den  Bedarf  der  benachbarten  Apotheken,  sondern  auch  für
den  Fernversand  und  für  den  Export  arbeiten.  Zur  Darstellung ­
  der  sogen.  Spezialitäten  und  Geheimmittel  sind  in  den
letzten  20  Jahren  eine  grosse  Anzahl  Klein-  und  Grossbetriebe
entstanden,  deren  Umsatz  viele  Millionen  beträgt.
Ausser  anderen  künstlichen  Farbstoffen  liefert  der  Steinkohlentheer
  in  neuerer  Zeit  eine  ganze  Reihe  von  Heilmitteln,
so  das  Phenacetin,  Antipyrin,  Antifebril)  etc.
Die  chemische  Industrie  betreibt  die  Herstellung  von  Heilmitteln ­
  mehr  oder  weniger  als  eine  Art  Nebengeschäft,  da
Farben  und  Heilmittelfabrikation  Materialien  und  Methode  gemeinsam ­
  haben.  Der  englische  Chemiker  William  Perkin  fand
den  ersten  Anilinfarbstoff,  als  er  Chinin  auf  künstlichem  Wege
zu  gewinnen  suchte.  So  lag  es  für  verschiedene  grosse  Anilinfabriken ­
  nahe,  sich  nebenher  der  Darstellung  neuer  Heilmittel
zu  widmen,  was  ihnen  auch  mit  grossem  Erfolge  gelang.  Aber
auch  ausschliesslich  oder  vorzugsweise  befassen  sich  grosse
Betriebe  mit  der  Fabrikation  solcher  Präparate:  in  ihrem
Dienste  stehen  12  700  Arbeiter  und  etwa  40  Mill.  M.  Kapital;
der  jährliche  Produktionswert  wird  auf  über  52  Mill.  M.  veranschlagt. ­
  Der  Ueberschuss  der  Ausfuhr  über  die  Einfuhr  beträgt ­
  26  Mill.  Mark.
Ein  interessantes  Beispiel  dafür,  welche  Werte  durch  rein
chemische  Arbeit  gewonnen  werden,  bietet  das  Chinin,  eines
der  ersten  auf  synthetischem  Wege  gefundenen  Heilmittel.  Sein
Rohstoff,  die  Chinarinde  kommt  fast  ausschliesslich  aus  Java
(1899:5,7  Mill.  kg).  Davon  werden  ca  70°/o  in  Deutschland
verarbeitet,  aber  nur  etwa  5°/ 0  verbraucht;  die  übrige  Menge
wird  exportiert.  Das  Verhältnis  der  Ein-  und  Ausfuhr  stellte
sich  1900  folgendermassen:  eingeführt  wurden  3600  t  Chinarinde ­
  im  Werte  von  4,7  Millionen  Mark,  ausgeführt  dagegen
185  t  Chinin  im  Werte  von  8,3  Mill.  M.  Dies  ergibt  abgesehen ­
  von  dem  deutschen  Eigenverbrauch  einen  Ueberschuss
von  3,5  Mill.  M.,  der  Deutschland  zu  gute  kommt  und  der
sich  bis  vor  2  Jahrzehnten,  wo  ein  ungeheurer  Preissturz  eintrat, ­
  noch  höher  stellte.
Weitbekannt  sind  die  auf  diesem  Gebiete  speziell  tätigen
Firmen  :
Die  vereinigten  Chininfabriken  Zimmer  &amp;  Co.  in  Frankfurt ­
  a.  M.  und  Feuerbach  (6  Mill.  M.  Kapital),  Gehe  &amp;  Co.  in
Dresden,  E.  Merck  in  Darmstadt,  L.  F.  Böhringer  &amp;  Co.  in
Waldhof  bei  Mannheim,  Rhenania  ehern.  Fabrik  in  Aachen
(6  Mill.  M.  Aktienkapital  und  1200  Arbeiter),  Verein  für
chemische  Industrie  in  Mainz  (3  Mill.  M.  Aktienkapital),