XXV 1. 101 Aufserdem war „der Guineahandel für die Dänen nie vorteilhaft gewesen“ (Sell, S. (54; Hüne, S. 403). Daran war teils die energielose, unehrliche Geschäftsführung aller damit betrauten Handelskompagnien schuld (Knox, S. 82 ff. ), ander seits „verstanden die Dänen nicht, mit den andern Nationen an der afrikanischen Küste Preis zu halten“ (Sell, ibid.). Be sondere für den Tauschandel geeignete Exportartikel fabri zierte das überwiegend agrarische Mutterland nicht. „Die Engländer und besonders die Holländer und Franzosen haben sich auf schlechtere, leichtere Waren und auf wohlfeilere Preise gelegt, wodurch sie die Dänen ausschlossen“ (ibid., aufserdem noch Isert, S. 102ff.). Der letzte Versuch, den afrikanisch-westindischen Handel zu stärken, geschah 1781 durch die Neugründung der erwähnten „Ostsee und Guinee- ischen Handelsgesellschaft“. Ihre Geschäfte konnte sie nur durch staatliche Unterstützungen von jährlich 25000 Reichs talern führen (Isert, S. 257). Als ihre Geldverhältnisse immer schlechter wurden, hob sie der König 1787 auf (Seil, 8. 53; Hüne, S. 407). Seitdem machte Dänemark aus der Not eine Tugend und verbot den Handel 1792 vom 1. Jan. 1803 ab. — Für die zehnjährige Frist, die ihm noch beschieden war, ist zweierlei bemerkenswert: Durch die Zulassung der fremden Konkurrenz kam er, der schon seit 1755 überwiegend von Ausländern geführt worden war, so gut wie gänzlich in fremde, d. h. englische Hände (Hüne, S. 380 u. 408); aufser dem nahm er infolge der seit 1793 ausbrechenden Kriege, in welchen die dänischen Besitzungen fast die einzigen neutralen Plätze im westindischen Archipel blieben, vor seinem Ende einen ungeahnten Aufschwung. Die französischen, spanischen, holländischen, zum Teil auch die englischen Kolonien konnten wegen der Unterbrechung ihrer Handelsbeziehungen zu Europa nicht anders mit der Aul'senwelt in Verkehr treten, als durch Vermittlung der dänisch-westindischen Häfen. St. Thomas, das wegen seiner vorzüglichen Lage bereits 17(5(5 zum Frei hafen erklärt worden war, nahm infolgedessen eine grofsartige Entwicklung (Knox, S. 89 ff.). „Es bildete den einzigen Kanal, durch den die nichtbritischen Kolonisten europäische und nordamerikanische Waren importieren und ihre eigenen Er zeugnisse exportieren konnten. Die Flaggen aller sonst feindlichen Schiffe wehten hier einträchtig nebeneinander. Die dänischen Inseln entwickelten sich zum internationalen Stapel- und Umschlagsplatz für ganz Westindien.“ Nament lich in Sklaven bildete sich ein flottes Geschäft. Britische Schiffe brachten sie hierher aus Afrika, und die kleinen flachgehenden Boote der verschiedenen Kolonien holten sie ab und verteilten sie über ganz Mittelamerika. Wieviel Sklaven England auf diese W r eise jährlich über Dänisch-W estindien an die ausländischen Pflanzer absetzte, läfst sich heute wohl