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        <title>Antike Wirtschaftsgeschichte</title>
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            <forname>Otto</forname>
            <surname>Neurath</surname>
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        — ——- 
Aus Natur und Geisteswelt 
Lamvàng wissenschaftlich -gemsiiwrrständlicher Darstellungen 
O. Neurach 
ñntike Wirtschaftsgeschichte 
Verlag von B. G. Teulmer in Leipzig
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Ein vollständiges Verzeichnis der Sammlung „Ñus Natur 
und Geisteswelt" befindet sich am Schluß dieses Bandes. 
fltluffi alla. 400:109.
        <pb n="3" />
        Die Sammlung 
„Ñus Natur und Geisteswelt" 
die nunmehr auf ein mehr denn zehnjähriges Bestehen zurückblicken 
darf und jetzt über 275Bände umfaßt, von denen 60 bereits in zweiter 
bis vierter Auflage vorliegen, verdankt ihr Entstehen dem Wunsche, 
au der Erfüllung einer bedeutsamen sozialen Aufgabe mitzuwirken. 
Sie soll an ihrem Teil der unserer Kultur aus der Scheidung in 
Kasten drohender Gefahr begegnen helfen, soll dem Gelehrten es 
ermöglichen, sich an weitere Kreise zu wenden, dem materiell ar 
beitenden Menschen Gelegenheit bieten, mit den geistigen Errungen 
schaften in Fühlung zu bleiben, ver Gefahr, der Halbbildung zu 
dienen, begegnet sie, indem sie nicht in der Vorführung einer Fülle 
von Lehrstoff und Lehrsätzen oder etwa gar unerwiesenen Hypo 
thesen ihre Ñufgabe sucht, sondern darin, dem Leser Verständnis 
dafür zu vermitteln, wie die moderne Wissenschaft es erreicht hat, 
über wichtige Fragen von allgemeinstem Interesse Licht zu ver 
breiten. So lehrt sie nicht nur die zurzeit auf jene Fragen er 
zielten Antworten kennen, sondern zugleich durch Begreifen der zur 
Lösung verwandten Methoden ein selbständiges Urteil gewinnen 
über den Grad der Zuverlässigkeit jener Antworten. 
Ls ist gewiß durchaus unmöglich und unnötig, daß alle Welt 
sich mit geschichtlichen, naturwissenschaftlichen und philosophischen 
Studien befasse. (Es kommt nur darauf an, daß jeder Mensch an 
einem Punkte sich über den engen Kreis, in den ihn heute meist 
der Beruf einschließt, erhebt, an einem Punkte die Freiheit und 
Selbständigkeit des geistigen Lebens gewinnt. In diesem Sinne 
bieten die einzelnen, in sich abgeschlossenen Schriften gerade dem 
„Laien" auf dem betreffenden Gebiete in voller Anschaulichkeit und 
lebendiger Frische eine gedrängte, aber anregende Übersicht. 
Freilich kann diese gute und allein berechtigte Art der Popu 
larisierung der Wissenschaft nur von den ersten Kräften geleistet 
werden; in den vienst der mit der Sammlung verfolgten Auf 
gaben haben sich denn aber auch in dankenswertester weise von 
Anfang an die besten Namen gestellt, und die Sammlung hat sich 
dieser Teilnahme dauernd zu erfreuen gehabt. 
So wollen die schmucken, gehaltvollen Bände die Freude 
am Buche wecken, sie wollen daran gewöhnen, einen kleinen Be 
trag, den man für Erfüllung körperlicher Bedürfnisse nicht anzu 
sehen pflegt, auch für die Befriedigung geistiger anzuwenden. Durch 
den billigen preis ermöglichen sie es tatsächlich jedem, auch dem 
wenig Begüterten, sich eine kleine Bibliothek zu schaffen, die das 
für ihn wertvollste „Aus Natur und Geisteswelt" vereinigt. 
Leipzig, 1909. . ' B.G.Teubner.
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        -::v 
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        <pb n="5" />
        Ñus Natur und Geisteswelt 
Sammlung wissenschaftlich - gemeinverständlicher Darstellungen 
■ 258. Vändchen ' — 
Ñntike Wirtschaftsgeschichte 
von 
Dr. Otto Neurath 
in Mn 
Druck und Verlag von D. G. Teubner in Leipzig 1909 
«
        <pb n="6" />
        Inhaltsverzeichnis. 
Vorwort 
Seite 
in 
Einleitung: Die Entwicklung der antiken Wirtschaftsgeschichte . 1 
Erstes Kapitel: Übersicht über die wirtschaftliche Entwicklung des 
Orients bis zur Schaffung des griechisch-orientalischen Wirt 
schaftssystems (bis Ende 4. Jahrh. v. Chr.) 8 
Zweites Kapitel: Das Zeitalter des Schatzhandels in Griechen 
land (bis Mitte 8. Jahrh. v. Chr.) 25 
Drittes Kapitel: Das Zeitalter der griechischen Kolonisation 
(Mitte 8. Jahrh. v. Chr. bis Ende L. Jahrh. v. Chr.) .... 32 
Viertes Kapitel: Das griechische Wirtschaftssystem (Ende 6. Jahrh. 
v. Chr. bis Ende 4. Jahrh. v. Chr.) 51 
Fünftes Kapitel: Das griechisch-orientalische Wirtschaftssystem 
(Ende 4. Jahrh. v. Chr. bis Mitte 2. Jahrh. v. Chr.) .... 79 
Sechstes Kapitel: Die Entwicklung der römischen Weltwirtschaft 
(bis Ende 1. Jahrh. v. Chr.) 93 
Siebentes Kapitel: Das römische Reich als Wirtschaftskörper 
(Ende der Republik und Beginn der Kaiserzeit) 114 
Achtes Kapitel: Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft 
(von Ende 1. Jahrh. v. Chr.) 128 
Überblick 165 
stile Rechte, einschließlich ^des Übersetzungsrechts, vorbehalten.
        <pb n="7" />
        Vorwort. 
Wenn auch die bisherigen Forschungsergebnisse nicht ausreichen, 
eine vollständige Schilderung der antiken Wirtschaft zu geben, so 
ist es doch schon möglich, die wichtigsten Typen der wirtschaftlichen 
Organisationen, die das Altertum hervorgebracht hat, in Umrissen 
zu skizzieren. Die neuere Literatur zu zitieren, habe ich unter 
lassen, da ich dann Abweichungen hätte begründen und den ohne 
hin beschränkten Raum noch weiter hätte verkürzen müssen. Hin 
gegen habe ich manches durch Stellen aus den alten Autoren, die 
vielen Lesern leicht zugänglich sind, belegt und hoffe, so dazu bei 
tragen zu können, daß man den alten Autoren in weiteren Kreisen 
mehr Aufmerksamkeit schenkt, als dies vielfach üblich ist, woran 
unsere Schulen nicht an letzter Stelle die Schuld tragen. Ich habe es 
im allgemeinen vermieden, Kontroversen zu berühren, und lieber 
manchmal eine etwas verschwommene Ausdrucksweise gewählt oder 
gewisse Punkte gar nicht erwähnt. Hingegen habe ich mich nicht 
gescheut, eine bestimmte Meinung auszusprechen, wenn mir dieselbe 
als die richtige erschien, ohne die gegenstehende zu erwähnen, da 
ich in der vorliegenden Darstellung in erster Linie ein einheit 
liches Bild geben wollte. 
Um meine Darstellung nicht zu sehr mit Details zu belasten, 
habe ich typische Staaten und Institutionen etwas ausführlicher 
behandelt, anderes dafür ganz weggelassen. Das Gesamtbild der 
Wirtschaftsverhältnisse — und ein solches zu geben, warmein 
Ziel — wird dadurch wenig verschoben, und wer Einblick in die 
Staatenbeziehungen gewinnen will, wird sich an andere Bücher 
wenden. 
Das eigentliche Thema wird in Kapitel III bis VII behandelt, 
während die ersten beiden Kapitel und das VIII. Kapitel als Er 
gänzung anzusehen sind, die ich nicht immer in derselben Weise 
vorwiegend quellenmäßig behandelt habe. 
Die Einleitung kann ohne weiteren Schaden für die Lektüre 
überschlagen werden. Gewisse Materien, so metrologische, habe ich 
ganz ausgeschaltet. Wenn wir auch die ausgezeichneten Unter-
        <pb n="8" />
        IV 
Vorwort. 
suchungen Belochs über die antike Bevölkerung besitzen, deren 
Gesamtergebnissen ich in vielem gefolgt bin, so ist doch noch so 
vieles kontrovers, daß ich von einer Verwertung der einzelnen 
Zahlenergebnisse in einer Gesamtdarstellung absehen zu müssen 
glaubte. Auch Geldsummen habe ich nicht angeführt, da die Metall 
bestimmung vielfach strittig ist und überdies dem Leser, wie ich 
glaube, wenig damit gedient ist, wenn die antiken Summen nach 
manchmal recht bedenklichen Methoden in Mark umgerechnet werden, 
und wenn nicht gleichzeitig eingehende Mitteilungen über die Kauf 
kraft des Geldes, Verteilung der Vermögen und ähnliches gemacht 
werden. 
Denjenigen, welche den Zusammenhang der Wirtschaftsverhält 
nisse mit den politischen weiter verfolgen wollen, sei: Ed. Meyers 
Geschichte des Altertums. Belochs Griechische Geschichte und 
Mommsens Römische Geschichte empfohlen; sowie zur Ergänzung 
Schillers Geschichte der römischen Kaiserzeit. 
Ed. Meyer behandelt die Geschichte des ganzen Mittelmeer 
beckens bis zum Beginn der hellenistischen Zeit, Beloch die Ge 
schichte der griechischen Welt, mit Ausblicken auf die römische und 
orientalische Geschichte, bis zum Ausgang der hellenistischen Zeit. 
Mommsen schildert in Bd. I—III die gesamte römische Geschichte 
bis zum Ende der Republik und in Bd. V die Provinzialgeschichte 
bis Diokletian, Bd. IV fehlt. Schillers Werk umfaßt die gesamte 
Kaiserzeit. 
Ausreichendes kartographisches Material findet sich in dem bei 
Perthes erschienenen kleinen atlas antiquus. 
Es bleibt mir nur noch übrig, Herrn Eduard Meyer (Berlin) 
für die von ihm während meiner Studien empfangenen zahlreichen 
Anregungen sowie den Herren W. Max Müller (Philadelphia), 
Paul Stengel (Berlin) und Carl Wessely (Wien) für freundliche 
Winke zu danken. 
Wien 1909. 
Der Verfasser.
        <pb n="9" />
        Einleitung. 
Die Entwicklung der antiker: 
Wirtschaftsgeschichte. 
Es ist cine allgemeine Unmöglichkeit, von vornherein 
das System von Beobachtungen auszubilden, das ge 
eignet wäre, jeder positiven Theorie als unmittelbare 
Grundlage zu dienen. 
Comte, Darstellung der positiven Philosophie. 
Die Weisen der Griechen und Römer haben jahrhundertelang 
um das Bildungsideal gekämpft; während die einen im Glauben 
an ein höchstes Gut den Weg zu diesem zeigen wollten, bemühten 
sich andre, die an einem allgemeinen Ideal zweifelten, nur die 
Kräfte der Jünglinge zu üben, damit diese jedes beliebige Ziel 
erreichen könnten. Macht und politischer Einfluß erschienen zu 
weilen beiden Richtungen, vor allem aber letzterer erstrebenswert. 
Als im römischen Kaiserreich die politischen Gegensätze iminer mehr 
in den Hintergrund traten, wurden aus den früheren Kämpfern 
bloße Konkurrenten, von denen jeder auf seine Art Bildung 
vermitteln wollte, eine Bildung freilich, die jener der alten Philo 
sophen und Sophisten gleich unähnlich war. Daneben traten die 
ernsteren Reformatoren wenig hervor, und die großen Umwälzungen 
am Ende der Antike sind weder auf heidnischer, noch auf christlicher 
Seite vorwiegend durch die offiziellen Träger der Bildung bewirkt 
worden. Ehe das alte Heidentum unterging, faßte es all das 
zusammen, was es für den Inbegriff der Bildung hielt — es war 
wenig genug —, dann starb es. Das junge Christentum eignete 
sich diesen Bildungsstoff bereits früh an, zumal viele Verkündiger 
der neuen Lehre der alten Weisheit kundig waren. Im 6. Jahr 
hundert, als das Erwachen des Heidentums nicht mehr befürchtet 
wurde, verband man bereits recht eng die weltliche Bildung mit 
der geistlichen. Es war das Bildungssystem der sieben freien 
Künste, welches vorwiegend auf diesem Wege vom Mittelalter 
übernommen wurde. Die römisch-katholische Kirche vermittelte so 
den germanischen und romanischen Völkern die Antike, aber auch 
ANuG 258: Neurath, antike Wirtschaftsgeschichte. 1
        <pb n="10" />
        2 Einleitung. Entwicklung der antiken Wirtschaftsgeschichte. 
die byzantinische Welt pflegte die antike Wissenschaft und brachte 
den westlichen Völkern mannigfache Anregung. 
Im Rahmen dieser Bildung war wenig Raum für die Über 
lieferung antiker Wirtschaftsverhältnisse. Am ehesten be 
schäftigte man sich noch mit ihnen, wenn man einmal ernstlich 
daran dachte, einen antiken Autor zu interpretieren oder die 
Meinung eines Theologen durch antike Argumente zu stützen. Viel 
Anregung gewährten die Agrarschriftsteller der Römer, die 
man in der Praxis bis ins 18. Jahrhundert benutzte und sorg 
fältig studierte. Daneben enthielten die Schriften der Juristen 
für den mittelalterlichen Menschen manches aus der Wirtschafts 
geschichte. Aber all diese mehr oder weniger vereinzelten Kennt 
nisse regten nickt zu einem systematischen Studium an, da die 
schöpferische Kraft der europäischen Völker von religiösen Reflexionen 
absorbiert war und manche Wirrnisse die Menschen in Anspruch 
nahmen, so daß man über eine kritiklose Rezeption des antiken 
Stoffes, der ja recht ärmlich war, meist nicht hinauskam. 
Erst der Betrieb der Philologie, wie er sich am Ende des 
Mittelalters auszubilden begann, trug wesentlich dazu bei, ernst 
haft die Frage auszuwerfen, wie denn die Wirtschaft der 
Alten eigentlich beschaffen gewesen sei. Doch nicht nur die 
Philologen interessierten sich damals für die Antike, sondern auch 
die Historiker und Staatsmänner. Von diesen wurde bis 
ins 17. Jahrhundert hinein, indem sie dem Beispiele Mac chia- 
vellis folgten, mehrfach der Versuch gemacht, die politischen Er 
fahrungen der Antike für die Gegenwart zu verwerten, wobei die 
wirtschaftlichen Fragen auch eine gewisse Berücksichtigung fanden. 
In diesen Zeiten trugen auch juristische Werke, z. B. die des Si- 
gonius einen historischen Charakter und förderten das Verständ 
nis antiker wirtschaftlicher und sozialer Zustände. Daß es zu 
keiner Zusammenfassung des wirtschaftshistorischen Materials kam, 
hing sowohl mit der mangelhaften Überlieferung als auch mit der 
ungenügenden volkswirtschaftlichen Bildung zusammen. Der 
sich um diese Zeit entwickelnde Merkantilismus, der die Be 
einflussung der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse durch den 
Staat predigte, untersuchte die antiken Autoren vom praktischen 
Gesichtspunkte aus; so finden wir, daß Bodinus in seinem Werke 
über den Staat auf die Antike besonders in den Beispielen Rück 
sicht nahm. Nicht die theoretischen Betrachtungen der Alten, 
welche die früheren Forscher gefesselt hatten, so z. B. den heiligen
        <pb n="11" />
        Mittelalter, Renaissance. 
3 
Thomas die Urteile des Aristoteles über den Wucher, zog Bodinus 
vorwiegend heran, sondern die überlieferten Tatbestände, indem 
er zeitgenössische Wirtschaftsverhältnisse durch antike beleuchtete. 
Die Niederländer, die sich in der Folgezeit mit Wirtschaftsfragen 
sehr viel theoretisch beschäftigten, haben die Antike zur Erläute 
rung vielfach benutzt, auch antike Probleme speziell behandelt. Die 
so oft erörterte Frage von der Erlanbtheit des Zinsennehmens 
rief zu Anfang des 17. Jahrhunderts eine große Literatur hervor, 
in der die Antike eingehend berücksichtigt wurde und zum Teil 
Resultate von bleibendem, wissenschaftlichem Werte erzielt wurden. 
Doch können wir von da ab einen Stillstand in der Entwicklung 
der wirtschaftshistorischen Untersuchungen konstatieren, der Huma 
nismus, der die konkreten Verhältnisse oft in so glücklicher Weise 
mit der Antike verband, begann seine Kraft einzubüßen, und die 
Philologie verknöcherte. Die wenigen Philologen, die mit kriti 
schem Blick die alte Geschichte durchforschten, waren keine Wirt 
schaftshistoriker. 
Im 18. Jahrhundert machten oppositionell gesinnte Geister den 
Versuch,die Zustände der Gegenwart in antikem oder orientalischem 
Gewände zu schildern und zu tadeln. Eine ganze Literatur dieser 
Art knüpfte an FenelonsTelemach an. Man gewöhnte sich daran, 
die eigenen Verhältnisse mit fremden zu vergleichen, und was an 
fangs nur tendenziös geschah, führte bald zu einer objektiveren 
Behandlungsweise. Es bedurfte nur einer kleinen Wendung, und 
inan benutzte die Erfahrungen der Gegenwart dazu, die Frenlde 
und die Vergangenheit zu verstehn. Die „Persischen Briefe" 
stammten von demselben Montesquieu, der das für die Ent 
wicklung der Geschichtswissenschaften bedeutsame Werk „Der 
Geist der Gesetze" schrieb, dem Voltaires Studien „über die Sitten 
und den Geist der Nationen" an die Seite zu stellen wären. Während 
aber letzteres Buch vorwiegend der Kritik der Gegenwart diente, 
ist ersteres im wesentlichen objektiv. Montesquieu zeigte darin 
ebenso wie in seinem Werke „über die Ursachen von der Größe 
der Römer und ihrem Verfall" die Fähigkeit, vergangene Verhält 
nisse dadurch zu erfassen, daß er die der Gegenwart verstand. 
Näher als Montesquieu stand der Philologie ein englischer Forscher 
jener Zeit: Gibbon, der für wirtschaftliche und soziale Fragen 
ebenso wie Montesquieu großes Interesse hatte. Beim Franzosen 
ist dies aus der intensiven Beschäftigung mit politischen und so 
zialen Fragen zu erklären, welche der Revolution vorausging, 
1*
        <pb n="12" />
        4 Einleitung. Entwicklung der antiken Wirtschaftsgeschichte. 
beim Engländer aus der traditionellen politischen Schulung und 
dem gesunden Menschenverstand, den diese Nation für wirtschaft 
liche Fragen immer gehabt hat, und den wir z. B. bei Hume, 
Ferguson und Smith beobachten können, wenn sie antike Ver 
hältnisse besprechen. Dies steigende Interesse für die sozialen und 
politischen Verhältnisse des Altertums wurde in glücklichster Weise 
durch die Philologie ergänzt. 
Als die Philologie eine Spezialwissenschaft geworden war, be 
schäftigte sie sich nur noch in beschränktem Maße mit wirtschaft 
lichen Problemen, wenn auch umfangreiche Stoffsammlungen aller 
Art angelegt wurden, die viel Schätzenswertes zutage förderten. 
Auch finden wir zu Anfang des 18. Jahrhunderts gelegentlich 
Spezialuntersuchungen auf unserem Gebiet, aber es fehlte ein ein 
heitlicher Zug. Im Mittelalter war das, was man aus dem Alter 
tum gerettet hatte, um weniges vermehrt, der Inbegriff alles 
Wissens überhaupt gewesen. Tie Renaissance wollte sich nicht mit 
den paar Brocken begnügen, sondern die Antike als Ganzes wieder 
beleben, um den Inbegriff aller Schönheit und Weisheit jedem 
bedeutenden Geist zugänglich zu machen. Doch der in jener Zeit 
einsetzende Fortschritt der Wissenschaften, besonders der Natur 
wissenschaften, zwang bald die Menschen, auf jenes Kulturideal zu 
verzichten, das so viele hervorragende Männer als das ihrige er 
klärt hatten: Alle Anlagen, die man besitzt, ausbilden und an 
allem, was der Menschengeist erringt, Anteil haben. Welch böse 
Folgen die nun sich entwickelnde Spezialisierung mit der Zeit für 
die Philologie hatte, haben wir erwähnt. In der zweiten Hälfte 
des 18. Jahrhunderts entstand für die Philologie ein neues Ideal, 
das die Entwicklung der antiken Wirtschaftsgeschichte entscheidend 
beeinflußte. War es den Alten möglich gewesen, ihre Zeit zu um 
spannen, warum sollte es dem neuen Menschen, der zwar seine 
Zeit nicht mehr umfassen konnte, nicht wenigstens möglich sein, 
die Antike in ihrer Totalität zu begreifen? Es war Friedrich August 
Wolf, der die Kenntnis der antiken Menschheit als das Ziel 
seiner Arbeiten erklärte. Alle Studien, die sich auf antike Ver 
hältnisse bezogen, darunter auch die über Wirtschaftsverhältnisse, 
sollten in einem System zusammengefaßt werden. Heyne, dem 
Wolf viel zu verdanken hatte, zu dem er aber oft auch im Gegen 
satz stand, hatte die wirtschaftliche Forschung schon früher viel 
stärker als Wolf gefördert. Die Begründung der modernen antiken 
Wirtschaftsgeschichte war erst einem Schüler Wolfs vorbehalten:
        <pb n="13" />
        Neuzeit. 
o 
August Böckh, der den enzyklopädischen Charakter der Philologie 
betonte und auf den verschiedensten Gebieten seine Tätigkeit ent 
faltete. Sein berühmtes Werk „Die Staatshaushallung der Athe 
ner" (1817), das noch heute von Wert ist, zeichnet sich besonders 
durch umfassende Benutzung der griechischen Inschriften aus, denen 
Böckh als Schöpfer der modernen griechischen Epigraphik sein Augen 
merk zuwandte. Für jene Zeiten bedeutete die Erschließung der 
Jnschriftenschätze ähnlich viel, wie für die letzten Jahrzehnte die 
Entwicklung der Papyrusforschung. Zwar hatte Böckh auf dem 
Gebiet der Wirtschaftsgeschichte schon Vorgänger gehabt, von denen 
besonders Heeren zu nennen wäre, der mit dem ihm bekannten 
Material überaus viel leistete und in der Handelsgeschichte viel 
fach zu ausgezeichneten Resultaten kam, aber in gewissem Sinne 
den Abschluß einer Epoche darstellte, während Böckh einen Beginn 
repräsentierte. Seine Schrift hat Böckh einem andern großen 
Forscher auf dem Gebiete der antiken Wirtschaftsgeschichte gewid 
met: Bartold Georg Niebuhr. Niebuhr war praktischer Poli 
tiker gewesen und hatte sich erst später auf dem Gebiete der alten 
und neueren Geschichte in grundlegender Weise als Forscher be 
tätigt. Es war ihm überaus nützlich, zur Erklärung antiker Ver 
hältnisse die Erscheinungen der neueren Entwicklung heranziehen 
zu können. Daß der für die Wirtschaftsgeschichte des modernen 
Staatensystems geschärfte Blick die Erforschung der Antike fördere, 
hat man bei vielen Forschern beobachten können, freilich ist die 
Gefahr nicht gering, daß die Vergleiche allzu leichtfertig angestellt 
werden und eine vorzeitige Schematisierung das Urteil lähmt. 
Von den Gelehrten, die neben der Antike andere Epochen behan 
delten, wären z. B. K. W. Nitzsch und Droysen zu nennen, von 
denen, die der Politik nahestanden und dadurch viel Anregung 
erhielten, Grote (gest. 1871) und vor allem Mommsen, in dem 
sich viele Anlagen in seltener Weise vereinigten. Wie wir schon 
oben erwähnten, haben juristische Forschungen schon früh die an 
tiken Wirtschaftsverhältnisse berücksichtigt, dies hat nie ganz auf 
gehört, aber eine besondere Bedeutung gewonnen, als die rechts 
historischen Studien im Anfang des 19. Jahrhunderts einen neuen 
Aufschwung nahmen. Männer wie Savigny haben überaus viel 
für die wirtschaftshistorische Forschung geleistet. Das Interesse, 
die Konstruktion gewisser Rechtsinstilute klar herauszuarbeiten, 
trieb einen Huschke z. B. an, sich mit wirtschaftshistorisch wich 
tigen Prolemen zu besassen. Doch all diese verschiedenen Unter-
        <pb n="14" />
        6 Einleitung. Entwicklung der antiken Wirtschaftsgeschichte. 
suchungen blieben verhältnismäßig unabhängig voneinander, bis 
Mommsen die philologische Forschung mit der staatsrecht 
lichen und politischen verband und durch seine Bemühungen 
die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse Roms in der ganzen 
Entwicklungszeit aufhellen half. Wie Böckh überaus viel für die 
griechischen Inschriften tat, so hat er Hervorragendes für die la 
teinischen geleistet und so die Behandlung vieler Probleme um 
gestaltet oder überhaupt erst ermöglicht. Nationalökonomen haben 
sich verhältnismäßig wenig mit der alten Wirtschaftsgeschichte be 
schäftigt und wenn, so meist nur gelegentlich, wie z. B. der praktische 
Politiker Rodbertus. Ausblicke auf die Antike hingegen treffen 
wir häufig an. Daß Roscher sich mit der Antike beschäftigte, mag 
hier deshalb besonders hervorgehoben werden, weil die historische 
Schule späterhin sich im allgemeinen auf die mittelalterliche und 
neuere Entwicklung beschränkte. 
Die wirtschaftshistorischen Interessen erhielten in der zweiten 
Hälfte des 19. Jahrhunderts eine besondere Förderung, als immer 
allgemeiner, zum Teil unter dem Einfluß der marxistischen Ge 
schichtsphilosophie, der Zusammenhang zwischen Politik und Wirt 
schaft untersucht wurde. Vor allem berücksichtigten die Historiker 
die Wirtschaftsgeschichte immer mehr, aber auch Nationalökonomen 
wandten sich zuweilen der Analyse mancher Erscheinungen zu, so 
beschäftigte sich z. B. Bücher eingehend mit der Taxordnung Dio 
kletians. Die Entzifferung und Deutung der Papyrus- und Ton 
scherbenfunde trug viel dazu bei, ein lebendiges Bild von antikem 
Wirtschaftsleben, besonders dem Ägyptens in der hellenistischen 
Epoche sowie in der Kaiserzeit zu schaffen. Während man sonst 
zu den allgemein gehaltenen Berichten die Details suchen mußte, 
war hier die Aufgabe gestellt, aus einzelnen Details ein Ganzes 
zu schaffen. Es wurde so das Interesse für viele wirtschaftliche 
Einzelheiten, für die einzelnen Organisationsformen, Buchführung, 
Tätigkeit der Banken und ähnliches geweckt. Vor allem ist so die 
Möglichkeit vorhanden, die Häufigkeit mancher Erscheinungen ab 
zuschätzen. Dies hat besondere Bedeutung durch eine Streitfrage 
bekommen, welche mit allgemeineren geschichtsphilosophischen Be 
trachtungen zusammenhängt. 
Während viele die Ansicht vertraten, die Entwicklung der Mensch 
heit gehe stufenweise von der Antike bis zur Gegenwart vor sich, 
meinten andere, daß die antike Entwicklung allein alle jene Stufen 
aufweise, welche wirkn der mittelalterlichen und neuzeitlichen kennen,
        <pb n="15" />
        Neuzeit. 
7 
so daß man von einem griechischen Mittelalter sprechen könne. 
Letztere Anschauung wurde von manchen systematisch ausgebaut 
und einem größeren geschichtlichen Überblick eingeordnet, wie dies 
z. B. von Breysig in sehr schematischer Weise geschehen ist. Der 
Streit wurde besonders durch einen Vortrag Eduard Meyers 
über die wirtschaftliche Entwicklung des Altertums neu belebt, in 
welchem Bücher vorgeworfen wurde, er stelle sich die Antike auf 
einer zu primitiven Stufe vor, während die Antike durch viele 
Jahrhunderte Verhältnisse auswies, die den neuzeitlichen analog 
seien. Forscher, die sonst auf anderen Gebieten tätig waren, be 
gannen, sich für diese Fragen zu interessieren, und die Vergleichung 
von Antike und Gegenwart stand im Mittelpunkte des Inter 
esses. Manche Historiker, z. B. Beloch, betonten besonders die 
Ähnlichkeiten. Es wurde auf diese Weise eine Angleichung in der 
Behandlung der antiken, der mittelalterlichen und der neueren 
Wirtschaftsgeschichte erreicht, indem in immer steigendem Maße 
alle drei Zeitabschnitte der nationalökonomischen Betrachtung 
unterworfen wurden. So wurden z. B. von Pöhlmann Unter 
suchungen über antiken Sozialismus und Kommunismus angestellt. 
Den Verlauf der Einzelforschung zu schildern, ist hier nicht 
unsere Aufgabe. 
Wir ersehen aus dieser kurzen Skizze, daß die antike Wirtschafts 
geschichte das Schicksal vieler Wissenschaften teilte, indem sie keinen 
geradlinigen Weg zurücklegte, denn nur selten entwickelt sich eine 
Wissenschaft in der Weise, daß an der Beantwortung einmal be 
stimmt formulierter Fragen Jahrhunderte arbeiten, meist wechseln 
die Interessen während der Untersuchung, und was frühere Zeiten 
gefunden, wird von späteren zu neuen Zwecken verwendet, anderer 
seits wird die Erkenntnis oft durch Resultate gefördert, die bei 
fremden Untersuchungen zutage kamen. So bewirkt die unstete 
Entwicklung oft, daß ein Gegenstand von verschiedenen Seiten be 
leuchtet wird und voneinander unabhängige Bemühungen sich als 
bald aufs glücklichste ergänzen; einseitige Anschauungen werden 
so leichter vermieden, großzügige Entwürfe ermöglicht, aber die 
Diskontinuität hat auch ihre Mängel, und so treten uns die aus 
dem individuellen Leben bekannten Vorzüge und Nachteile des 
Spezialistentums und der vielseitigen Betätigung auf 
dem Gebiete der Wissenschaften in großem Stil entgegen. 
• Lange Zeit diente die Erforschung der alten Wirtschaftsver- 
hältnisse nur bestimmten Zwecken, erst am Ende des 19. Jahr-
        <pb n="16" />
        8 Erstes Kapitel. Übersicht über d. wirtschaft!. Entwickl. d. Orients usw. 
Hunderts gelangte sie dazu, eine selbständige Disziplin zu werden, 
in jener Epoche, die wir hier nicht mehr schildern wollen, weil sie 
bereits in die Gegenwart und in ihre Kämpfe hineinragt. So 
schließen wir denn diesen flüchtigeil historischen Überblick, der nicht 
mit den Ideen bekannt machen sollte, welche auf dem Gebiete der 
alten Wirtschaftsgeschichte die Gelehrten leiteten — das wäre ohne 
vorhergegangene Darstellung des Gegenstandes nicht gut möglich—, 
sondern nur zeigen sollte, von welchem Interesse die Forscher 
jeweils geleitet waren, wenn sie sich unserem Gebiete zuwendeten, 
nicht eine Geschichte der Ideen, sondern eine der Interessen 
sollte hier skizziert werden. 
Erstes Kapitel. 
Übersicht über die wirtschaftliche Entwicklung 
des Orients bis zur Schaffung des griechisch- 
orientalischen W irtsch asts systems. 
(Vis Ende 4. Jahrhunderts.) 
„Herrlich ist der Orient 
Übers Mittelmeer gedrungen." 
Goethe, West-östlicher Divan. 
Bon den Ländern der alten Welt hat sich Ägypten am längsten 
verhältnismäßig selbständig entwickelt. Die Wirtschaftsverhält 
nisse können wir erst seit der Zeit der Pyramidenbauer, die zu 
Anfang des dritten Jahrtausends regierten, genauer verfolgen. 
Damals war Ägypten ein Kulturstaat mit einer im größten 
Stile planmäßig geordneten Naturalwirtschaft. In einem 
System von Magazinen, die mit einem ausgebildeten öffentlichen 
und privaten Verwaltungsapparat in Verbindung standen, sammel 
ten die Herrscher die dem Staate zukommenden Leistungen der 
Untertanen, die großen Grundbesitzer die Produkte ihrer Be 
sitzungen, von denen auch ein Teil an den König abgeführt werden 
mußte. Diese Magazine dienten überdies dazu, Reserven für Hun 
gersnöte aufzusammeln. Ein großer Teil der Bevölkerung emp 
fing aus diesen Magazinen rentenartige Naturalbezüge, sei 
es, daß einer Mitglied der sehr zahlreichen Beamtenschaft war 
oder einer Priestergemeinschaft angehörte, sei es, daß er in dau 
ernder Abhängigkeit von einem der großen Grundbesitzer stand 
oder auf Grund eines Vertrages, z. B. eines Lohnvertrages An-
        <pb n="17" />
        Ägypter, Giroverkehr in Naturalien. 
9 
sprüche hatte. Die ganze Beamtenschaft, welche die Hauptstütze 
des Staates bildete, stand ebenso wie die Königsfamilie beim 
Herrscher in voller Naturalverpflegung, die durch einen umfang 
reichen Verrechnungsapparat in Ordnung gehalten wurde. Nach 
den erhaltenen Dokumenten sah ein Detailposten etwa folgender 
maßen aus. Brote Krüge Bier usw. 
Königin .... 10 2 
Prinzessin ... 10 1 
Haremsdame . . 20 2 
Leibgardeosfizier . 20 2 
Richter .... 10 1 
Beamte mit Dienerschaft erhielten für diese ebenfalls die volle 
Naturalverpflegung. Unter diesen Umständen spielte der markt 
mäßige Tausch von Ware gegen Ware eine untergeordnete Rolle. 
Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung, der keiner Organisation 
angehörte, mag auf den Tauschhandel angewiesen gewesen sein, 
etwa ein paar Hirtenstämme und die nicht sehr zahlreichen fremden 
Kaufleute. Daß aber für diesen geringfügigen Marktverkehr der 
Tausch ausreichte, beweisen die Tauschszenen auf den erhaltenen 
Grabgemälden. Fand der Kuchenhändler, daß die vom Käufer an 
gebotene Halskette nicht ausreichte, so fügte dieser eben noch eine 
Sandale hinzu. Statt des marktmäßigen Tauschens wurde von 
den Rentenberechtigten die Überweisung dieser Rente an Dritte 
vorgenommen, wodurch der Kreis derer, die an dem Magazin 
system Anteil hatten, bedeutend erweitert wurde. Hatte etwa ein 
Mensch Anspruch auf eine Rente, bestehend aus Fleisch, Brot usw., 
und wünschte er, daß ein Tempel auf seinem Grabe regelmäßig 
Opfer bringe, so überwies er der Priesterschaft eine Anzahl von 
jenen Tagesrationen. Ähnlich verfuhren bei uns im Mittelalter 
die Grundherren, welche die Naturalrente eines Bauerngutes 
einer Kirche schenkten, damit diese Messen lesen lasse. Die Häufung 
derartiger Überweisungen führte zu einer Art Giroverkehr in 
Naturalien. Die Bildung größerer staatlicher Organisationen 
wurde durch die Verhältnisse im Niltal gefördert, weil nur durch 
planmäßiges Vorgehen die Kanal- und Dammanlagen erhalten wer 
den konnten, welche die ungeheure Fruchtbarkeit des Landes garan 
tierten. Überdies war die Fluktuation der Bezugsberechtigten ge 
ring, da keine Tendenz zur Auswanderung bestand; die zahlreichen 
Handwerker und Gewerbetreibenden waren wohl meist seßhaft,
        <pb n="18" />
        10 Erstes Kapitel. Übersicht über d. wirtschaftl. Entwickl. d. Orients usw. 
besaßen häufig Land oder standen in Abhängigkeit von einem 
Grundbesitzer. Die auswärtigen Beziehungen waren im alten und 
mittleren Reich, d. h. bis ins zweite Jahrtausend hinein, nicht zahl 
reich, und der nicht allzusehr entwickelte Außenhandel trug deu Cha 
rakter gelegentlicher Expeditionen, die zum Teil — wie die Fahrten 
nach dem südlich gelegenen Lande Punt, um Weihrauch, Elfenbein, 
Ebenholz, Gold, Sklaven usw., oder nach dem Libanon, um Holz 
zu holen — vom Staate, d. h. damals vom Könige, organisiert 
waren. Das einzige ständige Unternehmen außerhalb Ägyptens 
scheint der Betrieb von Kupfergruben auf der Sinaihalbinsel ge 
wesen zu sein. Im Süden brach man gelegentlich in Nubien ein 
und schleppte Vieh und Sklaven mit sich, vor allem aber Gold, 
auch trug man dafür Sorge, daß Nubien, eines der wichtigsten 
Goldländer des Altertums, auch weiterhin Gold lieferte. Diese Feld 
züge wurden bereits frühzeitig mit zu Hilfenahme fremder Truppen 
ausgeführt, unter welchen sich auch Nubier halb gezwungen, halb 
freiwillig als Söldner befanden. Sklaven wurden in der Wirt 
schaft nur in mäßiger Menge verwendet. Die Felder wurden vor 
wiegend nur durch freie oder halbfreie Arbeiter bestellt, wenn man 
nicht, da die Kanalisation große Aufmerksamkeit verlangte, die 
Verpachtung an kleine Leute vorzog. 
Dieser Beamtenstaat verwandelte sich allmählich im Verlauf des 
dritten Jahrtausends in einen Feudalslaat, indem die Ämter erb 
lich wurden und die Großen des Reiches durch die Gunst des 
Königs große Güter erhielten nebst den dazu gehörigen halbfreien 
oder freien Bauern und Handwerkern. Prinzipiell blieb die Or 
ganisation der Wirtschaft unter diesen veränderten politischen Ver 
hältnissen die gleiche, es wurden sowohl die Lebensmittel als auch 
die Wertobjekte systematisch gesammelt, nur erfolgten die Lieferun 
gen der Untertanen an den König vielfach nicht mehr direkt. Die 
bureaukratischen Verrechnungsmethoden blieben erhalten, und die 
Quittungen und Überweisungen wurden immer mehrvervollkommnet. 
Da die Bureaukraten in diesem Staat viel zu bedeuten hatten, 
hielten sie sich für die Auslese der Gesellschaft und hatten von den 
anderen Berufen keine allzu hohe Meinung, wie wir das überall 
sehen, wo der Beamtenstand die erste Rolle spielt. Besonders die 
Metallbearbeitung galt als erniedrigend (S. 86), aber auchdiemeisten 
anderen Berufe ermüdeten nach Anschauung der Schreiber den Kör 
per zu sehr und ließen den, der sie ausübte, in Armut. Erst, als 
aus dem Stande der Gewerbetreibenden immer mehr reiche Leute
        <pb n="19" />
        Ägypter, Metalle als Tauschmaß. 
11 
hervorgingen, dürfte sich der Beamtenstand mit diesen, die nicht 
selbst Hand anlegten, sondern nur Unternehmer waren, ausgesöhnt 
haben. In diesem Feudalstaat mit seinem stark bureaukratischen 
Einschlag nahmen die Metalle im Güterverkehr noch immer keine 
einzigartige Rolle ein, Gold und Kupfer waren nur Waren. Doch be 
gannen sie allmählich alsTauschmaß, wenn auch nicht alsTausch- 
mittel zu dienen. Wenn zwei Menschen miteinander tauschen woll 
ten, taten sie das nun in der Weise, daß sie die Waren in Kupfer 
abschätzten und von ihnen so viel nahmen, daß jede das gleiche 
Metallquantum repräsentierte. Unter diesen Umständen konnte das 
Bedürfnis nach einer Vermehrung des vorhandenen Metalls zu 
Zahlungszwecken nicht eintreten, was in unserem Wirtschaftsleben 
häufig Veränderungen in der Kaufkraft des Geldes bewirkt. Doch 
selbst in der folgenden Periode, als das Metall bereits Zahlungs 
mittel geworden war, spielten die Naturalleistungen in Ägypten 
immer noch eine große Nolle. 
Das eben geschilderte Wirtschaftssystem wurde durch internatio 
nale Beziehungen umgewandelt. Die Feudalordnung hatte zu 
Verwicklungen geführt, die es asiatischen Stämmen ermöglichten, 
in Ägypten einzufallen und in einem Teile des Landes die soge 
nannte Hyksosherrschaft zu errichten. Als zu Anfang des 16. Jahr 
hunderts zur Zeit des neuen Reichs die Hyksos nach Asien ver 
trieben worden waren, begannen die Ägypter, welche ihnen folgten, 
Expansionspolitik zu treiben. Die Kriege mit den Asiaten brachten 
Sklavenmassen nach Ägypten, die bei den großen Bauten neben 
den freien und halbfreien Arbeitern Verwendung fanden. Die 
Zahl der Söldner wurde vermehrt, worin man zunächst wohl kein 
Zeichen des Verfalls sehen muß, da es sich ja um Kriege handelte, 
welche vor allem den oberen Klassen Vorteil brachten und nicht 
etwa den untern neue Bauernhufen verschaffen sollten. Derartige 
Kriege führt man auch heute vorwiegend mit Söldnern, so Eng 
land in seinen Kolonien, auch Deutschland sucht sich ja in seinen 
Kolonialkriegen ohne das eigentliche Volksheer zu behelfen. Die 
Söldner, welche besonders aus Libyen nach Ägypten kamen, wur 
den angesiedelt und bildeten eine erbliche Kaste, die ebenso wie 
die Priesterkaste, deren Bedeutung immer mehr wuchs, abgaben 
freien Grundbesitz hatte, der teilweise verpachtet wurde. Mit 
diesen Söldnerheeren kamen die Ägypter bis an den Euphrat. 
Die Völker Syriens, die sich durch Handel und Industrie aus 
zeichneten, unter ihnen die Phöniker, unterwarfen sich. Cypern
        <pb n="20" />
        12 Erstes Kapitel. Übersicht über b. wirtschaftl. Entwickl. d. Orients usw. 
sandte Tribute, ebenso das Land Kefto (S. 30), aus Assyrien 
trafen Geschenke ein. Auf diese Länder, welche nicht in das Staats 
gebiet eingegliedert wurden, sondern nur in lockerer Abhängigkeit 
blieben, konnte das naturalwirtschaftliche System nicht ausgedehnt 
werden. Wenn ein Ägypter durch ein Handelsgeschäft in den Be 
sitz einer syrischen Rente gekommen wäre, so hätte das noch keine 
großen Schwierigkeiten gemacht, da er sie etwa gegen eine ägyp 
tische, die ein Syrer besaß, hätte eintauschen können, soweit es sich 
nicht gerade um Exportartikel handelte. Aber abgesehen davon, daß 
bei diesen Völkern der Verrechnungsapparat meist fehlte, waren 
Kriege zu befürchten, in denen Privatrechte nicht respektiert wurden. 
Auch waren die Staatsverträge noch ungenügend, weshalb An 
weisungen, die Kredit verlangten, ausgeschlossen waren. 
Man mußte daher die Gegenleistung sofort in Empfang nehmen, 
die vor allem in leicht transportablen Gütern, in Weihrauch, sel 
tenen Hölzern und in Metallen bestand, welche bei den Asiaten 
bereits seit langem eine bevorzugte Rolle spielten. Die Metalle 
ersetzten sichere internationale Anweisungen, indem man für sie 
überall Waren erhalten konnte. Aber nicht nur im internationalen 
Verkehr benutzen von da ab die Ägypter Metalle, sie drangen 
auch in den Staatsverband ein. Die früher übersichtliche und 
planvolle nationale Wirtschaft wurde durch eine weni 
ger übersichtliche, ungeregelte internationale ersetzt. Es 
war damals ausgeschlossen, auch in dieser das alte System der 
Überweisungen herzustellen — fällt es doch unserer Zeit überaus 
schwer, die ein hochentwickeltes internationales Bankwesen besitzt! 
Die großen Kornspeicher blieben bestehen, aber daneben kam die 
Schatzkammer des Königs als Kasse zu immer größerer Bedeu 
tung. Die ausgedehnten Beziehungen zu den asiatischen Staaten 
schufen einen ständigen diplomatischen Verkehr, der sich auch mit 
wirtschaftlichen Fragen, mit Zöllen, Handelsgesellschaften u. dgl. be 
schäftigte. Eine große Rolle spielten die Tributzahlungen. Der Aus 
tausch von Geschenken unter den Staaten nahm oft die Form des 
Handelsverkehrs an, indem der schenkende Fürst — zuweilen in 
recht unverschämter Weise — seine Wünsche kundtat. Als Ge 
schenke und Tribute kamen Öle, wertvolle Steine, Gold und das 
im Altertum, besonders in den früheren Zeiten, von denen wir 
hier sprechen, überaus geschätzte Silber, Weine, Geräte, Sklaven, 
Pferde usw. nach Ägypten. Trotz der vielen Fehden der kleineren 
Staaten untereinander gedieh der Handel, weil sich die Fürsten
        <pb n="21" />
        Ägypter, Metalle als Tauschmittel. 
13 
meist darauf beschränkten, Durchzugsgelder zu erheben, statt in un 
geregelter Weise zu rauben. Der internationale Handel erstreckte 
sich in diesen Zeiten vorwiegend auf kostbare Objekte, erst all 
mählich kamen die Gegenstände des täglichen Lebens hinzu. Die 
so nach Ägypten strömenden Reichtümer kamen nicht nur dem 
Staate, sondern auch den Tempeln zugute, die bald, da sie sich 
überdies direkt dem Erwerbe zuwendeten — besonders dem Fabrik- 
betrieb —, eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Macht dar 
stellten. Angriffe der Cheta, die in Kleinasien und Syrien ein 
großes Reich innehatten, der Lybier und anderer Völker wurden 
zurückgeschlagen (S. 26). Die asiatischen Besitzungen blieben aber 
nicht lange in der Hand Ägyptens, das durch seine eigenen Söldner 
unter eine Fremdherrschaft kam. Es spaltete sich bald in einige 
Reiche, die den Äthiopen zufielen, welche schon vorher die ägyp 
tische Kultur angenommen hatten. Diese scheinen ihre Macht auch 
dazu verwendet zu haben, die Damin- und Kanalbauten in Stand 
zu setzen, so daß die Fruchtbarkeit Ägyptens trotz aller Unruhen 
nicht allzusehr gelitten haben dürfte (Herodot II, 137). Im 7. Jahr 
hundert wurden die Äthiopen durch die Assyrer verdrängt, die 
ihre Herrschaft auch über Ägypten ausdehnten, bis Psammetich, ein 
Gaufürst, es mit Hilfe griechischer und karischer Hilfstruppen be 
freite, die ihm der Lyderkönig schickte (S. 17). Er nahm zahl 
reiche griechische Söldner in seine Dienste; das gleiche taten seine 
Nachfolger (S. 62). Die neue Dynastie suchte den Handel mit 
Asien zu fördern. So begann Necho II. zu Anfang des 6. Jahr 
hunderts einen Kanal zu graben, der das Rote Meer mit dem Nil 
verbinden sollte (Hewdot II, 158). Angeblich hat er auch durch 
Phöniker Afrika umschiffen lassen (Herodot IV, 42). Er ließ auch 
zwei Kriegsflotten auf ägyptischen Werften erbauen, um das Mittel 
meer und das Rote Meer befahren zu können; sein Versuch, Syrien 
wiederzugewinnen, mißlang (S. 17). Mit den Griechen pflegte er 
freundliche Beziehungen, indem er, was auch andere orientalische 
Fürsten taten, den griechischen Göttern seine Ehrfurcht bezeigte 
(Herodot II, 159). Die nächste Zeit brachte kriegerische Verwick 
lungen mit den Griechen von Kyrene, denen aber bald ein fried 
licher Verkehr folgte (S. 36) Ägypten begann allmählich die Zu 
rückhaltung den Griechen gegenüber aufzugeben, die zum Teil da 
mit zusammenhing, daß man des Reiches alte Herrlichkeit durch 
konservative Gesinnung wieder herstellen wollte. Man räumte den 
Griechen Stapelplätze ein und trat mit ihnen in engeren Verkehr
        <pb n="22" />
        14 Erstes Kapitel. Übersicht über d. wirtschaftl. Entwickl. d. Orients usw. 
(S. 50). Die Freude über die Befreiung Ägyptens von der Herr 
schaft der Assyrer dauerte nicht lange, denn zu Ende des 6. Jahr 
hunderts wurde Ägypten und mit ihm Kyrene vom Perserkönig 
Kanibyses unterworfen. Mehrmals versuchten es die Ägypter, zum 
Teil mit griechischer Hilfe, sich zu befreien, einmal gelang dies so 
gar auf längere Zeit, doch schließlich behielten die Perser die Ober 
hand, bis Alexander Ägypten unter die Herrschaft der Mazedonier 
brachte, von denen es an die Römer fiel (S. 92). 
Als die Ägypter im 16. Jahrhundert gegen Asien vorrückten, 
drangen sie in die Interessensphären der A s s y r e r und Babylonier 
ein, die damals bereits hervorragende Handelsvölker waren. Die 
Babylonier waren seit langem daran gewöhnt, untereinander Kauf-, 
Miet-, Darlehns- und Pachtverträge aller Art abzuschließen. Ill 
ihrem Wirtschaftsleben waren sie nur wenig durch staatliche Ein 
griffe beeinflußt, obzivar die Kanal- und Dammbauten ebenso wie 
in Ägypten eine gewisse staatliche Regelung nahelegten — war doch 
nur durch sie Babylonien eine der fruchtbarsten Landschaften Asiens 
bis in die Kalifenzeit hinein. Nachdem König Hammurabi viele 
Stadtstaaten im Reiche von Babylon vereinigt hatte, faßte er in 
einem Gesetzbuch das Ergebnis der Wirtschastsentwicklung des 
dritten Jahrtausends zusammen. Es war eine Epoche des Über 
gangs, in der Handel- und Kreditverkehr bereits eine große Rolle 
spielten. Soweit in den Zeiten der Naturalwirtschaft nicht direkt 
getauscht wurde, lauteten wohl die meisten Verträge auf Lieferung 
von Teilen des Ernteertrags. Diese Vertragsform war dadurch 
bedingt, daß die Witterungsverhältnisse die Ernten erheblich be 
einflußten, und daß andererseits die Ernteerträge allgemein bekannt 
waren und Hinterziehungen in größerem Maßstabe nicht vorkommen 
konnten, während im Handelsverkehr die tatsächlichen Gewinne 
nur kontrollierbar gewesen wären, wenn die Buchführung der 
Kaufleute der allgemeinen Einsichtnahme offengestanden hätte. Da 
dies nicht der Fall war, wurden frühzeitig im Handelsverkehr Ver 
träge abgeschlossen, in denen die Lieferung eines bestimmten Quan- 
tums einer Güterart festgesetzt lourde. Zur Zeit Hammurabis galten 
Gold und Silber bereits als Tauschmittel, doch mußten nicht alle 
Zahluilgen damit geleistet werden. Besaß ein Landwirt ein ge 
fülltes Magazin, aber nicht genug Metall, um seine Schulden zu 
bezahlen, so verfügte der Gesetzgeber, daß in einem solchen Falle 
in Naturalien gezahlt werden könne, deren Wert nach einem offi 
ziellen Tarif festgesetzt wurde (§ 51), damit nicht der Landwirt
        <pb n="23" />
        Assyrer, Babylonier. 
15 
genötigt war, sein Getreide zu verschleudern. Die Verträge z. B. 
bei der Bestellung von Feldern lauteten zum Teil noch auf Anteile 
am Ertrag, zum Teil schon auf feste Mengen (z. B. § 45 und § 46). 
Die Landwirtschaft war hochentwickelt, und demgemäß bestanden 
auch für sie die mannigfachsten Vertragsformen und Bestimmungen. 
Die freie Veräußerung von Grund und Boden war zum Teil 
durch die Lehnsverfassung beschränkt. Die Grundstücke wurden 
meist in Parzellen zerlegt, soweit nicht kleine Grundbesitzer vor 
handen waren. Die Parzellen wurden verpachtet oder mit freien 
und unfreien Arbeitern bebaut. Ähnlich wie in Ägypten war auch 
hier infolge der großen Aufmerksamkeit, welche die Bodenbe 
arbeitung verlangte, die Verwendung von Sklaven nicht allzusehr 
verbreitet. Dafür wurden die Sklaven zum Teil als Beamte ver 
wendet, eine Einrichtung, die wir bei straff organisierten Staats 
wesen nicht selten treffen, da der Sklave in weit größerer Ab 
hängigkeit steht. Freilich wurde auf diese Weise der Einfluß dieser 
Sklaven und Freigelassenen sehr groß, und wenn sie auch recht 
lich ungünstiger gestellt waren als die Freien, so waren sie in 
ihrer wirtschaftlichen Stellung einem großen Teil derselben weit 
überlegen. 
Neben der Landwirtschaft spielen im Gesetzbuch Hammurabis 
Handel und Industrie bereits eine entscheidende Nolle. Die Regelung 
der Darlehnsgeschäfte nahm einen breiten Raum ein, d. h. etwa 
den sechsten Teil des Gesetzbuches, ein halbes Hundert Paragraphen. 
Daß Darlehn unter der Bevölkerung nichts Seltenes waren, kann 
man daraus entnehmen, daß eigene Bestimmungen im Eherecht 
über die Schulden des Mannes und der Frau getroffen waren. 
Die große Zahl der Handelsbeziehungen führte bald dazu, In 
stitute zu schaffen, die es ermöglichten, Depots niederzulegen, 
Zahlungen an drittem Ort zu leisten, Forderungen der Kunden 
untereinander zu kompensieren und Gelder einfordern zu lassen. 
Es entwickelte sich hier ein Bankwesen aus den Bedürfnissen des 
Handels heraus, während jenes im spätern Ägypten sich mehr an 
die alten Verrechnungsinstitute der staatlichen Magazine anlehnte 
(S. 9). In dem Staatsverband, in dem die Ländergebiete Vorder 
asiens sehr häufig vereinigt waren, konnte dies System von Bank 
häusern eine wichtige Rolle spielen, da sich ein großer Teil des 
Handels innerhalb desselben Staatsgebietes abspielte, während in 
einem System kleiner Staaten, bei fehlender internationaler Rege 
lung des Rechts, wo der größte Teil des Handels über die Grenzen
        <pb n="24" />
        16 Erstes Kapitel. Übersicht über d. wirtschaftl. Entwickl. d. Orients usw. 
hinausging wie z. B. in der griechischen Welt, die Banken nie 
jene Bedeutung erlangten. Aber nicht nur das griechische Bank 
wesen blieb hinter dem asiatischen — das wir viele Jahrhunderte 
lang an Hand der erhaltenen Dokumente verfolgen können — zu 
rück, sondern auch das des römischen Reichs, obzwar hier die staat 
liche Einheit gegeben war (S. 147). Der Handel Babyloniens — 
vorwiegend zu Land, aber auch zu Wasser — erstreckte sich auf alle 
umliegenden Länder, er reichte wohl frühzeitig schon bis Indien. 
Mit den Völkern Arabiens dürften immer Beziehungen bestanden 
haben, erfolgte doch die allmähliche Besiedlung Babyloniens und 
der nördlichen Länder durch Semiten von Arabien aus, ja selbst 
heute noch kann man die Tendenz der Araberstämmme konstatieren, 
in das von der Türkei beherrschte Kulturgebiet vorzurücken (S. 24). 
Am meisten aber wurden die Länder Syriens bis zur Küste des 
Mittelmeeres von dem Einfluß der Babylonier berührt (S. 19). 
Neben dem Reiche von Babylon erhob sich bald jenes der Assyrer, 
das mit ihm eine Kulturgemeinschaft bildete. Zahlreiche Kämpfe 
erfüllten die nächsten Jahrhunderte, die Babylonier unterlagen 
allmählich dem Ansturm der Assyrer, die sich auch nach Norden 
und Osten ausbreiteten. Salmanassar II. erzwang im 9. Jahr 
hundert nicht nur den Tribut der Phöniker, sondern auch den des 
Königs Jehu von Jerusalem, der Silber, goldene Schüsseln, Kannen 
und goldene Geräte liefern mußte, während wieder andere Fürsten 
Pferde und Dromedare schickten oder Büffel, Elephanten, Affen 
und sonstige Tiere; auch Elfenbein, kostbare Stoffe und Gewänder 
befanden sich unter den Gaben. Das ganze 8. und 7. Jahrhundert 
ist mit derartigen Kriegszügen ausgefüllt, die den vorderasiatischen 
Kulturkreis immer einheitlicher gestalteten, da die assyrischen Könige 
aus den eroberten Städten einen Teil der Bewohner wegzuführen 
pflegten und dafür neue Kolonisten ansiedelten (Buch der Könige II, 
17,4 ff.). Auf diese Weise brachte die grausame und zerstörende 
Kriegführung der Assyrer doch nicht immer eine dauernde Ver 
wüstung oder Entvölkerung mit sich, da sie nach der Wiederher 
stellung des Friedens viel für die Neuerbauung der zerstörten 
Städte taten und den Handel innerhalb ihres Gebietes förderten; 
waren doch die Händler von Ninive „zahlreicher als die Sterne 
am Himmel" (Nahum, 3,16). Der Sturz des assyrischen Reiches 
erfolgte zum Teil durch den Ansturm von großen Völkermassen 
aus dem Norden, die im 7. Jahrhundert in Kleinasien ein 
brachen und sehr viele Reiche vernichteten. Gyges, der König des
        <pb n="25" />
        Assyrer, Perser. 
17 
lydischen Reiches, der sich in dieser Not an Assyrien angeschlossen 
hatte, empörte sich, sobald die eingefallenen Völker wieder zurück 
getrieben waren, gleichzeitig mit dem ägyptischen Fürsten Psam- 
metich (Ş. 13). Von da ab hatten die Assyrer immer wieder mit 
aufständischen Völkern sowie mit einbrechenden Stämmen zu kämp 
fen, wodurch der syrische Handel stark geschädigt wurde. Die Phö- 
niker litten darunter, nachdem schon vorher die assyrische Expan 
sion ihre Kräfte in Anspruch genommen hatte (S. 20). Schließ 
lich erhoben sich Babylonien und das neu emporgekommene 
medische Reich am Ende des 7. Jahrhunderts und vernichteten 
Assyrien vollständig. Sämtliche Städte, darunter Ninive, wurden 
zerstört und die vielgehaßte Nation vertilgt. Nur wenige Völker 
und Städte der alten Welt gingen so vollständig unter, die meisten 
asiatischen Städte verfielen erst in viel späterer Zeit; so ging die Be 
deutung Babylons zunächst als Handelszentrum zurück, als Seleucia 
und Ktesiphon sich entwickelten, erst im 10. Jahrhundert n. Chr. 
ist an die Stelle der Weltstadt ein kleines Dorf getreten. Das 
Gebiet Assyriens teilten Babylon und Medien unter sich, und zwar 
so, daß Medien den Norden erhielt und von da aus Lydien be 
drängte, während Babylon vor allem in den Besitz von Syrien 
kam. Hier stieß es mit Ägypten zusammen, da Necho II. Syrien 
und Palästina wiederzugewinnen versuchte. Er unterlag dem baby 
lonischen König Nebukadnezar. „Der König von Ägypten aber zog 
fortan nicht mehr aus seinem Lande aus, denn der König von 
Babel hatte vom Bach Ägyptens an bis zum Euphratstrom alles 
erobert, was dem Könige von Ägypten gehört hatte" (Buch der 
Könige II, 24, 7). Nebukadnezar mußte bald seine Aufmerksamkeit 
den Inden zuwenden, die ihn durch Aufstände zwangen, energisch 
gegen sie vorzugehen (S. 22). In seinem Lande reorganisierte er 
die Bewässerungsanlagen und förderte ebenso wie die assyrischen 
Könige den Handel, zu dessen Schutz er die räuberischen Wüsten 
stämme bändigte. Bald darauf fand auch das neubabylonische 
Reich sein Ende. 
Die Perser hatten unter Cyrus um die Mitte des 6. Jahr 
hunderts Medien erobert. Ein ungebrochenes Volk, das bis dahin 
von Landwirtschaft und Jagd gelebt hatte, unterwarfen sie rasch 
das lydische Reich, trotzdem dies mit Sparta, Babylon und Ägypten 
verbündet war, und drangen bis ans Ägäiiche Meer vor (S. 37). 
Babylon wurde bald darauf unterworfen, Ägypten erst unter Kam- 
byses, dem Nachfolger des Cyrus, wobei diesem die Phvniker und 
ANuG 858: Neurath, antike Wirtschaftsgeschichte 2
        <pb n="26" />
        18 Erstes Kapitel. Übersicht über d. wirtschaft!. Entwickl. d. Orients usw. 
Polykrates, der Tyrann von Samos, mit Schiffen behilflich waren. 
Von da ab datiert der eigentliche Bestand des persischen Weltreichs, 
das unter Darius einheitlich organisiert wurde. Er vereinigte die 
orientalischen Staaten in einem Wirtschaftssystem, das im Notfall 
des wirtschaftlichen Zusammenhangs mit anderen Verbänden ent 
behren konnte, da in seinem Bereich Landwirtschaft und Industrie 
in gleicher Weise vertreten waren. Der Grundzug der Reichsorga 
nisation bestand in der Vereinigung der natural- und geldwirt 
schaftlichen Finauzverwaltung. Nur ein Teil der Lieferungen der 
untertänigen Völker erfolgte im gesetzlichen Tauschmittel, das in 
einigen Teilen des Reiches in Münzen bestand (S. 42). Zum Teil 
wurden die Abgaben in natura geleistet, neben den kostbaren Landes 
produkten wie Elfenbein oder Ebenholz wurden auch Pferde und 
Vieh geliefert, ebenso Getreide für die Standquartiere des Heeres, 
wie denn überhaupt für die Armee und die Beamtenschaft die Na 
turalverpflegung ähnlich wie in Ägypten angeordnet war. Diese 
Lieferungen wurden entweder an die Zentralmagazine geleistet, aus 
denen sie daun verteilt wurden, oder es wurde eine bestimmte Ge 
gend beauftragt, alles, was die betreffende Garnison brauchte, zu 
liefern. In ähnlicher Weise war die Lieferung von Schuhwerk, 
Kleidern usw. für die königliche Familie verteilt. Weitere Einnahmen 
bestanden in den Zöllen sowie in den Einkünften aus den könig 
lichen Domänen, den Bergwerken und bestimmten, dem König re 
servierten Betrieben. Auch die Kriegseinnahmen dürften einen 
großen, wenn auch nicht konstanten Posten gebildet haben. Die 
persischen Könige vermochten so riesige Schätze anzusanimeln, Die 
Edelmetallmengen wurden in erster Reihe für Kriegszwecke auf 
gespart und thesauriert, um bei fremden Staaten vieles kaufen 
und Söldner bezahlen zu können, wenn letztere auch zum Teil ihre 
volle Verpflegung in natura erhielten. Diese Tendenz zum The- 
saurieren ist für die Finanzverwaltungen jener Zeit überhaupt 
charakteristisch. Sie hat bis zu einem gewissen Ausmaß im ganzen 
Altertum bestanden. Man suchte womöglich nur die laufenden Aus 
gaben zu bestreiten, im Notfall neue Einnahmen zu schaffen oder 
vom Vorrat zu zehren. Aus den Besitz von Edelmetall wurde ein 
besonderes Gewicht gelegt, nicht etwa auf die Dispositionsfähigkeit 
über dasselbe, welche bei uns heute eine so große Rolle spielt. Bei 
einem so großen Reiche konnte es nicht fehlen, daß die Steuern 
nicht immer ganz zweckmäßig verteilt waren und vielfach der Fehler 
gemacht wurde, agrarische Gebiete mit einer Geldstener zn belegen,
        <pb n="27" />
        Perser, Phöniker. 
19 
während, wie wir schon bei Babylon bemerkten, für landwirtschaft 
liche Betriebe die Leistung eines Ertragsanteils meist am ange 
messensten war. So lastete diese Verpflichtung z. B. schwer auf dem 
Volke in Palästina (Nehemia V,18). Viele mußten zur Beschaffung 
der königlichen Steuer Geld auf ihre Felder und Weinberge leihen, 
wodurch sie und ihre Kinder zu leibeigenen Knechten der Geldgeber 
wurden (Nehemia V, 4). Für die Handelsverbindungen tat Darius 
sehr viel, im Süden arbeitete er den Unternehmungen der 
hellenistischen und römischen Zeit vor. So vollendete er den Nil 
kanal Nechos II., der ähnliche Zwecke wie der heutige Suezkanal 
verfolgte, das wieder befreite Ägypten ließ ihn versanden, Ptole- 
mäus II. stellte ihn her, schließlich verfiel er nochmals. Nach mannig 
fachen Schicksalen wurde er im arabischen Reich wieder in Funktion 
gesetzt, um die ägyptischen Getreideflotten nach Arabien zu be 
fördern, aber um die Mitte des 8. Jahrhunderts n. Chr. ließ man ihn 
wieder verfallen. Was Darius geleistet hatte, ging zum Teil unter 
seinen Nachfolgern verloren, auch die Handelswege nach Osten 
und Nordosten, deren Benutzung er förderte, gerieten bald in Ver 
gessenheit, um teilweise in der Römerzeit wieder gefunden zu 
werden; dann ging die Erinnerung an sie unter, bis die beginnende 
Neuzeit endgültig den Handel nach Asien erschloß. Die alten Be 
ziehungen zu Indien wurden weiterhin gepflegt, wodurch z. B. 
persisches und attisches Geld in jene fernen Länder kam und dort 
benutzt wurde. Wenn das persische Reich mit seinem weithin 
reichenden Kultureinfluß auch bald zugrunde ging, so hörte damit 
nicht alles auf, was es geschaffen hatte, die Mazedonier förderten 
weiterhin Kultur und Handel, das gleiche taten die Römer, das 
zweite Perserreich und auch die Araber, erst der Ansturm der nord 
asiatischen Horden vernichtete im Mittelalter einen großen Teil 
der noch erhaltenen alten Kultur. 
Von den syrischen Stämmen, die, wie wir sahen, die Kultur 
Ägyptens und jene des Ostens miteinander verbanden, waren die 
Phöniker die wichtigsten. Sie haben, wie die anderen Syrer, mit 
dazu beigetragen, daß ein vorderasiatischer Kultnrkreis sich bildete 
und u. a. ein auf gemeinsamer Grundlage beruhendes Maßsystem 
geschaffen wurde. Schon im 16. Jahrhundert besaßen diese Völker 
eine hochentwickelte, wenn auch nur zum Teil originelle Kultur. 
Hier wurden viele Kämpfe nicht nur im Altertum und Mittelalter, 
sondern auch in der Neuzeit ausgesuchten. Der letzte große Zusammen 
stoß war der zwischen dem aufständischen Ägypten und der Türkei
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        20 Erstes Kapitel. Übersicht über d. wirtschaft! Entwickl d. Orients usw. 
zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Aber nicht nur den Handel zu 
Lande vermittelten die Syrer, sondern auch den zur See. Die 
Phöniker fuhren weit ins Mittelmeer hinaus, um Rohstoffe, vor 
allem Metall zu holen, so z. B. Zinn und Silber aus den West 
ländern, Kupfer von dem nahegelegenen Cypern, Gold von 
Thasos, einer Insel des Ägäischen Meeres. Sie selber brachten den 
Völkern, zu denen sie kamen, vor allem Jndustrieprodukte und 
wohl nur ausnahmsweise Rohstoffe. Zum Teil waren sie Zwischen 
händler und setzten Waren aus allen Ländern Vorderasiens ab, 
aber sie hatten auch eine eigene hochentwickelte Industrie. So war 
ihre Purpnrfärberei berühmt, zu der die Purpurschnecke ihrer 
Küsten, aber auch die des Ägäischen Meeres ihnen den Rohstoff 
beistellte. Der Libanon lieferte treffliches Bauholz, das sie teil 
weise verhandelten (S. 22). Auch trieben sie zu allen Zeiten Fisch 
fang (S. 23). Öl und Wein gediehen in ausgezeichneter Qualität, 
wenn auch nicht in großer Menge, weshalb sie schon früh beides 
importierten. Um ihren Handel zu fördern, siedelten sie sich im 
Bereich des ganzen Mittelmeeres an, so im Ägäischen Meere u. a. 
auf Cypern, im Westen in Nordafrika, wo sie neben anderen Städten 
Karthago gründeten, in Sizilien, Sardinien und Spanien, das 
später den Karthagern im Kriege gegen Rom als Operationsbasis 
diente (S. 96). Die phönikischen Stadtstaaten, unter ihnen vor allen 
Tyrus und Sidon, waren gleich den griechischen zeitweise zu Bünden 
vereinigt, die sich der Fremdherrschaft nur selten zu entziehen ver 
mochten. Meist schadete ihnen diese nicht allzusehr, weil die unter 
jochenden Staaten an dem Handel der Phöniker interessiert waren, 
freilich kam es manchmal zu erheblichen Störungen, die viele Be 
wohner zum Auswandern veranlaßten (S. 17). Auch die Nieder 
lassungen in Afrika und Sizilien bildeten keine einheitliche Or 
ganisation und standen nur in einem lockeren Abhängigkeitsver 
hältnis vom Mutterlande, von dem sie immer mehr getrennt 
wurden, besonders seit sich die Griechen in Kyrene niedergelassen 
hatten (S. 36). Als ernste Konflikte mit den europäischen Mächten 
drohten, vereinigten sich erst die phönikischen Städte des Westens 
unter der Führung Karthagos. Während die Ansiedlungen der Grie 
chen selbständige, die der Römer vom Mutterlande abhängige 
Gemeindeorganisationen waren, stellte ein großer Teil der 
phönikischen Faktoreien dar, da die Phöniker nur selten zur Aus 
wanderung gedrängt wurden —vermochte doch ihre rege Industrie 
eine sehr dichte Bevölkerung zu ernähreu. Diese Faktoreien dienten
        <pb n="29" />
        Phöniker, Hebräer. 
21 
gewöhnlich dazu, das Hinterland dem Handel zu erschließen, und 
bildeten für lange Seefahrten Zwischenstationen. Wenn die Völker, 
mit denen die Phöniker zu tun hatten, Expansionspolitik zu treiben 
begannen, zogen sich die Phöniker entweder als Ansiedler zurück und 
beschränkten sich auf den Handel, oder sie erweiterten ihre Faktoreien 
zu befestigten Plätzen, die sich dann zu Städten entwickelten. Kamen 
die Phöniker in Gegenden, in die sie nicht mehr zurückzukehren 
beabsichtigten, so trieben sie zunächst ein wenig Handel, um dann 
alles mögliche zu rauben, z. B. ein paar schöne Weiber, die sie ent 
weder selbst behielten oder in die Sklaverei verkauften, oder Kinder 
aus guten Familien, die als Sklaven hoch bezahlt wurden. Was man 
sonst durch Raub erlangte, Wertgegenstände aller Art, war eine 
angenehme Zugabe. Eine Verfolgung war meist nicht zu befürchten, 
da die Phöniker durch lange Zeit die besten Schiffe besaßen (Odyssee 
XV, 414—482). So verband sich bei den seßhaften Völkern mit 
dem Begriff des Handelsmannes der des Seeräubers und Feindes, 
und wenn diese Völker auch später, als sie selbst das Meer be 
fuhren, den Seeraub schätzen lernten (Thucydides I, 5), so blieb 
doch ein gewisses Mißtrauen dem Kaufmann gegenüber bestehen, 
das durch eine Reihe anderer Momente noch vielfach vermehrt 
wurde. Aber nicht nur wenn er als Räuber auftrat, zerstörte und 
schadete der phönikische Kaufmann, auch seine friedliche Tätigkeit 
übte oft eine unheilvolle Wirkung aus. Wo die Phöniker sich in 
agrarischen Ländern ansiedelten, die sie allmählich der Geldwirt 
schaft zuführten, waren sie häufig die ersten Wucherer, und der 
ungewandte Landwirt verfiel dem Fremden, der von ihm feste 
Summen Edelmetalls verlangte, wo jener höchstens einen Teil der 
Ernte ohne Schaden hergeben konnte. Die Phöniker haben auch oft 
Schuldknechte aufgekauft und in ferne Länder geführt, denn sie 
fanden immer welche, „die für Geld den Rechtschaffenen verkauften 
und den Dürftigen um ein paar Schuhe willen" (Amos 2,6). 
Eines der Völker, dem sie zuweilen recht arg mitspielten, waren 
die Hebräer. Sie waren etwa im 12. Jahrhundert in Kanaan ein 
gerückt, ein Nomadenstamm, der seßhaft werden wollte. Da die 
Assyrer und die Ägypter das Land gerade nicht im Besitz hatten, 
gelang es ihnen, einen Teil der einheimischen Bevölkerung zu unter 
werfen, doch blieben genug Völker übrig, mit denen sie immer 
wieder schwere Kämpfe zu bestehen hatten. Die Küste des Mittel 
meers blieb fast ausschließlich im Besitz der Philister und der 
Phöniker, die Küste des Roten Meeres im Besitze der Edomiter,
        <pb n="30" />
        22 Erstes Kapitel Übersicht über d. wirtschaft!. Entwickl. d. Orients usw. 
und erst spät gelang es den Hebräern, ans Meer zu kommen. Die 
Könige David und Salomo knüpften mit den Phönikern Handels 
beziehungen an, wobei die Hebräer als Agrarvolk Weizen und Öl zu 
liefern hatten (Könige I, 5,25). Die Könige empfingen von den 
unterworfenen Stämmen Tribute, das Volk leistete Frondienste 
(Königei, 5, 27 f.) Die Phöniker wurden in vielem die Lehrmeister 
der Hebräer, sie waren ihnen bei ihren großen Bauten behilflich und 
machten mit ihnen gemeinsam gelegentlich Handelsfahrten nach dem 
Süden, um Gold, wertvolle Hölzer, Steine und Öle zu holen (Könige 
I, 10,11). Zeitweilig standen die Juden mit den Ägyptern recht gut, 
ein andermal wieder kamen diese raubend und plündernd ins Land 
wie später die Assyrer. Als letztere schon im Anzug waren, schlug sich 
noch Israel mit Damaskus herum, einem mächtigen Handelsstaat, 
der sogar den Assyrern Widerstand zu leisten vermochte. Handels 
politische Interessen haben bei diesen Kämpfen ebenso mitgespielt 
wie bei den Versuchen der Könige von Jerusalem, die Karawanen 
straße nach Gaza sowie einen Hafen am Roten Meer in Besitz zu 
bekommen; hat doch der besiegte König von Damaskus gestatten 
müssen, daß die Hebräer in seiner Hauptstadt Basare anlegten, so 
wie sein Vater solche in Samaria gehabt hatte (Könige I, 20, 34). 
Aber im 8. Jahrhundert wurde all diesen Versuchen der Hebräer, 
sich auch dem Handel zu widmen, ein jähes Ende bereitet, als die 
Assyrer vorrückten und die Hebräer ebenso wie manche Araber 
stämme bändigten. Aber endgültig gebrochen wurden die Hebräer 
erst im 6. Jahrhundert, als sie durch Aufstände den König von 
Babylon zwangen, die meisten von ihnen aus der Heimat wegzu 
führen. Als überdies ein Teil der Übriggebliebenen nach Ägypten 
zog, verfiel das Land, in dem sich die ärmste Schicht der Bevöl 
kerung über die Äcker der Reichen verteilte, während gleichzeitig 
die benachbarten Stämme eindrangen. Der Untergang des baby 
lonischen Reiches führte sehr viele Hebräer wieder in ihre Heimat 
zurück, wo sie von den persischen Königen vielfach gefördert wurden. 
Aber nur langsam konnte Palästina wieder fruchtbar gemacht werden, 
Not aller Art stellte sich ein, die durch die Geldsteuer noch erhöht 
wurde, indem dadurch viele in Schulden gestürzt wurden (S. 18). 
Endlich kam Nehemia, ein Jude in persischen Diensten, als Statt 
halter ins Land, der durch einen Schulden Nachlaß den Notstand 
beheben wollte. Über diese symptomatische Behandlung kam er 
nicht hinaus, bildete doch ihre periodische Durchführung sowie die 
Rückgängigmachung der wichtigsten Besitzveränderung schließlich das
        <pb n="31" />
        Hebräer, Araber. 
23 
Ideal der wirtschaftlichen und sozialen Spekulation der alten Juden. 
Bei einem vorwiegend Landwirtschaft treibenden Volke — in 
Palästina wurde Getreide, Wein, Feigen gebaut, während die 
Lyrischen Händler Fische brachten (Nehemia 13,15 f.) — ist das 
auch durchaus begreiflich. Die zahlreiche Priesterschaft wurde wie 
die Beamtenschaft Ägyptens oder Persiens in natura verpflegt, 
indem ihr ein Anteil an den Erträgen des Landes zugesprochen 
wurde. Vom 5. Jahrhundert an begann sich die Bevölkerung zum 
Teil durch Assimilierung fremder Elemente wieder zu vermehren 
und drang vielfach bis zur Küste vor, um sich am Handel zu 
beteiligen, besonders die Juden der Diaspora verbreiteten sich 
überallhin und stellten so ein Volk dar, das zwischen den andern 
Völkern in den Provinzen des Reiches zerstreut lebte (Esther 
3, 8). Doch die Hauptentwicklung der Diaspora fiel in die maze 
donische Zeit, als auch Palästina hellenisiert wurde und bald wie 
der ein Kampfobjekt der streitenden Mächte Syrien und Ägypten 
war. In beiden Ländern gelangte die Diaspora zu großer Be 
deutung, besonders in letzterem, da die Juden in Alexandria eine 
große Gemeinde mit vielen Rechten bildeten. Die Verbreitung über 
das ganze Mittelmeerbecken nimmt von da ab immer mehr zu, und 
wie der griechische Händler nach Palästina kam, so der jüdische 
nach Griechenland. Die Kriege mit den Römern brachten im 1. Jahr 
hundert viele kriegsgefangene Juden nach Italien, wo sich große 
Judengemeinden bildeten. Ihre Hauptbedeutung als Kaufleute 
bekamen sie aber erst nach dem Untergang des römischen Reiches, 
als sie in den Kämpfen der Byzantiner mit ihren Feinden als 
Neutrale, die es mit niemandem hielten, eine wichtige Rblle spielten. 
Von großer Bedeutung — wenn auch nicht von jener der Phö- 
niker — waren für die Handelsbeziehungen der alten Welt die 
Völker Arabiens. Während der Süden oft Jahrhunderte hindurch 
in großen Reichen zusammengefaßt war, die wie etwa das von 
Saba auch auf die afrikanische Küste hinübergriffen, um sie für 
ihren Handel auszunutzen, haben die nördlicheren Teile meist nur 
nomadisierende Stämme beherbergt, die häufig in das Kulturland 
plündernd einfielen, oft aber auch seßhaft wurden (S. 16). So 
wohl die großen Staatswesen im Süden als die einzelnen Stämme 
widmeten sich seit sehr frühen Zeiten dem Handel, wenn es daneben 
auch reine Nomaden gab, die nur der Viehzucht lebten. Eine ganze 
Reihe von Wüsteustraßen durchquerten Arabien. Sie in Besitz zu 
bekommen, war das Bestreben der großen asiatischen Reiche, um
        <pb n="32" />
        24 Erstes Kapitel. Übersicht über d. wirtschaftl. Entwickl. d. Orients usw. 
sie kärnpften die Assyrer mit den Babyloniern, sie bemühte sich der 
Perserkönig in seine Hand zu bekommen. Meist mußte er sich da 
mit begnügen, daß die Araber ihm einen Weihrauchtribut leisteten 
und ihm bei der Wasserversorgung der Wüstenstraße nach Ägypten 
behilflich waren (Herodot III, 6—9), es ist aber niemandem ge 
lungen, die umherschweifenden Stämme dauernd zu bändigen. Sie 
sind nur selten den großen Staaten gefährlich geworden, da sie 
unter sich meist uneins waren. Aber unangenehme Nachbarn waren 
sie immer, und geeint, wie durch Mohammed, konnten sie eine ge 
waltige Macht darstellen. Sie erhielten sich schlagfertig, indem sie 
den Getreidebau vielfach mit schweren Strafen belegten, um ihre 
Beweglichkeit im Felde nicht einzubüßen, eine Anschauungsweise, 
die auch Mohammed vertrat, der gesagt haben soll: „Der Unterhalt 
meiner Gemeinde beruht auf den Hufen ihrer Rosse und den Spitzen 
ihrer Lanzen, solange sie nicht den Acker bestellen; wenn sie aber 
anfangen das zu tun, so werden sie wie die übrigen Menschen." 
Einerseits pflegten die Araber den Zwischenhandel von den öst 
lichen Ländern zum Mittelmeer, andererseits trieben sie auch selbst 
Handel mit ihren Landesprodukten, die zum Teil einzigartig waren, 
so der Weihrauch. Wenn sie nicht selber Karawanen ausrüsteten, 
gewährten sie den durchziehenden Kaufleuten Schutz gegen ent 
sprechend hohe Abgaben; wurden diese verweigert, so beraubte man 
die Kaufleute. Raub war überhaupt bei den Arabern, wie bei den 
meisten Handelsvölkern, eine wichtige Nebenbeschäftigung. Die ara 
bischen Karawanen, welche zum Mittelmeer strebten, gingen meistens 
nach Gaza, aber auch in Syrien traf man arabische Kaufleute in 
großer Zahl an. Ägypten wurde ebenfalls vielfach von ihnen auf 
gesucht (Moses 1,37,25). Sie vermittelten auch den Handel nach 
Indien, und es scheinen schon früh von Saba aus nach Indien Schiffe 
gekommen zu sein. Die Verbindung mit Babylon wurde bereits 
in alten Zeiten zu Wasser und zu Lande hergestellt. Die Waren, 
vor allem Weihrauch und Myrrhen wurden vielfach in der Weise 
zusammengebracht, daß die einzelnen Stämme sich auf großen 
Marktplätzen auf kurze Zeit vereinigten und regelrecht miteinander 
Handel trieben (Diodor XIX, 94). Ihre Bedeutung als Zwischen 
händler haben die Araber viele Jahrhunderte lang behalten, ja 
sie besitzen dieselbe zum Teil heute noch. Zeitweise wurde ihre 
Bedeutung dadurch verringert, daß die Ptolemäer die direkte Schiff 
fahrt nach Indien pflegten (S. 83). Aber als Produzenten von 
Weihrauch und vielen andern wertvollen Gegenständen blieben sie
        <pb n="33" />
        Araber, Griechen. 
25 
immer unerreicht (S. 127). Die Ägypter sind mit den Arabern 
auch in der Eroberungszeit nicht viel in Berührung getreten, die 
Kupfergruben auf der Sinaihalbinsel haben sie wohl wie im alten 
Reich selbst ausgebeutet, nur der Handel mit Balsam, den die 
Araber nach Ägypten lieferten, scheint geblüht zu haben. Bei der 
Sicherung der Straßen nach dem Norden für Handelsverkehr und 
Heereszüge kamen die Ägypter mit den Arabern in Berührung, 
wenn sie Forts und Brunnenstationen anlegten, freilich waren das 
auch meist reine Nomaden und nicht handeltreibende Stämme. 
Ihre Hauptrolle in der Geschichte haben sie aber erst gespielt, als 
sie die Begründer eines Weltreichs wurden. 
Zur Beurteilung der antiken Wirtschaftsgeschichte genügt diese 
kurze Skizze der wirtschaftlichen Verhältnisse des Orients bis zur 
hellenistischen Zeit. Wir sehen, wie die beiden Kulturzentren am 
Euphrat und am Nil durch eine Anzahl kleinerer Staatswesen 
verbunden erscheinen, die für die Entwicklung des Orients und 
auch für die des Okzidents von großer Bedeutung waren. Gerade 
deshalb, weil diese Staatswesen eine hohe kulturelle Entwicklung 
ohne eine entsprechende politische Macht aufwiesen, konnten sie be 
fruchtend wirken, ohne zu unterwerfen, und so eine erziehende Wir 
kung ausüben, indem der Staatsverband, mit dem sie in Berührung 
kamen, allmählich heranreifen konnte und dabei seine politische 
Selbständigkeit bewahrte. Es war so für die Griechen von großer 
Bedeutung, daß sie mit dem Orient zu einer Zeit in Berührung 
traten, wo keines der großen Reiche seine volle politische Macht 
bis zur Küste des Ägäischen Meeres ausgedehnt hatte. 
Zweites Kapitel. 
Das Zeitalter des Schatzhandrls in Griechenland. 
(Vis Mitte 8. Jahrhunderts.) 
Schaue den Glanz des Erzes ringsum in der fallenden Wohnung 
Und des Goldes und Silbers, des Elfenbeins und Elektrons. 
Odyssee. 
In der zweiten Hälfte des zweiten Jahrtausends treffen wir 
im ganzen Umkreis des Ägäischen Meeres an den Küsten und auf 
den Inseln Griechen an. Ins kleinasiatische Gebiet sind sie wohl 
nach und nach von Europa aus gekommen. Vom Mutterlande waren 
diese Ansiedlungen von Anfang an unabhängig, meist wurde sogar 
der Zusammenhang mit ihm völlig vergessen und erst in späterer
        <pb n="34" />
        26 Zweites Kapitel. Zeitalter des Schatzhandels in Griechenland. 
Zeit mit Hilfe von Sagen und ausgeklügelten Etymologien re 
konstruiert. Die Westküste wies eine Ansiedlung neben der andern 
auf, ebenso die Inseln, die Südküste nur wenige, obzwar auch dort 
die Griechen spater als Händler Eingang gefunden haben, ins 
Innere konnten sie der eingeborenen Völker wegen nur schwer 
vordringen. Von diesen Niederlassungen waren nur gelegentlich 
einige zu Bünden zusammengeschlossen. Die große Völkerbewegung 
im Umkreis des östlichen Mittelmeers hatte jedoch durch die Be 
siedlung Kleinasiens nicht ihr Ende erreicht, vielfach suchten größere 
Gruppen nach Süden vorzurücken, so erfahren wir aus ägyptischen 
Inschriften, daß am Ende des zweiteil Jahrtausends von Nord 
osten und Nordwesten große Schwärme fremder Völker heranrückten, 
die von den Küsten und Inseln Kleinasiens, Griechenlands und 
Italiens gekommen zu sein scheinen (S. 13). Solche Scharen 
landeten einmal in der Nähe der späteren Kolonie Kyrene und 
marschierten mit libyschen Stämmen verbündet gegen Ägypten, 
einige Zeit später kam eine zweite Gruppe mit Weib und Kind, 
ein Teil längs der Küste auf Ochsenkarren, der andere zu Schiff 
von Syrien her. Beide Male wurde der Ansturm zurückgeschlagen, 
wobei auf Seite der Ägypter Angehörige jener fremden Stämme 
als Söldner fochten, ähnlich wie in der Römerzeit Germanen gegen 
Germanen (S. 140). Diese Leute waren offenbar damit zufrieden, 
als Kriegsproletarier ihr Brot zu verdienen, während ihre Herren 
auf diese Weise nicht nur einen Teil der Gegner los wurden, sondern 
auch den Rest mit ihrer Hilfe bekänlpfen konnten. 
Über die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der griechi 
schen Welt in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrtausends und 
zu Beginn des ersten Jahrtausends sind wir durch Ausgrabungen, 
Rückschlüsse aus späteren Institutionen und Überlieferungen aller 
Art, sowie durch die homerischen Epen nur ungenügend orientiert. 
Die letzteren können nur mit Vorsicht verwendet werden, weil sic 
zum Teil die Entstehuugszeit der Lieder, d. h. die ersten vier 
Jahrhunderte des ersten Jahrtausends schildern, zum Teil aber 
die Zustände früherer Zeiten. Große Umwälzungen am Ausgang 
des zweiten Jahrtausends lassen uns nur schwer einen Begriff von 
den damaligen Zuständen gewinnen. Im zweiten Jahrtausend be 
stand in Griechenland eine in vielfacher Hinsicht höhere Kultur, 
als wir sie zu Beginn des ersten kennen. Gewaltige Bauten legen 
von einem hoch enttvickelten Handwerk Zeugnis ab. Die großen 
Menschenmassen, die jene Niesenmauern errichteten, dürften unter
        <pb n="35" />
        Mykenische Periode. 
27 
einer strengen Zncht gestanden haben, so wie die Untertanen im 
alten Ägypten oder Assyrien, die neben den Sklaven zu den großen 
Werken der Könige ihre Kraft zur Verfügung stellen mußten, wie 
denn überhaupt sehr viel dafür spricht, daß in jener Zeit in 
Griechenland starke Königsherrschaften bestanden. Wir besitzen noch 
große Reste vom „manergewaltigen" Tiryns (Ilias II, 559), von 
Mykenae — nach dieser Stadt, ans der sehr viele Funde stammen, 
wird die ganze Kultur als die mykenische bezeichnet — und von 
vielen andern Ansiedlnngen dieser Zeit neben Burg- und Grab- 
anlagen Kunstgegenstände und Geräte; hierzu kommen gewaltige 
Straßen, deren wohlgefügte Steinstächen noch heute im Peloponnes 
erhalten sind. Vor allem finden wir derartige Bauten auf dem 
europäischen Festlande, verwandte Knnstgegenstände in großer 
Zahl aber auch auf den Inseln, in Kleinasien und sogar in Ita 
lien. Diese Kultur, die sich an eine ältere anschloß, die wir zum 
Teil ans den untern Schichten der trojanischen Ausgrabungen 
kennen, hat dem Orient sehr viel zu verdanken gehabt. Der Han 
del hat hier eine entscheidende Rolle als Kulturträger gespielt, 
durch ihn sind wohl die ägyptischen Skarabäen und manches 
andere aus dem Orient in die mykenischen Gräber gekommen. 
Diesen Beziehungen zum Orient entsprechen auch die Schilderungen 
in den homerischen Epen, mögen sie sich nun ans diese oder ans 
die nächsten Jahrhunderte beziehen. Das oft erwähnte Elfenbein 
ist orientalischen Ursprungs (Odyssee IV, 73 f.). Die Burgbe- 
schreibnngen tragen einen so orientalischen Charakter, daß dies 
bereits den Alten auffiel (Dio v. Prusa, Reden, II 37 ff.). Die 
große Bedeutung des Handels mit dem Orient mag man auch 
daraus entnehmen, daß die dem Osten zugewendeten Küsten 
Griechenlands sich am frühesten kulturell entwickelt haben. Da 
die Ansiedlnngen der mykenischen Zeit häufig nicht allzuweit 
vom Lande entfernt waren, konnte dort der fremde Kaufmann 
leicht mit dem Hinterlande in Beziehung treten, Rohmaterialien 
erlangen und dagegen seine Waren an den Mann bringen. Viel 
leicht haben die Könige bereits diesen Handel selbst in die Hand 
genommen und frühzeitig Handelsfahrten unternehmen lassen. Die 
Produklion mykenischer Gefäße hat schließlich eine solche Voll 
kommenheit erlangt, daß dieselben weithin transportiert wurden, 
wahrscheinlich durch Phöniker, vielleicht aber auch durch Grie 
chen. Diese Tendenz, Handel und Industrie zu treiben, dürfte be 
wirkt haben, daß schon früh die Bewohner nahe beieinander lie
        <pb n="36" />
        28 Zweites Kapitel. Zeitalter des Schatzhandels in Griechenland. 
gender Dorfschaften zusannnensiedelten (Strabo, Vili 3), sei es 
in einem der bisherigen Orte, sei es in einem neugegründeten 
Zentrum, ein Vorgang, der sich noch häufig in historischer Zeit 
wiederholte. Die gesamte Griechenheit hat sich aber damals eben 
sowenig wie in den nächsten Jahrhunderten als Ganzes organisiert. 
Die Zersplitterung ist immer für die Griechen charakteristisch ge 
blieben, sie förderte zwar eine überaus nlannigfaltige und rege 
Kulturentwicklung, lähmte aber die politische Widerstandskraft, so 
daß es als ein glückliches Zusammentreffen bezeichnet werden muß, 
daß die heranreifende griechische Welt zunächst mit keinem der 
großen Weltreiche in nähere Berührung trat. 
Zu Beginn des ersten Jahrtausends sind die großen Königs 
herrschaften der mykenischen Epoche meist verschwunden. Wir fin 
den nun neben dem Könige einen starken gruudbesitzenden Adel, 
dessen Macht sich immer mehr vergrößerte, bis schließlich das 
Königtum im 8. Jahrhundert fast überall beseitigt wurde. Nur 
in Sparta, das auch sonst eine eigentümliche Entwicklung durch 
machte, treffen wir es in modifizierter Form weit länger an 
(S. 91). In den Ländern, die damals den Großgrundbesitz bereits 
kannten, wurde der freie Bauer, der halbfreie oder unfreie Knechte 
nicht in genügender Zahl besaß, vielfach genötigt, sich mit der Be 
bauung des Bodens zu befassen, den Krieg und daher die Beute 
mußte er dem Adel überlassen. Denn in den Krieg zu ziehen war 
damals der Beute wegen in weit größerem Maße ein Recht als 
eine Pflicht. Die Zahl der Landwirte, die nur ein kleines Stück 
Land besaßen und nebenbei Arbeit für die Großen leisten mußten, 
mag in vielen Ländern sehr angewachsen sein. Die Adelsgeschlechter 
waren häufig die Leiter des Staatswesens, sie schirmten den klei 
nen Mann und beuteten ihn entsprechend aus. Die Bedeutung 
der Städte, die zum großen Teil erst damals entstanden, begann 
zu wachsen, sie bildeten die politischen und wirtschaftlichen Zentren, 
dort befand sich die Zentralregierung, dort wurden die Volksver 
sammlungen abgehalten, wo eine solche noch ihre Bedeutung be 
wahrt hatte, dort wurde Recht gesprochen. Nur wer neben seinem 
Grund und Vieh ein Haus in der Stadt hatte, konnte ohne 
Schwierigkeit auf die Leitung des Gemeinwesens Einfluß nehmen, 
der kleine Bauer vermochte nur selten hinzukommen und wurde 
dadurch noch weiter entrechtet. 
Neben den Freien, die rechtlich oder tatsächlich oft eine sehr 
verschiedene Stellung im Staatswesen einnahmen, standen Halb-
        <pb n="37" />
        Beute, Sklaven, Handwerk und Handel. 
29 
freie verschiedenster Art, teils unterworfene Stämme, die den 
Boden bearbeiteten oder Gewerbe trieben, teils Fremde, die als 
Beisassen sich angesiedelt hatten und vielfach Händler waren; sie 
alle hatten keinen Anteil au den politischen Rechten, genossen aber 
eine mehr oder weniger beschränkte Freiheit und konnten unter 
gewissen Bedingungen ihr Recht finden. Die nicht sehr zahlreichen 
Sklaven wurden entweder gekauft, besonders von phönikischen 
Händlern (Odyssee XV, 482) oder im Kriege erbeutet (Ilias 
XXI, 102). Das Verhältnis der Herren zu den Sklaven war meist 
ein patriarchalisches, namentlich, wenn der Sklave im Hause auf 
gewachsen oder gar vom Herrn selbst mit einer Sklavin erzeugt 
worden war. Die Stellung der Sklaven entsprach vielfach derjeni 
gen unserer Knechte auf dem Lande, die gleichfalls ihr Lebenlang 
ein und demselben Herrn dienen. Eine schlechte Behandlung wurde 
erst den Plantagensklaven, den Fabriksklaven und den 
Bergwerkssklaven zuteil (S. 73). 
Soweit nicht eine Familie allein ein Gut bewirtschaftete, erfolgte 
die Güterverteilung innerhalb des Herrschaftsbereiches eines Groß 
grundbesitzers, indem die Abhängigen in voller Verpflegung stan 
den. Zwischen den einzelnen Wirtschaften kam es zu keinen: erheb 
lichen Austausch, tvenn auch mit Vieh und kostbaren Objekten 
gelegentlich ein kleines Geschäft gemacht wurde. Da die einzelnen 
Ansiedlungen eine ständige Bevölkerung hatten, halfen sich die 
Nachbarn untereinander aus, was eine Art gewohnheitsrechtlichen 
Tauschhandels auf Kredit darstellte. Die Metalle konnte sich frei 
lich der Landwirt nicht selbst erzeugen, er mußte sie auf dem Markte 
kaufen, so vor allem das Eisen (Ilias XXIII, 635). Auch wurden 
wohl die Metalle der Heimat verfrachtet und gegen Metalle an 
derer Gegenden eingetauscht, was aber erst zu Ende dieser Epoche 
allgemeiner geworden sein dürfte(Odyssee 1,185). Auch gab es früh 
zeitig selbständige Schmiede und bald auch andere Handwerker 
neben jenen, die auf den großen Gütern nur für den Herrn und 
die unter seiner Hut Stehenden arbeiteten. Auch die Ärzte gehörten 
dem Stande jener an, die sich jedem aus dem Volke zur Verfü 
gung stellten. Welche Wirtschaftsordnung dieser mit Privateigen 
tum, neben welchem Weideland und Herden als Gemeinschaftsbesitz 
nur vereinzelt bestanden, vorausgegangen ist, ist heute noch Gegen 
stand kontroverser Vermutungen. 
Der älteste Handel scheint in Griechenland der Handel mit 
Wertgegenständen gewesen zu sein, die man zur Anlegung eines
        <pb n="38" />
        30 Zweites Kapitel. Zeitalter des Schatzhandels in Griechenland. 
Hortes verwenden konnte. Dies Hortbilden hatte, wie heute noch 
vielfach im Orient, eine große Bedeutung, wobei die aufgesammel 
ten Schätze keineswegs in erster Reihe als Tauschmittel gedacht 
waren. Macht über Schätze zu besitzen, war damals ebenso er 
strebenswert als Macht über Menschen, ganz abgesehen davon, 
daß dadurch auch die Konsumgüter des gemeinen Lebens ver 
mehrt wurden. Zu diesen Hortgegenständen gehörten: Gefäße, 
Waffen, Gürtel, Spangen usw. Da nicht jede Gegend die für diese 
Gegenstände nötigen Rohprodukte hervorbrachte, nicht jede die 
entsprechenden Kunsthandwerker besaß, entwickelte sich auf diesem 
Gebiete zu allererst die internationale Arbeitsteilung. Die orien 
talischen Länder, deren Produktion von Knnstgegenständen damals 
schon weit vorgeschritten war, fanden so für dieselben leichten 
Absatz (S. 20). Solange die Griechen nicht allzu anspruchs 
voll waren, dürften die Orientalen durch Verkauf von Ausschuß 
ware besonders gute Geschäfte gemacht haben. Die Bedeutung, 
welche solche Schätze für die Griechen jener Zeit hatten, kann man 
nicht hoch genug anschlagen, die Schilderungen bei Homer sind 
ein deutliches Zeugnis dafür. Um der Schätze willen unternahm 
man Raubfahrten, um der Schätze willen setzte man sich Gefahren 
aller Art aus, um ihretwillen ließ man den meist gehaßten fremd 
ländischen Kaufmann in den Bereich der Gemeinde kommen und 
behandelte ihn nur gerade so schlecht, daß er die Lust am Wieder 
kommen nicht ganz verlor. Durch die Handelsfahrten der Asiaten, 
wobei auch der Austausch von Geschenken zwischen den Fürsten 
und Adligen verschiedener Länder mitgewirkt haben mag, wurde die 
Produktion der einzelnen Völker aneinander angeglichen, da die 
fremden Erzeugnisse, sobald es ging, nachgeahmt wurden. Als 
Vermittler wirkten zuerst die nicht-griechischen Völker Kleinasiens, 
Syriens und der Inseln. Sie bildeten die Brücke zwischen 
Griechenland, Ägypten und Babylon. Auf ägyptischen Bil 
dern finden wir Bewohner des Landes Kefto, die prächtige 
silberne und goldene Gefäße bringen, die den mykenischen nahe 
verwandt sind, aber auch solchen, die wir aus älteren Funden auf 
Kreta kennen. Dies seefahrende Volk scheint keine unbedeutende 
Rolle in dem geschilderten Kulturkreis gespielt zu haben, ohne 
daß sein Wohnsitz bis jetzt sicher festgestellt wäre, früher identifi 
zierte man es mit den Phönikern, manches spricht aber dafür, 
daß es westlicher gewohnt habe, aller Wahrscheinlichkeit nach auf 
Kreta. Reben diesem Volke waren es vor allem die Phöniker,
        <pb n="39" />
        die als Seefahrer die Ansiedlungen an den Küsten des Ägäischen 
Meeres frühzeitig miteinander verbanden. Wo sie vor den Griechen 
angesiedelt waren, mußten sie vor ihnen zurückweichen, da ihre 
Faktoreien nur soweit befestigt waren, um Kontore und Waren 
lager vor Überfällen zu schützen, nicht aber, um wohlbewaffnete 
Griechenscharen abzuhalten, die auszogen, eine Kolonie zu gründen. 
Die Griechen dürften aber wohl kaum von ihnen aus schon ein 
mal besetzten Positionen verdrängt worden sein. Ein besonderes 
Interesse hatten die Phöniker anfangs sicher nicht daran, ihre 
Faktorei als solche zu behaupten, da ihnen als den einzigen Ge 
schäftsleuten die neue griechische Kolonie nur bessere Absatzmöglich 
keiten und zunächst keine Konkurrenz bedeutete. Die Phöniker 
holten im Ägäischen Meere Rohmaterialien aller Art, so neben der 
Purpurschnecke Gold, Silber und Kupfer. Neben den Hortgegen 
ständen brachten sie auch manche Rohmaterialien, so das Zinn, 
welches von den Griechen für die Bronze benötigt wurde. Daß 
die Phöniker mit manchen Gegenden in einem sehr regen Verkehr 
standen, beweisen die zahlreichen Funde z. B. auf Rhodos, wo 
vielleicht phönikische Ansiedlungen bestanden haben mögen. Sicher 
sind aber auch die Griechen schon sehr früh dorthin gekommen 
und haben dort einige Städte gegründet, die mit einigen andern 
zusammen einen Bund bildeten. Von dort aus besiedelten sie die 
umliegenden Inseln und scheinen auch mit Kreta Beziehungen 
fortgesetzt zu haben, die bereits in vorgriechischer Zeit bestanden. 
Die Griechen blieben nicht lange nur Abnehmer der phönikischen 
Waren, um für dieselben Rohmaterialien zu liefern, sondern er 
zeugten allmählich auch Waren, die im Orient Interesse erregten 
und dort gekauft wurden. Dann kamen sie schließlich soweit, nach 
der Vermutung mancher schon in mykenischer Zeit, sie selbst zu 
exportieren, und zwar nicht nur innerhalb des griechischen Bereichs, 
sondern sogar nach dem Orient, wo sie den Phönikern, ihren Lehr 
meistern, bald Konkurrenz machten. Wenn die Griechen auch sicher 
sich zunächst selbständig als Seefahrer entwickelten, so wie im Mittel 
alter etwa die Normannen, so haben sie doch von den Phönikern 
überaus viel gelernt. Doch machten die Orientalen auch fernerhin 
gute Geschäfte, denn der Luxus steigerte sich und damit die Kauf 
lust; es gab orientalische Waren, die immer begehrt waren und 
nicht nachgemacht werden konnten. Immer mehr dürften nun auch 
Gegenstände des Massenkonsums in den Handel gekommen sein 
und schließlich den ganzen Verkehr umgewandelt haben (S. 43).
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        32 Drittes Kapitel. Das Zeitalter der griechischen Kolonisation. 
Drittes Kapitel. 
Das Zeitalter der griechischen Kolonisation. 
(Mitte 6. Jahrhunderts bis Ende 6. Jahrhunderts.) 
Denn der ernährenden Erde Begrenzung geh' ich zu schauen. 
Ilias. 
Die griechischen Städte Kleinasiens, die sich unter dem Einflüsse 
des Orients vom 8. Jahrhundert an stärker als jene Europas kommer 
ziell und industriell entwickelten, gründeten auch früher als diese 
Kolonien. Soweit diese nicht schon von Anfang an Industrie- und 
Handelsstädte waren, entwickelten sie sich bald zu solchen. Von den 
kleinasiatischen Städten, die sich der Kolonisation im größten Stil zu 
wendeten, war Milet eine der ersten. Diese Stadt, die im 7. Jahr 
hundert den Lydern zu widerstehen vermochte, welche die anderen 
Städte Kleinasiens unterwarfen, war durch ihre Industrie und ihren 
Handel, den sie mit dem kleinasiatischen Hinterlande und mit dem 
Westen trieb, eine der reichsten und mächtigsten Städte der Welt, 
„das Schatzstück Ioniens" (Herodot V, 28). Vom 8. Jahrhundert bis 
zum 6. Jahrhundert besiedelten die Milesier die Küsten der Pro 
pontis und des Schwarzen Meeres, wobei auch die übrigen Griechen 
mitwirkten. Die Chalkidike sowie Thrazien mit seinen vorgelagerten 
Inseln wurde ebenfalls bald von Griechen kolonisiert. Früh wurde 
Thasos aufgesucht, das durch seine Goldproduktion die Phöniker in 
den ältesten Zeiten angelockt haben soll. Die Kolonisation dieser 
Gebiete machte nicht allzuviel Schwierigkeiten, wenn man auch 
vielfach mit den eingeborenen Völkern kämpfen mußte. Das In 
teresse dieser Völker an der Küste war meist doch gering, und über 
dies waren sie nur selten in größeren Reichen vereinigt. Das Ge 
biet des Schwarzen Meeres lieferte Lebensmittel aller Art, besonders 
Getreide und Fische und trieb die Griechen an, vom Schatzhandel 
zum Handel mit allen Gegenständen überzugehen. Sobald einmal 
der Getreideimport größeren Umfang annahm, konnte sich die In 
dustrie entfalten. Viele Kräfte wurden frei, die Arbeiter konnten 
billig ernährt werden, und überdies benötigte man Exportartikel, 
um mit diesen das Getreide zu bezahlen, auch brauchten die Griechen 
in den Niederlassungen am Schwarzen Meere viele Jndustrieartikel 
zum eigenen Gebrauch, die sie selbst nicht zu erzeugen vermochten. 
Die industrielle Entwicklung des Mutterlandes wurde durch die 
Kolonisation am Schwarzen Meer noch weiter gefördert, weil von
        <pb n="41" />
        Milet, Massalia. 
33 
dorther Sklaven in großer Zahl importiert wurden, teils Kriegs 
gefangene, welche die eingeborenen Völker gemacht hatten und so 
verwerteten, oder gar Volksgenossen, welche sie an die Griechen 
verkauft hatten (S. 140). Die Faktoreien haben in diesem Gebiet 
eine größere Rolle gespielt als sonst in den Kolonien der Griechen, 
wenn sie auch hier hinter den Städten zurücktraten. Byzanz, jene 
Stadt, die später eine so große politische Rolle spielen sollte und 
auch in der Handelsgeschichte immer viel bedeutete, war eine Grün 
dung der Megarer. Der Handel nach dem Norden wurde besonders 
durch die Stadt Olbia besorgt. Durch ihren Getreidereichtum ragten 
die Städte der Krim hervor, die sich zu hervorragenden Handels 
plätzen entwickelten, die weit über das Altertum hinaus ihre Be 
deutung erhielten und z. B. im Mittelalter von den Genuesen be 
setzt wurden, bis diese im 15. Jahrhundert von den Türken dar 
aus vertrieben wurden. 
Weit wichtiger als die Städte am Schwarzen Meer waren die 
westlichen Kolonien der Griechen. Die westlichste Kolonie von Be 
deutung war Massalia, das heutige Marseille. Am Ende des 
7. Jahrhunderts wurde diese Stadt von Kaufleuten aus Phokäa 
gegründet, die schon früher ins Adriatische Meer bis zur Poebene 
gekommen waren und in den Meeren um Sardinien herum sowie 
in Spanien den Phönikern Konkurrenz gemacht hatten (Herodot 
1,163). Massalia wurde bald selbst die Mutter einer Reihe von 
Städten, längs der Südküste Galliens und der Ostküste Spaniens, 
die aber nicht jene Unabhängigkeit erreichten, die Phokäa und 
Massalia besaßen, was zum Teil durch die geringe Entfernung 
von der Mutterstadt bedingt war. Seine Kaufleute schickte Massalia 
tief ins Land hinein und sorgte dafür, daß die Produkte des 
Nordens, der Bernstein und das Zinn (Diodor V, 22), auf seinem 
Markte feilgeboten wurden. Da man überall vor den Eingeborenen 
der Küstengebiete auf der Hut sein mußte, war Massalia und seine 
Kolonien gut befestigt, auch gingen die Kaufleute meist nur in 
größeren Expeditionen ins Land hinaus. Brachten die Griechen 
Produkte ihres Gewerbfleißes mit, so holten sie vor allein Roh 
produkte, zum Teil auch Lebensmittel für die Küstenorte, zumal 
für Massalia, da auf den felsigen Abhängen rings um die Stadt 
nur der Ölbaum und der Weinstock gediehen. Die Haupthandels 
straße lief der Rhone entlang, an deren Ufern Ortschaften, Be 
festigungen und Faktoreien der Griechen aufeinander folgten, die 
zum Teil neben den Ansiedlungen der eingeborenen Völkerschaften 
ANuG 258: Neurath, antike Wirtschaftsgeschichte 3
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        34 Drittes Kapitel. Das Zeitalter der griechischen Kolonisation. 
errichtet waren. Die überaus günstige Lage der Rhonelandschaft 
fiel bereits den Alten auf, und Strabo, dem wir die obige Schil 
derung zum Teil entnahmen, glaubt denn auch ein Werk der Vor 
sehung darin erblicken zu müssen (Strabo IV, l). Die Rhone selbst, 
sowie ihre schiffbaren Nebenflüsse wurden vielfach zum Transport 
verwendet; wo die Flüsse zu reißend waren, brachte man die Waren 
zu Wagen stromaufwärts und fuhr mit der vielfach voluminöseren 
Rückfracht zu Schiff zur Küste. Von der Rhone aus befuhr man 
den Arar (Saône) und Dubis (Doubs), von denen man über schmale 
Bergketten zur Seqnana (Seine) und zum Liger (Loire) gelangte, 
welche die Fremden zum Kanal und zum Atlantischen Ozean führten. 
Von der Nordküste Galliens aus fand der griechische und später 
der römische Kaufmann bald seinen Weg nach Britannien. Die 
hellenische Kultur verbreitete sich so rasch gegen Norden, zumal 
die nördlichen Stämme der Kelten den Kaufleuten freundlicher 
gegenüberstanden als die Küstenvölker, zum Teil wohl deshalb, 
weil sie eine kriegerische Invasion nicht zu fürchten brauchten. 
Nachdem Massalia im Verein mit seinen Kolonien kleinere Kämpfe 
mit den Küstenvölkern bestanden hatte, kam es zu Zusammenstößen 
mit Karthago, die für Massalia glücklich endeten (S. 37). Mit 
Rom begannen im 4. Jahrhundert freundliche Beziehungen, denen 
ein reger Handelsverkehr folgte. Diese Freundschaft veranlaßte 
auch Massalia im Jahre 218, als Hannibal gegen Rom mar 
schierte, das Heer der Karthager zu zwingen, den Weg über die 
Alpen zu wählen statt des leichteren längs der Küste. Die Nieder 
lage Karthagos bedeutete für Massalia einen neuen Aufschwung, 
bis schließlich die römische Kolonisation dauernd Massalia hemmte 
(S. 118). Die Schiffer dieser Stadt waren gleich denen der Phokäer 
durch ihre Kühnheit berühmt, es war auch ein Gelehrter aus 
Massalia — Pytheas — der zur Zeit Alexanders eine Entdeckungs 
fahrt in die nordischen Meere unternahm und die nördlichen Küsten 
Britanniens und die Germaniens jenseits der Elbe besuchte. Neben 
Massalia sind nur wenige Kolonien der kleinasiatischen Griechen 
im Westmeer zu finden. Nur die Rhodier, die schon früh eine her 
vorragende Seemacht besaßen, konnten im 7. Jahrhundert Gela 
auf Sizilien gründen, das selbst nach etwas mehr als hundert 
Jahren die Stadt Akragas erbaute. 
Die meisten anderen Kolonien in Unteritalien und auf Sizi 
lien, die seit der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts entstanden, 
waren europäischen Ursprungs. Hier war die Gelegenheit geboten,
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        Unteritalien, Sizilien. 
35 
Stadtstaaten zu schaffen, die dem Mutterlande überlegen waren, da 
fruchtbare Ebenen und an Schiffbauholz reiche Wälder vorhanden 
waren. Hier ließ sich die wirtschaftliche Selbständigkeit der Staaten, 
die nicht auf Import angewiesen war, die Autarkie, im Notfall 
eher durchführen als im Mutterland, da die Griechen in Sizilien 
und in Unteritalien, im sogenannten Großgriechenland, den Im 
port fremden Getreides nicht nötig hatten, sondern selbst solches 
exportierten, daneben aber auch eine hervorragende Industrie be 
saßen. Schon früh war die mykenische Kultur hierher gedrungen, 
ob durch Vermittlung griechischer oder phönikischer Seefahrer, läßt 
sich nicht entscheiden. In Unteritalien entstand eine Reihe vonein 
ander unabhängiger Stadtstaaten. Unter den Städten war Sybaris 
eine der bedeutendsten, sie wurde von einer Konkurrentin gegen 
Ende des 6. Jahrhunderts von Grund aus vernichtet, nachdem sie 
kurz vorher selbst einer herrlichen Stadt das gleiche Schicksal bereitet 
hatte. Mit den Städten des Ostens, so mit Milet, stand sie in Handels 
beziehungen. Von den unteritalischen Städten gelangte Tarent be 
sonders im 4. Jahrhundert zu hervorragender Bedeutung, als die 
anderen Städte durch die Italiker arg geschädigt wurden (S. 95). 
Sizilien wurde zunächst von der euböischen Stadt Chalkis be 
siedelt. Von dort aus kamen Chalkidier nach Italien hinüber und 
gründeten die nördlichste griechische Stadt der Halbinsel, Kyme, 
von der aus das Hinterland leicht zugänglich war (S. 52). Die 
Ausbreitung der Macht Euböas auf Sizilien fand bald durch Ko 
rinth ein Ende. Es bestand eine alte Konkurrenz zwischen Korinth 
und den Städten Euböas, Chalkis und Eretria, den drei ältesten 
Kolonialmächten des europäischen Griechenlands. Schwer geschädigt 
wurden Eretria und Chalkis, als zwischen ihnen im 7. Jahrhundert 
ein heftiger Kampf entbrannte, an dem die großen Handelsstädte 
der Griechen teilnahmen; so half Korinth den Chalkidiern, während 
z. B. Milet und Ägina zu Eretria hielten. Man sieht, wie die 
internationalen Beziehungen sich infolge des regen Handelsverkehrs 
entwickelt hatten. Seit jener Zeit, besonders aber seit dem Beginn 
des 6. Jahrhunderts ging die Bedeutung Euböas immer mehr 
zurück. Im Norden des Ägäischen Meeres hatten Chalkis und 
Eretria nicht nur an der thrazischen Küste kolonisiert, sondern auch 
die Chalkidike zum Teil besetzt. Bald darauf fanden sich dort 
auch die Korinther ein und gründeten Potidäa. Korzyra, das bald 
eine der größten Seemächte wurde, nahm Korinth den Eretriern 
weg, als es den Versuch machte, im Adriatischen Meer vorzurücken, 
!S*
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        36 Drittes Kapitel. Das Zeitalter der griechischen Kolonisation. 
zu welchem Zweck längs der Küste Kolonien gegründet wurden. 
Nun setzten sich die Korinther auch in Sizilien fest, wo sie die 
Stadt Syrakus gründeten, die bald die Herrschaft über Sizilien 
und einen Teil Unteritaliens errang. 
Die Griechen begnügten sich aber nicht mit der Kolonisation im 
Osten und Westen, sondern sie bemühten sich, auch den Süden des 
Mittelmeergebietes in ihre Hand zu bekommen. In dem Gebiete 
eines großen Staatswesens wie Ägypten konnte nur ein zweiter 
Großstaat mit Erfolg vorrücken, der westliche Teil Nordafrikas 
war in den Händen der Phöniker, so daß nur die zwischen beiden 
Staaten gelegene Küstenlandschaft an der kleinen Syrte für eine 
Kolonisation übrigblieb. Hier gründeten die Griechen Kyrene 
und einige andere kleine Städte, die gleich jenen im Schwarzen 
Meer keine sehr große Einflußsphäre im Binnenland besaßen. 
Nachschübe aus der Heimat ermöglichten es, die Städte mit einem 
agrarischen Produktionsgebiet zu umgeben. Eine rege Industrie 
entstand sowie ein ausgedehnter Handel mit Produkten Afrikas, 
so mit der Silphionpflanze, die Straße von Kyrene zur Amons 
oase unterstützte diese Unternehmungen. Die industrielle und kom 
merzielle Entwicklung machte dem Königtum ein Ende und führte 
zur Demokratie, diese vermochte zwar den kleineren, meist nicht 
verbündeten Völkerschaften zu widerstehen, sogar dem im 6. Jahr 
hundert schwachen Ägypten (Herodot IV, 159), aber einer Großmacht 
war ein derartiges Staatswesen nie gewachsen, und so fiel denn 
Kyrene nacheinander den Herren zu, die den Osten des Mittel 
meerbeckens unterjochten, den Persern (S. 14), den Mazedoniern 
(S. 93) und den Römern (S. 93). Ihnen folgten die Barbaren, 
die Zerstörer aus der Wüste, bis schließlich die Araber die Stadt 
besetzten. In den Übergangszeiten genoß der Staat zuweilen eine 
gewisse Freiheit, aber die alte Größe litt unter dem neuen Re 
giment, da die Großstaaten neue Städte schufen, die durch ihre 
Konkurrenz Kyrene empfindlich schwächten. 
Im 6. Jahrhundert hat im allgemeinen die Kolonisation der 
Stadtstaatenzeit ihr Ende erreicht, ein weiteres Vorrücken war 
nur noch möglich, wenn Eroberungspolitik im größten Stil be 
trieben wurde, und dazu gehörte ein gewaltiges Reich und eine gut 
organisierte Heeresmacht. Im Westen und Süden stieß man bereits 
an drei Stellen an karthagisches Gebiet: in Spanien von Massalia 
aus, in Nordafrika von Kyrene her und in Sizilien. In Italien 
begannen sich die Nationalstaaten zu entwickeln, und im Osten hatte
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        Kyrene, Karthago. 
37 
man das Perserreich neben sich, nur der wenig erstrebenswerte 
Nordosten stand offen. Die nächste Kolonisationsperiode fällt daher 
mit der Zeit des hellenistischen Imperialismus zusammen, der die 
Macht und auch die Energie besaß, nach Osten einen Vorstoß zu 
wagen; als es soweit gekommen war, daß man auch an eine wei 
tere Expansion gegen Westen denken konnte, erschien bereits die 
neue Weltmacht: Rom. 
Die koloniale Expansion der Griechen zwang die phönikischen 
Kolonien unter der Führung Karthagos zu einem engeren Zu 
sammenschluß, da ihnen vom Mutterlande aus, das durch die asi 
atischen Verhältnisse genügend in Anspruch genommen war, nicht 
Hilfe geleistet werden konnte. Die Gefahr bestand, daß die Grie 
chen Spanien ganz okkupierten und die Phöniker nicht nur poli 
tisch, sondern auch wirtschaftlich aus dem ganzen Mittelmeer ver 
drängen könnten. Wo die Phöniker vor den Griechen da waren 
und von ihnen verdrängt wurden, wo sie sich etwa gleichzeitiz mit 
ihnen ansiedelten, läßt sich im westlichen Teile des Mittelmeeres 
ebensowenig wie im östlichen mit Sicherheit feststellen. Im 6. Jahr 
hundert standen im Westen einander gegenüber: die Karthager, 
die Etrusker, die Griechen (aus Massalia, Süditalien und 
Sizilien) und die noch unbedeutenden nationalen Verbände 
Italiens. Die Etrusker, welche als Seemacht zunächst mit den 
Karthagern zusammengestoßen zu sein scheinen, dürften sich mit 
diesen bald dahin verständigt haben, daß die Karthager sich mit 
Sizilien und Sardinien begnügten, während sie selbst Korsika be 
siedelten, jedenfalls sehen wir die beiden Mächte gegen die Griechen 
vereint vorgehen, als die kühnen Phokäer neuerlich eine Ansied 
lung innerhalb des Machtbereiches der beiden Staaten versuchten. 
Als in der Mitte des 6. Jahrhunderts Phokäa von den Persern 
erobert wurde (S. 17), siedelte ein Teil der Bewohner nach 
Massalia über, ein anderer nach Korsika. Diesen neuen Konkur 
renten wollten die vereinigten Mächte nicht dulden. Es kam zu 
einer gewaltigen Seeschlacht, in der die Phokäer mit solchem Ver 
luste Sieger blieben, daß sie es vorzogen, sich in Unteritalien 
niederzulassen (Herodot 1,165—167). Diese Schlacht war nur eine 
Episode in den Kämpfen zwischen Karthago und den Griechen um 
die Handelssuprematie in Spanien und in den Meeren um Sar 
dinien. Mit den Massalioten kam es ebenfalls zu Kämpfen, die 
damit endigten, daß diesen alle Handelsstationen und Kolonien 
nördlich von Hemeroscopium an der Ostküste von Spanien blieben
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        38 Drittes Kapitel. Das Zeitalter der griechischen Kolonisation. 
und der Handel mit Spanien und Südgallien weiterbestand. Nur 
die an der Südküste Spaniens gelegene Kolonie Mänaka lourde 
von den Karthagern von Grund auf zerstört. Zwischen Massalia 
und Karthago scheint dann Frieden geherrscht zu haben, und da 
die Etrusker ihr Augenmerk Italien zuwendeten, standen als Haupt 
gegner den Karthagern nur noch die sizilischen und süditalischen 
Griechen gegenüber. Auf Sizilien handelte es sich nicht nur um 
den Handel, sondern auch um Kolonialgebiete sowie um wichtige 
Schifsahrtsstationen. 
Die Karthager suchten wie später die Römer, die dem Handel 
erschlossenen Gebiete auch politisch zu unterwerfen, um sie so dem 
Reiche ein für allemal zu sichern und überdies die Truppenmacht 
durch die Eingeborenen zu vergrößern, eine Politik, die erst im 
2. Jahrhundert zur vollen Anwendung gelangte. Wenn auch die 
ersten Zusammenstöße auf Sizilien schon in das 6. Jahrhundert 
fallen, so werden wir sie doch besser erst bei den großen Kämpfen 
der nächsten Periode besprechen (S. 52). 
Während im Westen die Karthager mit den Griechen zusammen 
stießen, kam es im Osten auf dem Boden Kleinasiens zu Kämpfen, 
die für die Griechen mit einer Niederlage endeten. Im 6. Jahr 
hundert hatte sich das lydische Reich immer mehr erweitert, das 
wie jedes geschlossene Staatswesen den einzelnen Griechenstädten 
überlegen war. Eine nach der andern mußte die Oberhoheit Lydiens 
anerkennen, nur Milet widerstand trotz mehrfacher Niederlagen 
und trat in freundschaftliche Beziehungen zu dem früheren Gegner. 
Wirtschaftlich bedeutete diese Abhängigkeit für die Städte eher einen 
Vorteil, denn wenn auch die Lyderkönige wohl mancherlei Abgaben 
erhoben und besonders die Zölle zu ihrem Vorteil ausgenutzt haben 
dürften, so war andererseits der Verkehr mit dem Hinterlande nun 
ein überaus reger, zumal die Lyder den Griechen sehr entgegenkamen 
und bald ganz hellenisiert waren. Der König Krösus kam nicht dazu, 
sein Reich auch auf die griechische Inselwelt auszudehnen, da Cyrus, 
der König der Perser, nachdem er Medien erobert hatte, um die Mitte 
des 6. Jahrhunderts Lydien besetzte und die Griechenstädte, die sich 
nicht freiwillig unterwarfen, unter ihnen Phokäa, mit Gewalt er 
oberte (S. 37). So waren die Perser bis ans Ägäische Meer ge 
drungen, und es konnte nicht lange mehr dauern, und sie griffen 
aufs Festland"Europas hinüber (S. 52). 
Die koloniale Expansion der Griechen war zum Teil Folge, zum 
Teil Ursache einer gewaltigen industriellen und kommerziellen Ent-
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        Handel, Industrie. 
39 
Wicklung. Zunächst hatten die Griechen nur die Rohprodukte ihres 
Landes den Phönikern gegen Schätze verhandelt, dann hatten sie 
in immer stärkerem Maße Gegenstände produziert, welche von 
den Phönikern gekauft wurden, schließlich hatten sie selbst Schiffe 
bestiegen, um Handel zu treiben. Während sie zunächst bei ihren 
Stammesgenoffen und auch bei fremden Völkern jene Waren an 
den Mann zu bringen suchten, die sie auch für den eigenen Ge 
brauch verwendeten, wurde nun in immer steigendem Maße eine 
Exportindustrie betrieben, welche Gegenstände erzeugte, die nur 
für den Käufer bestimmt waren und dessen Geschmack entsprachen, 
so daß eine Handelsstadt nicht nur ihre originellen Waren in einer 
andern Stadt abzusetzen suchte, sondern auch den Waren dieser 
Stadt an Ort und Stelle Konkurrenz machte (S. 127). Gleich 
zeitig mit dieser Ausdehnung des Handelsverkehrs auf die Gegen 
stände des täglichen Gebrauchs, auf Kleider, Tonwaren usw., er 
folgte jene auf die Nahrungsmittel, nachdem zuerst nur die Ge 
nußmittel für die Tische der Neichen übers Meer gebracht worden 
waren. Diese kommerzielle und industrielle Entfaltung brachte eine 
völlige Umwälzung der Staatsordnung in jenen Staaten mit 
sich, die sich der neuen Bewegung anschlössen, im Mutterlande in 
Korinth, Ägina, Chalkis, Eretria, Athen usw., in Kleinasien, in 
Milet, in den Städten auf Rhodus usw. und in sämtlichen west 
lichen Kolonien. Nur einige Staaten des Festlandes haben lange 
widerstanden, so vor allem Sparta, aber auch Thessalien und Maze 
donien. 
Während früher verschiedene Verbände innerhalb des Staates 
von großer Wichtigkeit waren, so Blutsverbände u. a., trat nun 
das Individuum immer mehr in den Vordergrund. Im Agrar 
staat waren nur selten arme Leute reich geworden, soweit nicht 
Neuverteilungen vorgenommen wurden oder im Kriege ein Ge 
bietszuwachs erfolgte, der aber oft nur den bevorrechteten Familien 
Vorteil brachte. War in der Königszeit noch die Möglichkeit vor 
handen, durch die Huld des Herrschers zu Macht und Ansehen zu 
kommen, so hat die Zeit der Adelsherrschaft auch diese Möglichkeit 
beseitigt. Die Entwicklung von Handel und Industrie brachte nun 
den Sturz der Adelsherrschaft und dann den der Herrschaft des 
Großgrundbesitzes. Freilich war dies das Resultat einer langwäh 
renden Umwandlung, die nicht überall gleichzeitig erfolgte. Der 
Sturz der bevorrechteten Klassen erfolgte vor allem deshalb nur 
langsam, weil diese die neuen Möglichkeiten ausnutzten und sich
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        40 Drittes Kapitel. Das Zeitalter der griechischen Kolonisation. 
dem Handel und der Industrie zuwendeten. Die Grundbesitzer spielten 
noch immer die erste Rolle, unter ihnen aber vor allem jene, welche 
auch andere Geschäfte betrieben. Aber neben dem alten Grundadel 
gab es nun schon viele Bürger, die durch Handel und Gewerbe 
große Reichtümer erworben hatten und nun eine Stellung bean 
spruchten, die ihrem Grundbesitz allein nicht entsprach. Die Um 
wälzungen des 6. Jahrhunderts schufen so die Bourgeoisie, die 
sich deutlich vom Arbeiter- und Handwerkerstande abhob. Während 
bis dahin große und kleine Handwerker mit den Lohnarbeitern in 
einer Klasse vereinigt waren, sonderten sich nun die Unternehmer 
immer mehr ab, um erst mit den kleinen Bauern und schließlich mit 
den Großgrundbesitzern in derselben sozialen Klasse zu rangieren. 
Nachdem fast in ganz Griechenland das Königtum gestürzt war 
(S. 28), wurden in der folgenden Zeit die Vorrechte des Adels 
beseitigt, obzwar er auch nachher tatsächlich in vielen Staaten die 
Macht in der Hand hatte. Einer der ersten Erfolge gegen den Adel 
bestand darin, daß die Rechtsprechung geregelt und ein geschriebenes 
Gesetz geschaffen wurde. 
Die weiteren Bewegungen des Volkes gegen die Adelsherrschaft 
brachten in vielen Städten Tyrannen in die Höhe, die oft dem 
Adel angehörten. Im 6. Jahrhundert war die Tyrannis über 
die ganze griechische Welt verbreitet. Im Osten war Polykrates 
von Samos einer der mächtigsten und berühmtesten (Herodot III, 39). 
Er schloß sich an die Perser an und stellte ihnen seine ausgezeich 
nete Flotte, die er sonst zu Raubfahrten im ganzen Ägäischen Meere 
verwendet hatte, gegen die Ägypter zur Verfügung, mit denen er 
früher gute Beziehungen gepflegt hatte (S. 18). Ein Tyrann 
war es auch, der die Verteidigung Milets gegen die Lyder leitete 
(S. 32). In Athen warf sich Pisistratus, der die koloniale Expan 
sion seiner Vaterstadt einleitete, zum Tyrannen auf. So besetzte 
er zuerst oder von neuem Sigeon auf dem südlichen Vorgebirge 
des Hellesponteinganges. Das nördliche Vorgebirge wurde von 
dem Athener Miltiades I besetzt, der auf dem thrazischen Chersones 
ein Fürstentum gründete und sich mit Athen gut stellte. Der Ein 
gang zum Hellespont war so in den Händen Athens, wodurch die 
Getreidezufuhr aus dem Schwarzen Meer schon wesentlich gesichert 
war. Zu einer bedeutenden Vergrößerung der Flotte kam es aber 
nicht, da Pisistratus sonst dem Landvolk sehr freundlich gesinnt 
war und viel für dasselbe tat, jedoch gelang es ihm, den Einfluß 
Athens auf Delphi zu sichern, ¡ber im lnächsten Jahrhundert von
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        Allgemeines Zahlungsmittel. 
41 
entscheidender Bedeutung war. Des Pisistratus Sohn Hippias 
wurde von den Athenern vertrieben und flüchtete sich nach Sigeon, 
ihm liehen die Perser, die in Kleinasien aus politischen Gründen 
die Tyrannis unterstützten, ihre Hilfe (S. 51). Am Ende des 
6. Jahrhunderts hat auf dem griechischen Festland die Tyrannis 
ihr Ende erreicht. Nach ihrer Beseitigung kam nicht mehr der 
Adel, sondern in vielen Staaten das Volk zur Herrschaft. Die 
Vorrechte des Grundbesitzes, die besonders in bezug auf das 
passive Wahlrecht auch nach der Beseitigung des Adels bestehen 
blieben und den Grundbesitzern die wichtigsten Ämter in die Hand 
gaben, wurden allmählich, zum Teil erst in der nächsten Epoche, 
beseitigt, bis schließlich in bezug auf alle politischen Angelegen 
heiten die Gleichheit vor dem Gesetze durchgeführt wurde, was für 
die Antike den Inbegriff der Demokratie ausmachte. Freilich gab 
es daneben auch radikale Theoretiker, die wirtschaftliche Vorrechte 
ebenfalls beseitigt wissen wollten, und es kam auch gelegentlich zu 
Revolutionen, in denen kommunistische Forderungen aufgestellt 
wurden, aber eine allgemeine Bewegung, unserer Sozialdemokratie 
etwa vergleichbar, kannte das Altertum nicht. 
In der Epoche der Kolonisation kamen die allgemeinen Tausch 
und Zahlungsmittel zur Herrschaft. Während früher von dem 
freien Bürger nur angenommen wurde, daß er Vieh besaß, wes 
halb Strafsätze noch lange in Vieh angesetzt wurden, wurde nun 
immer häufiger der Besitz von Hortgegenständen und Metall vor 
ausgesetzt. Früh zeigte sich bereits der Unterschied zwischen Me 
tallen für den internationalen und für den lokalen Verkehr, zu 
letzteren gehörten vor allem solche, aus denen man Geräte und 
Waffen fabrizierte, also Kupfer und Eisen, zu ersteren die Hort 
metalle Silber und Gold und eine Mischung aus beiden, das 
Elektron. Während früher der eine Teil der Bevölkerung beim 
andern in voller Naturalverpflegung stand, nahm nun die Zu 
weisung von Metallmengen immer mehr überhand, mit denen sich 
der Arbeiter, der Handwerker selbst beköstigen sollte. Während zur 
Zeit der Naturalwirtschaft der Herr mit überflüssigen Lebens 
mitteln nicht immer etwas anzufangen wußte und selten mit ihnen 
knauserte, konnte jedes Metallstück, das für den Armen Brot be 
deutete, ihm irgendeinen Luxus verschaffen, weshalb er am Lohn 
zu sparen suchte, was die Lage der abhängigen Klassen verschlim 
merte. Die Methoden des internationalen Verkehrs beherrschten nun 
auch den lokalen Markt. An die Stelle der einigermaßen überseh-
        <pb n="50" />
        42 Drittes Kapitel. Das Zeitalter der griechischen Kolonisation. 
baren und geregelten Wirtschaft des kleinen Kreises trat nun ohne 
Übergang die vielfach planlose der damaligen Welt, während, wie 
wir sahen, auch ganze Reiche nach dem alten System wirtschaften 
konnten (S. 8). Luxus und Bildung hoben sich allgemein, frei 
lich wuchs auch vielfach die Menge der Entrechteten. Die neue 
Wirtschaftsordnung entsprach in erster Reihe den Bedürfnissen des 
Weltkaufmannes, sie brachte dem Landwirt, dem Handwerker, dem 
Lohnarbeiter, aber schließlich auch dem Industriellen viel Leid und 
Elend. 
Im 7. Jahrhundert wurde, wie es scheint, in Lydien, eine wich 
tige verkehrstechnische Erfindung, die der Münze gemacht, die zu 
nächst keine wesentliche Änderung des Wirtschaftslebens im Gefolge 
hatte. Ihre Bedeutung erlangte sie eigentlich erst in der modernen 
Entwicklung. Die wichtigsten Umwälzungen waren bereits im Orient 
schon seit langem, in Griechenland erst seit kurzem erfolgt, sie waren 
an die Einführung eines allgemeinen Tausche und Zahlungsmittels, 
an das Überwiegen von Verträgen, die die Leistung einer bestimmten 
Menge des Zahlungsmittels festsetzten, geknüpft, wozu die Erfin 
dung der Münze, wie wir oben sahen, nicht nötig war. Die 
neue Erfindung ersparte vielfach Wage und Probierstift, da der 
Staat Feingehalt und Gewicht garantierte, was nicht viel bedeu 
tete, da es bei den größeren Geschäften weit weniger Mühe machte, 
die Edelmetalle als die zu kaufende Ware zu prüfen, im Klein 
verkehr kommt man aber mit Wage und Stift schließlich aus, wie 
heute noch manche außereuropäischen Märkte beweisen. Bei jedem 
größeren Betrag mußten aber die Münzen ebenso wie heute ge 
prüft werden, da Fälschungen vorkamen. Die Wirtschaftsordnung 
des Orients stand aus einer höheren Stufe als die Griechenlands, 
obzwar man dort mit Barren rechnete, und es änderte sich denn 
auch nichts wesentliches, als an die Stelle der Barren Münzen 
traten, was nur sehr langsam geschah, weil die orientalischen Handels 
völker sich gar nicht beeilten, die Münzen einzuführen, deren Vor 
teile sie nicht hoch einschätzten. Der nächste Fortschritt, der nicht 
mehr verkehrstechnischer, sondern wirtschaftlicher Art war, bestand 
darin, daß derStaat seinen Stempel auf nicht vollwertige 
Münzen setzte, wodurch man sich dem modernen Geldwesen 
näherte. Die Antike hat den Schritt zur Prägung nicht voll 
wertiger Münzen früh genug gemacht, aber im allgemeinen nur 
zu rein fiskalischen Zwecken. Nur gelegentlich schuf man wirk 
liches Kreditgeld, indem der Staat die minderwertigen Münzen
        <pb n="51" />
        Münze, Getreideimpvrt. 
43 
gegen vollwertige auslöste, wenn er wieder bei Kasse war. Doch 
kamen die Alten nie dazu, eine Regelung der Menge der Zahlungs 
mittel durch Vermehrung minderwertiger Münzen durchzuführen 
oder eine Münzpolitik in der Art zu treiben, wie wir sie z. B. beim 
Papiergeld kennen. Die fiskalische Ausbeutung der Münzver 
schlechterung hat meist nur, wie im Mittelalter, Verwirrung ge 
stiftet. Von jener großen Bedeutung wie die Einführung all 
gemeiner Zahlungsmittel war die der Münze im Alter 
tum nicht, doch hat sie indirekt die Verbreitung allgemeiner Zah 
lungsmittel sehr erleichtert. Die Münzprägung stand meist den 
Gemeinden zu und war keineswegs immer den Staaten vorbe 
halten. Im allgemeinen hingen die Münzsysteme im Bereiche des 
Mittelmeerbeckens untereinander und mit den orientalischen Maß 
systemen zusammen. Die Erforschung der Gewichtsbeziehungen 
allein ist heute schon Gegenstand eines eigenen wissenschaftlichen 
Betriebes. Die Ergebnisse dieser Forschungen lassen manche Rück 
schlüsse auf Handelsbeziehungen zu, indem die gleiche Währung 
oft auf einen engeren Zusammenhang zwischen zwei Staaten hin 
weist, die Abschaffung einer bestimmten Währung häufig mit einer 
handelspolitischen Reform verknüpft war (S. 53). 
Indem die Grundbesitzer, wie wir sahen, in immer stärkerer 
Weise Handel trieben, verzichteten sie oft darauf, selbst Getreide 
zu bauen, wenn in ihrem Lande fremdes Getreide billiger zu 
haben war. Sie wendeten sich vielfach dem Ölbau, der Weid 
wirtschaft oder der Industrie zu. Vom individualwirtschaftlichen 
Standpunkt aus schien es überaus rentabel, die landwirtschaftliche 
Produktion eines Landes ganz eingehen zu lassen, während die 
staatlichen Interessen dadurch oft überaus gefährdet wurden; ganz 
abgesehen davon, daß es in normalen Zeiten leicht zu Hungers 
nöten kommen konnte oder mindestens zu Teuerungen, bestand in 
Kriegszeiten die eminente Gefahr, von der Getreidezufuhr abge 
schnitten zu werden, wenn man nicht eine ausgezeichnete Flotte 
besaß. Die Unterstützung des Getreidebaus durch alle möglichen 
Mittel wäre daher für manche Staaten, die ihre wirtschaftliche 
und zum Teil auch ihre politische Selbständigkeit wahren wollten, 
damals oft geboten gewesen. Zu einer agrarischen Schutzzollpolitik 
konnten sich die antiken Stadtstaaten in dieser Periode nicht ent 
schließen, da sie schon stark demokratisch gefärbt waren und in erster 
Reihe den weiten Kreisen der Bevölkerung billiges Brot verschaffen 
wollten. Die Industriellen ihrerseits hatten alles Interesse daran,
        <pb n="52" />
        44 Drittes Kapitel. Das Zeitalter der griechischen Kolonisation. 
die Arbeitskräfte möglichst billig zu ernähren, und da die Agrarier 
selbst in immer stärkerer Weise mit größeren Massen von Arbeitern 
und Sklaven kostbare Bodenprodukte erzeugten, so war das Re 
sultat in vielen Stadtstaaten ein Zugrundegehen des Ackerbaus; 
doch hätte der eigene Landbau auch dann kaum ausgereicht, wenn 
er gut gepflegt worden wäre, da das Zusammenströmen gewaltiger 
Menschenmassen in den Städten und die Zuwanderung überaus 
groß war, dennoch wäre das Mißverhältnis nicht so groß gewor 
den. Die wirtschaftliche Isoliertheit — Autarkie—, die Fähigkeit, 
alles, was benötigt wurde, im eigenen Staatsgebiet zu erzeugen, 
fehlte am Ausgang dieser Epoche in sehr vielen griechischen Staaten 
nicht nur in normalen Zeiten, sondern war nicht einmal in den 
Kriegszeiten notdürftig durchführbar. Das Resultat war, daß 
es z. B. die Athener in der Periode nach den Perserkriegen selbst 
verständlich fanden, daß man das platte Land dem Feinde preis 
gab und lieber alles aufwendete, um eine Flotte in der Stärke 
zu haben, daß die Zufuhr garantiert werde. Diese volle Entwick 
lung der internationalen Arbeitsteilung derart, daß die einen Ge 
biete vorwiegend industriell, die andern agrarisch tätig waren, fällt 
in diese sowie in die nächste Epoche. Die Länder, welche Getreide 
produzierten, waren entweder, wie in Unteritalien, von den Grie 
chen unterworfen und wurden von halbfreien oder unfreien Stäm 
men bebaut, oder sie standen, ohne direkt unterworfen zu sein, wie 
viele Länder am Schwarzen Meer, auf einer niedern Kulturstufe. 
In Attika machte sich der Getreidebedarf etwa im 6. Jahrhundert 
schon fühlbar, und Solon soll schon die Ausfuhr von Getreide ver 
boten haben (Plutarch, Solon 24). Dies Mittel kann freilich nur 
momentan gewirkt haben, solange noch genügend Getreideproduzenten 
da waren, aber diese waren dadurch in keiner Weise geschützt, so 
lange man sich nicht gegen die fremde Einfuhr abschloß, was, 
wie es scheint, unterblieb, war doch eine der wichtigsten Aufgaben 
des antiken Staates die Beschaffung billigen Getreides für die 
großen Massen. 
Wie wir schon mehr mehrfach gesehen haben, war die Geld wirt 
schaft, wie sie der Handel mit sich brachte, für den Bauern mit 
Nachteilen verbunden, weil er selten in der Lage war, sicher und 
rasch einmal festgesetzte Beträge zu zahlen. Insbesondere bei Dar 
lehen zu Ameliorationszwecken war er kaum in der Lage, die zu 
rückzuzahlende Darlehnssumme samt den Zinsen dem vermehrten 
Reinertrag zu entnehmen, da dieser oft erst einige Jahre später
        <pb n="53" />
        Autarkie, Geldwirtschaft. 
45 
entsprechend stieg. Dabei stand der Zinsfuß hoch, dem Außenhandel, 
nicht der Landwirtschaft angemessen. Bestand nun nicht die Möglich 
keit, in kleineren Beträgen als Amortisationsquoten die Schuld abzu 
tragen oder überhaupt nur eine ewige Rente zu zahlen, so war bei 
einem entsprechend strengen Schuldrecht sein wirtschaftlicher Ruin 
gewiß. Wenn bereits früh Gesetzgeber das Handwerkszeug des Hand 
werkers nicht pfänden ließen, so hat das Land des Bauern als 
Erwerbswerkzeug selten gegolten, und die systematischen Versuche, 
ein bestimmtes Landstück, das zum Lebensunterhalt notwendig ist, 
dem Bauern so zu erhalten wie dem Handwerker sein Handwerks 
zeug, sind in den freieren Wirtschaftsformen meist erst neueren 
Datums. Die Schuldverhältnisse der alten Zeit waren dadurch 
besonders drückend, daß der Schuldner nicht nur Hab und Gut 
an den Gläubiger verlor, sondern in vielen Staaten auch der Sklave 
des Gläubigers wurde, den er an manchen Orten verkaufte, an 
anderen nur dazu verwenden konnte, die Schuld abzuarbeiten; in 
manchen Ländern nahmen auch Frau und Kinder an diesem Schick 
sal teil. Mit der weit vorgeschrittenen Verschuldung der Bauern 
in Athen hatte sich auch Solon befaßt. In anderen Städten kam 
es ebenfalls häufig zu Reformen auf diesem Gebiet. Solon hob 
die landwirtschaftlichen Schulden auf, er trug Sorge dafür, daß 
man viele von den in die Fremde verkauften Schuldsklaven zurück 
kaufte und die Schuldsklaverei abgeschafft wurde (Plutarch, So 
lon 15). über eine derartige rein symptomatische Behandlung ist 
die Antike im wesentlichen nicht hinausgekommen (S. 90), es kamen 
höchstens manche Gelehrte dazu, das Zinsnehmen, wie z. B. Aristo 
teles, zu verwerfen. Eine Regelung der Darlehnsgesetzgebung, welche 
kontinuierlich die furchtbaren Folgen beseitigen sollte, wurde kaum 
erwogen, war es doch bereits ein großer Fortschritt, daß man 
die bürgerliche Vernichtung des Verschuldeten aushob und sich 
mit der wirtschaftlichen begnügte. Im übrigen blieb nichts 
anderes übrig, als von Zeit zu Zeit, wenn die Sache zu arg wurde, 
Schuldnachlässe zu bewilligen oder nach einer Revolution bis zu 
einer Neuverteilung des Eigentums, zumal des Grund und Bodens, 
zu schreiten. Erst gegen Ende der Antike, als der Untergang nahte, 
wurde eine unzureichende Reform der gesamten Wirtschaftsordnung 
vorgenommen, die manche nicht unvernünftige Ideen enthielt. 
Die Verschuldung der bäuerlichen Bevölkerung in Verbindung 
mit der raschen Zunahme der Volksmenge trieb zur Auswande 
rung. Bis zum Ende der Kolonisationsbewegung nahmen die
        <pb n="54" />
        46 Drittes Kapitel. Das Zeitalter der griechischen Kolonisation. 
neuerschlossenen Gebiete die Auswanderer auf, von da ab ging 
ein immer größerer Teil der Griechen als Söldner in die Fremde 
(S. 61). Seine volle Entwicklung fand dies Söldnerwesen aber 
erst in den folgenden Epochen. 
Die neue Wirtschaftsordnung änderte die An schau ungderver- 
schiedenen Bevölkerungsklassen über die einzelnen Be 
rufsarten. Während zu Beginn der Schiffahrtsentwicklung die 
Adligen sich gern dem Seeraub ergaben, kam dies allmählich ab, nur 
Tyrannen (S. 40) und ganze Staatswesen betrieben noch die Pira 
terie unter verschiedenem Namen; wer als einzelner sich diesem Ge 
schäft ergab, wurde als gemeiner Verbrecher behandelt (S. 92). Zu 
den ehrenvollsten Berufen gehörte noch immer der des Kriegers 
und Großgrundbesitzers. Daher sehen wir denn auch den begüterten 
Mittelstand, der sich eine Rüstung anschaffen kann, bald im Heere 
kämpfen, womit wieder ein Vorrecht des Adels gefallen war. Aber 
wie der Adel sich bemühte, Geld durch iildustrielle und kommerzielle 
Betätigung zu erwerben — er hat ja auch in der modernen Ent 
wicklung Schritt für Schritt Vorurteile abgelegt und kann'jetzt z. B. 
das Bierbrauen betreiben, ohne sich etwas zu vergeben —, so mühten 
sich andererseits die Geldleute, durch Ankauf von Gütern jenen Nim 
bus zu erlangen, der mit dem Grundbesitz verknüpft war, abgesehen 
davon, daß der Besitz von Grund und Boden das Bewußtsein des 
Herrentums weit mehr zur Entfaltung bringt, da die Möglichkeit, 
selbständig eingreifen zu können, hier weit mehr als in der Stadt 
bestand. Wir können die gleiche Erscheinung auch heute beobachten, 
wenn die Börsenbarone sich möglichst rasch Grundbesitz zu ver 
schaffen suchen. Die politischen Vorrechte, die der Grundbesitz noch 
lange genoß, sind etwa den modernen vergleichbar, die u. a. darin 
bestehen, daß der Sitz in der ersten Kammer vielfach mit ihm in 
Beziehung steht. Alles strebte danach, Einkommen und Ehre zu 
verbinden, nachdem nicht mehr wie ehedem großer Konsum, Herr 
schaftsbesitz und Ehre von vornherein zusammenfielen. Von den 
Erwerbszweigen waren so wie heute diejenigen bevorzugt, die 
nicht persönliche Handarbeit verlangten. Jeder suchte, wenn irgend 
möglich, sich und seine Kinder davor zu bewahren, ein kleiner Bauer 
oder gar ein Handwerker oder Tagelöhner zu werden. Die Bauern 
und Handwerker ihrerseits hatten gleichfalls ihre Standesehre und 
sahen wohl einander nicht als vollwertig an; nur die Tagelöhner 
haben sicher ihren eigenen Stand jedem anderen nachgesetzt, ein 
Proletarierstolz bestand damals nicht. Im großen und ganzen
        <pb n="55" />
        Berufsehre, Sklaverei. 
47 
waren bereits am Ende dieser Epoche jene Anschauungen über die 
Berufsehre vorhanden, wie wir sie auch in der neuzeitlichen Ent 
wicklung kennen. Noch mehr näherten sie sich in der nächsten Periode 
der Gegenwart an. 
Zu Anfang dieser Epoche hat die Sklaverei kaum mehr Be 
deutung gehabt als in der vorhergehenden (S. 29). Den Acker 
bau betrieb man am liebsten mit halbfreien oder freien Knechten 
und Mägden, die nicht schwer zu bekommen waren, sonst hätten 
damals die Bauern ebenso wie heute in manchen Gegenden darauf 
gesehen, daß die „Menscher" viel Kinder kriegen, während Hesiod, 
der freilich aus einer vorwiegend agrarischen Gegend stammte, den 
Rat gab, Knechte und Mägde ohne Kinder zu suchen (Hesiod, 
Werke und Tage 601 u. 602). Der Zug zur Stadt war damals 
noch nicht aktuell. Die Sklavenarbeit hat auf den Landgütern 
in großem Maßstab überhaupt erst spät Eingang gefunden, in 
Massen wurden Sklaven zunächst im Fabriks- und Bergwerks 
betrieb verwendet, in letzterem vor allem deswegen, weil es sich 
dort um die widerwärtigste Arbeit handelte, wenn sich auch damals 
freie Männer fanden, die sich zu dieser Tätigkeit gegen Lohn her 
gaben. In den Betrieben, welche eine regelmäßige mechanische 
Tätigkeit verlangten, waren Sklaven häufig brauchbarer als freie 
Arbeiter, besonders wenn sie jenen Grad von Stumpfsinn besaßen, 
der Arbeiten, die im Takt ausgeführt werden mußten, förderte. 
Daneben wurden freilich auch Sklaven verwendet, die eine eigene 
Ausbildung genossen hatten und nun entsprechend verwertet werden 
konnten. Erleichterte die Zufuhr auch die Verwendung von Skla 
ven, so muß man immer im Auge behalten, daß Sklavenarbeit 
keineswegs immer billiger war als die Arbeit freier Leute. Er 
krankte der freie Arbeiter, so entließ ihn der Herr ohne weiteres, 
wie auch heute vielfach; starb er, so war das dem Herrn völlig 
gleichgültig, ein anderer trat an seine Stelle. Die Krankheit des 
Sklaven bedeutete aber für den Herrn einen großen Verlust und 
erst recht dessen Tod. Nur dann, wenn innerhalb der durchschnitt 
lichen Lebensdauer des Sklaven sich die Anschaffuugssnmme amorti 
sierte, war es vorteilhafter, Sklaven zu verwenden. Da nun der 
unverheiratete Arbeiter nicht viel mehr als feinen notdürftigen 
Lebensunterhalt als Lohn erhielt und der Herr einen geringeren 
Schaden von dessen Unterernährung hatte als von jener des Skla 
ven, so waren die Auslagen für den Sklaven vielfach nicht sehr 
viel niedriger als für den freien Arbeiter, nur der freie Arbeiter
        <pb n="56" />
        48 Drittes Kapitel. Das Zeitalter der griechischen Kolonisation. 
mit Familie dürste regelmäßig mehr als der Sklave gekostet haben. 
Ebenso, wie heute die Maschine den Arbeiter überall dort nicht 
verdrängt, wo Handarbeit billiger ist als Maschinenarbeit, so konnte 
auch die lebendige Maschine, der Sklave, der nicht besser als der 
freie Arbeiter funktionierte, den freien Arbeiter nicht rasch ver 
drängen. Dieser leistete im Akkord sicher mehr als der Sklave, der 
natürlich möglichst faul war, wenn er nicht scharf bewacht wurde. 
Daher haben denn auch die Herren, welche ihre Sklaven zu höheren 
Arbeiten verwendeten, diesen immer eine ziemliche Freiheit ge 
lassen (S. 72). Jetzt kamen immer mehr Sklaven nach Griechen 
land, die einer weit niederen Kultur angehörten, oft die Sprache 
des Landes nicht verstanden, als Fremde häufig sogar Abneigung 
einflößten und so die Stellung aller Sklaven verschlimmerten. Die 
Herren fingen immer mehr an Unternehmer zu werden, welche so 
wohl in der Landwirtschaft als auch besonders beim Fabrikbetrieb 
das persönliche Verhältnis zu ihren Dienern verloren. Während 
die Auflösung des patriarchalischen Verhältnisses bei den freien 
Arbeitern, wenn sie auf einer genügend hohen Stufe stehen, eine 
Hebung bedeutet, ist es beim Sklaven zunächst mit einer Herab 
drückung seines Niveaus identisch, ebenso wie für den heutigen 
Dienstboten das Aufhören des patriarchalischen Verhältnisses 
ein Herabsinken bedeutet, da die Angehörigkeit zu einer bestimmten 
Klasse ihm noch nicht zum Bewußtsein gekommen ist. Selbstver 
ständlich sah man früh ein, daß durch die Verwendung von Sklaven 
der freie Arbeiter verdrängt werde, und es wurde gelegentlich, wie 
auch späterhin in der Römerzeit, der Versuch gemacht, die Ver 
wendung von Sklaven einzuschränken, ohne daß aber diese Be 
mühungen einen allgemeineren Charakter angenommen hätten 
(S. 107). Während die Sklaven aus den Gebieten des Schwarzen 
Meeres vor allem durch griechische Händler zur See verfrachtet 
wurden, kamen sie in Kleinasien auf dem Landwege in griechische 
Hände, syrische, jüdische und ägyptische Sklaven brachten vor allem 
die Phöniker, gegen die der Prophet denn auch Jahve Drohun 
gen ausstoßen läßt: weil sie nicht nur Silber und Gold geraubt, 
sondern auch Judäer und Jerusalemer an die Ionier verkauft 
hätten (Joel 4, 1—8). 
i- So sehn wir denn, wie sich im Zeitalter der griechischen Kolo 
nisation jene Faktoren bildeten, welche zu einer Weltwirtschaft 
im modernen Sinne führten: Arbeitsteilung der Länder, beson 
ders Trennung der industriellen und der agrarischen Produktion,
        <pb n="57" />
        Sklaverei, Welthandel. 
49 
Vergrößerung der Einzelbetriebe. Die Einführung der 
Sklaven in die Industrie übte auf die Arbeiter und die Wirtschafts 
ordnung in vielem eine ähnliche Wirkung aus wie bei uns die Ein 
führung der Maschinen, so daß die Sklaverei dazu beitrug, 
die antike Wirtschaft der unsern ähnlich zu machen. Die 
Kräfteverteilung war noch wesentlich von jener in der folgenden Zeit 
verschieden, Kleinasien und der Westen traten sehr hervor, Athen 
stand noch nicht an der Spitze, wenn es auch bereits Handels- und 
Industriestadt geworden war. Erst im 6. Jahrhundert beginnt es, 
Vasen ins Schwarze Meer und nach andern Ländern in großen 
Mengen zu exportieren. Auch Korinth war durch seine Tonwaren 
berühmt, die teils zum täglichen Gebrauch, teils als Prunkstücke 
dienten. Der Handel in Töpferwaren war überhaupt in jenen 
Zeiten sehr verbreitet, und da die Produkte wenigstens zum Teil 
noch erhalten sind, können wir vielfach mit Hilfe der Fabrikmarken 
und anderer Kennzeichen die Wege des Handels verfolgen. Auf 
erhaltenen Tonscherben finden wir Töpferöfen abgebildet, die znm 
Brennen der verschiedenartigsten Objekte im großen dienten. Die 
athenisch-korinthische Tonwarenindustrie machte erfolgreich den 
andern Städten Konkurrenz. Milet vertrieb seine Erzeugnisse im 
Gebiete des Schwarzen Meeres nicht minder als in Großgriechen 
land und Sizilien. Auch Kyrene hatte eine originelle Tonwaren 
industrie, die sich besonders durch die starke Verwendung ägypti 
scher Anregungen auszeichnete, auch wurden die asiatischen Ein 
flüsse hier vielleicht noch bemerkbarer als an den korinthischen 
Waren. Von den genannten Städten war Korinth als Handels 
stadt unstreitig die bedeutendste. Am „Kreuzweg von Hellas" ge 
legen, vermittelte es einen großen Teil des Handels zwischen 
Süden und Norden, zwischen Osten und Westen (Dio v. Prusa, 
Reden VIII, 5). Als gewaltige Seemacht war es vorbildlich in 
der Schiffsbaukunst. Frühzeitig begann diese Stadt unter der Lei 
tung eines energischen Herrschergeschlechtes ihre Kolonien dem 
Mutterlande anzugliedern (Thucydides I, 13). Milet war durch 
seine Textilindustrie ebenfalls berühmt, seine Schafherden lieferten 
die Wolle, die Purpurschnecken des Ägäischen Meeres den Farb 
stoff, und so machten die Milesier bereits frühzeitig den Phönikern 
Konkurrenz. Industrielle Zentren befanden sich in den westlichen 
Kolonien, im Mutterlande und in Kleinasien, während der Export 
von Lebensmitteln vor allem dem Schwarzen Meer, Sizilien und, 
wie es scheint, Thessalien zufiel, das allein unter den griechischen 
ANuG 258: Neurath, antike Wirtschaftsgeschichte. 4
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        50 Drittes Kapitel. Das Zeitalter der griechischen Kolonisation. 
Festlandsstaaten Getreide zu exportieren vermochte. Diese Arbeits 
teilung wurde in der nächsten Epoche noch erweitert. Von großer 
Wichtigkeit für die Griechen war, daß ihnen nun in immer steigen 
dem Maße Ägypten eröffnet wurde. Zwar waren griechische Ton 
gefäße schon in mykenischer Zeit nach Ägypten gelangt, aber wohl 
auf asiatischen Schiffen. Die ägyptische Interessensphäre ragte 
übrigens zeitweilig sehr weit ins Ägäische Meer hinein, als Ägyp 
ten das von Griechen und Phönikern besiedelte Cypern beherrschte 
(Herodot H, 182). Als in Naukratis im 6. Jahrhundert, vielleicht 
auch schon früher, den Griechen Stapelplätze und Quartiere er 
öffnet wurden, konnte man deutlich sehn, wie sehr die Kolonien 
vor allem den Welthandel in der Hand hatten. Nur Ägina war 
von den Staaten des Mutterlandes vertreten, eine Stadt, die fast 
ausschließlich dem Handel und ihrer günstigen Lage im Saronischen 
Golf ihre Bedeutung verdankte (Herodot VIH, 6). Diese Stadt 
suchte sich so dafür schadlos zu halten, daß die Städte Euböas und 
Korinth ihr in der Kolonisation überlegen waren. Von den klein 
asiatischen Städten waren unter anderen die Städte auf Rhodus 
vertreten, selbstverständlich auch Milet (Herodot II, 178). Kyrene 
stand ebenfalls mit den Ägyptern in Handelsbeziehung, nachdem 
es seine Unabhängigkeit bewahrt hatte (S. 36). Diese internatio 
nalen Beziehungen wurden durch religiöse Verbände aller Art unter 
stützt, die sich freilich wenig um die Politik kümmerten, und deren 
größte politische Leistung zunächst die Regelung des Kriegsrechtes 
war, das etwas gemildert wurde, sowie ja auch heute die internatio 
nalen Regelungen sich hauptsächlich bisher mit dieser unwesent 
lichsten Seite beschäftigt haben. Freilich wurde so manche Beziehung 
angebahnt, wenn auch in dieser Epoche die Griechen sich noch recht 
wenig als Einheit fühlen lernten. Höchstens besaß hier und da eine 
Stadt ein etwas größeres Gebiet, das einige Städte und Stämme 
umfaßte, oder herrschte über einige Kolonialstädte, meist aber war 
jede Stadt völlig autonom. Auch das internationale Privatrecht war 
noch wenig entwickelt, so daß Handelsgeschäfte, bei denen die Gegen 
leistung nicht sofort erfolgte, zunächst zu den Seltenheiten gehörten. 
Man begriff nur langsam, daß im kaufmännischen Leben Ver 
träge auf Kredit eine große Rolle zu spielen haben, und daß ein 
gedeihlicher Handelsverkehr nur möglich sei, wenn jedermann 
zu seinem Recht kommen könne. Die mächtigen Staaten setzten sich 
freilich für ihre Bürger ein und machten es wie die modernen 
Staaten minder kultivierten gegenüber, wenn ein paar europäische
        <pb n="59" />
        Viertes Kapitel. Das griechische Wirtschaftssystem. 51 
Dattelsäcke in Gefahr sind. Aber allmählich wurden die Zustände 
unhaltbar, Repressalien waren an der Tagesordnung, wer sich be 
nachteiligt glaubte, suchte ein Pfand des Gegners in die Hand zu 
bekommen, man hielt sich dabei nicht nur an das Pfand desjenigen, 
der in den ganzen Handel verwickelt war, sondern auch an das 
Besitztum seiner Stammesgenossen, wodurch der gesamte Handel 
gefährdet wurde. Man begann daher bereits Staatsverträge zu 
schließen, um eine gewisse Regelung eintreten zu lassen, doch die 
eigentliche Entwicklung fällt in die nächste Periode (S. 77). 
Die alten Verbände waren unfähig geworden, in der neuen 
Ordnung etwas zu leisten, die wichtigsten Wirtschaftsfaktoren waren 
nun der Stadtstaat, die entstehenden größeren Reiche und das 
Individuum. Der einzelne ist unabhängig geworden, jeder be 
liebige kann ihm Güter liefern, deren er bedarf, Planlosigkeit 
ist vielfach für diese neue Wirtschaftsordnung charakteristisch, nur 
in bestimmten Fällen greifen die Staaten ein, so z. B. in den Ge- 
treideverkehr, weil dieser für das Bestehen des Staates von ent 
scheidender Bedeutung war. Doch bildete sich durch die annähernde 
Konstanz der Bedürfnisse auf dem gesamten Weltmärkte für die 
Produktion ein ungefährer Maßstab heraus. In der nächsten Epoche 
haben sich Produktion und Handel noch weiter entwickelt, immer 
stärker aber werden wir auch die Übel der neuen Ordnung zutage 
treten sehen. 
Viertes Kapitel. 
Das griechische Wirtschaftssystem. 
(Ende 6. Jahrhunderts bis Ende 4. Jahrhunderts.) 
Kauf und Verkauf, um die notwendigen Bedürfnisse 
gegenseitig zu decken, kann beinahe kein Staat entbehren, 
und dies ist das Nächstliegende in bezug auf die Autarkie, 
um derentwillen man sich doch wohl in einer einheitlichen 
, Staatsorganisatiou zufammengetan hat. 
Aristoteles, Politik VII, 5, 2. 
Auch ist cs notwendig, daß der Staat, was er nicht hat, 
importiere und, was bei ihm im Überfluß hervorgebracht 
wird, exportiere. Aristoteles, Politik IV, 5, 4. 
Zu Ende der vorigen Epoche waren die Städte Kleinasiens 
in immer engere Abhängigkeit vom Perserkönig gekommen, der 
auf das europäische Festland hinübergriff und griechische Fürsten 
und Freistädte Thraziens zum Anschluß zwang. Seit die Perser 
im Besitze der phönikischen Flotte waren, konnten ihnen die Jnselu
        <pb n="60" />
        52 Viertes Kapitel. Das griechische Wirtschaftssystem. 
nicht nlehr widerstehen, und Rhodus scheint z. B. schon früh Tribut 
gezahlt zu haben. Es waren in erster Reihe nicht wirtschaftliche 
Faktoren, welche die Perserkriege hervorriefen, da die abhängigen 
Staaten im allgemeinen wirtschaftlich nicht schlecht gestellt waren 
und z. B. die befreiten ionischen Städte, nachdem sie späterhin die 
Herrschaft der Athener und der Spartaner erlebt hatten, vielfach 
nicht gerade ungern unter die Fremdherrschaft zurückkehrten. Der 
Zusammenstoß der Griechen mit den Persern war um so gefähr 
licher, als gleichzeitig die Karthager mit dem Könige von Syrakus 
kämpften. Der Sieg der Orientalen hätte wahrscheinlich zur 
Schaffung zweier großer Reiche geführt, eines karthagischen im 
Westen, eines persischen im Osten. Doch der Angriff mißlang, im 
selben Jahre — 480 — wurden die einen bei Salamis, die an 
dern an der Himera in Sizilien geschlagen. Die Kämpfe mit den 
Karthagern und Persern fanden damit nicht ihr Ende, und wenn 
auch keine große Gefahr mehr für die griechische Welt bestand, so 
gelang es doch nicht, sämtliche sizilische Städte unabhängig zu 
machen und die kleinasiatischen Griechen dauernd von der Perser 
herrschaft zu befreien. Im Mittelalter haben sich diese Kämpfe 
des Orients gegen Europa in ähnlichem Maßstab wiederholt, 
als die Araber, die den Osten, Süden und Westen des Mittelmeer 
beckens erobert hatten, gegen Norden vorrückten. Zu Ende des 
5. Jahrhunderts versuchten die Karthager nochmals Sizilien in 
ihre Hand zu bekommen, vergebens, denn die Westhellenen 
waren unter der Herrschaft des energischen Dionys von Syrakus 
vereinigt (S. 79). 
Von den drei nichtgriechischen großen Seemächten waren zwei 
zurückgeschlagen, die dritte, die Etrusker, die neuerlich gegen Kyme 
vorrückten (S. 37), wurden von Hiero von Syrakus, der den Ein 
wohnern von Kyme mit einer Flotte zu Hilfe kam, geschlagen. 
Die Kämpfe der nächsten Zeit spielten sich in erster Reihe zwischen 
den Athenern, Spartanern und Syrakusanern ab; keine der drei 
Mächte war aber stark genug, die beiden andern in sich aufzunehmen, 
und so fielen sie fremden Gewalten anheim, der Westen den Rö 
mern, der Osten zunächst den Mazedoniern, bis schließlich die Römer 
das ganze Mittelmeerbecken beherrschten. Daß aber Rom nicht in 
seinen Anfängen zugrunde ging, verdankte es dem Sieg bei Kyme, 
durch den die Syrakusaner ihre späteren Herren von der Etrusker 
not befreien halfen. 
In Athen, das neben Korzyra und Korinth int 5. Jahrhundert
        <pb n="61" />
        Perser, Athen. 
53 
wohl die größte Flotte besaß, können wir nun, da es politisch 
immer mehr hervortritt, die Wirkungen der industriellen und kom 
merziellen Entwicklung deutlich beobachten. Der Sieg über die 
Perser hatte die Bedeutung einer guten Flotte gezeigt und deut 
lich vor Augen geführt, daß die griechischen Staaten eine größere 
Macht repräsentierten, als sie selbst geahnt hatten; ein einzelner 
Staat konnte nun mit Recht den Versuch wagen, die Herrschaft 
über ganz Hellas anzutreten. Die Notwendigkeit, die jonischen Städte 
gegen die Perser dauernd zu schützen, drängte zur Schaffung einer 
griechischen Flotte, zu welchem Zweck sich eine große Zahl der griechi 
schen Staaten zum Delischen Bunde vereinigte, in dem Athen als 
erste Seemacht die Leitung übernahm, nachdem sich Sparta, das 
wesentlich Landmacht war, schon vorher zurückgezogen hatte. Da 
von den beteiligten Staaten nur ein Teil Schiffe stellte, der an 
dere lieber Gelder zahlte, die Athen verwaltete, so trat die wirt 
schaftliche Übermacht dieser Stadt immer mehr hervor. Alles ge 
schah, um die Flotte zu vermehren und den gewaltigen Kriegshafen 
im Piräus auszubauen. Diese Machtstellung im Ägäischen und 
Schwarzen Meer konnte nur dann völlig gefestigt werden, wenn 
die Konkurrenten entweder dienstbar gemacht oder vernichtet wurden. 
So mußte z. B. Ägina fallen, das sich lange vor Athen kommer 
ziell entwickelt hatte (S. 50). Es beherrschte den Saronischen Golf, 
so daß es Athen leicht gefährlich werden konnte — auch konnte, 
wer Ägina besaß, den Handel von Korinth empfindlich schädigen. 
Hatte Athen ursprünglich dasselbe Münzsystem wie Ägina gehabt, 
so ging es im 6. Jahrhundert, wohl vorwiegend aus Opposition 
gegen Ägina, zum euböischen über. Kriegerische Angriffe folgten 
bald, in denen die Insel den Athenern oft übel mitspielte. Da die 
Perserkriege eine endgültige Entscheidung hinderten, konnte die 
reiche Handelsstadt erst 456 überwältigt werden und mußte als 
Mitglied des Delischen Bundes, der früheren Feindschaft wegen, 
die höchste Tributsnmme zahlen. Da aus derartigen Gründen die 
Tributsummen häufig erhöht wurden, während aus besonderer 
Gunst, oder weil man einen Abfall fürchtete, eine Herabsetzung der 
Tribute stattfand, kann man die vorhandenen Tributlisten nur mit 
Vorsicht zu einer genaueren Charakterisierung der damaligen wirt 
schaftlichen Lage der einzelnen Staaten verwenden. Nach weiteren 
Konflikten zwang Athen die Ägineten auszuwandern und besiedelte 
die Insel mit attischen Kolonisten, wodurch die Konkurrentin ra 
dikal beseitigt wurde. Es half Ägina nicht viel, daß es 404 nach
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        54 Viertes Kapitel. Das griechische Wirtschaftssystem. 
der Niederwerfung Athens durch Sparta mit Emigranten besiedelt 
wurde, die in der Welt zerstreut waren. Die Spartaner benutzten 
die Insel im 4. Jabrhundert vor allem dazu, um von dort aus 
die nach Athen fahrenden Getreideschiffe abzufangen. Späterhin 
kam Ägina unter mazedonische Herrschaft, um dann in den Achä- 
ischen Bund einzutreten, bis schließlich die Römer erschienen (Po 
lybius IX, 42). 
Ähnliche Kämpfe hatte Athen mehrfach zu bestehen. Die da 
durch entstandenen Verwicklungen führten zwischen den griechi 
schen Staaten zu großen Kriegen, von denen einige unter dem 
Namen des Peloponnesischen Krieges zusammengefaßt werden. 
In diesen Kämpfen wurde die Macht Athens wesentlich verringert, 
doch auch die Kräfte der anderen Staaten litten sehr. Die Bil 
dung eines Attischen Reiches gelang nicht, da Athen weder den 
einzelnen Staaten gleiche Rechte mit sich einräumen wollte, was 
zu einem Bundesstaat geführt hätte, noch die fremden Bürger mit 
seinen eigenen gleichstellen wollte, was möglicherweise die Bildung 
eines Einheitsstaates ermöglicht hätte. Die athenische Herrschaft 
bewirkte einen regen Handel, den Athen teilweise monopolisierte; 
so besaß es z. B. das Handelsmonopol für Zinnober auf Keos. 
Eine große Einnahme erhielt Athen aus den Zöllen und Abgaben, 
die es im Bundesgebiet vertragsmäßig erhob. Da alle fremden 
Jndustrieartikel leicht zu beschaffen waren, konnte sich Athen Spezial 
industrien zuwenden. Die Industrie trat besonders in den Vorder 
grund, weil eine gesicherte Bodenbebauung oft unmöglich war, da 
nach damaligem Kriegsbrauch jeder feindliche Einfall die Vernich 
tung der Ernte und vieler Kulturen bedeutete, so der Öl- und 
Weinpflanzungen, deren Erneuerung immer lange Jahre dauerte. 
Man sah im Gegner selten den späteren Mitbürger, Untertanen 
oder Konsumenten, sondern meist nur den Konkurrenten, den man 
möglichst zu schädigen suchte. Vor allem sicherte sich Athen die Zu 
fuhr von Lebensmitteln aus Ägypten, Sizilien und dem Schwarzen 
Meer (Xenophon, Haushaltungskunst 20). Diese Produkte waren 
nur bei einem starken Export von Jndustrieartikeln zu erlangen. 
Um den sich mächtig entfaltenden Handel zu fördern, wendete Athen 
sein Augenmerk dem internationalen Privatrecht zu und setzte es 
durch, daß im Bereich des Bundes ein Teil der Gerichtsbarkeit 
ihm zugewiesen wurde. Aber wenn auch nicht immer in Athen 
Recht gesprochen wurde, so rezipierten doch wenigstens viele Bundes 
staaten athenisches Recht, sei es freiwillig, da Athen ein gut aus-
        <pb n="63" />
        Athen, Sparta. 55 
gebildetes Privatrecht besaß, sei es unter Anwendung entsprechen 
der Drohungen. 
Während so Athen sich als Handels- und Industriestaat ent 
wickelte, der zeitweilig sogar auf alle Landwirtschaft verzichtete, 
blieb Sparta lange reiner Agrarstaat. Der demokratisch organi 
sierten Herrenklasse stand eine weit zahlreichere unterworfene Be 
völkerung gegenüber, Leibeigene, Heloten genannt, die unter scharfer 
staatlicher Kontrolle das Land bestellen mußten (Aristoteles, Politik, 
ed. Susem. II, 6,3), da man immer, besonders, wenn Feinde heran 
zogen, Aufstände fürchtete. Das Verhältnis der Herrenklasse zu 
den Heloten entsprach etwa jenem der Grundherren zu den Hörigen, 
doch dürften die Heloten noch ungünstiger gestellt gewesen sein. 
Neben diesen Ackersklaven gab es noch halbfreie Städte, die von 
sogenannten Periöken bewohnt waren. Sie standen unter der Ver 
waltung der Herrenklasse, nahmen an der Regierung in keiner 
Weise teil, zahlten Abgaben und leisteten in gewissem Ausmaße 
Kriegsdienste, wurden aber sonst in ihrem Treiben, sie beschäftigten 
sich zum Teil mit Handel und Industrie, wenig gestört. Die Herren 
klasse war in alter Weise einheitlich militärisch organisiert, wobei 
freilich manchen Forderungen der entwickelten Kriegführung Rech 
nung getragen war. Diese Organisation erstreckte sich auch auf 
das Lebeu im Frieden, so wurden die Mahlzeiten in bestimmten 
Gruppen eingenommen und strenge Disziplin überall durchgeführt, 
um die Schlagfertigkeit der Vorzeit zu erhalten, was auch durch 
einige Jahrhunderte gelang. Der einzelne Vollbürger hatte zur 
Bestreitung gewisser Ausgaben seiner Gruppe Beiträge zu leisten; 
war er nicht mehr imstande, dieselben aus seinen Besitzungen 
herauszuschlagen, so schied er aus der Gruppe der Vollberechtigten 
aus. Die Herrenklasse schmolz immer mehr zusammen, u. a. in 
folge der vielen Kriege, auch verarmten immer mehr Familien, 
zum Teil durch Erbteilung, zum Teil gerade dadurch, daß immer 
mehr Güter — vor allem durch Erbschaft — in einer Hand ver 
einigt wurden (Aristoteles, Politik, Susem. II, 6,10). Dabei ver 
abscheuten die Spartaner im allgemeinen eine Regeneration durch 
Aufnahme von Bürgern aus den halbfreien oder unfreien Be 
wohnern oder durch Zuwanderung von Fremden. Die Furcht vor 
den Reformen der neuen Zeit, vor der Industrie und dem Handel, 
bewirkte, daß die Spartaner schließlich vielfach ohne Übergang mit 
allen Neuerungen in Berührung traten und, wie es scheint, weit 
stärker als jene Völker, die Schritt für Schritt sich dem modernen
        <pb n="64" />
        56 Viertes Kapitel. Das griechische Wirtschaftssystem. 
Leben zuwendeten, von Habgier und Sucht nach Luxus erfaßt 
wurden, während früher ein prächtiges Auftreten in militärischem 
Sinne überwog. Daß sich Sparta den anderen Staaten gegenüber 
so lange überlegen zeigte, hing mit der straffen Disziplin zusammen 
sowie mit der großen Ausdehnung seines zusammenhängenden Ge 
bietes, das alle andern Staaten Griechenlands an Flächeninhalt 
übertraf. 
Weder die vorgeschrittenen industriellen und kommerziellen 
Staatswesen wie Athen noch die konservativen agrarischen wie 
z. B. Sparta gelangten dazu, eine Staatsordnung zu begründen, 
die den Forderungen der Bevölkerung so weit entsprochen hätte, 
daß mehr oder weniger gewaltsame Umsturzversuche vermieden 
worden wären. In der Antike, besonders in Griechenland war 
zeitweilig der Umsturz eine selbstverständliche Sache, und der Ruf 
nach Neuverteilung des Grundeigentums oder nach Schuldennach 
laß war nicht so selten wie etwa in unserer modernen Entwicklung. 
Der Gedanke, daß man eine Wirtschaftsordnung von heute auf 
morgen ändern könne, mußte in vielen um so leichter Platz greifen, 
als die Bevölkerung meist ohne sonderliche Schwierigkeiten den 
staatlichen Apparat übersah und sich eine geänderte Situation 
wohl ausmalen konnte. Die zahlreichen politischen Kämpfe in den 
griechischen Stadtstaaten, die weit häufiger als Bürgerkriege denn 
als Revolutionen zu bezeichnen wären, da die beiden beteiligten 
Parteien in ähnlicher Weise einen Teil der Souveränität inne 
hatten, wurden häufig durch wirtschaftliche Motive hervorgerufen. 
Dies führte antike Theoretiker dazu, anzunehmen, daß alle 
Aufstände auf ökonomischer Basis beruhten, was von anderen be 
stritten wurde (Aristoteles, Politik, ed. Susem. II, 4). Doch ob 
gleich die Tendenz zu einer Neuregelung der Wirtschaftsordnung 
vorhanden war, wurde die Demokratie in vielen Staaten, so z. B. 
in Athen nur auf politischem Gebiet durchgeführt. Der Kontrast 
zwischen der wirtschaftlichen und der politischen Ordnung scheint 
vielen Demokraten damals nur ebenso verschwommen zum Be 
wußtsein gekommen zu sein wie so zahlreichen Anhängern der 
großen französischen Revolution und der von 1848. Alle hatten 
schließlich auf dem Gebiete der Gesetzgebung, der Verwaltung und 
der Rechtsprechung die gleichen Rechte, und die wichtigsten Be 
amtenstellen wurden sogar unter den Berechtigten ausgelost. Daß 
es dabei zu keiner wirtschaftlichen Neuordnung in großem Stile 
kam, hing nicht etwa mit einer besonderen Achtung vor dem Eigen-
        <pb n="65" />
        Umsturz, Demokratie. 
57 
tum zusammen — wir haben eben gehört, daß im Gegenteil die 
Ansichten über dasselbe oft sehr revolutionär waren —, sondern 
vor allem mit einem Mangel an wirtschaftlicher Bildung. Die 
Fragen der staatlichen Verfassung wurden weit eingehender be 
handelt als die der Wirtschaftsordnung. Und die wirtschaftlichen 
Forderungen in den Neformvorschlägen suchten vielfach mehr auf 
vergangene Zeiten zurückzugreifen als die Neuerungen entsprechend 
zu verwerten. Gerade die eingehenden Arbeiten zur vergleichenden 
Verfassungsgeschichte der aristotelischen Schule dienten weniger dazu, 
den neuen Staat vorbereiten zu helfen und so den kommenden 
Großstaat auf eine neue wirtschaftliche Basis zu stellen als viel 
mehr die Staatsordnung, wie sie z. B. in Athen bestand, zu be 
kämpfen und die Kleinstaaterei, die zum Teil schon überwunden 
war, wieder voll durchzuführen. Die Demokratie hatte politisch in 
Athen gesiegt, ehe sie sich noch soweit geistig entfaltet hatte, um 
als Opposition ihre wirtschaftlichen Ideen theoretisch zu fundieren. 
Da aber gerade die Opposition dazu neigt, die theoretische Aus 
bildung zu fördern, so war es vor allem die aristokratisch ge 
färbte Gegenströmung, der Plato und Aristoteles angehörten, die 
durchgebildete Staatstheorien lieferte. Diese Staatslehrer aber 
verachteten alle Stände, welche nun im Vordergründe standen, den 
Kaufmann, den Industriellen, sei er Fabrikherr oder Handwerker, 
den Arbeiter und den Sklaven. Sie dachten garnicht daran, daß 
man diesen Ständen im neuen Staate eine irgendwie bedeutsame 
Stellung einräumen könnte. Wirtschaftliche Untersuchungen im 
modernen Sinne, welche die Wirkungen bestimmter wirtschaftlicher 
Einrichtungen verfolgt hätten, fehlten. Xenophon z. B. redete, wenn 
er den tiefsinnigen Philosophen markierte, nur über die Haus 
wirtschaft, hingegen wußte er, wenn er sich auf den Staatsmann 
hinausspielte, von den großen internationalen Beziehungen zu er 
zählen. Die andern dagegen sammelten wieder allerlei einzelne 
Finanzgriffe, wie sie uns in der sogenannten zweiten „Ökonomik" 
des Aristoteles und zum Teil in den „Kriegslisten" des Polyän 
erhalten sind, die an sich recht geistreich sind, aber nicht auf ihre 
prinzipielle Bedeutung, sondern nur auf ihren augenblicklichen 
Erfolg hin untersucht wurden, den sie übrigens oft recht zufälligen 
Umständen verdankten. Die Schriften der philosophischen Wirt 
schaftslehrer sind in manchen Teilen recht kläglich — wenn nicht 
ein überragender Geist wie Aristoteles geistvolle Darlegungen ein 
schob — nicht etwa weil damals die Finanzleute und Kaufleute
        <pb n="66" />
        58 Viertes Kapitel. Das griechische Wirtschaftssystem. 
nicht groß angelegte Wirtschaftsunternehmungen gekannt hätten, 
sondern weil sich die Theoretiker vielfach für verpflichtet hielten, 
archaisch zu sein und von der Hauswirtschaft, die keinen ernst 
denkenden Menschen, der Geld verdienen wollte, damals inter 
essierte, zu flöten, wie etwa das 18. Jahrhundert vom Natur 
zustand, von dem es wohl ebensoweit entfernt war. Diese Lite 
ratur, die besonders am Ende unserer Epoche sich ausbildete, hat 
die Wirtschaftsverhältnisse nicht in erheblicher Weise beeinflußt, 
sondern ist meist das Spezialgebiet von einigen Sonderlingen 
geblieben, die aneinander platte Kritik übten, wie man dies aus 
der Schrift des Philodemus über die Haushaltungskunst zur Ge 
nüge ersehen kann. Eine wirtschaftliche Reform mußte aber in 
dieser Zeit in erster Reihe auf die weiten Kreise der Bevölkerung 
Rücksicht nehmen, die durch Handel und Industrie ihr Brot fanden. 
Soweit man den neuen Gedanken Rechnung trug, wurden die 
überkommenen Anschauungen nicht weiter respektiert, und es setzten 
sich z. B. viele in Athen dafür ein, daß man die Fremden, die 
zugelassen wurden, die Metöken, welche dem Staat durch ihre Ab 
gaben viel einbrachten, möglichst gut behandle, soweit dadurch 
nicht dem athenischen Ureinwohner sein Recht gekürzt wurde. Man 
setzte sich sogar gelegentlich dafür ein, daß sie vom Kriegsdienst 
befreit sein sollten, damit sie, die so treffliche Steuerzahler waren, 
nicht in ihrem Erwerbsleben gestört würden, freilich meinte der 
gleiche Autor, der dafür eintrat, die Ehre der Metöken nicht zu 
kränken, man solle ihnen deshalb das Schwert nicht anvertrauen, 
damit nicht „Lyder, Phryger, Syrer und dergleichen Fremdländische" 
die Schlachten schlagen, was für die Bürger allein zu tun weit 
ehrenvoller sei (Xenophon, Von den Staatseinnahmen der Athener 
II, 4). Soweit man aber, um der Hebung der Industrie und 
des Handels willen, auf eine gute Population sah, kann man diese 
Tendenz mit jener der Merkantilisten vergleichen, die auch sehr 
darauf bedacht waren, arbeitsame und steuerkräftige Leute ins Land 
zu bekommen (Diodor XI, 43). Aber die Demokratie hatte nicht 
die Selbstüberwindung, diesen Menschen ebenfalls die vollen 
Bürgerrechte zu gewähren, sondern war bald gar ängstlich darauf 
bedacht, alle diese Förderer des Staatswohlstandes von Getreide 
spenden und sonstigen Benefizien fernzuhalten und die Eintragung 
in die Bürgerlisten zu verhindern. Sehr kosmopolitisch war die 
athenische Demokratie nie, wie denn überhaupt demokratische 
Gruppen meist nur in der Opposition kosmopolitisch gestimmt sind
        <pb n="67" />
        Fremde, Athen. 
59 
Die Erfolge der Athener bewirkten, daß sich die wirtschaftliche 
Stellung seit 480 immer mehr verbesserte und Athen bald die 
bedeutendste Stadt des Mittelmeerbeckens wurde. Die politische 
Machtstellung Athens im Bunde ermöglichte es dem Staate, einen 
großen Teil der Bevölkerung zu besolden und so zu versorgen, 
sei es, daß man die Leute als Verwaltungsbeamte oder Richter 
verwendete. Die Rechtsprechung brachte überhaupt viele Vor 
teile, indem durch sie direkt viel Geld nach Athen strömte und 
überdies der Verkehr gehoben wurde. Auch mußten die Untertanen 
eines Bundesstaates immer auf ihrer Hut sein, denn jeder athe 
nische Bürger, mit dem man zu tun hatte, konnte demnächst als 
— nicht immer unbeeinflußbarer — Richter fungieren (Pseudo- 
Lenophon, Verfassung der Athener 1. u. 3.). Die Mittel wurden 
vor allem den Abgaben der Bundesstädte und den Zöllen in deren 
Gebiet entnommen (Aristoteles, Verfassung der Athener 24). 
Soweit man die athenische Bevölkerung nicht mit Richtersold, 
Kriegersold, Pensionen oder sonstigen Bezügen bedachte, suchte 
mau durch öffentliche Arbeiten etwas für sie zu tun. Man be 
mühte sich, Geld unter die Leute zu bringen, indem man, den 
Tendenzen des demokratischen Staates entsprechend, möglichst viele 
Mitglieder der freien arbeitenden Bevölkerung an den Staats 
einkünften partizipieren ließ. Während Männer wie Perikles 
dafür Sorge trugen, daß diese Gelder in Form von Löhnen aus 
gezahlt wurden, indem man die Arbeiter zur Errichtung herrlicher 
Kunstwerke verwendete, wurde in späterer Zeit das Geld vielfach 
direkt an das Volk ausbezahlt, ohne daß irgendwelche Werke 
entstanden. Solange die Gelder als Löhne zur Verteilung kamen, 
blühten Handwerk, Industrie und Handel. Die Straßenarbeiter, 
die Steinmetze, Zimmerleute, Bildhauer, Metallarbeiter, Elfenbein 
schnitzer hatten zu tun, aber auch alle jene, die sich mit dem 
Transport von Waren beschäftigten, von Elfenbein, kostbaren Höl 
zern, Steinen und Metallen, die Schiffer, Kaufleute und ihre Ar- 
beiter und Angestellten. Die Fabrikanten und Handwerkmeister 
wurden an die Spitze großer Arbeiterheere gestellt, die sich vor 
allem aus den ärmeren Bevölkerungsschichten rekrutierten (Plu 
tarch, Perikles 12). Auf diese Weise war im Zeitalter des Perikles 
der Staat einer der Hauptarbeitgeber. Aber er sorgte nicht nur 
für die Arbeit, sondern auch, und zwar in der Folgezeit immer 
mehr, für den Opferschniaus, für öffentliche Turnplätze, Bäder und 
andere Anlagen (Pseudo-Xenophon, Verfassung der Athener 2).
        <pb n="68" />
        60 Viertes Kapitel. Das griechische Wirtschaftssystem. 
Diese Konzentration großer Massen freier Arbeiter mußte in dieser 
Periode die Anschauung hervorrufen, daß eigentlich die Arbeiter 
die Reichtumschaffenden seien, und wir finden denn auch gelegent 
lich Bemerkungen darüber, daß nicht die Leute aus den alten Pa 
triziergeschlechtern, sondern die Steuermänner und die Arbeiter 
auf den Werften Athen reich gemacht hätten (Pseudo-Xenophon, 
Verfassung der Athener 1). Nur die Übermacht zur See konnte 
den Athenern alle diese Vorteile verschaffen, nur sie sicherte 
den Export und Import (Pseudo-Xenophon, Verfassung der 
Athener 2). 
Da die Perserkriege die Getreideversorgung Griechen 
lands aus den Ländern des Schwarzen Meeres — fuhren doch 
Getreideflotten nach Athen, Ägina und dem Peloponnes (Herodot 
VII, 147) — gestört hatten, war es eine der ersten Sorgen der 
Griechen, nach der Besiegung der Perser Byzanz und damit den 
Bosporus in ihre Gewalt zu bekommen. Die mannigfachen Nach 
teile, welche die Abhängigkeit vom Getreideimport mit sich brachte, 
wurden zum Teil dadurch ausgewogen, daß man nun frei von 
lokalen Mißernten war (Xenophon, Verfassung der Athener 2). 
Die wachsende Bedeutung der Seemacht ließ allmählich immer mehr 
Staaten an der Getreidezufuhr aus fremdern Ländern teilnehmen, 
und aus Ägypten erhielt nicht nur Athen (Thucydides Vili, 35), 
sondern gelegentlich auch das im Felde stehende spanische Heer 
Getreide (Diodor XIV, 79). Mit den politischen Staaten stand 
man derart, daß die athenischen Getreidehändler dort manche Be 
vorzugung genossen (Jsokrates, Wechslerrede 19). Solange die 
Flotte Athens stark genug war, konnte eine weitgehende wirt 
schaftliche Abhängigkeit von der ausländischen Produktion bestehen, 
ohne daß die politische hinzukam, und ohne daß man gerade ge 
zwungen gewesen wäre, die Herrschaft über die Getreide produ 
zierenden Länder anzutreten. Es konnten Länder wirtschaftlich be 
herrscht werden, ohne daß man sie politisch unterjochte, wie etwa 
im Anfang des 19. Jahrhunderts das freie Amerika in stärkster 
wirtschaftlicher Abhängigkeit von England stand. Eine Flotte, die 
unerwünschte Eingriffe zu verhindern wußte, reichte im allgemeinen 
aus und vermochte einen leidlichen Zustand zu einer Zeit auf 
rechtzuerhalten, da das internationale Privatrecht noch unent 
wickelt war. Letzteres wurde überhaupt mehr Bedürfnis, als es 
sich um zahlreiche Kaufabschlüsse und Kreditgewährungen im klei 
neren Stil handelte. Um jene großen Transaktionen zu sichern,
        <pb n="69" />
        Getreideimport, Bevölkerung. 61 
welche der internationale Großhandel in Getreide und ähnlichen 
Produkten beanspruchte, genügte die Flotte. 
Die Stellung der großen Städte wie die Athens im Handel des 
Mittelmeerbeckens brachte das Wesen der internationalen Ar 
beitsteilung denkenden Köpfen jener Zeit zum Bewußtsein, nicht 
derselbe Staat produzierte Flachs und Holz, auch konnte man nicht 
waldreiches Bergland in flachen Flachsboden verwandeln, wenn das 
Bedürfnis dazu da war. Athen hatte nun ähnlich wie England am 
Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts große Vorteile 
von dieser Teilung, indem es den Austausch vieler Produkte in die 
Hand nahm und sich auf die Erzeugung einiger Jndnstrieerzeugnisse 
in erster Reihe beschränkte, wie überhaupt damals sehr häufig eine 
Stadt vorwiegend einen Spezialindustriezweig betrieb (Lenophon, 
Memorabilien II, 6 u. 7). Den Athenern, die die See beherrschten, 
wurde alles zugeführt, die Stricke für die Segel der Schiffe, die 
Klammern, welche diese zusammenhielten, das Holz, aus dem sie 
erbaut wurden, alles erhielt man von auswärts, und mit dem, 
was die fremden Staaten lieferten, wurden sie beherrscht (Pseudo- 
Lenophon, Verfassung der Athener 2). Als eine der Folgen des 
Welthandels zeigte sich in Athen eine gesteigerte Konsumtion, 
besonders aber ein gesteigerter Luxus. Was im Osten oder Westen, 
im Süden oder Norden begehrenswert war, Athen vereinigte es 
auf seinem Markte. Die Sprache aller Schichten nahm immer 
mehr Fremdworte auf, Sitten und Tracht wurden international 
und glichen sich immer mehr denjenigen der übrigen Griechen 
und jenen der Ausländer an (Pseudo-Xenophon, Verfassung der 
Athener 2). 
Das Wachstum der Bevölkerung Griechenlands hielt im all 
gemeinen bis in die hellenistische Zeit an. Als die Kolonisation 
allmählich zum Stillstand gelangte, gingen viele als Söldner in 
fremde Dienste, wodurch meist eine ausreichende Abwanderung ge 
schaffen wurde, auch die wachsende Zahl der Sklaven verdrängte 
viele freie Bürger und nötigte sie zur Auswanderung. Staaten, 
die ohne ausgedehnte Industrie eine hohe Bevölkernngsziffer auf 
wiesen, wie z. B. Arkadien, waren unter den Söldnern stark ver 
treten. So finden wir im 6. Jahrhundert griechische Söldner im 
ägyptischen Heer, in das sie seit ältesten Zeiten eingetreten zu sein 
scheinen (Ş. 26), unter ihnen Rhodier, die auch späterhin gern 
als Söldner in die Fremde zogen, so befanden sich z. B. rhodische 
nnd kretische Schleuderer im Heere des jüngeren Cyrus. Nach
        <pb n="70" />
        62 Viertes Kapitel. Das griechische Wirtschaftssystem- 
dem Aufhören des Peloponnesischen Krieges wurden große Söldner- 
massen frei, die nach Persien und Ägypten wanderten. Allmählich 
kamen alle Staaten dazu, Söldner zu verwenden. Wenn ein Staat 
im wesentlichen aus Bauern bestand wie z. B. der römische, so 
war es begreiflicherweise nicht lange möglich, große Kriege im 
Ausland zu führen, weil die Äcker nicht bestellt werden konnten 
(S. 105). Aber auch in einem Staate wie im spartanischen, der 
Ackersklaven zur Verfügung hatte, konnte man auf die Dauer ohne 
Soldtruppen nicht auskotnmen, weil die Herrenklasse sich nicht 
nur nicht entsprechend vermehrte, sondern allmählich sogar zu 
sammenschmolz. Es ist bekanntlich überhaupt schwierig, Eroberungs 
politik in großem Stil, wenn sie nicht direkt zur Kolonisation der 
überschüssigen Bevölkerung dient, mit einem Bürgerheer zu treiben, 
andererseits sind Söldnerheere immer gefährlich, nicht nur für 
die Gesamtbevölkerung, die unkriegerisch wird und so der Solda 
teska ausgeliefert ist, sondern auch für ihre Herren, wie dies die 
römischen Kaiser an ihren Prätorianern oft genug erfuhren. Der 
Krieg unterscheidet sich von den anderen Erwerbszweigen vor allem 
dadurch, daß die Arbeiter organisiert werden müssen, wenn sie 
brauchbar sein sollen, so daß der Arbeitgeber selbst die Organi 
sation schaffen muß, die sich gar leicht selbständig macht. Wir 
sehen daher immer wieder im Altertum Männer auftreten, die 
für Bürgerheere eintraten und Soldtruppen ganz verwarfen oder 
nur bedingungsweise zulassen wollten, einen anderen Ausweg sah 
man vielleicht auch darin, daß man den Söldner wieder zum 
Bürger machte, indem man ihm Land gab und so seine Interessen 
mit jenen der übrigen Bevölkerung verband (S. 88). 
Durch die erweiterte politische Macht und die weitreichende Für 
sorge vieler antiker Staaten für die Bevölkerung war eine aus 
gedehnte Finanz Verwaltung nötig; erstreckte sich doch die Tätig 
keit des Staates nicht nur auf Bauten, Spiele und Pensionen 
(Äschines, Gegen Timarchos 42), sondern er stellte z. B. auch 
Stadtärzte an, deren Entgelt pauschaliert wurde (Diodor XII, 13). 
Soweit diese Ärzte nicht aus den allgemeinen-Einnahmen, sondern 
aus speziellen Leistungen bezahlt wurden, lag eine Art staatlicher 
Krankenversicherung vor. Ein Teil der nötigen Güter wurde durch 
Naturallieferungen der Bürger und Untertanen gedeckt, zu denen 
auch die Kriegsdienstleistung zu zählen wäre, aber auch die Waffen 
mußte der einzelne ursprünglich selbst beistellen. Je mehr die un 
teren Schichten der Bevölkerung an allen Rechten und Pflichten
        <pb n="71" />
        Söldner, Finanzen, Beute. 
63 
Anteil hatten, desto häufiger ergab sich die Notwendigkeit, den 
Bürgern Sold zu zahlen, um auch den Minderbemittelten die 
Teilnahme an den Feldzügen zu ermöglichen. Da mit dem Kriegs-- 
dienst vielfach auch das oft sehr weitgehende Recht, Beute zu 
machen, verbunden war sowie eine Reihe anderer Vorteile, ab 
gesehen von der militärischen Ehre, so war der Kriegsdienst aus 
diesen und sonstigen Gründen lange ein Vorrecht der herrschenden 
Klassen. In der älteren Zeit wurde an eine geregelte Finanzwirtschaft 
überhaupt nicht gedacht, da der Staat im Notfälle die Mittel auf 
brachte und sonst neben Festen und Bauten wenig auszuführen 
hatte. Später freilich, als die Kriege dauernd Mittel beanspruchten, 
die nicht von heute auf morgen aufzubringen waren, drängte alles 
dazu, einen Staatsschatz aufzuhäufen. Die Staatsüberschüsse wurden 
anfänglich unter die Bürger verteilt, ohne daß Reserven für die 
Zukunft angelegt wurden. Ein großer Teil dieser Staatseinnahmen 
stammte bei vielen griechischen Staaten aus verschiedenen Unter 
nehmungen, so besonders aus Bergwerksbetrieben, und es bedurfte 
z. B. in Athen großer Bemühungen, bis Themistokles es durch 
setzte, daß die Überschüsse aus den Silberbergwerken des athenischen 
Staates nicht verteilt, sondern zur Erhöhung der politischen Macht 
verwendet würden. Im allgemeinen wurde jede Form der Geld 
beschaffung jener durch direkte Steuern vorgezogen, da es meist 
als ein Zeichen der Unterjochung angesehen wurde, wenn ein Volk 
direkte Steuern zahlen mußte. Vielfach wurde deshalb die Form 
einer hohen Gebühr gewählt, um das Odium der direkten Steuer 
zu vermeiden, doch gab es Verpflichtungen, die direkten Steuern 
sehr ähnlich waren; so waren z. B. in Athen gewisse reiche Fami 
lien verbunden, dem Staate Schiffe zur Verfügung zu stellen. 
Auch die Abhaltung von Festen wurde vielfach den Reichsten im 
Staate überwiesen, ein Vorgang , dem wir in der Antike immer 
wieder begegnen. Die Erhebung von außerordentlichen Steuern 
nahm vielfach den Charakter von Anleihen an, formell, wenn der 
Staat die Rückzahlung aus dem Ergebnis des glücklich geführten 
Krieges zusagte, tatsächlich, wenn die Kriegsbeute so ziemlich unter 
denselben verteilt wurde, die Steuern entrichtet hatten. Auf diese 
Weise war das Interesse weiter Kreise der Bevölkerung viel mehr 
direkt am Ausgang der Kriege beteiligt als heutzutage, wo den 
direkten Gewinn von vielen Kriegen die Unternehmer aller Art haben, 
während die unteren Klassen einen vorwiegend indirekten Vorteil 
davon haben, der psychologisch nicht so zun: Bewußtsein kommt.
        <pb n="72" />
        64 Viertes Kapitel. Das griechische Wirtschaftssystem. 
Soweit die Kriegsbeute nicht zur Verteilung gelangte, bildete sie 
eine der wichtigsten Einnahmen für den antiken Staat (S. 98). 
Neben diesen außerordentlichen Einnahmen aus Steuern und den 
ordentlichen aus Privatunternehmungen wären noch die Ein 
nahmen aus Zöllen und Steuern, so besonders Verkaufssteuern, zu 
nennen sowie z. B. in Athen zur Zeit des Delischen Bundes Ein 
nahmen aus Tributen, auch die Strafsummen, die an den Staat ge 
zahlt wurden, und die zeitweilig eine große Summe ausmachenden 
Konfiszierungen gehören hierher. Es gab in Athen Zeiten, wo es 
allgemein bekannt war, daß aus Geldnot die Strafe der Konfiskation 
über Angeklagte verhängt wurde. Besonders im 4. Jahrhundert war 
dieser Mißbrauch oft allgemein. Da der Staat zunächst keine Schätze 
aufhäufte, war es sehr naheliegend, daß man im Notfälle andere 
Schatzbestände angriff; zu diesen gehörten vor allem diejenigen der 
Tempel. Durch Jahrhunderte angesammelte Gaben in Geld und in 
Rohmetall, neben kostbaren Weihgeschenken und Kunstwerken, waren 
aufgestapelt, ohne daß die Volksversammlung als solche eine Jngerenz 
darauf gehabt hätte. Einzelnen Staatsmännern war es vorbehalten, 
diese Tempelschätze im weitesten Ausmaß dem Staat nutzbar zu 
machen. Zunächst lieh man von den Tempeln Geld aus; dies war 
an sich nicht bemerkenswert, weil die Tempel überhaupt Geld aus 
zuleihen pflegten (S. 67), aber man hütete auch den Schatz und 
trug dafür Sorge, daß er immer gefüllt sei, so daß z. B. in Athen 
Tempelschätze fast so wie ein ständiger Staatsschatz behandelt 
wurden. Perikles und seine Nachfolger operierten mit diesem 
Schatz oft überaus geschickt, mit ihm wurde vor allem der Pelo- 
ponnesische Krieg geführt, da die Tribute der Bundesgenossen 
keineswegs immer ausreichten. Die Einnahmen aus den Berg 
werken, Zöllen usw. erhielt der Staat gewöhnlich in der Weise, 
daß er sie gegen eine Pauschalsumme verpachtete, was allerlei Miß 
stände zur Folge hatte (S. 112). Man darf sich aber keineswegs vor 
stellen, daß die Finanzverwaltung immer so geregelt war, daß längere 
Kriege anstandslos geführt werden konnten. Häufig war die Ar 
mee und die Flotte gezwungen, sich selbst nicht nur mit Lebens 
mitteln, sondern auch mit Geld zu versorgen. Bei Freund und 
Feind suchte man dann auf jede Weise Geld einzutreiben (Xeno 
phon, Geschichte von Hellas I, 1). Bald erhob man Gelder als 
Kontributionen, ein andermal ließ sie sich der Feldherr auszahlen, 
damit er darauf verzichte, die Soldaten den Bürgern ins Quartier 
zu legen. Auch scheuten sich die Athener nicht, während des Pelo-
        <pb n="73" />
        Finanzen, Kleruchen, Geld. 
65 
ponnesischen Krieges eine Militärstation im Bereich der Propontis 
anzulegen, um den durchfahrenden Schiffen einen Zoll abzunehmen. 
Die politische Machtstellung bot für Athen, wie das im Alter 
tum mehrfach zu beobachten ist, den Anlaß zu einer Siedlungs 
politik, indem in gewisse Städte, die nicht sicher schienen, entweder 
nach Vertreibung der früheren Bewohner oder neben dieselben 
athenische Bürger verpflanzt wurden. Diese Kolonien, die wir 
bereits im 7. Jahrhundert antreffen, unterschieden sich prinzipiell 
von den meisten andern (S. 33), indem sie in dauernder Abhängig 
keit vom Mutterlande blieben, den römischen Ansiedlungen ver 
gleichbar (S. 94). Die Ansiedler — Kleruchen genannt — stellten 
in gewissem Sinne vorgeschobene militärische Posten dar, sie mußten 
auch dementsprechend im Kriegsfall Athen Hilfsmannschaft zur Ver 
fügung stellen. Zum Teil dienten diese Landverteilungen besonders 
vom 5. Jahrhundert an ebenso der allgemeinen Bereicherung der 
breiten Schichten des Volkes wie die verschiedenen Geldzahlungen, 
die Spenden und vieles andere, aber dies alles vermochte nicht die 
Folgen der ungeregelten Geldwirtschaft zu paralysieren. 
Die Einführung eines allgemeinen Zahlungsmittels hatte 
immer stärker gezeigt, daß die bequemste Art, zu Macht zu gelangen, 
der Besitz von Zahlungsmitteln sei oder zum mindesten das Forde 
rungsrecht auf Zahlungsmittel. Da die Bedeutung eines Quan 
tums des allgemeinen Zahlungsmittels im allgemeinen unabhängig 
davon war, ob man das Zahlungsmittel heute oder in einem Jahr 
verwendete, erschien es zweckmäßig, es nur dann einem andern 
zur Verfügung zu stellen, wenn der andere mehr als die ausge 
liehene Summe zurückgab. Der Handel hat so in doppelter Weise 
dazu beigetragen, daß die Rückzahlung der entliehenen Summe 
mit Zinsen das gewöhnliche wurde, einerseits, weil er die Kon 
trolle der Einnahmen des Schuldners erschwerte und so Verträge 
auf Anteile am Ertrag, ohne Rückzahlung der Schuldsumme, fast 
unmöglich machte (S. 14), andererseits, weil er das allgemeine 
Zahlungsmittel begünstigte (S. 12), das, wie wir eben sahen, 
ebenfalls zur Einführung der Rückzahlung der entliehenen Geld 
summe mit Zinsen drängte. 
Da die verschiedenen Staaten meist nach verschiedenem Fuß 
prägten und überdies geheime und offenkundige Münzverschlech 
terungen häufig vorkamen, war es für Kaufleute, die nicht gerade 
Rückfracht nehmen wollten, schwierig, mit fremdem Gelde etwas zu 
kaufen — falls dieses nicht wie z. B. das athenische vollwertig war 
ANuÄ 258: Neurath, amile Wirtschaftsgeschichte. 5
        <pb n="74" />
        66 Viertes Kapitel. Das griechische Wirtschaftssystem. 
(Xenophon, Von den Staatseinnahmen der Athener HI, 2). Die 
Münzen auszutauschen, betrieben manche als Gewerbe, sie ver 
langten für diese Tätigkeit eine gewisse Bezahlung, die sie dadurch 
erhielten, daß sie mehr von den Leuten verlangten, als die Münzen 
wert waren, und auf diese Weise oft große Geschäfte machten. Da 
sie meist viel Geld zu diesem Geschäft benötigten, um allen An 
forderungen genügen zu können, lieh man ihnen vielfach Geld gegen 
Zinsen, wie sie ihrerseits wieder Gelder verliehen, auch wurde es 
mit der Zeit Brauch, da sie sowohl Gläubiger als Schuldner in 
großem Stil waren und daher überallhin Beziehungen hatten, ihnen 
das Eintreiben von Schulden zu übertragen und durch sie Gelder 
an dritte Personen auszahlen zu lassen, d. h. sie entwickelten sich 
vielfach zu Vermögensverwaltern der Geldbesitzer; wenn diese über 
dies ihnen das deponierte Geld zur Verwertung übertrugen, so 
wurde der Geldwechsler zum Bankier. 
Der Zinsfuß war in Griechenland ebenso wie im alten Orient 
sehr hoch, seine untere Grenze betrug in diesen Zeiten vielfach 
12 0/q. Die Gründe der Höhe des Zinsfußes waren mannigfaltig. 
Zum Teil stellte der Zins einen Anteil am Gewinn dar, und da 
die Handelsgewinne oft sehr groß toaren, konnte der Geldgeber 
auf einen hohen Anteil rechnen. Die Gewinne im internationalen 
Handel waren besonders dann hoch, wenn man Ware, die im 
eigenen Lande wohlfeil war, zu andern Völkern brachte, welche 
— auf einer niederen Kulturstufe stehend, sie hoch bezahlten und 
eventuell große Mengen wertvoller Rohstoffe hergaben, die sie 
selbst nicht so hoch schätzten wie die zu ihnen kommenden Kauf 
leute (Diodor V, 35). Je mehr die verschiedene Wertschätzung der 
Völker sich ausglich, desto geringer wurden die daraus entsprin 
genden Handelsgewinne. Der hohe Zinsfuß des internationalen 
Handelsverkehrs wurde dann auch vielfach auf den internen Ver 
kehr übertragen. Andere Gründe trugen mit dazu bei, den hohen 
Zinsfuß zu halten. Zu diesen gehörte das große Risiko, welches 
nicht nur durch die wirtschaftliche Lage der Käufer bedingt war, 
sondern ebensosehr durch die damals noch sehr unsichern Verkehrs 
verhältnisse, die Handelsgeschäfte in größerem Umfange doch recht 
bedenklich erscheinen ließen. Der hohe Zinsfuß enthielt so für den 
Gläubiger eine Art Versicherungsprämie, indem die glücklichen Ge 
schäfte den Ausfall der unglücklichen mit zu tragen hatten. Über 
dies pflegten die Beziehungen zwischen Gläubiger und Schuldner 
im Handelsverkehr nicht so lange zu dauern wie heutzutage, was
        <pb n="75" />
        Banken, Zinsfuß. 
67 
mit dazu beitrug, die Unsicherheit zu erhöhen, indem der Schuldner, 
damals wohl öfter als heute, selbst bei einem gut gehenden Geschäft 
in die Lage kam, eben dann zahlen zu müssen, wenn ihm gerade 
wenig Geld zur Verfügung stand. Besonders lastete der hohe Zins 
fuß auf den bäuerlichen Besitzungen. Während manche Staaten 
öffentliche Hypothekenbücher hatten, halfen sich andere mit öffent 
lichem Ausruf; in Athen, auf Lemnos, Naxos usw. hingegen war 
es Brauch, die auf einem Gut lastende Schuld dadurch kundzutun, 
daß ein Stein, der die Schuldsumme trug, auf dem Gute auf 
gestellt wurde. Die Kreditgewährung war in diesem Zeitalter 
noch wenig entwickelt und meist nur auf kürzere Zeiträume 
gedacht. Der Kredit versah damals seltener als heute die Funk 
tion, zersplitterte Gelder in einer Hand zu vereinigen oder eine 
Art Anteil am Geschäftsertrag sich auf die Dauer zu sichern. 
Die Rückzahlung der entliehenen Summe in relativ kurzer Zeit 
stand im Vordergrund. Größere Kreditoperationen, die zuweilen 
auch bei genügender, meist hypothekarischer Sicherheit gemacht 
wurden, wurden vielfach von den großen Tempeln ausgeführt, 
die so ihre Schätze verwendeten, soweit sie in Geld bestanden. 
Man kann in gewissem Sinne von Tempelbanken sprechen. So 
lieh der Tempel von Delos seit dem 5. Jahrhundert bis weit ins 
2. Jahrhundert zu 10 % Gelder aus. Neben Privaten begegnen 
uns immer wieder in den Inschriften Gemeinden als Schuldner. 
Vielfach war das Verhältnis dieser Tempelkassen zum Staate, in 
dessen Bereich sie sich befanden, wie das der großen modernen 
Notenbanken zum Staat, soweit letzterer Kreditnehmer ist. So 
entwickelte sich der athenische Tempelschatz zu einer Art Staats 
schatz (S. 64), wobei freilich die Rückzahlung immer mehr die 
Form der Reservenansammlung annahm und die Tempelkasse nur 
die Staatskasse zur Aufnahme von Reserven ersetzte, da letztere 
zu diesem Zweck nicht eingerichtet war. Die Entwicklung des Bank 
wesens förderte jene Bevölkerungsklassen, die entweder Geld oder 
Unternehmungsgeist besaßen, ohne den alten Klassen anzugehören. 
Sklaven, Freigelassene und Fremde fanden hier ein Feld der Be 
tätigung, und ehemalige Sklaven konnten es zu großen Bankiers 
bringen und schließlich, wenn sie die nötigen Auslagen für öffent 
liche Zwecke nicht scheuten, sogar Bürger von Athen werden, ein 
Vorgang, der auch der neuern Entwicklung nicht fremd ist und 
besonders eine Analogie im Eindringen der Juden in den höheren 
und niederen Adel findet.
        <pb n="76" />
        68 Viertes Kapitel. Das griechische Wirtschaftssystem. 
Da die Banken zu immer höherer Bedeutung gelangten, als 
der Handel sich in dieser Periode entfaltete, treffen wir von nun 
ab immer häufiger Vereinigungen von Bankiers zu gemeinsamen 
Geschäften, wie sie bei Kaufleuten schon früher vorkamen. Welche 
Bedeutung derartige Organisationen hatten, wissen wir nicht, nur 
die Tatsache ist sichergestellt, daß es zur Bildung derartiger Ver 
einigungen kam, die auf kaufmännischem und industriellem Gebiet 
zuweilen unsern Kartellen zur Monopolisierung gewisser Geschäfte 
entsprachen. Es gab neben ad hoc gebildeten Vereinigungen solche 
von längerer Dauer, eigentliche Vereine, die in der römischen 
Kaiserzeit erst ihre volle Bedeutung erhalten sollten, indem die 
staatliche Anerkennung derselben allmählich im Steigen begriffen 
war. Im übrigen war die Vereinsbildung dadurch etwas gehemmt, 
daß noch lange die alten Verbände (S. 39) manche Funktionen 
übernahmen, die später den Vereinen zufielen, andererseits haben 
die ehemaligen Vereinigungen mit dazu beigetragen, den Sinn 
der Griechen dem Vereinswesen zugänglich zu machen. Dabei 
waren der alten Tradition entsprechend die Vereine häufig zu 
mehreren Zwecken gleichzeitig gegründet. Von großer Wichtigkeit 
für die Finanzen waren die Vereinigungen der Steuerpächter, 
die ähnlich wie in Rom bald einen mehr dauernden, bald einen 
flüchtigeren Charakter trugen (S. 112). Diese Art der Steuer 
erhebung war eine überaus häufige. Da aber die Pachtkontrakte 
oft nur auf kurze Zeit, z. B. auf ein Jahr lauteten, so blieben 
für die Steuerpächter zwei Möglichkeiten, entweder rücksichtslos 
vorzugehen und die Bevölkerung zu bedrücken und sich so häufig 
für später die Steuerträger zu schädigen oder aber die geringen 
Zahlungen eines Jahres durch die Überschüsse eines andern aus 
zugleichen. Wenn die Pachtverträge auf mehrere Jahre lauteten, 
konnte eher ein Ausgleich erfolgen. Es sind die Nachteile kurzer 
Pachtverträge hier ebenso zutage getreten wie später in Rom bei 
der landwirtschaftlichen Pacht (S. 134). Der lange Pachtvertrag 
wurde zum Teil dadurch ersetzt, daß dieselbe Pächtergesellschaft 
immer wieder die Pacht erstand, — wenn sie nicht gestört wurde 
(Plutarch, Alcibiades 5). Daß sich die Pachtoereine untereinander 
zusammentaten, ist selbstverständlich, freilich wurden diese Abma 
chungen oft durchbrochen. Von größerem Umfang waren in Athen 
die Korporationen der Schiffer und Kaufleute. Erstere scheinen 
manche Schiffsabgaben als Korporation an den Staat geleistet zu 
haben an Stelle der Ableistung durch das einzelne Mitglied. Der-
        <pb n="77" />
        Organisation, Spekulation. 
69 
artige Vereine hatten oft überschüssige Gelder in ihren Kassen, die 
sie gegen Zinsen ausliehen. Der Grund- und Häuserbesitz der ver 
schiedenen Vereinigungen war in Attika z. B. sehr groß, woraus 
ebenfalls Einnahmen bezogen wurden. Selbstverständlich haben 
Erwerbsgenossenschaften, soweit sie Industrien betrieben, Sklaven 
verwendet, die in ihrem Besitz waren. Die Zwecke der Vereine 
bestimmten ihre Ausgaben. Ein Teil betraf die Anschaffung von 
Einnahmequellen, Grundstücken, Bauten, Sklaven usw. Daneben 
waren die regelmäßigen Ausgaben für die Feste ein wichtiger 
Posten. Zu den wesentlichen Vereinszwecken gehörten Begräbnisse 
der Mitglieder. 
Die eben geschilderten internationalen Wirtschafts- und Kredit- 
verhältnisse trugen dazu bei, die Spekulation jeder Art zu be 
günstigen. Sehr beliebt war die Spekulation in Agrarprodukten. 
Besonders in einem Staate wie Athen, der auf fremde Zufuhr 
angewiesen war, mußten die Veränderungen aller Art sofort zum 
Ausdruck kommen. Die Schwankungen der Preise in den einzelnen 
Produktionsländern bildeten immer ein ausgezeichnetes Mittel, um 
den Absatz zu beeinflussen. Da der Nachrichtendienst nicht einer 
öffentlichen Kontrolle unterlag, so wurden alle möglichen Manöver 
angewendet, die ja auch unserer Zeit nur zu wohlbekannt sind 
und bereits auf dem Gebiete des Getreidebandels manche Ein 
schränkung erfahren haben. So ließen z. B. die Getreidehändler 
im alten Athen, wenn sie den Preis heben wollten, die Nachricht 
verbreiten, daß die Getreideschiffe, die man aus dem Schwärze« 
Meer erwartete, in einem Sturm zugrunde gegangen seien, oder 
daß ein Krieg begonnen habe (Lysias, Gegen die Getreidehändler 14). 
Da der Terminhandel nicht sehr entwickelt war, fehlte daneben fast 
ganz die Tendenz, die Preise zu senken. Athen suchte deshalb auch 
durch eine besondere Gesetzgebung diesem Treiben zu steuern und 
Teuerungen zu verhindern, indem von fremdem Getreide % in der 
Stadt bleiben mußten und die Kornverkäufer nur einen bestimmten 
Verdienst haben sollten, was aber nur zum Teil durchgesetzt wurde. 
Alle diese Umstände bewirkten, daß die Getreidehändler überaus 
verhaßt waren; konnte doch selbst ein wenig begabter Mensch ein 
sehen, daß es ein sozialer Mißstand sei, wenn die Getreidehändler 
zur Zeit guter Ernten mit Hilfe aller möglichen Praktiken hohe 
Preise erzielten. 
Ein überaus wichtiges Geschäft, das auch beim Getreidehandel 
häufig zur Anwendung kam, war das sogenannte Seedarlehu,
        <pb n="78" />
        70 Viertes Kapitel. Das griechische Wirtschaftssystem. 
das, wie es scheint, aus dem Orient von den Griechen über 
nommen wurde; von denen erhielten es die Römer, diese haben 
es wieder uns überliefert. Wenn jemand mit fremdem Geld ein 
Geschäft über See ausführte, so fand vielfach eine Teilung des 
Risikos zwischen Gläubiger und Schuldner statt. Während nor 
malerweise eine feste Summe vereinbart wurde, war der Schuld 
ner, falls das Schiff unterging, jeder Verpflichtung los und 
ledig, d. h. es war für diesen Fall der Vertrag auf Anteil fest 
gesetzt. Da das Risiko des Gläubigers beim Seedarlehn groß war, 
nahm er einen höheren Zins, der gewissermaßen eine Versicherungs 
prämie darstellte. Wenn einer verschiedenen Schiffern Geld lieh, 
mußte er die Verluste bei einigen durch die höheren Einnahmen 
von den anderen ausgleichen. Die Sicherung des Gläubigers für den 
Fall, daß das Schiff den Bestimmungsort erreichte, war meist eine be 
sonders gute, in erster Reihe Realkredit. Daß diese Seedarlehen 
dazu führten, Schiffe absichtlich zum Scheitern zu bringen, wovon 
uns z. B. Demosthenes berichtet, und andere Gaunerkniffe zu ver 
suchen, an denen der griechische Erfindungsgeist so reich war, kann 
uns nicht wundernehmen. Auf diesem Gebiete ließ sich besonders 
viel Geld verdienen; aber auch die Bodenspekulation war entwickelt. 
Da die Metöken, die in Athen kein Grundeigentum erwerben konnten, 
oft sehr wohlhabend waren, erschien es lukrativ, größere Zinshäuser 
zu bauen, daneben gab es selbstverständlich, sowohl in den größeren 
als auch in den kleineren Städten, zahlreiche Wohnungen für Ar 
beiter und Handwerker (Äschines, Gegen Timarchos 50). 
Die im vorliegenden Kapitel erwähnte Änderung der Berufs 
eh re nahm auch in dieser Periode ihren Fortgang. Immer mehr 
wurde in den Handels- und Industriestädten die Landwirtschaft 
zurückgedrängt, immer mehr erschien die ihr erwiesene Achtung 
als eine traditionelle Form. Auch in unsern Zeiten kennen wir 
in Staaten, die ein sehr starkes kommerzielles und industrielles 
Gepräge tragen, eine solche Wertschätzung der Landwirtschaft, so 
nahm z. B. Fürst Bülow am 14. März 1907, wie die Zeitungen 
berichteten, die Gelegenheit wahr, feierlich zu erklären: „Die Re 
gierungen verstehn und würdigen die Bedeutung der Landwirt 
schaft. Dies tut auch der Kaiser. Seine Söhne hatten in Plön 
einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb; dort hatte ein Häuschen die 
Inschrift: „Nichts ist besser und des freien Mannes würdiger als 
die Landwirtschaft" (S. 101). In dieser Gesinnung erzieht der Kaiser 
seine Söhne, diese Gesinnung hegt er selbst". In der Demokratie
        <pb n="79" />
        Seedarlehn. Berufsehre. 
71 
Athens loaren in unserer Periode nicht mehr allzu viele Leute ver 
treten, die mit der Landwirtschaft in Beziehung standen, außer 
etwa den großen Grundbesitzern. Den größten Teil der Bevölkerung 
bildeten diejenigen, welche in einer vorwiegend arbeitsteiligen 
Wirtschaft (Plato, Staat II, 11) Industrie und Handel betreiben. 
Diese Bevölkerung war nicht von jenem hohen Geiste erfüllt, wie 
man nach den gewaltigen und herrlichen Schöpfungen vermuten 
könnte, die aus dem allgemeinen Säckel erbaut wurden. Die Be 
haglichkeiten des Lebens lähmten vielfach das Entwicklungsstreben, 
und es ist sehr wahrscheinlich, daß z. B. gegenwärtig das ernste 
Streben der Arbeiterschaft nach Kulturgütern verbreiteter ist als 
in der Bevölkerung Athens im 4. Jahrhundert trotz deren hoher 
kulturellen Stufe. Dies führte dazu, daß in jener Zeit, da die 
griechische Freiheit ihrem Ende sich näherte, die Opposition für 
die große Masse der Bevölkerung nur Verachtung hatte (S. 57). 
Die Empörung Platos über die Demokratie führte ihn dazu, einen 
Jdealstaat zu konstruieren, in dem die Ungleichheit der Menschen 
prinzipiell vorausgesetzt und die große Masse möglichst schlecht be 
handelt wird. Während heute viele gegen eine Ausgleichung der 
Güterverteilung eintreten, ohne anzugeben, nach welchem Prinzip 
diese Ungleichheiten stattfinden sollen, hat Plato in seinem Staats 
wesen alle Ungleichheiten prinzipiell zu begründen gesucht. Die 
Möglichkeit einer Besserung der untern Volksschichten wurde von 
vielen Forschern damals deshalb gar nicht in Erwägung gezogen, 
weil sie der Ansicht waren, daß die Einwirkung der handwerks 
mäßigen Arbeit, vor allem der sitzenden, den Körper zugrunde 
richte (Theophrast, Haushaltungskunst 2) und den Menschen un 
fähig zu Höherem mache. Deshalb wurden die Arbeiter, nicht 
nur die Arbeit als solche verachtet. Überdies erschien es un 
würdig, sich wie ein Arbeiter dem fremden Willen zu unterwerfen, 
ob man dessen Ziele für vernünftig halte oder nicht. Daß die 
Handwerker und Arbeiter durch Armut an einer höheren Aus 
bildung gehindert wurden, gaben manche Autoren zu, betonten 
aber, daß sie jedenfalls minderwertiger seien (Pseudo-Xenophon, 
Verfassung der Athener l). Während so von vielen bedeutenden 
Philosophen eine ganze Reihe von Tätigkeiten, deren Verbreitung 
und wirtschaftliche Bedeutung unbestritten war, mit einem Makel 
belegt wurde, gab es daneben eine Reihe von Beschäftigungen, 
die eines Nicht-Banausen für würdig erachtet wurden, und von 
denen ein Teil später unter dem Namen der sieben freien Künste
        <pb n="80" />
        72 Viertes Kapitel. Das griechische Wirtschaftssystem. 
zusammengefaßt wurde. Da ihre Abgrenzung unabhängig von 
der Abgrenzung des Begriffs der banausischen Tätigkeit erfolgte, 
gab es viele Tätigkeiten, die in keiner der beiden Gruppen unter 
gebracht waren. Daß die Abneigung, ein Handwerk zu betreiben, 
mit der Kulturstufe zusammenhänge, war schon Herodot aufgefallen, 
der die analoge Erscheinung bei den verschiedensten Völkern, so 
den Persern, Szytben und den Ägyptern antraf und in diesem 
Falle nicht wie sonst die Abhängigkeit der Griechen von den 
Ägyptern annehmen konnte. Unter den Griechen wieder war die 
Abneigung am stärksten bei den eine Kriegeraristokratie von Grund 
besitzern darstellenden Lazedämoniern, während sie am wenigsten 
bei den Industrie und Handel treibenden Korinthern anzutreffen 
war (Herodot II, 167). Wir finden daher auch die Verachtung 
des Handwerks bei denjenigen Autoren vertreten, die Neigung 
für eine mehr oder weniger exklusive Aristokratie zeigten und die 
Verfassung der Landwirtschaft treibenden Lazedämonier im all 
gemeinen schätzten, wie z. B. Xenophon, Plato und Aristoteles. 
Aus diesen drei Autoren stammen denn auch die meisten Stellen, 
welche beweisen sollen, daß die allgemeine Meinung bei den 
Griechen das Handwerk verachtete. Anfangs war der industrielle 
Unternehmer in den Kreisen, welche das Banausentum verachteten, 
ebenso verachtet wie die Handwerker, allmählich aber bildeten die 
Besitzenden eine eigene Klasse, die mit dem alten Adel wetteiferte. 
Die Stellung der Sklaven änderte sich weiterhin in der Weise, 
welche wir oben andeuteten. In den Handels- und Industriestaaten 
wurden immer mehr Sklaven als Arbeitskräfte verwendet (Äschines, 
Gegen Timarchos 40), wobei freilich Großbetriebe in modernem 
Sinne nicht bestanden und eine Fabrik mit 50 Sklaven und dar 
über wohl nicht mehr gewöhnlich war; mehr als 10 mal so groß 
dürften kaum die größten Betriebe gewesen sein. Das hing zum Teil 
damit zusammen, daß keine Maschinen vorhanden waren und die 
Sklavenbetriebe daher mit weit geringerer Arbeitsteilung arbeiteten 
als die modernen Betriebe. Während wir Fälle kennen, wo ein 
Objekt durch hundert Gruppen von Handgriffen hergestellt wird, 
haben in der Antike die einzelnen Arbeiter meist größere Gruppen 
von Handgriffen als Individuum übernehmen müssen, so daß oft 
nur eine Art Nebeneinander vieler Handwerker herauskam, die 
mit ihren Gehilfen arbeiteten, nur daß die ganze Gruppe einem 
Herrn gehörte. Die Ausdehnung der Handels- und Verwaltungs 
tätigkeit in dieser Epoche trug dazu bei, die Sklaven in steigendem
        <pb n="81" />
        Berufsehre, Sklaverei. 
73 
Maße im Handels- und Bankwesen sowie im Staatsdienst (Äschines, 
Gegen Timarchos 23) zu verwenden. Hier mußten die Schranken 
fallen, und es war häufig für den Herrn vorteilhaft, wenn er seinem 
Sklaven Geld übergab und ihn nur einen Teil des damit erwor 
benen Gewinnes abführen ließ. Diese Gewinnbeteiligung — wie 
wir sie in großen Betrieben beim höheren kaufmännischen Personal 
jetzt sehr häufig kennen, bewährte sich und führte nicht selten dazu, 
daß der Herr dem Sklaven die Freiheit schenkte und den neuen 
Freigelassenen zu seinem Bankier machte. Im Wirtschaftsorganis 
mus unterschieden sich solche Sklaven durch nichts von Freien, 
wie denn überhaupt „Sklave" kein wirtschaftlicher Begriff 
ist, sondern ein politisch-rechtlicher. Die günstige Stellung 
der Sklaven, die in Athen auch zum Teil rechtlich festgelegt war, 
fand darin ihren Ausdruck, daß das Auftreten vieler Sklaven in 
der Öffentlichkeit sich durch nichts mehr von jenem der Freien 
und Beisassen unterschied, was natürlich nur für die höheren 
Sklavenkategorien gilt und zum Teil in dem Sinne gefaßt werden 
muß, in dem man heute sagt, daß sich die Dienstboten wie die 
Herrschaft tragen (Xenophon, Verfassung der Athener 1). Aber 
daneben wuchs auch die Zahl jener Sklaven, die ein wirklich elen 
des Dasein führten und abteilungsweise organisiert in den Berg 
werken arbeiteten. Die Ausnutzung der Sklaven in großem Stil 
von Staats wegen für Bergwerkszwecke war sehr naheliegend 
(Xenophon, Von den Staatseinnahmen der Athener). Die Sklaven 
wurden also geteilt, die stumpferen, minder kultivierten wurden 
in die Bergwerke und in die Fabriken geschickt, während die kulti 
vierteren und gebildeteren in den Handelsstand und in die ökono 
mische Verwaltung eintraten, wo die individuelle Entschließung 
vorwiegt. Das intelligentere Material stammte vor allem aus den 
zahlreichen Kriegen der Griechen untereinander (Diodor XVI, 34). 
Ein Teil der Sklaven wurde übrigens an vielen Orten im Staats 
dienst verwendet, bekannt sind die Polizeisklaven von Athen. Diese 
haben mit dem Begriff, den man sich häufig vom Sklaven macht, 
ebensowenig etwas gemein wie die Nubiersklaven, die als Söldner 
in Ägypten verwendet wurden (S. 10). Im allgemeinen waren 
unter den Sklaven mehr Männer, doch darf man nicht vergessen, 
daß manchmal ein starker Zuwachs von Frauen eintrat, wenn z. B. 
eine Stadt erobert, die Frauen verschont, die Männer aber getötet 
wurden (Thucydides IV, 120 ff.), was die Empörung mancher 
Autoren hervorrief (Jsokrates, Panegyrikos 29). Die Sklavinnen
        <pb n="82" />
        74 
Viertes Kapitel. Das griechische Wirtschaftssystem. 
freilich machten selten den Sklaven Konkurrenz, da sie wohl vor 
wiegend im häuslichen Dienst benutzt oder zum Geschlechtsgenuß 
verwendet wurden. Durch das Zuströmen vieler Griechen und kulti 
vierter Menschen wurde es natürlich manchen klar, daß „Sklave" 
zu sein nicht in der Natur dieser Menschen liegen könne, und so fing 
man denn zu Ende dieser Epoche schon ernsthaft an, die Sklaverei 
zu bekämpfen (Aristoteles, Politik I, 2, 3). Andere Autoren, be 
sonders solche, die Gegner der Demokratie waren, sprachen sich 
für die Sklaverei aus, jedoch unter Einschränkung, so meint z. B. 
Plato, daß Hellenen einander nie zu Sklaven machen dürften. 
Auch Aristoteles wollte den wirklichen Sklaven von dem durch 
Zufall gewordenen abgesondert wissen, prinzipiell sind aber beide 
für die Sklaverei eingetreten, und Aristoteles meinte, daß bei 
einem richtigen Verhältnis zwischen Herrn und Sklaven beiden 
genützt werde, was im Hinblick auf ganz rohe Menschen vielleicht 
richtig war, aber bei der Majorität mußte es klar sein, daß sie 
auf keiner tieferen Stufe standen als ein großer Teil des freien 
athenischen Volkes — konsequenter Weise erklärte denn auch Aristo 
teles den Haufen der Handwerker und Arbeiter für eine Sklaven 
horde, die nur, statt einem zu dienen, für jedermann Sklavendienste 
leisten, was man bei seiner Stellungnahme zur Sklaverei 
wohl beachten muß. Besonders zahlreich waren die Sklaven in 
den Handelszentren Athen, Korinth, Korzyra, Ägina, denn die Leib 
eigenen in den agrarischen Ländern, so in Sparta oder Thessalien, 
darf man hier nicht erwähnen, die nahmen sowohl rechtlich als 
auch wirtschaftlich eine andere Stellung ein und sind am ehesten 
den Leibeigenen des Mittelalters vergleichbar. 
Als um die Mitte des 4. Jahrhunderts Griechenland durch die 
vielen Kriege stark heruntergekommen war und Athen notgedrungen 
sich einer Friedenspolitik zuwenden mußte, war es für viele selbst 
verständlich, daß der Welthandel nun die erste Rolle zu spielen 
habe, um die politische Suprematie durch die wirtschaftliche zu 
ersetzen, so sehr war die Bedeutung des Handels und der Industrie 
im Verlaufe der letzten Jahrhunderte zum Bewußtsein gekommen. 
Man begann nun, die Meinung zu vertreten, Athen sei nicht dazu 
geschaffen, Krieg zu führen, da die Staatseinnahmen darunter litten 
(S. 76), der Friede sei unbedingt nötig, vor allem aber für die 
Schiffsherren und Großkaufleute, für die Getreide-, Wein- 
und Ölhändler, ebenso sür die, welche ihre Goldstücke vermehren 
wollten, für die Geistesarbeiter nicht weniger als für die Hand-
        <pb n="83" />
        Sklaverei, Welthandel. 
75 
arbeitet (Xenophon, Von den Staatseinkünften der Athener V, 3). 
Athen erschien als der Mittelpunkt des Erdkreises, wo alle vorbei 
mußten, weshalb Güter aus allen Himmelsgegenden nach Athen 
kamen, vonAthen nach allen Richtungen Güter transportiert wurden. 
(Xenophon, Von den Staatseinkünften der Athenerl, 7). Und es ist 
charakteristisch, daß es Leute gab, die eine rentable Ausgabe 
darin erblickten, zur Zeit einer wirtschaftlichen Stockung Basare, 
Lagerhäuser, Hotels im Hafen für die ankommenden Kaufleute 
auf Staatskosten zu erbauen, ebenso staatliche Frachtschiffe zu 
bauen und zu vermieten (Xenophon, Von den Staatseinkünften 
der Athener III, 12 ff.). Derartige Vorschläge konnten nur in 
einer Periode gemacht werden, in der selbst die kleinsten Staaten 
bereits einen regen Handelsverkehr besaßen und jeder Staat etwas 
zu importieren oder exportieren hatte (Pseudo-Xenophon, Verfassung 
der Athener 2). Während so die einen nur die Sucht, Kriege zu 
führen, für die Mißerfolge der Athener verantwortlich machten, gab 
es andere, die in der Seeherrschaft sowie in dem allzu ausgebreiteten 
Handel eine Gefahr für das Staatswohl erblickten. Plato hat diesem 
Gedanken ebenso wie Aristoteles oft Ausdruck gegeben, nicht Salamis 
und Artemisium hätten die Griechen gerettet, sondern Marathon 
und Platää (Plato, Gesetze IV, 707). 
Die Landmacht Sparta erschien mit ihrer ehedem konsolidierten 
Verfassung — vermehrt um einige Zutaten der neuen Zeit — 
als das Ideal des Staates. Die Moral des einzelnen litt, wie 
Plato und Aristoteles nicht müde werden hervorzuheben, unter 
den fremden Einflüssen, und die üblen Sitten der Handelsstadt 
hatten in einem kleinen Reich wie Attika natürlich ganz andere 
Folgen als in einem modernen Großstaat, in dem die wenigen 
Seestädte eben doch nicht tonangebend sind und die konservativen 
Mächte mehr als genug Einfluß haben. Der Ausgang freilich 
hat diesen Männern in gewissem Sinne recht gegeben; das Athen, 
wie sie es kannten, war für die Seemacht nicht reif Daß es aber 
eine Reife geben könne, die dazu berechtigte; daß der Staat bereits 
im Werden sei (Arrian, Anabasis VII, 9 f.), welcher diese neue 
Form der Herrschaft in der griechischen Welt begründen sollte, daß 
diese neue Machtform eine Zukunft habe — wir leben heute in 
einer Zeit, die wesentlich auf diese Art von Staaten aufgebaut ist, 
— das ahnten sie nicht, und so sind diese scharfsinnigen Forscher 
nicht dazu gekommen, ihre besten Kräfte einer neuen Staats- und 
Wirtschaftsgestaltung zuzuwenden und ihr auf den neuen Wegen
        <pb n="84" />
        76 Viertes Kapitel. Das griechische Wirtschaftssystem. 
behilflich zu sein, wie dies z. B. Adam Smith in der modernen 
Entwicklung tat. Griechenland hat keinen Adam Smith besessen. 
Die Zerrüttung der griechischen Welt im 4. Jahrhundert wird 
durch nichts deutlicher als durch die Tatsache, daß nach verschie 
denen Interventionen des Perserkönigs schließlich Athen durch 
Drohungen von den Persern gezwungen wurde, einen großen Teil 
seiner gezwungenen Bundesgenossen im Jahre 355 fahren zu 
lassen. Man begann jetzt einzusehen, daß nur ein einiges Hellas 
den Krieg mit den Persern zu führen in der Lage sei, nicht aber 
ein einzelner Staat ohne Überlegung sich in internationale Kon 
flikte stürzen könnte, als ob es ihm durch die Götter verbrieft 
sei, daß alles zum Siege führen werde (Jsokrates, Über den 
Frieden 3). Ein großer Teil der kampffähigen Bevölkerung war 
gefallen, ungeheure Summen aufgewendet worden, um die ver 
lorenen Flotten zu bauen, der Landbau war vernichtet. Da schien 
die Friedenspolitik (S. 74), die nur dem wirtschaftlichen Kampfe 
sich widmete, das beste Auskunstsmittel, das freilich nur zum Teil 
durchführbar war, weil eine fremde Macht entstanden war, die 
in die Sphäre Athens immer schärfer eingriff — Mazedo 
nien. Damals haben aber nur wenige Griechen die Bedeutung 
dieses trefflich organisierten Staatswesens begriffen und den Rat 
gegeben, mit ihm verbündet ein Weltreich zu schaffen, das den 
Orient politisch und wirtschaftlich den Griechen ausliefere. Es 
mußte erst neuerlich zu Kämpfen kommen, ehe Mazedonien dies 
Programm durchzuführen in der Lage war. Die Friedenshoffnungen 
haben sich in Athen in vielem bewährt, die Kaufleute, welche zum 
Teil geflohen waren, kehrten wieder zurück, Fremde siedelten sich 
wieder an, um Handel und Industrie zu treiben, nicht mehr durch 
Zölle in den Häfen der Bundesgenossen wollte man verdienen, 
durch Monopole, sondern vor allem durch Unterstützung des Han 
dels und Verkehrs. 
Die politische Selbständigkeit und Geschlossenheit des antiken 
Stadtstaates war unabhängig von dem, was man vielfach als 
wirtschaftliche Autarkie, wirtschaftliche Selbständigkeit, erklärt. 
Die politische Abgeschlossenheit konnte scharf durchgeführt und 
trotzdem Export und Import voll entfaltet sein, wie wir das in 
der modernen Zeit an England sehen. An diese wirtschaftliche 
Selbständigkeit der griechischen Kleinstaaten, wie manche moderne 
Denker sie für ein Großamerika für durchaus möglich erklä 
ren, das ohne Export und Import alle seine Bedürfnisse selbst
        <pb n="85" />
        Autarkie, internationales Privatrecht. 
77 
befriedigen könne, war garnicht zudenken. Und wenn Aristoteles 
auch für die staatliche Selbständigkeit und harmonische Geschlossen 
heit eintrat (Aristoteles, Politik, ed. Susem. I, 1, 8), so wußte 
er dabei sehr wohl, daß die wirtschaftliche Abgeschlossenheit des 
wegen doch nicht bestehen müsse, daß es vielmehr notwendig sei, 
was der Staat nicht habe, zu importieren, und was bei ihm im 
Überfluß hervorgebracht werde, zu exportieren (Aristoteles, Politik, 
ed. Susem. IV, 5, 4). Sogar die reaktionäre antidemokratische 
Opposition sah ein, daß die starrste politische Autarkie noch lange 
keine wirtschaftliche bedeute, die den griechischen großen Städten 
denn auch schon durch lange Zeit gar nicht mehr bekannt war. 
Wie stark aber auch der Welthandel entwickelt war, so trug er 
dennoch nicht in dem Maße wie heute dazu bei, die Preise aus 
zugleichen und Weltpreise zu schaffen, was immerhin die lokalen Ge 
walten bedeutsamer machte. 
Selbstverständlich entwickelte sich in dieser Epoche bereits eine 
Art internationales Privatrecht. Daß die Beisassen unter be 
stimmten Modalitäten zu ihrem Rechte in der Stadt kommen konnten, 
wo sie ansässig waren, braucht wohl nicht erst bemerkt zu werden. 
Die Beisassen nahmen denn auch an den meisten Vertragsformen teil, 
wenn auch in manchen Städten für sie Einschränkungen bestanden, 
so z. B. das Verbot, Grundeigentum zu erwerben. Gesetze der Art 
sind aber auch der modernen Entwicklung keineswegs unbekannt 
und wurden gegen das Volk, dessen Stellung jener der Beisassen 
überaus verwandt war, gegen die Juden zur Anwendung gebracht. 
Die einzelnen Staaten schlossen überdies häufig untereinander Ver 
träge ab, die Bestimmungen über die Behandlung der Untertanen 
im fremden Staatsgebiet enthielten. Es gab eigene Leute, welche 
sich um die Fremden zu kümmern hatten, eine Art Konsuln. Kurz 
um, wir sehen überall die Wirkungen des Welthandels, der die 
Menschen in einer großen Gesellschaft vereinigte und die Entwick 
lung des Menschheitsbegriffes förderte, wie ihn dann der Helle 
nismus kannte. 
Dem Athenischen Seebund hatte auch Rho dus angehört. Bald 
hielt es treu zu Athen, worauf die Tribute etwas herabgesetzt 
wurden, bald revoltierte es mit anderen gegen Athen, worauf 
die Tribute wieder entsprechend erhöht wurden. Die wirtschaftliche 
Stellung von Rhodus war im 5. Jahrhundert insofern nicht sehr 
günstig, als der Zwischenhandel mit Syrien und Ägypten infolge 
der politischen Verhältnisse darniederlag. Der Untergang der athe-
        <pb n="86" />
        78 Viertes Kapitel. Das griechische Wirtschaftssystem. 
nischen Herrschaft durch Sparta brachte am Ende des 5. Jahr 
hunderts die Aristokratie wieder zur Herrschaft, die eine Zusammen 
siedlung der älteren rhodischen Gemeinden in der neuen Stadt 
Rhodus veranlaßte (S. 28). Alle Erfahrungen eines alten Han 
delsvolkes wurden dabei verwendet, herrlicheHafenanlagen, Mauern 
und Straßen bildeten noch lange Jahrhunderte das Staunen der 
späterer Geschlechter (Strabo XIV, 2), ebenso die herrlichen 
Tempel und Theater (Dio v. Prusa XXXI, 146). Die Stadt 
beherrschte auch die Meerenge zwischen Rhodus und dem klein 
asiatischen Festland, wo die großen Kornflotten aus Ägypten nach 
dem Nordwesten durchzufahren pflegten, die von nun ab stark nach 
Rhodus abgelenkt wurden. Die gute Befestigung der Stadt er 
möglichte den Rhodiern, ihre Selbständigkeit stärker zu wahren als 
viele andere Städte, wobei ihnen ihre starke Flotte gute Dienste 
leistete. Zu wiederholten Malen verwendeten die Rhodier ihre 
Flotte dazu, die Seeräuber, welche die Meere unsicher machten, 
im Zaume zu halten, wie denn überhaupt Rhodus mehrfach die 
Interessen der übrigen Handelsstaaten vertrat (S. 92). Wie sich 
Rhodus von der athenischen Herrschaft freigemacht hatte, so auch 
bald von der spartanischen, doch trat es wieder in freundliche 
Beziehungen zu Athen und schloß mit ihm einen Bund. 
Ebenso wie das Mutterland entwickelte sich auch Unteritalien 
und Sizilien immer mehr, und Syrakus wurde eine der ge 
waltigsten Städte der Welt. Die Kombination der agrarischen und 
industriellen Produktion ist für jene Gebiete besonders charakte 
ristisch, konnten doch z. B. sizilische Städte Wein und Öl nach 
Nordafrika exportieren und dort wertvolle Gegenfracht holen 
(Diodor XIII, 8). Die wirtschaftliche Entwicklung wurde durch 
eine große Handelsflotte gefördert, zu deren Schutz eine gewaltige 
Marine zur Verfügung staub. Beide Flotten wurden zum Teil 
aus den Holzschätzen Siziliens, zum Teil aus jenen des nahen 
Unteritalien gebaut (Diodor 41, f.). Der Getreideexport aus 
Sizilien nach Griechenland war übrigens zeitweilig so groß, daß 
es den Athenern dafür stand, sich militärisch zu engagieren, 
um die Zufuhr nach dem Peloponnes zu hindern. (Thucydides 
III, 66). Ähnlich wie in Sizilien war in Unteritalien ein frucht 
bares Hinterland mit vorgelagerten Industriestädten vorhanden. 
Da die Hafenverhältnisse im ganzen ungünstig waren, konnten 
einzelne Städte, die einen besonders guten Hafen hatten, wie z. B. 
Tarent (Polybius X, 1), daraus großen Vorteil ziehen. Tarents
        <pb n="87" />
        Fünftes Kapitel. Das griechisch-orientalische Wirtschaftssystem. 79 
große Bedeutung bestand überdies zum Teil darin, daß es den 
Adriahandel in der Hand hatte, da Brundisium in dieser Periode 
noch nicht gegründet war. Karthago und den griechischen Staaten 
standen Sizilien und Unteritalien als vollkommen ebenbürtige 
Mächte gegenüber, vor allem das auf beide Gebiete sich erstreckende 
Reich von Syrakus. 
Die geschilderte Periode ist eine der lebhaftesten wirtschaft 
lichen Entwicklung, neue Produktions- und Absatzgebiete er 
schloß die vorige Epoche, diese nützte das alles voll aus. Die 
Sklaverei förderte den wirtschaftlichen Fortschritt, indem Arbeits 
kräfte in großer Zahl für den Fabrikbetrieb zur Verfügung standen. 
In dieser Zeit sowie gegen das Ende der römischen Republik scheint 
die Sklaverei für die wirtschaftliche Entwicklung bedeutsam ge- 
tvesen zu sein, während man in den anderen Zeitabschnitten sich 
die Sklaverei wegdenken könute, ohne daß prinzipiell sich viel ge 
ändert hätte. In diesen Zeiten ist das etwas schwerer, obwohl 
entscheidende wirtschaftliche Formen durch die Sklaverei nicht 
bedingt waren, jede genügend große industrielle Arbeitermenge, 
die nicht koaliert ist, verhält sich ungefähr wie eine Sklavenmenge, 
d. h. sie ist um billiges Geld zu haben. 
Ähnlich wie dieser griechischen Entwicklung die orientalische 
lange vorausgegangen war, so folgte ihr die Roms in gewissem 
Abstande nach. 
Fünftes Kapitel. 
Das griechisch-orientalische Wirtschaftssystem. 
(Ende 4. Jahrh. v. Ähr. bis Mitte 2. Jahrh. v. Chr.) 
Orient und Okzident 
Sind nicht mehr zu trennen. 
Sinnig zwischen beiden Welten 
Sich zu wiegen, las, ich gelten. 
Goethe, Zum Divan. 
Die Eroberung des persischen Reiches durch Alexander den 
Großen wirkte auf die Länder des Mittelmeerbeckens ähnlich wie 
die Entdeckung Amerikas auf das gesamte Europa. Die Kostbar 
keiten des Orients reizten die Begierden, und eine rege Industrie- 
tätigkeit entstand, um sich in den Besitz der ersehnten Spezereien 
zu setzen. Auch trugen die Einkünfte aus dem Orient dazu bei, 
die Kaufkraft zu stärken. Neue Absatzgebiete waren für die In 
dustrie erschlossen, ebenso viele Länder, die Rohstoffe liefern konnten.
        <pb n="88" />
        80 Fünftes Kapitel. Das griechisch-orientalische Wirtschaftssystem. 
Die Neigung zum Luxus verbreitete sich in dieser Zeit ungeheuer 
und erhöhte den Warenumsatz. Für die neuen Absatzgebiete wurden 
vielfach eigene Industrien ins Leben gerufen, ebenso entstanden 
Industrien, die sich im wesentlichen nur mit der Verarbeitung 
orientalischer Rohprodukte befaßten, z. B. mit der Anfertigung von 
Salben und Ölen. Der Zwischenhandel, der sich überaus mächtig 
entwickelte, förderte die Entstehung neuer Handelszentren im Osten 
des Mittelmeerbeckeus, die au der Grenze von Orient und Okzident 
gelegen waren, und deren Einwohnerzahlen bald viele Hundert 
tausende betrugen (Diodor XVII, 52). Zu diesen Städten gehörte 
vor allem Alexandria (Diodor I, 50), aber auch einige der an 
deren großen Neugründungen, die nach Alexanders Tode ent 
standen. Sobald nämlich die einzelnen Fürsten nach dem Zerfall 
des Reiches ihre Monarchien eingerichtet hatten, mußten vor 
handene Städte erweitert und neue geschaffen werden, um wür 
dige Residenzen zu bilden. Die politischen Machtzentren und Ver 
waltungsstellen waren zum Teil auch hervorragende wirtschaftliche 
Metropolen. So neben Antiochia am Orontes und Seleukia am 
Tigris die Hauptstädte Mazedoniens und Thraziens, Kassandria 
und Lysimachia (Diodor XX, 29), alle nach ihren Gründern be 
nannt. Mit den zuerst erwähnten Städten konnte im Westen nur 
Syrakus wetteifern, bis schließlich Rom alle überflügelte, als es 
gegen Ende der Republik eine Millionenstadt wurde. Neben diesen 
Großstädten entstanden aber auch viele kleinere Städte und Handels 
stationen, teils im mittleren Asien und in Kleinasien, teils an der 
Ostküste Afrikas. Wenn auch nach Alexanders Tod niemand mehr 
dies Riesenreich beherrschen konnte, so hat sein Werk und das 
seiner Nachfolger gegen tausend Jahre bestanden; dann sind die 
Städte vor allem den Sarazenen zum Opfer gefallen, die im 
7. Jahrhundert Alexandria zum Teil zerstörten. 
Die Stellung der Staaten Griechenlands wurde besonders durch 
diese Verschiebung des Zwischenhandels nach Osten ver 
ändert, nicht mehr in Athen stauten sich die Schätze der ganzen Welt, 
sondern in den Städten des Ostens. Aber auch die griechischen 
Staaten Kleinasiens hatten am Orienthandel nicht den gleichen 
Anteil wie etwa Antiochia oder gar Alexandria. Nur Rhodus 
war als Zwischenstation zwischen dem Süden und Griechenland 
von hervorragender Bedeutung. Dadurch, daß die neuen Kolonien 
zum Teil im Biunenlande lagen, bekam der Landverkehr eine 
größere Wichtigkeit, die er in der Römerzeit und im Mittelalter
        <pb n="89" />
        Spezereihandel, Geldwirtschaft. 
81 
behielt. So wurde z. B. die Seide auf dem Landwege aus China 
ans Mittelländische Meer gebracht. In der hellenistischen Zeit 
wurden auch die Wüstenstraßen, welche den Nil mit dem Euphrat 
verbanden, besonders ausgenutzt. Die Straßeuanlagen mit Rast 
stationen waren aber nur zum Teil eine Schöpfung der helle 
nistischen Zeit, sehr vieles hatten auf diesem Gebiete schon die 
Perser getan, die überhaupt in organisatorischer Hinsicht den Ma 
zedoniern und den Römern kräftig vorgearbeitet hatten. 
Der Berkehr mit dem Orient ist besonders durch den Spezerei 
handel bemerkenswert, wenn er auch nicht so überwog wie in der 
älteren Zeit der Schatzhandel. Die Spezereien waren es, die in erster 
Reihe die großen Gewinne brachten, um neuer Absatzgebiete willen 
zog kein griechischer Kaufmann nach Arabien (Diodor XIX, 94). 
Wie einst das Streben nach einem Hort, der sich auf Kinder und 
Kindeskinder vererben sollte, den Handel wesentlich beeinflußte, 
so suchte man nun im Orient Spezereien, Elfenbein, Nashorn 
hörner und ähnliches, und so schien es denn auch den alten Er 
zählern angemessen, daß die drei Magier dem Christuskinde als 
Gaben neben Gold, Weihrauch und Myrrhen brachten (Matthäus 
2, 12). Heute ist dies Streben nach Schätzen und Spezereien stark 
in den Hintergrund getreten, und wir können uns nur schwer eine 
Vorstellung davon machen, wie wertvoll diese Dinge einst dem 
Menschen waren. 
Der ausgebreitete Handel führte zu einer entwickelten Geld 
wirtschaft, die etwa der modernen im 18. Jahrhundert in vielem 
ähnlich war (S. 6). Es sind damals bereits jene Erscheinungen 
zutage getreten, welche in der modernen Wirtschaftsentwicklung so 
großes Aufsehen gemacht haben. Es konnte für Unternehmer ren 
tabel erscheinen, die Gütermenge einzuschränken, obzwar das Be 
dürfnis nach den betreffenden Gütern überaus lebhaft war, weil 
der Gesamtertrag aus dem Verkauf der kleineren Menge größer 
war als jener aus dem der größeren. Strabo nennt es einmal 
einen jüdischen Kniff, daß man bei Pflanzensorten, die allgemein 
benötigt wurden, weniger anpflanze, um die Gesamteinnahme zu 
erhöhen (Strabo, XVII, 1). In einer Zeit, in der die wachsende 
Produktion nicht mehr regelmäßig die Zunahme der Einnahme be 
deutete, wurden alle möglichen Arten von Machinationen und 
Praktiken immer häufiger, von denen uns in der pseudoaristote 
lischen Wirtschaftslehre sowie in Polyäns Kriegslisten zahlreiche, 
wenn auch nicht immer klar zu deutende Beispiele erhalten sind. 
ANuG 258: Neurath, antike Wirtschaftsgeschichte. 0
        <pb n="90" />
        82 Fünftes Kapitel. Das griechisch-orientalische Wirtschaftssystem. 
Die Koloniengründungen dieser Epoche, die zunächst der 
politischen Macht zu dienen hatten (Polybius X, 27), absorbierten 
einen Teil der überschüssigen Bevölkerung Griechenlands, deren 
Abnahme damals noch nicht in so großem Maße wie späterhin 
(S. 104) begonnen hatte, was man zum Teil daraus erkennen 
kann, daß die Neigung der Griechen, in fremden Sold zu treten, 
noch überaus groß war, obgleich die heimatliche Industrie und der 
Handel blühte. Tie Kolonien in Thrazien, welche Philipp ge 
gründet hatte, waren nicht von jener Bedeutung wie Alexandria 
oder Antiochia und die große Zahl von Städten längs den Mi 
litär- und Handelsstraßen nach Baktrien und Indien, in Klein 
asien und Syrien. In Mesopotamien entwickelten die Seleukiden 
eine rege kolonisatorische Tätigkeit, während die Ptolemäer neben 
Ptolemais eigentlich nur Militärkolonien gründeten (S. 88), was 
zum Teil damit zusammenhing, daß ihr Gebiet eng besiedelt und 
hoch kultiviert war. Die hellenistischen Kolonien — meist im 
Binnenland gelegen — waren vom Reich abhängig und haben 
in ihrer politischen Stellung wenig Ähnlichkeit mit jenen früheren 
Kolonien wie z, B. Massalia gehabt (Ş. 33). An die Stelle der 
früher mehr zufälligen, jedesmal selbständigen Kolonisation war 
nun eine zentralisierte und systematische getreten. Große Massen 
wurden durch diese Kolonisationen, durch Handel und Verkehr in 
Bewegung gesetzt, ebenso durch die militärische Dislokation. Be 
sonders in den großen Seestädten entstand ein Völkergemisch mit 
all den schlechten Eigentümlichkeiten, die die sokratische Schule 
einst so für Athen gefürchtet hatte (S. 75). Vor allem wurde die 
politische Einheit auf diese Weise gefährdet, so z. B. in Alexan 
dria (Strabo XVII, 1). Wenn trotz all dieser Verschiebungen die 
ländliche Bevölkerung vielfach an Ort und Stelle blieb, so hing 
das zum Teil damit zusammen, daß sie, z. B. in Kleinasien, großen 
teils leibeigen war. Wie sehr dieser Umstand das Zusammenströmen 
der Bevölkerung in die Städte, wie wir es heute kennen, ver 
hinderte, vermag man nicht zu ermessen. Doch muß darauf hin 
gewiesen werden, daß die Industrie nicht im selben Maße wie 
heute Menschen absorbierte und daher der Zug zur Stadt etwas 
geringer war. Freilich gab es dagegen andere Anziehungen, so die 
reichlichen Spenden und Festlichkeiten, die den ärmeren Klassen in 
ganz anderer Weise als heute das Leben verschönten. Gelegentlich 
verbrauchten auch die Kriege große Bevölkerungsmassen (Diodor 
XVIII, 12)
        <pb n="91" />
        Kolonien, Orienthcin-el. 
83 
Die Handelsbeziehungen mit dem Orient führten zu 
einem erheblichen Abfluß von Edelmetall nach dem Osten, doch 
wurde viel davon, besonders zur Zeit Alexanders des Großen, aus 
dem Orient in die griechische Welt gebracht und der Abfluß dadurch 
verringert, daß ein großer Teil der orientalischen Waren mit okziden- 
talischen Waren gezahlt wurde. Erst in der römischen Kaiserzeit 
scheint der Abfluß des Edelmetalls nach dem Osten den Verkehr un 
günstig beeinflußt zu haben. Auch darf nicht vergessen werden, daß 
die in großem Stil betriebene Industrie in Verbindung mit dem 
regen Zwischenhandel den Umlauf des Geldes beschleunigte, was 
ebenfalls die üblen Folgen des Abflusses, soweit er den Zufluß über 
stieg, auszugleichen geeignet war. Die Höhe der Handelsgewinne 
scheint absolut gestiegen zu sein, indem weit mehr Möglichkeiten 
vorhanden waren, Güter umzusetzen, die relativen Gewinne aber 
dürften in dieser Periode noch mehr abgenommen haben als in 
der vorigen, soweit eben nicht mit Völkern Handel getrieben wurde, 
die für billig zu erzeugende Güter mittelländischer Provenienz von 
den Okzidentalen hochgeschätzte Güter herzugeben bereit waren. 
Aber die wichtigsten Handelsvölker des Orients gehörten keines 
falls dazu und ließen sich ihre Waren recht teuer, zum Teil in 
Gold und Silber bezahlen. Die relativen Geschäftsgewinne, welchen 
im allgemeinen die Höhe des Zinsfußes folgte, nahmen ab, und 
da überdies das Geschäftsrisiko sank, so fiel der Zinsfuß in dieser 
Periode bei sicheren Anlagen vielfach unter 10%. Die hellenistische 
Kolonisation eröffnete auch nicht, wie die englische in Nordamerika, 
weite Gebiete, in denen große Geldmengen zur Anschaffung ren 
tabler Unternehmungen verwendet werden konnten, sondern es 
wurden in meist schon recht stark kultivierten Gegenden neue Zen 
tren geschaffen. Das Resultat war, daß nicht allzu viele neue Anlage 
möglichkeiten vorhanden waren, die den Zinsfuß heben konnten. 
Es kam zur Einführung eines staatlichen Kreditgeldes, wenn man 
etwa die Ausprägung minderwertiger Münzen mit Zusicherung 
der einmal zu erfolgenden Einlösung durch vollwertige hierher 
rechnen will. Der Überweisungsverkehr der Banken war im 
allgemeinen nicht sehr umfangreich, am stärksten wohl in Ägypten, 
wo wir Vorbilder in der naturalwirtschaftlichen Zeit kennen ge 
lernt haben (S. 9), ein interessantes Beispiel dafür, daß ein 
durchgebildeter Überweisungsverkehr, eventuell sogar mit Kredit 
verkehr verbunden, in einer hochentwickelten Naturalwirtschaft 
ebenso möglich ist wie in einer hochentwickelten Geldwirtschaft,
        <pb n="92" />
        84 Fünftes Kapitel. Das griechisch-orientalische Wirtschaftssystem. 
was darauf hindeutet, daß man nicht ohne weiteres Natural 
wirtschaft, Geldivirtschaft und Kreditwirtschaft als drei Stufen 
auffassen kann. Wir sahen, daß die Überweisungs- und Kredit 
wirtschaft größeren Stils in Ägypten, so wie in unserer heutigen 
Wirtschaftsordnung, an Zentralisation und staatliche Garantie ge 
bunden war, die sehr verschieden gestaltet sein kann, keineswegs 
aber nur in einer Geldwirtschaft möglich ist. Im Gegensatz zur 
heutigen Wirtschaftsordnung bestand in der hellenistischen Zeit 
keine nähere Beziehung zwischen dem Bank- und dem Geldwesen. 
Dies war zum Teil auch die Ursache, weshalb wir in diesem Zeit 
alter eine im großen Stil geregelte Zentralisation des gesamten 
Kredit- und Geldwesens vermissen. Biele der sog. Staatsbanken, 
so z. B. in Ägypten, waren im wesentlichen nur Staatskassen, die 
Forderungen einkassierten, z. B. als Steuerämter fungierten, und 
Zahlungen leisteten, dabei eventuell eine und die andere bankmäßige 
Manipulation vornahmen, so das Überschreiben von Forderungen 
von einem Konto auf ein anderes. Aber die Kreditgewährung in 
großem Stil, die dauernde Finanzierung großer Unternehmungen 
scheint nicht von der Wichtigkeit wie heute gewesen zu sein. Wie 
weit bei den einzelnen Banken in Griechenland und Ägypten, die 
vor allem Girobanken waren, neben dem Geldwechseln das Leih 
geschäft eine das Geschäftsleben entscheidend beeinflussende Rolle 
spielte, entzieht sich ebenfalls unserer Keuntnis. Jedenfalls haben 
die Seedarlehen eine große Bedeutung gehabt, und ein großer 
Teil der überseeischen Handelsunternehmungen dürfte auf diesem 
Wege ermöglicht worden sein (S. 70). Langfristige Kredite waren 
nicht allzuhäusig und dementsprechend auch nicht Anlagekredite. 
Man muß sich daher vor einer Überschätzung des antiken Geld- 
und Bankwesens ebenso hüten wie vor Unterschätzung. 
Die Finanzverwaltung der Staaten konnte unter den eben 
geschilderten Umständen kaum in erheblicher Weise Kreditinstitute 
und Banken aller Art benutzen. Über eine weitgehende Münz 
verschlechterungspolitik kam man selten hinaus, das systematische 
Aufnehmen von Anleihen, etwa gar im Äusland, war nicht üblich, 
doch waren derartige Operationen nicht unbekannt (Appian, Sizil. 
Gesch. 1). Die Häufigkeit der gewaltsamen Eingriffe ließ die sehr 
ausgebreiteten internationalen Beziehungen nicht so dauernd wer 
den, wie dies heute der Fall ist. Wenn auch die hellenistische Finanz- 
verwaltung recht fortgeschritten war, so traf man vielfach erst Vor 
kehrungen, wenn.man eben das Geld schon brauchte (Aristoteles,
        <pb n="93" />
        Finanzen, Berufsehre. 
85 
Politik, ed. Sus. 1,4, 6), wobei man keineswegs immer sein Augen 
merk darauf richtete, rentenabwerfende Eigentumsobjekte zu schonen, 
sondern z. B. recht leichtfertig beim Verkauf von Staatsländereien 
verfuhr. Auch trug es nicht zu einer regelmäßigen Finanzgebarung 
bei, daß bei größerem Geldbedarf die Vermehrung der Konfiska 
tionen in dieser sowohl als am Schluß der vorhergehenden Epoche 
(Lysias, Gegen Eratosthenes 6) als sehr naheliegend angesehen 
wurde, wobei ein größeres Bedürfnis des Volkes nach staat 
lichen Geldzuweisungen oder sonstigen Spenden als genügende 
Ursache zu Eingriffen erschien. Besonders in Athen war diese 
üble Praxis sehr durchgebildet. Das Vorrücken der Geldwirtschaft 
bewirkte, daß viele Abgaben nun in Geld statt in natura erhoben 
wurden, auch der Naturallohn der Truppen wurde zum großen 
Teil in Geld ausgezahlt. Man nahm eben an, daß jeder Besteuerte 
in irgendeiner Weise am Markte teilnehme, und daß die reinen 
Hauswirtschaften zur Ausnahme gehörten. Wo die Naturalwirt 
schaft noch vorhanden war, wurde selbstverständlich die Erhebung 
in natura vorgenommen, wie denn überhaupt die Grundsteuer 
vielfach Naturalsteuer blieb. 
Die wirtschaftlichen Vereinigungen bekamen in der helleni 
stischen Periode eine noch größere Bedeutung als in der vorher 
gehenden, wenn sich auch ihre Wirksamkeit im einzelnen keineswegs 
genau bestimmen läßt. Neben der wirtschaftlichen Organisation be 
stand wie auch fernerhin gleichzeitig vielfach eine religiöse, besonders, 
wenn alle Mitglieder der Korporation landfremd waren (S. 50). 
Denn nicht nur die Kaufleute des Landes taten sich zu Korpo 
rationen zusammen, sondern auch die Fremden. Zu den Kauf 
manns- und Schifferkorporationen kamen auch bald die der Trans 
porteure. 
Selbstverständlich war es auch in dieser Epoche das vornehmste, 
reich zu sein und Güter zu besitzen. Die Handarbeit blieb etwa 
in jenem Maße verachtet, wie dies heute der Fall ist. Wir können 
sogar in Gebieten, welche bis dahin eine starke Wertschätzung der 
Handarbeit aufwiesen, in diesem Zeitalter ein Vordringen der An 
schauung der vornehmen Griechen konstatieren. So haben bei den 
Juden maßgebende Theologen der verschiedensten Zeitalter, von 
denen viele ein Handwerk ausübten, sich für das Handwerk ausge 
sprochen (Sprüche der Väter II, 3): „Löblich ist es, Wissenschaft 
mit einem Gewerbe zu verbinden, denn das Streben nach beidem 
läßt die Sünde vergessen, aber nur Wissenschaft, ohne daß sie mit
        <pb n="94" />
        86 Fünftes Kapitel. Das griechisch-orientalische Wirtschaftssystem. 
einer andern Beschäftigung abwechselt, muß endlich aufhören, 
Wissenschaft zu sein, und führt zu Verkehrtem." Abfällige Äuße 
rungen finden sich bis zur Zeit des Hellenismus mehr andeutungs 
weise, unter seinem Einfluß scheinen sie allmählich an Schärfe ge 
wonnen zu haben. So gibt es in den Sprüchen Jesus', Sohn des 
Sirach, eine Stelle, die den abfälligsten Äußerungen griechischer 
Philosophen an die Seite zu setzen wäre, wobei aber gleichzeitig 
die unbedingte Notwendigkeit der Handwerker anerkannt wird: 
XXXVIII. 24. Die Weisheit des Schriftgelehrten stellt sich ein bei gün 
stiger Mußezeit, 
und der, der kein Geschäft hat, wird weise werden. 
26. Wie kann weise werden, wer den Pflug regiert, 
und der sich rühmt, die Lanze des Ochsenstachels zu füh 
ren? — 
27. Ebenso ist's mit irgendeinem Bauarbeiter und Baumeister, 
der ja bei Nacht durcharbeitet wie am Tage; 
28. Ebenso ist es mit dem Schmied, der nahe beim Ambos sitzt 
und die eisernen Werkzeuge untersucht. 
Der Rauch der Feuers bringt ihm sein Fleisch zum Aufspringen, 
und es wird ihm glühendheiß durch die Hitze des Ofens. 
Das Getöse des Hammers macht sein Ohr taub, .... 
2'J. Ebenso ist's mit dem Töpfer, der bei seiner Arbeit sitzt 
und mit seinen Füßen die Scheibe dreht, 
der sich wegen seiner Arbeit immerfort in Sorge befindet, 
und dessen ganze Arbeit sich um die zu liefernde Zayl 
dreht .... 
31. Alle diese verlassen sich auf ihre Hände, 
und ein jeder versteht sich gut auf sein Geschäft. 
32. Ohne sie wird keine Stadt gebaut, 
und wenn sie sogar am fremden Ort wohnen, brauchen 
sie doch nicht zu hungern. 
33. Doch bei der Volksberatung verlangt man sie nicht, 
und in der Gemeindeversammlung tun sie sich nicht hervor, 
und auf den Gesetzbund verstehen sie sich nicht, 
auf dem Stuhle des Richters sitzen sie nicht. 
Auch bringen sie nicht Gerechtigkeit und Recht an den Tag, 
und bei weisen Sprüchen sind sie nicht zu finden. 
34. Aber die ewige Schöpfung erhalten sie in ihrem Bestand, 
und ihr Gebet dreht sich um die Betreibung ihres Gewerbes. 
Die freie Arbeit hat sonst sowie fernerhin in diesem Zeit 
alter eine ziemliche Bedeutung gehabt. Sowohl in Griechenland, 
z. B. in Korinth (Polybius XXXVIII, 4) als auch in Ägypten 
war die freie Arbeit sehr verbreitet. Von großen Sklaven-
        <pb n="95" />
        Berufsehre, Sklaverei. 
87 
Massen ist im allgemeinen nicht die Rede. Soweit wir genauere 
Berichte besitzen, scheinen bessere Haushaltungen z. B. in Ägypten 
1—4 Sklaven gehabt zu haben, was ungefähr dem heutigen 
Bedarf an Dienstboten entspricht. Nur im Fabriksbetriebe, in 
den Bergwerken und im Handel nahmen sie die mehrfach ge 
schilderte Stellung ein (S. 73). Der Sklavenzuwachs in dieser 
Epoche war nicht sehr groß, da die Feldzüge Alexanders z. B. 
lange nicht so viele Sklaven lieferten, als der damaligen Kriegs 
technik entsprochen hätte. Er behandelte die Orientalen im allge 
meinen mit Schonung und ließ nur ausnahmsweise größere Massen 
in die Sklaverei verkaufen, so nach der Erstürmung von Tyrus 
— nachdem die Jungmannschaft hingerichtet worden war (Dio- 
dor XVII, 46), oder nach der von Gaza (Arrian, Anabasis II, 27). 
Zu den Ländern, die durch die hellenistische Epoche besonders ge 
fördert wurden, gehörten Syrien, Mesopotamien und Ägypten, 
ohne daß es aber dabei zur Schaffung eigentlich neuer Wirtschafts- 
formen gekommen wäre. Die Stadt Alexandria war schon durch 
ihre Anlagen hervorragend, regelmäßig gebaute Quartiere gaben 
ihr ein modernes Aussehen, ein prächtiger Hafen mit riesigen 
Dämmen lockte die Schiffer herbei, gewaltige Lagerbausanlagen 
förderten den Großhandel (Strabo XVII, 1). Wie Antiochia 
(S. 80) den Handel mit Mittelasien und Mesopotamien zum 
Teil in der Hand hatte, so beherrschte Alexandria den Handel 
mit Arabien und Indien. Abgesehen davon, daß Alexandria 
selbst zahlreiche industrielle Etablissements in seinen Mauern be 
herbergte, verfrachtete es die Zerealienschätze Ägyptens sowie die 
auf dem stachen Lande und in den andern Städten erzeugten Jn- 
dustriewaren. Dies wurde durch die überaus günstige Lage am 
Nil unterstützt, die in gewissem Sinne einzigartig war, da keine 
der andern großen Städte in ähnlicher Weise an einem so großen 
und als Verkehrsweg so brauchbaren Flusse lag. Hierher kamen 
Waren aus dem ganzen Okzident und Orient (Küstenfahrt im 
Erythräischen Meere), und so erschien Alexandria als der Stapel 
platz für die Güter der ganzen Erde, als ein Marktplatz aller 
Nationen (Dio v. Prusa XXXII, 36). Die Ptolemäer nahmen 
" alte Traditionen wieder auf, als sie den Kanal eröffneten, an dem 
Necho gebaut (S. 13) und mit dem sich auch Darius beschäftigt 
hatte. Es wurden Hafenanlagen errichtet, so z. B. in der Nähe 
des heutigen Suez bei Arsinoë. Auch Stapelplätze und Faktoreien, 
zum Teil mit militärischer Besatzung, wurden an der Ostküste
        <pb n="96" />
        88 Fünftes Kapitel. Das griechisch-orientalische Wirtschaftssystem. 
Afrikas angelegt, die sowohl als Stationen dem Handel mit dem 
Innern als auch dem Seehandel dienen sollten und zur Römer 
zeit für die Arabien- und Jndienfahrer von großer Bedeutung 
wurden (S. 126). 
Da die Ptolemäer im Gegensatz zu Alexander an die Helleni- 
sierung Ägyptens und nicht an eine Verschmelzung der Orientalen 
mit den Griechen dachten, blieb ihnen nichts anderes übrig, als 
sich auf ein straff organisiertes Beamtenheer und die Armee zu 
stützen. Die Ptolemäer siedelten ihre Truppen zum Teil in 
Ägypten, meist auf bereits bebautem Boden, an und vermieden 
so die Gefahr, daß die entlassenen Truppenmassen, zu Räuber 
banden vereinigt, weite Landstrecken unsicher machten (Diodor 
XVII, 111) oder sofort zum Gegner übergingen. In Kriegszeiten 
konnten große Mengen von Söldnern mit Hilfe der Söldnermärkte 
zusammengebracht werden, die es in großer Zahl im Bereich des 
Ägäischen Meeres gab (Polybius V, 63.). Unter diesen Söldnern 
fand man Athener, Böoter, Spartaner, Arkader, Achäer und Thessaler, 
auch Thrazier, Syrakusaner, Pamphyler und Galater (Pausanias, 
Beschreibung von Griechenland I, 7). Die Soldtruppen wurden 
meist auf den auswärtigen Posten verwendet sowie zum Schutze 
der oben erwähnten Handelsfaktoreien (S.87) oder um z.B. Elephan 
tenjagden zu sichern (Strabo XVI, 4). Im zweiten Jahrhundert, 
als Syrien bereits Ägypten bedrohte und die Römer intervenierten 
(S. 97), erhielten nicht nur die ausgedienten Soldaten Land an 
gewiesen, sondern, was vorher nur gelegentlich geschah, wie zur 
Pharaonenzeit, auch die im Dienst befindlichen. All das trug dazu 
bei, ein immer wüsteres Völkerchaos in Ägypten zu schaffen (S. 82), 
aus dem dann später die ägyptischen Legionen der Römer gebildet 
wurden. 
Die Aufstellung großer Heere, die Förderung von Handel und 
Verkehr machten eine ausgedehnte Finanzverwaltung not 
wendig, die zum Teil an alte naturalwirtschaftliche Traditionen 
anknüpfen konnte. Alexander übergab die ägyptische Finanzver 
waltung dem Kleomenes, der den einzelnen Distrikten eine gewisse 
Autonomie lassen sollte (Arrian, Anabasis III, 5). Kleomenes 
scheint den Getreidehandel, soweit man aus den Berichten der 
pseudoaristotelischen Wirtschaftslehre entnehmen kann, derart zen 
tralisiert zu haben, daß er die Marktverhältnisse auf dem Mittel- 
meere zugunsten der Staatskasse und der Ägypter ausnutzte. So 
rief er eine Stauung des Getreides in Ägypten hervor, wodurch
        <pb n="97" />
        Finanzen, Kolonisation. 
89 
die Inlandspreise sanken, während sie im Absatzgebiete, besonders 
in Griechenland stiegen. Große Einnahmen sicherte den Ptole 
mäern der ausgedehnte Domänialbesitz, gewisse Monopole, so das 
Salzmonopol und ausgedehnte alte Fischereirechte, sowie die zahl 
reichen Gebühren und Steuern. Die Steuern und Staatsmono 
pole wurden meist, wie in Griechenland und Rom, verpachtet, der 
Pachtvertrag wurde gemeinbin mit einer Person abgeschlossen, 
doch waren — die juristische Konstruktion war eine verschieden 
artige — noch andere Personen daran beteiligt. Wir finden in 
Ägypten Vermögenssteuern, Grundsteuern, die vorwiegend in natura 
gezahlt wurden, Gebäudesteuern, Gewerbesteuern, auch Verkehrs 
und Verbrauchssteuern. Auch wurden Steuern erhoben, die den 
Charakter von Einkommensteuern halten, sowie überdies mancherlei 
Beiträge, so zur Instandhaltung der Dämme, zu welchem Zweck 
auch persönliche Dienstverpflichtungen bestanden. Ein Teil der 
Steuern wurde in natura erhoben, und eigene Transportgesell 
schaften verfrachteten die Getreidemassen der Staatsspeicher sowie 
jene der Privatmagazine. Selbstverständlich konnten alle diese 
Einrichtungen nur bei einer gut geführten Statistik bestehen.). Die 
ägyptische Regierungsstatistik war denn auch mustergültig und 
wurde sicherlich von keinem Staat des Altertums, vielleicht in 
manchem noch nicht einmal von den modernen Staaten, über 
troffen. Die Personalnachweise der Volkszählungen waren sehr 
weitgehend, ebenso war der Kataster ausgezeichnet ausgearbeitet. 
Daß auch in dieser Zeit der Verrechnungsapparat (S. 9) treff 
lich funktionierte, entsprach nur der Tradition. Wir kennen Quit 
tungen aller Art, solche der Staatskassen an die Steuererheber, 
ebenso solche der Steuererheber an die Steuerzahler, sei es, daß 
es sich um Zahlung in Naturalien oder in Geld handelte. 
Während in Ägypten die Kolonisation der Ptolemäer infolge 
der dichten Bevölkerung nur gering sein konnte, war sie im Osten 
überaus ausgedehnt, so haben z. B. die Seleukiden eine Stadt 
nach der anderen gegründet. (Appian, Syrische Geschichte 57). 
Dabei wurden, wie denn die Antike überhaupt altes Herkommen 
wenig schonte, Umsiedlungen aller Art vorgenommen, kurz vorher 
gegründete Städte wieder dem Untergang preisgegeben und die 
Einwohner in eine neue Stadt versetzt. (Diodor XX, 48). In 
Syrien und Mesopotamien war mehr Platz zum Kolonisieren, weil 
bisher die Städte, trotz der nicht geringen Kultur, nicht allzudicht 
nebeneinander lagen. Nach Medien und Parthien zu nahm die
        <pb n="98" />
        90 Fünftes Kapitel. Das griechisch-orientalische Wirtschaftssystem. 
Zahl der Kolonien ab, doch reichte die Einflußsphäre des Helle 
nismus jedenfalls bis nach Indien. Es dauerte aber nicht lange, 
und ein weiterer Zerfall erfolgte hier wie im Westen, auch schrankte 
eine neue Macht das Vordringen des Hellenismus eiu, eine Macht, 
die sich später selbst den Römern gewachsen zeigte und die einzige 
Großmacht neben ihnen war: die der Parther. 
Die Bedeutung der Städte des griechischen Festlandes 
war in dieser Periode geringer geworden (S. 80). Philipp beließ 
zwar Athen einen Teil seiner Kolonien, so Samos und Lemnos, 
auch blieb Athens Bedeutung als Handels- und Industriemacht 
eine hervorragende, die Bauten früherer Zeiten wurden fortgesetzt, 
so z. B. der Piräus bedeutend erweitert, aber in den Kämpfen 
nach Alexanders Tode fand die athenische Flotte bei Amorogos 
in einer Schlacht gegen die mazedonische ihren Untergang, womit 
die Seemacht Athens endgültig gebrochen war. 
In Sparta hatten sich die Zustände der vorigen Epoche nur 
noch weiter verschärft. Die Zahl der vollberechtigten Spartiaten 
war immer kleiner geworden, immer größere Reichtümer, nicht 
nur an Grundstücken, sondern auch an Edelmetall (Plutarch,Agis 3) 
sammelten sich in den Händen weniger, die Geldwirtschaft mit 
allen ihren Folgen für ein vorwiegend agrarisches Land stellte 
sich ein. Die Verschuldung der kleinen und großen Grundbesitzer 
nahm unaufhaltsam zu und ebenso die Zahl der besitzlosen Prole 
tarier, die auf die Revolution lauerten (Plutarch, Agis 5). Ein 
spartanischer König, Agis, war es, der in der zweiten Hälfte des 
3. Jahrhunderts hier eingreifen wollte. Die besitzlosen Massen 
sollten durch Güterverteilung befriedigt werden, die verschuldeten 
Güter durch einen Schuldennachlaß entschuldet werden, zwei 
Ziele, die auch andere Reformatoren verfolgten (Diodor XIX, 9), 
wodurch aber nur augenblicklich geholfen werden, die gleichen Forde 
rungen für die Zukunft nicht beseitigt werden konnten (Polybius 
XIII, 1). Durch die ebenfalls beabsichtigte Neuaufnahme von 
Bürgern (Plutarch, Agis 8) sollte das alte Spartiateutum, wie 
man das nannte, wieder hergestellt werden (Plutarch, Agis 4). 
Trotz Widerstand in den konservativen Bevölkerungsschichten und 
bei den Geldleuten fand der König genug Anhang, insbesondere 
bei seinen Verwandten. Unter letzteren war aber einer, dem es 
sehr gelegen kam, seine Güter zu entschulden, der aber gar kein 
Interesse daran hatte, etwas abzugeben. Dieser redete nun dem 
Könige zu, daß man Reformen schrittweise durchführen müsse,
        <pb n="99" />
        Sparta, Rhodus. 
91 
und empfahl ihm, „damit die Staatsumwälzung nicht zu groß 
wäre", mit dem Schuldennachlaß zu beginnen und die Güter 
oerteilung „zunächst" zu unterlassen (Plutarch, Agis 13). So ge 
schah es, und die Genarrten waren das besitzlose Proletariat und 
die Geldleute, die hier beide zusammen den Agrariern gegen 
überstanden. Diese Bewegung fand bald darauf zunächst ihr 
Ende. 
Was Agis nicht durchgeführt hatte, gelang dem spartanischen 
König Kleomenes, der nach glücklich geführtem Krieg einen Staats 
streich wagte und dann die Neuverteilung des Grundbesitzes 
ebenso durchsetzte wie die Aufnahme neuer Bürger, freilich sollten 
diese Reformen nicht von langer Dauer sein, da die äußere Politik 
neue Verwicklungen brachte und Sparta zum erstenmal seit seinem 
Bestände fremde Truppen innerhalb seiner Mauern sah. Die Macht 
verhältnisse des Mittelmeerbeckens wurden nun neu verteilt, drüben 
in Italien standen Rom und Karthago einander gegenüber, in 
Griechenland war Philipp von Mazedonien Herr. Schon befanden 
sich römische Truppen in Jllyrien, und es mußte in kürzester Zeit 
zum Zusammenstoß kommen. 
Die ersten Verwicklungen Athens mit Philipp brachten den 
Rhodiern die volle Freiheit, die sie freilich nicht lange nutzen 
konnten, da sie dem Staate des Mausollos in Kleinasien an 
gegliedert wurden und von da ab mit dem Osten in nähere Be 
ziehung als mit dem Westen traten. Die Kornschiffe, die von 
Ägypten nach Athen fuhren, mußten in Rhodus hohe Zölle zahlen, 
wodurch das Kornmonopol Alhens fiel, das freilich auch bereits 
Byzanz und andere Städte durchbrochen hatten (Demosthenes, 
Rede über den Frieden). Als Persien durch Alexander besiegt worden 
war, unterwarf Rhodus sich dem Sieger, der die Entstehung einer- 
gemäßigten Demokratie förderte. Den Ruhm dieser Demokratie 
verkündeten noch die nächsten Jahrhunderte. Dabei behielt Rhodus 
eine gewisse Selbständigkeit und schlug z. B. eigene Münzen. Als 
Alexander gestorben war, wurde Rhodus wieder eine freie Stadt, 
die keine mazedonische Garnison mehr in ihren Mauern duldete. 
Sie entwickelte sich auf Kosten Athens und bewirkte, daß viele 
Städte ihr Münzsystem rezipierten. Da Tyrus durch Alexander 
dauernd geschädigt worden war, bekam Rhodus den Handel zwischen 
Ägypten und Griechenland fast allein in die Hand. Diese Stellung 
konnte es im allgemeinen nur bei strengster Neutralität bewahren, 
die aber nicht hindern konnte, daß Demetrius, der erste Kriegs-
        <pb n="100" />
        92 Fünftes Kapitel. Das griechisch-orientalische Wirtschaftssystem. 
Maschinenkonstrukteur seiner Zeit, die Stadt zu Wasser und zu 
Land belagerte. Aber auch hier zeigt sich die Größe von Rhodus. 
Die Stadt widerstand siegreich, obzwar sich die Seeräuber, die 
von der Stadt so oft gezüchtigt worden waren, dem Demetrius 
angeschlossen hatten. Dieser glückliche Ausgang hob das Ansehen 
der Rhodier ungeheuer, und sie wußten es auf dem Weltmärkte 
mit Geschick in bare Münze umzusetzen. Im 3. Jahrhundert bil 
dete sich eine Art rhodischer Hegemonie heraus, die Rhodus dazu 
benutzte, den Tempel von Delos und den dortigen Markt seiner 
Machtsphäre einzugliedern, was selbstverständlich mit erheblichen 
Vorteilen verknüpft war. Die Rhodier traten nun häufig als 
Schutzmacht der übrigen Handelsstädte auf, die sich dies gerne ge- 
gefallen ließen. Als z. B. Byzanz sich infolge großer Tributzah 
lungen, die es an kriegerische Küstenvölker zu leisten hatte, am 
Ende des 3. Jahrhunderts in übler materieller Lage befand, er 
hob es, gestützt auf seine ausgezeichnete Lage (Polybius IV, 38) 
am Ausgange der Propontis einen Durchfahrtszoll (Polybius 
IV, 46), wie das auch seinerzeit die Athener mehrfach getan hatten 
(S. 65). Unter Führung der Rhodier erzwangen die Handels 
staaten die freie Durchfahrt (Polybius IV, 47 ff.). Dieses Vor 
gehen der Byzantiner entsprach übrigens ganz der damaligen Art 
der Staaten, gewaltsame Eingriffe vorzunehmen, sowohl Bürgern 
als auch Fremden gegenüber. Benötigte Byzanz z. B. Getreide, so 
zwang es einfach die durchfahrenden Kaufleute, an die Gemeinde 
Getreide zu verkaufen, das es dann an die Bürger verteilte, wo 
bei man sich gar kein Gewissen daraus machte, das Geld noch 
überdies schuldig zu bleiben, andererseits mußten die Kaufleute 
noch froh sein, wenn man ihnen die Schuld entsprechend verzinste. 
Es was dies eine etwas sonderbare Art, bei Landfremden eine 
verzinsliche Zwangsanleihe aufzunehmen (Pseudo-Aristoteles H, 
Wirtschaftslehre II, 3). 
Kyrenewar den mazedonischen Herrschern ohne große Schwierig 
keit zugleich mit Ägypten zugefallen (Arrian, Anabasis VH, 9). 
Es war nicht mehr völlig auf jener Höhe, die es in der vorigen 
Epoche noch innegehabt hatte. Die Entfaltung der Industrie und 
des Handels machte Kyrene zu einem Stapelplatz für die Oasen 
Nordafrikas, denen es europäische Waren zuführte. Daneben trieb 
es einen regen Export, so verkaufte es Silphion, Straußfedern, 
Honig, Wolle, Felle und vieles andere. Von den Ptolemäern fiel 
Kyrene durch ein Testament an die Römer, die es zunächst für
        <pb n="101" />
        Sechstes Kapitel. Die Entwicklung der römischen Weltwirtschaft. 93 
frei erklärten, bis es im 1. Jahrhundert v. CH. eine römische 
Provinz wurde. Es verfiel nun, wie soviel Städte seiner Zeit, 
schon Plinius weiß nichts mehr von dem früher so bedeutenden 
Silphionhandel (Naturgeschichte XIX 3,15). Unter Kaiser Trajan 
kam es zu einem Kampf zwischen Juden und den ansässigen Griechen 
und Römern (Dio Cassius LVIH, 32), der mit dazu beitrug, die 
Entvölkerung zu beschleunigen. Von da ab ist Kyrene das typische 
Bild der verfallenden Grenzstadt. Unglücksfälle, die ein lebens 
kräftiges Volk ertragen hätte, übten eine vernichtende Wirkung, 
die Widerstandskraft gegen die Wüstenstämme sank, und der Unter 
gang kam, als sich die römische Herrschaft ihrem Ende zuneigte, 
Rom vermochte das Erbe des Hellenismus nicht dauernd zu be 
wahren. 
Sechstes Kapitel. 
Die Entwicklung der römischen Weltwirtschaft. 
(Vis Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr.) 
Die Kriegskunst ist ein Teil der Erwerbskunst. 
Aristoteles, PolitikI, 3, 8. 
Es ist schon Autoren des Altertums aufgefallen, daß der Handel 
bereits in frühen Zeiten der römischen Geschichte eine Rolle spielte 
(Plutarch, Erörterungen über römische Gebräuche 41). Dies rührt 
daher, daß wir Rom erst in einem weit späteren Stadium als 
Griechenland oder gar den Orient aus der Überlieferung kennen. 
Dabei hat sich in Rom die Bedeutung der agrarischen Kreise ver 
hältnismäßig lange erhalten. Die Verbindung dieser beiden Ent 
wicklungen, der agrarischen und der geldwirtschaftlichen, hat zum 
Teil Roms Entwicklung bestimmt. Der Ackerbau Roms ist nicht 
in handelspolitischer Richtung bedeutsam geworden, sondern da 
durch, daß die römischen Bauern lange eine der besten Armeen 
der damaligen Welt stellen konnten. Diese militärische Übermacht 
hat die wirtschaftliche begründet, und was die Bauern begonnen 
hatten, wurde später durch Proletarier und Söldner vollendet. 
Diese militärische Macht bewirkte es auch zum Teil, daß sich Rom 
selbst nie zu einem Industriezentrum ersten Ranges wie so viele 
griechische und hellenistische Städte entwickelte. Die Einnahmen 
aus den eroberten Provinzen, aus den Geldgeschäften sowie die 
direkten Lieferungen ermöglichten es Rom, dauernd eine negative 
Handelsbilanz haben zu können. Durch Waren zahlte Rom nur
        <pb n="102" />
        94 Sechstes Kapitel. Die Entwicklung der römischen Weltwirtschaft. 
einen Teil des Imports. Die römische Expansion war zunächst, 
wie es scheint, vorwiegend defensiver Art, man wollte unruhige 
Nachbarn los werden, bald aber sah man die Vorteile ein und 
verwendete die Kriege dazu, den Haussöhnen, die nicht Platz auf 
dem väterlichen Gute hatten, eine Hufe zu verschaffen, den Groß 
grundbesitzern einen Zuwachs zu ihren Gütern zu gewähren. Bünd 
nisse und Eroberung vergrößerten die römische Einflußsphäre über 
aus rasch. Bereits im 4. Jahrhundert mußte Rom stark auf 
den Handel bedacht sein, da es Caere, eine hervorragende Handels 
stadt, seinem Gebiete angegliedert hatte. Die frühzeitige Bedeutung 
Roms auf dem Gebiete des Handels kann man zum Teil auch 
aus den Handelsverträgen mit Karthago entnehmen, deren Datie 
rung freilich bis jetzt nicht einwandfrei feststeht (Polybius III, 22). 
Die eigene Handelsflotte der Römer war zwar nicht allzu groß, 
aber sie verwendeten frühzeitig die der unterworfenen Griechen 
städte, so im 4. Jahrhundert diejenige Neapels. 
Die Art und Weise, wie Rom sich neue Gebiete angliederte, 
war sehr verschiedenartig, bald behandelte man gewisse Gebiete 
fast wie das eigene, nahm abhängige Gemeinden in den eigenen 
Verband auf, bald wieder suchte man den früheren Gegner völlig 
zu vernichten. Charakteristisch für alle Zeiten ist aber die Ten 
denz, durch vorgeschobene Posten die politische Macht zu sichern. 
Es entstanden so Kolonien, welche den griechischen recht unähn 
lich waren und am ehesten noch mit den Kleruchien verglichen 
werden könnten. Mit den hellenistischen Gründungen haben sie 
insofern eine gewisse Verwandtschaft, als auch diese im Reichs- 
verbande standen, doch waren sie nicht wie die römischen vor 
wiegend militärisch. Die römischen Kolonien sollten neue Bauern 
und neue Soldaten schaffen und Römer über das besetzte Gebiet 
hin verstreuen. Daß damit zugleich auch eine Ansiedlungspolitik 
verbunden war, erwähnten wir bereits. Es läßt sich natürlich 
nicht in jedem einzelnen Falle entscheiden, wieweit militärische 
Momente, wieweit Landhunger bei jeder Gründung mitspielten. 
So wie die militärischen Interessen hier den agrarischen begeg 
neten, so auch in gewissem Sinne denen des Handels, indem für 
gute Straßen Sorge getragen wurde. So hatte die Straße von 
Rom nach Capua, die via Appia, sowohl für den Krieg als auch 
für den Handelsverkehr große Bedeutung. 
Die innere Entwicklung war zunächst durch den Kampf 
zwischen den Großbauern, die vorwiegend den alten Geschlechtern
        <pb n="103" />
        Kolonien, Expansion 
95 
angehörten, und den kleinen Bauern bedingt. Schon vor dem 
4. Jahrhundert scheint ein Teil der bäuerlichen Bevölkerung, der 
ehemals wohl abhängig war, zu vollem Eigentum gekommen zu 
sein und suchte nun Schritt für Schritt die politische Macht der 
alten Geschlechter, der Patrizier, zu brechen. Allmählich traten 
neue Parteien hervor, so die grundbesitzlosen Handwerker und 
Arbeiter auf der einen, die grnndbesitzlosen Geldleute aus der andern 
Seite. Am Ende des 4. Jahrhunderts mußte auf diese Kreise immer 
mehr Rücksicht genommen werden, wobei die agrarische Opposition 
freilich immer wieder große Erfolge erzielte und manche kaum 
errungene Position den neuen Klassen wieder abnahm. So suchte 
man z. B. die Macht der Geldbesitzer und die der Freigelassenen 
dadurch zu brechen, daß man sie auf einige wenige Stimmbezirke 
verteilte. Die Geldwirtschaft drang aber dessenungeachtet unauf 
haltsam vor, zum Teil deshalb, weil die Großgrundbesitzer selbst 
sich dem Geldgeschäft und dem Handel widmeten und weil die 
direkt politisch machtlosen Kreise der Geldbesitzer als Pachter von 
Zöllen und Steuern indirekt ihren Einfluß geltend zu machen 
wußten (Ş. 113). Im Zeitalter der Punischen Kriege sind die 
Handelsinteressen bereits sehr wichtig (Appian, Spanische Ge 
schichte 4). 
Nachdem die Römer die Etruskermacht völlig gebrochen hatten, 
die eingefallenen Nordvölker zurückgewiesen und Mittelitalien ihrem 
Gebiet angegliedert hatten, kam es zum Kampfe mit den unter 
italischen Griechenstädten, so mit Tarent (Diodor XX, 104). 
Die Bauernlegionen zeigten sich den mit reichen Geldmitteln gewor 
benen Söldnerheeren gewachsen. Damals stießen die Römer auch mit 
den Mächten des Ostens zusammen, da Pyrrhus von Epirus in der 
ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts den Tarentinern zu Hilfe kam. 
Da die Griechen und Pyrrhus in Sizilien und Unteritalien gleich 
zeitig gegen Rom und Karthago im Felde lagen, verbündeten sich 
diese beiden, wobei im Vertrage Rom als Landmacht, Karthago 
als Seemacht zur Geltung kam. Die unteritalischen Städte 
wurden bald von Pyrrhus verlassen und fielen den Römern zu, 
damit war der größte Teil Italiens römisch geworden, und es mußte 
die Entscheidung fallen, ob man in Sizilien die Karthager herr 
schen lassen oder selbst die Macht an sich reißen wolle. Der Vor 
teil, der für den einzelnen und für die Gesamtheit zu erwarten 
war, entschied für den Krieg (Polybins I, 11), in dem die alte 
Handelsstadt unterlag.
        <pb n="104" />
        96 Sechstes Kapitel. Die Entwicklung der römischen Weltwirtschaft. 
r Als die vordringenden Perser Phönikien ihrem Reiche ein 
verleibten, als die Griechen die phönikischen Faktoreien überall 
zurückdrängten und ihnen Konkurrenz machten, gelang es der 
Kolonie Karthago, die Hegemonie im Westen an sich zu reißen 
und erfolgreich Südspanien, Westsizilien und Nordafrika zu be 
haupten (Ş. 38). Bei jeder Gelegenheit gab die stolze Handels 
stadt ihrem Willen unzweideutig Ausdruck, daß sie in ihrem 
westlichen Bereich fremden Handel entweder gar nicht oder nur 
unter ganz bestimmten Kautelen dulden wolle, die durch Handels 
verträge genau festgelegt wurden (Polybius III, 22 f.). Als die 
Kriege der hellenistischen Periode immer mehr den Charakter von 
Nationalkriegen verloren, kam das Söldnerwesen auf (S. 88), das 
bereits frühzeitig von den Karthagern ausgenutzt wurde. Karthago 
war so eine reiche Handelsstadt mit einer regierenden Schicht vor 
nehmer Geschlechter, die sich alle mit Geld- und Handelsgeschäften 
abgaben (Aristoteles, Politik, ed. Susem. VIII, 10, 4), und einer 
Volksmenge, die politisch wenig zu bedeuten hatte. Die unterwor 
fenen Gebiete aber standen unter einem schweren Druck und wurden 
mit vollem Bewußtsein ausgebeutet. Die nordafrikanischen Gebiete 
wurden, sobald man die Macht dazu hatte, dem Plantagenbetrieb 
erschlossen, bei dem Sklaven und freie Arbeiter verwendet wurden. 
Durch Unterjochung ehedem freier Gebiete schuf man eine Art 
Zinsbauern, die den Kleinbetrieb fortsetzten, den wir auch in der 
Kaiserzeit in diesen Gegenden auf den ungeheuer großen Besitzungen 
wieder antreffen (S. 132). Auch mußten diese Landstriche Soldaten 
liefern, die an den karthagischen Kriegen ebenso wenig interessiert 
waren wie die als Krieger verwendeten Nubiersklaven an den 
Kriegen der Ägypter (S. 10). Die andern phönikischen Städte, 
die dem karthagischen Staatsverbande angehörten, waren im gro 
ßen und ganzen der Metropole gleichgestellt (Diodor XX, 55). 
Zu den alten phönikischen Kolonien in Spanien (S. 20) kamen 
bald neue Handelsplätze, in denen sich eine rege industrielle Tätig 
keit entwickelte, wofür z. B. die zahlreichen Handwerker sprechen 
(Polybius X, 17), doch drang man zunächst nicht tiefer ins Land 
hinein. Erst die Kriege mit Rom änderten hier die Herrschafts 
politik, indem man Spanien als Operationsbasis und als Truppen 
reservoir benutzen lernte. Auch hier -in Spanien, ebenso wie 
auf Sizilien und Sardinien, waren die Karthager einerseits Han 
delsleute, andererseits Großunternehmer, welche diesen Ländern 
an Rohprodukten entnahmen, soviel sie konnten. Neben Zerealien
        <pb n="105" />
        Karthago, Provinzen. 
97 
suchten sie besonders Metalle zu erlangen. Eine der reichsten Städte 
der Welt, konnte es Karthago mit allen Staaten aufnehmen, stan 
den doch dieser Stadt ungeheure Einkünfte zur Verfügung. Daß 
Karthago auf Grund der Friedensverträge überaus große Summen 
nach Nom ohne allzu große Schwierigkeiten zahlen konnte, charak 
terisiert diesen Reichtum am besten. Ta Karthago die unterwor 
fenen Gebiete nicht dem Staatsverbande einzugliedern suchte, wie 
dies Rom gern tat, war seine Herrschaft lange nicht so gefestigt. 
Am wenigsten zeigten sich die Mängel der Staats- und Heeres 
verfassung auf dem Gebiete der Marine, da hier in erster Reihe 
die Schiffe entscheidend waren, die selbst jenen der Griechen, selbst 
verständlich jenen der Römer vor dem Beginn der Punischen Kriege 
in allen Stücken überlegen waren. 
Der Zusammenstoß zwischen Rom und Karthago führte zu 
Kämpfen, die mehr als hundert Jahre in Anspruch nahmen. In 
dieser Zeit wurde Rom immer mehr in die Händel des ganzen 
Mittelmeerbeckens verwickelt. Nachdem einmal die Grenzen 
Italiens überschritten waren, gab es kein Halten mehr. Zunächst 
suchte Rom, nachdem es im 3. Jahrhundert in Sizilien die erste 
Provinz erworben hatte, in der Zölle und Steuern erhoben wurden 
(Appian, Sizitische Geschichte 2), noch in Italien selbst sich weiter 
auszudehnen und in der durch ihre Fruchtbarkeit berühmten (Cicero, 
über den Staat III, 15) Poebene festzusetzen, dann aber kümmerte 
man sich bereits um die illyrischen Seeräuber, schützte Griechen 
städte, rückte in Mazedonien ein, okkupierte im weitern Verlauf der 
Kämpfe mit Karthago am Anfang des 2. Jahrhunderts Spanien 
und verkündete gleichzeitig die Freiheit der Griechen. Krieg auf 
Krieg mit den hellenistischen Reichen folgte, bis schließlich die rö 
mische Macht von Spanien bis nach Mesopotamien, von Nord 
afrika bis nach Britannien reichte. Zwar gab es unter den leiten 
den Staatsmännern zur Zeit der Punischen Kriege solche, welche 
die Einrichtung von Provinzen gern vermieden hätten, sie konnten 
aber die Entwicklung nur hemmen, nicht aufhalten. Darunter litt 
freilich die einst so straff organisierte römische Einheit, Bürger 
kriege erschütterten fast alle Länder des Mittelmeeres. Auch die 
Rechtssicherheit innerhalb des Reiches konnte zuweilen nur unter 
Anwendung schärfster Gewaltmittel behauptet werden. So konnten 
die staatsmäßig organisierten Seeräuber Kretas und Ziliziens nur 
nach langjährigen Kämpfen gebändigt, ebenso die Sklavenaufstände 
nur durch bedeutende Feldherrn niedergeworfen werden. Die 
ANuG 258: Neurath, antike Wirtschaftsgeschichte. 7
        <pb n="106" />
        98 Sechstes Kapitel. Die Entwicklung der römischen Weltwirtschaft. 
wichtigsten Aufgaben der Pazifizierung im Gebiete des Mittel 
meeres waren so am Ende der Republik bereits vollendet. 
Die meisten dieser Feldzüge, welche leicht erkennbare wirtschaft 
liche Vorteile im Gefolge hatten, sind Musterbeispiele für die Theorie, 
die den Krieg unter die Erwerbsarten rechnete (Aristoteles, Politik 
ed. Susem. I, 3,8). Dieser Auffassung, der viele Historiker huldigten 
(Dionys v. Halikarnaß VI, 36), entsprach auf dem Gebiete der 
Privatwirtschaft die Koordinierung von Handel, Raub, Fischerei 
und Jagd als Erwerbsarten (Aristoteles, Politik, ed. Susem. I, 
3, 5). Da das Beutemachen in den Kriegen der Antike Regel war, 
mußte der Kriegsdienst mehr als ein Recht denn als eine Pflicht 
erscheinen. Während ursprünglich die in den Krieg ziehenden Klassen 
mit Gewinnbeteiligung arbeiteten, wobei allmählich gewisse Klassen 
sich den Hauptgewinn aneigneten, hat man späterhin Kriegsprole 
tarier angeworben, das Unternehmen kapitalistisch organisiert und 
die Beute den Soldaten durch Tantiemen zugebilligt, während der 
Hauptgewinn dem Staate zufiel. 
Da das Beutemachen eine überaus wichtige Angelegenheit war, 
wurde es systematisch geregelt (Polybius X, 2). Im allgemeinen 
galt der Grundsatz, daß das staatliche Eigentum an den siegenden 
Staat fiel (Plutarch, Marcellus 16), das Privateigentum an 
die Soldaten oder die Bürger überhaupt. Die Autoren erzählen 
oft sehr breit von den Streitigkeiten, die mit der Beuteverteilung 
zusammengehangen haben sollen (Livius V, 20 f.). Während zu 
Beginn der Republik der Kriegserwerb vorwiegend durch die Zen 
tralstelle verteilt wurde, wurden späterhin die einzelnen Armeen 
in vielem autonom, was auch im Interesse der Feldherrn lag, die 
ihre Armeen zu politischen Zwecken benötigten (Plutarch, Cäsar 17). 
Es scheint in Rom durchschnittlich jedes zweite Jahr zu einer Ver 
teilung von Beute gekommen zu sein, so daß der Kriegserwerb für 
einen Teil der Bevölkerung sicher eine regelmäßige Einnahme dar 
stellte — wurde doch der Janustempel bis Augustus (Livius I, 19) 
nur einmal geschlossen (Florus IV, 12). Zuweilen wurden nur die 
siegreichen Krieger mit Beute bedacht, die manchmal den halben 
Jahressold und darüber betrug (Livius XLV, 45) zuweilen aber 
auch das Volk (Appian, Bürgerkrieg II, 102). Wenn Kriege in 
beutearmen Gegenden geführt wurden, so z. B. in Jllyrien, mußte 
sich die Regierung dazu verstehen, auch den Siegern in diesen Kämp 
fen ein Beuteäquivalent auszuzahlen, so daß eine Art Minimal 
beuteertrag im Falle des Sieges für die Soldaten garantiert wurde.
        <pb n="107" />
        Krieg, Beute, Geld, Handel. 
99 
Wenn auch in den früheren Kriegen die Beute keine geringe Rolle 
spielte, so wurden insbesondere die Kriege in Mazedonien und Klein 
asien von den Kriegern vorwiegend als Beutezüge angesehen. Die 
Beute war für diese Armee nicht mehr ein Zuschuß zum sonstigen, 
meist agrarischen Einkommen, sondern bildete zum großen Teil das 
gesamte Einkommen. Biele Veteranen kehrten aus den Kriegen ge 
radezu wohlhabend heim. Nicht der Patriotismus begeisterte immer 
die Römer (Livius VIII, 36), sondern den Ausschlag gab oft der 
„beutegewohnte Krieger" (Livius X, 17). Daß die Staaten auf die 
Beute kein geringes Gewicht legten, mag man daraus entnehmen, 
daß ihrer in Bundesverträgen gedacht wurde (Dionys v. Hali 
karnaß VI, 95). Bei den andern Völkern der Antike war übrigens 
die Beute von ähnlicher Wichtigkeit (Justinns XXV, 1 f.). 
Die Ausbreitung der römischen Macht über Italien hatte bereits 
dazu geführt, daß man, knapp ehe man zur Ausbreitung auf außer 
italisches Gebiet überging, das Silbergeld einführte, wodurch 
die Handelsbeziehungen mit der griechischen Welt überaus erleich 
tert wurden. Daneben blieb freilich für den Kleinverkehr das Kupfer 
geld bestehen. Um dieselbe Zeit wurde auch das Schuldrecht den 
Forderungen der neuen Zeit mehr angepaßt. Die Struktur des 
Staates wurde, nachdem der Ständekampf beendet war, umgebildet. 
Mit den Mächten des Ostens scheint Rom zum erstenmal in aus 
gedehntere Handelsbeziehungen getreten zu sein, als es gegen Neapel 
vordrang (S. 94). Kurz bevor es zum Kriege zwischen Rom und 
Karthago kam, waren die Römer mit Ägypten in nähere Beziehung 
getreten (Livius, Jnhaltübersicht v. XIV), was zur Folge hatte, daß 
die Karthager während des Krieges daselbst vergeblich eine Anleihe 
aufzunehmen suchten (S. 84). 
Diese politische Expansion förderte vor allem den Handel, weni 
ger die Industrie Roms. Die eroberten Gebiete lieferten reichen 
Natural- und Geldertrag, sowohl an den Staat als auch an ein 
zelne. Mit diesem Gelde, weniger mit Waren bezahlte man den 
römischen Import aus den Provinzen. Außerhalb Roms freilich 
wurde die Jndustrietätigkeit, wie wir sie in Griechenland kennen 
gelernt haben (S. 54), nun auf die übrigen Länder verbreitet. 
Abgesehen von den Einnahmequellen, welche den Römern zur Ver 
fügung standen, waren sie in den Provinzen auch schon frühzeitig 
in mannigfacher Weise bevorzugt. Nachdem es einmal klar ge 
worden war, daß Rom nicht die Hegemonie über eine Organisation 
von Bundesstaaten ausüben, sondern Zentrum eines großen Reiches 
7*
        <pb n="108" />
        100 Sechstes Kapitel. Die Entwicklung der römischen Weltwirtschaft. 
sein werde, trat es als lokales Handelszentrum immer mehr zurück, 
auch in der Kaiserzeit ist es vor allem durch seinen Import, we 
niger durch seinen Export und seine Produklion hervorragend. 
Die freien Handwerker scheinen sich zu Rom schon in früher 
Zeit in Vereinigungen zusammengeschlossen zu haben, deren 
Charakter uns aber heute noch dunkel ist. Daß sie neben religiösen 
und geselligen Zwecken auch wirtschaftliche verfolgten, ist sehr wahr 
scheinlich. Ihre Bedeutung ist in der republikanischen Zeit nie sehr 
groß gewesen, in der Kaiserzcit hingegen haben die zahlreichen und 
wichtigen Vereinigungen der Handwerker und Gewerbetreibenden 
an diese alten Traditionen angeknüpft. Gegen Ende der Republik 
und zu Anfang der Kaiserzeit hat die Regierung denselben beson 
dere Aufmerksamkeit zugewendet, da sie in immer stärkerer Weise als 
politische Organisationen auftraten, weshalb man des öfteren an 
die Auflösung von Vereinen ging und die Konzessionierungspflicht 
einführte. Die Vereinigungen überhaupt waren besonders dadurch 
bedenklich geworden, daß die zum Teil zugelassenen Sklaven all 
mählich allzuheftig ihre Leibeskräfte bei den politischen Verwick 
lungen einzusetzen pflegten. Das so bedingte schärfere Vorgehen der 
Regierung dürfte vielfach auch reine Handwerkerkorporationen ge 
troffen haben. 
Über die Berufsehre hatten die vornehmen Römer von den 
Panischen Kriegen an ungefähr dieselben Anschauungen wie die 
höheren Stände der griechischen Welt vom 5. Jahrhundert an 
oder wie die gleichen Kreise unserer Zeit, die Klassen, die sich 
durch Bildung und Besitz auszeichnen, zum Teil sogar Klassen, 
die keines von beiden aufzuweisen haben, aber durch Prätensionen 
beides ersetzen. Während in den ältesten Zeiten Roms der vor 
nehme Mann wohl selbst auf dem Felde mit Hand anlegte und 
nur im Dienste eines anderen zu stehen mißachtete, wird es all 
mählich üblich, sich überhaupt jeder physischen Anstrengung zu 
enthalten. Es wurde damals, so wie heute in den entsprechenden 
Kreisen, als ein Unglück angesehen, wenn der Sohn einer besser 
situierten Familie sich durch ein Handwerk oder gar durch ge 
wöhnliche Lohnarbeit sein Brot verdienen mußte. Während man 
aber heute in den Kreisen, welche jeden niedrig einschätzen, der 
sich mit diesen Dingen befassen muß, vielfach vorgibt, prinzipiell 
jede Arbeit zu achten, haben Vertreter der analogen Interessen 
in Rom unumwunden erklärt, daß sie niedere Arbeiten und die 
jenigen, welche sie ausüben, niedrig einzuschätzen pflegen. Während
        <pb n="109" />
        Handwerker, Berufsehre, Sklaverei. 101 
ursprünglich Geld- und Handelsgeschäfte überhaupt nicht für vor 
nehm galten, hat man sich an die rentableren Betriebsformen 
gewöhnt und sie im großen Stil für vereinbar mit dem erklärt, 
was man von einem Manne der feinen Gesellschaft zu fordern 
berechtigt sei. Wenn sie auch in Rom ähnlich wie in anderen 
Staaten (Aristoteles, Politik, ed. Susem. VIII, 10,4), durch das 
Gesetz für gewisse Klassen als unzulässig erklärt wurden, so ge 
stattete dennoch die Sitte die indirekte Beteiligung. In gleicher 
Weise hat ja auch in der modernen Entwicklung der Adel sich ein 
Recht nach dem anderen errungen, und es kann heute jemand vom 
höchsten Adel das Bierbrauen ebenso betreiben wie ein Industrie 
unternehmen, ohne sich, wie etwa im 17. und 18. Jahrhundert, 
deswegen der Mißachtung seiner Standesgenossen auszusetzen. 
Freilich, einen kleinen Laden haben, war in Rom ebensowenig 
gentlemanlike wie heute. 
Es galt auch damals als besonders vornehm, wenn man nicht 
als Kaufmann sein Leben beschloß, sondern auf seinen Gütern als 
Großgrundbesitzer (Cicero, Über die Pflichten 1,150), wobei nicht 
vergessen werden darf, daß der Grundbesitz damals auch eine der 
sichersten Anlagemöglichkeiten für Geld darstellte. Nur die Ab 
kömmlinge der unteren Klassen trieben damals, so wie bei uns, 
die Gewerbe oder wendeten sich der Lohnarbeit zu, zu ihnen kam 
noch ein Teil der Freigelassenen, soweit diese nicht im privaten 
Verwaltungsdienst standen oder sich den Geld- und Handels 
geschäften zuwendeten. Die Sklaven wurden selbstverständlich so 
wohl als gemeine Arbeiter als auch in den Geld- und Handels 
geschäften verwendet (S. 73). Die Freigelassenen wurden in jeder 
Weise zurückgesetzt und ihnen das Vordringen im Staatsdienst 
und in der Gesellschaft möglichst erschwert. Doch fanden die reich 
gewordenen Freigelassenen Mittel und Wege, in die vornehme 
Welt einzudringen und gar manchem Mann von altem Geschlecht 
den Rang abzulaufen. Sie benutzten oft ihren Einfluß und ihre 
Macht dazu, ihren Nachkommen ein entsprechende soziale Stellung 
zu sichern. 
Die römische Expansion förderte die industrielle Entwicklung 
des Mittelmeergebirtes nicht nur dadurch, daß Rom als Käufer 
auftrat, sondern auch durch die vermehrte Sklaven zufuhr. 
Besonders die Kriege mit den Karthagern, dann mit den Grie 
chen und Kleinasiaten sowie mit den Seeräubern lieferten über 
reichliches Material. Die letzten Jahrhunderte der Republik haben
        <pb n="110" />
        102 Sechstes Kapitel. Die Entwicklung der römischen Weltwirtschaft. 
zu jenen Zeiten des Altertums gehört, in denen die Sklaverei 
eine erhebliche Bedeutung besessen hat. Der Sklave, der dem 
Kleingewerbetreibenden sein Brot nahm und den Arbeiter aufs 
Pflaster warf, entsprach in vielem unseren Maschinen. Im großen 
und ganzen wäre die antike Entwicklung nicht anders verlaufen, 
wenn statt der Sklaven eine vorgeschrittene Technik Maschinen 
geliefert hätte. Daß die Verwendung von Sklaven in Zeiten in 
dustriellen und kommerziellen Aufschwungs die Entwicklung der 
Technik irgendwie gehemmt hat, ist nicht sehr wahrscheinlich, weil 
die Kombination von Maschinen und Sklaven für die Unter 
nehmer jedenfalls noch günstiger gewesen wäre. Die Vermehrung 
der nichtitalischen Sklaven (Livius XXXII, 26), unter denen 
sich auch viele auf niederer Kulturstufe befanden, drückte das Ni 
veau der Sklavenschaft überhaupt wie in der analogen Periode 
in Griechenland (S. 48), auch die Menge der Sklaven war für 
deren Behandlung nicht gerade günstig. Je seltener die Sklaven 
zu einer Zeit sind, um so humaner pflegen sie behandelt zu werden. 
Daß aber viele treffliche Leute unter den Sklaven waren, be 
weisen nicht nur die einzelnen hervorragenden Männer, die aus 
ihnen hervorgegangen sind. sondern vor allem die gut organisierten 
Aufstände, die seit dem 2. Jahrhundert zu wiederholten Malen 
die römischen Truppen und Feldherren zur Aufbietung ihrer ganzen 
Energie zwangen (S. 97). Besonders die Weidewirtschaft absor 
bierte viele Sklaven sowie die Plantagenbetriebe. In Etrurien 
z. B. bildeten die Sklaven in der zweiten Hälfte des 2. Jahr 
hunderts einen Hauptbestandteil der ackerbauenden und viehzucht 
treibenden Bevölkerung (Plutarch, Ti. Gracchus 8). Kam dazu 
noch, wie in Unteritalien in manchen Gegenden, ein Fallen der 
Bevölkerungszahl, so traten die Sklaven noch mehr in den 
Vordergrund. 
Die Antike kannte ebenso wie die Gegenwart sowohl das Pro 
blem der Übervölkerung wie das der Entvölkerung. Immer 
wieder mußte gegenüber der drohenden Übervölkerung, sei es, daß 
diese durch die natürlichen Verhältnisse, sei es, daß sie durch die 
sozialen Verhältnisse bedingt war, Abhilfe geschaffen werden. Da 
neben wurde aber bereits frühzeitig in vielen Gegenden, so be 
sonders seit dem 2. Jahrhundert ein Rückgang der Bevölkerung 
und eine Abnahme des Bevölkerungszuwachses konstatiert. Zum 
Teil war diese Entvölkerung durch Kriege bedingt, die ja in der 
Antike mit besonderer Grausamkeit geführt wurden, indem man
        <pb n="111" />
        Sklaverei, Bevölkerung. 
103 
im Gegner vielfach nur den Konkurrenten, nicht aber den zukünftigen 
Genosfen oder Untertanen erblickte. So haben z. B. die Bürger 
kriege große Menschenverluste verursacht (Appian, Bürgerkrieg 
II, 102); so hat in Epirus der Krieg in erster Reihe die Ent 
völkerung besorgt. Die epirotischen Ansiedlnngen, welche nur selten 
zu Städten im eigentlichen Sinne angewachsen waren, konnten 
durch Kriege derart vernichtet werden, daß Strabo oft nicht einmal 
mehr ihre Lage anzugeben in der Lage war. Um einer verhältnis 
mäßig unbedeutenden Ursache willen wurde dieses Land, dessen 
Bewohner sich vorwiegend mit Landbau und Viehzucht (Varro, 
Über die Landwirtschaft, Einl. z. II) beschäftigten, von den Römern 
im 2. Jahrhundert in der entsetzlichsten Weise behandelt, indem 
Ämilius Paulus 150000 Einwohner in die Sklaverei verkaufte 
und 70 der Ansiedlungen zerstörte; da in den übriggebliebenen 
Ortschaften Garnisonen untergebracht wurden, konnte sich das Land 
bis Augustus nicht erholen. Diese Methode der Entvölkerung 
gewährte Sicherheit gegen Rebellion und lieferte Sklavenmengen 
für Gewerbe und Luxus. Doch hörte diese Art der Behandlung 
in der Kaiserzeit mit der Expansion im allgemeinen auf, obgleich 
ein ähnliches Verfahren noch gelegentlich geübt wurde. So lebte 
z. B. in der Zeit des Augustus in Norditalien das freie Bergvolk 
der Salasser, das dem römischen Heere zuweilen unangenehm 
wurde und überdies im Besitz einträglicher Goldwäschereien war. 
Das Volk wurde besiegt, und Augustus verkaufte ihrer 36 000 in 
die Sklaverei, wobei die Autoren ausdrücklich hervorheben, daß er 
ein milder Herr war und nie schwerere Strafen über ein Volk 
verhängte als Verkauf in die Sklaverei mit der Bestimmung, daß 
vor dreißig Jahren keine Freilassungen erfolgen durften (Sueton, 
Augustus 21). Es war dies ein ähnliches Vorgehen wie jenes 
gegen Karthago und gegen Korinth. Zur Entvölkerung trug dies 
Verfahren dadurch bei, daß sich die Sklaven weniger fortpflanzten 
als die Freien, abgesehen davon, daß es ohne ausgiebige Tötung 
dabei nicht abging. Zur direkten Entvölkerung durch Kriege kam noch 
die indirekte durch Zerstörung der Nahrungsquellen, die besonders 
in Gegenden, welche eine sorgfältige Bebauung verlangten, von 
großer Bedeutung war. Auch die von allen Kriegen unabhängige 
Bevölkerungsabnahme spielte eine große Rolle, die wir ja auch in 
der modernen Kulturentwicklung kennen, sei es, daß die natürliche 
Fruchtbarkeit abnahm, sei es, daß in ausgiebigerWeiseVorkehrungen 
gegen die Fortpflanzung getroffen wurden. Zu einer Zeit, da in
        <pb n="112" />
        104 Sechstes Kapitel. Die Entwicklung der römischen Weltwirtschaft. 
Griechenland keine Kriege oder Krankheiten wüteten und alles dazu 
angetan war, die Wunden zu heilen, die der Krieg geschlagen hatte, 
bemerkte Polybius diese Erscheinung mit großem Erstaunen (Poly 
bius XXXVII, 4). Er erklärte dies ähnlich, wie Roosevelt dies in 
Amerika tat, durch den überhandnehmenden Luxus, doch kann dies 
nur die Bevölkerungsabnahme in den wohlhabenden Kreisen er 
klären. Diese kamen aber bei der Bevölkerungszahl nicht wesent 
lich in Betracht, wenn auch dort die Erscheinung besonders in 
die Augen fiel. Aber gerade bei den weiten Kreisen der Bevölke 
rung ist die Erscheinung schwierig zu erklären. Ein Teil der Be 
völkerung ist sicher durch ein freieres Leben, besonders durch den 
Kriegsdienst, dem Familienleben entfremdet worden, bei einem 
andern wird man wohl auch eine durch den wirtschaftlichen Auf 
schwung bedingte Zunahme des Einkommens und der kleinen Er 
sparnisse annehmen müssen. Bei diesen führte berechtigte Angst, 
daß die Kinder, seien es nun Arbeiter, Bauern oder Handwerker, 
in Not und Elend zurücksinken könnten, zur Einschränkung der 
Fortpflanzung. Denn im allgemeinen ist nur bei den Schichten, 
die etwas zu verlieren haben, diese Tendenz entwickelt, viel weni 
ger beim Proletariat, das nichts zu verlieren hat. Aber auch in 
diesen Schichten dürfte die Einschränkung des Kinderzuwachses 
stärker verbreitet gewesen sein als heute. Neben der Verhinde 
rung der Befruchtung, die meist eine höhere Intelligenz und 
fürsorgende Tätigkeit erfordert, waren dem Menschen der Antike 
im allgemeinen zwei Möglichkeiten gegeben, die heute beide ver 
pönt sind, Fruchtabtreibung und Kindesmord. Von diesen 
Möglichkeiten kommt die zweite bei unserer Bevölkerungszahl fast 
gar nicht in Betracht, die erstere jedenfalls nicht in dem Maße 
wie bei völliger gesetzlicher Zulässigkeit, wie sie z. B. in der re 
publikanischen Zeit Roms vorhanden war. Auch spätere Gesetze 
in der römischen Kaiserzeit, welche die Fruchtabtreibung verhindern 
sollten, waren keineswegs ausreichend. Die physische Degeneration 
muß noch genannt werden sowie die familienauflösende Tendenz 
der Großstädte. Wieweit die einzelnen Faktoren mitgewirkt haben, 
läßt sich für die Antike nicht feststellen, fehlen doch selbst für die 
Gegenwart diesbezüglich ausreichende Untersuchungen. Die Be 
völkerungsabnahme scheint sich im 2. Jahrhundert auf das ganze 
Mittelmeergebiet erstreckt zu haben und zunächst gewisse Teile 
Italiens, dann die andern Provinzen ergriffen zu haben. 
Die römische Expansionspolitik war, wie wir gesehen haben,
        <pb n="113" />
        Bevölkerung, Landwirtschaft. 
105 
geeignet, die verschiedensten Bevölkerungsklassen zu befriedigen 
(S. 94). Es zeigte sich aber bald, daß vorwiegend die Reichen 
den Vorteil behielten, während die ärmeren Schichten die ihnen zu 
teil gewordenen Vorteile wieder einbüßten. Die kleinen Bauern, 
welche als Soldaten im Felde standen, mußten häufig Schulden 
machen, wobei die Wirtschaft immer weiter zurückging, denn der 
Sold, der seitdem 4. Jahrhundert gezahlt wurde (LiviusIV, 59 f.), 
reichte nicht aus, auch noch Schulden zu bezahlen. Die Verschul 
dung führte anfangs zur bürgerlichen, später nur noch zur völli 
gen wirtschaftlichen Vernichtung (S. 109). Die Bauerngüter, 
welche so frei wurden, konnten selten wieder von freien Bauern 
angekauft werden, sondern fielen den Großgrundbesitzern zu, die 
sie ihren Besitzungen einverleibten. Aber auch wenn der Bauer 
nicht verschuldet war, verlor er häufig sein Gut, wobei er sogar 
noch, wenn es ihm abgekauft wurde, um zur Arrondierung eines 
großen Güterkomplexes zu dienen, ein gutes Geschäft machen 
konnte. Der Bauer vermochte mit seinem Geld nicht viel anzufangen, 
und es dauerte selten länger als eine Generation, so war aus 
dem früheren selbständigen Bauerngeschlecht eine Proletarier 
familie geworden. Diese Verdrängung der freien Bauern führte 
nun zunächst nicht dazu, eine entsprechende Zahl freier Arbeiter 
oder auch nur Sklaven auf den Gütern zu verwenden, da große 
Strecken, zumal in Italien, als Weideland verwendet wurden, 
weil sich die Zerealienproduktion gegenüber der trausmarinen 
Konkurrenz vielfach nicht mehr lohnte. Schon der alte Kato, der 
aus Prinzip mit der Landwirtschaft kokettierte, wußte recht gut, 
daß Weide- und Fischwirtschaft reicheren Ertrag lieferten. Und 
er selbst widmete sich denn auch indirekt — um keinen Verstoß 
zu begehen — dem Handel und der Sklavenzucht (Plutarch, 
Kato d. Ä. 22). Für die Weidewirtschaft sprachen besonders die ge 
ringen Kosten. In Oberitalien war diese Veränderung zwar nicht so 
einschneidend, aber die Gesamtwirkung doch die, daß weite Gegenden 
eine Verringerung der Bevölkerung aufwiesen. Dafür wuchs das 
Proletariat in Rom an, wies im ganzen wohl eine erhöhte Sterb 
lichkeit auf und — entsprechend dem eben Dargelegten — wohl auch 
eine verminderte Bevölkerungszuuahme. Frühzeitig dachte mau 
daran, von Staatswegen der römischen Bevölkerung Getreide zu 
zuführen. Besonders, als man darin eine gute Form der politischen 
Beeinflussung in großem Stil fand, nahmen die Getreidespenden 
an das Volk zu und wurden eine ständige Einrichtung, die selbst
        <pb n="114" />
        106 Sechstes Kapitel. Die Entwicklung der römischen Weltwirtschaft. 
die Kaiser nicht zu beseitigen vermochten (Sueton, Augustus 42). 
Die Ädilen, welche zunächst die Marktpolizei zu besorgen hatten, 
waren auch dazu bestimmt, für billiges Getreide zu sorgen, was 
in der Kaiserzeit eigenen Beamten übertragen wurde. In den 
Provinzen fehlten analoge Vorkehrungen, und es bedurfte manch 
mal der Intervention der römischen Beamten, damit nur das von 
den Händlern aufgespeicherte Getreide zu erschwinglichen Preisen 
verkauft wurde (Cicero, An Attikus V, 21). Ein Teil des Getreides, 
das zu billigen Preisen oder überhaupt umsonst nach Rom kam, 
wurde entweder der Naturalsteuer der Provinzen entnommen oder 
in den Provinzen angekauft, wo man es bedeutend billiger als in 
Italien erhielt. Das Resultat war, daß alle jene Bauern, die Ge 
treide für den römischen Markt produzierten, wirtschaftlich ruiniert 
wurden; dagegen mögen jene, die für die Lokalmärkte des Binnen 
landes, die weit genug von Rom entfernt waren, Getreide lieferten, 
wenig betroffen worden sein. Nur die Bauern, welche nicht für den 
Verkauf, sondern für den eigenen Bedarf Getreide produzierten, wur 
den überhaupt nicht von den niedrigen Getreidepreisen berührt, so 
weit sie es nicht bequemer fanden, nach Rom zu gehen und sich dort 
das Getreide zu holen. Das billige Getreide erwies sich für Italien 
als Danaergeschenk, indem es die wirtschaftliche und soziale Glie 
derung überaus unglücklich gestaltete; die alte Ordnung wurde 
prinzipiell beibehalten, obgleich neue Bedingungen geschaffen waren. 
Es hätte besonderer Vorkehrungen bedurft, um ohne Schaden die 
Vorteile der Getreidezusuhr zu verteilen. Statt daß jedem eine 
Art Existenzminimum garantiert worden wäre, das die Unab 
hängigkeit der Massen erhöht hätte, dienten die Getreidespenden, 
die jederzeit inhibiert werden konnten, dazu, die Massen in Ab 
hängigkeit zu halten (Plato, Kato d. I 26). Man nutzte die Ge 
treidespenden ebenso wie die Landverteilungen zu Ende der Republik 
in der rücksichtslosesten Weise aus (Plutarch, Kato d. I. 31). Diese 
Getreidepolitik verschärfte noch die durch die Agrarverhältnisse 
geschaffenen Schwierigkeiten (S. 109). Ein großer Teil der Bevöl 
kerung Italiens war verarmt, zum Teil vernichtet, überall ging 
man zwar mit Koloniengründungen vor, ohne aber dauernd Ab 
hilfe schassen zu können. Die zunehmende Machtfülle der Beamten 
bewirkte nicht nur, daß die Provinzen schlecht behandelt wurden, 
sondern auch vielfach die italischen Bundesgenossen und die latinischen 
Kolonien. Das zur Assignation zur Verfügung stehende Land war 
in Italien schließlich aufgebraucht, und an die überseeische Koloni-
        <pb n="115" />
        Getreideimport, Reformen. 
107 
sation wollte man nicht schreiten. Schon die Kriege um die Mitte 
des 2. Jahrhunderts konnten unter diesen Umständen nur noch 
mit Mühe geführt werden. Reformen verschiedenster Art wurden 
versucht, so z. B. die Einschränkung von Grundbesitz auf dem 
ager publions (Plutarch, Ti. Gracchus 8). Es sollte eine be 
stimmte Zahl der Knechte freigeboren sein und ähnliches mehr 
(Appian, Bürgerkriege I, 8). Alles vergeblich, die Ausdehnung 
der wirtschaftlichen Macht nahm zu, ohne daß dadurch die untern 
Kreise der Bevölkerung gefördert worden wären. Sklavenunruhen 
(Appian, Bürgerkriege I, 9) verschärften nur die Schwierigkeiten, 
die ein Mann wie Scipio für unlösbar hielt. Die gracchische 
Bewegung setzte nun ein. Es sollte eine eigene Kommission — 
wie solches auch in der griechischen Welt, so z. B. im 4. Jahr 
hundert in Zelea, einer Stadt Kleinasiens, vorgekommen war — 
eingesetzt werden, die alles ehemalige Staatsland feststellen sollte, 
um es streng vom Privatland zu sondern und dann ganz oder 
teilweise zu verteilen (Plutarch, Ti. Gracchus 9). Um diese neuen 
Bauernstellen zu sichern, sollte eine Art Fideikommißgüter (Appian, 
Bürgerkriege I, 10) für Bauern geschaffen werden, wie dies ja 
auch heute von manchen gefordert wird, indem die Güter unver 
äußerlich sein sollten und der Bauer eine Art Erbpächter des 
Staates. Selbstverständlich erregte dies bei allen Besitzenden einen 
Sturm der Entrüstung, der zum Teil durch die Verluste unrecht 
mäßigen Besitzes hervorgerufen war (Plutarch, Ti. Gracchus 9), 
zum Teil aber auch durch die Empörung über die Störung wohl 
begründeter Besitzrechte, war doch vielfach jede Erinnerung im 
derzeitigen Besitzer daran erloschen, daß er auf Staatsland seine 
Villen und Besitzungen habe. Bald darauf wurden auf Anregung 
des Tiberius Gelder ans Volk verteilt, wozu der Nachlaß des 
Königs von Pergamum, den dieser dem römischen Volke vermacht 
hatte, eine gute Gelegenheit bot. Trotz verschiedener Hindernisse 
gingen die Äckergesetze durch, und eine Kommission wurde gewählt 
(Plutarch, Ti. Gracchus 13). Die politische Situation wurde 
dadurch kompliziert, daß Tiberius Gracchus die neue Klasse der 
Geldleute, die Ritter gegen die Aristokratie zu verwenden suchte, 
indem er ihr Vorrechte anbot. Die Opposition der alten Äristo- 
kratie brachte ihm 133 den Tod (Appian, Bürgerkriege I, 16). 
Die Ackerkonimission aber blieb in Täligkeit, Scipio, der sich ihr 
entgegenzustellen suchte, wurde wahrscheinlich getötet (Äppian, 
Bürgerkriege I, 20). Gajus Gracchus suchte die Politik seines
        <pb n="116" />
        108 Sechstes Kapitel. Die Entwicklung der römischen Weltwirtschaft. 
Bruders fortzusetzen und bemühte sich ebenfalls, das Proletariat, die 
Kleinbauern und die Geldleute zu einem einheitlichen Vorgehen 
gegen die aristokratischen Großgrundbesitzer zu bringen (Appian, 
Bürgerkriege I, 22), eine Konstellation, wie wir sie in den letzten 
Revolutionen in Mitteleuropa auch kennen gelernt haben. Die Auf 
teilung von Staatsland in Italien und die Anlegung überseeischer 
Kolonien, so in Korinth und Karthago, war eines der Ziele des 
Gajus Gracchus (Appian, Bürgerkriege I, 23). Daneben trat er 
für ausgiebige Getreideverteilungen ein (Appian, Bürgerkriege 1,21). 
In den folgenden Kämpfen wurde auch Gajus von der Senats 
partei erschlagen (Plutarch, Gajus Gracchus 17). Die Acker 
kommission wurde aufgehoben und den neuen Kolonisten ein neues 
Recht gewährt, mit dem man sie möglichst rasch zugrunde zu richten 
hoffte, man machte nämlich alle Bauernstellen zu solchen vollen 
Rechtes, d. h. sie konnten frei veräußert werden, worauf das be 
kannte Schicksal über sie hereinbrach (Appian, Bürgerkriege I, 27). 
Dies alles besiegelte den endgültigen Untergang der freien Bauern 
schaft, die so aus dem Heere allmählich verschwand, bis zu Ende 
des 2. Jahrhunderts Marius das besitzlose Proletariat ins Heer 
aufnahm. Auch dann kam es wieder zu Landverteilungen. Während 
aber bis dahin die Bauerustelle einen Krieger lieferte, wenn das 
auch nicht gerade immer die Absicht der Reformen war, so war 
nun die Bauernstelle der Lohn für den Krieger. Es begann eine 
furchtbare Besiedlungspolitik, indem man schließlich aus Städten 
und Ortschaften die Einwohner vertrieb, um Platz für die Vete 
ranen zu bekommen, die so der Feldherr für seine künftigen Pläne 
— oft gegen den Staat — zu seiner Verfügung hatte. 
Für die römischen Kleinbauern war die Frage der Verschul 
dung von großer Bedeutung. Die ältere Behandlung des Zahlungs 
unfähigen war eine überaus harte. Man scheint von dem Stand 
punkt ausgegangen zu sein, daß derjenige, der eine Schuld nicht 
zurückzahle, etwa einem Dieb gleichzuhalten sei, wie dies ja 
bei der Sachleihe vielfach zutrifft. Wer einen entliehenen Pflug 
nicht zurückgab unterschied sich nicht viel vom Dieb. Als aber 
die Zahlungsunfähigkeit in wachsendem Maße nicht durch eigene 
Schuld erzeugt und vorwiegend Geld geschuldet wurde, — die Um 
wandlung der Strafsätze aus Viehsätzen in Geldsätze war schon im 
5. Jahrhundert erfolgt —, trat das Schreckliche eines Schuldrechtes 
hervor, das nicht davor zurückscheute, im äußersten Falle den 
Schuldner und die Seinen zu Sklaven zu machen, sei es, daß der
        <pb n="117" />
        Schuldverhältnisse, Zinsfuß. 109 
Schuldner in die Fremde verkauft wurde, oder daß er in den 
Schuldturm gesperrt wurde und für den Gläubiger arbeiten mußte. 
Die schweren Bestimmungen des Zwölftafelrechts aus dem 5. Jahr 
hundert — von denen manche vielleicht nicht richtig überliefert sind 
oder nicht in Anwendung kamen (Gellius. alt. Nächte XX, 1,48—52) 
— sind aus der älteren Auffassung der Schuld zu erklären, während 
die durch den Verkehr bedingte spätere Gesetzgebung der Römer 
zwar auch ein scharfes Vorgehen gegen Schuldner guthieß, schon 
deswegen, um den Kredit zu sichern, aber vorwiegend den Schuldner 
mit seinem Vermögen, nicht mit seiner Person haften ließ. Man 
begnügte sich mit der Zerstörung der wirtschaftlichen Existenz des 
Schuldners, die ja auch heute üblich ist, und hielt es nicht für 
nötig, ihn auch bürgerlich zu vernichten. Am Ende des 4. Jahr 
hunderts wurde die Schuldknechtschaft sehr eingeschränkt, was im 
Interesse der Agrarier gelegen war. So durfte z. B. der Schuldner 
schwören, daß seine Gütermasse den Betrag wert sei, den er in 
Geld schulde, was ihn von der Schuldknechtschaft, falls er dieser 
sonst verfallen wäre, befreien sollte. D. h. der Mangel an Zahlungs 
mitteln bei genügendem Vermögen sollte nicht die härtesten Folgen 
nach sich ziehen (S. 14). Da die Verschuldung oft weite Kreise 
ergriff, war der Ruf nach Schuldennachlaß, neben dem nach 
Güterverteilung, ebenso wie in Griechenland, keine Seltenheit 
(Appian, Bürgerkriege I, 1). Zu einer irgendwie systematischen 
Entschuldungsaktion scheint man aber nie gekommen zu sein, ob 
zwar gelegentlich eingegriffen tvurde, indem man z. B. Moratorien 
gewährte und Abzahlung der Schuld in Raten festsetzte, wobei 
eventuell die schon gezahlten Zinsen in Abzug gebracht wurden. 
Gelegentlich scheint der Staat auch die verschuldeten Güter zu 
einem annehmbaren Schätzungswert belehnt zu haben oder sie 
dem freien Verkauf entzogen und nach Schätzung (S. 14) den 
Gläubigern zugesprochen zu haben (Livius VII, 21), was auch 
in der Kaiserzeit wieder versucht wurde. Nur gelegentlich wurde 
eine prinzipielle Regelung auf einem beschränkten Gebiete ver 
sucht, so als Cäsar in seiner Provinz die Schuldverhältnisse in 
der Weise regelte, daß die Rückzahlung nicht in festen Beträgen 
zu erfolgen habe, sondern in Quoten des Einkommens der Schuld 
ner^ womit alle zufrieden gewesen sein sollen (Plutarch, Cäsar 12). 
Über die Zinsfußverhältnisse sind wir im älteren Rom nicht 
sehr genau orientiert. Daß Zinsmaxima und sonstige Beschrän 
kungen vorkamen, wird mehrfach berichtet. Doch ist über die tat-
        <pb n="118" />
        110 Sechstes Kapitel. Die Entwicklung der römischen Weltwirtschaft. 
sächliche Wirksamkeit dieser Gesetze nichts bekannt. Im allgemeinen 
dürfte der Zinsfuß um 10% geschwankt sein. Seine Höhe scheint 
weniger von den hohen Handelsgewinnen (S. 66) als vielmehr 
vom großen Risiko abgehangen zu haben sowie davon, daß die in 
jeder Hinsicht mächtigere Klasse der Großgrundbesitzer, welche ur 
sprünglich die Geldgeber für die kleinen Bauern waren, sowie 
später jene der Geldleute ihre Position ausnutzte — waren doch 
viele der Darlehen reine Notdarlehen. Die Teilnahme Noms am 
Welthandel in der hellenistischen Periode senkte den Zinsfuß 
(S. 83), so daß er am Ende der Republik in Rom vielfach tief 
unter 10% gesunken ist. Brachten glückliche Feldzüge viel Geld 
nach Rom (S. 98), so sank der Zinsfuß dementsprechend (Dio 
Cassius LI, 21), während gleichzeitig z. B. die Preise der Grund 
stücke stiegen. In den Provinzen, wo rücksichtslose Statthalter jede 
Gelegenheit benutzten, sich Geld zu verschaffen, waren hohe Zins 
sätze häufig nur eine bequeme Form der Beraubung. Die Höhe dieser 
Zinsen, die 20 und mehr Prozent erreichte, ist natürlich in keiner 
Weise von Angebot und Nachfrage, sondern im großen und ganzen 
nur von der persönlichen Macht derjenigen abhängig, welche direkt 
oder indirekt daran beteiligt waren. Daß Versuche des Senats, da 
Ordnung zu schaffen, gegenüber den in den Provinzen allmächligen 
Beamten meist wirkungslos blieben, ist nach den Zuständen, wie sie 
z. B. im 1. Jahrhundert v. Chr. herrschten, nicht wunderzunehmen. 
Selbst wohlwollende Männer wie Cicero leisteten nur schwachen 
Widerstand, wenn einer ihrer Standesgenossen direkt oder indirekt 
durch Strohmänner eine Provinz auf dem Wege des Darlehns 
auswucherte (Cicero, An Attikus V, 21; V, 1 f). 
Die gewerbsmäßige Beschäftigung mit Geldgeschäften scheint 
in Rom etwa im 4. Jahrhundert v. Chr. begonnen zu haben. Die 
Bankiers, welche sich in Rom ansiedelten, waren vielfach Fremde, 
besonders Griechen. Zunächst waren sie in erster Reihe Geld 
wechsler, die wegen der verschiedenartigen Währungen eine nicht 
unwichtige Rolle spielten. Allmählich aber erhielt das Leihgeschäft 
bei ihnen eine immer größere Bedeutung. Daß sie daneben sich 
auch mit anderen Geschäften abgaben, war naheliegend (Cicero, 
Über die Pflichten III, 58). Sie gewährten bald auch Darlehen. 
Dies veranlaßte viele, den Bankiers Gelder zu übergeben, damit 
diese damit Geschäfte machten und dafür einen Anteil an die 
Kunden abgaben. Aber auch reine Depots kamen vor. Der Bankier 
führte bald auch in Rom all die Geschäfte aus, die wir in
        <pb n="119" />
        Geldgeschäfte, freiwillige öffentliche Dienste. 111 
Griechenland und im Orient kennen gelernt haben. Er leistete an 
Dritte Zahlungen für seinen Kunden und kassierte für ihn Gelder 
ein. Er gewährte dem Kunden in verschiedenster Weise Kredit, 
leistete z. B. für ihn Bürgschaft. Es kam auch häufig vor, daß 
der Bankier dem Kunden Geld an einem auswärtigen Platze an 
wies, doch scheint es zur Entstehung des Wechsels nicht gekommen 
zu sein oder so vereinzelt, daß jedenfalls dadurch die Wirtschafts 
verhältnisse nicht entscheidend beeinflußt wurden. Sobald sich der 
Kundenkreis des Bankiers erweiterte, glich der Bankier selbstver 
ständlich Forderungen der Kunden untereinander aus. Obzwar auf 
diese Weise das Bankgeschäft an Bedeutung sehr gewann, die zu 
Beginn der Kaiserzeit noch weiter wuchs, so wurde doch nicht 
jene Agilität und Ausdehnung erreicht, die wir heute kennen. 
In der modernen Wirtschaft werden die Güter und Dienste, 
welche der einzelne der Gesamtheit außerhalb des Marktes 
zur Verfügung stellt, mit wenig Ausnahmen vom Staate ver 
waltet, einseitige freiwillige Leistungen der Privaten sind selten. 
Hierher wären vereinzelte Einrichtungen wie etwa die freiwilligen 
Feuerwehren zu rechnen, auch allgemein zugängliche Bibliotheken, 
Parkanlagen Privater, sowie Wohltätigkeitsanstalten. Im Alter 
tum hingegen gab es zahlreiche Fälle, wo Güter oder Dlenste ent 
weder der Gesamtheit von einzelnen zur Verfügung gestellt wurden 
oder vom einzelnen durch die Gesamtheit in Anspruch genommen 
wurden, ohne daß es der Staat war, der dies regelte. Wenn der 
Ädil regelmäßig aus seinem Sacke Spiele veranstaltete und für 
Spenden sorgte, so ersetzte er die Tätigkeit des Staates; wenn 
der römische Beamte mit Zulassung der Regierung eine Provinz 
auswucherte, so stellte der geraubte Betrag eine Art Besoldung dar, 
denn es wäre wirtschaftlich — wenn auch nicht juristisch — 
ganz dasselbe, wenn der Staat den gleichen Betrag als Steuer 
eingehoben und dem Beamten überwiesen hätte. Zu jener Zeit, 
da die Auswucherung der Provinzen im vollen Gange war, be 
sonders im 1. Jahrhundert v. Chr. war nur juristisch der Beamte 
unbesoldet — die Repräsentationszuschüsse können ja nicht als 
Besoldung aufgefaßt werden, wenn sie auch vielleicht vor den 
Punischen Kriegen mehr bedeuteten als später (Dionys v. Hali 
karnaß XVIII, 14) — nicht tatsächlich, nur die Subalternbeamten 
bezogen Gehalt. Bei einer wirtschaftshistorischen Untersuchung 
müssen wir aber die tatsächlichen Verhältnisse auf dem Gebiete 
der Güterverschiebung in Betracht ziehen, unabhängig von deren
        <pb n="120" />
        1Ì2 Sechstes Kapitel. Die Entwicklung der römischen Weltwirtschaft. 
juristischer Konstruktion. Zu den tatsächlichen Leistungen von ein 
zelnen an die Gesamtheit gehörten Bauten, Spiele, Spenden, 
Straßenanlagen (Plutarch, Cäsar 5) und vieles andere, und zwar 
nicht nur in Rom, sondern vielfach auch in den Provinzen. Von 
einem Zwange des Staates war dabei nicht die Rede, sondern 
von einem der allgemeinen Meinung. Vielfach lag auch reine Be 
rechnung zugrunde, der einzelne wollte so eben das Volk politisch 
gewinnen. Während die Ädilen ursprünglich nur die Aufsicht bei 
den Spielen führten, veranstalteten sie später dieselben immer mehr 
aus eigenen Mitteln und hielten sich dann in den Provinzen schad 
los. Daß unter diesen Umständen gegen das Ende der Republik 
die meisten Politiker von Ruf zeitweilig verschuldet waren, kann 
uns nicht wundern (Cäsar, Bürgerkrieg 1,4). Auch die Getreide 
spenden waren in steigendem Maße ein Agitationsmittel geworden 
(S. 106). Es kam vor, daß ein römischer Beamter die Bereitwillig 
keit einer Provinz, ihm gefällig zu sein, dazu verwendete, Rom 
aus dieser Provinz mit billigem Getreide zu versorgen (Plutarch, 
Wo b. g. 8). 
Eine wichtige Einnahmsquelle für den Staat bildete die 
Verpachtung von Staatsländereien, Weideland, Wäldern, wes 
wegen auch vorsichtige Politiker sich gegen die Verringerung dieser 
Bestände erklärten (Cicero, An Attikus II, 18). Auch die Salz- 
und Pechgewinnung wurde vielfach verpachtet (Dionys v. Hali 
karnaß XX, 6). Ebenso brachten die Bergwerke viel ein. Aber 
nicht nur die Ausnutzung der Immobilien wurde verpachtet, 
sondern, wie wir schon oben sahen, auch die staatlicher Rechte. 
Die Gelder, welche in die Staatskasse aus den Steuern der Pro 
vinzen und den Zöllen flössen, waren überaus groß. Da in den 
Zeiten der Republik die Provinzen den Beamten und Steuer 
pächtern von Jahrzehnt zu Jahrzehnt mehr ausgeliefert wurden, 
war das Pachten der Steuern ein sehr rentables Geschäft und 
daher eine hohe Pachtsumme durch den Staat nicht schwer zu 
erzielen. Da die Provinzialen unter solchen Umständen oft in 
schwere Geldverlegenheit kamen, mußten sie sich an Geldleute um 
Hilfe wenden. Diese waren selbst wieder Römer, die in großer 
Zahl Handels- und Geldgeschäfte in den Provinzen trieben (Plu 
tarch, Kato d. I. 61). Vielfach bildeten sie Konsortien, die syste 
matisch Geld erpreßten. Die vornehmen Römer, die sich häufig 
nicht selbst mit schmutzigen Geldgeschäften abgeben wollten, waren 
durch Strohmänner in denselben vertreten und liehen ihre oder
        <pb n="121" />
        Finanzen, Recht. 
113 
ihrer Standesgenossen Machtmittel den Wucherern zur Eintreibung 
der Gelder, an denen sie selbst dann partizipierten. Dabei war 
die Rücksichtslosigkeit gegenüber den Provinzialen vielfach eine 
grenzenlose, und man könnte mit Recht von einer Art Provinzial 
koller sprechen, so wie man heute von einem Tropenkoller spricht 
(Cicero, Gegen Verres). Betrug und Unterschleife waren dabei, 
sowohl unter den römischen als auch unter den einheimischen 
Beamten, etwas Gewöhnliches (Cicero, An Attikus VI, 2). Die 
Kaiserherrschaft war unter diesen Umständen für viele Gebiete 
eine wahre Erlösung und die Lobreden oft wirklich ernst gemeint. 
Da die Verpachtung der Steuern viel einbrachte, war die Re 
gierung gegen die Steuerpächter überaus rücksichtsvoll, wodurch 
die tatsächliche Macht dieser Leute vielfach so groß wurde, daß 
hohe Beamte sich ihnen beugen mußten. Neben den genannten 
Einnahmen wären noch die Abgaben bei der Freilassung und 
beim Verkauf von Sklaven zu erwähnen, die keinen unerheblichen 
Ertrag brachten. 
Der römische Bürger zahlte im allgemeinen in der Zeit der 
Republik keine direkten Steuern, doch kam es vor, daß er ge 
legentlich eines Kriegszuges eine bestimmte Abgabe leisten mußte, 
die aber mehr den Charakter einer Zwangsanleihe trug, da die 
Rückzahlung, wenn irgend möglich, aus dem Kriegsertrag, d. h. 
aus der Beute, aus dem Erlös, der aus dem Verkauf der Ge 
fangenen zustande gebracht wurde usw., erfolgte (Dionys v. Hali 
karnaß V, 47). Schon seit der Mitte des 2. Jahrhunderts hörte die 
Erhebung dieser Abgabe im allgemeinen auf (Cicero, Über die 
Pflichten II, 76). Die Kriegseinnahmen gehörten in der römischen 
Republik zu den wichtigsten der Staatskasse und waren ausreichend 
regelmäßig. Erst die Friedenszeit unter den Kaisern ließ andere 
Einnahmequellen bedeutsamer werden. Ein Teil dieser Einnahmen 
wurde häufig dazu verwendet, Tempel zu errichten (Dionys v. 
Halikarnaß VI, 94). 
Die großartige Entwicklung zur Weltwirtschaft übte auch auf 
das Rechts leb en einen entscheidenden Einfluß aus. Schon früh 
wurde jenes Zeitalter der Barbarei in Rom überwunden, das 
den Fremden für rechtlos erklärte, indem man durch Gastfreunde 
eine Art Vertreter für ihn schuf. Um die Mitte des 3. Jahr 
hunderts v. Chr. schuf man eine eigene Behörde für die Recht 
sprechung, die Verträge zwischen Römern und Ausländern sowie 
dieser untereinander, indem für Streitfälle, welche dieselben 
NNuG 358: Neurath, antike Wirtschaftsgeschichte. 8
        <pb n="122" />
        114 Siebentes Kapitel. Das römische Reich als Wirtschaftskörper. 
betrafen, ein eigener Prätor neben dem Stadtprätor bestimmt 
wurde. Da in den Provinzen auf die einheimische Rechtsordnung 
immer Rücksicht genommen wurde und auch in Rom selbst gele 
gentlich der verschiedenen Handelsgeschäfte, die ja vorwiegend mit 
Fremden abgeschlossen wurden, fremde Rechtsanschauungen ein 
drangen, so entwickelte sich mit der Zeit eine ganze Reihe neuer 
Rechtssätze und Institutionen, welche allmählich die römischen Ge 
bilde überwucherten. In der Kaiserzeit wurden die altrömischen 
Rechtssätze geradezu von den internationalen Rechtssätzen absor 
biert. Ihre Kodifikation im oströmischen Reiche stellte dann für 
die späteren Völker den Inbegriff des römischen Rechts dar. Es 
wurde darin eine Menge von juristischen Ideen verarbeitet, die 
auf die einzelnen Völker, Römer, Griechen und Orientalen auf 
zuteilen der Wissenschaft noch nicht gelungen ist. 
Ein gewaltiges Reich war aus dem kleinen römischen Gemeinde 
wesen geworden, anders als bei den griechischen Staaten der vor- 
alexandrinischen Zeit ging hier die Entwicklung der politischen und 
wirtschaftlichen Macht parallel. Die Weltwirtschaft wurde 
durch den Weltstaat geschaffen. 
Siebentes Kapitel. 
Das römische Reich als Wrrtschaftskörper. 
(Ende der Republik und Beginn der Kaiferzeit.) 
Und es bringt alle, die Kleinen und die Großen, die 
Reichen und die Armen, die Freien und die Knechte 
dazu, daß sie sich einen Stempel machen auf ihrer 
rechten Hand oder ihrer Stirn, damit niemand kaufen 
oder verlaufen könne, der nicht den Stempel habe mit 
dem Namen des Tieres- Offenbarung Johannes. 
In den letzten Zeiten der Republik vereinigte das römische 
Reich alle Völker des Mittelmeerbeckens „gleichsam wie in 
einem Leibe". Die Grenzen, welche das Kaiserreich erreichen sollte, 
waren an den wichtigsten Punkten bereits abgesteckt; von den un 
bekannten Welten konnte die Römer nur Indien locken, dem sie 
sich durch Kriege gegen das mächtige Partherreich sowie durch den 
Handel möglichst zu nähern suchten. Wie das Gold Amerikas später 
die Spanier anzog, so die Westländer der Antike das Gold jenes 
Indien (Herodot III, 94), wo die Natur alles in Fülle hervor 
brachte, wo Flüsse von Milch und Honig, von Wein und Öl
        <pb n="123" />
        Weltwirtschaft. 
115 
strömen sollten, wo ein glücklicheres Geschlecht ein friedliches Da 
sein in lieblichen Hainen unter einem ewig blauen Himmel führte 
(Dio v. Prusa XXXV, 18 f.). Germanien dagegen oder das nörd 
liche Britannien waren wenig begehrenswert, nur aus politischen 
Gründen suchte man diese Länder teilweise zu besetzen. Nach Westen 
fand die Herrschaft am Atlantischen Ozean ihre Grenze, und wenn 
man jenseits der Säulen des Herkules die Sonne größer als sonst 
im Meere versinken sah und von einer herrlichen Insel träumte, 
die fern im Westen liege, so fuhr man trotzdem nicht auf Ent 
deckungsfahrten hinaus (Diodor V, 19). 
Bis an die Grenzen der bewohnten Welt waren die Römer viel 
fach vorgedrungen (Appian, Einleitung 1 f.). Doch begnügten sie 
sich selten damit, Länder gesehen zu haben oder mit ihnen Handel 
zu treiben, meist folgten den römischen Reisenden und Kauf 
leuten die Kohorten auf dem Fuße. Und so verbreitete sich in 
Asien, Afrika, Germanien, Gallien und Britannien nicht nur der 
römische Name, sondern auch römisches Blut; denn wo der römische 
Krieger hinkam, dort entstanden bald Blutmischungen aller Art. 
Handel und Verkehr bewirkten, daß sich das Schauspiel wieder 
holte, das Italien im Kleinen erlebt hatte: alle Eigenheiten der 
Sitte, Sprache, Kleidung und Bewaffnung sowie der wirtschaft 
lichen Ordnung vermischten sich immer mehr. Zu Ende der Re 
publik traten jene Gebiete zurück, die ihren Bedarf selbst produ 
zierten, bis gegen Ende der Kaiserzeit die eigene Versorgung wieder 
in den Vordergrund trat und der länderumspannende Mittelmeer 
handel zusammenschrumpfte. In der Periode aber, von der wir 
hier sprechen, war die Weltwirtschaft auf ihrem Höhepunkt. Der 
Kaufmann kam nicht nur in die fernen Länder, um dort zu holen, 
was jene zufällig besaßen, wie dies lange Zeit bei den Indien- 
fahrern der Fall war, sondern die fremden Völker paßten in immer 
stärkerem Maße diesen Handel ihrer Produktion an und trieben 
so selbst auf niedriger Kulturstufe ein regelmäßiges, einigermaßen 
organisiertes Exportgeschäft. Von Gades bis zu den Küsten In 
diens gab es überall Städte und Ortschaften, die mehr oder we 
niger vom Handelsverkehr lebten, sei es, daß man Fische einsalzte 
wie in einigen spanischen Gegenden und sie mit eiMen oder 
fremden Schiffen nach Rom schaffte, sei es, daß man Weihrauch, 
Schildkröten und Elfenbein im. Osten sammelte, um es""8em "rö 
mischen Kaufmann' zu' übergeben. Aber nicht nur die fremden 
Handelsplätze organisierten ihre Produktion für den Verlaus, auch
        <pb n="124" />
        116 Siebentes Kapitel. Das römische Reich als Wirtschaftskörper. 
die Handelszentren des römischen Reiches begannen, sich der Er- 
portindustrie speciell für jene Gegenden zuzuwenden, und traten 
so mit der dortigen Industrie immer mehr in Konkurrenz; 
während ursprünglich der fremde Kaufmann ins freinde Land 
Waren seiner Heimat brachte, überwog nun vielfach die Ein 
fuhr von Gegenständen, welche die einheimische Industrie, aller 
dings nicht so billig, herzustellen vermochte. Während das erste 
Stadium in erheblichem Maße den Kulturfortschritt förderte, in 
dem fremde Waren neue Bedürfnisse erzeugten, wie dies z. B. die 
orientalischen in Griechenland taten (S. 30), hatte dies zweite 
Stadium nicht mehr diese günstige Wirkung. Das Volk, welches 
dem römischen Kaufmann seine Schildkröten verhandelte, erhielt 
Jahr für Jahr dieselben Tongefäße, die früher seine eigenen 
Handwerker erzeugten und vielfach trat dadurch sogar ein Rück 
gang in der Kultur ein. 
Im Westen lag die Provinz Spanien, die durch den hanni- 
balischen Krieg, am Ende des dritten Jahrhunderts, den Römern 
zugefallen war. In erster Linie waren nur die Küsten dem Handel 
erschlossen, und Handelsexpeditionen, besonders in die nordwestlichen 
Teile, blieben lange ein Wagnis. Die südlichen, unter dem Namen 
Bätica zusammengefaßten Distrikte nahmen vor allem italische 
Auswanderer auf. Dort befanden sich auch bereits seit längerer 
Zeit römische Ansiedlungen, so z. B. Carteia, das dadurch ent 
standen war, daß die römischen Soldaten mit eingeborenen Frauen 
Kinder erzeugten und mit den Ureinwohnern zusammen eine Ko 
lonie bildeten. Immer mehr römische Ansiedlungen entstanden 
zwischen den alten phönikischen, griechischen und karthagischen Ko 
lonien, die ihren nationalen Charakter nicht bewahrten, sondern 
meist, wie z. B. Gades, eine gemischte Bevölkerung in ihren 
Mauern einschlössen. Bätica war reich an Naturschätzen, viele 
Küstenstädte beschäftigten sich mit dem Fangen und Einsalzen von 
Fischen, die in erster Reihe nach Italien exportiert wurden. Der 
Bätis, dessen beide Ufer intensiv bebaut wurden, konnte weit 
hinauf mit Lastschiffen befahren werden, dann mußte man die 
Waren auf kleinere Fahrzeuge umladen, die bis Korduba, das 
spätere Kordova, fuhren (Strabo, Geographie III). Silber, Kupfer 
und Gold fand man in Bätica sowie in den sonst ärmeren nörd 
lichen Gegenden. Die Produktion Südspaniens an Zerealien war 
so groß, daß sie in großer Menge exportiert werden konnten, was 
durch die Flüsse sehr erleichtert wurde. Auch wurden Kanäle ge-
        <pb n="125" />
        Spanien, Gallien. 
117 
schaffen, um den Verkehr zu unterstützen, der freilich mit dazu bei 
trug, die früher überaus niedrigen lokaleil Fleisch- und Getreidepreise 
zu erhöhen. Die Waren, die vor allem nach Rom und Italien ver 
sendet wurden, decken sich im großen und ganzen mit den heutigen 
Exportartikeln: Getreide, Wein, Öl, Wachs, Honig, Pech, Wolle, und 
neben diesen Rohprodukten auch manche Ganzfabrikate, so Eisen 
waren, gewisse Gewebe und vieles andere. Die Waren wurden 
meist auf Schiffen ausgeführt, die auf spanischen Werften aus 
spanischem Holz verfertigt worden waren, so daß auch die großen 
Waldbestände Verwendung fanden. Der Verkehr wurde durch 
Straßenbauten gefördert, die zur Zeit der Republik begonnen und 
von den Kaisern fortgesetzt wurden. Sie dienten zunächst mili 
tärischen Zwecken, wie ja auch heute viele Eisenbahnen und Straßen, 
wurden aber selbstverständlich vom Handel benutzt. Es war sogar 
eine Reichsstraße vorhanden, welche die italisch-gallische Straße 
bis zum Ozean fortsetzte und eine direkte Verbindung mit Rom 
schuf. 
Die nordöstlich an Spanien angrenzende Provinz Gallien war 
lange vor der politischen Besitzergreifung von den Römern wirtschaft 
lich ausgebeutet worden, nachdem Massalia Gallien dem Osten 
erschlossen hatte (S. 33). Wo zunächst nur der griechische Kauf 
mann Handel trieb, kam bald auch der römische hin, und diesem 
folgten der römische Soldat und der römische Landwirt. Nachdem 
die Massalioten, die in ihren Handelsinteressen durch die um 
liegenden Völker gestört wurden, im 2. Jahrhundert die Römer 
gerufen hatten (Polybius XXXIII, 4 f.), halfen diese, immer auf 
Erweiterung ihrer Macht bedacht, gerne der militärisch schwächer« 
Stadt (Strabo IV, l), es entstanden römische Städte, die zunächst 
Massalia als Schutzwehr umgaben, bald aber als unerwünschte 
Fessel umklammerten. Römische Heere hatten immer in Gallien 
zu tun, da Unruhen auf Unruhen folgten. Trotzdem wurden Ko 
lonisten und Kaufleute nicht davon abgehalten, nach Gallien zu 
ziehen, um entweder in den Städten des Südens eine Heimstätte 
zu finden oder um im Norden auf weiten Reisen Reichtümer zu 
sammeln, sei es auf dem Festlande oder jenseits des Kanals in 
Britannien. Wenn auch die Römer der Stadt alle Förderung an 
gedeihen ließen, so war der Verlust der Selbständigkeit doch nur 
eine Frage der Zeit und die Gefahr, daß mit der politischen auch 
die wirtschaftliche Macht, wie so oft, zugrunde gehen könnte, über 
aus naheliegend. Im Kampf zwischen Pompeius und Cäsar ver-
        <pb n="126" />
        118 Siebentes Kapitel. Das römische Reich als Wirtschaftskörper. 
mochte, wie es scheint, Massalia nicht Neutralität zu bewahren, 
wurde von Cäsar erstürmt und der umliegenden Gebiete beraubt, 
auf deren Boden bald römische Kolonien entstanden, die in immer 
stärkerer Weise dem Handel Massalias Konkurrenz machten. Doch 
behandelte man Massalia mit Hochachtung, und eine gewisse poli 
tische Selbständigkeit blieb dem aristokratisch regierten Gemein 
wesen. Viele Massalioten warfen sich auf das Studium der 
schönen Künste und lehrten die Gallier in ihrer Stadt die 
griechische Sprache und Wissenschaft, so daß die Hellenisierung 
Galliens mit der Römerzeit nicht ihr Ende fand. Aber nicht nur 
den Galliern war Massalia eine Kulturstätte, es gab auch viele 
Römer, die es vorzogen, in Massalia statt in Athen ihre Studien 
zu treiben, was mit dazu beitrug, die Stellung der Stadt zu 
festigen. Bis weit in die christliche Zeit hinein haben sich leben 
dige Überreste dieser hochentwickelten antiken Kultur dort erhalten. 
Neben Massalia gab es aber noch viele andere bedeutende Handels 
städte, die über ganz Gallien zerstreut waren. Die zahlreichen schiff 
baren Flüsse unterstützten den Handel, Straßenzüge, steinerne und 
hölzerne Brücken ergänzten diese natürlichen Verkehrswege zu 
einem zusammenhängenden System (Strabo IV, 1). Die Flüsse 
selbst wurden vielfach reguliert und z. B. die Rhonemündung so 
instand gesetzt, daß Massalia später einen regelmäßigen Zoll 
dienst für importierte und exportierte Waren einrichten konnte. 
Der Handel erstreckte sich auf Agrar- und Jndustrieprodukte 
(S. 33). Ganz Gallien war sehr fruchtbar; besonders die süd 
lichen Teile, in denen Öl- und Feigenbäume, sowie auch Wein, 
gepflanzt wurden (S. 33). Zu einer intensiven Bearbeitung des 
Bodens drängte die Dichte der Bevölkerung. Neben Narbo, dem 
heutigen Narbonne, war im Süden besonders Lugdunum als Sitz 
des Statthalters, als Münzstätte und als einer der Mittelpunkte 
des römischen Lebens von besonderer Bedeutung. Das römische 
Steuer- und Zollsystem erstreckte sich allmählich immer weiter, 
und schließlich bekamen auch die nördlichen Distrikte eine immer 
größere Wichtigkeit, bis das heutige Trier in der späteren Kaiser 
zeit eine der großen Regierungezentralen wurde. Ursprünglich 
trieben die nordöstlichen Gebiete, so das belgische, vor allem Vieh 
zucht und exportierten große Mengen von geselchtem Schaf- und 
Schweinefleisch nach ganz Italien, besonders nach Rom (Strabo 
IV, 4). Frühzeitig trieben die Küstengebiete schon mit dem gegen 
überliegenden Britannien Handel, von wo sie Zinn nach Narbo
        <pb n="127" />
        Gallien, Britannien, Germanien. 
119 
und Massalia transportierten. Später entwickelte sich unter rö 
mischem Einfluß in diesem nördlichen Teil Textilindustrie und 
ein geregelter Bergwerksbetrieb mit der damit verbundenen Me 
tallbearbeitung. Die vorhandenen Städte wurden weiter aus 
gebaut und die bestehenden Zölle vermehrt. 
Die Beziehungen zu Britannien waren nicht sehr enge, da die 
römischen Truppen dort nie recht festen Fuß fassen konnten. Nur 
die südlichen Teile waren einigermaßen unterworfen. Britannien 
exportierte Getreide, Vieh und Metalle, daneben auch Häute, 
Sklaven und besonders Jagdhunde nach Gallien, doch war weder 
die Viehzucht noch die Landwirtschaft sehr entwickelt. Export und 
Import waren nicht groß, doch jedenfalls bedeutend genug, daß 
es sich den Römern verlohnte, sowohl Export als auch Import 
mit Zoll zu belegen (Strabo IV, 5).' 
Germanien hatte keine hervorragende Bedeutung für den rö 
mischen Handelsverkehr, zumal die fortwährenden Insurrektionen 
den Verkehr störten. Viele Gebiete mußten nur geringe Tribute 
und Steuern zahlen, dafür aber Soldaten stellen. Die einzelnen 
Länder am Rhein und an der Donau sowie im Süden an der 
Save und Drave lieferten vorwiegend Naturalien, während die 
Römer italische Waren importierten (Strabo VII, 5). Für Ger 
manien selbst waren die Römer von großer Bedeutung, weil die 
zahlreichen städtischen Ansiedlungen an der Grenze als Kultur- 
und lokale Handelszentren dienten und auch die Produktion Ger 
maniens anregten. Auch der Bernsteinhandel führte schon früh rö 
mische Kaufleute in diese Länder. 
In Italien war der südliche Teil am stärksten zu Ende der 
Republik und zu Anfang der Kaiserzeit der Weidewirtschaft ge 
widmet worden, wenn sie auch in den übrigen Teilen von nicht 
geringer Bedeutung war. So gab es in der Poebene eine reiche 
Wollproduktion, die für die italische Kleiderfabrikation in erster 
Reihe in Betracht kam (Strabo V, 1). Die Poebene lieferte auch 
wie Belgien Schweinefleisch nach Rom. Daß der Viehstand nicht 
übermäßig groß war, scheint daraus hervorzugehen, daß nach Aqui- 
leia Vieh aus den illyrischen Gegenden importiert wurde (Strabo 
V, 1). Die Landwirtschaft lieferte reiche Erträge (Polybius II, 15), 
auch wurden die Wälder zweckmäßig verwertet. In Mittelitalien 
war es immer Kampanien, das ausgezeichneten Weizen lieferte, 
auch die Weinproduktion war dort eine erhebliche, während Roms 
nächste Umgegend dagegen als unfruchtbar erschien. Der Handel
        <pb n="128" />
        120 Siebentes Kapitel Das römische Reich als Wirtschaftskörper. 
war vor allem in Rom konzentriert sowie in den südlichen Städten 
wie Puteoli, Neapel u. a. Die Wein- und Ölproduktion Italiens 
war so groß, daß Export möglich war, so z. B. nach Gallien, bis 
Südgallien erfolgreich Konkurrenz zu machen in der Lage war. Im 
portiert wurden vor allem, neben den Zerealien, Luxusgegenstände 
aller Art und Sklaven, für deren Beschaffung nach dem Aufhören 
der großen Kriege, so gut es eben ging, die Seeräuber sorgten, 
die aus Kleinasien und Syrien das entsprechende Menschenmaterial 
zusammenbrachten. Und wenn die so gewonnenen Mengen auch 
nicht den früheren vergleichbar waren, so waren sie immerhin be 
deutend genug, um viele einflußreiche Männer zu veranlassen, die 
Bekämpfung der Seeräuber lässig zu betreiben. Da manchen Ge 
treideproduktionsländern der Export nur nach Italien gestattet 
war, ließ sich hier viel Getreide konzentrieren, während der Ex 
port unbedeutend war. Im Verhältnis zu dem gewaltigen Reich 
tum der Städte Italiens, der griechischen im Süden und besonders 
Roms, war die Industrie nicht groß, die Waren wurden denn 
auch vorzugsweise aus Einnahmen gekauft, die nicht dem Waren 
handel entstammten, sondern aus Tributen oder Geldgeschäften 
flössen. Wie bedeutsam der Handel nach Rom war, kann man 
daraus ersehen, daß z. B. Cäsar sich mit dem Gedanken trug, 
den Lauf des Tiberfluffes zu regulieren (Plutarch, Cäsar 58). 
Die bauliche Entwicklung Roms entsprach zunächst dem Reichtum 
in keiner Weise, da die Straßen eng, die Bauten unsicher waren, 
erst die Kaiserzeit schuf ein neues Rom von ungeheurer Pracht. 
Da wie in allen Großstädten die Bodenpreise stiegen, wurden die 
Häuser mehrstöckig gebaut, eine Erscheinung, wie wir sie in der 
modernen Entwicklung ebenfalls kennen (Juvenal I, 3, 199). Den 
hohen Bodenpreisen entsprachen auch die hohen Wohnungspreise 
in der Stadt, wo man für eine kleine Behausung dasselbe zahlte 
wie in kleineren Landstädten für ein Häuschen mit Garten (Ju 
venal I, 3, 225). Die Großstadt übte damals wie heute ihre 
Macht aus; ganz abgesehen von den wirtschaftlichen Vorteilen, bot 
sie viele Anregungen (Juvenal 1,3, 223). Die Reichhaltigkeit des 
Marktes übertraf wohl noch den von Athen (S. 75). Von Rom 
gingen die Straßen aus, die den Reisenden überall hinführen 
konnten. Privatposten und private Speditionsfirmen ermöglichten 
ein vielleicht zuweilen etwas umständliches, aber jedenfalls an 
genehmes Reisen. Da Stationen zum Pferdewechsel systemisiert 
waren, konnten Reisen recht bequem gemacht werden, und trotz
        <pb n="129" />
        Italien, Griechenland. 
121 
der weit geringeren Reisegeschwindigkeit konnte man die damals 
in Betracht kommende Welt ungefähr in derselben Zeit bereisen 
wie die heutige Kulturwelt. Dabei war das Reisen nichts Seltenes, 
und die Leute, die in der Welt weit herumgekommen waren, sind 
wohl verhältnismäßig nicht weniger zahlreich gewesen als heut 
zutage, war es doch z. B. nichts Besonderes, in Massalia oder 
Athen studiert zu haben. 
Die Einverleibung Griechenlands ins römische Reich wurde im 
großen und ganzen mit Schonung vorgenommen und den Städten 
eine, wenn auch beschränkte, Autonomie belassen. Für die Entwick 
lung der einzelnen Landschaften geschah allerlei, so suchte schon 
Cäsar durch Kolonisation den verschiedenen Gemeinden zu helfen. 
So kam Korinth wieder empor und trieb wie ehedem Industrie 
und Handel. Aber die Folgen des Bürgerkrieges wurden in Grie 
chenland nicht vollkommen überwunden. Die Entvölkerung, welche 
in der Friedenszeit begonnen hatte (S. 104), wurde durch die Kriege 
begreiflicherweise nicht aufgehalten (Plutarch, Über den Verfall der 
Orakel 8). Schauerlich klingt die Schilderung, die wir von einer 
Stadt auf Euböa aus dem Ende des ersten Jahrhunderts besitzen. 
Zwei Drittel der Felder lagen verödet, vor allem wegen Mangels 
an Arbeitskräften (Dio v. Prusa VII, 34). Trotz aller Fürsorge, 
welche die Kaiser und reiche Private den Städten angedeihen ließen, 
fehlte im allgemeinen eine ausreichende Verwaltung. Weder die 
kaiserlichen Beamten noch die autonomen Städte waren den sozialen 
Problemen auch nur irgendwie gewachsen. Mit Bauten und Spen 
den allein war eben das kranke Land nicht zu heilen. Es half nichts, 
daß z. B. Athen durch Hadrian der Getreidelieferungen teilhaftig 
wurde sowie reicher Stiftungen zur Erhaltung armer Kinder 
(S. 139). Während andere Provinzen zu Beginn der Kaiserzeit ihre 
beste Zeit erlebten, war Griechenland im großen und ganzen im 
Rückschritt begriffen. Textilindustrie und Kunsthandwerk bedeuteten 
noch am meisten. Der Zwischenhandel bewirkte, daß in Athen und 
besonders in Korinth das Geldgeschäft blühte, aber damit allein 
konnte kein Land in die Höhe kommen. 
Die Bedeutung der Gebiete des Schwarzen Meeres begann 
für das Mittelmeer zurückzutreten, als die Römer ihre Eroberungs 
politik in großem Stil begannen. Die Auswahl unter den getreide 
produzierenden Ländern war nun weit größer als in den Zeiten, 
die wir im vierten Kapitel behandelten, auch ging der Getreide 
export seit der hellenistischen Zeit zurück, und es fand sogar gelegentlich
        <pb n="130" />
        122 Siebentes Kapitel. Das römische Reich als Wirtschaftskörper. 
Import aus dem Westen statt, und die Krim exportierte z. B. 
zu Strabos Zeiten kein Getreide mehr wie ehedem (Strabo, Geo 
graphie VII, 4). Hingegen spielte das pontische Vieh eine wichtige 
Rolle, auch wurden andauernd Sklaven in großen Mengen (Taci 
tus, Annalen XII, 17) aus dem Gebiet des Schwarzen Meeres 
nach dem Westen exportiert (Polybius IV, 38). Die eingesalzenen 
Fische bildeten stets einen wichtigen Handelsartikel (S. 32), denn 
das Meer spendete immer reichen Segen (Dio v. Prusa XXXV, 25). 
Der Westen importierte vor allem Wein und Öl und wie seit jeher 
Jndustrieartikel aller Art, besonders Textilwaren und Luxusgegen 
stände (Polybius IV, 38). 
Kleinasien hat auch in der Römerzeit im großen und ganzen 
seine wirtschaftliche Struktur gewahrt, viele wohlhabende Städte 
zogen sich längs der Küste hin und waren im Binnenland verteilt, 
die Stadtstaatenentwicklung der griechischen Zeit und die Erweite 
rungen und Neugründungen der hellenistischen Periode hatten in 
diesem Bereich nicht zur Schaffung alles beherrschender Metropolen 
geführt. Hervorragende Städte wie Ephesus, Pergamum, Magnesia, 
Smyrna, Tarsus waren einander ungefähr gewachsen und lagen 
dauernd miteinander in Streit (Dio v. Prusa XXXIV, 27). Eine 
alte Kultur bewahrte den kleinasiatischen Städten den Wohl 
stand bis tief in die Kaiserzeit hinein, wenn auch die Piraten 
den Handel überaus geschädigt (S. 97) und die Bürgerkriege die 
Finanzen schrecklich in Verwirrung gebracht hatten. Die kleinasia 
tischen Städte kamen zum Bankerott, aber sie erholten sich bald 
wieder. Weit besser als ein uneingestandener Bankerott erwies sich 
hier der einmal zugestandene und glatt durchgeführte. Nur das 
stolze Rhodus hatte auf das Recht verzichtet, von dem durch Rom 
angeordneten Schuldennachlaß Gebrauch zu machen (Dio v. Prusa 
XXXI, 67), der wegen Zahlungsunfähigkeit gewährt wurde (Dio 
v. Prusa XXXI, 69), und suchte zugleich seinen Kredit so noch 
fester zu gründen, während die andern Städte davon Gebrauch 
machten. Erst die beginnende Völkerwanderung hat wie an so vielen 
Stellen auch hier nicht nur den Reichtum, sondern auch seine Quellen 
vernichtet. Der Reichtum Kleinasiens war mehr durch die Über 
lieferung der kommerziellen und industriellen Einrichtungen gesichert 
als durch die Vorkehrungen des römischen Reiches. Die Straßen 
bauten erfolgten auch hier mehr zu militärischen als zu merkantilen 
Zwecken. Auch sonst mischte sich die Regierung nicht allzuviel ein 
und überließ die Städte ihrem Treiben, solange sie die recht hohen
        <pb n="131" />
        Kleinasien, Syrien. 
123 
Steuern zahlten. Nur bei größeren Unglücksfällen half das Reich, 
sonst war eine besondere Staatsfürsorge nicht zu bemerken. In 
dustrie und Handel blühten, auch Bodenproduktion kam hinzu, ebenso 
ein ausgedehntes Handwerk und fabriksmäßiger Betrieb. Der große 
Handel, wie ihn Antiochia und besonders Alexandria zwischen 
Orient und Okzident vermittelten, kam für Kleinasien weniger in 
Betracht, doch bestand ein starker Verkehr zwischen Italien und 
Kleinasien. 
Die bauliche Entwicklung der Städte Kleinasiens war in der 
Kaiserzeit vielfach eine großartige (Dio v. Prusa XL VII, 15),. 
wobei gleichzeitig immer das Bestreben vorwaltete, Fremde heran 
zuziehen und eine gute Population zu haben. Viele kleinasiatische 
Städte hatten große Vorteile davon, daß die großen, periodisch ab 
gehaltenen Gerichtssitzungen in ihren Mauern abgehalten wurden. 
Dann strömte alles zusammen, die Mitglieder der staatlichen Ver 
waltung, Kaufleute, Handwerker und Huren, alle Preise stiegen, 
die Zirkulation des Geldes nahm zu, der Mietzins stieg ebenfalls, 
und die Stadt bereicherte sich auf Kosten der Fremden (Dio 
v. Prusa XXXV, 15 f.). Die Industrie und Handelstätigkeit der 
Städte Kleinasiens wurde vielfach durch Rohprodukte des eigenen 
Landes sowie durch Viehzucht und Landwirtschaft unterstützt (Dio 
v. Prusa XXXV, 13). Wie reich die Städte gewesen sein müssen, 
kann man daraus ersehen, daß sie dauernd hohe Steuern zu zahlen 
in der Lage waren (Dio v. Prusa XXXV, 14). Die politische 
Herrschaft rissen meist die wohlhabenden Klassen an sich, setzten 
die ärmere Bevölkerung zurück und suchten nur Wohlhabenden 
das Bürgerrecht zu verleihen (Dio v. Prusa XXXIV, 23). Da 
Kleinasien lange von größeren Kriegen verschont blieb, war die 
wirtschaftliche Lage eine überaus günstige. 
Die bedeutendste Stadt Syriens war Antiochia, etwa vom Range 
Seleucias oder Alexandrias (Strabo, Geographie XVI, 2), ein 
wichtiger Posten für die militärische Beherrschung des umliegenden 
Gebietes, zugleich aber auch für den Handel überaus günstig ge 
legen. Ähnlich wie in Rom war die Industrie verhältnismäßig 
wenig entwickelt, dafür der Import und der Zwischenhandel. Großer 
Zerealienimport war nicht nötig, da Syrien seinen Bedarf im 
wesentlichen selbst deckte. Aber wenn es auch überaus fruchtbar 
war und Getreide-, Öl- und Weinpflanzungen in großen Mengen 
bestanden, so exportierte es doch davon nicht viel. Auf dem Lande 
draußen und besonders in den kleinen Städten waren Industrien
        <pb n="132" />
        124 Siebentes Kapitel. Das römische Reich als Wirtschaftskörper. 
aller Art, Textilindustrie, Glaswarenerzeugung, zu finden. Die 
phönikischen Sitze der Industrie hatten noch immer eine große Be 
deutung, so Tyrus, wo die Rohseide verarbeitet wurde, welche auf 
dem Landweg aus China kam, durch seinen Purpur. Der Handel 
des mittleren Asien und Mesopotamien ging wesentlich über 
Syrien, während der Handel Arabiens und Indiens über Ägypten 
ging (S. 87). Dabei trieben die Syrer, wie in früheren Zeiten, 
immer noch selbst Handel auf eigenen Schiffen, die in allen Häfen 
des Mittelmeers zu finden waren. Die Syrer hatten eine Faktorei 
in Ostia, in der sie sich ähnlich wie die Griechen in Naukratis 
(S. 50) um ein Heiligtum gruppierten. In erster Reihe war der 
Handel der Schöpfer des syrischen Reichtums, in zweiter Linie erst 
die Industrie. 
In Nordafrika suchten die Römer die großen Verwüstungen 
einigermaßen gutzumachen, sie förderten die Landwirtschaft und 
Viehzucht, taten auch manches für die Gewerbe. Tie großen Kolo 
nisationen, besonders die Ansiedlung von Veteranen in der Kaiser 
zeit brachte manche Gegenden wieder in die Höhe. Besonders Kar 
thago war nach seiner Wiedererbauung bald ein großer Handels 
platz, der den Handel zwischen Nordafrika und Italien vermittelte. 
Die dichte Bevölkerung wurde gelichtet, als die Kämpfe zwischen 
den Throuprätendenten häufiger wurden, und wie in so vielen 
Ländern begann auch in Nordafrika damals der Untergang, doch 
haben noch lange hervorragende Männer dieser Gegend als Kultur 
träger gewirkt. 
Ägypten unterstand direkt dem Monarchen. Die Verwaltung, 
besonders die der Finanzen, wurde energisch zentralisiert und in 
die Hände der römischen Beamten gelegt, wodurch die Überlegen 
heit Ägyptens über die andern Provinzen gesichert wurde, während 
die Kaiser sonst den Gemeinden eine gewisse Autonomie ließen. 
Hier in Ägypten fehlte aber die stadtstaatliche Tradition völlig. 
Trotz der ungeheuern Fruchtbarkeit Ägyptens, trotz der Weingärten, 
Öl- und Dattelpflanzungen war die Bevölkerung im ganzen nicht 
allzugut gestellt; denn der Export entzog dem Lande den größten 
Teil seines Segens, sei es, daß die Produkte durch die Verwaltung 
oder den Handel aufgesogen wurden, denn letzteres trug zum min 
desten dazu bei, die Getreidepreise zu heben, so daß man den Ägyp 
tern Getreidespenden zuteil werden lassen konnte wie den Römern 
(Tacitus, Annalen II, 59). Durch die Getreidemagazine Ägyptens 
konnte der Kaiser seine Römer sättigen; sperrte er sie, so drohte die
        <pb n="133" />
        Afrika, Ägypten. 
125 
Hungersnot. So war es Usurpator Vespasians erster Gedanke, die 
Kornspeicher Ägyptens in die Hand zu bekommen, um Rom völlig 
wehrlos zu machen (Sueton, Vespasian 3), da derjenige Italien mit 
Hungersnot überziehen konnte, der „die Schlüssel des Landes und 
der @ee" in die Hand bekam, vermochte man sich doch in Alexan 
dria mit geringer Truppenmacht gegen Armeen zu halten (Tacitus, 
Annalen II, 59). Und so sehen wir die Geschichte der Kaiser eng 
mit der Brotversorgung Roms und Italiens verknüpft. Die Ge 
treidelieferungen, welche Ägypten Rom zur Verfügung stellen mußte, 
bewirkten, daß man dieser Provinz eine besondere Aufmerksamkeit 
zuwendete. Früh suchte man eine straffe Angliederung an das Reich 
zu erzwingen (Tacitus, Historien 1,11), war doch Ägypten für Rom 
fast ebenso unentbehrlich wie später nach der Teilung des Reiches 
für Konstantinopel. Und die Ägypter selbst scheinen in der Kaiser 
zeit übermäßig betont zu haben, es hänge vom Nil ab, ob man 
sich in Rom satt essen könne oder Hunger leiden müsse (Plinius, 
Lobrede auf Trajan 31), was im allgemeinen richtig war, da 
ja nur selten Dürre Ägypten heimsuchte, so daß es auf Zufuhr 
angewiesen war (Plinius, Lobrede auf Trajan 30 f.). Augustus 
sorgte dafür, daß die Kanalisation wiederhergestellt werde, und ver 
wendete zum Teil kaiserliche Truppen zu diesem Zweck. Die Ein 
künfte aus Ägypten wurden unter verschiedenen Titeln bezogen, 
ein Teil derselben stammte aus bett Domänen. Die Pächter mußten 
große Anteile vom Ertrag an die Regierung abführen. Da die 
Römer weit mehr Getreide benötigten als die Ptolemäer, stieg der 
Pachtzins in den ersten Jahrhunderten der Kaiserzeit, soweit er in 
natura gezahlt wurde, und es wurden fremde Pächter herbeigezogen, 
um eine noch intensivere Bebauung des Bodens zu erreichen. Die 
Bemühungen der Kaiser waren auch von Erfolg begleitet, und 
die treffliche Kanalisation bewirkte, daß weite Strecken Landes, die 
heute Wüste sind, damals Kulturland waren. Die Kanalisations 
bauten wurden, soweit man nicht Lohnarbeiter und Soldaten 
heranzog, durch Fronarbeit bestimmter Bevölkerungskreise voll 
zogen, von der man sich aber durch eine Geldzahlung loskaufen 
konnte. 
Doch die Römer begnügten sich nicht damit, dem Laufe des Nil 
und des Euphrat zu folgen, sie trachteten auch nach den Schätzen O st- 
afrikas, Arabiens und Indiens. Da eine Eroberung nicht mög 
lich war, schob man, wo es ging, Militärposten vor; aber selbst wo 
diese sich nicht halten konnten, wurden militärische Demonstrationen
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        126 Siebentes Kapitel. Das römische Reich als Wirtschaftskörper. 
veranstaltet, um auch die fernsten Völker Roms Größe fühlen zu 
lassen (Monument v. Ancyra 26). Da die Römer überdies den 
Handel der Araber schädigten, wo sie konnten, und Schiffe derselben 
gerne von ihren Grenzen durch Zölle und sonstige Vorkehrungen 
fernhielten, gelang es den Kaufleuten des römischen Reiches, im 
Osten eine entscheidende Rolle zu spielen. Waren und Geld brach 
ten sie nach dem Süden und Osten, um Schätze zu holen, die jene 
Gegenden allein lieferten. Die afrikanischen Völker, mit denen man 
zu tun hatte, und auch viele an der arabischen Küste standen viel 
fach auf einer niedern Kulturstufe, wenn auch gelegentlich grie 
chische Bildung in jene Länder gedrungen war (Küstenfalirt im 
Erythräischen Meer 5). Zum Teil verfolgten die Kaufleute die 
Pfade der hellenistischen Herrscher Ägyptens (S. 88). An der 
Westküste Afrikas, an der Ost- und an der Südküste Arabiens und 
weiterhin gegen Indien zu gab es zahlreiche Handelsplätze. Ein 
Teil der Küstenvölker traf geeignete Veranstaltungen, um einen 
geregelten Verkehr zu fördern, andere wieder betrachteten den 
Handel mehr als eine gelegentliche Unterbrechung ihres Daseins. 
An manchen Handelsplätzen wurden die Waren des Binnenlandes 
sowie der benachbarten Küstenorte gesammelt, um so den römischen 
Kaufleuten, unter denen alle Nationalitäten, besonders aber die 
Bewohner Ägyptens vertreten waren, ihre Tätigkeit zu erleichtern. 
Aber nicht überall wurden die Kaufleute freundlich aufgenommen, 
an manchen Orten behandelte man sie mißtrauisch oder gar feind 
selig, so daß ein Schiffbruch für sie und ihre Leute die Sklaverei 
bedeutete. Daß in jenen Gegenden die Piratenplage noch stärker 
war als in den übrigen Meeren, kann uns nicht wundernehmen 
(S. 78). Aber auch an den Orten, wo der Handelsverkehr nicht 
gehindert wurde, mußten die Kaufleute vielfach Geschenke für die 
Eingeborenen und besonders für die Könige mitbringen, wertvolle 
Gefäße, schöne Kebsweiber, Gewänder und andere Kostbarkeiten 
(Küstenfahrt im Erythräischen Meer 49). Die Römer importierten 
vor allem Jndustrieprodukte und unter diesen in erster Reihe 
Textilwaren, zum Teil waren es Objekte, die auch im Mittelmeer 
becken im Handel waren, zum Teil wurden sie eigens für jene 
Gegenden hergestellt, dem Geschmack derBewohner angepaßt (Küsten 
fahrt im Erythräischen Meer 7). Von Rohprodukten importierte 
man Metalle, so Messing und Kupfer, die als Geld und Schmuck 
dienten, einen Teil der Schätze des Ostens mußte man aber mit 
römischem Gold- und Silbergeld zahlen, das in großen Mengen
        <pb n="135" />
        Ostafrika, Arabien, Indien. 
127 
nach Arabien und Indien abfloß. Ebenso wurde Eisen für Waffen 
nach dem Osten verfrachtet, wenn nicht diese selbst sowie Werk 
zeuge aller Art, nach einheimischen Mustern gefertigt, mitgebracht 
wurden. Auch Öl und Wein wurde von manchen Stämmen ge 
wünscht. Zuweilen kaufte auch der römische Kaufmann auf seiner 
Fahrt in einem Orte Waren gegen römische Produkte, um die er 
haltenen Waren an einem anderen Orte des Ostens gegen jene 
Dinge einzutauschen, die er eigentlich suchte. In manchen der 
großen arabischen Handelszentren trafen sich auch die römischen Kauf 
leute mit den indischen, die ebenfalls Metalle und Jndustrieartikel 
importierten. Vor allem holten die Kaufleute des römischen Reichs 
Elfenbein, Schildkröten, Myrrhe, Weihrauch und Spezereien aller 
Art, die damals ein überaus begehrter Artikel waren, auch lie 
ferten einige Gegenden treffliche Sklaven. Während die meisten 
Stämme selbst keine Schiffe besaßen und die Römer erwarteten, 
trieben die Araber, so z. B. von der im Südwesten gelegenen Stadt 
Muza aus, einen regen Handel auf eigenen Schiffen sowohl mit 
dem gegenüberliegenden Afrika als auch nach Indien hin (Küsten 
fahrt im Erythräischen Meer 21). Dieser rege Handel bewirkte, 
daß manche Produktionszweige im großen organisiert waren, so 
z. B. die Gewinnung des Weihrauchs (Küstenfahrt im Erythräischen 
Meer 29). Aber die römischen Kaufleute kamen auch über Arabien 
hinaus und gelangten nicht nur längs der Küste, sondern in kühner 
Meerfahrt nach der Westküste von Indien. Wenn auch manche 
Seefahrer bis Ceylon und gar bis China gelangten, so hat das 
nicht zu regelmäßigen Handelsverbindungen geführt. Die Waren 
Ostasiens, die auf den römischen Markt kamen, so die chinesische 
Seide, wurden auf dem Landwege, vielfach durch Vermittlung der 
Parther, zu den Römern gebracht. 
Der Hellenismus ließ die südlichen und östlichen Städte des 
Mittelmeers emporkommen, der Schwerpunkt des Wirtschafts 
lebens war stark gegen Osten verschoben worden. Dies änderte 
sich zu Beginn der Kaiserzeit noch nicht, erst späterhin sehn 
wir immer mehr die nördlichen Städte an Bedeutung wachsen; 
so erscheinen im 4. Jahrhundert als bedeutende Städte neben 
Rom nicht nur Konstantinopel, Karthago, sondern auch Trier, 
Mailand, Aquileia.
        <pb n="136" />
        128 Achtes Kapitel. Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft. 
Achtes Kapitel. 
Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft. 
(Vom Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr.). 
Und ich sah ein weißes Pserd; und der darauf saß, 
hatte einen Bogen, und es ward ihm ein Kranz gegeben, 
und siegreich zog er hin, um zu siegen. 
Und es zog hinaus ein anderes seuerfarbenes Pserd; 
und dem, der darauf saß, ward gegeben, den Frieden 
hinzunehmen von der Erde. und daß sie einander hin 
schlachten, und ward ihm gegeben ein großes Schwert. 
Und ich sah ein schwarzes Pserd, und der darauf saß, 
hielt eine Wage in der Hand. Und ich hörte wie eine 
Stimme aus den vier Tieren heraus: ein Tagmaß Weizen 
einen Denar und drei Maß Gerste einen Denar, und dem 
Öl und dem Weine tue nichts. 
Und ich sah ein gelbes Pferd; und der darauf saß, der 
hieß Tod, und der Höllengott folgte ihm, und es ward 
ihnen gegeben Macht über das Viertel der Erde, zu töten 
mit dem Schwert und mit Hunger und Sterben. 
Offenbarung Johannes. 
Die Darstellung des Untergangs der Weltwirtschaft des 
Altertums fällt nicht mehr in unser eigentliches Thema und soll 
hier nur als Skizze einen Platz finden. Die bisherigen For 
schungen vermochten noch keinen endgültigen Aufschluß über die 
Ursachen des Untergangs der Antike zu geben. Man muß im 
allgemeinen zufrieden sein, hier und da eine kurze Kausalkette 
auffinden zu können. Abgesehen davon, daß die Überlieferung 
überaus mangelhaft ist, sind wir hier vor Probleme gestellt, die 
selbst unter günstigen Umständen heute noch der Lösung harren. 
So scheint schon vor Beginn der Kaiserzeit eine psychische und 
physische Depravation eingesetzt zu haben, die eventuell unabhängig 
von den sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen war, diese aber 
entscheidend beeinflußte. Dieselben wirtschaftlichen Ereignisse können 
einem geistig regsamen, energischen Volk zum Segen gereichen, 
während sie für ein anderes den Untergang bedeuten. Das Ver 
schwinden des Genies ist z. B. eine Tatsache, die entscheidend für 
die wirtschaftliche und soziale Ordnung werden kann. 
Das vorige Kapitel hat uns gezeigt, daß gegen Ende der 
Republik und zu Anfang der Kaiserzeit das römische Reich ein 
gewaltiges Wirtschaftssystem darstellte, das durch den Handel 
die verschiedenen Nationen vereinigte, so daß alle Produkte eines 
Landes in jedem beliebigen Lande, wie es schien, entstanden sein
        <pb n="137" />
        Arm und Reich. 
129 
konnten (Plinius, Lobrede auf Trajan 29). Doch war der Ver 
kehr nicht besonders sicher und konnte nicht immer aufrechterhalten 
werden. Die Ordnung des Weltreiches wurde in der Kaiserzeit in 
weit vollendeterer Weise zur Durchführung gebracht als in der 
Republik, und die Fürsorge des Monarchen wurde den Provinzen 
z. B. weit stärker zugewendet. Für sie begann auch damals eine 
Zeit hoher Kultur. Die Beamten wurden nun im Zaume gehalten 
und mehr kontrolliert (Dio Cassius LX, 11), wie denn überhaupt 
in der Antike die Republiken in der Behandlung unterworfener 
Gebiete vielfach weit kurzsichtiger vorgingen als die Monarchen. 
Die im Frieden durch die Wirtschaftsordnung den Reichen gewährte 
Übermacht über die Armen wurde in jeder Weise von ersteren 
ausgenutzt und schließlich ein Abstand zwischen den Ver 
mögen erreicht, den viele der bedeutendsten Herrscher vergebens 
bekämpften. So hat sich z. B. Tiberius in einer Botschaft an den 
Senat über die Geld- und Bodenmagnaten in einer Weise ge 
äußert wie etwa Roosevelt über die Trustleute (Tacitus, An 
nalen III, 53 f.): „Was soll ich zuerst einschränken und nach der 
Väter Sitte wiederherstellen? Etwa der Landgüter unbegrenztes 
Maß? Der Sklaven Zahl? Die Mannigfaltigkeit ihrer Natio 
nalität? Die Silber- und Goldmassen? Des Erzbildners und 
des Malers Wunderwerke? Was die Männer, ohne sich darin 
von Weibern zu unterscheiden, anhaben, und all das, was die 
Frauen besitzen, wodurch um einiger Steine willen unser Geld 
zu fremden, ja sogar oft feindseligen Völkern geht? Mir ist nicht 
unbekannt, daß man bei Gastmählern, und wenn man sonst 
zusammenkommt, sich dagegen wendet und Maßhalten verlangt: 
doch wenn einer mit Gesetzen kommt, Strafen verkündigt, so wer 
den diese selben Leute schreien, der Staat werde umgewälzt, die 
Vornehmsten gerade würden zugrunde gerichtet, niemand könne 
Beschuldigungen entgehen. Aber nicht einmal körperliche Krank 
heiten, die lange Zeit zu ihrer Entwicklung hatten, kann man an 
ders als durch harte und scharfe Mittel bezwingen: des Menschen 
Seele, verderbt und Verderber in einem, krank und begehrend, 
kann nicht durch mildere Medizinen beruhigt werden, als es die 
Leidenschaften sind, die sie entzünden. So viele Gesetze, die sich die 
Vorfahren ausdachten, so viele, die der göttliche Augustus gegeben 
hat, haben — jene, indem sie vergessen wurden, diese, was noch 
weit verbrecherischer ist, indem man sie mißachtete — den Luxus 
nur noch gefestigt. Denn, wenn man nach beni strebt, was noch 
ANuG 258: Neurath, antike Wirtschaftsgeschichte. 9
        <pb n="138" />
        130 Achtes Kapitel. Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft. 
nicht verboten ist, so muß man fürchten daß es verboten werde, 
doch hat man erst einmal sich ungestraft über Verbote hinweg 
gesetzt, so sind Furcht und Scham dahin." Viele jener Erscheinungen, 
die in der modernen Entwicklung aufstelen, kannte auch das unter 
gehende Rom: Massenarmut bei gewaltigem Reichtum, ungenügende 
Befriedigung der Lebensnotdurft auf der einen Seite, unsinnige 
Verschwendung auf der andern. Rom hat die Tatsache nicht be 
seitigt, neben dem hochentwickelten Markt war das Verteilungs- 
system ungenügend, und die gewaltigen, aber nicht systematischen 
Eingriffe reichten keineswegs aus, es zu reformieren. 
Die internationale Arbeitsteilung hatte früh dazu geführt, die 
für die Bevölkerung nötigen Zerealien zu importieren, und 
zwar, wie wir sahen, zum Teil aus nicht unterworfenen Ländern 
(S. 43). In der römischen Kaiserzeit hingegen gehörten die wich 
tigsten Getreideproduktionsgebiete dem Reiche an. Nichtsdestowe 
niger haben sich aus diesem Import zahlreiche Nachteile ergeben. 
Die agrarische Bevölkerung, die zahlreiche für den Staat wichtige 
Eigenschaften besaß, wurde in vielen Gegenden dadurch nicht etwa 
in neue Erwerbszweige gedrängt, sondern brotlos gemacht. Über 
dies hat die noch ungenügend entwickelte Verkehrstechnik die regel 
mäßige Versorgung der Großstädte durch Zerealien oft in Frage 
gestellt (Dio Cassius LV 22, 26). Trotzdem diente die Schiff 
fahrt in hervorragender Weise einer Ausgleichung der Produktion, 
indem durch Hungersnot bedrängten Provinzen Getreide zugeführt 
werden konnte (Plinius, Lobrede auf Trajan 32). Eine beson 
dere Schwierigkeit bestand darin, daß nicht zu allen Zeiten die 
See befahrbar war; so mußten die Schiffe oft in fremden Häfen 
überwintern (Apostelgeschichte 28, 11 ), da sie Stürmen nicht ge 
wachsen waren (Apostelgeschichte 27,14 f). Die Verkehrsschwierig 
keiten bereiteten denn auch den Kaisern nicht geringe Verlegen 
heiten, da ihre Popularität beim römischen Volke vielfach von der 
Regelmäßigkeit der Getreidezufuhr abhing und Störung in der 
selben leicht zu Tumulten, wohl gar zu Tätlichkeiten gegen den 
Monarchen führten (Sueton, Claudius 19). Trat zur Winters 
zeit Mangel ein, so konnte nur bei besonders günstiger Witterung 
an Zufuhr gedacht werden, während eine Verproviantierung zu 
Lande aus den Magazinen Italiens — wenn es solche in ge 
nügender Menge gegeben hätte — immer möglich gewesen wäre, 
hatten doch die Römer ehedem ihren im Felde stehenden Legionen 
Korn geschickt (Tacitus, Annalen XII, 43). Freilich war in nor-
        <pb n="139" />
        9* 
Getreideimport. 
131 
malen Zeiten der Transport zu Wasser weit leichter als der zu 
Lande. Diese Zustände veranlaßten einen Römer zu dem Aus 
spruch: „Wir bebauen eben lieber Afrika und Ägypten, den Schissen 
und dem blinden Ungefähr ist die Existenz des römischen Volkes 
ausgeliefert" (Tacitus, Annalen XII, 43). Die Gefahr einer 
Hungersnot war daher in Rom keine Seltenheit (Tacitus, Historien 
IV, 52). Die Monarchen wendeten den getreideproduzierenden 
Ländern sowie dem Hafen von Ostia (Dio Cassius LX, 11) 
ihre besondere Sorgfalt zu (S. 124) und bemühten sich, auch den 
Transport zu sichern, indem sie die Unternehmer mit Privilegien 
ausstatteten. So veranlaßte Claudius, daß der Verlust von Ge 
treideschiffen durch höhere Gewalt von Staatswegen gutgemacht 
würde. Die Kaiser suchten auch die Tendenz zur Bildung wirt 
schaftlicher Assoziationen für die Getreidelieferungen nach Rom und 
später nach Byzanz auszunutzen, indem man die Assoziationen 
erst vertragsmäßig zu bestimmten Leistungen verpflichtete, später 
sie durch Zwang zusammenbrachte und durch Einführung der 
erblichen Mitgliedschaft auf einer konstanten Mitgliederhöhe zu 
halten suchte. Es wurden so dem Eigentum wieder Pflichten auf 
erlegt und aus ihm eine Art erbliches Amt im Dienste der Ge 
samtheit gemacht, freilich nur als Aushilfsmittel in der höchsten 
Not und nicht im Rahmen einer allgemein durchgebildeten Reform 
der Staatsordnung. So wurde das Beamtenpeisonal, das man 
etwa nötig gehabt hätte, um Rom durch Getreide zu versorgen, 
durch die Getreidehändler nebst allen dazu gehörigen Arbeitern 
und Angestellten ersetzt, die sehr weitgehende Verpflichtungen mehr 
oder weniger freiwillig — das hing von den Zeitläuften ab — 
übernehmen mußten. Wie einst die großen Pächtervereinigungen 
Rom mit Getreide versorgten (S. 112), so jetzt die Vereinigungen 
der Getreidetransporteure, die die Naturalsteuern nach Rom 
brachten. Diese Transportvereinigung bestand aber nicht etwa nur 
aus einer Korporation, sondern für jede Funktion wurde eine 
eigene Gruppe zum Vertrag herangezogen, es gab eine Korpora 
tion derjenigen, die das Getreide vermessen mußten, so wie später 
hin, als Brotspenden an die Stelle der Getreidespenden traten, 
eine Korporation der Bäcker, und noch weitere Korporationen, 
als Fleischspenden und Ölspcnden hinzukamen. Ein Teil des für 
die Getreidespenden nötigen Getreides wurde als Tribut oder 
Steuer eingehoben, ein Teil aber gekauft. 
Die italischen Grundstücke, besonders die kleineren, waren auch in
        <pb n="140" />
        132 Achtes Kapitel. Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft. 
der Kaiserzeit, soweit sie Getreide für den Verkauf produzierten, zum 
großen Teile nicht konkurrenzfähig. Die Latifnndienwirtschaft 
in den Provinzen führte infolge der hohen Geld- und Natural 
besteuerung zunächst zu einem verbesserten Betrieb, wodurch die 
Preise nur noch weiter gesenkt wurden, soweit das Getreide nicht 
direkt in die Speicher des Staates floß. In Nom suchte nun alles 
an der Getreideverteilung Anteil zu haben, man ließ Sklaven frei, 
nur um so einen Getreideanteil für sie zu erhalten, da ja die Ver 
teilung nur für freie Bürger bestimmt war (S. 107), selbstver 
ständlich nicht für Fremde, wie ja auch unsere Armenfürsorge sich 
nur auf die eigenen Bürger erstreckt. Daß vorwiegend die ärmeren 
Klassen die Getreidespenden ausnutzten, ist klar. Die großen Grund 
besitzer hatten sich in Italien neuen Erwerbszweigen zugewendet, 
der Weidewirtschaft, dem Handel und Geldgeschäft, und verwen- 
deten einen Teil ihrer Güter zur Anlage von Parks und Villen. 
Da die Arrondierung von Gütern die kleinen Bauern verdrängte, 
wurde der Zuzug nach Rom nur noch weiter gesteigert (S. 105). 
Wo aber der Getreidebau bestehen blieb, sowohl in Italien als 
auch in den Provinzen, da wurde allmählich eine neue Wirtschafts 
weise, hier später, dort früher, rentabler, die Zerlegung der 
großen einheitlichen Betriebe in eine große Zahl 
kleiner, wobei meist nur ein Teil unter direkter Verwaltung 
des Eigentümers blieb, der Rest Pächtern oder Angestellten zuge 
wiesen wurde. Die Sklavenzahl nahm nämlich infolge des langen 
Friedens ab, und die intensivere Bebauung war in vielen Gegen 
den nur bei kleinen Betrieben möglich (Plinius, Briefe III, 19). 
Um den Raubbau zu verhindern und dem Pächter gleichzeitig 
die Möglichkeit zu geben, Verluste wieder einzubringen, war man 
auch vielfach zur Erbpacht übergegangen, bei welcher dem Pächter, 
solange er seinen Pachtzins zahlte, nicht gekündigt werden konnte. 
Dabei gab es häufig noch zwischen dem Eigentümer, der nicht 
selten seine Renten in Rom verzehrte, Großpächter, die ihrer 
seits erst an die Kleinpächter weiterverpachteten. Der Verpächter 
hat vielfach eine wirtschaftliche Oberleitung dadurch behalten, daß 
er dem Pächter z. B. Sklaven oder Geräte dauernd oder für ge 
wisse Zeit zur Verfügung stellte und auch die Kontrolle über die 
Art des Betriebes hatte. Doch haben sich viele dieser kleinen Be 
triebe schon sehr früh in der Wirtschaftsführung selbständig ge 
macht. Die Umwandlung von Ackerboden in Weideland hat dann 
keine große Rolle mehr gespielt. Die Latifundien in Afrika z. B.,
        <pb n="141" />
        Latifundien, Pachter. 
133 
die durch ihre ungeheure Größe zur Zeit Neros berühmt waren, 
sind Landgüter gewesen, die in Parzellenpacht in der eben ge 
schilderten Weise vergeben waren, besonders wenn es sich um 
Wein- und Ölpflanzungen handelte. Diese kleinen Betriebe standen 
untereinander in Handelsbeziehung, so daß auf den großen Güter 
komplexen eigene Märkte entstanden (Plinius, Briefe X, 37), die 
von den umliegenden Gebieten benutzt wurden. Die gewerbs 
mäßige Herstellung der Güter und die marktmäßige Verteilung 
durch freie Verträge bestand so innerhalb des Gutsbetriebes, wodurch 
die hauswirtschaftliche Betriebsform und die administrative Ver 
teilung häufig eingeschränkt wurde. Die Grundherrschaft stellte 
nicht mehr ein einheitliches Wirtschafts-, sondern nur ein einheit 
liches Herrschaftsgebiet mit zahlreichen, relativ selbständigen Wirt 
schaften dar (Sueton, Claudius 12 ). Freilich hat späterhin die 
hauswirtschaftliche Betriebsform wieder mehr Fuß gefaßt. Neben 
der Einführung des marktmäßigen Verkehrs im Bereiche eines 
großen Gutsbezirks fand nämlich andererseits eine Verringerung 
der marktmäßigen Verteilung dadurch statt, daß die eigentlichen 
Gutsbetriebe nicht mehr alle ihre Bedarfsartikel kauften, sondern 
wenn der Bedarf des Gutes groß genug schien, durch eigene 
Handwerker, die meist wohl Sklaven waren, herstellen ließen. Von 
diesen beiden gleichzeitigen Bewegungen wurde die letztere immer 
bedeutsamer, je mehr sich die Antike ihrem Ende näherte. 
Da die staatlichen Anforderungen an die Steuerträger im späteren 
römischen Reich immer mehr wuchsen und viele Ausgaben gerade 
damals besonders hoch waren,'als die Einnahmen zu sinken be 
gannen, so bestand die Gefahr, daß die großen Besitzer ihre Pächter 
immer mehr bedrückten, daß diese fliehen könnten und so die Zahl 
der Steuerträger abnehme. Dies war einer der Gründe, aus denen 
sich der Staat zwischen die Pächter und die Eigentümer stellte und 
dafür Sorge trug, daß das Schaf, welches man scheren wollte, ent 
sprechend gehegt wurde. Man fesselte daher diese Pächter an 
die Scholle und schützte sie gleichzeitig vor Überlastung durch Na 
tural- und Geldleistungen und erhielt so eine Art an den Boden 
gefesselter Bauern, die an die Grundherren bestimmte Abgaben zu 
leisten hatten. Die Vererbung des Gebundenseins an die Scholle ent 
sprach ganz den bei uns im Mittelalter bekannten Verhältnissen. 
Die Dörfer und Ansiedlungen wurden dabei allmählich in ihrer 
Verwaltung trotz der Bindung selbständiger und zahlten im 
wesentlichen nur bestimmte grundherrliche Abgaben. Die erbliche
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        134 Achtes Kapitel. Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft. 
Fesselung der Pächter an ihre Scholle, das sogenannte Colonat, 
hatte verschiedene Wurzeln. Die Colonen bestanden einerseits aus 
herabgedrücklen freien Bauern, darunter angesiedelte Soldaten, 
aus früheren Pächtern, und andererseits aus Stlaven, denen man 
eine freiere Stellung eingeräumt hatte (S. 141). Colonen traten 
dem Wesen nach bereits im Anfang der Kaiserzeit auf, indem 
sich viele freiwillig in die Abhängigkeit von einem Herrn begaben, 
wobei sie sich zu manchen Diensten, Hand- und Spanndiensten, 
verpflichten mußten, wie solche ja auch in den Munizipien, zum 
Teil seit alter Zeit, verlangt wurden (Stadtrecht von Urso 98). 
Auch Freigelassene, die in enger Abhängigkeit vom Herrn standen 
und das Land bebauten, wären hierher zu zählen. Die recht 
liche Entwicklung des Colonats scheint aber besonders an die 
massenhafte Ansiedlung deutscher Kriegsgefangener auf römischem 
Gebiet anzuknüpfen, die seit Marc Aurel üblich wurde (Dio 
Cassius LXXI, ll). Das Resultat dieser ganzen Bewegung war, 
daß die Zahl der kleinen Eigentümer zunächst auf Kosten der 
Zeitpächter abnahm, die sich zu Erbpächtern und schließlich zu 
Colonen umwandelten, bis schließlich wieder eine Art Eigen 
tümer daraus wurden, die Abgaben zu leisten hatten. Auch in 
der modernen Wirtschaftsgeschichte kennen wir einen ähnlichen 
Kreislauf. 
Diese Entwicklung hat viele Stufen durchgemacht. Wir sahen, 
wie Cäsar die feste Belastung gelegentlich in quotale Zahlungs 
verpflichtungen umwandelte. Ähnliches geschah auch auf dem 
Gebiete der Bodenpacht. Während ursprünglich vielfach Verträge 
mit festen Pachtzahlungen bestanden, zwangen die üblen wirtschaft 
lichen Verhältnisse bald viele Herrn zu einem andern Verfahren. 
Zunächst hatte man nämlich die Pächter wie andere Schuldner 
behandelt, und wenn sie mit ihren Zahlungen im Rückstand waren, 
ausgepfändet. Das hatte zwar zur Folge, daß keine Passiven mehr 
da waren, aber die Pächter waren nun wirtschaftlich geschwächt 
und konnten den Betrieb noch weniger rentabel gestalten als früher, 
man nahm ihnen durch derartige Auspfändungen einfach die Mittel, 
den Betrieb weiterzuführen (Plinius, Briefe III, 19). Zu Zeiten, 
wo die Zahl der Pachtsuchenden groß war, jagte der Herr ein 
fach die Säumigen weg, jetzt aber kam eine Zeit, wo er froh sein 
mußte, überhaupt Pächter zu haben, die ihm eine Rente ver 
schafften (Plinius, Briefe VII, 30). Er griff daher zu dem Mittel, 
die Pächter durch Werkzeuge, Sklaven und sonstige Hilfsmittel zu
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        Colonat, Pächter. 
135 
unterstützen, aber auch dies wirkte oft nur auf einige Zeit und 
garantierte trotzdem dem Pächter noch immer nicht einen sicheren 
Ertrag, war er dach von den verschiedenen Umständen wie Wetter 
und Marktlage abhängig. Derartige Zufälle konnte nur der wirt 
schaftlich Starke überstehn, indem er in den schlechten Jahren aus 
Eigenem zusetzte, in guten hingegen den Verlust wieder einbrachte. 
Da nun, wie wir sahen, die Pächter wirtschaftlich geschwächt waren, 
konnte keine Unterstützung ihre Position dauernd verbessern. Nur 
wenn der wirtschaftlich stärkere Grundeigentümer das Risiko mit 
trug, konnte der Pächter einigermaßen existieren, was nun viel 
fach in der Weise geschah, daß die Verträge nicht mehr auf feste 
Geldsummen, sondern auf Ertragsanteile geschlossen wurden (Pli- 
nius, Briefe IX, 37). Freilich ein Heilmittel war diese Einführung 
allein nicht, wenn der Ertragsanteil, der dem Pächter blieb, so 
klein wurde, daß dieser kaum zu existieren vermochte. Dies trat 
denn auch schließlich ein, und selbst bei Verträgen auf Anteil an 
der Ernte war die Landflucht überaus verbreitet. Um die dadurch 
drohende Entvölkerung des flachen Landes zu verhüten, wurden 
neben den angedeuteten Mitteln noch weitere zur Anwendung 
gebracht. Wie man ehedem durch Freigabe der Okkupatron An 
siedler anzulocken gesucht hatte, so bestimmte in der Kaiserzeit 
am Ende des 2. Jahrhunderts z. B. Kaiser Pertinax, daß jeder 
mann unbebautes Land okkupieren dürfte. Der Besteller sollte 
Eigentümer werden und ihm Steuerfreiheit auf 10 Jahre gewährt 
sein (Herodian, Kaisergeschichte II, 4). Auch suchte man es, z. B. 
zur Zeit des Tiberius, zu erzwingen, daß Leute einen Teil ihres 
Vermögens in Grundstücken anlegten (Tacitus, Annalen VI, 23). 
Die Verödung des römischen Reiches war trotzdem in rapider 
Zunahme begriffen. Wie sehr die Steuerkrast gesunken war, kann 
man aus den großen Steuernachlässen entnehmen, die z. B in 
Rom Marc Aurel (Dio Cassius LXXI, 32) und Hadrian (Dio 
Cassius LIX, 8) gewährten. Von dem allgemeinen Niedergang 
wurde schließlich Sizilien ebenso ergriffen wie Spanien. Am gün 
stigsten waren noch jene Gegenden daran, die eine entwickeltere 
Industrie besaßen, wie Unteritalien, Kleinasien und Syrien, ob 
zwar auch dort bald genug der Niedergang sich fühlbar zu machen 
begann. 
Während man zu Beginn der Kaiserzeit gegen die politischen Ver 
einigungen sehr energisch vorging (S. 100) scheint manden Hand 
werkervereinigungen im allgemeinen keine Schwierigkeiten
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        136 Achtes Kapitel. Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft. 
bereitet, sie vielmehr sogar gefördert zu haben. Aber Vorsicht bestand 
allen Vereinen gegenüber, und die Unterstützungskassen wurden als 
Stellen betrachtet, wo man zu politischen Zwecken Geld sammeln 
könne. Auch die Beitragssammlung zum Zwecke der Unterstützung 
armer Mitbürger wurde nicht immer für einwandfrei anerkannt 
(Plinius, Briefe X, 93 f). Daß man bestinnnten Vereinigungen, 
die sich z. B. mit der Verproviantierung von Rom beschäftigten, 
Privilegien gab, wurde schon erwähnt (S. 131). Auch jene Ver 
einigungen von Handwerkern, die der Militärverwaltung nützlich 
erschienen, erhielten Vorrechte verschiedener Art Solche Vorrechte 
wurden gewährt, um zum Eintritt in die verschiedenen Vereini 
gungen der Handwerker, Gewerbetreibenden und Kaufleute anzu 
spornen und so einen ausreichenden Verwaltungsapparat für die 
Güterproduktion und Verteilung zu bekommen. Auch die Bankiers 
und diejenigen, welche die Echtheit und den Wert der Münzen zu 
prüfen hatten, wurden zu Korporationen zusammengefaßt. Kauf 
mannsorganisationen waren im römischen Kaiserreich sehr zahl 
reich, sie legten Zeugnis von dem blühenden Verkehrsleben ab. 
Die Organisationen entwickelten sich vielfach aus den Faktoreien 
der älteren Zeit (S. 50). Die Ansiedlung mit ihren Stapel 
plätzen, um ein Heiligtum gruppiert, wurde als religiöse Gemeinde 
aufgefaßt, bei der die wirtschaftliche Gemeinschaft klar zutage trat, 
wie denn überhaupt viele Kultvereine eigentlich Sterbe- und 
Unterstützungskassen gewesen zu sein scheinen. Manchmal hatten 
diese Korporationen monopolartige Privilegien, so wahrscheinlich 
diejenigen der Schiffer in manchen Flußgebieten. Je mehr das 
untergehende Rom die Rentabilität der Unternehmungen in Frage 
stellte, je mehr man sicher sein wollte, daß die im Marktverkehr 
übernommenen Funktionen ausreichend besorgt würden, desto stärker 
dachte man daran, die Individuen in den Berufen festzuhalten 
und die Berufe mit neuen Mitgliedern zu ergänzen. Soweit das 
durch Privilegien und hohe Gewinne nicht mehr möglich war, 
wurde schon im 3., vielleicht aber auch erst im 4. Jahrhundert 
die Erblichkeit der Mitgliedschaft allgemein eingeführt. Es wurden 
Zwangsmittel aller Art angewendet, ja man ging zeitweilig 
sogar so weit, gesetzlich festzulegen, daß, wer die Tochter eines 
Vereinsgenossen heiratete, selbst Vereinsgenosse wurde. Wir sehen 
so im Altertum seit dem 4. Jahrhundert viele jener Erschei 
nungen, die wir aus dem Mittelalter kennen. Die Genossen 
schaften waren es, die der Regierung für die Steuern hafteten;
        <pb n="145" />
        Zwangsvrganisationen. 
137 
wie sie dieselben repartierten, war ihre Angelegenheit. Von frei 
willigen Ehrenämtern, wie sie die Republik gekannt hatte, war 
nicht mehr die Rede, die leitenden Gemeindeämter in den einzelnen 
Städten wurden erblich, auch hafteten die Inhaber für das Steuer 
ergebnis. Sogar die marktmäßigen Vorgänge waren nun erzwungene 
Pflichten, man war Kaufmann und Handwerker, ähnlich wie man 
heute eine Zeitlang Soldat ist, es wurde jedem zum Bewußtsein 
gebracht, was heute nur theoretisch formuliert zu werden pflegt, 
daß alle die, welche produzieren und Handel treiben, Ämter im 
Dienste der Gesamtheit versehen. Die Abschließung der Stände 
voneinander nahm überhand. Alles suchte diesen Forderungen zu 
entgehen, was nur durch die schärfsten Zwangsmittel verhindert 
werden konnte. Die folgenden Jahrhunderte scheinen an diesen 
Bestimmungen festgehalten zu haben, dann dürften die Vereini 
gungen bei der allgemeinen Auflösung der Wirtschaftsordnung 
allmählich von geringerer Bedeutung geworden sein, obzwar sie 
immer wieder gelegentlich erwähnt werden. Die Zünfte des Mittel 
alters lernen wir erst wieder in einer weit späteren Zeit kennen. 
Wenn sich zwischen ihnen und jenen Korporationen der Antike 
auch manche Verwandtschaft nachweisen läßt, so braucht das noch 
nicht auf einen Zusammenhang zu deuten, da ja ähnliche Institu 
tionen sogar durch ganz verschiedene Ursachen entstanden sein 
können und dazu nicht einmal ähnliche nötig sind. Durch die 
zwangmäßige Organisation waren viele Korporationen gewisser 
maßen verstaatlicht worden. Daneben erweiterte aber auch der 
Staat selbst den Kreis seiner Unternehmungen, indem er fiska 
lische Fabriken errichtete, die er teils mit Sklaven, teils mit 
freien Arbeitern, die zum Teil dazu gezwungen wurden, betrieb. 
Die Stellung zum Erwerbsleben änderte sich für jene 
Kreise nicht, in denen man sich, an die alten Traditionen an 
knüpfend, mit den sieben freien Künsten beschäftigte; man ver 
achtete die gemeinen Gewerbe ähnlich, wie man es vorher tat und 
heute tut. Es erscheint einem Dio v. Prusa z. B. selbstverständlich, 
daß sich ein Monarch am Lob freier und edler Männer freue, 
nicht aber an dem der Handarbeiter und Handelsleute (Dio v. 
Prusa X, 34). Wenn die Bildung in jenen Zeiten auch sehr ver 
flachte, so verbreitete sie sich andererseits, und die Lehrer der freien 
Künste hatten erhebliche Einnahmen, wenn sie an einer der hohen 
Schulen lehrten, die großen Zudrang aufwiesen. Viele der größeren 
Städte taten sehr viel, um Fremde herbeizuziehen; so wird berichtet,
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        138 Achtes Kapitel. Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft. 
daß in Smyrna für die Stadterweiterung und -ausschmückung viel 
geschah, und ein Rhetor dort Schüler aus allerHerren Ländern, aus 
Europa, Ionien und ganz Kleinasien vereinigen konnte (Philostra- 
tus, Sophistenbiographien II, 26). Wie lukrativ für die Rhetoren 
dies Geschäft war, kann man daraus entnehmen, daß sie ob ihrer 
Schätze in den sogenannten Briefen des Apollonius von Tyana 
geschmäht wurden. Die Honorare waren nicht niedrig (Philo- 
stratus, Sophistenbiographien II, 2) und nährten ihren Mann. 
Freilich brachte ein Teil dieser Einnahmen den Städten und der 
Bevölkerung Vorteile, weil die Rhetoren, sowie überhaupt die 
vornehmen Leute, viel für die öffentliche Wohlfahrt taten und so 
die Fürsorge des Staates zum Teil ersetzten (Phckostratus, So 
phistenbiographien II, 23). 
Die Bevölkerungszunahme beschränkte sich in der Kaiserzeit 
zunächst nur auf die Großstädte, während die Gesamtbevölkerung 
in Abnahme begriffen war, die dann auch bald in den Städten 
konstatiert werden konnte. Die Menschenmassen, welche z. B. in 
Rom zusammenströmten, stammten aus aller Herren Ländern, es 
waren Griechen und Orientalen, Gallier und Spanier, Sklaven 
und Freigelassene, ausgediente Soldaten und junge Rekruten 
(Appian, Bürgerkriege II, 20). Die Getreidespenden taten das 
Ihrige, die Menschen anzulocken (S. 130). In Rom hofften 
manche weiterzukommen, dort fanden sie auch überhaupt erst 
die Möglichkeit — und ähnlich war es in den anderen großen 
Städten —, mit ihren paar Groschen sich einen guten Tag zu 
machen. Außerdem war eine Art Existenzminimum durch die 
Spenden aller Art garantiert sowie allerlei Vergnügungen, die 
jedermann zugänglich waren. War doch die Menge der Kultur 
güter, die dem römischen Proletarier zur Verfügung stand, im 
ganzen größer als die, welche heute dem Arbeiter geboten wird. 
Die Bevölkerungszahl blieb bis gegen die Zeit Diocletians kon 
stant. Als Rom nicht mehr Hauptstadt des Gesamtreiches war, 
begann jener Verfall, der es zu dem machte, was es im Anfang 
des Mittelalters war, zu einer mittelgroßen Stadt. Es war diese 
Entvölkerung nur eine Fortsetzung der oben geschilderten (S. 104). 
Auch die unteren Volksklassen scheuten die Ehe und wollten keine 
Kinder bekommen, so daß z. B. die Ansiedlung von Veteranen, 
die in der Kaiserzeit als Mittel gegen die Entvölkerung oft ver 
sucht wurde, zuweilen gar nichts nutzte (Tacitus, Annalen XIV, 27). 
Dabei suchten sowohl die Kaiser wie Nero und Trajan als auch
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        Berufsehre, Bevölkerung. 
139 
viele Private (Plinius, Briefe VII, 18) durch großartige Stif 
tungen armen Eltern die Sorge um die Existenz ihrer Kinder 
abzunehmen, indem Geld hypothekarisch angelegt wurde und die 
Zinsen zur Verfügung standen; auch die Ehegesetze, die Nachteile, 
welche Ehe- und Kinderlosen drohten (Gains II, 286), die Vor 
teile, welche solchen gewährt wurden, die Kinder hatten, vermochten 
nicht zu Helsen (Sueton, Augustus 46). Vergeblich; neben dem 
Rückgang der Eheschließungen und der Kinderzahl in den Ehen 
hatten die Kriege einigen Einfluß, auch war die staatliche Rege 
lung der Getreideversorgung in vielen Gegenden so unzureichend, 
daß Mißwachs große Menschenmengen zugrunde richtete. Von 
schrecklicher Wirkung waren in der Kaiserzeit seit dem 2. und 
3. Jahrhundert die Seuchen, da selbst nach ihrem Aufhören nicht, 
wie so oft in anderen Zeiten, eine vermehrte Fruchtbarkeit rasch 
den Ausfall wieder ersetzte. Besonders wüteten die Seuchen in 
Städten, die wie Rom in ungesunder Umgebung lagen. So sollen 
in Rom in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts Tausende an 
einem Tage gestorben sein (Dios LXXII, 14). Es waren ganz 
andere Plagen, die auf dem Menschen des untergehenden Alter 
tums lasteten, als jene sind, unter denen die moderne Menschheit 
leidet. Als um die Mitte des 3. Jahrhunderts Origenes den Opfer 
tod Jesu recht klar beleuchten wollte, verglich er ihn mit jenen 
Männern, die für die Gesamtheit starben, um die drei großen 
Plagen abzuwehren: Seuchen, Mißwachs und Stürme, die 
den Handel gefährdeten (Origenes, Gegen Celsus I, 31). 
Immer wieder begegnen uns bei den verschiedensten Autoren die 
schrecklichen Schilderungen der Hungersnot, der Pest und der 
Kriege (Eusebius, KirchengeschichteIX, 8). Und all diese Schreck 
nisse wüteten in demselben Kaiserreich, das zunächst als Träger 
des Weltfriedens Ruhe und Ordnung verbreitet hatte. 
Dieser Bevölkerungsabnahme und den damit verbundenen Um 
wälzungen entsprach auch die Veränderung der Wehrverfassung. 
Das alte Bauernheer war bereits durch die republikanische Kriegs 
führung zugrunde gerichtet worden; dann wurden in immer stärkerem 
Maße fremde Nationen zum Heeresdienst herangezogen, erst nur 
als Leichtbewaffnete zur Flügeldeckung, dann auch als selbständige 
Körper, bis sie dann trotz aller Bemühungen der Kaiser, so 
besonders des Augustus, schließlich den Hauptstock des Heeres 
bildeten. Die herrschenden Schichten der italischen Bevölkerung 
waren dann nicht mehr der Hauptstamm der Armee. Seit der
        <pb n="148" />
        140 Achtes Kapitel. Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft. 
ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts stellten die Provinzen selbst 
ihre Truppenkörper auf. In immer steigendem Maße wurden 
die auf dem flachen Lande angesiedelten Barbaren die eigentliche 
Armee, sie waren die Retter des Vaterlandes, die Hüter der Ord 
nung im Innern. Das Ende war eine wüste Herrschaft der un 
botmäßigen Truppen, gelegentlich gezügelt durch überragende In 
telligenzen. Selbst die Neuorganisation durch Diocletian konnte 
dem nicht Halt gebieten, das Volk war schließlich seiner Armee 
ausgeliefert: Rom den Barbaren. 
Die Zahl der Sklaven ging in der Kaiserzeit zurück, da die 
Grenzkriege meist keine großen Erträge lieferten und in den großen 
Sklavenkriegen sehr viel Sklaven getötet worden waren. Von Er 
oberungen, wie sie in der Republik möglich waren, konnte nicht 
mehr die Rede sein. Da aber in den Zeiten der Republik sich alles 
an den Sklavenbetrieb in erheblichem Ausmaß gewöhnt hatte, suchte 
man sich zunächst in irgendeiner Weise zu helfen. Es wurden 
Reisende, Sklaven und Freie auf offener Straße überfallen und 
weggeschleppt. Ja, es bildeten sich ganze Banden, die sich daraus 
ein einträgliches Geschäft machten (Sueton, Augustus 32). Auch 
kam es vor, daß sich Leute freiwillig in die Sklaverei begaben, um 
dem Kriegsdienst zu entgehen. Gegen diese Mißbräuche schritten 
sowohl Augustus als auch Tiberius ein (Sueton, Tiberius 8). 
Die Abnahme der Sklavenbestände wurde auch durch die zahl 
reichen Freilassungen bewirkt, die eigene Gesetze einzuschränken 
suchten (Gaius I, 42 ff). So wurde z. B. die testamentarische 
Freilassung auf höchstens 100 Sklaven beschränkt. Dagegen waren 
die Fälle, wo volle Unfreiheit durch Unterjochung entstand, nicht 
entsprechend zahlreich, wenn es auch sehr oft vorkam, daß gewisse 
Stämme ihre Kinder (Tacitus, Annalen IV, 72) oder Freie sich 
selbst in die Sklaverei verkauften. Daß unter diesen Umständen 
die Sklavenpreise stiegen und die Verwendung von Sklaven im 
großen häufig unrentabel wurde, ist einleuchtend. Die Plantagen 
wirtschaft mit großen Sklavenherden findet sich mit der Zeit nur 
noch vereinzelt, es wird immer häufiger, daß man auf großen 
Gütern sich mit freien Pächtern und freien Arbeitern hilft, zumal 
zuweilen gar keine Sklaven aufzutreiben sind (Plinius, Briefe HI, 
19). Nachdem die Einführung der Sklaven in den Wirtschafts 
betrieb im großen Stil die Bauern zugrunde gerichtet hatte, ging 
die Sklavenzahl regelmäßig zurück. Sehr häufig wurden Sklaven 
und Freie in ungefähr der gleichen Anzahl beschäftigt (Varro,
        <pb n="149" />
        Wehrverfassung, Sklaverei. 
141 
Über die Landwirtschaft I, 18). Es erscheint unter solchen Um 
ständen für die Herren am rentabelsten, wenn sie die Sklaven auf 
ihren Gütern verteilten und in teilweiser Selbständigkeit wirtschaften 
ließen. Die rechtlichen Bestimmungen zu Ansang der Kaiserzeit 
geben nicht das richtige Bild von den tatsächlichen Verhält 
nissen. Vielfach lebten die Sklaven in monogamischem Ehebund 
auf bestimmten Grundstücken, den Betrieb kleiner, selbständiger 
Wirtschaftsorganisationen leitend, von denen eine größere Zahl 
einem Herrn gehörte. Die Gesetzgebung hat erst später Schritt für 
Schritt die Sklavenbande als gelockert anerkannt und eine gemil 
derte Abhängigkeit als zu Recht bestehend festgesetzt. Die Acker 
sklaven — etwa vom 3. Jahrhundert an — unterscheiden sich immer 
weniger von Bauern, die an die Scholle gefesselt sind und bestimmte 
Abgaben an ihre Herrn zu leisten haben. Der Herr verfügt nicht 
mehr über jede einzelne wirtschaftliche Handlung, sondern nur noch 
über den Ertrag. Diese Bewegung begegnet sich mit jener, die den 
Bauern an die Scholle zu fesseln suchte, um neue Steuerträger 
schaffen zu können, die nicht weglaufen (S. 133). Größere Skla 
venmassen dürften nur in solchen Betrieben noch verwendet worden 
sein, in denen große Reinerträge erzielbar waren, so z. B. in den 
Bergwerken, die edle Metalle lieferten. Dort wurde der Verlust 
von Sklavenleben reichlich durch die Mehreinnahme ersetzt. Größere 
Gruppen von Sklaven wurden einem Ausseher übergeben, der ihre 
Arbeiten leitete (Diodor V, 36). Um möglichst hohe Erträge zu 
erzielen, arbeitete man die Sklaven zugrunde, gewährte ihnen mög 
lichst wenig Ruhepausen, was natürlich nur unter Anwendung von 
harten Strafen durchführbar war (Diodor V, 38). Wo das Zu 
grundearbeiten sich nicht lohnte, war der freie Arbeiter und Päch 
ter vielfach ungünstiger gestellt als der Sklave, da man in unge 
sunden Gegenden Freie verwendete, deren Tod keinen Schaden 
bedeutete, die Sklaven hingegen schonte (Columella I, 7, 4—6). Ein 
großer Teil der am elendesten behandelten Sklaven waren solche, 
die strafweise Sklaven waren. 
Das Sinken der Sklavenzahl in der Kaiserzeit, als sich sehr viele 
hochgebildete Menschen, zum Teil von hervorragender Bedeutung, 
unter den Sklaven befanden, bewirkte, daß sich der philosophisch Ge 
bildete in immer stärkerem Maße für die Sklaven einsetzte und die 
sklavische Seele, nicht den Sklaven mißachtete (Dio v. Prusa XV). 
So tadelte B. Plutarch den älteren Kalo, daß er die abgearbeiteten 
Sklaven auf ihre alten Tage verkaufte, statt ihnen das Gnadenbrot zu
        <pb n="150" />
        142 Achtes Kapitel. Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft. 
geben; er wies darauf hin, daß nicht einmal Tiere, ja überhaupt kein 
beseeltes Wesen einfach beiseite geworfen werden dürfe, weil es un 
brauchbar geworden sei (Plutarch, Kato der Ältere 5). Die Anerken 
nung des Menschentums im Sklaven war zum Teil auch durch jene 
Strömungen in der antiken Philosophie bedingt, die alle Lebewesen 
als eine große Familie anzusehen geneigt waren. Die in Griechenland 
konstatierte Trennung der Sklaven in zwei Klassen (S. 73) trat 
auch in Rom ein. Die höher gebildeten Sklaven entwickelten sich 
zu Beamten und Angestellten und bildeten zum Teil die erziehende 
Intelligenz. Die Direktion des Münzamts und der Zollverwaltung 
wurde z. B. von Cäsar zum Teil durch Freigelassene und Sklaven 
besetzt, wodurch die persönliche Beziehung des Herrschers zu diesen 
wichtigen Instituten so recht zum Ausdruck kam (Sueton, Cäsar 76). 
Es entwickelte sich ein neuer Stand von Beamten aus Sklavenblut, 
ein Vorgang, der sich in der mittelalterlichen Geschichte wieder 
holte. Die Verwendung der höheren Sklavenkategorien in der an 
gegebenen Weise blieb in der Kaiserzeit nicht immer bestehen, wohl 
aber war ihr Einfluß immer ein großer. Sie waren dann nicht 
mehr Beamte, sondern Kämmerer oder ähnliches. Diese Schicht 
der hochentwickelten Sklaven und Freigelassenen trug mit dazu 
bei, die Anschauungen über die Sklaverei überhaupt wesentlich 
zu modifizieren (Plinius, Briefe VIII, 16). Daß aber auch recht 
tiefstehende Sklavenkategorien keineswegs immer eine gedrückte 
Stellung innehatten, kann man daraus entnehmen, daß sie ähnlich 
wie in Athen zu Polizeisoldaten verwendet wurden (Plinius, Briefe X, 
30 f.), die auch besoldet wurden (Plinius, Briefe X, 40), wie denn 
überhaupt die Sklavenbesoldung vielfach eingeführt war, auch unter 
schied sich ihre persönliche Stellung vielfach nur tvenig von den 
Freien, wenn der Herr ihre Testamente, ihre Schenkungen usw. 
im Bereich des Hauses respektierte (Plinius, Briefe VIII, 16). 
Die Sklaven des Geld- und Handelsstandes waren wirtschaftlich 
Unternehmer, die mit Kredit arbeiteten. Sie und die Freigelassenen 
gleicher Kategorie waren eben vielfach nicht viel abhängiger von 
ihrem Herrn als heute eine Gastwirtschaft, die von der Brauerei 
Gnaden besteht. Durch ihre Reichtümer zwangen mit der Zeit die 
Freigelassenen die vornehmsten Familien, ihnen ihre Töchter zu 
Weibern zu geben, wodurch allmählich eine ganze Klasse von Em 
porkömmlingen entstand, die nicht immer die günstigsten Charakter 
eigenschaften aufwiesen. Ein großer Teil dieser Freigelassenen 
widmete sich dem Handwerk, und da sie sich als Sklaven oft etwas
        <pb n="151" />
        Sklaverei, Finanzen. 143 
beiseite gelegt hatten, waren sie vielfach besser gestellt als die freien 
Handwerker. Die freiere Stellung der Sklaven kommt auch darin 
zum Ausdruck, daß sie ebenso wie die Freigelassenen Vereinigun 
gen bilden konnten, die ursprünglich nur für Freie berechnet waren. 
Sterbe- und Versicherungskassen waren nun auch den Sklaven zu 
gänglich, und die Kassenbestände dieser Sklaveuvereine waren oft 
nicht unbedeutend, kurzum es standen ihnen Organisationen zur 
gegenseitigen Hilfe zur Verfügung, an denen ja das ausgehende 
Altertum so reich war. 
Gegenüber der tatsächlich sehr weitgehenden Verbesserung der 
Lage der Sklaven blieb die Gesetzgebung lange zurück. Die so 
entscheidenden Wandlungen wurden nur in gewissen Beschrän 
kungen der Herrenrechte zum Ausdruck gebracht. Diese Sklavengesetze 
hatten eigenllich nur die Geltung etwa moderner Tierschutzgesetze, 
praktisch lief das aber freilich auf eine gewisse Rechtsgewährung 
gegenüber dem Sklaven hinaus, da diesem gestattet war, sich an 
die Behörden mit einer Anzeige zu wenden. Zu den Einschrän 
kungen der Herrenrechte gehörte u. a., daß die Tötung eines Skla 
ven die Bewilligung der Behörden erforderte, und daß ein miß 
handelter Sklave verkauft werden mußte. Auch wurde späterhin ein 
Sklave frei, wenn ihn der Herr krank und schwach im Stiche ge 
lassen batte. 
Zu Beginn der Kaiserzeit hat auch auf dem Gebiet des Finanz 
wesens die Geldwirtschaft Fortschritte aufzuweisen gehabt, die be 
sonders auf juristischem Gebiet zum Ausdruck kamen, da die Geld- 
bewertung vorherrschend wurde, wenn auch naturale Elemente 
in großer Zahl erhalten blieben. Was nun die Behandlung der 
Steuerträger anlangt, so wurden sie durch die Kaiser gegenüber 
den herrschenden Klassen im allgemeinen in Schutz genommen, solange 
die Finanzverhältnisse nicht die Regierung selbst zu schweren 
Eingriffen zwangen. Schon früh kam es vor, daß die Tätigkeit 
der Steuerpächter inhibiert wurde und die Erhebung der Steuer 
durch das Land selbst an die Stelle trat, auch nahm man auf Miß 
wachs und sonstiges Unglück häufig ausgiebig Rücksicht (Appian, 
Bürgerkriege V, 4). Auch wenn es nicht zur Aufhebung der Ver 
pachtung der Steuern, Staatsmonopole und Zölle kam, wurde 
dennoch die Kontrolle verschärft und die ärgsten Mißstände, so 
unter Tiberius (Tacitus, Annalen IV, 6) und Nero (Tacitus, 
Annalen XIII, 50 f.) beseitigt. Nero soll sogar an eine Aufhebung 
der Zölle gedacht und den Gedanken nur deshalb nicht aus-
        <pb n="152" />
        144 Achtes Kapitel. Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft. 
geführt haben, weil der Staatshaushalt dadurch empfindlich ge 
stört worden wäre. Aber schließlich wurde die Verpachtung viel 
fach in den Hintergrund gedrängt, wobei die direkte Erhebung der 
Grundsteuer zunahm. Entsprechend der ganzen Umwandlung der 
römischen Wirtschaftsverhältnisse gegen Ende der Kaiserzeit, wur 
den die Steuern wieder in natura erhoben, und zwar nicht nur 
die Grundsteuer, sondern alle möglichen Abgaben. Die Leistungen 
wurden in den verschiedensten Gegenständen, Nahrungsmitteln, 
Rohstoffen und Ganzfabrikaten festgesetzt. Die Rohstoffe z.B. wurden 
zum Teil für die Staatsfabriken, so die Tuchfabriken verwendet, 
die von großer Bedeutung waren und erhebliche Einnahmen sicher 
ten. Die Spezifikation der Naturalsteuern entsprach den Leistungen 
des Staates an seine Bürger, die ebenfalls spezifiziert erfolgten. 
So erhielten gegen das Ende der Kaiserzeit die Beamten Hunderte 
von Gegenständen zugewiesen, von den Lebensmitteln und den 
Tragtieren an bis zu den Schnallen und Beischläferinnen aus der 
Menge der Gefangenen. Während manche Gegenden Fleisch an 
die Fleischerkorporation zu liefern hatten, andere Getreide an die 
Bäckerorganisation, mußten wieder bestimmte Organisationen Sättel, 
Kleider usw. an die Armeeverwaltung abführen. Es kehrten Ver 
hältnisse wieder, die in Ägypten ein blühendes und mächtiges 
Staatswesen ermöglichten, während sie hier den Untergang nicht 
aufzuhalten vermochten. Die eben geschilderte Tendenz, die Kor 
porationen für die Steuer haftbar zu machen, führte allmählich 
dazu, daß überhaupt die eigentlichen Steuerträger nicht mit dem 
Staate zu tun hatten, sondern nur mit ihren Genossenschaften. 
Da überdies die Einflußnahme des einzelnen auf die Höhe der 
Steuer fehlte, mußte der Druck besonders erbittern. Wir sahen 
bereits oben (S. 133), daß man sich vielfach der Last auf alle nur 
mögliche Weise zu entziehen suchte, und trotz aller Zwangsmittel — 
man scheute sogar vor der Prügelstrafe nicht zurück — kam es in 
manchen Distrikten geradezu zu Massendesertionen der Steuer 
pflichtigen. Sonst war alles mit Leistungen verknüpft, so mußte 
man z. B. bei Amtsübernahme Zahlungen leisten (Plinius, Briefe X, 
113). Alle diese Vorkehrungen kreuzten sich mit andern Bestre 
bungen der Regierungen, Ordnung in das Wirtschaftsleben zu 
bringen. Während man auf der einen Seite schließlich dazu kam, 
die Naturalwirtschaft wieder einzuführen, wollte man auf der 
andern die Geldwirtschaft regulieren, und zwar durch das auch 
in der neueren Wirtschaftsentwicklung anzutreffende Mittel der
        <pb n="153" />
        Finanzen, Preistaxen. 
145 
Preisfixierung. Es sollten bestimmte Waren nur zu bestimmten 
Preisen verkauft werden. Diocletian hat den Versuch gemacht, 
einen derartigen Preistarif zu edieren, der aber keine dauernden 
Folgen gehabt zu haben scheint. Er umfaßte eine Unmenge Artikel 
mit weitgehenden Spezialisierungen etwa nach Art der Warenhaus 
kataloge. Diese Preisfixierung sollte für alle Märkte des ganzen 
Reiches oder zum mindesten des Diocletianischen Herrschaftsbezirks 
gelten. Es scheint dabei der Regierung vor allem darum zu tun 
gewesen zu sein, bestimmte Preise für ihren Bedarf zu haben 
sowie für ihre Soldaten, Beamten usw. Auch die Löhne für die 
verschiedensten Arbeiten und Gewerbebetriebe wurden spezialisiert. 
Während andere Regenten, ebenso wie früher die Ädilen, nur 
gelegentlich der Getreide- und Brotspenden bestimmte Preise fest 
setzten, um dem Volke einen Vorteil zuzuwenden, war diese Tax- 
ordnung Diocletians dazu bestimmt, einen großen Teil aller 
Warensätze zu regulieren. Wieweit die Interessen der Regierung 
maßgebend waren, wieweit jene der Konsumenten, ist nicht völlig 
klar. Da viele Posten der Diocletianischen Taxordnung auch 
Staatsfabrikate umfaßten, scheint sie über den freien Markt 
hinaus wirksam gewesen zu sein, vielleicht auch die Umwandlung 
von Geld- in Naturalsteuern geregelt zu haben. Da nicht gleich 
zeitig Verkaufszwang bestand, mußte das Edikt'überall dort seine 
Wirkung versagen, wo die Leute erklärten, unter diesen Be 
dingungen überhaupt nicht produzieren oder verkaufen zu wollen 
(Lactantius, Wie die Christenverfolger starben 7). 
Die Steuern wurden im römischen Kaiserreich, wie wir sahen, 
immer mehr auf Korporationen abgewälzt. Parallel damit ging 
die Abwälzung der Steuern auf die Gemeinden. Wenn auch ur 
sprünglich die Tendenz vorhanden war, das römische Reich als 
ein System von Stadtstaaten zu konstruieren, indem z. B. Land- 
bezirke als Gemeinden konstituiert oder Gemeinden zugewiesen 
wurden, so sank doch die Bedeutung der Gemeinden immer mehr, 
und die teilweise Autonomie konnte keinen Ersatz für die politische 
Bedeutungslosigkeit darstellen. Und wenn auch dann leitende Mit 
glieder der Gemeinde an der Leitung des römischen Staates An 
teil hatten, so waren doch die einzelnen Mitglieder der Gemeinden 
des römischen Reiches am Gesamtreich wenig interessiert. Dies 
stellte so weder ein einheitliches Gebilde dar — dazu waren die 
Nationalitäten und Nationen zu verschieden — noch einen straff or 
ganisierten Bundesstaat. Diese Nichteinbeziehung der Gemeinden 
ANuG 258: Neurath, antike Wirtschaftsgeschichte. 10
        <pb n="154" />
        146 Achtes Kapitel. Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft. 
in die Politische Leitung, das Fehlen einer eigentlichen Volksver 
tretung hat wesentlich mit dazu beigetragen, den Untergang zu 
beschleunigen. Die Gemeinden wurden im Finanzorganismus auch 
insofern immer stärker belastet, als man ihnen viele Leistungen, 
für die sonst der Staat aufkommen mußte, zuschob. 
Der ganze Prozeß der Umwandlung der G eldwirt s ch aftin eine 
Naturalwirtschaft wurde gegen die Mitte des 4. Jahrhunderts 
im Osten wieder einigermaßen zum Stehen gebracht, und das byzan 
tinische Reich hat sich im wesentlichen geldwirtschaftlich entwickelt, 
während im Westen der naturalwirtschaftliche Einschlag von 
größerer Bedeutung war und besonders auf kirchlichem Boden die 
Eigenproduktion von Gebrauchsgegenständen zunahm. 
Die Fürsorge der Kaiser, des Staates und der Gemeinden für 
Bildung und Erziehung stand, wie im Altertum überhaupt, 
meist hinter den Aufwendungen für Spiele, Bäder, Theater (Mo 
nument v. Ancyra 22) usw. zurück. Die Ausgaben für die Spiele 
waren vielfach im Stadtrecht selbst festgelegt (Stadtrecht v. Urso 
70 ff.). Ein Teil dieser Ausgaben wurde freilich durch Privatleute 
bestritten, die Schulen und Museen vielfach auf eigene Kosten der 
Allgemeinheit zur Verfügung stellten, wie ja auch heute z. B. 
die reichen Amerikaner für Unterrichtsanstalten viel tun. Ebenso 
wie die Beamten der Republik sorgten die Kaiser und der Staat 
für Spenden und Gaben aller Art (Monument v. Ancyra 14 ff.). 
Die Pensionen an die Soldaten, die vor allem Augustus geregelt 
hatte, wurden lange Zeit aus einer eigenen Kasse bestritten, die 
zum Teil durch die Erbschaftssteuer gefüllt wurde (Dio Cassius 
XV, 25). Die Stiftungen für Kinder armer Leute kamen bei der 
Verschlechterung der Finanzen im 3. Jahrhundert in Vergessen 
heit, so daß Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert neuerlich 
eingreifen mußte. (S. 139.) 
Die Geldverhältnisse waren zu dieser Zeit überaus wirr. Der 
starke Metallabfluß nach dem Osten, der im Zunehmen begriffen 
war, sowie der Rückgang der Edelmetallproduktion hatte mit der 
Zeit im Mittelmeerbecken einen Mangel an Edelmetall zu Geld 
zwecken erzeugt. Der Staat half sich damit, daß er minderwertige 
Münzen ausprägte, wodurch die Preise zu einer enormen Höhe 
emporschnellten, wodurch er aber mit den Interessen der Expor 
teure in Widerstreit kam, für die nur der Metallgehalt der Mün 
zen, nicht aber ihr Nennwert von Bedeutung war. Die Wertver- 
hältnisse der Münzen waren besonders im Anfang des 4. Jahr-
        <pb n="155" />
        Geld, Kredit. 
147 
Hunderts derart schwankend, daß sogar der Staat, soweit er nicht 
Naturalien empfing, sich Silber- und Goldmengen zahlen ließ statt 
der Münzen, war doch ein Sturz des Geldwertes eingetreten, wie 
er sonst nur bei papiernen Zahlungsmitteln vorzukommen Pflegt. 
Besser wurden diese Verhältnisse erst unter Konstantin und dann 
im byzantinischen Reich, aber zu einer großzügigen Münzpolitik 
fehlten alle Grundlagen. 
Wenn auch in den ersten zwei Jahrhunderten der Kaiserzeit das 
Geld- und Kreditwesen entwickelt war, so hat doch im Ver 
hältnis zu heutederBesitzvonEdelmetallgegenüber derDispositions- 
kraft über Edelmetall mehr zu bedeuten gehabt. Die großen Kredit 
institute mit ihrem weitverzweigten Filialensystem fehlten, welche 
der Thesaurierung heute so energisch entgegenarbeiten. Daher 
treffen wir auch in der alten Literatur so häufig den Geizkragen 
und Wucherer an, der schmutzig umhergeht, zu Hause aber 
das Geld in Haufen liegen hat, ein Typus, der sich meist nur 
dann entwickelt, wenn einer seinen blanken Geldstücken gegenüber 
steht (Lucian, Der Tyrann 17). 
Die Reformversuche gegen das'Ende der Antike haben nicht 
zu einer ausgebildeten Theorie über die Zusammenhänge der 
sozialen und wirtschaftlichen Erscheinungen geführt wie in der neu 
zeitlichen Entwicklung. Die hohe Entwicklung der juristischen 
Reflexion war relativ unabhängig von der tieferen Einsicht in 
wirtschaftliche Zusammenhänge. Die großen Theoretiker der 
Antike, die wir unter dem Gesamtnamen der Philosophen kennen, 
haben in dieser Richtung ebenfalls wenig getan. Wenn sie auch 
scharfsinnige Bemerkungen über wirtschaftliche Dinge machten, so 
fehlte doch eine systematische Bearbeitung völlig. Viele unter ihnen 
trugen am Ausgang des Altertums — jeder in seiner Weise — 
zur Destruktion des Staates noch bei, die meisten freilich waren 
ärmliche Gesellen mit dürren Seelen. Mancher tüchtige Kopf suchte 
zu retten, was zu retten war: das Recht der Persönlichkeit, wo 
durch viele ernste Männer zur Abkehr vom Staatsgetriebe be 
wogen wurden. War doch bei den Griechen seit jeher ein aske 
tischer Zug immer wieder zum Vorschein gekommen, der vielfach 
an weltfeindliche Lehren anknüpfte, da sie sich gerne mit finsteren 
und tragischen Problemen beschäftigten. 
Vor allem waren die Zyniker und ein Teil der Stoiker in der 
Opposition, die die Ausschweifungen der Herrscher rügten, wo sie 
konnten (Dio Cassius LX VI, 13) und dann das Martyrium auf 
10*
        <pb n="156" />
        148 Achtes Kapitel. Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft. 
sich nahmen. Bei ihnen finden wir denn auch jene weltfremden 
Gestalten, die den Mönchen und Einsiedlern in gar vielem ver- 
lvandt waren; sie waren teils Wirkung, teils mit Ursache der Auf 
lösung, wenn sie auch die Stärkung des Pflichtbewußtseins be 
wirkten. Wie die Christen wandten sich die Zyniker sowohl an die 
unteren wie an die oberen Klassen der Gesellschaft, die sie vielfach 
dem Staate abwendig machten. Während aber das Christentum 
später einen Übergang zu einem Staatsideal fand, ist dies in 
großem Stil den Zynikern nicht gelungen. Solange weite Kreise 
noch in Dumpfheit und Unbildung dahingelebt hatten, konnte sich 
die Philosophie noch am ehesten für freien, heitern Lebensgenuß 
einsetzen, als sich aber in der Kaiserzeit immer mehr Menschen 
einem überaus gemeinen Genußleben Hingaben, konnte im allge 
meinen nur Abkehr vom Leben noch eines wahren Philosophen 
würdig erscheinen. Während in der hellenistischen Epoche noch die 
milderen Stoiker die Führung hatten, konnten im 2 Jahrhundert 
n. Chr. wieder die Zyniker mit ihren weit schärferen Lehren 
zur Geltung kommen. Eine Art Resignation war das Ziel, die 
durch den Kosmopolitismus nur wenig geändert wurde, da sie bei 
den Zynikern lange nicht jene begeisternde Kraft hatte wie später 
im Christentnme. Es war eine schreckliche Sprache, die von Christen 
und Heiden geführt wurde, wenn sie Roms Untergang prophe 
zeiten, wenn z. B. ein Mann wie Dio von Prusa (XIII, 36) in 
gewaltiger Rede Rom mit seinen Schätzen, die aus aller Welt 
zusammengehäuft seien, dem Scheiterhaufen verglich, den Achill 
seinem Patroklus aufgetürmt hatte aus Holz, Leichen, Gewän 
dern und Opferfett, um dann den Wind herbeizurufen, der den 
Brand entzünde und hoch auflodern lasse. 
So sehen wir allenthalben die Einrichtungen der Antike in 
voller Auflösung begriffen, im westlichen Mittelmeerbecken machte 
das Altertum neuen Gebilden Platz, die vor allem durch die ger 
manischen Völker geschaffen wurden, im Osten dauerte der alte 
Staatsorganismus formell fort, er erlitt aber eine tiefgreifende 
innere Umbildung. In beiden Hälften blieben noch lange gewisse 
Institutionen bestehen, die in des römischen Reiches Herrlichkeit 
eine Rolle gespielt hatten, und die einzelnen Machthaber legten 
vielfach Gewicht darauf, das Alte zu erhalten und an die Tradi 
tionen anzuknüpfen. So haben z. B. im Westen die Getreidespenden 
nie ganz aufgehört, und als Theoderich nach langer Zerrüttung 
wieder einigermaßen geordnete Zustände geschaffen hatte, sorgte
        <pb n="157" />
        Stoiker, Christen, Bevölkerung. 
149 
er dafür, daß Getreide, Öl und Fleisch an die Massen verteilt 
werde, doch mußte man sich, da die alten Kornkammern nicht mehr 
zur Verfügung standen, mit italischer Frucht begnügen. Wie sehr 
die Bedeutung dieser Spenden zurückgegangen war, kann man 
daraus entnehmen, daß ein Autor, um zu zeigen, daß die Ehren 
bei einem Volke nichts Beständiges seien, darauf hinwies, daß die 
jenigen, welche die Getreidespenden einst beaufsichtigten, hochge 
ehrt waren, während es nun nicht mehr der Fall sei (Boethius, 
Die Tröstungen der Philosophie III, 4). Das Prinzip der Staats 
fürsorge blieb lange erhalten, und als Justinian wieder in Italien 
herrschte, ordnete er ebenfalls Getreidespenden an. Aber nur im 
Osten vermochten die Kaiser seit Diokletian mit Scharfsinn und 
Energie das Gebäude zu erhalten, im Westen hat die Völker 
wanderung energisch die großen Zusammenhänge zerschlagen und 
der Kleinstaaterei vorgearbeitet. 
Wie einst die Griechen und dann die Römer ihren Bevölke 
rungsüberschuß durch Eroberungen versorgten, so taten es nun 
auch die Völker des Nordens. Schritt für Schritt drangen sie im 
römischen Reiche vor, unter den verschiedensten Titeln fanden sie 
Unterkunft innerhalb der Reichsgrenzen, sei es, daß man sie als 
Gefangene (S. 134), sei es, daß man sie — meist als Besiegte — auf 
ihre Bitten ansiedelte (Sueton, Augustus 21), sei es, daß man sie 
als Soldaten oder Beamte in den Staatsverband aufnahm. Ein 
Teil dieser fremden Truppen wurde in Quartier gelegt und erhielt 
eine Art Ertragsquote vom Kostherrn, ein anderer Teil wurde 
als Grenzer angesiedelt, so in Europa, in Asien und Afrika. 
Während anfangs schlechteres Land, das sonst nicht verwendbar 
war, den Germanen genügte, wurden sie bald anspruchsvoller und 
drangen immer weiter vor, waren sie doch ein wesentlicher Teil 
der Kriegsmacht. Dabei hielten die eingedrungenen Germanen 
immer daran fest, auch wenn sie vollkommen unbotmäßig sich auf 
führten, daß sie eigentlich die Vertreter des Monarchen seien, wo 
durch die Kontinuation der Institutionen äußerlich einigermaßen 
gewahrt wurde. Im 2. und 3. Jahrhundert begannen, wie wir 
sahen (S. 134), mit den Germanenkriegen die Ansiedlungen größere 
Dimensionen anzunehmen, und von da ab ist ein ununterbrochenes 
Vordringen der Stämme zu verzeichnen, wenn die Römer auch zu 
wiederholten Malen siegreich waren. Schon im 3. Jahrhundert 
drangen germanische Stämme in Mazedonien, Griechenland und 
Kleinasien vor und richteten arge Verwüstungen an. Alles das
        <pb n="158" />
        150 Achtes Kapitel. Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft. 
zwang die Kaiser immer wieder zu neuen Steuern, um die Kriege 
gegen die Eindringlinge mit Erfolg führen zu können, so daß die 
Bevölkerung doppelt geschädigt war. Besonders gefährlich wurden 
diese Angriffe, als im 3. Jahrhundert Goten auf den Einfall 
kamen, sich im Gebiet des Schwarzen Meeres Schiffe zu beschaffen, 
und nun eine Art Seeräuberkrieg anfingen (S. 153). Zu den 
Germanen kamen dann allmählich auch die Perser, die mit Erfolg 
das oströmische Reich bedrängten. Im Westen war die Haupt 
stadt Rom immer mehr gesunken, bis sogar Norditalien der Sitz 
der Kaiser wurde, um schließlich dem Ansturm der Nordvölker aus 
geliefert zu sein, bald erobert, bald mit Erfolg verteidigt. Da die 
Getreidezufuhr jederzeit durch Besetzung der Tibermündung ab 
gesperrt werden konnte, hatte z. B. ein Alarich leichtes Spiel. 
Die Stellung des Christentums zu den wirtschaftlichen und 
sozialen Verhältnissen war ebensowenig klar bestimmt wie heute. 
Viele christliche Autoren der ersten Jahrhunderte berührten die 
Frage größerer wirtschaftlicher Gemeinschaften überhaupt nicht 
und legten nur Gewicht darauf, daß der einzelne ohne Sünde 
sein Auskommen finde, womöglich als Handwerker (Lehre der zwölf 
Apostel XII, 3) oder indem er sein „Äckerleinchen" bebaue. Diese 
Ansicht vertrat z. B. Ambrosius, der im 4. Jahrhundert Bischof von 
Mailand war und doch durch seine Studien sowie durch seme 
Stellung im öffentlichen Dienst mit dem Wirtschaftsleben im größeren 
Stil bekannt geworden war (Ambrosius, Uber die Pflichten I, 26). 
Das wichtigste für den Menschen sei, ein Gotteskämpfer zu sein, und 
dazu genüge die bloße Existenz. Von einer Verachtung des Hand 
werks war bei den Christengemeinden keine Rede, was zum Teil 
schon dadurch bedingt war, daß sie sich vielfach aus Proletariern 
zusammensetzten. Unterstützt wurden solche Anschauungen durch 
chiliastische Ideen; da das irdische Reich ohnehin bald sein Ende 
finden sollte, so war all das Streben nach einer irdischen Orga 
nisation ein eitles Beginnen. Auch kommunistische Züge treffen 
wir bei vielen Kirchenvätern an sowie die Tendenz, alles Heid 
nische abzuweisen und sich von der damaligen Gesellschaft aus 
zuschließen. Eine Annäherung der Christen an den bestehenden 
Staat mußte stattfinden, als man von einem irdischen Gottesreich 
zu träumen begann, von einer „Gemeine des Herrn". Wie in der 
theologischen Erörterung die einen jeden heidnischen Gedanken 
ablehnten, die andern dagegen auf Übereinstimmung heidnischer 
mit christlichen Lehren ein besonderes Gewicht legten, so fanden
        <pb n="159" />
        Christentum. 
151 
sich auch allmählich Autoren, die sich mit dem heidnischen Staat 
zunächst theoretisch abfanden, indem manches prinzipiell als Or 
ganisation zur Friedensstiftung gebilligt wurde, bis allmählich die 
Kirche in den Staat hineinwuchs und dann auch ein eigenes 
Wirtschaftssystem bildete. Aber dieselben Autoren, die dafür waren, 
sich der Friedensordnung des Staates einzufügen, förderten auch 
manche Neigung der Christen zu einem staatlich indifferenten Ver 
halten. Man hatte der Stoa vorgeworfen, daß sie das Individuum 
derart vom äußeren Leid emanzipiere, daß der Philosoph den Ty 
rannen ebensowenig fürchte wie etwa ein Wahnsinniger. Auch 
vom Christen sagte man, daß er bereit sei, furchtlos der Staats 
gewalt gegenüberzutreten, die so über ihn weniger Macht besitze 
als über die andern Untertanen, wenn sie etwas erzwingen wolle. 
Diese Fähigkeit zum Widerstand wurde durch eine gewisse anti 
nationale Strömung noch gefördert. So meinte z. B. Augustinus, 
daß es an sich ganz gleichgültig sei, unter wessen Herrschaft man 
sich befinde, wenn man nur nicht gezwungen werde, etwas zu tun, 
was man verabscheue. Wenn der Wechsel der Herren nicht durch 
Kriege erfolge, wäre an sich eigentlich nichts dagegen einzuwenden 
(Augustinus, Von der Gemeine des Herrn V, 17). 
Die Organisation der finanziellen Verwaltung in der älte 
ren Kirche läßt sich mit der späteren kaum vergleichen. Erst handelte 
es sich im wesentlichen um freie Beiträge, die freilich nach einer 
gewissen Ordnung an die Presbyter, Diakonen und Vorleser zur 
Verteilung gelangten (Syrische Didaskalia 9). Aber so entwickelt 
auch vielfach die christliche Gemeindeverwaltung war, die volle 
wirtschaftliche Bedeutung erlangte die Kirche erst zu der Zeit, als 
sie seit dem 4. Jahrhundert staatliche Funktionen in größerem 
Maßstab übernahm, als Italien sich immer mehr in eine Wüstenei 
verwandelte und schließlich im 6. Jahrhundert die Einwohnerzahl 
von Rom etwa ein halbes Hunderttausend betrug. Wenn auch 
um die Mitte des 6. Jahrhunderts Justinian die Verhältnisse 
Italiens ju ordnen sich bemühte, so begann sich doch der Papst 
in immer stärkerem Maße an der Verwaltung und Jurisdiktion 
in Rom zu beteiligen. Die Kirche verteilte in derselben Weise Ge 
treide an das Volk, wie es vordem die Kaiser getan hatten, oft 
gegen den Willen der Regierung, die sich die Gewalt nicht wollte 
entreißen lassen. Und wenn auch diese Getreidespenden zeitweilig 
formell von der Freigebigkeit eines Privatmannes, des Papstes ab 
hingen, so wurde dadurch dennoch die kirchliche Organisation gestärkt.
        <pb n="160" />
        152 Achtes Kapitel. Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft. 
Die Klöster und Kirchen, welche Güter besaßen, erhielten von den 
Ansiedlern, Pächtern, halbfreien und unfreien Kleinbauern, Colonen 
und Sklaven einen Bodenzins, der meist ganz oder zum Teil in 
natura, in Quoten vom Rohertrag, später aber auch in festen 
Mengen Getreide und andern Objekten bezahlt wurde. So konnte 
die Kirche die Kornspeicher mit Getreide füllen, das wie ehedem 
aus Sizilien kam und dort von den Beamten der Kirche zum 
Teil gekauft, zum größeren Teil von den Kirchbauern eingetrieben 
wurde. Die an die Scholle gebundenen, persönlich freien Leute 
nebst den übrigen Kategorien der Unfreien und Vollfreien, die 
untereinander oft wieder in Abhängigkeitsverhältnissen standen, 
bildeten einen Grundstock der kirchlichen Wirtschaftsordnung, die 
sich im Mittelalter voll entfalten sollte. Als das alte Reich sich 
auflöste, bildeten sich im Osten in Antiochia und Alexandria und 
im Westen in Rom neue kirchliche Organisationen. Am Ende des 
8. Jahrhunderts sehen wir die zwei großen Gewalten einander 
gegenüberstehen, die jede in ihrer Art an des römischen Reiches 
Herrlichkeit anknüpften: Kaisertum und Papsttum. 
Wie wenig bestimmt die Stellung des Christentums zu wirt 
schaftlich sehr bedeutsamen Institutionen war, kann man aus 
seinem Verhältnis zur Sklaverei ersehen. Wie die alten Heiden 
den geborenen Knecht kannten, indem sie angeborene Defekte des 
Charakters und des Intellekts annahmen, so kannten die Christen 
einen angeborenen moralischen Defekt. Daß ein ganzer Menschen 
schlag aber zur Sklaverei verdammt werden könne, dafür war 
ein Bibelwort leicht zur Hand: die Verfluchung Hams durch 
Noah: 1. Moses 9, 25 „Verflucht sei Kanaan! als niedrigster 
Sklave soll er seinen Brüdern dienen! 26. Dann sprach er: 
Gepriesen sei Jahwe, der Gott Sems; aber Kanaan soll ihr 
Sklave sein! 27. Weiten Raum schaffte Gott für Japhet, und 
er wohnte in den Zelten Sems; aber Kanaan soll ihr Sklave 
sein!" Der Naturzustand ist freilich frei, führten manche aus 
(Augustinus, Von der Gemeine des Herrn XIX, 15), aber die 
Sünde hat Sklaven geschaffen. Die Entstehung der Sklaverei 
wurde von manchen aus Gottes Gericht erklärt, das ohne jede 
Ungerechtigkeit sei. So wurde denn, in Übereinstimmung mit vielen 
Lehren der ersten christlichen Zeit verkündet, daß der Sklave 
seinem Herrn ohne Falsch dienen sollte, mit seinem ganzen Herzen 
und seiner ganzen Seele. Wie die Bibel manchen Theologen dazu 
diente, den geborenen Sklaven zu beweisen, so diente sie anderer-
        <pb n="161" />
        Sklaverei, Byzanz, Griechen. 
153 
fetta auch immer dazu, die menschliche Behandlung der Sklaven zu 
vertreten. Der Hinweis auf die gute Behandlung der Dienenden durch 
die Patriarchen, der Hinweis auf die Haussklaverei im Orient spielten 
dabei eine große Rolle (Augustinus, Von der Gemeine des Herrn 
XIX, 16). In seiner Ansicht über die Handhabung der patriarchali 
schen Gewalt berühren sich die Ansichten eines Augustinus mit jener 
vieler moderner Großgrundbesitzer. Jedenfalls ergibt sich aus all 
dem, daß die Kirche in keiner Weise ihre ganze Autorität gegen 
die Sklaverei einsetzte, sie hat sogar gelegentlich zu Anfang des 
Mittelalters zahlreichen Freilassungen durch die Klöster Einhalt 
getan. Die mildere Behandlung der Sklaven, die bereits in der 
Antike begonnen hatte, wurde durch die Kirche unterstützt, was 
zum Teil damit zusammenhing, daß der Sklave nun regelmäßig 
derselben religiösen Gemeinschaft wie sein Herr angehörte, was in 
der Antike nur gelegentlich vorgekommen war. Doch dauerte diese 
günstige Wirkung nur so lange, als die Sklaven nicht zu zahlreich 
waren und vielfach eine Art Leibeigene darstellten. Als die wirt 
schaftlichen Verhältnisse die Zahl der Sklaven vermehrten und am 
Ende des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit die Kriege mit 
den orientalischen Völkern sowie die Sklavenjagden genug Material 
lieferten, wurden die Sklaven bedeutend ärger behandelt als durch 
schnittlich in der Antike. 
Während Rom verfiel, drang die byzantinische Kultur längs 
der russischen Flüsse in ähnlicher Weise vor wie die römische einst 
längs der germanischen. An den Handelsstraßen, die nach der Ost 
see führten, entwickelten sich Handelszentren, die zum Teil noch 
heute bestehen. Und wie Frankreich und Deutschland an das alte 
römische Reich, so knüpfte Rußland in der mannigfachsten Weise 
an Byzanz an. 
Die Griechenstädte im Gebiete des Schwarzen Meeres waren 
schon frühzeitig den anrückenden Nordvölkern ausgeliefert gewesen. 
Bereits im 3. Jahrhundert n. Chr. haben gotische Scharen die 
pontischen Handelsstädte gezwungen, ihnen Schiffe zur Verfügung 
zu stellen (S. 150). Einige Städte wurden bei diesen Zügen nieder 
gebrannt, aber andere erhielten sich, so Chersonesos auf der Krim 
in der Nähe des Hafens von Sebastopol, um späterhin ins by 
zantinische Reich aufgenommen zu werden. Nie in starker Ab 
hängigkeit von Rom, hat die Stadt Cherson vom 3. Jahrhundert 
ab eine selbständige Stellung eingenommen. Es war die letzte 
griechischeRepnblik. Späterhin war diese Stadt, bes onders durch
        <pb n="162" />
        154 Achtes Kapitel. Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft. 
ihren Handel mit Asien und den Ländern des Nordens, wichtig, 
zu einer Zeit, da die Türken bereits ihre Macht entfalteten. Wenn 
auch das umliegende Gebiet, das einst dem Westen Getreide ge 
liefert hatte, nicht mehr im Besitze der Stadt war, sicherte der 
Handel dennoch dieser Griechenstadt bis tief ins Mittelalter hinein 
ihren Wohlstand. Wie ehedem tauschte sie Felle und gesalzene 
Fische gegen Luxusartikel und Jndustriewaren in Konstantinopel 
ein. Und so sehen wir denn, wie so manche wirtschaftliche Ver 
bindung aus den Zeiten der Antike im Mittelalter noch bestand. 
Der Ausgang der Antike stellt vom Standpunkt der Wirt 
schaftsgeschichte aus ein wechselvolles Bild dar. Die oströmischen 
Besitzungen besaßen ein noch immer wohlgeordnetes System von 
wirtschaftenden Individuen. Das staatliche Finanzwesen und der 
Handel dauerten trotz vieler ernster Störungen fort und hatten 
nie ganz aufgehört, nur die Personen wechselten allmählich, und 
die Zentralstellen wurden von neuen politischen Faktoren okkupiert. 
Die weströmischen Länder aber beginnen stark zu zerfallen, die ein 
zelnen Gebiete können nicht mehr mit einem regelmäßigen Handel 
rechnen, und es wird der Versuch gemacht, wieder auf kleinerem 
Gebiete sich das zu schaffen, was man braucht. Die Bedürfnisse 
sind für weite Kreise auf ein Minimum gesunken, sie können in 
engeren Wirtschaftsorganisationen befriedigt werden. So sehen wir 
denn neben den Gemeinden allenthalben Grundherrschaften ent 
stehen, die entweder in den neuen Reichen aufgingen oder selbst 
zu kleinen Reichen wurden. Die kirchlichen Zentren stellten solche 
wirtschaftliche Mittelpunkte dar, hier setzen planmäßige Or 
ganisationen der Wirtschaft ein. Auf dem Boden der verfallen 
den Ordnung bilden sich neue Organisationen von stärkerem Zu 
sammenhalt, während die wirtschaftliche Verknüpfung der Bewohner 
des Erdkreises untereinander stark zurückgegangen war. 
Nicht lange, und die Herren des Nordens drangen immer mehr 
im weströmischen Gebiet vor, um schließlich Italien in nächste Be 
ziehung zu den Wirtschafts- und Machtzentren Mitteleuropas zu 
setzen; der Osten erhielt lange seine Selbständigkeit, aber auch 
ihm drohte das gleiche Schicksal, die mitteleuropäischen Wirtschasts- 
mächte suchten neue Reiche im Gebiete Westroms zu gründen, wir 
sehen Ansturm auf Ansturm, mitteleuropäische Fürsten regieren 
im Bereiche des untergehenden oströmischen Reiches. Doch das 
glückliche Schicksal Italiens blieb Ostrom versagt, es wurde nicht 
dem höher kultivierten Mitteleuropa angegliedert, sondern einem
        <pb n="163" />
        Überblick. 
155 
großen Eroberungsstaat, der zwar auf keiner niederen Kultur 
stufe stand, aber sich nicht weiter entfaltete. Mitteleuropa bemüht 
sich jetzt neuerdings, jene Gebiete wirtschaftlich oder sogar Politisch 
zu beherrschen, um sie einem einheitlichen mitteleuropäischen Wirt 
schaftskreis anzugliedern, eine Bewegung, die wir selbst miterleben. 
Überblick. 
Der Untergang deS Altertums vollzieht sich 
keineswegs durch eine vernichtende äußere Um- 
wälzung, sondern durch die innere Zersetzung 
einer völlig durchgebildeten, ihrem Wesen nach 
durchaus modernen Kultur. 
EduardMeyer, Die wirtschaftliche Ent 
wicklung des Altertums. 
Fassen wir das Ergebnis unserer Darstellung kurz zusammen! 
Die administrative Güterverteilung, sei es auf patriarchalischer 
Grundlage, sei es in einem wohlgeordneten Staatswesen, hat im 
Bereiche des Mittelmeerbeckens nirgends das ganze Altertum hin 
durch angehalten. Meist hat die primitive administrative Vertei 
lung und Verwaltung der einzelnen Organisationen sich frühzeitig 
in eine marktmäßige umgewandelt. Nur in Ägypten konnten wir 
die administrative Verteilung zu einer hohen Stufe der Vollkommen 
heit gelangen sehen; erst später ist sie in eine handelsmäßige Or 
ganisation umgewandelt worden. Der Handel mit fremden Völkern 
war es in erster Linie, der überall die zentralisierte Gütervertei 
lung störte. Die vor allem dadurch bedingte Einführung allge 
meiner Zahlungsmittel veranlaßte eine Auflösung der kleineren 
wirtschaftlichen Verbände. Besonders auf agrarischem Gebiet 
zeigten sich die Folgen der handelsmäßigen, nicht geregelten Wirt 
schaft. Der Widerspruch zwischen Privatinteresie und Gesamtinter 
esse entwickelte sich. Aber während anfangs wenigstens der einzelne 
wirtschaftlich Mächtigere florierte, hörte das allmählich auch auf, und 
es wirkte auch auf die Reichen zurück. Die Versuche der Kaiserzeit, 
wieder eine administrative Güterverwaltung im Interesse der All 
gemeinheit durchzuführen, waren nur auf gewisse Punkte gerichtet 
und nicht imstande, eine Änderung zu bewirken. Da überdies 
noch andere auflösende Momente genug vorhanden waren, ging 
die alte Wirtschaftsordnung auf großen Gebieten unter. Die Ver 
suche, durch administrative Ordnung Hilfe zu schaffen, hatten zu 
einer stärkeren Bindung des Individuums an die Gesamtheit oder 
an bestimmte Korporationen geführt, wovon vielleicht manches ins
        <pb n="164" />
        156 
Überblick. 
Mittelalter hinübergerettet wurde. Wir können so drei Perioden 
unterscheiden, die ursprünglich administrative, sei es innerhalb 
kleiner, sei es innerhalb großer Organisationen mit geringem Schatz 
handel, dann die marktmäßige, welche den Handel mit sämtlichen 
Gegenständen ermöglichte, zuletzt eine dritte, welche wieder zu ad 
ministrativen Vorkehrungen neigte und neue Organisationen schuf, 
die im Osten von einem neuen Beamtenstaat aufgesogen wurden, 
während sie sich im Westen vielfach in kleine, relativ selbständige 
wirtschaftliche Gebilde auflösten.
        <pb n="165" />
        Hus jVatur und Geístcswclt. 
'Jeder Band geheftet JVI. , in Leinwand gebunden M. 125. 
Zur Volkswirtschaft erschienen u. a. in dieser Sammlung: 
Ñrndt, p., Deutschlands Stellung in der Weltwirtschaft. (Bb. 179.) 
Bloch, £., Soziale Kämpfe im alten Rom. 2. Ñuflage. (Bb. 22.) 
Llaatzen, W., Die deutsche Landwirtschaft. Mit 15 Abbildungen 
und 1 Karte. (Bb. 215.) 
Gruber, Ehr., Wirtschaftliche Erdkunde. (Bb. 122.) 
— Deutsches Wirtschaftsleben, stuf geographischer Grundlage geschil 
dert. 2. Ñuflage von vr. Hans Reinlein. (Bb. 42.) 
Haushofer, ITT., Bevölkerungslehre. (Bb. 50.) 
Heil, B., Die deutschen Städte und Bürger irn Mittelalter. 2. Ñuflage. 
(Bb. 43.) 
Kainpffineper, H., Die Gartenstadtbewegung. (Bb. 259.) 
Langenbeck, W., Geschichte des deutschen Handels. (Bb. 237.) 
Laughlin, 3. L., Ñus dem amerikanischen Wirtschaftsleben. Mit 
9 graphischen Darstellungen. (Bb. 127.) 
Loening, E-, Grundzüge der Verfassung des Deutschen Reiches. 
Sechs Vorträge. 2. Ñuflage. (Bb. 34.) 
Lotz, tO., Verkehrsentwicklung in Deutschland. 1800—1900. 2. Ñufl. 
(Bb. 15.) 
Maier, G., Soziale Bewegungen und Theorien bis zur modernen 
Arbeiterbewegung. 3. Ñuflage. (Bb. 2.) 
Manes, st., Grundzüge des Versicherungswesens. (Bb. 105.) 
Otto, E., Das deutsche Handwerk in seiner kulturgeschichtlichen Ent 
wicklung. Mit 27 Abbildungen. 3. Ñuflage. (Bb. 14.) 
poensgen, ©., Vas Wahlrecht. (Bb. 249.) 
Pohle, L., Die Entwicklung des deutschen Wirtschaftslebens im letzten 
Jahrhundert. 2. Auflage. (Bb. 57.) 
Schmidt, M. G., Geschichte des Welthandels. (Bb. 118.) 
Staudinger, Die Konsumgenossenschaft. (Bb. 222.) 
Thieß, K., Deutsche Schiffahrt und Schiffahrtspolitik der Gegenwart. 
(Bb. 169.) 
Zwiedineck-Südenhorft, O. v., Arbeiterschutz und Arbeiterver 
sicherung. (Bb. 78.) 
Verlag von B. 6. Ceubner in Leipzig und Berlin
        <pb n="166" />
        Verlag von B. G.Teubner in Leipzig und Berlin. 
DIE HELLENISCHE KULTUR 
DARGESTELLT VON 
FRITZ BAUMGARTEN, FRANZ POLAND, RICHARD WAGNER 
2. stark vermehrte Auflage. Mit 7 farbigen Tafeln, 2 Karten 
und gegen 400 Abbildungen im Text und auf 2 Doppeltafeln. 
[XI u. 630 S.] gr. 8. 1908. Geh. «Æ 10.—, in Leinw. geb. JC. 12.— 
Die glänzende Aufnahme, die das Buch sowohl bei der Kritik 
als auch in weiten Leserkreisen gefunden hat, beweist, daß das 
Bedürfnis nach einer zusammenfassenden Darstellung der helle 
nischen Kultur, die auf der Höhe der heutigen Forschung steht, 
vorlag, und daß die Verfasser ihre Aufgabe vortrefflich gelöst 
haben. In der zweiten Auflage wird den neuen Entdeckungen der 
letzten beiden Jahre sowie der außerordentlichen Bedeutung der 
Vasenmalerei für die heutige Forschung Rechnung getragen. Der 
schon außerordentlich reiche Bilderschmuck ist durch eine beträcht 
liche weitere Anzahl sorgsam ausgewählter neuer Abbildungen 
vermehrt. So liegt denn ein Werk vor, das nach Form und Inhalt 
Vollendetes leistet. Nicht nur Lehrer und Schüler der Oberklassen 
höherer Lehranstalten, sondern ebenso Studierende und Künstler, 
alle Freunde des klassischen Altertums, ja alle Gebildeten finden 
in dieser Darstellung der hellenischen Kultur die mustergültige 
Grundlage für ein geschichtliches Verständnis aller späteren kul 
turellen Entwicklung. 
„Eine wohlgelungene Leistung, die mit großer Gewissenhaftigkeit gemacht 
und von reiner Begeisterung für die Sache getragen ist. Die Sorgfalt und die 
Kenntnis der Verfasser verdienen aufrichtige Anerkennung: das Ergebnis ist ein 
Buch, das ein glückliches Muster populärer Behandlung eines manchmal recht 
spröden Stoffes darstellt. Man möchte ihm recht weite Verbreitung in den Kreisen 
derjenigen wünschen, die sich nicht bloß mit dem konventionellen 'Namen des 
Gebildeten’ zufriedengeben, sondern in Wahrheit zu dem geschichtlichen Ver 
ständnis unserer heutigen geistigen und politischen Lage vorzudringen trachten; 
und den Schülern der oberen Klassen unserer Gymnasien sowohl, als auch den 
Studierenden unserer Hochschulen, besonders den Anfängern, wird das Werk 
Ausgangspunkt und eine solide Grundlage für weitere, quellenmäßige Studien sein.“ 
(Historische Vierteljahrschrift.) 
„Ich habe das Buch schon früher an dieser Stelle warm empfohlen und kann 
nach vielfacher Benutzung des Werkes in der Zwischenzeit dieser Neuauflage 
die wärmste Empfehlung für Schule und Haus mit auf den Wog geben. Wir 
erhalten ein eindringliches, klares Bild von Land und Leuten, Sprache und 
Religion des Volkes, daran anschließend die Geschichte seiner Kultur und Kunst, 
seines staatlichen und privaten Lebens, seines religiösen und geistigen Empfindens. 
Vor allen den Schülern höherer Lehranstalten wird das Buch ein willkommenes 
Geschenk sein.“ (Der Türmer.)
        <pb n="167" />
        Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin. 
DAS 
MITTELMEERGEBIET. 
SEINE GEOGRAPHISCHE UND KULTURELLE 
EIGENART. 
Von Dr. A. PHILIPPSON. 
PROFESSOR AN DER UNIVERSITÄT HALLE A. S. 
2. verbesserte Auflage. Mit 9 Figuren, 13 Ansichten und IO Karten und 
15 Tafeln. [XII u. 261 S.] gr. 8. 1907. In Leinwand geb. JC. 7.— 
„Ein herrliches Buch, das keineswegs nur dem geographischen Forscher, 
sondern ebenso dem Historiker, dem Archäologen, recht sehr auch dem Gym 
nasiallehrer bei Erklärung antiker Schriftsteller von Nutzen sein wird, ja jedem 
gebildeten Laien empfohlen werden kann, der die Gestade des Mittelmeers be 
reist und genauer unterrichtet sein will über das, was diese wunderbaren Gelände 
charakterisiert.“ (Das humanistische Gymnasium.) 
„Es ist in jeder Hinsicht eine des Meisters der Länderkunde, Ferd. v. Richt 
hofens, dem es gewidmet ist, würdige Gabe. Die Aufgabe, die sich der Verfasser 
gesetzt hatte, das Mittelmeergebiet als ein nach seiner Entstehung und seinen 
Charakterzügen einheitliches darzustellen, den ursächlichen Zusammenhang der 
Erscheinungen, soweit sie geographisch bedingt sind, herauszuarbeiten und überall 
auf dem festen Boden exakter Beobachtung, nicht der geistreichen Spekulation, 
nachzuweisen, ist glänzend gelöst. Philippson enthüllt hier ganz neue Seiten seines 
Wissens und Könnens und bietet auch dem Kulturhistoriker und dem Soziologen 
sehr viel. Methodisch bedeutsam ist auch die überall scharf durchgeführte Scheidung 
von Geologie und Geographie.“ (Dr. A. Petermanns Geogr. Mitteilungen.) 
„Überall werden uns frische, in dem weiten Gottesgarten selbst gepflückte 
Früchte geboten, nicht trockene, mühsam im Lehnstuhle angequälte Weisheit.“ 
(Literarisches Zentralblatt.) 
„Ein Buch, das sich viele Freunde unter den Gebildeten erwerben und allen 
denen, die den sonnigen Süden aufsuchen wollen oder von dort zurückgekehrt sind, 
eine Quelle echten Genusses sein wird. Besonders aber bietet es dem Lehrer, der 
sich im Unterricht mit irgendeinem Gebiete der Mittelmeerländer zu beschäftigen 
hat, sei er Philologe, Historiker oder Geograph, die reichste Anregung. Gerade 
für die Bedürfnisse der höheren Schulen Killt das zusammenfassende Werk eine 
bisher sehr empfundene Lücke aus.“ (Zeitschrift f. d. Gymnasialwesen.) 
„Mit großer Genugtuung darf man das vorliegende Buch Philippsons empfehlen, 
es steht auf der vollen wissenschaftlichen Höhe.“ (Die Umschau.) 
„... Jeder Mensch, der für dieses in kultureller Beziehung einzigartige Meer 
Interesse hegt, wird in dem Philippsonschen Werke, das insofern eine fühlbare Lücke 
ausfüllt, als es bisher an einer derartigen systematisch zusammenfassenden Behand 
lung fehlte, eine solche Fülle von Belehrung, Aufklärung, geistiger Anregung und 
wahren Genusses finden, daß wir die außerordentlich ehrenvollen, ja zum Teil be 
geisterten Besprechungen verstehen, die dem trefflichen Werke zuteil geworden 
sind. Auf der hohen Warte gediegenster wissenschaftlicher Forschung stehend, ge 
währt der Verfasser uns einen tiefen Blick in jene fernliegenden Zeiten, da die 
Schönheit und Herrlichkeit des Mittelmeeres noch nicht bestand; dann läßt er in 
schlichter, aber um so fesselnderer Darstellung jeden Erdraum von so scharf ge 
prägtem Charakter, wo die verschiedenen geographischen Faktoren: Weltstellung, 
Oberflächengestalt, Klima, Lebewelt, Menschengeschichte in so klare einseitige 
Wechselwirkung treten, in plastischer Deutlichkeit vor unserem geistigen Auge er 
stehen.“ (Zeitschrift für den deutschen Unterericht.)
        <pb n="168" />
        Verlag von B. G.Teubner in Leipzig und Berlin. 
MITTELMEERBILDER 
GESAMMELTE ABHANDLUNGEN 
ZUR KUNDE DER MITTELMEERLÄNDER 
VON 
Dr. THEOBALD FISCHER 
GEH. REG.-RAT, PROFESSOR DER GEOGRAPHIE AN DER UNIVERSITÄT MARBURG 
[VI u. 480 S.] gr. 8. 1906. Geh. JÍ 6.—, in Leinw. geb. JÍ 7.— 
Neue Folge [VI u. 423 S.] gr. 8. 1908. Geh. JÍ 6.—, 
in Leinwand geb. Jt 7.— 
„Alle Freunde des Mittelmeergebiets, der alten Heimstatt unserer wissen 
schaftlichen Bildung, des ewig jungen Zauberkreises erfrischender, neu anregender 
Eindrücke in den Erholungspausen des Lebenstagewerks, werden es dem Verfasser 
Dank wissen, daß er, nachdem er die gewichtigen Früchte seiner planvollen For 
schungen in bedeutenden Werken und gehaltvollen Einzelstudien niedergelegt, nun 
auch die anmutigen Blüten, die er an seinen Wanderpfaden gepflückt, und die für 
die ganze gebildete Welt bestimmten Zusammenfassungen seiner Eindrücke von 
Ländern seines besonderen Arbeitsfeldes, Augenblicksbilder ihrer Zustände und 
vor- und rückwärts gekehrte Übersichten ihrer Entwicklung und ihrer Bedeutung, 
in einem stattlichen und doch noch handlichen Bande vereint hat. Er hat damit 
dem Leser mehr geboten, als er selber plante, nicht nur die einheitliche Wirkung 
von Studien, die über 33 Jahre sich verteilen, sondern auch den Eindruck seiner 
eignen Entwicklung als Forscher und Darsteller von den munteren, vom blanken 
Spiegel eines jungen wissensdurstigen Sinnes in farbenfrischer Unbefangenheit 
zurückgestrahlten Wahrnehmungen der ersten Reisen bis zu den mit dem Bewußt 
sein methodischer Verantwortlichkeit, bedächtigeren Schrittes, mit sorgsam ge 
dichtetem Gedankengefüge und minder leichtflüssigem Satzbau auftretenden Essays 
des ausgereiften, in seiner Eigenart abgeschlossenen geographischen Denkers.“ 
(Dr. A. Petermanns Mitteilungen.) 
„...Die 'Mittelmeerbilder' des Vaters der Mittelmeerkunde bieten uns eine 
Reihe prächtiger Einzeldarstellungen, zum größten Teil auf eigener Anschauung 
begründet, daher nicht allein von echt geographischem Geiste getragen, sondern 
auch lebensvoll und farbenreich. Wie der Fachmann, so wird auch jeder gebildete 
Laie, der sich für das Mittelmeer interessiert, in diesem Buche nicht nur eine 
Fülle von Belehrung und Anregung, sondern auch eine anziehende, immer gehalt- 
und geschmackvolle Lektüre finden; ein Meister länderkundlicher Darstellung 
spricht hier zu uns, aber in einer Sprache, die sich, bei allem wissenschaftlichen 
Ernst, doch immer in den Grenzen allgemeiner Verständlichkeit und allgemeinen 
Interesses hält. Auch für die Schule werden sich manche Teile trefflich eignen. 
So begrüßen wir Th. Fischers ' Mittelmeerbilder ' als eine wahre Zierde unserer 
modernen geographischen Literatur.“ (Deutsche Literaturzeitung.) 
„Der treffliche Kenner der Mittelmeerländer bietet vorliegend besonders 
Studien über die Küsten des Mittelmeeres, die fast durchaus auf Selbstsehen be 
ruhen und besonders die geschichtlichen Beziehungen zwischen dem Wohnraume 
und den Geschicken der Menschen klarzulegen bemüht sind. Der vielfache Besuch, 
der den Küstenländern des Mittelmeeres zuteil wird, macht diese Schriften 
Theobald Fischers besonders allgemein anziehend. Jeder Gebildete wird die 
Bücher mit Genuß auf seinen Reisen benutzen.“ 
(Naturwissenschaftliche Wochenschrift.)
        <pb n="169" />
        i 
Huq jVatur und Gdsteswelt 
Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher 
Darstellungen aus allen Gebieten des Mssens. 
Jeder Band ist in sich abgeschlossen und einzeln käuflich. 
Jeder Band geh. ÍU. 1.—, in Leinwand geb, tit. 1.25. 
Verzeichnis nach Stichworten. 
Aberglaube s. Heilwissenschaft; verbrechen. 
Abstammungslehre. Abstammungslehre und Darwinismus, von 
Professor Dr. Richard Hesse. 3. Auflage. Mit 37 Figuren. (Nr. 39.) 
vie Darstellung der großen Errungenschaft der biologischen Forschung de; vorigen Jahrhunderts, 
der Abstammungslehre, erörtert die zwei Fragen: „was nötigt uns zur Annahme der Ab 
stammungslehre?" und — die viel schwierigere — „wie geschah die Umwandlung der Tier- und 
pslanzenarten, welche die Ñbstammungslehre fordert?" oder : „wie wird die Abstammung erklärt?" 
Algebra s. Arithmetik. 
Alkoholismus. Der Alkoholismus. Seine Wirkungen und seine Be 
kämpfung. herausgegeben vom Zentralverband zur Bekämpfung des 
Alkoholismus. In 3 Bänden, (tîr. 103. 104. 145.) 
vie drei Sändchen sind ein kleines wissenschaftliches Kompendium der Alkoholfrage, ver 
faßt von den besten Nennern der mit ihr zusammenhängenden sozial-hygienischen und sozial- 
ethischen Probleme. Sie enthalten eine Fülle von Material in übersichtlicher und schöner Vor 
stellung und sind unentbehrlich für alle, denen die Bekämpfung des Ñlkoholismus als eine der 
wichtigsten und bedeutungsvollsten ausgaben ernster sittlicher und sozialer Kulturarbeit am 
Herzen liegt. 
Landl, ver Mkohol und das Kind, von Professor vr. Wilhelm weygandt. Vie ausgaben der 
Schule im Kampf gegen den ñlkoholismus. von Professor Martin Hartmann. Ver Ñlkoholismus 
und der Ñrbeiterstand. von vr. Georg Keferstein. Ñlkoholismus und Armenpflege, von 
Stadtrat Emil Münsterberg. 
Land II. Einleitung, von Professor vr. Max Rubner. Ñlkoholismus und Nervosität, von 
Professor Dr. Max Lähr. Alkohol und Geisteskrankheiten, von Dr. ffitto Juliusburger. 
ñlkoholismus und Prostitution, von Dr. (D. Nosenthal. ÑIkohol und Verkehrswesen, von 
Eisenbahndirektor de Terra. 
Land III. ñlkohol und Seelenleben, von Professor Dr. Aschaffenburg. ÑIkohol und Straf 
gesetz. von Gberarzt Dr. Juliusburger. Einrichtungen im Kampf gegen den Ñlkohol. von 
Dr. med. Laquer. Wirkungen des Alkohols auf die inneren Organe, von Dr. med. Liebe, 
ñlkohol als Nahrungsmittel, von Dr. med. et phil. R. D. Neumann. Ñlteste deutsche 
Mäßlgkeitsbewegung. von Pastor Dr. Stubbe. 
Altertum. Rulturbilder aus griechischen Städten, von Oberlehrer Dr. 
Erich Ziebarth. Mit 22 Abbildungen im Text und auf 1 Tafel, (Nr. 131.) 
Lucht ein anschauliches Bild zu entwerfen von dem Aussehen einer altgriechischen Stadt und 
von dem städtischen Leben in ihr, auf Grund von Ausgrabungen und der inschriftlichen venk- 
mäler; die altgriechischen Lergstädte Thera, Pergamon, priene, Milet, der Tempel von Vidyma 
werden geschildert. Stadtpläne und Abbildungen suchen die einzelnen Städtebilder zu erläutern. 
Antike Wirtschaftsgeschichte, von Dr. Otto Neurath. 
Schildert nach einem kurzen Überblick über die wirtschaftshistorische Erforschung des Altertums 
unter steter Rücksichtnahme auf moderne Verhältnisse die Wirtschaftsverhältnisse des alten 
Orients, weiterhin die im Mittelmeerbecken im mykenischen, frühgriechischen, perikleischen und 
hellenistischen Zeitalter wie zur Zeit der römischen Republik, des Anfanges der Kaiserzeit 
und verfolgt die Entwicklung bis zum Untergang des römischen Kaiserreiches und zum Unter 
gang der antiken Wirtschaft selbst. 
s. a. Pompeji; Rom.
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        2 
Ñus Natur und Geisteswett. 
Jeder Land geheftet M. 1.—, in Leinwand gebunden ITC. 1.25. 
ñmeisen. Oie Ameisen. von Dr. Friedrich Knauer. Mit 61 Figuren. 
(Nr. 94.) 
Faßt die Ergebnisse der so interessanten Forschungen über das Tun und Treiben einheimischer 
und exotischer Ñmeisen, über die vielgestaltigleit der Formen im Ñmeiscnstaate, über die 
Bautätigkeit, Brutpflege und die ganze (bionomie der Ñmeisen, über ihr Zusammenleben mit 
anderen Tieren und mit Pflanzen, über die Sinnestätigkeit der Ñmeisen und über andere 
interessante Details aus dem ñmeisenleben zusammen. 
Amerika. Ñus dem amerikanischen Wirtschaftsleben, von Professor 
I. Laurence Laughlin. Mit 9 graphischen Darstellungen. (Nr. 127.) 
(Ein Amerikaner behandelt für deutsche Leser die Fragen, die augenblicklich im Vordergründe 
des öffentlichen Lebens in Ñmerika stehen, den Wettbewerb zwischen den vereinigten Staaten 
und (Europa — Schutzzoll und Reziprozität in den vereinigten Staaten — Die Arbeiterfrage 
in den vereinigten Staaten — Die amerikanische Trustfrage — Die (Eisenbahnfrage in den 
vereinigten Staaten — Die Lankfrage in den vereinigten Staaten — Die herrschenden volks 
wirtschaftlichen Ideen in den vereinigten Staaten. 
Geschichte der vereinigten Staaten von Ñmerika. von Professor 
Dr. Ernst Daenell. (tir. 147.) 
Gibt in grossen Zügen eine übersichtliche Darstellung der geschichtlichen, kulturgeschichtlichen 
und wirtschaftlichen (Entwicklung der vereinigten Staaten von den ersten Kolonisationsver- 
juchen bis zur jüngsten Gegenwart mit besonderer Berücksichtigung der verschiedenen politischen, 
ethnographischen, sozialen und wirtschaftlichen Probleme, die zurzeit die Amerikaner be 
sonders bewegen. 
s. a. Technische Hochschulen; Schulwesen; Universität. 
Ñnatomie. Die Anatomie des Menschen, von Professor Dr. Karl v. 
Bardeleben. In 4 Bänden. Mit zahlreichen Abbildungen. (Nr. 201. 
202. 203. 204.) 
I. Teil: Allgemeine Anatomie und (Entwicklungsgeschichte. (Nr. 201.) 
II. Teil: Vas Skelett. (Nr. 202.) 
III. Teil: Das Muskel- und Gefäßsystem. (Nr. 203.) 
IV. Teil: Die (Eingeweide (Darm, ñrmungs-, Harn- und Geschlechtsorgane). (Nr. 204.) 
In einer Reihe von (4) Bänden wird die menschliche Anatomie in knappem, für gebildete 
Laien leicht verständlichem Texte dargestellt, wobei eine große Anzahl sorgfältig ausgewählter 
.Abbildungen die Anschaulichkeit erhöht. Der erste, die „allgemeine Anatomie" behandelnde 
Band enthält u. a. einig s aus der Geschichte der Anatomie, von Homer bis zur Neuzeit, 
ferner die Zellen- und Gewebelehre, die (Entwicklungsgeschichte sowie Formen, Maß und 
Gewicht des Körpers. Im zweiten Band werden dann Skelett, Knochen und die Gelenke nebst 
einer Mechanik der letzteren, im dritten die bewegenden (Organe des Körpers, die Muskeln, 
das Herz und die Gefäße, im vierten endlich werden die (Eingeweidelehre, namentlich der 
Darmtraktus sowie die f)arn= und Geschlechtsorgane zur Darstellung gebracht. 
s. a. Auge ; heilwisseuschaft ; Mensch ; Nervensystem ; Stimme ; Zahnpflege. 
Anthropologie s. Mensch. 
Arbetterschutz. Arbeiterschutz und Arbeiterversicherung, von weil. Pro 
fessor Dr. (Dtto v. Zwiedineck-Südenhorst. (Nr. 78.) 
Das Buch bietet eine gedrängte Darstellung des gemeiniglich unter dem Titel „Arbeiter 
frage" behandelten Stoffes; insbesondere treten die Fragen der Notwendigkeit, Zweckmäßig 
keit und der ökonomischen Begrenzung der einzelnen Schutzmaßnahmen und versicherungs- 
«inrichtungen in den Vordergrund. 
s. a. Soziale Bewegungen; Versicherung. 
Arithmetik und Algebra zum Selbstunterricht, von Professor Dr. 
Paul Lrantz. In 2 Bänden. Mit Figuren. (Nr. 120. 205.) 
I. Teil: Die Rechnungsarten. Gleichungen ersten Grades mit einer und mehreren Un 
bekannten. Gleichungen zweiten Grades. Mit 9 Figuren. (Nr. 120.) 
II. Teil: Gleichungen. Arithmetische und geometrische Reihen. Zinseszins- und Renten 
rechnung. Komplexe Zahlen. Binomischer Lehrsatz. Mit 21 Figuren. (Nr. 205.) 
wlll in leicht faßlicher und für das Selbststudium geeigneter Darstellung über die Anfangs 
gründe der Arithmetik und Algebra unterrichten. Im ersten Band werüen die sieben Rech-
        <pb n="171" />
        3 
1 
ñus Natur und Geìsteswelt. 
Jeder Band geheftet IN. I.—, in Leinwand gebunden IN. 1.25. 
nungsarten, die Gleichungen ersten Grades mit einer und mehreren Unbekannten und die 
Gleichungen zweiten Grades mit einer Unbekannten, und schließlich auch die Logarithmen 
behandelt, im zweiten die Gleichungen höheren Grades, die arithmetischen und geometrischen 
Reihen, die Zinseszins- und Rentenrechnung, die komplexen Zahlen und der binomische Lehr 
satz, wobei überall die graphische Darstellung eingehende Berücksichtigung erfäh-t und zahl 
reiche in ausführlicher Ausrechnung eingefügte Beispiele das verstäiionis erleichtern. 
Arithmetik und ñlgebra s. a. Mathematische Spiele. 
Ästhetik s. Lebensanschauungen. 
Ñstronomie. Das astronomische Weltbild im Wandel der Zeit, von 
Professor Dr. Samuel Oppenheim. Mit 24 Abbildungen. (Hr. 110.) 
Schildert den Kampf der beiden hauptsächlichsten „tveltbilder", des die Grde und des die 
Lonne als Mittelpunkt betrachtenden, der einen bedeutungsvollen Abschnitt in der Kultur 
geschichte der Menschheit bildet, wie er schon im Altertum bei den Griechen entstanden ist, 
anderthalb Jahrtausende später zu Beginn der Neuzeit durch Kopernikus von neuem auf 
genommen wurde und da erst mit einem Liege des heliozentrischen Systems schloß. 
s. a. Kalender; Mond; Planeten; Weltall. 
Atome s. Molelüle. 
Auge. Das ctuge des Menschen und seine Gesundheitspflege, von privat- 
dozent Dr. med. Georg Abelsdorff. Mit 15 Abbildungen. (Hr. 149.) 
Schildert die Anatomie des menschlichen Auges sowie die Leistungen des Gesichtssinnes, be 
sonders soweit sie außer dem medizinischen ein allgemein wissenschaftliches oder ästhetisches 
Interesse beanspruchen können, und behandelt die Gesundheitspflege (Hygiene) des Auges, 
besonders Schädigungen, Erkrankungen und Verletzungen des Auges, Kurzsichtigkeit und er 
hebliche Ñugenkraniheiten sowie die künstliche Beleuchtung. 
Automobil. Das Automobil. Eine Einführung in Bau und Betrieb 
des modernen Kraftwagens, von Ing. Karl Blau. Mit83Ñbb. (Hr. 166.) 
Gibt in gedrängter Darstellung und leichtfaßlicher Form einen anschaulichen Überblick über 
das Gesamtgebiet des modernen Automobilismus, so daß sich auch der Nichttechnikcr mit den 
Grundprinzipien rasch vertraut machen kann, und behandelt das Benzinautomobil, das 
Elektromobil und das vampsautomobil nach ihren Kraftquellen und sonstigen technischen 
Einrichtungen wie Zündung, Kühlung, Bremsen, Steuerung, Bereifung usw. 
s. a. Wärmekraftmaschinen. 
Bakterien. Die Bakterien im Kreislauf des Stoffes in der Hatur und im 
Haushalt des Menschen, von Professor Dr. Ernst Gutzeit. Mit 13 Ab 
bildungen. (Hr. 233.) 
Kochs Tubcrkelbazillus und Lholeravibrio haben die Bakteriologie populär gemacht: kein 
lvunder, daß Laien seitdem Bakterien und Krankheiten identifizieren. Demgegenüber sucht 
Verfasser in gemeinverständlicher Form die allgemeine Bedeutung der Kleiniebewelt für den 
Kreislauf des Stoffes in der Natur und den Haushalt des Menschen auseinanderzusetzen und 
zu zeigen, wie die zersetzende und aufbauende Wirkung balteriologischer Prozesse den ver 
schiedensten Vorgängen in der freien Natur, im landwirtschaftlichen und technischen Gewerbe 
und in Küche und Keller zugrunde liegt. 
Baukunst. Deutsche Baukunst im Mittelalter, von Professor Dr. Ad alb ert 
Matthaei. 2. Auflage. Mit Abbildungen und 2 Doppeltafeln. (Hr. 8 j 
Der Verfasser will mit der Darstellung der Entwicklung der deutschen Baukunst des Mittel 
alters zugleich über das Wesen der Baukunst als Kunst'aufkläre», indem er zeigt, wie sich im 
Verlauf der Entwicklung die Raumvorstellung klärt und vertieft, wie das technische Können 
wächst und die praktischen Aufgaben sich erweitern, wie die romanische Kunst geschaffen und 
zur Gotik weiter entwickelt wird. 
s. st. Städtebilder; Theater. 
Beethoven s. Musik. 
Befruchtungsvorgang. Der Befruchtungsvorgang, sein Wesen und 
seine Bedeutung, von Dr. Ernst Teichmann. Mit 7 Abbildungen und 
4 Doppeltafeln. (Hr. 70.)
        <pb n="172" />
        4 
ñus Natur und Geisteswelt. 
Jeder Band geheftet IN. I.—, in Leinwand gebunden NI. 1.25. 
will die Ergebnisse der modernen Forschung, die sich mit dem öefruchtungsproblem 
befaßt, darstellen. Li und Samen, ihre Genese, ihre Reifung und ihre Vereinigung werden 
behandelt und im Chromatin die materielle Grundlage der Vererbung nachgewiesen, während 
die Bedeutung des öefruchtungsvorganges in einer Mischung der Qualität von zwei Indi 
viduen zu sehen ist. 
Vefruchtungsvorgang s. a. Leben. 
Beleuchtung. Die Beleuchtungsarten der Gegenwart, von Dr. phil. 
Wilhelm Brüsch. Mit 155 Abbildungen. (Nr. 108.) 
Gibt einen Überblick über ein gewaltiges Arbeitsfeld deutscher Technik und Wissenschaft, 
indem die technischen und wissenschaftlichen Bedingungen für die Herstellung einer wirtschaft- 
lichen Lichtquelle und die Methoden für die Beurteilung ihres wirklichen wertes für den 
Verbraucher, die einzelnen Beleuchtungsarten sowohl hinsichtlich ihrer physikalischen und 
chemischen Grundlagen als auch ihrer Technik und Herstellung behandelt werden. 
Vevölkerungslehre. von Professor Dr. Max Haushofer. (Nr. 50.) 
will in gedrängter Form das wesentliche der Bevölkerungslehre geben über Ermittlung der 
volkszahl, über Gliederung und Bewegung der Bevölkerung, Verhältnis der Bevölkerung zum 
bewohnten Boden und die Ziele der Bevölkerungspolitik. 
Bibel. Der Text des Neuen Testamentes nach seiner geschichtlichen Ent 
wicklung. von Viv.-Pfarrer Ñugust Pott. Mit 8 Tafeln. (Nr. 134.) 
will in die das allgemeine Interesse an der Textkritik bekundende Frage: „Ist der ursprüng 
liche Text des Neuen Testamentes überhaupt noch herzustellen?" durch die Erörterung der 
Verschiedenheiten des Luthertextes (des früheren, revidierten und durchgesehenen) und seines 
Verhältnisses zum heutigen (deutschen) „berichtigten" Text, einführen, den „ältesten Spuren 
des Textes" nachgehen, eine „Einführung in die Handschriften" wie die „ältesten Übersetzungen" 
geben und in „Theorie und Praxis" zeigen, wie der Text berichtigt und rekonstruiert wird. 
s. a. Jesus; Religion. 
Blldungswesen. Vas deutsche Bildungswesen in seiner geschichtlichen 
Entwickelung, von weil. Professor Dr. Friedrich Paulsen. (Rr. 100.) 
ñus beschränktem Raum löst der Verfasser die schwierige Aufgabe, indem er das Bildungs. 
wesen stets im Rahmen der allgemeine» ttulturbewegung darstellt, so daß die gesamte Kultur« 
entwicklung unseres Volkes in der Darstellung seines Sildungswesens wie in einem verkleinerten 
Spiegelbild zur Erscheinung kommt. So wird aus dem Büchlein nicht nur für die Erkenntnis 
der Vergangenheit, sondern auch für die Forderungen der Zukunft reiche Frucht erwachsen. 
s. a. Erziehung; kftlfsschulwesen; Hochschulen; Knabenhandarbeit; 
Mädchenschule; Pädagogik; Schulwesen; Universität. 
Biologie s. Ñbstammungslehre; Ameisen; Bakterien; Befruchtungsvorgang: 
Leben; Meeresforschung; Organismen; Pflanzen; Plankton; Tierleben. 
BjSrnson s. Ibsen. 
Botanik s. Kaffee; Obstbau; Pflanzen; Wald. 
Buchgewerbe. Vas Buchgewerbe und die Kultur. Sechs Vorträge gehalten 
im Ruftrage des Deutschen Buchgewerbevereins. Mit 1 Abbildung. (Rr. 182.) 
Inhalt: Buchgewerbe und Wissenschaft: Professor Dr. Rudolf Focke. — Buchgewerbe und 
Literatur: Professor Dr. Georg Witkowski. — Buchgewerbe und Kunst: Professor Dr. 
Rudolf Kautzsch. — Buchgewerbe und Religion: Privatdozent Lie. Dr. ļjeinrich Herme- 
link. — Buchgewerbe und Staat: Professor Dr. Robert wuttke. — Buchgewerbe und 
Volkswirtschaft: Professor Dr. Heinrich waentig. 
Die vortrage sollen zeigen, wie das Buchgewerbe nach allen Seiten mit sämtlichen Gebieten 
deutscher Kultur durch tausend Fäden verknüpft ist, wie in ihm sich besonders eng die ideellen 
und materiellen Bestrebungen und Grundlagen unseres nationalen Lebens miteinander ver 
binden. Sie wolle» nicht nur bei den Angehörigen dieses seit alters her bevorzugten und 
geistig hochstehenden Gewerbes neue Freude am Beruf erwecken und erhalten, sondern vor 
allem auch unter den mit ihm in Berührung kommenden Vertretern gelehrter und anderer 
Berufe verständnisvolle Freunde für seine Ligenart erwerben helfen. In diesem Sinne werden 
ròte wichtigste» großen Kulturgebiete behandelt. Der erste Vortrag, über das Buchgewerbe 
und die wissenjchatt von Prof. Dr. R. Focke, dient zugleich als Einleitung in Geist und Ab«
        <pb n="173" />
        às Natur und Geiftesrvelt. 
Jeder Band geheftet IN. I.—, in Leinwand gebunden IN. 1.25. 
sicht der ganzen Reihe, und daran schließen sich dann in naturgemäßer Folge die Beziehungen 
zur Literatur von Prof. Dr. ffi. Witkowski, zur Kunst von Prof. Dr. R. Kautzsch, zur Religion 
von Privatdozenten Dr. H. Hernielink, zum Staat von Prof. Dr. R. wuttke und zur Volks 
wirtschaft von Prof. Dr. H. lvaentig. 
Buchgewerbe. Ivie ein Buch entsteht, von ProfessorÑrthurv).Unger. 
2. Auflage. ITTit 7 Tafeln und 26 Abbildungen. (Hr. 175.) 
(Eine zusammenhängende für weitere Kreise berechnete Darstellung über Geschichte, Herstellung 
und Vertrieb des Buches mit eingehender Behandlung sämtlicher buchgewerblicher Techniken. 
Damit will das Buch namentlich auch denen, die als „Autoren" oder in irgendeiner anderen 
näheren Beziehung zur Herstellung des Buches stehen, Anleitung und Belehrung über das 
umfassende so außerordentlich interessante Gebiet der graphischen Künste, über Ausstattung, 
Papier, Satz, Illustration, Druck und Ginband des Buches geben. Der praktische wert dieses 
Bändchens wird erhöht durch zahlreiche Beigaben von Papier-, Schrift- und Illustrationsproben. 
f. a. Illustrationskunst; Schriftwesen. 
Buddha. Leben und Lehre des Buddha, von Professor Dr. Ri chard Vischel. 
Mit 1 Tafel. (Nr. 109.) 
Gibt eine wissenschaftlich begründete durchaus objektive Darstellung des Buddhismus, dieser 
so oft mit dem Thristentum verglichenen Lehre, die von den einen auf Kosten des Thristentums 
verherrlicht wird, während die anderen die Lehre Buddhas weit tiefer als dieses stellen. 
Liner Übersicht über die Zustände Indiens zur Zeit des Buddha folgt eine Darstellung des 
Lebens des Buddha, wobei besonders die Ähnlichkeiten mit den Evangelien und die Frage der 
Möglichkeit der Übertragung buddhistischer Erzählungen auf Jesus erörtert werden, seiner 
Stellung zu Staat und Kirche, seiner Lehrweise sowie seiner Lehre, wobei die „vier edlen 
Wahrheiten", die „Formel vom Kausalnexus" und der populärste Begriff des „Nirvana" 
erörtert werden, seiner Ethik und der weiteren Entwicklung des Buddhismus. 
Byzanz. Byzantinische Tharakterköpfe. von Dr.Karl Dieterich. Mit 
2 Bildnissen. (Hr. 244.) 
Läßt in einer auf streng wissenschaftlicher Forschung beruhenden Darstellung durch Tharakteri- 
sierung markanter Persönlichkeiten, unter denen wir Vertreter der verschiedenen sozialen 
Schichten, wie Kaiser, Staats- und Kirchenmänner, Gelehrte, Dichter und Vertreterinnen der 
Frauenwelt antreffen, einen Einblick in das wirkliche wesen des gemeinhin so wenig be 
kannten mittelalterlichen Byzanz gewinnen, das ebenso reizvoll wie für die Erkenntnis des 
Drients bedeutsam ist. 
Calvin. Johann Talvin. von Pfarrer Dr. G. Sodeur. Mit einem 
Bildnis Talvins. (Hr. 247.) 
Gibt eine eingehende, auf sorgfältigen Studien beruhende Darstellung des Lebens und Wir 
kens sowie der Persönlichkeit des Genfer Reformators, schildert zugleich die Wirkungen, welche 
von ihm ausgingen und sucht dadurch Verständnis für seine Gröge und bleibende Bedeutung 
zu wecken. 
Chemie. Luft, Wasser, Licht und Wärme. Heun Vorträge aus dem 
Gebiete der Experimental-Themie. von Professor Dr. Reinhart Bio ch - 
mann. 3. ñuflage. lÏÏit zahlreichen Abbildungen. (Hr. 5.) 
Führt unter besonderer Berücksichtigung der alltäglichen Erscheinungen des praktiscben Lebens 
in das Verständnis der chemischen Erscheinungen ein und zeigt die außerordentliche Bedeutung 
derselben für unser Wohlergehen. 
Bilder aus der chemischen Technik, von Dr. Artur Müller. Mit 
24 Abbildungen. (Hr. 191.) 
Sucht unter Benutzung lehrreicher Abbildungen die Ziele und Hilfsmittel der chemischen Technik 
darzulegen, zu zeigen, was dieses Arbeitsgebiet zu leisten vermag, und in welcher Welse 
chemische Prozesse technisch durci geführt werden, wobei zunächst die allgemein verwendeten 
Apparate und Vorgänge der chemischen Technik beschrielen, dann praktische Beispiele für 
deren Verwendung darg stellt und ausgewählte Sonderzweige des gewaltigen Gebietes geschildert 
werden. Insbesondere werden so die anorganisch-chemische Großindustrie (Schwef'Isäure, Soda, 
Thlor, Salpetersäure usw.), ferner die Industrien, die mit der Destillation organischer Stoffe 
zusammenhängen (Leuchtgaserzeugung, Teerdestillation, künstliche Farbstoffe usw.) behandelt.
        <pb n="174" />
        6 
ñus Natur und Geisteswett. 
Jeder Band geheftet TTC. Î.—, in Leinwand gebunden ITC. 1.25. 
Chemie. Grundlagen der Chemie, von Dr. Walter Löb. 
Nach (Erörterung des Wesens chemischer Vorgänge werden die Begriffe der (Elemente und Ver 
bindungen in ihrer gesetzmäßigen Beziehung und Beobachtung abgeleitet urtò molekular- 
theoretisch gedeutet, weiter die Gesetze der Aggregatzustände zunächst rein empirisch, dann im 
Zusammenhang mit der Molekularhypothese dargestellt; das (Energiegesetz endlich leitet zu 
den (Erscheinungskreisen und den wissenschaftlichen Grundlagen der Thermochemie, Elektro 
chemie und Photochemie über. 
Natürliche und künstliche Pflanzen- und Tierstoffe. Tin Überblick 
über die Fortschritte der neueren organischen Themie. von Dr. B. Bavink. 
ITCit 7 Figuren. (Nr. 187.) 
Gibt, ausgehend von einer kurzen Einführung in die Grundlagen der Ehemte, einen Einblick in die 
wichtigsten theoretischen Kenntnisse der organischen Ehemie, auf deren Leistungen nächst der Ein 
führung von Dampf und Elektrizität die große Veränderung unserer ganzen Lebenshaltung be 
ruht, und sucht das Verständnis ihrer darauf begründeten praktischen Erfolge zu vermitteln, wo- 
bei besonderes Gewicht auf die für die Industrie, Heilkunde und das tägliche Leben wertvollsten 
Entdeckungen und Erfindungen gelegt wird, andererseits auf die Forschungsergebnisse, welche eine 
künftige Losung des Stoffwechselproblems voraussehen lassen, wobei zugleich eine Einsicht in die 
angehende Kompliziertheit der chemischen Vorzüge im lebenden Organismus eröffnet wird. 
f. a.Tlektrochemie; Haushalt; Metalle ; Pflanzen ; Photochemie; Technik. 
Christentum, ñus der Werdezeit des Lhriftentums. Studien und 
Charakteristiken, von Professor Dr. Johannes Geffcken. (Nr. 54.) 
Gibt durch eine Reihe von Bildern eine Vorstellung von der Stimmung im alten Thristen- 
tum und von seiner inneren Kraft und verschafft so ein Verständnis für die ungeheure und 
vielseitige welthistorische kultur- und religionsgeschichtliche Bewegung. 
s. a. Bibel; Calvin; Jesus; Luther; Mystik; Religion. 
Dampf und Dampfmaschine, von Professor Richard Vater. Mit 
44 Abbildungen. (Nr. 63.) 
Schildert die inneren Vorgänge im Dampfkessel und namentlich im Zylinder der Dampf 
maschine, um so ein richtiges Verständnis des Wesens der Dampfmaschine und der in der 
Dampfmaschine sich abspielenden Vorgänge zu ermöglichen. 
Darwinismus s. Abstammungslehre. 
Deutschland s. Dorf; Fürstentum; Geschichte; Handel; Kolonien; Land 
wirtschaft; Verfassung; volksstamme; Weltwirtschaft; Wirtschaftsgeschichte. 
Dorf. Vas deutsche Dorf, von Robert Mielke. Mit 51 Abb. (Hr. 192.) 
Schildert, von den Anfängen der Siedelungen in Deutschland ausgehend, wie sich mit dem 
Wechsel der Wohnsitze die Gestaltung des Dorfes änderte, wie mit neuen wirtschaftlichen, 
politischen und kulturellen Verhältnissen das Bild immer reicher wurde, bis sie im Anfange 
de; l9. Jahrhunderts ein fast wunderbares Mosaik ländlicher Siedelungstypen darstellte, und 
bringt so, von der geographischen Grundlage als wichtigerem Faktor in der Entwicklung des 
Dorfes, seiner Häuser, Gärten und Straßen ausgehend, politische, wirtschaftliche und künst 
lerische Gesichtspunkte gleichmäßig zur Geltung, durch ein Kapitel über die Kultur des 
Dorfes die durch zahlreiche Abbildungen belebte Schilderung ergänzend. 
Drama. Das deutsche Drama des neunzehnten Jahrhunderts. In seiner 
Entwicklung dargestellt von Professor Dr. Georg Witkowski. 2. Auf 
lage. Mit einem Bildnis Hebbels. (Nr. 51.) 
Sucht in erster Linie aus historischem Wege das Verständnis des Dramas der Gegenwart 
anzubahnen und berücksichtigt die drei Faktoren, deren jeweilige Beschaffenheit die Gestaltung 
des Dramas bedingt: Kunstanschauung, Schauspielkunst und Publikum. 
s. a. Hebbel; Ibsen; Schiller; Shakespeare; Theater. 
Dürer. Albrecht Dürer, von Dr. Rudolf Wustmann. Mit 33 Ab 
bildungen. (Nr. 97.) 
(Eine schlichte und knappe Erzählung des gewaltigen menschlichen und künstlerischen Ent- 
wicklungsganger Albrecht Dürers und eine Darstellung seiner Kunst, in der nacheinander
        <pb n="175" />
        ñus Natur und Geisteswelt. 
Jeder Band geheftet TTC. 1.—, in Leinwand gebunden ITC. 1.25. 
seine Selbst, und Angehörigenbildnisse, die Zeichnungen zur Apokalypse, die Darstellungen 
von Mann und Weib, das Marienleben, die Stiftungsgemälde, die Radierungen von Rittertum, 
Trauer und Heiligkeit sowie die wichtigsten Werke aus der Zeit der Reife behandelt werden. 
Ehe. The u.Eherecht, von Professor Dr. Ludwig wahrmund. (TCr.115.) 
Schildert in gedrängter Fassung die historische Entwicklung des Ehrbegriffes von den 
orientalische» und klassischen Völkern an nach seiner natürlichen, sittlichen und rechtlichen 
Seite und untersucht das Verhältnis von Staat und Rirche auf dem Gebiete des Eherechtes, 
behandelt darüber hinaus aber auch alle jene Fragen über die rechtliche Stellung der Frau 
und besonders der Mutter, die immer lebhafter die öffentliche Meinung beschäftigen. 
Eisenbahnen. Die Eisenbahnen, ihre Entstehung und gegenwärtige 
Verbreitung, von Professor Dr. Friedrich Hahn. Mit zahlreichen Ab 
bildungen und einer voppeltafel. (TCr. 71.) 
Rach einem Rückblick auf die frühesten Zeiten des Lisenbahnbauer führt der Verfasser di« 
moderne Eisenbahn im allgemeinen nach ihren Hauptmerkmalen vor. ver Vau des Bahn 
körpers, der Tunnel, die großen örückenbauten sowie der Setrteb selbst werden besprochen, 
ichließlich ein Überblick über die geographisch« Verbreitung der Eisenbahnen gegeben. 
Die technische Entwicklung der Eisenbahnen der Gegenwart, von 
Lisenbahnbau- und Betriebsinspektor Ernst Biedermann. Mit zahl 
reichen Abbildungen. (TCr. 144.) 
Rach einem geschichtlichen Überblick über die Entwicklung der Eisenbahnen werden di« wich- 
tigsten Gebiete der modernen Eisenbahntechnik behandelt, Dberbau, Entwicklung und Umfang 
der Spurbahnnetze in den verschiedenen Ländern, die Geschichte des Lokomotwenwesens bis 
zur Ausbildung der Heißdampflokomotiven einerseits und des elektrischen Betrieber andererseits 
sowie der Sicherung des Betriebes durch Stellwerks- und Blockanlagen. 
s. a. Internationalismus; Technik; Verkehrsentwicklung. 
Eisenhüttenwesen. Vas Eifenhüttenwesen. Erläutert in acht vor- 
trägen von Geh. Bergrat Professor Dr. Hermann Ivedding. 3. Auf 
lage. Mit 15 Figuren. (TCr. 20.) 
Schildert in gemeinfaßlicher weise, wie Eisen, das unentbehrlichste Metall, erzeugt und in 
seine Gebrauchsformen gebracht wird. Besonders wird der Hochofenprozeß nach seinen 
chemischen, physikalischen und geologischen Grundlagen dargestellt und die Erzeugung der ver 
schiedenen Eisenarten und die dabei in Betracht kommenden Prozesse erörtert. 
s. a. Metalle. 
Elektrochemie, von Professor Dr. Kurt Ñrndt. Mit zahlr. Abbil 
dungen. (TCr. 234.) 
Legt in gemeinverständlicher Fassung die Grundsätze der Elektrochemie, des jüngsten und 
interessantesten Zweiges der chemischen Wissenschaft dar und gibt dann an der Hand zahl 
reicher Abbildungen ein anschauliches Bild der vielen auf ihr beruhenden Industriezweige, 
deren Betriebe viele Tausende von Arbeitern beschäftigen und ein vermögen von zahllosen 
Millionen darstellen, wobei auch das neueste Verfahren zur Salpetersäuregewinnung aus 
der Luft Berücksichtigung findet. 
Elektrotechnik. Grundlagen der Elektrotechnik, von Dr. TCudolf 
Blochmann. Mit 128 Abbildungen. (TCr. 168.) 
Eine durch lehrreiche Abbildungen unterstützte Darstellung der elektrischen Erscheinungen, ihrer 
Grundgesetze und ihrer Beziehungen zum Magnetismus sowie eine Einführung in das Ver 
ständnis der zahlreichen praktischen Anwendungen der Elektrizität in den Maschinen zur 
Rrafterzeugung wie in der elektrischen Beleuchtung und in der Chemie. 
s. a. Beleuchtungsarten; Funkentelegraphie; Telegraphie. 
England. Englands lveltmacht in ihrer Entwicklung vom 17. Jahrhundert 
bis auf unsere Tage, von Wilhelm Langenbeck. Mit 19 Bildnissen. 
(TCr. 174.) 
Schildert nach einem Überblick über das mittelalterliche England die Anfänge der englischen 
Rolonialpolitik im Zeitalter der Rönigin Elisabeth, die innere politische Entwicklung im 17. und 
18. Jahrhundert, das allmähliche Aufsteigen zur Weltmacht, den gewaltigen wirtschaftlichen
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        8 
ñus Natur und Geisteswell. 
Jeder Band geheftet IN. I.—, in Leinwand gebunden IÏÏ. 1.25. 
und maritimen Aufschwung sowie den Ausbau des Kolonialreiches im 18. Jahrhundert und 
schließt mit einer Beleuchtung über den gegenwärtige» Stand und die mutmaßliche Zukunft 
des britischen Weltreiches. 
Entdeckungen. Vas Zeitalter der Entdeckungen, von Professor Dr. 
Siegmund Günther. 2. Ñuflage. Mit einer weltkarte. (Nr. 26.) 
mit lebendiger Varstellungsweise sind hier die großen weltbewegenden Ereignisse der 
geographischen Nenaissancezeit ansprechend geschildert, von der Begründung der portugiesischen 
Kolonialherrschaft und den Zährten des Kolumbus an bis zu dem Hervortreten der französischen, 
britischen und holländischen Seefahrer. 
s. a. Polarforschung. 
Erde. Ñus der Vorzeit der Erde. Vorträge über allgemeine Geologie, 
von Professor Dr. Fritz Frech. In 5 Bänden. 2. Ñufl. Mit zahlr. Ñbb. 
(Nr. 207—211.) 
I. Band: Gebirgsbau und Vulkanismus. (Nr. 207.) 
II. Sand: ttohlenbildung und Klima der Vorzeit. (Nr. 208.) 
III. Band: vie Arbeit des fließenden Wassers. Line Einleitung in die physikalische Geo- 
logie. Mit 51 Abbildungen im Text und auf 3 Tafeln. (Nr. 209.) 
IV. Band: vie Werke des Wassers im Gzean und im Erdinnern. (Nr. 210.) 
V. Band: Gletscher und Eiszeit. (Nr. 211.) 
3n 5 Bänden wird eine vollständige Varstellung der fragen der allgemeinen Geologie 
und physischen Erdkunde gegeben, wobei Ubersichtstabellen die Zachausdrücke und die 
Reihenfolge der geologischen Perioden erläutern und auf neue, vorwiegend nach tvriginal- 
Photographien angefertigte Abbildungen und auf anschauliche, lebendige Schilderung be- 
londers wert gelegt ist. 
s. a. Mensch und Erde; Korallen; Planeten; Weltall; Wirtschafts 
geschichte. 
Erfindungswesen s. Gewerbe. 
Ernährung. Ernährung und volksnahrungsmittel. Lechs Vorträge 
von weil. Professor Dr. Johannes Frentzel. 2. Ñufl. bearb. vom Geh. 
Rat Professor Dr. ÏT. 3 untz in Berlin. Mit 6 Ñbbildungen im Text und 
2 Tafeln,. (Nr. 19.) 
Gibt einen Überblick über die gesamte Ernährungslehre. Durch Erörterung der grundlegenden 
Begriffe werden die Zubereitung der Nahrung und der Verdauungsapparat besprochen und endlich 
die Herstellung der einzelnen Nahrungsmittel, insbesondere auch der Konserven behandelt. 
s. a. ñlkoholismus; Haushalt; Kaffee; Säugling. 
Erziehung. Moderne Erziehung in Haus und Schule. Vorträge in der 
Humboldt-Ñkademie zu Berlin, von Johannes Tews. (Rr. 159.) 
Betrachtet die Erziehung als Sache nicht eines einzelnen Berufes, sondern der gesamten 
gegenwärtigen Generation, zeichnet scharf die Schattenseiten der modernen Erziehung und 
zeigt Mittel und Wege für eine allseitige Durchdringung des Lrziehungsproblems. In 
diesem Sinne werden die wichtigsten Erziehungsfragen behandelt: Die Zamilie und ihre 
pädagogischen Mängel, der Lebensmorgen des modernen Kindes, Bureaukratie und Schema 
tismus, Persönlichkeitspädagogik, Sucht und Suchtmittel, die religiöse frage, gemeinsame 
Erziehung der Geschlechter, die Armen am Geiste, Erziehung der reiferen Jugend usw. 
— s. a. Bildungswesen; Jugendfürsorge: Kind (psychologie): Fort 
bildungsschulwesen: Knabenhandarbeit; Pädagogik; Schulwesen. 
Evolutionismus f. Lebensanschauungen. 
Farben s. Licht. 
Fernsprechtechnik s. Telegraphie. 
Fortbildungsschulwesen. Das deutsche Fortbildungsschulwesen, von 
Dr. Friedrich Schilling. 
Macht in einem theoretischen Teil mit dem Prinzip der modernen Zortbildungsschule vertraut, 
während ein praktischer Teil über die zurzeit bestehenden Arten der Zortbildungsschulen unter 
richtet, indem die historische Entwicklung wie die wichtigsten gesetzlichen Bestimmungen dar 
gestellt und der derzeitige Stand durch Mitteilung eines Driginalberichtes im Lichte der 
Entwicklung einer hervorragenden Einzelanstalt lebensvoll charakterisiert wird.
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        9 
ñus Natur und Geisteswell. 
Jeder Band geheftet IN. I.—, in Leinwand gebunden IN. 1.25. 
Fortpflanzung. Die Fortpflanzung der Tiere, von privatdozent Dr. 
Richard Goldschmidt. INit 77 Abbildungen. (Nr. 253.) 
Sucht einen Überblick über die unter den Tatsachen der Biologie wechselvollsten und oft über 
raschendsten Fortpflanzungserscheinungen in allen Gruppen sowie eine anschauliche Schil 
derung einzelner besonders anziehender Vorgänge zu geben, indem nach einer allgemeinen 
Einleitung über Fortpflanzung und Organisation die verschiedenen Formen der tierischen 
Fortpflanzung, ungeschlechtliche Vermehrung, geschlechtliche Fortpflanzung sowie gemischte 
Fortpflanzungsweise, weiterhin die zur Erhaltung und Verbreitung der Nachkommenschaft 
vorhandenen Schutzmittel, wobei besonders die Brutpflegeinstinkte eine eingehende Behandlung 
erfahren, erörtert werden. So erscheint das Bändchen auch geeignet, durch Verbreitung exakter 
Kenntnisse über ein mit der menschlichen Sittlichkeit-in so engem Zusammenhang stehendes Tat 
sachengebiet, die natürliche und reine Betrachtungsweise in den Beziehungen der Geschlechter 
finden zu helfen. 
Frankreich s. Napoleon. 
Frauenarbeit. Die Frauenarbeit, ein Problem des Kapitalismus, von 
Privatdozent Dr. Robert Wilbrandt. (Hr. 106.) 
Vas Thema wird als eine der brennendsten Fragen behandelt, die uns durch den Kapitalis 
mus aufgegeben worden sind, und behandelt von dem Verhältnis von Beruf und Mutterschaft aus, 
als dem zentralen Problem der ganzen Frage, die Ursachen der niedrigen Bezahlung der 
weiblichen Arbeit, die daraus entstehenden Schwierigkeiten in der Konkurrenz der Frauen 
mit den Männern, den Gegensatz von Arbeiterinnenschutz und Befreiung der weiblichen Arbeit. 
Frauenbewegung. Die moderne Frauenbewegung. Ein geschicht 
licher Überblick, von Dr. Käthe Lchirmacher. (Nr. 67.) 
Gibt einen Überblick über die Haupttatsachen der modernen Frauenbewegung in allen Ländern 
und schildert eingehend die Bestrebungen der modernen Frau auf dem Gebiet der Bildung, der 
Arbeit, der Sittlichkeit, der Soziologie und Politik. 
Frauenkrankheiten. Gesundheitslehre für Frauen. In acht Vorträgen, von 
weil, privatdozent Dr. Roland Stich er. Mit 13 Abbildungen. (Nr. 171.) 
Line Gesundheitslehre für Frauen, die über die Anlage des weiblichen Organismus und seine 
pflege unterrichtet, zeigt, wie diese bereits im Kindcsalter beginnen muß, welche Bedeutung 
die allgemeine körperliche und geistige Hygiene insbesondere in der Zeit der Entwicklung hat, 
um sich dann eingehend mit dem Beruf der Frau als Gattin und Mutter zu beschäftigen. 
s. a. Geschlechtskrankheiten. 
Frauenleben. Deutsches Frauenleben im Ivandel der Jahrhunderte, 
von Direktor Dr. Ed uard Gito. 2.Ñufl. Mit 25 Abbildungen. (Nr. 45.) 
Gibt ein Bild des deutschen Frauenlebens von der Urzeit bis zum Beginn des 19. Jahr 
hunderts, von Denken und Fühlen, Stellung und Wirksamkeit der deutschen Frau, wie sie sich 
im Wandel der Jahrhunderte darstellen. 
Friedensbewegung. Die moderne Friedensbewegung, von Alfred 
h. Fried. (Nr. 157.) 
Entwickelt das Wesen und die Ziele der Friedensbewegung, gibt dann eine Darstellung der 
Schiedsgerichtsbarkeit in ihrer Entwicklung und ihrem gegenwärtigen Umfang mit besonderer 
Berücksichtigung der hohen Bedeutung der Haager Friedenskonferenz, beschäftigt sich hierauf mit 
dem Abrüstungsproblem und gibt zum Schluß einen eingehenden Überblick über die Geschichte 
der Friedensbewegung und eine chronologische Darstellung der für sie bedeutsamen Ereignisse. 
s. a. Recht. 
Friedrich der Grotze. Lechs Vorträge von privatdozent Theodor 
Bitte rauf. Mit 2 Bildnissen. (Nr. 246.) 
Schildert in knapper, wohldurchdachter, durch charakteristische Selbstzcugnisse und authentischeÄuße- 
rungen bedeutender Zeitgenossen belebter Darstellung des großen Königs Leben und wirken, das 
den Grund gelegt hat für die ganze spätere geschichtliche und kulturelle Entwicklung Deutschlands. 
Fröbel. Friedrich Fröbel. Sein Leben und sein wirken, von Adele von 
Portugal!. Mit 5 Tafeln. (Nr. 82.) 
Lehrt die grundlegenden Gedanken der Methode Fröbels kennen und gibt einen Überblick 
seiner wichtigsten Schriften mit Betonung aller jener Kernaussprüche, die treuen und oft ratlosen 
Müttern als Wegweiser in Ausübung ihres hehrsten und heiligsten Berufes dienen können.
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        '0 
ñus Natur und Geisteswelt. 
Jeder Band geheftet ITI. 1.—, in Leinwand gebunden IN. 1.25. 
Funkentelegraphie. Die Funkentelegraphie, von Gberpoftpraktikanten 
h. Th urn. îTTit 53 Illustrationen. (ITr. 167.) 
Nach einer Übersicht über die elektrischen Vorgänge bei der Funkentelegraphie und einer 
eingehenden Darstellung des Systems Telefunken werden die für die verschiedenen Anwendungs- 
gebiete erforderlichen einzelnen Konstruttionstypen vorgeführt, (Schiffsstationen, Land 
stationen, Militärstationen und solche für den Lisenbahndienst), wobei nach dem neuesten 
Stand von Wissenschaft und Technik in jüngster Zeit ausgeführte Anlagen beschrieben werden. 
Danach wird der Einfluß der Funkentelegraphie auf Wirtschaftsverkehr und das Wirt 
schaftsleben (im Handels- und Kriegsseeverkehr, für den Heeresdienst, für den Wetterdienst 
usw.) sowie im Anschluß daran die Regelung der Funkentelegraphie im deutschen und 
internationalen Verkehr erörtert. 
Fürsorgewesen s. Jugendfürsorge. 
Fürstentum. Deutsches Fürstentum und deutsches Verfassungswesen, 
von Professor Dr. Eduard hubrich. (Nr. 80.) 
Der Verfasser zeigt in großen Umrissen den weg, auf dem deutsches Fürstentum und deutsche 
Volksfreiheit zu dem in der Gegenwart geltenden wechselseitigen Ausgleich gelangt sind, unter 
besonderer verücksichtigung der preußischen Verfassungsverhältnisse, wobei nach kürzerer Be 
leuchtung der älteren Verfassungszustände der Verfasser die Begründung des fürstlichen Absolutis 
mus und demgegenüber das Erwache», Fortschreiten und Siegen des modernen Konstitutionalis- 
mus eingehend bis zur Entstehung der preußischen Verfassung und zur Begründung der Deutschen 
Reiches schildert. 
s. a. Geschichte; Verfassung. 
Gartenstadtbewegung, von Generalsekr.h ansKampffmeyer. (Nr.259.) 
Bietet eine zusammenfassende, auf gründlichem Studium der englischen Verhältnisse aufgebaute 
Darstellung der Gartenstadtbewegung, indem es im Anschluß an eine allgemeine volkswirt 
schaftliche Einführung d e Geschichte der Bewegung gibt, sodann die praktischen Linzelfragen, 
die bei der Verwirklichung des Gartenstadtgedankens Berücksichtigung verdienen, ferner die 
Bedeutung der Bewegung für Volkswirtschaft, Volksgesundheit, Runjt u.dergl. erörtert und zum 
Schluß an der Hand von Beispielen die Aussichten der deutschen Gartenstadtbewegung bespricht. 
Gartenkunst. Geschichte der Gartenkunst, von Bauinspektor Neg.-Bau- 
meister Nanck. / 
Gibt einen durch zahlreiche Abbildungen erläuterten Überblick über die Geschichte des Gartens 
als Runstwerk, insbesondere den Garten im Altertum und Mittelalter, den Garten der 
italienischen Renaisiance, den französischen Garten der Zeit Ludwig XIV. und den Landschafts 
garten des 18. nnd 19. Jahrhunderts, während die beiden letzten Rapitel sich mit den modernen 
Bestrebungen, die Haus und Garten wieder, wie es vor der Herrschast des Landschaftsgartens 
war, zu einem einheitlichen Runstwerke vereinigen wollen, beschäftigen. 
Gasmaschinen s. Automobil; Ivärmekraftmaschinen. 
Gehirn s. Geistesleben. 
Geisteskrankheiten, von Anstaltsoberarzt Dr. Georg Ilberg. (Hr. 151.) 
Erörtert das Wesen der Geisteskrankheiten und an eingehend zur Darstellung gelangenden 
Beispielen die wichtigste» Formen geistiger Erkrankung, um so ihre Kenntnis zu fördern, 
die richtige Beurteilung der Zeichen geistiger Erkrankung und damit eine rechtzeitige ver 
ständnisvolle Behandlung derselben zu ermöglichen. 
Genossenschaftswesen s. Konsumgenossenschaften. 
Geistesleben. Die Mechanik des Geisteslebens, von Professor Dr. 
Max verworn. Mit 11 Figuren. (Hr. 200.) 
will unsere modernen Erfahrungen und Anschauungen über das physiologische Geschehen, das 
sich bei den Vorgängen des Geisteslebens in unserem Gehirn abspielt, in großen Zügen ver 
ständlich machen, indem es die Dinge mit den Begriffen und den vergleichen des täglichen 
Lebens schildert. So wird im ersten Abschnitt: „Leib und Seele" der Standpunkt einer 
monistischen Auffassung der Welt, die in einem streng wissenschaftlichen Konditionismus zum 
Ausdruck kommt, erörtert, im zweiten: „Die Vorgänge in den Elementen des Nervensystems" 
ein Einblick in die Methodik zur Erforschung der physiologischen Vorgänge in denselben sowie 
ein Überblick über ihre Ergebnisse, im dritten: „Die Bewußtseinsvorgänge" eine Analyse des
        <pb n="179" />
        11 
ñus Natur und Geiftesrvett. 
Jeder Band geheftet 1TÍ. I.—, in Leinwand gebunden ITC. 1.25. 
Empfindens, Vorstellens, Denkens und Wollens unter Zurückführung dieser Tätigkeiten auf 
die Vorgänge in den Elementen des Nervensystems gegeben. Der vierte und fünfte Abschnitt 
beschäftigt sich in analoger weise mit den Vorgängen des „Schlafes und Traumes" und den 
scheinbar so geheimnisvollen Tatsachen der „Hypnose und Suggestion". 
Geistesleben s. a. Bildungswesen; Buchgewerbes Byzanz; (Christentum; 
Mensch; Philosophie: Religion. 
Geographie s. Dorf: Entdeckungen: Japon; Kolonien: Mensch: Palästina; 
Polarforschung: Städte; Volksstämme; Wirtschaftsleben. 
Geologie f. Erde; Korallen. 
Germanen. Germanische Kultur in der Urzeit, von Professor Br. Georg 
Steinhaufen. Mit 17 Abbildungen. (Nr. 75.) 
Vas Büchlein beruht auf eingehender (Quellenforschung und gibt in fesselnder Darstellung 
einen Überblick über germanisches Leben von der Urzeit bis zur Berührung der Germanen 
nlit der römischen Kultur. 
German. Mythologie, von Dr. Julius v. Regelein. (Nr.95.) 
Der Verfasser gibt ein Bild germanischen Glaubenslebens, indem er die Äußerungen religiösen 
Lebens namentlich auch im Kultus und in de» Gebräuchen des Aberglaubens aufsucht, sich 
überall bestrebt, das zugrunde liegende psychologische Motiv zu entdecken, die verwirrende 
Fülle mythischer Tatsachen und einzelner Namen aber demgegenüber zurücktreten läßt. 
Geschichte, politische Hauptströmungen in Europa im 19. Jahrhundert, 
von Professor Dr. Karl Theodor v. heigel. (Ur. 129.) 
Bietet eine knappe Darstellung der wichtigsten politischen Ereignisse vom Ausbruche der fran 
zösischen Resolution bis zum Ausgang des 14. Jahrhunderts, womit eine Schilderung der 
politischen Ideen Hand in Hand geht, und wobei überall Ursache und Wirkung, d. h. der innere 
Zusammenhang der einzelnen Vorgänge, dargelegt, auch Sinnesart und Taten wenigstens der 
einflußreichsten Persönlichkeiten gewürdigt werden. 
von Luther zu Bismarck. 12 Charakterbilder aus deutscher Ge 
schichte. von Professor Dr. Gttokar Weber. 2 Bände. (Nr. 123.124.) 
(Ein knappes und doch eindrucksvolles Bild der nationalen und kulturellen Entwicklung der 
Neuzeit, das aus den vier Jahrhunderten je drei Persönlichkeiten herausgreift, die bestimmend 
eingegriffen haben in den Werdegang deutscher Geschichte. Der große Reformator, Regenten 
großer und kleiner Staaten, Generale, Diplomaten kommen zu Wort, was Martin Luther 
einst geträumt: ein nationales deutsches Kaiserreich, unter Bismarck steht es begründet da. 
1848. Sechs Vorträge von Professor Dr. Gttokar Weber. (Nr.53.) 
will eine richtige Abschätzung des „tollen Jahres" in seiner geschichtlichen Bedeutung ermög 
lichen, der schma l vollen und doch so berausche d schönen Zeit jenes völkerf.ühlings, in der 
alle Menschen Brüder schienen und die „monotone Welt des Schlendrians" wie von einem 
elektrische» Strome getroffen wurde, indem es in kritischer Darstellung die Beweggründe der 
einzelnen Stände klarzustellen, den rechts und links auftretenden Extremen gerecht zu werden 
sucht und besonders den großartigen deutschnationalen Aufschwung jenes Jahres hervorhebt. 
Restauration und Revolution. Skizzen zur Entwicklungsgeschichte 
der deutschen Einheit, von Professor Dr. Richard Sch wem er. (Nr. 37.) 
Die Reaktion und die neue Ära. Skizzen zur Entwicklungsgeschichte 
der Gegenwart, von Professor Dr. Richard Schwemer. (Nr. 101.) 
vom Bund zum Reich. Reue Skizzen zur Entwicklungsgeschichte der 
deutschen Einheit, von Professor Dr. Richard Schwemer. (Hr. 102.) 
Die 3 Lände geben zusammen eine in Auffassung und Darstellung durchaus eigenartige 
Geschichte des deutschen Volkes im 14. Jahrhundert. „Restauration und Revolution" behandelt 
das Leben und Streben des deutschen Volkes in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, von 
dem ersten Aufleuchten des Gedankens des nationalen Staates bis zu dem tragischen Fehlschlagen 
aller Hoffnungen in der Mitte des Jahrhunderts. „Die Reaktion und die neue Ara", beginnend 
mit der Seit der Ermattung nach dem großen Aufschwung von 1848, stellt in den Mittelpunkt 
des Prinzen von Preußen und Gtto von Bismarcks Schaffen, „vom Bund zum Reich" zeigt uns 
Bismarck mit sicherer kjand die Grundlage des Reiches vorbereitend und dann immer ent 
schiedener allem Geschehenen das Gepräge seines Geistes verleihend.
        <pb n="180" />
        I 
ñus Natur und Geisteswelt. 
Jeder Band geheftet lit. 1.—, in Leinwand gebunden lit. 1.25. 
Geschichte s. a. Amerika; Bildungswesen,- Byzanz ; Calvin ; Deutschland ; Dorf; 
England ; Entdeckungen ; Frauenleben ; Friedrich der Große; Fürstentum; Ger 
manen; Handel; Japan; Jesuiten; Ingenieurtechnik; Kalender; Kriegswesen; 
Kultur; Kunst; Literaturgeschichte; Luther; Münze; Musik; Napoleon; 
Österreich; Palästina; Philosophie; Pompeji; Nom Schulwesen; Städtewesen; 
Theater; Uhr; Verfassung; Volksstämme; Wirtschaftsgeschichte. 
Geschlechtskrankheiten. Die Geschlechtskrankheiten, ihr Wesen, ihre 
Verbreitung, Bekämpfung und Verhütung. Für die Gebildeten aller Stände 
bearbeitet von Generaloberarzt Professor Dr.Wilhelm Schumburg. Mit 
Figuren und Tafeln. (Nr. 251.) 
Gibt in sachlicher, aber rückhaltlos offener Darlegung ein Bild von dem Wesen der Geschlechts 
krankheiten, von ihreit Erregern, den verschiedenartigen wegen, die sie im Körper einschlagen 
und den Schäden, die sich an ihre Zersen heften, erörtert nach statistischen Angaben über die 
Verbreitung der Geschlechtskrankheiten ausführlich ihre Bekämpfung und Verhütung, mit be 
sonderer Rücksicht auf das gefährliche Treiben der Prostitution und der Kurpfuscher, auf die 
persönlichen Schutzmaßregeln sowie die Aussichten aus erfolgreiche Behandlung. 
Gesundheilslehre. Acht Vorträge aus der Gesundheitslehre, von 
Professor Dr. h. B u ch n er. 3. Ñuflage, besorgt von Professor Dr. M. G rub e r. 
Mit zahlreichen Abbildungen. (Nr. 1.) 
In klarer und überaus fesselnder Darstellung unterrichtet der Verfasser über die äußeren Lebens- 
beüingungen des Menschen, über das Verhältnis von Luft, Licht und Wärme zum menschlichen 
Körper, über Kleidung und Wohnung, Bodenverhältnisse und Wasserversorgung, die Krankheiten 
erzeugenden Pilze und die Infektionskrankheiten, kurz über wichtige Zragen der Hygiene. 
s. a. Ñlkoholismus; Ñnatomie; Auge; Bakterien; Ernährung; 
Frauenkrankheiten; Geisteskrankheiten; Geschlechtskrankheiten; Gymnastik; 
Haushalt; Heilwissenschaft; Heizung (und Lüftung); Hypnotismus; Kranken 
pflege; Mensch; Nervensystem; Säugling; Schulhygiene; Stimme; Tuber 
kulose; Zahnpflege. 
Gewerbe. Der gewerbliche Rechtsschutz in Deutschland, von Patent 
anwalt Bernhard Tolksdorf. (Nr. 138.) 
Nach einem allgemeinen Überblick über Entstehung und Entwicklung des gewerblichen Rechts 
schutzes und einer Bestimmung der Begriffe Patent und Erfindung wird zunächst das deutsche 
Patentrecht behandelt, wobei der Gegenstand des Patentes, der patentberechtigte, das Ver 
fahren in Patentsachen, die Rechte und Pflichten des Patentinhabers, das Erlöschen des 
Patentrechtes und die Verletzung und Anmaßung des Patentschutzes erörtert werden. Sodann 
wird das Muster- und Warenzeichenrecht dargestellt und dabei besonders Art und Gegenstand 
der Muster, ihre Nachbildung, Eintragung, Schutzdauer und Löschung klargelegt. Ein weiterer 
Abschnitt befaßt sich mit den internationalen Verträgen und dem Ausstellungsschutz. Zum 
Schlüsse wird noch die Stellung der Patentanwälte besprochen. 
s. a. Buchgewerbe; Pflanzen; Technik; Uhr. 
Gqrnnastik s. Gesundheitslehre; Turnen. 
Handel. Geschichte des deutschen Handels, von Wilhelm Langenbeck. 
:ser von den primitiven prähistorischen Anfängen bis zu der heutigen Weltmacht 
stellung des deutschen Handels, indem es zugleich durch stete Ausweisung der bestimmenden 
Bedingungen und Kräfte eine klare Einsicht in den Gang dieser weittragenden Entwicklung 
und in die heutige Struktur unseres weitverzweigten Welthandels als deren Resultat ver 
mittelt. Dabei tritt in der Neuzeit zunächst die allmähliche Verdrängung vom Welthandel, 
die Hemmung in der Entwicklung des Binnenhandels infolge der territorialen Zersplitterung 
hervor, dann aber mündet die Darstellung aus in den durch das allmähliche Erstarken einzelner 
Seehandelsplätze und durch die Wirtschaftspolitik des brandenburgisch-preußischen Staates 
vorbereiteten gewaltigen Aufschwung im 19. Jahrhundert, der endlich in der Wirtschaftspolitik 
des Deutschen Reiches seine Krönung findet. 
Geschichte des Welthandels, von Dberlehrer Dr. Max Georg 
Schmidt. (Nr. 118.) 
12
        <pb n="181" />
        13 
Ñus Natur und Geisteswett. 
Jeder Land geheftet Kl. 1.—, in Leinwand gebunden IR. 1.25. 
«Etne zusammenfassende Übersicht der Entwicklung des Handels führt von dem Altertum an 
über das Mittelalter, in dem Konstantinopel, feit den llreuzzügen Italien und Deutschland 
den Weltverkehr beherrschen, zur Neuzeit, die mit der Auffindung des Seewegs nach Indien 
und der Entdeckung Amerikas beginnt und bis zur Gegenwart, in der auch der deutsche 
Kaufmann nach dem alten lfansawort „Mein Feld ist die Welt" den ganzen Erdball erobert. 
Handel s. a. Altertum ; Amerika ; Konsumgenossenschaft,- Weltwirtschaft: 
Wirtschaftsgeschichte. 
Handfertigkeit s. Knabenhandarbeit. 
Handwerk. Das deutsche Handwerk in seiner kulturgeschichtlichen Entwick- 
lung. von Direktor Dr. Eduard Gito. 3. Auflage. Mit 27 Abbildungen 
auf 8 Tafeln. (Nr. 14.) 
Line Darstellung der Entwicklung des deutschen lsandwerks bis in die neueste Zeit, der großen 
Umwälzung aller wirtschaftlichen Verhältnisse im Zeitalter der Eisenbahnen und Dampf 
maschinen und der lfandwerkerbewegungen des 19. Jahrhunderts wie des älteren lfandwerks- 
lebens, seiner Sitten, Bräuche und Dichtung. 
Das deutsche Haus und sein Hausrat, von Professor Dr. Ruó oís 
Meringer. Mit 106 Abbildungen. (Rr. 116.) 
Das Such will das Interesse an dem deutschen Haus, wie es geworden ist, fördern: mit zahlreichen 
künstlerischen Illustrationen ausgestattet, behandelt es nach dem „Herdhaus" das oberdeutsche 
Haus, führt dann anschaulich die Einrichtung „der für dieses charakteristischen Stube, den Gfen, 
den Tisch, das Lßgerät vor und gibt einen Überblick über die Herkunft von Haus und Hausrat. 
Kulturgeschichte des deutschen Bauernhauses, von Regierungs 
baumeister a. D. Christian Rand. Mit 70 Abbildungen. (Rr. 121.) 
Der Verfasser führt den Leser in das Haus des germanischen Landwirtes und zeigt dessen 
Entwicklung, wendet sich dann dem Hause der skandinavischen Bauern zu, um hierauf die 
Entwicklung des deutschen Bauernhauses während des Mittelalters darzustellen und mit einer 
Schilderung der heutigen Form des deutschen Bauernhauses zu schließen. 
s. a. Baukunst; Gartenkunst; Kunst; Städtewesen. 
Haushalt. Die Raturwissenschaften im Haushalt, von Dr. Johannes 
Bongardt. In 2 Bänden. Mit zahlreichen Abbildungen. (Rr. 125. 126.) 
I. Teil: wie sorgt die Hausfrau für die Gesundheit der Familie? 
II. Teil: wie sorgt die Hausfrau für gute Nahrung? 
Selbst gebildete Hausfrauen können sich fragen nicht beantworten wie die, weshalb sie z. B. 
kondensierte Milch auch in der heißen Zeit in offenen Gefäßen aufbewahren können, weshalb 
sie hartem Wasser Soda zusetzen, weshalb Gbst im kupfernen Kessel nicht erkalten soll. Da 
soll hier an der Hand einfacher Beispiele, unterstützt durch Experimente und Abbildungen, 
das naturwissenschaftliche Denken der Leserinnen so geschult werden, daß sie befähigt werden, 
auch solche Fragen selbst zu beantworten, die das Buch unberücksichtigt läßt. 
Chemie in Küche und Haus, von Professor Dr. Gustav Abel. Mit 
Abbildungen und einer mehrfarbigen Doppeltafel. (Rr. 76.) 
Das Bändchen will Gelegenheit bieten, die in Küche und Haus täglich sich vollziehenden 
chemischen und physikalischen Prozesse richtig zu beobachten und nutzbringend zu verwerten. 
So werden Heizung und Beleuchtung, vor allem aber die Ernährung erörtert, werden tierische 
und pflanzliche Nahrungsmittel, Genußmittel und Getränke behandelt. 
s. a. Batterien; Heizung (und Lüftung); Kaffee. 
Haustiere. Die Stammesgeschichte unserer Haustiere, von Professor Dr. 
Tari Keller. Mit 28 Abbildungen. (Rr. 252.) 
Um über den Werdegang unserer tierischen Hausgenossen aufzuklären, wird nach einem ge 
schichtlichen Überblick über die Wandlungen der Haustierforschung seit Linné an der Hand 
der prähistorischen Forschung nachgewiesen, wie schon zur neolithischen Seit der Haustier- 
erwerb mit solchem Erfolg einsetzte, daß der späteren historischen Zeit nur noch eine be 
scheidene Nachlese übrigblieb, wie dafür die gehobene Kultur die Nassen stark umgebildet 
hat: sodann werden für die älteren und jüngeren Haustiere, Hunde und Katzen, Pferde und 
Esel, Kinder, Ziegen und Schafe, Schweine und Kaninchen, wie Hühner und Tauben im ein 
zelnen die Stammformen und die Bildungsformen aufgesucht sowie die Verbreitung der 
Nassen klargelegt.
        <pb n="182" />
        14 
ñus Natur und Geisteswelt. 
Jeder Band geheftet ITC. 1.—, in Leinwand gebunden ITT. 1.25. 
Haydn f. Musik. 
Hebbel. Friedrich Hebbel. von Dr. Ñnna Schapire-Neurath. Mit 
einem Bildnis Hebbels. (Nr. 238.) 
Gibt nach einer knappen Darstellung des Lebens- und Entwicklungsganges eine eindringende 
Analyse des Werkes und der Weltanschauung des großen deutsche» Tragikers und bewußt sich, 
ohne harmonisierende Zusammenhänge zu konstruieren, die Persönlichkeit in ihrer vollen Wirk 
lichkeit zu erfassen. 
Hebezeuge. Das heben fester, flüssiger und luftförmiger Körper, von 
Professor Richard Vater. Mit 67 Abbildungen. (Nr. 196.) 
will, ohne umfangreiche Kenntnisse auf dem Gebiet der Mechanik vorauszusetzen, an der 
Hand zahlreicher einfacher Skizzen das Verständnis für die Wirkung der hebezeuge einem 
weiteren Kreise zugänglich machen. So werden die Hebe-Vorrichtungen fester, flüssiger und 
luftförmiger Körper nach dem neuesten Stand der Technik einer ausführlichen Betrachtung 
unterzogen, wobei wichtigere Ñbschnitte, wie: Hebel und schiefe Ebene, Druckwasserhebe- 
vorrichtungen, Zentrifugalpumpen, Gebläse usw. besonders eingehend behandelt sind. 
Heilrvissenschaft, Die moderne. Wesen und Grenzen des ärztlichen Wissens, 
von Dr. Edmund Biernacki. Deutsch von Badearzt Dr.5. Ebel. (Nr.25.) 
will in den Inhalt des ärztlichen Wissens und Könnens von einem allgemeineren Standpunkte 
aus einführen, indem die geschichtliche Entwicklung der medizinischen Grundbegriffe, die Leistungs 
fähigkeit und die Fortschritte der modernen Heilkunst, die Beziehungen zwischen der Diagnose und 
der Behandlung der Krankheit sowie die Grenzen der modernen Diagnostik behandelt werden. 
Der Aberglaube in der Medizin und seine Gefahr für Gesundheit 
und Leben, von Professor Dr. D. von hansemann. (Nr. 83.) 
Behandelt alle menschlichen Verhältnisse, die in irgendeiner Beziehung zu Leben und Gesundheit 
stehen, besonders mit Kü cksicht auf viele schädliche ñrten des Aberglaubens, die geeignet sind, Krank 
heiten zu fördern, die Gesundheit herabzusetzen und auch in moralischer Beziehung zu schädigen. 
s. a. Anatomie; Auge; Bakterien; Frauenkrankheiten; Geisteskrank 
heiten; Gesundheitslehre; Hypnotismus; Krankenpflege; Nervensystem; 
Säugling; Schulhygiene; Zahnpflege. 
Heizung und Lüftung, von Ingenieur Johann Lugen Meyer. Mit 
zahlreichen Figuren. (Nr. 241.) 
will in allgemein-verständlicher Darstellung über die verschiedenen Lüftnngs- und Heizungs- 
arten men chlicher wohn- und Aufenthaltsräume orientieren und zugleich ein Bild von der 
modernen Lllftungs- und Heizungstechnik geben, um dadurch Interesse und Verständnis für 
die dabei in Betracht kommende», oft so wenig beachteten, aber in gesundheitlicher Beziehung 
so überaus wichtigen Gesichtspunkte zu erwecken. 
Herbart. Herbarts Lehren und Leben, von Pastor (D. Flügel. Mit 
1 Bildnisse Herbarts. (Nr. 164.) 
Herbarts Lehre zu kennen, ist für den Philosophen wie für den Pädagogen gleich wichtig. 
Indes seine eigenartige Terminologie und Deduktionsweise erschwert das Einleben in seine 
Gedankengefilde. Flügel versteht es mit musterhaftem Geschick, der Interpret des Meisters zu 
sein, dessen Werdegang zu prüfen, seine Philosophie und Pädagogik gemeinverständlich darzustellen. 
Hilfsschulwesen, vom Hilfsschulwesen, von Rektor Dr. B. Maennel. 
(Nr. 73.) 
Es wird in kurzen Zügen eine Theorie und Praxis der Hilfsschulpädagogik gegeben. An Hand 
der vorhandenen Literatur und auf Grund von Erfahrungen wird nicht allein zusammen 
gestellt, was bereits geleistet worden ist, sondern auch hervorgehoben, was noch der Ent 
wicklung und Bearbeitung harrt. 
f. a. Geisteskrankheiten; Jugendfürsorge. 
Hochschulen s. Technische Hochschulen. 
Hypnotismus und Suggestion, von Dr. Ernst Trömner. (Nr. 199.) 
Bietet eine durchaus sachliche, von Vorurteil und Sensaiion gleichweit entfernte Darstellung 
ber Lehre von Hypnotismus und Suegyton, indem die Geschichte des Hypnotismus und 
Lessen Methodik, die Frage der Hypnotisierbarkeit, die vielfach wunderbaren Erscheinungen
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        15 
ñus Natur und Geistesrvelt. 
Jeder Band geheftet IN. I.—, in Leinwand gebunden IN. 1.25. 
der Hypnose in ihren verschiedenen Graden und Erscheinungsformen, wie Somnambulismus, 
Autosuggestion usw., die psychologische Erklärung derselben und schließlich der Linsluß der 
Suggestion auf den wichtigsten Kultur- und Lebensgebieten wie Geistesstörung, Heilkunde, 
verbrechen, Kunst, Erziehung behandelt werden. 
Japan. Die Japaner und ihre wirtschaftliche Entwicklung, von Prof. 
Dr. Karl Rathgen. (Hr. 72.) 
Schildert auf Grund langjähriger eigener Erfahrungen in Zapan Land und Leute, Staat und 
Wirtschaftsleben sowie die Stellung Japans im Welwerkehr und ermöglicht so ein wirkliches 
Verständnis für die staunenswerte (wirtschaftliche und politische) innere Neugestaltung des 
Landes in den letzten Jahrzehnten. 
f. a. Kunst. 
Ibsen, Henrik Ibsen, Björnstjerne Björnson und ihre Zeitgenossen, 
von Professor Dr. B. Kahle. (Hr. 193.) Hlit 7 Bildnissen auf 4 Tafeln. 
Sn großen Zügen wird die Entwicklung und die Eigenart der beiden größten Dichter Norwegens 
dargestellt, einmal auf der Grundlage der Lesonderheiten des norwegischen Volkes, anderer 
seits im Zusammenhang mit den kulturellen Strömungen der zweiten Hälfte des ly. Zahr- 
Hunderts, durch die ergänzende Schilderung von 5 anderen norwegischen Dichtern (Lie, 
Kielland, Skram, Garborg, Hamsun) erweitert sich die Darstellung zu einem Bild der jüngsten 
geistigen Entwicklung des uns Deutschen so nahestehenden norwegischen Volkes. 
Idealismus s. Lebensanschauungen: Housseau. 
Jesuiten. Die Jesuiten. Tine historische Zkizze von Professor Dr. 
Heinrich Boehmer. 2. vermehrte Auflage. (Hr. 49.) 
Ein Küchlein nicht für oder gegen, sondern über die Jesuiten, also der versuch einer 
gerechten Würdigung des vielgenannten Ordens, das nicht nur von der sogenannten Jesuiten- 
moral oder von der Grdensverfassung, sondern auch von der Zesuitenschule, von den Leistungen 
des Ordens auf dem Gebiete der geistigen Kultur, von dem Zesuitenstaate usw. handelt. 
Jesus. Die Gleichnisse Jesu. Zugleich Anleitung zu einem quellenmäßigen 
Verständnis der Evangelien. Don Lie. Prof.Dr.Heinrich H)einel. 2. Aufl. 
(Hr. 46.) 
will gegenüber kirchlicher und nichtkirchlicher Ñllegorisierung der Gleichnisse Jesu mit ihrer 
richtigen, wörtlichen Auffassung bekannt machen und verbindet damit eine Einführung in die 
Arbeit der modernen Theologie. 
Jesus und seine Zeitgenossen, von Pastor Karl Bonhoff. 
(Hr. 89.) 
Die ganze Herbheit und köstliche Frische des Volkskindes, die hinreißende Hochherzigkeit 
und prophetische Überlegenheit des genialen Volksmannes, die reife Weisheit des Jünger- 
bildners und die religiöse Tiefe und weite des Lvangeliumverkünders von Nazareth wird 
erst empfunden, wenn man ihn in seinem Verkehr mit den ihn umgebenden Menschengestalten, 
Volks- und Parteigruppen zu verstehen sucht, wie es dieses Küchlein tun will. 
Wahrheit und Dichtung im Leben Jesu. von Pfarrer D. Paul 
IHehlhorn. (Hr. 137.) 
will zeigen, was von dem im Neuen Testament uns überlieferten Lebe» Jesu als wirklicher 
Tatbestand festzuhalten, was als Sage oder Dichtung zu betrachten ist, durch Darlegung der 
Grundsätze, nach denen die Scheidung des geschichtlich Glaubwürdigen und der es umrankenden 
Phantasiegebilde vorzunehmen ist und durch Vollziehung der so gekennzeichneten Nrt chemischer 
Analyse an den wichtigsten Stoffen des „Lebens Jesu". 
s. a. Bibel; Christentum; Religion. 
Illustrationskunst. Die deutsche Illustration, von Professor Dr. Rudolf 
Kautzsch. Mit 35 Abbildungen. (Hr. 44.) 
Kehandelt ein besonders wichtiges und lehrreiches Gebiet der Kunst und leistet zugleich, 
indem es an der Hand der Geschichte das Tharakteristische der Illustration als Kunst zu 
erforschen sucht, ein gut Teil „Kunsterziehung". 
s. a. Buchgewerbe. 
Industrie, chemische, s. Elektrochemie; pflanzen; Technik.
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        ñus Natur und Geisteswelt. 
Jeder Band geheftet ITT. 1.—, in Leinwand gebunden IÏÏ. 1.25. 
Infinitesimalrechnung. Einführung in die Infinitesimalrechnung mit 
einer historischen Übersicht, von Professor Dr. Gerhard Kowalewski. 
Hitt 18 Fig. (Hr. 197.) 
Bietet in allgemeinverständlicher Form eine Einführung in die Infinitesimalrechnung, ohne 
die heute eine streng wissenschaftliche Behandlung der Naturwissenschaften unmöglich ist, 
die nicht sowohl in dem Kalkül selbst, als vielmehr in der gegenüber der Elementarmathematik 
veränderten Betrachtungsweise unter den Gesichtspunkten der Kontinuität und des Unendlichen 
liegenden Schwierigkeiten zu überwinden lehren will. 
Ingenieurtechnik. ^Schöpfungen der Ingenieurtechnik der Neuzeit. 
von.Vaurat Kurt merckel. 2. Ñuflage. mit 55 Abbildungen im Text 
und auf Tafeln. (Nr. 28.) 
Führt eine Reihe hervorragender und interessanter Ingenieurbauten nach ihrer technischen 
und wirtschaftlichen Bedeutung vor: die Gebirgsbahnen, die Bergbahnen und als deren Vor 
läufer die bedeutenden Gebirgsstraßen der Schweiz und Tirols, die großen Eisenbahnverbin 
dungen in Asien, endlich die modernen Ranal- und Hafenbauten. 
Bilder aus der Ingenieurtechnik, von Baurat Kurt merckel. mit 
43 Abbildungen und einer Doppeltafel. (Nr. 60.) 
Zeigt in einer Schilderung der Ingenieurbauten der Babylonier und Assyrer, der Ingenieur, 
iechnik der alten Ägypter unter vergleichsweiser Behandlung der moderne» Irrigationsanlagen 
daselbst, der Schöpfungen der antiken griechischen Ingenieure, des Städtebaues im Altertum 
und der römischen wasserleitungsbauten die hohen Leistungen der Völker des Altertums. 
Internationalismus. Vas internationale Leben der Gegenwart, von 
Alfred h. Fried, mit einer lithographischen Tafel. (Nr. 226.) 
Stellt einen Führer dar in das Reich des Internationalismus, gleichsam einen „Baedeker für 
das internationale Land", indem es durch eine Zusammenstellung der Vereinbarungen und 
Einrichtungen nach ihrem Umfange und ihrer Lebensfähigkeit, ihrer Betätigung und Wirk 
samkeit in der internationalen Verwaltung auf dem Gebiete des Verkehrswesens, wie des 
Rechts, des Handels wie der Sozialpolitik, der Politik und des Rriegswesens, in den inter 
nationalen Bandlungen (Kongressen, Konferenzen usw.) und in dem privaten Internationalis 
mus auf allen Rulturgebie.en zu zeigen versucht, wie weit der Zusammenschluß der Rultur» 
weit bereits gediehen ist, und wie der moderne Internationalismus weit davon entfernt, 
sich auf Rosten der Nationen zu entwickeln, im Gegenteil durch ihren Zusammenschluß die 
Möglichkeit der Entwicklung und Betätigung der Eigenart jeder einzelnen erhöht und erweitert. 
Israel s. Religion. 
Jugend-Fürsorge. von Direktor Dr. Johannes Petersen. 2Bande. 
(Nr. 161. 162.) 
Band I: Die öffentliche Fürsorge für die hilfsbedürftige Jugend. (Nr. 161.) 
Band II: Die öffentliche Fürsorge fur die sittlich gefährdete und die gewerblich tätige 
Jugend. (Nr. 162.) 
Erörtert alle das Fürsorgewesen betreffenden Fragen, deckt die ihm anhaftenden Mängel auf, 
zeigt zugleick aber auch die Mittel uni&gt; Wege zu ihrer Beseitigung. Besonders eingehend 
werden behandelt in dem l. Bändchen das vormundschaftsrecht, die Säuglingssterblichkeit, die 
Fürsorge für uneheliche Rinder, die Gemeindewaisenpflege, die vor- und Nachteile der 
Nnstalts- und Familienpflege, in dem 2. Bändchen die gewerbliche Ausnutzung der Rinder 
und der Rinderschutz im Gewerbe, die Kriminalität der Jugend und die Zwangserziehung, 
die Fürsorge für die schulentlassene Jugend. 
Naffee, Tee, Nakao und die übrigen narkotischen Getränke, von 
Professor Dr. Ñrwed Vieler, mit 24 Ñbb. und 1 Karte. (Nr. 132.) 
Behandelt, durch zweckentsprechende Abbildungen unterstützt, Rasfee, Tee und Kakao ein 
gehender, Mate und Kola kürzer, in bezug auf die botanische Abstammung, die natürliche 
Verbreitung der Stammpflanzen, die Verbreitung ihrer Rultur, die Wachstumsbedingungen 
und die Rulturmethoden, die Erntezeit und die Ernte, endlich die Gewinnung der fertigen 
Ware, wie der Weltmarkt sie aufnimmt, aus dem geernteten Produkte. 
f. a. Ernährung; Haushalt; pflanzen.
        <pb n="185" />
        ñus Natur und Geisteswelt. 
Jeder Band geheftet ITC. 1.—, in Leinwand gebunden ITC. 1.25. 
Kalender. Der Kalender, von Professor Dr. Walter F. wislicenus. 
(Nr. 69.) 
Erklärt die astronomischen Erscheinungen, die für unsere Zeitrechnung von Bedeutung sind, 
und schildert die historische Entwicklung des Kalenderwesens vom römischen Kalender aus 
gehend, den Werdegang der christlichen Kalender bis auf die neueste Zeit verfolgend, setzt 
ihre Einrichtungen auseinander und lehrt die Berechnung kalendarischer Angaben für Ver 
gangenheit und Zukunft, sie durch zahlreiche Beispiele erläuternd. 
Kant. Immanuel Kant. Darstellung und Würdigung, von Professor 
Dr. Oswald Külpe. 2. verb. Auflage. Mit einem Bildnisse Kants. 
(Nr. 146.) 
Kant hat durch seine grundlegenden Werke ein neues Fundament für die Philosophie aller 
Völker und Zeiten geschaffen. Dieses in seiner Tragfähigkeit für moderne Sdeen darzustellen, 
hat sich der Verfasser zur Aufgabe gestellt. Es ist ihm gelungen, den wirklichen Kant mit 
historischer Treue zu schildern und doch auch zu beleuchten, wie die Nachwelt berufen ist, 
hinauszustreben über die Anschauungen des gewaltigen Denkers, da auch er ein Kind seiner 
Zeit ist und manche seiner Lehrmeinungen vergänglicher Art sein müssen. 
s. a. Philosophie. 
Kind, psychologie des Kindes, von Professor Robert Gaupp. Mit 
18 Abbildungen. (Hr. 213.) 
Behandelt nach einem Überblick über die geschichtliche Entwicklung und Methoden der Kinder- 
psychologie zunächst das Alter von der Geburt bis zu 4 Jahren unter Betonung der erkenntnis- 
theoretischen Eigenart der kinderpsychologischen Untersuchungen, danach die Psychologie des 
Schulkindes unter Hinweis auf die Bedeutung des psychologischen Versuchs für die Erkenntnis 
der individuellen Verschiedenheiten im Kindesalter und die Fragen der Auffassung, Gedächtnis 
Erlernen und vergessen, Ermüdung und Erholung auf Grund der Tatsachen der experimen 
tellen Psychologie und Pädagogik, während ein Anhang die Psychologie des geistig abnormen 
Kindes behandelt. 
s. a. Erziehung; Jugendfürsorge. 
Kinderpflege s. Säugling. 
Knabenhandarbeit. Die Knabenhandarbeit in der heutigen Erziehung, 
von Seminardirektor Dr. stimin pabst. Mit21 Abbildungen und 1 Titel 
bild. (TCr. 140.) 
Gibt einen Überblick über die Geschichte des Knabenhandarbeitsunterrichts, untersucht seine 
Stellung im Lichte der modernen pädagogischen Strömungen und erhärtet seinen wert als 
Erziehungsmittel, erörtert sodann die Art des Betriebes in den verschiedenen Schulen und gibt 
zum Schlüsse eine vergleichende Darstellung der Systeme in den verschiedenen Ländern. 
Kolonien. Die deutschen Kolonien. (Land und Leute.) von Dr. stdolf 
heilborn. 2. verbesserte und vermehrte stuflage. Mit vielen Abbil 
dungen und 2 Karten. (Rr. 98.) 
Bringt auf engem Baume eine durch Abbildungen und Karten unterstützte wissenschaftlich 
gründliche Schilderung der deutschen Kolonien nach Bodengestaltung und -beschaffenheit und 
seine Bewässerung, Fruchtbarkeit und Wegsamkeit sowie ihrer Bewohner nach Nahrung und 
Kleidung, Haus und Gemeindeleben, Sitte und Becht, Glaube und Aberglaube, Arbeit und 
Vergnügen, Handel und Gewerbe, Waffen und Kampfesweise, wobei in der Neuauflage be 
sonders die gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnisse eingehend berücksichtigt worden sind. 
s. a. England: Pflanzen. 
Konsumgenossenschaft. Die Konsumgenossenschaft, von Professor 
Dr. Franz Staudinger. (TCr. 222.) 
Eine von sozial-technischen und sozial-ethischen Grundgedanken ausgehende Darstellung der 
Konsumgenossenschaft, deren zentrale Stellung im Genossenschaftswesen erörtert, deren privat 
wirtschaftliche, volkswirtschaftliche, soziale und moralische Grundfaktoren und deren Entwick 
lung geschildert und deren Organisation, Bechtsverhältnisse und Mängel dargestellt werden, 
während ein Hinweis auf Art und Gründe der gegen sie geführten Kämpfe und ein Aus 
blick auf die technischen Lntwicklungsmöglichkeiten der Genossenschaft den Abschluß bilden. 
17 
2
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        18 
Ñus Natur und Geiftesrvelt. 
Jeder Band geheftet ITI. 1.—, in Leinwand gebunden ITC. 1.25. 
Korallen. Korallen und andere gefteinsbildende Tiere, van Professor 
Dr. w. May. Mit 45 Abbildungen. (Nr. 231.) 
Schildert die gesteinsbildenden Tiere nach Lau, Lebensweise und Vorkommen, besonders aus 
führlich die für den Bau der Erdrinde so wichtigen Korallentiere und führt in das von 
Zoologen und Geologen vielbehandelte Problem der Entstehung der durch sie aufgebauten 
Riffe und Inseln ein. 
Kraftfahrzeuge s. Automobil. 
Krankenpflege. Krankenpflege. Vorträge gehalten von Thefarzt Dr. 
Bruno Leick. (Kr. 152.) 
Gibt zunächst einen Überblick über Vau und Funktion der inneren Drgane des Körpers und 
deren hauptsächlichste Erkrankungen und erörtert dann die hierbei zu ergreifenden Maßnahmen. 
Lesonders eingehend wird die Krankenpflege bei Infektionskrankheiten sowie bei plötzlichen 
Unglücksfällen und Erkrankungen behandelt. 
s. a. Gesundheitslehre; Heilwissenschaft. 
Kriegswesen, vom Kriegswesen im 19. Jahrhundert. Zwanglose 
Skizzen von Major CD 11o von Lothen. Mit 9 Übersichtskarten. (Kr. 59.) 
In einzelnen Abschnitten wird insbesondere die Napoleonische und Molttesche Kriegführung an 
Beispielen (Jena-Königgrätz-Sedan) dargestellt und durch Kartenskizzen erläutert. Damit Den 
bunden sind kurze Schilderungen der preußischen Armee von 1806 und nach den Befreiungskriegen 
sowie nach der Reorganisation von 1860, endlich des deutschen Heeres von 1870 bis zur Jetztzeit. 
Der Seekrieg. Seine geschichtliche Entwicklung vom Zeitalter der Ent 
deckungen bis zur Gegenwart, von Kurt Freiherr von Maltz ahn, 
Vize-Ñdmiral a. D. (Kr. 99.) 
Der verf. bringt den Seekrieg als Kriegsmittel wie als Mittel der Politik zur Darstellung, 
indem er zunächst die Entwicklung der Kriegsflotte und der Seekriegsmittel schildert und 
dann die heutigen Weltwirtschaftsstaaten und den Seekrieg behandelt, wobei er besonders 
das Abhängigkeitsverhältnis, in dem unsere Weltwirtschaftsjtaaten kommerziell und politisch 
zu den Verkehrswegen der See stehen, darstellt. 
Kriminalpsychologie. Die Psychologie des Verbrechers, von Dr. Paul 
pollitz, Strafanstaltsdirektor. Mit Diagrammen. (Kr. 248). 
Gibt an einer reichen Auswahl von Beispielen auf Grund der Literatur wie der eigenen 
Praxis eine umfassende Übersicht über unser wissen von der Psychologie des Verbrechers 
und des Verbrechens, das es nach einer Musterung der bisher aufgestellten Theorien als 
Produkt sozialer und wirtschaftlicher Verhältnisse, defekter geistiger Anlage, wie persönlicher, 
verbrecherischer Tendenz auffaßt und so in seiner Abhängigkeit von Geschlecht, Alter, Erziehung, 
Beruf, von Geisteskrankheit, Alkoholismus, Prostitution, wie in den Eigenarten des jugend 
lichen gewerbs- und gewohnheitsmäßigen Verbrechers darzustellen sucht. 
Kulturgeschichte. Die Anfänge der menschlichen Kultur, von Professor 
Dr. Ludwig Stein. (Kr. 93.) 
Behandelt in der Überzeugung, daß die Kulturprobleme der Gegenwart sich uns nur durch 
«inen tieferen Einblick in ihren Werdegang erschließen, Natur und Kultur, den vorgeschichtlichen 
Menschen, die Anfänge der Arbeitsteilung, die Anfänge der Rassenbildung, ferner die Anfänge 
der wirtschaftlichen, intellektuellen, moralischen und sozialen Kultur. 
s. a. Altertum; Baukunst; Bildungswesen; Buchgewerbe; Lhristentum; 
Dorf; Entdeckungen; Frauenleben; Friedensbewegung; Germanen; Geschichte; 
Handwerk; Haus; Münze; Städtebilder; Theater; Tierleben; Volkskunde. 
Kunst. Bau und Leben der bildenden Kunst, von Direktor Dr. Theodor 
voll»ehr. Mit 44 Abbildungen. (Kr. 68.) 
Zührt von einem neuen Standpunkte aus in das Verständnis des Wesens der bildenden Kunst 
ein, erörtert die Grundlagen der menschlichen Gestaltungskraft und zeigt, wie das künstlerische 
Interesse sich allmählich weitere und immer weitere Stoffgebiete erobert.
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2' 
ñus Natur und Geifteswelt. 
Jeder Band geheftet ITT. 1.—, in Leinwand gebunden ITT. 1.25. 
Kunst. Deutsche Kunst im täglichen Leben bis zum Schluffe des 18. Jahr 
hunderts. von Professor Dr. Bertold Haendcke. Mit 63 5lbb. (TTr.198.) 
Zeigt an der kjand zahlreicher ñbbildungen, wie die angewandte Kunst im Laufe der Jahr 
hunderte das deutsche Heim in Burg, Schloß und haus behaglich gemacht und geschmückt hat, 
wie die Gebrauchs- und Luxusgegenstände des täglichen Lebens entstanden sind und sich ge 
wandelt haben, und liefert so nicht nur einen wichtigen Beitrag zur deutschen Kulturgeschichte, 
sondern auch zur Frage der künstlerischen Erziehung der Gegenwart. 
Kunstpflege in Haus und Heimat, von Superintendenten Richard 
Bürkner. Mit 14 Ñbbildungen. (Nr. 77.) 
will, ausgehend von der Überzeugung, daß zu einem vollen Menschensein und Volkstum die 
pflege des Schönen unabweisbar gehört, die Augen zum rechten Sehen öffnen lehren und die 
ganze Lebensführung, Kleidung und Häuslichkeit ästhetisch gestalten, um so auch zur Er- 
kenntnis dessen zu führen, was an Heimatkunst und Heimatjchatz zu hegen ist, und auf diesem 
großen Gebiete persönlichen und allgemeinen ästhetischen Lebens ein praktischer Ratgeber sein. 
Die ostasiatische Kunst und ihre Einwirkung auf Europa, von 
Direktor Dr. Richard Graul. Mit 49 ñbb. und 1 voppeltafel. (Rr.87.) 
Bringt die bedeutungsvolle Einwirkung der japanischen und chinesischen Kunst auf die 
europäische zur Darstellung unter Mitteilung eines reichen vildermaterials, den Einfluß 
Lhinas auf die Entwicklung der zum Rokoko drängenden freien Richtungen in der dekorativen 
Kunst des 18. Jahrhunderts wie den auf die Entwicklung des 19. Jahrhunderts. Der Ver 
fasser weist auf die Beziehungen der Malerei und Farbenüruckkunst Japans zum Impressio 
nismus der modernen europäischen Kunst hin. 
s. a. Baukunst; Buchgewerbe; Dürer; Illustrationskunst; Rembrandt; 
Schriftwesen; Städtewesen; Theater. 
Landwirtschaft. Die deutsche Landwirtschaft, von Dr.lvalter Tlaaßen. 
Mit 15 Ñbbildungen und 1 Karte. (TTr. 215.) 
Behandelt die natürlichen Grundlagen der Lodenbereitung, die Technik und Betriebsorgani- 
sation des Acker-, wiesen- und Weidenbaues und der Viehhaltung, die volkswirtschaftliche Be 
deutung des Landbaues sowie die agrarpolitischen Fragen und schließlich die Bedeutung des 
Menschen als produktionsfaktor in der Landwirtschaft und andererseits die Rolle, die das 
Landvolk im Lebensprozesse der Nation spielt. 
s. a. Obstbau. 
Leben. Die Erscheinungen des Lebens. Grundprobleme der modernen Bio 
logie. von privatüozenten Dr. Hugo Mi ehe. Mit 40 Figuren. (Rr. 130.) 
versucht eine umfassende Totalansicht des organischen Lebens zu geben, indem nach einer 
Erörterung der spekulativen Vorstellungen über das Leben und einer Beschreibung des Proto 
plasmas und der Zelle die hauptsächlichsten Äußerungen des Lebens behandelt werden, als 
Entwicklung, Ernährung, Atmung, das Sinnesleben, die Fortpflanzung, der Tod, die Varia 
bilität und im Anschluß daran die Theorien über Entstehung und Entwicklung der Lebewelt 
sowie die mannigfachen Beziehungen der Lebewesen untereinander. 
s. a. Biologie; Organismen. 
Lebensanschauungen. Sittliche Lebensanschauungen der Gegenwart, 
von Professor Dr. Otto Kirn. (Nr. 177.) 
Übt verständnisvolle Kritik an den Lebensanschauungen des Naturalismus, der sich wohl 
um die Gesunderhaltung der natürlichen Grundlagen des sittlichen Lebens Verdienste erworben, 
aber seine Ziele nicht zu begründen vermag, des Utilitarismus, der die Menschheit wohl 
weiter hinaus aber nicht höher hinauf zu blicken lehrt, des Evolutionismus, der auch 
seinerseits den alten Streit zwischen Egoismus und Altruismus nicht entscheiden kann, an der 
ästhetischen Lebensauffassung, deren Gefahr in der Überschätzung der schönen Form 
liegt, die nur als Kleid eines bedeutsamen Inhalts Berechtigung hat, »m dann für das über* 
legene Recht des sittlichen Idealismus einzutreten, indem es dessen folgerichtige Durchs 
führung in der christlichen Weltanschauung aufweist. 
s. a. Menschenleben; Iveltanschauung. 
Leibesübungen s. Turnen.
        <pb n="188" />
        ñus Natur und Geisteswelt. 
Jeder Band geheftet IN. 1.—, in Leinwand gebunden IN. 1.25. 
Licht. Vas Licht und die Farben. Lechs Vorlesungen, von Professor Dr. 
Ludwig Graetz. 2. Ñuflage. Mit 116 Abbildungen. (Nr. 17.) 
Führt, von den einfachsten optischen Erscheinungen ausgehend, zur tieferen Einsicht in die 
Natur des Lichtes und der Farben, behandelt, ausgehend von der scheinbar geradlinigen 
Ausbreitung, Zurückwerfung und Brechung des Lichtes, das Wesen der Farben, die Beugungs 
erscheinungen und die Photographie. 
s. a. Beleuchtungsarten: Themie; Strahlen. 
Literaturgeschichte s. Buchgewerbe: Drama: Ejebbel; Ibsen: Lyrik; Musik, 
Romantik; Schiller: Shakespeare; Theater; Volkslied. 
Luft f. Themie. 
Lüftung s. Heizung. 
Luther. Luther im Lichte der neueren Forschung. Tin kritischer Bericht, 
von Professor Dr. Heinrich Boehmer. (Nr. 113.) 
versucht durch sorgfältige historische Untersuchung eine erschöpfende Darstellung von Luthers 
Leben und Wirken zu geben, die Persönlichkeit des Reformators aus ihrer Seit heraus zu 
erfassen, ihre Schwächen und Stärken beleuchtend zu einem wahrheitsgetreuen Bilde zu 
gelangen, und gibt so nicht nur ein psychologisches Porträt, sondern bietet zugleich ein 
interessantes Stück Kulturgeschichte. 
s. a. Geschichte. 
Lyrik. Geschichte der deutschen Lyrik seit Claudius, von Dr. Heinrich 
Spierò. (Nr. 254.) 
Gibt eine zusammenhängende, auf ästhetischer Grundlage ruhende Schilderung der Entwicklungs 
geschichte der deutschen Lyrik von Tlaudius über Goethe, die Romantik, de» Realismus, bis zur 
Gegenwart, welche die größten und feinsten Meister voll hervortreten läßt und versucht die 
lyrische Form gerade der in ihrer Einsamkeit schwer zugänglichen Dichter in ihrer Ligenart 
an der y a nd wohlgewählter Proben zu analysieren. 
s. a. Literaturgeschichte; Romantik; Volkslied. 
Mädchenschule. Die höhere Mädchenschule in Deutschland, von Gber- 
lehrerin Marie Martin. (Nr. 65.) 
Bietet aus berufenster Feder eine Darstellung der Ziele, der historischen Entwicklung, der 
»heutigen Gestalt und der Zukunftsaufgaben der höheren Mädchenschule». 
s. a. Bildungswesen: Schulwesen. 
Mathematik s. Arithmetik; Infinitesimalrechnung. 
Mathematische Spiele, von Dr. Wilhelm Ahrens. Mit 1 Titel 
bild und 69 Figuren. (Nr. 170.) 
Sucht in das Verständnis all der Spiele, die „ungleich voll von Nachdenken" vergnügen, weil 
man bei ihnen rechnet, ohne Voraussetzung irgendwelcher mathematischer Kenntnisse einzu 
führen und so ihren Reiz fur Nachdenkliche erheblich zu erhöhen. So werden unter Beigabe 
von einfachen, das Mitarbeiten des Lesers belebenden Fragen wettspringen, Boß-Puzzle, 
Solitär- oder Einsiedlerspiel, Wanderungsspiele, Vyadische Spiele, der Baguenaudier, Nim, 
der Rösselsprung und die Magischen (Quadrate behandelt. 
Mechanik s. Hebezeuge; Technik. 
Meeresforschung. Meeresforschung und Meeresleben. von Dr. 
Gito Janson. 2. Auflage. Mit 41 Figuren. (Nr. 50.) 
Schildert kurz und lebendig die Fortschritte der modernen Meeresuntersuchung auf 
geographischem, physikalisch-chemischem und biologischem Gebiete, die Verteilung von Wasser 
und Land auf der Erde, die Tiefen des Meeres, die physikalischen und chemischen Verhältnisse 
des Meerwassers, endlich die wichtigsten Organismen des Meeres, die Pflanzen und Tiere. 
f. a. Korallen.
        <pb n="189" />
        21 
ñus Natur und Geisteswelt. 
Jeder Band geheftet TR. 1.—, in Leinwand gebunden IN. 1.25. 
Mensch. Der INensch. Sechs Vorlesungen aus dem Gebiete der Anthro 
pologie. vonDr. Adolf heilborn. INitzahlreichen Abbildungen. (Hr.62.^ 
Stellt die Lehren der „Wissenschaft aller Wissenschaften" streng sachlich und doch durchaus 
volkstümlich dar: das wissen vom Ursprung des Menschen, die Entwicklungsgeschichte des 
Individuums, die künstlerische Betrachtung der Proportionen des menschlichen Körpers und die 
streng wissenschaftlichen Meßmethoden (Schädelmessung usf.), behandelt ferner die Menschen 
rassen, die rassenanatomischen Verschiedenheiten, den Tertiärmenjchen. 
Bau und Tätigkeit des menschlichen Körpers, von privatdozenten 
Dr. Heinrich Sachs. 2. Auflage. Mit 37 Abbildungen. (Nr. 32.) 
Gibt eine Ueihe schematischer Abbildungen, erläutert die Einrichtung und die Tätigkeit der 
einzelnen Organe des Körpers und zeigt dabei vor allem, wie diese einzelnen Organe in 
ihrer Tätigkeit aufeinander einwirken, miteinander zusammenhänge» und so den menschlichen 
Körper zu einem einheitlichen Ganzen, zu einem wohlgeordnete» Staate machen. 
und Erde. Mensch und Erde. Skizzen von den Wechselbeziehungen 
zwischen beiden, von Professor vr. Alfred Kirchhofs. 2. ñufl. (Nr. 31.) 
Zeigt, wie die Ländernatur auf den Menschen und seine Kultur einwirkt, durch Schilderungen 
allgemeiner und besonderer Art, über Steppen- und Wüstenvölker, über die Entstehung von 
Nationen, wie Deutschland und Thina u. a. m. 
und Tier. Der Kampf zwischen Mensch und Tier, von Professor 
vr. Karl Eckstein. 2. Auflage. Mit 51 Figuren. (Nr. 18.) 
Der hohe wirtschaftliche Bedeutung beanspruchende Kampf zwischen Mensch und Tier erfährt, 
eine eingehende, ebenso interessante wie lehrreiche Darstellung; besonders ^werden die Kampf 
mittel beider Gegner geschildert: hier Schußwaffen, Zallen, Gifte oder auch besondere Wirt 
schaftsmethoden, dort spitzige Kralle, scharfer Zahn, furchtbares Gift, List und Gewandtheit, 
der Schutzfärbung und Anpassungsfähigkeit nicht zu vergessen. 
s. a. Anatomie; Auge; Frauenkrankheiten; Geistesleben; Geschlechts 
krankheiten; Gesundheitrlehre; Heilwissenschaft: Kultur; Nervensystem; 
Psychologie; Säugling; Seele; Sinne; Stimme; Turnen; Zahnpflege. 
Menschenleben. Aufgaben und Ziele des Menschenlebens, von Dr. 
J. Unold. 3. Auflage. (Nr. 12.) 
Beantwortet die Frag«: Gibt es kein« bindenden Regeln des menschlichen Handelns? in zu 
versichtlich bejahender, zugleich wohl begründeter weise und entwirft die Grundzüge einer 
wissenschaftlich haltbaren und für eine nationale Erziehung brauchbaren Lebensanschauung 
und Lebensordnung. 
s. a. Lebensanschauung; Weltanschauung. 
Metalle. Die Metalle, von Professor Dr. Karl Scheid. 2. Auflage.. 
Mit 16 Abbildungen. (Nr. 29.) 
Behandelt die für Kulturleben und Industrie wichtigen Metalle, schildert die mutmaßliche 
Bildung der Erze, die Gewinnung der Metalle aus den Erzen, das Hüttenwesen mit seinen 
verschiedenen Systemen, die Zundorte der Metalle, ihre Eigenschaften und Verwendung, unter An 
gabe historischer, kulturgeschichtlicher und statistischer Daten sowie die Verarbeitung der Metalle. 
s. a. .Eisenhüttenwesen. 
Meteorologie s. Wetter. 
Mietrecht. Die Miete nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch. Ein handbüchleinr 
für Juristen, Mieter und Vermieter. I n Rechtsanwalt Dr. Max Strautz. 
(Nr. 194.) 
Gibt in der Absicht, Mieter und Vermieter über ihr gegenseitiges Verhältnis aufzuklären und 
so zur Vermeidung vieler oft nur aus der Unkenntnis der gesetzlichen Bestimmungen ent 
springender Mietprozesse beizutragen, eine gemeinverständliche Darstellung des Mietrechts, 
die durch Aufnahme der einschlägigen umfangreichen Literatur sowie der Entscheidungen 
der höchsten Gerichtshöfe auch dem praktischen Juristen als Handbuch zu dienen vermag.
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        22 
Ñus Natur und Geisteswett. 
Jeder Band geheftet IN. I.—, in Leinwand gebunden IN. 1.25. 
Mikroskop. Das Mikroskop, seine Optik, Geschichte und Anwendung, gemein 
verständlich dargestellt. von Dr.w.Scheffer. Mit66Abbildungen. (Hr.35.) 
Nach Erläuterung der optischen Konstruktion und Wirkung des Mikroskops und Vorstellung 
der historischen Entwicklung wird eine Beschreibung der modernsten Mikroskoptypen, ĢUfs= 
apparate und Instrumente gegeben, endlich gezeigt, wie die mikroskopische Untersuchung die 
Einsicht in Naturvorgänge vertieft. 
s. a. Optik; Pflanzen; Tierwelt. 
Mittelalter s. a. Baukunst, Städtewesen. 
Moleküle. Moleküle — Atome — Iveltäther. von Professor Dr. Gustav 
Mie. 2. Auflage. Mit 27 Figuren. (Nr. 58.) 
Stellt die physikalische Ñtomlehre als die kurze, logische Zusammenfassung einer großen 
Menge physikalischer Tatsachen unter einem Begriffe dar, die ausführlich und nach Möglich 
keit als einzelne Experimente geschildert werden. 
Mond. Der Mond, von Professor Dr. 3 ult us Franz. Mit 31 Ab 
bildungen und 2 Doppeltafeln. (Nr. 90.) 
Gibt die Ergebnisse der neueren Mondforschuna wieder, erörtert die Mondbewegung und Mond 
bahn, bespricht den Einfluß des Mondes auf die Erde und behandelt die Frage» der tvbe» 
flächenbedingungen des Mondes und die charakteristischen Mondgebilüe anschaulich zusammen- 
gefaßt in „Beobachtungen eines Mondbewohners", endlich die Bewohnbarkeit des Mondes. 
s. a. Astronomie; Kalender; Planeten; Weltall. 
Mozart s. Musik. 
Münze. Die Münze als historisches Denkmal sowie ihre Bedeutung im 
Rechts- und Wirtschaftsleben, von Dr. Arnold Luschin v. Tbengreuth. 
Mit 53 Abbildungen im Text. (Nr. 91.) 
Zeigt, wie Münzen als geschichtliche Überbleibsel der Vergangenheit zur Ñufhellung der wirt 
schaftlichen Zustände und der Kechtseinrichtungen früherer Zeiten dienen; die verschiedenen 
Ñrten von Münzen, ihre äußeren und inneren Merkmale sowie ihre Herstellung werden in 
historischer Entwicklung dargelegt und im Anschluß daran Münzsammlern beherzigenswert« 
winke gegeben. 
Musik. Geschichte der Musik, von Dr. Friedrich Spiro. (Hr. 143.) 
Gibt in großen Zügen eine übersichtliche äußerst lebendig gehaltene Darstellung von der 
Entwicklung der Musik vom ñltertum bis zur Gegenwart mit besonderer Berücksichtigung der 
« renden Persönlichkeiten und der großen Strömungen und unter strenger Nusscheidung alles 
en, was für die Entwicklung der Musik ohne Bedeutung war. 
Einführung in das Wesen der Musik, von Professor Earl R.Hennig. 
(Nr. 119.) 
Vie hier gegebene Ästhetik der Tonkunst untersucht das Wesen des Tones als eines Kunst- 
materials; sie prüft die Natur der Varstellungsmittel und untersucht die Dbjekte der Dar 
stellung, indem sie klarlegt, welche Ideen im musikalischen Kunstwerke gemäß der Natur des Ton 
materiales und der varstellungsmittcl in idealer Gestaltung zur Darstellung gebracht 
werden können. 
Die Grundlagen der Tonkunst, versuch einer genetischen Darstellung 
der allgemeinen Musiklehre, von Professor Dr.^einrich Rietsch. (Hr. 178.) 
In leichtfaßlicher, keine Fachkenntnisse voraussetzender Darstellung rollt hier Verfasser ein 
Entwicklungsbild der musikalischen Erscheinungen auf. Er erörtert zunächst den Stoff der 
Tonkunst, dann seine Formung Nîhythmik, Harmonik, Weiterbildung des rhythmisch-harmonischen 
Tonstoffes), ferner die schriftliche Auszeichnung der Tongebilde und behandelt schließlich die 
Musik als Tonsprache, damit so zugleich auch die Grundlagen einer Musikästhetik gebend. 
Die Blütezeit der musikalischen Romantik in Deutschland, von Dr. 
Edgar 3 ft e I. Mit einer Silhouette von T. T. Ñ. Hoffmann. (Hr. 239.) 
Gibt zum ersten Male eine Gesamtdarstellung der Epoche Schuberts und Schumanns, der an 
Persönlichkeiten, Schöpfungen und Anregungen reichsten der deutschen Musikgeschichte, der wir 
«ine Fülle unserer schönsten Tonschöpfungen verdanken, in der das deutsche Lied den Höhepunkt 
seiner Entwicklung erreichte und aus der sich das Musikdrama Nicharü Wagners wie die ge 
samte moderne Musik, nicht nur Deutschlands, entwickelt hat.
        <pb n="191" />
        23 
Ñus Natur und Geisteswelt. 
Jeder Band geheftet M. 1.—, in Leinwand gebunden Ï1Î. 1.25. 
Musik. Haydn, Mozart, Beethoven, von Professor Br. Tari Krebs. Blit 
vier Bildnissen auf Tafeln. (Hr. 92.) 
«Eine Darstellung des «Entwicklungsganges und der Bedeutung eines jeden der drei großen 
Komponisten für die Musikgeschichte. Sie gibt mit wenigen, aber scharfen Strichen ein Bild 
der menschlichen Persönlichkeit und des künstlerischen Wesens der drei Heroen mit Hervorhebung 
dessen, was ein jeder aus seiner Zeit geschöpft und was er aus eignem hinzugebracht hat. 
Muttersprache. Entstehung und Entwicklung unserer Muttersprache, 
von Professor Dr. Wilhelm Uhl. Mit vielen Abbildungen und 1 Karte. 
(Nr. 84.) 
«Eine Zusammenfassung der «Ergebnisse der sprachlich-wissenschaftlich lautphysiologischen wie 
der philologisch-germanistischen Forschung, die Ursprung und Grgan, Lau und Bildung, anderer 
seits die Hauptperioden der Entwicklung unserer Muttersprache zur Darstellung bringt. 
Mythologie s. Germanen. 
Mystik im Heidentum und..Christentum, von Dr. Edvin Lehmann, 
vom Verfasser durchgesehene Übersetzung von Anna Grundtvig geb. Quitten- 
bäum. (Hr. 217.) 
verfolgt in glänzender Darstellung die Erscheinungen der Mystik, „dieses Menschheitsweines, 
der da erquickt, aber auch berauscht und erniedrigt", von den primitivsten Kulturstufen durch 
die orientalischen Religionen bis zur griechischen Mystik, erörtert dan&gt;« eingehend die mystischen 
Phänomene i» den christlichen Kirchen und versucht, die Mystik in der griechischen wie in der 
römischen Kirche, bei Luther und den «puietisten wie ihren Einflug auf die Romantiker zu 
schildern. 
Nahrungsmittel s. Alkoholismus; Themie; Ernährung; Haushalt; Kaffee; 
Pflanzen. 
Napoleon I. von Privatdozenten Dr. Theodor Bitterauf. Mit einem 
Bildnis Napoleons. (Nr. 195.) 
will ans Grund der neuesten Ergebnisse der historischen Forschung Napoleon in seiner ge 
schichtlichen Bedingtheit verständlich machen, ohne deshalb seine persönliche Verantwortlichkeit 
zu leugnen und zeigen, wie im ganzen seine Herrschaft als eine noch in der heutigen Republik 
wirksame Wohltat angesehen werden mutz. 
Nautik, von Oberlehrer Dr. Hans J. Möller. (Nr. 255.) 
Erörtert nach einer Beschreibung der nautischen Instrumente die Methoden der terrestrischen 
und astronomischen Nautik (Steuermannkunst), d. h. der Mittel, die dem Seemann zur ver- 
fügung stehen, um sein Schiff sicher und auf kürzestem Wege über See zu bringen, die an einer 
kurzen Segelschiffsreise in der «vstsee besonders veranschaulicht werden und gibt eine Übersicht 
über Meeresströmungen und meteorologische Vorgänge, soweit sie die Schiffahrt beeinflussen. 
s. a. Schiffahrt. 
Nationalökonomie s. Amerika; Arbeiterschutz; Bevölkerungslehre: 
Deutschland; Frauenarbeit; Frauenbewegung: Japan; Konsum enossen- 
schaft; Landwirtschaft; Münze; Obstbau; Post; Schiffahrt; Soziale Be 
wegungen; Verkehrsentwicklung; Versicherung; Welthandel; Wirtschaftsleben. 
Naturalismus s. Lebensanschauungen; Philosophie. 
Naturlehre. Die Grundbegriffe der modernen Naturlehre, von Professor 
Dr. Felix Auerbach. 2. Auflage. Mit 79 Figuren. (Nr. 40.) 
«Eine zusammenhängende, für jeden Gebildeten verständliche Entwicklung der in der modernen 
Raturlehre eine allgemeine und exakte Rolle spielenden Begriffe Raum und Bewegung, Kraft 
und Masse nnd die allgemeinen Eigenschaften der Materie, Arbeit, «Energie und Entropie. 
Naturwissenschaften s. Abstammungslehre; Ameisen; Anatomie; Astro 
nomie; Bakterien; Befruchtungsvorgang; Botanik; Ehemie; Elektrochemie;
        <pb n="192" />
        24 
ñus Natur und Geisteswelt. 
Jeder Band geheftet IN. 1.—, in Leinwand gebunden ÏÏÏ. 1.25 
Erde; Haushalt; Kaffee; Korallen; Leben; Licht; Meeresforschung: Mensch; 
Mikroskop; Moleküle; Naturlehre; Obstbau; Optik; Organismen; Pflanzen; 
Photochemie; Plankton; Religion; Stereoskop; Strahlen; Tierleben; Vogel- 
leben; Ivald; Wärme; Weltall; Wetter. 
Nervensystem, vom Nervensystem, seinem Bau und seiner Bedeutung 
für Leib und Seele im gesunden und kranken Zustande, von Professor 
Dr. Richard Zander. Mit 27 Figuren. (Nr. 48.) 
erörtert die Bedeutung der nervösen Vorgänge für den Körper, die ©eiftestätigfeit und das 
Seelenleben und sucht klarzulegen, unter welchen Bedingungen Störungen der nervösen vor- 
Gänge auftreten, wie sie zu beseitigen und zu vermeiden sind. 
s. a. Geistesleben; Geisteskrankheiten; Mensch; Seele; Sinne. 
Nordamerika s. ñmerika; Hochschule; Schulwesen; Universität. 
Nordische Dichter s. Ibsen. 
Obstbau. Der Obstbau, von Dr. Ernst voges. Mit lZ Ñbb. (Nr. 107.) 
will über die wissenschaftlichen und technischen Grundlagen des Gbstbaues sowie seine 
Naturgeschichte und große volkswirtschaftliche Bedeutung unterrichten, vie Geschichte des 
Obstbaues, das Leben des Gbftbaumes, Gbstbaumpflege und Gbstbaumschutz, die wissenschaft 
liche Gbstkunde, die Ästhetik des Gbstbaues gelangen zur Behandlung. 
Optik. Die optischen Instrumente, von Dr. Moritz von Rohr. Mit 
84 Abbildungen. (Nr. 88.) 
Gibt eine elementare Darstellung der optischen Instrumente nach den modernen ñnschauungen, 
wobei weder das Ultramikroskop noch die neuen Apparate zur Mikrophotographie mit 
ultraviolettem Licht (Monochromate), weder die Prismen- noch die Zielfernrohre, weder 
die Projektionsapparate noch die stereoskopischen Entfernungsmesser und der Stereo 
komparator fehlen. 
s. a. Mikroskop; Stereoskop. 
Organismen. Die Welt der Organismen, von Professor Dr Kurt 
Lampert. Mit zahlreichen Abbildungen. (Nr. 236.) 
Beabsichtigt einen allgemeinverständlichen Überblick über die Gesamtheit des Tier- und Pflanzen 
reiches zu geben, indem es zunächst den Aufbau der Drganismen, die Lebensgeschichte der 
pflanzen und Tiere sowie ihre Abhängigkeit von der äußeren Umgebung und an einer Ueihe 
von Beispielen die außerordentlich mannigfaltigen Wechselbeziehungen schildert, die zwischen 
den einzelnen Gliedern der belebten Natur herrschen. 
Ostasien s. Kunst. 
Österreich. Österreichs innere Geschichte von 1848 bis 1907. von 
Richard Charmatz. 2 Bände. (Nr. 242/243.) 
Band I: Die Vorherrschaft der Deutschen. (Nr. 242.) Band II: Der Kampf der Nation. 
Gibt zum ersten Male in lebendiger und klarer Sprache eine Gesamtdarstellung der Ent 
stehung des modernen Österreich, seiner interessanten, durch das Zusammenwirken der ver 
schiedensten Faktoren bedingten innerpolitischen Entwicklung seit 1848. 
Pädagogik. Allgemeine Pädagogik, von Professor Dr. Th. Ziegler. 
2. Auflage. (Nr. 33.) 
Behandelt die großen Fragen der Volkserziehung in praktischer, allgemeinverständlicher weise 
und in sittlich-sozialem Geiste. Die Zwecke und Motive der Erziehung, das Erziehungsgeschäft 
selbst, dessen Organisation werden erörtert, die verschiedenen Schulgattungen dargestellt. 
Experimentelle Pädagogik mit besonderer Rücksicht auf die Er 
ziehung durch die Tat. von Dr. w. Lap. Mit 2 Abbildungen. (Nr. 224.)
        <pb n="193" />
        25 
ñus Natur und Geisteswelt. 
Jeder Band geheftet IN. I.—, in Leinwand gebunden IN. 1.25. 
Berichtet über die Geschichte der experimentellen Pädagogik, über ihre biologischen und sozio 
logischen Grundlagen, über Wesen und Bedeutung der experimentellen Forschungsmethode, 
über die Aufgaben und Ziele der experimentellen Pädagogik, über die praktisch wichtigen 
experimentellen Untersuchungen der in- und ausländischen Forscher, über die Errichtung päd 
agogischer Laboratorien sowie auch über die der experimentellen Pädagogik entgegenstehenden 
Vorurteile. 
Pädagogik s. vildungswesen; Erziehung: Fortbildungsschulen: Fräbel; 
ļserbart; Hilfsschulwesen: Hochschulen; Jugendfürsorge: Rind: Rnaben- 
handarbeit: Mädchenschule; Pestalozzi; Rousseau; Schulhygiene; Schulwesen; 
Turnen; Universität. 
Palästina. Palästina und seine Geschichte. Sechs Vorträge von Professor 
Dr. Hermann Freiherr von Soden. 2. Ruflage. Mit 2 Karten und 
1 Plan von Jerusalem und 6 Ansichten des heiligen Landes. (Nr. 6.) 
Tin Bild, nicht nur des Landes selbst, sondern auch alles dessen, was aus ihm hervor- oder 
über es hingegangen ist im Laufe der Jahrhunderte — ein wechselvolles, farbenreiches Bild, 
in dessen Verlauf die Patriarchen Israels und die Kreuzfahrer, David und Christus, die 
alten Assyrer und die Scharen Mohammeds einander ablösen. 
Palästina nach den neuesten Ausgrabungen, von Gymnasial- 
oberlehrer Dr. Peter Thomsen. (Nr. 260.) 
will die überraschenden, bisher der Allgemeinheit so gut wie unbekannt gebliebenen Ergebnisse 
der neueren Forschung in Palästina schildern und zugleich ihre Bedeutung für die Geschichte 
der Religion und Kultur darlegen und sich so als Führer zu neuem und tieferem Eindringen 
in die geschichtlichen Grundlagen unserer Religion und in das Verständnis der alttestament» 
lichen Schriften darbieten. 
Patentrecht s. Gewerbe. 
Pestalozzi. Pestalozzi. Sein Leben und seine Ideen, von Professor 
Dr. Paul Natorp. Mit einem Bildnis und einem Brieffaksimile. (Nr.250.) 
Stellt nach einer kurzen Orientierung über die Entwicklungsgeschichte das Ganze der Lehre 
Pestalozzis, die Prinzipien sowohl wie deren Durchführung systematisch dar, deren tief philo 
sophischer Gehalt sich uns mehr und mehr erschlossen hat, wobei sich ergibt, daß gerade die 
Prinzipien Pestalozzis auch strengere Forderungen an Systemeinheit befriedigen; während 
in der weiteren Durchführung neben unzerstörlich Echtem auch ernste Mängel und Fehlgriffe 
zutage treten. Zugleich erscheint dieser weg ertragreicher für den, dem es am meisten darum 
zu tun sein mutz, für die gewaltigen Erziehungsaufgaben, die der Gegenwart gestellt sind, 
von den Großen der Vorzeit etwas zu lernen, wie fur den, den die Ideengeschichte, dentckie 
geistige Geschichte der deutschen Welt als solche interessiert. 
pflanzen. Das werden und vergehen der Pflanzen, von Professor Dr. 
Paul Gisevius. Mit 24 Abbildungen. (Nr. 173.) 
Behandelt in leichtfaßlicher weise alles, was uns allgemein an der Pflanze interessiert, ihre 
äußere Entwicklung, ihren inneren Sau, die wichtigsten Lebensvorgänge, wie Nahrungsauf 
nahme und Atmung, Blühen, Reifen und verwelken, gibt eine Übersicht über das pflanzen- 
reich in Urzeit und Gegeinvart und unterrichtet über Pflanzenvermehrung und Pflanzen 
züchtung. Das Büchlein stellt somit eine kleine „Botanik des praktischen Lebens" dar. 
Vermehrung der Sexualität bei den Pflanzen, von Privat 
dozenten Dr. Ernst Rüster. Mit 38 Abbildungen. (Nr. 112.) 
Gibt eine kurze Übersicht über die wichtigsten Formen der vegetativen Vermehrung und 
beschäftigt sich hingehend mit der Sexualität der Pflanzen, deren überraschend vielfache nnd 
mannigfaltige Äußerungen, ihre große Verbreitung im Pflanzenreich und ihre in allen 
Einzelheiten erkennbare Übereinstimmung mit der Sexualität der Tiere zur Darstellung gelangen. 
Rolonialbotanik. von Privatdozenten Dr. Friedrich Tobler. Mit 
21 Abbildungen. (Nr. 184.) 
Schildert zunächst die allgemeinen wirtschaftlichen Grundlagen tropischer Landwirtschaft, ihre 
Einrichtungen und Methoden, um dann die bekanntesten Objekte der Kolonialbotanik wie 
Kaffee, Kakao, Tee, Zuckerrohr, Reis, Kautschuk, Guttapercha, Baumwolle, Kl- und Kokos- 
palme einer eingehenden Betrachtung zu unterziehen.
        <pb n="194" />
        ñus Natur und Geisteswelt. 
Jeder Band geheftet M. l.—, in Leinwand gebunden IN. 1.25. 
Pflanzen, vie Pflanzenwelt des Mikroskops, von Bürgerschullehrer Ernst 
Neukauf. Mit 100 Abbildungen in 165 Einzeldarstellungen nach Zeich 
nungen des Verfassers. (Nr. 181.) 
«Dill auch dem Unkundigen einen Begriff geben von dem staunenswerten Formenreichtum des 
mikroskopischen Pflanzenlebens, will den Blies besonders auf die dem unbewaffneten Ñuge 
völlig verborgenen Erscheinungsformen des Schönen lenken, aber auch den Ursachen der auf 
fallenden Lebenserscheinungen nachzufragen lehren, wie endlich dem Praktiker durch ausführlichere 
Besprechung, namentlich der für die Garten- und Landwirtschaft wichtigen mikroskopischen Schäd 
linge dienen. Um auch zu selbständigem Beobachten und Forschen anzuregen, werden die 
mikroskopischen Untersuchungen und die Beschaffung geeigneten Materials besonders behandelt. 
Unsere wichtigsten Kulturpflanzen (die Getreidegräser). Sechs Vor 
träge aus der Pflanzenkunde, von Professor Dr. Karl Giesenhagen. 
2. Auflage. Mit 38 Figuren im Text. (Nr. 10.) 
Behandelt die Getreidepflanzen und ihren Ñnbau nach botanischen wie kulturgeschichtlichen Ge 
sichtspunkten, damit zugleich in anschaulichster Form allgemeine botanische Kenntnisse vermittelnd. 
s. a. Ehemies Kaffees Landwirtschafts Meeresforschungs Obstbau; 
Organismens Planktons Tierleben. 
Philosophie, vie Philosophie. Einführung in die Wissenschaft, ihr weseil 
und ihre Probleme, von Kealschuldirektor Hans Kichert. (Kr. 186.) 
will vor allem als Einsührung in die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Studium der 
Philosophie dienen, deren Stellung im modernen Geistesleben bestimmend in der Behandlung 
der philosophischen Grundprobleme, des der Erkenntnis, des metaphysischen, des ethischen und 
ästhetischen Problems, die Lösungsversuchc gruppieren und charakterisieren, in die Literatur 
der betreffenden Fragen einführen, zu weiterer Vertiefung anregen und die richtigen Wege 
zu ihr zeigen. 
Einführung in die Philosophie. Sechs Vorträge von Professor 
Dr. Kaoul Kichter. (Kr. 155.) 
Bietet eine gemeinverständliche Darstellung der philosophischen Hauptprobleme und der 
Nichtung ihrer Lösung, insbesondere des Lrkenntnisproblems und nimmt dabei zu den Stand- 
puniten des Materialismus, Spiritualismus, Theismus und pantheisiMS Stellung, um zum 
Schlüsse die religions- und moralphilosophischen Fragen zu beleuchten. 
Führende Denker. Geschichtliche Einleitung in die Philosophie. 
von Professor Dr. Jonas Lohn. Mit 6 Bildnissen. (Kr. 176.) 
will durch Geschichte in die Philosophie einleiten, indem es von sechs großen Denkern das 
für die Philosophie dauernd Bedeutende herauszuarbeiten sucht aus der Überzeugung, daß 
die Philosophie im Lause ihrer Entwicklung mehr als eine Summe geistreicher Einfälle 
hervorgebracht hat, und daß andererseits aus der Kenntnis der Persönlichkeiten am besten 
das Verständnis für ihre Gedanken zu gewinnen ist. So werde» die scheinbar entlegenen 
und lebensfremden Gedanken aus der Seele führender, die drei fruchtbarsten Zeitalter in der 
Geschichte des philosophischen Denkens vertretender Geisteshelden heraus in ihrer inneren, 
lebendigen Bedeutung nahe zu bringen gesucht, Sokrates und Platon, Descartes und Spinoza, 
Kant und Fichte in diesem Sinne behandelt. 
vie Philosophie der Gegenwart in Deutschland. Line Eharakteristik 
ihrer Hauptrichtungen. von prof.Dr. Oswald Külpe. 4. Ñuflage. (Kr.41.) 
Schildert die vier Hauptrichtungen der deutschen Philosophie der Gegenwart, de» positlvis- 
mus, Materialismus, Naturalismus und Idealismus, nicht nur im allgemeinen, sondern auch 
durch eingehendere Würdigung einzelner typischer Vertreter wie Mach und Vühring, Haeckel, 
Nietzsche, Fechner, Lohe, v. Hartmann und Wundt. 
s. a. Buddha; Herbart; Kant; Lebensanschauungen; Menschenleben; 
Mystik; Keligion; Komantik; Rousseau; Schopenhauer; Spencer; Welt 
anschauung; Weltproblem.
        <pb n="195" />
        27 
Ñus Natur und Geîsteswelt. 
Jeder Band geheftet ITC. 1.—, in Leinwand gebunden Ï1Î. 1.25. 
Photochemie, von Professor Dr. Gottfried Kümmell. TTtit 23 ñb 
bildungen. (Nr. 227.) 
Erklärt in einer für jeden verständlichen Darstellung die chemischen Vorgänge und Gesetze 
der Einwirkung des Lichtes auf die verschiedenen Substanzen und ihre praktische Anwendung, 
besonders in der Photographie, bis zu dem jüngsten Verfahren der Farbenphotographie. 
Physik s. Lichts Mikroskop; Moleküle; Naturlehre; (vptik; Stereoskop; 
strahlen; Wärme. 
Physiologie s. Geistesleben; Mensch. 
Planeten. Die Planeten, von Prof. Dr. Bruno Peter. Mit 18 Figuren. 
(Nr. 240.) 
Gibt eine nach dem heutigen Stande unseres Wissens orientierte Schilderung der einzelnen 
Körper unseres Planetensystems, wobei Gestalt und Dimensionen der Planeten, ihre Rotations» 
Verhältnisse, die Topographie ihrer Oberfläche und auch die Beschaffenheit der sie umgebenden 
Lufthülle, ebenso wie ihr Aggregatzustand, soweit Spektralanalyse und phonometrie über sie 
Aufschluß zu geben vermögen, und die sie begleitenden Trabanten in den Kreis der Betrach 
tung gezogen werden und wobei der weg angegeben wird, der zur Erkenntnis der Beschaffen 
heit der Himmelskörper geführt hat. 
Plankton. Das Süßwafser-Plankton. Einführung in die freischwebende 
©rganismenwelt unserer Teiche, Flüsse und Leebecken, von Dr. ©tío 
Zacharias. Mit 49 Ñbbildungen. (Nr. 156.) 
Gibt eine Anleitung zur Kenntnis der interessantesten Planktonorganismen, jener mikro- 
jkopisch kleinen und für die Existenz der höheren Lebewesen und für die Naturgeschichte der 
Gewässer so wichtigen Tiere und pflanzen. Die wichtigsten Formen werden vorgeführt und 
die merkwürdigen Lebensverhältnisse und -bedingungen dieser unsichtbaren Welt einfach und 
doch vielseitig erörtert. 
Polarforschung. Die Polarforschung. Geschichte der Entdeckungsreisen 
zum Nord- und Südpol von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, von 
Professor Dr. Kurt hassert. 2. umgearbeitete Auflage. Mit 6 Karten 
auf 2 Tafeln. (Nr. 38.) 
Das in der neuen Auflage bis auf die Gegenwart fortgeführte und im einzelnen nicht 
unerheblich umgestaltete Buch faßt in gedrängtem Überblick die Hauptergebnisse der Nord- 
und Südpolarforschung zusammen. Nach gemeinverständlicher Erörterung der Ziele arktischer 
und antarktischer Forschung werden die polarreisen selbst von den ältesten Zeiten bis zur 
Gegenwart geschildert unter besonderer Berücksichtigung der topographischen Ergebnisse. 
Politik s. England; Friedensbewegung; Geschichte; Internationalismus. 
Pompeji, eine hellenistische Stadt in Italien, von hofrat Professor Dr. 
Friedrich v. Duhn. Mit 62 Ñbbildungen und 1 Tafel. (Nr. 114.) 
Sucht, durch zahlreiche Abbildungen unterstützt, an dem besonders greifbaren Beispiel Pompejis 
die Übertragung der griechischen Kultur und Kunst nach Italien, ihr werden zur Weltkultur 
und woltkunst verständlich zu machen, wobei die Hauptphasen der Entwicklung Pompejis, 
immer im Hinblick auf die gestaltende Bedeutung, die gerade der Hellenismus für die Aus 
bildung der Stadt, ihrer Lebens- und Kunstformen gehabt hat, zur Darstellung gelangen. 
Post. Das Postwesen, seine Entwicklung und Bedeutung, von postrat 
Johannes Bruns. (Nr. 165.) 
Schildert immer unter besonderer Berücksichtigung der geschichtlichen Entwicklung die Post 
als Ltaatsverkehrsanstalt, ihre Organisation und ihren Wirkungskreis, das Tarif- und Ge. 
bührenwesen, die Beförderungsmittel, den Betriebsdienst, den Weltpostverein sowie die deutsch« 
Post im In- und Ausland. 
f. a. Telegraphie. 
Preutzen f. Friedrich der Große. 
Psychologie s. Hypnotismus; Kind; Kriminalpsychologie; Mensch; Nerven 
system; Seele; verbrechen.
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        ñus Natur und Geisteswelt. 
Jeder Land geheftet M. I.—, in Leinwand gebunden IN. 1.25. 
Reaktion f. Geschichte. 
Recht. Moderne Nechtsprobleme. Vonprofessor Josef Köhler. (Nr. 128.) 
Behandelt nach einem einleitenden Abschnitte über Rechtsphilosophie die wichtigsten und 
interessantesten Probleme der modernen Rechtspflege, insbesondere die des Strafrechts, des 
Strafprozesses, des Genossenschaftsrechts, der 3ivilprozesses und des Völkerrechtes. 
Die Jurisprudenz im häuslichen Leben. Für Familie und Haus 
halt dargestellt von Rechtsanwalt Paul Bienengräber. 2 Bände. 
(Nr. 219. 220.) 
Band I: vie Familie. (Nr. 219.) 
Band II: ver Haushalt. (Nr. 220.) 
Behandelt in anregender, durch zahlreiche, dem täglichen Leben entnommene Beispiele be 
lebter Vorstellung alle in Familie und Haushalt vorkommenden Rechtsfragen und Rechts 
fälle, so Rechtsfähigkeit der Ehegatten und der Rinder, Nnnahme an Rinderstatt und Erb 
recht, ferner die für Rechtsgeschäfte geltenden allgemeinen Grundsätze sowie insbesondere 
Besitz und Eigentum, Rauf und Varlehen, Werk- und Vienstvertrag und namentlich auch die 
Rechtsverhältnisse der Dienstboten. 
s. a. Lherecht; Gewerbe; Kriminalpsychologie; Mietrecht; Wahlrecht. 
Religion. Die Grundzüge der israelitischen Religionsgeschichte, von 
Professor vr. Friedrich Giesebrecht. 2. Ñuflage. (Hr. 52.) 
Schildert, wie Israels Religion entsteht, wie sie die nationale Schale sprengt, um in den 
Propheten die Ansätze einer Menschheitsreligion auszubilden, wie auch dies« neue Religion 
sich verpuppt in die Formen eines Priesterstaats. 
Religion und Naturwissenschaft in Kampf und Frieden. Ein 
geschichtlicher Rückblick von Dr. Ñugust pfannkuche. (Nr. 141.) 
will durch geschichtliche Darstellung der Beziehungen beider Gebiete eine vorurteilsfreie Be 
urteilung des heiß umstrittenen Problems ermöglichen. Ausgehend von der ursprünglichen 
Einheit von Religion und Naturerkennen in den Naturreligionen schildert der Verfasser das 
Entstehen der Naturwissenschaft in Griechenland und der Religion in Israel, um dann zu 
zeigen, wie aus der verschwisterung beider jene ergreifenden Ronflikte erwachsen, die sich 
besonders an die Namen von Ropernikus und varwin knüpfen. 
Die religiösen Strömungen der Gegenwart, von Superintendenten 
v. ñugust Heinrich Braasch. (Nr. 66.) 
will die gegenwärtige religiös« Lage nach ihren bedeutsamen Seiten hin darlegen und ihr 
geschichtliches Verständnis verniitteln; die markanten Persönlichkeiten und Richtungen, die durch 
wissenschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung gestellten Probleme wie die Ergebnisse der 
Forschung, der Ultramontanismus wie die christliche Liebestätigkeit gelangen zur Behandlung. 
Die Stellung der Religion im Geistesleben, von Lie. Dr. Paul 
Kölroeit. (Nr. 225.) 
will die Ligenart der R-ligion und zugleich ihren Zusammenhang mit dem übrigen Geistes 
leben, insbesondere Wissenschaft, Sittlichkeit und Runst aufzeigen, mit der Erörterung der für 
das Problem bedeutsamsten religionsphilosophischen und theologischen Anschauungen, wobei 
Rant, Fries, Schleiermacher, Hegel, Rierkegaard, Lohen, Natorp, Lucken u. a. Berücksichtigung 
finden. 
s. a. Bibel; Buchgewerbe; Buddha; Lalvin; Ehristentum; Germanen; 
Jesuiten; Jesus; Luther; Mystik; Palästina. , 
Rembrandt, von Professor Dr. Paul Schubring. Mit einem Titel 
bild und 49 Ñbbildungen. (Nr. 158.) 
Lin« durch zahlreich« Abbildungen unterstützte lebensvolle Schilderung des menschlichen i»id 
künstlerischen Entwicklungsganges Rembrandts. Zur Darstellung gelangen seine person- 
lichen Schicksale bis 1642, die Frühzeit, die Zeit bis zu Saskias Lode, die Nachtwache, 
Rembrandts Verhältnis zur Bibel, die Radierungen, Urkundliches über die Zeit nach 1642, 
die Periode des farbigen Helldunkels, die Gemälde nach der Nachtwache und die Spätzeit. 
Beigefügt find die beiden ältesten Biographien Rembrandts.
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        29 
ñus Natur und Geisleswelt. 
Jeder Band geheftet IN. Ì.—, in Leinwand gebunden ITC. 1.25. 
Revolution 1848 f. Geschichte. 
Rom. Soziale Kämpfe im alten Nom. von Privatdozenten Dr. Ceo Bloch. 
2. Auflage. (Nr. 22.) 
Behandelt die Sozialgeschichte Roms, soweit sie mit Rücksicht auf die die Gegenwart bewegenden 
Fragen von allgemeinem Interesse ist. Insbesondere gelangen die durch die Großmachtstellung 
Roms bedingte Entstehung neuer sozialer Unterschiede, die Herrschaft des Amtsadels und des 
Kapitals, auf der anderen Seite eines großstädtischen Proletariats zur Darstellung, die ein 
Ausblick auf di« Lösung der Parteikämpfe durch die Monarchie beschließt. 
s. a. Soziale Bewegungen. 
Romantik. Deutsche Romantik. Line Skizze von Professor Dr. ©sfar 
Z.walzel. (Hr. 232.) 
Gibt vom Standpunkte der durch die neuesten Forschungsergebnisse völlig umgestalteten Be 
trachtungsweise auf Grund eigener Forschungen des Verfassers in gedrängter, klarer Form 
ein Bild jener Epoche, insbesondere der sogenannten Frühromantik, in deren Mittelpunkt 
Friedrich Schlegel und Karoline stehen, deren Wichtigkeit für das Bewußtsein der Herkunft 
unserer wichtigsten treibenden Gedanken ständig wächst und die an Reichtum der Gefühle, 
Gedanken und Erlebnisse von keiner anderen übertroffen wird. 
s. a. Literaturgeschichte s IRusik. 
Rousseau, von Professor Dr. Paul hensel. Mit 1 Bildnisse Rousseaus. 
(Nr. 180.) 
viese Darstellung Rousseaus will diejenigen Seiten der Lebensarbeit des großen Genfers her 
vorheben, welche für die Entwicklung des deutschen Idealismus bedeutungsvoll gewesen sind, 
seine Bedeutung darin erkennen lassen, daß er für Goethe, Schiller, Herder, Kant, Fichte die 
unumgängliche Voraussetzung bildet. In diesem Sinne werden nach einer kurzen Lharakter- 
skizze Rousseaus die Geschichtsphilosophie, die Rechtsphilosophie, die Lrziehungslehre, der von 
Rousseau neugeschaffene Roman und die Religionsphilosophie dargestellt. 
s. a. Philosophie. 
Säugling. Der Säugling, seine Ernährung und seine Pflege, von Dr. 
Walter Raupe. Mit 17 Abbildungen. (Nr. 154.) 
will der jungen Mutter oder Pflegerin in allen Fragen, mit denen sie sich im Interesse des 
Keinen Erdenbürgers beschädigen müssen, den nötigen Rat erteilen. Außer der allgemeinen 
geistigen und körperlichen Pflege des Kindchens wird besonders die natürliche und künstlich« 
Ernährung behaildelt und für alle diese Fälle zugleich praktische Anleitung gegeben. 
Schachspiel, von Dr. Max Lange. 
Sucht durch eingehende, leichtverständliche Einführung in die Spielgesetze sowie durch eine 
größere, mit Erläuterungen versehene Auswahl interessanter Schachgänge berühmter Meister 
diesem anregendsten und geistreichsten aller Spiele neue Freunde und Anhänger zu werben. 
Schiffahrt. Deutsche Schiffahrt und Schiffahrtspolitik der Gegenwart, 
von Professor Dr. Karl Thieß. (Nr. 169.) 
Verfasser will weiteren Kreisen eine genaue Kenntnis unserer Schiffahrt erschließen, indem 
er in leicht faßlicher und doch erschöpfender Darstellung einen allgemeinen Überblick über 
das gesamte deutsche Schiffswesen gibt mit besonderer Berücksichtigung seiner geschichtlichen 
Entwicklung und seiner großen volkswirtschaftlichen Bedeutung. 
s. a. Nautik. 
Schiller, von Professor Dr. Theodor Ziegler. Mit dem Bildnis Schillers 
von Kügelgen in Heliogravüre. (Nr. 74.) 
Gedacht als eine Einführung in das Verständnis von Schillers Werdegang und Werken, 
behandelt das Büchlein vor allem die Dramen Schillers und sein Leben, daneben aber auch 
einzelne seiner lyrischen Gedichte und die historischen und die philosophischen Studien als ein 
wichtiges Glied in der Kette seiner Entwicklung.
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        ñus Natur und Geisleswelt. 
Jeder Band geheftet IN. 1.—, in Leinwand gebunden IN. 1.25. 
Schopenhauer. Seine Persönlichkeit, seine Lehre, seine Bedeutung. Sechs 
Vorträge von Realschuldirektor Hans Richert. 2. Ruflage. ITCit dem 
Bildnis Schopenhauers. (Rr. 81.) 
Unterrichtet über Schopenhauer in seinem werden, seinen Werken und deren fortwirken, in 
seiner historischen Bedingtheit und seiner bleibenden Bedeutung, indem es eine gründliche 
Einführung in die Schriften Schopenhauers und zugleich einen zusammenfassenden Überblick 
über das Ganze seines philosophischen Systems gibt. 
s. a. Philosophie. 
Schriftwesen. Schrift- und Buchwesen in alter und neuer Zeit, von 
Professor Dr. &lt;v. Meise. 2. Ruflage. Mit 37 Rbbildungen. (lit. 4.) 
verfolgt durch mehr als vier Jahrtausende Schrift-, Brief- und Zeitungswesen, Buchhandel 
und Bibliotheken; wir hören von den Bibliotheken der Babylonier, von den Zeitungen im 
alten Nom, vor allem aber von der großartigen Entwicklung, die „Schrift- und Buchwesen" i» 
der neuesten Zeit, insbesondere seit Erfindung der Buchdruüerkunst genommen haben. 
s. a. Buchgewerbe. 
Schulhygiene, von Privatdozenten Dr. Leo Burgerstein. Mit einem 
Bildnis und 33 Figuren. (Rr. 96.) 
Bietet eine auf den Forschungen und Erfahrungen in den verschiedensten Kulturländern beruhende 
Darstellung, die ebenso die Hygiene des Unterrichts und Schullebens wie jene des Hauses, 
die im Zusammenhang mit der Schule stehenden modernen materiellen Wohlfahrtsein 
richtungen, endlich die hygienische Unterweisung der Jugend, die Hygiene des Lehrers 
und die Schularztfrage behandelt. 
Geschichte des deutschen Schulwesens, von Gberrealschuldirektor 
Dr. Karl Knabe. (Rr. 85.) 
Stellt die Entwicklung des deutschen Schulwesens in feinen Hauptperioden dar und bringt so 
die Anfänge des deutschen Schulwesens, Scholastik, Humanismus. Ueformation, Gegenreformation, 
neue Lildungsziele, Pietismus, Philanthropismus, Aufklärung, Neuhumanismus, Prinzip der 
allseitigen Ausbildung vermittels einer Anstalt, Teilung der Arbeit und den nationale» 
Humanismus der Gegenwart zur Darstellung. 
Schulkämpfe der Gegenwart. Vorträge zum Kampf um die 
Volksschule in Preußen, gehalten in der humboldt-Rkademie in Berlin, 
von Johannes Tews. (Rr. IN.) 
Knapp und doch umfassend stellt der Verfasser die Probleme dar, um die es sich bei der 
Keorganisation der Volksschule handelt, deren Stellung zu Staat und Kirche, deren Abhängig 
keit von Zeitgeist und Zeitbedürfnissen, deren Wichtigkeit für die Herausgejtaltung einer 
volksfreundlichen Gejamtkultur scharf beleuchtet werden. 
Schulwesen. Volksschule und Lehrerbildung der vereinigten Staaten in 
ihren hervortretenden Zügen. Reiseeindrücke, von Direktor Dr. Franz 
Küppers. Mit einem Titelbild und 48 Rbbildungen. (Rr. 150.) 
Schildert anschaulich das Schulwesen vom Kindergarten bis rur Hochschule, überall das 
wesentliche der amerikanischen Erziehungsweise (die stete Erziehung zum Leben, das Wecken 
des öetätigungstriebes, das Hindrängen auf praktische Verwertung usw.) hervorhebend und 
unter dem Gesichtspunkte der Beobachtungen an unserer schulentlassenen Jugend in den Fort 
bildungsschulen zum vergleich mit der heimischen Unterrichtsweise anregend. 
s. a. Bildungswesen; Erziehung; Fortbildungsschulwesen; Fröbel; 
hilfsschulwesen; Hochschulen; Jugendfürsorge; Kind; Mädchenschule; Päd 
agogik; Pestalozzi; Schulhygiene; Universität. 
Seekrieg s. Kriegswesen. 
Seele. Die Seele des Menschen, von Professor Dr. Johannes Rehmke. 
2. Ruflage. (Nr. 36.) 
Behandelt, von der Tatsache ausgehend, daß der lNensch eine Seele habe, die ebenso gewiß 
sei wie die andere, daß der Körper eine Gestalt habe, das Seelenwesen und das Seelenleben
        <pb n="199" />
        31 
Ñus Natur und Geisleswelt. 
Jeder Band geheftet ITC. 1.—, in Leinwand gebunden ITC. 1.25. 
und erörtert, unter Ñbwehr der materialistischen und halbmaterialistischen Ñnschauungen, von 
dem Standpunkt aus, daß die Seele Unkörperliches, Immaterielles sei, nicht etwa eine Be 
stimmtheit des menschlichen Einzelwesens, auch nicht eine Wirkung oder eine „Funktion" des 
Gehirns, die verschiedenen Tätigkeitsäußerungen des als Seele Erkannten. 
Shakespeare. Shakespeare und seine Zeit, von Professor Dr. Ernst 
Step er. Mit 3 Tafeln und 3 Textbildern. (Hr. 185.) 
(Etne „(Einführung in Shakespeare", die ein tieferes Verständnis seiner Werke aus der Kenntnis 
der Seitverhältntsse wie des Lebens des Dichters gewinne» lassen will, die Lhronologie der 
Dramen festzustellen, die verschiedenen Perioden seines dichterischen Schaffens zu charakteri 
sieren und so zu einer Gesamtwürdigung Shakespeares, der Eigenart und ethischen Wirkung 
seiner Dramen zu gelangen sucht. 
Sinne. Die fünf Sinne des Menschen, von Professor Dr. Josef Klemens 
Kreibig. 2. verb. Ñuflage. Mit 30 ñbbildungen. (Nr. 27.) 
Beantwortet die Fragen über die Bedeutung, Unzahl, Benennung und Leistungen der Sinne 
in gemeinfaßlicher weise, indem das tvrgan und seine Funktionsweise, dann die als Beiz 
wirkenden äußeren Ursachen und zuletzt der Inhalt, die Stärke, das räumliche und zeitliche 
Merkmal der Empfindungen besprochen werden. 
s. a. Geistesleben. 
Soziale Bewegungen und Theorien bis zur modernen Arbeiterbewegung, 
von Gustav Maier. 3. ñufl. (Nr. 2.) 
In einer geschichtlichen Betrachtung, die mit den altorientalischen Kulturvölkern beginnt, 
werden an den zwei großen wirtschaftlichen Schriften platos die Wirtschaft der Griechen, 
an der Gracchischen Bewegung die der Körner beleuchtet, ferner die Utopie des Thomas Morus, 
andererseits der Bauernkrieg behandelt, die Bestrebungen Tolberts und das Merkantiljystem, 
die physiokraten und die ersten wissenschaftlichen Staatswirtschaftslehrer gewürdigt und über 
die Entstehung des Sozialismus und die Anfänge der neueren Handels-, Soll- und Verkehrs 
politik aufgeklärt. 
s. a. Ñrbeiterschutz; Frauenarbeit; Internationalismus; Konsum 
genossenschaft; Frauenbewegung; Nom. 
Spencer. Herbert Spencer, von Dr. Karl Schwarze. Mit dem 
Bildnis Spencers. (Nr. 245.) 
Gibt nach einer biographischen Einleitung eine ausführliche Darstellung des auf dem Lnt- 
wicklungsgedanken aufgebauten Systemes Herbert Spencers nach seinen verschiedenen Leiten, 
nämlich philosophische Grundlegung, Biologie, Psychologie, Soziologie und Ethik, die über- 
all die leitenden Gedanken scharf hervortreten läßt. 
Spiele s. Mathematik, Schachspiel. 
Sprache s. Muttersprache; Stimme. 
Slädtewesen. Die Städte. Geographisch betrachtet, von Professor 
Dr. Kurt h assert. Mit 21 ñbbildungen. (Nr. 163.) 
Behandelt als versuch einer allgemeinen Geographie der Städte einen der wichtigsten ñb- 
schnitie der Siedlungskunde, erörtert die Ursache des Entstehens, Wachsens und Vergehens 
der Städte, charakterisiert ihre landwirtschaftliche und Verkehrs-Bedeutung als Grundlage der 
Großstadtbildung und schildert das Städtebild als geographische Erscheinung. 
Deutsche Städte und Bürger im Mittelalter, von Professor Dr. 
B. heil. 2. Ñuflage. Mit zahlreichen ñbbildungen und 1 voppeltafel. 
(Nr. 43.) 
Stellt die geschichtliche Entwicklung dar, schildert die wirtschaftlichen, sozialen und staatsrecht, 
lichen Verhältnisse und gibt ein zusammenfassendes Bild von der äußeren Erscheinung und 
dem inneren Leben der deutschen Städte. 
historische Städtebilder aus Holland und Niederdeutschland. Vorträge 
gehalten bei der Gberschulbehörde zu Hamburg, von Negierungs-Bau 
meister a. v. ñlbert Erbe. Mit 59 Ñbbildungen. (Nr. 117.)
        <pb n="200" />
        32 
ñus Natur und Geisteswelt. 
Jeder Band geheftet III. 1.—, in Leinwand gebunden IÎÎ. 1.25. 
will dem als Zeichen wachsenden Kunstverständnisses zu begrüßenden Sinn für die tîeize der 
alten malerischen Städtebilder durch eine mit Abbildungen reich unterstützte Schilderung der 
so eigenartigen und vielfachen Herrlichkeit Ñlt-Hollands wie Niederdeutschlands, ferner Danzigs, 
Lübecks, Bremens und Hamburgs nicht nur vom rein künstlerischen, sondern auch vom kultur 
geschichtlichen Standpunkt aus entgegenkommen. 
Städtewesen s. a. Altertums Gartenstadtbewegung; Pompeji. 
Statistik s. Bevölkerungslehre. 
Stereoskop. Vas Stereoskop und seine Anwendungen, von Professor 
Theodor Hartwig. Mit 40 Abbildungen und 19 stereoskopischen Tafeln. 
(Nr. 135.) 
Behandelt die verschiedenen Erscheinungen und praktischen Anwendungen der Stereoskopie, ins 
besondere die stereoskopischen Himmelsphotographien, die stereoskopische Darstellung mikro- 
skopischer Objekte, das Stereoskop als Meßinstrument und die Bedeutung und Anwendung des 
Stereokomparators, insbesondere in bezug auf photogrammetrische Messungen. Beigegeben 
sind 19 stereoskopische Tafeln. 
s. a. Mikroskops Optik. 
Stimme. Die menschliche Stimme und ihre Hygiene. Sieben volkstümliche 
Vorlesungen, von Professor Dr. Paul h. Gerber. Mit 20 Abbildungen. 
(Nr. 136.) 
Nach den notwendigsten Erörterungen über das Zustandekommen und über die Natur der 
Töne werden der Kehlkopf des Menschen, sein Vau, seine Verrichtungen und seine Funktion als 
musikalisches Instrument behandelt; dann werden die Gesang- und die Sprechstimme, ihre 
Ausbildung, ihre Fehler und Erkrankungen sowie deren Verhütung und Behandlung, ins 
besondere Erkältungskrankheiten, die professionelle Stimmschwäche, der Alkoholeinfluß und 
die Abhärtung erörtert. 
Strahlen. Sichtbare und unsichtbare Strahlen, von Professor Dr. Richard 
Born stein und Professor Dr. ID. Marckwald. Mit 82 Abbildungen. 
(Hr. 64.) 
Schildert die verschiedenen Arten der Strahlen, darunter die Kathoden- und Nöntgenstrahlen, 
die kjertzschen Wellen, die Strahlungen der radioaktiven Körper (Uran und Nadium) nach ihrer 
Entstehung und Wirkungsweise, unter Darstellung der charakteristischen Vorgänge der Strahlung. 
s. a. Licht. 
Sützwasser-Plantton s. Plankton. 
Technik. Am sausenden Ivebstuhl der Zeit. Übersicht über die Wirkungen 
der Entwicklung der Naturwissenschaften und der Technik auf das gesamte 
Kulturleben, von Geh. Regierungsrat Professor Dr. Wilhelm Laun- 
Hardt. 2. Auflage. Mit 16 Abbildungen und auf 5 Tafeln. (Nr. 23). 
Ein geistreicher Rückblick auf die Entwicklung der Naturwissenschaften und der Technik, der 
die Weltwunder unserer Zeit verdankt werden. 
s. a. Automobil; Beleuchtungsarten; Buchgewerbe; Chemie; Dampf; 
Eisenbahnen; Eisenhüttenwesen; Elektrochemie; Elektrotechnik; Funkentele 
graphie; Gewerbe; Hebezeuge; Heizung (und Lüftung); Ingenieurtechnik; 
Metalle; Mikroskop; Pflanzen; Post; Rechtsschutz; Stereoskop; Technische 
Hochschulen; Telegraphie; Uhr; Wärmekraftmaschinen; Wasserkraftmaschinen. 
Technische Hochschulen in Nordamerika, von Professor Siegmund 
Müller. Mit zahlreichen Abbildungen, einer Karte und einem Lageplan. 
(Nr. 190.) 
Gibt, von lehrreichen Abbildungen unterstützt, einen anschaulichen Überblick über Organisation, 
Ausstattung und Unterrichtsbetrieb der amerikanischen technischen Hochschulen unter besonderer 
Hervorhebung der sie kennzeichnenden Merkmale: enge Fühlung zwischen Lehrern und 
Studierenden nnd vorwiegend praktische Tätigkeit in Laboratorien und Werkstätten. 
Tee s. Botanik; Kaffee.
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        ñus Natur und Geîsteswelt. 
Jeder Band geheftet ITC. 1.—, in Leinwand gebunden M. 1.25. 
Telegraphie, vie Telegraphie in ihrer Entwicklung und Bedeutung, von 
Postrat Johannes Bruns. Mit 4 Figuren. (Nr. 183.) 
Gibt auf der Grundlage eingehender praktischer Kenntnis der einschlägigen Verhältnisse eine» 
Einblick in das für die heutige Kultur so bedeutungsvolle Gebiet der Telegraphie und seine 
großartigen Fortschritte. Nach einem Überblick über die Entwicklung dieses Nachrichtenwesens 
aus seinen akustischen und optischen Anfängen werden zunächst die internationalen und 
nationalen rechtlichen, danach die technischen Grundlagen (Stromquellen, Leitungen, Apparate usw.) 
behandelt, sodann die (Organisation des Fernsprechwesens, die Unterseekabel, die großen fest 
ländischen Telegraphenlinien und die einzelnen Zweige des Telegraphen- und Fernsprech 
betriebsdienstes erörtert. 
Die Entwicklung der Telegraphen- und Fernsprechtechnik, von 
Telegrapheninspektor Helmut Brick. Mit 58 Abbildungen. (Nr. 235.) 
Schildert den Entwicklungsgang der Telegraphen, und Fernsprechtechnik von Flammenzeichen 
und Kufposten bis zum modernen Mehrfach- und Maschinentelegraphen und von Philipp Reis' 
und Graham veils Erfindung bis zur Einrichtung unserer großen Fernsprechämter. Sn 
kurzen Abschnitten wird auch die Anwendung von Telegraph und Fernsprecher im Heere, im 
Eisenbahnbetriebe u. a. m. besprochen. Die für das Verständnis der Wirkungsweise von 
Apparaten und Stromquellen nötige Darstellung der physikalischen und chemischen Grundlagen 
ist kurz und gemeinverständlich gegeben, und ebenso ist, ohne durch technische Einzelheiten zu 
ermüden, bet allen Apparaten und Schaltungen das Prinzip dargestellt. 
s. a. Funkentelegraphie. 
Theater. Vas Theater. Schauspielhaus und Schauspielkunst vom grie 
chischen Altertum bis auf die Gegenwart, von vr. Christian Gaehde. 
Mit 20 Abbildungen. (Nr. 230.) 
Eine Darstellung zugleich des Theaterbaus und der Schauspielkunst vom griechischen Altertum 
bis auf die Gegenwart, wobei ebenso die Zusammenhänge der klassisch-griechischen Varstellungs 
kunst und Theater-Architektur mit dem Spiel der wandernden Kittn n des Mittelalters und 
dem Theaterbau der Kenaissance aufgezeigt, wie die ganze Entwicklung des modernen deutschen 
Theaters von den Bestrebungen der Neuberin bis zum heutigen „Impressionismus" aus ihren 
geschichtlichen und psychologischen Bedingungen verständlich zu machen gesucht wird. 
Theologie s.Bibel; Buddhas Talvin; Christentum: Jesus; Jesuiten; Luther; 
Mystik; Palästina: Religion. 
Tierleben. Tierkunde. Line Einführung in die Zoologie, von Privat 
dozent Dr. Kurt Hennings. Mit 34 Abbildungen. (Nr. 142.) 
Will die Einheitlichkeit des gesamten Tierreiches zum Ausdruck bringen, Bewegung und Emp- 
findung, Stoffwechsel und Fortpflanzung als die charakterisierenden Eigenschaften aller Tiere 
darstellen und sodann die Tätigkeit des Tierleibes aus seinem Vau verständlich machen, wobei 
der Schwerpunkt der Darstellung auf die Lebensweise der Tiere gelegt ist. So werden nach 
eineyz vergleich der drei Naturreiche die Bestandteile des tierischen Körpers behandelt, sodann 
ein Überblick über die sieben großen Kreise des Tierreiches gegeben, ferner Bewegung und 
Bewegungsorgane, Aufenthaltsort, Bewußtsein und Empfindung, Nervensystem und Sinnes- 
organe, Stoffwechsel, Fortpflanzung und Entwicklung erörtert. 
Zwiegestalt der Geschlechter in der Tierwelt (Dimorphismus), von 
Dr. Friedrich Knauer. Mit 37 Abbildungen. (Nr. 148.) 
Zeigt, von der ungeschlechtlichen Fortpflanzung zahlreicher niederster Tiere ausgehend, wie 
sich aus diesem lsermaphroditismus allmählich die Zweigeschlechtigkeit herausgebildet hat und 
sich bei verschiedenen Tierarten zu auffälligstem geschlechtlichem Dimorphismus entwickelt, an 
interessanten Fällen solcher Verschiedenheit zwischen Männchen und Weibchen, wobei vielfach 
die Brutpflege in der Tierwelt und das Verhalten der Männchen zu derselben erörtert wird. 
Lebensbedingungen und Verbreitung der Tiere, von Professor 
Dr. (Dtto Maas. Mit Karten und Abbildungen. (Nr. 139.) 
Lehrt das Verhältnis der Tierwelt zur Gesamtheit des Lebens auf der Erde verständnisvoll 
ahnen, zeigt die Tierwelt als einen Teil des organischen Lrdganzen, die Abhängigkeit der 
Verbreitung des Tieres nicht nur von dessen Lebensbedingungen, sondern auch von der Erd- 
geschichte, ferner von Nahrung, Temperatur, Licht, Luft, Feuchtigkeit und Vegetation, wie 
von dem Eingreifen des Menschen und betrachtet als Ergebnis an der Hand von Karten die 
geographische Einteilung der Tierwelt auf der Erde nach besonderen Gebieten. 
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33
        <pb n="202" />
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ñus Natur und Geisteswelt. 
Jeder Band geheftet IÏÏ. 1.—, in Leinwand gebunden M. 1.25. 
Tierleben. Die Tierwelt des Mikroslops (die Urtiere), von privatdozent 
Dr. Richard Goldschmidt. Mit 39 Abbildungen. (Nr. 160.) 
Bietet nach dem Grundsatz, daß die Kenntnis des Einfachen grundlegend zum Verständnis des 
Komplizierten ist, eine einführende Darstellung des Lebens und des Baues der Urtiere, dieses 
mikroskopisch kleinen, formenreichen, unendlich zahlreichen Geschlechtes der Tierwelt und stellt 
nicht nur eine anregende und durch klbbildungen instruktive Lektüre dar, sondern vermag 
namentlich auch zu eigener Beobachtung der wichtigen und interessanten Tatsachen vom Bau 
und aus dem Leben der Urtiere anzuregen. 
Die Beziehungen der Tiere zueinander und zur Pflanzenwelt, von 
Professor Dr. Karl Kraepelin. (Nr. 79.) 
Stellt in großen Fügen eine Fülle wechselseitiger Beziehungen der (Organismen zueinander 
dar. Familienleben und Staatenbildunq der Tiere, wie die interessanten Beziehungen der Tiere 
und pflanzen zueinander werden geschildert. 
s. a. Ameise; Bakterien; Befruchtungsvorgang; Fortpflanzung; 
Haustiere; Korallen; Meeresforschung; Mensch und Tier; pflanzen; 
Plankton; vogelleben. 
Tonkunst s. Musik. 
Tuberkulose. Die Tuberkulose, ihr Wesen, ihre Verbreitung, Ursache, 
Verhütung und Heilung. Gemeinfatzlich dargestellt von Generaloberarzt 
Prof. Dr. Wilhelm Schumburg. Mit 1 Tafel und 8 Figuren. (Nr. 47.) 
Schildert nach einem Überblick über die Verbreitung der Tuberkulose das wesen derselben 
beschäftigt sich eingehend mit dem Tuberkelbazillus, bespricht die Maßnahmen, durch die man 
ihn von sich fernhalten kann, und erörtert die Fragen der Heilung der Tuberkulose, vor allem 
die hygienisch-diätetische Behandlung i» Sanatorien und Lungenheilstätten. 
Turnen. Deutsches Ringen nach Kraft und Schönheit. Aus den literarischen 
Zeugnissen eines Jahrhunderts gesammelt, von Turninspektor Karl 
Möller. In 2 Bänden. 
I. Band: von Schiller bis Lange. (Nr. 188.) 
II. Band: 3n Vorbereitung. 
will für die die Gegenwart bewegenden Probleme einer harmonischen Tnisaltung aller 
Kräfte des Körpers und Geistes die gewichtigsten Zeugnisse aus de» Schriften unserer führenden 
Geister beibringen. Vas erste Bändchen enthält Ñussprüche und Uufsätze von Schiller, Goethe, 
Jean Paul, Gutsmuths, Iahn, viesterweg, Koßmätzler, Spieß, Fr. Th. vischer und Fr. Ñ. Lange. 
Die Leibesübungen und ihre Bedeutung für die Gesundheit, von 
Professor Dr. Richard Zander. 2. Aufl. Mit 19 Abbildungen. (Nr. 13.) 
will darüber aufklären, weshalb und unter welchen Umständen die Leibesübungen segensreich 
wirken, indem es ihr Wesen, andererseits die in Betracht kommenden Grgane bespricht; erörtert 
besonders die Wechselbeziehungen zwischen körperlicher und geistiger Ñrbeit, die,Leibesübungen 
der Frauen, die Bedeutung des Sportes und die Gefahren der sportlichen Übertreibungen. 
s. a. Gesundheitslehre. 
Uhr. Die Uhr. Grundlagen und Technik der Zeitmessung, von Reg.° 
Bauführer a. D. h. Bock. Mit 47 Abbildungen im Text. (Nr. 216.) 
Behandelt Grundlagen und Technik der Zeitmessung, indem es, vo» d m astronomischen Voraus 
setzungen der Zeitbestimmung und den wichtigsten Meßmethoden ausgehend, den wunderbaren 
Mechanismus der Zeitmesser einschließlich der feinen Präzisionsuhren auseinandersetzt und 
sowohl die theoretischen Grundlagen wie die wichtigsten Teile des M chanismus selbst: die 
Hemmung, die Ñntriebskraft, das Zahnrädersystem, das Pendel und die Unruhe behandelt, 
unterstützt durch zahlreiche Zahlenbeispiele und technische Zeichnungen. 
Universität. Die amerikanische Universität, von Ph. D. Tdward 
Vaiavan perry. Mit 22 Abbildungen. (Nr. 206.) 
Unterrichtet über die Entwicklung des gelehrten Unterrichts in Nordamerika, über Staats 
und Privat-Universitäten, beleuchtet den Unterschied zwischen amerikanischen und deutschen 
tsochschul n der Wissenschaft, belehrt über die akademischen Grade, würden, Stipendien und 
baulichen Einrichtungen, wie Laboratorien, Museen und Bibliotheken und zeigt Stätten und 
Leben der berühmtesten amerikanischen Hochschulen im Bilde.
        <pb n="203" />
        ñus Natur und Geisteswett. 
Jeder Band geheftet IN. I.—, in Leinwand gebunden IN. 1.25. 
Unterrichtswesen s. Vildungswesen; Erziehung: Hilfsschulwesen: Rna- 
benhandarbeit; Jugendfürsorge: Mädchenschule: Pädagogik; Schulhygiene; 
Schulwesen: Technische Hochschulen: Turnen; Universität. 
Utilitarismus s. Lebensanschauungen. 
verbrechen und Aberglaube. Skizzen aus der volkskundlichen Rrimina- 
liftik. von Rammergerichtsreferendar Dr. Albert Dellwig. (Nr. 212.) 
Gibt interessante Bilder aus dem Gebiete des kriminellen ñberglaubens, z. B. von modernen 
ļfexenprozessen, dem vampyrglauben, von Besessenen und Geisteskranken, Wechselbälgen, 
Sympathiekuren, Blut und Menschenfleisch als Heilmittel, Totenfetische, verborgene Schätze, 
Meineidszeremonien, Kinderraub durch Zigeuner u. a. mehr. 
s. a. Rriminalpsychologie. 
Verfassung. Grundzüge der Verfassung des Deutschen Reiches. Sechs 
Vorträge von Professor Dr. Edgar Loen in g. 2. Auflage. (Hr. 34.) 
Beabsichtigt in gemeinverständlicher Sprache in das verfassungsrecht des Deutschen Reiches 
einzuführen, soweit dies für jeden Deutschen erforderlich ist, und durch Ausweisung des 3u. 
sammenhanges sowie durch geschichtliche Rückblicke und vergleiche den richtigen Standpunkt 
für das Verständnis des geltenden Rechtes zu gewinnen. 
f. a. Fürstentum. 
Verkehrsentwicklung in Deutschland. 1800—1900. Vorträge über 
Deutschlands Eisenbahnen und Binnenwasserstraßen, ihre Entwicklung und 
Verwaltung sowie ihre Bedeutung für die heutige Volkswirtschaft von 
Professor Dr. Walter Lotz. 2. Auflage. (Hr. 15.) 
Gibt nach einer kurzen Übersicht über die lsauptsortschritte in den Verkehrsmitteln und deren 
wirtschaftliche Wirkungen eine Geschichte des Eisenbahnwesens, schildert den heutigen Stand 
der Lisenbahnverfussung, das Güter- und das Personentarifwesen, die Reformversuche und die 
Reformfrage, ferner die Bedeutung der Binnenwasserstraßen und endlich die Wirkungen der 
modernen Verkehrsmittel. 
s. a. Automobil; Eisenbahnen; Funkentelegraphie; Internationalis 
mus; Nautik; Post; Schiffahrt; Technik; Telegraphie. 
Versicherung. Grundzüge des Versicherungswesens, von Professor Dr. 
Alfred Manes. (Hr. 105.) 
Behandelt sowohl die Stellung der Versicherung im Wirtschaftsleben, die Entwicklung der ver- 
sicherung, die Drganisation ihrer Unternehmungsformen, den Geschäftsgang eines Versicherungs 
betriebs, die Versicherungspolitik, das Versicherungsvertragsrecht und die versicherunqswissen- 
schaft, als die einzelnen Zweige der Versicherung, wie Lebensversicherung, Unfallversicherung, 
Haftpflichtversicherung, Transportversicherung, Feuerversicherung, ksagelversicherung, Vieh- 
Versicherung, kleinere versicherungszweige, Rückversicherung. 
s. a. Arbeiterschutz. 
vogelleben. Deutsches vogelleben, von Professor Dr. Alwin Voigt. 
(Nr. 221). 
Schildert die gesamte deutsche Vogelwelt in der Verschiedenartigkeit der Vaseinsbedingungen 
in den wechselnden Landschaften unserer deutschen Heimat, wobei besonders wert auf die 
Kenntnis der vogelftimmen gelegt wird, und es führt so in Stadt und Dorf, in den Schloß- 
park, in den Nadelwald, aus Feld und Wiesengelände, ins Heidemoor und den Kranichbruch, 
an die Bäche, Teiche und Seen und ins Hochgebirge. 
Volkskunde. Deutsche Volksfeste und Volkssitten, von Hermanns. Rehm. 
Mit 11 Abbildungen im Text. (Rr. 214). 
Bietet mit der durch Abbildungen unterstützten Schilderung der Entstehung und Entwicklung 
der Volksfeste von seinem sittlichen Ernst, seinem gesunden Empfinden zeugende Bilder aus 
unserem Volksleben. Berücksichtigt ist der ganze Kreis der Feste: weihnachts-, &lt;v ter- und 
Pfingstfest, Lichtmeß und Fasching, Frühjahrs- und Maitest, Johannis-, Silvester, und Neu- 
lahrsfeier, Kirchweih- und Schützenfest, Zunftleben und Bergmannsbrauch, wie Tauf-, Hoch- 
zeits- und Totenbräuche. 
s. st. Aberglaube; Dorf; Haus; verbrechen. 
35 
3*
        <pb n="204" />
        36 
ñus Natur und Geisteswett. 
Jeder Band geheftet lïï. 1.—, in Leinwand gebunden IÏÏ. 1.25. 
Volkslied. Das deutsche Volkslied. Über Wesen und Werden des deutschen 
Volksgesanges, von Privatdozent Br. I. W. Bruinier. Z. umgearbeitete 
und vermehrte ñuflage. (Nr. 7.) 
Handelt in schwungvoller Darstellung vom wesen und werden des deutschen Volksgesanges, 
unterrichtet über die deutsche Volksliederpflege in der Gegenwart, über wesen und Ursprung 
des deutschen Volksgesanges, Skop und Spielmann, Geschichte und Mär, Leben und Liebe. 
s. a. Lyrik. 
Volksschule s. Schulwesen. 
Volksstämme. Die deutschen Volksstämme und Landschaften, von Professor 
Dr. (Vskar Weise. 3. Auflage. Mit 29 Abbildungen irrt Text und auf 
15 Tafeln. (Nr. 16.) 
Schildert, durch eine gute Auswahl von Städte-, Landschafts- und anderen Bildern unterstützt, 
die Ligenart der deutschen Gaue und Stämme, die charakteristischen Ligeniümlichkeiten der 
Landschaft, den Einfluß auf das Temperament und die geistige Anlage der Menschen, die 
Leistungen hervorragender Männer, Sitten und Gebräuche, Sagen und Märchen, Besonder 
heiten in der Sprache und Hausetnrichtung u. a. m. 
Volkswirtschaftslehre s. Altertum ^ Amerika; Arbeiterschutz; Bevölkerungs 
lehre : Buchgewerbe; Deutschland; England; Frauenarbeit; Frauenbewegung; 
Handel; Japan; Internationalismus; Konsumgenossenschaft; Landwirtschaft; 
Münze; Schiffahrt: Soziale Bewegungen; Perkehrsentwicklung; Versicherung; 
Weltwirtschaft; Wirtschaftsgeschichte. 
Wahlrecht. Das Wahlrecht, von Regierungsrat Br. Dskar poensgen. 
(Nr. 249.) 
Behandelt in gedrängter und dabei doch allgemein verständlicher Form die bei der Beurteilung 
der wahlrechtssqsteme maßgebenden Faktoren sowie die verschiedenen Arten der wahlrechts- 
sqsteme selbst, wobei an den einzelnen Theorien eine von einseitigem Parteistanüpunkte freie, 
aber freimütige, jeweils die vor- und Nachteile objektiv abwägende Krttif geübt wird und 
schließt mit einer übersichtlichen, äußerst lehrreichen Darstellung der Wahlrechte in den deutschen, 
den übrigen europäischen sowie den wichtigsten außereuropäischen Staaten. 
Wald. Der deutsche Wald, von Professor Br. Hans Hausrath. Mit 
15 Abbildungen und 2 Karten. (Nr. 153.) 
Schildert unter besonderer Berücksichtigung der geschichtlichen Entwicklung die Lebens» 
beüingungen und den Zustand unseres deutschen Waldes, die Verwendung seiner Erzeugnisse 
sowie seine günstige Einwirkung auf Mima, Fruchtbarkeit, Sicherheit und Gesundheit des 
Landes und erörtert zum Schlüsse die pflege des Waldes und die Aufgaben seiner Eigen 
tümer, ein Büchlein also für jeden waldsreund. 
warenzeichenrecht s. Gewerbe. 
Wärme. Die Lehre von der Wärme. Gemeinverständlich dargestellt von 
Professor Dr. Richard Börnstein. Mit 33 Abbildungen. (Nr. 172.) 
Bietet eine klare, keine erheblichen vorkenntntsse erfordernde, alle vorkommenden Experimente 
in Worten und vielfach durch Zeichnungen schildernde Darstellung der Tatsachen und Gesetze 
der Wärmelehre. So werden Ausdehnung erwärmter Körper und Temperaturmessung, Wärme 
messung , Wärme- und Kältequellen, Wärme als Energieform, Schmelzen und Erstarren, 
Sieden, verdampfen und verflüssigen, Verhalten des Wasserdampfes in der Atmosphäre, 
Dampf- und andere wärmemaschinen und schließlich Bewegung der Wärme behandelt. 
s. a. Themie. 
Wärmekraftmaschinen. Einführung in die Theorie und den Vau der 
neueren Wärmekraftmaschinen (Gasmaschinen), von Prof. Richard Vater. 
2. Auflage. Mit 34 Abbildungen. (Nr. 21.) 
will Interesse und Verständnis für die immer wichtiger werdenden Gas-, Petroleum- und 
Lenzinmaschinen erwecken. Nach einem einleitenden Abschnitte folgt eine kurze Besprechung 
der verschiedenen Betriebsmittel, wie Leuchtgas, Kraftgas usw., der Viertakt- und Zweitakt 
wirkung, woran sich dann das wichtigste über die Bauarten der Gas-, Benzin-, Petroleum- 
und Spiritusmaschinen sowie eine Darstellung des Wärmemotors Patent Diesel anschließt.
        <pb n="205" />
        37 
ñus Natur und Geisteswelt. 
Zeder Land geheftet IN. I.—, in Leinwand gebunden IN. 1.25. 
Wärmekraftmaschinen. Neuere Fortschritte auf dem Gebiete der Wärme 
kraftmaschinen. von Professor Richard Vater. Iltit 48 Abhebungen. (Nr.86.) 
Ohne den Streit, ob „Lokomobile oder Sauggasmaschine", „Dampfturbine oder 
Großgasmaschine", entscheiden zu wollen, behandelt Verfasser die einzelnen Maschinen- 
gattungen mit Rücksicht auf ihre Vorteile und Nachteile, wobei im zweiten Teil der versuch 
unternommen ist, eine möglichst einfache und leichtverständliche Einführung in die Theorie 
und den Sau der Dampfturbine zu geben. 
s. a. Automobil; Dampf. 
Wasser s. Chemie. 
Wasserkraftmaschinen. Die Ivasserkraftmaschinen und die Ausnützung 
der Wasserkräfte, von Geh. Negierungs-Rat Albrecht v. Ihering. INit 
73 Figuren. (Nr. 228.) 
Führt de» Leser vom primitiven Mühlrad bis zu den großartigen Anlagen, mit denen die 
moderne .Technik die Kraft des Wassers zu den gewaltigsten Leistungen auszunützen versteht, 
und vermittelt an besonders typischen konkreten Beispielen modernster Anlagen eine» klaren 
Einblick in Sau, Wirkungsweise und Wichtigkeit dieser modernen Betriebe. 
Weltall. Der Bau des Weltalls, von Professor Dr. z. Scheinet. 
3. Auflage. INit 24 Figuren und einer Tafel. (Nr. 24.) 
Stellt nach einer Belehrung über die wirklichen Verhältnisse von Raum und Zeit im weitall 
dar, wie das Weltall von der Erde aus erscheint, erörtert den inneren Bau des Weltalls, 
d. h. die Struktur der selbständigen Himmelskörper und schließlich die Frage über die äußere 
Konstitution der Fixsternwelt. 
Entstehung der Welt und der Erde, nach Sage und Wissenschaft. 
von Professor D. IN. B. Weinstein. (Nr. 223.) 
Stellt die Lösungen dar, die das uralte und doch nie gelöste Problem der Entstehung der 
Welt und der Erde einmal in den Sagen aller Völker und Zeiten, andererseits in den wissen 
schaftlichen Theorien, von den jonischen Naturphilosophen an bis auf Kant, Kelvin und 
Arrhenius, gesunden hat. 
s. a. Astronomie. 
Weltanschauung. Die Weltanschauungen der großen Philosophen der 
Neuzeit, von Professor Dr. Ludwig Busse. 3. Auflage. (Nr. 56.) 
will mit den bedeutendsten Erscheinungen der neueren Philosophie bekannt machen unter 
Beschränkung auf die Darstellung der großen klassischen Systeme, die es ermöglicht, die be 
herrschenden und charakteristischen Grundgedanken eines jeden scharf herauszuarbeiten und 
so ein möglichst klares Gesamtbild der in ihm enthaltenen Weltanschauung zu entwerfen. 
s. o.Kant; Lebensanschauung; Menschenleben; Philosophie; Nousseau; 
Schopenhauer; Weltproblem. 
Weltäther s. Moleküle. 
Welthandel s. Handel; Internationalismus; Verkehrsentwicklung. 
Weltproblem. Das Weltproblem von positivistischem Standpunkte aus. 
von Privatdozent Dr. Josef petzoldt. (Nr. 133.) 
Lucht die Geschichte des Nachdenkens über die Welt als eine sinnvolle Geschichte von Irrtümern 
psychologisch verständlich zu machen im Dienste der von Schuppe, Mach und Avenarius ver 
tretenen Anschauung, daß es keine Welt an sich, sondern nur eine Welt für uns gibt. Ihre 
Elemente sind nicht Atome oder sonstige absolute Existenzen, sondern Farben-. Ton-, Druck-, 
Raum-, Zeit- usw. Empfindungen. Trotzdem aber sind die Dinge nicht bloß subjektiv, nicht 
bloß Bewußtseinserscheinungen, vielmehr müssen die aus jenen Empfindungen zusanimen- 
gesetzten Bestandteile unserer Umgebung fortexistierend gedacht werden, auch wenn wir sie 
nicht mehr wahrnehmen. 
s. a. Philosophie; Weltanschauung.
        <pb n="206" />
        38 
ñus Natur und Geisteswelt. 
Jeder Land geheftet ITC. I.—, in Leinwand gebunden IN. 1.25. 
Weltwirtschaft. Deutschlands Stellung in der Weltwirtschaft, von 
Professor Dr. Paul Ñrndt. (Hr. 179.) 
Will in das Wunderwerk menschlichen Scharfsinns, menschlicher Geschicklichkeit und menschlicher 
Kühnheit, das die Weltwirtschaft darstellt, einführen, indem unsere wirtschaftlichen Beziehungen 
zum Auslande dargestellt, die Ursachen der gegenwärtigen hervorragenden Stellung Deutsch 
lands in der Weltwirtschaft erörtert, die Vorteile und Gefahren dieser Stellung eingehend 
behandelt und endlich die vielen wirtschaftlichen und politischen Aufgaben skizziert werden, 
die sich aus Deutschlands internationaler Stellung ergeben. 
s. a. England; Handel; Internationalismus; Wirtschaftsgeschichte. 
Wetter, wind und Wetter. Fünf votträge über die Grundlagen und 
wichtigeren Ñufgaben der INeteorologie. von Professor Dr. Leonhard 
Weber. INit 27 Figuren und 3 Tafeln, (tir. 55.) 
Schildert die historischen wurzeln der Meteorologie, ihre physikalischen Grundlagen und ihre 
Bedeutung im gesamten Gebiete des Wissens, erörtert die hauptsächlichsten Aufgaben, die dem 
ausübenden Meteorologen obliegen, wie die praktische Anwendung in der Wettervorhersage. 
Wirtschaftsgeschichte. Die Entwicklung des deutschen Wirtschaftslebens 
im letzten Jahrhundert, von Professor Dr. Ludwig Pohle. 2. Auflage. 
(Nr. 57.) 
Gibt in gedrängter Form einen Überblick über die gewaltige Umwälzung, die die deutsche 
Volkswirtschaft im letzten Jahrhundert durchgemacht hat: die Umgestaltung der Landwirtschaft,' 
die Lage von Handwerk und Hausindustrie,' die Entstehung der Großindustrie mit ihren Be 
gleiterscheinungen; Kartellbewegung und Arbeiterfrage; die Umgestaltung des Verkehrswesens 
und die Wandlungen auf dem Gebiete des Handels. 
Deutsches Wirtschaftsleben. Auf geographischer Grultdlage geschildert 
von Professor Dr. Christian Gruber. Neubearbeitet von Dr. £7ans 
Neinlein. 2. Auflage. (Nr. 42.) 
Beabsichtigt, ein gründliches Verständnis für den sieghaften Aufschwung unseres wirtschaft 
lichen Lebens seit der Wiederaufrichtung des Ueichs herbeizuführen und darzulegen, inwieweit 
sich Produktion und Verkehrsbewegung auf die natürlichen Gelegenheiten, die geographischen 
Vorzüge unseres Vaterlandes stützen können und in ihnen sicher verankert liegen. 
wirtschaftliche Erdkunde, von Professor Dr. Christian Gruber. 
(Hr. 122.) 
will die ursprünglichen Zusammenhänge zwischen der natürlichen Ausstattung der einzelnen 
Länder und der wirtschaftlichen Kraftäußerung ihrer Bewohner klarmachen und das Ver 
ständnis für die wahre Machtstellung der einzelnen Völker und Staaten eröffnen. Vas Welt 
meer als Hochstraße des Weltwirtschaftsverkehrs und als Quelle der Völkergröße — die 
Landmassen als Schauplatz alles Kulturlebens und der Weltproduktion — Europa nach seiner 
wirtschaftsgeographischen Veranlagung und Bedeutung — die einzelnen Kulturstaaten nach 
ihrer wirtschaftlichen Entfaltung: all dies wird in anschaulicher und großzügiger weise 
vorgeführt. 
s. a. Altertums Amerika; Bevölkerungslehre; Deutschland; Eisen 
bahnen; England; Frauenarbeit; Geographie; ļfandel; Handwerk; Japan; 
Internationalismus; Konsumgenossenschaft; Landwirtschaft; Nom; Schiff 
fahrt; Soziale Bewegungen; Verkehrsentwicklung; Weltwirtschaft. 
Zahnpflege. Das menschliche Gebiß, seine Erkrankung und Pflege, von 
Zahnarzt Fritz Jäger. INit 24 Abbildungen und einer Doppeltafel. 
(Nr. 229.) 
Schildert die Entwicklung und den Aufbau des menschlichen Gebisses, die Erkrankungen der 
Zähne an sich, die Wechselbeziehungen zwischen Zahnzerstörnis und Gesamtorganismus und 
sucht vor allem zu zeigen, wie unserer Jugend durch geeignete Ernährung und Zahnpflege 
ein gesundes Gebiß geschaffen und erhalten werden kaun. 
Zoologie s. Ameisen; Bakterien; Haustiere; Korallen; INensch; Plankton; 
Tierleben; vogelleben.
        <pb n="207" />
        39 
ñus Natur und Geisteswelt. 
Jeder Land geheftet ITC. 1.—, in Leinwand gebunden ITC. 1.25. 
Übersicht nach Verfassern. 
Band-Nr. 
Abel, Ehemie in Küche und Haus . 76 
Abelsdorff, Vas A ge .... 149 
st t) re ns, Mathematische Spiele . . 170 
Alkoholismus. d., seine Wirkungen 
u. seine Bekämpfung, 3 Böe. 103.104.145 
strndt, K., Elektrochemie .... 234 
— p., veutschiands Stellung in der 
Weltwirtschaft 179 
stuerbach, Die Grundbegriffe der 
modernen Naturlehre 40 
v. Bardeleben, Anatomie des 
Menschen. 4 Bde 201—204 
Bao int, Natürliche und künstliche 
Pflanzen und Tierstoffe .... 187 
Biedermann, Die techir. Lntwickl. 
der Eisenbahnen der Gegenwart . 144 
Bienengräber, Die Jurisprudenz 
im Häusl. Leben. 2 Bde. . . 219/20 
Bi er na dt, Die mod. Heilwissenschaft 25 
Bitterauf, Napoleon 1 195 
— Friedrich der Große 246 
Blau, Das Automobil 166 
Bloch, Soziale Kämpfe im alten Rom 22 
Blockmann, Luft, Wasser, Licht und 
Wärme 5 
— Grundlagen der Elektrotechnik. . 168 
Bock, vie Uhr 216 
Boehmer, Jesuiten 49 
— Luther im Lichte der neueren 
Forschungen 113 
Bott g a röt, vie Naturwissenschaften 
im Haushalt. 2 Bändchen. 125. 126 
Bonhofs, Jesus u. seine Zeitgenossen 89 
B ö r n st e i n, vie Lehre von d. Wärme 172 
Börnstein undMardwald, Sicht 
bare und unsichtbare Strahlen . 64 
Braasch, Religiöse Strömungen. . 66 
Brid, Lntwidlung der Telegraphie 235 
Bruinier, Das deutsche Volkslied . 7 
Bruns, Vie post 165 
— vie Telegraphie 183 
Brüsch, vie Beleuchtungsarten der 
Gegenwart 108 
Buchgewerbe u. die Kultur, (vor- 
träge v. : Fade, Hermelink, Kautzsch, 
waentig, Witkowski und wuttke) 182 
Bud)iier, 8 Vorträge aus der Ge 
sundheitslehre 1 
Burgerstein, Schulhygiene ... 96 
Bürkner, Kunstpflege in Haus und 
Heimat 77 
Busse, Weltanschauungen der großen 
Philosophen 56 
Tharmatz, Österreichs innere Ge 
schichte von 1848 bis 1907. 2 Bände 242 
TIa aßen, vie dtsche Landwirtschaft 215 
Lohn, Führende Denker 176 
Lrantz, Arithmetik und Algebra 
2 Bände 120. 205 
vaenell, Geschichte der ver. Staaten 
von Amerika 147 
Dietrich, Byzant. Lharakterköpfe . 244 
v. vuhn, Pompeji 114 
Band-Nr. 
Ldstein, Der Kampf zwischen Mensch 
und Tier 18 
(Erbe, Historische Städtebilder aus 
Holland und Niederdeutschland . 117 
Flügel, Herbarts Lehren und Leben 164 
Franz, Der Mond 90 
Frech, Aus d. Vorzeit d.Lrde. 5Böe. 207/211 
Frentzel, Ernährung und Volks 
nahrungsmittel 19 
Fried, Die mod. Friedensbewegung 157 
— Das internat. Leben der Gegenwart 226 
Gaehde, Vas Theater 230 
ffiaupp, Psychologie des Kindes. . 213 
(5 eff den, Aus der Werdezeit des 
Christentums 54 
Gerber, Die menschliche Stimme . 136 
Giesebrecht, Die Grundzüge der 
israelitischen Religionsgeschichte . 52 
Giesen Hagen, Unsere wichtigsten 
Kulturpflanzen 10 
Gisev lus, werd. ».vergeh, d. pflanz. 173 
Goldschmidt, vieTierwelt d.Mikrosk. 160 
— Die Fortpflanzung der Tiere . .253 
Graetz, Licht und Farben .... 17 
Graul, Dstasiatische Kunst. ... 87 
Gruber, Deut^es Wirtschaftsleben 42 
— wirtschaftliche Erdkunde.... 122 
Günther, Das Zeitalter der Ent- 
dedungen 26 
Gutzeit. Bakterien 233 
Hahn, Die Eisenbahnen 71 
Haendde, Deutsche Kunst im tägl. 
Leben 198 
v. Hansemann, Der Aberglaube in 
der Medizin 83 
Hartwig, Das Stereoskop.... 135 
Hassert. Die Polarforschung ... 38 
— Die deutschen Städte 163 
Haushofer, Bevölkerungslehre. . 50 
Haus rath, Der deutsche Wald . . 153 
Heigel, politische Hauptströmungen 
in Europa im 19. Jahrhundert . 129 
Heil, Die deutschen Städte und Bürger 
im Mittelalter 43 
Heilborn, Die deutschen Kolonien. 
(Land und Leute) 98 
— Der Mensch 62 
Hellwig, verbrechen u. Aberglaube 212 
Hennig.Linführ.i.d.Wesen d.Musik 119 
Hennings, Tierkunde. Line Ein 
führung in die Zoologie.... 142 
Hensel, Rousseau 180 
Hesse, Abstammungslehre und Dar 
winismus 39 
Hubrich, Deutsches Fürstentum und 
deutsches Verfassungswesen ... 80 
Jäger, Das menschliche Gebiß . . 229 
Janson, Meeresforsch.u.Meeresleben 30 
Ihering, wasserkraftmaschinen und 
die Ausnützung der Wasserkräfte 228 
Jlberg, Geisteskrankheiten. . . . 151 
Ist el, Die Blütezeit der musika 
lischen Romantik in Deutschland . 239
        <pb n="208" />
        ñus Natur und Geisteswelt. 
Jeder Band geheftet IN. I.—, in teinwand gebunden IN. 1.25. 
Banb.tlr. 
Bah le, Ibsen, Björnfon u. t. Zeitgenoss. 193 
Kairo eft, Die Stellung der Religion 
im Geistesleben 225 
Kampffmeyer, Die Gartenstadt- 
bewegung 259 
Kaupe, Der Säugling 154 
Kautzsch, Die deutsche Illustration. 44 
Keller, Die Stammesgeschichte un 
serer Haustiere 252 
Kirchhofs, Mensch und Erde. . . 31 
Kirn, Die sittlichen Lebenanschau 
ungen der Gegenwart . . . .177 
Knabe, Gesch. des deutschen Schulroes. 85 
Kn au er, Zwiegestalt der Geschlechter 
in der Tierwelt 148 
— Die Ameisen 94 
Köhler, Moderne Rechtsprobleme . 128 
Kowalewski, Infinitesimalrechnung 197 
Kraepelin, Die Beziehungen der 
Tiere zueinander 79 
Krebs, Haydn, Mozart, Beethoven 92 
Kreidig, Die 5 Sinne des Menschen 27 
Külpe, Die Philosophie d. Gegenwart 41 
— Immanuel Kant 146 
Kfinimell, Photochemie 227 
Küster, Vermehrung und Sexualität 
bei de» Pflanzen 112 
Küppers, Volksschule und Lehrer 
bildung der ver. Staaten . . . 150 
Comperi, DieEBeltöer(Organismen 236 
Lange, Schachspiel.- 
Langenbeck, Englands Weltmacht 174 
— Geschichte des deutschen Handels. 237 
Laughlin, Ñus dem amerikanischen 
Wirtschaftsleben 127 
Launhardt, ctm sausenden Web 
stuhl der Zeit 23 
Lay, Experimentelle Pädagogik . . 229 
Lehmann, Mystik im Heidentum ». 
Christentum 217 
Leid, Krankenpflege 152 
Läb, Grundlage» der Chemie. . 
Coening, Grundzüge der Verfassung 
des Deutschen Reiches 34 
Lotz, Verkehrsentwicklung in Deutsch 
land. 1800—1900 15 
Luschinv.Lbengreuth, D.Münze 91 
Maas, Lebensbedingungen der Tiere 139 
M a i e r, Soziale Beweg, u. Theorien 2 
von Maltzahn, Der Seekrieg . . 99 
Manes.Grnndz.d. versicherungswes. 105 
Maennel, vom Hilfsschulwesen . 73 
Martin, Die höhere Mädchenschule 
in Deutschland 65 
Riatti) a ei, Deutsche Baukunst im 
Mittelalter 8 
May, Korallen .... . . 231 
Mayer, Heizung und Lüftung . . 241 
Mehlharn, Wahrheit und Dichtung 
im Leben Jesu 137 
Merckel,Bildera.d.Ingenieurtechnik 60 
— Schöpfungen der Ingenieurtechnik 
der Reuzeit 28 
Hier in g er, Das deutsche Haus und 
sein Hausrat . . . .116 
Band-Rr. 
Mie, Moleküle — Atome — Weltäther 58 
Miehe, Die Erscheinungen des Lebens 130 
Rii elfe, Das deutsche Dorf . . .192 
Möller, Deutsches Ringen nach Kraft 
und Schönheit. 1 188 
Möller, Nautik 255 
Müller, Techn.Hochschulen v.Nordam. 190 
— Bilder aus der chemischen Technik 191 
Natarp, Pestalozzi: Sein Leben und 
seine Ideen 250 
v. tiegelein, Gemi. Mythologie . 95 
Neurath, Antike Wirtschaftsgeschichte 
Oppenheim, Das astronomische 
Weltbild im Wandel der Zeit. .110 
Otto, Das deutsche Handwerk. . . 14 
— Deutsches Frauenleben .... 45 
Pabft, Die Knabenhandarbeit . . 140 
Paulsen, D. deutsche Bildungsweseir 100 
perry, Die amerik. Universität. . 206 
Peter, Die.Planeten 240 
Petersen, Öffentliche Fürsorge für 
die hilfsbedürftige Jugend. . . 161 
— Öffentliche Fürsorge für die sittlich 
gefährdete Jugend 162 
Petzald, Das weltprablem . . . 133 
pfannkuche, Relig.u.Naturwissensch. 141 
pischel, Lebe» u. Lehre des Buddha 109 
Pohle, Entwicklung des deutschen 
Wirtschaftslebens im 19. Jahrh. . 57 
pallitz, Psychologie des Verbrechers 248 
poensgen, Das Wahlrecht . . . 249 
v. Portugal!, Friedrich Fröbel. . 82 
Pott, Der Text ü. Neuen Testaments 
nach seiner geschichtl. Liitwicklung 134 
Rand, Kulturgeschichte des deutschen 
Bauernhauses 121 
Rand, Geschichte der Gartenkunst . 
Rath ge», Die Japaner 72 
Rehm, Dtsch. Volksfeste U. Volkssitten 214 
Rehmke, Die Seele des Menschen . 36 
Reu kauf, DiePslanzenweltd.Mikrosk. 181 
Richert, Philosophie 186 
— Schopenhauer 81 
Richter, Einführung i. d. Philosophie 155 
Rietsch, Grundlagen der Tonkunst. 178 
von Rohr, Optische Instrumente . 88 
Sachs, Bau u. Tätigkeit des mensch 
lichen Körpers 32 
Schapire-Neurath, Friedrich Hebbel 238 
Scheffer, Das Mikroskop .... 35 
Scheid, Die Rletalle 29 
Schilling, Fortbildungsschulwesei,. 
Scheiner, Der Bau des Weltalls . 24 
Sei) irrn ad) er, Die mod. Frauenbew. 67 
Schmidt, Geschichte des Welthandels 118 
Schubring, Rembrandt .... 158 
Schumburg, Die Tuberkulose . . 47 
— Die Geschlechtskrankheiten . . .251 
Schwarze, Herbert Spencer’. . . 245 
Schwemer, Restauration u. Revalut. 37 
— Die Reaktion und die neue Ara . 101 
— vom Bund zum Reich. . . 102 
Sieper, Shakespeare 185 
von Soden, Palästina . ... 6 
Sodeur, Johann Calvin . . . .247
        <pb n="209" />
        41 
Ñus Natur und Geisteswelt. 
Jeder Band geheftet ITC. 1.—, in Leinwand gebunden ITC. 1.25. 
Band-Nr. 
von Lothen, vom Kriegswesen im 
19. Jahrhundert 59 
Spierò, Geschichte der deutschen Lyrik 
seit Tlaudius 254 
Spiro, Geschichte der Musik . . .143 
Stau dinger, Konsumgenossenschaft 222 
Stein, Vie Anfänge d. menschl. Kultur 93 
Steinhausen, Germanische Kultur 
in der Urzeit 75 
Sticher,Line Gesundheitsl.f.Frauen 171 
Strauß, Mietrecht 194 
Teichman n.D.Besruchtungsvorgang 70 
Lews, Schulkämpfe der Gegenwart 111 
— Mod.Erziehung in Haus undSchule 159 
Thieß, Deutsche Schiffahrt. ... 159 
Thomsen, Palästina nach seinen 
neuesten Ausgrabungen .... 260 
Thurn, Die Funkentelegraphie . .167 
Tobler, Kolontalbotanik . . . .184 
Tolksdorf, Gewerblicher Rechts- 
schütz in Deutschland 138 
Trömner, Hypnotismus und Sug. 
gestion 199 
Uhl, Entstehung und Entwicklung 
unserer Muttersprache 84 
Unger, wie ein Such entsteht . . 175 
Unold, Aufgaben und Ziele des 
Menschenlebens 12 
Vater, Hebezeuge 196 
— Theorie und Bau der neueren 
Wärmekraftmaschinen 21 
— Die neueren Fortschritte auf dem 
Gebiete der Wärmekraftmaschinen 86 
Band-Ur. 
Vater, Dampf und Dampfmaschine 63 
verwarn, Mechanikd.Geisteslebens 200 
voges, Der Dbstbau 107 
Voigt, Deutsches vogelleben . . .221 
volbehr, Bauu.Lebend.bild.Kunst 68 
wahrmund, Ehe und Eherecht. . 115 
walze!, Deutsche Uomantik . . . 232 
Weber, wind und Wetter. ... 55 
— von Luther zu Bismarck. 2 Bde. 123.124 
— 1848 53 
Wedding, Lisenhüttenwesen ... 20 
weinel, Die Gleichnisse Jesu . . . 46 
Weinstein, Entstehung der Welt 
und der Erde 223 
weise, Schrift- und Buchwesen in 
alter und neuer Zeit 4 
— Die deutschen Volksstämme und 
Landschaften 16 
wieler, Kaffee, Tee, Kakao und die 
übrigen narkot. Aufgußgetränke . 132 
wilbrandt, Die Frauenarbeit. . 106 
wislicenus, Der Kalender ... 69 
Witkowski, Das deutsche Drama 
des 19. Jahrhunderts 51 
wustmann, Albrecht Dürer ... 97 
Zacharias, Süßwasserplankton . . 156 
Zander, vom Nervensystem ... 48 
— Die Leibesübungen 13 
Ziebarth, Kulturbild.a.griech.Städt. 131 
Siegler, Allgemeine Pädagogik. . 33 
— Schiller 74 
v. Zwiedineck-Südenhorst, Ar 
beiterschutz u. Arbeiterversicherung 78 
Übersicht nach Wissenschaften geordnet. 
Allgemeines vildungswesen. 
Erziehung und Unterricht. 
Das deutsche Bildungswesen in seiner ge- 
schichtl. Entwicklung: Prof. Dr. Fr. Paulsen. 
Allgemeine Pädagogik: Prof. Dr. Th. Ziegler. 
Experimentelle Pädagogik: Dr. w. A. Lay. 
Moderne Erziehung in Haus und Schul«: 
Lehrer I. Tews. 
Geschichte des deutschen Schulwesens: vir. 
Dr. K. Knabe. 
SchulkäinpfederGegenwart: LehrerI.Tews. 
vie höhere Mädchenschule in Deutschland: 
Dberlehrerin M. Martin, 
vom ksilfsschulwesen: Rekt. Dr. B. Maennel. 
Das deutsche Fortbildungsschulwesen: Dr. 
Friedrich Schilling. 
vie Knabenhandarbeit in der heutigen Er 
ziehung: Direktor Dr. A. padst. 
Deutsches Ringen nach Kraft und Schönheit: 
Turninsp. F. A. Möller. 2 Bände. I. von 
Schiller bis Lange. 
Schulhygiene: Professor Dr. L. Burgerstein. 
Die öffentl. Fürsorge für die hilfsbedürftige 
Jugend. Die öffentliche Fürsorge f. d. sitt 
lich gefährdete und die gewerblich tätige 
Jugend: Direktor Dr. I. Petersen. 2 Bde. 
Die amerikanische Universität: prof. E. v. 
Perry, Ph. D. 
Technische Hochschulen in Nordamerika: prof. 
Dr. S. Müller. 
Volksschule u. Lehrerbildung d. vereinigten 
Staaten: vir. Dr. Fr. Kuypers. 
Pestalozzi: Sein Leben und seine Ideen: 
Prof. Dr. p. Natorp. 
Herbarts Lehren u. Leben: Pastor D. Flügel. 
Friedrich Fröbel: A. v. Portugal!. 
Nelļgionswiftenschaft. 
Leben u.Lehre k Buddha: Prof. Dr. R. pischel. 
Mystik im Heidentum u. Thristentum: voz. 
Dr. Edv. Lehmann. 
Palästina und seine Geschichte: Prof. Dr. H. 
Frh. v. Soden. 
Palästina nach den neuesten Ausgrabungen: 
Gymnasialoberlehrer Dr. Peter Thomsen. 
Die Grundzüge der israelitischen Religions 
geschichte: Prof. Dr. Fr. Giesebrecht. 
Die Gleichnisse Jesu: Prof. Dr. H. weinel. 
Wahrheit und Dichtung im Leben Jesu: 
Pfarrer Dr. p. Mehlhorn. 
Jesus u. s. Zeitgenossen: Pastor K. Bonhoff. 
Der Text des Reuen Testaments nach seiner ge- 
schichtl. Lntwickl.: Div.-Pfarr. A. Pott.
        <pb n="210" />
        42 
ñus Natur und Geisleswelt. 
Jeder Band geheftet ITC. 1.—, in Leinwand gebunden IN. 1.25. 
ñus der Werdezeit des Christentums: Prof. 
Dr. 3- Eeffcken. 
Luther im Lichte der neueren Forschung: 
Prof. Dr. f). Boehmer. 
Johann Tatuin: Pfarrer Dr. ©. Sodeur. 
Die Jesuiten: Prof Dr. H. Soehmer. 
Die religiösen Strömungen der Gegenwart: 
Superintendent Dr. st. H. vraasch. 
Die Stellung der Religion im Geistesleben: 
Dir. Lie. Dr. p. Kalweit. 
Religion und Naturwissenschaft in Rampf 
und Frieden: Pastor Dr. st. pfannkuche. 
Philosophie und Psychologie. 
Einführung in die Philosophie: Prof. Dr. 
R. Richter. 
Philosophie. Einführung in die wissensch., ihr 
Wesen u. ihre Probleme: Direktor H.Richert. 
Führende Denker: prof. Dr. 3- Tohn. 
Die Weltanschauungen der großen philo- 
sophen der Neuzeit: Prof. Dr. L. Susse. 
Die Philosophie der Gegenwart in Deutsch» 
lanü: Prof. Dr. ®. Kiilpe. 
Rousseau: Prof. Dr. p. Hensel. 
Immanuel Rant: prof. Dr. ®. Kiilpe. 
Schopenhauer: Direktor H. Richert. 
Herbarts Lehre u. Leben: Pastor G. Flügel, 
kserbert Spencer: Dr. p. Schwarze. 
Das Weltproblem o. positivistischem Stand 
punkt aus: privatdozenl Dr. 3- Petzoldt. 
stufg. u. Siele d. Menschenleb.: Dr. 3- Unold. 
Sittliche Lebensanschauungen -.Gegenwart: 
Prof. Dr. ©. Kirn. 
Mechanik des Geisteslebens: Prof. Dr. M. 
verwarn. 
Hypnotismus und Suggestion: Nervenarzt 
Dr. E. Trömner. 
Psychologie des Kindes: Prof. Dr. R. Gaupp. 
Psychologie des Verbrechers: Dr. p.pollitz. 
Die Seele des Menschen: Prof. Dr. 3. Rehmke. 
Literatur und Sprache. 
Schrift- und Suchwesen: Prof. Dr. ffi. weise. 
Entstehung u. Entwicklung unserer Mutter 
sprache: Prof. Dr. w. Uhl. 
Das deutsche Volkslied: Dr. 3- BL Sruinier. 
Friedrich Hebbel : Dr. stnna Schapire-Neurath. 
Schiller: Prof. Dr. LH. Siegler. 
Deutsch« Romantik: Prof. Dr. G. walzel. 
Das deutsche Drama des 19. 3«hrh.: Prof. 
Dr. G. Witkowski. 
Das Theater: Dr. Ehr. Gaehde. 
Geschichte der deutschen Lyrik seit Tlaudius: 
Dr. fj. Spierò. 
Henrik Ibsen, Sjörnstjerne vjörnson u. ihre 
Zeitgenossen: Prof. Dr. v. Kahle. 
Shakespeare: Prof. Dr. E. Sieper. 
Bildende Kunst und Musik. 
Bau und Leben der bildenden Kunst: Dir. 
Dr. Th. volbehr. 
Deutsche Saukunst im Mittelalter: Prof. Dr. 
st. Mattbaei. 
Die dtsch. Illustration: Prof. Dr. R. Kautzsch. 
Deutsche Kunst im tägl. Leben bis z. Schluß 
des 18. 3ahrh. : Prof. Dr. S. Haendcke. 
stlbrecht Dürer: Dr. R. wustmann. 
Rembrandt: prof. Dr. p. Schubring. 
Die ostasiatische Kunst: Dir. Dr. R. Graul. 
Kunstpflege in Haus u. Heimat: Super. R. 
Sürkner. 
Geschichte der Musik: Dr. Fr. Spiro. 
Haydn,Mozart,Seetboven: prof.Dr.T.Krebs. 
Die Grundlag. d. Tonkunsl: Prof. Dr. H.Rietsch. 
Einführung in das Wesen der Musik: Prof. 
T. R. Hennig. 
Die Blütezeit der musikalischen Romantik in 
Deutschland: Dr. E. Istel. 
Geschichte u. Kulturgeschichte. 
Die stnfänge der menschlichen Kultur: Prof. 
Dr. L. Stein. 
Kulturbilüer aus griechischen Städten: tvber» 
lehrer Dr. &lt;E. Siebarth. 
Pompeji, eine hellenistische Stadt in Italien: 
prof. Dr. F. v. Duhn. 
Soziale Kämpfe im alten Rom: Priv.-Doz. 
Dr. L. Bloch. 
Byzantinische Tharakterköpfe: Dr. K. 
Dieterich. 
Germanische Kultur in der Urzeit: Prof. 
Dr. ffi. Steinhausen. 
Germanische Mythologie: Dozent Dr. 3- v. 
Regelet». 
Kulturgeschichte des deutschen Bauernhauses: 
Reg.-Baumeister Ehr. Rand. 
Das deutsche Dorf: R. Mielke. 
Das deutsche Haus und sein Hausrat: Prof. 
Dr. R. Meringer. 
Deutsche Städte und Bürger im Mittelalter: 
Prof. Dr. B. Heil. 
Deutsche Volksfeste u. Volkssitten: H. §. Rehm. 
Historische Stäütebilüer aus Holland und 
Niederdeutschland: Reg.-Baum. st. Erbe. 
Das deutsche Handwerk in seiner kultur- 
geschichtl. Lntwickl.: Dir. Dr. Ed. &lt;vtto. 
Deutsches Frauenlsben im Wandel der 3ahr- 
hunderte: Dir. Dr. Ld. Otto. 
Buchgewerbe und die Kultur: Professoren 
Dr. R. Focke, Dr. ffi. Witkowski, Dr. R. 
Kautzsch, Dr. R. wuttke, Dr. H. waentig, 
prioatdozent Lie. Dr. Hermeltnk. 
Die Münze als historisches Denkmal: Prof. 
Dr. st. Luschtn von Ebengreuth, 
von Luther zu Bismarck: Prof. Dr. &lt;v. Weber. 
2 Bände. 
politische Hauptströmungen in Europa im 
19. 3ahrhund.: Prof. Dr. K. Th. v. Heigel. 
Restauration u. Revol.: Prof. Dr. R.Schwemer. 
Dte Reaktion und die neue stra: Prof. Dr. 
R. Schwemer. 
vom Bund zum Reich: Prof. Dr. R. Schwemer. 
1848: Prof. Dr. ffl. Weber. 
Das Zeitalter der Entdeckungen Prof. Dr. 
§. Günther. 
Englands Weltmacht: Dr. w. Langenbeck. 
Napoleon I.: Priv.-Doz. Dr. Th. Bitterauf. 
Hjterreichs innere Geschichte von 1848 bis 
1907. 2 Bände. R. Tharmatz.
        <pb n="211" />
        43 
ñus Natur und Geisteswelt. 
Jeder Band geheftet ITC. 1.—, in Leinwand gebunden IN. 1.25. 
«beschichte der vereinigten Staaten: Prof. Dr. 
&lt;E. Darnell. 
vom Kriegswesen im 19. Jahrh. : Major ffl. 
v. Lothen. 
Der Seekrieg: vizeadmir. K. v. Maltzahn. 
Die mod. Friedensbewegung: Ñ. h. Fried. 
Die mod. Frauenbeweg.: Dr. K. Schirmacher. 
Der Kalender: Prof. Dr. tv. 5- wislicenus. 
Rechts- und Staatswissen 
schaft. Volkswirtschaft. 
Deutsches Fürstentum und deutsches Ver 
fassungswesen: Prof. Dr. (E. hubrich. 
Grundzüge der Verfassung des Deutschen 
Kelches: Prof. Dr. (E. Loening. 
Soziale Bewegungen: G. Maier. 
Internat. Leben der Gegenwart: fl. h. Fried. 
Geschichte des Welthandels: Dr. Schmidt. 
Geschichte des deutschen Handels: w. 
Langenbeck. 
Deutschlands Stellung in der Weltwirtschaft: 
Prof. Dr. p. Arndt. 
Deutsches Wirtschaftsleben: Dr. Gruber. 
Die «Entwicklung des deutschen Wirtschafts 
lebens im letzten Jahrh. : Prof. Dr. L. Pohle. 
Die deutsche Landwirtschaft: Dr. w. Tlaatzen. 
flus dem amerikanischen Wirtschaftsleben: 
Prof. Dr. J. L. Laughlin. 
Die Japaner und ihre wirtschaftliche «Ent« 
Wicklung: Prof. Dr. K. Rathgen. 
Die antike Wirtschaftsgeschichte: Dr. (Dtto 
Neurath. 
Gartenstadtbewegung : Generalsekretär Hans 
Kampffmeyer. 
Geschichte der Gartenkunst: Bauinspektor 
Reg.-Baumeister Kaiick. 
Bevölkerungslehre: Prof. Dr. M. Haushofer, 
flrbeiterschutz u. flrbeiterversicherung: Prof. 
Dr. ®. v. Zwiedineck-Südenhorst. 
Konsumgenossenschaft: Prof. Dr. Staudinger. 
Frauenarbeit: privatdoz. Dr. R. wilbrandt. 
Grundzüge des Versicherungswesens: Prof. 
Dr. fl. Manes. 
Verkehrsentwicklung in Deutschland 1800 bis 
1900: Prof. Dr. w. Latz. 
Das Postwesen: postrat J. Bruns. 
Die Telegraphie: postrat J. Bruns. 
Die Telegraphen- und Fernsprechtechnik: 
Telegr.-Insp. h. Brick. 
Deutsche Schiffahrt und Schiffahrtspolitik 
der Gegenwart: Prof. Dr. tt. Thieh. 
Moderne Rechtsprobleme: prof.Dr. J. Kohler, 
verbrechen ».Aberglaube: Kammergerichts 
referendar Dr. fl. hellwig. 
Die Jurisprudenz im Häusl. Leben: Rechts 
anwalt p. Bienengräber. 2 Bde. 1. Die 
Familie. II. Der Haushalt. 
«Ehe und Lherecht: Prof. Dr. L. wahrmund. 
Der gewerbliche Rechtsschutz: Patentanwalt 
B. Tolksdorf. 
Die Miete nach dem BGB.: Rechtsanwalt 
Dr. M. Strauß. 
Das Wahlrecht: Reg.-Rat Dr. p. poensgen. 
Erdkunde. 
Mensch und Erde: Prof. Dr. fl. Kirchhofs. 
Wirtschaft!.Erdkunde: Prof.Dr.Chr. Gruber. 
Die deutschen volksstSmme und Landschaften: 
Prof. Dr. ©. weise. 
Die deutschen Kolonien. Land und Leute: 
Dr. fl. heilborn. 
Die Städte, geogr. betrachtet: Prof. Dr. K. 
h assert. 
Die Polarforschung: Prof. Dr. K. hassert. 
Meeresforsch, u.Meeresleben: Dr.G.Ianson. 
Anthropologie. Heilwissen- 
schaft und Gesundheitslehre. 
Der Mensch: Dr. fl. heilborn. 
Die Anatomie des Menschen: Prof. Dr. K. 
v. Bardeleben. 4 Bde. I. flllg. Anatomie 
und Entwicklungsgeschichte. II Das Skelett. 
III. Das Muskel- u. Gefäßsystem. IV. Die 
Eingeweide. 
Bau und Tätigkeit des menschl. Körpers: 
Privatdozent Dr. h. Lachs. 
Acht Vorträge aus der Gesundheitslehre: 
prof. Dr. fi. Buchner. 
Di« moderne Heilwissenschaft: Dr. Biernacki. 
Der Aberglaube in der Medizin: Prof. Dr. 
D. v. Hansemann. 
Die Leibesübungen: Prof. Dr. R. Zander. 
Ernährung und Volksnahrungsmittel: Prof. 
Der fllkoholismus, seine Wirkungen und sein« 
Bekämpfung. 3 Bde. 
Krankenpflege: Ehefarzt Dr. B. Leick. 
vom Nervensystem: Prof. Dr. R. Zander. 
Geisteskrankheiten: Gberarzt Dr. G. Ilberg. 
Die Geschlechtskrankheiten: Gen.-®berarzt 
Prof. Dr. Schumburg. 
Die fünf Sinne des Menschen: Prof. Dr. T. 
Kreidig. 
Psychologie des Kindes: Prof. Dr.R. Gaupp. 
Hypnotismus ».Suggestion: Dr.E.Trömner. 
Das Auge des Menschen: Privatdozent Dr. 
G. flbelsdorff. 
Die menschliche Stimme: Prof.Dr. Gerber. 
Das menschl. Gebiß, seine «Erkrankung und 
seine pflege: Zahnarzt Fr. Jäger. 
Die Tuberkulose: Gen.-&lt;vberarzt Prof. Dr. 
w. Schumburg. 
Der Säugling: Kinderarzt Dr. w. Kaupe. 
Gesundheitslehre für Frauen: privatdoz. 
Dr. R. Lticher. 
Naturwissenschaften. 
Mathematik. 
Die Grundbegriffe der modernen Naturlehre : 
Prof. Dr. F. Auerbach. 
Moleküle, Atome, Weltäther: Prof. Dr. G.Mie. 
Das Licht u. die Farben: Prof. Dr. L. Graetz. 
Sichtbare». unsichtbareStrahle»: Professoren 
Dr. R. Börnstein u. Dr. 11). Marckwald. 
Grundlagen der Chemie: Dr. Walter Löb.
        <pb n="212" />
        Ñus Natur und GeistesweH. 
Jeder Band geheftet IN. 1.—, in Leinwand gebunden IN. 1.25. 
Die optischen Instrumente: Dr. 1ÏÏ. v. Rohr. 
Das Mikroskop: Dr. w. Scheffer. 
Das Stereoskop: Prof. Th. Hartwig. 
Die Lehre», d. Wärme: Prof. Dr. R. Börnstein. 
Luft, Wasser, Licht und Wärme: Prof. Dr. 
R. Blochmann. 
Natürliche und künstliche pflanzen- u. Tier 
stoffe: Oberlehrer Dr. B. Bavink. 
Die Erscheinungen des Lebens: privatdoz. 
Dr. Ej. Miche. 
Abstammungslehre und Darwinismus: Prof. 
Dr. R. Hesse. 
Der Befruchtungsvorg.: Dr. E. Teichmann, 
werden und vergehen der Pflanzen: Prof. 
Dr. p. Gisevius. 
Vermehrung u. Sexualität b. d. pflanzen: 
Professor Dr. E. Rüster. 
Unsere wichtigsten Rulturpflanzen: Prof. Dr. 
R. Giesenhagen. 
Der deutsche Wald: Prof. Dr. H. Hausrath. 
Der Obstbau: Dr. L. voges. 
Rolonialbotanik: privatdoz. Dr. $r. Tobler. 
Raffce, Tee, Rafao: Prof. Dr. fl. wieler. 
Die Pflanzenwelt des Mikroskops: Bürger 
schullehrer L. Reukauf. 
Die Beziehungen der Tiere zueinander und 
zur Pflanzenwelt: Prof. Dr. R. Rraepelin. 
Tierkunde. Einführung in die Zoologie: Pri 
vatdozent Dr. &lt;E. Hennings. 
Die Stammesgeschichte unserer Haustiere: 
Prof. Dr. L. Relier. 
Die Fortpflanzung der Tiere: Priv.-Doz. 
Dr. Goldschmidt. 
Deutsches Pogelleben: Prof. Dr. fl. Voigt, 
florallen u.and. gesteinsbilüende Tiere: p rof. 
Dr. w. May. 
Lebensbedingungen u. Verbreitung der Tiere : 
Prof. Dr. ffl. Maas. 
Die Tierwelt d. Mikroskops (Urtiere): Priv.- 
Doz. Dr. R. Goldschmidt. 
Die Bakterien: Prof. Dr. &lt;E. Gutzeit. 
Die Welt d. Organismen : Prof. Dr. Lampert. 
Swiegestalt der Geschlechter in der Tierwelt: 
Dr. Fr. Knauer. 
Die Ameisen: Dr. Fr. Rnauer. 
Das Süßwasser - Plankton : Direktor Dr. ©. 
Zacharias. 
Der Kampf zwischen Mensch u. Tler: Prof. 
Dr. R. Eckstein. 
wind und Wetter: Prof. Dr. L. Weber. 
Der Sau des Weltalls: Prof. Dr. I. Lcheiner. 
Die Entstehung der Welt und der Erde nach 
Sage u. Wissenschaft: Geh. Reg.-Rat Prof. 
D. M. B. Weinstein. 
Das astronomische Weltbild im Wandel der 
Zeit: Prof. Dr. S. Oppenheim. 
Der Mond: Prof. Dr. I. Franz. 
Der Ralender: Prof. Dr. w. F. wislicenus. 
flus der Vorzeit der Erde: Prof. Dr.Fr.Frech. 
5 Bände. l. Gebirgsbau und Vulkanismus. 
(In vorb.) 2. Rohlenbildung und Rlima 
der Vorzeit. (In vorb.) 3. Die Arbeit des 
fließenden Wassers. Eine Einleitung in 
die physikalische Geologie. Die Werke 
des Wassers im Ozean und Erüinnern. 
5. Gletscher und Eiszeit. 
Arithmetik und Algebra: Prof. P. Trantz. 
2 Bände. 
Einführung in die Infinitesimalrechnung: 
Prof. Dr. ñ. Rowalewsky. 
Mathematische Spiele: Dr. w. Ahrens. 
Angewandte Naturwissen 
schaft. Technik. 
Am sausenden Webstuhl der Zeit: Prof. Dr. 
w. Launhardt. 
Die Uhr. Grundlagen und Technik der Zeit 
messung :Regierungs-BauführerIngenieur 
H. Bock. 
Bilder aus der Ingenieurtechnik: Baurat 
R. Merckel. 
Schöpfungen der Ingenieurtechnik der Neu 
zeit: Baurat R. Merckel. 
Das Eisenhüttenwesen: Prof. Dr. H. Wedding. 
Die Metalle: Prof. Dr. R. Scheid. 
Hebezeuge: prof. R. Dater. 
Dampf und Dampfmaschine: Prof. R. 
Vater. 
Einführung in die Theorie und den Bau der 
neueren Wärmekraftmaschinen: Prof. R. 
Vater. 
Neuere Fortschritte auf dem Gebiete der 
Wärmekraftmaschinen: Prof. R. Vater, 
wasserkrastmaschinen: Rais. Geh. Rat fl. 
». Ihering. 
Die Eisenbahnen, ihre Entstehung und gegen 
wärtige Verbreitung: Prof. Dr. F. Hahn. 
Heizung und Lüftung: Ingenieur Johann 
Lugen Mayer. 
Die technisch« Entwicklung der Eisenbahnen: 
Lisenbahnbau-Insp. E. Biedermann. 
Das Automobil: Ingenieur R. Blau. 
Grundlagen der Elektrotechnik: Dr. R. 
Blochmann. 
Telegraphie und Fernsprechtechnik in ihrer 
Entwicklung: Telegraphen-Inspektor H. 
Brick. 
Funkentelegraphie: Ober-Postpraktikant H. 
Thurn. 
Nautik: Oberlehrer Dr. H. I. Möller. 
Die Beleuchtungsarten der Gegenwart: Dr. 
w. Srüsch. 
wie ein Buch entsteht: Prof. fl. w. Unger. 
Natürliche und künstliche pflanzen- u. Tier- 
stoffe: Oberi. Dr. B. Bavink. 
Bilder aus der chemischen Technik: Dr. fl. 
Müller. 
Photochemie: Prof. Dr. G. Rümmell. 
Elektrochemie: Prof. Dr. R. Arndt. 
Die Naturwissenschaften im Haushalt: Dr. 
3. Bongardt. „ . 
Lhemie in Rüche». Haus: Prof.Dr. G.flbel.
        <pb n="213" />
        45 
Verlag von B. G. Te übn er in Leipzig und Berlin. 
Die Kultur der Gegenwart 
ihre Entwicklung und ihre Ziele. 
Herausgegeben von Prof. PAUL HINNEBERG. 
In 4 Teilen. Lex.-8. Jeder Teil zerfällt in einzelne inhaltlich voll 
ständig - in sich abgeschlossene und einzeln käufliche Abteilungen. 
Die „Kultur der Gegenwart“ soll eine systematisch aufgebaute, ge 
schichtlich begründete Gesamtdarstellung unserer heutigen Kultur 
darbieten, indem sie die Fundamentalergebnisse der einzelnen Kultur 
gebiete nach ihrer Bedeutung für die gesamte Kultur der Gegenwart 
und für deren Weiterentwicklung in großen Zügen zur Darstellung bringt. 
„Wenden wir aber unseren Blick zu den einzelnen Leistungen, die hier in reichlichster 
Fülle geboten sind, dann wissen wir in der Tat nicht, was wir herausgreifen und nennen 
sollen. Aus jedem Gebiete hat ja ein Meister seines Faches das Wichtigste kurz und 
übersichtlich gegeben, bald aus seiner Geschichte das Wesen des behandelten Gegen 
standes erläuternd, bald ihn in mehr prinzipieller und schematischer Form vor dem 
Leser ausbreitend. Abgesehen von dem Wert der hervorragenden Einzelleistungen erhält 
das ganze Unternehmen seinen besonderen Wert dadurch, daß es versucht, unser 
Wissen und Können zu einer möglichst systematischen Einheit zu verarbeiten. Damit 
wird es einem gebieterischen Bedürfnis unserer aus der seelischen Zerklüftung zur 
Einheit strebenden Zeit gerecht.“ (Deutsche Zeitung.) 
Bisher sind erschienen: 
Teil I, Abt. 1: Die allgemeinen Grundlagen der Kultur der 
iiPCTPnwiirf Inhalt: Das Wesen der Kultur: W. Lexis. — Das moderne Bil- 
ucguivvaii. dungswesen: Fr. Paulsen. — Die wichtigsten Bildungsmittel. 
A. Schulen und Hochschulen. Das Volksschulwesen: G. Schöppa. Das höhere 
Knabenschulwesen: A. Matthias. Das höhere Mädchenschulwesen: H. G au dig. 
Das Fach- und Fortbildungsschulwesen: G. Kersch enstein er. Die geisteswissen 
schaftliche Hochschulausbildung: Fr. Paulsen. Die naturwissenschaftliche Hochschul 
ausbildung: W. V. Dyck. B. Museen. Kunst- und Kunstgewerbe-Museen: L. Pallai. 
Naturwissenschaftlich-technische Museen: K. Kraepelin. C. Ausstellungen. Kunst- 
und Kunstgewerbe-Ausstellungen: J. Les sing. Naturwissenschaftlich-technische Aus 
stellungen: N. 0. Witt. D. Die Musik: G. Göhler. E. Das Theater: P. S ch 1 en th er. 
F. Das Zeitungswesen: K. Bücher. 0. Das Buch: R. Pietschmann. H. Die Biblio 
theken: F. Milkau. — Die Organisation der Wissenschaft: H. Diels. [XV u. 671 S.] 
1906. Geh. ai. 16.—, in Leinwand geb. M 18.—. 
„Die berufensten Fachleute reden über ihr Spezialgebiet in künstlerisch so hochstehender, 
dabei dem Denkenden so leicht zugehender Sprache, zudem mit einer solchen Konzen 
tration der Gedanken, daß Seite für Seite nicht nur hohen künstlerischen Genuß ver 
schafft, sondern einen Einblick in die Einzelgebiete verstattet, der an Intensität kaum 
von einem anderen Werke übertreffen werden könnte.“ (Nationalzeitung, Basel.) 
Teil I, Abt. 3, 1: Die orientalischen Religionen. à 
und die Religion der primitiven Völker: Ed. Lehmann. Die ägyptische Religion: 
A. Erman. - Die asiatischen Religionen: Die babylonisch-assyrische Religion: C. Be- 
zold. — Die indische Religion: H. Oldenberg. — Die iranische Religion: H. Otden- 
berg. — Die Religion des Islams: J. G old zi her. — Der Lamaismus: A. G. Grün 
wedel. — Die Religion der Chinesen: J. J. M. de Groot. — Die Religion der Japaner: 
a) Der Shintoismus: K. Florenz, b) Der Buddhismus: H. Haas. [VH u. 267 S.] 
1906. Geh. M. 7.—, in Leinwand geb. M 9.—. 
„Auch dieser Band des gelehrten Werkes ist zu inhaltvoll und zu vielseitig, um auf 
kurzem Raum gewürdigt werden zu können. Auch er kommt den Interessen des bil 
dungsbedürftigen Publikums und der Gelehrtenwelt in gleichem Maße entgegen. . . . 
Wahr ist es, daß der Versuch, so junge Wissensgebiete wie die hier bearbeiteten zu 
popularisieren, insofern gefährlich bleiben muß, als die Subjektivität des Autors, der in
        <pb n="214" />
        Die Kultur der Gegenwart. 
diesem Falle einem Laienpublikum gegenübersteht, sich nur allzu leicht eine schranken 
lose Herrschaft sichern kann, wodurch Fehler und Einseitigkeiten in die weitesten Kreise 
einzudringen vermögen. Der Ton vornehmer Zurückhaltung, der unser Buch durchweht, 
mildert indes diese Gefahr, und die regelmäßigen Verweise auf fremde Leistungen 
(Literaturangaben) drängen sie weiter zurück. Schließlich bürgt die Zahl und der Klang 
der Namen aller beteiligten Autoren dafür, daß ein jeder nur vom Besten das Beste zu 
geben bemüht war.“ (Berliner Tageblatt.) 
Teil I, Abt. 4: Die christliche Religion mit Einschluß der 
Israelitisch-jüdischen Religion. SÄÜ 
die Anfänge des Christentums bis zum Nicaenum (325): A. Jülicher. — Kirche und 
Staat bis zur Gründung der Staatskirche: A. Harnack. — Griechisch-orthodoxes 
Christentum und Kirche in Mittelalter und Neuzeit: N. Bonwetsch. — Christentum und 
Kirche Westeuropas im Mittelalter: K. Müller. — Katholisches Christentum und Kirche 
in der Neuzeit: F. X. Funk. Protestantisches Christentum und Kirche in der Neuzeit: 
E. Troeltsch. — Wesen der Religion und der Religionswissenschaft: E. Troeltsch. 
-Christlich-katholische Dogmatik: J. Pohle. — Christlich-katholische Ethik: J. Maus 
bach, — Christlich-katholische praktische Theologie : C. Krieg. — Christlich-protestan 
tische Dogmatik: W. Herrmann. — Christlich-protestantische Ethik: R. Seeberg. — 
Christlich-protestantische praktische Theologie: W. Faber. — Die Zukunftsaufgaben 
der Religion und die Religionswissenschaft: H. J. Holtz mann. [XI u. 752 S.) 1906. 
(2. Ausl. 1909 unter der Presse.) Geh. M. 16.—, in Leinwand geb. M. 18.—. Auch in 
2 Hälften: 1. Geschichte der christlichen Religion. Geh. M. 9.60, geb. M. 11.—. 2. Syste 
matisch-christliche Theologie. Geh. M. 6.60, in Leinwand geb. M. 8.—. 
„Die beiden christlichen Konfessionen sind hier, vielleicht zum erstenmal, in voller 
Parität nebeneinander behandelt, die berufenen Vertreter der einzelnen Disziplinen hüben 
und drüben tragen die Erkenntnis ihrer Wissenschaft mehr oder weniger überzeugend 
vor.. . . Forscher wie Harnack und Wellhausen schreiben das flüssigste Deutsch, das 
man sich wünschen kann; ihre Darstellungen, die großen und die kleinen, lesen sich, 
auch rein künstlerisch betrachtet, mit allem fesselnden Reiz abgestimmter Dichtungen. 
Die Kunst tut also der Gelehrsamkeit keinen Eintrag, beide gehen vielmehr den innigsten 
Bund ein. (Königsberger Hartungsche Zeitung.) 
Teil l, Abt. 5: Allgemeine Geschichte der Philosophie. 
Inhalt: Die Anfänge der Philosophie und die Philosophie der primitiven Völker: 
W. Wundt. — Die orientalische Philosophie des Altertums, Mittelalters und der Neuzeit. 
Indische Philosophie: H. Oldenberg. — Semitische Philosophie: J. Goldziher. — 
Chinesische Philosophie: W. Grube. — Japanische Philosophie : Jnouye. — Die euro 
päische Philosophie: Altertum: H. v. Arnim. Mittelalter: CI. Baeumker. Neuzeit: 
W.Windelband. [ca. 25 Bogen.] 1909. Geh. ca. M. 10.—, in Leinw. geb. ca. Jt 12.—. 
Tell I, Abt. 6: Systematische Philosophie. 
— Logik und Erkenntnistheorie : A. Riehl. — Metaphysik: W. Wundt. — Naturphilo 
sophie: W. Ostwald. — Psychologie: H. Ebbinghaus. — Philosophie der Ge 
schichte : R. Bücken. — Ethik : Fr. Paulsen. — Pädagogik : W. Münch. — Ästhetik : 
Th. Li pp s. — Die Zukunftsaufgaben der Philosophie: Fr. Paulsen. 2. Auflage. 
[X u. 435 S.[ 1908. Geh. M 10.—, in Leinwand geb. JÍ 12.— 
„Hinter dem Rücken jedes der philosophischen Forscher steht Kant, wie er die Welt in 
ihrer Totalität dachte und erlebte; der f neukantische‘, rationalisierte Kant scheint in 
den Hintergrund treten zu wollen, und in manchen Köpfen geht bereits das Licht des 
gesamten Weltlebens auf. Erfreulicherweise ringt sich die Ansicht durch, Philosophie 
sei und biete etwas anderes als die Einzelwissenschaften und das sog. unmittelbare 
Leben und der positive Gehalt der Philosophie selbst müsse in der transzendenten Reali 
tät oder wenigstens in der transzendentalen, auf methodischem Wege gewonnenen 
Struktur der einzelnen Weltinhalte und Verhaltungsformen aufgesucht werden.“ 
(Archiv für systematische Philosophie.) 
Teil 1, Abt. 7: Die orientalischen Literaturen. ļâķ"'r Literatur 
und die Literatur der primitiven Völker: E. Schmidt. — Die ägyptische Literatur: 
A. Er man. — Die babylonisch-assyrische Literatur: C. Bezold. — Die israelitische 
Literatur: H. Gunkel. — Die aramäische Literatur: Th. Nöldeke. — Die äthiopische 
Literatur: Th. Nöldeke. — Die arabische Literatur: M. J. de Goeje. — Die indische 
Literatur: R. Pischel. — Die aitpersische Literatur: K. Geldner. — Die mittelpersische
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        47 
Die Kultur der Gegenwart. 
Literatur: P. Horn. — Die neupersische Literatur: P. Horn. — Die türkische Literatur: 
P. Horn. — Die armenische Literatur: F. N. Finck. - Die georgische Literatur: F.N. 
Finck. — Die chinesische Literatur : W. Grube. — Die japanische Literatur : K.Florenz. 
[IX u. 419 S.] 1906. Geh. Jl 10.—, in Leinwand geb. M. 12.—. 
„Erich Schmidt eröffnet den Reigen mit einer einleitenden Diatribe über die Anfänge der 
Literatur und die Literatur der primitiven Völker, in die Probleme vortrefflich einführend. 
Erman behandelt die ägyptische Literatur sichtlich aus feinstem Verständnis heraus. Unter 
den semitischen Literaturen trägt die israelitische fast mühelos den Kranz davon. Gunkel 
behandelt sie, ihrer Formensprache innig nachspürend, und wieviel holt er so heraus, was 
geeignet ist, uns das Alle Testament neu und lebendig zu machen! Es ist Herders Geist, 
und doch wie anders! Die babylonisch-assyrische Literatur (Bezold), die aramäische 
und die äthiopische (Nöldeke) sind von Gelehrten ersten Ranges bearbeitet. Dann die 
arabische Literatur von de Goeje in herrlicher Darstellung. Weiter: die indische, all-, 
mittel-, neupersische, türkische, armenische, georgische. Die chinesische und japanische. 
Diese von Florenz in Tokio, von dem .Einzigen, der es machen konnte', wie mir ein 
Kundiger sagt. ...“ (Die Christi. Welt.) 
Teil I, Abt. 8: Die griechische und lateinische Literatur und 
Snrache Inhalt. I. Die griechische Literatur und Sprache. Die griechische 
r " Literatur des Altertums: U. y. Wilamowitz-Moellendorff. — Die 
griechische Literatur des Mittelalters: K. Krombach er. — Die griechische Sprache: 
J. Wackernagel. — II. Die lateinische Literatur und Sprache. Die römische Literatur 
des Altertums: Fr. Leo. — Die lateinische Literatur im Obergang vom Altertum zum 
Mittelaller : E. Norden. — Die lateinische Sprache: F. S kutsch. 2. Auflage. [VIII 
u. 494 S.| Geh. M. 10.—, in Leinwand geb. M. 12.—. 
i,. . . Wir erhalten hier die Summe der literarischen und sprachlichen Forschung unserer 
Zeit, in der Darstellung gleich ausgezeichnet durch die Weite des Gesichtskreises wie 
durch die Fülle und Originalität der leitenden Gesichtspunkte. Die Eigenart der Dar 
stellung ist darin begründet, daß sie von philologischem Detail gänzlich absehend nur 
die Triebkräfte des geistigen Lebens und ihre Entwicklung verfolgt und mit besonderer 
Liebe bei der allgemeinen Charakteristik der hervortretenden Persönlichkeiten verweilt. . . 
Und hinter jedem Abschnitte steht eine geist- und temperamentvolle Persönlichkeit, die 
der Darstellung durchweg den Stempel der Subjektivität ausdrückt, am meisten natürlich 
— dem Charakter ihres Verfassers entsprechend — in der Geschichte der griechischen 
Literatur im Altertum. . . .“ (Literarische Rundschau.) 
Teil I, Abt. 9: Die osteurop. Literaturen und die slawischen 
Snrarhpn Inhalt: Die slawischen Sprachen: V. von Jagiö. — Die slawischen 
F ^ " Literaturen. I. Die russische Literatur: A. Wesselovsky. II. Die 
polnische Literatur: A. Brückner. III. Die böhmische Literatur: J. Mâchai. IV. Die 
südslawischen Literaturen: M. Murko. — Die neugriechische Literatur: A. Thumb. — 
Die finnisch-ugrischen Literaturen. I. Die ungarische Literatur: F. Riedl. II. Die 
finnische Literatur: E. Setälä. III. Die esthnische Literatur: G. Suits. — Die litauisch 
lettischen Literaturen. I. Die litauische Literatur: A. Bezzenberger. II. Die lettische 
Literatur: E. Wolter. [Vili u. 396 S.[ 1908. Geh. á 10.—, in Leinwand geb. Ji 12.—. 
Der vorliegende Band sucht ein Bild zu geben von der eigenartigen, in einem besonderen 
Verhältnis des Gebens und Nehmens zur westeuropäischen Kultur stehenden Entwicklung 
der osteuropäischen Literaturen. Sie dürfen das allgemeinste Interesse beanspruchen, 
sei es die russische als „Beschützerin der Lebenswahrheit in der künstlerischen 
Darstellung“, die „auf das reale Leben des Volkes gestützt, aus dem Volkstum 
große Reichtümer gehoben“ und die durch ihren Einfluß auf Westeuropa sich 
einen hervorragenden Platz in der Weltliteratur gesichert, oder die ungarische, deren 
charakteristischster Vertreter Pelosi, „eine der hinreißendsten Gestalten der Welt- 
literatur , ein „Impressionist im höchsten Sinne des Wortes“, „übervoll mit tiefen 
Lie tu bien und Begeisterung an Natürlichkeit, Aufrichtigkeit, Einfachheit und Durchsichtig- 
ken m.t dem Volkslied wetteifert", oder die finnische, die „innerhalb siebzig Jahren 
die Entwicklung vom Stadium der Folklore, vom Volksepos zum Niveau der modernen 
Kicbtungen des heutigen Europa vollzogen hat“, in der „sich zu allen Zeiten Leute aus 
aen tiefsten Schichten des Volkes mit am literarischen Schaffen betätigt haben und in 
oer das Beste aus dem Schoße des Volkes selbst hervorgegangen ist“. 
Teil I Abt. 11, 1: Die romanischen Literaturen und Sprachen 
Elns u chluß des Keltischen. L 
- - einen. H. Zimmer. 2. Die einzelnen keltischen Literaturen, a. Die irisch-gälische 
K. Meyer, b. Die schottisch-gälische und die Manx-Literatur. c. Die kym- 
Literatur:
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        48 
Die Kultur der Gegenwart. 
rische (walisische) Literatur, d. Die komische und die bretonische Literatur: Ludwig 
Christian Stern. II. Die romanischen Literaturen. 1. Frankreich bis zum 
Ende des 15. Jahrhunderts. 2. Italien bis zum Ende des 17. Jahrhunderts. 3. Die 
kastilische und portugiesische Literatur bis zum Ende des 17. Jahrhunderts. 4. Frank 
reich bis zur Romantik. 5. Die übrige Romania bis zur Romantik. 6. Das 19. Jahr 
hundert: H.Morf. III. Die romanischen Sprachen: W. Meyer-Lübke. [VII u. 
499 S.] 1909. Geh. M. 12.—, in Leinw. geb. Ji 14.—. 
Eine Darstellung der romanischen Literaturen und Sprachen und ihrer Geschichte, aus- 
§ ehend von den diesen untergelagerten Literaturen der keltischen Stämme und ihrer 
prachen, die heute ,,halbverdorrte Reiser sind an einem einst gewaltigen indogermani 
schen Sprachstamme, der im 3. Jahrhundert v. Chr. seine grünen Äste vom Galaterland 
in Kleinasien über Mittel- und Westeuropa bis Kap Finisterre in Spanien und an die 
Küsten Donegals in Westirland ausbreitete“. Im Mittelpunkt steht die umfassende Be 
handlung der Literatur- und Sprachgeschichte der Romania, die neben dem germanischen 
und in steter, noch heute mannigfach lebendiger und fruchtbarer Wechselwirkung mit 
diesem den bedeutendsten europäischen Kulturkreis bildet, und unter dessen literarischer 
Führung das Abendland während fast sieben Jahrhunderten gestanden hat. Und ist 
heute an Stelle dieser Vormacht auch in die Literatur der freie Wettbewerb der Völker 
getreten, haben wir gelernt, Achtung vor dem Fremden und Liebe zum Eignen zu ver 
binden, stehen wir heute zugleich unter dem Zeichen der Heimatkunst und der Welt 
literatur, so darf eine Darstellung, wie jene Führung „erst beim mittelalterlichen Frankreich, 
hierauf beim Italien der Renaissance war, und dann, nachdem für kurze Zeit auch Spanien 
im Gefolge seiner Weltmachtstellung hervorgetreten war, zu Frankreich zurückkehrte, dem 
Frankreich des Klassizismus und der Aufklärung“, auf allgemeine Teilnahme rechnen. 
Teil II, Abt. 5, 1: Staat und Gesellschaft der neueren Zeit 
bis zur französischen Revolution. 
und Machtverschiebungen, b) Der moderne Staat und die Reformation, c) Die gesell 
schaftlichen Wandlungen und die neue Geisteskultur: F. von Bezold. II. Staat und Ge 
sellschaft des Zeitalters der Gegenreformation: E. Gothein. III. Staat und Gesellschaft 
zur Höhezeit des Absolutismus, a) Tendenzen, Erfolge und Niederlagen des Absolutis 
mus. b) Zustände der Gesellschaft, c) Abwandlungen des europäischen Staatensystems: 
R. Koser. (VH u. 349 S.] 1908. Geh. M. 9.—, in Leinwand geb. M. 11.—. 
Bietet eine Darstellung der staatlichen und kulturellen Entwicklung Westeuropas von der 
Zeit der Reformation, die zugleich „die Entstehungszeit der modernen Aufklärung und 
Naturwissenschaften“ ist, deren „führende Geister in ihrem Innersten das Bewußtsein 
einer neuen Ära tragen, deren Lauf mit ihnen einsetzt“, bis zum Beginn der großen 
Revolution aus der Feder der wohl besten Kenner der drei von ihr umfaßten Epochen, 
die alle deren mannigfaltige Entwicklungstendenzen zu jeweils einem einheitlichen Bilde 
zusammenfaßt und so ein wirkliches Verständnis dieser auch für die Gegenwart noch so 
bedeutsamen Zeiten zu vermitteln vermag. 
Teil II, Abt. 8: Systematische Rechtswissenschaft. à Recht^und 
der Rechtswissenschaft: R. Stammler. — Die einzelnen Teilgebiete: Privatrecht. Bürger 
liches Recht: R. Sohm. — Handels- und Wechselrecht: K. Gareis. — Versicherungs 
recht: V. Ehrenberg. — Internationales Privatrecht: L. v. Bar. — Zivilprozeßrecht: 
L. v. Seuffert. — Strafrecht und Strafprozeßrecht: F. v. Liszt. — Kirchenrecht: 
W. Kahl. — Staatsrecht: P. Laband. — Verwaltungsrecht. Justiz und Verwaltung: 
G. Anschütz. — Polizei-und Kulturpflege : E. Bernatzik. — Völkerrecht: F. v. Mar- ' 
titz. — Die Zukunftsaufgaben des Rechtes und der Rechtswissenschaft: R. Stammler. 
[X, LX u. 526 S.) 1906. Geh. M. 14.—, in Leinwand geb. M. 16.—. 
„Das in Deutschland geltende Recht in der unermeßlichen Summe der Einzelheiten darzustellen, 
war nicht die Aufgabe, die den Bearbeitern der verschiedenen Zweige der Rechtswissen 
schaft gestellt war. Wohl aber kam es darauf an, aus den Einzelheiten die beherrschenden 
Gedanken herauszulesen und die Grundsätze zu entwickeln, nach denen die heutige Welt 
ihr Recht gestaltet hat. Und da das Gewordene nur aus dem Gewesenen verstanden wird 
und im Gegenwärtigen die Keime des Kommenden ruhen, so haben sie den Blick auch in 
die Vergangenheit und Zukunft gerichtet. Alle Meister auf ihrem Gebiete, haben sie auch 
hier kleine Meisterwerke geschaffen, sachlich wie stilistisch.“ (Literarisches Zentralblatt.) 
Probeheft und Sonder-ProspektLLàààoL"!: 
Werkes, dem Autoren-Verzeichnis und mit Probestücken aus dem Werke) umsonst und 
postfrei vom Verlage B. Q.Teubner in Leipzig.
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        Schaffen und Schauen 
¿7/7 //7j Pc^e/7 
Von deutscher Art 
und Tlrßeit 
Set ; TÏÌ 
Ves Tfionfdjon Soin 
unò Woròen 
Set. ; HI. 
Unter Mitwirkung von R. Bflrïner, H.vade, R.Deutsch, fl.Dominicus, R.vove, E.Fuchs, 
P. Klopfer, &lt;E. Koerber, (D. Lyon, &lt;L Maier, ®. Maier, (E. v. Maltzahn, ffl. v. Reinhardt, 
S. fl. Schmidt, D. Schnabel, G.'Steinhaufen, &lt;E. Teichmann, fl. Thimm, K. Vorländer, 
fl. witting, G. Wolff, Th. Zielinski. 
Mit 8 allegorischen Zeichnungen von Alois Kolb. 
Schaffen und Schauen — es bildet den Inhalt menschlicher 
Lebensarbeit. Mitschaffen zu können am Bau des Lebens, schauen 
zu dürfen die Wunder der Welt, ist aber zugleich auch beste und 
höchste Lebensfreude. Freilich bedarf es, um das empfinden zu können, 
zweier Dinge: offener Ñugen und offenen Herzens. Man muß sehen 
können, wo und wie es anzupacken gilt, wo und wie „von dem 
goldenen Überfluß der Welt" zu trinken ist. Dazu möchte dieses 
Buch helfen, es möchte in diesem Sinne der deutschen Jugend ein 
Führer sein ins Leben, ihr die verständnisvolle Anteilnahme an dem 
Schaffen und Schauen unserer Zeit ermöglichen, indem es sie einführt 
in unser deutsches Wirtschafts- und Staatsleben und in die Lebens 
arbeit, indem es ihr die Bedingungen des leiblichen und geistigen 
Daseins des Menschen und menschlicher Lebensführung nahezubringen 
sucht. Damit will das Buch vor allem auch für die Berufswahl 
nicht äußerliche Berechnungen, sondern innerliche Erwägung maß 
gebend werden lassen, die allein eine wirklich befriedigende Lebens 
gestaltung gewährleistet. 
Inhaltsübersicht. 
X. Band. Das deutsche Land. Das deutsche Volk. wie das Deutsche Reich ge 
worden. Das Deutsche Reich im Zeitalter der Weltmächte. — Die Grundlagen der 
Volkswirtschaft. Die deutsche Volkswirtschaft der Gegenwart. Land- und Forstwirt 
schaft. Der Bergbau. Die Industrie. Die Technik. Das Kunstgewerbe und die Architektur. 
Der Handel. Das Verkehrswesen. — Der Staat. Die Wehrmacht des Staates. Die 
äußere Vertretung. Das Recht. Das Bildungswesen. Sonstige Verwaltungsausgaben 
des modernen Staates. (Organisation der Staats- und Gemeindeverwaltung, wirt 
schaftspolitische fragen (Steuerpolitik. Handelspolitik. Kolonialpolitik. Die Boden- 
und Wohnungsfrage. Das Bevölkerungsproblem. Die Frauenarbeit. Sozialpolitik). 
Staatsbürgerliche Bestrebungen (Politische Parteien, wirtschaftliche vereine. Soziale 
Bestrebungen. Bildungsbestrebungen. Frauenbewegung. Die Presse). — Die Vorbildung. 
Der Beruf. Die wichtigsten Berufe. 
XX. Band. Des Menschen Herkunft und Stellung in der Ratur. Des menschlichen 
Körpers Bau und Leben. Des Menschen Seele. Die Entwicklung der geistigen Kultur. 
— Die Wissenschaft und ihre Pflege. Die mathematischen Wissenschaften. Die Natur 
wissenschaften. Die Geisteswissenschaste». — Die Philosophie. Die Kunst. Die Religion. 
— Das Leben. Der Beruf. Volk und Staat. Persönliches Leben. Lebensgemein 
schaften. Der wert des Lebens. 
Verlag von B.6Xeubner in Leipzig und Berlin 
ÑNuG allg.
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        B.6.€eubners farbige 
Künstler - ôteínZeichnungen 
(Griginal-Lithographien) sind berufen, für das 20. Jahr 
hundert die gewaltige Aufgabe zu erfüllen, die der Holz 
schnitt im 15. und 16. Jahrhundert und der Kupferstich im 
18. Jahrhundert erfüllt haben. Die Künstler-Steinzeichnung 
ist das einzige Vervielfältigungsverfahren, dessen Erzeugnisse 
tatsächlich Original-Gemälden vollwertig entsprechen, hier 
bestimmt der Künstler sein Werk von vornherein für die 
Technik des Steindruckes, die eine Vereinfachung und kräf 
tige Farbenwirkung ermöglicht, aber auch in gebrochenen 
Farbtönen den feinsten Stimmungen gerecht wird. Er über 
trägt selbst die Zeichnung aus den Stein und überwacht 
den Druck. Das Werk ist also bis in alle Einzelheiten 
hinein das Werk des Künstlers und der unmittelbare Ausdruck 
seiner Persönlichkeit. Die Künstler-Zteinzeichnung allein 
schenkt uns die so lange ersehnte Volkskunst. Keine Repro 
duktion kann ihr gleichkommen an künstlerischem 
ädert. 
Die Sammlung enthält Blätter der bedeutendsten Künstler wie: Karl 
Bcmtzer, Karl Bauer, Artur Bendrat, Karl Biese, % Eichrodt, CDtto 
Fikentscher, Walter Georgi, Franz Hein, Franz Hoch, Ferd. Kallmorgen, 
Gustav Kampmann, Erich Kuithan, ©tto Leiber, Ernst Liebermann, 
Lmil Drlik, Diaria Drtlieb, Cornelia paczka, E. Rehm-Vietor, Sascha 
Schneider, ID. Strich-Thapell, Hans von Volkmann, H. B. Wieland u. a. 
Gerade Werke echter ļfeimatkunst, die einfache Motive ausgestalten, bieten nicht nur 
dem Erwachsenen wertvolles, sondern sind auch dem Rinde verständlich. Sie eignen 
sich deshalb besonders für das deutsche ļfaus und können seinen schönsten Schmuck 
bilden, ver versuch hat gezeigt, daß sie sich in vornehm ausgestatteten Räumen eben 
sogut zu behaupten vermögen wie sie das einfachste Wohnzimmer schmücken. Ñuch in 
der Schule finden die Bilder immer mehr Eingang. Maßgebende Pädagogen haben 
den hohen wert der Bilder anerkannt, mehrere Regierungen haben das Unternehmen 
durch ñnkauf und Empfehlung unterstützt. 
Illustrierter Katalog 150 farbigen Abbildungen 
— und beschreibendem Ce*t gegen 
Einsendung von 30 Pfennig vorn Verlag B. G. Teubner in Leipzig, 
Poststrcche 3.
        <pb n="219" />
        Urteile über B. 6. Heubners 
farbige Künftler-Steinzeicbnimgen. 
„ Doch wird man auch aus dieser nur einen beschränkten Teil der vor 
handenen Bilder umsassenden Aufzählung den Reichtum des Dargebotenen erkennen. 
Indessen es genügt nicht, daß die Bilder da sind, sie müssen auch gekauft werden. 
Sie müssen vor allen Dingen an die richtige Stelle gebracht werden. Für öffentliche 
Gebäude und Schulen sollte das nicht schwer halten. Wenn Lehrer und Geistliche wollen, 
werden sie die mittel für einige solche Bilder schon überwiesen bekommen. Dann 
sollte man sich vor allen Dingen in privaten Rreisen solche Bilder als willkommene 
Geschenke zu 
Weihnachten, 
zu Geburts 
tagen, ljoch- 
zeitsfestenund 
allen derar- 
tigenGelegen- 
heiten merken. 
Tine derar 
tige große Li 
thographie in 
den dazu vor- 
rätigenRünst- 
lerrahmun- 
gen ist ein 
Geschenk, 
das auch den 
verwöhn 
testen Ge 
schmack 
befriedigt, flit 
den kleinen 
Blättern er 
hält man für 
eine Ausgabe, 
die auch dem 
bescheidensten 
Geldbeutel er 
schwinglichist, 
ein dauernd 
wertvolles 
Geschenk.“ 
(Ciirmer- 
ļabrbucb.) 
7 
mm 
U 
htr 
V 
4 
75x5o 
v. Georai: Tiroler Dörfchen 
Perlt farbige Wiedergabe der Drtg^Ltihograptpe. ^ 
.(Es läßt 
sich kaum 
noch etwas 
zum Ruhme 
dieser wirklich 
künstlerischen 
Steinzeich 
nungensagen, 
die nun schon 
in den wei 
testen Rreisen 
des Volkes 
allen Beifall 
gefunden und 
— was aus 
schlaggebend 
ist — von den 
anspruchs 
vollsten 
Runstfreun- 
den ebenso be 
gehrt werden 
wie von jenen, 
denen es 
längst ein 
vergeblicher 
Wunsch war, 
das lfeim we 
nigstens mit 
einem farbi 
gen Original 
zu schmücken 
(Kunst 
für Hile.) 
„von den Bilderunternehmungen der letzten Jahre, die der neuen .ästhetischen 
Bewegung' entsprungen sind, begrüßen wir eins mit ganz ungetrübter Freude: den 
.künstlerischen Wandschmuck für Schule und ļfaus', den die Firma ö. G. Teubner in 
Leipzig herausgibt, wir haben hier wirklich einmal ein aus warmer Liebe zur guten 
Sache mit rechtem Verständnis in ehrlichem Bemühen geschaffenes Unternehmen vor uns. 
Fördern wir es, ihm und uns zu Nutz, nach Kräften." (Kunstwart.) 
„Alt und jung war begeistert, geradezu glücklich über die Rraft malerischer 
Wirkungen, die hier für verhältnismäßig billigen Preis dargeboten wird. Endlich 
einmal etwas, was dem öden Dldruckbilde gewöhnlicher Art mit Erfolg gegenüber- 
treten kann." (Die fiilfe.) 
„Das aber ist und bleibt ja der Vorzug aller echten Runst und somit auch dieser 
Kunstblätter, daß ihr Eindruck so unmittelbar zu den Sinnen der Menschen spricht. 
wir können sehen und miterleben, was der Künstler sah und erlebte Ls ist unseres 
Erachtens wertvoller, an dieser originalen Runst sehen zu lernen, als an vielen hundert 
mittelmäßigen Reproduktionen das Auge zu verbilden und totes Wilsen zu lernen, statt 
lebendige Runst mitzuerleben." (Illustrierte Zeitung.)
        <pb n="220" />
        206$07974221
        <pb n="221" />
        £2Í 
136 Achtes Kapitel. Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft. 
bereitet, sie vielmehr sogar gefördert zu haben. Aber Vorsicht bestand 
allen Vereinen gegenüber, und die Unterstützungskassen wurden als 
Stellen betrachtet, wo man zu politischen Zwecken Geld sammeln 
könne. Auch die Beitragssammlung zum Zwecke der Unterstützung 
armer Mitbürger wurde nicht immer für einwandfrei anerkannt 
(Plinius, Briefe X, 93 f). Daß man bestinunten Vereinigungen, 
die sich z B. mit der Verproviantierung von Rom beschäftigten, 
Privilegien gab, wurde schon erwähnt (S. 131). Auch jene Ver 
einigungen von Handwerkern, die der Militärverwaltung nützlich 
erschienen, erhielten Vorrechte verschiedener Art Solche Vorrechte 
wurden gewährt, um zum Eintritt in die verschiedenen Vereini 
gungen der Handwerker, Gewerbetreibenden und Kaufleute anzu 
spornen und so einen ausreichenden Verwaltuugsapparat für die 
Güterproduktion und Verteilung zu bekommen. Auch die Bankiers 
und diejenigen, welche die Echtheit und den Wert der Münzen zu 
Prüfen hatten, wurden zu Korporationen zusammengefaßt. Kauf 
mannsorganisationen waren im römischen Kaiserreich sehr zahl 
reich, sie legten Zeugnis von dem blühenden Verkehrsleben ab. 
Die Organisationen entwickelten sich vielfach aus den Faktoreien 
der älteren Zeit (S. 50). Die Ansiedlung mit ihren Stapel 
plätzen, um ein Heiligtum gruppiert, wurde als religiöse Gemeinde 
aufgefaßt, bei der die wirtschaftliche Gemeinschaft klar zutage trat, 
wie denn überhaupt viele Kultvereine eigentlich Sterbe- und 
Unterstützungskassen gewesen zu sein scheinen. Manchmal hatten 
diese Korporationen monopolartige Privilegien, so wahrscheinlich 
diejenigen der Schiffer in manchen Flußgebieten. Je mehr das 
untergehende Rom die Rentabilität der Unternehmungen in Frage 
stellte, je mehr man sicher sein wollte, daß die im Marktverkehr 
übernommenen Funktionen ausreichend besorgt würden, desto stärker 
dachte man daran, die Individuen in den Bernsen festzuhalten 
und die Berufe mit neuen Mitgliedern zu ergänzen. Soweit das 
durch Privilegien und hohe Gewinne nicht mehr möglich war, 
wurde schon im 3., vielleicht aber auch erst im 4. Jahrhundert 
die Erblichkeit der Mitgliedschaft allgemein eingeführt. Es wurden 
Zwangsmittel aller Art angewendet, ja man ging zeitweilig 
sogar so weit, gesetzlich festzulegen, daß, wer die Tochter eines 
Vereinsgenossen heiratete, selbst Vereinsgenosse wurde. Wir sehen 
so im Altertum seit dem 4. Jahrhundert viele jener Erschei 
nungen, die wir aus dem Mittelalter kennen. Die Genossen 
schaften waren es, die der Regierung für die Steuern hafteten;
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