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Dr.  Bleicher.

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läßt  sich  das  Studium  dieses  Faches  überhaupt  nicht  betreiben.  Die
Einführung  des  versicherungswissenschaftlichen  Unterrichts  an  den
neueren  Hochschulen  ist  ja  gerade  aus  dem  Bedürfnisse  heraus
erfolgt,  zwischen  Theorie  und  Praxis  zu  vermitteln.  Ich  möchte  den
Unterschied  zwischen  Theoretikern  und  Praktikern  in  dem  Sinne,
daß  man  den  Theoretiker,  der  sich  nur  rein  mit  der  Theorie  beschäftigt, ­
  und  den  Praktiker,  der  von  der  Theorie  nichts  wissen
will,  einander  gegenüberstellt,  in  unserem  Fach  nicht  gelten  lassen.
Versicherungswissenschaft  ist  eine  praktische  Wissenschaft.  Die
Praxis  beruht  auf  der  Theorie,  und  die  Wissenschaft  kann  der  Praxis
nicht  entbehren.  Ich  kann  vorurteilsfrei  darüber  sprechen,  weil  ich
jahrelang  an  einer  Versicherungsanstalt  tätig  gewesen  bin  und  allerdings ­
  die  Überzeugung  gewonnen  habe,  daß,  wenn  z.  B.  dem  Mathematiker ­
  die  Kenntnis  der  Praxis  ganz  fehlen  würde,  er  trotz  Beherrschung ­
  aller  Formeln  nicht  in  fruchtbringender  Weise  Unterricht ­
  in  Versicherungsmathematik  erteilen  kann.  Aber,  m.  H.,  die
Versicherungswissenschaft  ist  neu,  und  die  Dozenten  werden  sich
ausbilden  und  Fühlung  mit  der  Praxis  suchen  und  finden.  Wie
Herr  Prof.  Ehrenberg  an  gedeutet  hat,  ist  die  Gelegenheit  dazu  doch
wohl  vorhanden,  und  es  ist  wünschenswert,  daß  der  Theoretiker
sich  auch  in  praktischer  Hinsicht  durchbildet  und  eine  Zeitlang  als
Volontär  in  einem  größeren  Institut  arbeitet.  Ich  meine,  wenn  der
Versicherungsverein  betont  hat,  daß  die  Wissenschaft  sich  auf  der
Praxis  mitaufbauen  soll  —  und  das  klingt  durch  die  Leitsätze
meines  Erachtens  genügend  durch  ,  dann  ist  der  Hauptforderung
Genüge  geschehen.
Was  die  Frage  betrifft,  ob  Versicherungswissenschaft  mehr  in
Form  der  Vorlesungen  oder  Seminarübungen  geboten  werden  soll,
so  möchte  ich  noch  erwähnen,  daß  die  Seminarübungen  gerade
von  den  im  praktischen  Leben  stehenden  Personen  deswegen  nicht  so
gern  wie  allgemeine  Vorlesungen  besucht  werden,  weil  es  dem  beruflich ­
  tätigen  Manne  vielfach  an  der  Zeit  fehlt,  sich  an  den  Seminarübungen ­
  durch  Vorträge  und  Referate  zu  beteiligen.  Aber  die
Praktiker,  die  bei  uns  die  allgemeinen  Vorlesungen  über  Versicherungslehre ­
  gehört  haben,  haben,  soweit  ich  beurteilen  kann,  mit  Nutzen
davon  Gebrauch  gemacht,  und  ich  würde  es  gern  sehen,  wenn  im
Anschluß  an  das,  was  in  den  Leitsätzen  gesagt  ist,  der  Verein  auch
in  der  Richtung  praktisch  tätig  wäre,  daß  er  die  Konsequenzen  der
Vorschläge  zu  ziehen  bestrebt  ist,  und  daß  die  Direktionen  der  Versicherungsinstitute ­
  ihren  Angestellten  den  Besuch  von  Vorlesungen
erleichtern;  denn  bisher  ist  immer  noch  ein  Gegensatz  zwischen
Theoretikern  und  Praktikern  vorhanden.  Mir  ist  passiert,  daß  ich
einen  jungen  Mann  im  Seminar  hatte,  der  mir  eines  schönen  Tages
sagte  :  mein  Direktor  sieht  es  nicht  gern,  daß  ich  mich  beteilige;  er
eieint,  es  wäre  für  Praktiker  nicht  nötig.  Ich  weiß  bestimmt,  daß
der  Mann  etwas  gelernt  hatte.  Überhaupt  möchte  ich  bei  dieser
Gelegenheit  einmal  öffentlich  aussprechen,  daß  die  Versicherungsanstalten ­
  sich  doch  darüber  klar  sein  sollten,
daß  diejenigen,  welche  das  Fach  theoretisch  vertreten,  ihre