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            <forname>Karl</forname>
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        ﻿jjT;

;	/ /, JVv&gt;

Sonderabdruck aus den , ^Verhandlungen des deutschen
Kolonialkongresses 1905“.

BaV.

A203

1 o i

Entwickelungstendenzen im Aussenhandel Chinas

und Japans.

Von Professor Dr. K.^ Rathgen, Heidelberg.

(Sektionssitzung am 6. Oktober, Nachmittag.)

Die Interessen, welche uns mit Ostasien verbinden, sind in erster
Linie wirtschaftliche. Welche Sicherheit bieten die dort gelegenen un-
abhängigen Staaten bei wachsender Verschuldung an das Ausland fin-
den europäischen Kapitalisten? Welche Erwerbsgelegenheiten bieten
diese Länder für die europäischen Unternehmer, insbesondere für den
Kaufmann und für den Reeder? Welche Bedeutung haben diese Län-
der als Märkte für den internationalen Warenverkehr?

Die drei Gruppen von Fragen sind nicht unabhängig voneinander
zu beantworten. Die Anleihen jener Staaten dienen zum Teil dem An-
kauf von Waffen, Schiffen, Eisenbahnmaterial und dergleichen und be-
einflussen dadurch die Wareneinfuhr. Zins und Amortisation jener An-
leihen ist mit dem Erlös der Ausfuhr zu bezahlen. Die Verschuldung
muss also das Wertverhältnis von Ein- und Ausfuhr stark beeinflussen.
Ferner: Träger des Aus- und Einfuhvhandels jener Länder ist auch heute
noch in erster Linie der fremde, dort ansässige Kaufmann, wenigstens
für den Verkehr dieser Länder mit der nichtasiatischen Welt, während
der Verkehr der ostasiatischen Länder untereinander zu einem grossen
Teile durch einheimische Kaufleute vermittelt wird. Steigerung unserer
Ausfuhr nach jenen Ländern, Steigerung ihrer Kaufkraft durch Ver-
mehrung ihrer Ausfuhr erfolgt wesentlich durch die fremden Kaufleute,
durch die Verbesserung und Verbilligung des Seeverkehrs. Und von
dem Umfang der Warenbewegung hängt wieder der Erwerb der Kauf-
leute, die Rentabilität der Schiffsunternehmungen ab.

60’
        <pb n="2" />
        ﻿948

Sektion VII: Die weltwirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands.

Also: Der Zusammenhang aller dieser Dinge ist vorhanden. Aber
wir müssen uns davor hüten, sie zusammenzuwerfen. Der deutsche
Handel mit Ostasien ist nicht identisch mit der Lage des dortigen deut-
schen Kaufmannes (der relativ viel grösseren Anteil am Handel jener
Länder hat) und nicht identisch mit dem Anteil der deutschen Flagge
am Warentransport. Wir wollen uns hier beschäftigen mit China und
Japan als Märkten. Wir wollen uns mit den Grössenverhältnisseu
der Aus- und Einfuhr beschäftigen, nicht nur, weil sie an sich von Be-
deutung sind, sondern weil, wie ich glaube, vielfach in der öffentlichen Dis-
kussion das rechte Augenmass für diese Dinge verloren geht. Wir wol-
len vor allem auch die Entwickelung dieses Aussenhandels im
ganzen und in seinen Teilen betrachten, weil der Warenverkehr eines
Landes in gewisser Weise ein Spiegelbild seiner wirtschaftlichen Zu-
stände darstellt und wir dadurch befähigt werden, die wirtschaftlichen
Entwickelungstendenzen jener Länder wirklich zu beurteilen. Das aber
ist dringend wünschenswert gegenüber den verbreiteten schiefen Ur-
teilen, ungerechtfertigten Verallgemeinerungen, den vagen Vorstellun-
gen von dem ungeheuren Reichtum Chinas oder von der Gefährdung
unserer Industrie durch die wirtschaftliche Entwickelung Japans. Zum
Beweis dafür, wie gering die Kenntnis der einfachsten Tatsachen ist,
möge die eine Tatsache dienen, dass im englischen Unterhause am
3. August d. J. der Unterstaatssekretär des Auswärtigen, Percy, ohne
Widerspruch zu finden, erklären konnte: „der britische Handel in
China ist zurückgegangen, aber der Handel jedes andern europäischen
Landes ebenso. Japan ist das einzige Land, dessen Handel mit China
zunimmt.“ Jede einzelne Behauptung in diesem Satze ist falsch.*)

I.

Wollen wir die zahlenmässige Entwickelung des Warenhandels mit
China und Japan richtig würdigen, so kommen wir zunächst nicht herum
um einige trockene Feststellungen des Wertes der Zahlen.

a)	Zunächst ist der Einfluss der Währung zu beachten. Die
chinesischen Zahlen sind durchweg Silberwerte. Bekanntlich ist aber

*) Durchschnittlicher jährlicher Wert der Einfuhr in China

1896-1899

direkt aus Grossbritannien	38,4	Mill.	Tis.

vom europ. Kontinent ohne Russland	' 9,4	„	„

aus den Vereinigten Staaten	17,3	„	„

aus Japan	28,6	„	„

indirekt über Hongkong	101,8	„	„

1902-1904

55,2 Mill.	Tis.
21,5	„	„
28,4	„	v
45,3	„	n
137,0	„	n
        <pb n="3" />
        ﻿Rathgen: Entwickelungstendenzen im Aussenhandel Chinas und Japans. 9 4 9

der Wert des Silbers seit den siebziger Jahren gesunken. In Gold aus-
gedrückt sind die Warenwerte also nicht annähernd so stark gestie-
gen, wie in Silber. Tatsächlich sind bei den meisten wichtigen Waren
auch die Mengen nicht so gewachsen, wie die Werte. Zum Beispiel
stieg vom Ende der achtziger Jahre bis zum Anfang des neuen Jahr-
hunderts die Ausfuhr von Rohseide aus China dem Werte nach um
etwa 140 Prozent, der Menge nach nur um etwa 50 Prozent. In J a p a n
wurden bis 1888 die in Gold und Silber deklarierten Werte einfach zu-
sammengezählt ohne I^ücksicht auf die Silberentwertung. Deshalb ist
die Bedeutung der älteren Einfuhrzahlen sehr geschmälert. Von 1888 bis
1897 gibt die japanische Handelsstatistik Silberwerte, von da an Gold-
werte.

b)	Die Einfuhrwerte waren früher weder in China noch in
Japan die wirklichen Einfuhrwerte, sondern die Ursprungswerte, so dass
also die Transportkosten nicht eingeschlossen sind. In Japan sind die
Einfuhrwerte seit 1899 die wirklichen. In China sind erst seit 1904 bei
der Einfuhr die c. i. f-Werte, bei der Ausfuhr die f. o. b-Werte eingesetzt.
In Japan gelten die Ausfuhrwerte für zu niedrig. Alles das stört natürlich
die Vergleichbarkeit.

c)	Das Gebiet, auf welches sich die Zahlen beziehen, hat sich
1895 durch die Abtretung Formosas von China an Japan verschoben.
Der Verkehr mit Formosa ist für China jetzt Auslandsverkehr. In die
japanische Handelsstatistik ist aber Formosa nicht einbezogen, weder
der Verkehr Formosas mit Japan, noch der mit dem Auslande.

d)	NichtallerHandel wird wirklich von der Handelsstatistik
erfasst. So fehlt in Japan bei der Einfuhr der grösste Teil des staatlichen
Bedarfs (Waffen, Schiffe), und zwar in neuerer Zeit mehr als früher. In
China fasste die Seezollverwaltung früher nur den Verkehr auf Schiffen
europäischer Bauart in den offenen Häfen. Allmählich ist der Dschun-
kenverkehr zu einem immer grösseren Teile unter die gleiche Kontrolle
gekommen (namentlich seit 1887 der von Hongkong aus betriebene).
Seit 1904 ist der ganze Seehandel unter Kontrolle, mit Ausnahme des
Dschunkenhandels nach nicht offenen Plätzen. Daneben dürfte für China
der Schmuggel auch heute noch eine gewisse Bedeutung haben.*)
Von dem chinesischen Landhandel erscheint nur der Verkehr mit Tong-
king und der Durchgangsverkehr über Tientsin nach Sibirien in den
Listen.

*) Z. B. ist die Einfuhr von Morphium, das als Opium - Surrogat dient, seit der
Einführung eines hohen Zolles fast verschwunden, während sie 1902 einen Wert von
über 314 000 Tis hatte.
        <pb n="4" />
        ﻿950	Sektion VII: Die weltwirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands.

Alle diese Betrachtungen führen uns also zu dem Ergebnis, dass wir
bei der Vergleichung verschiedener Zeiten sehr vorsichtig sein müssen,
und dass die bekannten Zahlen alle nur Minimalzahlen sind.

H.

Bei aller Vorsicht in der Verwendung der Zahlen ergeben sich aber
doch gewisse unbezweifelbare Ergebnisse. Der Aussenhandel jener
Länder hat zugenommen, aber der Japans viel rascher als der Chinas.
Vom Ende der achtziger Jahre (die früheren Zahlen sind zu schlecht
vergleichbar) bis 1898 nehmen die Werte der chinesischen Ein- und
Ausfuhr, in Qold ausgedrückt, kaum zu. Erst 1899 macht China einen
grossen Sprung vorwärts, der durch die nordchinesischen Wirren 1900
gehemmt wird, aber alsbald beginnen die Zahlen wieder ihre Aufwärts-
bewegung. Jedoch nimmt die Einfuhr viel schneller zu, als die Ausfuhr,
in Japan beginnt der Aufschwung mit der Aufnahme der Barzahlungen.
1886, erst langsam, dann nach dem chinesischen Kriege mit Riesen-
schritten vorwärts gehend, wobei auch die Ausfuhr von der Einfuhr
überholt wird, wenn auch nicht so stark, wie in China. Die Folge dieses
verschiedenen Tempos in der Zunahme des Aussenhandels beider Län-
der ist, dass das so viel kleinere Japan dem grossen Nachbarn rasch auf-
gerückt ist. Mitte der siebziger Jahre sind die chinesischen Zahlen noch
viermal so gross, wie die japanischen, 1892 noch mehr als doppelt so
gross. In den letzten Jahren sind die japanischen Ausfuhrwerte den
chinesischen fast gleich,*) während die Einfuhr nach China noch um
170—225 Millionen Mark höher ist, als die nach Japan (gleich 29 bis
36 Prozent).

So bemerkenswert es ist, dass die Zahlen Japans so gestiegen sind,
müssen wir uns doch vor den heute beliebten Übertreibungen hüten.
Auch heute noch gehören weder China noch Japan zu den wichtigsten
Welthandelsgebieten. Sie stehen weit zurück hinter den zehn grossen
Welthandelsgebieten (den sechs europäischen Grossmächten, den Nie-
derlanden, Belgien, den Vereinigten Staaten, Britisch-Indien). Auch
von Canada, vom Australischen Bund werden sie übertroffen. Sie ge-
hören etwa in eine Grössenklasse mit der Schweiz, mit Spanien, mit
Schweden und Argentinien.

Besonders zu beachten ist das bei China. Mögen wir dessen Be-
völkerung auf 250 oder 450 Millionen schätzen: immer ist die Beteili-
gung Chinas am Welthandel äusserst gering im Verhältnis zur Bevölke-
rung. Gegenüber der landläufigen Redensart von den Reichtiimern

’) Namentlich wenn man den Verkehr mit Formosa einbezieht.
        <pb n="5" />
        ﻿Rathgen: Entwickelungstendenzen im Aussenliandel Chinas und Japans. 951

Chinas ist liachdriicklichst darauf liinzuweisen, dass seine Produktion
ebenso unentwickelt, wie seine Kaufkraft gering ist. In Japan ist zwar
der rasche Fortschritt erstaunlich. Aber für eine Bevölkerung von
46 Millionen Köpfen sind die Zahlen immer noch recht gering. Eine
Ein- und Ausfuhr von etwa 30 Mark auf den Kopf ist nur ein Drittel des
Betrages, der beispielsweise auf Italien entfällt.

Die Analyse der Ein- und Ausfuhr zeigt uns, warum
Japan so viel schnellere Fortschritte macht, seine Kaufkraft verhältnis-
mässig so viel grösser wird, als die Chinas. Betrachten wir zunächst
die Ausfuhr: Bezeichnend ist für beide Länder, dass sie allmählich
immer mannigfaltiger zusammengesetzt ist. Seide und Tee waren
die eigentlichen Produkte des Ostens. Sie bildeten die Masse der gan-
zen Ausfuhr, und zwar überwog bis Ende der achtziger Jahre in China
der Tee, erst seitdem die Seide, was in Japan immer der Fall war. Mitte
der sechziger Jahre kamen auf Tee und Seide allein in China 82 Prozent,
in Japan 94 Prozent der ganzen Ausfuhr, und der Anteil wäre noch
grösser gewesen, wenn nicht damals der Sezessionskrieg eine abnorme
Ausfuhr von Rohbaumwolle hervorgerufen hätte. Noch Ende der acht-
ziger Jahre machten Seide und Tee drei Fünftel der chinesischen, die
Hälfte der japanischen Ausfuhr aus. Aber 1904 waren es in China nur
mehr zwei Fünftel, in Japan nur ein Drittel, trotz des enormen absoluten
Steigens der Seidenausfuhr (auf das vierfache in Japan, auf das zwei-
einhalbfache in China während der letzten 15 Jahre). Auch die sonstigen
herkömmlichen Ausfuhrartikel haben sich absolut vermehrt, aber die
starke Ausfuhrzunahme ist nicht vor allem ihnen zu danken. Die Aus-
fuhr der neun wichtigsten, der herkömmlichen chinesischen gewerblichen
Erzeugnisse aus China (Seidenstoffe, chinesische Kleidung, Strohborten,
Matten, Feuerwerk, Porzellan, Papier, Medizinen und Nudeln) stieg von
1889 bis 1904 von 162/:J auf fast 35 Mili. Tis., ihr Anteil an der Aus-
fuhr sank von 17 auf gut 14 Prozent. Woher kommt nun die Zunahme
der chinesischen Ausfuhr? Sie ist die Folge der grossen Zunahme der
Ausfuhr landwirtschaftlicher Rohprodukte: Bohnen und Bohnenkuchen,
öle und Ölsaat, Baumwolle und Hanf, Obst, Eier und andere Lebens
mittel, Federn, Borsten und Wolle, Vieh und Talg, Häute und Felle.
Tabak und Zucker (der allein abgenommen hat). Auf diese Waren ent-
fielen Ende der achtziger Jahre 10 bis 13 Mill. Tis., 1904 über 80 Mil-
lionen, trotz der Störung der mandschurischen Ausfuhr.*) Ihr Anteil
an der Ausfuhr stieg von einem Neuntel auf ein Drittel.

*) Ausfall bei Bohnen und Bohnenkuchen gegen 1903 3,5 Mill.
        <pb n="6" />
        ﻿952

Sektion VII: Die weltwirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands.

In China liegt es also so, da Seide und Tee doch auch zur landwirt-
schaftlichen Produktion zu rechnen sind, dass auch heute noch etwa
vier Fünftel der Ausfuhr dieser entstammen, aber in viel grösserer Man-
nigfaltigkeit als früher. Kaum ein Fünftel der chinesischen Ausfuhr sind
gewerbliche Erzeugnisse, und von diesen dient ein Teil der Deckung
des Bedarfs von Chinesen im Auslande. Damit hängt auch zusammen,
dass in diesen letzten 15 Jahren der Handel der nördlichen und der
Yangtsehäfen viel grössere Fortschritte gemacht hat, als der Südchi-
nas und der Gegend um Shanghai. Ohne die Störungen des Han-
dels der nördlichen Häfen durch die Wirren von 1900/01 und den russi-
schen Krieg würde sich diese Entwickelung noch ausgeprägter dar-
stellen.

Damit hängt aber auch zusammen das relative Zurückbleiben gegen-
über Japan. Wenn die Zunahme der chinesischen Ausfuhr und damit
die chinesische Kaufkraft für Importe bis auf weiteres wesentlich auf
landwirtschaftlichen Rohstoffen beruht, so kann diese Zunahme nur
verhältnismässig langsam erfolgen, denn der ausschliesslich herrschende
landwirtschaftliche Kleinbetrieb kann seine Produktion nicht plötzlich
steigern. Die Steigerung der Ausfuhrmenge wird vor allem durch Er-
schliessung weiterer Gebiete durch verbesserte Verkehrsmittel erfolgen.
Aber sie wird auch dadurch nicht sehr rasch erfolgen können, und man
wird gut tun, sich nicht übertriebenen Hoffnungen hinzugeben über die
in erster Zeit zu erwartenden, zu befördernden Gütermengen.

Ganz anders ist das Bild, das uns Japan darbietet. Ich darf mich
hier beziehen auf die Untersuchungen, die ich in meinem Büchlein über
„Die Japaner und ihre wirtschaftliche Entwickelung“*) veröffentlicht
habe. Die seitdem bekannt gewordene Handelsstatistik für 1904 setzt
trotz des Krieges die dort nachgewiesene Bewegung fort, welche Ende
der achtziger Jahre begonnen hatte. Auf die damals wichtigsten 5 Aus-
tuhrartikel, auf Seide, Tee, Reis, Kupfer und Kohle, also Erzeugnisse der
Landwirtschaft und des Bergbaus, kamen in den achtziger Jahren etwa
drei Viertel des ganzen Ausfuhrwertes. Trotz der grossen Zunahme
von Seide, Kupfer und Kohle waren es in den letzten Jahren nicht mehr
die Hälfte (1903: 46 Prozent, 1904: 44 Prozent). Auf die wichtigeren
Naturprodukte (Erzeugnisse der Fischerei, Lebensmittel, Drogen, Öl und
Wachs, Nutzholz) kamen damals 10 bis 11, jetzt 9 Prozent, auf Japan-
waren gar nur 5 und 3V* Prozent der Ausfuhr. Alle die genannten
Dinge zusammen stellten vor 15 Jahren noch neun Zehntel, jetzt nicht
mehr drei Fünftel der absolut ja sehr stark gewachsenen Ausfuhr dar.

') Leipzig, Teubner 1905.
        <pb n="7" />
        ﻿Rathgen: Entwickelungstendenzen im Aussenhandel Chinas und Japans. 953

Die Lücke wird ausgefüllt durch die rapid gewachsene Ausfuhr von Er-
zeugnissen der neu in Japan entstandenen, heute ja so viel erörterten
Industrien. Im Jahre 1889 deckten sie mit gut 5 Milk Yen reichlich
7 Prozent der Ausfuhr, 1904 mit rund 120 Mill. Yen nicht viel weniger
als zwei Fünftel der Ausfuhr. Mit grossen Summen sind allerdings nur
wenige Artikel beteiligt: über ein Drittel der ganzen Summe entfällt
auf Seidengewebe, ein Viertel und mehr auf Baumwollgarne. Von
grösserer Bedeutung sind noch gewisse Baumwollen-Gewebe und Un-
terzeug, ferner Zündhölzer, Matten, Strohborte und neuerdings Zigaret-
ten. Eine grosse Menge anderer Artikel ist durchweg mit ganz kleinen
Zahlen beteiligt.

Ich will auf die ganze Frage der Konkurrenz der japanischen In-
dustrie mit okzidentalischen Erzeugnissen hier nicht eingehen. Über das
Verhältnis zu China ist aber hervorzuheben, dass ein grosser Teil dieser
japanischen Industrieerzeugnisse seinen Markt in China findet, dort aber
bei den wichtigsten Dingen, Baumwollgarne und Zündhölzern, bereits
chinesischer Konkurrenz begegnet.

Das Ergebnis für Japan ist also: Ohne die Entwickelung der japani-
schen Industrie würde zwar die Ausfuhr Japans auch gewachsen sein
(1889—1904 in den alten drei Hauptgruppen von etwa 56 auf mehr als
190 Milk Yen). Die grosse Zunahme aber der Ausfuhr, welche die
Chinas so stark übertroffen hat, und damit die grosse Steigerung der
japanischen Kaufkraft, ist wesentlich die Folge der industriellen Ent-
wickelung Japans.*) Ist doch auch die Zunahme der Kupfer- und
Kohlenausfuhr, in gewissem Sinne auch der Seidenausfuhr, mit hierher
zu rechnen.

Und nun die E i n f u h r. Auch sie hat sich in beiden Ländern ganz
umgestaltet, aber in beiden Ländern in verschiedenem Tempo*) und in
verschiedener Weise. In China stand früher, wie bei der Ausfuhr der
Tee, so bei der Einfuhr das Opium an der Spitze. 1864 40 Prozent,
1888/9 ein Viertel, heute nur noch ein Neuntel des Einfuhrwertes dar-
stellend, ist die Einfuhrmenge sogar absolut gesunken, nicht weil die
Chinesen tugendhafter geworden wären, sondern weil die einheimische
Produktion mehr und mehr den Bedarf deckt; ja in den letzten Jahren
fängt China an, Opium auszuführen (1904: 1 446 000 Tis.)! Für den
Aussenhandel bedeutet das Freiwerden von Kaufkraft für andere Waren.

1888/9

*) Durchschnittliche Ausfuhr	Chinas	522	Mili.	Mk.

Durchschnittliche Ausfuhr	Japans	209	„	„

Durchschnittliche Einfuhr	Chinas	490	„	„

Durchschnittliche Einfuhr	Japans	204	„	„

1903/4	Zunahme

666	Mill.	Mk.	144 Mill.	Mk.

632	„	„	423	„	„

918	„	„	428	„	„

722	„	„	518	„
        <pb n="8" />
        ﻿954

Sektion VII; Die weltwirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands.

Der zweite wichtige Posten sind Baumwollwaren, die seit
15 Jahren ziemlich unverändert zwischen 33 und 40 Prozent der Einfuhr
ausmachen. Das bedeutet absolut eine Verdreifachung des Silberwertes.
Aber Qarne haben sich fast verfünffacht, Gewebe nur reichlich verdop-
pelt. Früher kam auf Garne kaum ein Drittel, heute fast die Hälfte der
ganzen Summe.

Auf alle andern Waren, ausser Opium und Baumwollwaren, kamen
Ende der achtziger Jahre noch nicht zwei Fünftel, 1904 dagegen 54 Pro-
zent. Mit grösseren Summen ragen heute nur Petroleum und Zucker
hervor und nach schlechten Ernten Reis.

Fragen wir uns, welchen wirtschaftlichen Zwecken die Einfuhr
dient, so ist ganz auffallend, dass sie zum weitaus grössten Teil nicht
für die Produktion, sondern für den unmittelbaren Verbrauch erfolgt,
wenn wir von Baumwollgarn absehen. Erst in den letzten Jahren hat
sich das etwas geändert. Aber auch für das Jahr 1904 machen die
Waren, die als Rohstoffe, Halbfabrikate, Maschinen usw. der Produktion
dienen, soweit sie sich aus der mangelhaften chinesischen Statistik aus-
sondern lassen, erst etwa 40 Milk Tis., noch nicht 12 Prozent der Einfuhr,
aus (von Garn immer abgesehen), und darin stecken für 7 Milk Kohlen,
die grösstenteils der fremden Schiffahrt dienen. Eine Stärkung der wirt-
schaftlichen Produktionskraft, d. h. also der Kaufkraft Chinas, findet
also durch seine Einfuhr nur in geringem Umfange statt.

Ganz anders Japan. Ich habe in meinem angeführten Schriftehen
die in der Tabelle III wiedergegebene Scheidung der Einfuhr in Waren,
die dem Verbrauch dienen, durchgeführt bis 1903 und hier bis 1904 fort-
geführt. Das Kriegsjahr 1904 ist natürlich in mancher Beziehung nicht
normal. Die Einführung von Kriegszöllen hat bei manchen Waren zu-
nächst die Einfuhr gesteigert, später gehemmt. Die Einfuhr von Waren
des reinen Luxusbedarfs (z. B. Taschenuhren) hat abgenommen. Die
Einfuhr aus Russisch-Asien und der Mandschurei war natürlich arg ge-
stört (Salzlachs!) *) Ein erheblicher Teil der Einfuhr besteht aus Kriegs-
bedarf, so die grosse Zunahme von Waliser Kohle, Dampfschiffen, Häu-
ten, Leder, Wolldecken, während andere Wollstoffe abnehmen.**)

Die Tabelle V zeigt, dass die der Produktion dienende Einfuhr viel
stärker gestiegen ist, als die dem Verbrauch dienende. Das ist nur die
andere Seite der uns bekannten Erscheinung, dass die Ausfuhr nament-
lich industrieller Erzeugnisse sich so stark vermehrt hat.

*) Bemerkenswert ist die starke Zufuhr von raffiniertem Zucker aus Russland, die
von 150 t auf 1860 t stieg. Russland gibt seinem Zucker Prämien, damit der japanische
Konsument billigeren Zucker bekommt.

**) Der Import für Kriegszwecke ist aber in der Handelsstatistik offenbar nur un-
vollkommen enthalten.
        <pb n="9" />
        ﻿Ratligen: Entwickelungstendenzen im Aussenhandel Chinas und Japans. 955

Wenn unser europäisches Interesse vor allem darin besteht, dass
■wir Fabrikate exportieren, so zeigt die genaue Betrachtung, dass auch
hier die japanische Entwickelung unsern Interessen entspricht. Denn
unter den der Produktion dienenden Dingen ist der Anteil der Fabrikate
grösser als unter den dem Verbrauch dienenden Waren.

Produktionswaren	Verbrauchswaren

überhaupt davon Fabrikate überhaupt davon Fabrikate*)

1903	. 160 Mill. Yen	79 Milk Yen	157 Milk Yen	52 Milk Yen

1904	. 203**) „	„	98 „	„	168 „	„	53 „

Noch in einer andern Beziehung ist der Unterschied von China
und Japan bemerkenswert. Jenes führt Lebens- und Genussmittel aus,
dieses führt sie in wachsendem Masse ein. Die chinesische Landwirt-
schaft liefert in wachsendem Masse Ausfuhrmengen, die japanische
Landwirtschaft deckt den Nahrungsbcdarf des japanischen Volkes nicht
mehr. Am auffälligsten ist das bei dem Hauptnahrungsmittel, dem
Reis. Während in den achtziger Jahren sich eine regelmässige Reis-
ausfuhr entwickelt hatte, ist seit 1897 die Einfuhr regelmässig grösser als
die Ausfuhr (mit alleiniger Ausnahme von 1899). Der Einfuhrüberschuss
hat sich zwischen 100 000 und 840 000 Tonnen (1900 und 1904) bewegt,
dem Werte nach zwischen 5 und 55 Millionen Yen.***) Und dabei ist
die Einfuhr aus Formosa (1902/4: 22 400—68 200 t jährlich) nicht ein-
geschlossen.

Auch sonst wächst die japanische Einfuhr von Lebensmitteln, von
Bohnen, Weizen u. dgl. Am bemerkenswertesten ist, dass Weizenmehl
regelmässig in grösseren Mengen eingeführt wird (1903: 125 500 Tonnen,
1904: 114 850 Tonnen). Allein an Getreide und Hülsenfrüchten, Mehl,
Zucker und Düngemitteln sind 1903 für 111, 1904 für 117 Milk Yen ein-
geführt.

Was bedeutet das? Wenn Japan in wachsendem Masse Lebensmittel
einführen muss, so müssen auch die Inlandspreise sich immer stärker
den Weltmarktpreisen anpassen resp. darüber steigen. Das bedeutet
steigende Kosten der Lebenshaltung, steigende Löhne. Diese Folge

*) Ohne Petroleum und Zucker. Rechnen wir raffinierten Zucker ein, so erhöhen
sich die Zahlen um 6 und 5 Millionen. In den letzten Jahren hat Japan seinen wachsenden
Zuckerbedarf mehr und mehr durch Einfuhr von Rohzucker (aus Formosa und Hinterindien)
gedeckt, was vielleicht mit der neuen Zuckersteuer zusammenhängt.

**) In den Zahlen für 1904 stecken allerdings erhebliche Summen für Waren, die
nicht der wirtschaftlichen Produktion, sondern dem Kriegsverbrauch dienen.

***) Im ersten Halbjahr 1905 war der Wert der Mehreinfuhr von Reis über
38 Millionen Yen. Die hohen Zahlen für 1904 und 1905 hängen natürlich mit dem
Krieg zusammen.
        <pb n="10" />
        ﻿956	Sektion VII: Die weltwirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands.

muss um so mehr eintreten, je mehr überhaupt die Lebenshaltung steigt,
je mehr die in den Städten zusammenströmende ländliche Bevölkerung
von der billigen ländlichen zu der teureren städtischen Ernährung über-
geht, je mehr auch Steuern und Zölle die Lebenshaltung verteuern, was
eine unzweifelhafte Folge des Krieges sein wird.*) Inwieweit
überhaupt eine Änderung der Ernährung der städtischen Bevölkerung
und damit sowohl ihrer Unterhaltungskosten wie ihrer Leistungsfähig-
keit sich anbahnt, das zu erörtern, würde im Augenblick zu weit
führen.**)

IV.

Noch ein Punkt verdient hervorgehoben zu werden: In Japan wie
in China, viel stärker aber in letzterem Lande, hat sich in den letzten
zehn Jahren ein immer grösserer Überschuss der Einfuhrwerte, eine so-
genannte passive Handelsbilanz, herausgestellt. Das ist um
so beachtenswerter, als in derselben Zeit die für ausländische Anleihen
jährlich zu deckenden Zinsverpflichtungen immer grösser, in Japan
allerdings erst durch den gegenwärtigen Krieg erheblich geworden sind.
Die Verpflichtungen Chinas an Zins- und Amortisationszahlungen wer-
den für 1904 auf 45 Mill. Taels, ca. 130 Mill. Mark, geschätzt. Die Zins-
verpflichtungen des japanischen Staates beliefen sich vor dem Kriege
auf höchstens 9 Mill. Yen, jetzt aber auf etwa 46 Millionen, 96 Millionen
Mark. Japan hat vor dem Kriege seinen Einfuhrüberschuss mit dem Erlös
der chinesischen Kriegsentschädigung und mit verhältnismässig unbe-
deutenden Staatsanleihen bezahlt. Das war insofern unbedenklich, als
die Einfuhr zu einem grossen Teile der Stärkung der Produktionskraft
des Landes diente.

In China ist die Lage bedenklicher, da die Verschuldung durch po-
litische Ereignisse (Krieg mit Japan, nordchinesische Wirren) entstanden
ist, der wirtschaftlichen Stärkung des Landes also nicht gedient hat.

Es ist für die zukünftigen Finanz- wie Handelsverhältnisse eine über-
aus wichtige Frage, wie jene Länder ihre Zahlungen balancieren. Denn
zu jenen Zinsverpflichtungen kommt noch der Erwerb ausländischer
Unternehmer im Inlande. Ist das bei Japan bisher nicht sehr erheblich,
so wird es in China immer wichtiger werden. Eisenbahn- und Bergbau-
gesellschaften geben jetzt grosse Summen im Lande aus, erwarten dann
aber entsprechende Gewinne. Ich will auf das Einzelne nicht weiter des

*) Schon 1903 waren die Preise der wichtigsten Lebens- und Genussmittel mehr
als doppelt so hoch, wie Ende der achtziger Jahre, die Löhne 2 bis 3 mal so hoch.

**) Die Zahl der geschlachteten Rinder war 1890: 76 918, 1902: 196 909 (ohne
Formosa).
        <pb n="11" />
        ﻿BaK

Rathgen: Entwickelungstcndenzeu im Aussenkandel Chinas und Japans. 957

Näheren eingehen. Ich will nur hinweisen, dass als Aktiven für jene Län-
der erheblich in Betracht kommen die grossen Ausgaben der Missions-
gesellschaften, dass für Japan der Touristenverkehr immer wichtiger
wird, dass in China die fremden Mächte für Truppen und Kriegsschiffe
grosse Ausgaben machen. Vor allem kommt aber eines in Betracht:
die grossen Summen, welche von Chinesen aus dem Auslande heim-
geschickt oder bei der Rückkehr mitgebracht werden. Das wurde 1903
auf 73 Mill. Taels geschätzt. In Japan schätzt man die entsprechende
Summe um 1901 erst auf 14 Millionen Yen. Aber je mehr die Japaner
sich im Auslande der Erwerbstätigkeit hingeben, um so mehr wird auch
diese Summe wachsen. Ebenso ist es mit der Einnahme aus der japani-
schen Schiffahrt. Alle solche Einnahmen dienen dazu, die Einfuhren
zu bezahlen. Jedenfalls sind aber beide Länder genötigt, ihre wachsen-
den Verpflichtungen vor allem durch Steigerung ihres Exports zu decken.
Als wichtigste Ergebnisse möchte ich also zusammenfassend sagen:

1.	Japans Handel hat viel grössere Fortschritte gemacht als der
Chinas.

2.	Chinas Kaufkraft ist unverhältnismässig gering, infolge seiner ge-
ringeren wirtschaftlichen Entwickelung.

3.	Daraus folgt, dass die wirtschaftliche Entwickelung, wie sie Japan
durchmacht, mehr unsern wirtschaftlichen Interessen entspricht,
als der Zustand Chinas.

4.	Eine grössere Zunahme des chinesischen Aussenhandels ist zu-
nächst nur von der Verbesserung der Verkehrsmittel zu erwarten,
in erster Linie im Yangtse-Becken und im Norden.

5.	Ein starker Aufschwung ist nur von einer grundlegenden Neuord-
nung der Währungsverhältnisse und von einer Umgestaltung des
ganzen Wirtschaftslebens zu erwarten, wie sie in Japan stattgefun-
den hat. Übertriebenen Erwartungen über die Zunahme der Aus-
fuhr nach Ostasien dürfen wir uns für die nächste Zukunft über-
haupt nicht hingeben.

*

*

Tabellen zum Referat

„Entwickelungstendenzen im Aussenhandel Chinas und Japans“

von K. Rathgen.

Goldwert

	des Yen	des Tael		des Yen	des Tael
1888 . .	.	.	3,09 Mk.	4,75 Mk.	1903	.	.		2,68 Mk.
1889	.	.	•	•	•	3,13	„	4,85	„	1904	. .	.	•	•	2,09	„	2,92
1897	. .	•	•	2,09	„	3,03	„
        <pb n="12" />
        ﻿958	Sektion VII: Die weltwirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands.

I.	Wareneinfuhr und Ausfuhr. 1880—1904.

Jahr	J ar Ausfuhr  Mill. Yen	a n  Einfuhr  Mill. Yen	Ch  Ausfuhr  Mill. Tael	i n a  Einfuhr  Mill. Tael
1880	28,4	36,6	77,9	79,3
1881	31,1	31,2	71,5	91,9
1882	37,7	29,4	67,3	77,7
1883	36,3	28,4	70,2	73,6
1884	33,9	29,7	67,1	72,8
1885	37,1	29,4	65,0	88,2
1886	48,9	32,2	77,2	87,5
1887	52,4	44,3	85,9	102,3
1888	65,7	65,5	92,4	124,8
1889	70,1	66,1	96,9	110,9
1890	56,6	81,7	87,1	127,1
1891	79,5	62,9	100,9	134,0
1892	91,1	71,3	102,6	135,1
1893	89,7	88,3	116,6	151,4
1894	113,2	117,5	128,1	162,1
1895	136,1	129,3	143,3	171,7
1896	117,8	171,7	131,1	202,6
1897	163,1	219,3	163,5	202,8
1898	165,8	277,5	159,0	209,6
1899	214,9	220,4	195,8	264,7
1900	204,4	287,3	159,0	211,1
1901	252,3	255,8	169,7	268,3
1902	258,3	271,7	214,2	315,4
1903	289,5	317,1	214,4	326,7
1904	319,3	371,4	239,5	344,1

II.	Hauptposten der Ausfuhr Chinas.

	1888	1889	1903	1904
	Mill. Tael	Mill. Tael	Mill. Tael	Mill. Tael
Ausfuhr überhaupt 		92,4	96,9	214	239
1. Tee		31,1	28,3	26,3	30,7
2. Seide		23,8	28,6	59,3	65,7
3.	Seiden waren	  4.	Chinesische gewerbliche Erzeug-	8,4	7,8	15,0	12,6
nisse:				
Porzellan		0,76	0,64	2,20	1,66
Chinesische Kleidung		2,11	1,71	2,0	1,65
Feuerwerk		1,21	1,21	2,43	2,72
Matten		1,09	1,24	5,20	5,34
Strohbänder		1,99	2,03	4,13	4,50
Papier 			1,65	1,42	3,50	3,77
        <pb n="13" />
        ﻿Ratligen: Entwickelungstendcnzen im Aussenliandel Chinas und Japans. 959

	1888  Mill. Tael	1889  Mill. Tael	1903  Mill. Tael	1904  Mill. Tael
Medizin .	.			0,36	0,31	1,89	1,97
Nudeln	 ...	0,24	0,25	1,18	1,43
5. Rohstoffe ausser Seide:  Bohnen	 .	.	.	0,05	0,11	5,29	2,36
Bohnenkuchen 			?	5,55	4,93
Borsten ...	.	....	?	?	1,99	2,50
Vieh ....	.	....	?	3	2,68	3,12
Baumwolle . .	.			2,23	5,04	13,29	24,81
Hanf	 ...	. .	0,25	0,25	1,72	1,85
Häute		0,92	0,70	4,72	7,14
Obst		0,60	0,58	1,65	1,79
Provisionen		0,58	0,67	2,92	2,10
Eier und Albumin .......	?	?	1,68	1,65
Talg		?	f	1,61	0,97
Felle und Pelze		0,58	0,75	5,55	7,33
Oele ....			0,56	0,45	3,59	4,83
Zucker .......	...	2,48	2,72	0,99	1,35
Tabak 		0,74	0,91	2,03	2,56
Wolle		0,65	0,93	2,73	5,08

III.	Hauptposten der Einfuhr Chinas.

	1888  Mill. Tael	1889  Mill. Tael	1903  Mill. Tael	1904  Mill. Tael
Einfuhr überhaupt		124,8	110,9	327	344
1- Opium		32,3	30,4	43,8	37,1
2. Baumwollwaren		44,4	36,1	128,6	124,1
davon Garn .	.			13,4	12,9	67,4	58,9
Stückgüter		31,0	23,2	61,2	65,1
3. Wollwaren .	.	....	5,1	3,4	4,0	4,2
4. Sonstige Gewebe		 .	0,1	0,1	2,2	3,0
5. Metalle		6,9	6,7	15,3	21,2
davon Eisen, Stahl		2,4	2,2	6,4	5,2
andere		4,5	4,5	2,5	8,7
6. Sonstiges		35,9	33,5	132,8	154,5
davon Kohle . .	.	1,7	2,4	8,5	7,0
Rohbaumwolle . .	1,5	1,2	0,9	1,0
Fischereiprodukte ....	4,3	4,1	7,9	8,6
Mehl		0,6	0,6	2,9	3,6
Zündhölzer ....	1,1	1,1	3,8	4,7
Petroleum ....	2,2	2,9	15,7	27,9
Reis		9,6	6,0	7,7	8,4
Zucker ....	0,7	0,5	16,0	18,3
Eisenbahnmaterial .	.	,	—	—	8,0	6,0
Wein, Bier, Spirituosen		0,3	0,3	1,6	2,1
        <pb n="14" />
        ﻿IV. Hauptposten der Ausfuhr Japans.

	1888  Mill. Yen	1889  Mill. Yen	1903  Mill. Yen	|	1904  Mill. Yen
Ausfuhr überhaupt 	 .	65,7	70,1	289,5	319,3
I. 1. Rohseide		25,9	26,6	74,4	88,7
dazu Abfallseide und Kokons .	.	2,9	2,7	7,0	5,9
2. Tee		6,1	6,2	13,9	12,8
3. Reis		7,4	7,4	5,0	4,7
4. Kupfer		3,5	2,9	14,9	12,9
5. Kohle		3,2	4,3	19,3	14,8
Summe I	49,0	50,1	134,5	139,8
II. 1. Seeprodukte		3,2	3,3	7,0	7,9
2. Sonstige Nahrungsmittel und Getränke		1,0	1,5	6,0	8,9
(Pilze, Ingwer,Erdnüsse, Soya, Sake, Bier)  3. Drogen		1,5	2,2	7,3	7,9
(Kampfer, Schwefel, Münze, Ginseng)  4. Oel uiid Wachs		0,5	0,5	2,4	2,8
(Fischöl, Pflanzenwachs)  5. Nutzholz		0,2	0,2	1,9	3,2
Summe II	6,4	8,7	24,6	30,7
III. Japanwaren		3,8	4,0	9,8	11,6
(Papier, Bronze, Kupfer, Bambus, Fächer, Lack, Porzellan, Wandschirme, Spielzeug)  IV. Erzeugnisse der Textilindustrie Seidengewebe		1,7	2,9	31,5	43,7
Baumwollgarn		—	—	31,4	29,2
Baumwollgewebe		0,2	0,2	8,3	9,6
Andere Gewebe		 .	0,0	0,0	1,5	1,5
Kleidung		0,1	0,2	3,5	4,6
Summe IV	2,0	3,3	76,2	88,6
V. Andere wichtige Industrieer- zeugnisse  Zigaretten		0,0	0,0	2,0	2,5
Zement		—	—	0,6	0,5
Bürsten			?	0,9	0,9
Wanduhren		f	f	0,4	0,5
Glaswaren		0,1	0,0	1,0	1,0
Jinrikisha		0,1	0,0	0,2	0,2
Lampen		?	f	0,5	0,5
Zündhölzer		0,7	1,1	8,5	9,8
Matten		0,1	0,2	4,7	4,9
Strohbänder		0,3	0,1	3,8	5,2
Holzbänder und Späne		—	—	1,3	1,3
Regenschirme		0,1	0,1	1,4	1,4
Summe V	1,5	1,5	25,3	28,7
        <pb n="15" />
        ﻿'

■

V. Einteilung der Einfuhr Japans*)

je nachdem sie dient:

Jahr	A  dem un- mittelbaren Verbrauch	B  der  Produktion	von B waren				
			Eisen und Eisen waren	Maschinen  und  Instrumente	Garne	Spinnstoffe	Drogen, Chemi- kalien, Färb waren
	(in Millionen Yen)						
1875	18,5	8,5	i	i	4	0,4	i
1885	16,6	13	2	1,5	5,4	0,8	1,5
1889	30	36	5,2	5,3	12,9	6,1	3
1895	60	70	10	6	10	26	7
1902	112	160	18,8	11,4	3,3	85,6	13,9
1903	157	, 160	21,9	12,5	3	77,1	14,4
1904	168	203	24,9	14,8	3,8	86,5	13,5

VI. Gesamtverkehr der dem fremden Handel in China geöffneten Plätze

(Millionen Taels).

Jahr	Nordhäfen	Yangtsehäfen	Shanghai-  gebiet	Südhäfen (oh ne Formosa)
1889	53,4	73,5	73,6	135,0
1899	156,3	163,9	155,4	233,4
1903	177,3	226,7	162,3	281,4
1904	173,8	235,5	190,1	283,8

VII. Hauptrichtungen des japanischen Aussenhandels.*)

Jahr			A it s f u h	r nach		
	As  China, Hongkong, Korea, Rus- sisch-Asien	i en  dem  übrigen  Asien	Amerika	Europa	andern  Ländern	zusammen
1873	4,8		42	19,1			28,1
1881	8,1	0,5	11,1	13,3	—	33,0
1889	14,3	1,4	26,1	26,8	1,4	70,0
1902	85,5	15,8	83,8	67,0	6,2	258,3
1903	108,7	18,1	85,7	70,3	6,7	289,5
1904	116,6	18,0	104,6	72,4	7,7	319,3
			Einfuhr aus:			
1873	9,9	—	1,0	17,1	—	28,0
1881	7,5	2,3	1,8	21,6	—	33,2
1889	14,6	8,6	6,2	36,1	0,6	66,1
1902	57,0	66,4	49,2	93,9	5,3	271,7
1903	64,4	104,8	46,8	96,1	5,1	317,1
1904	68,2	114,3	59,0	120,5	9,3	371,4

*) Aus: Karl Rathgen, „Die Japaner und ihre wirtschaftliche Entwickelung“, Leipzig, Teubner 1905.

61
        <pb n="16" />
        ﻿Ratli gen:

Medizin .	.

Nudeln .	.

Rohstoffe au
Bohnen .	.

Bohnenkuchen
Borsten .	.

Vieh .	.	.

Baumwolle .
Hanf .	.	.

Häute .	•

Obst .	.	•

Provisionen .
Eier und Albuir
Talg . • •
Felle und Pelze
Oele .	•	■

Zucker .	.

Tabak .	•

Wolle -	.

Einfuhr überhai

Opium .
Baumwollwa
davon Garn
Stückgüter .
Woll waren
Sonstige Gev
Metalle
davon Eisen, Si
andere .	•

Sonstiges .
davon Kohle
Rohbaumwolle
Fischereiproduk

Mehl .
Zündhölzer
Petroleum
Reis .	■

Zucker .
Eisenbahnmater

Wein, Bie

I denzen im Aussenliandel Chinas und Japans. 959

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■	1-					
			1888	1889	1903	1904
	'	i	Mill. Tael	Mill. Tael	Mill. Tael	Mill. Tael
		3&gt;				
		: • . .	0,36	0,31	1,89	1,97
	'		0,24	0,25	1,18	1,43
WM	s		0,05	0,11	5,29	2,36
			?	}	5,55	4,93
			?	}	1,99	2,50
■			?	}	2,68	3,12
mm			2,23	5,04	13,29	24,81
1			0,25	0,25	1,72	1,85
8	8		0,92	0,70	4,72	7,14
p			0,60	0,58	1,65	1,79
1	r		0,58	0,67	2,92	2,10
		_• • •	?	?	1,68	1,65
■			?	?	1,61	0,97
	r.		0,58	0,75	5,55	7,33
			0,56	0,45	3,59	4,83
mm			2,48	2,72	0,99	1,35
			0,74	0,91	2,03	2,56
mm			0,65	0,93	2,73	5,08
	S-					
ls|e		losten der Einfuhr		Chinas.		
m	i		1888	1889	1903	1904
			Mill. Tael	Mill. Tael	Mill. Tael	Mill. Tael
	■■		124,8	110,9	327	344
			32,3	30,4	43,8	37,1
	§:		44,4	36,1	128,6	124,1
			13,4	12,9	67,4	58,9
			31,0	23,2	61,2	65,1
			5,1	3,4	4,0	4,2
			0,1	0,1	2,2	3,0
	5:	■i -	6,9	6,7	15,3	21,2
:			2,4	2,2	6,4	5,2
			4,5	4,5	2,5	8,7
«:			35,9	33,5	132,8	154,5
			1,7	2,4	8,5	7,0
ü		&gt;;»’ , . .	1,5	1,2	0,9	1,0
			4,3	4,1	7,9	8,6
		°	0,6	0,6	2,9	3,6
3:			1,1	1,1	3,8	4,7
■			2,2	2,9	15,7	27,9
			9,6	6,0	7,7	8,4
			0,7	0,5	16,0	18,3
■	. .		—		8,0	6,0
. . .			0,3	0,3	1,8	2,1
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
