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Konsumvereinsfrage  nur  in  Angriff  genommen  hätte,  um  in  kaufmännischen  Kreisen
für  die  konservative  Partei  einen  Fischzug  zu  tun?
Deshalb  sei  hiermit  das  Tatsächliche  der  politischen  Frage  erörtert.
Zu  der  Zeit,  als  der  hiesige  konservative  Verein  den  Beschluß  faßte,  mit
aller  Energie  an  die  Aufklärungsarbeit  über  die  dem  Staate  von  den  Konsum-Vereinen
  drohenden  Gefahren  zu  gehen,  und  als  dann  von  dem  Vorstand  des
hiesigen  4000  Mitglieder  zählenden  Beamtenkonsumvereins  ein  äußerst  gehässiger
Angriff  gegen  mich  persönlich  gerichtet  wurde,  da  ist  mir  oft  von  wohlmeinenden
Herren  der  Rat  gegeben  worden,  die  Konsumvereinsfrage  nicht  weiter  zu  verfolgen, ­
  weil  sonst  die  Erstarkung  der  konservativen  Partei  in  der  Stadt  Halle
sehr  gefährdet  werde.  Ich  würde  nur  erreichen,  daß  ein  großer  Teil  der  sonst
konservativ  wählenden  Beamten  als  Konsumvereinsmitglieder  sich  von  uns  abwenden ­
  würde,  ohne  daß  der  Verlust  durch  Zuzug  aus  den  Reihen  der  freisinnig
gestimmten  Kaufmannschaft  wettgemacht  würde.  Dem  habe  ich  ganz  zugestimmt.
Wir  hatten  es  uns  in  den  Vorstandssitzungen  des  konservativen  Vereins  selbst
schon  gesagt.  Aber  wir  waren  uns  auch  darüber  klar,  daß  es  unwürdig  und
unpatriotisch  sei,  lieber  bei  untergehendem  Mittelstand  einen  kleinen  Wahlersolg
zu  haben,  als  bei  erstarkendem  eine  gründliche  Niederlage.  Es  wurde  daher
einstimmig  beschlossen,  auf  die  uns  abtrünnig  werdenden  Beamten  keine  Rücksicht
zu  nehmen,  sondern  sie  laufen  zu  lassen.  Solche  Konsumvereinsfanatiker  hatten
uns  mit  ihrem  Herzen  so  wie  so  nie  gehört.  Ein  echt  konservativer  Mann  kann
wohl  aus  Unkenntnis  und  Kurzsichtigkeit  Mitglied  eines  Konsumvereins  sein,  aber
wenn  nach  Aufklärung  die  Frage  der  Wahl  zwischen  dem  einen  und  dem  anderen
an  ihn  herantritt,  so  zögert  er  keinen  Augenblick,  dem  Konsumverein  den  Rücken
zu  wenden.  Solche  Beispiele  haben  wir  auch  mit  Freuden  zu  verzeichnen  gehabt,
mehr  freilich  sind  abgeschwenkt.  Nun  gut.  Es  hat  uns  keinen  Augenblick  gereut.
Wir  wußten  es,  daß  es  so  kommen  wiirde.  Wir  haben  uns  auch  nicht  gewundert,
daß  außer  einer  kleinen  Zahl  allerdings  sehr  schätzenswerter  neuer  Mitglieder  uns
kein  Zuwachs  von  Stimmen  aus  gewerblichen  Kreisen  zugeflossen  ist,  auch  nicht,
obgleich  ich  durch  den  Kartellbruch  der  Nationalliberalen  persönlich  eine  Kandidatur ­
  zum  Preußischen  Landtag  zu  übernehmen  gezwungen  war.  Das  hat  uns  so
wenig  altcriert,  daß  wir  an  demselben  Abend,  als  das  im  Gegensatz  zur  günstigen
Situation  auf  dem  Lande  äußerst  ungünstige  Wahlresultat  der  Stadt  bekannt
gegeben  wurde,  mit  unseren  kaufmännischen  Freunden  eine  Sitzung  behufs
Förderung  der  Verhältnisse  des  gewerblichen  Mittelstandes  abgehalten  haben.
Von  einem  politischen  Fischzug  war  da  keine  Rede.  Die  freisinnigen  und  nationalliberalen ­
  Wahlkarpfen  waren  in  ihren  Fraktionsteichen  geborgen,  und  wir  Konservativen ­
  machten  für  die  Wähler,  welche  mich  gegen  ihre  eigenen  Interessen
abgelehnt  hatten,  im  stillen  die  Arbeit  zur  Aufbesserung  ihrer  wirtschaftlichen
Verhältnisse.  Ich  denke,  das  ist  ehrliche  Arbeit.