viel  zu  teuer  gekauft  hätten.  Es  könne  nicht  dringend  genug
vor  den  schwindelhaften  Preisen,  den  die  Apotheken  erlangt
hätten,  gewarnt  werden.  Eine  grosse  Anzahl  von  Geschäften
seien  die  Preise  nicht  wert,  zu  denen  sie  ausgeboten  und
verkauft  würden.  Der  unglückliche  Käufer  merke  bald,  dass
er  aus  dem  Verdienste,  den  die  Apotheke  abwerfe,  kaum  leben,
geschweige  die  Zinsen  des  Kapitals  bezahlen  könne  und  wende
sich  dann  mit  Eingaben  aller  Art  an  die  Behörden,  die  dann
in  der  Kegel  nicht  helfen  können.  Dies  wiederholt  sich  schon
seit  Jahren  und  auch  neuerdings  haben  die  Bezirksregierungen
Elsass-Lothringens  wieder  hervorgehoben,  dass  die  Preise  in
der  Regel  viel  zu  hoch  seien.
„Die  hohen  Kaufpreise,  heisst  es  in  Berichten  darüber,  sind
um  so  weniger  berechtigt,  als  jeder  Apotheker  mit  der  Möglichkeit ­
  rechnen  muss,  dass  für  den  Bereich  seines  Absatzgebietes
hei  zunehmendem  Verkehr  von  der  Verwaltung  das  Bedürfnis
zur.  Errichtung  einer  neuen  Apotheke  anerkannt  wird.
Im  März  1903  wurde  berichtet,  dass  von  den  236  Apotheken
in  Elsass-Lothringen  in  den  letzten  5  Jahren  einhundert  die
Besitzer  gewechselt  hätten.  Eine  Apotheke,  die  man  zum
Beispiel  um  M.  65000.—  verkauft  habe,  sei  2  Jahre  später
um  M.  120000.—  an  den  Mann  gebracht  worden.
Diese  hohen  Apothekenpreise  erschweren  naturgemäss
allen  jungen  Apothekern  die  Selbständigmachung  ganz  ausserordentlich. ­
  Weder  können  sie  Geschäftsinhaber  werden,  noch
erhalten  sie  nach  Ablegung  ihrer  Prüfungen  genügend  und
standesgemäss  honorierte  Stellungen.
Es  ist  auch  für  das  Nationalvermögen  nicht  gleichgültig,
dass  die  Apotheken  als  Werte  gelten,  denen  sie  in  Wirklichkeit ­
  lange  nicht  entsprechen.  Diese  künstlich  hinaufgetriebenen
Geldwerte  müssen  eines  Tages  jäh  fallen,  da  sie  nichts  als
Kartenhäuser  sind,  die  bei  der  ersten  Gelegenheit  Zusammenstürzen. ­

Es  wirken  hier  allerdings  noch  andere  Ursachen  mit,  um
das  Missverhältnis  zwischen  Angebot  und  Nachfrage  zu  verstärken ­
  und  auf  die  Steigerung  der  Apothekenpreise  ungünstig
einzuwirken.  Einmal  hat  der  Zinsfuss  die  Tendenz  zu  sinken,
sodass  für  die  Kapitalien  ein  geringerer  Ertrag  als  bisher  gewonnen ­
  wird.  Der  Geldwert  ist  im  Laufe  der  Jahre  überhaupt ­
  gesunken.  Ferner  hat  die  starke  Zunahme  der  Bevölkerung ­
  eine  Ueberfüllung  des  Apothekerberufes,  wie  auch
anderer  Berufe  herbeigeführt.  Vom  Prüfungsjahre  1875  zu  76
an  bis  1901  zu  02  wurden  in  den  einzelnen  Jahren  im  deutschen
Reiche  als  Apotheker  approbiert: