42  Manes,  Errichtung  einer  Zentralstelle  zur  Sammlung  aller  Materialien  usw.

Referat  von  Generalsekretär  Dr.  Manes  (Berlin)
betreffend
a.  Errichtung*  einer  Zentralstelle  zur  Sammlung  aller
Materialien  für  Versicherungs-Wissenschaft.
b.  Unmittelbare  finanzielle  Förderung  durch  das  Reich.
c.  Leitsätze.
Es  ist  nicht  leicht,  als  fünfter  Referent  zu  demselben  Gegenstand ­
  neue  Gesichtspunkte  vorzubringen.  Die  Herren  Vorredner
haben  aber  mehr  oder  minder  ausschließlich  Stellung  genommen
zu  der  Frage  des  Unterrichts  und  vorwiegend  die  pädagogische
Seite  erörtert.  Allein  so  wenig  man  einen  Krieg  führen  und  gewinnen ­
  kann,  wenn  nur  Generalstab  und  Armeeführer  ihre  Pflicht
tun,  nicht  aber  auch  der  Finanzminister,  so  wenig  läßt  sich  eine
nachdrückliche  Pflege  der  Versicherungs-Wissenschaft  durchführen,
ohne  daß  die  entsprechenden  materiellen  Mittel  zur  Verfügung  stehen.
Wenn  nun  die  Reichsverwaltung,  wie  es  in  dem  Schreiben  Seiner
Exzellenz  des  Herrn  Grafen  v.  Posadowsky  offenbar  zum  Ausdruck
gelangen  soll,  der  Überzeugung  ist,  daß  ein  Bedürfnis  für  die  praktische ­
  und  theoretische  Weiterführung  des  Unterrichts  in  der  Versicherungswissenschaft ­
  vorliegt  und  hierin  die  vollste  Zustimmung
nicht  nur  der  vier  Herren  Referenten,  sondern  auch  des  gesamten
Ausschusses  und  der  Abteilungsvorstände  dieses  Vereins  findet,  so
möchte  ich  die  Hoffnung  aussprechen,  die  Reichsverwaltung  möge
auch  in  dem  zweiten  Punkt  derselben  Auffassung  sein,  wie  die
16  Redner,  welche  in  der  vorberatenden  Versammlung  sich  zu  dem
Gegenstände  geäußert  haben.  Alle  waren  nämlich  darin  einig,  daß
eine  dauernde  finanzielle  Unterstützung  durch  das  Reich
eines  der  wichtigsten,  wenn  nicht  das  wichtigste  Mittel  wäre,  um
eine  Versicherungswissenschaft,  wie  sie  der  großen  Bedeutung  des
deutschen  Versicherungswesens  entspricht,  hoch  zu  halten.
Wer  heute  irgend  ein  Thema  des  Versicherungswesens  erschöpfend, ­
  insbesondere  historisch  behandeln  will,  muß  Reisen  ins
Ausland  unternehmen  und  die  Bibliotheken  in  Utrecht,  London  oder
gar  New  York  besuchen,  um  sich  Materialien  zu  beschaffen.  Die
Bemühungen,  welche  in  Deutschland  in  den  letzten  Jahren  gemacht
worden  sind,  ausreichende  Fachbibliotheken  ins  Leben  zu  rufen,  sind
einfach  deshalb  nicht  von  dem  erwünschten  Erfolg  gekrönt  gewesen,
weil  es  an  den  erforderlichen  Mitteln  hierzu  gefehlt  hat.  Wie  dringend ­
  aber  das  Bedürfnis  gerade  in  Berlin  nach  einer  Zentralstelle
ist,  welche  in  möglichster  Vollkommenheit  das  gesamte  inländische
und  ausländische  Material  an  Büchern,  Zeitschriften  und  allen  sonstigen ­
  Veröffentlichungen  auf  dem  Gebiete  des  Versicherungswesens
umfaßt,  dafür  darf  ich  als  Zeugnis  neben  der  u.  a.  von  Herrn
Geheimrat  Professor  Dr.  Lexis  auf  gestellten  Forderung  einer  solchen
Zentralstelle  die  Äußerung  des  Herrn  Präsidenten  des  Kaiserlichen
Aufsichtsamts  für  Privatversicherung,  Grüner,  anführen,  der  in  der