74

sondern  durch  den  logischen  Gedankengong:  Weil  die  vorhandenen  Geschäfte  durch
ungelernte  Konkurrenz  zu  leiden  haben,  darf  das  Übel  nicht  noch  durch  eine
potenzierte  unlautere  Konkurrenz  zum  plötzlichen  Ruin  so  vieler  wirtschaftlicher
Existenzen  gesteigert  werden.
§46.
c  So  denkt  z.  B.  die  Braunschweigische  Regierung.  Auch  der  Preußische
-  Landtag  ist  in  seiner  Majorität  von  dieser  Stinunung  beseelt.  Hoffentlich  erfreut
die  Preußische  Regierung  den  gewerblichen  Mittelstand  gleichfalls  mit  einer  der
Landtagsstimnlung  kongenialen  Auffassung  der  Warenhausfrage!
Die  Braunschweigische  Regierung  ist  den  Warenhausfreunden  natürlich  ein
Typus  des  schrecklichsten  Rückschrittes.  Nur  eine  Stelle  in  der  allgemeinen  Begründung ­
  des  Braunschweigischen  Gesetzentwurfes  hat  Gnade  gesunden  vor  den
Argusaugen  der  Wächter  an  den  Pforten  der  Warenhäuser.  Es  ist  der  Satz:
„Vielleicht  tvar  es  die  Aufgabe  der  Warenhäuser,  der  Konsumvereine  usw.,  dein
Kleinhandel  diese  Erkenntnis  zur  vollen  Überzeugung  zu  bringen,  ihn  zu  zwingen,
weil  er  es  nicht  aus  eigner  Erkenntnis  vermochte,  daß  er  durch  Fortentwicklung
seiner  inneren  Struktur  sich  den  gesteigerten  Anforderungen,  die  an  den  modernen
Handelsbetrieb  gestellt  werden,  anpassen  muß."
Diese  vorsichtig  ausgesprochene  Vermutung  Liber  die  Stellung  der  dem
gewerblichen  Mittelstand  schädlichen  Betriebe  in  der  höheren  Weltordnung  saßt
Herr  Wernicke  als  ein  unbändiges  Lob  der  Warenhäuser  auf  und  beeilt  sich  sofort
aus  dem  Eigenen  hinzuzufügen,  was  die  treffliche  Fassung  der  Regierungsbegründnng
  auch  nicht  andeutet,  eine  behördliche  Bescheinigung  für  die  Rührigkeit,  die
Tatkraft,  die  Wohltat  der  festen  Preise  usw.
Ich  würde  nicht  gewissenhaft  handeln,  wenn  ich  nicht  auch  diese  eine  Illusion
der  Warenhäusler  über  das  gesetzgeberische  Erzeugnis  aus  den  Braunschweigischen
Landen  zerstörte.  Es  könnten  sonst  gelegentlich  einmal  weitgehende  Folgerungen
aus  dieser  durchgelassenen  Selbsttäuschung  gezogen  werden.
Der  Verfasser  der  Begründung  ist  offenbar  ein  sehr  streng  logischer  Kopf,
der  die  ganze  Frage  aus  beni  ss  kennt.  Er  ist  von  der  Überzeugung  durchdrungen,
daß  die  Warenhäuser,  Konsumvereine  usw.  wirtschaftliche  Übel  sind.  Aber  er
räumt  in  der  sittlichen  Weltvrdnung  auch  Übeln  eine  manchen  Fortschritt  bedingende ­
  Stellung  ein.  So  war  die  Cholera  in  Hamburg  1892  die  akute  Veranlassung ­
  zur  besseren  Herrichtung  der  Wasserleitung,  an  deren  schlechtem  Wasser
sonst  chronisch  und  unauffällig  viel  mehr  Menschen  gestvrben  wären,  als  während
der  Epidemie  dem  Tode  verfallen  sind.  Und  wie  oft  ist  nicht  ein  großer  Brand
die  Ursache  für  das  schönere  Erstehen  einer  Stadt  gewesen!  In  diesem  Sinn
hat  der  scharfsinnige  und  auf  hoher  geistiger  Warte  stehende  Braunschweigische
Referent  offenbar  die  Warenhäuser  und  Konsumvereine  charakterisieren  wollen,