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einkaufsstelle  deutscher  Konsumvereine  Schmausenden,  ihr  Unwesen  treiben,  einige
Ordnung  zu  bringen,  das  sollte  sich  Herr  Staudinger  angelegen  sein  lassen.  Aber
freilich  würde  dann  der  Verlag  der  Hamburger  Großeinkaufsgesellschaft  die
Staudingerschen  Schriften  nicht  drucken  lassen.  Das  würde  auch  nicht  geschehen,
wenn  er  die  Wahrheit  über  das  jetzt  herrschende  Verhältnis  zwischen  Arbeitgeber ­
  und  -nehmer  berichtete,  daß  nämlich  in  bei  weitem  den  meisten  Fällen  die
Arbeitgeber  von  ihren  Arbeitern  abhängen,  daß  sich  kaum  ein  Arbeiter  von
„seinem  Herrn,  bei  dem  er  frondet"  etwas  sagen  läßt,  ohne  ihm  die  Arbeit
sofort  vor  die  Füße  zu  werfen,  und  daß  die  Arbeitgeber  und  unser  Staat,  also
auch  Leute,  die  mit  dem  Arbeitsverhältnis  direkt  gar  nichts  zu  tun  haben,  in  den
wunderbaren  Einrichtungen  der  Krankenkassen-,  Invaliden-,  Altersversicherungsund ­
  Unfallgesetzgebung  so  großartig,  liebenswürdig  und  moralisch  für  die  „Sklaven"
sorgen,  wie  es  seit  Menschengedenken  nirgends  vorgekommen  ist.
An  und  für  sich  gönnte  ich  den  Staudingerschen  „Sklaven"  einmal,  daß
sie  in  größerem  Umfang  die  Seligkeit  der  Zuchthausfreiheit  in  dem  genossenschaftlichen ­
  Rattenkönig  von  konsumvereinlichen  Fabrikkomplexen  ohne  die  jetzt
vorhandene  Rückendeckung  durch  viele  bürgerliche  Betriebe  genießen  könnten.  Ich
glaube,  sie  würden  bald  von  dem  Wahne  geheilt  sein,  daß  sie  sich  verbessert
hätten.
Von  der  Behandlung  will  ich  gar  nicht  reden.  Einiges  lassen  ja  die  jetzt
gerade  in  Blüte  stehenden  Konsumvereinszänkereien  schon  ahnen.  Es  wird  aber
um  so  schlimmer,  je  sicherer  sich  die  Alleinherrscher  fühlen.  Sie  würden  die
Masse,  welche  ja  immer  nur  in  rachsüchtigen  Urteilssprüchen  wahre  Befriedigung
findet,  schon  zu  kitzeln  wissen.  Das  ist  im  alten  Athen  und  Rom  so  gewesen,
das  lesen  wir  von  der  fürchterlichen  französischen  Revolution  vom  Ende  des
vorvorigen  Jahrhundert,  das  haben  wir  von  der  Kommuneerhebung  1871  gehört,
und  das  haben  wir  1903  auf  dem  sozialdemokratischen  Parteitag  in  Dresden
erlebt.
Solange  freilich  noch  das  Wort  „wer  nicht  pariert,  fliegt  hinaus"  angewendet
  werden  kann,  weil  die  jetzige  Ordnung  der  Dinge  noch  genügenden
Raum  für  Flugbahnen  gewährt,  ist  die  Sache  nicht  schlimm.  Wenn  aber  der
Unfug  mit  den  Produktivgenossenschaften  der  Konsunwereine  gesiegt  haben  würde,
wo  soll  denn  da  jemand  hin  fliegen?  Dann  würde  er  nur  in  eine  Zwangsabteilung ­
  kommen  können,  für  deren  Einrichtung  in  dem  „freien"  Produktionsstaate ­
  bald  gesorgt  werden  würde.  Vielleicht  würde  sogar  Herr  Staudinger  zum
„Direktor  dieser  Fronabteilung"  ernannt  werden.  Er  hat  ja  das  Unglück,  von
den  Konsumvereinlern  immer  da  benutzt  zu  werden,  wo  seine  Taten  mit  seinen
theoretischen  Ansichten  im  schreiendsten  Widerspruch  stehen.