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In  Halle  a.  S.  z.  B.  ist  das  Wunder  geschehen,  daß  von  nationalliberaler
und  freisinniger  Seite  eine  öffentliche  Versammlung  behufs  Stellungnahme  zur
Warenhausfrage  einberufen  worden  ist,  in  welcher  bei  unerhört  starkem  Besuche
nur  gegen  wenige  sozialdemokratische  Warenhaustrabanten  unter  lautem  Beifall
eine  für  eine  hohe  Warenhausumsatzsteuer  gerichtete  Resolution  angenommen
wurde,  während  dieselben  Herren  sich  bei  der  ein  halbes  Jahr  früher  statt-,
gefundenen  Landtagswahl  noch  mit  dem  manchesterlichen  Gewäsch  des  laissez
faire,  laissez  aller  hatten  abspeisen  lassen.
Außerdem  haben  im  Anschluß  an  diese  Versammlung  sich  sehr  viele  Geschäftsleute ­
  endlich  dazu  aufgerafft,  der  freisinnigen  Saalezeitung  den  Laufpaß
zu  geben.  Als  Augen-  und  Ohrenzeugen  der  Vorgänge  in  der  Versammlung
erkannten  sie  nämlich  am  anderen  Tage  bei  der  Lektüre  des  Referats,  welche
Virtuosität  dieses  Blatt  im  Verdrehen  von  Tatsachen  hat,  wenn  es  sich  darum
handelt,  den  Wünschen  des  gewerblichen  Mittelstandes  für  seine  Erhaltung  Ausdruck ­
  zu  geben.  Die  Herren  sahen  an  einem  Musterbeispiel,  wie  recht  ich  habe,
wenn  ich  bei  jeder  Gelegenheit  sage,  daß  es  mit  den  Verhältnissen  des  gewerblichen ­
  Mittelstandes  nicht  eher  besser  werden  kann,  als  bis  die  liberalen,  freisinnigen ­
  und  sog.  unparteiischen  Zeitungen  ans  den  Häusern  des  Mittelstandes
verschwunden  sind.  Möchten  noch  recht  viele  ihren  Ernst  in  ihren  Bestrebungen
um  die  Besserung  ihrer  wirtschaftlichen  Lage  durch  Abbestellen  der  manchesterlichen ­
  Zeitungen,  unter  denen  die  Saalezeitung  eine  der  schlimmsten  Sünderinnen
ist,  umgehend  beweisen!
Nun  geht  ja  vielleicht  der  seelische  Fermentationsprozeß  nicht  überall  so
stürmisch  vor  sich  wie  bei  meinen  Hallischen  temperamentvollen  freisinnigen  Mitbürgern, ­
  welche  noch  dazu  durch  zwei  große  Warenhäuser  und  vier  Konsum-Vereine
  mit  zirka  17  000  Mitgliedern  geschäftlich  unglaublich  drangsaliert  werden,
es  ist  möglich,  daß  er  an  anderen  Orten  langsamer  verläuft,  aber  eintreten  wird
er  sicher  überall,  und  dann  wird  als  gemeinsames  Ergebnis  desselben  die  Erklärung ­
  des  gewerblichen  Mittelstandes  zum  Vorschein  kommen,  daß  er  nicht
gewillt  ist,  um  der  schönen  Glasaugen  der  Großbetriebe  willen  in  tatenlosem
Warten  das  Harakiri  an  sich  zu  vollziehen,  sondern  in  der  ernstesten  Sorge  um
seine  Existenz  die  Kraft  gefunden  hat,  die  gesetzlichen  Grundlagen  des  Wirtschaftslebens, ­
  welche  seinen  Niedergang  verschuldet  haben,  einer  Revision  zu  unterziehen. ­

§12.
Eine  solche  Revision  braucht  keineswegs  alles  jetzt  geltende  Recht  über
Gewerbefreiheit.  Bord  zu  werfen.  Das  wäre  ebenso  verkehrt,  wie  es  die  Niederreißung  der  sänitlichen
  Schranken  des  früheren  Gewerbelebens  gewesen  ist.  Es  soll  nur  dev
doktrinäre  Absolutismus  der  gegenwärtigen,  zügellosen  und  gewalttätigen  Gewerbefreiheit ­
  gebrochen  werden.  In  bezug  auf  die  Warenhäuser  ist  ja  schon

Gesichtspunkte  für
eine  Revision  der