besserem  Absatz  nach  aussen,  also  zum  Export,  gegeben  worden
wäre?  Mitte  1891  zählte  das  deutsche  Reich  49  762  000  Einwohner ­
  und  Mitte  1903  58  349  000-  Die  Zunahme  beträgt
somit  8  587  000  Personen.  Diese  mussten  gesättigt  werden;
sie  bedurften  der  Baumwolle  und  Wolle  zu  ihrer  Kleidung;
Kaffee,  Tee,  Reis,  Heringe,  Gewürze  waren  zu  ihrer  Ernährung,
Petroleum  für  ihre  Häuslichkeit,  Rohstoffe  für  ihren  Gewerbefleiss
  unentbehrlich.  Alles  dies  musste  in  wachsendem  Masse
vom  Auslande  eingeführt  werden,  denn  die  Steigerung  der  Ergiebigkeit ­
  unserer  eigenen  Landwirtschaft  ist  nur  im  Bereich
der  Viehzucht  gross  gewesen.  Wir  mussten  also  ganz.,  bedeutende ­
  Mehreinfuhr  vom  Auslande  haben.  Diese  ist  denn
auch  erfolgt,  und  zwar  annähernd  in  demselben  Masse,  wie
die  Ausfuhr  gestiegen  ist.
Die  Agrarpolitiker  meinen,  dass  sich  damit  der  vermeintliche ­
  Gewinn  an  der  Ausfuhr  als  hinfällig  erweise.  Das  ist
aber  eine  verkehrte  Ansicht.  Wenn  wir  die  Mehreinfuhr  nicht
gehabt  hätten,  so  hätten  wir  unsere  rasch  wachsende  Bevölkerung ­
  nicht  ernähren  können;  die  Leute  wären  in  Massen
ausgewandert,  wie  tatsächlich  vor  Abschluss  der  Handelsverträge ­
  von  1891  in  manchen  Jahren  über  200000  Menschen
auswanderten,  während  von  1897  bis  1901  der  Durchschnitt
nur  23000  Personen  betrug.  Die  notwendiger  Weise  wachsenden ­
  Einfuhrmengen  hat  Deutschland  mit  seinen  wachsenden
Ausfuhrmengen  bezahlen  können  und  das  war  die  Pointe  der
Handelsverträge.  Aber  nicht  nur  das;  auch  der  Wohlstand  der
arbeitenden  Klasse  und  der  Industriebevölkerung  ist  seit  1891
gestiegen.  Auch  die  landwirtschaftlichen  Arbeiter  erzielen
höhere  Löhne.  Allerdings  dürfte  das  Einkommen  der  landwirtschaftlichen ­
  Unternehmer  nur  dort  besser  geworden  sein,
wo  es  hauptsächlich  aus  der  Viehzucht  herrührt,  nicht  aus
dem  Körnerbau.
Graf  Caprivi,  der  1891  vor  der  Frage  stand,  wie  ist  dem
Bevölkerungszuwachs  Gelegenheit  zur  Arbeit  und  zu  Einkommen ­
  zu  verschaffen,  konnte  nicht  anders  handeln,  als  er
gehandelt  hat  und  wie  es  die  Reichstagsmehrheit  billigte.  Er
musste  sich  sagen,  dass  der  enorme  Bevölkerungszuwachs  in
der  Landwirtschaft  keine  Verwendung  finden  konnte,  denn  dieselbe ­
  arbeitet  mit  konstanten  oder,  infolge  der  Verwendung
von  Maschinen,  gar  mit  abnehmenden  Arbeitskräften.  Es  wäre
unmöglich  gewesen,  jenen  wachsenden  Volksmassen  Erwerbsgelegenheit ­
  zu  schaffen,  wenn  nicht  durch  Arbeiten  für  das
Ausland,  und  das  ist  durch  die  Handelsverträge  von  1891  mit
durchschlagendem  Erfolge  geschehen.