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ist.  Hier  kommt  er  ganz  im  Geiste  der  Freisinnigen  und  Sozialdemokraten  auf
die  Würdigung  der  gegenwärtigen  Wirtschaftsordnung  zu  sprechen.  Er  lacht
darüber,  daß  ich  diese  alte  Wirtschaftsordnung  erhalten  und  gerade  durch  den
alten  Mittelstand  retten  wolle,  der  nach  meiner  eigenen  Meinung  durch  die
vorhandene  Ordnung  so  schweren  Leiden  ausgesetzt  sei,  während  ein  neuer  Mittelstand ­
  in  den  Fabrikbeamten  und  besser  entlohnten  Arbeitern  heranwüchse.  Er
kann  sich  gar  nicht  genug  tun  über  die  darin  liegende  Torheit  und  sucht  deshalb
nach  mildernden  Umständen.  Die  findet  er  in  meiner  von  ihm  sich  zurechtgelegten
Anschauung  über  das  heute  vorteilhafteste  Erwerbssystem,  das  ich  mir  nach
Großväterart  vorstelle.  Ich  hätte  die  neue  Zeit  verschlafen  und  betrachtete  sie
wie  die  Eule  das  Tageslicht.  Da  sähe  ich  nicht,  daß  die  Auswüchse  des  Großkapitals ­
  Erscheinungen  einer  notwendigen  Entwickelungsform  wären,  und  nur
durch  Zusammenschluß  der  einzelnen  in  Genossenschaften  zu  bekämpfen  seien.
Wie  die  Siebenschläfer  gestorben  seien,  als  sie  erfahren  hätten,  welche  ungeheure
Zeit  fie  verschlafen  hätten,  so  müßten  die  vergangenen  Ideen  sterben  in  der  Luft
der  neuen  Zeit.  Ich  bin  ihm  der  erste  Anwärter  auf  die  nächstfällige  Todeskandidatur. ­

Na,  schön!  Vorläufig  lebe  ich  indessen  noch.  Wenn  ich  aber  doch  bald
sterben  sollte,  so  würde  ich  keinesfalls  aus  Schreck  darüber  sterben,  daß  ich  meine
Zeit  verschlafen  hätte.  Gerade  sein  heftiger  Angriff  auf  mich  ist  ein  sprechender
Beweis  einer  vorausgegangenen  Tätigkeit  von  mir,  welche  keineswegs  die  eines
Schlaftrunkenen  gewesen  sein  kann.  Sonst  hätte  er  sich  nicht  so  aufzuregen
brauchen.  Er  benutzt  also,  in  der  Absicht  mich  zu  kränken,  ein  ganz  schiefes  Bild
und  verfährt  dabei  um  so  unverantwortlicher,  als  er  statt  meiner  die  alten  Heiligen
beleidigt.  Er  mag  sich  die  betreffende  Legende  von  einem  Konfirmanden  genauer
erzählen  lassen.  Ich  habe  dafür  hier  keinen  Platz  und  kann  nur  das  streifen,
daß  umgekehrt  die  Siebenschläfer  nicht  als  Toren  betrachtet  werden,  sondern
durch  ein  Wunder  lebendig  erhalten  sind  und  erweckt  wurden,  um  späteren  Geschlechtern ­
  Zeugnis  von  wichtigen  Vorgängen  längst  entschwundener  Zeiten  zu
berichten,  deren  Kenntnis  den  Lebenden  zum  Segen  gereichen  sollte.  Als  die
Siebenschläfer  diese  Mission  erfüllt  hatten,  legten  sie  sich  zur  ewigen  Ruhe
nieder?)
In  diesem  wahren  Sinn  der  Legende  will  ich  den  Vergleich  mit  den  Siebenschläfern ­
  gern  annehmen  und  ohne  Furcht  Zeugnis  ablegen  für  den  Wert  von
mancherlei  Altem  in  unserem  Staatswesen,  mag  auch  der  unhistorische  Sinn  der
Sozialdemokratie  mit  ihrer  Vorfrucht  dagegen  anrennen.

1)  Die  Siebenschläferlegende,  ihr  Ursprung  und  ihre  Verbreitung,  von  John  Koch,
Leipzig.  Verlag  von  Karl  Reißner  1883.