Berufsehre, Sklaverei. 47 waren bereits am Ende dieser Epoche jene Anschauungen über die Berufsehre vorhanden, wie wir sie auch in der neuzeitlichen Ent wicklung kennen. Noch mehr näherten sie sich in der nächsten Periode der Gegenwart an. Zu Anfang dieser Epoche hat die Sklaverei kaum mehr Be deutung gehabt als in der vorhergehenden (S. 29). Den Acker bau betrieb man am liebsten mit halbfreien oder freien Knechten und Mägden, die nicht schwer zu bekommen waren, sonst hätten damals die Bauern ebenso wie heute in manchen Gegenden darauf gesehen, daß die „Menscher" viel Kinder kriegen, während Hesiod, der freilich aus einer vorwiegend agrarischen Gegend stammte, den Rat gab, Knechte und Mägde ohne Kinder zu suchen (Hesiod, Werke und Tage 601 u. 602). Der Zug zur Stadt war damals noch nicht aktuell. Die Sklavenarbeit hat auf den Landgütern in großem Maßstab überhaupt erst spät Eingang gefunden, in Massen wurden Sklaven zunächst im Fabriks- und Bergwerks betrieb verwendet, in letzterem vor allem deswegen, weil es sich dort um die widerwärtigste Arbeit handelte, wenn sich auch damals freie Männer fanden, die sich zu dieser Tätigkeit gegen Lohn her gaben. In den Betrieben, welche eine regelmäßige mechanische Tätigkeit verlangten, waren Sklaven häufig brauchbarer als freie Arbeiter, besonders wenn sie jenen Grad von Stumpfsinn besaßen, der Arbeiten, die im Takt ausgeführt werden mußten, förderte. Daneben wurden freilich auch Sklaven verwendet, die eine eigene Ausbildung genossen hatten und nun entsprechend verwertet werden konnten. Erleichterte die Zufuhr auch die Verwendung von Skla ven, so muß man immer im Auge behalten, daß Sklavenarbeit keineswegs immer billiger war als die Arbeit freier Leute. Er krankte der freie Arbeiter, so entließ ihn der Herr ohne weiteres, wie auch heute vielfach; starb er, so war das dem Herrn völlig gleichgültig, ein anderer trat an seine Stelle. Die Krankheit des Sklaven bedeutete aber für den Herrn einen großen Verlust und erst recht dessen Tod. Nur dann, wenn innerhalb der durchschnitt lichen Lebensdauer des Sklaven sich die Anschaffuugssnmme amorti sierte, war es vorteilhafter, Sklaven zu verwenden. Da nun der unverheiratete Arbeiter nicht viel mehr als feinen notdürftigen Lebensunterhalt als Lohn erhielt und der Herr einen geringeren Schaden von dessen Unterernährung hatte als von jener des Skla ven, so waren die Auslagen für den Sklaven vielfach nicht sehr viel niedriger als für den freien Arbeiter, nur der freie Arbeiter