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Debatte.

Broschüre  in  einem  zu  ungünstigen  Lichte  dargestellt.  Man  gewinnt
den  Eindruck,  daß  die  Versicherungswissenschaft  viel  zu  wenig
gepflegt  wird.  In  dieser  Beziehung  möchte  ich  sogar  seine  Tabelle
am  Schluß  der  Broschüre  beanstanden,  insofern  als  diese  sich  nur
auf  ein  Semester,  auf  das  Wintersemester  1903/04  bezieht.  Es  ist
ja  jedem  bekannt,  daß  gewisse  Vorlesungen  sich  nicht  jedes  Semester,
sondern  jedes  zweite  Semester  wiederholen.  Darum  hätte  das
Sommersemester  1903  mitberücksichtigt  werden  müssen.  Ich  meine
also,  daß  die  in  Punkt  3  der  Leitsätze  dort  ausgesprochenen  Wünsche
nicht  ganz  angebracht  sind.  Um  von  Einzelheiten  abzusehen,  so
muß  es  doch  im  allgemeinen  berücksichtigt  werden,  daß  jede  akademische ­
  Vorlesung  ein  doppelseitiges  Geschäft  ist,  daß  außer  dem
Dozenten  auch  Hörer  vorhanden  sein  müssen.  Es  muß  eine  Nachfrage ­
  von  seiten  der  Studenten  vorhanden  sein,  und  wenn  das  der
Fall  ist,  werden  sich  schon  Dozenten  finden.  Es  könnte  sich  freilich
darum  handeln,  auf  indirektem  Wege  diese  Nachfrage  zu  steigern,
indem  man  bei  Anstellungen  in  Versicherungsgesellschaften  und  auch
bei  den  staatlichen  Versicherungsämtern  denjenigen  Kandidaten  den
Vorzug  gäbe,  die  sich  darüber  aus  weisen  können,  daß  sie  eine  oder
mehrere  Vorlesungen  über  Versicherungswesen  gehört  haben.  Aber
die  Tatsache,  daß  der  Betreffende  eine  Vorlesung  belegt  hat,  bürgt
noch  nicht  dafür,  daß  er  etwas  gelernt  hat.  Das  führt  zu  der
Frage  der  Prüfungen.  Es  ist  klar,  daß  eine  bessere  Ausgestaltung ­
  des  Prüfungswesens,  etwa  nach  österreichischem  Muster,
fördernd  einwirken  würde  auf  die  Zahl  und  den  Besuch  versicherungswissenschaftlicher ­
  Vorlesungen.  Es  scheint  aber  im  allgemeinen
kein  Anlaß  vorhanden  zu  sein,  diesen  Weg  zu  beschreiten,  und  ich
habe  es  mit  Freuden  begrüßt,  daß  in  den  Leitsätzen  über  Einführung
neuer  Prüfungen  kein  Wort  zu  finden  ist.  Es  ist  natürlich,  daß
neben  dem  allgemeinen,  in  engen  Grenzen  sich  haltenden  Unterricht,
die  Ausbildung  von  Spezialisten,  von  Versicherungsverständigen,  als
besondere  Aufgabe  besteht,  und  da  würde  ich  der  Meinung  sein,  daß
eine  Anstalt  vollständig  genügt,  um  dieser  Forderung  gerecht  zu
werden.  Ob  dies  das  Göttinger  Seminar  sein  soll  oder  eine  andere
Anstalt,  das  ist  eine  Frage,  die  kaum  von  großer  prinzipieller  Bedeutung ­
  sein  dürfte.  Ich  glaube  für  meinen  Teil,  daß  man  die  bestehende ­
  Einrichtung  des  Göttinger  Seminars  besser  ausgestalten
könnte,  und  zwar  in  der  Weise,  daß  das  Seminar  gleichzeitig  den
Interessen  zweier  Kategorien  von  Hörern  dient:  nämlich  erstens
solchen,  die  ihre  juristischen  oder  mathematischen  Studien  bereits
abgeschlossen  haben,  und  zweitens  solchen,  die  sich  von  vornherein
auf  die  Versicherungspraxis  vorbereiten  wollen  und  etwa  schon  im
dritten  Semester  mit  diesem  speziellen  Gebiet  an  fangen.
Soviel  ich  aus  den  Ausführungen  von  Prof.  Ehrenberg  entnommen ­
  habe,  glaube  ich,  daß  er  diese  zweite  Kategorie  von  Hörern
perhorresziert.  Mir  scheint  jedoch,  daß  dasjenige  richtig  ist,  was
darüber  Lexis  seinerzeit  gesagt  hat,  was  sehr  anspruchslos  klingt,
aber  doch  nicht  dazu  führt,  diese  Art  von  Studierenden  ganz  abzulehnen. ­
  Lexis  meint,  wie  auf  S.  30  bis  31  der  Broschüre  von
Dr.  Manes  zu  lesen  ist: