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gerufen  wurde,  um  einem  Manne,  der  auch  für  die  Partei  tätig  sein  soll,  eine
unabhängige  Stellung  zu  verschaffen."  Außerdem  aber  erinnere  ich  daran,  daß
augenblicklich  ein  ganzer  Stab  von  Agitatoren  von  Hamburg  aus  durch  Deutschland ­
  zieht,  um  die  Konsumvereinsbewegung,  wie  es  heißt,  anzufachen.  Es  kommt
also  die  Bewegung  nicht  aus  den  einzelnen  Orten  heraus,  wie  es  sich  Schulze-Delitzsch
  dachte,  sondern  in  die  Orte  hinein.  Alles  wie  bei  den  Warenhäusern.
Ferner  möchte  ich  Herrn  Staudinger  darauf  aufmerksam  machen,  daß  den
Konsumvereinen  und  Warenhäusern  das  gemeinsam  ist,  daß  beide  ihren  Geschäftsbetrieb ­
  insofern  auf  einen  nicht  schönen  Wettbewerb  mit  den  anderen
Handeltreibenden  ausbauen,  daß  sie  im  Vertrauen  darauf,  daß  ihre  Käufer  alle
Waren,  welche  zu  führen  ihnen  zu  unbequem  oder  zu  kostspielig  ist,  in  den  anderen
offenen  Geschäften  erhalten  können,  besonders  nur  sog.  Brotartikel  führen,  wodurch ­
  sie  wohl  einen  flotten  Umsatz  bekommen,  aber  den  anderen  gerade  den
Verdienst  nehmen.
Drittens  kolportieren  Konsunwereine  und  Warenhäuser  die  gemeinsame
Behauptung,  daß  man  bei  ihnen  billiger  kaufe  als  in  anderen  Geschäften.  Das
ist  nicht  richtig.  Abgesehen  von  einigen  Lockartikeln  sind  andere  Waren  auch
nicht  billiger,  viele  aber  teurer.  Davon  kann  sich  jeder  in  Warenhäusern  selbst
überzeugen.  Für  Konsunwereine  habe  ich  es  durch  Kontrollkäufe  an  mehreren
Orten  bestätigt  gefunden.  Um  jeden  Einwand  auszuschließen,  nenne  ich  nur
Artikel,  die  überall  in  Originalpackung  verkauft  werden.  So  wurde  in  Halle
Kneippkafsee  12 1 / z °/ 0  und  in  Weiden  Franck  -  Zichorie  10  %  in  den  Konsumvereinen ­
  teurer  geführt  als  in  den  freien  Geschäften.
Gemeinsam  ist  auch  beiden  Gebilden  der  ungeheure  Druck,  den  sie  sowohl
auf  ihre  Lieferanten  als  auch  auf  ihre  Angestellten  ausüben,  und  endlich  die
Verödung  des  Geschäftslebens  in  ihren  Umgebungen.
Spaßig  ist,  daß  Herr  Staudinger  den  Ruf  für  nötig  erachtet  „Los  von
den  Vorurteilen  gegen  die  Konsumvereine!"  Ich  glaube,  hier  ist  er  selbst  ein
Opfer  des  ausdrucksvollen  Titels  geworden,  dessen  werbende  Kraft  er  für  seine
Sonderbestrebungen  ausnützen  möchte.  Andere  Leute  können  von  einem  in
breiten  Volksschichten  gegen  die  Konsumvereine  herrschenden  Vorurteil  mit  dem
besten  Willen  nichts  bemerken  Sprechen  denn  die  Mitgliederzahlen  der  Vereine
von  Breslau  85  000,  von  Leipzig  34  000,  von  Magdeburg  23  000,  von  Halle
17  000  nicht  deutlich  genug?  Oder  ist  es  ein  Zeichen  von  Vorurteil,  daß  fast
in  jedem  Dorf,  wo  einigermaßen  Industrie  ist,  sich  ein  Konsumverein  befindet?
Auch  liest  man  in  den  Konsumvereinsschriften  sonst  anders.  Hier  jagt  eine
Jubelhymne  über  steigenden  Umsatz  der  Großeinkaufsgesellschaft  die  andere,  und
auch  in  seinen  eigenen  Werken  dürfte  Herr  Staudinger  öfter  das  Gegenteil  von
der  dem  Lehnruf  „Los  von  den  Vorurteilen  gegen  die  Konsumvereine!"  zugrunde