86

unserer  Kleinindustrie  durch  die  Warenhäuser  hat?  Sie  müßten  doch  wahrhaftig ­
  die  Siinde  fürchten,  unter  solchen  Umständen  noch  das  Loblied  der
Warenhäuser  zu  singen,  von  ihrer  besonderen  „Intelligenz",  ihrem  „Fleiß"  usw.
zu  sprechen.  Eine  Umsatzsteuer  von  zwei  oder  drei  Prozent  soll  eine  „Erdrosselungssteuer" ­
  sein  und  Abkürzungen  von  16  Prozent  -j-  3  Prozent  —
18  Prozent  außer  dem  Kassenskonto  von  zwei  Prozent,  sozusagen  aus  zwei
Mvnate,  gleich  zwölf  Prozent  pro  anno  —  finden  die  Warenhäusler  durchaus
angemessen!  Man  sollte  jedem  gedankenlosen  Verteidiger  der  Warenhäuser
diese  Tatsachen  an  den  Kopf  werfen,  der  sich  so  lebhaft  gegen  die  von  der
Mehrheit  des  Preußischen  Abgeordnetenhauses  geforderte  Erhöhung  der  Warenhausumsatzsteuer ­
  sträubt."
Wie  kann  bei  solchen  Bedingungen  ein  Arbeiterstand  gedeihen?
Lächerlich  ist  es,  die  Warenhäuser  als  Beschützer  vor  Syndikaten  usw.  zu
empfehlen,  sie,  die  selbst  in'sich  große  Trusts  und  Geschäftsmonopole  darstellen.
Hat  man  schon  jemals  gehört,  daß  sich  Katzen  am  besten  zu  Vorsitzenden  vou
Vogelschutzvereinen  eignen?  Wehe,  wenn  erst  die  mittlere  und  kleine  Konkurrenz
ganz  verschwunden  ist!

(Stnistc  Gedanken
über  Gesetze,  deren
Einbrittñunñ  und
Abänderung.

§5%
Diese  Zumutung  an  den  Einfältigkeitsglauben  ernster  Patrioten  wird  nur
durch  den  eigenen  Glauben  an  die  Wirkungsmöglichkeit  der  beweglichen  Klage
übertroffen,  in  der  sich  die  Warenhausinhaber  ergehen,  wenn  sie  an  die  vorgeschlagene ­
  und  zum  Teil  schon  zur  Anwendung  gekommene  Abwehrmaßregel
gegen  die  Ausbreitung  der  Warenhäuser  denken.
In  allen  Sprachen  schreien  sie:  Gerechtigkeit  ist  die  Grundlage  jedes
Staates!
Das  wissen  wir  alle  genau,  uns  ist  aber  auch  bekannt,  daß  die  Warenhäuser
durch  ihre  Handelspraktiken  nie  einen  Beitrag  zur  Bereicherung  dieses  Erfahrungsgrundsatzes ­
  geliefert  haben.  Diese  Shylocks  verlangen  für  sich  alles
Fleisch  des  gewerblichen  Mittelstandes  und  würden  mit  Behagen  obendrein  auch
das  kraftführende  Herzblut  des  deutschen  Volkes  in  den  Sand  rinnen  sehen.  Das
ist  zuviel!
Die  Gesetze,  innerhalb  deren  Rahmen  sich  das  wirtschaftliche  Leben
eines  Volkes  abspielt,  sind  doch  keine  unabänderlichen  Naturgesetze,  n  a  ch  denen
die  Wandlungen  der  unbelebten  Natur  ill  unaufhaltsamer  Folge  sich  abspielen.
An  den  Wirkungen  einer  Schwerkraft  läßt  sich  nichts  ändern.  Sie  fordert  ihren
Tribut  auch  von  dem  schnell  aufsteigenden  Körper.  Aber  die  Gesetze,  die  wir
uns  selbst  gegeben  haben,  können  wir  nicht  nur,  sondern  müssen  wir  sogar  abändern, ­
  wenn  sich  zeigt,  daß  sie  zum  Nilin  des  Volkes  führen.  In  der  Tat  sehen
wir  auch,  daß  in  jedem  Jahre  Gesetzesänderungen  vorgenomulen  lverden.  Es