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Bischoff,  Die  Forderungen  der  Praxis.

schule,  diejenige  zu  Leipzig,  bislang  für  diese  Aufgabe  noch  recht
wenig  getan  hat;  soviel  ich  weiß,  liegt  dies  aber  mit  daran,  daß
es  schwer  hält,  dort  eine  wirklich  geeignete  Lehrkraft  für  den  allgemeinen ­
  Unterricht  in  der  Versicherungswissenschaft  zu  gewinnen.
Daß  der  jetzige  Stand  der  in  unser  Gebiet  schlagenden  Vorlesungen ­
  nicht  als  ausreichend  erachtet  werden  kann,  erscheint  mit
feststehend;  eine  Vermehrung  der  betreffenden  Vorlesungen  wäre
zu  wünschen.  Aber  mit  dieser  Vermehrung  des  Unterrichts  müßte
sich  eine  Vermehrung  der  Hörer  verbinden,  wenn  anders  das  ganze
Unternehmen  den  erforderlichen  Erfolg  bringen  soll.  Jetzt  fehlt  es
hier  und  da  an  Hörern  vermutlich  auch  deshalb,  weil  die  Versicherungswissenschaft ­
  viel  zu  wenig  als  Prüfungsgegenstand  behandelt ­
  wird;  infolge  dieses  Umstandes  kommen  auch  diejenigen
Besucher  der  Universitäten  und  Handelshochschulen,  denen  die  versicherungswissenschaftlichen ­
  Kenntnisse  in  ihrer  späteren  Beamtenlaufbahn ­
  sehr  not  täten,  nicht  dazu,  sich  rechtzeitig  mit  den  Versicherungsstudien ­
  zu  befassen.  Wenn  man  für  bestimmte  Beamtenkategorien ­
  die  Versicherungswissenschaft  als  Prüfungsgegenstand
einführte,  so  würde  voraussichtlich  damit  das  tätige  Interesse  für
dieses  Gebiet  bei  den  betreffenden  jungen  Leuten  in  viel  weiterem
Umfange  vorhanden  sein,  als  es  zur  Zeit  der  Fall  ist.
Auch  an  eine  Berücksichtigung  der  Grundzüge  des  Versicherungswesens ­
  im  Schulunterricht  könnte  wohl  gedacht  werden.
Dabei  habe  ich  natürlich  nicht  besondere  Unterrichtsstunden  für
Versicherungswesen  im  Auge,  aber  sehr  wohl  ließe  sich  dieses
wichtige  Verkehrsgebiet  im  Rechenunterricht  und  in  den  Lesebüchern
berühren.  Daß  der  künftige  Bürger  und  Wähler  wenigstens  einige
Kenntnisse  jenes  großen  Betriebes  der  öffentlichen  und  privaten
Versicherung  besitzt,  der  sein  privates  und  politisches  Urteil  immer
mehr  in  Anspruch  nimmt,  ist  am  Ende  doch  keine  so  ungeheuerliche ­
  Forderung.  Es  spielt  dieser  Vorschlag  ein  wenig  in  das  Gebiet ­
  jener  anderen  prinzipiellen  Frage  hinüber,  ob  es  denn  nicht
überhaupt  für  uns  Deutsche  von  Nutzen  wäre,  wenn  wir  ein  Stück
von  jener  éducation  civique  bei  uns  einführten,  wie  sie  bei  unseren
westlichen  Nachbarn  praktiziert  wird  zu  dem  Zwecke,  die  jüngeren
Generationen  für  das  praktische  Leben  mit  klaren  Vorstellungen  von
dem  Aufbau  des  gesellschaftlichen  und  staatlichen  Lebens  auszurüsten. ­

Zum  Zwecke  der  Ausbreitung  der  Kenntnisse  des  Versicherungswesens ­
  in  weiteren  und  weitesten  Kreisen  müßte  für  entsprechende
Schriften  gesorgt  werden,  Schriften,  die  nicht  sowohl  neue
Forschungen  zu  bringen,  vielmehr  lediglich  als  Lehrbücher  im  gewöhnlichen ­
  Sinne  des  Worts  zu  dienen  hätten.  Auch  die  Sorge  für
populäre  Darstellungen  und  für  kleine  im  Schulunterricht  zu  verwertende ­
  Aufsätze  gehört  in  den  Dienst  jener  Aufgabe,  die  Kenntnis
des  Versicherungswesens  planmäßig  zu  verbreiten.
Für  geeignete  literarische  Arbeiten  auf  unserem  Gebiete,  für
die  Herausgabe  von  Forschungswerken  sowohl,  wie  von  popularisierenden ­
  Schriften  zu  sorgen,  scheint  mir  übrigens  eine  der  wichtigsten