Misstrauen  schon  die  ersten  Versuche  betrachten,  im  stärksten
Gegensätze  zu  dem  nationalen  Sozialismus  Lassalles  den  Vaterlands ­
  los  en  revolutionären  Kommunismus  unter  die
deutschen  Arbeiter  auszusäen  und  einzupflanzen,  den  der  deutsche
Flüchtling  Karl  Marx  schon  seit  1847  im  Auslande  gepredigt
und  in  ein  System  gebracht  hatte.  Marx  lebte  seit  1849  in  London. ­
  Die  Genossen  und  Schüler  um  ihn  hiessen  „die  Schwefelbande“. ­
  Von  seinem  Herrn  und  Meister  Karl  Marx  hatte  W  ilhelm
  Liebknecht  den  blinden  und  unbelehrbaren  Fanatismus
geerbt;  auch  gelernt,  mit  allen  Mitteln  die  Massen  für  sein  Ziel  zu
gewinnen,  das  in  der  Hauptsache  darin  bestand,  dem  ehrlichen
deutschen  Arbeiter  die  Liebe  zum  Vaterlande  aus  dem  Herzen
zu  reissen.  Liebknecht  hatte  1*49  an  der  badischen  Revolution
teilgenommen.  Als  König  Wilhelm  von  Preussen  nun  eine  allgemeine ­
  Amnestie  erliess,  kehrte  Liebknecht  1862  nach  Deutschland ­
  zurück,  und  zwai  zunächst  nach  Berlin,  wurde  hier  aber
I860  ausgewiesen  und  wandte  sich  nun  nach  Leipzig.  Hier  gelang
ihm,  sich  in  dem  bis  dahin  liberalen  und  nationalen  Arbeiterverein ­
  einzunisten,  dessen  Leiter  der  Drechsler  August  Bebel  war.
Bebels  warme  Beredsamkeit,  reiche  Begabung,  ungemeine  Volkstümlichkeit ­
  waren  Dinge,  die  Liebknecht  durchaus  abgingen.
Mit  Bebel  und  seinem  starken  Anhang  in  der  Arbeiterschaft  liess
sich  die  Partei  gründen,  die  Herrn  Liebknecht  fehlte  In  jahrelanger ­
  zäher  Arbeit  gelingt  es  diesem  nun,  Bebel  zuerst  mit  Misstrauen ­
  gegen  Preussen  und  die  deutsche  Sache  zu  erfüllen,  und
ihn  dann  vollständig  und  widerstandslos  in  die  kommunistischen
Träume  einzuspinnen,  in  denen  Liebknecht  selbst  lebte.  Langsam
folgten  Bebels  Genossen  auf  dieser  traurigen  Bahn.  Vorsichtig
wird  die  kommunistische  Klaue  anfangs  vor  Bebel  und  dann  auch
noch  vor  den  Genossen  verborgen.  Erst  im  August  1869  ward
auf  dem  Kongress  in  Eisenach  der  Name  „Sozialdemokratische ­
  Arbeiterpartei“  und  damit  ein  Programm
angenommen,  das  in  allen  Hauptpunkten  wortgetreu  dem
Marxscheu  Statut  für  den  Internationalen  Kommunistenbund  (der
„Internationale“)  entsprach.  Und  erst  im  Mai  1875  gelang  es,
auf  dem  Vereinigungskongress  in  Gotha  auch  die  Lassalleaner
zu  diesem  vaterlandsloscn  Kommunismus  zu  bekehren.
Bismarck  hatte  sich  durch  die  heftige  Feindseligheit  dieser
neuen  deutschen  Arbeiterführer  und  der  von  ihnen  verhetzten
Massen  gegen  ihn  und  durch  ihre  dreiste  Behauptung,  dass  sie
allein  die  Wohlfahrt  des  deutschen  Arbeiterstandes  vertreten,
keinen  Augenblick  abhalten  lassen,  das  auch  seinerseits  nach
besten  Kräften  zu  tun.  Sowie  nach  den  preussischen  Siegen  von
1866  der  Norddeutsche  Bund  gegründet  und  ein  Deutsches
Zoll  parla  m  ent  geschaffen  war,  betätigte  Bismarck  seine  sozialpolitische ­
  Fürsorse  für  die  deutschen  Arbeiter  durch  seine  Vorlagen
an  den  Norddeutschen  Reichstag  und  an  das  Deutsche  Zollparlament ­
  in  grossartigster  Weise.  Und  wenn  Bismarck  bei  allen