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§  23.
Da  ist  zunächst  der  alte  Mittelstand.  Seine  Bedeutung  für  ein  Staatswesen
  erhellt  am  besten  aus  einem  Beispiel.  müeißanbea.
Wir  wollen  einen  Klempnermeister  mit  einem  Warenhausangestellten  vergleichen. ­
  Beide  mögen  2400  Mk.  Einkommen  haben.  Da  macht  es  für  den
Steuererheber  allerdings  nichts  aus,  ob  er  seinen  Betrag  der  Einkommensteuer
für  2400  Mk.  Einkommen  bei  einem  Klempnermeister  oder  bei  einem  Angestellten
eines  Warenhauses  holt.  Jeder  hat  in  Preußen  für  2400  Mk.  Einkommen
44  Mk.  Steuer  pro  Jahr  zu  bezahlen,  aber  die  2400  Mk.  des  Klempnermeisters
setzen  sich  nicht  aus  zwölf  monatlichen  Nettozahlungen  von  200  Mk.  zusammen,
sondern  sie  sind  der  Unterschied  einer  Gesamteinnahme  und  einer  Gesamtausgabe,
sagen  wir,  sie  sind  der  Überschuß  von  10  000  Mk.  Einnahme  über  7600  Mk.
Ausgabe.  In  den  7600  Mk.  Ausgabe  stecken  nun  Löhne  und  Preise  für  Rohmaterialien, ­
  Halbfabrikate  und  fertige  Waren.  Wer  weiß,  in  wieviel  Hände  sie
übergegangen  sind  und  wieviel  wirtschaftlichen  Nutzen  sie  gestiftet  haben.  Dieser
stellt  den  Mehrwert  des  volkswirtschaftlichen  Nutzens  einer  alten  Mittelstandsexistenz
  gegenüber  einer  modernen  Mittelstandserscheinung  dar.
Wie  greifbar  dieser  Mehrwert  ist,  sieht  man  ein,  wenn  man  sich  z.  B.  vergegenwärtigt,
  daß  der  Klempnermeister  etwa  5  Gesellen  hielte,  deren  jeder  1050  Mk.
Lohn  bezieht.  Jeder  Geselle  hat  wieder  9  Mk.  Einkommensteuer  zu  zahlen.  Da
5.9  —  45  ist,  so  erhält  der  Staat  mehr  Steuern  durch  die  Ausgaben  des  Meisters
als  durch  seine  Einnahmen.  Damit  ist  aber  der  Nutzen  der  Ausgaben  noch  nicht
erschöpft.  Einmal  fehlt  noch  der  Betrag  von  2350  Mk.  an  Materialienunkosten
und  anderen  Dingen,  und  dann  behalten  die  Gesellen  ihren  Lohn  nicht  für  sich.
Sie  müssen  selbst  wieder  Ausgaben  machen  usw.
Aus  solchen  Erwägungen  kann  jeder  Urteilsfähige  ermessen,  was  der  gesamte
alte  gewerbliche  Mittelstand  in  Stadt  und  Land  für  einen  eminenten  volkswirtschaftlichen ­
  Wert  hat,  und  jeder  mag  selbst  sagen,  ob  die,  wie  feinste  Nerven  den
Volkskörper  durchsetzenden,  millionenfachen  wechselseitigen  Beziehungen  des  geschäftlichen ­
  Verkehrs,  der  sich  organisch  im  Lause  der  Zeit  gebildet  hat,  so  bequem
durch  neue  Mittelstandspuppen  zu  ersetzen  sind,  wie  das  die  linksstehenden
Parteien  sich  selbst  vorspiegeln.
Rechnen  wir  noch  dazu  die  Einsicht  des  Klempnermeisters  als  Arbeitgeber,
seine  Erfahrung  als  selbständiger  Geschäftsmann,  seine  Leistungen  in  Ehrenämtern, ­
  die  ein  abhängiger  Angestellter  gar  nicht  übernehmen  kann,  seine  größere
Seßhaftigkeit  usw.,  so  ist  klar,  daß  dadurch  einer  alten  gewerblichen  Mittelstandsexistenz
  außer  den  steuertechnischen  noch  viele  wertsteigernde  Faktoren  für  die
Stabilität  des  Staates  zugebilligt  werden  müssen  gegenüber  den  schematischen
und  absolut  abhängigen  neuen  Mittelstandsleuten.