948 Sektion VII: Die weltwirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands. Also: Der Zusammenhang aller dieser Dinge ist vorhanden. Aber wir müssen uns davor hüten, sie zusammenzuwerfen. Der deutsche Handel mit Ostasien ist nicht identisch mit der Lage des dortigen deut schen Kaufmannes (der relativ viel grösseren Anteil am Handel jener Länder hat) und nicht identisch mit dem Anteil der deutschen Flagge am Warentransport. Wir wollen uns hier beschäftigen mit China und Japan als Märkten. Wir wollen uns mit den Grössenverhältnisseu der Aus- und Einfuhr beschäftigen, nicht nur, weil sie an sich von Be deutung sind, sondern weil, wie ich glaube, vielfach in der öffentlichen Dis kussion das rechte Augenmass für diese Dinge verloren geht. Wir wol len vor allem auch die Entwickelung dieses Aussenhandels im ganzen und in seinen Teilen betrachten, weil der Warenverkehr eines Landes in gewisser Weise ein Spiegelbild seiner wirtschaftlichen Zu stände darstellt und wir dadurch befähigt werden, die wirtschaftlichen Entwickelungstendenzen jener Länder wirklich zu beurteilen. Das aber ist dringend wünschenswert gegenüber den verbreiteten schiefen Ur teilen, ungerechtfertigten Verallgemeinerungen, den vagen Vorstellun gen von dem ungeheuren Reichtum Chinas oder von der Gefährdung unserer Industrie durch die wirtschaftliche Entwickelung Japans. Zum Beweis dafür, wie gering die Kenntnis der einfachsten Tatsachen ist, möge die eine Tatsache dienen, dass im englischen Unterhause am 3. August d. J. der Unterstaatssekretär des Auswärtigen, Percy, ohne Widerspruch zu finden, erklären konnte: „der britische Handel in China ist zurückgegangen, aber der Handel jedes andern europäischen Landes ebenso. Japan ist das einzige Land, dessen Handel mit China zunimmt.“ Jede einzelne Behauptung in diesem Satze ist falsch.*) I. Wollen wir die zahlenmässige Entwickelung des Warenhandels mit China und Japan richtig würdigen, so kommen wir zunächst nicht herum um einige trockene Feststellungen des Wertes der Zahlen. a) Zunächst ist der Einfluss der Währung zu beachten. Die chinesischen Zahlen sind durchweg Silberwerte. Bekanntlich ist aber *) Durchschnittlicher jährlicher Wert der Einfuhr in China 1896-1899 direkt aus Grossbritannien 38,4 Mill. Tis. vom europ. Kontinent ohne Russland ' 9,4 „ „ aus den Vereinigten Staaten 17,3 „ „ aus Japan 28,6 „ „ indirekt über Hongkong 101,8 „ „ 1902-1904 55,2 Mill. Tis. 21,5 „ „ 28,4 „ v 45,3 „ n 137,0 „ n