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müßte  gerade  auch  der  Versicherungsmathematik  der  gebührende
Platz  eingeräumt  werden.  Wenn  an  Universitäten  lediglich  elementare
Versicherungsmathematik  gelehrt  würde,  so  würde  in  weite  Kreise
der  Gebildeten  und  gerade  in  sehr  einflußreiche  Kreise  ein  Irrtum
verbreitet,  der  in  diesen  Kreisen  schon  besteht,  nämlich  der  von  der
Minderwertigkeit  der  Versicherungswissenschaft,  speziell  der  Versicherungsmathematik. ­
  Es  würde  die  Vorstellung  erweckt,  als  ob
außer  den  handwerksmäßigen  Formeln,  die  vorgetragen  würden,
nichts  anderes  existierte.  Wenn  ferner  an  Universitäten  die  Mathematik ­
  lediglich  durch  Elementarmathematik  vertreten  wäre,  so  würde
eine  Förderung  der  Versicherungsmathematik  als  Wissenschaft
durch  Unterricht  nicht  stattfinden.  Die  Frage,  wie  die  Versicherungsmathematik ­
  als  Wissenschaft  gefördert  werden  kann,  ist
aber  in  der  Frage  des  Herrn  Staatssekretärs,  wie  mir  scheint,  auch
enthalten.
Ich  will  nicht  darauf  ein  geh  en,  wie  ungeheuer  umfangreich  die
Versicherungsmathematik  ist.  Ich  möchte  aber  doch  zunächst  hervorheben, ­
  daß  für  das  Studium  der  Versicherungsmathematik  gewisse
notwendige  Vorbedingungen  zu  erfüllen  sind.  Die  erste  Voraussetzung ­
  für  den  Versicherungsmathematiker  sind  Kenntnisse  in  den
anderen  Zweigen  der  Versicherungswissenschaft.  Zweitens  wäre  es
aber  auch  notwendig,  daß  der  Versicherungsmathematik  Studierende
in  der  reinen  Mathematik  und  auch  in  der  Physik  die  Vorbildung
erhält,  wie  der  Oberlehrer.  Daneben  muß  der  Studierende  der  Versicherungsmathematik ­
  in  besonderen  mathematischen  Fächern  beschlagen ­
  sein,  die  für  gewöhnlich  nicht  auf  der  Universität  gelehrt
werden,  aber  gewiß  dorthin  gehören:  Wahrscheinlichkeitsrechnung,
Ausgleichungsrechnung,  Interpolation  und  mathematische  Statistik,
diese  zunächst  ohne  Rücksicht  auf  das  Versicherungswesen  betrachtet.
Alles  wäre  mit  Übungen  zu  verbinden.  Wenn  man  diesen  Maßstab  anlegte,
so  würde  die  Forderung  von  Herrn  Regierungsrat  Dr.  Pietsch  von
selbst  in  Erfüllung  gehen  :  die  Gleichwertigkeit  der  Bildung  mit  der
der  Oberlehrer.  Es  würde  so  auch  die  Überproduktion  vermieden
werden.  Es  würde  auch  den  Herren,  die  diesen  Lehrgang  in  Versicherungsmathematik ­
  durchgemacht  haben,  eventuell  mit  Hilfe  einer
ergänzenden  Prüfung  in  zwei  Nebenfächern,  möglich  sein,  die  Oberlehrerkarriere ­
  zu  ergreifen.
Um  einen  ungefähren  Begriff  von  dem  Umfange  der  Versicherungsmathematik ­
  auch  den  Herren  zu  geben,  die  nicht  Mathematiker ­
  sind,  möchte  ich  auf  einige  besondere  Punkte  hinweisen  :
In  der  Sterblichkeits-  und  Invaliditätsmessung  würde  einmal  eine
Darlegung  der  Methoden  (der  logischen  Seite  des  Problems)  stattzufinden ­
  haben.  Darüber  hinaus  muß  man  auch  über  die  tatsächlichen ­
  Ergebnisse  orientiert  sein,  z.  B.  über  die  Sterblichkeits-,
Krankheits-  und  Invaliditätserfahrungen,  die  in  verschiedenen  Ländern,
unter  verschiedenen  Voraussetzungen  und  bei  verschiedenem  Material
gewonnen  sind.  Daher  wäre  Versicherungsstatistik  eingehend  zu  berücksichtigen. ­
  Überhaupt  gehört  zur  Versicherungsmathematik  als
Wissenschaft  alles,  was  an  Resultaten  auf  diesem  Gebiete  erlangt