ák — 209 — Gegenstücke finden könnten, wenn es nötig sein sollte, ein derartiges Verfahren anzuwenden. Diese Mittel können übrigens nur in beschränktem Umfange angewendet werden. Accordarbeit und Stück lohn stossen bekanntlich in den meisten Industrieen auf technische Schwierigkeiten oder auf einen Widerstand, der infolge mannigfacher Missbrauche berechtigt erscheint. Der Tagelohn bleibt die herrschende Lohnform, und wenn es so ist, dann muss ein jeder zugeben, dass der Arbeiter in den capitalistischen Unternehmungen, der zu einer ein fachen Maschine zur Erzeugung von Mehrwert degradiert ist, keinen anderen Anreiz zur Arbeit kennt als die Furcht vor Entlassung oder Strafe. Im allgemeinen arbeitet er ge rade so viel, dass er nicht auf die Strasse geworfen oder bestraft wird. Aber gerade in den Productionszweigen, wo die Ueberwachung schwierig ist — z. B. bei den ländlichen Arbeiten —, zeigen sich die beklagenswerten Consequenzen in Hinsicht auf die Productivität der heuti gen Zustände in aller Klarheit. „Wenn man die Dinge nimmt, wie sie sind,“ so sagt Piret, „so kann man gar nicht erwarten, dass der Arbeiter mehr arbeitet, als nur eben um Vorwürfe zu vermeiden. Dieses Minimum von Thätigkeit verallgemeinert sich bei den Arbeitern im Verhältnis zu der Ueberwachung und den gewöhnlichen Anforderungen der Meister und wird schliesslich so sehr zur Gewohnheit, dass man es als Regel ansieht. Bei dem häuslichen Gesinde ist es noch schlimmer: da es, abgesehen von ganz schweren Fällen, nicht zu fürchten braucht, Knall und Fall entlassen zu werden, und da es ferner für seine ganze Dienstzeit be zahlt wird, so hat es gar kein Interesse daran, in einer gegebenen Zeit die höchstmögliche Arbeitsleistung zu liefern; ihm kommt es nur darauf an, mit einer Lang samkeit zu arbeiten, die lediglich danach eingerichtet ist, dass es sich nicht gar zu heftigem Tadel aussetzt; anstatt daher seine Arbeit mit Fleiss und Aufmersamkeit zu ver- Vandervelde: Die Entwickelung zum Socialismus. 14