slrten  machen  !ann
ober  null.
Diefe  befonbere  23e[tcuerung  einzelner  5Irten  bes  (Eintom*
mens  ift  bureaus  nichts  neues.  2Bir  haben  im  SReidf)  eine  CErbf&amp;lt;i)afts=
  unb  iantiemenfteuer,  Samern  fennt  eine  Kapitalrenten*
[teuer.  Die  [o  oiel  oerbreiteten  ©runbfteuern  finb  nidjts  anberes
als  eine  fpezieíle  2Irt  oon  23ermögensfteuem.
93on  oielen  Seiten  toirb  eine  SBehrfteuer  (toie  1881  [df)on
einmal  uergebtich  angeregt),  oerlangt,  b.  h-  ein  9ftann,  melier
nicht  Solbat  hat  zu  werben  braunen  —  in  erfter  Kinie  ber  wegen
Heiner  {örperlidjer  gehler,  bie  feine  (Ermerbsfähigieit  nid^t  beein*
trächtigen,  freigetoorbene  (Einjährig*  greimillige  unb  biejenigen
%%annfdhaften,  bie  [ich  frei  geloft  haben  —  foil,  getoiffermafjen  als
Ausgleich  für  bie  bamit  oermiebenen  Koften  bes  militaricen
Dienftes,  eine  Steuer  entrichten.  Diefer  ©ebanie  hat  oiel  be*
ftedjenbes  unb  es  liegt  uns  fern,  ihm  prinzipiell  miberfpredfjen  zu
wollen,  immerhin  iaffen  fid)  fehr  Cwerwiegenbe  23ebenfen  ba*
gegen  anführen.  Da  ift  gunöchft  bas  ibeale  Wotio,  wona^  bie
33erteibigung  bes  23ateríanbes  eine  (Ehre  unb  berjenige  bebauerns*
wert  fei,  ber  ihrer  nicht  teilhaftig  werben  fönnte.  Somit  erfcheint
es  ben  Verfechtern  biefer  2Infid)t  als  hart  unb  ungerecht,  ben
armen  bebauernswerten  „Veichsirüppel"  auch  noch  bafür  zahlen
ZU  Iaffen,  bafj  er  {eine  Gelegenheit  finbet,  bes  Königs  9W  zu
tragen.  Das  &amp;lt;J3ubIiium  bürfte  barüber  meift  anberer  2Infid)t  fein,
was  freilich  nichts  beweift  gegen  bie  theoretifdje  íRic^tigíeit  jenes
aus  ¿ßiten  h°I) er  nationaler  Vegeifterung  in  unfer  nüchternes
unb  materielles  flatter  hinübergeretteten  gbealismus.  3ßoIlte
©ott,  baj)  mehr  baoon  in  unferem  Voli  oorhanben  wäre!
So  wie  bie  Dinge  heute  aber  liegen,  ift  eine  2ßehrfteuer  ent*
fchieben  populär,  unb  oon  unferem  Stanbpuntte  aus,  bie  mir  in
ihr  eine  weitere,  britte  (Etappe  auf  bem  2ßeg  zum  bireiten  Reichs*
fpftem  erblicien,  auch  bureaus  wünCenswert.  3h r  finanzieller
(Effeit  wirb  freilidh  unbebeutenb  bleiben.
        <pb n="145" />
        134

3h rer  23eraníagungsart  nad)  toare  eine  2Beí)rfteuer  benibar  als
ítopffteuer,  bie  heute  mohl  unmöglich  ift,  als  (Ein!ommens=  ober
befonbers  als  23ermögensfteuer.  2IIs  Steuerträger  täme  enttoeber
ber  oom  SOtilitärbienft  befreite  junge  %)tann,  ober,  beim  (Einjährig*
greimitligen  befonbers,  ber  unterí)aItsoerpfIidjtete  2Ifgenbent  (33ater)
in  grage.
Dies  Steuerprojeit,  bem  bie  gorm  einer  23ermögensfteuer
fidjer  am  bejten  paffen  mürbe,  leitet  uns  über  gur  23ermögensbe*
fteuerung  im  allgemeinen.  (Es  ift  ein  unangefochtenes  Dogma
ber  Steuerlehre,  bah  eine  eigentliche  23ermögensfteuer,  b.  h-  eine
Steuer,  bie  aus  bem  Vermögen  befahlt  mirb,  bureaus  unftatt*
haft  ift,  meil  fie  bem  Sfíationaímoljíftanb  fdjäblidj  märe  unb  baher
  nur  für  Ariegsnöten  unb  bergleidjen  gang  aufgergemöhnlidje
gälte  anmenbbar  erfdjeint.  ©ine  23ermögensfteuer,  mie  fie  fürs
yieidf)  nur  in  grage  lommen  iann,  ift,  mie  3.  23.  bie  preuhifdhe
©rgängungsfteuer  auch,  nichts  meiter  als  eine  aus  bem  gahreseinlommen
  gahlbare  Steuer,  bie  nur  nad)  bem  Vermögen  tarifiert
mirb,  um  ber  eigentlichen  ©iniommensfteuer  als  „(Ergöngung"
unb  Morrettur  gu  bienen.  Die  ^ßrogreffion  erreicht  bei  ber  23ermögensfteuer
  nidjt  entfernt  bie  21usbehnungsmöglidjieit,  mie  bei
(Einiommensbefteuerung.
Überhaupt  finb  ber  2krmögensfteuer  engere  ©rengen  gegogen
als  anberen  Steuerformen.
3n  einem  mirtfcijaftlid^  profperierenbem  Staatsmefen  erhöhen
fid)  inbeffen  nid)t  nur  bie  (Einlommen,  fonbern  naturgemäß  aud)
bie  Vermögen.  Diefe  Zunahme  betrifft  befonbers  bie  großen  mit
hohem  (Einlommen  oerbunbenen  23efißtümer.  So  ftieg  bas  fteuer*
pflichtige  Vermögen  in  Preußen  oon
63,9  9JiiIIiarben  im  3aljte  1895
auf  82,4  „  „  „  1905
3h rer  (Entfteljung  nad)  finb  biefe  3unaßmen,  bie,  mie  aus
obigen  3 a hlen  Ijeroorgeht,  bureaus  nicht  niebrig  finb,  nun  ent*
meber  bie  9?efte  oon  (Einlommen,  melche  bie  (Empfänger  gu  ihrem
Lebensunterhalt  nicht  gebraucht  haben,  bie  fie  erfparten  —  ober
fie  finb  bas  SRefuItat  eines  inneren  2Bertgumad)fes  bes  23ermögens,
  bas  gunädjft  nidjt  als  (Einlommen  in  bie  (Erfcßeinung  tritt,
        <pb n="146" />
        135

fonbern  erft  bei  einem  Verlauf  non  fiiegenfchaften,  SBertpapieren  u[r».
als  Soldjes  in  bie  SBirflidjfeit  überführt  wirb.  immerhin  ift  ber  höhere
2Bert  oorhanben,  unb  es  ift  ein  großes  Serbien)!  ber  bobenrefor*
mengen  Bewegung,  baft  biefe  wenigstens  ben  (Srunbwertguwachs
ber  SBefteuerung  guguführen  Sudf)t.  (Es  befielt  aber  fein  ©runb,  2Bert*
guwa^s  anberer  3lrt,  3.35.  Kursgewinne,  unbeSteuert  3U  IaSSen,  unb
aud)  bie  gurüdgelegten  (EinfommensüberSd)üSSe  bilben  ein  gang  oor*
gügli^es  Steuerobjeft.  2Ber  weit  mehr  oerbient,  als  er  braucht,  wirb
So  leidet  aud)  burd)  I)oI)e  Steuern  nicht  gur  3lbwanberung  aus
einem  £anbe  oeranla^t,  bas  iljm  So  Ijeroorragenbe  (Erwerbsdjancen
gewährt,  baj}  er  erljeblidje  Summen  gurüdlegen  tann.  gm  VnSchluf}
an  bie  Vermögenssteuer  gestaltet  S#  bie  Veranlagung  gu  einer
Sotten  Steuer  S^hr  einfach:  bie  KlaSfierung  beruht  auf  ber  ©if*
fereng  gmifdjen  gwei  VermögensSteuerbeilarationen.
Beoor  wir  nun  gu  ber  giffernmä^igen  Tarifierung  unb  (Er*
gebnisberecfjnung  ber  im  obigen  oorgeS^lagenen  Steuerarten  über--gehen,
  erübrigt  es  Sid)  nodj,  bie  Steuerträger  näher  gu  bestimmen.
(Es  iSt  in  ber  mobernen  SteuergeSe^gebung  üblid),  bie  Klassierung,
oon  ber  bie  ^rogreffion  ja  abhängt,  nach  Vcrfonen  oorgunehmen.
Dies  ^Pringip  leibet  an  einem  großen  geiler,  ber  es  gerabe  wohlhabenben
  gamilien  ermöglicht,  erhebliche  Teile  ihres  (Einfommens
unb  Vermögens  ber  Besteuerung  gu  entgiehen.  Solange  bie
gamilie  noch  bie  ©runblage  unSeres  gesamten  fogialen  unb  Staat*
liehen  Gebens  iSt  —  unb  bas  wirb  \k  hoffentlich  in  alle  (Ewigfeit
bleiben  —  Solange  beSteht  auch  %in  plauSibler  ©runb,  ben  ga*
milienbefih,  begw.  bas  gamilieneinfommen  nid^t  auch  gur  (Erunb*
läge  ber  SteuerflafSierung  gu  machen.
3Benn  g.  B.  ein  Vtann  5000  Vf.  gahreseinfommen  hot  unb
Seine  grau  aus  Vorbehaltsgut  1000  VI.  3inSen  befommt,  währenb
jebes  Kinb  biejes  (Ehepaars  aus  einem  ßegat  jährl#  500  Vt
Vente  erhält,  jo  rangiert  heute  bie  grau  in  Brennen  in  ber
niebrigjten  SteuerflaSSe,  währenb  bie  Kinber  überhaupt  frei  bleiben.
(Es  honbeit  Jid)  aber  bodh  um  eine  gang  Sieuerfräftige  gamilie,
ber  für  ihre  3Birtfd)aft  bei  brei  Kinbem  7500  Vt.  gur  Verfügung
Stehen.  (Es  ift  fein  (Brunb  erstlich,  weshalb  nicht  alle  Vtitgtieber
biefer  gamilie  ebenSo  gut  nach  bem  Gteuerfah  ber  Klaffe  für
        <pb n="147" />
        136

7500  SR.  neranlagt  werben  folien,  natürlid)  jebes  nur  für  ben
Vetrag  feines  (Einfommens,  als  tote  biefe  Veranlagung  ein  f$amilienljaupt
  trifft,  bas  7500  9Jiar!  aus  feinem  Vrbeitseinfommen
allein  erwirbt.
3n  ber  uralten  ^Guerftättenfteuer  unb  ber  in  unferen  Sd)utj s
gebieten  eingefüljrten  §üttenfteuer  ^aben  mir  Analogien  für  bie
0erangiel)ung  ber  2Birtfd)aftseint)eit  gur  Vefteuerung,  menigftens
in  gemiffem  Sinne.
^ebenfalls  mürbe  burd)  biefe  nur  ber  ©eredjtigïeit  entfpre*
dfenbe  Veranlagungsform,  bie  mir  aud)  ber  eingelftaatlid)cn  Steuer
gefelggebung  empfehlen  möchten,  ein  heute  nod)  faft  brad)liegem
bes  ©ebiet  einer  p^eren  Vefteuerungsmöglid)ieit  erfdjloffen,  bie
für  feinen  Vetroffenen  eine  ungerechtfertigte  £ärte  bebeuten  mürbe.
3um  Vergleich  mit  unferen  jet)t  folgenben  betaillierten  Vorfcf)Iägen
  geben  mir  ©er  gunädhft  im  Vusguge  (S.  137)  bie  geltem
ben  (Einfommenfteuergefetje  ber  brei  größten  Vunbesftaaten  unb
nermeifen  aud)  auf  bie  oergleidfenbe  ©egenüberftellung  ber  Steuerertrage
  im  Veid)  unb  ben  (Eingelftaaten  1905,  Seite  122—123,
unb  auf  bie  Tabelle  Seite  121.
Tod)  nun  gu  ben  betaillierten  Vorfdjlögen,  benen  mir  3  begm.
4  Steuerarten  gugrunbe  legen,  inbem  mir  bie  Sonberfteuer  auf
3ufaIIseinfommen  gunäd)ft  bei  Seite  Iaffen.
(Es  finb  bies:
I.  Veidfseinfommenfteuer
a)  Vrbeitseinfommen
b)  Kapitalertrag
II.  Veid)st&amp;gt;ermögensfteuer
III.  Vermögensgumad)sfteuer.
Deren  Tarif  ir  un  g  benfen  mir  uns  burd)füf)rbar  auf  ©runb
ber  nad)ftel)enben  Tabellen.
Tie  3ohI  x »  roeldje  ben  Gteuerfu^  begeidjnet,  unterliegt  ber
jährlichen  gefet)Ii&amp;lt;i)en  geftftellung  im  (Einflang  mit  bem  Vubget.
Sie  begei^net  ben  ^rogentfah  ber  niebrigften  Stufe.  Tie  3ifí crn
ber  Tabelle  geben  bie  %Srogreffion  an.  Ob  biefe  gu  fdjarf  gewählt
ift,  ober  ob  fie  nod)  in  ber  präzis  etwas  ftärfer  angefpannt  werben
tonnte,  hängt  gang  oon  ben  (Erfahrungen  ab,  bie  man  bamit
        <pb n="148" />
        g  =  =

Die  eínhommenfteuertañfe  für:

—  137

I  I  I  I  I  I  I  I  I  I  I'

ñ  CO  ^

OH(NW^iO«ÛO)OJJ

g  =

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JíJíeUiiidiiüfeíásssgsssi

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ssssilllllllillls

oííícq'KCOCííNioac

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g  =

I  I  I  I  I  I  I  M.  M.  I.  I.  I.  I.  I.  I.  L

¡¡11111
        <pb n="149" />
        machen  mürbe,  unb  läftt  ftd^  unferer  Sleinung  nad)  t^eorctifdf)
meber  bemeifen  nod)  beftreiten.  Der  ©egenbemeis  märe  nämlidj
nid)t  burd)  lebhafte  ^3rotefte,  fonbern  erft  burdj  tatfäd)lid)  begtnnenbe
Slbmanberung  bes  ©rofttapitals  gu  erbringen.
2Bir  mieberhoten,  baft  teuere  bas  benïbar  fdjmerfte  mirtfdjaft*
lidje  ltnglüd  märe.  (Es  märe  baljer  gar  nicht  jo  fd)Ied)t,  menn
jener  in  granireid)  antäfelidf)  ber  $oincaréf&amp;lt;í)en  Steuerreform  auf*
getaufte  Sorfdjlag  einer  internationalen  Serhinberung  bes  Kapi*
tais  an  ber  Steuerhinterziehung  burd)  3Ibmanberung  feiner  Ser*
mirtlid^ung  entgegengeführt  merben  tonnte.  5lber  natürlich  ift  bas
eine  Utopie.
3um  3med  ber  Xabellenberedjnung  ift  bie  3iffer  x  =  1  °/ 0
angenommen  morben  (Seite  139).
(Es  ift  nun  freilich  unmöglich,  hierin  einen  gang  ausführlichen
©efetjentmurf  niebergulegen,  mie  mir  uns  ben  Slusbau  ber  biretten
Seidjsfteuern  auf  ©runb  oorftet)enber  Xabelle  im  Sing  einen  oor*
ftellen.
3ur  ©rläuterung  biefer  Xabelle  möge  baljer  turg  folgenbes
bienen:
gür  bie  Steuer  auf  Srbeitseintommen,  mogu  mir  aud)  auf  -
©runb  oon  ©efetjen  ober  Snftellungsoerträgen  (nicht  burd)  3(#ung
oon  Serfidfjerungsprämien)  ermorbene  ^enfionen  gählcn,  fdjlagen
mir  eine  ÿrogreffion  oon  1:10  oor.  ßür  niebrigere  Kapitalien*
teneintommen  empfehlen  mir  einen  um  bie  Hälfte  h&amp;amp;h eren  Sah
als  für  bie  betr.  Srbeitseintommen.  Da  aber  bei  Durchführung
biefes  ^3ringips  bis  in  bie  haften  Klaffen  bort  infolge  ber
ftärteren  ^rogreffion  bie  Selaftung  ber  Steuerzahler  bod)  eine  gu
ftarte  merben  mürbe,  bürfte  es  richtig  fein,  oon  15000  Sit.  ab  bie
gleichen  Sätje  für  beibe  Steuerarten  gelten  gu  Iaffen,  benen  im
Übrigen  bie  gleiche  Klaffeneinteilung  gugrunbe  liegt.  —  (30  Klaffen
fteigenb  bis  50000  Sit.
Die  Sermögensfteuer  mag  beginnen  in  ber  erften  Klaffe  mit
bem  niebrigen  Satje  oon  1 ¡ 20  bes  Steuerfujges  für  bie  niebrigfte
SIrbeitseintommentlaffe  unb  im  ^rogreffionsoerhältnis  oon  1:4
bis  auf  Vö  fteigen.
Die  Sermögensgumadhsfteuer  follte  mit  bem  hoppelten  Sah
        <pb n="150" />
        Klaffe  Slrbeitseinlommen  |  Kapitalertrag  ¡  Vermögen  S  erm  âge  nssju  to  act)  s

—  139  —

O  o  o  o  o

^5^S^^^»0 S o 8 ooo¡o S o

oooooooogo

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        <pb n="151" />
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—  140  —

ber  entfpredjenben  5lla[[e  ber  Arbeitsein!ommen[teuer  beginnen,
aber  mit  langsamer  ^3rogre[[ton  ebenfalls  im  Aerhältnis  non  1:10
ihre  ^öd)fte  Stufe  er[t  bei  einem  Aermögensgumadhs  non  über
^4  Million  erregen  um  bie  ileinen  Sparer  niá)t  gu  [eljr  gu
treffen,  beren  Xätigteit  befanntlid)  für  bie  (Entmidlung  bes  National*
nermögens  non  ber  größten  Aebeutung  ift.  ÎBir  benien  uns  bie[e
Steuer  gemiffermaften  als  bie  golge  eines  Witanre^ts  bes  Staates
an  bem  unter  bem  Sdjmtj  [einer  (Einrichtungen  ergielten  mirtfdjaft*
liehen  gortfchritt  [einer  Bürger,  g^^nfalls  moljnt  ber  Aermögens*
gumad)s[teuer  bie[er  (Eljaraiter  in  toeit  ^ö^crem  Alafte  inne,  als
irgenb  einer  anberen  Steuerart.  Sie  i[t  bie  Krönung  eines  nadj
bem  ^Sringip:  „Ae[teuerung  ber  (Ermerbserfolge  nidjt  ber  (Ermerbs*
mittel"  burdjgeführten  Steuer[p[tems.
3m  Übrigen  mag  es  gur  Orientierung  barüber,  mir  mir  uns
bie  Ausführung  biefer  Aorfdjlage  benien,  an  biefer  Stelle  genügen, ­
  nur  noch  einige  £eit[ät}e  bafür  aufgu[tellen.  Um  eine
oolle  Anpa[[ung  an  bie  mirt[ü)aftli^e  £ei[tungsfäl)igieit  bes  Steuer
trägers  gu  ergieten,  mären  gunächit  folgenbe  3u[ci)läge  begm.  Ab*
güge  unb  ^Befreiungen  in  Aor[djlag  gu  bringen:
Oie  untere  ©renge  bilbet  für  bie  (Einiommensbefteuerung
a)  Aei  !inberIo[en  ^3erfonen  ein  (Einiommen  oon  750  9Jli.
b)  Aei  ^erfonen  mit  unterhaltsberechtigten  Oe[genbenten  (auch
im  galle  freiroillig  übernommener  Unterljaltsoerpflichtung  (Er*
merbsunfähiger)  erhöht  [ich  öie  ©renge  auf  1500  3%
Aon  ber  Aermögensfteuer  bleiben  befreit:
a)  Vermögen  unter  6000  3Ri.  überhaupt,
b)  „  „  30000  „
bei  meniger  als  1500  9ftl  Xotaleiniommen  ber  betreffenben  2Birt*
Waft
Aon  ber  Aermögensgumachs[teuer  bleiben  befreit:
a)  3unahmen  unter  500  3Ri.
b)  Zunahmen  burdj  meldje  bas  oorhanbene  Aermögen
auf  nicht  mehr  als  30000  AU.  gebracht  mirb,
3ufci)läge  auf  bas  ©efamtergebnis  aller  ihrer  bireften  Steuern
gahlen:
        <pb n="152" />
        a)  unoerljeiratete  ^3er[onen,  oljne  unterhaltsberechtigte
ober  angenommene,  erwerbsunfähige  Angehörige  mit
einem  (Einiommen  oon  mehr  als  2500  331!.  25%
b)  fdjon  wegen  Steuerbefraubation  oorbeftrafte  ^erfonen
bei  einmaliger  Aorftrafe  10%
für  jebe  weitere  Aorftrafe  je  10%
auf  ben  ©efamtfteuerbetrag  inri,  fonftiger  3 u f^iöge.
Abzüge  werben  geftattet:
a)  für  jebe  oon  ber  Steuerwirtfdjaft  freien  Unterhalt  empfangenbe
  erwerbsunfähige  ^erfon  10  %,  bis  gum
^ö^ftbetrage  oon  50%,  jebodj  nur,  falls  Steuerträger
weniger  als  5000  331!.  ¿intommen  unb  100000  331!.
Vermögen  oerfteuern.
b)  oon  ber  (Einïommensbeïlaration  bürfen  abgefetjt  werben:
1.  alle  3um  (Erwerbe  gehörigen  Ausgaben,  jebodj  nicht  ber
eigene  Unterhalt;
2.  Aerficherungsprämien  aller  Art.  Gebens*  unb  Aentenoerfid)erungen
  unterliegen  inbeffen  nadj  ihrem  jeweiligen
Aapitalwert  ber  Aermögensfteuer;
3.  bie  birerien  Steuern  bes  laufenben  3&amp;lt;*h res ,  in®-  Sdjulgelbes;
4.  Sdjulb3in[en.
Aon  ber  Aermögensbeilaration  bürfen  Sdjulben  in  Abgug
gebracht  werben,  wenn  audj  fonft  für  bie  Aermögensbeilaration
bie  hünbelsgefehli^en  Acftimmungen  über  Srilangaufjtellung  nur
teilweife  gelten  iönnten.  (Es  müffen  3.  A.  ©runbjtüäe,  A3  erb
papiere,  A3  aren  ufw.  3U  bem  am  Xage  ber  Deriaration  er3ielbaren
Aer!aufs=  b^w.  Kurswerte  auf  geführt  werben,  ba  anbemfalls,
wenn  man  bie  ©runbfätje  ber  faufmännijchcn  Ailan3  birett  auf
bie  Steuerbeflaration  übertragen,  alfo  bie  ßnoentur  nadj  bem
^3rin3ip  ber  Solibität  möglichft  niebrig  bemeffen  wollte,  bies  einer
Steuerhinter3iehung  gleich  läme.
A3egen  ber  Doppelbefteuerung  oon  ©efellfdjaften  iönnte  man
mit  einigen  Aerfdjärfungen,  bie  beftehenben  preufeif^en  Aeftüm
mungen  auf  bas  Aeidf)  übernehmen.
        <pb n="153" />
        142

3ur33eraní&amp;lt;í)aultcí)ung,  wie  unfereSteuerüorîcfylâgember^raiis
arbeiten  würben,  geben  wir  im  9tadjfteljenben  einige  23ei[piele:
a)  Gin  i&amp;gt;anbroerter  betlariert  im  ßahr,  nad)  2Ib3ug  feines  5Berfi&amp;lt;herungs=  unb
Steuergelbes,  ein  Gintommen  oon  2000.—  50Î.  (5llrbeitseintommen  KI.  8).
Gr  ift  oerljeiratet  unb  hat  gmei  Kinber,  (omit  ftellt  fid)  feine  Steuerpflicht  tote  folgt,
inbem  angenommen  wirb,  bafj  toeber  er  noch  feine  fjrau  anberroeitiges  Gintommen  ober
Vermögen  befitjen:
2000.—  50t.  bei  einem  Steuerfufj  x=  %  %,  ben  mir  für  alle  Seifpiele
fefttjalten;
Kl.  8  h  1  Va  o/o  22.50  „
Slbäug  2  Kinber
à  10 o ,o=20°/o  4.50  „
is.-  50t.
b)  Gin  3 u, iggefelle  Befi^t  ein  £aus,  bas  er  für  100000  50t.  oertaufen  tann.  Gr
3iet)t  baraus  einen  (Reingewinn  oon  6000.—  50t.  netto,  nach  2tb3ug  aller  Steuern  ufro.,
ba  er  lein  frembes  Gelb  barin  hat.
Diefes  oerbraust  er  aber  nid)t  gan3,  fonbern  bringt  jebes  3at)r  1000  50t.  baoon
auf  bie  Sant,  roo  er  ein  Guthaben  oon  10000  50t.  hat,  bas  fidf)  mit  3%  oersinft,  alfo
weitere  300  50t.  einbringt,  bie  er  ebenfalls  nicht  oerbraud)t.  ferner  hat  er  2000  50t.  an
einer  Gffettenfpetulation  oerbient,  unb  500  50t.  Honorar  für  eine  gelegentliche  fchriftfteb
lerifche  SIrbeit  erhalten,  roas  er  beibes  ausgab.
Demnach  (teilten  (ich  feine  Gefamtreoenüen  wie  folgt  :
a)  5Hrbeitseintommen  500.—  50t.
b)  Kapitalertrag  6  300—  ,,
c)  3ufaIIse(ntommen  2000.—  „
8800.—  50t.
Gr  oerfteuert  baoon  in  Klaffe  19
I.  als  Gintommen  3roifd)en  8  unb  9000  50t.
a)  3U  2  i k  %  fein  5îlrbeitseinïommen  500.—  50t.  12.50  50t.
b)  „  3  Va  „  «feinen  Kapitalertrag  6300.—  „  196.90  „
c)  „  20  „  fein  3ufäll.  Gintommen  2000.—  „  400.—  „
II.  als  Vermögen  oon  HO000  50t.  in
Klaffe  10  à  Vu  %  50.—  „
HL  als  5Bermögens3uroad»s  in  Klaffe  2
1  300  50t.  1  Va  °/o  14.65  „
gufammen  alfo  674.05  „
barauf  3ufd)Iag  25%  168.50  „
842.55  50t.
c)  Gin  Stabsoffi3ier,  oerheiratet,  brei  minberjährige  Kinber,  be3iet)t
ein  Gehalt  oon  7200  50t.,  oon  bem  er  nach  einigen  gefehlten  Slb3Ügen
noch  3U  oerfteuern  hot
Seine  Gattin  hat  ein  5Bermögen  oon  200000  50t.,  er  felber  teins,
jeboch  bie  brei  Kinber  aus  einem  5öermäd)tnis  je  50000  50t.,  fo  bah  bie
gamilie  im  gan3en  350000  50t.  befitjt,  bie  abroerfen  &amp;amp;  4%  netto  nach
2tb3ug  ber  Steuern
5Hb3ugsbered)tigt  ift  er  (omit  nicht  mehr.

6500  —  50t.

14000  —

ßufammen  20500,—  50t.
        <pb n="154" />
        143

Son  bem  barin  enthaltenen  3insgeminn  ber  Ainber  rotrb  inbeîfen
nichts  nerbraucht,  ba  bie  SBirtfchaftsausgaben  aus  ben  (Einfünften  bes
Staters  unb  ber  Wutter  beftritten  toerben.
(Es  ergibt  fid)  alfo  ein  totaler  Stermögensgumachs  ber  SBirtfdjaft
non  6000  W.
Within  ftellt  [ich  bie  Steuerpflicht
a)  bes  Offiziers  auf
6500.—  W.  AI.  25  Slrbeitseinfommen  ßmifchen  20  u.  22500  W.
k  3*/«  °/o  243.75  W.
b)  feiner  (Sattin  auf
8000.—  W.  AI.  25  Aapitalertrag  gleicher  Sah  toie  oben
300.—  W.
200000.—  W.  Sßermögen.  AI.  13  ( l /&amp;lt;—*/*  Will.)
k  1 he  °/o  125.—  „  425.—  „
c)  ber  Ainber  auf
je  2000.—W.  AI.  25  Aapitalertrag  gleicher  Sah
toie  oben  75.—  W.
„  50000.—  „  Vermögen  AI.  13  ( x /«—Va  Will.)
k  Vie  °/o  31.25  „
„  2000.—  „  Stermögensgumachs  AI.  10
(5500—6000  W.)  k  2 8 /4°/o  55.—  „
im  ganzen  mithin  1  Ainb  161.25  W.
X  3  =  483.75  „
unb  bie  gan;e  ffamilie  1152.50  „
Diefes  23eifpiel  foil  bie  iUaffierungswirfung  bei  einer  woljï*
Ijabenben  gamilie  bemonftrieren.  9Jtan  wirb  gugeben,  bafj  ber
Steuerbrucf  oon  ca.  1150  9JI.  bei  einem  netto  (Einfommen  oon
über  20000  3Rf.  fein  all  gu  [cpmmer  ift,  um  fo  weniger,  als  bie
gamilie  jebes  6000  $Rf.  [paren  fann.
2Bir  fommen  jetjt  gu  ber  ¿Berechnung  bes  aus  biefer  ¿Be*
fteuerung  gu  erljoffenben  (Ertrags,  ber  wir  freilid)  nur  bie  preufji*
f^en3üf)Ien,  wieber  oon  3:5  umgeredjnet,  gugrunbe  legen  fönnen,
unb  3war  werben  wir  ben  für  bie  oorfteljenben  ¿Beifpiele  ge*
brauchten  Steuerfuf}  x=V2°/o  Bunädjft  beibefyatten.  Das  3ufaIIseinfommen,
  bas  in  biefen  3iffem  enthalten  ift,  aber  nicfjt  baraus
ermittelt  werben  fann,  werben  wir  nid)t  befonbcrs  berü&amp;lt;ificf)tigen,
oielme^r  bie  Pieren  (Erträge  aus  feiner  eoent.  Sonberbefteuerung
als  [tille  ¿Referoen  bemalten.
Das  gefamte  (Einfommen  für  1905  in  ¿Jkeufjen  ift  oeran*
lagt  mit
        <pb n="155" />
        144

baoon  entfallen  unter  Aidjtberüdfichtigung
bet  gefeilteren  Stb^üge
auf  ©iniommen  über  3000  95tï.,  mithin  auf
©iniommen  con  900—3000  9Jtl.
9tur  für  erftere  Kategorie  finb  bie  einzelnen  ©rtoerbsquellen
roi  nachgetoiefen.  ©s  oerteilt  fidj  banadj  bas  ©iniommen  tote  folgt:
I.  aus  Kapitaloermögen  1379500382  s Dli.
II.  „  ©runboermögen  1108927136  „
III.  „  Raubet  unb  ©enterbe,  ^Bergbau  1506952162  „
IV.  „  ©eroinnbringenbe  23efd)äftigung  1261075947  „
Rechnet  man  bet  ^lofition  III,  ©iniommen  aus  Raubet,  ©enterbe
unb  ^Bergbau  nun  fo,  bas  man  bte  5&amp;gt;älfte  bes  erretten  ©etoinns
als  Arbeitseiniommen  unb  bte  anbere  $alfte  als  Kapitalertrag
annimmt,  fo  ergeben  fid)  als  ungefähres  SRefultat,  ba  I  unb  II
3toeifellos  Kapitalertrag  unb  IV  Arbeitseiniommen  finb
2  fölilliarben  Arbeitseiniommen
3 1 / 4  %)tilliarben  Kapitalertrag
ober  3U  3:5  geregnet  fürs  Dleid)  ca.  3,5  beßto.  5,5  9Jlilliarben.
3)ie  ©inlommen  unter  3000  SRari  betrugen  für  ^reuften
4,4  SRilliarben.
Daoon  iann  man  auf  ©runb  ber  latfadje,  bafj  biefe  Schichten
mit  ca.  7  ÄRilliarben  Vermögen  gur  ©rgängungsfteuer  oeram
lagt  toaren,  ettoa  0,3  s JUilliarbe  als  Kapitalrenteneinfommen
regnen.
©s  ergeben  fid)  baraus  fürs  %eich  folgenbe  Ziffern:
4,4  50lilliarben
~Q&amp;gt;3  „
4,1  SPlttlrorben  x_5  =  5r)¡ ju¡atben  2r rbe ¡t S erttag
plus  obiger  3,5  „  „

9668607595  SRI.
5256455627  „
4412151968  m.

fotoie:

10,3  mtilliarben  Arbeitsertrag
        <pb n="156" />
        145

0,3  ^■-  =  0,5  Vtillionen  Kapitalertrag
+  5,5  „  „
6,0  Vlilliarben  Kapitalertrag
Veibe  ^ßofitonen  erhöhen  fid)  nidjt  unerfyebltdj  baburch,  bafj
oben  oorgeídjíagen  ift,  bie  Steuerpflid)t  bei  750  9Jtt.  ftatt  roie  in
^reufjen  bei  900  3RI.  beginnen  gu  laufen  unb  bie  ÎBirtfchaften
als  foldje  gu  Steuereinheiten  gu  machen,  roäljrenb  fid)  bie  ge*
ftatteten  Slb^üge  für  unterí)aítsbere^tigte  Verroanbte  u.  f.  m.  bent*
lieh  mit  ben  höheren  ^Belüftungen  ber  Kinberlofen  bie  2Bage  halten
bürften.
Die  9,7  VüIIiarben  Xotaleintommen  in  ^reu^en  lieferten
202  Millionen  9Jtarf  Steuerertrag,  bas  ergibt  einen  Durchschnitts*
fteuerfufc  oon  ca.  2  °/ 0 .
9?ed)nen  mir  fürs  SReich  nur  1  °/ 0  als  Durchfü)nitt  für  Vrbeits*
eintommen,  alfo  ben  halben  Sah,  ber  in  ^reuften  gilt,  mas,  mie
mir  nod)  fehen  merben,  ben  gu&amp;amp;  oon  x= 1 / 2 %  lange  nidjt  erreicht,
fo  ergiebt  bas
l°/o  auf  10,3  SOtilliarben  5lrbeitseintommen  103  5tRillionen
ca.  l 1 / 2 °/o  auf  6  ÄRilliarben  Kapitalertrag  90  „
193  Millionen
(alfo  genau  fo  oiel,  roie  bie  Sämtlichen  im  Frühling  1906  bemil*
ligten  inbiretten  Veidjsfteuern).
Das  gefamte  Steuerpflichtige  Vermögen  betrug  in  ^3reufren
ca.  82^  Vtilliarben,  bas  gibt  à  3:5  fürs  Gleich  ca.  135  Vtilliarben.
^reu^en  30g  aus  biefen  82V 2  VMiarben  auf  ©runb  bes  feften
Steuerfufjes  oon  V/oo  40^  Millionen  Vtart  Steuer.
üßie  oorgefdjlagen,  mollen  mir  ben  Steuerfuft  ber  Vermögens*
Steuer  auf  J / 20 ,  bas  ber  (Eintommenfteuer  jemeils  gu  ©runbe  ge*
legten  gu^es  normieren.  Das  mürbe  für  unfere  Veredjnung  eben*
falls  x / 2  °/ 00  ergeben.
3n  Vüdfidht  auf  bie  fcharfe  ^rogreffion  oon  1:4  ift  bas  als
bureaus  fidler  gu  betrauten,  es  enthält  auch  noch  eine  ftarte  Ve*
feroe  für  Slbgüge  unb  bergl.
Dagu  taltuliert,  mürbe  man  im  Reiche  auf  67  V 2  Millionen
(Ertrag  aus  ber  Vermögenssteuer  regnen  tonnen.
ffirotetoolb,  3inan3fi)flem.

10
        <pb n="157" />
        —  146  —
Sdjmieriger  gestaltet  [idj  bie  Aalfulation  ber  Sermögensgu*
madjsjteuer.
Das  ergängungsfteuerpflidjtige  Vermögen  betrug  in  ^reufjen
genau
1905  —  82410,29  SUitlionen
1895  —  63917,81  „
mithin  meift  es  18502,48  Millionen  9Jtar!
3unaf)mein  10  3a^ren,  gletd^  ca.  1,85  5CRtlItarben  5Rarf  per  3^r  auf.
Dann  finb  aber  alle  Vermögen  über  6000  9ftarf  eingerechnet,
röäljrenb  uns  l)ter  nur  bie  über  30000  9ftarf  angelen.  Die
Vermögen  gmij%n  6  unb  32000  SOÎarï  betragen  aber  ca.  15%
bes  Dotais.  SRitljin  finb  mir  gu  ber  Slnnaljme  berechtigt,  bafe  fie
mit  hödjftens  ca.  0,3  SRilliarben  an  ber  jährlichen  ßuna^me  par*
tigipieren.
(Es  mürbe  aljo  bemnadj  eine  ßlejtjumme  oon  1,55  StRilliarben
gur  Annulation  übrig  bleiben.  Der  Sicherheit  bes  ©rgebnifjes
megen  unb  in  9lüáfic^t  auf  bie  Keinen  fteuerfrei  bleibenben  ßu*
nahmen  unter  500  SR!.,  bie  ja  in  jenen  1,55  ÄRilliarben  noch  immer
enthalten  finb,  menn  bei  ben  Vermögen  über  30  begm.  32000  3Rarf
biefe  Keinen  Sparerträge  auch  feine  rechnerijd)  erí&amp;gt;ebli&amp;lt;í)e  ¿Rolle
meljr  fpielen  bürften,  motten  mir  nun  ben  ber  ¿Berechnung  für
bas  ¿Reich  gugrunbe  gu  legenben  Setrag  nur  auf  2%  SRiKiarben
annehmen  unb  als  Steuerfufe  im  ¿Behältnis  gu  1%  als  Durdjfd)nitt
  ber  ¿Krbeitseinfommenfteuer  2%  einfetjen.  2ßir  erhalten
bann  ein  (Ergebnis  oon  45  ¿Millionen  ¿Mari  bas  unbebingt  als
fteigerungsfä^ig  gu  begegnen  ift.  9luch  ift  nidfjt  babei  berüdf*
fidjtigt,  bajg  bie  gang  Ijofyen  ¿Bermogensgunaljmen  mit  ^of&amp;gt;em
Steuerjat}  bas  gröjgte  Contingent  gu  ben  Aontribuenten  biefer
Steuer  ftelten  merben.
Der  ©ejamtertrag  ber  Steucroorfd)läge  mürbe  fid)  bemnadj
mie  folgt  ftelten  :
aus  bem  Slrbeitseinfommen  103  Millionen
„  „  Aapitalertrag  90
„  Vermögen  67  V,
„  Sermögensgumadjs  45
alfo  im  ©angen  305  V*  Millionen
        <pb n="158" />
        147

SIbgefehen  t»on  Abzügen,  bie  ja  unter  Umftänben  t&amp;gt;ielleid)t
(Einwirfungen  auf  bas  ©efamtergebnis  non  25°/ 0  auszuüben  oer*
möchten,  tonnen  wir  bie  oerfdhiebenen  üaltulationsreferoen  gern
unb  gut  mit  200  SUillionen  ¿tari  bewerten.  23efonbers  liegen
bieje  in  unserer  fdjarferen  ^rogrefjion,  wä^renb  wir  bes  leisten
Vergleichs  wegen,  zunäd)ft  nur  mit  ber  Analogie  ber  preußifd)en
Vrogreffion  geregnet  hüben.
2Bir  bürfen  alfo  wot)!  behaupten,  baß  ber  ziffernmäßige  9iad)=weis,
  ber  9?eid)sbebarf  fei  aud)  für  bie  3u!unft  nod)  ohne  allzu=¡tarte
  Velaftung  ber  woßl^abenben  Greife  unb  ohne  finanzielle
Schwächung  ber  (Einzelftaaten  burd)  birette  Steuern  bequem  unb
ausreidjenb,  ohne  ungerechte  gärten  zu  beden,  uns  gelungen  i|t.
—  Um  eu  ent.  noch  uorßanbene  Steptiter  aber  zu  beiehren,  werben
wir  aber  eine  ^3robe  machen.
Seiber  enthält  bie  oom  preußifdhcn  ginanzminifter  bem  $aufe
ber  Vbgeorbneten  überreichte  Überfid)t  über  bie  (Eintommenfteuerunb
  (Ergänzungsfteueroeranlagung  (1904—1905),  ber  wir  unjer
3at)Ienmateriat  entnehmen,  teine  genauen  Eingaben,  mit  wettern
Verhältnis  ¡id)  bie  (Eintommen  ¡elbft  auf  bie  Veoölterung  oerteilen.
Sie  liefert  biefen  2tuffd)Iuß  nur  für  bie  (Eintommenft  euer  ergebniffe
welche  nur  ungefähre  Schlüffe  auf  bie  (Eintommen  felbft  zulaffen.
Die  3enfiten  mit  einem  (Eintommen  oon:  900—3000  %Uart
brauten  auf  an  Steuer  56,8  Vlillionen.  3 U  einem  Steuerfaß
oon  1 1 li  °lo  im  ungefähren  Durcßfchnitt  entfprict)t  bas  einem  (Eintommen ­
  biefer  Sdjidjt  oon  4,5  Vtilliarben.
Die  Veredjnung  für  alle  in  jener  Überfielt  nachgewiefenen
Stufen  ergibt  folgenbes  93ilb,  bas  natürlich  uur  auf  annähembe
Vidhtigteit  Vnfprudh  machen  tann.

Steuerftufe

©teuerertrag

annäijctnber
Steuerfufe  %

(Etnlommenjummcn
jirta

900—  3000  5DÎ.  I  56,8  amillonen

4,5  amiliarben

3  000—  6000  „  I  29,5
6000—  9500  „  ,  17,4
9500—  30500  „  !  32,9
30500—100  000  „  i  24,6

3

1,3
0,7
1,1
0,7
0,7

über  100000  „  j  26,8

4

lotai  I  188  amillonen

9,0  amiliarben
10*
        <pb n="159" />
        148

Diefe  ^Betrüge  entfpredjen  ben  $eranIagungsfolts  abgügíid^
gewiffer  9lbgüge,  roeld^e  ber  obigen  preufpfdjen  SBeredjnung  ¿ugrunbe
  liegen.  9?edjnen  wir  nun  bicfe  ^Betrüge  unter  3ugrunbe=Iegung
  ber  bem  Satj  x= 1 / 2 °/o  entfpredfenben  ßalflen  aufs  fReid)
um,  fo  erhalten  wir  bie  nadjfteljenben  ebenfalls  nur  annä^ernben

9?efultate:

Steuerkufen

(preu&amp;amp;ifdje  |  3ícid)s=Ginïommmenfummen

3:5

iRct&amp;lt;^sfteuerfufe
im
£&amp;gt;ur&amp;lt;i)fd)nitt

(Reicfjserträge

900—  3  000  m
3  000—  6000
6  000—  9  500
9500—  30  500
30500  —  100  000
über  100  000

4,5  amiliarb.
1,3
0,7
1,1
0,7
0,7

7,5  fflltlliarb.
2,2
1,2
1,8
1,15
1,15

1  %
2  „
2V,  „
3%„
5  „
5  „

75  2Rillionen
44
30
67.5
57.5
57,5

9,0  amiliarb.  15,0  ÎRilliarb,

331,5  ^million.

als  (Ertrag  allein  ber  SReidjsetnlommenfteuer.

Dabei  ift  bie  Ijöljere  SBefteuerung  bes  Kapitalertrags  aufjer
$lnfa%  gelaffen,  wäljrenb  im  Übrigen  bie  9lnnaljme  bes  Durd)=fdjnitts
  ber  Steuerfüfoe  innerhalb  ber  einzelnen  Stufen  mangels
genaueren  ftatiftifdjen  Materials  eine  giemlid)  williürlidje  fein  mufete.
^ebenfalls  aber  beweift  biefe  23ered)nung  bas,  was  fie  beweifen
foil,  nämlidj:  bafj  es  gar  nict)t  nötig  ift,  um  für  bas  9leidj  3  bis
400  Millionen  burcl)  bireite  Steuern  gu  fdjaffen,  einen  audj  nur  ber
Hälfte  bes  preufpfcfyen  glei^tommenben  Durdjfdfnittsfat}  für  bie
baran  beteiligte  SReidfseiniommenfteuer  %u  normieren.
gür  bie  33ermögensfteuer  ftellt  fidf)  bie  gleite  23ered)nung
wie  folgt,  inbem  fid)  aud)  Ijier  ein  gang  erljeblidfes  ^lus  ergibt:

Steuerkufen

(preuftifcftes  ¡  5Hei^s=Vermögen

in  SRilliarben

Steuerfufc
im  Durd#niit

Steuerertrag
in  Millionen
Wart

6—  20000  Wart
20—  32  000
32—  52000
52—100000
100—200000
200—500000
500—1  aitillion
1—2  „
über  2

7.1
5.1
7,6
10,3
10,2
12,—
8,—
6,8
13.5
80.6

12,—
8,5
12.5
17,—
17.—
20,—
13.3
11.3
22.5
134,1

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V.8  %
Vl4  &amp;gt;&amp;gt;
Vj2  "
V10  „

3,15
2,7
4,46
7,1
8.5
25,-9.5

9,4
22,5
92,31
        <pb n="160" />
        149

(Die  2lbn&amp;gt;eid)ungen  gegen  bie  im  Deact  ermähnten  3^1^  ergaben  ¡id)  aus  2lbjäfcen
  in  ben  preufeiidjen  Angaben).
©s  geigt  fp  alfo  f)ter  ein  Überfdjufj  non  ca.  50°/ 0 .
Sei  unfern  Steueroorfdjlägen  finb  roir  uns  freilich  über  (Eins
!Iar:  bie  Sadje  mirb  nur  gehen,  menu  bie  Steuerbetlaranten  hmfidftlp
  ber  ©emiffenhaftigleit  ihrer  Deilarationen  fp  mufterhaft
oerljalten.  (Es  mirb  baijer  erforberlp  merben,  mas  eigentlich  fp
non  felbft  oerfteht,  bie  abfidf)tli(^e  Steuerhintergiehung  bem  gemöhnlpen
  Setrug  glep  gu  ftellen.  ÜBarum  bas  in  ber  bis=^erigen
  ©efetjgebung  im  allgemeinen  npt  gesehen  ift,  ift  uns
übrigens  ftets  ein  Sätfel  gemefen.  Sdjliefjlp  ift  hoch  Setrug
immer  Setrug,  einerlei  ob  er  gegen  bie  Staatstaffe  ober  gegen
eine  ^erfon  gerietet  mar.
Àamentlp  follte  man  ben  Steuerbefraubanten  aber  an  ben
©elbbeutel  gehen.  Die  bauernbe  fdjärfere  §erangieljung  gur
Steuer  burd)  allgemeinen  3ufdjlag,  bk  ©fr  Pon  ermähnten,  mürbe
groeifellos  erfolgreich  mirlen.

Scblufewort*
2ßir  flehen  jet)t  am  (Enbe  unferer  Ausführungen.  Stenn  mir
uns  nun  auch  leinen  ^Huffionen  barüber  hingeben,  bafe  mir  bie
Sermirllpung  unferer  Sorpiäge  für  ein  bireltes  Sepsfteuerfr)ftem
  npt  fo  halb  erleben  merben,  fo  finb  mir  bod)  baoon  feft
übergeugt,  bafj  bie  mieberholte  Disiuffion  biefer  grage  tn  ber
Öffentlichleit  bei  ber  ihr  gm  eifellos  innemohnenben  merbenben
straft  bagu  beitragen  mirb,  immer  meitere  Anhänger  für  ben  ©ebanlen
  gu  geminnen,  gum  0eil  unferes  Saterlanbes.
Die  Stärlung  unb  Sanierung  ber  Sepsfinangen  ift  ja  nicht
allein  ba$3iel,  bas  burdj  bie  birettenSepsftcuern  erreicht  merben  foil.
0öher  als  ber  rein  finangmirtpaftlpe  ©rfolg  flehen  uns  groei
anbere  ¿been:  erftené  bie  Aüdgeminnung  ber  Arbeiter  für  ben
SRepsgebanlen,  bem  in  meiten  Sollstreifen  ni^ts  abträglidjer  gemefen
  ift  als  ber  nur  allgu  berechtigte,  menu  au&amp;lt;h  agitatorifd)
miffbraudjte  ^inmeis  auf  ben  „93rotmud)er“  unb  ben  „ßlaffenftaat"
ber  fein  ©elb  aus  ben  Xafdjen  ber  armen  £eute  nimmt,  mährenb  er
        <pb n="161" />
        150  —

bie  rooí)lt)abenben  fdhont,  unb  510eitens  bie  Stärlung  bes  9teicl)s®
gebanïen r  gegenüber  partiïulariftifd)en  unb  föberaliftifchen  93eftrebungen.

23eiben  T  len,  ber  (Entlaftung  bes  Sßolfs  oon  tnbtreften  Steuern,
unb  ber  feft  m  Sufammenfdjtoeifoung  bes  SReidjs  roirb  aber  feine
^Rafjregel  btnc».  bienen  lönnen,  als  bie  (Einführung  birelter  tReid)S®
fteuern,  beren  Sknmrïlidjung  feit  ber  iRei&amp;lt;hsgrünbung  einen  ber
i)auptfädjlid)ften  ^3rogrammpunfte  aller  roirlli^  liberal  unb  national
fühlenben  beutfdi)en  %Rönner  gebilbet  hat,  unb  bis  gu  ihrer  (Er®
iampfung  bilben  mufe  unb  roirb.

Berichtigungen.
Seite  35,  XVIIa  lies  ftatt  „767463,3“:  „76746,4“
(1905)
„  35  „  d  „  „  „791338,9“:  „100622,0“
„  49  ßeile  11  „  „  „Spalg“:  „Spelg“
„  104  „  5  „  „  „SRationalöfonomie“:  „Staatsredjts“.
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0_  CD

ber  (Ertrage  ber  gaftrlartenftempel  unb  ber  *!poftüberfcftüffe.  Der
Aentner  bagegen,  ber  otelleidE)!  ein  ^unggefelle  ift,  ijt  nttf)t  gegwungen,
  niel  gu  reifen,  niel  glorio  gu  uerftftreiben,  niel  35rot  gu
laufen.  An  iftm  nerbient  bas  SReicft  red)t  rnenig,  es  fei  benn,  baft
er  ftarler  Aaucfter  unb  S^napstrinler  märe.  2Bir  fragen,  tnie  nereinigen
  fid}  berartige  23efteuerungsgrunbfäfte  mit  ben  bo&amp;lt;ft  fteute
Allgemeingut  geworbenen  finangwiffenf(ftaftlid)en  Anforberungen
an  ein  rationelles  Steuerfreiem?
Der  alte  berühmte  Abam  Smitft  ft  at  biefe,  wenn  aucft  nicftt
guerft,  fo  bocft  in  llaffifift  geworbener  gorm  wie  folgt  fixiert:
1.  Das  %Sringtp  ber  ßeiftungsfäftigleit
2.  „  „  „  SBeftimmtfteit
3.  „  „  „  %eguemli(ftleit
4.  „  „  „  billigen  (Erftebungsloften,
inbem  er  folgenbe  Dftefen  bafür  aufftellt:
Adam  Smith,  Bd.  V.  ch.  2,  part.  2:
1.  The  Subjects  of  every  state  ought  to  contribute  towards  the  support
of  the  governement  as  nearly  as  possible,  in  proportion  of  their  respective  abilities, ­
  that  is,  in  proportion  to  the  revenue,  which  they  respectively  enjoy  under
the  protection  of  the  state.  (^Srinjtp  ber  , ( £eiftungsfäf)iglett“.)
2.  The  tax  which  each  individual  is  bound  to  pay  ought  to  be  certain  and
not  arbitrary.  The  time  of  payment,  the  manner  of  payment,  the  quantity
to  be  paid  ought  all  to  be  clear  and  plain  to  the  contributor  and  to  every  other
person.  (ißringip  ber  „Seftimmtljeit".)
3.  Every  tax  ought  to  be  levied  at  the  time  or  in  the  manner,  in  which
it  is  most  likely  to  be  convenient  for  the  contributor  to  pay  it.  (ißringip  ber
„33equemlict)teit".)
4.  Every  tax  ought  to  be  contrived  as  both  to  take  out  and  to  keep  out
of  the  pockets  of  the  people  as  little  as  possible,  over  and  above  what  it  brings
into,  the  public  treasury  of  the  state.  (Ißringip  ber  billigen  „Gr  I)  ebungs  toft  en“.)
Abolpft  SBagner  ft  at  biefe  (örunbfäfte  erweitert  unb  in  ein
Spftem  gebracht:
I.  ginangpolitifdje  %Sringipien:
1.  Ausreicftenbfteit  ber  SBefteuerung
2.  33emegli&amp;lt;ftteit  ber  SBefteuerung
II.  Aollswirtfcftaftlicfte  &amp;lt;J3ringipien:
3.  ÎBaftl  richtiger  Steuerquellen
4.  „  „  Steuerarten.
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        "
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