69

zu  den  Argumentationen,  die  bei  den  Verteidigern  der  Warenhäuser  besonders
beliebt  sind.  In  Wirklichkeit  ist  sie  hohl  und  sagt  gar  nichts,  weil  sie  zuviel  sagen
will.  Sie  setzt  voraus,  daß  alle  Fabriken,  alle  Eisenbahnen  und  alle  Straßenbahnen ­
  immer  und  für  jedermann  nützlich  tvären,  und  daß  ihr  Vorteil  so  sonnenklar ­
  sei,  daß  nur  komplette  Narren  sich  dieser  Einsicht  verschließen  könnten.  Das
ist  aber  ganz  falsch.
Die  Einführung  der  mechanischen  Webstühle  hat  ungezählte  Weberfamilien
in  schwere  Bedrängnis  gebracht,  ganze  Landstriche  arm  gemacht.  Noch  heute
kann  man  in  den  verschiedensten  Gegenden  Schlesiens,  Thüringens  und  Sachsens
die  Nachwirkungen  der  damaligen  Erschütterung  im  volkswirtschaftlichen  Gleichgewicht ­
  eines  großen  Berufsstandes  sehen.  In  zahlreichen  Zeitungen  stehen
täglich  Bitten  um  Hilfe  für  die  Weber  der  einzelnen  Reviere  durch  Zuwendung
von  Arbeit  zu  lesen.  Es  war  also  gar  nicht  töricht,  wenn  die  Weber  damals  über
die  neue  Erfindung  ebenso  klagten,  wie  es  heute  die  „fortgeschrittenen"  Buchdruckergehilfen ­
  über  die  geistvoll  konstruierte  Setzmaschine  tun,  indem  sie  zum  Teil
durch  Streik  ihre  Einstellung  an  einigen  Orten  verhindert  haben,  vder  die  eisernen
Kollegen  nur  in  einer  verhältnismäßig  stipulierten  Anzahl  dulden.
Auch  die  Eisenbahnen  sind  nicht  für  jedermann,  nicht  für  alle  Stadtgegenden ­
  und  nicht  für  alle  Städte  zum  Segen  geworden.
Gastwirte,  welche  früher  in  Städten  ohne  Bahnverbindung  ein  glänzendes
Geschäft  machten,  weil  viele  Reisende  über  Nacht  blieben,  sehen  jetzt  ihre  alten
Kunden  früh  mit  der  Bahn  kommen  und  nachmittags  wieder  abfahren,  Kaufleute,
tvelche  früher  in  allen  Artikeln  guten  Umsatz  hatten,  werden  viel  beschränkt,  weil
ein  großer  Teil  des  Publikums,  um  sich  einmal  zu  amüsieren,  verreist  und  bei
dieser  Gelegenheit  auswärts  kauft,  Arbeitgeber,  welche  sonst  zufriedene  und  zum
Wohlstand  gelangende  Arbeiter  hatten,  sehen  dieselben  Leute  jetzt  mit  Arbeiterzügen ­
  nach  auswärts  dampfen  und  haben  erst  Gelegenheit,  sie  als  Invaliden
wieder  in  Arbeit  zu  nehmen,  wenn  sie  sich  nicht  dem  Vorwurf  der  Hartherzigkeit
aussetzen  wollen.
In  Halle  führt  eine  Stadtgegend  den  Namen  Klaustorvorstadt.  Sie  war
früher  die  beste  Geschäftsgegend,  da  ein  sehr  starker  Landverkehr  durch  sie  nach
der  Stadt  führte.  Die  Eröffnung  der  Halle-Kasseler  Bahn  hat  das  ganz  geändert. ­
  Es  ist  eine  allgemeine  Entwertung  der  Gegend  eingetreten.  Sollten  nun
die  Bewohner  aller  der  betreffenden  Straßenzüge  so  furchtbar  erbaut  sein  von
der  Ausführung  der  Halle-Kasseler  Bahn?  Sie  hatten  an  sich  gegen  die  Bahn
nichts,  aber  ihre  Einmündungsstelle  in  Hatte  war  doch  für  sie  verhängnisvoll.
Eine  ganze  Anzahl  Städte  ist  durch  die  Eisenbahn  direkt  geschädigt  worden,  wenn
auch  viele  und  vielleicht  die  meisten  große  Vorteile  gehabt  haben.