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müssen,  und  dieses  System  mit  den  verschiedensten  Aeuderungen
in  seiner  Form  ist  bis  auf  den  heutigen  Tag  erhalten  geblieben.
Der  Betrieb  einer  Apotheke  vor  100  Jahren  ist  mit  demjenigen ­
  von  heute  kaum  zu  vergleichen.  Auch  das  Apothekergewerbe ­
  hat  den  Forderungen  der  Zeit  Rechnung  tragen  müssen.
Eine  jede  Apotheke  war  im  Anfang  des  19.  Jahrhunderts  nicht
nur  eine  Rezeptieranstalt,  sondern  eine  chemisch-pharmazeutische
Fabrik  im  kleinen.  Damals  musste  jeder  Apotheker  nicht  nur
die  galenischen,  sondern  auch  die  chemischen  Präparate  selbst
darstellen.  Heute  dagegen  kauft  er  die  letzteren  sämtlich  und
die  erstereu  meistens  aus  eigenen  grossen  Spezialfabriken.  Er
ist  nicht  nur  nach  dem  Handelsgesetzbuch,  sondern  in  Wirklichkeit ­
  Kaufmann  geworden.
Die  grossen  chemischen  Forschungen  und  Entdeckungen
im  Anfänge  des  19.  Jahrhunderts  lehrten  zuerst  erkennen,  dass
die  Wirksamkeit  der  meisten  Drogen  auf  dem  Gehalt  an  gewissen, ­
  chemisch  genau  charakterisierten  Bestandteilen  beruhe;
namentlich  die  Reindarstellungen  sogenannter  Alkaloide  war
bahnbrechend  für  die  Veränderung  der  Arzneiverordnungslehre.
Die  Opium-  und  die  Chinaalkaloide  wurden  aufgefunden  und
traten  nun  zum  grössten  Teil  an  die  Stelle  der  bisher  gebrauchten ­
  Rohdrogen;  ihnen  folgten  zahlreiche  andere  Präparate
und,  da  die  Darstellung  aller  dieser  Stoffe  im  Kleinen  schwer
ausführbar  ist,  bemächtigten  sich  einzelne  Fabriken  der  Herstellung ­
  im  Grossen.
Diese  Umwandlung  des  chemischen  Kleinbetriebes  in  den
Grossbetrieb  nahm  immer  grössere  Dimensionen  an,  sodass  die
Regierung  in  Anbetracht  dieser  veränderten  Verhältnisse  seit
Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts  von  den  Apothekern  nicht  mehr
die  Selbstdarstellung  der  chemischen  Präparate,  sondern  nur
eine  genaue  Prüfung  derselben  verlangte.  Aber  auch  die
galenischen  Mittel  wurden  allmählich  in  den  Bereich  der  Grossfabrikation ­
  eingezogen,  und  heute  gibt  es  wohl  nur  noch  wenige
Apotheker,  welche  ihre  Pflaster,  Extrakte  und  manches  andere
mehr  selbst  bereiten.  Fast  alles,  bis  auf  die  Salben,  Tinkturen
und  Syrupe,  wird  heute  im  Grossen  dargestellt  und  von  den
Apothekern  fertig  gekauft.  Diese  Aenderung  vollzieht  sich
ganz  allmählich,  aber  unaufhaltsam,  denn  es  ist  nicht  zu  leugnen,
dass  diese  im  Grossen  und  mit  allen  Mitteln  der  modernen
Technik  hergestellten  Präparate  weit  besser  sind,  als  die  gleichen
im  Laboratorium  der  Apotheken  angefertigten.
Durch  die  beschränkte  Niederlassungsfreiheit  und  damit
im  Zusammenhang  stehende  Monopolstellung  hatte  sich  schon
sehr  früh  ein  unlauterer  Apothekenhandel  entwickelt  und  he-