Geld, Kredit. 147 Hunderts derart schwankend, daß sogar der Staat, soweit er nicht Naturalien empfing, sich Silber- und Goldmengen zahlen ließ statt der Münzen, war doch ein Sturz des Geldwertes eingetreten, wie er sonst nur bei papiernen Zahlungsmitteln vorzukommen Pflegt. Besser wurden diese Verhältnisse erst unter Konstantin und dann im byzantinischen Reich, aber zu einer großzügigen Münzpolitik fehlten alle Grundlagen. Wenn auch in den ersten zwei Jahrhunderten der Kaiserzeit das Geld- und Kreditwesen entwickelt war, so hat doch im Ver hältnis zu heutederBesitzvonEdelmetallgegenüber derDispositions- kraft über Edelmetall mehr zu bedeuten gehabt. Die großen Kredit institute mit ihrem weitverzweigten Filialensystem fehlten, welche der Thesaurierung heute so energisch entgegenarbeiten. Daher treffen wir auch in der alten Literatur so häufig den Geizkragen und Wucherer an, der schmutzig umhergeht, zu Hause aber das Geld in Haufen liegen hat, ein Typus, der sich meist nur dann entwickelt, wenn einer seinen blanken Geldstücken gegenüber steht (Lucian, Der Tyrann 17). Die Reformversuche gegen das'Ende der Antike haben nicht zu einer ausgebildeten Theorie über die Zusammenhänge der sozialen und wirtschaftlichen Erscheinungen geführt wie in der neu zeitlichen Entwicklung. Die hohe Entwicklung der juristischen Reflexion war relativ unabhängig von der tieferen Einsicht in wirtschaftliche Zusammenhänge. Die großen Theoretiker der Antike, die wir unter dem Gesamtnamen der Philosophen kennen, haben in dieser Richtung ebenfalls wenig getan. Wenn sie auch scharfsinnige Bemerkungen über wirtschaftliche Dinge machten, so fehlte doch eine systematische Bearbeitung völlig. Viele unter ihnen trugen am Ausgang des Altertums — jeder in seiner Weise — zur Destruktion des Staates noch bei, die meisten freilich waren ärmliche Gesellen mit dürren Seelen. Mancher tüchtige Kopf suchte zu retten, was zu retten war: das Recht der Persönlichkeit, wo durch viele ernste Männer zur Abkehr vom Staatsgetriebe be wogen wurden. War doch bei den Griechen seit jeher ein aske tischer Zug immer wieder zum Vorschein gekommen, der vielfach an weltfeindliche Lehren anknüpfte, da sie sich gerne mit finsteren und tragischen Problemen beschäftigten. Vor allem waren die Zyniker und ein Teil der Stoiker in der Opposition, die die Ausschweifungen der Herrscher rügten, wo sie konnten (Dio Cassius LX VI, 13) und dann das Martyrium auf 10*