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§  3.  Ein-  und  Ausfuhr  im  Drogenhandel  Deutschlands.
Seit  mehreren  Dezennien,  besonders  seit  Herstellung  des
Deutschen  Kelches  im  Jahre  1871  hat  die  gesamte  deutsche
Volkswirtschaft  einen  Aufschwung  genommen,  wie  er  bisher
weder  in  Deutschland  noch  bei  anderen  Nationen  zu  beobachten
gewesen  ist.  Der  Agrarstaat,  als  welcher  Deutschland  in  den
ersten  Dezennien  des  19.  Jahrhunderts  noch  zu  betrachten  war,
ist  in  unaufhaltsamer  Entwicklung  zum  modernen  Industriestaat ­
  begriffen,  und  die  deutsche  Industrie,  früher  fast  unbeachtet, ­
  versorgt  jetzt  beinahe  den  ganzen  Erdball  mit  ihren
Produkten  und  gibt  Hunderttausenden  deutscher  Arbeiter  die
Mittel  zum  Lebenserwerbe  für  sich  und  ihre  Familien.
Während  früher  die  deutschen  Waren,  namentlich  von
Seiten  Frankreichs  und  Englands  als  billig  und  schlecht  bezeichnet ­
  wurden,  ist  heute  das  Urteil  über  die  Produkte  der
deutschen  Industrie  gerade  in  das  Gegenteil  umgeschlagen.
Auf  allen  internationalen  Ausstellungen  der  letzten  Jahrzehnte
rangierte  die  deutsche  Industrie  au  erster  Stelle,  und  das  bekannte ­
  „Made  in  Germany“  ist  heute  für  die  Waren,  die  mit
dieser  Aufschrift  versehen  sind,  eine  gute  Empfehlung,  ja
eine  Art  Reklame  geworden,  die  selbst  von  manchen  englischen ­
  Kaufleuten  für  fremdländische  Erzeugnisse  ausgenutzt
wird.
Einen  besonders  hohen  Aufschwung  hat  die  chemische
Industrie  Deutschlands  genommen;  der  Drogen-  und  Chemikalien-Grosshandel
  Deutschlands  ist  geradezu  als  massgebend  auf  dem
Weltmärkte  zu  betrachten.  Deutsche  Chemikalien  und  pharmaeeutische
  Präparate  finden  in  allen  Staaten  der  Welt  Absatz
und  deutsche  Chemiker  werden  in  allen  Ländern  zur  Leitung
chemischer  Fabriken  gesucht  und  geschätzt.  Nicht  zuletzt  ist
die  grosse  Sorgfalt,  der  Fleiss  und  die  peinliche  Exaktheit  des
deutschen  Chemikers  mit  ein  Faktor  gewesen,  die  Achtung  voider ­
  deutschen  Chemie  und  ihren  Erzeugnissen  zu  heben.
Die  ungünstige  Konjunktur,  die  nach  einer  langjährigen
industriellen  Blütezeit  für  den  Handel  und  die  Industrie
Deutschlands  eingetreten  ist  und  ihren  Höhepunkt  nunmehr
überschritten  zu  haben  scheint,  hat  natürlich  auch  den  Drogenhandel ­
  betroffen,  wenn  auch  nicht  in  dem  Masse,  wie  viele
andere  Welthandelszweige.
Die  Ausfuhrziffern  von  Rohstoffen  und  Fabrikaten  der
chemischen  Industrie  stellen  sich  wie  folgt: