61

In  großen  Beamtenkonsumvereinen  sind  allerdings  meist  Jnnenbeamte  die
Träger  der  Konsumvereinsämter,  aber  auf  kleinen  Stationen  sind  auch  Außenbeamte ­
  dabei  beteiligt,  und  für  die  Reisenden,  die  totgefahren  oder  zu  Krüppeln
gemacht  werden,  ist  es  ebenso  unangenehm,  ob  dies  auf  einer  kleinen  oder  großen
Station  geschieht.  Hier  heißt  es  vorbeugen!
Das  reisende  Publikum  kann  es  Sr.  Exzellenz  v.  Budde  nur  Dank  wissen,
daß  er  auch  nach  dieser  Seite  hin  einen  vorausschauenden  Blick  an  den  Tag
legt.  Große  Handelsgeschäfte  treiben  und  im  kleinen  aufpassen,  verträgt  sich
einmal  nicht  miteinander,  und  wer  sich  ernstlich  überlegt,  wie  er  für  Tausende
oder  Zehntausende  von  Mark  Warenabschlüsse  machen  soll,  den  verlassen  diese
Geschäfte  nicht  auf  Kommando  mit  Antritt  des  Dienstes,  den  bewegen  sie  auch
im  Dienst,  und  das  ist  störend  für  einen  so  wichtigen  Betrieb,  wo  jeden  Augenblick
Lebensgefahr  heraufbeschworen  werden  kann.
Die  Freisinnigen  und  Sozialdemokraten  rechnen  freilich  nicht  mit  Menschen
aus  Fleisch  und  Blut,  sie  operieren  mit  schematischen  Gebilden  oder  tun  wenigstens
so.  Auf  solche  verworrenen  Sachen  kann  sich  aber  ein  Minister  nicht  einlassen,
und  daher  ist  es  mit  Freuden  zu  begrüßen,  daß  Exzellenz  v.  Budde  sich  so  geäußert ­
  hat,  wie  es  geschehen  ist.
§  39.
Spaßhaft  ist  noch  zu  sehen,  wie  in  der  Hitze  des  Gefechts  die  Untergenossen,^  Şoziàmowelche
  nicht  so  stubenrein  sind  wie  die  Reichstagsabgeordneten  und  nicht  ^^der^K°n-2
 x / 4  Stunden  reden  können,  ohne  das  Wort  Sozialdemokratie  fallen  zu  lassen,
unvorschriftsmäßige  Seitensprünge  machen  und  in  drei  Zeilen  mehr  ausplappern
als  in  stundenlangen  Eiertänzen  von  den  Obergenossen  wieder  verwischt  werden
kann.  Solcher  Fall  liegt  in  dem  oben  schon  einmal  benutzten  Zitat  aus  dem
Hallischen  Volksblatt  vom  15.  Juli  vor,  wo  von  den  Merseburger  Genossen
schlankweg  geschrieben  und  von  den  Volksblattredakteuren  durchgelassen  ist:
„.  .  .  .  da  den  meisten  Mitgliedern  bekannt  ist,  daß  der  Verein  ins  Leben  gerufen
  wurde,  um  einem  Manne,  der  auch  für  die  Partei  tätig  sein  soll,  eine
unabhängige  Stellung  zu  verschaffen.  Das  Bestreben  aller  geht  nun  dahin,  daß
ein  ehrlicher  und  geschäftsgewandter  Mann  in  leitender  Stellung  sein  soll,  der
gemeinschaftlich  mit  der  Verwaltung  zum  Wohle  des  Vereins  und  auch  der  Partei
arbeitet."
Was  hier  als  selbstverständliche  Personalunion  zwischen  Konsumvereinsleitung ­
  und  sozialdemokratischer  Agitation  für  Merseburg  gefordert  wird,  ist  für
fast  alle  Orte  praktische  Übung.  Sollte  das  eigentlich  nicht  ausreichen ­
  zurFeststellungdes  Tatbe  st  andes  behufs  Auflösung
der  Vereine  nach  §  81  des  Genossenschaftsgesetzes?